Nr. 170. flbonnementS'Bedingungen: Abonnements> Preis pränumerando: Picrteljährl. 3,Z0 Mr. Mona». 1,10 Mt,. wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagS- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CifAtlnt täaild) außer tilontagi. Vevlinev VolkeSblÄkk. Die TnIert)onS'Gebüf)r beträgt für die fcchsgespaltcne Kolonel» zeile oder deren Raum M Psg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- und Versamnilungs-Anzcigen 30 Pfg. „Aleine ZInreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jede? weitere Wort 5 Pfg. Borte über IL Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adressc- „Soalalilcliisßrat Rrrlln". Zentralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Dcutfcblands. Redaktion: 8«l. 68, Lindenstraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68» Lindenstraeae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die SpradKDfrage im ölterreichüchev Parlament. Aus Wien wird uns geschrieben: Das junge Leben des Parlaments war bereits von einer ernsten Gefahr bedroht, und wenngleich diese durch ein findiges Kompromiß für den Augenblick auch notdürftig beschworen wurde, so bleibt dennoch der Eindruck haften, daß hier die wunde Stelle des neuen Hauses liegt. Die Frage, um die es sich handelt, ist so einfach und doch so kompliziert, daß an ihr auch ein anschauliches Beispiel von den ungewöhnlichen Schwierigkeiten gewonnen wird, die durch die Art des öfter- reichischen Staates hervorgerufen und zur Lösung gestellt werden. Die Frage ist die denkbar einfachste— so einfach, daß sie außerhalb Oesterreichs eigentlich gar nicht begriffen werden kann; es ist die Frage: in welcher Sprache im Parlament gesprochen werden soll, oder richtiger die Frage, ob in einem Parlament nur in einer allen Gliedern verständlichen Sprache gesprochen werden darf. Die Antwort scheint aus der Natur des Parlaments von selber zu entspringen: daß nämlich ein Parlament die Sprache als gemeinsames Ver- ständigungsmittel nicht entbehren kann; und daß in Oesterreich, nach der Sachlage, nur einer Sprache der Charakter eines gemeinsamen Verständigungsmittels zukommt, nämlich der deutschen, das scheint auf den ersten Blick selbst- verständlich. Vom Standpunkte des Parlaments betrachtet ist die Antwort auch selbstverständlich; weniger jedoch ist sie es vom Standpunkte der nicht- deutschen Nationen, denen diese Antwort das herbste Opfer zumutet, das Nationen überhaupt auferlegt »verden kann: in dem Parlamente, das auch das Parlament ihrer eigenen Nation ist, auf den Ursprünge lichen und unmittelbaren Ausdruck ihrer Gedanken zu ver ziehten und sich mit dem Surrogat von Uebersehungen zu begnügen. Je entwickelter und selbstbewußter eine Nation ist, desto peinlicher wird ihr ein solcher Verzicht erscheinen, und desto stärker wird ihr Drang sein, ihm zu entweichen. Da nun unter den nichtdeutschen Nationen in Oesterreich die Tschechen an Zahl und Kultur in erster Reihe stehen, so ist es ganz natürlich und gar nicht so überraschend, wie die ober flächlichen Kritiker inner- und außerhalb Oesterreichs ver meinen, daß die Forderung nach dem vielsprachigen Protokoll vor allem eine tschechische Forderung ist. Die Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses enthält über die Geschäfts- und Verhandlungssprache nicht die geringste Andeutung. Doch ergibt ein seit dem Bestände des öfter- reichischen Konstiwtionalismus ausnahmsloser Brauch folgendes als parlamentarisches Recht: Erstens, daß jeder Abgeordnete in seiner Muttersprache sprechen darf, und zweitens, daß Reden, die nicht in deutscher Sprache gehalten werden, von der Aufnahme ins stenographische Protokoll ausgeschlossen sind. Man kann also in jeder der vielen„österreichischen" Sprachen reden, und man hat auch immer(obwohl früher nur ver- einzelt) in allen gesprochen, aber sie werden als nicht gehalten betrachtet: also weder stenographiert noch vom Präsidenten beachtet, sie kommen nicht ins Pro- tokoll, und die Disziplinargeivalt des Vorsitzenden erreicht sie nicht I Die Frage, ob ein Abgeordneter auch in einer anderen als seiner Muttersprache, in der seiner Nationalität reden dürfe, also etwa ein Deutscher tschechisch, ist nie aktuell geworden, wohl aber die, ob man auch in einer anderen als in den in Oesterreich landesüblichen reden darf: es versuchte nämlich ein russophiler Ruthene in dieser Session eine russische Rede zu halten— mit Be- rufung darauf, daß das Ruthcnische nur ein Zweig, eine Art Dialekt des Großrussentums sei. Doch ließ man sich auf die philologische Untersuchung nicht ein, und der Vorsitzende entzog jenem das Wort. Die Geschäfte des Hauses werden natürlich immer in deutscher Sprache geführt: die Vertreter der Regierung, die Vorsitzenden, die Berichterstatter sprechen ausschließlich deutsch, und die Regierungsvorlagen und Ausschußberichte werden nur in deutscher Sprache vorgebracht. Dagegen hat man Interpellationen auch in„landesüblichen" Sprachen entgegengenommen, doch wurden sie dem Protokoll nur in einer von der Regierung besorgten„authentischen" deutschen Uebcrsetzung einverleibt.— An Protesten gegen diese Uebung hat es natürlich nie gemangelt, und schon im Kremsierer Reichstag ist von slaivischen Abgeordneten das Recht auf ihre Muttersprache betont tvorden. Dennoch waren nichtdeutsche Reden früher Ausnahmefälle, vereinzelte Episoden; die deutsche Verhandlungssprache Ivar die Regel. Wohl pflegten besonders eifrige Nationalisten ihre Reden mit einigen Sätzen in der Muttersprache zu beginnen— gleichsam als Bekräftigung ihres Rechtes—, im übrigen»var die nicht- deutsche Rede höchstens ein Obstruktionsmittel: daß sich ein Redner, den der Präsident in die geschäftsordnungsmäßigen Schranken wies, damit half, daß er sich in die M u t t e r- spräche flüchtete,>vo ihn die Disziplinargeivalt des Präsi- deuten nicht erreichte! Aber schon in den letzten Parlamenten bekamen die nichtdeutschen Reden einen anderen Charakter. zeigte es sich, daß sie nicht bloß Demonstrationen sein wollten— was zur Folge hatte, daß die Forderung nach ihrer Protokollierung immer dringender erhoben wurde. Es ist kein Zufall, daß diese Forderung mit der Ver- allgemeinerung des Wahlrechtes, mit der fünften Kurie anhebt und daß sie sich jetzt, wo das demokratische Wahlrecht das all- gemeine wurde, zu einer ernsten Frage verdichtet hat. Das allgemeine Wahlrecht verändert nämlich nicht bloß die Art der Wählerschaft, sondern auch die der V e r t r e t u n g, der Abgeordneten. So lange das Abgeordnetenhaus das Produkt eines engherzigen WaHlflistems»var, das Wahlrecht also auf dem Zensus beruhte, so lange rekrutierten sich auch die Abgeordneten aus einem beschränkten Kreise,»varen Doktoren und Literaten, Großgrundbesitzer und Geistliche, also Angehörige der sogenannten gebildeten Schichten, die früher der deutschen Sprache»vohl durchwegs mächtig waren. Das allgemeine Wahlrecht demokratisiert aber nicht bloß die Wähler, sondern auch ihre Auslese, die Abgeordneten; heute werden die Abgeordneten keinem beschränkten Jntellektuellcnkreis mehr entnommen, kominen aus der Mitte des Volkes, sind Bauern, Kleinbürger, Arbeiter. Dadurch wird aber das in Frage gestellt,»vas die Voraussetzung der bisherigen Uebung»var: daß alle Abgeordneten deutsch sprechen können, daß sie, »vcnngleich sie auf den oratorischen Schmuck ihrer Rede ver- zichten müssen, iinstande sind, das, was sie sagen »vollen und»vas sie zu sagen haben, in deutscher Sprache zu sagen. So hat also die Tatsache, daß sich die breiten Massen, Bauern so gut wie die Arbeiter, von der Führung durch privilegierte Intellektuelle emanzi- Vierten, die sprachlichen Schwierigkeiten des Parlaments ge- steigert. Die Sprachenfrage des Parlaments ist demnach eine unvermeidliche Folgeerscheinung des sozialen und politischen Aufstiegs der nichtdeutschen Nationen. Daruin ist es»vohl begreiflich, daß trotz aller ihrer Abneigung gegen alles, was nach hohlem Chauvinismus aussieht, die tschechischen Sozialdemokraten die Wortführer dieser For- derung geivorden sind. Die deutschen Bourgeois sind freilich mit der Antwort rasch fertig: Die nichtdeutschen Abgeordneten sollen eben deutsch lernen! Aber diese Antwort ist mehr als billig be- queni. Man hat sich in Europa an die Erscheinung von aus- gezeichneten sozialdemokratischen Rednern so gewöhnt, daß der bürgerlichen Welt die Empfindung dafür verloren ge- gangen ist,»velche Unsuinine geistiger Arbeit und Energie dazu notwendig war, daß sich diese Arbeiter, Söhne von Pro letariern und selbst Proletarier, die nach einer in jedem Be tracht unzulänglichen Volksschulerziehung sofort das harte Leben der Lohnarbeit beginnen mußten, daß sie sich Bildung und Kenntnisse angeeignet haben, die sie befähigen, im Hause der Volksvertretung das Wort zu führen. Von den nicht deutschen Sozialdeinokraten erwartet man aber, daß sie gleich in z»vei Sprachen zu Hause sein sollen— etwas, was den ge- bildetsten Bourgeois selten gelingt! Wo und wann sollen die tschechischen Arbeiter, die polnischen Bauern Deutsch lernen — wohlgemerkt, s 0 erlernen, daß sie im Parlament, das doch in jedem Betracht ein erhöhter Ort ist, deutsch sprechen können, ohne der Beschämung anheiinzufallen, etwas Unzu längliches geleistet zu haben? Tatsächlich befinden sich die nichtdeutschen Abgeordneten, die nicht so glücklich sind, die Kenntnis der deutschen Sprache gleichsam als Erbe mit- erhalten zu haben, in einer überaus prekären Situation. Auch wenn sie Deutsch kennen, wenn ihnen die deutsche Sprache nicht gerade mechanische Schwierigkeiten bereitet(aber es gibt in dem gegenwärtigen Haus vielleicht hundert Abge- ordnete, denen eine deutsche Rede, eine Rede, wie sie eben ein Parlament voraussetzt, große,»venn nicht unbesicgliche Schwierigkeiten bereitet), auch dann ist der Zwang, in einer fremden Sprache reden zu müssen, ein bitterer, drückender Zwang. Immer werden sie um die Möglichkeit betrogen, die Fülle ihrer Begabung zu erweisen, ihr Bestes zu geben, und »vas sie sagen, kann nur die verblaßte U e b e r s e tz u n g der Gedanken sein, die ursprünglich und quellfrisch dem Menschen doch nur in der Muttersprache kommen. Man stelle sich vor, daß man die„Jntelligenzdeutschen" zwingen wollte, franzö- fisch zu sprechen, und zwar nicht etwa ausnahmsweise auf einem internationalen Kongreß, sondern regelmäßig und in dein Parlamente ihres Vaterlandes, also ihrer eigenen Nation. Sie»vürden den Zwang wohl unerträglich finden, »n ihm die Zumutung einer ungebührlichen. Last, das Ver- langen nach einer ganz ungewöhnlichen geistigen Leistung sehen. Und was die gebildetsten deutschen„Intelligenzler" nicht treffen würden, das wird von polnischen Bauern'und tschechischen Arbeitern als selbstverständliche � Leistung erwartet!, Und man stelle sich die Situation so vieler Abgeord- neter vor, die in ihrer Muttersprache glänzende Redner sind, durchaus befähigt, selbst in improvi- sierter Rede die Zuhörer hinzureißen,»md die nun ge- zwüngen werden, entweder zu schweigen oder deutsch zu radebrechen! Danach begreift man schon, daß in dieser an- scheinend so einfachen Frage ein ernstes Problem steckt. Denn auf der anderen Seite ist ein Parlament ohne ein gemeinsames Verständigungsmittel, ohne seine Sprache schlechthin unmöglich. Man kann das österreichische Parla- ment nicht etwa mit dem Schweizer Nationalrat vergleichen, wo— freilich mehr in der Theorie— in drei Sprachen ver- handelt wird; denn in Oesterreich handelt es sich um das Kalls der.Geietzgebllllg eines stoßen.Siagfes und kommen acht Sprachen in Betracht! Ihnen allen im Parlament die gleichen Berechtigungen zu geben, das ist einfach unmöglich, und das Ergebnis käme einer Aufhebung des gemeinsamen Parlaments gleich. Vorläufig ist man über die Schwie- rigkeit mit einem Koinpromiß hinweggekommen: Den nichtdeutschen Abgeordneten ist das Recht eingeräumt»vorden, Anträge und Interpellationen in ihrer Muttersprache einzu- bringen; diese werden fortan im„Urtext" protokolliert, die Uebersetzung nur beigefügt. Um aber die formelle Ein- sprachigkeit des Protokolls zu erhalten, werden Anträge und Interpellationen(das österreichische Abgeordnetenhaus pro- duzicrt ihrer nicht wenig: in 14 Sitzungstagen 214 Initiativ- antrüge und 425 Interpellationen!) in einem gesonderten „Anhang" vereinigt. Bezüglich der Reden aber hat Herr v. Beck, der iinmer noch ein Auskunstsmittel»veiß, folgendes Verfahren ersonnen: Die nichtdeutschen Reden werden zwar nicht vom Stenographenbureau aufgenommen, dagegen läßt er sie von seinen Beamten aufnehmen: sie werden nicht ms stenographische Protokoll eingetragen(dort heißt es nach wie vor: Abgeordneter X hält eine Rede in tschechischer Sprache), aber die halbamtliche„Reichsratskorrespondcn z", die für die Zeitungen die Berichte herstellt und ihre Aufzeich- nungen im Sitzungssaale macht, bringt den gleichen Auszug wie aus deutschen Reden aus uichtdcutschen. Die„Lösung" erweckt zweifellos einen einigermaßen Wunder- lichen Eindruck, und man»nacht sich denn auch über die„Be- gleiter" des Ministerpräsidenten— als solche treten die stenographierenden und übersetzenden Beamten auf— auch weidlich lustig, aber vorläufig ist nicht wahrzunehmen, wie denn der Konflikt zwischen den Notwendigkeiten des Parla- »nents und der Not der nichtdeutschen Nationen anders oder besser zu lösen wäre. Den Konflikt wird, dessen sind wir sicher, die Zeit nicht abschwächen, sondern immer noch verschärfen; denn er fließt aus dem Selbstbewußtsein der nichtdeutschen Nationen, das in der EntWickelung der Zeit nur erstarken wird. Die wahre Lösung liegt auch nicht in mechanischen Hülfsinitteln, sie kann nur erfolgen durch die Verwirklichung der nationalen Autonomie, welche die Nationen unabhängig»nacht und die EntWickelung jeder Nation der eigenen nationalen Kraft über- liefert. Dann wird die Aufgabe des Zcntralparlaments frei- lich ungleich bescheidener werden, dafür wird sie sich ohne Friktionen und ohne den Ballast nationaler Ehrenfragen voll- ziehen können.- f" Mm gegen feinen eigenen Kronzeugen. Die Peterspresse veröffentlichte nach dem Münchener Prozeß einen Brief des Herrn Jahnke, Privatsekretärs des PeterS während seiner Kilimandscharo-Zeit. Dieser Brief, der am 20. Ok- tober 1891 von Jahnke an einen Freund geschrieben wurde, enthielt folgende Stelle: „Es ist prachtvoll,»venu nur nicht das eigene Leven so oft auf der Kippe stände. Wir stehen nämlich mit den GebirgSvölkern nördlich von uns in Todfeindschaft bis aufs Blut, zu der aber die Leute selbst den Anlaß gegeben haben. Auf ihre Macht und den Schrecken, den sie aus die umliegenden Stämme ausüben, pochend, ermordeten sie zuerst Eesandte eines uns befreundeten Stammes. darauf zlvei Boten von uns, nachdem sie ihnen vorher die Augen ausgestochen und die Hände abgehackt hatten. Dies erforderte unbedingt Rache. In den darauf folgenden zwei Gefechten»vurden sie zwar ge- schlagen, aber ein Weißer(Sergeant Schubert)»vurdc nieder- gemacht. Wir dagegen hatten zwei Sultane, vier Sultansöhne und etiva 200 ihrer Soldaten erschossen, teils in ihren Höhlen ver- brannt. Wir erwarten jede Woche einen Ueberfall, und»ver weiß, wie der ausfallen»vird, da unsere Besatzung mit jeder kommenden Post verkleinert wird, um an der Küste ein neues Expeditions- korps zu bilden, da unser altes Expeditionskorps dicht bei Mpapua aufgerieben wurde. Auf unserer Station hier bleiben infolgedessen höchstens 20 Sudanesen und ungefähr 2—3 Weiße, man kann immer auf die letzte Stunde gefaßt sein! Dabei gärt es überall. Ja. ja Wißmann fehlt, dessen Name mehr denn Tausende von Soldaten galt. Mit Nachsicht und Güte iu nichts auszurichten. Gestern haben wir hier einen Schlvarzen wegen nächtlichen Einbruchs und großen Vertrauens» bruchs gehängt. Wir gehen jetzt mit aller möglichen Strenge vor, und das ist das Beste. Daß wir sämtlich alle nur mit geladenem Gewehr im Arme schlafen, ist selbst- verständlich bei diesen Verhältnissen. Wir warten schon Ivochenlang auf Nachricht von der Küste, und bin ich der Ansicht, daß die Postboten einfach ermordet sind, und niemand kann»Visse«, ob Dich dieser Brief erreichen wird." Dieser Brief Jahnkes, des Peterskoinplizen in der Jagodja-Affäre, soll beweisen, daß»vährend der kritischen Zeit, in die die Hängeexekutionen fielen, die Lage am Kilimandscharo eine so äußerst bedrohliche war, daß das Vorgehen des PeterS gegen die Jagodja und Mabruk mindestens V e r st ä n d l i ch gewesen sei. Herr Prof. Dr. G. V 0 l k e n s vom Botanischen Museum in Dahlein-Steglitz, der Verfasser des Buches„Der Kilimandscharo". hat sich nun der dankeliswerten Mühe unterzogen, die Behauptungen des Jahnke-BriefeS durch einen noch klassischeren Zeugen als ab- geschmückte Aufschneidereien entlarve» zu lassen, durch— den Peters selb st! Herr Prof. Volkens schreibt nämlich der„Voss. Ztg.": „Ich stelle diesem Briefe Jahnkes nun zunächst, teilweise wörtlich. Aeuberungen seines Chefs, des Herrn Dr. Peters, aus Verselben Zeit gegenüber, wie sie im amtlichen Kolonialblatt vom Jahre 1891 und 1892 veröffentticht sind. Er berichtet vom 4. August 1891 an den Gouverneur v. Soden(Amtl. Kbl. 1891 S. 457), daß er in der Landschaft Marangu angekommen sei und dort die neue deutsche Station errichten werde.„Mareale, der Sultan von Marangu, ist ein noch junger Mann von gut- , mutigem Wesen, sicherlich intelligenter als der Durchschnittsneger und srei von Bettelhaftigkeit. Er macht einen sehr angenehmen Eindruck."„Derselbe habe", fährt er fort,„29 000 Morgen Land an die kaiserliche Regierung abgetreten. Er berichtet weiter(Amtl. Kbl. 1891, S. 488), daß er am 30. August eine Expedition nach der Landschaft Rombo Mkulia sim Nordosten von Marangu) an- getreten habe, deren Bewohner einer ganz anderen Rasse ils die übrigen Kilimandscharobewohner angehörten und mit diesen seit jeher in Todfeindschaft lebten. Auf der Expedition begleiteten ihn 300 Soldaten der deutsch- freundlichen Sultane Fumba, Malamia, Ma- reale, Bararia und Kinabo als Hülfstruppe, teilweise mit Flinten bewaffnet, welche die Warombo Mkulia geradezu verschmähen." An der Grenze von Kcroa sin Rombo Mkulia gelegen),„wo meine beiden Boten ermordet waren", kommt es am 2. September zu einem Gefecht, in dem der SergeantSchubert als einziger fällt. „Die Eingeborenen versuchten zweimal einen Massenangriff, wurden aber ohne weiteres durch die Salven der Schützenlinie zurückgeworfen. Bis zur Dunkelheit hatten wir bis zu 60 Dörfer verbrannt. Die Gegner hatten eine Reihe von Verlusten, unter denen sich zwei ihrer Sultane, Kalunguli und Kororo, befanden, während wir keinen Mann mehr verloren. Der Zweck der Bestrafung des Landes Keroa war jedenfalls erreicht." Eine neue Bestrafung des bereits totgesagten Kororo findet trotzdem schon drei Wochen später statt, am 27. September. sAmtl. Kbl. 1391 S. 649), als Dr. Peters mit dem englischen Grenzkommissar Batcman an Kcroa vorUber zum äußersten Osten am Kilimandscharo, nach Useri, zieht und dort eine friedliche Bevölkerung vorfindet. Am 11. November 1891, also drei Wochen nach dem Abgange des Jahnke- Briefes und ztveiMonate vor der Hinrichtung der I a g o d j a, schreibt Herr Dr. Peters sAmtl. Kbl. 1892 S. 20): Ich betrachte den Aufbau der Marangu-Station als beendet."„Sie ist so stark befestigt, daß ich sie bei genügender Bewachung und richtiger Verteidigung nicht nur ftir»nein- » e h m b a r, sondern ftir Lanzen, mit denen wir doch hier hauptsächlich zu rechnen haben, fast unangreifbar erachte. Ich bin überzeugt, daß von nun ab die vorgesehene Besahung von 26 Mann für die Sicherheit dieser Stellung genügend ist." Da die Gefahr im Gefecht mit Lanzen vornehmlich darin liegt, daß die Gegner die Schützenlinie überrennen, was durch meine Befestigung pollständig unmöglich gemacht wird, s o können wir einem Angriff auch von Tausenden, sei eS bei Tage, sei es bei Nacht, ruhig entgegen- sehen. Des Nachts wird die Station regelmäßig von drei Posten bewacht." In einem Bericht vom 80. Dezember 1891, also etwa eine Woche vor der Hinrichtung der Jagodja, teilt Herr Dr. Peters mit sAmtl. Kbl. 1892 S. 141), daß er fünf Leute von Marangu zunr Mandscharasee sim Westen) geschickt habe, um von dort Salz- proben zu holen.„Sie haben ihren Auftrag von hier aus in 13, von Kibonoto sder am Kilimandscharo im äußersten Westen ge- legenen Landschaft) in fünf Tagen hin und zurück gemacht. Dies ist zugleich ein Beweis dafür, welchen Wert die nervenschwache Auffassung hat, als müsse man immer Hunderte von Mann als Bedeckung haben, wenn man in Afrika auch nur einige hundert Schritt reisen iv i l l. Diese fünf Leute sind als Abgesandte von mir durch dichte Massen Von Massais gereist und wohlbehalten wieder zurückgekehrt, ob- wohl jeder von ihnen nur etwa zehn Schuß Munition besaß." Weitere Nachrichten des Herrn Dr. Peters, die alle nicht die geringste Besorgnis zum Ausdruck bringen, deren keine irgend etwas vom Tode des Mabruk, der Jagodja und dem Vorgehen wider ihren Schutzherrn Malamia enthält, drehen sich um Gemüse- dau u. dergl. Am 24. Februar 1892 verläßt Herr Dr. Peters den Berg. Ich hebe nun aus seinen vorstehenden eigenen Mitteilungen einige Punkte heraus. Der ganze Kilimandscharo ist während der ganzen Zeit, in der Herr Dr. Peters an ihm weilt, der deutschen Macht gegenüber durchaus friedlich. Eine einzige Ausnahme macht die drei Tage östlich von der Militärstation gelegene Landschaft Rombo Mkulia. Die rassenfremden Bewohner derselben sind Tod- feinde aller übrigen Kilimandscharo-Bewohner: alle Häuptlinge, die in dem Gebiete zwischen der Militärstation und Rombo Mkulia herrschen, helfen Herrn Dr. Peters, sie zu bekriegen. Ich füge hinzu, die Bewohner von Rombo Mkulia, die vorher durch die Sklavenjagden des Häuptlings Mandara von Moschi viel zu leiden gehabt hatten, lassen niemand in ihr Gebiet hinein, sie gehen aber auch niemals aus dem- selben heraus. Sie verschmähen den Gebrauch von Schieß- Waffen und sind viel zu schwach an Mannschaft, um sich als An- S reifer gebärden zu können.— Die deutsche Militärstation Marangu t zur Zeit, als Herr Jahnke seinen Brief schreibt, bereits so fest, daß sie dem Angriff Tausender widerstehen kann, selbst wenn sie nur mit 26 Mann belegt und nachts von drei Mann bewacht wird. Herr Jahnke aber schläft jede Nacht mit dem Gewehr im Arm und fürchtet in jeder Woche eilten lieber- fall. Entweder ist das nicht wahr, was Herr Jahnke schreibt, oder er ist ein jämmerlicher Hasenfuß." Es ist ein besonderes Pech des Peters, seinen wichtigsten Krön- zeugen in amtlichen Schriftstücken selbst widerlegt zu haben I hin epochemachender Sieg der englischen Sozialisten. ■„. 1 London, 21. Juli.(Eig. Ber.) Am 19. Juli fand in der hochindustriellen Talstadt Colne Valley jene Nachwahl zum Parlament statt, die mit dem Stege des Sozialiston Genossen V. G r a y s o n endete. Das Stimmen- Verhältnis dieser Wahl ist folgendes: Grayson 3648, Philip Bright(liberal) 3496, G. Wheler(konservativ) 3227. Bei den letzten allgemeinen Wahlen im Jahre 1906 fand im Eolnetal kein Wahlkampf statt, der Liberale wurde ohne Oppo- sition als Abgeordneter des Kreises erklärt. Es ist jetzt überhaupt erst das zweitomal, daß ein Sozialist in diesem Wahlkreis auf- gestellt war und zwar das erstemal im Jahre 1896 der den deutschen Genossen wohlbekannte Genosse Tom Mann, der bor einigen Jahren nach vielen politischen Enttäuschungen nach Neu- Seeland auswanderte. Damals war das Ergebnis noch folgendes: Sir I. Kitson(liberal) 4276, H. Thomas(konservativ) 3737, Tom Mann 1245 Stimmen.— Bei der Wahl im Jahre 1900 stand außer dem Liberalen nur ein Konservativer im Kampfe und jener wurde mit einer Majorität von 623 Stimmen gewählt. Das Ergebnis der Wahl vom 19. Juli rief in allen politischen Kreisen riesige Ueberraschung hervor, und die große Bedeutung dieser Wahl wird von niemand bestritten. Es ist dies ja schon das zweitemal seit 1906, daß die Arbeiterklasse bei einer Nachwahl den Sieg davonträgt. Im ganzen allerdings hat sie seit den Hauptwahlen bereits an fünf Stellen den Nachwahlkampf auf- genommen, nämlich außer in Jarrow und jetzt in Colne Valley, vorher noch in den hochindustriellen Städten Huddersfield, Cockermouth und Belfast. Auf alle diese Städte schon hatte die llichefterklaffe große Hoffnungen gesetzt, aber Cockermouth wählte konservativ, und in Huddersfield, wo ein tüchtiger So- zialist im Kampfe stand, gewann der Liberale ganz bedeutend an Stimmen! In weiten Kreisen des Liberalismus versuchte man seit damals die 1?ehre zu verbreiten, daß in einem regelrechten Kampfe gegen die Theorien des Sozialismus der Libe- ralismus doch immer als Sieger hervorgehen müsse. Diese ein- fältigen Großprahlereien wurden natürlich von den ein- sichtigen liberalen Führern nicht mitgemacht, die nicht müde wurden, zu erklären: Liberalismus und Arbeiterpartei sei eins. Aber doch wächst das Mißtrauen der Liberalen gegen die er- starkende junge sozialistische Bewegung, die immer machtvoller gegen die Tore des Liberalismus pocht. Schließlich sah man Wohl bei den Liberalen selber ein, daß in Huddersfield anno 1906 der Liberale nicht etwa deshalb gesiegt hatte, weil das arbeitende Volk die Theorie des Sozialismus verwarf, sondern weil die große Masse des Volkes glaubte, die Liberalen, die eben erst ans Ruder gelangt waren, würden ihre Wahlversprechungen einlösen und eine Reformbewegung im großen Stile einleiten. Nun aber, da diese Partei annähernd zwei Jahre die Macht in Händen hat, ist man bereits imstande, eine Bilanz zu ziehen, und die Tatsache, daß die liberale Partei auch in diesem letzten Wahlkampfe eine Niederlage erlitt, beweist, daß die Ar- beiterklasse sich voller Enttäuschung vom Liberalismus zurückzieht und immer mehr zu der Ueberzeugung kommt, daß sie sich als selbständige Klasse organisieren mutz, um den Kampf auf politischem und ökonomischem Gebiete aufzunehmen, eingedenk des Spruches, daß die Befreiung der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiterklasse selbst sein muß! Die Bekanntwerdung des Wahlresultats erzeugte im Par- lament unter den Liberalen, von den Ministern angefangen bis zu dem„gewöhnlichsten" Abgeordneten, eine wahre Panik. Wie der parlamentarische Berichterstatter der„Daily News", der selber liberaler Abgeordneter ist, mitteilte, war man sich allgemein einig darüber, daß die legislativen Mißerfolge der Regierung die Schuld an dem Wahlresultat trage. Der rechte Flügel innerhalb der Regierung verhindere eben jede ernsthafte Reform. Die Nachwahl war übrigens dadurch nötig geworden, daß die liberale Regierung, die ja vorgibt, die Macht der Lords brechen zu wollen, vor einigen Wochen vier neue„liberale" Lords ernannt hat, und einer von diesen Glücklichen ist der frühere langjährige Abgeordnete der Stadt. Denjenigen gegenüber, die da glauben, daß durch Ernennung„liberaler" LordS das Oberhaus etwa einen liberalen Anstrich erhält, sei bemerkt, daß nahezu zwei Drittel aller Lords, die in den letzten hundert Jahren er- nannt wurden, unter einem liberalen Regime zu Lords er- hoben wurden, was nichts an der Tatsache ändern konnte, daß das Oberhaus eine so große Gefahr für die liberale Regierung' bildet!— Vom sozialistischen Standpunkte aus ist diese Wahl deshalb so bedeutungsvoll, weil der Kandidat der Arbeiter ohne alle Um- schweife als revolutionärer S o z i a l i st vor die Wähler trat. Ja noch mehr, er siegte, trotzdem er nicht die offizielle Unterstützung der parlamentarischen Gruppe der Arbeiterpartei hatte. Nach der Konstitution der Arbeiterpartei dürfen die Kan- didaten derselben nämlich nur unter dem Titel„Arbeiter- kandidat" vor ihre Wähler treten. Genosse Grayson wollte aber nicht als..Arbeiterkandidat" fungieren, er trat als revolutionärer Soziali st vor dieselben, und mit Stolz konnte er am Schlüsse des Wahlkampfes darauf hinweisen, daß nur S o z i a l i st e n für ihn gestimmt haben dürften. Dieser Wahlkampf ist jedenfalls ein Beweis dafür, daß sich im englischen Volksgeiste gewaltige Veränderungen vollziehen; er ist gleichzeitig eine Aufforderung an die junge Arbeiterpartei, sowohl innerhalb wie außerhalb des Parlaments die stolze Fahne des Sozialismus zu entfalten. politische Gcbcrficbt Berlin, den 23. Juli 1907. Block-Geschwätz. Dem„entschiedenen" Liberalismus, bisher Freisinn genannt, ist das Mißgeschick widerfahren, von dem stark agrarisch angehauchten und ob seiner„Heiligkeit" übelberufenen nationalliberalen Professor Paaschs seines politischen Opfermutes wegen belobigt zu werden. In einer nationalliberalen Versammlung äußerte sich Herr Paasche über die Entsagungstaktik des Freisinns folgendennaßen: „Wer die Arbeiten im Parlament genauer verfolgt habe, werde zugeben müssen, daß kleine Gegensätze vielfach beiseite gesetzt seien, daß namentlich die beiden linksstehenden Parteien. die freisinnige und deutsche Volkspartei sich alles Ernstes bemüht hätten, mit dem sogenannten Block die Arbeiten durchzuführen. Er müsse es hoch anerkennen und tue dies ausdrücklich und aus vollster Ueberzeugung, daß gerade die Herren vom Freisinn manches Opfer ihrer Ueberzeugung gebracht und Bedenken gegen diese und jene Posten zurückgestellt hätten, nur um nicht an mehr oder minder untergeordneten Fragen die Politik des Blocks zu hindern. Er glaube, die Fühlung zwischen den Liberalen sei eine viel freundschaftlichere und bessere geworden als sie früher war. wo man häufig um Kleinigkeiten zu Zwistig- leiten gekommen sei. Jede Partei müsse dabei ein gewisses Opfer ihrer Ueberzeugung bringen und keine könne sagen, sie wolle ihren Willen durchsetzen: jede müsse etwas nachgeben und man müsse sich auf einer Mittellinie vereinigen. Auch die Konservativen würden nachgeben und von ihren Anschauungen manches opfern . müssen, wenn gemeinsame Arbeit dauernd durchgeführt werden solle." Es sollte den Freisinn denn doch stutzig machen, daß er ein solches Lob so yon einem Nationalliberalen einheinfft, der ebenso gut der freikonservativen Partei angehören könnte. Selbst das „Berliner Tageblatt" empfindet das K o m p r o- mittierende solchen Lobes. Es schreibt: „Diesem Lob der freisinnigen Parteien hat Herr Paasche nach einem anderen Bericht allerdings noch hinzugefügt, daß zur Durchführung der Reichsfinanzreform unbedingt neue Steuern notwendig seien. Man werde zur Deckung der Bedürfnisse auch die breiteren Schichten der Bevölkerung heranziehen müssen; es sei unausführbar, die neuen Lasten lediglich den Wirt- schaftlich stärkeren Schultern aufzuerlegen. Das alte Rezept der Freisinnigen, durch Sparen der Finanzmisere ein Ende zu machen, sei überlebt und unbrauchbar geworden. Danach scheint Herr Paasche die„Mittellinie", für die er so lebhaft schwärmt, etwa in der Richtung der bisherigen natioualliberalcn Politik zu suchen. Wollten die Freisinnigen aber weiter nichts, als in Zukunft nationalliberale Politik machen. dann hätten sie ja gleichnationalliberal wählen können." Trotz dieser Bedenken des Mosseblattes wird der Freisinn auch weiterhin bemüht sein, sich die Anerkennung der Paasche und des Fürsten Bülow zu erwerben! Auch die süddeutschen Volksparteiler haben sich wieder in diversen Reden über die Blockpolitik vernehmen lassen. In der Versammlung der württembergischen Volks- Partei sprachen die Abgeordneten Payer und Konrad Hauß- mann. Payer griff besonders das Zentrum an: „Es habe schwere Opfer gekostet, das Zentrum aus seiner bisherigen Stellung im Reiche zu beseitigen. Man lverde dafür sorgen. daß das Zentrum nicht mehr auf den Bock des BeichSwsgenS zu sitzen komme. Bis jetzt wisse man aller- dings nicht, wer an seiner Stelle den Platz auf dem Bock ein» nehmen werde. Von dem Reichskanzler wisse man, daß er einmal so und einmal so spreche. Daß das Zenttum nicht mehr hinauf komnie, werde die Volkspartei sich etwas kosten lassen, zuviel aber auch nicht." Konrad Haußmann bemerkte zur Blockpolitik: „Man verlange, daß die Volkspartei im Reiche mit dem Block zusammenarbeite, und zwar mit den N a t i o n a l l i b e- r n l e n— das gehe— und mit den Konservativen— das erscheine unmöglich. Der Block bilde ein G e f ä ß, bei dem es einzig und allein auf den Inhalt ankomme, ein Gefäß, das wert sei, zusammengeschlagen zu werden, wenn es einen schlechten Inhalt bekomme. Als eine der vornehmsten Aufgaben des Blocks müsse es bezeichnet werden, dem preußischen Volke das Dreiklass enwahlrecht abschaffen zu helfen. Die Volkspartei werde die Probe der Blockpolitik zunächst mitmachen, schon deshalb, daß man die Volkspartei nicht als den Sündenbock hinstelle. Man werde aber nur mittun, wenn der Block ein Element des Fortschritts werde, andern- falls nicht." Das ist freilich nichts, als das landesübliche unentwegte Phrasengedresche. Der Freisinn sollte doch endlich einsehen, daß die politische Bettgemeinschaft mit den Hintersassen der Oertel, Stöcker und Arendt mindestens ebenso pervers ist, wie eine liberale Paarung mit den Gröber und Hertling I Die Renommisterei von der Verdrängung des Zentrums vom„Bock des Reichswagens" ist so lange eine geradezu lakaienhafte Prahl- hauserei, als die konservativen Kraut- und Schlotjunker den Reichs- wagen kutschieren! Die Drohung, daß die auf dem Rücksitz plazierten Livrierten des Freisinns streiken würden, wenn für sie nicht genügend Trinkgelder abfallen, wirkt durch ihre ewige Wiederholung nur noch mitleiderregend I Auch die tönenden Phrasen des Herrn Haußmann täuschen über die armselige Lakaienrolle des Freisinns einschließlich der süd- deutschen„Demokratie" nicht hinweg. Hat doch das Hauptorgau dieser„Demokratie", die„Franks. Ztg.", erklärt, daß der Freisinn gar nicht damit rechne, daß die Regierung bereits der nächsten Landtagssession einen Wahlrechtsentwurf vorlege! Man will sich mit einem faulen Wechsel auf die Zukunft begnügen. einem bloßen Versprechen, obwohl selbst Herr Payer meinte, daß der Reichskanzler„einmal so und einmal so spreche". Wann endlich wird der Freisinn einmal vom politischen Ge- schwätz zu ernsthaften politischen Taten übergehen? I— Die südwestafrikanische Kolonialarmee. Die Organisation der südwestafrikanischen Schutztruppe, ist jetzt, so lesen wir in der bürgerlichen Presse, vom Oberkommando der Schutztruppen festgelegt worden. Zu- nächst werden alle überzähligen Truppen und die- jenigen Mannschaften, deren Verpflichtungen demnächst ablaufen, in die Heimat mittels Truppentransporten gesandt. Als überzählig werden 3000 Mann zurückgesandt, ferner 2000 Mannschaften, deren Dienstverpflichtung abgelaufen ist. im ganzen müssen also von den am 1. April in der Kolonie an- wesend gewesenen 7160 Mann 5000 Mann zurückgehen, so daß 2100 in der Kolonie bleiben würden. Von diesen 2100 scheiden etwa 400 als Ansiedler noch aus, so daß schließlich nur 1700 als Rest in der Kolonie bleiben. Da die Schutz- truppe vom 1. Oktober d. Js. ab 4999 Mann stark sein soll, müssen also in der Heimat 2300 Mann neu angeworben und in die Kolonie entsandt werden. Die Heimsendung obiger 5000 Mann kann aber nur allmählich erfolgen, da die Stationsbesatzungen, die nach Deutschland zurückkehren sollen, erst abgelöst werden können, wenn die Ersatzmannschaften aus Deutschland ein- getroffen sind. Diese Ablösungen und die Heimsendungen werden noch den ganzen Sommer in Anspruch nehmen. Nach den neuesten Bestimmungen wird sich die Schutz- truppe vom 1. Oktober d. I. zusammensetzen a) aus der sogenannten„fechtenden Truppe", b) aus Etappen. Rück- wärtsverbindungen, Lazaretten und Depots, sowie aus den technischen Truppenkörpern. Die fechtende Truppe besteht aus 3029 Köpfen(179 Offiziere, 2850 Mannschaften). Sie wird gegliedert in 17 Feldkompagnieu, durchschnittlich 129 Mann, 4 Maschinengcwehrsziigen, 3 Feld- und 3 Gebirgsbatterien. Die Infanterie wird 2034, die Artillerie 980 Mann stark sein. Die nichtfechtenden Truppen bestehen aus 2 Piomertrupps (108 Mann), 4 Signalabteilungen(418 Mann), 12 Proviantämtern, 6 Lazaretten. 10 Depots(295 Mann), insgesamt 3988 Mann inklusive fechtender Truppe. Zu dieser Schutztruppe kommt bekanntlich noch eine Polizeitruppe von 1290 Mann I An dem Dislozierungsplan der Schutztruppen ist interessant, daß im Herero-Gebiete nur 777 Mann garnisoniert werden sollen, in dem Gebiet der friedlich ge- bliebenen Damara- und Hottentottenstämme gar nur 169 Mann. Der Rest von mebr als 3000 Mann verteilt sich auf die Besetzung des Ovambo-Landes und des Gebietes der völlig niedergeworfenen und zum größten Teil ausgerotteten kriegerischen Hottentottenstämme. Die ganze Verteilung der Truppe bc- weist, daß die 4000 Mann Schutztruppen nichts anderes sind. als jene Äolonialarmee, die nian seinerzeit bereits in Ostasien zu schaffen gedachte, die man aber nunmehr nach Südwest- afrika verlegt hat.—_ Uebcr die Zentrnmspreffe. „Der Arbeiter", das Verbandsblatt der katho- lischen Arbeitervereine Süddeutschlands, erörtert in seiner letzten Nummer das Thema„Katholische Presse und Arbeite rbewegun g." Das Blatt ist der Meinung, wenn auch die hauptstädtischen Organe der katholischen Presse den Fragen der Sozialpolitik und der Arbeiterbewegung den nötigen Spielraum schenkten, so zöge doch bei vielen Zei- tungen der Provinz das Verständnis für die Forde- rungen der Arbeiterschaft an die bestehende Gesellschaft allzusehr nach einer Seite hin. Darüber könnten Leute, die in ihrer Tätigkeit als Beamte der christlichen Arbeiter- bewcgung auf die Mitarbeit der katholischen Presse an- gewiesen seien, ein gar beweglich Lied singen: „Es gibt immer noch eine ganze Reihe von Zeitungen, deren sozialpolitische Wirksamkeit sich in dem Abdrucke von Vereins- anzeigen, Versammlungsbcrichten und, wenn es hoch geht, einigen Korrespondenzartikeln über allgemeine soziale Themen im Jahre aber erschöpft, um— nur j a nirgends anzii- stoßen. Die Sachen, die aber hier als Neuheit geboten werden, müssen sicherlich schon jahrelang ausgeprobt sein, ehe man sich entschließt, sie der staunenden Welt kundzugeben. Für neue Erscheinungen in der modernen Arbeiter- bewegung ist das Verständnis nicht selten weit unter dem Gefrierpunkt. Wir greifen nur ein paar Momente heraus, als da sind Konsumvereinsbewegung und aus neuester Zeit die Organisation der Dien st- boten und der Landarbeiter. Als wenn man sich fürchten müßte, der Allgemeinheit Tatsachen aus dem Getriebe unseres Wirtschaftslebens vor Augen zu führen, geht man um dieselben herum. Gerade in bezug auf die Dienst. botenprgcmisatiwi uyd die Landsrbeiterfrage geschieht es nicht selten, fick, entweder mit billigen Witzen yinwegzu»! helfen oder an einzelnen Beispielen dem braven Bürger über die Begehrlichkeit der Arbeiter eine Gänsehauts über den Rücken zu zaubern Oeftermch. Wien, 23. Juli. Abgeordnetenhaus. Bei der heute vor- genommenen endgültigen Wahl des Präsidiums wurde So redet ein katholisches Arbeiterblatt, dem es gewiß Weißkirchner mit 311 von 318 abgegebenen gültigen auf diesem Gebiete au Erfahrungen nichts fehlt über die Stimmen zum Präsidenten gewählt. Presse derjenigen Partei, die sich als die einzig wahre Ver- Z a c e k wurde mit 214 von 248 gültigen Stimmen zum tretung des Volkes, insbesondere der Arbeiter anzupreisen I ersten Vizepräsidenten und Starczynski mit 212 von pflegt. Weiter erörtert das Blatt die Frage, woher diese'' rL'-----------•—'■L—-...i-. Einseitigkeit der katholischen Presse kommt. Es nimmt dabei bezug auf einen Artikel der katholischen„Allgemeinen Rund- schau"(München), worin die Rede ist von der Neigung der katholischen Presse, ihre Artikel aus Zeitungskorrespondenzen unbesehen aufzunehmen, weil es an theoretischer Bildung, wie an praktischer Erfahrung fehle. Dann heißt es: „Wober kommt es, daß gerade die sozialdemokratische Presse so viel eigene Arbeit aufweist? Weil viele ihrer Redakteure aus der Schule des praktische» Lebens selbst hervorgegangen sind, weil sie das, worüber sie schreiben, selbst praktisch miterlebt haben." 214 gültigen Stimmen zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. franhmcb. Der beschleunigte Fall. Paris, 21. Juli.(Eig. Ber.) Die radikal-soziale Reaktion macht immer neue Fortschritte. Die Ernennung des Deputierten M a u j a n zum Unterstaats- sekretär des Innern ist geradezu eine antisozialistische arbeiter- feindliche Demonstration des Ministeriums. Maujan ist der Re- Präsentant der dumpfen Kleinbürgerei, des bornierten Arbeiter- Das genannte Arbeiterblatt spricht zum Schluß die Hasses und der Sozialistenfurcht des Krämertums. Er war der Hoffnung aus, daß die Verleger der katholischen Zeitungen| Generalsisimus im Kampfe gegen den wöchentlichen Ruhetag, und moderneren Auffassungen in bezug auf das Wesen der Ar- beiterbewegung zugänglich werden. Das ist leicht gesagt seiner Minierarbeit ist es zuzuschreiben, daß V i v i a n i, der sein Amt mit der feierlichen Erklärung angetreten hatte, der Mi- Nur muß dann der Herr Zentrumsverleger fürchten, daß ihm nister der Sonntagsruhe sein zu wollen, sich schließlich von der die Abonnenten aus den„besseren" Kreisen und vor allen Kammer dazu verpflichten ließ, das Gesetz dem Wunsche der Aus- Dingen die Inserenten wegbleiben. In der bürgerlichen beuter entsprechend zu verschlechtern. Maujan ist auch derjenige. Gesellschaft ist die Zeitung ein Geschäftsunternehmen, das der in seiner Partei am meisten zur Unterstützung aller Gewalt- nach den Wünschen der zahlungsfähigen Kunden geleitet streiche der Regierung beitrug. Aus dem„Radical" hat er ein wird— zum Unterschied von der sozialdemokratischen Presse, ganz ordinäres Scharfmacherblatt gemacht, das die Sozialisten mit die im Dienste einer Bewegung eines Kulturgedankens steht, den einfältigsten Verleumdungen, mit dem Abhub der reaktionären s Sudelküche bombardiert. Maujans Eintritt in das Kabinett ist I also eine unzweideutige Absage an Radikalsozialisten wie „C r �!.• �..... v--a„.. Pelletan und Buisson. die immer noch glaubten, die bür- In der Oberpfalz, wo die christlichen Gewerkschaften die Linke zu einer moralischen Auferstehung, einer ernsthaften Reformpolitik wiedergewinnen zu können. Sicher wäre der neu- Ein christlicher Gemütsmensch. Landarbeiter zu organisieren versuchen, traten diese an einige Guts- besitzer mit einer sehr mäßigen Lohnforderung heran. Von einem! �ne Unterstaatssekretär nicht der Mann, seinem Chef neue er Ugrarchristen trat darauf folgende Antwort ein: Wege aufzuzwingen, aber Clemenceau. der noch in seiner letzten npfienft(h"!? l'i /p« nT großen Kammerrede an die Unterstützung der ganzen Linken satiou zul. er handeln. Ick stehe ebenfalls auf christ-�M'-rt hat und letzt einen Politiker in seinKabinett nimmt der lichem Boden. Gerade so wie Moses die Juden 40 Jahre in nicht nur als wütender Feind der sozialen Reform die Sozialisten, der Wüste herumführte, ehe er in das gelobte Land einzog, so sondern als politischer Reaktionär auch die doktrinären Radikalen fordere ich auch von allen denen, die mir folgen, zu Gegnern hat, das zeigt, daß der Ministerpräsident tatsächlich Hunger, Durst und Entbehrung. Mit den Fännlien, in die Hände Briands abgedankt hat, des providentiellen die mir zum Siege verhelfen, teile ich freiwillig nach altem Mannes der antisozialistischcn Konzentration. deutschem Brauch. Bon den anderen aber verlange ich un- Uebrigens wird der Bankrott des Radikalismus auch in den aiidere�Zukuiift�taal°kaun mich�am Z' �>"-uesten militärischen Ernennungen deutlich. So ist General i...,.....j,.«v, D a v i g n o n, der dazu berufen werden wird, an Stelle des Gene- ""1" Ä-ÄJfÄJÄ«V tommofibieren,-,n«*, durch möglichste Bescheidenheit und durch Verzicht auf den Streik «ine Linderung des Landarbeiterelends zu erreichen hoffen I— Ultramontane Block-Intrigen. Die„Kölnische Volks-Zeitung" schreibt: „Wenn man erst nicht nichr weiß, was konservativ und liberal ist, wenn die innere Politik eines so großen Staatswesens wie die des Deutschen Reiches erst keine bestimmte Färbung mehr hat, wenn namentlich in der Kultur- und Schul- Politik, wo Sozialdemokraten und Liberale eines Sinnes sind, auf dem Verwaltungswege von nun an liberal verfahrenMvird, dann mag die Stunde wohl kommen, wodieRevisionistenleise.leise eingesangen werden können. Ihre Gewinnung scheint ein Bedürfnis der Blockpolitik zu fein. So lange sie fern bleiben, werden auch die um Naumann und vielleicht auch die um HauSmann und die Bayern um Müller (Meiningen) unsichere Kantonisten bleiben. Durch ihren Zutritt dagegen würde der an sich bedeutungslose links- liberale Flügel des Blocks der Zahl nach kräftig und an Talenten reich genug werden, um gegen die Konservativen zu bestehen. Zudem wird der Kaiser über kurz oder lang Erfolge sehe» wollen, Erfolge sowohl des Blocks als des Blocktanzlers; der Sozialdemokratie gegen über ist aber solange nichts erreicht, als sie in sich eins und ge schloffen sich hält. Es ist an dieser Stelle bereits vor einigen Wochen nach. drücklich betont worden, daß die Liberalen allem Anschein nach die Oberschicht der Arbeiter zu sich herüberzu- ziehenhofften und daß das vorsichtigeAuftreten der sozialdemokra tischen Fraktion seit den Wahlen diese Hoffnungen nicht blas als Einbildungen zu be- urteilen erlaubt. Viel schärfer»st noch ins Auge zu fassen, ob nicht der Kanzler mindestens ebenso rechnet wie die Liberalen." DaS Zentrumsblatt beginnt aus Eifersucht auf die zurzeit dem Freisinn lächelnde Regierungsgunst kindisch zu werden. Sie stellt sich, als ob sie an die Möglichkeit eines konservativ-liberal. „revisionistischen" Regierungsblocks glaube. Eine agrarisch. sozialistische Paarung stellte aber einen so namenlosen Wider» sinn dar, daß eine solche Hundstagsidee selbst einem Bülow nicht zuzutrauen wäre. sprochener Anhänger jener Generalstabspartei, die Clemenceau und Picquart noch vor wenigen Jahren mit großartigem Pathos be- kämpften. Im„Matin" erklärt heute Herr Stephane Lau- z a n n e, diese Ernennung mache Clemenceau und Picquart die größte Ehre, wenn sie auch beim„Leichenverein der Menschenrechte" einigen Anstoß erregen werde. In der Tat, die„Intellektuellen" der Liga der Menschenrechte, die zur Zeit des DrehfuShandels als die Hüter und Retter der französischen Ehre präsentiert wurden, gelten den glücklichen Nutznietzern jener Kam- pagne nur noch als lästige Pedanten. Der idealistische Glaube an eine fortschreitende Demokratisierung der ganzen Gesell- schaft, auch der Armee, ist nicht mehr zeitgemäß, wenn der sich ver- schärfende Klassenkampf„freisinnige" und konservative Bourgeois. Börseaner, Kleinbürger und Jndustriefeudale, Atheisten und Kirchengläubige zusammentreibt. Auch die Herren Picquart und Clemenceau gehen mit der Zeit. Vor zehn Jahren galt ihnen als . Soldateska" die Clique der Generalstäbler, heute die Mann- schaften, deren Disziplin nicht stark genug ist, um sie der Füsilie- rung von Vater und Mutter passiv oder gar mittätig assistieren zu lassen. Wegen Clemencenu-Beleidigung gemaßregelt. Paris, 22. Juli.(Eig. Ber.) Genosse Morizet ist vom Justizminister aus dem Staats. dienst entlassen worden. Der Entlassungsgrund ist ein für Clemen- ceau nicht sehr schmeichelhafter Artikel, den der genannte Partei- genösse nach dem Besuch Marcelin Alberts beim Minister in der „Humanite" veröffentlicht hatte. Ilm dieses Motiv zu maskieren. hat man allerdings„berufliche Nachlässigkeiten" vorgeschützt. Aber die nackMeisliche Hinfälligkeit die Beschuldigung, im Zusammen- hang mit der unmittelbaren zeitlichen Aufeinanderfolge von Artikel und Disziplinarverfahren, läßt keinen Zweifel zu. Unter die Pflichten der französischen Beamten ist die Clemenceau- Verehrung offiziell apfgenommen.— Italien. Nasi. li eci u En iuuell. Rom, 23, Juli.(SB. T. B.) Das leitende Komitee der Sache Siziliens mit dem Geschii schuldigten Mannes zu verknüpfen. Eine besondere Eigentümlichkeit des sächsischen Wahl- rechtsgesetzentwnrfs der Regierung besteht darin, daß im Falle seiner Annahme eine ganze Anzahl von Kreisen bei der Verhältniswahl unvertreten bleiben würde. Bekanntlich entscheidet nicht der Umstand, daß ein Kandidat in einem I Rom, 23. Juli. Der Senat, der heute als Staatsgerichts- Hof zusammengetreten war, hat des Exministers Nasi Antrag auf vorläufige Haftentlassung abgelehnt. Amerika. ™£»• 7 TV."Milans, oane.n«anoioatm e.nem Einwanderer gewünscht. Der Kongreß von Costa Rica. Zentral. Wahlkreise d,e Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalt, über Amerika, ermächtigte die Regierung, für die nächsten acht Jahre seine Wahl zum Abgeordneten, sondern es komm auch darauf an. 4g ggv Colones(etwa 80 000 Mark) jährlich zur Förderung der daß er so v.el Stimmen erhalt, um bei der Zuert-.lung der Mandat-! Einwanderung weißer Arbeiter und Landwirte nach Costa Rica � �a" te| auszugeben- Wenn nötig, soll Reisegeld für kräftige Arbeiter mit s o werden,-cr Entwurf sieht nämlich vor, daß Zu- Familien bezahlt werden. Si™°wgebenei, Mittellose Leute fallen da natürlich sofort in wirtschaftliche Mandat? festgestellt wEd. ü� dann dw mit den�öch�en SUmmen- ArbestÄertvoll� machelEsollen�"����"' � � � zahlen gewählten Kandidaten als gewählt erklärt werden. Die mac�n Wahlkreise aber, die aus den Städten Dresden. Leipzig. Chemnitz. Japanische Kommissare sind nach Mexiko. Zentral- und Süd- Plauen und Zwickau und den 27 Amtshauptmannschaften bestehen, amerika gesandt worden, um dort die Verhältnisse zu studieren in sind sehr verschieden groß. So hat z. B. die Amtshauptmannschaft bezug auf Chancen für eine japanische Einwanderung. Infolge Zwickau 34 020 Wahlberechtigte, Zwickau-Stadt aber, das ebenfalls der Lage an der Aestküste der Vereinigten Staaten, wo die einen Wahlkreis bildet, deren nur 8320, Amtshauptmannschaft Jnpaner gehaßt werden, und da das neue Einwanderergesetz(seit Chemnitz 36 400 Wahlberechtigte. Chemnitz-Stadt mit seinen drei dem 1. Juli) den Zustrom von Japanern sehr erschwert, sucht die Wahlkreisen aber nur 20 380. Ebenso ist eS mit Dresden und Regierung des Mikaoo nach anderen Ländern, in die sich die immer Städte dürften bei dem ev. neuen Wahlrecht stärker werdende Auswanderung ungehindert lenken ließe. /"»/■»fi-iftrr» rtnftt»-ff r» v 4 4 n rn> T-i T ,1»£1 /e vr» l, ,, ,, ntvtpt St»*.« I gänzlich ohne Vertretung bleiben, ebenso eine Reihe der kleinen Amtshauptmannschaften, während die großen AmtsHauptman» AuS Hawaii kommen jetzt viele Klagen nach den Vereinigten Schäften in der Hauptsache alle Vertreter zu den Abgeordneten der I Staaten, daß die eingewanderten Japaner immer mehr allen verschiedenen Parteien stellen würden. Handel und Wandel beherrschen und weiße Geschäftsleute wie auch Wie es in der Begründung des Wahlrechtsentwurfes heißt, weiße Arbeiter von den Inseln verdrängen. Noch vor 1ö Jahren hat man aber mit Absicht vom Listenwahlrecht abgesehen, um die Z. B. gab es nur weiße Zimmerer in Honolulu, die 4 Dollar lokalen Interessen, d. h. die Kirchturmsinteressen zu wahren. Bei pro Tag verdienten. Heute zählt di« Zimmerergewerkschaft nur dem„Kommunalwahlrecht", d. h. der Wahl von Abgeordneten durch noch 40 Mitglieder, und kaum ein Dutzend verdient den früheren die Kommunalvertrctungen würden dann ja die Städte und kleinen Lohn. Japanische Zimmerer werden jetzt überall angestenr. So Amtshauptmannschaften auch Abgeordnete bekommen müssen, aber geht es in allen anderen ArheitsLneioen und auch im Geschäfts- von einer eigentlichen Wahl kann dabei wphl kauin die Rede fejn. l leben zu.---» 6ewcrhrcbafrUcbc9s ' Berlin und Vlmgegend. Der Dank des Unternehmertums. Die hoffnungsblassen Plakate des Verbandes der Baugeschäft« an den Anschlagsäulen waren gestern fast überall von vergnügt drein blickenden Bauarbeitern aller Branchen belagert. Die immer neuen Verzweiflungsschreie aus dem Unternehmerlager lassen denn doch gar zu deutlich erkennen, wie es dort aussieht. Am meisten amüsierte es, daß man den Arbeitswilligen dauernde Winterarbeit versprach und dabei weder Arbeitswillige noch wahr- scheinlich für die Zukunft ständige Arbeit hat. Wie es aber mit dem Dank der Unternehmer an die Arbeits. willigen in der Wirklichkeit steht, mag eine Korrespondenz illu- strieren, die uns aus Halle zugeht: Gelegentlich des Bauhandwerkerstreiks, der nunmehr durch Vergleich erledigt worden ist, hatte das Unternehmertum alle möglichen Mittel aufgewendet, um Streikbrecher aus Italien zu bekommen. Ein Streikbrecheragent, der Polier Puchias aus Italien hatte sich dem Maurermeister Günther gegenüber verpflichtet, 25«bessere" Streikbrecher zu liefern. Er will auch mit seiner Kolonne angetreten sein, um die sich die Baumeister in der„Blütezeit des Streiks" gerissen hätten. Herr Günther will aber keins von den nützlichen Elementen, die nach Puchias Behauptung heute arbeitslos auf freiem Felde kampieren, be- kommen haben. Der Dank des Unternehmertums kam darin zum Ausdruck, daß Puchias und seine Gattin, die bei den Streik- blechern in den Baracken„als Kochfrau" wirken sollte, gegen- wärtig hier stellenlos umherlungern. Beide klagen vor dem Ge- Werbegericht gegen Günther wegen Nichteinhaltung. des bis zur Beendigung der Bausaison 190? abgeschlossenen Vertrages. Cha- rakteristisch ist, daß Puchias von den Streikenden überall„schwere Dresche" bekommen haben will und ihm von der Gegenpartei nachgewiesen wird, daß er diesbezüglich geschwindelt hat. Das Streikbrecherpaar sagte schließlich, es wolle sehr bescheiden sein. Er verlangte zunächst nur Lohn für vier Wochen a 42 M. und sie Kostlohn für 15 Wochen ä 15 M. Das Gericht wies das Streikbrecherpaar mit den Forderungen ab und legte ihm auch»och die Kosten zur Last.— Das ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeuaend imme» Böses muh gebären._ Zum Bäckerboykott. Die Bäckermeister haben einen„Sieg" zu verzeichnen, den wir als ehrliche Chronisten vermelden müssen. Die Beschlagnahme der ausgehängten Plakate ist von den Gerichten sanktioniert worden. Die Plakate haben bekanntlich folgenden Wortlaut: 1.«Teile meiner werten Kundschaft mit, daß ich die Forde- rungen der Bäckergesellen bewilligt habe" usw. 2.„Teile meiner werten Kundschaft mit, daß ich Brot und Backware nur aus bewilligten Bäckereien beziehe" usw. Dem kgl. Amtsgericht Berlin Mitte war es überlassen, den tiefgründigen Schluß zu finden, daß dies eine Bekanntmachung sei, die parteipolitischen Zwecken diene und darum nach einem halben Dutzend Paragraphen alter und neuer Gesetze strafbar sei. Die von den Parteigenossen der einzelnen Bezirke verbreiteten Handzettel gegen einige besonders steifnackige Scharfmacher im Bäckerbernf haben die Innungen zur höchsten Wut entbrennen lassen und muß sich ihr Syndikus, Herr Rechtsanwalt Löwe, im Schweiße seines Angesichts abmühen, von den diversen Gerichten einstweilige Verfügungen zu erlangen, die den Vertrauensleuten der Bäcker- gesellen wohl Strafe androhen, aber sonst nichts weiter besagen haben, weil selbstverständlich keiner der Vertrauensleute m ein und demselben Fall gegen eine derartige Verfügung verstoßen wird. Das königl. Amtsgericht Rixdorf scheint den Wert derartiger einstweiliger Verfügungen, die in ähnlich liegenden Fällen im ordentlichen Gerichtsverfahren stets für nichtig erklärt wurden, sehr hoch einzuschätzen. Auf Antrag des Obermeisters der Köpenicker Bäckerinnung, Rößler, beschloß dasselbe, den Genossen Hulitschke in eine Haftstrafe von einer Woche zu nehmen, ivenn er sich noch einmal erlauben sollte, von ihm verantwortlich gezeichnete Flugblätter in Köpenick verbreiten zu lassen. Die Höhe der Strafe ist darum gerechtfertigt Zu dieser Statistik führt Reinke aus: Das wichtigste Re- sultat dieser Statistik sei die für den Beruf bedeutungsvolle Tat- fache, datz bei steigender Bevölkerungsziffer die Zahl der in Gießereien beschäftigten Personen ständig z u r ü ck g cht! Die Ursache sei die fortschreitende Tendenz der Einführung der Zeilengießmaschine und der Monotype. Um diesen Umwälzungsprozctz zu verfolgen, soll schon in 2 Jahren(sonst 6 Jahre) eine Statistik aufgenommen werden. Außerdem sei als � wichtig aus den Verhandlungen vom Sonntag und Montag mit- geteilt. Große Debatten veranlassen die Anträge Offenbach und Hamburg, die die Durchführung der achtstündigen Arbeitszeit mit der ständig steigenden Arbeitslosigkeit begründen. Das Resultat der Debatten ist zwar die prinzipielle Zustimmung zu den Anträgen, aber der Beschlutz auch, datz die Durchführung— die durch all- gemeinen Tarif nicht möglich sei— von den örtlichen Organisa- tionen bei Tarifrevisionen versucht werden solle. Der Bericht der Zentralkommission, von F l a s ch m a n n- Berlin gegeben, bringt für die Allgemeinheit nichts besonderes Interessierendes. In der Debatte nimmt die Austragung von Differenzen zwischen den Filialvertretern von Frankfurt und Offenbach mit der Zentral. kommission einen großen Raum ein. Die Differenzen sind ent- standen anläßlich des Abschlusses der Tarifbewegung in Frankfurt und Offenbach im Jahre 1902. Letzte INaebriebten und Oepe leben, In Brand gesteckt. Posen, 23. Juli.(B. H.) In Ohynow hatte ein Hütemädchcn eine Strohhütte gebaut, um gegen die Unbill der Witterung geschützt zu sein. Während sie in der Hütte schlief, steckten Schuljungen die Hütte in Brand. Das Mädchen starb an den erlittenen Ber, letzungen._ Unglücksfälle in den Bergen. Innsbruck, 23. Juli.(B. H.) Der Techniker Zugbaum auZ Berlin und ein Dr. Christian aus Prag sind vom Habicht abgestürzt. Beendigter Streik. Brüssel, 23. Juli.(B. H.) Der Streik im Hafen von Ant- werpen ist unter für die Arbeiter günstigen Bedingungen beigelegt. Die Zahl der Opfer. New Z)ork, 23. Juli.(B. H.) Ueber die Schiffskatastrophe des Dampfers„Columbia" wird noch nachträglich mitgeteilt, datz die Zahl der Opfer 70—75 beträgt. Die Zahl der geborgenen Passagiere ist 144._ Arbeitcrausstand in Amerika. New Uork, 23. Juli.(B. H.) Auch die Bergleute des Stahl- trustcs sind ausständig, mit den ErzVerladern zusammen 10 990 Arbeiter._ MuIZi1ig�r6:A>.,BekliL s W. HirrzZL Beilagen u.UnterhMuygsblatt SDmaiS!.l9el29fi.: EMWnnM, MMx-MpKpi. Smefaitv.suiattBti |Ir. 170. 24. IahrMg. 1. Itilngc des Jorniiitts" Serlim JolbWntt. Ptoril, 24. In« 1907. 9m das Frauenwal)lreci)t. Genossin Zetkin veröffentlicht in der„Gleichheit" folgenden bemerkenswerten Artikel: Das Frauenwahlrecht steht auf der provisorischen Tagesordnung des Internationalen Sozialistischen Kongresses, der am 18. August tn Stuttgart zusammeutreten wird. Es ist als Verhandlungsgegen. stand für die Erste Internationale Konferenz sozialistischer Frauen vorgesehen, die in Verbindung mit dem Kongreß tagen soll. Wie die Dinge liegen, ist eins klar. Es kann sich dabei nicht um eine bloße prinzipielle Sympathieerklärung und Demonstration für das Frauenwahlrecht handeln. Eine solche würde offene Türen einrennen. Wie der internationale Sozialismus prinzipiell zum Frauenwahlrccht steht, ist seit langem entschieden. Während in den meisten Ländern die bürgerlichen Parteien— auch die radikalsten — die volle politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes mit urvätcrlicher sentimentaler Philistcrweisheit abgetan haben; während sie in ihren Reihen nur vereinzelte Verfechter des höchsten sozialen Frauenrechtes aufweisen, es sei denn, daß sie beginnen, sich für ein beschränktes Damenwahlrecht zu begeistern: haben die sozialistischen Parteien aller Nationen von Anfang an das Bürger- recht des Weibes in ihrem Programm gefordert. Die Forderung wurde auch bereits international bekräftigt. Der zweite Jnter nationale Sozialistenkongreß zu Brüssel sprach sich dank der Jni� tiative unserer Genossin Ihrer in einer Resolution für die volle politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes aus. Es kann daher keineswegs die Aufgabe der Stuttgarter Tagungen sein, den Genossinnen Gelegenheit zu geben, neuerlich theoretisch ein Recht zu begründen, welches zu einer allgemeinen Programmforderung geworden ist, die grundsätzlich von niemand angefochten wird. Um was es geht, das ist die Entfaltung einer kräftigen Aktion allerwärts, welche den prinzipiell anerkannten Anspruch aus der Theorie in die Praxis überzuführen strebt. Gewiß: in dieser Beziehung ist national in einzelnen Ländern gar mancher Vorstoß unternommen worden. Und der erste Schritt wurde getan, um den Kampf für das volle Bürgerrecht des Weib- lichen Geschlechtes international zu entfesseln, ihn überall dort in Fluß zu bringen, wo das Proletariat unter sozialistischer Führung um die Demokratisierung des Wahlrechts ringt. Der Internationale Sozialistische Kongreß zu Amsterdam nahm fast einstimmig eine dahingehende Resolution an, welche die deutsche Delegation getreu dem Mandat des Dresdener Parteitags eingebracht hatte. Jedoch lassen bestimmte Vorgänge eine gründliche Erörterung der Frage und ein entschiedenes weiteres Vorwärts zur Verwirklichung der Forderung nötig erscheinen. Nach Amsterdam hat die schwedische und nach thr die öster reichische Sozialdemokratie getan, was die belgische vor Amsterdam praktiziert hatte: Die Forderung des Frauenwahlrechts wurde aus der Wahlrechtskampagne der betreffenden Länder vorübergehend ausgeschaltet. Außerdem kommen noch andere Erscheinungen in Betracht. In England gewinnt der Kampf um das Frauenwahlrecht immer größere Bedeutung, allein dieser Kampf wird in der Hauptsache um ein beschränktes und nicht um das allgemeine Frauenwahlrecht geführt, und die Sozialisten— in Fraktionen gespalten— stehen ihm in verschiedener Haltung gegenüber. Vor allem aber zeitigt die Verschärfung des Klassenkampfes innerhalb der bürgerlichen Parteien aller Länder Entwickelungstendenzen, welche auf einen Frontwechsel in der Frage de? Frauenwahlrechts hindrängen und ganz besonders eine starke und wachsende Neigung zur Einführung eines beschränkten Frauenwahlrcchts erzeugen. Da gilt es für den internationalen Sozialismus, sich nirgends durch Möglichkeiten überraschen und überrumpeln zu lassen, die über Nacht zu Wirklichkeiten reifen können, ihnen vielmehr weit- schauend zuvorzukommen und dem proletarischen Befreiungskampf nutzbar zu machen. Die Tatsachen, auf die wir verwiesen haben, lassen es aber klar hervortreten: die Sozialdemokratie kann heute die Frage des Frauenwahlrcchts nicht mehr an sich als abstrakte Rechtsforderung erörtern. Sie muß sie vielmehr in ihrem gegenständlichen prakti- scheu Wesen erfassen, in ihren Verknüpfungen und Wechselwirkungen mit der allgemeinen geschichtlichen Situation, ganz besonders aber in ihrem Zusammenhang mit der Emanzipationsbewegung des Proletariats und ihren jeweiligen Phasen. Die grundsätzliche Bc. deutung der Forderung hat dabei nichts zu verlieren, denn sie ist fest in der proletarischen Klassenlage und den Notwendigkeiten des proletarischen Klassenkampfes verankert. Nur wenn man den oben aufgezeigten Zusammenhang festhält, wird verständlich, was sonst unbegreiflich wäre: Daß in mehreren Ländern die Sozialdemokratie aus Wahlrechtskampagnen ihre grundsätzliche Programmforderung voller politischer Gleichbercch- tigung des weiblichen Geschlechtes zurückgezogen hat, ohne für sie gekämpft zu haben; daß in anderen Ländern vereinzelte, aber ein» flußreiche sozialistische Stimmen laut geworden sind, nach denen die Zeit für die Einführung des Frauenwahlrechts überhaupt noch nicht erfüllet ist. Unter welchen Umständen und in welcher Form auch immer die zeitweilige Preisgabe der grundsätzlichen Forderung erfolgt ist: sie wurde mit der höheren Bedeutung gerechtfertigt, welche dem proletarischen Befreiungskampf auch für die volle soziale und mensch- liche Emanzipation des gesamten weiblichen Geschlechtes zukommt. Unbestritten, daß das dauernde Klasieninteresse des Proletariats bor dem Augcnblicksinteresse des weiblichen Geschlechtes geht. Nur bürgerliche Frauenrechtelci mag sich darüber entrüsten, der das Verständnis dafür abgeht, daß die Frauenfrage als Teil der sozialen Frage nur zusammen mit dieser durch die Ueberwindung der kapitalistischen und den Aufbau der sozialistischen Ordnung gelöst werden kann. Aber stimmt auch die aus dem richtigen Vordersatz abgeleitete Schlußfolgerung? Das ist zu prüfen, und �as ist's, was wir an unserem Teile in den vorliegenden Fällen 'bestreiten. Die Auffassung, dah die Forderung des Frauenwahlrechts der tagt werden müsse, weil die mangelnde politische Schulung und Reife großer weiblicher Bevölkerungsmassen die Herrschaft der reaktionären Parteien stärken werde, mithin eine schwere Gefahr für den Vormarsch des kämpfenden Proletariats sei, ist in dem letzten belgischen Wahlrechtsfcldzug mit von Einfluß auf die Haltung der Partei gewesen. Sie zählt in Holland und ander- wärts noch Anhänger. Naheliegend genug begegnet man ihr be- sonders in solchen Ländern und Gegenden, wo der Klerikalismus Trumpf ist, und das Geistesleben der überwiegenden Mehrzahl Frauen bollständig im knechtenden Banne der Geistlichkeit steht. Unseres Dafürhaltens darf sich aber die Sozialdemokratie in dieser Hinficht nicht durch die kurzsichtigen und kurzlebigen Wahl- und Mandatsrechnungen schrecken lassen, welche die bürgcrlich-liberalen Parteien hypnotisieren. Sie lebt nicht wie jene von der Hand in den Mund und faßt soziale Erscheinungen nicht lediglich als ab- geschlossenes, dauerndes Sein auf, sondern in ihrem Wandel. Sie beurteilt daher auch die politische Rückständigkeit des weiblichen Ge- schlechtes und ihre eventuellen reaktionären Folgen in ihrer ge- sthichtlichen Bedingtheit und bleibt eingedenk, dast die nämliche politische Emanzipation, die heute vielleicht vorübergehend!die Reaktion zu stärken vermag— was nicht einmal zweifelsohne ist, siehe den Wahlausfall in Finnland!— morgen schon und auf die Dauer die Sache der Revolution fördern muß. In der Tat: die offen oder verhüllten reaktionären Parteien können nicht mittels des Frauenwahlrechts die Massen beS weiblichen Geschlechtes zum politischen Krampf in die Arena rufen, ohne in der Rolle des Zauberlehrlings Geister zu beschwören, die sie nicht wieder loswerden. Ganz gegen ihren Willen öffnen sie der politischen Agitation, der politischen Aufklärung unter diesen Massen Tür und Tor; legen sie damit Axt und Brecheisen an die leiite Kestuna des„Unverstandes der Massen", blnter der ihre Herr-. schaft sich schutzsuchend verschanzen wollte; bringen sie den Klassen. kämpf zwischen den Damen der Bourgeoisie und den Frauen des Proletariats zur vollen Entfaltung. Die politisch rechtlose und stumpfsinnige Proletarierin läßt sich im Schatten des Beichtstuhles oder beim Klatschen der junkerlichen Peitsche zur Wahlhelferin der reaktionärsten Parteien erniedrigen. Die politisch emanzipierte und aufgeklärte Frau der werktätigen Masse stimmt und arbeitet früher oder später sicher für die Sozialdemokratie. So heilt das Frauen- Wahlrecht die Wunden, die cL jeweilig auch dem revolutionären Proletariat schlagen könnte. eS führt dessen Kämpfen neue, wert- volle Kräfte und Säfte zu. Davon zu schweigen, daß es dem Proletariat wahrlich nickst ansteht, das Frauenwahlrecht genau mit den gleichen Gemeinplätzen abzulehnen, auf die sich die besitzenden Klassen berufen haben und noch berufen, um dem männlichen Proletarier volles Bürgerrecht vorzuenthalten. Freilich: noch andere Gründe sind dafür ins Feld geführt worden, daß in einzelnen Ländern die Sozialdemokratie gegebenen Augenblicks auf den Kampf für das Frauenwahlrecht verzichtet hat. In Belgien und Schweden wurde das Eintreten für die grundsätzliche Forderung der Hoffnung geopfert, dem Wahlrechts- kämpfe liberale Freunde zu gewinnen, ihm gegen reaktionäre Manöver zu sichern und dadurch wenigstens die Eroberung des allgemeinen Männerwahlrechts durchzusetzen. In beiden Fällen hat sich die Hoffnung als trügerisch erwiesen. Die Wahlrechtsreform wurde in Belgien von den Liberalen schnöde wie je verraten, in Schweden scheiterte sie trotz allem an dem zähen Widerstand der Ersten Kammer. Die Besorgnis, durch Verquickung des Ringens um das allgemeine Männcrwahlrecht mit der Vertretung des Frauenwahlrechts den Gegnern willkommenen Anlaß zu bieten, an dem bitteren Ernst de? proletarischen Kampfes zu zweifeln, die Wahlrechtsreform zu verschleppen, womöglich gar bachab zu schicken: veranlaßt- die österreichische Sozialdemokratie, die Forderung zurückzustellen. Aber auch ohne daß diese für die volle politische Gleichberechtigung dcS weiblichen Geschlechtes gekämpft hätte, hat die Reaktion ihre ganze Kraft erschöpft, um die Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts hinauSzutrödeln und dieses selbst nach Möglichkeit zu verunstalten. Sie zwang deshalb das öfter- reichische Proletariat, den aufgenommenen Kampf mit aller Wucht und Schärfe weiterzuführen und schlichlich die revolutionäre Kriegswaffe des Massenstreiks in Bereitschaft zu halten. Kurz, beide feindliche Mächte sind in der Kampagne der Wahlrechtsreform bis an die Grenze des äußersten gegangen. Den drei angeführten Fällen ist ein Zug gemeinsam. Die grundsätzliche Forderung deS Frauenwahlrechts wurde— wie andere Wahlrechtsforderungen noch— zeitweilig hinter Zweck- mäßigkeitsrücksichten zurückgestellt, die sich als gegenstandslos er- wiesen haben. Warum baS? Unserer Meinung nach werden je länger je mehr alle klugen und feinen Berechnungen darüber, welche Selbstbcschränkung der sozialdemokratischen Forderungen, welche politischen Allianzen und parlamentarischen Kombinationen den Widerstand gegen die Demokratisierung des Wahlrechts zu brechen vermögen, durch eine Tatsache über den Haufen geworfen. Wo die besitzenden Klassen vor dem organisierten zielbewußten Proletariat um ihre Klassenherrschaft zu zittern beginnen, da werten sie jede Wahlrechtsreform nur noch im Hinblick auf den Kampf um die politische Macht zwischen der ausbeutenden Minderheit und den ausgebeuteten Massen. Auch in der bescheidensten Wahlrechtsreform wittern sie einen Anfang vom Ende ihrer Herrlichkeit. Solange und soweit es irgend noch in ihrer Kraft steht, setzen sie daher jeder Demokratisierung des Wahlrechtes hartnäckigen Widerstand entgegen, und verschämte und unverschämte Reaktionäre sinken sich dabei immer regelmäßiger brüderlich in die Arme. Was im letzten Grunde über den Erfolg der proletarischen Wahlrechts- kämpfe entscheidet, dag ist folglich keineswegs das Maß und der Charakter der jeweilig erhobenen Forderung, sondern die Macht, welche das Proletariat hinter sich setzen will und kann. Von diesen Gedankengängen geleitet, vermögen wir der Taktik unserer in Frage kommenden Bruderparteien nicht zuzustimmen und sie vor allem nicht— wie wiederholt und in verschiedenen Ländern empfohlen worden ist— als beispielgebend für das Verhalten der Sozial- demokratie zum Frauenwahlrecht anzuerkennen. Unserer Ueberzeugung nach darf die Sozialdemokratie auch nicht in ihren Wahlrcchtskämpfcn ihre grundsätzlichen Forderungen kampflos Gründen der Opportunität aufopfern. Sie darf das zweimal nicht tun, wenn eS sich um einen prinzipiellen Programm- Punkt von so großer, weittragender Bedeutung handelt, wie es die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes, der Hälfte jeder Nation ist; um einen prinzipiellen Programmpunkt, dessen Verteidigung und Verwirklichimg auch im Hinblick auf den prole- tarischen Klassenkampf geboten ist. Grundsatz und Taktik, Theorie und Praxis gehören nicht zwei gegensätzlichen Welten an. Sie sind eine organisch verbundene Einheit, jede Hintansetzung des Prinzips rächt sich daher früher oder später in der Praxis, und eine grundsätzliche Politik ist auf die Dauer die zweckmäßigste. Nicht als Partei der OpportunitätSrücksichten und der kleinen Ein- tagserfolge, wohl aber als konsequente Verfechterin einer grund- sätzlichcn Stellungnahme zu der sozialen Frage und ihren viel- gestaltigen wichtigen Teilproblemcn erfaßt die Sozialdemokratie die breitesten Massen, schlägt sie siegreich ihre großen Schlachten. Ihrer grundsätzlichen Auffassung getreu, muß sie daher auch im Kampfe für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes allen bürgerlichen Parteien samt den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen vorangehen. Das ist nicht minder ein Gebot ihrer geschichtlichen Erkenntnis, daß der Besitz des Wahlrechts für Millionen Frauen zur sozialen LcbenSnotwendigkcit geworden ist, wie ihres Gerechtigkeitssinnes, welcher die Leistungen des Weibes als Berufstätige, Gattin und Mutter nach ihrer sozialen Bedeutung wertet. Das ist vor allem auch ein Gebot des proletarischen Klasscn- interesseS. Je wichtiger die Rolle wird, welche die Frau im gesell- schaftlichen Wirtschaftsleben spielt, je härter die Klasscngcgensätzc aufeinanderstoßen und die Klassenkämpfe verschärfen, um so dringen- der bedarf das Proletariat der Frauen seiner Klasse als organi- siertcr, geschulter Mitstreitcrinuen. Jedoch weder an seinen wirt- schaftlichen noch an seinen politischen Kämpfen vermögen die Prole- tarierinnen in vollem Umfang und mit ganzer Kraft teilzunehmen, so lange sie mit Kindern, Geisteskranken und Ehrlosen gleichgestellt, unbeschränkter politischer Bürgerrechte entbehren. DcS weiteren schafft das Eintreten für das Frauenwahlrccht den proletarischen Wahlrechtskämpfcrn eine breitere Grundlage und Pflanzt inmitten ihres Schlachtgetümmels und des Klassenringcns überhaupt eine Fahne, deren hehre Losung große und begeisterte Heerhaufen neuer Streiterinncn und Streiter wirbt. Es hält— und das dünkt uns besonders wertvoll— die Massen geistig in Atem, zwingt sie, mit alten Anschauungen und Einrichtungen abzurechnen, die durch Jahr- hunderte geheiligt sind, wirkt dadurch im höchsten Maße revolutio- niercnd auf ihr allgemeines persönliches und soziales Bewußtsein zurück, reißt insbesondere die Proletarierinnen aus HoffnungS- und Gedankenlosigkeit empor und wandelt sie aus geduldigen Kreuzesträgerinnen, die jeder sozialen Quacksalberei gläubig nach- laufen, in zielbewußte Kämpferinncn, die sich um die Sozialdeino- kratie scharen. ES treibt mit alledem die geistige und politische Rückständigkcit aus dem letzten und sichersten Schlupfwinkel, in dem sie im Hinterhalt liegt, die kämpfende Gegenwart des Prole- tariats verwüstend, seine Zukunft— das heranwachsende Geschlecht — bedrohend: aus der Familie des werktätigen Volkes. Kurz, es erweist sich als vorzügliches Mittel, die proletarischen Massen ohne Unterschied deS Geschlechtes zu revolutionieren, zu sammeln, zu er- ziehen und damit über die jeweiligen Tageskämpfe und ihre Ziele hinaus die dauernde Vereinigung des Proletariats als Klasse zum Ringen für das Endziel zu fördern. Schließlich schwächt der. Kampf für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes die Gegner der Sozialdemokratie. Er säet Unruhe und Zersplitterung in ibre Reihen, indem er die sozialen Gegensätze zwischen Mann und Frau der besitzenden Klassen sowie der sozialen Gegensätze zwischen den Frauen der ausbeutenden Minderheit und der aus- gebeuteten Massen klar in Erscheinung treten läßt und alle politi- schen Parteien, alle sozialen Gruppen vor die Notwendigkeit stellt, unzweideutig Stellung dazu zu nehmen. So führt das Festhalten, das starke Betonen der grundsätzlichen Forderung sowohl in der Alltagsarbeit wie in Wahlrechtskampagnen zur Stärkung der Macht, zur Steigerung der Stoßkraft der Sozialdemokratie. Die geschichtliche EntWickelung trägt außerdem Tendenzen in ihrem Schoß, welche dem Kampf um das Frauenwahlrecht in allen Ländern eine toachsende praktische Beoeutung verleihen. Die bürgerlichen Parteien werden auf der einen Seite immer mehr zu einer Revision ihrer Anschauungen über das Frauenwahlrecht durch die bürgerliche Frauenbewegung veranlaßt, die der soziale KampfeSausdruck der steigenden äußeren und inneren Lebensnot der bürgerlichen Frauenwelt� ist. Mehr noch geraten sie jedoch auf der anderen Seite ins Gedränge durch das kämpfende Proletariat, das nicht bloß die Reform der bürgerlichen Gesellschaft erstrebt, vielmehr die Ueberwindung der ersteren und die Revolution der letzteren. Der Anblick der anschwellenden proletarischen Hecrhaufen, deren bedrohliche Macht langsam, aber sicher reift, läßt ihnen das beschränkte Frauenwahlrccht als rettenden Ausweg aus der Be- drängnis erscheinen. Die Einführung des beschränkten Frauen- Wahlrechts erlaubt den bürgerlichen Parteien, sich fortschrittlich zu schminken, aber stockreaktionär zu handeln. Es trägt ein demo- kratischcS Mäntelchen, hat aber eine plutokratische Seele. Es ist zwiespältiger Natur. Seinem innersten Wesen nach bedeute eS weit iveniger die erste Stufe zur politischen Gleichberechtigung deS weiblichen Geschlechts, als vielmehr die letzte Stufe der sozialen, der politischen Emanzipation des Besitzes. Es bringt die politische Gleichberechtigung der Besitzer von gleich großem Vermögen, bezw. von gleichen Steuer- stufen. Es mißachtet das Recht der Frau als Per- sönlichkeit und respektiert ihre Macht als Besitzerin von Eigentum. Es verleiht der Frau nicht das Bürgerrecht, weil sie eine Frau, sondern obgleich sie eine Frau ist, nur weil sie als Besitzende auftritt. Was es daher emanzipiert, ist nicht das weibliche Geschlecht, sondern den weiblichen Geldbeutel, daS weibliche Eigentum. Es läßt daher auch die breiten Massen der nichtbesitzenden Frauen nach wie vor politisch rechtlos. DaS be- schränkte Frauenwahlrecht wirkt in der Folge als Plural- Wahlrecht der besitzenden Klassen und stärkt ihre politische Mackit auf Kosten der Besitzlosen, ohne linterschied des Geschlechts. Es erschwert und hindert dadurch den Kampf für die weitere Demo- kratisierung des Wahlrechts, für Reformen überhaupt zugunsten eben dieser Besitzlosen. Und gerade dieser seiner reaktionären Wirkungen halber wird es heutigentags immer häufiger alS KampfeSmaßregel gegen das Proletariat ins Auge gefaßt. Es versteht sich am Rande, daß die Sozialdemokratie daS beschränkte Frauenwahlrecht grundsätzlich mit aller Schärfe be- kämpft. Und zwar dadurch, daß sie ihm die Forderung eines Fraucnrechts entgegenstellt, daS in Prinzip und Praxis tatsächlich die politische Emanzipation des gesamten weiblichen Geschlechtes bedeutet: das allgemeine Frauenwahlrecht. Ob Sozialdemo- kraten im Parlament unter Umständen dennoch für ein be- schränktcs Frauenwahlrccht stimmen können, das hängt davon ab, in welchem Umfange eS etwa auch proletarische Frauenmasscn emanzipiert; dafür ist vor allem ausschlaggebend, ob seine Ein- sühruug den weiteren WahlrcchtSkampf fördert und die sozialen Gegensätze und Konflikte zu schärferer Entfaltung bringt. Möglich, ja gewiß, daß bürgerliche Frauenrechtlerinnen über die cnt- sprechende Stellung der Sozialdemokratie als über„Prinzipien- verrat" zetern. Sei's drum! Nicht wir, sie verraten das Prinzip, indem sie den Anspruch der Frau als Persönlichkeit dem Recht der Ochsen, Esel, Häuser, Taler und Papicrscheine opfern, die bürgerliche Damen ererbt, oder vielleicht auch im Schmutz einer Prostitutionsehe aufgehoben haben. Der Kampf der Sozialdemokratie für das Frauenwahlrecht ist international, er muß jedoch national geführt werden, wie andere Kämpfe de» Proletariats auch. Es bleibt daher eine Binsenwahrheit, daß er nicht nach Schema F geführt werden kann, vielmehr die geschichtlichen Besonderheiten eines jeden Kampfes berücksichtigen muß. In Ländern— wie im Deutschen Reiche—• wo das politische Bürgerrecht der proletarischen Massen überhaupt noch schwächlich und beschränkt ist, scheint der Kampf um die allgemeine Demokratisierung des Wahlrechts als der Strom, welcher das Schifflein des Frauenwahlrechts trägt. In England und anderwärts erachten wir umgekehrt, daß der Kampf um das Frauenwahlrccht den noch unerfüllten allgemeinen proletarischen Wahlrechtsforderungen nutzbar gemacht werden sollte. In anderen Ländern und unter bestimmten Umständen kann sich wiederum der Kämpf um das allgemeine Frauenwahlrecht allein als Notwendig- keit erweisen. Auf verschiedenen Straßen und in verschiedenen Etappen wird das Proletariat auch im Kampf« für das Frauen- Wahlrecht seinem Ziele zumarschieren. Was den.Kampf inter- national eint, daS ist da? Ziel selbst, daS find bestimmte grund- sätzliche Richtlinien, die sich auS dem geschichtlichen Zusammen- hange zwischen Frauenfrage und sozialer Frage ergeben. � Diese Richtlinien zu erörtern und festzulegen wird die vor« nehmste Aufgabe der internationalen Tagungen zu Stuttgart sein. Mittel und Wege zu finden, wie diesen Richtlinien entsprechend die Agitation für daS Frauenwahlrecht kraftvoll betrieben werden kann, daS muß Sache der Sozialdemokratie jeder Nationalität bleiben. Denn wenn irgend etwa?, der internationalen Schabloni- sicrung spottet und die genaueste Beobachtung der geschichtlich ver- schieden gelagerten tatsächlichen Verhältnisse innerhalb der einzelnen Länder fordert, so sind eS die Mittel und Weg« der Agitation. Die deutschen Genossinnen werden der internationalen Frauen- konferenz eine Resolution vorlegen, welche, von den hier cnt- wickelten Gesichtspunkten ausgehend, cnigc grundsätzliche Nicht- Ihnen für den Kampf um das Frauenwahlrccht aufstellt. Wir werden diese Resolution in nächster Nummer veröffentlichen. ES wird die Aufgabe der proletarischen Frauenbewegung in allen Ländern sein, den vom Internationalen Kongreß gezeichneten Richtlinien entsprechend die proletarischen Frauenmaffen zum Ringen für ihr Bürgerrecht zu mobilisieren und sie dauernd dem revolutionären Klassenkampfe des»Proletariats als Miitstreiterinnen einzugliedern, gleichzeitig aber auch als unermüdlich treibende Kraft im sozialdemokratischen Kampfe für die politische Emangi- pation des weiblichen Geschlechtes zu wirken. Wir sind überzeugt, daß beide internationale Beratungen dazu beitragen, den Sieg des Frauenwahlrechtcs und darüber hinaus den Sieg des revo- lutionären Proletariats über die kapitalistische Ordnung vorzn- bereiten. Em der Partei. Zur Berichtiginig zwingt linS noch folgende Auslassung der .Fränk. Tagespost" in Sachen des PreßbiireauS: „Wir können beim besten Willen kein Uiigliick und keine Gefährdung der Partciintercsjen darin erblicken, daß ein Entwurf zur Errichtung eines PreßbnreauS— mit dem vorliegenden sind Ivir übrigens keineswegs einverstanden— zuerst von den Fachmännern beraten und daß dann der Partei ein reiferer Entwurf vorgelegt toird. Vielmehr erscheint nnZ diese Behandlung der Frage allein zweckmäßig und geeignet, den g e s ch ä f t- lichen Gang zu beschleunigen und z>l er- leichtern. Sollte eS in diesen Vorverhandlungen den Gegnern des jetzt veröffentlichten Entwurfs nicht möglich sein, ihren Ve- denken Geltung zu verschaffen, so hätten sie immer noch Gelegen« heit, für ihre Ansichten vor der Entscheidung einzutreten. Das war Wohl auch von vornherein so gedacht. Der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse hat mit seinein Vorgehen den Intentionen der Redakteurkonferenz völlig ent- sprachen. Und es ist uns nicht begreiflich, warum die Redakteure der„Leipziger Bolkszeitung" und des„Vorwärts" nicht damals schon, auf der Zusammenkunft in Berlin, ihre Kritik geändert haben." Wir stellen demgegenüber fest: Es versteht sich ganz von selbst, daß ein der Partei vorzulegender Entwurf vorher von Fachmännern durchzuberaten war. Zu diesemZweck hat sich ja gerade derParteivorstand mit einer Reihe von Redak- teuren in Verbindung gesetzt. Die Tatsache dieser Hinzu- ziehnng von Fachmännern war dem Vorstande des Vereins Arbeiter- presse genau bekannt. Es war also hinreichende Gewähr gegeben, daß der von der Parteileitung der Partei selbst zu unterbreitende Entwurf eine geeignete Unterlage zur Diskussion bieten würde. Die Ansicht der nicht gehörten Parteiredakteure konnte in der mit dem Entwurf des Parteivorstandes sich beschäftigendeu Diskussion selbst genügend zur Geltung kommen. Statt dessen eröffnete der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse ohne Rücksicht auf die Absichten des Parteivorstandes und die für P a r t e i f r a g e n übliche Art der Diskussion die Besprechung eines privaten Entlvurfs in den Mit' teilungen des Vereins Arbeiterpresse. Eine irrige Annahme ist es ferner, daß der Verein Arbeiter' presse mit seinem Vorgehen den Intentionen der Redalteurkoufercnz völlig entsprochen habe. Die Redakteurkonferenz stimmte vielmehr dem Vorschlage des Vorsitzenden zu, dem Parteivorstande die vorbereitenden Schritte zur Schaffung eines Preßbureaus zu überlassen, nachdem der Parteivorstand eS für selbstverständlich erklärt hatte, daß er das Gutachten einer Anzahl Sachverständiger einholen werde. Die Vertreter der„Leipz. Volksztg." und des„Vorwärts" hatten unter diesen Umständen auch keinerlei Veranlassung, eine Kritik an Wünschen zu üben, die damals nur in sehr allgemeiner Form und obendrein keineswegs ü b e r e i n st i nr m e n d geäußert worden waren. Die w i ch t i g st e n der Forderungen des Entwurfs der fünf Genossen, der in den Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse veröffentlicht worden ist, sind nicht in jener Redakteurkonferenz, sondem erst in dem Entwurf selbst erhoben worden._ Schwarzvurg-Sondershausen. Die am Sonntag in Großbreitenbach auf dem Thüringer Wald abgehaltene Kreiskonferenz war von 29 Delegierten und vielen aus den Walddörfern herbeigeeilten Gästen besucht, so daß der Ver- sammlungssaal so besetzt war, wie bei einer stark besuchten Ver- sammlung. Alis dem Bericht der Kreisleitung ist zu bemerken, daß im letzten Jahre fünf neue Vereine gegründet wurden. Die Zahl der organisierten Mitglieder stieg von 612 auf 9 4 4. Die Abonnenten- ziffer der„Tribüne" stieg im Kreise von 842 auf 1983. Im Wahl- kreise hat die Partei 16 Vertreter in Gemeindevertretungen. Bisher wurde die Höhe der Beitragsleistung den einzelnen Orten über- lassen: so kam es, daß pro Monat 19, 16, 29 Pf. gezahlt wurden. Um die Wege zu einer allgemeinen Beitragserhöhung zu bahne», wurde beschlossen, einen einheitlichen Beitrag von 20 Pf. pro Mit- glied und Monat für das neue Geschäftsjahr festzusetzen. Als Kau- didat wurde wieder Genosse Rechtsanwalt Landsberg- Magde- bürg aufgestellt. Derselbe wurde auch als Delegierter zum Parteitag gewählt. Genosse B a u d e r t vertritt den Kreis auf dem inteniatio- nalen Kongreß in Stuttgart._ Sozialistische Gemeindevertreter. Mit dem in voriger Woche in Eppenheim errungenen Siege zählt die sozialdemokratische Partei im 12. badischen Wahlkreise zusammen 82 sozialdemokra- tische Bürgerausschußmitglieder und einen Gemeinderat. Der Kongreß der Scine-Föderation. Paris, 22. Juli.(Eig. Ber.) Die Parteiföderationen rüsten zum Parteitag, der— dem internationalen Kongreß unmittelbar vorangehend— in Nancy tagen wird. Gestern hielt die zweitstärkste Föderation, die des Seine-Departements, ihren Kongreß ab, auf dem namentlich die Gegenstände, die den Stuttgarter Kongreß beschäftigen werden, zur Besprechung kamen. Die Frage des Militarismus rief eine lange, ziemlich verworrene Debatte hervor, die mit der Annahme der bekannten Vaillantschen Resolution vom Kongreß in Limoges endete. Das Stimmenverhältnis war 212 gegen 49. Die Anhänger Hervos brachten für ihre Resolution nur 77 Stimmen auf, gegen 164 ablehnende und 29 Enthaltungen. Zur Kolonialfrage haben die Genossen R o u a n e t und Panl LouiS im Aufwoge des Nationalrats einen Bericht an den Parteitag ausgearbeitet, der die Gleichstellung der Eingcborencnarbeit mit der der Europäer fordert. Die Versammlung einigte sich ans diesen Grundsatz. Der Punkt Partei und Gewerkschaften brachte die Wiederholung der vorjährigen Diskussionen. Doch wurde das freundliche Nebeneinanderarbeiten der Partei und der Arbeitskonföderation und das Zusammenarbeiten mit der Partei an manchen Orten festgestellt. Die angenommene Resolution— eS ist die von der Föderation Eher formulierte— spricht sich für die kombinierte Arbeit der Partei und der Gewerkschaften aus, wobei den Gewerkschaften der General- streik und der Partei die Eroberung der politischen Gewalt als Ziel angewiesen wird. Das Stimmenverhältnis war 199 gegen 69. Der Kongreß behandelte auch die Frage der— in Frankreich ganz allgemeinen— Mitarbeit an der nicht-sozialistischen Presse- Es wurde beschlossen, eS beim bisherigen Zustand zu belassen. Genosse Greulich als Nationalratskandidat. Im zweiten eid- genösfischen Wahlkreis(Ziinchfce und Züricher Oberland) findet am nächsten Sonntag eine Ersatzwahl in den Nationalrat statt, für die Genosse Greulich als sozialdemokratischer Parteikandidat aufgestellt worden ist. Der Wahlkreis hat fünf Vertreter, 1996 erhielt Greulich 3964 Stimmen gegenüber den 3969 bis 9279 Stimmen, mit denen die bürgerlichen Kandidaten gewählt wurden. Seitdem hat die politische und gewerkschaftliche Bewegung in diesem Kreise erhebliche weitere Fortschritte gemacht, so daß jetzt auf einen schönen Erfolg zu rechnen ist. „Arbetaren", das Organ der finnischen Sozialdemokratie schwedischer Sprache, erscheint seit dem 1. Juli d. I. täglich und in vergrößertem Format sechsspaltig gedruckt. Bei dem Umstand, daß in der finnischen Hauptstadt zwei besonders große bürgerliche Tageszeitungen schwedischer Sprache sich in holder Eintracht be- mühen, die Bevölkerung in politischer Blindheit zu erhalten, ist es um so mehr erfreulich, daß nun tagtäglich in derselben Sprache gründliche Aufklärung über die politischen und sozialen Verhältnisse verbreitet werden kann.„Arbetaren" hat es bis jetzt auf 3609 Abonnenten gebracht, während das in finnischer Sprache erscheinende Hauptorgan der Sozialdemokratie„TyömieS" schon 27 099 Abonnenten zählt. Die schwedische Arbeiterschaft Finnlands wird nun ohne Zweifel eifrig bemüht sein, daß auch i h r Organ mehr und inehr Leser gewinnt. So hohe Abonnentenzahleu wie die sozialdemokratischen Organe finnischer Sprache kann ja aller- dings die schwedische sozialdemokratische Presse Finnlands nicht erreichen. Spricht doch nur ungefähr ein Achtel der Bevölkerung schwedisch. Die japaiiischc» Sozialisten verfügen jetzt wieder über ein Wochenblatt, die„Socialist Weekly", herausgegeben von den Genossen Katayaina und Nishikawa. Wie lange dieses sich seines Daseins erfreuen wird, das weiß nur die japanische Polizei. Die letzte täglich erscheinende sozialdemokratische Zeitung existierte vom 16. Januar bis zum 14. April. Drei ihrer Redakteure sitzen jetzt noch im Gefängnis. Außerdem ist gegen 24 Genossen wegen politischer Vergehen Anklage erhoben, elf von ihnen sitzen in Unter- suchnngShaft. Trotz all dieser Verfolgungen gehen, wie das neue Parteiorgan mitteilt, die Wogen der sozialistischen Belvegung immer höher; der japanischen Regierung geht es wie einigen ihrer euro- päischcn Vorbilder, die der sozialistischen Bewegung auch durch unaufhörliche Verfolgung die besten Dienste leisteten. Auch die Streiks werden immer zahlreicher, obwohl man gegen Streikende mit den strengsten Strafen vorgeht. Gaziales. Aus einer Produktivgenossenschaft. Die Genossenschaft für Fabrikation von Arbeiterfußbekleidung in Ronncbnrg-Friedrichshcide hielt am Dienstag ihre diesjährige Generalversammlung ab. Auf dieser erstattete der stellvertretende Geschäftsführer Genosse Felix Bramme folgenden interessanten Bericht über die ersten 11 Monate des verflossenen zweiten Ge- schäftsjahres. Bis Ende Juni sind über 78 999 M. umgesetzt worden, mit Juli können es gegen 84 999 M. sein. Das ist mehr als das Doppelte im ersten Geschäftsjahre. Man könne mit der EntWickelung immerhin zufrieden sein. Ein großer Fehler für die Genossenschaft sei der Schallersche Streik in Schmölln ge- Wesen. Damals— im November— ist die Genossenschaft mit Auf trägen überschüttet worden. Man habe Erweiterungen borge- nommen, mit denen dann die normale EntWickelung nicht Stand hielt. Deshalb sei jetzt ein ziemlich erhebliches Warenlager vor- Händen. Doch hoffe er trotzdem die schwierige Situation zu über- stehen, denn nach 2 Monaten beginne die Saison wieder. Huö Induftnc und FtendcU Erutcnussichten in Preußen. Der Stand ber Saaten hat sich seit Juni in Preußen etwas gebessert. Um die Mitte Juli war der Stand der Saaten, Ivenn 2 gut, 3 mittel, 4 gering bedeutet: Winterweizen 3,9(Vormonat 3,2), Sommerweizen 2,4(2,6), Winterspelz 2,6(2,6), Winterrogen 2,7(2,8), Sommerrogen 2,6(2,7), Sommergerste 2,3(2,4), Hafer 2,3(2,4), Erbsen 2,3(2,6), Ackerbohnen 2.3(2.6). Wicken 2,3(2.6), Kartoffeln 2,6(2,6), Zuckerrüben 2,6(2,6), Winterraps und Rübsen 3,4(3,6), Flachs 2.6(2,7), Klee 3.3(3.4), Luzerne 3.0(3,1), Rieselwiesen 2,7 (2,7), andere Wiesen 3.9(3,1). In den Bemerkungen der„Statistischen Korrespondenz" heißt es: Die Heftigkeit der mehrfachen wolkenbruchartigen, von Sturm gepeitschten Regengüsse hat das Getreide in großem Umfange zum Lagern gebracht und auf manchen Feldern Windbruch verursacht. Auch hatten die Gewitter in einigen Strichen schädigenden Hagel im Gefolge; es kann jedoch nicht gesagt werden, daß die Berichte hierüber ungewöhnlich zahlreich seien, lieber tierische Schädlinge liegen verhältnismäßig wenig Nachrichten vor. umsomehr aber über massenhaftes Auftreten von Unkraut aller Art. dessen Beseitigung durch die Nässe sehr verzögert wird. Von den Winterhalnw flüchten hat der Weizen seine dünne Bestockung Verhältnis mäßig am meisten aufgebessert. Der Spelz und der Roggen, deren Befund schon im Vormonat nicht ungünstig war, konnten sich mit weniger Gewinn begnügen. Beim Roggen wird der dünne Stand durch kräftigen Halm und große, volle Nehren als aus- geglichen erachtet. Die Ernteaussichten hätten also sowohl hinsichtlich des Kornes wie des Strohes zu den besten Hoffnungen berechtigt, wenn nicht die umfangreiche Lagerung eine Beein- trächtigung der Körnerbildung und bei dem mangelnden Sonnen- schein wohl auch der Ausreifung sowie ein Auswachsen befürchten ließe. Mit dem Mähen ist in den meisten Gebieten noch nicht begonnen worden; infolge des stürmischen Wetters mit häufig vor- kommender Wirbellagerung wird das Mähen viel Arbeitslohn er- fordern, weil die Maschine nicht benutzt werden kann. Von der Winterung ist hauptsächlich der Weizen, weniger der Roggen' mit Rost befallen. Die Sommerhalm- und die Hülsenfrüchte haben sich zu- friedenstellend weiter entwickelt; Sommerweizen und-Roggen sind vielfach durch Windbruch geschädigt. Bei den Frühkartoffeln hat sich die Fäulnis weiter verbreitet, außerdem tritt in vielen Gegenden die Kräuselkrankheit auf. Bei Klee und Luzerne ird, nachdem der erste Schnitt zum beträchtlichen Teil nur als Dung zu verwerten war, auch beim zweiten Schnitt nicht viel erwartet. Aehnlich ist die Lage bei den Wiesen. Zur Lage ber Klcineisenindustrie. Die Lage der Kleineisenindustrie ist in der letzten Zeit mehr- fach als ziemlich unbefriedigend geschildert worden. Doch gibt es auch Bezirke und Zweige des Kleineisengewerbes, in denen die Lage von ihrer bisherigen hohen Gunst noch nichts eingebüßt hat. Wie der„Arbeitsmarkt-Corr." schreibt, ist jetzt die gesamte Kleineisen- industrie noch gut beschäftigt, und auch für die nächsten Monate liegen meistens so viele Aufträge vor, daß mit einem Abflauen nicht gerechnet zu werden braucht. In manchen Branchen sind sogar mehr Aufträge vorhanden, als zu bewältigen sind. Eine allgemein sehr flotte Beschäftigung ist zunächst in den Feilenhauereien fest- zustellen. In diesem Zweig der Kleineisenindustrie mußten den Arbeitern auch schon manche Lohnaufbesserungen gemacht werden. Zu einem guten Teil stammen die vorliegenden Aufträge vom Aus- land. Auch die Herstellung von Hackmessern, Wiegemessern, Sägen, Beilen, Acxten und ähnlichem Handwerkszeug und Küchcngebrauchs- gegenständen verfügt über einen befriedigenden Auftragsbestand. Zufriedenstellend sind die Betriebe beschäftigt, in denen Schraub- stöcke und Ambosse hergestellt werden. Ganz besonders günstig sind die Veschäftigungsverhältnisse noch in der Fabrikation von Nieten, Schrauben und Muttern. Das Nietengewerbe profitiert sehr viel aus dem flotten Geschäftsgang auf den Schiffswerften und in den Kesselschmiedereien und der günstige Stand in der Herstellung von Schrauben ist in erster Linie eine Folge der guten Geschäftslage in den Lokomotiv- und Waggonfabriken und den Eisenkonstruktions- ctablissementS. Wie im Geschäftsbetrieb der Feilenhauereien hat sich auch in der Schraubenfabrikation daS Exportgeschäft gut ent- wickelt und es werden vom Ausland noch weitere Aufträge er- wartet, außerdem wird in der Fabrikation von Schrauben mit größeren Lieferungen der deutschen Eisenbahnverwaltungen ge- rechnet. Ebenso muß die Beschäftigung bei der Herstellung von Schlössern, Riegeln, Scharnieren und dergleichen noch als günstig angesehen werden. �_ Japan? Handelsflotte. Nach dem Bericht des amerikanischen Generalkonsuls in Foko- Haina hat in den letzten Jahren die japanische Handelsflotte in der chinesischen Küsten- und Binnenschiffahrt alle ihre Konkurrenten geschlagen. Trotzdem die Frachtraten kaum die Hälfte der vor dem Kriege betragen, wächst doch die Zahl der großen Schiffe beständig. Die Werften in Kobe, Nagasaki und Uraga haben für 60 000 Tonnen in Arbeit und für weitere 69 999 Tonnen Kontrakte. Hinzukommen werden demnächst noch mehrere große Dampfer der Nippon Kiscn Kaisha keiner Vereinigung von Reedern, die nicht zu den drei großen Reedereien gehören), und sechs der Nippon Ollsen Kaisha von je 8999 Tonne», die in Nagasaki und Kobe gebaut werden und eine regesinäßige Fahrt nach New York ühpr Spez unterhalten sollen.'__« y Sie iMaffäre lau vor den Karlsruher Schwurgericht. Am DienStag früh gegen 2 Uhr bejahten, wie wir in einem Teil unserer gestrigen?luflage bereits melden konnten, die Ge- schlvorcnen nach einstündiger Beratung die dahin gerichteten Schuld- fragen: 1. Ist der Rechtsanwalt Karl Hau aus Groß-Lüttgen schuldig, am 6. November v. I. kurz nach 6 Uhr abends in Badcn-Baden in der Kaiser Wilhelmstraße seine Schwiegermutter, die Medizinal- ratswitwe Molitor vorsätzlich getötet zp haben? Im Falle der Bejahung zu Frage 1 2. Ist der Rechtsanwalt Karl Hau schuldig, die Tötung mit Ucberlegung ausgeführt zu haben? Hau wurde darauf wegen Mordes zum Tode ver- urteilt. Gegen dieses Urteil ist Revision angemeldet. In der Rebisions- instauz kann im ivesentlichen nur Verletzung prozessualer Rechts- normen Erfolg haben. Dieser Erfolg wird kaum ausbleiben, weil eine Reihe schwerer prozessualer Verstöße vorgefallen sind. So ist, um nur einige Punkte hervorzuheben, der Antrag des Verteidigers, den eigenartigen Zeugen Lenck, den früheren Zellengenossen des Hau, dem Zeugniszwangsverfahren zu unterwerfen, abgelehnt. Ferner hatte der Vorsitzende vor Beginn des letzten Verhandlungstages eine einstündige Unterredung mit dem Angeklagten. Weiter ist der wiederholte Antrag des Verteidigers um Schutz gegen Uebergriffe des Staatsanwalts abgelehnt, weil der Staatsanwalt der Sitzungs- Polizei des Lorsitzenden oder des Gerichts nicht unterliege. Endlich sei erwähnt, daß auch die eigenartige durch die Staatsanwaltschaft in der bürgerlichen Presse bor der Verhandlung erfolgte Ver- breitung von einem angeblichen Geständnis des Hau möglicherweise einen Revisionsangriff darbietet. Wiewohl wir nach unseren früheren Darlegungen die erfolgte Verurteilung für eine gerechte halten, wünschen»vir der Revision Erfolg, weil unbedingt, auch lvenn eS sich nicht um einen Prozeß ivegen einer nnt dein Tode bedrohten Handlung dreht, die Rechts- sicherheit erheischt, daß dem Angeklagten gegenüber die Vorschriften des formellen Rechts auf's p e i n l i ch st e innegehalten werden. Sie enthalten die einzigen, noch dazu in Deutschland völlig un- genügenden Garantien für eine gerechte Rechtsprechung. Der Prozeß hat in allen Stadien die völlige Unzulänglichkeit, ja Gemeingefährlichkeit der staatsanwaltlichen Institution als Herrin des Strafprozesses wieder einmal gezeigt. Trotz achtmonatlicher Vor- Untersuchung, die völlig in den Händen des Staatsanwalts, beziehent- lich des unter dem Namen Untersuchungsrichter als Staatsanwalts- gehiilfe fungierenden Untersuchungsrichters unter Behinderung der Verteidigung des Angeklagten in Deutschland liegt, ist von der nnt so großer Machtfülle ausgestatteten Anklagebchörde nicht gründlich ermittelt, iver am Tatorte war. Einseitig ist die Spur, die auf Hau als Mörder führte, verfolgt. War auch die verfolgte Spur unserer Ueberzcngung nach die richtige, so durfte eine objeklive Untersuchung nicht unterlassen, alle Möglichkeiten mit penibelster Sorgfall zu erwägen und zu verfolgen. Dieselbe Oberflächlichkeit, soweit aus der Verhandlung ein Rückschluß gestattet ist, be« herrschte daS gesamte Vorverfahren und wird es st c t s beherrschen, so lange fast unbeschränkter Herr des ErmittelungSverfahrens die Staats- anwaltschaft nebst ihren Organen ist. Ter fast jeder Verteidigung im Ermittelungsverfahren beraubte Angeschuldigte wird— auch wenn er noch so schuldlos— durch diese vom Gesetz statuierte Einseitigkeit de? Vorverfahrens zuin Verdächtigen. Dieser unhaltbare Zustand kann nicht nur leicht dazuführen, Unschuldige zur Verurteilung zu bringen, sondern auch Schuldige wegen des in der Voruntersuchung ihnen zu- gefügten Unrechts freizusprechen. Wir erinnern an den Prozeß gegen den Major v. Zander. Im Fall Hau trat noch die Ungeheuerlichkeit hinzu, daß zum mindesten entgegen der Absicht des Strafprozeßrechts und des Preßgesetzes(§ 17) die S taatsanwaltschaft die unwahre Meldung über ein angebliches Geständnis des Hau ver- breiten ließ. Während der Beratung des Gerichts und nach Verkündnng des Urteils erhob sich in Karlsruhe unter einer vieltausendköpfigen Menge ein so starker Tumult, daß Militär zur Herstellung der Ruhe einschritt. Der Tumult ist auf das sensationelle Brimborium zurückzuführen, mit dem die bürgerliche Presse den Prozeß um- geben hatte. Das fohlende, lärmende, pfeifende Publikum lvar dasselbe, das im Takt mit Schnedderendengdeng und Taratabumdiäh in Zylinder oder Ballonmütze vor dem Militär daherstolziert und als Stiminvieh gegen die Arbeiter, gegen die Sozialdemokratie sich mißbrauchen läßt. Diese tauicndköpfige Menge bestand aus jener Sorte Zeitgenossen, die Sensations- broschüren, Schundliteratur der elendesten Sorte, Hintertreppen- romane, Dcteklivstücke und dergleichen verschlingt: je grobkörniger. blöder, geistloser, nach„Ucbermcnsch" stinkender, um so besser. Für diese bürgerliche Sippe war der Angeklagte mit der ganzen Auf- machung, die er seinem Prozeß gab, der Held, wie er besser in dem elendesten Schundroman nicht erfunden werden konnte: ein frommer, religiös gesinnter Mann und doch ein ganz verflixter Kerl im Huren, Renommieren und der Sucht, Geld zu machen. Als klug schildern einige bürgerliche Zeitungen den Verurteilten. Die Verhandlungen haben weder Klugheit noch Schlauheit an ihm offenbart, wenn man nicht auf das Zeugnis einiger Leute Gewicht legt, die durch das kecke Auftreten, das er in allen Lebens- lagen zur Schau trug, sich um so leichter verblüffen lassen, je weniger sie ihren eigenen Fähigkeiten trauen. Der Angeklagte, ein Mann ohne irgend ein allgemeines Interesse, ohne Halt, ohne gereifte Weltanschauung, lediglich nach äußerer Anerkennung und Betätigung seiner tierischen Triebe strebend— ganz„Afrikaner". Und doch konnte, mußte er das Interesse eines große» Teils der bürgerlichen Presse und ihrer Anhänger erregen, weil diese Sorte Fleisch von ihrem Fleisch, rücksichtsloser, wenngleich beschränkter Individualist ganz im Sinne der bürgerlichen Herrenmoral ist. Auf Grund von Indizien ist Hau verurteilt. Es wird in bürger- lichcn Blättern und vor allem in den sogenannten unparteiischen Zeitungen des langen und breiten erörtert, ob denn auf Grund von Indizien verurteilt werden dürfe._ In 999 von 1999 Fällen wird, kann lediglich auf Grund von Indizien ein Urteil gefallt werden. Freilich muß verlangt werden, daß die Jndizienkctte der Möglich- leiten und Wahrscheinlichkeiten so dicht ist, daß sie mit S i ch e r h e i t einen verurteilenden Schluß zuläßt. Lieber zehn Schuldige frei- sprechen, als einen Unschuldigen verurteilen. Täglich ergehen gegen Arbeiter auf Grund von„Indizien", die in solchen Prozessen aber in Wirklichkeit meist nichts sind als Aus- wüchse des Wunsches zu verurteilen, ungerechte Urteile: in solchen Fällen schweigt d,e Han-Presse. Im Fall Hau scheint uns der volle Beweis der«chuld geführt zu sein. Diese Ueberzeugunt läßt uns freilich keineswegs übersehen, daß das Verfahren auch im Fall Hau nicht nach jeder Richtung dem Gesetz entsprach. Des- halb wünschen wir der Revision des Angeklagten Erfolg, der für uns lediglich ein pathologisches Interesse und Interesse als Grad- messer für die Sozialpathologie der bürgerlichen Knechtsseelen hat, die zu jedem kecken Verbrecher aus ihren Reihen, mag er Ha«, mag er Peters heißen, anbetend aufschauen. ßerkhta- Zeitung. Oberschlesische Schulzustände vor Gericht. Wegen vermeintlicher Schulinspektorenbeleidigung hatte sich gestern unser Verantwortlicher, Genosse Weber, vor der vierten Strafkammer des Landgerichts l zu veranworten. Den Vorsitz führte Landgerichts.rat Op per mann. Vertreter der Anklage ist Staatsanwalt H o f f st e d t. Die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Kurt R o s e n s e l d. Die Be- lcidigung soll in einem Artikel des„Vorwärts" vom 6. Juli 1996 enthalten sein. In dem„Die Schule gegen die Eltern" fijtti&Üfiii Artikel»ad® MiMlldk ill öer Schule Mtex Mankxer Hervorhebung der oberschlesischen Schulzustände besprochen. In- kriminiert ist eine Stelle, in der von einem Schulinspektor Sch. in Königshütte behauptet wird, daß er die Lehrer rigoros behandele und es ihm nur auf den äußeren Drill der Schulkinder ankomme, In der Sache sind auf Antrag der Verteidigung bereits eine Anzahl Lehrer kommissarisch vernommen worden. Der Vorsitzende ersucht um Aufklärung darüber, welcher Kreisschulinspektor gemeint sei, da in Königshütte zwei derartige Herren wohnen, deren beider Namen mit Sch. beginnt. Weber erklärt, daß die inkriminierten Aeutzerungen sich auf den Schul- inspektor Schwartze bezögen. Vorsitzender Oppermann: Es scheine so, als ob der An- geklagte die Beweisanträge lediglich auf Grund der Zeugen- aussagen bei der kommissarischen Vernehmung stelle.— Genosse Weber weist darauf hin, daß auf Grund der bisherigen In- formationen seines Gewährsmannes die Vernehmung einer Anzahl Lehrer erfolgt fei. Der Verteidiger stellte mehrere neue Beweisanträge. Einige namhaft gemachte Zeugen sollen be- künden, daß der Kreisschulinspcktor Schwartze tatsächlich die Lehrer schikanös, wie Schulbuben behandelt hat, wegen der Reinigung der Tintenfässer, Herumliegen von Papier und seiner Ansicht nach un- genügenden Drill in kleinlichster Weise vorgegangen ist. Die Lehrer müßten% Stunde vor Beginn des Schulunterrichts im Schulgebäude sein und dürften ihre Klassenzimmer während des- selben nicht verlassen. Die Verlesung der Aussage der kommissarisch der- nommenen Lehrerswitwe Pietzuch ergibt folgendes: Ihr Mann war 29.Jahre Lehrer und hat seine Aufgabe stets mit größter Gewissenhaftigkeit und besonderer Arbeitsfreudigkeit aus- geführt. Einige Wochen vor seinem Tode habe sie Verstimmung an ihm gemerkt und auf Befragen die Antwort erhalten:„Das verstehst Du doch nicht." Erst als sie weiter auf ihn eindrang, habe er geäußert: „Lieber 29 Jahre bei einem anderen Schul- Inspektor als 1 Jahr bei Schwartze." Später habe er ihr gesagt, daß Schwartze ihn in besonders ehr- verletzender Weise für leistungsunfähig erklärt habe. Sie habe Herrn Rektor Drabig die Sache vorgestellt. Dieser habe ihr er- klärt, daß Schwartze doch in einer Stunde nicht die Leistungsfähig- feit eines Lehrers beurteilen könne, das müsse er besser wissen. Der Staatsanwalt will gegen die Vernehmung neuer Zeugen nichts einwenden, doch müßten diese, wie auch die be- leidigten Schulinspcktoren vor dem Prozeßgericht vernommen werden. Die Vernehmung einiger Lehrerswitwen halte er für be- langlos und bitte dieselben abzulehnen. Rechtsanwalt Dr. R o s e n f e l d hält die Vernehmung vor dem Prozcßgericht nicht für erforderlich, das bausche nur die Sache auf. Aber falls man diese Vernehmungsart billige, dann müsse er beantragen, alle, auch die bereits kommissarisch vernommenen Zeugen vor dem Prozeß- gericht nochmals zu vernehmen. Nach längerer Beratung verkündet der Vorsitzende den G e- r i ch t s b e s chl uß: die Sache zu vertagen und zwecks weiterer Beweisaufnahme den Lehrer Scheibe und den Rektor Drabig kommissarisch vernehmen zu lassen. Die Vernehmung einer weiter benannten Lehrerswitwe wird als unerheblich abgelehnt» Zur preußischen Versammlungsfteiheit. In der Berufungsinstanz bor dem Landgericht Lands- b e r g a. d. W. wurde vor einigen Tagen gegen den Arbeiter- sekretär Genossen Eugen Brückner wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz verhandelt. Der Sache lag folgender Tat- bestand zugrunde. Gelegentlich der Reichstagswahl sollte zum 29. Januar in Reetz(Wahlkreis Arnslvalde-Friedeberg) auf einem Gartengrundstück eine öffentliche Wählerversammlung mit Brückner als Referenten abgehalten werden. Dieselbe wurde jedoch unterm 18. Januar mit folgender eigenartigen Begründung verboten: Bescheid auf die Eingabe vom 17. d. M. Die Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen Wählerversammlung am Sonntag, den 29. d. M., nachmittags 2 Uhr, in dem Garten des Eigen- tümers Wilhelm Juncker, Hierselbst, wird versagt, da durch dieselbe eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu befürchten i st. Der Garten befindet sich hinter den Scheunen ini freien Felde. Die Versammlung soll am Sonntagnachmittag 2 Uhr, also zu einer Zeit, wo größere, nach Hunderten zählende Menschenmengen zu erwarten sind, stattfinden. Da hierbei von den Teilnehmern unzweifelhaft geraucht wird und, wie gewöhnlich' an Sonntagen, dem Genuß geistiger Getränke im Uebernraß zugesprochen wird, so liegt die Befürchtung nahe, daß hierdurch die Sicherheit der naheliegenden Scheunen und die Möglichkeit, derartige Menschenmengen, welche durch den gegenwärtigen Wahl- kämpf überdies»och erregt sind, in Ordnung zu halten, gefährdet wird und somit unter Umständen arge Ausschreitungen stattfinden können. Die Polizcivcrwaltung. Harnisch. Dies preußische Kulturdokument verhinderte die Abhaltung der Versammlung, machte aber auch die Leute auf den Kandidaten auf- merksam. In dem Schliepschen Lokal, in dem Genosse Brückner zu Mittag aß, hatten sich etwa 29—39 Personen eingefunden. Es wurden während deS Mittagessens an Genossen Brückner einige Fragen gestellt. Als Brückner die zweite Frage beantwortete, erschien der G en d a rm er i c w a ch t m e i st e r Arlt mit einem anderen Gendarmen auf der Bildfläche und— löste die„Ver- sa mini un g" auf. Das Am ts g e r i ch t erachtete ein gegen B. erlassenes Strafmandat in Höhe von 29 M. für gerechtfertigt. Eine Versammlung habe stattgefunden, da„die Personen, die im Lokal sich zusammengefunden hatten, Sozialdemokraten waren und schon durch ihre Parteizugehörigkeit innerlich miteinander verbunden waren —' und.von ihrem gemeinschaftlichen Kandidaten Auskunft über politische und soziale Fragen in einem ihren Anschauungen möglichst entsprechendem Sinne wünschten."— In der Berufungsinstanz vor der 2. Strafkammer des Landgerichts zu Landsberg a. d. W. be- kündete der Gendarmericwachtmeister Arlt, erhabe schon auf dem Flur des Lokals das Wort„Sozialdemokrat" gehört. Die Beantwortung der Fragen, deren erste die Veteranen Unterstützung und die zweite, die Herabsetzung der Altersgrenze bei der Jnvaliditätsversicherung betrafen, habe mehrere Minuten gedauert. Die Anwesenden seien so still gewesen, daß jeder die Worte des Angellagten hören konnte. Zeuge Hildebrandt erklärt, eS sei infolge des Verbots eine richtige Gier bei den Wählern gewesen, den Kandidaten Brückner zu sehen. Es sei daher nicht verwunderlich, wenn die Leute ihm nachgingen. Hätte die Polizei die Versamnilung unter freiem Himmel nicht verboten, so wäre alles in Ruhe von statten gegangen. Im Lokal wurden! an Brückner während des Essens Fragen ge- stellt, die dieser beantwortete. Eine Versammlung, ein Bureau, eine Leitung u. dgl. sei nicht vorhanden gewesen, vielmehr eine Zusammen- kunft. wie sie täglich in einem Gasthof einer Kreisstadt stattfindet� wenn ein Fremder zureist, den Einwohner sehen oder sprechen wollen! Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, legt dar. die Polizei habe durch die durchaus hinfällige Begründung des Verbots, die die Wählerschaft von Reetz, von der übrigens 382 für den Antisemiten und 92 für den Sozialdemokraten gestinnnt halten, als Rauf- und Trunkenbolde hinstelle, den Anlaß zu der Befragung des Angeklagten gegeben. Die Annahme des Schöffengerichts, die im �okal Anwesenden wären alles Sozialdemokraten und darum sei der Begnff.Versammlung" konstruiert, entbehre jeden Beweises und je! unerheblich. Er beantragte nach längeren juristischen Ausführungen die Freisprechung. Das Gericht verwarf die Berufung, setzte jedoch die Strafe von 29 Mark auf 5 Mark herunter. In dem schriftlichen Urteil heißt es wörtlich: „Zwar ist es fraglich, ob in diesem Tatbestand eine Ueber- tretung der ßZ 1 und 12 zu erblicken sei.— Zum Tatbestand der im Z 12 mit Strafe bedrohten Zuwiderhandlung gehört, daß An- geklagter 1. in einer Versammlung, in der 2. öffentliche An- gelegenheiten erörtert, 3. ohne der Polizeibehörde Kenntnis ge- geben zu haben, 4. als Redner aufgetreten sei.-- Versammlung ist eine gewisse, nicht allzu klein an Zahl bemessene, äußerlich irgendwie vereinigte Personenmehrheit, deren innere Vereinigung auf gemeinsamen bewußten Zwecken und Zielen, also auf gemeinsamem Willen beruht. Eine Organisation ist für den Begriff der„Ver- sammlung nicht erforderlich. Die bei Schliep anwesende Menschen- Vereinigung besaß die erforderlichen Voraussetzungen, denn sie bildete nicht eine formlose, unverbundene Menschenvereinigung. Sie waren insgesamt nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich durch den gemeinsamen Zweck, sich von Brückner zur Belehrung Anskunft über politische und soziale Fragen geben zu lassen, ver- einigt. Die Versammlung ist darum zum Zweck der Erörterung öffentlicher, die Gesamtheit des Gemeinwesens und das gesamte öffentliche Interesse berührender Angelegenheiten unternommen worden. Brückner ist als Redner auf- getreten, indem er auf zwei an ihn in kurzer Aufeinander- folge gestellte Fragen antwortete, die einige Minuten Zeit beanspruchten. Schon die Person trete als Redner auf, die ans einer Zeitung oder Flugblatt etwas vorliest. Es braucht dabei keine eigene Ansicht geäußert werden. Brückner hat zwar nicht gewußt, daß irgend jemand die Personen nach dem Lokal verwiesen haben kann, doch ist das Vorhandensein eines Vorsatzes für die Strafbarkeit einer Handlung nicht erforderlich. Der An- geklagte hat äußerst fahrlässig gehandelt, er mußte sich erkundigen, ob die Versammlung der Polizei gemeldet sei.... Eine Strafe von 29 M. ist allerdings zu hoch. Straf- mildernd kommt noch in Betracht, daß die Uebertretung eine gering- fügige ist, die durch die begleitenden Umstände im milderen Lichte erscheint, es ist demnach eine Strafe von 5 M. als eine aus- reichende Sühne zu betrachten." Daß dies Urteil die Existenz einer„Versammlung" überzeugend darlegt, wird sich nicht behaupten lassen. Es ist gegen dieses Urteil Revision eingelegt, um zu erfahren, ob in der Tat die Vereins- freiheit in Preußen so eingeengt ist, daß jemand sich schon dann strafbar niacht, wenn er auf Fragen über Veteranenbeihülfe und Invalidenversicherung beim Mittagessen in Gegenwart mehrerer Aus- kuuft gibt, ohne der um die Ruhe, Ordnung und Sicherheit be- sorgten Polizei 24 Stunden vorher Kenntnis davon zu geben. 8 1S3 der Gewerbeordnung. zzn wie leicht— er Weise die öffentliche Anklagebehörde eine Anklage erhebt, sobald es sich nur um einen noch so fernstehenden Verdacht handelt, daß ein Streikbrecher scheel angesehen sei, zeigte eine gestern vor dem Rixdorfer Schöffengericht verhandelte Anklage gegen den Maler Georg Ebcling wegen Beleidigung, Verstoß gegen 153 Gewerbeordnung und versuchter Nötigung(Z 249 Strafgesetz- uch). Diese sämtlichen Frevel sollen durch folgenden Satz ver- brachen sein, die der Augeklagte am 23. Februar d. I. dem Maler Hermann Mönnigheim auf einem Neubau in der Hermannstraßc zugerufen haben soll:„Du Streikbrecher, wenn Du der Organi- sation nicht beitrittst, kriegst Du ein paar in die Schnauze." Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß Mönnigheim am 26. Februar noch Mitglied der Organisation war, und daß er nach dem zur Anklage stehenden Vorfall wieder aus dem Verbände ausgetreten ist. Infolgedessen macht der Vorsitzende(Amtsgerichts- rat Buhrow) darauf auf die Unwahrschcinlichkeit aufmerksam, daß die inkriminierte Aeußerung so gelautet haben kann, wie zur An- klage steht. Auf mehrfaches Fragen muß Mönnigheim seine Aus- sage schlichlich dahin einschränken, daß Ebeling ihm gedroht habe, ein paar in die Schnauze zu hauen, er hätte dann noch etwas leise vor sich hin gesprochen, so ähnlich wie Streikbrecher, er wisse es aber nicht ganz genau. Er hätte den Vorfall dann sofort dem Maler- polier Pictrazewsky gemeldet, der Ebelings Entlassung und Mönnigbeims Anzeige gegen Ebcling veranlasst hat. Der Amts- anmalt ließ hierauf die Anklage aus 8 249 Strafgesetzbuch und 8 153 Gewerbeordnung fallen und beantragte wegen der Beleidi- gung, die in der nicht ausgeführten Drohung„Tu kriegst ein paar in die Schnauze" liege, die geringste Strafe von 3 M. Das Gericht erhob diesen Antrag zum Urteil. Es kann auf sich beruhen bleiben, ob es nicht der Sachlage mehr entsprochen hätte, wegen der Uliglaubwürdigkeit des Zeugen auf volle Freisprechung zu erkennen. Jedenfalls hätte cS der Rechtspflege nichts geschadet, wenn den Staatsanwalt die Bedenken gegen den nun fallen gelassenen Teil der Anklage von Erhebung einer Anklage abgehalten hätten.„Schnauze" allein, ohne ausdrückliche Bezugnahme darauf, daß sie einem„Streikbrecher" gehört, hätte Strafverfolgung„im öffentlichen Interesse" wegen Beleidigung schwerlich zur Folge gehabt._ KimtionSschwindler. Die Geheimnisse eines„Landwirtschaftlichen LehrinstitutS" be- fchäfiigten gestern die dritte Ferienstraskainmer des Landgerichts III in Moabit. Der frühere Landwirt Timm aus der Soldiner- straßc hatte sich wegen Unterschlagung und Kaution s- f ch>v i n d e l e i e n zu verantworten. Der Angeklagte, der in der Soldinerstraße eine bescheidene Wohnung' innehatte, führte längere Zeit eine Versicherungsagentur,' als das Geschäft aber nicht mehr gehen wollte, suchte er sich auf andere Weise Geld zu verschaffen. � Er ernannte sich zu diesem Zwecke selbst zum Direktor eines„Landwirtschaftlichen Kommissionsgeschäfts verbunden mit General- agentur" und mietete ein Bureau in der Reinickendorferftraße, obwohl er ohne jede Barmittel war. Nun suchte er durch Inserate einen Geschäftsführer, der monatlich 159 M. Gehalt beziehen sollte, aber 699 M. Kaution stellen niußte. Bald fand sich auch ein Bewerber in der Person des Kaufmanns Appel. Dieser ließ sich durch die großartigen Versprechungen des Angeklagten, der mit den neun Inspektoren seines Betriebes renommierte, zur Hergabe der Kaution bestimmen, die angeblich auf der Kommerz- Bank sichergestellt werden sollte. Etwas er- nüchtert wurde der neue Geschäftsführer freilich bei der Besichtigung des Bureaus,' die ganze Einrichtung bestand aus einem Tisch und zwei Stühlen. Geschäfte wurden nicht gemacht, Timm lebte von der Kaution des Appel. Das Bureau mußte schon nach einem Monat aufgegeben werden, weil die Miete nicht bezahlt wurde. Als Appel Gehalt forderte, erbot sich Timm, Appels Uhr. Ring und Ueberzieher zu versetzen. Die Pfandscheine verkaufte er wieder, um Geld zu bekommen, Appel bekam aber �nichts davon zu sehen. Als er nun auf Heraiisgabe der Kaution drängte, erklärte ihm Timm, er werde letzt ein„Landwirtschaftliches Lehrinstitut" gründen und Appel als Teilhaber aufnehmen. Damit war A. einverstanden, und Tinim inserierte nun wieder nach einem Geschäftsführer für sein Lehrinstitut, Diesmal verlangte er aber 2999 M. Geschäftseinlage. Dem Landwirtschaftsbeamten Urnuleit, der sich um die Stellung bewarb, spiegelte Timm in mehreren Briefen vor, das Institut verfüge über ausreichendes Betriebskapital und stm, Timms, Pribaivermögen sei so groß, daß die Einlage durchaus tichergestellt fei. Urnuleit gab feine letzten Ersparnisse her. In der Elsasierstraße wurden Räume für daS Institut gemietet: bald stellte ich aber die Unrichtigkeit der Timmschen Angaben heraus, auch sie angeblich bereits vorhandenen Schul« des Instituts waren nicht zu ermitteln. Als schließlich auch für die Wohnung in der Elsasierstraße die Miete nicht bezahlt wurde, kamen Appel und Urnuleit zu der Ueberzeugnug, daß sie um ihr Geld geprellt seien, sie erstatteten Anzeige gegen Timm. In der gestrigen Verhandlung mußte Timm zugeben, daß er die 699 Mark des Appel und die Hälfte der 2999 Mark des Urnuleit für sich verbraucht habe. Er suchte sich damit herauszureden, die Geprellten hätten sich mit dieser Verwendung ihrer Einlagen einverstanden erklärt. Seine Angaben wurden aber durch die Beweisaufnahme widerlegt. Der Staatsanlvalt beantragte eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis. Das Gericht ging mit Rücksicht auf die Gemcingefährlichkeit damaliger Schwindeleien über das beantragte Strafmaß hinaus und erkannte für die beiden Betrugsfälle und die Unterschlagung der Pfandscheine auf ein Jahr Ge- f ä n g n j s. Der Verurteilte wurde wegen Fluchtverdachts sofort verhastet._ Wenn Sozialdemokraten sich nicht gutwillig niederreite» lassen, werden sie bestraft. Am 9. Juni berichteten wir über eine Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht in K ö n i g s w u st e r h a u s e n a. D., die mit der Verurteilung des Genossen S a l e s ch k e aus Kyritz z u zwei Monaten Gefängnis- und 40 M. Geldstrafe wegen Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug und Uebec- tretung des Feld- und Forstpolizeigeseyes vom 1. Mai 1889 und seines jüngeren Begleiters zu 28 M. Geldstrafe in erster Instanz endete. Die Verurteilten waren bei einer im Januar vorgenommene» Wahlflugblattverbrcitung von dem Gutsbesitzer Schulte mit Nieder- reiten bedroht. Während der Jüngere dem Versuch des Pferdes und des Reiters, auf ihn einzudringen, durch die Flucht zuvorlam, hatte Salcschke Pferd und Reiter durch ein paar Stockhiebe von sich ab- gehalten. DaS Schöffengericht hatte aus den Schmerzen, die der Gutsbesitzer empfunden hatte, gefolgert, der zur An- Wendung gebrachte Stock sei ein Stahlstock. Am Sonn- abend wurde die Sache in der Berufungsinstanz, der Strafkammer in Ruppin, verhandelt. Der nur zu Geld- strafe Verurteilte hatte seine Berufung zurückgezogen. Er war als Zeuge geladen, leider aber nickit erschienen, so daß das Gericht lediglich auf die Aussage des Gutsbesitzers Schulte an- gewiesen war. Dieser sagte aus, er habe sich über die Flugblatt- Verbreitung auf seinem Gute geärgert. Als er bemerkte, daß beide Angeklagte einen seiner Privatwege betraten, habe er sich aufs Pferd gesetzt und sei ihnen, hinter Bäumen versteckt, gefolgt. Als er die beiden dann gestellt, habe er ihnen drohend zugerufen:„Ich brauche Gewalt"—„lind wenn es meines und des Pferdes Kops kostet" usw. Der Angeklagte Saleschle habe jedesmal, wenn er auf ihn einritt, dem Pferde über die Nase geschlagen, bis das Tier nicht mehr auf ihn losging. Daun sei er abgestiegen und da habe Saleschle auf ihn l o s g e p r ü g e l t. Er sei dann wieder zu Pferde gestiegen und habe die Angeklagten auf dem Felde umher gejagt, bis sie matt waren. Auf Befragen des Vor- sitzenden, warum er dies getan habe, erklärter: „Ich konnte mich doch nicht blamieren!" Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kurt Nosenfeld ver- langte die Freisprechung, da der Zeuge Schulte zweifellos die ganze Sache provoziert, durch seine Drohung und das Anreiten auf Saleschle denselben in Lebensgefahr gebracht habe. Saleschle habe also in Notwehr gehandelt. Das Gericht nahm entgegen der Ansicht des Gutsbesitzers und der ersten Instanz au, der Ängeklagte habe nicht mit einem Stahl-, sondern mit einem Weichsel holz stock geschlagen. Es liege also einfache Körperverletzung vor. Notwehr habe aber nicht vorgelegen. Die Strafe gegen Saleschle wurde auf 6 Wochen Gefängnis und 40 M. G e l d st r a f e herabgesetzt. Em der frauenbeivegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für die Interessen der HauSanzcstelltcii. Vereinsversammlung am Donnerstag, 25. Juli, abends 8'/s Uhr bei Marre-Mücich, Steglitzerstr. 35. Vortrag von Frl. Amalie Arndt über: Krankenversicherung. Berliner Marktpreise. AUS dem amlllchen Bericht der flädltlchen Markthallen-Direktioii.(Großhondc!.) Nindfleisch 1» 76—72 pr. 166 Pfd.. IIa 64-60, Ula 59-60, Bullen fleisch la 65-70, IIa 65-64, Kühe, seil 52—60, do. mager 40—50, Fresser 51—56, Bullen, dän. 0,00, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppelleuder 100-120, Mastkälber la 73-82, IIa 64—72, Kälber ger. gen. 45—57, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammel- fleisch Mastlömmer 74—73, Hammel la 69-73, IIa 62-68, Schase 60—62. Schweinefleisch 58—64. Nehbock la per Psuud 0,65—0,80. IIa 0,45—0,60. Roiwild, Abschuß 0,56-0,64. Damwild. Slbschuss 0,65-0,66. Wildschweine 0,20—0,43. Frischlinge 0,45. Kaninchen per Stück 0,00. Wildenlen per Stück 0,55—1,40. Krickenten per Stück 0,60—0,70. Hühner, alle, per Stück 1,60—2,20, Aa 1,40, do. junge 0,60—0,70. Tauben 0,35, itntieniiche 0,00. Eulen per Stück 1,50 bis 2,25, do. Hamburger per Stück 2,90. Gänse per Psuud 0.64—0,66, do. per Stück 0,00, do. Hamburger per Psd. 0,70, per Stück 0,00, do. Oderbrucher per Psd. 0,00. PouletS per stück 0,40—1,12. Chaloushühucr 0,00. Hechte per 100 Psuud 118—129, matt 0,00, dito mittel und groß 0,00. Zander 0,00. Schleie, groß 000, mittel 0,00, do. Holl. 0,00, do. 100— IlO. Aale, groß 95—100, do. klein und mittel 86, mittel 96, do. unsortiert 73—86, do. groß-mittel 0,00. Plötzen, matt 0,00. Noddow 79. Karpsen, groß 76—93. Bleie 0,00, matt 0,00. Bunte Fische 0,00. Barse 0,00. Karauschen 0,00, do. llcill 80. Bleisische 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila CO. Seelachs, neuer 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6. mittel ver Kiste l— 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomin. la Schock 4—8, IIa 0,60—2,50. Bückling«, Kieler per Wall 2—3, Strais. 3,50—5,00. Boruh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, Nein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellsische Kiste 3,00—5,00,'/i Kiste 1,50—2. Sardellen. 1902er per Anker 93, 1804cr 98, 1905er 98, 1906cr 90—95. Schottische Vvllheringe 1905 0,00, lar�g 40-44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, 1 neue MatjeS, per'/. To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50-1,60. Braiherlnge Faß 1,20-1,40. do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaß Ii, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,25—3.40, do. große 4,00. Krebse per Schock große 0,00, do. mittelgroße 7,50—18, do. kleine 3,00, do. unsortiert 8,00, do. Galizicr groß und mittel 2—3, do. uns. 2—3. Butter per 100 Psd. la 106-110, IIa 103-106, lila 100-102, absallende 90-95. Saure Gurken, neue Schock 4,00—5,00. Psesscrgurke» 4.50. Kartosscln per 100 Psd. weiße runde 2,75—3,50, blaue 3,50-4,25, Rosen. 2,25 bis 3,00, Nieren- 3,25-4,00, Zcrbster 3,00-4,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 3—12. Spinat per 100 Psuud 25—30. Sellerie, hiesige, per Schockbund 2,00—3,00. Zlviebelu per 100 Psd. 6,00—7,00, do. kleine 0,00, do. hiesige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,75— t, 00. Kohlrabi Schock 0,75—1,23. Rettig, bahr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige. Schock 3—4. Mohrrübe», Schockbund 1,00 bis 2,00. Karoiteit, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 6,00 bis 10,00. Rotkohl, Schock 10-12. Weißkohl 6-10. Blumenkohl. Zittauer 100 Stück 16—17, do. Hamburger 100 Stück 10—12, do. Ersurter 100 Stück 20—25. Kohlrüben, Schock 5,00—6,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 4,50—6,00. Schoten per 100 Psuud 8—12. Psesferlinge per 100 Psd. 8—12. Steinpilze per 100 Pfund 15—25. Radieschen per Schock 0,75 bis 1,00. Salat per schock 1,00—1,50. Gurken, Zerbster, Schock 3,00—3,50. Bohnen, grüne. 100 Pfd. 12—15. Stachelbeeren, per 100 Pfund 8—12. Erdbeeren. hiesige 100 Psd. 20-33, do. Walderdbeeren 50—100, do. Hamburger 30 bis 40, do. Holländer 28—32. Himbeeren 100 Pfund 30—32. Blaubeeren, 100 Psd. 9—12. Johaimisbeeren, 100 Psd. 7—10. Kirschen, per 100 Pfund Schlesische 5—20, Weideriche 10-15, do. GlaS- 12-18, oo. Thüringer 6—15, Natten 18—33, sauere 15—24. Birnen, lial.. 100 Psund 13-22, Muäfntcllec 23-27. Psirsich«. per 100 Psund 35-55. 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Reinickendorf: P. Gursch, Provinzftr. 193. frepton': R. Gramenz, Kiesbolzsw. 412. Berantwortl. Redakteur: Carl Mermuth. Berlin-Rirdorf. Für denJnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Vaul Singer& Co., Berlin SW#' 9. m 24»«. 2. Ktllllge des„Ummtg" Kerlilttt Wlksdllltt. Wtwch, 24 I«MM. Arbeiter, Parteigenosse» Berlins! Seht die Wählerlisten ein! Wer nicht in der Liste steht, dars nicht wähle»! Partei-?Zngelegenkeiten. Spandau. Zu der am Sonntag, den 28. Juli, stattfindenden Dampferpartie bitten wir die Parteigenossen, sich rechtzeitig mit Billetts zu versorgen. Abfahrt früh 8 Uhr Lindcnufer; 8VH Uhr Pichelsdorf; 9 Uhr in Cladow. Abfahrt in Nedlitz abends 8s4 Uhr; in Spandau 19 Uhr._ Das Komitee. Berliner jVacbricbten. Zur Behandlung der Prostitution in Verlin. Ueber die Zahl der unter sittcnpolizeilicher Kontrolle stehenden Mädchen bringen die„Mitteilungen des Statisti- scheu Amts der Stadt Berlin"(Nr. 1) folgende Uebersicht: 1904 1905 Unter sittenpolizeilicher Kontrolle standen am Jahres- ansang............ 3709 3287 Im Laufe des Jahres kamen hinzu....... 683 917 Es gingen ab wegen: Eintritt in ein Dienst- oder Arbeitsverhältnis.. 357 301 Verheiratung............. 46 50 Fortzugs von Berlin........... 506 540 Schwangerschaft oder Krankheit.. i, 18 17 Verbüßung längerer Freiheitsstrafen..... 160 132 Verstorben sind........... 28 29 Abgang überhaupt 1105 106y Danach wäre ein kleiner Rückgang der unter Polizei- kontrolle gestellten Prostituierten zu verzeichnen, was freilich noch keinen Beweis für einen Rückgang der Prostitution überhaupt bedeutet, da sich bekanntlich der größte Teil der käuflichen Liebe der polizeilichen Kontrolle gänzlich entzieht. Auch die Verurteilungen wegen Verstöße gegen die Sittenpolizeivorschriften zeigen einen Rückgang. Im Jahre 1905 kamen insgesamt 6903 Bestrafungen vor, gegen 9803 im Vorjahr. Die durchschnittliche Zahl der Verurtei- lungen ging von 26,8 auf 19,0 Fälle pro Tag zurück. Zu diesem Rückgang der Bestrafungsfälle bemerkt der Bericht: „Vielleicht handelt es sich mehr um einen Unterschied des Ver- fahrens als um Veränderungen tatsächlicher Natur." Worin dieser Unterschied des Verfahrens zu suchen ist, deutet der Umstand an, daß die Verminderung der Verurteilungsfälle sich in der Hauptsache auf die„heimliche Prostitution" be- zieht. Sollte darin ein Anzeichen dafür zu erblicken fein, daß man an leitender Stelle der Berliner Polizei einzusehen be- ginnt, daß das System der polizeilichen Auskundschaften und Einregistrierung der käuflichen Liebe verfehlt ist? Ueber das von der Polizei beobachtete Verfahren sagt der Bericht:„Bei Stellung unter Kontrolle geht die Polizei sehr vorsichtig und milde vor. Die Mädchen werden nicht gleich in die Kontroll- listen eingetragen. Es findet erst wiederholt Verwarnung zu Protokoll statt. Geeignetenfalls wird von der Polizei die Vermittelung der Familie angerufen, und an den sittlich noch nicht ganz verlorenen Mädchen versucht ein Geistlicher in den Räumen der Sittenpolizei sein Besserungswerk. Mädchen unter 18 Jahren werden überhaupt nicht unter Kontrolle ge- stellt, sondern der Fürsorgeerziehung überwiesen." Ist das richtig, so würde es die Vermutung bestätigen, daß die Berliner Polizei anfängt, an dem Kontrollsystem zu zweifeln. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn sich dieser Zweifel zu dem Entschluß ausreifen würde, mit diesem ebenso nutz- losen wie entwürdigenden System nach dem Vorbild Däne- marks gänzlich zu brechen. Jedoch, der Berliner„maßgebenden Stelle" gegenüber darf man nie zu früh auf einen Fortschritt irgendwelcher Art hoffen._ Neue Straßennamen. Eine ganze Reihe neuer Straßen haben jetzt Namen erhalten. U. a. die verlängerte Barfusstraße, eine Querstraße der Müllerstraße. Sie erhielten den Namen: „Transvaalstraße" und die verlängerte Utrechterstraße den Namen:„Ostenderstraße". Die nächste Straße, eine Zufahrt- straße nach dem Rudolf Virchowkrankenhause bekam den Namen „Limburgerstraße". An dieser Straße liegt der Platz D., wo die Technische Mittelschule, eine Realschule und eine Gemeindeschule vereint unter einein Dach, als das größte Schulgebäudc der Stadt Berlin, errichtet wird. Die verlängerte Schulstraße, die bei der Triftstraße endet, heißt jetzt„Luxemburgerstrahe". Die neue Verbindungsstraße zwischen der Reinickendorfer- und der Adolf- bezw. Maxstrahe erhielt den Namen:„Schererstraße". Ten Namen:„Travcmünderstraße" erhielt die Uferstraße an der Panke zwischen Stockholmer- und Gropiusstratze. Die Ver- längerung der Stolpischcstraße heißt nun:„Ueckermünderstraße" und zwei Nebenstraßen:„Island"- und„Finnländischestraße". Die neue Zuführungsstraße nach dem Stettiner Bahnhof über das Schwartzkopffsche Gelände heißt:„Zinnowitzerstraße" und eine andere auf der nördlichen Seite:„Hennigsdorferstraße". Die Verlängerung der Kaiser Wilhelm st raße nach der Schön- hauser Allee, d. h. die Abzweigung von der Hirtenstraße wird in Zukunft:„Amalienstraße" und die andere Wzweigung nach der Prenzlauer Allee:„Weydingerstraße" heißen. Diese beiden alten Straßennamen hieben also nach dem Verschwinden der alten Straßen des Scheunenviertels wieder auf. Die neue Ver- bindungsstraße von der Kaiser Wilhelmstraße nach der Straß- burgcrstraße wurde mit dem Namen„Koblanckstrahe" belegt, so daß auch dieser erhalten bleibt.„Babelsberger Platz" heißt der neuzuschaffende Platz an der Gabelung der Kaiser Wilhelmstraße und der Platz am Treffpunkt der Bromberger-, Memeler-, Ramler- und der Warschauerstraße:„Helsingforser Platz". Ein tödlicher Straßcnbahnunfall Ereignete sich Montagabend gegen%10 Uhr in der Müllerstratze vor dem Domkirchhof. Der Schlosser Georg Höh, Lhnarstr. 13 wohnhaft, fuhr auf einem Zwcirade. von Tegel kommend, die Müllcrstraße entlang und überholte am Domkirchhof eine ebenfalls auf einem Zweirabe fahrende Dame. Ausweichend bog H. links hinüber und geriet dabei gegen einen Straßenbahnwagen der Linie 31(Tegel— Schlesischcr Bahnhof), wurde zur Seite geschleudert und stürzte kopfüber auf das Straßcnpflaster. Ter Schlosser fiel so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt und auf dem Transport nach dem Paul Gerhardt-Stift verstarb. Ebenfalls beim Zweiradsahren schwer verunglückt ist Montag- früh der Musiker Drews,-der auf seiner Maschine von Königs- Wusterhausen nach Berlin fuhr. Als D. Neue Mühle passierte, erlitt ex eigen Raddefekt, stürzte und fiel so unglücklich, daß er einen komplizierten Bruch des rechten Unterschenkels erlitt. Der Ver- unglückte wurde nach dem Krankenhause in Wilhelmshagen ge- bracht. Ei» Ladenkrach ist in dem Stadtteil Moabit eingetreten. In den Straßen auf dem ehemaligen Borsigschen Terrain und dem neuen Viertel an der Spree sind fast sämtliche Häuser mit Läden versehen, deren Vermietung zum großen Teil er- hebliche Schwierigkeiten bereitet. In den älteren Gebäuden be- finden sich Geschäftslokale, die schon seit mehreren Jahren leer stehen. Während die Besitzer sonst in älteren Häusern Läden auszubrechen pflegen, werden in Moabit die voryanoencn Ge- schäftslokale vielfach umgebaut, um aus denselben Privat- Wohnungen zu schaffen. So sind beispielsweise in der Thomasius- straße bereits acht solcher Umbauten vorgenommen worden. IM Streit erschlagen. Bei einem Streit ist am 21. Juli, nach- mittags zwischen 4 und 6 Uhr zu Charlottenburg der am 6. Juli 1889 zu Berlin geborene, Waldstrahe 12 wohnhafte Kutscher Kurt Salcin so schwer verletzt worden, daß er bald darauf im Kranken- Hause Westend an den schweren.Kopfverletzungen verstorben ist. Die Täter, der Maurerpolier Karl Münch und der Maurer Gustav Schwartz, beide aus Berlin, sind gestern Nacht festgenommen und durch die Charlottenburger Kriminalpolizei dem Amtsgericht zu- geführt worden. Salein hatte sich mit den Arbeitern Otto Müller, August Raschke und dem Rohrer. Otto Kuhn zusammen ein Ver- gnügen daraus gemacht, am Nonnendamm entlang gehende Personen und namentlich Frauen zu belästigen. Als sie sich dieses auch mit dem Maurerpolier Münch und dem Maurer Schwartz und deren Frauen erlaubten, zogen die beiden Männer kurzerhand die Röcke aus und schlugen die Nowdies mit Stöcken, Schlüsseln usw. in die Flucht. Salein hatte sich in eine Laube geflüchtet. Von dort holten ihn Münch und Schwartz aber heraus und schlugen ihn mit einer Latte derartig, daß er bewußtlos liegen blieb. Da sich die Täter nun schleunigst entfernten, wurde Salein erst später aufgefunden und nach dem Krankenhause auf Westend befördert, woselbst er ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, noch in der Nacht ver- storben ist. Zwei junge Mädchen im Schiffahrtskanal ertrunken. Zur gleichen Zeit und fast an derselben Stelle haben sich vorgestern abend zwei lebensmüde junge Mädchen im Schiffahrtskanal er- tränkt. Am Lützow-Ufer zwischen der Cornelius- und Lichtenstein- brücke sprangen sie beide in den Kanal und ertranken. In der Nähe der Corneliusbrücke hatte eine etwa 23 Jahre alte Frauens- person durch ihr aufgeregtes Wesen die Aufmerksamkeit der vor- übergehenden Passanten hervorgerufen. Plötzlich eilte sie an das Ufer heran und stürzte sich über das Geländer hinweg in den Kanal. Den ihr zugeworfenen Rettungsring stieß die hart- näckige Selbstmörderin von sich. Sie sank dann unter und ertrank. Wenige Meter von dem Tatort entsernt stürzte sich eine unbc- kannte etwa 20 Jahre alte Dame in den Kanal. Auch sie fand den gesuchten Tod im Wasser. Vergeblich hatten einige Männer den Versuch gemacht, die Lebensmüde zu retten. Die Leichen der beiden Ertrunkenen konnten noch nicht gelandet werden. Ein unbekannter Geisteskranker ist vor einigen Tagen in der Residenzstraße in Reinickendorf aufgegriffen worden. Der etwa 30jährige Mann ist zirka 1,70 Meter groß, untersetzter Statur, hat X-Beine, eingedrückte Nase, dunkle Augen, schwarzes Haar und Anflug von Schnurrbart. Er macht den Eindruck eines russischen Juden. Es ist nicht unmöglich, daß der unglückliche Mann bei einer Fahrt durch Berlin aus dem Zuge gesprungen ist und sich verirrt hat. Im Tiergarten erschossen hat sich vorgestern abend der 24jährige Maschinenbauer Karl Joske aus der Müllerstraße 157. Ein bedauernswerter Unfall ereignete sich vorgestern in der Werkstatt der Großen Berliner Straßenbahn, Uferstraße. Es sind dort die von außerhalb kommenden oberen Wagenkasten auf Böcken und Winden aufgestellt, und der Schlosser Paul R ä b e l war da- mit beschäftigt, die Untergestelle daran zu bauen. Von einigen Angestellten wurde ein zur Reparatur bestimmter Wagen heran- gefahren. Dabei versagte die Bremse und der Wagen fuhr infolge- dessen mit ziemlicher Gewalt gegen die aufgestellten Wagenoberteile an, wodurch letztere samt den Winden und Böcken sich zusammen- schoben. Röbel wurde zwischen die Wagen gedrückt und erlitt schwere innere Verletzungen. Muß die Art und Weise der mangelhaften Absperrung für Arbeitsplätze schon zu schärfster Kritik herausfordern, so kann man den weiteren Verlauf der Angelegenheit nur als ungeheuerlich, geradezu skandalös bezeichnen. Die«Große Berliner", die in dem von ihr begünstigten„Ascher- Verein" und von den sonstigen Getreuen ihre Wohlfahrtseinrich- tungen und ihre Arbeiterfürsorge bis über den grünen Klee loben läßt, hat in einem Betriebe, in dem 400 Mann beschäftigt sind, nicht einmal Einrichtungen, einem Schwerverletzten in kurzer Zeit ärzt- liche Hülfe zuteil werden zu lassen und für schnellste Ueberführung nach einem Krankenhause Sorge zu tragen. Erst nach Drei- Viertelstunden war ein Arzt zur Stelle, der die sofortige Ueber- führung des Verletzten in ein Krankenhaus anordnete. Jedoch mußte der Aermste noch eine volle Stunde, also insgesamt l?.t Stunden, auf dem Platze bleiben, ehe ein Krankenwagen herbei- geholt war, der den Transport ausführen konnte. Die Empörung unter den Arbeitern machte sich in einer am Abend abgehaltenen Betriebsversammlung in begreiflicher, erregter Weise Luft. Ein heftiger Zusammenstosi eines Straßenbahnzuges mit einem Lastwagen der Möbelfabrik Groschkus in der Landsbergerstrahe fand vorgestern abend in der Großen Frankfurterstraße statt. Der aus der Weberstraße kommende Lastwagen fuhr gegen die Seiten- wand'des Motorwagens Nr. 1899 der Linie 68(Virchow-Kranken- Haus— Friedrichsfelde) mit solcher Gewalt, daß die Seitcnwand eingedrückt und die Fensterscheiben zertrümmert wurden. Der in dem Straßenbahnwagen sitzende Kaufmann Schellhaaß aus der Boddinstraße 21 in Rixdorf erlitt durch Glassplitter Verletzungen am Hinterkopf. Auch"das Pferd des Arbeitswagens wurde am Kopfe verwundet._ Im Eafe erschossen. Eine schwere Bluttat rief in der vergangenen Nacht Unter den Linden ungeheures Aufsehen hervor. Im Cafe Westminster, Unter den Linden 16/17, wurde die 21jährige Prostituierte Anna Pade aus der Waßmannstr. 37 von dem 24 Jahre alten Schlächter. gesellen Heinrich Hoffmann, Linienstraße wohnhaft, erschossen. Der Mordtat war ein erregter Wortwechsel vorausgegangen. Der Täter wurde verhaftet und in das königliche Polizeipräsidium ein- geliefert. Ueber den Vorgang werden folgende Einzelheiten gemeldet: Montagabend kurz nach 10 Uhr erschien in dem Cafe Westminster ein Paar, das sich in der Nähe des Eingangs an einem Tische niederließ und sich Bier bestellte. Es waren der Schlächtergeselle Heinrich Hoffmann und die Prostituierte Anna Pade. Anfangs unterhielten sich die beiden mit ruhiger Stimme und es achtete infolgedessen niemand der anwesenden Gäste auf die beiden. Bald wurde man jedoch auf das Paar aufmerksam. Es war ein Streit zwischen den beiden ausgebrochen und der Wortwechsel, der nun entstand, wurde von Minute zu Minute erregter. Besonders be- fand sich H. in einem Zustande ungeheurer Aufregung. Die Gäste an den Ncbentischen wurden durch den Streit der beiden derartig belästigt, daß sie sich schließlich Ruhe ausbaten. Aber hierum kümmerte sich das Pärchen nicht. Die Auseinandersetzungen dauerten fort und plötzlich krachte ein Schuß. H. hatte auf seine Begleiterin aus einer Browningpistole eine Kugel abgefeuert. Das Geschoß drang in die Brust und traf das Herz. Gleich darauf feuerte H. noch eine zweite Kugel auf das junge Mädchen ab. Auch dieses Geschoß traf die Brust. Leblos brach die P. zusammen. Mehrere Gäste stürzten sich jetzt über den Täter her und versuchten ihm die Waffe zu entreißen. H. setzte sich jedoch energisch zur Wehr und versuchte nun, sich selbst durch einen wohlgezielren Schuß zu entleiben. Hieran wurde er jedoch durch das andrängende Publikum gehindert. Wütend richtete der Revolverheld hierauf die Waffe gegen die Masse. Zwei Schüsse gab er ab, doch glücklicher- weise verfehlten sie beide ihr Ziel, sie durchbohrten die Wand. Der Gäste hatte sich natürlich eine ungeheure Aufregung bemächtigt. Hinzuspringende Kellner schlugen dem Täter die Waffe aus der Hand und, unterstützt durch mehrere Gäste gelang es bald, den H. zu überwältigen. Inzwischen waren einige Polizeibeamte er- schienen, die den Uebeltäter festnahmen und ihn nach der Polizei- wache in der Mittelstraße transportierten. Eine gewaltige Menschcnmasse folgte dem Transport nach der Wache. Da man glaubte, daß die P., die in ihrem Blute schwamm, noch zu retten sei, so rief man schleunigst von der Rettungswache in der Mauer- straße einen Arzt hinzu. Dieser konnte aber nur noch den Tod feststellen. Zweifellos war die P. schon durch den ersten Revolver- schuß getötet worden. Die Leiche wurde polizeilich mit Beschlag belegt und zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. Bei seiner Vernehmung auf dem Polizeirevier behauptete H., er habe die P. in der Erregung erschossen. Er habe sie vorher gar nicht gekannt und sei ihr erst an demselben Abend begegnet und mit ihr nach dem Cafe Westminster gegangen. Er habe weiter keine Ver- anlassung gehabt, das junge Mädchen zu töten. Stets habe er einen Revolver bei sich getragen und dieser. Umstand sei ihm jetzt zum Verhängnis geworden. Würde er keine Waffe bei sich gehabt haben, so wäre überhaupt nichts passiert. Demgegenüber wird jedoch angegeben, daß H. mit der P. schon länger verkehrt hatte und daß sich die Letztere von ihm abwenden wollte. Jedenfalls aus Aerger hierüber hat H. sein Opfer niedergeschossen. Die Er- schossene besuchte öfter das erwähnte Cafe und auch H. soll dort schon wiederholt von anderen Gästen gesehen worden sein. Es ist demnach also anzunehmen, daß sich die beiden schon vorher gekannt haben. Noch in der Nacht wurde H. nach dem königlichen Polizei- Präsidium übergeführt. Es wird gegen ihn die Anklage wegen Mordes erhoben werden. Wie durch einen Zeugen bekundet wird, hat er den H. und die P. am Sonntagabend beobachtet, als sie gemeinsam die Friedrichstratze hinuntergingen. Die Behauptung des Täters, daß er sein Opfer erst vorgestern abend kennen gelernt habe, wird also dadurch widerlegt. lieber den Täter, den Schlächter Hoffmann, wird berichtet, daß er erst kürzlich als Gefreiter aus Südwest-Afrika zurückgekehrt ist. Hoffmann lernte die Pade in der Waßmannstraße kennen, wo sie seit einigen Monaten unangemeldet in einem Absteigequartier logierte. Von dort hat sie sich dem ihr lästig gewordenen Liebhaber zu entziehen gesucht, indem sie nach der Luisenstraße verzog, wo sie ebenfalls unangemeldet wohnte. Vorgestern abend erwartete er sie am Cafe Stern am Oranienburger Tor und überredete sie, nach dem Cafe Westminster zu kommen, wo er sie nach wenigen Worten mit einer Browningpistolc mitten durch das Herz schoß. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Strahcm bahnzug und einem Eiswagen fand vorgestern nachmittag in der Reinickcndorferstraße statt. Die 38jährigc Eishändlerin Maria Gosching aus der Müllerstraße 59 war gemeinsam mit ihrem Kutscher, dem 41 Jahre alten Karl Peitsch, Liebenwalderstraße 41 wohnhaft nach der Reinickendorferstraße gefahren, um bei einem dortigen Schlächtermeister einen größeren Posten Eis abzuliefern. Als das Gefährt quer über die Straße fahrend den Hof des Schlächtcreigrundstücks erreichen wollte, wurde es von einem heran. sausenden Stratzenbahnzug erfaßt und mit solcher Gewalt zur Seite geschleudert, daß Kutscher und Besitzerin in weitem Bogen auf die Straße geworfen wurden. Frau G. blieb bewußtlos liegen. Sie hatte am ganzen Körper und im Gesicht schwere Verletzungen erlitten. Auch der Kutscher war am Kopf schwer verletzt worden. Der Bedauernswerte war mit dem Hinterkopf auf das Straßen- Pflaster aufgeschlagen. Die beiden Verunglückten wurden nach der Unfallstation in der Lindowerstraße gebracht, wo sie die ersten Not» verbände erhielten. Beim Sommcrfest des 5. Kreises im„Schweizergarten" ist ein Schirm gefunden worden, welcher im Berliner Verbands» bureau, Linden st raße 69, abgeholt werden kann. Beim Sommerfest des 6. Kreises wurden zwei Damenschirme, ein Herrenschirm und eine Düte mit Zigarren gefunden. Die Sachen sind bei Fahrow, Ravenestr. 6 abzuholen. Beim Eommerfest des sozialdemokratischen Wahlvercins Rixdorf in der Neuen Welt am 8. Juli ist eine Damcnpclerine gefunden worden und noch nicht abgeholt, ferner ist beim Kreis- Sommcrfest in Hasselwerder am 14. Juli ein Damenschirm ver- tauscht worden. Genannte Gegenstände sind in der Partei- spedition, Neckarstr. 2 abzuholen resp. umzutauschen. Auch werden die Genossen ausgefordert, die schon lange cnt- liehencn Bücher aus der Bibliothek des Wahlvereins nun endlich zurückzugeben und zwar in der Bibliothek, Neckarstr. 2. Fcuerwehrbericht. Wegen mehrerer Wohnungsbrände wurde die Feuerwehr in der vorletzten Nacht nach der Waldenserstr. 1, Klopstockstr. 20 und Lübeckerstr. 20 alarmiert. An diesen Stellen brannten Betten, Möbel, Gardinen und Hausrat. Gleichzeitig wurde der 7. Zug wegen eines Schornsteinbrandes nach der Koch- hannstr. 34 gerufen. Preßkohlenbrände beschäftigten die Feuer- wehr in der Persiusstr. 1, auf dem Anhalter und Moabiter Güterbahnhof, sowie in der Alten Jakobstraße. Im 4. Stock deS linken Seitenflügels Dircksenstr. 5 bei Krause stand das Zwischen- gebälk in Flammen. Wäsche usw. wurden dort ein Raub der Flammen. Zur Verhütung einer Gasexplosion wurde der 11. Zug nach der Mittenwalderstr. 34— 37 gerufen, wo ein Gasmesser aus- gepumpt wurde. Ferner wurde die Feuerwehr noch nach der Jägerstr. 72, Jakobstraße und anderen Orten gerufen. Der Zoologische(starten hat unter seinem Hirschbestandc in diesem Jahre ganz besonders reichen Nachwuchs aufzuweisen. Nicht weniger als 18 muntere Kälber folgen in lustigen Sprüngen ihren Mütern, zum Teil erst wenige Tage alte Tierchen, die aber auch bereits ausgezeichnet zu Fuß sind. Unter diesen Sprößlingen tragen die verschiedenen Rothirsche und südamerikanischen Spieß- Hirsche ein buntgeflecktes Jugendkleid, die jungen Leierhirsche sind wenig mehr gefleckt als ihre Mütter, und die südasiatischen Pferde- Hirsche oder Rusas sind gleich bei der Geburt oberseits einfarbig wie ihre Eltern. Ein derartiges lebendes Vergleichsmaterial, daS einzig in seiner Art dasteht, hat den großen Vorteil, daß an ihm alle Phasen der allmählichen Umsärbung beobachtet werden können. Das Berliner Aquarium hat dieser Tage seinen Tierbeständen zwei Exemplare einer Vogelart einverleibt, die bisher noch nicht gezeigt werden konnte. Sie gehört zu jener Familie, welche im System die Reihe der Schwimmvögel nach unten abschließt, also die niedrigststehenden Gattungen umfaßt und in mancher Be- Ziehung den Uebcrgang zu den Fischen zu vermitteln scheint. Dies erweist sich, wie man bei Betrachtung der hier befindlichen Vögel erkennt, insbesondere dadurch, daß die Flügel zu einer Art schmaler und von kleinen, schuppenartigen Fedcrchen bedeckter Flossen verkümmert sind, mithin gar nicht zum Fliegen, sondern nur zum Rudern benutzt werden können, und daß die Körper- federn dachzicgelig gelagert sind. Andererseits gleichen oder ähneln sie in ihrer haarartigen Befiederung und ihren Schwimm- und Tauchbcwcgungen den Robben oder Seehunden. So nehmen die Pinguine oder Fcttgänse, um welche es sich hier handelt, eine durchaus eigenartige Stellung in der Klasse der gefiederten Welt ein. Nach Bau und Einrichtung des Körpers auf das Wasser angewiesen, bewohnen die Pinguine das Weltmeer der südlichen Halbkugel etwa zwischen dem Wendekreis des Steinbocks und dem 50. Breitengrade und leben hier zur Brutzeit gesellschaftlich an felsigen Gestaden und Inseln. Da die zu der südafrikanischen Spezies, dem Brillcn-Pinguin, gehörenden und ganz reizend dunkelbraun und weiß gezeichneten beiden Vögel das Aquarium hier auf dem geräuniigen Seehundsteich(große Grotte) unter- gebracht hat, so lassen sich bequem die anziehendsten Beobachtungen anstellen»_ Vorort- JVachncbtem Charlottenburg. Armenetat und Wohnungsnot, Jit welcher Weise der städtische Armenetat von der Woh- tiungsnot beeinflußt wird, geht von neuem aus dem soeben veröffentlichten Bericht der Armenverwaltung für das Rech- nungsjahr 1M3 hervor. Auch diesmal wieder ist die Höhe der Wohnungsmieten unzweifelhaft von wesentlichem Ein- sluß auf die Höhe der notwendig gewordenen baren Unter- stützungen gewesen. Die Höhe der Mieten und die sie beein- slussende verhältnismäßig geringe Zahl leerstehender kleiner Wohnungen zwingt die Armenverwaltung zu erhöhten Auf- Wendungen, ohne daß die Armen selbst dadurch irgend etwas mehr erhalten. Die Mietspreise der Armenwohnungen zeigen gegen das Jahr 1904 mit seinen schon außerordentlich hohen Preisen für das Jahr 1905 noch eine weitere Steige- rung. Der Durchschnittspreis der Armenwohnungen von Stube und Küche betrug 21 M. monatlich, eine Armenwoh- nung von Stube und Küche kostete sogar über 30 M., 19 weitere über 25 M. und 51 über 20 M. monatlich. Auffallend ist es auch, daß die Preise der im Vorderhause gelegenen Armen- Wohnungen fast durchweg niedriger sind als der im Hinter- hause gelegenen. Das ist ein Beweis dafür, daß es sich bei den wenigen solchen Wohnungen im Vordcrhause überwiegend um minderwertige Wohnungen handeln niuß. Weiter geht aus der vom Statistischen Amt veranstalteten Auszählung der Wohnungsverhältnisse der Armenbevölkerung hervor, daß bei Wohnungen ohne Aftermieter im Vorderhause Ehepaare bil- liger wohnen als Einzelpersonen, während im Hinterhause das Umgekehrte der.Fall ist, und ferner, daß Familien, die Aftermieter halten, durchweg für die gleiche Wohnung von Stube und Küche mehr, zum Teil erheblich mehr zahlen müssen als andere, ohne Aftermieter. Der Betrag der After- miete wird also zu einem Teile wieder aufgezehrt durch den höheren Preis, der für das Recht, Untermieter halten zu dürfen, gezahlt werden muß. Die Höhe der Mietspreise hat neben der Höhe, auf der sie die Unterstützungen im allge- meinen zu halten zwingt, auch nicht unerhebliche Aufwen- düngen zur Abwendung drohender Exmissionen zur Folge. Dazu kommt,- daß die Höhe der Mieten naturgemäß fort- dauernd eine große Zahl von Familien zwingt, sich mit dem denkbar geringsten Raum zu begnügen. Unter 363 Woh- nungen von Stube und Küche waren 60 von mehr als 5, 14 sogar von mehr als 7 Personen bewohnt. Ter Einfluß solcher Ueberfüllung auf den Gesundheitszustand bedarf keiner näheren Darlegung und ist auch in den Berichten der Stadt- arzte hervorgehoben. Kinderreiche Familien haben, wie der Verwaltnngsbericht betont, bei der Lage der Dinge auch heute noch nicht selten Schwierigkeiten, eine geeignete Wohnung zu einem für sie erschwingbaren Preise zu finden. Obwohl der offizielle Bericht des Magistrats Jahr für Jahr ähnliche Tatsachen konstatiert, können sich doch die städtischen Körperschaften nicht zu Maßnahmen zur Linderung der Wohnungsnot entschließen. Eine Vorlage des Magistrats. die wenigstens den ersten Schritt auf diesem Gebiete prak- tischer kommunaler Sozialpolitik bedeutete, ist vor etwa sieben Jahren an dem Widerstand der Hausbesitzer gescheitert. Jetzt scheint auch der Magistrat vor den Hausbesitzern kapituliert zu haben �wenigstens hat er von der Einbringung einer neuen Vorlage bisher Abstand genommen. Solange das Haus besitzerprivileg den Hausbesitzern die Hälfte der Mandate in der Stadtverordnetenversammlung einräumt, sind allerdings Erfolge in bezug auf eine kommunale Wohnungspolitik nicht zu erwarten. Leider hat die Mehrheit der Stadtverordneten Versammlung vor drei Jahren einem Antrage der sozialdemo kratischen Fraktion, bei den gesetzgebenden Körperschaften Schritte zur Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs und des Dreiklassenwahlrechts zu unternehmen, ihre Zustimmung der sagt. Selbst die«entschieden" Freisinn?gen waren für eine Beseitigung dieses Vorrechts nicht zu haben, das einzige, wozu sie sich entschließen konnten, war die Forderung der Ein- schränkung des Hausbesitzerprivilegs in seiner jetzigen Aus- debnung._ Achtung, Gewerkschaften, Parteigenossen! Auf Grund des Aufrufs der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, betreffend die Unterstützung der ausgesperrten und streikenden Tabakarbeiter und»Arbeiterinnen Deutschlands, hat der Unter- zeichnete Sammellisten herausgegeben und bitten wir, von den- selben fleißig Gebrauch zu machen. Die Listen sind beim Genossen Joh. Schcible, Bismarckstraße 35 zu haben. Der Ausschuß der Charlottenburger GewerkschaftS-Kommisston. J. A.: Otto Flemming, Pestalozzistraße IS. Ochöneberg. Den Partei- sowie Gewerkschaftsgenossen zur Nachricht, daß Sammellisten für die streikenden Tabakarbeiter beim Genossen Carl Henkel, Akazienstr. 20, Seitens!. 4 Trp., zu haben sind, Rixdorf. Der Oberbürgermeister von Rixdors gestorben. Gestern um L Uhr früh starb an Herzschwäche der langjährige Oberbürger- meister von Rixdorf Hermann Boddin, der mit den Schicksalen der Nachbargemeinde seit vielen Jahren aufs innigste verknüpft war. Boddin, der 1874 die Verwaltung Rixdorfs übernahm, war der erste Bürgermeister der austtrebenden Gemeinde, die unter seiner Leitung am 1. April 1590 Stadt wurde. Obexbürgexmeister «oddin hat ein Alter von 63 5wkr->n lieber skandalöse Berkehrsverhaltnisse schreibt uns ein Leser: „Seit Verlängerung der Linie Nr. 7 der Straßenbahn, toelche im Frühjahr d. I. erfolgte, spotten die Verkehrsverhältnisse aus ge- nannter Linie jeder Beschreibung. Bis vor zirka 6 Wochen kam z. B. der Wagen, welcher 6 Uhr 23 Min. von der Herthastraßc, Ecke Hermannstraße, abfährt, gleich mit Anhängewagen an der End- station an. Seit dieser Zeit aber mutz der Motorwagen den Anhängewagen erst auf der Tour vom Ringbahnhof Rixdorf mit- nehmen. Da nun Ringbahnhof Rixdorf Endstation für Linie II, V, 1b und 47 ist, so kann der Wagen Nr. 7 gar nicht an seinen An- Hänger heran kommen, so daß das Abholen des Anhängers einen Zeitraum von durchschnittlich 10 Minuten in Anspruch nimmt. Sehr oft ist er schon eingefahren, muß dann aber wieder zurück, weil die Abfahrtszeiten der verschiedenen Linien nahen und diese Wagen ausfahren müssen. Die Anhängeioagen bleiben dahinter stehen. Fahrplanmäßig soll der Wagen 6 Uhr 23 Min. Hertha- straße abfahren und 0 Uhr 53 Min. am Halleschen Tor sein. Nicht einmal traf das in den letzten 0 Wochen zu, häufig war der Wagen 5 Minuten nach 7 Uhr, also mit einer Verspätung von 12 Minuten da. Das Schimpfen auf die Angestellten wegen der Bummelei hört deshalb auf der ganzen Fahrt nicht auf. Am Hallcschcn Tore leert sich der Wagen bis zur Hälfte, also alles Leute, welche um 7 Uhr in Geschäften in der Nähe des Halleschen Tores sein müssen. In den meisten Geschäften kostet das Zuspät- kommen Strafe. Schreiber dieser Zeilen mutzte wiederholt 20 Pf. Strafe zahlen, obwohl er überreichlich Zeit hat, wenn der Wagen nur einigermaßen pünktlich eintrifft, auf 3— i Minuten sieht man schon nicht. Bescheinigungen über das zu späte Eintreffen bekommt man auch nicht, wie es bei der Stadtbahn üblich ist, also muß man das Verschulden der reichen Straßenbahngesellschaft mit seinem sauervcrdienten Geld sühnen. Die einzige Linie, welche man sonst noch benutzen könnte, ist Nr. 55; dieselbe kommt aber stets voll- besetzt aus Britz an. An Mitkommen ist gar nicht zu denken. Auf meine Beschiverde bei der Straßenbahn bekam ich einfach die Antwort, der starke Verkehr von Rixdorf mit den vielen Anhänge- und Einsatzwagen sei nicht so leicht zu bewältigen, es soll dem Bahnhof mal gemeldet werden, daß der Anhängewagen zeitig genug herauskommt. Das wird aber wenig nützen wegen der Abfahrts- zeitcn der anderen Linien. Ferner wurde ich auf die Umbauten auf der Strecke verwiesen, aber mit Unrecht; die ganzen Versäum- nisse entstehen eben ain Ringbahnhof Rixdorf, so daß der Wagen, mit Anhängewagen versehen, gewöhnlich erst 6 Uhr 40 Min. statt 6 Uhr 28 Min. abfahren kann." Es wäre dringend notwendig, wenn die„Große Berliner" den unerhörten Zuständen endlich ein Ende machte. Grost-Lichterfelde. Eine folgenschwere Eisenvahntatasirophe ist Montagvormittag in Groß-Lichterfelde durch einen glücklichen Zufall verhütet worden. Gegen 11 Uhr passierte ein mit 2 Pferden bespannter Kohlenwagen der Firma Sasse in Groß-Lichterfelde den Bahnübergang der Anhalter Bahn im Zuge der Wilhelmstraße, als der um 11 Uhr 0 Min. auf dem Anhalter Bahnhof fällige Schnellzug von Halle a. S. her angesaust kam. Der Kutscher, die furchtbare Gefahr erkennend, peitschte auf die Pferde ein und fuhr in rasendem Galopp über die Schienen. Die Hinterachse war kaum einen halben Meter von dem Gleis entfernt, als der Schnellzug vorbeisauste. Hätte der Kutscher nicht die Geistesgegenwart gehabt, die Pferde anzutreiben, so würde der Vorfall leicht zu einer unübersehbaren Katastrophe geführt haben. Der Uebergang ist zwar durch Schranken geschützt, doch werden diese nicht herabgelassen. Seitens der Bewohner von Groß-Lichterfelde ist schon vor längerer Zeit die Höherlegung der Anhalter Bahn gefordert worden und der gestrige Vorfall zeigt, wie dringend notwendig eine Aendcrung deS jetzt lebensgefährlichen Zustandes an dem Bahnübergang in der Wilhelmstraße ist. eines eigenen Organs für den Kreis ausgesprochen, wurde ein- stimmig demgemäß beschlossen. Die Formulierung eines dies- bezüglichen Antrages wurde dem Vorstand überwiesen. Als Tele- gierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Grögerchen, Böhle und Rührmund gewählt. Der vorgeschrittenen Zeit wegen wurden die nicht erledigten Punkte der Tagesordnung der nächsten Versammlung überwiesen. Lese- und Tiskutierklub„Tüdost". Heute abend LH, Uhr bei Tollsdors, Görlitzerstr. 58: Vortrag. Gäste willlomme«. Vermilcktes. Reinickendorf-Ost. In der Generalversammlung des Wahlvercins am 10. d. M. referierte Genosse Störmer über die Aufgaben des diesjährigen Parteitages und des internationalen Kongresses. Die Vcrsamm- lung schloß sich den Ausführungen des Referenten in allen Punkten an, besondere Anträge wurden nicht gestellt. Dem Vorstandsbericht war zu entnehmen, daß im letzten Halb jähr ein Mitgliederzuwachs von 75 Personen zu verzeichnen war, dem jedoch leider ein Abgang von 47 Personen gegenüberstand, und zwar waren 23 Mitglieder verzogen; 4 ausgetreten, 1 gestorben und 19 mußten wegen rcstierendcr Beiträge gestrichen werden. Der Mitgliederstand beträgt zurzeit 395. Im allgemeinen war das Berichts-Halbjahr nach den Reichs- tagswahlen ohne besondere Ereignisse. Der Kassenbericht wies einen Barbestand von 151,35 M. auf, an den Kreisbezirk wurden abgeführt 381,95 M. Auf Listen für die Reichstagswahl wurden 311,30 M. gesammelt. Das Stiftung»» fest, verbunden mit Kunstabend, ergab einen Ueberschuß von 42,85 M. An Stelle der ausgeschiedenen Revisoren Gen. LüderS und Eufe wurden die Gen. Andres und Nielsen gewählt. Spandau. Ter WaHlvereiu hielt am 16. Juli seine Generalversammlung ab. Den Bericht vom letzten Quartal erstattete Genosse P i e s c r. Demselben ist etwa folgendes zu entnehmen: Nach dem Wahl- kämpf, der eine große Anstrengung der Genossen erforderte, fei eine Periode der Ruhe eingetreten. Diese Ruhe müsse jedoch jetzt wiederum einer gesteigerten Parteitätigkeit weichen, da bekanntlich zum Herbst die Stadtvcrordnetenwahlen stattfinden. In der Zwischenzeit habe der Vorstand die Absicht gehabt, eine Protest Versammlung einzuberufen weil der Magistrat 600 M. aus dem städtischen Steucrsäckel aus Anlaß des Gauturnfcstes der bürger- lichen Vereine bewilligt hatte. Die Ausführung dieses Vorhabens sei jedoch durch verschiedene Umstände durchkreuzt worden. Der Redner mißbilligte, daß bei solchen Feierlichkeiten auch noch ein Teil Parteigenossen eine Statistenrolle spielen. Merkwürdig sei auch, daß bei dieser Feier den Wirten die Erlaubnis erteilt worden ist, bis morgens 4 Uhr offen zu halten, während bei sozial- demokratischen Festlichkeiten anders verfahren werde. Es haben stattgefunden 2 Versammlungen, 3 Sitzungen der"erweiterten Parteileitung und 3 Vorstandssitzungcn. Hierauf gab Genosse Schuster den Kassenbericht und die Abrechnung von der Mai- feier. Letztere ergab eine Einnahme von 901,55 M. und eine Ausgabe von 432,70 M. Die Einnahmen des Wahlvcreins betrugen inklu- sive einem Bestand von 134,30 M. vom vorigen Quartal 1210,71 M., denen eine Ausgabe von 929,38 M. gegenüberstand. Hierbon wurden an den Kreis 731,38 M. abgeliefert. Hierauf gab Ge- nosse Böttcher einen längeren Bericht des Arbeitcrbildungsaus- schusses. Wenn der Ausschuß nicht mehr geleistet habe, so sei die Interesselosigkeit der gewerkschaftlich und politisch organisierten Genossen daran Schuld. Schon die beiden Versammlungen mit wissenschaftlichen Vorträgen seien sehr schlecht besucht gewesen. Man habe deshalb von weiteren Arrangements für diesen' Sommer abgesehen, jedoch treffe der Ausschuß bereits seine Vorbereitungen für den Herbst. Eine ausgedehnte Debatte rief die eventuelle Verlegung des Zahlabends auf den zweiten Mittwoch nach dem Ersten jeden Monats hervor. Beschlossen wurde mit einer Stimme Majorität, es bei dem jetzigen ModuS zu belassen, lieber die be- vorstehende Kreisgeneralversammlung referierte Pieser. Er gab zunächst den Bericht von den Verhandlungen der Siebener- kommission, soweit sie sich mit dem Antrag Spandaus—„Gründung eines Kreisorgans für die Partei"— beschäftigt hat. Man habe die Angelegenheit nach jeder Seite hin geprüft. Insbesondere habe die Kommission die Gründung eines Kopfblattes in Er- wägung gezogen, wofür er, Redner sich nicht recht habe be- geistern können. Schließlich sei die Kommission, unterstützt durch das Sachverständigenurteil der Genoffen Sidow und Wolf von der„Brandenburger Zeitung" zu der Ucbcrzcugung gekommen, daß ein Kopfblatt zu große Kosten und Schwierigkeiten vcrur- fachen würde. Die Kommission sei jedoch der Ansicht gewesen, mit einem entsprechenden Antrag an den Parteitag zu gehen. Nachdem sich mehrexe Rchnxr für dieiNotwendigkeit der Schaffung Nachtfröste im Juli. Im südlichen Thüringer Wald vernichteten, wie au» Sonncberg gemeldet wird, Nachtfröste die Gurken- und Kartoffelernte. Die Temperatur sank bis 2 Grad unter Null. Ueber einen Eisenbahnunfall wird amtlich aus Stendal ge- meldet: Gestern nachmittag um 5 Uhr ist auf hiesigem Bahnhof der auf der Durchreise befindliche Arbeiter Johann Zima aus Obernitz in Böhmen beim verbotswidrigen Ueberschrciten der Gleise durch eine Rangicrmaschine überfahren und getötet worden. Es liegt eigenes Verschulden des Verunglückten vor. Abgestürzt. Nach ei« bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Nachmittags 41/, Uhr: Ein toller Ehemann. Ne seine Nummer. Die(Äauklerin. Victropol. Der Teusel lacht dazu. Apollo. Der Hochzeitsgast. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geistcrauto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. Neichshallcn. Winter-Tymian. Passage. Spezialitäten. Sternwarte. Jnvalideuitr. S7/ö2. Urania. Dandenitrasie 4N/4U. Im Lande der Mitternachtssonne. ScMIel-TUs 0. (Wallner-Tbeater.) Morwih-Oper. Mittwoch, abends 8 Ubr: Gastspiel I>Qlni'IoI, Itiit«!: I»vi' 1't'<»uktros»�usstvllungs»?ank. Ken erbaut: Festsäle, Caf6 nnd Konditorei, gedeckte Gartenhalicu, Fontaine luniinease. Dejeuners von 2,50 Mark an bis 2 Uhr nachmittags. Diners und Soupers von 4 Mark an. Doppelkonzert. Illuminationsabende großen Stils. 32/13« Urania. |Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf.. Kinder unter 10 Jahren die H&lfte. Schiller-Theater N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Thealer. Abends 8 Uhr- KyNtz-plM. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. UM null Sohn. Morgen und solgende Tage: Bater und Sohn. rhealer des Westens. ■ TwendS 8 Uhr: l>io lustige Witwe. Operette in 3 Allen v. Franz Lehar. Lustspislkaus. Ansang 8 Uhr. Die Welt ohne Männer. Hetropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahrosrovue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaendor. Dirigent Max Koth. In Szene gesetzt von Direktor Kichard Schulte. Hauchen überall gestattet. Ab 8 Uhr: Das graste uliiiber> trcssliche komische Programm. U. a.: Jean Paul, Humorist. Iran(klermontS ZIrkuS-Parodie Barnum u. Beileid. 10 Uhr:-Tm Der Glon der Sommersaison! KlartstvIiR in seiner Burletle „vor»oekSvjtsxast" als Ortsporftchcr Lehmann. lMMMIHUI Gr. Franksurlerftr. 182. Im Garten, Ans. ilL Uhr: Das erstklassige Juli-Program m. Sperrsitz 50 Ps. Entree 30 Pf. Im Theater abends 8'/, Uhr: Zum 50. Male: Oer große Unbekannte. _ Sommerpreise. Hasenheide 108—114. Jeden Mittwoch: Ernte-Fest. Kinderbelustigungen jeder Art. Gratisverlosuug: 1. Preis für Mädchen: 1 goldene Tamenuhr. 2. Preis sür Knaben:| goldene Herrenuhr. Gr. Doppel-Konzert Spezialitäten-Vorstellung. Tanz=Reunion. Ansang 4 Uhr. Entree 15 Ps. Passage-Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Der große VerwandlungsküDStler Artnro Bernardi. Berlins schickste Soubrette Ida Perry 14 VariMi-Sensationen 14 W. Noaeks Thealer. Direltwii: Roh. Olli. Brimiienstr. 16. Täglich großer Erfolg I 9'/. uhn Die Kmellburger oder: Ei» Stück Alt-Berlin. Donnerstag, den 27. Juli: Benefiz sür die Hauskapelle: Ein treues Meuschenherz. Bei schlechtem Wetter: Vorst. Im Saal. Brunnen-Theater Badstratze 58. Direkt.; Bemh. Rose. Täglich- Mit großem Erfolge: Carmen. DaS erstkl. Spezialitäte»- Progr. Tk» 3 läillcns. P. Vendaro. Roberts Comp. Neitzel-Luri-Trlo. Gebr. Damm, lom. Akrobaten. Artur Wollt, Rinalamps-Parodist. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Montag, 5. August: Benefiz sür den Oberregisseur Heinrich Richter. Fröbels Allerlei-Theater früh. Puhlmann, Schönh. Allee 143. Aeltestes Vollstheater Berlins. Heute sowie täglich:"Kl GrosieS Konzert, Theater und Spezialititten-Borstellung. 80 durchweg erstllass. Kunstkräste 20 Schlager auf Schlagerl Ferner: Nur noch kurze Zeit: Großatadtzunbor. Im Saale: Täglich Ball. Ansang 4'/« Uhr. Entree 30 Pf, Am 25. Juli: Benefiz sür den Kapellmelsier Sommerfeld. Achtung!-Mg Sonn abend, den 27. d. M.: GriS iiachtSfest! Alle ausgegebenen El und Freitarten haben Gültigkeit. !ommer> 8l:li«e!zBrggl!en Arn fälligster. Am Frisdrichshain. Straßenbahn 1.2.4,17.59, 52. 53 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kinematograpb und Ball. Freier Oamentanz. Ansang 5 Uhr. Entree 80 Pf. Prater- Theater. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber. 8pcxialltdten 1. Range«. Austreten der I.bwcnbi-nnt Tilly B«5b6 mit ihren dress. Löwen. Konzept und Ball. _ Ansang i'j, Uhr._ v Max Kliems Sommer Theater Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Taglieii: Gr. Konzert Tlieater ii. Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Tag. Die Kasseeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Weinbergsweglp/�o, Rolenth.Tor. 15 Juli-Tpezialitäten. Ppomenadeu- Konzert. Ans.! Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. WA- Bei ungünstigem Weiter Vorsiettung im Iheater 8 Uhr. Kleine Sommerpreise. Vohlsggllöli-Thszlöl. 8ad-BehmsIraSs— Bahnhof Gesundbrunnen— BsIIermannsiraBs. Der rechte Weg. Original« Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von W. Gericke. Hierzu: - Das neue—— Riesen-Spezialitäten-Programm. Volksbelustigungen. Reiehsballeu- Theater. Gastspiel des berühmten Winter- Tymian mit seiner Herren- gescllschäst. Anfang 8 Uhr. � 1. Aug.: Wieder« [=£• beginn der Soireen der Steit. Sänger. Lsnssouvi, Kottbuser Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geössnet. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hofljnannis I. -.VÄ Ä I/ 1« u. Tanzkriiuzchen. Stets hochinteressantes Programm. Sonnlag Beginn 5, wochent. 8 Uhr. Drei Dinge sind nötig zur Stellung bester Cigaretten: 1., Umfassendes Verständais der Fabrikation.? 2. Allerbeste Rohmaterialien. 3. Technisch vollkommenste Fabrikeinrichtung. Dafür zu sorgen ist unsere Sache. Eins nur ist nötig zum Einkauf, bester Cigaretten; darauf zu achten» dass die Cigaretten die Marke /,5 Uhr, von der Halle des Thomas-Kirchhoses aus statt, Oio trauernden Hinterbliebenen. Zkutral-Kraulleu- uud Stfrhfliafffhfrjhnuifm. Filiale Schöneberg.. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kamerad prieärich Klein versterben ist, Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25, d, M., nach- mittags 6. Uhr, von der Leichen- Halle in der Maxstraße aus statt, 259/8 Der Borstand. Vera der Ziminerer Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am Montag, den 22, Juli, starb unser langjähriges Mitglied krieclrich Klein (Zahlstelle Schöneberg), Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. d. M., nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des Schöncbergcr Kirchhofes in der Maxstraßc aus statt. Rege Beteiligung erwartet 257/17 Der Vorstand. Am Montag, den 22, d. M.. um 9 Uhr vormittags, verschied ianst nach schwerem Leiden mein lieber Bruder, der Tischler ffudolk Leyfeld im 47. Lebensjahre, 1966b Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Richard I-eyfcld. Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 26, Juli, nin 2 Uhr nachmittags von der Leichenhalle des Mariendorser Kirchhojes. Danksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Dahinscheiden meines lieben sohncs hickard Moritz sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten und besonders dem Sparverein.Vorwärts" meinen herz- lichsten Dank. 1960b »an X-eben geb. Boritz. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teunahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Gastwirts Aldert Fincke sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren tiefgesühltcstcn Dank. 5506L Angnste Fincke n. Söhne, Goßlerstr. 19. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher und inniger Teilnahme bei der Be- erdigung meines geliebten Mannes Jokannes Werner sage ich allen, insbesondere dem Herrn Grnnwald für seine trostreichen Worte, und den Mitgliedern ves Gesangvereins„Morgenrot" meinen ttesaesühltcn Dank, 5508L »Ida Werner geb. Schäfer, _ Friedenau, D 21 H k S 21 � 11 H �• Allen denen, die»ms tröstend um- standen, als wir das schwerste durch- kämpsen mußten, unser einziges liebes Kind binzugeben, sagen wir unseren herzlichsten Dank, 5507L Bie trauernden Eltern Edmund Pawclleck und Frau. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahtne bei der Beerdigung meines lieben Mannes Wilhelm Simon sage ich allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie den Kollegen der Hausverwaltung A. E.-G., Acker- straße, meinen besten Dank, 5509L Witwe Simon nebst Kindern. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzeDSlr.41,„diÄ, 10-2, 5—7. Sonntags 10-12, 2-4. Sozialilemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reiehstaiswalireis (Köpenicker Viertel). Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Gastwirt dobaim Baum wohnhast Wrangelstr. 12, Stadtbezirk 99 gestorben ist. 262/13 Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Thomas-Kirchhoses in Rixdorf, Hermannstraße aus statt. Ilm zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Vorstand. �iMellloltrsljzcdei'Mvereiii des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. In voriger Woche verstarb durch Unfall unser Mitglied lvgn8l Beiliepriern Schönhauser Allee 57. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Gethsemane-Kirch- hoses in Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 265/2 Ber Vorstand. Verhanö der freien Gast- und Schankwirte Deutsehlands. Zahlstelle Köpenick. Am Sonntag, abends 8-/, Uhr, oerschied unjcrKollege, der Schank- Wirt Moll in: Alter von 46 Jahren, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Grünauerstr. 7, aus statt. 70/8 g Zahlreiche Beteiligung erwartet Ber Vorstand. Kopvnivk. Deutscher Zimmerer-Verband. Den Kollegen zur Nachricht, daß der Genosse, Gastivirt sfakoh Moll am Sonntag verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Juli, nach- mittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Grünauerstr. 7, aus statt. Die Kollegen werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu be- teiligcn. 202/12 Der Borstand. Deverkselisflsknrteii Köpenick. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriger Vereins Wirt, Genosse «lakoh Moll im Alter von 46 Jahren ver« starben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Grünauer- straße 7, aus statt, 202/11 Um recht zahlreiche Belelligung ersucht Der Obman». Deutscher Dolisrbeiter Verbund Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Maschinenarbciter Franz Waginer am 20. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Dle Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Pius-Kirchhoscs in Hohen- Schönhausen aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht 91/2 die Ortsverwaltung. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. nach Mass, schick, dauerh. von20 Mark an. Moritz Laband, Oranienburger Strasse• 7? 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