Ur. 178. Bbonncmcnts-Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando! Pierteljährl. 3,30 Mb, nionatl, 1,10 Mb, wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Emzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgisn, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CiWnt Wich aiiUcr montags. Verlinev Volksblakt. Die TnTert)onS'GebUI)r beträgt für die fechsgespallenc Kolonol« geile oder deren Raum 50 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Bereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine Rnoeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- pellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozlalllimolilat Rcrlin". Zentralorgan der foztaldemokrat» fchen Partei Dcutfcblands. Redaktion: 8 öd. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 2. Augnft 4907. Expedition: Söll. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Staatsstreichsgeheul. Herr Naumann hat mit seinem gestern von uns kurz gewürdigten Artikel im„Verl. Tageblatt" bei allen offenen oder versteckten Anhängern des Klasscnwahlrechts begreiflicher- weise hellste Entrüstung hervorgerufen. Es ist weniger die Erklärung Naumanns, auf die wir das Hauptgewicht legen, daß die Einführung des Reichstagswahlrcchts in Preußen die „Lebensfrage des Blocks" bilde, als dieser oder jener unseres Erachtens mehr untergeordnete Punkt der Aus- führungen Naumanns, der die offenen oder verkappten Reaktionäre in Harnisch bringt. Wir haben die Ausführungen Naumanns über die Wege, die zur Erkämpfung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts auch für Preußen seiner Meinung nach gangbar sind, gestern außer Betracht gelassen. Handelte es sich dabei doch nur um allerhand diplomatische Er- wägungen, wie der Freisinn mit Hülfe derRegierung. speziell Bülows, das Dreiklassenwahlrecht beseitigen könne. Uns jedoch kam es weniger auf die mehr als zweifelhafte Willfährigkeit des Reichskanzlers an, das Reichstagswahlrecht in Preußen durchzuführen, als auf die F e st st e l l u n g, daß die Freisinnige Vereinigung durch Herrn Nau mann sowohl, wie die Freisinnige Volkspartei durch ihr führendes Organ, die„Freisinnige Zeitung", erklären ließen, daß„heute einfach gefordert" werden müsse: „Das Reichstagswahlrccht für Preupeu!" Diese p r i n z i p i e l l e Festlegung enthält auch die für den Freisinn ein zuschlagende Taktik in dem Kampf ums Wahlrecht, ob m i t oder gegen die Blockverbündeten, ob mit oder gegen Bülow. Diese freisinnige Stellungnahme hat natürlich nicht den Beifall der Reaktionäre gefunden. So schreibt die„Deutsche Tageszeitung": „Daß Herr Naumann das Reichstagswahlrecht rund und glatt auf die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause übertragen will, ist nicht weiter auffällig, aber immerhin höchst kurz- sichtig, denn der LinksliberaliSmus würde dabei aus die Dauer nichts gewinnen, sondern nur für eine kurze Ucbergangszeit der Schrittmacher und Platzhalter für die Sozialdemo- kratie sein," Auch die Nationalliberalen wollen selbstverständ lich vom Reichstagswahlrecht für Preußen nichts wissen. Die „Nationalliberale Korrespondenz" schreibt: „Sollte nun wirkich das Werk der preußischen Wahlrechts- reform dadurch gefördert werden, daß man den Gedanken der Wahländerung eine Form gibt, die den Mitgliedern der oberen Wahlkörperklassen und den unter ihrer Mit- Wirkung gewählten Abgeordneten zum sehr großen Teile von vornherein als unannehmbar erscheint?" Auch der„Hannoversche Kurier" bezeichnet ohne weiteres das Begehren der Einführung des Reichstagswahl- rechts für Preußen als„unerfüllbar". Die konservative Presse begnügt sich nun aber nicht damit, die Forderung der Einführung des Reichstagswahlrechts für Preußen einfach für indiskutabel zu erklären, sondern ihr bietet der Artikel Naumanns den Anlaß, über die Staats- streichsgelüste dieses freisinnigen Abgeordneten in sittliche Entrüstungskämpfe zu geraten, wobei bei der„Deutschen Tageszeitung" ein Teil dieser Entrüstung sich auch auf das Haupt des„Vorwärts" entlädt. So schreibt die„Deutsche Tageszeitung": „Der„Vorwärts" macht sich das Vergnügen, darauf hinzu- weisen, wie sich die Anschauungen Naumanns seit einigen Monaten geändert haben. Er ist aber mit diesem Meinungswechsel sehr zufrieden und spricht deshalb Herrn Naumann seine Anerkennung aus. Diese Anerkennung hat er auch redlich verdient. Aber es ist doch fast das stärkste Stück, wenn das sozialdemokratische Zentralorgan einem Politiker Anerkennung zollt, der eine energische Wahlmache der Regierung und s chließlich den Staats st reich fordert." Welches nun sind die verruchten Staatsstreichsforderungen des Herrn Naumann? Herr Naumann schrieb: „Wie nun ist es denkbar, daß ohne Gesetzcsverletzung das preußische Wahlrecht grundsätzlich geändert wird? Es gibt zwei Wege, Der eine Weg geht von der Reichs verfaffung aus. Da nach Z 2 der Reichsverfassung Reichsgesetze den Landesgesetzen vorgehen und da der Reichstag im Zu- sammenhange mit dem Bundesrat den verfassungsmäßigen Um- kreis seines Einflusses festzusetzen und über§ 4 hinaus auszu- dehnen in der Lage ist, so ist es möglich, daß mit Hülfe einer neuen Neichsverfassungsbestimmiing ein Mindestmaß politischer Rechte für die Bundesstaaten vorgeschrieben wird. Diese Methode des Vorgehens ist iviedcrholt bei Besprechung der mecklcn- burgischen Verfassungsfrage erwähnt, aber bisher von der Reichsrcgierung stets abgelehnt worden. Daß sie aber an sich möglich ist, kann schwerlich bestritten werden. Wenn Preußen im Bundesrate diese Art des Vorgehens wünscht, niird sich mit Hülfe der Süddeutschen sofort eine hinreichende Majorität dafür finden lassen, und im Reichstage ist die Majorität hierfür bereits vorliegend. Es gibt also für den Not- fall stets ein letztes Mittel, um die innerpreußischen Schwierigkeiten zu überwinden, aber es liegt auf der Hand, daß der Reichskanzler dieses letzte Mittel erst dann anwenden wird, wenn der andere und näherliegende Weg sich als ungangbar erwiesen hat. Dieser Weg aber heißt: Herstellung eines anderen Wahlrechts mit Hülfe der preußischen Gesetzgebung. Nachdem die Wahlrcchtsänderungen in Bayern, Württemberg und Baden auf dem Wege der Landesgesetzgebung durchgeführt worden sind, und nachdem auch für das Großherzogtum Hessen ein schon ziemlich weit vorgeschrittener Versuch vorliegt, kann man sich ein ungefähres Bild vom Gange derartiger Ver- Handlungen in Preußen machen, nur daß hier die Gegen kräfte unvergleichlich viel stärker sind. Es versteht sich von selbst, daß ein Sieg von heute auf morgen ausgeschlossen ist. Während nämlich in Bohern die herrschende Partei(das Zentrum) beim neuen Wahlrecht zu gewinnen hoffte und mit Hülfe der Wahlkreiseinteilung auch wirklich gewonnen hat, und während in den anderen süddeutschen Staaten die Parteiverschiebungen zwar nicht unbeträchtlich aber auch nicht unbedingt sicher waren, so steht in Preußen von vornherein das eine fest, daß jede liberale Wahlrechts änderung, auch wenn sie sehr„gemäßigt" sein sollte, eine Minderung konservativer Macht bedeutet. Für eine Wahlrechts- änderung haben sich mit allerlei Vorbehalten und Einschränkungen Freikonservative, Nationalliberale und Zentrum ausgesprochen. Die Deutschkonservativen, oder in diesem Falle die Preußischkonservativen, aber sind vom ersten Tage an entschlossene Gegner. Schon heute wird heimlich und öffentlich alles getan, um die Bülolvschen Gc danken noch vor der ersten amtlichen Ankündigung zu ersticken. Es gibt Konservative in der Regierung, im Herrenhause und im Ab- geordnetenhause in Fülle und sie wissen, wie nian Politik macht, Gegen diese heimliche und offene Front kann der Reichskanzler nur dann etwas erreichen, wenn er von vornherein offen an das Volk appelliert. Er muß die nächste Landtagswahl mit einer klaren. Wahlrechtsparole führen. Will er das nicht, dann ist sein Spiel verloren. Wenn er die Landtagswahlen in bis- heriger Art sich vollziehen läßt, so fehlt ihm der Hintergrund eines Volksvotnms, ohne das er die zahllosen Hemmnisse nicht überwinden wird. Er muß schon jetzt aus eine Auflösung des Landtages mit neuer Wahlparole hinarbeiten. Man kann das ganz offen sagen, weil es so sehr auf der Hand liegt, daß alle politisch Denkenden es längst wissen. Die Auflösung, die in-der Kanalfrage versäumt wurde, muß jetzt nachgeholt werden. Geschieht das nicht, so helfen alle„generellen Er- klärungen" gar nichts, Eine preußische Landtagsauflösung kann, wenn sie richtig gemacht wird, sehr gut glücken. Dazu gehört freilich, daß mit dem Beamtenerlaß vom 4. Januar 1882 Ernst gemacht wird. Dort heißt es: „Es liegt mir fern, die Freiheit der Wahlen zu be- einträchtigen, aber für diejenigen Beamten, welche mit der Ausführung meiner Regicrungsakte betraut sind und des- halb ihres Dienstes nach dem Disziplinargesetz enthoben werden können, erstreckt sich die durch den Dien st- cid beschworene Pflicht auf die Vertretung meiner Regierung auch bei den Wahle n." Diese wuchtige Waffe, die sich Bismarck seinerzeit im Kampfe gegen links geschmiedet hat, liegt im Zeughaus der preußischen Regierung und kann ein gewaltiges Mittel in Bülows Händen werden, Sie kann es! Mehr läßt sich nicht sagen, denn die psychologische Frage, ob der Wille des Nachfolgers Bismarcks stark genug ist, eine solche Waffe zu gebrauchen, ist eine offene Frage. Es ist eine offenkundige Tatsache, daß heute der Beamten- apparat vielfach der konservativen Partei behülflich ist. So- lange dieser Zustand dauert, wird es schwer sein, einen Landtag der Reformen herbeizuführen. Dieser aber ist die erste Vor- bcdingung der Bülowschen Wahlrechtspläne. Und wenn der Landtag erneuert ist, und wenn in ihm eine Majorität für einen Regierungsentwurf zustande gebracht wird, so bleibt noch immer das Herrenhaus, diese Zitadelle des Rückschrittes, Ursprünglich hat in der Verfassung gestanden(§ 51), daß auch das Herrenhaus aufgelöst werden kann. Dieser Satz ist formell nicht aufgehoben, es ist aber nach der Verordnung über Bildung der ersten Kammer von 1854 sehr zweifelhaft, ob er noch zu Recht besteht. Diese Verordnung ist die letzte, stärkste Ver- ankerung der konservativen Herrschaft selbst dem Könige gegen- über. An ihr muß irgendwann in ihrem Verlaufe die Wahl- rechtsbcwegung zun: Stehen kommen, und dann erweitert sich der Wahlrechtskampf zum Kampf um das Oberhaus, wie es auch in Hessen geschehen ist. Die Regierung muß die Fesseln ab st reifen, die sie sich selb st vor fünfzig Jahren in übergroßer Aug st über ihre Hände gelegt hat." Das soll also Staatsstreichlerei sein I Und was wird von der Regierung gefordert? Die Landtagsauflösung und der Appell an die Wähler. Wenn nun Herr Naumann auch der Regierung zumutet, daß sie den ehedem gegen den Freisinn gerichteten B.i s m a x ck i s ch e n B e- amtenerlaß nun gegen die Rechte anwenden solle, s o ibt diese Forderung heute selbst das„Berliner ageblatt" klüglich preis. Es versteht sich vollends am Rande, daß erst recht die Sozialdemokratie eine solche amtliche Wahlinachc unter allen Umständen verurteilt, selbst ivenn es sich dabei um politische Möglichkeiten und nicht um imaginäre Hirngespinste handelte. Es ist deshalb auch eine freche Unterstellnug der „Germania", zu behaupten, daß der„Vorwärts" gerade dieser Zumutung Naumanns an Bülow wegen Herrn Nau- mann seine Anerkennung ausgesprochen habe. Haben wir doch gestern diese höchst bedenkliche Auslassung Naumanns gar n i ch t e r w ä h n t! An einem Appell an die Landtags Wähler und einem Konflikt mit der preußischen Pairs- k a m ni e r aber würde natürlich die Sozialdemokratie nicht den geringsten Anstoß nehme n. Diese selbst von Treitschke schon vor 35 Jahren als totes Glied verhöhnte. Er- ändung des kranken Preußenkönigs Friedrich Wilhelms IV. müßte selbstverständlich fallen I Nicht nur wegen ihres Wider- 'tandes gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht, sondern über- Haupt wegen ihrer absoluten Unverträglichkeit mit einer parlamentarischen, demokratischen Rcgierungsform. Wenn die Junker sich deshalb über unsere Staatsstreichgelüste entrüsten, so entgegnen wir ihnen einfach, daß das gegenwärtige Drei- klaffensystem ja überhaupt nur einem schnöden Staatsstreich seine Existenz verdankt. Auch sind ja gerade die K o n s e r- v a t i v e n im Punkte des Staatsstreichs niemals zimperlich gewesen. Erklärte doch, um nur eins von vielen Beispielen'zu zitieren, Graf M i r b a ch am 28. März 1895 im Herrenhause: „In allen ländlichen Kreisen und weit über diese hinaus würde es mit Jubel begrüßt werden, wenn die Verbündeten Fürsten sich dazu entschlössen, einen neuen Reichstag auf der Basis eines neuen Wahlrechts ins Leben treten zu lassen (Sehr richtig I Zustimmung!) und zwar unverzüglich.... Die zu lösende Aufgabe ist schwierig! aber auf keinem Gebiete wäre das Wort„zu spät" verhängnisvoller als hier; es ivürde gleichbedeutend sein mit dem Jntrüminergehen des Deutschen Reiches... Alexander der Große stand auch vor einer schweren Aufgabe und löste sie sehr schnell..." So viel über die heuchlerische Entrüstung unserer staatsstreichlüsternen Junker. Aber die ganze Frage liegt, um von vornherein keinerlei Täuschungen aufkommen zu lassen, gar nicht so, als ob von den: Intimus des Herrn Liebert, dem „agrarischen" Kanzler eine wirkliche Wahl- reform und auch nur die leise st e Unter st ützung eines Wahl rechtskampfcs zu erwarten wäre. Die Sache ist vielmehr einfach die, daß es alle redlich meinenden demokratischen Elemente auf den Kampf gegen die Reaktion ankommen lassen müssen! Nur der Appell an das Volk und der entschiedenste Kampf vermögen die preußische Junkcrfeste der Reaktion zu erstürmen! Der Freisinn muß sich deshalb beizeiten mit der Preis- gäbe seiner Blockstellung vertraut machen. Aber er hat es dabei in der Hand, dem vom Junkertum von neuem in Aus- ficht genommenen ultramontanen Blockvcrbündctcn jede Techtelmechtelei und jeden Volksverrat un- möglich zu machen. Die„G e r m a n i a" erklärte sich ja erst letzter Tage in einer Polemik gegen den National- liberalismus für die Einführung des Reichstagswahlrcchts für Preuße». Man braucht das Zentrum nur ernstlich beim Wort zu nehmen, um es zum Mittun zu zwingen. Dann ist die Reaktion einfach vor die Frage gestellt, entweder im Reichstag und Landtag überhaupt matt gesetzt zu werden, oder die vom Volke ge- wünschten Konzessionen machen zu müssen! Sie Kriegsgefahr in Kamerun. Uebcr die Lage in Kamerun bringt die„Köln. B o l k S z t g.� einen interessanten Artikel, in dem es heißt: „Der Herd der Unruhen sind die Adamaualänder, welche mit Mohannnedanern und Heiden bevölkert sind, und die sich bis zum Tsadsee hin erstrecken. Dentschland, England und f rankreich teilen sich in diese Gebiets. Der Verkehr von Nordost- ameruu mit der deutscheu Küste ist sehr miiiinial; er besteht so gut wie nicht. Zwischen der Küste und dem höher gelegenen Hinterlande schiebt sich nämlich ein dichter UrWaldgürtel von 50—60 Kilometer Breite, dessen Dnrchschneidung nur unter unsäglichen Opfern an Gut und Blut möglich ist. Die deutsche Herrschaft hat sich daher auch lange Jahre auf die Küste beschränkt; erst 1003 machte Gouverneur v. Puttkamer in diese Gegend eine Reise und er- richtete sogenannte Residenturen. Die Macht der Deutschen ist in diesem Gebiete eine sehr geringe; es befinden sich nur drei Kom- pagnien Schutztruppen in dem unermeßlich weiten Gebiete; diese sind mit zwei Maschinengewehren und zwei Schnellfeuerkauouen ausgestattet und teillveise nicht au einem Standorte vereinigt. Die 4. Kompagnie befindet sich in Banjo(über 320 Kilometel südlich von Garua, dem Herde der Unruhen), die 7. Kompagnie ist in Garna und ein Posten in Nssaydsche<160 Kilometer hier- von) entfernt; die 3, Kompagnie ist an den Ufern des Tsadsee zerstreut in Knsseri, Diloa, Bongar, Milte und Maniling, Stationen, die teillveise 320—500 Kilometer und mehr von Gärua entfernt sind, welche aber der Resident von Garua um Hülfe und Ver- ständigmig über ein gemeinsames Vorgehen gebeten hat. Die Offiziere und Unteroffiziere dieser Schutztruppen sind Deutsche, die Mannschaften sind Neger. Von der Küste her ist eine Ver- stärkung so gut wie ausgeschlossen; der nächste Weg führt durch Britisch-Nigeria auf dem Niger und teillveise schiffbaren Benue nach Jola, dem bedeutendstell Handelsplatz in Adamaua, der sich aber im Besitze der Engländer befindet. Das in Betracht kommende Gebiet zählt nach verschiedenen Schätzungen 5 bis 6 MiUioncu Einwohner, es kann mit Leichtigkeit 100 bis 150 000 Krieger st eilen, die alle gut bewaffnet und teilweise sehr gut beritten sind. Mail hat es also hier mit einem nicht zu imtcrschätzenden Gegner zu tun. Als im Jahre 1903 Puttkamer nach Garua kam, st eilten sich die 63 A dam auafürst en mit 6000 Reitern zur Begrüßung ein; in Diloa aber hatte ein Sultan allein WOO Krieger in Parade aufgestellt, v. Puttkamer berichtete damals:„Ich habe die sichere Ueberzeugung gewonnen, daß die Regierung bei ruhiger und gerechter Behau dluitg sich auf die Leute f e st verlassen k a n u, u u d d a tz A d a m a u a o h n e jedes militärische Machtmittel dauernd in unserer Hand ist." Er schloß mit dem Vorschlage, zwei Re- sideuturen zu errichten, was geschah, und meinte weiter: „Regiert soll nicht werden, sondern dies den einheimischen Herrschern überlassen bleiben, denen der Resident als Schützer und Ratgeber zur Seite steht. Auch die Exekutive kann man den F u l b e S g e t r o st überlassen, so daß eine Kompagnie im Tsadseegebiet als Garnison genügt. Adamaua braucht lediglich eine Polizeieskorte für den Residenten. Kriegerische Verwickelungen sind für absehbare eit ausgeschlossen. Voraussetzung hierfür ist allerdings sehr orgfältige Auswahl der Persönlichkeiten." Und nun tjabcn wir den Anfang eines AufstandeS. Da muß man in der Tat sagen: weshalb? Regierungsfreundliche Blätter sprechen davon. daß eine religiöse Bewegung der Mohammedaner die Ursache sei; das erscheint kann» glaub« l i ch; denn einmal ist die christliche Mission noch gar nicht in diese Gegend eingedrungen und dann hat sich die deutsche Ne- gierung gerade hier sehr auf die Seite der Moham- m e d a n e r gestellt und die Fulbesultanate gegen die heidnischen Bergvölker unterstützt. Da hätten doch die Mohammedaner- gar keinen Anlaß, gegen die Deutschen vorzugehen. Sind vielleicht von deutscher Seite aus U e b e r g r i s f e gemacht Worden, und war man in der Auswahl der Personen wieder einmal unglücklich? Bestimmte Nachrichten liegen nicht vor; aber es muß daran erinnert werden, daß der freisinnige Abg. Ablaß am 15. Dezember 1905 gegen den in den Adamaualändern tätig gewesenen und daselbst ermordeten Hauptmann T h i e r r tz s ch w e r e A n k l a g c n erhoben hat; er teilte damals mit, daß Hauptmann Thierry„den Vater eines Zöglings der katholischen Mission in Lome, der sich aus Angst vor Thierry auf einen Baum geflüchtet hatte, einfach von dem Baume - heruntergeschossen hatte". Diese Anklage war schon früher dem Reichskanzler zugestellt worden, ohne daß er, wie es scheint, eine Untersuchung veranlaßt hätte. Der frei- finnige Abgeordnete Ablaß' aber hat noch weiter die Anklage erhoben, daß Thierry„E i n g eb o r ene w i e Wild ni e d er- geschossen haben soll, und daß er wegen seiner Grausamkeiten in dem ganzen Schutzgebiet be- r ü ch t i g t gewesen i st." Die Antworten von amtlicher Seite waren sehr inatt; sie gipfelten in dem Satze, daß nach Thierrys Tode eine Weiterverfolgung sich erübrigt habe, welche Ansicht wir nicht teilen können. Derselbe freisinnige Abgeordnete Ablaß sprach auch über Grausamkeiten des Hauptmanns v. Vesser, den ein Offizier schwer beschuldigt hätte, und der beim Kriegsgericht sehr milde wegkam; auch diese Dinge haben sich in Kamerun abgespielt. Sie werden durch Eingeborene weiterverbreitet, und man kann sich vorstellen, was alles sich daraus entwickelt. Jedenfalls stehen die höchst zuverlässigen Aus- lassungen deL früheren Gouverneurs und die heutigen Unruhen in einem sehr schroffen Gegensatz." Die Aeußerungen Puttkamers, deS ExgouverneurS von Kamerun, stehen in einem eigentümlichen Gegensatz zu jener Taktik, die die von uns vorgestern zitierte Stelle aus der amtlichen Denkschrift über Kamerun empfiehlt. Puttkamer empfahl eine„ruhige und gerechte Behand- lung" der mohammedanischen Falbes. Die deutschen Residenten müßten sich darauf beschränken, die Berater und Beschützer der Sultane zu sein, sie hätten ihnen die Exekutive und das Re- gieren völlig zu überlassen. So wenig nun auch Puttkamer selbst für Respektierung dieser seiner eigenen Taktik sorgte— die Duldung der Bestialitäten des Thierry im Adamaua-Gebiet beweist seine Nachlässigkeit auf diesem Gebiete— so richtig war doch seine theoretische Auffassung der Lage im Adamaua-Gebiet. Die Kolonialvcrwaltung scheint aber seitdem ihre Ansicht einer völligen Revision unterzogen zu haben. Statt die Fulbc-Sultanate zu„schützen", hat sie offenbar begonnen— die Kameruner Denkschrift bezeugt das ja— die „heidnischen" Negerstämme gegen die mohammedanischen Fuldes aus- zuspielen, eine Politik, die unausbleiblich einen Kolonialkrieg ent- fesseln muß, gegen den das Hercro- und Hottentotten-Abenteuer tatsächlich ein„Kinderspiel" sein würde. Unsere Kolonialfcxe, die noch soeben die„Herrcnmoral" des Peters verherrlicht, besitzen nun freilich die Stirn, die Vernichtung der Fulbe-Herrschaft als ein Gebot der Zivilisation und Humanität hinzustellen, da ja die Fulbes Sklaverei trieben I Als ob nicht diese deutsche Kulturmission in Südwestafrika mit der Ausrottung der Ein- geborenen und der Versklavung des übriggebliebenen Restes geendet hätte! Ehe man solche Kultur auch in Kamerun verbreitet, sollte man getrost die„Befreiung" der„Heiden" vom Joche des Mo- hammedanismnS den eingeborenen Stämmen selbst überlassen I Man ersparte sich dann wenigstens neue Kolonialschmach, gar nicht zu reden von der Ersparnis der Hunderte von Millionen und Tausende von Menschenleben, die ein Krieg mit den FulbeS zweifellos kosten würde. Es ist deshalb um so eigenartiger, daß das rheinische Zentrum Sorga n, das, wie wir oben sahen, hinter den neuen Unruhen in Adamaua wohl nicht mit Unrecht allerlei Fehler der Kolonialverwaltung wittert, zum Schlüsse selbst fordert, daß man zu„einer konsequenten Islam Politik" kommen, also doch wohl den von Puttkamer widerratenen Weg einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit den Fulbes einschlagen möge! Bemerkt doch die„Köln. Volksztg." wörtlich:„Hätte man deutscherseits sich mehr der heidnischen Urbevölkerung angenommen, als der m o h a m m e d a n i sch e n Eindringlinge, so stände eS heute besser." Welch ein Unsinn! Wir hätten dann eben den Krieg mit den FulbeS, deren kriegerische Macht die„Köln. Volksztg." doch so ab- schreckend schildert, schon eher gehabt, ohne im geringsten über die Mittel zu verfügen, diesen Krieg aufnehmen zu können I Hat doch, was das ZentrumSblatt selbst hervorhebt, noch im Jahre 1995 der Regierungsvertreter den Bau der Bahn bis zum Tschadsee als eine„Phantasie" bezeichnet. Hier zeigt sich aber nun wieder der Januskopf der ultra niontanen Kolonialpolitik. DaS Zentrum zetert über die ungeheueren Opfer der Kolonialkriege, um andererseits im Interesse der katholischen Mission die Regierung zu frivolen Abenteuern anzureizen, vor denen selbst ein Blatt wie die„P o st" zurückschreckt I Diese grundverlogene Stellung des Zentrums zur kolonialen Geldverschleuderung verdient immer wieder festgenagelt zu werden I_ Der philosophische Reichskanzler. Bekanntlich ist Bülow ein gründlicher Kenner der deutschen Philosophie, besonders auf dem Gebiet der Kant-, Fichte- und Hegel« forschung leistet er höchst Bedeutendes— was schon allein daraus hervorgeht, daß er bei seinen in und außer dem Reichstage gehaltenen feuilletonistischen Plaudereien sich keineswegs auf Zitate aus dem Büchmann beschränkt, sondern sich manchmal sogar auf Kant und Hegel bezieht. Es ist deshalb durchaus nicht ver- wunderlich, daß der Reichskanzler auch in seinem Gespräch mit Herrn JuIcS Huret, dem Mitarbeiter des„Figaro", sich nicht ver- sagen konnte, dem Franzosen zu beweisen, wie gründlich er als deutscher„Elitemcnsch" in der deutschen Philosophie beschlagen ist. So ergriff er denn mit der ihm eigenen weltmännischen Nonchalance die Gelegenheit, dem Herrn Huret in Anknüpfung an einer von diesem getanen Acußerung zu versichern, daß vor hundert Jahren die deutschen Dichter und Denker gegenüber den politischen Vorgängen eine grandiose„philosophische Teilnahms- losigkeit" bekundet hätten, und als Beweis für seine gcist- reiche Behauptung auf Schiller und Hegel zu verweisen. Daß Schiller, der Dichter der„Räuber", der„Kabale und Liebe", des„Tell", des„Wallenstein", des„Don EarloS", der Ver- faffer der„Geschichte des dreißigjährigen Krieges" usw. den politischen Verhältnissen seiner Zeit völlig teilnahmslos gegen- Übergestanden haben soll, glaubt zwar selbst ein mittelmäßig ver- anlagter Quartaner nicht— doch für einen Reichskanzler gelten bekanntlich, wie Bülow so oft in seinen Reden demonstriert hat, weder die gewöhnlichen Tatsachen, noch die Regeln der gemeinen Logik. Und wie mit seiner Kenntnis Schillers steht es auch mit seiner tiefen Erfassung des Philosophen Hegel, der bekanntlich mit Vor- liebe historische Studien trieb und auch eine„Kritik der Verfassung Deutschlands" geschrieben hat. Fürst Bülow hat Herrn Huret so hübsch erzählt, wie Hegel am 14. Oktober 1L0ö, d. h. also am Tage der Schlacht, von Jena, an seinem Schreibtisch sah und arbeitete, und als ihm dann die Eisensplitter auf den Schreibtisch flogen, das Dienstmädchen erst fragen mutzte, was denn los sei; wie ihm aber dieses von den kämpfenden Franzosen und Preußen sprach, da habe er erklärt:«Das ist mir gleich, das alles interessiert mich nicht." Aber zum Leidwesen für den Ruhm Bülows als Hegelkenner ist es auch mit der Teilnahmslosigkeit Hegels nichts; und Professor Theobald Z i c g l e r macht sich im ,. Schwöb. Merkur" das Ver- gnügen, auch dieses Märchen des„Elitemenschcn" zu zerstören. Er schreibt: „Wie lustig und wie teilnahmslos Hegel an jenen Tagen wirklich gewesen ist, das wissen wir zufällig— oder für die hübsche Anekdote des Herrn Reichskanzlers vielmehr leider!— von dem Philosophen selber. Hegel schreibt nämlich„Montags den 13. Oktober 1396 am Tage, da Jena von den Franzosen besetzt wurde und der Kaiser Napoleon in seinen Mauern ein- traf", an seinen Freund Niethammer— auch einen Schwaben, der damals das Schulwesen in Bayern reorganisierte— unter anderem folgendes: „Gestern abend gegen Sonnenuntergang sah ich die Schüsse der französischen Patrouillen..., die Preußen wurden aus Winzerla in der Nacht vertrieben, das Schietzen dauerte bis nach 12 Uhr, und heute zwischen 8, und 9 Uhr drangen die französischen Tirailleurs, und eine Stunde nachher die regelmäßigen Truppen ein; die Stunde war eine Stunde der Angst... Den Kaiser, diese Weltseele, sah ich durch die Stadt zum Recognoscieren hinausreiten. Es ist in der Tat eine wunderbare Empfindung, ein solches Individuum zu sehen, das hier auf einen Punkt konzentriert, auf einem Pferde sitzend, über die Welt übergreift und sie beherrscht. Den Preußen(gestern sagte man, der König von Preußen habe sein Hauptquartier in Kapcllcndorf, einige Stunden von hier; wo er heute ist, wissen wir nicht; aber gewiß weiter weg als gestern; die Herzogin und ihre Prinzessin war entschlossen, in Weimar zu bleiben) war freylich kein besseres Prognosticon zu stellen, aber von Donnerstag bis Montag sind solche Fort- schritte nur diesem außerordentlichen Manne möglich, den es nicht möglich ist nicht zu bewundern." Das war die„philosophische Teilnahmslosigkeit" Hegels. dem bekanntlich Geschichte das Interessanteste war. an den historischen Tagen und an den großen Menschen jener blutigen Tage. Am nächsten Abend aber. d. h. also am 16. Oktober, bei der Plünderung Jenas, haben dann„die Kerls seine Papiere wie Lotterielose in Unordnung gebracht.". Auf diesen „Papieren" aber beruhte Hegels ganze Existenz: es waren die letzten noch abzusendenden Blätter des Phänomenologie- Manuskriptes, das er bis zu einem eben ablaufenden bestimmten Termin zu liefern sich verpflichtet hatte. Am 13. Oktober schreibt er nämlich wieder an Niethammer:„eine Bitte bin ich ge- nötigt Ihnen vorzutragen: mir durchaus Geld zu schicken, ich bin in dem dringendsten Bedürfnisse". Und dieses Geld war— ein Vorschuß auf das Honorar für die Phänomenologie. So lustig ging es in diesen Tagen bei dem armen Jenenser Extra- ordinarius zu! „Gottlob, daß der Herr Reichskanzler," so schließt der Auf- sah,„nicht der Papst ist, sonst bekämen wir am Ende einen SyllabuS Bülow und müßten, um den an unseren Universitäten„fast voll- ständig verdrängten" Philosophiestudien wieder auf die Beine zu helfen, nach seinen Heften in der Philosophie über Hegel und in der Literatur über Schiller vortragen, auch wenn diese Hefte mit den Quellen ebensowenig im Einklang stünden wie mit denen des Neuen Testaments die neuen Shllabussätze des gegenwärtigen Papstes. Als Protestanten aber, zu denen wir alle rechnen, die gegen Mythen- und Legendenbildung protestieren, dürfen wir es mit den Bülowschen Geschichten und Kritiken glücklicherweise halten, wie wir es nach Luther mit den Apokryphen halten sollen: „Das sind Bücher, so der heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und lustig(Luther sagt: gut) zu lesen sind." politische(leberlicht. Berlin, den 1. August 1307. Reichskanzler nnd Finanz. Die schweizerische Bundesregierung beabsichtigt, die Gotthard- bahn zu verstaatlichen und vom 1. Mai 1999 ab in eigenen Be- trieb zu nehmen. Nach dem Vertrage mit der Bahngesellschaft wird der Nückkaufspreis schätzungsweise festgestellt, doch hat sich die Regierung vorbehalten, daß beim Uebergang in staatlichen Be- sitz die Bahn in vollständig befriedigendem Zustande sich befinden muß, anderenfalls sie das Recht hat, entsprechende Abzüge vom Kaufpreise zu machen. Auf Grund dieses Vertrages hat im ver- gangcnen Jahre die schweizerische Bundesregierung an die Gesell- schaft die Forderung gestellt, ein zweites Gleis zwischen Chiasso und Giubasso herzustellen. Das ist den Herren Großaktionären recht unbequem, und da ein großer Teil dieser Aktionäre aus Reichsdeutschen besteht, haben sich einige Berliner Großbanken an das deutsche Auswärtige Amt mit dem Ersuchen gewandt, daß die deutsche Regierung auf die schweizerische einen Druck ausüben möge, damit diese sich dazu verstände, die Aktien höher zu be- werten. In einer Korrespondenz der„Frank. Tagespost" aus Berlin wird nämlich berichtet: „Die innigen Beziehungen, die zwischen der Rcichsregierung und der Hochsinanz bestehen, erfahren eine überhelle Beleuchtung durch ein Ansinnen, daS einige Großbanken an das Auswärtige Amt gestellt haben. Am Dienstag haben die Direktoren einiger Bankinstitute dem Auswärtigen Amt eine Eingabe überreicht, in der nicht weniger verlangt wird, als daß das Deutsche Reich die schweizer Regierung zwingen solle, bei der Verstaatlichung der Gotthardbahn den deutschen Großaktionären für ihre Aktien einen höheren Kurs zu bewilligen, als er nach Vermutung der deutschen Großbanken gezahlt werden wird. Es wird in der Eingabe ausgeführt, daß die Besorgnis einer Schädigung um so mehr besteht, als die Aktionäre in ihrer großen Mehrheit Aus- länder und zum großen Teil Angehörige des Deutschen Reiches sind. Daraus gehe hervor, daß die Schweiz in ihrem Bestreben, die Bahn zu einem möglichst billigen Preise in ihren Besitz zu bringen, kaum durch Rücksicht auf das schweizerische Kapital ge- stört werden wird. Aus diesem Umstand wird dann die besondere Pflicht der Regierung hergeleitet, die Schweiz an einem möglichst billigen Erwerb der Bahn zu stören— im Interesse einiger deutscher Grotzkapitalisten. Ein unverschämtes Ansinnen! Doch würden die Großbanken cS kaum gestellt haben, wenn sie nicht nach ihrer Kenntnis der leitenden Männer, speziell des Reichskanzlers, der Ansicht wären, die Regierung werde sich auf ihr Verlangen einlassen. Und tat- sächlich erscheint es nach den nahen Beziehungen zwischen der Hochfinanz und der Reichsregicrung nicht ausgeschlossen, daß sich diese dazu versteht, im Dienste des lüsternen Finanzkapitals die Schweiz dazu zu bewegen, auf Kosten ihrer Steuerzahler den fremden Großaktionären hohe Kaufpreise zu zahlen, sjd vie Schweiz allerdings sich dem deutschen Ansinnen fügen wird, ist recht zweifelhaft, denn sie ist bekanntlich nach Bismarcks Ausspruch— ein wildes Land. Christlich-, igrarische Ethik. Im Haag werden zurzeit wunderschöne Reden über die Wahrung der Humanität im Kriege gehalten. Die Vertreter des einen Staates suchen die des anderen Staates in humanen Phrasen zu überbieten; dabei aber sind sie ängstlich darauf bedacht, sich dort, wo es in ihrem kriegerischen Interesse liegt, die rücksichts- loseste Ausnutzung der modernen Mordmaschinen vorzubehalten. Und genau wie diese Vertreter des„kulturellen" Europa machen es die patriotischen, in Ethik und Rcligiösität schwimmenden Blätter dieser Staaten, indem sie ebenfalls ihre Absichten mit schönen ethischen Erwägungen garnieren. Recht kennzeichnend dafür ist eine Betrachtung der die höhere Sittlichkeit des christ- lichcn Agrarstaates vertretenden„Deutschen Tageszeitung" über die Ausnützung der Luftschiffahrt für den Krieg, in der das Blatt zu folgenden Wünschen kommt: „Wir möchten dabei noch einmal den außerordentlichen Unter- schied zwischen der Bedeutung des lenkbaren Luftschiffes für den Land- und für den Seekrieg betonen. Zu Lande kann es, von Ausnahmefällen abgesehen, schwerlich Zerstörungen von solcher Bedeutung anrichten, wie ein einziger Treffer gegenüber einem der neuesten Riesenschiffe zur See darstellen würde. Dagegen wäre die Wirkung aus die Nerven der Kämpfenden zu Lande eine größere; denn der Seemann, der immer mit der Möglichkeit rechnen muß, daß ein Torpedotreffer seine schwimmende Festung zerstört, kann den Unterschied in der Richtung, von der aus daS verderbliche Geschoß kommen kann, nicht übermäßig schwer empfinden. Ein Verbot der fraglichen Anwendung des Lust- fchiffes im Landkriege ließe sich also damit rechtfertigen, daß seine tatsächlichen Wirkungen hier nicht im richtigen Verhältnis zu den moralischen stehen würden; zur See ist das nicht der Fall. Für Deutschland kommt natürlich noch ausschlaggebend hinzu, daß unsere maritime Schwäche es uns zur einfachsten Pflicht macht, uns kein Verteidigungsmittel und keine Möglich- keit ihrer Ausgleichung aus der Hand nehmen zu lassen. Aus diesem Grunde allein halten wir es für ausgeschlossen, daß Deutschland den belgisch-englischen Wünschen in dieser Frage nachgeben könnte." Das alberne Gerede von der moralischen Wirkung und ihrem nicht richtigen Verhältnis zur effektiven Wirkung ist nichts als dekorativer Aufputz zur Bemäntelung der eigenen Roheit. Ter konventionellen Humanitätsheuchelci entkleidet, besagt die Notiz nichts anderes, als daß die Anwendung von Luftschiffen zur Ausstreuung von Sprenggeschossen im Seekriege deshalb nicht ver- boten oder eingeengt werden darf, weil eine derartige rohe Kriegführung Deutschland vielleicht in einem Kriege mit England recht nützlich sein könnte. Echte christliche Ethik!»— Die„Brüder von Nordschleswig". Die Rede des O b e r p r ä s i d e n t e n v. Bülow, die ii> versöhnlicher Weise von den„Brüdern in Nordschleswig" sprach, konnte den Anschein erwecken, als ob die Regierung wirklich daran denke, an Stelle der berüchtigten Köller-Politik eine Politik der Versöhnlichkeit treten zu lassen. Dem ist aber nicht so. Das Geschrei der schleswigschen Agrarier, die befürchteten, bei einer Ab- kehr von einer antidänischen Trutzpolitik in ihrer wirtschaftlichen Beute- Politik geschädigt zu werden, scheint etwaige Anwandlungen von Ein- ficht in den höheren Regionen rasch wieder verscheucht zu haben. NeunundsechzignordscheswigerGeistliche hatten beantragt, die Einführung von zwei fakultativen dänischen Sprachstunden in denjenigen Schulen NordschlcSwigS zu gestatten, in denen dänischer Religionsunterricht erteilt wird. Dies Gesuch ist' von der Regierung abgelehnt worden. Die Oberpräsidial- Verfügung, die diese Ablehnung zur Kenntnis der Petenten bringt, hat folgenden Wortlaut: Schleswig. 27. Juli 1997. Auf das gefällige Schreiben vom 23. Juli d. I. gestatte ich mir Euer Hochwürden zu erwidern, daß ich die wohlgemeinten Absichten, von welchen Euer Hochwürden und die anderen 98 Geist- lichen, welche die an mich gerichtete Eingabe vom 8. Juli unter- schrieben haben, sich bei dem Vorschlage der Wiedercinführimg von wöchentlich zwei fakultativen dänischen Sprachstunden haben leiten lassen, zwar nicht verkenne. Nachdem aber die hierüber auch im Schöße der königlichen StaatSregierung wiederholt stattgehabten Erwägungen stets zu dem gleichen Ergebnis geführt haben, die Sprachenanweisung vom 18. Dezember 1883 in der von Ihnen gewünschten Richtung nicht abzuändern, ersuche ich Sie, sich numnehr darin zu finden, daß die Abschaffung des dänischen S p r a ch u n t e r- richts in der Volksschule eine Tatsache ist, welche einer Aenderung nicht mehr unter- w o r f e n w e r d e n w i r d. v. B ü l o w. An den Kirchenpropst Herrn Gottfriedsen, Hochwürden, in Grotz-Nnstrup. Was kann näher liegen und selbstverständlicher erscheinen, ale die Erteilung eines— noch obendrein fakultativen— fremd- sprachlichen Unterrichts in einem Grenzgebiete, wo die Unkenntnis der betreffenden Sprache für die Bewohner direkt materielle Schädigungen mit sich bringen kann. Aber die Regierung beharrt trotz der schönen Rede des Oberpräsidenten von den„Brüdern in Nordschleswig" auf ihrem bornierten Zwangsgermani- sierungsstandpunkt!—_ Ein Berfasfungsstreit um— Kaninchen. Ein drolliger Streit, wie ihn nur die HundStagS- Hitze ausbrüten kann, ist, wie die„Köln. Ztg." be- richtet, bei der Verabschiedung des Etats zwischen der Ersten und Zweiten württembergischcn Kammer ausgc- brachen. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Der Bund der Württembergischcn Kaninchenzüchtervcreme hatte an die Stände eine Eingabe gerichtet, in der er um Unterstützung der Kaninchen- zucht bittet. Die Zweite Kammer war entschlossen, den Kaninchen- züchtern unter die Arme zu greifen, und zwar mit der Riesen- summe von— 599 M. Und zwar sollte die Unterstützung noch durch diesen und nicht erst durch den nächsten Etat geschaffen werden. Hätte man nun beschlossen, die Petition der Kaninchen- züchtcr der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen, so hätten die 599 M. erst in den nächsten Etat eingestellt werden können. Den Kaninchenzüchtern sollte aber schnell geholfen werden. Deshalb faßte die Zweite Kammer zum Etat den Beschluß,„der königlichen Regierung gegenüber die Bereitwilligkeit auszusprechen, einen Bei- trag von 599 M. an diesen Bund nicht zu beanstanden". Die Erste Kammer hat jedoch beschlossen, die Eingabe der Regierung zur Be- rücksichtigung zu überweisen, mit der Konsequenz, daß ein etwaiger Beitrag zugunsten der Hebung der Kaninchenzucht erst im nächsten Etat bewilligt wird. Demgegenüber beharrte die Zweite Kammer auf ihrem Beschluß und rief den Z 181 der Verfassung an. Dieser Paragraph lautet dahin, daß der Beschluß der Zweiten Kammer, wenn diese nach wiederholter Beratung aus ihrem von der Ersten Kammer abweichenden Beschluß bcharrt, als Beschlutz der Ständeversammlung zu betrachten ist. Die Er sie Kammer hat, wenn sie sich nicht fügen will, itlso nur das Recht, den ganzen Etat abzulehnen. Das wollte sie um SM M. willen doch nicht tun. Sie hat also den Etat bewilligt, aber die Frage der Auslegung des§ 181 der Wer- fassung an ihre staatsrechtliche Kpmmisioi� verwiesen. Dasselbe hat die Zweite Kammer ihrerseits getan. Alles, was Feinschmecker ist auf dem Gebiet staatsrechtlicher Finessen, wird sich an diesem Kaninchenbraten aufs höchste ergötzen. Mit den Kosten aber, die die künftigen Sitzungen der beiden Kom- Missionen verursachen, falls sie die Sache eingehend behandeln, könnte man auf Jahre hinaus alle Kaninchen Württembergs fett machen.»->_ Kontraktbruch ländlicher Arbeiter. Die Herren Agrarier möchten gar zu gerne die traurige Ab- HAngiglcit, in der sich der ländliche Arbeiter befindet, noch der- stärken. Der bayerische Landwirtschaftsrat hat bei seiner letzten Tagung eine Resolution angenommen, nach der Bayern beim Bundesrat einen Antrag auf Schaffung rcichsgcsetzlicher Strafbestimmungcn analog Z 298 St.-G.-B. gegen den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter einbringen soll. Seine weiteren Borschläge zur Abstellung der Leutcnot beziehen sich auf die Errichtung von Arbeitcrwohnungen und die Schaffung länd- licher Schiedsgerichte, deren Verfassung und Kompetenz analog den Gewerbegerichten gebildet werden soll. Wie„Fahnenflucht" entsteht! Der Jäger Otto G e h r h a r d t von der 4. Eskadron des 2. Regiments Jäger zu Pferde in Langensalza wurde vorigen Herbst in die Truppe eingestellt. Während der RekrutenauSbildung wurde er krank und konnte viele Wochen keinen Dienst tun. Natür- lich blieb der Mann in seiner Ausbildung zurück und wurde so ohne sein Verschulden der Gegenstand mißmutiger Behandlung feiner Kameraden. Das erregte mit der Zeit in ihm eine ge- wisse Nachlässigkeit und den geradezu krankhaften Trieb, sich der harten Behandlung zu entziehen. Vor einiger Zeit hatte G. wieder eine Disziplinarstrafe von drei Tagen strengen Arrest zu verbüßen. Aus Furcht vor dieser Strafe lief er am 26. Juni davon und verbarg sich in der Umgebung der Kaserne. Ganz früh am 28. Juni, noch vor Beginn des Dienstes, ging er zur Kaserne zurück, um sich, wie er angibt, freiwillig zu stellen. Weil er dabei den Kameraden nicht begegnen wollte, wählte er den dafür allerdings ungeeignetsten Weg des Ucbersteigens über die Mauer an einer abgelegenen Stelle, wobei er an die Kasernen- Neubauten kam. Dort zog er nun einige den Maurern gehörige Kleidungsstücke an, wodurch er sich unkenntlich machte und stieg dann auch in die Baukantine durch ein Fenster ein, wo er erst seinen Hunger stillte und dann noch ein paar Schuhe an sich nahm. Seine Dienstkleidung ließ er im Neubau zurück. Indessen schien es ihm leid geworden zu sein, sich stellen zn wollen, er nahm den Rückweg wieder über die Kasernenmaucr und faßte den Entschluß, erst zunächst einmal zu seiner Mutter nach W e i m a r zu wandern, wozu er den Weg über Eisenach einschlug, wo er von einem Krimi- nalschutzmann, den er nach dem Wege frug, als Deserteur erkannt und festgenommen wurde. Aus dem Umstände, daß sich der An- geklagte Zivilklcider verschafft und, statt den direkten Weg nach Weimar, den Umweg über Eisenach nahm, folgert die Anklage den Vorsatz der dauernden Entfernung, zumal der Angeklagte schon zweimal deswegen vorbestraft sei. Für die Fahnenflucht bean- kragte der Anklagevertreter 6 Monate Gefängnis und 2. Klasie, für den Diebstahl 3 Monate und 2. Klasse, und für die Preisgabe feiner Dienstsachen eine Woche Mittelarrest, zufammen auf acht Monate Gefängnis und Versetzung in die 2. Klasse. Der Ver-> leidiger nahm sich des Angeklagten sehr warm an, indem er noch darauf hinwies, den Angeklagten nicht als schweren Verbrecher zu betrachten, sondern auf den Gemütszustand, in dem er sich be- funden haben müßte, Rücksicht zu nehmen. Das Gericht ließ aber seine Ausführungen unberücksichtigt und schloß sich der Auffassung des Anklagevertreters in vollem Umfanj-e an, i«dom es die schlechte Führung des Angeklagten strafschärfend in Betracht zog. Das Urteil lautete deshalb auf das beantragte Strafmatz. Der Angeklagte erklärte, das Rechts- mittel der Berufung einlegen zu wollen. Militärjustiz! Wegen Widersetzung, Ungehorsam und A ch- tungsvcrletzung hatte sich vor dem Kriegsgericht in Dresden der Soldat Richter vom 162. Jnfanterie-Regimcnt zu verantworten. Der Angeklagte hatte einen Befehl eines Unter- offiziers nicht befolgt. Der Soldat, der gerade fortgehen wollte, hatte zuni Unteroffizier gesagt:„Wenn mich der H e r r Unteroffizier jetzt nicht gehen läßt, dann be- schwere ich mich beim Major!" Diese Aeußerung fällt unter den Widersctzlichkcitsparagraphen, worauf als Mindestmaß 6 Monate Gefängnis stehen. Der Soldat gibt an, er habe das Verlangen des Unteroffiziers nicht als korrekten Befehl auf- gefaßt. Die Aeußerung habe er unbedacht getan. Der Vertreter der Anklage führt aus, daß man zugunsten des Angeklagten annehmen müsse, daß der Befehl von dem blutjungen Unteroffizier nicht richtig erteilt worden ist, dem es vielleicht noch an der nötigen Festigkeit gefehlt habe. Er beantragte 7 Monate Gefängnis! Das Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten zu 6 Monaten 2 Woche» Gefängnis!!! Es erkannte aber die furchtbare Härte des Militärstrafgcsetzbuchcs und erklärte sich deshalb bereit, für den Angeklagten ein Gnadengesuch einzureichen. Rekrutenlciden. In den Kasernen herrscht die Unsitte, daß die jungen Soldaten von ihren älteren Kameraden bei jeder sich darbietenden Gelegen- heit mißhandelt werden. So war auch ein in Düsseldorf bei der Artillerie dienender junger Mann, der sich nicht jede Schikane der alten Leute bieten ließ, der Unsitte zum Opfer gefallen. Drei Kanoniere überfielen den Rekrut nachts in seinem Bett und miß- handelten ihn in der brutalsten Weise. Die Rohlinge wurden vom Kriegsgericht in Düsseldorf mit 14 Tagen bczw. 2 Monaten Gefängnis bestraft.---_ franlrnicb. Das Blutbad in den Vogescn. Paris, 30. Juli.(Eig. Bcr.) Noch immer laufen über die Vorgänge von Raon-L'Etape die widersprechendsten Berichte durch die Blätter. Noch immer weiß man die Zahl der Verwundeten, ja der Toten nicht. Nach den glaubwürdigsten Berichten isf ein Arbeiter sofort mit durch- fchossener Lunge am Platz geblieben. Ein Gen- darmeriewachtmcister ist gestern seinen Wunden erlegen. Die offiziellen Berichte sprechen von drei Kugeln in den Unterleib und einem Säbel- hieb! Das deutet sehr deutlich darauf hin, daß die Gendarmen und Soldaten so toll um sich geschossen und gehauen haben, daß sie auch ihre Kameraden nicht schonten. Allerdings heißt es in de» offiziellen Darstellungen, auch, daß die Arbeiter mit Revolvern geschossen hätten. Aber woher hatten sie Säbel? Ter Gendarmcriehauptmann, der die unmittelbare Schuld an dem Gemetzel hat, behauptet jetzt, er habe den Arbeitern die Fahne nicht wegnehmen wollen. Seine Geste sei„mißverstanden" worden. Aber er erklärt nicht, warum er den friedlichen Zug der Streikenden mit Gewalt auseinandertreiben wollte. War überhaupt eine „Geste" am Platze? Es ist übrigens festgestellt, daß die rote Fahne vorschriftsmäßig eine Inschrift getragen hat, also„legal" war.(Rote Fahnen ohne Inschrift gelten nämlich in der Republik als staatsgefährlich.) Unter den 4 Verwundeten, die in einem hoffnungS. losen Zu st and daniederliegen, befindet sich der Gcwerk- schaftskassiercr Colin. Die Erbitterung der Bevölkerung ist ungeheuer. Der Bürger» mcistcr, ein 7Sjähriger Greis, der weit davon entfernt ist, Sozialist zu sein, hat mit Trommelschlag verkünden lassen, daß der Gc- meindcvorstand die Verantwortung für die Vorgänge vom Sonntag ablehnt. Er protestiert gegen die Heranziehung des Militärs, die der Präfekt nicht einmal ihm vorher anzuzeigen für gut be- funden hat. In einer Reihe von Betrieben des Ortes sind die Arbeiter in einen Solidaritätsstreik getreten. Man zählt schon S 0 0 6 Ausständige. Militär wird in großen Mengen im Ort konzentriert.— Dänemark. Nnf Besuch bei den Isländern. Die dänischen Jslandfahrer, Reichstagsabgeordnete, Minister und König, sind am Dienstag in Reykjavik angekommen. Es wurde sofort eine Kommission von je 6 Mitgliedern des dänischen Folkc- things und Landsthings sowie des isländischen Althings ernannt, die, mit dem Ministerpräsidenten Christensen und dem is- ländischcn Minister H a f st c i n als Vorsitzenden, eine neue Gesetz- gebung über Islands verfassungsmäßige Stellung im„gesammelten dänischen Reiche" vorbereiten soll.— Die Isländer fühlen sich als eine besondere Nation, sie wollen von dem„gesammelten dänischen Reich" nicht viel wissen und verlangen größere Selbständigkeit und Unabhängigkeit von Dänemark. Die Oppositionspartei des Althings brachte in diesem Frühjahr Vorschläge zur Acnderung der Vcr- fassungsgesetze ein, wonach u. a. nicht mehr, wie jetzt, ein Teil der Abgeordneten vom König ernannt und allgemeines Wahl- recht auch für die Frauen eingeführt werden sollte. Zur Prüfung dieser Vorschläge wählte das Althing einen besonderen Ausschuß.— Die Vertreter Dänemarks sind nun wohl sehr festlich und mit allem Prunk, den das isländische Volk zu bieten vermochte, empfangen worden, doch nach dem Festesrausch werden die Isländer sicher mit nicht geringerem Eifer ihr Recht aus nationale Selbst- ständigkeit geltend machen. Riimänien. Wie die Regierung den Sozialismus ausrotten will. Bukarest, 29. Juli.(Eig. Ver.) Mit jedem Tage mehren sich die Verfolgungen und Schikauen der„liberalen" Regierung gegen die junge gewerkschaftliche und sozialistische Arbeiterbewegung Rumäniens. Kein Tag vergeht, ohne daß irgend welche Ausweisungen, Sperrungen von Arbeiterklnbs, Arretierungen, Mißhandlungen geschehen und der letzte Galatzer Kongreß hat daher beschlossen, all diese Fälle in einer in zivei Sprachen abgefaßten Broschüre zu veröffentlichen, damit der im August tagende internationale Sozialistenkongreß zu Stuttgart von der hier herrschenden Gewaltpolitik Kenntnis nehmen und den rumänischen Machthaber» das Urteil der organisierten Arbeiterschaft aller Länder ins Gesicht schleudern kann. Besonders charakteristisch ist die gegen Genossen Dr. RacovSki, einen der Führer der jungen Bewegung, unaufhörlich gerichtete Hetzjagd. Im Frühling dieses Jahres' wurde er plötzlich zum Militär einberufen und dort mehrere Wochen ohne jeden Grund wie ein Verhafteter isoliert. Nachher lvaren allerhand Machinationen im Gange, um Dr. RacovSki, der Bürger aus der 1878 annektierten Dobrudja ist, als„Fremden" zu bezeichnen und als solchen auf administrativem Wege auszuweisen. Vor ein paar Tagen verlautete sogar, daß der Ministerrat das Ausweisungsdekret schon unter- zeichnet habe, da— laut der offiziösen Presse— die Regierung einen Beschluß des Konstanzer Bezirlskonseils erzielt hätte, wonach Racovskis Vater sich vor Jahrzehnten in die Wählerlisten ein- geschlichen hätte und somit Dr. Racovski leine Bürgerrechte besitze! Nun veröffentlicht der„Adeverul" ein Schreiben des Herrn I. N. Roman, Vizepräsidenten des Konstanzer Bezirkskonseils, wonach diese Körperschaft schon seit Monaten gar nicht mehr zusammengetreten sei und somit da» Ganze als eine elende Mache der verlogenen RegierungSpresse zum Zwecke der Kompromiltierung des sozialilistischen Führers entlarvt wird. Doch auch diese Blamage vermag das„liberale" Kabinett nicht auf dem Wege der Ungesetzlichkeiten aufzuhalten. Nun soll Genosse Dr. Racovski wegen angeblich früher begangener In- subordinationen dem Kriegsgericht überliefert werden; außerdem wird seine Entfernung auS der Armee(Dr. RacovSki hat den Rang eines Militärarztes) geplant.— Durch solche Mittelchen hofft die' Regierung mit der Arbeiterschaft und mit dem Sozialismus fertig zu werden. Sie wird aber nichts erzielen, al» daß auch dein blödesten Arbeiter die Augen über diese Gewaltherrschaft geöffnet werden und immer mehr Kämpfer unter die rote Fahne der Sozialdemolratie treten. Mrokko. Unruhen in Casablanca. In Casablanca sind französischen Meldungen zufolge mehrere Europäer ermordet worden. Zahlreiche Eingeborene, die unter dem Vorwand, auf dem Markt Getreide verkaufen zu wollen, in die Stadt gekommen waren, sammelten sich am Hafen, be- schimpften die eingeborenen Wächter, mißhandelten sie und morde- icn einige Arbeiter. Europäer, die bewaffnet auf die Straße ge- eilt waren, wurden angegriffen und niedergeschlagen. Die Israeliten schlössen ihre Läden und flüchteten auf ein Schiff. Ein Sekretär des spanischen Konsulats chat ebenfalls die Stadt vcr- lassen. Der Kapitän des Schiffes erklärt, die ganze Verantwortung für die Vorkonimnisse treffe den Pascha. Das französische Kriegs- schiff«Galilee" wird sich nach Casablanca begeben. Die klMche Resolution. Wahlboykott oder Wahlbeteiligung. Die Frage der Teilnahme an den Wahlen beschäftigt andauernd die sozialdemokratische Organisation und wird auf den vielerorts stattfindenden örtlichen Parteikonferenzen eifrig debattiert. Diese Frage wurde u. a. auch auf der unlängst ftattgefniidenen Konferenz der Petersburger Organisation der sozialdenio- kratischen Partei beraten. Es machten sich hier drei Strö- mungen bemerkbar. Die„Menschewiki" sprachen sich ein- miitig für die energischeste Teilnahme an den Wahlen aus. Von den„Bolfchewiki" vertrat ein Referent den Boykott« Standpunkt, ein anderer— den Standpunkt der Anti- bohkottisten. Als Vertreter der letzten Strömung unter den„Volschelviki" trat einer ihrer angeschensten Führer hervor. Nacki seiner Ansicht unterscheidet sich der gegenwärtige Moment schroff von den Bedingungen während der Wahlen für die erste Duma. Dann konnte man hoffen, daß die Dnma durch eine andere Volksvertretung ersetzt werden würde, und der Boykott der Dumawahlen war eben der Ausdruck der Kampfes- stimmiing unter den Volksmassen. Gegenwärtig aber kann der Boykott der Wahlen bei der Erschlaffung der Revolution zur Sprengung der Duma nicht führen. Zweitens sind die konstitutionellen Illusionen, welche während der ersten Wahlen bei der Bevölkerung bemerkbar waren, jetzt fast gar nicht anzu- treffen.... Im allgemdueii wird in Gegenden, wo der Einfluß der„Bol- schewiki" stark ist, die Frage der Teilnahme an den Wahlen in negativem Sinne entschieden, während sich die„Menschewiki" zum größten Teil gegen den Boykott der Wahlen aussprechen. Andererseits werden unter de» polnischen Sozialdemokraten Stimmen laut, daß die allrussische Parteikonferenz keine obligatorische Resolution annimmt, sondern es den örtlichen Organisationen über- läßt, je nach der Stimmung der breiten Volksschichten diesen oder jenen Beschlutz zu fassen. Was die Stimmung unter den VolkSinassen betrifft, so ist zum Teil eine deutlich ausgesprochene Boykottströinung, zum Teil vollste Apathie und Gleichgültigkeit zu den Wahlen bemerkbar. Der kolossale Wahlrechtsranb voin 16. Juni hat Früchte getragen. Wer das nicht in Betracht zieht und die Strömung zugunsten des Boykotts, nur von taklischcn Erwägungen allgemeinen Charakters ausgehend, beurteilt, der ist nicht imstande, den russischen„Boykottisten" zu begreisen. Der Umfang des WahlrechtSraubeS vom 16. Juni wird dadurch allein genügend gekennzeichnet, daß die Zahl der Wahlberechtigten um die Hälfte und mehr zurückgegangen ist. Wie weit diese Reduzierung der Wahlberechtigten in einzelnen Fällen geht, zeigt beispielsweise die Kurie der Kleiugrundbesitzer im Gouvernement Poltawa. Die Zahl der Wahlberechtigten ist hier von 16 060 während der erste» Wahlen auf 573 gesunken. Sie ist mit anderen Worten 30 mal kleiner geworden. Die Resultats der Verteilung der städtischen Wähler auf zwei Kurien müssen die Apathie der Wähler nur noch verstärken. So kommt in Poltawa in der ersten Kurie ein Wahlmann auf je 300 Wähler, in der zweiten Kurie jedoch ein Wahlmann auf je 3000 Wähler. In Minsk ist die Zahl der Wähler in der zweiten Kurie 20 mal größer als in der ersten. Ebenso in Ufa, Pcnsa, Wladimir usw. In der Hauptstadt kommen auf jeden Abgeordneten in der ersten Kurie 1700 Wähler, in der zweiten Kurie 43 000 Wähler I Mit anderen Worten: jede Stimme, ioelche für die Erhaltung des alten Regimes ab« gegeben wird, Iviegt LS mal schwerer als die Stimme eines Anhängers der freiheitlichen Ordnung. Was Wunder also, wenn die Zeitungen überall be- richten, daß„die Bevölkerung nicht das geringste Interesse für die Wahlen zeigt", oder daß„die Bevölkerung, die Nutzlosigkeit des Kampfes einsehend, vollkommen indifferent bleibt" usw. Ist es nicht vollkommen natürlich, wenn dieser JndifferentiSmus der Massen die Boykottstimmung nährt?— Der„neue KnrS"«nd die Gewerkschaftsbewegung. Die Gewerkschaftsbewegung hat die wohlwollende Aufmerksam- keit der Stolypinschen offiziösen«Rossija" auf sich gelenkt. DaS ist ein böscS Omen. Die Regierung lequidiert jetzt die Politik des Licbäugclns mit de» Volksmassen, erhebt die Unterstützung der an der Erhaltung des alten Regimes interessierten gesellschaftlichen Elemente zum System und ist nun daran, auf den Seiten der„Rossija" auch hinsichtlich der Gewerkschaften einen „neuen Kurs" festzulegen. Zuerst, wie üblich, Ver- sicherungen der besten Absichten der Regierung, denn— „die ökonomische Bedeutung der Gewerkschaften unterliegt ja keinem Zweifel". DaS Unglück ist bloß das, daß die Gewerkschaften„von ihren ersten Schritten an in die Atmosphäre und unter den Einfluß einer ausschließlich politischen Kampfesstimmung geraten sind und sich in den Strudel der Re- volution gestürzt haben".„Anstatt ein Mittel der friedlichen Lösung der Arbeitersrage zu sein, erklärten sie sich als Organ des aktiven Kampfes für die Vorherrschaft des Proletariats, und, nachdem sie die rote Fahne der politischen und sozialen Revolution aufgerollt, gerieten sie bald in die ersten Reihen des revolutionären Haufens." Das bezieht sich natürlich nicht auf alle Gewerkschaften, konstatiert das Regierungsblatt„vollkommen unparteiisch", doch ist die Zahl ander« gesinnter Gewerkschaften äußerst unbedeutend. Die überwiegende Mehrzahl weicht vom natürlichen Weg der GeWerk- schaftsbewegung ab, und eine ganze Reihe Gewerkschaften sieht „eben in dieser Abweichung" daS wahre Ziel ihrer Tätigkeit. Unter diesen Bedingungen verwandeln sich die Gewerkschaften«aus einem Mittel der Kultur" in„eine Quelle der gesellschaftlichen und staat- lichen Gefahr", denn„indem sie ihrer Form nach legal auftreten, können sie leicht ihrem Wesen nach revolutionär werden und können sogar bei der aufmerksamsten Aufsicht sehr lauge ihren Re- volutionarismuS verbergen." Wie muß nun der„Staat" darauf reagieren?„Der Staat muß einerseits die Bedeutung der Verbände"anerkennen und ent- sprechend den Dingen der realen Wirklichkeit eine Reihe Maßnahmen treffen, welche die EntWickelung der Gewerkschaften als solcher fördern könnten, andererseits jedoch muß der Staat danach streben, den Gewerkschaften die Möglichkeit zu nehmen, ein beständiger Herd verbrecherischer Angriffe auf den allgemeinen Frieden und die staatliche Ordnung zu sei n." Mit anderen Worten: einerseits sollen die Gewerkschaften au- dem Papier„anerkannt" werden, andererseits jedoch sollen sie in der Praxis mit allen Mitteln bekämpft werden. Was dieses Regierungsprogramm, in der Sprache der Tatsachen umgesetzt, bedeutet, ist beispielsweise aus den Angaben ersichtlich, welche im Bericht de? Moskauer Gewerkschaftskartells zu finden sind. Während der letzten Zeit sind in Moskau auf Verfügung der Be- Hörden �Gewerkschaften geschlossen worden, darunter der Buchdruckerverband dreimal nacheinander, 19 Gewerkschaften ist die Agitation verweigert worden, aufgelöst wurden 19 Generalversammlungen, Verhaftungen der Vorstands- und Verbandsmitglieder wurden vorgenommen in 12 Gewerkschaften, gehauSsucht wurde in 12 GeWerk- sch asten 15 mal, wobei verschiedene Dokumente, Bücher, sogar ganze Bibliotheken konfisziert wurden. Auf die Hausinhaber wird von den Behörden ein Druck ausgeübt, damit diese den Gewerk- schaften die Wohnungen kündigen. Die GcwerkschaftS- Vertreter werden zum Stadthauptmann beordert, der sie durch Droh- ungen zur Nachgiebigkeit zu zwingen sucht. Auch die Fachorgane der Gewerkschaften werden von den Repressalien betroffen: in Moskau a'llein sind in letzter Zeit sechs Gewerkschafts- blätter geschlossen worden, während sich die Zahl der Konfiskationen jeder Berechnung entzieht. Unter ähnlichen Bedingungen befinden sich die Gewerkschaften in Astrachan, Nischni-Nowgorod, Warschau, Charkow, Odessa uslo. Ans allen Enden des Reiches kommen genau dieselben Meldungen über Verschärfung deS Verhaltens der Ad mini st ratio« zu den Gewerkschaften: überall werden Gewerkschaften gc- schlössen, die aktivsten Mitglieder derselben verhaftet, die Gewerk« schaftsblätter und die Korrespondenz konfisziert, Versammlungen ver« boten usw. usw. Sozialea* s(Siehe auch 1. Beilage)'. Göttliche Weltorduung! Das bemitleidenswerte Mißgeschick eines hungernden Arbeitslosen entrollte sich gestern in einer vor dem Schöffen- gericht Berlin- Tempelhof stattgehabten Verhandlung. Der Arbeiter Fritz Hoff stand unter der Anklage, im Januar d. I. in einem Bäckerladen in der Zossenerstratze um e i n S t ü ck Brot gebettelt zu haben. H. ist wegen des gleichen Deliktes schon mehrmals vorbestraft. Er schilderte den der Verhandlung zugrunde liegenden Vorfall folgender- maßen: Er habe sich lange vergeblich bemüht, Stellung zu finden, da sei er auf eine Annonce im„Arbeitsmarkt" zu einer Seifenfabrik in der Zossenerstratze gegangen und habe auch das Glück gehabt, sofort mit einem anständigen Gehalt engagiert zu werden, und zwar sollte er am nächsten Tage antreten. Er hatte vom frühen Morgen noch nicht einen Bissen im Munde gehabt und ver- spürte einen q u ä l e n d e n H u n g e r. In der Tasche hatte er nicht einen Pfennig. Da sah er unweit seiner neuen Arbeitsstelle einen Bäckerladen. Er ging hinein und bat die Meisterin höflich um ein Stückchen übrig- gebliebenes Brot. Er hatte aber die Bitte kaum ausge- sprachen, als ihn auch schon von hinten ein Kriminal- beamter packte und sistierte. Der Angeklagte bat den Gerichtshof, unter Berücksichtigung der besonderen Umstände und seiner damaligen traurigen Lage, doch Milde walten zu lassen, da er durch eine längere Freiheitsstrafe wieder seine gute Stellung verlieren würde. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Ange- klagten eine Haftstrafe von drei Wochen und der Gerichtshof erkannte dem Antrage des Staats- anwalts gemäß unter Berücksichtigung dessen, daß H. wegen Bettelns und ähnlicher Delikte schon wiederholt vor- bestraft ist._ Die blamierte» JnnungSmeister. Das„Nassauer Ländchen" ist stets eine Zierde der Jnnungs- bestrebungen gewesen. Wiesbaden, die neue Nesidcnzstadt, ist der Eitz der Handwerkerkammer und von dieser„Zentrale" aus werden die braven Kleinmeister stets„belehrt", aufgemuntert, wenn sie an den Idealen der Zünftler schier verzweifeln wollen. So fand am Sonntag, den 28. Juli d. I., wieder der grohe Nassauische Hand- Werkertag in Niederwalluf statt, zu welchem die ehrwürdigen Innungen an ISO Vertreter entsendet hatten. Handelskammersekretär Schröder-Wiesbaden referierte über den „kleinen Befähigungsnachweis", soloie über den„Schutz der Bau- fordcrungen" und fand, das; diese Gesetzentwürfe im Sinne der Handwerksmeister abgefaßt seien. sGroßes Bravo Ij Der allgemeine Befähigungsnachweis sei aussichtslos, deshalb als Abschlags- zahlung einstweilen mit dem„kleinen" vorlieb zu nehmen. Die Regierung erfülle die Wünsche der Arbeiter eher als die der Handwerksmeisterl(Lebhaftes Bravo!) Deshalb müßten sich die Meister ein Beispiel an den Gesellen nehmen und sich auch gut organisieren. Mehr als 15 000 Meister des Bezirkes seien noch für die Organisation zil gewinnen! Ein Wiesbadener Meister, welcher von„Selbstschutz" sprach und erklärte, daß auch die Handwerker ihren Kredit vorsichtig, wie der kluge Kaufmann einrichten sollte, fand wenig Beifall. Mehr Leben kam lvieder in die Bude, als ein Redner die„viel zu weitgehende" Kinders chutzgesetzgcbung kritisierte und da mehr Rücksicht auf das arme Handwerk verlangte!(Stürmischer Beifall.) Das schönste kam zum Schluß. Der Regierungspräsident„ehrte" die Ver- sammlung durch folgende Worte: „Die große Bewegung unserer Zeit, die auch Sie beschäftigt, betrifft den uralten Kampf ums Dasein. Jedes Lebewesen hat das Recht und die Pflicht, sich zu wehren und zur Geltung zu bringen. Was aber als lebensunfähig nicht oben zu schwimme» vermag, das wird unerbittlich durch die moderne Zeit wegrasiert. So ist auch der kleinere Handwerker ein Opfer der Zeit geworden. Möge den Bestrebungen des Handwerks der Erfolg nicht fehlen." (Riesiger, langauhaltender Beifall!) Begeistert stimmten alle Meister in das Hoch auf den Herrn Regierungspräsidenten ein. Die Aermsten merkten gar nicht, wie dieser Herr ihre ganzen Bestrebungen ironisiert hatte. Das ivar ein„herrlicher Tag" i Präsident v. Meister sprach ja zu den„Meistern"! Hurra, hurra, hurra I GetverKsdiaftlicKsa. Berlin und Umgegend. Die Bewegung im Baugewerbe� Die„gedrückte" Stimmung der Putzer» von der man am letzten Sonntag an allen Plakatsäulen lesen konnte und von der die Bauunternehmer mit Behagen sprachen, ließ sich in der Versammlung der streikenden Putzer am Donnerstag morgen in den Zentral-Fcstsälen, Alte Jakobstratze, am schönsten beobachten. Da flammte helle Enrüstung auf über den lügenhaften Bericht, mit dem die Unternehmer hausieren gehen. JU der außerordentlich stark besuchten Versamm- lung erhob sich nicht eine Stimnle des Mißmutes über den Stand der Bewegung, nicht eine Stimme des Bedauerns, datz die Putzer in Mitleidenschaft gezogen sind. Im Gegenteil wurde von allen Seiten erklärt, daß jeder organisierte Putzer mit Freuden bereit sei» für die Rechte der kämpfenden Brüder im Bauberuf einzu- treten. In einer Resolution wurde das Gxlöbnis abgelegt, nicht eher den Kampf aufzugeben, bis die Forderungen der Maurer, Zimmerer und Bauhülfsarbeiter anerkannt worden sind. Mit Beifall nahm die Versammlung den Situationsbericht von Ernst Schulze entgegen, in dem er die Taktik der Unter- nehmer scharf beleuchtete. Es„kriselt" nicht bei uns, so meinte er, sondern bei den Unternehmern; das werde sich zum Schrecken mancher Leute am 1. Oktober zeigen, wenn viele Bauten Vertrags- mätzig fertig sein müssen. Ironisch sprach er von der„Standes- ehre" der Arbeitgeber, die einen steckbrieflich verfolgten Verbrecher, den oft genannten H e d r i ch, als Hauptagenten zur Anwerbung von Streikbrechern in Oesterreich-Ungarn angestellt haben. In Oesterreich und in Italien hat man den Maurern erzählt, datz hier in Berlin grotze Not an Bauarbeitern aller Art herrsche, weil von hier aus große Massen nach San Francisco gegangen wären, um beim Wiederaufbau der zerstörten Stadt zu helfen. Mit Lügen dieser Art werden die Leute nach Berlin verlockt und hier wird durch die Hülfe der Polizei verhindert, datz sie die Wahrheit er- fahren. Eine Illustration zu der„Standesehre" biete ferner die Aufforderung zum Wortbruch an die Unternehmer, die die For- derungen schon anerkannt haben. Ein Maurerrneister P e st e habe ■ kürzlich die Unterschrift zurückgezogen mit der offenen Begrün- dung, daß jetzt seine Putzerarbeiten fertig seien, worauf es ihm hauptsächlich ankam.— Die Putzer wurden gewarnt, bei Meistern in Arbeit zu treten, die Austräge von Bauten übernehmen, wo die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligt worden sind. Zur Kenntnisnahme wurde die folgende Liste verlesen: Gesperrte Putzmeister sind: Streckenbach. Ad. Schneider, H. Kempin, Scharf, Rich. Knopp. Jos. Deckert, Aug. Rad low, Schönwetter, Wilh. Becker, Calm, Aug. Koppen, Wilh. Buchholz in Wilmersdorf,. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: B i t t e r m a n n, Alb. Seeger. Arndt. E. Krause, Rindermann. Die Tätigkeit der Polizei, die überall zugunsten der Unter- nehme.r eintrete, fand eine scharfe Kritik. Verhaftungen ungerechter Art seien nichts Seltenes mehr. Ein Kontrollstellenleiter der Putzer wurde auf das einseitige Zeugnis eines Schutzmannes hin viele Stunden lang auf der Wache behalten und in eine Zelle gesperrt. Man behandelte ihn wie einen Verbrecher und nahm ihm sogar die— Hosenträger ab. Gegen Mitternacht wurde er dann plötzlich entlassen, nachdem er sich geweigert hatte, ein Protokoll zu unterschreiben. Die Resultate der letzten Bautenkontrolle für die Putzer ergaben folgende Zahlen: 288 Bauten wurden kontrolliert. Die Forderungen waren bewilligt auf... 202 Bauten ,. nicht bewilligt auf. 30„ Die Arbeit ruht auf......... 11„ Zum Anfangen fertig sind...... 45 Insgesamt 288 Bauten In Arbeit befanden sich auf den kontrollierten Bauten 2128 Putzer, davon als Autzenputzer 1100 und als Jnnenputzer 1028. Auf den genannten 30 Bauten befanden sich gegen 174 Putzer als Arbeitswillige. Zur Strcikkontrolle meldeten sich am Montag 681, am Diens- tag 692 und am Mittwoch 734 Putzer. Die Putzer werden in der nächsten Zeit viel mit Arbeitslosig- keit zu rechnen haben, aber davon sind sie in normalen Zeiten nicht verschont, und sie wollen jetzt nicht grollen, wo es sich um die Verkürzung der Arbeitszeit für ihre Mitarbeiter im Bauberuf handelt, sondern im Gegenteil bereit sein, mitzuhelfen, den Wider- stand der Unternehmer zu brechen. Die Versammlung war vom besten Geiste beseelt und schloß mit einem dreifachen donnernden Hoch auf die Bewegung der Bau- arbeiter. Achtung, Kleber! Die Sperre über Lamprecht, Elberfelder- straße 4, Dortmunderstraße, Ecke Buudesrats-Ufer, Dortmunderstr. 4, und Wilhelmshavenerstraße 4 ist aufgehoben. Zentralverband der Tapezierer. Engel-Ufer 15. Telephon Amt IV. 9720. Achtung, Schmiede! Der Streik der Kollegen bei der Firma Rudowskh, Roswckerstr. 46 ist beendet worden, und ist auch hiermit die Sperre über den Betrieb aufgehoben. Der Firma gelang es, genügend Arbeitswillige zu bekommen. Zentralverband der Schmiede. Verwaltungsstelle Berlin. Automobilführer! Die Automobildroschkenführer der Firma Strumpf, Wilmcrs- darf, Emserstr. 44, befinden sich wegen Differenzen im Ausstand. Abgesehen von Titulationen wie Ochsenbande, die sie über sich ergehen lassen mutzten, wurde auch verlangt, datz dieselben bei der Wechselschicht 24 Stunden hintereinander fahren sollten, sodatz sie in der Woche keinen freien Tag hatten, sondern über die normale Zeit arbeiteten. Als die Kollegen um Abhülfe baten, da eine der- artig andauernde Beschäftigung eine Gefahr für den Führer sowie das Publikum nach sich zieht, wurden sie schroff abgewiesen. Ein Kollege wurde sogar wegen seiner Unbotmätzigkeit entlassen, worauf die Kollegen die Arbeit einstellten. Der gematzregelte Kollege ver- zichtete unter den geschilderten Umständen bei Herrn Strumpf weitere Beschäftigung anzunehmen. Nunmehr verlangte der Unternehmer, die Fahrer sollten alle aus dem Verband austreten. Diese dreiste Zumutung wurde mit einem Lachen erwidert. Später lieh Herr Strumpf die Fahrer alle zu sich kommen und erklärte, alle diejenigen, die während der Differenz irgend ein Wort für ihre Kollegen gesprochen hatten, nicht wieder einzustellen, auch keine Vertrauensleute zu dulden. Arbeitswillige haben sich bis jetzt nicht gefunden und wird Herr Strumpf wohl bald einsehen, datz man mit dem Kopf nicht durch die Wand laufen kann. Verein der Droschkenführer. Mitgliedschaft IV des Zcntralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Veuvkcbes Reich, Lohnbewegung der Hamburger Dreher, Maschinenbauer und an Maschinen beschäftigter Hülfsarbeiter. Für diese Metallarbeiterbranchen besteht zurzeit noch die zehn- stündige Arbeitszeit, während ein bestimmter Minimallohn nicht existiert. Um eine zeitgemäße Aenderung der Lohn- und Arbeits- bedingungen herbeizuführen, hat die Organisation der Metall- arbeiter Forderungen an den Arbeitgeberverband gestellt, die in der Hauptsache den Neunstundentag und feste Minimallöhne vor- sehen. Es haben am Dienstag, den 30. Juli, Verhandlungen unter dem Vorsitz des Werftbesitzers B l o h m stattgefunden. Zu- gestanden wurden ab 1. Oktober d. I. die 9)4stündige Arbeitszeit, eine Lohnerhöhung von etwa 7)4 Proz. und die Erhöhung der Ueberstundenlöhne auch für Akkordarbeit. Ueber dieses Angebot hatte am Mittwochabend eine von über 4000 Personen besuchte Versammlung der in Betracht kommenden Arbeiter zu befinden. Der Vorsitzende des Metallarbeiterverbandes, Verwaltungsstelle Hamburg, Genosse Franz, empfahl die Annahme des Angebotes, bemerkend, datz die Zugeständnisse auch für die Werften, Eisen- gietzereien, Maschinenfabriken usw. in Betracht kämen, so datz zirka 9000 im Metallarbeitervcrbande organisierte Arbeiter davon betroffen würden. Nach reger Aussprache, in der die Zugeständ- nisse als zu minimale bezeichnet wurden, wurde mit großer Mehr- Heit beschlossen, am Sonnabend, den 3. August, eine weitere Ver- sammlung stattfinden zu lassen, in der über einen in Anbetracht der vorgerückten Zeit nicht zur Erledigung gelangten Antrag auf Einstellung der Arbeit am kommenden Montag abgestimmt werden soll. Ausland. Der Streik der Textilarbeiter von Flers ist nach einer Dauer von 4 Monaten beendet. Die Arbeiter, welche genau 110 Tage im Kampfe gestanden, mutzten diesen nunmehr aufgeben, weil keinerlei Geldmittel mehr vorhanden waren. Die Sreikenden hatten sich auf das äußerste eingeschränkt; man hatte, wie das bei den Arbeiterkämpfen in Frankreich häufig geschieht, sogenannte „kommunistische Suppen" eingeführt, gemeinschaftliche Mahlzeiten für die Streikenden, und die Kämpfenden hatten in treuer So- lidarität zusammengestanden und strenge Disziplin gehalten. Von den zirka 4000 Streikenden sind nur wenige abtrünnig geworden, obgleich die meisten erst vor kurzem der Organisation gewonnen waren. Aber da die französischen Gewerkschaften leider noch immer zu wenig Gewicht auf gut fundierte Streikkassen legen, so war man auf Sammlungen angewiesen und diese flössen nicht reichlich genug, um den Kampf noch länger führen zu können. Die Arbeiter kehre» denn bedingungslos zur Arbeit zurück. Dennoch dürfte der Streik nicht umsonst geführt sein, denn die Fabrikanten haben bezüglich der Forderungen der Arbeiter bestimmte Zusagen gemacht. Die Strafgelder sollen herabgesetzt und einer Kasse zugeführt werden, die unter die Kontrolle der Arbeiter kommen soll. Das Prämien- system wird abgeschafft, die Prämien in Lohn umgewandelt, selbst eine Lohnerhöhung ist versprochen worden, die Lohnherabsetzung, wegen der die Streikbewegung begann, wird unterbleiben. Das sind zlvar nur Versprechungen, aber man kann es. gern glauben, datz die Unternehmer, gewitzigt durch die Erfahrungen, d. h. den großen Schaden, den sie durch den Streik erlitten haben, sich be- mühen werden, die Arbeiter möglichst zu befriedigen.— Der Genosse Poissin, welcher in der„Humanite" über die Beendigung des Streiks berichtet, zieht ebenfalls die Lehre aus dem Streik von Flers, datz die französischen Gewerkschaften unbedingt für gefüllte Kassen sorgen müssen. Es gehe nicht an, immer nur auf die frei- willigen Gaben des Proletariats zu bauen, die Solidarität der Besitzlosen anzurufen. Enttäuschungen und Niederlagen seien die Folge. Ohne Organisation, ohne Methode keinen Erfolg, dieser könne nur erreicht werden durch reiche, mächtige Gewerkschaften. Drohung mit Generalaussperrung in Norwegen; Friedensschluß in der schwedischen Papierindustrie. Den Konflikt in der norwegischen Papierindustrie wollen die Unternehmer scheinbar zu einem Kampf gegen alle organisierten Arbeiter Norwegens ausnutzen. Die Ausdehnung der Aussperrung der Papier- und Zellulosefabrikarbeiter auf alle Betriebe dieses Industriezweiges, die It.inn ungefähr 7000 Arbeiter umfassen wird, ist ja bereits beschlossen und durch Kündigung der Arbeiter ein- geleitet worden. Sie scheint unvermeidlich, nachdem die bisher ausgesperrten und streikenden Arbeiter das Angebot, das die Unter- nehmer bei den Verhandlungen als Ultimatum bezeichneten, in geheimer Abstimmung mit 1375 gegen 73 Stimmen verworfen haben. Die Lohnfragen durch einen Schiedsspruch un- parteiischer Leute entscheiden zu lassen, diesen Vorschlag erklären die Arbeitgeber für gänzlich unannehmbar. Sie geben ihre Kampfeslust nun weiter dadurch kund, datz sie in Zeitungsdepeschen zunächst mit einer allgemeinen Aussperrung aller Mitglieder des Arbeitsmannsverbandes, der Organisation, der die Papierarbeitcr angehören, drohen, dann aber, wenn das ihnen nichts nützen sollte, mit allgemeiner Aussperrung der organisierten Arbeiter aller Berufe über das ganze Land. Diesen folgeschweren Schritt werden sie sich aber wohl noch gründlich überlegen. In der Presse, die stockkonservativen Blätter ausgenommen, mehren sich jetzt die Stimmen, die die Ar- bcitgeber zu einem Entgegenkommen mahnen. Die Aussperrung in der schwedischen Papier- und Zellu- loseindustrie ist durch die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Organisationen beider Parteien zugunsten der Arbeiter beendet worden. Die Arbeiter der Fabrik in Skärblacka, die Lohnforde- rungen gestellt hatten, haben mehr erhalten, als sie ursprünglich verlangten. Die Lohnerhöhungen, die gefordert wurden, der Fa- briksleitung aber unannehmbar erschienen, hätten nur 15 000 Kronen jährlich ausgemacht; die Verhandlungen aber führten dazu, datz 29 000 Kronen Lohnerhöhung zugestanden wurden. Der Ver- trcter der Fabrik mutzte anerkennen, daß das Unternehmen diese Erhöhung der Löhne wohl zu tragen vermag. Zwecks gerechter Verteilung der Lohnerhöhung auf die einzelnen Arbeiter wird das Verhandlungskomitee nach Skärblacka reisen, um Einsicht in die Lohnzahlungsbücher zu nehmen. Das Koalitionsrecht ist un- bedingt anerkannt. Die Streikbewegung in Belfast zeitigt sonderbare Blüten. Für den Fall, datz die Polizeibeamten am Sonnabend, wo die un- zufriedenen Elemente unter ihnen Antwort auf ihre Beschwerde zu erhalten hoffen, in den Ausstand treten, hat man das Militär in Belfast verstärkt und mit Schnellfeuergeschützen versehen. Die Führer der Polizistenbewegung geben an, im Besitz von Briefen unzufriedener Polizeimannschasten aus zahlreichen Bezirken zu sein. Vier Schlachtschiffe und zwei Kreuzer der atlantischen Flotte sind angekommen. Ihre Ankunft ist vor den Unruhen angeordnet worden. Der Streik der Hafenarbeiter und Fuhrleute dauert an. Die von Polizeibeamten begleiteten Wagen werden ange- griffen._ Ein Kellnerstreik ist, wie uns ein P r i v a t t e l e g r a m m meldet, in dem Welt- Kurort Marienbad ausgebrochen. Die Herren Gastwirte haben anscheinend ihre Kellner mit den bedauernswerten Kurgästen ver- wechselt, die bekanntlich Marienbad aufsuchen, um das überflüssige Fett loszuwerden. Da Kellner aber solches nicht ansetzen, so empfinden sie die„diäte" Regelung der Lohn- und Arbeits- bedingungen unangenehm.— Zuzug von Kellnern ist von Marien- bad fernzuhalten. EmgeganZene Druckschriften. Geheimnisse. Em Einblick in unsere politische Lage. Von M. A. Schmitz du Moulin. Leipzig. Preis 1 M. Tie neutralen Gewerkvcreine von A. Erkelenz. 1 M. Verlag: �Mitteldeutsche Volkszeitung" in Weißenscls a. S. Bericht über die Parteibewegung im Wahlkreise Friedberg-Büdingen ISOS— 1907. 23 S. Druck: Heinrich W. Schäfer in Vilbel. Revue für Internationalismus. Nr. 2. Erscheint zweimonatlich. Verlag: MaaS und van Suchtelcn in Leipzig. Letzte f�aebriebten und Depefcbcn» Grubenbrand. Gleiwitz, 1. August.(B. H.) Auf der„Wolfgang"°Grube im benachbarten Ruda ist ein großer Grubenbrand ausgebrochen. Die Kohlenrückstände und Abschlutzdämme brennen lichterloh. Die Berginspektoren leiten die Lösch- und Abdämmungsarbeiten. Ein Ventilator wurde außer Betrieb gesetzt, da er das Feuer anzu- fachen droht. Die Förderung ist größtenteils eingestellt. Viele bergtechnische Fachleute sind zur Hülfeleistung hier eingetroffen. Opfer der Arbeit. Duisburg, 1. August.(B. H.) Auf den Rheinischen Stahl- werken geriet ein Arbeiter unter einen mit glühenden Blöcken be, ladencn Karrren. Er wurde vollständig verbrannt. „Ein unbegreiflicher Mißgriff." Mülhausen i. E.» 1. August.(B. H.) In einem Schreiben an den Redakteur Wicky bezeichnen der Landgerichtspräsident und der Erste Staatsanwalt das Vorgehe» des Untersuchungsrichters, der Mick» gefesselt vorführen ließ, für einen bedauerlichen und unbe- greiflichen Mißgriff, für den ihm gebührende Genugtuung ohne Zweifel zuteil werde. In Wassersnot. Kopenhagen, 1. August.(W. T. B.)' Der finnische Dreimast. schöner„Lumparland", von London nach Helsingfors unterwegs, ist bei Holmlandsklit an der Westküste von Jütland auf Land ge- setzt worden. Ter Kapitän, der Steuermann, ein Matrose und der Koch sind ertrunken, die übrigen vier Mann der Besatzung wurden gerettet. Das Schiff ist völlig wrack. Die gestörte Haussuchung. Sebastopol, 1. August.(W. T. B.) Während einer Haus- suchunng in einer hiesigen Wohnung explodierte mit ungeheurer Kraft eine Bombe. Ein Polizeioffizier und zwei Polizisten wurden getötet, ein Gendarm und der Hausbesitzer wurden verwundet. Der Wohnungsinhaber entkam. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul SingeräcCo., Berlin ZW, Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsblatt Nr. 178. 24. Jahrgang. 1 Knlm des.Arinrls" Kelliser vildsdlilt. lreilag. 2. Augnß 1907. Eue der Partei« Sfaf bct Kreiskonferenz für den hessischen ReichstagSwahlkreis frriedberg-Bndingcn konnte auch für diesen Kreis ein erfreuliches Er- starken der Parteibewegung konstatiert werdein Der Wahlverein zählte am 1ö. Juli in 42 Filialen 2031 Mitglieder; die Zunahine beträgt rund 400. Gewerkschaftlich organisierte Arbeiter sind im Kreise 2640 vorhanden. Die Parteipresie hat 1504 Abonnenten, gegenüber dem Vorjahre 300 mehr; 83 Wirtschaften sind vorhanden, in denen die Parteipresse aufliegt. Die Organisation und Agitation wurde in 303 Mitglieder- und 7S öffentlichen Versammlungen ge- fordert. Außerdem wurden während der letzten Reichstagswahl- bcwegung 123 Versammlungen abgehalten und 240000 Flugblätter verteilt. Zur Landeskonferenz, die am nächsten Sonntag in Friedberg tagt, machte Genosse B u s o l d einige Ausstellungen an dem Verhalten der Landtagsfraktion. Im letzten Jahre habe sich wieder etwas ereignet, was zur schärfsten Kritik herausfordere. Voriges Jahr fei es die Hofgängerei gewesen, die Anlaß zur Kritik gab, und diesmal sei es die B e g l ü ck w ü n s ch u n g zur Prinzengeburt, die das Verhalten der Fraktion in eigen- lümlichem Lichte erscheinen lasse. Eine derartige Politik dürften wir nicht mitmache»; wir blamierten uns sonst vor ganz Deutschland. Vor zwanzig Jahren hätte man uns wegen eines solchen Verhaltens angespuckt. Genosse Landtagsabgeordneter Orb meint, das Verhalten der Fraktion sei nur verständlich, wenn man auch den Wortlaut der Erklärung kenne, die Genosse Dr. David im Auftrage der Fraktion im Landtage abgegeben habe. Dieser habe ausdrücklich gegen die F o r m der Gliickwunschadrcsse Einspruch erhoben. Aus rein menschlichen Gründen habe die Fraktion zum Ausdruck gebracht, daß man über das Familienereignis sich freue. Die Fraktion sei bereit, auf der Landeskonferenz für ihr Tim Rede und Antwort zu stehen. ES wurde ferner die Anstellung eines Sekretärs beschlossen sowie der Monatsbeitrag von 20 auf 30 Pf. erhöht. Die Anstellung eines Parteisekretars für den Agitationsbezirk Leipzig beschlost am 30. Juli die Parteiversammlung des 12. und 13. sächsischen Reichstags Wahlkreises. Ferner wurde beschlossen, für den gesamten Agitationsbezirk— er umfaßt 4 ReichStags- ivahltreise— 7 Delegierte zum internationalen Kongreß nach Stuttgart zu entsenden. Als Delegierter für den gesamten Be- zirk wurde einstimmig Genosse Franz Mehring gewählt. Auf dem Parteitag wird der Antrag gestellt werden, daß Leipzig einen Sitz in der Kontrollkommission der Partei erhalten soll; Genosse Klcemann wird dafür vorgeschlagen. Ferner wurde noch mitgeteilt, daß im Geschäft der„Leipziger Volkszcitung" im No- vember eine neue Notationsmaschine gestellt werden wird. Be- absichtigt ist, Partcispeditionen nach dem Muster von Berlin und Hamburg einzurichten. Das sozialdemokratische VezirkSagitationskomitee in Dresden hat seinen Jahresbericht veröffentlicht, der sich diesmal— infolge der Organisationsänderung im Reich— auf die Zeit vom 1. April 1906 bis 30. Januar 1907, also auf Fünfvierteljahr be- zieht. Von allgemeinem Interesse daraus ist folgendes: Der Wirkungskreis des Komitees umfaßt die ersten neun Reichstags- toahlkreise des Königreichs Sachsen, die alle selbständig arbeitende, zum Teil ganz vorzügliche Kreisorganisationen haben. Von der Niederlage bei den Rcichstagswahlcn wurde der Bezirk empfindlich getroffen. Während die Stimmen der Gegner zusammen von 147 742 auf 175 248 stiegen, gingen die sozialdemokratischen von 157 153 auf 124 028 zurück. Ueber Ursachen und Umstände ist liier nicht zu reden. Demgegenüber hat die Organisation der Partei jedoch Fortschritte gemacht, wie nie zuvor, vor- nchmlich nach der letzten Reichstagswahl. Die Zahl der organi- siertcn Genossen stieg von insgesamt 19127 auf 29 203; eine Zu- nähme von 10 182 gegen zirka 3000 im Jahre vorher. Gleich günstige Resultate weist auch die Entwickelung der Partei- presse auf. Die Abonnenten der„Sächsischen Arbeiterzeitung" stiegen in iVi Jahren von 23 000 auf 36 000, die des„Volks- sreundes" von 11500 auf 18 000. Außerdem wird in der Ober- lausitz der„Arme Teufel"(wöchentlich einmal) in zirka 4500 Exemplare» gelesen. Alle Wahlkreise sind an diesen Fortschritten beteiligt. Der„Volksfreund" wird vom 1. April 1908 in eigener Druckerei in Zittau hergestellt.— Versammlungen aller Art lourden 1517 abgehalten, darunter 389 zur Reichstagswahl. Ver- sammlungssäle stehen der Partei 368 zur Verfügung, außerdem sämtliche im 5. Kreise(Dresdcn-A.). Ein eigenes VolkshauS haben der erste, achte und fünfte Kreis. Referenten besorgte das .Komitee insgesamt 462, darunter 50 für die Maifeier, der Land- Agitationskalender wurde in 103 000 Exemplaren verbreitet.— In allen Kreisen hat man sich lebhaft mit Vildungs- und Jugend- erziehungsfragen beschäftigt und entsprechende Einrichtungen zu schaffen versucht. In die Parteischule nach Berlin sandte der Bezirk zwei Genossen. Durch Refcrenten-Vorbesprcchungen soll in Zukunft eine größere Einheitlichkeit in die Agitationen zu großen, allgemeinen Aktionen gebracht werden. Die Landtags- wählen, an denen der Bezirk in 15 Landtagswahlkreisen be- teiligt ist, sind in Vorbereitung, auch Flugblätter wurden bereits verbreitet.— Das Komitee war insgesamt an 77 Sitzungen be- teiligt, außer den regelmäßigen Vorstandssitzungen in den drei Dresdener Kreisen. Die Einnahmen betrugen 29 228 M., die Aus- gaben 23 077 M., darunter für Reichstagswahl(Zuschüsse an ein- zclne Kreise) 13 466 M. Von der Hauptkasse in Berlin bekam das Komitee dazu 7000 M., 4000 M. wurden bereits wieder dahin ge- sandt. An das Zentralkomitee waren 6992 M. zu zahlen.— Die Gemeindevertreter erhalten die„Kommunale Praxis" auf Parteikosten. Von der Maifeier wird aus allen Kreisen guter Verlauf berichtet. Zu 14 Tagen Gefängnis wurde der verantwortliche Redakteur des Vochumer„Volksblattes", Genosse Steinkamp, verurteilt, weil das genannte Parteiblatt die an bürgerliche Preßunternehmen angekuppelte, zum Abonnentenfang berechnete A b o n n e n t e n v e r s i ch e r u n g im allgemeinen und einige zweifelhaft liegende Fälle des„Bochumer Anz." im befondcrn scharf tritisiert hatte. Der Vorsitzende des Gerichts nannte dieses AbonnentenversicheruiigSshstem eine löbliche(!) Einrichtung, während alle Journalisten von Ruf und Bedeutung, ferner auch mehrere in den verschiedensten Prozessen als Gutachter vernommene Professoren dieses System mit der Journalistenehre für nicht vereinbar erklärten. Gegen das Urteil wird Berufung ein- gelegt._ Die Einigliug der australischen Sozialisten. Wir teilten kürzlich mit. daß demnächst in Melbourne eine Konferenz der australischen Sozialisten zusanmientretcn werde zu dem Zwecke, eine Einigung der verschiedenen in den australischen Staaten bestehenden sozialistischen Vereinigungen herbeizuführen. Diese Konferenz hat, wie dem Internationalen Sozialistischen Bureau in Brüssel mitgeteilt wurde, stattgefunden. Vertreten waren sieben sozialistische Vereine oder Verbände durch 15 Delegierte. In der angenommenen Resolution heißt eS:„Die Zeit ist gekommen, um für Australien eine geeinte und klassenbewußte sozia- listische Partei zu gründen." Die Delegierten der sozia- listischen Arbeiterpartei wünschten, daß alle anderen Gruppen in ihrer Organisation aufgehen möchten. Dieser Vorschlag wurde aber verworfen und die Bildung einer„Föderation der Sozia- listen Australiens" beschloffen. Die Parteigenossen von Neu- Seeland hatten zwar keine Vertreter geschickt, aber sie hatten mit- geteilt, daß sie der zu gründenden Partei beitreten würden. Der Genosse Viktor Krämer wurde als Delegierter für den Jnter- nationalen Kongreß in Stuttgart bestimmt; der Genasse Krämer dürfte sich zurzeit bereits in Europa befinden. Als Sekretär der geeinten Partei wurde der Genosse Holland gewählt. Ferner wurde noch beschlossen, daß Mitglieder der Partei nicht mehr als Kandidaten für uichtsozialislische Arbeiterparteien auftreten dürfen. Eue Industrie und Kandel. Die Rheinschiffahrt. Die Bedeutung der Rheinschiffahrt illustrieren Angaben, die in einer Festschrift des Vereins deutscher Ingenieure enthalten sind. Danach ist der Güterverkehr der Häfen zwischen Biebrich bis Wesel gestiegen von 22 116 580 Tonnen im Jahre 1904 auf 24 753 075 Tonnen im Jahre 1906. Von den Ver. Kölnischen und Düsseldorfer DampfschiffahrlSgescllschaften wurden im Jahre 1905 mit 30 Dampfern 1 963 658 Personen und außerdem noch 98 956 Tonnen Güter befördert. Im Jahre 1880 standen dem Rhein-Seevcrkchr 3 Dampfer von zusammen 1860 Tonnen Tragfähigkeit zur Verfügung, jetzt dienen diesem Verkehr 47 Danipfer mit 41 310 Tonnen Tragfähigkeit. Der Gesamtverkehr an der deutsch-niederländischcn Landesgrenze hat im Jahre 1906 nach den Aufzeichnungen des Hauptzollamtes bei Emmerich betragen 21 094 582 Tonnen in 75 361 Schiffen gegen 20673189 Tonnen in 71 872 Schiffen im Jahre 1905 und 17 427 402 Tonnen in 67 206 Schiffen im Jahre 1904. Die Rheinflotte umfaßt jetzt, ausschließlich der erwähnten 47 Rhein-Seedampfer, 1272 Dampfschiffe mit zusammen 231 793 ind. R S., 10 534 Rheinschiffe mit zusammen 30 675 Mann Besatzung, 9262 Segelschiffe und Schleppkähne mit zusammen 3 557 600 Tonnen Tragfähigkeit. Die Ladefähigkeit der gesamten deutschen Rheinflotte, deren Wert sich auf mehr als 250 Millionen Mark beziffert, beträgt zurzeit zusammen 1 827 000 Tonnen. Hochofencrzeugnng. Die deutsche Hochofenerzeugung blieb im Juni 1907 um rund 50 000 Tonnen hinter der Produktionsmenge des Mai und um 27 479 Tonnen hinter der Erzeugung im Juni 1906 zurück. Da- gegen ergibt sich für die ersten 6 Monate des laufenden Jahres eine die Erzeugung in der gleichen Zeit des Vorjahres um 238827 Tonnen übersteigende Produktion. Es wurden produziert in Tonnen: Juni Januar— 30. Juni 1906 1907 1906 1907 1071 815 1044 336 6117126 6 355 953 Von der Roheisengewinnung des Auslandes werden folgende Ziffern bekannt: Vereinigte Staaten: Juni 2 267 000 Tonnen, Januar bis 30. Juni zirka 13 700000 Tonnen, Belgien: Juni 116 540 Tonnen, Januar bis 30. Juni zirka 703 820 Tonnen. Die Produktion Amerikas überwiegt die Deutschlands demnach um mehr als das Doppelte. Die deutsche Ausfuhr an Roheisen stellt sich für Juni auf 41 784 Tonnen, die Ausfuhr auf 23 656 Tonnen. Segen der neuen Handelsverträge. Die Handelskammer Plauen berichtet: „In starkem Maße ist die deutsche Industrie infolge des Handels- Vertrages mit Oesterreich-Ungarn zurückgedrängt worden. Nicht nur ist wegen der deutschen Zollermäßigungen für Vigognegarn und Papier der deutsche Markt den österreichischen Erzeugnissen noch leichter zugänglich gemacht worden, sondern eS ist auch infolge der öfter- reichischen Zollerhöhungen und der rigorosen österreichischen Zollpraxis den deutschen Waren der Absatz in Oesterreich sehr erschwert worden, Ueber dieWirkung derZollerhöhungcn in den übrigen VertragSstaaten ist zu erwähnen, daß nach Italien infolge der Erhöhung des Zolles auf emaillierte Haus- und Küchengeräte, dessen Bindung im Handelsvertrag leider nicht erfolgte, eine Verminderung der Ausfuhr dieser Waren eintrat und diese Ausfuhr überhaupt gefährdet erscheint. Die Erhöhung der Schweizer Zölle auf Vigoguegarne und auf Korsetts hatte zur Folge, daß mehrere deutsche Korsettfabriken dort den Betrieb aufnahmen, und daß die Schweizer Vigoguespinnereien den ihnen gewährten höheren Schutz zur Erweiterung ihrer Betriebe ausnützten. Der' am 1. Juli des Berichtsjahres in Kraft getretene neue spanische Tarif machte durch seinen erheblich gestiegenen Zoll auf Eibcnstocker Schals und die in Eibenstock hergestellten geschlungenen Tücher der Ausfuhr dieser Tücher, welche früher einen Hauptausfuhrartikel der Eibenstocker Industrie nach Spanien bildeten, endgültig ein Ende. Was der Ocltrnst verdient. Gegen den amerikanischen Oeltrust ist bekanntlich ein Verfahren im Gange wegen Verletzung der BuudcSgesctze über den Handels- verkehr zwischen den Einzelstaatcn. Der Sekretär des Trusts machte bei den Verhandlungen vor dem Bundesrichter unter anderem folgende Angaben: Das Aktienkapital des Trusts beträgt 98 300 000 Dollar. Die Nettoeinnahmen der letzten Jahre waren— für 1906 schätznngSweise— wie folgt: Netto- Einnahmen 1906.... 65 000 000 Doll, 1905.... 57 000 000, 1904.... 61 500 000. 1903.... 81 300 000, An Dividenden wurden gezahlt: Dividcndenrate 1906.... 40 Proz. 1905.... 40. 1904.... 36. 1903.... 44„ Und diese ungeheuren Summen flössen zum größten Teil, zu 90 Proz., in die Taschen der 15 Millionäre, die nachfolgend auf- geführt werden: Prozentsatz des Aktien- besitzeS Prozent auf Akt.-Kap. 66,1 Proz. 57.9, 62,5„ 82,9, Betrag 39 200 000 Doll. 39 200 000„ 35 280 000. 43 123 000„ I. D. Rockefeller... 27,4 W, C. Andrews... 2,3 Charles Pratt»... 7.7 H. H. Rogers.... 2,6 Wm. Rockefeller... 4,6 O. B. Jennings... 2,3 Nachlaß Josiah Mach. 2.5 I. A. Bostwick.... 4.9 Chaf. Lockhart...» 3,9 W. G. Warden.... 4,2 I. V. Harkneß.... 8,4 H. M. Flagler.... 8.6 O. H. Pahne..,. 7,1 John Huntington... 1,7 I. I. Vandergrift... 1.4 90,1 36 400 400 Doll. 364 004 000 Doll. Rechnet man das Einkommen eines Arbeiters auf durchschnitt- lich 2000 M,, dann ergibt sich, daß die 15 Kapitalisten allein auS Kapitalgcwinn soviel beziehen wie 68 300 Arbeiter für ihre auf- reibende Tätigkeit, Das erklärt, warum die Dividendenschlucker diese „Ordnung" als die göttliche bezeichnen, die zum Wohle ihres Geld- schrankes erhalten werden soll. Die Gründung eines deutsche» Tapetcntnists wird als gesichert angesehen. Neun oeutsche große Tapetenfabriken werden am 1. Ok« tober ihre Anlagen in eine neu zu gründende Aktiengesellschaft ii»- ferieren. Die übrigen deutschen Tapetenfabriken haben ihre An» spräche, die sie für den Fall ihres Beitritts zu der zu gründenden Aktiengesellschaft stellen, einer Kommission von Taxatoren eingereicht. Gleichzeitig haben sie sich einer neugegründeten G. m. b. H.„Tapeten- Jndustrie-Vvrbereitungsgesellschaft" gegenüber schriftlich verpflichtet, falls eine Einigung über ihre Ansprüche erzielt wird, der Aktien« gcsellschaft beizutreten. Ueber die Aussichten der Baumwollindustrie stellt ein Industrieller in dem englischen Fachblatt„The Textil-Mercury" folgende Prognose auf: Schon im Herbst des Jahres 1903 oder spätestens im Frühjahr 1909 werde ein Rückschlag in der steigenden Konjunktur eintreten. Von diesem Zeitpunkt an sei ein merklicher Wechsel der gegenwärtigen günstigen Marktverhältnisse zu erwarten, und zwar weniger hervor- gerufen durch den Maugel an Kauflust, als vielmehr infolge der Vergrößerung in der Baumwollspinnerei, da die letztere einen all- gemeinen finanziellen Krach im Jahre 1910 oder 1911 herbeiführen würde, dessen Folgen sicherlich vor dem Jahre 1915 nicht überlvunden sein würden. Die Errichtung neuer Spinnereien und Webereien in der Baumwollindustrie sei übertrieben und unverantwortlich. Es fei eine Tatsache, daß die englischen Webstuhl- und Spinnereimaschinen- fabrikanten auf drei oder sogar auf vier Jahre niit Aufträgen ver- sehen seien, so ganz besonders die Webstuhlfabrikanten von Ost- Lancashire. Die augenblicklich dringendsten Aufträge dieser Maschinenfabrikanten könnten in frühestens zwölf Monaten erledigt werden. Ferner wären die Webstuhlfabrikanten gar nicht in der Lage, Reparaturen älterer Webstühle auszuführen, da sie die Lieferungskontrakte für neue Webstühle einhalten müßten. Deutschlands Petroleumproduktio» im Jahre 1906. Die Gesamt- zahl der Werke in Hannover betrug 24, die eine Gesamtproduktion von 59 196 D.-Ztr. im Werte von 3 922 311 M. erzielten. Die Petroleuinprodultion Bayerns betrug im Jahre 1906 131 Tonnen im Werte von 12707 M. Eue der fravienbewegung* Die Kiuderschutzkommisfiin der sozialdemokratischen Frauen Leipzig? hat sich glänzend bewährt. AuS ihrem Bericht geht hervor, daß daS Vertrauen dieser nichtbehördlichen Kommission aus den BevölkerungS- kreisen schnell entgegengebracht wurde. Ihre Tätigkeit sei in folgendem kurz angedeutet: In 10 Fällen, wo Kinder vor der Schul- zeit, Frühstück, Zeitungen, Milch usw. austrugen, in einem Falle, wo ein Knabe in einer Gastwirtschaft bis 12 und 1 Uhr nachts tätig war und in 8 ähnlich liegenden Füllen, die gegen das Kinderschutz- gesetz verstoßen, wurde Remedur geschaffen. Für die Lücken im Gesetz zeugen 4 Fälle wo eigene Kinder Ueberarbeit in der Spitzenschneidcrei leisteten, in 4 Fällen übermäßiger Anstrengung von Mädchen bei der Aufwartung konnte nicht eingeschritten werden, da sie in der Hauswirtschaft— die das Gesetz nicht faßt—, beschäftigt wurden. 2 Knaben von 12 Jahren wurden Arbeits- bejcheinigungeu verschafft. Der Kommission enthüllte sich daS soziale Elend in folgenden Fällen, wo sie niit schon bestehenden Kinderschutz- vereinen in Verbindung trat: Vier Kinder wurden spät abends beim Verkauf von Waren angetroffen; Ursache: Mutter Witwe oder Arbeitslosigkeit und Krankheit des VaterS. Sechs Kinder wurden ii» schmutzigsten Znstande beim Vetteln— während der Schulzeit!— angetroffen. In zwölf Fällen wurde eingegriffen, wo die unglücklichen Kinder von Stiefeltern mißhandelt oder aber bei diesen sittlich gefährdet waren. Sechs Beschwerden gingen ein wegen schlechter Behandlung unehelicher und 3 Fülle wegen Vernachlässigung eigener Kinder, letztere kamen in andere Pflege. In 6 Fällen mußte für Kinder interveniert werden, die von eigenen Vätern in der Trunken- heit mißhandelt worden waren. Bei einer Beschwerde betreffend die Mißhandlung zweier Jndianerkinder stellte sich heraus, daß die Waisen nicht der Obervormnndschaft gemeldet waren. Fürwahr ein Bild segensreicher Tätigkeit im Interesse der armen und Unglück- lichen Kinder._ Ein Arbcitcrinnenkongreß. In New Dork wurde am 14. Juli die erste Arbeiterinnen- konventiou abgehalten, zu der die Vertreterinnen von 23 gewerk- schaftlichen Organisationen von Arbeiterinnen erschienen waren. Die Verhandlungen waren von einem fortschrittlichen und solidarischen Geiste getragen und hoben sich sehr vorteilhaft ab von den üblichen Verhandlungen der amerikanischen Gewerkschaftskongresse. Die Delegiertinnen erstatteten Bericht über die Zahl der Organisierten, der Nichtorganisierten, über die Durchschnittslöhne, die Arbeitszeit in ihren respektive» Berufen. Vielfach wurde über die Nückständigkcit der männlichen Kollegen geklagt, die nicht genügend tun, die Ar- beiteriunen zur Gewerkschaft heranzuziehen, ja die vielfach den Frauen feindlich gegenübertreten, als Konkurrentin bekämpfen. Da in den Vereinigten Staaten bereits 4 800 000 Frauen und Mädchen in Handel und Industrie tätig sind, so kann eine solch reaktionäre Taktik natürlich nicht zu dem gelvünschten Ziele führen. Man beschränkte sich aber durchaus nicht auf die Erörterung rein gewerkschaftlicher Fragen, sondern die meisten Redneriuncn gingen erfreulicherweise Ivei't über diesen Raum hinaus. So erklärte eine Rednerin, daß eZ für die Arbeiterin keine Geschlechts-, sondern nur eine Klassenfrage gäbe. Eine andere stellte die Befreiung von der Lohnsklaverei als daS Endziel der Arbeiterinneubewegung hin. Die sozialistische Partei war auf der Konvention offiziell vertreten und unter den Delegiertinnen befanden sich verschiedene überzeugte Sozialistinnen. Im Oktober 1903 soll die zweite Konvention ab- gehalten werden._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonn- tag, den 11. August, Ausflug nach Strausberg. Abfahrt morgens 8 Uhr 10 Min. ab Bahnhof Friedrichstraße, ab Alexanderplatz 8 Uhr 16 Min., ab Schlesifcher Bahnhof 8 Uhr 26 Min. Im Restaurant„Landhaus" Picknick I Dann Tour nach „Schlagmühle" zum Strausfee. Rixdorf. Die Augustversammlung fällt aus. Sonntag, den 4. August: Fußpartie nach Johannisthal bei Rnu. Treffpunkt 9 Uhr Richardplatz. Frühstück bei Vetter Nese. Für Nachzügler nm 2 Uhr vom Richardplatz. Steglitz. Sonntag, den 4. August, Ausflug nach Schmargen- d orf, Waruemüuderstr. 6,„Wirtshaus Schmargendorf". Treff- Punkt 2V- Uhr bei Schcllhase, Ahornstr. 15 a. Abmarsch pünktlich 3 Uhr. Die Angust-Vcrsammlung fällt aus. Nächste Versammlung Donnerstag, den 1 2. S e p t e in b e r. Borsigwaldc-Tcgcl. Mittwoch, den 7. August, 2 Uhr, in Waidmanns« ' lust im Restaurant„SchweizerhäuSchcn": Gemütliches Kaffee- kochen. Verein für die Interessen der Hausangestellten. Sonntag, de« 4. August, Ausflug nach Kiekemal, Restaurant Heidekrug. Soziales. Znr preußischen Berginspcktion. Die den Jahresberichten der Gewerbeaufsichtsbeamten in Preußen angeschlossene Berichterstattung der zuständigen Berginspektoren ent- spricht nicht im geringsten— schon äußerlich nicht— der Wichtigkeit, die dem Bergbau beigemessen werden muß, Bezüglich des Verhältnisses der Beamten zu Unternehmern der- zeichnen die Berichte durchweg gutes Einvernehmen. Aus den Zahlen über vorgebrachte Beschwerden und Besuche der Arbeiter ist zu er- sehen, daß die Bergleute durchweg zu ihrer Inspektion kein Ver- trauen haben. Und das ist natürlich. Der Aufsichtsbeamte des Staates revidiert die Gruben zu wenig, auf die Meldung von seinem Kommen wird„Klar Deck" gemacht, schlecht bewetterte oder gefährliche Betriebspunkte bekommt er nicht zu sehen und den in den Gängen und Strecken sich heimisch fühlenden Bergleuten nötigt er durch sein oft laienhaft unsicheres VorwärtZtasten ein Lächeln ab — wenn er hinterher nicht gar ausgelacht wird, weil er dies oder daS nicht gesehen hat. Die Berichte sind durchaus einseitig abgefaßt, was bei denen der übrigen Gewerbeaufsichtsbeamten nicht allgemein der Fall ist. Dekorationen und Belohnungen, Wohlfahrtseinrichtnngen usw. werden in behaglicher Breite aufgezählt. In den Mitteilungen über- Streiks, Frauenarbeit, Arbeitszeit usw. lassen die Berichte Ob- seltivität vermissen. ES waren im preußischen Bergbau beschäftigt insgesamt: Oberbergamtsbezirk ä S-"NN V»r 1905.. 269 711 109198 133142 58 661 18 367 589 079 1906.. 280 800 115 340 136144 60842 19 784 612 910 Die Zusammenstellung weist eine Zunahme von 23 831 von 1905 auf 1906 auf. Revisionen sind ausgeführt worden 38 966 wovon 10 986 auf Unfalluntersuchungcn abgehen. Revisionspflichtige Betriebe waren 2271 vorhanden, 2157 wurden davon revidiert. Also nicht einmal alle Betriebe sind während des JahreS wenigstens einmal revidiert worden. Von den revidierten Anlagen wurden 716 einmal, 535 zwei- mal und 1620 drei- und mehrmals besucht. An Sonn- und Fest- tagen fanden 690, in der Nacht gar nur 570 Revisionen statt. Wenn man bedenkt, daß im Bergbau fast ausschließlich in Tag- und Nacht- schicht gearbeitet wird, ericheint die Zahl der ausgeführten Nacht- kontrollen doppelt geringfügig. Um so mehr, als erfahrungsgemäß nachts an, meisten„gesudelt" wird. 9724 Arbeiterinnen waren 1906 im Bergbau beschäftigt, 207 mehr als 1905. Im Oberbergamtsbezirk Breslau, im Bereiche der frommen Zentrumsgrafen allein 8532 gegen 8340 im Vorjahre. Weiter ist die Frauenarbeit heimisch im Braunkohlenbergbau Mittel- deutschlandS, während sie im Oberbergamtsbezirk Dortmund, ab- gesehen von Bureaureinigung usw., nicht zu finden ist. Neben den Frauen waren 1906 noch 664 jugendliche weibliche Arbeiter im Alter von 14—16 Jahren im Bergbau beschäftigt. Die Beschäftigung der Frauen auf den Gruben ist verwerflich. Die Arbeit ist viel zu schwer, dem weiblichen Organismus durchaus schädlich. Alle Kenner der Verhältnisse verurteilen einmütig die Frauenarbeit auf den Gruben, nur die Berginspektoren finden keinen Anstoß daran; sie finden kein Wort des Tadels für.die Ausbeutung weiblicher Arbeits- kraft. Die Bezahlung ist eine erbärmliche. Im Aachener Braunkohlen- bezirk betrug der Durchschnittslohn für weibliche Arbeiter 1,96 M. pro Schicht, im Oberbergamtsbezirk Halle 1,75 M. Niederschlesien bezahlte 1,56 M. und Oberschlesien 1,17 M. pro Schicht! Die Löhne für die Bergarbeiter insgesamt schwanken im Durch- schnitt in den einzelnen Bezirken zwischen 2,51 und 4,41 M. Den niedrigsten Satz erhalten die meist„königlichen" Bergleute des Erz- bergbaues am Oberharz, die 4,41 M. Höchstlöhne entfallen auf den verhältnismäßig unbedeutenden Bezirk Aachen. Das trübste Kapitel ist das über Unfälle. Allein das Ruhr- revier hatte 1906 44 267 Unfälle zu verzeichnen. Von diesen waren entschädigungspflichtig 5122. Schwerverletzt waren 4586, leichtverletzt 39 145, tot 586. 699 Unfälle sollen durch„eigenes Verschulden" entstanden sein. Die durchschnittliche TageSrcnte der Krüppel betrug 75 Pfennig I Die Angaben über den preußischen Bergbau und seine Inspektion rechtfertigen daS Verlangen: Anstellung von Kontrollenren auS Arbeiterkreisen I In allen bergbautreibenden Ländern sind die Er- fahrungen mit dieser Institution gute gewesen. England hat trotz erhöhter„Gefahren deS Bergbaues an sich" jährlich 30—40 Proz. Unfallverletzte weniger als Deutschland. In Belgien und Frankreich ist die Unfallziffer nach Einführung der Arbeiterkontrolleure gesunken. Deutschland,„das Reklameland der Sozialgesetzgebung" glänzt durch von Jahr zu Jahr steigende Unfallziffern. �embts- Deining. Ein gefährlicher Kinderfreund. Der Arbeiter Franz Schulz aus Eharlottenvurg stand gestern Vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts m unter der Anklage. sich an Kindern durch unsittliche Berührungen und körperliche Beleidigungen sträflich vergangen zu haben. Der 27jährige Au- geklagte war jung verheiratet; als seine Frau aber am Pfingst« sonnabend eine Besuchsreise antrat, kam Schulz auf böse Gedanken. Schon am Pfingstsonntag lockte er mehrere kleine Mädchen im Alter von 5, 6, 7 und 8 Jahren in seine Wohnung, um sich an ihnen im Sinne der Anklage zu vergehen. Durch die Beweis- aufnähme wurde die Schuld des Angeklagten in drei Fällen er- wiesen. DaS Gericht erkannte auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr Gefängnis._ Die Schwindeleien eines Winkelkonsulente» unterlagen gestern der Beurteilung der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts II. Der Arbeiter Arthur M ö h l i s aus Johannisthal war des Betruges in acht Fällen und der Urkundenfälschung in drei Fällen angeklagt. Der jetzt 21jährige Möhlis hatte vor mehreren Jahren ein Jahr lang bei einem Rechts- anwalt als Schreiber gearbeitet, verließ diese Stellung aber, weil ihm das Gehalt nicht genügte. Die in den Diensten des Rechtsanwalts erworbenen Kenntnisse hielt der junge Mann für ausreichend, um gegen gntes Geld dem Publikum seine Dienste als Rechtskonsulent anzubieten. Bald kamen auch Leute; die für ihre Prozesse den Rat eines Rechtskundigen in Anspruch nehmen wollten, denen ein Rechtsanwalt aber zu teuer war. Viel billiger machte eS freilich der Angeklagte auch nicht. Er nahm von den Rechtsuchenden vor allem einen erheblichen Vorschuß, dessen Betrag zwischen drei und 150 Mark schwankte. Damit war aber auch die Tätigkeit des Herrn.Konsulenten" erschöpft, er unternahm in den ihm übergebenen Prozeßsachen nichts und wenn die Kunden dann für ihr Geld etwas sehen wollten, so zeigte er ihnen gefälschte Quittungen über Rechts- anwaltSgebühren und dergleichen; diese letzteren Straftaten hatten ihm die Anklage wegen Urkundenfälschung eingetragen.— Der Staatsanwalt beantragte für die durch die Beweisaufnahme fest- gestellten drei Fälle der Urkundenfälschung und acht Fälle wieder- holten Betruges eine Gesamtstrafe von vier Monaten fängnis. DaS Gericht erkannte auf drei Monate f ä n g n i S. > e- >e- Der biedere Bäckermeister. Einen billigen Geschäftsbetrieb sich einzurichten hatte der Bäcker- meister Rudolf Dzimian verstanden, indem er zur Herstellung seiner Backwaren vielfach gestohlenes Mehl verwendete. In eingeweihten Kreisen war eS ein offenes Geheimnis, daß er gern von Mehl- kutschem„überzählige" Ware ankaufe und verarbeite. Er wurde denn auch von seinen Lieferanten gut bedient. So hatte er sich auch mit dem bei dem Fnhrherrn Müller bedienstetcn Kutscher Willuniat ins Einvernehmen gesetzt und diesem bedeutet, daß, wenn er einmal etwas habe, er es ihm nur bringen solle. Am 6. Juni 1906 hatte nunW. 50 Sack Mehl vom Hamburger Bahnhof geholt und diese an verschiedene Kunden abzufahren. Als er an dein Geschäfte des D.„zufällig" vorüberkam, wurde in aller Eile ein Sack Mehl im Werte von 30 M. abgeladen und in den Keller des D. verschoben. W. erhielt dafür 2 M. Das Fehlen beS Sackes wurde an der entsprechenden Stelle natür- lich bemerkt und dieser bei Müller reklamiert. Müller, dem D. als Hehler ebenfalls bekannt war, vermutete sogleich, daß der Sack an D. verschoben worden sei, was der Kul'cher aus Vorhalten auch eingestand. M. begab sich nun mit dem Kriminal- schntzmann Laude zu D. und erkannte von den dort vorgefundenen 9 Sack Mehl zwei als sein Eigentum, ein Beweis, daß D. auch von anderer Seite bereits bedient worden war. Laude beschlagnahmte das Mehl, verschloß den Keller und nahm den Schlüssel mit auf die Polizeiwache, bis das Erforderliche in der Angelegenheit geschehen sei. Als später Müller sich sein Mehl abholen wollte, war eS ver- fchwunden. D. hatte in der Zwischenzeit den Keller mir einem Dietrich geöffnet. daS Mehl verbacken und die Säcke verkauft. Be- zahlung bat Müller bis zum heutigen Tage noch nicht er- halten. Der Kutscher wurde vom Schöffengericht Bcrliu-Mitte ivegen Diebstahls verurteilt, D. wegen Hehlerei und vorsätzlicher Beiseiteschaffung beschlagnahmter Gegenstände zu insgesamt zwei Monaten und 1 Woche Gefängnis. Gegen dieses Urteil hatte D. die Frechheit, Berufung einzulegen und machte geltend, daß der Sack Mehl nur irrtümlich bei ihm abgegeben worden sei und er ihn angenommen habe in der Meinung,' daß es der von ihm bestellte sei. Dem Kutscher habe er 20 Pf. Trinkgeld geben wollen, ihm aber ebenso irrtümlich statt deren 2 M. gegeben. Die 6. Ferien- strafkammer Landgerichts 1 t.in jedoch zu denselben Feststellungen wie das Schöffengericht und erkannte auf Verwerfung der Berufung._ In Wahrung berechtigter Jiitcrcsicn. Der Schankwirt Adolf Grunert hat am 15. März 1907 als Schriftführer des Verbandes der freien Schankwirte DcutichlandS in einer öffentlichen Versammlung beim Restaurateur Schmidt, Berliner- straße 5, gelegentlich einer im Verband zur Sprache gebrachten schankpolizeilichen Uebertretung, wegen deren G. verurteilt war, öffentlich behauptet: Vor dem Rixdorfer Schöffengericht habe der Schutzmann Stoffregen nicht nur einen, sondern zwri Meineide geschworen. Die überwachenden BeamtenZ, Wacht- nieister Thurau und Schutzmann Gaske, nahmen dies zu Protokoll und Stoffregen stellte Strafantrag wegen L f f e n t- licher Beleidig u n g. Der Amtsanlvalt beantragte, den der Tat überführten Angeklagten mit vier Wochen Ge- fängnis zu bestrafen. Das Rixdorfer Schöffengericht unter Vor- sitz des Amtsgerichtsrats Buhrow nimmt jedocki an, daß Grunert. als er seine Gerichtssache im Verbände erörterte, nicht die Absicht gehabt habe, jemand zu beleidigen und spricht ihn kostenlos frei. Ein Minderwertiger, ein Lump. Die sächsischen Gerichte tun, was sie nur können, um die Arbeits- willigen zu schützen, und erst kürzlich hat ein Amtsrichter beim Schöffengericht Chemnitz den Arbeitswilligenschutz als eine vornehme Aufgabe bezeichnet. Wegen der geringsten Beleidigung eines Arbeits- willigen muß der§ 163 der Gewerbeordnung herhalten und die ausgeworfenen Strafen stehen meist in schreiendem Mißverhältnis zu dem angeblichen Streikvergehen. Da ist schon eine Freisprechung wert, daß sie verzeichnet wird. Auf Anzeige eines jener nützlichen Elemente hatte sich wegen Streikvergehens der Zuschläger Friedrich zu verantworten; er sollte den Zuschläger Mai, den Straf- autragsteller, durch die Bezeichnung Mmderwertiger und Lump beleidigt haben, um ihn zu bestimmen, sich mit am Streik zu be- teiligeu und nicht mehr als Arbeitswilliger zu arbeiten. Die umfang- reiche Beweisaufnahme ergab aber die Wahrheit der Behauptung deS Angeschuldigten, daß dieser nur dem unorganisierten Mai eigene, vor Ausbruch deS Streiks in bezug auf etwaige Streikbrecher gemachte Kennzeichnung vorgehalten habe. Mai spielte nun seine traurige Rolle weiter und behauptete, die vereideten Zeugen und der Ange- schuldigte hätten sich verabredet. Das war aber selbst dem Gericht zu dumm, das dem Mai den Glauben versagte und den Ange- Ichuldigten frei sprach.— Als moralisch Verurteilter zog der Denunziant von bannen. Versammlungen. Eine öffentliche Versammlung der Bäcker» Konditoren» Schoko- labenarbeiter und-Arbeiterinnen tagte am Mittwoch in den Sophiensälen. Barth referierte über das Thema:„Welche Be- deutung hat der Verband der Bäcker und Konditoren für unsere Berussgenossen?" Der Referent erläutert in längerer Ausführung die Vorteile der Verschmelzung des Bäckerverbandes mit dem che- maligen Konditorenverband. Hervor hebt er unter anderem, daß die Unterstützung jetzt in größerem Umfange gewährt wird als im Konditorenvcrband. In der Diskussion schildert W e i r a u ch die traurigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Branche, Haupt- sächlich bei Hildebrandt, Sarotti und Seifert u. Hacke. — N i s i g k erläutert den Mißerfolg des alten Konditorenverbandes und hält den Kolleginnen und Kollegen die Lohnbewegung vor zwei Jahren vor Augen. N. wünscht, daß öfter Betriebsversammlungen abgehalten werden, um das Interesse der BerbandSgenossen zu erregen. Krause verbreitet sich des längeren über Mißstände in KakeSfabriken. Junge schildert die Unsauberkeit in der Bäckerei Krause, Charlottcnburg, in der in einem kleinen Schlafraum 9 Mann, je drei übereinander, schlafen, und ermahnt, darauf zu achten, daß Sonnabends die achtstündige Ruhepause ein- gehalten werde. Im Schlußwort geht der Referent Barth noch. mals auf die traurige Lage der Verbandsgenossen ein und fordert die Kolleginnen und Kollegen auf, nach Kräften für die Organi- fation zu agitieren, damit bessere Verhältnisse mit Erfolg zu er- kämpfen sind. Die Versammlung war gut besucht. VermifcKtes. Auf den Prellbock aufgefahreu. Amtlich wird aus Stralsund ge- meldet: Am 31. Juli 6 Uhr 31 Minuten nachmittags fuhr auf Bahnhof Stralsund der von Rügen kommende Personenzug 228, so- weit bisher ermittelt werden konnte infolge Bcrsagens der Bremse, auf den Prellbock des stumpfendigendcn Einfahrtsgleises auf. Mehrere Personen wurden leicht verletzt, ein Wagen entgleiste; Materialschaden unbedeutend. Der Betrieb wurde nicht gestört. Tie strammstehenden Strahenbabner. Unter diesem Titel bringt vie„VolkS-Zeitung" folgende Mitteilung: In den Bahn- Höfen der Dresdener städtischen Straßenbahn ist seit kurzem fol- gcnde Verordnung der Direktion angeschlagen. Dresden, 15. Juli 1907. Betrifft Kontrolle der Fahrtausweise Nr. 1— 125. In Ergänzung des Schlußsatzes der Verfügung vom 3. Februar 1906— B 44— wird hiermit angeordnet, daß. bei den Fahrt- ausweisen 1— 125, deren Inhaber Mitglieder des Rates und des Stadtverordnetenkollegiums sind, seitens der Inhaber in jedem Falle die Angabe der Nummer deS Fahrtausweises genügt, so daß sie zur Vorweisung oder Aushändigung des Fahrtausweises nicht verpflichtet sind. Nach Nennung der Nummer des Fahrtausweises hat der Schaffner das dienstliche Verhältnis gegenüber dem Inhaber des Fahrtausweises dadurch zur Erscheinung zu bringen, daß er kurz Stellung nimmt. In dieser Weise ist den Inhabern der Fahrtausweise gegen- über auch an Kontrolltagen zu verfahren. Die Direktion (gez.) Dr. Kretzschmar(gez.).r. Da? Blatt bemerkt hierzu: Leute, die für sich ein Extrarecht beanspruchen, indem sie sich als Mitglieder des Rats oder der Stadtverordnetenversammlung ausweisen— hoffentlich machen sie den Schaffnern alle einen Antrittsbesuch, damit sie von diesen kennen gelernt werden— die können schon verlangen, daß die Schaffner stramm stehen. Nur müßte es jedesmal fünf Minuten dauern, und der Wagenführer an der Spitze des Wagens müßte sich an dieser Ovation beteiligen. Erst dann wären alle berechtigten Ansprüche des Rates und der Stadtverordnetenversammlung erfüllt. Schiffsznsammcnstoß. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet, daß der Schnelldanipfer„Kaiserin Auguste Viktoria" am letzten Freitag im Kanal bei Nebel mit einem französischen Segelschiff leicht zu- sammengestoßen ist. Beide Schiffe find fast unbeschädigt und haben die Reise fortgesetzt. Das Segelschiff ist inzwischen i» Havre ein- gelaufen, der Schnelldampfer trifft Sonnabend in New Dort ein. � Wieder einmal da? Antomobil! Von einem Automobil, in welchem sich Baronin Puttkamer-Franksurt a. M. von Eger nach Franzensbad begeben wollte, wurde nach Wiener Meldung ein zwölf- jähriges Mädchen in einen Straßengraben geschleudert und lebens- gefährlich verletzt. Der Chauffeur wurde verhaktet. Die Verhandlung über diesen Vorfall findet am Donnerstag in Eger statt. Dhuamitexplofio». In einer Mühle in der Nähe von Jawaro explodierten, nach einer Meldung aus Lemberg, während des Mahlganges drei Dynaniitpatronen, die ein Bauer zum Fischfang benutzen wollte, aber in der Mühle vergessen hatte. Die Mühle wurde beinahe vollständig zerstört, zwei Personen in Stücke gerissen, mehrere verletzt. BootSuufall auf der Elbe. Aus Prag wird gemeldet: Der Profeffor der montanistischen Hochschule in Przibram namens Groh unternahm mit seinem Bruder und seinen vier Kindern eine BootS- fabrt auf der Elbe. Infolge StnrmeS kenterte daS Boot, der Pro- feffor und ein Kind ertranken, während sein Bruder und die übrigen drei Kinder nur mit großer Mühe gerettet werden konnten. ßriefharten der Redahtion. O. W. Mit Benzin oder durch chemische Reinigung.— L. A. Sehen Sie im Strasgcsetzbuch nach. Dasselbe liegt in allen öffentlichen Lese- hallen aus.— R. 34. Ja.— M. 10. In der städtischen Fortbildungs- schule, Niedcrwallstraße.— R. E. 2. Ober-Schöneweide. An Rollen aus einer Schiene.— glixdorf 120. Füns Söhne. mittel 80—93, mittel 97 bis 0,90. Plötzen, matt 0,00. 73, matt 0,00. Bunte 0,00, dito klein 0,00. verltnrr Marktpreise.»Iiis dem amtlichen Berich« der städtllchev Marklhallcii-Direktio». lGroßhandcl.) Rindfleisch lo 70—72 pr.«00 Psd., IIa 61-69, lila 59- 60, Bullenfl-isch la 65—70, IIa 55-64, Kühe, fett 52—60, do, mager 40—50, Fresser 54—66, Bullen, dän, 58—64, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Dopp eilender 100— 120, Mastkälber la 73—82, IIa 64—72, Kälber gcr. gen. 45—57, do. Holl. 0,00, dän. 0.00. Hamincl- fleisch Mastlämmer 78—82. Hammel la 73—77, IIa 67— 72, Schale 64—66. Sltnveiiiefleisch 65—70. Rebbock la per Psund 0,65—0,85. IIa 0,40-0,60. Rotwild, Abichug 0,40—0,64. Damwild. Abschuß 0,60. Wild- schweine 0,35—0,47. Frischlinge 0,00. Kaninchen per stück 0,50—0,55. Wildenten per Stück 0.00. Krickenten per Stück 0,00. Hübner, alte, per Stück 1,40-2,10. Ha 0,80-1,30, do. junge 0,40—0,85. Tauben 0,20—0,55, italienische 0.00. Enten per Lttück 1,00—2,30, do. Hamburger per Stück 2,00—2,90. Gänie per Psund 0,55—0,65, do. per Stück 2,50—4,25, do. Hamburger per Pfd. 0,00, per Stück 0,00, do. Oderbruchcr per Psd. 0,58— 0,62. Poittcts per Stück 0,65—0,75, Chalonshühner 0,00. Hechte per 100 Psund 116—130, do. matt 0,00, do. mittel und groß 0,00, do. groß 0,00. Zander, mittel 0,00, do. klein, malt 0.00. Schleie, klein 155,00, do. groß 124,00, do. Holl. 0,00, do. 124—141. Aale, groß 96—98, do. klein u. 99, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittel flioddow 0,00. Karpfen 90—98. Bleie Fische 65-90. Barle 0,00, dito matt Karauschen 0.00, do. klein 0,00. Bleisische 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs 1»»euer, per 100 Psd. HO— 130, do. IIa neuer 90—100, do. lila 60. Seelachs, neuer 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, mittel per Kiste 2, Hamb. Sttege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 2—4, IIa 0,00. Bücktüige, Kieler Per Wall 2-3, Straff. 3,50-5,50, Bornh. 0.00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0.80—1,10. Nein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5— 9. Schellstiche Kiste 2-3.00, Kiste 1.50-2. Sardellen. 1902« per Anker 98, 1904« 98, 1905«- 98. 1906« 90—95. Schottische Vollhering« 1905 0,00, largo 40-44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 50—120. Sardinen, ruff., Faß 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20—1 40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksag 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Eier, Land-, uusorttert per Schock 3—3.10, do. große 4,00. Krebse per Schock große 0,00, do. mittelgroße 18,50, do. kleine 2—2,50, do. unsortiert 4,50—11,50, do. Gallzier groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Butter per 100 Psd. la 114-117, IIa 106-114, lila 100—106, abfallende 90—95. Saure Gurken, neue, Schock 3,50— 4. Pfeffergurken 3,50—4. Kartoffeln per 100 Psd. weiße runde 2,50—3,50, blaue 3,50—4,00, Rosen- 2,00 bis 3,00, Nieren- 2,50—4,00, Zerbster 0,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—15. Spinat per 100 Psund 25—30. sellcrie, hiesige, per Schockbund 2,00—6.00. Zwiebeln per 100 Psd. 6—6,50, do. kleine 0,00, do. hiesige lPerl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockdund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 0.75—1,00. Rettich, bahr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige. Schock 3—4. Mohrrüben, Schockbund ILO bis 2.50. Karotten, hiesige, Schockdund 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 3,00 bis 8,00. Rotkohl, Schock 6—10. Weißkohl 6—10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00. do. Erfurter 100 Stück 0.00. Kohlrüben, Schock 4.00—6,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 4,00—5,00. Schoten per 100 Psund 8—15. Psefferlinge per 100 Psd. 4—8. Steinpilze per 100 Psund 10—25. Radieschen per«ihock 0,75 bis 1,00. Salat per Schock 1,50—2,25. Gurken, Einlege-, schock 10,00—18,00. Bohnen, grüne, 100 Psd. 6—12. Stachelbeeren, per 100 Psund 7—15. Erdbeeren, diesige 100 Psd. 0,00, do. Walderdbeeren 80—80, do. Hamburger 25 bis 35, do. Holländer 25—30. Himbeeren 100 Psund 30—35. Blau- beeren. 100 Psd. 10—15. Johannisbeeren, 100 Psd. 9—12. Kirschen, per 100 Pfund Schlefische 8-10. Wcrderfche 10-20, do. Gla». 12-18, do. Thüringer 5—15, Natten 13—30, sauere 10—18. Birnen, ital., 100 Psund 13—28. Muskateller 25-30, hiesige 10—15. Psirfiche, per 100 Psund 15—40. Aprikosen, ital., per- 100 Psund 20— 24, sranz. 14— 25, Aepsel, italienische. per 100 Psund 10—25, ung. 15—20. Pflaumen, ital., per 100 Psund 14 bis 25, Reineclauden 15—25, hiesige 12—15. Weintrauben. Algier, per 100 Psd. 26-30. Ananas I, p« 100 Psd. 1-1,15, do. II 0,00. Zitronen. Messina. 300 Stück 9,00-18.00, do. 360 Stück 3,00—15,00, do. 200 Stück 6.00—12.00, do. 150 Stück 5,00—8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 15,00 bis 22,00, grün 0,00. Anläßlich des bevorstehenden Jnternationäleu Kongresses t» Stuttgart empfehlen wir das Studium der Protokolle der ntiternationalen Arbeiter-Kongresse. Paris. 1889. Mit einem Vorwort von W. Liebknecht. Berichte der Delegierten der einzelnen Länder; Abschaffung der stehenden Heere; Maiseier. M.-,8S Zürich."sä im Kriegsfälle• Agrar. M.-,50 London Paris. 1896. 1900. Stellung der Partei frage; Generalstreik. Politische Aktion; wlrtschaflliche Aktion; Er. Ziehung und körperliche Entwickelung. M.— ,80 Der Kamps um da» allgemeine Wahlrecht; die Eroberung der politischen Macht; Kolonial- Politik; der Sozialismus in den Gemeinden. M.—,80 Zu beziehen durch alle Parteispeditionen, Parteibuchhaudlnngeu und von allen Kolporteure», sowie durch die Expedition des„Vorwärts", Kerli« SW., Lindenstrasje 6», Laden. 234/12 flfür Ben Inhalt der Jnieratr üvernimint die Ncdnktiv» dem ivublit«in ftcgenndcr teiuerlei ?/, Uhr: Das erftklasfige Aug« st-Programm. Sperrsitz 50 Ps. Enlree 30 Ps. Lstn Theater abend? 8'/, Uhr: Zum 59. Male: Her große Unbekannte. Sommcrpreise. W. Noacks Thealer. Direktion: Rod. Olli. Brunnenitr. 18. Das neue Slugust-Programm k S'/, Uhr: Der Hund v. Bnökerville. 9 Uhr: Egon P'Non m. s. Charatter- studien: Berlin unter d. Linden. öinsang S Uhr. Bei schlechtem Wetter: Vorst. Im Saat. Sonnabend: Einmal. Austreten deS Dir. R. Till. ScliwöiMggsfen Am KSnlgttor. Am FrledricHshain. Stratzenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Dinglich: Thealer-Vorstellung. Neue SpeziaHtäleu. KiDematograpii und Ball. Freier Oauientann. Ansang 6 Uhr. Entree 30 Ps. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Mew ilerflodfliirge uöi! öie Eiszeit MeTei' Heiiiat. 1 Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großes | Militär- Doppel-Konzert. 9 Eintritt 1 Mk., von abends, • 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter• S 10 Jahren die Hälfte. X 99999999999999099999 Weinbcrgswcg 19/20, Rot enth. Tori Neue Spezialitäten. Dressierte lißren. Ans: Konzert 6; Vorstellung 7 Uhr. IWF' Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Theater 8 Uhr. | Passage-Theater. I - Jeden Abend 8 Uhr;» Der große VerwanillungskiinsUer' Artaro ß IBernardi' !und das neue) großartige• August-Programm. J 14 Attraktionen 14. g Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rote. Heute:-M» Vollständig neues Programm. The DelmoS, der ballspielendc Hund. Jack-Theo-Drio. equilibnslischer Rokoko-Akt. D>U- Fani Ooracklni."90 V8nu6v: Carmen. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 41/, Uhr. Montag, 5. August: Benefiz sür H. Richter. Thoma? Med, Stadt« reisender: B. Rose._ Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstrabe 57. Sonnabend, den 3. August; Wieder- Eröflhung. Premiere--on ia-i Operetten-BurleSke von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separec-Assäre h lehe das HIM PrcmierenbillettS schon heute! von 11—2 Uhr a. d. Theaterkasse.| Fröbels AllerTel-Tlieater srüh. Puhlmann, Schönh. Allee 148. Acllestes Volksthcater Berlins. Heute: KlNdtlftsttllg. Hand!k Riaelngtrnnnekk! ilLU! DieTodeSsahrtimHouenkcssel Konkurrenzsahren um die Prämie von 1000 Mark. Asbloz., Nightan, Max R4e, Ellen Etenna, ßollfort usw. usw. Nur n. einige Tage: LroSstadtiaudor. Täglich im Saale: Grosser Ball. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Ps. Am Donnerstag, den 8. August: Benefiz Klara Um: Kyrit?< Pyrit? Vettlsgarteu-Theater. Bad-Behmslraße— Bahnhol Gesundbrunnen— BellermannstraBe. Grofiftadtzauber. Original• AuSstattungS< Operetten- BurleSke in 2 Akten von W. Geride. Musik von Aisred Sommerseld. Hierzu: —— DaS neue BoliSbelustigungen. ßstbahivj>£k Am KQstrinerplatz, RQdersdorferttr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert Theater- und Spezialitäten- Vorstellnsg. jf'Tcuc Welt Hasenheide 103-114. Gr. Doppel- Konzert 7 und l WendS 10 Uhr: Rai» Diedel Dau. Grofie BurleSk-Pantomime, in 2 Bildern und einem Zwischen- spiel sür die Neue Welt bearbeitet von Kurt Ellis. Ansang 5 Uhr. Entree zum Konzertgarten 10 Ps. , Theatergarten 25 Ps. J Prater- Thealer. Kastanien-Allee 7/9. Jägerliebchen. Spezialitiiten 1. Ranges. Austreten der I.ltwcnbrnnt Till.v Böbß mit ihren dress. Löwen. Konzort und Bull. Ansang 4'/, Uhr._ Reiclisliallen-Theater. Täglich: Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reichshallen Garten u. Rest.; Gr. Militär-Konzert. Sanssouci, ST Direktion Wilhelm Reimer. Bei günstiger Witterung a. der Gartenbühnc. Sonnt., Mont., DonnerSt.: Hoflinunns it. Tanckrknzehen Stets neues aktuelles Programm Sonnt.Beg.5, wochent.8U. In Vorbereitung: In der Da muka. Novität! lZelle-�llisnce-lZsrten 6 Uhr: Konzert und BariEtS. Max Rliems Sommer-Theater! -vasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Tph: Cr. Konzert Ttieaterj u. Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite>Tag. Die Kaffecknche ist täglich von 2 Uhr ab geössnet. Otto Pritzkow HUnxstraOe IG. M-tetelinngs- Eiograpii-cst. loud Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuheiten.—— Den ganzen Tag Vorstellung. smlen. holdwaren, Ithren,•chr 3 Julius Kurth, 11 Neue Roft-Straste Nr. 14. öoooo Kuchhantllung Vorwärts Berlin SSI. 68, Cindcn-Straßc 69 Wir empfehlen: fenehtkngeln Ernste und heitere Vortrags- n gedichte für Arbeiterfeste u Prell so Pffl. Porto 5 Pffl. Unseren vortragSlusttgen Senotfen wird daS Gedichtbuch willkommen sein. Wie oft richtet sich bei Ardelterscsten die all- gemeine Stimmung auf den Wunsch: »Trag« doch Einer envag»otl*— Da Jollen denn die.Leuchtkugeln- steigen, Retter tn der Not sein und verhindern, daß man zu nichtssagendem Schund »reift. Da« Bllchteln entdlllt SO»edichte teil» ernster, teil« humoristischer und poltrtsch.sattrlscher Natur, Ein« An- leltung:.Die Kunst de« Vortrag«- gibt einige Winke, wie Deklamationen wirkungtvoll zu gestallen sind. Zlrbeitsnachweiö: Hos t Amt 3, 1239. BerlualtnngSstclle Berlin. Hanptbureau: CharitbstraBe 3. Hos m. Amt 3, 1937. Sonntag, den 4. August, vormittags 10 Uhr Im Getverkschaftshause, Engel.Ufer 15(Saal 1): Versammlung der Bauanschläger TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Genossen A. 8t«i-in«i> über:„Der Kamps umS Recht.« — 2, Diskussion.— 3. Verbands- und Brancheuangelegcnheiten.— 4. Verschiedenes, In dieser Versammlung werden die Billetts zu unserem am 31, August in der»Neuen Well- stattfindenden Sommerscst ausgegeben, 123/4 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. 91/14 Heute Freitag, abends 8'/� Uhr, im Gcwcrlschaftshause, Engel-Ufer 15 Titomg der O�tsverwaltungs rifcbler-Tcrein<€• ü. 89) Sonnabend, den 3. August 1907, abends S'/a Uhr, Mclchiorstr. 15: i�T Versammlung. Vereinsangelegenheiten. 199/3 Der Vorstand. H fnausnlviil»»!£ In diesem Monat werden in unserer „Frauenheilanstalt", Hackescher Hof, Rosenthalerstr. 40 nachmittags von 3— 4 Uhr Fraacnvorträgc gehalten. Jede Frau wird sachwissenschastllch frei untersucht und erhält über ihr Leiden naturärztliche Ratschläge bekannter Vortragender. 5553L Otto Grandmann, prakt. Frauenhcilkundlger, BlßZ* Spezialitäten-Theater. gßM liandsberger Allee 76— 79. Direkt a. d. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Oh schvn! Täglich im Herrl. Garten oder gr. 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Wahlkreis t Olt e n: Robert W e n g c I s, RüderSdorserstr. 3, am Küstnncrplatz.— Wilhelm Mann, PeierSburgerplatz 4 lLaden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufitzerplatz 14/15 lLadc»), 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Keibelstr. 42(Laden). 6. Wahlkreis(Zloablt und Hansavlertel): Karl Anders, Salzwedelerstr, 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße. Nazarethkirchstraße 49. Hosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschle, Aderstr. 36, Eingang Anklainerstraße. Gesn ndbrnnncn: F. Trapp, Stettinersir. 10. �eht.nbanser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerftr. 123. Vlt-GIIenlcke: Wilhelm Dürre, Rtldowerslr. 83 II. Uhnrlottenhnrg:©uftoB Scharnderg, Sesenhelmerstraße 1, Ede Goethestraßc, Laden, WllmersdorT-Halensee: Georg F e e s e, Berlinerstr, 46, Laden, Ulehtenberg, Frlcdrichsfeldc, Wllhelmsbcrg: Otto S e i k el, Kronprinzenstraße 50, I, Ilnnirnelsbnrg, Ooxhagen:A. Rosenkranz, W-BoxHagen 56, Grtlnan: Otto Schröder, Köpeniderstr. 1. Rlxdorf: M, Heinrich, Siednistvaße 2, im Laden. Hchinnii-gendorr: Gustav KaminSky. Cnnoftraße 2. «ohtlneberg: Wilhelm Bäumler. Marttn Lutherstr. 51, Im Laden, Ternpelh»!': M, Müller, Berlinerstr. 41/42, Ober-Sehttnewelde: Julius G r u u o w, Edlsonstr. 10, I. Nleder-ftchUneweide: Bonnkowsky, Hasselwerderstr. S. »Johannisthal: Franz Hllnold, BiSmardslr. 7. 4dlershoT: Erich Steuer, Hadcnbergsll. 5, II. KUnigs-Wnsterhanson: Friedrich Baumann, Ludenwalder- strafe 4b. Kbpentck: Friedrich Wold, Kietzerstr, 6, Laden. Frlcdenna-Steglitx-SUdnnde: H. B e r n s e e. Schloßstr, 115, GarienhauS I. in Steglitz, Bestellungen nehmen entgegen tn«tegllts: H. Mohr, Düppelstr. 32. und Fr. S ch e l l h a s e, Ahornstr. 16». IWariendorr; Paul Müller, Bergstr. 35. tzos I. Oaninschnloaw eg: S t o d, Eruststr. 2, II. Treptow: Rob, Gramenz, KiefHolzstrabe 412, Laben. Zien-WelHensee: K u r t F u l, r m a n n, Sedanjtr. 105, parterre. Itclnlckcndorr- Ost, Wilhelmsrah und SchUabols: P. G u rs ch. Provinzftratze 108, II, Tegel,»orslgwalde, Wittenau, Wnldinannslnst, IlermsdoiT und Kelnlckeudork- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Pankow-Xlederschlinhansen; G F r e i w a 1 d t, Mühlenstr. 73. Neman; Heinrich Brost, Sohesteinstr. 74, Part. Flchw-alde, Zenthen, mersdorf und Hankols Ablage: Alfons Grätz, Eichwalde, Kronprinzenstr, 82, I. Teltow: Wilhelm Keßler, Hohersteinweg 7. Mowawea: Wilhelm Jappe. Priesterstr. 4S. Spandau: K ö p p e n, Jagowstt, S, Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschastNchen Werke dort zu haben. Aurf) tUCpbCIl Jttsevate füv den„Vorwärts" etttgegengenommen. mgr Bitte ausschneiden*."WO Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Gustav Neurrmmi am 30. Jull verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabeth-Kirchhoses, Freienwalderstraße, aus stait. Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortsverwaltung. Danksagung.. Für die Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, de? Maurers Wittielm Wexener sagen allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen vom Zentralverband der Maurer Deutsch- landS(Zweigverein Berlin, Bezirk Wedding) hienwt besten Dank, Emma Wcgcner 55858 nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung unseres lieben Sohnes, sagen wir allen Beteiligten, ins- besondere seinen Kollegen derA. E,-G., Abt, Maschinenlager, sowie den Mit- gliedern des Gesangvereins„Bleib' treu" unseren herzlichsten Dank. 2122B Ernst Hah» nebst Frau. Danksligung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Bräutigams 2121b Alfred l,orenz sage ich allen Freunden und Ver- wandten, dem Wahlverein sowie seinen Kollegen und Kolleginnen meinen herzlichsten Dank, Die trauernde Braut Hargarcte Petlgk. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Ve- erdigung meines lieben Manne?, deS MetalldrückerS Oskar Nastldon, sage ich allen daran Beteiligten, ins- besondere seinen Kallrgen der Firma F. F. A. Schulze, Fehrbellinerstr, 47/48, sowie dem Deuischen Metallarbeiter- verband, Ortsverwaltung Berlin, und dem Wahlverein, Bezirk Weißensee, meinen innigsten Dank, 55552 Die trauernde Witwe 31. Bastldon nebst Kinder». Orts- Krankettkasse psnko«?. Vom 1. August 1907 an fungiert der 275/12 TanitätSrat Dr. Freund nicht mehr als Arzt für die hiesige OrlSkrankenkasle. Vom genannten Tage an darf derselbe daher auch nicht mehr für Rechnung der Kasse in Anspruch genommen werden. An Stelle des Ausgeschiedenen wird nunmehr der praktische Arzt Hr. 1». ftohoskl, Berlin, Prinzen- Allee 41 für die Kasse tätig sein, welcher sein« Spredistunden von 8—9 Uhr vor- mittags und 4—5 Uhr nachmittags abhält, G«r Vorstand der Ortskrankonkasts Pankow. Hoffrichter, Vorsitzender. Bund d. Pflanzervereine von Berlin u. Umgegend. Sonntag, de» 4. August er.: Bosichticnng der Späth- scheu ItaninseliHien, Baumschulenwea bei Berlin. Trefipunkt im.Restauraut zur Baumschule» daselbst, vormittags 9>/, Uhr. 555 iL Um rege Beteiligung wird ersucht. Gäste willkommen I Her Vorstand. jt 99 tt esM Weißensee« Lehdcr-IStraOe 133. Wiedereröffnung meines neurenovierten Danzlokalö Sonntag, den 4. August. Lade alle Freunde, Be- kannten und Gewerkschaftsmitglieder sreundlichst ein.«ermann Gröger. Pfotban Manck 139 Skalitzcrstr. 129. Di« schönsten 55502» Herren-Sommer- Paletots und Anzöge Monats-Garderobe vonKavalieren gelragcne Sachen, säst neu, sür jede Figur passend, speziell Bauchanzüge sind in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu hadcu. fatban Aland 129 Skaliherstr. 12». Hochbahnstation KottbuserTor. Bitte aujHauSnun'wer zu achten, I m !ta, r> iiillMUiti.. .»In., r/ e. \ Ol r/t '.> Ä V "Aom .üä ?« ■=_IZ� ßre/ Dinge sind nötig zur Her- Stellung bester Cigaretten: t. 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Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Procstlcr_in Würaburg Ter* sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Möbelfabrik Julius Apelt O Adalbert- Straße O Hochbahnhos Kottbuser Tor (früher: Skalitzer» Straße 6). Zeniraiverein ner Biiiauer Deutsclilands Verwaltungsstelle Berlin. Sonnabend, den 3. August 1007: SOMMERFEST in C. Ludwigs Park-Restaurant(Viktoria-Garten), Treptow, Köpenicker Landstraße 25/26. Konzert. GesangsTortrilge der Quartettvereinigung der Bildhauer(Dirigent: Herr Klinke). Ball. Kinder-i'ackelzng usw. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr nachmittags an geöffnet. Eintritt 20 Pf. Kinder frei. Billetts sind im Bureau, in allen Zahlstellen und an der Kasse zu haben. 20/12* Zahlreichen Besuch erwartet Die Kommission. Bureau am Sonnabendnachmittag geschlossen. Auf vielseitiges Verlangen! Exirafahrt nach Teupitz! am Sonntag, den 4. Angnst.— Abfahrt: 7 Uhr früh von Berlin- Walsen brücke.— Fahrpreis hin und zurück 2,00 Mark. 5558L Außerdem Große Promenadenfahrt nach Karolinenhof. Abfahrt: 2 Uhr nachmittags.— Einfache Fahrt 50 Pfennig. Von CafG Alscn beide Fahrten'/. Stunde später. Ei. Kahnt, Berlin-Stralau. H. Hertzer, Berlin. Täglich Ä) Exlra- OainpfeF-Ferien-Falirten nach Werusdorfer Schleuse»nd Gosener Berge. S} ab Schillingsbrücke Hierzu ladet—— Restaurant—— höflichst ein■ zum Oder Spree Kanal. Ii. Zimmermann Berlin SO. Juwelier Oranienstr. 206 Qold= und SiIberwaren=Fabrik, Uhren=Qroßhandlung. S361L* Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell.— Billigste Preise. „Berliner Irfielter- Ratlfaiirer-Iereiir Mitglied des Slrdeite» Radsahrer-Bundes „Solidarität*. Touren Sonntag, den 4. Angnst: 1. Abt. 6 Uhr: Hoppegarten bei Münchcberz. 8 Uhr: Hesjenwinlel. Start: Bülowstr. 58. 2. Abt. 6 Uhr: Oranienburg-Velten. 1 Uhr: Hennigsdorf. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Nr. 178. 24. Jahrgang. 2. SkilM des Jon W Inlinti üolMlotl Freitag, 2. Avgnst 1907. partel- Hnfl[elec|cnbe!tcm Zur Lokalliste. Im V. Kreise stehen uns die, U n i o n- F e st- fäle Greifswalderstr. 222. zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. In letzter Zeit sind wiederholt Mitteilungen in Lokalangelegen- heiten seitens der Parteigenossen direkt an die N e d a k t i o n des „Vorwärts" eingesandt worden. Wir weisen daher nochmals darauf hin, dasi alle derartigen Mitteilungen durch die nach- verzeichneten Kommissionsmitglieder an den Obmann der Lokal- kommission. Gen. Aich. H e n s ch e l. II. 23. Wollinerstraße 51, zu richten sind: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, Neue Roß- siraße 12. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder. Hagel- bergerstraße 27. Für den Hl. Wahlkreis an den Genossen Karl König, Jahn- straße 24. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott. Straß- mannsiraße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch. Auguststr. 51. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, Wollinerstraße 51. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchowerstr. 22. Für Nieder-Barnim an den Genossen Robert Ried, Rummelsburg, Kantstr. 22. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen Karl Linz, Spandau. Mittelstr. 13. Für die übrigen Orte der Provinz Brandenburg sind alle Mit- teilungen direkt an den Obmann der Kommission zu richten und müssen letztere mit dem Stempel der betr. Or- ganisation sowie der Adresse des Einsenders versehen sein. Wir ersuchen die Parteigenossen, vorstehendes genau zu beachten. Einsendungen direkt an die Redaktion des»Vorwärts" iverden nicht berücksichtigt. Die Lokalkommission. KreiS Niederbarnim. Am Dienstag, den 6. August, abends 8'/, Uhr, findet in Lichtenberg eine öffentliche Versammlung der sozialdemokratischen Frauen des Reichstags-Wahlkreises Niederbarnim statt. Genosse Max Schütte hält einen Vortrag über:„Die Be- deutung des Parteitages für die Frauen und das Frauenwahlrecht". Ferner steht auf der Tagesordnung: Wahl einer Delegierten zum deutschen Parteitage sowie zur Provinzialkonferenz. Die Genossinnen und Genossen aus allen Orten des Kreises sind hiermit eingeladen. Allen tätigen Genossinnen wird es zur Pflicht gemacht, für guten Besuch dieser Versammlung durch rege Agitation in ihren Orten Sorge zu tragen. Die KreiSvertrauenSpcrson. Oranienburg. Den Genossen zur Nachricht, daß am Sonntag, den 4. August, nachniittags 3 Uhr, im Lokal„Waldhaus Sandhausen" eine Volksversammlung stattfindet; in derselben wird Genosse Albrecht Fülle über die?gegenwärtige politische Lage sprechen. Die Genossen werden ersucht, für diese Versamnilung ganz besonders zu agitieren, vorzüglich unter den Frauen. Lerlimr JVacbrlchten. Sonntagmorgen in Alt-Berlin. Wenn!iie letzten Sterne erbleichen und die anbrechende Morgenröte den Himmel in einen rosigen Schleier hüllt, wenn die Sperlinge schlaftrunken auf der Dachfirst sitzen und sich mit ihrer Morgentoilette beschäftigen und einzelne Nachtz schwärmer gröhlend ihrer Behausung zutorkeln, dann regt sichs allmählich im alten Viertel Berlins. Hier und da öffnet sich ein Fensterladen und eine not dürftig bekleidete Frauengestalt wirft einen raschen, fragenden Blick hinauf in den Machtbereich des alten Wettermachers Petrus; oder ein alter Mann, das Hauskäppchen auf dem spärlichen Haar, lehnt sich zum Fenster hinaus und schmaucht gemütlich sein Pfeifchen. Nach und nach wird es lebendiger. Die Haustüren knirschen in ihren verrosteten Angeln und durch die engen Gäßchen huschen Frauen und Kinder, in Pantoffeln, und schlenkern das kleine Körbchen, das beim Bäcker mit Schrippen, oder zur Feier des Tages mit Kuchen gefüllt wird. Kühn recken sich die beiden schlanken Türme der alters- grauen Nikolaikirche hinauf zu dem tiefblauen Himmel und der Glanz der siegreich aufsteigenden Morgensonne spiegelt sich in den vergoldeten Kreuzen der beiden Turmspitzen. Nacht- droschken humpeln müde und schwerfällig nach Hause, während Bäckerjungen, die neuesten Gassenhauer pfeifend, mit schlürfen- den Schritten die Kundschaft besuchen und eilfertige Zeitungs- frauen in die Häuser huschen. Zwei girlandenumwundene Kremser, aus deren Innern, dichtgedrängt, lachende, sorglose Gesichter gucken, rattern, von dicken, plumpen Pferden ge- zogen, durch die Straße. Durch das fröhliche Stimmengewirr dringen die„schmalzigen" Klänge einer Mundharmonika und dazwischen kreischt in schrillen Tönen eine richtige Radau- flöte. Einige Friihausflllgler eilen, mit den unvermeidlichen Stullenpaketen beladen, dem Bahnhof zu. Tie alte, dicke Gemüsehändlerin ist aus ihrem dumpfen, feuchten Keller heraufgekrochen und hat sich breit und behäbig auf der obersten Stufe aufgepflanzt. Mehrere Kinder, in frischgewaschcnen und stcifgestärkten Kleidchen, gehen mit wackelnden, wiegenden Schritten vorbei. Sie haben sich an den Händchen gefaßt und singen in leierndem Tone, indem die kleinen Aeuglein schelmisch blitzen:„Guten Morgen, Frau Meier, was kosten die Eier?. Die kosten 6 Dreier! Die sind mir zu deier, adje Frau Meier!" Die Alte droht ihnen lachend mit dem Finger. Inzwischen rückt der Zeiger an der Turmuhr immer weiter. Jetzt beginnen die Glocken zu läuten. Dumpf und gewaltig brausen die Klänge durch die Morgenstille, eine Flut metallischer Töne wälzt sich über die Dächer der alten wackeligen Häuser. Die ersten Kirchgänger, mit ernsten Ge- sichtern und dicken Gebetbüchern in Goldschnitt, verschwinden in dem geöffneten, dunklen Portal. Plötzlich hört man eine stahlharte Stimme kommandieren:„Augen— links!" und das Stampfen schwerer Männerschritte erschallt. Eine Truppe Soldaten, aus den verschiedenen Waffengattungen bunt zu- fammengewürfelt. marschiert vorbei und erweist einem vor- übergehenden Vorgesetzten die vorschriftsmäßige Ehren- bezeugung. Die jungen Krieger werden unfreiwillig zum Gottesdienst geführt, wo sie Vergleiche anstellen tonnen zwischen den Lehren jenes großen Nazareners und den Taten seiner„Nachfolger". In Deutschland geht eben alles auf Kommando, sogar das Beten. Soeben erscheint eine Arbeiterfamilie, im sonntäglichen Anzug. Vater trägt die Tasche mit den Mundvorräten am Spazierstock auf dem Rücken und Mutter schleppt sich mit dem Jüngsten, zwei größere Jungen haben grüne Botanisierbüchsen umgehangen, während das Mädchen Mutterns Umhang trägt. Aus dem offenen Kirchportal brausen die Orgelklänge, und die eintretenden Frauen werfen noch einen strengen, strafenden Blick auf die„Gottlosen". Diese kümmern sich aber nicht darum. Nach einer harten Arbeitswoche sehnen sie sich hinaus, aus der dumpfen Häuserenge, in lachende, grüne Fluren und rauschende Wälder. Die Kirche überlassen sie den anderen, denen ihre Armut im Geiste eine Anwartschaft auf die ewigen Genüsse im Jenseits verbürgt. Sie aber werden unter den natürlichen Kuppeln der Eichen und Buchen sich erbauen und sich stärken für die kommende, arbeitsreiche Woche. Submissionsunwcscn im Berliner Stcinsctzcrgewcrbe. Unter diesem harmlosen Titel lesen wir im„Berliner Tageblatt" folgende Notiz: „Der erst in diesem Frühjahr ins Leben gerufene Arbeitgeber- bund für das Steinsetzergewcrbe hatte kürzlich, um das Sub- missionSunwesen im Berliner Steinsetzergcwerbe zu beseitigen, eine Eingabe an den Magistrat eingereicht, in der um eine tarifliche Festlegung der Preise, sowie um Einrichtung von Stadtbezirken, wie sie bei den Schornsteinfegern eingeführt ist, gebeten wurde. Jetzt hat die Tiefbaudeputation des Magistrats, wie wir hören, eine Antwort dahingehend erteilt, daß vorläufig an einem festen Tarifabschluß nicht gedacht werden könne. In nächster Zeit werde aber eine zufriedenstellende Regelung des Submissionswesens vor- genommen werden. Dem neu gegründeten Arbeitgeberbund für das Steinsetzer- gewerbe, der die ganze Mark Brandenburg umfaßt, gehören alle Berliner Grotzfirmen bis auf zwei an. Bei dem bisher be- stehenden System der Ausschreibung wurde von feiten der Meister fast ausnahmslos mit Unterbilanz gearbeitet. Die Großfirmen beteiligten sich daher nur in ganz geringem Umfange an den Ausschreibungen, zumal da die Preise der Rohmaterialien in den letzten Jahren fortgesetzt eine Steigerung erfahren haben. Die Stadt Berlin wird durch die Preissteigerungen vorläufig noch nicht betroffen, da die abgeschlossenen Verträge noch bis zum März 1993 laufen." Hinter dieser Gründung des Arbeitgeberbundes verbirgt sich nichts mehr und nichts weniger als die Bildung eines Ringes zum Treiben der Preise. ES klingt geradezu lachhast, wenn es heißt, die Meister hätten fast ausnahmslos mit Unterbilanz gearbeitet. Die„armen" reichen Steinsetzmeister I Was die fort- gesetzt steigenden Preise für Rohmaterialien anbetrifft, so werden die für die Stadt Verlin arbeitenden Meister davon so gut wie gar nicht betroffen, da hier die Stadt die Steine selbst liefert. Weil das aber so ist, so hätte es gerade die Stadt Berlin leicht, mit der Vergebung der Steinsetzarbeiten im Submissionswege zu brechen, zugleich aber auch der durch die Ring- bildung beabsichtigten Preistreiberei ein Ende zu machen. Die Stadt soll die Steinsetzarbeiten in eigener Regie herstellen lassen und die Preistreiber damit ausschalten. Die städtische Verwaltung darf nicht zugunsten einiger reichen Stcinsetzmeister die Steuergelder ver- schleudern. Was andere Städte können, kann auch Berlin; schlimm genug, daß wir die eigene Regie nicht schon längst haben. Noch auf der Suche. Immer noch auf freiem Fuße befindet sich der anscheinend irrsinnige Verbrecher, der die Bluttaten in dem Prenzlauer Stadl viertel verübte. Dabei läßt es die Polizei an der Mühe, täglich eine Anzahl Verhaftungen vorzunehmen, nicht fehlen. Auch gestern haben wieder eine ganze Reihe von Verhaftungen stattgefunden. So wurde am Verlorenen Weg in Weißensee durch Berliner Kriminalbeamte ein Individuum festgenommen, auf daS die Be- schreibung des Mörders paßt. Der Verhaftete wurde in das kgl. Polizei Präsidium eingeliefert. Bei seiner Vernehmung bestritt erjedoch, der Täter zu sein. Vorläufig wird der Verdächtige noch in Haft behalten werden. Ebenso wurden in Steglitz zwei junge Leute festgenommen, die sich unter Geldversprechungen an kleine Mädchen herangemacht hatten und sie fortlocken wollten. Einer der Inhaftierten konnte jedoch bald wieder in Freiheit gesetzt werden. Auch in der Nähe der Stellen, an denen die Bluttaten verübt worden sind, wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Sie konnten aber sämtlich nicht aufrecht erhalten werden. Der Kriminalpolizei scheint es, wie eine Korrespondenz mitteilt, nunmehr sehr wünschenswert, daß einmal alle Arbeitgeber in Fabriken, Werkstätten usw. ihre Arbeiterschaft daraufhin prüfen, ob sich etwa der Täter unter ihr befinden kann. Das Augemnerk wäre besonders darauf zu richten, ob am 29. Juli vielleicht jemand in der Zeit von l'/z bis 2>/z Uhr von der Arbeit weggeblieben ist oder wenn er eine Arbeitspause hatte, nach dieser ein auffallendes Wesen zur Schau trug. Daß der Täter gerade unter den Berliner Arbeitern zu suchen ist, kann doch wohl die Ansicht der auf dem toten Punkt angelangten Kriminalpolizei nicht sein. Ebenso gut könnte der Täter auch unter den Arbeitgebern oder anderen Schichten gesucht werden. Daß aber auch das Publikum allzu leicht geneigt ist, unschuldige Zufälligkeiten zu Verdachtsmomenten zu stempeln, beweisen eine An- zahl leichtfertiger Verhaftungen. Dem„Berliner Tageblatt" teilt einer der Verhafteten folgendes Erlebnis mit: »Ich hatte gestern in dem Hause Beymestraße 28 geschäftlich zu tun und war gerade im Begriff, mir eine Hausnummer zu notieren, als ich von einem Schutzmann gefragt wurde, was ich denn schreibe. Nachdem sich der Beamte überzeugt hatte, daß es die inhaltschweren Worte„Weiche, weiche, in fünf Minuten eine Leiche" nicht waren, mußte ich ihm zur Wache folgen. In der Wache wurde ich einem höheren Polizeibeamten gegenübergestellt, der mich scharf fixierend fragte, ob ich der Mörder sei, was ich natürlich mit einem„Nein" beantwortete. Darauf begann ein weiteres dreistündiges Verhör, dessen Ergebnis war, daß ich gestagt wurde, ob ich schon mal mit der„jrünen Minna" gefahren wäre. Nachdem man sich überzeugt hatte, daß ich keine Selbstmord- versuche machen konnte, wurde ich in eine Zelle ein- geschlossen. Ich blieb bei allem sehr vergnügt, da ich ein reine? Gewissen hatte;_ lange brauchte ich jedoch nicht mehr zu warten: nach ungefähr einer halben Stunde wurde meine Gefängnistür geöffnet und ich hatte meine Freiheit wieder. Draußen klopfte mir ein Schutzmann auf die Schulter und meinte nach dem Signalement hinüberschielend:„Et wäre besser jewcscn, wenn Se kernen Schnurrbart jehabt hät'n." Das Beispiel mag genügen, um zu zeigen, daß bei Verhaftungen nicht immer mit der nötigen Gelvisjenhaftigkeit vorgegangen wird. Die Heiratslust hatte in den letzten Jahren in Berlin zu- genommen. Nach der beträchtlichen Verminderung der Ehe- schließungen, die in den Jahren 1991 und 1992 eingetreten war, hatte das Jahr 1993 wieder einen Aufschwung herbeigeführt, und in den Jahren 1993—1999 war dann die Zahl der Eheschließungen andauernd gestiegen. In 1999, 1991, 1992 waren 29 756, 19 838, 19 138 Ehen geschlossen worden, es ging also damals sogar die absolute Zahl der Eheschließungen zurück, obwohl die Bevölkerung-- zahl Berlins weiter wuchs. Dagegen brachten die Jahre 1993, 1994, 1995, 1996 mit 29 141, 21 229, 22 276, 23 245 Eheschließungen eine Steigerung der Heiratslust, die erheblich über die gleichzeitige Zunahme der Bevölkerung hmausging. Vergleicht man für die sieben Jahre 1999— 1996 die jährliche Zahl der Heiratenden mit dem jeweiligen Durchschnitt der Bevölkerungszahl, so ergeben sich auf je 1999 Personen der Bevölkerung in den Jahren 1999— 1992 22,26, 21,92, 29,18 Heiratende, aber in den vier Jahren 1993—1996 29,95, 21,63, 22,16, 22,52 Heiratende. Die Heiratsziffer stand, wie man sieht, im Jahre 1996 bereits wieder höher als in 1999. Aber die Betrachtung der ganzen Reihe dieser sieben Jahre läßt erkennen, daß der erneute Aufstieg, der mit dem Jahre 1993 be- gönnen hatte, schon in 1995 und mehr noch in 1996 sich wieder verlangsamt hat. Wie wird nun die Heiratsziffer für 1997 ausfallen? Wenn man bereits jetzt nach dem Ergebnis der ersten Jahreshälfte urteilen darf, so ist zu erwarten, daß die Steigerung der Heiratsziffer nicht nur zum Still st and kommen, sondern vielleicht sogar wieder durch einen Rück- gang abgelöst werden wird. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Berlin nur, 11 919 Ehen geschlossen(Januar 1199, Februar 1224, März 2192, April 3376, Mai 1959. Juni 12881, während auf denselben Zeitraum des vorigen Jahres 11 114 Eheschließungen entfielen. Es ist zwar möglich, daß der Fehl- betrag, den die erste Jahreshälfte erbracht hat, durch das Er- gcbnis der zweiten Hälfte dieses Jahres noch wieder ausgeglichen wird. Die sträfliche Knauserigkeit beS Berliner Magistrats bezüglich des Bibliothekwesens erfährt im Zentralblatt für Bibliothekwesen eine scharfe Kritik: Wiederholt haben im Plenum der Stadt- verordnetenversammlung wie im Etatsausschusse verschiedene sozialdemokratische Stadtverordnete, wie Heimann, Borgmann, Bruns darauf hingewiesen, daß der Magistrat die Cohnsche und die Leosche Stiftung für Bibliothekzwecke nicht zur Erhöhung des Etats der Bibliotheken, sondern zur Entlastung des Stadtsäckels verwende, und die Wiedereinsetzung der früher von der Stadt für die Bibliotheken aufgewendeten höheren Summe in den Etat beantragt. Sie fanden dabei zwar Unterstützung durch die Stadt- verordneten Nathan und Friedemann, aber der Oberbürgermeister erklärte, daß die Verwendung zugunsten der Stadt und nicht zu- gunsten der Bibliotheken durchaus dem Willen des Testators cnt- spreche, und die Versammlung stellte sich mit geringer Stimmen- Mehrheit auf die Seite des Magistrats. Dieser Vorgang ist auf das tiefste zu bedauern. Man ist daran gewöhnt, daß die Berliner Stadtverwaltung für die Aufgaben der höheren GcisteSkultur nicht entfernt die freudige Opferwilligkeit zeigt wie andere Weltstädte oder, im Verhältnis gerechnet, wie viele andere deutschen Städte, und die Vertreter ocs preußischen Kultusministeriums haben wiederholt darüber im Abgeordnetenhause ernste Klagen erhoben. Daß die Verwaltung von Berlin aber in dem Augenblick, wo private Freigebigkeit die Mittel bot, die ganz unzureichenden städtischen Büchereien erheblich aufzubessern, es fertig bringen würde, sie um den Betrag der privaten Zuwendungen zu ver- kürzen, das hätte doch wohl niemand vorhergesagt. Wer also in Zukunft die Berliner städtischen Bibliotheken in seinem Testament bedenken will, wird gut tun, die Klausel anzufügen, daß die Schenkung null und nichtig wird, sobald die Aufwendungen der Stadt herabgesetzt werden. Ob man im Rathaus wohl glaubt, daß das beliebte Vorgehen geeignet ist, weitere Stiftungen zu ver- anlassen? Zur Vorsicht mahnt ein Borfall über den uns aus Leser» kreisen Mitteilung gemacht wird. Am Mittwoch vormittag boten herumziehende Scherenschleifer auch auf dem Hofe Cadinerstr. 8 ihre Dienste an. Eine Frau übergab eine gewöhnliche Schere und ein Hackmesser mittlerer Größe zum schleifen. Nach etwa zehn Mi- nuten brachte einer der Männer die Sachen wieder vor die Wohnung. Die Frau öffnete und wollte gleich an der Tür be- zahlen. Ehe sie sich jedoch versah, trat der Mann in die Küche und forderte für die Schere 69 Pf. und für das Hackmesser 1,25 M. Die Frau bezahlte schließlich den etwas sehr hohen Betrag, weil ihr das dreiste Auftreten des Mannes eine gewisse Furcht ein- gejagt hatte. Wir haben von der Mitteilung Notiz genommen, damit andere Frauen bei ähnlichen Vorfällen vorsichtiger fem mögen. Dem gebildet sein wollenden Rüpel, dessen Anwürfe wir i« Nr. 177 ausnahmsweise wiedergaben, schreibt eine Leserin folgendes ins Stammbuch:„Schade, daß Sie nicht neulich mit mir zusammen einen Straßenbahnwagen der Linie 39 benutzten. Sie hätten dann, wenn Sie nicht Behauptungen wider besseres Wissen aufstellen wollte», wahrscheinlich Ihre voreilige und unvorsichtige Anzapfung unterlassen. Sie hätten aber gleichzeitig auch einen Beweis vom Gegenteil davon, womit Sie allgemein die Arbeiterschaft be- schmutzen, gefunden. Jenen Wagen betrat ein wie ein Arbeiter gekleideter„Herr", der in Wirklichkeit ein Arbeitgeber war, in stark angetrunkenem Zustande. Eine wahre Wolke von Bier und Schnaps setzte sich sofort im Innern des Wagens fest und legte sich uns auf Lunge und GeruchSnerven. Es kam aber noch besser. Ter „Herr" forderte plötzlich in frechstem Tone eine Greisin auf, ihm ihren Eckplatz einzuräumen. Ihm sei die Bequemlichkeit nötiger wie ihr! Selbstverständlich lehnte die alte Dame, die sich nicht aufregen wollte, kurz ab. Sie fand sogar nicht mal den Mut, dem Patron so zu antworten, wie er eS verdiente. Nun aber legten sich andere Fahrgäste ein, und diese anderen Fahrgäste waren anständige, allerdings arbeitermäßig gekleidete und nicht betrunkene Arbeiter. Sie verlangten vom Schaffner, daß der rohe Kerl aus dem Wagen gewiesen werde, waS auch geschah, und hatten nicht übel Lust, ihm handgreiflich zu zeigen, wie er daS Alter zu re- spektieren habe. An diesem einen Fall, der sich leicht verhundertfachen ließe, können Sie, Herr Rüpel, ersehen, daß es Rowdys in jedem Stande gibt. Wenn Sie bei der Direktion der Straßenbahn beantragen wollen, daß ein Arbeiter, der mit schmuddeligem Anzug von der Arbeit kommt, die Straßen- bahn nicht benutzen darf, so müssen Sie folgerichtig auch verlangen, daß junge Kaufleute und andere, nicht dem Arbeiterstande angehörige Personen, die aus der Kneipe kommen und ekelhaft nach Alkohol duften, von der Mitfahrt ausgeschlossen werden. Ich für meinen Teil ziehe einen nüchternen, wenn auch notwendigerweise nicht sehr sauber gekleideten Arbeiter einem schnapsduftenden Fahrgast der so- genannten besseren Kreise entschieden vor." Nicht sonderlich erbaut waren vor mehreren Tagen einige Geschäftsleute in der Gerichtstraße, als ihnen eine Hauskollekte vcrgelegt wurde. Der Privatier Sch. glaubte sich für berufen, aus Anlaß des 25jährigen Dienstjubiläums des Kriminalbeamten R. eine Kollekte zu veranstalten. Aus uns zugegangenen Zu» schriften geht nun hervor, daß sich einige Geschäftsleute durch diese Bettelei belästigt fühlten. Auf der Liste waren bereits 199 M. gezeichnet, als das weitere Zirkulieren derselben verboten wurde. Demnach ist eine Genehmigung des Polizeipräsidenten für diesen Bettel nicht eingeholt worden. Mit dem Herumgehen der Liste war ein Kriegsveteran betraut worden. Daß man gerade die Geschäftsleute zur Beisteuerung eines Jubiläums- geschenkes für„treue Dienste" heranzog, war sicherlich eine schlaue Spekulation des Bettelentrepreneurs. Fcrnphotographie München-Berli». Am Mittwochabend fanden die ersten gelungenen Bildübertragungen zwischen dem Universität� laboralorimn München und der Ausstellungshalle am Zoologischen Garten statt. Inder Erfindinigsausstellung steht bekanntlich in der Garten- Halle eine Doppelstation lGeber und Empfänger), System Prof, Korn, welche während der Besuchsstunden in sich selbst arbeitend vorgeführt wird Die Geberstation arbeitet dann auf die benachbarte Empfänger station und telegraphiert Bilder über einen elektrischen Widerstand, welcher etwa der Leitung Berlin- München entspricht. In München steht ein zweiter derartiger Doppelnpparat, Nun hatte das Reichs Postamt für Fernversuche in den Abendstunden von 9—11 eine Ferw leitung nach München freigegeben, und in den letzten Tagen war in den Ausstellungshallen die direkte Leitung von den Apparatekiosken zur Telephonzentrale und von dort über Amt VI zum Fernamt fertig gemacht worden. Vorgestern abend fand der erste Versuch auf der neuen Leitung statt, und er ist gut gelungen. Um 9 Uhr 10 Min. begann in der Ausstellungshalle Dr. Glatzel, der Assistent von Professor Stern, die Leitungen abzuhängen. War doch dnrch ein» fache Umschalter die Photographierleitnng auch fürs Telephonieren zu gebrauchen. Um 9 Uhr IS Min. wurde mit dem Münchener Herrn Will die Normalzeit auf der Uhr verglichen. Um 9 Uhr 29 Min. wurden Maxima und Mininia voit München »ach Berlin gegeben, d. h. die Arbeit der Lichtrelais geprüft. Um 9 Uhr 30 Min. ging das erste Bild von München nach Berlin ab. Die Motoren schnurrten, die Synchrrniisiereinrichtung klapperte, und daS Lichtrelais spielte. Nach 19 Minuten war das erste Bild ge geben. In der kommenden Woche soll nun auch von Berlin»ach München gegeben und die Vorführungen sollen einem geladenen Publikum zugänglich gemacht werden. Ei» schwerer Nutomobilunfall hat sich gestern nachmittag an der Ecke der Pank- und Böttchcrstraße zugetragen. Auf seinem Zweirade war der Stakcrmeister Alfred Kühle, Schivelbeinerstr. 28 wohnhaft, die Pankstraste entlang gefahren. Beim Einbiegen in die Böttcherstraste bemerkte er nicht das Herannahen eines ebenfalls um die Ecke fahrenden Privatautomobils und da auch der Chauffeur des letzteren den Radfahrer nicht mehr rechtzeitig wahrnehmen konnte, so war eine Karambolage unvernieidlich. K. wurde mitsamt seinem Rade niedergerissen und der Kraftwagen ging über die Ma- schine und den Fahrer hinweg. Eine längere Strecke wurde der Bedauernswerte noch mitgeschleift. Der Chauffeur brachte den Verunglückten, der sich in bewuhtlosem Zustande befand, sofort in dem Automobil nach dem Lazarus-Krankenhaus. K. hatte schwere innere Verletzungen, einen komplizierten Beinbruch und erheb liche äustere Verletzungen erlitten. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Das Fahrrad wurde natürlich vollständig zertrümmert. Unter dem Verbacht bcS schweren RaubeS wurden der Kellner Ernst Tiller und der Drucker Karl Kutschbach verhaftet. Sie werden beschuldigt, in der Nacht zum 19. März d. I. in der Bahnhofstraste am Anhalter Bahnhof auf den Schankwirt Julius Hanke jenen Ueberfall verübt zu haben, de! seinerzeit grotzcs Aufsehen erregte Hanke betreibt in der Bahnhofstraste ein Fremdenlogis, mit dem eine Schankwirtschaft verbunden ist. In der bezeichneten Nacht wachte er um 3 Uhr auf. Ein Einbrecher war in seine Wohnung eingedrungen und rief ihm zu:„Ruhig, oder ich schieste." Sofort krachte aber auch schon ein Schuh, und, in die Brust getroffen, sank Hanke, der sich im Bett aufgerichtet hatte, hintenüber. Auf das Sülfcgeschrei seines neunjährigen Sohnes eilten Frau H. und die äste des Fremdenlogis herbei. Die Verfolgung des Einbrechers, der eine silberne Uhr geraubt hatte, blieb jedoch erfolglos. Hanke lag sechs Wochen im Krankenhaus am Urban und ist noch immer in ärztlicher Behandlung. Von den jetzt Verhafteten soll der eine die Tat verübt und der andere„Schmiere gestanden" haben. In der Nachtruhe gestört werden nach uns zugegangenen Mit- teilungen gegenwärtig die Anwohner zwischen der Simon Dach- straste und der Warschauerstraste. Hier legt zurzeit die Graste Berliner Strastenbahn die Gleise für die projektierte Linie nach Runnnclsburg. Da die Linie jedenfalls bald fertig sein soll, so wird des Nachts gearbeitet. In der gestrigen Nacht wurden in genannter Gegend eine Anzahl Anwohner durch einen Höllen- lärm auf der Straste, hervorgerufen durch das Herunterwerfen der auf einem Saufen liegenden Strastenbahnschienen, das Trans- Portieren derselben zum Verwendnngsort usiv. aus dem Schlafe geweckt. Wenn sich nun auch bei solchen Arbeiten ein gewisses Geräusch nicht vermeiden lästt, so sollte die Behörde doch dafür Sorge tragen, dast den Bewohnern durch Allsführung solcher Arbeiten die Nachtruhe nicht geraubt wird. Ein mit vier Personen besetztes Segelboot kenterte Mittwoch nachmittag gegen 3 Uhr auf der Dahme bei Grünau. Das, dem Deutschen Jachtklub gehörige Segelboot„Brunhilde" kreuzte zur genannten Zeit die Dahme stromaufwärts und war im Begriff zu wenden, als plötzlich eine starke Windboe einsetzte und das große Segel festlegte. DaS Boot wurde umgelegt und die vier Insassen stürzten in die Fluten. Glücklicherweise waren die sämtlichen Verunglückten des Schwimmens kundig und vermochten sich solange über Wasser zu halten, bis vom Lande aus Hülfe zur Stelle war. Ein aufregender Borgang spielte sich am Mittwoch, abends 19 Uhr, in der Nähe des Viehhofes ab. Dort versuchte der 38 Jahre alte Arbeiter Rudolf Meyer, Liebigstr. 7 wohnhaft, seinen Schwager Max Valentin, Wcidenweg 42 wohnhaft, vor dem Hause Weiden- weg 43 mit einem Schlächtermesser zu erstechen. Der Angegriffene suchte sich durch die Flucht zu retten; der ihm nacheilende Meyer wurde in der Nähe des Forckenbeckplatzes von Passanten aufgehalten und zwei Schutzleuten übergeben. M., welcher Familienvater ist und dessen Frau zurzeit in, Krankenhause sich befindet, soll die Tat auS Eifersucht ausgeführt haben. Spurlos verschwunden sind seit einigen Tagen fünf junge Mädchen im Alter von 14— 17 Jahren. In einigen Fällen wird Verschleppung oder auch Entführung angenommen. Seit fünf Tagen ist die 17jährige Klara Hoffmann aus der Kantstr. 133 verschwunden. Das junge Mädchen war bei einem in dem er- wähnten Hause wohnhaften Kaufmann in Dienststellung und es entfernte sich am Tage des Verschwindens im einfachen Hauskleid. An demselben Tage verschwand die 16 Jahre alte Elisabeth Dietrich aus der Elisabethstr. 33. Die D. war mit weissem, rot garnierten Strohhut, grauer Bluse'".d grauem Rock mit roter Einfassung bekleidet. Auch über ihr Schicksal konnte noch nichts ermittelt werden.— Seit dem vergangenen Montag wird die 14jährige Schülerin Hedwig Bara, Ruheplatzstr. 21 bei den Eltern wohn- Haft, vermistt. Es ist den Eltern unbegreiflich, aus welcher Ver- anlassung d'e Tochter verschwunden ist. Sie hat dunkelblondes Haar und ist mit blauweih karierter Bluse, dunklem Rock und Wäsche, gezeichnet H. B. angetan.— Spurlos verschwunden ist ferner die löjährige Klara Schirmeister aus der Ebertystr. 31. Das junge Mädchen ist dunkelblond, von schlanker Figur und trägt dunkle? Kattunkleid mit weihen Punkten, weihe Hängeschürze und schwarze Knopfstiefel.— Schlietzlich wird noch das 16jährige Lehrmädchen Wally Binternagel aus Friedenau vermistt. Die B. ist vermutlich entführt worden. Als Täter kommt ein etwa Löjähriger Mensch aus Berlin in Betracht. Die Verschwundene ist mit gelbem Kleid mit Spitzen besetzt, gelbem Strohhut und rot- braunem Jackett bekleidet.' Die Leiche eine? neugeborenen Kindes wurde vorgestern in dem Hause Lothringerstr. 2S gefunden. Dieselbe war in ein vor der Eingangstür am Boden liegendes Paket eingehüllt. Der Leichnam ist nach dem Schauhause gebracht worden, damit durch die gerichtliche Obduktion sestgcstellt werde, ob der Knabe getötet worden ist. Ein Betriebsunfall ereignete sich am Mittwoch in der Tele- graphenbauanstalt von Lorenz, Elisabethufer b/6. Dort quetschte sich ein Arbeiter am Stostwerk zwei Finger der linken Hand ab. Wie uns mitgeteilt wird, hat es an der nötigen Schutz- Vorrichtung gefehlt. Die Liste Nr. 464 der ausgesperrten Tabakarbeiter ist am Sonntag von dem Beitragskassierer des Vereins Berliner HauS- diener W. Robert, Greifswalderstr. 263 wohnhaft, verloren ge gangen. Auf derselben waren 1,75 M. gezeichnet. Der Finder wird gebeten, die Liste an genannte Adresse abzugeben. Straßensperrung. Die Straste an der Michaelbrücke, die Michaclbrücke, die Langcstraste von der Krautstraste bis zur Holz marktstraste, die Markusstrastc von der Kleinen Markusstraste bis zur Holzmarktstraste und die Köpenickcrstratze vom Mariannenufer bis zur östlichen Bordschwellcnflucht der ManteuffTlstraste wird behufs Asphaltierung vom 5. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhr- werke und Reiter gesperrt. Im Sportpark Zehlendorf findet am kommenden Sonntag nachmittags 5 Uhr nochmals ein Match zwischen Bäumler, Büchner und Biejlas statt. Feuerwehrvericht. In der gestrigen Nacht wurde die Feuer- wehr nacki der Ackerstr. 124 alarmiert. Dort brannte Petroleum auf der Treppe. Nachts um 1 Uhr kam in der Rückerstr. 2 bei Blankenburg Feuer aus. Dort standen im Erdgeschost Kisten mit Büchern, der Fustbodcn, Kleider und Lumpen in Flammen. Der 1. Zug hatte in der Alexanderstr. 51— 52 zu tun, wo im Keller des rechten Seitenflügels Holzwolle, Papier. Kisten, Türen und andere Immobilien in Brand geraten waren. Durch kräftiges Wasser- geben gelang cS, das Feuer auf den Keller zu beschränken. Ferner hatte die Wehr in der Borsigstr. 27, Forsterstr. 22 und an anderen Stellen zu tun. Vorort- JVaebnebten. Chnrlottendurg. Die am 30. Juli tagende Generalversammlung des WahlberelnS ehrte zunächst das Andenken der verstorbenen Genossen G. Winkler, W. Grund und R. Pfitzner durch Erheben von ihren Sitzen. Sodann verlas Genosse E. Müller die sich zur Aufnahme gemeldeten zirka 199 Genossen. Gegen die Aufnahme des Töpfers P. Hilbrecht und des Schneiders K, Romeike wurde Protest erhoben und die Sache an den Vorstand verwiesen. Alsdann erfolgte die Wahl von 44 Ge- Nossen zur Generalversammlung von Gross-Berlin. Hierauf hielt Genosse L i e t s ch ein kurzes und sachliches mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Referat über den bevorstehenden internationalen Kongretz. Ein Antrag, dieses Referat in Druck erscheinen zu lassen, wurde dem Vorstand uberlviesen. Eine Diskussion über dieses Thema wurde nicht beliebt. Der Vorsitzende machte noch auf den Essener Parteitag anfmerksani; Anträge hierzu lagen jedoch nicht vor. Ge- nosse Zietsch teilte zum Schlust noch mit, dast am Sonnabend, den 19. August ein Rezitationsabend des Wahlvereins stattfindet, zu welchem Billetts a 30 Pf. zu haben sind. Rixdorf. Zwei schwere Unglücksfälle find gestern durch dahinrasende Schlächterfuhrwerke herbeigeführt worden. In der Ziethenstraste wurde der neunjährige Schüler Walter Wölck aus der Jägerstr, 62 von einem vorübereilenden Schlächterwagen, vor dem er sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnte, umgerissen und überfahren. Der Knabe erlitt einen schweren Schenkelbruch sowie erhebliche äustere Verletzungen und erhielt auf der Unfallstation die erste ärztliche Hülfe.— In der Bergstraste wurde der dreizehnjährige Schüler Hermann Gille, Prinz Handjerhstr. 58 wohnhaft, von einem Schlächterwagen überfahre» und gleichfalls schwerverletzt in die Unfallstation eingeliefert. Lankwitz. In der Sitzung deS WahlvereinS am 39. Juli fand ein von Genossen Heinig über„Proletarische Moral" gehaltener Bortrag ungeteilten Beifall. Der Stand der Mitglieder hob sich von 128 im Januar auf 200 am 1. Juli. Als Delegierte tourden zur Kreis- generalversaininlung die Genossen Schindler, Prochnow, Hermann, zur Generalversammlung GrostberlinS Eifert und Prochnow bestimmt. Im September findet ein Vergnügen bei P. Ebel und im Oktober ein naturwissenschaftlicher Lichtbildervortrag ebendaselbst statt. Treptow-Baumschnlenweg. Abschlägig bcschieden hat die königl. Eisenbahndirektion eine Ein- gäbe-des hiesigen KomniunalvereinS um Einführung des viertel- stündigen Verkehrs auf der Stadtbahn und des halbstündigen Be- triebes auf der Görlitzer Bahn für die Strecke Berlin- Treptow. Dagegen sollen in den Winterfahrplan zwei neue Züge für diese Strecke eingestellt werden und zwar um 3°« Uhr nachmittags auf der Stadtbahn(ab Alexanderplatz), um 6 Uhr abends vom Görlitzer Bahnhof. Eichwalde. lieber„Die iuteruationale Arbeiterbewegung und der Kongrest in Stuttgart" referierte am Dienstag in einer gut besuchten Ver- 'ammlung des Wahlvereins Genosse Schütte-Berlin im Lokal von Witte. Redner gab ein Bild der Bedeutung dieses„Kongresses der Abeiterfchaft" für die Friedensidee im Gegensatz zu der inter- nationalen„Haager Komödie" der Diplomaten und Fürsten und be« prach sodann eingehend die Tagesordnung des Kongresses, der vor allem eintreten müsse für energische Bekämpfung des Militarismus, 'trikteS Festhalten an der Maifeierdenionstration und energische Agitation für Demolratisierung deS Wahlrechts und für das Wahl- recht der Frauen. Eine Diskussion fand nicht statt.— Als Delegierte zur VerbandS-Generalversammlung wurden die Genossen Molkenthin und Seifert, zur Kreis-Generalversammlung die Genossen Walther, SchöpS und Mitzschke gewählt.— Unter Verschiedenes wurde noch kurz über den Stand deö Zeuthener Lokal- kampkes berichtet, der in letzter Leit für zwei Genossen polizeiliche Strafmandate in Hohe von 45 M. brachte. Diesem Eingreifen der Behörden in den Kampf gegenüber darf cS auch in Zukunft nur eine WillenSbetätigung der Genossen geben: Strenge M e i d u n g der gesperrten Zeuthener Lokale, bis dieselben nicht nur zu'Vergniigimgen, sondern auch zu ernstem Tun zur Verfügung stehen. Diese Mahnung gilt besonders auch für viele Berliner, die Zeuthen auf Ausflügen berühren. Reinickendorf. Daß auch die Reinickendorfer Polizei alle Hebel in Bewegung fetzt, um den KindeSmörder zu ergreifen, beweist eine Verhaftung vom Mittwoch früh 8 Uhr. Der Eigentümer Riemann, Lieben- walderfttaste 5 wohnhaft, frühstückte gerade, als ein Reinickendorfer Gendarni fein zu Berlin gehöriges Grundstück bettat und ihn ver- haftete. Er wurde nach dem Gemeindebureau geführt, woselbst seine Vernehmung erfolgte. Erst nach 12 Uhr wurde Riemann wieder freigelassen, nachdem man sich überzeugt hatte, dast R. ein voll- ständig unbestrafter Mensch war. R. gibt an, dast sich einige Herren anf dem Geineindebureau noch lustig gemacht haben über ihren Häftling ob seines eigenartigen Aussehens. Das wäre allerdings ein Beginnen, gegen das entschieden Einspruch erhoben werden müstte. Schliestlich ist es schon eine Strafe für einen Menschen, wenn er durch einen Fehlgriff verhastet und obendrein noch vier Stunden in Gewahrsam gehalten wird. Nieder-Schönhausen. In der Grncralocrsammlung deS WahlvereinS erstattete der Kassierer Genosse Solomon den Kassenbericht. Einer Einnahme von 417,15 M. steht eine Ausgabe von 379,81 Mk. gegenüber. An die Kreiskasse wurden abgeliefeit 234,66 M., für Agitation wurden 62,25 M. und für Vorträge 41,59 M. verausgabt. Hierauf hielt Genosse Störmer einen mir lebhaftem Beifall aufgenommenen Vor- trag über:„Entstehen, Werden nnd Vergehen". Gegen die Mit- gliedcr Schulz, JcSke, CariuS und Halde wird das AuSichlustverfahren auS dem Wahlverein eingeleitet, da die Betreffenden bei der jetzigen Aussperrung im Baugewerbe gegen die Grundsätze der Organisation verstoßen haben. Die Zahl der Vorwärtsleser beträgt jetzt 344. Der Vorsitzende Genosse P a e tz o l d ersuchte die sangeSlnstigen Genossen, sich dem Arbeitcrgesangverein„Zukunft" anznschliesten. Genosse L u ck machte noch die Mitteilung, dast am Sonnabend, den 3. August, im Etablissement„Sanssouci" ein Theaterabend stattfindet; auf- geführt wird das Stück„Ausgewiesen". Der Ueberschnst ist für die gemastregelten Strahenbahner bestimmt. In Anbetracht des guten Zweckes ersuchte er um zahlreichen Besuch. Bernau. In der lebten Wahlvereinsversammlung hielt Genosse Dom- nick-Berlin ein mit Beifall aufgenommenes Referat über das Thema„Macht und Recht". Gen. H e l b i g erstattete dann den Bericht von der Kreisgcneralversammlung, an den sich eine Dis- kussion anschloß. Das Stiftungsfest des WahlvereinS soll am 28. September stattfinden. Unter Vereinsangelegenheiten gab der Vorsitzende bekannt, daß von letzt ab der Ort Börnicke von den Bernaucr Genossen agitatorisch zu bearbeiten sei. Es wurde dann noch die Entwickelung der„Vorwärts"-Spedition gewürdigt. Vor einem Jahre hatten wir 98.,Vorwärts"-Leser und 60 Leser der „Brandenburger Zeitung", heute werden 395 Exemplare des ..Vorwärts" gelesen. Der Vorsitzende sprach den Wunsch aus, die Genossen möchten in dieser Weise weiter ihre Schuldigkeit tun, um die Zahl der„Vorwärts"-Leser zu verdoppeln. WttternugsgberNch» vom 4. August»997, morgens» Uhr. Clallflien Lwinemd«. 753$® Hamburg 753$W verlin 756 WSW Zranks.a.M. 763 SW München I763SW Wien 1762» v 8 5 8 I= anin 4 Regen 7 Regen 3 Regen 4wolkenl 4 wolkig 2 bedeckt » s c e, Ü Slatlenen Ii O a »- = 3 i« i Hatmranba! 749 KD Petersburg 751® Scilly Merdeen Pari» 764 WSW 759 WNW 764 SW veUer I 6 bedeckt 1 bedeckt 1 bedeckt 3 wolkig 1 bedeckt E-> a I L? n S> 8 15 14 10 11 Wetter-Prognose für Freitag, den 2. August 1907. Kühl und vorwiegend trübe mit geringeren Regenfällen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasterstaiid am 1. August vorm. Elbe bei Dresden— 194 Meter dp.— Elbe bei Magdeburg 1,76 Meier.— D d e r bel Ratibor 1,95 Meter.— Oder bei Breslau— 9,66 Meier.— Oder bei Brieg 2,46 Meier.— Neistcmündung 1,90 Meter.— Rhein bei Kaub 2,39—9,91 Meier, Rheinschleuse Bei Strastburg 3,02+ 0,02 Meter. Soeben erschien als 13. Heft der„Arbeiter» Gesundheitö-Bibliothek": vas Nailerheilverfahren I» der Leiundheitspflege des Arbeiters. Von Dr. 8. nanter. »■t PrelS 20 Pf. Wir empfehlen ferner: Heft i: Die erste Hülfe bei UnglücksMea von vr. cstristeller. Muß in Fabriken, Werkstätten, auf Bauplätzen vorhanden fein. Heft 2: Dlls erste FebtllSjtlhr... von Dr. SllDersteln. Jeder jungen Mutter zur Anschaffung zu empfehlen. Heft 3- Cksundlikitspsttge des Nervensystems von Dr. Hirsctilaff. Wer feine Nerven gesund erhallen will, lese diese Anleitung. Heft 4: Dtk Achlstnnbkn�ny........ von Dr. Zadek. Eine ärztliche Begründung der sozialdemokrat. Forderung. Heft 5: Alkoholfrngk n. Arbkiterblnffe von Dr.rrshucd. Eine empfchlenswerte Agitatiolisbrofchüre. Heft 6: � ........ von Dr. Silberstein. Die Kinder vor Schulttankheiten zu schützen, ist Zweck des Büchleins. Heft 7: Gtflhlklljtsvtrkthr o. Geschlechtskrankheiten von Dr. Ledert. Belehrend über diese sür jeden Menschen wichtige Frage. Heft 8: Nahrung und Ernährnng... von Dr. cbases. Ein wichtiges Kapitel sür jeden Arbeiter und seine Familie. Heft 9: Mit sollen mir UNS kleiden'? von Dr. p. Dernstelll. Eine belehrende Abhandlung über diese wichtige Frage. Heft 10: Der Arbtlterschnk...... von Dr. M. Epstein. Mit besonderer Berücksichtigung der Werkstaithygiene. Heft ii: Franenleidkn und deren Ncrhntung von Dr. 3. Zadek. Mit einem Anhang: Die Verhütung der Schwangorschaft Heft 12: Nom medhinlschkN Aberglauben von Dr. E. Itiesillg- Magdeburg. Aedes Heft kostet Pf. Diese Mhaiidlungcn sind sür jedermann verständlich geschrieben und sollten in keiner Familie schien. 234/14» Lxpellitlln ltez„Vorwärts". Berlin SW. 68 Lindenstrafte CO, Laden. Ardeiter si»--» m j-v-n Beruf richtig gearbeitete Bekleidung in grosser Auswahl Brunnsnstr. IS8, � Qelber Laüen. Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.