Ur. 185. 34. Jahrg. Bbonnements-Bedlngungen: �H[,.. P'e Tnlcrtions'Gebübr KbonncmentS. Preis prSnum°r°nd°: W W Hj lW W( M 1 ft Sicrtclin�rl. 3,30 TOI., monatl. 1,10!Wr., EM fH M> BH I W f/ H BB üü W WIl Egf �gwb&f/? ,-ltS l 1 � �" wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. UA.W WS M BS fjts EH>M p— // und Bersaminlungs-Anzeigen 30 P,'g. nummer mit illustrierter Sonntags- DBBM I USOH I DW HW DM■Sj H9 MD MD DM MV V) Ml BBS //„Kleine Hnzeigen", das erste(fett. Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfm Post. MMiA MD DD>W MD MD Ml»» MD DM Wz � MZ gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. 1 DA I■ Hj DU MN.P Ml DM W MD W JmiMSsSW/ Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas. PÄS? Iwter tkeuzband für H H B.»I JUk JB\. B �?/MD ���nzeigen das erste Wort 1° Pfg.. Deutschland und Oesterreich. Ungarn �M D�Dt JHK\ 7/ DM ledcs weitere Wort o Pfg. Worte Uber 2 Marl, für das übrige Ausland Zf V T/ 4SSS*K // H 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 3 Marl pro Monat. 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Der bürgerlichen Presse ist einmal wieder groß Heil wider- - fahren: Genosse Robert Michels hat sich bemüßigt gesehen, am Vorabend des Stuttgarter Kongresses einen langen Auf- satz zu veröffentlichen, worin er nachweisen will, daß die deutsche Sozialdemokratie die führende Richtung, die sie„mit Zuhülfe- nähme voS Intrige und diplomatischem Spiel" im Konzert des interimtionalcn Sozialismus gewonnen habe, nunmehr preisgeben müsse, weil sie„denkfaul und träge" sowie„un- fähig zu allem" sei, was von den Bahnen der Wahlagitation abweiche, weil„sie sich scheue, das großartige Menschen- Material, das ihr zur Verfügung stehe, zu höheren Pflichten, als einer im letzten Grunde ziemlich bleiernen und initiativloscn Disziplin zu erziehen", weil sie in einer Ueberzahl von Fällen, die„sittliche Kraft erforderten, zur Feigheit geraten" habe usw. usw. Man sollte meinen, daß ein Parteigenosse, der zu einem so vernichtenden Urteil über die Partei gelangt sei, zunächst innerhalb ihres Rahmens, seine Klagen und Anklagen geltend machen würde. Allein Genosse Michels ist damit sofort vor die bürgerliche Schmiede gegangen; er veröffentlicht seine achtzig Druckseiten lange Beschwerde im„Archiv für Sozial- Wissenschaft und Sozialpolitik", das von einigen bürgerlichen Gelehrten herausgegeben wird, daruntervon dem Herrn Sombart, der sich durch seine Polemik gegen die Partei bekannt genug gemacht hat, durch seine Polemik gegen„die seichten, hirnlosen Schwätzer, die jetzt noch in der Presse, in Volksversammlungen und Vereinen vielfach den Ton angeben", gegen„jene faulen Kerls, die zu nichts gut sind, als ein paar auswendig ge- lernte, unverstandene Phrasen aus der Parteiliteratur papageimäßig nachzuplappern oder stiermäßig in die Menge hineinzubrüllen, die zu jeder Arbeit außer der Parteiagitation verdorben sind". Im Organ dieses geistvollen Denkers und wenn auch nicht ganz in seiner ehrlichen Sprache, so doch in seinem nicht ganz so ehrlichen Geiste handelt Genosse Michels über die Sünden der Partei, zu deren Mitgliedern er selbst sich zählt. Begreiflich genug, daß sein Aufsatz für die bürgerliche Presse ein gefundenes Fressen ist. Man kann ihr daraus auch keineswegs einen Vorwurf machen; weshalb sollte sie nicht Beifall klatschen, wenn die deutsche Sozialdemokratie von cincni ihrer Angehörigen so arg heruntergerissen wird? Aber eben deshalb ist es unmöglich, ganz stillschtveigend an dieser Leistung vorüberzugehen, die sonst eine sachliche Kritik nicht einmal zuläßt, geschweige denn erfordert. Hätte Genosse Michels für angezeigt gehalten, am Vorabend dcS Stuttgarter Kongresses eine Abhandlung über den angeblichen Besitz und den angeblichen Verlust der deutschen Hegemonie innerhalb des internationalen Sozialismus zu veröffentlichen, so wäre das immer eine unglaubliche Geschmacklosigkeit gewesen, aber es hätte noch eine historisch-kritische Arbeit sein können. Allein so weit hat's nicht gelangt, und es ist nur eine echt Professorale Leistung herausgekommen, wie es deren schon Dutzende zur Kritik der Sozialdemokratie gibt: ein Sammelsurium von Zitaten, die aus allen Ecken und Enden zusammengefegt und so geordnet sind, wie die vorgefaßte Tendenz des Verfassers erheischt. Eine echt Professorale Leistung, sagen wir, obgleich Genosse Michels noch nicht zum Professor gediehen ist, sondern sich im Titel seines Aufsatzes erst als„Dr. und Privatdozent in Turin" vorstellt. Aber er ist nie glücklicher, als wenn er einen Pro- fessor zitieren kann, und nun gar. wenn dieser Professor von Adel ist und sich ungünstig über die deutsche Sozialdemokratie ausgelassen hat, so schnalzt er vor Entzücken. Genosse Michels besitzt darin überhaupt einen eigenen Geschmack, und er hat schon früher in demselben Organ mit ernsthafter Miene unter- sucht, wie viel adliges Blut von mütterlicher und großmütter- licher Seite in den Adern deutscher Parteigenossen fließe. In diesem neuesten Artikel geht er nun aber gleich aufs ganze. Auf Seite 186 ist es nicht nur ein„Professor aus Neapel", auf den er sich bezieht, sondern auch ein„einem adligen Patriziergeschlccht entstammender Maler"; dann muß auf Seite LEI ein Mitglied der Fabian Society heran, das„einem berühmten adligen Geschlechte" entsprossen ist; auf Seite 199 lernen wir„den Sohn eines höheren Offiziers" kennen; auf Seite 216 einen �„Professor Grafen", des ganzen sonstigen Schwarms von Professoren nicht zu gedenken, die je nachdem als„liebenswürdige Aestheten" oder„reine Wissenschaftler" daran kommen, vorausgesetzt, daß sie einmal der deutschen Sozial- demokratie eine freundschaftliche Kritik gewidmet haben. Wo dies Requisit fehlt, verläßt den Genossen Michels allerdings auch die Ehrfurcht vor akademischen Titeln, und der„Astronom" Pannekoek, dem sogar der Doktortitel vorenthalten wird, be- kommt einen derben Klaps, weil er sich als„Astronom in der Politik" nicht bewährt haben soll. Soweit es sich um Zitate ausländischer Genossen handelt, können und wollen wir die Zitierkunst des Genossen Michels nicht naher beleuchten. Er hat seine Artikel insofern mit Recht bürgerlichen Blatt übergeben, weil es sich ganz von '-77 berste ht. daß kein Parteiblatt sich dazu verstanden zatte, diese seltsame Stilübung zu veröffentlichen, zumal nicht Sonnabend, den 10. August 1907. am Vorabend eines internationalen Kongresses. Die deutsche Partei hat niemals eine Hegemonie über den internationalen Sozialismus beansprucht, und ihre verantwortlichen Organe dürfen sich deshalb in keinen Streit darüber einlassen, ob sie diese Hegemonie jemals besessen' oder jemals verloren habe. Unzweifelhaft gibt es manche Meinungsverschiedenheiten zwischen den sozialistischen Parteien der verschiedenen Länder, und unzweifelhaft haben die ausländischen Genossen das Recht und auch die Pflicht, ihre Bedenken gegen die Politik der deutschen Sozialdemokratie zu äußern, sobald sie solche Be- denken hegen. Dazu bietet ihnen der Stuttgarter Kongreß die beste Gelegenheit, und von ihnen allen dürfen wir voraus- setzen, daß sie das Verfahren des Genossen Michels, jedes un- willige Wort, das sie einmal mit Recht oder mit Un- recht über die deutsche Partei geäußert haben, zur Feier dieses Kongresses in den Spalten eines bürger- lichen Organs und zum Gaudium der bürgerlichen Gegner zusammenzutragen, aufs schärfste verurteilen werden. Weniger behindert sind wir, die Ziticrkunst des Genossen Michels ins richtige Licht zu setzen, soweit es sich um deutsche Quellen handelt. Er beginnt damit, zu sagen, es sei cin „Körnchen Wahrheit" in der anarchistischen Behauptung eut- halten,„daß die deutsche Sozialdemokratie, vereint mit einigen Freunden aus Frankreich und Rußland zu einer„Familie Marx", sich durch Intrigen und brutales Auftreten der Ge- schäftsleitung, insbesondere der Präsidien und der Ver- dolmctschungsposten. zu bemächtigen verstehe und diese in der schändlichsten Weise für ihre Sonderwünsche ausnutze". Dies„Körnchen Wahrheit" beglaubigt Genosse Michels aller- dings nur durch sein ehrliches Gesicht. Dagegen bringt er ein Zitat für seine Behauptung bei, daß die Briefe von Engels an Sorge bewiesen,„wie fein und wie stark die Fäden waren, die gesponnen wurden, um die „Familie Marx" am Ruder zu erhalten", und„in wie unglaublich hochmütiger Weise man deutscherseits cin moralisches Anrecht auf die Führung im inter- nationalen Bunde prätendierte." Beides soll dadurch be- wiesen werden, daß Engels am 3O. Dezember 1893 an Sorge schrieb, die Herren Franzosen krähten wieder siegestrunken in die Welt hinaus und wollten wieder an die Spitze der Be- wegung treten. Sie hätten einen Antrag auf Verwandlung der stehenden Armee in ein Milizheer und einen anderen An- trag auf einen europäischen Entlvaffnungskongreß eingebracht. Damit sollten die Deutschen und Italiener vorangetrieben werden, aber ob die Deutschen sich so ohne weiteres ins französische Schlepptau begeben würden, isei zweifelhaft. Nun ist es schon eine Leistung, den burschikosen Ton, den Engels in vertraulichen Privatbriefen Wohl anschlug, im Sinne eines finsteren Hinterhalts zu deuten, aber wenn Genosse Michels das einmal wollte, so hätte er»venigstens diesen Abschnitt des Briefes vollständig abdrucken sollen. Dann hätte sich 1. er- geben, daß Engels gegen das„siegestrunkene Krähen der Herren Franzosen" deshalb mißtrauisch war, weil die Mehr- heit der Fraktion aus Millerandisten bestand,„deren praktisches Programm sicher mehr radikal als sozialistisch ist", und 2. daß Engels hinzufügte:„Nun, warten wir ab. Es ist immer möglich in diesem unberechenbaren Frankreich, daß aus diesem plötzlichen Momenterfolg sich ein dauernder Fortschritt ent- wickelt. Aber abwarten wollen wir's doch lieber." Wenn das eine„unglaublich hochmütige Weise" sein soll, wie soll man dann die Weise nennen, mit der Genosse Michels über die deutsche Partei herfällt? Weiter sollen die deutschen Sozialdemokraten,„die selber keinen Finger rührten, um den vielfachen Ueberbleibseln des Mittelalters in ihrem eigenen Staatswesen entgegenzutreten", in ihrem wissenschaftlichen Organ„die belgischen General- strcikler gehöhnt haben, als Leute, die jedes revolutionären Gefühls bar seien"; eine„trostlose Affäre" habe die„Neue Zeit" den belgischen Generalstreik genannt. Tatsächlich heißt es aber in der„Neuen Zeit":„Der einzige Trost an der trost- losen Affäre war die Haltung des belgischen Proletariats, das, voll revolutionärer Energie zu jeder Kraft- anstrengung und zu jedem Opfer bereit, sein Spiel allein durch die falsche Taktik seiner Führer verloren hat." Und diese„falsche Taktik der Führer", gegen die sich der Artikel der „NeuenZeit" einzig und allein richtete, war dieselbe„falsche Taktik". die Genosse Michels an der deutschen Sozialdemokratie entdeckt haben will und so niederschmetternd beurteilt. Noch ärger geht er mit der deutschen Partei ins Gericht, weil sie nichts vom„Herveismus" wissen will. Nur cin Organ der Partei hat nach dem Genossen Michels bei der Marokko- affäre wenigstens lichte Momente gehabt, nämlich die „Leipziger Volkszeitung". Als wir das lasen, trauten wir unseren Augen nicht. Genosse Michels kann nach kurzen zwei Jahren doch nicht schon vergessen haben, mit welchem Erfolg er bei der Marokkoaffäre das Leipziger Parteiblatt an seinen eigenbrödlerischen Karren spannen wollte. Der Artikel, den er abdruckt, beweist denn auch nur, daß die „Leipziger Volkszeitung" Bebels, nicht aber HervSs Auffassung in Militärfragen teilt. Uebrigens entsinnt sich Genosse Michels ein paar Dutzend Seiten weiter auch, daß die„Leipziger Volkszeitung" nebst dem„Vorwärts" wohl das„Partei- patriotischeste" Blatt sei, was in seinen Augen natürlich ein großes Verbrechen ist. Auch über den Genossen Karl Liebknecht spricht er mal o, mal so. Einmal bemüht sich Liebknecht ängstlich, mit den französischen AntiMilitaristen nicht verwechselt zu werden, dann Expedition: SRl. 68» Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. aber hat Bebel— was reinweg erfunden ist— den Genossen Liebknecht wegen Hervsismus von den Rockschößen der Partei ab- geschüttelt, obgleich Liebknecht unter Anklage des Hochverrats stand und der Solidarität der Partei ganz besonders bedurft hätte. Fügen wir noch hinzu, daß Genosse Michels ein allgemeines Frendenfcuer bei den ausländischen Schivesterparteien auflodern läßt wegen der„zerschmetternden Niederlage" der deutschen Sozialdemokratie bei den letzten Rcichstagsivahlen, so dürfen wir wohl annehmen, daß unsere Leser genug und übergenug an diesem geschmacklosen Paniphlet haben werden. Im übrigen kennzeichnet es sich selbst am besten durch das.>vas es der deutschen Partei nachsagt: Viel Rhetorik, wenig Logik.— Zur Frage der Budgetbewilligung. Ein mit gr. gezeichneter— also offenbar nicht die Ansicht der Gesamtredaktion ausdrückender— Artikel in der„Sächsischen Arbeitcr-Zeitung" äußert sich folgendermaßen: „Es entsteht nun die Frage, ob diese Begründung in hin- reichendem Maße besondere, zwingende Verhältnisse aufweist, wie sie der Lübecker Parteitagsbeschluß fordert. Bebel hat in Lübeck dargelegt, welche Verhältnisie er als Ansnahineverhältnisse an- sieht, die die Zustimmung zum Gesamtbudget gestatten sollen. Er wies auf den Fall hin, daß durch unsere Zustimmung eine die Steuerzahler mehr belastende Gestaltung des Etats öcrhindert werden könne, Ivie es in Hessen geschehen sei; ferner auf den Fall, mit dem damals im Großherzogtum Gotha gerechnet wurde, daß eine sozialdemokratische Mehrheit im Landtage ist, die aber noch nicht so stark ist, daß sie den Etat völlig nach sozialdemokratischen An- schaunngen einrichten könnte. G a n.z genau so liegen aber die Verhältnisse in Aiürttemberg jetzt nicht, und bei sehr strenger Auffassung der Resolution könnte man zu der Ansicht gelangen, daß die würltembcrgischen Genossen nicht richtig gehandelt haben. Es ist aber auch nicht zu verkennen, daß solche Verhältnisse, wie sie jetzt in Württemberg vorliegen, damals in Lübeck noch nicht vorgelegen haben und überhaupt nicht in Betracht gezogen wurden. Ganz gewiß ist die Situation jetzt in Württemberg eine erheblich andere als sie vor sechs Jahren in Baden war. Bebel beispielsweise be- kämpfte die damalige Zustimmung in Baden mit dem Hinweis, daß die badische Regierung fortgesetzt dagegen ankämpfe, das Land- tags- und Gemeiudcwahlrecht zu verbessern und das gleiche direkte Wahlrecht einzuführen. Er sagte:„... Solange diese Forderung nicht erfüllt ist, können wir schon allein deswegen niemals ein Budget . beivilligen." In Württemberg aber ist die Verbesserung des Wahlrechts erreicht worden. Bebel sprach ferner von den schlechten Zuständen in Baden in bezug auf das Vereins- und Versamm- lungsrecht. Auch in dieser Hinsicht herrschen, wie wir sahen, in Württemberg gute Zustande. Ein wesentlicher Teil der Gründe, die in Lübeck zur Zurückweisung jener Abstimmung im badischcu Landtage führten, besteht also in Württemberg nicht. Bei ge- rechter Prüfung muß also zugestanden werden, daß die wnrttcm- bergische Landtagsfraktion ihre jetzige Zustimmung als erlaubt ansehen durfte. Der Vorwurf, gegen den Parteitagsbeschluß verstoßen zu haben, ist ihr mithin keineswegs zu macbcn. Wir glauben nicht, daß diese Angelegenheit die deutsche Sozialdemokratie sehr beschäftigen müsse. Für uns in Sachsen ebenso wie für die Genossen in Preußen geht ganz gewiß die Zustimmung zu einem Budget im heutigen kapitalistischen Klassenstaat sehr gegen das Gefühl. Denn bei uns ist es absolut selbstverständlich, daß Ver- trcter in den Dreiklassenlandtage», wenn wir etiva mehrere be- säßen, gegen den Etat stimmen. Wenn aber unsere Parteigenossen in einem anderen Bundesstaat, wo freiheitlichere Verhältnisse herrschen, auf Grund der Verbesserungen, die sie selbst im Etat erreicht haben, die Ablehnung des Gesamtbudgets nicht glauben rechtfertigen zu können, wenn sie damit auch nicht gegen Partei- tagsbeschlüsse verstoßen, wenn sie im übrigen im Verlauf ihrer ganzen parlamentarischen Betäligung allenthalben ihre demokratische und sozial istis che Schuldigkeit getan haben, dann braucht, so dünkt uns, ihr Verfahren nicht zum Rang einer großen Streitfrage in der Partei erhoben zu werden." Wir können uns dieser Auffassung gegenüber nur auf die Dar- legungen I unserer beiden Artikel beziehen. Wir haben dort nach- gewiesen, daß die Frage der Budgctbewilligung keine taktische Frage ist, die je nach den einzclstaatlichen Besonderheiten so oder so gelöst werden könnte, sondern nichts anderes als die Frage unserer prinzipiellen Stellung zum Kapitalismus und dem kapitalisti- scheu Staate überhaupt. Wir halten cS deshalb im Gegensatz zu dem Genossen gr. auch für notwendig, daß die Gesamipartei erneut ihre Auffassung der Frage präzisiert. Es handelt sich dabei natürlich nicht um ein Tadclsvotum für die wllrttembergischen Genossen, sondern lediglich um die Einhaltung prinzipieller Nichtungslinien für die Partei. Die Stuttgarter„Tagwacht" begnügt sich mit der bor- läufigen Erklärung, daß die beiden Artikel unseres Stuttgarter Mit- arbeiters die Beweggründe der Fraktion nicht erschöpfend wiedergegeben hätten. Eine eingehende Darlegung werde erst nach dem internationalen Kongreß erfolgen. Die„Pfälzische Post", unser L u d w i g S h a fe ner Partei- organ, ist gleich dem„Offenbacher Abendblatt" dem Irrtum zum Opfer gefallen, die beiden ausdrücklich als solche bezeichneten Artikel unseres Stuttgarter Mitarbeiters für kritische Auslassungen der Redaktion des„Vorwärts" zu halten. Es bedarf wohl nur dieses kurzen Hinweises, um die Redaktion unseres pfälzischen Bruder» organs zu einer Nichtigstellung zu veranlassen. Freiiimilge Spriogprozcffioo. Das führende Organ der Freisinnigen Volkspartei, die„ Freis. Ztg.", die sich kürzlich mit den Naumann- scheu Vorschlägen cinderstanden erklärte, wiederholt heute diese Erklärung. Dabei macht das Blatt jedoch den Vor- behalt, dag es nur der„Tendenz" des Naumann- scheu Artikels zustimme, sich jedoch mit den Einzel- heiten seiner Vorschläge nicht identifiziere. So könne es eine Heranziehung des Bismarckschcn Beamteuerlasscs keineswegs empfehlen. Was die von Naumann geforderte Beseitigung des Herrenhauses anbelange, so unterschreibe es eine kürzliche Auslassung der„Vre lauer Z t g.". Diese bezeichnete das Herrenhaus als eine unglückliche Schöpfung, meinte aber„ datz der Freisinn mit dieser In- ftitutiou vorläufig auch weiterhin rechne» müsse! Sie habe bei allen Mängeln den„Vorzug„dafi ein energischer und intelligenter Monarch auf diesem Jiistrnment spielen" könne,„wie"eö ihm beliebt". Veilänfig ein„Vor- z n g", den wohl A b s o l u t i st e n und K a m a r i l l i st e n schätzen sollten, dessen Hervorhebung durch freisinnige Blätter aber höchst sonderbar anmutet I Der Freisinn scheint sich fast zu dem Grundsatz bekehren zu wollen: Und der König absolut, Wenn er uns"den Willen tut! Wenn die Junker diesem Wahlspruch huldigen, so bat das seinen historischen und realpolitischen Sinn; wenn aber der Freisinn sich einbildet, es in der Hintertreppen- Politik mit den Junkern aufnehmen zu können, so vcr- wechselt er doch wohl seinen guten Willen mit seinen Politischen Fähigkeiten und Bctätigungsmöglichkeiten I Wenn die„Freisinnige Zeitung" erklärt, sich in der„Tendenz" mit Naumanns Ausführungen völlig zu be- gegnen, so mag das ja, wie soeben gezeigt, auf die Jllu- s i o n e n zutreffen, die sich Naumann wie„Freis. Ztg." über den Vorspann machen, den Bülow und sogar der Monarch s e l b st einer freisinnigen Politik leisten sollen! Im übrigen aber müssen wir konstatieren, daß die „Freis. Ztg." heute nach Art der Andernachcr Springprozession wieder erheblich hinter die Naumannschen Forderungen zurück- hupft. Naumann hatte als w i ch t i g st c s Mittel der Er- ringung des feierlich postulierten Neichstagswahl- rechtes für Preußen die Entfesselung eines Volks- st u r in e s empfohlen. Die„Freis. Ztg." scheint aber der gemütlicheren Methode des geduldige» Harrens und des par- lamentarische» Schachcrus den Vorzug zu geben. Sie schreibt nämlich: „Auf welche Weise die W a h l r e ch t S b e w e g u n g im preußischen Abgeorduetenhause in Fluß zu bringen und wie das zu erstrebende Ziel zu erreichen ist, darüber heute bereits Betrachtungen anzustellen, erscheint uns verfrüht. Wenn die parlamentarische Saison angebrochen ist und sich die derzeitige politische Lage übersehen läßt, dann werden sich die erforderlichen Schritte schon von selb st einstellen. Nugenblicklich genügt es, die vollständige Einmütigkeit aller entschieden Liberalen in der Ueberzeugung festzustellen, daß die Wablrechtsvorlage dringend der Lösung bedarf und daß diese Losung, wofern im Reiche auch nur einigermaßen liberal regiert werden soll, allein vermittelst der Einführung des Reichs- Wahlrechts in Preuße» und vermittelst einer entsprechenden Altion des Abgeordnetenhauses erfolgen kamt." Das sieht nach allem anderen, nur nicht nach tatkräftigen Entschließungen aus l Zu buchen ist immerhin, daß das führende Organ der Freisinnigen Volkspartet abermals die Einführung des NeichötagSwaljlrechtS in Preußen als oonäitio mnv gua non bezeichnet. Nur bitten wir die„Freis. Ztg.", auch eine Frist- bcstimmung für die Erfüllung dieser Forderung angeben zu wollen! Oder hält es der Freisinn trotz alledem für aus- reichend, wenn die Regierung in der nächsten Laildtagssession eine„liberale" Wahlresorm verspricht?! # Herr Schräder, Mitglied der weiblichen Fraktion des Freisinns, unter deren Organen die einem nationalliberal- frcikonscrvativcn Wahlrcchtkompromist das Wort redende „Wescr-Ztg." eine hervorragende Stellung einnimmt, wünscht seinerseits wieder eine„energische Agitatto n". Er schreibt im„Berk. Tageb l.": „Will man ernstlich daö R e i ch s w a h lr e ch t für Preußen, so darf man eine energische Agitation nicht scheuen, welche unsere ganzen verfafinngSmäßigen Zustände im Reich und in Preußen beleuchtet. Man darf sich auch nicht davor scheuen, daß dabei die Sozialdemokratie eine große Rolle spielen wird. Die arbeitenden Klafien sino doch die am meisten Interessierten; sie können und werden nicht Gewehr bei Fuß stehen bleiben, wenn es sich darum handelt, die Entrechtung der unteren Stcuerstilfen zu beseitigen. Aber ihnen allein kann der Liberalismus die Agitation nicht über- lassen. Will er wieder zu einer angesehenen politischen Stellung kommen, so muß er die Initiative ergreifen und die F ü h r n n g übernehmen. Nur dann ist ans einen Erfolg zu hoffen, weil nur unter dieser VorcluSsctznng die bürgerlichen Kreise sich genügend beteiligen werden. Und das ist doch not- wendig für das Gelingen, da von ihnen die Zusammensetzimg des nächsten preußischen Abgeordnetenhauses abhängt." In der Tat, eine herrliche„Einmütigkeit aller ent- schieden Liberalen"!_ Das laroftho- Feuer. Es frißt um sich, das marokkanische Feuer. Schon ist dem Bombardement von Casablanca die Beschießung Mazagaus gefolgt, schon meldet der Telegraph die Anfänge des„heiligen Krieges", der Erhebung der Marokkaner gegen die ungläubigen Fremden. Das Bombardement von Casa- blanca wird voraussichtlich der Beginn eines schiveren Feld- zuges für die Franzosen sein— die französische Nation wird schioere Blut- und Geldopfcr bringen müssen für die Jnter- essen der französischen Bourgeoisie. In der Londoner„Pall Mall Gazette" beantwortet jemand, der sich auf dreißig- jährige Erfahrungen in Marokko stützt, die Frage:„Wird Marokko kämpfen?" mit einem entschiedenen„Ja!" Er sagt: „Ja die Mauren werden kämpfe», oder wenn sie sich in einer sicheren Entfernung von der französischen Artillerie halten, dann werden sie die Franzosen in die Zwangslage versetzen, daß sie weder vorrücken noch sich zurückziehen können. Wenn sie eS mit einer Strafexpedition in das Innere de« Landes versuchen, dann werden sie sich im Kampfe mit Schwärmen unabhängiger, wohlbewasfileter kampflustiger Stäimne finden, die jeder auf eigene Rechnung jeder Vorwärtsbewegung der Armee Widerstand leisten wird. In diesem Angcnbiicke bringen wohl schon Boten nach allen Richuingen die Nachricht, daß die Ungläubigen das Gebiet der Gläubigen profaniert haben? die geheimnisvolle Luft- telegraphie, durch welche in Afrika jede Nachricht mit erstaimlicher Geschwindigkeit verbreitet wird und deren Geheimnis kein Europäer kennt, ist bestimmt schon in Tätigkeit. Ueberall wird der heilige Krieg gepredigt werden; jede der iiioslemitischen Ge- hciuigesellschaften, die Nordafrika wie mit einem Netz über- ziehen, wird sich, von Haß gegen die Christen erfüllt, in Gärung befinden irnd die Kampfeslust der kampslusiigsten aller Religionen wird entfesselt sein. Der Geist des Islams macht alle Mohammedaner solidarisch und in Marokko haben sich die Führer des Volkes, die Kaids der einzelnen Stämme, auf diese Krisis vorbereitet. Anstalt in Fes die Stenern zu zahlen, haben sie Waffen und Munition gekauft und eingeführt und die arabischen Rciler der Ebene und dnS Gcbirgsvolk im Atlas sind vor- bereitet, für das zu kämpfen, ivaS allein sie hochschätzen: ihre Religion und ihre Unabhängigkeit. Die Besetzung von Casablanca wird daher wahrscheinlich die Besetznug aller anderen vertrag?- mäßigen Hafenstädte erforderlich niacheu, lveiin die Europäer dort nicht einfach vom Erdboden verschwinden sollen. Die Politik deS „friedlichen Vordringens" ist hoffiinngSlos zusammengebrochen und die Welt erivartet jetzt neugierig und mit Spannung» was die nächste Handlung der Apostel der Zivilisation und der„offenen Türe" sein wird." Inzwischen sind die französischen Berichte über die Be- schicßung Casablcincas durch den eines englischen Journalisten, den Korrespondenten Hands der Londoner„Daily Mail", er- gänzt worden. Nach dieser Darstellung wäre das Bombardement von den Franzosen von Anfang an gewollt und auf einen einzigen Flintenschuß hin unternommen worden. Hands behauptet, daß der englische Konsul sehr ungehalten ivar über den voreiligen Beschluß der Franzosen, Truppen zu landen. Die nichtfranzösischen Europäer hätten den Franzosen die großen Gefahren voreiliger Handlungsweise mit ungenügenden Landungstruppen aufs eindringlichste klar zu machen versucht. Nach der Beendigung des ersten Bombardements ist es zu einer fürchterlichen Plünderung der Stadt gekommen, bei der sich unbeschreibliche Greuel abspielten, was die Wieder- aufnähme des Bombardements zur Folge hatte. Die Tagesmeldungen lauten: Paris, v. August. Ein Telegramm des Generals Drude an den Kriegsminister Picquart meldet die am 7. August erfolgte Besitzergreifung von Casablanca, das seit 5 Uhr früh von einer Marineabteiluiig verteidigt wurde, von der zwei Cffi- ziere und zehn Mann verletzt und zwei Mann getötet wurden, olS sie die Mehrzahl der diplomatischen Agenten beschützte. Die Verteidigung ehre alle Teilnehmer. Ein Telegramm deS AdmiralS Phil i 6 e'r t bezüglich des am 7. August von französischen und spanischen Seeleuten zurückgewiesenen kräftigen Angriffes auf daS KonstilatSviertel besagt, daß noch fünf Matrosen vom Kreuzer„Du Chayla" gelötet wurden und daß auch die Spanier Tote und Verwundete hatten. Die gegen den Maghzen aufrührerischen Stämme haben, wie es in dem Telegramm weiter heißt, bedeutende Verluste erlitten. die noch durch das Feuer der Kreuzer„Galilöe" und„Forbin" erhöht wurden. Vier Kreuzer und Panzerschiffe kamen morgens 11 Uhr an, noch zur Zeit, um den Angriff, dem die Abteilungen nicht mehr lange hätten widerstehen können, zum Stillstand zu bringen. Die Truppen wurden gelandet, nachdem 15 Minuten lang ge« feuert worden war, um die Umgebung der Stadt zu säubern. Die Landung ging schnell vor sich, trotzdem die See sehr hoch ging, und die Stadt wurde besetzt. Die Landung von Material wurde bei den, Licht der Scheinwerfer die Nacht hindurch sortgesetzt. Admiral Philibert und General Drude ließen an Land eine Prokla- matton anschlagen, die die Absichten Frankreichs kundgibt. Ein ferneres Telegramm des AdmiralS Philibert vom 8. August nach- mittags meldet, daß General Drude in der Nähe der Stadt ein Lager bezogen und einen Angriff von 5ÜOO— 6000 Reitern rnergisch ziirückgcwicscn hat. Tanger, S. Aiignst. fMeldung der»Agence HavaS".) Der Kreuzer„Forbin" ist aus Casablanca, daS er gestern abend nach der Ausschiffung von Truppen verlassen hat, hier eingetroffen und bestätigt, daß 2000 Soldaten die vollständig g e- plünderte und in Brand gesetzte Stadt besetzt haben. Die Marinetruppen hatten 2 Tote und 15 Verwundete. ES herrsche dort vollkommene Ruhe. Alle Flüchtlinge seien von den Dampfern wieder an Land gegangen und in ihre Wohnungen zurück- gekehrt. Die Stadt liege allerdings in Trümmern. Durch Funken- telegramme hat der britische Konsul in M a z a g a n um Entsendung eines britischen Dampfers ersucht. Ein solcher ist zurzeit dorthin unterwegs. Gibraltar, 8. Aitgust. Nach hier vorliegenden Nachrichten habe der Kreuzer„Du Chayla" Mazagan bombardiert. Paris, g. August. lMcldung der„Agence HavaS".) Bis 11 Uhr vormittags hatte das Ministerium des Auswärtigen keine Bestätigung der Gerüchte über ein Bombardement von Mazagan er- halten. London, g. August. Wie„Daily Telegraph" unter dem 3. August aus Tanger meldet, marschiert der Scheris Ma-el-Ainin an der Spitze von 8000 fanatischen Eingeborenen ans die Stadt M o a a d o r. London, S. August. Einer Meldung des„Reuterschen Bureaus" ans Mogador vomSO. Jnli zufolge ist Cap Jnby von den Stämmen Aituyusa und Aitdjemal überfallen und angegriffen worden. Mehrere Soldaten der Garnison sind getötet, die übrigen gefangen- genommen worden. Borräte und Proviant wurden geplündert. Der Gouverneur entkam t» einem kleinen Boot»ach dem Jnselfort Mulainem. Auch eine Karawane von Adrar nach Cap Jubh ist überfallen und zur Rückkehr genötigt worden. politische(lebersicdt. Berlin, den 9. August 1997. Freisinnige und sozialdemokratische Taktik. Wir hatten in unserem gestrigen Leitartikel den Nachweis ge- führt, daß, was es immer mit gewissen„Enthüllungen" auf sich habe, unbestreitbare Tatsache ist, daß zwischen der N e- g i e r u n g und freisinnigen Politikern Verständigiingen über eine parlamentarische Aktion in Sachen der Wahlrechtsreform stattgefunden haben. Der Freisinn soll im Landtag scineii Wahl- rcchtsantrag einbringe», worauf Bülow oder ein Vertreter Bülows daS Versprechen einer Wahlreformvorlage abgeben wird. Der Frei- sinn wird sich damit für befriedigt erklären und sich dann als Retlcr des Vaterlandes und der Demokratie in den Wahlkampf stürzen. Dag solche Verständigungen stattgefnnden haben, steht fest. Ebenso unbestreitbar ist eS, daß der Freisinn entschlossen zu sein scheint, sich auf dieses Spiel einzulassen, ganz gleich, welchen Erfolg dieser oder jener Freisinnige sich von der Büloiv- scheu Erklärung und der Wahlkampagne verspricht. Nun haben be- kanntlich einige Parteiblätter behauptet, daß der Freisinn dies Spiel in dem klaren Bewußtsein treibe, daß das Boll dabei über- t ö l p e l t und um da« vom Freisinn versprochene Reichstags- w a h lr e cht g ep rellt werde. Sie glaubten diesen Beweis nicht durch Beibringung der öffentlich vorliegenden Belege und durch eine Kritik der wenn nicht arglistig überlegten, so geradezu un- begreiflich kurzsichtigen Taktik des Freisinns führen zu sollen, sondern durch die Enthüllung von allerhand Kulissen- geschichten, für die sich ein Beweis schwerlich erbringen lassen dürfte. Wir haben diese Methode für nicht ganz unhedenklich erklärt und sind uns mit der„Leipz. Bolksztg.", der„Bremer Bürgerztg." und dem„Lübecker Volksboten" in dieser Auffassung begegnet. Heute öemerst dazu die„Hächs. Slpbsiterztg."; „Ebenso ist durchaus anstecht zu halten, was wir über Be- sprechungen Bülows mit freisinnigen Politikern ge- sagt haben. Freisinnige sind über die Pläne Bülows unter- richtet worden. Und eS ist von sehr großer Wichtigkeit, die Stellung und die Absichten des Freisinns zu den Bülowschen Plänen völlig zu klären. Die„Frankische Tagespost", nnser Parteiorgan in Nürnberg, glaubt ein fertig abgekartetes Intrigenspiel zwischen Bülow und den Freisinnigen annehmen zu sollen, in welchem Spiel die Rollen so verleilt sind, daß Bülow sich durch eine Scheinkonzession in der Wahlrechtssache den Bestand des ihm unentbehrlichen Blocks sichert, während der Frei- sinn sich den Anschein'gibt, das allgemeine gleiche Wahlrecht für Preußen erkämpfen zu wollen, aber von vornherein mit dem Hintergedanken, sich schließlich mir der Bülowschen Schein- konzcssion abfinden zu lassen; die Erwartung von allerlei kleinen persönlichen Belohnungen befestige den Freisinn in dieser der- räterischen Haltung. Uns scheint, als verallgemeinere die„Fränk. Tagespost" allzu- sehr. Wohl mag es im freisinnigen Lager Elemenle geben, die solch schmachvolles Spiel zu betreiben bereit sind und noch zahl- reichere Personen, die schwach genug sind, sich leicht auf solchen Bahnen verführen zu lassen. Doch soll man, solange nicht Beweise dafür vorliegen, nicht den Freisinn als Partei mit einzelnen, zu jedem schlechten Streich bereiten Leuten ohne weiteres gleichstellen. Nötig aber ist es, die Situation nach Möglichkeit aufzuhellen und den Freisinn zu klarer Ent- scheidung zu drängen." Dieser Auslassung können wir im wesentlichen zustimmen. Nicht alS ob wir dem Freisinn unbegründetes Vertrauen entgegenbrächten — im Gegenteil!— aber die„Aufhellung der politischen Situation" wird durch unkontrollierbare Gerüchte eher erschwert als gefördert. Und das, was an unbestreitbarem öffentlichen Be- lastungSmaterial gegen den Freisinn vorliegt� genügt durchaus, die demokratische Tugend deS Mißtrauens ihm gegenüber mehr als zu rechtfertigen.— Die„Sachs. A r b e i t e r- Z t g." bezieht sich dann auf eine Bemerkung der„Leipz. Bolksztg.", in der dem Freisinn aus- einandergesetzt wird, daß er nicht durch diplomatische Schleichhandel, wohl aber durch ehrlichen Kamps das Reichstagswahlrecht erringen könne,„sobald er mit der Sozialdemokratie ein Wahlbündnis unter der Parole des allgemeinen Wahlrechts für de n preußischen Landtag schließ t." Unser Dresdener Parleiblatt bemerkt dazu: „Die Sozialdemokratie hat nun allerdings bisher ein Wahlbündnis mit dem Freisinn in Preußen treng abgelehnt, beziehentlich mir unter solchen Voraus- ctzungen für möglich gehalten, auf die wiederum der Frei- inn nicht eingehen wollte. Wenn die Aeußerung der„Lemziger VolkSzeitung" mehr ist als eine zufällige Bemerkung und wenn man in Preußen ebenso denkt, so würde die Möglichkeit einer neuen Konstellation der Parteien nicht ganz ausgeichlosien sein. Der Freisinn würde dann allen Ernstes' vor die Frage gestellt werden, ob er mit Bülow ein betrügerisches Spiel treiben will, dessen Ende die Aufrechterhaltung der preußischen WahlrechtSschinach in neuer Gestalt wäre, oder ob er sich ehrlich und entschlossen in den Kampf um ein gerechtes Wahlsystem ein- reihen will." Wir glauben, daß die Frage eines WahlbündnisieS mit dem Freisinn einstweilen ruhig zurückgestellt werden kann. Zunächst handelt es sich darum, daß der Freisinn in der Wahlrechtsagitation seine Schuldigkeit tut und der Regierung und den freisinnigen„Diplomaten" nicht auf den Leim geht. Läßt er es in der nächsten Landtags- session in ehrlicher Vertretung seiner vorgeblichen Forderung deS Reichstags w a h l r e ch l S auf einen Konflikt mit dem Block und der Regierung ankommen, kämpft er also gleich der Sozial- demokratie mit offenem Visier und ohne Vorbehalt für die Durch- führung der Demokratie in Preußen. so würde er ein Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie auch schwerlich an Forderungen— der Gcgcustitigkcit der Wahlnnterstützung I— scheitern lassen, das für ihn im Jahre 1903 unannehmbar war. Nicht an der Sozialdemokratie läge es also, dem Freisinn ein Bündnis anzutragen, sondern ein solches Wahlbündnis würde einzig durch die p o litisch e S e lbstb e sinnnn g des Freisinns möglich werden. Das„Wahlbündnis" ist einstweilen aber Zukunftsmusik. Die Probe auf das Exempel hat der Freisinn vor den nächsten Wahlen in Preußen zu machen! Das war offenbar auch die Auf- faffung der„Leipz. VolkSztg."— Giiterschacher in Posen. In welcher Weise die Tätigkeit der AnsiedelungSkoinmisslon in der Provinz Posen auf die Steigerung der Gütcrpreise eingewirkt hat, zeigt aufs neue der Verkauf der Besitzung Kluczewo im Kreise Schmiegcl durch den bisherigen Eigentümer, den Rittergutsbesitzer Adolf Heinrich an die polnische Parzcllierungsbank in Kosten. Herr Heinrich erhielt für das Gut 1200 000 M. Als et es im Jahre 1883, also vor ungefähr 20 Jahren, kaufte, zahlte er dafür nur 600 000 M. und erzielte nach der Besitzergreifung allein aus den Waldbeständen ungefähr 250 000 M. für Holz und noch ungefähr 140 000 M. für Abverkäufe, so daß ihm daö Gut, die Richtigkeit der Zahlen vorausgesetzt, nicht viel mehr als 200 000 M. gekostet haben würde. Für dieses selbe Gut, das jetzt einen Taxwert von 375 000 M. besaß, bot in früheren Verhandlungen die Ansiedelungs- kommission 950000 M., also woht einen recht angemessenen Betrag. lieber dieses Angebot ist jetzt die polnische Parzcllierungs- dank mit einer viertel Million hinausgegangen. DaS agrarische„Posener Tageblatt" fühlt sich über diesen Ver- kauf einer neuen großen Besitzung an die polnische Parzcllierungs- dank in seinem deutschen Patriotismus tief verletzt und richtet die Frage an den Bund der Landwirte, dessen Mitglied Herr Heinrich ist, ob die Disziplin, die sich in den Reihen des Bundes doch stets so gut bewährt habe, durch derartige Vorgänge nicht durchbrochen werde. Es sei zweifellos die allerhöchste Zeit, daß Herren, die so gegen ihre Pflichten als Rittergutsbesitzer, als Zugehörige der deutschen Gentry, fehlen, aus den Reihen des Bundes ausgeschlossen würden. Versagten die bisherigen Disziplinarmittel des Bundes, so müßte man in gesellschaftlicher Beziehung gegen die Fahnen- flüchtigen vorgehen; denn wer seinen Boden an Feinde dcS eigenen Volkes verschachere, habe den Anspruch verwirkt, in den Reihen dcS Bundes der Landwirte zu verbleiben, der stets für sich daS Recht in Anspruch genommen habe, eine Organisation auf deutscher Grundlage zu sein. Wir glauben nicht, daß der Bund etwas gegen Herrn Heinrich unternahmen wird; denn wenn der Bund der Landwirte auch äußer- lich darauf hält, als„vaterländisch" eingeschätzt zu werden, so hat Herr Heinrich doch lediglich im Sinne der Ethik und der Geschäfts- moral des Bundes gehandelt, wenn er den schönen Profit höher einschätzte als das„Interesse des Vaterlandes". LandtagSdiäten in Württemberg. Die Zweite württcmbergische Kammer hat heute den Gesetz- entwnrf betreffend Entschädigung, Tagegelder und Reisekosten der Ständemitglieder mit 77 gegen 2 Stimmen angenommen. Nach den gefaßten Beschlüssen erhalten die Mitglieder für Plenar- und Komnussionssitzungen ein Tagegeld von IS Mark,(falls sie Beamte find, II Mark) und freie Eisenbahnfahrt während der Dauer der Ein- berufung, sowie während der Zeit 8 Tage vor Beginn und 2 Wochen nach Schluß der Sitzungen des Landtags und von je 8 Tagen vor Beginn und nach Schluß der Kommissionssitzungen; serner Reisekostenentschädigung und einen UebernachtungSzuschlag von 5 M., sofern sie nicht in Stuttgart ihren Wohnsitz haben, sowie Entschädigung für die Ausarbeitung schwieriger Berichte. Die Prä- sidenten beider Kammern erhalten eine jährliche Entschädigung von je 10000 M.; die Mitglieder der engeren ständischen Ausschüsse eine solche von 1000 M. Das Verlangen unserer Genosien nach freier Eisenbahnfahrt während der ganzen Landtagsperiode wurde von dem Minister- Präsidenten für unannehmbar erklärt und abgelehnt.— Neue Flottcnforderungen. DaS Marineministerium hält, wie die„Tcigl. Rundschvu" wissen will, sich nicht an das aufgestellte Flottenbauprogramm gebunden. Der Etatsvoranschlag für das neue Rechnungsjahr soll die Forde- rung zum Bau eines fünften und sechsten Linien- schiff es von vergrößertem Deplacement, sowie eines Riesen- Panzerkreuzers enthalten. Die Flotten- und Kolonialbegeisterung des Blocks soll also, solange er noch zusammenhält, gründlich ausgenutzt werden. Reichssteuerpliine. DaS Mitglied der Reichspartei Geh. Kommerzienrat Schmidt (Altenburg) hat auf der Jahresversammlung des Deutschen Tabak- Vereins über die Reichsfinanzlage und die neuen Stenerpläne der Regierung gesprochen und dabei versichert, daß die Reichsregierung dem Reichstag eine Wehrsteuer, die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten und die Banderolensteuer auf Zigarren vorlegen werde.—_ Ordnnugsliige«. Durch so ziemlich die gesamte Ordnungspresse lief dieser Tage nachstehende Notiz: „Den Terrorismus der sozialdemokratischen Arbeiter wie ihre Unduldsamkeit gegen selbständige Ueberzeugung erläuterte folgende Entscheidung der Oldenburger Strattammer. Sie ver- urteilte am Sonnabend sechs sozialdemokratische Arbeiter, welche gemeinschaftlich zu Delmenhorst den Arbeiter Fmgge, weil dieser nicht der Organisation beitreten wollte, unmenschlich mißhandelt hatten, zil Gefängnisstrafen von einem Jahre bis zu drei und ein halb Jahren. Flügge ist an den Verletzungen gestorben." Abermals ein unerhörter Schwindel! Das„Delmenhorster Kreisblalt", das Amtsblatt für Delmenhorst, Nr. 109 vom 21. Juli 1907 bringt über diese Verhandlung einen Bericht, der nicht weniger als sechs große, breite Spalten füllt. Nicht mit einem einzigen Wort war die Rede von der Sozial- demolratie oder den Gewerkschaften. Angeklagt waren die Arbeiter Langerhagen 18 Jahre alt, Ullmann 17 Jahre alt, Fiege-Bungerhof 20 Jahre alt. KarlinowSky 18 Jahre alt, Minderinann 19 Jahre alt und-Wessels 19 Jahre alt. Einige von ihnen haben bereits einige Freiheitsstrafen erlitten. Der Angeklagte Langerhagen stellt nach dem Bericht deS erwähnten Amtsblattes den Sachverhalt wie folgt bar: „Er sei am Sonnabend abend nach Wirt Weigel und von dort mit dem Arbeiter D. Stolle nach dem Wirt Hadeler gegantze». Hier haben sie sich längere Zeit aufgehalten und sind dann schließ- lich bei Gastwirt Schnepel gelandet. Hier haben sie mehrere Partien Billard gespielt. Inzwischen seien Lüdecke, Jordan und Flügge angekommen. Lüdecke habe ihn da auf den Fuß getreten. Er, Angeklagter, habe sich daS verbeten, sei aber von Lüdecke, Jordan und Flügge angegriffen worden. Schließlich habe sich der Wirt Schnepel ins Mittel gelegt und thn und Stolle aus dem Lokal gewiesen. Stolle sei des Weges gegangen, er. An- geklagter, aber habe sich zum Wirt Weigel begeben und dort die Angeklagten Mindermann, Oestmann, Ullmann, Wessels Karli- nowsly und Fiege-Bungerhof angetroffen. Er qabe denen sein Erlebnis erzählt und letztere hätten darauf erklärt, dem Flügge, Lüdecke und Jordan eins auszuwischen. Sie hätten sich darauf gemeinschaftlich nach der Schnepelschen Wirtschaft begeben und den genannten Lüdecke, Flügge und Jordan aufgelauert. An der gemeinschaftlichen Schlägerei habe er sich nicht beteiligt. Gesehen habe er, wie Weisels und Mindermann auf Flügge eingeschlagen hätten. Daß Flügge getötet worden, habe er erst am anderen Morgen bei seiner Verhaftung erfahren, vorher nichts davon gewußt." Genau so sagten auch die anderen Angeklagten aus, nur be- stritt jeder, den tödlichen Stich geführt zu haben. Die Ursache der Bluttat war also ein Wirtshans st reit wegen e.iner kleinen Anrempele i. M i t Politik oder GeWerk- schaft hat die ganze Sache absolut nichts zu tun. Wie uflverschäint gelogen wird, geht daraus hervor, daß der getötete Flügge organisiert war, er gehörte dem Handels-«nd Transport- arbciterverband an._ Die Ausdehnung der obligatorische» Krankenversicherung ans die land- und forsiivirtschaftlichen Arbeiter ist zurzeit Gegenstand der Beratungen bei den Reichs- und preußischen Staatsbehörden. Die Frage dürfte, wie die«Voss. Ztg." berichtet, voraussichtlich so ge- regelt werden, daß durch ein Reichsgesetz die Versicherunaspflicht der ländlichen Arbeiter zur Einführung gelangt, dessen Durchführung aber den Bundesstaaten durch LandcSgesctz überlasse» wird. In Preußen sind bereits durch die Oberpräsidenten Erhebungen über die Bedürfnisfrage und die geeignetste Form der Durchführung der Ver- sicherungspflicht angestellt worden.— frankrekh. Der Moralanwalt„Matin". Paris, 7. August.(Eig. Ber.) Wir haben schon über die Kampagne des Skandalblatts„Matin" gegen den ehemaligen Jnstizminister E h a u m i e berichtet, in deren Verlauf die von EhaumiS wegen Beleidigung beklagte Zeitung mit jahrmarktsmäßigem Pathos„Enthüllungen" produzierte, die aller- dings nichts anderes bewiesen, als daß auch Chaumiü von dem unter der Bourgeoisrepublik allgemeinen Brauch, Verwandte und Freunde an die Staatskrippe zu bringen, keine Ausnahine gemacht hat, und daß zwei so beförderte Neffen deS Ministers arge Tunichtgute sind, die sich allerhand mehr oder minder gesetzwidrige Gefälligkeiten haben bar bezahlen lassen. Dafür aber hat die Affäre auch die schmachvollen Praktiken ins Licht gerückt, womit die Macher des „Matin" ihrem Blatt journalistische Sensationen und sich selbst Profit verschaffen. Daß der„Matin" ein Organ für Skandal und Erpressung ist, war auch vorher nicht unbekannt, aber jetzt hat man in den von Herrn Bunau-Varilla dirigierten ungeheueren KorruptionsmechanismuS den richugen Einblick bekommen. In der gestrigen Verhandlung vor dem Schivurgericht in Agen, die infolge der vom„Matin" aufgewendeten juristischen Mittel, das Urteil hinauszuschieben, mit einer neuer- lichen Vertagung endete, legte der Kläger Chaunns an einer Fülle von Beispielen das gemeine Treiben der Bande vom„Matin" dar. So hat der Direktor des Blattes von Chaumiü, als er Minister war, die Auslieferung der geheimen Untersuchungsakten gegen DreYfuS verlangt. Ein andermal forderte Bunau-Varilla die Ernennung eines von ihm begünstigten Mannes zum Friedensrichter, trotzdem dieser den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprach. Bnnau-Barilla verkehrte überhaupt in den Ministerien wie zu Hanse und glaubte die Minister ber Republik nach Gutdünkon für sein Blatt einspannen zu dürfen. Ein anderer von Chanmis berichteter Gaunerstreich des „Matin" wird schon durch seine Wiederholung an anderen Stellen bewiesen. Einmal hat nämlich ein Abgesandter des Blattes sich als Polizeibeamter vorgestellt und sich Briefe, die an einen in einen SensationSprozeß verwickelten Dieb gerichtet waren, angeblich für den Direktor der Sicherheitspolizei anSfolgen lassen, die dann den Tag darauf im Blatte veröffentlicht wurden. Den- selben Trick hat bekanntlich Herr H e d e m a n ausgeführt, als er sich dem Genossen Bebel als Abgesandter der französischen Partei vorstellte, um die bekannte Erklärung über die Hervöschcn Theorien zu erlangen. Nicht übel ist übrigens, daß Herr T e r y. der in Gemeinschaft mit Herrn. Urbain G o h i e r, dem ehemaligen Revolutionärsozialisten und AntiMilitaristen, die Kampagne gegen Chaumiv führt, seinerzeit von Chanmis ein Stipendium von 8600 Fr. zur ungestörten Vollendung seiner Dissertation erlangt, aber die Dissertation nie ge- schrieben hat._ Montpellier, 9. August. Der hiesige Vczirksrat nahm eine Tagesordnung an, worin er sich mit dem Komitee von ArgellierS einverstanden erklärt und die Kollcktivde Mission deS Rates verfügt. Es wird hinzugefügt, daß die Regierung die Lage in den vier Winzerdepartcments nicht im wahren Lichte hin- gestellt habe. Weiter wird gesagt, daß die Geldsendungen, welche im Interesse der Truppen verwendet wurden, besser dazu benutzt worden wären, an die notleidenden Winzer berteilt zu werden. Der Gemeinderat von Laurent hat seine Demission z u- rückgezogen. Niederlande. Kolonialfrcuben. Eine Depesche der Amsterdamer Zeitung „Telegraaf" meldet aus B a t a v i a, daß am 19. Juli in der Landschaft M o r i auf der I n s e l C e l e b e s eine Infanterie- abteilung von der Bevölkerung niedergemetzelt wurde; neuesten Nachrichten zufolge seien wiederum 4ö Soldaten und Sträflinge nebst zwei Leutnants getötet worden. Serbien. Ein Mord mit RcgiermigShiilfe? Belgrad, 9. August. Aus politischen Motiven wurde gestern in Vranja der Führer der Nationalpartei Popovic ermordet. Bon Oppositionsblättern wird behauptet, die Regierung habe dem Morde Vorschub ge- leistet.— Hineriha. VundeSgcwalt gegen Staatsrechte. � In einem Konflikt der Bundesregierung mit der Staaten- regierung von Nord-Carolina über Eiscnbahiiangclegen- Helten hat die Vundesregicrnng den Sieg davongetragen. Die Angelegenheit hat die Ausmerksamieit weiterer Kreise erregt als eine der vielen Episoden, denen ein bestimmtes Problem in dem Verhältnis der Einzelstaaten zum Bunde zugrunde liegt.' Die „New Yorker Volkszeitung" bemerkt dazu:«Die Frage der Zentralisation der Regicrungsacwalt für daS ganze Gebiet der Verciniatcn Staaten in der BnudeShauptstadt, im Gegensatz zu möglichster Aufrechterhaltung der Souveränität der Einzelstaaten, spitzt sich mit jedem Jahre schärfer zu. Sie tritt in dem ver- ichiedensten Formen und bei den mannigfaltigsten Gelegenheiten zutage. Ucber die Bedeutung dieser Fraae selbst für die Interessen der organisierten Arbeit und für die sozialistische Partei ist eigcnt- lich noch nicht bicl diskutiert worden. Aber der Moment rückt näher, da auch wir gezwungen sein werden, dazu Stellung zu nehmen. Für die Partei als solche dürfte sich die Frage zunächst so formulieren: Ist es für die Entwickelung der Partei besser, wenn ihre Agitation in den Einzelstaaten auch dort mit dem Erfolg gekrönt sein kann, den ihre starke Vertretung in einzelnen, vom Bunde möglichst unabhängigen Staatslegislaturcn für die betreffenden Staaten naturgemäß mit sich bringen muß— oder kommen wir schneller vorwärts, wenn wir, bei etwaiger bundes- gesetzlicher Ohnmacht der Staatslegislaturcn, alle Kraft darauf konzentrieren, an die Tore des Kongresses zu pocheu und dort Einlaß zu erzwingen?" Die„Volkszeitung" neigt am Schlüsse der Ansicht zu, daß für die nächste Zukunft die Agitation in den m ö g l i ch st souveränen E i uz cllsta.a t en die größeren Erfolge ver- spricht.-» Huftralien. Zollbegiinstigung für England. Melbourne, 3. August. Der Bundesschatzmeister Forrest brachte heute im Abgeordnetenhaus den verbesserten Zolltarif ein. Den Artikeln britischer Herkunft und Fabrikation wird darin eine große Bevorzugung eingeräumt, die zwischen 5 und 10 Pr oz. schwankt. Der verbesserte Tarif sieht eine Erhöhung deS Zolles für viele Artikel vor. So betragen die neuen Zölle auf Baum- wolle und Leinen 10 Proz. des Wertes, die auf Putzartikel 2S Proz. und die auf Kleidungsstücke 40 Proz. Eue der Partei. Der Sozialdemokratische Berein für Magdeburg nahm in seiner Generalversammlung am Mittwoch auf Anregung des Genossen Dr. Müller folgenden Antrag an den Parteitag an: Die Generalversammlung, überzeugt von der Bedeutung solcher statistischen Aufnahmen über die soziale Zusammensetzung der R e i ch s t a g s w ä h l e r s ch a ft, wie sie in Magdeburg. Leipzig, Offcnbach und Augsburg vor- genommen wurden, richtet an den Parteitag das Ersuchen, die Wahl- kreise, bei denen die Vorbedingungen hierzu vorhanden sind, auf- zufordern, solche Statistiken aufzunehmen. Es ist bei diesen Auf- nahmen vor allem im Auge zu behalten, daß sie nach einem einheitlichen Schema zu erfolgen haben, damit sie mit- einander verglichen werden können; es ist ferner erforderlich, da sie nicht nur für einen Wahlkreis, sondern für die Gesamtpartei nützlickie Erkenntnis erschließen sollen, daß alle Statistiken ver- öffentlicht werden. Da der Wert der Aufnahmen um so größer ist, je zahlreicher sie sind, werden die ParteitagSdclcaierten ersucht, überall da, wo cS sich ermöglichen läßt, auf die Aufnahme solcher Wahlstatistiken hinzuwirken. Die Formulare hat der Parteivorstaud zu liefern. Ein Antrag, auf dem Parteitag darauf hinzuwirken, daß die Maifeier in der bisherigen Weise beibehalten werde, fand ebenfalls Annahme, obwohl in der Diskussion mit Recht darauf hin- gewiesen wurde, daß der Antrag überflüssig sei, da der Parteitag unter allen Umständen an die Beschlüsse des internationalen Kon- gresses gebunden sei. Ferner lvnrde ein Antrag angenommen, der Parteitag möge beschließen, daß einheitliche Mitglieds- b ü ch e r für das ganze Reich eingeführt werden. Zum Schluß ge- langte noch der Autrag au den Parteitag zur Annahme, den n ä ch st e n Parteitag in Magdeburg abzuhalten. Als Dele- gierte für Essen wurden die Genossen BeimS und Henning gewählt. Auf einer gut besuchten Generalversammlung deS Wahlkreises Wetzlar-Altenkirche», die am Sonntag in LannSbach stattfand, wurde eine erfreuliche Entwickelung der Organisation und der Kassenverhältnisse konstatiert und Genosse Fanth-Wetzlar zum Delegierten für den Parteitag zu Essen gewählt. Ilnserc Toten. In Walte rSdorf bei Zittau starb der Parteiveteran Johann Hempel, der während des Sozialisten- gesctzes treue und opfervolle Dienste geleistet hat.— Zu Mann- heim starb der Genosse Friedrich Kaufmann, der Senior des Personals der„Vökksstinime", für die er von Ansang an mit Eiser gearbeitet hat.— Zu Pasing machte der Genösse Gemeinde« Vertreter N a t e r qualvollen Leiden durch einen Schuß ein Ende; die Pasinger und Müncheiier Genossen haben dem verdienstvollen Kämpfer ein würdiges Leichenbegängnis bereitet." Auf der Rückfahrt von einem Ausflug der Arbeitergesangvereine„Lassalia"- Stuttgart und „Vorwärts"-Cannstatt nach Zürich stürzte in Rottweil der Genosse Vollmer aus Stuttgart beim Besteigen des Zuges und geriet unter die Räder. Er starb nach einigen Stunden an den schweren Verletzungen, die er erlitt. In der'Ecsü Ilmig seiner Bernfspflicht verunglückie der Angestellte deS Textilarbeiterverbandes Genosse Gottfried H a n i s ch in L a n d s h u t. Er stürzte, als er am Sonntag naehmittag nach Bolkenhain radelte, um Beiträge zu kassieren, so unglücklich vom Rade, daß der Tod sofort eintrat. Vom Wachstum der Organisationen. Der Sozialdemo« k r a t i s ch e Verein zu Nürnberg steigerte im letzten Geschäfts- jähr seine Mitglicderzahl von 8173 auf 11 380. was ungefähr ein Drittel der sozialdemokratischen NeichStagswähler Nürnbergs aus- macht. Delegationen zum Essener Parteitag. Die Lübecker Genossen wählten am Montag die Genossen W i s s e l und Löwigt als Delegierte. poli-eiliebes, LcmbUkbcs ulw. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung von Beamten und Arbeitern der D e s s a u e r Waggonfabrik wurde Genosse Li nn e« weber vom„Volksblatt" für Anhalt vor dem D e s s a u e r Schöffengericht zu 00 M. Geldstrafe verurteilt. Das bedauerlichste au dem Falle ist, daß der Prokurist der Waggonfabrik in der Ver- haudlimg unter Eid btkimden konnte, daß Mitglieder des Holz» arbeiterverbandcS aus eigenem Antriebe zu ihm gekommen seien und hätten gesagt:„Der Artikel im„Volksblatt" ist eine Gemein- heit, dieselbe muß bestraft werden I" In deüi Artikel war behauptet worden, daß einzelne Arbeiter bestrebt seien, auf Kosten der Qualität der Arbeit möglichst viel Geld zu verdienen. Wegen Beleidigung des Bezirkskommandos zu Gelsenkirchen wurde Genosse Steinbrink vom«VolkSblatt für Bochum" vam Schöffengericht zu 00 M. Geldstrafe verurteilt. Der Wirt Jngenhag hatte dem Ärbeitergesangverein in Gelsenkirchen zwei Tage vor einem Feste das Lokal entzogen, weil ihm der Bezirkskommaiideur Eikhoff geschrieben hatte, daß in Znkimst keine Musterungen mehr in seinem Lokale stattfinden könnten, falls dieses sozialdemokratische Fest bei ihm stattsände. Diese Saalavtrcibung war gebührend kritisiert worden. Ei» Heimgekehrter. Genosse Lndlvig R a d l o f von der„Volks« wacht" zu Breslau hat am Dieuötag daö Gefängnis verlassen, wo er drei Monate zugebracht hat, weil er ein Urteil eines schlesischen Gerichts als salomonisch bezeichnet hatte. Eue Industrie und Handel 2 Millionen Mark Mehrgewinn. Der Jahresabschluß der A.°G. Eisen- und Stahlwerk Hoesch- Dortmund weist einen Rohgcwinn von 8027 871 M. auf gegen 0 043 009 M. im Vorjahr. Es sollen 2 339 393 M. gegen 2 090 713 M. im Vorjahr zu den regelmäßigen Abschreibungen und 1000 090 M. gegen 600 000 M. im Vorjahr für den Ausbau und die Verlegung der Werksanlagen verwendet werden. Der AufsichtS- rat beschloß der am 24. Oktober stattfindenden Hauptversammlung vorzuschlagen, aus dem zuzüglich des Vortrages aus dem Vorjahre mit 298 212 M. sich auf 4 886 690 M. gegen 3 644 064 M. im Vor- jähre stellenden Reingewinn eine Dividende von 18 Proz. gegen 10 Proz. im Vorjahr zu verteilen, ferner 300 000 M. dem Arbeiter- pensionsfonds, 100000 M. dem BcamtenpensionSfondS und 000 000 M. dem Dividendenergänzungsfonds zuzuweisen. Bei solchen Ergebnissen könnten die Arbeitsverhältnisse auf den Werken mustergültig sein, was aber durchaus nicht der Fall ist. Ueber rohe Behandlung wird kaum mehr geklagt als auf dem Hoesch- werk. Im Jahre 1904/00 betrug der Tagcsdurchschnittslohn 4,01 M. oder bei 300 Arbeitsschichten 1203 M. Dafür mußte aber auch jeder Arbeiter im Durchschnitt 440 M. Dividende aufbringen. Im nächsten Jahre gestalteten sich die Ergebnisse noch viel günstiger— für die Aktionäre. Der Tagesdurchschnittslohn stieg allerdings auch, um 21 Pf. oder bei 300 Arbeitsschichten um 63 M. auf i266 M. Viel größer als der Lohn war aber der pro Kopf er- zielte Gewinn. Er stellt sich auf 1407 M. und der Reingewinn pro Arbeiter betrug 863 M. Das ist die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit! Und die Ergebnisse des letzten Jahres spiegeln diese Harmonie noch schöner. Der Bruttogewinn ist nochmals um rund 2 Millionen Mark, der Reingewinn um 1242 626 M. gestiegen. Für das letzte Geschäftsjahr ergibt sich pro Arbeiter ein Rohgewinn von zirka 1800 M. und ein Reingewinn von mindestens 1000 M. Jahresbericht des Vereins Hamburger Reeder. In dem Be- richt wird u. a. ausgeführt, daß wenn die Geschäftslage der in regelmäßiger Fahrt tätigen Reedereien auch im allgemeinen vor- läufig als befriedigend zu bezeichnen sei, doch mit bezug auf die wettere Entwickelung die Annahme nicht von der Hand zu weisen sei, daß sich die vermehrten Lasten der Reederei noch mehr fühlbar machen würden, wenn die seit einigen Jahren in der ganzen Welt hervorgetretene Hochkonjunktur nachlassen sollte. In einigen über- sccischcn Ländern sei das Geschäft letzthin bereits ruhiger geworden, und wenn es sich dabei nur um vorübergehende Erscheinungen hau- dele, so stehe doch außer Frage, daß eS der deutschen Industrie und dem deutschen Handel wegen der durch den neuen Zolltarif be« wirkten Verteuerung mancher Halbfabrikate und der durch die Ver« teuerung des Lebensunterhaltes herbeigeführten Steigerung der Arbeitslöhne bei rückgängiger Konjunktur schwerer als bisher sein werde, ihre Stellung auf dem Weltmarkt zu behaupten. Bemerkenswert ist die scharfe Stellungnahme des Berichts gegen die bekannten, namentlich von der preußischen Regierung vertretenen Absichten auf Einführung von Schisfabctsabgaben auf den deutschen Strömen. Der Bericht spricht in dieser Beziehung die ernstesten Bedenken aus; die Freunde der Schiffahrtsabgabcn würdigen die Tatsache durchaus nicht zur Genüge, daß die weiten Landentfernuagen, die der Verkehr der deutschen Häfen mit Mittel- und Süddentschland zu überwinden habe, möglichst ausge- breitete und möglichst billige Verkehrswege nach dem Jnlande un- bedingt erfordere, wenn die deutschen Seehäfen nicht an Konkur- renzfähigkeit gegenüber ihren Rivalen in den Nachbarländern ein- büßen sollten. Fleischtrustpolitik. Man schreibt nnS: Die vor einigen Tagen besprochene Meldung der englischen Presse über ein kommerzielles Vordringen des amerikanischen Fleischlrusts in Argentinien erfährt nun durch französische Blatterstimmen Ergänzung. Nach Ausfüh- rungen der„Petit Parisicn" hat der Trust, wie die„Schlacht- und Viehhofzeitung" mitteilt, in Frankreich Grundstücke erworben, auf welchen er große Scklachthäuser zu errichten beabsichtigt. Die amc- rikanischen Großschlächter beabsichtigen kanadisches Schlachtvieh im Veredelungsverkehr zollfrei einzuführen und einen großzügigen Konservenimport nach den europaischen Ländern zu beginnen. Die Genehmigung der betreffenden Gemeinden sei bereits erteilt, nur die Regierung erwäge dieselbe noch in Berücksichtigung der cner- gischen Proteste der französischen Landwirtschaft. Es besteht kein Zweifel, daß der Trust nach kurzem, erzwun- gcnem Stillstände nunmehr wieder seinem Expanstonsbedürfnis nachzugehen gewillt ist. lind daß über kurz oder lang diesem Be- ginnen der Erfolg in irgend einer Form zur Seite treten wird, kann bei der kommerziellen Energie des Amerikaners und den immensen Kopitalmassen, die hier tätig sind, nicht weiter Wundern. So kann die Frage, wie wir uns gegenüber dem Eindringen gerade dieser so schändlich an den Pranger gestellten kapitalistischen Orga- nisation zu verhalten haben, bereits morgen eine aktuelle geworden sciih Es könnte scheinen, als ob die politische Stellungnahme der Partei hierzu manche Schwierigkeiten bietet. Allein der verwcrf- lichste amerikanische Trust ist noch immer kapitalistischer Fortschritt in irgend einer Art, die agrarische Viehzüchtcrclique, die heute un- seren Fleischmarkt usurpiert, aber immer Reaktion. Was der Trust verbrochen, ist bodenlos gemein und gewissenlos, aber es ist mit dem Trustwcsen nicht so unbedingt verknüpft, wie die bedenkenlose Sucht des Junkers nach Verteuerung der Nahrungsmittel. Derselbe Trust, der in korrumpierten Verhältnissen die Fleischwaren ver- fälscht, lann bei geordneter Markt- und Produktionskontrolle ein- wandfreie Ware schaffen, ohne sein kapitalistisches Wesen dadurch zu verleugnen. Dies vorausgesetzt, was allerdings bei der franzö- fischen Laxheit in Dingen der Hygiene besonders notwendig ist, könnte der Trust durch die geplante Festsetzung auf dem Festlande sehr wohl imstande sein, der agrarischen Herrschaft einen derben Stoß zu versetzen. Das amerikanische Großkapital als Outsider am europäischen Fleischmarkt, das könnten die Konsumenten, vor allem die arbeitenden Klassen wünschen. Es wäre eine glänzende Gcgcnparade der kapitalistischen EntWickelung gegen den Druck des agrarischen Regimes. Natürlich bedeutet dies noch lange nicht eine schwere„Be- brohung" oder den„Ruin" der heimischen Viehwirtschaft. Daß die Bäume des Fleischtrust nicht in den Himmel wachsen können, darf man so ziemlich sicher sein, daß diejenigen unserer Agrarier heute bereits sehr üppig emporgeschossen sind, ist leider für die schwer um das Dasein ringende Masse allzu fühlbar geworden. Die Einfüh- rung einer wirksamen Konkurrenz bedeutet unter solchen Ilmständen die einzig mögliche Erleichterung des Marktes. Die Oeffnung der Grenzen bei strenger, aber objektiver sanitärer Kontrolle sind die Mittel hierzu. Man darf auf die weitere EntWickelung der Politik des Trusts- gespannt sein. vie(ktvegimg im Baugewerbe. Aufhebung des allgeineinen Streiks. Während der letzten Tage haben sich die Vertranenskörperschasten der am Kampfe beteiligten Arbeiterorganisationen'mit der Frage beschäftigt, ob es geboten sei, eine andere Taktik im Kampfe für den 8Vsstündigen Arbeitstag einzuschlagen. Man ging dabei von folgenden Erwägungen aus: Zu den neuen Bedingungen arbeiten jetzt 46 Proz. der Maurer und 76 Proz. der Zimmerer. Das ist ein Erfolg, der unter den gegebenen Verhältnissen als sehr befriedigend angesehen werden muß. Andererseits hat sich aber jetzt die Situation so gestaltet, daß augenblicklich weitere Erfolge nicht zu erwarten sind. Denn diejenigen Unternehmer, welche nicht be- willigten, haben sich, begünstigt durch ihre Auftraggeber, so ein- gerichtet, daß sie den Streik noch eine Zeitlang mit ansehen können. In der Bewegung ist jetzt ein Beharrungszustand ein- getreten, au dem die Fortführung der bisherigen Taktik nichts ändern kann. Unter diesen Umständen wäre es unklug, ja schädlich für die Arbciterinteressen, wenn der allgemeine Streik jetzt fortgeführt werden würde. Die Vertrauenskörperschaften schlagen deshalb den Mitgliedern der beteiligten Organisationen vor, den all- gemeinen Streik zu beenden und sich auf den Einzelkampf zu ver- legen. Derselbe soll geführt werden in der Abwehr gegen die- jenigen Arbeitgeber, welche durch Zurückziehung der Bewilligung Tarisbruch begehen. Ferner soll von Fall zu Fall versucht werden, die Arbeitgeber, welche nicht bewilligt haben, zur Anerkennung der Forderungen zu bewegen. Diese Vorschläge lagen gestern abend den Versammlungen der beteiligten Organisationen zur Beschlußfassung vor. Die Versammlung des Maurerverbandes fand unter außerordentlich starker Beteiligung in Kellers Saal statt. Silberschmidt begründete die Vorschläge der Vertrauens- körperschaften in eingehender Weise und empfahl die Annahme derselben. Weiter ersuchte er, zu beschließen, daß es von jetzt an den nicht in Arbeit stehenden Kollegen freistehen soll, auf den Bauten, wo die Forderungen nicht anerkannt sind, in Arbeit zu treten. Diesen Vorschlag mache er im Einverständnis mit allen am Kampfe beteiligten Organisationen. Mit der Annahme dieser Vorschläge werde der Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit nicht abgebrochen, sondern in veränderter Form weitergeführt und nicht eher beendet werden, als bis der 8�stündige Arbeitstag, wenn auch in langem und zähem Kampfe, auf der ganzen Linie durch- geführt ist. Nach einer regen Diskussion stimmte die Versammlung den Vorschlägen mit großer Mehrheit zu. Der Verein der Zimmerer Berlins und Um- g e g e n d hielt gestern abend eine außerordentliche General- Versammlung ab, in der Th. Fischer über den Stand der Bewegung berichtete und im Auftrage der Achtzehnerkommission und der Vorstände eine Aenderung der Taktik empfahl. Die Zahl der Zimmerer, die zu den neuen Bedingungen arbeiten, ist im Laufe dieser Woche auf 4369 gestiegen; es sind 1795 Mitglieder des Vereins und 3014 des Zentral- Verbandes. Die Zahl der Streikenden ist auf 284 gesunken. 130 Vereins- und 154 Verbandsmitglieder. Eine derartige Zahl arbeits- loser Zimmerer ist in Berlin auch bei der besten Konjunktur und unter normalen Zeiten immer vorhanden, da ja doch stets Entlassungen wie Neueinstellungen stattfinden. Man kann demnach mit Recht sagen, daß die neuen Bedingungen für die organisierten Zimmerer Berlins und Umgegend durchgesührt sind.— Der Redner empfahl der Versammlung im Einverständnis mit den Vorständen beider Zimmererorganisationen folgende Resolution: „Die heute am 9. August 1907 tagende außerordentliche Ge- neralversammlung erklärt an den am 27. Mai 1997 aufgestellten Forderungen„8�stündige tägliche Arbeitszeit und 89 Pf. Stundenlohn" festzuhalten. In der Erwägung jedoch, daß mit der bisherigen Kampfes- weise weitere Erfolge gegenwärtig nicht erreicht werden können, indem über 799 Zimmereigeschäfte die obigen Bedingungen an- erkannt haben und sämtliche organisierte Zrmmerer zu diesen Bedingungen beschäftigt werden, beschließt die Versammlung den allgemeinen Streik von Montag, den 11. August, aufzuheben. Es wird den Zimmerern Berlins und Umgegend zur Pflicht gemacht, nach wie vor darauf zu achten, daß Zimmerarbeiten im Lohngebiet nur zu den neuen Bedingungen ausgeführt werden. Entsprechend der veränderten Kampfestaktik beschließt die Versammlung ferner: 1. Streikkarten und ArbeitSberechtigungskarten werden von Montag, den 11. August, nicht mehr ausgegeben. 2. Der Extrabeitrag von 1,69 M. wöchentlich wird auf 59 Pf. herabgesetzt. 3. Sämtliche Streiklegitimationen und Mitgliedsbücher werden zur Kontrolle eingezogen und, soweit sie in Ordnung sind, mit dem Schlußstempel versehen. Die Mitglieder werden verpflichtet, nach erfolgter Ab- stempelung sich gegenseitig die Legitimationspapiere auf der Arbeitsstelle zu kontrollieren." Nach kurzer Diskussion wurde diese Resolution, die auch der zu gleicher Zeit tagenden Delegiertenversammlung der im Zentral- verband organisierten Zimmerer vorlag, gegen wenige Stimmen angenommen. In der Versammlung des Z e n tr a l v e rband es der Bauhülfsarbeiter wurde die von der Streikleitung cm- pfohlcne Resolution mit einer kleinen Majorität in geheimer Ab- stimmung angenommen.___ Lerantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Se\perKlcKaMid)es. Der Achtstundentag für die Steinarbeiter. Alle, aber auch alle Streiks des Verbandes der Stein- arbeiter Deutschlands wurden entscheidend um die Verkürzung der Arbeitszeit geführt. Den zähen Käinpfen ist auch ein glänzender Erfolg geworden. Der Achtstundentag ist in Alt-Warthau, Berlin I, Breslau l, Bunzlau, Dresden, Hockenau, Leipzig, Löwenberg-Plagwitz, Meißen, Pirna und Rackwitz, der Achteinhalbstundentag in Bautzen, Bremen, Er- furt, Hamburg, Hannover, Mannheim und Riesa durchgeführt. Die Erfolge sind um so höher anzuschlagen, als in allen an- gegebenen Orten die Arbeitszeit im Jahre 1896 noch j), st'/z, 10 oder 11 Stunden betrug, die Löhne aber pro Stunde seitdem um 10, 15 und 20 Pfennige erhöht wurden. Insgesamt haben heute über ZOOS Sandsteinarbeiter den 8- und 8'/z-Stundentag. Die kulturelle Beben- tuug dieses Erfolges prägt sich am niarkantesten im schlesischen Sandsteindistrikt darin aus, daß früher bei 11- und 12- stündiger Arbeitszeit der„Suff" an der Tagesordnung war. Heute ist überall auf den Werkplätzen der Bierkonsum ganz erheblich zurückgegangen. Daß das Bedürfnis nach geistiger Nahrung gestiegen ist, beweist der Besuch der Gewerkschafts- und Parteiversammlungen. Das Abonnement auf Gewerk- schafts-, Partei- und technische Zeitungen und das Lesen schön- geistiger Literatur ist bei den Steinarbeitern Schlesiens ständig im Steigen. Das ist der praktische Beweis dafür, daß die GeWerk- schaffen Kulturfaktoren im besten Sinne des Wortes sind. Berlin und Umgegend. Achtung, Glasbläser und Glasschleifer! In der am Donnerstag, den 8. d. M., vorgenommenen Ur- abstimmung über den Lokalzuschlag hat sich folgendes Resultat er« geben: Abgegebene Stimmen 255, davon ungültig S. Für 19 Pf. Zuschlag stimmten 55, für 29 Pf. 167, für Erhöhung der Arbeits- losonunterstützung stimmten 167, gegen 23; die ganze Vorlage ab- gelehnt haben 24.— Damit ist der Lokalzuschlag von 29 Pf. an- genommen, ebenso die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung. Die Erhöhung des Beitrages tritt mit dem 1. September in Kraft und sind in diesem Quartal noch 5 Marken a 79 Pf. zu kleben. Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. I. A.: Paul Welkisch. Veutlcbes Reich. Der Bergarbeiterstreik in Ober-Schlefiea kann als beendet gelten. Laut Mitteilung der Bergwerksdirektion sind vorgestern abend von 2155 Mann Belegschaft 1769 angefahren. Gestern ffüh erschien die Belegschaft der KönigSgrube voll- zählig zur Anfahrt, so daß nunmehr der Streik beendet ist. Im ganzen lvurden wegen dreimaligen unentschuldigten Fehlens beim Schichtwechsel 521 Mann entlassen.— Die„Schlesische Zeitung" meldet aus Königshütte, daß auch auf der Gräfin Laura- grübe und der D e u t s ch l a n d g r u b e alle Mann an- gefahren sind._ Werbeagenten an der Arbeit. Im Hamburger„Generalanzeiger" erscheint wiederholt folgende Annonce: Vollständig kostenfrei für 29 Lagerhalter, Schlosser, Kesselschmiede für außerhalb sucht Walter Müller, Stellenvermittler, Klingberg, 19, am Meßbcrg. Soweit uns bekannt ist, werden diese Arbeiter durch weitere Vermittelung nach S ch l a d e n zn der Firma F. Dippe, Maschinen- fabrik, Aktiengesellschaft befördert. Die Angeworbenen werden vom Arbeitsnachweis von Walter Müller-Hamburg mit folgendem Vertrag, welcher uns zugesandt wurde, versehen: Arbeitsvertrag zwischen der Firma F. Dippe, Masch.-Fabrik, A.-G. Schladen, und dem Arbeiter H. H. Ich trete mit dem 6. August 1997 bei obiger Firma als Ar- beiter in Arbeit und zwar mit einem Stundenlohn von 38 Pf. Ich bin darüber orientiert, daß bei obiger Firma von einem Teil der Arbeiter zurzeit gestreikt wird und erkläre mich damit ein- verstanden, daß. falls ich meine Stelle als Arbeiter dieser Firma aus eigenem Antriebe früher als 4 Wochen nach dem Tage meiner Arbeitsaufnahme verlasse, mir 5,— M. und ferner das Reisegeld 4. Klasse von Hamburg nach Schladen von meinem Lohn in Abzug gebracht wird. Keine Kündigung. Dienstag morgen 5 Uhr Hamburg. Da schon einige Arbeiter diesen Verlockungen von Hamburg aus gefolgt sind, so sind zur Sicherheit der Arbeitswilligen in Schladen 7 Gendarmen stationiert. Wir ersuchen daher, den Zuzug nach Schladen zu meiden. In ähnlicher Weise wird versucht, arbeitswillige Schmiede nach Hamburg, Altona und Wandsbek anzuwerben. In Berlin sind Agenten am Platze, durch welche in christlichen sowie in JnnungS- Herbergen usw. Schmiede für Hamburger Jnnungsmeister angeworben werden. Da sich die Schmiede von Hamburg und Umgegend im Ausstand befinden, ersuchen wir, den Zuzug fernzuhalten. Zenlralverband der Schmiede. Der Vorstand. I. A.: Fr. Lange. Nützliche Ausländer. Delmenhorst(Oldenb.), 8. August.(Eig. Ber.) Biel Aufhebens wird in der bürgerlichen Presse von Krawallen, die hier stattgefunden haben sollen, gemacht. Die Sache ist folgende: Seit Wochen befinden sich die hiesigen Bauarbeiter im Streik um den 9stündigcn Arbeitstag. Als Streikbrecher waren letzthin einige Italiener eingetroffen, die die Ausständigen aus- zuklären versuchten. Hierbei und auf die Nachricht, daß noch mehr Italiener eintreffen würden, kam es zu Ansammlungen, die angeblich nicht von der Ortspolizei zerstreut werden konnten. Man requirierte deshalb die Gendarmeric aus Oldenburg. Eine seitens des Gewerkschaftskartells für Mittwoch einberufene Versammlung wurde verboten, und da dieses Verbot den meisten unbekannt war. sammelten sich hunderte von Personen vor dem Versammlungs- lokal an. Der Aufforderung, auseinander zu gehen, wurde Folge geleistet. In der Nacht zum Donnerstag wurde in Oldenburg Militär alarmiert, um nach Delmenhorst geschickt zu werden. Die Absendung ist unterblieben und heute gibt der Delmenhorster Ma- gistrat bekannt, daß er keine militärische Hülfe verlangt habe, diese sei ihm angeboten, aber von ihm abgelehnt worden. Er führt das Angebot auf die übertriebenen Nachrichten, die in der(bürgcr- lichcn) Presse Aufnahme gefunden haben, zurück.— Heute abend lvird gemeldet, daß es beim Begleiten der Streikbrecher durch die Polizei in die Logis wieder zu Ansammlungen kam. Der Auf- forderung, die Straße zu räumen, soll teilweise nicht nachgekommen sein und infolgedefien die Gendarmerie blank gezogen haben, wo- bei mehrere Verletzungen vorgekommen seien. Eine Verhaftung wurde vorgenommen.— Die Aufregung der hiesigen Bevölkerung ist zu verstehen, wenn man sich der Ausweisungen der Ausländer vor etwa zwei Jahren erinnert, und diesen jetzt den größten Schutz im Interesse des Geldsacks der Bauunternehmer gewährt sieht. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Die drohende Aussperrung in München. Die Metallindustriellen beschlossen nach einem uns aus München zugehenden Privattelegramm in einer Unternehmerverfamm- lung zu Nürnberg, durch ihre Ortsgruppe München noch einmal mit den Rathgeberschen Arbeitern zu unterhandeln. Die Verhandlung soll am heutigen Tage unter Ausschluß der Organisation mit einer Kommission von sieben Mann stattfinden, deren drei auS dem Ar- beiterausschuß sein sollen. Wenn eine Einigung nicht zustande kommt, erfolgt zunächst noch heute die Aussperrung der Rathgeber- scheu Arbeiter, während die Aussperrung in den übrigen Fabriken im Laufe der nächsten Woche stattfinden soll. Die Streikenden be- schlössen, von der Resolution vom 6. August unter keinen Umständen abzugehen. TlusUmd. Englische und— deutsche(?) Streikbrecher in Antwerpen! Die englischen Streikbrecher, die gegenwärtig den Hafen von Antwerpen unsicher machen, sind offenbar ein ganz gefährliches Gesindel. Dieser Tage suchte ein bürgerlicher Zeitungsrcdakteur das Ouartierschiff der Streikbrecher auf, um die Verhältnisse und die Leute kennen zu lernen, vielleicht auch um dann die Anschuldigungen der Arbeiterpresse gegen die Streikbrecher widerlegen zu können. Er mußte aber gleich die Flucht ergreifen, und schrieb darauf in seinem Blatt: ein ärgeres Lumpenpack wäre wohl in London nicht aufzufinden gewesen. Uebrigens spricht sogar ein katholisches Blatt, das„Handelsblatt von Antwerpen", nur mit Abscheu von den Streikbrechern und findet es begreiflich, daß die ein- heimischen Dockarbeiter nicht mit diesen Gewaltskerlen zu« sammen arbeiten wollen. Am Mittwoch ist es zu einem Zu» s a m m e n st o ß zwischen Streikbrechern und Streikenden gekommen, eine Folge der herausfordernden Haltung der„Ratten", wie man die Streikbrecher in Antwerpen nennt. Der englische Vormann der„Ratten" schoß mit seinenr Revolver und verwundete einen Streikenden. Die gereizte Menge warf dann mit Steinen nach den Streikbrechern. Nun weigern sich die„Natten", wieder au die Arbeit zu gehen, so daß auf den meisten vom Streik betroffenen Getreideschiffen die Arbeit wieder ruht. Wie weiler berichtet wird, erwartet man jetzt in Antwerpen 599 deutsche Streikbrecher. Das Unternehmertum in Antwerpen ist also offenbar der MAnung, daß es auch in Deutschland noch Gesindel genug gäbe, das ins Ausland reist, um als Verräter gegen seine kämpfenden Klassen- genossen tätig zu sein. Der belgische Dockarbeiterverband wird in den nächsten Tagen darüber beschließen, ob es nötig und zweckmäßig ist, den a l l g e- meinen Streik zu erklären. Am Mittwoch ist der Vorstand des Verbandes vom Bürgermeister empfangen worden, der als Ver- mittler fungieren soll._ Zur Generalaussperrung in der norwegischen Zellulose- und Papier« induslrie. Durch Vermittelung des Amtmannes P l a t o u sind nun neue Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts in der norwegischen Holzmasse- und Papierindustrie angebahnt worden, und zwar zwischen dem Vorsitzenden A>n u n d s e n der norwegischen Arbeit- gebervereinigung und dem Vorsitzenden Richard Hansen des Arbeiterverbandes. Obwohl diese Verhandlungen sofort beginnen sollen, weigert sich der Hanptvorstand der Arbeitgeber, die General- aussperrung hinauszuschieben. Der vermittelnde Amtmann gibt sich offenbar redlich Mühe, die Unternehmer von ihrem folgenschweren Schritt zurückzuhalten, aber bisher ohne Erfolg. Der seit Ende Mai dauernde Kampf in den großen Fabriken„Union",„Skotfos" und„Borregnard" hat schon einen starken Mangel an Papier her« vorgerufen, den die großen Zeitungen und Druckereien aus dem Ausland zu decken suchen. Eine Zeitung in Snopsborg hat jedoch ihr Erscheinen vorläufig einstellen müssen, weil sie. wie sie in der letzten Nummer bekannt gab, kein Papier mehr erhalten konnte. Letzte JVachnchten und Vepelcden. Das Unglück auf dem Pregcl. Königsberg, i. Pr., 9. August.(W. T. B.) Die Leichen der ertrunkenen 9 Pioniere sind im Laufe des Nachmittags sämtlich geborgen worden.(S. Vermischtes.) Zurück a»S dem Dattelkistenparadies. Hamburg, 9. August.(W. T. B.) Der Neichspostdampfer „Prinzregent" ist mit einem Truppenrücktransport von 11 Ossi- zieren, 146 Nntcrofsizieren und 218 Mann heute vormittag auf der Cuxhavener Reede eingetroffen. Ein Kämpfer für Ordnung und Besitz. Darmstadt, 9. August.(B. H.) Aufsehen erregt die Festnahme des bekannten Bauunternehmers Georg Schäfer, in Firma Simmer- machcr, hier, der sich gestern abend der Staatsamoaltschaft wegen größerer Wechselfälschungen in Höhe von etwa 39 999— 49 909 M. gestellt hat. Schäfer hat auch seinen Konkurs angesagt. Entgleist. Wellesweiler(Pfalz), 9. Aug. 10. ZlWß IM. Die neueste Bautenkontrolle. Die folgende tabellarische Uebersicht, von der Organisation der Maurer am letzten Mittwoch zusammengestellt, bietet daS beste Material zum Studium für jedermann über den genauen Stand der Bewegung. Nicht bloh in den Kreisen der organisierten Arbeiter, sondern auch in Unternehmerkreisen blickte man der regelmäßigen Veröffentlichung dieser gewissenhaft aufgenommenen Statistik seit dem 12. Juni stets mit Spannung entgegen. Hier hatte man ein Zahlenmaterial an der Hand, dessen Wert man zu schätzen wußte und das von den Unternehmern selbst höher eingeschätzt wird als irgend welche Angaben de§ Verbandes der Baugeschäste. Die Arbeiter zögern nicht, auch solche Erscheinungen, die ihnen nicht günstig sind, ruhig und gewissenhaft zu registrieren. Ein regelmäßiger, wenn mich manchmal nur langsamer Fortschritt hat trotzalledem noch bei jeder von den fünf statistischen Aufnahmen festgestellt werden können. Die folgende Zusammenstellung läßt ersehen, wieviel Bauten in Betracht kommen und wie weit sie fertiggestellt sind: Zweiter Internationaler KongreB für Schulhygiene. London, 7. August. Der 2. Internationale Kongreß für Schul- Hygiene, der unter dem Patronat König Eduards gegenwärtig im Londoner Universitätsgebäude seine Sitzungen abhält, hat sich in nicht weniger als 11 Sektionen zerteilt, von denen jede für sich wichtige Spezialfragcn der Schulhygiene behandelt. Die erste Sektion, die unter dem Vorsitz Sir James Crichton-Browne tagt, beschäftigte sich mit der„Physiologie und Psycho- logie der Lehrmethode". In ihr schilderte Sanitätsrat Dr. A l t s ch u l- Prag seine Schülerexpcrimente unter besonderer Berücksichtigung der Aeslhcsiometrie. Er ist zu dem Resultat ge- kommen, daß bei Mädchen die physiologische Normale kleiner ist als bei Knaben, hat aber bei Kindern, entgegen Fricsebach, keine gesetzmäßige Zunahme der Schwellenwerte durch die Ernährung gefunden.— Sanitätsrat Dr. B e n d a- Berlin trat vom Stand- punkte der Hygiene für die freiere Gestaltung der oberen Klassen der höheren Schulen ein. Auf der Oberstufe entfalte die Ermüdung durch die Ueberbürdung ihre größte Wirksamkeit. Deshalb müßten die drei oberen Klaffen in eine Zwischenstufe zwischen Schule und Universität verwandelt werden, wie dies in England der Fall sei. Zur Beseitigung der Ueberbürdung wäre es weiter zweckmäßig, das Prinzip der heutigen Reformschulen zum Prinzip der Zukunfts- schule zu machen.— Prof. Dr. C h l o p i n- St. Petersburg ver- breitete sich über Selbstmorde und Selbstmord- versuche bei den Schülern der russischen mittleren Lehranstalten. Er hält die häufig vorkommenden Fälle von Schülerselbstmorden noch für ein ungelöstes Rätsel. Er hat 337 Fälle erreichten Selbst- mordes und 95 Fälle von Selbstmordversuchen untersucht und dabei gefunden, daß unter Schülern dreimal soviel Selb st morde vorkommen, wie unter der übrigen Bevölkerung. Die Hauptursache seien geistige und Nerven- störungen.— Bürgerschullchrer Graupner- Dresden be- fürwortete eine möglichste Einschränkung des Schreibens auf der Unterstufe, da die Druckschrift und das Lesen für die 5ileinen hygienisch viel einwandfreier sei als das Schreiben und die Schreibschrift.— Prof. L a i t i n e n- Helsingfors forderte die Unterweisung der Schüler in der Temperenz gegenüber dem Alkohol, wie das in Finnland mit bestem Erfolge bereits geschehe.— Dr. Moses- Mannheim wandte sich gegen die heutige Art der Verteilung der Zensuren, die bei den Kindern schwere nervöse Störungen hervorrufe. Probearbeiten sollten über- Haupt nicht mehr für die Zeugnisnote der Kinder ausschlaggebend sein. Diese müßte sich vielmehr auf die Gesamtleistungen der Kinder stützen.— Dr. Q u i r s f e l d. Rumburgh hat 1014 Kinder bis zum 8. Schuljahre auf ihre physische und geistige EntWickelung h.n untersucht und dabei eine auffallend schnelle EntWickelung der Madchen während der letzten Jahre ihres Schullebens bemerkt. �emmsten kurzsichtigen Kinder sind gleichzeitig auch von schwacher Konstitution. Auffallend ist auch die Zunahme rechtsseitiger Sch l h Kurzsichtigkeit bei Mädchen während der letzten zwei Die 2. Sektion beschäftigte sich mit der ärztlichen und hygienischen Schulaufsicht. In ihr machte Dr. A n- s ch u e tz- Buenos Aires davon Mitteilung, daß in Argentinien alle öffentlichen Schulen unter ärztlicher Kontrolle stehen.— Sanitätsrat Dr. Cuntz- Wiesbaden wurde auf dem Nürnberger Schul- Hygiene-Kongreß mit der Ausarbeitung einer Dienstanweisung für Schulärzte beauftragt. Er hat diesen Auftrag ausgeführt und fordert von den Schulärzten darin die Aufnahmeuntersuchung jedes Kindes, die Abhaltung schulärztlicher Sprechstunden, Nachunter- suchung sämtlicher Kinder in gewissen Zeiträumen und die Teil- nähme an der llnterrichtshygiene.— F r i e d e l- Paris forderte eine ärztliche Ueberwachung schon der öffentlichen Kinder- gärten, die er für eine hygienische Notwendigkeit hält.— Prof. Guttmann- Wien machte Vorschläge über die zweck- mäßigsten Messungen der körperlichen Entwickelung der Schüler.— Prof. Jessen- Straßburg i. Elf. hält die Zahnpflege für einen wesentlichen Bestandteil der Schulgesundhcitspflege.— Oberstabsarzt Dr. Oebbecke-Breslau: Ueber alle Schüler, normale und anormale, muß ein Personalschcin geführt werden, der die Eintragungen des Lehrers, des Arztes und der Eltern enthält und der den Schüler durch die ganze Schulzeit begleitet.— Die Ver- Handlungen dauern fort._ Hehler Internationaler ßlohnungs- hongreß. Iii. London, 7. August. In seiner heutigen dritten Sitzung beschäftigte sich der Kongreß zunächst mit der Frage, wie der öffentliche Kredit für die Erbauung billiger und gesunder Wohnungen dienstbar gemacht werden kann. Mr. Ferrand- Frankreich verbreitete sich über die finanziellen Vorteile, die das neue französische Gesetz mit sich bringe. M a g o l d i- Rom bemerkt, öffentliche Mittel dürften nur zur Erbauung von Wohnungen bis zu einer Jahrcsiniete von bOV M. und nur für Personen mit höchstens 2000 M. Einkommen verwendet werden. Dr. ing. Stübben-Berlin sprach hierauf über: Bebauungsplan und Bauordnung. In Deutschland beruhen die Mißstände mehr auf der Zu- sammendrängung der städtischen Bevölkerung in Mietskasernen. Wegen der meistens vorhandenen räum- lichen Beschränktheit, meist auch wegen der ungenügenden Bclcuch- tung und Lüftung, sowie der mangelhaften Instandhaltung der einzelnen Wohnungen, Höfe, Treppen und Gänge�. ferner wegen der Höhe des Mietspreises sind diese Mietskasernen eine soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Gefahr. Das um so mehr, als m denjenigen Ortsteilcn, in denen die Mietskaserne Fuß gefaßt hat, die Erbauung bcfferer kleiner Wohnhäuser durch den hohen Bodenpreis und den Einfluß der Nachbarschaft verhindert wird. Eine Hauptaufgabe der Bebauungspläne und Bauordnungen ist nun, dem Entstehen ähnlicher Verhältnisse auf dem noch unbebauten Gelände vorzubeugen. In Teutschland haben sich mehr als in irgend einem anderen Lande Staat und Gemeinde dieser wichtigen Aufgabe zugewandt, mehr als anderswo wird in Deutschland die Regelung des Wohnwesens als eine öffentliche Ange» I e g e n h e i t betrachtet.(Beifall.) Frankreich gebührt das Lob, auf dem Gebiet der inneren Stadtverbesscrungen vorbildlich vor- gegangen zu sein, England ist unerreicht in seiner großartigen Tätigkeit zur Sanierung schlechter Wohnungen, Belgien hat durch sein Zonenentcignungsgesetz den Gemeinden das wirksarnste Mittel gegeben, in den Ausbau der Stadt und den Wohnungsmarkt un- mittelbar einzugreifen, Holland hat auf allen erwähnten Gebieten Hervorragendes geleistet— aber deutschen Ursprungs ist der Ge» danke, die ganze unbebaute Stadtumgebung mit einem ein- heitlichen, amtlichen Bebauungsplan zu überziehen und für dessen einzelne Teile die verschiedenen Bcbauungsarten von vornherein allgemein festzusetzen. Zahlreiche Städte wie Mannheim, Frankfurt a. M., Köln, Essen, Altona und andere besitzen ausgedehnte Landfletchen in ihrer Umgebung. Das ist zweifellos das wirksamste M'ittel, um die Ausführung des Stadtbauplans und den Wohnungsbau zu beein- flusscn. Einzelne Städte wie Ulm und Freiburg f. B. sind noch weiter gegangen und haben selber Wohnhäuser erbaut. Man glaubt in Deutschland jetzt auf dem richtigen Wege zu sein. Der Städtebau ist jedoch noch im Anfang seiner Entwickelung und die Wohnungsfürsorgc erheischt noch andere Mittel, vor allem eine Wohnungsaufsicht, die Errichtung eines Wohnungsamts, Sanierung gesundheitswidriger Wohnungen, Steuermaßregeln der verschie- dcnstcn Art, Unterstützung gemeinnütziger Bautätigkeit, Vergebung kommunalen Landbesitzes im Erbbauiccht und endlich Verkehrsein- richtungen aller Art.(Lebhafter Baifall.) Die Diskussion leitete Prof. Vogt- Frankfurt a. M. mit einem Vergleiche von London und Kerlin ein. Der Redner ist nicht der Ansicht- daß die Besied elungsweise Deutschlands deshalb eine andere wie die Englands ist, weil andere Bauordnungen bestehen, sondern weil der deutsche Volkscharakter ein anderer ist. Der Deutsche will beisammen wohnen, er scheut lange Wege und hatte ursprünglich auch gegen die Vororte eine direkte Abneigung. Diese Abneigung zeigt sich heute noch in vielen Groß- städten, besonders in Frankfurt a. M. Damit hängt die deutsche Siedelungswcise zusammen. Die Berliner Vororte sind z. B. aus- schließlich gegründet im Anschluß an schon bestehende Orte oder Dörfer. Es geschah in unserer verrufenen Gründerperiode. Sie brachte uns die deutsche Gartenstadtbewegung.(Heiterkeit.) Ferner ist bezeichnend, daß alle Berliner Vororte an bestehenden Eisen- bahnlinien liegen. Ganz anders in London. Dort wurden die Vororte mitten ins Feld hineingebaut oder die Eisenbahn legte ein- fach Stationen an und um diese Stationen herum bildeten sich neue Flecken. Daraus erklärt sich die weitere Besiedelungsweise der Londoner Umgebung. Der Deutsche liebt eben auch hier die Zentralisation, der Engländer die Dezentralisation. Die Folge davon ist, daß der Londoner über viel mehr Auswahl verfügt als der Deutsche. Er hat 24 Bororte zur Auswahl, der Deutsche nur 11. Und wenn beim Londoner 24 Orte nicht reichen, dann baut er einfach einen 25. Er geht eben kühner wie der Deutsche, der davor zurückschreckt, neue Orte zu gründen, vor. Die Dezentrali- sation hat natürlich auch ihre Kehrseiten. Es gibt Londoner, die 2, ja 3 Stunden von ihrer Wohnung zur Arbeitsstelle gebrauchen. Das dünkt uns ganz unerhört. Wir halten das für eine Zeit- Verschwendung. Mit dieser Entfernung wachsen aber auch die Kosten. Deshalb sage ich, daß das, was an Miete bei der Dezcn- tralisation gespart wird, an Fahrkostcn wieder draufgeht. Die Gesamtwohnungskosten— Miete, Haussteuer und Eisenbahnfahrt zusammen— Englands betragen ungefähr ebensoviel wie die deutsche Wohnungsmiete. Also es gibt Licht und Schatten auf beiden Seiten. Wer die Nachteile der Dezentralisation mit in Kauf nehmen will, kann sie heute schon in Deutschland ausführen. Keine Bauordnung und kein Bauplan hindert ihn daran. Unsere deutsche Besicdelungspolitik ist also nicht eine Folge von Verwal- tungsreglements, sondern eine Sache der Gewohnheit des Volks- charaktcrs, die allerdings durch genossenschaftlichen Zusammenschluß überwunden werden kann.(Großer Beifall.)— Nach weiteren längeren Reden war dieser Punkt der Tagesordnung erledigt und es trat Vertagung ein._ Hus der Frauenbewegung. Weitere ausländische Delegiertinnen zur internationalen sozial- demokratischen Franenkonfcrenz in Stuttgart. Aus England: Von der Social-Democratic Federation: Miß Luise Ebert, Mrs. I. Ramsay Macdonald, Mrs. Macpherson, Mary Middleton. Aus der Schweiz: Vom schweizerischen Arbeiterinnenverband: Frau Margarete Faas-Hardegger. Aus Italien: Linda Malmati. Aus Ungarn: Für die soz. Arbeiterinnen Ungarns: Frida Szöczi und Dr. Armin Ladäuyi. Niederlande: Frau M. Wibaut. Erlebnisse als Angestellte im K. d. W. Die lockenden Angebote des K. d. W. verführten mich dazu, eine Stellung, die ich seit 10 Jahren inne hatte, aufzugeben und bei dem neuen Kaufhaus mein Glück zu versuchen. Im Handumdrehen war das Engagcinent vollzogen. Ich forderte 120 M. Salär. Die Finna reflektierte auf Antritt am 1. März:„Sind Sie einverstanden, dann unterschreiben Sie bitte den Kontrakt," sagte der Firmen- Vertreter. Ich dachte nicht daran, daß der Vertrag bielleicht noch besondere Klauseln enthalten könnte und unterschrieb. Programmäßig trat ich ineine Stelle an. In den ersten' vier Wochen spielten wir nur Handlanger und RcinigungSapostel. Für mich, als frühere Detailistin, war die Massenansammlung von Personal etivas Ungewohntes. Wie ein Haminelstaat kam mir das Ganze vor; jede Herde zog am Morgen an ihr Lager— ohne Weide. An jedem Lager waren augenschein- lich Ueberzählige.„Da wird bald Razzia abgehalten", flüsterte man sich zu. Allerdings, die AbteilungschefS versuchten, solche Meinungen zu zerstreuen. Es fehlt ja noch Personal, so wurde mit der un- schuldigsten Miene beschwichtigt. Nur die ganz unbrauchbaren Damen würden entlassen. Das konnte man der Firma natürlich nicht ver- wehren. Doch schon der erste Kündigungstermin— nach der Eröffnung brachte Massen-„Danksagungeil". Die Güte der HinauS-„gedankten" konnte in der kurzen Zeit doch noch nicht erprobt sein. ES wurden mit verdächtiger Sicherheit neben billigen auch die höchsten Gehälter gekündigt. Auch an meinem Lager waren Ueberzählige, darunter minderwerüge nicht branchckundige und dabei billige Kräfte, die gut zu entbehren waren. Ich hatte mich schnell eingearbeitet und erzielte fast täglich die höchste Losung, was als Nachweis der Tüchtigkeit gilt. Obwohl für uns gerade Saison war und es an guten Kräften im Fach fehlte, woraus wohl die„Giwde für Recht' resultierte, glaubte ich schließlich doch bald, es würden nicht alle Hochsalierten hinauSgedankt werden. ES wurde uns sogar verraten, daß die Finna gütigst Urlaub gewähre und das Gehalt weiterzahle. Nach Möglichkeit sollten da- bei besondere Wünsche, die Zeit betreffend, berücksichtigt werden. Ich wählte mir die erste Woche des Juli als Freizeit. Damit hatte ich den Ternlin meiner— Kündigung bestimmt. Am 1. Juni wurde ich gekündigt und hatte vom 1. Juli ab— dauernden Urlaub.--- Die außerordentlichen Anstrengungen in, K. d. W. hatten mich sehr stark angegriffen. Früher hatte ich viel Sitzgelegenheit, jetzt mußte ich den ganzen Tag auf den Füßen sein— Sitzgelegenheit habe ich im K. d. W. nicht keimen gelernt—, dazu die schlechte Ätinosphäre, das hatte mein körperliches Befinden sehr stark redu- ziert. Schon Anfang Mai mußte ich einen Arzt konsultieren und blieb in dessen Behandlung. Schon fühlte ich mich tvo 4'ier, da kam die Aufregung über die nrir Widerfahreue Behandlung'xizu. Aber ich wollte meinen Körper zwingen. Mein Stolz bäumt e sich dagegen, nach der Kündigung arbeitsunfähig zu werden. Ein.ege Kolleginnen höhnten sogar darüber, daß ich während der K �ndigungSzeit so eifrig wie bisher war. Alles Sträuben nutzte nichts, am 13. Juni verordnete der Arzt: Arbeitsruhe! Ich sollte mi ch viel im Freien bewegen. Zu dem Zwecke verordnete der Arzt en«e Ausgehezcit von fünf Stunden pro Tag. Peinlich genau befolgte ich die An- ordnungeu des Arztes. Dafür wurde ich gestraft. Vielleicht hielt der Krankcnkiasfenvorstand den Aufenthalt im Freien für schädlich, jedenfalls glaubte er, eine Luftveränderung tue mir not, nach acht Tagen erhielt ich von ihm die Aufforderung, mich sofort in eine Klinik zu begeben. Ich war erfreut, über die Für- ,�rge des Vorstandes, die es mir ermöglichte, meinen Aeftjen die' fo nötige Ruhe zu gönnen, freudig machte ich mich auf den W.rg nach der im Norden Verlin i gelegenen Klinik. Ein kleines, altes, unfreundliches Wohnhaus nrchm mich auf. Durch die Flursenster b.Vckte ich auf einen engen Ho.f. Vergebens suchte mein Auge den zur t Tlinik gehörigen Garten.'Noch größer war mein Er- staunen, als m ir an der Etagentiir ein. Schild niit folgender Auf fchrift entgegenl«'Uchtete: Spezial-Klimk für Chirurgie und— Geburts- hülfe. Sollte d- as und das ganze Wilieu wohltuend für kraule Nerven wirken? Ich verspürte das Gegenteil! Bei meiner An- Meldung waren der Herr Doktor nicht anwesend. Mir wurde ein Zimmer angewies-en. das ich mit noch zwei Partnerinnen zu teilen hatte. Sofort zu Bett gehen! wurde befohlen. Eine Hand voll Hühnerdaunen beerten mich zu. Bissige Einquartierung, die bei leisem Drurk ihren edlen Atem( inshauchte, sorgte mit dafür, daß ich eine schlaflos e Nacht verbrachte.—.'Klinische Behandlung für Nervenkranke! Dessen war ich mir bewußt: in dieser Ncrvenmarteranstalt mit ihrem gaiizcn Milien würde ich erst recht krank werden. Ein Ge- danke beherrschte mich: Hinaus! hinaus, sobald als möglich! Bei der Vorstellur.g am anderen tNorgen erklärte ich dem Arzt, ich sei auf Weisung des Kassenvorstandes gekmnmen, werde aber unter keinen Umstän den hier bleiben— ich sei. wieder arbeitsfähig. Der Herr Doktor für Geburtshiitse war, obwohl er seine Fachkenntnisse bei mir nicht zeigen konnte, von meiner Erklärung augenscheinlich nicht sehr crb-aut. Aber meine Bemerkung über die sonderbare Kombination von Nervenkrankheit und seiner Klinik mochte ihm wohl beweisen, daß ich mich hier nicht einsperren lassen Ivürde. Er er- klärte sich schließlich einverstanden, daß ich am übernächsten Tage als arbeitsfähig seine— Nervenklinik verlasse. Auf die mir vom Kassenvorstande großmütig bewilligte Behandlung bis Sep- tcmber verzichtest ich. Ich brauchte nur drei Tage und zwei Nächte abzusitzen. Drei schöne sonnige Tage hinter Gardinen, die nicht durch Sauberkeit auffielen, auf den engen Hof hinabstarren und die Leidensgeschichten meiner Nachbarin mit anhören, eine nette Er- holung für Nervenkranke I Mehrere der LeSdenden fühlten sich durch einen besonderen.Umstand" veranlaßt. Hier einige Zeit zurück- gezogen zu leben. Die anderen, die Nervosität, Affekttonen der Atmungsorgane usw. hier festhielt, litten doppelt unter der Be- ranbung von Licht und Lust. Da ich besonders betont hatte, daß mein erster Arzt viel Bewegung im Freien verordnet habe, erhielt ich die hohe Vergünstigung, eine Stunde spazieren gehen zu können. Ich durfte auch zwei andere Patientinnen mitnehmen. Da diesen bisher solche Vergünstigung noch nicht zu teil geworden war, wünschten sie sehnlichst mein längeres Bleiben, um noch länger täglich eine Stunde Freiheit zu genießen. Eine mutige Patientin war sogar während meiner Zeit„ausgebrochen". Es wäre zu wünschen, daß recht viele ihrem Beispiel folgten. Für Nervenkranke gibt es doch Sana- torien. Nachdem ich der„klinischen" Nervenbehandlung entronnen war, begab ich mich zum K. d. W., um mein Zeugnis und Gehalt in Empfang zn nehmen. Damit sollte ich nun„angenehme" Seiten des Kaufhauses kennen lernen. Schon vorher hatte ich um ein Zeugnis gebeten. Ich erhielt auch erns, aber mit solcher Note, daß ich daraus verzichtete. Mcht als ob die Firma bescheinigt hätte, ich sei untauglich oder ich hätte mich schlecht geführt, dazu war man natürlich zu— nobel. Aber sie schrieb eine halbe Wahrheit auf das Papier, die schlimmer war als eine ganze Unwahrheit. Ich hätte mich„bemüht", in Führung und Leistung ihre Zufriedenheit zu er- werben, bezeugte die Firma. Ich lehnte ab, der Firmenvertreter erklärte kategorisch: Ein anderes Zeugnis gibt es nicht l Daß er sich anders besinnen würde, daran zweifelte ich nicht, denn ich konnte genügend nachweisen, daß ich auf daS Prädikat.'Führung und Leistung gut" vollen Anspruch hatte. Allerdings hatte die Firma mittlerweile in der ,W. a. M." eine Erklärung losgelaffen, in der sie kühnlich behauptet, es sei nur minderwertiges Personal entlassen worden. Trotzdem bescheinigte man mir_ nun gute Führung und Leistung. Gute Führung und Leistung verhinderten aber nicht meinen Hinauswurf, als ich glaubte Ferien zu bekommen. Nachdem alles eingerichtet war, konnte man mit billigen Kräften auskommen.--- Die andere Ueberraschung! Als ich mein Geld in Empfang nehmen wollte, erhielt ich nur die Hälfte, weil ich seit Mitte Juni krank gefeiert habe. Nun kam es auch heraus, daß der Vertrag eine diesbezügliche Klausel enthält. An die Rechtsgültigkeit der Klausel glaubte die Firma wohl selbst nicht, sie rechnete wohl mehr auf Un- erfahrenheit des Personals. DaS Kaufmannsgericht in Charlotten- bürg hat die Firma denn auch belehrt, daß gesetzwidrige Be- stimmungen im Arbeitsvertrag ungültig sind. Das muß ich eingestehen, durch meine Verbindung mit dem K. d. W. habe ich erfahren, daß daS Aeußere einer Firma keinen Schluß auf seine Arbeitsverhältnisse erlaubt. biet der Wirtschaftspolitik gelte, wo die Gegensätze mit ziemlicher Ruhe ertragen würden, so noch viel mehr für das von einer aus- gesprochenen Kampfcsstimmung beherrschte Gebiet der Sozial- Politik, das auch 5kampfgebiet bleiben werde, so lange neben der offiziellen staatlichen Sozialpolitik die K a m p f p o l i t i t der Gewerkschaften stehe, und dieser Zu st and der- schärfe sich wohl, mildere sich aber in abseh- barer Zeit nicht. In der Sozialpolitik werde man künftig die Anschauungen der Handelskammer einfach ausschalten und nur die der Arbeitskammer beachten. Eine noch stärkere Beeinträchti- gung der Handclskammerarbeit liege aber für die Gebiete vor, wo man den Arbeitskammern bestimmte Verwaltungsaufgaben zu- weise. Sie sollten Untersuchungen anstellen über die Lage der von ihnen vertretenen Gewerbe, die Zahl der Arbeiter, Absatzgebiete, Konjunktur, Löhne, Lebenshaltung, Arbeitszeit, Kinder- und Frauenarbeit, Mietpreise usw. und zwar sollten die Unternehmer und Arbeiter bei Strafe gezwungen sein, über solche Dinge aus- zusagen, ferner fordere man für die Arbciskammern die lokale Ar- beitsvermittelung, die Tätigkeit als Einigungsamt mit Verband- lungszwang bei Streiks, die Festlegung von Lohntarifvcrträgen mit Mindestlöhnen. Die Handelskammer in Düsseldorf will vor- läufig keine Stellung zu der Frage nehmen, was zu geschehen habe, sie stellt nur fest, daß die Handelskammern, übertrage man den Arbeitskammern auch nur annähernd die erwähnten Befugnisse, zu völliger Bedeutungslosigkeit herabsinken müßten. Mit der Furcht, daß ihre Interessenvertretung durch die Ar. beitskammern zu völliger Bedeutungslosigkeit herabgedrückt werde, wird es den Düsseldorfer Handels- und Jndustrieherren wohl nicht so ganz ernst sein. Der Nachfolger Posadowskys ist kein Um- stürzler; er wird dafür sorgen, daß trotz der Arbeitstammern das Unternehmertum sich über einen Mangel an Einfluß nicht zu be- klagen haben wird. Berichts-Zeitung Ein„Mädchen für alles". _ Die Taten eines Dienstmädchens und ihrer Helfershelfer be- schäftigten gestern die fl Versammlungen— Veranstaltungen. Friedenau. Sonntag, den 11. August: Ausflug nach dem Grunewald. Abmarsch Punkt 2 Uhr von Grube aus. In Dahlem Kaffee- kochen._ Soziales« Arbciterwohnungcn im Kehrichthaufen. Gleichwie in Nürnberg-Fürth ist auch in der Stadt Hof die Wohnungsnot akut geworden. Dort wandern seit einigen Tagen viel Menschen zur Stadt hinaus an die Stätte, wo der aus der Stadt kommende Kehricht abgeladen wird. In dem Kehricht ist eine mit einigen Brettern und Latten ausgepolsterte Höhle ein- gegraben. Dort drinnen, inmitten eines stinkenden Unrat» feld eS.„wohnt" ein Arbeiter mit Frau und drei Kindern. Er konnte mit dem besten Willen keine bessere Wohnung finden und sein Prinzipal, die Stadtverwaltung von Hof, kennt keine Wohnungsnot! Hebet das Verhältnis der Handelskammer« zu de» Arbeitskammern handelt eine von der Handelskammer in Düsseldorf heraus- gegebene Denkschrift. Sie geht davon aus, daß man bisher im Reichstage, in der Literatur wie in der Presse im wesentlichen nur.. für Arbeitskammern, also für paritätische Einrichtungen ein- getreten sei, in gleicher Zahl bestehend aus Vertretern der An- gestellten, der Arbeiter und der Unternehmer. Wenn die Kammer- bildung in dieser Weise erfolge, habe das Unternehmertum eines bestimmten Bezirkes seine Vertreter sowohl in der Handelskammer wie in der Arbeitskammer. Die sichere Folge sei, daß diese Ver- treter in der einen Körperschaft freiwillig, in der anderen Körper- schaft freiwillig oder gezwungen eine verschiedene Wirtschafts- Politik dertreten würden und das sei ein mißlicher Zustand, zumal die Regierung und mehr noch die Parlamente die Neigung zeigten, den Gutachten paritätisch besetzter Körperschaften eine größere Be- achtung zu schenken als den einseitig besetzten Interessen. oertretunaen der Handelskammern. Wenn das schon kür das Gc» 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts Aus der Untersuchungshaft wurden der Schlosser Hugo F i e b i. der Klempner Willy Alheim, der Arbeiter Emil Schulz und das Dienstmädchen Elise N c u m a n n vorgeführt, um sich wegen Einbruchdiebstahls, Diebstahlsversuchs und Begünstigung zu ver- antworten. Die Angeklagten sind bisher unbescholten gewesen, bis auf Schulz, der schon mehrere Vorstrafen erlitten hat. ES handelte sich um einen groben Vertrauensbruch, den das Dienstmädchen Neu- mann gegen ihre Herrschaft begangen hat. Sie war bei dem Möbel- Händler Max Prenzlauer in der Reinickcndorferstr. 117 in Stellung, der Angeklagte Alheim ist ihr„Bräutigam". Diesen machte sie eines Tages darauf aufmerksam, daß die Gelegenheit günstig sei. um bei ihrer Herrschaft einen Diebstahl auszuführen. Diese ver- lockende Eröffnung fiel bei Alheim auf fruchtbaren Boden. Das Mädchen übergab ihm die Schlüssel zu dem in der Reinickendorfer- straße 13 liegenden Gcschäftslolal des Herrn Prenzlauer, ebenso hatte sie entdeckt, daß in der Wohnung Reserveschlüssel zu dem Geldschrank aufbewahrt wurden und auch diese händigte sie ihrem Bräutigam ein. Nach diesen Schlüsseln fertigte der Angeklagte Schulz, den Alheim kennen gelernt hatte, Nachschlüssel an. Beide drangen dann eines Sonntags in das Geschäftslokal des Herrn Prenzlauer ein; es gelang ihnen aber nicht, den Geldschrank zu öffnen, sie mußten vielmehr unverrichtetcr Sache wieder abziehen. Einige Tage darauf machte Alheim allein noch einmal den Versuch, dem Geldschranke zu Leibe zu gehen; der Versuch scheiterte aber wiederum. Nunmehr kamen die Neumann mit Alheim und Schulz dahin überein, daß in der Prenzlauerschcn Wohnung selbst ein Diebstahl ausgeführt werden sollte. Schulz weihte auch den ihm bekannten Angeklagten Fiebig in den Plan ein, da dieser nach seiner Meinung als Schlosser ihm beim Erbrechen des Geldschrankes wert- volle Dienste leisten konnte. Am Sonnabend, 29. Juni, teilte die Neumann ihren Komplicen mit, daß der nächste Tag zur Ausfüh- rung des Verbrechens der geeignetste sei, da ihre Herrschaft mit ihren Kindern nicht in der Wohnung sein würden. Die vier Ange- klagten verabredeten daher den Diebstahl für Sonntag, 39. Juni. Alheim holte seine„Braut" gegen 3 Uhr aus der Wohnung des Herrn Prenzlauer ab und wartete mit ihr in der Nähe, bis der Sohn des Herrn P. als letzter die Wohnung verlassen hatte. Un- mittelbar darauf begaben sich beide in die Wohnung zurück. Die Ncumann gab dem Alheim ein Küchenbeil, mit diesem öffnete A. gewaltsam das obere Fach des Büfetts und entwendete aus einem dort verwahrten Blechkasten die Summe von 1099 Mark. Sie entfernten sich dann wieder, schloffen aber die Wohnungstür nicht zu. Am Bahnhof Wedding trafen sie mit den Angeklagten Fiebig und Schulz zusammen. Sie erzählten von der Einrichtung der Wohnung, offenbarten ihnen, daß sie die Tür zur Wohnung offen gelassen hätten und wünschten ihnen viel Glück zu den Taten, die nun folgen sollten. Sie selbst fuhren nach Hermsdorf, um sich ein Alibi zu beschaffen. Mittlerweile schlichen sich Schulz und Fiebig in die Prenzlauersche Wohnung. Sie erbrachen ein Fach des Büfetts und erbeuteten 229 M. Dann wurde der Kasten eines Serviertisches, in welchem Frau Pr. ihre Schmucksachen bewahrte, erbrochen und hier stahlen die Verbrecher ein Kollier mit b großen und 19 kleinen Brillanten, ein Armband mit 15 Brillanten und Saphiren und andere Schmucksachen. Der Raub sollte unter den Angeklagten geteilt werden, es kam aber nicht dazu. Obgleich die Neumann abends ganz harmlos von ihrem SonntagSspaziergange heimkehrte und höchst erstaunt und entsetzt tat, daß in ihrer Ab- Wesenheit Diebe in der Wohnung gehaust hätten, war man sich bald darüber klar, daß sie die Hand im Spiele gehabt haben müsse und sie wurde festgenommen. Dasselbe Schicksal traf ihren Bräutigam Alheim, der auf gutes Zureden und in einem Gefühl der Reue dem Bestohlenen den größten Teil der gestohlenen 1999 M. wieder herausgab. Auch die beiden übrigen Angeklagten befanden sich bald hinter Schloß und Riegel und haben von ihrer gemeinsamen„Ar- beit" wenig Vorteil gehabt, denn Herr Prenzlauer ist wieder der Hauptsache nach in den Besitz seines Eigentums gekommen. Die Angeklagten waren geständig. Für den Angeklagten Schulz, gegen den der Staatsanwalt 2 Jahre Zuchthaus beantragt hatte, empfahl Rechtsanwalt Dr. Max Kantorowicz noch einmal die Zubilligung mildernder Umstände, da sich Schulz lange Zeit straflos gehalten habe. Die beiden ersten Angeklagten bat Rechtsanwalt Ladewig, nicht als abgefeimte Verbrecher anzusehen, sondern als Gelegen- heitsdiebe, die sich durch die Verlockungen des Dienstmädchens leider dazu hätten verleiten lassen, den Weg des Verbrechens zu betreten. Der Gerichtshof verurteilte Fiebig zu 1 Jahr, Alheim zu 1 Jahr 3 Monaten, Schulz zu 1 Jahr 9 Monaten und die Neumann zu 1Jahr4Monaten Gefängnis. Ein Wüstling. Der Glasermeister Adolf Schmidt. Rixdorf. Bergstraße 76. mußte sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gestern vor dem Rixdorfer Schöffengericht wegen tätlicher Beleidigung des 15 jährigen Dienstmädchens Meta Siebert verantworten. Der bisher noch völlig unbescholtene Glasermeister beschäftigt mehrere Angestellte und hat Bergstr. 76 seine Werkstatt. Am 25. Mai begab sich der Angeklagte in die im selben Hause in der ersten Etage be- findliche Wohnung der Montcurfrau Anna Schulz, die er hatte weg- gehen sehen, drang unier dem Vorwande, die Fenster verkitten zu wollen, in die Schulzsche Wohnung ein und tat dem allein an- wesenden 15jährigen Dienstmädchen wiederholt Gewalt an. Der Angeklagte versuchte vergeblich dem Mädchen UebleS nachzureden, sie hätte mit einem Oberlehrer ein Verhältnis gehabt usw., doch stellen sämtliche Zeugen der Beleidigten das beste Leumundszeugnis aus. Der Amtsanwalt beantragt— fünf Tage Gefängnis. Das Urteil lautet ans zwei Wochen Gefängnis wegen der an den Tag gelegten großen Roheit und Gemeinheit gegen ein kaum der Schule entwachsenes, unschuldiges Mädchen. Schmidt ist verheiratet und Vater von fünf Kindern._ Das Recht des Erfinders an einer Etablissementsersindnns, Von Bedeutung ist in diesem Rechtsstreit ein zugunsten deS Klägers ausgelegter Dienstvertrag. Der Kläger war als Ingenieur im Mai 1898 in die Dienste der beklagten Sozietät anonym Saline Dieuze bei Metz getreten. Einige Zeit darauf machte er an dem für die Sodagewinnung bestimmten Kazinierofen eine ziemlich bedeutende Speiseerfindung, welche die Fabrik ausnützte und auch in Lizenzen weiter nach dem Ausland verwertete. Kläger behauptet, daß die Beklagte dadurch jährlich Vorteile von 69 999 M. habe. Er beansprucht infolgedessen eine angemessene Vergütung für die hauptsächlich von ihm gemachte Erfindung und kommen dabei die Bestimmungen seines Dienslvertrages in Betracht. In diesem Vertrage heißt es unter anderem, daß die Verbesserungen und Er- findungen, die sich auf die Industrie bezichen und von Angestellten gemacht werden, der Firma als Eigentum zufallen sollen, indem diese sich vorbehalte, eine Anerkennung je nach der Wichtigkeit der Erfindung zu gewähren. Da die Beklagte eine weitere Auer» kennung als 1599 M. verweigerte, machte der Kläger seine An- sprüche gerichtlich geltend. Das Landgericht Metz sprach dem Kläger 19 999 M. zu, wieS seine weiteren Forderungen aber ab. Dahingegen erkannte das Oberlandcsgericht Colmar auf die Berufung des Klägers auf Verurteilung der Beklagten zur Zahlung einer Entschädigung von 48 599 M. außer den gewährten 1599 M. Das Oberlandesgericht legt die betreffende Vertragsbestimmung dahin aus, daß die Erfindungen der Angestellten und ihre pekuniäre Aus- Nutzung allerdings der beklagten Fabrik anheim fielen. Was die Frage der Vergütung anlange, so stände aber der sich hierüber an dem vorhergehenden Wortlaut anschließende Satz mit den Dar» legungen über das Eigentumsrecht der Erfindung in unmittelbarer und eng st er Verbindung, so daß der Vorbehalt eine Ver» p f l i ch t u n g zur Vergütung bedeute, wenn sie die Erfindung an- erkenne. Diese Auffassung Hab- sie selbst schon durch Vergütungs- zahlung bestätigt. Wenn sich die Beklagte darauf berufe, daß in der Regel solche Erfindungen dem Etablissement zufielen, so wurde hier durch den betreffenden Vertrag eine tzanz andere Grundlage geschaffen, indem das beiderseitige Interesse an den Erfindungen durch vertragliche Leistungen im voraus festgesetzt werde. Infolge dieses Vertrages sei denn auch der Kläger berechtigt, auf eine an» gemessene Vergütung zu klagen. Nach erhobenem Sachverständigen. gutachten schätzt das Oberlandesgericht diese Vergütung auf ins. gesamt 69 999 M. Die von der Beklagten gegen dieses Urteil eingelegte R e- vision hatte keinen Erfolg und wurde vom II? Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Ein Schwein. Wegen Erregung öffentlichen AergernisseS ist am 13. April vom Landgericht Dortmund der Agent Heinrich A n n u ß zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Wenn Dienstmädchen Fenster putzten, stellte er sich auf den Hof und führte sich unanständig auf.— In seiner Revision behauptete er. es sei nicht festgestellt, wer Aergcrnis an seinen Handlungen ge- nommen Habel— Das Reichsgericht hielt aber die Feststellungen für ausreichend und verwarf die Revision. Wtgen Sittlichkeitsverbrechens ist am 29. Februar vom Land- gericht Münster i. W. der Invalide Josef O st c n d o r f zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hat sich an einem 1891 geborenen Mädchen vergangen, welches die Aufsicht über die Kinder seines Schwiegersohnes führte. Mildernde Umstände wurden dem Angeklagten wegen seiner Greisenhaftigkeit und der nicht vorhandenen Unbescholtenheit des betreffenden Mädchens bewilligt. — Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht verworfen. Versammlungen. Der Verband der Sattler hielt am Donnerstagabend eine außerordentliche Generalversammlung in den Zentral-Fcstsälcn, Alte Jakobstraße, ab. Ern st Brückner sprach über das Thema: ..Arbeiterbewegung, Arbeiterorganisation und Arbeiterbildung." Seine Rede wurde mit viel Beifall aufgenommen. Der Bericht über eventuelle Aendcrung des LokalkassenstatutS lag vor. Die eingesetzte Kommission empfahl, daß Mitglieder über 69 Jahre oder nicht mehr voll erwerbsfähige Mitglieder auf eigenen Antrag von der Beitragspslicht zur Lokalkasse entbunden werden können. Damit erklärten sich die Versammelten einverstanden. Nach längerer Diskussion wurde ein Zusatzantrag angenommen, daß der Anspruch an die Lokalkasse den dazu Berechtigten solange gewähr- leistet bleiben soll, bis diese„ausgesteuert" worden seien. Den Bericht der Delegierten der Berliner Gewerkschaftskom- Mission erstattete der Vorsitzende Schulze. Er bezog sich auf den Jahresbericht der Gewerkichaftcn und skizzierte die Verhandlungen in den stattgehabten acht Delegicrtenversammlungen. Die DiS- kussion über den Bericht sowie die beiden letzten Punkte der Tages- ordnung wurden wegen der vorgerückten Zeit vertagt. Schulze machte noch ausdrücklich auf den Streik der Kollegen bei der Firma Ludwigs u. Casparius aufmerksam; er appellierte ferner an die Versammelten, die Tabakarbeiter in ihrem Kampfe zu unterstützen. Oeffentliche Bibltotbek und LcsehaNe ,»«nentaeltlicher Be. «ntznng für jedennann, 8W., sllexandrtncnstr. 26. Geöffnet täglich von 51/,— 10 Ubr abend», an Sonn« und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung a»lS. Fretreltgiöse Gemeinde. Sonntag, 11. August, vormittag» 8*/, Uhr, frn Rathause, Eingang Judenstraße, Saal 109: Versammlung: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags lOst, Uhr in der Schul«, Kleine Franksurlerstr. 6: Vortrag de» Herrn M. H. Baege über:„Die gelstlge EntWickelung beim Kinde". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken» und Stcrbekafle der Metallarbeiter E. H. 29 Hamburg, Fillale Berlin S.) Sonnabend, den 10. August, abend» ,>/, Uhr, bei Patt, Dragonerstr. 15: Mitgliederversammlung. eingegangene Dnichrdmften. ReclamS Universum. Hest 45, wöchentlich ein Hest. Wel» 30 Pf. ) Ftnanzwesen. 50 M.. vom „Der Nlkoftolismus, seine Wirkung und seine Bekämpfung»'. Herausgegeben vom Zentralverband zur Bekämpfung des Alkoholismus. Berlin. Preis geb. 2,10 M., drosch. 1,80 M. Verlag für VoUSwohlsabrt, Berlin W. 30. Nollendoriftr. 29/30. Im Lande der Liebe. Geschichten, Gedichte, Gedanken von Fritz v. Briefen. Geheftet 1,60 Mark, gebunden 2,50 M.(Leipzig, Rich. Sattler» Verlag.) Was und wie soll ich rauchen? oder; Der gislige und glstsrrie Tabak, dessen Bedeutung, Wirkung und Gebrauch. Hygienische Skizze von Dr. med. Walser. Verlag von Edmund Demme, Leipzig.(Preis 0,30 Mark.) Die Hämorrhoiden und ihre Heilung durch ein erprobtes Bcr, fahren. Von Dr. Paczkowski. Verlag von Edmund Demme, Leipzig. (Preis 0,80.) Jahresbericht de» Zentralvorstandes de« Sozialdemokratischen Zentral- Vereins lür den 6. schleswig-holsteinischen ReichslagSwahlkreiS. 32 Seit«. Verlag E. Eilken, Ottensen. Charlottenburger Statistik. 21. Hest. GrundstückSstalisttk für die Jahre 1904. 1905 und 1906 und die Ergebnisse der GrimdstückSaufnahme bei Gelegenheit der Volkszählung im Jahre 1905. Herausgegeben vom Statistischen Amt der Stadt. 56 Seiten. Kommissionsverlag von Carl Ulrich u. Co.. Charlottenburg. Bericht über die Berwaltnng und de« Stand der Gemeinde» angclcgenheiten der Stadt Eharlottenvurg sür daS VerwaltungSjahr 1905. barg- Seiten. Kommissionsverlag von Karl Ulrich u. Ca, EHarlottenburg. Monatsbericht des Statistischen Amts der Stadt Charlotte«- Für bcn Iiitiali bcr Jujcraie übernimmt die Nedattion dem ipubiitiiiil gegenüber keinerlei Bcrnnniiorrniig. HKeater. So»«abend, den 10. August. Ansang 3 Uhr. Neues köuigl. Operntheater. Wiener Blut. Deutsches. Robert und Bertram. Ansang 7'/, Uhr. Kammerspiele: Frühlings Er- wachen. Berliner. Sherlock Holmes. Schiller O.(Wailncr. Theater.) Carmen. Schiller If.(Friedrich Wilhelm- städiilches Theater.) Der Weg zur Hölle. Neues Schausdielhaus. RafsleZ. Neues. Ein seltsamer Fall. Komische Oper. HossmannZ Er« Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. Itnstsdiclbaiis. Husarcnsieber. Bernhard Rose. Der grotze Un- bekannte. Anfang 8'/, Uhr. Zentral. DaS Tagebuch einer Ber- lorenen. Kleines. Vater und Sohn. Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Mctropol. Der Teusel lacht dazu. Slpollo. Der HochzeitSgast. Epe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies CaPrice. Gcisterauto.— Paris. Ansang S1;, Uhr. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig- Wag. ES lebe das Nachtleben. Ncichshallen. Steltiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Uranin. Tandensirnsje 4K/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternwarte, Jnvaltdenstr. 57/83. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Heute und folgende Tage: Sherlock Holmes Anfang 8 Uhr. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Nater und Sohn. Morgen und folgende Tage: Bater und Sohn. Tlieilte!' des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. Täglich 8 Uhr: Husarensieber. lentrsl-ldentei'. Täglich 8 Uhr: Cagelinllj einer Perlorenen. Ab 8 Uhr: Das kolossale Spezta- litäten-Programm mit Humpsti- Bumsti. Pipifax und Paulo. Exzentriker. Mad. Piloty von Kaulbach. Indische T ä u z e. 00�" 10 Uhr: Stürmisches, ununterbrochenes Lachen über Itai'frrtSta als Ortsvorstcher Lehmann in seiner Burleske „vor NoeliSeitSKSst". Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahresrevne in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaendor. Dirigent Max Koth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Hauchen überall gestattet. MM MMR Gr. Frankfnrlerstr. lüg. Im Garten, Ans. i'l, Uhr: DaS glänzende August-Programm. Sperrsitz 50 Ps. Enlre« 80 Ps. Im Theater abends 8'/, Uhr: Der grolle Unbekannte. _ Sommerpreise._ Belle- AIIiance-Qarten 6 Uhr: Konzert und Bari«tö. teggö-Tiiezfes. Jeden Abend 8 Uhr;• DerpSe Verwaniilungsitiiiistier Artaro Bernardi Iund das neae f großartige• August-Programm. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Die GletseiierßerSeeliieliii'ieiiiiil die Eiszelt iserer Betaat 00 LOCI SCHER Heute, nachm. 5 Uhr: 2 Letztes Gastspiel| des Musikkorps d. kgl. bayr.• 21. Infanterie-Regiments.• Kgl. Mnsikdir. lul. Schreck.? Eintritt ab 6 Uhr 50 Pf., 2 Kinder die Hälfte. � Prot.; S.K.K.H. d. deutsche Kronpr. u. S. H. Herz. Job. Albr. z. Mecklbg. Ilcnte: Musikfest 6 Oarde-Inf.-Kap. Ausst-Lose ber. z.Eintritt Konntag SO Pf.-Tag. Leiclilathl. 600 Turner. Feldküchen- Speisung v. lOOO Mann in'l, St. Abends 7 Uhr: Sport- Sensatlons- Kampf! Preis 2000 M. Prelsboxor; Joe Edwards, Champ. v. England. Jin-Jitsn-Kämpfor: Edm. Vary, Ohamp. v. Frankreich. Stuhlplatz 3 M., Tribüne 2 M., Stehplatz 1 M., inkl. freiem Eintritt in die Ausstellung.— Vorverkauf: Invalidendank, Zig.-Fil. W. Herbst, Ecke Potsdamerplatz n. Straße, sowie Ausstellungskass. Gebr. Herrnfeld- Tlieater. 57 Kommandantenftrahe Nr. 57. Anfang 8 Uhr. BIlletivorverkaus 11—2 Uhr. Täglich: Die Novität Opcretten-BurleSke von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brimnenstr. Ii Aus Vielsachen Wunsch l Nur einmalige Wiederholung: s uhr- M Lieder des Mutanten Lcberecht Winter... Dir. Rob. Dill Dazu die August-Spezialitäten. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Scliweizerprten Am KSnlgstor. Am Friedrichshain. Stragenbahn 1,2,4, 17,59, 62, 63 u. 71. Täglich: Theater-Vorstellung. Heue Spezialitäten. Kinentatograph und Ball. Freier Damcntauz. Ansang 5 Uhr. Brunnen-Theater Badstrahe 58. Direkt.: Bcrnh. Rose, Heute: DaS großartige Aiigust-Programm Pünktlich'1,8 Uhr: Mit großem Erfolg: Ösriii«!». Spezialitäten ersten Ranges. P. Vendaro. Neitrel-Luri-Trio. Jack-Theo-Trio. Gebr. Damm. >. S*anl Coradinl.-M« Kassenerösfnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Großer Elite-Ball. Hai Kllenis| Sommer-Theaters Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz.' Meh: Gr. Konzert, toter 1 Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebte» Kinderfeste. 1 Jeden Donnerstag; Elite-Tag. i Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Schiller-Theater 0. (W a l l n e r- T h e a t e r.) Morwitz-Oper. Sonnabend, abendZ 8 Uhr: Gastspiel Kartend Runga: Carnicn. Sonntag, nachm. 3 Uhr bei halben Preisen: Der Frelschiita. Sonntag, abend? 8 Übt: Gastspiel Heinrich Bötel: Die Hngenotten. Montag, abends 8 Uhr: Gastspiel Gertrud Runge: Zum letzten Male: Traviat«.(Die Kameliondame.) Fröbels Allerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Aeltestes Vollstheater Berlins. Morgen Sonntag: Da» Hlesiea- DM- An gast- Programm mit der Sensation Berlins: Die Todesfahrt im Höllenkessel und Konkurrenzfahren lim 1000 M. Paulas Beichte. Posse mit Gesang von W. G e r 1 ck e. Ansang 4 Uhr. Entree 30 Ps. Schiller-Theater N. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theatö r. fS: Der Weg zur Hüttr. Prater- Theater. Knstanien-Slllee 7/9. Jägerliebehen. Spezialitäten 1. IKangea. Austreten der S.itweirbrnnt XilJ.v BAbA mit ihren dress. Löwen. Konzert und Ball. Ansang 4'/, Uhu._ Reichsbailen-Tlieater. Täglich i IM»Ms. Anfang Wochentag? 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. 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W. Z. 8,50. Nixdorf. 19. Bezirk 5,50. 4. Kreis 351. Wahlbezirk. Teil 2 5.—. Rixdorf 12. Bezirk, Lösche 5,15. Maschinenmeister Ullstein 13,—, Kollegen der Firma Wcinland 11,70. Kollegen der Firma Haase, Antomatenfabrik, Prenzlauer Allee 9,50. Ueberschuß Kranz- spende, Kollegen der Firma Ouandt, Jüdenstraße 2,15. Generalversannnlung Brandenburg-Westhavelland durch Paulick 29,60. Kupferschmied Schadawski 1,—. Sechserkasse Buchdruckerei Ashelm 5,—. Bezirk 1, 2, 3 Wedding, Droschkenkutscher 17,—. Jnuenpützer Pharussäle, Miillerstraße 3,—. Von den Kollegen der Firma Berg- mann, Abt. Schwig. 10,05. 10-(p" bei Ie�ten Quittung muß es heißen Maschinenfabrik Sielaf' Weitere Beiträge für das Auer-Denkmal sind zu richten an den Kassierer Emil Boeske, Verbandsbureau, Berlin LW. 68, Lindenstr. 69. Für die streikenden und ausgesperrten tabakarbeiter gingen bisher bei der Berliner GewerkschaftSkom- Mission ein: Verband der Braucreiarbeiter, S. II 300,—. Von den Schlossern und Lackierern bei E. Schmidt, Schilder-sabrik 5,—. Personal bei Globeck, Maschinenfabrik 12,25. Frau Wive. Lücke 5,—. Druckerei Vorwärts, Abt. Buchbinderei 10,—. Liste 1726, Tagschneider bei Peel u. Kloppenburg 21,—. Lifte 857, Personal der Unions-Druckcrci 15,—. Personal der Druckerei H. S. Hermann, 1. Rate 119,85. Liste 1320, Metallarbeiter bei Brügge. mann 13,70. Buchdruckerei Vorwärts, Akzidenz-Abt. 5,—. Deutscher Metall arbcitcrverband. Ortsvcrwaltnng Berlin 1000,—. Verband der Photo. graphen, Filiale Berlin 50,—. Liste 1748. A. Dunski. Möbel. fabrik 15,90. Liste 1749, Modelltischlerei Müller n. Schmcszcr 6,—. Lille 2033 Wohlfahrt u. Goldschmidt, Frankfurter Chaussee 19 14,—. Ges. v. Sommersell d. Hoteldiener-Verb. durch Dicsing 30,—. Vom Verband der Glasarbeiter, Filiale Stralau 50,—. L. 150 Gesangverein Nord-Iubal 6,—. Lnlen 981—986 Kall. d. Firma„Panzer" 69,95. Kollegen bei Lochmann, Tischlere! 15,—. Verein der in Schristgießercien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend 100,—. D. Nichtraucher 3,—. A. B. Schöncberg 25,—. Franz Grüner, z. Zeit in Braubach a. Rh. 5,—. Zentral verband der Steinarb.. Zahlstelle Berlin 200,-. Liste 2005, Unterkommission zwcijzeiisce, gesammelt durch Frahm 36,45. Unterkommission Weißcnsee �(Liste 2007) 9,05. Lifte 156, gesammelt v. P. Wcndland, Buchbinder 9,65. Liste 2-131 Kollegen bei Behling u. Lüpkc, Maschinciisabrik 27,35. Litte 2432 do. bei Mahlick n. Wallows. do. 6,55/ Pers. d. Druckerei H. S. Hermann II. Rate 116,10 Liste 1752 Kall. b. B-ihwenger, Iorkstr. 59 12,85 Liste 1319 Kall. b. Christ, Armalurcnwcrkst. 13,85. Porzellanarbeiter-Ver. band, Fil. Berlin 30,—. Lifte 158 gcs. b. F. Howitz, Buchbindercrci 9,55 ,rabrilpers. b. Jürgens, Neue Königstr. 4 10,—. Listen 101—115 Kollegen und Kolleginnen d. deutsch. Tclcphonwerke, Zcughosstr. 125,15. Zentral- verband der Zivilmusikcr, Ortsvcrw. Berlin 10,—. Zcntralocrband der Maschinisten und Heizer, Ortsvcrw. Berlin 100,—. Verb, der Töpfer, Fil. Potsdam-NowawcS 3Sh—. Verband der Krankenkassenbeaniten 50.—. Liste 2440 ges. durch Wagensühr 2l,60. Liste 1750 Pers. b. Zwietusch, Abt. Schmiede 23.75. Liste 1751 Pers. b. Zwietusch, Abt. Stanzer u. Schrauben- bi eher 20,50. Koll. bei N. S. Ball, Boxhagcncrstr. 26 24,—. Liste 2194 Personal der Gutcnbcrg-Druckcrei, Lützoivstr. 105 35,05. Verb. d. Kupfer. schiniede 100,—. Verb. d. Hutmacher 100,—. Verb. d. Schuhmacher, Zahl. stelle Strausberg 50,—. Verein Verl. Buchdrucker 559.83(aus beifolgende Listen: '858'Ashelm 11,55. 863 Bargou Söhne 3,40. 860 Alb. Behrendt Aachs. 9,45. 868 Berg u. Schach 5,60. 867 Otto ElSner, Kons.-Abt. 11,30. 866 Olio Elsner, Werk 10.—. 926 Otto ElSner 4,23. 879 Harwitz Aachs., 1. Rate 14,— 910 Harwitz Aachs., 2. Rate 6,05. 878 v. Holten ,13,—. 864 Kcttcnbcil 15,60.«55. W. Koebte, 1. Rate 7,60. 900 W. Koebke. 2. Rate 6,60. 862 Külni Söhne 28,—. 872/73 Langenscheidt 20,20. 889 Lenz u. Co. 5,10. 896 Liebhcit u. Thießen, 1. Rate 6,9!I 901 Liebhcit u. Thießen, 2. Rate 7,15. 880/84 E. S. Mittler u. Sohn 30,45. 897 Rndols Masse, Adreßbuch 12,40. 841„National. Zeitung", Maschinenmeister 13,50. 842/43 Paß u. Garleb 30 80. 888 Roscntbal u. Co.. Rnngestraße 8,45. 876 Scherl 43,70. 851 Arthur .Scholen» 5,15. 848 Ullstein u. Co. 7,35. 847 do., Maschinensetzerei 9,45. 844 do., Zclluiig 16,70. 845 do.. Slereoltzpcurc u. Galvanoplastiker 10,—. «75„Vorwärts", Werk 50,—. 875 do. Zeitung 30,—. 877„Vossische Ztg." 51,40. 886 Schriftgießerei Gursch 40.10 885 do., Maschinenbau 9,75. Sa. 559,33. abgclicsert 8. tzlugnst 1907. O. Teste.)>sa. 3683,73. Wettere Beiträge tvcrden ciiigegeiigenomine». Gelder, welche mittels Post eingesandt werde», sind zu richten au: A. K v r st c u � SO, Iß. Engel- Ufer 15, I. Der Ausschuß der Berliner GeiverkschaftSlommissioi«. Partei- �ngelegenbeiten. Zur Lokalliste. Am Sonntag, den 11. und Montag, den 12. d. M., findet tu Franzi) fisch-Buchholz das diesjährige Erntefest statt. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß uns dortselbst nur Kühnes G e s e l l s ch a f t s h a ll s, B e r l i u e r st r. 3g. zur Ber- süguug steht. Alle anderen Lokale sind st r e n g zu meide n. In Papenberge steht uns das Lokal von Karl Endrigat (früher Leinpke) zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Charlottcnburg. Ter Nezitatio nsabend des Wahl- Vereins findet heute abend im großen Saale des Volkshauses statt. Wir machen die Genossen noch einmal darauf aufmerksam und erwarten ihre rege Beteiligung. Der Vorstand. Nummelsbnrg. Auf das am Sonntag, den 11. August im Waldlokal von Klugmann, Köpenickcr Chaussee am Steuerhaus, vom Wahlverein veranstaltete Kinderfest sei hier nochmals ganz bc- sonders aufmerksam gemacht. Anfang 3 Uhr. Entrce 15 Pf. Fahrverbindung mittels Kremser. 1 Der Vorstand. Johannisthal. Morgen Sonntag, den 11. August, feiert der Wahlvcrcin im Lindenhof, Fricdrichstraße 31, sein Sommerfest, be- stehend in Konzert, Humoristischen Vorträgen, Gesangs- und tur- ncrischen Aufführungen. Die SVasseeküche ist von 2 Uhr an er- öffnet. Kassenerösfnung um 11 Uhr. Es ist dafür gesorgt, daß den Besuchern der Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht lvird. Das Komitee. Mnhlsdorf a. Ostbahn. Heute, Sonnabend, den 10. August, abends 3 Uhr, findet bei Schliefe, Hönoiverstraße, eine Versammlnng des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Spike» niann:„Was wird uns der Reichstag bescheren?" 2. Dis- kussion. 3. Wahl eines Mitgliedes zur Lokalkonimissioi»»md eines Delegierten z»ir Generalversammlung von Groß-Berliu. Ausgabe der Billetts z»im Stiftungsfest. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. wandten im Vollgefühl ihres Lokalstolzes herumgeführt werden, um die Sehenswürdigkeiten der Neichshauptstadt zu schauen und staunend, mit heiliger Scheu, all die Wunderdinge be trachten, so gilt es als selbstverständlich, daß auch der Kreuz berg, jener kunst- und mühevoll hergerichtete Sandhügel, der einzige„Berg" im Weichbilde Berlins, besichtigt wird. Auch der eingeborene Berliner weiß diesen hübschen Park zu schätzen und abends und Sonntags erklimmt er wagemutig, mit Weib und Kind, die„Höhe", um sich die Stadt einmal aus der Vogelperspektive zu betrachten. Nicht zuletzt sind es die Eigentümer der anliegenden Häuser, die mit leuchtenden Augen und beredten Worten auf die prachtvolle, herrliche Aussicht hinweisen, wenn der Mietslustige den Preis der be- treffenden Wohnung außerordentlich gepfeffert findet. Im Sommer Mittwochs und Sonnabends nach Eintritt der Dunkelheit wird der Wasserfall des Victoriaparkes elektrisch beleuchtet, und die lustig hüpfenden und plätschernden Wellen spiegeln sich dann in allen Regenbogenfarben. Wie hoch man nun dieses Bild vom künstlerischen oder vom ästhetischen Standpunkt aus bewerten mag, ist Sache jedes einzelnen; jedenfalls stehen an den genannten Abenden Hunderte von Zuschauern Kopf an Kopf gedrängt, teils auf dem Berg, teils unten in der Großbeeren- straße, um sich das Naturschauspiel anzusehen. Und da drängt sich einem jedesmal die Frage auf: Was in aller Welt soll das außerordentliche Schutzmannsaufgebot, das, beritten und zu Fuß, an den beiden Abenden hier er- scheint? Muß denn das Berliner Publikum wie eine Herde Schafe, die der kläffende, knurrende Hund beständig umkreist und zusammenhält, den selbst bei harmlosesten Anlässen, stets beaufsichtigt und geleithammelt werden? Wir konnten ans dem Gespräch zweier Ausländer, an- scheinend Engländer oder Amerikaner, das mit beißendem Sarkasmus geführt wurde, allerdings zu der Vermutung ge- langen, daß man in» Auslande dieser Meinung ist. Auch bei uns behaupten böse Zungen, daß man keinen Schutzmann finde, wenn man einen brauche, wo sie aber überflüssig seien, kämen sie gleich in der Mehrzahl. Ganz grundlos ist dieser Vorwurf nicht, wie man täglich beobachten kann; wurden doch kürzlich am Elisabeth-Ufer, wo sich die„fliegende" Streikbrecherpcnne befindet, nicht weniger wie 27 uniformierte Polizcibeamte gezählt. Allerdings galt es hier eine staats- retterische Aktion zu vollbringen, was wohl bei der Belcuch- tnng des Kreuzbergs nicht der Fall ist. Berliner JMacbricbten. Auf dem Krcuzberg. Wenn die Vettern und Basen aus der Provinz nach Berlin kommen und von den gastfreundlichen ansässigen Ver- Gii!„verdrießliches", aber rentables Geschäft. Ueber die„kleinen Mieter", d. h. die Mieter kleiner Wohnungen, wird in Preßorganen der Hausagraiier gern erzählt, daß die Herren Wirte kaum etwas an ihnen verdienen und cigcnt lich nur Verdruß mit ihnen haben. Solche Mieter ruinieren meist, so wird behauptet, in kürzester Zeit die Wohnung so gründlich, daß der bedauernswerte Wirt bei ihrem Auszug eine Menge Reparatur kosten dranwenden mutz. Dabei wechseln sie oft und rasch ihr Heim, bleiben überall Miete schuldig und müssen manchmal von dein Hausbesitzer sogar»»och mit barem Gelde für die Umzugs kosten unterstützt werden, damit er sie nur wieder los wird. Gewiß, es wird Mietergeben, auf die diese Schilderung in vollem Ilmfange zutrifft. Ihre Zahl kann aber Wohl nicht so überaus groß sein, wie die notleidenden Hausagrarier glauben machen möchten. Anderenfalls wäre nicht zu verstehen, daß sich immer noch Mictskasernenhesitzer genug finden, die es borziehen, ihre großen und mittelgroßen Wohnungen in kleine und kleinste zu zerlegen und diese Quartiere dann einzeln zu vermieten. Das Geschäft scheint doch immer noch ganz nett zu r e n t i e r en, trotz allem„Verdruß", den es bereitet. Oft ist be- hauptet worden, daß ein Haus voll zahlreicher kleinster Wohnungen sogar mehr Rente bringt, als dasselbe Haus bringen würde, wenn es nur große Wohnungen enthielte. Wer solche Häuser kcnirt, wird ohne weiteres bereit sein, das als zutreffend und richtig anzunehmen. Hausbesitzer, die an kleine und kleinste Mieter ver� mieten, pflegen viel weniger rasch in die Tasche zu greifen, um für Reparaturen Geld auszugeben, als jene anderen Hausbesitzer, die sich womöglich nur mit„Herrschaften" einlassen wollen. In den kleinen und kleinsten Wohnungen wird gewöhnlich nur im äritzersten Notfall mal eine Reparatur vor g e n o y» m e n. Ein richtiger Berliner Hauswirt vermietet solche „Löcher" immer aufs neue, ohne auch nur einen Pfennig dran- znwei»den. Auch für die ärgsten„Schweineställe" findet er immer wieder einen Mieter. Für„kleine Leute" ist das„gut genug"; sie müssen ja froh sein, daß er sie überhaupt aufnimmt. Schon mancher Hauswirt soll überhaupt erst dann auf einen grünen Zweig gekommen sein, als er sein Haus in lauter kleinste Wohnungen zerlegt und arme Leute hineingenommen hatte, von denen man angeblich„weiter nichts als Verdruß" hat. Ein Parteigenosse macht uns aufmerksa»»» auf ein Massen- quartier, von dem er annimmt, daß es zu den schlimmsten dieser Art gehöre. Es handelt sich um das Qucrgebäude des Grundstückes Greisswaldcrstraße30, das einem Herrn Kirchhofs gehört. Wir haben der Einladung unseres Gewähr»- manncs, einmal einen Blick in dieses Haus hinein zu tun, dereit- willigst Folge geleistet. Doch wir müssen gestchen, daß wir schon viel Schlimmeres gesehen haben. Immerhin hat sich aber auch hier unserem Auge manches geboten, worüber wir den Kopf schüttelten. An den lichtloscn Korridoren, die die Etagen des Quergebäudes der Länge noch durchziehen, liegt Tür an Tür, und jede Tür führt in eine besondere„Wohnung", die aus weiter nichts als einem einzigen Raum besteht. Auch Herr Kirchhoff hat begriffen, daß er besser wegkommt, wenn er z. B. Wohnungen aus zwei Zimmern nebst Küche in drei„Wohnungen" zerlegt. Er kriegt da mindestens dieselbe Miete und wahrscheinlich noch mehr, aber er braucht ehr viel weniger für Reparaturen auszugeben. Die„Wohnungen" ehen dann freilich auch danach aus. Den Küchen hat Herr Kirch- hoff sogar ihre Asphaltfußbödcn belassen. Was schert es ihn, ob die Mieter, die da hineinziehen und nur diesen einen Raum zur Verfügung haben, selbst im Sommer darin keine warmen Füße kriegen können I Unser Gewährsmann hebt hervor, daß der Besitzer dieses profitablen Massenquartieres„sogar W a i s e n r a t" sei. Er meint, daß ein Mann, der ein solches kommunales Ehrenamt bekleidet, die ganz besondere Verpflichtung fühlen müsse, das Gc- werbe des Wohnungvermietens nach einwai»dfreicn Grundsätzen zu betreiben. Das ist nun allerdings ein Irrtum. Gerade unter den„bewährten" Mitbürgern, denen die Freisinnsclique des Rat- Hauses die kommunalen Ehrenämter zuschanzt, finden sich bekannter- maßen die allerschlimmsten Exemplare von Hausagrariern, gegenüber denen selbst ein Kirchhofs noch „der reine Waisenknabe" ist� Gegen das Feilbiete» von kaltem Miaeraliliasscr oder Fruchteis an Schulkinder wendet sich eine Verfügung der königl. Regierung in Potsdam. An manchen Orten wird in der Nähe von Schulen von Händlern den Schulkindern kaltes Mineralivasscr oder Fruchteis angeboten. Es geschieht dies besonders nach Schluß der Schule. Die 5lreis- und Ortsschulinspektoren des Bezirks sind deshalb an- gewiesen worden, überall, wo dies vorkommt, die Schulkinder vor jenen gesundheitsschädlichen Genntzmitteln zu warnen. Die Warmmg soll von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Bon einem Schnellzug überfahren. Auf dem Bahnhof Hoppe- garten wurde gestern vormittag 10 Uhr der 30 Jahre alte Pferde- Wärter Böttcher aus Münchehofe von einem Schnellzug überfahren. B. hatte Nemipferde verladen helfen und war, wie es ans dem Bahnhof üblich ist. über die Schienen gelaufen. Dabei erfaßte ihn die Lokomotive eines herannahenden Personenzuges. Er war auf der Stelle tot. Der Verunglückte hinterläßt Frau und vier unmündige Kinder. Auf den Prellbock gefahren. Am Donnerstag, vormittags um 10,50 Uhr fuhr ein Leerzug, der um 12,15 Uhr als Personenzug nach Dresden den Anhalter Bahnhof verläßt, auf dem Mittelbahn- steig in die Halle ein. Vermutlich versagte die Bremsvorrichtung, und so fuhr der Train mit großer Kraft auf den Prellbock auf, riß diesen um und schleuderte den Bock auf die Vorhalle des Bahn- steigs gegen die dort stehende Verkaufsstelle. Von dem Schluß- wagen des Zuges wurden die Röhren der Luftdruckbremse ab- gerissen und die Puffer verbogen. Die Wagen mit beschädigter Bremsvorrichtung»nußten aus dem Betriebe gezogen werden. Per- sonen sind glücklicherweise nicht verletzt worden. Verunglückt ist auf der städtischen Gasanstalt in der Danzigcr- straße gestern der 33jährige Monteur Grammsky. Die Gasanstalt wird gegenwärtig erweitert ui»d ein neuer Gasometer aufgestellt, eine Arbeit, die durch den Monteur G, der bei der Berlin-Anhal- tischen-Maschincnbau-Aktien-Gesellschaft angestellt ist, geleitet wurde. Graminskh, der ans einem Gerüst stand, stürzte plötzlich infolge eines Fehltritts aus einer Höhe von vier Metern von dem Baugerüst herab und blieb mit schweren inneren Verletzungen bc- sinnungslos am Erdboden liegen. Der Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt. Ein dreistes Diebesstück hat auf dem Zentralvichhof gestern ein verwegener Bursche ausgeführt. Es gelang ihin, fünf lebende Schweine zu entführen und unbehindert mit seiner fetten Beute zu entkommen. Die Borstentiere waren durch den Händler David Dahlenburg nach dem Viehhof transportiert worden und sollten noch gestern geschlachtet werden. Als man sie in das Schlacht- haus führen wollte, suchte man vergeblich nach ihnen. Ohne daß jemai»d etwas davon bemerkt hatte, waren sie inzwischen gestohlen worden. Bei einem Straßenbahnunfall hat der 64jährige Kupferschmied Rudolf Clemens aus der Gropinsstraße 1 sein Leben eingebüßt. Der alte Mann hatte seinen verheirateten Sohn besuchen wollen. Als er den Fahrdamm der Ramlerstraße überschritt, wurde er von einem vorübereilenden Straßenbahnwagen umgerissen und über- fahren. Dem Bedauernswerten wurde der rechte Arm vollständig abgefahren. Außerdem trug C. einen schweren Schädelbruch davon. In besinnungslosem Zustande wurde er nach dem Lazarus-Krankcn- hause gebracht, wo er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, bald nach der Einliefcrung verschied. Ein Bubenstreich ist vorgestern auf dem Bahnkörper an der Hertabrücke verübt worden. Als die Lokoinotivc des Personen- zugcs 3650 vorüberfuhr, wurde sie plötzlich von einem Hagel von Steinen bombardiert. Die Ausblicksscheibe des Zugführers wurde zertrümmert und ein schwerer Stein traf den Heizer am Kopf. Die Urheber des frivolen Streichs konnten noch nicht ermittelt werden. In der Turmstraße, nahe der Emdenerstratze, stieß ein Straßen- bahnwagen der Linie 13 mit eii»ein vollbeladenen Möbelwagen zu- sammen. Der vordere Teil des Straßenbahnwagens sowie der Möbelwagen und ein Teil der Möbel Ivnrden beschädigt. Durch den heftigen Anprall wurde der Kutscher von» Bock ans da» Straßen- Pflaster geschleudert und erlitt er neben einem doppelten Armbrnch noch mehrere klaffende Kapfivnnden, In der naheliegenden Unfall- station wurde ihm die erste Hülfe zuteil. Beim Angeln ertrunken ist gestern in der Obcrspree ein»in- bekannter etwa 50 Jahre alter Mann. Er hatte sich ein Ruderboot gemietet und war in der Nähe des Eierhäuschens in Treptow ans Ufer herangesahrcn, um dort zu angeln. Durch eine unvorsichtige Bewegung schlug das Boot plötzlich um und der Angler stürzte in» Wasser. Obwohl aus seine lauten Hülfcrufe nach kurzer Zeit Hülfe zur Stelle war, mutzte er ertrinken. Anscheinend handelt es sich um einen Kaufmann aus Berlin. Nrbeitcrbilduitgsschule Berlin. Sonntag, den 11, August. Familienausflug nach Hirschgartcn-NahnSdorfer Mühle. Ahfahrt des Zuges nach Hirschgarten vom Bahnhof Alexanderplatz vormittag» 3,29, Jannowitzbrücke 8,31, Schlesiichen Bhf, 8,34, Trcffpiinkr für Nachzügler bis 10 Uhr vormittags Restaurant„Waldburg"(Inhaber W, Keller) am Bhf. Hirschgarten. Bo» 12 Uhr vormittags ab Gast- Haus zur Rahnsdorfer Mühle(Inhaber A. Klemm). Vom Bhf. Rahnsdorf in 15 Minuten zu erreichen. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder nebst Angehörigen solvie Freunden der Schule wird er- wartet. Die Lehrlitigsunterbriiigmig de» Vereins für das Wohl der ans der Schule enrlassenen Jugend— Berlin 0. 2, Hinter der Garnison- kircho 2— beginnt am 15. August 1907.— Handwerker, Gewerbetreibende und Kaufleute, welche zum 1. Oktober 1907 Lehrlinge ein- zustellen wü»schen, wollen ihre Anträge an die ihnen zunächst gelegene der folgenden Lehrlingsunterbringuiigsstellen richten: 1, Rektor Stiller, 0,2, Hinter der Garnisonkirche 2, 2, Lehrer Battrö, d>0, 55, Rykestr. 15. 3, Rektor Schünemann, SO. 36, Reichenbergerstr, 131. 4. Fortbilbungsschnldirigent Gittert, N. 89, Ravenvstr, 12. 5. Fortbildungsschuldirigent Schumacher, N. 20, Pruizen-AUee 8. 6. Fort- bildungSschuldirtgent Sasawsky,£lW. 21, Turmstr. 80. 7. Lehrer Hehn, L. 59, Graeseftr. 85. Berliiicr Asylverein für Obdachlose. Im Monat Juli nach- tigtcn im Männerasyl 21 454 Personen, wovon 9023 badeten, im Frauenasyl 2679 Personen, wovon 1098 badeten. Auf der Treptower Sternwarte spricht Direktor Dr. Ar- chenhold am Sonntag, den 11. August nachmittags über:„Die Entstehung unseres Planetensystems", um 7 Uhr über:„Die Be- wohnbarkeit der Welten". Das Thema für den Montag- Vortrag, abend» 9 ITH r, lautet:„Der Mars als Planet". Alle drei Vorträge sind»mt zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche nach- mittags die„Sonne", abends ein„Sternhaufen" oder„Toppelstern" und von 8 Uhr an der„Mond" beobachtet. Fcuerbericht. Wegen> eines großen Dachstnhlbrandes wurde Donnerstag abend die 1. Kompagnie nach der Straße Am Frie- drichshain 15 gerufen. Dort brannten bei Ankunft der Fc»terwchr das Dachgebälk, der Fußboden, die Bretterverschläge mit Inhalt an Betten, Möbel und sonstigen» Hausrat. Wegen der großen Verqualinung benutzten die Mannschaften beim Vorgehen eine große mechanische Leiter, einen Fcuertauchcr und einen Steck- leitergang, der am Hause aufgerichtet wurde. Mit vier Schlauchleitungen wurde wirlsam Wasser gegeben und eine weitere Ausdehnung des Brandes wirksam verhütet. Die Entstehung des Brandes war nicht mehr zu ermitteln. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr noch an vier Stellen zu tun. In der Weinmeister- strahe S war durch die Explosion einer Petroleumlampe Feuer aus- gekommen und in der Schwedterstrahe 45 brannte ebenfalls Petroleum. Ferner muhte in der Antonstrahe 43/44 ein Wohnungs- brand gelöscht werden und in der Nheinsbergerstrahe ein Schorn- steinbrand. Nachts um 1 Uhr kam in der Hagenauerstratze 1a in einer Bäckerei Feuer aus. Dort brannten im Keller Tische, Fett und anderes. Um 2 Uhr nachts hatte der 13. Zug in der Elsasser- strahe 46 zu tun, Stroh, Lumpen und anderes war dort in Brand geraten. Gestern früh um 6 Uhr wurden in der Brunnenstrahe 181 Betten in einer Tischlerei ein Raub der Flammen. Eine Stunde später muhte in der Alten Jakobstrahe 90 ein kleiner Woh- nungsbrand gelöscht werden. In der Petersburgcrstrahe 69 wurden Wäsche, Körbe usw. ein Raub der Flammen. Grober Unfug lag einer Feuermeldung aus der Triftstrahe zugrunde. Der ö. Zug muhte in der Köpenickerstrahe 145 Wasser geben. Dort brannten Spähne in einem Kesselhause und in der Michaelkirchstraße 13 Teppiche und anderes. Außerdem liefen noch Alarme aus der Zwinglistrahe 2 und anderen Orten ein. Vorort- JVadmcbtem Geschäft und Patriotismus. Mit einer hochwichtigen Frage haben sich in der letzten Zeit verschiedene Kriegervereine der Berliner Vororte beschäftigt:„Dürfen Kriegervereinsmitglieder ein für die Sozialdemokratie freigegebenes Lokal besuchen?" Nach gewissenhafter Prüfung dieser Frage kam man dahin überein, bah es für einen Kriegervereinler zwar nicht ratsam, aber auch nicht absolut verboten ist, Stammgast eines für sozialdemokratische Versammlungen freigegebenen Lokals zu fein. In kleineren Ortschaften lasse sich vielfach eine völlige Trennung der königstreuen von den sozialdemokratischen Elementen in bezug auf den Verkehr in Gastwirtschaften kaum durchführen, auch zwängen oft geschäftliche Rücksichten einen Kriegervereinler, in solchen Lokalen zu verkehren, die Frage soll daher von Fall zu Fall entschieden werden. Das heißt mit anderen Worten: wo sich die Königstreuen stark genug fühlen, einen Wirt, der sein Lokal zu sozialdemokratischen Ver- sammlungen hergibt, zu boykottieren, da soll dies auch fernerhin mit aller Rücksichtslosigkeit geschehen und kein Kriegervereinler darf auch nur einen Tropfen Bier an solcher Stätte genietzen. Sind aber die Königstreuen in der entschiedenen Minorität und stehen alle oder fast alle Lokale den Sozialdemokraten frei, dann verdirbt man den braven Kriegervereinlern auch nicht das Vergnügen und das— Geschäft, in solchem Falle dürfen sie unbesorgt um ihr patriotisches Seelenheil in den als sozialdemokratisch stigmatisierten Lokalen— „mitten mang unter die Umstürzler"— ihren Durst löschen. Man sieht, auch unsere Königstreuen können Realpolitiker sein und wissen Patriotismus und Geschäft harmonisch zu vereinigen. Rixdorf. Ein dreister Ranbanfall ist gestern in dem Hause Jansastraße 4 verübt worden. Frühmorgens klingelte es an der Korridortür der Wohnung des Arbeiters Köster. Frau K., die in dem Glauben war, daß der Briefträger da sei, öffnete ahnungslos die Tür. Anstatt des Postboten stand jedoch ein fremder Mann auf dem Flur und erfragte Frau K., ob ihr Mann noch zu Hause sei. Als ihm erwidert wurde, das; K. bereits nach seiner Arbeitsstätte gegangen sei, be- merkte der Unbekannte, er komme vom Chef des Arbeiters und dreist betrat er die Wohnung. Im nächsten Augenblick fiel er über Frau K. her, würgte sie am Halse und frug, wo sie das Geld habe. Erschrocken blickte die wehrlose Frau nach dem Küchenspind, wo sie in zwei Tassenköpfen insgesamt 7 M. verwahrt hatte. Der Räuber ging an das Spind heran und eignete sich das Geld an. Außerdem stahl er noch eine Uhr mit Kette sowie den Trauring des K. Hierauf entfernte er sich schleunigst. Auf der Treppe warf er jedoch die Wertsachen von sich, da er vermutlich be- fürchtete, sie könnten ihm zum Verräter werden. Frau K. folgte dem dreisten Räuber noch einige Minuten, da auf ihre Rufe sich jedoch keiner der Hausbewohner meldete, so entkam der Täter leider. Nach der Beschreibung der K. ist der Fremde etwa 28 Jahre alt, trug dunklen Schnurrbart, dunkles Haar und war mit einfachem dunklen Anzug bekleidet. Durch cine herabstürzende Eisenstangc tödlich verletzt wurde vorgestern nachmittag der 37jährige Monteur Kretke von der «Berlin-Anhaltischen Maschinenbau- Aktiengesellschaft. K. war auf dem Gelände der Rixdorfer Gasanstalt in der Cannerstraße, wo gegenwärtig ein Erweiterungsbau ausgeführt wird, be- ichäftigt. Als er im Begriff war, das Baugerüst zu ver- lassen, stürzte plötzlich aus beträchtlicher Höhe eine schwere tiserne Stange herab und traf unglücklicherweise den Monteur am Kopf. Der Bedauernswerte erlitt einen komplizierten Schädel- bruch und wurde nach dem städtischen Krankenhaus gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Chnrlottenburg. Die Wählerlisten, welche vom 15. bis 80. August auf dem Stattstischen Amt, Berlinerstr. 71, ausliegen werden, sind in diesem Jahre vom Magistrat in Druck gegeben worden. Die ersten Druck- bogen können bereits jetzt bei den Genossen, welche auf den in den Lokalen aushängenden Plakaten verzeichnet sind, eingesehen werden. Die Genossen mögen hiervon fleißig Gebrauch machen. Etwaige während der Drucklegung bemerkte Fehler— unterlassene Eintragungen— sind sofort beim Statistischen Amt zu melden, damit sie noch in einer Druckberichtigung verbessert werden können. Niemand versäume die Einsichtnahme in die Liste. Wer in der Liste uicht steht, geht seines Wahlrechtes v e r l u st i g. Wilmersdorf. Mit dem Fahrstuhl in die Tiefe gestürzt. Ein schrecklicher Fahr- stuhlunfall hat sich vorgestern nachmittag in der Xantenerstraße zu- getragen. Auf einem dortigen Neubau ist durch die Firma Fabe, Siginaringenstrahe, ein Fahrstuhl, der zum Aufziehen von Bau- Materialien dient, angebracht. Der L7jährige Arbeiter Gustav Neumann auS Pankow wollte mit einer Last Bausteine nach den oberen Stockwerken fahren. In der dritten Etage riß infolge der starken Ueberlastung plötzlich das Drahtseil und der Fahrstuhl stürzte krachend in die Tiefe. In bewußtlosem Zustande wurde N. aus dem Schacht herausgeholt und nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht, wo der diensttuende Arzt einen schweren Schädelbruch und erhebliche Verletzungen am Kopf fest- stellte. In hoffnungslosem Zustande fand der Verunglückte im Krankenhaus Westend Aufnahme. Unter dem Verdacht der Unterschlagung ist gestern der Post- schalterbeamte P. verhaftet worden. P. war früher auf dem Post- amt am Kaiserplatz tätig gewesen und tat zuletzt auf dem Haupt- Postamt in Wilmersdorf Dienst. Es werden ihm Unterschlagungen in größerem Umfange zur Last gelegt. Sie wurden in der Weise begangen, daß die Postbücher bei Einzahlungen von Geldsummen nicht mit dem Poststempel versehen wurden. Seitens der vor- gesetzten Behörde sind von den einzelnen Geschäftsleuten die Post- einzahlungSbücher eingefordert worden, um aus den Büchern die Höhe der unterschlagenen Summen festzustellen. Potsdam. In der am Mittwoch abgehaltenen Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse S t o o f Bericht über die Verhand- lungen der seinerzeit wegen des Spandauer Antrages betreffs Gründung eines Parteiorgans für Osthavelland auf der Kreis- generalversammlung gelvählten Siebenerkommission. Aus demselben geht die A b l e h n u n g des Antrages hervor. Die Beschlüsse wurden von der Versammlung gutgeheißen. Zur bevorstehenden Kreis- generalversammlung wurden folgende zwei Anträge angenonunen: 1.„Der Wahlkreis Potsdnm-Osthavelland möge sich' dem von verschiedenen Kreisen zum Essener Parteitag gestellten An- trag betreffs Schaffung eines einheitlichen Statuts über ganz Deutschland anschließen." 2.„Der Wahlverein Potsdam erklärt sich mit der jetzigen Art der Sammlung für die Delegations- kosten des allgemeinen deutschen Parteitages in Essen nicht' cinver- standen, da dieselbe eine materielle Schädigung des Wahlkreises Ost- Havelland bedeutet." Von der Preßkonmiission wurde»och berichtet, daß die stattgefundene Agitation für die Parteipresse bisher gute Früchte gezeitigt habe. Ober-Schöneweide. Ein Wunschzettel an die Polizei. Es wird uns geschrieben: Eine recht sonderbare Betätigung der hiesigen Polizei ist es, im nahen Walde darüber zu wachen, daß nicht etwa ein Erholungs- bedürftiger oder Kranker seine Hängematte an den 50jährigen Vauin- stämmcii befestigt. Nebenbei gesagt ist dieser Wald teilweise schon der Bauspekulation überwiesen. Sodann wird eS als äußerst komisch wirkend empfunden, daß es nötig sein soll, bei 10 bis 15 Teil- nchmern einer Sitzung der Jugendorganisation zwei Polizcibeamte mit deren Ueberwachung zu betrauen. Auch daß die Ortspolizei an den Renntagen in'Karlshorst dazu verwendet wird, un- liebsame Zaungäste der Rennbahn fernzuhalten, dürfte Wohl nur im Interesse des Rennbahuunternehmens— aber nicht in dem der stcuerzahlenden Ortseinwohner liegen. Wenn zum Beispiel die Polizei das unsinnige Fahren der gerade an den Sonntagen den Ort passierenden Automobile verhindern könnte, und im übrigen sich besser als bislang um Eigentum, Ge- sundheit und Leben ihrer Mitmenschen kümmerte, wäre sie des Dankes derselben gewiß. Es würden dann wohl auch die des öfteren in der Gemeindevertretung angebrachten Beschwerden über mangelnde Sicherheitsverhältnisse sich erübrigen. Köpenick. lieber„Was lehren uns die letzte» ReichstagSwahlen?" referierte RcichStagSabgeordnetcr Genosse Zubeil in der letzten Wahlvereins- Versammlung. Eine Diskussion über den mit Beifall aufgenommenen Vortrag wurde nicht beliebt. Aufgenommen wurden 7 Genossen. Der vom Kassierer Genossen Heinze erstattete Bericht über das II. Quartal weist eine Einnahme von 984.11 M. auf. An Saldo für das III. Quartal kann die Summe von 117,00 M. vorgetragen werden. Als Delegierte für die Generalversammlung Groh-BerlinS wählte die Versammlung die Genossen Jahnke, Lesevre, Schubert, Rudolf, Richard Schulz, Götze, Herm. Damm, Rudolf Damm, Kegel, Kloß und Müller; als Ersatz die Genossen Dillan und Zimmer. Als Ver- treter zur Kreis- Generalversammlung am 18. August in Grünau wurden Karl Schulz, Lefsvre und Nickel gewählt. Unter Verschiedenem machte der Vorsitzende Genosse Woik die Mit- teilung, daß das Mitglied Emil Dähne, welcher bei dem jetzigen Kampfe im Baugewerbe als Arbeitswilliger fungiert, aus dem Wahlverein ausgetreten ist, bevor ein bereits beantragtes Ausschluß- verfahren eingeleitet wurde. Ein Antrag des Genossen Hilliges, trotz de? Austrittes das Verfahren einzuleiten, wurde angenommen. Des weiteren beschloh die Versammlung, denjenigen Mitgliedern, welche augenblicklich noch an der Bauarbeiterbewegung beteiligt sind, freien Eintritt zum Stiftungsfest zn gewähren. Von dein Vorsitzenden Genossen Woik wird bei dieser Gelegenheit noch besonders darauf hingewiesen, daß Parteigenossen, welche durch den Kampf in die Lage versetzt worden sind, die Parteipresse abzustellen, diese weiter zu beziehen, da eine Stundung des Abonnementspreises erfolgen kann. Außerdem würden sich auch andere Mittel und Wege finden, den Parteigenossen den„Vorwärts" zugänglich zu machen. Etwaige Anträge in dieser Beziehung möge man in der Spedition, Kietzer- strahe' 6, vortragen. Des weiteren wurde zur Kenntnis gebracht, daß von nun ab alle Lokale am Orte frei sind. Pankow. Bezugnehmend ans den gestrigen Bericht über die Gemeinde- Vertretung, worin eS zum Schluß heißt:„Mehr Polizei wurde ge- wünscht usw.", teilt uns der Gemeindevertreter Genosse Wöbet folgendes mit; Ich habe am Schlüsse der öffentlichen Sitzung unter Himveis auf einen am Montag passierten Unglücksfall den Amts- Vorsteher ersucht, die Polizisten anzuweisen, daß sie auf den zum Baden für Kinder gefährlichen Pfuhl in der Binz- strahe mehr Obacht geben, worauf mir von zwei bürger- lichen Vertreter» entgegengehalten wurde, daß sie als Kinder auch in dem Pfuhl gebadet hätten, ohne Schaden zu nehmen, und daß ein Einschreiten' der Polizei nicht ratsam sei, um den Kindern die Badegelegenheit nicht zu nehmen. Ich betone, daß ich in nächster Nähe des fraglichen Pfuhls wohne und die dortigen Bade- Verhältnisse sowie die durch die diesjährige Ueberschwemmung hervor- gerufenen Gefahren kenne. Daß der Pfuhl in dem Umfatige zum Baden benutzt wird, wie ich es jetzt erfahren habe, war mir bisher nicht bekannt. Die Gefährlichkeit des Gewässers ist am besten daraus zu ersehen, daß die Leiche des am Montag ertrunkenen Knaben erst am Donnerstag gefunden werden konnte. Wie der Berichterstatter dazu kommt, von einem Antrage oder einem Wunsche nach»och mehr Polizei zu schreiben, ist mir rätselhaft. Tegel. Ueber Posikuriosa aus Niebcrschönhausen und Wilhelmsruh- Rosenthal wurde kürzlich in der Presse berichtet. Danach bestehen innerhalb dieser Orte verschiedene Posttarife. Wie nnS nun aus Tegel� geschrieben wird, sind dort die PostVerhältnisse noch ver- worrener, weil dort die in Frage kommenden Postämter von Rei- nickcndorf-Wesk und Tegel untereinander, sondern nur über Ber- lin in Verbindung stehen. Die an die Oberpostdireition gerichteten Petitionen wurden abgelehnt. Die Gemeindevertretung hat zurzeit noch eine Petition beim Staatssekretär des Rcichspostamts liegen. Sie wird ihrem Schicksal nicht entgehen und auch eine Ablehnung erfahren. In der Tat aber sieht niemand ein, warum sich die Post einmal gegen die Gewährung des Ortsportos mit Berlin für ganz Tegel wehrt, das andere Mal aber den ganzen Teil Tegels an dem Berliner Gaswerk, die Bernaucrstrahe und das Strafgefängnis Tegel ausscheidet und unter Gewährung des Ortsportos mit Berlin dem Postaint Reinickendorf-West unter Hinzuziehung der auf Borsigwalde-Wittenauer Gebiet liegenden neuen Fabriken als be- sonderen Bestellbczirk zuweist. Dadurch entstehen die verwickeltsten Differenzen, denn mehr als einmal werden Briefe nach diesem Bezirk erst nach Tegel geschickt, und dann von dort aus über das Briefpostamt in Berlin, Königstrahe, wieder vom Postamt 39 nach Tegel(Bezirk Reinickendorf-West) befördert. Dabei treffen sich die Briefbotcn von Tegel und Reinickendorf-West auf ihren Wegen und es wäre mit Leichtigkeit die Verwirrung, die dadurch in der Ber- liner Geschäftswelt den Glauben erweckt, Tegel habe das Ortsporto, zu vermeiden. Dazu trägt viel bei, daß die Tegeler Geschäfts- leute und die Gemeinde alle ihre Briefschaften nach Berlin mit Ortsporto versehen in die zu Reinickendorf-West gehörenden Post- kästen am Strafgefängnis legen lassen. Hoffentlich kommt es jetzt zu neuen Ermittelungen aus Anlaß der Äiederschönhausener Mit- tcilungen, die die Postbehörde erkennen lassen, wie dringend not- wendig es wäre, auch in Tegel einheitliche Postverhältnisse zu schaffen. Oranienburg. Ueber die gegenwärtige politische Lage sprach in einer öffent- lichen Versammlung Genosse Fülle- Berlin. Der Redner erntete für seine trefflichen Ausführungen lebhaften Beifall. Diskussion über den Vortrag fand nicht statt. Der Vorsitzende forderte zu energischer Agitation für Organisation und Presse auf. Auch gelte es bei den bevorstehenden Stadtvcrordnetenwahlcn die ganze Kraft einzusetzen, um Erfolge zu erringen. An dieser Stelle sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß das „Oranienburger Tageblatt" die organisierte Arbeiterschaft in der gehässigsten Weise bekämpft. Es wäre deshalb ein Verrat an seinen Klassengenossen, wenn cur Arbeiter dieses Blatt noch durch seit Abonnement unterstützen würde. Vermischtes. Heber die Katastrophe bei Trcmcssc» liegt nunmehr folgender amtlicher Bericht vor: Der folgenschwere Unfall des D-ZugeS 52 Eydtkuhnen— Thorn— Aer.lin in der Nacht vom 6. zum 7. d. M. ereignete sich auf einer � �«n. in einem Gefälle 1: 235 liegenden zweigleisigen Strecke zwischen Tremessen und Gnesen etwa 1 1on vor dem Haltepunkt Talsee in einem Einschnitt von etwa 5 m Tiefe. Der Zug war stark 51 Achsen und wurde von zwei Lokomotiven befördert. Es entgleisten die beiden Lokomottven, der Packwagen und vier Personenwagen, darunter drei neue sechsachsige D-Zugwagen, und wurden zum Teil stark beschädigt. Der vierte Wagen schob sich etwa mit der Hälfte seiner Längen in den dritten Wagen hinein, dessen Reisende teils getötet, teils schwer verletzt wurden. Die Zahl der Opfer war leider eine sehr erhebliche; sie beläust sich nach den bisherigen Feststellungen auf zehn getötete bezw. bald nachher ge- storbene und drei schwerverletzte Personen. Ihre Namen sind schon öffentlich bekanntgegeben. Die Leichtverletzten hatten sich größten- teils bald nach dem Unfälle entfernt, so daß ihre Zahl, die als nicht erheblich angesehen wird, sich bisher nicht genau feststellen ließ. Die von der Unfallstelle angeforderten Hülfsziige waren als- bald zur Stelle. Die mit ihnen eingetroffenen Aerzte, unter- stützt durch die sofort hülfsbereit zur Unfallstelle geeilten Schwestern des Gnesener Krankenhauses, leisteten den Verletzten den ersten Beistand. Die Aufräumungsarbeiten wurden unverzüglich in Angriff genommen und unter großen Schwierigkeiten so weit ge- fördert, dah das eine Gleis am Nachmittag des 8. d. M. wieder in Betrieb genommen werden konnte. Das zweite wird voraussichtlich heute folgen. Das Gleis, auf dem der Unfall sich ereignete, befindet sich zurzeit im Umbau. Mehrere hundert Meter waren im Laufe der letzten Wochen schon erneuert worden. In der Unfallnacht sollte eine weitere Gleisstrecke von 63 Meter Länge umgebaut und hierzu die bisherige KieSbettung durch Kleinschlag sowie der Oberbau durch neue Schienen und Schwellen ersetzt werden. Es handelt sich hierbei um eine infolge der Abnutzung in regelmäßigen Zeitab- schnitten wiederkehrende Gleisernenerung. Eine solche wird auf Strecken, wo der Zugverkehr am Tage hinreichende Pausen für die Ausführung nicht bietet, auch in die Nachtstunden verlegt. Die Arbeitsstellen werden durch Signale gedeckt, durch welche die passierenden Züge zu vorsichtiger und lang- samer Fahrt veranlaßt werden. Das war auch hier der Fall. Für die Arbeit war die längere Pause hinter dem Zuge v 52 in AuS- ficht genommen. Zur Erleichterung der Arbeiten während dieser Zugpause wurde indessen schon vorher und vor Eintreffen des ver- unglückten D-Zuges das Bettungsmaterial zwischen einem Teil der Schwellen aus dem Glesse entfernt. Inwieweit hierbei gegen technische Regeln der allgemeinen Vorschriften /verstoßen worden ist und ob die Signale gehörig ausgestellt und beachtet wurden, wird die sofort eingeleitete gerichtliche Untersuchung ergeben. Von dem Minister der öffentlichen Arbeiten ist eine besondere technische Kom- Mission zur Teilnahme an dieser Untersuchung entsandt. Das Gleis Posen— Thorn zwischen Gnesen und Tremessen ist frei. Alle Personen-, Eilgüter- und Viehzüge sind auf die alte Linie verwiesen. Der Güterverkehr auS dem Osten wird in der Richtung Gnesen und Posen von Hohensalza über Elsenau— Gnesen. von Bromberg und Thorn über Schneidemühl geleitet. Von Jarotschin und Posen werden Frachten von Bromberg und Thorn über Schneidemühl geleitet._ Zum Prozeh Hau. Gestern hat bereits eine Haussuchung in dem Zimmer des Frei« Herrn v. Lindenau durch eine Gerichtskommission stattgefunden. Ge- funden wurde eine Mappe mit Schrifsstücken und Heiratsbriefen. Lindenau, der von seinem Verteidiger Dr. Gönner im Untersuchungs- gesängnis aufgesucht wurde, blieb bei seinen in den Briefen zum Ausdruck gebrachten Behauptungen. Dr. Gönner willBeschwerdegegen die Verhaftung seines Klienten ein- legen und den Wahrheilsbeweis für die Behauptungen Lindenaus dadurch erbringen, daß er Anzeige gegen Olga Molitor wegen fahrlässiger Tötung stellen will. Er will ferner beantragen, Lindenau den Zeugen gegenüberzustellen, die ihn in Baden-Baden gesehen haben. Es find dies außer Freifrau v. Reitzenstein ein Chauffeur aus der Villa Tanfany, ein Hausdiener aus der Villa Kann und ein ZeitungS- junge. Das Strafverfahren gegen Lindenau wegen Erpressung, Be- günstigung und Beleidigung, begangen an Olga Molitor, soll bereits eingeleitet sein. Auf diese Weise dürfte die Hau-Affäre von neuem aufgerollt werden. Olga Molitor traf gestern vormittag ll'/s Uhr aus Freiburg in Karlsruhe ein und wurde vom Staatsanwalt Bleiche, über die Behauptungen Lindenaus vernommen. Dann, um 2 llh, 9 Minuten, fuhr sie wieder in Begleitung eines Kriminalbeamten nach Mannheim, wo eine Konfrontation mit Lindenau stattfand Das Resultat war ziemlich negattv. Lindenau blieb bei der Bc> hauptung, Olga habe geschossen, was diese entschieden bestritt. Sit will den Mann überhaupt nicht gesehen haben. Olga fuhr nach Freiburg zurück. Die Staatsanwaltschaft hält sie für unschuldig und behauptet nach wie vor, Lindenau sei am 6. November gar nicht in Baden-Baden gewesen. Verteidiger Dietz hatte gestern nachmittag im Gesängnis eine lange Konferenz mit Hau über die Revision seines Prozesses._ Im Pregcl ertrunken. An dem Pionierübungsplatze bei Arnau ertranken vorgestern nachmittag 1 Feldwebel sowie 8 Mann der Pionier- bataillone 1 und 18 infolge Kenterns eines Pontons. Zwischen Arnau und Friedrichstein war vor einigen Tagen der Ponton eines Schleppzuges gesunken, zu dessen Hebung eine Ruderfähre aus- gerüstet wurde; als sich herausstellte, dah die vorhandenen HülfS- mittel nicht ausreichten, beschlossen die Pioniere, weitere Hülfs- mittel zu requirieren. Als der Dampfer„Rapid" an Arnau vor- beikam, baten die Pioniere den Kapitän, ihren Kahn anhängen zu dürfen, was ihnen auch gestattet wurde. Kurze Zeit darauf kam aus noch nicht völlig aufgeklärter Ursache der Ponton zum Kentern. Sämtliche 17 Pioniere stürzten in den Pregel, 8 von ihnen gelang es, sich zu retten, 9 ertranken, darunter der Vizefeldwcbel Gudat. Die Rettungsversuche blieben erfolglos. Zur Bergung der Leichen sind Taucher requiriert worden. Eine spätere Meldung teilt noch mit, dah der Ponton, als de: ihn schleppende Dampfer sich etwa 100 Meter hinter Mohbude be- fand und Volldampf gab, in starke Strömung geriet, vollgeschlagen wurde und in wenigen Augenblicken unterging. Von den neun Ertrunkenen waren bis gestern früh drei Leichen geborgen. Verunglückte Touristen. Von der Bettelspitze ist, wie aus Innsbruck gemeldet wird, der Tourist Kaiser aus Weinheim ab- gestürzt; er starb sofort. In der Langkofelgruppe stürzte der Wiener Tourist Keil ab; er wurde schwer verletzt. Am Pizzo Bianca sind zwei Kurgäste aus Sils Maria, der sechzigjährige Kind aus Turin und der dreißigjährige Albert Weber aus Wien abgestürzt und als schrecklich verstümmelte Leichen auf dem Tichiervagletscher aufgefunden loorden. Sie hatten am Montag ohne Führer die Besteigung des gefährlichen Berges versucht. Die Leichen sind geborgen. Eine Fcnersbmnst zerstörte in der vorigen Nacht in Brüssel eine Spielwarenfabrik. Der Materialschaden beläuft sich aus mehrere hunderttausend Frank. 14V Wohnhäuser eingeäschert. Die Ortschaft Rede ist nach einer Meldung aus Oedenburg größtenteils niedergebrannt. i4v Wohnhäuser wurden eingeäschert und über 1VV Familien obdachlos. Dampfcrzusammenstosi. Wie die„Frankfurter Zeitung' aus New Jork meldet, ist der Dampfer„City of Panama' zwischen Portland und San Francisco mit dem Dampfer.Alliance' zu- i ammengestoßen i der erstere sank mit Passagieren und Ladung. Der Zusammenstoß scheint durch Nebel herbeigeführt worden zu sein. Nach weiteren Meldungen sind sämtliche Passagiere gerettet worden. Vollständig niedergebrannt ist in Neubrunst bei Eibenstein im Böhmerwald die große, dem im Böhmerwold seit langen Jahren eingesessenen Geschlecht Zscherl gehörige Herrschaft. Der Schaden ist unermeßlich, da große Kunstschätze und Antiquitäten aus dem Böhmerwald mit verbrannt sind. Bcnzinexplosion. In Czcrnowitz erfolgte in dem Keller eines Produktcnhändlcrs gestern abend eine schwere Benzinexplosion, welche bedeutenden Schaden anrichtete. Bei den Rettungsarbeiten wurden 8 Feuerwehrleute schwer verletzt, der Kommandant wurde bewußtlos vom Platze getragen.'>--- Zwölf Personen ertrunken. Am Strande der Insel Wight er- tranken gestern, Londoner Meldung zufolge, ein Offizier und drei Soldaten. In anderen englischen Seebädern sind gestern acht Per- sonen ertrunken. Die Verbrechen gegen Kinder in New Dort haben eine wahre Lynchwut in den Bolksmassen entfesselt. Auf bloßen Verdacht hin sind in den letzten Tagen eine Reihe unschuldiger Personen furchtbar mißhandelt worden. Im italienischen Viertel ist die Aufregung besonders groß; hier werden manche Volkshaufcn von Frauen an- geführt. Ein Franzose wurde so übel zugerichtet, daß er mit ge- brochcnem Schädel ins Hospital geschastt werden mußte. Einen Italiener wollte man hängen, er wurde jedoch sin letzten Augenblick durch das Hinzukommen der Polizei vom Tode gerettet. Die Polizei klagt die Scnsationspresse an, daß sie durch übertriebene Berichte von Greueltaten gegen Kinder die Volksmassen aufstachelt. Berliner Marktpreise. 8tuS dem amtlichen Bericht der städtlichen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch la 10—12 vr. 100 Pfd., IIa 64-69, nia 59-60, Bullenfleisch la 65—70, Ha 53-62, Kühe, seit 52—60, do. mager 40—50, Fresser 54—66, Bullen, dän. 52—63, da. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppcllender 100—120, Mastkälber la 75—85, IIa 66—74, Kälber ger. gen. 47—59, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammel- fleisch Mastlämmer 80—84, Hammel ka 75—79, IIa 69—74, Schafe 66—68. Schweinefleisch 65—71. Rehbock la per Pfund 0,60—0,30. IIa 0,30—0,59. Nothirsch 0,50—0,61. Damhirsch 0,00. Wildschweine 0,40-0,45. Frischlinge 0,50. Kallinchen per Stück 0,20—0,68, do. australische 0,00. Wildenten per Stück 0,00. Krickenten per Stück 0,00. Hühner, alte, per Stück 1,40—2,30, IIa 1,00—1,30, do, junge 0,50—1,20. Tauben 0,30—0,50, italienische 0,00, Enten per Stück 1.40—2,90, do. Hamburger per Stück 3,00. Gänse per Pfund 0,62—0,72. do. per stück 2,50—5,00, do. Hamb, per Pfd. 0,79—0.80, per stück 0,00, do. Odcrbruchcr per Pfd. 0,64—0,63. Poulets per Stück 0,70—1,20. Chalonshühuer 0,00. Hechte per 100 Psund 133—145, do. matt 0,00, do. mittel und groß 121, do. groß, niatt 0,00. Zander, mittel 0,00, do. mall 0,00. Schleie, klein 166, do. groß 0,00, do. 130—132. Aale, groß 92—99, do. klein und mittel 87—91, mittel 93—103, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittel 0,00, do. klein 0,00. Pläßcn, malt 0,00. Rodduw 0,00. Karpscn, groß 71. Bleie 68—75, do. matt 0,00, Bunte Fische 76. Barsc 0,00, dito matt 0,00, dito klein 67. Karauschen 105, do. klein 0.00. Bleiflschc 0,00. Wels 70. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Pfd. 110— 130, do. IIa neuer 90— 100, do. lila 60. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, stiege la 3—6, mittel per Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, IIa 1—3. Bücklinge, Kieler Per Wall 2-3, Swals. 3,50-5,00,«ornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, Nein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3—4.00, Kiste 1,50-2. Sardellen. 1902er per Anker 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. schottische Vollhcringe 1905 0,00, largo 40�14, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 50—120, Sardinen, russ.. Faß l, 50— 1,60. Bratheringe Faß 1,20—140, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3—3,40, do. große 4,00. Krebse per Schock, große 22,50, do. mittelgroße 11,50, do, kleine 0,00, do. un- sortiert 8,50—9,50, Galizier groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Butter per 100 Psd. la 114-117,_ IIa 106-114, ITIa 100-106, abfallend- 90-95. Saure Gurken, neue, schock 3,50—4. Pseffergurkeu 3,50—4. Kartoffeln per 100 Psd. weiße runde 2,25— 3,25, blaue 2,75—3,75, Rosen- 2,50 bis 2,75, Nieren- 2,75—3,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—15. Spinat per 100 Pfund 20—25. Sellerie, per Schock 2,00—6,00. Zwiebeln i per 100 Psd. 6,00—6,50, do. kleine 0,00, do, hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi schock 0,15—1,00. Rettich, bayr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige, Schock 3—4. Mohrrüben, per Pfund 4,00 bis 6,00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 4,00 bis 10,00. Rotkohl, Schock 6—12. Weißkohl 6— 8. Blumenkohl, hiesiger 100 stück 8—14, do. Hamburger 100 stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 10—15. Kohlrüben, Schock 4,00—6,00. Peterstlirnwurzeln, Schockbund 4,00—5.00. Schoten per 100 Pfund 10—20. Pfcficrlinge per 100 Psd. 5— 12. Steinpilz« per 100 Psund. 15—20. Radieschen per Schock 0,75 bis 1,00. Salot per Schock 1,50—3,00. Gurken, Eimnachc-, Schock 14,00, do. böhmische Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 4,00— 4,60. Bohnen, grün«, 100 Psd, 6—12. Stachelbeeren, per 100 Psund 7—10. Himbeeren per 100 Psmid 28—30. Blaubeeren, per 100 Psd. 11—15. Johannisbeeren, per 100 Psd. 7—10. Kirschen, per 100 Psund Schiesische 0,00, Werdersche 0,00, Sächsische 14—16, Thüringer 8—16, Natten 18—30, sauer« 16—20. Birnen, ttal., 100 Psund 20—34, Muskateller 0,00, hiesige 10—16. Pfirsiche, per 100 Psund 10—30. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, ftanzös. 30—22, Aepjel, italienische, per 100 Psund 8—25, tmg. 14—21, hiesige 8—10. Pflaumen, ital., per 100 Psund 10 bis 22, Reineclauden 20—28, hiesige 10—15, ungarische 10—13. Weintrauben, Algier, per 100 Psd. 30—32, italienische 27—30. AiianaS I, per Psund 1—1,20, do. II 0,00. Zitronen. Messina. 300 Stück 10,50-18,00, do, 360 Stück 14,00—21,00, do. 200 Stück 6,00-12,00, do. 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 16,00 bis 22,00, grün 0,00. Bnrftuften der Redaktion. Die lurlstilch« Evrcil, stunde findet Frledrichstr. 1«. Aufgang 4. ppc(HaudclSstätt iiilich du» 7'Jt 1... Soiiuabcuds befliuii« die svrcchstuude NI» 0 Illir. Jeder eine Treppe(HandclSstättc Bellcalliancc, Tnrchgana auch Lindenftr. 101), iifllich Ii un 7'/, tili»Vi nur abends statt.(«eöfluct 7 Npr. wuchentäattch___..______ M -.........-e..>» i... Aufrag- ,jt ein Bricsliche ülntwort wird nicht erteilt. Eilige Kragen trage man iu der Sprechstunde vor. Chotze». Nein.— 100. P. M. Alimente sind eine' Forderung des KindeS, zu dessen Unterhalt sie verpflichtet sind.— ll. W. 100, Dorf, Kreis Hehdckrug, Regierungsbezirk Gumbinnen, Eisenbahnstation Kaukehmen, 257 Einwohner.—<£, R. 38. Wenden Sie sich an Simanowski, Ge- werkschastshauS, Engel-User 15.— 77. B. Die Reisebureaus geben Ihnen Auskunft.— O. Thiel 100. 1. Adreßbuch II. Teil, S. 243. 2. sie müssen bezahlen.— I. K. III. Ja.— M. H. 36. Die betreffenden Fragen finden Sie in Nr. 174 des„Vorwärts", 1. Beiblatt behandelt.— OJ. 75. Sie sind versicherungspflichtig. Der Arbeitgeber muß Sie zur Kasse anmelden. Der Arbeitgeber hastet der Kasse.— L. 5. Im Jahre 1889.— E. H. 81. Wenden Sie sich an die Verwaltungsstelle der kgl. Cbaritö, dort erfahren Sie alles Nähere.— W. W. 100. Ja. — B. 108. Fehlt Quittung.— E. Th. 75. Nein.— Junger«n- erfahrener Strcitkopf. 1. Ja, Redakteure auch. 2. Nein. 3. Fragen sie bitte Tilly. 4. AuSkunjt Wintergarten. Wttternligoaberflcht vom S. August 1007, morgens« Uhr. Wetter-Prognose für Sonnabend, den 10. August 1007. Verändcrltch, zeitweise aujklarend: öjtcrs Niederschläge, etwas kühler. mäßige westliche Winde. Berliner Wetter bureau. Wasserstands-Nnchrichtcn der Landcsanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e l. Tilsit Prcgel.'Jnsterbnrg Weichsel, Thorn Oder, Nattbor . Ärossen „ Frankfurt Warthe, Schrimm „ Landsberg Netze, Vordainm Elbe, Lcttmeritz , Barby „ Magdeburg Saale, Grochlitz i,— Fall..—') Unterpegel. Allen Freunden und Verwandten I die traurige Nachricht, daß aml Donnerstag, den 8. August, abends I 10 Uhr, niein lieber Mann, der! Gastwirt ftwl Trcduo Toristraße 37 plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonnlag, den 11. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Lutherkirche in Lankwitz aus statt. Die trauernde Gattin Berta Tredup geb. Strcge. 2217b für den |4. Berliner Reictistags-WaUkrels. Nachruf. Den Mitglieder» zur Nachricht, 1 daß unser Genosse, der Schlosser MkutimHisn Weise I beim Baden in den Fluten den | jähen Tod fand. Ehre seinem Andenken: >262/16 Der Vorstand. des 2. Berliner Reichsiagswatiikreises Bezirk 97. Am Donnerstag, den 8. August, verstarb plötzlich unser Mitglied, der Gastwirt Paul Tredup. Ehre seinem Andenken l , Die Beerdigung findet Sonn- I tag. den 11. August, nachmittags 1 4 Uhr, von der Leichenhalle des I Luthcr-Kirchhoscs in Lankwitz aus statt. 239/15 Um rege Beteiligung wird ge- I beten. I» ei- Vorstand. iVerM der Ireien Gast- Eil Sebankwirte Deutssblanils. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen die traurige Nach- Acht, daß unser Mitglied, der Gastwirt rri'v«lap am 8. August im Alter von 46 Jahren plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Sonntag, den lt. August, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Luther- Kirchhofes in Lankwitz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/10 Der Vorstand. Mliber Transportarbeiter-Verband, Ortsvorwaltung CharloUenburg. Todes• Anzeige. Am 7. August starb nach schwerem Leiden unser Mitglied, der Kellcrarbeitcr äupusl Mesclikutat im Ilster von 25 Jahren. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'�, Uhr von der Leichen- Halle des Hcowig-KtrchhvjcS aus Deutscher I Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Stockarbeiter Nikotai Fischer am 7. August verstorben ist. Ehre seinem Audeukc»: 4)ie Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Um rege Betettigung ersucht 92/3 01» Ortsverwaltung. Zar JVachrlcht k Eröffne am heutigen Tage Skalitzer- straße 36 eme Groß-Destillation und erkläre das Gerücht, daß ich Herrn Rathmann ausgemietet, als eine Lüge, denn die Brauerei hatte gekündigt. 5650L Hermann Reinhold. Uormiirts Restaurant, Spandau, SchöniBnlbcist. 80. Einzigst' S Parteilokal u. BundeSeinkehr- stelle aas dem Wege zum Sportpark. laden Sonntag ge. Ball. Paul Kumte I Itillard-Zimnier. I Freunden und Bekannten zeige ich hiermit ganz ergebenst an, daß ich das Familien- Restaurant Kottbuser Ufer Na. 33 käuflich erworben habe. Indem ich für gute Speisen und Getränke bei billigsten Preisen bestens Sorge tragen werde, halte ich mich einer geneigten Beachtung bestens empfohlen Hochachtungsvoll Max Jacob, Kottbuser Ufer No, 33, _ an der Kottbuser Brücke. 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AnfangSgehalt 2iXX) M. Bewerbungen find unter Angabe bisheriger Tätigkeit bis zum 20. August mit der Aufschrist.Bewerbung* an Unterzeichneten einzusenden.* Paul Dörr, Kottbus, Roßstr. 29. Parteisekretär. Für den Agitationsbezirk Leipzig, der vier Reichstagswahlkreise nmsafft, soll alsbald ein Parteisekretär angestellt werden. Es wird aus eine tüchtige, organisatorisch begabte Kraft refletiirrt, die auch mit der Agitation aus dem Lande vertraut ist. Be- Werber wollen ihre Gesuche mit An- gäbe ihres Bildungsganges, ihrer bisherigen Tätigkeit und ihrer An- spräche bis zum 25. August an den Vorsitzenden des Agitatlons- komitees, Rich. Ltpinski, Leipzig, Elsterstr. 14, einsenden. 295/4* Das Agitationskomitee. Tnöstiger Mrtittttigmllljjer, Mechaniker, welcher mit der BeHand- lung automatischer Maschinen ver- traut sein muß, zu sofortigem Ein- tritt bei hohem Lohn in eine Rheinische Blechemballagenfabrik ge- sucht.— Offerten mil'Ansprüchen, Zeugnisabschristen unter M. t. de. sorgt die Expedition._ 56272* Tüchtige Former bei hohem Lohn und dauernder Beschäftigung gesucht. 56/13* Kaspar II erg. Eisengießerei, Nürnberg-Mögeldorf. Sattler. Erster Wagengarnierer, welcher aus Ledergarnituren sur Automobile besonders gut eingearbeitet ist, sür eine Münchener Wagenfabrik bei hobem Lohn gesucht. Nur erstklassige Arbeiter sollen sich melden bei Herrn -knt«n Brumoicr» München, Wittelsbacherstr. 3._ 56/18 Monteur für mechanische Eisenbahnsilhe- rungs> Anlagen und Schranken wird gesucht. Ungarisch sprechender bevorzugt. 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