Nr. 180. HbonnementS'Bedlngungcn: BBonnementä- Preis pränumerando! Lierteljährl. Z.Z0 Ml. monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei tnS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dinemarl. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, ' iten, Schweden und die Schweiz. 34. Jahrg. Criditlnt«ZgN» nnstr Olontags. Verlinev VolksblÄtk. Zentralorgan der fozialdcmokrat» feben Partei Deutfchlanda. Die Tnlertions'Gebfll)r deträgt für die fechsgefpaltene kolonel« zeile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Da sich an diese Abstimmung in der bürgerlichen Presse bereits Erörterungen geknüpft haben, die zum Teil von ganz falschen Voraussetzungen ausgehen, so erscheint eS angezeigt, einiges darüber zu bemerken. Von vornherein kann gesagt werden, daß diese veränderte Taktik nicht das geringste mit einer „Schwenkung" in grundsätzlicher Beziehung zu tun hat, von der bürgerliche Blätter glauben reden zu sollen. Es verrät eine sehr mangelhafte Kenntnis von den Vorgängen innerhalb unserer Partei, wenn behauptet wird, daß eine Zustimmung zum Etat allen in Frage kommenden Parteigenossen„grundsätzlich" verboten sei und daß infolgedessen das Verhalten der württcm- bergischen Landtagsfraktion einen Verstoß gegen die Grundsätze der Partei darstelle. Der in Sachen der Etatsabstimmung vor- liegende Beschluß des Lübecker Parteitages läßt vielmehr die Möglichkeit der Zustimmung zum Etat im Einzelfalle offen und stellt es in das Ermessen der be- ' teiligten Parteigenossen, zu entscheiden, ob die von ihm bei einer Zustimmung für erforderlich erachteten besonderen Voraussetzungen als erfüllt zu betrachten sind. Ebensowenig ist es richtig, wenn geschlossen wird, daß durch die erfolgte Zustimmung zum Etat der bestehende politische Gegensatz zwischen Regierung und Sozialdemokratie einerseits und zwischen bürgerlichen Parteien und Sozialdemokratie anderer- scits ein geringerer geworden sei. Daß und in welchem Umfange dieser Gegensatz besteht und auch nachdrücklich ausgefochtcn wird, darüber haben die ganzen Etatberatungen Ausschluß gegeben. Die württembergische Landtagsfraktion war sich durchaus bewußt, daß das Mittel der Etatablehnung ein hervorragendes, wenn nicht das hervorragendste parlamentarische Kampfmittel ist, und sie ist weit davon entfernt, sich dieses Kampfmittels durch ihre Abstimmung vom 27. Juli endgültig begeben zu haben. Sie hat auch nicht im geringsten beabsichtigt, durch ihre Abstimmung ein Präjudiz für die Fraktionen in anderen Bundesstaaten und im Reich schaffen zu wollen, ja sie hat sich nicht einmal s e l b st präjudiziert, sondern behält sich die Prüfung der Frage, ob durch eine ablehnende Haltung zum Gesamtetat der Regierung ein besonders prononcicrtes Mißtrauensvotum zu erteilen ist, für jeden einzelnen Fall vor. ES versteht sich doch von selbst, daß, wenn die Ablehnung des Etats der Ausdruck schroffster Oppositionsstellung sein soll, auch die jeweils vorhandene politische Situation zur Berücksichtigung bei der Entscheidung mit herangezogen werden muß, da ein von den realen Verhältnissen völlig abstrahierendes, auf eine stets gleichbleibende Formel gebrachtes Mißtrauensvotum auf die Dauer einem Schlag ins Wasser gleichkommen müßte. Die gegenwärtige politische Situation in Württemberg war also der entscheidende Faktor bei der Er- wägung, die zu dem Beschlutz, dem Etat zuzustimmen, geführt hat. Wollte diese hier erschöpfend dargelegt werden, so würde das zu einer bedenklichen Erweiterung des Umfanges dieses Artikels führen. Es wird genügen, hervorzuheben, ohne den württem- bergischen Verhältnissen etwa ein übertriebenes Lob aussprechen zu wollen, daß sich die politische Stellung der Sozialdemokratie im Lande und ihre Behandlung durch die Regierung doch in wesent- lichcn Punkten vorteilhaft von der in anderen Bundesstaaten unter- scheidet. Während anderwärts von einer Erweiterung der Volks- rechte, von einer Beseitigung des DreiklassenwahlrechtS in absehbarer Zeit nichts zu bemerken sein wird, hat hier die vorzährige V e r- fassungsrcvision bei allen ihr noch anhaftenden Mängeln doch die reine Volkskammer auf der Grundlage des allgemeinen und gleichen Wahlrechts sowie die Anerkennung der Proportionalwahl und damit eine Stärkung und Befestigung der sozialdemo- kratischenPosition im Lande gebracht. Es kann stark be- zweifelt werden, ob eS nun von politischem oder agitatorischem Nutzen für die Sozialdemokratie gewesen wäre, ohne einen in der gegen- wältigen Situation liegenden zwingenden Grund den ersten Etat abzulehnen, über den die reine Volkskammer zu befinden hatte. Der Verlauf der Etatsberatungen selbst wurde von der sozial- demokratischen Fraktion mehrfach zum Anlaß genommen, die Ver- treter der Regierung zur Abgabe von Erklärungen über ihre Stellung zur Sozialdemokratie zu veranlassen, über die im„Vor- wärts" teilweise im Einzelnen berichtet wurde. So kann ver- wiesen werden auf die Erklärung des Justizministers in der Frage der sozialdemokratischen Schöffen und Ge- schworenen. Sozialdemokratische Schöffen sind bereits mehr- fach tätig und der Minister erklärte bekanntlich, daß er den Ar- bciterstand auch zu der Ausübung des Richteramts als Geschworene herangezogen wissen wolle und daß er in der sozialdemo- Irakischen Gesinnung eines zum Geschworenen Vorgeschlagenen keinen Grund für seine Ab- lehnung erblicke. Diese Erklärung soll nicht überschätzt, aber sie kann auch nicht als wertlos bezeichnet werden, so lange nicht eine angemessene Frist abgewartet ist, in der man beobachten kann, ob der ehrliche Wille besteht, sie auch durchzuführen. Sodann kann hervorgehoben werden, daß im Rahmen der VtatSderatung eine durchgreifende Aufbesserung der Staatsbeamten und-Angestellten erfolgte, was zu- gleich mit einer Revision des Beamtengesetzes ver- Taüpft war. Diese Gelegenheit wurde von der sozialdemokratischen Fraktion benutzt, um die Frage des Koalitionsrechts der Staatsbeamten aufzurollen. Die von der Sozialdemokratie vorgeschlagene Formulierung dieses Rechts gelangte' zwar nicht zur Annahme, jedoch konnte sich die Sozialdemokratie dem Beschluß fügen, der schließlich unter ihrer Zustimmung zustande kam, unter dem Vorbehalt, auf die Frage zurückzukommen, wenn die Praxis ergäbe, daß die unbedingte politische Toleranz den Vereinigungen der Staatsbeamten und-Arbeiter gegenüber durch den gefaßten Beschlutz nicht hinreichend gewährleistet sei. Da die Beamten- gehälter einen nicht unwesentlichen Teil des Etats ausmachen und die Regelung derselben sowie der Rechtsverhältnisse der Beamten unter Zustimmung der Sozialdemokratie bei der Einzelberatung erfolgte, so war auch hier die Frage zu beantworten, ob eine Ab- lehnung bei der Gesamtabstimmung die beabsichtigte politische Wirkung haben würde, oder ob nicht vielmehr gerade bei diesem Etat die Gefahr vorlag, in gröbster Weise mißverstanden zu werden. Die Freiheit, die in Württemberg auf dem Gebiete des Ver- eins- und Versammlungsrechts besteht, hat es ver- mocht, daß die Sozialdemokratie hier im wesentlichen von der Fülle von Drangsalierungen verschont ist, die ihr in anderen Bundes- staaten durch Polizei- und Gerichtspraxis auferlegt sind. Die vexa- torischen vereinsgesetzlichen Bestimmungen in anderen Staaten wer- den dort in der Regel nur gegen Sozialdemokraten, nicht aber auch gegen die Vereine der bürgerlichen Parteien angewendet und daraus entsteht jener Zustand der Rechtsunglcichheit und Rechtsunsicherheit, der zweifellos verbitternd wirken mutz. Darauf beruht aber auch zum Teil jene oft beobach- tete Nervosität der Behörden gegenüber der Sozialdemokratie, von der erfreulicherweise in Württemberg wenig zu verspüren ist. So kann wohl gerade gegenwärtig mit einem gewissen Recht darauf hingewiesen werden, daß eS zweifelhaft erfchemt, ob auch in einem anderen Bundesstaat die Vorbereitungen zur Tagung des Internationalen sozialistischen Kongresses in gleicher Weise ihren ungestörten Fortgang hätten nehmen können. Dies sind nur einige von den Momenten zur Beurteilung der politischen Situation, die hier beispielsweise angeführt werden können, ohne Anspruch auf erschöpfende Behandlung zu erheben. Alle Momente'aber zusammengenommen, haben den Beschluß der Landtagsfraktion, der zwar nicht unerheblich, aber doch rein t a k- t i s ch e r Natur ist, gezeitiat und in diesem Sinne dürfte er auch verstanden werden Dz; IRe)(l)$tagswal)lrecl)t für Preußen. Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht mehrere neue Auslassungen freisinniger Parlamentarier, die sich entschieden dafür aussprechen, daß sich der Freisinn auf kein konservativ- nationalliberales Wahlrechtskompromitz einlassen dürfe, sondern unter allen Umständen für das a l l g e m e i n e, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht eintreten müsse. So erklärt Friedrich Payer: „Auch nach meiner Auffassung ist die wichtigste Entscheidung im Reich die über das preußische Wahlrecht und allem Voraussehen nach wird von ihrer nächsten Entwickeluug die D a» e r des Blocks abhängen. Ich teile die Ansicht Naumanns, daß dabei kein Liberaler eine andereFordernngstellen kann, als bieder Einführung des Reichstags- Wahlrechts in Preußen. Diese Forderung wird auch, wenn sie einmal enistlich aufgestellt ist, � schließlich durchdringen, weil dem preußischen Volke auf die Dauer nicht versagt werden kann, was die Bevölkerung in allen süddeutschen Staaten, jetzt so- gar in Oesterreich hat. Inwieweit der Reichskanzler geeignet ist, in diesem Kampfe die Führung zu übernehmen, wird sich bald zeigen. Warum sollte er nicht können, was die Regierungen in den ge- nannten Staaten gekonnt haben? Das Wichtigste scheint mir im übrigen zu sein, daß der Kampf überhaupt ei n m a l begonnen wird, mit oder ohne Bülow, mit den politischen Beaniten oder gegen sie. Solche Fragen müssen doch in der Regel von unten her gelöst werden. Ueber das preußische Herrenhaus kann auch die preußische Regierung nur Herr werden,� wenn sie von einer ge- waltigen Strömung getragen wird. Ist eine solche wirklich vorhanden, so kann sich auch die Regierung derselben auf die Dauer nicht entziehen, ob es ihr paßt oder nicht. Der ausschlag- gebende Faktor sind am Ende das politische Verständnis und die politische Energie des preußischen Volkes. Auf dieses mit aller Macht einzuwirken, scheint nach mir deshalb die n ä ch st e A u f g a b e. Gelingt es, das Volk auf die Schanzen zu bringen, so erleichtert das auch dem Reichskanzler die Stellungnahme. Denn ohne eine starke und nachhaltige Unter- stützung von unten den Kampf gegen die Konservativen allein aufzunehmen, kann ihm eigentlich niemand zumuten." Konrad Haußinann beruft sich auf einen von ihm in der Zeitschrift„März" veröffentlichten Artikel, der auch„etwas Entscheidendes" fordert und von Bülow„liberale Regierungs- akte und Gesetze" verlangt, aber die entschiedene Stellung- nähme Payers vermissen läßt. Der freisinnig-v olksparteiliche Reichstags-Abgeord- n e t e Hormann dagegen schreibt dem„Berl. Tagebl. „Es ist ganz zweifellos eine L e b e n s fr a g e des Libe- rali'Smus, das ReichstagSwahlrecht für Preußen mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln zur Durchführung bringen zu helfen. Ich stehe in der Wahlrechtsfrage durchaus auf dem Stand- punkte Naumanns." Ob Herr Hormann, der Abgeordnete für Bremen, dabei den Bremer Freisinn hinter sich hat, bleibt einstweilen ab- zuwarten. Auch das„Berl. Tagebl." vermeldet einstweilen. daß die„W e s e r- Z t g."„von jeder energischen Aktion zag- Haft abmahnt". Es fügt hinzu: „Wir hoffen, daß nicht dieses Blatt, sondern die Zuschrift des Bremer Reichstagsabgeordneten H 0 r m a n n die Stimmung der liberalen Wählerschaft von Bremen richtig wiedergibt, und wir verweisen im übrigen auf das E i s e n a ch e r P r 0 g r a m m der frei- sinnigen Volkspartei, in dem es heißt:„Erhaltung des geheimen, allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts für den Reichstag, Ausdehnung desjelb e n auf die Landtagswahlen der Einzel staaten." Sind solche Parteiprogramme nur ein S ch a u f e n st e r s ch m u ck und ist es verboten, ihre Verwirklichung zu betreiben?" Wir hoffen, daß nicht schließlich auch wir genötigt sind. diese Frage an den Freisinn zu stellen I Mag der Freisinn rechtzeitig bedenken, daß er, um das Wort Theodor Barths zu gebrauchen, an seiner„Schicksalswende" steht l Die Internationale.') Aus IV. Großbritannien berichtet die„Sozialdemokratische Föderation" U. a.: „Bei den verschiedenen lokalen Wahlen seit dem letzten Jnter- nationalen Kongreß sind insgesamt 166 440 Stimmen für unsere Kandidaten aufgebracht worden. 66 Sitze wurden gewonnen und 10 verloren.... Die äußerst hohen Kosten der Parlamentswahlen im Ver- einigten Königreich gestatteten uns bei den allgemeinen Wahlen von 1006 nur, um 8 Sitze in den Kampf einzutreten. Die Ge» samtzahl der für unsere Kandidaten abgegebenen Stimmen be- trug 29 810, und der Genosse Will Thorne wurde in Süd-West- Ham gewählt. Der Vergleich mit der von unseren Kandidaten in früheren Kämpfen erzielten Stimmenzahl ergibt eine sehr starke Zunahme und ebenso ist der Durchschnitt der von jedem einzelnen Kandidaten erreichten Stimmen größer. 189S stellten wir 4 Kandidaten auf, dieselben erhielten 3730 Stimmen. 1900 brachten es unsere 2 Kandidaten auf 6903 Stimmen. In diesem Falle kämpften wir direkt gegen die Kon- servativen. 1906 erzielten die Mitglieder der S. D. F. 29 810! Stimmen, d. h. im Durchschnitt 3726.... Unsere Aufmerksamkeit haben ganz besonders auf sich gezogen die Fragen betreffend den Unterhalt der Schulkinder und der Arbeitslosen durch den Staat.... Im Januar 1905 veranstaltete die S. D. F., im Einverständnis mit dem Parlamentarischen AuS- schuß der Trade-Unions und dem Londoner Trade-Council, zu Guildhall in der City von London eine Konferenz von Delegierten der Trade-Unions und der sozialistischen Gruppen. Die 250 an- wesenden Delegierten erklärten sich mit erdrückender Mehrheit für den vollständigen Unterhalt der Kinder durch den Staat.... Was die Frage der Arbeitslosigkeit anbetrifft, so haben wir, sowohl allein als in Gemeinschaft mit den Trade-Unions, eine kräftige Agitation entfaltet zugunsten des Vorschlages, die Arbeits- losen planmäßig mit Landeskultur und öffentlichen Arbeiten zu beschäftigen.... Das Gesetz über die Arbeitslosigkeit(Uaempiozreck Workmen Act), das allerdings an vielen Punkten zu Auslastungen Anlaß gibt, ist der sozialistischen Agitation zu verdanken, ebenso wie das Gesetz über die Schulkantinen.... Die furchtbare Verurteilung des Heizers Moody zu fünf Jahren Gefängnis aus Anlaß der Schiffsemeuten zu Portsmouth im letzten Jahre hat uns veranlaßt, eine Agitation auf Ab- schaffung der Kriegsgerichte in Friedenszeiten in die Wege zu leiten; die Aeußerungen des Kriegsministers Haldane im Hinblick auf die„Reform der Armee" haben uns Gelegenheit gegeben, von neuem für die Abschaffung unseres Militärgesetzes und für die Ersetzung unseres stehenden Heeres durch eine VolkSmiliz und durch den allgemeinen militärischen Unterricht zu agitieren. Das Bestreben Haldanes, die Hülfskräfte zu militarisieren, dabei aber das System der freiwilligen Rekrutierung beizubehalten, ist im voraus zum Scheitern verurteilt, sein Scheitern wird aber den Weg ebnen für Einführung der Konskription. Der einzige Schutz gegen die Einführung der Konskription mit all ihren Uebeln, die unseren Freunden auf dem Kontinent so wohlbekannt sind, ist die allgemeine militärische Erziehung mit Abschaffung des Militär- gesetzes. Gemäß unseren Ratschlägen hat Will Thorne dem Militär- Projekt Haldanes eine Reihe von Amendements entgegengestellt, die auf Errichtung einer Volksmiliz abzielen.... Wir glauben, daß ein paar Worte über die sozialistische Einigung und unser Verhältnis zur Arbeiter-Partei(Labour Party) hier am Platze sind. Die S. D. F. hat während der letzten 10 Jahre alle möglichen Anstrengungen gemacht, um die Ver- einigung der sozialistischen Kräfte des Landes herbeizuführen. Seit dem Kongreß von Amsterdam hat man uns, wenn die Frage der sozialistischen Einigung mit Bezug auf die Jndependant Labour Party aufgeworfen wurde, jedesmal erwidert:„Tretet dem Komitee zur Vertretung der Arbeit bei, und die sozialistische Einigung wird verwirklicht sein.".., Nergl. Nr. 177 des»Vorwärts-. Die Jndepeudant Labor Party'(Unabhängige Arbeitspartei) fi keine sozialistische Partei, wenngleich einige der tätigsten rade-Unionisten, die ihr angehören, und eine gewisse Anzahl ihrer hervorragendsten Vertreter im Haus der Gemeinen Sozialisten sind. Der Anschluß an eine Partei, die nur von allen in England existierenden politischen Parteien unabhängig ist, die eS ablehnt sich gn irgend ein Programm zu binden, und die in ihren Reihen Mitglieder zahlt, welche nicht Sozialisten sind und weder der Heraufsehung de? schulpflichtigen Alters auf 16 Jahre, noch dem Achtstundentage, noch dem religionslosen Unterricht zustimmen— der Anschluß an«ine solche Partei kann, glauben wir, nicht di« Basis zur Gründung einer geeinten sozialistischen Partei ab geben.... ,.. Wir sind überzeugt, daß, wenn wir der I. L. P. an- gehörten, wir dazu gebracht werden könnten, Personen und Maß, nahmen zu unterstützen, die wir als Sozialisten vielleicht Pflicht gemäß bekämpfen müßten. Hierauf hat man oft erwidert, daß wir auf die Politik der Partei viel mehr Einfluß ausüben könnten, wenn wer innerhalb der Partei selbst alle die Kritiken vorbrächten, die wir als notwendig erachten. Wir wollen aber nicht Gefahr laufen, über Fragen des Prinzips oder sonst von Bedeutung m einer Gruppe, die eine große Zahl von Nicht Sozialisten umfaßt, in die Minorität versetzt zu werden, weil als dann das Gefühl der geneeinsamen Loyalität gegen die Mehrheit uns zwingen würde, uns Entscheidungen zu fügen, die unseren Anschauungen und unserer Pflicht als Sozialisten entgegen wären Wir könnten Fälle anführen, wo unsere freundschaftliche Kritik. öffentlich und außerhalb der L. P., viel wirksamer gewesen ist als wenn sie innerhalb der Partei vorgebracht und deren Ab- jtimmung unterbreitet worden wäre.,..* •* * Ebenfalls aus Großbritannien berichtet die„I n dePedant Labor Party"(Unabhängige Arbeiterpartei): .Die I. st. P. wurde als nationale britische Organisation im Januqr ISSg gegründet, und zur Zeit des Internationalen Kon gresse? von Amsterdam im Jahre 1904 zählte sie L{50 lokale Sektionen, einen Vertreter im Parlament und SVO Vertreter in den Lokalverwaltungen Großbritanniens. Seitdem hat die Partei groß» Fortschritte gemacht und zählt gegenwärtig 7 Mitglieder im Parlament, 845 in den Lokalverwaltungen und fast 690 aktive Sektionen. Eine Abteilung für Veröffentlichungen ist gegründet und der.Labour Leader" als offizielles Wochcnorgan der Part erworben worden. Die Einnahmen und Ausgaben haben sich in perselden Zeit wie folgt vermehrt: Ausgaben. Einnahmen. Sßfb. St. 1904—5 1803(ca. 20 060 M.) 1905-6 4253(ca. 85 060 M.) 1906-7 9220(ca. 181 400 M.) 1087 Pfd. St.(ca. 21 740 M.) 4469 Pfd. St.(ca. 89 880 M.) 7000 Pfd. St.(ca. 140 000 M.) Diese Zahlen geben nur die vom Zentralbureau der Partei empfangenen und ausgegebenen Summen und enthalten wedcx die Einnahmen und Ausgaben des offiziellen Organs der Partei, noch die der Sektionen. Die I. L. P. hat der L. P<(ehemals.Komitee zur Vertretung der Arbeit") seit deren Gründung im Jahre 1900 angehört. Tie L. P. zählt 30 seiner Mitglieder im Haus der Gemeinen.... Die Abrechnung des Parlaments- und Wahlfonds füx die letzten zwei Jahre ergibt folgende Zahlen: Einnahmen. Pld.St. 1905—6 2369(ca. 47830 M.) 1906-7 3165(ca. 63 300 M.) Ausgaben. 2748 Pfd. St. 3448 Pfd. St. ca. 54 960 M. ca. 63 960 M. 1, Der Erfolg unserer«Sozialistischen Bibliothek"(so betitelt sich die regelmäßige Herausgabe einer Reihe von Büchern üb'.r de» Sozialismus) hat mehrere Privatunternehmer veranlaßt, uns nachzuahmen, so daß jetzt mehrere Ausgaben von billigen Büchern über den Sozialismus und die sozialen Reformen existieren. Ungefähr 65 000 Versammlungen werden jährlich in einer großen Anzahl von Städten von Pen Sektionen der Partei vcr. anstaltet.... Während der verflossenen drei Jahre hat die Partei sich an- dauernd sehr aufmerksam mit der Bewegung zugunsten der Ar- beitSlosen beschäftigt. Im Parlament wie in den Gemeinderäten haben unsere Mitglieder eine kräftige Agitation zugunsten des Recht» auf Arbeit geführt. �Der Parteitag hat in diesem Jahre Einstimmig folgende Resolution angenommen: «Ter Parteitag nimmt mit Genugtuung Kenntnt» davon, daß ein Gesetzentwurf, der da« Recht aus Arbeit sichern soll, von der L. P. dem Parlament vorgelegt werden wird; er drückt die Hoffnung aus, daß alle möglichen Anstrengungen gemacht werden, um die Annahme diese« Entwurfes zu sichern, und erklärt als wünschenSivert die Errichtung eine» nationalen Departements, das gehörig ausgerüstet und mit den nötigen Geldmitteln versehen ist, um das Problem der Arbeitslosigkeit in seinem ganzen Umfange behandeln zu können, in dem Ginne, daß eine nützliche und zum Lebensunterhalt ausreichend dezahlte Arbeit jedem Arbeiter ermöglicht wird, und daß die als notwendig erachteten Mittel angewandt werden, um ihn für rden Ackerbau oder jede andere Form der Feldarbeit aus- zubilden."- Seit dem Kongreß von Amsterdam ist die Bewegung für die Frauen-Emanzipation in England vorgeschritten. Die Mit- glieder der I. L. P. haben daran lebhaft teilgenommen. Man glaubt, daß die.Sache der Frauen-Emanzipation eine Position «robert hat, von der sie nicht mehr verdrängt werden kann, und daß die Aufhebung der gesetzlichen Minderwertigkeit der Frau nur noch»ine Frage sehr kurzer Zeit ist. Zum Schluß dieses Berichte» ist es nötig, zu sagen, daß die A. L. P. es für den guten Fortgang der Sache de» Sozialismus und der Arbeit in Großbritannien für wesentlich hält, daß die I. L. P. ihre gegenwärtige Organisation, ihr Ziel und ihre .Politik beibehält." Die Marten der Diplomatie. Wenn auch die„Nordd.Allgem.Ztg." die Begegnung ibeS deutschen Kaiser» mit dem Zaren in Swine- •'m linde al»„vornehmlich persönlichem Verkehr" dienend dargestellt und versichert hatte, daß«bestimmte politische Zwecke die Zusammen- kunst nicht veranlaßt' hätten, so ergeht sich doch die bürgerliche Presse in langatmigen Artikeln über die politische Be- !deutung dieses Zusammentreffens. Di« reaktionäre Presse begrüßt selbstverständlich diese Wiederannähenmg der deutschen Regierung an den Hort der europäischen Reaktion, während einzelne linkSlibcrale Organe, z. B. die«Frankfurter Ztg." bor einer allzugroßen Intimität mit Rußland warnen. t Auch die«Freisinnige Zeitung' widmet der Zusammen- runft einen Leitartikel, in dem sie Betrachtungen über die„Wand- lungen in der auswärtigen Politik" anstellt.. Das frei- � sinnige Blatt erinnert schüchtern an die Marokkokonferenz und die ihr vorhergehenden deutschen Aktionen, bei denen sich manches zu getragen habe,«was auch innerhalb der Grenzen des deutschen Vaterlandes unliebsam vernrcrlt" worden sei. Der «Erfolg" der deutschen Marokkoaktion sei die Isolierung Deutschlands gewesen, die Lockerung des Dreivundes und die„Einkreisungspolitik" Englands. Die bestellte Rede deS Herr» B a s s e r m a n n im November vorigen Jahres, aus der als Leitmotiv die Besorgnis der„Einkreisung" und„Isolierung Deutschlands vornehmlich herausgcklungen habe, sei durch die Er klärung des Fürsten Biilow„nur wenig abgeschwächt" worden Die damalige Verhandlung habe den Eindruck erweckt, als ob Deutschland von offenen und heimlichen Gegnern umgeben sei. Sogar noch die Vorbereitungen zur Haager Friedenskonferenz feien unter dem Gesichtspunkte beurteilt worden, daß daL Anschneiden der Abrüstungsfrage nichts anderes als eine Intrige darstelle, die ihre Spitze gegen Deutsch l a n d kehre. Seit einigen Wochen habe sich nun mit erstaunlicher Schnelligkeit ei» völliger Wandel vollzogen „Keine Einkreisung und keine Isolierung mehr." Die Spannung zwischen Deutschland und England habe sich gelöst. Der Dreibund sei stillschweigend verlängert worden. Von der Zusammenkunft Wilhelms II. mit Nikolaus in Swinemlinde erhoff» man eine Paralysierung des englisch-japanischen Bündnisses, und sogar den bevorstehenden Bc such Eduards VII. betrachtete man als günstiges Wetterzeichen für die internationale Politik. Die«Freisinnige Zeitung" schließt den Artikel mit dem Satze: „So sind die Winter unseres Mißver-gnügenS von einem Sommer abgelöst worden, mit dem wir zufrieden sein dürfen." Die«Kreis. Ztg." hat da in ihrer Art, scheinbar unbewußt, eine grausame Satire auf unsere«hohe Polilik" geschrieben. In der ganzen internationalen Konstellation ist nicht die geringste tat- sächliche Veränderung eingetreten. Und doch soll vor einem Jahre der Himmel grau und bewölkr gewesen sein, während jetzt wieder die Sonne behaglich durch die Wolken bricht I Wer aber bürgt dafür, daß nicht wiederum in einem Jahre infolge allerhand diplo- malischer Scheinaktionen die Situation ein vollständig verändertes Bild zeigt? Der ganze Artikel des freisinnigen Organs beweist, daß unsere auswärtige Politik, und die auswärtige Politik der Staaten über- Haupt, sofern sie sich nicht auf eherne wirtschaftliche Tatsachen gründet, blauer Dunst ist. Man äfft die Massen des Volkes mit allerhand Seifenblasen, um sie im Interesse der herrschenden Klassen für den Militarismus und Imperialismus nach allen Regeln der Kunst schröpfen zu können! In der Debatte über die Interpellation Bassermann erklärten sich im vorigen Jahre alle bürgerlichen Parteien dahin, daß die Nation die Fehler der deutschen Diplomatie resp. unverantwortlicher Stellen einzig dadurch gutmachen könne, daß das deutsche Volk ganz allein aufsich und feine Kriegs- rüstungen baue! Sei es hinlänglich zu Lande und zur See gewappnet, so könnten ihm alle Schachziige der ausländischen Diplomati« nichts anhaben. Nun ist angeblich wieder eine ganz andere internationale Situation eingetreten; aber daran, den Rüstungen Einhalt zu tun, Pas Verhältnis der Völker zueinander auf eine andere Basis als die Schneide des Schwertes zu'stellen, denkt innerhalb der bürgerlichen Kreise kein Mensch. Es wird einfach sortgerüstet, so oder so! Es ist allerhöchste Zeit, daß die Kulturnationen sich endlich ein demokratisches Selbstbestimmungsrecht erkämpfen, um sich nicht länger von den herrschenden Klassen und der Charlanterie ihrer Diplomaten übertölpeln zu lassen! Line Proteltalitlon des Vaflltans. Rom, den 1. August.(Eig.©er.) Die große Anzahl klerikaler Skandale, für deren Bekanntwerden die Schandaffäre des Mailänder Kinderasyls das Signal gab, hat begreiflicherweise zu einer energischen Reaktion im ganzen Lande ge ührt. Neben den Protestkundgebungen findet sich eine zwar er- klärliche, aber doch unschöne Skandalschnllffelci, so daß kaum ein katholisches Erziehungsinstitut von Verdächtigungen verschont bleibt. Mehr Phantasie als Beobachtung scheint— soweit man bis heute beurteilen kann-- den Anklagen gegen den Orden der Salesianer in Varazze(LIgurien) zugrunde zu liegen. Jedenfalls haben die Anschuldigungen durchaus den Charakter der Unglaubwürdigkeit, auch steht man ihnen besonders deshalb skeptisch gegenüber, weil der Ankläger ein elfjähriger Knabe ist, und die Zeugenaussagen von Kindern erfahrungsgemäß wenig Glauben verdienen. Berichtet doch der Knabe, ein gewisser B e s s o n, von«schwarzen Messen", mit aljsen möglichen obskönen und -.kelhaften Riten, bei denen halbnackte Mönche und Nonnen, öwie Zöglinge mitgewirkt haben sollen! Angeblich hat der Knabe chon im Januar dieses Jahres seiner Mutter von unsauberen Vor gängen im Institut gesprochen. Statt den Knaben zu Hause zu be halten— er war ein externer Schüler— hat die Frau ihn weiter hingeschickt und ihn ausgetragen, alles aufzuschreiben, was er sähe. Dieses von Obscvnitäten aller Art, von ganz unglaublichen Wider- würtigkeiten strotzende Tagebuch bildet die Basis der Anklage, auf Grund deren gestern ein Priester und ein Diener der Anstalt der- haftet wurden und heute die Schließung des Instituts verfügt worden ist. In diesem Falle scheint also die Anklage nicht gerade auf festen Füßen zu stehen, während die polizeilichen und gericht- lichen Mahnahmen sehr energisch waren. Aus diesem Umstände sucht nun gleich der Klerus seinen Vorteil zu ziehen, um die ganze Rolle von Skandalen als Erfindung der Freimaurer und Sozialisten, sich selbst als unschuldig verfolgt hin- zustellen. Die vatikan-osfiziöse«Corrispondenza Romana' meldet, daß der Papst den Gedanken hege, als Protest gegen die heutigen Angriff« die Feste für sein bevor st ehendeS Priesterjubiläum abzusagen. Gleichzeitig werbe der Papst die Katholiken aller Kulturländer auffordern, ein Land zu meiden, da» nicht einmal die Katholiken vor den schimpflichsten Au- griffen zu schützen vermag. Di««Corrispondenza Romaua" schlägt einen scharfen Ton gegen die Regierung an.— Fast scheint es, als ob das giolittisch-vatikanische Idyll durch die heutigen Differenzen ernstlich gestört werden könnte. Die vatikanischen Drohungen werden wohl nicht so heiß gegeffen werden, wie sie gekocht find, immerhin ist es aber bedauerlich, daß die Exzesse antiklerikaler Phantasie die ganze, im Grunde so segenS- reiche Kampagne gegen die klerikalen Erziehungsanstalten in schlechtes Licht setzt. Diese Uebertreibungen schaden einer Sache, die in ihrer nackten Wahrheit gerade laut genug gegen die klösterliche Erziehung Propaganda macht. Je weniger die Phantasie dazu tut, um so weitere Kreise werden den Enthüllungen klerikaler Mißbräuche Gehör schenken und ihr Tun dadurch beeinflussen laffen. �)oUtiscke deberlkkt. Berlin, den 3. August 1907. Schachermachei. Die„N. Pol. Korresp." brachte jüngst eine Notiz aus Paria- mentarischeu Kreisen, in der die Vermutung ausgesprochen wird, daß die Aenderung des BörseugesetzcS im Reichstage vermutlich auf nicht unerhebliche Schwierigkeiten stoßen werde; die Freunde dieses gesetzgeberischen Werkes müßten deshalb einen wirksamen Gegenzug auf dem parlamentarischen Schachbrette machen; ein solcher Gegenzug sei, wenn man die Zustimmung zur Börsengesetz- Novelle zur unerläßlichen Vorbedingung für Zugeständnisse an die agrarisch-konservativen Interessen bei der Branntweinbesteuerung machen wollte; garantiere man den Agrarkonscrvativen die Berücksichtigung dieser Interessen, so würde bei dem Schwergewichte der allgemein-politischen Gesichts- punkte, die für das Zusammenhalten des Blockes sprächen, auf Er- folg gehofft werden können.— Die«Deutsche Tageszeitung' zeigt sich über diese Notiz höchst entrüstet.„Wir kennen", schreibt das Blatt,„die parlamentarischen Kreise nicht, aus denen diese Zuschrift stammt, glauben aber be- haupten zu können, daß eS weder agrarische noch konservative Kreise sind. Was hier empfohlen wird, ist ein Kuh- Handel in unverhüllter Form. Das Börsengesctz hat mit der Branntweinbesteuerung so gut wie nichts zu tun. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, so dürsten sich die Agrar- konserbativen, wie wir sie kennen, kaum auf einen solchen Kuhhandel einlassen. Sie werden dielmehr jede Vorlage an und für sich darauf- hin prüfen, ob sie den landwirtschaftlichen Interessen gerecht wird oder sie schädigt." Die Entrüstung des ehrenwerten Blattes wirkt geradezu komisch, hat doch kaum irgend eine Parteigruppe in stärkerem Maße „g e k u h h a n d e l t" als das profitlüsterne Agrariertum. So lange es allerdings seine Wünsche ohne Zugeständnisse durchzusetzen hofft, zeigt eS sich bockbeinig; sieht es aber, daß eS ohne Konzessionen nichts erreicht, schwinden seine Bedenken. Seit seiner Schacher« machet mit den Industriellen vor dem Zolltarif von 1879 hat es ständig bei allen Aenderungen des Zolltarifs mit verschmitzter Bauernschlauheit gefeilscht und hinter den Kulissen geschachert. Der Zorn des Blattes richtet sich denn auch nicht gegen den.Kuhhandel" an sich. Es ärgert sich nur, weil die«R. Pol. Korresp." tatsächlich mit ihrem Vorschlag eine wunde Stelle der Agrarier getroffen hat. Eine Aktion der Liberalen gegen die Branntwein-LiebeSgabe wäre ihnen höchst unbequem. Allerdings hat der Liberalismus, der aus dem Vorschlag der „N. Pol. Korresp." spricht, nicht den geringsten Anspruch auf höhere Einschätzung. Erhält er für die Börsenspekulation ein steiereS Be- tätigungsfeld, dann ist er gerne bereit, seine volkswirtschaftlichen und politisch rechtlichen Bedenken gegen die Spiritus-LiebeSgabe zurück« zustellen und sogar den Agrariern noch ewige weitere Extraprofit« zu konzidieren.—__ Tie Hände weg! Wir hatten bereits nachgewiesen und zwar auf Grund der letzten amtlichen Denkschrift über Kamerun, daß der Fulbe-Aufstand nur auf das taktisch unklug« Ver» halten der Kolonialverwaltung zurückzuführen sein dürste. Diese unsere Auffassung findet ihre Bestätigung in einer Zuschrift des Stabsarztes a. D. Dr.«rning, der bereit« im Juni in den.Nationalliberalen Blättern" über die deutsche Politik im Adamauagebiet das Folgende schrieb: «Das tiefere Innere des Landes nach dem Tschadsee zu hofft man durch geringere Besetzung in der Form von Refidenzschasten festhalten zu können. Ob dieses auf die Dauer möglich sein wird, muh dahingestellt bleiben. Immerhin liegen hier Bevölkerungsverhältnisse vor, die«inAusfpielendeSeinen Stammes gegen den andern möglich machen. Dadurch kann eine wachsende Gefahr für uns zunächst hmtan gehalt werden; andererseits aber ist es möglich, daß durch dieics Ausspielen des einen Stammes gegen den anderen im Laufe der Zeit ein Zustand der Anarchie geschaffen wird, der uns später das Bielfache von dem Gelbe kosten würde, welches wir heute aufwenden müßten, um eine wirkliche Herrschast in diesen Ländern auszuüben." Dr. Arning ist der Meinung, baß man Gebiete, die man nicht wirklich unterwerfen könne, sich selbst überlasse. Die Vorbedingung llr die Unterwerfung des AdamauagebietS wäre die Fortführung der Manengubabahn bis zum Tschadsee. Da diese Bahn— elbst wenn sie bewilligt werden würde— wogegen sich ja selbst derFreisinn energisch erklärt hat— erst nach einer Reihe vonJahren fertiggestellt sein könnte, wäre eS dringend geboten, daß sich die deutsche Verwaltungstätigkeit auf die Küste beschränkte und nicht im fernen Innern deS Landes die verhängnisvollsten Kolonialabenteuer anzettelte!— Drohende Finanznöte. Ueber den„ReichsinvalidenfondS" schreiben die „H am b. Nachr.": Der Staatssekretär des Reichsschatzamts hat sich jüngst ge- äußert, daß eS ihm voraussichtlich möglich sein würde, die im Reichs in validenfonds befindlichen Wertpapiere nicht aus den Marlt zu bringen, vielmehr die auf den Fonds angewiesenen Verpflichtunaen so zu decken, daß die Wertpapiere auf den Hinte rbliebenenversicherungS-FondS übertragen und von diesem dafür die entsprechenden Mittel verlegt würden. Der Schatzsekretär hatte eine ähnliche Andeutung schon bei den NcichStagSverhandlunaen über den Hinterbliebenen- vcrstchcnmgSfondS gemacht. Für die EntWickelung des Bestandes des ReichSinvalidemonds bleibt eS gleich, ob seine Wertpapiere verkauft oder in einen anderen Fonds übergeführt werden. Um die Summe, die ihm entnommen wird, verringert sich sein Bestand doch. Daß«S damit jetzt recht schnell bergab geht, ersieht man am besten au» den Zinssummen, die der Fonds zur Deckung der auf ihn angewiesenen Ausgaben zur Verfügung stellen kann. Im EtatSjahr 1905 konnte der Fonds an Zinsen noch 7.7 Mill. Mark liefern, 1906 waren eS 5,9 Millionen und 1907:mr noch 4,6 Mill. Mark. Für das Jahr 1908 wird diese Summe sich wieder um mehr als 1 Million Mark vermindern. Um so höher muß natürlich im Etat für 1908 der Kapitalzuschuß angesetzt werden. der mit Zinsen zusammen zum Ausgleich bestimmt ist. Das gleiche Spiel wird sich aller Voraussicht nach noch für die Etats vow 1009 bis 1911 wiederholen können, dann aber werden weder Zinsen noch Kapital vorhanden sein. Der Reichsinvalidenfonds, der anfangs der siebziger Jahre aus der französischen Kostenentschädigung mit 561 Mill. Mark dotiert ward, wird dann aufgehört haben. Da aber die auf ihn ange» wiesenen Ausgaben nicht zu gleicher Zeit demselben Schicksal vcr- fallen sein werden, wird für ihre Deckung gesorgt werden müssen. Es handelt sich hier um einen Posten, der nahezu 40 Millionen Mark ausmacht. Wenn man diese drohende Eventualität in» Aug« faßt, wird man eS begreiflich finden, daß die zuständigen behördlichen Stellen bemüht sind, die ReichLeinnahmen zu vermehren. Demi wie anders die bisher aus dem Reichöinvalidenfonds bestrittenen Ausgaben gedeckt werde» sollen, ist nicht recht erfindlich. Zu all den übrigen neuen Lasten wird also spätestens 911 eine ständige Ausgabe an das Reich von jährlich iO Millionen binzutreten!— Dr. PeterS und die„Kölnische Zeitung". Die.Hamburger Neuesten Nachrichten" melden auS Köln: Der neue Pelers-Prozes; beginnt am 19. September vor den, Schöffengericht in Köln. Es sind wieder an nahe SV Zeugen geladen, die Dauer deS Beleidi- gungSprozesseS wird auf 8 bis 10 Tage vorgesehen.— Versammlungsrecht in Elsasz-Lothringen. DaS elsaß-lothringische Vereins- und Versammlungsgesetz keimt außer den öffentlichen anmeldepflichtigen Versanimlungen noch die sogenannten Privatversammlungen, eine Einrich- tung aus französischer Zeit. Diese Versammlungen, die nicht angemeldet zu werden brauchen, die auch nicht überwacht werden, erhalten ihren privaten Charakter dadurch, daß nur Personen Zutritt haben, die vorher eine besondere Einladung erhielten. Durch Plakate, Inserate oder sonstige öffentliche Bekannt- machungen darf nicht zu solchen Versammlungen ein- geladen werden. Die Besucher müssen sich auf den durch die Einladungen begrenzten KreiS beschränken. Von dieser Erleichterung wird oft Gebrauch gemacht, sie führt aber auch oft zu Zwistigkeitcn mit den Polizeibehörden, die diese Versammlungen nicht gern sehen und mit einem Eifer über die peinlichste Jnne- Haltung der Vorschriften wachen, die einer besseren Sache würdig wäre. Im vergangenen halben Jahre und besonders iväh- rend der Neichstagswahl sind eine ganze Menge Strafbefchle ergangen gegen Veranstalter von klerikalen und sozialdemokratischen Privatversammlungen. Vor einigen Tagen wurden nicht weniger als v Einsprüche gegen solche Strafbefehle vor dem Schöffengericht Mülhausen verhandelt. Bis auf drei Fälle wurden alle Einsprüche verworfen. In einem Falle wurde festgestellt, daß 4 Personen in der Versammlung waren, die vorher keine Einladungen erhalten hatten. In einem anderen Falle bekundete der Bürgermeister, daß ihm der Polizeidiener gemeldet habe, daß in einer Wirtschaft Einladungs- zettel auf einem Tische gelegen hätten. Wer die Zettel hingelegt hatte, wurde nicht festgestellt, doch wurde Genosse W e i b e l in Wittenheim als Schuldiger verurteilt, der die Einladungen an ihm bekannte Parteigenossen zur Weiterverteilung ausgegeben hatte, weil durch ihn die Möglichkeit geschaffen worden sei, daß nicht ein- geladene Personen an der Versammlung hätten teilnehmen können. Daß die ausliegenden Zettel benutzt worden sind und Nicht- eingeladene an der Versammlung teilgenommen haben, wurde über- Haupt nicht festgestellt. Bei den einzelnen Wirtep, die ihr Lokal zu den Ver- sammlungen zur Verfügung gestellt hatten, wurden die Strafen von 4 auf 10 M. erhöht. Die Genoffen E m m e l und Groß in Mülhausen, die als Referenten in zwei Privat- Versammlungen gesündigt haben sollten, mußten frei- gesprochen werden; selbst der Staatsanwalt hatte dies beantragt, da die Referenten nach dem französischen Gesetz für die Ein- berufung der Versammlung nicht verantlvortlich gemacht werden könne». Die Fesselung des Genosse» Micky in amtlicher Beleuchtung. Die amtliche.Straßburger Korrespondenz' bringt eine längere Notiz, in der berichtet wird, daß der Sekretär des Untersuchungs- amteS den Auftrag zur Borführung WickyS angefertigt und diesen Auftrag am Schlüsse mit dem Zusätze.fesseln" versehen habe. Der Untersuchungsrichter habe dann den Auftrag unterschrieben ohne im Drange der Geschäfte(er fei durch Vernehmungen stark in An- spruch genommen gewesen) die Frage zu prüfen, oo nach Lage der Verhältnisse Anlaß zur Fesselung gegeben war. Bei einer am 29. Juni erfolgten weitere» Vernehmung habe der Untersuchungsrichter dem Redakteur Ajchy fein Bedmurn über das Vorkommnis ausgesprochen, der sich darauf, da von einer absichtlichen Härte des Untersuchungsrichters gegen ihn nicht mehr die Rede sein könne, für befriedigt erklärt habe. Zwei Unteroffiziere. Da? Kriegsgericht der 31. Division in Straßburg der- handelte dieser Tage gegen zwei Unteroffiziere. In den Verhandlungen zeigte sich wieder deutlich, wie infolge der Furcht �er Soldaten manche Schandtat der niederen militärischen Vor- gesetzten entweder überhaupt nicht oder erst»ach langer Zeit durch Zufall bekannt wird, und wie ferner die Unteroffiziere selbst oft auf die Disziplin pfeifen, wegen der die Geineinen aufs Blut geschunden werden. Im ersten Falle wurde der Unteroffizier Wilhelm S ch o n z von der 11. Kompaguie des Fußartillerieregiments Nr. 13 zu sechs Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt, weil er verschiedene Soldaten um erhebliche Geldbeträge angepunipt, ein- zelne Beträge unterschlagen und sich von einem armen Kanonier jeden Morgen aus der Kantine zwei Brötchen mitbringen ließ, ohne sie zu bezahlen. Kein Mann hatte den Mut, den Unteroffizier zu melden. Erst durch Zufall kam man hinter deffen Treiben. Der Unteroffizier wurde auch degradiert. Im zweiten Fall« hatte der Sergeant Priebe, ebenfalls von der 11. Kompagnie des Fiißartillerie-RegimcntS Nr. 13 zu einem Wachtposten geäußert, der zwei Unteroffiziere, die abends die Kaserne über die Einfriedigung verließen, vergeblich verfolgt hatte:.Bilden Sie sich etwa ein. Sie find Vorgesetzter von Unteroffizieren? Es ist eine Gemeinheit von Ihnen, Unteroffizieren nachzulaufen. Ich werde es dem Herrn Hauptmann melden. Ich bin ja nicht übergesprungen: aber wenn ich es getan hätte und Sie hätten mich gefaßt, ich hätte Sie totgeschlagen I Priebe bestritt, sich so ausgedrückt zu haben. Das Gericht hielt ihn aber für überführt und verurteilte ihn wegen Beleidigung und teilweise als Drohung sich darstellender AchtungSverletzung gegenüber einer militärischen Woche zu zwei Monaten GefängnlS und Degradation.»» Aus Südwestafrika. Der»Deutschen Kolonial» Zeitung' wird aus Windhuk ge- schrieben: Durch die rheinischen Missionare sind über 12000 Herero ge- sammelt worden. Die Urheber des Hereroausstande« haben jedoch, soweit sie nicht gefallen oder im Sandfelde verdurstet sind, über der Ostgrenze in Brttisch-Betschuanaland Zuflucht genommen. In Tsau im Ngamigebiet. einer Stadt pon S000 Einwohnern(Betschuanen). sitzen noch 700 Herero. Simon Copper und die Gebrüder Lambert treiben noch ihr Unwesen. Christoph Lambert war einer der Führer des Cornelius Fredrik. Er bat sich damals nicht mit Comeliu» gestellt, weil er wegen meuchlerischen ErschießenS deS Leutnant« der Reserve v. Trotha die wohlverdiente Straf« fürchtet«. Jetzt treibt sich Lambert bei Simon Cooper herum und hat kürzlich zwiichen KeetmannShoop und Gideon einen Viehraub ausgeführt und Tags darauf, am 5. Juni, den ältesten Sohn deS Engländers Duncan überfallen und erschossen. Dieser Robert Duncan hat den Truppen manchen schätzenswerten Dienst geleistet und sich dadurch den Haß der Hottentotten zu- gezogen. Am 13. Juni wurden sechs leere Wagen des Frachtfahrers Jankoivskq überfallen. Jankowsky selbst war nicht dabei. Vier Wagen entkamen, aber die Bespannung zweier Wagen fiel den Hotten« totten in die Hände, wobei ein Eingeborener getötet wurde. So- lange Simon Copper und die Gebrüder Lambert mit ihrem Anhange nicht unschädlich gemacht sind, besteht die Gefahr eines Wieder- aufstandes der Hottentotten. Die Gefahr eines neuen HottentottenaufstandeS ist natürlich Un- sinn, da die Hottentotten entwaffnet sind und überwacht werden. Der paar Copper-Leute wegen aber braucht man wahrhaftig keine Kolonialarmee I— Schweiz. Revtsion des Fabrikgesekes. Bern, 31. Juli.(Eig. Ber.) Das schweizerische Industrie- dcpartement in Bern hat für die Vorberatung des von den Fabrik- inspcktoren ausgearbeiteten Entwurfes für die Revision des Fabrik- gesetzes eine Expertenkommission von 43 Mitgliedern ernannt, wovon 13 Vertreter der Behörden, darunter die drei Fabrik- inspektoren und als 17. der Professor Dr. Roth für Hygiene an der Universität Zürich. Unter den Vertretern der Behörden be- findet sich auch unser Parteigenosse Wullschlcger, Regierungsrat in Basel. Von den übrigen Lö Mitgliedern sind je 13 Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer. Die Arbeitervertreter sind: l. Professor Beck(katholisch), Freiburg! 2. Calame, Sekretär des schweiz. Gewcrkschaftsbundes, Bern; 3. Eugster, Präsident des allgemeinen Textilarbeiterverbandes, Hundwil; 4. Greulich, Ar- Vejtersekretär, Zürich; 5. Otto Lang, Oberrichter, Zürich; 6. Pauli, Sekretär des Holzarbciterverbandes, Basel; 7. Emil Rhser, Präsident der Generalunion der Uhrenarbciter, Biel; 8. Schäfer, Sekretär der Arbeitskammer, Genf; 9. Heinrich Scherrer, Re- gicrungsrat, St. Gallen; 10. Schlumpf, Sekretär des schweiz. Typo- graphenbundcs, Bern; 11. Schnccberger, Sekretär des Metall- arbeiterverbandes, Bern; 12. Nina Schryber, Sekretärin des christlich-sozialen Arbeiterinnenvereins, Krieiis; 13. Fritz Studer, Winterthur, Die Kommission wird im Oktober zu ihren Beratungen in Bern zusammenkommen._ Staatliche Arbeitslosenversicherung. Basel, 2. August.(Eig. Ber.) Unsere Kantonsregicrung unterbreitet dein Große» Rat zwei Gesetzentwürfe, wovon der eine die Errichtung einer Bersicheruugs- anstatt für Arbeitslose und der andere die Unterstützung privater Arbeitslosenkasseu betrifft. Erstere soll nach dem Vorschlage fakultativ für alle arbeitsfähigen Lohnarbeiter vom 17. bts 00. Altcrsjahre sein, soweit sie nicht Mitglieder einer privaten Arbeitslosenlasse sind, wenn sie wenigstens drei Monat im Kanton wohnen. Die Beiträge der Versicherten sollen 50 Rp. bis 1 Fr. 20 im Btouat und die Unterstützung, die nach einer Karenzzeit von fünf Wochen während acht Wochen im Jahr ans- gerichtet wird, 1 Fr. 00 bis 2 Fr. ö0 in, Tag betragen. Außer den Eiurichtuugs- und Verlvaltuugskvsten leistet der Staat vorläufig auf drei Jahre einen jährlichen Beitrag von 30 000 Fr. Nach dieser Zeit soll an Hand der gemachten Erfahrungen eventuell eine Revision des Instituts stattfinden. Der ziveite Entwurf ivill der bisher privaten Arbeitslosenkasseu gewährte» Subvention gesetzlichen Halt geben und die Beiträge prozentual zu den Leistungen der Kassen ausrichten. Wir werden darauf noch näher zurückkommen.— Frankreich. Französische Strafcxpedition nach Casablanca Das französische Ministerium hat einstimmig beschlossen, sich mit der spanischen Regierung bezüglich einer sofortigen Lan- dung von Truppen nach Casablanca ins Einvcr- nehmen zu setzen. Die nach Marokko abgehenden Truppen in der Stärke von 3000 Mann sollen von einem General befehligt werden, der sofort bei seiner Ankunft in Casablanca sich mit dem Befehls- habcr der spanischen Streitkräfte ins Einvernehmen zu setzen hat. In 8 Tagen werde, wie es heißt, Casablanca von den vereinigten spanischen und französischen Truppen besetzt sein. Die Truppen werden vor den verschiedenen Toren der Stadt biwakieren, um den Bewohnern, die nach Tanger flüchten mußten, die Rückkehr zu er- möglichen. Frankreich und Spanien seien entschlossen, die Truppen solange dort zu lassen, bis die Banden, welche die französischen, spanischen und italienischen Arbeiter niedermetzelten, unschädlich gemacht worden seien. Man werde bei dieser der Akte von AlgeciraS entsprechenden Durchführung von polizeilichen Maß. nahmen jedes unnötige Blutvergießen vermeiden. Ein Bombar- dement von Casablanca sei nicht beabsichtigt. Es würde genügen, den Pöbel von Casablanca auf die Gefahr gufmerksam zu machen, die ihm drohe, falls ein neuer Angriff auf die dortigen Franzosen unternommen werde. Die von der Compagnie marocain« unter- nommenen Hafenbauten würden unter dem Schutze der französischen Truppen fortgesetzt werden. Die Signatarmächte der Akte von Algeciras würden telegraphisch von den zwischen Frankreich und Spanien verabredeten Maßnahmen verständigt werden. « London, 3. August. Wie der„Daily Telegraph" aus Tanger unter dem 2. August meldet, ist die 6 Wegstunden von Fez entfernt liegende Stadt Sifrou von Berberstämmen geplündert worden. Die Lage Mac Leans soll sehr kritisch, fast hoffnungslos sein; sämtliche Bergstämme seien Raisuli günstig gesinnt, während die Streitkräfte des Sultans nicht ausreichten, sie anzugreifen. Man nehme an, daß jede Bewegung zur Sicherung der Freilassung Mac Leans sich als verhängnisvoll erweisen werde, Snglancl. Die neuen sozialistischen Aögeordneten. London, 1. August.(Eig. Ber.) Die Jndependent Labour Party hatte zu gestern abend eine Versammlung nach der Caxton Hall, Westminster, einberufen, um die zwei neuen sozialistischen Parlamentsabgeordneten, Pete Curran und Victor Grayson, zu begrüßen. Trotz des Eintrittsgeldes von 50 Pf. war die Versammlung stark besucht. Den Vorsitz führte I. R. Macdonald, der die Versammlung in kurzer lliede begrüßte, in der er der Freude der britischen Sozialisten über die Siege Aus- druck gqb. Hierauf sprach Curran, der nnt langanhaltendem Händeklatschen begrüßt wurde. Er machte einige interessante Be- merkungen. Er sagte, sein Wahlkamps hatte einen durchaus sozialistischen und gcwertschaftlichen Charakter. Jeder seiner Wähler wußte, wofür er stimmt«, da drei Gegenkandidaten vor» banden waren, die alle nichtsozialistische Schattierungen vertraten. Sein Sieg bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der Arbeiterpartei. Bis dahin ließen die Verhältnisse in der Arbeiterfraktion manches zu wünschen übrig. Aber mit der Wahl in Jarrow(Currans Wahlkreis)«st ein harmonisches sozialistisches Zusaminenarbeiten möglich geworden. Jetzt besteht die Arbeiterfraktion aus 32 Mitgliedern, und obwohl diese mit wenigen Ausnahmen aus der Arbeiterklasse hervor- gegangen sind, so leistet die Fraktion viel mehr, als man nach ihrer Zahl annehmen könnte. Aber die Partei braucht eine eigene Presse, denn die Reden und Handlungen der Arbeiterabgeordneten werden von der konservativen und liberale,« Presse parteiisch wieder- gegeben oder mitgeteilt. Dann sprach Grayson(lies: Greeßn) über seine Er- fahrungen im Wahlkmnpfe. über Sozialisinus und über die Bedürf- nisse deS britischen Volkes. Grayson ist der erste britische S o z i a l i st, der als Sozialist kandidierte und gewählt wurde. Wir hatten und haben wohl Sozialisten iin Parlamente, aber sie waren von anderen Parteien oder von der Arbeiterpartei als Radikale oder Arbeiter gewählt. Grayson aber kandidierte von Anfang an als Sozialist. Seine Wahl hat bekanntlich eine außer- ordentliche Sensation hervorgerufen. Ich habe deshalb seiner Rede «nit besonderer Aufmerksamkeit zugehört. Und hier sind die Ein- drücke: Grayson ist ein gebildeter junger Mann von etwa 25 Jahren. Seine rednerische Begabung ist bedeutend. � Die Worte, die zu- weilen revolutionär klingen, koininen ihm leicht, sie sind auch ein- drucks, und ausdrucksvoll. Es ist ihm ohne Zweifel sehr ernst um den Sozialismus, aber es scheint alles bei ihm noch Gefühlssache zu sein. Grayson wünscht ein soziales Menschentum: er sprach nicht von den Arbeitern, sondern von den Armen und Elenden. Dann tritt auch sein liebeS Ich etwas stark hervor. CurranS einfache, zuweilen ungrammatikalische Rede mußte verständnisvolle Zuhörer tiefer berühren als Graysons warme Rhetorik. Es ist gut, daß wir jetzt eine Arbeiterpartei und Arbeiterfraktion haben, in der Grayson mit dem Leben, den Wünschen und Forderungen der Ar- beiterorganisationen in Berührung kommt und aus ihnen lernen kann.— Hrneriha. Die Wahlen auf den Philippinen haben in Washington eine große Enttäuschung hervorgerufen. Es«vird behauptet, daß der Ausfall der Wahlen kein wirkliches Bild der Lage gäbe, da 98 Proz. der Wähler sich der Stimme enthalten hätten. Einer der neu- gelvählten Parlamentarier wird in Washington als notorischer Verbrecher bezeichnet. Jedenfalls wird dje von der amerikanischen Regierung eingesetzte Philippinen-Kommission nach«vie vor der maßgebende Faktor in der Verwaltung per Inseln bleiben. Der Kriegssckretär Taft, der früher Gouverneur der Philippinen war, hat sich von Washington nach Manila begeben. Er soll versöhneich aus die vorhandenen Gegensätze einwirken.— Huö der Partei. Parteitag. Laut Beschluß der letzten Parteitagskoininissionssitzimg werden die Berichterstatter aufgefordert, sich bis zitm 25. Angllft d. I. zwecks Teilnahme am Parteitag an die unter- zeichnete Adresse zu wenden. Meldungen, die nach dein an- gesetzten Termin eiitlanfen, können nicht berücksichtigt werde«:. Essen, den 2. Aug,«st 1907. Franz Geinoll, Kastanien-Allee 70. Sozialdeinokratischer Parteitag Essen-Ruhr 1907. Eine Massendc»nonstration zum Internationalen Kongrest. Die»Schwäbische Tagwacht" bringt folgenden Aufruf: A» die Parteigenoffe» Württcinbecgs! An« Sonntag, den 18. August, dem Tage der Eröffnung des Internationalen sozialistischen Kongresses in Stuttgart,«vird nach- mittags 4 Uhr auf dem Camistatter Wasen eine politische Kundgebung stattfinden,«vie Württemberg nie eine solche gesehen. Von sechs Tribünen herab werden gleichzeitig die hervorragendsten Vertreter des intenmtionalen Sozialismus Ansprachen halten. Auf jeder Tribüne werden nacheinander etlva drei Redner sprechen. Solveit die Redner der deutschen Sprache nicht mächtig sind,«perden ihre Ausführungen selbstverständlich von Dowtetschern ins Deutsche übersetzt, Die Liste der Redner liegt noch nicht vollständig vor, sicher aber ist, daß sprechen«verde»: August Bebel, Paul Singer, Karl Legte», Viktor Adler, Jean I a u r ö s. Emil P a n d e r- Velde, Hyudmann- London, Greulich- Zürich. Es«virv sich kaum je«vicder eine Gelegenheit bieten, die be- rufeusten Worlführer unserer Sache aus allen moderne» Ländern so an einer Stalte zu hören. Darum darf kein Parteigenosse, der nur irgend den Besuch dieser geivaltigen Massenversammlung«nöglich machen kann, fernbleiben. Den Partei« und Gewerkschaftsorganisationen des ganzen Landes, besonders aber der näheren Umgebung Stuttgarts, ist zu empfehlen, schleunigst die Vorbereitmigen zum gemeinsainen Besuch des Meetings auf dem Wasen zu treffen. Die«vürttembergische Arbeiterschaft muß ihren internationalen Führern am 18. August eine Begrüßungsknudgebmig bereiten, die ein hoch emporragendes Denkmal in der Geschichte der intev» nationalen Arbeiterbewegung bilden soll. .> Rüstet zum Meeting l LildungSbcstrcdungen. Eine außerordentliche Sitzung des G e' «v e r k s ch a s s k a r t e l l S zu Apolda, zu der die Gewerlschafts- vorstände zahlreich erschiene» Ivareu und an der auch der Vorstand de« Wahlvereins teilnahm, beschäftigte sich mit der Einrichtung von Vorträgen, Unterrichtsabcnde» und künstlerischen Veranstaltungen. Einleilend erörterte der Vorsitzende des BildungSa«lSschi>sscs die Aufgaben des Bildungsausschusses, die nicht nur in billigen Theatervorstellimgen und Volkskonzerten beständen; zwar habe man einen«vetteren Schritt vorlvärts durch das Veranstalten eines VuchsühruugSkursus getan, jetzt aber biete sich auch auf Volks- wirtschaftlichem soivie politischem Gebiete, durch die von Erfurt auS angeregte und vom Parteivorftand beschlossene Ver- anstaltung von Vorträgen und UnterrichiSabenden, Gelegenheit, der Weiterbildung Rechnung zu tragen. Deshalb stellte Genosse Schulle namens des Bildungsausschustes am Schlüsse seiner mit Beifall auf- genommenen Ausführungen den Antrag l„Das Ka r te l l mögebeschließen, Iluterrichtsabeiide.«vie sie vom Parteivorstand in Berlin festgesetzt sind, abhalten zu lassen." In der»««n folgenden Debatte äußerten sich alle Redner im zustimmenden Sume und e i n st i in m i g «vurde der Antrag des Bildungsausschusses angenommen. Ein weiterer Antrag D a S Kartell möge zu den Unkosten 100 Mark beitragen", fand ebenfalls etustimmige Annahme. Der Wahlverein lvlrd zu dem Beschluß gleichfalls Stell»mg nehmen. Zur Tagesordnung des Parteitages nahm am Freitagabend eine gut besuchte Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Ver- eins für den ersten Hamburger Wahlkreis Stellung. Genosso S t ölten behandelte eingehend die einzelnen Punkte, be- sonders aber die Maifeier; er«varf die Frage auf, ob es nicht ratsamer wäre, an Stelle der Arbeitsruhe eine andere Form der Demonstration zu wählen. Die große Mehrheit der Versammelten«var aber anderer Meinung, denn sie stimmte folgender Resolution zu: „Die Versammlung verurteilt auf das allerentschiedenste den Aufruf des PartcivorslandeS in Sachen der diesjährigen Maifeier, da er eine große Verwirrung zur Folge gehabt hat. Die Parteigenossen des ersten Hamburger Wahlkreises be- trachte» die a l l g e m e i n e A r b e i t S r u h e als die w ii r d i g st e Form der Feier und verlangen, daß die Dele- gierten demgemäß handeln." Als Delegierte zum Parteitag wurden Genosse Stollen und Genossin g i e tz gewählt. AuS der Hamburger Partei. Dem soeben hcra«lSgegedencn, 79 Seiten umfassenden Jahresbericht der vereinigten Vorstände der drei sozialdeinokratischen Vereine Hamburgs entnehmen wir folgende die Gcsaintpartel interessierende Angaben: Der Bericht»»«faßt 1'/, Jahre, nämlich die Zeit voin 1. Januar 1906 bis 30. Juni 1907, weil sich das Bedürfnis herausgestellt hat, das Geschäftsjahr dein des Vorstandes der Gesaintpartei anzupassen. Während früher die Verbindung der drei Partcivcreine eine lose war, hat sie durch die im vorigen Jahre zur Einführung gelangte Landesorganisatton mit dem System der Delegierten- Vertretung zur Landesversainmlung eine festere Form geftinden. ES«vurde ein Parteifekretariat ins Leben gerufen, das zurzeit auS den Genossen Dubber und H. Stubbe besteht. Hinsichtlich des Wahlergebnisses der letzten Reichstags- Wahl wird unter anderem ausgeführt, daß. wenn uian lediglich die Zahlen in Bewacht ziehe(der Zuwachs an sozial- demokratischen Stimmen beträgt für alle drei Kreise gegen 12000), der Ausfall nicht den Erwartungen entspreche, die«nan an eine Hochburg der Sozialdemokratie,«vie Hamburg, stelle, wo«nan nur große Erfolge zu erzielen ge- tvohnt sei. Die angeführten Zahlen ergeben, daß im ersten Wahlkreis der Prozentsatz der sozialdemokratischen Stimmen, verglichen mit der Zahl der Wahlberechtigten, mn ein Geringes sank, iin zlveiten und dritten Wahlkreis mn ein" Geringes stieg. Hervorgehoben wird die Veränderung in der Struktur der beiden rein städtischen Kreise.„Zu der allgemeinen Tendenz. die Arbeiterbevölkerung aus dem Stadtinnern an die Peripherie zu drängen, kommt in Hamburg noch etwas anderes— das Saniernngswerk, wobei ganze Stadtviertel niedergelegt und neu aufgebaut werden. Dieses Sanierungswerk ist in der Neustadt(2. Kreis) erheblich fort- geschritten; in der Altstadt(1. Kreis) sind die Abbruche und Neubauten ebenfalls von erheblichem Einfluß." Es wird dann weiter ausgeführt, daß in den neuen Stadtteilen die Bevölkerungsdichtigkeit geringer wird und die Be- Völkerungsschichten wechseln. Aus dem sogenannten neuen Mittelstande, bestehend aus Reichs-, Staats- und Privat- beamten, der sich in den neuen Straßen festsetzte, sei zunächst für die Sozialdemokratie nicht viel zu hoffen. In den drei Wahlkreisen wurden abgegeben 112 892 sozialdemokratische gegen 73 349 bürgerliche Stimmen. Mit dem„Niederreiten" war es mithin in Hamburg nichts. Einige Tage nach den Reichstagswahlen, am I. Februar, gelang es unseren Genossen, trotz Privilegierten-, Klassen und Zensuswahlrechts zum Hamburger Landesparlament, die Zahl der Bürgerschaftsabgeordneten von 13 auf 19 zu erhöhen. Der brutale Wahlrechtsraub hat mithin dem Vormarsch unserer Genossen nicht Einhalt zu tun vermocht. Auch von Prozessen ist unsere Partei nicht verschont gc* blieben. Der Kampf gegen Wahlentrechtnng zog für den Ge nassen Schaumburg als Verleger eines Flugblattes, betitelt „Der Wahlrechtsraub und die Staatsgewalt!"„Recht oder Willkür" einen Prozeß wegen Aufreizung ver schiedener Bevölkerungsklassen gegeneinander und Senats' beleidigung nach sich. Der Staatsanwalt beantragte nicht weniger als zehn Monate Gefängnis, während das Gericht nur das letztere Delikt annahm, das er mit 390 M. Geldstrafe ahndete. Auch die Frauen haben in öffent liehen Versammlungen lebhaft gegen die Wahlentrechtung protestiert und die Finanzreform und die Flottenvorlage einer scharfen Kritik unterzogen. Die Hauptrednerin, Genossin Zietz, mußte auf drei Monate ins Gefängnis wegen angeblicher Auf reizung zu Gewalttätigkeiten. An Flugblätter und Broschüren wurden verbreitet:„Der Wahlrechtsraub zur Hamburger Bürgerschaft",„Die bürger liche Revolution und der Kampf um das Wahlrecht",„Zur Maifeier",„Zur Bierfrage",„Aufforderungen zum Abonnement auf.das„Hamb. Echo","„Gegen Brot- und Fleischwucher", ferner Flugblätter zur Reichstags- und Bürgerschaftswahl sowie Broschüren von Rosa Luxemburg über„Massen streik, Partei und Gewerkschaften" und eine die„Hamburger Bürgerschaft und die Sozialdemokratie" behandelnde Broschüre. Die Agitation für den Beitritt zur Partei und zum Abonnement auf das Parteiblatt, an der sich auch die Ge- werkschaften rührig beteiligten, hatte einen großen Erfolg. Während, wie schon oben erwähnt, die Zahl der Wähler nur gegen 12000 zugenommen hat. stieg in der Berichtszeit die Zahl der organisierten Parteigenossen von 21 756 auf 32 929, also um 11 173, während der Abonnenten- stand des„Hamburger Echo" sich sogar von 44 012 auf 60900 erhöhte— ein Beweis für die innere Festigung der Partei. Mit großer Mehrheit wurde durch Urabsümmung der Antrag auf Erhöhung des Beitrages von 30 auf 40 Pf. pro Monat angenommen. An Beiträgen aller Art brachten die drei Kreise vom 1. Juli 1906 bis 30. Juni 1907 219 967,85 Mark auf. Für die Reichstagswahhl sind auf Listen und beim„Hamb. Echo" eingegangen 49 673 M.. für die Bürgerschaftswahl 12217 M.. für die Opfer des russischen Zarismus 55 060 M. An die Hauptkasse in Berlin wurden in den l'/z Jahren 70000 M. abgeführt, und zwar 12 000 M. vom 1., 17 000 M. vom 2. und 41 000 M. vom 3. Wahlkreis. GewcrkrcbaftUcbe**« Berlin und Umgegend* Der Kampf im Baugewerbe. Ueber den Stand der Lohnbewegung im Bau- gewerbe sprach am Freitag abend Z e g l i n vor einer Versammlung der Freien Vereinigung der Maurer in Dräsels Festsälen. Er erklärte, daß die Situation im allgemeinen un- verändert sei und kritisierte die Taktik der Unternehmer, die in ihren Kampfmitteln durchaus nicht wählerisch seien. In Be- sprechung der„300 Unterschriften" brachte der Redner noch einige interessante Enthüllungen außer dem, was der„Vorwärts" schon berichtet hat. Da hat man einen der Herren entdeckt, der der Krankenkasse noch 616,50 M. für feine Angestellten schuldet. Den Namen dieses Unternehmers kann jedermann im Streikbureau er- fahren. Einem anderen Mitglieds des Verbandes der Baugeschäftc von derselben Art ist man auf der Spur, und die Untersuchungen werden fortgesetzt. Zeglin wies auf die Parteinahme der Polizei zugunsten der Unternehmer hin und erzählte, wie ein Streikposten in der Greifenhagenerstraße verhaftet wurde und von 7 Uhr morgens bis gegen 8 Uhr abends in einer Zelle eingesperrt blieb und nicht einmal zu essen bekam. Große Entrüstung gab sich in der Versammlung darüber kund und man stimmte dem Redner zu, der erklärte, daß die Polizei besser täte, den Verbrechern nach- zuspüren; 26 Streikposten seien in derselben Zeit verhaftet worden. ' in welcher man den Kindermörder vergeblich suchte.— Ein Maurer, ein schon bejahrter Mann und alter Berliner Bürger, trat auf und erzählte, wie er als Bautenkontrolleur schikaniert wurde. Auf der Wache mußte er vier Stunden lang zubringen, wurde in eine Zelle gesperrt und wie ein Verbrecher behandelt, er wurde körperlich untersucht und mutzte sich sogar ent- blähen, weil man vielleicht— Bomben bei ihm vermutete oder nur, um den alten Mann zu demütigen. Seine Erzählung verursachte viel Aufregung; man war allgemein empört über solche Be- Handlung eines ernsten und nüchternen Mannes, der im Interesse seiner Gewerkschaft Pflichten übernommen hatte, die er getreulich erfüllen wollte.— Viele solcher Polizeiaktionen werden noch ein gerichtliches Nachspiel haben, wie Zeglin ankündigte, denn man wird sich nicht die zahlreichen Strafmandate ohne weiteres gefallen lassen. Nach der letzten Streitkontrolle wurde festgestellt, daß am 2. August von der Freien Vereinigung der Maurer 1522 zu neuen Bedingungen arbeiten und 400 Streikende vorhanden sind; IIS sind abgereist, 67 sind krank und außer Beruf tätig, 62 sind Poliere, 50 arbeiten als Fabrikmaurer und auswärts, 112 sind Streikbrecher und über 39 war nichts genaueres zu er- Mitteln. Die Unzufriebenhekt der Schultheiß-Angestellten. Dieser Tage fand bei Böker eine vom Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter, Zweigverein Berlin, einberufene Versammlung sämtlicher Arbeiter der Schultheitz-Betriebe statt. In dieser Versammlung wurde lebhaft Klage darüber geführt, daß die Rechtlosigkeit der Arbeiter gegenüber ihren Vorgesetzten in den Betrieben der Brauerei eine außerordentlich große sei. Nach außen hin sei ja wohl die Brauerei bemüht, zu zeigen, wie sehr sie für das Wohl ihrer Arbeitnehmer Sorge trage, während jedoch die Ansicht sämtlicher Arbeiter dahin ging, dies sei lediglich Mittel zum Zweck. In Wahrheit haben sich auf den Schultheißbetrieben, und speziell in letzter Zeit, geradezu wunderliche Dinge abgespielt und zwar im Punkte Behandlung der Arbeitnehmer„im Interesse der Disziplin". Ein besonders scharfer Wind scheint auf Abteilung II Lichterfelderstraße zu wehen. Die Behandlung der Arbeiter durch untere Vorgesetzte ist eine geradezu rigorose und verwahren sich die Arbeitnehmer der Abteilung II gegen eine weitere solche, einem freien Arbeiter unwürdige Behandlung. Auch die übrigen Abteilungen hielten mit Klagen nicht zurück, und fand am Schlüsse der Versammlung folgende Resolution ein- stimmige Annahme: Die heute bei Böker stattfindende gut besuchte Versammlung sämtlicher in den Betrieben der Schultheißbrauerei beschäftigten Arbeitnehmer erklärt, daß die Vorkommnisse der letzten Zeit, insbesondere auf der Abteilung II, nicht geeignet sind, das Ver- trauen zur Direktion zu stärken. Dieselben sind vielmehr der Meinung, daß ein derartiges Vorgehen nur dazu beitragen wird, die Rechtlosigkeit der Arbeitnehmer gegenüber den Vorgesetzten noch zu vermehren. Die Versammelten erwarten von der Direktion, daß sie Vorkommnisse, die mit dem Rechtsgefühl der Arbeiter nicht in Einklang zu bringen sind, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern sucht. Achtung, Tabakarbeiter! Der Streik bei der Zigarren- und Zigarettenfirma W. Fyrst, Schillingstr. 7, dauert ununterbrochen fort und ist die Sperre über die betreffende Firma verhängt. Deutscher Tabakarbeiterverband(Zahlstelle Berlin). Herr Brotfabrikant Wittler und der Verband der Bäcker. Gestern erhielt der Bäckerverband eine jener berühmten einstweiligen Verfügungen, laut welchen dem Vorstand derselben bei einer Strafandrohung von einer Woche Haft für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt wird, die Behauptungen des Brot- fabrikanten W i t t l e r über die angeblich von ihm bezahlten Löhne, sowie seine sonstigen Angaben durch Flugblätter oder Zeitungsinserate zu widerlegen. Ebenso ist es dem Bäckerverband untersagt worden, die Geschäfte zu veröffentlichen, in denen Wittler- sches Brot verkauft wird. Herr W i t t l e r glaubte zwar für sich da? Recht in Anspruch nehmen zu können, das Publikum über die Ursachen der in seiner Bäckerei bestehenden Differenzen zu täuschen und es so hinzu- stellen, als hätten seine Arbeiter aus reinem Mutwillen die Arbeit niedergelegt, aber wenn der Verband darauf antwortet, so verstößt das gegen die guten Sitten und der Kadi muß das verbieten. Ob Herr W i t t l e r durch die Hülfe des Gerichts wieder rehabilitiert wird und die Spekulation auf Arbeiterkundschaft neu betreiben kann, ist freilich eine andere Sache. Wir glauben zuversichtlich, daß die Arbeiterkundschaft eS nie vergessen wird, daß W i t t l e r seine Leute, die 6 bis 8 Jahre bei ihm beschäftigt waren und die ihm seinen jetzigen Reichtum ver- dient haben, einfach aufs Pflaster setzte, um billigere und willigere Arbeitskräfte einzustellen. Denn Herr Wittler wird durch alle einstweiligen Verfügungen die Tatsachen nicht aus der Welt schaffen können, daß er den Lohn seiner jetzigen Gesellen um 2 M. pro Mann und Woche gekürzt und die Arbeitszeit' pro Tag um 2 Stunden verlängert hat. Ebenso glaubt er sich dadurch gegen spätere Differenzen zu schützen, daß er seinen jetzigen Gesellen ausdrücklich die Organisation verbietet. Ob ihm dies gelingen wird, ist fraglich. Wenn Herr W i t t l e r aber glaubt, uns durch den Kadi vergraulen zu können, so hat er sich gründlich geirrt. Der Kampf gegen ihn wird nach wie vor weiter geführt werden. Der konsumierenden Bevölkerung aber überlassen wir es getrost, aus der ganzen Haltung dieser Firma ihre Schlüsse zu ziehen. Die Ortsverwaltung Berlin des deutschen Bäckerverbandes. » Die B-Ykottliste KeS Verbandes der Bäcker wird in der nächsten Sonntagnummer des„Vorwärts" erscheinen. veutfekes Reich. Der Ausstand in Königshütte. Die„Schlesische Zeitung" meldet unter dem Datum von gestern vom Bergarbeiterausstand auf Königshütte: Heute vormittag 9 Uhr fand in der Königlichen Berginspektion unter Vorsitz des Geheimen Bergrates W i g g e r t eine Konferenz statt, zu der 22 Vertrauens- männer der Belegschaft hinzugezogen wurden. Geheimer Bergrat W i g g e r t erklärte, daß er die Hauptforderung der Bergarbeiter, eine 30prozentige allgemeine Lohnaufbesserung ablehne, weil die Lohnsätze auf den fiskalischen Gruben ohnehin etwa 40 Proz. höher seien als auf den privaten. Dagegen stellte er in gewissen Fällen eine Erhöhung der Gedingesätze in Aussicht, verlangte aber be- dingungslose Wiederaufnahme der Arbeit. Zu gleicher Zeit fand eine vom Arbeitersekretär Scholthssek einberufene Bergarbeiter- vresammlung statt, in der Scholtyssek die Arbeiter aufforderte, im Streik auszuharren, sich zu organisieren und Lohnkommissionen für die einzelnen Schächte zu wählen, die mit der Bergbehörde in Ver- Handlungen treten sollen. Auf dem Ring, vor der Berginspektion und vor dem Lokal, in dem die Arbeiterversammlung stattfand, hatten sich große Mengen von Bergarbeitern, zeitweilig gegen 2000, eingefunden. Die Berginspektion in Königshütte hat die Be- stimmungen der Arbeitsordnung anschlagen lassen, wonach diejenigen Arbeiter, die länger als drei Tage im Ausstand verharren, die Abkehr erhalten sollen. Der Ausstand ist bei dem Abendschichtwechsel auch auf da? Südfeld, den Bismarckschacht, übergegangen, und zwar sind in der gestrigen Nachtschicht von 422 Mann 348 nicht eingefahren; auf dem Westfelde des Marienschachtes von 147 Mann 129 nicht, auf dem Bahnschachte des Westfeldes von 546 Mann 469 nicht, auf dem Ostfelde von 680 Mann 640 nicht. In der Frühschicht streikten auf dem Südfelde von 462 Mann 357, auf dem Westfelde des Marienschachtes von 196 Mann 179, auf dem Bahnschacht des West- feldes von 525 Mann 481, auf dem Ostfelde von 1486 Mann 1325. Auf dem Nordfelde wird zurzeit noch gearbeitet. Da die Arbeiter zu Hunderten den Grubenplatz und die zu diesem führenden Straßen besetzt hielt, wurde polizeiliche Hülfe requiriert. Einige 20 Polizeibeamte fuhren in Mannschaftswagen der Feuerwehr nach dem Krugschacht und zerstreuten die Menge. Die Stukkateure Lübecks haben soeben eine Lohnbewegung mit Erfolg beendet. Sie schlössen mit den Unternehmern erstmalig einen Tarif ab, der vom 1. August 1907 bis 1. April 1909 dauert und ihnen wesentliche Vorteile bringt. Der Minimallohn, der bis- her nach mündlichen Abmachungen 50 Pf. pro Stunde betrug, ist auf 60 Pf. erhöht worden. Vom 1. April 1908 ab wird die Arbeits- zeit, die gegenwärtig 914 Stunden beträgt, auf 9 Stunden ver- kürzt und der Stundenlohn auf 65 Pf. erhöht. Bei Ueberland- arbeiten wird neben freier Beköstigung der volle Lohn und die Eisenbahnfahrt gewährt. Die Organisation der Stukkateurgehülfen hat das Verdienst, den günstigen Tarif erreicht zu haben. Achtung, Metallarbeiter! Auf der Fittingsfabrik Wöste u. Cie zu Düsseldorf haben 75 Schmiede und Zuschläger wegen Lohn- differenzen die Kündigung eingereicht. Die Firma hat daraufhin 30 Drehern und Gewindeschncidern gekündigt.— Auf dem Emaillierwerk Hibh in Düsseldorf haben die Arbeiter der Stanzerei wegen Maßregelung eines Kollegen die Kündigung eingereicht. Zuzug ist fernzuhalten. Hustaid» Die Stukkateure in Enschede haben am Donnerstag die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen Erhöhung der Stundenlöhne um 4 Cent. Die Unternehmer hatten einen Stundenlohn von 24 Cent geboten, doch wollten sie einen Teil der Gehülfen nach Belieben bezahlen und außerdem bisher nicht übliche Abzüge für Frühstücks- und Vesperpausen machen. Unter de» Gemeindearbeitern Amsterdams macht sich gegen- wärtig eine lebhafte Bewegung geltend, die hauptsächlich dadurch hervorgerufen wurde, daß Bürgermeister und Magistrat der Stadt den Entwurf zu einer neuen Lohnregelung vorgelegt haben, welche den Arbeitern keineswegs solche Löhne bietet, wie sie bei den steigenden Lebensmittelpreisen und Wohnungsmieten notwendig erscheinen. Am Donnerstag fand eine große Versammlung der Gemeindearbeiter statt, die ihre Unzufriedenheit mit der Lohn- regelung in einer Resolution kund gab, welche dem Bürgermeister» Magistrat und Gemeinderat überwiesen wurde. Die Mitgliederzahl der Amsterdamer Abteilung des Rieder- ländischen Gemeindcarbeiterverbandes ist im Laufe der letzten drei Monate von 800 auf 1250 gestiegen. Der Ausstand der Kohlenarbeiter in Belfast ist beigelegt. Der Ausstand der Fuhrleute ist so gut wie beigelegt, da nur noch einige Einzelheiten zu regeln sind. Die unzufriedenen Polizisten sind in entfernte Bezirke versetzt worden« Versammlungen. am Die Filiale Berlin des Zentralverbandes der Töpfer hielt Freitag im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine Mit- gliederversammlung ab, in der über die Verhandlungen und Be- schlüsse der 8. Generalversammlung des Perbandes berichtet wurde. Das Protokoll der Generalversammlung liegt den Mitgliedern übrigens in einer 248 große Oktabseiten starken Broschüre gedruckt vor. Als Referent sprach zunächst Paul H e i n s i ck, der eine Uebersicht über die wichtigsten Punkte des Vorstandsberichtes und der Verhandlungen gab schließlich der bekanntlich abgelehnten Arbeitslosenunterstützung einige Aus- fvhrungen widmete. Sodann berichtete Hans Sorg über die Beschlüsse der Generalversammlung, die Gründe, die für die einzelnen Beschlüsse maßgebend waren, und die Bedeutung, die sie für die Mitglieder haben. Er wies u. a. auf die Beseitigung des 15 Pf.-Beitrages hm, der bisher von den Arbeitslosen bezahlt werden mußte, sowie auf die Erhöhung der Verbandsbeiträge um 5 Pf., die als Ersatz dafür und zu weiterer Stärkung der Finanz- kraft des Verbandes beschlossen wurde. Die nun von Beiträgen befreiten arbeitslosen Mitglieder haben sich nach dem neuen Ver- bandsstatut mindestens einmal wöchentlich zur Kontrolle zu melden. Sehr beachtenswert für die Mitglieder ist auch der Beschluß, daß der Anspruch auf Krankcnunterstützung erlischt, wenn er nicht spätestens im Laufe von 4 Wochen nach Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit geltend gemacht wird. Im übrigen hat ja der „Vorwärts" seinerzeit über die Generalversammlung der Töpfer, die vom 12.— 17. Mai in Berlin tagte, ausführlich berichtet. Die Diskussion über die Berichte der Delegierten wurde auf die nächste Versammlung vertagt. Unter Verschiedenem machte der Vorsitzende S e g a v e be- kannt, daß in der Woche vom 12.— 17. August eine Bautenkontrolle stattfindet, die sich nicht nur auf die Töpfer, sondern auch auf die Töpferträger erstrecken wird, mit deren Organisation schon eine Verständigung hierüber erfolgt ist. Es ist notwendig, daß jeder in der Kontrollwoche sein Mitgliedsbuch bei sich trägt, damit ein genaues Bild über die Organisationszugehörigkeit der Kollegen und Berufsgenossen gewonnen werden kann. Letzte JVacbncbten und Dcpcfcbm Ein Dorf in Flammen. Posen, 3. August.(B. H.) Die Ortschaft Jmoliany(Gou- vernement Mohilew) wurde von einer Bande in Brand gesteckt. 114 Häuser der Juden, 15 der Christen, 76 Läden und 5 Synagogen wurden eingeäschert. Ein junge? jüdisches Mädchen fand den Tod in den Flammen._ Ueberfall im Eisenbahnzuge. Budapest, 3. August.(B. H.) In der Nähe der Südbahnr station Balaton St. Georg wurde der Viehändler Kezegi über- fallen, ausgeraubt und aus dem fahrenden Zuge geworfen. Der Ueberfallene ist lebensgefährlich verletzt. Die Täter sind unerkannt entkommen._ Nachklänge von der Winzerbewegung. Paris, 3. August.(B. H.) Aus Caret wird berichtet, daß vo5 20 Gemeindeverwaltungen, welche ihre Demission eingereicht hatten, 14 dieselbe sofort nach Eintreffen der Nachricht über die Freilassung der verhafteten Mitglieder des Komitees von ArgelliereS zurückgezogen haben, die sechs übrigen wollen diesem Beispiele folgen._ Zu den Vorgängen in Easablanea. Paris, 3. August.(W. T. B.) Eine Note der„Agence Havas� lautet: Dem Vernehmen nach werden infolge der beklagenswerten Zwischenfälle in Casablanca und ipegen der vollständigen Unfähig- keit des Maghzen, sie zu verhindern, zwischen Frankreich und Spanien Unterhandlungen gepflogen, um ein Einvernehmen über die Landung einer Mannschaft in diesem Hafen herbeizuführen» die notwendig ist, um die Sicherheit der Angehörigen aller Ratio- nalitäten und die Bestrafung der Schuldigen zu gewährleisten. Die Besetzung, welche eine zeitweilige sein soll, entspricht dem Geiste der Algecirasnote und würde den Mächten von Frankreich und Spanien unverzüglich bekanntgegeben werden. Ein schweres Automobilunglück. Bordeaux, 3. August.(W. T. B.) Zwei Journalisten auS Bordeaux, welche die Richtigkeit eines Gerüchts über einen bei der Automobilwettfahrt des Kriteriums von Frankreich angeblich vor- gekommenen Unfalls feststellen wollten, fuhren im Automobil von hier ab und stiehen infolge des Standes mit einem an der Wett- fahrt teilnehmenden Wagen zusammen. Tie drei Insassen deS letzteren wurden sofort getötet, während die beiden die Journalisten begleitenden Chauffeure an den erlittenen Verletzungen kurz darauf starben. Tie beiden Journalisten selbst wurden schwer verwundet. Ein anderer Unfall hat sich bei der Wettfahrt 20 Kilometer von Libourne entfernt zugetragen; bei diesem wurden eine Person schwer und zwei leicht verletzt. Neue Opfer. Petersburg, 3. August.(W. T. B.) Durch Spruch des Kriegsgerichts sind heute in der Angelegenheit der KronstSdter revolutionären Organisation 21 Angeklagte zu Zwangsarbeit von 4 bis 8 Jahren, ein Stundent zu 2 Jahren Festung und ein Marinearzt zu Deportation verurteilt worden. Ein Student und eine Bäuerin wurden freigesprochen. 29 Millionen Dollar Geldstrafe. Chicago, 3. August.(W. T. B.) Ter Richter des Bunde». gerichtshofs legte der Standard Oil Compagnie eine Geldstrafe von 29 240 000 Dollar auf wegen der Annahme von Rabatt auf Oil- Verschiffungen.__ Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlagsanjtalt Paul Singer Le Co., Berlin L W. Hierzu 1 Beilage», gt. 180. 34. 1, Kilm des Joruiitls" KrlimWWM. Sonntag, 4. August 1907. ».,_______««««« l Winter sogar bis 8 Uhr. Für den Schulbesuch wurde wenig VöntKidvfll� BetrleDSUnralle� sZeit gewährt. Männel durfte nachmittags 4 Uhr mit den .«-> K«««.«.w iS�'S USn„ SÄSUtÄ Ä» arsenhaltiger Säuren bei solchen Arbeiten, wo die Säuren aus Metall einwirken, Anordnungen getroffen hat, ist im letzten Jahre von einer weiteren Vergiftung auf diese Weise nichts bekannt ge- worden. Aehnlich wie früher die Verwendung arsenhaltiger Säuren hat die Verwendung benzolhaltiger Anstrichmittel zum Jnnenanstrich von Dampfkesseln und anderen Arbeitsbehältern trotz privater Warnungen immer wieder tödliche Unfälle veranlaßt. Diese unter verschiedenen Namen wie Anticorrosivum, Dermatin usw. in den Handel gebrachten, bis 30 Proz. Benzol enthaltenden Anstrichmittel, geben einen durch rasches Verdunsten des Benzols schnell trocknenden und ziemlich widerstandsfähigen Anstrich. Aber die bei Verwendung dieses Anstrichmittels entstehenden Benzol- dämpfe behindern, da sie in den engen Kesseln meist nicht ge- nügenden Abzug finden, die Atmungstätigkeit der Arbeiter oft in so hohem Grade, daß sie schwindlich und ohnmächtig werden, und dabei, wenn nicht andere Personen glücklicherweise dazukommen, die sie noch retten, ihren Tod finden, wie es in Altona, Breslau, Schleswig u. a. O. geschehen ist. Außerdem können die äußerst ent- zündlichen Benzoldämpfe sich an dem zur Jnnenbeleuchtung nötigen Licht entzünden und auch durch Explosionen tödliche Unfälle her- vorrufen. Auch dies ist leider wiederholt vorgekommen. Ein Ministerialerlaß vom 17. Januar lötlö hat wohl schon auf die wiederholt in den Jahren 1896 und 1893 durch solche unter dem Namen Anticorrosivum in den Handel gebrachte Kesselanstrich- mittel verursachte tödliche Unfälle hingewiesen und vor Ver- Wendung derselben zum Jnnenanstrich von Kesseln und ähnlichen Apparaten gewarnt. Aber diese bcnzolhaltigen Anstrichmittel werden nicht nur unter dem Namen Anticorrosivum, sondern auch unter verschiedenen anderen Namen in den Handel gebracht. So mutz der letzte Jahresbericht der preußischen Gewerbeaufsichts- beamten aus dem Bezirk Düsseldorf berichten, daß bei Bestreichen der Innenwände eines Dampfkessels mit einem benzolhaltigen, unter dem Namen Dermatin verkäuflichen Anstrichmittel die beiden Anstreicher, der Heizer und Maschinist schwer erkrankt seien, und an den Folgen längere Zeit krank gelegen haben. Läge es da nicht einfach nahe, die Verwendung aller mit einem bestimmten Piozentgehalt Benzol oder ähnliche giftige Lösungsmittel ent- haltende Anstrichmittel, unter welchem Namen sie auch angeboten werden, auf Grund des§ 120a Abs. 1 der Gewerbeordnung zum Jnnenanstrich von Dampfkesseln und ähnlichen Apparaten zu ver- bieten? Das Verbot müßte für das ganze Reich vom Reichskanzler erlassen werden. Auch sonst müßte die Gewerbeaufsicht auf die Arbeiten an Destillierblasen, Dampfkesseln und anderen größeren Kesseln und Kesselwagen, die gefährliche Stoffe enthalten, be- stimmtere Bestimmungen erlassen und bessere Aufsicht führen. So sollte die Verwendung eines Kesselsteinmittels verboten werden, das Alkalichromat enthält, und das zwar das Abklopfen des Kessel- steines erleichtert, aber durch den dabei entstehenden chromsäure» haltigen Staub eine höchst gefährliche Einwirkung auf die Schleim- häute der Atmungsorgane der dabei beschäftigten Arbeiter ausübt. Benzoldämpfe sind natürlich nicht nur gefährlich, wenn sie von Anstrichmitteln herrühren, sondern auch sonst, wenn sie der Atmungsluft beigemischt sind. Das zeigt ein im letzten Jahre im Bezirk Wiesbaden vorgekommener Unfall. Ein Arbeiter mutzte in einen liegenden Kessel steigen, um den Rückstand einer Auslaugung durch Benzol daraus zu entfernen, obwohl der an den Wänden fest- haftende Rückstand noch ganz mit Benzol durchtränkt war und aus dem mangelhaften Verschluß der Benzolleitung immer noch Benzol hinzutropfte, wodurch der ganze Raum mit Benzoldampf erfüllt war. Der Arbeiter wurde von ihnen bald betäubt, aber da man ihn beobachtet hatte, konnte er noch bei den sogleich ge- machten Versuchen gerettet und lebendig an die frische Luft gebracht werden, obgleich ein in dem Kessel befindliches Rührwerk die Rettung erschwerte. Aber der mangelhafte Zustand dieses Betriebes sollte dabei einem anderen Arbeiter zum Verderben werden. Dieser hatte, um zu dem im Kessel Befindlichen zu gelangen, an der Stirnwand des Kessels dicht über dem Boden ein Mannloch ge- öffnet und war da hineingestiegen. Hier mutz wohl die Ansamm- lung der Benzoldämpfe noch größer gewesen sein, denn er stürzte bald hin und war bereits tot. als er aus dem Kessel geschafft werden konnte. Die Sektion des Toten ergab, daß er frei von organischen Fehlern gewesen war, also lediglich durch die Benzol- dämpfe getötet worden ist. Auch im Bezirk Oppeln kam im vorigen Jahre ein Arbeiter beim Reinigen eines Bcnzollagerkessels ums Leben. Daß Benzindämpfe beim Einatmen ebenfalls gefährlich sind, zeigt ein im vorigen Jahre im Bezirk Arnsberg vorgekommener Unfall, bei welchen, ein junger Arbeiter, der in eine Bcnzinwasch. Maschine hineingestiegen war, um den darin vorhandenen Schmutz zu entfernen. Auch er wurde bald von den Dämpfen betäubt und bewußtlos, konnte jedoch noch lebend herausgezogen werden. Aber es bildeten sich an den Stellen des Körpers, die in dem Benzin- schlämm gelegen hatten, böse Geschwüre und Wunden. Wiederholt ist es auch vorgekommen, daß die zu besteigenden Kessel vorher gar nicht richtig von der Verbindung mit anderen, unter Heizung stehenden Apparaten getrennt worden waren, so daß dann hineinsteigende Arbeiter die gefährlichen Gase oder Dämpfe, die aus jenen Apparaten hinüberkamen, trafen. So erging es einem Arbeiter in einer Harzdestillation im Bezirk Köln im vorigen Jahre, der dabei tödlich verbrannt wurde. Viele Unfälle kommen auch Jahr für Jahr beim Reinigen großer Schwefelsäuretransportkessel vor von dem sich in ihnen ab- setzenden Schlamm, namentlich, wenn sie sogenannte Abfallsäure enthielten, d. h. Schwefelsäure, die schon zur Herstellung von Nitro- glycerin, Nitrozellulose oder anderen Nitroverbindungen gedient hatten, und die dabei immer noch bedeutende Mengen von Salpeter- säure enthält. Hier entwickeln sich beim Aufrühren des abgesetzten Schlammes mit Wasser die so gefährlichen rotbraunen Dampfe von Untersalpetersäure, deren Einatmung nach einigen Stunden heftige Erstickungsanfälle hervorrufen, denen die Betroffenen in wenigen Stunden erliegen. � Im vorigen Jahre sind wieder eine ganze Reche Arbeiter m den Bezirken Lüneburg, Arnsberg und Oppeln auf diese Weise umS Leben gekommen. Jahrzehntelang können sich jedes Jahr dieselben Unfälle aus denselben Ursachen ereignen, in denen Menschen ums Leben oder zu schweren Gesundheitsschäden kommen, die Fälle werden registriert, aber Verbote zu erlassen, die die Wiederkehr der Unfälle unmöglich machen, das gibt es nicht, denn die Industrie könnte dadurch ja „beunruhigt" werden. Hier bleibt den Arbeitern, die ihre Haut zu Markte tragen, vielfach nichts übrig, als sich selbst zu rühren, sich selbst über die ihnen drohenden Gefahren zu orientieren und solche Unfälle entschieden nicht länger zuzulassen. Soziales. Ein Arbeiterjubiläum. 70 Jahre Dienstzeit in kaiserlichen Diensten und als Jubiläumsgabe einen Blumenstrauß— den Arbeitskollegen siifteten, das ist der neueste Beitrag zum Kapitel: Jedem das Seine! Die„Straßburger Bürgerztg." berichtet über das dieser Tage begangene 70jährige Arbeiterjubiläum des Ar- beiters Karl Männel von der dortigen Tabakmanufaktur. Männel, der 80 Jahre alt und noch in Arbeit ist, trat als lOjähriges Kind in die damalige Tabakregie ein. Die Regie stellte Kinder von 9s/2 bis 10 Jahren als Arbeiter ein und beschäftigte sie von morgens 6 Uhr bis abends 7 Uhr, im lich bei Beginn des Unterrichts 2 Sous im voraus für ihre Schulstunden. Männel wurde in der Abteilung für Scheck- tabak angestellt, war zuerst Raddreher und dann Spinner. 30 Jahre arbeitete Männel in dieser Abteilung, dann wurde er der Schnupftabakfabrikation überwiesen und ist heute 40 Jahre in diesem Dienste tätig. Es ist bemerkenswert, daß das 70jährige Arbeiterjubiläum Männels in der kaiserlichen Tabakmanufaktur in der Ueberreichung einiger Blumen be- stand. Diese Blumen waren von Fabrikarbeitern gestiftet. Prügclpödagogik. Der acht Jahre alte Oskar Gertz ist Schüler der Volksschule in Danzig-Langfuhr. Im Juni mußte er krankheitshalber einige Tage zu Hause bleiben. Nach seiner Gesundung schickte ihn sein Pflege- vater mit einem Entschuldigungsschreiben zur Schule. Dem Lehrer Zimmermann erschienen die Entschuldigungs- gründe nicht stichhaltig. Ohne erst von dem Pflegevater des Gertz näheren Aufschluß zu verlangen, bezeichnete er den Jungen als „frechen, unverschämten Lügner" und verprügelte ihn obendrein. Schließlich erhielt der Pflegevater noch folgenden liebenswürdigen Brief von dem Herrn Lehrer: „Ihr Junge ist ein ganz frecher, unverschämter Lügner, deshalb habe ich ihn in geb. Weise bestraft, ins Schulbuch eingetragen. Ich glaube aber nicht, daß er aus sich heraus so geworden ist; esmachensichanihmelterliche Einflüsse geltend. Der Junge hat nicht wegen Krankheit gefehlt; im Gegenteil ist er zuhause recht munter und gesund gewesen. Am Sonntag ist er sogar zur Fahnenweihe gewesen. Ihre Entschuldigung kann ich nicht gelten lassen. Der Junge wird zur Strafe geschrieben. Zimmermann." Der Pflegevater stellte Strafantrag gegen den Lehrer wegen Körperverletzung und Beleidigung. Zwei Zeugen, darunter ein Arzt als Sachverständiger, sollten bekunden, daß der Lehrer sein Züchtigungsrecht überschritten hatte, ganz abgesehen davon, daß in diesem Falle überhaupt keine Veranlassung zum Prügeln vorlag, weil die Annahme des Lehrers, der Junge sei nicht krank, sondern gesund, und auf der Straße und zur Fahnenweihe gewesen, irrig war. Nicht weniger als sieben Zeugen wollten bestätigen, daß der Junge tatsächlich krank und nicht auf der Straße, geschweige auf einem Feste gewesen sei. Die Beleidigung erblickte der Pflegevater in den Stellen des Briefes: „Ihr Junge ist ein ganz frecher, unverschämter Lügner"... „Ich glaube aber nicht, daß er aus sich heraus so geworden ist; es machen sich an ihm elterliche Einflüsse geltend." Der Staatsanwalt lehnte ein Einschreiten gegen den Lehrer ab mit der Begründung, daß das Züchtigungsrccht nicht über- schritten worden sei. Auch eine Beleidigung des Pflegevaters durch den Lehrer liege nicht vor, da der Junge erst angegeben hätte, daß er krank gewesen sei. Bei dieser Aussage blieb der Junge solange, bis ihm damit gedroht wurde, ihn zum Rektor zu führen. Da erst gab er zu, auf der Straße und nicht im Bett gewesen zu sein; er gab auch zu, von seinen Eltern zu seinen ersten Aussagen an- gehalten zu sein. Nun wandte sich der Pflegevater an den Oberstaatsanwalt und machte geltend, daß sein Sohn allerdings auf die Drohung, ihn zum Rektor zu führen, zugegeben habe, auf der Straße und nicht im Bett gewesen zu sein. Das sei aber lediglich aus Furcht vor weiterer Strafe geschehen. Ilm weiteren Prügeln zu entgehen, hätte das Kind eben alles zugegeben, was der Lehrer haben wollte, was psychologisch auch erklärlich sei. Nochmals wurde um Ver- nehmung der angegebenen Zeugen ersucht. Jedoch lehnte der Oberstaatsanwalt ebenfalls ab, gegen den Lehrer vorzugehen. Das Zeugnis des Arztes, so meint der Oberstaatsanwalt, könnte die bisherigen Ermitte- lungen nicht beeinflussen, die ergeben haben, daß der Lehrer das Züchtigungsrecht nicht überschritten habe. Auch der Anlaß der Züchtigung sei für das Strafverfahren ohne Bedeutung. Die in dieser Hinsicht genannten Zeugen brauchten deshalb nicht gehört zu werden. Endlich stände dem Lehrer noch der§ 103 des Strafgesetzbuches zur Seite. Diesen Bescheid auf dem Klageweg anzufechten, dazu fehlt eS an Geld und wohl auch an genügendem Vertrauen zur preußischtn Rechtspflege. Die Staatsanwaltschaft hört den Beschuldigten, lehnt die Vernehmung der benannten Belastungszeugen ab und ent- scheidet. Damit Punktum._ Die gelbe Gefahr. Einen interessanten Beitrag zu der Diskussion über Ein- Wanderung und Auswanderung, die ja auch auf dem inter- nationalen Kongreß in Stuttgart eine hervorragende Rolle ein- nehmen wird, liefert eine Zuschrift, die der New-Uorker„Volks- zeitung" aus Honolulu, der Hauptstadt der Insel Hawai, zugeht. Danach werden die Weißen immer mehr durch die asiatische Ein- Wanderung, namentlich von den Japanern, verdrängt. Nicht bloß die Arbeiter, sondern auch die Kaufleute und die Handwerker klagen über die japanische Konkurrenz, die ihnen das Geschäft schnell und sicher zerstört. Der Japaner verkauft so billig, wie der weiße Kaufmann es nicht tun kann, da er ganz andere Bedürfnisse hat als jener. Die Hauptkunden der Japaner waren bisher die Eingeborenen, Portugiesen und die schlecht bezahlten, armen, Weißen Arbeiter. Aber mehr und mehr zieht der japanische Kauf- mann auch die sogenannten besseren Klassen zu seiner Kundschaft heran. Die Handwerker, die zuerst japanische Arbeiter einstellten, um sie als billige Arbeitskräfte gegen die weißen Arbeiter aus- zuspielen, werden jetzt selbst von jenen verdrängt. Durch diese Entwickelung werden die Löhne und damit die Lebenshaltung der weißen Arbeiter immer mehr herabgedrückt. Eine Gewerkschaft amerikanischer Zimmerleute, die lange Zeit in Honolulu bestand, ist dadurch zu gänzlicher Ohnmacht herabgesunken. Die japanischen Zimmerleute arbeiten ungeheuer billig. Sie stellen z. B. die Zimmerarbeiten an einem Hause mit ö Zimmern für 1200 M. her, während die amerikanischen Zimmerer 3200 M. hierfür fordern. Infolge des neuen amerikanischen Einwanderungsgesetzes hat die japanische Regierung Untersuchungen angestellt, welche den Zweck haben sollen, die japanische Auswanderung nach anderen Ländern zu lenken. Kommissare sind nach Mexiko, Südamerika und anderen Ländern gesandt worden, um die Verhältnisse zu studieren. Eines der Hauptprobleme der japanischen Regierung ist, für den Abfluß des Bevölkerungsüberschusses nach anderen Gebieten Vorsorge zu treffen, da jeder Fuß Land im japanischen Reiche bereits unter Kultur und die Industrie überfüllt ist, und der jährliche, natürliche Zuwachs der Bevölkerung auf 800000 Seelen geschätzt wird, für welche Platz geschaffen werden muß. Ein Skandal. Daß im Mansfeldischen Kupferschieferbau Kinder von 14 bis 16 Jahren unterirdisch beschäftigt werden, das dürfte noch wenig bekannt sein. Um so größeres Aufsehen erregt eine Publikation des Oberbergamts Halle. Diese staatliche Behörde hatte am 23. Oktober 1903 eine Enquete veranstaltet, die sich mit den Lebensverhältnissen der im Oberbergamtsbezirk Halle beschäftigten Bergarbeiter befaßt. Nach reichlich IVj Jahren hat sie das Material in einem umfangreichen Bande herausgegeben, dem die nachfolgenden Angaben für heute entnommen seien: Im Revier Eisleben dominiert die Mansfelder kupferschiejer- bauende Gewerkschaft. Die Gegend zeichnet sich dadurch auS» daß die Bevölkerung den Dr. Arendt in den Reichstag gewählt hat. Die dortige bergmännische Bevölkerung figuriert bei Paraden vor höchsten und allerhöchsten Herrschaften im vollsten Wichse glanzvoller Uniformen. Und die Mansfelder Gewerkschaft hat— entgegen dem Reichsgesetz— das Privileg, zur höheren Ehre des Profites Kinder ausbeuten zu dürfen. Die Gesamtbelegschaft im Oberbergamtsbezirk Halle betrug 61 812 Personen. Hiervon waren 740 weibliche, davon 203 ver« heiratete; außerdem 2 Kinder unter 14 Jahren und 1787 junge Leute von 14— 16 Jahren. Hiervon arbeiteten 1030 unter Tage und davon wieder 1010 bei der Maus- selber kupfcrschicferbauenden Gewerkschaft! Um die ganze Un- geheuerlichkeit dieser Tatsache würdigen zu können, stelle man sich die Arbeit vor: Die Jungen müssen im Schachte, umdroht von unzähligen Gefahren, abgeschnitten vom Tageslicht, von Sonne und Luft, Gänge durchkriechen, die kaum IVa— 2 Fuß hoch sind. Angeschnallt an ein Brett, ziehen sie hinter sich an den Füßen die beladenen Hunte her und schaffen das gewonnene Erz zu den Stollen und Ausgängen des Schachtes. Manche junge Menschen- blüte wird dort unten in den Därmen der Erde geknickt, Un- summen blühender Kraft der Nation durch diese privilegierte Mord- arbeit entzogen! Die millionenreiche Gesellschaft stürzt sich gierig auf die jungen, billigen Menschenknochen, nützt sie aus unter den Augen einer Regierung, die Wunder wie stolz auf ihre„herrliche" soziale Gesetzgebung ist. Die Unternehmer oder die Herren Arendt und Konsorten werden einwenden, die unterirdische Beschäftigung der Kinder sei eine technische Notwendigkeit. Die Praktiker lachen darüber! Die Transportmittel in den Schächten, die Bewegung der Lasten mittels Seilbahn und elektrischer Kraft lassen leicht aus den Raubbau an der Arbeitskraft der Kinder verzichten. Eine Industrie, die wirklich nur prosperieren kann durch Kindermord, ist nicht existenzwürdig. Hoffentlich haben die Minister Zeit, sich um den Skandal zu kümmern. Zahnarzt oder Zahntechniker? Viele Zahnärzte suchen die Kassenvorstände' und Aufsichts- bchördcn zu der Auffassung zu bringen, die Kassen hätten ihre Mitglieder unbedingt und in erster Linie zu Zahnärzten zu schicken» sobald sich solche am Platze befänden. Daß dieses Ansinnen un- berechtigt ist, hat jetzt sogar der Syndikus des zahnärztlichen Ver- einsbundes auf der letzten Generalversammlung desselben recht kleinlaut zugegeben. Der Vorstand einer Ortskrankenkasse schickte die Mitglieder, wenn sie zahnärztliche Hülfe verlangten, zu Zahn- technikern. Auf eine Beschwerde der Zahnärzte erteilte der Äe- gierungspräsident den Bescheid, die Zahnärzte irrten sich, wenn sie meinten, die Kasse müsse jedem um zahnärztliche Behandlung nachsuchenden Mitgliede einen auf den Namen eines approbierten Zahnarztes lautenden Kassenschein ausstellen. Das Publikum mache keinen Unterschied zwischen Zahnärzten und Zahntechnikern. Beantrage es zahnärztliche Behandlung, so sei damit nicht gesagt. daß es durch einen approbierten Zahnarzt behandelt werden wolle. Auf eine weitere Beschwerde bestätigte der preußische�andels- minister diese Entscheidung, doch fügte er hinzu, daß, wenn ein Mitglied ausdrücklich verlange, durch einen approbierten Zahn- arzt behandelt zu werden, diesem Begehren stattgegeben werden müsse. Den gleichen Bescheid erteilte der Staatssekretär der Marine. Das ist gerade das umgekehrte von dem, was bisher manche Zahnärzte behauptet haben. Die Kassenmitglieder brauchen also nur dann zu einem approbierten Zahnarzt geschickt zu werden, wenn sie es ausdrücklich verlangen. Eue Induftne und ftandd* Verstaatlichung der Gotthardbahn. AuS Zürich wird uns geschrieben: Mit dem 1. Mai 1909 soll die Gotthardvahn als letzte der fünf großen Hauptbahnen verstaatlicht werden. Die Grundlage für die Durchführung dieser Aktion bilden die Konzessionsurkunde und das Bundesgesetz über das Rechnungswesen der Eisenbahnen. In gleicher Weise sind vor mehreren Jahren auch die anderen vier Hauptbahnen verstaatlicht worden. Das Rechnungsgesetz erwieS sich seinerzeit als eine dringende Notwendigkeit, um den Raubgelüsten der schweizerischen und ausländischen Aktionäre eine Grenze zu ziehen. Systematisch waren obliegende Banverpflichwngen für den Ausbau der Netze und die Instandhaltung des rollenden Materials unerfüllt gelassen worden, um hohe Dividenden und Tantiemen verteilen und schließlich bei der Verstaatlichung vom „lieben Vaterland" trotzdem noch einen Wucherpreis erzielen zu können. DaS Rechnungsgesetz machte durch diese Manöver der Börsenjobber einen Strich, worüber die Herren damals geradezu wütend waren und darum alle möglichen und unmöglichen Mittel vorsuchten, es unwirksam zu machen, d. h. der Schweiz die selbständige Regelung ihrer Angelegenheiten zu verunmöglichen. Die Mühe war umsonst, allein schließlich mußte die Schweiz doch die Bahnen zu enorm hohen Preisen kaufen und unter dieser Teuerung leiden heute noch die unteren Angestellten und Arbeiter der Bundesbahnen, deren Löhne noch sehr verbesserungsbedürftig sind. Da die Arbeits- und Lohnverhältnisse an der privaten Gott- hardbahn bessere sind, hat das Personal schon vor zirka 1>/z Jahren im Hinblick aus die in Aussicht stehende Verstaatlichung Stellung genommen und in einer Eingabe an die Bundesbehörden der Er- Wartung Ausdruck gegeben, daß die Verstaatlichung ihre Existenz- bedinguugcn nicht verschlechtern werde. Andererseits erwartet das gesamte Personal der Bundesbahnen, daß die Verstaatlichung der Gotthardbahn ihm eine Besserung seiner Arbeits- und Lohn- Verhältnisse entsprechend den an der Gotthardbahn bestehenden bringen werde. Es muß anerkannt werden, daß in der Tat die Arbeits- und Lohnverhältnisse an der Gotthardtbahn einigermaßen befriedigende sind und daß in dieser Beziehung die Verwaltung der- selben stets entgegenkommend war. Dabei ist die Gotthardbahn durchaus gut gefahren. So hat sie 1906 einen Reingewinn von zirka 4 Millionen Franken erzielt und daraus nicht nur den Aktionären eine Dividende von 7,4 Proz. ent» richtet, sondern auch noch den drei Subventionsstaaten(Schweiz, Deutschland und Italiens die Summe von 200000 Franken zu- kommen lassen. Nun haben im Hinblick auf die bevorstehende Verstaatlichung der Gotthardbahn die deutschen Aktionäre bereits den Kampf um die Erzielung einer reichen Beute eröffnet. Ohne ersichtlichen triftigen Grund haben sie sich mit einer Eingabe an das Auswärtige Amt in Berlin gewandt, um es ihren Beutegelüsten dienstbar zu machen. In ihrer blinden und tollen Spekulationswut verwechseln sie die Schweiz mit Venezuela oder einem anderen südamerikanischen Raubstaat, gegen die ja erfahrungsgemäß schnell zugunsten der oft recht wucherischen Schuldforderungen europätscher Spekulanten ein Kriegsschiff entsandt wird. Was soll denn aber das Berliner Auswärtige Amt der Schweiz gegenüber tun? Zunächst hätten doch die Berliner Börsenjobber den Gang der Verstaatlichnngsverhandlungen abwarten sollen. Im Gegensatz zu ihnen blickt die Verwaltung der Gotthardbahn in Lnzern den Dingen mit aller Ruhe entgegen. Das Berliner Aus» wärtige Amt hat keinerlei Mittel, die seit Jahren bestehende schweizerische Eisenbahngesetzgebung zum Vorteil deutscher Kapitalisten abzuändern; eS kann auch nicht die Forderung des Bundesrates an die Gotthardbahn, auf einer bestimmten Strecke ein zweites Gleise herzustellen, bestreiten und ebensowenig vermag eS das im Gesetz als letzte entscheidende Instanz vorgesehene Bundesgericht aus- schalten. In rechtlicher Beziehung ist also das Vorgehen der Berliner Banken ebenso arrogant als lächerlich, was ihnen auch die deutsche Börsenpresse hätte sagen dürfen. In materieller Beziehung verlangen die Berliner, daß das Aus- wältige Amt einfach für den Preis von 223 Proz. oder IIIS Fr. pro Aktie einstehe, damit sie auf ihren berechneten fetten Profil kommen. Ist das Auswärtige Amt in Berlin eine Effektenbörse oder der Schacherjnde einer Gruppe von Kapitalisten? Das ist denn doch eine unwürdige Zumutung und die Herren sollten hinausgejagt werden aus dem Tempel, wie eS mit ihresgleichen schon Christus in Jerusalem gemacht hat. Welche Beute die geforderten IIIS Fr. bedeuten, ist daraus zu ersehen, daß die Gotthardbahnaktien in den letzten Wochen an der Züricher Börse einen KurS von 950 Fr. hatten, es soll also ein Zu- schlag von 1f3S Fr. auS der Tasche des Schweizervolkes gemacht werden. Auf solche beutelüsterne Forderungen geht hoffentlich der schweizerische Bundesrat nicht ein. denn die Folge des zu hohen Ankaufspreises würde die Verschlechterung der Arbeits- und Lohn« Verhältnisse des gesamten Bahnpersonals sein, dessen Interessen ganz anderer Berücksichtigung bedürfen, als der Beutezug der Berliner Börsenjobber. Die schweizerische Presse ohne Unterschied der Parteirichtung wendet sich entschieden gegen die verwerfliche und absolut unbe rechtigte Aktion in Berlin._ Avschwächung in der Eisenindustrie. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" schreibt: Die Spannung auf dem Koksmarkte hat tat- sächlich nachgelassen: die Anforderungen können mehr als gedeckt werden. Die Ursache dürfte in dem verringerten Bezug der Hüttenwerke zu suchen sein, wo der Verbrauch anscheinend schon eure Einschränkung erfahren hat. Für den Monat August sollen wenigstens von manchen Hütten geringere Bedarfsmengen als vorher aufgegeben worden sein. Damit ist die Tatsache als gegeben zu betrachten, daß die Abschwächung auf dem Eisenmarkt mmmehr auch den Kohlenmarkt in Mitleidenschaft gezogen hat. Fleischtrustpolitik. Eine der aufreizendsten Blüten der amerikanischen Vev trustnng ist bekanntlich der amerikanische Fleischtrust, dessen mono polistische Wirkungen der Masse der Konsumenten unmittelbar nahe gehen. Nach den Enthüllungen des Genossen Sinclair, welche die ekelerregenden Folgen eines unbeschränkten Privatmonopols an Genußmitteln so drastis' dieser Trust zumindest Genußmitteln so drastisch aufgedeckt, konnte man meinen, daß dieser Trust zumindest einen Schlag aufs Haupt erhalten habe, von dem er sich nicht wieder erholen würde. Wer das geglaubt, war allerdings auf dem Holzwege. Ganz unberührt von dem Entrllstungsschrei der öffentlichen Meinung, schreitet der Trüst in seinem auf das umfassendste Monopol gerichteten Streben vorwärts und eben kann man in der englischen Presse eine seiner weitblickenden Aktionen lesen, die unsere Bourgeoisie stets mit ängstlicher Bewunderung über die kapitalistische Gerissenheit der Fankees erfüllen. Der Trust hat nach längst vorliegenden Mustern die Werke einer Kastlagerraumgesellschaft in Argentinien erworben und somit eine Expansionspolitik eingeleitet, welche deutlich auf die voll» ständige Monopolisierung des Fleischmarktes hinzielt. Der un- mittelbare �weck, den der Rindfleischtrust mit seiner Festsetzung in Argentinien verfolgt, ist natürlich zunächst der, in das ihm nicht zugängliche Gebiet des Hammelfleiichkonsums sich einzumischen. Bekanntlich sind Australien und Argentinien hierfür in über- ragendem Maße Exportstaaten geworden. Die namentlich in dem letzten Jahrzehnt enorm ansteigende Einfuhr von gefrorenem Hammelfleisch ist die direkte Folge einer in hohem Maße vervoll- kommneten Kältetechnik geworden. Diese gestattet es, auf dem estlande ungeheure Fleischquantitäten durch und durch zu ge- fieren, dieselben dann in maschinell gekühlte Schiffe zu stapeln und zu verschiffen und sie ebenso wieder bei der Landung in auS- gedehnten Lagerhäusern zu konservieren. Erst durch diese Höhe der Kühlhaustcchnik ist der moderne Massenkonsum zur Wirklichkeit gediehen und die Grenzen für den Fleischmarkt zeitlich und räuinlich weit herausgeschoben worden. Naturgemäß hat das frei- händlcrische England den Löwenanteil an dem Vorteile, die ein solchermaßen erweiterter Fleischmarkt bietet, gehabt. Dank unserer agrarischen Regierungsweisheit, welche den viel rationeller arbeitenden Viehstaaten in den Zöllen Rentabilitätsgrenzen steckt. Diese EntWickelung ist auch den machtlüsternen Fleischkönigen Swist, Armours und Konsorten nicht entgangen und die erwähnte Transaktion dürfte ziemlich sicher als das erste Glied zur Mono- polisierung des argentinischen HammclnrarkteS zu betrachten sein. ES ist ihnen/ sagt ein englisches Organ hierüber, noch nicht ge- lungen, den britischen Markt vollends in ihre Gewalt zu bekommen. Aber mit der südamerikanischen Ergänzung in Hammelfleisch werden sie einen großen Schritt diesem Ideale näher gerückt sein. Dann, vielleicht, wenden sie ihre Aufmerksamkeit Neuseeland und Australien zu._ Konkurs des Bankiers B. Kilz. Nach noch nicht ganz genauen Feststellungen sollen die Aktien zirka 20 000 2)?. betragen, denen vor- rcchtlose Forderungen von zirka 1 Million Mark gegenüberstehen. Der amerikanische BaumwollsaatenstandSbericht, welchen die Ab- teilung für landwirtschaftliche Produkte in Washington gestern ver- vffentlichte, schätzte den Durchschnittsstand der Baumwollpflanzen Ende Juli auf 75 Proz. gegen 72 Proz. Ende Juni dieses Jahres, 82.9 Proz. im Vorjahre, 74.9 Proz. in 1905, 91,6 Proz. in 1904 und 79,7 Proz. in 1903. Der diesmonatliche Stand weist daher eine Besserung von 3 Proz. gegen den Vornronat auf, stellt sich aber noch um 7,9 Proz. niedriger als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Huö der Frauenbewegung. Ultramontane Dicnstbotenorganisation. In K ö l n fand vor kurzem eine Konferenz zur Besprechung der Organisation der Dienstboten statt. Die Einladungen dazu waren erlassen von dem Vorstande dcS Gesamtverbandcs der christlichen Gewerkschaften. Vertreten waren eine Anzahl Frauenbunde, Arbeiterinnen- und Dienstbotenvereine beider Konfessionen, Bahn- Hofsmissionen, Jungfrauenvereine usw. Generalsekretär Heger werden könne. Der Dienstvertrag unterscheide sick wesentlich vom industriellen Arbeitsvertrag und die Stellung des Dienst- mädchenS zur Herrschaft sei eine andere als die der industriellen Arbeiterin gegenüber dem Unternehmer. Zwei Damen, die eine vom katholischen, die andere vom evangelischen Frauenbund, sprachen sich gegen die Organi- sation der Dienstboten nach Art der Gewerk- schaften auS. Im Gegensatz zur Fabrikarbeiterin, um deren Person sich der Arbeitgeber nicht weiter kümmert, sei daS Dienst- mädchen in die Familie aufgenommen und ertrage mit der Herrschaft zum größten Teil gemein- sam dieselben Lebensschicksale. Das Verhältnis sei auf gegenseitigen Schutz und gegenseitiges Ver- trauen gestellt. Auch könnten die Dienstboten nicht wie die Ar- beiter interkonfessionell vereinigt werden, da bei dem jugendlichen Charakter der Dienstboten religiös-sittliche Einwir- kungen zu den ersten Aufgaben der Organi- sation gehören. Ebenso stehen der Vereinigung von Weib- lichcn und männlichen Dienstboten in einer Organisation schwere sittliche Bedenken entgegen. Es seien konfessionelle Ver- einigungen zu schaffen, in denen das VertraucnSverhält- nis zwischen Herrschaft und Dienstbote ge- fördert werde. Unentbehrlich sei die Mitarbeit der Frauen der besseren Stände. Ter Vorsitzende des christlichen HülfL- und Transportarbeiter- Verbandes, Oswald München), ist für gewerkschaftlichen Zusammenschluß. In der Dienstbotenfrage bilde Kentger der Lohn als Behandlung und Verpflegung den Hauptgcgenstand der Klage, außerdem gebe es viele Mißstände im Wohnungswesen. Sier könne nur eine selbständige gewerkschaftliche rganisation Besserung schaffen. Die Mitwirkung von Frauenvereincn, deren Mitglieder den Kreisen der Herrschaften angehören, sei nicht durchgreifend. Die christlichen Ge- werkschaften könnten nicht länger müßig bei seite stehen, zumal die Sozialdemokratie sich der Dien st boten durch Gründung von Gewerkschaften energisch an- nimmt. In der Diskussion schieden sich die Geister. Die Vertreter der christlichen Gewerkschaften geben dem Zusammenschluß in inter- konfessionellen Berufsvereinigungcn den Vorzug, um Zer- splitterungen zu vermeiden; die Mehrzahl der Redner und Rednerinnen wünscht konfessionelle Vereinigungen. Es kommt so- dann eine Resolution zustande, worin empfohlen wird,„die be- stehenden und neu zu gründenden konfessionellen Standesvereine Dienstverhältnisses unter Heranziehung der Dienstboten(Errichtung von Hausdienst-AuSschüssen usw.) sich zum Zwecke setzen und da- durch die Aufgaben einer wirtschaftlichen Berufsorganisation zu lösen suchen". Unter besonderen Verhältnissen können„neben den konfessionellen Dienstbotenvereinen interkonfessionelle Berufsorganisationen, z. B. insbesondere für Angestellte in Gasthöfen. Zimmermädchen usw. notwendig werden; vor Gründung letzterer ist jedoch mit den konfessionellen Dienstboten- vereinen Fühlung zu nehmen".. Die christlichen Gewerkschaftsvertreter stimmten dieser Resolu- tion. die einer Verleugnung ihrer eigenen Grundsätze gleichkommt, zu; sie begnügten sich mit einer Erklärung, daß sie prinzipiell in dieser Frage auf dem Boden der Jnterkonfessionalität stehen, zugleich fordern sie. daß«eine Form gefunden wird, die eine Fühlungnahme der konfessionellen Dienstbotenverbände mit dem Gesamtverbande der christlichen Gewerkschaften ermöglicht, um den Dienstboten- Vereinigungen einen starten Rückhalt an der christlichen Arbeiter- bewegung zu geben, insbesondere um die Schaffung eines modernen Gesinderechtes und weiterer gesetzlicher Fürsorge in die Wege zu leiten". Die Herren vom Gesamtverbande der christlichen Gewerkschaften haben sich mal wieder von ihrer waschlappigsten Seite gezeigt. Oswald.der den richtigen Standpunkt in dieser Frage vertrat, blieb allein. Die christlichen Herrschaften haben gesiegt, und die christ- lichen Gewerkschaften sind unterlegen. Das kommt davon, wenn man die Dienstbotenfrage lösen will im Verein mit Leuten, die der Meinung sind, daß Herrschaft und Dienstbote zum größten Teil dieselben Lebensschicksale ertragen, die ohne Widerspruch zu er- fahren sagen dürfen, daß die Vereinigung von männlichen und weiblichen Dienstboten in derselben Orgainsation schwere sittliche Bedenken habe. Man weiß, weshalb die christlichen Herrschaften samt den christ- lichen Gewerkschaften sich auf einmal der Dienstboten mit Eifer annehmen. Oswald hat es verraten: die Sozialdemokratie geht mit der Aufklärung und der Organisierung unter den Dienst- boten vor und da gedenken die Chrlstlichen, genau so wie sie eS mit ihrer Gewerkschaftsbewegung und jetzt mit der Landarbeiter- oraanisation gemacht haben, rasch noch der Sozialdemokratie zuvor- zukommen und zu retten, was unter dem gläubigen Gefolge noch zu retten ist. Die Sache der Herrschaften, die Sache des Zentrums gilt es, nicht die Sache der Dienstboten. Versammlungen— Veranstaltungen. Lichtenberg. Dienstag, den S. August, abends 8'/, Uhr. im „Schwarzen Adler"(Gebr. Anihold), Frankfurter Chaussee: Oeffentliche Versammlung für die Frauen des Kreises Nieder- Barnim. Vonrag:„Die Bedeutung des Parteitages für die Frauen und das Frauenwahlrechl". Referent: Herr Max Schütte. Wahl einer Delcgiertin zum deutschen Parteitag sowie zur Provinzialkonferenz. Luits rvisckor selbst Kossonür�tlicbs Sprechstunde ab. 55/8 I>r. AMt �L�enU�re3ZndlnnR Achtung! Dem Biiclicrniclster J. Wobei, ZionSkirchstr. 13, wird bestätigt, daß die Differenzen in seiner Bäckerei sich nur um den Bezug von Arbeitskräslen handelten und bereits seit 14 Tagen zur gegenseitigen Zu- srtedenheit beigelegt sind. SISSb Verband der Bäcker Deutschlands, Bezirksmitgliedschaft Berlin. Büchtiandlung Vorwärts Borlln, SW. 68. Undenttr. 69 Zur Agitation, namentlich aus dem Lande, empsehlen wir angelegentlichst Das verbotene Blatt. PreiS für 100 Exemplare 1 M. Porto 10 Pf. für Ausflügler empfehlen wir: Neu! Neu! Ausflüge um Kerlin mit 12 Illustrationen und 20 Karten von Georg Siegerist. Preis gebunden 1,50 Mark, Jßärhisehes Wanderbuch. Mit 38 Karten............... Preis 2,50 M. Vanderbueh für die Mark Brandenburg - nnd angrenzende Gebiete.- Mit""' Preis 1,50 M. -... 53 Karlen. Erster Teil: Nähere Umgebung Berlins. Zweiter Teil: � Wettere Umgebung Berlins, westliche Hälfte... Preis 2.00 M. Dritter Teil: Weitere Umgebung Berlins, östliche Hälste... PreiS 2,50 M. 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Verschiedenes. eirdcr Betrieb muh vertreten fein. Mitgliedsbuch legitimiert. m pünktliches Erscheinen ersucht Die Brauchcnkoinmisston. LuxusmSbelbrsnvltv. Montag, den 5. August, abends b'/g Uhr, bei Stramm, Ritterstr. 123: Vertranensmänner- Versaminlung. Jede Werkstatt, sowie jede Branche muh vertreten sein. PI« KoitimlaHlon. Tie Zahlstelle 55 ist von Skalitzerstr. ÄS nach Skalitzerstr. IlbÄ bei Grapentin verlegt. Daselbst befindet sich auch das Verkehrslokal der Möbelpolierer. Parkettleger Zerlins. litootax, äen 5. �vxust cr., im stestaunant„Zur Klause" (ynhabcr: Karl Stecherf), Wilmersdorf, Hildegardtstr. 5—6: Großes Soinmcr-'fcst bestehend in Konzert. Spezialitlltcn-VorBtoUnng, Kinder. belustieiinsrcii aller Art und Tanz. Die Knsfeetuche ist von 3 Uhr an geöffnet. Ansang 3 Uhr. Billett 30 Ps. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen SO Pi. nach. St/I« Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. svahrnerbindung: Südring der Stadtbahn bis Friedenau-Wilmersdors. Straszenbahn: V. N. 68 und F. Verband der Saltler. . OrtSverwaltuug Berlin.---------- Donnerstag, 8. August, abends 8'/» Uhr, in den Zentral-Festsölen, Alte Jatobstr. 33: Anßererdkiilliche tttüttnl-ilttfaiiiiRliiiiO. Tage?- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Genossen Ernst Brückner über: Arbeiterbewegung und Arbeiterbildung. 3. Diskussion. 4. Bericht der in der letzten Versammlung eingesetzten Kommission über event. Aenderung des Lokallassenstatuts. ö. Bericht der Delegierten der Berliner Gewerkschaftskommission. 6. Neuwahl derselben. 167/14 7. Verschiedenes. s vhne WtKd-bch de!» Zutritt.= DaS vollzählige Erscheinen der Mitglieder erwartet ' Tie Ortsverwaltuug. Zenlralverband»er Maschinisten»»» Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. TernaltungHBtelle Pcrlin nnd L'iugegcnd. Montag, den 5. August, abends 81/, Uhr, bei Bcrcht, Ritterstratze 76: Ferisehilitg der Gknernioersninnllling vo,n Iii. Juli. Tagesordnung: Kassenbericht der Revisoren und Beratung der Bezirksstatuten.______ 138/20 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. ...».„-..Jierittlül.ininiClfiL™....... Mittwoch, de» 7. August Ivo?, abends pünktlich 8'/, Uhr, in PrUsels Festsaion, Neue Jrtedrichstr. 85 J Sehtions-Versanttnlnng der Lseklerer Tages-Ordnung: at J'i®?*trdg des Kollegen Klotz:»Dos Koalitionsrecht der Ardeiterklafsc.« 2. Diskussion. Z. Beremsangelegenheilen. �Slleder werden ersucht, zahlreich und püntliich zn erscheinen. l�/H Die Zettionsleitung. SoÄaldemokraliseber Verein im fünften SerUner VaMkrelZe. Dienstag, den 6. August, abends 8'/, Uhr: � General-Versammlung a= im Zllten Berliner Schiitzcnhause, Linienstr. 5. Tages-Ordnung: 1. Die Aenderung des Verbandsstatuts sozialdemokratischer Wahlvcreine. 2. Wahlvercins- Angelegenhetten. 3. Pnrtcisachen. 4. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tages-Ordnnng ersuchen wir«m allseitiges Erscheine«. 237/2_ mm Mitgliedsbuch legitimiert! rnmim p«? Torstand. Sozialdemokratlseher Wahlverein des 8. Berliner Reichstags-Vahlkreises. Dienstag, den 6. Zlugnst, abends 8'/z Uhr, in den„Germania-Prachtsälen", Chausscestraße Nr. 110: GeneralsVersattimluiig. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Verbands-Generalversammlung. 2. Statutenberatung. 3. Bericht des Vorstandes, der Kassierer und der Revisoren. 4. Anträge. -> Ntitglicdöbnch legitimiert. 265/19* _ Zu zahlreichem Besuch lodel ein____ Per Torstand. Sozlatdemokratitchcr == 3§Iafilwrem Rixdorf. Dienstag, den 6. August 1907, bei Hoppe, Hermannstrafte 49: Aiißkllilkiitlilhk Gentriil-Vtrsittiiiilllltlg. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Essen. Referent Genosse Molkenbahr. KreiSgencralversammInng. Anträge und Wahl der Delegierten. 4. Wahl Versammlung Grosi-Berlins.— Mitgliedsbuch legitimiert. £/�f~ Das Eiichcincn sämmllicher Mitglieder ist Pflicht. 2. Die Proninzialkonfcrenz. 3. Unsere der Delegierten sür die General- Per Torstand. 235/9* Deiitsck!a»ds. ZwefKrerrln Pcrlin and t'nisrejfend. Sektion d. Vliesenieger-Külfsarbsiter. Mittwoch, de» 7. August 11107, odeudS 8';. Uhr, bei Wagner, Michacltirchjirnstc, Ecke SSiisterhanseuerstroste: MgUeäer-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der lariskommisiion. 2. Verschiedenes. Kollegen! Da diese Versaminlung sttr uiricrc Griivpc eine sehr wichtige ist, ist das Erscheinen säinUicker CekNonsmitgliever diingrnd nolwendig. 35/17* Ple iSelttloasIeltang. er Mittwoch, den 7. August li>07. abends 8'/, Uhr: Gcmralverfanemlung in Bockers Festsülen, Webcrftraste 17.' Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht pro 2. Quartal 1907. 2. Augelegeiiyeit der Kollegen Lankow und Otto Herrmann. 3. Verschiedenes.__ 169/16 Sonntag, den 11. August 1907: Husflug«ach den ptlggdbcrgoi. Treffpunkt: Schief. Bahnhof. Absabrt 7 Uhr�dis Mcdrichshagen. , sür Nachzügler bis 9 Uhr Im Müggclschlog. . sür Familien nachm. 4 Uhr in Johannisthal b. Senftieben. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. XL. Zwecks Revision bleibt die Bibliothek im Monat Augnst geschloffen. Wir ersuchen die ausgeliehenen Bücher möglichst bald zurückzubringen.— Ferner machen wir daraus ausmerksam. das; Sammellisten sür die aus- gesperrten Tabakarbeiter im Bureau zu haben find. Zeniral-Krankenkasse der Maurer »Grundstein zur Binigkeit4fc. BcrwaltnngSftclle Berlin. Sonntag, de» 11. August, vorm. 10 Uhr. im Gewerkschaftshause: TageS-Ordnung: . 1. Kaffen- und Revisionsbericht. 2. BerschiedcncS. >>>» Mitgliedsbuch legitimiert:..... 149/13 Ple Urtllehe Temaltnng. Zahlstelle Pcrlin. Montag, den 5. August, � Berchts RittersSlen, Lvaneben»Versammlung aller in Buchbindereien und Buchdruckereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl des Branchc»vertra>:cnsmanncs und Ergänzungswahlen zur Agitntionskommission. 2. Branchenangelegeiiheiten und Bcrschicdencs. Zahlreiche Beteiligung erwartet__ Die OrtSvcrwaltnng. woeMch our I Mk.! 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Den Mitgliederm zur Nachricht, dasi die von der Generalversammlung am 25. April 1907 beschlossene Statuten« änderung vom Bezirksausschuß ge- nehmigt ist und mit dem Montag, den 5. August 1907 in kkrosl tritt. Die Aenderung betrifft solgende Punkte: tz 40 ist hinter Entschädigung..von monatlich" zu streichen und dafür zu setzen.pro Sitzung". 8 56,'Absatz II ist zu streichen.und müssen bei der Wahl Mitglieder der Kasse sein". Teil X ist die Schlusibestimmung. ivelche lautet.die am 30. November 1884 vorhandenen Mitglieder der Tlschlergcfellcn-Kranlcn- und Sterbe- kassc, welche von da ab der jetzigen Orts- Krankenkasse der Tischler und Pianosvrtearbeiter angehören, können sreiwlllige Milglteder der Kasse blel- den, auch wenn dieselben aus Grund ihrer Beschästignng einer anderen OrtS-Kranlenkässe angehören müssen", zu streichen. Der Borstand. 2152b E. B o e s k e, Borsitzender. M. Grabe, Schrislsührer. 1} Gelegen heUs-Kant! Teppiche- � Ä8ü.l3M- Gardinen Portieren T- sowie Steppdecken. 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Zkntrlll-Utrl-llnd der Schmiede. Venrallungssteile Berlin. Bezirk 11(Weddiug). Todes s Anzeige. Am Freitag, den 2. August, ver- starb unser Mitglied, der Kollege (justsv Volkmann im Alter von 25 Jahren an Hals- tuberkulöse im Birchow-Kranken- hause. 176/15 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle'des Birchow-Krankenhauses, Seestrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Todes-Anzcigc. Nach langem schwerem Leiden verschied saust am 2. d. M. meine liebe, gute Frau Minna Ma�er im 36. Lebensjahre. 56102 Die Beendigung findet am Dienslagnachmiltag 5 Uhr von der Leichenhalle des Berliner Ge- meindcsriedyoss in FricdrichSsclde auS statt. Der trauernde Gatte. Danksagung. Für die zahlreiche Beleiligung und zahlreichen Kranzspenden bei der Bc» erdigung unseres lieben SohncS Alfred sagen wir allen Beteiligten, insbesondere seinen Kolleginnen nnd Kollegen der A. E.-G., Abt. Müller I. und Abt. Herzig, den Genossen des 6. Kreises unseren herzlichste» Dank. Die trancriiden Eltern A. Poren» liebst Frau. Danksagung. �85b Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die zahlreichen wie auch schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes Gustav Neumann sagen wir allen Verwandle», Freundcn und Genossen unseren innigsten Dank. Witwe Posa AeuiHann ncbst Nichte, Freienwalderstr. 25. Die Harnleiden Ihre Oelahren, Verhütung und Beseitigung von X)r. med. Sc/ntper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ des tausend> feilst Mai Bichlcr Sranhfurt(Oder) °" 01° BusolimaU.-CuauMM Dr. Schünes�ann Gpezinl-Arzt für 54272* Haut- nnd Harnleiden, Tranenkrankhclten. FrledrUhstr. 203, Ecke Slbühenstr. 10—2, 5-7. Sonnt. 10-12 Uhr. Bon der Reise zurück 55472 Freifsclimldt prakt. Arzt, Wundarzt und Geburishelser. kharlottenburg, Berlin erstr. 93. Sprechstunden 9—10, 5—>/,7. Auhcrdem Mittwoch abends 8—9. 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Dabei ist Tatsache, daß die Kurse der Jndustrieiverte viel niedriger stehen, als in der Wonnezeit der vorigen Hoch- konjunkwr. Die Höchstkurse einiger Werte aus dem Jahre 1838 stellen wir uachfolgend in Vergleich zu den augenblicklichen Notierungen. Höchstkurs 1839 Bismarckhütte... Bochumer Gußstahl.. Hoesch N.-G-Dortmund Laurahütte..... Die Differenz in den jetzigen Hochkonjunktur hat Kurs am 2. August 1907 207,75 205,50 209,70 216,00 damals und während der 350,00 287,50 250,10 276,40 Kursen von man vielfach als Moment gegen die Annahme einer Uebcrspekulation und der Befürchtung bald ein- tretender Abschwächung auf dem Wirtschaftsmarkt gedeutet. Dabei ist die Veränderung der Rentabilität der festen Anlagewcrte unbe- rllcksichtigt geblieben. Es ist doch selbstverständlich, daß, wenn der Sparer auf kleine Einlagen 4 und 5 Proz, erhalten kann, überhaupt der Zinsfuß für feste Anlagelverte gestiegen ist, auch für Spekulationspapierc entsprechend weniger gezahlt wird. Die Geld- tcuerung, das heißt die hohe Verzinsung für Leihgeld, ist ja die meist beklagteste Begleiterscheinung der Hochkonjunktur in den letzten Jahren, Man betrachtet die Geldkalamität. die sich daraus erklärt, daß gleichzeitigen allen Industriestaaten eine bisher noch nicht ein- mal im einzelnen in einem oder zu gleicher Zeit in mehreren Staaten beobachtete intensive Produktionstätigkeit auf allen Gebieten noch nie dagewesene Ansprüche an den Weltgeldmarkt stellt, als die schwerste Gefahr für den Fortbestand der guten Kon- junktur, Deklamationen und Moralpauken an Judustrie und Handel, sich Mäßigung aufzuerlegen, durch selbstauferlegte Diät eine Ge- sundung des Geldmarktes herbeizuführen, find natürlich nutzlos, Jeder hält solche wohlmeinenden Ratschläge gut und nützlich für den— anderen. Man muß also schon, damit die Geldkalamität die gute Konjunktur nicht totschlägt, eine Krise herbeiwünschen,' die das Geld billiger macht und das billige Geld die UnternehnmngSlust belebt uud befruchtet. Vor einiger Zeit sprach ein Wirtschaftspolitiker die Anficht auS, es sei zu ivenig Geld vorhanden in der Welt, deshalb sei die Krise unausbleiblich. Zu solchen Urteilen kann man gelangen, wenn man in Verbindung mit den Klagen über die Geldverhältnisse die Stimmungsberichte aus der Textilindustrie, miS der Eisengroßindustrie und vom Kohlenmarkt liest. In der Textilindustrie liegen angeblich verschiedentlich bedeutende, die ganze Leistungsfähigkeit der Betriebe bis zu Ende 1308 in Anspruch nehmende Aufträge vor, Achnlich günstiges wird aus der schweren Eisenindustrie berichtet. Solche Meldungen werden aber sehr mißtrauisch aufgenommen, DaS zeigte sich kürzlich recht deutlich, als der Geschäftsbericht des Bochumer Vereins herauskam. Die Aktionäre bekommen die statt- liche Dividende von 16� Proz. gegen 15 Proz. im Vorjahre. Gleich günstige finanzielle Resultate erzielten andere Gesellschaften, 1 Trotzdem gingen die Kurse der Guhstahlaktien nach Bekanntgabe des 1 Ausweises zurück. Man sagte sich: es ist nicht genügend' für die Zukunft vorgesorgt— die IVa Prozent Mehrdividende absorbieren fast den gesamten Mehrgewinn— es hätten bedeutendere Rück- stellungen gemacht werden müssen. Was gewesen ist, da- für gibt der Jude nichts! Für die nächsten Geschäfts- jähre glaubt man nicht auf gleich hohe Gewinnziffern rechnen zu dürfen. Der Meinung, daß mit veränderten Verhältnissen gerechnet werden muß, scheint man nun auch in Kreisen des Stahlverbandes hinzuneigen. Die Halbzengverbraucher haben sich mit einer dringlichen Eingabe an den Stahlverband gewandt, in der sie um Reduktion der Halbzeugpreise oder um Wiedergewnhrung der vom Verbände gestrichenen ÄnSfnhrveraütungen nachsuchen. Die Forderung wird mit der Veränderung auf dem Cisenmnrkt begründet, Preisnachlässe auf Fertigerzeugnisse müßten für den Jnnenmarkt zu- gestanden worden, das aber sei ohne Reduktion der Selbstkosten nicht möglich. Als wichtiger wird jedoch die Ausfuhrfrage in den Vordergrund gestellt. Da die Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes nachlasse, werde eine verstärkte AuSstlhr von Erzeugnissen ein Gebot der Notwendigkeit, Die jetzigen Preise des Halbzeuges bedingten aber Exporte zu Verlust- bringenden Preisen, AuS diesem Grunde sei die Reduktion der Halbzeugpreise oder die einem Preisnachlaß gleichkommende Ge- Währung von Ausftlbrvergütungen für die Weiterexistenz der reinen Werke rinerläßlich. Mit ihrer Forderung begegnen die reinen Werke durchaus nicht den Wünschen der Halbzeughersteller, Diese haben gar kein Interesse daran, jenen den Export zu erleichtern. Bisher haben sie nicht nur die Ausfuhr von Fertigerzeugnissen erschwert, ihrer Preispolitik ist es sogar zu danken, daß vielfach ausländische Halbzeugverarbeiter den deutschen reinen Werken in Deutschland Kon- kurrenz machen konnten mit Erzeugnissen aus deutschem Halbzeug; so groß war zugunsten der ausländischen Bezieher die Differenz zwischen In- und Auslandspreisen für Halbzeug, Nun verlangen die reinen Werke die Hülfe der Halbzeughersteller, damit sie Fertigerzeugnisse exportieren können. Der Forderung Erfüllung würde als Folge eine Abschwächung der HalbzeugauSfnhr nach sich ziehen. Und dazu sollen die Stahlwerke auch noch AuSfuhrvergütung zahlen I So lange sie nicht von der zwingenden Notwendigkeit der Gewährung von Aus- fuhrprämien sich überzeugt haben, werden die Halbzeugverkäufer die Forderung der reinen Werke abweisen. Bisher ist das auch ge- fchehen. Nun aber wird bekannt, daß in den Kreisen des Stahl- Verbandes die Neigung besteht, die AuSfuhrvergütung wieder zu zahlen. Das wird natürlich nicht aus Liebe zu den reinen Werken geschehen, sondern in der Hauptsache darum, weil die gemischten Betriebe doch noch nicht alle Fertigerzeugnisse herstellen können, die reinen Werke in verschiedenen Artikeln noch dominieren, deren Herstellung ziemlich erhebliche Mengen Halbzeug absorbiert. Wird den reinen Werken die Weiter- arbei'l unterbunden, dann liegt die Gefahr vor, daß die ausländische Konkurrenz nicht nur die Fertigerzeugung dieser Artikel, sondern auch die Lieferung deS dazu benötigten Halbzeuges an sich reißt. Aus diesem Grunde, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, werden die Halbzeughersteller den Wünschen der reinen Werke ein geneigtes Ohr leihen,— Neben der sckion so lange Zeit zum TageSthcma gehörenden Erörterung über die Anspannung am Geldmarkt, die ja an sich ein Zeichen intensiver Warenerzeugung ist, wird augenblicklich noch eine Frage erörtert, die eigentlich im allgemeinen auch rosige Zu- kunftshoffnungen auslösen müßte: die Frage einer Kohlennot, Wenn es fo steht mit unserer Wirtschaft, daß noch mit dem Gespenst des Kohlenmangels gerechnet werden muß, dann kann doch von einer Ab- schwächung des Verbrauches und damit der industriellen Tätigkeit nicht die Rede sein. Allerdings, für daS laufende Jahr scheint eine flotte Beschäftigung der meisten Werke gesichert, was das nächste Jahr bringen wird, liegt jedoch noch im dunklen Schoß der Zukunft verborgen, aber die jetzigen Anforderungen der Industrie absorbieren die auf den Markt kommenden Mengen, und der Herbst bringt be- kanntlich erhöhte Ansprüche an den Kohlenmarkt; die an den deut- schen Konsum herankommenden Mengen sind aber nicht identisch mit der deutschen Produktion. Und darum gerade erregt die Auf- werfung der Frage einer Kohlennot die Gemüter besonders stark. Me Diskussion über eine solche Gefahr ist erst möglich geworden durch die Politik des angeblich die nationale Arbeit schützenden Kohlen- syndikats. Obwohl stets über Kohlenknappheit geklagt worden ist, hat das Syndikat in forcierter Weise das Exportgeschäft gepflegt. Unter Berücksichtigung der gesteigerten KokSausfu'hr stellt sich die Menge der im ersten Halbjahr 1307 an das Ausland abgestoßenen Steinkohlen auf rund 12 Millionen Tonnen. Warum die forcierte Ausfuhr zu niedrigeren Preisen als das Inland zahlt? Mit den am 1. April in Kraft getretenen höheren Kohlenprcisen ist der Profithunger der Kohlenbarone durch- aus noch nicht gestillt, anderseits erregen die Preisaufflhläge starke Unzufriedenheit in den Kreisen der Verbraucher. Es lag daher für das Syndikat nahe, durch künstliche Herbeiführung eines Kohlen- mangels die Angriffe wegen der Syndikatspreispolitik abzuschlvächen. Möglich ist dabei auch, daß die Syndikafsleitung mit einer schnelleren Abflauung in der inländischen Eisenindustrie gerechnet und auS dieser Kalkulation heraus die stärkere Ausfuhrtätigkeit für dienlich und notwendig hielt. Allerdings stehen solcher Annahme die entgegen- stehenden Erklärungen und Behauptungen in der Unternchme'rpresse abwehrend gegenüber. Ob das Syndikat eine Erklärung für seine Handlungsweise geben wird?— Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß im nächsten Jahre die Arbeitsgelegenheit in der Industrie merk- lich nachlassen wird; daneben droht, teilweise bedingt durch schlechte Ernten, gestützt durch die neudeutsche„Schutzzollpolitik, andauernde Teuerung wichtiger Lebensmittel, Das Brot ivird teurer, und die Fleischpreise gehen jetzt schon wieder stark nach oben, Jin laufenden Jahre ergeben sich nach den Feststellungen der städtischen Markt- Hallendirektion in Berlin folgende Preisschwankungen 3. Januar 2, Mai 2, August pro 50 Kilogramm in Mark Rindfleisch la Kühe fett.. Mastkälber la Hammel la. Schweine.. 70-75 50—56 92—100 67—75 57—66 66—70 52—58 88—04 63—65 47-63 70—72 52—60 73-82 73—77 05—70 Außer bei Kälbern sind die hohen Preise des Januar, die feit dem Frühjahr abbröckelten, durch die letzten Aufschläge nicht nur wieder erreicht, sondern teilweise schon ganz erheblich überschritten. Schweine z, B, kosten jetzt 4—8 M. nichr als im Januar. Für die Arbeiterschaft eröffnen sich da wenig erfreuliche Aussichten. D. Eingegangene Drudifchnftcn. Protokoll der 8. Generalversammlunn dc§ ZcntralverbandeS det Töpfer und Berussgenussen, 248 Seiten. Selbstverlag, Protokoll über die BerHairdlnngc» des 3. VcrbandStageS des Verbandes deutscher Hoteldiener. 1(33 Selten, Verlag: 31. Diesing, Berlin NW. T. Protokoll der 12. Generalversammlung des Verbandes der Hand- schuhmacher Deutschlands und Rechcnschaslsbericht. 215 Seiten, Selbst« Verlag, Katz Gebrüder Filiale: Große Frankfurter Straße 121 Unsere Die annoncierten Artikel stellen nur einen Auszug aus einzelnen Abteilungen dar, an jedem Lager sind eine große Auswahl von 90 Pfennig-Artikeln vorhanden. 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Montag: Der Weg zur Hölle. Neues Schauspielhaus. Rafsles. Montag: Dieselbe Lorstellung. Neues. Ein sellsamer Fall. Montag: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. Figaros Hochzeit. Dlontag: Hosfmanns Erzählungen. Westen. Die lustige Witwe. Montag: Dieselbe Vorstellung. L» stsp iel bans. Husarenfieber. Nachmittags 3 Uhr: Unsere Käte. Montag: Husarensiebcr. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Sherlock Holmes. Montag: Der große Unbekannte. (Anfang 8'/2 Uhr.) Zentral-Thcater. Tagebuch einer Verlorenen.(Ansang VI, Uhr.) Montag: Dieselbe Vorstellung. Trianon-Theater. Fräulein Josetle — meine Frau. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wterrovol. Der Teuscl lacht dazu. Montag: Dieselbe Vorstellung. Slpollo. Der Hochzeitsgast. Spe- zialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Folies Caprice. Geisierauto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr.Herrnfeld-Theatcr. Madame Wig-Wag. Es lebe das Nacht» leben. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neichshallen. Steltiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Urania. Tanbenstrafie 48/4». Durch Dänemark und Süd- schweden. Montag: Im Lande der Mitter- nachtssonne. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57/62. Ferdinand Itonn« Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Sherlock Ifjohnes. Montag: Sherlock Holmes. Dienstag: Der Hund von Baskerville. Zentral-Theater. Heute T'/a Uhr, Montag 8 Uhr: Tagebuch einer Verloreneu. sliester lies Westens. Abends 8 Uhr: Die Iniiitlge Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. �ustspivLksus. Nachmittags 3 Uhr: Unsere Kate. Täglich 8 Uhr: Hnsarenfteber. | Passage-Theater. 1 Heute zwei Vorstellungen. Nachm. 3-7(ermiiliigte Preise.) Abends 8—11 Uhr. Der pße Verwantllutigskiinsiler Arturo Bernardi Iund das neue{ großartige» August-Programm. 14 Attraktionen 14. Metropol-Thealer Anfand/ 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Both. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schnitz. Rauchen überall gestattet. Ab 8 Uhr: Das kolossale Spezia- litäte». Programm mit Humpfti- Bumsti. Piptfax und Paulo, Exzentriker. Mad. Piloty von Kaul- dach. Indische Tänze. UM- 10 Uhr: Stürmisches, ununterbrochenes Lachen über als Ortsvorsteher Lehmann in seiner Burleske „Der Hochzeitsgasf" Schiller-Theater 0. (W a l I n e r» T b e a t e r.) Morwiti-Oper. Sonntag, nachni. 3 Uhr bei halben Preisen: Die Afriknnerin. Große Oper in 5 Akte» von Giacomo Meherbcer. Sonntag, abends 8 Uhr: Gastspiel Gertrml Runge: Die Instigen Weiber von Windsor. Romant. Oper in 4 Akten v. O. Nicolai. Montag, abends 8 Uhr: Gastspiel He!m-lcl> Itötel: Der Tronbadonr. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Gertrud Runge: Traviata.(Die Kameliendame.) Sehiller-TheateF N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Täglich 8 Uhr: Der Weg zur Hölle. sWWMUiM Gr. Franksurterstr. 132. Im Garten, Ans. 4 Uhr: Das erstklassige August- Programm. Sonntagspreise. Im Theater abends 8'/, Uhr: Der d/roße Unbekannte. Sommerprcijc. Nachm. 3 Uhr; Sherlock Holmes Gebr. Herrnfeld- Tlteater. 57 Kommandantcnstraße Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkaus 11—2 Uhr. Täglich: Die Novität 6 Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre Es lebe(las Mtleli! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Delle-tVIlmtice-ljaften 6 Uhr: Konzert und BariStS. Reledslrallell-Tliesler. Täglich: MAff. � Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reichshallen Garten u. Rest.; Gr. Militär-Konzert. Volksgartan-Theater. Bad-BehmstraBe Bahnhof Gesundbrunnen— Bellermannstraße. Großstadtzauber. Original• Ausstattungs- Operetten- Burleske in 2 Akten von W. Gcricke. Mufik von Aisred«ommerseld. Hierzu: Das neue kiM-ZpMMD-l'l'WW. _ BolkSbelnstigungen. Weinbcrgswcg 19/20, Noicuih. Tor. Neue Spezialitäten. MF- DreMnicrtc BUrcn. 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Freunde und Gönner des Vereins sind freundlichst eingeladen. 202113 Der 1 or«tand. f Arbeiter- Bau-Genossenschaft„Paradies' (ä Kottbuaer Ufer 44._ G. m. b. H._ Kotibuser Ufer 44, Heute, Sonntag, den 4. August 1907 Ernte-Fest der Laubenkolonisten der Arbeiter-Ban-Genossenschaft „Paradies", auf ihrem in Bohn«dorf bei Grünau belegenen Laubengelände. Großer Erntefestzug mit Musik, Kinderbelustigungen a unter Leitung 2157b des quietschvergnügten Dorfschulmeisters Quappe. Bei eintretender Dunkelheit; Große Fackel-Polonaise. Anfang 3 Uhr. Eintritt für Erwachsene u. Kinder 10 Pf. Kinder erhalten eine Stocklateme u, Mütze gratis. ÜMZ Mo amiMeven wir uns? Im Krug zum grüneu Kranze Ober-Schöne weide, W-ldstraße 74. 50222» Kttche and Keller Torzttgllcta. glicu. Ernst HUflich. und Wolterödorf. Dampftr-Stlitlon Michaelbrücke. ZV" Fahrplan bis Tounabend. MW Heute Sonntag früh IV Uhr: Extrafahrt nach Rene Mühle. 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Es ist in letzter Zeit häufig zu meiner Kenntnis gelangt, daß statt des echten Kapitän- Kautabaks meist ganz minderwertige Fabrikate verabfolgt worden find, obwohl ausdrücklich Kapitän- Tabak gefordert wurde. Ich mache insolgedessen darauf aufmerksam, dast der Name„Kapitän« für meine Tabake vom Patentamt unter Nr, 75 658 gesehlich ge- schubt ist und es daher strafbar ist, andere Marlen unter obigem Namen abzusetzen; die Verbraucher meiner Kapitän-Tabate bitteich, mirFällesolchcr Art zur Kenntnis zu bringen, damit ich gerichtlich dagegen einschreiten fann. DanischerKapitän-Tabak gesetzlich geschützt Merktnale der Echtheit! Die 10 Ps.-Rollen sind stctS in Etiquetten verpacktm.d.NuIIchrist: � Dieselbe Ausschrist tragen die in allen 5 Ps.-Rollen und 5 und 10 Ps.-Sck, leisen inliegenden Zettel des Kapitän-KautabafS. Kapitän-Kauiabak ist in den meisten Zigarrengeschästen läuslich, wo auch kleine Priemdoscn gratis zu haben sind. 55982» s.---., c?.i'> ßöellek, � Ärlieiler-Sängerbund Berlins u. Dmgegenil Sonntag, den 4. Angnst 1907: 16. Sängerfest in Schloß Meißensee. 200 Gesangvereine: Massenchöre(Leitung; Herr Richard Blobel); Einzelchöre. Süngcr-Fcstzng— Uoppelkonzert— Feuerwerk. Von 4 Uhr ab in beiden Sälen Tanz gegen Nachzahlung von 50 Pfennig. Die Kaffeeküchen sind von früh 8 Uhr bis abends 6 Uhr geöffnet.— Billett, im Vorverkauf a 20 Pf., an der Kasse a 30 Pf.(Fostheft mit Programm an der Kontrolle gratis.) 16/14* Anfang früh 8 dir. StraBenbahn-"Verbindungen: Linien 59, CO, Gl. G3. 02 E von vormittags 9,44 ab Dönhoffplatz alle 15 Minuten- außerdem ab Alexanderplatz von 2 Uhr ab nach Bedarf; 7ii von 1,28 ab Marheinekeplatz, sämtliche Wagen bis Schloß Weißensee.— Ferner: Nor-king und Vollring bis Bahnhof Waißansee. Billetts sind in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben; ebenso bei J. 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Schwarzer Hdler Friednchsbe� Fran,ÄccPrÄ8 Stadlbahn'stalion Frankf, Allee. Inh. 1 QablT. fenispTjFHedrichs� Jeden Sonntag: Großes Künstler-Konzert s Spezialitäten-Vorstellung Im KUnigsaalc: GPOßCP OssESb M?' Volksbelustigungen aller Art. ♦ Drei verdeckte Kegelbahnen. ■ Die Kaifticküchc ist von 3 Uhr an geöffnet.= Entree 80 Pf.[5021 L»] Anfang 4 Ehr. Willy Waide-Sänger. - 1 Jeden IBIttivocIi: BREUER8 Festsäle —„Zur KönigsbanU"== Gr. Frankfurlerslr. 117. X Inh. Cnrt Breuer. X Amt Vlla, 8142 Den geehrten Gewerlschasten, Vereinen, Klubs cmpscble ich meine Gesamt- räume zur Abhaltung von Versammlnngen n»d Festlichfrite» jeder Zlrt zu de» kulantesten Bedingungen. tzZUm recht regen Zuspruch bittet[53822»] Gurt 8 reuer. Gastwi f. m\Ht KIÜS 21 CO g Clgaretten-Fabrik„Kios" o E.Robert Böhme, Dresden. 75 Visites ,»» 1,80 M..» J Kabinetts 4,80 IM.. W in guter Ansfuhrnng liefert Oscar Godze� Photograph. 1. Geschäft: PauI«Sfraße 26, 275/3» 2.„ Dresdener Straße 135, 3... 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August, findet bei Meier, Sebastianstr. 33, die Generalversammlung des Wahl- Vereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Die Aenderungen zum Verbandsstatut. 2. Die Verbandsgeneralversammlung. Z, Wahl der Delegierten. 4. Vereinsangelegenheiten. Kreis Nicderbarnim. Am Dienstag, den 6. August, abends 8% Uhr. findet in Lichtenberg eine öffentliche Versammlung der sozialdemokratischen Frauen des Reichstagswahlkreises Nieder- barnim statt. Genosse Max Schütte hält einen Vortrag über:„Die Bedeutung des Parteitages für die Frauen und das Frauenwahl- recht". Ferner steht auf der Tagesordnung: Wahl einer Delegierten zum deutschen Parteitage sowie zur Provinzialkonferenz. Die Genossinnen und Genossen aus allen Orten des Kreises sind hiermit eingeladen. Allen tätigen Genossinnen wird es zur Pflicht gemacht, für guten Besuch dieser Versammlung durch rege Agitation in ihren Orten Sorge zu tragen. Die Kreisvertrauensperson. Rixdorf. Am Dienstag, den 6. August, findet bei Hoppe, Hermannstr. 49, eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Essen. Referent Genosse Moltenbuhr. 2. Die Provinzialkonferenz. 3. Unsere Kreisgeneralversammlung. Anträge und Wahl der Delegierten. 4. Wahl der Delegierten für die Generalversamm- lung Grotz-Berlins.— Mitgliedsbuch legitimiert. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht. Der Vorstand. Friedenau. Am Mittwoch, den 7. August, abends%9 Uhr. Generalversammlung im Rheinschlotz, Rheinstr. 69. Tagesordnung: Der Essener Parteitag, Kreisgeneralversammlung, General- Versammlung von Groß-Berlin» Ersatzwahlen, Vereinsangelegen- heiten. Die Parteigenossen sind verpflichtet, vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Groß-Lichterfeldr. Dienstag, 6. August, B'/a Uhr, bei Reisen, Chausseestr. 194: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Beratung des neuen Statuts für Groß-Berlin sowie der Aenderungsanträge. Bereinsangelegenheiten. Broschürenverteilung. Tempelhof. Dienstag, den 6. August, abends 8� Uhr. findet im Lokal M. Müller, Berlinerstr. 41/42, eine Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Genossen A. Stiefenhofer über:„Die Aufgaben des diesjährigen Parteitages". 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Ver- bands- und Kreisgeneralversammlung. 4. Vereinsangelegenheiten: a) Bericht des Bildungsausschusses; d) Ersatzwahl eines Bezirks- führers. 5. Verschiedenes. Die Parteigenossen werden auch auf die Bibliothek des Vereins aufmerksam gemacht. Die Ausgabe von Büchern erfolgt jeden Dienstag abends von 8— 9 Uhr. Um pünktliches wie zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Gäste. auch Frauen, sind willkommen. Der Vorstand. Achtung! Parteigenossen Karlshorsts! Dienstag, den 6. August, abends 8� Uhr, im Lokale des Genossen C. Gruhn, Prinz Adalbertstraße, Ecke Hönowerwiesenweg, Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Vereins- Angelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Der Vorstand. Weihensee. Ant' Dienstag, den 6. August er:. Abends 8Vj Uhr, findet bei Tscheltkschl6r.'LanghastsM 196,'die' Mitßliederllersamin- lung des Wahlvereins statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. Der Vorstand. Pankow. Heute nachmittag findet im„Kurfürsten", Berliner- straße 192 ein öffentliches Sommerfest, veranstaltet vom Wahlverei» statt. Spezialitäteilaufführungen, Konzert. Ball, Kinderfackelzug usw. werden sür Unterhaltung sorgen. Bei schlechtein Wetter finden die Borstellungen im Saale statt. Eintrittskarten a 39 Pf. sind an der Hasse zu haben._ Das Komitee. Berliner JVacbrichten. „Sommerfrische". Bitter enttäuscht sind in diesem Jahre all die Glücklichen, die an irgend einem idyllischen Ort oder aber auf dem Lande bei Verwandten Erholung zu suchen glaubten. Es hat sich der „Sommerfrischler" allenthalben eine melancholische Stimmung bemächtigt. Die Männer frieren in dem Sommerüberzieher und wünschen den Winterrock herbei und die holde Weiblichkeit zieht schüttelnd und fröstelnd das Umschlagetuch enger um die Taille, und ärgert sich, daß sie hier„fern von Madrid" weder das ge- fütterte Winterjackett, noch Mantel und Pelzkragen zur Ver- fügung hat. Die Kinder frieren in den dünnen Socken und an- statt gekräftigt werden sie krank und erkältet nach Hause zurück. kehren.... Trübe und grau hängen auch die Wolken über Wald und Fluren. ,Die Kirschen an den Bäumen sind geplatzt, und die an- hängenden Birnen. Pflaumen und Aepfel verkümmern von Tag zu Tag mehr. Stellenweise liegt das gemähte Heu noch auf Hängen und Wiesen— bleich und grau gefärbt infolge des unaufhörlichen Regens. Von Grün ist keine Spur mehr daran zu erkennen. Das Getreide auf den Feldern hängt trübselig seine Nehren- köpfchen zu Boden, als ob es ebenfalls seine Traurigkeit zeigen wollte, weil cS die Mutter Sonne so selten gut mit ihnen meint. Und die Vögel hüpfen mit ihrem nassen Gefieder ebenfalls müde von Ast zu Ast, oder hocken an irgend einem versteckten Plätzchen, stumm und resigniert das Köpfchen eingezogen. Sogar die Hühner haben sich unter einem Dach, an trockenem Orte versammelt. Der Hahn stolziert apathisch auf und ab. als ob er dadurch seinen Unmut über das schlechte Wetter dokumentieren wollte.... Nervös und mißgestimmt— bald hier bald dort— sitzt der geistig abgespannte Mensch herum, der sich am Wandern erquicken und neue Lebenskraft aus Wald und Auen saugen wollte. Aber traurig sitzen auch die Proletarierkinder, die sich so sehr auf die Ferien gefreut haben und im Freien herumtummeln wollten, in der dumpfen Stube, und blicken durch die Scheiben wehmütig auf die ausgewaschenen Wege und Straßen. Und noch immer ist von einer Aenderung der kühlen Temperatur am Anfang des Erntemonats nichts zu verspüren. am zweiten Tage nach 29. Juli, bei dem der Ermordung 39. Artillerie� Zur Ermordung der Frau Plath. In der Plathschen Mordsache haben die Nachforschungen der Kriminalkommissare Wanowski und Klinghammer jetzt zu einem be- stimmten Ergebnis geführt. In der langen Reihe der Verdächtigen befand sich auch der Artillerist Kasimir Sopolinsky, der sich vor seinem Dienstantritt in Berlin aufhielt. Sopolinsky verkehrte in den berüchtigsten Kaschemmen. Auf seine Spur wurde die Kriminalpolizei bei ihren Umfragen bei den Gefangenenanstalten, Kranken» und Irrenhäusern und beim Militär gelenkt. Es ergab Isich, daß sich Sopolinsky jfder Frau Plath, am Regiment in Perleberg freiwillig als unsicherer Heerespflichtiger ge- 4 stellt hatte und in die Truppe eingereiht worden war. Die Be- schreibung des Mörders paßt auf ihn. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei nach seinem Vorleben ergaben ferner, daß Sopolinsky in der Nähe des Tatortes verkehrt hat. Nach diesen Feststellungen fuhr ein Kriminalkommissar am Donners- tag mit einer Zeugin, der Pförtnersfrau Fleischer, nach Perle- berg. Hier erklärte die Frau, die in achtzig anderen Fällen von den Angehaltenen gesagt hatte, daß sie nicht die Täter seien, Sopolinsky könne eS wohl sein. Es wurde nun noch eine Zeugin ermittelt, die Frau Plath vor ihrer Ermordung mit einem Manne in der Neandcrstraße vor einem Hutladen stehen sah. Ein zweiter Kommissar brachte auch diese Frau nach Perleberg und ließ sie Sopolinsky gegenüberstellen. Sie erklärte bestimmt, er sei der Mann, der mit der Ermordeten vor dem Hutladen stand. Auf Grund dieser bestimmten Aussage veranlaßten die Kommissare, daß der Artillerist von der Militär- behörde festgenommen wurde, um demnächst nach Berlin gebracht zu werden. Ueber seinen Aufenthalt in der kritischen Zeit macht er An- gaben, die sich zum Teil widersprechen und die zum Teil bereits als unwahr erwiesen sind. Zu den llnivahrheiten gehört unter anderem seine Behauptung, er habe in der kritischen Zeit einem Ringkampf beigewohnt. Sopolinsky ist am 27. Februar 1885 zu Buck in Posen geboren. Als Handlungsgehülfe ist er weit gereist, auch im Auslande. Er führte stets einen Koffer mit feinen Kleidungsstücken mit sich. Diesen hat er hier seinem letzten Wirte in der Oranienstr. 115 wegen einer Mietsschuld von 36 M. zurücklassen müssen. Unter dem Verdacht der Begünstigung wurde eine unter der Aufsicht der Sittenpolizei stehende Maria St. aus der Friedrichstadt, die Sopolinsky seit April dieses Jahres kennt, von der Polizei vorläufig festgenommen. Bemerkens- wert ist noch, daß der Verhaftete bei seinem Eintritt in das Regiment Kratzwunden an der linken Seite des Gesichts hatte. In Berlin wird er noch anderen Zeugen gegenübergestellt werden. Die Kriminalpolizei hat inzwischen noch eine Person, die mit dem des Mordes Verdächtigen Kasimir P. verkehrt hat, verhastet. Ein gewisser Edwin Müller, in dessen Wohnung die Lackstiefel ge- funden wurden, die Sopolinsky gehörten, und die dieser am Tage des Mordes getragen haben soll, wurde fistiert. Die Portiersstau des Hauses Schmidstraße 42, Fleischer, will die Lackstiefel deutlich daran wiedererkennen, daß der linke Stiefel gesteppt war. Sopolinsky ist, wie aus bei ihm beschlagnahmten Papieren hervorgeht, Homo- sexuell. Er wurde nicht nur von der Portiersstau Fleischer, sondern auch von einer Frau Glimm wiedererkannt. Ferner wurde bei ihm ein von ihm verfaßter AlibibcweiS vorgefunden, der in allen Einzelheiten ausgearbeitet war. Auch einen Taschenkalender hat man vorgefunden, in dem die Verfügungen über den Ausweis von Ver- blechern nach dem Auslände verzeichnet waren. Regimentskameraden sagten aus. daß Sopolinsky, wenn er sich allein glaubte, sich an die Kehle packte, scheinbar würgte und dabei gurgelnde Töne herausbrachte. Ein Geständnis hat Sopolinsky noch nicht abgelegt. „Ein Schulbeneintreiber» der sein Geschäft versteht." Zu unseper Notiz sin Nr. 176) über eine Pfändung, die das Inkasso bureau Weber u. Co. in der Wohnung eines Schuldners vornehmen ließ, obwohl dessen Frau jeden Augenblick ihre Ent bindung erwartete, schicken Weber u. Co. uns ein Rechtfertigungs schreiben. Darin wird erzählt, die Firma habe mit dem Schuldner K. lange genug Geduld gehabt, K. habe aber nicht zahlen wollen usw Wir sehen keinen Grund, diese Einzelheiten wiederzugeben. Der Firma Weber u. Co. haben wir ja nicht im geringsten das Recht bestritten, ihr Geld einzutreiben. Gerügt haben wir nur, daß die Pfändung zu einem Zeitpunkt vorgenommen wurde, wo i n der selben Wohnung die Frau des Schuldners eben entbunden werden sollte. An dieser Tatsache wird nichts geändert durch die Geduld, die die Firma Jahre hindurch mit dem Schuldner gehabt haben wifr Diese Tatsache kann auch von Weber u. Co. nicht bestritten werden, wohl aber wird jetzt der Versuch gemacht, den Vorgang in einem milderen Licht darzustellen. Es heißt hierüber in dem Brief:„Der Vorgang mit dem Gerichtsvollzieher hat sich dann folgendermaßen zugetragen, wie dieser bestätigen wird. Nachdem derselbe von der Aufwärterin gehört, daß die Frau K. angeblich am Vormittage entbunden werde, erklärte unser Vertreter sofort, daß er unter diesen Umständen von einer Pfändung Abstand nehme, der Gerichtsvollzieher wollte dann auch nur etwa* haben, um das Protokoll dahin auszufüllen, daß er wegen Krank- heit der Frau K. an der Vollstreckung behindert sei und wurde des halb ohne weiteres von der Aufwärterin in das Nebenzimmer geführt, nachdem er dies nur unter der ausdrücklichen Verpflichtung der Wärterin getan, daß sie von seinem Erscheinen der Frau K. nichts mitteilen würde, sondern nach dem nur ihrem Ehemann, und erst beim Ausschreiben des Protokolls gewahrte dann der Gerichts� Vollzieher in diesem Nebenzimmer, daß ein paar entbehrliche pfände bare Gegenstände vorhanden waren, die er, um nochmalige Störung und Kosten zu vermeiden, siegelte, wonach er sich dann mit unserem Vertreter in der geräuschlosesten Weise entfernte. Daß unser Ver- treter dann nochmals herausgegangen, ist nur zu dem Zweck ge- schehen. um der Aufwärterin zu sagen, daß wir mit Rücksicht auf die Niederkunft der Frau K. die Pfandstücke nicht abholen lassen, sondern weitere Zahlungsfrist geben." Der Brief soll n i ch t etwa Scherz sein, sondern ist ganz ernsthaft gemeint. Seine Darstellung ist reich an Unrichtigkeiten; wir wollen hier nur die gröbsten korrigieren. Nicht eine„Auf- Wärterin", sondern eine der Frau K. befreundete Frau L., die außer der Hebamme zur Hülfeleistung anwesend war, hat den Ver- treter von Weber u. Co. samt den Gerichtsvollzieher empfangen. Sie hat ihnen gesagt, Frau K.„liegt in der Entbindung". Sie bestreitet, daß der Vertreter hierauf sofort erklärt hat, er nehme Abstand von der Pfändung. Er habe mit dem Gerichtsvollzieher Zutritt zu dem Nebenzimmer gefordert, aber keiner habe gesagt, daß sie„nur etivas Schreibgelegenheit" haben wollten. Frau L. bestreitet ferner, daß erst während der Protokollausfertigung die „pfändbaren" Gegenstände bemerkt und nunmehr gesiegelt wurden. Sie versichert auch, daß der nachher noch einmal zurückkehrende Vertreter, der sich mit der wunderlichen Bitte um'ein Glas Wasser Zutritt zu verschaffen suchte, ihr mitgeteilt habe, die Pfandstücke würden nicht abgeholt werden. Es ist übrigens möglich, daß diesem Herrn tatsächlich schon auf dem Heimweg klar geworden ist. wte zwecklos die Pfändung war. Man hatte ihm ja gesagt, daß d,e Gegenstände, die sich in dem von der Schwiegermutter bewohnten Nebenzimmer befanden, gar nicht Eigentum des Schuldners waren. Inzwischen hat die Firma denn auch alles wieder herausgeben müssen, so daß sich das eigenartige Vorgehen nicht einmal ge- l o h n t h a t. Der Magistrat ist dem seinerzeit von der Stadtverordneten- Versammlung gefaßten Beschluß, den Magistrat zu ersuchen, ein Automobil für die Benutzung der Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung zu beschaffen und gleichzeitig stir die Mitglieder der Versammlung Straßeubahu-AbonuementS auf samt- lichen Linien der Großen Berliner Straßenbahn zur Verfügung zu stellen, zum Teil nachgekommen. Der Magistrat hat beschlossen, ein Automobll zum Preise von 24999 M., das ständig bereit sein soll, anzuschaffen und den Stadtverordneten ein Jahresabonnement für zwei Linien nach deren Wahl zur Verfügung zu stellen. Maßgebend für diesen Beschluß war die Erwägung, daß die Mehrzahl der Stadtverordneten ein volles Jahresabonnements auf allen Linien nicht ausnutzen wird und den meisten Stadtverordneten zwei Linien vollständig genügen dürften. Dieser Beschluß harrt nun der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Unter der Neberschrift»Submissionsunwesen im erliner Stein setzergewerbe" hatten wir in unserer Freitagnummer eine Notiz gebracht, die sich mit einer tariflichen Festlegung der Preise und Abgrenzung der Steinsetzbezirke, wie sie augeblich vom neubegründeten Arbeitgeberverband für das Stein- setzergewerbe in einer Eingabe an den Magistrat der Stadt Verlin gefordert sei, beschäftigte. Dazu erhylten wir auf Grund des Preß- gesetzes folgende Berichtigung: „Von Seiten des ArbeitgeberverbändeS für das Steinsetzer- gewerbe ist beim Magistrat von Berlin weder eine schriftliche Ein« gäbe eingereicht, noch eine mündliche Vorstellung erhoben worden, noch auch hat eine Privatperson mit Wissen und Willen des Arbeitgeberverbandes mündlich oder schriftlich den Magistrat von Berlin angegangen, eine tarifliche Festlegung der Preise sowie eine Einrichtung von Stadtbezirken, wie sie bei den Schornstein- fegern eingeführt ist. vorzunehmen. Es ist demgemäß auch seitens des Magistrats keine Antwort auf eine derartige Anfrage erteilt worden." Hochachtungsvoll Der Vorstand. Janson. Grandke. Die in borstehender Zuschrift berichtigten Tatsachen hatten wir. wie wir ausdrücklich in der Notiz betonten, dem„Berliner Tage« blatt" entnommen. Hoffentlich ist auch diese Zeitung mit einer Be- richtigung beehrt, damit der Wert der Richtigstellung nachgeprüft werden kann. Apollo-Theater. Die Direktion des Apollo-TheaterS spekuliert gar nicht schlecht, wenn sie auch die Sommermonate hindurch ihr Variete-Theater geöffnet hält. Ganz besonders kommt das in diesen Hundstagen" herrschende regnerische, kühle Wetter der Theater- lasse sehr zu statten; vor allem trat das wieder einmal anläßlich des neuen Programms für den August in Erscheinung. Balkons, Logen und Parkett waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Programm befriedigte auch verwöhnte Varietöbesucher. Als vor« zügliche Jongleure bewährte sich die Harry Rämbler» Kompagnie mit ihrer Szene in einem Pariser Restaurant. Sämtliche Kleidungsstücke, sowie Messer. Gabel, Speisen, Ge- tränke. Tische, Stühle, kurz alles, was nicht niet- und nagelfest war, mußte das Objekt für die Jongleurkunst abgeben. Unter dem Programmtitcl: Benno Bouche ging so eine Art Kostüm» ausstellung vor sich, die stark an eine frühere Operette des Apollo- Theaters, an„Prinzeß Rosine" erinnerte und in puncto Glanz und Flitter besonderes leistete. Die Akrobaten Schenk Bros wirkten als Handstandkünstler in einer verblüffend eleganten Weise. Die Clou des Abends bildeten neben den über gute Stimmen verfügenden Ncgerduettisten Peter Hamston und Laura Baumann. die aus dem Juliprogramm mit hinübergenommen sind, die schwierigen Tricks der hübschen Japanerin Jamamoto mit ihrem Partner K o? o s h i. Als Equilibristin entwickelte das kleine Per- sönchen eine Gewandtheit und eine Sicherheit, die ihr nicht enden- wollenden Beifall des Publikums eintrug. Hinzu kommt noch das Auftreten des urkomtschen Humoristen Jean Paul, über dessen Schlager das Publikum aus dem Lachen nicht herauskommt; indische Tänze werden von Piloty von Kaulbach vorgcsührt, und eine inter- nationale Soüberette, Lola Lloyd, ergötzt durch Schick und Tempera- ment.„Der Hochzeitsgast", eine einaktige Burleske Von Hartstein, hat seine Wirkung noch behalten. Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 4l/z Uhr in der Patentbettstellen- und Matratzenfabrik von Wesiphal u Reinhold, Südufer 24/25. Als dort ein in der HolzverarbeitungS- abteilung beschäftigter 26jähriger Arbeiter mit dem Zuschneiden von Holzteilen beschäftigt war, rutichte er plötzlich ab und geriet mit der rechten Hand in die Sägemaschine, wobei ihm vier Finger der rechten Hand vollständig abgesägt wurden. Der Verunglückte wurde sofort von seinen Arbeitskollegen nach der Unfallstation in der Lynarstraße gebracht, wo ihm die erste Hülfe zuteil wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er nach dem Krankenhause gebracht. Einbruch in eine Kirche. In der vergangenen Nacht ist in der Sebastiankirche aus dem Gartenplatz ein Einbruch verübt worden. Die Diebe erbeuteten eine silbenie vergoldete Monstranz, etwa 59 Zentimeter hoch, im Werte von 2599 M.. einen etwa 49 Zenti- meter hohen silbernen Kelch im Werte von 459 M. und einen etwa 39 Zentimeter hohen silbernen Kelch im Werte von 129 M. Ein Straßenbahnunfall ereignete sich am Freitag abend 'All Uhr in der Königstraße nahe der Neuen Friedrichstratze. Hier wurde die Schneiderin Frau Schielinski, Stralauerstraße 59 wohn- Haft, als sie den Straßendamm passieren wollte, von einem heran- nahenden Motorwagen der Linie 64 erfaßt und kam mit dem linken Unterschenkel unter den Schutzrahmen zu liegen. Mittels mitgeführter Winden wurde der Wagen durch das Straßenbahn- personal angehoben und Frau Sch. hervorgezogen. Die durch Straßenpassanten herbeigerufene Feuerwehr brachte die Ver- unglückte nach dem Krankenhause Friedrichshain, woselbst eine Fleischwunde am linken Unterschenkel und an der Stirn sowie Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Von einem Radfahrer überfahren und schwer verletzt wurde Freitag abend der 19jährige Schüler Ernst Bartsch aus der Reinickcndorferstraße 95. Der Knabe war im Begriff gewesen, in der Müllerstraße den Fahrdamm zu überschreiten, als er plötzlich von einem Radfahrer, der in rasendem Tempo dahinjagte, um- gerissen und überfahren wurde. Passanten trugen ihn nach der Unfallstation in der Lindowerstraße, wo der Arzt mehrere kom- plizierte Brüche an den Unterschenkeln feststellte. Nach Anlegung von Notverbänden wurde B. nach dem Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht. Im Plötzenseer Kanal ertrunken ist vorgestern nachmittag der Schiffer R. Er war im Begriff, einen Handkahn zu besteigen und glitt, als er sich von Bord der Zille herablassen wollte, aus und fiel ins Wasser. R. wurde anscheinend vom Schlaganfall getroffen, denn, wiewohl es der Mannschaft schon nach wenigen Minuten gelang, den Schiffer zu landen, war bereits der Tod eingetreten. In eine gefährliche Situation gerieten Freitag abend gegen 9 Uhr auf der Oberspree die Passagiere eines Dampfers und eines Motorbootes. An dem letzteren versagte plötzlich der Motor, wo- durch das Fahrzeug steuerlos wurde; es legte sich quer vor die Dampferdurchfahrt der VerbindungSbrückc zwischen Nieder- und Ober-Schöncweide und wurde durch die Strömung so fest gegen die Pfeiler gedrückt, daß die Bemühungen der Mannschaft, das Boot freizumachen, längere Zeit erfolglos waren. Unglücklicher» weise waren bei dem Anprall die Laternen zertrümmert worden, so daß der Kapitän eines herannahenden Tismer-Dampfers das an der Durchfahrt liegende Hindernis nicht wahrnahm. Erst als der Dampfer sich bis auf 15 Meter genähert hatte, gelang es das Boot herumzureißen und die Fahrstraße freizumachen. Das Motor- boot wurde nur leicht gestreift, ohne ernstlich beschädigt zu werden. Zwei Lebensmüde im Landwehrkanal ertränkt. In der gleiche» Stunde haben gestern nachmittag zwei Selbstmörder im Landwehr« kanal den Tod gefunden. Am Elisabeth-Ufer sprang vor den Augen zahlreicher Passanten ein unbekannter etwa 45 Jahre alter Mann in den Kanal. Es wurden sofort Rettungsversuche unternommen, die dCet keinen Erfolg mehr hatten. Der Selbstmörder war bereits untergefunlen und ertrank. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Am LUtzow-Ufer ertränkte sich eine junge unbekannte Frauensperson. Auch in diesem Falle waren die Rettungsversuche erfolglos. Der Kleidung nach hat die noch jugendliche Selbstmörderin den besseren Ständen angehört. Zu der Notiz:«Vor einer schweren Katastrophe" teilt die König» liche Eisenbahnbetriebsinspektion folgendes mit: Als am Donners tag, den 1. August, ein Gilterzug um 5 Uhr 60 Min. vormittags vom Giiterbahnhof Spandau in der Richtung nach Stendal sich zur Ausfahrt in Bewegung gesetzt hatte, näherte sich auS der Richtung von Stendal ein Bedarfseilgüterzug dem Bahnhofe und überfuhr aus noch nicht ermittelten Gründen das auf„Halt" stehende Einfahrt- signal, so daß er 25 Meter vor der Gleiskreuzung, welche von dem von Spandau ausfahrenden Zug passiert werden mußte, zum Halten kam. Der Lokomotivführer des ersten Zuges hatte den Umstand rechtzeitig erkannt und seinen Zug bereits vor der Gleiskrcuzung zum Halten gebracht. Eine Gefährdung des Hamburger Schnell- zugeS ist schon auS dem Grunde ausgeschlossen, weil un, diese Zeit überhaupt kein Schnellzug von. Hamburg passiert, derselbe auch die angegebene Strecke nicht benutzt. Leblos zufauniieiigebroche» ist gestern die Witwe Sauer, Dresdener� ftraße 3 wohnhaft, kurz nachdem sie von dem Kirchhof heimgekehrt war. Ein hinzugerufener Arzt konnte nur noch den durch Herzschlag eingetretenen Tod feststellen. Die Automobilausflüge der Allgemeinen OmnibuSgefellschaft nach der Alten Fischerhütte werden am heutigen Sonntag wieder- holt. Dem starken Andrang entsprechend wird der Betrieb ver- stärkt. Voraussetzung ist natürlich ein gutes Wetter. Fahrplan und Tarif bleiben derselbe wie bisher. Ein dreister Einbruchsdiebstahl ist in der verflossenen Nacht verübt worden. Der in der Voigtstraße 38 wohnhafte Musiker Winter hatte sich mit seinen Angehörigen gegen 11 Uhr zu Bett gelegt. Kurz nach Mitternacht wurde von einem dreisten Ein- dringling die Korridortür mittels Dietrichs geöffnet und ohne zu zaudern suchte der Täter das Schlafzimmer der W.schen Eheleute auf. Der Bursche„arbeitete" nun so geschickt, daß keiner der Be- wohner aus dem Schlafe gestört wurde. Der Dieb eignete sich die Geige des Musikers, die einen Wert von 5tX> M. hat, sowie eine Anzahl von Schmucksachen an und verließ die Wohnung, ohne daß er bei seinem Treiben gestört worden wäre. Die Kriminalpolizei ermittelte in dem dreisten Einbrecher den in demselben Hause wohnhaften Schlosser Franz Heimkow. H. wurde in seiner Wohnung verhaftet, und da in seinem Zimmer die gestohlene Geige entdeckt wurde, so zog er es vor. den Einbruchsdiebstahl einzu» räumen. Vom Spiel in den Tod. In der Lachmannstraße wurde gestern abend vor dem Hause Nummer 3 ein siebenjähriger Knabe von einem Sprengwagen überfahren. Der Wagen ging dem Ber- unglückten über die Brust. Ein Schutzmann brachte den Knaben nach dem Urban- Krankenhause, wo nur noch der Tod des Jungen konstatiert werden konnte. Den Führer de« Wagens trifft keine Schuld an dem Unglücksfall. Der Verunglückte halte die oft zu beobachtende Unsitte, dem Sprengwagen nachzu- laufen, nachgeahmt und war beim Spiel ausgeglitten. Ter Berliner Volkschor nimmt am 9. August seine Uebungen für die kommende Wintersaison wieder auf. Als erstes Konzert findet am 29. September im Mozart-Saal, nachdem der Boykott nunmehr aufgehoben ist, ein Franz Schubert-Abend statt; alsdann folgt am 19. und 29. November eine zweimalige Aufführung der „Schöpfung" von Haydn in der„Neuen Welt". Das dritte Konzert ist ein Franz Liszt-Abend in der Hochschule für Musik, und als letzte? Konzert findet im März ein grc�er Wagner-Abend mit dem auf 89 Musiker verstärkten Mozartorchester in der„Neuen Welt" statt. In allen vier Konzerten wird neben den hervor» ragendsten Solisten der Chor mitwirken. Zu den UebungSabenden des Chors, welche Freitags von 8>,h— 19 Uhr in der Aula des Sophien-Realgymnasiums, Steinstraße 31— 34, stattfinden, sind Gäste willkommen. Arbeiterbildungsschule Berlin. Sonntag, den 11. August, Familienausflug nach Hirschgarten- Rahnsdorfer Mühle. Abfahrt des Zuges nach Hirschgarten vom Bahnhof Alexanderplatz vorniillags 8.29, Jannowitzdrücke 8.31, Schlesische» Bhf. 8.34. Treff- Punkt für Nachzügler bis 19 Uhr vormittags Restaurant.Waldburg" fJnhaber W. Keller) am Bhf. Hirschgarten. Von 12 Uhr vormitlags ab Gasthaus zur Rahnsdorfer Mühle lJnhaber A. Klemm). Vom Bhf. Rahnsdorf in 15 Minuten zu erreichen. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder nebst Angehörigen sowie Freunden der Schule wiro erwartet. Arbeiter-Sainariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr 2. Ab- teilung Brunnenstraße 154. Vortrag über Ertrinken, Ersticken, verschiedene Formen der Bewußtlosigkeit. Daran anschließend prak- tische Uebungen und Wiederbelebungsversuche. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Der für heute angesetzte Ausflug findet nicht statt. Der Drucker Paul Kutzschbach» wohnhaft Libauerstr. 16, bittet uns, mitzuteilen, daß er mit dem des schweren Raubes verdächtigen Kutschbach nicht identisch und auch nicht verwandt ist. Gesperrt. Der vor den Grundstücken Bartelstr. 1—4 und 14— 15 liegende Straßenteil wird Kanalisationsarbeiten halber sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im Berliner Aquarium sind die ersten echten Sommergäste auS der Bewohnerschaft des Meeres eingetroffen, nämlich eine Ge- sellschaft in das zarleste, duftigste Gewand gekleideter, durchsichtiger Medusen, die zu den reizvollsten Lebewesen gehören, welche in unseren nordeuropäischen Meeresgebicten heimisch sind. Diese über Stralsund angelangten anmutigen Geschöpfe aus der Gruppe der Lappenquallen gewähren durch Zusammenwirken von eigenartiger Gestalt suhrglasförmig, mit zahlreichen feinen Randtentakeln), lieb. lichen, nur angehauchten rötlichen und bläulichen Farbentönen und gleitenden Schwimmbewcgungen ein wirklich anmutige? Bild. Auch nordeuropäische Meeres fische kamen dieser Tage an, unter ihnen Vertreter von Gattungen und Arten, die dem Namen nach oder auch, da sie als„E i s f i s ch e" oder geräuchert begehrte Markt- artikel darstellen, in totem Zustande viel bekannt sind, die aber lebend selten mal ein Binnenländer zu sehen oder gar in ihrem Tun und Treiben zu beobachten Gelegenheit finden dürfte; ins- besondere gilt dies von einem Plattfisch, der lebend so schwer zu erhalten ist und dessen Fleisch zu dem feinsten gehört, nämlich dem Steinbutt. Auf ber Treptow-Stcrnwarte spricht Direktor Dr. Archenhold am heutigen Sonntag, nachmittags 5 Uhr, über:„Wetter, Wolken und Blitze", abends 7 Uhr über:„Die Irrlehren der Astrologie". Das Thema für den Montagvortrag abends 9 Uhr lautet:„Unsere Sonne und die großen Planeten". Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird nachmittags die„Sonne", abends ein„Fixstern" oder„Doppel- stern" und von 19 Uhr an der„Mars" beobachtet. Feuerwehrbericht. In der vorigen Nacht erfolgte ein Alarm nach der Stendalerstraße. Grober Unfug war die Ursache. Bei einem Brande in der Wilhclmstr. 57 wurde das Mädchen Lotte Jlenfeld perletzt. Die Brandwunden wurden in der nahen Unfall- station verbunden. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. Gegen Mitternacht kam in der Alten Schönhauserstr. 9 Feuer aus, das an dem Zwischengebälk reiche Nahrung fand. Teer u. a. brannte in der Havelbergerstr. 26, Lübeckerstr. 1 und an anderen Stellen. Hobelspäne wurden in der Weberstr. 29 ein Raub der Flammen. Wegen eines Wasserrohrbruchs erfolgte ein Alarm nach der Franzö- sischenstrahe 52. Ferner wurde nachts um 12 Uhr die Feuerwehr nach der Müllerstr. 178 gerufen, um einem Manne zu helfen. Als sie dort eintraf, tvar der Mann bereits gestorben. Um 4 Uhr früh wurde mit Erfolg ein Sauerstoffapparat bei einer schwerkranken Frau in der Wasserthorstr. 62 benutzt. Ferner hatte die Feuerwehr noch in der Bcusselstr. 44, Greifenhagenerstr. 73 und an anderen Orten zu tun. Vorort- I�acKricKten. Wilmersdorf. In der am 39. Juli stattgefundenen Generalversammlung des Wahlvereins, die leider außerordentlich schwach besucht war, gab der Vorsitzende Genosse Kiefer den Haldjahresbericht des Vor- ftandes. Da in dem verflossenen Halbjahr außer der Reichstagswahl am Ort auch noch die erste Stadtverordnetenwahl stattfand, war zur Erledigung der Wahlarbeiten eine rege Tätigkeit not- wendig. Bedauerlicherweise fand der Vorstand nicht immer die genügende Unterstützung der Mitglieder, indem nur ein Verhältnis- mäßig kleiner Teil der Genossen sich an den Parteiarbeiten be- teiligte. Der Mitgliederbestand hat in der Berichtszeit eine Steige- rung nicht erfahren. Wegen rückständiger Beiträge mußten 57 Mit- glieder gestrichen werden. Der Kassenbericht bilanziert mit einer Gcsamteinnahme von 787,71 M. und einer Gesamtausgabe von 991.21 M. Nachdem Genosse Henkel von der KreiSgeneralversamm- lung Bericht erstattet, erfolgte die Beratung des Organisations- statuts, welches in seiner Gesamtheit angenommen wurde. Als Delegierte zur Generalversammlung des Kreises wurden die Gc- nassen Henkel, Gaddaus und Riedel II gewählt, zur General- Versammlung von Groß-Berlin die Genossen Linsch, Beier. Zörner, Behrcnd, Riedel l, Henning und Schubert. Marienfelde. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich am Freitag vor- mittag um 9L8 Uhr in dem Messingwcrk von Richard Schulz u. Co. Als der 16 Jahre alte Arbeitsbursche Emil Hönicke mit einein Kollegen einen mit Messingblechen beladenen Wagen fortschieben wollte, stürzte der Wagen um und verletzte dem Hönicke den linken Fuß derartig, daß er auf Anraten des Arztes in das Britzer Kreis- krankenhaus übergeführt werden mußte. Wie der Arzt angab, sind die Sehnen durchschnitten. Schmargendorf. In der im Wirtshaus Schmargendorf stattgefundenen General- Versammlung des Wahlvercins gab Guttbier den Bericht des Vor- standes. Nach demselben fanden im letzten Quartal vier Mit- gliederversammlungen und eine Generalversammlung statt. Die Mitgliederzahl, ist von 83 auf 81 gesunken. Des weiteren fand eine Agitationstour statt. Nach dem Bericht des Kassierers stand einer Einnahme von 83.25 M. eine Ausgabe von 66 45 M. gegenüber, so daß am Ort ein Bestand von 16.89 Mk. verbleibt. Auf Antrag des Vorstandes wurden wegen zu langen Rückstandes der Beiträge der Mechaniker Ernst Cordua und die Bauarbeiter Wilhelm Köhler und Otto Nother aus dem Verein ausgeschlossen. Als Delegierte zur Generalversammlung de» Kreises wurden die Genossen Schuschcuk, Sprintz und Guttbier und zur Generalversammlung von Groß- Berlin die Genossen Guttbier und Sprintz gewählt. Den Ab- ändcrungsanträgen des Statuts für Groß-Berlin wurde zu- gestimmt. Britz-Buckow. An Stelle deS ExtrazahlabendS hielt der hiesige Wahlverein am letzten Dienstag eine Mitgliederversammlung sämtlicher Bezirke zur Beratung der Statuten des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine von Groß-Berlin ab. Einleitend gab Genosse Soldner einen Bericht über die Geschichte des Verbandes und ging dann zu den, gegen das alte Statut abweichenden, einzelnen Paragraphen über. Die Versanimlung erklärte sich mit den vom Zentralvorstand des Kreises vorgeschlagenen Aenderungen einverstanden. An Stelle des verhinderten Genossen Schmidt wählte die Versammlung den Genossen Prenzlow als Delegierten zur Generalversammlung von Groß-Berlin. Unter„Verschiedenes" kam die Stellungnahme der Lokalorganisierten zu den eingeleiteten Einigungsverhandlungcn des Parteivorstandes zur Sprache und entfesselte eine lebhafte Diskussion, die der vorgerückten Zeit wegen aber abgebrochen wurde und in einer Mitgliederversammlung am 14. August 1997, abends 'chll Uhr(Zahlabend), im Landhaus(Wosinski), Chausseestr. 97. fort- gesetzt werden soll. In derselben wird als Referent Genosse Schröder über Lokal- und Zentralorganisation und als Korreferent Genosse Cohen referieren. Alt-Glienicke. Die letzte Gemeindevertretersstzung beschäftigte sich mit der Beschwerde des entlassenen Technikers Pettersson gegen den Ge- meindevorsteher. In einer allen Gcmeindevertretern zugegangenen Beschwerdcschrift stellte Pettersson seine plötzliche Entlassung aus dem Gemeindedienst als einen Racheakt des Gemeindevorstehers hin und beschuldigte diesen verschiedener unehrenhafter Handlungen. Pettersson fordert von der Gemeindevertretung Weiterzahlung seines Gehaltes, bis er eine gleichwertige Stellung gefunden habe. Der Gemeindevorsteher Vertvahrte sich in der Sitzung in einer längeren Rede gegen die Behauptungen Petterssons. Schon seit längerer Zeit habe P. in seinem Dienst Anlaß zu Beschwerden ge- geben, er sei sehr unpünktlich gewesen und oft statt um 7 Uhr sei er erst um 9, 19 ober 11 Uhr im Bureau erschienen. Wiederholt sei P. aufgefordert worden, seine Dienststunden pünktlich inne zu halten. Da die Verwarnungen jedoch vergeblich gewesen seien, wurde Herrn P. aufgegeben, sich morgens beim Dienstantritt bei einem Sekretär zu melden. P. lehnte dies als unter seiner Würde tehend ab und wurde infolgedessen entlassen. Im Gegensatz zu >er Behauptung des Herrn Pettersson, daß ihm Herr Hoffmann bei einer Kneiperei in Gegenwart de? Gemeindevorstehers an- geboten habe, betrügerische Manipulationen mit der Vermessung der HauSanschlüsse vorzunehmen, verlas der Gemeindevorsteher ein Schreiben des Herrn Hoffm'ann, worin diese Behauptungen mit Entrüstung zurückgewiesen wurden. Zum Schluß seiner AuS- führungen geht der Gemeindevorsteher auf die Verdächtigung in der Beschwerdeschrift ein, daß er sich zugänglich gegenüber einzelnen Firmen gezeigt habe. ES seien wohl des öfteren Versuche gemacht worden, ihn zu beeinflussen, so habe ihm beispielsweise eine Terraingesellschaft ein großes Grundstück für feine Mühewaltungen angeboten, aber niemand könne herkommen und ihm nachweisen. daß er solchen Lockungen erlegen sei. ES wurde beschlossen, daß der Gemeindevorsteher die Klage gegen den entlassenen Techniker ein- leiten soll, damit vor dem Gericht eine Klarstellung der ganzen Angelegenheit erfolgt. Zu der Ersatzwahl für den Genossen PrieS, welcher aus wirtschaftlichen Gründen sein Amt als Gemeinde- Vertreter niedergelegt hat, wird von unserer Seite der Gemeinde- Vorsteher ersucht, die Wahlhandlung in die Nachmittagsstunden zu legen, was dieser auch verspricht. Ein Antrag des Kreises Teltow um Freilassung von der Zahlung der Umsatzsteuer fand Annahme. Sodann wurden noch einige kleinere Vorlagen erledigt. Einen guten Verlauf nahm die am Mittwoch abend abgehaltene öffentliche Versammlung, in der die Diskussion über das Thema: „Arbeiterschaft und Kirche" fortgesetzt wurde. Da der Referent, Genosse A. Störmer, in der vorigen Versammlung durch früh. zeitigen polizeilichen Schluß derselben nicht zu Ende kommen konnte, zeigte er nochmals in längerer Rede, wie die Kirchs zur Arbeiterschaft und Kapital steht. Der OrtSpfarrer, Herr Jseler, war auch wieder erschienen, und hat für diesmal den Evangelischen Jungfrauenverein mitgebracht. An oer Diskusston beteiligten sich der Herr Pfarrer, sowie mehrere seiner Gesinnungsgenossen. Im großen und ganzen waren ihre Ausführungen eine Neuauflage der in voriger Versammlung vertretenen Religionsdogmatik. ES war denn auch kein Wunder, daß die Redner„christlicher Observanz Gelächter in der Versammlung hervorriefen. Der überwachende Beamte machte wieder Miene, die Versammlung aufzulösen, was jedoch durch srühzeitige Vertagung derselben durch den Vorsitzenden vereitelt wurde. In seinem Schlußwort nahm Genosse Störmer noch Gelegenheit, unter dem Beifall der Versammelten die Ein- wände der Diskussionsredner zu widerlegen. Bekanntgegeben wurde noch, daß Formulare zum Austritt aus der Landeskirche beim Genossen Ewald Dürre zu haben sind Rnmmelsbiirg. Bei der GcwerbcgerichtSwahk wurden die vom Gewerkschafts« kartell aufgestellten Arbeitnehmer-Beisitzer mit 1199 Stimmen ge« wählt. Tegel. Die Gemeinbevertretersitznng am Donnerstag nahm zunächst Kenntnis von der verzwickten Rechtslage, die durch das Erkenntnis des Reichsgerichts in dem Prozeh der Firma Friedrich Krupp iGermaniawerft) gegen die Gemeinde Tegel entstanden ist. Die Gemeinde Tegel hatte sich vor Jahren verpflichtet, den schwarzen Graben aus dem Germaniagrundstück heraus zu verlegen und ein- zurohren und den Seeuferweg einzuziehen. Dafür trat die Ger- maniawerft drei Grundstücke zu Straßenzwecken usw. an die Ge- mcinde ab. Durch rechtskräftiges Urteil des Oberverwaltungs- gerichtes wurde der Gemeinde Tegel nun die Einziehung des See» uferwegeS verboten, die Firma Krupp aber verklagte die Gemeinde Tegel wegen Nichterfüllung des Vertrages und forderte Heraus» gäbe der fraglichen drei Grundstücke. Die Gemeinde wurde in diesem Sinne verurteilt, soll nun die längst anderweitig benutzten Grundstücke herausgeben, kann aber doch den schwarzen Graben nicht wieder in das Germaniagrundstück legen. Es wird versucht werden müssen, eine friedliche Lösung der Frage durch Abschluß eines neuen Vertrages zu finden. Da Gem.-Vertr. Gutstein bei dieser Gelegenheit den Zustand der Spandauerstratze bemängelte, so wurde kurzerhand für nächsten Mittwoch eine Lokalbesichtigung beschlossen. Sonst soll eine abwartende Stellung beobachtet werden. Das an die Große Berliner Straßenbahn gerichtete Ersuchen, die sämtlichen Wagen der Linie 31 bis Tegel fahren zu lassen, ist abgelehnt worden,„da die zeitliche BetricbSaufwendung noch ge- nüge". Der Vorsitzende schlug vor, erneut den Versuch zu machen, daß eine andere Linie, etwa 22, dann bis Tegel verlängert würde, Wie jetzt sei es unhaltbar, da oft schon an der Berliner Gas- anstalt alle Wagen besetzt seien und auch in der Richtung von Berlin zu vielen Zeiten die Betriebsmittel durchaus nicht aus« reichten. Schöffe R e i ch e l t wies darauf hin, daß eine halb- stündlich betriebene Linie überhaupt keinen Zweck für einen Vor- ort habe. Niemand könne sich darauf verlassen, und wenn man nicht mitkomme, müsse man mitunter eine volle Stunde, vielleicht die ganze Mittagspause warten. Es soll erneut um Verlängerung der Linie bezw. Vermehrung der Betriebsmittel gebeten werden. Eine Anfrage deS Gemcindcvertreters Borsig wegen einer bevor- stehenden Preiserhöhung auf der Straßenbahn, über die der Berliner Magistrat in Beratung getreten sein sollte, wurde zwar nicht beantwortet, aber als nach dem Tegeler Vertrag für unmöglich bezeichnet. Tie Anleihe von 25 999 M. zum PfarrhauSbau ist vom KreiSausschuß genehmigt. Für die Realschule sind 485 M. Kreiskostcnbeitrag bewilligt. Eine frühere Anfrage unseres Ge- nosscn Radccke, warum Personen, die in nicht trauermäßigcm Anzug, aber mit einem Kranz zum Begräbnis kamen, das Be- treten deS Kirchhofes verboten wurde, hat KirchhofLinfpektor Bannemann dahin beantwortet, daß er feines Wissens nie jemand zurückgewiesen habe. Es besteht in Tegel seit 1993 eine Ver- fügung, wonach dritten, am Begräbnis unbeteiligten Personen ber großem Andrang der Zutritt verwehrt werden kann. Genosse Lichtenberg bestritt, daß ans dem Tegeler Friedhof je von großem Andränge die Rede sein könne, fand aber lebhaften Widerspruch. Von der Urkunde bezüglich des EntcignungSrcchtcs zum Hafenbau nabm die Gemeindevertretung Kenntnis. Genehmigt wurde dann, daß da« KreiSbauamt die gesamten Hafenmaucrn baut und spater der- Gemeinde Tegel in Rechnung stellt. Die Mauern sollen m Eisenbeton ausgeführt werden und etwa 259 M. per Meter kosten. Der Kreisausschutz hat weiter genehmigt, daß für die Anleihen bis zum 1. April 1911 die Zinsen aus Anleihcmittcln genommen werden und erst dann die Amortisation beginnt. Endlich berichtete der Vorsitzende noch über die Dienstreise der Kreiskommission zur Besichtigung der Hafcnanlagen von Dortmund und Münster ,. W.. der außer ihm. als Gemeindevorsteher, Gemeindcbaumcister Fischer angehörte. Es wurde beschlossen, von Gemeindewcgen noch einige anoere Häfen zu besichtigen uiid dazu sämtliche Gemeiudevertretcr einzuladen. Gegen die Verarbeitung von Ammoniakwasser aus Berliner Gasanstalten in Tegel soll kein Einspruch erhoben werden. Tie prozentuale Gesamtbclastung der Rcalsteuern wurde aus Grund einer veränderten Zusammenstellung von 243,12 Proz. auf 235,26 Proz. herabgesetzt. Für die Förderung der architektonischen Ausgestaltung von WohnhauSbauten, für die der Kreis 3000 M. ausgesetzt hat. bewilligte Tegel einstimmig 399 M. Die Gemeinde soll dafür 3 Entwürfe in je 25 Umdrucken erhalten. Gemciildc- Vertreter FuchS und Engelke bezweifelten den Erfolg durch drei Entwürfe. Statt eines Preisausschreibens sollte man lieber gute Architekturivcrke über Fassaden anschaffen. Gcmeindcvertrcter Borsig versprach sich große erzieherische Wirkung auf die Ver- bcsserung des Baustils im allgemeinen. Zur Pslastcrunp der August Llküllerstraße wurde beschlossen, an den Stellen, die der Gemeinde nicht aufgelassen sind, den Bürgersteig so zu lassen wie er ist und nur die Straße zu pflastern. Die Gcmeindegrundstucke in der Buddestraße sollen eingefriedigt werden. Der Wasscrabgabe an WaidmannZlust zu Sprcngzweckcn wurde zugestimmt, am Wasserpreis konnte aber nichts geändert werden. Die Anlage wird. sobald die Untertunnelung der StaatSbabn gestattet ist, sofort gebaut. Sie bringt gleichzeitig auch der„Freien Scholle' Wasser. Betreffs der für die Uferpromcnade benötigten 18 Morgen See» fläche hat der Regierungspräsident angeordnet, über den Preis von 9,49 M. pro Quadratmeter zu verhandeln. Die Gemeinde beichloß den Ankauf, bevollmächtigte den Gemeindevorstand und wies die Mittel auS Hafen- und Kreisbahnmitteln an. Ter Erhöhung des Zinsfußes für die Anleihe der Stadtsparkasse in Deli�sch von 3% Proz. auf 4 Proz. mußte zugestimmt werden. Ebenjo wurde der Aufnahme eines Darlehens von 599 999 M. in 31hprozcntigen landwirtschaftlichen Zentral.Pfandbricfcn von der Niedcrbarnimer Kreissparkasse zum Erwerb von Areal zum Hafenbau ziigestlwmt. DaS Geld wird zu 3Vi Proz. mit Amortisation vom 31. Dezember 1911 abgegeben. Die Papiere sind zu 98.85 gekauft und stehen heute 98. Ter event. hohe Kursverlust bestimmte unseren Genossen Lichtenberg, allein dagegen zu stimmen. Dann kamen endlich An. aebote von Anleihen. Beschlossen wurde die Annahme von 199 999 Mark zu 411 Proz. bei% Proz. Provision und von 59 999 M. zu gleichen Bedingungen. Ter Beschluß war einstimmig. Wetter waren noch 21-- Millionen. 2 Millionen. 699 999 M. usw. angeboten. Für den letzten Punkt:„Beschlußfassung über die zum Kreisbahn- und Hafenbauprojekt freihändig zu erwerbenden und über die zu enteignenden Flächen" wurde auf Antrag deS Gemeindevertrcters Gutstein gegen die Stimme unseres Genossen Lichtenberg die Ocffcntlichkeit ausgeschlossen. Potsdam. Die hiesige Arbeiterbildungsschule wird nunmehr eine andere Gestalt annehmen. Infolge des sich bemerkbar machenden Rück. ganacS wurde in einer Sitzung der Vorstände des Wahlvereins. des Kartells und der Bildungsschule beschlossen, dieselbe der Leitung de? sozialdemokratischen Wahlvereins und des Gcwerk» schaftskarteNS zu übergeben. Hierzu wird ein Bildungsauöschuß von zehn Mitgliedern gebildet werden, welcher sich behufs besserer Agitation aus zehn verschiedenen Gewerkschaften zusammensetzt. Eintrittsgeld und Monatsbeiträge werden weiter erhoben werden. doch kommt der bisher üblich gewesene Extrabcitrag von 1 M. für die den Kursus Besuchenden in Wegfall. Aufgabe des Bildungs. ausschusseS wird es fein, durch eine umfangreiche Agitatton das noch sehr große Feld der Jnteressenlosigkeit zu bearbeiten. AuS der Arbeiterbibliothek wurden im zweiten Quartal inS- gesamt 757 Bücher gegenüber 731 im ersten Quartal entliehen. Besucht wurde die Bibliothek von ungefähr 179 Personen. Diese Zahl ist leider noch wenig befriedigend, wenn man damit rechnet, daß in Potsdam 2999 Organisierte sind. Für kommenden Monat ist bereits wieder eine größere Summe zur Neuanschaffung inter. essanter und lehrreicher Bücher ausgeworfen. Die Ausgabe der Bücher erfolgt jeden Sonnabend abends von VzS— 9 Uhr und Sonntags vormittags von 9—10 Uhr im Restaurant Ladenthin, Kaiser Wilhelmstratze, unentgeltlich. Gegen die ausgelegten Stndtvcrorbneten-Wahllistcn sind 21 Einsprüche erhoben, die in der Sitzung der Stadtverordneten am Freitag, den 9. August, erledigt werden sollen. Eingesehen wurden die Listen von 169 Personen für 668 Wähler. Durch die neue Steuerveranlagung vom 1. April d. I., die, wie wir schon mit- teilten, in den unteren Stufen durchschnittlich eine Stufe Erhöhung gebracht hat, hat sich die Zahl der Stadtverordnetenwähler von 9426 vor zwei Jahren auf 10 362 in diesem Jahre erhöht. Rechnet man hinzu, datz bei der im Juni stattgefundenen Betriebs- und Gewerbezählung eine Bevölkerungsabnahme von 700 zu verzeichnen war, so ist eine Zunahme der Wähler, die fast ausschließlich der dritten Wählerllasse einverleibt sind, von 1000 zu verzeichnen. ßencbta- Zeitung Ein Ausreiher. Unter besonderen Vorsichtsmaßregeln wurde der Ferienstraf- kammer deS Landgerichts I gestern der Agent Ferdinand Breit- hecker aus der Strafanstalt in Cronü an der Brahe vorgeführt. Er hatte sich wegen versuchten Betruges und Urkundenfälschung zu verantworten. Der Angeklagte hat eine sehr bewegte Vergangen- heit hinter sich. Vor zehn Jähren war er Bataillonsschreiber bei dem zweiten Bataillon des Kaiser Franz-Regiments, er ist dann aus dem Heere ausgestoßen worden und hat dann feine ver- brecherischen Neigungen auf den verschiedensten Gebieten in Taten umgesetzt. Nach seinem Strafregister ist er wegen Ehebruchs, Urkundenfälschung, Brandstiftung und Verbrechens gegen keimendes Leben vorbestraft. Wegen des letzteren Verbrechens ist er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden und hat von dieser Strafe erst ein Jahr verbüßt. In der jetzigen Anklagesache hat schon früher einmal ein Termin stattgefunden, der aber vertagt werden mußte. Als Breithecker damals von Berlin nach der Strafanstalt in Crone zurück transportiert wurde, benutzte er eine günstige Gelegenheit, um unterwegs aus dem in voller Fahrt befindlichen Eisenbahnzuge herauszuspringen. Er sprang so geschickt, daß er gänzlich un- versehrt blieb. Noch ehe der Zug zum Stehen gebracht worden war, war der Angeklagte spurlos verschwunden. Er war in toller Flucht über die Felder gerannt, über die Umzäunung eines Gehöftes ge- sprungen und hatte den erstaunten Bauer, dem das Gehöft ge- hörte, um schützendes Unterkommen gebeten. Er erzählte ihm offen, daß er noch fast 6 Jahre Zuchthaus zu verbüßen habe, aber seinem Transporteur entsprungen sei und bat den Bauer, ihm au � kurze Zeit Obdach zu gewähren. Er ersuchte ferner, auf telegrn- phischem Wege seine in Berlin wohnende Braut aufzufordern, ihm schleunigst Kleider und Wäsche zuzusenden, damit er die Zuchthaus- kleidung ablegen könnte. Der Bauer ging scheinbar auf seine Wünsche ein, benachrichtigte aber insgeheim den Dorfschulzen, und dieser sorgte dafür, daß der leichtfüßige Verbrecher durch zwei Gendarmen sehr bald eingefangen und der Strafanstalt wieder zugeführt wurde.— Bei der jetzt zur Anklage stehenden Straftat t ändelte es sich um folgendes: Im Mai 1906 bestellte der Angeklagte bei dem Inhaber des Herrenkleidergeschäfts„Gentleman" in Berlin einen Anzug. Im Gegensatz zu früheren Barzahlungen bezahlte er den Anzug nicht bar, sondern gab einen von ihm ausgestellten, mit dem Akzeptvermerk„Alfred von Sydow" versehenen Wechsel über 500 M. in Zahlung. Er erklärte dabei, daß der Akzeptant der frühere Bataillonsadjutant im Kaiser Franz-Regimcnt und jetzige Brigadeadjutant von Sydow in Düsseldorf sei.„So sonder- bar spielt das Leben", fügte er hinzu;„früher ist man von seinem Vorgesetzten angeschnauzt worden und später mutz man ihm Geld pumpen!" Dem Geschäftsführer kam die Sache verdächtig vor; er erklärte, daß er sich erst nach der Bonität des Akzeptanten erkundigen wolle, schrieb an den Herrn von Sydow in Düsseldorf und erhielt von diesem die Auskunst, daß eS sich um eine Fälschung handele, er außerdem auch nicht den Vornamen„Alfred", sondern„Albert" führe.— Als man darauf bei dem Angeklagten eine Haussuchung vornahm, fand man in seiner Wohnung die Hälfte eines Vogens, auf dem jemand sich bemübt hatte, vielfach den Namen„Alfred" zu schreiben. Nach dem Gutachten des Schreibsachvcrständigen, Kanzleirals Altrichter, rühren diese Studien von dem Angeklagten her. Dieser war zu derselben Zeit, als Herr von Sydow Adjutant beim zweiten Bataillon des Kaiser Franz-Regiments war, wie schon oben erwähnt, BataillonSschreibcr bei demselben Bataillon, er kannte die Unterschrift deS Herrn von Sydow ganz genau, und da er wohl absichtlich einen anderen Vornamen anwenden wollte hatte er die Proben mit dem Namen„Alfred" angestellt. Der Schreibsachverständige hatte keinen Zweifel, daß das Akzept von dem Angeklagten gefälscht worden. Dieser bestritt entschieden die Fälschung und gab über den Erwerb des Wechsels eine höchst aben- tcucrlichc Geschichte zum besten, in welcher verschiedene adlige Personen figurierten, die aber trotz aller Versuche der Staats! anwaltschaft nicht zu ermitteln waren.— Im gestrigen Termin beantragte der Staatsanwalt auf Grund der Ergebnisse der Be- Weisaufnahme gegen den Angeklagten eine Zusatzstrafe von sechs Monaten Zuchthaus.— Rechtsanwalt Dr. Werthaue r vermißte «IS Unterlage des Verfahrens den Nachweis, daß es sich überhaupt um einen gefälschten Wechsel handele. Der Umstand, daß der jetzige Oberst von Sydow in Düsseldorf erklärte, daß das Akzept nicht von ihm geschrieben sei, beweise eine Fälschung noch keines- wegs. Es gebe doch noch zahlreiche andere Personen, die zu der Familie derer von Sydow gehören und wohl auch den Vornamen „Alfred" tragen. Um eine Fälschung nachzuweisen, müßte doch erst festgestellt werden, ob nicht eine dieser Personen das Akzept ge- schrieben habe.— Der Gerichtshof war aber von der Schuld des Angeklagten überzeugt und verurteilte ihn zu der beantragten Zusatzstrafe_ Die tote Maus. Leipzig, 1. August. Vom Landgericht N e g e n s b u r g ist am 30. Januar die Schlächtersioitwc S ch r e ck e r wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu vierzehn Tagen Gefängnis und 300 M. Geldstrafe verurteilt ivorden Sie betreibt die Regcnsburger Wurstküche seit mehr als sünfzig Jahren. In dem Gefäße in dem die Würste und Fleisch ge- kocht wurden, fand die Dienstmagd K. eine tote gekochte Maus. Die Angeklagte fragte sie, ob es jemand gesehen habe und setzte, als dies verneint wurde, die Würste den G äffen vor. Der Angeklagten, so heißt es im Urteile, konnte es nicht entgehen, daß die Würste, die gleichzeitig mit einer Maus gewärmt worden waren, ekelerregend erschienen. In ihrer Revision behauptete die Angeklagte, es sei weder die Verdorbenheit noch ihr Bewußtsein davon festgestellt.— Das Reichsgericht verwarf die Revision, da zur Anwendung des Gesetzes die FteßstiRung genügt, daß die Würste ekelerregend waren. Die travrige Polizei! Gröhlend und johlend zogen in der Nacht zum 22. Juni eine Herde Studenten durch Liebertwolkwitz bei Leipzig. In ihrer Mitte jonglierten sie ein geleertes Weinfäßchen. Plötzlich tauchte ein Schutzmann auf und bat die Gesellschaft höflichst, mit nach der Wache zu kommen. Unter allerhand Schwierigkeiten ging dies denn auch voir statten. In der Wache verübten die Studenten noch mächtigen Fez und auf der Treppe rief der„Häupter"— ein Stud. jur.— dem Schutzmann zu, eine traurige Polizei gebe es doch in Liebertlvolkwitz. Dafür wurde der angehende Richter mit 15 M. und wegen des groben Unfugs mit 5 M. bestraft. Zusammen also 20 M. Strafe. Die anderen waren gar nicht angeklagt.— Was würde wohl einem Arbeiter, der die Rolle des Studenten ge- spielt, aufgebrummt werden?_ Sie sind auch kein Guter, hat der Amtsrichter Moser in Frtcdberg i. Obcrbayern zu einem Zeugen in bezug auf deu zur Verhandlung stehenden D i e b st a h l gesagt. Der Zeuge fühlte sich durch diesen indirekten Vorwurf deS Diebstahls beleidigt und strengte gegen den Amtsrichter Privatbeleidigungsklage an. Zwei Instanzen haben den Amtsrichter bereits freigesprochen. Nun hat i der oberste Gerichtshof in Bayern die Klage ebenfalls abgewiesen bezw. die Revision verworfen. Die Freisprechung sei mit Recht auf Grund des ß 193 des Str.-G.-V.(Wahrung berechtigter In- tcressen) erfolgt und außerdem sei die Absicht der Beleidigung »ücht zu erkennen.— Daß der beleidigte Zeuge mit seiner Klage keinen Erfolg hat, hätten wir ihin im voraus sagen können. Wir leben doch in Deutschland! Kulmbacher Justiz. Ein Steinbruchbesitzer hatte wegen Außer- achtlassung der Arbeiterschutzmaßregeln ein Strafmandat erhalten Auf seinen Einspruch hin sprach ihn das Schöffengericht in Kulm- bach frei mit der ganz sonderbaren Begründung, ein Unternehmer sei nicht verpflichtet, ständig die Unfallverhütungsmahregeln zu kontrollieren.— Da braucht»nan sich allerdings nicht zu wundern, wenn die Unternehmer auf die Arbeiterschutzvorschriften in ihre ohnehin großen Rücksichtslosigkeit pfeifen! Schabenersatz für einen Unfall beim Abspringen von einem durchgehenden Fuhrwerk. Der Ehemann der klagenden Witwe, der Gastwirt R., machte am 23. Mai 1902 mit dem Mehgermeistcr A. in D o r t in u n d und einem Architekten eine Wagenfahrt auf dem Wege von Sölde nach Neuasseln, und zwav mit dem Fuhrwerk des jetzt beklagten Metzgerineisters. Auf dieser Fahrt ist der ziemlich umfänglich beleibt gewesene R. dadurch tödlich verunglückt, daß er, als die Pferde des Gefährtes scheuten und durchgingen, vom Wagen sprang und sich dabei schwere Verletzungen zuzog. Die Klägerin macht nun Ansprüche für sich und ihre Kinder gegen den Beklagten als Tierhalter geltend und verlangt Zahlung von 500 M. Begräbniskosten und einer Jahresrcnte von 5000 M. von 1902 bis 1925, zu welchem Zeitpunkte der Verunglückte das 65. Lebensjahr erreicht haben würde. Zur Bekräftigung ihrer An- sprüche»nacht die Klägerin noch Verschulden des Beklagten des- hälb geltend, da dieser durch unsinniges Einschlagen auf das Pferd, was er trotz Abmahnens des Verunglückten fortgesetzt habe, das Durchgehen des Pferdes und damit den Unfall verschuldet habe. Der beklagte Metzgermeister beruft sich allein darauf, daß der Verunglückte ohne Not aus dem Wagen gesprungen sei. Das Landgericht Dortmund erachtet« den Anspruch der Klägerin für begründet und verurteilte den Beklagten dem Grunde nach. Die Berufung des Beklagten gegen das landgericht- liche Urteil wurde vom OberlandeSgericht Hamm zurückgewiesen. Gegen das oberlandesgerichtliche Urteil hatte der Beklagte noch die Entscheidung des Reichsgerichts beantragt, die aber eben- falls zu seinen Ungunsten ausfiel. Der 4. Zivilsenat des Reichs- gerichtS erkannte auf Zurückweisung der Revision, indein er dazu ausführt, daß das Berufungsgericht festgestellt habe, daß der Beklagte die Herrschaft über das Pferd dainals bereits verloren hatte, als der Verunglückte aus dem Wagen ge- sprungen war. Das Berufungsgericht findet deshalb in dein Abspringen nicht eine schuldhafte willkürliche Handlung deS Ver- letzten, welche den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Durchgehen des Pferdes und der tödlichen Verletzung unter- brachen hätte, oder ein mitwirkendes Verschulden des Verletzten im Sinne des§ 254 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Sodann heißt eS in den Entscheidungsgründcn des Reichsgerichts noch unter anderem:„Ein Vorivurf könnte dem Verunglückten höchstens daraus genracht werden, daß er den Sprung in so ungeschickter Weise vorgenommen hat, indein er nach der Aussage des Zeugen B. gegen die Fahrtrichtung gesprungen ist. Allein hier- bei ist zu berücksichtigen, daß er, als er absprang, nicht ganz Herr seiner Glieder, war. Demgemäß hat es dem Zeugen geschienen, als ob der Verunglückte aus dem Wagen geflogen, nicht ge- sprungc»? wäre. Eine gewisse Unvorsichtigkeit ist allerdings, wie sie nicht verkannt werden kann, darin zu finden, daß der Ver- unglückte, der infolge seines großen Körpergewichtes ziemlich un- beholfen war, darauf vertraut hat, durch einen Sprung sich retten zu können. Gleichwohl darf das Verhalten des Verunglückten, der sich infolge des Durchgehens des Pferdes in einer großen Aufregung befand, und dein die Zeit zu ruhiger Uebcrlegung fehlte, als entschuldigt angesehen werden." Vmrnsdrtes. Gestrandet. Die Hamburg-Amerika- Linie»»»eldet: Laut Tele- granrm aus MaSeat ist der auf der Rückreise an? den» persischen Golf befindliche Dampfer„Teutonia" an der arabischen Küste ge- strandet; das Schiff ist voraussichtlich total verloren. Ueber das Schicksal der Mannschaft fehlen noch genaue Mitteilungen; der Kapitän solvie ein Teil der Besatzuitg sind in Mascat aiigekonnnei», ein weiterer Teil der Besatzung soll auf der Insel Madeira ge- landet sein. Großfeuer in Budapest. Eine der Hauptwerkstätten der unga- rischen Staatsbah» ist gestern Nacht ein Raub der Flammen ge- worden. Der Schaden beträgt über 1 Million Kronen. Ein Erdbeben. Nach einer Meldung aus S e r a j e w o hat gestern in Mostar ein heftiges Erdbeben stattgefunden. Mehrere Häuser sind ein- gestürzt, andere weisen Nisse auf. Auch in Serajewo wurde das Erdbeben verspürt, richtete jedoch keinen Schaden an. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Reichstags' Wahlkreis Bricg-Nnmslau.(Ortsverein Berlin.) Heute Sonntag, abends 3 Uhr, Sitzung bei Emil Voigt, Grünauerstr. Z. CHochcn-Bpielplan der Berliner Cheater. Neues kvnigl. Operu-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ca- valleria rusticana. Die schöne Galnthec. Abends: La Traviata.(An« sang Uhr.) Montag: Wiener Blut. Dienstag: Carmen. Milüvoch: Cavalleria rusticana. Die schöne Galatbee. Donnerstag: La TVaviata. Freitag: Carmen. Sonnabend: Wiener Blut. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Flederinans. Abends: Carmen.(Ansang Ti2 Uhr.) Montag: Wiener Blut. Deutsches Theater. Sonntag bis Mittwoch: Der Jongleur. Donners- tag: Das Wintermärchcn.(Alisäng 6>/z Uhr.) Freitag bis Sonntag: Robert und Bertram.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Der Gott der Rache. (Ansang?-/, Uhr.» Deutsches Theater(K a mm er s p i el e). Bis Mittwoch geschlossen. Donnerstag: Gyges und sein Ring. Freitag: Aglavaine und Selysette. Sonnabend und Sonntag: Frühlings Erivachen. Montag» Aglavaine und Selyselte. Komische Oper. Sonntag: FigaroS Hochzelt. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: ToSca. Mittwoch: Zierpuppen. Flotte Bursche. Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen Freitag: Zierpuppen. Flotte Bursche. Sonnabend und«onntag: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Zierpuppen. Flotte Bursche. Neues Schauspielhaus. Sonntag bis nächsten Montag: Raffle«. Schiller- Theater O. Sonntagnachinittag 3 Uhr: Die Afdfnnciln. Abends: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Der Troubadour. Dienstag: La Traviata. Mittwoch: Martha. Donnerstag: Die Asnlancrin. "weitag: Die weiße Dame. Sonnabend: Die lustigen Weiber von Windsor. ionnlagnachinittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Die Hugenotten. Montag: Gastspiel. Schiller-Thcater'S.(Friedrich-AilhclmstädtischcS Thealer.) Sonntag« nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends und die folgenden Tage: Der Ww mr Hölle. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends und Mowag: Der Weg zur Hölle. Lustspielhans. Sonntagnachinittag 3 Uhr: Unsere Käte Abends bis Sonnabend: Husarenfiebcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Unsere Kate. Abends und Montag: Husarensieber. Theater des Westens. Allabendlich: Die ktlstige Witwe. Berliner Theater. Sonntag und Montag: Sherlock Holme?. Dienstag: Der Hund von Baskerville. Mittwoch: Sherlock Holme?. Donnerstag: Der Hund von Baskerville. Freitag bis Sonnlag: Sherlock Holmes. Montag:"Der Hund von Baskerville. Bernhard Rsse-Theater. Im Garte»» ab Montag bis Sonnabend: SPezialttäien. Ansang sssz Uhr. Im Theater: Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. Allabendlich Lssz Uhr: Der große Unbekannte. Zentral-Theater. Bis aus weiteres täglich: Das Tagebuch einer Verlorenen. Trianon-Theatcr. Bis auf weiteres täglich: Fräulein Josette— meine Frau. Metropol-Thcatcr. Allabendlich: Der Teufel lacht dazu. Npollo-Thrater. Allabendlich: Der HochzeitSgast. Spezialitäten. Walhnlla-Theater. Spezialitäten. Reichshalle»- Theater. Allabendlich: Stcltiner Sänger. Gebr. Hcrrnfeld- Theater. Allabendlich: Madame Wig-Wag. TS lebe das Narhlieben. Passage- Theater. Spezialitäten. Figaro-Thcater(im FolieS Caprice). Allabendlich: Geisterauto. Paris, jlnsang 8ss, Uhr. Urania-Theater. Taubenswaße 48/49. Sonntag und Donnerstag: Durch Dänemark und Südschweden. Montag und Freitag: Im Lande der Mitternachtssonne. Dienstag und Sonnabend, den 10. August: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Mittwoch und Sonntag, den 11. August: Von der Zugspitze zum Watzmarm. Ansang 8 Uhr.__ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Eprcchstiinde fludc« F r t- d r i ch st r. 16, Aufgang 4, eine Treppe(Hniidcisstätrc Bellcallianc«, Durchgang auch Lindeustr. 161), Ivocheutöglich von 7lli die!»'/, Nftt abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6»he. Jeder Ansrag->st ei» 'Änaistabc»nd ein« Zahl als Merkzeichen beiznfiige». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprcchstnndc vor. K. 07. Wenden Sie sich an das amerikanische Konsulat.•— 49. K. D. B. Mit dem 21. Jahre wird ein junger Mann selbständig.— 31. Z. 83. Prinz Eugenstraße 5.— A. L. 36. i. Schwerin-Mecklenburg. 2. Uns nicht bekannt. 3. Durch längeres Liegenlassen.— Toni. Wenden Sie sich schristlich an die Oberpostdirektton.— H. 17. Nein.— 21. Werth» Fragen eie bei der dortigen Behörde an.— E. N. 16. DaS Holz jeden- salls nicht, ob die Frucht, ist zweiselhast.— F. B. 999. DaS Wort wird mit P geschriebci»._ Brritucr Marktpreise. Aus dem amilichcn Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindsteisch la 70—72 pr. 100 Psd., IIa 64-69, lila 59-60, Bullenfleisch la 65—70, Ha 55-64, Kühe, seit 52—60, do. mager 40—50, Fresser 54—66, Bullen, dän. 56—64, do. Holl. 0,00. Kalbilciich, Doppellender 100—120, Mastkälber la 73-82, IIa 64—72, Kälber ger. gen 45—57, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammel» ileisch Masti, immer 78—32, Hammel la 73—77, IIa 67—72, Schase 64—66. Schwemeflclsch 65—70. Rehbock la per Pfund 0,65—0,85. IIa 0,40—0,60. Rothirsch 0,50—0,59. Damhirsch 0,00. Wildschweine 0,36—0,49. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,00, do. australische 0,65. Wlld- einen per Stück 1,20—1,40. Kriekenten per Stück 0,00. Hühner, alle. per Stück 1,60—2,50, IIa 1,00—1,50, do. junge 0,60—1,25. Tauben 0,35—0,67, italienische 0,00. Enten per Stück 1,40—2,90, do. Hamburger per Stück 3,00—3,10. Gäule per Psund 0,62—0,75, do. per Stück 3,00—5,00, do. Hamburger per Psd. 0,78—0,80, per Stück 0,00, do. Odcrbrucher per Psund 0,00. PouletS per Stück 0,30—1 ,40. Chalonshühner 0,00. Hechte per 100 Psund 112—137, do. matt 107, do. mittel und groß 110—115, do. groß 99. Zanoer, mittel 0,00, do. klein, matt 0,00. Schleie, miitel 121—125, do. groß 107—113, do. 121—141. Aale, groß 04—102, do. klein und mittei 96—98, mittel 98—104, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittcl 93—104, do. klein 66—77. Plötze», matt 0,00. Roddow 82: Karpsen 101. Bleie 56—67, matt 0,00. Bunte Fische 54—89. Barle 74—89, dito matt 0,00, dito klein 0,00. ftninnlchen 80—101, do. klein 0,00, Bleisische 0,00. Wels 68. Aland 85. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila 60. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6, mittel ver Kiste 2, Hamb, Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, poinm. la Schock 2—4, IIa 0,00. Bücklinge, Kiele» per Wall 2— 3, Straff. 3,50—5,50, Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 6—9. Schellfische Kiste 3—4,00,'/. Kiste 1,50—2, Sardellen, 1902« per Anker 98, 1 004er 98, 1 005er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 40—44, füll. 38—40, med. 30—42, deutsche 37— 44. Heringe, neue MakjeS. per»/, To. 50—120. Sardinen, ruff., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1 40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Eier, Land-, uiisortiert per Schock 3—3,20, do. große 4,00..Krebse per Schock, große 25,50—40, do. mittelgroße 10—15, do. kleine 3—4, do. un- sortiert 7—15, do. Galizier groß 0,00, do. uiisortiert 0,00. Butter per >00 Psd. la 114-117. IIa 106-114, lila 100-106, abfallende 90-95. saure Gurken, neue. Schock 3.50—4. Pseffergurkcn 3,60—4. Kartoffeln ver 100 Psd. weiße runde 2,25—3,00, blaue 2,75-3,75, Rosen- 2,25 bis 2,75, Nieren- 3,00-3,50. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer. rcttich,� Schock 5—15. Spinat per 100 Psund 25. Sellerie, hiesige, per«chockbund 2,00-6,00. Zwiebeln per 100 Psd. 5,50—6,50, do. kleine 0,00, do. hiesige fPerl.) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0.75—1,00. Kohlrabi Schock 0,75—1,00. Rettich, bahr., neue Strick 0,07—0,10, do. hiesige. Schock 3—4. Mohrrüben, Schockbund 1,50 bis 2,50. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl ver Schock 4,00 bis 7,00. Rotkohl, Schock 6—8. Weißkohl 6—3. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 0,00. Kohlrüben, Schock 4,00—6,00. Pelerfilicnwurzeln, Schockbund 4,00—5,00. Schoten per 100 Psund 10—12. Pscsserlinge per 100 Psd. 3— 10. Steinpilze per 100 Psund 10—20. Radieschen per Schock 0,75 bis 1,00. Salat per Schock 1,50-2.25. Gurken, Einlege-, Schock 10,00—18,00, do. böhmische Schock 3,00—4,00, do. Llegnltzer Schock 3,50—4,50. Bohnen, grüne, 100 Psd. 6—10. Stachelbeeren, per 100 Psund 7—15. Erdbeeren, hiesige 100 Psund 0,00, du Watderdbeeren 0,00, do. Hamburger 25 bis 30, do. Holländer 25—30. Himbeeren 100 Psund 32. Blaubeeren, 100 Psd. 10—12. Johannisbeeren, 100 Psd. 9—12. Kirschen, per 100 Pfund Schiestschc 0,00, Wcrdersche 0,00 Sächsische 13-14, Thüringer 6-14, Natten 18—30, sauere 14—15, Birnen, ital., 100 Pfund 22—35, Muskateller 25-30, hiesige 8—15. Pfirsiche, per 100 Psund 25—35. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, sranzös. 23—30, Aepsel, italienische, per tOO Psund 10-25, ung. 15-20. Pflaumen. Ital. per 100 Psund 10 bis 26, Reineclauden 10—28, hiesige 12—15, ungarische 9—13. Wein- krauben, Algier, per 100 Psd. 23-25, italienische 26—30. Ananas I, per 100 Psd. 1-1,15, do. II 0,00. Zitronen, Mcssina, 300 Stück 9,00-18,00, do. 360 Stück 8,00-15,00, do. 200 Stück 6,00-12,00, do. 150 Stück 5 00 bis 8,00, Bananen, gelb, per 100 Psd. 13,00 bis 22,00, grün 0,00. Wttternngsüderstlvt vom s. August»007. niorgens« Uhr. Slaltonen £ E || c c «- ö c s I S f Swineinde Hanrbiirg Berlin Frankl.a.M München Wien 768 W 765 WSW 765 W 765 S 767 O 767 Still Netter tse: z* H S> 3 bedeckt 3 bedeckt 2 heiter 3 wolkig 2 heiter — ivolkenl 12 10 .12 13 13 17 Stationen paranda - i || -Z S« 754 N K Nett» Petersburg 751 SS? Scilly Aberdeen PnriS 760 4woMg 1 bedeckt 1 Nebel 2 Regen 1 bedeckt .. f E» H kd 12 13 14 11 18 Wetter- Prognose für Sonntag, de'"1, 1007. Etwas wärmer, vielfach heiler, aber tj�uoevliu), mit Getmuerregen und ziemlich lebhasten üdwcstlichen Winden...„ Bx.rtner Wetterbureau. der Landesa�M�-�wä�eAund�, mitgeteilt sßer»"»' Wetterbureau.__ vom Wasserstand M e m e I. Tilsit Vrcgel, Jnst�ourg Weichs c I.-«.Horn Oder. R-rwor , Kroffer» , Franksurt W-rth e, echiimm Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitlncritz , Barby Magdeburg Saale, Grochlitz ')-ff bedeutet Wuchs,— Fall.—>) Unterpegel. MQIIerstr. 182-183 Ecke Sellerstr. »tcV «- 'eÄ$t f>/;*i /y ,r / Falten-Facone Pltr. OmKtO i O / Pölten Alpacca■ Unterröcke fn den oerechleaenaten AuafOhr, i o fe Ä Früh. Werl bis*,li, letzt Stdt X#Ot> Kosfämröckepßtäl�itä.. Fallen-Fagona ntr, Rein- uoiiene Mousselim- Blusen ganz auf Futter, In eleganter O fiueflthrung... Jetzt Steh. .85, Jacques Cohn, Müllerstr. 182-83 = Ecfelsa Sellerstae •a i:/- � v..-.--■*? 5 Grösste Spezial- Abteilungen: Kleiderstoffe Lammet und Seidenstoffe Futterstoffe Kurzwaren Trikotagen, Strümpfe Putz, Weisswaren Damen-Wäsche Schürzen, Korsetts Leinen und Baumwollwaren Tapisserie Bijouterie, Passementerie Möbelstoffe, Teppiche Bettfedern, Bettstellen Holzgalanterie Herren-Artikel Schirme, Handschuhe Damen-Konfektion HJnder- Konfektion Schthwaren Herren Konfektion Wegen Umwandlung meines Geschäfts in eine ßesellschafl mit fiescliränkter Haftung veranstalte ich vom 3. bis lO. August einen s-Mnif in allen Abteilungen. Bei dieser Gelegenheit kommen ein Teil der von mir geführten anerktinnt guten Waren zu und unter Einkaufspreis zum Verkauf.-- Trotz der oben vermerkten billigen Einkaufsgelegenheit gewähre ausserdem noch 10 Prozent oder doppelte Rabattmarken. Kaufhaus Max Mannheim Ecke Konigaberger Strasse» FPQllkfllPtGP AllGG 109- 110• Ecke Konigaberger Strasse Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verintw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW» >,.« timm. i KilW Ks Jutiniitls" Strlintt AWA l�itcrarffche Rundfcbau. Upion Sinclair.„The Industrial Eepublio". New York 1907.*) J H. 0. Wells.'„The Future in America". London 1900. 5 Sinclair widmet sein Buch, das die soziale Revolution, die Herstellung emer sozialistischen Republik in i'lmerika auf das Jahr 1913 voraussagt, seinem Freunde Wells. Und Wells schrieb sein Buch als einen Bericht über eine Reise in den Vereinigten Staaten, wo er vieles gesehen, viel empfunden, und mit Schrift- ' stellern, Universitätsprosessoren und hochgestellten Politikern ver- kehrt hat. Sowohl Sinclair wie Wells gehören zu den gelesensten Schriftstellern unserer Zeit. Beide sind Sozialisten. Ohne seine Bekanntschaft mit dem modernen Sozialismus wäre Sinclair zwar immerhin ein guter Novellist oder Journalist geblieben, aber er hätte nie den Ruf erlangt, den er jetzt genießt. Es ist eine sozialistische Gedankenwelt, die seinen literarischen Formen Kraft gibt. Wells ist anders geartet. Er steht als Schriftsteller entschieden höher als Sinclair. Er ist künstlerischer, ausdrucksrcicher, sprach- gewaltiger; er ist einer der größten Meister der englischen Sprache, aber seine Gedankenwelt ist mckü so einheitlich, nicht so gefestigt. Sie hat ihre Wurzeln in der Lehre vom organischen Leben und in der Psychologie. Die sozialgcschichtlichen und wirtschaftlichen Fak- toren werden von ihm mehr durch Intuition als durch klares Denken begriffen. Sinclair argumentiert, setzt seine Welt- ansckauung auseinander, geht von bestimmten Voraussetzungen aus und zieht Schlüsse. Der Novellist wird zum Agitator. WellS grübelt, spekuliert, zweifelt und wird zum sozialistischen Jmpressio- nisten. Sinclair sieht Kräfte, Sachen, Erscheinungen; Wells sucht nach Persönlichkeiten, Verkörperungen von starkem Willen. Sinclair stellt sozialgcschichtliche Entwickelungsphasen mit bestimmten Kenn- zeichen und in scharfen Ilmrissen vor; Wells sieht ein Jagen, Hasten, Wachsen und frägt in künstlerischer Verwirrung: Wohin geht die Reise? Was will das bedeuten? Was will werden? In ihrem Verhältnis zueinander zeigen sie den Unterschied der Geschichtsauffassungen der Gelehrten Amerikas und Englands. In Amerika ist die Geschichte bereits eine Wissenschaft; in England ist sie zum Teil noch Kunst, das Gebilde starker Menschen, obwohl in den letzten zwei, drei Jahren auch in England die wissenschaftliche Auffassung der Geschichte rasche Fortschritte macht, so besonders in der„Cambridge Sistorh". Aber Wells hat keine Zeit mehr, der neuen Strömung die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Der Unterschied zwischen den beiden Aufassungen wird sich zeigen in den folgenden Auszügen aus Sinclair und Wells. Sinclair schreibt: .Dieses Buch ist ein Versuch, da? soziale Problem unserer Zeit im Lichte der Entwickclungslchre zu erklären; die ameri- kanischen Einrichtungen zu betrachten, wie sie im gegenwärtigen Augenblicke existieren, welche Kräfte an ihnen wirken und welche Aenderungcn sich an ihnen vollziehen.... Dieses Buch will die Kräfte zeigen, die sich jetzt in Amerika rasch entwickeln und die, wenn ste die Reise erlangt haben, die sozialistische Republik bringen werden. Dieser Prozeß ist ebenso natürlich und un- vermeidlich wie derjenige, durch welchen das Küchlein aus dem Ei hervorbricht. Ich glaube, der wirtschaftliche Prozeß bewegt sich mit schrecklicher Schnelligkeit dieser Krise entgegen." Nach Sinclair gleicht die gegenwärtige Phase Amerikas der- jenigen von ungefähr 13oS, die schließlich den Bürgerkrieg brachte, die Negersklaverei abschaffte und die Großindustrie, den letzten Ab- schnitt des privatwirtschaftlichen Zeitalters, einleitete. Sinclair hat. zwar noch manches, noch vieles zu lernen, um den historischen Materialismus richtig anwenden zu können; er macht den Eindruck eines unsicheren Marxisten, der erst gestern mit der neuen Lehre bekannt wurde und noch keine Zeit hatte, in irgendwelche Details einzudringen. Hören wir demgegenüber WellS: .Die materiellen Faktoren sind für die Zukunft einer Nation untergeordnete Faktoren; sie bieten zwar Vorteile, wie zum Bei- spiel der leichte Zugang Englands zum Meere und zu Kohlen- fcldern, oder sie bringen Nachteile, wie zum Beispiel die durch Eis gesperrten Küsten Rußlands, aber das sind Umstände und nicht notwendigerweise die Beherrscher deS Schicksals. Der wesentliche Faktor im Schicksal einer Nation, ebenso wie in dem SinclairS Schrift ist inzwischen auch in deutscher Neber- setzung erschienen unter dem Titel.In zehn Jahren". Verlag von Adolf Spanholz, Hannover. Zreis: ungeb. 3 M.. geb. 4 M. des Menschen und der Menschheit, liegt in der Form des WillenS, in der Quantität und Qualität des Willens. Das Drama in der Zukunft einer Nation liegt im Konflikt des Willens mit den ge- gebenen Verhältnissen. Wäre der Mensch oder die Nation ein mit Durchschnittsmotiven ausgerüsteter Automat, dann ließe sich genau sagen, wie er oder sie handeln würde. Aber unser Interesse beginnt eben dort, wo das Ding nicht automatisch ist." Es ist nicht schwer, daS Oberflächliche dieser Behauptung auf- zudecken. Wells hätte sich nur fragen sollen, woher der Inhalt des Willens kommt. Es ist wohl richtig, daß in den verschiedenen Konflikten in der Menschheitsgeschichte sich oft der Wille einer Nation oder einer Klasse in einen Gegensatz zu den gegebenen Ver- Hältnissen gestellt hat. Aber woher nahm die Nation, die Klasse oder die Persönlichkeit den neuen Willen? Es soll ferner nicht geleugnet werden, daß die Willenskraft einer Nation oder einer Klasse eine bedeutende Rolle in der menschlichen Entwicklung spielt. Aber unser ganze? Forschen verliert den wissenschaftlichen Charakter, wenn wir die menschliche Willenskraft als die letzte Instanz betrachten. DaS hieße den Gang der Geschichte auf die starke Persönlichkeit zurückzuführen. Wells sucht deshalb nach den Persönlichkeiten und der Zwecksetzung der amerikanischen Gesell- schaft, während Sinclair die Resultate der bisherigen amerika- ni scheu Entwicklung aufdecken will. An positiven Tatsachen ist Wells Buch nicht reich. Es hin- terläßt nichtsdestoweniger einen tiefen Eindruck von der unge- heueren Größe, der gewaltigen wirtschaftlichen Arbeit, des fabcl- haften Reichtums, des unaufhaltsamen Fortschritts der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten sind ein Land, das nur aus der Bourgeoisie besteht. Das ist ihr wirklicher Charakter. Die Tugenden und Schwächen dieses Landes sind die Tugenden und Schwächen einer sich ungehemmt entwickelnden Burgeoisie. Wells arbeitet diese Auffassung in längeren Ausführungen aus. Dieser Gedanke hat aber mit seiner Grundauffassung vom Willen als wesentliche Triebfeder nichts zu tun. Dieser Gedanke ist aber auch nicht Wells Eigentum. Er wurde ihm von Sinclair suggeriert. Wells sagt das zwar- nicht, aber aus einer Bemerkung SinclairS in dessen Buch„Jndustrial-Republic" geht das hervor. Ebenso» wenig hat Wells die großen Persönlichkeiten in den Vereinigten Staaten getroffen, durch welche er das wundervolle Aufblühen dieses Landes hätte erklären können. In der Tat, seine Willens- theorie steht in gar keinem Zusammenhange mit seinem Buche. Er sieht die Konzentration von ökonomischer und politischer Macht in den Händen weniger, aber er versuchte nicht im geringsten, diese Wenigen als die Urheber dieses Prozesses hinzustellen. Ersieht die ungeheure Anarchie, die Korruption, die Regel- und Ziellosigkeit des Wirkens der Einzelnen; er sieht auch, wie aus diesem anarchischen Wirken doch etwas Organisches und ein un- aufhaltsames Fortschreiten herauskommt, aber er ist von den Details so überwältigt, daß ihm der Blick aufs Ganze erschwert wird. Inmitten dieses anarckischen Wirkens erscheinen ihm die amerikanischen Universitäten, Bibliotheken, die wundervolle Technik, die grandiose Newyorker Architektur und die freien Traditionen deS Landes als Lichtpunkte. Die Wissenschaft und die Freiheit, der Geist deS ForschenS und der Initiative werden Amerika aus der Anarchie und der Korruption zur sozialistischen, zielvollen Organisation führen und zum Pionier des Sozialismus machen. In der Johns Hoykins-Universität in Baltimore und in Howard- Universität in Cambridge bei Boston wird ernst geforscht; in WellcSley-Collcge(Frauen-Universität) wird viel gelernt— als Textbuch der politischen Oekonomie wird dort Marx'„Kapital" benutzt. Trotz aller Korruption und Lohnsklaverei sind die Amerikaner das freieste Volk der Erde, und an kühner Initiative stehen sie einzigartig da. Diese Tugenden werden in Amerika einen ZäsariSmus nicht aufkommen lassen. Nur ein einziges Mal kehrt Wells zu seiner Willenstheorie zurück. Er hatte eine längere Unterredung mit Mr. Rooscvclt, der ihm mächtig imponierte. Roosevelt erschien ihm als die Verkörperung alles Großen, Starken, aber auch aller Schwächen Amerikas:„In seiner undisziplinierten Hast, seinen Beschränktheiten, seinen Vorurteilen, seiner„unkair- ness*(Parteilichkeit, Ungerechtigkeit), seinen vielfachen Irrungen, aber auch in seiner Kraft, seinem ungeschwächtcn Mute, seiner Integrität, seiner offenen Intelligenz steht Roosevelt alö Abbild seines Volkes und seiner Art." Im Gegensatze zu Wells gibt uns Sinclair keine Eindrücke. sondern Tatsachen und Gedanken. Die Tatsachen sind nicht immer genau und die Gedanken sind zuweilen hastig zusammengetragen und formuliert, aber sie sind immerhin mit Geschick zusammen- gestellt. Sinclair sieht, daß das kapitalistische System in Amerika seinem Ende entgegengeht. Es kann die Mehrheit nicht mehr be- friedigen. Es hat seine Mission erfüllt, ebenso wie der Absolu- tismus in Frankreich seine Mission zu Ende des 13. Jahrhunderts erfüllt hatte. Der Absolutismus organisierte Frankreich in eine einheitliche Nation und befähigte es, seine nationalen Aufgaben zu erfüllen. AehnlichcS tat das absolutistische Kapital in Amerika. Die Produktivkräfte sind entfaltet; die Technik ist den sozialen Bedürfnissen angepatzt; etwas Neues ist im Werden begriffen. Die alte Ordnung ändert sich. „Aber manche sagen, sie wollten keine Aenderung. Sie haben ihre alte Rutine und ihre alten Gewohnheiten, ihre alten, aus- getretenen Pfade liebgewonnen— sie wollten da bleiben, wo sie sind. Diese Wünsche können aber nicht erfüllt werden. Wir niüssen entweder vorwärts oder rückwärts gehen. Wenn der kritische Augenblick kommt, da gibt es kein Entfliehen. Wenn die Geburtswehen beginnen, da muß entweder das Kind geboren werden oder die Mutter sterben; wenn die Rcvolutionsschmerzen sich einstellen, da müssen die alten Formen zerbrochen oder das Leben des Volkes vernichtet werden. In Frankreich gab es einst eine geistige Erneuerung und eine Revolution; in Spanien gab es weder eine Reformation noch eine Revolution. Frankreich gab und gibt uns Literaturen, Philosophie, Wissenschaften, An- triebe auf Antriebe ohne Ende; Spanien aber verfiel der Stagnation und dem Ruin. Die Aufgabe war zu schwierig für den Spanier; sie haben Jahrhunderte als Nachbarn eines als Rasse und Religion fremden und feindlichen Volkes gelebt; das Resultat war, daß sie sich einem militärischen und religiösen Despotismus unterordnen mußten. Und als die Gefahr vorüber war, als die Zeit kam, das Joch abzuwerfen, da wurden die Spanier von ihren Königen und Priestern gemartert und ver- brannt und ihre besten Kräfte wurden vernichtet. Der freiheit- liche Impuls erlosch und mit ihm ging die Nation zu Grunde." Wir können also beim alten, so gut und zweckentsprechend es in der Vergangenheit war, nicht stehen bleiben. Wir müssen vorwärts, wenn wir eine Zukunft haben wollen.„Aber— sagen unsere Gegner—„die Sozialisten wollen den Wettbewerb und das Gesetz des Ueberlebens der Tüchtigen abschaffen und somit den Fortschritt unmöglich machen!" Darauf sagt Sinclair:„Die Sozialisten wollen weder den Wettbewerb noch das Ucberleben der Tüchtigen unmöglich machen. Sie wollen nur die Form des Wettbewerbes und den Maßstab der Tüchtigkeit ändern." Der Verfasser gibt sodann eine Kritik der amerikanischen Zu- stände: der politischen Korruption, der grausamen Rücksichtslosigkeit in den Fabriken und Minen, der weitverbreiteten Armut, des un- erhörten Luxus, der innigen, unhciligen Allianz zwischen Gesetz- gebung und Industrie, des Wachsens des Imperialismus; er häuft Zitat auf Zitat, Zahl auf Zahl Gedanke auf Gedanke, bis die Anklage gegen die bestehende Ordnung erdrückend wird. Es ist beachtenswert, daß beide hier genannten Verfasser eine Antipathie gegen das herrschende Deutschland haben. WellS ist ge- mäßigt; Sinclair dagegen schreibt mit Sympathie für die deutsche Sozialdemokratie und betrachtet das deutsche sozialistische Prole- tariat als die Pioniere der neuen Weltanschauung. SinclairS These, daß die Vereinigten Staaten im Jahre 1913 die Aufrichtung der sozialistischen Republik sehen werden, wird vor allem sozialwirtschaftlich begründet. Dann zieht er eine Parallele zwischen den zwei Jahrzehnten, die dem Bürgerkrieg vorangingen und den Jahren 1393— 1014. Auch die Politiker, die in diesen Paralleljahren sich bemerkbar machten, zeigen gewisse Aehnlichkeiten, zu deren Verständnis aber eine sehr genaue Kenntnis der amerika. nischen Geschichte des 10. Jahrhunderts gehört. Interessant ist die Parallele Lincoln— Hcarst. Der Verfasser glaubt, daß der letzte bürgerliche Präsident Amerikas Hcarst sein werde ebenso wie Lincoln der letzte kleinbürgerliche Präsident war. Dieser Parallclis- mus war in der New Uorker bürgerlichen Wochenschrift „Jndepcndent" veröffentlicht, deren Redakteur noch die Bücher: „linde Tom's Sabin" und„The Jungle" gegenüberstellte als weite- rcn Beweis der Achnlichkeit der beiden Zeitabschnitte. Sinclair schließt sein Buch mit Ausblicken auf den Zukunftsstaat. M. Beer.: Hießt Scßmir und Plombe sind sichere Zeichen dafür, daß Sie den echten „Kathreiner" bekommen, sondern am Kneipp-Bild und dem Namen„Kathreiner" können Sie ihn erkennen. Es sind unzählige Nachahmungen im Handel, die, um das Publikum zu täuschen, dem Kathreiner-Paket so ähnlich als irgend möglich gemacht werden. Weisen Sie alle solche Nach- ahmungen zurück! Wenn Ihr Kaufmann den echten„Kathreiner" nicht hat, dann schreiben Sie wegen Angabe einer Bezugsquelle an ßathltmers Malztillffte-Faliriltell(5. m. b. H., Mmichtu. Prodiikliv- und Verkauls-Genossenscliaft Berliner Bandagilten B. G. m. b. H. SO. 16, Köpenickerstr. 98 b. Gegr. am I. 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