Nr. 182. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Bort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 7. August 1907. fonsequenz, wenn die Sozialdemokratie den Reichsetat berweigert, den Einzelstaaten aber ihre Budgets Die Frage der Budgetbewilligung. gets bewilligt. Die Bolitit der einzelnen deutschen II.( Schluß.) Wir begegnen also in der Begründung unserer württembergischen Genossen der Auffassung, als ob sozialdemokratische organischem Zusammenhang miteinander, Volfsvertreter einer Regierung und einer herrschenden Klasse gewissermaßen dafür zu Konzessionen verpflichtet wären, wenn sie anständig, objektiv, relativ entgegenkommend, kurz so behandelt werden, wie es der politischen Bedeutung ihrer Partei entspricht. Eine Auffassung, die unseres Erachtens gerade in Lübeck vor 6 Jahren der württembergische Delegierte Keil höchst treffend folgendermaßen charakterisiert hat: " Expedition: SW. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt 1V, Nr. 1984. Die hinkende ,, Demokratie". Die Frantf. 8tg." hat nun endlich auch die Entdeckung gemacht, daß die Wahlrechtsbewegung von unten her" inszeniert werden müsse: ,, Das ist in der Tat der entscheidende Punkt: die Bewegung von unten her. Eine starte Boltsbewegung ist das sicherste Mittel, um dem Volke endlich zu seinem Rechte zu verhelfen und zu verhindern, daß es mit Halbheiten abgespeist wird. Diese Voltsbewegung wird auch die konservativen Widerstände hinwegräumen. Mit dem schweigenden Abwarten ist es nicht getan. Wenn es auch in der nächsten Session dem Anschein nach noch nicht zu der Reformgeschgebung selbst kommen wird, so muß doch die Regierung bers anlagt werden, klar und unzweideutig ihre Stellungnahme zur Wahlrechtsfrage festzulegen. Bei den Landtagswahlen im nächsten Jahre wird um diese Frage der Hauptkampf geführt werden, und es ist deshalb von besonderem Wert, die Stellungnahme der Parteien sowohl wie der Regierung beizeiten fennen zu lernen. Ein Herumdrücken darum, wie es früher beliebt wurde, ist jetzt nicht mehr möglich. Zugleich aber steht auch fest, daß die freisinnigen Parteien nur für eine ernsthafte Reform zu haben sind, die das preußische Abgeordnetenhaus zu einer wirklichen Wolfsvertretung gestaltet, und nicht für Künsteleien, die nach Art des Klassenwahlrechts von nenem politische Vorrechte schaffen." Bundesstaaten läßt sich von der allgemeinen politischen Lage des Reiches und dessen Politik, mögen auch im einzelnen Gegenfäße bestehen, nicht trennen. Sie stehen in und demnach schwächt die Budgetbewilligung in den Einzelstaaten nicht nur der die dortige Oppositionsstellung Sozialdemokratie, sondern auch die oppositionelle Stellung der Partei im Reichstage. Je weiter die sozialdemokratische Budgetbewilligung in den Landtagen der süddeutschen Bundesstaaten um sich greift, desto mehr wird die starre Ablehnung des Reichsetats durch die sozialdemokratische Und weiter: er( ein badischer Genosse) lobt, daß unsere Reichstagsfraktion zu einer zweck- und inhaltlosen badischen Abgeordneten als gleichberechtigt be- Demonstration! handelt würden. Das ist doch wirklich der Gipfel der Be- Wir bekämpfen den Kapitalismus und seine Organisation, scheidenheit für einen Sozialdemokraten. Seit wann müssen wir denn eine Gegenleistung dafür gewähren, daß uns den Klassenstaat, doch nicht nur des Militarismus oder der die selbstverständliche Gleichberechtigung mit den bürgerlichen kapitalistischen Weltpolitik wegen, die in den Einzelstaaten, Parlamentsmitgliedern eingeräumt wird?... Wir haben unsere direkt wenigstens, allerdings keine Rolle spielen. Wir beJustizverwaltung, Steuerwesen, Kultusetat, ja auch unsere Eisen- fämpfen ihn auch nicht seiner spezifisch borussischen Polizeibahnverwaltung auf das heftigste kritisiert und wir haben in und Bureaukratenwirtschaft wegen, sondern wegen seines unserer Stritit der Einzelforderungen Erfolg im Bolte gewirtschaftlichen Fundaments, der Institution habt; überall haben wir zustimmung geerntet, und die des Privateigentums, das die kapitalistische KlassenSympathie, die uns das Bolt entgegenbringt, ist schichtung bedingt. Diese Klassenschichtung mit ihrem politischen gewachsen. Diese Sympathie würde schwinden, wenn wir durch die Ueberbau kann nur durch den proletarischen Klassenkampf in Es hat sehr lange gedauert, bis die Franks. 8tg." endlich zu schließliche Zustimmung zum Budget unserer eigenen Kritik ins Gesicht schlagen wollten. Hierdurch, nicht durch die Verweigerung seiner prinzipiellsten Form überwunden werden. Die der Einsicht gelangt ist, daß nur durch eine Volksbewegung des Budgets, würden wir unser Ansehen schädigen." Ruppigkeit des Tones braucht deshalb nicht den Grad- der Wahlrechtskampf erfolgreich zu führen ist. Nicht minder lange Benimmt sich eine Regierung so gegen Volksvertreter, messer für die Grundsätzlichkeit des Klassenkampfes abzugeben; hat es gewährt, bis das„ demokratische" Blatt die Forderung ihrem wie es sich für jedes moderne Staatswesen( Preußen gehört aber umgekehrt darf die Konzilianz in der Form niemals Bahngehege hat entreißen lassen, daß ein neues Privilegiertenwahlbekanntlich nicht dazu) eigentlich von selbst verstehen soweit gehen, die Tatsache und das allgemeine Bewußtsein des recht für den Freifinn un annehmbar sein müsse! sollte, so mag man die Regierung mit gleicher Höflichkeit be- laffenkampfes dadurch abzuschleifen, daß man einer bürger- Bei alledem geht das mutige Demokratenblatt noch immer wie handeln; aber seinen grundsäglichen Standlichen Regierung, sei es auch nur vorübergehend und gewisser- die Kaße um den heißen Brei herum. Die Forderung des Reichspunkt darf man deshalb so wenig verleugnen, maßen bedingungs- oder versuchsweise, aus Anerkennung ihres tagswahlrechts für Preußen hat es noch immer nicht erhoben! wie es einer bürgerlichen Regierung je einfallen wird, von guten Willens Grundsäge des Klaffenkampfes zum Opfer bringt. Ferner aber redet die tf. 3tg." noch immer einem freisinnigen ihren Grundsäßen abzugehen. Und die grundsätzliche Es fällt uns nicht ein, wenn wir auch keineswegs Kuhhandel mit Bülow das Wort! Statt die einzig richtige Taktik für den Freifinn zu Verneinung des kapitalistischen Klassenstaates die Frage der Budgetbewilligung als eine bloße taktische bedeutet eben die Ablehnung des Gesamtetats! Frage auffassen, die württembergischen Genossen des Prinzipien- empfehlen, nämlich die Forderung zu erheben, daß Bülow bereits Auch der Hinweis auf die württembergische Wahlreform verrats zu bezichtigen. Wir begreifen wenigstens zum Teil ihre Ab- in der nächsten Landtagssession einen Wahlrechtsentwurf ändert unseres Erachtens nicht das geringste an der Sachlage. Stimmung aus den besonderen Verhältnissen Württembergs heraus; vorlege, will es sich noch immer mit einer„ Stellungnahme" Diese Wahlreform bedeutet kein Geschenk für die württem- aber nichtsdestoweniger finden wir ihren Schritt hö ch st be der Regierung begnügen, also mit bloßen Versprechungen abspeisen bergische Sozialdemokratie, sondern eine Konzession, die der denklich, da er uns als eine weitere gefährliche An- lassen! Als ob sich nicht auch an Kanzlerworten später nach Reaktion im politischen Kampfe von der bürgerlichen und näherung an die bürgerliche Parlamentspolitik, als eine viel Belieben deuteln und drehen ließe, ja als ob, selbst wenn es Bülow sozialdemokratischen Linken abgerungen wurde. Eine besondere leicht nicht ganz bewußte, aber trotzdem vorhandene Anpassung mit seinen Versprechungen ehrlich meinte, nicht über Nacht ein Gegenleistung war dafür keineswegs am Plaze. Zudem sollte an die Auffassung erscheint, daß die Sozialdemokratie ihre neuer Mann" an Bülows Stelle auf der Bildfläche erscheinen man doch auch nicht vergessen, daß die württembergische Ver- Ziele nur langsam auf parlamentarischem Wege durch Kleine tönnte, für den die feierlichsten Zusagen einer verflossenen Regierung fassungsreform feineswegs ungetrübte Genug- allmähliche Veränderungen und Umbildungen vorhandener auch nicht mehr das Gewicht einer Feder hätten! Das alles weiß natürlich ganz genau auch das Frankfurter tuung auszulösen geeignet war. Urteilten doch seinerzeit der Einrichtungen zu erreichen vermag. Von dieser Auffassung Landesvorstand der Sozialdemokratie Württembergs und die aus liegt die Folgerung, daß die Sozialdemokratie die„ Demokraten"-Blatt. Aber es will den Block nicht der Gefahr ausEs möchte sozialdemokratische Landtagsfraktion in einem im Juli vorigen Budgets zu bewilligen hat, die in kultureller Hinsicht einen fetzen, wegen der Wahlrechtsfrage gesprengt zu werden. Jahres erschienenen Aufruf an die Bevölkerung darüber gewissen Fortschritt bedeuten, nicht nur sehr nahe, jede Entscheidung möglichst lange hinausschieben, gleichviel, was folgendermaßen: sondern sie ist auch ganz konsequent. Wachsen wir ganz dabei aus den Rechten des Boltes wird! Es bildet sich womöglich Wir können nicht einstimmen in die Freude, die bei den allmählich mit einer gewissen Notwendigkeit in den Zukunfts- fogar ein, daß der Freifinn die Massen mit einer läppischen bürgerlichen Parteien und ihrer Presse über das eben beendete staat hinein werden die Klassengegensäte Scheinattion einseifen könnte! Werk herrscht. Zwar bringt uns die Revision die reine zwischen den Proletariern und den unteren Der Freifinn mag sich aber ein für allemal gesagt sein lassen, Boltskammer und ein Stück Proporz, aber dafür mußte ein bürgerlichen Schichten durch das gleiche Streben daß er mit solchen tindischen Düpierungsversuchen kein Glück haben Teil des Budgetrechts der 8weiten Kammer ge nach höherer Kultur immer mehr ausgeglichen, dann ist wird. Das Mundspitzen wird ihm auf keinen Fall helfen, er wird opfert und eine Verstärkung der Ersten Rammer in Tausch genommen werden, die bei fünftigen Gesetzgebungsarbeiten es tatsächlich nur eine Hemmung dieses friedlichen Werde- schon pfeifen müssen, wenn ihm nicht die Sozialdemokratie urkräftig schwerins Gewicht fallen wird. Unsere Forderung auf Ab- ganges, wenn man dem Staate die Mittel zu dieser notwendigen, zum Tanze aufspielen soll! schaffung der Ersten Kammer fand taube Ohren. Die Regierung, organischen Entwickelung versagt. Ist man dagegen der Ansicht, die Erste und die Mehrheit der Zweiten Kammer standen unter daß es an den historischen Bedingungen für und = " " dem Eindruck der Furcht, der Einfluß des arbeitenden Volles eine derartige Entwidelung fehlt, daß die Zum Bergarbeiteritreik in Oberschlesien. fönne zu groß werden und die Interessen der herrschenden Klassen Klaffengegensäße sich verschärfen anstatt mildern, daß die gefährden. Sie warfen daher das Gewicht ihrer Klassen Sozialdemokratie nicht die Aufgabe hat, diese langsamen Ueber- Mit einer gewissen Regelmäßigkeit kehren im oberintereffen, ihres Geburts- und Bejigborrechtes leitungen einer sozialen Institution in die andere zu fördern, schlesischen Industriebezirk Arbeiterausstände wieder, die nicht in die Wagschale der Gesetzgebung und diese sant zuungunsten sondern daß sie den heutigen Klassensta at den Charakter organisierter und planmäßig geleiteter Lohnder Armen und Besizlosen." Aber selbst wenn die Reinigung der Zweiten Kammer und fein tapitalistisches Wirtschaftssystem bewegungen tragen, sondern die sich eher als verzweifelte, bon Privilegierten nicht verquickt gewesen wäre mit der rücksichtslos anzugreifen und, soweit das möglich spontane Ausbrüche des Volksunwillens charakterisieren. Die Stärkung der Kompetenzen der Ersten Kammer: wäre es des- ist, ihm seine Existenzmittel zu entziehen hat, dann erscheint Streits kommen plöglich, dehnen sich aus, brutale Polizeihalb nicht angebracht gewesen, nun erst recht den Stampf die Budgetbewilligung als ein durchaus verfehltes gewalt, Flinte und Geistlichkeit zwingen die Bergproletarier - wenns der Hunger nicht tut. Da gegen die bürgerliche Gesellschaft in aller Mittel! Schon Auer, der, wenn er auch kein eigentlicher ins alte Joch zurück prinzipiellen Klarheit fortzusetzen? Damals, nach der Ver- theoretischer Kopf war und sich in der theoretischen Argu- und dort flackerts wieder auf, auch diese Fälle sind rasch„ erfassungsrevision, wurde uns denn auch aus Württemberg mentation oft nicht zurechtfand, doch einen scharfen Blick für ledigt" und Kirchhofsruhe herrscht wieder in den ostelbischen die gegebene politische Situation und ihre Konsequenzen hatte, Gefilden frommer Zentrumsgrafen. ( nicht von unserem ständigen Mitarbeiter) geschrieben: " Zweitens ist nun das parlamentarische Stampffeld der Zweiten hat diesen Zusammenhang der Budgetbewilligungsfrage mit Kammer von hemmenden Schranken gesäubert. Keine Schicht den gekennzeichneten Auffassungen erkannt, als er auf dem privilegierter Bertreter schiebt sich mehr zwischen die anstürmende Frankfurter Parteitage ausführte: Sozialdemokratie und die bürgerliche Parlamentsmehrheit. Nicht mehr kann ein Teil der einen und anderen bürgerlichen Partei den Radikalen spielen in der Gewißheit, die Privilegierten würden schon für die erwünschte Korrektur sorgen. Jetzt heißt es Farbe bekennen. Auge in Auge stehen sich die Parteien gegenüber. Jezt gilts: schwarz oder rot?" Schließlich noch ein Wort über den württemBergischen Etat selbst. Auch dieser trägt durchaus das Gepräge einer kapitalistischen Staatswirtschaft. Nur etwa 10 Proz. der Bruttoeinnahmen entstammen der direkten Eintommen- oder Kapitalbesteuerung. Der größte Teil der Ausgaben wird gedeckt durch staatliche Betriebseinnahmen, wobei die Eisenbahnüberschüsse ebenso eine Hauptrolle spielen wie in Preußen. Also auch die Gestaltung des Etats vermag es nicht zu erklären, warum die grundsägliche Bekämpfung des Klassenstaates in Württemberg nicht ebenso am Blake sein sollte wie in Preußen und im Reiche! Zudem aber ist es in Anbetracht des politischen Zusammenhanges der Einzelstaaten mit dem Reich, das doch nicht außerhalb dieser Staaten existiert, sondern ihre Zusammenfassung zu einem größeren Staatsorganismus bedeutet, nichts als InDiesmal sinds die fiskalischen Werke des Königshütter Revieres, wo die„ königlichen" Vergleute gegen unerhörten Druck vom Staate besoldeter Fronvögte aufbegehrten. Gleich " Ich war besonders neugierig auf den Wortlaut der prinzi 30 Proz. Lohnausbesserung verlangen die Arbeiter. Geheimrat piellen Erklärung, die Ihr beim Finanzgesetz abgegeben habt. Bergrat Wiggert hat selbstverständlich" abgelehnt und zur Die Worte des Genossen Grillenberger haben mich sehr über bedingungslosen Anfahrt aufgefordert, während die Königsrascht. Er sagte:„ Andererseits aber kann sie, die Frattion, nicht hütter Berginspektion Schläge auf den Magen, d. h. die Entverkennen, daß der Entwurf des Finanzgesetzes für die 22. Finanz- lassung denjenigen androht, die nach drei Tagen nicht periode eine größere Anzahl von Aufwendungen für kulturelle Swede enthält und daß die Bewilligung des Gesetzes zur Fort- zu Streuze friechen. Nebenbei wird Polizei requiriert, die die Ruhe wiederführung der Geschäfte des Gemeinwesens notwendig ist. In Menge" auseinandergetrieben und dieser Erwägung und unter uneingeschränkter Aufrechterhaltung hergestellt."" Das machen wir in Oberschlesien so." ihres prinzipielen Standpunktes stimmt sie dem Finanz- Zum Beweis, daß die Forderung einer Lohnerhöhung gefeße zu." Das ist nun ein Standpunkt, der zweifel- um 30 Proz. durchaus gerecht und notwendig ist, mögen die los richtig ist für alle Mitglieder der staats- Jahresdurchschnittslöhne der im preußischen Steinkohlenerhaltenden Parteien, aber nicht für uns. bergbau beschäftigten Arbeiterschaft dienen. In den Jahren Seid Ihr denn in den Landtag gewählt, das bayerische 1900 und 1906 war die Konjunktur annähernd die gleiche, Gemeinwesen in seiner jegigen Gestalt fortZahl der verfahrenen Schichten Durchschnittslohn pro Jahr zuführen? Sollt Ihr es nicht umgestalten deshalb mögen beide Jahre auch zum Vergleich angezogen sein. oder berzeihen Sie den Ausdrud einmal untergraben? Legt Euch einmal diese Frage vor, und Ihr werdet die schiefe Situation begreifen, in die Ihr geraten seid. Das Gemeinwesen wird in sich selbst zerfallen, aber die Mittel zum Unterhalt und zur Fortführung dieses Gemeinwesens zu ge währen, das ist nicht Eure Sache. Ueberlaßt das ruhig den Nationalliberalen und Ultramontanen." Revier 1900 1906 Oberschlesien. 281 286 Niederschlesien. 304 303 Ruhrgebiet 1900 1906 877 924 . 910 924 318 321 1232 1402 Wurmgebiet 310 307 1194 1354 Saargebiet. 293 296 1044 1146 Die Durchschnittslöhne aller preußischen Bergleute zusammengenommen waren 1900 1138 m., 1906 1211 m. Gegen den amtlich ermittelten Durchschnittslohn sind die schlesischen Bergleute stets um rund 300 m. oder 30 Proz. zurückgeblieben. Wenn sie Gleichstellung mit den Berufsgenossen im übrigen Deutschland verlangen, so ist das nicht mehr wie recht. Natürlich haben bei diesen Hungerlöhnen die schlesischen Bergproletarier den Unterhalt für die Familie nicht allein bestreiten können. Darum waren 6,5 Prozent der Belegschaft Frauen, außerdem eine sehr große Anzahl jugendliche Arbeiter und Kinder auf den Werken beschäftigt. Der Revierbeamte für den Bezirk Nord- Gleiwit berichtet, daß die Konsolidierte Konkordia und Michaelgrube 37 junge Burschen von 14-16 Jahren unter Tage beschäftigt hat und bemerkt dazu entschuldigend: „ Bei der Beschäftigung dieser Arbeiterklasse liegt hiernach nicht die Absicht der Werksverwaltung vor, billig arbeitende Kräfte in größerem Umfange heranzuziehen, vielmehr besteht das Bestreben der Verwaltungen darin, junge Burschen, besonders Bergmannssöhne, welche Lust zu dem Berufe ihrer Väter haben, möglichst frühzeitig an die bergmännische Arbeit zu gewöhnen. Der Nachsatz beleuchtet die oberschlesischen Zustände allerdings taghell: " Gleichzeitig wird in den meisten Fällen dabei den Anträgen der Familienhäupter entsprochen, welche für ihre Angehörigen ständige und lohnende Arbeit suchen." Wie die„ lohnende" Arbeit aussieht, darüber belehrt uns folgende Tabelle, die der Revierbeamte für Ostbeuthen zusammengestellt hat. Es verdienten pro 10-12stündige Schicht im Steinkohlenbergbau: 9 B 1903 " 1904 " 1905 1906 M. " 18. Euerer Majestät sage ich meinen herzlichen Dank für die so- 1 eben gesprochenen gütigen Worte, welche die Freundschaft zum Ausdruck gebraht haben, die uns und unsere Länder berbindet. Es ist das erste Mal, daß meine Flotte unter dem Kommando meines Bruders die Ehre gehabt hat, vor Euerer Majestät zu manöverieren. Die anerkennenden Worte Euerer Majestät werden in den Herzen meiner Offiziere und Mannschaften fortleben. Wir alle sind von dem Wunsche durchdrungen, daß es Euerer Majestät vergönnt sein möge, den ein geleiteten Ausbau der russischen Flotte erfolgreich durchzuführen. Wie Euere Majestät bin auch ich erfüllt von dem Gedanken der unabänderlichen Freundschaft unserer Häuser und unserer Völker. Diese Freundschaft hat mehr als ein Jahrhundert überdauert, fie verbindet uns heute und wird weiter dauern. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Seiner Majestät des Kaisers Nikolaus. Seine Majestät der Kaiser von Rußland hurra! Die Toaste erinnern auffallend an jene Festsprüche, die am September 1901 der Zar und der Präsident der franösischen Republik Loubet tauschten. Damals sagte der Zar: " an recht wenig Anklang gefunden. Dagegen wurde die Jdee der Verschmelzung von Krankenkassen mit Invaliden versicherungsanstalten eine geraume Zeit hindurch ernsthaft erörtert. Es sind in dieser Beziehung von den verschiedensten zuständigen Stellen eingehende Denkschriften ausgearbeitet und veröffentlicht worden. Bei dieser historischen Entwickelung der ganzen Frage ist es schon an sich nicht recht verständlich, weshalb man sich in einzelnen Erwerbstreifen und, wie gesagt, auch in Handelskammern darüber aufregt, daß die Existenz der Berufsgenossenschaften in Frage stände. Das ist ja gar nicht der Fall. War schon früher faun daran gedacht, die Berufsgenossenschaften, die sich für die Unfallversicherung so außerordentlich gut bewährt haben, fallen zu lasseir, jezt steht eine solche Eventualität noch viel weniger in Frage. Es handelt sich jetzt auch gar nicht un die Zusammenlegung der gesamten Versicherungsorganisationen, sondern in der Hauptsache um eine Vereinheitlichung der berschiedensten rechtlichen Bestimmungen bei den staatlichen Verficherungsarten." Die Notiz zeigt deutlich, welche Gründe die Regierung au Die Kaiserin und ich empfinden eine ganz besondere Freude ihrer Abwendung von den früheren Plänen veranlaßt haben: Rück darüber, nach Frankreich zu der befreundeten und verfichten auf die Wünsche der großen Unternehmerschaft. bündeten Nation zu kommen. Mit der lebhaftesten Befriedigung habe ich soeben das glänzende Nordgeschwader bewundert.... Ich trinke auf die Wohl= fahrt der französischen Flotte.... Loubet sagte damals: Sire! Die französische Marine ist Ihnen außer ordentlich bankbar für die Ehre, die Sie ihr foeben erwiesen haben. Indem ich diesen Gefühlen Ausdruck gebe, erhebe ich mein Glas. auf das Gedeihen Ihrer Marine..." Man sieht, man braucht nur das Konzept älterer Reden ein wenig zu verändern, anstelle der französischen die deutsche Marine zu setzen, und der neue Toast ist fertig! Es wird weiter gerüstet, trotz aller Bündnisse und GegenBündnisse, trotz aller Friedenskonferenzen" und Kaiserzusammenjugendliche Arbeiter 0,87 m. 0,89 m. 0,89 M. weibliche Arbeiter. 1,10 1,12 1,15" 1,17 Wie Figura zeigt, wissen oberschlesische Zentrumsgrafen fünfte! und Fürsten Proletarierfrauen und Kinder nicht nur auszunußen, sondern sie auch nach ihrer Weise zu entlohnen. Es wäre ein Wunder zu nennen, wenn die elende Entlohnung in Verbindung mit übermäßig langer Arbeitszeit und ſtrupelLoser Ausnutzung der weiblichen Arbeitskraft nicht auch eine große Unfallhäufigkeit zur Folge gehabt hätte. Folgende Tabelle gibt uns darüber Aufschluß: Unfallfeftion Zahl der Versicherten Auf 1000 Versicherte kamen schwere und tödliche Unfälle ( entschädigte) 1906 1897 1906 Bonn. 122 029 9,86 15,58 Bochum 279 707 15,60 18,30 • Clausthal 24 827 6,76 9,63 Halle. 88 112 7,23 10,23 Waldenburg 29 887 5,83 5,59 Tarnowit D.- G.. 103 462 15,57 19,58 Bwidau. 30 279 9,32 12,12 München. 10 945 9,02 9,87 ausDie Geschichte des oberschlesischen Industrieproletariats ist ein einziger langer Leidensweg. In allen Statistiken fallen die oberschlesischen Zahlen unangenehm auf. genommen die der Unternehmergewinne. Da wird das vorher so triste Bild von Not und Elend plößlich hell und glänzend. Der Staat hat Ueberschüsse erzielt 1896 28, 1904 27,6, 1905 30,6 Millionen. Von privaten Werken verzeichneten Gewinne: Königs- und Laurahütte Silesia Paruschowitz. Hohenlohehütte( 34 Jahr). Oberschlesische Kotswerte Oberschlesische Eisenindustrie für Bergbau und Hütten Donnersmarckhütte Zabrze 1905 Mark 1906 Mark 6 590 507 8 245 256 866 000 1 090 000 6 688 267 7 326 564 1 860 000 2 210 000 1 498 811 3 539 205 1 799 094 8 581 887 a Politische Ueberlicht. Berlin, den 6. August 1907. Wo bleibt das Zentrum? Die sozialdemokratische Kritik des völligen Versagens des Zentrums in der preußischen Wahlrechtsfrage beginnt der ultramontanen Presse sichtlich unangenehm zu werden. So verteidigt heute die Köln. Voltsztg." die Haltung des Zentrums: Ganz toufuſe Ansichten aber werden über das Zentrum entwickelt; der Vorwärts" will es zwingen, mitzutun. Das ist sehr überflüssig. Just zur rechten Zeit wurde im Herbst 1906 auf den Bezirksdelegiertentagen der rheinischen 8entrumspartei die Frage der preußischen Wahlreform angeschnitten. Das Zentrum war noch bei der Mehrheit, es hat damit bewiesen, daß es auch in der Sonne der Negierungsgunft die Volksforderungen nicht vergißt. Ueberall ist damals einstimmig die Einführung des Reichstagswahlrechts gefordert worden. Kaum war die preußische Zentrumsfraktion versammelt, als fie auch ihren Antrag im Januar 1907 einbrachte und damit dem Willen der Wähler entsprach. Es braucht also gar keinen 8wang und fein Drängen; das Zentrum nimmt nur den Faden von 1878 wieder auf. Da inzwischen bereits nationalliberale Blätter an den Freifinn eine Absage ergehen ließen, so wächst die Bedeutung dieser Bentrums altion sehr hoffentlich aber geht es nicht wie 1878, wo der ge samte Freifinn schließlich das Zentrum im Stiche ließ." Die Unsinnigkeit des Gamaschendrills wird heute von der Kreuz- 38tg." einer ätzenden Kritik unterzogen! Unser Gamaschendrill, der nach dem Zeugnis eines Herrn v. 3 ep elin, der in der Kreuz- 3tg." einen Zeitartikel veröffentlicht im wesentlichen noch auf einem Reglement aus dem Jahre 1812 basiert, wird von dem genannten Sachverständigen des führenden konservativen Drgans folgendermaßen beurteilt: 9 Die fremden Beobachter unserer Armee pflegten in Hinblick auf die Erscheinungen der Uebungspläge vor Unterschäßung der preußisch deutschen Infanterie zu warnen:„ Die Armee hat eine andere Exerzierplag- wie Gefechtstaktit!" Aber we I dj e Denn Gefahren lagen doch in dieser Rückständigkeit. während die Nachbararmeen aus ihren Reglemente längst die Formen der alten Zeit verbannt hatten, bestand noch bei uns bis 1888 die dreigliedrige Aufstellung zu Recht. Aus eigener Erfahrung weiß ich noch, daß, als ich einst die Ehre hatte, Gast des österreichischen Feldzeugmeisters Herzog Wilhelm von Württemberg zu sein, er mich lächelnd fragte: „ Sagen Sie mal, mein Generalstabsoffizier behauptet, Ihre Infanterie hätte noch die dreigliedrige Aufstellung. Das ist doch wohl unmöglich?" und daß ich beschämt die gewundene Erklärung über die Bedeutung des Ererzierplates" abgeben mußte. im Diese Bedeutung des Ererzierplages lag aber wesentlich in der Vorstellung, daß die Strammheit des Egerzierens geschlossener Massen unentbehrlich sei, wenn auch nicht zur Niederkämpfung des Feindes, so doch zur Erzielung der Manneszucht und des inneren haltes im Ernstfalle. Wer aber aus den Erfahrungen der neuesten Kriegsgeschichte weiß, wie schwer es im Ernstfalle tvar, bie mühsam einstudierten Formen des Egerzierplages feindlichen Feuer zu be wahren, wie sie in dem vernichtenden Feuer des Feindes zusammengeschmolzen, der konnte nur bedauern, daß tatsächlich der größere Teil der Ausbildung dem Egerzieren, nur der kleinen, dem Gefecht galt. So egerzierte man schließlich mehr, als man im Gelände übte. Dieser gefährlichen Scheidung von Egerzierplaß und Uebungen hat erst das Neglement von 1906 ein Ende gemacht wenn in entsprechender Weise besichtigt würde. Denn hiervon hängt es ab, ob die Truppe triegsgemäß ausgebildet wird." Konfliktelüfterne Kolonialphantaften. Das ist eine geradezu bemitleidenswert schwächliche Ver militärische Beurteiler, die der Sozialdemokratie durchaus fern Nicht nur die Sozialdemokratie, sondern auch einfichtigere teidigung des Zentrums, das bisher die Aufrollung der militärische Beurteiler, die der Sozialdemokratie durchaus fern preußischen Wahlrechtsfrage nur dergestalt für sich und seine standen, haben ja oft genug mehr oder minder unverblümt auf die armseligsten Fraktionsinteressen zu fruftifizieren suchte, daß es sinnlosigkeit unseres Gamaschendrills hingewiesen. Aber es ist doch durch seine Presse die Konservativen gegen die be- nicht ganz uninteressant, nunmehr im Hauptorgan der Konservativen einem solchen Urteil über die Ueberflüssigkeit, ja gehrlichen Freisinnigen aufzuheten suchte! Darin ganz allein bestand bis jetzt das Eintreten des Schädlichkeit dieses Gamaschendrills zu begegnen, der stets als Zentrums für die preußische Wahlrechtsreform! Hauptargument gegen die weitere Berkürzung der Diese Zahlen nebeneinander gestellt enthüllen den ganzen Und nun heuchelt das Zentrum gar die Besorgnis, daß Dienstzeit ins Feld geführt wird! Widersinn der göttlichen" Weltordnung: Auf der einen Seite der Freisinn es bei der Fortseßung seiner Attion von Millionen blutarmer Proletarier, die aus Verzweiflung zuwer lacht da!- Anno 1873 am Ende gar im Stiche planlosen Hungerstreits greifen, auf der anderen Seite die Lassen könnte! Auch wir trauen dem Freijinn nicht über den Der Rhein. Weftf. 8tg." ist es durchaus nicht recht, daß die handvoll Großkapitalisten, darunter der Vater" Staat, die Weg; aber wer, wie das Zentrumt, seit Jahrzehnten Re- Regierung nicht die Unruhen in Casablanca als Anlaß benutzt, um märchenhafte Geivinne einheimfen. gierungspartei war und trotzdem niemals auch nur den ihre frühere aggressive marokkanische Politik wieder aufzunehmen, Leider ist ein Sieg der Arbeiter wenig wahrscheinlich. leisesten Versuch gemacht hat, seine ausschlaggebende die Franzosen, Spanier und Engländer zu brüstieren, auf eigene Durch das Nationalpolentum, das Herr Korfanty im Ver- Stellung zur Beseitigung der Dreiklassenschmach in Hand deutsche Truppen an der atlantischen Stüfte zu landen und dort band der gegenseitigen Hülfe" kultiviert, werden die Arbeiter Preußen auszumuten, der hat wahrhaftig teine Ursache, eine neue Pachtung nach ostasiatischem Muster vorzunehmen. Das einander entfremdet und verdummt. Schwülstige nationale" sich nun gar als den demokratischen Vorspann und Antreiber Blatt schreibt nämlich: Phrasen und kein Geld! Die Geistlichen flehen von allen des Freisinns auszugeben! In der Wahlrechtsbewegung hat Kanzeln Pech und Schwefel herab auf die Heger; Versamm sich bis jetzt das Zentrum noch nicht einmal ins Schlepptau lungsfäle gibt's nicht. Polizei, Behörden und Unternehmernehmen lassen! " tum arbeiten gemeinschaftlich auf oberschlesische" Art- und Geradezu lächerlich nimmt sich auch die Berufung der das arme geknechtete Bergvolt Oberschlesiens friecht wieder Köln. Volksztg." auf die Bezirksdelegiertentage im Herbst 1906 ins verhaßte Joch! Die Agitations-, Drganisations- und Auf- aus. As ob nicht vorher das Zentrum im Reichstag die flärungsarbeit im Sinne des Sozialismus findet unter den Behandlung der preußischen Wahlrechtsfrage aus fadenUmständen nur sehr schwer Eingang. Darum werden sich scheinigsten Kompetenz"-Bedenten abgelehnt und im wilde Streits in Oberschlesien auch noch öfter wiederholen. Landtag die Stellung von Wahlrechtsreformvorschlägen großmütig der Regierung überlassen hätte! Im Inzwischen scheint die Bewegung schon abzuflauen, vorausgesetzt, Januar 1907 endlich sah es sich gezwungen, den Faden von daß man den offigiösen Depeschen trauen darf. 1873 wieder aufzunehmen! Diese melden: Die ,, Köln. Volfsztg." muß uns also schon ob mit Breslau, 6. August. Wie die„ Schlesische Zeitung" aus Königs- oder ohne ihre freundliche Einwilligung gestatten, daß hütte meldet, hat auf dem Krugschachte der Königshütte die Zahl wir auch ihrer Wahlrechtsbewegung etwas Leben einder Arbeitswilligen zugenommen; bei der gestrigen Abendschicht flößen! fuhren bereits dreihundert Mann an. Abends kam es wiederum zu Ruhestörungen, so daß die Polizei wiederholt nach den Schächten zum Schuße der Arbeitswilligen ausrüden mußte. Drei Personen. wurden verhaftet, eine durch einen Säbelhieb verlegt. Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung. Graf Bosabowsky hat verschiedentlich vor seiner Verabschiedung als die größte der Aufgaben, die seiner Arbeitskraft harre, die Ver Zabrze, 6. August. Nach einer Mitteilung der königlichen Berg einheitlichung der Arbeiterversicherung bezeichnet und fast allgemein werksdirektion find zur gestrigen Abendschicht rund 600 Mann mehr ist unter dieser Vereinheitlichung eine Zusammenlegung der bereingefahren als am Sonnabend. Bu der heutigen Frühschicht sind schiedenen Versicherungszweige oder doch zum wenigsten ihre auf dem Dstfeld von 1140 Mann 276, auf dem Marienschacht von Busammenfassung zu einem einheitlichen System verstanden worden, 164 Mann 32, auf dem Sübfelde von 470 Mann 144 eingefahren; ließ sich doch auch aus den gefallenen Aeußerungen faum etwas das sind gegen gestern 164 Mann mehr. anderes entnehmen. Der jezige Leiter des Reichsamtes des Innern ist anderer Ansicht. Er hält allem Anschein nach höchstens für die Kranken- und Invalidenversicherung eine etwas engere Verbindung bleiben. Die„ Berl. Pol. Nachr." berichten nämlich in einer offiziösen Notiz: Hoch der internationale Militarismus! angebracht; die Unfallversicherung ſoll in der heutigen form erhalten Bei der Abschiedsfeier bei der Kaiserbegegnung in Swinemünde brachte der Bar folgenden Trintspruch aus: " Ich bin glücklich, daß ich diese Gelegenheit habe, Guerer Majestät für die mir bereitete so herzliche Aufnahme aufrichtig zu danken und den ganzen Wert zum Ausdruck zu bringen, den ich auf die Fortdauer der Beziehungen überlieferter Freundschaft und Verwandtschaft lege, die beständig ein enges Band zwischen unseren Häusern und Ländern gewesen sind. Nachdem ich mit lebhaftem Intereffe und großer Bewunderung den Manövern der schönen deutschen Flotte beigewohnt habe, erhebe ich mein Glas auf die Gesundheit Kaiser Wilhelms, des obersten Chefs diefer Flotte, und auf das Gedeihen der tapferen deutschen Marine." 28ilhelm II. erwiderte: " Wo Frankreich geht ruhig und mit Energie auf dem Wege zur Wahrung seiner Interessen vor und wird von Spanien und England hierbei unterstützt und von Italien zum Mandatar ernannt. Nur von einer Bertretung der deutschen Interessen hört man nichts, die doch wahrlich denen anderer Nationen nicht nachstehen, sondern seinerzeit sogar der Einsetzung der Person des Kaisers für wert befunden wurden. Im Festestrubel und unter dem Begrüßungssalut von Swinemünde scheinen jedoch die maroklanischen Händel als störend empfunden zu werden; denn worauf fönnte man sonst das absolute Schweigen der deutschen Reichsregierung über das allerdings mit einem bösen Omen für uns behaftete Marolfo zurückführen. Doch sei dem, wie ihm wolle. Die unabhängige nationale deutsche Presse muß dafür umso lauter ihre Stimme erheben und die Frage stellen: bleibt die deutsche Vertretung in Marokko?" Hier handelt es sich um deutsche Lebensinteressen, denn Casablanca liegt an der Westküste Marokkos am atlantischen Ozean, dort, wo wir vor allem unseren Einfluß geltend machen wollen, während die Nordküste am Mittelmeer und die an Algier grenzende Dftgrenze naturgemäß mehr dem französischen Einfluß unterliegt und ihm auch überlassen werden soll. Trotz dieser von uns schon verschiedentlich vertretenen und fast allgemein anerkannten Lage der Verhältnisse hört man nichts von deutschen Plänen gegenüber dem französischen Vorgehen. Nun denn: mit Rücksicht darauf, daß auch dieser legte Zwischenfall lediglich auf französische Schuld zurückzuführen ist, auf die noch immer nicht zu Recht, aber in der Tat bestehende Besetzung Udschdas und die Vornahme französischer Bahnbauten vor Errichtung einer ordentlichen Polizei, also mit Rücksicht auf diese Schuld Frankreichs verlangen wir, daß, um dem franzöfifchen Druce ein vollwichtiges Gegenstück zu geben, umgehend an der atlantischen Küste Marokkos deutsche Truppen zur Wahrung deutscher Interessen gelandet werden. Denn man wird uns wohl nicht einreden wollen, daß sie allein durch französische Truppen wahrgenommen werden, während wir uns viel von einem Zusammenarbeiten deutscher und französischer Soldaten im Interesse des europäischen Gleichgewichts" in Marokko bersprechen." ,, Ueber die in Aussicht genommene Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung sind inner noch ganz irrtümliche Vorstellungen verbreitet. Man geht vielfach von der Jdee aus, daß es sich dabei um eine Zusammenlegung der bers schiedenen Versicherungszweige handele. Es ist beshalb erneut darauf aufmerksam zu machen, daß man sich im Irrtum befindet, wenn man von der Annahme ausgeht, daß es sich bei der in Aussicht genommenen Maßnahme um die Befeitigung jezt bestehender Versicherungsträger handelt. Gewiß gab es eine Zeit, in der man daran dachte, die Arbeiter- Wie sich aus einem uns vorliegenden vertraulichen Rundbersicherungsorganisation zu vereinheitlichen. Aber auch danials schreiben des Arbeitgeberberbandes zu Köln ergibt, versendet war der Kreis derer, die alle drei Kategorien von Versicherungs- man die schwarzen Listen der deutschen Arbeitgeberverbände sogar trägern in einen verschmelzen wollten, doch nur recht flein. In schon, wenn die Arbeiter die Kündigung einreichen; man wartet maßgebenden behördlichen Kreisen hat diese Idee von Anfang gar nicht erst, bis sie wirklich in den Streit eintreten. Das In der Nedaktion des patriotischen Blattes scheint tatsächlich die Augusthige bereits arge Verwüstungen angerichtet zu haben. Das System der schwarzen Listen. Aus Köln wird uns geschrieben: Ferner benachrichtigt uns die Hauptstelle, daß 1. bei der Firma Gebrüder Sulzer, Ludwigshafea a. Mh., die in aufgeführten Rifte 73 Gießereiarbeiter am 15. Juli wegen Verweigerung unerfüllbarex Forderungen die Kündigung eingereicht haben; 2. 2. bei der Firma Süddeutsche Drahtindustrie, A.-G., Mann heim Waldhof, die in Liste 74 bezeichneten Draht zieher in einen unberechtigten Streit getreten find. Wir ersuchen unsere geehrten Mitglieder, auch diese Leute nicht in ihren Betrieben einzustellen." Marokko. Nene Unruhen in Casablanca. Die Syndi Schreiben, das aus den lektvergangenen Tagen ftammt und als[ wird, ist er der Feind jeder demokratischen Reform. Ju einer neben dem Nur Gewerkschaftlertum. Rundschreiben Nr. 75" bezeichnet ist, ist unterschrieben von dem Republik bedarf es immer der Ordnung, der Dis- talisten, die Ideologen find, glauben, in der gewerkschaftlich organiGeschäftsführer des Arbeitgeberberbandes in Köln, ziplin fierten Arbeiterschaft ein revolutionäres Element zu haben, während Dr. Hornung, und hat folgenden Inhalt: Dieses sind die wichtigsten Säße der Nede, die Herr " Die Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände teilt uns mit, Briand, der Expropagandist des revolutionären Generalstreits die Reformisten, als alte Empirifer, sehr wohl wissen, daß die von daß bei den Mitgliedern der Klempner- und Installateurmeister gestern in Besançon in der Schlußigung der Jahresversammlung jeder prinzipiellen Propaganda verschonte Arbeiterschaft den sofortigen Vereinigung von Dortmund seit zwei Monaten ein Streit des Lehrerverbandes gehalten hat. Verbesserungen ihrer Lage den größten ausschlaggebenden Wert beis besteht. Die Vereinigung gehört dem Arbeitgeberbund für das mißt. Aber Syndikalisten sowohl als Reformisten streben dauach, die Baugewerbe in den rheinisch- westfälischen Industriegebieten, Parteibewegung der Gewerkschaftsbewegung unterzuordnen. Essen- Ruhr, und damit dem Verein deutscher Arbeitgeberverbände Die Konföderation der Arbeit, in deren Ausschuß bis auf an, mit welch letzterem die Hauptstelle einen KartellAus Casablanca werden neue Gewalttaten der Kabylen geQuaglino nur Reformisten fizzen, versucht nun ihrerseits, ihre bertrag abgeschlossen hat. Wir ersuchen daher unsere geehrten Mitglieder, die streifenden Arbeiter nicht in meldet. Nach Briefnachrichten haben die Kabylen die Stadt an- Borrangsstellung geltend zu machen. Sie spricht also der Partei ihre Betriebe aufnehmen bezw. bereits aufgegriffen, worauf die maurischen Behörden von dem franzöfifchen das Recht ab, fich in die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiterschaft Kreuzer„ Galilée" Hülfe erbaten. genommene wieder entlassen zu wollen. Dieser landete darauf 60 und zu mischen, beansprucht aber ihrerseits das Recht, der Partei Vorein spanischer Kreuzer 40 Mann. Als diese an Land gingen, schriften zu machen. So fordert sie z. B. die Partei auf, sie solle wurden sie von den Kabylen beschossen, wodurch sechs französische ihr wirtschaftliches Programm, besonders in Süditalien, nach den Seeleute und ein Offizier verwundet wurden. Nachdem die Kabylen Leitfäßen der Konföderation entfalten. Das heißt zu deutsch: die zurückgetrieben worden waren, wurden Wachen von dem französischen Partei soll das Geld für die Propaganda im Süden liefern und die und spanischen Kreuzer vor die Konsulatsgebäude gestellt. Der Galilée begann darauf den maurischen Stadtteil und die Umgebung Konföderation wird die Propagandaaktion leiten. Bekanntlich. hat der Stadt zu beschießen. auch die italienische Partei einen besonderen Agitator für die wirtAuch in anderen Ortschaften der Nordwestküste Maroffos ist die schaftlichen Kämpfe, den sie aus ihrer Kasse honoriert. Gegen diese Lage recht ernst. In der Umgebung der Rabats hat z. B. der Einrichtung hat die Konföderation nichts einzuwenden, aber sie will Stamm der Dzer eine drohende Haltung eingenommen. Die Fran- fie ganz ihrem Ausschuß unterworfen sehen. Das läuft direkt auf 30sen verlangen Entsendung eines Kreuzers. Anderenfalls werden ein Abhängigkeitsverhältnis der Partei gegenüber den Gewerkfie die Stadt verlassen, die von einer ganz geringen Anzahl Truppen fchaften hinaus. bewacht wird. Auch will man dem„ Avanti" verwehren, sein Urteil über Tanger, 5. Auguft.( Meldung der Agenzia Stefani.) Der italie- Streitbewegungen zu äußern. Ja, ist denn der„ Avanti" das Organ nische Gesandte erhielt von seiner Regierung die Weisung, an den der Konföderation der Arbeit? Man sollte ihm doch wohl das marokkanischen Bevollmächtigten für die auswärtigen Angelegenheiten das formelle Verlangen zu richten, daß die scherifische Regierung Recht lassen, alle Erscheinungen, auch die Kämpfe der gewerkschaftlich für die in Casablanca erfolgte Ermordung dreier italienischer Ar organisierten Arbeiterschaft, vom sozialistischen Standpunkt zu be beiter und die Verwundung eines vierten die gebührende Genug werten. Die Einhelligkeit in der Arbeiterpresse, die gewiß tuung gebe, insbesondere die Schuldigen bestrafe und ferner wünschenswert ist, wird aber dadurch erzielt, daß auf Grund eine angemessene Entschädigung für den Verwundeten und die gleicher prinzipieller Voraussetzungen geurteilt Familien der Getöteten leifte. wird, nicht aber, indem die Gewerkschaften das Monopol für die Paris, 5. August. Die Truppen, welche unter Führung des Beurteilung wirtschaftlicher Kämpfe haben. Soll der„ Avanti" Generals Drude nach Casablanca geschickt werden, umfassen zwei fünftighin vielleicht mit der Beurteilung eines Streifes warten, bis Bataillone algerischer Schüßen aus Blidah und Mostaganem, ein Bataillon der Fremdenlegion aus Sidi Bel Abbes, zusammen die Konföderation der Arbeiter ihre Parole ausgegeben hat? Wir 2400 Mann Fußtruppen; ferner eine schwache Abteilung Artillerie zweifeln nicht, daß er auch hierzu bereit sein wird, glauben aber, und 300 Reiter, die den Chasseurs d'Afrique aus Blidah und den daß dies Verhalten nicht der Würde unserer Bresse entspricht. Spahis aus Aumale entnommen sind. Die Truppen werden in zwei Staffeln eingeschifft werden, die erste Staffel in Dran auf Kreuzern, die zweite in Algier auf der Nive. Alle Arbeiter, die sich nicht widerstandslos ausbeuten laffen, sollen also durch den Hunger ins Joch zuriidgetrieben werden so will es das brutale Scharfmachertum. Und kein Staatsanwalt findet sich, der die kaiserliche Drohung: Schwerste Strafe dem, der einen anderen an freiwilliger Arbeit hindert!" ernst nimmt. Allerdings woerden die schwarzen Listen angesichts der immer mehr anschtwellenden Massen der organisierten Arbeiter täglich wirkungslosex. Zur Peters- Burleske. Zu Ehren von Dr. Peters, der zum Besuche eines Freundes in Witten weilt, fand, wie die Rh.- Westfäl. 8tg." schreibt, am Sonnabendabend ein Festessen statt, an dem ungefähr 120 Personen teilnahmen. Dr. Peters teilte bei dieser Gelegenheit mit, dieselbe Quelle, die ihm Material angeboten habe, um seine Gegner zu zerschmettern", erfreue ihn jetzt mit einem Erpresserbrief, in welchem gedroht wird, daß, wenn er nicht innerhalb acht Tagen 10 000 m. bezahle, Material veröffentlicht würde, das Dr. Peters in sein Nichts zurückschleudern müsse". Dr. Peters bemerkte, er habe seinem Rechtsbeistand, Dr. Wilhelm Rosenthal in München, den Brief zugesandt zur gerichtlichen Verfolgung in dem Augenblick, da die betreffende Persönlichkeit, d. h. der vielgenannte Herr Giesebrecht, sich in den Bereich der deutschen Staatsanwaltschaft begeben werde. Erst verkündete die Peters- Clique, ihr Held lasse den Giesebrecht kommen, um ihn als Kronzeugen gegen seine Anschuldiger aufmarschieren zu lassen; nun auf einmal ist der Peterssche Stronzeuge wieder ein Erpresser, der sich nicht sehen lassen darf! Die Konföderation der Arbeit und die Partei. Rom, den 4. August. Gewiß ist es wünschenswert, daß die heutige Steuerlosigkeit aus der Parteipreffe, namentlich aus dem Zentralorgan, verschwindet, aber dazu scheint uns eine gründliche Durchbildung der Redakteure und Korrespondenten zweckmäßiger, als die Anerkennung der Konföderation als Oberaufsichtsbehörde. Die Parteisektionen sollen ihre Slagen über den„ Avanti" vorbringen; sie, nicht die Gewerkschaften, sind dazu kompetent. Die kleine revolutionäre Das harmonische Zusammentvirken von Partei und Gewerkfchaft ist sicher in keinem Lande leicht zu erzielen, auch wenn die Turin eine Sigung abgehalten, bei der alle Mitglieder sich mehr so daß für die Konföderation Grund zur Klage vorliegt. Daß sie diese in Am 30. Juli hat der Ausschuß der Konföderation der Arbeit in gegenseitigen Zuständigkeitsbereiche fchärfer begrenzt sind, als das in Italien der Fall ist. Hierzulande mag die Partei manches verfahrenhaben, oder weniger scharf gegen die Haltung der italienischen Partei bei so daß für die Konföderation Grund zur Klage vorliegt. Daß sie diese in Agrarisch- reaktionäre Einwanderungspolitik. der Form der wiedergegebenen Tagesordnung vorbringt, beweist Streits und anderen wirtschaftlichen Kämpfen wendeten. Die mehr aber, daß die Reformisten es sich nicht länger verwehren können, Die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland als spaltenlange Tagesordnung, in der dieser Mißbilligung Ausdruck beschäftigen alljährlich tausende und abertausende galiaischer gegeben wurde, beginnt damit, hervorzuheben, daß zwischen der gewisse Herrscherallüren anzunehmen. Arbeiter und Arbeiterinnen. Amtlicherseits ist dieser Be- Konföderation der Arbeit und der sozialistischen Bartei immer Fraktion der Partei hat keinen Grund, sich über diesen Szenen wechsel zu beklagen. Ein Reformismus. der wieder ehrlich sagt, schäftigung nie irgend ein Hindernis in den Weg gelegt worden. freundschaftliche Beziehungen bestehen sollten, da die was er meint, ist sehr viel weniger zu fürchten, als das schwammige Eigentümlich mutet es an, daß nun, wie berranff. 8tg." Partei die politische Organisation sei, deren sich die Gewerkschaften was er meint, ist sehr viel weniger zu fürchten, als das schwammige aus Schlesien berichtet wird, auf behördliche Anordnung alle nicht zur Verwirklichung ihres Programms bedienen müssen. Ferner be- tonturlose Gebilde, das im Zeichen des Interpretismus entstanden Landwirtschaftlichen Betriebe erst einen Nachweis darüber erbringen tont die Tagesordnung die Notwendigkeit, daß politische und wirt- Mit dem auf die Gewerkschaften als auf die wesentlichen Träger müssen, daß die von ihnen beschäftigten Ausländer politisch schaftliche Organisation getrennt bleiben, was sich schon aus italienische Partei schon einmal auseinander gesetzt. Sie wird bas des praktischen Sozialismus gestützten Reformismus hat sich die bebentenfrei" find oder daß sie trotz aller angewendeten dem Umstande ergiebt, daß die Partei als Mitglieder nur die an- auch mit den Reformisten vom Ausschuß der Konföderation der Mühe teine politisch bedenkenfreie Ausländer erhalten konnten. Politisch bedentenfreie Ausländer sind nach Ansicht und Anordnung erkennt, die ihr Programm annehmen, während die Konföderation auch mit den Reformisten vom Ausschuß der Konföderation der Arbeit fertig bringen. Der deutschen Behörden nur Nuthenen und Italiener." allen Arbeitern ohne Ansehen der politischen Ueberzeugung offen Galizier sind nur dann nicht staatsgefährlich, wenn sie als steht. Dann erklärt das Erekutivkomitee, die Partei aufzufordern zu Yandwirtschaftliche Arbeiter tätig sind. Zu einigem Nach einer einheitlichen Aktion, die den Bedürfnissen der Gewerkschaften benken dürften Sie ausländischen Arbeiter freilich bald kommen, beffer entspricht als die bisherige. Es werden als Mißstände hervorwenn sie erfahren, daß fie als 2 andproleten willkommen gehoben: daß die drei Organe der Partei( Vorstand, Avanti" und find, als Industriearbeiter aber hinausgeworfen Barlamentsfraktion) einesteils unzulänglich, teils unkoordinierte werden. Und mit dem Einbläuen dieser Erkenntnis dürfte der Aktion entfalten. Bei Streiks täme es zu feinem Einvernehmen 9 Uhr, findet im Konzertsaal der Liederhalle Am Sonnabend, den 17. August, vormittags Zweck der behördlichen Gesinnungsriecherei erfüllt sein. zwischen Konföderation und Partei, was zu größter Konfusion Anlaß in Stuttgart eine Sigung der deutschen Delegation statt. gebe. Gewisse Streiks, die die Konföderation mißbilligt. Die Sigung hat eine wichtige Tagesordnung. Es ist deshalb würden aus politischen Gründen von der Partei unierP Dattelkisten- Phantasie. Pfarrer Gaisert. " beitreten. " Aus der Partei. Zum internationalen Kongreß. Die orientalische Phantasie Dernburgs scheint sich unter dem stützt. Der„ Avanti" folge nicht den Leitsägen, von denen die nötig, daß die Delegierten der Partei und der Gewerkschaften Einfluß der Tropensonne recht schön zu entwickeln. Er hat von Dar- es- Salam folgendes Huldigungstelegramm an den Kaiserliche Drganisation noch in seiner Verurteilung der Streifs. Außerdem find. Dar- es- Salam folgendes Huldigungstelegramm an den Kaiser Konföderation ausgeht, weder in seiner Agitation für die wirtschaft- am Sonnabend früh bereits in Stuttgart pünktlich zur Stelle Die Parteiblätter werden um Nachdruckt gebeten. gerichtet: Euer Majestät Untertanen aller Berufsstände, beim Gouverneur feble es an einem Ausschuß der Parlamentsfraktion, so daß es utbersammelt, huldigen Euere Majestät mit dem Gelübde unverbrüch- möglich sei, mit ihr beständig in Fühlung zu bleiben. Der Sozialdemokratische Verein für den Reichstagswahlfreis Ticher Treue. Braver deutscher Arbeit wird es gelingen, die reichen Zur Abstellung dieser Mißstände macht die Tagesordnung die Jerichow I und II hielt am Sonntag in Burg bei Magdeburg feine Schäße dieses herrlichen Landes zu heben und unter dem macht- folgenden Vorschläge: Die Leitung der Streiks und sonstigen wirt- Generalversammlung ab. Dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes vollen Schutz Eurer Majestät ein überseeisches Reich zu entwickeln, schaftlichen Bewegungen ist der Konföderation zu überlaffen, wäh- ift zu entnehmen, daß der Verein 1200 Mitglieder zählt. Die würdig des deutschen Namens." rend die Partei sich der politischen Bewegungen anzunehmen hat. Darunter 1047 allein in Burg. Einer Einnahme von 8072 M. stand Magdeburger Boltsstimme" hat 1500 abonnenten im Streife, Der„ Avanti" hat sich Berichterstatter und Redakteure au ver- eine Ausgabe von 7881 m. gegenüber. Die Reichstagswahl in dem ausschaffen, die eine geeignete Agitation für die Politik und Taktik der gedehnten ländlichen Kreise mit seinen 208 Ortschaften verursachte Aus Gündelwangen kommt die Nachricht, daß Pfarrer Gaisert tonföderierten Gewerkschaften entfalten, vor allem zu dem Zweck, den tota- 8260 m. Stoften. Der Borsigende, Genoffe Stolberg, ging in Begnadigt und aus dem Freiburger Landesgefängnis entlassen listischen Geist der Organisationen zu bekämpfen und die Nützlichkeit der feinen Ausführungen auch noch einmal turz auf die Reichstagswahl worden ist, doch wird Pfarrer Gaifert nicht mehr auf seine Pfarrei zentralistischen Organisation dazutun. Die Barlamentsfraktion foll ein. Bei der Stichwahl wurde bekanntlich durch die Stimmnach Glindelwangen zurückkehren. Das Drama von Gündelwangen ist damit zu Ende, Gaifert wurde am 20. Januar 1906 verhaftet einen Sekretär ernennen, mit dem die Konföderation beständig in enthaltung der Sozialdemokraten die Niederlage des freiund am 13. März vor der Straffammer in Waldshut von der An- Fühlung bleiben kann. Der Parteivorstand soll sein ganzes wirt- sinnigen Herrn Merten gegenüber dem konservativen Kandidaten Klage des Meineides freigesprochen. Auf ergangene Revision der schaftliches Programm, besonders in bezug auf die Propaganda in Süd- berursacht. Bei der unanständigen Kampfesweise des Herrn Merten hätte die Selbst a chtung erfordert, daß die Sozialdemokraten Staatsanwaltschaft wurde jedoch das Waldshuter freisprechende Italien, nach den Leitfägen der Konföderation entfalten." Schließlich Stimmenthaltung übten. Die Generalversammlung beschloß eine Urteil vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache zur nochmaligen erinnert die Tagesordnung an die Bestimmung des Organisations Beitragserhöhung von 25 auf 40 Pf. monatlich. Der AgitationsVerhandlung an das Landgericht Freiburg verwiesen. Die Straf- statuts, damit sich nicht der in einigen Drten eingerissene Mißbrauch kalender foll in 15 000 Exemplaren verbreitet werden. Als fammer Freiburg hat Pfarrer Gaisert des Meineides schuldig er- wiederhole, daß die Gewerkschaften als solche den Parteisettionen Reichstagstandidat wurde wieder Genosse Haupt- Magdeburg auftannt und zu der geringst zulässigen Strafe von einem Jahre Zuchtgestellt. Ihm wurde auch die Delegation zum Essener Parteitag haus verurteilt. Anfangs März wurde der Verurteilte vom GroßDiese Tagesordnung, die wir wortgetreu wiedergegeben haben, übertragen. herzog zu sechs Monaten Gefängnis begnadigt, und am 16. März Bum Preußentag wurde Genosse Stolberg als hat Gaisert seine Strafe im Freiburger Landesgefängnis angetreten. beleuchtet mit einem Schlage die Parteifituation Delegierter gewählt. Am 1. August erfolgte die Entlassung, sodaß er im ganzen in Italien. Es mag den ferner Stehenden befremdend er- Landesparteitag der Sozialdemokratie des Herzogtums Altenburg 4 Monate von der Strafe abgesessen hat. scheinen, daß die noch nicht seit Jahresfrist existierende Konföderation der Arbeit der Partei in dieser Weise Borhaltungen macht. In Martinsgrund" in Gera die diesjährige Landestonferenz des Am Sonnabend und Sonntag fand im Gasthaus Zum Wirklichkeit ist es eine logische Folge der auf dem Parteitage in altenburgischen Wahlkreises statt. Die dortigen Parteigenossen Rom geschaffenen Situation. In Nom find die Reformisten mit müssen außer Landes gehen, weil im Herzogtum selbst Sonntags Einschluß der extremen Rechten Sieger geblieben, ohne daß die erst von 3 Uhr nachmittags ab getagt werden darf. Es waren Paris, 5. August.( Eig. Ber.) politische Situation des Landes ihnen bis jetzt Gelegenheit gegeben 59 Delegierte außer dem Landesvorstand erschienen. Die Stichwahlen haben den geeinigten Sozialisten weitere Er- hätte, den Teil ihres Programms, der in der Zusammenarbeit mit Zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht nahm der Daraus ist folge gebracht. Hervorzuheben ist die Wahl des Genossen De les den liberalen Parteien des Bürgertums besteht, zu verwirklichen. Sie Landesvorsitzende Genoffe Remmele das Wort. alle in Lille. In Roubair siegte dagegen der Reaktionär haben teine tonkreten Folgen ihres Sieges gesehen, wenn nommen hat. Dem Staatsministerium und Landtag wurde eine hervorzuheben, daß die Wahlrechtsbewegung ihren Fortgang geMotte mit Hülfe der Radikalen. Bedeutungsvoll ist die man von der Modifikation der Schriftleitung des Wahl des Genossen Patouillard im Kanton von Chambon im absieht, in der eine Umwandlung im reformistischen 22 000 Unterschriften unterzeichnet war. Avanti" Petition auf Abänderung des Wahlrechts eingereicht, die mit Sie wurde natürlich Loire Departement, der Domäne Briands, dessen Ge= Sinne erfolgte. Was ist nun begreiflicher, als daß die abgelehnt. folgsmann Charpentier allerdings in St. Etienne durchdrang. Weiter wurde eine Resolution des vorjährigen Parteitages, Das Gesamtresultat des gestrigen Wahltages entspricht dem der Reformisten, die der Aktion der Gewerkschaften und deren ErrungenHauptwahl. Die Linksrepublikaner haben neuerlich Mandate ge- fchaften eine so überragende Bedeutung beimessen, sich bestreben, die die Verwaltungs- und Polizeifchikanen betreffend eingereicht, die wonnen, weniger weil sie die fortgeschrittene Politit, als weil sie die Partei in den Dienst der gewerkschaftlichen Intereffen zu stellen als nicht stichhaltig bezeichnet wurde. Flugblätter über die neuen Steuern, die Fleischnot, Seim herrschende repräsentieren. und wenigstens diesen Teil ihres Sonderprogramms zu verarbeiterschutz usw. wurden in Auflagen von je 60 000 verbreitet. Außerdem für die Landbevölkerung ein Agitationskalender. Neue Parteibereine wurden im Berichtsjahre an 6 Orten gegründet. Die Zahl der organisierten Genossen des Wahlkreises ist von 3340 auf 4300 geftiegen. frankreich. Die Generalratswahlen. wirklichen? Aus der Rede eines Staatsmannes". Für die Mehrheit der italienischen Reformisten liegt in den Vera Paris, 5. Auguft( Eig. Ber.). besserungen, die die Gewerkschaften erringen, der wichtigste Teil des " Daran erkennt man ein freies Land: daß alle Bürger bas praktischen Sozialismus. Sie haben das in den Beiten, als noch Recht haben, ein Ideal zu besigen und sei es das weit der Kampf der Tendenzen mit sauberen Scheidungen geführt wurde, Die Reichstagswahl hat leider einen Sieg nicht gebracht. gebedste, und daß sie es jederzeit beträftigen und verwirklichen offen ausgesprochen und die Lange ihres Spottes über die ausdiesem Land, wo man fich leicht an Worten berauscht, glaubt einer, gegoffen, die auch die Verbreitung sozialistischer Grund der heftige Reden hält, seine Projekte verwirklichen zu können. fäße unter dem Proletariat für notwendig erachteten. Hier ist der Man nennt ihn dann mutig. fortgeschritten. Dhne Heftigkeit würde Berührungspunkt zivischen Syndikalismus und Reformismus, auf er ein einfacher Bürger bleiben. An dem Tage, wo er drohend den wir so oft hingewiesen haben. Beide stehen dicht übergeschwenkt sind, In Aber die Stimmenzahl ist doch von 17 800 auf 20 000 gestiegen. Den Machinationen des Reichslügenberbandes gelang es indes, 22 000 Stimmen in der Stichwahl auf den reaktionären Reichsparteiler Schmidt zu vereinigen, was dadurch möglich wurde, daß* die Freifinnigen samt und sonders in das reaktionäre Lager Einen besseren Erfolg brachten die Landtagswahlen. Es gelang, den Besitzstand an Mandaten zu behaupten und die Stimmenzahl zu vergrößern. Zu dem gedruckt vorliegenden Bericht des Partei» sekretariats nahm der Parteisekretär Genosse Leber- Jena das Wort. Von den Parteigenossen der Stadt Altenburg liegt ein Antrag vor, vom Parteisekretariat Jena zurückzutreten. Genosse Leber erklärt, daß er wohl anerkennt, wenn die Genossen dem Partetsekretariat, das für die vier Wahlkreise Altenburg, Gera, Greiz und Jena-Neustadt gegründet wurde, keinen Geschmack abgewinnen können, weil das Tätigkeitsfeld ein zu ausgebreitetes ist. Wiesel- Altenburg begründet den von den dortigen Ge- nassen gestellten Antrag. Er zollt der Tätigkeit des Genossen Leber seine vollste Anerkannung und erllärt ihn sogar für über- lastet, aber die Altenburger Parteigenossen hätten lediglich den Antrag eingebracht, weil ihnen die letzte Reichstagswahl gezeigt habe, daß das Sekretariat für den Wahlkreis Altenburg unzweck- mäßig sei.— Ueber diesen Punkt entspinnt sich eine längere Debatte, die mitunter sehr heftig wurde. Genosse Leber er- klärte den Antrag Altenburg für eine Ueberrumpelung. S t r i tz k e- Altenburg behauptet, daß die Anregung zur Grün- dung des Sekretariats von Neuß j. L. ausgegangen sei. R e m m e l e- Altenburg verteidigt die Ansichten der Altenburger Genossen gegen die Angriffe des Parteisekretärs und beantragt die Beschlußfassung über den Antrag Altenburg bis nach Er- ledigung des Punktes 5 der Tagesordnung auszusetzen. Man beschloß demgemäß. Den Kassenbericht erstattete Genosse S p engler- Altenburg. Einer Gesamteinnahme von 1l> 655,21 M. steht eine Ausgabe von 12 365 M. gegenüber. Das Defizit ist auf das Konto der Reichs- und Landtagswahl zu setzen. Ihm wurde Decharge erteilt. Genosse K ä p p l e r erstattete dann den Bericht der Landtagsfraktion, zu dem eine Resolution angenommen wurde, die gegen das Scheinwahlrecht der Arbeiterklasse im Herzog- tum Anhalt protestiert und das gleiche, direkte und geheime Wahl- recht fordert. Zur Erkämpfung desselben sei eine unablässige Agi- tation zu entfalten. Ueber den Stand des Parteiorgans referierte Genosse S t r i tz k e. Die„Altenburger Volkszeitung" verfügt gegen- wärtig über einen Abonnente'nstand von 8000. Einer Einnahme von 84 000 M. steht eine Ausgabe von 80 630 M. gegenüber. Die Mehrbelastung durch Erhöhung des Buchdruckertarifes beträgt etwa 3500 M. Die Jnserateneinteilung soll künftig sechsspaltig erfolgen. Ein Antrag Meuselwitz, dem Abonnementspreis von 70 auf 60 Pf. herabzusetzen, wurde abgelehnt, desgleichen ein Antrag Schmölln, Inserate nur van solchen Lokalen aufzu- nehmen, die der Partei zur Verfügung stehen. Wiesel- Altenburg erörterte dann die Frage der eigenen Drucklegung des Blattes in Altenburg. Genosse Sehffert- Leipzig betont, daß ohne Rotations- Maschine das Blatt kaum hergestellt werden könnte und übrigens sei der Nutzen, den die Leipziger Druckerei aus dem Druck der „Altenburger Volkszeitung" ziehe, ein sehr minimaler. Ueber den Punkt wird vorläufig zur Tag»sordnung übergegangen. Es folgte sodann ein-Referat über die letzten Reichs- und Landtagswahlen und Förderung der Bildungsbestre- b u n g e n. Dazu liegen mehrere Anträge vor. Es entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, in die auch der Parteisekretär Genosse Leber mehrmals eingriff. Vom Genossen K ä p p l e r wurde namentliche Abstimmung über die Anträge beantragt. Dieselbe ergab Annahme derselben mit 53 gegen 10 Stimmen. Für Loslösung vom Parteisekrctariat stimmten 26, dagegen 19 Genossen. Zu dem internationalen Kongreß in Stuttgart wird Genosse B u ch w a l d, zum Essener Parteitag Genosse Kretzschmer- Eisenbcrg delegiert. In den Landesvorstand werden di<� Genossen Remmele, S t r i tz k e und S p e ng ler wiedergewählt. An den deutschen Parteitag wird ein Antrag auf Einführung einer einheitlichen Beitragsmarke und eine Resolution die Be- strebungcn der lokalistischen Vereinigungen betreffend gerichtet. Nach einem Resümee schloß der Vorsitzende Horn den Partei- tag mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie Sonntag abend 6 Uhr._ Koburg. Am Sonntag, den 28. Juli, fand in K o b u r g die dies- jährige Landeskonferenz der sozialdemokratischen Partei für den llteichstagswahlkreisKoburg statt. -AkUvejeiid waren aus 12 Orlen 42 Delegierte.— Aus dem Berichte des Vorstandes ist zu entnehmen, daß im letzten Jahre die Organi- fation erfreuliche Forlswritte gemacht hat. Besonders stieg die Zahl der politisch organisierten Frauen in Koburg und Neustadt in durchaus befriedigender Weise.— Die letzte Neichstagsivahl brachte eine äußerst lebhafte Agitation in den Kreis. Eine besondere Wählerzeitung wurde herausgegeben und in neu» Nummern in gegen 125 000 Exemplaren verbreitet. In 30 Orten fanden 57 Wahlversammlungen statt. Unsere Stimmen- zahl stieg um über 300.— Der Bericht des Kassierers verzeichnete für den Wablsonds eine Einnahme von 2951,21 M. und eine Ausgabe von 2853,60 M.— Ueber die Wahl und unsere zukünftige Agitation sprach unter wiederholtem Beifall der Anwesenden der Kandidat des Kreises, Genosse Fritz Z i e t s ch- Charlottenburg. Für die nächste Wahl wurde Genosse Zietsch einstimmig wieder als Kandidat aufgestellt.— Zum internationalen Kongreß in Stuttgart übertrug man die Vertretung dem Genossen Baudert- Weimar, wälzrend für den Parteitag in Essen Genosse Zietsch als Dele- gierter gewählt wurde._ CkwcrklcbaftUchc� Was der Landrat darf! Beim Streik der schlesischen Granitarbeiter wurde vom Zentralverband der Steinarbeiter das Landratsamt Strehlen um Vermittelnng angerufen. Zu den Verhandlungen, die eingeleitet worden waren(am 5. Juni), wurde aber kein Vorstandsmitglied des Verbandes eingeladen. Genosse Staudinger, Redakteur des„Steinarbeiter", begab sich zum Landrat und fragte ihn, weshalb denn zu den Verhandlungen kein Vertreter des Zentralvorstandes hinzugezogen werden solle. Darauf erklärte der Land- rat, daß er an Stelle des Unternehmers Schall keinen Tarif abschließen würde. Die Arbeiter würden ja„angemessen" bezahlt. Ueberdies erscheine ihm— dem Landrat— die Tätigkeit Staudingers völlig überflüssig. Wie komme St. dazu, sich in die Arbeitsverhältnisse der Schall schen Arbeiter einzumengen? Und als nun der Landrat die Kommissionsniitglieder in das Sitzungszimmer rief, meinte er zum Genossen Staudinger:„Sie beeinflussen die Arbeiter im ungünstigsten Sinne und überdies besteht Ihre Tätigkeit bloss im Hetzen." Auf die gegen diese Aeußerungen des Herrn Landrates eingelegte Beschwerde ist nun dem Genoffen folgende Antwort des Regierungs- Präsidenten zu Breslau am 2. August zugegangen: J. A. IL 1502. „Auf Ihre Beschwerde gegen den Herrn Landrat des Kreises Strehlen erwidere ich Ihnen, daß nach den angestellten Er- Mittelungen kein Grund vorliegt, gegen den Landrat von Auffichtswegen vorzugehen. Dein Landrat hat bei der in Gegen- wart der drei Kommissionsmitglieder ausgesprochenen Aeußerung, daß Sie die Arbeiter im ungünstigen Sinne beeinflussen und Ihre Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tätigkeit im Hetzen besteht—, jede beleidigende Absicht ferngelegen. Durch die von ihm angestellte Erniittelung war für ihn festgestellt, daß Ihre Tätigkeit keine der Bei- legung des Streikes günstige war und war es nur seine Ansicht, Ihre Tätigkeit den Mitgliedern der Lohn- kommission gegenüber zu charakterisieren. Die Form, in welcher dies geschah, ist zwar scharf, den Tatsachen gegen- über aber als nicht beleidigend zu bezeichnen. I. V. Ouittmann. Also: Der Vorstand ersucht um Verhandlungen, um den Streik evenwell beizulegen! Sein Ersuchen beim Landrat hat den Erfolg, daß es zu Verhandlungen tatsächlich kommt. Und als derselbe Vorstandsvertreter zu den von ihm ver- anlaßten Verständigungsverhandlungen zugelassen werden will, wird er in Gegenwart seiner Verbandskollegen vom Landrat brüskiert und als Hetzer bezeichnet. Der Regierungspräsident aber hält diese Charakterisierung desjenigen, der die Verhandlungen veranlaßt hat, zwar für scharf, aber den„Tatsachen entsprechend", das heißt: Der Landrat wird zwar nicht rektifiziert, das ü r wiederholt der Regierungspräsident diese Beleidigung. Daß sich Genosse Staudinger mit dieser Antwort nicht zufrieden gibt, ist selbstverständlich. Nun- mehr hat der Oberpräsident das Wort über die„Hetzer", die verhandeln wollen._ Berlin und Umgegend« Die Betriebshlilfsarbciter in der Metallindustrie haben, so weit sie im Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter organi- siert sind, seit einiger Zeit schon eine Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen angestrebt. Am letzten Sonntag hielten sie zur Besprechung ihrer Angelegenheiten eine Versammlung im „Swinemünder Gesellschaftshaus" ab. Sic haben eine zehnstündige Arbeitszeit und wünschen einen Anfangslohn von 40 Pf. die Stunde, steigend bis 52 Pf. resp. 56 Pf. nach mehrjähriger Tätig- keit. Bei verschiedenen Direktionen großer Werke erwarten die Arbeiter Verständnis für ihre Forderungen und Entgegenkommen zu finden. Veuhlcbes Reich. Das Ende der Bergarbeiterbewegung im Revier Zwickau. Als seinerzeit der Verein für bergbauliche Intel- essen strikte abgelehnt hatte, mit der Organisation oder aber der allgemeinen Rcvierlohnkommission über die bekannten Forderungen der Bergarbeiter zu verhandeln und im übrigen auf die von ihm aber teils gcmaßrcgcltcn A r- beitcrausschüsse verwies, hatten die Bergleute die Kreis- hauptmannschaft Zwickau solvie das Bergamt zur B e r m i t t e- I u n g angerufen. Beide lehnten ab, und zwar unter Motiven, wie sie eben nur von sächsischen Behörden zutage gefördert werden können. Das Bergamt war von jeher für Lohnbewegungen der Bergarbeiter und für deren Organisation nicht besonders ein- genommen, aber von der Kreishauptmannschaft hätte man doch mindestens einen anderen, weniger voreingenommenen Standpunkt erwarten dürfen. Daß das nicht der Fall, kennzeichnet das ganze System in Sachsen, wo die Regierungsinstanzen vor den kapitalistischen Machtgruppen mutig zurückweichen. Die Kreishauptmannschaft bedauert nach einem großen Aufwand von einleitenden Redesloskeln, daß sie den von der Kommission bezeichneten Weg der friedlichen Verständigung, unter Beihülfe der genannten Behörden, nicht als gangbar ansehen könne. Sie verweist auf die„gesetzlichen Vertretungen", die Ar- beiterausschüsse, deren Tätigkeit in der Lohnbewegung vielfach lahmgelegt wurde, durch die Maßregelungen, dem jeder Belegschaftsvertreter ausgesetzt war, wenn er die Interessen seiner Kameraden ernsthaft zu wahren bestrebt war. Auch sei die ein- heitliche Regulierung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im Revier Zwickau bei deren Vcrschiedenartigkeit wohl kaum möglich Die Kreishauptmannschaft vermag dann die Revierkomm is- s i o n als nur von 1200 bezw. 3000 Personen— bei einer Gesamtbelegschaft von 12 000— gewählt, als Vertretung der Berg- arbeiter nicht anzusehen, kann aber auch nicht garan- t i e r e n, daß die seitens der Bergarbeiter für die Revier- kommission eventuell schriftlich abgegebene Vollmacht, irgendwelche Maßregelungen nicht nach sich ziehen werde. Auch der b e r g- bauliche Verein hat ihr noch einmal betont, daß er mit der Lohnkommission der Bergarbeiter über deren Forderungen nicht verhandele— und was der bergbauliche U n t e r n e h m e r v e r e i n sagt, ist für die königl. sächsische Behörde ausschlaggebend. Man wird sich im Interesse der Bergsklaven nicht ins Mittel schlagen, sondern zunächst dafür sorgen, „daß d e r S ch o r n st e i n raucht" für die— Unternehmer. Aus dieser Haltung der Behörden ergab sich die U n m ö g l i ch- keit einer friedlichen Verständigung. Da aber eine Reihe taktischer Erwägungen zurzeit gegen den Kampf sprachen, mußte die Leitung der Organisation die vorläufige B e- endigung der Lohnbewegung empfehlen. Bei günstiger Gelegenheit soll aber der Kampf in verschärfter Form wieder auf- genommen und zur endgültigen Durchführung gebracht werden. Die über das Revier Zwickau verhängte Sperre bleibt bestehen. Das letzte Wort in der sächsischen Bergarbeiterbewegung ist damit noch nicht gesprochen und bei Beratung der Berggesetz- Novelle im sächsischen Landtage dürfte der Bevölkerung im Lande draußen einmal klar gemacht werden, was das Gruben- kapital und die Regierung seit langen Jahren an den Bergarbeitern und dem Volke im allgemeinen verbrochen._— r. AuS dem AussperrungSgebiet Gießen. Schon die neunte Woche tobt der Kampf der reichen Gießener Zigarrenfabrikanten gegen die armen Tabakarbeiter. Heldenmütig verteidigen diese ihr Koalitionsrecht, welches ihnen die Kapitalprotzcu rauben wollen. Große Summen Geldes lassen eS sich die liberalen Herren kosten. Sie suchen die noch rückständigen Dörfer auf und glauben nun dort ihr Ausbeutungswerk ungestört forttreiben zu können; aber gemach, die Aufklärung machtRiesenschritte und bald wird auch dort die Organisation ihr Banner erheben. Diese Musterfabrikauten sorgen schon selbst dafür, daß der Gedanke zum Zusammenschluß reif wird, zahlen sie doch in den Streikbrecherfilialeu Hungerlöhne von 36 Pf. für 100 Zigarren und 18 Pf. für 100 Wickel. In Geiselbach im Kochlgrund, in Lieblos bei Gelnhausen und in Mudersbach haben die Herren Meyer, Fießer, Gail und Stall aus Gießen Streik- brecherfilialeu errichtet: es wäre wünschenswert, ivcnn die politisch und gewerkschaftlich organisierten Genossen dafür sorgten, daß diesen Herren überall das Handwerk gelegt würde. Sie flüchten aus Gießen nur, weil sie nicht daran denken, jemals bessere Löhne zahlen zu wollen. Die Ausgesperrten sehen mutvoll der Zukunft entgegen, fest und treu stehen sie auf ihrem Posten; das bewies das Bezirksfest der organisierten Tabakarbeiter, ivelches sich zu einer großen Demonstration gestaltete. Im Festzuge marschierten 3000 Personen, voran die Ausgesperrten mit einem großen Plakat:„Die ausgesperrten Tabakarbciter von Gießen und Unigegcnd" unter Vorautritt einer roten Fahne. Auch die Angehörigen der anderen Berufs- organisationen hatten sich sehr zahlreich beteiligt und dadurch ihre Solidarität bekundet. Die Hochrufe auf den deutschen Tabakarbeitcr- verband und die moderne Arbeiterbewegung wurden von den Tausenden begeistert aufgenomnicn. Es war ein wahres Fest der Solidarität und der Brüderlichkeit. Ter Steinsetzerstreik in Bamberg ist nach mehrtägiger Dauer beendet worden. Die Unternehmer mußten zu einem er- heblichen Teile nachgeben. Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: VorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Und wieder- ein Tarifabschluß des SteinarbciterverbanbcS im Bayerischen Wall'. Für die Kenner des nicdcrbayerischen Granit- gebietes wird die Nachricht freudig überraschend sein, daß von dort abermals ein bedeutender gewerkschaftlicher Erfolg zu melden ist. Seit 1893 versuichte dort der Steinarbeiterverband Wurzeln zu schlagen. Immen vergeblich. Endlich gelang es. Am unzugäng- lichsten zeigten sich die Orte Büchelberg und Tittling. Die Büchel- berger Zahlstelle, am 1. Juli 1906 gegründet, umfaßt heute 90 Proz. der beschäftigten Steinarbeiter. Nunmehr ist es dem Gauleiter Mittenmaier am 21. Jckli 1907 gelungen, mit zwei Firmen in den lbeiden Orten einen Tarifvertrag abzuschließen. Die Verhandlungnn mit den anderen Firmen dort sind noch im Gange, ebenso mit einer Firma in M e t t e n, für deren Tittlinger Werk. In dem Vertrage erkennen die Unternehmer ausdrücklich den Steinarbeiterverband an. Ferner sind ein Arfteiterausschuß und ein Schiedsgericht vorgesehen, welches letztere in drei Tagen— bei Streitfällen— zu entscheiden hat. Das ist desljalb wichtig, weil ein Gewerbegericht dort noch fehlt. Natürlich fehlt es dort nicht an der Gcgenarbeit des„christ- lichen" Steinarbeite rverbandes, der ja der Methode huldigt, Tarife unter allen Umständen abzuschließen. Was dabei zum Nachteil der Arbeiter herauskommt, beweist der von den„Christlichen" ab- geschlossene Tarif in Hangenberg. Der Ort liegt drei Stunden von den beiden Orten, die oben genannt sind. Die Berufsverhält- nisse sind an allen ften Orten dieselben. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, stellen tair gegenüber, was für ein und dieselben Arbeiten im Tarif das freien Steinarbeiterverbandes und dem des„christlichen" gezahlt wird: 6,16— 5,60 M., 8,36— 7,70 M., 8,58— 7,70 M.. 9,()2— 7,70 M.. 11,66— 9,24 M.. 62,72— 59,24 M., 68,00— 58,24 M. usw. Holzarbciterstreik.. In der Rathgcberschen Waggonfabrik in München haben sämtliche Tischler die Arbeit niedergelegt. Gs kommen mehr als 200 Mann in Betracht. Die Direktion hat die Forderung, die Arbeitszeit von 57 auf 53 Stunden zu reduzieren, rundweg abgelehnt. Die Weige- rung der Firma ist nicht recht verständlich, nachdem seit mehr als einem Jahre im gesamten Tischlergewerbe die neunstündige Ar» beitszeit eingeführt ist. Die Ungleichheit in der Arbeitszeit gab innerhalb der Arbeiterschaft fortgesetzt Anlaß zu Klagen und Un- Zufriedenheit. Die Direktion hat mit der Aussperrung der übrigen Arbeiter, mehr als 1000, gedroht, falls die Arbeit nicht baldigst aufgenommen werde. Zuzug von Tischlern nach München ist fernzuhalten. Ausland. Wieder einmal englische Streikbrecher. Antwerpen, 6. August. Da die Hafenarbeiter sich weigern, die Bedingungen der Arbeitgeber anzunehmen, ist heute hier die Aus» s p e r r u n g bekannt gegeben worden. Der Ausstand ist auf die Korntransportschiffe beschränkt. An Bord von zehn Dampfern, die durch Polizeibeamte überwacht werden, sind die Antwerpener Ver- lader durch englische ersetzt worden. Letzte JVachncbtcn und Dcpcfcbca Biilow kontra Scherl. Berlin, 6. August.(W. T. B.) Der Reichskanzler Fürst v. B ü l o w ermächtigt uns zu der Feststellung, daß die in einem Bericht des„Berliner Lokal-Anzeiger" dem Kaiser von Rußland über die deutsche Flotte zugeschriebene Aeußerung. mit meiner solchen Flotte könne man den Erdball bezwingen, auf freier Erfindung beruht._ Die Kapitalisten schwingen die Hnngerpeitsche. München, 6. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Verband der bayerischen Metalliudustriellen kündigt die Aussperrung aller in Maschinenfabriken Bayerns be« schäftigtcn organisierten Arbeiter an, wenn die Differenzen der streikenden Holzarbeiter in der Rathgeberschen Waggon- sabrik bis Sonnabend nicht beigelegt sein sollten. Mittwoch niittag komnien die Scharsmacher zu einer weitereu Sitzung in Nürnberg zusammen._ Eine nicht von Arbeitern geleitete Krankenkasse. München, 6. August.(B. H.) Eine auf Anordnung de« Untersuchungsbehörde bei der Krankenkasse für selbständige Handel» und Gewerbetreibende in München vorgenommene Bücherrevision ergab Unterschlagungen des derzeitigen Kassenverwalters Winkler in Höhe von über 2000 M. Die Passiva der Kasse auf Aerzte- und Apothekerrechnungen dürften 2500 M. übersteigen. Auf Grund dieser Sachlage wird von einigen Gläubigern die An- Meldung des Konkurses betrieben. Neues Material im Mordprozeß Hau. Karlsruhe, 6. August.(B. H.) Zum Fall Hau wird ge- meldet: Ter Mann mit dem grauen Bart, der am 6. November, dem Tage des Mordes an Frau Mcdizinalrat Molitor, hinter den beiden Damen herging, und der nicht ermittelt werden konnte, ist von der Verteidigung in Mannheim in der Person des Barons Karl v. Lindenau aus Karlsruhe festgestellt worden. Derselbe bestätigte den Inhalt eines von ihm an die Verteidigung ge- schriebenen Briefes ohne Unterschrift, in dem er den Hergang der Sache darstellt und erklärt, daß Hau der Täter nicht ist. Herr v. Lindenau gibt heute in folgender, von den Rechtsanwälten Dr. Dietz und Dr. Goenner abgefaßten Erklärung die Autorschaft und die Richtigkeit dieses Briefes zu. Die Erklärung lautet:„Mann- heim, 6. August. 1907, im Hause R 47. Der Baron v. Lindenau erklärt heute mit seiner Unterschrift, daß der von ihm an den Herrn Verteidiger Dr. Dietz gerichtete Brief vom 20. Juli 1997 von ihm geschrieben worden ist und daß der Inhalt des Briefes der Wahrheit entspreche."_ Zusammenstoß zwischen Lokomotive und Straßenbahn. Hermannstndt, 6. August. lB. H.) Ein Motorwagen der Straßen- bahn Kronstadt— Hosziilosuir stieß mit einer Lokomotive der Staats- bahn zusauimkn. Der Motorwagen wurde zertrümmert, mehrere Passagiere schwer verletzt._ Abgestürzt. Zermatt, 6. August.(SB. T. B.) Beim Abstieg vom Matter- Horn verunglückte heute im untersten Couloir nahe bei der unteren Hütte ein deutscher Tourist, der, wie es scheint, ohne Führer war. Man befürchtet, daß derselbe den Tod gefunden hat. Die Leiche im Koffer. Marseille, 6. August.(B. H.) Hier wurde ein Mann und eine Frau verhaftet, die aus Monte Carlo kamen und in deren Besitz ein Koffer gefunden wurde, in welchem sich die in Verwesung über- gegangene Leiche einer zerstückelten FrauenSperso» befand. Bombardement von Casablanca. London, 6. August.(W. T. V.) Ein Zeitungstelegramm aus Tanger von heute besagt, die Landungstruppen in Casablanca töteten 160 Eingeborene auf dem Wege zu den Konsulaten mit dem Bajonett. Das Bombardement seitens der Kriegsschiffe dauerte den ganzen Tag. Mehrere Hundert Stammesangehörige wurden getötet und die Dörfer an der Ärenze der Stadt zerstört. !aul SingerScCo�Berlin Hierzu2Beilagen u.Untrrhaltungsblatt Nr. 18?. 24. Jahrgang. 1. Deilme des Jorniiitls" Snlim Holteiilntt, mmt, 7. Imf 1907. Die Scharfmacher der deutschen Hol?- Industrie IjaBctt sich dieser Tage in H i l d e s h e i m ihr alljährliches Stell- dichein gegeben. Es tagte dort die fünfte Generalver- sammlung des Arbeitgeberschutzverbandes für das deutsche Holzgewerbe. Dieser Verband hatte be- kanntlich im April d. I. unter den Nachwirkungen der patriotischen Raserei der bülowschen Reichstagswahlen versucht, die Arbeiter- organisation in der Holzindustrie durch eine allgemeine Aus- sperrung niederzureiten, ist aber dabei nur selber böse zertrampelt worden. Die Verhandlungen in Hildesheim zeugten denn auch von Anfang bis zu Ende von einem gewaltigen Katzenjammer, der sich hinter den großen Worten einiger Führer nur schlecht ver- barg. Es waren vertreten 55 Bezirksverbände. Außerdem war eine Reihe Gäste aus verschiedenen Städten erschienen. Der Jahresbericht des Vorstandes vertrug die Oeffentlichkeit nicht recht, weshalb man sich darauf beschränkte, den gedruckt an die Mitglieder versandten Bericht debattelos zu„genehmigen". Die Oeffentlich- keit erfuhr nur, daß der Verband am 11. Februar der Streikentschädigungsgesellschaft des Vereins deutscher Arbeitgeberverbände angegliedert worden ist. Das ist aber keine Einrichtung, die im Arbeiterlager Heulen und Zähneklappern hervorrufen könnte. Der Jahresbeitrag zu der Streikentschädigungskasse beträgt für jeden beschäftigten Arbeiter 60 Pf., die Streikprämie dagegen 50 Pf. pro Streiktag. Im 2. Halbjahr 1906— der Anschluß hat rückwirkende Kraft bis zum 1. Juli vorigen Jahres— bekam der Verband für einen nachgezahlten Gesamtbeitrag von 8205 M. 9543,50 M. Prämie heraus(38 174 angemeldete Streiktage bei halbjähriger Mitgliedschaft mit je 25 Pf. entschädigt). Für die Aussperrung vom Frühjahr würde es demnach ein paar hunderttausend Mark geben, wogegen schon der von Herrn R a h a r d t zugegebene nach- weisbare Schaden der Unternehmer ebensoviele Millionen und der tatsächliche Verlust wieder ein Vielfaches hiervon beträgt, sodaß die völlige Belanglosigkeit der Streikversicherung für den Ausgang der-wirtschaftlichen Kämpfe klar zutage liegt. Zudem ist es, wie der Kassierer des Verbandes mitteilte, noch die Frage, ob die Streikentschädigungsgesellschaft für das laufende Jahr die Prämie in der vollen statutarischen Höhe zahlen kann! Der Streikversicherungskasse gehören jetzt an 13 Verbände(1906: 5) mit 328 000(1906: 285 000) Mitgliedern und einem Gesamtlohn- betrag von 360 000 000 M.(1906: 308 000 000 M.). Gegen diese stolzen Zahlen nimmt sich der Ueberschuß der Gesellschaft vom letzten Jahr, der sich auf 17 753 M. belief, um so bescheidener aus. Die Organisationsfrage der Arbeitgeber führte zu einer kurzen Debatte, deren Ergebnis die Annahme folgender Resolution bildete: „Die Generalversammlung erklärt die zentrale Berufs- organisation als das höchste Ziel der Arbeitgeber(!); diese Or- ganisation ist zunächst zu erstreben. Die Generalversammlung erklärt ferner, daß erst nach erfolgter zentraler Berufsorgani- fation die gemischte Organisation in einzelne Bezirke zu er- streben ist." „Die Lehren des letzten großen Kampfes" er- ßrterte in wirrer Rede Herr Siebe! aus Düsseldorf. Be- merkenswert war daran nur, daß er die unparteiische Haltung des Berliner Gewerbegerichts bei den Einigungsverhandlungen vom Mai dieses Jahres angriff. Das stellt dem Gewerbegericht nicht das schlechteste Zeugnis aus. Herr S i e b e l ist aber sonst nach der Aussperrung ein zahmer Mann geworden, wie so viele. Im Frühjahr gehörte er zu den lautesten Schreiern und„Hetzern", die schon„das Schicksal des Holzarbeiterverbandes besiegelt" sahen; frei- lich war aber schon damals sein Fleisch schwach, wenn auch der Geist willig, doch auch nicht stärker war. Die Düsseldorfer Unter- nehmer, die in ihren Konferenzen usw. furchtbar InS Scharfmacher- Horn tuteten, besaßen von dem besseren Teil der Tapferkeit genug, um die eigene Haut erst in Sicherheit zu bringen. Nachdem die Aussperrung schon verfügt und auch mancherorts bereits durch- geführt war, schlössen sie mit dem deutschen Holzarbeiterverbande noch einen Tarifvertrag ab. Dann freilich bedauerte Herr Siebe! öffentlich, daß die Düsseldorfer Unternehmer sich an der endlichen Vernichtung des Holzarbeiterverbandes nicht beteiligen könnten. Aehnliche Erscheinungen waren bekanntlich während der Aussperrung häufig und das Fiasko der ganzen Aktion stand schon mit der verschleppenden und konfusen Art ihrer Durch- führung fest. In HildeSheim lobte Herr Siebe! aber die„Diszi- plin" und die„Opferwilligteit" seiner Kollegen, und der Vor- sitzende betete das Lob- und Dankgebet nach. Es war das Pech der Aussperrungsunternehmer, daß sich die Arbeiter doch andere Be- griffe von Disziplin und Opferfreudigkeit gebildet haben. Einige Angaben des Herrn Siebel über die Stärke der ver- schiedenen Holzarbeitergewerkschaften bedürfen der Richtigstellung. Herr Siebel eröffnete seinen Kollegen, am Schlüsse des Jahres 1906 habe der deutsche Holzarbeiterverband 141 000 und die christ- liche Gewerkschaft 11000 Mitglieder gezählt. Herr Siebel war so freundlich, den Christlichen zu geben, um den„Roten" zu nehmen. Tatsächlich musterte der deutsche Holzarbeiterverband Ende 1906 bereits 151 000 Mitglieder; Christliche gab es aber nach dem Bericht des christlichen Generalsekretärs Stegerwald 10 400. Von größerer Wichtigkeit als die Aussperrungs,, lehren" SiebelS ist folgende Resolution der Generalversammlung in puncto Behandlung der Arbeiter: „Die Generalversammlung beschließt, alle bestehenden Organisationen als gleichberechtigt, bezw. verhandlungsberechtigt anzuerkennen und sie bei allen vorkommenden Fällen gemeinsam zu hören". Das geht über V. R e is w e i tz, der nur die Arbeiterorgani- fation schlechthin anerkennen wollte. Die Holzarbeit,, geber" dehnen die Anerkennung gleich auf„alle bestehenden Organi- sationen" der Arbeiter aus. Mein Liebchen, was willst du noch mehr? Aber a bisserl Falschheit ist bei der Lieb alleweil dabei. Die Christlichen sind nämlich numerisch ganz bedeutungslos; sie dem mächtigen Holzarbeiterverbande als„gleichberechtigt, bezw. verhandlungsberechtigt" zu koordinieren, ist absurd, wenn nicht aus diese unverfängliche Weise die christliche Quertreiberei in die Arbeitervertretung lanziert werden soll. Wenn aber vollends die Hirsche, die den Scharfmachern im Frühjahr infame Judasdien st e geleistet haben, ehrlich um ihr Brot kämpfenden Arbeitern als gleich- und verhandlungsbercchtigter Teil aufgedrängt werden, so ist die tückisch berechnete Absicht der Unternehmer ganz klar. Deutlicher kann es den Arbeitern nicht wohl gesagt werden, daß die neue, zu Verhandlungen bereite Taktik des Unternehmertums nichts an dem Prinzip des kapitalistischen Herrentums ändert, daß sie nur ein korruptes Mitteichen ist, womit die Unternehmer bei Friedensabschlüssen dunkle Geschäfte machen Ivollen. Der Reisesekretär des Verbandes. Herr Fobbe aus BerUn. redete über„Agitation". Man erlebte, daß die besitzessatte Bildung ihre Methode nicht besser zu vervollkommnen weiß, als mit geistigen Anleihen bei dem verachteten Proleten. Herr Fobbe will in den einzlenen Ortsverbänden Bezirke mit je einem Ver- trauensmann an der Spitze errichtet sehen; er ermahnt zu münd- licher Agitation, er appelliert an Solidarität und Opferbereit- schaft.„Da hat er die Teile in seiner Hand, fehlt leider nur das geistige Band". Man kann so etwas nicht mechanisch kopieren, Herr Fobbe, Seele muß die Sache haben, innerenSchwung. Aber das heißt freilich von der Arbcit„geber"-Agitation das Un- mögliche verlangen. Die heilige Begeisterung, der Idealismus, der die proletarische Welt im innersten zu- sammenhält, diese agitatorisch-schöpferischen Kräfte lassen sich ein- mal nicht in den Geldschrank stellen und nach Bedarf daraus her- vorholen. Sie können nur in einer altruistisch auf- und vorwärts- strebenden Klasse tätig sein, die in Wahrheit noch„heilige Güter" zu gewinnen hat, niemals in einer abwirtschaftenden Kaste, die nur noch ihre unheiligen Güter egoistisch verteidigt. Die Organisation der Arbeitsvermittelung war der Gegen- stand, über den Herr Glocke aus Bremen redete. Seine Aus- führungen waren relativ verständig; deswegen fanden sie bei der Versammlung keinen Anklang. Herr Glocke befürwortete nämlich eine Verständigung mit dem deutschen Holzarbeiter- verband zur Errichtung paritätischer Arbeitsnach- weise. Man lehnte diesen Vorschlag ab, um nicht die zärtlich geliebten Christlichen und Hirsche kalt zu stellen; auch glaubte man wohl, bei kommunal- paritätischen Arbeitsnachweisen leichter mogeln zu können. Immerhin bildet sich heute im Unternehmer- lager der Holzindustrie niemand mehr ein, die Arbeitsvermittelung dem Einfluß der Arbeiterschaft überhaupt entreißen zu können. Das sind in der Holzindustrie vergangene Zeiten.— Zur Annahme gelangte schließlich folgende Resolution: „Die Generalversammlung erkennt die Notwendigkeit einer Neuregulierung des Arbeitsnachweiswesens an, hat aber gegen einzelne Bestimmungen des ihr vorgelegten Arbeitsnachweis- regulativs so ernste Bedenken, daß eine Beschlußfassung verfrüht erscheint, zumal die einzelnen Bezirksverbände keine Gelegenheit hatten, zu dem Regulativentwurf vor der Generalversammlung unter sich Stellung zu nehmen. Der Vorstand wird daher be- auftragt, in neue Verhandlungen mit dem Holzarbeiter- verband zu treten und deren Ergebnis der nächsten General- Versammlung zur Entscheidung vorzulegen." Womöglich der weittragendste und wichtigste Beschluß des Kon- gresses ging dahin, daß sich der Zentralvorstand des„Schutzver- bandes" mit den verschiedenen Gewerkschaften in Verbindung zu setzen habe, um eine Klassifizierung der Städte bezüglich der Ar- beitszeit und des ortsüblichen Lohnes herbeizuführen. Wenn dieser Beschluß überhaupt einen Sinn hat, so muß er den Abschluß eines über das ganze Reich ausgedehnten klassifizierten Tarifvertrages nach Art des Buchdruckertarifs einleiten. Die Hildesheimer Tage sind offensichtlich ein erzieherischer Erfolg der Gewerkschaftsbewegung insofern, als sich das grund- sätzliche Herrenrecht des Arbeit„gebers" nicht mehr mit der alten brutalen Offenheit und Unmittelbarkeit auszusprechen wagt. Die Arbeiter sind nicht so töricht, darum an eine arbeiterfreundliche Herzenserweckung des Kapitals zu glauben. Sie werden weiter arbeiten und kämpfen, um ihm die Wolfskrallen zu beschneiden, die noch unter dem Lammfell scheinbaren Entgegenkommens verräterisch hervorlugen» Soziales* Die Sklavenkette der Konkurrenzklanscl. In dem Konkurrenzklausel-Prozeß Wertheim/Eisenstedt liegen jetzt die Entscheidungsgründe des Berufungsurteils vor. DaS Landgericht begründet das die Berufung zurückweisende Urteil wie folgt: Eine Erschwerung des Fortkommens der be- klagten Handlungsgehülfin im Sinne des Z 74 des Handelsgesetzbuches war als nicht vorliegend zu erachten. Das Verbot war nach dem Vertrage auf die Dauer eines Jahres be- schränkt, was als übermäßige Ausdehnung nicht bezeichnet werden kann. Es war aber auch der Kreis der der Beklagten nach dem Vertrage verschlossenen Geschäfte ein begrenzter. Selbst wenn man annimmt, daß der Kaufmann Jandorf an einer ganzen Anzahl von Geschäften in Berlin finanziell beteiligt ist, so wird diese Beteiligung schon mit Rücksicht auf die eigenen, unter seinem Namen geführten geschäftlichen Unternehmungen eine nicht allzu große sein, zumal nicht auf dem Spezial- gebiet der Parfümcrien und Drogen, in dem die Beklagte tätig ist. Letztere wird-daher die Möglichkeit haben, unter den zahl- reichen, vertragsmäßig nicht verschlossenen Ge- schäften eine Auswahl zu treffen und wird dort mit L e i ch t i g- keit eine Stellung finden können. Andererseits läßt sich das Verhalten der klägerischen Firma als ausschließlich schikanös nicht bezeichnen. Sie mußte im Gegenteil an der Jnnehaltung der der Beklagten obliegenden Verpflichtungen ein um so größeres Interesse haben, als die Beklagte Abteilungs- leiterin und Gehülfin des Einkäufers war und daher manches Geschäftsgeheimnis erfahren haben mochte, dessen Mitteilung an ein Konkurrenzunternehmen die Klägerin schwer zu schädigen geeignet war. Etwaige Abmachungen über ihr Engagement beim„Kaufhaus des Westens" endlich befreien die Beklagte nicht von ihren Verpflichtungen der Klägerin gegenüber. In Ausführung des nunmehr rechtskräftigen Urteils setzte gestern die erste Kammer des Kaufmanns- g e r i ch t S unter dem Vorsitz des Magistratsrats v. S ch u l z die Strafe gegen Fräulein Eisenftedt auf 3 8 0 M. —- für 38 Tage a 10 M.— fest. Hierzu treten noch die Kosten des Prozesses für beide Instanzen in Höhe von zirka 200 M. Ein erneuter Antrag der Firma Wertheim, die Strafe für die folgenden Tage auf 5 0 M. pro Tag zu erhöhen, wurde zurück- gewiesen.— Die Verurteilte ist nunmehr aus dem„Kaufhaus des Westens" ausgetreten und hat noch keine andere Stellung finden können. Sie ist zurzeit völlig e x i st e n z- und subsi st enzlos, HausagrarischeS. Wer es noch nicht weiß, der kann es aus einer Denkschrift des Dresdener Baumeisters Hartwig erfahren, daß hohe Mieten das Nationalvermögen vermehren. Er verlangt behördliche Matz- nahmen, damit nicht durch Ueberproduktion von Wohnungen noch mehr Nationalvermögen verloren gehe. Der Bericht fordert lveiter eine behördliche Entschlußnahmc auf die Privattätigkeit. Es müsse eine Regelung nach dem Bedarf erfolgen. Aber nicht nur die Privatbautätigkeit, heißt es ferner, tragt zur Vermehrung der leerstehenden Wohnungen bei. Dies ist vielfach nicht weniger der Fall durch eine verderbliche Kom- munalpolitik; die unnötige Einverleibung von Vororten und ein ausgedehnter Ausbau der Straßenbahnverbindungen bis in die entlegensten Vorortsdörfer. Der vermehrte Zug in die Vororte ist in fast allen Großstädten in mehr oder minder starkem Umfange zu bemerken gewesen und in- folgedessen hat sich in diesen Vororten eine lebhafte Bautätigkeit entwickelt. Die Neubauten werden mit allen modernen Einrich- tungen ausgestattet und die Wohnungen können trotzdem billiger oder aber wenigstens nicht teurer vermietet werden wie im Innern der Stadt, weil in den Vororten das Bauland um vieles billiger zu haben ist. Die Häuser in der alten Stadt sind durchweg alle schon vor einigen Dezennien erstanden, ihnen mangeln moderne Einrich- tungen, die erst aus den Anforderungen der neueren Zeit chervor- gegangen sind. Diese Einrichtungen sind aber bei den alten Häusern auch durch kostspielige Umbauten nur in den vereinzelten Fällen zu beschaffen. Und so kommt es, daß die älteren Häuser im Innern der Stadt am meisten durch das Leerstehen der Wohnungen getroffen werden, was z. B, in Dresden ejnen Rückgang der Mieten zur Folge gehabt hat(bis 25 Proz.). Der Bericht prüft dann die Frage der steuerlichen Be- l a st u n g e n, führt die einzelnen Steuerlasten auf und erklärt, daß nur eine starke, energische und zielbewußte Vertretung des Haus- und Grundbesitzes in den Stadtverordnetenkollegien den unheilbringenden, wohnungs- und bodenreformerischen Einflüssen ein Paroli bieten könne. Eine starke Vertretung in den Stadt- verordnetenkollegicn zu schaffen, müsse zukünftig mehr wie je die Hauptaufgabe der Vcreinstätigkeit sein. Da sich überall das Bedürfnis nach neuen Einnahmequellen geltend mache, werde der Wertzuwachs an Grund und Boden vielen Stadtoberhäuptern als willkommenes Besteuerungsobjekt erscheinen. Gesetzgebung(und Verwaltung seien weitere Gebiete, auf denen dem Hausbesitz Gefahren drohen. Der Bericht weist hier auf die vom Bundes- rat aufgestellten Normen für den Erlaß von Bäckereiverordnungen hin. Die größte Gefahr für die Hausbesitzer, welche Bäckereien in ihrem Grundstück haben, liege im§ 16 der Normen, welcher den Vorschriften im Prinzip rückwirkende Kraft verleihe, so daß sie also auch auf bestehende Bäckereien in Anwendung gebracht werden können. Daraus könnten bedeutende Vermögensentschädi- gungen erwachsen. Unterschlagung von Krankenkasscngeldern. Manche Jnnungskrauter, die jede Arbeiterforderung als un» gerechten Raubzüg denunzieren, haben ein weites Gewissen den Krankenkassen gegenüber. Sie vergessen zwar nicht, den Arbeitern die Krankenkassenbeiträge vom Lohn zu kürzen, aber in krankhafter Vergeßlichkeit unterlassen sie, die Beträge an die Eigentümerin ab« zufuhren. Und dabei klagen die Vergeßlichen über die drückenden sozialpolitischen Lasten! Die meisten Urteile, die gegen die ver- geßlichen Unternehmer gefällt wurden, waren nicht geeignet, ab« schreckend zu wirken, das Erinnerungsvermögen zu stärken. Nun hat die 7. Strafkammer des Landgerichts Berlin entschieden, daß in allen Fällen, auch wenn die Beträge später gezahlt worden sind. ein Verstoß gegen das Krankenkassengesetz und zwar auch Unter- schlagung vorliege. Alle Einnahmen für Krankenkassen seien mit dem Augenblick der Einnahme bereits Eigentum der betreffenden Kasse. Der Arbeitgeber hat daher die entsprechende Summe nicht nur am bestimmten Tage an die Kasse zu zahlen, sondern er haftet mit seiner Person dafür, daß die Beiträge, welche ja bereits Eigentum der Kasse sind, jederzeit vorhanden fein müssen. Eine städtische Rechtsausknnftsstelle zu errichten hat der Stadtmagistrat in Nürnberg beschlossen. Der Verein der Nürn- berger Rechtsanwälte hat sich erboten, in einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Lokal turnusweise unentgeft« lich Auskunft zu erteilen. )Zus Industrie und F)andel Vom Kohlen- und Eiscnmarkt. Ueber die Lage auf dem Kohlen- und Eisenmarkt berichtet die „Rheinisch-Westfälische Zeitung":„Der Druck, unter dem der Markt lange gestanden, kann als beseitigt gelten. Verbraucher und Händler drängen weniger stürmisch, die Nachfrage kann besser als bor einem Monat befriedigt werden. Die Kohlenknappheit kann in der Hauptsache heute schon als gebrochen gelten. Die Ursachen dieser veränderten Verhältnisse dürften in stärkerer Förderung in den letzten beiden Monaten, der verstärkten Einfuhr englischer Kohlen und in geringeren Anforderungen einzelner Verbraucher zu suchen sein. Die mittleren Walz- und Hüttenwerke sollen daS Monatsquantum im Durchschnitt um einige 100 Tons ermäßigt haben. Trotzdem bleiben die Aussichten des Kohlenmarktes zunächst gut. sodaß zu Besorgnissen kein Grund vorhanden ist. Die vielfach auszufüllenden Lücken sind nämlich so groß, daß die vollständige Deckung geraume Zeit erfordern wird, hauptsächlich bei dem Groß- Handel und den Eisenbahnen, und der Herbstbedarf steht vor der Tür. Der Handel beginnt schon in Hausbrandsortcn für daS Herbstgeschäft zu lagern. Die Anforderungen werden bis in den Herbst hinein so groß bleiben, daß der Bedarf die Produktion schlankweg aufnehmen kann. Die meisten Zechen sind mehr als reichlich mit Aufträgen versehen und können die Vervraucher nicht immer in wünschenswerter Weise befriedigen, trotzdem Förderung und Versand auch nach den Rheinhäfen in den letzten Monaten eine Erhöhung erfuhren. Jedenfalls haben aber die gestiegenen Förderungs- und Versandziffern auch zur Befriedigung des dringendsten Bedarfes und zur Markterleichterung beigetragen." Die Notwendigkeit einer Reform im Eisenbahnwesen heweist u. a. der statistische Bericht über den Betrieb der unter sächsischer Staatsbahnverwalwng stehenden Staats- und Privatbahnen im Jahre 1906. Danach erbrachte die 3. Klasse an Einnahmen aus Fahrkarten 291� Millionen; die 4. Klasse 8Vs Millionen, die 2. Klasse 7% Millionen und die 1. Klasse etwas über 1 Million Mark. Die 3. Klasse allein erbrachte also weitaus mehr Ein- nahmen als die übrigen drei Klassen zusammen. Die 1. und 2. Klasse brachte zusammen 8)4- Millionen, die 3. und 4. Klasse zusammen 38 Millionen. Die 1. Wagenklasse wurde von 189 871, die 2. von 5 253 000, die 3. von 49 492 098 und die 4. von 25 150 774 Reisenden benutzt. Tie Zahlen beweisen, daß es sehr wohl möglich wäre, ohne Schmälcrung der Eisenbahnrcnte durchgreifende Reformen durch- zuführen zugunsten des reisenden Publikums ohne großen Geld» beutcl. Man braucht nur die 1. Klasse, die ganz unangemessen? Kosten verursacht, aufzuheben und zwei Klassen zu schaffen. Der Verein Berliner Kanfleute und Industrieller hat in Ge- meinschaft mit dem Zentralausschutz Berliner kaufmännischer, ge- werblicher und industrieller Vereine bei dem Kultusminister den Antrag gestellt, den englischen Sprachunterricht in den Gymnasien obligatorisch einzuführen. In der dem Antrag beigegebenen Be- gründung wird auf die Notwendigkeit und auf die Vorteile hinge- wiesen, die aus der Einführung des englischen Sprachunterrichts für die Besucher der Gymnasien im allgemeinen und für diejenigen unter ihnen, die ihr Berus mit den englisch redenden Teilen der Welt in Berührung bringt, erwachsen müssen. Die beiden ge- nannten Gremien erklären, es sorgfältigst vermeiden zu wollen, in den Streit der Humanisten und Realisten einzugreifen. Ihr Bemühen geht dahin, zu zeigen, daß das Gymnasium im Interesse der nationalen Wirtschaft und Kultur sich den Bedürfnissen der Praxis und den Erfordernissen, die an die Ausbildung von Kauf- leuten, Ingenieuren, Kolonisatoren und Volkswirten gestellt werden, nicht verschließen darf. Allen denjenigen, die einen praktischen Beruf ergreifen wollen, muß vielmehr die Möglichkeit gegeben werden, sich die humanistische Bildung eines Gymnasiums anzueignen, und die Eingabe bezeichnet es als höchst wünschenS- wert, daß nach wie vor ein erheblicher Prozentsatz der Pioniere deutscher Wirtschaft durch die Schule der Gymnasien geh� Die amenkänische ElektrizitätSindnstrie. Soeben ist aus dem amerikanischen Zensusbureau ein Bericht über die Ergebnisse des Zensus in bezug auf die Elcktrizitäts- industrie erschienen. Schon die Bearbeitung des Zensus vom Jahre 1900 brachte einen solchen Bericht, der aber nicht in der Ausführlichkeit über dieses Gebiet Auskunft gab, wie es der letzte tut. Der Bericht des 1900er Zensus beschränkle sich auf die elektrischen Zentralen für Licht und Kraft, auf die elektrischen Eisen- und Straßenbahnen, die Telephonie und die Telegraphie. Der Bericht für 1905 umfaßt da- gegen das ganze Gebiet. Er schloß allerdings große Teilgebiete aus, die zwar direkt zur Elektrizitätsindustrie gehörten, aber doch im Grunde anderen Industrien zugezählt werden mußten. So wurde oie Industrie der Träger für elektrische Leitungen und zwar der Stangen, ob von Holz oder Metall, ferner die Herstellung einer Menge Produkte der Glas- und Porzellanindustrie, die ausschließlich für elektrische Zwecke Verwendung fanden, weiter Eisen und Kupfer sowie die ganze Gruppe der elektrochemischen und eleltro» .netallurgischen Produkte. Die dadurch von der Elektrizitätsindustrie abgezweigten Summen in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung rechnen ..ach Millionen; der Bericht schätzt sie auf rund 10 Millionen Mark. Um eine Anschauung zu geben von der Entwickeluug der amerikanischen Elektrizitätsindustrie, seien ihre statistischen Haupt- angaben in folgender Uebcrsicht wiedergegeben: isos 1900 1890 1880 Werte in 1000 Mark Zunahme in von 1900 1890 1880 bis bis 1900 1890 207,4 148,7 340,4 1158,3 bis 1905 34,9 108,1 1271 2870 109,6 139,5 43,9 54,7 641,9 445,5 877,8 355,6 692,5 561,2 75 400 28 600 4 840— 163,8 489.4— 281 000 208 000 37 000 4670 35,1 460,8 689,9 Zahl der Betriebe.. 784 581 189 76 Darin tveftiert. Kapital 732 000 350 000 80 000 6300 Lelchäftigte Beamte. Angestellte ufw... 10 619 5 067 683— Gehälter derselben.. 46 500 19 450 3 570 d» Arbeiter. � 60 466 42 013 8 802 Löhne derselben... 133 500 85 400 18 950 Diverse Ausgaben, Kosten..... Wert des verarbeiteten Materials.... Wert der hergestellten Produkte.... 592 000 388 000 80 100 11800 52,3 383,6 619,9 Diese Zahlen sind sehr lehrreich. Trotz der allgemeinen Tendenz der Betriebe, sich durch Vergrößerung oder Verbreiterung ihrer Operationsbasis zu konsolidieren, weisen die fünf Jahre von 1000 bis 1906 doch an Zahl eine Zunahme um 34,9 Prozent auf. Der weilen ist aber das in ihnen rnvestierte Kapital um über 108 Prozent gewachsen. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter hat während der gleichen Zeit um 43,9 Prozent zugenommen, seit 1830 hat fie sich fast versechsfacht. Die Lohnsumme ist zwar seit 1900 etwas stärker gewachsen als die Zahl der Arbeiter, gegen die Zunahme der Ar beiter seit 1880 aber bleibt sie doch um über 30 Prozent zurück. DaS heißt nichts anderes, als daß die Leistungsfähigkeit der Arbeiter an sich mindestens um so viel gestiegen ist. In Wirklichkeit ist sie jedoch mehr gestiegen, denn das investierte Kapital hat seit 1880 um daS ll.Sfache zugenommen. ES ist mm kaum anzunehmen, daß das in die Betriebe hineingesteckte Kapital sich wesentlich ge ringer verzinst als früher, wenn auch über die Ge- Winne keine Angaben gemacht sind. Es bleibt also nur übrig anzunehmen, daß die hergestellten Produkte durchschnittlich geringer sind als früher. Vielleicht läßt hier eine eingehendere Untersuchung eine ähnliche Entwickelung feststellen, wie sie Parvus in seinem Buche„Die Kolonialpolitik und der Zusammenbruch' für diejenigen Länder konstatiert, welche für einen minderen Markt, für Kolonien, arbeiten, nämlich eine Disqualifikation der Produktion wie in England, die sich vielleicht bei der gerade in Amerika neben Delitschland außerordentlich emporgeschossenen Elektrizitätsindustrie schon eingestellt. Der amerikanische Bericht, der übrigens von einem Sachverständigen für das betreffende Gebiet verfaßt ist,— eine Neuerung, deren Einführung auch bei uns in Deutschland dringend zu empfehlen wäre— führt diese Erscheinung, dieses Mißverhältnis in dem Anwachsen deS investierten Kapitals und dem Werte der hergestellten Produkte auf eine ungebührliche Ueberkapitalisation uruck. Wie weit das zutrifft, vermag natürlich nur eine Spezial- utersuchung zu entscheiden.— Bei dieser Betrachtung soll übrigens nicht der Fortschritt ver- esien werden, der den amerikanischen Ingenieuren zufällt und amit ihr Anteil an der Steigerung der Industrie und ihrer LeistungS- Lhigkeit. Außerordentlich stark ist fchon die Frauenarbeit in der Elektrizitäts- ndustrie vertreten, 1905 arbeiteten 10 902 über 16 Jahre alte Frauen n diesem Gewerbe. Außerdem find noch 588 Kinder beschäftigt, -eren Zahl jedoch seit 1900 stehen geblieben ist. Die Elektrizitätsindustrie ist namentlich in den Staaten New jorl, Illinois. Ohio, Pennsylvanien und Massachusetts stark ent- vickelt; zwei Drittel aller Betriebe liegen in diesen Staaten. öericdts- Leitung. Zither-Unterricht. Eine große Anzahl junger Mädchen im Alter von etwa 13 bis zu 17 Jahren war gestern vor die Ferienstrafkammer des Land- gerichts I geladen, um Zeugnis abzulegen gegen bezw. für den Glaser und Zitherspieler Oswald M a t t h e s, der beschuldigt war. in mehreren Fällen die Schülerinnen, die bei ihm Zither-Unterricht nahmen, unsittlich berührt zu haben. Der Angeklagte, ein bejahrter Mann und Familienvater, ist noch nicht vorbestraft. Er ist seit vielen Jahren in der Werkstatt der Eisenbahn« Verwaltung beschäftigt und hat im vorigen Jahre auch eine Auszeichnung erhalten. In seinen dienstfreien Stunden erteilte er teils in seiner Wohnung in der Mainzorstraße 8, teils in den Wohnungen der zahlreichen jungen Mädchen, die ihn als Lehrer in Anspruch nahmen, Zitherunterricht. Er wurde nun in drei Fällen beschuldigt, sich gegen Schüleriimen unsittlich vergangen zu haben, und da er diese Beschuldigung in energischer Weise bestritt, so war eine sehr umfangreiche Beweisaufnahme notwendig, die sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abspielte. Dem � Vernehmen nach war die HauptbelaftungSzeugin ein dreizehnjähriges Mädchen, welches behauptete, wiederholt in schamloser Weise von dem Angeklagten berührt worden zu sein. Das Mädchen hat von diesen Belästigungen weder ihrer Schwester, noch ihren Freundinnen, noch ihrer Mutter je ein Sterbenswort mitgeteilt und ist erst nach Jahr und Tag, als fie krankheitshalber von einem Arzt körperlich untersucht wurde und letzterer eine kleine Abnormität an ihr fest- stellte, mit der Behauptung hervorgetreten, daß sie der Angeklagte mehrfach in unsittlicher Werse angegriffen habe. Diese Behauptung deS kleinen Mädchen«, der der Angeklagte lebhaft entgegen trat, gab zu weiteren Recherchen Veranlassung und aus der großen Zahl der Schülerinnen des Angeklagten wurden noch zwei Mädchen heraus- gefunden, die gleichfalls behaupteren, daß der Angeklagte während des Zitherunterriches Gelegenheit gesucht habe, um sie am Oberkörper unzüchtig zu berühren. In diesen Fällen behauptete der Angeklagte, daß es ihm lediglich darauf� angekommen sei, die Mädchen zurecht zu rücken, um ihnen die richttge Körperstellung für das Zither- spiel beizubringen. Gegenüber diesen drei Belastungszeuginnen be- kündeten zahlreiche andere ehemalige Schülerinnen des Angeklagten, daß dieser ihnen gegenüber nichts Anstößiges unternommen habe. Referendar Fürle als Verteidiger verlvieS darauf, daß sich unter diesen Zeuginnen mehrere befanden, deren körperliche Entwickelung eine Entgleisung des Angeklagten erklärlicher erscheinen lassen würde, als dieS bei den drei Belastungszeuginnen der Fall sei. Diese blieben aber bei ihren Angaben, obgleich der Verteidiger auf verschiedene Widersprüche namentlich in der Aussage des kleinen 13jährigen Mädchens hinwies.— Der Staatsanwalt hielt die Schuld des Angeklagten für erwiesen und beantragte gegen ihn drei Jahre Zuchthaus und vier Jahre Ehrverlust. Auch der Ge- richtShof kam über die bestimmten Beschuldigungen der drei Mädchen nicht hinweg und verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis. Die schon bejahrte Eheftau des Verurteilten brach auf dem Wandelgange des GerichtsgeoäudeS in lautes Jammer- geschrei aus._ Im Rausch hat der Zimmermann Karl Riemer aus Charlottenburg sich und seine Familie in tiefeS Unglück gestürzt. Wegen Körperver» letzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung mußte sich R. gestern bor der 1. Strafkammer des Landgerichts III verantworten. Der Angeklagte wird sonst als ruhiger und nüchterner Mann geschildert, der für seine aus Frau und vier Kindern be» stehende Familie stets in ausreichender Weise gesorgt hat. Nur wenn er im Kreise seiner Arbeitskollegen hin und wieder einmal etwas über den Durst trinkt, geht mit ihm eine völlige Veränderung vor. Er wird jähzornig und brutal und hat in einem derartigen Zustande in einem Anfalle von„Blaukoller" schon einmal einen Exzeß gegen einen Schutzmann verübt, der ihm eine längere Ge- fängnisstrafe einbrachte.— Am 6. April d. I. suchte der Angeklagte das Lokal des Schankwirts Harnack in Charlottenburg auf. Nach- dem er mehrere Gläser Bier und verschiedene Schnäpse getrunken hatte, geriet er mit einem Arbeiter Becker in Streit, weil dieser sich weigerte, noch etwas„zum Besten" zu geben. Von einem Plötz. tichen Wutanfall gepackt, zog Riemer sein Taschenmesser hervor und wollte auf Becker eindringen. Nur durch das Da- zwischentreten des Wirtes wurden in dem Lokal Tätlichkeiten ver- hindert. Als Becker nach einiger Zeit auf die Straße trat, sprang der Angeklagte plötzlich aus einem Hausflur, in dem er sich versteckt gehalten hatte, hervor und versetzte dem ahnungslos seines WegeS Gehenden von hinten mit einem schweren Zimmermanns- Hammer einen wuchtigen Schlag auf den Kopf, der B. sofort zu Boden streckte. Dem Bewußtlosen versetzte der fast Tobsüchtige noch mehrere Schläge mit dem schweren Hammer, die einen Bruch der Schädeldecke zur Folge hatten, sodann griff er zum Messer und stach wie unsinnig auf den schon schwerverletzten Becker ein. Erst nach langem Krankenlager ist B. nunmehr einigermaßen wieder- hergestellt und erwerbsfähig geworden.— Vor Gericht gab der An- geklagte als einzigen Milderungsgrund seine damalige Trunkenheit an. Das Gericht erkannte in Anbetracht, daß der Angeklagte es nur einem Zufall zu verdanken habe, daß er nicht als Totschläger vor dem Schwurgericht stehe, auf eine Gefängnis st rafe von 2 I a h r e n. Zugleich wurde R. wegen vorliegenden Fluchtverdachts sofort verhaftet. Ein Mann mit sieben Namen und 35 Borstrafen wurde gestern der 1. Ferienstraflammer des Landgerichts II vorgeführt. Der zur- zeit in dem Arbeitshause befindliche Händler Robert Nöhring mußte sich wegen intellektueller Urkundenfälschung verantworten. Der Angeklagte hat ein selten umfangreiches Strafregister; er ist außer wegen zahlreicher Eigentumsvergehen wiederholt wegen Bettclns. Arbeitsscheu und Landstreichens vorbestraft. Zuletzt wurde er wegen eines in Rixdorf begangenen Diebstahls von der dortigen Polizeibehörde inhaftiert. Bei seiner Einlieferung in das Amtsgefängnis nannte er sich„Henneberg". Da er sich wiederholt in Widersprüche verwickelte, wurde er nach dem Berliner Polizei- Präsidium übergeführt, um hier nach dem Bertillonschen System ge- messen zu werden. Der Kriminalwachtmeister Waterkamp, der diese Messungen vornahm, erkannte sofort in dem angeblichen„Henne- berg" einen alten Bekannten� der wiederholt unter dem Namen „Hoffmann" die Polizei beschäftigt hatte. Außerdem erkannte ihn auch noch ein Mitgefangener unter dem Namen„Sehring". Mit Hülfe des daktyloskopischen(Fingerabdruck.) Verfahrens wurde ferner festgestellt, daß der Verhaftete auch unter dem Namen „Weiner" schon vorbestraft worden war. Die Zweifel über die Per- sönlichkeit wurden immer größer, so daß die Behörde schließlich die Photographie des Angeklagten an sämtliche Polizeiverwaltungen im Deutschen Reiche gelangen ließ, um den wirklichen Namen zu ermitteln. Dies führte zu dem eigenartigen Resultat, daß festgestellt werden konnte, daß der Angeklagte nicht weniger a ls[ i eben verschiedene Namen geführt hat und unter diesen auch bestraft worden ist.— Mit Rücksicht auf die vielfachen Vorstrafen des Angeschuldigten beantragte der Staatsanwalt eine Gesang- nisstrafe von 4 Monaten. Das Gericht erkannte diesem Antrage gemäß._ Man darf noch frische Luft schnappen. Das ist für Preußen doch immer noch etwas. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 5. August: Eine heitere Episode spielte sich vor dem Schöffengericht ab. Der Schloffer Franz Stein, der außerhalb der Stadt auf der Büschdorferstraße in einer Maschinen« fabrik beschäftigt ist, setzte sich in der Mittagspause an einem Mai- tage in den vor der Fabrik befindlichen Chausseegraben, um frische Lust zu schnappen. Der Ortsgendarm ging vorbei, witterte etwas Strafbares, nahm die Personalien des Luftschnappers zu Protokoll; der Amtsvorsteher tat ein Uebriges und schickte dem Schlossergesellen ein Strafmandat über 5 M. Und warum? Weil der Schlossergesellle eine öffentliche Anlage er. heblich beschädigt haben sollte. Selbstverständlich bean- tragte Schloffer Stein gerichtliche Entscheidung, da er es absolut nicht faffen konnte, inwiefern er aus der öden Landstraße im Ehausseegraben, wie das Strafmandat besagte, eine öffent- liche Anlage erheblich beschädigt haben sollte. Er erklärte vor Gericht, er habe sich in dem Graben nur ausgeruht. Amtsanwalt und Richter konnten auch nicht begreifen, inwiefern der Angeklagte eine öffentliche Anlage beschädigt haben sollte. Der als Zeuge geladene Gendarm löste jedoch mit Geschick den gordischen Knoten, indem er erklärte,„die Anlage" 7" dadurch beschädigt worden, daß der Angeklagte bei dem Sitzen das Gras in dem Graden niedergedrückt habe. Richter und Amtsanwalt wechselten einige humorvolle Blicke und es erfolgte ohne weitere Beratung die beantragte Freisprechung des„AnlagenbeschädigerS". Man darf sich also doch noch m den Ehausseegraben setzen— und Luft schnappen.__ Tie patriorische Unterhaltung. Das Landgericht in Kempten(Schwaben) verurteilte einen patriotischen Bürger namens Hug, der sich mit anderen guten Bürgern über„unsere großen Heerführer" unterhielt und dabei über den Prinzen Leopold von Bayern eine respektwidrige Aeuße- rung machte, zu einem Monat Gefängnis, Em der frauenbeivegung. Säuglingssterblichkeit und Frauenarbeit Die beiden Monate Juli und August haben in jedem Jahre eine Erscheinung im Gefolge, die sozialpolitisch überaus be- klagenswert ist: die Säuglingssterblichkeit, mit der Deutsch- land, abgesehen von Ungarn, Mexiko und Rumänien, leider an der Spitze sämtlicher Kulturnationcn steht �(1905 starben 20,5 Proz. aller Lebcndgeborenen— 34,2 Proz. sämtlicher Sterbefälle), schnellt unter Einfluß der sommerlichen Witterung zu einer teilweise geradezu erschreckenden Höhe empor, und zwar ist die Steigerung am größten in denjenigen Orten, die vorzugsweise Arbeiterbevölkerung aufweisen, in denen die Frauen mitarbeiten müssen, Orte, die auch unter normalen Verhältnissen relativ böhere Sterblichkeitszahlen aufweisen. So starben in den west- lichen, arbeiterarmen Vororten Berlins im Durchschnitt des Jahres 1905 15,06 Proz., in den nichtwestlichen, mit über- wiegender Arbeiterbevölkerung 23.76 Proz.. dagegen im August desselben Jahres allein in der ersten Ortsgruppe 27,80 Proz., in der letzteren 02,52 Proz. sämtlicher Lebendgeborenen im Säug- lingsalter! Die Sterblichkeit der Arbeitersäuglinge ist von Haupt- einfluß auf die Gesamtsäuglingssterblichkeit. Die häufigste Todes- Ursache sind Erkrankungen der Verdauungsorgane, die bei Ar- beitersäuglingen ebenfalls häufiger auftreten als bei denen anderer Schichten, am häufigsten bei den unehelichen Kindern. Hervor. gerufen werden sie in den allermeisten Fällen durch unsachgemäße Ernährung, eine Erscheinung, die mit dem Rückgang der Still. tätigkeit zweifellos im Zusammenhang steht. Man kämpft gegen die hohe Sterblichkeit durch Aufklärung und Belehrung über Säuglingspflege, durch Einrichtung von Säuglingsfürsorgestellen, in denen Rat für die Mütter. Aufnahme erkrankter Säuglinge. Beschaffung guter Milch gewährt wird, durch Errichtung von MIchsterilisierungSanstalten u. dergl., und endlich, und das ist daS wichtigste, durch Gewährung von Still- Prämien. Reichen diese Mittel aus, um die stärkste Quelle der Säug- lingssterblichkeit, die Sterblichkeit der Arbeitersäuglinge, zu ver- stopfen? Man muß sagen: Nein! Der Hauptfaktor der Erhaltung des jungen Lebens ist die Pflege seiner ersten Lebenszeit durch die Mutter, und die kann die Mutter gewordene Arbeiterin bei unserer heutigen Organisation der gewerblichen Frauenarbeit ihrem Kinde nicht zuteil werden lassen. Zunächst kommt die materielle Seite in Frage, die besonders für die unehelichen Kinder eine Rolle spielt. Die uneheliche Mutter, die in den meisten Fällen über besondere Geldmittel nicht verfügt, gibt ihr Kind sobald als möglich in billige Ziehpflege, die besonders in den Großstädten, wo Verschleppung und Verheimlichung der Säuglinge nicht schwer ist. außerordentliche Schäden aufweist, und damit ist dem Säugling in vielen Fällen sein Urteil gesprochen. Hier zu- nächst Wandel zu schaffen, mühte Aufgabe einer schon so oft vergeblich geforderten Mutterschaftsversicherung sein. Aber auch diese allein kann nichts helfen, wenn der Mutter gewordenen Ar- beiterin nicht die genügende Zeit zur Verfügung steht, um ihrer Mutterpflicht zu genügen. Ist die ganz unzulängliche Schenkfrist von sechs Wochen abgelaufen, so fängt für die erwerbstätige Mutter die Arbeitszeit genau so zeitig an und hört genau so spät auf als früher. Das Kind bleibt, wenn es nicht der gewerbs- mätzigen Ziehpflege oder im Bedürftigkeitsfalle der Armenpflege anheimgefallen ist, derweil der Obhut anderer Personen über- lassen. Solange in dieser Beziehung keine Aenderung eingetreten ist, helfen alle Säuglingsfürsorgestellen und Milchanstalten, helfen alle Versuche zur Hebung der Stilltätigkeit, alle Stillprämien den Arbeitersäuglingen nicht viel. Nach dem Verwaltungsbericht der Stadt Leipzig, der, man beachte das, eine Zunahme der Stilltätigkeit im allgemeinen kon- statiert, entbehrten von 100 nichtgestillten Kindern 21,5 der natür- lichen Ernährung wegen Rückkehr der Mütter zur Erwerbs- tätigkeit I Diese Tatsachen bieten ein Argument mehr für die Forderung der Verkürzung der Arbeitszeit für die erwerbstätigen Frauen zum Schutze der Gesundheit unseres Volkes. Versammlungen— Veranstaltungen. Wilmersdorf. Donnerstag, den 8. d. Mts.. abends 8% Uhr, im „Luisenpark", Wilhelmsaue 112, Vortrag:„Die Ent- wickclungsgeschichte der Musik". Versammlungen. Die Arbeitervaugenossenschaft„Paradies" zu Berlin, E. G. m. b. H., hielt am 28. Juli 1907 tu den Rittersälen ihre fünfte ordentliche Generalversammlung ab. An der Hand d�s Geschäftsberichtes, der gedruckt vorlag, gab der Vorsitzende Oppenborn einen kurzen Ueberblick über die bisher geleistete Tätigkeit seitens der Genossenschaft, namentlich auch mit Bezug auf die Umwandlung des eigenen Wasserwerkes in clektrisch-automatisch wirkende Anlage und der Einführung eine? hygienisch vollständig einwandfreien biologischen Hausabwässerklärverfahrens für die alten und noch in diesem Monat in Angriff zu nehmenden 4 neuen 6 Familienhäuser an der neuen, von uns erbauten Straße 21 in Bohnsdorf. Dem Kassenbericht, den Genosse Stempel gab, war zu entnehmen, daß die Bilanz des verflossenen Geschäftsjahres in Einnahme und Aus- gäbe mit 385 258,41 M. abschließt, der Verlust vom vorigen Jahre bereits um 320,20 M. geringer geworden ist und jetzt nur noch 382,72 M. beträgt, welcher auf Antrag auf neue Rechnung vor- getragen wurde. Bei einem eigenen Grundbesitz von 144 Morgen sind seitens der 932 am 31. März 1907 der Genossenschaft an- gehörenden Mitglieder aufgebracht worden an Geschäftsanteilen und Pflichtsparcinlagen, sowie Sparkassengeldcr, gegebenen Dar- lehen und ausgegebenen Schuldverschreibungen 163 836,14 M., und ist somit eine erfreuliche Festigung des Bestandes der Genossenschaft zu verzeichnen. Nach Annahme einiger seitens der Verwaltung eingebrachter Anträge betr. die Höhe aufzunehmender Beleihungen sowie Sparsondsgelder der Genossen, sowie über die Verwendung ver ausgegebenen Schuldverschreibungen und einem kräftigen Appell an die Mitglieder, auch im folgenden Geschäftsjahre ihre volle und ganze Schuldigkeit zu tun, wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Aus den Wahlen zum Vorstand gingen einstimmig her- bor Oppenborn, Müller. Dorner, Thunack, Wer- nicke, Großkopf und R e i n i ck e. Der AufsichtSrat besteht aus Schiffke. Peschel. Tauchmann. Schulze. Langer. Zimmermann, Milschewski. Liesicke, und als Ersatzleute Wedekind. Steiner und Hoppe. verltner Marktpreise. Bus dem amtlichen vettcht der fiidtilchet» Martthallen-Divektion.(Großhandel) Rindfleisch I» 70-72 pr. 100 P d., Ha 64-69, Ola 59-60, Bullenfleisch la 65—70, IIa 55-64, Kühe, fett 52—60, do. mager 40—50, Fresser 54—66, Bullen, dän. 56—64, da. Holl. 0,00. Knwfleisch, Doppellcnder 100—120, Mastkälber la 75-85, Ca 66—74, Kälber ger. gen. 47— 69, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch MasUömmer 80—84, Hammel la 75—79, Ha 69—74, Schale 66—68. Schweinefleisch 63—68. Rchbock la per Bsund 0,60— 0,75. IIb 0,40—0,59. Rothirsch 0,45—0,57. Damhirsch 0,30. Wildschweine 0,35— 0,48. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,46—0,50, do. australische 0,65. Wildenten per Stück 1,00—1,50. Krickenten per Stück 0,75. Hühner, alle, per Stack 1.40-72,10. Ha 0,80—1,30, do. jimge 0,60—1,25. Tauben 0,30—0,55, italienische 0,00. Eulen per Stück 1,30—2.00, do. Hamburger per Stück 2,30— 3,00. Gänse per Pfund 0,60— 0,70, do. per Stück 2,00—4.00, do. Hamburger per Pfd. 0,00, per Stück 0,00, do. Oderbrucher per Pfund 0,00. Poulet« per Stück 1,10—1,35. Ehalonshühner 0,00. Hechte per 100 Pfund 113—127, do. matt 110, do. mittel und groß 0,00, do. groß 0,00. Zander, mittel 0,00, do. Hein, matt 0,00. Schleie, mittel 0,00, do. groß 0,00, do. 125—140. tlale. groß 95—97, do. klein und mittel 88—91, mittel 95— lOl. do. unsortiert 88—91, do. groß-mittel 0,00, do. klein 60—69. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpfen 98—101. Bleie 0,00, do. klein 50—52. Bunte Fische 0,00. Barfe 85—90, dito matt 70, dito klein 0,00. Karauschen 87-97, do. klein 72-77. Bleifische 0,00. Wels 0.00. Slland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Pfd. 110—130, da. Ha neuer 90—100, do. nia 60. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 3—6. mittel per Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 2—8, na 1,00. Bücklinge. Kieler Per Wall 2—3, Strals. 3,50—5,00, Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5— 9. Schellfische Kiste 3—4.00, l/. Kiste 1,50-2. Sardellen. 1902« per Anker 98, 1904« 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollherwge 1905 0,00, large 40— 44, füll. 38—40, med. 36— 12, deutsche 37—44. Heringe, neue Matje«, per'/, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—140, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen. Schvcksaß 11, do. Keine 5—6, do. Riesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3—3,25, do. große 4,00. Krebse per Schock, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. Keine 0,00, do. wr. sortiert 0,00, do. Galizier groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Butter per 100 Psd. la 114—117, Ha 106—114, lila 100—106, abjallende 90-95. Saure Gurken, neue. Schock 3,50— 4. Pjefsergurken 3,50— 4. Kartoffeln per 100 Psd. weiße runde 2,25—3,00, blaue 2.75-3.75. Rosen. 2.00 bis 2,50, Nieren- 2,75—3,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—15. Spinat per 100 Pstmd 25. Sellerie, per Schock 2,00—6,00. Zwiebeln per 100 Pfd. 5,50— 6,50, do. Keine 0,00, do. biesige(Perl-) 0.00. Charlotten 0,00. Peterfilie, grün. Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 0,75—1,00. Rettich, bayr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige, Schock 3—4. Mohrrüben, Schockbund 1,60 bis 2,50. Karotten, hiesige, schockbund 2,00— 3,00. Wirfing kohl ver Schock 4,00 bis 8,00. Rotkohl. Schock 6—12. Weißkohl 6-8. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, da. Ersurt« 100 Stück 0,00. Kohlrüben, schock 4,00—6,00. Pelersilienwurzeln, Schockbund 4,00—5,00. Schoten per 100 Psund 15—20. Psefferlwge per 100 Psd. 5—7. Steinpilze per 100 Psund 15— 36. Radieschen per Schock 0,75 bis 1,00. Salat per Schock 1,50—2.50. Gurken, Einmache«, Schock 10,00— 18,00, do. böhmische Schock 0,00, do. Liegnitz« Schock 3,50—4,50. Bohnen, grüne, 100 Pfd. 4—8. Stachelbeeren, per 100 Psund 7—12. Erdbeeren. hiesige 100 Psund 0,00, do. Walderdbeeren 0,00, do. Hamburg« 20 bis 30, do. Holländer 0,00. Himbeeren 100 Pfund 30. Blaubeeren, 100 P d. 8—16. Johannisbeeren. 100 Pfd. 7—10. Kirschen, per 100 Pfund Schlesische 0,00, Werdersche 0,00 Sachsische 14-15, Thüringer 8—16, Ratten 18—30, sauere 14—16. Birnen, ilal., 100 Psund 20-35, Muskateller 0,00, hiesige 10-16. Pfirsiche, p« 100 Pfund 15-30. Slprikofen, ital., per 100 Pfund 0,00, französ. 23—30, Aepsel, ttalientsche, per 100 Psund 10—25, ung. 14-21. Pflaumen, ital, p« 100 Psund 18 bi« 25, Reineclauden 16—28, biesige 12—15. ungarische 10-13. Wein- trauben, Algier, per 100 Psd. 20—25, italienische 23—26. Anana» I, per 100 Psd. 1-1,15, do. II 0,00. Zitronen. Mclstna. 300 Stück 12.00-18,00, do. 360 Stück 8,00-12,00. do. 200 Stück 6,00—12,00, do. 150 Stück 5,00 bi» 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 15.00 bis 22,00, grün 0,00. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 7. Auguft. Anjang 8 Uhr. Neues tönigl. Operntheater. Cavalleria rusticana. Vorher: Galathée. Deutsches. Der Jongleur. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller 0.( Wallner- Theater.) Martha. Schiller N. ( Friedrich WilhelmDer Weg ftädtisches Theater.) zur Hölle. Neues Schauspielhaus. Raffles. Neues. Ein seltsamer Fall. Komische Oper. Zierpuppen. Flotte Burschen. Westen. Die lustige Bitwe. Lustspielhaus. Husarenfieber. Bernhard Nose. Der große Unbekannte. Anfang 82 Uhr. Zentral Theater. Tagebuch einer Berlorenen. Trianon Theater. Fräulein Josette - meine Frau. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Apollo. Der Hochzeitsgaft. Spe zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geisterauto. Paris. Anfang 8, Uhr. Gebr. Herrnfeld Theater. Madame Wig- Wag. Es lebe das Nachtleben. Neichshallen. Stettiner Sänger. Baffage. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Um 8 Uhr: Bon der Zugspiße zum Bazmann. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Sherlock Holmes. Donnerst.: Der Hund von Baskerville. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Sherlock Holmes. Urania. Schiller- Theater 0. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: ( Wallner Theater.) Morwih- Oper. Mittwoch, abends 8 Uɓr: Gastspiel Heinrich Bötel: Von der Zugspitze Martha ober: Der Markt zu Richmond. zum Watzmann. OOLOCISCHER Z CARTEN Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Prot.: S.K.K.H. d. deutsche Kronpr. u. S. H.Herz. Joh. Albr. z. Mecklbg. eutsche Romantische Oper in 4 Aften von Fr. v. Flotow. Donnerstag, abends8 Uhr: Die Afrikanerin. Freitag, abends 8 Ubr: Gastspiel Heinrich Bötel: Die weiße Dame. Schiller- Theater N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Neue Welt Schweizergarten Hasenheide 108-114. Mittwoch, den 7. August 1907: Ernte- Fest. Kinderbeluftigungen jeder Art. Gratisverlosung: 1. Preis für Mädchen eine goldene Damenuhr. 1. Preis für Knaben eine goldene Herrenuhr. Erntefestzug, Bonbonregen, abends Der Weg zur Hölle. Großes Doppel- Konzert 8 Uhr: Belle- Alliance- Garten 6 Uhr: Konzert und Variété. Passage- Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Der große Verwandlungskünstler Arturo DArmee Marine Bernardi u. KolonialA Ausstellung AMUKA Wannsee- Bhf. Friedenau. Großindustrie und Handwerk. Kunst- und Gewerbe. und das neue ! großartige August- Programm. 14 Attraktionen 14. Patentierte Erfindungen. Sanssouci, Straße 6. Heer- und Seewesen. Kolonial- Produkte- Diorama. Luftsport- Modelle Tropenbahn Wild- Afrika. Vergnügungspark Konzerte, Leuchtfontäne. Heute Eintritt 50 Pf. Militär und Kinder 25 Pf. Ausstellungslose berecht. zum Eintritt. Dritter Volkstag. FerienErwachsene haben 2 Kinder frei. 3 Kapellen. Festl. Beleuchtung. Sondervorst. i. Vergnügungspark. Große Ermäßigungen. Theater des Westens. W. Noacks Theater. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Aften v. Franz Lehár. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. Zentral- Theater. Täglich 8 Uhr: Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16, 9, r: Der Hund von Baskerville. 9 Uhr: Egon Piton mit seinen Charakter studien: Berlin unter den Linden. Bei schlechtem Better: Vorst. im Saal. Donnerstag: Benefiz für Käte Reich: Minna von Barnhelm. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Heute: 20 Das großartige Auguft- Programm. Tagebuch einer Verlorenen. Bünktlich 8 Uhr: Mit großem Erfolg: Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Der Teufel lacht dazu. Carmen. pezialitäten erſten Ranges. Vendaro. Neitzel- Luri- Trio. Jack- Theo- Trio. Gebr. Damm. Paul Coradini. Kaffeneröffnung 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. Großer Elite- Ball. Große Jahresrevue in 7 Bildern Fröbels Allerlei- Theater von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Schönh. Allee 148, Saftan.- Allee 97/99. Aelteftes Volkstheater Berlins. Heute: Großer Elite- Jubiläumstag. Zum 50. und letzten Male: Pollo Großstadtzauber. Theater Ab 8 Uhr: Das folosale Spezia litäten Programm mit Sumpiti: Bumsti. Pipifar und Paulo, Exzentriker. Mad. Piloty von Kaul bach. Indische Tänze.. 10 Uhr: Stürmisches, ununterbrochenes Lachen über Hartstein als Ortsvorsteher Lehmann in seiner Burlesle ,, Der Hochzeitsgast". DERNHARD ROSE THEATED Br. Frankfurterstr. 132. Im Garten, Anf. 42 Uhr: Das glänzende August Programm. Sperrfit 50 Pf. Entree 30 Pf. Im Theater abends 8 Uhr: Der große Unbekannte. Sommerpreise. Dazu der große August- Spielplan mit der Racingtruppe usw. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Bf. Gemeldet hat sich für heute Herr Zamzow- Röln. Volksgarten- Theater. Bad- Behmstraße Bahnhof Gesundbrunnen Bellermannstraße. Großstadtzauber. 130 Driginal Ausstattungs OperettenBurleste in 2 Aften von B. Geride. Musik von Alfred Sommerfeld. Hierzu: Das neue Riesen- Spezialitäten- Programm. Voltsbeluftigungen. Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ft geöffnet. Sonntags, Montags, Donnerstags: Hoffmanns Nordd. Sänger u. Tanzkränzchen. Stets hochaktuelles Programm. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Wa TalhallaVariete- Garfen Weinbergsweg 19/20, Rotenth. Tor. Neue Spezialitäten. Dressierte Bären. Anf.: Konzert 5; Borstellung 7 Uhr. Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Theater& Uhr. Prater- Theater. Kaftanien- Allee 7/9. Jägerliebchen. Spezialitäten 1. Ranges. Auftreten der Löwenbraut Tilly Bébé mit ihren dress. Löwen. Konzert und Ball. Anfang 4%, Uhr. Otto Pritzkow Münzstraße 16. Welt- AusstellungsBiograph-( St. Louis) Spezialitäten- Vorstellung Tanz- Rennion. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Theater- Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kinematograph und Ball. Freier Damentanz. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter David Wollner am 4. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 7. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Kirchhofs in Dr. Schünemann Beißenfee aus ftatt. Spezial- Arzt für 54272* Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Somnt. 10-12 Uhr. Adler Frankfurter Chaussee 5. Heute Mittwoch: 8 Große Soiree der Willy Walde- Sänger. Nach der Vorstellung: Familien- Kränzchen. CIRCUS NORTON B.SMITH Berlin, Memelerstraße. Vollständig neue Einrichtung und vollständig neues Programm. Gala Premiere Sonnabend den 10. August, abends 8 Uhr. 203/14 Diez' Spezialitäten- Theater. 76-79. Dirett a, b. Ningbahnstation. Bequemite Jabrgelegenheit n. allen Stadtricht. Ob schön! Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Ob Regen! B4 Riefen- Lacherfolg. F Landsberger Allee auf Stelzen. Allisons, phänomenale effrobaten. The Reros, fonkurrenzloje Neuheit. Heinz Heuer, Selli Geldern, prolongiert. Dazu das neue brillante August- Programm. Anf. 3 Uhr. 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Um recht rege Beteiligung ersucht 130/6 Der Vorstand. Zentral- Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 10. Allen Kameraden hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied Rudolf Wolf berftorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr vom Auguſta Hospital in der Scharnhorst straße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 255/1 Der Vorstand. Beerdigungsverein 53/19 Berliner Zimmerleute. Das Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Zukunft ist zu beziehen durch allo. Buchhandlungen( Kommissionär: Otto Weber, Tell- und Volks Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2. ausgabe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2,10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in Würzburg ver sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Illustrierte Preisliste kostenlos! 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Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 1617 Mensch immer noch gebrannte Gerste und offenen Malzkaffee kaufen, oft verunreinigt und staubig, wenn man für 10 Pfennig schon ein Paket Kathreiner erhalten kann.„ Kathreiner" wird nicht lose ausgewogen verkauft, sondern nur in Pateten. Man achte darauf, daß jedes Paket den Namen „ Kathreiner" trägt. 52/7 Am 3. August starb nach längerem Leiden am Magenfrebs im Alter von 48 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer Rudolf Wolf. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 38 Uhr von der Leichenhalle des Augusta- Hospitals, Scharnhorststraße, aus nach dem alten Nazareth- Friedhof in der Seeftraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 21916 Der Vorstand. Freie Vereinigung der Maurer Deutschlands. Ortsverein Berlin. Am Mittwoch, den 31. Juli, starb unser treues Mitglied Paul Horn. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. August, nach mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 130/7 Der Vorstand. Bur Nachricht, daß unser Kollege Johann Dorsch heute nachmittag 3, Uhr auf dem fatholischen Kirchhofe am Mariendorfer Weg beerdigt wird. Ehre seinem Andenken! Die Kollegen der Pianofabrik Neufeld. Reichshallen- Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Anfang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen Garten u. Rest.: Gr. Militär- Konzert. Vereinigung der Zimmerer Deutschlands. Bureau: Berlin C. 54, Dragonerstr. 15, Hof I.- Fernsprecher Amt 3, No. 5028. Freitag, den 9. August, abends 8, Uhr, in den Industriesälen, Beuthstraße 20: Außerordentliche General- Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. Zages Drdnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung und welche Maßnahmen treffen wir weiter zu der felben? 2. Diskussion. Der Vorstand. J. A.: Albert Juppenlatz. Deutscher Holzarbeiter- Verband. 00 Zahlstelle Berlin. Einsetzer. Zu der heutigen Vertrauensmänner- Sitzung der Einsetzer im Gewerkschaftshause, Saal 8, 257/19 Zigaretten Haberi a 2 und 3 Pf. garantiert Handarbeit find die besten. 55952* sind die in den Betrieben von Süßer, Bremer- Depot: Dresdenerstr. 161 straße 48, und Vertreter Köhn, Ebersstraße, beschäftigten Einseher eingeladen. Maschinenarbeiter Die Vertrauensmänner- Versammlung fällt aus. Dafür am Mittwoch, den 7. August, abends 8 Uhr, in den Andreas- Festsälen", Andreasftr. 21: Außerordentl. Branchen- Versammlung. Zages Drdnung: 91/19 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Fräsereibefizern. 2. Neuregelung der Beit der Arbeitsvermittelung. 3. Branchen- Angelegenheiten und Verschiedenes. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Jalousie- Arbeiter Die Vertrauensmänner- Versammlung findet am Donnerstag, den 8. August, abends 8%, Uhr, bei Walter, Adalbertstr. 62, statt. Achtung, Vertrauensleute! Die Zahlstelle 67 ist von Gräfeftr. 2 nach Urbanstr. 87 verlegt worden. In Treptow ist eine neue Zahlstelle bei Mahlau, Riefbols ftrafe 35, errichtet worden. Montag, den 12. Auguft, bei Keller, Koppenftr. 29: General- Versammlung. ( vis- a- vis Tamaschke). OO 5617L Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche Nardinen- Gruppe: Nabitspanner und Zementierer. Gar Die Gruppenversammlungen für Rabitspanner am August, finden nicht statt. Spezialhaust, den 7. Auguſt, ſowie für Zementierer am Sonntag, Emil Lefèvre Berlin, Oranienstr. 158 Riesen- Auswahl! Gardinen, Portieren, Stores, Vitragen, TüllBettdecken etc. Einzelne Fenster spottbillig! Pracht- Katalog mit ca. 600 Abbildungen gratis und franko. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an, Moritz Laband, Oranienburger Strasse 4, I. Von der Reise zurück RathenowerDr. Martin Baender, straße 23. Tod und Teufel allem Ungeziefer! 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Verbandsangelegenheiten. 123/9 Die Kollegen werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen, insbesondere find die Graveure und Biseleure zu der Versammlung eingeladen. Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale I. Berlin. Donnerstag, den 8. d. M., abends 8 Uhr, im Marienbad, Badstraße 35/36: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht über die Lofaltaffe. 3. Vereinss angelegenheiten und Verschiedenes. 144/3 Neu! Pünktliches wie auch zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. J. A.: F. Runge. Jeden Montag, Mittwoch, Freitag u. Sonnabend: eine Fahrt ins alte romantische Land nach Heideschloß Hohenbinde fotote Stettin- Gothenburg- Christiania und West- eu! norwegen( bis Drontheim) direkt ohne Umsteigen mit den großen, schnellen, äußerst elegant und komfortabel eingerichteten E Melchior"," C. P. A. Koch" usw. 44/ 1* Prospekte gratis und franko durch Baffagierdampfern" Kong Haakon"," Dronning Maud"," M. G. Gustav Metzler, J Stettin. 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SP Darlehen von 200 Mart wünscht Barteigenoffe auf ein Jahr. Bu schriften erbeten an Borwärts". Spedition, Aderstr. 36. +90 sucht $ Sperre verhängen wir über nachbenannte Geschäfte wegen Nichtanerkennung unserer Lohnforderung: Hugo Hermann u. Co., Span-. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: dauerstr. 78/80. Müller u. Leopold, Spandauerstr. 18. Albert Grätz, Vanl Böhm, Laufizer Plaz 14/15. Spandauerstr. 16/17. Jacobsen u. V. Horsch, Engel- Ufer 15. Israel, Mollenmarkt 5. Paul Charlottenburg: Unger u. Co., Neue Friedrichstr. 37. G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1. Jean Popper, Rosenstr. 15. 165/ 7+ Stellenangebote. Friedrichsberg: Es darf dort kein Buschneider. Seitel, Kronprinzenstr. 50. Pianomechanik- Bohrer, der Bohre Stellung annehmen. Rixdorf: machen kann, verlangt Müller, Eisenbahnstraße 21. +3 d. deutschen Schneiderverbandes. M. Heinrich, Nedarstr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. Rummelsburg: A. Rosenkranz, Alt- Borhagen 56. Schöneberg: Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Weißensee: Ortsverwaltung Parteisekretär Reinickendorf: Treptow: Kr. 182. 24. 2. KeilM des Joraiitls" Knlim KIKblÄ Mitwoch. 7. August 19V7. vBawm—mmmmmrnmma—mmmm Jungen und zwei Mädchen, sich mühten, Karre um Karre voll Bau- sieine vom Kahn nach dem Ufer zu bringen. Alle mutzten Hand anlegen und der kleinste Knirps war so fleitzig wie sein Vater mit den sehnigen Armen. Eine Anzahl Menschen sahen der fleitzigen Familie zu, darunter auch einige kleine Barfützler mit einer Stange voll bunter Düten mit Fliegenleim, womit sie hausieren gingen. Mit besonderem Interesse beobachteten sie die Schifferkinder bei ihrer harten Arbeit.„Du, da ist Fliegendüten verkoofen doch wat schöneret," meinte der eine nachdenklich.„Na, und die schweren Steine bei die Hitze, det mutz ja schrecklich sind," antwortete ihm mit Mitleid im Ton ein kleines Mädchen und schwenkte ihre Fliegendüten bin und her.„Die Hitze ist sehr jut," mischte sich der dritte wichtig ein,„da wird es endlich mal recht ville Fliejen geben, damit wir ooch'n paar Groschen verdienen." Plaudernd gingen sie weiter. Sie waren vielleicht die einzigen unter den Zuschauern, die volles Verständnis für die Lage der Schifferkinder besatzen, aus ihrer eigenen trübseligen Erfahrung als Proletarierkinder. Automobilhupcn mit AkkordtSnen sollen nach einer gemein« samen Verfügung der Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten von nun an zugelassen werden. Wir nehmen hiervon Notiz, damit unsere Leser über die zukünftige bessere Automusik unterrichtet sind. Zwei Personen ertrunken. Die Oberspree hat gestern wieder zwei Opfer gefordert. Der 23iährige Schlosser Weitz aus der Simon Dachftratze 12, der in den Kabelwerken in Ober-Schöneweide be« schäftigt war, hatte gestern mittag während der Essenszeit in der Spree gebadet. Kaum war er einige Meter in den Fluh hinaus- geschwommen, so sank'er plötzlich von einem Herzschlage getroffen unter und ertrank.— Von einer Zille abgestürzt und ertrunken ist gestern nachmittag der Bootsmann Bernhard DominSki, der bei dein Schiffer Tiegemann in der Schlesischenstr. 19 angestellt war. D. hatte auf dem Hinterteil des Kahnes am Steuer gestanden. Als das Fahrzeug die Oberspree bei Ober-Schöneweide entlang strich, stürzte der noch junge Bootsmann plötzlich hinterrücks in die Fluten und ertrank, bevor Hülfe zur Stelle war. Die Leichen der beiden Ertrunkenen konnten noch nicht gelandet werden. Automobilunfälle haben sich am Montagabend und am gestrigen Mittag ereignet. An der Ecke der Behrenstratze hatte am Montagabend der Koch Bernhard Plötz, Novalisstrahe 5 wohnhaft, den Fahr. dämm überschreiten wollen und beim Ausweichen eines Geschäfts- Wagens geriet er an ein entgegenkommendes Privatautomobil heran. Der Bedauernswerte wurde zu Boden gerissen und eine Strecke mitgeschleift. Ein Schutzmann brachte den Verunglückten blutüberströmt nach der Unfallstation in der Kronenstrahe. Der diensttuende Arzt stellte einen Bruch des rechten Unterschenkels, schwere Quetschungen des linken Unterschenkels und fast am ganzen Körper stark blutende Abschürfungen fest. Nach Anlegung von Notverbänden fand P. im Krankenhaus Moabit Aufnahme. Der andere Unfall trug sich gestern mittag auf dem Witten- bergplatz zu. Eine etwa 69 Jahre alte Dame war im Begriff ge- Wesen, den Fahrdamm zu überschreiten� als sie von einem daher- sausenden Geschäftsautomobil des Warenhauses A. Wertheim niedergerissen und über Kopf und Brust hinweggefahren wurde. Auf dem Transport nach der Unfallstation am Zoologischen Garten erlag die Verunglückte den schweren Verletzungen. Die Leiche wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhause gebracht.> Zweimal kurz hintereinander verunglückt ist der bei der Grotzen Berliner Stratzenbahngesellschaft angestellte Bahnwärter Warmuth. Vor etwa vier Wochen wurde W., der auf dem Depot in Reinicken- darf bedienstet ist, beim Reinigen einer Weiche in der Hauptstratze in Reinickendorf von einem Fleischerwagen überfahren und schwer verletzt. Nach nahezu einem Monat Krankenlager konnte W.� am Montag seinen Dienst wieder aufnehmen. Als er gestern nachmittag in der Pankower Allee Schienen reinigte, wurde er von den Rädern eines vorbeifahrenden Geschäftswagens ersaht und fiel so unglücklich, datz ihm das eine Hinterrad des Fuhrwerks über die rechte Schulter hinwegging. Der Bahnwärter erlitt eine � schwere Onetschung, die seine Ueberführung nach einem Kranleiihause notwendig machte. Der Zentralvercin für Arbeitsnachweis gibt den beteiligten Vereinen bekannt, datz im Herbst dieses Jahres eine neue Ab- teilung für weibliches Hauspersonal, Linkstrahe 11, am Potsdamer Bahnhof eröffnet wird. Die Vermittelungsstelle in der Gormann« stratze liegt für die Friedrichstadt, das Kreuzbergviertel und den ganzen Westen zu entfernt, als datz Hausfrauen und Hausange- stellte aus diesen Gegenden den gemeinnützigen Stellennachweis in grötzerem Umfange benutzen könnten. Das genaue Datum der Eröffnung wird noch bekanntgegeben. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Donnerstagabend 9 Uhr: 8. Ab- teilung für Schönebcrg bei Obst, Mciniugerstr. 8, und 4. Abteilung für Lichtenberg- Rummelsburg bei Lindner, Grünbergerstr. 10. Vortrag in beiden Abteilungen über: Vergiftungen und gefahr- drohende Krankhcitszustände. Daran anschlietzend: Praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Feuerwchrbcricht. Wegen eines grotzen Kellerbrandes wurde die Feuerwehr nach der Rotherstr. 23 alarmiert. Dort standen die Räume der Deutschen Gasglühlicht-Gesellschaft in Flammen. Diese hatten an Stroh, Regalen»ind anderem leicht brennbaren Material reiche Nahrung gefunden. Durch kräftiges Wassergeben mit mehreren Rohren wurde die Gefahr beseitigt. Mittags wurde der 20. Zug nach der Brüderstr. 34/38 alarmiert. Zum Wasserauspumpen wurden mehrere Züge nach dem Urbanhafen, Ivo ein Kahn zu sinken drohte. und nach der Forsterstr. 36 alarmiert. In der Kakesbäckerei von Theodor Hildebrandt in der Pankstratze 18 brannte nachts getrocknetes Mehl und in der Elsasserstr. 20 Papier u. a. in einem Luftschacht. Auf dem Schlotzplatz geriet ein Automobilomnibus in Brand. Die Fahrgäste retteten sich durch eilige Flucht. Die Flammen konnten auf den Motor beschränkt werden. In der Glo- gauerstr. 19 hatte der achte Zug zu tun. Müll war dort in Brand geraten. Kurzschluß in einem elektrischen Motor war die Ursache eines Alarms nach der Rosenthalerstr. 54. Ferner liefen noch Alarme aus der Wassertorstr. 62, Warschauerstr. 11, Dolzigerftr. 17, Bernauerstr. 47a, Wiclefstr. 37, Strautzbergerstr. 6a und anderen Stellen ein._ Vorort- JVach richten. Schöneberg. Ein entsetzliches Brandunglück hat sich gestern vormittag 11 Uhr in der Wohnung des Stratzenbahnschaffners Eugen Glanert. Belzigerstratze 19, während der Mann im Dienst und die Ehefrau zum Kausinann gegangen war, ereignet. Von den ohne Aufsicht in der Wohnung zurückgelaffenen drei Kindern, einem 2>/z jährigen Mädchen, einem 6 Jahre alten Knaben und einer 8 jährigen Tochter, Ivollte die letztere nach Aussage ihres Bruders den Gaskocher in der Küche anzünden, um sich Kaffee warm zu machen. Hierbei gerieten ihre Kleider in Brand und in wenigen Sekunden stand sie in hellen Flammen. In ihrer Todesangst rüttelte sie vergeblich an der verschlossenen Flurtüre, ivährend die anderen Kinder auS der Küche in das Nebenzimmer flüchteten. Infolge deS Hülfegeschreies schlugen die Nachbarn die Tür ein, doch war es leider zu spät. Am ganzen Körper verbrannt, wurde die Kleine nach der Unfallstation in der Herbertstratze gebracht, von wo aus sie sofort nach dem Schöneberger Kranlenhause gefahren wurde. Auf dem Wege dorthin verstarb sie. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokallist». Mit Beginn dieses Monats hat auch wiederum d» den Landorten die Zeit der alljährlich üblichen Erntefeste eingesetzt. Zum Teil werden dieselben noch altem Brauche gemäß gefeiert, meistens sind es jedoch nur rein geschäftliche Unter- nehmungen der in den betreffenden Orten ansässigen Gastwirte beziehungsweise Lokalbesitzer und sonstigen Geschäftsleute. Da nun diese Feste auch seitens der Arbeiterschaft sehr stark besucht werden, richten wir an dieselbe das dringende Ersuchen, stets an der Hand der Lokalliste genau zu prüfen, ob bezw. welche Lokale uns an dem jeweiligen Orte zur Verfügung stehen. ES ist hier die Gelegenheit geboten, unsere Genossen in den Land- orten in ihrem harten Lokalkampf wirksam zu unterstützen.- Am Sonntag den 11. und Montag, den 12. August, findet in FranzSfisch-Buchholz das diesjährige Erntefest statt; wir machen be- sonders darauf ausinerksam, daß uns dort nur Kähnes Gesells- s ch a f t S h a u S. B e r l i n e r st r. 39, zur Verfügung steht. Alle anderen Lokale sind streng zu meiden. Die Lokalkommission. Friedenau. Heute, Mittwoch, den 7. August, abends Vs9 Uhr: Generalversammlung des Wahlvereins im Rheinschlotz, Rheinstr. 60. Tagesordnung: Der Essener Parteitag, Kreisgeneralversammlung, Generalversammlung von Grotz-Berlin, Ersatzwahlen, Vereins- angelegenheiten. Die Parteigenossen find verpflichtet, vollzählig zu erscheinen. Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. v Gesund— und dennoch reif fürs Krankenhaus? Den Mitgliedern von Krankenkassen werden bekannter« maßen von Kassenvorständen und Vertrauensärzten nur zu oft die verdrießlichsten Scherereien bereitet, wenn sie in Erkrankungs- fällen irgendwelche Leistungen von der Kaste fordern. Mal wird einer, der krank genug ist, um Kassenhülfe beanspruchen zu können, für gesund und arbeitsfähig erklärt und rasch in den Verdacht der Simulation gebracht. Mal wieder wird ein anderer, der fast gesund ist und nur noch der Schonung bedarf, in ein Krankenhaus geschickt, wie wenn er schwerkrank wäre. Selbstverständlich liegt es uns fern, gegenüber derartigen Vorkommnissen anzunehmen, datz die ver- antwortlichen Personen wider besseres Wissen gehandelt haben. Wir sind ohne weiteres bereit zu der Annahme, datz sie bemüht gewesen sind, nach ihrem besten Wissen zu handeln, das freilich in solchen Fällen leider ein schlechte? war. Aber für die betroffenen Kassenmitglieder kommt es ja in der Wirkung auf dasselbe hinaus, ob sie von einem pflichtvergessenen oder von einem nur irrenden Arzt in die Zwangslage gebracht werden, erst noch einen lang- WierigenK ampf um ihr Recht auf Gesundung zu führen. Schon mancher dieser Kämpfe hat mit einer bösen Niederlage des Vertrauensarztes bezw. des Kassenvorstandes geendet. Zu Nutz und Frommen aller, die es angeht, wollen wir heute über den Ausgang eines Streites berichten, den ein Mitglied der B e- triebskrankenkaffe der Deutschen Gasglühlicht- Aktiengesellschaft(Auer) erfolgreich durchgeführt hat. Ein Monteur S., der bei dieser Gesellschaft beschäftigt war, erkrankte Anfang April an eitriger Mandelentzündung, in deren Verlauf noch ein schwerer Gelenkrheumatismus auftrat. Drei Wochen hindurch war S. in feiner Wohnung von Dr. Goldschmidt, einem Vertreter des Kassenarztes Sanitätsrat Wolfs, behandelt worden, dann wurde er nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Von dort konnte er in der zweiten Hälfte des Mai als geheilt, aber schonungs- bedürftig entlassen werden. S. begab sich mit dem Entlassungs- schein noch an demselben Tage zum Bureau seiner Kasse und legte ihn vor. Doch im Kassenbureau wußten sie es bester, wie es um S. stand. Der Kassenbeamte Schmidt erklärte, S. sei doch als geheilt entlassen worden, mithin sei er arbeitsfähig. Als S. hier- gegen Einspruch erhob, wurde er zum Vertrauensarzt der Kasse, dem Sanitätsrat Dr. Rhode(Waldemarstratze 55) geschickt, der ihn untersuchen sollte. Der Herr Sanitärsrat sah den Rekon- baleszenten an und erklärte dann in Uebereinstimmung mit Herrn Schmidt, wenn S. als geheilt entlassen sei, so müsse er auch a r beitSfähig sein. Auf den Einwand von S., daß der Kranken Hausarzt doch nicht zum Spatz ihn als schonungsbedürftig bezeichnet baben werde, bewilligte Dr. Rhode schließlich einen Tag Schonung. Hiermit hatte der Vertrauensarzt der Form genügt; aber dem Rekonvaleszenten, der sich noch keineswegs arbeitsfähig fühlte, konnte das natürlich nicht genügen, und auch der Arzt des Krankenhauses hatte gewiß nicht daran gedacht, datz jemand da einen einzigen Tag Schonung als ausreichend ansehen könnte. Es derblieb zunächst bei dieser Entscheidung, trotz aller Proteste von S. Auf dem Kassenbureau wurde ihm gnädigst noch bewilligt, datz er zum Sanitätsrat Wolfs gehen und sich von diesem als Extra- zugäbe eine Einreibung verschreiben lassen durfte. Auf Herrn Wolffs Anraten versuchte nun S., nach Ablauf seiner eintägigen„Schonzeit" wieder zu arbeiten. Aber nur zu bald stellte sich heraus, daß das unmöglich war, und noch an demselben Tage mutzte S. wieder aufhören� Wieder wurde er zum Vertrauensarzt Rhode geschickt, und nun verfügte dieser, datz S. in ein Krankenhaus gehen müsse. Noch am 21. Mai hatte der Herr Sanitätsrat, wie gesagt, den Rekonvaleszenten zu nächst für arbeitsfähig erklärt und höchstens einen Tag Schonung für nötig gehalten. Am 22. Mai genoß S. diese Schonung, am 23. Mai versuchte er zu arbeiten, und am 24. Mai erklärte der Herr Sanitätsrat ihn— reif fürs Krankenhaus! S. drückte seine Verwunderung über diesen raschen Meinungswechsel aus. Aber das half ihm nichts: er hatte sich ins Krankenhaus zu scheren Gehorsam tat ers und ging wieder nach Moabit, wo sie ihn ja schon kannten. Dort wurde er noch einmal gründlich untersucht und dann— a bgewiesen. Der Arzt gab ihm ein Attest mit auf den Heimweg, eine Art Albumblatt für den Kasscnvorstand samt dem Vertrauensarzt. Es lautete:„Abgewiesen, weil Aufnahme nicht dringend. Städtisches Krankenhaus Moabit. Aufnahmearzt Dr. Schwadenberg.— Nach Rücksprache mit Herrn Dr. Kahn, welcher den S. während seines hiesigen Krankenaufenthaltes be- handelt hat, ist derselbe am 18. d. M. als geheilt von seinem Gelenkrheumatismus, nur mit den üblichen Rekonvaleszenz- erscheinungen dieser Krankheit, die zwar eine Schonung von der Arbeit, nicht aber eine Behandlung im Krankenhause erheischen, entlassen worden. Gegenwärtig hat S. kein Fieber und keine größeren Beschwerden als hei seiner Entlassung. Dr. Schwadenberg." Was nun!? S. ging mit diesem Bescheid zur Kasse; doch Herr Schmidt, der Allmächtige, blieb dabei, datz S. ins Krankenhaus gehöre. Wieder sollte S. den Herrn Sanitätsrat Rhode um einen Weisheitsspruch ersuchen. Aber' er hielt es jetzt für geraten, seine Organisation um Beistand zu bitten, und auf deren Rat beschwerte er sich dann bei der Aufsichts- behörde. Noch pochten sie bei der Kasse auf ihr„Recht" und blieben unzugänglich. S. ließ sich daö erforderliche Attest über Seinen gegenwärtigen Gesundheitszustand von Herrn Dr. Gold- chmidt ausstellen, der ihn zu Anfang behandelt hatte. DaS Attest schloß:„Ich gebe daher mein Gutachten dahin ab, daß der Mon teur S., dessen schwere Krankheit ich von Beginn bis zur Ein lieserung ins Krank'nhaus beobachtet habe, heute noch nicht arbcitS fähig ist. Er bedarf keiner Aufnahme in ein Krankenhaus, son dern mutz sich im Gegenteil viel in frischer Luft bewegen und gut körperlich pflegen, um in zwei bis drei Wochen wieder völlig arbeitsfähig zu fein." Der s r f o I g der Beschwerde ließ nicht lange auf sich warten. Im Juni erhielt S. folgenden Brief:„Mit anliegendem Schein gehen Sie bitte schleunigst zu Herrn Sanitätsrat Dr. Rhode, Waldemarstratze 55. Derselbe wird Ihnen die gewünschte Schonung hineinschreiben, und kommen Sie dann gefälligst direkt zu uns. Achtungsvoll Betriebskranken- lasse Auer. J/A.: Schmidt." Und so geschahs. S. trug den bei- gefügten Hauskrankenschein zum Herrn Sanitätsrat und k r r e g t e jetzt seine zwei Wochen Schonung anstandslos bewilligt, die ihm hinterher sogar auf drei Wochen verlängert wurden. Offenbar hatte die Aufsichtsbehörde inzwischen dem Kassen- borstand samt dem Vertrauensarzt„Bescheid gestoßen". Das Versahren, Krankenhauspflege für einen Kranken oder Rekonvaleszenten anzuordnen, der eben noch für arbeitsfähig er- klärt worden war, aber schließlich als arbeitsunfähig anerkannt werden mutzte, steht nicht vereinzelt da. Es ist nicht nur geeignet, auf die betroffenen Kassenmitglieder wie eine Scksskane zu wirken; es mutz auch den Krankenhäusern ihre Arbeit er- schweren. Die Krankenhausverwaltungen tun recht daran, solche Zwangspatienten abzuweisen, unbekümmert um die„Autorität� der Vertrauensärzte, von denen sie ihnen zugeschickt werden. Unsere Krankenhäuser sind keine Genesungsheime, sie bieten nicht mal Platz genug für alle Kranken, die der Anstaltspflege bedürfen. Es ist in der Tat ein starkes Stück, Rekonvaleszenten in Kranken- Häuser zu schicken, wo sie den Platz wegnehmen, der für Schwer- kranke gebraucht wird.__ Die Flucht der Sparer. Bei der S p a r k a s s e d e r S t a d t Berlin wurden, wie sich aus den Monatsberichten des Berliner Statistischen Amts ergibt, im Quartal April bis Juni dieses Jahres 14 124 767 M. eingezahlt, aber andererseits mutzten in denselben drei Monaten 19 283 506 M. ausgezahlt werden. Hiernach sind im Laufe dieses einen Quartals 5 158 739 M. mehr aus- als ein- gezahlt worden. Freisinnige Statistiker Pflegen aus dem Sparkassenverkehr einen Schluß auf eine mehr oder minder„günstige" Lage der Arbeiterklasse zu ziehen. Sie gehen dabei von der erdichteten Voraussetzung aus, daß eS hauptsächlich die Arbeiterfamilien seien, die ihre etwa erübrigten Groschen auf die Sparkasse tragen. Nun hat das letzte Jahr für die Berliner Sparkasse eine ganz außerordentliche Zunahme der Auszahlungen gebracht, und diese rückläufige Bewegung dauert noch immer an. Wollten die freisinnigen Sparkassenstatistiker konsequent sein, so müßten sie hieraus folgern, daß die Lage der Arbeiterbevölkerung Berlin? sich in der letzten Zeit plötzlich ganz außerordentlich ver- schlechtert habe. Aber selbstverständlich hüten sie sich, jetzt diesen Schluß zu ziehen, der ihnen schlecht in den Kram passen würde. Er wäre ja auch Unsinn; denn die Bewegung des Sparkassenverkehrs wird eben nicht in erster Linie durch die paar Spargroschen beeinflutzt, mit denen die Ar- b eiterb ebölkerung an den Ein« und Auszahlungen beteiligt i st. Die Flucht der Sparer, die wir gegenwärtig erleben, ist daraus zu erklären, datz all' die kleinen Kapitalisten, die bisher ihre Ersparnisse auf der Sparkasse zu liegen hatten, jetzt mehr Zinsen haben wollen und sie anderswo auch ohne Risiko kriegen können._ Vom Trinkgelderunwesen. Wer seine Angestellten so miserabel entlohnt, daß sie Trinkgelder nehmen müssen, um überhaupt bestehen zu können, der degradiert— bei Lichte besehen— sich selber zum Trink- geldnehmer. Er selber ist es ja, dem die Trinkgelder zugute kommen, da sie eS ihm möglich machen, am Lohn zu sparen und einen desto höheren Profit für sich bezw. seine Auftraggeber her- auszuwirtschaften. Diese Praxis wird von sehr vielen„Brot- Herren" befolgt, die dessenungeachtet sich für hochachtbare Leute halten. Sie„finden nichts dabei", weil sie ja nicht in eigener Person die Hand auszustrecken brauchen, um die Sechser und Groschen in Empfang zu nehmen. Welcher Direktor unserer Omnibus- oder S t r a tz e n b a h n- G e s e l l s ch a f t e n oder welcher Aktionär dieser Gesellschaften würde es als einen Schimpf für sich selber betrachten, daß die Schaffner Trinkgelder nehmen müssen? Und die Omnibus- und Stratzenbahnschaffner sind nicht mal die einzigen Uniformierten, die froh sind, ihren Lohn durch Trinkgelder aufbessern zu können. Im Ga st Wirtschaftsgewerbe gilt, wie bekannt, das Trinkgeld als etwas so Selbstverständliches, daß sehr oft über- Haupt kein LoHm gezahlt wird. Aehnlich liegen die Dinge im Hotelwesen. In diesen Erwcrbszweigen muß für das„Recht", ohne Lohn arbeiten und Trinkgelder nehmen zu dürfen, manchmal obenein noch eine„Pacht" bezahlt werden. Da ist dann der Herr„Arbeitgeber" in der angenehmen Lage, sogar seinen baren Anteil an der Ernte aus den Trinkgeldern ein- sacken zu können. Er braucht deshalb nicht gleich darauf zu ver- zichten, sich nach wie vor für einen Ehrenmann zu halten. Solche doppelte Ausbeutung der Ange st eilten gilt in Fachkreisen als ein durchaus anständiges Geschäft. Auch das Publikum, das die Trinkgelder zu zahlen hat, hat sich an diese Zustände so vollständig gewöhnt, datz es sie kaum noch bemängelt. Im übrigen ist es wohl selbstverständlich, datz man Angestellten, die auf Trinkgelder angewiesen werden, dieses Trinkgeld nicht ver- weigert. Weniger willig gezahlt wird aber das Trinkgeld noch in einem Erwerbszweig, in dem gleichfalls die meisten Arbeitgeber ihre An- gestellten so kärglich entlohnen, datz diese ohne Trinkgelder nicht existieren könnten. Wir meinen das Badewesen. Immer wieder hört man Klagen darüber, datz in Badeanstalten Wärter und Wärterinnen auf Trinkgelder rechnen und den Besuchern das allzu deutlich zu verstehen geben. Ja, soll man ihnen das ver- denken? Wo das Trinkgeld als ein Teil des Lohnes angesehen werden mutz, da gelangt das auf Trinkgelder angewiesene Personal nur zu bald dazu, das Trinkgeld als etwas Selb st- verständliches zu beanspruchen. Ein Parteigenosse schreibt uns, in einer privaten Badeanstalt sei einer Besucherin ein Trinkgeld von 10 Pf. geradezu abgefordert worden. Die Wärterin habe erklärt, sie kriege leinen Lohn. Ein anderer Freund unseres Blattes klagt, daß auch in einer Filiale des Admiralsgartenbades das Trinkgeldunwesen ihm lästig geworden sei. Er hat offenbar vergessen, sich zu erkundigen, welche Löhne die Admiralsgartenbad-Gesellschaft zahlt. Eine unlautere Grschäftsrcklame. Avermals wird von einer Firma der Kopf des„Vorwärts" dazu benutzt, das Publikum auf der Stratze zu düpieren. Diesmal ist es das Pfandleihgeschäft von Richard Sommerfeld, Grüner Weg 73, welches auf diese Weise Geschäfte zu machen sucht. Wir teilen hierdurch mit. daß obige Finna eine Erlaubnis, den Kopf des„Vorwärts" für ihre GeschäftSrcklame zu benutzen, nicht erhalten hat. Proletarierkinder. Am Elisabethufer legen regelmätzig Kähne, mit Bausteinen beladen, an. Die Löschung einer solchen Kahnladung ist keine leichte Arbeit; trotzdem sind nicht selten Frauen und mitunter auch Kinder dabei tätig. Gestern konnte man sehen, wie eine ganze Schifferfamilie. Mann, Frau und vier Kinder, zwei «uS d«r elterlichen Wohnung entführt worden ist die am 21. August 1891 geborene Charlotte Sch., Wielandstr. 43. Als Ur- Heber der Entführung soll der 37jährige Kaufmann Alois S. gelten. Das junge Mädchen ist seit dem vergangenen Donnerstag spurlos verschwunden. An dem gleichen Tage verschwand auch S. Die Nachforschungen der Polizei nach dem Paare waren bisher ergebe niölos. Vermutlich hat S. sein Opfer nach außerhalb verschleppt. Nixdorf. Eine außerordentliche Generalversammlung des deutschen Holzarbeiter- Verbandes, Zahlstelle Rixdorf, befaßte sich abermals mit der Neuregelung der Krankenunterstützung. Mit dieser An aelegenheit hatten sich schon vorher zwei Generalversammlungen be schästigt. Da der Antrag der Zahlstellenkonferenz in den beiden Versammlungen bekämpft wurde, stellte die Verwaltung folgenden Antrag:»In der ersten KrankhcitSwoche zahlt die Lokalkasse 6 M.; von der zweiten Woche zahlt dieselbe zu allen Sätzen der Zentral- Unterstützung 3 M. Zuschlag und zwar vis zur 14. Woche: von der IS. bis 26. Woche zahlt die Lokalkasie wiederum 6 M. Die Lokal- Verwaltung behält sich vor, von dem Jahre 1908 im Januar eine neue Regelung vorzunehmen.' Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Ferner wurde bekanntgemacht, daß alle krank werdenden Kollegen sich sofort zu melden haben und ebenfalls muß das Krankengeld jede Woche abgehoben werden. Des weiteren dürfen die Beitragssammler keine Beiträge annehmen von Mit- gliedern, welche länger als 6 Wochen restieren. Die über diese Zeit hinaus restierenden Mitglieder müssen sich an das Bureau Jäger- straße 66 wenden. Ein rätselhafter Todesfall beschäftigt die Rixdorfer Kriminal- Polizei. Die 43 Jahre alte Emilie Kohnke geborene Rattke, die in der KarlSgartenstraße 20 in Rixdorf allein wohnte, wurde seit zehn Tagen vermißt. Ein durckdringender Geruch, der ouS ihrer Wohnung drang, veranlaßte die-Kriminalpolizei heute morgen, die Wohnung der Kohnke durch einen Schlosier offnen zu lassen. Den Eintretenden bot sich ein schrecklicher Anblick. Die Frau lag tot in ihrem Wohnzimmer in einer Blutlache. Ein Mord liegt nach den Feststellungen der Kriminalpolizei anscheinend nicht vor. Die Wohnung war von innen verschlossen; der Schlüssel steckte im Schloß, auch die Fenster waren zugeriegelt. Da aber auch Anzeichen für einen Selbst mord oder Unglücksfall nicht vorhanden sind, so steht die Polizei noch vor einem Rätsel. Die bereits stark in Verwesung über- gegangene Leiche wurde in das Berliner SchauhauS zwecks Obduktion übergeführt. Ein vollbeladener Möbelwagen gestohlen. Mit ungewöhnlicher Ercchheit ging ein Wagenmarder zu Werke, der vorgestern in der aiser Friedrichstratze sein Unwesen trieb. Vor dem Hause Kaiser Friedrichstr.12 hatte ein mit Möbeln beladener Möbelwagen der Firma Gustav Hafer aus Schöneberg gehalten. In dem Augenblick, als sich das Bedienungspersonal für einen Augenblick entfernt hatte, stieg ein unbekannter Bursche auf den Bock, trieb die Pferde an und fuhr unbehelligt davon. Vorüberkommende Straßenpassan. ten waren der Meinung, der Dieb sei der echte Kutscher und sie störten ihn infolgedessen nicht bei seiner Tätigkeit. Das wertvolle Fuhrwerk war mit braunem Wallach und brauner Stute bespannt gewesen. Charlottenburg. Am nächsten Sonnabend, den 10. August, wird im großen Saale de».Volkshauses'. Rosinenstr. 8. der Wahlverein einen Rezitationsabend veranstalten.(Eintrittspreis 30 Pf. ein- schließlich Garderobe.) ES sollen vornehmlich Werke neuerer Dichter, Eerdinand Freiligrath, Detlev v. Liliencron, Arno alz. Emst v. Wolzogen, AgneS M i e g e l u. a. zum Vor- trag kommen. Zunächst wird durch einige einleitende Worte von Herrn Dr. R u est das Wirken und Wesen dieser Dichter den Hörem etwas mehr zum Verständnis gebracht werden, worauf Verschiedenes aus ihren Werken zum Vortrag gelangt. Die künstlerische Leitung des AbendS liegt in den Händen deS Herrn Siegfried Raden, Mitglied des Kleinen Theaters in Berlin. Dadurch ist die Gewähr gegeben, daß nur künstlerisch Vollendetes ge- boten wird. Der Abend beginnt um Va9 Uhr. Gegen il�l2 werden die künstlerischen Darbietungen beendet sein, woraus die sunge Welt noch beim Tanze zusammen bleibt. Grofs-Lichterfelde. In einer Wassertonne ertrunken. Von einem beklagenswerten Geschick ist das vierjährige Söhnchen des Tischlermeisters Tielenberg betroffen worden. Der Knabe hatte sich bei Verwandten in einem der östlichen Vororte aufgehalten. Beim Spielen kletterte er auf eine vor dem Hause stehende Wassertonne und stürzte, das Gleich- gewicht verlierend, hinein. Da der Unfall von niemandem beob- achtet worden war. so mußte das unglückliche Kind hülfloS in der Tonne ertrinken. Johannisthal. AuS der Gemeindevertretung. An Stelle des in letzter Zeit stets abwesenden Gemeindevorstehers machte sein Vertreter Herr Beneke Mitteilung, daß der Lehrer Herr Ritter am 1. Oktober nach Berlin versetzt wird. Desgleichen soll am 1. Oktober eine neue Schulklasse eingerichtet werden. Da» Gehalt des Schuldieners wird vom 1. Oktober um 10 Mk. erhöht. Eine Anfrage unserer Parteigenossen über den Stand der Bildung eines Gewerbe- resp. KaufmannSgerichts für die Orte Ober- und Nieder-Schöneweide und Johannisthal soll in nächster Sitzung beantwortet werden. Die Kritik unserer Parteigenossen über die mangelhafte Reinigung der Friedrichstraße suchten die bürgerlichen Vertreter zum Teil da- durch abzuschwächen, daß sie die Verpflichtung zur Straßenreini- gung bestritten. Es wurde beschlossen, gegen die sich der Straßen- reinigung entziehenden Grundbesitzer Strafanzeige zu erstatten und bei Nichtbefolgung derselben ein»n Gerichtsbeschluß herbeizuführen. Daß die den Gemeindesitzungen beiwohnenden Gemeindebeamten die Zeit der Sitzungen als Ueberstunden bezahlt erhalten, wurde wieder, besonders von den Vertretern der zweiten Klasse, kritisiert, und wenn der einmal gefaßte Beschluß bestehen blieb, so verdanken dies die Gemeindebeamten mit dem Eingreifen unserer Partei- genossen. Beschlossen wurde, ein Darlehen von 30 000 Mk. aufzunehmen. Damit hat die Schuldenlast für Johannisthal 600 000 Mark überschritten. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde zum 1. Oktober die Anstellung eines besoldeten Gemeindevorstehers be- schlössen unter Zugrundelegung d«S Gehaltsbezuges des jetzigen Gemeindevorstehers. Es wurde eine Kommission gewählt, die die Ausschreibung der Wahl und Prüfung der eingelaufenen Offerten zu besorgen hat. Regen Interesse» erfreute sich der nächste Punkt der Verhandlung. Die Grundbesitzer in der Gemeindevertretung hatten sechs Einsprüche gegen den Bebauungsplan der Johannis- thaler Bodenbaugesellschast erhoben; von diesen wurden vier als unberechtigt zurückgewiesen. Die Verhandlungen über den Straßen- regulierungövertrag mit der Johannisthaler Bodenbau-Gesellschaft dürften als gescheitert zu betrachten sein, wenn man das Urteil der beiden Herren Vertreter dieser Gesellschaft hierüber zugrunde legt. Die Herren wurden über die Abstriche und Forderungen. welche die Gemeindevertretung an dem Vertrage vornahm, derart erregt, daß sie demonstrativ den Saal verließen. Um den Zustand der Friedrichstraße zu beseitigen, soll diese, da zu einer Neupflaste- rung die Mittel fehlen, ausgebessert werden. Auf dem Pump. stations-Grundstück soll für die KanalisationSgrbeiter ein Brausebad eingerichtet werden. Köpenick. Die Verlängerung der städtischen Straßenbahn von Friedrichs. Hägen über Schöneiche nach Klein-Schönebeck ist nun beschlossen. Die Straßcnbahnkommission hat bereits dem Projekt zugestimmt. Mit dem Bau der Straßenbahn soll noch in diesem Sommer be- gönnen werden. Tegelort. Die Vorarbeiten für die Straßenbahnverbindung Tegel— Tegel ort sind seitens der Großen Berliner Straßenbahn jetzt beendet. Die Direktion hat dem Grundbesitzerverein von Tegclört, dessen Vorstand die Verhandlungen geführt hat. mitgeteilt, daß sie nun- mehr an die Ausarbeitung der Entwürfe für die Anlage auf Grund der Vorarbeiten im Gelände gehen würde. Es wird allgemein angenommen, daß damit die Straßenbahn indirekt zugibt, daß das Projekt rentabel ist, da sie sich für dessen Weiterbearbeitung inter- cssiert, obwohl die Verhandlungen über die geforderte Garantie noch nicht endgültige Abmachungen ergeben haben. Bekanntlich hat das Bankhaus Bonte sich bereit erklärt, die Garantiesumme von 200 000 M. vorzustrecken, wenn die Grundbesitzer sämtlich die aus sie entfallenden Anteile hypothekarisch auf ihre Grundstücke ein- tragen lassen,_____ Vermifcktes. Zur Eiscnbahnkatastrophe bei Angers. Heber die Ursachen des schweren Eisenbahnunglücks bei AngerS hat die Untersuchung einem Telegramm aus Angers zufolge nach- stehendes ergeben: Es scheint festzustehen, daß das Eisenbahn- Unglück vom Sonntag durch die Lageänderung einer von der Hitze ausgedehnten Schiene und die dadurch herbeigeführte Entgleisung verursacht worden ist. Die Möglichkeit eines verbrecherischen An- schlageS erscheint völlig ausgeschlossen. Die Verluste beziffert man auf 24 Personen, von denen 17 aus dem Wasser geborgen und, ebenso wie der Lokomotivführer, ihrer Persönlichkeit nach fest- gestellt sind, während sechs Leichen noch nicht gefunden werden tonnten. Den Vorgang des Unglücks schildert der»Petit Parisien" unter anderem wie folgt: Der Zug. der um 11 Uhr 25 Minuten vormittag» von AngerS nach PoitierS geht, hatte sowohl auf der Abfahrtsstation wie auch auf den anderen Stationen der Linie zahlreiche Passagiere auf- genommen. Auf der Station Pyramides war der Andrang so groß, daß der Bahnhofsvorsteher die Reisenden dritter Klasse in die zweite Klasse schicken mußte, weil alle Wagen überfüllt waren; die meisten Passagiere kamen aus Trelazö und wollten sich nach PoitierS, wo ein großes Fest stattfand, begeben. Als der Zug an die PontS-de-Cä kam und über die eiserne Brücke fahren wollte. hörte man plötzlich ein unheimliches Knacken und Krachen. In wahnsinniger Angst eilten die Reisenden an die Fenster, und ihren Augen bot sich ein entsetzliches Bild. Der Beleg der Brücke hatte sich gelöst und die Lokomotive, der Gepäckwagen, der Tender und der erste Waggon, in welchem sich mehr als 50 Personen befanden, stürzten unter furchtbarem Geklirr der zerbrochenen Fenster- scheiden und unter dem herzzerreißenden Geschrei der unglücklichen Opfer in den Fluß. Bei allem Unglück war noch ein Glück: die Lokomotive stieß bei ihrem Sturze mit solcher Wucht gegen das Brückengeländer, daß die eiserne Kette, die den zweiten Wagen mit dem ersten verband, riß; dadurch wurden die übrigen Wagen de» Zuges gerettet. Nach der Katastrophe gab es eine gewaltige Panik: die Passagiere, die dem Tode entgangen waren, flüchteten nach allen Richtungen hin, indem sie sich rücksichtslos mit Händen und Füßen stießen, während die in den Fluß gefallenen Opfer des Unglücks die steilen Böschungen zu erreichen suchten. Un- glücklicherweise ist die Loire an dieser Stelle sehr tief, und eine icrchtbare Strömung zwang selbst die besten Schwimmer, den Kampf aufzugeben. Die Entsetzensschreie der Opfer und die verzweifelten Hülfe- rufe der Geretteten blieben ohne Echo. Die Unglücksstelle ist fast 1500 Meter von jedem bewohnten Hause entfernt, so daß erst nach verhältnismäßig langer Zeit Hülfe gebracht werden konnte. Als endlich alle verfügbaren Barken zur Rettung auszogen, war es zu spät. Fast alle Opfer hatten vor Antritt der Reise reichlich gegessen und getrunken, so daß viele durch Kongestionen getötet wurden. Die Loire führte leblose Körper und unförmliche Trümmer mit sich; die Verzweiflungsrufe waren verstummt; chweigend bedeckte der Fluß mit seinen Wellen den unter- gegangenen Teil des Zuges. Der Berichterstatter schließt seine Schilderung der Katastrophe mit folgendem Stimmungsbild: „Das Schauspiel ist herzbeklemmend. Auf der Brücke stehen die geretteten Wagen leer und finster. In ihrer hastigen Angst haben die Reisenden ihr Gepäck und ihre Kleidungsstücke zurück- gelassen und alles liegt auf den Bänken und auf den Schienen umher: auf einem eisernen Pfosten hängt ein Frauenkopftuch und schwebt wie ein Wimpel über dem Abgrund. Unten zieht und rauscht die Loire; von Zeit zu Zeit bemerkt man, daß im Kiel- Wasser ein Leichnam auftaucht, und die Retter rudern mit raschen Ruderschlägen hin, um ihn mit ihren Bootshaken herauszufischen. Am Ufer liegen die Leichen aufgereiht; sie sind hier und da mit aufgegriffenen Kleidungsstücken bedeckt. Frauen weinen still vor sich hin; andere sind von einem wahren Wahnsinn gepackt, rennen planlos hin und her, bleiben plötzlich stehen und wissen nicht, wohin sie gehen und was sie beginnen sollen. Der Telegraph funktioniert nicht, und man weiß nicht, wann aus AngerS Hülfe kommen wird.-..*_ Neue Eisenbahnunfälle. Nach einer Meldung aus W i e n stieß gestern früh in Spiel- feld an der Linie Graz— Trieft ein Schnellzug mit einer Vorschub- lokomotive zusammen, wodurch ein Heizer getötet und acht Per- sonen verletzt wurden. Auch aus Algier lommt die Nachricht, daß am Montag- abend auf der Linie Algier— Oran in der Nähe von Affreville einPersonenzug mit einerAnzahl leerer Frachtwagen zusammenstieß. ES heißt, daß mehrere Reisendr getötet oder verwundet wurden. Nähere Auskünfte zu erlangen, war bisher nicht möglich, da auch die Telegraphenleitung gestört wurde. Ein schweres Gewitter ging nach einer Meldung aus Kastel vorgestern nachmittag 5 Uhr unter orkanartigem Sturm. Hagel- schlagen und Regengüssen über die untere Main- und Rheingegend nieder. Das Unwetter richtete an Fluren und Wäldern großen Schaden an. Am schwersten haben die Gegenden um Kostheim, Kastel und Bieberich gelitten. 16 Mann im Rettungsboot vertrieben. ES bestätigt sich, daß bei dem Untergang des Paketdampfers„Teutonia" 20 Mann der Besatzung gerettet worden sind; von den übrigen 16 fehlt jede Nachricht. Nach einer Meldung auS Hamburg find von der Be- satzung deS gestrandeten Paketfahrdampfers„Teutonia" alle Boote bis auf ein vertriebenes Boot mit 16 Mann, von denen 7 Europäer und 9 Araber sind, gerettet worden. Durch eine Explosion verletzt. In Cherboura fand Montag abend in dem sogenannten Wasserschloß eine Explosion statt, wo- durch mehrere Arbeiter schwerverletzt wurden. Auf den Straßenbahnen von New Aork werden durchschnittlich täglich 3450 000 Passagiere befördert. Der Verkehr wächst immer mehr, so daß die Stadtverwaltung eine Kommission eingesetzt hat, um das Problem zu lösen, wie die Bahnen den steigenden An- sprächen genügen konnten, denn jetzt werden schon bittere Klagen über die unerhörte Ueberfiillung aller Wagen geführt. Der Ein- heitspreis ist 5 Cent(20 Pf.) und dafür kann man in New Uork bis zu 37sd englische Meilen fahren(mit Umsteigekarten). In Philadelphia kann man bis zu 26 Meilen, und in zehn anderen amerikanischen Städten bis zu 19 Meilen für 5 Cent fahren. Die Wagenführer und die Kondukteure erhalten Löhne von 2,45 bis 2,65 Dollar(10 bis 11 Mk.) für eine zehnstündige Arbeitszeit. Lese- und Diskutierklnb„Tiidost". Heute abend 8'/, Uhr bei Tolksdors, Görlitzerftr. 58: Vortrag. Gäste willkommen. Lese- und Tiskutierklub„Heinrich Heine". Heute abend 3'/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergsir. 8. Lese- und Diskutierkliib„Karl Marx". Heute abend S Uhr bei Greulich, Ulrechlerstr. S: Sitzung. Vortrag. Gäste willkommen. eingegangene Vruckfckrikten. Nene Gesellschaft. Heft 6.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Llly Braun.) Verlag Berlin XIV. K," Charitsstr. 3. Ter Tropenpflanzer. Nr. 8. Zeitichrist für tropische Landwirtschaft. Herausgeber O. Warburg u. F. Wohltmann. Selbiwcrlag: Unter den Linden 43. Statistische Erhebungen im Monat August tSOS deS ZenralverbandeS der Zimmerer DeutichlandS. Wohnorte und Anzahl der ermiilelten Zimmerer und deren OrganiiallonsverhälMisse. 1. Publikation. 115 Seiten. — Protokoll der Verhandlungen der 17. Generalversammlung deS Zcntralverbandcs der Zimmerer. 414 Seiten geb. Verlag: Fr. Schräder in Hamburg, Besenbiilderhos 57/66. LriekKaften der Redahtion. Tie jiirlftische Svrechstiinde gndet Friedrichstr. 19, Rufgang 4, tttie Trcpoc(Handelektättt tvcllealliance, Tiirchgatig auch Lindeuftr. IUI), wochentäglich von?>/, MS O'l, Nlir abend« statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Evrechslnnde um 9 Ithf. Jeder Slnfrag- ist ein Buchstabe und eine Zahl als lvterfzeichen beiznfnge». Briefliche'Antwort wird nicht erteilt. Eilige Frage« trage mau»u der Sprechstniide bor. 1. E. Sie hasten nicht.— F. K. 100. Das uneheliche Kind erbt nach Ihrer Mutter ebenso wie Sie. Ihre Mutter kann Sie jedoch, wenn nicht besondere Gründe vorliegen, nicht enterben, sondern nur aus den Pflichtteil setzen.— A. Z. 10. 1. Vor der Geburt des JtindcS kann der Pater nur angehalten werden, die EntbindungS- und Sechs-Wochen-Kosten sowie die Alimente iür daS erste Vierteljahr zu hinterlegen. 2. Der Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Versügung lviro von der Mutier eingereicht und zwar in diesem Falle beim Amtsgericht Lichtenberg.— F. S., L. 2. Die Frage läßt sich nur beantworten, wenn angegeben wird, wann und wo die Ehe geschlossen worden ist. Ist die Ehe nach dem 1. Januar 1900 geschlossen, so erbt die Ehesrau'/, und daS Kind oder die Kinder— V. 10. Sie sind jetzt noch zur Alimentation des unehelichen.Kindes ver« pflichtet.— Alter Abonnent 1899. 1. Ein mit Ort und Datum versehenes, eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament hat Gültigfeit, auch wenn es zu Hause verwahrt wird. 2. Eine polizeiliche Stempelung ist nicht nötig, wohl aber muß es verstcmpelt werden, wenn dicS auch feine Voraussetzung der Gültigfeit ist. 3. Der Name(Vor- und Zuname) muß zu unterst stehen.— M. H. 79. Ohne besondere Gründe in Ihrer Person fann Ihnen daS ErzichungSrecht nicht genommen werden.— W. 93. ES ist gleichgültig, ob sich das Kind Ihrer Frau, dem Sie Ihren Namen geben wollen, mit einem oder zwei s schreibt. Die Ablehnung des tstandeSamtaS ist unbegründet: wenden Sie sich an den Polizeipräsidenten.— K. W. 10. Die fragliche Bescheinigung erteilt Ihnen die hiesige Kirchengemeinde, der Sie angehören.— W. W. 1001. Nein.— — P. 2. 19. Bor Einsichtnahme in die Versicherungspolice kann Ihnen eine Antwort nicht erteilt werden. Sie finden sich am besten mit der Police in der Nedaftionssprechstundc ein.— Franz lOO. Sie können die seit März 1S03 sälligen Alimente einklagen, ebenso die späteren bis zum vollendeten 16. Lebensjahre.— S. 17. 1. und 2. Der Privatbesitzer de» Waldes kann nur bei Gericht Strasantrag gegen Sie stellen wegen Haus» sriedenSbruchs. Eine Verurteilung ist nur dann möglich, wenn Ihnen nach- zuweisen ist, daß Sie sich dessen bewußt sein mußten, einen v erboten m Privatwcg zu benutzen. Ein Strafmandat kann eine Privatperson Ihnen nicht zustellen,— I. B. 20. 1. DaS Testament muß unter Slngabe deS OrleS---| 3. Wenn Ihr Mann die Gerichtskosten nicht bezahlen" kann, selbst sür diese.— 0. H. ES scheint hinsichtlich deS Geschäfts ein mündlicher Kauskontrakt vorzuliegen, der volle lang« der das erste - E. St. verpflichtet, Gültigkeit hat, und zwar sür die Dauer, nicht nur, so Mtetskontrakt währt. Der Mietikontrakt ist gültig, sosern Exemplar deS Hauswirte» vom Mieter unterschrieben ist. 83. Nach§ 1620 de« Bürgerlichen Gesetzbuches ist der Vater einer Tochter im Falle ihrer Verheiratung zur Einrichtung de» eine angemessene Aussteuer zu gewähren, soweit er bei Berück» ichttgüng seiner soniligen Verpflichtungen ohne Gesährdung seines stände»- mäßigen Unterhaltes dazu im stände ist und nicht die Tochter ein zur Be- zahlung der Aussteuer ausreichendes Vermögen hat. Im vorliegenden Falle wäre daher zunächst die Frage zu beantworten, ob Ihre Frau eine Aussteuer erhalten hat. Sollte nun die Versicherung aus den Namen Ihrer Frau genommen worden sein und zwar ohne daß etwa in der Familie eS als selbstverständlich galt, wie das gewöhnlich zu sein pflegt, daß der Vater den herauszuzahlenden Betrag zur Aussteuer der Tochter verwendet, so könnte Ihre Frau die Auszahlung der abgehobenen Versicherungssumme von ihrem Vater außerdem verlangen.— H. B. 30. 1. Sie können Ein- ficht in die Gerichtsakten nehmen, es ist indes sür einen Laien zwecklos. Am besten lassen Sie die Ihnen zugestellte Rechnung durch«inen Anwalt nach- prüfen. 2. Die Kosten einer vor dem ersten Termin zurückgenommenen Klage sind geringer als nach Verhandlung. 3. Ihre Frage betreffend die Exmissionsklage ist unverständlich.— M. 21. Ein deutscher Staatsangehöriger ändert seinen Namen durch Antrag beim Regierung»- Präsidenten, in Berlin bei dem Polizeipräsidenten. ES ist indes anzunehmen, daß im vorliegenden Falle die Genehmigung er- teilt werden würde, sofern die betreffenden Papiere vorgelegt werden. — Frau L. l. Sie müssen die Kirchensteuer zahlen, Ihr Mann hastet nicht dasür. 2. Nein. 3. An das Amtsgericht.— Patent 100. 1. Der schristliche Vertrag hat Gültigkeit. 2. In der königlichen Bibliothek.— I. M. 79. l. Ist gleichgültig. 2. 30 Mark. 3. In Berlin an den Polizeipräsidenten, sonst au den Regierungspröfidenlen. Geburtsurkunde und StaalSangehöriglcitSzeugniS. 4. Nein. 5. Ja.— K. L. 10. Sie haben als Sticjvater keinerlei elterliche Rechte hinsichtlich Ihrer Stiessinder. — Ä. 71. A. Die Grundstückskirchenlasten bleiben bestehen. L. Wenden Verlagsbuchhandlung V Sie sich an die Vorwärts, Singer«. Co.— Wttternngdübersicht vom 0. August 1907, morgen» 8 lltzt. Retter Swinemd«.!755SSO 753 OSO erlw"! 755 SO Hamburg Berlin Franks.a.R.1 757 München Wien 760® 761Still 2 bedeckt 3 hallt bd. 1 wolkig 2 heiter 5 wölken! — wolkenl Wetter- Prognose für Mittwoch, den 7. August 1907. Kühler, zunächst meist wolkig mit Gewitterregen und ziemlich lebhastev südwestlichen Winden; später langsam ausklarend. Berliner Wetterboreaa, Wasserstands-Nachrichte» der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnstervurg Weichsel, Thon, Oder, Ratibor , Krossen Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barbn , Magdeburg Saale, Erochlitz Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlag-BorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Verlin