Ar. 173. Bbonncments-Bedingungcn: WonnementS- Preis pränumerando i Lierteljährl. Z,Z0 Ml, monatl. 1,10 Mk,, wöchenilich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Vellage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Euigetragen in die Post- ZeitungZ. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, " nänicu, Schweden und die Schweiz. 34. Jahrg. «»«Iii as»» inScr oioitas«. Vevttnev Volksblakk. Zentralorgan der rozialdemohrati feben parte! Deutfchtands. Die TnfertionS'GebObr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins. und. Versammlungk-Anzeigen 30 Pfg. „Meine Snrelgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen-Anzeigcn das erste Wort lv Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „SozlaWtmoHrat Berlin". Redahtiom SM. 68. Lindcnatraoec 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. IPuttlsamer. Ein Beitrag zur Kolonialpolitik. Zwiefach ist innerhalb unserer kolonialen Verwaltung schwer gesündigt worden, so schwer, wie man es in einem geordneten Staatswesen, wie es das Deutsche Reich zu sein für sich in Anspruch nimmt, niemals für möglich gehalten hätte: einmal auf dem Gebiete der Rechtspflege durch Grausamkeiten und Vergewaltigungen an den Eingeborenen und zum anderen durch eine maßlose Vergeudung von Reichs- Mitteln. Die erstere Verfehlung dokumentieren die Greueltaten eines Peters, Arenberg, Horn, v. Besser, Leist und wie sie alle heißen, die letztere Verfehlung vornehmlich Herr v. F u t t k a m e r. Die vielen und einflußreichen Freunde des nunmehr mit drei Vierteln seines Gehalts in Gnaden zur Disposition gestellten Gouverneurs Jesko v. Puttkamer läßt es nicht ruhen, ihren Günstling nach Kräften in Schutz zu nehmen. Allein gleich den wütigen Draufgängern der Peterssippe erreichen auch diese Beschützer des braven Putt- kamer mit ihrem unüberlegten Handeln nur das Gegenteil von dem was sie beabsichtigen. Natürlich ist es wieder Maximilian Harden, der seine „Zukunft" für die Weißwaschung des Herrn v. Puttkamer zur Verfügung stellt. An Haidens Stelle hat aber diesmal ein Generalmajor a. D. Freiherr v. Puttkamer für seinen Namensvetter eine Lanze gebrochen. Von dem, was der Herr General schreibt, ist eigentlich nur von Bedeutung seine Erklärung: „Die ganze Kolonialpolitik basiert darauf, daß wir Europäer den minderwertigen Eingeborenen fremder Erteile mit roher Gewalt ihr Land abgenommen haben und uns m i t Gewalt dort behaupten." Diese Erklärung des Generals sagt genug! Die Puttkamerfreunde täten aber wirklich besser und handelten gerade im Interesse Puttkamers, wenn sie den in der Oeffentlichkeit bereits halb Vergessenen nicht unklugerweise immer wieder in nicht gerade angenehme Erinnerung brächten. Denn sie müßten eigentlich doch am besten wissen, daß der großen und kleinen Sünden des Herrn v. Puttkamer so viele sind, daß die im Disziplinarprozeß vorgebrachten Vergehen des Genannten nur einenTropfen im vollen Glase Wasser ausmachen, und daß das Drum und Dran in der Puttkamersache andere mehr noch als Puttkamer selber kompromittieren kann. Es ist unglaublich, mit welchen Mitteln man von Anfang an, als die Angriffe gegen Puttkamer begannen, diesen zu rechtfertigen suchte. Besonders die lange Kolonialdienstzeit Puttkamers erschien ihnen als geeignetes Mittel.„Solcher Leute", sagte der Staatssekretär von Richt- Hofen im Reichstage am 14. Dezember 1903, als man der Kolonialverwaltung etwas gründlicher als zuvor auf den Zahn zu fühlen begann,„wie z. B. Herr von Puttkamer, der 20 Jahre, glaubeich, inKamerunist, wo die meisten nur 1 Jahr 6 Monate aushalten, gibt es nicht viele." Staatsanwalt und Verteidiger, wie die Disziplinarkammer hoben gleichmäßig rühmend die lange Kolonialdienstzeit des Herrn von Puttkamer hervor. Wer dieser Verhandlung in Potsdam beiwohnte, weiß, daß nicht viel daran fehlte, daß bei dieser Erwähnung Tränen der Rührung des Verteidigers Stimme erstickten. In der Tat ist Puttkamer lange Zeit— unverhältnismäßig lange— Kolonialbeamtcr und insbesondere Gouverneur von Kamerun gewesen. Zwanzig Jahre, wie Herr v. Richt- hosen glaubte, war Herr v. Puttkamer in Kamerun aller- diengs nicht, sondern die knappe Hälfte dieser Zeit und dazu noch unter Einrechnung der vielen mitunter über ein halbes Jahr währenden Beur- laubungen nach Europa. Es liegt hier einer der gelegentlichen, mehr oder weniger großen Irrtümer des Herrn v. Richthofen vor. Daß Puttkamer es so lange wie vor ihm keiner im Kolonialdicnst ausgehalten hat, kann man nun aber wirklich nicht als sein Verdienst bezeichnen. Diese Tatsache ver- dankt er neben seinen Zeugern ganz besonders der Behand- lung, welche die damalige Kolonialverwaltung und er s e l b st kraft seines Amtes seiner teuren Person zu teil werden ließen. Als v. Puttkamer 1893 vom Landeshauptmann von Togo zum Gouverneur von Kamerun avancierte, war er für den Dienst in den Tropen schon beinahe verbraucht. Zweimalige schwere Dysenterie, infolge der Puttkamer beinahe, um in der gemütvollen Sprache unserer„Afrikaner" zu sprechen,„ein- gegangen" wäre, war die Veranlassung für die Kolonialabteilung,»Nif Antrag Puttkamers zuerst für ihn. damit die der Kolonie ko st bare Gesundheit Putt- kamers erhalten bliebe, und demnächst für die übrigen Beamten in Kamerum. die bis dahin zweijährige Dienstperiode im Schutzgebiete um ein halbes Jahr zu kürzen. Wer draußen in Kamerun gewesen ist, weiß aber auch, wie oft währendderDien st Perioden Herr v. Putt- kamer zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit für längere Zeit den Regierungsbezirk Duala verließ und das fieberfrei gelegene Buea(damals neue Station) aufsuchte oder auf die hohe See und selbst bis Las Palmas fuhr. Und alles dieses hätte trotzdem nicht verniocht, Herrn v. Puttkamer auch nur wenige Jahre als Gouverneur von Kamerun zu er- 1 halten, wenn nicht bald nach seiner Ernennung zum Gouverneur, nicht im Interesse des Dienstes, sondern in dem des Herrn �v. Puttkamer der Gouvernementssitz von dem fieberrcichen Duala nach dem fieberfreien Buca verlegt worden wäre. ier in Buca aber nicht nur 10 Jahre, sondern ein ganzes Menschenalter und darüber gesundheitlich auszuhalten. Bedeutet für den Europäer gar nichts. Und diese Tatsache weiß und wußte die Behörde, welche die langjährige Dienstzeit Puttkamers in Kamerun unter gesundheitlich schwie rigen Verhältnissen rühmend hervorhebt, am allerbesten. Hat die Behörde doch in einem Prozesse, welchen ein Kolonial beamter gegen sie anstrengte, besonders betont, daß das tausend Meter über dem Meere am Kamerunberge liegende Buca notorisch gesund sei.(II) Muß aber angesichts dieser Tatsache es nicht gerade- zu lächerlich wirken, wenn behauptet wird, daß Herr von Puttkamer die ganzen Jahre hindurch in Kamerun„fortgesetzt dem Tode ins Auge ge- schaut habe?" Man sieht, es ist mit Puttkamer dieselbe Sache wie mit Dr. Peters. Dieser schaute am Kilimandscharo inmitten einer friedlichen Bevölkerung, jener am Kamerunberg in einer„notonsch gesunden" Gegend„dem Tode fort- gesetzt ins Auge". Die Regierung, die Anklage im Disziplinarprozeß, selbst- verständlich der Verteidiger des Herrn v. Puttkamer und schließlich die Disziplinarkammer rühmen sodann die Ver- dienste des Herrn v. Puttkamer als Gouverneur von Kamerun, seine„an Arbeit und Erfolgen reiche Tätigkeit", die Tatsache, daß„er 21 Jahre lang sein Wissen und Können und seine ganze Kraft in den Dienst des Vaterlandes gestellt habe". Wie schön gesagt, aber wie unendlich weit entfernt vom wirk- lichen Sachverhalt I Welches sind die Verdienste des Herrn v. Puttkamer die die Regierung im Reichstag und der diese als Staats- anwalt verttetende Kammergerichtsrat Dr. Kleine im Dis- ziplinarprozeß so ausdrucksvoll zugunsten des Herrn v. Puttkamer hervorzuheben wußten? Schon so manches Mal ist der Sinn der Rede eines Regierungsvertreters dunkel und orakelhaft gewesen.. Alles, was von der Regierung im Reichs- tage über Herrn v. Putttamer erklärt wurde, klang entweder wie Lob oder wie Entschuldigung. Und doch meinte sie das krasse Gegenteil! Gemerkt aber hätte das wohl niemand, wenn nicht durch einen freundlichen Zufall jener Bericht des aus den Kolonialdebatten nicht eben rühmlich bekannt gewordenen, inzwischen spurlos in der Versenkung ver- schwundenen Kolonialgeheimrats Rose an den Reichskanzler Fürsten Bülow bekannt geworden wäre, durch welchen Bericht dem letzteren— nicht dem deutschen Volke— über das gewissenlose Treiben des Herrn von Puttkamer klarer Wein eingeschenkt wurde. Denn in diesem interessanten Be richte heißt es unter anderem: „Abgesehen von der Patzangelegenheit, erscheint die Wieder entseiidmig von Puttkamers mit Rücksicht aus die grotzen M i tz st ä n d e ausgeschlossen, welche in den letztenJahren unter seiner Verwaltung geherrscht haben(ll). Ein weitererMitzstand liegt in dem Mangel der festen Zusammenfassung und Beauf- sichtigung des zahlreichen BeamtenlörperS. Die hierdurch verursachten Schäden äutzern sich namentlich bei den unteren Organen, über deren rohes Bcrhaltcn gegen die Eingeborenen zahlreiche begründete Klagen erhoben werden. In der Finanzwirtschaft deS Schutzgebietes herrscht ein Zustand größter Unordnung, UeberschreiNingen der im Haushalt vorgesehenen Mittel sind an der Tagesordnung und erreichen eine bei den anderen Schutzgebieten unbekannte Höhe" usw. So berichtete die Behörde über Herrn v. Puttkamer an den Herrn Reichskanzler, aber nur ganz im geheimen. Den Sachverhalt auch der Volksvertretung mitzuteilen, erschien nicht angängig. So weit durfte das deutsche Volk, das wohl zum Steuerzahlen gut ist, nicht aber Anspruch auf Aufschluß über die Verwendung seines Geldes erheben darf, nicht aufgeklärt werden. Man würde aber noch viel mehr erstaunt sein, wenn man alles das erführe, tvas den Geheim- rat Rose, gegen den vermöge seiner Protektion beinahe all- mächttgen Herrn v. Puttkamer eine unbedeutende Person, crmuttgen konnte, einen für Herrn v. Puttkamer so nachteiligen Bericht zu entwerfen. Prinz Hohenlohe, der damalige Kolonialdirektor, mußte freilich als Verantwortlicher Redak- teur für diesen Bericht, nachdem� er einmal bekannt geworden war, büßen. Denn daß er den von ihm heiß begehrten Posten eines Staatssekretärs nicht erhielt, dadurch nämlich, daß ein größerer Teil der Rechten im Reichstage vor der Abstimmung den Saal verließ, war lediglich die Quittung der Puttkamerfreunde dafür, daß der Prinz Hohenlohe einen der ihrigen, einen ostelbischen Junker und noch dazu Sohn des von ihnen ver- götterten Ministers v. Puttkamer. so preisgegeben hatte. Jedenfalls ersieht man schon aus diesem Herrn v. Puttkamer noch sehr schonenden Roscschen Bettcht, daß die Regierung auf der Hand liegende äußer st schwer wiegende Be- schuldigungcn— z. B. die Beschuldigung, daß in der Finanz- Wirtschaft des Schutzgebiets ein Zustand größter Unordnung herrsche—, welche sie gegen Puttkamer erheben mußte, gar nicht erhoben hat. Haben wir nun den Bände sprechenden Roseschen Bericht erwähnt, so wollen wir von den vielen und abfälligen Urteilen über Puttkamers Tätigkeit und„Erfolge" noch das Urteil eines Mannes auszugsweise zitteren, dessen Objektivität bekannt und Expedition: SM. 68» Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. welcher imstande ist, ein kompetentes Gutachten über die Puttkamerwirtschaft aus eigener Beobachtung abzugeben. Es ist dies Fritz Bauer, Führer der früheren deutschen Niger- Benue-Tschadsee-Expeditton, welcher am Schlüsse seines im vergangenen Jahre im„Globus" erschienenen Artikels„Das Kameruner Verwaltungssystem" schreibt: „Ueberhaupt würde es schwer fallen, irgend ein Feld der LZerwaltung zu entdecken, auf dem die Regierung von Kamerun zielbewutzt er und etwas Tüchtiges rreicht hätte... So zeigen sich die Nachtseiten des bestehenden Systems auf Schritt und Tritt. Verkörpert aber wird dieses System durch den Gouverneur. Buea mit seiner ZugangSstratze und der zu- gehörigen Lustjacht„Herzogin Elisabeth" ist unter seiner Ver- waltung ein tropisches Musterinstitut geworden, der ganze Rest der Kolonie aber befindet sich im Zu st and- wirtschaftlicher Bersumpfung." Bauer hätte noch als drittes Musterinstitut Puttkamers, die eigenste Schöpfung desselben, den Gouvernementspalast in Buea, dessen der Abgeordnete Semler in seinem Buche natür- lich lobend erwähnt, anführen können. Ueber diesen Palast schreibt der Geometer I. S ch 0 l z e in seiner geradezu tolle Verhältnisse Kameruns schildernden, jedem, der sich über die Dinge draußen informieren will, zu enipfehlen- den Broschüre„Die Wahrheit über die Heidenmission und ihre Gegner"(Erschienen im Verlag von Wilhelm Süfferott, Berlin W. 30, Preis 40 Pf.), daß dessen Bau- und Einrichtungs- kosten auf über eine halbe Million Mark(I) geschätzt werden. Es wäre eine dankbare Aufgabe fiir die Volksvertretung, festzustellen, aus welchen Fonds Herr v. Puttkamer den Bau dieses Palastes bestritten hat. Bewilligt ist diese halbe Million Mark niemals wordenl Die Volks- Vertretung täte ferner gut daran, bei dieser Gelegenheit u. a. auch festzustellen, was an der Behauptung Wahres ist, daß die Summe von 80000 M., welche der Reichstag für Wegebauten und speziell zur Löhnung der Farbigen bewilligte, zum Bau deSGouver- nementspalastes verwendet worden ist. Das sind so einzelne Beispiele für die Musterwirtschaft des Herrn v. Puttkamer mit dem Gclde der deutschen Steuerzahler. Herr Rose wird, als er die unordentliche Finänzwirtschaft Puttkamers hervorhob, wohl noch an andere Tatsachen, viel- leicht auch an die Tatsache gedacht haben, daß Herr v. Putt- kamer statt der vom Reichstage für das betteffende Etatsjahr bewilligten Summe von 20000 M. für das neue Gouver- nementsgebäude mehr als 200000 M.— also mehr als das Zehnfache der bewilligten Summe— verausgabt hat. Aber solche und andere Tatsachen waren kein Grund, gegen Herrn v. Puttkamer disziplinarisch vorzugehen! Wenn man auch Herrn v. Puttkamer persönlich die Verübung von Grausamkeiten nicht vorwerfen kann, so sind solche doch während seiner Amtsführung als Gouverneur vor- gekommen, ohne daß er dagegen eingeschritten w ä r e I Es sei hier nur erinnert an einen Bericht des da- maligen Oberleutnants Dominick an den Gouverneur, in welchem Bericht der Stationsleiter T h i e r r y be- schuldigt wurde, die Jaundeleute durch Grau- samkeiten systematisch in den Aufstand zu Hetzen. Auch der oben genannte Bauer wirft in seinem „Kameruner Verwaltungssystem" dem Gouverneur vor, daß er die Gutmütigkeit der I a u n d e ausbeuten und sie wider ihren Willen als Arbeiter auf die Plantagen schaffen ließ. Das Ergebnis sei eine Gärung unter den Jaunde, die zum offenen Aufstande zu führen drohe. Vor allem aber sei an die Scheußlichkeiten des Hauptmanns v. Besser erinnert, welche der Graf Rittberg zur Anzeige brachte. ?! jemals wären diese Grausamkeiten des v. Besser passiert, wenn Herr v. Puttkamer gegen diesen Mann schon vordem, auf Grund fr ii her er dem Gouverneur an- gezei>ter Roheiten eingeschritten wäre! Hören wir von Scholze, wie es in dieser Beziehung unter der Leitung des Herrn v. Puttkamer zuging. Scholze schreibt hierüber auf S. 17 ff. seiner Broschüre: „Nach dem Aufstände der Bakwiri am Kamcrungebirge er- klarte die Regierung deren gesamtes Land als sogenanntes Krön. land, d. h. als Eigentum des Reiches. Das ganze anbaufähige Gebiet wurde dann von der Regierung an große Pflanzungs- gcsellschaftcn(I) verkauft zum Preise von nur b M. für einen Hektar(1). Ten Eingeborenen wurden zu ihrem Lebens- unterhalt pro Familie nur V/3 bis 2 Hektar vorbehalten, bei deren Zuteilung ich nntwirken mußte. Diese Reservate hätten wohl genügen können, wenn die Eingeborenen nicht Raubbau, sondern rationelle Landwirtschaft trieben und wenn diese Reservate auch überall anbaufähig getvesen wären. Auf eine künftige Vermehrung des Volkes war dabei Überhaupt keine Rücksicht genommen worden. ES stellte sich auch bald bei den Bakwiri eine große Not ein. und die llnzu- friedenheit wuchs so sehr, daß man einen Aufstand befürchtete: denn es war nicht genug, daß man sie des Landes beraubt hatte, sondern man brachte sie auch um ihr Vieh. Jedes Haustier, das sich in eine Pflanzung verirrte, ward unbarmherzig getötet oder weggefangen und konnte nur durch schweres Lösegeld wieder. erlangt werden. Eine Ziege oder ein Schaf, wenn auch noch so klein, kostete 20 M. Lösegeld, eine Summe, die vielfach den Wert des Tieres übersteigt. Manche Pflanzer betrieben das Ein» fangen des Viehes fast sportmäßig und rühmten sich, daß sie ihre Gesellschaft mit so vielem frischen Fleisch versorgten____ Man hatte auch begonnen, die zerstreut liegenden Dörfer auf einige Plätze zusammenzulegen und ging dabei so rücksichtslos vor, daß die Bewohner einzelner Ortschaften nicht nur ungenügend Zeit zur Umsiedelung hatten, sondern überhaupt keinen Platz mehr fanden, so z. B. die vm Dibgnda, welche mehrere Male dvn ihrem Wohnsitze gewaltsam bertrieben wurden.'Ich selbst war Zeuge, datz man ihnen die Hütte anzündete, wenn sie nicht schnell genug das Feld räumten.... Im engen Zusammenhange mit der Land frage in Kamerun steht die Arbeiter frage. Das Bestreben der Pflanzer, denen die Kameruner Regierung nur allzu willfährig ist(I), ging offenbar darauf hinaus, die in ihren Gebieten wohnenden Eingeborenen völlig zu cnt« eignen und zu verarmen, damit diese dann notgedrungen in ihren Pflanzungen billig arbeiten muhten." Scholze erwähnt sodann, daß anfangs die Missionare Len Pflanzern die nötigen Arbeitskräfte durch Zusendung von Eingeborenen verschafften und sagt sodann wörtlich: „Als sie— die Missionare— sahen, wie grausam oft diese Arbeiter in den Pflanzungen behandelt wurden, wie innerhalb Jahresfrist der vierte Teil von ihnen hingerafft wurde und als Kultur dünger dienen mutzte, die übrigen zum großen Teil schwer erkrankten, und als sie wahrnahmen, wie diese Unglücklichen durch den aufgenötigten Schnaps- genutz(I) und das schlechte Vorbild sl) der meisten ihrer Herren immer tiefer sanken da konnten sie cS vor Gott und ihrem Gewissen nicht mehr verant- Worten, zu'solch ungerechtem und bösen Treiben mitzuhelfen. Das ist Grund genug für die Pflanzer, die Mission tödlich zu hassen; sagten mir doch z. B. die Pflanzer R. und K.: Die Missionare sind die grötzten Schufte und Spitzbuben, die es gibt, die müßte man alle umbringen, die gönnen uns keinen Gewinn. — Freiwillig meldeten sich bald nur noch wenige Arbeiter, und der Arbeitermangel wurde für die Pflanzungen gefahrdrohend. Da sandten die Regierung und die Pflanzer Arbeiter. kommissare ins Inner« Kameruns, um dort Arbeiter anzuwerben. Allerlei falsche Versprechungen. List und mit. unter auch Gewalt mutzten dazu helfen, die nötigen Arbeiter aufzubringen. Man schleppte nicht nur schwache und alte Leute herbei, sondern auch Jünglinge, die kaum dem Knabenalter entwachsen waren, ja selbst einige Kinder waren mit unter den angeworbenen Arbeitern. Das Herz tat mir oft weh, wenn ich diese armen Leute dahinwelken sah, und als eine Schmach empfand ich eS, datz in einem deutschen„Schutz. gebiet" so etwas vorkommen konnte. Kann cs wohl eine entsetzlichere Art der Kolonisierung geben, als sie die Regierung unter der Leitung des Herrn v. Puttkamer hiernach vornahm? Warum schweigt die Re- gierung zu allen diesen und anderen ihr wohlbekannten Be- schuldigungen allerschwerster Art? Warum geht sie nicht gegen Scholze und andere vor? Oder aber, wenn die An- gaben Scholzes auf Wahrheit beruhen, warum hat die Regierung dann nicht schon längst die für dieses schiuachvollc System Verantwortlichen, insbesondere den Haupt- verantwortlichen Jesko v. Puttkamer, zur Rechenschaft gezogen? Denn welche Nachteile ein folches „System", ein System der Sklaverei, uns einbringt, geht aus folgenden Worten Scholzes hervor: «Die Folgen dieser Arbeiteranwerbungen waren blutige Aufstände und hernach schreckliche Straf expeditionen. Und wer war es, der diesem ab- scheulichen Treiben entgegentrat? Ein Baseler Missionar brachte die Greueltaten des Hauptmanns v. Besser an die Oeffentlichkeit, und die Baseler Mission sandte Be- schwerde auf Beschwerde nach Berlin." Wir richten die Frage an die Regierung und den veo- antwortlichen Reichskanzler: Ist es richtig, daß solche Sklaverei getrieben, daß„schreckliche Strafexpedi- t i o n e n" unternommen worden sind, und daß das Treiben derselben ein„abscheuliches" gewesen ist? Wer sind diejenigen, denen so schwere Vergehen in erster Linie zur Last fallen? Und was tat die Regierung im Falle v. Besser, als die Baseler Mission.Beschwerde auf Beschwerde nach Berlin sandte? Es ist endlich einmal Zeit, daß die Regierung offen Farbe bekennt, wie sie sich zu allen diesen ihr läng st bekannten Vorgängen trau- rigster Art verhalten hatl Was den Hauptmann von Besser— einen Intimus des Herrn v. Puttkamer— anlangt, so wollen wir schon jetzt erwähnen, daß dieser Mann trotz der durch die Baseler Mission zur Anzeige gebrachten Scheußlichkeiten, die er als zur Kameruner Zivilverwaltung abkommandierter preußischer Offizier verübte, in die Schutztruppe eingestellt wurde: als Schutztruppenoffizier hat er dann weitere durch den Ober- leutnant Grasen v. Rittberg zur Anzeige gebrachte Grau- samkeiten an den Eingeborenen verübt. Man sieht aus Vor- stehendem bereits, daß Beschuldigungen, die in allerer st er Linie gegen Herrn v. Puttkamer wegen gröblich st er Verletzung seiner Amts- pflichten von der Verwaltung hätten er- hoben werden müssen, tatsächlich— und wodurch die Zentralverwaltung sich selb st schwer belastet— nicht erhoben worden sind! Was gegen Herrn v. Puttkamer, offenbar nur unter dem Druck der Oeffentlichkeit, im Disziplinarprozeß vorgebracht ist, sind Lappalien gegenüber den vielen anderen schweren Vergehen, wegen deren er schon längst hättS zum Teufel gejagt werden müssen I Als seinerzeit infolge der Beschwerden der Akwaleute die Presse gegen Puttkamer vorging, tat sich in Angriffen gegen letzteren das, wie cs schien, über Herrn v. Puttkamer vorzüglich informierte „Berliner Tageblatt" besonders hervor. Damals bereits— Februar 1906— schrieb dieses Blatt: „Sollte die Affäre Puttkamer nicht zu dem uns einzig möglich erscheinenden Ergebnis führen, so werden wir unserseits gegen» Herrn Jesko von Puttkamer Geschütze auffahren, deren Treffer ihn für alle Zeiten auS der Reihe der deutschen Beamten aus» merzen. Denn in den Kreis der deutschen Be- amtenschaft gehört Aerr JeSko von Puttkamer nicht." Auffallenderweise hat sich das„Berliner Tageblatt" in der letzten Zeit über die vordem von ihm so oft behandelte Puttkameraffäre völlig ausgeschwiegen. Auch schien es ihm an der Bestrafung des Herrn v. Puttkamer, der vordem„in den Kreis der deutschen Beamtenschaft nicht hineingchörte", mit lumpigen 1909 M.— bei einem Einkommen von über 39999 M.l— gerade genug zu sein. Hat das„Berliner Tageblatt" sein früheres scharfes Urteil über Puttkamer. einer Revision unterzogen? Oder will es das Endurteil in Leipzig abwarten, um dann nötigenfalls„gegen Herrn v. Puttkamer die schweren Geschütze auszufahren, deren Tresfer ihn für alle Zeiten aus der Reihe der deutschen Be- amten ausmerzen"? fa, wenn eS sich nicht um einen Puttkamer handelte! on längst hätte Puttkamer sich den Hals g e b r o ch e n so schrieb Herr v. S o d e n schon vor 19 Jahren an den R e i ch s ka n zle r,„Weng er nicht Herr v. Puttkamer und Ministersohn wäre. Das wissen Ae ja wohl selbst". Sltr nach den Kolonien reist. Die Journalisten, die die Spritztour Dernburgs nach Ost- afrika als NeuigkeitZschnüfflcr, llnekdoteuhascher und Sevsations- jäger mitmachen, beginnen bereits die Kolonial-Reklametrommcl eifrig zu rühren; namentlich in der liberaleu Presse. So will der Spczialreporter der freisinnigen„Weser-Zeitung" den„Nachweis führen",„datz neben Offizieren und Beamten entgegen der land- läufigen Annahme auch eine ganze Menge(!) anderer Leute in den Kolonien zu tun(I) hat." Sein„Beweis" ist klassisch. Hier ist er: „Der Dampfer führt 133 Passagiere erster und zweiter Klasse. Von diesen sind 38 Engländerund Engländerinnen, die teils nach Englisch-Ostafrika, teils nach Durban und anderen englischen Plätzen gehen, und 83 Deutsche, die letzteren mit dem Reiseziel Tanga, Dar eS Salam oder Kilioa. Der Rest sind Portugiesen nach Weira, vier französische MissioiiSschweslern nach Britisch» Ostafrila und ein paar Mohammedaner nach Port Said. Von den 83 Deutschen reisen 47 im R e g i e r u n g s i n t e r e sse, 33 in Privatinteressen. Zu den 47 rechne ich den Staats- sckretär und seine offiziellen Reisebegleiter, Oberstlcutuaut Ouade, den Geh. Regieruugsrat Baltzer und den Rittmeister Graf Hcnckel von DonnerSmarck, ferner die IS Offiziere und Militärbeamten eineS AblösungStranSportS für die kleinen Kreuzer„Bussard" und „Seeadler" in Stärke von 154 Mann, der sich an Bord befindet. Unter den 36 Privatpersonen sind drei oder vier Jour- n a l i st e n. Ich führe diese Ziffern an, um zu zeigen, datz neben Offizieren und Beamten entgegen der landläufigen Annahme auch eine ganze Menge anderer Leute in den Kolonien zu tun hat. Einige Mitglieder unserer Reisegesellschaft werden besonders iuter- essieren. Da sind z. B. zivei Kavallerieoffiziere aus Paderborn und ein Industrieller vom böhmischen Abhang der Schneekoppe, die etliche Wochen auf Grotzwild, namentlich auf Raubzeug, jagen iv o l l e n. Zivei andere jüngere Herren, ehemalige Offiziere, wollen versuchen, auf einem Auto- mobil von Dar es Salain a«S Afrika zu durch- q ueren undsonachSwakopmundzu gelangen. Da ist ferner ein j ung e Z E h e p a a r, seit Mai verheiratet, er ein studierter Landwirt aus der Lausitz, sie ebenfalls vom Lande, aus demOderbrnch. Er der Typus des kolonialbegeisterten Jung- Deutschland: seine S cki m i s s e zeigen, datz er seinen Studien mit Eifer obgelegen hat. Glücklicherweise hat er Geld. Er will eine grotze Gummi- und Baumwollen- Plantage in der Region von Kilwa anlegen und sich jetzt nach einem geeigneten Terrain umsehen. Eine junge Dame. Fräulein K., die Pflegetochter eines der ersten protestantischen Geistlichen Berlins, fährt hinaus, um unmittelbar nach ihrerAukunft in Tanga zu heiraten. Herr S., ein Färberei- und Spin nereibesitzer aus Zittau, reist als Vertrauensmann sächsischer Weber- und Spin nereibesitzer. Diese Interessengruppe will am Viktoria-Nyaisin große Ländercien erwerben um Baumwollen- bau zu betreiben. Das Projekt gehl dahin, zunächst Mustcr-Plan- tagen anzulegen, um den Eingeborenen den Bau der Baumwollen« standen zu zeigen und diesen dann Land gegen Lieferung des Pro- dukteS zu verpachten. Erwähnt sei noch, datz Fräulein K. nicht die einzige Braut an Bord ist. Eine lebhafte, polyglotte, tief brünette Spanierin, Fräulein C. M., reist nach Beira, um dort den deutschen Direktor der Zuckerfabrik ihres Vaters zu heiraten. Aininteressantesten war eS für mich, Dr.Walther Rathenau aus Berlin auf dem„Feldmarschall" vorzufinden. Der bisherige Direltor der Handelsgesellschaft reist auf Veranlassung und in der unmittelbaren Begleitung des Staats« sekretärö nach Dar es Salain, um die Kolonie zu „studieren", wie der finanztechnische Ausdruck lautet. Zu. diesem Zwecke ist ihm jede Art von Förderung zugesagt. Da haben wir also die deutsche Zukunft, die sich, auf Dernburgs Stern trauend, nach Ostafrika eingeschifft hat. Von 36 Privaten 3— 4 Schmocks, 3 Löwenjäger, 2 Automobilfexe, diverse B r ä u t e (deren eine, wie der Berichterstatter erzählt— wir haben diesen und anderen Schwatz weggelassen— ihren Myrthenstock mitgenommen hat, da ja in Ostafrika statt der keuschen Myrthe der minder keusche Tropenkoller wächst) und daneben zwei merkantile Studien- reisende, deren einen zudem Dernburg ins Land der Petersschen Herrenmenscheumoral lotste, und einen Zukunftsfarmer, der soviel Geld hat, um es in Ostafrika so gut wie in Paris oder Monte Carlo loswerden zu können. Das lohnt in der Tat der Mühe, in die koloniale Reklame- trompete zu stoßen!_ So oder fo! Die„Franks. Zt g." behandelt in einem Leitartikel die Frage der Wahlreform in Sachsen und Preußen. Sie schreibt unter anderem: „In Preußen ist noch kein konservativer und noch kein RegierungSmann aufgestanden, der die Not- wendigkett eines System Wechsels für die preußische Politik anerkannt hätte. Und doch hat auch in Preußen der unnatürliche Einfluß eines starren und längst nicht mehr im VolkSemPfinden wurzelnden Konservatismus oft genug schwer auf der Eutivickelung deS Landes gelastet. Auch die Regierung hat darunter gelitten, und sie hat bei der Kanalvorlage unter ein— völlig legal errichtetes— kaudinischeS Joch treten müssen, das sicherlich viel nieder- drückender war als das von Dernburg enthüllte ZciitrumSjoch. Trotz alledem hat die Freundschaft zwischen Regierung und Konservativen in Preutzen stand- gehalten. Ob die Frage der Wahlrechtsreform sie erschüttern ivird, bleibt abzulv arten. Die Liberalen können in den beiden Ländern den kommenden Dingen mit Zuversicht entgegensehen. Wenn Regierung und Konservative sich ans brauchbare Re- formen einlassen, so werden die Liberalen sie gewitz nicht ablehnen. Wenn nicht— so wird sie das keines- Wegs entnlutigen. Die Wahlrechtsfrage wird in Preußen so wenig wie in Sachsen zur Ruhe kommen, bevor nicht das Klassen- Wahlrecht beseitigt ist. ES wird sich bald zeigen müssen. ob d«e augenblickliche parteipolitische Konstellation im Reich soweit auf die Eiuzelstaaten ciuzuivirken sähig ist, wie es nötig wäre, um der Wahlrechtsfrage eine akzeptable Lösung zu geben (und selbstverständlich würde ein Heru in flicken an Einzelheiten ohne ehrliche ui, d klare Be» feitigung des Klassencharakters unseres jetzigen Wahlrechts keine akzeptable Lösung sein). Ist sie dazu nicht im stände, so gibt es andere Wege, die von einem grotzenTeil der Linken mit großer Freudigkeit beschritten werden würden. So oder so, koinmeii mutz die Wahlreform, und die jetzt in der Macht sitzenden Konservativen mögen sich dazu nun verhalten wie sie wollen, in keinem Falle werden sie die Linke in Verlegenheit setzen." Wir möchten uns in aller Bescheidenheit gestatten, an das Organ der süddeutschen Demokratie einige Fragen zu richten. iir deren unumwundene Beantwortung wir sehr verbunden wären. Die„Frankfurter Zeitung" erklärt, für den Linkslibe- ralismus könne nur eine„akzeptable" Lösung der Wahl- reformfrage in Betracht kommen, die„eine klare Beseiti- gung des Klassencharakters" bedeute. Würde nun der Freisinn diese Voraussetzung bereits erfüllt sehen, wenn an Stelle des Dreiklassenwahlrechts ein Plural- Wahlsystem mit besonderen Privilegien jür Besitz, offiziell attestierte Bildung und Alter treten würde? Sollte die„Frankfurter Zeitung" diese Vorfrage ver- neinen, so richten wir an sie die zweite Frage: Glaubt sie wirklich daran, daß Regierung, Konservative und National- liberale bereit sein könnten, in absehbarer Zeit für Einführung des R e i ch s t a g s w a h l r e ch t s in Preußen einzutreten? Sollte die„Frankfurter Zeitung" diese Frage verneinen, so ersuchen wir sie höflichst um die Beantwortung der weiteren Frage, warum denn der Freisinn mit aller Gelassenheit abwarten will, bis die Regierung und die mit ihr ver- bündete Reaktion ihm statt der„akzeptablen Lösung" eine Vorlage offerieren, die nichts als ein„H e r u m f l i ck e n an Einzelheiten" darstellt? i Die„Frankfurter Zeitung" versichert ja, daß es für den Freisinn auch„andere Wege" gebe, die sogar„von einem großen Teil der Linken mit größter"Freudigkeit beschritten werden würden", um eine wirkliche Wahlreform durchzusetzen. Unter diesen„anderen Wegen" könnte doch nur kraftvoll st e Opposition und die A u f r u f u n g d c r Massen zur E r k ä m p f u n g der demokratischen Wahl- reform gemeint sein. Wenn die Mehrheit des Freisinns aber zu diesem Wege freudigst entschlossen ist, warum dann die Zeitvertrödelung, warum das passive Hoffen und Harren ans etwas, was nach aller Vernünftigen Ansicht doch nicht kommen wird?! Wäre es nicht viel gescheiter, ja geradezu eine politische Pflicht, die„anderen Wege" schon jetzt wenigstens insofern einzuschlagen, als der Freisinn durch einen Appell an die Massen der Reaktion zeigte, daß das Volk sich wirklich nicht mit einer Flickreform abspeisen zu lassen gedenkt? I_ Industriefeudalismus und Proletariat. In Sachsen hat bekanntlich der Verband Sächsischer Industrieller eine Gesellschaft zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen gegründet. um wirksamer der immer mächtiger anschwellenden freien Gewerk- schaftsbewegung und ihrem Bestreben, die Lage der Arbeiter zu ver- bessern, entgegentreten zu können. Nach einem von dem Direktor Kurt Grützner auf der Generalversammlung der Gesellschaft in Dresden gegebenen Berichr ist diese Vereinigung von 468 Firmen bei der Gründung a»f 87S bis Juni d. IS. angewachsen. Die Gefahr für das Kulturstreben der Gewerkschaften ist also nicht zu unterschätzen. Die Gesellschaft ist in der Lage gewesen. 40 im vergangenen Jahre bei ihren Mit- gliedern vorgekommene Streiks in fatzungSmätziger Höhe zu ent- schädigen und noch einen Ueberschntz zu machen. Aus dem auf der Generalversammlung in Dresden gehaltenen Vortrage des Direktors der Gesellschaft dürsten folgende Aus- führungen von allgemeinem großen Interesse sein. Nachdem der Vortragende darauf hingewiesen, datz§ 2 der Satzungen ausdrücklich vorschreibe: Arbeitseinstellungen in den Be- trieben der Mitglieder nach'Möglichkeit zu verhüten, bezeichnete er die Gesellschaft als Kampforganisation gegen die „von S t r e i k l u st e r f ü.l l t e n G e w e r k s ch a f t e n." Hier nütze nicht eine Art Sanitätskolonne, die sich darauf beschränke, auf die den Industriellen in dem Kampfe mit den Gewerkschaften geschlagenen Wunden ein Pflaster zu kleben. ___ �Die Möglichkeit der Verhütung eines Streiks mutz eine Grenze an einer Stelle finden", heißt es dann weiter,«welche wir In- dustrielle für unantastbar halten müssen. DaS ist die Autorität des Arbeitgebers in seinem Betriebe. Auf dieser Autorität gründet sich der ganze Betrieb mit seiner Disziplin. Auf der Disziplin in den Fabriken des MilitärstnatS(l) Deutschland beruht zum grotzen Teil dieUeberlegenheit der deutschen In du st rie aus dem Weltmarkt. Die Autorität des Arbeitgebers ist ein kost- bares Gut, zu dessen Hüterin wir uuS in allererster Linie berufen fühlen. Wir werden demnach in keinem Falle, wo es sich um Machtfragen der Arbeiter handelt. Ivo eine Gefährdung der Autorität des Arbeit- gebers drohen könnte, nachgeben. Denn diese Autorität ist nicht etwa daS Gut jedes einzelnen für sich, sondern sie ist ein gemeinsames Gut. Der Verlust, den der einzelne Arbeitgeber hieran erleidet, trifft auch die Arbeitgeberschast in ihrer Gesamtheit. Die Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit mutz deshalb auch zu den h ö ch st e n O p f e r n bereit fein, wenn eö gilt, die Autorität eines ihrer Angehörigen zu verteidigen. Auf den Kongressen der Sozialvolitiker und bei ähnlichen Ver- anstaltungcn, wo manche Herren Professoren, Pastoren, Bürgermeister usw. sich mit einem Eifer, der zu ihrem Verständnis für die Sache leider im umgekehrten Verhältnis steht, über das Verhälwis zwischen Arbeitgeber und ibren Arbeitern unterhalten und Vorschläge machen, ist die Autorität des Arbeitgebers eine völlig unbekannte Sache. W i e wäre eö sonst möglich, datz man dort z. v. das Ver« langen nach einer gesetzlichen Bestimmung stellen konnte, Ivonach die Entlassung von Arbeitern auS einem Betriebe, um denselben das Gefühl der gesicherten Existenz zu verleihen, nur a»S solchen Gründen e'.r folgen dürfe, die direkt mit dem Arbeitsverhältnisse in Zusammen« hang stehen.... DaS sind ja die Scharfmacheransichtcn in Reinkultur gezüchtet. Die Autorität des Unternehmers in den Fabriken des Militär- st a a t s Deutschland mutz unter allen Umständen aufrecht- erhalten werden. Jeder Streik, der„leider" nicht g e s e tz» lich verboten ist, unberechtigt. ES gibt keine bc- rechtigten Streiks. Die Sozialpolitiker verstehen nichts; sie müßten erst den Befähigungsnachweis durch die Leitung einer Fabrik er- bringen. Nachdem der Referent unter Hinweis auf die Solidarität der Arbeiter auf die Notwendigkeit des festen Zusammenschlusses der Unternehmer hingewiesen, gibt er zu, datz die Gewerkschaften bei Inszenierung von Streiks außerordentlich vorsichtig zu Werke gehen und außerdem versuchen, sich der Arbeitsnachweise zu bemächtigen. Das müsse die Unternehmer anspornen, überall diese Arbeits nachweise selb st in die Hand zu nehmen, um dem Uebergewicht der Gewerkschaften vorzubeugen. Zum Schlutz seiner Scharfmachcrrede kam der Herr Direktor Grützner noch einmal auf die Autorität deS Unternehmers zu sprechen und bezeichnete sie als den Grundpfeiler der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung. Er führte auS: „Die moderne wirtschaftliche EntWickelung hat den Stand der Industriellen hervorgebracht, der die alten feudalen Grund- herrc» als Arbeitgeber abgelöst hat. Auf der Tüchtigkeit der Industriellen beruht die Macht und der Fortschritt der Nation. Dem Stand der Industriellen liegt nicht nur ob, den wachsenden Millionen neuer Volksgenossen Lebensunterhalt zu verschaffen, die riesigen Summen für alle Kulturaufgaben aufzubringen, sondern er mutz auch in er st er Linie den Kampf gegen die in allen Formen auftretenden Um- st urzbe strebungen fü hren. Unser Kampf gegen dieGewerk sch asten i st zugleichderKampsgegen die Sozialdemokratie." „E S tritt immer klarer hervor, daß die Machtfrage zwischen der Sozialdemokratie und der Staatsgewalt nicht auf politischem Boden, sondern auf wirtschaftlichem ausge- fochten werden wird. Die Arbeiterpartei hat eingesehen, dah sie bei dem Kampfe mit der Staatsgewalt dieser nicht auf dem Boden der Machtentschei- dung durch Flinten und Kanonen folgen dürfe, sondern dah dieser Kampf viel aussichtsvoller von ihr geführt werden kann auf wirtschaftlichem Gebiet durch ArbcitScin- stellungen. Der autzerordcntlich komplizierte Organismus unseres mo- deinen Wirtschaftlebens ist so zart gestaltet, dah ein scharfer zielbewutzter Eingriff durch grohe Arbeits. einstellungen oder gar General st reik mehr Ver- heerung anrichten kann als Revolution und Aufruhr." Nun, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter werden trotz dieser Scharfmachermoral versuchen, ganz gleich, was für Folgen das für den Bestand unserer Gesellschaftsordnung hat, Einfluh auf die Bewertung ihrer Arbeitskraft zu erlangen, eventuell auch durch den Streik! Die soziale und politische Rüstung der Ausbeuterklasse wird dem Proletariate nur die Notwendigkeit gleicher Wappnung beweisen! politilche Qcbcrlicbt. Berlin, den 26. Juli 1907. Der gerüffelte Herr Erzberger. Herrn Erzberger ist gleich dem Reichskanzler die Ehre zuteil geworden, von Herrn Huret interviewt zu werden. Herr Erz- berger, der diese Ehre offenbar zu schätzen wuhte, soll Herrn Huret über die vermutliche Lebensdauer des Blocks diese Ansicht geäuhert haben: «D erBlock wird den nächstjährigenLandtags- Wahlen nicht wider st ehe n. Sozialisten gibt es nicht zu verdrängen, das Zentrum ist seiner Sitze sicher, also können die Liberalen nur den Konservativen Mandate abnehmen. Fürst Bülow kann im Kampfe nicht neutral bleiben; denn die Landräte würden selbst nicht auf seinen Befehl gegen die Konservativen, zu denen sie selbst gehören. Partei nehmen. Bülow behauptet, der Block werde lang dauern. Was ist lang im Leben eines Volkes? Für mich bedeutet Bülows lang etwa ein Jahr." Für diese„Prophezeiung" rüffelt die„Köln. Volksztg." ihren fleihigen und„geschätzten" Mitarbeiter von ehedem rück- sichtsloS ab. Habe Erzberger sich tatsächlich so geäuhert, so müsse sie ihn für einen Propheten erklären, der keineswegs die Ansichten„ernsthafter" Politiker des Zentrums widergebel Ein Politiker solle überhaupt nicht prophezeien. Das rheinische Zentrumsblatt gibt dann— mit der Verwahrung, selbst unter die Propheten gehen zu wollen, da es ja auch ganz anders kommen könne— folgende Auffassung der Dinge zum besten: „Man wird die schwierigen«Belastungsproben" eben möglichst lange von ihm(dem Block) fernhalten. Deshalb glauben wir auch nicht an eine„grohzügige" Steuerreform im Reiche für die nächste Session, höchstens an ein paar kleine Flick st euer«; ebenso wenig an eine ein- schneidende Wahlrechtsreform in Preuhen in den nächsten Jahren. Auch sind wir durchaus nicht so sicher, wie es nach dem Pariser Interviewer der Abg. Erzberder wäre, dah die preuhischen Landtagswahlen im Jahre IVOS den«Block" zertrümmern werden. Fürst Bülow mühte ein viel ungeschickterer Kompromihkünstler sein, als er sich bisher gezeigt hat, wenn es ihm nicht gelänge, dabei den Liberalen ein paar Mandate mehr zuzuschanzen, ohne es mit den Konservativen ernstlich zu verderben. Ueberhaupt versehen wir uns von dem Fürsten Bülow keinerlei durchgreifender oder um- wälzender politischer Schritte nach der einen oder anderen Richtung; er hat ja viel versprochen, wird die Ein- lösung der Wechsel aber möglichst in die Länge ziehen, und so dünkt unö eine an wirklichen Re- formen unfruchtbare Aera de? Fortwurst eins das weitaus wahrscheinlichste." ES ist gar nicht unwahrscheinlich, dah es tatsächlich so kommen konnte. Freilich nur dann, wenn daS Zentrum, wie bisher seit der ReichStagswahl, den müßigen Zuschauer spielen würde! Hat es doch daS Zentrum selbst in der Hand, dem Freisinn die größten Unbequemlichkeiten zu bereiten! Es braucht sich z. B. nur für die preußische Wahlreform selbst mit dem Eifer ins Zeug zu legen, zu der eS der A n t r a g P o r f ch ja ohnehin verpflichtet, um dem Freisinn das„Fortwursteln" und das Sich. zufriedengeben mit„kleinen Flickereien" unmöglich zu machen! Die Sache ist aber die, daß sich Zentrum und Freisinn in Brscheidenheit und entsagungsvollem Buhlen um die Gunst der Konservativen gegenseitig zu überbieten suchen, umnurjanicht ihrer Bündnisfähigkeip mit der Reaktion der- lustig gu gehen! •; Freisinn und Zentrum wollen untereinander um den Preis des VolkSverrateS wetteifern! Sache der Sozialdemokratie ist eS, dies fämmerrrche Intrigenspiel der in der politischen Nichts- Würdigkeit einander ebenbürtigen Rivalen zu entlarven und zu durchkreuzen!— Ein gefeffelter Preßsünder. In unserem Mülhauser Parteiblatt lesen wir: „Gefesselt aus dem Gefängnis dem Untersuchungsrichter vor- geführt wurde gestern vormittag der Redakteur der M ü l- hauser Volkszeitung", Genosse Wicky. Wicky ver- bühte bekanntlich die vor kurzem gegen ihn wegen P r eh v e r- g e h e n S erkannte Gefängnisstrafe von einer Woche; er sollte als Zeuge in der Untersuchungssache gegen den vor vielen Monaten ins Ausland durchgebrannten Ex-Stadtrat Gandner vernommen werden, der jetzt gefaht ist und gegen den er als Vorsitzender deS Gewerkschaftskartclls seinerzeit die An- zeige wegen Unterschlagung von Kassengcldcrn des Gewcrkschafts- kartells(es handelt sich um etwa öl) M.) erstattet hatte, ver- nommen werden. Seine siebentägige Strafe war bis auf wenige Stunden vcrbüht(die Vorführung erfolgte vormittags zwischen 10 und 11 Uhr, und die Entlassung hatte nachmittags 3 Uhr 20 Minuten zu erfolgen), aber— der Schutzmann, welcher den sozialdemokratischen Redakteur im Ge- fängnis abholte, fesselte ihn und berief sich auf den Protest un- seres Genossen auf seine schriftliche Instruktion! Als Unter- suchungsrichter fungierte Herr Dr. Jwand, der dann für die Rückkehr ins Gefängnis anordnete, dah von der Fesselung Abstand genommen werde." Es war also nicht ein simpler Schutzmann, der— vielleicht in der Erinnerung an ihm beim Militär zuteil gewordene Belehrungen über das Wesen der Sozial- demokratie" diesen brutalen Streich verübte, sondern ein Vorgesetzter, der an dem nur noch auf einige Stunden seiner Gewalt Unterstehenden sein Mütchen kühlte! Auch Exzellenz L i c b e r t würde ja hinter schwedischen Gardinen brummen müssen, wenn sich seiner nicht der Reichs- kanzler in so ungewöhnlicher Weise angenommen hätte. Freilich wäre es ganz ausgeschlossen gewesen, daß er in einem ähnlichen Falle wie der Mülhauser Preßsünder ge- fesselt worden wäre! Er wäre in einer Droschke erster Güte befördert worden! Denn in Prenssen-Deutschland sind ja alle Staatsbürger vor dem Gesetze gleich!— Hochverrat? Die bekannte Hervesche Broschüre, in der er seine Ansichten über den Antimilitarismus auseinandersetzt, ist vor längerer Zeit unter dem Titel„Das Vaterland der Neichen" in der Schweiz in deutscher Uebersetzung erschienen. Die Broschüre ist mit einem kurzen Geleitwort von Dr. Friedeberg versehen. Vor kurzem ist nun Dr. Friedcbcrg auf Requisition der Reichsanwaltschaft wegen dieser Broschüre unter der Anschuldigung der Vorbereitung zum Hochverrat verantwortlich vernommen. Uns ist schlechter- dings unerfindlich, worin in der seit Jahr und Tag bekannten Herveschen Broschüre, deren Ideen wir seinerzeit bekämpft haben, auch nur der Schatten eines HochverratsuntcrnehmenS gefunden werden kann. Die Broschüre erörtert bekanntlich, ob die Prokla- mierung des Streiks für den Militärdienst und den Fall eines Krieges ein Mittel der Arbeiterklasse sein könne. Noch weniger verständlich ist es, wie in dem Geleitwort Strafbares gefunden werden kann. Dr. Friedeberg bewertet dort die Herveschen An- sichten anders als wir, identifiziert sich aber mit der Herveschen Ansicht nicht. Das Buch hat wesentlich französische Verhält- niste vor Augen und berührt nach keiner Richtung hin einen der fünf Fälle, die in den ZZ 80 und 81 des Strafgesetzbuches als Hoch- Verratsunternehmen bezeichnet sind. Die Konstruktion eines Ver- brechens aus dem Herveschen Buch erscheint uns so sinnwidrig, daß wir glauben, mit der Annahme nicht fehlzugehen, daß keinesfalls der Reichsanwalt, sondern auf Ausnahmegesetze hinarbeitende Stellen in Berlin zu dem Versuch der Einleitung eines Straf- Verfahrens Veranlassung gegeben haben. Der Versuch der Ein- leitung deS Strafverfahrens in Deutschland wegen der Auf- forderung Herdes an seine Landsleute, im Fall des Krieges nicht gegen Deutschland zu marschieren, entbehrt zudem nicht einer ge- wissen Komik in unserer liberal-konservativen Aera.— • Mißachtung der Arbeiterklasse. Man schreibt uns: Am 1. Oktober werden in daS Stadtgebiet bon Hannover sieben Vororte eingemeindet. Mit der Eingemein- dung tritt zugleich eine Aenderung der vorsintflutlichen Hanno- verschen Städteordnung in Kraft. Hannover darf dann 30 statt, wie die Städteordnung bisher als Höchstzahl zuließ, 24 Bürgervorstcher wählen, und durch Ortsstatut kann die Zahl auf 48 erhöht werden. Die Bürgervorstcher sind die Stadtverordneten, sie werden gewählt von den Bürgern, die das Bürgergewinngeld gezahlt haben. Alle Hausbesitzer, Aerzte und Kunstgewerbctreibcnde müssen das Bürgerrecht erwerben und dafür 120 M. für ihre Person und 00 M. für das Bürgerrecht ihrer Frau, zusammen also 180 M., bezahlen. Königliche Beamte können das Bürger- recht unentgeltlich erhalten und machen von der Vergünsti« gung auch sehr viel Gebrauch. In der Stadt Hannover gibt es nun etwa 6000 wahlberechtigte Bürger. Wer nicht verpflichtet ist, das Bürgerrecht zu erwerben, kann sich dasselbe für 30 M. kaufen. Bei den Zuständen in Hannover wird davon nur in ganz verschwindendem Maße Gebrauch gemacht. Diese Zustände bezüglich des Wahlrechtes werden durch die Eingemeindung in keiner Weise geändert; im Gegenteil wird den Arbeitern, die in den Vororten, die zur Stadt kommen, bisher das Gemeindewahlrecht hatten, dieses Recht genommen, weil nur die Hausbesitzer der neuen Gebiete das Bürgerrecht unentgeltlich am 1. Oktober erhalten. Bc- strcbungen zur Herbeiführung einer Aenderung der Städteordnung sind schon seit langem im Gange, haben aber noch keinen Erfolg zu perzeichnen. Der Magistrat erklärte einmal, daß er einer Er- höhung der Zahl der Bürgervorsteher ohne gleichzeitige Erweiterung des Wahlrechte? nicht zustimmen könne. Nun ist das aber doch geschehen, und um den Magistrat an seine Voraussetzungen zu erinnern, hat der sozialdemokratische Wahlverein zu Hannover eine Petition an die städtischen Kollegien gesandt, mit dem Antrage: 1. Das Bürgergewinngeld ausnahmslos auf eine Mark festzusetzen. 2. Zu beschließen, daß 48 Bürgerborsteher gewählt werden. alls die.Festsetzung des Bürgergewinngeldes, das nach der tädtordnung erhoben werden mutz, den Kollegien nicht ange- nehm erscheinen sollte, wurde beantragt, das Bürgerrecht gegen die Gebühr von 10 Proz. der Gemeinde st euer zu ver- leihen. Auf diesen Antrag ist bis jetzt eine Antwort noch nicht erfolgt. Das Bürgervorsteherkollegium hat sich aber vor län- gerer Zeit schon in vertraulicher Sitzung mit der Eingabe beschäftigt und auf Vorschlag des Vorsitzenden, Rechtsanwalt Wegener, sie durch Ucbergäng zur Tagesordnung! erledigt. Diese Behandlung der Eingaben der Arbeiter ist wieder ein» mal ein Beweis fürdieMißachtlingderArbeiterklasse. Das Verfahren ist im höchsten Grade rücksichtslos im Hinblick darauf, daß die Arbeiter doch auch Steuerzahler sind und ein Recht haben auf Beachtung ihrer Wünsche. Wollte man die Eingabe ablehnen, so konnte man das wenigstens in an- ständiger Weise tun; wie man aber hier die brennend ge- wordene Frage des Wahlrechts zu den Gemeindevertretungen erledigte, das ist eine Beleidigung der Arbeiter, wie man sie ja auch nur in Hannover(? Anm. d. Red.) mit dem niittelalter- lichen Bürgerrecht noch antreffen kann. Nach dem Gesetze sind die Bürgervorstcher Vertreter der gesamten Stadtgemeinde. Sie scheinen sich in Hannover aber nur zu fühlen als die Beauftragten der Pfahlbürger, von denen sie bei der Wahl auch nur abhängig sind. Man darf nur gespannt sein, wie der Magistrat sich zu der Eingabe stellen wird. Ob für den die Arbeiter ebenso Luft sind, wie für die würdigen Herren Bürgcrvorsteher, wird sich bald zeigen. Denn hoffentlich wird man die Arbeiter noch für wert achten, daß man ihnen wenigstens eine Antwort auf ihre Ein- gäbe erteilt. Die Herausforderung der Arbeiterklasse wird ihre gute Wir- kung jedenfalls nicht verfehlen. Die hannoverschen Genossen werden sich wenigstens das Recht auf Beachtung zu erkämpfen wissen. Würzburger Zentrums-Mcffe. Die ultramontane Presse veröffentlicht das Programm der 64. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, oder wie man es kürzer nennt: des Katholiken- tages, der diesmal in Würzburg stattfindet. Im allgemeinen redet man bei derartigen Veranstaltungen von einer Tagesordnung, das Zentrum trägt dem Charakter des Katholikentages als Schau- stellung Rechnung und redet ehrlicherweise von einem Pro- g r a m m. Am Sonntag, 25. August, ist Predigt, Hochamt, Festzug, Festvcrsammlung, Glockengeläute von allen Kirchen der Stadt und Begrüßungsfeier in der üblichen Riesenhalle, die für diesen Zweck eigens erbaut worden ist. Im Ganzen weist das Programm 48 einzelne Veranstaltungen auf, darunter zehn Festmähler, Fest- kommerse und andere Gelegenheiten zur Erwcckung gehobener Stimmung, denn die Vertreter des katholischen Volkes legen Wert auf die Erfüllung des Bibelwortcs: Lervite Domino in laetitia i dienet dem Herrn in Fröhlichkeit). Jeder der vier Vcrsammlungs- tage beginnt mit einem Erbauungsakt: Pontifikalamt, Wallfahrt oder Messe, es folgt am Vormittag die geschlossene Generalversammlung, wo die Anträge der Ausschüsse verhandelt werden, am Nachmittag die große öffentliche Generalversammlung, wo sich die katholische Volksseele in ihrer ganzen Begeistcrungsfähigkeit zeigt; dazwischen finden die Sitzungen und Versammlungen zahlreicher Vereini- gungen statt, die den Glanz des Katholikentages mehren helfen; das mühsame Tagwerk wird geschlossen in feuchtfröhlicher Aus- gelassenhcit, wozu der diesjährige Tagungsort, daS durch Bier und Wein gleicherweise berühmte Würzburg, besonders geeignet ist. Wer je einen Katholikentag mitgemacht hat, der muß gestehen, daß das Zentrum den Rummel versteht, Leute anzulocken und von sich reden zu machen.—• Des Talers Rache. Die bimctallistische Strömung, die einst in Deutschland hohe Wogen schlug, ist längst zu einem schwächlichen Rinnsal zusammen- geschrumpft, da die wirtschaftliche Entwickelung die Voraus. setzungen wie die Schlüsse der bimetallistischen Theorien mehr und mehr überholt hat. Dennoch hat der große Währungspolitiker Dr. Otto Arendt es nicht verwinden können, dem außer Kurs ge° setzten Taler in der„Deutsch. Tagesztg." unter dem Titel„Des Talers Rache" einen schaurig-schönen Nekrolog zu halten, den er mit den Worten beschließt:„Welcher Jubel im Goldlagcr vor 20 Jahren, wenn damals die Außerkurssetzung des Talers hätte erreicht werden können, heut ist es recht still abgegangen.— Die Gegenwart mit dem störenden Wiedcrhervortretcn des Goldmangels hat auch die Goldschwärmer zum Nachdenken gebracht. Das ist des Talers Rachel" Herr Dr. Arendt muß danach das Nachdenken für etwas sehr Unbequemes, für eine Art Strafe halten. Das trifft, wie seine Ausführungen in dem betreffenden Artikel beweisen, für ihn selbst zweifellos zu; aber Herr Arendt sollte sich hüten, von sich aus andere zu schließen. Schweiz. Volksabstimmung im Kanton Zürich. Zürich, 25. Juli.(Eig. Ber.) Die Stimmberechtigten des Kantons Zürich haben am Sonntag über drei Gesetzes- vorlagen abzustimmen. Die erste betrifft die A b ä n d e- rung des Baugesetzes, durch die das Verbot der Dachwohnungen in 6stöckigen Gebäuden und über eine Höhe von 26 Metern hinaus aufgehoben und diese wieder zugelassen werden sollen II Die Dachwohnungen sollen dann aber den 6. Stock bilden und die betreffenden Häuser m i t diesem die Bauhöhe von 26 Metern nicht übersteigen. Die Wohnungsnot durchbrach die bestehenden einschränkenden Be- stimmungen, so daß sie in vielen Fällen nur auf dem Papier standen. Ihre Aufhebung wird die Benutzung von ungefähr 566 Dachwohnungen in der Stadt Zürich zur Folge haben und so zwar die herrschende Wohnungsnot etwas mildern, im Grunde genomnien handelt es sich dabei aber natürlich nur um eine Politik der Hausagrarier, Bauunternehmer und Häuserspekulanten, denen die Häuserrenten erhöht werden sollen. Die zweite Vorlage betrifft die Verbesserung des seit 1866 bestehenden F o r st g e s e tz e s, die durch das bezügliche Bundesgesetz von 1962 notwendig geworden ist. Durch die vorgeschlagene Abänderung soll die Zahl der Forstkreise von 4 auf 6 vermehrt und der Umfang eines solchen von 11 866 auf zirka 8666 Hektar verringert werden; ferner wird den Besitzern von Privatwaldungen ebenfalls die Pflicht auferlegt, Förster anzustellen und so für eine fachmännische �orst- Wirtschaft zu sorgen. Zu den Ausgaben hierfür leistet jedoch der Kanton Subventionen bis zu 56 Proz. der Summe!— Die dritte Vorlage, die die Folge eines Initiativ- bcgehrens der Notariatsangestellten ist, will das No- tariatswesen besser regeln. Die Notare stecken gegen- wärtig zu ihren festen Besoldungen von 2566 bis 4666 Frank pro Jahr noch gewisse Gebühren in ihre Tasche, so daß manche von ihnen ein geradezu glänzendes Einkommen haben. Dabei sind aber ihre Angestellten größtenteils schlecht besoldet und bös ausgebeutet. Um nun diesen Mißständen abzuhelfen, sollen in Zukunft alle Notariatsgebühren in die Staatskasse fallen, aus der auch die Notare und ihre An- gestellten besoldet werden. Der Staat bezog bisher aus den Notariatskanzleien einen jährlichen Reinertrag von zirka 156 666 Frank. Der dürfte in Zukunft fortfallen, damit aber auch die unwürdige Ausbeutung der Notariatsangestellten. Die sozialdemokratische Partei tritt mit für die An- nähme aller drei Vorlagen ein, die man dann auch wohl als sicher betrachten kann.— Italien. Naslö Verhaftung vor dem Senat. Rom, den 24. Juli.(Eig. Ber.) Der Senat hat sich diesmal in recht opportunistischer Weise mtS der Klemme gezogen: er hat daS Verhalten seines Präsidenten nicht desavouieren wollen und sich doch gleichzeitig'bestrebt, der öffentlichen Meinung in Sizilien Rechnung zu tragen. Darum hat er die Ver- Haftung NasiS für loyal erklärt, die Haftentlassung gegen Kaution verweigert, aber den SenatSpräsidentcn ermächtigt, auf Grund der ihm gesetzlich zustehenden Befugnisse über Art und Ort der Unter- suchungShaft nach seinem Ermessen zu befinden, vorausgesetzt daß dem Angeklagten die Möglichkeit zu entfliehen genommen bleibt. Man hat so versucht, den Pelz zu waschen, ohne ihn naß zu machen. WaS die wichtigste Seite der Frage, die prinzipielle, betrifft, so hat der Senat mit 114 gegen 6 Stimmen die Ver- Haftung eines Abgeordneten während der Parlainentssession gut- geheißen, und so einen Präzedenzfall geschaffen,"der in Stunden der Reaktion sicher weidlich ausgebeutet werde» wird.— Fast die ganze italienische Presse mit Ausnahme des„Corriere della Sera" und der„Tribuna", sieht in der Verhaftung eine Verletzung der Verfassungsgarantien. Auch der„ A v a n t i", der zuerst die Ver- Haftung lobend begrüßt hatte, mußte sich in der Folge auf einen anderen Standpunkt stellen und die U n r e ch t m ä ß i g k e i t der Festnahme einräumen. Die Senatoren leben wohl kaum so sehr ab- seitS vom Empfinden und Urteilen des Landes, daß nicht auch unter ihnen eine starke Strömung gegen die Verhaftung bestanden hätte; aber die Vertreter dieser Strömung haben eS für klug gehalten, der gestrigen Sitzung fern zu bleiben.... Trotzdem hat man wenigstens den sentimentalen Gründen, die gegen die Verhaftung sprechen, Rechnung getragen. Man wird Rast und Lombardo einer milderen Form von Untersuchungshaft unterwerfen, wahrscheinlich im eigenen Hause. Damit gibt der Senat zu. was freilich alle wissen, daß die Untersuchungshaft in den Ge- fängnisscn etwas Barbarisches ist, die von Rechts wegen ja auch nur dem Zwecke dienen sollte, den Angeklagten zu isolieren. UebrigenS wird die Ueberwachung dieser neuen Art von„Elite"« Häftlingen dem Staat eine sehr bedeutende Summe kosten, ohne daß die Isolierung völlig erreicht werden dürste. Zu hoffen ist nur, daß diese opportunistische Maßnahme sich wenigstens als opportun erweise, indem sie die Unruhen in Sizilien nieder« schlägt. Zu diesen Unruhen und zum Verhalten des sizilianischen Pro« letariatS ihm gegenüber hat gestern das Exekutivkomitee unseres Hus der Partei. Zum Internationalen Kongres? in Stuttgart entsendet der (!!au Nordbatzern folgende Genossen: I. Bezirk(Oberpfalz): W a l t h e r- Nürnberg; 2. Bezirk(Oberfrankcn): Hugel- Bayreuth und S e e l in a n n-Kronach; 3. Bezirk fMittelfranken): Dr. Sude tum und Seg itz-Fürth; 4. Bezirk(Unterfranken): Kern- Heidingsfeld. Polizeiliche Feinfuhligkeit. Die Polizeibehörde von Siegen hat Strafantrag gegen den Arbeitersekretär Genossen G o g o Iv s k i gestellt, lveil sie sich b e- l e i d i g t fühlt. Die Beleidigungen sollen in dem Bericht des Ge- werkschaftskartells enthalten sein, der in dem Bericht des Arbeiter- Sekretariats für das Sauer- und Siegerland enthalten ist.»- GewerkfcbaftUcbe#). Berlin und Clmgegend. Die Bewegung im Baugewerbe. Die originellen Säulen-Anschläge des Verbandes der Bau- geschäfte wurden in einer Versammlung der Freien Ver. einigung der Maurer kritisch unter die Lupe genoimnen, wobei es vielleicht sogar für die Unternehmer selbst recht über- raschende Enthüllungen setzte. Zeglin referierte und schilderte die Situation, wie sie gegenwärtig liegt, als günstig für die Ber- liner Maurer. Auch wenn die Angaben der Unternehmer, wie sie im„Zentralblatt für das Baugewerbe" zu lesen sind, stimmen sollten, könnte man noch sehr zufrieden sein. Da wird behauptet, datz die Unternehmer 1016 Maurer, 200 Zimmeret, 2150 Bau- hülfsarbeiter und 2000 Akkordinaurer zur Verfügung hätten. Das ist jedenfalls sehr wenig und wahrscheinlich noch übertrieben. Um den wahrheitsgemäßen Stand der Dinge zu erfahren, sollten sich die Arbeitgeber einmal mit den Bautenkontrolleuren der Arbeiter in Verbindung setzen, um gemeinsam eine Statistik heraus- zugeben, die von keiner Seite angezweifelt werden könne. Das werden sie natürlich nicht tun; sie versammeln sich hinter ver- schlossenen Türen und versuchen durch Säulen-Anschläge und Zeitungsannoncen die Oeffentlichkeit zu täuschen. Da haben sich jetzt über 300 Firmen gemeldet, die dem Verband der Baugeschäfte ihre Treu« geloben» Sonderbarerweise sind 2 7 Firmen darunter, die den Tarif anerkannt haben. Ob diese ihre Namen freiwillig hergaben, ist noch die Frage. Außerdem sind viele Firmen genannt, die überhaupt große Schwierigkeiten haben, Arbeiter zu bekommen, weil aus gewissen Gründen niemand Parteivorstandes Stellung genommen. Es waren nämlich von vielen Arbeiterorganisationen Siziliens Anfragen an den Parteivorstand er- gangen, wie sie ihr Verhalten gegenüber der Agitation für Nasi regeln sollten. DaS Exekutivkomitee hat nun nach kurzer Diskussion einstimmig eine Tagesordnung angenommen, die das sizilianische Proletariat der Solidarität des gesamten italienischen Proletariats versichert und hervorhebt, daß die heutige Bewegung darauf abziele, das Schicksal eines wegen gemeiner Verbrechen verfolgten Mannes zur Angelegenheit ganz Siziliens zu machen, unter dem Vorwande, daß dieser Mann ein politisch Verfolgter sei, während er in Wirklich- keit 3 Jahre hindurch von der bürgerlichen Justiz geschützt worden ist. Die Tagesordnung hebt weiter hervor, daß die Berechtigung zur Verhaftung Nasis freilich fraglich sei, daß aber bürgerliche Juristen und Politiker es niemals der Mühe wert gefunden haben, un- bestreitbare Rechtsverletzungen der schwersten Art, wie sie täglich zum Schaden des Proletariates begangen werden, zu beachten. Zum Schluß erklärt die Tagesordnung, daß das sizilianische Proletariat, wenn eS sich an den Agitationen der Kamarilla pro Rast beteiligte, nur die Ketten fester schmieden würde, die ihm die herrschende Klasse in wirtschaftlicher, ad- ministrativer und politischer Hinficht auferlegt hat. Daher wird das Proletariat Siziliens aufgefordert, seine Sache energisch von der Nasi-Agitation zu trennen. Hoffentlich wird diese Ermahnung des Parteivorstandes von der sizilianischcn Arbeiterschaft beherzigt, so daß sich wenigstens die klassenbewußten Elemente von den Bewegungen fern halten, deren Wiederholung, soweit bis jetzt Nachricht vorliegt, der Entscheid des Senates nicht zu verhüten vernwcht hat. Sie russische Revolution. Rußlands Versteigerung. Zu derselben Zeit, wo die„echtrussischen" Männer ihr Losung?- wort„Nutzland nur für Russen" durch die widerlichste Hetze gegen Juden und sonstige„Andersstämmige" in Wirklichkeit verwandeln, setzt das ausländische Kapital die friedliche Okkupation Rußlands ungehindert fort. Es stößt hier auf keinen ernsten Widerstand, weil der russische Unternehmer seit jeher nur an extensive Raub- Wirtschaft, staatliche Bestellungen, Prämien und Zölle gewöhnt und selten imstande ist, aus eigener Kraft gegen die ausländische Kon- kurrenz vorzugehen. Eine grelle Illustration zur Okkupation Ruß- lands durch das ausländische Kapital bietet der Uebergang fast aller Uralreichtümer in ausländische Hände. Wie„Ruß" berichtet, ist das berühmte goldtragende Kotschkartal im Gouvernement Orenburg zum Teil in belgischen, zum Teil in französischen Besitz übergegangen, während der Rest von Engländern erworben wer- den soll. Die Platinbergwerke liegen zum größten Teil in Händen ausländischer Aktiengesellschaften. Die Mehrzahl der Eisenhütten mit ihren ungeheuren Wald- und Bodenreichtümern ist in aus- ländische Hände übergegangen usw., usw. Wenn das jetzige Tempo eingehalten wird, geht der gesamte Ural nach einigen Jahren völlig in ausländischen Besitz über. Verlorene Liebesmüh'. Die Agrarpolitik der Regierung und der hinter ihr stehenden Junkerclique ist unter anderem darauf gerichtet, eine Schicht kon- servativer Großbauern im Dorfe großzuziehen, um so einen Keil in die in vielen Hinsichten nach außen ziemlich geschlossene Dorf- gemeinde zu treiben. In Gegenden, wo der Hofbesitz unter den Bauern stärkere EntWickelung gefunden hat, suchen die Junker die Großbauern zu sich heranzuziehen, um sie in politischer Hinsicht leiten zu können. So beriefen die Agrarier im Kreise Pawlograd (Gouvernement Ekaterinoslaw) eine Versammlung aller Klein- und Großgrundbesitzer, gegen 120 an der Zahl, um sich mit den- selben zur bevorstehenden Wahlkampagne zu vereinigen. Als erstes wurde beantragt, daß jedes Mitglied des geplanten Verbandes mit 5 Kop. pro Deßjatin„für ev. Ausgaben" belegt werden solle. Die anwesenden Bauern protestierten dagegen und erklärten nach kurzer Privatberatung, daß sie dem Verbände nicht beitreten wollten, weil sie dessen reaktionäre Ziele eingesehen hätten und es mit den übrigen Bauern, den Gemcindcmitgliedern, nicht ver- derben wollten. Die beantragte Selbstbesteuerung sei nur ein Mittel, um auf ihre Kosten militärische Bedeckung der Güter zu beschaffen, wogegen sie im Interesse des friedlichen Zusammen- lebens mit den Dörflern protestierten!„Unsere Interessen stehen denen der Gemcindebauern näher, als den eurigen", erklärte die Mehrzahl der anwesenden Großbauern und verließ darauf demon- strativ die Versammlung.— für sie arbeiten tliäg. Man wird noch Gelegenheit Nehmen, diese Namen alle näher zu beleuchten, um vielleicht selbst eine Auswahl zu veröffentlichen.— Bis jetzt haben 893 Unternehmer die Forde- rungen der Arbeiter bewilligt. Im„Zentralblatt" wird selbst zu- gestanden, daß 90 vom Verband darunter sind. Von der Freien Verewigung der Maurer arbeiten 1273 zu den neuen Bedingungen, 641 streiken, 119 sind abgereist, 67 haben sich krank gemeldet oder haben einen anderen Beruf ergriffen, 62 sind als Poliere tätig, 50 als Fabrikmaurer und 115 sind Streikbrecher geworden, 89 waren nicht zu ermitteln, das sind zusammen 2421, über die am 20. Juli Revue gehalten wurde. Als Zeichen des günstigen Standes der Bewegung und um den Gerüchten von einenr herrschenden Geld- mangel zu begegnen, schlug der Vorstand vor, daß der Extrabeitrag von 1 Vi. pro Tag vom nächsten Montag an auf 50 Pf. erniedrigt iverde. Ferner soll die Zahl der Kontrollstellen von 14 auf 6 ver- ringert werden. Die Vorschläge wurden angenommen. Die Frage einer Verschmelzung mit dem Zentralverbande wurde ebenfalls berührt. Die Versammlung entschied sich dafür, daß die Er- lcdigun-g der Frage erst vorgenommen werden solle, wenn die Lohn- bewegung beendet ist._ Die Angestellten der Straßenbahn rühren sich. Die grundlosen Entlassungen vieler Fahrer und Schaffner der Großen Berliner Straßenbahn, worüber der Vorwärts" erst kürzlich wieder berichten mußte, das schänd- liche Denunziantenwesen, das dahintersteckt und absichtlich großgezüchtet wird, um jede selbständige Regung und Or- ganisation unter den Angestellten brutal zu unterdrücken. dieses ganze ebenso törichte wie Anstand und guter Sitte hohnsprechende Gebaren muß natürlich eine lebhafte Er- bitterung unter den Angestellten hervorrufen. Fahrgäste, die Schaffner oder Fahrer darüber befragen, werden aller- dings nicht leicht etwas davon zu hören bekommen. Ist doch kein Angestellter sicher, ob er nicht einen verkleideten Be- amten oder gar einen Kollegen von der Straßenbahn vor sich hat, der ihn nachher denunziert, so daß er, als hätte er ein unverzeihliches Verbrechen begangen, plötzlich des Dienstes für iminer enthoben wird, obwohl er, vielleicht jahrzehntelang, getreulich seines Dienstes gewaltet hat. Aber dve Erbitterung ist vorhanden, und sie ist nicht etwa, wie sich Leute mit kurzem Verstand einbilden, von Agitatoren und Hetzern hervorgerufen, sondern das naturnotwendige Produkt des Vorgehens jener Leute, die es als eine Art Amtspflicht an- sehen, jeden Angestellten, der einmal ein ehrliches Wort des Unwillens über irgendetwas äußert, aus dem Dienst zu jagen. Man soll sich doch nicht einbilden, daß ein so um- fangreicher Betrieb wie der der Großen Berliner mit Ele- mentcn aufrechterhalten werden kann, die, verblödet und jedes Solidaritätsgefühles bar, sich wie willenlose Sklaven behandeln lassen! Wenn man das Bcschwerdebureau, wo die nach den Regeln der Direktion gewählten Vertrauensleute Wünsche und Beschwerden der Angestellten vorzutragen haben, in ein Denunziationsbureau verwandelt, wenn man Angestellte fortjagt, weil sie in Ausschüssen und Vertrauens- körperschaften ihrer Pflicht gemäß die Interessen ihrer Kollegenschaft zu wahren suchen, wenn man unter den An- gestellten Brutstätten der schlimmsten Korruption, des De- nunziantentums zu errichten sucht, dann darf man sich nicht wundern, wenn über kurz oder lang Folgen daraus entstehen, die der Gesellschaft am allerunangenehmsten, den Angestellten selbst nicht erwünscht sind. Die Aktionäre, ja Leute, die nichts mehr lieben als ihren Geldsack, hätten das größte Interesse daran, daß endlich mit diesem schändlichen System der Ver- folgung ehrlicher, aufrichtiger und diensteifriger Angestellter gebrochen werde. Reicht ihr Verstand und ihre Einsicht aus, um das zu begreifen, so müßten die Aktionäre ihren Einfluß dahin geltend niachen. Humanität und andere schöne Tu- genden verlangt nian ja gar nicht, sondern nur ein bißchen Gerechtigkeitsgefühl, so viel, daß sie nicht selbst schließlich den größten Schaden von der Ungerechtigkeit haben, die den An- gestellten zugefügt wird. Strengste Ordnung im Dienst muß selbstverständlich walten. Daran zweifelt auf feiten der An- gestellten und ihrer Organisation keiner, und die Organi- sation zahlt auch niemand, und wenn er noch so lange Mitglied wäre, Maßregelungsunterstützung, wenn er wegen Nachlässigkeit oder Untauglichkeit im Dienste entlassen wurde. Aber ein solcher Grund lag ja bei keinem jener ungefähr 5(1, teils im Verband, teils im Direktions- verein organisierten, teils unorganisierten Angestellten vor. die kürzlich so plötzlich entlassen wurden. Man verweigerte ihnen die Auskunft über die Gründe der Entlassung! Man schämte sich, zu sagen, was gegen sie vorlag! Die Maßregelungen bei der Großen Berliner bildeten die- Veranlassung zu einer Versammlung der Straßenbahner, die gestern abend im„Feenpalast" stattfand. Was hier beschlossen wurde, darüber liegt uns im Augenblick noch keine Nachricht vor. Die Organisations- leitung redet selbstverständlich einem besonnenen und wohl- überlegten Vorgehen das Wort. Die Hetzereien aber. die nicht von der Organisation, sondern von den maßrege- lungssüchtigen Vertretern des Unternehmertums betrieben werden, der fortgesetzte Raub an den Koalitions- und Menschenrechten der Angestellten können leicht zu einer Er- bitterung führen, die sich nicht mehr eindämmen läßt. Wenn man Lebins glaubt! Die„Deutsche TagsKzeitung" sagt zu der Behauptung des Herrn L e b i u s, er habe als sozialdemokratischer Redakteur mo- natlich 1000 M. verdient, folgendes: „Solange die Partei der„elenden, ausgepowerten Masse" ihren Angestellten 12 000 M. Jahresgehalt zahlen kann, scheint es doch um unser Volk in finanzieller Beziehung nicht ganz schlecht bestellt zu sein." Die Redakteure der„Deutschen Tageszeitung" brauchen nicht vor Neid zu bersten. Herr L e b i u s, der an unserer Provinzpresse tätig war, hat nie mehr als den vierten oder fünften Teil der ge- nannten Summe an Gehalt bezogen. Achtung, Kleber! Gesperrt und streng zu meiden sind: Otto, Danzigerstratze 15; Bauten: Friedelstraße 37/36, Nixdorf; Hol- steinischestr. 47. Knau er: Sckwedtersir. 77; Ung er: Xantener- straße 6/7, Prinz-Regcntenstr. 15/16, Helmholtzstraße, Ecke Pariser- straße. Stein dorn: Brandenburgischestraße 11, Wilmersdorf; Straße 26, Prinz-Regeutenstraße, Ecke.Berliner-; Brandenburger« und Wegenerstraßen-Ecke. Die Sperre über Müller, Nalmöerstr. 27, ist aufgehoben. Die Berbandsleitung. Dcutfchcs Reich. Der Streik der Töpfer in D a n z i g ist nach achtwöchentlichcr Dauer mit gutem Erfolge beendet worden. Es wurde ein neuer Tarif abgeschlossen, der eine 10- bis 12prozcntige Lohnerhöhung vor- sieht.— Ein fast 5 Monate währender Streik der Töpfer in B ü t o w i. P. um das Koalitionsrecht hat endlich damit seinen schluß gefunden, daß der Unternehmer sich bereit erklärte, von nuck ab das Koalitionsrecht der Arbeiter anerkennen zu wollen. Achtung! Klempner und Rohrleger! In Wittenberge sind die Klempner und Rohrleger in eine Lohnbewegung eingc- treten. Die Forderungen sind den Meistern am 27. Juli zugestellt und wird bis zum 3. August Antwort seitens der Meister verlangt. Wir bitten die Kollegen, dies zu beachten und bis zur Erledigung der Bewegung den Zuzug von Wittenberge fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband, Bezirksleitung des 3. Bezirks. Erfolgreiche Lohnbewegungen der Bauschlosser von Hamburg, Altona und Wandsbcck. In der am Donnerstag stattgehabten Ver- sammlung der Bauschlosscr wurden die mit den in Betracht kom- Menden Innungen getroffenen Vereinbarungen gegen wenige Stimmen angenommen. Der neue Tarif tritt mit dem 15. August 1907 in Kraft. Der Anfangslohn für junge Gesellen nach beendeter Lehrzeit beträgt 45 Pf.(bisher 40 Pf.), der Aufschlag für Sonntags- arbeit 60 Proz.(bisher 50 Proz.). Außerdem wird den übrigen Gesellen ab 1. September 1907 eine Lohnerhöhung von 5 Proz. ge- währt. An den Sonnabenden vor Ostern und Pfingsten sowie am 24. und 31. Dezember beträgt die Arbeitszeit 7 Stunden(bisher 8 Stunden). Die Arbeitszeit beträgt wie bisher 9 Stunden. Ferner enthält der neue Tarif einige weitere Verbesserungen hinsichtlich der Akkordarbeit._ Grubenbarone und Ausländer. Nachdem die letzte Streikbewegung in dem lothringischen Berg- Werksgebiet beendet ist, stellen die Grubenverwaltungen immer noch ausländische Arbeiter in größeren Mengen ein. u. a. Russen. Polen, Kroaten usw., obwohl noch eine Menge einheimischer Arbeiter arbeitslos sind oder in anderen Berufen nicht zusagende Arbeit erhalten haben und nun darauf warten, wieder eingestellt zu wer- den. Der Bezirk Lothringen des Gewerkvereins christlicher Berg- arbeiter Deutschlands hat deshalb ein Telegramm an den Reichs- kanzler gerichtet und ersucht ihn ehrerbietigst, für schnelle Hülfe Sorge zu tragen. Dem Reichskanzler wird es einfallen, Maß- nahmen gegen die Unternehmer zu treffen, sie in der Ausbeutung der Arbeiter zu stören. Ja, wenn es sich um solche ausländische Arbeiter handelte, die mit ihren deutschen Kollegen für die Ver- besserung ihrer Lage kämpfen wollen! Da ist man schnell mit Ausweisungen bei der Hand! Aber diese klassenbewußten Arbeiter gehen nicht in Gebiete, wo eben eine Arbeiterbewegung beendet ist. Es handelt sich hier um willenlose, abhängige Ausbeutungsobjekte. die dem Bestand des deutschen Staates, soll heißen dem deutsche» Unternehmertum, nicht gefährlich sind. ?Zusl»nd. Der Ausbruch eines Kohlenarbeiterstreiks in Nordböhmen ist wahrscheinlich. Nachdem der größte Teil der Grubenbesitzer die Forderungen der Bergarbeiter nicht beantwortet hat, ist?ie Situa- tion im Kohlenbergbau kritisch geworden. Im Hafen von Belfast herrscht eine Streikbewegung, welche ztf heftigen Exzessen geführt hat. Die Ausständigen griffen die Auto- mobile an, welche dazu bestimmt waren, die massenhaft im Hafen und am Bahnhof aufgestapelten Waren fortzuschaffen. Mehrere Automobile wurden mit Petroleum begossen und in Brand gesteckt. Ein Wagen wurde in den Fluß geworfen. Die Fabrikbesitzer be- schlössen, wenn der Kohlenarbeiterausstand nicht alsbald zu Ende käme, alle Fabriken nächsten Sonnabend zu schließen, wodurch 20 000 Mann beschäftigungslos würden. Ein gleichzeitiger AuS- stand der Eisengießer ist durch das Zugeständnis einer Lohn-- erhöhung beigelegt., ' Diese Vorkommnisse veranlaßten nun auch die Polizisten, statt gegen die Menge vorzugehen, wie von ihnen gefordert wurde. die Konjunktur auszunutzen und ihrerseits höhere Be- soldung zu verlangen. Sie hielten mehrere Versammlungen ab. Als ein Polizeikommissar sich gegen ihre Forderungen wandte. wurde er mißhandelt und hinausgeworfen! Inzwischen wurde zwischen den Kohlenhändler» und ihren Angestellten ein Uebereinkommen getroffen, nach dem etwa 1000 Kohlcnarbeitcr die Arbeit wieder aufnehmen. Man hofft, daß es nunmehr auch zur Beilegung des HafenarbeiterauSstandeS kommen wird. Die Safenarbeiter und Rollkutscher streiken«och. Eingegangene Oruckfekriften. „Plutns«.(Herausgeber: G. Bernhard.) 30. Hest. Vierteljährlich 3, 50 M., vom Verlag 4 M. Verlag: Berlin-Charlottenburg, Goethestr. KS. Der Eisenbahn-Alkoholgegner-Berband und seine Bestrebungen. 1902—1907. Von de Terra. K2 Seiten. Kommisstonsverlag: Greven«. Bcchthold, Köln a. Rh. Judas Geldmonopol im Ausgang und im ZenitH. Zwei Ze -----'""*—' Rodaun-V von Dr. A. Wahrmund. Verlag der„Östara" daun-Wien. 36 Pf. Letzte JVacbricbten und Depefcben. Ausstand der Stettiner Konfektionsschneider. Stettin, 26. Juli.(Privatdcpesche des„Vorwärts".)' Die Konfektionsschneider beschlossen fast einstimmig bei acht tarif- brüchigen Firmen in den Streik zu treten. Die in Betracht kommenden Arbeiter sind, wie bereits berichtet, zu dreiviertel or» ganisicrt._ Ein Verbrechen. Kempten, 26. Juli.(B. H.) Das 19jährige Mädchen des Schlossers Rehkugler in Reichenbach bei Lindau wurde seit Mitt- woch vermißt. Gestern fand man die mit Steinen beschwerte Leiche des Kindes in einem Flusse. Ein Häuer aus Nicderbayrrn ist dw- Tat verdächtigt und wurde verhaftet. Seine Ehefrau erschlagen. Ravensburg, 26. Juli.(B. H.) In der vergangenen Nachi hat ein 30jährigrr Bauer seine 40jährige Ehefrau, Mutter von 7 Kindern, mit einer Holzaxt erschlagen. Der Täter wurde ver» haftet und ist geständig._ Vom Blitz getötet. Straßburg i. Elf, 26. Juli.(B. H.) In Hegenheim wurden gestern abend während eines schweren Gewitters zwei Bauersleute, Bater und Sohn, vom Blitz erschlagen. Mailand. 26. Juli.(W. T. B.) In Urano bei Jntra(Lago maggiore) wurde eine Anzahl Studenten, die morgens nach den Alpen ausgebrochen Nitren, auf dem Marsche von einem heftigen Gewittersturm überrascht; der Blitz schlug mitten unter die Schar und tötete auf der Stelle den sechSundzwanzigjährigen Alfons Tol- meister aus Eichsfeld und den achtzehnjährigen August Urban aus Tilsit. Fünf andere Studenten wurden verletzt. Mit dem Tode bedroht. Antwerpen, 26. Juli.(W. T. B.) Als der König von Belgien heute die neuen Marineanlagen besuchte, erhielt er an Bord der Alberta einen anonymen Brief, der ihn mit dem Tode bedroht. Die Polizei hat die größten Vorsichtsmaßregeln getroffen, um das Leben des Königs während seines Aufenthaltes in Antwerpen zu sichern. Die Untersuchung ist eingeleitet. Perantw. Redakt.: Carl Wermut!!, Bexlin-Rixdorj. Inserate vergntw.:TK. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Vuchdr. u. VerlagsanstaltPaulSingerMo.,BerIinLW. Hierzu 2 Beilagen u.Untcrhaltungsblatt Nr. 173. 34. Jahrgang. 1. KilU des Lmmls" Knlim WKÄsT ZomaI>tiid,Z7>?>ililM. Bit neueste ISautenkontrolle. Die Maurer haben am Mittwoch wieder eine eingehende Bautenkontrolle vorgenommen, deren Resuktat in der folgenden tabellansch geordneten Uebersicht borliegt. Durch die Vergleiche mit den vorhergegangenen Bautenkontrollcn ist das gegebene Bild besonders lehrreich und zeigt das Stadium des Kampfes im Baugewerbe in einer schätzenswerten Deutlichkeit. Wie die Maurer seit dein 12. Juni an Terrain gewonnen haben, ist klar zu erkennen. Datum der Kontr olle. 12. Juni.... 2ß. Juni.... 10. Juli..... 21. Juli..... Insgesamt Bauten 2 1865 2017 2024 1952 Maurer 3 5015 6411 7728 9876 Der Tarif ist anerkannt auf Bauten 765 969 1109 1068 mit Maurern 3064 4064 4739 6631 Der Tarif ist nicht anerkannt aus Bauten 6 323 359 314 382 Mit Maurern 1064 1120 1358 1331 Die Arbeit wird im Akkord ausgeführt auf Bauten 8 88 124 163 191 mit Maurern s 887 1227 1631 1364 Von den unter Spalte 6— 9Ge- nannten wird 8'/g Stunden gearbeitet auf Bauten 10 83 48 40 von Maurern 11 864 662 420 N a~ 12 689 505 438 811 d o iO G I Z 3- a CO 13 600 740 829 890 � S Ä � "5," Si, ä g M G. G £ a££ Ä vO•*— Jj �:C 0 t»« aS 14 18 82 84 101 Die folgende Zusammenstellung labt ersehen, wieviel Bauten in Betracht kommen und wie weit sie fertiggestellt sind l 12. Juni 26. Juni 10. Juli 24. Juli 12. Juni 26. Juni 10. Juli 24. Juli 12. Juni 26. Juni 10. Juli 24. Juli 765 969 HOS 1063 323 359 314 882 83 124 163 191 Bauten, auf welchen der Tari 3064 4064 4739 6631 auten, au 1064 1120 1358 1381 887 1227 1681 1864 38 49 47 43 21 32 45 45 16 10 24 22 12 24 21 23 anerkannt i st. 12 12 23 21 11 13 13 20 23 44 30 36 52 66 60 55 denen der Tarif nicht anerkannt ist. 19 20 21 22 17 23 41 49 17 16 13 19 4 4 5 10 A k k o r d b a u t e n. 18 18 33 34 12 15 13 21 18 13 26 29 9 8 15 19 5 8 6 3 7 14 5 16 7 10 13 11 5 16 16 9 24 16 12 20 120 162 122 79 24 24 24 23 291 374 520 495 131 151 130 158 47 58 80 89 33 32 39 56 117 120 124 140 51 63 43 56 Stilliegende Bauten. 1 1 2 2 41 32 25 24 Sie Meltsbedlngungen der Hionfumverelne. v. Die Diskussion zeitigte eine Reihe weiterer Aeusterungen, die wir nicht mehr alle einzeln registrieren können. Selbstverständlich hat sich auch ein Teil der Gewerkschaftspresse geäuhert. Sehr scharf gehen mit v o n E l m die Blätter der direkt beteiligten Gewerkschaften ins Gericht, so das.H a n d l u n g S g e h ü l f e n- blatt", die„Monatsblätter" des Lagerhalterverbandes, der „Courier", das Organ deS Transportarbeiterverbandes. In einer Polemik gegen den S t e t t i n e r..Volksboten" teilt übrigens das„H a n d l u n g s g e h ü l f e n b l a t t" mit, das; in dem Stettincr Konsum, und Sparverein noch das verwerfliche Z wisch enme ister syst em üblich ist. dah die Verkäuferinnen nicht vom Verein, sondern von den Lagerhaltern bezahlt werden müssen."— Die„Metallarbeiter-Zeitung" ist, soweit im. oishcr sehen, das einzige Gcwcrkschaftsorgan, das von Elm verteidigt. Sie teilte, aber zur Zeit, als ihr Artikel erschien, noch den falschen Glauben, datz die beteiligten Gewerkschaften übermäßige Forderungen an die Konsumvereine gestellt hätten. Von Genossen von Elm selbst liegen inzwischen wieder zwei Kundgebungen vor. An die Düsseldorfer„VolkSzeitun�" hat er eine Zuschrift gerichtet, die in der Hauptsache nur Angriffe auf den Verfasser deS ersten gegen von Elm gerichteten Artikels enthält. In der Zuschrift an das„Corrcspondenzblatt" der Generalkommission der Gewerkschaften beschuldigt von Elm dieses Blatt,„in mehreren Punkten eine unrichtige Darstellung über die Tarifverhandlungen" in Düsseldorf gegeben zu haben. DaS Blatt sieht sich genötigt, diese Unterstellung entschieden zurück- zuweisen. Elms Zuschrift an die Düsseldorfer„VolkSzeitung" ent- hält u. a. eine Argumentation, die schon vorher Genosse Wilhelm Schröder in der„Neuen Gesellschaft" vorgebracht hatte. Genosse von Elm schreibt da: „Mein Gegner... spricht fortgesetzt von„der Arbeiterschaft", „den Arbeitern" und„den Gewerkschaften" ganz im allgemeinen, während es sich in Wirklichkeit doch nur um die Lagerhalter und Handlungsgehülfen handelt. Diese aber der- danken ihrer Macht im wirtschaftlichen Kampfe heute leider noch gar nichts, das wenige dagegen, was im HandelSgcwerbe erreicht worden ist. lediglich der auf politischem Gebiet errungenen gesetz- geberischen Sozialreform. Die Gewerkschaften der Handlungsgehülfen und Lagerhalter hatten nach der Statistik der Generalkommission nur 1,6 Proz. ihrer BerufSangehörigen in ihren Verbänden organisiert, eine de» art verschwindende Minderheit kann„wirtschaftliche Kämpfe" über» Haupt nicht führen...." Bisher waren wir der Ansicht, daß eine schwache GeWerk- schaft, die bei der Organisierung ihrer Berufskollegen ganz bc- sonderen Schwierigkeiten begegnet, von der gesamten Arbeiterschaft, der politisch wie der gewerkschaftlich organisierten, auf das nach- drücklichste unterstützt werden muß. Daß man statt dessen ihre Schwäche als Argument gegen sie benutzt, als Grund, um sie und ihre Forderungen nicht zu beachten, und ihr damit die Arbeit der Organisation noch mehr erschwert, das haben wir bisher kaum für möglich gehalten. Aus ciucm Artikel, den das„Correspondenzblatt" der Gencraltommissipn in seiner Nr. 23(vom IS, Juli> gegen von Elm veröffentlicht, geben wir zum Schluß noch folgende Stellen wieder: „... Dazu(zu anderen Differenzpunkten) kommt, daß in den Konsumvereinen nicht lediglich Lohnarbeiter, sondern auch andere BcvölkerungSschichten organisiert und an deren Leitung beteiligt sinK die für das gemeinsame SolidaritätSberhältniS von GeWerk- schaften und Genossenschaften nur geringes Verständnis bekunden und alles vermeiden möchten, was den Schein der Neutralität irgendwie beeinträchtigen könnte. Für diese Genossenschaftler ist der Konsumverein den Gewerkschaften gegenüber ein Betrieb wie jeder andere.... Es soll damit keineswegs behauptet werden, daß diese Auffassung der Stellung des Genossenschafts- betriebe« gegenüber den Gewerkschaften auch von den in den Ge- nossenschaften führenden Gewerkschaftlern sich zu eigen gemacht wäre. Aber sicherlich enthalten die Ausführungen von Elms weit inchr Konzessionen an diesen Standpunkt, als man von einem gewerkschaftlichen Genossenschaftler erwarten dürfte. Für ihn kommt in erster Linie die Rücksicht auf die Konkurrenz- sähigkeit des Konsumvereins gegenüber den Keinen Krämern in Betracht. Nur wenn dies« nicht beengt wird, sind die geWerk. schaftlichen Forderungen in den. genossenschaftlichen Betrieben „mehr und mehr zu verwirklichen". Wo sie aber in Frage gestellt erscheinen könnte, da müssen sich die Gewerkschaften darauf be- schränken, festzulegen,„wcS der GcnossenschaftSleitung zur Zeit ohne schwere Schädigung der Bewegung möglich erscheint",— da sind die GewerkschaftSforderungcn„Z u k u n f t s p r o g r a m m e". Maßgebend ist für ihn nicht die Stellung des GcnossenschaftS- betriebeS in der Arbeiterbewegung als ein lebenskräftiges Element neuer, fortschrittlicher Bestrebungen, sondern dessen Stellung in der Privatwirtschaft, und zwar in der rück- ständigsten Schicht derselben, in der Umgebung von Zwerg- betrieben. Weil diese kleinen Krämer sich krampfhaft mühen, durch Nacht- und SonntagSarbeit und schlechtbezahltes Personal ihre Existenz neben dem Konsumverein zu behaupten, deshalb soll der letztere gezwungen sein, auf deren Arbeitsverhältnisse Rücksicht zu nehmen. DaS heißt aber nichts anderes als die Preisgabe der gesunden, fortschrittlichen Bestrebungen der Arbeiterbewe- gung und der Erziehung der Arbeiterkonsumenten zu sozialer Vcr- antwortlichkeit.... ... Sodann aber sind die gewerkschaftlichen Pflichten, deren Erfüllung die Arbeiterschaft den Konsumvereinen zumutet, keines- Wegs derart überspannte, daß sie den Ruin auch nur e i che S Konsumvereins nach sich zögen. Was heute und in Zukunft den Konsumvereinen zugemutet wird, das wird durch die beiderseitigen Organisationsinstanzen der Angestellten wie der K o n s u m v e r- eine sorgfältig geprüft und abgewogen und selbst im Ausnahme- falle nicht ohne weitgehende Nachsicht auf besonders schwierig ge- lagerte Verhältnisse durchgeführt.... ... Mit Entschiedenheit muß indes jeder Versuch zurück- gewiesen werden, solche Forderungen an die Genossenschaften „grundsätzlich" abzulehnen oder sie von der vorherigen Durchführung in allen Privatbetrieben abhängig zu machen, weil etwa die„große Gefahr" entstehen könnte, daß ein Genossen- schaftler nach Schluß deS eigenen Ladens oder an Sonntagen einen Groschen zum Krämer trägt. Wo aus solchen Even- tualitäten der Ruin eines Konsumverein» prophezeit werden kann, da muß eS wahrlich um die genossenschaftliche Er- ziehung der Arbeiterschaft übel bestellt sein! Sollten die Ge- nossenschaftSleiter an dieser„grundsätzlichen" Ablehnung gewerk- schaftlichcr.Zukunftsprogramme" festhalten, dann bleibt den Ge- wcrkschaften nichts anderes übrig, als die organisierte Arbeiter- schaft in den Genossenschaften selbst an ihre ge werkschaft- l i ch e n Grundsätze und Pflichten zu mahnen und dahin zu wirken, daß auch die GenossenschaftSverwaltungen sich ihrer verantwort- lichkeit gegenüber der modernen Arbeiterbewegung bewußt bleiben.... ... Aber dem Genossen von Elm genügt es nicht, die bloße Möglichkeit der Erfüllung gewerkschaftlicher Forderungen zu be- streiten,— er bestreitet sogar das Recht der genossenschaftlichen Angestellten und Arbeiter auf die von ihnen geforderten Vorteile, einmal deshalb, weil der durch die Zentralisation des Konsums erzielte materielle Nutzen durch die Konsumenten selbst, nicht durch die Angestellten entstehe und nicht diese, sondern alle Mitglieder Inhaber deS Geschäfts seien, sodann aber, weil es unbillig und sogar ein Unrecht gegenüber den übrigen Mitgliedern sei, den An- gestellten eine privilegierte Sonderstellung einzu- räumen, da sie doch schow den Vorzug hätten, im„eigenen Geschäft". anstatt im kapitalistischen Herrendienst zu arbeiten. Auch diese Beweisführung hinkt auf beiden Füßen. Von einem Nutzen der Konsumvereine kann unseres Erachtcns erst nach Abzug aller aus der Warenverteilung entstehenden Selbstkosten und Spesen gesprochen werden und zu diesen gehört alles, was mit den Arbeitsbedingungen des VerkaufspersonalS zusammenhängt. In Arbeiterbetricben berechnet man diese Selbstkosten der Waren- Verteilung aber nicht nach kapitalistischen Grundsätzen, sondern unter Zugrundelegung anerkannter gewerkschaftlicher Vereinbarungen. Auf diesen Teil der Selbstkosten haben die Mitglieder aber keinRecht,— cS wäre unrecht, auf Kosten der Angestellten unter Nichtachtung gewerkschaftlicher Verein- barungen den Mitgliedern einen höheren Nutzen zuzuführen.... Für Arbeiterbetriebe erachten wir es... geradezu als Pflicht, ihrem Betriebspersonal Ferien zu gewähren, nicht um ihnen dadurch ein Privilegium zu verschaffen, sondern um ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit dem Betriebe zu erhalten, also im Interesse des Betriebes in er st er Linie. Und wo wäre dieses ausschlaggebender, als wenn eS sich um VcrtrauenS- personen, wie Lagervcrwaltcr, Angestellte usw. handelt, die durch ihre Verantwortlichkeit und Umsicht den Betrieb vor manchen Schäden bewahren können.... Gewiß wissen die GenosscnschaftS- anaestellten den Vorzug, in eigenen Betrieben mitzuarbeiten, anstatt für kapitalistische Herren zu fronen, wohl zu würdigen. Aber sicherlich entspricht es nicht den Auffassungen der modernen Arbeiterbewegung, diesen Vorzug auf das Niveau einer kapitali- stischen WohlfahrtSeinrichtung herabzudrücken, die kein Recht gäbe, gewerkschaftliche Forderungen zu erheben.... ... Nicht bloß um einzelne Gewerkschaften dreht sich der Streit um die angeblich falsch verstandene Düsseldorfer Resolution. Die Grundsätze, die diese vertritt, schlagen der ganzen Gewerk. schaftsbewegung ins Gesicht, sie sind eben ihrer„grundsätzlichen" Natur wegen unannehmbar für alle Gewerkschaften.... Die Konsumvereine können groß und mächtig werden, wenn sie sich auf die starken Wurzeln ihrer Kraft, auf die modern organi- sierte Arbeiterschaft stützen. Pflicht der Gewerkschaften ist es, auf jedes einzelne ihrer Mitglieder dahin zu wirken, daß sich diese den Arbriterkonsumvereinen anschließen. Die Gewerk. schaftSkartelle insbesondere werden dringend ersucht, die hierfür geeignete Propaganda in die rechten Wege zu leiten. Je größer und leistungsfähiger die Genossenschaften werden, darin stimmen wir von Elm zu, desto leichter werden sie gewerkschaftlichen Forderungen nachkommen und dadurch der Gesetzgebung vorarbeiten können. Aber eS mutz auch das ernste Wollen dazu da fein. und außerdem ein harmonisches Verhältnis� zwischen Genossenschaften und Gewerkschaften, wie eS der Kölner Gewer?. schaftskongretz erstrebte. Auf diesem friedlichen Zusammenwirken ruht das Wohl beider Organisationen, nicht auf der Schaffung von Schlagbäumen mit der Aufschrift:..Bis hierher und nicht weiter I" *.* Wir erhalten folgende Zuschrift von einem Vorstandsmitglied des Berliner Konsumvereins, der zurzeit in und um Berlin 13 Verkaufsstellen unterhält: Um nicht die Meinung aufkommen zu lassen, daß etwa>m Berliner Konsumvercinswescn dieselben Zustände herrschten, wie sie am Sonntag in Artikel IV„Die Arbeitsbedingungen der Kon- sumvereine" geschildert werden, seien hier kurz die derzeitigen Verhältnisse im Berliner Konsumverein dargestellt. Die Lagerhalter bekommen in den ersten 2 Jahren ent Monatsgehalt von 145 M.(nur totale Neulinge erhalten die ersten 6 Monate hindurch 135 M.); das Gehalt steigt im 3. und 4. Jahre auf 150, im 5. und 6. auf 155, im 7. und 8. auf 165 und im 9. Jahre auf 175 M., womit zurzeit die Skala aufhört. Die perfekten Verkäuferinnen fangen an mit 80 M. pro Monat und erhalten alle Jahre 5 M. Zulage bis zum derzeitigen Höchstgehalt von 120 M. Invaliden- und K r a n k e n k a s s en- B e r t r äg e werden vom Verein voll bezahlt. Die Arbeitszeit ist zurzeit noch eine Olstündige(Sonntags frei, Sonnabends von 8 bis 9, die anderen Tage von 8— 8 mit 2stündigcr Tischzeit). Ein wenig ge- gemildert tvird diese lange Arbeitszeit dadurch, daß Lagerhalter und Verkäuferinnen einmal im Monat einen freien Nachmittag haben.„ Was den Urlaub anbetrifft, so wird er gegenwartig noch erst nach zweijähriger Tätigkeit im Verein gewährt, und zwar in Höhe von 1 Woche; nach 5jähriger Tätigkeit werden 2 Wichen ge- währt.(Die Karenzzeit dürfte übrigens demnächst verkürzt werden.).._ Am 1. Mai sind die Geschäfte geschlossen, ebenso am 8. Oster- und am 3. Pfingstfeicrtag de» Nachmittags. Die Gesamtvcrwaltung des Vereins ist sich durchaus einig darin, datz diese Arbeitsbedingungen noch sehr verbesserungsfähig und-bedürftig sind, sie ist jedoch zurzeit noch nicht in der Lage, so gern sie eS täte, mehr zu gewähren. Dazu ist die Beteiligung am Genossenschaftswesen in Verlin noch viel zu gering, und trotz aller Resolutionen ist der Zufluß gerade derjenigen Kreise zu mininial, von denen zu allererst ein kräftiges Eintreten für solche Kulturford crungen wie Sonntagsruhe, Acht- uhrladenschluh. kürzere Arbeitszeit, Urlaub usw. zu erwarten sein sollte. Wir rufen also denjenigen, denen das, was wir leisten, zu wenig ist, einfach zu: Hie Mvdu,. lue salta! * Wir haben die oben mitgeteilten Details unverkürzt wieder- gegeben, obwohl unsere Leser auch über diese Materie beS öftrer informiert worden sind, das letzte Mal ausführlicher durch den von uns in der Nummer vom 20. Juni 1906 veröffentlichten Artikel „Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse genossenschaftlicher Arbeiter". Lenekungshelm oder Zuchthaus? Die JnvalidenversicherungSanstaltcn können Krankenanstalten, Rekondaleszcnwnanstalten, Genesungsheime— kurz Sanatorien jeder Art— errichten, deren Einrichtung auf BorbcuM gegen völlige Invalidität, Heilung der KrankheitSanlagen abzielen, die zur dauernden Invalidität führen könnten. Die Einleitung eines zweck- mäßig eingerichteten Heilverfahrens zwecks Vorbeuge gegen Er- werböunfähigkett liegt im Interesse der Heilbedürftigen und der allgemeinen Volksgesundheit. Leider steht den Versicherten» auS deren Beiträgen die Heilanstalten erbaut werden, ein Nagbarer An- spruch auf Einleitung beS Heilverfahrens nicht zu. Der Reichstag hat den dahin gerichteten Antrag der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt. Nach der herrschenden Rechtslage sind also zwar die Arbeiter verpflichtet, alle für die Invalidenversicherung und deren ungeheueren Reservefonds erforderlichen Kosten zu zahlen— die eine Hälfte der Beiträge wird ihnen direkt abgezogen, die andere Hälfte ist der Teil des Lohnes, den der Arbeitgeber statt an die Arbeiter an die Versicherungsanstalt zu zahlen hat, und der Reichs- zuschutz endlich(50 Mark pro Rente) wird im wesentlichen durch die «».erster Reihe die Arbeiterklasse belastenden indirekten Steuern und Zölle aufgebracht— aber ein Recht auf Einleitung des Heilver- fahrens haben sie nicht. Die bürgerlichen Parteien haben solches Recht dem Arbeiter einzuräumen abgelehnt. Ob sie durch diese Ver. kürzung der Rechte der Arbeiter absichtlich von dem Ermessen des Vorstandes der Versicherungsanstalt, in Wahrheit also leider von der Willkür einiger bezahlter Bureaukraten, die Aufnahme in die Heilanstalt abhängig machten, um an Stelle segensreicher Heil- anstaltcn Quälanstalten gestalten zu lassen, mag auf sich beruhen. Tatsache ist— wie ein wahrer Berg an uns gerichteter Beschwerden aus verscksie denen Laudesteilen und die von uns angestellten Er- Mittelungen mit erschreckender Deutlichkeit ergeben—, daß eine ganze Reihe Verwaltungen von Versicherungsanstalten den Mangel eines klagbaren Rechtes auf Aufnahme in einem Genesungsheim dazu benutzen, die armen Leidenden zu quälen und den Rest ihrer Arbeitskraft durch Arbeitszwang in einer dem Zwecke einer Heilung direkt widersprechenden Weise ausbeuten. Die armen Invaliden der Arbeit erklären fast alle in wahrhast ergreifenden Schilderungen — mehrere unter ausdrücklicher Betonung, daß sie bislang noch nicht Sozialdemokraten waren, nun aber der Partei beitreten wollen—, das Genesungsheim sei kein Genesungsheim, sondern ein Zuchthaus, ja schlimmer als ein solches: ein Arbeitshaus. Zwingt in einem Zucht- oder Arbeitshaus das vollstreckbare Urteil die Insassen zu den ihnen als Strafe auserlegten Arbeiten und Eut- behrungen, so wirke in den sogenannten Genesungsheimen die leider meist getäuschte Hoffnung der Aufgenommenen, doch vielleicht Besserung ihrer Arbeitskraft zu erlangen, und die Drohung, wenn ihnen etwas nicht passe, müssen sie die Anstalt verlassen, genau so wie die Zuchthaus- und Arbeitsordnung in Arbeits- und Zucht» Häusern. Der Leser mag selbst ermessen, ob unser Urteil zu hart ist. Wir geben nachstehend den Inhalt einiger Beschwerden über das Genesungsheim der Landesversicherungsanstalt Brandenburg: Hohenelse bei Rheinsberg(Mark) wieder. Die Hausordnung legt den Pfleglingen die Pflicht auf. „den Anordnungen der Aerzte, sowie das Aufsichts- und Pflege- Personals innerhalb und außerhalb des Genesungsheims unbedingt nachzukommen". Die Pfleglinge, die zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit und zur Vorbeuge gegen frühzeitige Invalidität in Hohenelse Aufnahme gefunden haben, sind vorzugsweise Nerven- kranke, Herzkranke und Rheumatiker. Es sind durchschnittlich 110 bis 120 Patienten aufgenommen. In der Anstalt befindet sich kein Arzt. Die beiden Rheinsberger Aerzte besuchen dreimal wöchentlich die Anstalt. Nicht sie, sondern die Wärter haben, ent- gegen der„Hausordnung", tatsächlich zu bestimmen. Die Anzahl der Wärter(Pfleger genannt) ist eine völlig unzureichende: 5, seit dem 1. Juli 6 Wärter nebst 2 Frauen zur Unterstützung in der HauSreinigung sind vorhanden. Nach der Hausordnung soll„den Pfleglingen zuerst die nötige Ruhe zu ausreichender Erholung ge° währt werden. Msdann soll ihnen Zeit und Gelegenheit geboten werden, sich allmählich wieder an geordnete Tätigkeit zu gewöhnen und sich fiir die Wiederaufnahme des Berufslebens gehörig vorzu. bereiten". Hiernach soll also die körperliche Beschäftigung als Heilfaktor in Anwendung gelangen. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, wenn die Beschäftigung in der Tat plan- und kur- gemäß und allein von dem Arzt gemäß der Fähigkeit und dem Leiden angeordnet würde. Das verspricht auch die Hausordnung. In Wirklichkeit steht die Sache aber anders: die Patienten werden von den Pflegern zur Arbeit kommandiert, manchmal noch ehe der Arzt solche verordnet hat. Und selbst wenn eine bestimmte Arbeit und Arbeitszeit vom Arzt verordnet ist, kehren sich die Wärter nicht daran. Die Patienten werden oft nicht zu den für ihre Krankheit passenden, sondern für solche Arbeiten herangezogen, die für daS zirka 150 Morgen große, aus Ackerland, Feld, Wiesen bestehende Grundstück oder für die im Heim eingerichteten Werkstätten von pekuniärem Nutzen sind. 3 bis 4, aber auch 7 bis 8 Stunden Arbeit wild den Pfleglingen häufig(nicht vom Arzt) zudiktiert. Zu den Arbeiten gehören Feldarbeiten, Grasmähen, Bäume mit Jauche gießen, Wege walzen, Ställe reinigen, Unkraut ausjäten, Kartoffel behacken, Ausmisten usw. Die Arbeit muß selbst über die(von Wärtern oder vom Oberinspektor angesetzten) Arbeitszeiten hinaus verrichtet werden. Der Oberinspektor erklärt z. B. bei der Heu. ernte: heute muß dies und das fertig gebracht werden. Der Pflegling fürchtet durch Widerspruch gegen die Anordnungen auf Grund der Hausordnung aus der Anstalt gejagt zu werden und beugt sich zumeist den seiner Krankheit schädlichen Anordnungen. Es ist vorgekommen, daß erwachsene Patienten über die Länge und Härte der Arbeit geweint haben, hier und da auch den Mut faßten, die Quälanstalt freiwillig zu verlassen. Durch die Werk- stättenarbeit wird genau wie durch Gefängnis- und Zuchthausarbeit den Handwerksmeistern und den freien Arbeitern Konkurrenz ge- macht. Das Wärterpersonal und die Bade- und Massageeinrichtungen sind völlig unzulänglich. Die Patienten müssen sich die Bäder und Packungen selbst zurecht machen: 2 oder 3 Pfleger haben mit Massieren vollauf zu tun. Thermometer sind fast durchweg seit Monaten zerbrochen. Die Sparrücksicht wird so weit getrieben, daß Patienten zugemutet wurde, die vom Arzt verordneten kohlen- sauren Bäder zu benutzen, die schon von anderen Kranken benutzt waren. Die Laken und wollenen Decken werden sehr selten ge- wechselt. Als Patienten den Schweinestall ausgemistet hatten und vor der Mahlzeit baden wollten, wehrte ihnen daS zunächst ein Pfleger, weil zu wenig Wasser da sei, bis durch Intervention eines anderen Pflegers das Baden ermöglicht wurde. Auch über das Essen wird geklagt. Den Speisezettel stellt die Köchin auf; der Oberinspektor revidiert den Zettel und streicht nach Ansicht der Patienten das, was ihm zu teuer erscheint. Gesang- und Spielübungen, die nach der Hausordnung all- wöchentlich abgehalten werden sollen, fallen meist infolge der Arbeitsüberbürdung aus. Aber mir ver körperlichen Drangsalierung ist es nicht genug: Pen Patienten wird verboten, ihre Zeitungen sich zu halten! In einem„Der Oberinspektor" unterzeichneten Ukas heißt es:„Partei- politische Blätter, welcher Richtung sie auch immer angehören, sollen dem Genesungsheime ferngehalten werden." Ja, es werden die Pfleglinge durch die Bestimmung:„die Pfleglinge wollen zur Ver- meidung von Unzuträglichkeiten das Hereinbringen solcher Blätter verhüten", zur Denunziation angeregt. Eine derartige Bevor- mundung erwachsener Männer und Behinderung ihre Zeitungen zu halten, ist eine völlig ungerechtfertigte, schlimmere Beeinträchti- gung der persönlichen Freiheit, als sie die Gefängnisordnungen außerdeutschcr Staaten enthalten. Sie ist um so mehr zu ver- urteilen, als in der Anstalt selbst Blätter» die vom Reichsverein zur Bekämpfung der Sozialdemokratie fabriziertes Liigengemengsel enthalten, auSliegen. Es liegen in der Anstalt aus: die„Märkische Zeitung", die„Rheinsberger Zeitung", das„Deutsche Blatt" und die„Deutsche Warte"! Dem Revisionsbeamtcn der Versicherungsanstalt scheinen leider die eben geschilderten Mißstände aus Furcht vor Entlassung nicht mitgeteilt zu sein, Es ist dringend Abhülfe der geschilderten Mißstände erfordeb- lich. Freilich wäre eine dauernde Rcmedur gegen solche zum Himmel schreiende Drangsalierung von Patienten in dem von ihnen mitbezahlten Genesungsheim nur durch gesetzliche Einräumung des Rechts der Arbeiter auf Aufnahme in die Genesungsheime und durch Verwaltung der Jnvalidenversicherungsanstalt und ihrer Ein- richtungen durch Arbeiter möglich, die von den Versicherten selbst auf Grund direkten und geheimen Wahlrechts gewählt sind. ver ssnarchiltenZiongreS vor der Straffiammer. Sämtliche Angeklagten freigesprochen. In der gestrigen Verhandlung führte der Staatsanwalt Dr. Junghans zur Begründung der Anklage aus: Es ist durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß der in Mannheim verbotene Parteitag der Anarchisten Deutschlands in der„Jägerlust", wenn auch mit einer der Natur der Sache nach beschränkten Teilnehmer- zahl abgehalten ist. Es war nicht ein Parteitag, an dem nur Dele- gierte mit Mandaten teilnehmen konnten, sondern es war ein Parteitag für alle Anhänger der anarchistischen Weltanschauung. Damit ist der Begriff der Volks Versammlung erfüllt. Die Tat- sache, daß das Lokal klein und die Zahl der Teilnehmerzahl be- schränkt war, schließt diesen Begriff nicht aus. In Wahlkreisen finden manchmal Wählerversammlungen statt, besonders in Dörfern, die nur von 20 Personen besucht und dennoch Volks- Versammlungen sind. Es steht fest, daß die Versammlung eine Fortsetzung der ersten in Mannheim geplanten verbotenen Ver- sammlung war. Es steht weiter fest, daß öffentliche Themata er- örtert wurden, die die Agitations- und Organisationsfrage be- trafen. Es sind jedoch nicht alle Angeklagten in gleicher Weise zu bestrafen. Es sind auch Reden gehalten worden, wenn auch nur kürzere. Der Staatsanwalt beantragt gegen diejenigen Angc- klagten, die als Redner auftraten, eine Gefängnis st rase von 6 Wochen bis zu 3 Monaten. Am schärfsten müssen diejenigen Angeklagten bestraft werden, die schon früher sich ähn- liche Vergehen zuschulden kommen ließen, also Neigung zur Auf- lehnung gegen die Staatsgewalt haben. Strafverschärfend muß die Gemeingefährlichkeit der Bestrebungen der Angc- klagten ins Gewicht fallen. Gegen die Angeklagten, die nur der Beteiligung an einer verbotenen Versammlung schuldig sind, be- antrage ich Geldstrafen, die nach dem Grade der Beteiligung sich um 50 M. herum bewegen sollen.— Verteidiger Dr. Frank: Der Staatsanwalt hätte zunächst darauf eingehen sollen, ob daS Verbot der Anarchistenkonferenz zu Recht er- gangen i st. Das Gericht mutz eine Nachprüfung vornehmen, sonst hätte jede Verwaltungsbehörde die Befugnis, eine Versamm- lung, die ihr nicht paßt, zu verbieten. Man kann nicht sagen, weil es sich hier um Anarchisten handelt, die erklären, daß sie die Ab- schaffung deS Staates wollen, sei das Verbot gerechtfertigt. Nach unserem Gesetz genügt es zum Verbot einer Volksversammlung nicht, daß die Anarchisten die Idee des Staates verwerfen. Es ist vielmehr notwendig, daß eine unmittelbare Gefahr für Staat und öffentliche Sicherheit vorhanden, wenn eine solche Veranstaltung verboten werden soll. Nun ist der Anarchismus keineswegs eine einheitliche Weltanschauung. Namentlich in Fragen der Taktik haben die Angeklagten die verschiedensten Ansichten. Darüber wollten sie sich aussprechen und den Austausch solcher An- sichten läßt das badische Vereinsgesetz zu. Unzu- treffend ist dre Behauptung, die anarchistische Weltanschauung gehe davon aus, durch Anwendung von Gewalt und Terror ihre Ziele zu erreichen, Tolstoi, Mackay und der geistvolle Reclus, haben in ergreifenden Worten die Propaganda der sittlichen Tat gepredigt. Es handelt sich ferner hier nicht um eine Volks- Versammlung. Man muß auch eine Kontinuität der Rechtsbegriffe annehmen. Unser badisches Vereinsgesetz, daö unter dem Eindruck der Revolution von 134g entstanden ist, versteht unter einer Volks- Versammlung große Massenversammlungen unter dem Zeichen der Revolution. 2 bis 3 Dutzend Leute, die hierher zur Aussprache kommen, sind doch unmöglich eine Volksversammlung. Dazu kommt, daß die beabsichtigten Referate abgesetzt wurden, die pro- pagandistische und agitatorische Ziele verfolgten. Aber auch wenn eine Volksversammlung stattfand, so fehlte den Angeklagten das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ihrer Hand- lung. Sie glaubten, daß die„Jägerlust" nicht mehr zur Mann- heimer Gemarkung gehöre, und aus den Aeußerungen der Polizisten glaubten sie folgern zu dürfen, daß das Verbot sich nur auf Mann- heim bezog. Die Angeklagten taten auch nichts, um ihre Tagung zu verbergen. Am Schlüsse tclephonierten sie sogar an die Polizei, sie feien fertig. Das hätten sie nie getan, wenn sie gewußt hätten, daß die Tagung in der„Jägerlust" verboten sei. Denn so dumm find die Angeklagten nicht, daß sie selbst zur Polizei gehen und sagen: Hier nehmt uns in Haft, wir haben eine strafbare Hand- lung begangen. Ich beantrage die Freisprechung der An- geklagten. Nachdem noch die Angeklagten fast sämtlich zu längeren AuS- führungen das Wort ergriffen hatten, zog sich daS Gericht nach 11 Uhr zur Beratung zurück. Nach zweistündiger Be- r a t u n g verkündete der Vorsitzende, Landgerichtsrat Obkircher, die Freisprechung sämtlicher Angeklagten. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus: Die Konferenz der Anarchisten in Mannheim wurde durch Verfügung der Großherzoglichen Polizei verboten. Der Verteidiger meinte, das Verbot sei zu Unrecht erlassen und es müsse vom Gericht nach- geprüft werden, ob dieses Verbot gesetzlich sei oder nicht. Das Gericht sei zu einer entgegengesetzten Auffassung gekommen. Es habe angenommen, daß das Verbot jener Versamm- lung eine Matzregel der zuständigen Ver- w a l t u n g s b ehö r d e sei, die einer Nachprüfung des Gerichts entzogen sei. Infolgedessen müsse die Nachprüfung der Gesetzlichkeit jener Maßregel anderen Instanzen vorbehalten bleiben. Aber auch wenn daS Gericht die Gesetzmäßig- keit geprüft hätte, würde es wahrscheinlich diese Frage bejaht haben. Das Gericht habe weiter geprüft, ob die Zusammenkunft in der„Jägerlust" eine Fortsetzung der in Mannheim ver- botenen Versammlung gewesen sei oder nicht. Diese Frage hat das Gericht bejaht. Es sei durch jenes Verbot der Mannheimer Polizei nicht nur eine Zusammenkunft der Anarchisten verboten worden, sondern alle Zusammenkünfte der Leute, die von Offen- bach nach Mannheim gekommen waren. Das Verbot be- schränkte sich allerdings nur auf das Gebiet der Mannheimer Gemarkung. Tie Frage ist nun, ob eine Volksversammlung im Sinne des Gesetzes unter freiem Himmel draußen in Freudenheim oder in Seckenheim stattgefunden hat. Das Gericht hat diese Frage verneint. Es hat die Vor- gänge nicht nachprüfen können und nach dem Satze: lr. dubio pro reo(im Zweifel zugunsten des Angeklagten) entschieden. Die An- geklagten haben sich dann abends in der„Jägcrlust" zusammen- gefunden, beieinander gesessen und über eine Reihe von Gegen- ständen gesprochen, die auf der Tagesordnung der beabsichtigten Konferenz gestanden hatten. Die Frage ist nun, ob darin eine Volks Versammlung zu erblicken ist. In dem Begriffe der Volks- Versammlung liegt im allgemeinen, daß eine gewisse Ordnung in der Versammlung vorhanden sei, daß Redner zu längeren Be- merkungen das Wort nehmen und daß sie von dem Gros der An- ioesendcn auch gehört werden. Weiter liegt in dem Begriff der Volksversammlung die allgemeine Zugänglichkeit des Ortes. Auch in diesem Fall hat nun das Gericht ein non liquet(die Sache ist nicht aufgeklärt) angenommen. Das Gericht geht zwar nicht so weit, wie einzelne Angeklagte, die sagen, es haben nur Bekannte Zutritt erhalten; es nimmt vielmehr an, daß auch Fremde, wenn auch nur in geringem Umfange, Zutritt hatten. Die Räumlich- leiten, die in Frage kamen, hätten für eine größere Zahl von Leuten gar nicht Platz geboten. Bei diesem Sachverhalt blieb dem Gerichtshof nur die Verneinung dieser Schul frage« übrig. Es erübrigte sich deshalb, zu prüfen, ob etwa die Auge- klagten annahmen, sie seien nicht auf Mannheimer Gebiet. De unverhältnismäßig niedrige Temperatur verhinderte Ausreifen des Getreides und die Ver» zögerung der Ernte» Der Entw!ckelung der Winter�almfrülhle sind nakur- gemäg die ungünstigen Witterungsverhältnisse tvcnig förderlich ge- Wesen. Die wolkenbruchartigen. von heftigen Stürmen begleiteten Regenfälle haben allen Getrcidearten Lagerung und Windbruch in großem Umfange verursacht, und strichweise hat auch der Hagel beträchtlichen Schaden verursacht. Winterweizen sowohl wie Winterroggen zeigen dünnen Stand, beide sind stark der- unkrautet, und die Aehrenbildung ist. namentlich im Norden und Nordwesten des Reiches, vielfach lückenhaft geblieben. Trotzdem werden beide Früchte höher bewertet als im vorigen Bcrichtsmonat. Die diesjährige Ernte wird im allgemeinen erst 11 Tage später als in anderen Jahren erfolgen kSssnen; bis zum Schlüsse der Berichtsperiode war mit dem Einbringen des Getreides nur in den preußischen Provinzen Posen und Schlesien und in den süddeutschen Staaten, aber auch nur in besonders günstigen Lagen begonnen worden. Natürlich hatte auch das Sommergetreide unter der ungünstigen Witterung zu leiden. Vielfach wird über das über- hcmdnehmende Unkraut, vereinzelt auch über Auftreten von Rost, Brand, Fritfliege, Drahtwurm und namentlich in Unterfranken und Schwaben über Mäusefraß geklagt. Auch der Fruchtansatz wird verschiedentlich als ein nur mäßiger bezeichnet; dock) scheinen sich im allgemeinen die Sommerfrüchte noch verhältnismäßig befriedigend entwickelt zu haben, wenigstens berichten Preußen, Oldenburg, Sachsen, Hessen, Bayern, Württemberg und die thüringischen Staaten in diesem Sinne. Der Stand der Kartoffeln wird überwiegend günstig beurteilt, wenn sie auch vielfach durch Nässe leiden und deshalb über beginnende Fäulnis geklagt wird. Ueber Gelb- werden des Krautes, Kräuselkrankheit, Schwarzbcinigkeit, Ver- unkrautung und dergleichen werden ebenfalls Klagen aus den ver- schiedcnsten Landesteilen laut. Deutschlands Roheisellprobuktion. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats Juni 1307 insgesamt 1 044 336 Tonnen gegen 1071815 Tonnen im Juni 1906 und 1094 314 Tonnen im Mai dieses Jahres.— Die Erzeugung verteilte sich auf die einzelnen Sorten wie folgt, wobei in 5vlammern die Erzeugung für Juni 1906 angegeben worden ist: Gießereiroheisen 189 951 (181074) Tannen, Bessemerroheiscn 34950(38 178) Donnen, ThomaSrohcisen 678 825(662 731) Tonnen, Stahl und Spiegel- eisen 80 489(79 686) Tonnen und Puddelroheisen 60121(59 964) Tonneu. Im ersten Halbjahr 1907 betrug die deutsche Roheisen- erzeugung insgesamt 6 355 953 Tonnen gegen 6117 126 Tonnen im ersten Halbjahr 1906. Im Auslände betrug die Roheisenerzeugung des ersten Halbjahres 1907 in Belgien 116 540 Tonnen, in den Vereinigten Staaten von Amerika rund 13 700 000 Tonnen. Vermischtes. Vom Orkan vernichtet. Die„Grazer Tagespost" erhält von einer aus Amerika zurückkehrenden Artistcnfamilie die Mitteilung, daß in Wattertown der vor mehreren Jahren hier gastierende Zirkus Barnum u. Baileh durch einen furchtbaren Orkan voll- ständig vernichtet und alles dem Erdboden gleich gemacht worden sei. Viele Personen seien verletzt worden. Erdbeben in Serbien. Aus mehreren Ortschaften Serbiens werden schwächere Erdbeben gemeldet, welche sich im Laufe einiger Tage wiederholten. Ein sonderbarer Franenlob. Der Geistliche Pater Frauenlob in Klagenfurt wurde wegen Sittlichkeitsvcrgchcns an Schul- lindern zu drei Monaten schweren Kerkers verurteilt. Nnsall ober Mord? Im lothringischen Dorfe Spitte! fand man die Leiche des Grubenaufsehers Stadtfeld mit abgefahrenen Beinen. Tie Obduktion ergab, daß Stadtfeld ermordet und seine Leiche auf das Gleise geschleppt worden ist. Es handelt sich wahr» scheinlich um einen Racheakt. Abgestürzt. Der Millionär Ferraris, Bürgermeister von Magna, ist, wie aus Mailand gemeldet wird, abgestürzt und blieb tot liegen. 8Sitter»u(is«l>erNcht vom 36. Juli ll>07, morgens» Nyr. LS L g Slotlenen!|« S B 8« adln Zwtnmide! 760 SO Hamburg 7 60 OSO ?crlin 760 OSO Franks.« M 758 N München i759SW Wien!760 Süll 2 halb bd. 1 Nebel 2 heiter 3 bedeckt öbcdeckt — bedeckt ei« c t. Ä U 5'« H& SUHonen o 2 o 3 B S taparanda�7S8 N crei erSburg 756 N Seillh 761 S tlberdee» Paris 758 S 761N St Odlei US s% -» t §? M 5- 2 wolkig 18 1 bedeckt 14 2 bedeckt i 16 2 halb bd. 13 2 wollig| 17 Wetter. Prognose für Sonnabend, den 37. Jnli>'.»<»7. Nachts wärmer, am Tage etwas kühler, zunächst meist trübe mit Ge» witterregen und schwachen westlichen Winden; später wieder ausklarend. Berliner Wetterdureau. Wasserstand am 26. Juli vorm. Elbe bei Dresden— 73 ckp.— Elbe bei Magdeburg 2,5g Meier.— O d e r bei Ratibor l,gl Meter.— Oder bei Breslau ch.0,06 Meier.— Oder bei Brieg 2,84 Meier.— Neitzemülldnug 2,24 Meter.— Rhein bei Kaub 2,33—0,04 Meter.— Rheinschleuse Bei Stratzburg 2,99—0,04 Meter. griic de» Jnlinil der Juieraee übernimmt die Redakiio» dem Publik»», gegenüber keinerlei Zieraiitwortniig. Ukeater. Sonnabend, den 27. Juli. Slnjang 8 Uhr. Neues kgl. Opernthcater. La Traviata. Deutsches. Der Jongleur. Schiller 4». IWallner. Theater.) La Traviata. Schiller.\.(Friedrich Wilbelin. ftädiiiches Tbcatcr) Kyritz-Pyritz. NeueS Ichauspielhans. Rassles. Kleines. Bater und Sohn. Neues. Ein seltsamer Fall. Koinischc Oper. ToSca. Westen. Die luftige Witwe. LustipiellinuS. Die Well ohne Männer. Bcruiinrd Rose. Der grohe Un- bekannte. Ansang 3'/. Uhr. Nachmittags 4'/, Uhr: Ein toller Ehemann. Ne seine Nummer. Die Gaullcrin. Nletropol. Der Teufel lacht dazu. SIpollo. Der Hochzeitsgast. Epe- zialitäten. Waliialla. Spezialitäten. FolickS Eaprice. Geisterauto.— Paris. Ansang 8>/, Uhr. Ncichöhallen. Wintcr-Tymtan. Passage. Spezialitäten. Urania. Dandenstraste 48/46. Durch Dänemark und Süd- schwcden. Sternwarte. Jnvaltdenstr. 57/62. Schiller-Theater 0. (W a l l n e r. T b e a t e r.) Morwitz-Oper. Gastspiel der grohh. Hofopernsängerin tZerlruä kiungo v. Hostheater in Weimar Vuleviutn.(Die Kameliendame.) Oper in 4 Alten von G. Verdi. Sonntag,»ach m. 3 Uhr bei halben Preisen: Die Zauberflöte. Sonntag, abends 8 U b r: Gastspiel Heinrich Rötel: Der Postillion von Lonjumeau. Montag, abends 8 U h r: .Ie««enda. Schiller-Theater N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Abends 8 Uhr: KyrlWytttz. Ab 8 Uhr: DaS graste»»über- treffliche komische Programm. U. a.: Jean Paul, Humorist. Jean CtermontS Zirkus-Parodie Barnum u. Beileid. Urania. Wiesenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Durch Dänemark und Südschweden. Max Kliems Sommer- Theater j Hascnhcide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. j Täglich: Gr. teert Theater j d. Spezialitäten-'/orstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Dag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 1 z DlflCISCHEr. § Täglich ab nachm. 5 Uhr: Z Großes@ I Militär- Doppel-Konzert. $ Eintritt 1 Mk,, von abends ® 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter| g 10 Jahren die Hälfte. WeiubergSwez 19/20. Roienth.Tor. 15 Juli-2pczialttäten. Promenaden- Konzert. Ans: Konzert S; Vorstellung? Uhr. paf Bei ungünstigem Wetter Vorsleiiung im Theater 8 Uhr. Kleine nori'iic. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Diitkl mii> Sohn. Morgen und solgende Tage: Aater und Sohn._ Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. LustspoeEhaus, Ansang 8 Uhr. Die Well ohne Häuner. MMVMkklM Gr. Franksurlerstr.>32. Jm6>arien, Ans. 4'/, Uhr: DaS erstklassige I u l i- P r o g r a m in. Spem'ih 50 Ps. Enlree 30 Pf. Im Theater abends 8>/, Uhr: Zum 53. Male: Der flroße Unbekannte. _ Sommerpreilc._ V. Noacks Theater. Direkllon: Roh. Dill. Brnnneilstr. 16. Auf viclsachcn Wunsch: Nur einmalige Wiederholung. 8 Uhr: Ein fidetes Gefängnis. Dazu die vorziigl. Spezialitäten. Ans.« Uhr. Kaffcekiichc». 3 Uhr ab. LM" 10 Uhr Der Glon der Sommersaiso» Hartstvi» in seiner Burleske „vor Hochzeitsgast" als Ortsvorftcher Lehman». MelropolThealer �nfnnx 8 Ilflr. OreLe Jabresrevne in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Mos Roth, In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Schweizergarten Am Königstor. Am Friedrichshain. Straffenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich; Thealer-forstellung. Neue SpezialiläteD. Kineinatopaph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr._ Entree 30 Pf, Sei fchle EMT' Bull. chlcm! Wetter: Vorst, im Saal. Fröbels Ällerlel-Theater früb Piihlman», Schönb. Allee 148. Aettestes Voltstheater Berlins. Gr. Sommer-Fest. Der Niescn-Jnli-Spielplan. 36 Kunftkraste ersten Ranges 36 Champiini.— Hill und Hull. 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Todcs-Anzcigen. Am Montag, den 22. b. M. verstarb durch Unsall unser Mit- glied, der Schlosser (ZeorK Höh, Lynarstraße 13. Am 25. d. M. verstarb imser! �Mitglied, der Maurer 265/00 j chrisliau Pctersohu, Pankstraße 45a. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung des Genossen| 1 Höh findet heute, Sonnabend, abends 7 Uhr von der Halle des i | Philippus» Apostelkirchhoses aus j nach dem städtischen Friedhof in I der Müllerstraße, Ecke Seestraße I statt. > Die Beerdigung des Genossen| Petersohn finde! morgen, Sonntag- nachmittag 3 Uhr vom Trauer- i banse aus»ach dem Neuen Pauls- s kirchhof in Plötzensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht I Doi» Voratand. Gagwein Mii (M. d. A.-S.-B.) Am 22. d. M. verstarb infolge eines Unglücksfalles unser Sanges- bruder, der Schlosser 2013b i (Zeorx Höh. Wir werden sein Andenken stets I in Ehren halten. Die Beerdigung findet nicht Sonntag, sondern heute Tonn- 1 abend, abends 7 Uhr von der! Halle des Philippus Apostelkirch-! Hofes aus nach dem städtischen| Friedhof in der Müllerstraße, Ecke| seestraße statt. Die Sangesbrüder treffen sich 1 Punkt'/i? Uhr vollzählig vor der! Halle. Der Vorstand, i Todes-Anzeige. Am 24. verstarb nach kurzem Krankenlager meine liebe Frau, unsere gute Mutter Frau Lina Keichel geb. Bannbe. Die Beerdigung findet Sonn- tag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des PauIS-KirchhoseS in Plötzensee aus statt. 2009b DieS zeigen schmerzerfüllt an Gle trauernden Hinterbliebenen. IM ielir StrbeitsnachweiS: Hof I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Charitöstraße 3._ Hos m. Amt 3, 1987. Montag, den 29. Juli 1997, abends 8'/, Uhr, ¥ e r s a in m 1 ii ia g der in den Eisengießereien beschastigien Gnßpvtzn nnd Schleifer in Milbrodts Festsälen, Müllerstr. 7. TageS-Ordnung: t. Die Lohn- nnd Arbeitsbedingungen sowie das Or- ganisationsverhiiltnis in nnsem Dernf. 2. Diskussion. DV Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich und pünktllch zn er» scheinen. 122/16 __ Die Ortsverwaltung. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg). Mttglieder-Nerlammlinmeu finden stait: Rojirls A am Montag, den 29. Juli, abends 8'/, Uhr, UeAllft J\ im(«Cluerffrfmftsimnö. Saal 5. »» »» im GewcrkschaftShaus, Saal 5. C am Montag, den 2». Juli, abends 8'/, Uhr, bei Schulz, Alte Jakobstr. 18/19. Dam Sonntag, de» 28. Jnli. bonnittagS 10'/, Uhr, bei Hammel, Sophienstr. 5, TageS-Ordnung: 1. GeschäsilicheS. 2. Vierteljährlicher Kassenbericht pro 2. Ouartal 1907. 3. Verschiedenes. Im Bezirk A findet die Wahl eines Revisors statt. 293/14_ Die OrtSverwaltdnge». Uli I««i Verwaltung I.(Berein Berliner Hausdiener 188Z.) Hausdiener, Packer, Rutscher aus den Papier- und Pappen-Cugrosgetchäften. Sonntag, den 28. Jnlt, vormittags 10 Uhr, in FtlinkeS Festsiiien, Sebastianstr. 39: Irsnvkön- Verssmmwng. T a g e S- O r d n» n g t t Bericht der Agitationskommission. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Kollegen, erscheint alle, keiner darf fehle» I 74/5 Deulsclier Metallarbeiter-Verband BertualtungSstellc Veriiu. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Cieor� Hoch gestorben ist. Shre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonnahend, den 27. Juli, abends 7 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus-Apostel-Kirchhofes aus aus dem städtischen Friedhos in der Müllerstraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet Den Kollegen zur Nachricht, daß I unser Mitglied, der Metallarbeiter 1 (ZeorK Zetschej gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, deii28.Juli, nachmittags I t2>/,Uhr, von der Leichenhalle des I Jriedens-KirchhoseS in Nordend- i Nieder-Schönhausen aus statL Ein Geistlicher geht mit. Rege Beteiligung erwartet s 122/17 Die Ortsverwaltung. Die OrtSderwaltnng. veulseher ßllehhinßel'-Verhalllt.! Zahlstelle Berlin. Am 25. Juli 1907 verstarb nach I langem Leiden unser Mitglied, der| Buchbinder Otto Kraut im 27. Lebensjahre. Ehre feinem Andenke» i Die Beerdigung findet rnns Sonntag, den 28. Juli er., aus! dem Heilig> Kreuz- Kirchhof tu' Mariendors, Feldstraße, stait. Um zahlreiche Beteiligung ersucht| 24/12 Die Ortsverwaltung. VeM der Wäseiie- M KrawatMeiter DeiMI. Filiale Verlin. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Wäschezuschneider Pentmaml Hundt plötzlich gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Auserstehungs-Friedhoses, Weißen- | see, aus statt. Um rege Betelligung ersucht Der Vorstand. Lille» Verwandten und Be- kannten zur Nachricht, daß meine "' � 55232 Baehi den 23. d. Mts., schwerem Leiden lieb« Frau .A.ima am Dienstag, nach kurzem, verstorben ist. Der trauernde Gatte Fritz Bachl. Die Beerdigung findet am Sonniag, den 23. d. Mts., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- '«alle des neuen Rirdorfer Kirch- «oses, MariendorferWeg, aus statt Danksagung. Für die überaus zahlreichen und kostbaren Kränze sowie sür die herz« liche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, mir unvergeßlichen ManneS, des ReslanraieurS Jäh«!» Boll, sagen wir insbesondere Herrn Stern von der Freireligiösen Ge» meinde in Berlin sür seine trostreichen Worte an der Bahre im Trauerhause iowie dem soz. Wahiverein Köpenick, dem Verband der freien Gastwirte Deutschlands, Zahlstelle Ober-Schöne- weide, dem Freien Gastwirtsverein Köpenick, dem Gesangllerein„Morgen- rot", Berlin, dem Gesangverein „Einigkeit" sür die erhebenden Ge» säuge, den Vertretern der Weißbier« Braiierei-Genossenichast, der Brauerei Gabriel u. Richter, der Firma G. Schübe!, dem GewerischaitStartell, dem Verband der Schuhmacher, der Barbiere, der Bäcker, der Ziminerer, dem Rauchklub.Königstadt". Berlin, dem Lotterieverein„Zur gute» Hoff- nung", Köpenick, dem Arb.-Rads.- Verein.Köpenick" und.Freiheit" unseren herzlichsten Dank. 55192 Wwe. Emilie Moll »nebst Sohn und Verwandten. Danksagung. Für die liebevollen Beweise herz» licher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Be- teiligten meinen herzlichsien Dank. 5525L Wwe. H. kaum. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters lagen wir allen Verwandien, Be» kannten, Kollegen und Genossen, in?» besondere dem Gesangverein„Freies Lied" unseren herzlichen Dank. Witwe ttoilioprion» 55222 und Kindee. Berantwortl, Nedakteur: llatt Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verant!v.:TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 173. 24. Jahrgang. 2. Inline iui, Amiirls" Drrlim lolblilttt. StmM, 27,|»Ii 1907. ßdträge zum flucr-Denhinal. Wahlbezirk 188 Teil I 5,—. Rote Handl,-Gehülfen am Weiß- biertisch 2,50. Arbeiter der Firma Bergniann, Abt. Schwarz 8,—. Jacobey 0,60. Stockfabrik Schütte Nach f. 5,—. Damenschneider der Firma Horpich Söhne 4,o5. Rechtsanwalt S. L. 3,—. 4. Kreis, 191. Wahlbez., Sechserkasse 5,—. Dampferpartie der Einsetzer durch Ulbrich 3,80. Diäten der Vorstandssitzung Zentralverband der Fleischer, Ortsverwaltung Berlin 2,90. Daimler Motorwerte 74,30 Klempner der Firma Emil Butz 5,20. Genossen und Gastwirt Bezirk 237, Frankfurter Allee, 20,—. Möbelpolierer der Firma Hehde u. Krah, Frankfurter Allee 143, 3,65. Deutscher Textilarbeiterverband, Filiale Luckenwalde 10,—. Königs- Wusterhausen durch Dietze 1,60. Schuhmacherwerkstatt Mohr u. Speier, 4.—. Kegelklub Ueberbrettl, Steglitz 2,05. Unterstützungs- käste der Firma Panzer u. Bruchmann 15,—. Handtuch-Verleih- geschäft Solidarität d. Hartseil 3,—. Zentralwahlverein Prenzlau- Angermünde 20,—. Gewerkschaftskartell Schwedt a. O. 10,—. A. 1 Beelitz 30,—. Apolda, vier alte Genossen durch Acher 5,—. Arbeiter des Hohladschen Eisenbetonbaues 8,15. Sechserkasse des 400. Bezirks 10,—. Arbeiter von Riemer u. Söhne 7,50. Arbeiter der Firma Zernlin 5,—. Arbeiter der Firma A. Zahn 10,—. Fritz Roeber 1,—. Schüler, Berlin 3,50. Weitere Beiträge für das Auer-Denkmal sind .zu richten an den Kassierer Emil Boeske, Ver» bandsbureau, Berlin SW. 68, L i n d e n st r. 69. Unterleib und Cinc IMfcnbluttat. wie sie die Berliner Mordchronik bisher noch nicht aufzuweisen hat, ist gestern nachmittag im Prenzlauer Stadtviertel verübt worden. Ein Mordbube hat gegen drei Kinder Lustmorde verübt. Zwei der bedauernswerten Geschöpfe find bereits tot. Die Opfer des Mörders sind die vierjährige Tochter Margarete des Zuschneiders Brahwitz aus der Rykestr. 2, die fünf Jahre alte Tochter des Zigarren- Händlers Knespl aus der Prenzlauer Allee 25 und die dreijährige Tochter Hertha des Barbiers Senst aus der Heinersdorferstraße 21. Es handelt sich vermutlich um die Tat eines Geisteskranken. Ueber die Mordtaten, die unter der Bewohnerschaft des Prenzlauer Tor- Viertels ungeheures Aufregung hervorriefen, werden uns folgende Einzelheiten berichtet: An drei verschiedenen Stellen hat der Mörder seine blutigen Verbrechen ausgeführt. Es ist anzunehmen, daß er sein erstes Opfer in der kleinen Senst gesucht hat. Der erste Mord. Vor dem Hause Heinersdorferstr. 21 hatten gestern nachmittag gegen 1.23 Uhr mehrere Kinder, darunter auch die dreijährige Senst gespielt. Die Kleinen waren sehr ausgelassen und tummelten sich in fröhlichem Jagen auf der Straße umher. Da trat ein un- bekannter etwa 25 Jahre alter Mann zwischen sie und näherte sich der kleinen S. Er versprach ihr einen Groschen, wenn sie mit ihm in das Haus gehe. Die Kleine ging auch ohne Widerstreben mit und im Hausflur, fast dicht an der Straße verübte dann der Unhold sein vcrabscheuuiigSwürdiges Verbrechen. Er drückte der Kleinen, damit sie nicht schreien sollte, den Mund zu und schlitzte ihr mit einem spitzen Jnsirmimit den Bauch auf. Das bedauernswerte Opfer schrie auf und daraufhin eilte ein in dem Hause wohnhafter Kohlenhändler hinzu und nahm das Kind au sich. Dem Täter war es inzwischen bereits gelungen, zu entfliehen. Der Kohlenhändler fand die Kleine aufrecht angelehnt an der Seiteuwand des Flures. Der Kopf des armen Geschöpfes hing herab. In dem Glauben, daß der Kleinen etwas zu gestoßen sei, trug sie der Mann zur Mutter und als man jetzt eine eingehende Untersuchung des Körpers vornahm, stellte sich heraus, daß der Unterleib aufgeschlitzt war. Mit großer Gewalt muß der Mörder den Schnitt in den Unterleib ausgeführt haben. Frau S. veranlaßte, daß sofort ein Arzt herbeigerufen wurde, der die Unterbringung der Kleinen nach dem Krankenhause am Friedrichs Hain in die Wege leitete. Dort starb die Kleine im Laufe des gestrigen Abends. Nach den Angaben anderer Kinder nahm der Täter nun den Weg nach der Prenzlauer Allee zu. Er lief nicht. sondern ging als ob nichts vorgefallen sei. Er wandte sich nun nach dem Hause Prenzlauer Allee 25. Auch dort spielten mehrere Kinder. Die zweite Bluttat. Gerade wie in dem ersten Fall schritt der fremde Bursche auf die spielenden Kinder zu und näherte sich diesmal der fünfjährigen Tochter des Zigarrenhändlers Knespl. Mit den Worten:„Kleine, weißt Du nicht, wo hier Schulzens im Hause wohnen?" versuchte er das Mädchen in den Hausflur zu locke». Die Kleine folgte jedoch diesmal nicht und nun versprach ihr der Unbekannte einen Groschen. Jetzt erst ließ sich das Mädchen bewegen, mit ihm zu gehen. Auch diesmal schleppte der Mörder sein Opfer nach dem Hausflur. Direkt hinter der Eingangstür fiel er über die Kleine her und verstümmelte sie' ebenfalls am Unter- leib. Die Stiche waren aber diesmal nicht mit großer Wucht aus- geführt worden, denn die untere Netzhaut blieb unverletzt. Der Verbrecher wurde bei seinem Treiben auch gestört. Ein Dienst- mädchcn, das einen Mülleimer auf den Hof tragen wollte, kam in dem Augenblick die Treppe herunter, als die kleine K. zu schreien begann. Auf die Schmerzensrufe des Kindes eilte auch der in dem Hause wohnhafte Butterhändler Blank hinzu. Aber auch jetzt konnte man nichts mehr von dem Täter sehen. Es ahnte auch noch niemand, was eigentlich hier vorgefallen sei. Man brachte die Kleine nach der Wohnung der Mutter, die ihr Kind auf den Armen nach dem nächsten Arzt trug. Sie wurde dann eben- falls den» Krankenhause am Friedrichshain zugeführt. Es ist Aussicht vorhanden, die kleine K. am Leben zu erhalten, da, wie bereits erwähnt, die Netzhaut noch nicht durchgestoßen ist. Als der Mörder sah, daß man ihm vielleicht aus der Spur sein könne, eilte er schleunigst davon. Er entfernte sich in der Richtung nach der Nyke- straße zu. Ein weiterer Mord. Im Anschluß an das Verbrechen in der Prenzlauer Allee ver- übte der Täter einen weiteren Mord, dem gleichfalls ein junges Menschenleben zum Opfer fallen sollte. Die Ausführung dieser Bluttat ähnelt den beiden anderen Verbrechen ganz genau. Die Ehefrau des Zuschneiders Brahwitz, im Seitenflügel Ryke- straße 2 wohnhaft, hatte ihr vierjähriges Töchterchen fortgeschickt, damit eS Reis holen solle. Die Kleine hatte die Besorgung auch ausgeführt und wollte soeben daS elterliche Haus wieder betreten, als der llubekaunte an sie herantrat und sie unter Versprechungen nach dem Eiugangsportal des Vorderhauses lockte. Auch hier ver- übte er unmittelbar an der Tür nach der Straße das Verbrechen. Er brachte seinem unglücklichen Opfer einige tiefe Stiche in den in die Brust bei. von denen der eine sofort ! tödlich wirkte, er hatte das Herz getroffen. Unbemerkt verließ dann der Mörder das Haus und entfernte sich, ohne daß jemand auf ihn achtete. Geschrien hatte die Kleine nicht. Als einige Zeit später ein Herr in das Haus gehen wollte, versuchte er vergeblich die Eingangstür zu öffnen. Erst als er Gewalt anwandte, gab die Tür nach. Direkt dahinter stieß man dann auf die kleine B. Sie war bereits leblos, doch glaubte man, sie habe einen Krampfanfall erlitten und benachrichtigte die Mutter. Diese trug ihr Kind nach der Wohnung und der inzwischen von der Unfallstation benachrichtigte Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Neben der Leiche hatte in dem Flur der Reis gelegen. Die Tätigkeit der Kriminalpolizei. Anfangs war das Gerücht verbreitet, es seien fünf Morde verübt worden. Es hieß, in der Linienstraße seien ebenfalls zwei Kinder getötet worden. Dies ist jedoch darauf zurückzuführen, daß vor- gestern abend in der Linienstraße eine große Messerstecherei stattfand, bei der zwei Personen erheblich verletzt wurden. Auch der Umstand, daß die Häuser, in denen die Verbrechen verübt wurden, sämtlich Eckhäuser bezw. nach anderen Straßen zu durchgehende Häutzer sind, ließ das Gerücht auf- kommen, daß noch mehr Kindesmorde verübt worden seien. Die Polizei stellte jedoch fest, daß es sich um drei Verbrechen handelte. Nach Bekanntwerdenides ersten Verbrechens eilten sofort von dem zu- ständigen Revier in der Jmmanuelkirchstraße mehrere Beamte unter Führung des Polizeileutnants nach der Mordstätte. Bald darauf wurde jedoch auch der zweite Mord bekannt und wenige Mnuten später folgte die Nachricht von der dritten Blut- tat. Es wurde das Polizeipräsidium benachrichtigt und nach kurzer Zeit erschien unter Führung des Chefs der Kriminalpolizei Hoppe ein-ganzer Stab von Kriminalkommissaren, Wachtmeistern und Schutzleuten. Die Nachforschungen nach dem Mörder wurden von den einzelnen Mordstätten aus geleitet. In dem Hause Rykestr. 2 hatte man eine sogenannte Kriminalzentrale eingerichtet und von dort wurden auch die in der Mordaffäre einlaufenden Nachrichten weiter bearbeitet. Die Beschreibung des Mörders. Es hält unendlich schwer, eine ganz genaue Beschreibung des Mörders zu geben. Nach den mehrfachen Aussagen von Kindern und auch einigen Erwachsenen ist die Beschreibung des Täters folgende Er ist etwa 25 Jahre alt und hat kleinen schwarzen aus gebürsteten Schnurrbart. Die Größe ist die mittlere. An den Knien weist er eine Blutspur auf und an der rechten Halsseite befindet sich angeblich eine drei bis vier Zentimeter lange Narbe. Die Kleidung bestand aus einem dunklen Jackettanzug, schwarzem steifen Hut und weißem Kragen, ebensolchem Chemisett und heller Krawatte. Weitere Meldungen lassen immer deutlicher erkennen, daß es sich um die Tat eines Wahnsinnige« handelt. Ohne irgend welche anderen Zwecke zu verfolgen, hat der Mörder seine Opfer dahingeschlachtet. Die anfängliche Annahme, daß er die Kleinen mißbraucht hat, ist hinfällig geworden. Ohne Ueberlegung hat der Mörder seine Bluttaten vollbracht. An Stellen, an denen er jeden Augenblick durch dritte Personen über- rascht werden konnte, hat er sie ausgeführt. Wie uns mit- geteilt wird, ist in einem der Häuser, in denen einer der Morde verübt wurde, ein Teil einer Schere gesünden worden. Vermutlich ist dies das Mordinstrument, deste« sich der Täter bei ver Ausführung seiner Morde bediente. Die Vernehmungen er- strecken sich in der Hauptsache auf Kinder. Auf den zuständigen Polizeirevieren finden fortgesetzt Vernehmungen statt. Die Anwohner der Straßen, in denen die Morde vorgekommen sind, sind natürlich in die größte Aufregung versetzt worden. Die Häuser, in denen die Morde verübt wurden, waren bis in die späten Abendstunden hinein von gewaltigen Menschenmassen umlagert. Laute Verwünschungen wurden gegen den unbekannten Mörder aus- gestoßen._ Die Preßorgane des Freisinns ermahnen dringender als in früheren Jahren die freisinnigen Wähler, die Wählerliste zu kontrollieren, die gegenwärtig auSliegt. Denjenigen Wählern, die ihre Ferien in Badeorten oder Sommerfrischen zubringen, wird in Freisinnsblättern der Rat gegeben, durch beauftragte Per- sonen die Prüfung der Liste bewirken zu lassen. Dieser Eifer unserer Gegner möge unseren Genossen ein Ansporn sein, auch ihrerseits die Kontrollierung der Wählerliste als eine Pflicht anzusehen, deren Erfüllung kein Wähler versäumen darf. Die Liste liegt nur noch bis einschl. 3 0. Juli(Dienstag) im Wahlbureau des Magistrats(Poststraße 16) aus, an den Wochentagen von 9 Uhr vormittags bis 3 nachmittags, am Sonntag von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags. An die Aufforderung, sich zunächst mal um die Wähler- liste zu kümmern, knüpfen F r e i s i n n s b l ä t t e r die andere Mahnung, schon jetzt auch für die Wahlen zu agitieren. Die„Freisinnige Zeitung" sagt, kein„fortschrittlich Ge� sinnter" dürfe versäumen, eifrigst daran zu arbeiten, daß der entschiedene Liberalismus bei den kommenden Herbstwahlen günstig abschneide." Der„entschiedene Libe- ralismus", den die„Freisinnige Zeitung" meint, betätigt sich in der Berliner Stadtverwaltung bekanntermaßen� als die ärgste Rückschrittlerei, als jämmerlich st e Rück- ständigkeit in fast allen Fragen kommu- ualer Sozialpolitik. Die sozialdemokratische Wählerschaft wird dafür zu sorgen haben, daß dieser„ent- schiedene Liberalismus" bei den diesjährigen Stadtverord- netenwahlen möglichst u n g ü n st i g abschneide., Das„Berliner Tageblatt" glaubt übrigens klug- schmusend schon jetzt seinen Lesern erzählen zu können, auf was die Sozialdemokraten für diese Wahlen„mit Bestimmt- hcit rechnen". Die Mossemänner triumphieren, daß wenigstens in einem der Bezirke dritter Abteilung, die diesmal an den Wahlen beteiligt sind, der Ansturm der Sozial- demokratie erfolglos bleiben werde. Es handelt sich da um einen Bezirk dritter Abteilung, der in dem„vor- nehmen" Westen liegt und unter dessen Wählerschaft allerlei wirtschaftlich abhängige Leute, wie Haus- Portiers, herrschaftliche Kutscher usw. usw. stark vertreten sind. Solche Bezirke dürften allerdings für den Freisinn die letzten Schlupfwinkel in der dritten Abteilung bilden, weil dort der Geldsacks-Liberalismus einen fühlbaren Druck auf zahlreiche Wähler dritter Ab- teilung auszuüben vermag. Aber auch aus diesen letzten Schlupfwinkeln muß der Berliner Kommunalfreisinn schließ- lich mal vertrieben werden, und jede Wahl soll uns diesem Ziel näher bringen. Partei- Angelegenheiten. An die organisierten Genossen Grosi-Bcrlinö! Auf Antrag der Lokalkommission und mit Zustimmung der organisierten Genossen Schönebergs haben wir die über den Mozartsaal verhängte Sperre aufgehoben. Am Mittwoch, den 31. Juli, findet ein Extra-Zah labend statt, welcher sich mit den Abänderungen beschäftigen soll, die zum Verbandsstatut vorgeschlagen sind. Eine Extra nummer des Mitteilungsblattes, welche den neuen Entwurf enthält, wird am Sonnabend abend an die Organisationen versandt werden. Die Gencralvcrsaminlung des Verbandes sozial demokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend findet am Sonntag, den 11. August, mittags 12 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, statt. Von allen Veranstaltungen bitten wir Notiz zu nehmen. _ Der Zentralvorstand. Charlottcnburg. A ch t u n g I Die zum Sonntag, den 23. d. M., angesetzte Flugblattverbreitung findet nicht statt. Gleichzeitig sei auf das heute abend stattfindende Sommerfest zum Besten des Volks- Hauses aufmerksam gemacht. Es wird um zahlreichen Besuch ge- beten. NowaweS. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Kenntnis, daß am morgigen Sonntag von 9 bis 12 Uhr vormittags das Ein- kassieren von Beiträgen in folgenden Lokalen stattfindet: 1. Bezirk: Otto Hiemke, Wallstr. 55; 2. Bezirk: Karl Gruhl, Priesterstr. 69; 3. Bezirk: Paul Junger, Groß-Becrenstr. 50. Eichwalde. Am Dienstag, 30. Jiili, abends 8'/z Uhr, findet bei Heinrichs. Hankels-Ablage, eine öffentliche Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen M. Schütte über: „Die internationale Arbeiterschaft und ihr Kongreß." Diskussion. Vcreiiisangelegenheiten. Gäste willkommen. Schönwalde i. M. Morgen, Sonntag, den 28. Juli, findet nachmittags OVjt Uhr int Lokal des Herrn Schulz die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Störmer. Vollzähliges Erscheinen aller Mitglieder erwünscht. Gäste haben Zutritt« Der Vorstand. Berliner �lacbricbten. Zu den Stadtverordnetenwahlen- die im Herbst vorzunehmen sind, rüstet diesmal der Berliner Freisinn schon jetzt mit ungewöhnlichem Eifer. Die geplante VerkehrSgemcinschaft von Groß-Bcrlin, oder der Zweckverband, der außer Berlin sämtliche Vororte� um» fassen wird, dürfte für den großstädtischen Verkehr von der größten Bedeutung werden. Wie aus der Anlage zum Satzungsentwurf hervorgeht, bezweckt die Gemeinschaft folgendes: 1. Die infolge der Anlegung neuer Bahnen erforderlich werdenden Verbreiterungen und Veränderungen an den Straßen und Brücken sollen durch den Verband oder auf Wunsch der zuständigen Verwaltungen durch diese auf Kosten des Verbandes bewirkt werden. Soweit in dieser Hinsicht die im§ 1 bezeichneten Straßenbahnen bestimmte Ver- pflichtungen bereits übernommen haben, gehen diese auf den Ver- band über. 2. Die erforderlichen Veränderungen, Verlegungen oder Beseitigungen von Telegraphen-, Wafferleitungs-, Kanali- sations-Anlagen usw., Brunnen, Anpflanzungen usw. sind auf Kosten des Verbandes zu bewirken. Oeffentlichen Zwecken dienende Anlagen in oder auf den von dem Verbände benutzten Straßen und Plätzen bleiben ungehindert fortbestehen, dürfen auch seitens der Berechtigten verändert, erweitert und neu hergestellt werden, ohne daß dör Verband zum Einspruch berechtigt ist, oder wegen der dadurch in seinen Anlagen oder in seinem Betriebe sich als not- wendig ergebenden Aenderungen Ansprüche geltend machen darf. Der Verband ist verpflichtet, die Mehrkosten zu erstatten, die durch das Vorhandensein seiner Einrichtungen bei der gedachten Neuher- stellung, Veränderung oder Erweiterung solcher öffentlichen Zwecken dienenden Anlagen unvermeidlich erwachsen. Jedoch darf der Fortbestand des Unternehmens und die Fortsetzung des Be- triebes durch diese Bestimmungen nicht ausgeschlossen werden. 3. Wenn die Bahnanlage eingeht, abgeändert, verlegt oder beseitigt werden muß, so hat der Verband, ohne jede Entschädigung usw. innerhalb einer von der zuständigen Verwaltung festzusetzenden angemessenen Frist und nach näherer Anweisung die Abänderung, Beseitigung usw. der Bahngcleise zu bewirke», sowie die Straßen, Brücken usw., nach den Bestimmungen des zu ihrer Unterhaltung Vcrpflickteten wiederherzustellen. 4. Die EinPflasterung der Gleise hat der in den einzejneu Strecken vorhandenen Bcfestigungsarten genau zu entsprechen. Alle infolge des Baues einer Bahnstrecke erforderlich werdenden Pflasterarbeiten hat der Verband auf seine Kosten auszuführen, oder die Kosten zu erstatten. Falls bei Gleis- bauten gleichzeitig eine erstmalige Pflasterung oder eine Um- Pflasterung stattfindet, hat der Verband die Kosten für diese und von je 30 Zentimeter Breite zu Seiten jeder Schiene zu tragen. Die Verbandsmitglieder sind berechtigt, die Ausführung dieser dem Verbände obliegenden Pflasterung gegen ein von letzterem zu zahlendes Entgelt zu übernehmen. Diese Festsetzung bleibt der Verbandsversammluug �vorbehalten. 5. Den Bahnkörper, d. h. den zwischen den Gleisen befindlichen Straßenteil zuzüglich eines je 0,65 Meter breiten Streifens hat der Verband zu unterhalten. Die Vcrbandsmitglieder leisten dem Verbände zu den Kosten dieser Unterhaltung einen Beitrag, der nach dem Grundsatze berechnet wird, daß dem Verbände definitiv nur die Kosten zur Last fallen, welche die Pflasteruntcrhaltung unter den Schienen und in einer Breite von 30 Zentimeter zu beiden Seiten jeder Schiene ver- ursacht. 6. Wenn für eine Bahnstrecke ein eigener, durch erhöhte treffen von den Ftlhrdämmen abgesonderter Straßenteil zur Verfügung gestellt wird, ist dieser Bahnkörper von dem Verband auf eigene Kosten herzustellen und zu unterhalten. 7. Zur Erfüllung der Unterhaltungspflicht gehört, daß der Verband, so oft die betr. Verwaltung eine Pflasterung vornimmt, in allen Beziehungen seine Bauausführung mit der betr. Verwaltung innerhalb des übrigen Straßcnteils in völlige Uebereinstimmung zu bringen hat. 8. Wenn auf, an oder unter dem Straßeukörper, den die Bayn berührt, An» lagen usw. notwendig werden, die Veränderungen an der Bahn- anlage oder die Verlegung usw. der Gleise zur Folge haben sollten, kann der Verband Schadloshaltung weder von der beteiligten Ge- meinde noch von Dritten beanspruchen und hat die von der zu. ständigen Verwaltung vorgeschriebene Veränderung usw. auf seine Kosten zu bewirken. Hierfür sowie für alle Nachteile in dem Be- trieb usw. der Bahn, die durch Anordnungen öffentlicher Behörden veranlaßt werden, kann der Verband weder von der beteiligten Ge- neinde»och von der anordnenden Behörde bezw. von der von ihr vertretenden Korporation Schadloshaltung verlangen. 9. Dem Verbände liegt nur die besondere Reinigung ob, die durch das Vor haudcnsein seiner Anlage oder durch seine eigenen Maßnahm«» bedingt wird. Die stadtische Straßenreinigung wird durch Einstellung neuer Maschinen zum Abwaschen des Asphaltpflasters eine weitere Aus- gestaltung erfahren. Unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege für Frauen und Mädchen findet im Monat August im KinderhauS, Blumenstr. 78 einmal wöchentlich statt. Meldungen im Bureau des Kinderhauses, Blumenstr. 78, vorn links 1 Treppe, vom Montag, den 29. Juli bis zum Sonnabend, den 3. August, täglich von 2— 4 Uhr. Dacheinsturz in der Rosenstraße. Im Hause Rosenstratze 11 stürzte vor kurzem ein Teil des Daches ein. Die nähere Besichti- gung ergab eine so bedrohliche Situation, daß die sofortige gründ- liche Renovierung des Gebäudes angeordnet wurde. Das ge- nannte Grundstück ist gegenwärtig das älteste in der Roscnstraße und dadurch bemerkenswert, datz hier seit seinem mehr als zwei- hundertjährigem Bestehen noch keine bessernde Hand angelegt worden ist. Auf dem„Hofe", der lediglich einen Lichtschacht von einigen Quadratmetern Fläche darstellt, sieht man jetzt von unten bis oben in die vom Mauerwerk freigelegten Wohnungen hinein. Die Balkenlage war völlig vermorscht, das Mauerwerk stark brüchig, sodatz die Bewohner in einer Gefahr schwebten, deren Größe sie nicht ahnten. Das ganze Gebäude besteht überhaupt nur aus Löchern und Winkeln, in denen trotzdem Generationen sich wohl gefühlt haben. Diese alteingesessenen Leute würden die Zwangs- weise Räumung ihres Heims schmerzlich empfinden. Es ist aber hohe Zeit, daß auch an dieser verräucherten Stätte Alt-Berlins mit alten Traditionen gebrochen wird und bauliche Zustände, die auf fernere längere Zeit unhaltbar sind, endgültig beseitigt werden. Schlangen in der Wohnung! In Aufruhr versetzt durch diesen Schrei wurde am letzten Sonn- tagnachmittag die Familie eines Handwerksmeisters in Berlin, Gubener- straße, als sie in der Erkerstube am Kaffeetische saß. ES hatte sich nur bereits die 16 Jahre alte Tochter entfernt und sich auf das Sofa in der Balkonstube in der Nähe der Balkontür, welche offen stand, hingesetzt, wo sie sich mit Spiel auf einem kleinen Tischbillard beschäftigte. Diese kam mit lautem Geschrei in die Erkcrstube ge- stürzt:„Schlangen in der Wohnung I" Erschrocken sprangen alle anderen sieben Familienmitglieder auf, nichts anderes denkend als: Das Mädchen sieht Gespenster. Indes ist aber der 22jährige Sohn mit ein paar Sätzen und hinter ihm alle anderen bis auf den Hausvater in der Balkonstube. Ebenso schnell aber kommt die 20 Jahre alte Tochter, die Mutter, bleich vor Angst und Schrecken, zurückgestürzt:„Vater, wirklich eine lange Schlange in der Stube I" �„Ach, Ihr seid alle verdreht, wie soll denn eine Schlange in die Wohnung kommen!?" Im nächsten Augenblicke tritt der Sohn in die Stube, in der Hand eine über Meter lange Schlange am Schwänze frei vor sich wagend zum Entsetzen der ganzen Familie, die vor Furcht und Grauen schrie. Die Schlange selbst, wohl erschreckt und in Angst ge- raten, gab Kot von sich, der schauderhaften Gestank verbreitete. Nunmehr zischte und züngelte sie, wand sich mit dem Kopf nach oben, so daß es der junge Mann mit der Angst zu tun kriegte. Er wollte sie gerade loslassen, weil er glaubte, sie könnte ihn doch wohl in die Hand beißen, hielt das Reptil aber fest, als der Vater rief, daß es ihm unmöglich sei, sich soweit zu erheben. Schließlich wurde das Biest in einen Wassereimcr gesteckt, dieser mit Stoff bedeckt und zu- gebunden auf den Balkon gestellt. Mit der Ruhe, mit der Lust zum Sommerfest zu gehen, war eS ans; aber auch nicht minder mit der Sicherheit. Wo eine Schlange hingekominen, könnten da nicht noch mehr sein? Könnten sie sich nicht bis in die Betten verkrochen haben?... ES kann sich jeder das Gefühl vorstellen, sich zur Ruhe zu be- geben, ohne zu wissen, ob nicht doch noch mehr solche Reptilien sich in der Wohnung befinden, von denen man nicht weiß, ob es giftige sind und durch irgend welche Niedertracht in die Wohnung gesteckt wurden. Man kann sich auch daS Gesühl vorstellen, daS die Tochter empfand, als sie von der Schlange ein paar Mal am Fuße berührt und erst so der Schlange ansichtig wurde. Als das Reptil in Sicherheit gebracht war, wurde in ein- gehender Weise die Frage nach dem Woher besprochen, ohne eine tatsächliche Aufklärung zu finden, man blieb auf Vermutungen an- gewiesen: vielleicht ist es irgendwcm davongegangen. Nachträglich ist das Biest in einen erst gekauften Glasbehälter gesteckt worden, nachdem festgestellt wurde, daß es nicht giftig sei. Diese Erzählung ist keine Hundstagsente oder die bekannte Seeschlange, sondern ein tatsächlicher Vorgang, wie besonders be- tont werden soll._ Sturz eines„Ballons" in den Müggelsee. Auf dem Müggel- see herrschte vorgestern große Aufregung. Ein großer Luftballon, der von der Richtung aus Berlin gekommen war, kam über dem Müggelsee plötzlich zum Sinken und in der Nähe der Wasserwerke fiel er in den See. Natürlich glaubte man nichts anderes, als daß eS sich um einen mit Menschen besetzten Ballon handele und von allen Seiten eilten Rettungsboote und Dampfer herbei, um zu retten, was noch zu retten war. Selbst der Polizeidampfer des Müggelsees war bald hülfsbereit zur Stelle. Zum allgemeinen Erstaunen stellte sich jedoch heraus, daß es sich nur um einen Ballon aus Seidenpapier handelte. Menschenleben waren also nicht in Gefahr. Der Ballon war von einem Sommervergüngungsplatz aufgelassen worden. Nächtliche Abenteuer. Mit einer Verhaftung, die gestern nacht erfolgt ist, glaubte die Krimnalpolizei auf die Spur des Raub- Mörders geraten zu sein, der die Wirtschafterin Amanda Plath in der Schmidstr. 42 ermordet und beraubt hat. Seit einiger Zeit wurden Straßcndirnen in der Umgebung des Dönhoffplatzes von einem jungen Manne, der sie abends in ihre Wohnung begleitete, bedroht und teilweise bis zur Bewuffrlosigkeit gewürgt. Es war dabei meistens auf Raub abgesehen. In vielen Fällen wurde aber aus leicht begreiflichen Gründen von einer polizeilichen Anzeige abgesehen. Erst nach dem Morde in der Schmidstraße erstatteten verschiedene Überfallene Mädchen Anzeige bei der Polizei, da sie ihre Abenteuer mit dem Mörder der Plath in Verbindung brachten. Die Kriminalpolizei hielt eine solche Kombination nicht für der- fehlt und suchte sich zunächst eine möglichst genaue Beschreibung von dem Würger zu verschaffen. Dieser sollte einen grünen weichen Filzhut mit blauweißer Kokarde in Herzform tragen. In der vor- letzten Nacht wurde der Mann von einem Mädchen in der Stall- schreiberstraße gesehen, worauf er von einigen Schutzleuten ver. haftet wurde. Auf dem Polizeipräsidium entpuppte er sich als der im Jahre 1831 zu Woschütz in Oesterreich geborene Schuhmacher Gottlieb Niemsch, der seit einiger Zeit in der Brandenburgstr. 21 wohnte. Die Kriminalkommissare Wannowski und Klinghammer. die die Raubmordaffäre in der Schmidstraße bearbeiten, vernahmen gegen Mittag drei Mädchen, die der Verhaftete gewürgt haben sollte. Bei der Gegenüberstellung erkannten alle drei in dem Niemsch den Mann, der sie gewürgt hatte, wieder. Dieser versuchte nicht zu leugnen, machte aber geltend, daß er sich lediglich mit den Mädchen Wegen ihrer Geldforderungen gezankt habe. Die Polizei nimmt an. daß Niemsch auch noch in anderen Fällen derartige Würgeversuche an Mädchen angestellt hat. Die Gegenüberstellung dcS N. mit den drei Zeugen in der Plathschen Mordaffäre ergab jedoch keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß der Verhaftete identisch mit dem Mann ist, der am Nachmittag vor dem Mord in der Schmidstraße mit Frau Plath gesehen wurde. Als N. hierauf einem der Mädchen gegenübergestellt wurde, die ihn angezeigt hatten, versuchte er sich loszureißen. Er wurde jedoch von den Beamten festgehalten und gefesselt abgeführt. Fünfter Wahlkreis. Beim Sommers est im Schweizcr-Garte» ist eine goldene Brosche verloren gegangen. Der Finder wird ge- beten, solche auf dem VerbaudSburcau, Lindcnstr. 69, abzugeben. Gefunden wurde beim selben Fest ein K i n d e r j a ck e t t, welches gleichfalls im Verbandsbureau in Empfang genoimneu werden kann. „Theater an der Spree" wird das Deutsch-Amerikanische Theater unter der neuen Direktion des Herrn Philipp Spandow heißen. Es soll, wie schon der Name zeigt, ein spezifisch„berli- nischcs" Theater werden, das versuchen will, die alte Berliner Posse und das heitere wie auch ernste Volksstück literarischen Charakters neu zu beleben. Fcuerwehrbericht. Gestern früh um 6 Uhr hatte der 7. Zug einen größeren Kellerbrand in der Rigaerstr. 14 zu löschen. Um die Gefahr zu beseitigen, mußte die Wehr kräftig Wasser gebon. Haus- rat und Brennmaterialien wurden ein Raub der Flammen. Ein Wohnungsbrand beschäftigte den 3. Zug in der Chorinerstr. 33. Möbel usw. brannten dort. Durch Umfallen einer Petroleumlampe kam in der Cotheniusstr. 6 abends nach 10 Uhr Feuer aus. In der Jerusalemerstr. 43 war abends Feuer ausgekommen, das schnell gelöscht werden konnte. Im 3. Stock des Seitenflügels Wrangel- straße 10 brannten Gardinen und KüchcneinrichtungZgegenstände. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Puttbuserstr. 11, Dorothcen- straße 29 und mehreren Güterbahnhöfen alarmiert, wo Kohlen und anderes brannten. Vorort- s�admebten. Charlottenburg. Das Schicksal eines gestohlenen SchliichtergespannS. Durch dreiste Wagenmarder wurde vorgestern in der Spichernstraße ein Fuhrwerk des Schlächtermeisters Gerbsch Joachiinsthalerstr. 7/8 gestohlen. Das Gefährt hatte noch eine größere Ladung an Fleisch- und Wurstwaren enthalten. Gestern wurde nun in der Sophie Charlottenstraße der leere Wagen einsam und verlassen aufge- funoen. Die Pferde waren ausgespannt und die Ladung fehlte. Zweifellos werden die Täter versuchen, die Pferde zu verkaufen, falls dies nicht schon geschehen sein sollte. Für die Fleischbcute dürften sie jedenfalls schon einen Abnehmer gefunden haben Nixdorf. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen WahlvereinS fand am 23. Juli bei Hoppe statt. Vor Eintritt in die Tages- orduung ehrt die Versammlung das Andenken zehn verstorbener Mitglieder in der üblichen Weise. Den Vorstandsbericht erstattet Genosse Zirkel. AuS demselben ist zu entnehmen, daß im letzten Quartal 5 Mitgliederversammlungen stattgefunden haben, die in Anbetracht der großen Mitgliederzahl am Orte sehr schwach besucht waren. Redner ermahnt die Anwesenden, bei künftigen Versamm- hingen für besseren Besuch zu sorgen. Je 60 000 Flugblätter wurden zweimal verteilt. 705 neue Mitglieder wurden aufgenommen. Aus- getreten durch Fortzug 203, wegen Restierens von Beiträgen ge- strichen 90, ihren Austritt erklärt haben 13, während 10 Mitglieder gestorben sind. Der Mitgliederstand betrug am 30. Juni 7555. Die Abonnentenzahl des„Vorwärts" beträgt 10 480 und hat sich um ein geringes vermindert, was wohl auf die schlechte Geschäfts- konjunktur zurückzuführen ist. Den Kassenbericht erstattet Genosse Wildgrube. Die Einnahme betrug 11 171,45 M., Ausgabe 2421,85 Mark. An die Kreiskasse abgeliefert 5312,94 Mark, bleibt ein Bestand am Orte von 3436,66 Mark. Die Abrechnung der ReichStagSwahl ergab eine Einnahme von 4226,82 Mark, Aus- gäbe 3359,51 Mark, so daß ein Uebcrschuß von 867,31 Mark verbleibt. Dem Kassierer wird auf Antrag der Revisoren einstimmig Decharge erteilt. Neber die LuSschlußanträge berichtet Genosse Scholz. Der Gastwirt Hans Ponick, Wildenbruchplatz. sowie der Bäckermeister Franz Pietsch, Elsenstraße, haben bei der Stadt- verordnetenwahl unseren Gegnern ihre Stimme gegeben. Der Ar- beiter Schwichtenberg und Gärtner Friedrich Kühne haben Streik- bruch begangen. Der Kohlenhändler August Räbke, Wißmann- straße 27. hat sich ein ehrloses Vergehen zuschulden kommen lassen. Der Gastwirt Panzer, Nogatstraße, hat Streikbrecher begünstigt. Gegen vorgenannte Personen soll das Ausichlußverfahren beantragt werden. Die Versammlung stimmt dem einstimmig zu. Der Protest gegen die Auf- nähme dcS Gastwirtes Gohlke. Weisestraße, wird nach dem Vorschlag der Kommission abgelehnt. Den Bericht der Bibliothekare gibt Genosse Fröhlich. Ausgeliehen wurden 999 Bände, darunter Partei, Agitation, Volkswirtschaft 76, Geschichte 79, Naturwissenschaften 30, Philosophie, Religion 31, Reisen, Länder- und Völkerkunde 99, Romane, Gedichte 643, Zeiffchriften 16, Fachwissenschaften 5, Gesetze 5, Verschiedenes 13, Protokolle 2. Da wieder 86 Bände neu angelegt ivvrden sind, ist der Bücherbestand jetzt 949 Bände und ist dem Lesebedürfnis in weitgehender Weise Rechnung getragen. Die Genossen sollten noch mehr wie bisher die Bibliothek benutzen. Genosse Wutzky erstattet Bericht von der Kreis-Generalversammlung. Eingangs seiner Ausführungen beleuchtet er die Zusammensetzung derselben: er kritisiert aus dem Referate des Genossen Hirsch über den Internationalen Kongreß dessen Ausführungen über den Militarismus. Wenn er sich auch nicht zu dem Hervsismus bekenne, so müsse doch etwas geschehen, um die jungen Leute aufzuklären. Der Antrag Rirdorfs, den Dele- gierten auch zur Maifeierfrage kein gebundenes Mandat zu geben, sei leider abgelehnt worden. Die Gründe seien ihm nicht stichhaltig. Einverstanden sei er mit dem Genossen Zubeil in bezug auf die Lehren der ReichStagSwahlen: doch glaube er, daß auch in den Städten noch ein gutes Stück Arbeit zu verrichten sei. Daß die Rixdorfer Delegierten den Antrag Rixdorfs auf gerechtere Vertretung zu der Kreisgeneralversammlung dem Vorstand als Material überweisen ließen, sei aus taktischen Gründen erfolgt. Im ganzen können wir mit der Arbeit und der Zentralisation unseres Kreises sehr zufrieden sein. Sie hat uns ein gutes Stück vorwärts gebracht. In der Diskussion bedauert der Genosse Siegerist, ebenso auch die Genossen Rcuschel und Beiersdorf, daß Genosse Wutzky feine krittschen Auslassungen nicht auf der Generalversammlung vorgebracht habe. Die Rixdorfer Anträge seien nicht energisch genug vertreten worden. Genosse Zirkel sowie Genosse Wutzky in seinem Schlußwort weisen dies zurück, sie hätten nach Lage der Sache garnicht anders handeln können. Ein unter Vereinsangelegenheiten eingebrachter Antrag des Genossen Breitzka:„In der Parteispedition dürfen nur gewerkschaftlich organisierte Austräger und Austrägerinnen beschäftigt werden", zeitigte eine längere Debatte. Die Versammlung erklärt sich mit übergroßer Mehrheit mit der Haltung des Vorstandes einverstanden. Einer Anregung des Genossen Siegerist, die Plenarsitzungen des Stadtverordnetenkollegiums im„Vorwärts" bekannt zu geben, will der Vorstand nachkommen. Es wird bekannt gegeben, daß am Mitt- woch, den 31. Juli, ein Extrazahlabend sowie am 6. August eine außerordentliche Generalversammlung stattfindet. Die Genossen werden aufgefordert, vollzählig zu erscheinen. Laut Beschluß der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands sollen für die ausgesperrten Tabakarbeiter Deutsch. lands Sammlungen veranstaltet werden. Das hiesige Gewerkschafts- kartell gibt hierzu Sammellisten heraus und sind dieselben von den Kartelldelegierten oder in Ausnahmefällen vom stellvertretenden Obmann Hendrischke, hier, Thomasstr. 16, abends von 8—0�! Uhr, in Empfang zu nehmen. Pankow. Der Notauslaß, über dessen Bau Wir gestern nach einer Ma- gistratskorrespondcnz berichteten, wird nur innerhalb der Grenzen Pankows gebaut. Die alten Ortsgräbcn, in denen sich bisher das Regenwasser sammelte, werden zugeschüttet und das Grabcnland wird an die anliegenden Grundstücksbesitzer verkauft. An Stelle des Eschengrabens, der im vorliegenden Falle speziell in Frage kommt, wird ein entsprechend großer Strahcnkanal durch die Espla- nade, Steeger-, Wollank- und Gottschalkstratze gebaut und das Regen- wasser auf diese Weise in die Panke geleitet. Für den Bau sind 600 000 M. in den Etat der Gemeinde eingestellt. Gebaut wird schon seit einem Vierteljahre. Die früheren Abzugsgräben sind von den Scparationsintcr- essenten, den Nachfolgern der bäuerlichen Grundbesitzer von Pankow, an die Gemeinde verkauft. Letztere verkauft das Grabenland, das bei der Zuschüttung der Gräben gewonnen wird, weiter. Der von den Separationsinteressenten beanspruchte Kaufpreis wurde nicht gezahlt; vielmehr wurde daraus ein Fonds zur Unterstützung unbc- mittelter Kranker im neuen Pankower Krankenhause gegründet. Adlershof. „Steuerwesen" lautete das Thema eines Vortrages, den Ge- nosse G r u n w a l d in der Generalversammlung des Wahlvereins hielt. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen cinstündigcn Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion. Der Kassenbericht des Genossen Hitze wies eine Einnahme von 387,93 M. und eine Ausgabe von 453,71 M. auf. Der Mitgliederbestand beträgt 438. Dem Speditionsbcricht des Genossen Steuer ist zu entnehmen, daß die Einnahme 2221,38 M. und die Ausgabe 2086,68 M. beträgt. Der Abonnentenstand des„Vorwärts" betrug am Schlüsse des Quartals 573. Zur Generalversammlung Groß-Bcrlin wurden die Genossen Otto. Ligner, Schwarzlose. Riemann, Rob. Krüger und Göpel gewählt. Zum Schluß wurden noch einige Mißstände auf dem hiesigen Gemeindcfriedhofe zur Sprache ge- bracht und der Vorstand beauftragt, die Fälle zu untersuchen und unseren Genossen in der Gemeindevertretung als Material zu über- weisen. Weißensee. Zum dritten Male beraubt wurde in der borgestrigen Nacht ein Erbbegräbnis auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Weißens«. Frevelnde Diebe stahlen von dort zwei bronzene Ziertrauben im Werte von 200 M. Es ist dies nun bereits zum dritten Mal der Fall, daß die Trauben von dem Begräbnis cnt- wendet wurden. Sie wurden immer wieder gefunden und sind nun zum dritten Mal verschwunden. Jedenfalls handelt es sich um einen Racheakt. Nnmmelsburg. Die Generalversammlung des Wahlvereins am letzten Diens- tag nahm, bevor zur Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten geschritten wurde, ein treffliches Referat des Genossen S t ü ck l e n über„Die Sozialdemokratie im Kampfe gegen die Reaktion" cnt- gegen. Eine Diskussion über den Vortrag wurde nicht beliebt. Hierauf gab der Kassierer Genosse N o l l st a d t den Kassenbericht. Einer Einnahme von 1360,19 M. steht eine Ausgabe von 471,10 M. gegenüber. Seit der letzten Versammlung waren 121 neue Mit- gliedcr eingetreten. Leider mutzten 9 Genossen wegen rcstiercndcr Beiträge gestrichen werden. Unter Verschiedenes rügte der Vor- sitzende Genosse W a r t i g das unentschuldigte Fernbleiben meh- rcrer Delegierten zur Kreis-Generalvcrsammlung. Ebenso wies er noch auf den Extra-Zahlabend am 31. d. M. hin und ersuchte um rege Beteiligung. Potsdam. Elimahmen aus den Stenern. Bei dem etwas über 4,/o Millionen Mark betragenden Etat werden an direkten und indirekten Steuern 1833 000 M. vereinnahmt und zwar zirka Vz Million aus indirekten und zirka 1'/« Million aus direkten Abgaben. Die Einnahmen aus den indirekten Stenern setzen sich folgendermaßen zusammen: 381 000 M. aus der Schlachtsteuer, die nach dem neuen Reichssteuer- gesetz bekanntlich mit dem Jahre 1910 aufgehoben wird(hiervon gehen natürlich die Ausgaben für ErhcbungSkosten mit 60 000 M. und die der steuerfreien Gnrnisonverwaltung zu erstattende Summe mit zirka 30000 M. ab), 30 000 M. für Wildpret- und Geflügel- steuer, 41 000 M. für Biersteuer, und zwar Biersteuerzuschlag und Biereingangssteuer(diese drei Steuern werden an den Toren resp. in den au der Grenze der Stadt errichteten Steuergeväuden zusammen erhoben), 24 000 M. für Hundesteuer, 54 000 M. für Umsatzsteuer, 15 000 M. für die Lustbarkeitssteuer(die einzelnen Bergnügungs- arten bis zu den automatischen Musikinstrumenten in den Restaurants haben verschiedene Steuersätze) und 6 M. für Nachtigallensteuer(jede Nachtigall unterliegt einer Steuer von 6 M.; es dürste wohl ander« wärtS so leicht nicht vorkommen, daß man solche Steuern, die nichts einbringen, beibehält). An direkten Steuern werden em- genommen: An Gemeindeeinkommensteuer(bei einem Steuersatz von 110Proz. der StaatSeinkommensteuer) 740 000 M.; ans den Abgaben der aktiven Militärpcrsonen für Gcmeindezwecke 51 000 M.; aus der Gebäudesteuer bei 160 Proz. 390 000 M.; aus der Warenhaussteuer 25 000 M.(diese Summe wird aber bei der Gewerbesteuer auf die Klasse IV und III in Anrechnung gebracht, so daß sie als eigentliche Einnahme nicht in Betracht kommt); aus der Gewerbe- und Betriebssteuer, 135 Proz., zirka 100 000 M.(einschl. der Waren« hauSsteuer). Gegen das Vorjahr weisen sowohl die Einnahmen aus den indirekten wie auch aus den direkten Steuern wesentliche Ab- oder Zugänge nicht auf, nur an Gemeindesteuer hofft man 60000 M. mehr einzunehmen, indem man die Veranlagungen etwas„genauer" vornimmt. Anderseits weist auch der Zuzug in letzter Zeit er- freulicherweise recht steuerkräftige Zahler auf. Soziales. Fünfter deutscher Abstinententag. Am Donnerstag trat in Flensburg der fünfte deutsche Abstinententag zusammen, auf dem mit Ausnahme des auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden deutschen Ar« beiter-Abstinenten-Bundes alle deutschen Abstinenzorganisationen vertreten sind. Zwei Referate waren der sehr wichtigen Frage der Be- Ziehungen zwischen Kind und Alkoholismus gewidmet:„Der Ein- fluß des Alkohols auf den kindlichen Organis- m u S" und„Alk.ohol und RhachitiS"(englische Krank» heit). Von sonstigen wichtigen Vorträgen ist noch hervorzuheben das Referat über„Die Bedeutung der Alkohol frage für unsere Kolonien". Von den Ausführungen des Referenten, Dr. med. Fiebig-Jena, Oberstleutnant a. D. des Sanitätsdienstes der niedcrländisch-ostindischen Armee, sind folgende bcmerkens» wert: Der Alkohol ist bei vielen Personen ein dauerndes Hindernis für die Anpassung des Blutgefäßsystems an das Tropcnklima, weil er durch seine gefäßlähmende Wirkung das, was die Natur erstrebt, verhindert. Personen, die sich alkoholisieren, ist daher die Akklima- tisierung ebenso erschwert oder unmöglich wie Neurasthcnikcrn und Menschen, die mit Gefäß- oder Herzschwächen in die Tropen kommen. Außerdem werden sie besonders empfänglich für allerlei Krankheiten und haben daher eine viel größere Sterblichkeit als Aichtalkoholisierte. Die Eingeborenen in den Kolonien werden durch den Schnaps außerordentlich geschädigt.„Wir töten die Henne, die uns die Eier legen soll."— Auch die Kolonialtruppcn werden durch den Alkohol außerordentlich geschädigt. Die Alkohol- einfuhr betrug in Südwestafrika im Aufstandsjahr 1904: 880 000 Mark. An„Liebesgaben" bekamen die dort kämpfenden Truppen 6815 Kisten alkoholischer Getränke!„Die Alkoholisierung der Europäer und Eingeborenen erschwert die wkrtschaftliche Er- schlietzung der Kolonien und gereicht damit uns und unseren Kolonialvöllern zum größten Schaden." Redner schlägt zum Schlüsse seines Vortrages u. a. folgende Maßnahmen zur U n t e r b r e i t u n g an die deutsche ReichSregierung vor: 1. Verbot der Einfuhr und Herstellung von Schnaps und anderen Spirituosen in den Kolonien, Besteuerung aller übrigen eingeführten alkoholischen Getränke mit einer hohen, dem Gradf des Alkoholgehalts entsprechenden Steuer. 2. Anempfehlung de« Enthaltsamkeit an die in den Kolonien tätigen Beamten um Offiziere seitens der Regierung. 3. Alkoholmerkblätter für Beamte, Offiziere, Soldaten und Kolonisten. 4. Zurückweisung der Alkoholliebesgaben für unsere Truppen durch die Regierung. 5. Aufforderung an die evangelischen und katholischen MissionZ- gesellschaften, Blaukreuz- oder katholische Abstinenzvereine ins Leben zu rufen, Mineralwasser- und Limonadenfabriken usw. zu errichten und Gewährung von Unterstützung durch die Negierung. 7. Verbot, daß die Eingeborenen der Jugend bis zum Alter von 16 oder 18 Jahren die heimischen alkoholischen Getränke verab- reichen, Festsetzung einer Strafe darauf und womöglich Be- steuerung dieser Getränke zum Schutze der Oelpalmen. 8.Auf- klärung der Jugend in der Schule der Eingeborenen über die Ursache, Art und Bedeutung des Alkoholschadens. 9. Verbot an Beamte, Offiziere und sonstige Diener der Regierung, Einge- borenen alkoholische Getränke zu verabreichen. 11. Einsetzung einer ständigen Kommission zum Studium des Alkoholismus in Deutschland überhaupt und des Kolonialalkoholismus ins- besondere, die der Regierung Vorschläge zur Abwehr des Uebels zu machen hat. Das überaus wichtige Thema„Arbeiterversiche- rung und Alkohol" wurde mit einem„Festvortrag" abge- speist, den der Landesversicherungsrat Hansen- Kiel hielt. Der Vortrag brachte nichts Neues, bemerkenswert ist nur der scharfe Hinweis des Referenten auf den„geradezu gemeingefährlich arbeitenden Flaschenbierhandel", cdurch den der Alkoholkonsum der Arbeiterschaft während der Arbeit übermäßig gesteigert werde. Aus der Tatsache, daß die sozialdemokratischen Arbeiter- Abstinenten diesen Tagungen fernbleiben, geht hervor, daß viel Trennendes zwischen ihnen und den bürgerlichen Alkoholgegnern liegt. Wie die sozialdemokratischen Alkoholgegner das Alkoholproblem betrachten, das werden wir ja in Essen zu hören bekommen._ Zur Lage der Textilarbeiter. AuS dem soeben erschienenen Geschäftsbericht der Rheinifch-West- fälifchen Textil-Berufsgenossenschast für das Jahr 1906 ersehen wir, daß der Durchschnittslohn eines Arbeiters dieser Branche im Bezirke der Berufsgenossenschaft 862,51 M. beträgt I Beschäftigt waren im Jahre 1886/36 1888 1890 1892 1894 1896 durchsch. 92 323 Pers. 99 242, 108 663, 109 009. 114 496 123 876 1898 durchschnitt!. 1900. 1902. 1904. 1906 126 849 Pers. 130 768„ 128 844, 135 043, 142 555. Zahl der. versicherten Betriebe von Fahl der versicherten Arbeiter von Gegen das Vorjahr ist die � 2699 auf 2629 gestiegen, die Zah 138 622 auf 142 666,-f 3933. Großindustrie! Die Löhne der Arbeiter sind aber nicht in diesem Maße gestiegen! Nach dem Berichte betrug der Durchschnittslohn eines Arbeiters im Jahre 1836/36 durchschnitt!. 767,39 M. 1888. 648,19„ 1390, 664,40. 1892, 666,37„ 1394 m 669,46„ 1896. 705,37, 1898 1900 1902 1904 1906 durchschnittlich 735,76 M. 676,01, 782,06, 804,43„ 852,51, Das sind Jammerlöhne, da es sich ja um Durchschnittslöhne handelt. Im Jahre 1906 gestalten sich die Lohnverhältnisse in den einzelnen Sektionen der Berufsgenossenschaft wie folgt: Die allerniedrigsten Löhne werden also im Bezirk Lennep ge- zahlt! 775,91 M. pro Kopf und Jahr! Fleisch werden diese Leute dort wohl nicht essen können, haben deshalb, auch„nicht unter der Fleischteueruug zu leiden". Gemeldet wurden im Berichtsjahr� 2405 Unfälle, wovon nur 439 entschädigt wurden. Den Tod hatten 17 Unfälle zur Folge gegen 16 im Vorjahre. Nach dem Bericht war die Ursache der ent- schädigten Unfälle in 324 Fällen Schuld des Arbeiters, 5„,„ Ar b ei taeberSu. Arbeiter? zugleich! 65, Unvermeidliche Bctriebsgefahr usw. Die Unternehmer haben also„gut" berichtet! Von den Revisionsbeamten der Berufsgenossenschaft erfahren wir ferner, daß 620 Betrieb e bemängelt wurden. 1316 Betriebe in „Ordnung" befunden wurden. Innerhalb der Wartezeit fersten 13 Wochen) verausgabte die Berufsgenossenschaft für Heilverfahren ganze... 193 Mark!_ Berichts- Zeitung* WaS verstehen Tie von Pferden? erwiderte der Arbeitskutscher Rob. Scholz dem Schutzmann Dammrath am 27. April in der Knesebeckstraße, als ihm der Beamte Verhaltungsmaßregeln über seine Pferde gab. Der Beamte fühlte sich dadurch beleidigt. Anstatt sich die Legitimation des Widerspenstigen geben zu lassen, verlangte er, daß ihm Scholz auf die Wache folge. Dieser hielt sich jedoch, sich weigernd an den Zügeln fest und war selbst unter Anwendung aller Gewalt des Beamten nicht loszubekommen. Dammrath zog nun seinen Säbel und schlug Scholz über den Arm, um den Widerstand zu brechen und erstattete dann Anzeige wegen Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Von der 4. Strafkammer wurde jedoch das Verfahren wegen Beleidigung nicht eröffnet, da in den Worten�„Was verstehen Sie wohl von Pferden?" keine Beleidigung liege. Wegen des Widerstandes beantragte gestern vor dem Rixdorfer Amtsgericht der Amtsanwalt 10 Tage Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen den wegen Widerstandes vorbestraften Angeklagten aus folgenden Gründen auf nur 20 M. Geldstrafe. Scholz habe nur passiven Widerstand geleistet, auch geglaubt, sich mit seiner Weigerung, mit zur Wache zu gehen, im Recht zu befinden. Der Beamte hätte ebensogut die Legitimation an Ort und Stelle vornehmen können, ohne ihn nach der Wache zu bringen, in Zukunft empfehle das Gericht dem Beamten, sich möglichst danach zu richten. Wird nun gegen den Beamten, der sich zu Unrecht in seinem Pferdeverstand gekränkt fühlte, Anklage wegen Gebrauchs der Wache erhoben werden?_ 2,70 M. Bcamrengehalt, Wegen Verbrechens im Amte hatte sich gestern der Lviaynge Postaushelfer, jetzige Schneider Karl Koglin vor der dritten Ferien- strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte war nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst im Oktober 1906 al» Postaushelfer beim Postamt 19 in der Bcuthstraße eingetreten. Nach wenigen Wochen ließ er sich dazu hinreißen, beim Briefe- sortieren Mustersendungen und Briese, in denen er Wertsachen vermutete, zu unterschlagen, um sich Geld zu machen. Er wurde bald ertappt und es stellte sich heraus, daß er fünf Briefe unter- drückt und dabei Proben und Freimarken im Gesamtwerte von etwa 6 M. sich angeeignet hatte. Der Angeklagte war im vollen Umfange geständig; er begründete seine Handlungen damit, daß er sich bei Dem geringen Gehalt von 2,70 M. pro Tag in großer Notlage be- funden hätte, zumal er nach seiner Entlassung aus dem Militär- dienst sich von diesem kärglichen Verdienst hätte vollständig neu einkleiden müssen. Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Ge- fängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Jahre Gefängnis! Bei der Strafabmcssung, so hieß es in der Be- gründung, habe das Gericht die bisherige Unbescholtenhcit des An- geklagten berücksichtigt, andererseits aber auch die Gemeingefähr- lichkeit seines Treibens, das geeignet sei, das Vertrauen des Pu- blikums in die Zuverlässigkeit der Postbehörde zu erschüttern. Die Strafe ist eine enorm hohe. Als eigentlich Schuldiger erscheint nicht der Angeklagte, sondern die bürgerlichen Parteien, die für hohe Beamten Riesengehälter bewilligen, aber untere amte mit Hungerlöhnen abspeisen. „St. Stanislaus" vor Gericht. Am 19. Februar tagte beim Schankwirt WglkoivSki in Rixdorf unter Vorsitz des Tischlers Eölesti» WflhrlMi der polnische Verein St. Stanislaus. Zweck dieses Vereins ist;„Bewahrung der polnischen Landsleute vor den s-zialdemokrotifchk» Stnflllssen, ferner Geselligkeit und Pflege der Religton." Plötzlich erschien der Schutzmann und verlangte die Anmeldebeschsinigung. Da diese nicht vorgezeigt werden konnte und dem Beamten die Entgegnung des Vorsitzenden, daß der Verein seit, zirka 10 Jahren polizeilich mit der Erklärung gemeldet sei, daß er jeden DienStag über 14 Tage seine Versammlung habe, nicht genügte, so löste Schutzmann Keller die Versammlung auf. Er erstattete dann seiner vorgesetzten Behörde Meldung. Der von dieser abgesandte Kontrollbeamte fand bei Walkowski das Bereinszimmer ge� schlössen, an der Tür ein Schild in polnischer Sprache„Geschlossene Gesellschaft". Als ihm geöffnet wurde, fand er außer dem Vor sitzenden Wilhelmi 6 Mitglieder des Vereins St. Stanislaus, die dann von den Herren Regierungssekretär Ebel und Römer der nommen wurden und diesen gegenüber bekundeten, daß Wilhelmi nach polizeilicher Auflösung des Keller gesagt habe:„Jetzt haben wir geschlossene Gesellschaft, hier hat niemand etwas zu suchen." Alsdann seien die polnischen Lieder„Noch ist Polen nicht verloren" und„Schau auf uns vom Himmel herab" ge� sungen worden. Hierauf sei anknüpfend an zwei Artikel polnischer Zeitungen von Wilhelmi ein politischer Vortrag gehalten, ferner seien die Mitglieder aufgefordert worden, nächsten Sonnabend die Beichte recht zahlreich zu Gesuchen. Außerdem folgte noch ein Vortrag über polnische Könige und ein solcher über die Rixdorfer Polen bezw. deren kirchliche Verhältnisse. Auf Grund dieser Bekundungen, die von den Zeugen unter- schrieben wurden, erhielten alle Beteiligten einen amtsgerichtlichen Strafbefehl von je 16 M., Wilhelmi als Vorsitzender einen solchen über 30 M. Gegen diesen wurde richterliche Entscheidung be- antragt. Gestern wurde die Sache vor dem Rixdorfer Schossen- gericht verhandelt. Die Zeugen und Angeklagten erklärten, sie könnten sich des Vorfalls nicht mehr entsinnen. Hierauf ersucht der Vorsitzende den Amtsanwalt, gegen die Zeugen wegen dringenden Verdachts des wissentlichen Meineids die Einleitung des Strafverfahrens zu veranlassen. Das Gericht bestätigte sämtliche Strasbefehle mit Ausnahme des Strafmandats gegen Walkowski, die Akten sollen zwecks Untersuchung wegen Meineids der Zeugen der Staatsanwaltschaft zugestellt werden. Ob die Angeklagten nunmehr einsehen, wie unsinnig der Zweck ihres Vereins ist„Veloahrung der polnischen Landsleute vor den sozialdemokratischen Einflüssen"? Kann wegen Ehebruchs auf Schadenersatz geklagt werden? Mit einer sehr interessanten Schadenersatzklage hatte sich kürz lich das Reichsgericht zu beschäftigen. Der in diesem Rechtsstreit beklagte E., ein Onkel des Klägers, hatte mit der Frau des letzteren andauernd Ehebruch getrieben. Als Kläger dies erfuhr, verfiel er in eine Krankheit, die ein Nervenleiden zeitigte. Aus den dadurch entstandenen Schädigungen in seinem Erwerbsleben leitete Kläger Schadenersatzansprüche gegen den beklagten Onkel her. Die Klage stützte sich besonders auf die§§ 826 und 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das Landgericht und Overlanbesgericht verwarfen das Vor liegen der Voraussetzungen des 8 826, B. Ot.-B., da es nicht Absicht des Beklagten gewesen sein könne, den Kläger durch seine Hand- lungen zu schädigen. Dahingegen verurteilte das Oberlandes- gericht Hamburg den Beklagten nach 8 823 Abs. 2 B. G.-B.» indem es ausführt, daß der Beklagte gegen ein Schutzgesetz, nämlich das Strafgesetzbuch, das dem Ehebruch'vevbidtci, verstoßen habe. Der Wortlaut der hier in Betracht gezogene�§§§23 und 826 B. G.-B. lautet: tz 823, Abs. 1. Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder son stiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersätze des daraus entstehenden Schadens verpflichtet. Abs. 2. Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. Abs. 3. Ist nach dem Inhalte des Gesetzes ein Verstoß gegen dieses auch ohne Verschulden möglich, so tritt eine Ersatzpflicht nur im Falle des Verschuldens ein. 8 826. Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderem vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersätze des Schadens verpflichtet. Dieses Urteil wurde vom Beklagten durch Revisionseinlegung angegriffen. Der VI. Zivilsenat des Reichsgerichts kam jedoch ebenfalls zur Verurteilung des Beklagten. In seiner Begründung führte er aus, daß es dahingestellt bleiben könne, ob der Beklagte gegen Absatz 2 des ß 823 B. G.-B. verstoßen habe. Jedenfalls liege aber ein Verstoß gegen Absatz 1 des genannten Paragraphen vor, denn es sei die Möglichkeit einer Schädigung der Gesundheit des Klägers durch die Handlung des Beklagten nicht so entfernt anzu- sehen gewesen, als daß die Kausalität zwischen der Handlung und vem eingetretenen Schaden nicht als vorliegend angesehen werden müsse._ Eine Verurteilung nach 8 133 der Gewerbe-Orbnung erfolgte am Mittwoch vor dem Schöffengericht Offcnburg in Baden. Drei organisierte Maurer versuchten bei der siegreich verlaufenen Lohn- bewegung im Monat Mai auf einem Bau die Arbeitswilligen weg- zubringen und liehen sich zu Titulaturen wie„Streikbrecher" usw. hinreißen. Dieser Titel war tatsächlich berechtigt, weil der Führer dieser Arbeitswilligen in der entscheidenden Versammlung der Maurer eine hinreißende Rede für die Arbeitsniederlegung hielt und in das Streikkomitee eintrat. Das Gericht erkannte auf 2 bis 3 Tage Gefängnis._ Oesfentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung sür jedermann, SW., Sllcxandrinenftr, 26. Geöffnet täglich von 51/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr, In den Lesesälen liegen zurzeit 616 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung auS. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 28, Juli, vormittags 8'/. Uhr, im Rathause, Eingang Jüdcnstraße, Saal 109: Versammlung! Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 10«/, Uhr in der Schult, Kleine Franksurtcrstr, 6: Vortrag von Herrn Pros. Dr. A, Gehrke über:„Die Weihe des Schönen," Herren und Damen atS Gäste sehr willkommen, Cingegangene VrucKfdmftett. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, erschienen soeben zwei Kunstblätter: die Porträts von Jgnaz Auer und August Bebel, Die Bilder sind nach den besten vorhandenen photographischen Ausnahmen aus Kunstdruckkarton nach einem neuen Verfahren limitierter Kupscrdruck) her- gestellt und können als wirkliche Kunstblätter jedermann empfohlen werden, Die Bildgröße ist 10X14 Zentimeter. Paptergröfce 22X29 Zentimeter, Der Preis pro Bild ist auf 25 Pf. festgesetzt, um die Anschaffung leicht zu er- möglichen. Zu beziehen sind die Bilder in jeder.Parteibuchhandlung und von Kolporteur, Macht und Recht in der Polenfrage von T, Cordel. 50 Pf. Verlag: »Das deutsche Landhaus", Charloltenbnrg, Hardenbergs�, 13, Geschäftsbericht für das Jahr 1906—07 des sozialdemokratsschen Vereins des Wahlkreises Wanzleben, 24 Seiten. Die Arbeit. Lesebuch für gewerbliche FortbildwigS- und Fachschule». Von Dr, W, Kley. 2,60 M,— Der Bäcker. Anleitung zur Gesellen- und Meisterprüfung, Von Dr, W, Kley. 2,25 M. Verlag: Stall Meher (G. Prior), Berlin IV. 35, Abstammung. Beruf und Heeresersatz von Dr. E, Wellmann. 6,— M. Verlag: Duncker u, Humblot in Leipzig. Werde gesund! Zeitschrist sür Volksgesuiidheitspflcge. Herausgeber: Dr, med, G, Liebe. 7, Hcjt. Monatlich IHest, Vierteljährlich 75 Ps, Verlag: Th. Krischc in Erlangen.________ ßriefhaften der Redahtion. Die juristische Ebrech stunde findet Friedrich st r. Ist, Anfgang � eine Treppe(Handelsstättc Bellealliance, Diirchgang auch Liudenstr. 101) »vochciieäalich Dun?>/, bis»'/, Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Eoniialiends begiuiit die Sprechstniidc um ii Uhr. Jeder Slnfrage ist ein Buchst,>o- und eine.stahl als Merkzeichen bciznsiiacn. Briefliche Antwort wird nicht erteil». Eilige Frage» trage mau i» der Sprechstunde vor. W, 100. Für die Fraktion war bei ihm Abstimmimg die Höhe der Anerkennmigsgebühr— denn um eine solche handelte eS sich— völlig nebensächlich, die Sache selbst war maßgebend.— Berta R. Der Wirt bestndei sich im Unrecht, Sie würden mit SluSsicht aus Erfolg aus Sln- eikennuna Ihres Rechts, Schlasburschen zu hallen, klagen können. Die Ab- i»de müssen Sie beweisen,— M. A. 45. Lager.— S. ans beiden Seiten'nur das Recht besteht, von Monat zu Monat zu kündigen,— O. B. DaS Unterlassen der Anmeldung der neuen Wohnung ist- strafbar.— W. L. 5. Wenn ausdrücklich verabredet wird, daß der Mitsvieier, der eine Klasse nicht zahlt, ausscheidet, so hat er keinen Anspruch auf den-nach seinem Ausscheiden cutsallenen Gewinn,— N. 2. 135. In beiden Fällen liegt ein Erbanspruch nicht vor. Das uneheliche Kind hat Erbrechte in den Nachlaß seiner Mutter, aber nicht in den seines Vaters. — K. Ol. B. Wenden Sie sich an die Säuglingssürsorgestelle Elsasser- straße 27, Sprechsiunde von 2—3 Uhr,— W. V. 5. Ja.— K. W. 43. Ja, Die Darreichungen aus städtischen Säuglinasfüriorgestellen beein« trächtigen das Wahlrecht in keiner Weise.— P. Ost. 39. 1. und 2. Sie müßten(ich einen Gewerbeschein zuni Umherziehen ausstellen lassen,— K. 8. 100. Nein.— A. R.. Jasmunderstr. 13. 1, Bei der Anstalt. wo zuletzt geklebt ist, ist der Antrag zu stellen, 2, Eine Altersgrenze ist nicht vorgeschrieben,— H. St. 100. Kein verständiger Arzt wird lediglich eine Heilmethode anwenden. Die verschiedenen Arten der Heilmittel dar- zulegen, ist nicht angängig,— E. K. 30. 1, Ja. 2. 6,60 M,— A. B. 17. Der jetzige'Aufenthalt uiüßte erforscht und dann Zwangsvollstreckung ver-' anlaßt werden. Die Zwangsvollstreckung ist auch im Auslande aus Grund des hiesigen Erkenntnisses zulässig.— Wilmersdorf. Nein. — Max Cohn. Die Klage hat Aussicht aus Erfolg,— A. W. 30. Ver» klagen Sie den Sohn hier, auch wenn er im Ausland sich aushätt, und lassen Sie nachher in das hiesige Vermögen pfänden,— Zwei Streitende. Ja, 1 bis 20 M.— W. 10. 1. Einer Operation braucht sich ein Unfall- verletzter nicht zu Unterwersen, In der Regel wird er es aber im Interesse der Heilung tun, 2. Reklamieren Sie jedenfalls,— P. P. 10. W« kennen nur die photographische Methode.— B. 65. 36. 1. und 2. J». 3. Nein.— P. W. 90. 1. Ja, 2. 300 M.— F. G. 100. Der Anspruch gegen die Unsallgenosftnschast scheint leider verjährt zu sein, da die Ver- jäbrungsfrlst 2 Jahre belrägt. Das Mädchen muß schleunigst ans vollen Schadenersatz gegen den Oberamtmann klagen, damit nicht auch die gegen diesen lausende dreijährige Verjährungssrist abläuft. Sprechen Sie zwischen 5 und 6 aus der Rehaktton auch zwecks Veröffenilichuug des Falles vor, — E. I. 83. 1. Die Klage ist zulässig. 2. Die ausgestellte Rechnung dürste zutreffend sein, Klägerin hätte allerdings die Kosten zu d, c und f nachzuweisen,— B. 500. Nein, Wenn sie vierteljährliche Miete zahlen, so können Sie mangels anderer Vereinbarungen bis am 3, des ersten Monats des Quartals zum Quartalsschluß kündigen, Zahlen Sic monatlich Miete, so können Sic bis am Ib. zum 1. kündigen.— M. 8. III. 1. bis 3. Nein. 4. Es könnte derjenige, dem da« Spind gehört, auf Heraus- gäbe klagen. Die Klage ist aber recht umständlich, Richtiger ist es, die Schuld zu tragen,— M. K. 59. Rein.— Ot. H. Nein,— P. K. Sie sind zur Zahlung verpflichtet,— I». 6 bis 30 Mark werden sür angemessen erachtet. Gesetzlich fixierte Sätze gibt es nicht.— A. Nein. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marklhallen-Dtrcktion,(Großhandel,) Rindfleisch In 70—72 pr. 100 Pfd.. ll» 64-69, lNa 59-60, Bullcnflcisch la 65—70, IIa 55-64, Kühe, seit 52—60, do, mager 40-50, Fresser 54—66, Bullen, dän. 0,00, fco. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Mastlälbcr la 73—82, IIa 64—72, Kälber gcr. gen, 45-57, do. Holl, 0,00, dän. 0,00. Hammel» fleisch Mastlämmer 74—78, Hammel la 69—73, IIa 62—68, Schafe 60—62, Schweinefleisch 61—67, Rchbock la per Psund 0,65—0,35, IIa 0,40—0,60. Rotwild, Abschuß 0,56—0,62. Damwild, Abschuß 0,00. Wildschweine 0,30—0,45. Frischlinge 0,49. Kaninchen per Stück 0,20—0,75. Wildenten per Stück 0,60— t, 40. Krickenten per Stück 0,70. Hühner. alle, per Stück 1,60—3,35, Na 0,80—1,50, do, junge 0,40—1,25. Tauben 0,30-0,50, italienische 0,00. Enten per Stück 1,50—2,40, do, Hamburger per Stück 2,00—2,90, Gänse per Psund 0,60—0,63, do. per Stück 3,00-4,75, do, Hamburger per Psd, 0,70-0,80, per Stück 0 00 do Oderbrucher per Psd, 0,60-0,62, PvuletS per Stück 0.50-1,25, Chalonshühner 0,00. Hechle per 100 Psund 115-130. do, klein 128. do, mittel 128, do. groß 0,00. Zander, mittel 0,00. do, klein, matt 0.00-«chleie. groß 9.00. do, mittel 0.00, do, Holl, 0,00, do. 107—130. Aale, groß 90—99, do, klein und mittel 83—95, mittel -101, do. unsortiert 71-81. do. groß-mittel 0,00. Plötzen, matt 0,00. Roddow 85. Karpfen 90—95, Bleie 80—83, matt 0,00. Bunte Fische 69-91. Barse 0,00, dito matt 0,00, dito klein 0,00. Karauschen 0,00. do. klein 61. BIcIsischc 0,00. Wels 64. Aland 87. Quappen 0,00, Ameritanischcr Lachs la neuer, per 100 Psd. 110— 130, do. Na neuer 90— 100, do, lNa 60, Seelachs, ucner 10— 20. Flundern, Kieler, stiege la 3-6, mittel ver Kiste 2, Hamb. Stiege 4-6. aide Kiste 2-3, pomm, la Schock 4-8, IIa 0,50-2,50. Bücklinge. Kieler per Wall 2—3, Straff. 3,50—5,50, Bornh, 0,00, Aale, groß per Psd, 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0.60—0,80, Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3,00-5.00,'/, Kiste 1.50-2, Sardellen, 1902er per Anker 98. 1904er 98. IS05er 98. 1906er 90—95. Schottische Vollherinae 1905 0,00, larxo 40-44, lull, 38—40. mock, 38—42, deutsche 87—44 Heiinge, neue MatjeS. ver'/> To. 50-120, Sardinen, ruff.. Faß 1,50—1.60. Bratheringe Faß 1,20— 1 40, do, Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen. Schocksag 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Eier Land-, unsortiert per Schock 3-3.25. do, große 4,00. Krebse per chock große 28,50, do. mtttelgr, 9,50-10.50. do. kleine 2,90-4, do. un» sortiert 4,00—8,50, do, Galizlcr groß und mittel 0,00, do. uns, 0,00. Butter per 100 Pjö. la 109-113, Na 103-109, llla 100-102, absallend« 90-95 saure Gurken, neue schock 4,00-5,00. Psestergnrken 4,50, Kartoffeln per 100 Psd. weiße runde 3,00-3,50, blaue 3,50-5.00. Rosen. 2 00 bi< 8,00 Nieren. 3,00-3,50, Zerbster 0,00. Porree. Schock 0,50-1,00. Meerrettich, Schock 5—12. Spinal per 100 Psund 25-30. Sellerie hiesige, per Schockbund 2,00-6,00, Zwiebeln per 100 Psd, 5-6,50 d.o, kleine 0,00, do. hiesige(Perl.) 0.00, Charlotten 0,00, Petersilie, grün Schockbund 0,75—1,00, Kohlrabi Schock 0,75-1,50, Nettig, bahr., neue stück 0,07—0,10, do, hiesige. Schock 3—4. Mohrrüben, Schockbund 1,50 bis 2.50. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00-3,00, Wirsingkohl per Schock 3 00 b>s 6,00 Notkohl, Schock 8-10. Welßkohl 6-10. Blumenkohl, Zittaucr 100 stück 0,00, do, Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 20-25. Koblrüben. schock 5,00-6,00. Pctersilienwurzeln, Schockbund rüne. 100 Pfd. 10—15.' Stachelbcer'em per 100 Psund 7— 12.''' Erdbeeren liefige 100 Psd. 20—30, do, Walderdbeeren 50—90, do. Hamburger 30 bis 40, do. Holländer 25—30. Himbeeren 100 Psund 28—34. Blaubeeren, 100 Psd. 12—16. Johannisbeeren. 100 Psd. 8-12. Ktrichen per 100 Pfund Schlesische 0,00, Werdcrsche 10—20, do, Glas. 12—18' do, Thüringer 8—20, Natten 18-35, sauere 15-17. Birnen, ital,, 100 Psimd 13-30, Muskateller 24-27, hiesige 13-16. Pfirsiche, per 100 Psund 15-30. Aprikosen, ital, per 100 Psund 20-25, franz. 20-32, Aepsel, italienische. per 100 Psund 14-33, Pflaumen, ital, per 100 Psund 14—30. Zitronen Messiiia. 300 Stück 9,00-18,00, do, 360 Stück 8,00-15,00, do. 200 Stück 6,00—12,00, do. 150 Stück 5—7. Bananen, gelb, 100 Psd. 22-26, grün 0,00, Besonders preiswertes Angebot! Solange Vorrat. Von Sonnabend, den 27- bis Dienstag, den 30. Juli er. incl: Solange Vorrat. j|{ | 1 Rotwurst; Zwiebelwurst Harte Mettwurst Feine Leberwurst Delicatess-Sülze. «••• • f• •# f• Pfund 45 Pf. Pfund 45 Pf. 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