Ztr. 174. flbonncmcntS'Bcdingungen: ksbonnementZ- Preis pränumerando! Bierteljährl. 3,30 SO!!., monaJI. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, frei ws HauS, Einzelne Nummer S Pfg, SonntagZ. nummcr mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnements -nehmen an: Belgien. Dänemarl, tolland, Italien, Luxemburg, Portugal, umömen, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. Crfditint Wich aufitr Glontast. Verltnev VolksblAkk. Die Tnierticns' Gebühr beträgt für die sechsgespaltenc KolonÄ» zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Bereins- und Versammlungs-Anzeigen W Pfg. „Kleine Hniefgen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunimcr müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr avends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SoÄi»ii«llioIi»t RerliB". Zentralorgan der fozialdeniokratifchen Partei Deutfchlanda. Redaktions 8 LI. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sxpedltion: 8Ll. 68, Ltndcnatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV Nr. 1981. Die erste Zession. Aus Wien wird uns geschrieben: Nach einer vierwöchigen Session ist der ReichSrat am Mittwoch in Ferien gegangen. Die gesetzgeberische Ausbeute dieser kurzen Tagung, die mehr dem Prüfen und Messen der Kräfte gewidmet war, ist selbstverständlich nicht besonders groß. Der Regierung wurde das sogenannte Budget Provisorium bewilligt, d. h.: die Ermächtigung, die Steuern einzuheben und die Ausgaben gemäß dem Staats Voranschlag zu leisten, und zwar bisEndedesJahres, so daß Heuer ein detailliertes Budget vom Parlament gar nicht beschlossen werden wird. Das ist sonst seit elf Jahren überhaupt nur ein einziges Mal, in den Körberschen„Flitter wochen", zuwege gebracht worden! Ist es doch schon ein„Er eignis", daß zu der provisorischen Ermächtigung der berüch tigte§ 14 nicht verwendet werden muß!— Daneben sind nur ein paar unbeträchtliche Vorlagen aufgearbeitet worden. Seine Tragkraft und Arbeitsfähigkeit wird das neue Parlw ment erst im Herbst zu erproben haben. Trotzdem hat die kurze Session mancherlei beachtenswerte Aufschlüsse über das junge Haus gebracht. Vor allem, daß die Hoffnungen, welche die Krone an das allgemeine Wahlrecht knüpfte, und die Voraussetzungen, von denen sich die Regierung leiten ließ, als sie die Wahl reform betrieb, nicht eitel waren. Es ist wirklich ein andcresHaus, als es das verdorbene Privilegienparla ment war. Nicht als ob es in Form, Ton und Sitten be trächtlich anders geworden wäre; d a r i n hat sich, wenigstens vorläufig, nicht viel geändert. Das Parlament zeigt Oester reich, wie es eben ist: und Oesterreich ist ein wunderlich or ganisierter und seltsam desorganisierter Staat. Aber der schlechte Ton, der Lärm der Debatten, über den die Phari söer, die zumeist Wahlreformfeinde a. D. sind, so herzbeweglich klagen, der ist durchaus nicht d i e Verderbnis, die er früher war. Früher war das parlamentarische Mandat ein Ge� werbe, der Kunstgriff von Demagogen, die Regie abgewirt schafteler Parteien. Jetzt ist auch die, sagen wir, R 0 h h e i t, ein Ausdruck der Gesundheit, ein Ausfluß der Kraft, die mit der Zeit wohl besseren Sitten weichen wird. Allerdings wird ein Haus mit 316 Abgeordneten und ein paar Dutzend Pav tcien immer ganz besondere technische Schwierigkeiten bieten und erst allmählich zu ihm entsprechenden Arbeitsformen ge langen. Aber bestand die Krankheit des Kuricnparlaments darin, daß es niemandem als ein Besitz erschien, als ein Gut. dem zuliebe Opfer gebracht werden sollten, so kann man feststellen: das n e u e Haus ist gesund im Marke. Stand früher das Gespenst der Obstruktion immer vor der Tür, so ist das neue Haus von Arbeitseifer, von Arbeitslust gerade- zu erfüllt. Es kann natürlich gleichfalls in schwere Berwicke- lungen geraten, aber vor der srivolen Obstruktion, vor den leichtfertigen Bedrängungen, die früher die parlamentarische Tagesordnung ausmachten, ist es gefeit. Seine Arbeits- fähigkeit ist geradezu eine Herzenssache der Abgeordneten, und niemand wird es unternehmen, sein Dasein ernstlich an- zutasten. War es, staatlich betrachtet, Aufgabe der Wahl- reform, ein arbeitsfähiges Haus zu schaffen, so ist das Ziel tatsächlich erreicht worden. Das Parlament des allgemeinen und gleichen Wahlrechts ist, wenn man es so ausdrücken darf, österreichischer geworden. Die Kluft, die in Oesterreich, dem Nationalitäten- staate, Staat und Nation trennt, kann natürlich durch das Wahlrecht allein nicht ausgefüllt werden; dazu ist noch anderes nötig. Aber daß sich das allgemeine Wahlrecht als die Klammer erweist, die die zentrifugalen Kräfte bindet und einBewußtseinvomStaatc und fürdenStaat erzeugt, das ist bereits sichtbar geworden. Indem es jedem Bürger an dem Staate ein Recht gibt und jedem das gleiche Recht, wirbt es für den Staat; indem es alle gesellschaftlichen Kräfte entfesselt und in den Bann- kreis des Staates zieht, überwindet es die Tendenzen, die gegen den Staat stürmen, die nationalen Strömungen, die dem nationslosen Staat das Dasein bestreiten. Der eminent staatliche, aufbauende Charakter des allgemeinen Wahlrechts wird vielleicht nicht überall so sinnfällig hervor- treten wie in Oesterreich, aber vorhanden ist er natür- lich überall. Deshalb wird der einst so sehr über die Achsel angesehene österreichische Staat mit der Wahlreform geradezu als Erzieher wirken: Indem er dem Volke Rechte gab, gewann er selbst am meisten. Allerdings ist in der kurzen Vorsession die Beschaffenheit, die politische und die soziale, des ersten wirklichen öfter- reichischen Parlaments sichtbar geworden. Es hat eine ch r i st l i ch s 0 z i a l e Mehrheit: ist also, moralisch betrachtet, ein Parlament fragwürdigster Art. Wohl bilden die Christlichsozialen für sich nur einen bescheidenen Bruchteil des Hauses— 96 unter 516 Mitgliedern—, aber ihre überragende Bedeutung empfangen sie dadurch, daß sie unter den bürgerlichen Parteien erstens die einzige wirkliche organisierte P a r t e i sind— neben ihnen sind alle Klubs und Verbände nur Trümmer—, und daß sie vermöge der spezifischen Charakterlosigkeit, die ihr Wesen ausmacht, mit allen übrigen Parteien Verbindungen eingehen können. Ihre natürlichen Bundesgenossen sind vor allem die aalhischen Schlachzizen, der, lediglich durch Wahlschwindel existierende, Polenklub, dem sie durch Machinationen im Letzitimations- ausschuß die Mandate retten und der ihnen dafür ihre Herr- schaftsgelüste in Westösterreich befriedigen hilft. Sind doch die Mittel, durch welche der Polenklub im Lande Galizien herrscht, den Mitteln nur zu ähnlich, durch welche die Christ- lichsozialen die Macht in Wien erobert haben und behaupten! Die vollständige Abwesenheit aller nationalen Gesinnung macht die Christlichsozialcn überdies zur Lieblingspartei für alle slawischen Chauvinisten: Von jenen erhoffen Tschechen und Slowenen, was ihnen die nationalen Deutschen versagen. Aber andererseits: sie sind eine„d e u t s ch e P a r t e i" und als solche auch von den Deutschfreisiunigen umworben, die im Kabinett zwei Minister sitzen haben, ihnen aber keine Majori- tät liefern können. Die Christlichsozialen sind des ferneren die größte agrarische Partei im Reiche, die agrarische Habsucht findet an ihnen also ihre stärkste Stütze, und daher laufen ihnen alle Agrarier zu. Sie sind aber wieder auch die Wiener Partei, die Partei der größten Stadt: also schmiegen sich ihnen die städtischen Abgeordneten an! Alles Zweideutige— und davon steckt viel im neuen Haus— strömt ihnen zu, und der Zulauf zu der Partei, die alle Hintertreppen in Wien kennt, der ebenso die Erzherzoge wie die Bischöfe angehören, zu der Partei, welche die Rechnung von heute und die Hoffnung von morgen ist, der Zulauf zu ihr ist einfach ungeheuer. Was klerikal und agrarisch ist im Hause, was Geschäfte machen will, was Protektion braucht, alles sammelt sich um die Partei, die dafür von niemand etwas anderes verlangt, als Haß gegen die Sozialdemokratie. Und den bringt jeder gerne als Mitgift mit. Denn das hervorstechende Merkmal des neuen Parla- ments ist politischer und Klassenhaß gegen die Sozialdemo- kratie. Das ist vor allem psychologisch zu erklären: Die Sozialdemokratie ist nämlich die einzige Partei, die a l l e Parteien zu fürchten haben. Die bürgerlichen Deutschen stehen mit den bürgerlichen Tschechen zwar im heftigsten Kampfe, jedoch Mandate können sie ihnen nicht abnehmen. Die Sozialtzenxpkratie aber, als die Partei, die in allen Nationen vorhanden ist, bedrängt alle: ebenso die Christ lichsozialen wie die Deutschnationalen, alle tschechischen Parteien, der Polenklub, die bürgerlichen Italiener, kurz, alle bürgerlichen Parteien in allen Nationen haben die Sozial demokratie zu fürchten. Deswegen gibt es im neuen Hause immer eine latenteMajorität: die Majorität gegen die Sozialdemokratie! Und die Auslöser und Anführer dieser Mehrheit sind eben die Christlichsozialen, die mit Recht in der Sozialdemokratie die einzige wahrhaft unbeug same und die einzige wirklich' gefährliche Gegnerin der chri st lichsozialen Herrschaft in Stadt, Land und Reich erblicken. Es ist un- zweifelhaft ein bewußter Plan im Werke, wenngleich er von den geriebenen christlichsozialcn Jesuiten sehr behutsam verfolgt wird: nämlich, das Bürgertum aller Nationen, ins- besondere das des deutschen Volkes, zu umgarnen und zu entmannen, um eine scharfmacherische Politik im großen Stile versuchen zu können, deren Ziel die R e- katholisierung Oesterreichs unter Franz Ferdinands Führung sein soll. Die Spekulation der Christlichsozialen richtet sich auf die schlechten In- stink te der Parteien: auf ihre Angst vor der Sozialdemo- kratie, eine Angst, aus der heraus sie sich den christlichsozialen Wahlmachern verkaufen, aus der heraus sie sich um deren schwarzen Schutz bewerben werden. Die österreichischen Christ- lichsozialen sind nicht so ehrlich-roh wie etwa preußische Kon- servative, die plump-offen gegen die„sozialdemokratische Ge- sahr" Ausnahmegesetze verlangen; was die Christlichsozialen anstreben, ist schlimmer und insamer: sie brauchen keine Aus- nähme g e s e tz e. sondern sie wollen einfach Recht und Ge- setze beugen— wofür das leuchtende Muster in der Wiener Stadtverwaltung schon gegeben ist. Was sie möchten, wäre die 0 h n e besondere Gesetze vollzogene Entrechtung der Sozialdemokratie: durch die Verwaltung, vor dem Gericht, in jedem Verhältnis der Bürger zum Staate. Ihr Ideal ist: daß jeder, der den Staat v e rw a l t e t, der in seinem Namen Recht spricht, ein Christlichsozialer sei, also jemand, der gegen die Sozialdemokratie die Gesetze beugt. das Recht vergewaltigt. Deswegen wird jeder, der sich nicht einfangen läßt oder der gar wider die christlichsoziale Pression aufzumucken wagt, beschimpft, verleumdet, herunter- gerissen. Dafür wird von der großen Clique jeder auf den Schild gehoben, ist jeder ihrer Gunst sicher, der in Scharf- macherei macht: damit die Aufrechten gebeugt und die Streberseelen ermuntert werden. � Die kurze Session hat also dem Proletariat seine Feinde gezeigt und ihm klargemacht, was alles in Oesterreich noch überwunden werden muß. Denn daß die Kampfstellung nach allen Seiten(außer der polnischen und der ruthenischen Bauernpartei, die beide gegen die lieber- macht der polnischen Oligarchie kämpfen, ist alles den Christ- lichsozialen hörig) der Sozialdemokratie nur nützen wird, das braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Die Entartung der bürgerlichen Parteien muß die sichere Folge haben, daß die antiklerikalen, überhaupt alle ehrenhaften Schichten des Bürgertums ihren Halt in der Sozialdemokratie erblicken werden, daß sie die Arbeiterpartei als die einzige Partei erkennen werben« welche die Hut der bürgerlichen Parteien bildet und deren Ringen allein die schwarze Gefahr von Oesterreich abzuwenden ver- mag. Je windiger sich die sogenannten„freiheitlichen" Par- teien erweisen, desto größer wird die Anziehungskraft der Sozialdemokratie auf alle Schichten werden, welche die Aus- dehnung der christlichsozialen Pöbelherrschaft auf das Reich als die wahre Gefahr für Oesterreich zu begreifen ver- mögen. Die kurze Parlainentstagung hat demnach gezeigt, daß die Sozialdemokratie die einzige Partei innerhalb jeder Nation ist, welche die EntWickelung verbürgt, welche die Kraft hat, die Bedürfnisse der neuen f�eit durchzusetzen gegenüber allen Mächten der Vergangenheit. Es waren nur Treffen v 0 r der Schlacht, aber zu allen Schlachten ist die Sozialdemo- kratie gerüstet._ Dberalisnrns und ßevinonismus. Der„Freis. Ztg.", die sich als Erbin der Eugen Nichter» scheu Traditionen betrachtet, gibt die Plauderei des Fürsten Bülow mit dem Mitarbeiter des Pariser„Figaro", Herrn Jules Huret, am Badestrand der Insel Norderney, einen erwünschten Anlaß, mit der ihr eigenen Gründlichkeit das Verhältnis des Liberalismus zum sozialistischen Revisio- nismus auseinanderzusetzen. Fürst Bülow hat dem Herrn Huret versichert, daß unter den ungefähr 3 Millionen sozial- demokratischer Wähler noch nicht 50 000 eigentliche Sozia- listen: Schüler der marxistischen Theorie, Feinde des Eigen- tums oder auch nur einfache Republikaner seien; zumeist be- stände die sozialdemokratische Anhängerschaft aus Ilnzu- friedenen, die der Meinung wären, es sei nicht genug für die Arbeiter getan, und die deshalb neue Reformen wünschten. Aus dieser reichskanzlerischen Psychologie hatte das„Berl. Tageblatt" mit orientalischer Phantasie herausgelesen, daß Bülow geneigt sei, sogar eine Verständigung mit den sozialdemokratischen Revisionisten zu suchen. Darob ist die„Freis. Ztg.", der die ganzen sozialpolitischen Tendenzen des„Berl. Tagebl." und der Naumann-Barthschcn Richtung lediglich als Verfälschung der hausbürgcrlich-liberalen All- tagsthcoretik ihres großen Meisters Eugen Richter erscheinen, höchst aufgebracht, und im Gefühle ihrer politischen lieber- legenheit über die Mossenianer leistet sie sich folgende Aus- einandersetzung: „Die Revisionisten— darüber kann doch kein Zweifel sein — sind dem Liberalismus noch viel gefährlicher als revolutionär gesinnte Radikale. Gewiß würde, wenn die Revisionisten inner» halb der Sozialdemokratie die Oberhand hätten, den Liberalen ein Zusammengehen mit ihnen in Einzelfällen vielfach leichter werden, als es gegenwärtig unter der Leitung von Bebel, Kautsky, Mehring, Stadthagen der Fall ist. Aber eine Stärkung des Liberalismus würde aus einer Spaltung der Sozialdemokratie in eine radikal-revolutionäre und eine evolutionistische Reform» Partei sich sicherlich nicht ergeben. Je radikaler sich die Sozial- demokratie gebärdet, je mehr sie bei der Durchführung sozialer Reformen ihre Forderungen überspannt, desto größer ist die Hoffnung für die liberalen Parteien, besonnene Elemente auch in Arbciterkreisen, die jetzt bei Wahlen einen sozialdemokratischen Stimmzettel abgeben, davon zu überzeugen, daß sie ihre eigenen Interessen schlecht wahrnehmen, wenn sie zur Fahne der Sozial- demokratie schwören. Schon bei den jüngsten Reichstagswahlen hat sich die erfreuliche Tatsache ergeben, daß frühere sozial» demokratische Wähler in großer Zahl für liberale Kandidaten eingetreten sind. Erst in diesen Tagen hat das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Partei Sachsens in seinem Jahresbericht für die bevorstehende Landesversammlung eingestanden, daß nicht bloß der kleinbürgerliche Anhang der Partei bei den letzten Reichs» tagswahlen ins liberale Lager abgeschwenkt sei, sondern„auch ein großer Teil der Industriearbeiter", und„sogar gewerkschaftlich organisierte Arbeiter" hätten sich,„wie in einzelnen Fällen fest- gestellt werden konnte", von der Sozialdemokratie abgcwandt. Diese Scharen würden aber, vermutlich in ihrer großen Mehr- heit, nicht für einen liberalen Kandidaten, son» dern für einen revisionistischen Soziali st en ge. stimmt haben, wenn sich die Trennung der Richtung Bebel-Kautsky von der Gruppe Bernstcin-Heine schön vor den letzten Reichstags» Wahlen vollzogen hätte. Die Liberalen aber hätten als» dann nicht bloß mit diesem entgangenen Ge» winn, sondern auch noch mit einem Verlust von weiteren Wählern rechnen müssen, denn mancher bürgerliche Wähler, der bisher noch nicht für einen Sozialdemo- kraten gestimmt hat, würde für die Kandidaten einer sogialdemo- kratischen Gruppe eintreten, die sich den Anschein gibt, eine bürgerliche Reformpartei zu sein." In gewissem Sinne kann uns der Streit, od es für den Liberalismus besser wäre, wenn sich von der Sozialdemokratie ein revisionistischer Flügel abzweigte, ziemlich kalt lassen; denn vorläufig besteht keine Aussicht, daß eine solche Trennung erfolgt. Weder die Radikalen noch die Revisionisten denken an eine Separation, und selbst wenn einige Revisionisten die Neigung verspüren sollten, der Partei den Rücken zu kehren — eine Neigung, die nach unserer Ansicht nicht existiert—. würden sie schwerlich große Massen mit ins neue Lager hin» übernehmen. Mer abgesehen von dieser Ilnwahrschein» lichkeit der Voraussetzung, von der die Erörterung ausgeht� sind die.Ausführungen des freisinnig-volksparteilichen Blattes Ron MWeMeck Jnkeresse, Senn sie zeigen, tote dm Richker- schen Epigonen alle größeren politischen Gesichtspnnkte ab- Händen gekommen sind, wie sie dazu gelangt sind, das all- gemeine liberale Interesse und ihr eigeites Araktionsmtcresse völlig zu identifizieren und nicht die Bertoirklichung liberaler Forderungen, sondern die Anfrechterhaltiing und Vermehrung der Fraktionsstärke als ihre politische Aufgabe zu betrachten� Nach unserer Ansicht ist die Aufgabe einer Partei die Verwirk- lichimg ihrer Ziele, ihrer Forderungen, und die Parteiorgani- sation, die Arbeit in der Masse wie in den Parlamenten nur ein Mittel zur Durchsetzung dieser Fordernngcm Die„Freisinnige Ztg." denkt anders. Sie gibt zu, daß die Bildung einer revisionistisch-sozialistischen Ncformpartei„in Einzelfällen" die Durchsetzung liberaler Forderungen erleichtern würde: aber der Liberalismus, das heißt die freisinnig-volks- parteiliche Fraktion, würde dadurch nicht gestärkt; sie würde vielmehr wahrscheinlich verlieren, da ein Teil der Wähler in das Lager der neuen Reformpartei abschwenken würde. Nicht die Durchsetzung des Liberalismus im politischen Leben Deutschlands, sondern die Konservierung der Fraktionsstärke ist demnach dem Blatt die Hauptsache. Begreiflich erscheint ja nach der historischen Entwicfelimg, die der Liberalisnnis und speziell die ehemalige Richtersche Fortschrittspartei in Deutschland genommen hat, solche Auf- fassung. Diese Partei hat längst den Glaubeii an die siegende Allgewalt der liberalen Lehren verloren. Sie rechnet selbst nicht mehr damit, das deutsche Volk mit liberalen Idealen zu erfüllen und es im Stiirm gegen die feudal-konservativen Burgen und Schanzen zu führen. Sie spekuliert nur noch darauf, die kleinen materiellen Interessen ihrer bürgerlichen Anhängerschaft im parlamentarischen Kuhhandel zu retten und sich, so gut es geht, sei es auch auf Kosten des Prinzips, ihre Wählerschaft zu erhalten, damit der karge, schale Rest der ehemaligen Fortschrittherrlichkeit nichtvie sie durch das Streikpostenstehen hervorgerufen werden, aufmerksam machen. Daß die Ar- beitswilligen die Streikposten oft in der slegelhaftcsten Weise provozieren, davon spricht man nicht, daß die Arbeiter als Streikposten nur ihr gutes Recht ausüben, das erkennt man nicht an. Mag sein, daß die Sprache der Arbeiter manchmal etwas rauh und derb klingt, besonders wenn er recht boshaft gereizt wird, aber über Gewalttaten der Arbeiter in diesem Kampfe kann man sich nicht beklagen und zu einem noch größeren Einschreiten der Polizeibehörden oder zu gesetzlichen Maßnahmen gegen die Betätigung der wenigen Rechte der Arbeiter im wirtschaftlichen Kampf liegt nicht der mindeste Anlaß vor. Gegen Bersuche dieser Art muß energisch pro- testiert werden. Aus diesem Kampfe läßt sich kein Material zusammentragen, um ein neues Zuchtbausgesetz nach dem Wunsche der Reaktionäre zu schaffen. Die Bewegung wird ruhig und sachlich, aber mit aller Schärfe fortgeführt, bis das Ziel, das sich die Arbeiter hier gesteckt haben, erreicht ist, nämlich die Verkürzung der Arbeitszeit. Der Zentralverband der Maurer beschloß, die Streik beitrüge von Montag an auf 70 Pf. herabzusetzen. Bisher wurde 1 M. pro Tag bezahlt. m Der Zentralverband der BauhülfSarbeiter hielt am Sonnabendmorgen im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine außerordentlich stark besuchte Versammlung der Streikende» ab. Karl Heidemann schilderte de» Stand der Bewegung in einem längeren Vortrage. Er trug die an anderer Stelle bereits genannten Zahlen vor und fiigte für die BauhülfSarbeiter noch einige Fest- stellungen hinzu. ES kommen 10 186 arbeitende Kollegen in Be- tracht,' die sich wie folgt verteilen: 7170 Lohnarbeiter, 833 Stein- träger. 775 Fahrstuhlarbeiter, 796 Putzerträger, 173 Töpferträger und 439 Zementarbeiter. Folgende Lohntabelle für 7170 Lohnarbeiter und 439 Zement arbeiler ist aufgestellt worden: 877 Bauarbeiter erhalten m e h r als 60 Pf. pro Stunde 1107.. 60„, 4449.. 65„, 835,. 50.. 234,„ unter 50.._ 107„ nicht zu ermitteln 7609 Die Arbeitszeit ist gegenwärtig wie folgt: 2040 Bauarbeiter arbeiten 10 Std. und mehr als 10 Ttd. . pro Tag 9'/,. 1107 2811 3996 232 10186 nicht zu ermitteln 9 8'/, An der Diskussion beteiligten sich viele Redner und fast jeder hatte von schlimmen Erfahrungen mit der Polizei zu berichten, wenii er auf Streikposten gezogen war. Obgleich die Unternehmer be- haupten, daß sie gerade an Dauhülfsarbeitern mehr hätten, als sie gegenwärtig brauchen können, werden doch alle Anstrengungen ge- macht, Leute heranzuziehen. Auf einem Neubau in Schöneberg, der noch gar nicht bewohnbar ist. wurden Streikbrecher und deren Helfer beherbergt. Das Fuhrgeschäft von B a l l m a n n, so wurde be- richtet, befördert Arbeitswillig per Kremser von den Bahnhöfen aus. Um den Schein einer Landpartie zu erwecken, tragen vie Fuhr« werke Schilder mit der Aufschrift:„Kremserfahrt der Firma Ball« mann."— Viele Strafmandate haben die Streikposten erhalten, Verhaftungen sind alltäglich geworden' trotzdem machen die Streikende» Fortschritte. In Bezug auf eine MictSentschädlgniig zum 1. August unterbreitet H e i d e m a n n den Vorschlag, daß nach Z 15, Absatz 8 des Verbandsstatuts verfahren werde. Die Art des Verfahrens erläuterte er noch näher. Den verheirateten ab- gereisten Kollegen gegenüber soll gelten, daß den Frauen die halbe Unterstütziing gezahlt werde, dafür aber die Mietsentschädigung fortfalle. Diese wird an die hiesigen Streikenden gezahlt, die ihre Bücher in Ordming haben, für die Zeit über vier Woche» Streik. 24 abgestempelte Tage bedeuten vier Wochen, für die übrigen Tage gibt es Mietsentschädigung. Je sechs Tage werden mit 2,50 M. berechnet.— Die Versammelten erklärten sich damit einverstanden. » Die 300 Unterschriften der verbandötreuen Baminternehmer gewinnen nach den letzten Recherchen der Streikleitung eine eigen- artige Beleuchtung. Bon 302 Firmen ist festgestellt, daß nicht mehr als 129 überhaupt Arbeit zu vergeben haben, das sind 42,72 Proz. Die übrigen 173, von denen 20 nur Zimmerarbeit auszuführen haben, kommen jetzt für Maurer und Bauarbeiter gar nicht in Be- tracht. weil sie eben keine Arbeiten zu vergeben haben. Auf die 129 Arbeitgeber trifft das zu, was in dem Bericht über Silberschmidts Vortrag bereits gesagt worden ift, und dadurch wird diese Zahl noch um ein Drittel verringert. Der französische Parteitag. Der Jahrcskongreß der französischen sozialistischen Partei wird in Nancy vom 11. bis zum 15. August tagen. Die provisorische Tagesordnung enthält außer den Berichten des Nationalrats, der Fraktion und der Delegierten zum inter- nationalen Bureau folgende wesentliche Punkte: Internationaler Kongreß.(Unter diesem Punkte werden die einzelnen in Stuttgart zu behandelnden Fragen angeführt.) Aendcrung des Parteistatuts. Steuer auf die Abgeordnetentntschädignng. Mitarbeit der Erwählten der Partei an bürgerlichen Blättern. Der Bolksschuluuteruicht. Kumulieruna von Wgblfunktioneid Betbot für Parketutttglteder. um Deroraklonen zu wem» ooer sie anzunehmen. Die Propaganda in der Sccbevölkeruna„ Die Beamtengewerkschaften. Das Kommnnalprogramn». Landagitation. Freimaurerei und Partei. Der Bericht des Parteisekretärs Genossen D u b r e i l h erstreckt sich auf die acht Monate, die seit dem Kongreß in Limoges verflossen sind. Begmflrcherwens haben sich in dieser kurzen Frist keine besonders schwer- wiegenden Veränderungen in der Partei vollzogen. Tie Or- gaiiisation hat aber erfreuliche Fortschritte gemacht. Von 43 462 ist die Zahl der Parteimitglieder auf 48 237 gestiegen. Obenan steht noch immer das Norddepartement mit 8/00 Mitgliedern, von denen 700 neugewonnen sind. Recht übel sieht's dagegen im Seine-Departement aus, wo die Zahl der Parteimitglieder auf 6300 heruntergegangen ist und um fast 500 abgenommen hat.— Im ganzen haben 11 Födc- rationen über 1000 Mitglieder. Die Auflage des Wochenblattes der Partei„Socialiste ist gleichfalls gefallen, und zwar von 3300 auf 3000. Ter Broschürenverkaui war nicht sehr beträchtlich— der Bericht führt die Ziffer 36 000 an. Der Parteiverlag hat 7�ncue Broschüren herausgegeben. Sehr gut bewährt hat sich die Einrichtung der ständigen Agitatoren. � Auch nimmt die Fraktion an der Propaganda dauernd teil, indem sie immer 4 ihrer Mitglieder dafür delegiert. Besonders bei Streiks hat sich die Entsendung von Deputierten als nützlich erwiesen. An den G e n e r a l r a t s w a h l e n. die am 28. Juli bezw. 4. August stattfinden, nimmt die Partei mit eigenen 5stanLidaturen teil. Die in Limoges beschlossene Enquete über die Landfrage wird bald in ihren Resultaten verarbeitet vorliegen. Der vom Genossen V a r e n n e verfaßte Bericht der Fraktion ist ein Anklageakt gegen die Re- gierung Clemenceau, deren vollständiges Versagen in der Svzialreform und in der Ausführung des ganzen radikalsozialistischen Programms dargelegt wird: die Kriegs- gerichte werden aufrecht erhalten; die Regierung wagt nicht, den Widerstand des Senats gegen die Verstaatlichung der Westbahn zu brechen; die Altersversicherung ist einer wohl- berechneten Verschleppung preisgegeben, und kein Mensch glaubt mehr an ihre Vollendung in der jetzigen Legislatur- Periode; gegen die Einkommensteuer betreibt die Groß- bourgcoisie eine Campagne, die in einem Teil der Mehrheit entgegenkommendes Verständnis findet. Dazu die geplante Verschlechterung des Rnhetagsgesetzes. Dieser� Politik der Preisgebnng und der Ohnmacht entspricht die wachsende Tendenz, den Forderungen der Arbeiterschaft entgegenzutreten und in der Verwaltung das alte autoritäre Verfahren wieder- herzustellen. Hierher gehören die gerichtlichen Verfolgungen der Gewerkschaftler und die Aufhebung der Organisations- freiheit der Äeamen. Das„Meisterwerk" dieser po- litischen Methode aber war die Haltung der Regierung gegen- über der Winzerbewegung, ihr Entgegenkommen und ihre Protektion im Beginn und die plötzliche Schwenkung zur sinnlosen Gewalt. Und die Kammer gab trotz des Protestes der Sozialisten Herrn Clemenceau die geforderte Vollmacht zu seiner blutigen Arbeit. Tie Fraktion hat sich jederzeit für die gefährdeten bürger« lichen Freiheiten eingefetzt. Ihre Mitglieder haben ferner in den Kommisstonen mit vollem Eifer die sozialen Reformen zu fördern getrachtet. Die sozialistischen Redner stellten aber auch immer, wo es anging, den bürgerlichen Reformen die sozialistische Lösung entgegen. In der aus- w ä r t i g e n Politik hat die Partei wie immer eine wachsame und tätige Kontrolle geübt, das Treiben der internationalen Finanz aufgedeckt und gegen die endlosen militärischen Rüstungen Einspruch erhoben. Endlich wird auch die gesteigerte agitatorische Arbeit der De- putierten sowohl in der allgemeinen Propa- g a n d a als auch bei Ausländern hervorgehoben. Eine ausführliche Darstellung widmet der Bericht der Erhöhung der Abgeordnetenentschädigung: Ueber die Gerechtigkeit und die Zweckmäßigkeit des von anderen Parteien ausgegangenen Antrags waren die Mci- nungen in der Fraktion geteilt. Nachdem aber der Beschluß gefaßt war. war sich die Fraktion darüber vollkoimnen einig, daß der Zuschuß der Partei zur Verstärkung ihrer Propaganda zur Verfügung gestellt werden sollte. In diesem Sinne hat denn auch der Nationalrat der Partei Verfügungen getroffen. Der Bericht zahlt endlich die von den sozialistischen De- putierten gestellten Anträge auf und schließt mit der Er» klärung. daß die Fraktion bereit sei, mit den ehrlichen Demo- kraten die politischen Freiheiten und die sozialen Reformen zu verteidigen und zu vermehren. Entschlossen, jede redliche Reformarbeit, von wem sie auch in Angriff genommen werde. zu unterstützen, sei sie auch bereit, wenn die Parteien der Linken im Bankrott versinken, ganz allein die vergessenen Versprechungen und die zerrissenen Programme im Interesse des Proletariats wiederaufzunehmen:„Trotz der Schwierig- leiten des Augenblicks wollen wir unser Vertrauen zur Demo- kratie voll bewahren, die den Triumph des befreienden Sozialismus vorbereitet. Je mehr die konservativen Par- teien ihre Ohnmacht bekennen oder sichtbar machen, desto deut-. licher wird der Sozialismus als die große lebendige Kraft des Fortschritts erscheinen. Und immer stärker wird die Not- wendigkeit der völligen Umgestaltung der.Gesellschaft hervor- treten." Liberale englische Diplomatie. London, 25. Juli.(Eig. Ber.)' Wie der Telegraph gestern meldete, werden die diplomatischen Verhandlungen zwischen London und Petersburg wegen des cnglisch-rufsischen Abkommens in einigen Wochen zum Abschluß kommen. Die Männer der liberalen Regierung, mit dem Friedens- äpostcl Sir Campbell Bannermann an der Spitze, können es also mit ihrer Politik und mit ihrer Würde vereinbaren, mit einem. System einen Pakt zu schließen, welches ein konservativer Schriftsteller von Ruf. C. Diccy, in einer Revue dieser Tage also charakterisierte: „Die Konferenz(gemeint ist die Konferenz im Haag) hielt ihre Eröffnungssitzung genau an demselben Tage, an dem der Zar die Duma auseinandertrieb, so alle Ideen einer kon- stitutionellen Regierung mit Füßen trat und sich noch einmal als absoluter Diktator erklärte, als der von Gott ernannte Herr und Meister, dessen Wiste Gesetz ist und der für seine Taten nur Gott verantwortlich ist. ES ist nicht anzunehmen, daß ein Herrscher, der seinem eigenen Volke gegenüber so handelt, einer fremden Macht gegenüber gewissenhafter handeln wird»" T Mit dem Reßräsentanten eines gewissenlosen Systems, dem jeder moralische Rückhalt fehlt, schließt nun also die englische Regierung, die doch vorgibt, die Freiheit und den Frieden zu fördern, einen Vertrag, dessen Tragweite man zwar heute noch nicht zu ermessen vermag, der aber nur zu leicht dazu benutzt werden kann, den Zarismus nach innen und nach außen.zu stärken. Zwar hat die Regierung durch einen ihrer Unterbeamtcn im Parlament vor einiger Zeit mitteilen lassen, daß es sich bei diesem Vertrag nur darum handelt, bestimmte Grcnzfragcn in Asien zu regulieren, aber wer bürgt dafür, daß der Zarismus mit Hülfe des Vertrages nicht seine zerrütteten Positionen auf- bessert? Bei den Bündnissen und Vereinbarungen zwischen einzelnen Staaten hat es sich anfänglich oft nur um die„Rcgu- lierung von Grenzfragen" gehandelt. Aber Rußland steht jetzt am Rande des Bankrotts. Wird das Ansehen eines solchen Staates nicht ganz unwillkürlich und unnatürlich gehoben, wenn ein mächtiges Reich von dem Einflüsse und der Tradition, wie England sie nun einmal besitzt, dem Zaren die Hand zu irgend welchen Diensten darbietet? Das ärgste an dey Sache ist, daß die ganzen Verhandlungen im Dunkeln, von einer unkontrollierbaren Diplomatenklique, geleitet werden, und daß die Vereinbarungen zustande kommen, ohne daß das Parlament auch nur ein Wort dazu zu sagen hätte I Die Minister reden sich im Lande die Zunge wund, um darzutun. daß die Macht der Lords gebrochen werden müsse, damit das Unter- hau? den„Willen des Volkes" zum Durchbruch bringen könne. Wo aber bleibt der„Wille des Volkes", wenn sogar das Parla- m e n t im unklaren ist über die auswärtige Politik der Regierung? Wo bleibt die parlamentarische Regierung und daS System der der- antwortlichen Minister, wenn diese nicht gezwungen werden können, Rechnung über ihr Vorgehen abzulegen? In Frankreich kann man einen Minister interpellieren, und er muß Rede und Antwort stehen. In England kann man an einen Minister eine Anfrage stellen, der aber ist imstande, wenn er will, die „Beantwortung" zu einer unverständlichen Lächerlichkeit herab- zudrücken dadurch, daß er dem Parlament einfach fernbleibt und seinem UnterstaatSsekrctär eine gedruckte Antwort mit auf den Weg gibt. Diese„Antwort" wird dann vom Papier abgelesen, und daS Parlament ist nicht in der Lage, irgend et>'/as Weiteres zu unternehmen. In ihrer auswärtigen Politik ist die liberale Regierung reaktionärer als die letzte konservative Regierung. Sir Eduard Grey, der Minister des Aeußeren, ist ein verstockter Dunkelmann, der bis heute in den meisten Dingen ängstlich und zaghaft den Spuren seines konservativen Vorgängers Lord LanS- downe folgte, aber da, wo er andere Wege betrat, die er- staunlichsten Fehltritte machte. Während Lord Lansdowne und die konservative Regierung bor und bei Beginn des russisch- japanischen Krieges eine Politik befolgte, die vor allen Dingen die Kniffe und Schliche der russischen Diplomatie erfolgreich durch- kreuzte, scheint der liberale Sir Eduard Grey es als seine Haupt- aufgäbe anzusehen, dem russischen Zarismus irgend welche Dienste zu leisten! Das Liebäugeln der englischen Regierung mit dem Zarismus verstößt vollständig gegen alle Traditionen der englischen Diplomatie vergangener Tage. Man braucht nur daran zu er- innern, daß die konservative Regierung die diplomatischen Beziehungen mit Serbien abbrach, als dort das Königspaar er- mordet wurde, und daß man die Beseitigung der Königsmörder aus der neuen Regierung verlangte, ehe die Beziehungen wieder erneuert wurden.—» Aber nicht allein das— die auswärtige Politik der Regierung steht auch vollständig im Widerspruch mit dem Programm, welches die jetzigen Staatsmänner im Parlament entwickelten, als fte sich in der Opposition befanden. Diese Leute halfen große Protest- dcmonstrationcn organisieren gegen die türkische Mißwirtschaft, gegen die bulgarischen Greuel, ja ihr„englisches Gcrechtig- keitSgefühl" wurde zur Zeit des DreysuSskandalS so empört, daß man nach der Verurteilung des Kapitäns eine Protestdemonstration inszenierte. Gegen die Regierung aber, die Progrome organisiert, die die unbeschreiblichsten Torturen gegen die Gefangenen in den Rigaer Gefängnissen verüben ließ, die jede freie Regung des russischen Volkes mit Mord und sibirischer Verbannung belohnt, gegen eine solche Regierung hat der Liberalismus von heute nichts einzuwenden, mit einer solchen Regierung pflegt er diplomatische Unterhandlungen und schließt er ein Abkommen! Sage mir, mit wem du umgehst..,,, Politische Oeberfiebt Verlin. den 27. Juli 1907. Demütige Opfer des Intellekts. Der Erzbischof von Bamberg und der Bischof von Regens- bürg folgen den Spuren des Freiherrn v. Hcrtling. Nachdem dieser jede Interessengemeinschaft mit der katholisch-„frei- manrerischen" Liga von Münster abgelehnt hat, kommen auch die beiden geistlichen Würdenträger mit einer Erklärung, daß sie stets die„theologischen Irrtümer" des Prof. Schell Vcrivorfen und mit ihrer Unterschrift unter dem Sammlungs- aufruf für ein Schell-Denkmal durchaus keine Demonstration gegen die in Rom herrschende Clique beabsichtigten. In dem wehmütigen Plaidoyer der beiden Seelenhirten um die römische Gunst heißt es: „Um Mißverständnissen und Verdächtigungen zu begegnen, sehen sich die Unterzeichneten veranlaßt, zu erklären: 1. Daß sie die theologischen Irrtümer Schills in dem Sinne und in der � Ausdehnung, in der sie von der Kirche verworfen wurden, gleich- falls verwerfen und bedauern, und sie allzeit verworfen und bedauert haben; hieraus haben sie auch nie und niemandem gegenüber ein Hehl gemacht, ebenso wenig darüber, daß die Kirche guten Grund hatte, gegen ver- schiedene theologische Anschauungen SchellS vor- zugehen und sie zu verurteilen; 2. wenn sie trotzdem ihre Unterschrift zu einer Sammlung für ein Grabdenkmal SchellS gaben— und nur von einem Grabdenkmal spricht der > Anfruf—. so taten sie dies in der Ueberzcugung und in den: Bewußtsein, daß dieser Akt der Pietät gegen den, zudem in nahezu dürftigen Verhältnissen dahingeschiedenen Freund und Kollegen nach keiner Seite hin Anstoß erregen könne, nachdem ja der Ver- storbene seinerzeit sich dem kirchlichen Urteil unterworfen hatte und im Frieden mit seiner Kirche auö dem Leben geschieden war; in dieser Uebcrzeugung bestärkte sie die beim Tode ' Schells aus den weitesten katholischen Kreisen bekundete ' tiefe und aufrichtige Teilnahme, die in dem Verstorbenen nicht nur den begeisterten Lehrer nnd Redner und den edeln, all- zeit hlllfsberciten Mann, sondern gerade auch und vor allem den seiner Kirche treugebliebenen Katholiken ehren wollte; 3. sie müssen deshalb jeden Versuch, diesen, Pietätsakt, an dem sie sich in .diesem Falle selbstverständlich nie beteiligt haben würden, den Sinn und die Vedentung irgendwelchen -DemonsirationsakteS gegen die Kirche„„d ihr Verfahren gegen Schell zu geben, mit aller Entschiedenheit zurückweisen."— Geheimes Militärkabinett. Seit einiger Zeit kursieren allerlei Gerüchte, daß der jetzige Chef des Geheimen Militärkabinctts deS Kaisers, der Graf v. Hülscn- Häseler den Wunsch hege, in die Front zurückzukehren, und daß an seine Stelle der General v. Mackensen zum Leiter des MilitärlabinettS ernannt werden würde. Bon offiziöser Seite wurden diese Gerüchte wiederholt dementiert. Nach Versicherung der„Mil. Pol. Korrcsp." soll jedoch etwas Wahres an ihnen sein. Graf Hülsen-Häseler werde, so meldet das Blatt, wahrscheinlich das Kommando des (hannoverschen) Regiments erhalten, während an seine Stelle als Chef des Geheimen Militärkabinetts voraussichtlich Freiherr von und zu Egloffstein treten werde. „Als wahrscheinlicher neuer Chef deS Militärkabinctts ist verschiedentlich der Kommandeur der 36. Division, Generalleutnant v. Mackensen, bezeichnet worden. Diese Kombination entbehrt schon darun, der inneren Berechtigung, weil wohl nur ein im Patente erheblich jüngerer General als Exzellenz v. Mackensen für eine Stellung in Frage kommen kann, die ihrem Charakter und ihrer Tätigkeit nach keinen allzu häufigen Wechsel verträgt. Sowohl Generai v. Albedyll wie Generalfeldmarschall v. Hahuke und der jetzige Inhaber sind als junge Generalleutnants an die Spitze des Äilitärkabinetts getreten und haben lange Jahre diesen hervorragenden kaiserlichen Vertrauensposten inne gehabt.... Man nimmt daher mit emiger Sicherheit an, daß der Kommandeur der 26. Division in Hannover, Generalleutnant Freiherr von und zu Egloffstein der neue Chef des Militärkabinetts sein wird. Egloffstein ist seit l'/z Jahren in seiner jetzigen Stellung und tvar stüher ÄbteilungSchef'im Kabinett."— Ein nuffiilligcs Urteil. Wie aus Konstanz berichtet wird, hätte sich bort am 23. d. M. vor der Strafkammer der 36jährige verheiratete Forstassessor und Reserveoffizier Konstantin Schaier von Radolfzell, stüher in Vil- lingen, wegen Verbrechens gegen§ 173 Llbs.. 3 Str.-G.-B. zu verantworten. Zu der Verhandlung waren 30 Zeugen und 2 Sachverständige geladen; zwei Verteidiger waren erschienen. Schaier war be» schuldigt, im November 1964 an der noch nicht 13jähcigen Anna Meier, Tochter eines Bremsers in Villingcn, besagtes Verbrechen begangen zu haben. Die heute 1b Jahre alte Meier gibt wiederholt und bestimmt an: am 17. oder 18. November 1964 sei sie als Lauf- mädchen bei der Familie Schaier von Forstassessor Seh., als dessen Frau abwesend war, aufgefordert worden, zu ihren Eltern zu sagen, daß sie heute nacht bei Frau Schaier schlafen müsse. Sie habe dies getan und der Vater habe gesagt, daß sie von der Mutter bis zum HauS Sch.s begleitet werden müsse. Das tat die Mutter nach deren beeidigter Aussage auch. Anna sei dann von Assessor Schaier in das Schlafzimmer geführt und veranlaßt worden, sich in das Bett der Ehefrau Sch. zu legen. Als sie dies getan, sei auch bald Sch. neben sie ins Bett gestiegen und habe darauf das Verbrechen wiederholt an ihr begangen. Am Morgen habe Schaier ihr 26 Pf. gegeben und sie heimgeschickt, nicht ohne ihr vorher eindringlich ans Herz zu legen, daß sie von dem Vorkommnis ja nichts verrate. Der Angeklagte leugnet alles, wie er auch durch die ganze Untersuchung hindurch in Abrede gestellt hat, mit seiner Dicnstmagd Barbara Möß etwas Derartiges gehabt zu haben. Als diese aber unter Eid aussagte, daß sie von Schaier im Ehebett der Frau Sch. öfters geschlechtlich gebraucht worden sei, sagte er, daß er sich an etwas Derartiges nicht mehr erinnern könne. Die Verteidigung führte bezeichnenderweise aus, daß der- artige Verbrechen ja fast ausschließlich nur von Arbei» tcrn und ungebildeten Klassen begangen werden, ein Mann von Stand und Bildung des Angeklagten zu solchen Taten nicht fähig sei. Das Gericht scheint sich diesen Ausführungen angeschlossen zu haben, denn es sprach den Herrn wegen„Unglaubwürdigkcit" des Mädchens frei.— Erfolge der Polenpolitik. Ungeheuere Summen hat die preußische AnsicdelungSkommis- sion in den letzten Jahren verbraucht, um den polnischen Grund» besitz zurückzudrängen— und der Erfolg ist, daß selbst In früher fast rein deutschen Gegenden die Polonisicrung ständig fortschreitet. Auch im nördlichen Teil NicdcrschlesienS mächen die Erwerbungen von Grundbesitz durch das Großpolcntum schon seit Jahren immer weitere Fortschritte. Diese Polonisicrung ist von Posen ausge- gangen und setzt sich mit systematischer Zähigkeit nach Süden fort. Tie ehemals rein deutschen Kreise Fraustadt und Glogau sind be- rcits stark durchsetzt. Anstatt nun aber aus diesem kläglichen Er- gcbnis der offiziellen Polenpolitik das Fazit zu ziehen, daß diese Politik nutzlos ist, schreit die sogen, patriotische deutsche Presse in den polnischen Gegenden nach einer verstärkten Neuauflage des bisherigen Verfahrens unter rücksichtsloser Anwendung verfassungs. widriger Zwangsmittel. So meint z. B. die„Schlcs. Ztg.", für die Stantsrcgicrung erwachse aus dieser Gefahr die„heilige Pflicht", so schnell wie möglich das Cnteignungsrecht zu erlangen; denn die polnische Besitzergreifung schreite in südlicher Richtung un- aufhaltsam fort; sie sei bereits mit Erfolg in den Kreis Freystadt eingebrochen und bemüht, auch im Kreise Cprottau festen Fuß zu fassen. Daß das geforderte Enteignungsrccht der Verfassung wider- spricht, geniert das konservative Blatt nicht im geringsten. Der Zweck heiligt die Mittel.—_ Reeder-Logik. Am 13. Februar dieses Jahres wurden 95 Schauerleute der Amerika-Linie nach Cuxhaven beordert, um den Tanipfer „Auguste Viktoria" mit Kohlen zu versehen. Infolge Nebels traf das Schiff mit Verspätung ein, so daß die Schauer- leute erst nach sieben Stunden an die Arbeit gehen konnten. Diese Wartezeit verlangten die Arbeiter mit 75 Pf. pro Stunde bezahlt, was die noble A.-L. ablehnte mit der Be- gründung, der Dampfer sei durch höhere Gewalt resp. cle- mentare Ereignisse verhindert worden, rechtzeitig an der Arbeitsstelle zu erscheinen. Der Tarif sieht nämlich vor, daß gewisse Fälle— höhere Gewalt— von den Bestimmungen entbinden. Sonst muß, wenn innerhalb drei Stunden nach Ankunft der Arbeiter ohne deren Schuld nicht mit der Arbeit begonnen werden kann, die Stunde mit 75 Pf. vergütet werden. Tie Arbeiter verklagten die A.-L. beim Gewerbe- gericht auf Auszahlung von insgesamt 594 M. Sie machten geltend, daß eine Entbindung von den tariflichen Be- stimmungen nur stattfinden dürfe, wenn Hindernisse durch höhere Gewalt oder durch„elementare Ereignisse" auf der Arbeitsstätte vorlägen. Anderer Ansicht war das Gc° Werbegericht, das den Nebel als ein elementares Ereignis im Sinne der qu. Tarifbestimmung ansah. Das Gericht hielt sich strenge an den Wortlaut des Tarifs, in dem die Worte „auf der Arbeitsstätte" nicht enthalten sind. Gegen dieses Urteil legten die Kläger Berufung beim Landgericht Hamburg ein, dessen 6. Zivilkammer zugunsten der Kläger entschied, indem es das Urteil der ersten Instanz aufhob und die Sache zur Verhandlung und Entscheidung über die Höhe des Anspruchs an das Gewerbegericht zurückverwies. Der klägerische Anspruch wird dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. In den interessanten Urteils- gründen wird eingehend erörtert, was höhere.Gewalt und elementare Ereigttisse lm allgemeinen sind ü'nd was Mter „elementares Ereignis imSinne des Lohn» tarifs" zu verstehen ist. Jedes von außen kommende Naturereignis, so wird unter anderen: ausgeführt, das logisch unter den Begriff„höhere Gewalt" fällt, könne nicht von den Verpflichtungen des Tarifs entbinden, weil die meisten Schiffsverspätungen durch Nebel, unsichtiges Wetter, Schnee- stürme, Regenböen usw. entstehen. Solche Ereignisse, die immer wieder eintreten, könnten nicht zu den Ausnahme- fällen im Sinne des Tarifs gerechnet werden, weil sie in der Regel die Veranlassung sind, daß mit der Arbeit nicht rechtzeitig begonnen werden kann. Daher ist der Sinn des Tarifs nicht der, daß darunter auch Fälle solcher Art wie die erwähnten, die nicht zu den Seltenheiten gehören, zu rechnen sind, sondern nur solche Ereignisse, die ganz sporadisch, in seltenen Ausnahmefällen eintreten, wie der Untergang eines Schiffes, eine mit ernsten Folgen verbundene Schiffskollision, das in Brand geraten eines Schiffes Usw. Demnach sei das Eintreten des Nebels und dös Schneesturms, die die Ankunft des Dampfes verzögert haben, nicht als eu: elementares Er» eignis im Sinns des Lohiitarifes anzusehen.— Sozialpolitische Vorlagen. Die„Soziale Praxis" weiß über den Stand des sozlalpoliti« schen RegierungSprogramms für die. nächste RcichStagssession zu berichten, daß das Hülfskassengesetz, die Novelle zum Unterstützungs- Wohnsitz— diese beiden sind schon im Reichstag 1966/67 in Kam» Missionen durchberaten worden— das Apothckcngcsetz, der kleine Befähigungsnachweis, die Regelung der Zigarrenhausarbeit fertig sind. Kommissarischen Beratungen unterliegen hingegen gegen. wärtig noch daS Vereins« und Versammlungsgesetz, die Arbeits- kammervorlage, die Entwürfe über den Zchnstundentag der Frauen und die Nachtruhe der gewerblichen Arbeiterinnen, die Ausdehnung der Krankenversicherung auf Heimarbeiter, landwirtschaftliche Ar- beitcr und Dienstboten, die Ausdehnung des Arheiterschutzes auf die Hausindustrie. Andere Materien sind noch zurück in ihren Vorarbeiten, so namentlich die Zusammenlegung der drei Versiche- rungSgesctze. Von all diesen Aufgaben wird der Reichstag in seiner nächsten Session, außer den genannten fertigen Entwürfen, mit Sicherheit die Vorlagen über das R c i ch s- V e r<: i n s- und Versammlungsrecht, den Zchnstundentag der Frauen und deren Nachtruhe und wahrscheinlich auch die Arbeitskammern erhalten. Eine beschämende Statistik. Wie sehr Deutschland an der Spitze der westeuropäischen Zivilisation marschiert, veranschaulichen folgende Zahlen der amt- iichcn Statistik: 1963 wurden ausgewiesen 616 Ausländer, darunter 11 Familien mit 37 Personen; 1964 wurden ausgewiesen 605 Ausländer, darunter 8 Familien mit 25 Personen; 1905 wurden ausgewiesen 610 Personen, darunter eine Familie mit 6 Personen. Die letzten Jahre haben diese Austreibungen infolge des Vor- gehenS der Polizei gegen die Russen noch bedeutend vermehrt, sodaß. Rußland ausgenommen, kein Land die Ausländer so massenhaft von seinem Boden vertrieben hat, wie das neue Deutsche Reich preußischer Nation.— Polizeistreiche. In Düsseldorf war ein junger.Oesterreicher, ein ruhiger und solider Mensch, als Arbeiter tätig. Eines Tages zeichnet er auf eine Liste einen geringen Betrag ffür jemanden, von dein man ihm sagte, daß. er in Not sei. Diese Liste, die angeblich von anarchisti» scher Seite aNSgfng, ssrrket In lite Hände der Polizei— auf welchem Wege, darüber ist nichts bekannt. Eines Mittags wird der junge Oesterreicher-von zwei Kriminalbeamten vom Essen weg- geholt; eine H> a us s u ch» n-g findet bei ihm statt, wobei etliche Nummern des„Freien Arbeiters" und einige Flugblätter gefunden werden. Dann wird der junge Man» zum Rathaus geführt, man photographiert ihn, nimmt ihm seine Barschaft ab und setzt ihn am 13. Juli im Gefängnis zu Düsseldorf fest. Am 13. Juli schreibt er an den Oberbürgermeister als Oberhaupt der städtischen Polizei; nach drei Tagen wird er in Freiheit gesetzt, wobei man ihm ein Schriftstück einhändigt mit der Weisung, binnen acht Tagen das preußische Staatsgebiet zu verlasscu. Der Betrag, den er auf seiner Arbeitsstelle noch zu erhalten hatte, war von der Polizei für- sorglich abgehoben worden; das Geld wurde dem Abgeschobenen ein- gehändigt— unter Abzug von 76 Pf. als Auslage für eine Droschke, mit der ein Beamter den Koffer des Oesterreichcrs von dessen Wohnung zur Polizei geschafft hatte. Für ihre sonstigen Mühewaltungen auf dem Gebiete der Staatsretterei hat die Düsscl- dorfer Polizei nichts berechnet; jedenfalls weil sie Sil Meinung ist, daß solche Leistungen unbezahlbar sind.— frankreicb. Sozialistische Interpellation. Paris, 27. Juli. Ter Abgeordnete Basly hat die Re» gierung informiert, daß er sie wegen der Einstellung der Untersuchung in der Sache der Katastrophe von Courriäres interpellieren werde.—_ Eine DennnziationSliga. Paris, 26. Juli,.(Eitz. Ber.) Das nationalistische„Echo de Paris" ist mit Erfolg be» strebt, den Konkurrenten in der Verleumdung und Angeberei den Rang abzulaufen. Vox einigen Tagen rückte das saubere Blatt mit dem Plane heraus, zur Bekämpfung der„Vater- landslosen" Lehrern ein über das ganze Land ausgebreitetes Bespitzelungssystem zu schasten.- Ei»„Referendum der Familienväter" wird diese Schurkerei euphemistisch genannt j Alle diejenigen, die von einem„Sabotage der jungen Ge- Hirne"— d. I;. von einem den Pfaffen und Reaktionären nicht gcnchincn Unterricht— wissen, sollen den„Fall" in allen Einzelheiten, dtzr Redaktipn. mitteilen! Diese„Enquüte" soll keineswegs,.so. behauptet das Blatt, zu denunziatorischcn Zwecken dienen, wozu aber sonst, das erfährt man freilich nicht. Nun-ließe sich doch aber die„Petition der Familien- väter", die das„Echo de Paris" ankündigt und für die es alle„guten Franzosen" aufruft, doch auch ohne diese Gamm- lung von Angebereien ins Werk setzen. Uebrigens wird heute noch eine zweite, festere Organi- sation der Schulspionage angekündigt: Ein Herr Gur» n a u d, seines Zeichens Rechtsanwalt, macht für einen Elternverband Propaganda, der in der Provinz gegründet worden ist, jetzt aber auch ein Sekretariat in Paris be- kommen hat: Der Gedanke der Elternabende, der von mo- dernen Pädagogen als das Mittel eines äußerst' wertvollen Zusammenwirkens von Schule und Haus geschätzt wird, ist hier gerade in sein Gegenteil verkehrt, in eine Bekämpfung des Wirkens' ddr Lehrer durch die Familie. Die Elternvcr- einegungen des.Herrn Gurnaud sollen„die Geste, die d e m L e h Ue t i'M p o n'i e r t." machen, d. h. sie sollen den Lehrer, dessen Unterricht ihren Meinungen nicht, zusagt, um sein Amt bringen oder ihn durch die stetige Drohung ein- schüchtern.».Die bloße Existenz der Vereinigung wird den Lehrern Respekt einflößen", sagt 8er edle Propagandist 8es Bundes. Es ist offenbar, daß die Zwecke der Vereinigung nur erreicht werden können, wenn die Schulkinder darauf dressiert werden, ihre Lehrer zu kontrollieren und zu denun- zieren. Und eine solche infame Demoralisierung der Jugend, eine solche systematische Zerstörung ihres Vertrauens zu ihren Erziehern, ohne das eine gedeihliche pädagogische Wirksamkeit undenkbar ist, nennt man ein„patriotisches Werk"� Italien. Pro Rasi. Palermo, 27. Juli. Aus Girgenti wird berichtet, daß gestern eine neue Kundgebung für den Exminister Rast stattgefunden hat. Etwa 1000 Personen veranstalteten einen Demonstrationsumzug durch die Straßen. Truppen schritten ein, um die Kundgeber zu zerstreuen. Diese leisteten Widerstand, es kam zu Zusammenstößen, wobei viele Personen verletzt wurden. 200 Verhaftungen wurden vorgenommen. In Palermo fand eine separatistische Versammlung statt, organisiert vom Komitee zur Verteidigung Nasis.. Dänemark. Lotteriemonnment für Christian IX. Einige wohlhabende Leute auf der Insel Fünen sehnten sich nach buntem Ordensschmuck und dachten dies hehre Ziel am ehesten durch Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen König zu erreichen. Hoch zu Roß sollte er, ein anbetungswürdiges Bild hoher Herrschertugend, die fünische Hauptstadt Odenso schmücken. Aber ihr Opfermut reichte nicht aus, das nötige Geld zusammenzubringen. Da beschlossen sie, eine Denkmals-L o t t e r i e zu veranstalten, wozu allerdings die ministerielle Genehmigung nötig war. Justiz- minister Alberti zeigte sich auch hier als ein Mann, der die Be- dürfnisse des„Volkes" zu würdigen weiß. Er sanktionierte das sonderbare Unternehmen und Christian wird nun sicherlich sein Reiterstandbild von Sp.ielteufclsgnaden erhalten. Vielleicht wird man anderorts dem Beispiel der Herren von Fünen folgen. Dann kann eine schöne Industrie von Lotterie-Monumenten erblühen.— Selbst konservativen Blättern geht aber dieser neueste Lotterie- unfug zu weit. Am schärfsten wird er selbstverständlich von der sozialdemokratischen Presse verurteilt. Unser Bruderorgan in Kopenhagen bemerkt z. B. u. a.: „Es ist eine Schande, daß wir nur alle drei Jahre Wahltag haben. Die öffentliche Meinung sollte mindestens in jedem Jahre einmal Gelegenheit haben, Gericht zu halten. Dann würden wir schneller mit diesem elenden Ordens-, Titel-, Spekulations- und Lotterie-Ministerium fertig werden." GewcrfefchaftUcbefj. Staatsgruben— Mustergruben. Staatsbetriebe sollen bekanntlich Musterbetriebe sein, jedoch hat man in dieser Beziehung recht sonderbare Erfahrungen machen müssen. Auch die Bergleute im Ruhrrevier wissen nun bald, was es mit diesen„Musterbetrieben" für eine Bewandtnis hat. Wie sich die dortigen Staatsgruben den anderen Gruben als Musterbetriebe geben, davon ein Beispiel. Es ist bekannt, daß bei früheren Lohnkämpfen auch immer lebhafte Klage geführt wurde über die lange Liste der Ab- züge in den Lohnbüchern, so daß an den Lohntagen sehr oft nichts mehr ausgezahlt wurde, nicht selten sogar noch Schulden blieben. Zum näheren Verständnis lassen wir hier erst einen Lohnzettel folgen, wie er auf den P r i v a t g r u b e n üblich ist. Der Lohnzettel eines auf einer Privatgrube arbeitenden Bergmannes sieht also aus: Nr. des Lohnzettels.... Krankenkassen-Arbeitstage Lohn für.... Schichten........ M. Pf. Davon gehen ab: 1. Beitrag zur Krankenkasse....... 2. Beitrag zur Pensionskasse....... 3. Nachzuzahlende Gefälle........ 4. Alters- und Invalidenversicherung.... 6. Gezähe.............. 6. Lampenreparatur.......... 7. Strafen zur Unterstützungskasse..... 8. Lohnarreste Wir können glauben, daß hier findige Köpfe ihr mög- lichstes geleistet haben, und daß es eine Preisaufgabe wäre, noch sonst etwas zu finden, was man den Bergleuten noch mehr abziehen könnte. Nun wird den rheinisch-westfälischen Grubenbaronen Wohl bald die Erkenntnis kommen, was als „Mustergrube" anzusehen ist. Es versteht sich, daß die Löhne und Arbeitsverhältnisse auf Zeche„Waltrop" ebenso„muster- Haft" sind, wie der obige Lohnzettel. Der„Pütt" ist denn auch als„Taubenschlag" unter den Bergleuten bekannt und „königlicher" Bergmann zu sein, gilt ihnen gar nicht der- lockend._ Berlin und Umgegend« Zum Bäckerboykott. Die Scharfmacher der Innungen, an erster Stelle der Ober- mcister Schmidt aus der Fruchtstraße, arbeiten jetzt im Verein mit den Häuptlingen der Gelben mit Hochdruck an der Gründung von Mitgliedschaften des„Arbeitgeber-Schutzverbandcs" und gelber Ortsvereine. Viel Glück scheinen die Leutchen ja mit ihrer Agita- tion nicht zu haben, denn die bewegten Klagelieder, die Schmidt und Konsorten überall wegen der Interesselosigkeit der Bäckermeister und der Einsichtslosigkeit der Gesellen anstimmen, lassen deutlich erkennen, daß die aufgewendeten Gelder bei weitem nicht die Er- folge zeitigten, die man erwartet hatte. Vom Geben waren die Bäckermeister schon von jeher keine Freunde und sollen sie nun auch noch die hohen Beiträge für den Arbeitgeber-Schutzverband bezahlen, der sich bei der letzten Lohnbewegung so überaus schmutzig gezeigt hat, indem er Bäckermeister, die an Kundenschwund litten, mit Bettelgroschcn abzuspeisen versuchte und— das gröbste von allem — sie schließlich an die Armenkommission verwies. Fast in allen Orten herrscht eine starke Antipathie gegen die Gründung von„Schutzverbänden" vor. Es haben sich dem„ruhmvollen" Bei- spiel Berlins nur noch die Innung in Eberswalde und in Lucken- walde angeschlossen. Fast rührend ist es, die Jeremiaden des Oberscharfmachers Schmidt mitanzuhören, der überall erklärt, die Bäckermeister stimmen wohl Resolutionen zu, die aber nachher achtlos beiseite gelegt werden. Wie mag dem Herrn erst zumute gewesen sein, als er das Protokoll der letzten Ouartalsversammlung der Steg- litzer Bäcker-Zwangsinnung zu Gesicht bekam? Von den dortigen Meistern wurde der Schutzverband in Grund und Boden getreten. Die Unterstützungsgesuche der durch den Boykott„schwer geschädig- ten" Bäckermeister habe man einfach nichtachtend behandelt, so daß die Jnnungsmitglieder unter sich Geldsammlungen ver- anstalten mutzten, um ihre geschädigten Kollegen wenigstens vor der Inanspruchnahme öffentlicher Mildtätigkeit zu bewahren. Die „dienstbaren Geister"(Vorstand) hat man als Luft betrachtet.— Einstimmig kam die Meinung zum Ausdruck: Wir brauchen keinen Arbeitgeber-Schutzverband. Den größten Zorn der Bäckermeister erregt eS augenblicklich aber, daß auch die„Gelben" anfangen, rebellisch zu werden. Der den Verbandsgesellen zu gewährende freie Tag fängt an. auch ihre„Begehrlichkeit" zu reizen und müssen jetzt„Ehren-Hart- mann" und Wischnöwski, die Führer der Gelben, ihre ganze Feder- und Zungengewandtheit aufbieten, um die aufkeimende Erkenntnis von der Nützlichkeit kultureller Arbeitsverhältnisse in einem Meer von Lügen gegen den Bäckerverband zu ersäufen. Ob die dem Verbände noch fernstehenden Gesellen wirklich so töricht sind, sich auf die Dauer der Förderung ihrer eigenen Interessen zu verschließen, wird die Zukunft lehren. v. Wohnungsmiete. 10. Abschlag in bar 11. Kartoffeln... 12. Landpacht... Zeche Fürst Hardenberg. Bisher bräuchliche Zusammen... Bleiben zu zahlen (laubten die Bergleute, daß diese allgemein ge- lZiste hinreichend genüge, ihnen den so schwer verdienten Lohn wieder abzuknöpfen. Indessen verstehen die fiskalischen Gruben im dortigen Revier dies Geschäft noch viel rationeller, und sie haben sich auch auf diesem Gebiete bemüht, den Privatgruben als„Mustergruben" dienen zu können. Zum Beweise fügen wir hier einen uns vorliegenden Lohnzettel des staatlichen Steinkohlenwerks„Waltrop" an. den wir mit dem Lohnzettel von Privatgruben zu vergleichen bitten. Ein Lohnzettel von Zeche„Waltrop" sieht also aus: Nr..... der Lohnliste .... Arbeitstage Lohn für.... Schichten M. Pf. Davon gehen ab: 1. Oelgeld............. 2. Gezähe und Lampenkosten....... 8. Abschlag............. 4. Außergewöhnlicher Abschlag bezw. Vorschuß. b. Lohuschuld............ 6. PensionSkasse........... 7. Krankenkasse............ 8. Invalidenversicherung........ 9. Feierschichtengeld und nachzuzahlendes Knapp- schaftsgesälle............ 10. Für Wurmuntersuchung........ 11. Arreste und Pfändungen....... 12. Stenern............. 13. Kartoffeln, Kohlen, Holz....... 14. Pachte und Mieten......... 15. Mietbestimmungen.......... 16. Gummianzüge........... 17. Fensterscheiben........... 18. Schadenersatz wegen Vertragsbruches... 19. Strafen für ungenügende oder vorschrifts- widrige Förderung......... 20. Sonstige Strafen.......... LI. Familienkrankenscheine....>... 22. UnterstützungSkasse(überschießende Pf.).. (Für unvorhergesehene Fälle) Zu empfangen und laut Lohnliste zu zahlen Hiervon ab für ein Lohnbuch,... � Bleiben. Steinkohlenbergwerk Waltrop. In der Zersetzung. In einer der„gelben Gewerkschaften", dem Gutenberg- b u n d, der sich im vergangenen Jahre den„Christlichen" an- geschlossen hat, fängt es an mächtig zu rumoren. Die Berliner Bündler. 250 an der Zahl, die seinerzeit gegen den Anschluß gestimmt hatten, weil ihnen das„ ch r i st l i ch-p a t r i o t i s ch e" Ge- baren der Bundesleitung wenig Sympathie einflößte, sollen nach Ansicht der Bundesleitung einen„G e h e i m b u n d" gegründet haben, um im Stillen für den deutschen Buchdrucker- verband zu wirken. Vier dieser„Verschwörer" Mußten am Sonnabend, den 20. Juli d. I. ihre Missetaten mit dem Ausschluß aus dem Bunde büßen I Der Bundesvorstand glaubt nun, mit diesem Anschlag aus langjährige Mitglieder des Bundes einen heilsamen Schrecken in die Reihen der übrigen Mitglieder zu tragen, damit ihnen die christlich-patriotische Gesinnung des Bundes erhalten bleibe und sie vor dem Gifte des„sozialdemo- kratischen" Verbandes bewahrt werden. O heilige Einfalt! Etwa fünfzig Bündler haben darauf am letzten Dienstag ihren Aus- tritt aus dem Bunde vollzogen und sind dem Verbände beigetreten. In einer Resolution, die sie faßten, erklären sie folgendes: „Die versammelten Kollegen nehmen mit Entrüstung Kenntnis von dem rigorosen Vorgehen des Vorstandes des Ber- liner Buchdruckervereins: Mitglieder, ohne sie gehört zu haben, einfach jahrelanger Rechte zu berauben und auszu- schließen. Die Versammelten erklären als einzig richtige Ant- wort: Austritt aus dem Bunde!" Das haben sich die„Spitzen" des Bundes wohl nicht träumen lassen, daß sie durch ihr Ausschlußverfahren das Solidaritätsgefühl der Bundesmitglieder erweckt haben. Die nächsten Tage werden ja lehren, inwieweit der übrige Teil der Bundesmitglieder von demselben Geiste beherrscht sein wird und die Konsequenzen zu ziehen gewillt ist, damit mit dem Ver- schwinden dieser„christlichen" Vereinigung einem Zustand ein Ende bereitet wird, der den Bestrebungen der modernen geWerk, schaftlichen Bewegung hindernd im Wege steht. Der Verband der deutschen Buchdrucker, der mehr denn 50 000 Mitglieder zählt, braucht allerdings den etwa 2500 Mit- glieder umfassenden Bund nicht zu fürchten; es gebietet ihm aber die Pflicht als moderne Gewerkschaft, den außer seinen Reihen sich noch Befindenden den Eintritt in seine Reihen zu erleichtern. was er auch bei den bereits Uebergctretenen getan hat und weiter tun wird Die Einigkeit und die Geschlossenheit unter allen Buchdruckergehülfen des Reiches herbeizufuhren, das ist sein Prinzip. Den Zersplitterern in der deutschen Buchdrucker- bewegung muß die einzig richtige Antwort gegeben werden, die in der Resolution der Berliner Bündler festgelegt ist: Austritt aus dem Bunde! Achtung! Herrenkonfektion! Da die Kollegen der Firma Unger u. Co.. Neue Friedrichstr. 37. sich zurzeit im Streik befinden, verhängen wir über diese Firma die Sperr e.. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen. Achtung, Kleber! Für Kleber gesperrt sind folgende Firmen: Otto. Bauten: Friedelstr. 37—33, Rixdorf; Holsteinischestr. 47. K n a u e r, Schwedterstr. 77. Unger, Xantenerstr. 6—7, Prinz Regentenstr. 15—16. Helmholtzstraße-Ecke Pariser. S t e i n b o r n. Brandenburgischestr.11, Prinz-Regenten-.Ecke Berlinerstraßo, Branden- burger- und Wegenerstraße-Ecke. Karl Brandenburg, Schwal- bachstraße 1 und Stlibcnrauchstr. 3, Friedenau. Petri, Büsing- straße 14. Neumann, Eberstraße, Odenwaldstr. 21, Friedenau. Zentralverband der Tapezierer, Engelufer 15, IV, 0720. Achtung, Sattler. Täschner, Portefeuiller! In der Taschen- und Gürtelfabrik von Ludwigs u. Cachiarius wurde seitens der Organisation der mit der Lederwarensabrikanten-Vereinigung ab- geschlossene und am 21. Juni vor dem Gewerbegericht festgelegte Tarif für die Gürtel- und Galanteriebranche eingereicht. Die Firma weigerte sich, den Tarif anzuerkennen. Sie schlug jede Verhandlung über den Tarif und besonders die in Betracht kommende Lohnerhöhung von 5 Proz. durch„gütige Vcrmittelung des Herrn Werkführers� rundweg ab. Nach mehrmaligem Versuch zu erneuten Verhandlungen sahen sich die Kollegen und Kolleginnen gezwungen, die Arbeit niederzulegen. Die Firma sucht ourch falsche Nachrichten in der„Volls-Zeitung" zu verbreiten� daß die Forde- rungen ihrer Arbeiter schon längst erledigt wären. Demgegenüber erklären wir, daß sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen wegen Nichtanerkennung des Tarifes sich im Ausstand befinden. Tie Orisvcrwaltung. Achtung! Die Automobil-Garrage R. Strumpf. Wil. mersdorf. Emser straße 44, ist wegen Differenzen sür Kraftdroschkenführer gesperrt. Verein der Droschkenführer Berlins und Umgegend, Mitgliedschaft III des TranSportarbeiterverbandcS. Herr Restanratelir Otto, Rostockerstr. 46, ersucht uns in bezug auf die Veröffentlichung des Zentralverbandes der Schmiede betreffs Arbeitseinstellung bei dem Schmiedemcister Rudowsky um die Aufnahme folgender Mitteilung: Daß die Gesellen durch den Werkführcr gezwungen wurden, bei mir zu verkehren, ist mir nicht bekannt. Der Abzug, der gemacht wurde, beruht darauf, daß sich der fragliche Geselle durch Unterschrift mir gegenüber bereit erklärte, daß ich jeden Sonnabend die Schuld im Kontor des Herrn Rudowsky abziehen kann. Ich wollte durch diese Art der Regelung Verluste vermeiden. DcutCcbes Reich. Nach dem Secmanusstreik. Nach dem Streik der seemännischen Arbeiter im Nord- und Ostseegebiet, der dank des Verrats der englischen, holländischen und deutschen Streikbrecher nur mit einem Teilerfolge der Streikenden in den Ostseehäfen endete, für die Streikenden im Nordseegebiet aber mit der einstweiligen bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit seinen Abschluß fand, entlarven sich die Reeder, speziell in Hamburg und Bremerhaven, in ihrer ganzen Äücksichts- losigkeit gegen die Seeleute, zumal gegen die bisherigen Strei- kenden. Die Hamburger Reeder und der Norddeutsche Lloyd in Bremerhaven versuchen, den Seeleuten geradezu sklavenmäßige Lohn- und Arbeitsbedingungen aufzuzwingen. Sie halten das internationale Streikbrechergesindel einstweilen noch in den deutschen Hafenstädten zurück, um es gegen die organisierten deutschen Seeleute ausspielen zu können. Hinzu kommt, daß der Norddeutsche Lloyd chinesische Kulis heranzieht, um mittels dieser nicht nur die Lohn- und Arbeitsbedingungen der deutschen Seeleute zu verkümmern, sondern sie vor allen Dingen gegen die Organisation ausspielen zu können. Unter diesen Umständen fühlen sich die Oberscharfmacher der Reeder in Hamburg und Bremerhaven obenauf, und kein Mittel ist ihnen zu schlecht, um die Seeleute zur Anerkennung der nichtswürdigen Arbeitsverträge zu zwingen. Der Hauptzweck ihres förmlichen Rachefeldzuges ist natürlich die Schwächung, wenn möglich die Zertrümmerung der ihnen so ver- haßten Organisation. Sie geben sich heute der Hoffnung hin, durch schamlose Matzregelungen alter, befahrener Seeleute, durch Ein- führung entwürdigender Arbeitsverträge und frivole Schikanierung der organisierten Seeleute den Seemannsverband schwächen zu können. Der Verband ist dadurch gezwungen, entsprechende Gegen- maßnahmen zu ergreifen. Die Maßnahme, die der Verband ge» zwungen ist zu ergreifen, ist die systematische Ab» sperrung jedes Zuzuges von wirklichen See» leuten und solchen Arbeitern, die gewillt sind. den Seemannsberuf zu ergreifen, nach den Hafen- städten der Nord- und Ostsee, insbesondere nach Ham- bürg und Bremerhaven. ES werden deshalb die deutschen Seeleute, die heute in den Städten des Binnenlandes weilen oder dort Arbeit an Land gefunden haben, aufgefordert, ruhig bis auf weiteres dort zu verbleiben. Es ist besser für sie, wenn sie am Lande versuchen, irgendwelche Beschäftigung zu finden, als in den Hafenorten in das Joch der Reeder zu kriechen. Der Seemanns- verband fordert auch die Arbeiter der Metallbranchen auf, vorläufig davon abzusehen, zum Seemannsberuf überzugehen, da in allen Hafenorten ein starkes Ueberangebot von Arbeitskräften gerade für das Maschinenpersonal herrscht. Auch Eltern solcher Knaben, die demnächst den Seemannsberuf ergreifen wollen, werden gut tun, den herrschenden Verhältnissen Rechnung zu tragen. Die Klempner und Installateure in Düsseldorf befinden sich feit 14 Tagen im Streik. Die Zahl der Streikenden beträgt 300, denen nur eine geringe Anzahl Arbeitswilliger gegenübersteht. Die feither stattgefunden cn Verhandlungen haben zu keinem Re. sultat geführt. Wenn der Zuzug nach wie vor ferngehalten wird, kann der Erfolg für die Streikenden nicht ausbleiben. Tie Textilarbeiter zu Calw im württembergischen Schwarz» wald sind nach einem uns zugehenden Privattelegramm in einen Streik getreten.— Zuzug ist fernzuhalten. Eingegangene Druchrcbriftcn. Im Berlage der Buchhandlung Vorwärts. Berlin, ist erschienen: „Blut und Eisen." Krieg und K'riegcrtum in alter und neuer Zelt. Hest 42 und 43 sind erschienen. Preis pro Hest 20 Ps.— 24 Heller — 30 Cent. „Kommunale Praxis." Wochenschrist sllr Kommunalpolitik und GemcindcsozialismuS. Nr. 2g. Erster Jahresbericht des Arbeitersekretariats Brandenburg a. H. vom 1. April bis 31. Dezember 1906. 48 S. Selbstverlag, Branden» bürg a. H., Neuftädtscher Markt 2. Simplicissimus- Kalender für 1998. Umschlagzeichnung von Th. Th. Heine. Gcheslet 1 M. Verlag von Albert Langen in München. Letzte JVacbncbten und Depclcbm Getötet. Kattowitz, 27. Juli.(B. H.) Der Wagemneister Bartel von hier wurde jenseits der russischen Grenze in Sosnowice durch zehn Revolverschüsse getötet. Anscheinend liegt eine Verwechselung vor. 11 Häuser niedergebrannt. Karlsbad, 27. Juli.(W. T. B.) In der Gemeinde Tscherno» schin vernichtete eine Feuersbrunst 11 Häuser. Gerettet. Madrid, 27. Juli.(B. H.) Hauptmann Kelidan, welcher einen Aufstieg mit seinem Luftschiffe unternahm und welchen man schon verloren glaubte, hat nunmehr telegraphisch mitgeteilt, daß er von einem englischen Dampfer auf offener See aufgenommen wurde. Der Ausgang eines Militärprozesses. Bukarest, 27. Juli.(W. T. B.) Der Prozeß gegen die Sol» baten und Unteroffiziere, welche im Departement Klaschkas aus Anlaß der letzten agrarischen Unruhen sich ihren Bgrgesetzten vor den Rebellen mit den Waffen widersetzten, ist heute beendet worden. 58 von ihnen wurden zu Degradation und lebenslänglicher Zwangs» arbeit und 17 andere zu verschiedenen Strafen verurteilt. AuS dem Drama der Revolution. Kifcheuew, 27. Juli.(B. H.) Mehrcrc Revolutionäre drangen in das von: Verbände wahrhaft russischer Leute gegründete Waren- magazin, erschossen die Kafsicrcrin und raubten die Kasse aus. Krufchenew beschuldigt die Juden, Raubmorde begangen zu haben. und droht mit furchtbarer Bolksrache. Ein Schiff verbrannt. Anburn(Staat New York), 27. Juli.(W. T. B.) Auf dem Cayugasee ist heute der Dampfer Pontenact verbrannt. Bon fünfzig Paffagieren sind neun ertrunken. Mehrere trugen Ver- letzungen davon. Verantw. Redakt.: CarlWermuth. BerllN'Rixdorf. Inserate verantwT-TblGlockr. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdp. u. Berlagsaystalt Paul Singer& Co.. Berlin SVV. Hierzu IBeilagen. |t. 174. 24. Jahrgang. 1. fidlflw Ks Jonuirts" Inlinn UslksM Smtntns, 28.|alil907. Die Milche(Revolution. Die rofenbc Reaktion. Petersburg. 27. Juli.(Russ. Korr.) Die Repressalien gegen die Presse mehren sich von Tag zu Tag. Vorgestern wurde die angesehene Zeitung„Towarisch" und gestern die Zeitung„Rjetsch" konfisziert. ».' Petersburg. 27. Juli.(B. H.) In Moskau wurde die Sozial- revolutionärin Frunna Fumkin gehängt. Die Fumkin verübte das Attentat auf den durch seine Grausamkeit berüchtigten Kicwer Gen- darmeriegeneral Nowizki. Nach Sibirien verbannt, entfloh sie im vorigen Jahre. Sie erregte hierauf in einem Moskauer Theater. das sie häufig besuchte, den Verdacht, ein Attentat auf den Stadt- Hauptmann Reinboth zu planen. Wieder verhaftet, verübte sie ein Attentat auf den Chef eines Moskauer Gefängnisses, wofür sie zum Tode verurteilt wurde. Laut ärztlicher Untersuchung war sie nor- mal.— Alle, die sie gekannt haben, versichern, daß sie ganz krank- Haft, reizbar und im Affekt unzurechnungsfähig gewesen sei. Von einer Berufung nahm die Fumkin Abstand. Ein Gesuch um Begnadigung, das ihre Eltern einreichten, blieb unberücksichtigt. Polizeiphantafie. Petersburg» 27. Juli. In Kadettenkreisen bezeichnet man die Meldung von der angeblichen Entdeckung eines geplanten Attentats auf den Zaren als Erfindung der Polizei, welche wieder eine» Coup gegen eine Reihe ihr mißliebiger Personen vorbereitet. Huö der Partei. Internationaler Kongreß. Die sozialistischen Gruppen, Buchhändler und Parteien, welche auf dew Stuttgarter Kongreß Broschüren oder Bücher zu verkaufen beabsichtigen, werden hiermit gebeten, ihre Aus- gaben„auf Kommission" an folgende Adresse zu schicken: Firma Paul Singer, Stuttgart. B. D i e tz._ Camille H u y s m a n s. Fachfrage oder Parteiangelegenheit? Wir hatten die Absicht, die Erörterungen über die Frage des PreßbureauS und die Auffassung des Vorstandes des Vereins Arbeiterpresse vorläufig nicht weiterzuspinnen. Eine nach verschiedenen Richtungen hin bemerkenswerte und merkwürdige Auslassung der »Fränkischen Tagespost" erscheint uns jedoch der Berichti- gung dringend bedürftig. Das Nürnberger Parteiorgan schreibt: »Der»Vorwärts" findet diese Aufklärung(gemeint ist die Erklärung des Vorstandes des Vereins Arbeiterpresse) dankenswert, hält aber merkwürdigerweise dann die Diskussion dieser Frage die in erster Linie doch eine Fachfrage ist, im Kreise der Fach genossen und Sachverständigen für„ebenso überflüssig" wie die beabsichtigte Erörterung der Frage,„ob der Verein Arbeiter presse oder die Partei Träger der Einrichtung sein solle." Die Erörterung einer so gestellten Frage wird von keiner Seite beab- sichtigt, wie denn überhaupt der Versuch, die Organisation der'Parteiredakteure in Gegensatz zu derPartei zu st e l l e n, ohne jeden sachlichen Anlaß unternommen ist Gegenüber dieser irreführenden und eine fruchtbare Dislussion erschwerenden, wenn nicht verbindernde» Formulierung der Frage ist es aber notwendig festzustellen, um welche Entscheidung eS sich in Wirklichkeit handelt: soll das Preßbureau eine neue bureaukratische Einrichtung oder soll eS ein Organ der Selb st Verwaltung der Partei- preise selbst sein? Auf der Presse- Konferenz im März wurde ohne Widerspruch von ißgend einer Seite— auch die Redakteure des„Vorwärts" und der„Leipziger Volkszeitung waren anwesend— es für selbstverständlich erklärt, daß die Parteipresse selbst diese Organisation und Zentralisation des Mit arbeiter- und Nachrichtendienstes übernehmen und verwslten müßte. ob man zu diesem Zweck die einmal bestehende Fachorganisation des Vereins Arbeiterpresse benutzen oder ob man eine besondere Organisation schaffen will, ist eine untergeordnete Zweckmätzigkeits frage, die für die Entscheidung der wichtigen Prinzipienfrage nicht in Betracht kommt. Wenn man heute anscheinend im Parteivorstand entsprechend den Wünschen einiger Parteiblätter anderer Ansicht ge worden zu sein scheint, als im März auch die in der Konferenz airwesen den Vorstandsmitglieder waren, so läßt sich darüber diskutieren, und man wird dann vielleicht auch die bisher nicht bekannt gegebenen Gründe für diesen vorläufigdunklenMeinungs- Wechsel erfahren. Nur sollte man jetzt nicht denen Vorwürfe machen, die gutgläubig noch im Sinne jener Meinungen und Zusicherungen in der Preßkonferenz die Angelegenheit weiter erörtern. Der»Vorwärts" stellt sich endlich auf den„Standpunkt", daß „Parteifragcn von der Beratung in den privaten Körperschaften von Parteifunktionären möglichst ausgeschaltet werden sollten.' Gegen diesen eigentümlichen.Standpunkt", daß Fachfragen der Diskussion der Fachgenossen zu entziehen seien, da bei der Organisation unserer Partei all« Fachfragen in irgend einer Weise auch Parteifragen sind, hat glücklicherweise gerade der Partei� v o r st a n d verstoßen. als er jene Preßkonferenz einberief. Da mals hätte das Zentralorgan diesen Standpunkt vertreten müssen, nicht aber jetzt. wo die Berufsgenossen nur die Abficht der Kon- ferenz ausführen." Wir haben dazu zu bemerken: Es ist eine, milde ausgedrückt,.irreführende' Be hauptung der„Fränk. Tagespost", die Erörterung der Frage,„ob der Verein Arbeiterpresse oder die Partei Träger der Einrichtung sein solle", werde»von keiner Seite beabsichtigt". Wir ersuchen die auffallend schlecht unterrichtete Redaktion unseres Nürnberger Bruderblattes, doch einmal den Bericht über die letzte Vorstandssitzung des Vereins Arbeiterpresse in Nr. 67 der„Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse" nachzulesen. Sie wird dort folgende Stelle finden: „Abweichend von dem bisherigen Brauch soll diesmal die Hauptversammlung des Vereins bereits am Sonntag, den 14. September, nachmittags, in Essen beginnen, um genügend Zeit zu erhalten, die Errichtung eines Nachrichtenbureaus der Partei zu besprechen. Namentlich soll die Frage erörtert werden, ob der Berein Arbeiterpreffe oder die Partei der Träger der Einrichtung sein solle und ob der Nach- richtendienst sich bloß auf sachliche Mitteilungen beschränken oder bereits kritisch bearbeitet die Nachrichten versendet werden sollen." Nicht wir, sondern das Vorstand des Vereins Ar- beiterpresse selbst ist also der Verantwortliche für diese, wie die»Fränkische Tagespost" sie nennt,„irreführende und eine fruchtbare Diskussion erschwerende, wenn nicht verhindernde For- mnlierung der Frage". Wir haben den VorftandSbericht nur wörtlich zitiert! Ob die Frage aber durch die den Vorstandsbericht korrigierende Formulierung:„soll daS Preßburcau eine neue bureau- kratische Einrichtung oder soll es ein Organ der Selbstverwaltung der Parteipresse selbst sein" ein� anderes oder auch nur freundlicheres Gesicht gewinnt, möchten wir noch sehr bezweifeln. Welch alte„bureaukratische Einrichtung" der„Fränkischen Tagespost" als Schreckbild vor Augen steht, ver- mögen wir nicht zu erraten; jedenfalls bleibt die Fragestellung die: sollen die berufenen Instanzen der Partei ein hochwichtiges Partei- institut errichten und kontrollieren oder der Verein Arbeiter- presse, der bisher als Glied der Parteiorganisation noch niemals angesehen Worden ist und seinem ganzen Charakter nach auch nie nr als angesehen werden kann. Daß es sich aber um ein wichtiges Parteiinstitut handelt, hat ja kürzlich erst das»Hamburger Echo" in überzeugendster Weise dargelegt. Nicht um eine»untergeordnete Zweck- mäßigleitsfrage", wie die„Fränkische Tagespost" glauben machen will, handelt es sich, sondern ganz einfach darum, ob der Partei der Einfluß auf eine Preßeinrichtung entzogen werden soll, die— in welcher Gestalt sie immer ins Leben treten mag— für die politische Ausgestaltung und Haltung der gesamten Parteipresse von sehr hoher Bedeutung sein wird. Und so wenig die Partei jemals daran denken kann, von ihrem Aufsichtsrccht über die einzelnen Parteiblätter auch nur das geringste preiszugeben, so wenig kann sie. daran denken, eine neue Zentralinstanz für die Parteipresse ihrer uneingeschränkten Kontrolle entziehen zu lassen. Wer das nicht zu begreifen vermag, dem ist einfach das demokratische Prinzip, auf dem sich unsere ganze Parteiorganisation aufbaut, ein Buch mit sieben Siegeln. Die„Fränk. Tagespost" stellt die Dinge völlig auf den Kopf, wenn sie dem„Vorwärts" den„Versuch" imputiert,„die Organisation der Parteiredakteure in Gegensatz zu der Partei zu stellen". Diesen Versuch unternehmen gerade diejenigen, die die Instanzen der Parteiorganisation des BurcaukratiSmuS zeihen und die Parteipresse zu einem„Organ der Selbstverwaltung" machen möchten. Gerade weil die Parteiredalteure nicht weniger, aber auch nichtmehr als jeder andere Ge nosse Glieder der Parteiorganisation sind, existiert für sie in Partei fragen auch keine andere Exekutive als eben die Parteiorganisation Und gerade die Parteiredakteure, die in allen Fragen auch der Parteipolitik ihre Auffassungen uneingeschränkter und nachdrücklicher vertreten können als jeder andere Genosse, bedürfen doch zu allerletzt zur Verstärkung ihres Ein- fluffeS noch einer Sonderorgan isationl Dannt erledigt sich denn auch die sonderbare Unterstellung. wir hätten die Meinung geäußert, daß„Fachftagen der Diskussion der Fach genossen zu entziehen seien." Gerade wir haben nicht das geringste gegen die Erörterung von Fachfragen durch Fachgenossen, hier also die Besprechung der Frage des Preßbureaus durch die Parteiredakteure I Aber da, wie die«Fränk. Tagespost" selbst ganz richtig bemerkt, solche Fachfragen zugleich auch Parteifragen sind, verlangen wir die Erörterung dieser Fragen in der Partei presse, damit nicht drei Millionen Parteigenossen der Möglichkeit beraubt werden. an dieser sie gleichfalls höchlichst interessierenden fach lichen Parteidiskussion ebenfalls teilnehmen zu können!_ Aus dem Wahlverein Stettin. Die letzte Generalversammlung erklärte sich infolge vorgekommener Unstimmigkeiten im Prinzip für die Einführung des U r w a h l s y st e m s bei den Delegierten- Wahlen. Der Vorstand wurde mit der Ausarbeitung einer bezüg- lichen Vorlage betraut. Die Frankfurter Stimmenkaufaffäre, die von der„Frank- furter Ztg." als„sozialdemokratischer Wahlschwindel" bezeichnet und von Bülow im Reichstag als Beweis ftir die angeblich ver- logene Kampfesweise der Sozialdemokratie benutzt worden war. be- schäftigte am Freitag auch das Schöffengericht in Augsburg. Der offizielle Vertreter unseres Frankfurter Wahlkomitees, Parteisekretär D i t t m a n n. hatte Privatklage angestrengt gegen den Redakteur Bleicher von der„Wacht", dem süddeutschen Organ der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften. Bleicher hatte die Bcleidi- gungen der„Frankfurter Ztg." nachgedruckt und von der Vcrurtei- lung des Blattes später so wenig Notiz genommen, wie von dem Widerruf Bülows im Reichstage! Das Schöffengericht in Augs- bürg verurteilte ihn am Freitag zu 30 M. Geldstrafe, Tragung sämtlicher Kosten, auch derjenigen, die dem Genossen Dittmann aus der persönlichen Wahrnehnrung des Termins erwachsen sind, sowie zur Publikation des Urteiltenors in der„Wacht". Da in Augsburg bei Preßbeleidigungen gegen Parteigenoffen oft auf nur 10 bis 20 M. Geldstrafe erkannt worden ist, erscheint das Urteil höher, als es auf den ersten Blick sich darstellt. Ein kautionslüsterner Amtsvorsteher. In Hagen(Kreis Randow) feierte am Sonntag unsere junge Parteiorganisation ihr erstes Fest. Als dasselbe„vorschrifts- mäßig" angemeldet wurde, stellte der zuständige Amtsvorsteher in Falkenwalde, Herr Wiedehold, an unsere Genossen das eigentümliche Ersuchen: 100 M» Kaution zu hinterlegen für den Fall,„daß etwas passierte".— Wie mitgeteilt wird, haben die Genossen das schließlich auch getan, weil die am Orte befindlichen Gewerkschaften bisher ebenfalls diesem seltsamen Verlangen ent- sprachen haben! Auf welche Vorschrift sich der Herr Amts- Vorsteher stützt, ist natürlich sein Geheimnis. Sehr merkwürdig aber berührt das Verlangen des Herrn, wenn man hört, daß Krieger- und ähnliche Vereine niemals derartig belästigt werdend DaS Vorkommnis ist eine drastische Illustration für die Mannigfaltigkeit der Schikanen, denen unsere Bewegung und unsere Genossen ausgesetzt sind. Die Verbreitung der„Bremer Burger-Zeitung" und das Ver- hältnis der Abonnentenziffer der Parteipresse zu den bei der letzten ReichstagSwahl im Bremer Wahlkreise abgegebenen sozialdemo- kratischen Stimmen wird aus folgender Tabelle ersichtlich: Bremer Stadtgebiet Bremer Landgebiet Vegesack.».. Bremerhaven.. Auswärtige Abonnenten hatte die„Bremer Bürger-Zeitung" im 6. hannoverschen Wahlkreise SIS, im 17. hannoverschen Wahlkreise 39 und im IS. hannoverschen Wahlkreise 1S72. An 893 Adressen wird die Zeitung überwiesen._ Strafkonto der Arbeiterbewegung. Gegen in der modernen Arbeiterbewegung tätige Genossen wurden von deutschen Gerichten an Strafen erkannt: Im Monat Mai: 2 Jahre, 1 Monat, 1 Woche, 4 Tage Gefängnis und 4243 M. Geldstrafe. Im Monat Juni: 7 Jahre, 11 Monate, 4 Tage Gefängnis und N44 M. Geldstrafe. (Zhiiltllcher Klingelbeutel und Austritt aus der Candeskirche. Seit dem 1. April 1906 ist.das Gesetz über die Erhebung von Kirchensteuern von, 14. Juli 1905 in Kraft getreten. Dieses Gesetz, auf dessen Inhalt wir schon früher verwiesen haben, bringt für sehr viel Ehegatten recht unliebsame Ueberraschungen. Diese treten jetzt in die Erscheinung, weil in den meisten Gemeinden die Kirchensteuer für die Zeit vom 1. April 1906 bis 31. März 1907 im Juli oder August erhoben wird. Das Gesetz läßt nämlich im Gegensatz zum früheren Nechtszu st ande auch eine Besteuerung bei gemischten Ehen zu. Gehört zum Beispiel der Ehegatte der katholischen und die Ehefrau der evangelischen Kirche an. so kann die Ehefrau nach der Hälfte des Staatseinkommen-Jahresbetrages, zu dem ihr Ehemann veranlagt ist, zur evangelischen Kirchensteuer herangezogen werden. Nach dem Gesetz und den bei der Beratung gegebenen Erläuterungen gilt auch eine Ehe, deren einer Teil Diisident ist, als gemischte Ehe. Da, wo der Ehemann ans der Kirche ausgetreten ist, kann e r natürlich zur Kirchensteuer nicht herangezogen werden: wohl aber wird seine Frau nach der Hälfte des Staatseinkommensteuer-JahreSbetrages, zu dein der Mann veranlagt ist, der Kirche tributpflichtig gemacht. Eine Reihe von Anfragen an uns beweisen, daß mit Recht vielen Ehefrauen diese Steuerung außer» ordentlich unangenehm ist. Die Frauen können sich von der Last— in Berlin erhebt die evangelische Kirche IS'/z Pcoz., in einigen katholischen Gemeinden Berlins werden gar 20 Proz. und zwar schon bei einer Staats- einkommensteuer von 12 M. erhoben— nur durch schleunigen Austritt aus der Landeskirche befreien. Freilich müssen Sie dann noch für das laufende Jahr und bis zum Schluß des nächsten Jahres nach dem Gesetz die Kirchensteuer entrichten. Es entsteht die Frage: Haftet der Ehemann einer ge» mischten Ehe für die der Frau auferlegten Lasten? Diese Frage ist nach den von uns eingezogenen Erkundigungen von einem höheren Gericht noch nicht entschieden worden. Wir glauben— im Gegensatz zu früher geäußerten Ansichten— die Frage verneinen zu müssen. Das Kirchengesetz enthält nirgends eine direkteVorschrist, daß der Ehemann für die Steuer der einer anderen Kirche zugehörigen Frau zu haften habe. Auch aus den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetz- bucheS kann u. E. nicht abgeleitet werden, daß die Kirchen» gemeinde ein Recht habe, von dem Ehemann Kirchensteuern für feine Frau zu verlangen. Wir beantworten deshalb die vielen an uns gerichteten Anfragen hierüber dahin, daß der Ehemann guttut, die Zumutung, er solle statt seiner Frauzahlen, abzulehnen und es auf einen Prozeß ankommen zu lassen. DaS Einziehungsverfahren im Verwal« tungSwege ohne vorausgegangene Klage findet nach dem Gesetz und den ministeriellen AuSführungSanweisungen zwar gegenüber der zur Kirchensteuer veranlagten Ehefrau, nicht aber gegenüber dem etwa für regreßpflichtig erachteten Ehemann statt. Auch die Kirchenorgane hätten den ordentlichen Rechtsweg zu be» schreiten. Eine Reihe von Zuschriften, die durch Urkunden belegt sind, be« weisen übrigens, daß sowohl katholische wie evan» gelische Kirche norgane auS der Kirche Aus» getretene mit dem Ansinnen behelligen, Kirchen» steuern zu zahlen. Es geht auS diefem rechtswidrigen Ver» langen der verschiedenen Kirchenvorstände hervor, wie wenig diese sich um ihre vermeintlichen Pfarrkinder kümmern und wie sehr sie selbst nach dem Gut solcher, die ihrer Pfarrei nicht zugehören, trachten. Durchweg liegt in der Veranlagung auS der Kirche Ausgetretener zur Kirchensteuer— ja uns liegen auch Veranlagungen von Evangelischen zur katholischen Kirche und von Katholiken zur evangelischen Kirche vor— der objektive Tatbestand einer Erpressung. Strafrechtlich kann dieser Tatbestand freilich nur verfolgt werden, wenn auch der subjektive Tatbestand hinzutritt, wenn also die Sachlage so liegt, daß die Veranlagungsbeamten wissen oder wissen müßten, daß der von ihnen Veranlagte nicht zur Pfarrei gehört. In solchen Fällen können wir der Anregung einiger Anfragenden; Strafanzeige zu erstatten, beipflichten, wenngleich wir uns viel Erfolg von einer Strafanzeige nicht versprechen. Welche Bummelei zu den Angriffen gegen das Eigentum Anders» gläubiger führt, mögen zwei Beispiele erhärten. Am 13. Januar 1902 trat jemand seiner Ueberzeugung entsprechend aus der evan- g e l i s ch e n Landeskirche aus. Mit Schluß des Jahres 1903 war er mithin von allen Kirchensteuern befreit. Im Jahre 1904 veranlagte ihn indes die St. Nikolai» gemeinde in Spandau zur Kirchensteuer. Der Veranlagte erhob dagegen Einspruch. Darauf wurde die rechtswidrige Veran- lagung zurückgenommen. Aber bereits im Jahre 1905 erfolgte abermals seitens derselben Gemeinde eine Veranlagung desselben ihrer Gemeinde nicht Zugehörigen. Der weitere Verlauf war ebenso wie im vorherigen Jahre. Im Jahre 19 0 6 bekam der im Jahre 1902 aus der Landeskirche Ausgetretene abermals eine Steuerveranlagung, dann einen Mahnzettel und erlebte die Versiegelung seines Ueberziehers durch einen GcrichtSboll» zieher zugunsten der evangelischen Landeskirche. Die rechts« widrige Pfändung und Veranlagung wurden auf Beschwerde natürlich aufgehoben. Man verlangte aber von dem zu Unrecht Veranlagten, er solle die Gerichtsvollzieherkosten bezahlen. Das ging dem Veranlagten denn doch über die Hutschnur. So viel war ihm die Freude über den Beweis der Bummelei der Kirchen» organe bei ihren Arbeiten nicht wert. Er lehnte höflich, aber entschieden die Bereicherung der Kirche, der er nicht angehörte, ab. Die Kirche ließ ihn im Jahre 1906 denn auch in Ruhe. In diesem Jahre 1907 ist St. Nicolai aber wiederum in Gestalt einer Veranlagung im Hause des Dissidenten erschienen. Da hört denn doch der Humor auf. Der Staatsbürger ist doch schließlich nicht dazu da, um fortdauernd leicht vermeidlichcn Scherereien, die ihm durch Staats- oder durch Kirchenorgane widerrechtlich bereitet werden, sich auszusetzen. Hier läge in der Tat eine Anklageerhebung rm öffentlichen Jnter» esse. Die katholischen Kirchenvorstände sind übrigens durchaus nicht weniger hinter dem Gut ihres Nächsten hinterher, der ihrer Ge» memde nicht zugehört. Vor uns liegt eine unberechtigte Kircheil- steuerveranlagung, die der K i r ch e n v o r st a n d von St. B o ,» i- saziuS in diefem Jahre gegen einen Schriftsetzer erlassen hat, der niemals der katholischen Kirche angehört hat und bereits im Oktober 1896 aus der evangelifch-lutherifchen Kirche, der er angehörte, ausgetreten ist! Bei dieser Gelegenheit möchten wir nachstehend vielfachen Wünschen entsprechend abermals darlegen: Wie vollzieht man den Austritt auS der Landeskirche? Wer ans der Landeskirche in Preußen austreten will, hat einen hierauf gerichteten Antrag an das Amtsgericht seines Wohnsitzes zu senden. Der Antrag kaiin auch zu gerichtlichem Protokoll erklärt werden. Es genügt aber eili Schreiben folgenden Inhalts, das datiert und unterschrieben an daS Amtsgericht abzusenden ist: „Ich melde hiermit meinen Austritt aus der Landeskirche und beantrage, meinen Austritt aufzunehmen." Diesen Antrag stellt das Gericht dem Vorstande der Kirchen« gemeinde abschriftlich zu, der der Antragsteller angehört. Der AuS- tritt selbst erfolgt dann durch persönliche Erklärung des ustretenden vor dem Richter. Ohne eine Ladung abzuwarten-» in der Reael erfolgt keine La du na— bat der Aus- trittswillige nicht bor Äblauf von vier Wochen und spätestens inner- halb sechs Wochen nach Eingang seines Antrages sf r ü h e st e n S also am 29. Tage, spätestens am 42. Tage) sich persön- lich bei Gericht zur Abgabe seiner AustrittSerklärung zu melden. Dort wird innerhalb dieser 14 Tage seine Austrittserllärung zu Protokoll genommen. Plan achte darauf, daß man ohne besonders Bor- l a d u n g. auch ohne daß eine Benachrichtigung von der Anmeldung des Austritts ergehen muß, zwischen dem 29. und 42. Tage nach Eingang deS Schreibens bei Gericht zu den Stunden, in denen Akte der freiwilligen Gerichtsbarkeit aufzunehmen sind, bei Gericht den Austritt zu Protokoll zu erklären hat. In Berlin finden der- artige Aufnahmen täglich(vormittags zwischen 11 und 1 Uhr), bei einzelnen Gerichten nur an bestimmten Tagen, z. B. in Rixdorf am Montag und Donnerstag zwischen 10 und 12 Uhr statt. Der Austretende kann eine Bescheinigung des Austritts oder auch eine Abschrift des Protokolls verlangen. Die Kosten werden später eingefordert. Sie betragen 3 M. für das gesamte Verfahren und etwa 50 Pf. Schreibgebühren. Der Kirchenvorstand erhält vom Gericht Nachricht von den» er- folgten Austritt. Welche Rechtswirkungen hat der Austritt aus der Kirche? Keineswegs zieht der Austritt irgend welche Nach- teile nach sich. Er hat aber die Wirkung, daß man endlich von der Kirchensteuerpflicht befreit wird. Der Ausgetretene ist nämlich zu persönlichen Kirchen st euern vom Schluß des auf die AustrittSerklärung folgenden Kalender- jahres ab nicht mehr verpflichtet. Für wen erfolgt der Anstritt? Der Austritt hat nur für den, der ihn erklärt, rechtliche Wirkungen. Er wirkt also weder für die Ehefrau, noch für die Kinder. Die Ehefrau muß ihren Aus- tritt ebenfalls in Person erklären, wenn sie austreten will. Für minderjährige Kinder können aber die Bäter nach der im De- zember 1ö0S(im Gegensatz zu früher) erlassenen Entscheid des Kammergerichts die AustrittSerklärung abgeben. Sie Bewegung der Straßenbahner. Der Feenpalast in der Burgstraße bot in der Nacht vom Freitag aus den Sonnabend wieder einmal das lebensvolle Bild einer Versammlung von Straßenbahnangestellten, die durch plan- mäßige Drangsalierung aufgehetzt, ihre Entrüstung kundgaben und den unerschütterlichen Willen bezeugten, auch fernerhin durch die der Direktion und Betriebsleitung so sehr verhaßte, unablässig verfolgte Organisation ihre Menschenrechte allen Maßregelungen zum Trotz zu verteidigen. Allerdings hätte der große Saal des Fcenpalastes mit seinen geräumigen Galerien einer noch größeren Menge von Angestellten, als diesmal anwesend waren, Platz ge- boten. Doch war, abgesehen von den Galerien, der untere Teil des Lokales voll besetzt, und das will in einer Zeit der DenunziationSsucht und der Massenmaßrcgelungen immerhin etwas besagen. Man fühlt sich unwillkürlich veranlaßt, seinen Vergleich mit ,cner Versammlung anzustellen, die vor über 7 Jahren im selben Lokal stattgefunden hat, damals als es den Angestellten durch ein- mütigen Kampf gelang, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse doch ein wenig zu verbessarn. Auch der Referent, der Verbandsvor- sitzende Schumann., zog diesen Vergleich, der freilich zu gunsten der Bewegung vom Jahre 1900 ausfallen mußte. Seit- dem habe sich, so führte der Redner aus, eine Anzahl von Angc- stellten bereit gefunden, eine rückläufige Bewegung zu propagieren, Leute, die aus angcborienem Hang oder aus Berechnung Kollegen denunzierten und in Liebedienerei ihr Heil oder ihren Vorteil suchten. Man habe schon einmal, in den neunziger Jahren, eine solche Periode der Denunziationssucht durchgemacht. Wie jene Periode vorüberging, werde auch die Zeit verschwinden, die man jetzt durchzumachen habe, und wie vor 14 bis 15 Jahren würden auch dann diejenigen ihren wohlverdienten Lohn erhalten, die sich nun zu Vcrräterdiensten hergeben. Der Redner erwähnte dann die Tätigkeit des Denunziationsbureaus und die vielen Maß- regelungen, über die der„Vorwärts" ja schon wiederholt be- richtete. Der Umstand, sagte der Redner weiter, daß die größte Zahl der Entlassenen Unorganisierte waren, könne schein- bar in günstigem Sinne für die Direktion ausgelegt werden, als ob die bekannte Aeußerung des Generaldirektors Micke: feinet- wegen könnten sich die Angestellten, so viel und wo sie wollten, organisieren, hierbei Geltung gehabt habe. Das sei jedoch nur scheinbar so. In der Presse wurde ja erklärt, man müßte viele Hunderte entlassen, wenn man den Verband treffen wolle, doch sei es wohl leicht begreiflich, warum die Direktion nicht mit einem Male ihre Maßregelungen so weit ausdehnen konnte. Seit 1900 habe die Direktion auch gelernt, sich so zu bewegen, daß sie als die ob- siegende Partei erscheine, und es sei auch verkehrt, wollten die Angestellten sich verhehlen, daß ihre Organisation gegenwärtig von beiden Parteien nicht die günstigste Stellung einnimmt. Durch Unterstützungskassen und„Wohlfahrtseinrichtungen" habe die Direktion seit 1900 versucht, die Angestellten zu ködern, und eine Anzahl von ihnen sei denn auch darauf hineingefallen. Später versuchte sie dann, mit den immer wiederkehrenden drakonischen Maßregelungen den Angestellten Furcht einzuflößen, und sie er- freute sich nun ja auch des Umstan des, eine Anzahl zu Schergen- dienstcn bereiter Angestellten zur Verfügung zu haben. Immer, wenn die Direktion merkte, daß die Organisation stärker wurde, kamen die Maßregelungen, die nur in diesem Jahre einen noch größeren Umfang als bisher erreicht haben. Wie behauptet wird, stehen noch weit mehr Angestellte auf der schwarzen Liste. Die Direktion aber, bemerkte der Redner, weiter, brauche sich nicht ein- zubildcn, daß eS ihr gelingen werde, die Organisation aus dem Betrieb herauszudrängen, wenn sie auch die Masse der Ange- stellten durch mehr oder minder starken Druck zwinge, ihrem Verein beizutreten. Daß dieser Direktionsvercin mit dem höheren Beamten als Vorsitzenden die Interessen der Angestellten wahr- nehmen sollte, könne man ja gar nicht einmal verlangen. Der Verein sei eigentlich eine„Wohlfahrtseinrichtung" für die Direktion und die Aktionäre, zu der die Angestellten die Kosten bezahlen müssen. Treibe eS die Direktion so weit, daß der Ver- band seine Tätigkeit nicht mehr offen entfalten kann, so werde die Organisation eine andere Taktik einschlagen, und vielleicht werde die Direktion dann einmal in einer Zeit, wo eS ihr durch- aus nicht paßt, daran erinnert, daß der Verband doch noch da ist. Gehe man den Ursachen der Maßregelungen auf den Grund. so zeige sich unzweifelhaft das Bestreben der Direktion, den Ver- band, diesen unbequemen Mahner, der dazu beiträgt, daß die Ver- Hältnisse etwas bessere werden, loszuwerden. Habe doch ein Hof- Verwalter frohlockt:„Endlich ist der Zeitpunkt gekommen, wo alle unzufriedenen Elemente ausgemerzt werden sollen I" Ge- linge es wirklich, den Verband lahmzulegen, dann werde die Direktion noch ganz anders die Knute über die Angestellten schwingen. Das sollten sich die Denunzianten und Liebediener merken. Der Redner kam dann auf die Frühjahrskonferenz zu sprechen, wo bekanntlich die Vertrauensleute aus dem Direktions- verein noch energischer als die Verbändlcr für die Lohnforderungen eintraten. Jene Leute sind nun allerdings reumütig zu ihrer alten Liebedienerei zurückgekehrt, sich fügend der höheren Weisheit der Direktion von der schlechten Finanzlage der Gesellschaft, die eine Lohnaufbesserung unmöglich machen sollte. Der Redner wies nun auf Grund der Geschäftsberichte der Großen Berliner nach, wie im Jahre 1900 die Gefamtsumme der Löhne die deS verteilten Reingewinnes um fast 1 500 000 M., im nächsten Jahre sogar um über 1000 000 M. überstieg, wie sich dann das Ver- hältnis in daS Gegenteil verkehrte. Im Jahre 1902 wurden 7 013 068 M. an Löhnen ausgezahlt, der Reingewinn betrug 1 855 726 M-, überstieg also die Lohnsumme um 842 668 M.) und 1906 war die Lohnsumme auf 8 906 093 M. gestiegen, die deS Reingewinnes jedoch auf 9 902 124 M.; sie war also schon fast um eine Million höher als die der Löhne. Nimmt man die Endsummen der sich auf 7 Jahre erstreckenden Tabelle, die Anfang April im„Straßenbahner" veröffentlicht worden ist, so ergibt sich, daß im Laufe dieser Zeit 55 Millionen Reingewinn, als Tantiemen, Dividende usw. an wenige Personen verteilt wurden, während die mehr als 6000 Angestellten sich mit weniger als 54� Millionen begnügen mußten. Im Hinblick auf die weit größere Steigerung des Reingewinnes den Lohnsummen gegen- über ist es besonders merkwürdig, sich an das Direktionsversprcchen vom Jahre 1900 zu erinnern, wonach der Verbesserung der Finanzlage entsprechend auch die Lohnver- hält nisse der Ange st eilten verbessert werden sollten. Gewiß sind in den 7 Jahren dreimal Lohnerhöhungen gewährt worden. Aber was für welche! Beträgt doch der Durch- schnittslohn der Angestellten nach einer genauen Berechnung jetzt 101,71 M. pro Monat, wovon 8,47 M. für Beiträge abgerechnet werden müssen, so daß 93,24 M. übrig bleiben. Das ist der Durchschnitt; eine große Zahl Angestellter kann also noch nicht einmal diese Summe einheimsen. Dazu kommen die 2000 Er- satzleute, die noch elender daran sind, die nicht einmal von der Hand in den Mund leben können, wenn sie nicht anderswo er- spartes Geld oder sonstige Einkünfte zur Verfügung haben. Sie werden von der Direktion gebraucht, um auf die Angestellten einen Druck auszuüben, und leider lassen sich manche in der Hoffnung auf eine„sichere" Stellung auch dazu gebrauchen. Was es mit d?r.Sicherheit der Stellung auf sich hat, zeigt sich ja deutlich genug in den Maßregelungen, durch die Leute, die jähr- zehntelang treu ihre Pflicht erfüllten, plötzlich ihrer Existenz bc- raubt wurden, damit auch der Vorteile verlustig gingen, die sie sich durch die hohen Beiträge zu den vielgepriesenen llnterstützungs- und Wohlfahrtseinrichtungen erworben hatten. Die 100 000 Mitglieder deS Transportarbeitervcrbandes können natürlich mit Leichtigkeit ihre gemaßregelten Kollegen von der Großen Berliner unterstützen, bis sie wieder andere Arbeit erhalten, und wenn es 1000 werden sollten. Darum wird eS der Direktion auch nicht gelingen, die Organisation in ihrem Betriebe lahmzulegen. Die Direktion, meinte der Redner, sollte es sich doch einmal gründlich überlegen, ob denn ihr Vorgehen wirklich auch in ihrem eigenen Interesse zweck- mätzig sei. Schaffe sie doch damit nur neue Agitatoren. Wer so behandelt wurde, der werde eine Lebensaufgabe darin erblicken, unter seinen früheren Kollegen zu agitieren, es als Ehrenpflicht betrachten, immer mehr Angestellte dem Verbände zuzuführen. Das habe man ja schon bei den, früheren Maßregelungen gesehen, die zu einer Anzahl eifrigster Agitatoren für den Verband führten. Lege man sich aber die Frage vor, was nun zu tun sei, so müsse und werde sich wohl jeder Kollege darüber klar sein, daß der Zeit- Punkt zu einem energischen Vorgehen gegen die Direktion noch nicht gekommen ist. Die Organisation werde nicht so töricht sein, jetzt wo es der Direktion gelang, eine Anzahl Angestellter vor ihren Wagen zu spannen, folgen schivere Schritte zu unternehmen. Die Organisation werde sich den Zeitpunkt aussuchen, der ihr pafsmd erscheint. Was sich aber jeder einsichtige Kollege sagen müsse, das sei, nun erst recht für den Verband wirken zu wollen und an den als richtig erkannten Grundsätzen festzuhalten. In der Diskussion, die dem mit stürmischem Beifall ans- genommenen Vortrag folgte, zeigte es sich vor allem, was für tüchtige Agitationskräfte die Direktion durch ihre letzten wie durch die früheren Maßregelungen dem Verband zugeführt hat. Die Entrüstung dieser Redner über die ihnen widerfahrene Ungerechtig- keit wie über das Spitzeltum und Denunziantcnunwesen, das sich unter den Angestellten breit macht, wirkte mächtiej auf die Versammlung, spornte zu um so größeren Eifer für die Organisation an. Nicht weniger als 10 Redner sprachen in diesem Sinne. Zwischen ihnen kamen auch 4 Fürsprecher des Direktionsvcrcins zum Wort. Sie suchten die Verbandstätigkeit als zwecklos hinzustellen, sprachen bedauernd darüber, daß bei der Frühjahrskonferenz nichts herausgekommen' ist, schienen aber in der schönen Hoffnung zu leben, daß, wenn man nur recht vorsichtig und sanftmütig auftrete, doch noch cinnial etwas erreicht werden könne. Einer meinte auch, daß man als simpler Angestellter von den Jahresabrechnungen der Gesellschaft za nichts verstehe, sie deshalb nicht zur Begründung der Forderungen gebrauchen könne. Wenn der Direktor sage, daß die Finanzlage Erhöhung der Löhne nicht gestatte, müsse man das eben hinnehnien.— Das war so ein Vertrauensmann der Ver- einler, der sich also selbst für zu dumm erklärte, die Interessen der Angestellten der Direktion gegenüber zu vertreten, und sich auch nickst schämte vor den VerbandSvertretern, die jene Dinge gründlich erforscht und verstanden haben. Zutreffend war wohl die Bemerkung eines Vereinlers und Dircktionsfreundes, daß noch nie eine solche Entrüstung unter den Angestellten Platz gegriffen habe wie jetzt. Die Entrüstung kam denn auch tatsächlich in der Versamm- lung lebhaft zum Ausdruck. Heftige Mißfallenskundgcbungen folgten den Aeußerungen der Vereinler, stürmischer Beifall wurde den Rednern vom Verbände und den gemaßregelten Kollegen zuteil. Die Entrüstung wurde noch gesteigert dadurch, daß Vereinler in der Versammlung saßen, die sich eifrig Notizen machten, offenbar und wie man allgemein annahm, um zu denunzieren. Dazu kam, daß ein Herr Schüler wiederholt versuchte, die Versammlung zu sprengen, ja schließlich nach polizeilichem Schutz rief, obwohl ihm tatsächlich keiner irgendwie zu uabe getreten war. Die Versamm- lung erreichte um li>2 Uhr ihr Ende. Gegen 6 Stimmen wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute, am 26. Juli, im Fcenpalast versammelten An- gestellten der Großen Berliner Straßenbahn nehmen mit Eni- rüstung Kensttnis von dem Gewaltakt der Direktion, durch den eine Anzahl pflichttreuer Angestellter brotlos geworden ist. Die Versammelten bedauern aufs tiefste, daß sich Kollegen gefunden haben,, die sich von der Direktion als Denunzianten und Spitzel gegen ihre Mitangestellten gebrauchen ließen. Sie bedauern dies um so mehr, da ihrer Ansicht nach feststeht, daß die Matzregelungen nur zu dem Zwecke von der Direktion vor- genommen worden sind, um die Organisation der Angestellten zu vernichten und dann ungestört die Ausbeutung der Arbeitskraft ihres Personals vornehmen zu können. Für die Versammelten gilt ferner als festgestellt, daß die Direktion durch ihren Gewaltakt die Angestellten nur einschüchtern und sie dadurch verhindern will, ihre durch die Vertrauensleute wiederholt gestellten Forderungen erneut der Betriebsleitung zu unterbreiten. Mit Rücksicht auf das ganze Verhalten der Betriebsleitung den Angestellten gegenüber erblicken die Versammelten nach wie vor in der Organisation die einzige Vertretung ihrer Interessen und beauftragen die Organisation, die ihr geeigneten Schritte zur Wahrung der Rechte der Angestellten zu unternehmen. Gleich- zeitig verpflichten sich die Versammelten, nicht nur Mitglied des Verbandes zu bleiben, sondern auch dafür zu sorgen, daß alle dem Verbände noch fernstehenden Kollegen ihm zugeführt werden." Der Vorsitzende Rathmann forderte die antvescndcn Ver- bandskollegen auf, die Nummern von ihrdn Mützen zu entfernen, um nicht in allzu großer Zahl den Denunzianten und Spitzeln zum Opfer zu fallen. Man sollte meinen, die Direktion müßte doch ein gewisses Schamgefühl darüber empfinden, daß eine solche Auf- forderung notwendig wurde. ?Ziis Induftnc und Ftandcl* Zur Geschäftslage der Stahlindustrie. Nach den Mitteilungen in der heutigen Hauptversammlung des Stahlwerksverbandes liegen dem Verbände reichliche Spezifikationen vor, und eS war trotz weiterer Einschränkung deS Exports in vielen Fällen bisher immer noch nicht mLglidj. der inländischen Knndschaft die genügenden Mengen voll zuzuführen. Die zur Lieferung im dritten Quartal noch rückständigen Mengen sichern den Werken reichliche Beschäftigung in dem bisherigen Umfang. Der Verkauf für das vierte Quartal 1907 wurde in der heutigen Ver- sammlung zu den seitherigen Preisen und Bedingungen stet« gegeben. Die Aufträge in Eisenbahnmaterial, welche den Vcrbandslverken zur Lieferung bis Ende dieses Jahres vorliegen, haben nahezu die Höhe der BeteiligungSzister der Werke für diese Zeit erreicht. Da die Werke bisher trotz der großen Anstrengungen die Beteiligungsziffern nicht erreichen konnten. so ist mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Werke den jetzt schon vorliegende» Auftragsbestand bis Ende diests Jahres nicht bewältigen können. Dabei ist der Eingang von neuen Aufträgen bis jetzt ein ganz flotter gewesen, so daß die Werke für leickrtes Material Termine von ungefähr 4—6 Monaten verlangen müssen. In Rillenschicnen ist der Eingang von Aufträgen ebenfalls ein befriedigender, und es sind mit den in Rillenschienen jetzt schon vorliegenden Aufträgen die Werke bis ebenfalls ungefähr Ende dieses Jahres voll besetzt. In Formeism sind die Werke nach dem zurzeit vorliegenden Auftragsbestände auf drei bis vwr Monate voll besetzt. Der Spezifilationscingang war befriedigend. Auf das Trägergeschäft wirkten neben dem hohen G-ldstande und der noch immer nicht entschiedenen Händlerfrage zahlreiche Ausstände von Bauhandwerkern hemmend ein. Auch iin Auslande werden von verschiedenen Ländern Bauhandwerkerstreiks gemeldet, welche die Bautätigkeit beeinträchtigen, doch war der Abruf seither recht zu- friedenstellend._ Bochiimcr Verein. In der heutigen Aufsichtsratssitzung des Bochnmer Vereins für Bergbau und Gnßstahlfabrikasion wird der Jahresabschluß vorgelegt. Der Brnttoüberschuß beträgt rund sechs Millionen Mark. Der Vcrwaltuugsrat beschloß l2lm Millionen Mark zu Abschreibungen zu verwenden und der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 16% Proz. sowie die Zuweisung an die Pcnsionskasse von 50 000 Mark vorzuschlagen. Ein guter.Entbehrungslohn". Soziales. Von der NahrungSmittclindustric-Berufsgenoffenschaft Nach dem Geschäftsberichte dieser Berufsgenossenschaft waren am Schlüsse des Jahres 1906 in das Kataster aufgenommen 10 027 Betriebe, die 115 589 Arbeiter beschäftigen. Im Jahre 1905 waren 8829 Betriebe mit 96 859 Personen versichert. Der Bericht bemerkt hierzu:„Der Hauptzuwachs entfällt wieder auf Bäckereien. dann auf H o t e l k ü ch e n b e t r i c b e. die erst auf Grund neuerer Entscheidungen des Reichsversichcrungsamtes versicherungspfUchhg geworden sind". Von den gemeldeten Betrieben hatten 1424 Handbetrieb, 7119 Motor- und Dampfbetrieb. 1484 Göpelbetrieb. Es sind aber bis jetzt nur 4530 Bäckereien und Brotfabriken gegen Unfall versichert, Küchenbetriebe: 446. Wie sehr die Nahrungsmittelindustrie-Be- rufsgenossenschaft zur„Sammelberufsgcnossenschast" wird, zeigt uns die Tabelle über die versicherten Betriebsarten. Wir finden da alle Branchen fast, von den Aepfelweinfabriken bis zur Zwieback- fabrik. Weshalb man aber immer noch 813„Badeanstalten' und 175„Heil- und Pflegeanstalten". Wäschereibetriebe usw. zur Nahrungsmittelindustrie zählt, ist unbegreiflich. Der Vorstand der Berufsgenosscnschaft besteht aus 10 Herren, die nach dem Be- richte ihren„Fleiß" selbst schildern:„Im Berichtsjahre fanden zwei LorstandSsitzungen statt, und zwar am 24. April in Mann- heim und am 19. Juni in Dresden. Dadurch sind 5934,39 M. a n „R e i s e k o st e n d e s V o r st a n d e s" entstanden! Im„Interesse der Versicherten" lag es auch, daß außer den Betrag von 4900 M. für die Kaiser Wilhelm usw. Stiftung, auch ein„Beitrag zu einer Glückwunschadresse an das badische Grotzherzogspaar" mit 300 M. ausgegeben wurde! Für solche Zwecke ist eben alles erlaubt! Angc- meldet wurden im Berichtsjahr 3228 Unfälle, darunter 34 Todes- fälle. Davon waren 1921 Unfälle vor Ablauf der� 13. Woche wiederhergestellt, 244 Fälle wurden abgelehnt, nur 359 Fälle entschä- digt. Von dem Rechte,„das Heilverfahren bereits während der Wartezeit, d. h. innerhalb der ersten 13 Wochen nach Einstitt des Unfalls zu übernehmen, hat der Vorstand wiederum ausgiebi» gen Gebrauch gemacht". Wir finden aber nur die Summe von 5331 M. für diese Ausgaben im Bericht. Das nennt man„auSgie- lügen Gebrauch" gemacht! Nach dem Berichte legt man„auf die Teilnahme der Unternehmer an den Unfalluntersuchungcn großes Gewicht",„da es vor allen Dingen darauf ankommt, e i n w a n d s- frei festgestellt zu sehen, daß tatsächlich ein Betriebsunfall vor- liegt.„Seitens der Verletzten sowohl als der Zeugen werden oft sich widersprechende oder unwahre An- gaben gemacht, welche nur durch den Betriebs- Unternehmer berichtigt werden können." Die große Mehrzahl der Unternehmer ist aber nie bei einem Unfall zugegen und sollen dann„berichtigen"? Verletzte sind ja Schwindler— Unternehmer nur Ehrenmänner! Dem Wunsche deS Reichsversicherungsamtes,„der Bekämpfung deS Alkoholmißbrauches" mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wurde entsprochen, indem die Unfallver- hütungsvorschriftcn die Bestimmungen enthalten:„Betrunkenen Personen ist der Aufenthalt an den Betriebsstätten nicht zu ge» statten"—„Betrunkene Arbeiter dürfen die Arbeitsstätten weder betreten noch sich dort aufhalten". Gut! Es entsteht nur die „Rechtsfrage", wer entfernt den betrunkenen Unternehmer aus dem Betriebe? Es soll ferner der Alkoholmißbrauch dadurch bekämpft werden, daß„den Arbeitern der Besuch von Wirtschaften in den Ar- beitspausen und der Ausschank von Branntwein in den Kantinen zu verbieten sei". Ob aber für passende Eßräume in den oft vor Schmutz starrenden Betriebsräumen Sorge getragen werden soll, davon ist keine Rede im Bericht. Ebenso ist es ein Stück Heuchelei, wenn man schreibt, daß für den Arbeiter gutes Trinkwasser, Kaffee, Tee, Limonade usw. bereitgestellt werden soll. Sehr umfangreich ist diesmal der Bericht der tech- nischen Aufsichtsbeamten geworden. Drei Beamte Ivalten jetzt ihres Amtes und berichten, daß in zwei Fällen die Unterstützung der Verwaltungsbehörde gegen Betriebsunternehmer angerufen werden mußte,„die sich der Revision ihres Betriebes widersetzte n".„Auf Antrag eines Mitgliedes unserer Genossenschaft, das von einer sozialdemokratischen Zeitung wegen angeblicher Mißstände in seinem Betriebe angegriffen war, wurde der Berichterstatter durch das zuständige Amtsgericht als Zeuge vernommen". Ob nun die sozialdemokratische Zeitung die Wahrheit berichtet hatte, wird nicht verraten. Möglich wäre eS doch, da der Berickt selbst erwähnt, daß in den 1476 revidierten Be- trieben allein„4669 Schutzvorrichtungen und sonstige Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen" ange- ordnet werden mußten I„Hieraus ist zu erkennen, daß immer noch unentschuldbare Mißstände in der Durchführung der Unfallver» hütungsvorschriftcn obwalten, daß eS noch manchen Betriebs- Unternehmern und Betriebsleitern an der et- forderlichen Einsicht und Aufmerksamkeit, auch an gutem Willen fehlt, der Unfallverhütung zum Erfolge zu verhelfen." Unsere Konsumgenossenschaften scheinen auch hier eine Ausnahme zu bilden. Der Bericht lobt eine neue Sicherhcits- Vorrichtung an der Teigmaschine und bemerkt:„Die vorbcschricbcne Sicherheitscinrichtung ist in der Bäckerei der Konsum- g e n o s s e n s ch a f t„Vorwärts" e. G. m. b. H. in Barmen erstmalig in Betrieb gekommen und arbeitet seit etwa 6 Monaten zufriedenstellend." Sicher garantiert unser Genossenschaftswesen künftig größeren Unfallschutz als sparsame Privatunternehmerl Der Schwindel mit dem Koalitionsrecht der Landarbeiter. Die zentrumsagrarische„Rheinische Volksstimme"' kommt auf die Bemühungen der Sozialdemokratie zur Gewinnung der Landarbeiter zu sprechen. Das Blatt meint, wenn die Erfolge der Sozialdemokratie auf diesem Gebiete noch sehr gering seien, so liege das daran, daß auf dem Lande„noch der alte fromme und zähe Glaube in den Herzen lebe", der für„Ungläubigkeit und Windbeutelei in ernsten Glaubensfragen" kein Verständnis habe— zum Unterschied von der Stadt, wo das dort herrschende S a l o n ch r i st e n t u m" den fruchtbaren Nähr» bodcn für die Sozialdemokratie abgebe. Diese Sozialphilosophie wird wohl kaum zu halten sein. Zu- nächst darf man begründeten Zweifel hegen, ob das Christentum der ZcntrumSagrarier viel bester, tiefer und treuer ist als daS Christentum der Zentrumsherren in der Stadt. Die Bauern sind gute Rechner und wenn sie die Kirche höher einschätzen, so aus dem einfachen Grunde, weil Hochwürden auf dem Lande seinen Einfluß zugunsten der Herren Ausbeuter besser geltend zu machen weiß, als dies dem Klerus bei der städtischen Bevölkerung möglich ist. Die Landarbeiter leben und arbeiten nicht wie die Industriearbeiter in großen, dichten Massen zusammen, deshalb hat sich ihr Soli- daritätsgcfühl später entwickelt, ist die Agitationsmöglichkeit unter ihnen weniger günstig, sind sie der Kontrolle und der Willkür ihrer Arbeitgeber mehr preisgegeben als die industrielle Arbeiterschaft. Vor allem find sie aber auch in ihren gesetzlichen Rechten be- schränkt, insofern, als sie fast in ganz Deutschland noch des Koa. litionSrechtes entbehren. Wenn die christliche Gesinnung der Agrarier genügte, die Landarbeiter vor der„Verführung" durch die Sozialdemokratie zu schützen, dann versteht man nicht, weshalb ihnen das Koalitionsrecht und die Organisationsmöglichkeit vor- enthalten wird. Dieselbe„Rhein. Volksstimme", die den guten, alten fronimen Glauben" der Bauern als den wahren Schutz vor dem Um- stürz preist, gehört bekanntlich zu den wütendsten Gegnern des ländlichen Koalitionsrechtes, und so schreibt sie denn auch jetzt wieder:„Um die ländlichen Arbeiter einzusaugen und gegen ihre Dienstgeber aufzustacheln, wird ihnen von der Sozialdemokratie immer wieder der Köder des K o a l i t io n s r e ch t e s hingehalten. Die schlauen Umstürzler wissen eben nur zu gut, daß das die gefährlich st e Waffe wäre» den Bauernstand völlig zu ruinieren." Also ist eS doch«icht der gute alte Christenglaube, der das Land vor dem„Umsturz" schützt, sondern die Rechtlosigkeit der Landarbeiter, wodurch diese zur Ohnmacht verurteilt werden. Nun ist es ja nicht nur die Sozialdemokratie, die für die Landarbeiter das Koalitionsrecht fordert, mich die christlichen Gewerkschaften erheben diesen Anspruch. Und die christliche Landarbeiter- organisation soll ja gerade dazu dienen, der Sozialdemokratie den Zugang zum Lande abzusperren. Aber auch gegen die Organi- sationSbestrebungen der christlichen Gewerkschaftler, die doch gewiß nicht dcS„Salonchristentums" verdächtig sind, lehnen sich die Zen- trumsagrarier auf. Ihr Blatt, die„Rheinische Volksstimme", schreibt nämlich:„Wer von anderen P a r t ei e n in die gleiche Kerbe haut, sollte sich eindringlich vor Augen halten, daß er damit keine christliche Politik treibt, sondern nur die G e- schäfte der Sozialdemokratie besorgt. Die Ein- lagcrung solcher Dynamitpatronen brauchts auf deutschen Bauern- Höfen nicht. Ein jeder Bauer ist schon durch die bittere Leutenot gezwungen, die paar Leute, die er erhält, auf Händen zu trafen; die wenigen, die sich darüber hinwegsetzen wollten, wür- den einfach keine Leute halten, ja nicht einmal bekommen können. Alle diese unsauberen Manöver laufen auf nichts weiter hinaus, als auf die Untergrabung des Vertrauens zwischen Landarbeiter und Bauer." Das Blatt weist hin auf Altbayern, wo Bauer und Bäuerin zusammen mit Knecht und Magd und Tagelöhner zu Tisch gehe, aus einer Schüssel esse und gemeinsam bete. Die Sorgen des Bauern seien dort die Sorgen des Gesindes und umgekehrt, und dort„verfängt auch der Schwindel mit dem Koali- tionsrecht der Landarbeiter nicht." In Bayern hat jüngst ein Gutsbesitzer, der, wie er selber sagte, auf christlichem Boden stehe, organisierten Landarbeitern auf eine Lohnforderung geantwortet, man könne ihm am.... usw. Die„Rheinische Volksstimme" wird nicht ganz so agrarisch derbe, aber dem Sinne nach besagt ihr Wort von dem„Schwindel mit dem Koalitionsrecht der Landarbeiter" wohl dasselbe wie jene Bemerkung des Christenmenschen aus dem Bayernlande. In der Tat ist die Behauptung einiger Zentrumsleute, das Zentrum sei für das Koalitionirccht der Landarbeiter,„Schwindel". Im Zentrum geben heute die Großagrarier und Großindustriellen den Ton an und diese sind im Gegensatz zu den verstorbenen Führern des Zentrums, wie Reichensperger, Windthorst usw.. für Porenthaltung dieses Menschenrechtes den Landarbeitern gegenüber. Genesungsheim oder Zuchthaus? Einige bürgerliche Blätter wenden sich gegen die von unS über das Genesungsheim Hohenelse gestern gemachten Mitteilungen und meinen: wenn Ungehörigkeiten in solchem Heim vorkämen, dann würde sicher eine Beschwerde an die Versicherungsanstalt selbst nützen. Es sei eine /beweislos hingestellte Behauptung, daß irgend- eine Versicherungsanstalt wegen berechtigter Beschwerden Patienten aus der Anstalt werfen werde. Wir müssen leider dieser Ver- trauensseligkeit der bürgerlichen Blätter widersprechen und teilen für heute den Blättern ein Vorkommnis aus der H e i l st ä t t e Lichtenberg mit. In dieser aus den Groschen der Arbeiter errichteten Anstalt ist Chefarzt ein Dr. Pielecke. Ein Patient rügte die ungebührliche Ausdrucksweise deS Hausdieners aus der Spül- küche:„Ihr habt hier nicht zu singe n." Der Hausdiener rief den Wärter Thies an. Dieser nahm in scharfen Ausdrücken gegen den Patienten Partei-und erklärte ihm, als dieser meinte, die Ausdruckswcise brauche er sich nicht gefallen zu lassen: Dann lv erden Sie rausgeschmissen. Der zugezogene Inspektor erklärte: H. ist entlassen. Als andere Patienten dem Inspektor darlegten, wie der Fall gewesen, nahm er die Entlassung zurück und meldete den Vorfall dem Chefarzt Dr. Pielecke. Der erklärte telephonisch: H. und die übrigen 4 sind z u entlassen. Er kam dann persönlich und erwiderte auf die Klarlegung des Sach- Verhalts: Ganz gleich wie der Fall liegt, Sie haben hier nichts zu kritisieren, Sie sind entlassen. H. wurde sofort entlassen. Der Chefarzt Dr. Pielecke sagte dann, es solle sich melden. wer mit etwas nicht zufrieden sei. Darauf meldeten sich A Patienten. Diese wurden sämtlich entlassen, lieber dieses ungeheuerliche Vorkommnis beschwerte sich H. beim Vorstand der Landesversicherungsanstalt und bat um Untersuchung. Die Beschwerde wurde mit folgender Begründung zurückgewiesen: „Eine Entlassung hat nur bezüglich Ihrer Person und zwar mit Recht stattgefunden, weil Sie durcb Aufhetzung der Pfleglinge die Ruhe und Ordnung in der Heilstätte gestört haben. Die anderen Pfleglinge sind freiwillig gegangen, nachdem ihnen vom dirigierenden Arzte mit Recht freigestellt wurde, die Anstalt zu verlassen. Wir werden auch in Zukunft mit aller Energie dem Unfug, in den Heilstätten eine Art Strike zu organisieren, um dadurch die Verwaltung zum Nachgeben zu bringen, entgegen- treten. Wir stellen anheim, den Mituntcrzeichnern der Beschwerde von diesem Bescheide Kenntnis zu geben." Unterzeichnet ist dieser bureaukratische Ukas von Dr. Freund. Bielleicht geben nun auch die bürgerlichen Blätter zu. daß in ver Tat daS Vermögen der Versicherungsanstalten in wachsendem Maße infolge mangelnden Rechts, Aufnahme in einem Gc- nesungSheim zu erlangen, mißbraucht wird, um hoch dotierte Stellen für Beamte, Acrzte usw. aus den Groschen der Arbeiter zu schaffen, und daß manche Genesungsheime für die Arbeiter, aus deren Gclde sie errichtet sind, mehr Arbeitshäusern als Rekonvaleszenten- Timmen ähneln._ Deutsche überseeische AuS» und Rückwanderung. Die überseeische deutsche Auswanderung hatte in den fahren 1880 bis 1893 in den letzten Jahrzehnten ihre größte Höhe erreicht, daS Jahr 1381 stand mit einer Auswandererzahl von 220 902 Deutschen, die über deutsche Häfen auswanderten. an der Spitze. Seitdem ist sie erheblich zurückgegangen und bc- sonders die Jahre der glänzenden Wirtschaftskonjunktur 1895 bis 1900 dämmten die Auswanderung stark ein, weil der Bedarf an Arbeitskräften auf dem heimischen Markte so groß war, daß er meist nicht die Stachfrage deckte. Die Volkszählung 1900 ver» zeichnete infolgedessen für die vorangegangene VolkSzählungS- Periode in ihrer Bevölkerungsbilanz auch zum ersten Male einen Gewinn an Zustrom auS dem Auslände. Was über die See abfloß, lieferten die östlichen Länder nach. Die Jahre der un- günstigen Wirtschaftslage brachten gleich wieder ein Anschwellen der Zahlen mit sich. daS jedoch schon wieder nachläßt. Der Gesamtverkehr von Auswanderern und Passagieren über Hamburg nach Uebersee scheint in diesem Jahre einen besonderen Umfang annehmen zu wollen. Nach der soeben veröffentlichten Statistik haben in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Juni d. I. insgesamt nicht weniger als 112 000 Personen von Hamburg aus ihre Fahrt nach überseeischen Reisezielen angetreten. Das über- trifft die früheren Zahlen ganz gewaltig. In dem gleichen Zeit- räum der Jahre 1903 und 190S wurden die höchsten Ziffern mit 8S 000 und 35 000 Personen erreicht. Die Auswanderer deutscher Nationalität sind jedoch daran nicht beteiligt: sie machte im ersten Halbjahr 1906 etwa 11 Proz.(9500 Personen), im ersten Halb- jähr 1907 dagegen nur ungefähr 9 Proz.(10100 Personen) der gesamten Auswanderung über Hamburg auS. Es macht sich überhaupt eine Bewegung in anderer Richtung geltend. Das ist eine erhebliche Rückwanderung namentlich aus den Vereinigten Staaten. Das Kaiserliche Statistische Amt verzeichnet diese, ohne Rücksicht auf das Reiseziel und die Ratio- ualität. Nach dem letzten Bericht des Reichskommissars für da! Auswandererwesen kamen diese» Jahr 30 711 Rückwanderer gegen 17 476 im vorhergehenden Jahre in Hamburg an. Die Ein- Wanderung über Hamburg ist gleich dem fünften Teile der AuS- Wanderung über diesen Hafen, die 1906 insgesamt 143 121 Per- sonen betrug. Die in ungeheuren Massen jetzt nach den Ver- einigten Staaten auswandernden Russen, Polen, Italiener usw. werden den durchschnittlich an bessere Lebenshaltung gewöhnten deutschen Auswanderern, die früher das Hauptkontingent zur amerikanischen Einwanderung stellten, wahrscheinlich schon in so starkem Maße Konkurrenz machen, daß viele die Rückkehr in die Heimat vorziehen._ Prämien für Kassenbetrüger. Unterschlagungen von Krankcnkasscnbeiträgen seitens der Unternehmer werden in Düsseldorf in fast jeder Sitzung der Straf- kammer abgeurteilt. In einer der letzten Sitzungen erklärte der Vertreter der Ortskrankenkasse der Handwerker, daß seine Kasfc durch solche Manipulationen im Laufe der letzten Jahre um mehr als 10 000 M. geschädigt worden ist. Die Strafen, die von den Düsseldorfer Gerichten über solche Betrüger verhängt werden, sind so niedrig, daß sie einer Belohnung ähnlicher sehen als einer Be- strafung. So wurde in der letzten Sitzung ein Bauunternehmer, der 165 M. von ihm cinbehaltene Beiträge unterschlagen, zu nur 50 M. Geldstrafe verurteilt, trotzdem er wegen eines solchen Delikts schon vorbestraft war. Ein anderer Unternehmer erhielt gar nur 20 M. Geldstrafe. Danach sind Kassenbetrügereien ein rentables Geschäft für Unternehmer. Huö der Frauenbewegung. Mehr Schutz unseren Kindern. Als eine der unrühmlichsten Tatsachen unserer Kulturperiode ist der mangelhafte Schutz der heranwachsenden Generation zu bezeichnen. So gering der bestehende gesetzliche Kinderschutz an sich nun ist, so fehlt es doch nicht an Versuchen, ihn immer mehr und mehr noch einzuengen. Und gerade in der jetzigen Zeit treten diese unsozialen, reaktionären Bestrebungen offen zutage. Durch den Sturz Posado wskys glauben die Scharf- macher ihrem Ziele, der Erdrosselung der Arbciterschutzgesetz- gebung, näher genickt zu sein. Und hierin haben sie sich nicht getäuscht. Nachdem die Hottentottenwahlcn mit Hülse des Börsen- und Industriekapitals so„glorreich" für die„nationalen Parteien" geendet haben, glaubt sich die Regierung verpflichtet, nun auch ihrerseits den Unternehmern entgegenzukommen. Das Objekt dieses Entgegenkommens ist— wie könnte cS denn auch anders sein?— wieder einmal die Arbeiterklasse. Erst der kürzlich stattgefundene 21. Bcrufsgenosscnschasts- tag in Mannheim hatte sich einer wohlwollenden Fürsorge der Regierung zu erfreuen. Was die Scharfmacher so lange erstrebt, die Beseitigung des durch die Novelle von 1900 geschasfenen Z 34 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes, der die BerufSgenosscn- schaften zur Ansammlung eines Reservefonds verpflichtet, ist ihnen nun durch die Regierung in sichere Aussicht gestellt. Die so dringend notwendige Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung ist damit in weite Ferne gerückt. Nachdem nun so der Anfang gemacht worden ist, daS auf so schwachen Pfeilern ruhende Gebäude der Arbeiterschutzgesetz- gebung zu unterhöhlen, kommt jetzt als zweite Gruppe im Bunde der Scharfmacher die rückständigste Unternehmerschicht, die Bäcker- meister, um Sturm zu laufen gegen die Bäckereiarbeiterschutz- Verordnungen. Was uns Frauen hier nun ganz besonders angeht, ist das Bestreben der Bäckermeister, das Kinderschutzgesetz noch mehr zu verschlechtern. Dies kam auf dem Brandenburgischen Bäckerverbandstag. der vom 14. bis 16. Juli in Guben tagte. zum Ausdruck durch die fast einstimmige Annahme folgender Resolution: „Der Verbandstag sieht sich gezwungen, an den Bundes- rat die Bitte zu richten, die Ausnahmebestimmungen des§ 8 Abs. 2 gütigst wieder zum Gesetz zu erheben, und zwar dahin- gehend, daß eS fernerhin gestattet sein möge, Kinder im Sinne des Gesetzes eine Stunde vor Beginn des Vormittagsunterrichts mit dem Austragen von Gebäck zu beschäftigen." Der Mangel an Austragepersonal ist für die Bäckermeister ein genügender Grund zur Forderung einer Durchlöcherung deS KinderschutzgesctzeS. Besonders kräftig glaubte der Referent zu argumentieren, als er hervorhob, daß jetzt die Mutter, nachdem sie keine Hülfe von ihren Kindern habe, nun auch nicht mehr austrage. Der Lohn sei für ihre Mühe denn doch zu gering. So sei der Meister vielfach gezwungen, die Backware durch seine Frau oder durch das ermüdete Personal austragen zu lassen. Welch trauriges Zeugnis stellen sich da die Bäckermeister ausl Also erst mit Hülfe der Kinder kann die Mutter beim Austragen einen einigermaßen ausreichenden„Verdienst" erzielen. Nicht genug, daß der Mann von früh bis spät im Interesse deS Kapitals für spärlichen Lohn frondet, auch Frau und Kinder müssen dem Kapitalismus geopfert werden. Man stelle sich die als Austräger beschäftigten Kinder einmal vor. wie sie des morgens früh aus den Betten gerissen, auf die Straße hinaus müssen, gleichviel bei loclchem Wetter, treppauf, treppab eilend. Tiefes Mitgefühl muß jeder Menschenfreund mit den armen, so früh ausgebeuteten Kindern empfinden. ES ist ja leider wahr, daß viele Arbeiterfamilien auf die Mitarbeit der gesamten arbeitsfähigen Familienglieder angc- Ivicsen sind, um überhaupt ein einigermaßen menschenwürdiges Dasein führen zu können. Und daher wird es leicht verständlich, wenn einem die Antwort von solchen Eltern gegeben wird:„Wir sind auf den Verdienst der Kinder, so gering er auch ist. an- gewiesen". Unsere Pflicht ist es da, diese Eltern aufzuklären, daß gerade durch die Kinderarbeit der Lohn der Erwachsenen immer tiefer gedrückt wird.� Was sie demnach auf der einen Seite gewinnen, büßen sie auf der anderen doppelt wieder ein. Nur durch eine straffe Organisation der Arbeiterklasse wird eS möglich sein, einen Arbeitslohn zu erkämpfen, der für den Unterhalt der Familie ausreicht, denn„der Wert der Arbeitskraft wird bestimmt nicht nur durch die zur Erhaltung des individuellen erwachsenen Arbeiters, sondern durch die zur Erhaltung der Arbeiterfamilie nötige Arbeitszeit. Indem die Maschinerie alle Glieder der Arbeiterfamilie auf den Arbeitsmarkt wirft, verteilt sie den Webt der Arbeitskraft des Mannes über seine ganze Familie. Sie entwertet daher seine Arbeitskraft." Wir verkennen durchaus nicht den erzieherischen Wert der körperlichen Arbeit. Eine harmonische Verbindung von körper- lichcr und geistiger Arbeit wird es erst ermöglichen, das Kind zu einem vollwertigen Glieds der Gesellschaft zu erziehen. Wir fordern deshalb die Aufnahme des Arbcitsunterrichtes in den Lehrplan der Schule. Wogegen wir unS aber mit aller Energie zu wehren haben, das ist die Degradierung der körperlichen Arbeit des Kindes zur Lohnarbeit, deren Zweck die Ausbeutung ist; denn dadurch wird der zarte Organismus des Kindes frühzeitig zer- rüttet, dessen Geist verkrüppelt. Statt daß eine gesunde, kräftige Generation heranwächst, tritt die Degeneration ein. AuS den Berichten der Preußischen Gcwcrbeinspektion konnten wir entnehmen, daß die Bestimmungen des Kinderschutz- gesetzcs in den einzelnen Teilen des Landes noch öfters von den Unternehmern umgangen werden. Und dies ist angesichts der Kompliziertheit einzelner Bestimmungen des Gesetzes nicht zu verwundern. Eine Vereinfachung wäre daher sehr vonnöten. „Wie kürzlich der„Vorwärts" berichtete, soll auch in Berlin der Umfang der Kinderbeschäftigung in der Heimindustrie noch ein sehr großer sein. In einzelnen Fällen konnte nachgewiesen werden, daß Kinder unter 12 bezw. 10 Jahren, fortgesetzt für Tritte täglich 8— 10 Stunden beschäftigt wurden. Diesen Gesetzesübertretungen muß unbedingt gesteuert werden.— Die Frage ist nun, was können wir Frauen tun, um den Gefahren, die dem Kinderschutzgesetz von dem Scharfmachertum drohen, zu begegnen. Unsere Pflicht ist eS vor allem, dafür zu sorgen, daß die jetzigen Bestimmungen des Gesetzes streng durch- geführt werden. Denn nur durch eine strikte Durchführung aller Bestimmungen deS Gesetzes wird dieses erst wirksam. Dies er- fordert jedoch eine gewaltig« Kontrolle. Und gerade auf diesem Gebiete können die Frauen sich sehr gut betätigen. Es wäre deshalb Wohl angebracht, zur Wahl einer Kinderschutzkommission zu schreiten, deren Aufgabe darin besteht, über die strenge Durch- führung der gesetzlichen Schutzbestimmungen zu wachen. Wir protestieren ferner' überhaupt gegen jegliche Verschlechterung der Arbeiterschutzgesetzgebung und fordern dagegen deren weiteren wirksamen Ausbau. Nur indem eine wirtlich gute Sozialpolitik durchgeführt wird, können die verheerenden Schäden der kapitalistischen Produktionsweise einigermaßen ausgeglichen werden. VerfarmnUmgen. Wieder ein JnnungSarbeitSnachtveiltz Der Zentralverband der Schmiede hatte aus Tonnerstag abend nach„D r ä s e l» F e st s ä l e n" eine öffcnt- liche Versammlung aller bei Jnnungsmeistern beschäftigten Schmiedegesellen einberufen. Die überfüllte Versammlung be- schäftigte sich mit den Zuständen auf dem JnnungsarbeitsnachweiS in der Mulackstraße. Nach einem kurzen Bericht des Altgesellen Kühler über den gegenwärtigen Stand der Beratung resp. Ein- führung des neuen Arbeitsnachweisrcglcmcnts, referierte Siering in wirkungsvoller Weise über die einzelnen Be- stimmungen dieser sogenannten ArbeitS-„Ordnung", die Redner nur als Unordnung bezeichnen könne, denn eine gleich saloppe Arbeit, wo ein Paragraph den anderen aufhebe, sei ihm noch nicht in die Hände gekommen. Nach eingehender Würdigung dieses Machwerkes und des rücksichtslosen Verhaltens des Herbergsvaters, der zugleich Arbcitsvermittler ist. und e» verstanden hat, dort eine richtige Günstlingswirtschaft einzuführen, sowie der Machen- schaften der Jnnungsincistcr. die sich über die Bestinunungen ihres eigenen Statuts einfach hinwegsetzend, ohne Zustimmung dcS Altgesellen und der Arbeitervertretcr im HcrbergSauSschuß wider Recht und Gesetz die neue ArbeitSnachweiSordnung als für beide Teile verbindlich einführten— das schönste dabei sei, daß sie es sogar fertig brachten, den Namen de» Altgesellen, ohne dessen Wissen, mit darunter zu setzen. Nachdem der Redner noch die Mittel besprochen, die augenblicklich gegen dieses Vorgehen an- gewandt werden könnten— schlug er im Namen dcS gesamten Vorstandes folgende von der Versammlung einstimmig ange- nommene Resolution vor: „Die heute, am 25. Juli 1907 tagende öffentliche Ver- sammlung der bei Jnnungsmeistern Berlins und der Vororte beschäftigten Schmiedegcsellen nimmt Kenntnis von den arbelter- feindlichen Bestimmungen des neuen Jnnungsnachweis- reglementS. Die Versammlung protestiert mit allem Nachdruck gegen diese Bestimmungen und beauftragt den GcsellenauSschuh, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel zur Anwendung zu bringen, um die ArbeitSauSgabcordnung so zu gestalten, wie cS im Interesse der Kollegenschaft notwendig ist. DeS ferneren protestiert die Versammlung auch gegen daS arbeiterfeindliche Verhalten des neuen HerbergSwirtes P o s s c h l. der die früher bestandenen Verhältnisse wieder aufleben lassen Witt. indem er die Arbeitsvermittelung zur Günstlingswirtschaft benutzt. Die Versammlung spricht dem Herrn P o s s e h l jedes Vertrauen ab, umsomehr, als er derzeit ausdrücklich ver- sprachen hatte, gegen jedermann gerecht und unparteiisch zu sein. In anbetracht dcS Umstandcs. daß Herr Possehl sein Versprechen nicht gehalten hat, beschließt die Versammlung. allen Kollegen dringend zu empfehlen, auf der Herberge keinerlei Speisen und Getränke zu verzehren. Gleichzeitig erkennt die Versammlung an, daß nur eine starke Organisation in der Lage ist, derartige menschenunwürdige Zustände zu beseitigen und verpflichten sich deshalb die Versammelten für die weitere Aus- breitung der Organisation, dem Verbände der Schmiede, Sorge �Obgleich der Vorstand der Innung und Herr P o s s e h l ein- geladen wurden, hatten sie eS vorgezogen, nicht zu erscheinen. Dafür waren aber einige MeistcrSsöhnchen als„Berichterstatter- anwesend. Ger lach erzählt sodann noch die ihm auf dem Nachweis Widersahrene Behandlung, aus der die schier unglaub- liche Tatsache Hervorgeht, daß ihm. trotzdem er dem HerbergS- auSschuß angehört, von dem Herrn P. und dem JnnungSvorstand, wie ein vorgelegter Brief beweist, das Betreten dcS Nachweises aus ganz nichtssagendem Grunde verboten wurde. Nach einer überaus lebhasten Diskussion, in der dieses Vorgehen mit Recht alS eine Provokation ersten Ranges bezeichnet wurde, schloß die Versammlung mit einem Hoch auf den Verband. »ereiu der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins nnd Umgegend. Heute Sonntag, den 28. Juli, nachmittag« 2 Uhr im GewerlschastShause, Eiigel-User 15: Versammlung. Mar Peter« über:„Polizei, Staatsanwalt und Jugendorganisatlon."— Gäste will- 'ÄÜgemelne Familien. Sterbekasse. Heule: Zahltag Ackerftr. 123 bei Wiesenthal und Mariannenstr. 48 bei LIebehenschel von Z— S Uhr. Sozialdeinokraiifcher AgitatlonSverein für RruSwalde-Ariede. berg. Dienstag, den 30. Juli, abend« 9 Uhr, be! Bocker, Weberstrabi 17: Generalversammlung:.Die Generalversanunlung in Driesen am».August dieses JahreS."_ Vermischtes. Verhaftete MädchenhSiidlcr. Die Wiener Poltzei verhaftete gestern in einem dortigen Hotel die lange gesuchten berüchtigten Mädchenhändler Wolf- Goldenberg aus Warschau und Hermann Bursti, ebenfalls ein Russe. Der letztere, welcher Besitzer eines öffentlichen Hauses in Buenos AireS ist, war im Besitze von be- deutenden Geldmitteln. Beide wurden, da sie ein 17jährige« Mädchen bei sich hatten, wegen des Verbrechens der Entführung dem Landes- gerichr eingeliefert. Spitzbuben anf Reisen. Die Polizei in VervierS verhaftete drei ans Köln gekommene Deutsche, welche bei einem Einbruchs- diebstahl auf frischer Tat ertappt wurden. Ein MilitSrballon wird vermißt. In Madrid wird seit einigen Tagen der Militärballon„Maria Theresia" vermißt; bisher sind noch keine Nachrichten eingetroffen. Römische Keuschheit. Wegen schmutziger LiebeSgeschichten wurden die römischen Pfarrer Latuille und Tagliaferri aä divinos suspendiert. Ein Matrose abgestürzt. Während deS Aufenthalts des deutschen GeschivaderS stürzte, nach einer Meldung auS Drontheim, ein Matrose bei einem Spaziergange auf den Bergen infolge LoslösenS eines Steines in den Abgrund. Er war sofort tot. Seine Leiche ist mit einem Torpedoboot nach Hamburg gesandt worden. Muar» iirfttlll' tragen. Dafür zu sorgen ist Ihre Sache. Diese vier Faktoren gewähr- leisten Ihnen den Einkauf denk» hax bester Cigaretten. Die Harke ist die Garantie.____ Dass wir die besten Cigaretten fabrizieren, können Sie selbst feststellen bei einem Versuch mit irgend einer Sorte deren Vorzüglichkeit durch die Marke Josetti garantiert ist Josetti Juno 10 St 20 Pf. Josetti Vera 10 St 30 Pf. ml IW Dinge sind nötig zur ffer* »tellnng bester Cigaretten: 1 Umfassendes Verstindnis der Fabrikation. 2. Allerbeste Rohmaterialien. 3. Technisch vollkommenste Fabrikeinricbtung. Dafür zn sorgen ist unsere Sache. 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Einleitend betont er, dah sich der Bericht nur auf ein halbes Jahr erstreckt. In dieser Zeit sind 43 Mitglieder gestorben. In den einzelnen Vierteln wurden zu- sammen 43 Versammlungen abgehalten. Der Vorstand hat die Geschäfte in 26 Vorstandssitzungen erledigt. Redner weist auf die Erhöhung des Eintrittsgeldes(auf 23 Pf.) hin, welcher Antrag, vom vierten Kreis ausgehend, auch von der Verbandkgencralver- sammlung angenommen worden sei. Ucber die Einführung eines Wochenabonncments für den..Vorwärts" wolle er nicht sprechen, da ja die Pretzkommission darüber Bericht erstatten werde, der dieser Antrag überwiesen sei. In der BerichtSzcit feien zwei Broschüren an die Mitglieder gratis verteilt, die gischersche Rede und„Wie man vor den Sozialdemokraten graulich macht". Auster- dem sind 4 Flugblätter, für die Schneider und Bäcker und eines für die Stadtverordnetenwahl, verteilt worden. Die Mitglieder- zahl habe am Schluß des JahrcS 1906 13 834 betragen, bis 43. Juni 4337 sei sie auf 48 342 gestiegen. Diese sehr erfreuliche Zunahme sei in knapp Jahr erfolgt. Beim Zusammenschluß der beiden Wahlvcreine habe man nur 8645 Mitglieder gemustert, so daß in den letzten'/. Jahren rund 43 333 Mitglieder hinzugekommen seien. Freilich, ehe wir die Stärke erreichten, die uns, in anbetracht der bei der letzten SbeichstagSwahl für uns abgegebenen 62 333 Stimmen gebürte, müsse noch tüchtig gearbeitet werden. Ter Kassenbericht, den Genosse Barenthin erstattete, ergab eine Gesamteinnahme von 53 844,35 M. und eine Ausgabe von 53 255,62 M.. so daß ein Bestand von 585,43 M. zu verzeichnen sei. Dieser Bericht erstreckt sich aber nur auf 5 Monate. An die Ver- bandskasse sind in diesen 5 Monaten zusammen 24 333 M. ab- geliefert. In der hierauf folgenden Diskussion erkundigt sich ein Genosse über daS Schicksal des Antrages, der ein Jnverbindungtretcn mit den Polen zwecks besserer Agitation forderte; er glaube, daß ein interneres Jnverbindungtreten den gewünschten Erfolg haben werde. Genosse OsirowSky wünscht eine regelmäßige, mindestens alle Jahre einmal stattfindende Berichterstattung unserer Stadt- verordneten, sowie überhaupt eine regere agitatorische Tätigkeit derselben in ihren Bezirken. Auch sei et notwendig, daß in Zu- kunft der Generalversammlung ein gedruckter Geschäfts- und Kassenbericht vorgelegt werde. Auf Antrag der Revisoren wird sodann Vorstand und Kassierern gegen einige Stimmen Decharge erteilt. Hierauf referiert Paul H o f f m a n n über die beantragte Anstellung eines zweiten Kassierers für den Wahlvercin. Bei dem stets wachsenden Abonnentcnstand des„Vorwärts" und damit verbundener Mehr- »Giesen Der I. arbeit sei es dem Genossen Hackelbusch nicht mehr möglich. diesen Anforderungen in seiner ftcicn Zeit(ju genügen. Der Vorstand sei im Einverständnis nut der überwiegenden Mehrzahl der gesamten Funktionäre nach eingehender Beratung zu dem Entschluß gekommen, der Generalversammlung die Anstellung zu empfehlen. An diesen Antrag schloß sich eine teilweise erregte Diskussion, in der die meisten Redner diesen Antrag bekämpfen. Genosse Scholz verlangt für jeden der 5 Bezirke einen HilfS- kafsierer, dem eventuell 533— 633 M. Entschädigung gezahlt werden könnte. Daß sei zwar keine Verbilligung der Geschäftsführung, jedoch würde sich bald zeigen, daß doch trotz zivei Kassierer wieder Hilfskräfte angenommen werden müßten. Genosse I a k o b f c n findet die Begründung HoffmannS recht dürftig. Mindestens hätte unS Hoffnmnn sagen müssen, wie es in dieser Sache in den anderen Berliner Wahlvereinen aussehe. Barenthin solle durch Ein- schränkung von Nebenarbeiten, wie Kolportage usw., entlastet wer- den, so werde cS auch ohne Neuanstellung gehen. Gen. Stumpe wendet sich gleichfalls gegen jede Nenanstellung. Obgleich und weil er die mehr und mehr wachsende Arbeit nicht bestreite, komme er doch auf den Antrag Scholz zurück. Er fordere, da die Arbeit so schwierig nicht sei, die Heranziehung einer Anzahl geistig reger, aber Physisch nicht mehr so leistungsfähiger älterer Parteigenossen zu dieser Arbeit, denen man eine demcnisprechcnde Elitschädigung zahlen solle. Mit der Zeit käme noch ein ganze? Heer von Beamten zusammen, wenn es so weitergehe. Auch Genosse Kupfer- Schmidt tritt in längeren Ausführungen für die Ablehnung de? orstandSantrageS ein. Genosse Eue tritt lebhaft für den Antrag ein. Die An- stellung des 4. Kassierers habe sich ja schon vor dem Zusammenschluß der beiden Wahlvereine alS notwendig herausgestellt. Jetzt käme man nach dem erfreulichen Aiifschwung de? Vereins logisch dazu, auch für den Südosten einen Kassierer anzustellen. Bis jetzt habe alles geklappt in unserer Organisation; doch brauchten wir nicht nur geistig, sondern auch körperlich frische Kräfte für einen solchen Posten. Ein Geschäftsordnungßantrag auf Schluß der Diskussion wird abgelehnt. Genosse G r u h l empfiehlt, um des lieben Friedens willen, daß auch der Südosten seinen Kassierer bekomme in der Person de? Genossen Jöchek. Paul H o f f m a n n erklärt, daß auch Teltow- BeeSkow jetzt einen zweiten Beamten bekommen habe. Auch der sechste Kreis wolle jetzt mit der Anstellung von Kassierern an- sangen, da es auch dort eine Notwendigkeit geworden sei. Redner wendet sich noch gegen Stumpe und Kupferschmidt. Leo Ostrowski findet die Diskussion recht eigentümlich. Da die Parteigenossen sich ja schon in den Bezirken für die Anstellung ausgesprochen haben, so stehen wir jetzt doch vor der Wahl und die Diskussion dagegen heiße nur leereS Stroh dreschen. Redner tritt für die Anstellung ein. Nach einer kurzen Bemerkung JakobsenS wird ein erneut ge- stellter Antrag auf Schluß der Diskussion angenommen. Die hierauf vorgenommene Abstimmung ergibt die prinzipielle Annahme des Antrages mit 385 gegen 247 Stimmen. Nach einer Pause von 43 Minuten, in der die Stimmzettel zur Wahl eines K, «P der vorgeschlagenen Kandidaten eingezogen werden, erstattet Genosse Otto Büchner den Bericht der P r e ß k o in m i s f i o n. Dem Wunsche der Spandauer, mehr Berücksichtigung zu finden, solle nachgekommen werden. Die Beschwerde de? Vereins der Wasch- küchen- und Plättstubcninhaber gegen den„BorivärtS" fei als un- begründet zurückgewiesen worden, da dieser nicht die Interessen einer einzelnen Berufsgruppe, sondern die der Allgemeinheit zu ver- treten habe. Auch mit der Angelegenheit deS Vereins der Putzer habe sich die Prchkommission befaßt und bleibt die Sperre bestehen. Auch über die Erweiterung des Feuilletons könne cr erfreu- licherweise berichten und mache er nochmals auf den interessanten Gorkischen Roman aufmerksam. Wegen der Frage deß Wochen- abonnementS sei eine Umfrag« bei sämtlichen Porteiblättern, welche diese Einrichtung haben, veranstaltet worden, die nicht zugunsten dieser Einrichtung ausgefallen sei, da sich mit einer Ausnahme die Befragten dagegen ausgesprochen haben. Es solle aber durch eine Denkschrift den Parteigenossen noch eine ausreichende Orientierung über diese Sache ermöglicht werden. Genosse Hackelbusch gibt den Bericht der A g i» tationßkom Mission und schildert die Schwierigkeiten der Landagitation, die noch durch die fortgesetzten Lokalabtreibungen erhöht würden, und erläutert dies an einem jetzt erst wieder vor- gekommenen Falle. Durch die Einrichtung des Sekretariats für die Provinz Brandenburg und die Einrichtung einer sorgfältigen Registratur werde wohl auch hier manche Schwierigkeit überwunden werden. Da Anträge zur Kerbandsgeneralversamm- l u n g nicht gestellt waren, wurden die von den Bezirken vorge- schlagcnen 227 Delegierten einstimmig gewählt. Bei Punkt„Verschiedenes" stellt Genosse G r u h l folgenden Antrag:„Zu den Zahlabenden sind in den einzelnen Bezirken nach Bedarf auf Kosten des WahlvereinS Referenten zu stellen." Be- gründend führt er aus, dah den VierttlSversammlungew nicht die Bedeutung zukomme, die sie haben sollten, da gewöhnlich diese Ver- sammlungen nur von den bekannten Genossen besucht würden. Er halte die Agitation und Aufklärung von Mund zu Mund und iiu kleinen Zirkel für viel wichtiger und habe deshalb diesen Antrag gestellt, da er sich so mehr Erfolge verspreche. Die Kosten habe der Zentralvorstand zu tragen. Ter Antrag wird ohne Diskussion dem Vorstand überwiesen. Ein Antrag deS 334. Bezirkes, den M a d t r und Spahn be- gründen und der verlangt, vierteljährlich oder mindestens halb- jährlich ein ZahlstellcnverzcichniS von Groß-Berlin im„vorwärts" zu veröffentlichen, wird gegen 4venige Stimmen abgelehnt. Das hierauf verlesene Resultat der Abstimmung ist folgendes: ES waren abgegeben 843 Stimmzettel, davon 353 leer. Außerdem hatten Stimmen erhalten: BoSdorf23, Enderß 75, Jöchel 333, Pankow 33 und Z i e s e 44. Somit ist Genosse Jöchel als 2. Kassierer gewählt, Wegen der vorgerückten Zeit wird sodann beschlossen, die vor« liegenden AuSschlußanträge zu vertagen und als 2. Punkt in der am 43. August stattfindenden Generalversammlung zu verhandeln. Die Nchahmmg iß die höchste AkerkeNNg! Das ist unbestritten und wohl jedermann bekannt. Es muß also einleuchten, daß ein Fabrikat, welches Konkurrenten aus jede nur denkbare Art und Weise nachzuahmen versuchen, eine nachahmungswerte und somit hervorragende Qualität besitzen muß. Diese fortgesetzten Nachahmungen beweisen am allerbesten, daß nicht nur das Publikum, sondern sogar Konkurrenten Kattzreiner als mustergültig anerkennen. Wir bitten alle Freunde des echten Kathreiner, nur den echten Kathreiner anzunehmen und alle Nachahmungen, die nur gemacht werden, um das Publikum zu täuschen, energisch zurückzuweisen. Wem: Ihr Kaufmann den echten Kathreiner nicht hat, dann schreiben Sie wegen Angabe von Kathreiner-Nieder- lagen an ss/s Kchmntt!, Mchkafftt-Fxbrilicn, Miinchtn. zur Reise. Ganz vorzügliche allemeueste Cheviots In hochmodern«!) Karos und Streiron. UnQberlrofTeno Leistung 27 Mit DBtntk«lirncliasfSei8,Gebirg8. Mit und ohne Kepuza. 22.50 18.— 16.so G 14— 12— 9—© Mk. Hn-M-ne. zur Heise. Praktische moderne Lodenstoffe in Jackett., Joppen- und Falten- Joppenformen. Unübertroffene Leistung. 21 Mk. Viele T essende Eienplsra aaserletentter Heeljeltea. 36.. 30.. 27.- 4R 24.. 21.. 18.- ä&Mk. Zur gefl. Beachtung;! 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Obsl' Ftstsältli, Mtittingerstr. 8: M(Zeneral-Versammlung. B TageS-Ordnung: 17/Z Der internationale Kongreß und der deutsche Parteitag. Referent: Genosse Reichstags-Wgeordneter Stückleu. 8. Bericht von der KreiS-Generalverlammlung.& VereinSangelcgcnheitcn. 4. Verschiedenes. _ Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Nor Vorstand. M Holzbildhauer! M Hontag, d. SS.«fall, Im Cirewerkschaftsliaiise, Engel-Ufer 15, Saal 7: Vertrauensmänner- Versammlung. Jede Werkstatt mich vertreten sein! EaNlstello»erlln. OsuKisvIilvr. Dienstag, den 30. Juli, abends 8>/, Uhr, bei Walter, Adalberts«?. 68; 97/7 Silzang der Gesamtkommission mit den Tororlen. Einsetzer. Mittwoch, 31. Juli, Branchen- Versammlung. abends 81/, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderftr. 87 e: Ta. 1. Vortrag deS Genossen! liche Rechtsprechung S. Wahl Helten. 4. Verschiedenes. eS-Ordnung: iehbein über: Gewerbegericht« und gcwerd- eines BezirkSIeiterS. L. vranchenangclegen. kuxusmödelhranche. Mittwoch, den 31. Juli, abends S'/s Uhr, bei Stramm, Ritterstr. 183: Vertrauensmänner-Versammlung. WM- Jede Werkstatt und Branche muH durch Delegierte vertreten sein. Olc Orts Verwaltung. Mittwoch, den 31. Juli er., pünktlich abends 8 Uhr: UrancfKn-Vsrfanimtung Perlmutter- der Horn-, Sleinnuß- Knopfarlieiter und Arbeiterinnen DM- Im GcwerfcsrliaflBhanse, Engel-Ufer 15, Saal 5.-MM Tagesordnung: 1..KoalitionSsreiheit und©trafeecht", Referent; Herr Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. 2. DiSlussion. 2. Bericht der Kom« Mtsston. 4. Verschiedenes. WM- In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen sämtlicher Kollegen sehr erwünscht. Die Kommission. !' mwm Filiale Berlin. Mitglieder sämllicher Branchen! DienStag, den 30. Juli, abends 8'/, Uhr: l�exelmaßixe Mitglieder-Versammlung im gr. Saale des CSeworksohaftshanses, Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung: 1. Nbrechnung vom 2. Quartal. 2. Bericht der Delegierten zur Berliner GewerksckiasiStomnnsfion. 3. Reuwahl der Delegierten. 4. Mitteilungen der OrtSverwaltung...., Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe oder mit mehr als 13 Wochen rückständigen Beiträgen kein Zutritt. Die Ortsverwaltnng. NB. In dieser Versammlung erfolgt die Ausgabe der neuen Tarife, welchen ei» Berzeichnis jener ginnen beigefügt ist, die einen Tarif mit unS abgeschlossen haben._ 165/10 Verband der IKfirscbncr Berlins and Umgegend. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis: Gollnowstr. 5. TeI.»Amt VII, 5tr. 31S. Mittwoch, de» 31. Juli, abends 8 Uhr, im„.Alten Schäteen- haas", Linienstr. 5: Seners! veriammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1907. L. Vortrag deS Genossen Schriststeller M. H. Baege über: »TchSpfnng oder tSutwickelung?" 3. DiSlussion. 4. GewerlschaftlicheS und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen der Mtglieder ersucht 102/12 ose Vorstand. BREUER8 Pestsäle ---------„Zur KöttigshanU"--------- 6r. Franklurtorstr. 117. X Llnh. Cnrt Brcncr. X Amt Vita, 8142 Den geehrten Gewerlschasten, Vereinen, KlubS empfehle ich mein« Gesamt- räume zur Abhaltung von Bersammlu, igen und Festlichkeiten jeder Art r-> �>■■■ zu den lulaniesten Bedingungen.- �.......... ,, Um recht regen Zuspruch bittet[53822*] Carl Brauar, Gastwil. „Berüfler Ärlieiter- RatllalirEr-fßPeiii" Mitglied deS Arbeiter- Radfahrer-DiindeS .Oolidarität". LautBeschluss der Fahr- w a r t s I tz u n g vom 20. d. MtS. fahren die Abteilungen von 1—4 nach Weissensee zur Korsofahrt um 2 Uhr von ihren Starts. 13/5 2» Gardinenhaus Bernhard Schlvartz Wallstr. 29 Flur-Eing. StukUatenre! Donnerstag, den 1. August 1907, abends S'/s Nhr, bei Eisner, Kaiser Wilhelmstr. 18m: Aiißtrerdeutlllhe SciiftnlottfutuiiilHnii. TageS-Ordnung: I. Welchen Beitrag zahlen«vir von jetzt ab? 2. Verschiedenes. BW Eintritt nur gegen Vorlegen deS Mitgliedsbuches. Der Wichtigkeit halber ist die Autoesenheit aller VerbandSkollegen nötig. 173/20» vi« Ortsverwaltnng. Eteukandwerker-> Krankenkasse für Berlin und Umgegend. 118.) t an sämtliche Rekurse (Eingeschriebene HülsSkasse Nr. Den Mitgliedern zur Kenntnis, bah von gegen die Enischeidung des Vorstandes nach ß 19, Abs. 2 der Kasseiisatzungen an den Vorsitzenden des AuSschlisseS, Herrn Angnst Seichter, Berlin NW., Beusseloir. 23, Quergeb. t. Etage zu richten sind. 33/14 Der Vorstand. _ I. Sl.: Heinrich Mofzfce. farteiaenossen, 54941/* Paul Kobus, Gewerkschaften und Vereinen empsehie meine Lokalitäten. VereinSzimmer bis zu 80 Perf. 2 Kegelbahnen Paul Robus, Boxhagenerstr. 26. Von ilöi AUVelASkSllKrÄvI�«. AM- Fahrplan biS Freitag.-MM Heute Sonntag 8 Uhr grofte Extrafahrt nach Riivezahi. Reii-Helgoland und WolterSdorfer Schlense. PreiS 60 Pf., Kinder 23 Pf. Täglich (ausser Montag) früh 9 und 2'/, Uhr nach WolterSdorfer Schlens«. Montag, Mittwoch u. Donnerstag tO Nhr mit Musik nach Nene Muhle. Dierrt'tng nach SchmSckwitz. Ffreitag nach ZiegenhalS. Abs. früh 9 u. 2'/, Uhr. 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Sie ßluttaten Im Prenzlauer Stadtviertel. Die Bluttaten des unbekannten Kindermörders hielten die Polizei die ganze Nacht hindurch in Tätigkeit. Die Nachforschungen wurden überallhin mit Ablösungen vorgenommen, bisher aber ohne Erfolg. Gestern morgen wurden in einer Konferenz auf dem Polizeipräsidium die einzelnen Ergebnisse zusammengetragen. Trotz- dem gelang eS nicht, eine einheitliche Personenbeschreibung des Täters festzustellen. In der Prenzlauer Allee, wo der Reihenfolge nach die zweite Tat begangen wurde, fand ein Knabe bald nach der furchtbaren Tat auf einer Bank nahe dem Tatort einen Zettel, der mit dem einen Teil einer auseinandergenommenen Schere befestigt war. In der linken Ecke befindet sich ein Totenkopf mit zwei Knochen und dem Wort Gift darunter. Die beiden Seiten des Zettels enthalten mit Bleistift geschrieben die Worte: „Wiche, weiche, in fünf Minuten eine Leiche. Hier in der Nähe befindet sich ein Kinderräuber. Diesen Zettel abgeben bei der Polizei. Ich habe ein Kind in der Belforterstratze, der Prenzlauer Allee und HeinerSdorferstraste geraub." Der Zettel mit der seltsamen Aufschrift wurde von einem Schreibsachverständigen untersucht. Dieser erkannte in dem ersten Wort:„Wiche" anstatt„weiche" und an dem fehlenden„t" bei dem letzten Wort„geraubt" typische Merkmale dafür, daß ein Geistes- kranker der Verfasser ist. Von dem Zettel und der Schere, mit der dieser an der Bank befestigt war, wurden photographische Aufnahmen hergestellt. Die Verletzungen können wohl mit einer feststehenden Knopflochschere beigebracht worden sein, und um eine solche handelt eS sich hier. Ein Freitagabend noch festgenommener Arbeiter aus Moabit mußte unter den umfangreichsten Schutzmaßregeln nach dem Polizeipräsi- dium gebracht werden. Das Publikum war derart erregt, daß der Sistierte in einer Droschke überhaupt nicht befördert werden konnte; es mutzte ein besonderer Polizeiwagen genommen werden. Außer- dem wurde durch Schutzleute der Reviere eine Kette gebildet, damit der Wagen nicht angehalten werden konnte. Eine doppelte Reihe von Kriminalbeamten mußte den Verhafteten schützen, als er von dem Wirtshaus Rhkestr. 2 in den Wagen geführt wurde. Gestern vormittag wurde der Arbeiter aus der Schutzhaft entlassen; feine Ehefrau mit drei Kindern holten ihn aus dem Polizeigebäude ab. Außerdem wurde auch noch ein junger Mann verhaftet, auf den die Beschreibung des Mörders einigermaßen paßte, er mußte aber bald wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Eine förmliche „Mörderjagd" gab eS Freitagabend in der Friedrichstadt. In der Tieckstraße hatte ein Bursche einen Diebstahl ausgeführt und war bei der Tat überrascht worden. Er suchte sein Heil in der Flucht und wandte sich nach der Chausseestraße. Bald hieß eS, es handle sich um den Massenmörder, bald hatte sich eine Jagd nach dem Dieb entwickelt. Immer größer wurden die verfolgenden Massen. In der Ziegelstraße endlich gelang die Festnahme des Flüchtigen; jetzt stellte sich der Irrtum heraus. Auch an anderen Stellen haben Märderjggden stattgefunden. Am bedeutungsvollsten erscheint der Polizei die Aussage eines Droschkenkutschers, der sich gestern vormittag meldete und folgendes aussagte: Er habe gestern mittag 12 Uhr, also einige Stunden vor der Tat, einen Mann in Moabit herumgefahren, auf den die Be- schreibung, wie sie die Bekanntmachung der Polizei enthalte, genau paßt. Er habe einen schwarzen Schlapphut getragen. Der Mann habe ihm erzählt, daß er aus einer Landesirrenanstalt entwichen sei. Er unterhielt sich mit dem Droschkenkutscher und erzählte ihm ferner, indem er ihm Bettelbriefe zeigte, daß er sich auf deren Her- stellung besonders verstehe und großen Erfolg mit Bettelbriefen ge- habt habe. Im Laufe des gestrigen TageS wurden 11 Männer festge- nommen, die von dem Publikum als verdächtig bezeichnet wurden. Freilich beruhte der Verdacht in den meisten Fällen nur darauf, daß sie sich eines der betreffenden Häuser genau angesehen haben. Aus Rummelsburg kam die Nachricht, daß gestern ein Mann, auf den die Beschreibung an den Litfaßsäulen paßt, ein kleines Mädchen durch Zahlung von 1l) Pf. in den Hausflur zu locken suchte. Das Kind wurde aber im letzten Augenblick von seinen Angehörigen dem Manne weggerissen. Von einer weiteren Verhaftung wird vom Bahnhos Zoologischer Garten folgendes berichtet: Auf dem Bahnhof EberS- straße faß ein Ehepaar mit seinen beiden fünf und sechs Jahre alten Töchtern, um den nächsten Zug zu erwarten, als sich an die Kinder in auffälliger Weife ein gut gekleideter Mann drängte und begann, sich mit ihnen zu schaffen zu machen. Wie den Eltern dies auffiel, sprang der Mann in einen soeben einfahrenden Zug. Die Eltern folgten ihm in das Abteil, obwohl sie nach entgegen- gesetzter Richtung zu fahren beabsichtigten, und veranlassten auf Bahnhof Zoologischer Garten seine Festnahme. Allgemein soll sein verstörtes Aussehen aufgefallen sein. DaS Schicksal der Opfer deS BauchaufschlitzerS. Die Annahme, daß die kleine Senst, die Tochter des Barbiers Senst aus der HeinerSdorferstr. 21, den Verletzungen, die ihr der Täter beigebracht hat, im Krankenhause erlegen sei. hat sich glück- licherweise nicht bestätigt. Bei der Kriminalpolizei hieß eS aller- dingS Freitag abend, die Kleine sei gestorben. Sie ist jedoch noch am Leben. DaS Befinden der fünfjährigen Knespl läßt darauf schließen, daß sie am Leben erhalten werden kann. Bei der dreijährigen Grete Senst. die, wie berichtet, fünf Schnitte im Oberschenkel und eine achtfache Verletzung des Darmes erhalten hat. können immer noch Komplikationen eintreten. Vorläufig soll zu Befürchtungen kein Anlaß vorliegen. Polizeiliche Patrouillengänge. In einer Konferenz im Polizeipräsidium wurde beschlossen, daß alle nur verfügbaren Mannschaften der Polizei zum Schutze der auf den Spielplätzen und Anlagen des Nordens spielenden Kinder Patrouillengänge zu machen haben. Außerdem haben sie ihr Augenmerk auf jeden auffälligen Umstand zu lenken, der zur Festnahme des Täters führen könnte. Die in der Mordgegend wohnenden Eltern sind ersucht worden, auf ihre Kinder ein be- sondereS Augenmerk zu richten und jede Annäherung von Fremden an die Kinder anzuzeigen. Die Kriminalpolizei hat an alle Zuchthäuser und Irrenhäuser Mitteilung gelangen lassen und um Nachricht über diejenigen In- fassen gebeten, die nicht nur von dort entwichen oder entlassen sind, sondern die sich dort auch zur Aufnahme gemeldet haben. Die Nachforschungen der Polizei richten sich jetzt insbesondere auf einen als gemeingefährlichen Geisteskranken bekannten Verbrecher namens G., der vor kurzem aus einer Irrenanstalt entwichen ist. Partei-?Zngelegendeiten. Ein Extra-Zahlabend zur Durchberatung der vorliegenden Anträge zur General- Versammlung Groß-Bcrlins findet am Mittwoch, den 31. Juli, statt._ Dritter Wahlkreis. Montag, den 29. Juli, findet das Sommerfest des Wahlvereins in der„Neuen Welt" statt. Das Programm besteht aus: Konzert, Spezialitäten-Borstellung, Marionetten- theater, Kinderfackelzug und Sommernachtsball. Programme so- wie Bons zu Stocklaternen werden am Eingang gratis ausgegeben. Billetts a 25 Pf. sind außer bei den Bezirksführern in allen mit Plakaten delegten Stellen zu haben. Alle Genossen und deren Angehörige sind hiermit freundlichst eingeladen. Der Vorstand. Schöneberg. Am Dienstag, den 30. d. M.. findet die General- Versammlung ves Wahlvereins abends 8� Uhr in E. Obsts Fest- sälen, Meiningerstr. 8, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Der internationale Kongreß und der deutsche Parteitag. Referent Reichstagsabgeordneter Stücklen. 2. Bericht von der Kreisgcneral- Versammlung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mit- gliedsbuch legitimiert. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Montag, den 29. d. M., 8� Uhr, Versammlung im„Kaiscrhof". Vortrag des Genossen Katzenstein: „Alkoholismus". Diskussion. Bericht von der Kreisgeneral- Versammlung. Parteiangelegenheiten. Verschiedenes. Johannisthal. Dienstag, den 39. d. M.. findet bei Gobin, Roonstr. 2. die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. Vereinsangelegcn- heiten und Verschiedenes. Die Billetts zum Sommerfest, welches am 11. August bei Trautmann» Friedrichstr. 61, stattfindet, ge- langen zur Ausgabe. Mariendorf. Am Mittwoch, den 31. Juli, findet im Lokale Purschke, Chausseestr. 82. eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung statt mit folgender Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Gründung einer Filiale der Arbeiterbildungsschule für Mariendorf, Tempelhof und Marienfelde. 2. Beratung des Statuts für Groß-Berlin. 3. VereinSangelegenbeiten und Ver- fchiedenes. Der Vorstand. Britz. Heute findet ein FamilienauSflug nach Johannisthal bei Senftleben statt. Abmarsch vormittags Punkt 10 Uhr vom Restaurant Hübener(Buschkrug). Um rege Beteiligung bei beiden Veranstaltungen bittet Der Vorstand. Pankow. Laut VorstandSbcschluß fällt dle Mitglieder» Versammlung am Dienstag, den 30. d. M.. aus. Rieder-Schönhansen. Am Dienstag, den 30. d. M.. findet im Lokale Neu-Karlshof, Beuth-, Ecke Charlottenstraße, die fällige Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen A. Störmer über:„Entstehen. Werden und Vergehen." Außerdem liegen Anträge vor. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Mitgliedsbuch legitimiert. Lankwitz. Dienstag, den 30. Juli, abends 8 Uhr, Sitzung des Wahlvereins. Vortrag des Genossen Heinig über„Prolc- tarische Moral". Wichtige Tagesordnung. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Steglitz. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß der Extra- Zahlabend am 31. für unseren Ort nicht stattfindet, da am nächsten Mittwoch, den 7. August unsere Mitgliederversammlung tagt. Wilmersdorf. Am Dienstag, den 30. Juli, abends Punkt W Uhr, findet im„Luisenpark", Wilhelmsaue 112 die Generak- Versammlung des Wahlvereins statt. Die Genossen werden dringend ersucht, für einen guten Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. Die Tagesordnung lautet: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Bericht von der letzten Kreisgeneralversammlung. 3. Be- ratung des neuen Statutentwurfs von Groß-Berlin. 4. Wahl der Delegierten zur Äreisgeneralversammlung und zur Generalversammlung von Groß-Berlin. 6. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Eichwalde. Am Dienstag, 30. Juli, abends 8% Uhr, findet bei Heinrich, Hankels-Ablage, eine öffentliche Mitgliederver- lung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen M. Schütte über:„Die internationale Arbeiterschaft und ihr Kongreß." DiS- kussion. Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. Schmargendorf. Am Dienstag, den 30. Juli, abends S'/j Uhr, findet im Restaurant„Wirtshaus Schmargendorf". Warnemünder- straße 0, eine Generalversammlung des Wahlvereins statt. Als Tagesordnung ist festgesetzt: Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. Diskussion, Wahl der Delegierten zur General- versannnlung von Groß-Berlin, deSgl. zur Kreis-Generalversammlung, Beratung der Statuten des Verbandes von Groß-Berlin, Ver- fchiedenes. Der Vorstand ersucht jeden Genossen, pünktlich zu er- scheinen._ Berliner JVacbricbten. Tie Wählerliste liegt nur«och bis Dienstag aus. Am heutige» Sonntag kann dieselbe in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags eingesehen werden. Parteiaeuossen! Benutzt die kurze Zeit zur Einsichtnahme! Sichert Euch Euer Wahlrecht! Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen! Der„Hofdichter" ist auch wieder eine neue Erscheinung im Großstadtleben, die so volkstümlich wie der begnadete Mathias Weber zu werden verspricht. Er gleicht seinem älteren Geisteskonkurrenten, der noch immer besonders die studierende Jugend in sein Herz geschlossen hat, fast„bis aufs Haar". Auch ihm wallen lange blonde Dichterlocken über die Schultern. Aber während Mathias Weber unbeweglich auf der Straße an der Bord- schwelle steht und wortlos seine dichterischen Ergüsse feilhält. »st der Hofdichter ganz Quecksilber. Mit Grandezza schwingt er auf den Höfen seine papierne Dichterrolle und wendet bei seinen Vorträgen so gewaltige Stimmmittel auf, daß alles entsetzt an die Fenster stürzt. Unser Hosdichter verfügt über ein reiches Repertoir. Die bekanntesten Gedichte unserer Klassiker bringt er nicht übel zu Gehör, läßt Parodien auf sie folgen und schließt selbstverständlich mit seiner eigenen Dichteritis, die aber nichts weniger als klassisch ist. Da der Trick noch neu ist und der Hofdichter stets Hausfrauen und Küchenfeen in witzigen Knittelversen andichtet, fließt der Sechserregen reichlich._ AuS der Berliner Wohnungsmisere. lieber Schwindsuchtsgefahr in den Berliner Wohnungen ver- �wntlicht Dr. K a h s e r l i n g, Generalsekretär der Berliner Aus- kunfts- und Fürsorgestellen für Lungenkranke, bemerkenswerte An« gaben. Nach den Mitteilungen des Statistischen BureauS sind in den drei Jahren 1903 bis 190S in Berlin 12 363 Personen an Lungen- schwindsucht gestorben, davon 5842— 47 v. H. in Anstalten und 6521— 63 v. H. in ihren Wohnungen. Von den in ihren Woh- nungen Verstorbenen bewohnten bis zu ihrem Tode 2783— 41 v. H. nur ein Zimmer, 2679— 42 v. H. starben in zweizimmerigen Woh- nungen, 692— 11 V. H. in dreizimmerigen, 412— 6 v. H. in Woh- nungen von vier Zimmern und mehr. Als die schlimmsten Seuchen- Herde müssen die einzimmengen Wohnungen vorgeschrittener Tuberkulöser betrachtet werden; denn eine größere Ansteckungsgefahr, als mit einem Schwindsüchtigen während des letzten Stadiums bis zu seinem Tode im gleichen Zimmer zu wohnen und zu schlafen, läßt sich kaum ausdenken. Wie viele Menschen ständig dieser Jnfektions- gefahr ausgesetzt sind, zeigt die Statistik mit erschreckender Deutlich« keit. Insgesamt waren während dreier Jahre 9710 Personen allein durch die in einzimmeriaen Wohnungen sterbenden Schwindsüch- tigen der höchsten Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Auf dem Wege systematischer Familienuntcrsuchungen konnte Dr. Kayserling fest. stellen, daß unter solchen Wohnungsverhältniffen fast ausnahmslos außer den ursprüglichen Kranken noch mehrere andere Angehörige, namentlich Kinder, die typischen Zeichen der Tuberkulose aufweisen. Für die bedrohten oder latent tuberkulösen Kinder empfiehlt sich nach dem von Professor Grancher"für Paris gegebenen Vorbilde die Landpflege. Für die erwachsenen Tuberkulösen, namentlich für die in den Heilstätten mit bestem Erfolge behandelten, wird die Ein- richtung hygienischer Arbeitsheime befürwortet. Schließlich wird eine weitere Ausbildung des Systems der Fürsorgestellen empfohlen. Zu diesem Zweck wird auf die Dauer eine kommunale Unter- stützung unerläßlich fein, einerseits durch Einrichtung eines großen nach den Grundsätzen der modernen Tuberkuloscbchandlung eingerichteten Tuberkulose-Krankenhauses. sodann durch Weiteren!- Wickelung der Armenpflege im vorbeugenden Sinne. Anarchie im Polizeipräsidium? Wiederholt haben wir Fälle mitteilen müssen, in denen in- folge von Handlungen oder Unterlassungen Polizeibeamter Strafen, die nicht zu vollstrecken waren, vollstreckt worden sind. Die bürgerliche Presse einschließlich der„liberal" sich nennenden hat diese Fälle sorgsam verschwiegen. Nachstehend registrieren wir abermals zwei Fälle, in denen— aus Anlaß einer Bagatelle — grobe Ungchörigkeiten bei der Strafvollstreckung oder dem Strafvollstreckungsversuch sich ereignet haben. AIS Mit- oder Hauptschuldiger spielt diesmal der Amtsvorsteher zu Schönfließ eine Rolle. Zwei Berliner Arbeiter, Sch. und N., hatten im Mai etwa» Flieder von Fliedersträuchen in der Nähe einer alten Ziegelei bei Stolpe gepflückt. Ihnen begegnete dann ein Gendarmerie-Wacht- meister und notierte ihre Namen. Bald darauf erhielten beide von dem Amtsvorsteher in Schönfließ einen Strafbefehl über je 6 M., eventuell 3 Tage Haft, weil sie durch da? Abpflücken gegen den Z 3V, Abs. 6, deS Feld- und Forstpolizeigefrtzcs gefrevelt hätten, der die Beschädigung von Sträuchern mit Geldstrafe bis 150 M. oder mit Haft bedroht. Ob die Handlung der Spazier» gänger in der Tat unter diese Strafbestimmung fiel, mag dahin« gestellt bleiben. Die mit Straffestsetzungen Beglückten verzichteten, richterliche Entscheidung anzurufen, weil ja auch für den Fall eines Freispruchs unsere herrliche Gerichtspflege einem Arbeiter Zeit- und Geldverluste auferlegt. Der eine der Ersteher so teurer Fliederblüten. Sch., sendete durch die Post die erforderten sechs Mark am 26. Juni an den Amtsvorsteher in Schönfließ. Am 5. Juli erhielt er trotzdem folgende freundliche Einladung von dem Polizeipräsidenten: „Da die vom AmtSvorftcher zu Schönfließ gegen Sie fest« gesetzte Strafe von 6 M. nicht beizutreiben gewesen ist, so werden Sie hierdurch angewiesen, die Ihnen in der Straffestsetzung bekannt gemachte.dreitägige Haft binnen acht Tagen bei Ber» meidung der Verhaftung anzutreten" usw. Diese rechtswidrige Einladung war nicht vom Polizei- Präsidenten unterschrieben. Sie enthielt lediglich einen Trocken« stempel, der den Aufdruck:«Der Polizeipräsident von Berlin" um die bekannten nackten Männer mit den Keulen und die übrigen Jnsignien des preußischen Wappens herumlegt. Auch wenn der Polizeipräsident persönlich die Zuschrift unterschrieben hätte, wäre sie natürlich nicht befolgt. Denn so offensichtliche Widerrechtlich« leiten braucht auch in Preußen trotz der liberal-konservativen Polizeiallmacht ein Bürger sich nicht gefallen zu lassen. A m 18. Juli erschien nunmehr bei Sch. ein Schutzmann zwecks seiner Verhaftung zur Abbüßung der— Geldstrafe. Da Sch. als Arbeiter eine größere Ordnung in seinen Sachen beobachtet, als sie vom Amtsvorsteher in Schönfließ und auf dem Polizei- Präsidium zu herrschen scheint, vermochte er den Postschein vor- zuweisen. Nach vielem Hin und Her wurde dann anstelle des Arbeiters der Postschein auf dem Polizeirevier verhaftet. Später gelangte der Postschein in das Gewahrsam seines Eigentümers zurück. Eine Entschuldigung seitens des AmtsvorfteherS oder de» Polizeipräsidenten wegen der widerrechtlichen Hoftandrohuug und de« ebenso widerrechtlichen BerhaftungSversuchS hat Sch. bis heute nicht erhalten. Welche peinliche Ordnung bei Strafvollstreckungen den bei dieser Bagatellsache in Betracht kommenden Behörden fehlt, beweist auch das gegen den anderen Arbeiter N. eingeschlagene Verfahren. Am 22. Juni sendete dieser die 6 M. an den Schönfließer Amts- Vorsteher. Am 24. Juni erschien infolge Requisition des Schön- fließer Amtsvorstehers bezw. des Berliner Polizeipräsidiums ein Vollziehungsbeamter und pfändete trotz Borweisen» des Post- scheines ein Spiegelspind wegen 6 M und 80 Pf. Am 1. Juli erschien der Beamte wieder und meldete, der Postschein genüge zum Beweis der erfolgten Zahlung nicht, da als Adressat„Klein" (der stellvertretende Amtsvorsteher, der die Strafbefehle unter- zeichnet hat. heißt Rein, schreibt seinen Namen aber so, daß er auch als Klein gelesen werden kann) fungiert. N. mußte sich nun vom Postamt gegen 20 Pf. Gebühren die Bestätigung des AmtsvorfteherS besorgen, daß dieser die S M. in der Tat erhalten und an die Amtskasse abgeführt hat. Als am 15. Juli der Voll- ziehungsbeamte wieder erschien, wurde ihm diese Quittung»- bescheinigung vorgelegt. Er verlangte trotzdem 66 Pf. Diese mußten ihm zur Abwendung weiterer Zwangsmaßregeln gezahlt werden. Der blaue Kuckuck haftet noch am Spiegelspind. ß 345 deS Strafgesetzbuches bedroht in feinem ersten Absatz einen Beamten, welcher vorsätzlich eine Strafe vollstrecken läßt, von der er weiß, daß sie überhaupt nicht oder nicht der Art oder dem Maße nach vollstreckt werden darf, mit Zuchthaus, und fährt in seinem zweiten Absatz fort:„Ist die Handlung aus Fahrlässig- keit begangen, so tritt Gefängnisstrafe oder Festungshaft bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis zu 900 M. ein." Wir lassen dahingestellt, ob der Polizeipräsident oder ihm unterstellte Organe verpflichtet waren, unmittelbar, bevor sie die Haftantritts- aufforderung erließen, den Versuch einer Verhaftung vornehmen, pfänden ließen usw., bei dem Amtsvorsteher in Schönfließ an- zusragen, ob Zahlung erfolgt sei, oder ob sie berechtigt waren, sich darauf zu verlassen, daß der Schönflieher Amtsvorstelier sein Ersuchen mn Vollstreckung sofort zurücknehmen würde, nachdem eS durch die rrfolgte Zahlung zu einem gesetzwidrigen geworden war ES mag auch unerörtert bleiben, dag die lediglich mit Trockcw stempel versehene Aufforderung dem Gesetz widersprach. Darüber aber kann kein Zweifel obwalten, das; der Schönfliesicr Amts- Vorsteher durch die nicht erfolgte sofortige telephonische oder telegraphische Zurücknahme seines Ersuchens um Strafvollstreckung den Tatbestand des§ 345, Abs. 2, erfüllt hat. Wird gegen ihn Anklage erhoben werden? Und werden die nach obigem rechts widrig abgenommenen K0 Pf. dem N. zurückerstattet werden? Wird auch wegen dieser zu Unrecht erfolgten Einforderung straf rechtlich eingeschritten werden? Wird der Polizcikuckuck endlich das Spicgelspind verlassen? Und vor allem: Wird nunmehr nachdem durch eine Reihe der von uns vorgeführten Fälle, dir wie erwähnt, die bürgerliche Presse sorgsam verschwiegen hat, erwiesen ist, daß wiederholt Strafen durch das Polizeipräsidium eingefordert, auch vollstreckt sind, die nicht vollstreckt werden durften, endlich seitens des Polizeipräsidiums und des Polizei» Ministers Anordnung getroffen werden, durch die rechtswidrigen Angriffen auf daS Eigentum und die Freiheit von Staatsbürgern für die Zukunft vorgebeugt wird? Welche Anordnungen gedenkt der Minister des Innern gegen die beschriebene, in seinem Nessort herrschende Anarchie zu treffen? U. A. w. g. Stenerberhältuisse der reichsten Stadt Preußens. Charlottenburg ist bekanntlich die reichste Stadt PreussenS. Aber trotzdem lebt der weitaus größte Teil der Bevölkerung in Verhältnissen, die als recht ärmliche zu be zeichnen sind. Nach der soeben veröffentlichten Steuer- statistik hatten von der Gesamtzahl der Zensiten, die sich auf 104 494 belief, im Jahre 1903 nicht weniger als 47 908 mit 35 521 Haushaltungsangehörigcn ein Einkommen von unter 900 M., und weitere 43 692 Zensiten mit 61 198 Haushalts angehörigen befanden sich in der Einkommensteuerstufe von 900 bis 3000 M. Ucber 3000 M. Einkommen hatten nur 12 894 Zensiten, also nur etwa der achte Teil aller Zensiten. 155 von diesen hatten ein jährliches Einkommen von mehr als 100 000 M. versteuert. Von je 1000 Einwohnern waren 343, d. h. mehr als ein Drittel, mit einem Einkommen von 900 M. und darunter veranlagt, mit anderen Worten mehr als ein Drittel der Einwohner hatte ein Einkommen, das noch nicht einmal an das Existenzminimum heranreichte. Recht lehrreich ist ein Vergleich der steuerlichen Leistung? fähigkeit der einzelnen Stadtviertel. Von je 1000 Zensiten entfielen auf den Bezirk Am Nonnendamm nur 0,70, auf den Bezirk am Liotzensee dagegen 64,50 Zensiten. Das hängt mit der größeren bczw. geringeren Bevölkerungsziffer der ein zelnen Bezirke zusammen. Obwohl der Bezirk Am Lictzensce die relativ größte Zahl der Zcnsiteii�aufmeist, ist doch die Summe der von ihnen aufgebrachten Steuern Verhältnis- mäßig gering/cS entfielen auf diesen Bezirk von je 1000 M veranlagten Steuern nur 33,92 M., dagegen auf den Bezirk Am Kurfiirstcndamm 1, der nur 22,57 pro Tausend aller Zensiten zählt, nicht weniger als 106,41 M. von je 1000 M. veranlagten Steuern. Das ist ein Beweis dafür, daß die Bevölkerung sehr verschiedenartig zusammengesetzt ist, und daß der ärmere Teil der Bevölkerung immer mehr auf be- stimmte Stadtviertel zusanimengedrängt wird. Der steuer kräftigste Teil der Einwohner wohnt in dem an Berlin W. angrenzenden Osten von Charlottenburg, der schwächste Teil im Norden und Nordosten der Stadt. Auf den Kopf der Bevölkerung entfielen im Jahre 1905 durchschnittlich 76,87 M. Steuern jeder Art, und zwar 36,17 M. Staatssteuern und 40,70 M. Gemeindesteuern._ „Schwindel-Groschen". Falsche Fünfzigpfennigstücke, die aus echten �ehnpfcnnigstücken hergestellt sind, werden in letzter Zeit häufig in den Verkehr gebracht. Die Groschen sind ein wenig platt gehämmert, der große Einser der Zehn ist unleserlich gemacht oder ganz ausgelöscht und die Groschen sind gerändert. So plump die Fälschung auch ausgeführt ist, so können die also bearbeiteten Groschen von weniger aufmerksamen, unerfahrenen oder kurzsich- tigen Leuten leicht für Fünfzigpfennigstücke genommen werden, insbesondere dürften sie in Rollen dieser Münzsorte oft unter- schoben werden. Die Schwindel-Groschen, an denen die Hersteller 40 Pf. pro Stück„verdienen", sind daran zu erkennen, daß ihre Ränderung unregelmäßig ist und die Schnitte im Münzrande an einigen Stellen enger, an anderen weiter voneinander abstehen. Milchzusatz. In der heißen Jahreszeit pflegen durch ZcitungS- inserate und gedruckte Rundschreiben allerlei chemische Präparate, meist unter Phantasienamen und ohne Angabe der Zusammen. stcllung, als Zusätze zur Milch, um deren Gerinnung zu ver- zögern, empfohlen zu werden. Vor dem Ankauf und der Verwcn- dung dieser Mittel wird dringend gewarnt. ES ist keine chemische Substanz bekannt, die imstande wäre, die Milch frisch zu erhalten und vor dem Gerinnen zu bewahren, ohne ihr gleichzeitig gesund» heitSschädliche Eigenschaften zu verleihen. DaS einzig empfehlenS- werte Verfahren, um im Haushalte die Milch vor dem Sauerwerden möglichst lange zu schützen, ist: die Milch so frisch wie möglich zu kaufen, sofort nach dem Ankauf bis zum Aufwallen aufkochen und sie alsdann schnell abgekühlt am kühlen Orte in einem Gefäß mit überfasscndcm Deckel, und zwar ani besten ohne Umgießen in dem Gefäße, das zum Aufkochen diente, aufzubewahren. Milch, die kleineren Kindern gegeben wird, sollte vor Vcrabfolgung an sie jedesmal erst von einem Erwachsenen gekostet werden, um fcstzu- stellen, ob sie auch nicht sauer oder bitter schmeckt. Wer Milch, die mit chemischen Konservierungsmitteln versetzt ist, einführt, feilhält oder verkauft, hat Bestrafung auf Grund von ß Zt der Polizei- Verordnung vom 15. März 1öv2 und Verfolgung auf Grund des NahrungsmittelgesetzcS zu gewärtigen. Das in Produzenten- und Händlerkreisen hier und da noch übliche Verfahren, Brennesseln in die Milch zu legen, um sie zu konservieren fördert die Gerinnung der Milch viel mehr, alS es sie verhütet. Dies Verfahren ist schon aus Reinlichkeitsgründen durchaus zu verwerfen und ist außerdem geeignet, die Milch gesundheitsschädlich zu machen. Eine Klage gegen die Stadt Berlin hat das Hochwasser zur Folge, daS im Juni und Juli die Flußgebiete in der Umgebung Berlins überschwemmte. Die im Osten von Berlin fliehende Wühle, ein früher bei Köpenick in die Spree mündender Graben, ist zum Zwecke der Aufnahme der von den Falkenberger Riesel- feldcrn abfließenden gereinigten Wasser erheblich erweitert worden. Trotz Vertiefung und Verbreiterung des Flußbettes vermochte der Bach die enormen durch die fortgesetzten Regengüsse den Riesel- feldern zugeführtcn Wassermengen nicht aufzunehmen, um so weniger, als auch anS dem übrigen Wiesen- und Feldgelände des BachgebieteS diesem erhebliche Wassermengen zugeführt wurden. Die Wühle trat aus und richtete besonders in der Gegend von Bies- dorf ganz erheblichen Schaden an. In der neu angelegten Villen. kolonie wurden fast sämtliche Gärten überschwemmt, verschlammt und zum Teil sogar völlig versumpft. Als Ursache der bedeutenden Ueberschwemmung wird die ungenügende Reinigung des Bach. bettes angesehen, und seitens der in Betracht kommenden Gemeinde- behörden wurde das Kuratorium der städtischen Kanalisation aufge. fcrdert, sofortige Schritte zur Verhinderung der Ueberschwcm- mungen zu unternehmen. Es geschah aber nichts, und so blieben die fraglichen Gelände wochenlang unter Wasser liegen. Die be- troffenen Besitzer beabsichtigen nunmehr. Schadenersatzansprüche gegen die Stadt Berlin geltend zu machen- Der Wasserstand der Havel hat einen bisher noch nicht beobach teten Höhepunkt erreicht und durch Ueberschwemmung einen gcwat tigen Schaden verursacht. Veranlaßt ist dieser ungewöhnlich hohe Wasserstand dadurch, daß die Seen in dem Grohherzogtum Mccklen bürg außergewöhnliches Hochwasser hatten und die austretenden Fluten nach der Havel zu abflössen. Die starken Krümmungen der Havel auf dem Gebiete zwischen Oranienburg und Potsdam er- schwcrten aber den Abfluß, so daß sich das Wasser staute und die ungewöhnliche Höhe annahm. In Spandau ist das Wasser so hoch, daß die Fluten bis zu 2 Fuß unterhalb der Bollwerkhöhc heran- spülen. Tie sämtlichen Landungstreppen sind überschwemmt, wäh- rend in den Havelniederungcn das Wasser meilenweit ausgetreten ist. Die flachen Ufer der großen Havclsccn sind überschwemmt und die Promenaden an den Gewässern vielfach unpassierbar. Baunnfall. Freitag nachmittag stürzte der 29 Jahre alte Gerüst- baucr Johann Schaucker beim Aufrichten eines Leitergerüstes vor dem Hause Splittgerbergasse 2 aus der Höhe des ersten Stockwerks hinab und zog sich einen Bruch des linken Unterschenkels, eine Ver� renkung der linken Schulter und eine Verletzung des Nasenbeins zu Man schaffte ihn mittels Droschke nach der Unfallstation in der Brüderstraße und von dort in einem Krankenwagen nach dem Virchow Krankenhause. Schaucker soll bei Anbringung des Schutzdaches das Gleichgewicht verloren haben. AnS dem Fenster gestürzt. Der 22 Jahre alte Diener Ewald Lindemann stürzte Freitag nachmittag aus einem Fenster der im dritten Stockwerk des Hauses Lennsstraße 6a belegenen Wohnung seines Dienstherrn, des amerikanischen Botschaftssekretärs Garrett, auf den hoswärts belegenen Garten herab und blieb besinnungslos liegen. In einer Droschke schaffte man den Verunglückten schleunigst nach der Charitö. wo ein schwerer Schädelbruch festgestellt wurde. Lindemann soll sich mit den im zweiten Stockwerk wohnenden Iveib lichen Dienstboten geneckt haben und dabei auf das Fensterbrett ge- stiegen sein. Anscheinend hat er dann infolge eines OhnmachlS anfalles daS Gleichgewicht verloren. Zu dem BootSimglück auf der Dahme an der Scharfen Krampe ersuchen uns zwei Beteiligte um die Mitteilung, daß sie keineswegs so wagehalsig gewesen scieii. beide Schoten zu belegen, angetrunken feien sie auch nicht gewesen. Die Schnlstraße von der Exerzierstraße bis zur Schweden straße wird behufs Umpflasterung der Christianastraße vom 1. August ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Zeugen-Gesuch. Personen, die gesehen haben, wie am 12. Juni abends zwischen 6 und 7 Uhr in der Königstraße beim Bahnhof Illexandcrplatz ein Mann beim Besteigen des Auto-Omnibusses durch frühzeitiges Anfahren vom Deck herunter stürzte, werden ge beten, ihre Adresse in der Gastwirtschaft von Koschitzki, Paul straße 33 abzugeben DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 17. Juli d. I. wurde in Eharlottenburg, am Grundstück Kaiserin Augustaallee 20, eine weibliche Leiche, welche ungefähr 2 bis 3 Wochen im Wasser ge- legen Iiat, gelandet. Die Persönlichkeit hat sich bisher noch nicht feststellen lassen. Beschreibung: 24 bis 23 Jahre alt, 1,68 Meter groß, starker Körperbau, dunkelblondes Haar, braune Augen, am linken Unterschenkel starke Krampfadern. Kleidung: wcißleinencs Hemde ohne Zeichen, mit durchbrochenem Einsatz und hellblauen Bändern, schwarzen durchbrochenen Strümpfen, lila Strumpf- bändern, ein Barchcntunterrock und zwei weiße Unterröcke mit Volants besetzt, weiße Bluse und Weißen Qberrock mit durch- brochener Kante, schwarze kurze Schnürstiefel, grauen Staub mantel, ein weißes und ein buntes Taschentuch, gelben Strohhut mit lila Schleier. Die Tote trug einen gelben, Stchrahmen mit der Photographie einer aufgebahrten Kindesleiche bei sich. Nach richt über die Persönlichkeit der Unbekannten werden von der Kriminalpolizei Berlin zur Nr. 5903 IV 4107 erbeten. Der Zoologische Garten hat von Herrn Farmer Rusch in Deutsch-Südwestafriko eine Anzahl Vögel als Geschenk erhalten, die wegen ihrer merkwürdigen und einzig dastehenden Nistwcise den Namen Siedet Weber oder Siedclsperlinge führen, und die im Tierhandcl nicht zu erwerben sind. Diese Weber bauen, in großer Zahl vereinigt, gemeinsam große Strohdächer, unter denen sie dann ihre einzelnen kugelförmigen Nester anbringen, in das Geäst cinzelstchender Bäume, und diese Nestkolonie nimmt von Jahr zu Jahr fo an Größe und Gewicht zu, daß der Ast schließlich abbricht und das ganze Gebäude herabstürzt. Die hübschen, mit einer eigenartigen Schuppcnzcichnung versehenen Vögel find im neuen Vogclhause untergebracht. Auf der Treptow-Stcrnwarte spricht Direktor Dr. Archcnhold am Sonntag, den 28. Juli, nachm. 5 Uhr, über:„Die Eroberung des Weltalls", und um 7 Uhr über:„Weltuntcrgangsprophc- zeiungen." DaS Thema für den Vortrag am Montagabend 9 Uhr lautet:„Kometen und Sternschnuppen."— Mit dem großen Fern- rchr wird während der ganzen Woche nachmittags die„Sonne". abends der„Mond",„Fixstern" oder„Doppelstern" beobachtet. Feuerwehrbericht. Wegen eines gefährlichen Brande? wurde gestern früh um 5sH Uhr die Feuerwehr nach der Chorinerstr. 7 alarmiert. Dort war in einer Restauration, Ecke der Fehrbellincr- straße bei Behrens Feuer ausgekommen, das schnell eine große Ausdehnung erlangt hatte. Als die Wehr erschien, war das HauS schon verqualmt. Im 1. Stock schwebte ein Dienstmädchen in Gefahr. ES wurde, nachdem Mannschaften über Hakenleitern in die Räume eingedrungen waren, in Sicherheit gebracht. Die Verqualmung war so bedeutend, daß beim Vordringen Sauerstoff. Schutzhelme benutzt werden muhten. Durch kräftiges Wasser- geben gelang es der Wehr unter Leitung des Brandmeisters� Tanne die Flammen auf die Gastwirtschaft zu beschränken. Etwas fpäter, gestern früh 7 Uhr, kam ein Fabrikbrand in der Prinzen- Allee 59 in einer Glacelederfabrik zum Ausbruch. Mit mehreren Schlauchleitungen gelang es der Feuerwehr, die Flammen auf die Fabrikräume zu beschränken. Nachts um 3 Uhr erfolgte ein Alarm nach der Mariannenstr. 42, um dort eine Person vom Dache herunterzuholen. ES stellte sich dann heraus, daß die Person auf dem Dache ein ungebetener Gast in der Phantasie der Hausbewohner— ein ganz harmloser Schornsteinaufsatz war. Früh um 4 Uhr drohte ein großer Kahn im Humboldhafen zu rnkcn. Die benachrichtigte Feuerwehr pumpte daS eingedrungene Wasser wieder heraus. Um S Uhr vormittags mußte ein Keller- brand in der Georgenlirchstr. 18 gelöscht werden. Glanzrutz, Türen, Schaldeckcn u. a. Immobilien waren dort in Brand geraten. Ferner hatte die Wehr in der Rigaerstraße, Lranienstr. 101/102 u. a. Stellen zu tun._ Arbeiter- Samariter-Kolonne. Montagabend 9 Uhr: 1. Abteilung, Dresdenerstr. 45, Vortrag deS praktischen Arztes Herrn Dr. Schwab über:„Ertrinken— Er- 'ticken— verschiedene Formen der Bewußtlosigkeit. Daran an- chließcnd praktische Ucbungen und Wiederbelebungsversuche. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Einschreibegeld 25 Pf.. Monatsbcitrag 25 Pf. Die Bibliothek steht den Mitgliedern zur freien Verfügung. Vorort- JVadmcbtcm Die Baukunst in den Vororten. Zum Zwecke der Hebung der Baukunst in den Vororten und speziell zur Herstellung schöner Fassaden hat der KreisauSschuß von Niederbarnim 3000 M. bewilligt und in einer Konferenz mit Vorstandsmitgliedern des Architektenvereins und namhaften Künstlern ist ein Preisausschreiben für vorbildliche Bauprojekte beschlossen worden. Es sind vier Preise ausgesetzt für vier ver- chiedene Wohnhäuser rcsp. Villen, entsprechend den vier für die Berliner Vororte gültigen Bauklassen. Ferner hat der Landrat allen in Petracht kommenden Vorortgemcinden ein Rundschreiben zugehen lassen, in welchem er ersucht, daß die Gemeindebehörden und Gemeindevertretungen der einzelnen Orte 200 bis 500 M. für den Ankauf von Projekten beisteuern möchten. Außer den preisgekrönten Entwürfen würden alle übrigen, besonders guten Arbeiten von dem Kreise angekauft und vervielfältigt werden. Jede Gemeinde würde dann drei verschiedene Entwürfe erhalten, welche Baulnstigcn bei der Nachsuchung des Konsenses vorgelegt werden könnten. Außerdem würden die Krcisbaubeamtcn sich den Bauunternehmern zur Verfügung stellen, damit geschmacklose Ausführungen möglichst vermieden werden. Nixdorf. Großes Aufsehen rief am Donnerstag eine in der Weferftraße, zwischen Reuter- und Pannierstraße erfolgte Sistierung eines Mannes hervor, die nach Ansicht des Publikums unter sehr eigenartigen lim- ständen erfolgte. Eine ganze Anzahl Passanten folgten dem TranS- portierten zur Wache nach den: Renterplatz und unterhielten sich da über die Maßnahme des Polizcibcamten. Es mögen wohl 60 bis 60 Passanten in der Nähe der Polizeiwache� gestanden haben, als zwei Beamte die auf der entgegengesetzten Seite stehenden Leute zum Weitergehen aufforderten. Plötzlich wurden zwei Passanten, die nach polizeilicher Ansicht nicht schnell genug de» Befehlen nachkamen, gepackt und nach der Wache gebracht. Dieser Vorgang iviederholte sich noch zweimal. In einen, Falle wurde ein junger Mann sistiert, der 300 Schritt von der Wache entfernt war. Auf der Wache wurden die Leute aufgefordert, ihre Taschen zu leeren. Warum dies geschah, ist ganz unerfindlich; es konnte sich doch höchstens um die Feststellung der Namen der Sistierten handeln. Das ganze Vorgehen der Polizei in diesem Falle ist gang un- verständlich. Wilmersdorf. Einen Schwindel am Postschalter verübt hat ein 82 Jahre alter Tagedieb LefkowSky. L. fälschte eine Vollmacht eines auswärts weilenden hohen Ministerialbeämlen»ind hob die für letzteren auf dem Postamt in Wilmersdorf einlaufenden Briefe, Postanweisungen und Pakete ab. Auf Beschwerden der Beamten hin wurden Be- obachlnngen angestellt, die schließlich zur Verhaftung de« L. führten. der sich als ein städtischer Lehrer S. bezeichnete. Schließlich stellte sich aber der wahre Name heraus. Treptotv-Baumschulenlveg. Zlm lebten TienStag hielt im Lokale von Speer in Baum- schulenweg der Wahlverein seine ordentliche Generalversammlung ab, die sich eines guten Besuches zu erfreuen hatte. Der Vor- sitzende, Genosse Posselt, berichtete über die Tätigkeit des Vor- standcS in den letzten vier Monaten. Leider sei der Besuch der Mitgliederversammlungen ein wenig befriedigender gewesen, wie überhaupt auch in unserem Verein nach der ReichstagSwahl eine große Teilnahmslosigkeit der Mitglieder am Parteileben sich be- merkbar gemacht habe. Erfreulicherweise sei in den letzten Wochen wieder eine regere Anteilnahme zu konstatieren. Es haben sieben Vorstandssitzungcn, acht Vereins- und vier öffentliche Versamm- lungen stattgefunden. Die Zahl der Mitglieder habe sich von 475 auf zirka 500 erhöht, was angesichts der vielen, in letzter Zeit errichteten Wohnhäuser ein sehr mäßiger Zuwachs sei. Ebenso sei die Zahl der„Vorwärts"-Abonnenteli nur wenig angelvachsen, von 1160 auf zirka 1200. Nach dieser Richtung müsse w nächster Zeit unsere Agitation einsetzen.— Nach dem vom Genossen Mieklcy er- statteten Kassenbericht belief sich die Gcsamtcinnahme auf 751,26 Mk. Hiervon wurden an den Kreis 500,84 Mk. abgeführt, am Orte wurden 115,34 Mk. ausgegeben und als Bestand ver- blieben 135,03 Mk. Die Abrechnung von der Maifeier ergab bei einer Einnahme von 236,75 Mk. ein Defizit von 5,15 Mk. Seitens der Revisoren wurde die Kasse in bester Ordnung befunden und auf Antrag derselben dem Kassierer Decharge erteilt.— Den Bericht der Lokalkomm issioii gab Genosse Wege. Alle für Treptow in Betracht kommenden Lokale seien frei bis auf den„Paradies- garten", welcher leider noch immer sehr viel von Arbeitern und selbst Parteigenossen besucht würde. Ucber da? Verhalten des Inhabers der Spcerschcn Festsäle bei der Auflösung der letzten Jugendvcrsammlung seien viele Parteigenossen äußerst enipört. Vorläufig wolle man jedoch von weiteren Schritten absehen, da der örtliche Vorstand noch einmal in Unterhandlungen mit dem In- haber treten wolle. Von der KreiSgeneralverfammlung berichtete Genosse Strieder, welcher u. a. den dem KreiSvorstand überwiesenen Antrag Rixdorf betreffs anderweitiger Regelung der Delegierten- wähl zur KreiSgeneralverfammlung hervorhebt; eine Aenderung des bestehenden WahlmoduS fei unbedingt am Platze. In der hierüber stattfindenden Diskussion treten auch die Genossen Weiß, Reinke, Wege und Stock für die proportionclle Vertretung ein, während die Genossen Karow, Ehm und Posselt gegen jede Aenderung sind. Ein auf Aenderung des bestehenden Wahlmodus abzielender Antrag deS Genossen Stock wurde abgelehnt.— An Stelle deS von Treptow verziehenden Genossen Ehm wird Genosse Gramcnz zum zweiten Vorsitzenden einstimmig gewählt.— Zu Delegierten zur Verbandsgencralvcrsammlung werden die Genossen Kutzncr. Neuendorf. Preuß, Thiemccke, Weiß und Wicht, als Ersatzmann Ernst Lehmann, und zu Delegierten zur Kreis- generalversammlung die Genossen Gramenz, Karow und Mahr und als Ersatzmann Miekleh gewählt. Lichtenberg. Auf offener Straße verstorben ist am Freitagabend%9 Uhr vermutlich infolge Herzschlages der 19jährige, in der Proskaucr- straße wohnhafte und auf dem Rummelsburgcr Rathaus beschäftigte Schreiber Bruno Krause. Kr. übte sich im Radfahren. Einen Augenblick hatte er wohl die Gewalt über daS Rad verloren und er- schreckt, etwa zu stürzen, stieg Kr. ab. Als er neben feinem Rade ein paar Schritte gegangen lvar, taumelte er und fiel zur Erde. Ein Mitglied der Arbeiter-Samaritcr-Kolonne sowie der später erschienene prakt. Arzt Dr. Wagner stellten sofort Wiederbelebungs- versuche an, jedoch erfolglos. Der Arzt konnte nur noch den Tod konstatieren. Der Vorgang spielte sich in Neu-Lichtenberg, Wagen» knechtshof, an der Eitelstrahe ab. Die Leiche wurde nach dem Schau» Hause übergeführt. Friedeuau. Tie BersammlungSfreihrit in Preußen lautete das Thema eines Vortrags, den Genosse Fritz Zubeil in einer vom Wahl- verein einberufenen stark besuchten Volksversammlung hielt. Den Zlnlaß zur Behandlung dieses Themas gaben die in letzter Zeit von den amtlichen Organen des Kreises erlassenen Versammlungs- Verbote gegen die Organisation der jugendlichen Arbeiter. Der Referent führte den Versannnclten zunächst die in der preußischen Verfassung gewährleistete Versammlungsfreiheit bor Augen und zeigte alsdann, in wie krassem Gegensatz dieselbe mit den von den höheren und unteren Behörden angewandten Maßnahmen steht. Bezüglich der Ucbergriffe der die Versammlung überwachenden Be- amten meint Redner, es sei Pflicht der Behörde, nur solche Beamten mit dem U eberwachen der Versammlungen zu beauftragen, die mit den einschlägigen Gesetzen vertraut sind. Daß aber auch nicht alle Bürger vor dem Gesetze gleich sind, beweise am besten die ungleiche Behandlung zwischen bürgerlichen und sozialdemokratischen Ver- sammlungen. So können in den Versammlungen des Bundes der Landwirte Frauen ungehindert anwesend sein, während Frauen von sozialdemokratischen Versammlungen ferngehalten werden. Der Referent übte alsdann noch eine scharfe Kritik an dem Be- treben der Behörden, die Jugendorganisation zu unterdrücken. Zum Schluß seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vor- träges forderte er die Anwesenden auf, allen behördlichen Schikanen zum Trotz weiterzuarbeiten auf der Bahn der Freiheit. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Maschke, Richter und Thielicke, die die Ausführungen des Referenten teilweise er- zänztcn. Zum Schlüsse gelangte folgende Resolution zur ein- timmigcn Annahme:„Die im„Rheinschloß" zu Friedenau tagende öffentliche Versammlung protestiert entschieden gegen die ungesetz- ltchen Maßnahmen, die einzelne Beamte, hauptsächlich im Kreise Teltow, anwenden, sobald die Arbeiter von dem gesetzlich gewähr. leisteten Vereins- und Versammlungsrechte Gebrauch machen. Die Versammelten sind entschlossen, mit allen gesetzlichen Mitteln dafür einzutreten, daß jugendlichen Arbeitern in dem Bestreben, sich Wissen und Bildung anzueignen« die gesetzlichen Rechte gewährt werden." Zehlendors. Aus der Gemeindevertretung. Im Schweiße ihres Angesichts mühen sich unsere Herren Gemeindevertreter; nicht einmal Anspruch auf eine angemessene Ferienzeit erheben sie. Das Zehlendorfer Lokalblättchen preist dieses Verzichten auf wohlverdiente Ruhe denn auch in den höchsten Tönen, ein Theaterkoup für die im nächsten Frühjahr stattfindenden Neuwahlen, um die Unersetzlichkeit der jetzigen Gemeindevertretung zu beweisen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Ableben des ehemaligen Gemeindevorstehers von Zehlendorf, Gutsbesitzer W. Dubrow, welcher bis zum Jahre 1889 hier amtierte. Sodann trat die Vertretimg in die Beratimg der Tagesordnung ein. Der erste Punkt betraf den Bericht des Rechnungsausschusses über Eintritt der Gemeinde in eine Geschäftsverbindung mit der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse und Beschlußfassung darüber. Bekanntlich hat in einer früheren Sitzung die Vertretung beschlossen. nicht mit der Darmstädter Bank, wie angeregt, in Geschäftsverbindung zu treten, da die Bedingungen zu ungünstig waren. Beschlossen wurde nunmehr, mit der oben bezeichneten staatlichen Bank in Geschästs Verbindung zu treten, da man von dieser Stelle Darlehen in jeder Höhe erhalten könne und auch die Bedingungen bedeutend vorteil haftcr seien als bei der Darmstädtcr Bank. Die Ausgabeposition für Leitung der Jugendspiele am Gymnasium von 300 M. während der Ferien wurde bewilligt. Beschlossen war diese Ausgabe schon, ist jedoch durch ein Versehen in den oedruckten Voranschlag nicht hineingekommen. Da nun das Gehalt des Gesanglehrers am Gymnasium mit 2700 M. im Voranschlag enthalten war, derselbe aber nur 2400 M. erhält, so brauche man nur diese 300 M. zu nehmen und sie unter eine andere Etatspofition zu bringen. Der Gemeindevertreter Herr Thornton nahm sich als einziger der Gemeinde schule an und erklärte es als ungerecht, daß dem Gymnasium für diese Zwecke 900 M.— der Gemeindeschule aber bei drei- mal so starker Besetzung nur 300 M. zur Verfügung stehen sollen. Er kündigte einen Antrag an,.die aus- geworfene Summe für die Gemeindeschule zu erhöhen. Durch das Versprechen der übrigen Herren. imssnächsten Jahre besser einzurichten und mehr Geld für diesen Zweck auszusetzen, zog der Held Thornton seinen Antrag auf Nachbewilligung von 200 M. zurück. Auch bei diesem Punkt wurde der Einwand mit geltend gemacht, daß die Arbeiterkinder nicht in genügender Zahl an den Ferienspielen teilnehmen. Hoffentlich beweisen die Kinder der Arbeiter das Gegenteil. Der öffentlichen folgte eine nichtöffentliche Sitzung Köpenick. Eine unliebsame Störung erfuhr am Donnerstag daS Leichen begängnis des verstorbenen Genossen Moll. Die roten Kranz schleifen waren cö wieder einmal, die den Totengräber in nich geringe Erregung versetzten. Trotzdem die acht roten Schleifen mit Flor umhüllt waren, verlangte der Totengräber kategorisch die Eni fcrnung derselben. Auf den Einwand einiger Genossen, daß doch kein Anlaß vorhanden sei, ein solches Verlangen zu stellen, forderte der Herr die Gendarmen auf einzuschreiten. Es wurden nun die Schleifen entfernt. DaS befriedigte den Ordnungsmann aber noch keineswegs. Es sollte auch nicht eine Spitze der Schleifen unter den Kleidern der Kranzträger hervorlugen. Und als man dem weiteren Verlangen, die Schleifen in die Taschen zu stecken, nicht nachkam, lvurLen die Kranzträger vom Kirchhof gewiesen. Am Grabe wurden dann noch einzelne Personalien festgestellt. Der Vertreter der Zimmerer lehnte die Feststellung seiner Personalien am Grabe ab. >vaS zur Folge hatte, daß er mit dem Genoarm den Marsch nach dem Rathause antreten mußte. Das„Cöpenicker Dampfboot" bringt nun ein„Eingesandt" über dieses Vorkommnis.„Peinli Zwischenfälle" nennt eS der Einsenoer und schreibt, trotz Bei seien Reden gehalten worden und zum Schluß wird sogar „höhnischen Bemerkungen" gesprochen. Wir können darauf er- widern, daß Reden überhaupt nicht gehalten worden sind; die der mcintlichcn höhnischen Bemerkungen bestanden darin, daß unsere Genossen dem sich wie rasend gebärdenden Totengräber rieten, sich doch zu mäßigen. Der Mann hatte aber den Rotkoller derartig, daß alles Zureden ohne Erfolg blieb. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, ob ein Mann ton solcher Nervosität sich noch zum Toten gröber eignet. In diesem Fall lag auch nicht der geringste Anlaß vor. die Pietät deS Leichenbegängnisses zu stören. Die Leidtragenden tun gut, sich über daS Verhalten des Stelle zu beschweren. Totengräbers an zuständiger Öenchtö- Zeitung. Ein Staatsanwaltscmbryo. Ein Candidatus jur. wohnte in Würzburg mit einer Kellnerin zusaminen in dem Zimmer, das eine arme Postbedienstetenfrau an ihn vermietet hatte. Mag das der dem Gesetz gegenüber verant- wörtlichen Vermieterin schon peinlich gewesen sein, so wollte sie doch auf keinen Fall auch noch tägliche Radauszenen dulden und kündigte dem Studenten die Wohnung. Darauf ging der Herr mit der ganz besonderen Ehre zur Polizei und stellte gegen jeine bisherige Vermieterin Strafantrag wegen Kuppelei. Die arme Frau wurde zu Gefängnis verurteilt. Ter Herr Student aber verließ natürlich als Mann„mit ganz besonderem Ehrbegriff" hocherhobenen Hauptes den Gerichts; saal und hofft dereinst als Staatsanwalt oder Richter und im Bureau der„Afrikaner" über Sittenlosigkeit zu Gericht sitzen zu dürfen. Eine nette Staatsstütze. S 166 de» Strafgesetzbuches., Gestern fand vor der ersten Ferienstrafkammer deS Land- gerichts II zum zweiten Male Verhandlung gegen den Genossen -törmcr wegen angeblicher Gotteslästerung und Berächllichmachung der christlichen Kirche(ß 160 Str.-G.-B.j statt. Unsere Leser entsinnen sich aus dem Bericht über die Verhandlung vor der -Strafkammer am V. Januar und dem späteren Bericht scher die Verhandlung vor dem Reichsgericht des Tatbestandes. Am 28. August vorigen Jahres hatte Genosse Störmer in einer Volks- Versammlung für den Austritt aus der Landeskirche gesprochen. Hierbei kritisierte er in scharfer Weise eine Anschauung der christ- liehen Kirche. Der überwachende Gendarm behauptet, die Acußerung sei dahin gegangen, die Auffassung sei Mumpitz, daß Gott im Himmel sitze und so die Welt regiere. Genosse Störmer wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Reichsgericht hob dieses auffällige Urteil auf und wie« die Sache an das Landgericht zurück. Das Reichsgericht hob hervor, eine Kritik der Lehren der Kirche erfülle nicht den Tatbestand des§ 166. Es bedürfe besonderer Um. stände, die den Schluß rechtfertigen, daß der Täter mit Bewußtsein und Absicht die Kirche als solche angegriffen habe, um tz 160 zur Anwendung bringen zu können. In der gestrigen Verhandlung bestritt Genosse Störmer, wie auch früher, daß er die Worte in dem Zusammenhang gebraucht habe, den der Gendarm bekundet hatte. Freilich l in Zusammenhai seinem Sohn, soi. WWWWW.._______ der Glaube eine« Arbeiter«, das Unternehmertum würde freiwillig die Lage der Arbeiterklasse aufbessern, fei Mumpitz. Der Gendarmeriewachtmeifier Thörmer bleibt dabei. daS Wort Mumpitz „Fräulein vom Eisenbahnbeamten— Gott sitzt im Himmel, Sohn daneben— Mumpitz— Gott ans nichts Welt gemacht— Wissenschast» aus nichts wird nickst«— Religion hindert Bildung— Religion macht krumm, stumm und dumm.— Bete und arbeite Niederknien—" Auf Befragen erklärt der Zeuge, die ersten Worte sollen darauf hindeuten, daß in der Versammlung die Tochter eines Eisenbahnbenmtcn anwesend war. Ter Gendarm Smolink schließt sich der Aussage seines Kollegen an. Die Zeugen Tost, Horlitz, Gllndel und Göpel bekunden übereinstimmend, daß das Wort in dem Zusammenhang gefallen ist, den der Angeklagte dargelegt hatte. Sie hätten als Vorsitzender, Schriftführer oder weil sie sich zur Diskussion melden wollten, mit äußerster Aufmerksamkeit den Vortrag des schnellsprechenden Angeklagten verfolgt. Die Dar legungen über Gott und Sohn und die Darlegungen über den Mumpitzglauben eines Arbeiters hätten zeitlich etwa 3 bis 5 Minuten auseinander gelegen. Der Staatsanwalt nimmt an, die Gessdarmen gäben die Rede richtig wieder, demnach l)ätte eine Gotteslästerung borgelegen.. Er beantragte wiederum 2 Monate Gefängnis. Der Verteidiger legt dar, eine wissenschaflliche, wenn auch scharfe Kritik der Lehren der christlichen Kirche sei straflos, und deshalb müsse der Angeklagte freigesprochen werden. An. geklagter habe den Vortrag mindestens 30mal an den verschiedensten Orten gehalten, ohne je eine behördliche Störung zu erfahren. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß das Wort Mumpitz nicht in bezug auf Gott und seinen Sohn gebraucht ist. Der Notizenzettcl der Gendarmen beweise gegen die Auffassung der Gendarmen, deren Bildungsgrad sie schwer befähige, einem wissenschaftlichen Vortrage objekiv zu folgen, der Notizenzettel enthalte lediglich unzusammenhängende und auS dem Zusammenhang herausgerissene Kraftworte. Das Gericht gelangte dennoch abermals zu einer Verurteilung des Angeklagten zu 2 Monaten Gefängnis. Das Gericht, so hieß cS in der Begründung, ist der Ausfassung der Gendarme gefolgt. Den Zivilzeugen können manche Rede Wendungen, mit deren eigentlichen Sinn sie vertraut waren, ent- gangen sein. Aus den Bekundungen der Gendarmen entnehme das Gericht, die Landeskirche sei das Objekt der Verhandlungen gewesen und die Absicht des Angeklagten die, die Kirche und ihre Ein- richtungcn lächerlich zu machen. Die ferneren Redewendungen, die bei der ersten Verhandlung ebenfalls als strafbar erachtet waren, seien als eine straflos« Kritik erachtet, nicht aber das Wort Mumpitz. »,» Das Urteil dürfte abermals in der reichsgerichtlichen Instanz aufgehoben werden. Für unsere Rechtszustände bezeichnend ist es aber, daß auf Grund der Aussagen von Gendarmen, die unmöglich den Wortlaut eines Vortrages wiederzugeben imstande sind, über Haupt Verurteilungen erfolgen. Wird die Ueberwachung von Ver- sammlungen als notwendig erachtet und glaubt die Staatsbehörde. wegen Sleußerungen, die bei Gelegenheit in der Ausübimg deS Versammlungsrechtes gemacht sind. Anklage zu erheben, so darf. ohne zu weit zu gehen, verlangt werden, daß die Anklage Vorbereitungen nicht allzu sehr hinter der heutigen Technik Hinte* herhumpeln. Demnach müßte ohne phonographische Wiedergabe der Versammlungsvcrhandlung eine Anklage unter allen Umständen abgelehnt werden. Würde nach erfolgter Aussage der Gendarmen der Vcrsammlungsphonograph spielen, so würde sich herausstellen, daß die Wahrnehmungen und dementsprechend auch die Bekundungen der Gendarmen in 09 von 100 Fällen mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Welchen Zwecken die höchst überflüssigen„lieber- wachungen" dienen sollen, ergibt die Notiz deS Gendarmcriewacht� nieisters über den Besuch der Versammlung durch eine Beamten. tochter._ KantionSschwindelelen. Der Schriftsteller und Verleger Hermann KlSHre hatte sich gestern vor der 2. Fericnstrafkammer des Landgerichts III wegen einer Reihe KautionSschwindelcien zu verantworten. Nach der Anklageschrift, die durch die Beweisaufnahme bestätigt wurde. hat Klähre, der zuerst in der Kopenhagenerstr. 26. später in der Fasancnstr. 44 wohnte, in den Jahren 190ö bis Mai 1900 nicht weniger als 15 wenig bemittelten jungen Leuten durch falsche Vorspiegelungen Kautionen im Betrage von 100 bis 600 M. ab- geschwindelt. Gestern konnten nur 11 Fälle verhandelt werden. weil vier der am meisten Geschädigten zurzeit im Ausland weilen. Klähre inserierte sortgesetzt in bürgerlichen und sogenannten Partei- losen Tageszeitungen nach Bureaupcrsonal für den Verlag seiner „Berliner Gewerbe- und Jndustriezeitung".„Theater, und Musitzeitung" und„Kunst und Kunstwissenschaft". Nur von der letztgenannten Zeitschrift sind drei Hefte erschienen, die andere» Zeitungen mit den hochtrabenden Titeln existierten nur auf den Briefköpfen deS Angeklagten. Dem Klähre kam es nur darauf a». sich in Besitz von Kautionen der Bewerber zu setzen, die sich auf die Inserate meldeten. Er erklärte den neucngagierten Burcaugehülfen. sie würden Poswollmacht erhalten und hätte» größere Summen zu kassieren, so daß er auf die Stellung einer Kaution bestehen müsse. Hatten die jungen Leute dann ihre letzten Barmittel hingegeben, so mußten sie einen Vertrag unter- schreiben, in dem die Kaution als Geschäftseinlage bezeichnet war. Nach der Höhe der Kaution wurde auch das Gehalt bemessen. In den meisten Fällen kam eS allerdings nicht zur Auszahlung von Gehältern. Die Leute wurden meist nach kurzer Zeit nicht weiter beschäftigt. Der als Sachverständige vernommene Ober- arzt der Eharite Dr. S e i f e r gab sein Gutachten dahin ab. der Angeklagte sei zwar Ncuraftheniter und forensisch minderwertig. eine verminderte Zurechnungöfähig�eit Ijnde aber bei Begehung der Straftaten nicht vorgelegen.— Der Vertreter der Staat«. anwaltschaft. Assessor Taube beantragte eine Gefängnis- strafe von 2 Jahren gegen den Angeklagten. Der An- acklagte sei von vornherein auf KautionSschw,ndel ausgegangen und habe nur zu diesem Zwecke seine Zeitschriftengrundungen Der" Verteidiger bat um Freisprechung oder wenigsten» um die Zubilligung mildernder Umstände, da dem geistig minder- wertiaen Angeklagten das Bewußtsein der NechtSwidrigkeit seiner Handlungen gefehlt habe.— Das Gericht erkannte auf drei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten von der Untersuchungshaft, sowie auf 5 Jahre Ehrverlust. Zwei Monate Gefängnis für einen Fanstschlag. Am 23. Mai berichteten wir über eine Verhandlung vor dem Rixdorfer Schöffengericht, nach der der Kohlenarbciter Karl Schmidt zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt war, weil er an- geblich während des Streiks bei Cäsar Wollhc.m-n Treptow dem Arbeitswilligen Ferdinand Seifert einen Faustschlag gegeben haben soll. In der gestrigen Berufungsinstanz wurde die Be- rufung verworfen, wiewohl eine Reihe Zeugen be- kündeten, daß der Faustschlag von einem anderen erteilt und der Angeklagte an der Schlägerei nicht beteiligt war. Ter staatSgesährliche rote Lappen. Am 1. Mai machten die organisierten Arbeiter Bambergs einen Ausflug in die benachbarten Wälder. Auf dem Heimweg fand ein Beteiligter im Walde einen roten Lappen, vielleicht der Fetzen eines roten Schnupftuches. Als bekannter Spaßvogel suchte er sich einen Stecken, knüpfte den Lappen daran und»ing damtt an der Spitze der heimkehrenden Gruppe. Das sah in einem Dorfe der Gen- darm und in der Stadt ein Schutzmann. Beide wurden angesichts des roten Lappens lvütend. rissen ihr Notizbuch heraus und er- tatteten Anzeige. Als bei der Verhandlung am Schöffengericht Bamberg der rote Schnupftuchfetzen auf den Tisch, des Hau es niedergelegt wurde, da lachte alles, selbst der Amtsrichter. Auf Antrag des harmlosen Bannerträgers wurde die Verhandlung auS- icfctzt, um einen Staatsanwalt als Zeugen zu laden, der den heim. .ehrenden Ausflügler» auf der Straße begegnet war.— Wieviel Bogen Papier wegen des Schnupftuchfetzens noch beschrieben, wie- viel Gendarmen. Staatsanwälte und Richter scincthalben noch in Bewegung gesetzt werden, läßt sich noch nicht übersehen, Ihr laßt den Armen schuldig werden» Dann überlaßt Ihr ihn der Peint Ein armer Porzellanarbeiter in Hohenberg in Oberfranken hat eine Frau und fünf Kinder zu ernähren. Sein Fabrikant zahlte ihm nur 1,79 R. Tagelohn. Weil sich der Arme im vergangenen Winter öfters einige im Fabrikhof umherliegende Kohlenstückchen mit nach Hause nahm, stellte der nämliche Unternehmer, der den Mann mit 1,70 M. pro Tag entlohnte, Strafautrag. Das Land- gericht in Hof verurteilte den„Dieb", da er vorbestraft war, zur Mindeststrafe von 3 Monaten Gefängnis und empfahl ihm, ein Gnadengesuch einzureichen, weil er in bitterer Not gehandelt habe. — Leider ist uns der Name des menschenfreundlichen Fabrikanten nicht mitgeteilt. Eine Anklage gegen ihn wegen Anstiftung zum Diebstahl dürfte dem Rechtsempfinden entsprechen ßrUfttaften der Redahtion. »1« juristisch« Spnih stund» findet Fricdrichftr. 10, Sliisgaug 4, eine Trevvc(Handclsftät»» Brileallianc», Durchgana auch Lindeiiftr. I N>ochc»,ä«ltch von 7'/, blf»'/, Uhr abend« statt.«icöstnet 7 llhr. Ei»», abend« beginnt die Eprechstnnde um 0 Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl al« Merkzcichen bei&usiigen. Briefliche Antwort wird nicht rrtrilt. Eilige Fragen trage man in der Eprcchsttinde vor. Marienfelde, Britz, Pankow und andere Orte. Die besonderen Hinweise auf daS Stattfinden des Extrazahlabends am Mittwoch, den 31. d. M. erübrigen sich durch die Bekanntmachung de» Zentralvorstandes, daß für Groß. Berlin am Mittwoch ein Extrazahlabend abgehalten wird. 10«. Leider nein.— E. B.«. Geldstrafe.—®, 4. Preußen, die Braunfchweigcr Lotterie spielen, sind nach der herrrschenden Rc chtsprechung strafbar, wenn sie sich sasstl'".-- mesjenc Sätze vom 181. b>Z- Sie effehen können, welcher Zeltraum hiernach maßgebend ist, finden Sic Seite 36 bis 40 d«S dem.Arbettenecht' beigefügten Führer». DaS Buch liegt tn den össentitchen Leiehallcn aus.— H. FS. 1400. DaS erste Won muß anders lauten. Da« übrige heißt auf' deutsch: Die beste Freundin deS Vaterlandes lebe wohl, geb. am S. Juli 176(5, gest. am 25. Marz 1789. — NBCD. 18. Falls Sie noch minderjährlg find, sind Sic zur Zahlung nicht verpflichtet.'"" neuem den Sinti behörde geltend wagen.— St. M. 250. Die Liquidation würde vom Gericht als der Taxi einsprechend und wohl auch als augemcsscn erachtet werden. Zum Uli- entgeltlichen Waschen ist Ihre grau fclbstvcrständllch nicht verpflichtet.— O. R. RS. 1. Sie können daS Anerbteten annehmen, es wäre aber zweck- mäßig, die Zuwendung an die Mutter so zu gestallen, daß Sie bei etwaigen Recherchen der Behörde über die Unterstützung als der Gebende erscheinen. 2. Die UnterstütznngSpflicht liegt nur oweit vor, als Ihre Brüder dieselbe ohne Beeinträchtigung deS ltandeSmäßigen Unterhalte» der eigenen Familie leisten können. — M. H. 70. Ihrem Vorhaben steht nichts im Wege. Zur Steuer- zahlung sind Sie verpflichtet. Bestimmte Aerzte usw. zu empschlen, lehnen wir grundsätzlich ab.— Zwei Wettende. Ja. Häuser. Ja, Sie müssen da« Standesamt in Dresden wenden.— gl. Qf. R. 10«. Ja.— sich an I 807. Mailuft. 1. Nein. 2. Wir stellen Ihnen anheim, die Jahrgänge in der Expedition nachzuschlagen. F. 40. 1. und 2. Leider nein. Sie . könnten ans Unterlassung der Störungen Ihre» Besitze« sowie gegen Be- leidigung klagen.— F. I. 88. Vorläufig können Sic nicht« unter- nehmen.— 18 14 15 16 16 19 Siattsnn, « 2 l! B* taparandal755NNO eterSburg 758 WNW Scilly Äterdeen Pari« 762 W 754W 764 W »tUn 2 Regen l'bedcckt 2 bedeckt Ihalbbd. 3 wollml »A e« ti m a 18 16 16 14 16 Wetter-Prognose für Sonntag, den 88. Jnli 1007. Zunächst ziemlich heiter, am Tage etwas wäroner bei mäßigen südwestlichen Winden; fpäler wieder zunehmende Bewölkung und leichter Regen. Berliner Wetterbur.au. Die glückliche Geburl eiticS krästigen Knaben zeigen hocherfreut an 2070b Villlelm ZpUmer Frau i Als Vermählte empfehlen sieh I Richard IMttmanu Klara Rlttmana geb. Zimmermann. Berlin, Juli 1907. SozialdemokratiscIierWahivereiD für den 4. Berliner Reiciistags-Wahlkreis. (Stralaucr Viertel.) Bezirk Nr. 32S. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Kutscher «folm Miller Mühlenstr. 67a gestorben ist. 262/10 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Andreas-Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. 262/14 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Bezirk Veißensee. Todes- Anzeige. Am Freitag, den 26. d. M., ver- starb unser Mitglied, der Metall- arbeiter Oskar fiastidon. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. d. Mts., nach- mittags 6 Uhr, von der Halle des Weißcnseer Friedhoses aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht 18/4 Der Torstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drücker Oskar Baslidon am 26. Juli an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Juli, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Weißensccr Kirchhoses, Nölkestraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/18 Die Ortsverwaltung. Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Ehefran des Bundesbruders IMelir aus Klub„Kernspitze- am 26. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 29. Juli, nachmittags S Uhr, aus dem Rixdorser Kirchhof, Mariendorser Weg, statt. 3/8 Der Torstand. �Hygienische BedansarUKei. Neuest. Katalog HU Empf ehl. viel. Aerzte u.Prof. grat. uJt H. Unger, Onmmiwarenlabrik Berlin NW.. Friedrichstrass e 91/92. ZEiiti'alvErhandd.LEderarbeiter (Filiale I, Berlin). Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Weißgerber 1«. Zöpel aus Finsterwalde im Alter von 45 Jahren in Oranienburg ver- starben ist. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 2 Uhr daselbst statt. Er ruhe saust I 293/15 Der Vorstand. Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unser lieber Sohn, der Klempner Ernst Hahne nach langem, schwerem Leiden im 23. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Eltern und Geschwister. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Juli, nachmittags i'l, Uhr, vom Trauerhause Swine- mündcrstraße 49 aus nach dem Kirchhose der Friedensgemeinde in Nordend(Niederschönhausen) statt. VerEiii der ZiinErEr BErlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am 26. Juli starb unser lang- jähriges Mitglied Otto Geist (Zahlstelle Nordost). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. d. M., nach- mittags 5 Uhr, vom Kranken- Hause am Urban aus nach dem simeonkirchhos in Britz, Tempel- hoser Weg, statt. Rege Beteiligung erwartet 257/18 Der Torstand. Am 25. Juli verstarb nach kurzen schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter und Schwiegermutter L.u!se Frohmann geb. Cielsky. Die Beerdigung findet Montag nachmittag von der Leichenhalle in Friedrichsfelde aus statt. DieS zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. D/e Harnleiden Ihre Oetobren, Verhütung und Beseitigung von I>r. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ stee tausend> Orfskrankenkasse für das Barbiergewerbe zn Berlin. Bekanntmachung. Hl. Abänderung. § 52 des Statuts ist mit Ge- nevmigung des Bezirksausschusses vorn 18. Juni 07 dahingehend ab- geändert worden, daß außer dem Rendanten mit Genehmigung der Generalversammlung weitere Kasten« bcamte angestellt werden können. Slbänderungsexemplare sind im Kassenlokal erhältlich. 275/8 Der Torstand. lulius Langner, Paul Schrolle, 1. Vorsitzender. 1. Schriftführer. Sarg-Magazin Merl Jarditnin NW., Stephanstr. 56, NW. Fernsprecher II, 930. Großes Lager sämtlicher Sorten Särge zu den billigsten Preisen. Arbeiter- tr•Bernfs-K.leidnng Aeltestes Spezial-Geschäft 3 Iftühlendamm 8 und Kottbnserdamm 05. fldöif Aecker. Koehwald unoLandparzellen direkt«, kgl. Forst u. Briese-Fließ, s�sR. von 10 Mk. an Holien-Neuendorf (Nordbahn) Gas- und Wasserleitung am Ort. Verkäuser täglich in unserem Ver» kausspavillon direkt am Bahnhos. 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Sern gestattet. l Pf.>■ Hochachtungsvoll 128/19 lüonfuni'Gcnonenfcbaft Berlin u.llwg. e.e.n.d.s. Boykott-Liste derjenigen Backwarenhändler, Müch= u. Grünkramgeschäfte* die nachweislich aus der gesperrten Brotfabrik von Heinrich Wittler, Müllerstr. 33/34, ihr Brot beziehen. Adolsstr. 12, Großmann. 20, Willmer. Arndtstr. 24, Kleiwe.' Alexandrinenstr. 19, Pohl. Alt-Moabit 76, Babel. Andreashalle, Stand 123. Alt-Boxhagen 33, Wurnigkeit. Chausseestr. 37, Kicpernik. „ 104, Wachsmann. „ Brückner. Chorinerstr. 42, Milchgeschäft. Demminerstr. 3 und 10, Milchgeschäft. , 34, Milchgeschäst. Derfflingerstr.?, Rentzsch. 29, Schul,. Fehrbellinerstr. 50, Krähe. Feldzeugmeisterstr. 4, Funke. ?. FuchS. Forsterstr. 4, Hans. Frankfurter Allee 185. Höhne. Gr. Frankfurterstr. 90, Gebr.Stabenow. Frucht str. 70, Wunder. Gollnowstr. 13, Franke. Göbenstr. 10,. Thiele. Görlitzerstr. 4, Hirschler. Greisswalderstr. 191, Bartz. Grünauerstr. 8, Kinder. Gürtelstr. 29, Borchart. Jnvalidenstr. 87, Grünkramgeschäst. Jagowstr. 24, Langner. Kastanien-Allce 68, Geißler. Kesselstr. 8, Kluge. Koppmstr. 3, Dörnfeld. „ 4, Gericke. , 47, Gräber. Kochhannstr. 1, Ragowkv. Königsbergerstr. 23, Schröder. Kopernikusstr. 28, Urban. Körnerstr. 23, Siewert. Landsbergerstr. 113, Buchwald. Langestr. 2, Puscherat. Lausitzerplatz 12, Milchgeschäft. Lehrterstr. 43, Versick. Malplaquetstr. 8, Arndt. 38, Garlipp. Mariannenplatz 22, KonatlowZky. Maxstr. 13, Milchgeschäft. 13e, Herzsprung. Molkenmarkt 12/13, Ging. Molkenstr. Grünkramgeschäst. Mühlenstr, 61, Niens. Müllerstr. 56, Grülling. , 61, Gabronn. , 131, K. Kühn. , 133a, Lorenz. Oldenburgerstr. 7, Schulze. Puttbuserstr. 56, Milchgeschäft. Ramlerstr. 25, Maing. Rathenowcrstr. 27, Strehmel. Rcichenbergerstr. 127, Kohlmann. Ritterstr. 117, Milchgeschäft. Romintenerstr. 16, Vetter. Saarbrückerstr. 10, Janke. Schönhauser Allee 26, Milch. Schwartzkopststr. 20, Schneiders 37. Milchgeschäst. Diese Liste wird noch erweitert. Schwedterstr. 252, Milchgeschäft. 268, Geschäft. Skalitzerstr. 147a, Grünkramgeschäst. Stallschreiberstr. 4, Kreburg. Stephanstr. 39, Paschkewitz. Straßmannstr. 17, Kleinod. Tilfiterstr. 23, Dörnfeld. TrcSckowftr. 49, Milchgeschäst Usedomstr. 26a, Schulze. Veteranenstr. 5, Milchgeschäft. , 9, Gerlach. 17, Bruchmüller. Waldemarstr. 75, tzaase. Wattstraße, Ecke Voltaftratze, Raddllh. Weidenweg 27, Davidsohn. Weißenburgerstr. 54, Franke. 84, Rade. WilhelmShavenerstr. 41, Kroll. 54, Schröder. Wrangelstr. 30, Gebr. Lange. 110, Biehler. Wastertor- Ecke Fürstcnstraße, Gefchäst. Zorndorserstr. 12, Rademacher. Zwinglistr. 11, MarowSky. Ebenso sämtliche Filialen der großen Buttergeschäste von Aftmann, Holz, Slawe, Ladewig, Gebr. Manns, Schröter. Zander und Balleutin beziehen nach wie vor Kommißbrot aus der gesperrten Brotfabrik von Heinrich Wittler, Müllerstr. 33/34. In die letzte Liste der boykottfreien Bäckereien sind folgende Bäckereien als dewilUgt nachzutragen: Berlin. Admiralstr. 37, Otto Benz. Beustelstr. 45, Grethlein. Brüssclerstr. 43, Janezek.s Ebertystr. 23, Nachtigall. Esmarchstr. 20, A. Czok. Eylauerstr. 18, Brotfabrik Berollna. Falckensleinstr. 37, Mantheh. Friedrichsselderstr. 17, Kunz. Göbenstr. 18, Brotfabrik Berolina. Gräscstr. 12, Hanke. Greisswalderstr. 29, Bartsch. Kesselstr. 42, Tauer, Milchgeschäst, licsert bohkottsreie Backware. Kochhannstr. 34, Wolfram. Libauerstr. 17, Oeck. Prinzen-Allee 10, Paul Hanke. Schwedterstr. 25, Winkelmann. Stettinerstr. 7, Paul Hanke. Straußbergerstr. 33, schicke. Turmslr. 54, Bernau. Warschauerstr. 3, Schild. Britz. Wadinftr. 89, Parnickenh. Wörterstr. 33, Käuser-Berein. (Wiederverkäuser und Kunden- sammelstelle.) Lichtenberg. Weserstr. 22, Janz. Boxhage«. Boxhagener Chaussee 5b, Halrent. Pankow. Florastraße 41, Schneider(Vertreter Walter). Sieiuickendorf. Eichbornstr. 35, Kube. JustuSstr. 29, OerteL Rixdorf. Prinz Handjerystr. 38, Rafchick. «icgfriedstr. 44, Brückner. Weichselstr. 34. Schul,. Schöueberg. Siegfrtedstr. 1, Brotfabrik Berolwa. Kaiser Friedrichstr. 4,», Steglitz. Markstelnstr. 3, Straßman»(Wieder» Verkäufer). Die Bewilligung zurückgezogen refp. durchbrochen haben: Anklamerstr. 57, Eder. Antonstr. 48(früher Oertel) ist von Oberhosf, Gerichtstraße, well er bewilligte Ware verlauste, ge- kündigt. Nachfolger verkauft jetzt unbewilligte Ware. Biesenthalerstr. 2, Mensing. Chodowickistr. 1, Müller. Danzigerstr. 8, Konrad. Fennstr. 51, Fritz Hanke. HennigSdorferstr. 37, Schütze. Hochmetstcrstr. 20.(Will, um die JnnungSalmosen zu erhallen, im .Vorwärts' ausdrücklich als zurück« gezogen stehen.) Hochstädterftr. 23, Zahl. Zionslirchstr. 13, BobeL Eharlottcnburg. Pestalozzistr. 12, Walter. Schlüterstr. 17, Krause. Rixdorf. Falkstr. 21, Susat.(Schon zweimal zurückgezogen.) Steinmetzstr. 131, Lorenz. RnmmelSburg. Kantstr. 18, Mägdefrau. Boxhagener Chaustee 5/6, März.(Hai die Bäckerei verkaust. Nachfolger weigert sich zu bewilligen.) llSLpsrr« sind femer die Brotfabrik Wittler» Müllerstr. 33/34, Besitzer der Simons-Brotfabrik, und die Großbäckerei Tlottner. Achtung! Für viele Anfragende folgendes zur Beachtimg: Achtung! Haukes Bäckereien sind nicht einheitlich zu behandeln. Boykottfrei sind alle Saehereien von Oskar Hanke.— ?ritz und?aul Hanke dagegen haben nicht einheitiieh für alle Geschäfte bewilligt, sondern haben dies ihren Vertretern ÜherlassCN. Wir bitten deshalb für letztere heilten Tinnen sich nur nach der „Vorwärts"-Liste zn richten. Das ftlilchgeschäft Wilhelm Rother, Schliemauustraße 7, ist irrtümlicherweise als boykottiert auf ein Flugblatt gekommen. Herr Rother bezieht tatsächlich aber Brot und Backwaren NNr ans bewilligten Sackereien._ Kiste derjenigen Milch-«. Gemnsegrjchäste. die nachweislich Ware von unbewilligte« Bäckereien beziehen. Ackerstr. 57, Geier. Sürstenbergcrstr. 13/14, Wollenberg. abelsbergerstr. 2, Krflger. Küstriner Platz 12, Beyer. Memelerstr. 11, Wobbe. Putbuserstraße,! Schulz. Ramlerstr. 13, Schmidt. Rheinsbcrgerstr. 31, Warmbier. Riigenerstr. 13, Krezintki. Schönfließerstr. 7, Schwarz(Kolonial- waren Handlung). Schönfließerstraße 14/15, Neleezabl (KaushauS für Lebensmittel). Schönfließerstr. 16, Kettke, Soldinerstr. 38, Volkmann. » 73, llutz. Strelitzerstr. 16. Wittig. Stcomstr. 36, Beyer. Swinemünderstr. 5. Urbanstr. 26, Weber. Werneuchenerstr. 9, Drache, Zechlinerstr. 2, Tamm. Zorndorserstr. 7, Noack. Schöneberg. EberSstr. 82, Gahlke. Gothenftr. 3, Wartenberg. Merseburgerstr. 5. A. Gärtner. Lichtenberg. Ahpodlenstr. 2, Srärnann. Gürtelstr. 7, Hentchel, Rixdorf. Pannierstr. 31, Simloo. Mainzerstr. 11, PehL Weisestr. 40, Sem. Knesebeckstr. 103, Etchenderl. Hausfrauen! Arbeiter X Unterstfitzt die um ihre Jdensehenreehfe kämpfenden 3 äcker gesellen! Die Lohnkommission der Bäcker» Buren«: Zluguststr. 30. F.-A. III, ISIS. Berantwortl, Redakteur: Carl Mermuth. Berlin-Siirdorf. Für de.nJnleratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer Lc Co.. Berlin Hr. 174. 24. Jahrgang. 4. Jitilnjt Ks Jstiüirts" Ittlinct llolliülilali. Sünntdg, 28. Juli 1907. Hierter Kougreß der Schnstgitker Dkutschlllnds. Aus den Verhandlungen, die bis Freitag, den 26. Juli, vormittags dauerten, heben wir folgendes hervor: Die SituationS- berichte ergeben, dag die Durchführung der Beschlüsse des DrcS- dcner Schriftgieherkongrefses in Berlin deshalb nur mit den Berliner Prinzipalen beraten wurde, weil die Unternehmer» zentrale in Leipzig sozial rückschrittlich sei. Auch konnte in Berlin im vorigen Jahre eine Tarifrcvision durchgeführt werden. Den Leipzigern wird für die Führung des ein Vierteljahr dauernden Streiks im Jahre 1963 allgemeine Anerkennung ausgesprochen. Als Beweis für die in diesem Berufe zunehmende Arbeitsteilung diene die Tatjache, daß in der größten Gießereifirma Schelter u. Giesecke in Leipzig von 53 Gießern nur 4 gelernte Arbeiter sind. In der Maifeier frage beschlossen im Vorjahre die Berliner Gießer, nicht durch ArbcitSruhe zu demonstrieren. In Frank- furt a. M. dagegen ist in einer Anzahl von Firmen die Arbeits- ruhe am 1. Mai durch Vertrag festgelegt; an der Feier beteiligten sich 56 Proz. der Gießer. Den Offenbackern macht man den Vor- Wurf, daß sie zwar den Achtstundentag als Antrag forderten, aber nicht ihre Pflicht taten, als cS galt, die um den Achtstundentag kämpfenden Leipziger durch Geldmittel reichlich zu unterstützen. In Stuttgart sind seit 1963 auch die Gießereihilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Tarifkontrahent: sie sind sämtlich organisiert. In Dresden sind die Verhältnisse im allgemeinen erträgliche zu nennen. In München ist die 8�>stündige Arbeitszeit eingeführt und das Minimum auf 27,56 M. erhöht worden. In Wien wurde ein Tarif erkämpft, der für ganz Oesterreich gilt. In Ungarn erschweren die Gesetze zwar die Gewerkschaftsarbeit, trotzdem aber gelang es, einen Tarif zu erreichen und sämtliche Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen in Budapest zu organisieren. In der Diskussion wird mit Nachdruck hervorgehoben, daß der selten gute Geschäftsgang in Wien, der Mangel an Arbeitskräften in der Gießereibranche entscheidend verursacht sei durch den hohen Zoll, den der neue Zolltarif auf Gießerei- a r t i k e l legt. Der Kongreß beschließt ferner, die Frage dcS Einheitstarifes im Auge zu behalten, um ihr zu geeigneter Zeit nahczutrctcn. Zum Antrage O f f c n b a ch, den 1. Mai durch ArbcitSruhe zu feiern, meint D ö b l i n, der Vorsitzende deS Buch- druckervcrbandcS, daß der Verband an dieser Frage kein besonderes Interesse habe. Der Antrag durchgeführt, würde unsere best- bezahltesten Kollegen, z. B. in ZeitungSbetriebcn, aus ihren Stellen werfen, die sofort von anderen besetzt iverden würden. Wir würden uns nur unnütze Konflikte schaffen. Für die Verkürzung der Ar- beitLzeit arbeiten wir in der Praxis. Wir würden durch die Feier des 1. Mai tarifbrüchig werden. Darauf bemerkte D e j u n g- Berlin, daß sich die Schriftgießer von den Buchdruckern in dieser Frage nicht zu beeinflussen lassen brauchten. Sic würden sich nach den Beschlüssen des internationalen Kongresses in Stuttgart richten. Der Kongreß beschließt, seine Sympathie für die ArbcitSruhe am 1. Mai auszusprechen and beauftragt die Verwaltungen am Orte, in diesem Sinne bei Absckluß neuer Tarife zu wirken. Ter Zen- tralkommission wurden für 6 Jahre Tätigkeit 566 M. Remuneration bewilligt. Die Kommission bleibt in Berlin. MocKeti- Spielplan der ßerlimr Cbeatcr. Neues könlgl. Opern-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. AbcndS: Cavalloria rusbicana. Die schöne Galathee.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Wiener Blut. DienStag: La Traviata. Mittwoch: Wiener Blut. Donnerstag: Lajazzo. Die schöne Galathee. Freitag: La Traviata. Sonnabend: Cavalleria rusticana. Die schöne Galathee. Sonntagnachmittaa 3 Uhr: Die Fledermaus. AbendZ: La Traviata.(An- sang 7>/, Uhr.) Montag: Wiener Blut. Deutsches Theater. Dis aus weiteres töglich: Der Jongleur. Komische Oper. Sonntag: Hossmanns Erzählungen. Montag: Carmen. tgeroS Hoch»«„| NciicS SehanfptclhauS. Sonntag bis nächsten Montag: NaffleS. Echtster- Theater tt. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Zauberflöte. Abends: Der Postillon von Lonjumeau. Montag: Jessonda. Dienstag: Aleflandro Stradella. Mittwoch: La Traviata. Donnerstag: Der Troit- badour. Freitag: Carmen. Sonnabend: Der Postillon von Lonjumeau. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dt« Afrikanerin. Abend»: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Der Troubadour. Zchistcr-Theater I?.(Friedrich-WilhelmstädttscheS Theater.) Bis am Mittwoch: Kyritz-Pyrttz. Von Donnerstag ab: Der Weg zur Hölle. LiistsPielhauS. Sonntag bis Mittwoch: Die Welt ohne Männer. Donnerstag bi» Montag: Husarenfieber. Kleines Theater. Sonntag bi» Mittwoch: Vater und Sohn. Ab Donnerstag geschlossen. Theater deS WcstenS. Allabendllch: Die lustige Witwe. Bernhard Rose-Theater. Im Garten ab Montag bi» Sonnabend: Ein toller Ehemann. Ne seine Nummer. Die Gauklerin. Ansang 4'/, Uhr. Im Theater: Sonntagnachmittag 4 Uhr: Die Schwäbin. Unterm Birn- bäum. Die Gauklerin. Allabendlich 8'/, Uhr: Der große Unbekannte. Metropol-Theater. Allabendlich: Der Teusel lacht dazu. »Iposto-Thrater. Allabendlich: Der HochzeitSgast. Spezialitäten. Walhasta-Theater. Spezialitäten. Rrichshallcn> Theater.«inter-Tymtan. Ab 1. August: Stetttncr Sänger. nger. Passage- Theater. Spezialitäten. Wintergarten. fligaro.Theater La Tortaiaäa. Spezialitäten. (im Folie» Caprice). Allabendlich: Geisterauto. Pari».'Ansang S'J, Uhr. Varl Haverland-Theatrr. Spezialitäten. Gustav BchrenS-Theater. Berlin W., Goltzstr. 9. Spezialitäten. Uranta-Theater. Taubcnstraße 48/49. Sonntag und Donnerstag: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag und Freitag: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Dienstag und Sonnabend: Von der Zugspttze zum Wahmann. Mittwoch und Sonntag, den».August: Durch Dänemark und Südschweden. Ansang 8 Uhr. Beritner Marktpreise. Au» dem amtlichen Bericht der städtsschen Mnrkthalleii-Dtlcktion.(Großhandel.) Rindfieisch la 70— 72 pr. 100 Pfd., IIa 64—69, nia 59—60, Bullenfleisch la 63—70, IIa 55—04, Kühe, seit 52—60, bo. mager 40—50, Fresser 54—66, Bullen, dän. 66—64, bo. Holl. 0,00. KatbNeilch. Dopp-lleiider 100—120. Maflkälber la 73—83, Oa 64—72, Kälber ger. gen. 45—57, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammel« fleisch Mastlämmer 74—78, Hammel la 69—73, IIa 62—68, Schas« 60—62. Schweiiicfletlch 01—67. Ziehbock la per Vlund 0,63—0,85. II» 0,40—0,00. Rotwild, Abschuß 0,55. Damwild. Abschuß 0,65. Wild- schweine 0,00. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,25—0,70. Wildenten per Stück 1,00—1,40. Klickenten per Stück 0,00. Hühner. alle, per Stück 1,40-2,50, IIa 1,00-1,30, do. junge 0,40—1,20. Tauben 0,25—0,55, italienische 0,00. Enten per Stück 1,40—2,30, do. Hamburger per Stück 2,00—3,00. Gänse per Psund 0,00—0,08, do. per Stück 2,50—4,75, do. Hamburger per Psd. 0,00, per Stück 0,00, do. Oderbrncher per Psd. 0,60. PouletS per Stück 1,10, ChalonShühncr 0,00. Hechte per 100 Psund 115-120, do. klein 0,00, do, mittel 0,00, do. groß 0,00. Zander, niiltel 0,00, bo. klein, matt 0,00. Schleie, groß 0,00, do. mittel 0,00, do. Holl. 0,00, do. 116—129. Aale, groß 97, do. Nein und mittel 0,00, mittel 97 bi» 112, do. unsortiert 73—82, do. groß-mtttel 101—112. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpsen 91—97. Bleie 08, matt 0,00. Bunt« Fische 73—77. vnrse 0,82, dito matt 0,00, dlto klein 0,00. Karauschen 90—91, do. Nein 74. Bleifische 0,00. Wels 30. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lach» la neuer, per 100 Pia, 110—130, do. IIa neuer 60—100, do. lila 60. Seelachs, neuer 10—20. Inn der», Kieler, Stiege la 3—0, mittel per Kitte 2, Hamb. Stiege 4—0, aide Kiste 2—3, poinm. la Schock 4— 8, IIa 0,50—2,50. Bücklinge, Kieler per Wall 2-3, Strats. 3,50-5.50. Bornh. 1,20. Aale, groß per PId. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, Nein 0,00—0,80, Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3,00—5,00,'/, Kiste 1,50—2. Sardellen. 1902« per Anker 98, 1904« 98, 1905« 98, 1906« 90—95. Scholtilche Vollheringe 1905 0,00, largo 40-44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,00. Bratheringe Faß 1,20-1 40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do, Neine 5—0, do. Riesen- 14. Eier, Land-, unsortter! per Schock 8—3,40, do. große 4,00. Krebse per Schock große 00,00, do. mittclgr. 11,00—19,00, do. Neine 3,25, do. un> sortiert 5,00—7,00, do. Galizier groß und inittel 0,00, do. uns. 0,00. Butter per 100 Psd. la 109-113, IIa>03-109, lila 100-102, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue Schock 4.00— 5.00. Psessergurken 4,50. Kartoffeln per 100 Pfd. weiße runde 2,50—4,00, blaue 3,50—5,00, Rosen» 2,50 bis 3,00, Nieren- 3,50-4,00, Zcrbster 0,00. Porree, Schock 0,50-1,00. Meerrettich, Schock 5—15. Spinal per 100 Psund 25—30. Sellerie, hiesige, per Schockbund 2,00—6,00. Zwiebeln per 100 Psd. 6—6,50, . kleine 0,00, do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, bahr., neue und 1,60 bi» 2,50. Karotte», hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 3,00 bi» 6,00. Rotkohl, Schock 8—10. Weißkohl 6—10. Blumenkohl, Zittauer 100 Stück 0,00, do, Hamburger 100 Stuck 0,00, do. Erfurter 100 Stück 20—25. Kohlrüben, Schock 5,00—6,00. Pctersilienwurzeln, Schockbund 0,75—1,00. Schoten per 100 Psund 8—15. Pscfferlinge per 100 Psd. 8—13. Steinpilze per 100 Psund 10—20. Radieschen per Schock 0,75 bi» 1,00. Salat per Schock 1,00—2,50. Gurken, Zcrbster, Schock 3,00—3,50. Dohnen, grüne, 100 Psd. 10—12. Stachelbeeren, per 100 Psund 7—12. Erdbeeren, hiesige 100 Psd. 20—30, do. Walderdbeeren 50—80, bo. Hamburger 30 bis 40, do. Holländer 25—30. Himbeeren 100 Psund 28—33. Blau- beeren, 100 ssssd. 16—18. Johannisbeeren, 100 Psd. 7—10. Kirschen, per 100 Pfund Schlesische 0,00, Wcrdcrschc 10—20, bo. Glas- 12—18, do. Thüringer 8—16, Natten 18—30, sauere 10—16. Birnen, ltal., 100 Psund 18—28, Muskateller 24-25, hiesige 13-16. Pfirsiche, per 100 Pfund 25-35. Aprilosen, ital., per 100 Psund 20—80, stanz. 20—32, Aepset, ttalienische, per 100 Psund 14—25. Pstaumen, tlal., per 100 Pfund 14—30. Zitronen, Messina. 300 Stück 9,00-18.00, do. 360 Stück 8,00-15,00, do. 200 Stück 6,00—12,00, do. 150 stück 5—7. Banane», gelb, 100 Pfd. 22—25, grün 0,00. Wasserstand am 27. Juli vorm. Eide bei Dresden— 86 dp.— Elbe bei Magdeburg 2,29 Meter.— O d e r bei Nattbor 1,73 Meter.— Oder bei Breslau— 0,18 Meier.— Oder bei Brieg 2,80 Meter.— Neißemündung 2,04 Meter.— Rhein bei Kaub 2,32—0,06 Met».— Rhcinschleuse de« Straßburg 2,97-0,02 Meter. 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