Ur. 183. UdonnemtntZ'keckwgungen: LkonnementS- Preis pränumerando: ViertcljShrl. 8,30 Mk,, monolL 1,10 Mk.. wüchenllich 28 Pfg, frei WS HauS. Sinzewe Nummer 5 Pfg, EonniagS- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well' 10 Pia, Post- ildonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post-geitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements 34. Jahrg. vlchtlnt agil» inner noDtags. Berliner Volksblnkk. Die TnfertlonS'GebDfir beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins- und BcrsammlungS-Anzeigcn 30 Pfg. „Ulelne Anreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nununer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „Sozialtkmokrat Rcrlln". Zcntralorgan der fozialdcmokrati fehen Partei Dcutfchlands. Redahtiom 8Äl. 68, Ltndctistrasoe 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 8. Angnst 1307. Expedition: 8 Cd. 68, Ltndcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. eine englische Debatte über äussere Politik. London, 4. August. Am 1. d. M. verhandelte das britische Unterhaus über der- schiedene Fragen der äußeren Politik: Egypten, Persien, englisch- russisches Einverständnis, Kongostaat, Mazedonien, Brüsseler Zuckerkonvcntion und die Haager Friedens- oder richtiger Kriegs- konferenz. Einige der besten Kenner dieser Fragen ergriffen das Wort und der Minister des Aeußern, Sir Edward Grey, schloß die Diskussion mit einer längeren Rede, in der er alle berührten Fragen vom Standpunkte der Regierung be- handelte. Aegypten ist seit 25 Jahren unter britischer Verwaltung und hat sich unter ihrem Schutze wirtschaftlich gut entwickelt. Der Ackerbau wurde durch die Nildämme neu belebt; die Fellahin(Bauern) wurden von den alten Hörigkeitslasten be- sreit und gehören jetzt zu den wohlhabenden Schichten des Landes. In die ägyptischen Finanzen wurde Ordnung ge- bracht, trotz der großen Schwierigkeiten, die sich aus der internationalen Verwaltung der ägyptischen Schulden ergaben. Die europäischen Finanzunternehinungen wurden zurück- gedrängt, um den Bauernstand vor Spekulanten zu schützen. Die ägyptische Bevölkerung hat sich im letzten Vierteljahrhundert bedeutend vermehrt; ebenso ist der ägyptische Außenhandel stark gewachsen. Diesen Errungenschaften gegenüber wird behauptet, daß die britische Verwaltung das geistige Leben der Aegypter hemme, die arabische Sprache zurückdränge, die national-ägyptische Be- wegung niederhalte und an der Anglisierung des Landes arbeite. Dann wird auf die Denschaui-Affäre hingewiesen, die zu rücksichtslosen Bestrafungen' einiger Bauern geführt hat. Die nationalistische Vcivegung in Aegypten verlangt die Unabhängigkeit von England. Im Grunde genommen ist die nationalistische Bewegung in Aegypten nur ein Teil jener großen asiatischen Bewegung, die jetzt vom Mittclmeer bis zum Stillen Ozean reicht und auf die Bildung von National- staaten, also auf die Abschüttelung des europäischen Joches ausgeht. Die Siege Japans haben diese Beivegung nicht hervorgerufen, Wohl aber gestärkt. Der Respekt des Asiaten vor der„blonden Bestie", der Glaube an die Ueberlegcnheit des weißen Mannes hat einen Riß erhalten. Ferner kommen Persien und das englisch-russische Ein- Verständnis in Betracht. In einer Korrespondenz vom 6. Juni 19lXi haben wir an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die liberale Regierung ein englisch-russisches Einverständnis zustande zu bringen sucht. Jetzt stehen wir vor der Unterzeichnung dieses Einverständnisses. Angesichts der innerpolitischen Zustände in Rußland ist der linke Flügel der liberalen Partei vom Erfolge der Diplomatie wenig erbaut. Die Radikalen (entschiedenen englischen Liberalen) sind sich klar darüber, daß die russische Regierung durch dieses Einverständnis an Festig- keit und Ansehen gewinnt, während der russische Liberalismus dadurch geschwächt wird. Ein großer Teil des englisch-russischen Einverständnisses bezieht sich auf Persien, womit auch über die Endstation der Bagdadbahn ein endgültiges Wort gesprochen werden dürfte. Nun ist aber die Lage in Persien die: Es gibt dort eine weite konstitutionelle Bewegung, der sich bedeutende Schichten des persischen Volkes angeschlossen haben; ihre Parole ist: Freiheit und Verfassung. Seit langem hat Persien nicht mehr eine so gute Gelegenheit ge- habt, sich zu erneuern und sich dem modernen Leben an- zuschließen. Aber gerade jetzt kommen England und Rußland überein, Persien zu teilen: Nordpersien an Rußland, Süd- persien an England. Das Schicksal Persiens erinnert lebhaft an die dritte Teilung Polens, die zeitlich mit der Entstehung einer konstitutionellen Bewegung in Polen zusammenfiel. Den englischen Liberalen ist deshalb dieser diplomatische Erfolg ihrer Regierung nicht angenehm. Ueber die Zustände im Kongostaat ist die Welt jetzt wohl unterrichtet. Er ist bekanntlich eine internationale Schöpfung, deren Aufgabe die Generalakte der Berliner Konferenz vom 26. Februar 1885 unter anderem wie folgt formulierte: Im Namen des allmächtigen Gottes I Seine Majestät der deutsche Kaiser usw.,...auf Mittel zur Hebung der sitt- lichen und materiellen Wohlfahrt der ein- geborenen Völkerschaften bedacht, haben infolge der von der kaiserlich deutschen Regierung im Ein- Verständnis mit der Regierung der französischen Republik an Sie ergangenen Einladung beschlossen, zu diesem Zwecke eine Konferenz in Berlin zu versannneln." Den Nationen wurde im Innern des Kongostaates Handelsfreiheit zugesich-'rt. Nun ist von der Wohlfahrt der eingeborenen Völkerschaften, noch von der Handelsfreiheit fremder Nationen keine Rede. Der König von Belgien schaltet und waltet dort wie ein Despot. Erst die Agitation in England, über die wir im vorigen Jahre berichteten, veranlaßte das belgische Parla- ment, sich mit den Kongozuständen zu beschäftigen. In Mazedonien hat das Miirzsteger Abkommen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland(1903) nichts an den bitteren Kämpfen der Bulgaren, Griechen und Türken geändert; die aus Grund dieses Abkommens getroffenen Reformmaßregeln (haben die Zustände nicht im geringsten gebessert. Um die Steuerlasten Mazedoniens zu erleichtern, gab England seine Zustimmung zur Erhöhung der türkischen Einfuhrzölle von 8 auf 11 Proz., über deren Bedeutung im„Vorwärts" vom 6. Juni 1906 näheres mitgeteilt wurde. - Was die Brüsseler Zuckerkonvention betrifft, so hat das britische Auswärtige Amt zu Anfang Juni dieses Jahres erklärt, daß England nicht länger gewillt sei, nach Artikel 4 der Brüsseler Zuckerkonvention(5. März 1902) zu handeln.- Dieser Artikel besagt:„Die hohen Kontrahenten verpflichten sich, Zucker, der aus Ländern stammt, welche für die Erzeugung oder die Ausfuhr Prämien bewilligen, bei der Einfuhr in ihr Gebiet mit einem besonderen Zoll zu be- legen". Dieser Artikel bedeutete den Ausschluß des Prämien- zuckers aus England. Die Ursache der Kündigung war die Agitation der Freihändler, die eben freie Einfuhr wollen, so- wie der Zuckcrwarenfabrikanten, die billigen Zucker verlangen. Schließlich kam die Haager Friedenskonferenz zur Sprache, die gegenwärtig ihre Sitzungen abhält, deren Geschichte Wohl bekannt ist. ' Dies waren die Punkte, über welche das britische Unter- haus am 1. August debattierte. Dr. R u t h e r f 0 r d verlangte. daß die wegen der Denschaui- Affäre zu hohen Gefängnisstrafen verurteilten Aegypter begnadigt werden. In Aegypten soll eine Universität und in den ägyptischen Gemeinden sollen öffentliche Lesehallen errichtet werden. Es wäre auch gut, den Aegyptern die parlamentarische Regierungsweise zu geben, die schließlich zur Selbständigkeit in allen inneren Angelegenheiten führen soll. Sir G. Parker machte der Regierung Vorwürfe dar- über, daß sie viel zu vorsichtig gegen die schreienden Uebel- stände im Kongostaate vorgehe. Die Eingeborenen sollen zu freien Bürgern gemacht werden. Jeder Engländer würde sich freuen, wenn das belgische Parlament die Verantwortlichkeit für die Zustände am Kongo übernehmen möchte. Sir Charles Dilke hielt eine längere Rede. Er meinte, England Werde Aegypten nie räumen. Auch Glad- stone erklärte im Jahre 1893, von einer Räumung Aegyptens könne keine Rede sein. Was Mazedonien betreffe, so habe England bereits manches durch seinen diplomatischen Einfluß geleistet, aber es müsse den eigentlichen Jntereffenten nicht vorgreifen. Auch für die Ausgestaltung der Haager Friedens- konferenz habe England das beste gewollt; es habe die Be- schränkung der militärischen Rüstungen verwirklichen wollen. Mit der Kritik gegen die Zustände im Kongo sei er ein- verstanden. England wolle nur, daß diejenige Macht, die die Verwaltung des Kongostaates übernehme, auch die Pflichten übernehmen solle, die in der Berliner Generalakte formuliert wurden. Mr. Mc K e a n(irischer Nationalist) ergriff dann das Wort, um König Leopold zu verteidigen./ Mr. Lynch, der die mazedonischen Zustände sehr gut kennt, fordert die Regierung auf, darauf zu achten, daß die türkische Zollerhöhung(von 8 auf 11 Prozent) den Maze- doniern zugute kommen soll. England trage den größten Teil dieser neuen Zollasten und müsse deshalb darauf sehen, daß das Geld richtig verwendet werde. Mr. Greenwood sprach ebenfalls zugunsten der Mazedonier. Nicht die Bulgaren, Serben oder Griechen, son- dern die Türken seien die Schuldigen. Die türkische Regierung spiele eine Nationalität gegen die andere aus, und durch Vcr- Weigerung aller Reformen halte sie das Land in Elend. Sie hat jetzt in Mazedonien eine Armee von nicht weniger als 80000 Mann, für deren Unterhalt die armen mazedonischen Bauern zu zahlen haben. England soll die Herabsetzung der Truppcnzahl verlangen. Mr. King meinte, England tue nicht genug für den Er- folg der Haager Friedenskonferenz. Er sehe mit Sehnsucht dem Tage entgegen, an dem England seine Delegation nach dem Haag schickt, um dort zu erklären, daß das ganze mise- rable Kriegswesen unrecht sei, daß England seine Armee und Flotte abgeschafft habe zugunsten'einer internationalen Polizei- truppe und daß England einzig und allein auf die Gerechtigkeit seiner Sache vertraue und sich auf das Urteil eines inter- nationalen Schiedsgerichts verlasse. Mr. Bonar Law, einer der Hauptführer der Tarif- reformer(Schutzzöllner) griff die Regierung an wegen ihrer Kündigung des Artikels 4' der Brüsseler Zuckerkonvention. Die Konvention sei gut, da sie die Zuckerproduktion in Westindien förderte und vielleicht auch in England zur Zuckerrübenkultur geführt hätte. Nachdem noch einige Redner über minder wichtige Dinge gesprochen hatten, ergriff Sir Edward Grey das Wort und führte aus: Wir haben uns gegen Artikel 4 der Brüsseler Konvention aus folgenden Gründen gewendet: Wir sind große Zucker- konsumenten, aber ganz unbedeutende Zuckcrproduzenten, während die Mehrheit der anderen Teilnehmer der Konvention große Produzenten sind. Und da die Mehrheit entscheidet, so setzen wir uns der Gefahr aus, unsere Interessen zu schädigen. Es kann zuweilen das Interesse der Produzenten sein, das Zuckerangebot zu beschränken. Dieser Möglichkeit wollten wir vorbeugen, denn wir dürfen uns in unserer Zuckernachfrage nicht binden lassen. Es ist wohl wahr, daß unsere west- indischen Kolonien manchen Nutzen von der Konvention haben, aber der Nutzen mancher Teile des Reiches darf nicht auf Kosten deS ganzen Reiches erkauft werden. Der Unterschied zwischen der Auffassung der Regierung und der von Bonar Law ist der Unterschied zwischen Freihandel und Schutzzoll. Die Denschaui-Affäre ist bedauerlich, aber darf man ein alleinstehendes Ereignis als typisch für unsere Verwaltung in Aegypten auffassen? Man muß auch bcdenkcu, daß der ganze Prozeß unter Ausnahmezuständen stattfand. Die Urteile waren streng, aber sobald wir sehen, daß man Begnadigung nicht als Schwäche betrachten wird, dann wird die Begnadigung nicht nur ein Akt der Gerechtigkeit, sondern auch gute Politik sein. Das Erziehungswesen in Aegypten schreitet fort. Jin Jahre 1888 war der Schuletat 70 000 Pfd. Sterl., jetzt be- trägt er 362000. Die ägyptische Regierung unterdrückt nicht die arabische Sprache, aber sie will, daß die Schüler auch eine europäische Sprache lernen, sei es französisch, englisch oder irgend eine andere europäische Sprache, da die ägyptischen Verhältnisse dies verlangen. Die ägyptische Bevölkerung, die seit Jahrhunderten nur eine Regierung der Gewalt, der Un- gercchtigkeit und der Korruption kannte, ist noch lange nicht reif für Selbstregierung. Unser Volk hat Jahrhunderte ge- braucht, ehe es die Fähigkeit erlaugte und die Kunst erlernte, sich selbst zu regieren. Das beste ist vorläufig, ägyptischen Beamten die Gelegenheit zu geben, in die Verwaltung einzu- treten, und die Befugnisse der ägyptischen Gemeinden zu er- weitern. Was die Haager Friedenskonferenz betrifft, so können wir nicht den anderen Mächten vorauseilen. Mutiges Voran- schreiten kann zur Reform führen, aber auch zum Martyrium, und eine ganze Nation darf man nicht zum Märtyrer machen. Wir müssen deshalb mit den übrigen Mächten Schritt halten. Ueber die Zustände im Kongo läßt sich nichts Neues sagen. Wie jedermann weiß, existiert dort ein System von Zwangsarbeit. Die Kongoregierung nennt das eine Steuer. Andere nennen es Sklaverei. Ich glaube nicht, daß ein solches System unter einer parlamentarischen Regierung be- stehen könnte. Es ist nicht gut, viel darüber zu debattieren; sonst könnte der Eindruck entstehen, als ob das belgische Parlament erst von England gezwungen werden müßte, human zu handeln. Wir haben bereits manches für Mazedonien getan. Wir wünschen in Uebereinstimmung mit den übrigen Mächten zu handeln. Die ganze Angelegenheit ist eine internationale, und wir können nur in diesem Rahinen handeln. Unsere Verhandlungen mit Rußland gehen darauf aus. die Ursachen, die zu Mißverständnissen und zu Krieg führen können, zu beseitigen. Wird die Beseitigung dieser Ursachen zur Freundschaft führen, so wird der Grad der Freundschaft von der öffentlichen Meinung beider Länder abhängen. Das Auswärtige Amt kann Kriegsursachen beseitigen, aber Freund- schaft zu erzeugen, liegt nicht in der Macht des Auswärtigen Amtes; diese hängt vom Volke ab und von der öffentlichen Meinung beider Länder. Mtllche Falschspieler! Auch die heute vorliegenden Aeußerungen der Zentrums» presse liefern wieder einen eigenartigen Beitrag zu der wunder- samen Taktik, die das Zentrum einschlägt, um für Preutzen das ReichStagSwahlrecht erkämpfen zu helfen. Denn nach den Bcteuc- rungen der ZentrumSprcsse will ja nunmehr— nach 34 jähriger absoluter Untätigkeit!— daS Zentrum den seit 1873 abgerissenen „Faden wieder aufnehmen" I Die führenden Zentrumsblätter gehen der wahlrechtsfcindlichen Reaktion dadurch zu Leibe, daß sie mit schmunzelndem Behagen die Auslassungen der konservativen Presse gegen den Freisinn abdrucken! So gibt die„Germania" einen Passus aus der„Kreuz- Zeitung" wieder, der dem Freisinn vorwirft, mit seinen Wahl- rechtsforderungen eine„wahre Erpresserpolitik" gegen die Regierung zu betreiben. Den Borwurf hat sich das Zentrum allerdings in feiner Preußenpolitik niemals zugezogen I ES hat seine Stellung als ausschlaggebende Partei niemals dazu benutzt, eine Bresche in die preußische Dreiklassenschmach zu legen! Auch die„Köln. V 0 l k s z t g." druckt die dem Freisinn ge- widmeten Hohnergüsse der„Kreuz-Ztg." vergnüglich ab. Ihr wie der„Gennania" verschwindet die ganze Wahlrechtsfrage völlig hinter der heute besorgten, morgen wieder hoffnungsvollen Frage: Was wird aus dem Block? Wird er durch das Aufrollen der preußischen WahlrechiSfrage in die Brüche gehen oder wird schließlich eine Wahlrechtsmogelei die mancherlei Risse des Blocks erst recht wieder zusammenkitten? Aber selbst unter diesem Gesichtswinkel ist die Zentrumstaktik so täppisch und unehrlich wie nur möglich I Gibt eS doch für das Zentrum kein besseres Mittel, den Block zu- sprengen, als ein energisches Vorwärtsdrängen des zaghaften und von Kuhhandelsgelüsten erfüllten Freisinns I Sobald der Freisinn gezwungen wird, die Forderung der Ein- führung des Reichstagswahlrechts in Preußen ernsthaft zu erheben und die von der Bülow-offiziösen„Franks. Ztg." geforderte Karenzzeit der Regierung zu versagen, ist der Block gesprengt I Das Zentrum braucht also nur s e l b st den Wahlrechtskampf kraftvoll aufzunehmen, um dem Freisinn jeden Schleichweg zu verlegen, jedes Kompromiß unmöglich zu machen. Freilich würde das Zentrum sich dadurch— fürs erste wenigstens— selbst der Möglichkeit berauben, an der Stelle des Freisinns in den Block einzurücken. Und die Sehnsucht nach seiner einstigen Position an der Seite der konservativen Brot- und Fleisch- Wucherer ist gerade das allöeherrschende Gefühl der geschorenen Reaktionäre! Ob das Proletariat auch künftig in Preußen ent- rechtet ist, ist dem Zentrum heute genau so gleichgültig, wie es ihm all die Jahrzehnte hindurch gleichgültig war I Deshalb begnügt sich das Zentrum mit der platonischen Forderung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, ohne auch nur einen Finger für dessen E r k ä m p f u n g zu rühren. Es will sich ruhig aufs Abwarten verlegen, um möglichst eine Gelegen- heit zu erhaschen, den Freisinn doch noch aus seiner Position zu ver- drängen. Durch ein U e b e r b i e t e n der freisinnigen Wahlrechts- forderungen ist das nicht möglich, eher noch durch ein Unter- bieten! Darum nur kein unvorsichtiges Festlegen auf klar um- schriebene Mindestforderungen. Ein allerliebstes Spiel, dieser frcisinnig-ultramontane Weit- belverb um die Gunst der Reaklion. Aber die Sozialdeinokratie wird dafür sorgen, daß dies Spiel sich in jedem Sinne als F a l s ch s p i e l erweist I_ Zur Frage der Mgetbewiillgung. Auch mehrere Parteiblätter haben sich bereits zur Vudgetbewilligung durch die württembergische Sozialdemokratie geäußert. So ließ sich die Frankfurter„Volks stimme" aus Stuttgart schreiben: „Unsere Genossen im württembergischen Landtage werden sich wohl hüten, die Ausnahme zur Regel zu machen. Damit würden sie sich auf eine schiefe und schlüpfrige Ebene begeben, auf der es so leicht kein Halt mehr gibt. Es muß für einen Sozialdemo- kratcn unmöglich sein, regelmäßig für ein Budget zu stimmen, weiches die Zivilliste, die Apanagen und Krön- Dotationen enthält, in ivelcheS das Kultusbuvget in einer direkt verfassungswidrigen Weise aufgenommen ist. in dem die Deckung fast zu eincni Drittel durch indirekre Abgaben vorgesehen ist und in welchem die Summe der direkten Abgaben durch ein äußerst unvollkommenes Sleuergeseh bestimmt wird. Dazu kommt noch, daß Württemberg eine Erste Kammer besitzt, die den Bolkswillen auf Schritt und Tritt hemmt. Bei� Betrachtung dieser Verhältnisse wagen wir die Hoffnung auszusprechen, daß der Jubel der bürgerlichen Presse über die Mauserung der Sozial- demokratie ein unbegründeter ist. Die württembergische Landtagsfraktion kann allerdings nicht ganz von dem Vorwurf freigesprochen werden, Ursache zu dem Behagen gegeben zu haben, mit� der von der bürgerlichen Presse die Nachricht von der Zustimmung unserer Fraktion zum Etat aufgenommen wird. Bei der E r ö f f n u n g des Landtages haben unsere neugewählten Genossen auch den höchst über- flüssigen mittelalterlich-höfischen Formelkram e r st in a l s mitgemacht, und unsere Gegner sehen in der Zu- stimmung zum Etat keinen Ausnahmefall, sondern nur eine kon- scquente Fortführung einer angeblichen Wandlung. Der Lübecker Varteitagsbeschluß besteht noch zu Recht. Schlußabstimmung über den Etal ist für unsere Partei keine inhaltslose Formel, sondern eine gute Gelegenheit, den grundsätzlichen Gegen- fatz des Proletariats zur kapitalistischen Klassenregierung zum Ausdruck zu bringen." Tiefe Acußerungen hat sich eine Reihe anderer Partei- blätter, so die„Fränkische Tagespost" und die Mannheimer„Volks stimme", zu eigen gemacht. Die Magdeburger„Volks stimme" fügte noch redaktionell hinzu: „Soweit unser Stuttgarter Mitarbeiter. Er plädiert dafür, die Zustimmung zum Etat als einen Ausnahmefall auf- Anfassen von der Art, wie eS in dem Lübecker Beschluß vorgesehen ist. Seiner Argumentation ist jedoch eines entgegen- zuhalten: Es liegt im Wesen der Sache begründet, daß die meisten Einzelpositionen der einzelstaatlichen Etats Forderungen enthalten, die von der Sozialdemokratie bewilligt werden müssen; die Positionen, die sie aus prin- zipiellen Gründen ablehnen müssen, treten demgegenüber weit zurück. Die Frage, die sich bei dem Streit über die Budgetfrage erhebt, ist nun die: soll man sich mehr von der Rücksicht auf die erstere oder von der auf die zlveite Art der Etatpositionen leiten lassen? Die württembcrgischen Genossen haben diesmal die Frage so entschieden, daß sie sich von den Ausgaben für Kultur zwecke leiten ließen, und dabei mag ja die Rücksicht auf die Verbesserung der Bcamtengehälter eine große Rolle gespielt haben. Was in diesem Jahre aber für die Beamten, geschieht, wird im nächsten Jahre vielleicht einer anderen BevölkerungS- gruppe zuteil, so daß sich die Frage von neuem erhebt: Sollen wir für oder gegen den Etat stimmen? Uns will es nicht recht einleuchten, daß sich unsere Genossen im württembergischen Landtage nicht klar gewesen wären über diese ein- fache Situation und daß sie sich bei ihrer Abstimmung lediglich von den Motiven hätten leiten lassen, die unser Stutt- gartcr Korrespondent darstellt. Die Erklärung, die unser Kor- respondent gibt, befriedigt uns n i ch t." Das„Öffenbacher Abendblatt" findet, daß die Vewilligirng des Budgets durch unsere württembergischen Genossen„im„Vorwärts" mit bemerkenswerter Zurückhaltung, beinahe zustimmend" behandelt worden sei. Dieser seltsame Irrtum erklärt sich daraits, daß unser Offenbacher Parteiorgan völlig übersehen hat, daß die beiden ersten Artikel, aus denen es diesen Schluß zieht, in einer einleitenden Ve- merkung der Redaktion deutlich als Darlegungen ihres Stuttgarter Mitarbeiters gekennzeichnet worden waren, zu denen sich die Redaktion die anschließende eigene Stellungnahme ausdrücklich vorbehielt. Ueber diese Stellung- nähme urteilt beiläufig die„Deutsche Tages-Zt g.": „In der Form ist ja diese Kritik verhältnismäßig zahm, in der Sache aber so scharf lvie nur möglich." flu; dem Polizeifumpf. Polizeiminister kommen und gehen, ebenso Polizeipräsidenten; ste hinterlassen keine Spur; der einzig feste Punkt in dieser Er- scheinungen Flucht ist und bleibt auf dem Alexanderplatz der Spitzel. Er wird vom Herrn„Hauptmann" Arnim und von dem bei„seinen" Untergebenen so überaus beliebten Wachtmeister Diener— in seinem Zivilverhältnis nebenbei auch noch ein sehr frommer Diener vor dem Herrn— nach wie vor in die sozialdemokratischen Vereine, Geschäfte u. dcrgl. gesandt. Man hat sich in Parteikreisen schon hier und da gefragt, ob es nicht besser sei, man behalte die Alexanderplatz-Deputierten einfach als„faule Kunden" im Auge, denn mache man den einen unschäd- lich, so komme einfach ein anderer, den herauszufinden immer eine gewisse Zeit erfordere. Aber von Zeit zu Zeit muß doch ein Exempel statuiert werden. Im Grunde ist ja bei den Wahlvereinen und ihren Vereins- und Abteilungssitzungen wirklich nichts auszuspionieren, was das Licht der Ocsfeutlichkeit zu scheuen hätte, und wären der preußische Landtag und der Freisinn als Opposition in demselben politisch nicht gar so verlottert, wie eS sich in den letzten Jahren gezeigt hat, so hätte der polizeiliche Geheimfonds nicht Jahr für Jahr glatte Bewilligung finden können. Ein oder der andere freisinnige Berliner Abgeordnete hätte— in alter freisinniger Tradition— zwar nicht gegen daS System der politischen Polizei losgcdonnert, aber doch gegen die geradezu bornierte Art, daS Geld der Steuer- zahler zum Fenster hinauSzuiverfen, wie eS die Berliner Polizei in bezug auf die Bespitzelung der sozialdemokratischen Bewegung seit Jahren tut, seine Stimme erhoben. Wir können heute zu den N e u m a n n, Hemker o tutü quanti einen neuen Kollegen reihen. A. Palm, Kriminalschutzmann, Z o s s e n e r st r. LS, hat sich vor einigen Monaten im zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreise als Max Heise, Mechaniker, Willibald AlexiSstr. 32. vorn III bei Möck in den Wahlvcrein aufnehmen laffcn. Er gab an, jetzt Musiker zu sein und abends und Sonntags in Schönhausen zu spielen. In der Willibald AlexiSstr. 32 gab F r a u M ö ck bei einer Rücksprache nach „Max Heise" an, Herr Heise sei zwar schon weggegangen, aber sein Jnstrumentcnkastcn sei noch da. Am anderen Morgen kam dann „Heise" gleich zu dem recherchierenden Genossen gestürzt, um zu er- fahren, was er von ihm gewollt habe. Mit dieser Recherche war für die Genossen festgestellt, daß Frau Möck über die Person dcS Herrn„Max Heise"— unter diesem Namen hatte Palm auch deu„Vorwärts" nach der Willibald Alexis- straße bestellt— völlig im klaren und ihm sein Hand- werk zu erleichtern bemüht sei. Das braucht nicht wunder zu nehmen. Herr Möck— P o st b e a mt er— ist der Sohn des Hausbesitzers Möck, Zossenerstr. 25, wo Herr Kriminalbeamter A. Palm wohnt! Herr Max Heise war natürlich im Wahlvcrein bemüht, sich als recht eifriger und gcsinnnngStüchtiger Genosse zu bewähren— wo immer ein kleiner Streit war,„Genosse Heise" blies wacker ins Feuerlein. Speziell der Bäckerbohkott gab ihm Gelegenheit, seinen Parteieifer bei mehreren Anlässen ins hellste Licht zu rücken. Er konnte hierbei sein altes und sein neues Handwerk vereinigen, indem er herausspitzelte, ob Genossen etwa noch Brot bei Bäckern kauften, die nicht auf der Liste der Bewilligten standen, und wehe, wenn er so etwas herausfand. Dann zeigte er sich als tapferen Genossen, der„auch mal eine Lippe riskierte". Be- sonders eifrig war er bemüht, zu erfahren, woher„sein" Abgeord- neter seine Frühstiicksbrötchen bezog; er unterzog sich in uneigen- nützigstcr Weise der Mühe, in der Möckernstraße bei verschiedenen Bäckern nachzufragen, ebenso bei Triebensee in der Lichterfelder- straße. Interessant ist es dabei, daß diese stramm freisinnigen Bürgergrößen den Menschen, der sich nach ihren Geschäfts- beziehungen erkundigte, nicht einfach am Kragen nahmen und an die stische Luft setzten, sondern ihm— trotz ihre? obligaten Geschreis über die angeblich unerträgliche polizeilichen Schnüffeleien beim Bäckereiarbeiterschutzgesetz— submissest Auskunft gaben. Ja, ja ... der Knecht singt gern ein FreiheitSlied des Abends in der Schänke... wenn? die Wohllöbliche nicht hört. Schließlich roch Kriuiinalschutzmann A.Palm, Z o ssen e rstr. 25, den Braten; er kam letzten Mittwoch nicht mehr zum Zahlabcnd, obgleich er am Montagabend in der Abteilungssitzung noch tapfer den eifrigen Genossen herauskehrte, und nicht am Freitag zur Be- zirksführer-Sitzung, wodurch die Genossen um daS Vergnügen ge° bracht wurden, in Gegenwart des überwachenden Polizeileutnants die melodramatische Verwandlungsszene mitanzusehen, wie der musikalische Mechaniker MaxHeise, Willibald AlexiSstr. 32. vorn III, bei Möck. sich plötzlich in den taubstummen Kriminalschutzmann A. Palm, Zossenerstr. LS, verwandelte. Die Genossen der anderen Berliner Kreise können ja bei späteren Gelegenheiten daS nachholen, wenn er, wieder couragiert geworden, daS alte Spiel von neuem beginnen muß. Mit Emphase hat die politische Polizei von jeher erklärt, die von ihr abgesandten Beamten und Achtgroschenjungen hätten den strengsten Auftrag, sich nur passiv zu verhalten, nicht etwa den agont provocateur, den„Lockspitzel" zu spielen. Aus den Anarchisten- Prozessen, au§ der Schröder-Haupt« Affäre, aus der Wohl- gemuth-Geschichte usw. wissen wir, was davon zu halten ist. Aber vielleicht geben die Vorgesetzten deö Herrn Palm Auskunft, ob sie ihren Beamten angewiesen haben, durch Erregung und Schürung von Unfrieden und Zänkereien unter den Genossen— das war Heises Haupttätigkeit— seinen Befähigungsnachweis zu erbringen. Im übrigen: Fortsetzung folgtbald wieder! Sie marokkanische Lawine. Die marokkanisch-französische Affäre entwickelt sich folgerichtig und dem Programm gemäß, das für kapitalistische Knlturmissioncn üblich ist. Die marokkanische Bevölkerung eines OrteS, gereizt durch die sich mehrenden Anzeichen der beginnenden ökonomischen Fremd- Herrschaft, schlägt nach Barbarenart um sich, die Franzosen nehmen blutige Rache, die Kunde von ihren Taten durcheilt daS Land und stachelt die nationalen Leidenschaften; schon drohen an verschiedenen Plätzen neue FranzosenmassakreS, neue Repressalien werden die Ant- wort sei». Gleich einer Latvine wächst die Affäre an und gibt der französischen Regierung erwünschte Gelegenheit, immer mehr Nägel in die marokkanische Erde zu schlagen, trotz der Marokko- konferenz und des angeblichen Erfolges, den Deutschland dort erzielt hat. Schon reden englische Blätter ziemlich unverblümt von der Notwendigkeit, Marokko erobern und verwalten zu lassen durch Mächte, die bereit seien, die Verantwortung zu übernehmen. Die Tagesmeldungen lauten: Tanger, 7. August. Ueber die Ereignisie in Casablanca vom 5. August bringt die Agence HavaS folgende genaue Dar» stell ung: Auf Verlangen des französischen Konsuls Neuville war am 4. August im Einverständnis mit dem Pascha der Stadt Mnley Amin und'dem Kommandanten des„Galilee" beschlossen worden, daß am folgenden Morgen um 5 Uhr daS Hafentor geöffnet werden sollte, um eine LandungSkompagnie einzulassen, die das Konsulat beschützen sollte. Als die Kompagnie ankam, wurde sie von den Arabern, unter denen sich zahlreiche Soldaten deS Maghzcn befanden, mit Gewehrfeuer empfangen. Ein Fähnrich und sechs Matrosen sind leicht verwundet worden. Nachdem das Tor vom Feinde gesäubert war, besetzte die Kompagnie das Konsulat, ivührcnd der Kreuzer„Galilee" die Stadt beschoß, wobei die Häuser der Europäer geschont wurden. Der Kreuzer„Du Chayla", der vorging, schickte eine LandungSkompagnie mit dem Kommandanten Mangin ab. Darauf begann die Beschießung der von den Marine- truppcn besetzten Stadt, die mehrere Angriffe der Stämme auf die Stadt zurückschlugen. Der Kreuzer„Du Chayla" zerstreute den Feind durch Melinitgranatcn, durch welche die Araber schivere Ver- luste erlitten haben müssen. Europäische Bewohner der Stadt sind nicht verwundet worden. Tanger, 7. August. Die Matrosen, welche die Stadt Casa- blanca besetzten, haben mehrere neuerliche Angriffe der Kabylen zurückgeschlagen. Die Verluste der Araber sind beträchtlich. Londoil, 7. August. Nachrichten aus Tanger zufolge hat sich die Lage in Mazagau weiter verschlechtert. Der französische Gesandte in Tanger hat beschlossen, ein Kauffahrteischiff nach Mazagau zu entsenden, um den Europäern Gelegenheit zur Flucht zu geben. Auch der Fremden in Rabat hat sich, wie verlnutet, eine große Unruhe bemächtigt. Die Europäer leben stündlich in Erwartung eines Angriffs der Eingeborenen. Paris, 7. August. Eine Privatdepesche aus Tanger meldet, daß die dortige französische Gesandtschaft gestern abend den Danyiscr „Emir" der Kompagiiie Mixte gechartert habe niit dem Befehl, sofort nach M a z a g a n zu gehen, um die dort ansässigen Franzosen und die übrigen Europäer an Bord zu nehmen. Die Lage in Mazagau sei sehr ernst. Unter den Eingeborenen von Tanger herrsche große Erregiiilg über das Bombardement von Casablanca. Die französische Kolonie, die Unruhen befürckite, fordere dringend, daß auch nach Tanger ein Kriegsschiff geschickt werde. Tanger, 7. August.(Meldung der Agence HavaS.) Die drei Schiffe der Division Philibert sind heute früh 1 Uhr LO Min. bei Kap Spartet gesichtet worden und dürften bald nach Mittag in Casablanca eintreffen. KnegSminister Gebbas hat die Mannschaften der hiesigen Garnison, die den Stämiucn der Umgebung von Casa- blanca angehören, entwaffnen lassen. Europäer dürfen die Wacht- Posten außerhalb der Stadt nicht passicrcii. Toulon, 7. August. Infolge der Ereignisse in Casablanca heißt es, die erste Division des Miitelmeergeschwaders unter dem Befehl des Admirals Touchard werde nach Maroiko entsandt werden. »» * Paris, 7. Augnst.(Meldung der Agence Havas.) In der Mit- teilimg, welche heute den Signatarmächte» der A l g c c i r a s- Akte von den Vertretern Frankreichs überreicht ivurde, heißt cS in der Hauptsache, daß die Creignisje den beschlossenen Maßnahmen. die den Mächten notifiziert werden sollten, zuvorgekommen seien. Die Note fügt hinzu, daß eine dringende Not- wendigkeit es immer mehr gebietet, die Polizei in den Häsen Marokkos zu organisieren. Sie bekräftigt den Entschluß Frankreichs, die Autorität des Sultans und die Unabhängigkeit und Unversehrt- heit seines Reiches aufrechtzuerhalten ii»d zu wahren. Die Note meldet ferner, daß die Ordnung, Sicherheit und Freiheit deS Handelsverkehrs in Casablanca garantiert und daß die Urheber der Niedermetzeluiigen und der Anschläge der Bestrafung nicht entgehen werden. Schließlich erklärt die Note ausdrücklich, daß die Polizei in Casablanca und der Umgebung im Verein mit Spanien organisiert werden wird. politische(lebersicbt. Berlin, den ä. August 1907. Freisinnige Konzcssionsschnlzes. Die„Weser-Zeitung" polemisiert abermals gegen Naumann. Sie stimmt ihm darin zu, daß der Freisinn auch in Preußen das allgemeine Stimmrecht„fordern" müsse. Die Einführung des Neichstagsivahlrechts bedeute auch keineswegs für Preußen die G e f a h r einer U e b e r f l u t u n a des Landtages durch die Sozialdemokratie.„Was wir bekäinpft haben, das ist dieselbe Maßregel für die kleinen hanseatischen Stadtstaaten, weil diese der Gefahr einer sozialdemokratischen Mehrheit in der Volks- Vertretung in der Tat ausgesetzt sind." Ein netter„freisinniger" Standpunkt! Der Frei- sinn tritt zivar„grundsätzlich" für ein dcmo- kratisches Wahlrecht ein, aber er gibt diesen„Grund- satz" sofort preis, sobald die Demokratie eine der Kapitalistcnklasse unangenehme Wirkung haben könnte! Auf diesem famosen Standpunkt steht übrigens auch der frei- sinnig-volksparteiliche Abgeordnete für Brcnwn, H o r m a n«, der kürzlich bei einer Abstimmung über einen Wahlrechts- antrag in der Bremer Bürgerschaft, lvo es Farbe zu bekennen galt, vorsichtshalber durch Abwesenheit glänzte! Aber mit dem„grundsätzlichen" Eintreten des hanseatischen Freisinns für das ReichstagSwahlrecht für Preußen hat es ebenfalls seinen Haken. Der Freisinn, fordert die„Wcser-Ztg.", soll hier das allgemeine, gleiche usiv. Wahlrecht„fordern", aber wenn dadurch der Block gefährdet werden könnte, doch lieber auf ihre Grundsätze pfeifen. Sehr hübsch leitet das freisinnige Blatt diese Forderung der Preis- gäbe der„Grundsätze" mit folgender Darlegung ein: „In g c i st i g h o ch st c h e n d c n(!) freisimiigcii Kreisen macht man kein Hehl daran?, daß niaii auf manches verzichten muß, was einem am Herzen liegt. Dazu gehört vorläufig der Bruch deS Reiches mit der agrarischen Zoll- Politik. Der neue Zolltarif steht fest, auch die meisten Handels- Verträge sind neu geordnet. Es kommt noch daraus an, mit den Vereinigten Staaten und Argeulinien zu neuen Verträgen zu kommen, und ivir Liberalen müssen sehen, sie möglichst günstig zu gestalten. Aber sich an dem festen Eckstein des Agrariertums den Schädel einzurennen, kaim unmöglich die Taktik derer(ein, die die Blockpolitik unter- st ü tz ei» wollen." Eine nette Logik: Um die B l o ck P o l i t i k, die Politik der Preisgabe aller freisinnigen Grundsätze, nicht in die Brüche gehen zu lassen, nrnß der Freisinn auch seinen Kampf gegen die agrarische Wirtschafts- Politik einstellen! Damit dem Freisinn gnädigst gc- stattet wird, n a t i o n a l l i b e r a l zu sein, muß er auch die agrarischen Elefanten schlucken! Zur Wahlrechtsfrage selbst sagt dann das Blatt deS hanseatischen Freisinns: „Wie gesagt: eS ist selbstverständlich, daß die Frcistunigen daS allgemeine Stimmrecht für Preußen fordern müssen. Ader die A u s s i ch t, es zu b e k o ui m e n, i st s e h r g e r i n g. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Regierung, das Herrenhaus oder auch nur das AbgeordiietenhauS darauf eiugeht. Was lv i r d Herr Naumann dann sagen? Wird er dann den M n t haben, zu erklären: wenn Ivir nicht das allgemeine Slimuirecht für Preußen erhalten, dann wollen wir gar nichts, dann bringen wir die Blockpolitik zum Scheitern, da»» ist uns die Rückkehr zur konservativ- ultramontanen Politik lieber?" Also„fordern" darf der Freisinn das Reichstags- Wahlrecht, aber nur in der festen Voraussicht und der heroischen Entschlossenheit, diese „grniidsätzliche" Fordcrnng gleichwohl fallen zu laffc». sobald dadurch der Block aus dem Leim zu gehe» drohte I Mau weiß also im voraus, was man von den freisinnigen WahlrechtSkämpsern zu erwarten hat!— Nochmals die Zengenqualität des Licbert. Die„Voss. Ztg." veröffentlicht eine Zuschrift deS ehemaligen Herausgebers der Zeitschrift„Die Kolonien", Dr. C. Th. Förster, der sich ausdrücklich als.Alldeutscher" und Kolonial- Nciind bezeichnet, über die„Zuverlässigkeit" der Zeiigenbckuiidiiiigcu deS Herrn Liebert im Münchener Peicrsprozcß. Herr Dr. Förster, der soeben von einer JliformatioiiSieise au§ Ostafrika zurückgekehrt ist, bestreitet ganz entschieden, daß die Charakteristik, die Herr Liebert von den Eingeborenen gegeben habe, zutreffe. Die Eingeborciicil seien weder Diebe noch Lügner; allerdings sei nichts leichter, als die Eingeborenen zu jeder gewünschten Ans- sage zu bringen, da sie sich vor den Weißen fürchteten. £.?c Eingeborenen seien anch nicht �träge", vielmehr bei einem Moiiatslohn von 4M. söhne Beköstigung!) sehr wertvolle Arbeiterl Herr Dr. Förster erklärt u. a.: „Auch politisch hat Herr v. Liebert� das Volk nicht richtig dargestellt. Die verschiedenen Stämme waren immer und ständig, wie die alten Germanen, in Feindschaft und Fehde unter sich und wider die Steppen bewohnenden Massai, die sie eben wegen ihrer Uneinigkeit nie bezwingen konnten. Es ist eine durchaus unrichtige Darstellung, wenn gesagt wird, die kleine deutsche Expedition des Herr» Dr. PeterS hätte 120»00 Dschaggaleute zu fürchten gehabt im Jahre 1891. Dr. Peters war v e r b ü n d e t mit Moschi, Marangu. Mamba und dem Häuptling Kinabo von Rombo - also mit den Landschaften um seine Marangustation herum, als er im August 1891 gegen einen Teil von Rombo zu Felde zog.... Auch die Herbeiziehung der v. Bülowschen Niederlage, nachdem Dr. Peters den Berg wieder verlassen hatte, darf nicht gegen, die Dschagga ausgespielt werden, denn tatsächlich hat, nach Aussage glaubwürdiger Leute, v. B ü l o w jede Friedens- Verhandlung, aus Anlaß eines Streites zwischen Soldaten und Eingeborenen, seiner Zeit abgelehnt und den Wider Willen kämpfenden Meli von Moschi angegriffen. Dieser Angriff von v. Bülow war in politischer und auch militärischer Hinsicht ein großer Fehler, schon weil v. Bülow nicht die nötigen Truppen zur Verfügung hatte. Auch Dr. Peters, ohne die Treue der Verbündeten, in deren Land er saß, hätte sich nicht einen Tag halten können. Die Treue des Mareale von Marangu aber war ihm ganz sicher, da ja dessen Boten von den Romboleuten, die weit entfernt wohnten, scheußlich ermordet waren, und Marangu Rache forderte mit Dr. Peters' Hülfe. Roinbo war es auch, wo später Dr. Lcnt ermordet, und noch heute ist der äußerste Osten von Kilimandscharo nicht einwandsfrei sicher, zumal man die Rombo- leute unter Benachteiligung des stets treuen Mareale von Marangu durch Zuwendungen von einem großen Teil von Mareales Vieh noch hochmütiger gemacht hat. Wenn irgend wohin, so gehört noch heute nach Rombo eine Garnison. Deswegen braucht aber „der große Herr" in Moschi nicht für seinLeben zu fürchten."_ Brotwucherstolz. Während die Zentrumsarbeiter mehr und mehr erkennen, daß chnen mit dem neuen Zolltarif Stockschläge auf den Magen appliziert werden, fühlt sich die„Kölnische Volkszeitung" noch gedrungen, für das Zentrum ausdrücklich den Ruhm in Anspruch zunehmen, an dem Zolltarif eifrig mitgewirkt zu haben! In einer Polemik mit der„Deutschen Tages- z e i t u n g" reklamiert sie ihren Ruhmesanteil an dem Raubzug auf die Taschen des Volkes also: „Die deutsche Landwirtschaft erfteut sich heute eines Zoll- t a r i s s, unter dessen Herrschaft ihre Verhältnisse sich wesentlich gebessert haben. Sie verdankt diesen Tarif, soweit dabei die Regierung in Betracht kommt, an erster Stelle dem Grafen Posadowsky, der der„Deutschen TageSztg." jetzt nicht.staatsmännisch" genug ist, und soweit die P a r t e i e n in Betracht kommen, an erster Stelle dem Zentrum, das jetzt unter eifriger Mitwirkung der„Deutschen Tagesztg." ausgeschaltet werden soll. Das ist der Dank vom Hause des Bundes!" Die agrarisch ausgewucherten Zentrumsarbeiter wissen nun wenigstens ganz genau, wem sie in erster Linie die Brot- und Fleischteuerung zu verdanken haben I— Christliche Gewerkschaftler«nd Agrarier. Die christlichen Gewerkschaftler im Baherlande, die die fromme Gegend um Regensburg als Tätigkeitsfeld für ihre Organisations- bestrebungen unter den Landarbeitern ausersehen hatten, sind sehr bald belehrt worden, daß es mit ihrer Spekulation auf das gute Herz der Agrarier nichts war. Sie haben vergebens versichert, daß die Organisation der Landarbeiter den Gutsbesitzern einen festen, treuen Stamm von Arbeitern sichern werde, daß die Forde- rungen der Landarbeiter nur sehr bescheiden und alle Gedanken an einen Ausstand ausgeschlossen seien. Die Agrarier zeigten sich trotzdem so hartnäckig und brutal gegenüber den christlichen Organi- sationSbcstrebungen, wie es nur je ein industrieller Scharfmacher vermocht hat. Im„Bayerischen 51urier" schildert nun ein christ- licher Gewerkschaftsführer daZ Verhalten der Gutsbesitzer im Rcgensburger Bezirk:„Wir verhandeln nicht!— dieses brutale Wort, das schon in der Industrie so viel Unheil angerichtet. das schon so viele Familien in Not und Elend gestürzt hat, ertönt nun auch in der Landwirtschaft. Man will keinen Frieden. Selbst die leisesten Wünsche der Arbeiter� bleiben unberücksichtigt.... Wir wollten den Frieden, weil wir die Land- Wirtschaft für notwendig halten, wir wollten sie kräftig erhalten gegenüber dem Auslande. Nun aber macht man uns die Friedens- arbeit unmöglich, man will den Krieg!" Die Zuschrift des christlichen Gewerkschaftsmannes legt dann dar, was sich nun weiter ereignen werde: Tie christliche Arbeiter- sckiaft, die bisher für den landwirtschaftlichen Schutzzoll eingetreten sei, in der Erwartung, daß davon auch die Landarbeiter in Gestalt höherer Löhne profitierten, würde es sich wohl über- legen müssen, ob sie fernerhin nicht„ihre Stellung zur Landwirtschaft revidieren" werde. Bisher habe ein patriarchalisches Verhältnis auf dem Lande geherrscht, damit werde es nun aus sein; an Stelle des Zutrauens zur Herrschaft werde Mißtrauen. Haß und Ingrimm treten. Die Landarbeiter könnten nun die wahre Gesinnung ihrer Arbeitgeber, die Landwirtschaft müsse für die Zukunft mit denselben Kämpfen wie die Industrie rechnen; eS werde jetzt in Deutschland Wohl nicht anders gehen wie in Italien, Unaarn usw. Endlich:„Wir haben bisher vermieden. Mißstände auf dem Lande aufzudecken, in der Hoffnung, die- selben in kürzester Zeit auf friedlichem Wege ohne großes Geschrei zu beseitigen. Unsere Taktik werden wir wohl revidieren müssen, wollen wir überhaupt Hülfe für die Landarbeiter schaffen. Wir haben keinen Grund mehr, der Oeffentlichkeit jene Dinge vorzuenthalten, die einer allgemeinen Verurteilung sicher sind."..... DaS ist recht christlich. Erst den Ueberbcschcidenen spielen und winselnd auf alle Rechte verzichten, und dann den Groß- mäuligen herauskehren und das Kriegsbeil schwingen. Die Agrarier haben sich durch das Winseln der Ehristlichen nicht er- weichen, sie werden sich durch das Drohen der Christlichen nicht er- schrecken lassen. In dem einen wie dem anderen offenbart sich nichts als die Ohnmacht der Christlichen.— Eine Ungesetzlichkeit der reichsländischcn Regierung zugunsten ocS Klerikalismus. Gelegentlich des e u ch a r i st i s ch e n K o n- g r e s s e s, der in den nächsten Tagen in Metz stattfindet, soll unter großem Gepränge eine Prozession durch die Straßen der Stadt veranstaltet werden.' Die Vorbereitungen hierzu sind bereits im vollen Uinfange getroffen. Nun heißt es aber in dem heute noch zu Recht bestehenden Gesetz voiü 18. Germial X(ein Gesetz aus der Revolutionszeit) unter§ 45;„In den Städten, in welchen sich Kirchen verschiedener Religionsbekenntnisse befinden, hlkt keine reli- giöse Feierlichkeit außerhalb der dem katholischen Kultus gewid- metcn Gebäude stattzufinden." Die Prozession ist also rechtlich un- zulässig. Tie Regierung aber sieht allen Vorbereitungen schwei- gcnd zu und gedenkt offenbar, eine gegen den klaren Wortlaut des Gesetzes verstoßende Handlung mit zugedrückten Augen zu dulden. Die Äirchenbehörde der Metzer Protestanten hat jedoch gegen die Prozession Protest eingelegt und man darf gespannt sein, was die Regierung, die es mit den Klerikalen nicht verderben möchte, nun tun wird. Wie aber die Regierung bestrebt ist, dem Volke die Reli- gion zu erhalten, geht daraus hervor, daß sie die von den Frei- denkern geplanteil Protestkundgebungen(öffentliche Vcrsamm- lungen, Maueranfchläge) untersagt hat. Wir haben nichts gegen die Abhaltung von Prozessionen, Um- zügcn, Versammlungen unter freiem Himmel usw. einzuwenden; aber was der einen fiirchcngcmeiuschaft recht ist, ist der anderen billig. Verschiedenes Maß. Wegen angeblicher Beleidigung des ObcrkriegsgerichtS des I. Armeekorps hatte sich am Dienstag, den 6. d. M., der Redakteur der„Königsberger Volközeitung", Genosse Marckwald, vor der sogenannten Schubert-Straskainnicr zu verantworten. In Anbetracht des Charakters dieser Kammer war mau auf eine Verurteilung zu hoher Strafe gefaßt, insbesondere weil der Angeklagte bereits zehn Vorstrafen ans politischem Gebiete hinter sich hat. Strafantrag halte der kommandierende General des I. Armee- korps gestellt wegen eines Berichts über eine OdcrknegsgerichtS- Verhandlung, in dein behauptet worden ivar, daß in der Berufung.'- fache des angeklagten Soldaien das Urteil erster Jilstanz ganz verlesen wurde, während das Urteil gegen einen an der Sache be- teiligien Wachtmeister nur zuni Teil und seine Vorstrafen gar nicht verlesen worden seien. Der Angeklagte gab ohne weiteres zu, daß der sonst sehr zuverlässige Berichterstatter, der ihm den Bericht ge- bracht, sich in dieser Beziehung geirrt hätte, was er auch bereits in einer von, Kriegsgericht verlangten Berichtigung öffentlich zugegeben habe. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt, indem er sehr heftige Angriffe gegen die Person des Angeklagten und gegen unser Partei- organ richtete, sechs Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt'Genosse Haase, wies zunächst die persönlichen Angriffe des Staatsanwalts zurück und widerlegte dessen Behauptung, eS handle sich um eine schwere absichtliche Be- leidigung, die auch nicht durch die Zurücknahme des Angeklagten gemildert werde. Dann wandte er sich mit den Worten an die Richter:„Nimmt man aber wirklich an, es läge hier eine Beleidigung vor, so kann sie unter den gegebenen Umständen doch unmöglich fo sehr ins Gewicht fallen, daß eine solch hohe Strafe gerechtfertigt ist, wenn man bcdenlt, daß ein Generalleutnant Liebert gegen eine hohe Behörde schwere Beleidi- gnngen öffentlich ausstoßen durfte, ohne daß gegen ihn überhaupt Anklage erhoben wurde. Begnügt man sich dort mit einer von ihm abgegebenen Erklärung, dann muß man auch dem Angeklagten glauben, daß er nicht die Absicht hatte zu beleidigen, und kann ihm höchstens eine geringe Geldstrafe auferlegen." DaS Gericht verurteilte den Angeklagten zu ZOO M. Geldstrafe mit der Begründung, daß dem Angeklagten zwar geglaubt werden müsse, daß er von der Zuverlässigkeit seines Bcrichlcrstatters über- zeugt gewesen sei, bei Abmessung de? Strafmaßes aber die Schwere der Beleidigung und die Vorstrafen des Angeklagten in Betracht ge- kommen wären.— Die barbarische Härte des MilitärstrafrechteS muß wieder ein .armer Teufel von Soldat über sich ergehen lassen, der durch die Schindereien der Vorgesetzten und Kameraden zur Flucht aus dem Dienst getrieben wurde. Wegen Fahnenflucht wurde vor dem Kriegsgericht der 31. Division in Stratzburg gegen den Kano- nier August D a l h a u s von der 5. Batterie des Feldartillericregi- ments Nr. 31 verhandelt. In der Verhandlung stellt sich heraus, daß Dalhaus von einem Gefreiten wegen jeder Kleinigkeit mit dem Neitstock geschlagen worden ist. Einmal wurde ihm ab- sichtlich Wasser ins Ohr geschüttet(!I), so daß er einige Tage nicht gut hören konnte. Ein anderes Mal war ihm die Kinnkette abhanden gekommen, wofür er Backpfeifen und wegen anderer Kleinigkeiten Schläge mit Zaumzeug und Obergurten er- hielt. Ein Zeuge bekundete, daß er Dalhaus mit blutender Nase im Stalle bei alten Leuten habe stehen sehen; auch auf dem Truppenübungsplatz Münsingen wurde Dalhaus zufällig gesehen, wie er aus Nase und Mund blutend von einem Käme- raden weglief. Im allgemeinen hat Dalhaus eine schlechte BeHand- lung durch ältere Kameraden erdulden müssen. Ausi Grund dieser Feststellungen kam das Gericht nur zu der Annahme der„unerlaubten Entfernung"(statt Fahnenflucht) und erkannte auf die„milde Strafe" von 6 Monaten und einem Tag Gefängnis. Der 8 66 des Militärstrafgesetzbuches(in Verbindung mit§ 64) fordert nämlich, daß, wenn die Abwesenheit von der Treppe durch Verschulden des Abwesenden länger als sieben Tage dauert, auf Gefängnis oder Festungshaft erkannt werden muß, und zwar beträgt die Mindeststrafe 6 Monate frankreick. ArraS, 7. August. Der katholische Pfarrer von Hoiry ist gestern gewaltsam ans dem Pfarrhause ausgewiesen worden. Er hatte sich mit fünf Freunden im Pfarrhause verbarri- kadiert. Die Polizei mußte die Türen einschlagen, wobei die Bc- lagerten gegen die Beaniten Knallbomben schleuderten. Einige anwesende Demonstranten stießen feindliche Rufe gegen die Regierung aus. Italien. Der Borstand der Sozialdemokratie über die antiklerikale Agitation. Rom, 6. August.(Eig. Ber.) Das Anschwellen der antiklerikalen Bewegung als Rückschlag auf die berschiedencn Skandale in den klösterlichen Erziehungsinslituten fängt an, die Aufmerksamkeit aller Parteien auf sich zu lenken. Einige Abgeordneten der Rechten ventilieren den Gedanken einer parlamentarischen Konzentration, die sich gegen die antiklerikalen Parteien richten soll; eine solche Konzentration besteht eigentlich heute schon, das Merkwürdige ist nur, daß die neue anti- ministeriell sein soll. Auch unsere Partei hat zu der heutigen Situation Stellung ge- nommen in einer im„Avanti" vom 5. b. M. veröffentlichten Tagesordnung des Exekutivkomitees. Der Umstand, daß es in vielen Orten zu Volksdeinonstrationen gekommen ist und in S p e z i a die Polizei bei dieser Gelegenheit ein Blutbad angerichtet hat, machte es dem Exekutivkomitee zur Pflicht, die Stelliingiiahme der Partei klar zu formulieren. Die Tagesordnung hat folgenden Worilaut: „Das Exekutivkomitee des Vorstandes der sozialistischen Partei Italiens protestiert gegen den Gebrauch der Waffen, dessen sich die Polizei in Spezia bei den jüngsten VoikSdeinoustratioiien schuldig gemacht hat, und erachtet die Heftigkeit bei diese» Deinonstrationeii als natürliche Folge des Bckaiintwerdens der zahlreichen Skandale in religiösen Erzichungsinstitute», es fordert alle Parleiabtcünngen auf, dahin zu wirken, dem aufsteigeuden VolkSunivillen eine Richtung auf konkrete Zwecke zu geben, und zwar zunächst in dem Sinne einer Pression auf die kommunalen, zentralen und richterlichen Be- Horden, damit alle von Priestern, Mönchen oder Nonnen geleiteten Erziehungs- oder WohltäligkeitSinstitute einer sofortigen, er- schöpfenden und strengen Inspektion unterworfen werden. Das Exekutivkomitee beschließt ferner ein Flugblatt zu der« öffeutlicheii. um die Vevvlkcnnig des ganzen Landes an einem gegebenen Tage zu Volksversammlungen einzuberufen, in denen von Lokal- und Zentralregierung die folgenden Reformen zu fordern sind: Strengere Ueberwachung aller privaten Wohltätigkeits- und Erziehnngsinstitute; ausschließliche Verwendung von Laien- personal in allen direkt oder indirekt von Gemeinde, Provinz oder Staat abhängenden Betrieben; Anwendung des Gesetzes über die geistlichen Orden; neue GefttzeSbestiimnunge», die allen, die durch das sogenannte Kenschheitsgelübde oder durch das Kirchengesetz dcS Zölibats gebunden sind, die Antorisation' zur Eröffniing von Er- ziehnngsanstaltcn, Asylen oder Schulen zu verweigern, da das Keuschheitsgelübde und das obligatorische Zölibat eine Verletzung der höchsten Gesetze der Natur darstellen, denen der menschliche Or- aanismuS unterworfen ist, und somit eine besondere Neicvmg zu ge- schlcchtlichen Verbrechen bedingen." ßsieclerlanäe. Internationaler anarchistischer Kongreß zu Amsterdam. Amsterdam, 5. August 1907.(Eig. Ber.) Vom 24. bis 31. August wird im Saale �Plancius" zu Amsterdam der„Internationale libertäre und kommunistische Kongreß" stattfinden. Alts seiner Tagesordnung stehen 12 Punkte: 1. Anarchismus und Gewerlichaftsbewegung, Referenten: Pierre Monattc-Paris und John Turner-London; 2.' Generalstreik und politischer Massenstreik, Referenten: Dr. Friedeberg- Berlin und H. Malatesta, Italien; 3. Anarchismus und Organisation, Referenten: George Thonar- Lüttick, Ameden Dunois-Paris und H. Croiset-Amsterdam; 4. Der Anti-MilitarisinuS als Taktik für den Anarchismus, Referenten: R. de Marmandc-Paris und Pierre Ramus-London; 5. Allseitiger Unterricht der Jugend, Referent Leon Clement-Paris; 6. Produktiv- assoziation und Anarchismus; 7. Die Revolution in Rußland; 8. AlkoboliSmuS und Anarchismus; 9. Moderne Literatur und An- archismus; 10. Die Liberlarianer und die Weltsprache; 11. An- archiSmuS im individuelle» Leben und Wirken. Ferner sind die Vormittagssitzmigen vom Mittwoch, den 23., und Freitag, den 30. August, für die Organisationen und für die- jenigeu, die eine anarchistische Internationale gründen wollen, rescr« viert worden. Auf der Tagesordnung dieser beiden Tage stehen: 1. Organisation der libertairen Jnternatloiiale; 2. Festsetzung einer Prinzipienerklärung der kommunistischen Anarchisten; 3. Gründung eines internationalen Bulletins; 4. Die Aufgabe der neuen Jntcr- nationale.— Dänemark. Die von neuem eingeführte Zensur. Die Zensur ist in Dänemark durch die Verfassung von 1846 abgeschafft, deren§ 86 lautet: „Jeder ist berechtigt, durch Druckschriften seine Gedanken zu veröffentlichen, doch unter Verantwortlichkeit vor den Gerichten. Zensur und andere vorbeugende Maßregeln können niemals von neuem eingeführt werden." Daß hiermit auch für Theater und öffentliche Aufführungen die Zensur abgeschafft war, galt als selbstverständlich, bis bei dem „Systemwechsel" von 1901 das konservative, einem„liberalen" Ministerium weichen mußte, und der neue Justizminister Alberti sich sicher fühlte auf seinem Posten. Zunächst suchte er seine eigene werte Person wie seine Ministerkollcgen vor dem Witz der Theater- leute und Revuedichtcr zu schützen. Früher konnte man in den üblichen„Sommerrevuen" die konservativen Minister und ihre Torheiten nach Herzenslust verspotten. Wären jene Minister da- gegen vorgegangen, sie hätten auch die Liberalen im Reichstag gegen sich gehabt und nur noch ärgeren Spott davongetragen. Aber der liberale Justizministcr Alberti duldet derartige Witzeleien nicht und hat es nun mit Hülfe seines Zensors, des Obergerichtsanwalts Levin, soweit gebracht, daß die politischen Revuen sozusagen ver- schwunden sind. Im vorigen Jahre mißfielen dem Zensor einige Worte über Arbeitgcbermoral in einem Drama aus dem Arbeiter- leben; sie wurden gestrichen. Das Neueste, was sich der Zensor leistete, ist nun, daß er der Direktion des Kasinotheaters in Kopenhagen verbot, ein neucin- studiertes Stück vor Weihnacht aufzuführen. ES handelt sich um eine der in letzter Zeit so beliebten Vcrbrcchcrkomödien. In Albertis Blatt„Danebrog" begründete der Zensor sein sonderbares Verfahren mit der Meinung, daß das Balkon publik um jenes Theaters erst zum Frühjahr wieder eine kleine Dosis Ver- brecherkomödie verdauen könnte, sonst hätte er die Aufführung des Stückes einfach verboten. ES ist also vor allem die Sorge um die Moral des Publikums, das die billigsten Plätze besetzt, was den Zensor und den hinter ihm stehenden Justizminister zu dieser Maß- rcgcl veranlaßte. Daß das aus dem Französischen übersetzt« Stück, das in Paris unter dem Titel„Raule ta bosse" 400mal aufgeführt und auch in Stockholm mit großem Erfolg gegeben wurde, vielleicht an sich wertlos ist, gibt der dänischen Justizverwaltung selbstverständlich keinerlei Recht, der Aufführung irgendwelche Hindernisse zu bereiten. Man sieht aber wieder einmal, wie vortrefflich in Dänemark unter dem„liberalen" Regime die Reaktion gedeiht. Rumänien. Neue Willkürakte der„liberalen" Regierung. Bukarest, 3. August 1907. Skrupellos geht das liberale Regiment den Weg der Gewalt» Politik weiter und jeder Tag bringt eine schamlosere Tat. DaS in dem vorigen Bericht erwähnte militärische Neformgericht gegen Genossen Dr. Räcovski hat schleunigst stattgefunden und in seiner heutigen Sitzung hatte es unserem Genossen, wegen eines in der „Humanitä" veröffentlichten Briefes, seinen Rang als Militärarzt aberkannt und ihm aus der rumänischen Armee gestrichen. Das ist ja für einen Sozialisten ein erträglicher Schmerz; aber immerhin kennzeichnet eS die Heeres» und Parteiverhältiiisse im rumänischen Donauländle. wo die Armee sich zum Spielball der politistk« Cliquen hergibt. Inzwischen dauern die Arbeitcrverfolgungen mit ungeschwächter Härte weiter. Vor ein paar Tagen wurde der Bäckerarbeitcr Anton Hallier, ein Greis von siebzig Jahren, ausgewiesen, weil er sich um die Organisierung seiner Gewerbegenssien bemühte. Hinter Schloß und Riegel schmachtet seit Monaten unser Ge- nosse Stephan Georgiu, Mitglied unserer gewerkschaftlichen General- kommission, ohne daß die Untersuchung bisher stattgefunden hatte! Er wurde eines TageS willkürlich von den Militärbehörden auf- gegriffen und eingesperrt und soll über ihn in der nächsten Tagung des Kriegsgerichts abgeurteilt werden! Das sind die Zustände, die heutzutage nach 40jähr>ger Regierung Carols von Hohenzollern in Rumänien herrschen! perfien. Teheran, 7. Anglist.(Meldung der Petersburger Telegraphen» Agentur.) I» bczug auf die türzlichen Greuzverle tz u n g e n durch türkische Truppen wird gemeldet, daß eine türkische Ab- teilung, die sengend und brennend in der Richtung auf Urmia mar- sckierte, das christliche Oericheu Melvan mit Artillerie beschossen, die Kirche zerstört, gegen VV Menschen, darunter viele Frniien und Kinder, getötet und zehn Mädchen fortgeführt hätte. In Urmia herrsche Panik, viele geflüchtete Russe» seien im Konsulat aufgenommen. Infolge der ernsten Lage werde schleimigst ein»euer Gouverneur nach Täbris entsandt werden, und zwar der frühere Justizmiiiister Fennan. Amerika. In San Francisco ist bekanntlich der Bürgermeister Schmitz zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er Bestechungs- gcldcr angenommen hat. Die Kapitaliste» triilmphiericn, weil Schmitz von dem größten Teil der Arbeiterschaft gewählt worden war. Jetzt hat der Stadtrat einen Bürgermeister ernannt, einen„Reformer" natürlich. Alle Mitglieder dcS Stadtrates stehen aber unter Anklage, bestochene Subjekte zu sein und städtische Interessen für hohe Summen verraten zu haben. Sie haben den neuen Bürgermeister gewählt auf Wunsch des Sohnes des Zuckerkönigs Spreckels, der als Großkapitalist in San Francisco eine Hauptrolle spielt. Er war es, der den Feldzug gegen Schmitz und die Stadträte einleitete, weil nicht er, sondern seine Konkurrenten die Konzession für eine Straßenbahn er- hielten, trotzdem auch er bereit war, Bestechungssummen zu zahlen. Diejenigen, die Schmitz verfolgen und angreifen, sind also nicht besser wie er. Schmitz hat einen Vertreter ernannt, der aber nicht anerkannt wird, so daß es gegenwärtig an Bürger» meistern in San Francisco nicht mangelt. Tie Gewerkschaften haben sich übrigens läng st schon von Schmitz losgesagt. als er noch in Amt und Würden war, weil sie seine Haltung als Politiker, der seinen eigenen Beutel nicht zu vergessen schien, entschieden verurteilten, obwohl damals noch keine bestimmten Anklagen erhoben wurden. Die iniMche(Revolution. Die Sozialdemokratie beteiligt sich an den Tnmawahlen. Die allrussische Konferenz der sozialdemo- /ratischen Partei hat die Frage der Wahlbeteiligung in positivem Sinne entschieden. Im Anschluß an den von uns veröffentlichten Entwurf der Wahlplatform, den das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Partei Rußlands ausgearbeitet hat, entnehmen wir der Nr. 1 der „Nachrichten des Zentralkomitees" den Entwurf der Resolution über Wahlabmachungen. In Anbetracht der positiven Entschei- dung der Frage der Wahlbeteiligung auf der Parteikonferenz ge- winnt dieser Entwurf, der in nachfolgendem wiedergegeben wird, besonderes Interesse. 1. Die Sozialdemokratie tritt auf den Wahlen s e l b st ä n d i g hervor, ohne auf der ersten Wahlstufe irgendwelche Abmachungen abzuschließen. 2. Bei Stichwahlen sind Abmachungen mit allen Parteien, die links von den Kadetten stehen, zulässig. 3. Auf der zweiten und den folgenden Wahlstufen sind Ab- machungcn mit allen revolutionären und oppositionellen Parteien, inklusive die Kadetten(sowie die ihnen nahestehenden Gruppen der Muselmänner, Kosaken usw.) zulässig. Anm.: Unter Wahlabmachungen werden Verträge verstanllSn, die bezüglich der Verteilung der Zahl der Wahlmänner und Ab- geordneten unter der Sozialdemokratie und den anderen Par- teien abgeschlossen werden. 4. Die Sozialdemokratie schließt Wahlabmachungen mit der- fenigcn oder denjenigen Parteien aus der Zahl der obenerwähnten, die der Sozialdemokratie den größten Vorteil im Sinne der Zahl der Mandate bieten. S. Bei gleichem Vorteil bevorzugt die Sozialdemokratie die mehr linksstehenden Parteien, wobei die Parteien von diesem Standpunkte aus nachstehende Reihenfolge einnehmen: 1. sozial. revolutionäre Partei. 2. Volkssozialisten. 3. Arbeitsgruppe, 4. Ka- dettenpartei. ö. Wahlabmachungen werden nach Wahlkreisen und-Kurien von den örtlichen Parteiorganisationen unter Kontrolle des Zentral- lomitces abgeschlossen. 7. Parteien, mit denen die Sozialdemokratie Wahlabmachungen getroffen hat, dürfen in den betreffenden Wahlkreisen oder-Kurien keinerlei Abmachungen mit Parteien abschließen, die rechts von den Kadetten stehen(Oktobristen usw.) 8. In der Arbeiterkurie sind keinerlei Abmachungen mit politischen Organisationen, mit Ausnahme nationaler sozial- demokratischer Organisationen, die der sozialdemokratischen Partei Rußlands nicht angehören, zulässig. Aarische Blutjustiz. Petersburg, 7. August. In Mitau wurden zwei Letten wegen Naubüberfalles zum Tode durch den Strang verurteil?, acht andere Letten wurden gehängt, einer vergiftete sich vor der Hinrichtung mit Strychnin. Der älteste Schreiber des Kriegs- gerichts ist unter Anklage gestellt worden, weil er die Akten des Kriegsgerichtes Reportern für 10 Rubel verkauft hat. Gewcrkfchaftlichcf). Eine Aussperrung der bayerischen Metallarbeiter in Sicht! Den Scharfmachern in der bayerischen Metallindustrie, die bor zwei Jahren mit ihrer Generalaussperrung und den den Ar- beitern vorgelegten berüchtigten Schandrevers elend Schiffbruch erlitten, scheint nun der Kamm wicher anzuschwellen. W Hepr- schaften haben mit den dort errungenen Lorbeeren noch nicht genug und so stellen sie. wie schon telegraphisch gcmcild.e� eiiw Aussperrung sämtlicher organisierter Metallarbeiter in Bayern in Aussicht, wenn bis kommenden Sonnabend der Streik der Holz- arbeiter in der Rathgeberschen Waggonfabrik in München nicht aufgehoben sein sollte. In dieser Fabrik stehen nämlich seit Freitag zirka 200 Holzarbeiter wegen der S3stündigen Arbeitszeit in Streik. Direktor Schulz wäre bereit gewesen, die Differenzen mit dem Arbeiterausschuß in Güte zu regeln, doch durfte er als Mitglied des bayerischen In- dustriellenverbandes, der sich der Sache sofort bemächtigte, nicht auf eigene Faust handeln. Die Scharfmacher des Industriellen- Verbandes traten sofort zu einer Sitzung zu- s a m m e n, vorher trat jedoch der Direktor mit dem Arbeiter- ausschutz in Verbindung. Bei dieser Gelegenheit erklärte Direktor Schulz, daß er sich sämtliche Arbeitsordnungen der Staatswerkstätten habe kommen lasten und daraus ersehen habe, daß überall die üstündige Arbeitszeit eingeführt sei. Da sein Etablissement vorwiegend mit Staatsarbciten beschäftigt sei, sei er bereit, die 9 stündige Arbeitszeit(54 Stunden in der Woche) nicht nur für die Holzarbeiter, sondern für alle in der Fabrik beschäftigten Arbeiter ein- zuführen, wenn die Holzarbeiter ihre Forderung auf Ein- führung der 53stündigen Arbeitszeit fallen lassen. Der Direktor versicherte, daß er mit aller Macht, die ihm zur Verfügung stehe, in der Sitzung des Metallindustriellenverbandes für die Sstündige Arbeitszeit in seiner Fabrik eintreten werde, wenn der Arbeiterausschuß ihm die Gewähr geben könnte, daß dadurch die Differenzen beseitigt und der Frieden wieder hergestellt würde. Der Arbeiterausschuß erklärte, daß, wenn es dem Direktor ge- lingen sollte, auf dieser Basis bei dem Jndustriellenverband durch- zudringen, die Holzarbeiter leinen weiteren Widerstand entgegen- setzen werden. Die Sitzung des Jndustriellenverbandes fand am Montag- vormittag statt. Am Dienstagvormittag ließ nun Direktor Schulz den Arbeiterausschuß neuerdings rufen, um ihm das Ergebnis dieser Beratungen mitzuteilen. Der Direktor bedauerte, daß es ihm nicht gelungen sei, mit seinem Vor- schlage auf Einführung der llstündigen Arbeitszeit bei der Orts- gruppe München des Jndustriellenverbandes durchzudringen. Als die schärfsten Gegner seines Vorschlages seien Baurat R i p p e l- Nürnberg, Kommerzienrat B u tz und Guggenheimer(der frühere Landgerichtsrat) von den Vereinigten Maschinen- fabriken Augsburgs aufgetreten. Diese erklärten auf das bestimmteste, daß unter allen Umständen an der ööstündigen Arbeitszeit festgehalten werden müsse und er unter keinen Um- ständen irgend welche Konzessionen machen dürfe. Die Herren Rippel, Butz und Guggenheimer haben eine Aus- sperrung sämtlicher organisierten Metall- arbeiter in Bayern in Aussicht gestellt, wenn bis Sonnabend die Differenzen nicht beigelegt sein sollten. Er, der Direktor, habe die Herren dann gefragt, ob sie es ver- antworten können, wegen 200 Tischler eine derartige Aussperrung über ganz Bayern zu provozieren. Er müsse sich diesem Beschlüsse fügen, erkläre aber, daß, wenn die Aussperrung bis Sonntag nicht voll- zogen sein sollte, er am Montag in seiner Fabrik die 5 4 st ü n d i g e Arbeitszeit einführen werde. Der Arbeiterausschuß machte von diesen Aeußerungen de? Direktors im Appell der Streikenden Mitteilung. Der Situation entsprechend wurden die weiteren zu unternehmenden Schritte in ruhiger, sachlicher Weise diskutiert. Das Ergebnis dieser Be- ratung war die einstimmige Annahme dieser Resolution: „Die heute, den 6. August, beim Appell versammelten streikenden Holzarbeiter der Waggonfabrik von Rathgeber er- klären sich mit dem Verhalten der Kommission einverstanden. Die ausständigen Schreiner wären mit dem Vorschlage des Herrn Direktors Schulz, für die Gesamiarbeiterschaft der Rathgeberschen Waggonfabrik die 54stündige Arbeitszeit ein- zuführen, einverstanden gewesen, um die Hand zum Frieden! gesahreir lichen Presse verhöhnt und verspottet. Auch ein nettes Zeugnis für nationale Würde und preußische Sozialpolitik. »» « Zabrze, 7. August. Laut Mitteilung der Bergwerksdirektion sind bei der gestrigen Abendschicht von 6434 Mann 1552 Mann an- gefahren, 000 Mann mehr als vorgestern. Bei der heutigen Früh- fchittil sind von 2168 Mann 1026, also nahezu die Hälfte, an- zu bieten. Nachdem dieser Vorschlag des Direktors wider Er� warten vom Verband der Metallindustriellen abgelehnt wurde, beschließt die heutige Versammlung, mit aller Entschiedenheit an der bisherigen Forderung der 53stündigen Arbeits- zeit festzuhalten. Die Holzarbeiter der Firma Rath- geber erklären, hierzu um so mehr berechtigt zu sein, als in der hier in München in Frage kommenden Holzindustrie diese Ar- bcitszeit seit 1l4 Jahren eingeführt ist, selbst in den staatlichen Werkstätten die Arbeitszeit auf 9 Stunden verkürzt ist und die Einführung der üstündigen Arbeitszeit in der Rathgeberschen Waggonfabrik schon vor Jahren von dem damaligen Direktor S ch r a u t in Aussicht gestellt wurde." Am Mittwochmittag kamen die Oberscharfmacher in N ü r n- b e r g zu einer weiteren Sitzung zusammen. Ob ihnen die Schamröte nicht ins Gesicht steigt, wenn ihnen die Rippel und Konsorten den Plan, wegen 200 Holzarbeiter Tausende von braven Arbeitern mit ihren Familien dem Hunger preiszugeben, vor- legen werden? Rippel und Guggenheimer vertrauen bei ihrem Vorgehen jedenfalls auf die Kraft der von ihnen gepflegten gelben Gewerkschaften. Ob sie sich dabei nicht verrechnen, wird die Zukunft lehren. verlin und Umgegend. Gewerkschaftsbibliothek. Vor uns liegt der neu herausgegebene hübsch ausgestattete Katalog der Zcntralbibliothek des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Zahlstelle Berlin. Die hierin ausgeführten 7000 Bände, darunter die besten Autoren, wären an und für sich schon ein Stolz des Verbandes. Aber der Verband tat mehr. Er errichtete für seine Mitglieder auch noch acht Vorortbibliothcken, die etwa 8000 gut zusammengestellte Bände aufweisen: vorwiegend gute Unter- Haltungsliteratur, Geschichte, Naturgeschichte usw., während die schwerere geistige Kost und bedeutenderen Werke der Zentral- bibliothek verblieben. Eine Neuerung, die besonders hervorgehoben zu werden ver- dient, ist die 700 Bände starke Jugendbibliothek für die Kinder der Mitglieder. Ausgewählt nach den Verzeichnissen der Jugend- schriftcn-Ausschüsse, enthält diese Abteilung Werke, die den Kindern herzlichste Freude bereiten werden, sintemalen viele von ihnen nicht daraus rechnen können, ein solches Buch ihr eigen zu nennen. Hoffentlich machen die Mitglieder einen recht regen Gebrauch von der ihnen gebotenen Belehrungs- und Bildungsmöglichkeit. Metallarbeiter. Bei der Firma Franz Schmidt-Forst sind die Metallarbeiter ausständig. Der Fabrikant versuchte durch Aus- sperrung, um die Erfüllung der Zusage einer Lohnerhöhung herum- zukommen. Zuzug fernhalten I OeuVtebes Reich. AlS die Tat eines konfusen Menschen erwies sich ein Geschehnis, das hier während deS' Maurerstreits von der Scharfmacherpresse fruktifiziert werden sollte. Man berichtet uns darüber unterm 7. August aus Halle a. S.: Gelegentlich des Maurerstreiks, in der Nacht zum 27. Juni, war der 47jährige streikende Maurer Franz Rechenberg mit einem geladenen Äevolvcr an die Baracken eines Neubaues gegangen, mn den dort einquartierten arbeitswilligen italienischen Maurern etwas ans zwischen. Als er dort in der Dunkelheit an einem Bauzaun stand und, wie er vor Gericht angab, die Italiener durch Schreckschüsse in die Flucht jagen wollte, kam der Polizeiwachtmeister B r ü tz k e dort vorbei und rief den nunmehr selbst die Flucht ergreifenden Rechenberg an, stehen zu bleiben. R. lief aber weg und gab auf den Wachtmeister, der ihn verfolgte, aus dem mit Vogeldunst geladenen Revolver vier Schüsse ab. Dem Beamten drangen mehrere Schrot- körner in das Kinn, die glücklicherweise keine dauernden Nachteile hervorriefen. N. wurde durch den Beamten eingeholt und durch drei Säbelhiebe über den Kopf kampfunfähig gemacht. Der Täter, der heute vor der Ferienstraskammer wegen Widerstandes und An- griffs mit einer Waffe angeklagt war, erklärte unter Tränen, er wisse nicht, wie er dazu gekommen sei. Der Staatsanwalt be- zeichnete R., der bisher unbestraft ist, als einen konfusen Menschen und beantragte neun Monate Gefängnis. Das Urteil lautete dem Strafantrage gemäß. Die phantasievollen Kombinationen, die seinerzeit von der Scharfmacherpresse zu dem Fall gemacht wurden, sind durch die Ver- Handlung zerstört worden. Der Streik der Klempner und Installateure in Düsseldorf ist beendet. Die Streikenden erzielten einen Teilerfolg. Es wurde bewilligt: die 9>/zstündige Arbeitszeit(bisher 10 Stunden). Ferner eine allgemeine Lohnzulage von 4 Pf. die Stunde sowie die Fixie- rung der Löhne in der Höhe von 40—59 Pf. die Stunde. Außerdem die Besserbezahlung der Ueberstunden sowie ein Zuschlag bei schmutzigen und gefährlichen Arbeiten usw. Eine Anzahl Jnnungs- meister hat sich dem Beschluß der Innung, wonach keine Maß- regelungen stattfinden sollen, nicht gefügt, so daß vorläufig noch eine größere Anzahl Streikender arbeitslos ist. Der Zuzug ist deshalb nach wie vor von Düffeldorf fernzuhalten. Bergarbeiterstreik in Oberschlesiea. Wie kaum anders zu erwarten war, fallen die meisten bllrger- lichen Blätter, die sich mit der Sache beschäftigen, wie Wegelagerer über die bedauernswerten Bergsklaven her. Weil man weiß, daß die Leute, die von frommen Grubenbesitzern ausgebeutet, von der Klerisei verdummt, von den Nationalpolen chauvinistisch verhetzt werden, wahrscheinlich bald wieder zu Kreuze kriechen müssen, höhnt und spottet man ihrer vergeblichen Versuche, ihr Los zu erleichtern. Zum Beweise dafür, wie jämmerlich die Bergarbeiter in Ober- schlesien entlohnt werden, setzen wir die letzten amtlichen Lohnangaben hierher. Es betrug der Lohn auf eine Schicht IV. Viertel I. Viertel 1907 3,39 3,20 4,70 4,01 die schlechtesten Löhne Bergrevier: in Summa IV. Viertel I. Viertel Oberschlesien. Niedersckilesien Dortmund. Saarbrücken. Schlesien hat Dafür beschäftigt 1906 3,33 8,18 4,59 3,97 den Ruhm, 1906 235 240 367 295 Z" 1907 241 238 372 290 zahlen. man hier aber auch Frauen und Mädchen im Bergbau. Wie die Uebcrtagearbeiter entlohnt werden, zeigt diese Ausstellung: llebertagearbeiter Erwachsene männl. . 2.91 . 2.92 . 3.77 . 3.53 Bergrevier Oberschlesien. Niederschlesien Dortmund.. Saarbrücken.. Weibliche 1.21 1,57 Jugendliche 1.12 1.19 1.36— 1,36— Weil die armen Teufel für solche Löhne nicht mehr arbeiten wollen, werden sie mit der Plempe verarbeitet und von der bürgen Auf dem Ostfelde sind bei der gestrigen Mittagsichicht von 840 Mann 259 Mann nnd auf dem Marianschacht von 52 Mann 7 Mann, sämtlich unter Tage, angefahren. Metallarbeiter. Die Lohnbewegung der Klempner, Rohrleget. und Helfer in Wittenberge ist ohne Arbeitseinstellung zugunsten der Arbeiter beendet. Am 6. August haben zwischen einer Kom- Mission der Meister, einer Kommission der Gesellen und dem Be- zirksleitcr Zernicke Verhandlungen über die eingereichten Forde- rungen stattgefunden. Nach fünfstündiger Beratung wurde ein Vertrag abgeschlossen, der eine bedeutende Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Gesellen enthält. Ter Mindcstlohn für Ausgelernte ist im ersten halben Jahre nach beendeter Lehrzeit auf 35 Pf., im zweiten halben Jahre auf 40 Pf., im zweiten Jahre auf 42 Pf. und für längere Zeit Ausgelernte auf nicht unter 48 Pf. pro Stunde festgesetzt. Installateure und Klempner, welche Installation selbständig ausführen, erhalten nicht unter 55 Pf. pro Stunde. Für lieberstunden werden 5 und 10 Pf. Zu- schlag gezahlt. Für Nacht- und Sonntagsarbeit 25 Pf. Zuschlag pro Stunde. Der Mindestlohn für Helfer ist nicht unter 35 Pf. Desgleichen sind die Montagezulagen geregelt worden und sind auch hier Verbesserungen eingeführt. Die Firma Metsckier und der Zivilingenieur Appelt haben die Bedingungen noch nicht anerkannt und sind diese beide Firmen noch gesperrt. An unseren Kollegen wird es nun liegen, auf dem angefangenen Wege weiter zu ar- bciten, die Versammlungen zu besuchen und endlich daran zu denken, daß nur durch die Organisation Erfolge zu erzielen sind. Oft genug haben wir auch darauf hingewiesen, welche Zeitung unsere Kollegen lesen sollen und lesen müssen. Für die Arbeiter in Wittenberge kann nur die„Brandenburger Zeitung" oder der „Vorwärts" in Frage kommen. Es mutz deshalb Ehrenpflicht aller unserer Kollegen sein, die Lokal- und Klatschpresse aus ihrem Hause zu entfernen und auf die Arbeiterpresse zu abonnieren. Deutscher Metallarbeiterverband, 3. Bezirk. H. Z e r n i ck e. Der große Baiiarbeiterstreik in Chemnitz ist beendet! Di» Chemnitzer Bauarbeiter haben durch ihr gemeinschaftliches Zusammen- gehen einen großen Sieg errungen. Hier galt es, ein brutale? llnternehmertum, da? den Herrenstandpunkt durchaus nicht verlassen nnd allein die Lohnhöhe und die Arbeitszeit de» Arbeitern dekretieren wollte, aus dieser Position zu verdrängen. Und das ist gelungen. Der Elfstundentag, den die Herren unter allen Umständen aufrecht- erhallen wollten. ist beseitigt: von jetzt an gilt die lOVzslüiidige Arbeitszeit, vom nächsten Jahre an aber der Zehn- stundentag als vereinbart. Der Stundenlohn, der bisher für Maurer und Zimmerer 43 Pf. betrug, wird sofort auf 47 Pf. erhöht und fürs nächste Jahr auf 50 Pf. festgesetzt. Die Bauhülfsarbeiter er- halten pro Stunde 10 Pf. iveuiger. Der Streik, der 10 Wochen währte, wurde hauptsächlich durch erzgebirgische Bauarbeiter er- schwert, die sich von jeher für die Organisation unzugänglich er- wiesen und in Scharen nach Chemnitz kamen und Streikbrecherdienste verrichteten. Es kam infolgedessen oft zu Differenzen mit den Streikenden und eine Unzahl Prozesse wegen angeblicher Verletzung des§ 153 der Gewerbeordnung durch Streikende sind noch an- hängig._ Eingegangene Druchrchriftcn. Gras A. Sterilberg. Appell an den Kaiser. Preis 2 M. Verlags- buchhandlung Herm. Walther, G. m. b. H., Berlin W. 30. Architektur-Konkurrenzen. Band 2. Hcjt 7/8. Herausgegeben von Herm. Scheurembrandt. Verlag Ernst WaSmuth, A.-G., Berlin. Der Mensch und die Erde. Die Entstehung, Gewinnung und Ver- Wertung der Schätze der Erde als Grundlagen der Kultur. Heft 28, 29 und 30. Herausgegeben von Hans Kraemer. Preis pro Lieferung Y0 Pf. Mit Illustrationen. Deutsches VerlagShaus Long u. Co.. Berlin W. 57. Bericht über die Tätigkeit des Agitationskomitees der sozialdemokratischen Partei Leipzigs sür das Jahr 1906/7. Verlag deS AgitationSkomitces der sozialdemokratischen Partei Leipzigs. Dr. B. Thorsch. Der Einzelne und die Gesellschaft. 120 Seite». Verlag von Karl Reißner, Dresden. „Morgen". Nr. 9. Wochenschrift für deutsche Kultur. Preis 50 Pf. Verlag von Marquardt u. Co., Berlin W. 50. Mahnruf an die Franzosen. Preis 50 Pf. E. Piersons Verlag, Dresden. Dr. Georg Wilhelm. Zu Nutz und Frommen leidender Mitmenschen und solcher, die eS werden sollen. 72 Selten. Verlag von Karl Glciser. Marburg a. L. Letzte JVaebnehten und Dcpclchcn, Vom oberschlesischen Bergarbeiterstreik. Zabrze, 7. August.(W. T. B.) Laut Mitteilung der König» lichen Bergwerksdirektion sind zur heutigen Mittagsschicht auf dem Ostfclde der Königsgrube von 840 Mann der Belegschaft 475 und auf dem Marienschacht von 47 Mann 14 eingefahren; im ganzen also von 837 Mann 489. Heute mittag fand im Rathause zu Königshütte eine Besprechung zwischen dem Vorsitzenden der Königlichen Bergwerksdirektion Geheimrat Wiggert, dem Ober- bürgermeister von Königshütte Stolle und den Landräten von Bcuthen und Kattowitz statt, in der wegen Verstärkung der Sicher- hcitsmannschaften infolge der lebten Ausschreitungen beraten wurde. Es wurde beschlossen, schon für den heutigen Nachtschicht» Wechsel den Sicherheitsdienst um 18 Gendarmen zu verstärken. Ferner ist zu berichten, daß auf der Deutschlandgrube in Schwien- tochlowitz heute morgen infolge Zurückhaltung durch Streikende der Königsgrube etwa über 100 Mann von der Einfahrt absahen. Unwetternachrichten. Wien, 7. August.(B. H.) Seit gestern nachmittag richten schwere Gewitter in verschiedenen Landesteilen bedeutenden Schaden an. In NordbShmcn ist die ganze Obsternte vernichtet. Die Telephon- und Telegraphenleitungen sind vielfach zerstört. Salzburg, 7. August.(B. H.) Ein heftiges Gewitter mit starkem Sturm hat hier großen Schaden au Häusern und Kulturen angerichtet._ Eine SchiffSkatastr-Phe? Stockholm, 7. August.(B. H.) Bei Helsingfors wurde ein» Flaschenpost mit folgendem Inhalte gefunden:„27. Februar 07. Sank Schiff Carolina mit Mannschaft, Kapitän Braune frculiches berichten. Eine technische und Sachverständigen- Wohnungs-Jnspektion kennen wir in Deutschland nicht, die In- spektion ist Sache der örtlichen polizeilichen Verwaltungen, sie liegt in den Händen des Schutzmannes. Wir sind also noch nußerordent- lich rückständig und blicken mit Neid auf Länder wie England, wo man bedeutend weiter ist als bei uns. Den nächsten Punkt„Die Bodenfrage" behandelte Dr. MeweS- Düsseldorf. Die Bodenfrage fei in Deutschland eines der wich- tigsten und schwierigsten Probleme. Alle Schichten der Bevölkerung gleichmäßig berührend, sei die Bodenfrage eine Nebenerscheinung der lebhaften EntWickelung Teutschlands zum Industriestaat. Enz- zelne Städte hätten sich geradezu stürmisch entwickelt, so Berlin von 1871 mit 826 000 Einwohnern auf 2 Millionen im Jahre 1905. In derselben Zeit stiegen Hamburg von 300 000 auf 800 000, Charlottenburg von 19 500 auf 237 000, Nürnberg von 83 000 auf 294 000 und Mannheim von 40 000 auf 162 600. Damit hänge eine enorme Preissteigerung des Grund und Bodens zusammen. 1866 besah ein Terrain von 70 Hektar am Kurfürstendamm in Berlin den reinen Ackerwert von 106 000 M. 1880 kostete dasselbe Stück Land 5 Millionen Mark. Der Gesamtbodenwcrt von Charlotten- bürg betrug 1865 6 Millionen Mark, 1897 300 Millionen Mark. In München wurde das Gelände des städtischen Schlachthofs 1872 für 4,91 M. pro Quadratmeter gekauft. 1896 war der Wert 50 M. pro Quadratmeter. In Freiburg i. Br. kaufte man Baugelände bis 1370 durchschnittlich für 5,40 M. pro Quadratmeter. Jetzt muß man 25 M. bezahlen. Selbst in kleinen Städten wie Gießen ist der Bodenwert eines Quadratmeters in den letzten 8 Jahren von 0,50 M. auf 22 M. gestiegen. Diese Preissteigerung hat zu einer lebhaften Bodenspekulation geführt. In allen größeren Städten bildeten sich Terraingesellschaften. An sich sei die Bodenspekulation ebenso berechtigt wie jede andere spekulative Geschäftstätigkeit. Bc- kämpfenswert seien nur ihre Auswücfise. Solche Auswüchse seien allerdings in ziemlich großer Ausdehnung hervorgetreten. Das lange Festhalten an unbebautem Boden sei allerdings erleichtert worden durch die überaus geringen Lasten, die damit verbunden waren. Die laufende Besteuerung des unbebauten Bodens erfolge in Deutschland meistens auf der Grundlage des Ertrages und zwar des niedrigen landwirtschaftlichen Ertrages. Zu begrüßen sei daher die Einführung der Steuer nach dem gemeinen Wert, die in vielen preußischen Kommunen bereits erfolgt sei. Noch besser sei die Wertzuwachsstcuer, die in den letzten Jahren in rascher Auf- einanderfolge in Frankfurt a. M., Köln, Essen, Berlin eingeführt worden sei. Im Großherzogtum Hessen werde ihre Einführung geplant. Die Steuer sei heftig bekämpft worden, aber grund- sätzliche Bedenken konnten gegen sie nicht vorgebracht werden. Das gedruckt vorliegende Referat Dr. Mewes', der erkrankt ist, vertrat Geheimrat Kehl-Düffeldorf. Hierauf wurden die weiteren Verhandlungen auf Dienstag vertagt, Eue der Partei. Internationaler Sozialisten-Kongreß Stuttgart 1907. Diejenigen Delegierten, die sich bislang in Stuttgart nicht angemeldet haben, sollten dies nunmehr ungesäumt(bei H. Dietz, Furthbachstraße 12) tun, gleichviel, ob sie Logis begehren oder nicht. Der Varteivorstand. Die Parteibeiträge im Königreich Sachsen. In unserer Notiz der Nummer 179 über„die EntWickelung der sächsischen Parteiorganisation" war angegeben, daß die monatlichen Mitgliedsbeiträge zwischen 15 und 30 Pf. variieren. Der Höchstbetrag ist indes infolge eines Druck- fehlerS zu niedrig angegeben. Er beträgt im 6. sächsischen Wahl- kreise pro Woche 10 Pf. Es haben den Wochenbeitrag von 10 Pf., meist schon seit einer ganzen Reihe von Jahren, der 4.(Dresden-Neustadtj, 5.(DreSden-Altstadt), S.(Drcsden-Land), 11.(Oschatz-Grimma), 12.(Leipzig-Stadt) und der 13.0 Ps. Selbstverlag. Jahresbericht des Borstandes über die Tätigkeit der Partei vom l. Juli 1906 bis 30. Juni 1907. Herausgegeben vom sozialdemokratischen» Zcnwaiwahlverein Brandenburg- Westbavelland. Selbstvcrlao des Zentral- wahlveretns, Brandenburg a. H. ßHefkarten der Redaktion. Di« fnriHif«« Sprech stunde findet Friedrtchstr. I«, Aufgang 4, eine Treppe<.Hiindelsstatte Bellealliancc, Turchgnng auch iiindenstr� Ivi), wochentägltch von?>/, bis»>/, Uhr abends' statt. tsteöffiiel? Nlir. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um?r Vortrag des Assistenten Prof. KoruS, des Herrn Dr. Glatzel, der die hiesige Station leitet, gab einen Ucberblick über die Vorgeschichte und die Technik der Fernphotographie. Im Prinzip war sie gelöst, nachdem es gelungen war, für die Lichtwellen korrespondierende elektrische Wellen und umgekehrt niit Hülfe des Selens einzusetzen. Das Selen wird beiaimtlich für Elektrizität in dem Grade der Lichtbestrahlung leitend. Es genügt also, auf der Gcberstation durch einen Film(Diapositiv) Licht zu senden, das mittels einer Selenzelle entsprechende elektrische Ströme zur Leitung bringt. Diese passieren in der Empfängerstation wieder eine Selenzelle, die entsprechende Lichtwirkungcn aus einen anderen Film auslöst. Die Fernphotographie wurde durch verschiedene Verbesierungen Prof. Korns, vor allem durch den Selcnkompcilsator, der die Selenträgheit überwindet, aus einem Laboratoriumsobjekt zu einer praktisch brauch« baren Erfindung. Mittels des Projektionsapparates vorgeführte Fern« Photographien bewiesen, wie genau und scharf der Apparat bereits zu arbeilen vermag. Die Entfernung spielt dabei keine Rolle. Zur Fernleitung wird die Telephonverbindung benutzt, die gleich- zeitig ohne weitere Störung telephonischen und fernphotographi- scheu Zwecken dienen kann. Für die Experimente, die nach dem Vor- trage vorgenommen wurden, stand ein Draht der Telephonverbindung Berlin— München zur Verfügung. Nach telephonischer Verständigung mit der Münchener Station, die sich in der Universität befindet, wurden der Münchener und Berliner Apparat gleichmäßig ein- gestimmt und dann begann München eine Photographie nach Verlin zu übermitteln. Man sah den Empfänger- apparat in Tätigkeit; je nach den elektrischen Reizen, die der Selenzelle von München übermittelt wurden, öffnete und schloß sicki der Lichtverschluß und wurde der rotierende Film be- lichtet. Nach 12 Minuten war die Photographie übermittelt. Man kann auch bereits in 6 Minuten fernphotographieren. Die Bilder werden aber dann gröber. Da Gelvitter die Leitung störten, gelang das erste Bild nicht recht. Erst ein zweiter Versuch führte zu besseren Resultaten. Atmosphärische Störungen sind noch ein Haupt- Hindernis dieser Erfindung, die zweisellos eine große Bedeutung hat. Dreiste Schaukastenmarber haben in der borgestrigen Nacht in der Potsdamerstraße gehaust. Die frechen Burschen zertrümmerten die große Schaufensterscheibe des Optikerladens von Sichler in der Potsdam erstraßc 131 und stahlen von den Auslagen eine größere Anzahl Operngläser sowie Optikerwaren im Gesamtwerte von etwa 1000 M. Trotz des starken Verkehrs, der in der fraglichen Gegend des Nachts zu herrschen pflegt, wurde von dem ganzen Vorgang nichts bemerkt. � } Ein schwerer Unfall ereignete sich Dienstag nachmittag vor dem Hause Kottbuscrdamin 24. Der Schlosser Ernst Dröscher, Friedlstraße 30 wohnhaft, versuchte vor dem genannten Hause, auf einem Zweiradc fahrend, das Stratzenbahngleis zu kreuzen und fuhr dabei seitlich gegen die Vorderplattform eines Motorwaggons der Straßenbahnlinie 47(Niederschönhausen-Britz). D. wurde zur Seite geschleudert und stürzte so unglücklich, daß er schwere innere Verletzungen erlitt. Der Verunglückte wurde in besinnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus? Am Urban übergeführt. " 38 Grad Celsius sind am Dieijstäg als mittlere Lufttemperatur ermittelt worden, die größte Hitze in diesem Sommer. Auffälliger- weise trat zedoch bereits um 2 Uhr nachmittags ein starker Rück- schlag in der Tagestcmperatur ein, der innerhalb zwei Stunden fünf Grad betrug. Diese ungewöhnliche Erscheinung steht jeden- falls im Zusammenhang mit schweren Gewittern, die in der Mittagsstunde in der Provinz Sachsen niedergingen und dort eine rapide Abkühlung herbeiführten. Durch den Südwind wurde uns bald die abgekühlte Lust zugeführt und dadurch der schnelle Tem- peratursturz veranlaßt. Beim Baden ertrunken. Vor einigen Tagen ist der achtjährige Knabe Fritz Ladewig, Soldinerstraße 65 wohnhaft, in dem an der Pankower Grenze an der Binzstraße liegenden Tümpel ertrunken. Dieser Tümpel ist durch die vielen Regenfälle sehr angeschwollen und für Kinder äußerst gefährlich. Der Kleine hatte sich beim Baden zu weit gewagt und ertrank. Um weiteren Unglücksfällen vorzubeugen, erwächst für die Eltern die Pflicht, ihren Kindern das Baden in dem Tümpel zu verbieten und für die Beamten die Auf- gäbe, die Kinder von demselben fernzuhalten. Der Plan zur Errichtung eines Lokalvcrkehrs auf der Spree scheint nunmehr endgültig gescheitert zu sein. Bekaimtlich hatte zu- erst die„Sterll"-Gesellschast die Absicht gehabt, eine Lokalscviffahrt eiilziinchten. doch zerschlugen sich die diesbezüglich angeknüpften Uiitcrhaildlungeil, weil die Polizei es ablehnte, eine zwangsweise Einführung des Schlepperverkehrs für die die Spree befahrenden Zillen anzuordnen. Bei der gegenwärtigen Schiffahrtsordnung aber erschien der Passagierverkehr schon deshalb ausgeschlossen, weil bei den Durchfahrten unter den Brücken zu häufig Störungen herbeigeführt werden würden. Dann hat eine Hamburger Verkehrs- gesell schaft den Plan wieder aufgeilomme» und unternahm auch Ver- inchsfahrlen mit einem Dampfer auf der Strecke Mühlendamm- Schleuse— Moabit. Diese hatte» sich aber aus den oben erwähnten Gründen nicht bewährt und da auch die Verwendung kleinerer Danipfer und Motorboote bei der ständig wachsenden Ber» kehrszunahme an Lastzillen für den Passapiervcrl> nicht geeignet erschien, hat auch diese Gesellschaft das Projekt ausgegeben. Zu dem Masscnübcrfall in der Sonntagnacht teilen uns einige Laubenkolonisten an der Kolouiestraße mit, daß die 15— 20 Burschen bereits wegen tumultutarischen Auftretens aus einer Gastwirtschaft ge- wiesen worden seinen. An der Koloniestraße rempelten sie einige junge Leute, die von der Kolonie kamen, an. Dieselben flüchteten, von den Rowdys verfolgt, nach dem Laubengelände zurück. Bereits am Eingang seien die wehrlosen Leute, hierbei.auch der 13 jährige Albert, lebensgefährlich verletzt worden. Die erst jetzt durch den Tumult herbeigelockte» Kolonisten brachten den Schwerverletzten in einer Laube unter und sorgten für einen Krankenwagen, der den halb Bewußtlosen nach dem Virchow-Kraukenhaus brachte. Daß zu dein Vorgang ein Mädchen die Veranlassung gegeben habe und nachher Hülfe herbeigerufen hätte, treffe nicvt zu. Ebenso treffe nicht zu, daß, wie bürgerliche Blätter gemeldet, sich auf der Kolonie recht fragwürdige Elemente herumtrieben. Diese würden sich die Kolonisten schon vom Halse zu schaffen wissen. Die Gesellschaft für Elektrische Hoch- und Untergrundbahnen hat zur Entlastung ihres Bahnhofes am Hallcschen Tor den Verkauf von Fahrkarten der Firma A. Jandorf u. Co.. Belle-Alliance- straße 1/2, übertragen. Straßensperrungen. Die Leipzigerslraße vom Potsdamerplatz bis zum Ende des Lcipzigerplatzes ist behufs Vornahme von Bau- arbeiten für den Tunnel der �Uiitrrgrlmdbahn Potsdamcrplatz- Spittelmarkt bis auf weiteres sü? Fuhriverke und Reiter gesperrt. Während der Daner der Sperrung geht der Fuhrlverksverkehr über die nördliche und südliche Umfahrt des Leipzigerplaves. Gleichfalls gesperrt wird die Neue Köiiigitraße von der Meyerbeerstraße bis zur Friedenstraße behufs Umpflasterung vom 12. d. M. ad bis auf weiteres. � Die Bevölkerungszahl Berlins stellte sich, nach den Berech- nungen des Berliner Statistischen Amts, am 1. Juli auf 2 089 923 Personen. Sie war hiermit um 1373 niedriger als am 1. Januar. Im Laufe der ersten Hälfte des Jahres 1907 ist die Bevölkerungszahl abwechselnd gestiegen und hcrabgegangen, wieder gestiegen und aufs neue herabgegangen. Dieses Auf und Ab zeigt sich zwar alljährlich, aber das Endergebnis der ersten Jahreshälfte ist meist doch noch ein Plus. So hatte das erste Halbjahr von 1903 den recht beträchtlichen Zuwachs von 17 327 Personen gebracht, trotz aller Schwankungen. Diesmal aber ist ein Minus herausgekommen. Man kann nicht sagen, daß es in diesem Jahre cm Geburten- Überschuß gefehlt hätte. Er ist sogar ziemlich hoch, aus den ersten sechs Monaten sind um 9018 mehr Geburten als Sterbefälle ge- bucht worden. Diese Zahl wird aber reichlich aufgewogen durch einen bedeutenden Ueberschuß an Wegzügen. Das statistische Amt nimmt an, daß um 10 394 mehr Weggezogene als Zugezogene in Rechnung zu stellen sind. Mehr lehrreich ist es nun, hierbei die männliche und die weibliche Bevölkerung gesondert zu betrachten. Für 1. Juli stellte sich die männliche Bevölkerung auf 1 010 238 Personen, die weibliche aus 1 079 353 Personen. Vom 1. Januar bis zum 1. Juli hat die weibliche Bevölkerung sich noch um 1331 Personen vermehrt. Desto stärker hat dafür die männliche Bevölkerung sich vermindert, um 2907. Der Geburtenüberschuß war bei der männlichen wie bei der weiblichen Bevölkerung nahezu derselbe, dort 4521, hier 4497. Dafür betrug aber der Wegzugs- Überschuß bei der männlichen Bevölkerung 7428, während er sich bei der werblichen Bevölkerung auf nur 2933 stellte. Eine Hauptursache dieses Mehrwegzuges männlicher Personen liegt in den großen Lohnbewegungen, die der Winter und das Früh- jähr uns gebracht haben. Zu dem Automobilunfall auf dem Wittenbergplatz teilt uns der Chauffeur des Wertheimschen Geschäftsautomobils mit, daß er, bevor das Unglück passierte, langsam gefahren ist. Feuerwehrbericht. Gestern früh kam im Hotel de Rome, Unter den Linden 39, Ecke der Charlottenstraße, Feuer aus. Es brannte der Dachstuhl. Der 19. Zug befestigte die Gefahr schnell. Vor dem Hause Lindenstraße 44 wurde ein Kutscher überfahren und schwer verletzt. Ein Radfahrer war unter seinen Wagen geraten, der Kutscher stieg ab, um den Radfahrer zu befreien. Als er neben seinem Wagen stand, wurde er von einem vorbeifahrenden Wagen der Firma Degner erfaßt und kam unter die Räder. Der Mann mußte nach dem Urban-Krankenhause geschafft werden. Er soll mehrere Nippenbrüche� haben. Der Radfahrer kam mit leichten Verletzungen davon. In der Eiscnbahnstraße 40 brannte Schwefel und anderes, in der Artilleriestraße 48 eine Wohnung. Auf dem Moabiter Güterbahnhof stand eine Lore mit Kohlen in Flammen. Ferner hatte die Wehr in der Chausseestraße 83, Wilsnackerstraße 33, Gleimstraße 34, Wienerstraße 10 und anderen Stellen zu tun. Der Zoologische Garten hat seine zurzeit aus etwa 70 Arten bestehende Sammlung von Nagetieren um zwei merkwürdige Formen vermehrt. Zu dem nordamerikanischen kurzschwänzigen Baumstachelschwein, dem Urson, sind jetzt noch zwei brasilianische Verwandte hinzugekommen, die, beide mit einem langen Greif- schwänz ausgestattet, sich leicht dadurch unterscheiden, daß bei dem wolligen B a u m st a ch l e r die Stacheln von dichtem Wollhaar um- geben und fast verdeckt sind, während bei den. Greif st achler das Stachelklcid unverhüllt zutage tritt. Durch den eigenartigen Bau der Nase und der Klammerfuße sind diese kletternden Stachel- fchweine noch besonders interessant. Vorort- l�acbrickten. Nixdorf. Erntefest in den Rixdorfer Lauben, Ein ungemein fröhliches Treiben herrschte am letzten Sonntag in den Laubengeländen, die, durch die intensive Bautätigkeit der letzten Jahre allerdings schon weit zurückgedrängt, sich von Rixdorf bis Treptow erstrecken. Die Laubcnkolonisten feierten„Erntefest", und dabei pflegt es stets hoch herzugehen.„Erntefest?" wird mancher fragen;„was wird da viel zu ernten sein!" Allerdings, wenn man die winzigen Parzellen der einzelnen Besitzer sieht, schrumpft die Vorstellung, die man sonst bei der Bezeichnung „Ernte" hegt, erheblich zusammen. Und doch wird geerntet im wahren Sinne des Wortes, und wenn Mutter die ersten selbst- gezogenen Kohlrabi in der dampfenden Schüssel auf den Tisch stellt, ist auch dem leisesten Zweifel der Boden entzogen. Nebenbei nicht zu vergessen: Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Radieschen, Gurken, Kürbisse und anderes mehr wird dem spröden, sandigen Boden unter Aufwendung von viel Schweiß und Mühe in den wenigen Mußestunden abgerungen. Und wenn der Besitzer dann die redliche Arbeit reichlich gelohnt sieht und inmitten seines kleinen, blühenden und reifenden Feldes mit Stolz das gelungene Werk betrachtet, so ist diese Freude vollauf berechtigt. Besonders in diesem ungünstigen Sommer hat er so manche bange Stunde durchlebt. Aber trotz alle- dem geht der Humor diesen kleinen Landwirten nicht aus. Am Sonntag, nachdem der Wettergott ein etwas freundlicheres Gesicht aufgesteckt hatte, schwamm alles in eitel Lust und Freude. Die Lauben waren mit unzähligen bunten Fähnchen und Papierlatcrnen geschmückt, und Männer, Frauen und Kinder hatten sich farbige Papiermützen keck aufs Haupt gedrückt. Viele waren malerisch maskiert und brachten ihr Kostüm zur Geltung, indem sie gravi- tätisch durch die Reihen stolzierten. Auch ein Gendarm war da, der ab und zu einen„verhaftete" und zum Laubenbudikcr brachte. Letz- tcrer nahm sich selbstverständlich des Arrestanten mit gewohntem Eifer an. Ueberall drehte sich Alt und Jung nach den forschen Klängen der Musik, und in die schmetternden Weisen mischte sich der ungezwungene Jubel der Kinder. Nach und nach senkten sich die Schatten des Abends über den Fcstplatz, und nun entwickelte sich ein prächtiges, fesselndes Bild. All die vielen bunten Lampions wurden angezündet und gangelten und wiegten in der Luft und dazwischen prasselten zischend und sprühend brennende Feuerwerkskörper durch das nächtliche Dunkel. Erst in später Abendstunde erreichte das Fest sein Ende. Die Teilnehmer rüsteten sich in froher Stimmung zun: Aufbruch, um noch einige Stunden der Ruhe zu pflegen, bis die frühe Morgen- stunde zu harter Fron und Arbeit ruft. So trotzt das arbeitende Volk selbst den kleinsten und engsten Verhältnissen noch ein Stückchen Poesie ab und erhebt sich, wenn auch nur für einige Stundest aus dem ewigen Einerlei des All- tags, um sich zu stärken und zu rüsten für den Kampf um eine bessere, glücklichere Zukunft! Wie lange aber wird es dauern, und hohe, nüchterne MictS- kasernen werden an Stelle der Laubengärten entstehen, und hinten im engen, düsteren Hofe wird man ein Rasenrondell anlegen, auf das der Eigentümer, der meist mit einer unglaublichen Phantasie begabt ist, aus seinen Vermietungsplakaten„helle, freundliche Gartenwohnungen" anpreisen kann. Noch einen langen Blick werfen wir zurück und„Wehmut schleicht uns ins Herz hinein". Im Teltowkanal liegen düster und schweigsam lange Lastkähne. Ein alter Schiffer spielt, die Augen andächtig geschlossen, auf einer Ziehharmonika. Ein kleiner weißer Spitz liegt zusammengerollt wie ein Igel neben ihm und träumt von einem schönen, saftigen Knochen, durch das monotone, schläfrige Geplätscher der Wellen klingt es weich und schwermütig:„Denkst Du noch an die fröhliche Zeit? Lang, lang ists her-- i" Ei» folgenschwerer Zusammenstoß zweier Strnßeubahiizüge bat gestern in der Hermannstrahe stattgefunden. Ein Motorwagen der Linie 28 fuhr von hinten kommend gegen einen Strahenbahnziig der Linie 29 auf und zwar mit solcher Gewalt, daß an beiden Wagen schwere Beschädigungen entstanden. Einige der Fahrgäste wurden durch umherfliegende Glassplitter der zertrümmerten Fensterscheiben im Gesicht und am Kopfe erheblich verletzt. Tchöueberg. Die KinderferieuauSflügc, welche wie im vorigen so auch in diesem Jahre von Parteigenossinnen unseres OrieS veranstaltet worden sind, nähern sich mit dem bevorstehenden Schluß der Ferien ihrem Ende. Der Zweck derselben, nämlich unsere Kinder in den paar Wochen bei sröblichcm Spiel drauhen in der freien Natur wenigstens für kurze Zeit des Lebens Sorg' und Mühe», die gar zu früh schon auch an die kleinen Proletarier herantreten, vergessen zu lassen, konnte bei den zur Verfügung stehenden knappen Mitteln, die unsere Genossinnen und Genossen im Interesse der Sache aufgebracht halten, nur einem verhältnismäßig geringen Teil der kleinen Schar zugute kommen. Immerhin war es möglich, durchschnittlich rund 200 Kinder pro Tag zu Lust und Spiel hinaus in den Grunewald zu befördern. Freitag, den 9. August, ist nun Schlußtag der Ausflüge; an diesem Tage ver- sammeln sich„unsere Fcrienkolonisten", um für dies Jahr Abschied von einander zu nehmen. In dem fröhlichen Gefühl, sich wohl- gefühlt und vergnügt gemacht zu haben, ivird manches der Kleinen sich von seinen Spielgefährten trennen mit der Hufinung im Herzen: „Auf Wiedersehen im nächste» Jahr!''— Genossen, die noch im Besitz von Sa mmelli st en sind, werden ersucht, dieselben nunmehr abzurechnen.— Oster-Tchöneweide. Ter Abschluß der Kinderspiele findet am Sonntag, den 11. d. M. statt. Gespielt lvird wie getvöhnlich auf dem Spielplatz an der Köpenicker Chaussee. Da in diesem Jahre keine Spielpartie gemacht wird, soll den Kindern durch Belustigungen aller Art ein Ersatz für die Partie geboten werden. Bei anbrechender Dunkelheit mit brennenden Stocklaternen Zurückinarsch zu den Sammelplätzen. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder an den Spielen teilnehmen zu lassen und sind selbst eingeladen. Köpenick. Durch ein bisfigcS Pferd citffeöHch zugerichtet wurde Dienstag abend der 42jährige Kutscher Wilhelm Zagnow, der in einem Fuhr- geschäft in der Schloßstraße beschäftigt'war. Z. hatte eines der Pferde putzen wollen. Als der Kutscher die Vorderbeine des Pferdes reinigte, schnappte dieses plötzlich zu und biß dem.Z. ins Gesicht. Der Unglückliche wurde furchtbar zugerichtet. Die Unterlippe, das Kinn und ein Teil des Gaumens waren fortgerissen worden. In bedenklichem Znstande wurde der Schwerverletzte nach dem Kreis- krankenhause in Britz gebracht. Weiftcnsee. Em Unglücksfall mit tödlichem Ausgang hat sich gestern nach- mittag zugetragen. Der Kutscher Hermann Paschke, Gartenstr. 1, hatte eine Fubre Korn aufgeladen, um sie nach der Scheune seines Herrn zu schaffen. Auf dem Wege zur Scheune mußte das hoch- beladene Gefährt einen kleinen Abhang passieren. Durch den schweren Wagen vorwärts getrieben, setzten sich die Pferde an der gefährlichen Stelle in schnelle Bewegung und P.. der oben ans dem Erntewagen gesessen hatte, rutschte iusolge der heftigen Erschütterung nach vorn ab und stürzte unglücklichertveise linter das Gefährt. Die Rüder gingen dem Bedauernswerten über Kopf und Brust hinweg, so daß der' Tod ans der Stelle herbeigeführt wurde. In der am Dienstag abgehaltenen Mitgliederversammlung deS Wahlvereins referierte Genosse G r u n w a l d- Friedenau über den bevorstehenden Parteitag. DaS Einverständnis der Versammlung mit seinen Ausführungen zu der bis jetzt festgesetzten Tagesordnung zeigte der lebhafte Beifall. In der hieraus folgenden Diskussion wurde die Maifeier erörtert, und gewünscht, daß der Parteitag keine Verschlechterung derselben, sondern die Arbeitsruhe noch mehr denn je beschließen möge. Ferner gelangte folgender Antrag Tenber einstimmig zur Annahme:„Der Parteitag möge beschließen, zwecks besserer Bildung der Landarbeiter allmonatlich eine Agilations- schrift zur Gralisverteilung auf dem Lande herauszugeben."— Weiter entwickelte Genosse Fuhrmann einen gefaßten Plan zur Ver- besserung der örtlichen Agitation. Hiernach ivird der Wablverein gemeinsam mit dem Gewcrlschaftskartell zwecks Ausbildung tüchtiger Genossen arbeiten. Auch; ollen die einzelnen Abteiinngen noch ver- kleinert werden. Bezüglich des Lesens der Parteipresse entspann sich ebenfalls eine kurze Debatte, in welcher die Genossen aufgefordert wurden, mehr wie bisher für den„Vorwärts" zu agitieren. Friedrichshagen. In der Notiz vom Dienstag:„Mit dem Revolver bedroht' ist eine Biichstabenverwechselung enthalten. In dem Satz: Als B. er- widerte, daß er bisher von ihm nichts gewollt habe, forderte ihn B. auf uslv., muß es heißen, forderte ihn R. auf. Nowawes. Eine neue Methode, bestimmte Maßregeln in der Gemeinde zur Durchführung zu bringen, ohne erst die maßgebenden Instanzen hierüber zu befragen, scheint der Gemeindevorstand in NowaweS einführen zu wollen. Es wird darüber folgendes berichtet: Bei der Znfaninienlegung der Gemeinden NowaweS und Neuendorf im April dieses JahreS wurde unter anderem auch eine Reorganisation des Fortbildungsschulwesens in die Wege geleitet. Während die Lehrlinge, welche' in Neuendorf arbeiteten, früher von einem FortbildungSschulbesuch befreit waren. da Neuendorf sich bei seiner rückschrittlichen Verwaltung nicht'dazu aufschwingen konnte, ein derartiges Institut zu errichten, nnißten diese nun eben- falls an dem Unterrichte teilnehmen. Die Unterrichtszeit, welche bisher von 7—9 Uhr abends währte, wurde in die Stunden von 3—7 Uhr verlegt. Dieser vernünftige Beschluß erregte natürlich die helle Entrüstimg sowohl der Großindustriellen als auch der kleinen Unternehmer, welche die Interessen des heiligen Profits aufs schwerste bedroht glaubten, da sie an den Schultagen die jugendlichen Arbeiter einige Stunden vor der sonst üblichen Arbeitsbeendigung entlassen mußten. Der Verein für Handel und Gewerbe und die Fabrikbesitzer wurden bei der höhere» Aufsichtsbehörde vorstellig. um eine Verlegung der Unterrichtsstunden in die späteren Abendstunden zu erreichen. Die Regierung veranlaßte darauf eine Zusammenkunft der Unternehmer, Ivelcher der Krcis-Schnldirektor und der Gemeindcvorstand beiwohnten. In dieser Sitzung wurde man sich darüber einig, die Unterrichtsstunden wieder in die Zeit von 3—8 Uhr zu verlegen, da sich dcr Kreis-Schuldireitor gegenüber den Wünschen der Unternehmer, die Unterrichtszeit noch weiter hinauszuschieben. ablehnend verbiclt. Anstatt nun diesen Beschluß dem Vorstande der Fortbildungsschule vorzulegen, er- ließ der Gemeindevorsland einfach eine Bekanntmachung, laut welcher nach den großen Ferien die veränderte Schulzeit mit Genehmigung deS Ministers deS Innern in Kraft tritt. Dieses Verfahreil wird allerdings dadurch verständlich, als S Gemeindevorstand wußte, daß diese Maßregel im Schulvorstand Widerspruch stoßen würde, da ja auch ein Sozialdemokrat in dieser Korporation sitzt. Und da eine Opposition immer etwas Un- angenehmes an sich hat. so schiebt man den Schulvorstand einfach beiseite. Gegen ein derartiges Verfahren muß aufs schärfste protestiert werden, um eine Wiederholung und eine Ausdehnung des- selben auf andere Gebiete zu vcrbüten. Wenn wir auch keinen Zweifel darüber hegen, daß der Schulvorstand in seiner Mehrheit dem vorgenannten Beschluß zugestimmt halte, so müssen wir doch verlangen, daß bei derart wichtigen Fragen nicht nur der eine Teil der Jiucrcsicntcn, die Unternehmer, sondern auch der andere Teil, die Arbeiter, gehört lverdcn. denn deren Söhne sind eS doch, die unter solch reaktionären Beschlüssen zu leiden haben. Daß die Verlegung der Schulstnndcn in die späte Abendzeit mit den Grundsätzen einer vernünftigen Pädagogik im Widerspruch steht, be- darf keiner längeren Erörterung. Jedenfalls hat der Gemeinde- vorstand gezeigt, daß ihm die Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter höher steht als eine gediegene Fortbildung unseres Nachwuchses. Zossen. Am Sonntag, den 11. August, hält der Arbeiterturnverein sein Sommerfest bei Schimke, Barulherftr. 10, ab. Der Vorstand des Wahlvereins bittet die Genossen, sich daran zahlreich zu beteiligen. Nachmittags 3 Uhr beginnt der Fcstzug durch die Stadt nach dem Fcsttokal. Festkarten find zu haben beim Genossen Ralow, Berliner- straße 4. Gerichts-Leitung. Die Klage der KoufektivuSfirma S. Böhm gegen den Vorstand deS Schneiderverbandes und den„Vorwärts" wegen de? Boykotts zur Beseitigung der Heimarbeit wurde gestern in der Berufungs- instanz vor dem zweiten Feriensenat des Kammergerichts verhandelt. In der Urteilsbegründung wird erklärt: „Das Gericht hat angenommen, daß die Klagezustellung an Kunze zu Recht erfolgt ist. Weim dem Entscheid des Reichsgerichts in ähnlichen Fällen im weitesten Maße gefolgt wird, so leitet sich daraus für irgend eine Person oder der- gleichen kein Recht her, jemand anderes durch den Boykott wirtschaftlich in erheblichem Maße zu schädigen und zu be- leidigen. Die wirtschaftliche Schädigung ist vom Verband der Schneider, der gar nicht dazu berechtigt war, beabsichtigt und erzielt worden. Die Beleidigungen hat das Gericht erblickt in den im Flugblatt enthaltenen Worten:.Schundlöhne",.Jammerlöhne". Durch die im Flugblatt mitgeteilte Zustimmung der sozialdemokratischen Organrsatlonen zum Boykott sei auf gewisse Personenlreise ein TerroriZrnuS ausgeübt, der sich als unerlaubter Zwang qualifiziere. Demgemäß hätte das Kammeraericht daZ Urteil des Vorderrichters umzuändern und die einstweilige Verfügung zu be- stätigen. Gc�cn das Urteil wird Revision angemeldet. Sobald das Urteil schriftlich vorliegt, werden wir näher darauf eingehen. Der Kampf der Polizei gegen den Austritt aus der Kirche beschäftigte gestern das Kammergericht. Nach dem Bericht des „Vorwärts" vom 30. April d. I. hatte der Rechtskonsulent Paul Fiedler in die nach der Straße gehenden Fenster seiner Wohnung in der Lettestraße 1 Plakate ausgehängt, mit dem Wortlaut; „Hier werden die gerichtlichen Formulare zum Austritt aus der; Kirche für einen Pfennig per Stück ausgegeben und auf Wunsch ausgefüllt. Der AgitationSausschuß der Freireligiösen Gemeinde." Hierin erblickte die Polizei eine Uebertretung des preußischen Pretzgesetzes vom 12. Mai 1831 und entfernte die Plakate mit Gewalt. F. wurde vom Schöffengericht zu 30 M. Geldstrafe ver- urteilt, vom Landgericht aber frcigefprochen. Gegen das frei- sprechende Urteil des Landgerichts legte der Erste Staatsanwalt Revision ein, womit sich das Kammergericht gestern befaßte. Die Kammergerichtsentscheidung ging dahin: Die Sache wird zur nochmaligen Verhandlung in die Vorinstanz zurückverwiesen, weil die Vorinstanz nicht den ganzen Inhalt der Plakate geprüft zu haben scheint. Denn die Unterschrift der Plakate:„Der Agitationsausschuß der Freireligiösen Gemeinde" gibt zu dem Bedenken Anlaß, daß die Plakate doch einen anderen Inhalt als eine gewerbliche Ankündigung enthielten und die Worte„für einen Pfennig per Stück" nur zur Umgehung des Gesetzes aufgetragen sein könnten. Mithin müsse der weitere Inhalt geprüft werden. Flugblattverteilung am Sonntage. Die Verordnung des Ober» Präsidenten der Provinz Sachsen vom 27. Oktober 1893 verbietet zum Zwecke der äußeren Heilighaltung der Sonn- und Festtage im§ 1 schlankweg jede öffentlich bemerkbare Arbeit. Auf Grund dieser Bestimmung wurde der Arbeiter Schulz, weil er am Sonntag, den 3. Januar er. in der Ortschaft Schmiedingen Wahlflugblätter von Haus zu Haus berteilt hatte, vom Schöffengericht zu Egeln zu 20 M. eventuell 4 Tagen Haft verurteilt. Auf die von ihm ein- gelegte Berufung ist von der Strafkammer des Landgerichts zu Halber st adt dieses Urteil aufgehoben und der Angeklagte freigesprochen worden. Ter fraglichen Bestimmung der Oberpräsidialverordnung wurde die Rechtsgültigkeit ver» sagt, weil sie ganz allgemein jede öffentlich bemerkbare Arbeit verbietet, während nach der Kabinettsorder vom Jahre 1837 den Oberpräfidenten nur das Recht eingeräumt ist, Vorschriften zum Schutz der äußeren Heilighaltung der Sonn- und Festtage zu er- lassen, also nur Verbote solcher öffentlichen Arbeiten, durch die das religiöse Empfinden der Allgemeinheit verletzt werde. Es lassen sich aber sehr viele öffentlich bemerkbare Arbeiten denken, welche die Sonntagsruhe in keiner Weise beeinträchtigen. In der Sache selbst hat auch das Berufungsgericht in dem Verteilen der Flug- blätter eine öffentlich bemerkbare mit Anstrengung verknüpfte Arbeit erblickt. Die Staatsanwaltschaft focht die landgerichtliche Entscheidung mittels der Revision als von Rechtsirrtum diktiert an und verwies auf die ständige Rechtsprechung des ersten Straf- senats des Kammergerichts, nach der die bezüglichen Oberpräsidial- Verordnungen für rechtsgültig erachtet worden sind. ES sei auch stets angenommen worden, daß daS Verteilen von Flug- blättern von Haus zu HauS die sonntägliche Bestimmung der ort- lichen Bewohner gestört hat, mithin zu stören geeignet war. Mit dem Oberstaatsanwalt nahm der Fericnstrafsenat des Kammer, gerichts an, daß die für rechtsgültig zu erachtende Obev präsidialverordnnng nur diejenigen öffentlich bemerkbaren Arbeiter treffe, die geeignet sind, die Heilighaltung des Sonntags zu ge. fährden. Es war daher das Berufungsurteil aufzuheben und die Sache unter Aufrcchterhaltung der tatsächlichen Feststellung in die Vorinstanz zurückzuverlvoisen. Vernrilebtes. Ein Raubanfall auf eine Verkäuferin. In einem Seifen. geschäft in Hannover wurde Dienstagabend die Verkäuferin von einem jungen Manne überfallen und gewürgt, so daß sie bewußt- los zusammenbrach. Der Täter räumte dann die Ladenkasse aus, die etwa 130 M. enthielt, und entkam. DaS Mädchen ist gestorben. Wie ein Braunschweiger Blatt meldet, ist ein des Mordes an der Verkäuferin verdächtiger Dicrzavfer Wilhelm Jsserhof aus Hannover verhaftet, der bei einer Prostituierten in Braunschweig zu Besuch weilte. In seinem Besitze wurden zirka 50 M. vor» gefunden, über deren Erwerb er sich nicht ausweisen wollte. An seinen Kleidern wurden Blutspuren entdeckt. Kesselexplofion. Amtlich wird aus Hannover vom gestrigen Tage gemeldet: Heute vormittag 10 Uhr 44 Minuten explodierte auf dem Personenbahnhofe Hannover der Hauptluftbehälter der den Schnellzug 133 übernehmenden Lokomotive 502, als der Zug noch am Bahnsteig 4 hielt. Der Luftbehälter wurde in die Höhe geschleudert, durchschlug beim Niederfallen da» östlich gelegene Hallendach und fiel etwa 50 Meter von der Lokomotive auf einen vor dem Zug stehenden Reisenden namens Mnx Weiß. Geschäfts- reisender in Hannover, Hildesheimerstraße 30, diesen sofort tötend. Weitere Verletzungen und Beschädigungen, auch an der Lokomotive, sind nicht vorgekommen. llclicr einen Eisenbabnunfall wird amtlich aus Diesdorf vom ö. August gemeldet: Heute nachmittag 4 Uhr 80 Minuten fuhr auf Bahnhof Diesdorf, Lothringen, der Arbeitszug 83 auf den da- selbst stehenden Güterzug 7815' auf, wobei der Lokomotivführer und der Seizer des Arbeitszuges verletzt wurden. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. Der Verkehr ist nicht gestört. Verunglückter Tourist. Der beim Abstieg vom Matterhorn ver- unglückte Tourist heißt Kath und stammt aus Stargard in Pom- mern. Der Tod ist plötzlich durch Steinschlag erfolgt. Wegen Unterschlagung verhaftet. Der Kaufmann Eduard Weinfeld, der die Budapester Filiale der Berliner Grammophon- Gesellschaft Siegmund Weiß vertritt, ist wegen Unterschlagungen ;um Schaden dieser Firma und einer anderen Berliner Gesellschaft sowie mehrerer ausländischen Gesellschaften in Budapest verhaftet norden. TobeSsturz vom Kirchturm. Ein aus Amsterdam gebürtiger Kaufmann namens Simons hat sich gestern von der obersten Platt- frrm der Kathedrale i'n Antwerpen in die Tiefe gestürzt. Der Körper, der aus einer Höhe von 91 Metern niedersauste, schlug mit einem schußartigen Knall vor einem Passanten auf, der mit Blut und Gehirnteilen bespritzt wurde. Das Motiv der Tat ist in ge- ichäftlichen Schwierigkeiten zu suchen. Cholera in Rußland. In Samara sind in der Zeit vom 16. Juli bis zum 4. August im ganzen 35 Erkrankungen an Cholera erfolgt, von denen 10 einen tödlichen Verlauf nahmen. In Peters- bürg werden Vorsichtsmaßregeln gegen die Cholera getroffen. Berliner Marktpreise. ZIuZ vem amtlichen Bericht der stZMIichen Kartlhallen-DIrektion. lGrohbandel.) Niudfleisch I» 70-72 vr. 100 Psd., >U764 SW Wien>763 Still «elter B 5» -i II Sf M t 5 heiter 6 wolkig 4 roolfcni 1 roolfeni 2 bedeckt — bedeckt Stationen e£ Ii e 5 e>— e S B taparanda 751SO etersburg 757 SO Scilly •Jlberbeen Paris Setter »£ S- Ä P M t- 4 wolkig 15 2 bedeckt 13 766 33 9! JB 3 wolkig 1 14 753 WNW»wollig I 13 766 SW 1 1 wölken!! 14 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 8. August 1907.> Meist heiter bei lebhasten nordwestlichen Winde»; Temperatur nlft erheblich geändert. Berliner Wetterburean. Wasserstands-Nachrtchten der Landesaustalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tllfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor „ Krassen . Franksurt Warthe, Schrimm . Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz ')-si bedeutet Wuchs,— Fall.—') Ilnierpegel. Für veu Juliati»er Jinerate übernimmt die Ncdakiio» dem Publikum gegeuiiber(einerlei Bern»i»vort»»g. Cheater. Donnerstag, den 8. August. klusaiig 8 Uhr. Aeueö königl. Operntheater. Traviata. Deutsches. Das Wintcrmärchen.— Ansang Tl. Uhr. Berliner. Sherlock Holmes. iZanUe, O.>Wuilnet-Thealer.) Die Sifiilannin. Schiller.V. i Friedrich Wilbelm- släblMdieS Theater.) Der Weg zur Hölle. Otenes Schaiispielhans. Rastles. Neues. Ein seltsamer Fall. Komische Oper. Hoffmaims Er- zählmigen. Westen. Die lustige Witwe. Vnsliptelbaus. Husarenfieber. Bernhard Rose. Der grobe Un- bekannte. Ansailg 8'/. Uhr. Jcutral-Dheatcr. Tagebuch einer Verlorenen. Kleines. Vater und Sohn. Triaiioii-Theater. Fräulein Josette — meine Frau. Mrtropoi. Der Teuiel lacht dazu. »U'oll». Der Hochzeitsgast. Epe- ziallläte». Walhalla. Spezialitäten. Folies Cnprice. Geisterauto.— Paris. Sliiioiig 81/, Uhr. Gebr.. Herr ufeld-Theater. Mabame Wig-Wag. Es lebe das Nacht- leben. RelchShalleii. Steitiner Sänger. Passage. Spezialiiäten. il>-»»ia T»»t>e»str»fie 48/49. Um 8 Uhr: Durch Dänemarl und Südschwedcn. Stei iiiourie. Juvalidenstr. 57/62. lh'ttrtlitttTNtl Ii«»»»« Serliiierldelllei'. Heule und solgende Tage: Httlolti Koliiiks __ Anfang 8 Uhr. üleinss Ikeslei'. Ansang 8 Uhr. IWrr Hiii) Sohn. Morgen und solgende Tage: Vater und Sohn. IMsr des Westens. Abends 8 Uhr: Die InNtijfC Witwe. Operette in 3 Alum v. Franz Leh�r. ö-usispisAksu». Täglich 8 Uhr: Hnfarenfieber. ZenträrThealer. Täglich 8 Uhr: Tagelinch einer verlorenen. 3!b 8 Uhr: Das kolosiale Spezin- litätru-Proftrauiili mit Hiimpsti- Vumsti. Piptfax und Paulo, Exzcnt'.iler. Mab. Pilotv von Ka»l> dach. ZW- Indische Tänze. 'JJF" 10 Uhr.-TFetJ Stürmisches, ununterbrochenes Lachen über MiU'tüftSlIR als Ortsvorsteher Lehmann in seiner Burleske „vor ks«cIi2e!tsKsst"o Schiller-Theater 0. (Wallner-Tbeater.) Morwitz-Oper. Donnerstag, abends 8Uhr: Die �Oi'iiennei'lu. Grobe Oper in 5 Slkten von Giacomo Meyerbeer. Freitag, abends 8Ubr: Gastspiel Ilelni-lel, liötel: Die weiüe Dame. Sonn abend, a b e n d S 8 Uhr: Gastspiel Lertruck liungs: Oaenie». SetTüler-ItTsalei' Ii. Frieilrich-Wilhelmstädtlsciics Theater. 8 Uhr: Der Weg M Dolle. Metropol-Thealer Anfang 8 UIiv. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaender. DiriRent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall gestattet. Gebr. Herrnfeld-I TSieater. j 57 Kommanbailtenstraße Nr. 57. Slnsang 3 Uhr. Billeltvorverlaus lt-2 Uhr. I lüZIlck: Die Novität Operetlen-Bmleske von Zlnton u. | Donat Herrnselb. Musik v. L. Ital. Dazu die Separee-Zlstäre |Es lebe das Ulleliil | mit den Autoren Anton u. Donat Herrnselb in den Hauptrollen. iRNimSÜT« i Gr. Franksilrleritr 132. Im Garten. Slns. i'l, Uhr Das glitnzende August.Programm. Sperrsitz 50 Pf. Enlree 30 Pf. Im Theater abends 8'/, Uhr: Der große Unbekannte Sommerpreise. Brunnen-Theater Babstrabe 58. Direkt. Heute: Bernh. Rote. (Zum 50 Malej Ott» Das ersillafsige August-Programm. F. Venckaro. 8eiIrsI-l.uri-Trio. laok-Theo-Trio. Osbr. Hamm. ggST' Panl Coradlnl.' Vstj Kasscneröffnuiig 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Groftcr«lite.Uall. Mittwoch, den 2l. August: Benefiz für Küte Wille-Bach. Einmalige Aussühiung von Die Theater- Prinzessin W. Hoaeks Tliealer. ®(ieflioii: Rob. Olli. Brimneuiir. t«. Benesiz-Vorstellimg fuv Kitte Reich. Nur einmalige Ausführung t Minna von Karuhelni. Dazu die 3Iugust. Spezialitäten. tzltis. K UHr. Kasteeküche lj Uhr. Ball. Bei schlechtem Welter: Vorst, im Laal. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. OOiCi Ct SCHER * Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 9 6 Uhr ab 50 Pf.. Kinder unter 5 10 Jahren die Hälfte. J •—9V9W9999999— Fröbels Alierlei-Thealer Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. ülelteftcä Volksiheastt Berlins. Heute: Benefiz für die Soubrette HJara liinz. Einmalige Aufführung: Emil Tülecke.... Klara Linz. Dazu der große Augiist-Spielplan mit der Raciiigtruppe usw. Ansang 4'/, Uhr. Entree 39 Ps. 8cti«Bizkrggrtsn gm ilönigtior. gm ssrlockricdshaiü. Swabenbahn l. 2, 4,17, 59. 62. 63 u. 74. Täglich: Idealer-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kinenialograph und Bali. Freier Dauientanz. Ansang 5 Uhr._ Entree 30 Pf, Frater- Theater. Kastanien-Allee 7/9. Jägerliehchen. Spexialitüten 1. Kanges. Auftvcten der Libwenbrunt Tilly Bebe mit ihren dress. Löwen. Zto»»ert and Ball. _ Anfang 4'/, Uhr._ Passage-Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Der p3e Verwamtlungskünstler Artaro Bernardi !und das neue f großartige• August-Programm. äeinbergärocg i9/3ö, No!eiith.Tor. Reue Spezialitäten. MM- Dressierte Düren, Anr: Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. tttF" Bei ungünstigem Wetter J/orstollunjHmJhioa�� MaxKliems Sommer-Theater � Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. § 1 ITäglieli: Gr. Konzert, Theater| ü. SpeziaIitäteD-forstellüng.1 fi Jeden Montag: Sominerfest. Jeden Mittwoch: W Die beliebten Kinderfeste. (Jeden Donnerstag: Elite-Dag. Die Kasteeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. gstbajuvM gm Klistrinerplatz, fMdorsdorforslr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qroßes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung._ Belle-Alliance-öarten 6 Uhr: Konzert und BariStA. DIsx' IperislUAen- Theater. «M S VS» Lnndsberjter Allee 76-7». Direkt a. d. Ringbabnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. alle» Stadwicht. Ob«eli«n f Täglich im herrl. Garten ober gr�Saal: Ob Besen! Ricsen-Lacherfolg. Landsberger Allee auf Stelzen. ä Alllsons, phänomenale Mrobaten.— The Beros, fonfuncnzlole Neuheit.— Heinz Heuer, Hellt Geldern, prolongiert. Dazu das neue brillante August-Programm. Ans. 3 Uhr. Kaffeeküch«. Volksbelustig. aller Art. Entree 20 Ps., Sonnt. 30 Ps Arnold Hcholz Hasenheide 108/114 Neue Welt Donnerstag, den 8. August er«: EliteaTag> Großes Iloppel- Konzert Gala-Spezialitäten-Vorstellung © Utonstsr-Tenemerh» Anfang 5«Hr. Tanz>Reunion. Anfang s Uhr. »nttee zum Konzertgarten 10 Pf. Entree znm Theatergarten 59 Pf. keiehshAlleii-Thenlel'. Täglich- ir Säuger. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Roiohsliallev Garten Rest.: Gr. Militär-Konzert. Volksgarten-Theater. Bad-BohmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— BellermannstraBo. Grotzstadtzanber. Original- Ausstattungs- Operetten- Burleske in 2 Akten von W. Gericke. Musil von Alsred Sommerseid. Hierzu: Das neue kMD-WMeD'kMW. Volksbelustigungen. Sanssouci, ST Direktion Wilhelm Keimer. Bei günstiger Witterung aus der Gartenbühne. Heute sowie jeden Sonntag und Montag: U. Tansekrttiizchen. Herkules. Lustspiel in einem Akt. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. In Vorder.: In der Damuka. Nov. Otto pntzkow milnzstraße 16. M-lmlellW- Binppii-(s«. toui.) Theater lebender Photographien. TSglicb Eingang von — Neuheiten.—— Ben ganzen Tag Vorstellung. Braatz* Amerikanischer Ulfen-Zirkus a la Brockmann. (MV Am Prenzlauer Tor.-DW Täglich: Gr. Vorstellung 8>/, Uhr. 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Deutscher Transportarbeiter-VerbaRd. Verwaltung II Berlin. Den Verbandslollcgen zur Nack- richt, daß unser treucS Milgiicd, der Bretterträger 74/7 Mhert öröschel am 4. August an der Proletarier« j krankheit gestorben ist. Ehre seiuem Andenken k Die Beerdigung findet am f. Donnerstag, den 8. b. M., nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des städtischen Friedhoses zu j Rixdorf, am Mariendorscr Weg, aus statt. vie Verwaltung II. Danksagung. Hiermit sagen wir allen Teil- nehmern bei der Beerdigung meines lieben ManncS und unseres Vaters unseren herzlichen Dank. Die trauernde Witwe > Frau ITlaria 51 an» 56282 ncbst Kindern. Klilinrn- iiiid Kruiübiiidtm von Rover! Meyer,. nur Mamniien-Strnsje 2. Spczialbaus Emil Lefevre, Berlin Süd. Seit 1882 nur Orauienstr. 158 "�nirgends Filialen! Gelegetshoitstaf! Ersatz für Deckbett in den Farben rot, blau, oliv rap pga ScKfKeuF'PF i"' Pracht- Katalog ÄMJIl.. mit ca. 600 Ilhistrat. gratis und franko. Freie Volksbühne Sonntag, I. 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Die neuen Mitgliedskarlen tT. Mitgliedskarten, die bis zum 20. August nicht abgeholt sind, verfügt der Vorstand anderweitig. I Tmcrlif-Pihlinfypn e"ie andere Zahlstelle aus der bisherigen können Ulll&LllICIUUHgCll nur riooh � August erf0igen. Der Vorstand. In Vertr.; Die Geschäftsstelle und Kassenverwaltung. 229/18 G. Winkler. Rummelsbiirir. Sonntag, den 11. August, im Waldlokal von Klugmann, Köpenicker Chaussee am Stenerhaus Grolles Kinderfest des Aahlvereins. Garten-Konzert und Gesangsvortrage. Femer werden Kinderspiele aller Art veranstaltet. Jede? Kind erhält 3 Geschenke. 8/8« Anfang 3 Uhr. Im Saale:/,. Woblauer, Wallnertheaterstraffe 32. 2Ü07K* Möbelfabrik, Oranienstraffe 58 direkt Moritzplatz. In meine» süns Etagen stehen loniplelte Wohiiiiugs. einrichiiiltgen in jeder Preislage vom Eiusachsten bis zum Elegaulesteii. Besondere Gelegenheit biete ich i» verliehen gewesenen. sast neue» Möbeln, die bedeutend herabgesetzt sind. Besichtigung erbeten, ohne Kaus« zwang. 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