Nr. m. Bbenncmfntä'Bcdingungcn: Sllonnetncntä• Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mk,, monall. 1,10 Ml, wächenilich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage«Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs. Preisliste. Unter Kreuzband tür Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Solland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. Crtdjelnt«glich außer montags. Nevlinev Volksbwtt. Die Tntei'tlonS'Gebflljf beträgt für die scchsgcspaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Ulelne?n-elg«n", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdetnohrati fchen Parte! Deutfchlands. Redaktion; 8W. 68, Lindcnstraese 69. Fernsprecher: Amt FV, Nr. 1983. Freitag, de« 36. Juli 1967. Expedition: SSI. 68, Litidcnstraaac 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. All die Piirtklgklilijskli Preußells! Durch die am Anfang dieses Jahres stattgehabten Reichstags Wahlen waren die Unterzeichneten gezwungen, die für Ende 1906 geplante Zusammenkunft der Parteigenossen Preußens zu verschieben. Wir berufen nunmehr im Einverständnis mit dem Parte! vorstand und der Organisation Groß-Berlins den zweiten preußischen Parteitag auf Donnerstag, den 21. November, früh 9 Uhr, nach Berlin, in die Räume des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15, ein und bitten die Genossen Preußens, diese Tagung durch Delegierte beschicken zu lassen. Als vorläufige Tagesordnung und Referenten sind in Aussicht genommen: 1. Die Organisation in Preußen. Referent: Genosse Hugo Haase-Königsbcrg. 2. Die bisherige Tätigkeit deS preußischen Landtage? und die Wahlrechtsfrage in Prcnße«. Referent: Genosse Eduard Adler-Kiel. 3. Die Laudtagswahlen 1908. Referent: Genosse Dr. Leo Arons-Berlin. 4. Die Lage der StaatSarbeiter in Preußen. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Karl Legieu. 6. Selbstvcrwaltnng nnd Gemeinde. Referent: Stadt verordneter Genosse Panl Hirsch-Charlottenburg. Die weiteren Veröffentlichungen werden im August erfolgen. Alle Anfragen, sowie die Anmeldung der Dele- gierten sind an den Mitunterzeichneten, Leopold Licptnann, Berlin«8, Lindenstraste 69, zu richten. Mit Parteigruß! Eugen Ernst. Emil BoeSke. Leopold Liepmann. zurückzukehren ist viele Kulturfort- sich aber auf früher errichteten so hat man wenig Ihoclstvaiiergesahr. Die schrecklichen Verwüstungen, die zum so und so vielstcn Male ein großer Teil Schlesiens in den letzten Wochen durch das Hochwasser erlitten hat, haben wohl in jedem den Wunsch geweckt, daß endlich etwas Ernstliches zur Beseitigung dieser Gefahr geschehen möge. Bisher hat man immer durch Deiche, Uferbefestigungen, Bach- und Flußregulierungen, Korrek- tionen usw. das Wasser einzudämmen gesucht, und viele denken auch heute wieder nur an die Ausführung dieser Schutzmaßregeln nnd zwar durch den Staat, obwohl die bisher ausgeführten Deiche. Uferbefestigungen usw. sich meist, namentlich bei den Gebirgswässern, als ungenügend zur Verhütung der Ueber- schwemmungen erwiesen haben. Die Hochwässer werden, wie jeder weiß, durch atmo- sphärische Niederschläge hervorgerufen, die, wie die Regenmesser ergeben, im Gebirge stärker als im Flachlande erfolgen. Die Kondensation(der Niederschlag) der verdunsteten Wassermengen erfolgt in unseren Gegenden namentlich dann, wenn die mitWasser geschwängerte Luft vom Winde an das kältere Gebirge getrieben wird,— in Schlesien also meist, wenn der Ostwind die aufiteigenden Wasserdünste gegen die höheren Teile des Riesen- und Eulengebirges treibt. Das dann als Regen niedergeschlagene Wasser sammelt sich in vielen kleinen Rinnsalen, die es schnell Bächen und Flüssen zuführen. Aber diese Niederschläge er- folgen in verschiedener Stärke. Oft nur so, daß sie von den Rinnsalen, Bächen und Flüssen ohne Schwierigkeit weiter ge- führt werden können. Von Zeit zu Zeit aber. z. B. im Früh- jähr beim plötzlichen Eintreten von Tauwetter, oder im Sommer und derbst bei starken Gewittern und Landregen erfolgen diese Ntederschläge so schnell und massenhaft, daß die Rinnsale. Bäche und Flüsse bald zum Ueber- fluten anschwellen und furchtbaren Schaden anrichten, indem sie alles, was ihnen entgegensteht, mit furchtbarer Kraft weg- reißen und zerstören. Durch das Hochwasser am Bober und Oueis am 3t. Juli 1897 wurde an einem Tage allein für 10 Millionen Mark angemeldeter Schaden verursacht. Das ist nicht ver- wunderlich. Hat doch der Geheime Regierungsrat Jetze be- rechnet, daß die von den Quellen bis zur Oder zum Teil von 1300 Metern Höhe herabkommenden Wassermassen des Oueis- und Bobergebietcs im Mittel eine Angriffsleistung von zehn Millionen'Pferdekräfte bedeuten, welche in einzelnen Stunden sich auf 20 Millionen Pfcrdekräfte steigerten, die statt nutzbringend verwendet zu werden, hier nur zerstörend wirkten. Aber so schnell diese Wassermassen alle Gräben und Bäche füllen und alle Dämme überfluten, so schnell verlaufen sie sich in heusiger Zeit wieder, nur Geröll und Sandmassen zurücklassend, die Aecker, Gärten und Flußbett versanden und verwüsten und so eine immer weitere Erhöhung der Dämme usw. erfordern. Dieser Wassernot folgt daher oft nur zu bald Wasser- mangel und anhaltende Dürre. Früher war das anders. Da verlief sich der Gewitter- regen langsamer, blieb zum großen Teil in Teichen, Tümpeln, Angern, kleinen Gruben, Steinbrüchen, Mooren, Sümpfen und Wäldern stehen, aus denen sich das Wasser nur sehr langsam und nur zum Teil versickerte. Daher war Deutschland früher ein feuchteres Land und hatte ein gleich- mäßigeres Klima. Heut hat sich das geändert. Tümpel und Anger haben unsere heutigen Landwirte beseitigt; ebenso viele Teiche, auch Moore und Sümpfe haben sie durch Dränieren trocken gelegt und alles zum Anbau von Kulturpflanzen ver- wendet. Desgleichen sind viele Waldflächen, die sich früher auch in der Ebene zwischen den Feldern hinzogen, zu Ackerflächen adaptiert worden und werden es immer mehr. Die Dränageröhren leiten das Wasser von den Mooren und Sümpfen schnell ab in die größeren Flußläufe, ebenso die zwischen den Feldern angelegten geraden und oft ziemlich steil abwärts gehenden Gräben. Ferner begünstigen die sich immer vergrößernden Eisenbahndämme und Chausseen den schnellen Abfluß des Negenwassers, ehe es in die Tiefe einziehen kann. Andererseits wird durch jede Anlage von Ge- bänden in Dorf und Stadt der Erdboden bei der Bebauung, Pflasterung oder Chaussierung in der einen oder anderen Weise für das Eindringen von Feuchtigkeit unzugänglich gemacht, gewissermaßen gepanzert. Ferner ist die Korrektion und Regulierung der Flüsse im Interesse der Schiffahrt bestrebt, immer mehr alle Krünimungen und Biegungen, die den Laus der Flüsse verlängern und die Schiffahrt verlangsamen, zu beseitigen. Aber zu den früheren Zuständen unmöglich. Da müßte man auf schritte verzichten. Beschränkt man die Erneuerung und Ergänzung der Schutzwehren und Dämme oder Deiche, Aussicht, dadurch neue Ueberschwemmungen zu verhüten. Man niuß vielmehr seine Bemühungen darauf richten, den schnellen Abfluß der plötzlich erfolgenden atmosphärischen Niederschläge schon iwden höheren Gebirgstälern aufzuhalten und zu verlangsamen. Darauf ist man auch in wärmeren Ländern wie Aegypten und Indien schon früher mit Erfolg bedacht gewesen, wo Regenmangel und Dürre noch leichter als bei unS eintreten. Man hat z. B. im obcrenLaufe deSNilhoheDämme und Talsperren errichtet, wodurch man den Abfluß des WasserS nach Wunsch verzögern konnte. Auch im südlichen Europa hat man schon früher ähnliche Sperrwerke errichtet, so in Italien, Spanien und Frankreich. Heute hat man, namentlich in Frank- reich, solchen Bauten eine derartige Sicherheit gegeben, daß Durchbrüche bei ihnen, wie sie sich früher in Amerika er- eignet haben, nicht mehr vorkommen können. In Rhein- land und Westfalen hat man seit zirka zehn Jahren vierzehn zum Teil sehr große Talsperren errichtet, die die Niederschläge eines Niederschlagsgebictes von zusammen 515 Quadratkilometern aufnehmen können, nämlich 74 967 000 Kubikmeter, und deren gesamte Kosten von 14390000 M. fast nur durch Beiträge der Kreise, Gemeinden und interessierter Private aufgebracht wurden. Ihre Verzinsung und Amortisation wird durch Abgabe der mit ihnen erzeugten elektrischen Kraft voll- ständig gedeckt. So hat der Kreistag Aachen mit den Kreisen Aachen-Stadt, Düren und Schleiden eine Gesellschaft m. b. H. zur Ausführung der Urftalsperre gebildet und sich an dem Unternchirlen mit 1� Million Mark beteiligt. Diese Tal- sperre bei Gemünd in der Eifel deckt mit ihrem Stauinhalt von 4514 Millionen Kubikmeter bei 100 Meter Gefälle die rund 71/2 Millionen betragenden Anlagekosten durch Aus- Nutzung"der geschaffenen Energie in einer Kraft- zentrale. In Schlesien, der Provinz, die bei weitem am meisten vom Hochwasser zu leiden hat. ist bis jetzt nur der Bau von zwei Talsperren unternommen worden, eine bei Mark-Lissa am Oueis und eine bei Lähn am Bober. Für letztere na- mentlich sind so große Dimensionen angenommen, daß sie nach Vollendung die berühmte Urftalsperre noch übertreffen wird. Wohl hat die gewaltige Sperrmauer in einer Breite von 200 Meter und einer Stärke an der Sohle von 50 Meter, so weit sie fertig ist, dem Ansturm des diesjährigen Hochwassers lland gehalten, aber da sie eben noch nicht vollendet ist, hat ie nicht die Verwüstung des Untertales in diesem Sommer verhindern können. Wäre der Bau ein Jahr früher begonnen worden, so wäre er jetzt schon bald beendet und das Bober- gebiet unterhalb wäre von der Verwüstung verschont ge- blieben. Doch auch wenn diese Bober und Queissperren voll- endet sein werden, ist dadurch nur ein kleiner Teil Schle- siens vor weiteren Hochwasserschäden geschützt, so lange nicht in den anderen Nebenflüssen der Oder, namentlich der linken, also in der Katzbach, Weistritz, � in den drei Reißen, Ohle, Steinau, Oppa und Hotzenplotz in ihrem oberen Laufe eben- falls Talsperren errichtet sind. Nur die Errichtung von Talsperren auch in diesen Odernebenflüsfen kann die Provinz vor weiteren Verwüftungen wirksam schützen. Aber wegen Bestreitung der dazu nötigen, allerdings sehr hohen Kosten dürsten in dieser ostelbischen Provinz wesentlich größere Schwierigkeiten als in der Rheinprovinz und Westfalen cnt- stehen. Wenn nun wegen der Repartierung der nötigen Bei- träge auf die einzelnen Interessenten keine gütliche Einigung erzielt werden kann, so könnte die. Gesetzgebung diese obligatorisch repartieren. Unsere Agra- rier find allerdings gewöhnt, daß der Staat ihnen alle Lasten abnimmt, und so lange das Dreiklassenwahlrecht für den preußischen Landtag bestehen bleibt, wird in dieser Hinsicht kaum eine wesentliche Aenderung eintreten. Zwar sieht das schlesische Hochwassergesetz vom Jahre 1900 in Ergänzung früherer Vorschläge vor, daß nicht nur durch Erweiterung der Flußprofile Vorflut geschaffen, sowie daß die Ufer und zum Teil die Sohle der Wasserläufe befestigt, und daß Felsblöcke und Gerölle schon im Gebirge durch Wildbachverbauungen festgehalten werden sollen, sondern daß auch der größte Teil des schädlichen Hochwassers in Sammelbecken und größeren Teichen festgehalten und zu gelegener Zeit unschädlich, zum Teil sogar nutzbringend abgelassen werden soll; doch zur Ausführung dieses Gesetzes ist inzwischen sehr wenig ge- schehen, weil die anliegenden adligen Grund- besitzer sich sträuben, zu den Kosten bei- zutragen, so daß diese Provinz in diesem Jahr wieder vom Hochwasser verwüstet werden konnte. Man sollte freilich meinen, daß die Forderung der Kostenrepartierung auf alle Interessenten selbstverständlich sei. Mit d e m s e l b c n R e ch t, mit dem man Arbeiter zwingt, in die Krankenkassen und Alters- und Jnvalidenkassen Beiträge zu zahlen, könnte man auch die betreffenden Anlieger zwingen, Bei- träge für Einrichtungen zu zahlen, die für ihre Besitzungen und Unternehmungen durch den Schutz vor Hochwasser und die Versorgung mit einem gleichmäßig anhaltenden Wasser- flusse von hohem Nutzen sind. Doch wenn die Agrarier, die hier in Schlesien wesentlich dabei interessiert sind, im preu- ßischen Landtage die Errichtung der Sperren hintertreiben wollen, so wissen sie das auch durchzusetzen. Sie haben das deutlich beim„gräßlichen Mittellandkanal" bewiesen. Lehnen aber die Agrarier die Beteiligung der Anlieger am Bau der Sperre im Landtage ab, d a n n sollte der Staat die Errichtung derselben allein, event. nurunterBeteiligungderStädtedurch- zuführen, denn die Einkünfte der damit zu errichtenden elektrischen Kraftzentralen würden voraussichtlich die Zinsen und schließlich die Amortisation der Errichtungs- und Be- triebskosten in Schlesien ebenso aufbringen, wie sie bei den von den Städten Remscheid, Barmen, Aachen usw. aus den bei den Sperren im Eschbachtal, im Wuppertal und im Urs- tal errichteten elektrischen Kraftzentralen reichlich gedeckt werden. Jedenfalls nützen die 100 Millionen, die der Staat dann vielleicht in diese Unternehmungen zu stecken genötigt wäre, ihm und der Bevölkerung weit mehr, als wenn er damit polnische Güter aufkauft, oder sie für Kol.opialzwecke zum Fenster hinauswirft.' � Liberale llnehrlichlteit. Herr Naumann hatte an uns die Frage gerichtet, was den« der Freisinn tun könne, um eine energische Wahl» rechtSbewegung in Preußen zu unterstützen. Wir hatten darauf Herrn Naumann eine Antwort gegeben, die an Klar» heit sicherlich nichts zu wünschen übrig ließ. Wir hatten, um daS von uns Gesagte kurz zu rekapitulieren, ausgeführt, daß der Freisinn. statt mit gekreuztenArmen die Erfüllung der»Versprechungen" der Regierung abzuwarten, gleichzeitig mit der Sozial- demokratie eine WahlrechtSbewegnng unter den Massen entfesseln müsse. Die stark verbreitete freisinnige Presse könne durch eine systematische Agitation außerordentlich zur Entfachung der Wahlrechtsagitation beitragen. Eine solche Agitation biete auch den vorteil, das Zentrum ebenfalls in eine solche Wahlrechtsbewegung hineinzureißen, damit also den Druck ans die Regierung zu erhöhen und gleichzeitig der junkerlichen Reaktion die Möglichkeit zu rauben, die preußische Wahlrechtsfrage zur Sprengung des Blocks zu benutzen und das alte konservativ-ultramontane Kartell wiederherzustellen. Und was hat darauf Herr Naumann, das neue parlamentarische Kirchenlicht des Freisinns, zu erwidern? Er schreibt in der.Hülfe": »Der.Vorwärts" will immer noch nicht zugeben, daß die sozialdemokratische Demonstration gegen daS preußische Wahlrecht im Januar 1996 inS Wasser gefallen ist. DaS mag er nun halten, wie er will, er kennt ja die Vorgänge jenes Sonntags so gut wie wir I Wichtiger für uns ist die Frage, ob der Frei» sinn seine Schuldigkeit getan hat oder nicht. Wenn man den.Vorwärts" liest, so erscheinen die Freisinnigen als.Wahlrechtsheuchler", denen man die Maske vom Gesicht reißen muß". Das gehört leider zur politischen Methode des»Vorwärts", daß er diejenigen beschimpft. deren Mithülfe er verlangt. Durch diese Methode macht er uns die Arbeit unsäglich schwer, denn es ist in der Tat eine fast übermenschliche Geduld, die der Freisinn beweisen soll, wenn er den Sozialdemokraten be- hülslich sein soll, in den Landtag einzutreten. Ohne diese fast tägliche Beschimpferei würde es sicher viel leichter fein, gemeinsame Aktionen zur Erlangung von Volksrechten herzu- stellen. Der Freisinn ist in allen seinen Teilen grundsätzlich für Demokratisierung de» preußi- Ichen Landtagswahlrechtes, und wenn er in Zeitungen und Versammlungen sich nicht immer mit ganzer Wucht dafür eingesetzt hat(was wir nicht in Ab- rede stellen), so hat sich das die Sozialdemokratie selbst zuzuschreiben. Kein bürgerlicher Liberalismus m der ganzen Welt würde die Angriffsmethode der Sozialdemokratie aushalten. ohne dadurch abgekühlt zu werden. Bei dieser Sach- läge ist das, was der Freisinn in Wirklichkeit getan hat, nicht gering einzuschätzen. Wir erinnern an Bramels Reden im Landtag und Dr. Barths und Dr. Breitscheids Versammlungen in vielen Städten. Eine Straße ndemon st ration ist vom Liberalismus nicht zu verlangen, was aber im Landtag getan werden konnte, das hat er getan. Der„Vor- ivärts" verschiebt die Sachlage, wenn er Zentrum und Freisinn als eine einheitliche Größe behandelt. Mr haben in Wahlrechtsfragen gar nichts mit dem Zentrum zu tun." Daß Herr Naumann nichts Gescheiteres zu sagen weiß, stellt seinen politischen Fähigkeiten gerade kein glänzendes Zeugnis aus; daß er aber diese Ratlosigkeit hinter allerhand unehrlichen Klopffechtereien zu verbergen sucht, wirft auf den politischen Charakter Naumanns ein höchst ungünstiges Licht. Als bloße Ungeschicklichkeit wollen lvir eS gelten lasten, daß Naumann einmal behauptet, der Freisinn habe seine Schuldig- keit getan, und gleichzeitig zugibt, der Freisinn habe sich in Zeitungen und Versammlungen nicht immer mit ganzer Wucht für die Demokratisierung des preußischen Wahlrechts eingelegr. Als eine, freilich erstaunliche, des humoristischen Beigeschmacks nicht entbehrende Ungeschicklichkeit wollen wir es weiter gelten lassen, daß Naumann die heftigen Angriffe der Sozialdemokratie au die Untätigkeit des Freisinns als Entschuldigung für diese Untätigkeit anführt. Das heiße denn doch die Ursache mit der Wirkung verwechseln. Die Sozialdemokratie geißelt die unverant- wortliche Lässigkeit deS Freisinns in der Vertretung seiner demo- kratischen Prinzipien— und Herr Naumann behauptet, daß der Freisinn seine„grundsätzlichen" Forderungen der- leugne, weil ihn die Sozialdemokratie zur Rechenschaft zieht! Soll etwa die Sozialdemokratie den Freisinn wegen seiner Prinzip- widrigen Untäsigkeit loben? Eine befremdende Ungeschicklichkeit ist es ferner, daß Herr Nan- mann eS so darstellt, als müsse die Sozialdemokratie den Freisinn submiss« st bitten, ihr zur Vertretung im preußischen Land- tage zu verhelfen! Wir glaubten bisher, der Freisinn trete grund- s ä tz l i ch für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ein, nicht aber um der Sozialdemokratie gnädigst einen Gefallen zu erweisen I Wir wären niemals so naiv, dem Freisinn zuzumuten, für eine demokratische Wahlreform auch nur einen Finger zu rühren, wenn nicht der Freisinn und auch Herr Naumann inimer behaupteten, diese demokratische Wahlreform bilde einen wesentlichen Bestandteil des freisinnigen Programms! Die Stellung der Sozial- demokratie gegenüber dem Freisinn kann doch aber auf die Ver- tretung freisinniger Forderungen von nicht dem geringsten Einfluß sein! Unwahr ist eS aber, wenn Herr Naumann den Anschein erweckt, als hätten wir vom Freisinn eine Straßen- demonstration gefordert. DaS wäre ja an und für sich gar keine unbillige Forderung, aber wir kennen ja den Heldenmut unseres Liberalismus zur Genüge, um ihm nicht Tapferkeitsproben zuzumuten, denen er doch nicht gewachsen wäre. Wir verlangten von ihm nur einen Proteststurni durch Presse und Versamm- l u n g e n. U n w a h r ist es ferner, daß wir„Zentrum und Freisinn als eine einheitliche Größe behandelt' hätten. Wir hatten lediglich dargelegt, daß auch das Zentrum, das ja ebenfalls einen Antrag auf Einführung des ReichStagSwahlrechtS für Preußen eingebracht hat, dieselben agitatorischen Verpflichtungen gehabt hätte und noch hätte wie der Freisinn. Auch hatten wir ja die Auf- peitschung des Zentrums gerade als ein Mittel bezeichnet, die Position deS Freisinns im Block derart zu stärken, daß die Wahlrcforin nicht am Widerstand der Junker scheitern könnte! Herrn Naumanns VerlegenheitSauSflüchte verraten jedenfalls soviel, daß selbst die„entschiedensten" Vertreter des Freisinns nicht daran denken, zur Verstärkung des Wahlrechts- vorstoße» eine Volksbewegung zu inszenieren, ja ajuch nur zu unterstützen! Sie beweisen ferner, daß die nationalsoziale„Verjüngung" des Freisinus die Aktionskraft deS Liberalismus nicht im geringsten gestärkt hat. Dabei war eS Herr Naumann, der in einem programmatischen Arttkel in der „Zeit" im Jahre 1836 schrieb: „Der erste Schritt einer Partei deS nationalen Sozialismus muß die Fortsetzung des in seinem Frühling erfrorenen Liberalismus sein durch Vertretung freiheitlicher Forderungen auf dem Gebiete des Vereins- und Koalitionsrechts sowie deS Wahlrechts." DaS erste Programm der Naumann-Partei enthielt denn auch die Forderung der Ausdehnung des RcichstagswahlrechtS auf Landtage und Kommunalvertretungen. Und jetzt, wo Herr Naumann Gelegenheit hätte, den F r e i s i n n vorwärts zu drängen im Kampfe für die nattonalsozialen und freisinnigen Wahlrechtsforderungen, entpuppt er sich als Hemmschuh jeder energischen Aktion! Auch der Polittker Nau- mann ist„in seinem Frühling erfroren." Herr Naumann, der Abtrünnige, sollte sich aber vor allen Dingen auch hüten. Herrn Theodor Barth als Zeugen für sich und den Freisinn anzurufen. Herr Barth ist ja doch gerade deshalb überS Meer gezogen, weil ihn seine Partei einschließlich seines ehe» maligen Busenfreundes Naumann schmählich im Stiche ge- lasten hat! Es ist richttg, auch Herr Barth hat sich früher, wie heute Herr Naumann, über die sozialdemokratische Kritik des Frei- sinnS beklagt. Dadurch aber, daß er später selbst die Geißel ätzendsten SpotteS womöglich noch rücksichtsloser über dem Freisinn schwang, hat er die Berechtigung der sozialdemokratischen Kritik glänzend bestättgt. Wie wenig Ursache Naumann hat, die Tätigkeit Barths für sich und seinesgleichen zu reklamieren, beweist folgende Aeußecung Barths vom 6. September 1963: „Für die Freisinnigen handelt eS sich bei den bevor- stehenden preußischen Landtagsivahlen darum, ob sie es wirklich ernst meinen mit der Bekämpfung der Reaktion. Bloße Redensarten, daß man die Reaktion bekämpfen will, genügen nicht; man muß zeigen, daß man auch entschlossen ist, die bereiten Mittel im Kampfe gegen die Reaktion zu ergreifen. Das einzige wirksame Mittel im Augenblick ist ein resolutes Zusammen- wirken mit der Sozialdemokratie." viel csrm um liichtz. lleber die Verhandlungen der Haager Konferenz haben wir bisher nur sehr selten berichtet, denn wenn schon die Endbeschlüsse der Konferenz nur einen sehr bedingten Wert für das Verhältnis der Nationen zu einander haben und die Befürchtung nicht abzu- weisen ist, daß beim ersten Kanonenschuß all die schönen Resolutionen und Zusagen über den Haufen purzeln, so haben die langen, in den vielen Kommissionen, Unterkommissionen und Subkonimissionen der Unterkommissionen abgegebenen Erklärungen, mit denen die Dele- gierten der verschiedenen Staaten ihre Zeit im Haag ver- bringen, einen noch ungleich geringeren Wert. Hin und wieder ereignen sich jedoch Vorfälle, die eine gewisse Bedentung beanspruchen können— wenn auch nur eine negative Bedeutung, nämlich insofern, als sie beweisen, wie wenig sich die zwischen den Staaten bestehenden Gegensätze durch Beschlüsse und Paragraphen regeln lassen und wie die ganze Geschäftigkeit der Delegierten nur darauf hinausläuft, für die durch die EntWickelung längst geschaffenen Ver- bältniste nachträglich noch schöne schematische Formeln zu sinden. Zu diesen Vorfällen zählt auch des Baron v. Marschalls Rede in der ersten Kommission über die Stellung Deutschlands zur obligatorischen Schiedssprechung. Er erklärte, daß Deutschland, richtiger die deutsche Regierung, seit der letzten Friedenskonferenz dem Gedanken obligatorischer Schiedssprüche ge- Wonnen worden sei. Es habe sogar mit England und den Ver- einigten Staaten von Amerika Schiedsverträge für das gesamte Gebiet juristischer Streitigkeiten abgeschlosten und außerdem in seine neuen Handelsverträgen die Schiedsklausel aufgenommen. Im ge- wissen Sinne sei Deutschland sogar für einen obligatorischen WeltschiedSvertrag,— nur fehlten bei solchem Vertrag die konkreten Faktoren und man müsse mit der Möglichkeit von Streitigkeiten rechnen, deren Tragweite nicht zu übersehen sei. DeS- halb sei es verfehlt, eine Schiedsformel, die sich bei Einzelverträgen bewährt hat, ohne weiteres für einen Weltvertrag zu verwerten. Sie könne dort nur vage und u n b e st i m m t s esi n. Aber auch bei den besonderen Verträgen zwischen den einzelnen Staaten eigneten sich nicht alle Streitfragen zur Schlichtung durch Schiedsgerichte und zwar müßten folgende Streitigleiten aus- scheiden: Erstens Konflikte rein politischer Natur; denn so erklärte Herr v. Marschall nach dem Bericht der„Fraukf. Ztg.", das Wesen der Schiedssprechung bestehe in der Lösung von Konflikten durch Anwendung von Rechtsprinzipien, nach denen sich der Wider- streit politischer Interessen nicht schlichten läßt. Politische Konflikte aber gehörten in das Gebiet der Mediation. Es blieben also nur Streitigkeiten übrig, denen Rechtsfragen zu gründe lägen. Zweitens, kleinere im Grenzverkehr täglich sich ergebende Konflikte, welche jetzt auf dem Wege freund- nachbarlicher Verhandlungen erledigt würden. Es wäre durchaus unerwünscht, diese Streitigkeiten zum Gegenstand langwieriger und kostspieliger Schiedsverhandlungen heranzuziehen. Drittens, alle Konflikte, die im Leben der Völker eine,fo große Bedeutung hätten, daß es nicht angebracht erscheine, ein Schiedsgericht darüber befinden zu lasten, das heißt alle Streitigkeiten, welche die Ehre, die Unabhängigkeit oder wichtige Lebensinteressen der Staaten be- träfen, und zwar hätte natürlich jeder Staat für sich endgültig allein zu entscheiden, ob er seine Ehre und vitalen Lebensiuteressen engagiert fände, denn„man kann wohl ebensowenig einem Staate zumuten, einen Dritten die Vorfrage entscheiden zu lassen, ob eine Streitigkeit seine Ehre und seine vitalen Jnter« esten berührt, wie über eine solcheStreitigkeit selb st." Ausgeschlossen von der Schlichtung durch Schiedsgerichte sollen demnach sein: rein politische Konflikte, ganz unwichtige und ganz wichtige Streitigkeiten, welche die Ehre und Lebens- interessen der streitenden Mächte angehen. Welche Fälle sollen aber den Schiedsgerichten unterbreitet werden? Herr v. Marschall nannte als solche: „Rechtliche Streitigkeiten, die durch Auslegung und An- Wendung von Staatsverträgen entstehen. ES gäbe unzweifelhaft eine Reihe von Gebieten, welche in keiner Weise die Ehre und die vitalen Interessen berühren und wo daher daS Prinzip der obligatorischen Schiedssprechung ohne Einschränkung angewandt werden kann." Mit anderen Worten: Konflikte, die zu Kriegen Anlaß geben können, sollen nicht vor das Schiedsgericht gebracht werden, sondern nur solche, die auch bisher schon auf die eine oder andere Weise friedlich geregelt wurden. Und um dieses glänzende Resultat zu erreichen, müsten endlose Sitzungen und Reden gehalten werden? Besser als durch ein derartiges Tamtam um Winzigkeiten kann das Possenspiel im Haag nicht gekennzeichnet werden. politifcbc Qcberlicbt. Berlin, den 25. Juli 1907. Sozialdemokraten und Richter dürfen ungestraft beleidigt werden. Die„Nordd. Allg. Ztg." meldet hochoffiziös an der Spitze des Blattes: „In dem vor dem Münchener Schöffengericht verhandelten Peter s-prozeß hatte der Rcichstagsabgeordnete General- leutnant z. D. v. L i e b e r t geäußert, die Art der Urteils- findung bei den Disziplinargerichten, von denen Dr. Peters abgeurteilt worden sei, erscheine ihm nicht nur als ein Justizmord, sondern als ein Schandfleck des deutschen Volkes und der Justiz. Wegen dieses Ausspruchs ist auf Veranlassung des Reichs- k a n z l e r S Herr Generalleutnant v. Liebert um eine Aeußerung ersucht worden. Sein Antwortschreiben liegt nunmehr vor. Herr v. Liebert erklärt darin, daß er den Vor- Wurf, der in seiner Aeußerung vor dem Münchener Schöffen- gericht vom 28. Juni d. I. gegen die Disziplinargerichte und die beteiligten Richter gefunden werden könne, zurücknehme. Das Schreiben schließt:„Ich bedauere lebhaft die von mir ini Eifer der Rede gebrauchten scharfen Worte und versichere, daß mir eine Herabsetzung der erkennenden Gerichte und eine Ver- lctzung der AmtSehre der beteiligten Richter ferngelegen hat." Die Antwort des Generalleutnants v. Liebert ist samt- lichen noch lebenden Mitgliedern der beiden damaligen erkennend en Gerich te mitgeteilt Wörde n." Fürst B ü l o w hat sich also in höchsteigencrPer- s o n bemüht, Herrn Liebert die Beleidigungsklage zu er- sparen! Er selbst hat dem Reichslügenverbandsgeneralissimus die Zurücknahme seiner beschimpfenden Aeußerungen nahe- legen lassen. Des weiteren ist dann im Namen des Reichskanzlers den beleidigten Richtern das Schreiben des Liebert zugestellt worden. Wie sollten es da die Be- leidigten noch wagen, um eine Ahndung der Beleidigungen anzutragen, da ihnen doch vom höchsten Reichs- b e a m t e n mit den: Zaunpfahl zu verstehen gegeben worden ist, daß eine strafrechtliche Verfolgung seines politischen Hand-� langers nicht gewünscht wird! Dies Vorgehen kann nicht ohne Konsequenzen bleiben. Bevor künftig ein sich beleidigt fühlender Landrat Straf- antrag gegen einen Sozialdemokraten stellen wird, wird der Oberpräsident der betreffenden Provinz bei dem Be- leidiger höflichst anfragen, ob die Beleidigung auch wirklich beabsichtigt gewesen fei. Fühlt sich ein Richter oder Staats- anwalt gekränkt, so wird der I u st i z m i n i st e r diesen Schriftwechsel besorgen. Und sollte gar einmal Herr D e r n- bürg seine weiße Weste befleckt fühlen, so wird Fürst Bülow selb st in seiner charmanten Weise dem roten Uebeltäter nahelegen, doch freundlichst den Dreckspritzer für einen Tropfen Kölnisches Wasser zu erklären!— Kein Schutz gegen die Seuchengefahr? Wir wiesen kürzlich auf die Gefahr der Verseuchung Deutsch. landS durch die in preußischen Provinzen arg hausende G e nick- starre hin. Nach der Ansicht der Aerzte ist die Gefahr vorhanden. daß durch gesunde Äokkenträger die Krankheit in gemeingefährlicher Weise weiterverbreitet werden kann. Eine Isolierung und Behandlung der Kokkenträger zwecks Abtötung des 5trankheits- keimes ist aber unmöglich, da die Kraukenkassen sich weigern, für Gesunde Krankengeld zu zahlen. Wir forderten deshalb die st a a t l i ch e Auswerfung der erforderlichen Summen, um den Kolkenträgern die nach ärztlicher Auffassung notwendige Be« Handlung zuteil werden lassen zu können. Inzwischen ist offiziös versichert worden, daß die Ver- seuchungSgefahr keineswegs so groß sei, da seit Anfang Juni ein Rück- gang der Erkrankungen zu verzeichuen sei. Das neuer- liche starke Auftreten der Genickstarre in Köln, wo nach Blätternieldungen bereits 30 Todesfälle vorgekommen sein sollen, läßt diese Beschwichtigung keineswegs besonders beruhigend erscheinen. In einer Zuschrift des Oberarztes deS KnappschaftSvereinS Bochum an die„Rh.-Westf. Ztg." heißt es nun: „Ganz willkürlich und unbewiesen ist aber die Annahme, daß durch Verrichtung körperlicher Arbeit bei einem Kokkenträger die Gefahr, an Hirnhautentzündung zu erkranken, vermehrt werde. Diese Annahme muß um so bestimmter zurückgewiesen werden, als sie geeignet ist, ganz unbegründete Befürchtungen wachzurufen. Die Annahme, daß die Genickstarre infolge des„jähen Temperaturwechsels" zu einer „Wiuterkrankhcit" geworden ist, ist wenig haltbar. Die Menschen, die im Winter in unzureichend ventilierten Wohnungen eng und nahe bei einander leben, entbehren nur der ozonreichen Luft und der aus- trocknenden und keimtötenden Sonne des Sommer s. lleber die Häufigkeit der K o k k e n t r ä g e r bei der Genickstarre haben wir kein Urteil. Sie scheint uns aber sehr er- heblich unterschätzt zu werden. Wenn wir richtig unterrichtet sind. sind in einer Ortschaft, in der die Genickstarre aufgetreten ivar, fünf Prozent der Gesamtbevölkerung als Kokken- träger festgestellt, und jeder Genickstarrekranke war umgeben von 60 Prozent der Familienglieder als Kokken- träger. Diese Zuschrift soll die ablehnende Haltung der Kranken- kästen, gesunden Kokkcnträgern Krankenunterstützung zu zahlen, rechtfertigen. Sie beweist aber nur die Tatsache, daß die Genickstarre in erster Linie eine Proletarierkranlheit ist und daß die BerseuchungSgefahr wegen der großen Zahl gesunder Kokkenträger eine außerordentliche ist. Um so notwendiger wäre die st a a t l i ch e Bewilligung von Mitteln, die gesunden Kokkenträger ihrer Arbeitstätigkcit zu entziehen und, unter Unter- stützung ihrer Familien, zu behandeln! Dieweil es sich aber hauptsächlich um eine Proletarier- krankhcit handelt, vor der die Wohlhabenden, die ja nicht in stickigen Massenquartieren leben und mit den Kokkcnträgern zu- sammen arbeiten müssen, einigermaßen geschützt sind, bekämpft man die Seuche mit offiziösen Dementis! Uever Südwcstafrika veröffentlicht ein„alter Afrikaner", der Hauptmann Hutter,. der für daS„Berl. Tagebl." eine„Studienreise" unternommen hat, einen ersten Artikel. Er legt auf Grund des Buches des Missionars Erle, der 34 Jahre unter den H e r e r o gelebt hat, dar, daß alle Landverkäufe der Kreatur der deutschen Regierung, des dem Trünke ergebenen, widerrechtlich von der deutschen Kolonialverwaltung zum Ober- h ä u p"t l i n g gemachten S a in u e l� M a h a r e r o, widerrechtliche Eingriffe in das Recht der Hcrero darstellten! Roch im Jahre>903 hätten die Herero-Häuptlinge und Groß- leute gegen diesen Landraub feierlichst protestiert I Ueber die Kriegsperiode schreibt Hauptmann Hutter: „Die jüngste Phase der kolonialen EntWickelung deS Schutzgebietes— leider vollkommen negativ, beinahe alles bisher mühsam Geschaffeue gleich einer elementaren Naturgewalten- katastrophe vernichteud— der Kampf um die Herrschaft im Schutz- gebiete mit den einstigen Herren des Landes gehört der Tages- geschichte an. Im Epochenkalender der Herero heißt der diesem Existenz- kämpfe voraufgehende Zeitabschnitt Ojovarande jovinega, zu deutsch: die Zeit der Händler und deS Betruges. Für den Kaufmann war diese Phase, die Kriegs- jähre von 1904 an b i s f a st z u r S t u u d e, reiche Erntezeit. Die Eiufuhrziffern schwellten zu enormer Höhe an." Die„Erntezeit" der südwestafrikanischen Abenteurer, die die Früchte der„Zeit der Händler und des Be- t r u g e s" zur blutigen Reife brachten, hat dem deutschen Volke 500 Millionen und 1500 Menschenleben gekostet!— Kriegervereinliches. Der Fahnenträger des Kriegervereins Zabern, ein schön go- wachsener patriotischer Schneidermeister, besuchte am 14. Juli das französische Nationalse st in Luneville. Ein Kousin von ihm ist dort ebenfalls Fahnenträger in einem französischen Kriegcrverein. Durch irgendwelchen Umstand war dieser aber ver- hindert, am 14. Juli die Fahne bei der Demonstration zu tragen. Nichts Böses denkend, sprang der Zaberner Fahnenträger für seinen Kousin ein und trug mit dem gleichen Stolz, wie sonst die deutsche Fahne, diesmal die französische Tricolore. Dieses hochverräterische Verbrechen kam zu Ohren des Vor- standcs des deutschen Kriegervereins in Zabern und ohne Er» barmen wurde der gutmütige Fahnenträger degradiert und zum Verein hinausbefördert. Welch eine Schande wäre cS auch gewesen, wenn er bei der nächsten Gelegenheit die schöne Krieger- vcreinsfahne mit denselben Händen gehalten hätte, die eben erst die französische Tricolore getragen hatten.— Das„nationale" Geschäft. In einem Arttkel, der gegenwärtig durch die ZentrumSprcffv geht, wird dargelegt, in welchem Maße sich die„nationale" Politik, deren wesentliche Bestandteile Heer, Flotte, Kolonien und Ostmarken- frage seien, für gewisse Leute rentiere. Die Ausgaben für das Reichsheer kämen in erster Linie dem Großkapital zu gute. DaS Reich zahle dem Pulverring weit höhere Preise, als sonst üblich; die Monopolstellung der Firma Krupp koste dem Reich ungezählte Millionen; ebenso nutzten die Kohlenherren ihre Macht dem Reiche gegenüber reichlich aus; weiter werden die Gewinne angeführt, die bei der Kolonialpolitik für die Landgesellschaften und die Reeder- firmen abfallen. Zum Schluß heißt eS dann:„Wenn daS Zentrum. daS sich stets dieser kapitalisttschen Nutzbarmachung„nationaler" Interessen entgegenstellte, deshalb bei gewissen Leuten noch besonders verhaßt ist, so kann uns das nur freuen; manches wird freilich auch dadurch erklärt." Die ultramontane Preffe schreibt dem Zentrum hier mal wieder Verdienste zu, die der Partei nicht zukommen. Die riesenhaften Steigerungen der Heeres- und Flottenausgaben sind mit Hülfe des Zentrums zustande gekommen, und dasselbe ist es mit den Ausgaben für die Kolonialpolitik. Vor dem 13. Dezember 1906 hat sich das Zentrum ja seiner Mitwirkung bei der Erfüllung dieser„nationalen Aufgaben" nicht genug rühmen können. Nur an Kleinigkeiten und Stebensächlichkeiten hat es herum genörgelt, aber das System fand im Zentrum den eifrigsten Förderer. Wenn die klerikale Presie sich jetzt bemüht, mit dem Sündenregister der»nationalen" Politik die Spalten zu füllen, so deshalb, weil das Zentrum wider seinen Willen aus dem Bunde der.nationalen" Parteien gestoßen worden ist.—_ Petprs-Prozesse. Der Münchener Peters- Prozeß scheint einen ganzen Rattenlönig weiterer PeterS-Prozesse nach sich zu ziehen. Wie uns tclegraphisch aus Nürnberg gemeldet wird, hat der Kolonialhcros durch seinen Rechtsanwalt Rosenthal auch gegen den Verantwortlichen Redakteur der„Fränk. Tagespost", den Genossen G. Weill, Klage wegen zweier Artikel erhoben.—_ Ministerreisen. Der preußische Handelsminister bereiste vor kurzem die indu- striellen Bezirke im Westen. So ist er auch im Wurmrevier, dem Aachener Kohlenlande, gewesen. Die Grubenbesitzer haben dafür gesorgt, daß der Minister von den hier herrschenden Zuständen, die schlimmer sind als irgend sonstwo im industriellen Deutschland, den besten Eindruck gewonnen hat. Wie das gemacht worden ist, darüber berichtet der christliche.Bergknappe" folgendes: .Endlich mal wieder Sauberkeit an allen Ecken und Enden, dachten die Kameraden der Grube Gonleh, die am 4. Juli einfuhren. Ueberall war säuberlich gefegt worden, sogar am schwarzen Brett waren die Namen der Bestraften entfernt und das Brett war sauber ge- putzt worden. Der Herr Handelsminister Delbrück besichtigte an diesem Tage Gouley und da mußte doch gezeigt werden, daß hier alles in schönster Ordnung ist. Aber schade, daß die Herrlichkeit nur einen Tag dauerte. Kaum war Herr Delbrück von Gouley weg, da zierten auch wieder die Reihe Namen das schwarze Brett. Der Herr Minister hatte sich aus Grund seiner Augenscheinnahme von den mustergültigen Zuständen auf Gouley überzeugen können— das war die Haupt- fache. Nachher kann wieder alles in gewohntem Gleise weiter- gehen. In Berlin wird eS dann heißen:.Mißstände sind nicht vorhanden." So ist es l Und wenn die Arbeiter Forderungen an die Unter- nehmer stellen, wenn fie auf gesetzlichen Schutz ihrer Arbeitskraft dringen, und wenn eS gar darüber zu einem Ausstand kommt, so wird die Regierung mit dem Unternehmertum die Arbeiter der Begehrlichkeit und Unersättlichkeit anklagen. Denn der Herr Minister hat sich ja persönlich überzeugt, daß.alles in bester Ordnung" und von Mißständen nicht die Rede ist.— Militärgerichtliches. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 24. Juli: Die ganze Härte des Militärstrafgesetzbuches trat wieder einmal hervor in einer Verhandlung gegen den Musketier Schmidt von der 3. Kompagnie des Jnfanterie-Regiments Nr. 1S3 in Altenburg, der wegen tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten, AchtungS- Verletzung und Ungehorsams vor dem hiesigen Kriegsgericht an- geklagt war. Gelegentlich eines Gefechtsschießens am 18. Juni auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow war der Angeklagte unerlaubt ausgetreten. Als ihn der Gefreite Kirchner deshalb zur Rede stellte, sagte er:.Sie haben mir gar nichts zu sagen". Schmidt zog dann sein Seitengwehr halb aus der Scheide, steckte es aber sofort wieder hinein, da ältere Mannschaften hinzusprangen und ihn verprügelten. Der Ankläger folgerte daraus, Schmidt habe beabsichtigt gehabt, den Gefreiten anzugreifen und sah sich g ezwun gen, obwohl er an- nahm, es liege ein minder schwerer Fall vor, die niedrigst zulässige Strafe von zwei Jahren und einen: Tage Gefängnis zu be- antragen. Das Gericht nahm aber nur Achtungsverletzung bezw. Ungehorsam als vorliegend an und erkannte aufvierMonate Gefängnis.—_ Wieder ein Soldatenschinder. Das M e tz e r Kriegsgericht verurteilte den Unteroffizier Heckenmüller der 2., jetzt 4. Eskadron des Ulanenregiments Nr. 14 wegen Mißhandlung in IV Fällen und wegen unvorschrifts- mäßiger Behandlung Untergebener in 7 Fällen zu drei Wochen mittleren Arrest. Ter Soldatenerzieher hatte versucht, seinen Untergebenen die militärischen Kenntnisse durch Prügel, Ohrfeigen. durch Faustschläge ins Genick und auf die Nase, sowie durch Wer- Hinderung am Essen beizubringen. Doch soll dies alles nicht vor- sätzlich geschehen sein. Was die Sache bemerkenswert macht, sind die Umstände, die sich gelegentlich der Anzeige der Vergehen ergaben. Als der Ritt- meister von den Verfehlungen des Unteroffizier? Kenntnis erhielt, war er ganz erstaunt darüber. Er hatte gemäß der Kabinettsordrc bei jedem Löhnungsappell die Mannschaften nach vorgekommenen Mißhandlungen gefragt, aber nie eine Anzeige erhalten. Und der Unteroffizier hätte vielleicht wer weiß wie lange noch die Soldaten gepeinigt und schikaniert, wenn nicht ein Ulan aus Rache ein Ver- zcichnis der Vergehen des Vorgesetzten aufgestellt und eingereicht hätte. Dieser Umstand zeigt wiederum deutlich, daß das Befragen der Mannschaften so gut wie zwecklos ist. Furcht und Angst vor der Rache und den Schikanen der Vorgesetzten hält die Soldaten vor der Meldung zurück.—__ ftanhrcich. Der Streik der General«. Nach dem General H a g r o n sind nun auch zwei andere Mit- glieder des obersten Kriegsrates, die Generale M e tz i n g e r und M i ch a l, mit ihrem DemissionSentschluß hervorgetreten. Die reaktionäre Presse bemüht sich bcgreislicherweisc, daraus Kapital zu schlagen. Zwar geht eS kaum an, den Verlust, den die Armee durch den Rücktritt dieser Offiziere erleidet, als unersetzlich oder auch nur als besonders schwerwiegend hinzustellen. Metzinger war hart an der Altersgrenze angelangt und infolge von Krankheit schon einige Zeit zur Untätigkeit verurteilt. Micha! allerdings hatte noch zwei Dienstjahre vor sich. Er galt auch biS in die letzte Zeit als Nachfolger Hagrons, und die Ernennung Lacroix' an seiner Stelle hatte schon Aufsehen hervorgerufen. Der Rücktritt der drei Generale soll ein patriotisches Be- kenntnis und eine Anklage von weittragender Bedeutung sein. Die Führer deS Heeres, so wird gesagt, können die Verantwortung für die Folgen der zweijährigen Dienstzeit und der vom Parlament beschlossenen vorzeitigen Entlassung des Jahrganges 1904 nicht übernehmen! Also eine neue Demonstration der militaristischen Sippe gegen die parlamentarische Republik. Und sie trifft auch keine ungünstige Stimmung. Die bürgerliche Demokratie hat all ihre Schwungkraft verloren. Die Einkommensteuer macht ihr mehr Angst, die vorwärtsschreitende gewerkschaftliche Organisation mehr Verdruß, als die Herrschsucht und die reaktionäre Gesinnung der Offiziersclique. P i c q u ar t und sein Kreis aber möchten ein glimpfliches Auskommen mit dieser finden, und sie denken nicht daran. Andres Reformwerk fortzusetzen. Wenn heute der .Petit Parisien" das Schlagwort ausgibt, daß es ganz gut fei, wenn die„alte Schule" der neuen Platz mache, so verliert diese? Argument erheblich an überzeugender Kraft, wenn man daran denkt, daß Hagron und Micha! erst vor einem Jahre ernannt worden sind, ohne daß ihre Zugehörigkeit zur„alten Schule" Bedenken erregt hätte. Daß die reaktionären Unkenrufe eine unmittelbare politische Wirkung haben werden, ist gleichwohl ausgeschlossen. Eine allge- meine oder partielle Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit zu be- schließen, möchte heute das Parlament wohl nicht mehr wagen, auch wenn die Nationalisten in ihm die Mehrheit hätten. Aber die militaristischen Kreise verstehen, daß die Unsicherheit der bürgerlichen Gesellschaft deren Widerstandsfähigkeit gegen die Anmaßlichkcit jener mindert.— Courriöres—- Paris, 25. Juli. Die Anklagekammer des Appcllgerichtshofes in Touay hat die vom Untersuchungsrichter in Arras angeordnete Einstellung der strafrechtlichen Verfolgung der bei dem Gruben- unglück von Courriercs in Frage kommenden Personen bestätigt. Lelgien. Die belgische Sozialdemokratie 1904—1907. Der erste Band der Berichte des Internationalen sozialistischen Bureaus an den Stuttgarter Kongreß enthält die Berichte von 19 Londesparteiorgauisatioueu. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß diese„nationalen Monographien" ein unschätzbares Material abgeben für die Beurteilung des Standes der sozialistischen Bewegung in den einzelnen Ländern. Für heute wollen wir einige der interessantesten Einzelheiten aus dem belgischen Berichte wiedergeben: Die belgische Partei, der bekanntlich auch Gewerkschaften und Genossenschaften beitreten können, zählt 803 Gruppen, und zwar 117 Genossenschaften, 252 Gewerkschaften(d. h. örtliche Gruppen, Zweigvereine usw.), 229 politische Parteigruppen, 25 Gruppen, die der Kunst und dem Unterricht dienen, endlich 180 Unterstützungs- Vereinigungen. Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt 145 781. Die Parteipresse ist in Belgien gut entwickelt: die sieben täglich erscheinenden Blätter haben eine Auflage von 127 000 Exemplaren. Außerdem sind zwanzig Wochenblätter vorhanden und sieben Monatsrevuen. Hierzu kommen 13 Gewerkschaftsblättcr. Die Schriften des„Gernnnal"(die Abonnenten erhalten für einen jähr- lichen Beitrag von 1 Frank 12— 15 kleine Broschüren pro Jahr) werden in einer Auflage von 20 000 hergestellt. Ein kleines illustriertes Schriftchcn hat 25 000 Auflage. Bei den K o m m u n a l w a h l e n 1903 wurden 650 sozialistische Kandidaten durchgcbracht; damit ist die Partei in 193 Gemeinden vertreten, und in 22 hat sie die Majorität. Die National- köderation der sozialistischen Gemcindevertreter zählt bis jetzt 350 Mitglieder und gibt ein eigenes Organ heraus.— Die 91 Provinzialräte der Partei verteilen sich auf 4 Provinzen, im Senat sitzen 7 Sozialisten, in der Dcputiertcnkammer 30. Der Bericht gedenkt auch der Fortschritte, welche die Gewerk- s ch a f t e n seit dem Amsterdamer Kongreß gemacht haben, sowie der wirtschaftlichen Kämpfe, die wegen der„Homogenität" der belgischen Arbeiterbewegung, die nicht die„zwei Flügel" keimt, in dem Bericht mit Platz finden mußten. rstonvegeti. StorthingSsessuin 100G— 1907. Kristiania, 23. Juli 1907.(Eig. Ber.) Das norwegische Storthing hat nach ncunmonatlicher Tagung die Session abgeschlossen. Die überaus lange Tagung hat ihre Ur- fachen teilweise in der Verfassung. Um eine kürzere Versamm- lungszeit herbeizuführen, hat man nun beschlossen, die Herbst- sessionen abzuschaffen. Ter Beginn der nächsten Tagung ist daher auf den 10. Januar 1908 festgesetzt. ES ist in Betracht zu ziehen, daß das Storthing nicht nur ein gesetzgebender und ein bewilligen- der Faktor ist, sondern auch ein kontrollierender. In sämtliche Budgets wird bis ins kleinste Detail Einsicht genommen. Auch die Berichte der Staatsrevision werden dem Storthing all- jährlich vorgelegt. Ferner werden die Regierungsprotokolle im Odelsthing öffentlich behandelt: sämtliche Minister müssen Rede und Antwort stehen über ihre Handlungen, und ein jeder von ihnen kann zur Verantwortung gezogen werden, falls die Kompetenzen überschritten sind. Die gegenwärtige norwegische Politik ist konservativ und re- aktionär bis auf die Knochen. Die politische Physiognomie hat sich seit den Sammlungswahlen noch nicht verändert, und sie befindet sich gegenwärtig in einem Uebergangsstadium. Die freisinnige (Venstre-) Partei hat sich in drei bis vier verschiedene Richtungen geteilt und stimmt bald mit der Rechten, bald mit der Linken, bald für, bald wider die Regierung. Nur in einer Beziehung ist sie konsequent: in ihren Operationen gegen die„rote Gefahr". Die Opposition— Demokraten, Radikale und Sozialdemokraten — beläuft sich auf kaum 40 Mann. Lange wird es aber nicht dauern, bis auch hier nur zwei Parteien, der bürgerliche Misch- masch und die Sozialdemokraten, sich gegenüberstehen. Charakte- ristisch ist es ja, daß die Freisinnigen dem Storthing die meisten reaktionären Kräfte zugeführt haben. � Und diese Freisinnigen haben in guter Kameradschaft mit den Konservativen das Storthing zu einem der konservativsten in Norwegens politischer Geschichte ge- stempelt: Sie haben die Freiheit geschändet und die Toleranz ver- leugnet, indem sie die Konfiskation der russischen Schriften in Vardö guthießen und unsere Genossen auf die Anklagebank brach- ten. Sie haben das Ashlrecht verletzt, indem sie unseren russischen Genossen die Abhaltung ihres Kongresses verweigerten. Kein Wunder, daß unter solchem Regime auch die Sozialpolitik ins Stocken gekommen ist. Von den wichtigsten Beschlüssen des Storthing sind u. a. zu nennen: Neue Eiscnbahnbautcn und-Umbauten, Erwerb von Wasserfällen für den Staat. Einfiihrung des F r a u e n st i m m- rechtes, Vorbereitung der Volksversicherung, Revision und Erhöhung der Löhne im gesamten Eisenbahnetat, wobei aller- dingS erst das energische Vorgehen der Arbeiter nachhelfen mußte. Von Gesetzcs-V o r l a g e n sind das Handelsgesetz, das Eigentums- gesetz und das Seefischereigesetz zu nennen. Als ein Angriff auf die Volksrechte ist die Wahl einer Kommission zur Revision der Geschäftsordnung deS Storthings zu betrachten, zumal da trotz des Vorschlags des WahlkomitccS: jeder Partei einen Vertreter in der Kommission zu sichern, unser Genosse Eriksen und der Demokrat Castberg nicht gewählt wurden I Es wird nun wohl die Hauptaufgabe dieser Kommission sein, Mittel und Wege zu finden, um unsere Genossen im Storthing zu knebeln und ihnen das Wort durch Einschränkung der Redezeit und ähnliche kleinliche Mittelchen zu entziehen. Unsere Partei geht demnach heftigen Kämpfen im Parlamente entgegen. Die überaus agitatorische Tätigkeit unserer Fraktion im Storthing macht sich trotz aller Gcgcnoperationcn stark bcmerbar. Die regierenden Parteien sehen sich denn auch gezwungen, uns Konzessionen zu machen, was speziell in den Kommissionen zur Geltung kommt. Die norwegische Sozialdemokratie gedenkt, die Zeit bis zur nächsten Scfsion bestens zu nützen, um dann den Kampf mit ihren Gegnern mit frischen Kräften aufzunehmen. Inäien. Kalkutta, 25. Kuli. Die Polizeibehörde verurteilte den Herausgeber der Eingeborenenzeitung„Augantar"(Neue Zeit) zu einjähriger Zwangsarbeit, weil er„die Revolution in Waffen befürwortet" hätte. Die als belastend angesehenen Schriftstücke wurden im Besitz des Gefangenen gefunden. Der Urteilsspruch erregt in den Kreisen der Eingeborenen groß? Erbitterung. Mehrere auf Gefängnis lautende Urteile wurden ferner gegen sogenannte„nationale Freiwillige" in Ostbengalen auf Grund von Handlungen gefällt, die im Interesse der auf den Boykott und die Vernichtung britischer Waren- hin- zielenden Bewegung begangen worden waren, Die RcaktioB und das russische Dorf. Das russische Junkertum sucht seine gegenwärtige politische Vor« Herrschaft u. a. auch dazu auszunutzen, die ökonomischen Errungen- schaften der Landarbeiter und Bauern zunichte zu machen. Aus den südlichen, südwestlichen, zum Teil auch aus den polnischen Gouvcr- neineuts kommen Nachrichten, daß die Arbeitslöhne auf den Guts- Höfen in diesem Jahre um vieles zurückgegangen sind. Vielerorts ist der Taglohn bis auf 50 Kop. gefallen! Die Unmenge Wander« arbciter ans den Notstandsgebiet e n machen den eingesessenen Bauern unliebsame Konkurrenz. Zudem führt außerdem die verstärkte Anwendung landwirtschafllicher Maschinen zum Sinken der Arbeits- löhne. Der organisierte Kan>pf der Landarbeit� ist außer- ordentlich erschwert: Zu den ZnchthanSregeln vom Ä. April 1906, welche Landarbeiterstreiks mit harten Strafen belegen, kommen in vielen Gouvernements obligatorische Verfügungen der ört« liche» Satrapen hinzu, welche„jeden Versuch, einen Streik zu inszenieren", mit Gefängnis bis zu 3 Monaten bedrohen.— Eine natürliche Folge dieser administrativen Verfügungen wie überhaupt der gesamten zugespitzten Lage auf dem flachen Lande ist da- Ueber« Handnehmen von Brandstiftungen, Plünderungen der Gntshöfc usw. Aller legalen Mittel beraubt, ihre ökonomischen Interessen zu verteidigen, werden die Bauern von der Regierung auf den Weg des Agrarterrors gedrängt— zum Nachteil der organisierten Be- wegung auf dem flachen Lande, doch zu noch größerem Nachteil der Negierung und der Agrarier, die hundertfach ernten, was sie selbst gesät.— Die politische EntWickelung der Bauernschaft macht unter diesen Bedingungen natlirgemäß rasche Fortschritte. Die hergebrachte „Stupidität der ländlichen Bevölkerung" weicht einem tiefen, leben- digcn Interesse für wirtschaftliche und politische Fragen. Die Tätig« kcit der ersten und zweiten Duma, die Agrargesetze der Regierung, die Strafcxpeditionen und Feldgerichte und nicht zum wenigsten— die Agitation der Regierung selbst haben die Landbevölkerung aus ihrer Jsolierheit gerissen und große, wichtige Fragen vor ihr auf- gerollt. Und täglich kommen neue, Lösung heischende Fragen hinzu. Die Hungersnot, die bevorstehende Mißernte, die Unzahl Arbeitsloser, die Aufteilung dcS Gemeindelandes im Interesse der Dorfbonrgeoisie, die„Operationen" der Bauernbank, die Koloni- sationspolitik der Regierung, die bevorstehende Wahlkampagne— alles das sind Fragen, welche das Dorf bis inS Innerste aufwühlen. Da ist z. B. die Frage der Auswanderung nach Sibirien. Die Re- gierlnig hat im vorigen Jahre 400 000 Plakate in die Dörfer ver- sandt, die mit großen Buchstaben„die freie Kolonisation der Staats- ländereien im asiatischen Rußland und die Regiernngsunterstützung bei der Auswanderung" verkündeten. Und jetzt? Viele Tausende sind enttäuscht zurückgekehrt, da ihnen kein Land angewiesen werden konnte— Bettler, die ihr Letztes verloren haben. Und als Schluß- aklord zu dieser Abenteurerpolitik erscheint nun das jüngste Zirkular des AckerbauministerS, demzufolge die Rückkehr des ausgewanderten Bauern aus Sibirien mit aller Energie verhindert werden soll I... ES liegt auf der Hand, welche Gefühle eine derartige„Politik" der Regierung bei der Bauernschaft auslösen muß. Der Bauer macht nun keinen Unterschied mehr zwischen dem„Barin"— dem Gutsbesitzer— und der Regierung. Er sieht, daß sie sich gegen- seitig decken und daß beide gegen ihn g e s ch l o s s e n vorgehen. Und er zieht die Konsequenzen ans dieser Tatsache. An eine fried- liche Lvsimg—«von oben her"— glaubt er nicht mehr. Er weiß auch, daß die dritte Duma nicht die Vertretung deS Volkes, sondern die der herrschenden Klassen, insbesondere dcS Junkertums sein wird. Und von dieser Duma erwartet er n i ch t mehr, daß sie ihm„Land und Freiheit" bringt. Es ist gegenwärtig äußerst schwierig festzustellen, wie die Stimmung der Bauern hinsichtlich der bevorstehenden Wahlen ist. Eine gewisse Boykottströmung läßt sich nicht verleugnen, doch tritt sie meist bei weniger entwickelten Elementen der Bauernschaft zutage. Wenn die Anzeichen nicht trügen, werden die Bauern im großen und ganzen an den Wahlen teilnehmen. Ob sie aber an der Duma- arbeit teilnehmen und sich begnügen werden, eine ohmnächtige Minorität in der„herrschaftlichen Duma' abzugeben, daS ist eine andere Frage. Nachrichten ans einigen Gouvernements weisen dar- auf hin, daß der Gedanke deS demonstrativen Ausscheidens der Bauernabgeordneten aus der Duma bei de» Bauer» ziemlich populär ist.— Hus Induftrie und FtandeL Kursnotierungen. Mehrfach sind in letzter Zeit an der hiesigen Börse bedeutend» Kursschwankungen von Jndnstriepapieren durch ganz unbeträchtliche An- oder Verkäufe bewirkt worden, in einzelnen Fällen bis zu 10 Proz. und darüber hinaus. So hat vor einigen Tagen ein Kauf- auftrag von 1000 M. Aktien der Maschinenfabrik Schimmel genügt, den KnrS dieses Papiers um 4l/3 Proz. hinaufzuschnellen. Und ferner melden„BnchwaldZ Börsen-Berichte", daß z. B. am 3. Juli d. I. folgende KnrSvcränderungen zu verzeichnen waren: Bergwerk Konkordia. Schlesische Zinkhütten. Norddeutsche Steingut. Speisefettfabrik Muller. Verein Deutsch. Petrol. 93/t bei Umsatz von 12 000 M. --12,„, 3 600, -- 9",... 1000, 4-/4,., 1000, 5„„„ 5 000„ Auch die„Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz" führf mehrere derartige Fälle an und schreibt: „Der Kurs der Hibcrnin-Aktien wurde am 2. Juli um 9 Proz. hinausgesetzt bei einem Umsatz von 4800 M. Der 13. Juli brachte folgende Ueberraschnngcn in den Kursen: Braunkohlenw. Karoline..— 4,30 bei Umsatz von 3000 M. Schimischower Zement...— 3l/2••• 2000„ Fiirrher Tafelglas....— 3„, 0 2000, Speisefettfabrik Müller..— 6l/4,,, 6000„ Wistener Metall.....— 6,„„ 1000„ Mochte man annehmen, daß daS vom Staatskommissar beregte Vorkommnis(die oben erwähnte Kurssteigerung der Aktien der Maschinenfabrik Schimmel) zu den größten Selten- heitcn gehöre, so erfährt man jetzt, daß wilde Kursschwankungen fast regelmäßig an der Tagesordnung sind, und zwar nicht nur bei den Aktien minder bedeutender Gesellschaften, sondern ganz allgemein. Darin liegt für das kapitalanlcgende Publikum, das meisten? der näheren Kenntnis der an der Börse bestehenden Vorschriften und Usancen ermangelt, eine große Gefahr. Dem Publikum ist für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren meistenteils der amtliche Kurszettel maßgebend. Es pflegt in der Regel mit Kursschwankungen in angeführtem Umfange nicht zu rechnen und verliert dabei in jedem Falle Geld, sobald es nicht seine Aufträge mit einem Limit versieht, d. h. dem Kommissionär (Bankier) aufgibt, zu einem gewissen Nicdrigkurse zu kaufc» bezw. Höchstkurse zu verkaufen.... Wenn, wie man mit Sicherheit erwarten darf, die Börsen» gesetzreform zu Ende dieses Jahres von der Rcichsgesetzgcbung in Angriff genommen wird, dürfte sich Gelegenheit bieten, die augenblicklich bestehenden Mißstände an der Börse zur Sprache zu bringen, damit Treu und Glauben in ausgiebigster Weise ge- schützt werden, und das vielfach gesunkene Vertrauen zur Börse wiederkehrt. Schon jetzt sollte man an maßgebenden Stellen in Erwägungen darüber eintreten« ob nicht das Institut der ver» 1870 1880 1890 1900 1906 11 27 30 38 39 eidigken Kursmaller einer fundamenkalen Aenderung zu unket- werfen sei. Man mag dahin gestellt sein lassen, ob es zweckmäßig sei, die Feststellung der amtlichen Börsenkurse in die Hände von festangestellten Staatsbeamten zu legen. Immerhin wäre es ganz ersprießlich� wenn man zunächst einmal die Einrichtungen anderer großer Börsenplätze der allgemeinen Kenntnis und Kritik zugänglich machte. Man darf wohl annehmen, daß solches seitens des Staatskommissars an der Berliner Börse geschehen wird, nachdem dieser vor einigen Wochen von seiner großen Studienreise zurückgekehrt ist." Die Entwickelung der Hypothekenbanken. Ein Bild mächtiger Enttvickelung bietet die im neuesten Sta- kistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich gegebene Statistik der deutschen Hypothekenbanken. Ursprünglich wurden die hhpotheka- rischen Darlehen zum weitaus größten Teil von Einzelpersonen an den Darlchnssuchenden direkt gegeben; es waren Personal- Hypotheken. Neben ihnen kamen dann zuerst die von Stiftinstituten, Sparkassen und Jnteressentenkorporationen, namentlich landwirt- schaftlichen Verbänden(„Landschaften") gegebenen Anstaltshypo- theken in größerem Umfang in Aufnahme. Auf die Bedürfnisse des kapitalistisch entwickelten städtischen Grundstücks-Baugeschäfts zu- geschnitten ist aber nur der auf Aktien und Pfandbriefausgabe ge- stellte Betrieb der Hypothekenbanken. Im Jahre 1863 gab es erst drei solcher Banken in Deutschland; im Jahre 1870 waren es bereits 11. Wie sich ihre Entwickelung im Deutschen Reich ge- Miete, zeigt folgende Tabelle: onM w Aktien- Hypotheken« Pfandbrief« °er Spital darlehn umlauf Banken Millionen Millionen Millionen Marl Mark Mark 77,6 174,6 130.4 264,7 1647.7 1462.1 329.3 3116,6 2927.1 698,0 6686,3 6362,1 741,8 8368,7 8668,9 Mit Hülfe eines eigenen Kapitals von annähernd% Milliarden Ziehen diese 39 Banken heute also über 8� Milliarden fremdes Kapital gegen Pfandbriefhingabe an sich, um es auf Grundstücks- besitz wieder auszuleihen. Damit haben sie als Geldgeber der Terraingesellschaften, mit denen sie zum Teil innig liiert sind, die Hand in allen großen Terraingeschäften. Neben diesen prwaten Hypothekenbanken gibt es heute schon staatliche, provinziale und kommunale Hypothekeninstitute genug, die den Beweis liefern, daß diese Art von Geldvermittelung längst reif ist, auf die Gefamtheit übernommen zu werden. Mit der„Sozialisierung" derselben würde ein gewaltiger Schritt vorwärts getan zur Gesundung der städtischen Grundbesitz- und Wohnungsverhältnisse. GexverKfcbaftUcbe�. Die Gelbsucht der Arbeiterfeinde macht im Angesichte des Fortschreitens der Gewerkschafts- bewegung andauernd Fortschritte. Bekanntlich wird von Scharf macherseite den Unternehmern empfohlen. „gelbe" Gewerkschaften als Schutztruppe gegen die klassen- bewußte Arbeiterschaft zu gründen. Das ist neuerdings auch in der bekannten Fabrik von Ludwig Löwe zu Berlin in Form eines„Sparvereins" geschehen. Dieser„Sparverein" besitzt, wie es in dem Aufruf zum Beitritt heißt, einen„beliebten Arbeitsnachweis", und ist angeblich„die einzige Organisation, die ihre Mitglieder vor Aussperrung sichert". Das letztere ist offenbar ein Seiten- hieb nach den konkurrierenden Hirsch-Dunckerschen und Christ- lichen, denen so mancher indifferente Arbeiter sich ebenfalls zuwendet, um vor Aussperrungen sicher zu sein. Der Pro- spekt trägt aber— gelinde gesagt— auf. Der Arbeitsnach- weis des„Sparvereins" ist eine Streikbrecherver- Mittelung. Andere offene Stellen stehen den„Gelben" n i e zur. Verfügung und„beliebt" kann eine Sache nicht sein, die erst in der Gründung begriffen ist. Vor Aus- sperrung sicher sind überdies auch die„Gelben" nur, wenn sie bei Lohnforderungen ihren Kollegen in den Rücken fallen, oder aber sich Lohnabziige willenlos gefallen lassen. Wer etwas anderes behauptete, der lügt! Wenn der Prospekt weiter behauptet, daß sich in Zeiten der Hochkonjunktur der Lohn ohne geschlossenes Auftreten der Arbeiter erhöhe, dann braucht jeder Arbeiter der Firma sich zur Illustration dieser Phrase nur die Frage vorzulegen, wann ihm die Millionenfirma Löwe einmal ohne sein Ansuchen den Lohn erhöht und die Arbeitszeit verkürzt hat. Nein, eine Organisation zur Aufbesserung der Arbeiter- Verhältnisse ist diese gelbe Gründung gewiß nicht; ein„Spar- verein" vielleicht— für die Firma Ludwig Löwe näm- lich, die mit seiner Hülfe Löhne spart. » Die neue Gründung hat in dem Betriebe eine lebhafte Be- wegung hervorgerufen. So hat sich auch schon eine Betriebs- Versammlung der Fabrik mit derselben beschäftigt. Als Vertreter "es Mctallarbeiterverbandes hielt Wusch ik einen Vortrag, in Dem er zunächst das Los des Arbeiters unter der kapitalistischen Ausbeutung und unter den gegenwärtigen Teuerungsverhältniffen besprach. Er zeigte die Notwendigkeit der Organisation, damit die Arbeiter dem Unternehmertum nicht schutzlos preisgegeben seien und empfahl den Anschluß an den Metallarbeiterverband. Dieser Organisation ist eS gelungen, um ein Beispiel anzuführen, im vorigen Jahre den Wochenlohn von 63 00(0 Metallarbeitern um 2,83 M. zu vermehren und die tägliche Arbeitszeit von 70 000 Arbeitern und Arbeiterinnen um% bis 2 Stunden zu verringern. Eindringlich zu warnen sei vor den gelben Organisationen, die Verräter an der Arbeiterschaft züchten. Solche Organisation werde unter dem Namen„Sparverein" auch bei Ludwig Löwe gegründet. Bei dem Worte„Sparverein" wurde sogleich die Heiterkeit der Versammlung rege, die sich noch steigerte, als Wuschik so einen Sparer bei Ludwig Löwe näher beleuchtete. Wer es aber fertig brächte, sich vom Munde etwas abzusparen, der dürfte nie eine Forderung stellen, denn die Arbeitgeber könnten ihm stets sein Sparbuch als Beweis borhalten, daß er bei seinem Lohn noch sparen könne. Der Redner zerpflückte die einzelnen Sätze des Aufrufs und bewies, daß die Arbeiter alle Ursache haben, diesem„Sparverein" weit aus dem Wege zu gehen. Die Arbeiter von Ludwig Löwe sollten auf diesen Aufruf nur eine Antwort haben, um zu zeigen, daß sie die Absichten der Unternehmer durchschauen, nämlich, daß sie in Massen eintreten als Mitglieder nicht des Sparvereins, sondern der freien GeWerk- schaften und der politischen Organisationen.(Lebhafter Beifall). In der Diskussion nahm dann ein gewisser L e b i u s das Wort. L e b i u s hat es früher einmal mit der Sozial- demokratie versucht. Jetzt gibt er unter dem Namen„Der Bund" ein Blatt heraus, mit dessen Hülfe er die seit einigen Jahren von den Unternehmern begünstigte„gelbe" Bewegung für sich zu fruktifizieren versucht. Er sang das Loblied der„Gelben". Daß sie Stümper bei der Arbeit und Schmeichler und Kriecher seien, die die Verachtung ihrer Mitarbeiter verdienen, daß sie Ver- räter seien, das alles bestritt er und verteidigte sich dann selbst, indem er behauptete, er sei aus Ueberzeugung zu den Gelben übergegangen. Acht Jahre lang sei er sozialdemokratischer Redakteur gewesen und habe in der letzten Zeit eintausend Mark jeden Monat verdient. Ein Verdienst a n der Partei, der uns so zweifelhaft erscheint, wie sein Verdienst u m> "~'Wermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate perantw.; die Partei. Als Revisionist häkke er es nicht mehr mit ansehen» können, wie der Strom immer nach links ging; er sei zurück-> getreten um eine neue Partei, eine neue Bewegung ins Leben zu rufen und widmete sich den Gelben. Den„Vorwärts" kenne er und habe manchen großen Artikel dafür geschrieben. Im „Vorwärts" wollte er auch vor einiger Zeit in einem Leitartikel gelesen haben, daß die Arbeiter 6000 Millionen in einem Jahre in deutschen Sparkassen hinterlegt haben, also müsse es doch Sparer unter den Arbeitern geben. Er forderte zum Schluß Freiheit für Alle, auch für die Gelben. Hierauf nahm Cohen das Wort und wandte sich scharf gegen Lebius, dem er ein Bild von den gelben Gewerkschaften vorhielt, daß dieser mit einigen Begleitern es vorzog, plötzlich den Saal zu verlassen, unter lauten Kundgebungen des Mißfallens der ganzen Versammlung. Cohen zeigte, wie die beste, am höchsten geschätzte Waffe der Arbeiter die Einigkeit sei, wenn sie den schweren Kampf mit dem Unternehmertum führen. Lauter Beifall ertönte, als er die Verächtlichkeit und Gemeingefährlichkeit der Gelben kennzeichnete, die mit Tücke und Hinterlist den Verräter spielen, um ehrliche Arbeiter ans Messer zu liefern und den Judaslohn einzuheimsen.— Das„neue System" des Herrn Lebius, daß die Arbeiter am Unternehmergewinn teilnehmen sollten, sei ein alter Humbug und als eine Falle längst erkannt. Wenn Lebius sich auf den„Vorwärts" als Beweis beziehe, daß die Arbeiter noch sparen können, so schlage er die bekannte Taktik des Reichslügenverbandes ein, Sätze eines Artikels aus dem Zu- sammenhang zu reißen und herzurichten je nach Bedarf. Cohen appellierte an die Arbeiter, ihre Rechte energisch den Unter- nehmern gegenüber zu wahren und die Verräter und Verführer in den eigenen Reihen nicht aufkommen zu lassen, als Männer die Arbeiterehre zu schützen und fest zu der Organisation zu stehen. Ausfall ck. Herr LebiuS bewies seine Phantasie nicht nur während der Versammlung. Als er dieselbe verlassen hatte, vollendete seine Feder, was fein Mund in der Versammlung begonnen. In der neuesten Nummer„Der Bund" legt er dem Genossen Cohen folgende Worte in den Mund: „Nur nicht zimperlich sein. Kollegen I Wir werden doch hier nicht debattieren. Faßt die Hallunken am Genick. Schlagt dem Gesindel die Knochen im Leibe z u s a m m e nl" Natürlich hat Cohen solche Worte nie gebraucht. Der Bericht des„Bund" charakterisiert nicht Cohen, sondern Herrn Lebius! Als Ehrenmann allerdings nicht! Berlin und Clmgcgcnd- Die Bewegung der Drahtarbeiter. Am Mittwochabend tagte im Gewerkschaftshaus eine gntbesnchte Versammlung von Arbeitern der Drahtindustrie, in der Genosse Handle über den gegenwärtigen Stand der nun schon 16 Wochen dauernden Lohnbeivcgung referierte. Bereits vor Beginn der Be- wegung hatten sich einige Unternehmer bereitgefunden, einen Tarif mit den Arbeitnehmern abzuschließen, dazu kamen im Verlauf einiger Wochen noch mehrere Firmen, so daß nach fünfwöchiger Dauer des Streiks die Forderungen der Arbeiter in 15 Betrieben mit mehr als 100 Arbeitern anerkannt waren. Die im Unternehmer- verband organisierten Großbetriebe, wie Lärm u. Ludwig, Heintze, Rae u. Sohn, wollten von einer Verständigung mit den Arbeitern nichts wissen. Es wurden von dieser Seite die größten An- strengungen gemacht, um Arbeitswillige zu erhalten. Die bürgerliche Presse, voran die.Britzer Zeitung", tat ihr Möglichstes, um die öffentliche Meinmrg gegen die Arbeiter einzunehmen, und auch die Polizei resp. Gendarmerie leistete den Bemühungen der Unternehmer durch entsprechende Behandlung der Streikposten Vor« fchub. Leider fanden sich auch einige ältere Leute, die um ihre Stellungen bangten und den Streikenden den Rücken kehrten. ES handelt sich hier aber um solche, die erst kurze Zeit organisiert waren und den Orgauisationsgedanken noch nicht begriffen haben. Ein von privater Seite unternommener Versuch zur Beilegung des Streiks wurde vom Vorsitzenden der Unternehmerorganisation Ludwig und dem Jnnungs-Obernieister brüsk abgelehnt, worauf die Arbeiter mit der Fortsetzung des Streiks antworteten. Inzwischen ist mit der Firma Wolffu. Friedrich ein neuer Tarif abgeschlossen worden, der auch den Unterzeichnern des ersten Tarifs zur Annahme vorgelegt werden soll. Derselbe sieht eine Lohnerhöhung von 6 bis 7 Pf. pro Stunde und eine Akkord- erhöhung von 10 bis 16 Proz. sowie Arbeitszeitverkürzung vor. Die längere Dauer des Tarifs(derselbe soll bis zum 1. April 1910 gelten) empfahl der Referent mit dem Hinweise auf die im gegenwärtigen Kampf gebrachten und noch zu bringenden Opfer. Inzwischen hat die Organisation Zeit zur Stärkung und kann etwaigen neuen Versuchen der Unternehmer, dieselbe nieder- zuzwingen, um so erfolgreicher begegnen.— Der Vorschlag der Streikleitung, den neuen Tarif auch den Unterzeichnern des ersten Tarifs vorzulegen, findet nach kurzer Debatte einstimmige Annahme. Darauf wird noch eine Resolution angenommen, die den streikenden Kollegen Anerkennung für ihre tapfere Haltung ausspricht und sie materieller und moralischer Unterstützung versichert. Achtung! Schneider und Schneiderinnen! Die für den 24. Juli einberufene Mitgliederversammlung war irrtümlicherweife von der früheren Geschäftsleitung des Gewerk- schaftshauses für den 31. Juli eingetragen. Infolgedessen galt der Saal für den 24. Juli als frei und wurde an die Buchdrucker ab- gegeben. Die Versammlung findet nun am Dienstag, den 36. Juli. abends 8VH Uhr, im Gewerkschaftshause statt, da am Mittwochabend ein Extrazahlabend stattfindet._ Die Ortsverwaltung. Achtung! Sattler aller Branchen, Lederarbeiter» Portefeuiller! In der Gürtel-, Taschen- und Lederwarenfabrik von Ludwigs u. Casparius, Ritterstr. 27, haben sämtliche daselbst beschäf- tlgten Arbeiter und Arbeiterinnen wegen Nichtanerkennung des neuen Tarifvertrages für die Galanterie- und Gürtelbranche die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten Die Ortsverwaltungen Berlin des Verbandes der Sattler des Verbandes der Portefeuiller. Achtung! Kleber! Wegen Lohndifferenzen sind folgende Firmen gesperrt und aufs strengste zu meiden: Otto, Danziger- straße 16; Bauten Friedrichstr. 37—38, Rixdorf, Müller, Rochowstr. 14; Bau Malmöerstr. 27; Knauer, Putbuserstr. 66; Bau Schwedterstr. 77. Zentralverband der Tapezierer, Engelufer 16. Telephon: Amt IV. Nr. 9720. Oeutlcbes Reich. Die Bauarbeiter Krefelds sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sit verlangen die Herabsetzung der Arbeitszeit von 10 auf 9>/z Stunden und Erhöhung des Stundenlohnes für Maurer auf 60 und für Bauhülföarbeiter auf 60 Pf. Die Unternehmer erklären auf eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht eingehen zu können, be- treffS der Lohnforderung wäre wohl eine Einigung zu erzielen. Bis zum 1. April d. I. galt ein Vertrag zwischen den Unternehmern und den Bauarbeitern und hatten die letzteren vor Ablauf des Tarifs die obigen Forderungen schon gestellt. Nachdem die Verhandlungen sich eine Zeitlang hingezogen, ruhten sie später vollständig, bis jetzt die Arbeiter erklärten, daß sie eine Entscheidung verlangten. Bei einigen Unternehmern, die jede Verhandlung brüsk ablehnten, wurde am ver- gangenen Montag schon die Arbeit eingestellt. Da erhielt der Zentralverband der Maurer von dem Vorstand des Unternehmer- Verbandes die Aufforderung, die Streikenden zur Aufnahme der Arbeit zu beivegen, widrigenfalls eine allgemeine Aus- sperrung vorgenommen werde. Auf diese Aussperrung lassen eS jetzt die Arbeiter ankommen Aussperrung dänischer Zündholzarveiterinuen. Die großen Zünd« Holzfabriken in Kopenhagen und in Randers haben ihre Arbeiternmen ausgesperrt, weil sie, die im„Weiblichen Arbeiterverbaud" organisiert sind, eine bescheidene Aufbesserung ihrer Lohnverhältuisse verlangten. In langen Zügen haben sie die Fabriken verlassen, und so konnten die Leute auf den Straßen sehen, welche Spuren die Ausbeutung und gesundheitsschädliche Arbeit den Arbeiterinnen aufgeprägt hatte. Die Fabriken liegen still. Auch die männlichen Arbeiter haben selbst« verständlich die Arbeit verlassen. Die Zündholzfabrikanten klagen, es gehe ihnen so schlecht, daß sie die Löhne unmöglich erhöhen könnten. Dabei erfreuen sie sich eines außerordentlich hohen Zoll- schutzes ihrer Ware. Von jedem Paket mit 10 Schachteln Mud- hölzern, das aus dem Auslände kommt, werden 4 Oere Zoll erhoben. Merkwürdig ist es auch, daß der Kurs der Aktien der„Gösch Znndholzfabriken" in Kopenhagen jetzt während der Aussperrung um 7 Proz. gestiegen ist. Es hängt dies damit zusammen, daß diese Geselljchasr soeben ein Uebereinkommen mit einer deutschen und einer belgischen Zündholzfabrik abgeschlossen hat, wonach bei dem Export nach den östlichen Ländem die gegenseitige Konkurrenz aus- geschlossen wird. Um den ausgesperrten und erholungsbedürftigen Arbeiterinnen das Leben nun so erträglich wie möglich zu machen, ist ihnen eine große Villa am Meeressiraud zur Verfügung gestellt worden, wo sie in Abteilungen von 60 Personen je acht Tage Ferienaufenthalt ge- nießen können. Das Hauswesen wird genössenichaftlich verwaltet. Zuverlässiges Personal sorgt für gute Verpflegung, Reinlichkeit und Ordnung, so daß sich die Ausgesperrten in aller Ruhe dem Natur- genuß hingeben können. Die dänischen Gewerkschaften werden voraussichtlich binnen kurzer Zeit mehrere solcher Villen oder Landhäuser erwerben, die, genossenschaftlich verwaltet, streikenden und anderen organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen wohlfeile und gute Erholungsstätten bieten sollen. Die Aussperrung der 3660 schwebischen Papierarbeiter, von der bereits gestern kurze Mitteilung gemacht wurde, ist die Folge eines Streiks, der Anfang Juni in der Papierfabrik von Skärblacka in der Gegend von Norrköping ausbrach. Die Streikenden for- derten Lohnerhöhung und es kam denn auch schließlich zu einem vorteilhaften Uebereinkommen mit der Fabriksleitung. Als sie aber wieder anfangen wollten zu arbeiten, legte die Fabriksleitung das Uebereinkommen so aus. daß sie das Recht habe, eine Auswahl unter den Streikenden zu treffen. Da begann der Kampf von neuem. Die schwedische Arbeitgebervereinigung beschäftigte sich mit der Sache und veranlatzte die allgemeine Aussperrung, die nun in 14 in verschiedenen Teilen de3 Landes gelegenen Papierfabriken durchgeführt ist. Das Beispiel, das kürzlich die norwegischen Arbeit- geber und Papierfabrikanten mit ihrer jetzt noch andauernden Massenaussperrung gaben, ist ihren schwedischen Kollegen wohl nach. ahmenswert erschienen. Auch hofft man wohl, daß die Unter» stützung, die der schwedische Grob- und Fabrikarbeiterverband den ausgesperrten norwegischen Papierarbeitern leistet, durch die Aus- sperrung im eigenen Lande geschmälert oder gar unterbunden werde. Nun sind jedoch sowohl in Norwegen wie Schweden Ver- Handlungen zur Beilegung des Kampfes in der Papierindustrie an- geknüpft. Was dabei herauskommt, muß abgewartet werden. Die Hoffnung der Unternehmer, ihre Fabriken mit Streikbrechern zu besetzen, wird jedenfalls fehlschlagen, und Unterstützung ist den Aus- gesperrten auch auf lange Zeit hinaus gesichert. Schmiede» Gießer, Former, Walzwerkarbeiter, Stanzer, Emaillenre und Brenner werden davor gewarnt, Arbeit in Cathrineholm jernvaerk, T i st e d a l e n, Norwegen, anzunehmen, weil dort ein Streik ausgebrochen ist. Norwegischer Eisen« und Metallarbeiterderband. eingegangene VrucksckriNen. Der Kunstwart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik. Herauf geber Ferdinand AoenariuS. Verlag von Georg D. W. Callweh in München. (Vierteljährlich 3,50 M.. das einzelne Hest 70 Pf.) Irrenanstalten. Ein Beitrag zur Jrrenpflege von Fr. Guttenk erger. 3,— M. Verlag: H. Walther. Berlin W. 30. Zeitschrift für Sozialwissenschaft. Hest 7 u. S. HerauSgegehen von Dr. J. Wolf. Monatlich ein Heft. Biertehährllch S M. A. Deichertfche Verlagsbuchhandlung in Leipzig. Anleitung zum Erfinden von H. Michel. S,— M. Verlag:.Patria", Berlin, Artillerieftr. 36 b. Der Kontinent. Heft 9. Deutsch-franzSsische Monatsschrist. Seraui« geber für Deutschland: Dr. H. Richter. Jährl. 12 Hefte. 12,--« M. Verlag! W. Süßerott, Berlin W. 30. Letzte Nachrichten und Dcpcfchen. Der Mannheimer Anarchistenprozeß. Mannheim, 26. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".)\ Die Angeklagten bestritten, eine Konferenz abgehalten z» haben, es sei lediglich eine Besprechung gewesen. Die Beweis« aufnähme von 32 Zeugen wurde abends 16 Uhr gefchlosse», Morgen beginnen die Plaidoyers._ Eine Pulverexplofio». Elermont, 26. Juli.(B. H.) Unweit Hutj erfolgte eine Explosion in der Pulverfabrik von Müller u. Co. Die Explofion wurde mehrere Meilen weit gehört und rief eine große Panik her« vor. 6 Arbeiter wurden getötet. Die Fabrik beschäftigte über 166 Arbeiter.__ Eine Verzweiflungstat. Gevelsberg, 26. Juli.(B. H.) Im Beisein seines 12jährigen Sohnes erschoß der Kaufmann Middendorf seine Frau aus Ver- zweislung über den Verlust seines Vermögens. Middendorf war seit einiger Zeit stellenlos, er wurde verhaftet und nach Schwelm ins Amtsgefängnis gebracht.__ Ein Revolverattentat, Baku, 26. Juli.(W. T. B.) Heute wurde der Gcwerkschafts« sührer der Nobelwcrke, Paulsen, durch Revolverschuß getötet. Der neue Bertraa Japans mit Korea. Tokio, 26. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die neue Konvention zwischen Japan und Korea ist in Söul nach unerheblichem Widerstand seitens des Hofes unterzeichnet worden. Soviel bekannt, ist der Inhalt kurz folgender: Artikel 1. Die koreanische Verwaltung wird unter die sichere Leitung des japanischen Generalresidenten gestellt. Artikel 2. Der Erlaß aller Gesetze und Verordnungen sowie die Erledigung wichtiger Staats- angelegenheiten unterliegt der Zustimmung deS Generalresidenten. Artikel 3. Die Ernennung aller hohen verantwortlichen Beamten unterliegt ebenfalls der Genehmigung des Generalresidenten. Artikel 4. Für Acmter bei der koreanischen Regierung kommen nur solche Personen in Frage, die vom Generalresidenten empfohlen werden. Artikel 6. Scharf zu scheiden sind Verwaltungsangelegen- heiten von solchen, die auf die Rechtsprechung Bezug haben. Artikel 6. Die Dienste von Ausländern dürfen nur mit Zu- stimmung des Generalresidenten in Anspruch genommen werden. Artikel 7. Artikel 1 der Konvention vom 22. August 1904 über die Anstellung eines Finanzbcirats wird aufgehoben. Die neue Kon- vcntion liegt augenblicklich dem geheimen Rat vor und wird heute _ abend in Tokio veröffentlicht werden._ TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagsanstaltPaülSingerLcCo.,BerlmLVV. Hierzu 2 Beilagen».Unterhaltungsblatt Nr. 172. 24. Jahrgang. 1. KilU Ks Jmiiiiirla" gctliiitt llolliaiiliill. fttitnj, 26. IM 1907. Der Rnarcltfftenhongreß vor der Strafbanmer. Den Vorsitz in der gestern begonnenen Verhandlung führt Land- gerichtsdirektor Obkircher, die Anklage vertritt Staatsanwalt JunghanS, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Frank. Bei der Feststellung der Personalien kommt zur Sprache, dah einer der Angeklagten, der Expedient des„Freie Arbeiters Josef Oerter- Berlin, acht Jahre Zuchthaus hat verüüfzcu muffen. Die Verurteilung erfolgte vor dem Schwurgericht in Freiberg(Sachsen) wegen angeb- licher Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, Vergehen gegen das Spreng- stoffgefetz usw.— Angekl. Förster: Ich bin bestraft, weil bei mir eine Nummer der„Freiheit" gefunden wurde, in der ein Bericht über das Barcelonaer Dynamitattenlat enthalten war, der mit den Worten schloß: Vivat seqnens I— Bert. Frank: Der Angeklagte ist also nur ivegen Verbreitung von Druckschriften zu einer hohen Zuchthaus- strafe verurteilt worden.— Vors.: Wir wollen doch nicht an jedem Urteil mäkeln. Der Angeklagte ist ja hier nur wegen eine? verhält- nismäszig geringen Vergehens angeklagt.— Bert.: Ich werde mir erlauben, jedes Urteil zu kritisieren, wenn ich eS für nötig halte.— Vors.: Gewiß, soweit ich es zulasse. � Bert.: Nein, soweit eS gesetzlich zuläisig ist.— Tuchmacher Fr a u b v s e- Berlin ist der Einberufer des Kongresses und Geschäftsführer der Föderation oer Anarchisten Deutschlands. Er erklärt: Nachdem ursprünglich Offcnbach als Tagungsort in Aussicht genommen war, aber wegen des Verbots nicht mehr in Frage kommen konnte, wurde Mannheim dazu bestimmt. Auch hier wurde die Abhaltung des Kongresse? ver- boten. Ich nahm an, daß dieses Verbot nur lokale Geltung habe und wurde in dieser Ansicht dadurch bestärkt, daß die Mannheimer Polizeibeamten den Teilnehmern andeuteten, sie möchten Dkannheim verlassen, dann hätten sie ihnen nichts mehr zu sagen. Wir fuhren darauf nach einem Besuch des Grabes der Märzgefallenen auf dem Friedhofe unter den Augen der Polizei, der wir zum Abschied noch mit den Tüchern winkten, nach Seckenheim und von dort mit einer Fähre nach F r e u d en h e i m. Dort hielten wir uns den Tag über auf und lagerten am Ufer des Neckar. Am Abend traten wir den Rückweg an und kehrten dicht vor den Toren Mannheims, in der»Jägerlust", wo wir Licht sahen, um l/<10 Uhr abends ein.— Vors.: Unterwegs hat keine Versammlung stattgefunden?— Angekl.: Nein.— Vors.: Aus dem Ver- fammlungsbericht des„Freien Arbeiters" geht das doch aber hervor. — Angekl.: Sie müssen uns eine solche Versammlung erst be- weisen, ick bestreite sie.— Vors.: Von wem stammt der auSführ- liche Bericht im»Freien Arbeiter"?— A n g e k l.: Ich weiß eS nicht; aber auch Ivenn ich es wüßte, würde ich eS nicht sagen.— Vors.: Wieviel Personen kehrten in der„Jägerlust' ein?— Angekl.: Etwa 30 bis 40 Personen.— Vors.: Wurde eine Kontrolle ausgeübt?—Angekl.: Ich kannte alle Teilnehmer. ließ mir aber trotzdem von ihnen bestätigen, daß sie Delegierte seien. — Vors.: Wenn Ihnen jemand gesagt hätte, er interessiere sich für die anarchistische Bewegung und ihre Ziele, hätten Sie ihn dann zugelassen?— Angekl.: Nein.— Vors.: Der Kongreß sollte doch aber propagandistischen Zwecken dienen?— Angekl.: Ursprünglich ja, aber nicht mehr, als er verboten war.— Vors.: Sie blieben bis nach 2 Uhr zusammen. WaS haben Sie in der Zeit getrieben?— Angekl.: Wir haben uns zwanglos unterhalten.— Vors.: ES wurde doch eine Geschäftskommission gewählt?— Angekl.: Da? geschah erst in Berlin.— Vors.: Dann ist der Bericht im„Freien Arbeiter" falsch. Sie kamen dann am andern Morgen um 10 Uhr wieder zusammen und blieben bis ZfUhr nachmittags in der„Jäger- lust". Was taten Sie in der Zeit?— Angekl.: Dasselbe wie am Abend vorher.— Vors.: Ein Teil dieser Zusammenkunft soll nur unter freiem Himmel stattgefunden habe».— Angekl.: Wir haben unter freiem Himmel gefrühstückt, weiter haben wir nichts getan.— Vors.: Waren Türen und Fenster des BeratuirgSzimmerS geschlossen? — Angekl.: Ja, eS war alle? fest zu. Wir beschränkten uii§ auf das, was tun wir durften.— Vors.: Sie sind sich also keiner Schuld bewußt?— Angekl.: Nein, ich wußte nicht, daß wir wieder auf Mannheimer Gebiet gelangt waren. Bert.: Ist es richtig, daß der Bericht im„Freien Arbeiter" übertrieben renommistisch geschrieben und von dem Bestreben diktiert ivar, sich der Polizei gegenüber mit dem nun dochabgehaltenen Kongreß zu brüsten?— Angekl.: Da? kann möglich sein. — Vors.: Sie wußten also nicht, daß Sie in der»Fägerlnst" auf Mannheimer Gebiet waren?— Angekl.: Nein, ich wäre aber auch für die Abhaltung der Versammlung gewesen, wenn es Mann heimer Gebiet gewesen wäre. Der Schriftsetzer Heinrich D r e w e S s aus Hannover verweigert jede Auskunft. Angekl. Dr. med. Raphael Friedeberg aus Berlin bc kennt sich als Begründer der anärcho-sozialistischen Bewegung.— Vors.: Sie waren bis vor kurzem Angehöriger der sozialdemo- kratischen Partei, wie kamen Sie da auf den Anarchistenkongreß?— Angekl.: Man sagte mir, eS sei keine eigentliche Konferenz, sondern vielmehr eine öffentliche Versammlung angesagt. Da ich ein Interesse daran habe, meine Ideen über den G e n e r a l st r c i k zu propagieren, habe ich das Referat über nvmmen. Als die Konferenz in Offenbach verboten war. wurde mir mitgeteilt, daß das badischc Vereinsgesetz die Abhaltung der Ver- saminlung gestatte. Hier angekommen, erfuhr ich, daß auch in Mannheim die Konferenz verboten sei. Ans dem Verhalten der Polizei gewann ich aber den Eindruck, daß wir außerhalb M a n n h e i m S tage» dürften. Ich hielt die Versammlung in der .Jägerlust" für erlaubt, da ich annahm, daß das Gebiet nicht z n in Mannheimer Bezirk gehört.— Der Verteidiger stellt fest, daß bei den Gerichtsakten Photographien und Gerichtsakten des Dr. Friedeberg liegen, die gegen feinen Willen aufgenommen sind. Er habe sich gegen diese zwangsweise Photographierung des Dr. Friedeberg mit einer Be- schwerde an da-Z Ministerium des Innern gewendet und dieses habe auch die Maßnahme für unzulässig erklärt.— Der Vorsitze u d e bemerkt dazu, daß das Ministerium deS Innern hierüber noch nichts zu den Gcrichtsaktcn mitgeteilt habe.— RechtSanw. D r. Frank bittet aber, daß die Photographien nunmehr auS den Akren entfernt werden.— Der Vorsitzende sagt daS zu. Die� übrigen Angeklagten geben die Beteiligung an der Konferenz zu. bestreiten aber das Vorhandeiiscin deS Bewußt- seinS der Rechtswidrigkeir. da sie glaubten, das Restaurant„Jäger tust" liege außerhalb Mannheims und gehöre nicht mehr zum Polizeibezirk tvkannheim. DeS Nachmittags fand eine mehrstündige Likalbcfichtigung statt. Das Gericht begab sich mit dem Staatsanwalt und dem Ver leidiger auf die Neckarau und besichtigte dort das Gelände, um einen Eindruck davon gewinnen zu können, ob die Angeklagten an- nehmen durften, daß die„Jägcrlnst" nicht mehr zur Gemarkung Mannheim gehöre. Die OrlSbesichtigung zog sich bis S Uhr hin. Erst in den Abendstunden begann die Zeugenvernehmung. Erster Zeuge war ein Student der Theologie ans Marburg. Er hatte, um den Anarchismus zu studieren, sich nach Offenbach zu? Teilnahme an dem Kongreß begeben. Er ist dann niit nach Mannheim gegangen und hat dem Kongreß niit beigeivohnt. Als die Kongreßteiliichiner sistiert wurden, ist er von Dr. Friedeberg aufgefordert worden, sich zu entfernen, um weiteren Uiiaimehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Die Wirtsleute des Restaurants.Jägcrlust" bekunden. daß die Kongreßteilnehmer sich als ein Touristenverein angemeldet und ein besonderes Zimmer verlangt hätten. WaS verhandelt wurde, wissen die Zeugen nicht. Sie bekunden nur, daß es keine richtige Versammlung war; es war kein besonderer Vorsitzender, sondern es tourde teilweise durcheinander gesprochen. ES waren ungefähr 40 Leute anwesend, ein Teil logierte in der „Jägcrlust", die anderen gingen nach Mannheim und kamen am anderen Morgen wieder heraus. Bei der Vernehmung der Kriminalkommissare und Kriminal- schutzleute, die seinerzeit diese Sistierung der Angeklagten vorge- nommen und die die Angeklagten zuerst vernommen haben, kommt eS wiederholt zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Angc- klagten und den Zeugen, da die Angeklagten behaupten, daß die Zeugen ihre Bekundungen nicht richtig wiedergeben. Einige Angc- klagten geben an, sie hätten sich seinerzeit zu weitgehenden Kon- zessionen in ihren Aussagen hinreißen lassen, weil die Schutzleute ihnen mit Verhaftung gedroht hätten, wenn sie nicht niit der Wahr- hcit herausrücken lvürden. Um dieser Verhaftung zu entgehen, hätten sie zum Teil zugegeben, größere Reden gehalten zu haben, was tatsächlich gar nicht vorgekommen sei. Ihre Bekundungen seien damals von den Schutzleuten aus der Wache mit Bleistift rasch hingeworfen worden und was die Zeugen heute dem Gericht als ihre, der Zeugen, Aussagen unterbreiten, sei nicht eine Rein- schrift mit Tinte, sondern enthalte wesentliche Aenderungen.— Zeuge Wachtmeister Hilbert: Mehrere Angeklagte haben mir in der Tat zugegeben, größere Reden gehalten zu haben.— Verteidiger Dr. Frank: Haben Sie nicht gefragt, wie lang die Reden waren? — Zeuge: Das habe ich nicht für nötig gehalten.-— Verteidiger: Haben Sie tatsächlich mit Verhaftungen gedroht?— Die Zeugen antworten darauf übereinstimmend, daß sie aller- dings gesagt hätten, im Falle sich in ihren Aus- sagen Widersprüche ergeben sollten, würde tvcgen Kollusionsgefahr die Festnahme er- folgen!— Als mehrere Angeklagte gleichzeitig ums Wort bitten, äußert der Vorsitzende, sie möchten sich ruhig verhalten und nacheinander sprechen. Man sei hier nicht im polnischen Reichstag. (Heiterkeit.)— Zeuge Kriminalkommissar R i t t n e r hat den An- geklagten Dr. Friedeberg vernommen.— Vorsitzender: WaS hat Ihnen Dr. Friedcbcrg gesagt?— Zeuge: DaS kann ich nicht mehr angeben, ich muß mich auf meine frühere Aussage beziehen. — Der Vorsitzende verliest dann satzweise die frühere Aus- sage des Zeugen und der Zeuge bestätigt die Richtigkeit.— Verteidiger: Ich erhebe gegen die Verlesung ganzer Sätze im Zu- sammenbang aus früheren Protokollen Einspruch. Ich bitte das zu Protokoll zu nehmen.— DaS Gericht nimmt diesen Ein- spruch deS Verteidigers zu Protokoll.— Nach weiteren Zeugenvernehmungen wurde dann in sväter Abendstunde die Verhandlung auf Freitag früh vertagt. Hirn der Partei. AuS den Organisationen. Auch die Parteiorganisationen kleinerer Wahlkreise gehen jetzt anerkennenswerterweise mehr und mehr dazu über, ihre Tätig- kcitsberichte in Broschürenform herauszugeben. In dieser Art erstattet soeben z. B. auch der Sozialdemokratische Verein deS Kreises Wanzleben Bericht: Die Zahl der organisierten So- zialdemokratcn beträgt 1620. Vor Jahresfrist— am 30. Juni 1006— waren es erst 878. Die Magdeburger„Volksstimme" zählte im Kreise 3160 Abonnenten gegen 2609 im Vorjahre. In 20 von den 60 im Kreise vorhandenen Ortschaften hat die Organisation Wurzel gefaßt. Einer Einnahme von 6136,16 M. stand eine AuS- gäbe von 4230,49 M. gegenüber, so daß sich der Kassenbestand von 3396,61 M. auf 6252,28 M. hob. Den breitesten Raum nimmt in dem Bericht naturgemäß der Rückblick auf die letzten Reichstagswahlen ein. Wir werden an die kaum zu überbietenden Wahlbeeinfluffungen der bürgerlichen Parteien erinnert, um die Wahl des sozialdemokratischen Kan- didaten Silberschmidt zu verhindern. Selbst bor Be- stechungsversucken scheuten sie nicht zurück, und leider nicht ohne Erfolg. Der Vorsitzende der Maurerorganisation in See- Hausen. Maurer Wille, ließ sich für eine Lappalie kaufen, seine Genossen zu verraten.— Im übrigen weiß der Bericht von eifriger Organisations- und Agitationsarbeit zu berichten. Sogar eine Rechtsauskunftsstelle, die lebhaft in Anspruch genommen wurde, hat der kleine, aber rührige Verein eingerichtet. Aus dem Bericht deS Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Düsseldorf(1. Juli 1906 bis 30. Juni 1907) ist zu entnehmen, daß unsere Bewegung auch dort gute Fortschritte macht. Am 1. Juli 1906 wies der Verein eine Mitgliederzahl von 1634 auf, im Laufe des Jahres wurden 1694 Personen aufgenommen und zogen 274 Genossen aus anderen Kreisen zu. Es reisten in dem Geschäftsjahr 700 Genossen ab, 160 Mitglieder mußten ge- strichen werden, 118 traten aus, 9 starben. Am 30. Juni 1907 be- trug somit der Mitgliederbestand 2615, eine nicht sehr hohe Zahl, wenn man in Betracht zieht, daß zirka 16 000 Personen im Düffel- dorfer Kreise in den freien Gewerkschaften organisiert sind. Die Einnahme betrug 11 872,24 M.. ihr stand eine Ausgabe Von 11 816,71 M._ gegenüber. Dem Parteivorstand wurden 1161,36 M. überwiesen, dem Agitationskomitee für den Nieder- rhein 871,03 M.— Flugblätter wurden im Lause des JahrcS 150 000 verteilt, dazu kommen 17 600 Kalender und Broschüren, 25 000 Exemplare„Morgenrot", die vom Niederrheinischcn Agi- tationLkomitce herausgegebene Monatsschrift, und 57 870 Lauf- zcttel und Versammlungseinladungen. Es wurden 119 Mitglieder- und DiftriktSvcrfammlungen. sowie 23 Volksversammlungen ver- anstaltet. > Der Bericht über die R e i ch s t a g S w a h l wurde b e f o n- ders gegeben; ihm ist zu entnehmen, daß 15 verschiedene Flug- blättcr in einer Auflage von 652 500 Exemplaren herausgegeben wurden, dazu kommen 106 700 Laufzettel und Vcrsammlungsein- todungen und 65 500 sonstige Drucksachen. Außerdem wurden 150 000 Exemplare des Düsseldorfer Parteiblattes gratis verteist. Im Kreise wurden 75 Wählerversammlungen abgehalten. Für den Wahlkampf mußten etwas mehr als 14 000 M., zum größten Teil auf L i st e n gesammelt, aufgewendet werden. Die Maifeier verlief gut. Das ist u. a. auch an dem finan- stellen Ergebnis(es wurde ein Ueberschuß von 1000 M. erzielt) zu önstatiercn.— Seit 14 Monaten ist im Wahlkreise ein Partei- sekretär, Genosse Berten, angestellt. Die Einrichtung hat sich gut bewährt und war für den ausgedehnten Wahlkreis eine Not- wendigkeit.— Seit mehr als Jahresfrist besteht in Düsseldorf ein Bildungsausschuß, der Veranstaltungen trifft, um das Bildungs- Niveau der Parteigenossen zu heben. Dieser Ausschuß veranstaltet Unterrichtskurse, arrangiert Arbeitcrvorstclluiigcn in den Theatern, gemeinschaftliche Besuche von Museen und Ausstellungen usw. Auch auS dem Wahlkreise Krefeld ist zu berichten, daß die Zahl der organisierten Genossen gestiegen ist, und zwar von 700 auf 1150 im Lause des Jahres. Doch auch hier ist die Zahl im Ver- hältnis zu den gewerkschaftlich Organisierten zu gering und es bleibt noch viel Arbeit zu tun. Der Mitgliederzuwachs war in der Hauptsache nach der ReichstagSwahl zu verzeichnen» 4. Die provinziale Konferenz und Wahl der Delegierten. 5. Der Allgemeine Parteitag und Wahl der Delegierten. 6. Der Preußische Parteitag und Wahl der Delegierten. 7. Anträge und Verschiedenes. 8. Wahl eines ReichStagSkandidaten. 9. Wahl deS ZentralvorstandeS und der Revisoren. 10. Wahl deS OrteS der nächsten General- vcrsamiiilimg. Nach§ 11 hat jeder örtliche Wahlvercin da? Recht, Delegierte zu entsenden, ebenso haben die Beitragssammler Sitz und Stimme in der Generalversammlung. Anträge sind spätestens bis zum 1. August an den Vorsitzenden, Genossen L. Krasemann, Neu-Ruppin, ein- zusenden._ Der Vorstand. Koinm»ni»l«ahlen. Für daS Stadtverordneteukollegiiim von Vegesack bei Bremen waren am Montag ztuei Ersatzwahlen vorzu- nehmen für den verstorbenen Stadtverordneten Genossen Oberbeck und sür den verzogenen b ii r g e r l i ch e N Stadtverordneten Borchers. Die Sozialdemokraten hatten die Genossen M. Merz und C. Stccn- grase ausgestellt, die auch beide gewählt worden sind. Sie erhielten je 63 Stimmen, während auf die von bürgerlicher Seite anfgestellteil Kandidaten 40. 38, 11 und 11 Stimmen fielen; zersplittert lvaren 2 Stimmen. Bei 115 abgegebenen Stimmen betrug die absolute Mehrheit sonach 58 Stimmen. Warnung. Die„Schwäb. VolkSzig." warnt die Parteigenossen, besonder? die Partei- und GewerkschafiSfiuiktionäre, vor einem ge- wissen Richard Seger. Richard Segsr aus Laim in Böhmen ist im Besitze eines echten österreichischen PasseS und trägt seinen Namen auf dem linken Unterarm inmitten von allerhand Emblemen eintätowiert. Unter den ihm abgenomnttnen Papieren befinden sich solche mit folgenden Briefköpfen: Gewerkschaftskartell Freiberg in Sachsen, Gewerkschaftskartell Konstanz, Zentralverband der Handels-, Transport- und VerkehrZarbeiter Deutschlands, Sitz Berlin, deZgl. Ortsverwaltimg Karlsruhe, „ Zahlstelle Frcmkeuthal(Pfalz), . GeichästSstelle Mainz, „ OrtSverwaltuiig Stuttgart. Der Mensch gibt vor. daß er Verband Smitglied der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter sei und sein Buch von der Heimat- licheu Verwaltung„zur Liquidierung" eingefordert wäre. Nuppm-Teiuplln. Sonntag, den 18. August, vormittags 10 Uhr findet in Kurt- schlag unsere Generalversam ml u n g statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes und der Rebi- soren. 2. Bericht der einzelnen Ortsvereine und Vertrauens- Personen, ö. Die politische Lage(Referent Genosse Ritte r-Berlin). Soziales. Die unsittliche Stadt und daS sittliche Land. Von den frommen SittlichkeitSfchnüfflcrn wird gegen die Stadt und namentlich die Großstadt sehr viel mit der Ziffer der unehelich Geborenen operiert, statt auf soziale Fürsorge für Kinder ohne Unterschied zu dringen. Eine interessante zahlenmäßige Be- leuchtung erfährt das Verhältnis durch die Ergebnisse der württem- bergifcheii Statistik der Vevölkernngsbewegung, die soeben für das Jahre 1005 in den Württcmbergischen Jahrbüchern für Statistik und Landeskunde erscheint. ES wird darin für die Periode 1901 bis 1905 ein unverkennbares Sinken der Anzahl der unehelich geborenen Kinder gegen den Zeitraum 1896— 1900 festgestellt, der namentlich in Württemberg, daS in der Unehelichenrate über dem Reichsdurch- schnitt steht, unverkennbar ist. Letzteres nähert sich aber dem Reichs- durchschnitt sehr. Nicht überall im Reiche findet sich diese Be- wegung so ausgesprochen, weder im Königreich Sachsen, noch in Hamburg, Berlin mit ihren den Reichsdurchschnitt weit über- treffenden Unehelicheuraten von 13, 12 bis 13 und 15 bis 16 Proz., Wohl aber in Bayern, Elsaß-Lothringen mit ihren unter dem Rcichsdurchschnitt sich bewegenden Ziffern. Die örtlichen Unter- schiede müssen eine lokale Beleuchtung erfahren. In den Groß- städten wird die Unehelichenrate wegen der zahlreicheren Kliniken, Hebammcnschulen usw. künstlich hinaufgeschraubt. Daß die Groß- städte mit ihrem reichen Fremdenzustrom natürlich ein geeigneteres Feld für die unehelichen Geburten abgeben, ist klar. Die Be- bauptung aber, daß die breite Masse der Bevölkerung in der Stadt daran besonderen Anteil hätte, läßt sich durch nichts erweisen. Eine spezielle Feststellung dieser Art hat Dr. Losch, der Bearbeiter der württembergischen Bevölkerungsstatistik, für die Oberämter Gera- bronn und Spaichingen vorgenommen. Sein Ergebnis faßt er so zusammen: Demnach sind es nicht nur gewisse Arbeiterschichten, auS welchen verhältnismäßig viele ixneheliche Kinder— oft trotz oder neben frühen Heiraten— stammen, sondern auch aus- gesprochen bäuerliche Gegenden; in manchen Arbcitergcmeinden ist die Rate geringer als in den umliegenden bäuerlichen Gemeinden. Daß es übrigens nicht allein die Zahl der unehelich geborenen Kinder bei der„Sittlichkeit" ausmacht, ist ja klar. Das sprechendste Beispiel ist dafür wohl Paris. Die Leute, die immer über die „Unsittlichkcit" zetern, sollten ihre christliche Fürsorge lieber auf die sozialen Folgen des bestehenden Ziistandes überlenken. Das Schicksal eines Teiles der unehelich Geborenen läßt sich auS dein Verlaufe der Kindersterblichkeit mittelbar ersckließcn; das eines anderen Teiles, wenn auch eines kleinen Teils, läßt sich neuerdings in den Ziffern Über das Ergebnis der Fürsorgeerziehung der Minderjährigen, in der Anstaltenstatistik, der Kriminalstatistik und einzelnen Sonderuntersuchungen wiederfinden. Um sittliche Urteile oder gar praktische Vorschläge zu rechtfertigen, müssen schon ein- gehende, die nackten VorgangSzahlen ergänzende Beobachtungen gemacht werden. Die„Sittlichkeit" hat mit der ehelichen oder un- ehelichen Geburt recht wenig zu tun. Das Unsittlichste, weil un- sozialste, ist, außerehelich Geborene als minderwertig zu stigmati- sieren. Der Mangel sozialer Fürsorge für die unehelich Geborenen läßt sich durch Redensarten Über Sittlichkeit nicht beseitigen. Be- schämend für die verkehrten Sittlichkeitsanschauungen sind die er» schreckend niedrigen Alimentensätze, insbesondere in ländlichen Gegenden, die zum Unterhalt des Kindes diesem zugesprochen werden, und nicht minder die Tatsache, daß bei der Bemessung der Höh« der Alimente auf die Wohlhabenheit des Vaters keine Rück- ficht genommen wird._ Haftpflicht der Stadtgeuicinde für Verkehrssicherheit. Dieser Tage hat das Reichsgericht in einem Rechtsstreit, den der Schreiner F. auS Düsseldorf gegen die Stadtgcmeinde Düffel- dorf geführt hat, in bemerkenswerter Weife sich über die Ver- pflichtung ausgesprochen, für einen verkehrssicheren Zustand der Straße zu sorgen. Der Schreiner F. schob am 28. August 1003 auf der mit Basaltsteinen gepflasterten Marktstraße in Düsseldorf einen mit Möbeln bcladenen Holzkarren vor sich her. Di« ziemlich enge Straße wird von zwei Straßenbahngleisen durchlaufen. Als F. einem daherkommenden Straßenbahnwagen ausweichen wollte, blieb er mit einem Schuh Plötzlich in einer zwischen Straßenbahn. gleis und Pflaster befindlichen Lücke stecken und kam zu Fall. Er erlitt einen Beinbruch. Für die ihm aus diesem Unfall er- lvachsenen schädigenden Folgen nahm er die Stadtgemeinde Düffel- dorf auf Grund des§ 823 23. G. B. auf Schadenersatzleistung in Anspruch, da sie die Straße fahrlässig unterhalten und bcauf- sichtigt habe. Die beklagte Stadtgemeindc berief sich darauf, daß alle erforderlichen Dinge von ihr beobachtet worden seien, die Spalte aber nicht bemerkt worden sei. DaS Landgericht Düsseldorf und OberlandeSgericht Köln er- kannten auf Verurteilung der Beklagten. Das Urteil des Ober- landesgerichts führte aus, daß der betreffende Zustand nach der Zeugenaussage längere Zeit bestanden haben müsse. Wenn auch der Stadtbaurat bekunde, daß er die Straße täglich durchschreite und nichts von diesem Zustand bemerkt habe, so sei das wohl möglich, entlaste aber die Beklagte nicht. Es sei auch möglich, daß die Unfallstelle durch den gestreuten Sand, der sich in die Fugen dränge, verdeckt worden sei. Wenn aber auch ein solcher Zustand bestanden habe, so hätte es die im Verlehr erforderliche Sorgfalt erfordert, datz er beseitigt worden wäre. Es ist nicht nötig, zur Prüfung über die Frage der Möglichkeit der Beseitigung Sachvcr- ständige zu hören, denn bei gehöriger Beaufsichtigung der Strahe hätte der Zustand der Beklagten bekannt sein müssen. Denn hier handle es sich nicht um das holperige Pflaster einer Kleinstadt, sondern um die Pflasterung einer belebten Strafe der Großstadt Düsseldorf, auf der täglich mehrere hundert Fuhrwerke verkehren sollen. Wenn auch oft wegen Verringerung der Glätte der Basalt- steine gestreut werde, so hätte man doch auch den gefahrdrohenden Zustand der Unfallsstelle erkennen können oder erkennen müsse». Ein eigenes Verschulden an dem Unfall sei dem Kläger, der einen zweiräderigen Karren vor sich herschob und auf allerhand Umstände achten mutzte, nicht deshalb zuzuschieben, datz er die Stelle nicht bemerkt habe. Die Klage mutzte deshalb als gerechtfertigt aner- kannt werden. Die von der Beklagten gegen das oberlandesgerichtliche Urteil eingelegte Revision rügte unter anderem, datz gar nicht vom Be- rufungsrichter ausgeführt sei, warum die Stadtgemcinde oder deren Vertreter hafte und in welchem Verhältnis sie zu einander ständen. Der VI. Zivilsenat des Reichsgerichts erkannte auf Zurückweisung der Revision. Er führte aus: Vom Berufungs- gericht sei festgestellt, datz nicht eine muldenartige Vertiefung, sondern ein Loch mit scharfen Rändern in dem Stratzenpflaster an der Stratzenbahnschiene vorhanden gewesen ist. Das hätte ent- fernt werden müssen. Ein solcher Zustand habe nicht in einer Stadt wie Düsseldorf geduldet werden dürfen. Auch sei es richtig, wenn das Berufungsgericht annehme, baß ein solcher Zustand un- bedingt auf einem Verschulden der Vertreter oder der aufsicht- führenden Personen der Stadt beruhen müsse. Ob nun eine mangelhafte Anordnung oder eine verfehlte Aufsichtsführung stattgefunden habe, sei zwar nicht festgestellt. Aber es müsse doch das eine oder das andere der Fall gelvcscn sein, wenn ein solcher Zustand längere Zeit habe bestehen können. Deshalb sei eine nähere Erörterung darüber, welche verfassungSmätzigen Vertreter das Verschulden der Stadt treffe, nicht nötig. Was das eigene Verschulden des Klägers anlange, so müsse dies unter den ob- waltenden Umständen verneint werden. Sericbts- Leitung. Bäcker-Plakate vor Gericht. Der Kaufmann Knappe in Oberschöneweide hatte im Schau- fenster seines Geschäfts die bekannte rote Karte ausgehängt, worauf er seiner Kundschaft die Mitteilung macht, datz die von ihm verkaufte Ware aus bewilligten Bäckereien entnommen wird. Es waren ihm deswegen vier Strafmandate im Zeitraum von 14 Tagen wegen Uebertretung der Z§ 9 und 41 des Gesetzes vom 12. Mai 18S1 zugegangen, gegen welche sämtlich Einspruch erhoben war. Gestern stand in drei dieser Fälle Termin vor dem königlichen Amts- gerichtKöpenick an. In einem Falle war der Einspruch ver- warfen worden, weil ein anderer als Knappe seinen Namen unter das Formular gesetzt hatte. Ob der Name im Auftrag Knappes unterzeichnet und somit zu Unrecht der Einspruch verworfen war, ergab die Verhandlung nicht. Die ZZ 9, 10 und 41 des altpreutzifchcn PretzgesetzeS vom 12. Mai 1851, die zur Bekäinpfung der Boykottbekanntmachungen feit einiger Zeit ausgegraben sind, haben folgenden Wortlaut: 8 9. Anschlagzettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nicht angeschlagen, angehestet oder in sonstiger Weise öffentlich ausgestellt werden. Auf die amtlichen Bekanntmachungen öffentlicher Behörden find die vorstehenden Bestimmungen nicht anwendbar. § 10. Niemand darf auf öffentlichen Wegen, Strassen, Plätzen oder an air deren öffentlichen Orten Druckschriften oder andere Schriften oder Bildwerke ausrufen, verkaufen, verteilen, anheften oder anschlagen, ohne dass er dazu die Erlaubnis der Ortspolizeibehörde erlangt hat und ohne dass er den Erlaubnisschein, in welchem sein Name aus- gedrückt sein muh, bei sich führt. Die Erlaubnis kann jederzeit zurückgenommen werden. 8 41. Wer den Vorschriften der§8 9 und 10 zuwiderhandelt. hat eine Strafe bis fünfzig Taler oder eine Gefängnisstrafe bis zu sechs Wochen verwirkt. Im Laufe der Verhandlung zog der Vorsitzende daS Urteil gegen den Barbier Napieralla an, in dem seinerzeit Ver- urteilung erfolgt war, weil der Verband der Barbier- und Friseur- gehülfen sein Eigentumsrecht auf dem Plakat ausdrücklich vermerkt hatte und daS Gericht aus dem Plakatinhalt die Auffassung ge- Wonnen, dass es sich in ihm nicht lediglich um eine Ankündigung sür den gewerblichen Verkehr gehandelt' habe. In den vorliegenden Fällen scheide>oohl 8 9 des preussischen Pressgesetzes aus, da nicht nachzuweisen sei, dass das Plakat einen anderen als gewerblichen Charakter habe oder einem anderen als dem Angeklagten gehöre. Der Staatsanwalt hält an der Auffassung fest, dass die fragliche Karte nicht den Charakter einer Bekanntmachung für den gewerblichen Verkehr habe. Er stelle dies jedoch anHeim. Es stelle seiner Ansicht nach 8 �1 auch die anschlagfähigen Plakate unter Strafe, wenn die polizeiliche Genehmigimg aus' 8 10 zum öffent- lichen Aushang nicht eingeholt worden sei. Der Angeklagte habe diese Genehmigung nicht eingeholt und sich um das polizeiliche verbot nicht gekümmert. Das Vergehen des Angeklagten stelle sich als eine fortgesetzte Handlung dar, die nach 8s 9, 10. 41 des Gesetzes vom 12. Mai 1851 strafbar sei und beantrage er 15 M. Geldstrafe, eventuell 3 Tage Haft. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Ruh m", legt dar. dass das Plakat eine Bekanntmachung für den gewerblichen Verkehr fei; es liege mithin ein Verstoss gegen 8 9 des PretzgesetzeS nicht vor. Er beantragte Freisprechung. Das G e r i ch r verurteilte den Angeklagten zu 15 Mark Geldstrafe oder drei Tagen Haft mit folgender Begründung: „Der Angeklagte hat an drei in kurzen Zwischenräumen hinter- einanderfolgenden Tagen Strafmandate wegen desselben Plakats erhalten, es liege also eine fortgesetzte Hand- lung vor. Die Strafbarkeit hat daS Gericht bejaht. ES lässt dahingestellt, ob das Plakat den Charakter einer Ankündigung für den gewerblichen Verkehr habe und Eigentum des Beklagten sei. Trotzdem mutzte Verurteilung erfolgen. 8 9 unter- scheidet anschlagfähige und solche Plakate, die von vornherein nicht angeschlagen werden dürfen. Der 8 19 sehe aber auch für die anschlagfähigen Plakate allgemein die ortspolizeiliche Genehmigung zum Aushang vor. Diese hat der Angeklagte nicht eingeholt und sich deshalb strafbar gemacht. Das Urteil ist formell und materiell unhaltbar. Formell: der Angeklagte ist mit Strafmandaten nicht wegen Uebertretung des § 10, sondern des 8 9 des altpreussischen PretzgesetzeS bedroht, aber auS§ 19 verurteilt. Materiell: die vom Richter dem K 10 gegebene Deutung ist irrig. 8 19 behandelt daS Anheften usw. an öffentlichen Wegen, Strassen, Plätzen oder an anderen Orten. Ein solches Anheften lag nicht vor. Im übrigen hat freilich das Kammergericht angenommen, auch die nach 8 9 anschlagsfähigen Plakate bedürften polizeilicher Erlaubnis. Wäre diese Auslegung des 8 10 zutreffend, so sind, wie wir wiederholt hervorgehoben haben. eine grosse Reihe Plakate strafbar, die bislang noch nie verfolgt sind. Es wären sämtliche zu Tausenden in in Berlin und Um- gegend und in ganz Preussen auf den Bahnhöfen und in den Eisen- bahnwagen angebrachten Plakate, ferner alle in Läden befind- lichen Nachrichten für den gewerblichen Berkehr lz. B. Preisanzeigen), ja selbst die Litfasssäulen-Plakate unzulässig, da in keinem Falle für jedes einzelne Plakat ein polizeilicher Erlaubnisschein(der in Berlin nur vom Polizeipräsidenten per- sönlich ausgestellt werden kann) erteilt und von dem Anhefter oder Aussteller der Erlaubnisschein„bei sich geführt' wird. Ist die An- klagcbehörde der Ansicht, dass in der Tat die vermoderten 88 9 und 10 so wie das Köpenicker Gericht angenommen hat, auszulegen sind, so ist sie nach dem Gesetz verpflichtet, beispielsweise gegen den Eisen- bahnminister und die Eisenbahndirektionen und Hunderttausende von Einwohnern schleunigst Strafmandate zu erlassen. Weshalb unter- lässt sie das, wenn sie das Bäckcrplakat verfolgt? Ein Nachspiel zur BuchbinderauSsperrnng im Jahre 1906. Unter der Anklage der versuchten Nötigung und Vergehens gegen 8 163 der Gewerbeordnung stand gestern der Buchbinder Hetz vor der 6. Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Vom Schöffengericht Derlin-Mitte war Hetz wegen der gleichen Be- schuldigung freigesprochen worden, der Staatsanwalt hatte da- gegen Berufung eingelegt. Hetz stand am 29. Mai vor der gleich- falls von dem Kampf betroffenen Fabrik der Firma Lüderitz u. Bauer als Streikposten und soll nach der Anklage zu der Arbeiterin Frau Meyer, die sich in den Betrieb begeben wollte, gesagt haben: „Sie arbeiten ja wieder, na wir werden mit Ihnen abrechnen, aber baldl" Der Angeklagte behauptete dagegen in der gestrigen Verhandlung, er habe gesagt:„Sie arbeiten ja wieder, das wird Ihnen noch leid tunl" Ein Schutzmann, der den Vorgang beobachtet hatte, fragte Frau Meyer und nahm dann den Hetz mit zur Wache. Frau Meyer hat nach dem Vorgang noch einige Wochen weitergearbeitet und dann die Arbeit niedergelegt. Die Beweisaufnahme erstreckte sich gestern hauptsächlich auf die Frage, ob eS sich bei der Buchbinderbewegung um eine Aus- sperrung oder um einen Streik zur Erlangung günstiger Arbeits- bedingungen handelte, auf den der 8 153 Anwendung findet. Der als Zeuge vernommene Vorsitzende des Buchbinderverbandes K l o t h bekundete, die Unternehmer hätten die Aussperrung nach ihrer Mitteilung solange aufrecht erhalten wollen, bis der Buchbinder- vc/, Kiste 1,50-2. Sardellen. l902er per Anker 98, 1901er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. schotliiche Vollheringe 1905 0,00, larxo 40—14, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per st, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß t.50-1.60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1.10—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. Leine 5—6, do. Riesen» 14. Eier, Land», uiilortiert per Schock 3—3.25, do. große 4,00. Krebse per Schock große 0,00, do. inittelgroßc 17,00, do. lleine 0.00, do. un» sortiert 5,50—6.50, do. Galizier groß und mittel 0,00, do. uns. 0,00. Butter ver 100 Psd. la 109-113. IIa 103-109, III« 100-102, abinllendc 90-95. Saure Gurken, neue schock 4.00—5.00. Pftsserqurken 4.50. Kartosselu per 100 Vid. weiße runde 3,50—4,00. blaue 3.50-5,00, Rosen» 2.00 bis 3,00, Nieren- 3.50—4,00, Zcrbster 3,50— 4,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5— i2. Spinat per 100 Psund 25—30. Sellerie, hiesige, per«chvckbund 2,00—5.00. Zwiebeln per 100 Psd. 0,00, do. kleine 0,00, do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0.75—1,00. Kohlrabi Schock 0.75—1,50. Rettig. bayr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige, Schock 3—4. Mohrrüben, Schockbund 1,50 bis 2.50. Karotte», hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl ver Schock 3,00 bis 8,00. Rotkohl, Schock 8—12. Weißkohl 6—10. Blumenkohl, Zittauer 100 stück 0,00, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 20—25. Kohlrüben, Schock 5,00—6,00. Petersilienwurzel», Schockbund 4,50—6,00. Schoten ver 100 Pfund 8—20. Pfesserliuge per 100 Pfd. 8— 13. Steinpilze per 100 Pfund 15—20. Radieschen per Schock 0,75 bis 1,00. Salat per Schock 1,00- 2,25. Gurken, Zcrbster, Schock 3,00—3,50. Bohnen. grüne, 100 Psd. 12—18. Stachelbeeren, per 100 Pfund 7—12. Erdbeeren, hiesige 100 Psd. 20—35, do. Walderdbeeren 50—90, do. Hamburger 30 bis 40, do. Holländer 25—30. Himbeeren 100 Psund 28—34. Blaubeeren. 100 Psd. 8—12. Johannisbeeren, 100 Psd. 7—10. Kirschen, per 100 Psund Schiefische 5—20, Werdersche 10—20, do. Glas- 12—18, do. Thüringer 6—15, Natten 18—35, sauere 15—20. Birnen, ilal., 100 Pfund 13—35, Muskateller 25—28. Pfirsiche, per 100 Psund 25—35. Aprikosen, ilal., per 100 Psund 26—23, sranz. 20—32, ungar. 0,00. Aepscl, ital.. per 100 Pfund 14—33. Pflaumen, ital., per 100 Psund 14—30. Zitronen. Messina. 300 Stück 9,00-18.00. do. 360 Stück 8.00-15.00, do. 200 Stück 6,00—12.00. Banane», gelb, 100 Psd. 22—25, grün 0,00, Fiir dcn JnliaU dcr Jiiicrnte übernimmt die Ncdaktio» dem viiblitiim fte�cililber keinerlei Verniitwort«»«. HKeater. Freitag, den 26. Juli. Ansang 8 Uhr. Neues kgl. LPcriithcater. Wiener Blut. Deutsches. Der Jongleur. Slbiller O. sWaUue» Theater.) Carmen. Schiller V.(Friedrich Wildelm- slädiiiches Tbeater l Khritz-Pyritz. Neues Schauspielhaus. Raffles. Kleines. Vater und Sohn. Neues. Ein seltsamer Fall. Komische Oper. HossmannZ Er- Zählungen. Weste». Die lustige Witwe. Liistipiellxius. Die Welt ohne Männer. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Anfang 8'/, Uhr. Nachmittags 4'/, Uhr: Ein toller Ehcniann. Ne seine Nummer. Die Gauklcrin. Victropol. Der Teufel lacht dazu. Apollo. Der HochzeitSgast.«pe zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folics Caprice. Geislerauto.— Paris. Anfang 8'/, Uhr. Rcichshallc». Wintcr-Tymian. Passage. Spezialitäten. »rania. Taubcnitrnhe 48/4N. Von der Zugspitze zum mann. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67/62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großes© Militär-Doppel-Konzert, g ® Eintritt 1 Mk., von abends O • 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter g � 10 Jahren die HäUte. q 1 Schüler-Hieater 0. (Wallner-Tbeater.) Morwih-Oper. Freitag, abends 8 Uhr: Gastspiel der groszh. Hosopernsängerin lZert-uil klunge v.Hosthcatcrin Weimar Oerrmei». Oper in 4 Akten von Bizet. Sonnabend, abends 8Uhr: Gastspiel der großh. Hosopernsängerin lZertruii liunge: t�ravintn.(Die- Kameliendame.) Sonntag, nachm. 3 Uhr bei halben Preisen: vi« Zanberfliite. Sonntag, abends 8 U b r: Gastspiel Heinrich BUtel: Der Postillion von Lonjumeaa. Schiller-Theater M. Friedrich-Wilhelmstädtieches Theater. AbendS 8 Uhr: KyNtz-Pytitz. Kleines Theater. Ansang 3 Uhr. UM M Sohn. Morgen und folgende Tage l Vater und Sohn. Itiesler des Westens. Abends 8 Uhr: Die Instlgc Witwe. Operette in 3 Allen v. Franz Lehär. L.usiLpivIksus. Ansang 8 Uhr. Die Welt ohne Männer. Metropol-Theater Anfang: 8 Chr. Gebr. Herrnfeld- Tlieater. 57 Kommandantenstraße 57. Sonnabend, den 3. August: Wieder- Eröffnung. Premiere von Opercttcn-BurlcSke von Anton u. Donat Herrnscld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre Es iehe das Meli PremierenbillettS schon heute von 11—2 Uhr a. d. Theaterkasse. Brimnen-Theater Badstraße 68. Direkt.: Bernh. Rose. Täglich: Mit großem Erfolge: Carmen. Das rrstkl. Spezialitäten- Progr The 3 Miltons. P. Vendaro. Roberts Comp. Neltzel-Luri-Trio. Gebr. Damm, kom. Akrobaten. Artur Wolff, Ringkampf-Parodist. Kassencrössnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Montag, 6. August: Benefiz für den Oberregisseur Heinrich Richter. l Passage-Theater. 4 Jeden Abend 8 Uhr: Der große Verwandlungskilnstlbr» Artaro! Bernardi. Berlins schickste Soubrette jldaPerryt I 14 Vari6t6-Sensationen 14{ Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Ab 8 Uhr: Das große uiiiiber- treffliche fomtfchc Programm U. a.: Jean Paul, Humorist. Jea» ElermontS ZirkuS-Parodie Bornum u. Beileid. 2»- 10 Uhr: Der Glau der Sommersaison! Hart�teiu in seiner Burleske „Oer Hochzeitsgast" als Ortsvorsteher Lehmann. cRNIWMSkfflkOT Gr. stzranksurlerftr. 132. Im Garten, Ans. 4'/, Uhr: _ Das erstklassige _J I u l i- P r o g r a m in. Sperr sitz 50 Ps. Enlree 30 Pf. Im Theater abends S'/j Uhr: Zum 52. Male: Der große Unbekannte. Sommerprctse. Fröbels Allerlei-Theater früh. Puhlmann, Schönb. Allee 148. Aclteslcs Poik-Zlheater Berlins. Großes Kinderfrendeilfest. Der Riefeii-Juli-Tpielplan. 2V Kunstkräste ersten Ranges 20 Champtini.— Hill und Hull Frank Gregory-Truppe.— The Behr- ■alls.— Gustav Müller usw. usw. Nur noch kurze Zeit: Ulroßstarlt�anber. Im Saale: Großer Ball. Ansang 4>/, Uhr. Enlree 30 Ps. IW Ächtung!-TSCJ Sonn- abcnd. den 27. d. M.: Gr. Sommer- nachtsfest l Alle ausgegebenen Ehren- 1 und Freikarten haben Külliakeit, I w. Hoaells Tlieater. Direktion:«ob. Gilt. Brniuienftr. 16. Täglich großer Ersolg I 9'/. Uhr- Die Rttjritburgtr oder: Ein Stück Mt-Berlin. BerlinerLebcnSbild m. Ges. v. L. EIy Dazu die vorziigl. Spezialitäten Bei schlechtem Wetter: Vorst. Im Saal. Ij�eue. Q3dt] Hasenheido 108-114. Täglich- Gr. Doppel-Konzert Zum Schluß: Pau Diedel Vau. Große BurleSk-Pantomime, sllr die Neue Welt bearbeitet und in Szene gesetzt von Kurt Ellis. Anfang 5 Uhr. Entree zum Konzertgarten 10 Ps. », Theatergarten 25 Ps. kette-tAItisiice-lkrten 6 Uhr: Konzert und VariötS. kingknnipk. N».'S»««« Mk. Meldungen von Albert Sturm, Achuer, Belling, Karbinostet, DebiS, van Dyk usw. usw. Tisetrier-Verew zu SerUn. (E. H. Nr. 80,) Montag, den 29. Juli, in den Räumen der„Neuen Welt": Großes Sommerfest bestehend in Konzert, Spezialitiiten, Feuerwerk, Kall. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 4 Uhr. Billetts a 25 Pf. bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu haben. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 199/2 Der Borstand. Dik?' Spezialifäten- Theater. 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Spezialitäten-forstellungj Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. i Jeden Donnerstag: Elite-Tag. i ' Die Kafseeküche ist täglich von � 2 Uhr ab geöffnet. Vollispllop-Thoolos. Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— Bellermannstraße. Der rechte Weg. Original« Volksstück mit Gesang und Tanz w 4 Bildern von W. Gericke. i � Hierzu: - Das neue——_ Sanssouci, ST Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonntag, Montag, Donnerstag: HofTmanns u. Taniikrünzchcn. Stets hochinteressantes Programm. Sonnlag Beginn 5, wochent. 8 Uhr. ?rllter-TIie»tel'. Kastanien-Zlllee 7/9. platte Weiber. Snczlaltttttcn 1. Rangen. Austreten der Xj&wenbvant TUIy R<5b<5 mit ihren drcss. Löwen. Konzert und Ball. Ansang 4'/, Uhr. Riesen- Spezialitäten-Fropmin. _ Volksbelustigungen. nstbahn-yark AmKQstrinerplatz,Rüderbdorforslp.71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Variete-Garten WeinbergSwcg 19/20, Noienth.Tor. 15 Jnli-Spezialitäten. Promenaden• Konzert. Ans.: Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. mar- Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Theater 8 Uhr. Kleine Sommerpreise. Releiishalleii-Tlwatei'. Gastspiel des berühmten Wmter- Tymion mit seiner Herren- gcsellschast. Anfang 8 llhr. 1. Aug.: Wiederbeginn der soireen der Stctt. Sänger. m des 2. Berliner' Reichstagsvahikreises Bezirk 145. Am Dienstag, den 23. Juli, I starb unser Mitglied, der Bau- I arbeiter Hermann Kregenbrink. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet Sonnabend, den 27, Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heiligkreuz-Kirchhoscs in Marien- dors aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Bei- Vorstand. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Südwest. Am Dienstag, den 23. Juli, verstarb unser treuer Kollege Hermann Kregenbrink. Ehre seinem Andenkent Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig-Kreuz-Kirchhoscs in Mariendorf aus statt. 35/15 Ger Zweigvereins-Vorstand. SoziaidemokratiseberWaldrerelnl des Todes- Anzeige. Ain 23. d. M. verstarb unser Mitglied, der Drechsler Kurl Lprenxer TreSckowstr. 32. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Georgen-Kirchhoses, Landsberger Allee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 265/4 Ber Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todos-Anzcififc. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Ksfl Sprenger am 23. d. MtS. an Lungcnlciden gestorben ist. Ehre seinem Andenkent Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 26. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle dcS Georgen-Kirchhoses, LaiidSbcrger Allee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/13 Gie Ortsverwaltung. Von der Reise zurück Dr. P. Scliwerin. Spezialarzt für Hornkrankheiten. Oranienstr. 140. 62/1 HvtrSielvprvtsv stvlKvi»! —— AVarnni grollt der Handel nicht ein? Das Wirtecbaftnblld der Gegenwart nnd der Znbnnft ist zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto Weber, Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volksausgabe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in WUrtburg Ter» sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. irbeiter-Bekleidung Grüßte» Spczialgcschiitt Kohnen& Jöring Hauptgeschäft; Alexanderstrafio 12 zwisch. Alexanderpl. u. Jannowitzbr. 2. Geschäft: Landsberger Allee 148, Ecke LangenbeekstraBo. Berufskleidung f. alle Zweige d. Industrie u. Gewcrke. Für Sommer- und Kinderfeste empfehlen Stocklatcrnen, Fackeln, Schärpen, Kopfbedeckungen, lllumlnat.-Laternen, Dekorations-Girlanden, VerlosungS' Artikel. KV Harken, Sensen, Keglerpreise. Jux- nnd Scherzartikel. 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Rege Beteiligung erwartet 122/14 Die Ortsvcrn'altnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Rudolf Leufeld am Montag, de» 22. Juli, ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 26. Juli, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Mariendorser Kirchhoses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/6 Die Ortsverwaltuug. Deutscher IHoizarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Einsetzer Heinridi Buchdorn am 24. Juli verstorben ist. Ehre seiuem Andenke«! _®te Beerdigung findet am Tcunabeud, den 27. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Virchow-KrankenhauseS aus statt. 91/5 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zenlral-Rpanken- n. Sterhekasse der denischen Wagenbauer. Verwaltungsst. Oberschüneweide. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilhelm Knop am 23. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 26. Juli(heute), nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des hiesigen Fried- hoses auS. Um rege Beteiligung ersucht 253/3 Bio Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach« richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der Maurer Cbrisllan Petersobn »ach langem, schweren Leiden ver- sterben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Bie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von Pankstr. 45a St. PauIS-Kirchhos aus nach dem in Plötzensee statt. 1987b Nachrui. Am 21. Juli entschlief nach kurzem Krankenlager unser Mitglied 19755 Jakob Moll. Wir verlieren in den Eni- schlasenen einen wahren Freund. Ein dauerndes Andenken wird ihm bewahren der Arbeiter-Radfahrer-Verein „Köpenick 1902". Mitglied des A.-R.-B.„Freiheit". Banksagnng. 1998b Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner Frau, unserer lieben Mutter, Schwieger- und Großmutter Klara Röbel, sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten, insbesondere Herrn Böhl nebst Frau, Voltastr. 43, unseren besten Dank. die trauernden Hinterbliebenen. Ilrrbmib der Witt. Fnckltrtr.Anstrtjchtrnj'rv.! Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege, Rudolf Große am 25. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 2 Uhr von der Halle des St. Markus-Kirch- hoses, Hohen- Schönhausen, aus statt. 125/14 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Soeben erschienen: Sozinldtmolirntie 234/17' und Schule von Heinrich Schulz. Preis 30 Ps. ! Verbrechen«.ProMtion als soziale KrankheitS- erscheinungen von Paul Hirsch. Preis brosch. 2M., geb.2,50M. In zehn Inljren von Ilpton Sinclair. Verfasser des„Sumpf-. Preis brosch. 3 M., geb. 4 M. Expedition des„Vorwärts", Berlin SW., Lindenstr. 69, Laden. Vwww» Klunieu- n nb Hrniiittiiibern von Robert Meyer,. nur Wnrinnnen-Slrnße 2. JlrbGitCir nuden für jeden SCtUf richtig gearbeitete Bekleidung in großer Auswahl Lrunnensir. KS8,|,c<* Qelber Laden. Achtung! Achtung! ZTrcIgverein Berlin. Freitag, den 26, Juli er., abends 8Vz Uhr, bei Frey er, Koppenstraße 29: General-Bersammlung Mrr.Zmigvereto gehörigen Zahlstellen u. Bezirk d. lllanrer. Tagesordnung: Der Stand unserer Bewegung. miv* Mitgliedsbuch legitimiert._ Die Verbnndxloitnng. ««»«GS-SS»»»««»«»»«««»»»»»« | H. Zimmermann f t Berlin SO. Juwelier Oranienstr. 206 S | Qold= und Silberwaren=Fabrik,| ühren=GroßhandIung. 5361L» Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur, Streng reell.— Billigste Preise. Allg. Kranken- u.Sterdeimsst der Metttllttrlietter. sEingeschr. HülfSIafse Nr. LS, Hamburg). Filiale Friedrichsberg. Sonnabend, den 27. Juli, abends S'/t Uhr, im Lolal von Blum: MtgIiki!sr'Ver8W.m!!Nlg. Erscheinen sämtlicher Mitglieder er- forderlich. ISSöb _ Die OrtSverwaltiiug. Zur gsefl. Beachtnngs! Infolge Anhäufung* von Aufträgen sind wir mit Lieferungen etwas in Rückstand gekommen; die hierdurch entstandenen Gerüchte, in unserer Fabrik werde gestreikt, sind in böswilliger Weise aus der Luft gegriffen, zumal bekanntlich gerade in unserem Betriebe stets das beste Einvernehmen mit unserer Arbeiterschaft besteht! Cielbr. Selowsky- Dresden. Bewährte Spezialmarken: Zenith— Mskar 3— Bolero. 51G7L» Biel Vergnügen machen die dem V eilchenselfenpul ver „Marke Kaminfeger'4 .'eiliegenden Geschenke, prächtige Sachen, ausnahmslos nur hübsche, nnh- liche Gegenstände. 109/11* In den meisten Geschäften a 15 Pfg. g» haben. Vorsicht beim Einkauf I Man achte ans die„Schuhmarke Kaminfeger*! Fabrikant: Oarl Gcntner, Göppingen. Wer Zlrbcitsnachweis; Vernialtuiigsstellc Berlin. Saiiptbiireau: Hof I. Slmt 3, 1239._ CharltsstraSe 3._ Hos III. Amt 3, 1987. Sonntag, den 28. Juli, vormittags 10 Uhr, in Milörodls Feslsälen, Müllerstr. 7; Branchenversammlung der Sciiiiiiede Berlins und Umg. TageS-Ordnung: i. Vortrag des Kollegen päUlgvilseh über:„Unser Strafrecht." Beleuchtet v. einein Nichtjuristen. 2. Diskussion. 9. Vcrbandsangelcgenheiten und Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 122/15 Die Ortsverwaltung. l»»« Berlin. Heute Freitag, abends 8'/z Uhr, im GewerkschaftShause, Engel-ttfcr 15 Zitzuncg der Ortsverwaltung. Zentral-Kremkettkaff e d. Maurer Grundstein zur Einigkeit. Zahlstelle Charlottenburg. Sonntag, de» S8. Juli 1S«7. vormittags IV Uhr. im Bolkshaus, Nosinenstraße 3, im Büsett-Saal, 1 Treppe: Mitglieder- V ersammlimg. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom jiuciten Quartal 1907. 2. Vortrag über: Invaliden- versicherlingSgesetz in der Praxis. Referent: Müller. Milqlicdsbuch legitimiert. 149/12 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. I. A.: W. Strahl. �Ileinverkaul lür llerlln und Umzegead: �.nelrea» Caspar, Berlin 80., losephstraiZe ll. nollisnbiisgss VesslkliesMP-hsss» s. G. in Görlitz. Gegründet im Jahre 1856. Größte deutsche Anstalt für Sterbegeld-Versicherung, Billige Beitrage. Sehr vorteilhafte Bedlngansen. - Alle üebcrschüsse fallen de'n Mitgliedern zn.— Dividende seit 1808 stlindig 35 eines lahresbeitrages, für ültere Versicherungen 50°/,. Versicherungsbestand ll4 Mlll. Versich. Über 89 Millionen M. Gesamtvormögon........... 22 Millionen M. Seither ausgezahlte Starbegelder pp.... 17 Millionen M. Seither an die Mitglieder überwies. Dividende 6 Millionen M. Höchstzuliissigo Ver.sichorungssunime'M. 1500, zahlbar nach Wahl auch schon bei Lebzeiten. Keine firzllioho Untersuchung. Nähere Auskunft ertoilon und Anträge nehmen entgegen die Einnehmer-Stellen der Anstalt: Brunnenstr. 83, Dorothoen- straße 70, Feldzcugmeisterstr. 9, Plemraingstr. 3, Luckauerstraße 5, Madaistr. 7, Höckemstr, 112, üuskauerstr. 30, Rathe- nowerstr. 53, Ritterstr. 4, Rostookerstr. 44. Turrastr. 40, Wasser- torstr. 33, Weißenburgerstr. 47, Wilhelrastr. 133. # Zentral-Kranken-«.Sterbt- Kasse der Zinniierer. lllngsschr. iiiiltskasse tle. 2. De» Mitgliedern des Bezirks III zur Nachricht, dag von jetzt ab der Kamerad TV. Sicgniann.. Reiben- feldftrasze 3, Ouergeb. IV, die Raff engeschäfte übernommen Hat. .Keligef Aedeilei'- flatlfalw-yereiir Mitglied de? Arbeiter- RadsaHrer-Bunde» »Soltbarität«. m Tonren Sonntag, den 38. Jnll er.: Vereinstouren. Die Abteilungen von 1—4 srüh 4 Uhr nach Freienwaldo(W. Voigt, Kanalstr. 3), nachm. 1 Uhr nach Hungrigen Wolf/z9 Uhr ein Wagen, tn welchem derselbe in die Sckwnebergcr llaison de santö gebracht wurde. Wir möchten zu diesem Vorfall bemerken, daF es doch un- verantwortlich ist, einen Menschen in einem solchen Zustand herum- irren zu lassen. Wenn den Angehörigen die Mittel zur Unter- bringung des Kranken in eine Anstalt fehlen, so war es doch sofort Pflicht der Gemeinde, dafür Sorge zu tragen. Diese Nachlässigkeit wird auch nicht entschuldigt, daß der Gemeindevorsteher nicht an- wesend war. dann hätte eben eine Vertretung zur Stelle fem müssen. Kinderspiele des Arbciter-TurnvereinS„Fichte". Gespielt wird am Sonntag, den 28. Jnli: Friedrichshain von 9—12 Uhr vormittags, Sportplatz Behmstraße(Ecke Bellermannstraße) von 9—12 Uhr vormittags, Treptow von 8 bis. 11 Uhr vormittags, Jungfern Heide von 8—11 Uhr vormittags Die Teilnehmer treffen sich für den Spielplatz Friedrichshain um 8>/z Uhr am Kriegerdenkmal, für den Sportplatz B e h m- straße am Bahnhof Gesundbrunnen um 8Va Uhr, am Bahnhof Wedding am Nettelbeckplatz(Urania-Säule) um 8 Uhr, am Bahnhof Schönhauser Allee um 8 Uhr, für den Spielplatz Jungfern- Heide am Bahnhof Beusselstraße um 8 Uhr und für den Spielplatz Treptow an der Oberfreiarchenbrücke um 73/i Uhr. Willkommen sind Kinder nicht nur von Turngenossen, sondern auch auf Kinder solcher Eltern, die dem Arbeiter-Turnvprein„Fichte" und über- Haupt der Turnsache fernstehen, wird" gerechnet. Die Kinder werden nach Beendigung der Spiele wieder an die Sammelplätze zurückgeführt._ Wer ist die Tote? Am 22. d. M. vormittags ist in der Bade anstalt von Müller in Grünau eine unbekannte weibliche Leiche gelandet, zirka 30 Jahre alt, dunkelblond, kräftige Figur, mittel groß, graues Kostüm, dunkle Bluse, schwarzer Strohhut mit grünem Band und Roggenähren, schwarze Schnürstiefel, dunkle Strümpfe, weißes Taschentuch, Monogramm ausgetrennt, anscheinend F oder S. Rekognoszenten können sich melden beim Amtsvorstand Adlers Hof bezw. im Polizeipräsidium, Zimmer 249. Vernufcbtcs. Vorort- jyacbricbtem Pankow. Eine gewaltige, hochinteressante Arbeit wird jetzt in der Steegerl straße in P a n k o w, einer Querstraße der Wollankstraße, ausgeführt. Dort wird seit Wochen an der Herstellung des NotauslasseS für die Pankower Kanalisation gearbeitet. Ein Kanal, der mehrere Meter im Durchmesser hat, wird dort im Grundwasser aus Zement hergestellt. Die Schwierigkeiten sind ganz bedeutend, weil bei dem Bau keine fertige Röhren, sondern nur loser, frisch auS Zement her- gestellter Makadam benutzt wird und das Gruildwasicr beseitigt werden muß. Die Stecgerstraße ist infolge dessen vollständig für Wagen und Fußgänger gesperrt. Der NotanSlaß wird von Pankow über Neu-Wcißensee nach der Oberspree geführt und dürfte noch viel Arbeit machen, aber auch gleichzeitig den Beweis liefern, mit welchen Schwierigkeiten die Vororte noch bei der Herstellung der Kanalisation zu kämpfen haben. Rummelöburg. Ein schweres Unglück wurde gestern durch das scheu gewordene Pferd eines dem Kaufmann Neuendorf in Köpenick gehörigen Breaks herbeigeführt. Der Kutscher Kranich führte daS Gefährt am gestrigen Tage nach Rummclsburg, als daS Gespann plötzlich vor einem entgegenkommenden Nadfahrer scheute und durchging. Der Kutscher verlor das Gleichgewicht und stürzte von dem Wagen herab, wobei sich sein rechter Arm in der Leine des Pferdes verfing. K. wurde nun von dem rasenden Tier mitgeschleift, bis eS schließlich Passanten gelang, das Pferd zum Stehen zu bringen. Der Kutscher hatte eine Verwundung am Kopf, einen Bruch des linken Oberarms sowie innere Verletzungen davongetragen und mußte nach dem KreiS- Krankenhause in Britz übergeführt werden. Die Parteigenossen werden nochmals ersucht, sich rechtzeitig in den Besitz einer Legitimation zu den Gewerbegerichtswahlen zu setzen, und werden gebeten, sich zu der heute abend um 3 Uhr von den bekannten Bezirkslokalen aus stattfindenden Flugblattverbreitung zahlreich einzufinden. Groß-Lichterfelde. Achtung! Gewerkschaften, Parteigenossen I Auf Grund de» Auf- rufes der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, be- treffend die Unterstützung der ausgesperrten und streikenden Tabak- arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands, sind Sammellisten heraus- gegeben und bitten wir, von denselben fleißig Gebrauch zu machen. Die Listen sind beim Genossen Ferd. Wiemann, Dürerstr. 7b. zu haben. Gewerkschaftskartell Groß-Lichterfelde und Umgebung. Treptolv-Baumschulenweg. Ein Borfa», der auf die hiesige Gemeindeverwaltnng gerade kein günstiges Licht wirft, ereignete sich am vergangenen Sonnabend. Bereits am frühen Morgen irrte der OrtSanwohncr Peter in geistiger Umnachtung auf der Straße herum. Anverwandte gingen, wie uns initgeteilt wird, auf das Gemeindebureau, um den Gemeindevorsteher Zu dem Untergang der Kncbcl-Nubloffschen Expedition wird aus Breidumhri noch berichtet, daß Knebel, Späthmann und Rud- loff am 27. Juni mit einer Karawane von 27 Pferden von Nord- Westen aufgebrochen sind und am 1. d. M. den. Vulkan Maszen Askja nach großen Strapazen erreichten. Knebel wollte den Süd- rand des Kraters erforschen und Späthmann den Nordrand. Knebel verließ am 10. d. M. mittags das Zelt, begleitet vom Maler Rud- loff, um die Tiefen des großen Kratersees im Südosten vom Boot aus, das extra hierher transportiert worden war, zu untersuchen. „Als ich", so schreibt der Berichterstatter dieser Meldung im„Lokal- anzeiger",„sieben Stunden entfernt auf der entgegengesetzten Richtung nachts zurückkehrte, waren die beiden andern noch nicht im Zelt. Trotz des klaren Wetters war all mein Suchen vergeblich. Es wurden Fußspuren am Ufer konstatiert. Das Boot war ver- schwunden, so daß sie wohl zweifellos ertrunken sind. Ich ging fünf Tage allein nach der nächsten Ansiedelung, die 26 Rcitstunden entfernt liegt. Dazwischen liegt eine furchtbare Lavawüste. Ich war ohne Pferde. An zwei Tagen herrschte schrecklicher Schnee- stürm mit Wirbelwind und vielen Windhosen. Dann kam der Führer Sigurdsson von der Küste mit Proviant. Sofort wurde eine Expedition zum nochmaligen Suchen beordert. Trotzdem die Isländer mit großer Lebensgefahr suchten, wurde nichts gefunden." Der„Vossischen Zeitung" wird zu den: Unglück der Expedition geschrieben: Für geologische Forschungen, namentlich Kräterstudien, ist Island das bestgeeignete Land der Erde, doch sind hier Reisen im Innern, in dem von reißenden Flüssen durchzogenen Gletscher- und Lavagchieten schwierig und manchmal lebensgefährlich. Dies gilt nicht zum wenigsten von den Gebieten, in denen sich das Unglück ereignete. Der Vulkan Askja liegt im südöstlichen Teil der ge- waltigen Lavawüste Odadahraun, die sich, 62 deutsche Quadrat- mcilen im Umfang, in der Mitte des östlichen Island ausdehnt, und mit ihrer kohlschwarzen, erstarrten Lavamasse einen trostlosen, unheimlickien Anblick gewährt. Die Wüste Odadahraun wurde im Laufe der Zeiten durch unzählige Ausbrüche von etwa 20 Vulkanen gebildet, wovon die nächsten Ausbrüche in vorhistorischer Zeit statt- gefunden haben. Einer der größten dieser Vulkane ist der Askja, der gleichzeitig einen Begriff über isländische Vulkane überhaupt gibt. Bis zu ihm vorzudringen, bietet für die Pferde— alle Reisen in Island müssen zu Pferde ausgeführt werden— auf den von Rissen und Aushöhlungen durchzogenen Lavamassen nicht geringe Schwierigkeiten. Wie die meisten großen isländischen Vulkane bildet der Askja eine breite Kuppel mit sehr schwacher Neigung, etwa 7— 8 Grad. Seine Höhe beträgt etwas über 1000 Meter. Die Lava ist an den Seiten des Berges sehr uneben, und die Oberfläche besteht aus breiten, zum Teil hohlen Rücken, die strahlenförmig vom Hauptkrater ausgehen. Oft ist die Lavaschicht so dünn, daß die Reisenden aufpassen müssen, um nicht durch die Decke in Höhlen oder Abgründe zu fallen. Der Gipfel besteht in einer Lavaebene, die von steilen, kreisrunden Felswänden umgeben ist. Die Lava- ströme vom Vulkan setzen sich mitunter als Gletscher durch die Schluchten des Berges fort und bilden in dieser Beschaffenheit ebenfalls große Schwierigkeit für den Reisenden. Hierzu kommen die reißenden Glctschcrflüsse im Innern, die von den Reisenden durchschritten werden müssen, denn auf Island gibt es weder Brücken noch Fähren, so daß den Reisenden nichts anderes übrig bleibt, als die eisigen Flüsse zu durchqueren. Welche Art der hier angedeuteten Gefahren der Kncbelschen Expedition so Verhängnis- voll geworden sind, dürfte bald bekannt werden. Ein Heilserum gegen den Thphus. Nach Mitteilungen der Herren Dr. F. Meyer und Dr. Bergell, die beide der Klinik des Geheimrats Lehden angehören, ist eS ihnen gelungen, durch lieber- tragung des Typhus auf Pferde einen Jmmunisierungsstofs zu gewinnen, der sich bei Typhuskranken bereits bewährt haben soll. Seinen Bruder getötet. In Kattowitz stieß der Arbeiter Ließ während eines Streites seinem jüngeren Bruder eine Feile tief in den Rücken, so daß dieser bald darauf starb AuS den Bergen. Wie die Wiener„Neue Freie Presse" auS Salzburg meldet, stürzten der Münchener Arzt Ehrhardt sowie eine Münchener Dame bei einer von Berchtesgaden aus unternommenen Partie auf der Mauerscharte ab und blieben schwerverletzt liegen. Die Dame erlitt zahlreiche Kontusionen und brach dreimal den einen Arm; Ehrhardt erlitt drei Nippenbrüche sowie mehrere Riß- und Quetschwunden. Die Verletzten wurden nach Werfen gebracht. Ein berühmter Maler gestorben. Nach einer Meldung aus Wien ist gestern der berühmteste Maler Griechenlands, Konstantin Volonakis im Piräus im Alter von 72 Jahren gestorben. Erdbeben. In Cosenza und in mehreren benachbarten Orten wurden in vergangener Nacht heftige Erdstöße verspürt. Der Be- wohner bemächtigte sich eine große Panik. Ein Schaden ist nickt zu verzeichnen. Die ungarischen Zigeuner. Infolge der sich mehrenden Raub- morde und sonstigen Verbrechen, die von wandernden Zigeunern verübt werden, wird im Ministerium des Innern ein Gesetz- entwurf ausgearbeitet, welcher die Zwangskolonisierung der Zi- geuner und Jnternierung derselben in Winterquartieren bezweckt Wittern, tgSüdersicht vom LZ. Juli ivu?. morgens» Ily». Elatienen L S L 2 §« SS K- £ S s? s «8 tlt« 7S9WNW 761 23918 7608 Zwtnnnde Hamburg Berlin Frankl.a.M. 760 NO München i7S0sO Wien J762N 2 bedeckt 3 halb bd. 2 bedeckt 2>volkcnl 3 wolkig 1 halb bd. » s C% ö Ii ß? HS, SlatUnen S 2 11 »■= II Hap-irandch7S8N Petersburg 756 8 Scillh"U r'lberdeen Paris 757 SW 762 SO 753 NNO Vetter 2 halb bd. 1 bedeckt 2 bedeckt 1 bedeckt 1 wollig ei S £« H Te 15 14 16 1? U Vielfach Wetter. Prognose für Freitag, de» 2«. Juli tS»7. heiter, am Tage wärmer bei schwachen östlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. verliner Wetterburiau. Wagerfland am 25. Juli vorm. Elbe bei Dresden— 68 dp.— Elbe bei Magdeburg 2,83 ilicicr.— O d e r bei Ratibor 1,97 Meter.— Oder bei Breslau+.0,44 Meier.— Ober bei Brieg 3,06 Meter.— Neitzemünduna 2,44 Meter.— Rhein bei Kaub 2,42-0,10 Meter.— Rheinschleuie bei M. W W�WWWWW�I�W�IWWWWWIW�W��I�WWWWW.____________ Stratzburg 3,03— 0,03 Meter._ Lerantwortl. Redakteur: Carl Mermuth. Berlin-Rirdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlas: Vorwärts Buckdruckerei u. Verlaasanstalt Vau! Sinaer& Co. Berlin SW~