Ur. 187. nbonnemcntS'Bedingungen: NboimementS- Preis pränumerando: Vierteljährl. S&) M5, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Psg, frei!nS HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg, SonntagZ- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeihmgS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemenlS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Numänien, Schweden und die Schweiz. 34. Jahrg. vlchtlit täglich auHtr montags. Verlinev Volksblstt. Die Inlcrtions' Gebühr vekägt für die fechsgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewcrlschaslliche Vereins« und VersammlungS-Anzcigcn M Pfg, „Kleine Hmeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Zldrcssc: „Sozialdcmohrat Berlin". Zcntralorgan der fozialdcmokrati feben parte» Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, de» 13. August 1907. Expedition: SRI. 68» Lindcnstrasse 6g. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. An die PülttllMiijsen Plküßkilg! Durch die am Anfang dieses Jahres stattgehabten Reichstags Wahlen waren die Unterzeichneten gezwungen, die für Ende 1906 geplante Zusammenkunft der Parteigenossen Preußens zu verschieben. Wir berufen nunmehr im Einverständnis mit dem Partei vorstand und der Organisation Groß-Berlins den zweiten preußischen Parteitag auf Donnerstag» den 21. November, früh 9 Uhr, nach Berlin, in die Räume des Gewerkschaftshauses» Engel-Ufer lf>, ein und bitten die Genossen Preußens, diese Tagung durch Delegierte beschicken zu lassen. Als Tagesordnung und Referenten werden vorgeschlagen: 1. Die Organisation in Preußen. Referent: Genosse Hugo Haase-Königsberg. 2. Die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages und die Wahlrechtsfrage in Preußen. Referent: Genosse Eduard Adler-Ktcl. 3. Die Landtagswahlm 1968. Referent: Genosse Dr. Leo Arons-Berlin. 4. Die Lage der StaatSarbeiter in Preuße«. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Karl Lcgien. B. Selbstverwaltung und Gemeinde. Referent: Stadt verordneter Genosse Paul Hirsch-Charlottcnburg. Für die Erledigung der Geschäfte des Parteitages sind Donnerstag, der 21., Freitag, der 22.» und Sonnabend, der 23. November in Aussicht genommen. Gemäß weiterem Beschlüsse des preußischen Parteitages 1901, den Entwurf einer Landesorganisation für das König- reich Preußen auszuarbeiten, haben wir uns dem unterzogen. Die Veröffentlichung dcS'Statuts erfolgt in der heutigen Nummer des„Vorwärts". Die Versendung der Mandatsformulare wird Anfang Oktober erfolgen.— Jeder preußische Rcichstagswahlkreis kann sich durch drei Delegierte vertreten lassen. Die Einreichung von Anträgen, alle Anfragen sowie die Anmeldung der Delegierten sind bis zum 12. November an den Mitunterzeichneten Leopold Liepmann, Berlin SW. 68, Lindenstrake 69, zu bewirken. Mit Parteigruß Eugen Ernst. Emil Boeske. Leopold Liepmann. ver freifinn vor der LlMcheidlmg. Die offiziöse ,. Nordd. Allg. Ztg." lüftet nunmehr selbst den Deckel der Wahlrechtsschüssel. Sie präsentiert dem Freisinn ihre Gaben— das Reichstagswahlrecht für Preußen befindet sich natürlich nicht darunter. Sie sagt auch nicht, was denn eigentlich die Regierung dem Freisinn konzedieren will, aber sie spricht sich umso deutlicher darüber aus, was sie unter allen Uniständen verweigern wird. Daß es sich bei der Auslassung der„Nordd. Allg. Ztg." um eine hochosfiziöse Kundgebung handelt, gibt auch die .. F r e i s. Z t g." zu. Sei die Kundgebung auch in eine Wochenrundschau eingekapselt, in„Rückblicke", die nicht als direkt inspiriert angesprochen werden könnten, so stehe doch fest, daß das offiziöse Organ„nur s o l ch e n Ausführungen Aufnahme gewährt, die im Sinne der jeweiligen Regierung gehalten sind". Auch die„Franks. Zeitung" nennt die Auslassung ein„wertvolles Stimmungs- symptom". aus der die Absichten der Regierung ersichtlich seien. Die- wichtigsten Absätze dieser hochoffiziösen Kundgebung lauten nun: „Die jüngsten Aenderungen der preußischen Wahl- und Wahl« kreisordnung sollten keine sachliche Lösung der WahlrechtSsrage darstellen. Ein Gewährsmann der„Post" nimmt sogar an, daß Herr v. Bethmann- Hollweg sich nicht mit der Gangbar- machung der jetzigen Wahlordnung begnügt, sondern auch die Frage einer Modernisierung des preußischenWahl- rechts einer gründlichen Prüfung unterzogen hat. Daß eine solche ernsthaste Prüfung aber notwendig zu einer u n e i n- geschränkten Empfehlung des Reichstagswahl- rechts auch für Preußen führen mülse, ist doch nur ein linkslibrralcS Dogma. Diese Anschauung hat ihre Wurzeln in der Sturm- und Drangperiode unseres politischen Lebens, die zur jetzigen Verfassung führte. Wir können das verstehen. Wer die Ansichten des Gegners achtet, wird seinen Vertreter wegen solcher abweichenden Anschauungen nicht als„Sturmgesellen Sokrates" verspotten. Wer indes offenen AugeS das politische Leben unter diesem Reichswahlrechte und seine Entwickelung verfolgt hat, wird ebensowenig ein so unbedingter Lobredner dieses Rechtes sein, daß er seine Ein- sührung auch in alle kleineren parlamenta- ri scheu Körperschaften wünschen könnte. Wir glauben, die Bedenken gegen seine AuSdehniing nicht besser schildern zu können, als es der Minister des Innern 1906 bei Besprechung der damaligen Wahlrechtsanträge im Abgeordneten- Hanse in seiner nachdenklichen Art getan hat. Er legte dar, wie man. getragen vom Gefühl der Kraft und des Vertrauens, das alle Bevölkerungsschichten des neu geeinten Vaterlandes durchströmte, seinerzeit die Geschicke deS Reiches in die Hände gleich- berechtigter Wähler gelegt habe. Heute aber drücke trotz dieses gepriesenen Wahlrechts ein bitteres Gefühl der Unlust ses war vor den letzten Reichstagswahlen) das öffentliche Leben. Die neuere Zeit zeige das Bestreben, die breiteren Schichten des Volkes an den Segnungen der Kultur teilnehmen zu lassen. Aber bei diesem Bestreben sei die ganze Politik in eine Abhängigkeit von den Stimmungen der Masse geraten, die wie ein Alb auf drm öffentlichen Leben laste, lieber den Bestrebungen, den Schwachen zu helfen, diesem edelsten Gesetz der Menschheit, dürfe nicht vergessen werden, die besten und edelsten Kräfte des Volkes empor zu ziehen und sie zu Führern des Volkes zu machen. Es sei hohe Zeit, daß dieKräfte, die aufwärts ziehen, wieder frei werden. Das politische Leben dürfe nicht veröden und verflachen. Wir bedürfen kein Wahlrecht, das alles gleich macht, sondern ein solches, das den einzelnen und ganze BevolkeruiigSgriippen nach oben weist.... Der Antrag ans Einführung deS all- gemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts wurde in nament- licher Abstimmung mit 189 gegen 80 Stimmen ver- w o r f e n. Wäre das Haus besetzter gewesen, so wäre die Prozentzahl der Gegner sicherlich noch erheblich größer gewesen. Immerhin beweist diese große Gegnerschaft, daß auf eine Annahme eines gleichen Antrages in der nächsten Tagung des preußischen Abgeordnetenhauses nicht zu rechne» ist. Den„brutalen Zwang" und den„Staatsstreich" weist die freisinnige Zeitung ausdrücklich ab, sie rückt von N a u m a n n u n d d e s s e n Heranziehung des Beamtenerlasses von 1882 weit ab. sie„rechnet vorläufig auch weiterhin" mit der Institution des preußischen Herrenhauses. Diese habe bei allen Mängeln wenigstens den einen Vorzug, daß ein energischer und intelligenter Monarch auf diesemJnstrunientspieleii könne, wie es ihm beliebe. Diese nüchterneBetrachtung derDinge, die mit den gegebenen Faktoren und ihrem Kräfteverhältnis rechnet, verdient sicher« lich den Vorzug vor dem H u s a r e n r i t t Naumanns. Wie in der Presse bedeutsam hervorgehoben wurde, könnte über dieser Jagd nach wilden Gänsen zu Pferde leicht auf dem realen Boden daS für den Liberalismus Er- reichbare übersehen werden. Und dessen ist auch inner- halb der Blockpolitik im Reichstag wie schließlich im Landlag nicht gar wring. Eine forcierte Forderung des Reichs- tags Wahlrechts für Preußen könnte gerade für den Liberalis ni u S schmerzliche Folgen haben. selbst gesetzt den Fall, daß zu gegebener Zeit die Regierung abermals die Initiative zu einer Reform des Landtags- Wahlrechts ergreifen wollte. Bei den gegenwärtigen Parteiverhältnissen im Abgeordnetenhause ist die drohende Mahnung der freikonservativen„Post" nicht in den Wind zu schlagen, wenn sie meint:„Im Geiste der konservativ-Iiberalen Paarung liegt es, daß wenn von den Konservativen die Zustimmung zu einer Aenderungen deS geltenden Wahlrechts gefordert wird, auch die Liberale» so weit von ihren Forderungen ablassen, daß die Kon- servativen sich mit der Aenderung des Wahl- rechts abfinden können. Wenn daher die Liberalen die direkte Wahl und eine stärkere Berücksichtigung der Person des Staatsbürgers erreichen wollen, werden sie andererseits wohl be- reit sein müssen, nicht nur der Abstufung des Wahlrechts nach Bildung, Besitz und Alter, sondern auch einer besonderen Berück- sichtigung der ländlichen Grundbesitzer zuzustimmen." � Man würde jede Vorlage der Regierung sicherlich in diesem Sinne zu ändern suchen. Gewiß, die Liberalen mögen auf ihrer Forderung bestehen; wie die Dinge liegen, ist es aber nicht bloß ein aus- s i ch t s l o s e s, sondern ein für die vertretenen Forderungen direkt schädliches Unterfangen, von ihrer sofortigen Erfüllung den Bestand der Blockpolitik abhängig zu machen. Sollte sie einmal verwirklicht werden, so bedürfte es dazu langer heftiger Kämpfe, eines politischen Umschwunges im Gefolge großer Ereignisse. Wir hoffen deshalb, daß die linkslilicralen Parteien wie 1966 sich nicht von der Sozialdemokratie abseits drängen lassen, sondern wie damals, wenn sie eine gleiche Agitation zugunsten einer Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen inszenieren sollten, die Form ent- schieden ablehnen." Das ist so deutlich wie nur möglich t Fassen wir den Inhalt der Auslassung kurz zusammen, so ergibt sich: 1. Die Regierung steht noch heute wie im vorigen Jahre auf dem von Bcthmann-Hollweg entwickelten Standpunkte, daß daS Reichstagswahlrccht sogar im Reiche ein„Gefühl bitterer Unlust" auszulösen geeignet sei. 2. Da die ganze Politik nicht von den„Stimniilngen der Mafle", sondern von den„edelsten Kräften" des Volkes getragen sein muß, darf nicht ein Wahlrecht,„das alles gleichmacht", ins Auge gefaßt werden, sondern ein Privi- leaiertenwahlrecht für„Einzelne" und„ganze Be- völkerungsgrnppcn". Das heißt: ein Wahlrecht mit Plural- stimmen für„Bildung und Besitz" und eine ständische Ver- tretnng speziell der braven Agrarier I 3. Der Freisinn darf sich nicht einbilden, das Reichstags- Wahlrecht für Preußen durchsetzen zu können. Er muß sich mit deni ja auch von der„Post"(!) empfohlenen„kon- servativ-libcralen" Paarungsprodukt eines Kompromißwahlrechts o la Sachsen zufrieden geben. 4. Es ist ein„nicht bloß aussichtsloses", sondern direkt schädliches Unterfangen", wenn der Freisinn von der Forderung des Reich stagswahlrechts den„Bestand der Blockpolitik abhängig macht." 6. Die Regierung erwartet vom Freisinn, daß er nicht das Volk zum Kampfe um das Reichstagswahlrecht aufruft. sondern wie im Jahre 1906 das Eintreten in eine Wahl- agitatiou für das allgemeine gleiche Wahlrecht troß des sozialdemokratischen Drängens ablehnt? Wir haben es also mit zweierlei zu tun. Einmal mit einer Bestätigung der Zusicherungen, die, nach den Ankündigungen der„Franks. Ztg." freisinnigen Politikern bereits im A n f a n g I u l i von der Regierimg gegeben worden sind. Die Regierung ist bereits, dem Meisinn als Lohn für seine weltpolitischen Handlanger- d i e n st e und zur Entschädigung für seine Entsagungen auf dem Gebiete der R e i ch s p o l i t i k die Einbringung einer Wahlrechtsvorlage im neugewählten Landtage zu verheißen. Diese„Wahlreform" soll aber nur darin bestehen, daß an die Stelle des Drciklassenwahlrcchts das Vierklasicnwahlrccht ge- setzt werden soll! Zum anderen aber hat der Freisinn sich mit diesem Maße des Entgegenkommens zu b e s ch e i d e n I Er darf ja das Reichstagswahlrecht„ f o r d e r n", er darf schließlich auch gegen den Regierungsentwurf stimmen, um sein Gewissen zu saldieren; aber er darf seine Stellung zum Regicriingsblock durch solch' kleine Mißhelligkeitcn in Preußen nicht beeinträchtigen lassen! Vor allen Dingen aber hat sich der Freisinn zu hüten, das Volk zum Sturme für das Reichstagswahlrecht aufzurufen! Denn ein solcher Volkssturm könnte ja nicht nur zu ungewollten Konsequenzen zwingen, sondern auch dem Wahlrechtsschacher der Regierung höchst unbequem werden!- Daß der Freisinn ursprünglich bereit war, sich diesem kaudinischcn Joch der Regierung zu fügen, bewiesen ja unwiderleglich die von uns erst letzter Tage übersichtlich zu- sammengestellten Auslassungen der freisinnigen Presse im Juli. Der offiziöse Einbläser der„Franks. Ztg." hatte diesen Verlauf der„Wahlrechtsreform" mit aller Deutlichkeit voraus- gesagt und am 23. Juli wiederholt, daß alle unter- richteten freisinnigen Politiker sich„von allem Anfang an" den Gang der Dinge so vorstellten. Auch das„Berk. T a g e b l." und Herr Naumann hatten sich damit durchaus cinvcrstandcn erklärt. Dann erst kam der„Husarenritt" Naumanns, für den sich, wenn auch minder verwegen, etliche andere Freisinnige erklärten. Da hält es denn, da Herr Naumann mit„Fanfarenblasen" gedroht hat, die Regierung für an der Zeit, ihre Bcdingiiiigen noch einmal in aller Form zu wiederholen, den Freisinn aber zugleich dringlichst davor zu warnen, sich„von der Sozialdemokratie abseits drängen zu lassen" und wirklich einen Wahlkampf aufzunehmen! Die Situation ist also völlig klar! Der Freisinn weiß nunmehr, was er zu erwarten hat. wenn er sich mit den Zusicherungen der Regierung z u- frieden gibt. Er darf dann auf das Vierklassenwahlrccht hoffen und im übrigen Herrn Dcrnburg und den Agrariern so viel Liebesdienste erweisen, als er nur vermag I Der Freisinn weiß nunmehr, daß durch d i p l o m'a tische Roßtäuscherkünste und Blockliebesdienste das Reichstagswahlrecht nicht zu erringe» ist! Er weiß, daß es nur ein Mittel gibt, das Reichstagswahlrecht zu erobern: der Appell aus Volk, der Sturm der Massen! Aber die Regierung warnt ihn vor solchen«Husaren- ritten". Sie gibt ihm unzweideutig zu verstehen, daß sie von ihm dieselben ntätigkeit erwartet, wie im Jahre 1906! WaS wird deuigegenüber der Freisinn tun?! Wird er sein Versprechen, in den Kamps um das Reichs- tagswahlrecht einzutreten, einlösen? Oder wird er sich den Gebote» der Regierung, den Bedingungen der Reaktion fügen? Die agrarische und die Z e n t r u m s p r e s s e erklärten noch letzter Tage, daß der Freisinn sich bereits zu sehr für das Reichstags Wahlrecht engagiert, sich zu sehr für den W a h l r e ch t s k a m p f festgelegt habe, um noch zurück zu können! Warten wir es ab! Der Wahlrechtskampf wird in jedem Falle entbrennen, sei es mit dem Freisinn, sei es über ihn hinweg! Neue DernburgfcHe �undertmillionen-Frolelste! Die„Köln. VolkSztg." schreibt: „Als vor kurzem auS Kamerun die Nachricht kam. daß im Norden der Kolonie, nahe der Grenze des französischen und englischen Gebietes, Unruhen ausgebrochen seien, wurde man im Kolonialamt sehr gesprächig. Bor allem wurde der schleunige Bau einer Eisen- bahn von der Küste nach dem Tsadsee als unnmgänglich notwendig hingestellt, und die Bezieher von Jiiformationeu aus dem Kolouialamt haben sich auch bereit gefunden, diese Empfehlung in ihren Blättern getreulich wiederzugeben. Keiner von ihnen hat es aber für nötig gefunden, daraus hinzuweisen, daß eS sich um einen Plan handelt, der mindestens 100 Millionen verschlingen und dessen Ausführung eine Reibe von» Jahren in Anspruch nehmen lviirde. Nach Kamerun kam m t jetzt Ostafrika an die Reihe. Wie die Herrn Dernburg auf seiner Kolonialreise hcgleitendcn Spezialkorrcspondenten den Berliner Blättern berichten, ist der Staatssekretär der Meinung, das; vor allen Dingen der Handel der Kolonie entwickelt werden müsse. Dc-Zhalb will er hauptsächlich das für Bah nbauten in Betracht kommende Gebiet kennen lernen. Nach einem Telegrannn eine? Berliner Morgenblattes hat Dernburg beschlossen, die baldigste Durchführung der Zentralbahn von DarcS Salam ü b r r T a b o r a nach dem Viktoria-Nyanza zu betreiben. Das ist ein Plan, der den: K a ni e r un e r P r o j e k t ziemlich gleich kommt. Er ist indessen nicht neu; Borarbeiten sind schon längst i m Gange. Ucbcrraschend ist nur die Plötzlichkeit, mit welcher jetzt die Durchführung angekündigt wird. Die Strecke, durch welche die Bahn hindurchgelegt werden würde, ist länger als die Bahn, die als notwendig fiir Kamerun hingestellt wurde. Ucbcr 1000 Kilometer würde sie lang werden. Legt man ihrem Bau dieselbe Berechnung zugrunde, wie sie für die Kameruner Strecke aufgestellt wurde, so hätten wir es auch hier mit einem Projekt zu tun, daS über 100 Millionen Mark verschlingen würde. Das sind Summen, die der Steuerzahler im Augenblick, wo sie Suche nach neuen S t e n e r q u e l l e n im Reiche beginnen soll, wohl beachten muß. Im vorigen Jahre hat der Reichstag für die 220 Kilometer lange Eisenbahn von Dar es Salam nach Mro- goro die Z i n s g a r a n t i e übernommen. Wenn nun bei dem neuen Projekt ähnlich verfahren würde, würden die Kosten des Reiches eine jährliche Aufwendung von iiber 3 Millionen Mark erfordern. Noch steht aber dahin, wie Dernburg sich die Aufbringung deSBaukapitalS denkt. Es ist schon seinerzeit darauf hingewiesen worden, möglichst das Privatkapital und die Großbanken für feine Kolonialpolitik zu interessiren. Im Reichstage erteilte er die Antwort, daß es im jetzigen Augenblick schwerlich gelingen werde, bei der anbauen, de» geschäftlichen Hoch- konjunktnr und dem hohen Diskontsatz das Privatkapital zur Ab- Wanderung in die Kolonien zu bewegen. Nun wird aber der Meldung, welche von DernburgS Bahnpliincn in Deutsch-Ostafrika Kunde gibt, die Mitteilung angefügt, daß dieser Entschluß DernburgS einen Sieg der Pläne der Deutschen Bank bedeute. Eni- spricht dies den Tatsachen, so darf man wohl annehmen, daß die Deutsche Bank auch in finanzieller Hinsicht da- hinter steht. Es sollte uns freuen, wenn diese Annahme nicht dementiert würde." Daß der Börsenmann Dernburg als Kolonialsekretär in erster Linie die Interessen des Bankkapitals vertreten würde, war ja schon bei seiner Berufung für jeden einsichtigen Politiker klar. So bemerkte der„Vorwärts" bereits am 12. September v. I.: „Herr Dernburg wird... alsbald zum Zweck der Nutzbarmachung der deutschen Kolonien für die d e u t s ch e n K a p i t a l i st e n umso höhere Anforderungen an den Reichssäckel stellen. Seine Berufung bedeutet demnach eine stärkere Belastung des deutschen Volkes durch Kolonialausgaben." Die Zentrum presse dagegen begegnete damals Herrn Dernburg mit einem naiven Optimismus, den das Zentrum später durch die Vrüskiernng seiner Abgeordneten und seinen schnöden Hinauswurf aus dem RegicrnngSblock bitter büßen mußte. Zentrum und Dreiklaiknwalstmht. Man schreibt uns rniS dem Rhcinlande: Die ultramontane Presse stellt sich verwundert, daß cS die Sozialdemokratie ernst nimmt mit der Frage, ob Preußen zu einem vernünftigen Wahlrecht kommen oder ob das Klassenwahlrccht in mehr oder minder verhüllter Form im größten Bundesstaate des Reiches weiter bestehen soll. Man will auf ultramontaner Seite nicht einsehen, weshalb die Sozialdemokratie Wert darauf legt, daß in dieser Frage endlich einmal auf bürgerlicher Seite, namcnt- lich bei dem einflußreichen Zentrum, Farbe bekannt wird. Und gerade darin läßt es das Zentrum mangeln. Es scheint, daß in dieser Partei die Hoffnung, den Block über die Wahl- rechtSfrage stolpern und brechen zu sehen, lebendiger ist, als das Bewußtsein der Pflicht, endlich einmal in Preußen mit der Schniach des TrcillassensystcmS ein Ende zu machen. Anders kann man sich die lauernde Gelassen- h c i t des Zentrums in der gegenwärtigen Zeit, wo alles auf Lllarhcit und Entschiedenheit drängt, nicht erklären. Das Aachener Zcntrumsblatt, der»V o l k S f r e u n d", schreibt: ..Der„Vorwärts" weiß so gut wie wir. daß bei der gegen- wältigen Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses eine grundstürzende Aendcrung des preußischen Wahlrechts durch das Zentrum absolut undenkbar ist. Trotzdem hat das Zentrum seinen Antrag auf Einführung dcS Reichswahlrechts in Preußen eingebracht, um so lieben Freunden, wie es die Sozialdemokraten nun einmal sind, jede Möglichkeit zu be- nehmen, das Volk über die Wahlrcchtspläne des Zentrums zu beschwindeln. Daß wir dpShalb alle Tage mit dem Sauherdcn- ton der Sozialdemokratie über Dinge schimpfen, die wir allein nicht ändern können, das lassen wir uns allerdings vom„Vor- wärts" nicht vorschreiben." Das Blatt treibt groben Unfug. Es handelt sich hier nicht um das„Schimpfen" auf das Drciklaffenwahlsystem, an Kritik dieses Systems scheint uns genug getan zu sein. Es handelt sich aber auch nicht darum, WahlrcchtSanträge einzubringen und dann das übrige der Regierung und der Mehrheit zu überlassen. Es handelt sich um Taten, und durch Taten Regierung und Parteien, die widerwillig sind, zu beeinflussen und dem Willen des B-lkeS gefügig zu machen. Das Zentrum hat im preußischen Ab- geordnetcnhause seinen Antrag auf Einführung des allgemeinen. gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts eingebracht; die Fraktion hat sich— bis auf wenige Mitglieder— auf die Durch- führung dcS Antrages verpflichtet; das Zentrum darf sich also. wenn die Sache nicht als Komödie aufgefaßt werden soll, nicht im Sinne des Aachener Blattes damit begnügen, den Antrag ein- gebracht zu haben und von vornherein schon vor der Mehrheit und der Regierung als etwas Unvermeidlichem kapitulieren. Die Gegner des Zentrums haben recht, wenn sie die Ultra- montanen, die von 1873 bis heute nichts Ernstliches in der preußi- sehen Wahlrechtsfrage getan haben, für unsichere Kantonisten halten. Das Zentrum kann und muß, wenn es nicht als Komödiant dastehen will, durch Aufgebot seiner Massen im Verein mit der Sozialdemokratie und— nehmen wir den guten Willen des Freisinns als vorhanden an— der Linksliberalen eine Volksbewegung entfalten, der gegenüber auch die diplomatische Rhinozeroshaut eines Bülow und die angestammte Tickfclligkeit seiner Junkergenossen nicht standhalten kann. Jüngst stellte taS Blatt deS christlichen HvlzarbeitcrverbandcS einige Forderungen bezüglich der preußischen Steuerpolitik und bc- merkte dazu: „Vom heutigen preußischen Landtage ist das abfcr nicht zu erwarten. Deswegen Reform des Wahlrechts, damit Männer aus dem Volk« dem Landtage soziales Empfinden und Per- ständnis für die Nöte des kleinen Mannes beibringen." Die christlichorganisicrtcn Arbeiter sind sich der Schmach dcS Dreiklassenwahlrechts bewußt, und soweit das übrige Gefolge dcL Zentrums es noch nicht ist, ist es bei dem Reichtum der Partei an agitatorischen Kräften und deren Einfluß ein leichtes, die katholischen Massen aufzuklären und in die Wahlrcchtsbcwcgung hineinzuziehen. Einer Partei, der es gelungen ist, sein prcle- tarischcs Gefolge für die agrarische Zollpolitik zu gewinnen, trotz- dem die den Arbcitcrinteressen zuwiderlief, dürfte eS auch möglich sein, sein Gefolge für eine Sache zu begeistern, wo das all- gemeine Interesse so offen auf der Hand liegt, wie in der Frage der Abschaffung des preußischen Drciklassenwahlunrechts. DaS Blatt der rhcinisch-westfälischcn Gcwcrkvereine(H.-D.), die„Düsseldorfer Post", beschäftigt sich in seiner letzten Nummer mit der preußischen Wahlrcchtssrage und macht sich Naumanns Worte zu eigen: „Wenn der Herbst kommt, dann muß Fanfare geblasen werden für die Erlangung des RrichstagswahlrrchtcS in Preußen." Sozialdemokratie, christliche Arbeiter und Hirsch�Tunckcrsche Gewerkvereinler— die Arbeiterschaft ist sich also einig in der Frage; der Kern und die Grundlage der Massenbewegung ist gegeben. Am Zentrum liegt es, diese Bewegung geschlossen. allgemein und damit unwiderstehlich zu machen. DaS Zentrum hat bei dem letzten großen Bergarbciterausstand durch seine Presse Sammlungen für die Streikenden veranstaltet, ein Kardinal und Erzbischof hat einen Teil seines Jahresgehalts beigesteuert. Es hairdelt sich bei der preußischen Wahlrechtsfrage um größere Dinge als bei dem größten Ausstand, es handelt sich um die Aufhebung, um die Sühne eines Unrechts, das seit zwei Menschen- altern auf dem ganzen preußischen Volke lastet. Es gilt, dieses Unrecht dem Volke zum Bewußtsein und durch eine Massen- bewegung zum Verschwinden zu bringen. Nieder ein Leilbrnch! Im Bereiche der Mansfelder kupferschicferbauenden Gewcrk- schaft, auf dem Zirkelschachte bei Klostermansfeld, sind aus dem Jörderkorbe sechs Mann in die Tiefe gestürzt und zerschmettert worden. Sofort eingezogene Erkundigungen ergaben folgendes: Entgegen dem sonst üblichen System der Förderung mittels eines Seiles liefen auf dem Zirkelschachte die Fördergestelle in vier Seilen, die durch die Boden an den Ecken der Körbe hindurchgeführt wurden. Der Schacht ist 400 Meter tief. Während der Mannschaftsförderung bei Beginn der Morgcnschicht befanden sich auf den beiden Etagen der Körbe anstatt der vorgeschriebenen 11 je 13 Mann. In etwa 2S0 Meter Tiefe blieb der Korb hängen; einige Fäden des Drahtseiles waren gerissen, die abgerissenen Strähne hatten sich zu einem Knoten geballt, der nicht durch das Führungsloch im Boden des Förderkorbcs ging. Der Korb wippte zur Seite und aus der oberen Etage stürzten die sechs Mann hin- unter. Sie waren sofort tot und gräßlich verstümmelt. Ein Mann steckt zurzeit noch in dem zehn Meter tiefen Fahrgcsümpfe; um ihn zu bergen, müssen erst ungeheure Schlammassen beseitigt werden.. Bei der Hast, in der sich die Förderung vollzieht, merkte der am Steuer stehende Maschinist das Leerlaufen der Maschine nicht, er ließ weiteres Seil abrollen. Endlich gab der Knoten nach: der Korb stürzte förmlich in den Schacht und die noch darin be- findlichen 20 Mann wurden sämtlich verletzt. Den meisten sind die Glieder verstaucht und gebrochen, einige haben starke Kopf- wunden davongetragen; wieviel davon zeitlebens Krüppel bleiben werden, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Als ein großes Glück ist es noch zu betrachten, daß das Seil den furchtbaren Staucher ausgehaltcn hat, sonst hätte cS statt 6 26 Tote gegeben. Bei der Betrachtung über die neueste Katastrophe im Bergbau ist sofort eines festzustellen: der Korb war überlastet! Doch daS ist schließlich nicht so schlimm. Die obere Etage deS Korbes war nicht genügend umfriedigt, wie es für die Menschen- förderung vorgeschrieben ist, sonst hätten die sechs nicht abstürzen können. Das Maß der Geschwindigkeit läßt sich sehr schwer hinter- her feststellen. Doch behaupten die Bergleute, daß sich die Förde» rung mit unheimlicher Geschwindigkeit vollzogen habe; die Unter- suchung bringt darüber hoffentlich Aufklärung. Die Mansfelder Gewerkschaft ist eine geraume Zeit von größeren Unglücksfällen verschont geblieben. Infolgedessen— und auch wegen der steten Hetzjagd nach Ausbeute— ist mit Menschenleben in unverantwortlicher Weise gespielt worden. Auch muh daran erinnert werden, daß die millionenreiche, ausgezeichnet prospe- ricrende Mansfelder Gewerkschaft 1010 junge Leute von 14 bis 16 Jahren unterirdisch beschäftigt. Durch daS traditionell gewordene System der Unterdrückung, Bevormundung und der Erziehung im Stummschcn Geiste wagt die Mansfelder Arbeiter- schaft sich mit Klagen und Beschwerden nicht an die Ocffentlichkcit. Abgeordneter dcS Kreises ist der berüchtigte Dr. Arendt und die sozialistische Presse sowie die Arbeiterorganisationen finden in das Revier nur sehr fchtvcr Eingang. Um so mehr muß es Aufgabe der Oeffcntlichkcit sein, sich mit den Ursachen, die zu dem bedauerlichen Unfall führten, zu be- schäftigcn. Die„Eislebcner Zeitung"— ein Blatt von Gewcrk- schafts Gnaden— schweigt sich vorläufig aus; offenbar sind ihr die nötigen Informationen„von oben" noch nicht zugegangen. ES darf gefordert werden, daß die strengste Untersuchung stattfindet. Vor allem existiert die Verordnung, wonach Förderseile vor jeder Mcnschenfördcrung auf ihrer Unversehrtheit und Haltbarkeit zu prüfen sind, doch auch für daS Eislebcner Revier?! Und wenn ja, wie konnte eine derart schadhafte Stelle den prüfenden Augen des Beamten entgehen? Diese und noch eine ganze Reihe ayderer Fragen zu beantworten, wird Sache der Untcrsuchungsbchörde der preußischen Berginspektion sein. Der Beamte für das Revier Eisleben hat freilich bis heute noch kein Wort des Tadels über die unmenschliche Kinderausbcutung in den seiner Aussicht unter- stellten Beirieben gefunden. Nach den bisherigen Erfahrungen in ähnlichen Fällen(Borussia usw.!) darf angenommen werden, daß auch hier das Resultat der Untersuchung sein wird: Nicht der Schatten einer Schuld fällt auf die Gewerkschaft und die Berg- behörde. Oder lautet der Spruch etwa anders?! Sie marolillanische Affäre. Es bestätigt sich von Tag zu Tag mehr, daß Marokko ein teurer Braten für Frankreich werden wird. Schon verlangt der Kommandierende in Casablanca, General Drude, eine Verstärkung von 3000—4000 Mann, da sonst seine Lasje unhaltbar sei. Gleichzeitig erklärt die französische Regierung aber, daß sie vorläufig die Erpeditionstruppen nicht zu der- mehren gedenke. Ob sie aber nicht dennoch bald in den sauren Apfel wird beißen müssen? Es ist das wahrscheinlich, denn in Casablanca ist die Situation sehr ungemütlich. Die Marok- kaner wagen trotz ihrer großen Verluste, denen nur sehr geringe der Franzosen gegenüberstehen, stetig neue Angriffe. und die französischen Truppen sind daher zu ständig auf- reibenden Dienst genötigt. Zudem lauten die Nachrichten aus den übrigen Orten des Landes sehr düster. Eine lächer- liche Nolle spielt der Sultan, der völlig ohnmächtig ist und sogar genötigt ist, den in„sein" Land einbrechenden Franzosen seine allerhöchste Billigung ihres Verhaltens auszusprechen. Auf Teutschland, auf den großen„Sultan cl Bruz", wie die Kabylen den deutschen Kaiser bei seiner Tangerfahrt genannt haben, scheint er also, gewitzigter als Ohm Paul, nicht zr rechnen. Die wesentlichsten Meldungen lauten: Paris, 12. August. Aus Casablanca wird über Tanger ge- nieldct: General Drude, der Befehlshaber der französischen Truppen, ist der Ansicht, daß er eine Verstärkung von 8rei- bis viertausend Mann unbedingt brauche. Die Fremden- legionäre, die sich in der Stadt allzu rücksichtslos erwiesen, wurden auf Vorposten gestellt. Tie jüdischen Bewohner wurden requiriert, um die in den Straßen herumliegenden, die Luft verpestenden Leichen zu beerdigen; da jedoch die Beerdigung zu zeitraubend >oar, wurde beschlossen, die Leichen zu verbrennen. Oran, 12. August. Das„Echo d'Oran" veröffentlicht Tele- gramme aus Tanger, welche bestätigen, daß bei Casablanca am vergangenen Sonnabend stündlich S'ch a r m ü tz e l zwischen französischen Truppen und Arabern stattgefunden haben. General Drude hat Verstärkung erbeten, da sonst seine Lage unHalt- bar sei. Trotz hochgehender See sind sofort Schützen und Kavallerie gelandet worden. Tie Feldartillerie und die Schnell- fcucrkanonen sind noch nicht eingetroffen, so daß man gezwungen ist, Artillerie von den Kreuzern zu landen. London, 12. August. Der„Daily Telegraph" meldet aus Casablanca unter dem 10. August: Täglich finden hier Kämpfe mit den Eingeborenen statt; gestern und heute abend kam es zu heftigen Feuergcfcchten, bei denen e i n Franzose getötet und mehrere verwundet wurden. Ter Onkel des Sultans, Mulcy-Amin, bleibt in Casablanca, nachdem er sich den Franzosen übergeben hat; seine Truppen sind sämtlich gc- flohen. Wenn nicht unverzüglich französische und spanische Truppen gelandet worden wären, so würden alle Europäer niedergemetzelt worden sein. Eine weitere Depesche desselben Blattes meldet, daß die Eingeborenen in großer Zahl einen heftigen Angriff auf die Stadt Casablanca von dreiverschiedenenPunkten aus machten; die Geschütze der„Gloire" und des„Gueydon" wurden auf sie gerichtet, als sie mit unglaublicher Todes- Verachtung vorrückten. Tanger, 11. August.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der französische Dampfer„Anatolie", der gestern Casablanca der- ließ, ist hier eingetroffen und bestätigt, daß am 3. d. M. eine Schlacht stattgefunden hat und daß ein heftiges Gefecht noch andauere. Französische Kavallerie und Artillerie sei zehn Kilo- mcter von der Stadt entfernt. Eine arge Verwüstung sei am Bc- sitztum der Eingeborenen angerichtet; kein Haus oder Laden in der Stadt sei unversehrt geblieben, die Straßen lägen noch voll von getöteten Eingeborenen. Obwohl viele Leichname schon fortgeschafft seien, sei der üble Geruch so stark, daß der Ausbruch einer ern st haften Krankheit zu befürchten sei. Tanger, 11. August. Der Sultan bat 600 Mann regulärer Truppe» nach Casablanca entsandt; dies sind die einzigen Soldaten, welche ihm augenblicklich zur Verfügung stehen. Paris, 11. August. Der„Matin" meldet aus Tanger, die Lagc in Mazagan und Rabat ist unverändert. Aus beiden Städten traf die Bitte um Entsendung von Truppen ein. doch mußte General Drude das Gesuch ablehnend beantworten, da er seine ge- samten Streitkräfte gebrauche, um für alle Eventualitäten gc- wappnet zu sein, zumal ein Angriff von über 2000 be- ritten en Eingeborenen drohe. London, 12. August. Ein Telegramm dcS Korrespondenten der „Tribüne" aus Tanger, den 10. d. M., berichtet: Offizielle Meldungen aus R a b a t besagen, die Kabylen seien wegen der An- Wesenheit des Kreuzers„Galilee" inAusruhr. Der Heilige Krieg werde gepredigt, besonders unter den Stämmen an der Küste. Paris, 11. August.(Meldung der Agcnce HavaS.) Ein Tele- gramm des Admirals Philibert von gestern abend meldet, daß sich in Mazaaan nichts ereignet habe und die Nacht ruhig verlaufen sei; eine große Anzahl Reiter auS dem Osten fei angekommen. In Rabat und Casablanca herrsche Ruhe. Nachts seien einige Angriffe versucht worden. Der Kreuzer„Du Chayla" fahre nach Saffi und Mogador ab. Die Entladung des Dampfers„Nive" sei beendet. Ein weiteres Telegramm Philibcrts von vorgestern meldet, daß am Nachmittag ein starker Angriff glänzend zurückgeschlagen sei; zwei Mann seien verwundet worden. Tauger, 11. August. lMeldung dcS Reuterschen Bureaus.) Ein englischer Dampfer traf hier mit 4 00 Flüchtlingen, die sich in kläglichem Zustande befinden, ein; eS sind meist Juden. Ein französisches Torpedoboot kam mit fünf schwervcrwundcten Matrosen an. Algier, 11. August.(Telegramm der Agence Havas.) Die Garnison von Constantine erhielt Befehl, ein Bataillon Scharfschützen und eine Abteilung Artillerie bereit zu halten, die, wenn erforderlich, sofort nach Marokko abgehen sollen. poUtilede(leberllcbt. Berlin, den 12. August 1907. Wahlkampfs-Nüstungcn. Auf der gestrigen Generalversammlung deS Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvcreine Groß-Berlins nahm Genosse Singer Anlaß, sich über die freisinnige Wahlrechts- bewegung in Preußen, die Stellung, die zu dieser die sozial- demokratische Partei nimmt, und die geplanten Temonstra- tionen zu äußern. Er erklärte im Namen des Partei- Vorstandes: In letzter Zeit machten sich Stimmen in unserer und auch in der liberalen Presse bemerkbar, welche darauf schließen lassen, daß der Liberalismus für die Erringung des allgemeinen gleichen Wahl- rechts in Preußen noch nicht ganz verloren scheint. Noch nicht ganz verloren— mehr kann ich nicht sagen, denn wenn es eine Partei in Deutschland gibt, der gegenüber man vorsichtig sein muß hinsichtlich ihrer politischen Zuverlässigkeit, so ist es der Liberalismus. Das bc- stätigen die Vorkommnisse der letzten Zeit. Es soll hier fest- gestellt werden, daß unsere Partei leinen Anlaß hat, den An- strcngungcn des Liberalismus bezüglich der Einführung des all- gemeinen gleichen Wahlrechts in Preußen hindernd ciitgegcnzu- treten. Es soll weiter festgestellt werden, daß die Sozialdemo- kratie ein Interesse hat. die auf Einführung eines demokratischen Wahlrechts in Preußen gerichteten Bestrebungen bürgerlicher Parteien zu unterstützen. Aber es soll auch festgestellt werden. daß wir uns nicht abspeisen lassen mit einem Wahlrecht, wie cS nach Prcßäußcrungen zwischen dem Reichskanzler und bürger- lichcn Parteiführern vereinbart worden sein soll. Wenn der Block eine ernste, demokratische Reform dcS Wahlrechts durchführen will, soll es uns recht sein. Aber eine solche Resorin, wie sie i�iirst Bülow mit dem Block anscheinend durchführen will, wird von uns entschieden zurückgewiesen. Wir hindern � die Bewegung bürgerlicher Parteien für Einführung eines demokratischen Wahl- rechtö nicht; wir werden vielmehr alle? auunctcn, um die Schmach dcS preußischen DreiklasscnwahlunrechtS zu bcseitigcn und daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für Preußen zü erobern. Wir tverden es unseren österreichischen' Brüdern nachmachen und unseren Verhältnissen entsprechend den Kampf führen, um das allgemein-» gleiche Wahlrecht für Preußen zu erringen. Infolge der Ncueintcilung der Wahlkreise wird es uns vielleicht gelingen, bei der nächsten Landtags- Wahl einige Sozialdemokraten in das preußische Abgeordneten- hauS zu bringen. Die größere Aufgabe unserer Partei aber ist die Beseitigung des Dreiklasscnparlaments. welches keine Vcr- trctung des Volkes, sondern eine solche des Geldsacks ist. Der Parteivorstand ist sich seiner Aufgabe in dieser Beziehung voll bewußt. Er beschäftigt sich damit, eine wirkungs- volle Demonstration für die Umgestaltung des preußischen Wahlrechts einzuleiten. Die gesamte Partei, ihre Presse und Organisation muß dabei mitwirken. EineS der nächsten Mittel zur Förderung der Wahlbewegung und zur Demonstration wird uns der„Prcußentag" liefern. Rüsten Sie sich also zum Kampf, damit, wenn das Signal ertönt, alle Mann zur Stelle sind. Onkel und Neffe. Am 14. August wird auf Schloß Wilhelmshöhe eine Zu- saminenkunft des Kaisers mit dem König von England stattfinden. Wilhelm II. wird vom Reichskanzler, dem Fürsten Bülow, Köni" Eduard vom Unterstaatssekretär Hardinge begleitet werden.— Das Ende der Komödie. Die Haager Friedenskonferenz nimmt den von Einsichtigen borausgesagten Verlauf. In einigen Dutzend Haupt-, Unter- und Ncbeiikommissionen werden noch immer lange diplomatische Reden über belanglose Anträge gehalten; aber mehr und mehr bricht sich die Ansicht Bahn, daß die schönen Reden keinen anderen Zweck haben, als die stille VcrdauungStätigkcit der zuhörenden Kommiisions- Mitglieder zu fördern, und daß schließlich nichts übrig bleiben wird, als die Veranstaltung im Haager Rittersaal zu schließen oder— falls dies zu undiplomatisch nüchtern erscheinen sollte— auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Sarkastisch schreibt der„Elobe" über den gründlichen Mißerfolg der Friedeusdiplomatie: .Daß irgend ein Schritt unternommen werden würde, um durch ein internationales Ucbereinkommen die Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen, war von vornherein selbstverständlich ganz ausgeschlossen. Andererseits aber konnte man hoffen, daß etwas Nützliches in bezug auf die Besserung und Desinition der Kricgsgcsetze und Kriegsgcbräuche geschaffen werden würde; auch in bezug auf den Wirkungskreis und das Vorgehen eines internationalen Schiedsgerichtshofcs war man berechtigt. etwas zu erwarten. Es waren bescheidene Hoffnungen im Vergleich mit den außerordentlichen Täuschungen, denen sich Sir Henry Campbell- Bannerman und seine leichtgläubigen Anhänger hin- gaben; eS scheint aber, daß auch die bescheidensten Hoffnungen enttäuscht werden sollen. Die Konferenz ist durch das eigene Kargo festgefahren und die Arbeiten in den verschiedenen Aus- schlissen sind in eine solche Verivirrung geraten, daß sie kaum tveiter können. Jetzt erlvägt man schon die Frage, ob die Verhandlungen nicht geschlossen werden sollen und es wird jeden Tag fraglicher, ob irgend etwas mehr getan werden wird, als die Genfer Konvention in bezug auf die Kriegsführimg zur See zur erweitern. Obzwar die Konferenz vom Jahre 18Sg weit hinter den gehegten Erwartungen zurück- blieb, so hat sie doch mnnckierlei Gute» und Dauerndes geschaffen. Die Konferenz von 1907 ist dagegen, von welchem Standpunkte aus immer betrachtet, ein ausgesprochener Miß- erfolg und wenn nicht Mittel und Wege gefunden werden, um künftige Konferenzen auf einen vernünftigeren und praktischen Boden zu stellen, so ist es hoch st zweifelhaft, ob es sich für Großbritannien der Mühe verlohnen wird, Vertreter zu senden. In erster Reihe ist die Zahl der eingeladenen und vertretenen Mächte eine lächerlich hohe. In 1839 waren es 28, China, Siam, Montenegro, Persicn, die Balkan- Staaten. Luxemburg und Mexiko eingeschlossen. Es schien, daß damit die Grenzen schon weit genug gezogen seien, namentlich als man Korea erlaubte, beizutreten und sich mit einigen der Beschlüsse einverstanden zu erklären. Auf der jetzigen Haager Konserenz sind aber über 40 Staaten vertreten. Es ist ganz unerhört, daß Guatemala und Ecuador mit den , Bereinigten Staaten und Deutschland auf denselben Fuß gesetzt werden sollen. Schließlich werden doch die Kriegsgebräuche zu Land und zur See durch das Gewissen und die Notwendigkeiten von acht oder neu» Großmächten entschieden."— Farbe bekennen! Zlir Wahlreform bemerkt die freisinnig-volkspartei. liche„B r e s l. Z t g.": »Die Freisinnigen haben ohne alle Umschweife ver- kündet, was sie erstreben. Ihre Forderung geht llipp und klar dahin, daß man das preußische Wahlrecht durch das - Reichswahlrccht ersetze. Dagegen hat sich von anderer Seite leb- haster Widerspruch erhoben. Gut: das ist nicht zu vermeiden und war auch nicht anders zu erwarten. Nur mag man mm auch ebenso klipp und klar mit der Sprache herausrücken. Welche Eigenschaft deS NcichswahlrcchtS ist es, von der man befürchtet, daß sie, auf daS preußische Staatsrecht übertragen, den Organismus des preußischen Staats ins . Wanken bringen könne? Das Reichswahlrecht ist allgemein. direkt, gleich und geheim. Nimmt man an allen diesen Eigen- schaftcn, an einigen von ihnen oder nur an einer einzigen Anstoß? Die Angelegenheit ist in ein Stadium getreten, laß mit einem bloßen Drumherumredcn gar nichts anzufangen ist. Es heißt, Farbe bekenne» und positive Vorschläge machen." Der Freisinn hat ja„Farbe bekannt". Er hat das RcichstagSwahlrccht gefordert. Auch die Regierung hat nun- ' mehr Farbe bekannt, sogar„positive Vorschläge" gemacht. Run hat der Freisinn wieder diesen„positiven Vorschlägen" der Regierung gegenüber, die dem Freisinn die Preisgabe hes Reichstagswahlrechts zumutet,„Farbe zu bekennen"! Und zwar durch die Tat!— Opfer antisemitischer Provokationen. Kassel, 10. Aligust.(Eig.©er.) Die ReichSlügenverbändler haben einige ihrer schofelsten Tricks dem Arsenal der Antisemiten entlehnt, so den. in ihren Versamm- lungen die anwesenden Arbeiter in der ruppigsten Weise zu provo- zieren und dann über.sozialdemokratischen Terrorismus" zu schreiben und zu schreien, wn>n auf die Provokationen reagiert wird. Die LieVertgardisten haben ein gewisses System in die WM'......«"-----------..... � � Cjjrelt, so IDUU........ ei»»öyiwm Frukiifizicrung solcher TcrroriSmussälle gebracht und da die chl vcrte Gesellschaft viele Hundert Zeitungen zur Verfügung hat,>0 välzt sich Tag für Tag eine große Verleumdungsschlammflut durch »en gutgesinnten Blätterwald. In der. F r» k t i f i z i e r u n g" des„sozialdemokratischen TcrrorismuS" haben eö die ReichSverbändler also zu wirklich erstaunlicher Meisterschaft gebracht. Dagegen sind nach den Ersahnulgen. die wir hier und in den Nachbarwahlkreisen haben sammeln kvnnc». in bczug auf die Kunstfertigkeit im Provozieren die Antisemiten den TlirchschnitiSreichSverbändlern inimer noch ent- schieden über. Das ist wohl auf die vieljährige Hebung zurückzuführen. Jedenfalls veranlassten die vielen Erfahrungen, die wir mit den Antisemiten gemacht hatten, den hiesigen Parteivorstand zur fortgesetzten Warnung vor dem Besuch ihrer Versammlungen. Im allgemeinen sind diese Warnungen auch befolgt worden, zwei Arbeiter> in Allendorf a. d. Wcrra, die eine antisemitische Versammlung be- suchten, müssen es bittet büßen. Im Januar d. I. hielt der Abg. Raab in Mendorf eine Ver- sammlung ab. Auf Grund seiner Ausführungen kam es zu Zwischenrufen und infolgedessen zu dem in antisemitischen Ver- sammlungen üblichen Spektakel. Der Gendarm löste schließlich die Versammlung auf und griff energisch ein, um den Saal zu räumen. Im Korridor kam eS zu einer regelrechten Drängelei und Balgerei, in deren Verlauf dem Gendarmen an die Kehle gegriffen worden ist. DaS veranlaßte ihn. den Säbel zu ziehen und auf den Arbeiter A. einzuschlagen. Dieser erlitt mehrere Verletzungen am Arm. Wie gewöhnlich, so ging es auch hier: eine Anklage wegen Körperverletzung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt wurde erhoben. Resultat: ein Arbeiter G. erhielt einen Monat, der Arbeiter A. ein Jahr Gefängnis! I Die Reichsverbandspresse stellt nun die bedauernswerten Opfer antisemitischer Provokationen als Opfer des sozialdemokratischen Parteifanatismus hin, einen freigesprochenen Angeklagten Br. nennt sie den.sozialdemokratischen Agitator Br.". der der„Hauptkrakecler" war usw. Demgegenüber sei festgestellt: dieser„sozialdemokratische Agitator Br." ist ein in Parteikreisen vollkommen un- bekannter fremder Nähmaschinenreisender, die verurteilten Arbeiter A. und G. sind weder politisch noch gcwcrk- schoftlich organisiert, keiner von beiden ist Leser der Parteipresse. Beide sind vollkommen ungeschulte Arbeiter. Wir stellen das wahrheitsgemäß fest, bezlveifeln indessen nicht im geringsten, daß der Schwindel von den„sozialdcniokratischen" Versammlungsstörern, die ihrem„Parteifanatismus" zum Opfer gefallen sein sollen, die Runde durch die gesamte Presse des ReichslügenverbandeS machen wird._ Eine gerichtete Anklage. Die„Leipziger Volkszeitung" bespricht in ihrer Sonnabend- Nummer die H o ch v e r r a t s a n k l a g e, die der Oberrcichs- anwalt gegen den Genossen Dr. Karl Liebknecht wegen seiner Schrift über den Militarismus erhoben hat. Zunächst weist sie nach, daß die Ansicht de» Oberreichsanwalts, was in der Broschüre das zur Anklage gestellte Delikt darstellte, von April bis Juli stark gewechselt hat, und sie schließt daraus, daß, falls die Eröffnung des Hauptverfahrens vom Reichsgericht beschlossen werden sollte, kein Grund vorliegen würde, die Ocffcntlichkeit im Pro- zcsse auszuschließen. Denn das Schwanken des Anklägers spreche gewiß nicht für das Vorhandensein eines handgreiflichen Hoch- Verrats,„daß feine Aburteilung vor offenen Gcrichtstüren die staatlichen Interessen schädigen könnte, und wenn trotzdem die Ocffcntlichkeit ausgeschlossen werden sollte, so würde damit nicht bewiesen sein, daß die angeblich verbrecherische Tat des Ange- klagten das Licht der Welt zu scheuen hätte, sondern nur die Anklage des Oberreichsanwalts." Der zweite Teil des Artikels ist dem Nachweis gewidmet, daß die Anklage schon vor 43 Jahren gerichtet worden ist und zwar in der Tat ist sie schon vor 43 Jahren gerichtet worden in der berühmten Rede, die Ferdinand Lassalle vor dem preußischen Staatsgcrichtshofe hielt, gegen genau dieselbe Anklage, die jetzt gegen den Genossen Karl Liebknecht erhoben wird. Die„Leipziger VolkSzcitung" führt darüber aus: „Er ist angeklagt, gegen§ 80 des Strafgesetzbuches ver- stoßen zu haben. Man sollte also denken, daß dieser Paragraph hochverräterische Handlungen bedrohe, die auf literarischem Wege vollbracht seien. Aber behüte, davon handelt nicht Z 86, sondern § 85 des Strafgesetzbuches. Stellen wir den Wortlaut beider Paragraphen nebeneinander: § 85. Lier öffentlich vor einer Menschenmenge, oder wer durch Verbreitung oder öffentlichen Anschlag oder öffentliche Ausstellung von Schriften oder anderen Dar- stellungen zur Ausführung einer nach§ 82 strafbaren Handlung(d. h. hochverräterischen Handlung) auffordert, wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder Festungshaft von gleicher Dauer bestraft. Sind mildernde Umstände vor- handen, so tritt Festungshaft von einem bis zu fünf Jahren ein. § 86. Jede andere, ein hochverräterisches Unternehmen vorbereitende Handlung wird mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder Festungshaft von gleicher Dauer'bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Festungshaft von sechs Monaten bis zu drei Jahren ein. Hören wir nun Lassalle, zu dessen Ausführungen wir unserer. scits nur bemerken, daß die 65 und 66 des preußischen Strafgesetzbuches den ZI 85 und 86 des deutschen Strafgesetzbuches ent- sprechen: Ich stelle zunächst der Anklage die Einrede entgegen, daß sie geradezu contra legem geht, daß sie die ZI 65 und 66 des Strafgesetzbuches geradezu verletzt. Ich bin angeklagt auf Grund einer gedruckten Broschüre... Von einer durch eine Druckschrift oder durch eine öffentliche Rede vollbrachten Aufforderung zum Hochverrat handelt der I 65, auf den hin ich nicht angeklagt bin. Und zwar aus dem einfachen Grunde nicht, weil der§ 65 mit Notwendigkeit verlangt, daß die Aufforderung gerichtet sein muß auf ein vollendetes hochverräterisches Unternehmen, und da konnte man im vorliegenden Falle sich nicht auf I 65 stützen. Aber auf I 66 kann man mich noch viel weniger anklagen, denn dieser sagt:„Jede andre, ein hochverräterisches Unternehmen vorbereitende Handlung" usw. Was heißt das? Es heißt: Jede andre, als die in dem vorhergehenden§ 65 erwähnte vorbereitende Handlung, jede andre, als eine in einer öffentlichen Rede oder Schrift bestehende Handlung! Also eine Rcalhandlung muß es sein, die nach Z 66 zu verfolgen ist, wenn z. B. Barri. kadcnpläne entworfen, Waffcnvorräte gesammelt werden usw. usw. Eine bloß in einer öffentlichen Rede oder Schrift be» stehende Aufforderung kann nur auf Grund des I 65 verfolgt werden und zwar ldnglich dann, wenn sie eben unmittelbar auf einen dann vollendeten Hochverrat gerichtet war. Mit anderen Worten: indem ich angeklagt werde der Vorbereitung von Hoch- verrat auf Grund einer Druckschrift, in welcher ich nach der Anklage selbst nicht zu unmittelbarer Ergreifung der Waffen, sondern nur zu vorbereitenden Schritten auffordere, so werde ich also realiter(tatsächlich) angeklagt: der Aufforderung zur Vorbereitung von Hochverrat, d. h. die Anklage schafft ein neues Verbrechen, welches das Gesetz nicht kennt. Die Aufforderung zur Vorbereitung von Hochverrat ist eine gesetzlich nicht verpönte Handlung. Und nachdem Lassalle dann noch die zweite Einrede erhoben hatte, die ebenso auf die Anklage gegen Liebknecht zutrifft, daß die Anklage nämlich nicht nur die ZI 65 und 66, sondern das gesamte System der Gesetzgebung über Hochverrat verletze, führte er aus: Indem ich nach Z 66 der Vorbereitung von Hochverrat an- geklagt werde, diese Vorbereitung aber wiederum in einer öffent- lichcn Aufforderung durch Rede oder Schrift bestehen soll, welche nach dem Gesetze selbst nur eine bestimmte Art von Vorbereitung und deshalb nach dem Gesetze selbst nur dann strafbar ist, wenn sie vollendeten Hochverrat vorbereitet, zu vollendetem Hochverrat auffordert— werde ich somit angeklagt einer Vorbereitung von Vorbereitung von Hochverrat, d. h. eines dem Gesetze gar nicht bekannten Verbrechens, einer Vorbereitung in zweiter Potenz. Das ist da» tief Traurige bei dieser Anklage, daß sie in dieser Hinsicht ein in den Gesetzbüchern aller Völker und Zeiten unerhörtes Verbrechen, ein crimen novum atque inauditum(ein neues und unerhörtes Verbrechen), das Verbrechen der Vor» bereitung von Vorbereitung von Hochverrat zu schaffen sucht." Sie Analogie ist allerdings schlagend und die Anklage ist damit im voraus peinlich gerichtet. Aber die„Leipziger Volkszeitung" versichert, daß es noch mehr Analogien zwischen dem Lassallcschcn Prozeß und der Anklage gegen den Genossen Lieblnecht gibt und daß sie mit weiterer einschneidender Kritik einsetzen wird, wenn daS Verfahren wider Liebknecht wider Erwarten feinen Fortgang nehmen würde. Denn dan handele„es sich nicht mehr bloß um das Schicksal eines einzelnen Genossen, sondern um eine Polen« zierung der Klassenjustiz, gegen die sich die ganze Arbeiterbewegung in Wehr und Waffen zu stellen den dringendsten Anlaß hat." Ein neuer Petersprozeh. Die„Leipziger Volkszeitung" meldet: Der Peters hat Privatklage gegen unseren früheren ver» antwortlichcn Redakteur Hermann Müller angestrengt. Peter« fühlt sich durch einige im Bericht über den Münchener Pctersprozeß enthaltene Wendungen beleidigt. Die Leipziger Richter sollen nun den Mohren weiß waschen.— �__ franfcmeb. Paris, 11. August. Der Staatsrat hat die Wahl Ferro«!? zum Generalrat von Perpignan beanstandet.'—« England. Beitritt zur Arbeiterpartei. London. 5. August.(Eig. Ber.) Der Verband der Buchhalter, Privatbeamten usw. beschloß auf seinem vor wenigen Tagen ab« gehaltenen Kongresse, der Arbeiterpartei beizutreten und in engere Berührung mit dem sozialistischen Verband der Laden- gehülfen zu treten.— Italien. Meuterei in einem italienischen Gefängnis. Rom, 10. August.(Eig. Ber.) Am 8. d. M. hat im Gefängnis von Alexandrien die Abteilung der Strohflechter wegen des ungenießbaren Essens gemeutert. In solchen Fällen pflegt mau schnell mit den Unzufriedenen fertig zu werden, indem man ihnen Soldaten ans den Hals schickt. Diesmal waren aber die Meuterer so schlau, sich eines Gefängniswärters zu bemächtigen und ihn als Geisel zu behalten. Sobald die Behörden mit Gewalt vorgingen, drohten die Meuterer, den Wärter zu töten. Daher mußte der Gc- fängnisdirektor regelrechte Unterhandlungen mit den Meuterern ein- leiten; die gegen Zusicherung völliger Straflosigkeit und einer Enquete über die Lebensmittel ihre Geisel freigaben. Rumänkn. Neue Ausweisungen. Bukarest, 8. August.(Eig. Ber.) Gestern erhielten die zwei rumänischen Bürger Ge« brüder Hopa ein A u s w e i s u n g S d e k r e t. Beide sind Holz- arbeite: und in der sozialistischen und gewerkschaftlichen Bewegung tätig. Sie sind hier geboren, sind in die Wählerlisten eingetragen, haben ihrer Militärpflicht genügt und wurden bei den letzten Bauern- unruhen als Reservisten einberufen. Als Grund für die AuZwdsicng erklärt die Polizei, daß der Minister des Innern sie wünsche I Die ungarischen Behörden weigern sich, die Ausgewiesenen über die Grenze kommen zu lassen. Die beiden werden wahrscheinlich in Ketten und unter Mißhandlungen von einer Grenze zur andern hin und her geschleppt werden, bis es endlich den rumänischen Schergen gelingt, sie über irgend eine Grenze hinüber zu schmuggeln, wie es schon mit so vielen anderen vorher geschah. Amerika. Zapanisch-aineriktmische Spannung. Der Londoner„Standard" meldet aus Washington, alle japanisch-amerikanischen Vertragsverhandlungen seien infolge der Weigerung Japans, die Bedingungen der Vereinigten Staaten anzunehmen, abgebrochen worden.— Japaner ausgewiesen. Durch Gerichtsbeschluß wurde in den letzten Tagen in San Francisco verfügt, daß 106 Japaner, die entgegen den Bestimmungen deS neuen Einwanderungsgesetzes feit dem 1. Juli gelandet waren, nach Japan zurückzubringen find. Die Japaner versuchen unausgesetzt, die Verbote der Einwanderung zu umgehen; ihre Landslcute, die sich bereits in San Francisco ansässig gemacht haben, leisten den Ankömmlingen dabei gern ihre Hülfe. Die Behörden entfalten große Wachsamkeit, um die jede Gelegenheit erspähenden Japaner zurückzuhalten. Zum großen Teil kommen sie auch über die Grenze von Mexiko.- Hiid Industrie und Handel. Lebensmittelpreise im Juli. Nach den Zusammenstellungen der„Statistischen Korrespondenz" ergeben sich für 23 Marktorte folgende Durchschnittspreise: Roggen.». Gerste... Hafer... Erbsen, gelbe zum Kochen Bohnen... Linsen... Eßkartoffeln. Rindfleisch(Groß- Handel) H n H H . Bauch Schweinefleisch.. Kalbfleisch.... Hammelfleisch.. Ger. Speck.... Eßbutter.... Schweineschmalz.. Weizenmehl... Roggenmehl... Eier(Schock)... Demnach sind im Juli die Preise für eine Reihe Artikel wiederum über dre Junipreise hinausgegangen und lassen die Juli« preije des Voriahres weit hinter sich. Acht Millionen Mark Rohgcwinn erzielte, wie bereits mit- geteilt, un letzten Geschäftsjahr die A. G- Hoesch Dortmund. DaS Aktlenkapital der Gesellschaft beträgt 15 Millionen Mark, ur« sprunglm) 3 600 000 M., erhöht 1895 auf 6 Millionen Mark, 1897 au>, Millionen Mark und 1899 auf 15 Millionen Mark. Die i«n m dritten Emission wurden den Aktionären zum Kurse von 160 Proz. angeboten. Unter Einrechnung dieses Kurses würden inS- gesamt 18 600000 M. Kapital eingezahlt sein. Der letzte Roh- gewinn macht demnach 43 Proz. des Aulagekapitals aus. Gewiß eine gute Risikoprämic l ES werden— nur 13 Proz. Dividende vcr- tc:lt. Man hat vorgesorgt für schlechtere Zeiten und gleich fast 16 Proz. deS Aktienkapitals abgeschrieben. Trotz der starken Abschreibung stellt der erzielte Reingewinn doch noch 82,5 Proz. des Aktienkapitals dar. Jedenfalls haben die Aktionäre eher Ursache, zufrieden zu sein, als die Arbeiter. Die gestern mitgeteilten Löhne beziehen sich übrigens nur auf die Stahlwerksarbeiter. Diese waren auch lediglich auf die Gewinnsummen verrechnet. In diesen Stimmen sind aber auch Ae Erträgnisse aus den zugehörigen Gruben enthalten, eS müssen eaher auch die Bergarbeiter berücksichtigt werden. Danach ergibt ich für daS Jahr 1905/06 ein Dividendengewinn pro Arbeiter von 112 M., ein Reingewinn von 440 M. und ein Rohgcwinn lon 732 M. Der Rohgewinn für das letzte Jahr stellt sich ins zirka 933 M., mithin 200 M. Mehrgewinn pro Kopf, als das ,chon so günstige Vorjahr erbrachte. Die angeblich ruinösen Lohn- .teigerungen lassen sich demnach sehr gut ertragen. Angesichts des �zielten Resultates nehmen sich die Behauptungen, die Preis- ,teigerungcn seien durch Lohnerhöhungen notwendig geworden, jeden- falls recht sonderbar aus. Preisermäßigung auf Halbzeug für Drahtwerke. Wie die »K. V.-Ztg." berichtet, ist bei der Beratung zwischen dem Walzdrahtverband und den Drahtziehereien am 10. August eine Einigung dahin erzielt worden, daß die Ausfuhrvergütung von IVj M. pro Tonne aufgehoben und dagegen der Preis für Walzdraht für die reinen Drahtziehereien, die ihn zur Export- crzeugung benutzen, um 10 M. niedriger als der Inlandspreis, also auf 140 M. frei Werk, angesetzt wird. Die Vereinbarung hat rückwirkende Kraft bis zum 1. Juli er. Ein Zuckertrust in Schweden. Sämtliche Zuckerfabriken Schwedens haben sich am Sonnabend zu einer großen Gesellschaft „Swenska Sockerfabriksaktiebolaget" genannt, zusammengeschlossen, Das Aktienkapital beläuft sich auf 135 Millionen Kronen 051, 2 Millionen Mark). Uebrigens haben die schwedischen Zucker- Herren schon seit mehreren Jahren„zusammengearbeitet" und es mit Hülfe eines die Auslandskonkurrenz ausschließenden Schutz- zolles dahin gebracht, daß in Schweden der Preis des Zuckers per Kilo um 20 Oere(22,4 Pf.) höher zu stehen pflegt, als der Weltmarktpreis. Panik an der New Aorter Börse. Am Sonnabend gingen die Kurse der Wertpapiere an der New Dorker Börse rapid zurück. Im Durchschnitt waren die Preise niedriger als diejenigen seit der Finanzpanik vom 14. März. Die Papiere von 20 der größten Eisenbahngesellschaften erlitten eine Baisse von durchschnittlich 7 Dollars für die Aktie. Zum Kampf gegen den OUtrust wird aus New Uorl gemeldet: Der Bundeskommisiar für Korporationen beschuldigt in einem Briefe an den Präsidenten Rooscvelt, in welchem er seinen Bericht über die Petroleumindustrie kurz zusammenfaßt, die Standart Oil Company, daß sie die Interessen des inländischen Konsumenten opfere, um das ausländische Geschäft an sich zu reißen. Der Kommissar erklärt, die Standard Oil Company habe, da sie das Monopol im Jnlande besaß, Erpressung im wahren Sirme des Wortes zu üben vermocht! als sie sich der ausländischen Konkurrenz gegenüber befunden habe, habe sie dem ausländischen Konsumenten außerordentlich geringere Preise gewährt und dabei die im Jnlande zcmachten Gewinne benutzt, um ihre Stellung im Auslandsverkehr zu wahren._ Gcwcrh rcbaftUchc*)« Berlin und Umgegend. Verfrühter Jubel i Der Verband der Baugescbäfte hat sofort nach der Aenderung der Taktik, welche die Banarbeiter-Organisationen vornahmen, ein Zirkular an seine Mitglieder versandt, in dem es gleich zu Be- ginn heißt: „Der Streik im Baugewerbe Groß-Berlins ist auf Beschluß sämtlicher Arbeitnehmer-Organisationen aufgehoben worden." Und weiterhin: „Den einzelnen Arbeitnehmern wurde freigestellt, zu den alten Bedingungen wieder in Arbeit zu treten. Die Arbeit- nchmer haben damit zugegeben, daß sie den Kampf verloren haben." Mit Verlaub I Die Arbeiter haben weder den Streik aufgehoben, noch den Kampf verloren gegeben. Sie haben, wie schon mehrfach während der Bewegung, ihre Taktik ge- ändert, sonst nichts. Es bleibt bei dem, was wir am Sonntag schrieben: „Nur der Unternehmer, welcher den Achteinhalb-Stundentag anerkannt hat, ist fortan sicher, eingegangene Verpflichtungen er- füllen zu können." Das geht aus den angenommenen Resolutionen ganz klar hervor. In der Resolution des Zentralverbandes derMaurer heißt es ausdrücklich: „Die Versammlung steht nach wie vor auf dem Standpunkt, den Kampf mit aller Energie und äußer st er Schärfe weiter zu führen und nicht eher abzu- brechen, bis die für die Maurer, Zimmerer und Bauhülfs« arbeiter aufgestellten Forderungen auch in den Geschäften, welche die Forderungen noch nicht bewilligt haben, durchgesetzt sind." Die Resolution der Freien Vereinigung der Maurer sagt ähnlich: „Bezugnehmend auf den dauernd günstigen Stand des nunmehr 12 Wochen andauernden Kampfes und der Erwägung, daß nur noch ein kleiner Teil der Mitglieder der Freien Vereinigung der Maurer sich im Ausstande befindet, erklären die Anwesenden sich bereit, die jetzige Form des Kampfes zu ändern, ohne etwa daran zu venken, den Kampf selbst eher abzu- brechen, ehe nicht die Verkürzung der Arbeits- zeit auch in den Geschäften erreicht sein wird. die bis jetzt diese Forderung nicht bewilligt haben." Und die Resolution der Zimmerer beider Richtungen sagt ganz ausdrücklich: „ES wird den Zimmerern Berlins und Umgegend zur Pflicht gemacht, nach wie vor darauf zu achten, daß Zimmerarbeiten im Lohngcbiet nur zu den neuen Bedingungen ausgeführt werden." Es gibt zurzeit überhaupt nur 284 arbeitslose Zimmerer in Berlin, denen eS natürlich nicht einfallen wird, zu den alten Be- dingungen in Arbeit zu treten. Für die Zimmerer ist allerdings der Kampf entschieden und zwar zugunsten der Arbeiter. Die Maurer und Bauhülfsarbeiter aber werden den Herren vom Verband der Bangeschäfte ebenfalls bald den Beweis erbracht haben, daß von einer Beendigung des Kampfes bei ihnen keine Rede ist. Wie im einzelnen sich der Kampf gestalten wird, ist natürlich im Kleinkrieg stets eine Frage des Augenblicks, daS Ziel der Bewegung aber, den S'/z-Stundentag, werden die Berliner Bau- arbeiter nicht aus den Augen verlieren. Achtung, Metallarbeiter! In der Automobilbetriebsgesellschaft Tip-Top, Waldenserstr. 4, haben die dort beschäftigten Schlosser wegen Nichtbewilligung der neunstündigen Arbeitszeit die Arbeit niedergelegt. Zuzug von Auwmobilschlossern ist streng fern- zuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Achtung, Metallarbeiter! Die Bauschlosser zu Karlsruhe kn Baden stehen schon seit längerer Zeit in einer Lohnbewegung. Wir ersuchen die Kollegen, etwaige Arbeitsvermittelung dorthin zurückzuweisen. Karlsruhe ist für Bauschlosser bis auf weiteres Gesperrt. Deutscher Metallarbciter-Verband.- Ortsverwaltung Berlin. Die Betriebst, ülfsarbeiter der Allgemeinen Elektrizitätsgesell- schaft hielten am Sonntag morgen im„Swinemünder Gesellschafts- Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw Hau?" eine sehr stark besuchte Versammlung ab, um den Bericht ihrer Lohnkommission entgegenzunehmen. F r o m k e vom Verband der Handels- und Transportarbeiter referierte. Verhandlungen mit der Direktion wegen Verbesserungen der bisherigen Arbeits- bedingungen fanden statt. Der endgültige Bescheid von feiten der Direktion wird erst am Mittwoch oder Donnerstag einlaufen. Man erwartet von den Verhandlungen ein günstiges Resultat. Gegen- stand ledhafter Diskussion in der Versammlung war das Verhalten einiger Abteilungschefs den Mitgliedern der Lohnkommisswn gegen- über. Ein Herr B a l z e r, Abteilung G. F. 5, verweigerte einem Mitgliede die Erlaubnis, an den Verhandlungen mit der Direktion teilzunehmen. Zwei andere Mitglieder betrachten eine Versetzung als Maßregelung wegen ihrer Teilnahme. Das Verhalten der Ab- teilungschcfs den Arbeitern gegenüber soll im allgemeinen recht viel zu wünschen übrig lassen. Achtung, Kleber und Bauhandwerier! Der Unternehmer Schade, Rixdorf, Kaiser Friedrichstr. 52— Bauten: Böhmischestratze 8, Schudomastr. 48 und Donaustr. 17/18— ist für Kleber wegen Nichtbezahlung der Tarifpreise gesperrt. Freie Vereinigung der Tapezierer. Bureau und Arbeitsnachweis: Schützenstr. 18/19. Tel. I, 8090. Achtung, Automobilführcr! Die Automobil-Garrage in Firma Franz Richard, Rixdorf, Wißmannstr. 22/23, ist wegen Differenzen fiir Kraftdroschkenführer gesperrt. Den dort beschäftigt gewesenen Kollegen wurde zu- gemutet, 24 Stunden hintereinander zu fahren und nachdem 24 Stunden zu pausieren. Da eine derartige Fahrzeit nicht durch- führbar ist, im weiteren auch eine Gefahr für Gesundheit und Leben nicht nur des Cauffeurs, sondern auch für das Publikum bedeutet, hielten die Fahrer ihre Fahrzeit von 10 bis 12 Stunden inne. Die Folge war, daß ein Kollege entlassen wurde und den übrigen dasselbe in Aussicht gestellt wurde. Zu bemerken ist noch, daß die Firma nur 1,50 Lohn zahlte, obgleich sie doppelte Arbeits- schicht verlangte, also an jedem Fahrer noch 1,50 M. profitierte. Der Versuch, die Differenz beizulegen, ist an der Unzugänglichkcit des Betriebsleiters gescheitert. Verein der Droschkenführer. Mitgliedschaft IV des Transport- arbeiter-Verbandes. Veurkekes Reich. Achtung, Erdarbeiter, Kanalarbeiter! Streik in Schwedt a. O. beim Kanalbau Berlin-Stettin! Am Donnerstag, den 8. August, wurde den gesamten Arbeitern(ausschließlich der Schlosser und Zimmerlcute) angekündigt, daß die Stundenlöhne um 3 Pf. gekürzt werden. Darauf legten am nämlichen Tage mittags alle in Frage kommenden zirka 300 Mann einmütig die Arbeit nieder. Auch die gesamten fremdsprachlichen Arbeiter, Italiener und Russen, befinden sich unter den Ausständigen. Eine Verhandlung, welche durch den Organisationsvertreter versucht wurde, zeitigte kein Resultat. Die Sache steht für die Ausständigen äußerst günstig, da nach allen Anzeichen die Arbeit drängt, hat man doch die be- stehende Arbeitszeit von täglich II Stunden regelmäßig bis auf 14 bis 15 Stunden ausgedehnt. Arbeiter, Parteigenossen! Sorgt, daß unter allen Umständen Zuzug, namentlich von fremdsprachlichen Arbeitern von Schwedt a. O. ferngehalten wird. Die Organisationsleitung. Arbeiterfreundliche Blätter ersuchen wir um Abdruck. Zur Aussperrung in der Stettiner Herren- und Knaben- Konfektion. Auf den gegen acht Firmen verhängten Streik ordnete, wie bereits gemeldet, der Aroeitgeberverband die Aussperrung aller Arbeiter und Arbeiterinnen an. Diesem Beschlutz haben sich die 52 dem Verbände angehörenden Firmen angeschlossen, so daß etwa 2500 Schneider und etwa 2000 Schneiderinnen ausgesperrt sind. Am Freitag fand vor dem Gewerbegericht eine Besprechung statt, in welcher die Konfektionäre erklären ließen, daß sie den Tarif- Nachtrag keinesfalls anerkennen würden. Sie seien aber bereit, über angebliche Tarifverstöße mit der Arbeiterorganisation von Fall zu Fall zu unterhandeln, wenn zuvor die Arbeit wieder aufgenommen und die Sperre über die acht Firmen aufgehoben würde. Eine Montag abgehaltene Riesen- Versammlung der Ausgesperrten, in welcher die Lohnkommission Bericht erstattete, lehnte die Forderung der Arbeit- g e b e r ab. In einer Resolution erklären die Versammelten, unverbrüchlich am Tarifvertrage vom 1. Oktober 1906 festzuhalten, und sie verlangen zur vollen Anerkennung desselben seitens der Arbeitgeber die Annahme des Tarifnachtrages. Ferner bekunden sie ihre Bereitwilligkeit zu weiteren Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverbande. Die Aussperrung dauert also weiter.— Die Arbeilgeber lehnen die Anerkennung des Tarifnachtrages des- halb ab, weil er ihrer Behauptung nach eine scchsprozentige Er- höhung der Löhne bedeute. Das trifft aber nicht zu. Der Nach- trag gibt einzelnen Bestimmungen deS Tarifes, die die Kon- fektionäre in ihrem Sinne auslegten, lediglich eine präzisere Fassung im Sinne der vorjährigen Tarifverhandlungen. Die Leipziger BuchhandlungShülfSarbeiter beschlossen in einer gutbesuchten Versammlung, den im Jahre 1905� abgeschlossenen Tarif am 15. August zu kündige n. Sie begründen das msi den höheren Lebensmittelpreisen und dem dazu in keinem Verhältnis stehenden, im Tarif vereinbarten Einkommen. Die Sektionsleitung des Transportarbeiterverbandes ist beauftragt worden, die Tarif- revision in die Wege zu leiten. Die Bauschloffcr Leipzigs haben der Innung ihre Forderungen: nennftündige Arbeitszeit, 25—100 Proz. Zuschlag für Ueberstuuden und SonntagSarbeit, 38—45 Pf. Stundenlohn, übermitteln lassen. Die Innung lehnt jedoch in ihrer Antwort den Neunftundcntag glatt ab. da sie dem Mctallindustriellenverband angehört, der keine kürzere als die 9>/, stündige Arbeitszeit zulasse. Die anderen Forderungen aber seien ja zumeist schon in den Betrieben bewilligt worden. Eine Versammlung der Banschlosser beauftragte darauf die Gehülfen- kommission, sich abermals an die Innung zu wenden. Sie müßte, wenn ihr an einer friedlichen Beilegung gelegen ist, für die Ein- führung des Neunstlmdentages sorgen. Der Streik der Braunkohlenbergarbeiter in der Oberpfalz ist nach fünfwöchiger Dauer siegreich beendet. Keine Aussperrung der bayerische» Metallarbeiter! Die drohende Gefahr einer Ausspcrrunz der bayerischen Metall- arbeiter wurde, wie schon telegraphisch mitgeteilt, glücklich ab« gewendet. Dies ist nicht zum geringen Maße dem Umstände zu ver- danken, daß die Scharfmacher des bayerischen Metallindustriellen- verbände? bei den für Sonnabend nach dem Kimstgewerbehaus in München einberufenen Unterhandlungen zwecks Beilegung der Differenzen in der Rathgeberschen Waggonfabrik offiziell aus- schieden. Die Herren Scharfmacher haben nämlich in ihrer Sitzung in Nürnberg auf das bestimmteste erklärt, daß von der 57 stündigen Arbeitszeit prinzipiell nicht abgegangen werden darf. Nachdem sich Herr Guggenheimer. der Direktor der Maschinenfabrik Augsburg, am Sonnabend überzeugen lassen mußte, daß der Direktor der Rathgeberschen Waggonfabrik sowohl den Holzarbeitern als auch den Metallarbeitern in bezug auf Verkürzung der Arbeitszeit, wenn auch privatim, be- reits Konzessionen gemacht hatte, erklärte er, daß dann der Jndustriellenverband von den Unterhandlungen auszuscheiden habe und die Angelegenheit nur noch mit der Rathgeberschen Fabrik zu regeln sei. Die Verhandlungen wurden dann nur noch zwischen dem Direktor und dem Fabrikausschuß der Rathgeberschen Waggonfabrik weitergeführt, weshalb selbstverständlich die Abmachungen auch nur : Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstal ür die Arbeiter der Rathgeberschen Waggonfabrik Gültigkeit habe« können. Nach kurzer Verhandlung wurde für die Holz» arbeiter die 54stündige, für die Metallarbeiter die 56stiindige Arbeitszeit vereinbart. In dem sofort ab- gehaltenen Appell der streikenden Holzarbeiter wurde dem Resultat einstimmig zugestimmt und beschlossen, die Arbeit am Montag auf- zunehmen. Die Scharfmacher wollen sich nunmehr wegen ihres verletzten Prinzips mit dem Direktor der Rathgeberschen Waggonfabrik „prinzipiell" auseinandersetzen._ Busland. In Belfast ist es zu ernsten Unruhen gekommen. Vor dem Zollamte hielten zahlreiche Redner Ansprachen; dabei kam es zwischen zwei Parteien zu einem heftigen Streit, der bald in Tät- lichkeiten ausartete. Polizei griff ein, wobei ein Polizciagent schwer mißhandelt wurde. Blutüberströmt und mit zerrissenen Kleidern gelang es ihm, in das Lokal der Heilsarmee zu flüchten. Mehrere Kundgeber wurden verhaftet. Das Erscheinen eines Gefängniswagcns gab Anlaß zu neuen Zwischenfällen. Die Menge durchbrach den Polizcikordon. Dragoner wurden herbeigerufen und gingen mit blanker Waffe gegen die Menge vor. Hierbei wurde ein Kind getötet, eine Frau schwer verletzt. Etwa zwanzig Polizei- agenten haben leichtere Verwundungen davongetragen. Angeblich sind auch 25 Soldaten einschließlich zweier Offiziere verwundet worden. Der Streik der Pariser Zimmerer dauert schon seit den. 16. Juli. Die Unternehmer hatten schon im Juni vorigen Jahres das Versprechen abgegeben, die Löhne ab Juni 1907 auf 1 Frank pro Stunde zu erhöhen. Als die Zeit herangekommen war, lösten sie ihr Versprechen nicht ein und so waren die Arbeiter gezwungen, in den Streik einzutreten. Von den Architekten und Bauunter- nehmern haben die Meister die Zusicherung, daß bei den neuen Kontrakten die Erhöhung der Löhne mit in Rechnung gestellt werden würde, es liegt also für die Meister kein triftiger Grund mehr vor, dem Verlangen ihrer Arbeiter nicht nachzugeben. Unterhandlungen zwischen beiden Parteien sollten auch stattfinden, aber die Meister forderten, daß neben der Gewerkschaft auch einige alte, un- bedeutende zünftlerischc Gruppen, die zum Teil Streikbrecherdienste geleistet hatten, zu den Verhandlungen mit zugelassen werden sollten. Darauf konnten die Führer der modernen Gewerkschaft nicht eingehen. So dauert der Konflikt noch an und es ist nicht ausgeschlossen, daß er sich auf weitere Gruppen der Bauarbeiter ausdehnt._ Der Streik der amerikanischen Telrgraphisten. Die Unterbrechung der telegraphischen Verbindung infolge von Ausständen des Telegraphenperfonals erstreckt sich jetzt auf eine ganze Reihe weiterer Städte im Westen und Sübcn, darunter Columbus, Milwaukee, Nashville, Memphis und Dallas. Es heißt, daß die Telegraphisten in San Francisco und Oakland sich der Be- wegung anschließen werden. 3000 Telegraphisten der Stadt New Dort haben eine Versammlung abgehalten, um über ihre Beteili- gung an dem Ausstände zu beraten. Sie beschlossen, in bezug auf den Streik keinen Schritt bis nächsten Freitag zu tun. DieS geschah auf Ersuchen der National Civic Federation, welche erklärte, daß Vertreter der Federation und des Arbeiterbundes nach Chicago reisen werden, um in Verhandlungen mit dem Borfitzenden des TelegraphistenverbandeS den Versuch zu machen, den Ausstand zu beendigen. S m a l l, der Präsident des TelegraphistenverbandeS, kündigte den G e n e r a l st r e i k an, für den Fall, daß bis Diens- tag keine Einigung erreicht würde. Auch benachrichtigte er den Kommissar für das Arbeitswesen, N e i l l, davon, daß der Ver- band in die Wiederaufnahme der Arbeit willigen würde, wenn die Regierung nachdrücklichst dafür eintrete, daß die Beschwerden der Beamten untersucht und durch schiedsgerichtlichen Spruch erledigt würden. Die Erklärung S m a l l s, des Präsidenten des Telegraphisten» Verbandes, sowie eine Erklärung des nationalen Sekretärs Rüssel in Chicago, daß der Ausstand der Telegraphisten binnen 24 Stunden in den Vereinigten Staaten und in Kanada allgemein sein werde, haben dem bisherigen Optimismus Einhalt getan. Ruffel wendet sich in seiner Erklärung an die Verleger der Vereinigten Staaten und Kanadas und sagt, der Verband wünsche nicht, die Zeitungen in Verlegenheit zu bringen, aber die Tele- graphisten kämpfen um ihr Recht und seien der Meinung. daß sie zu gering bezahlt werden. Der Verband billige die gegenwärtigen Forderungen. Wenn diese nicht erfüllt würden, würden die Arbeiter angewiesen werden, die Arbeit nieder- zulegen, Letzte INfacbncbtcn und Dcpelcbcn. Vom Blitz erschlagen. Wien, 12. August.(B. H.) Der Wiener Professor Rudolf Teufelberger wurde in der Sommerfrische Friedberg im Böhmerwalde von einem Blibschlage getötet. Die Frau und zwei Töchter des Professors, welche gleichfalls vom Blitze getroffen wurden, liegen schwer krank danieder. Christlicher Textilarbeiterkongretz. Zürich, 12. August.(W. T. B.). Heute wurde hier der vierte internationale Kongreß christlicher Textilarbeiter durch den Vor- sitzenden des Zentralvcrbandes christlicher Textilarbeiter Deutsch» lands, Rcichstagsabgeordnetcn Schiffer, eröffnet. Anwesend waren 25 Delegierte, die sechs Nationen mit 454 Ortsgruppen, die 78126 Mitglieder zählen, vertreten. Der Zuwachs des Verbände» beträgt seit dem letzten Jahre 232 Ortsgruppen und nahezu 46 660 Mitglieder. Der deutsche Verband allein zählt 46 506 Mitglieder. Wegen Bombcnfabrikation verurteilt. Paris, 12. August.(W. T. B.) Das Zuchtpolizeigericht ver» urteilte den russischen Terroristicn S m i r n o w, der im Mai 1967 im Zimmer seines Kameraden Slepner beim Anfertigen von Bomben durch eine Explosion schwer verletzt wurde, zu dreizehn Monaten Gefängnis, sowie feinen verschwundenen Komplizen Slepner in Contumaciam zu der gleichen Strafe. Die Borgänge in Belfast. Belfast, 12. August.(W. T. B.) Der Polizeiinspektor wurde heute abend auf einer Fahrt nach den KasernementS von der Menge mit Steinen beworfen. Später wurden auch diese Gebäude«it Steinen bombardiert. London, 12. August.(W. T. B.) Heute abend erreichten die Unruhen in Belfast einen so hohen Grad, daß die Truppen sich genötigt sahen, von der Schuhwaffe Gebrauch zu machen. Eine Person ist getötet, mehrere verletzt. ES wurden Berstärkungea erbeten. Ausdehnung deS Streiks der Telegraphenbcamten. New Bork, 12. August.(W. T. B.) Die Angestellten der Western Union-Tclcgraphengcsellfchast in der Stadt New Aork haben sich heute mittag dem Ausstand angeschlossen. New Bork, 12. August.(W. T. B. auf deuffch-atlantischem Kabel.) Auch die Telegraphisten der Post der Stadt New Bork sind heute in den Ausstand getreten. New Dork, 12. August.(W. T. B. auf deutsch-atlantischem Kabel.) Der Ausstand ist nunmehr auch von den Telegraphisten in Philadelphia, Balrimore und Cleveland proklamiert worden._ Paul Singer�Co., BerlinL VV. Hierzu 2 Beilagen».NnterhaltungSblatt imst. 24.14*9.. i. Jeilnjje des LsrMs" Kerliller UslksdlM. Organifations Entwurf für Preußen. Nachstehender Organisationsentwurf wird auf dem am 21. November stattfindenden Preußentage zur Beratung gelangen: 8 t- Zur Wahrnehmung der Parteiinteressen der Sozial- demokratie Preußens findet alle zwei Jahre eine Landes- konferenz statt. § 2. Zur Teilnahme an der Landeskonferenz sind berechtigt: a) die Delegierten der einzelnen Kreiswahlvercine mit der Maßgabe, daß die Vereine bis 1000 Mitglieder einen, bis 3000 zwei, bis 5000 drei, bis 10000 vier und darüber fünf Delegierte zu wählen berechtigt sind; d) die Delegierten der sozialdemokratischen Frauen Preußens; c) die sozialdemokratischen Reichstags- resp. Landtagsabgeordneten Preußens; 6) die Landeskommission. 8 3- Zu den Aufgaben der Landeskonferenz gehören: 1. Prüfung der Mandate; 2. Entgegennahme der Berichte der Landeskommission und der Landtagsabgeordneten Preußens; 8. Beratung und Beschlußfassung über alle das Partei- leben Preußens berührende Fragen; 4. Beschlußfassung über alle eingegangenen Anträge; 5. Wahl des Ortes, an welchem die nächste Landeskonferenz stattfinden soll. 8 4. Spätestens sechs Wochen vor Einberufung der Landes- konferenz hat die Landeskommission den einzelnen Kreiswahl- vereinen einen Rechenschaftsbericht zu übermitteln und durch die hierfür bestimmten Parteiorgane den Termin sowie die provisorische Tagesordnung bekannt zu machen. 8 s. Alle Anträge zur Landeskonferenz sind spätestens drei Wochen vor Stattfinden derselben bei der Landeskommission einzureichen und ist diese verpflichtet, die Anträge und die von ihr vorzuschlagende Tagesordnung spätestens zwei Wochen vor Stattfinden der Landeskonferenz in den hierfür bestimmten Parteiorganen zweimal hintereinander zu veröffentlichen. 8 6. Eine außerordentliche Landeskonferenz kann einbemfen werden durch Mehrheitsbeschluß der Landeskommission. Auf Antrag von vier Provinzialkomitees ist die Landes- kommission zur Einberufung einer solchen Konferenz innerhalb vier Wochen verpflichtet. Weigert sich die Landeskommission, so hat die Einberufung der Landeskonferenz durch die Vor- sitzenden der die Konferenz beantragenden Provinzialkomitees zu geschehen. Die Fristbestimmungen für Anträge usw. fallen für die außerordentlichen Landeskonferenzen fort. 8?. Die Abgeordneten und die Landeskommission haben in allen Fragen, welche ihre parlamentarische Tätigkeit resp. ihre Geschäftsführung betreffen, kein Stimmrecht auf der Landeskonferenz. § 3. Die Unkosten für die Zkreisdelegationen trägt jeder Kreiswahlverein. 8 9- Die Unkosten, welche durch die Geschäftsführung der Landeskommission resp. des geschäftsführenden Ausschusses ent- stehen, sind durch Umlageverfahren prozentual der Mitglieder- zahl in den einzelnen Provinzen bezw. Kreiswahlvereinen zu erheben. 8 io. Die Landeskommission besteht aus je einem Vertreter jeder Provinz Preußens und von Groß-Berlin, die von der Landeskonferenz gewählt werden. Im Behinderungsfalle ist eine von dem betreffenden Provinzialkomitee zu stellende Ver- tretung zulässig. Die Landeskommission wählt sich aus ihrer Mitte einen geschäftsführenden Ausschuß von drei Personen. Der Obmann muß seinen Wohnsitz in Berlin haben und ist seine Adresse in den Parteiorganen bekannt zu machen. 8 11- Bei allen wichtigen Parteiakttonen, an denen die Sozial- demokratie Preußens beteiligt ist(Beschluß über die Art der Wahlbeteiligung, Demonstrattonen und dergleichen), hat sich die Landeskommission mit den Provinzialkomitees rechtzeittg in Verbindung zu setzen, jedoch vor der Beschlußfassung in diesen Fragen mit dem Parteivorstande sich zu verständigen. § 12. Die Kreiswahlvereins- Vorsitzenden ooer Vertrauensleute der Kreise und die Provinzialausschüsse sind verpflichtet, so- fort nach erfolgter Wahl der Landeskommission ihre Adresse mitzuteilen, sowie von jeder Adressenveränderung Kenntnis zu geben._ LeneiÄverisminIinig von Groß-Berlin. Am Sonntag hielt der Verband der sozialdemokratischen Wahl- vereine von Berlin und Umgegend seine Generalversammlung in Kellers Saal ab. Als erster Punkt stand der Geschäftsbericht des Vorstandes auf der Tagesordnung. Denselben erstattete der Zentralvorsitzende Zrnst: Die vorige Generalversammlung hat dem Zentralvor- stand zwei Anträge überwiesen. Der eine derselben ersuchte den Zentralvorstand, sich mit dex Agitationskommission des polnischen sozialistischen Vereins in Berlin zum Zweck des gemeinsamen Zu- sammenarbeitens in der Organisation zu verständigen. Der Vor» stand hat mit der Leitung des genannten Vereins Rücksprache ge- nommen, er hat den polnischen Genossen vorgeschlagen, in die Or- ganisation von Groß-Berlin einzutreten, sie sollten eine selbständige Sektion bilden, selbständige Zahlabende abhalten, eine Vertretung im Zcntralvorstand und im Aktionsausschuß erhalten. Die polni- kchen Genossen lehnten jedoch diesen Vorschlag ab mit der Begrün- qung, daß jede organisatorische Verbindung mit den deutschen Ge- noslen der Agitation unter den Polen unüberwindliche Schwierig- teilen entgegensetzen würde. Wir haben dagegen erklärt, daß wir selbstverständlich, auch wenn die polnischen Genossen unserer Oraani- sation nicht beitreten, ihre Agitation unterstützen und ihnen Mittel zur Verfügung stellen werden.— Der andere Antrag, den die vorige Generalversammlung dem Zentralvorstande überwies, regte die Verbreitung von Flugblättern in den betreffenden Sprachen unter den sogenannten Sachsengängern an. Der Vorstand hat sich mit dem Antragsteller— Eugen Brückner— ausgesprochen und ist mit ihm dahin einig geworden, daß es ausgeschlossen erscheint, an die Wanderarbeiter heranzukommen, während sie sich auf dem Trans- Port in ihr Arbeitsgebiet befinden. Eher ist es möglich, wenn die Arbeiter auf der Rückreise in ihre Heimat sind. Diese Gelegenheit soll denn auch benutzt werden, um Broschüren in den betreffenden Sprachen unter den Wanderarbeitern zu verteilen. Als die Reichstagsstichwahl im ersten Kreise vorüber war, setzten die gewöhnlichen Arbeiten des Vorstandes ein. Am 24. Fe- bruar wurde ein Flugblatt, welches für den„Vorwärts" agitierte, in 114 Millionen Exemplaren verbreitet. Der Erfolg war ein guter. Nachdem wir den Schneidern Unterstützung ihres gewerk- schaftlickien Kampfes zugesagt hatten, kamen am 24. März und am 21. April Flugblätter zu diesem Zwecke zur Verbreitung. Die Schneider haben sich mit dem Erfolge derselben zufrieden erklärt. — Auch den Bäckern hatten wir Hülfe in ihrem schweren Kampfe zugesagt. Handelt es sich bei denselben doch um einen Kampf, der eine rückständige Arbeiterschicht soweit aus unwürdigen Verhält- nissen befreien soll, daß es erst möglich wird, mit der Aufklätungs- arbeit an sie heranzukommen. Am 2S. Mai und 9. Juni wurden Flug- blätter zugunsten der Bäckerbewcgung verbreitet, und noch gegen- wärtig verbreiten die Genossen in verschiedenen Bezirken Handzettel zugunsten des Boykotts. Auch die Bäcker sind mit dem Erfolg unserer Hülfeleistung zufrieden.— Am 10. April hatten wir eine Nachwahl im 39. Kommunalbezirk zu bestehen. Der Kampf war heftig, denn die Freisinnigen hatten sich große Hoffnungen ge- macht und sich deshalb besonders angestrengt. Der Sieg fiel unserem Genossen Adolf Ritter zu.— Mit Rücksicht auf die im Herbst vorzunehmenden Stadtverordnetenwahlen und die spätestens im Herbst 1908 stattfindende Landtagswahl haben wir in der Juni- nummer des„Mitteilungsblattes" dargelegt, wie die preußische Staatsangehörigkeit zu erwerben ist. Wir ersuchen nochmals die Genossen, welche anderen Bundesstaaten angehören, sich in den preußischen S t a a t s ve r b a n d aufnehmen zu lassen, da sie nur unter dieser Voraussetzung wahlberechtigt sind. Am 18. Juli wurde ein Flugblatt verbreitet, welches zur Einsicht in die Stadtverordnetcnwählerliste auffordert. Am 26. April beschloß der Zentralvorstand, daß vom I. Juli ab auch für die Restanten der 30 Pf.-Beitrag in Kraft tritt. Dagegen haben zwei Kreise protestiert. Eine nochmalige Nachfrage in den Kreisen ergab, daß die Mehrheit der Genossen sich für diesen Be- schluß erklärte. Dem haben sich dann auch die beiden protestieren- den Kreise selbstverständlich gefügt.— Bekanntlich ist dem Allge- meinen Metallarbeitervcrband der„Vorwärts" gesperrt. Auf eine Beschwerde des Verbandes setzte der Zentralvorstand eine Kom- Mission ein, welche prüfen sollte, ob die Angabe richtig ist, dieser Verband sei der Metallarbeiteraewerkschaft beigetreten und habe nun ein Anrecht auf den Raum des„Vorwärts". Die Kommission hat festgestellt, daß es nicht so ist, sondern daß sich vielmehr die Metallarbeitergewerkschaft dem Allgemeinen Mctallarbeiterverband angeschlossen hat. Der Zentralvorstand hat für den 6. September eine Sitzung von Vertretern der beteiligten Organisationen ange- setzt, wo diese Angelegenheit entschieden werden soll. Der Berliner Organisation liegt die Einberufung deS preußi. schen Parteitages ob. Wie bekannt, ist er wegen der Reichstags. wähl verschoben worden und jetzt im Einverständnis mit dem Parteivorstand für den 21. November einberufen. Infolge der Beitragserhöhung machte sich eine Aenderung des Verbandsstatuts notwendig. Auch sonst hatten sich bei der Hand- habung des Statuts, einige Mängel ergeben. Es wurde deshalb eine Kommission eingesetzt, welche das alte Statut prüfen und Aenderungsvorschläge machen sollte. Das Resultat der KommissionS- beratung ist der Entwurf, welcher der gegenwärtigen Generalver- sammlung vorliegt. Ein Antrag des zweiten und vierten Wahlkreises, betreffend die Perbilligung des„Vorwärts" und Einführung eines Wochen- abonnements wurde von der vorigen Generalversammlung den zuständigen Instanzen überwiesen. Der Partöivorstand und die Preßkommission haben darüber beraten. Sie forderten Gutachten über diese Angelegenheit von denjenigen Parteiblättern ein, welche bereits Wochenabonnements eingeführt haben. Auch unsere Spedi- teure und Austrägerinnen sind um Abgabe ihrer Meinung ersucht worden. Das Resultat dieser Umfrage ist in der Denkschrift nieder- gelegt, die den Delegierten eingehändigt worden ist. Parteivorstand und Preßkommission sind auf Grund des eingegangenen Materials nicht in der Lage, den Anträgen zustimmen zu können. Von der Tätigkeit der Prehkom Mission ist zu sagen: Von der Herausgabe einer Extranummer am 2. Mai ist Abstand genommen. — Eine Beschwerde des Redakteurs der Zeitschrift„Waschküche und Plättstube" wurde zurückgewiesen mit der Begründung, daß der „Vorwärts" die Interessen der Arbeiter zu wahren hat.— Der Verein zur Wahrung der Interessen der Putzer ersuchte um Auf- nähme seiner Inserate. Das Verlangen wurde abgewiesen, weil dieser Verein keine moderne Arbeiterorganisation ist. Die Agitationskommission nahm eine andere Verteilung der Arbeit in den Provinzkreisen unter ihre Mitglieder vor. Es kommen jetzt auf jeden zwei Kreise. Die Arbeiten der Agitations- kommission hatten sich schon seit einiger Zeit so gehäuft, daß sie nicht mehr von den Genossen nach Feierabend erledigt werden konnten. Manche Wünsche, welche die Genossen in den Provinz- kreisen an die Kommission stellten, tonnten deshalb nicht befriedigt werden. Um dem abzuhelfen und eine glatte Erledigung der not- wendigen Arbeiten zu ermöglichen, wurde die Anstellung eines Sekretärs für die Provinz Brandenburg beschlossen und Genosse Wels mit diesem Amte betraut. Der Kommission ist ein Extra Zuschuß zur Agitation von 16 000 M. bewilligt worden. Die Kom- Mission hat die Einrichtung getroffen, daß zur Agitation unter den Schiffern jeden Monat eine Versammlung abgehalten wird. Auch die„Fackel" soll sich mehr mit den Verhältnissen der Schiffer beschäftigen. Einem Wunsche der Lokalkommission gemäß fordere ich die Genossen von dieser Stelle auf, dafür Sorge zu tragen, daß die Be- kanntmachungen der Lokalkommission streng befolgt werden.— Die Sperre über den Mozart-Saal wurde aufgehoben, nachdem sich er- geben hatte, daß die Voraussetzung derselben nicht besteht. Auf Antrag des Kreises Teltow-Beeskow ersuchte der Zentral vorstand den dritten Kreis, das Lokal„Neue Welt" nicht mehr zur Maifeier zu benutzen, sondern es den Rixdorfer Genossen zu über lassen, auf deren Gebiet es liegt.— Der Arbeiter-Samariterkolonne wurden 200 M. bewilligt. Außer der Verwaltung und Agitation widmete der Zentral» vorstand seine Aufmerksamkeit auch der Verbreitung von Auf- klärung und Bildung unter den Parteigenossen. Am Mai- sowie am Junizahlabend erhielten die Genossen je eine Broschüre, das Eisncrsche Buch„Das Ende des Reichs" wird den Wahlverernsmit- gliedern zum Selbstkostenpreise und die Bernsteinsche „Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung" zu ermäßig- tem Preise verabfolgt. Jeder Bezirk erhält ein Exem- plar der„Neuen Zeit". Die wahlstatistische Broschüre von Hirsch wurde ebenfalls jedem Bezirk überwiesen. Im Herbst wird die Genossin Luxemburg zwei Parallelkurse über National- ökonomie halten. Für Bildungszwecke wurden außerdem 500 Mk. bewilligt. Im letzten Halbjahr fanden statt � Sitzungen des Zentralvorstandes, 12 des Aktionsausschusses, 1 mit den Kassierern, 6 mit anderen Körperschaften. Für die Partei wurden 554, für Gewerk- schaften 47 Referenten vermittelt. Eingänge waren 1886, Ausgänge 4768 zu verzeichnen. Bon den finanziellen Leistungen der Parteigenossen Groß- Berlins legen folgende Kablen Reuanis ab: Vom 1. Juli 1906 bis 30. Juni 1907 wurden abgeführt an die Agitationskommission 53 858 M., an den Parteivorstand vom 1. August 1906 bis 31. Juli 1907 150 000 M. Der Mitgliederstand unserer Organisation hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Die Mitgliederzahl des Ver- bandes betrug am 31. Dezember 1905 41 700, am 31. Dezember 1903 64 968, am 30. Juni 1907 78 364.— Hoffen wir, daß unsere Or- ganisation weiter wächst und erstarkt, damit sie als eherner Fels gegen die Schlammflut der Reaktion stehe.(Beifall.) Den Kassenbericht erstattete der Verbandskassierer Boeske: Im ersten Halbjahr 1907 hatten wir folgende Einnahmen: Monatsbeiträge der Kreise 97 750 Mark, für Beitragsmarken 14 180 M., für die Opfer der russischen Revolution 16 800 M., überwiesen von Hintze, Borgmann. Hoff mann 15 742,37 M., für den Parteivorstand 5464,60 M., Listen für die ausgesperrten Buchbinder 740,35 M., sonstige Ein« nahmen 4662 M., Zinsen 422,10 M. Ausgegeben wurden: An den Partcivorstand Monatsbeiträge 74 000 M., für die Opfer der russi- schen Revolution 16 229,60 M., qn die Agitationskommission 39 000 Mark, für Referenten 1556,55 M., an die Preßkommifsion 262,52 Mark, Lokalkommission 250 M., Drucksachen 16 244,92 M., Stadt- und Gemeindeverordnete 3115,67 M., für Agitation usw. 5222,75 Mark, Verwaltung 3517,93 M.— Laut Statut sind 20 Proz. der Beiträge an den Parteivorstand abzuliefern. Das würde eine Summe von 34 558,45 M. ausmachen. Wir haben aber 150 000 Mark, also 115 441,55 M. über den statutenmäßigen Satz abge- liefert. Die Anträge, welche sich auf Vcrbilligung des„Vorwärts" und Einführung eines Wochen- abonnements beziehen, werden nunmehr zur Debatte gestellt. Weiß bezeichnet die Denkschrift als eine dankenswerte Arbelt, die auf den Zahlabenden eingehend besprochen werden müßte. R o b st spricht für die Anträge. Der„Vorwärts" sei ein Agi- tationsmittel, es sei deshalb nicht nötig, daß das Unternehmen Ucberschüsse erziele. Eine Verbilligung sei notwendig, um dem „Vorwärts" weitere Verbreitung zu schaffen. Viele Arbeiter stoßen sich daran, daß der„Vorwärts' zu teuer ist. Im Wochenabonne- mcnt würde das Blatt einen größeren Äbonnentenkreis finden. Zwar könne der„Vorwärts" schon jetzt wöchentlich abonniert werden, aber es werde kein Gebrauch davon gemacht, weil sich die Botenfrauen wegen der Mehrarbeit, die ihnen das Wochenabonne» ment verursacht, nicht darauf einlassen. Die Verbilligung und die Einführung des Wochenabonnements würden einen so großen Zu- wachs an Abonnenten bringen, daß dadurch der Einnahmeausfall wieder eingebracht werde. H e i n e r tz und O st r o w S k i treten, im wesentlichen mit denselben Gründen, ebenfalls für die Anträge ein. Wels widerlegt die Argumente der Vorredner. Er verweist auf die Denkschrift. Vier Parteiblätter, die zum Wochenabonnement übergegangen sind, bekunden, daß sie damit schlechte Erfahrungen gemacht haben. Nur ein Blatt, das„Hamburger Echo" empfiehlt das Wochenabonnement. Dabei fei aber zu bedenken, daß das Wochenabonncment in Hamburg ein seit vielen Jahren allgemein bestehender Zustand sei. Vor allem aber treffe das nicht zu, was die Befürworter der Anträge im Auge haben, denn das„Hamburger Echo" koste monatlich ILO M., und wöchentlich 36 Pf., es sei also teurer wie der„Vorwärts". Wenn gesagt werde, der„Vor- wärts" brauche keine Ucberschüsse, so würde das zutreffen, wenn nur Berlin für uns in Frage käme. Es gebe aber in Gegenden, wo die Arbeiter sehr schlecht bestellt sind, Parteiblätter, welche Zuschüsse brauchen. Woher sollen die Zuschüsse kommen, wenn nicht in Orten mit einer besser gestellten Arbeiterschaft Ucberschüsse er- zielt werden. ES sei nicht anzunehmen, daß die Herabsetzung des Preises den erwarteten Zuwachs von Abonnenten bringe. Ende der 80er Jahre sei ja der Preis des„Vorwärts" von 1,35 M. auf 1,10 M. herabgesetzt worden, ohne daß sich ein Einfluß auf die Abonnentenzahl bemerkbar machte, während in den letzten Jahren ohne Herabsetzung des Abonnementspreiscs eine Ver- dreifachung der Abonnentenziffer eintrat. Ein Schlußantrag— 14 Redner waren noch eingezeichnet— wird angenommen. Dann wurden die Anträge auf Verbilligung und Einführung des Wochenabonnements mit 567 gegen 370 Stimmen abgelehnt. Zu einer Mitteilung des Parteivorstandes erhält außerhalb der Tagesordnung Singer das Wort: Ich benutze diese Gelegenheit, um Ihnen, Parteigenossen, namens des Partcivorstandes eine Mit- teilung zu machen, die nicht nur für die Berliner Genossen, sondern für die G e s a m t p a r t e i großes Interesse hat.— Zuvor aber möchte ich Ihnen die Anerkennung des Parteivorstandcs aus- sprechen über die rührige Tätigkeit, welche die Berliner Genossen im vergangenen Jah-'e im Interesse ver Partei ausgeübt haben. Die Befürchtungen, welche sich an die Gründung des Verbandes der Wahlvereine geknüpft haben, sind erfreulicherweise irrig ge- Wesen. Die Genossen Berlins werden wie bisher, so auch in der Zukunft rüstig vorwärts schreiten. Dann erörterte Singer die Stellung der Partei zu der bürger- lichen Wahlrcchtsbewegung in Preußen. Seine Ausführungen darüber finden unsere Lefer an anderer Stelle des„Vorwärts", an der Spitze der„Politischen U e b e r s i ch t"» Als nächster Punkt stand die Beratung der Abänderiingsanträge zum BerbandSstatut auf der Tagesordnung. Hierzu beantragt der erste KreiS:„Die endgültige Beschlußfassung über daS Statut wird bis zur nächsten Generalversammlung ausgesetzt." Woldersk, begründe� den Antrag. Die Genossen des ersten Kreises wollen durch den Antrag ihrem Unwillen darüber Ausdruck geben, daß bei der Bekanntgabe der AbänderungSanträge die statutenmäßige Frist von 4 Wochen vor der Generalversammlung nicht gehalten und den Genossen dadurch die Möglichkeit genommen ist, die beantragten Aenderungen eingehend zu prüfen und zu beraten. Zu diesem Zweck wäre es auch notwendig gewesen, daß die Anträge allen Parteigenossen, vielleicht durch Beröffent- lichung im„Vorwärts" zugangig gemacht worden wären. Wenn die Praxis, die jetzt bei der Statutenberatung befolgt wurde, auch in der Zukunft Platz greisen sollte, so fürchten die Genossen des ersten Kreises, daß der Einfluß, den sie als kleiner Kreis haben, noch mehr beschränkt werde. Aus dieser Anschauung heraus ist der Antrag gestellt worden. R ö b e r- Pankow protestiert gleichfalls im Auftrage mehrerer Genossen gegen die Statutenberatung, weil die Frist nicht inne- gehalten worden sei, wodurch namentlich den beiden Landkreisen die ordnungsmäßige Durchberatung unmöglich geworden sei. O st r o w s k i spricht in demselben Sinne. Ernst: Am 12. Juli, also 4 Wochen vor der General- Versammlung hat der Zentralvorstand über die Statutenänderung Beschluß gefaßt. Durch die Berichterstattung der Funktionäre konnten die Kreise also rechtzeitig informiert werden. Es sind ja auch eine Anzahl von Exemplaren der AbänderungSanträge aus- gegeben worden. Wir haben auch eine besondere Nummer deS Mitteilungsblattes ausgegeben und einen Extrazahlabend zur Statutenberatung veranstaltet. Es kann uns gar nicht einfallen, die Rechte der Mitglieder schmälern zu wollen. Wird die Statutenberatung heut nicht erledigt, dann müssen wir eine neue Geiieralversammlung einberufen. Der Antrag des ersten Kreises wird angenommen und in Konsequenz desselben auch die Beratung deS Statuts Vau der Tagesordnung abgesetzt. ©in von Schwemke begründeter Antrag des zweiten Kreises, den Delegierten 2 M. Diäten zu gewähren, wird mit aroßer Mehrheit abgelehnt. �. Liepmann macht folgende Angaben über den Besuch der Generalversammlung: Delegierte sind anwesend vom 1. Kreise 9 i fehlt 1), vom 2. Kreise 75 sfehlen 8), vom 3. Kreise 34(fehlt keiner), vom 4. Kreise 220(fehlen 7). vom 5. Kreise 23(fehlt keiner), vom ö. Kreise 252(fehlen 13). von Teltow-Beeskow 288 (fehlen 8), von Nieder-Barnim 199(fehlen 15). Vom Zentral- vorstand, der Stadtverordneten- und ReichstagSfraktion sind 46 Ver- treter anwesend(fehlen 25). Der Parteivorstand ist durch 4 und die Redaktion des..Vorwärts" durch 6 Mitglieder vertreten. Im ganzen zählt die Generalversammlung 1944 Teilnehmer, während 75 fehlen...__., Zucht bemerkt: Wenn verhältnismäßig viele� Zentral- Vorstandsmitglieder fehlen, so erklärt sich das daraus, daß die Mit- glieder der Agitationskommission heut bei den Generalversamm- lungen in den Provinzkreisen anwesend sein müssen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende Ernst schließt die Generalversammlung mit einem Hoch auf die Sozial- demolratie._ Die inMiche Revolution. Die Revolution von rechts. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Täglich ist im Blatte des Kabinetts„Rossija" zu lesen. daß der Akt des 16. Juni, durch den die Duma aufgelöst wurde, keineswegs einen Staatsstreich bedeute, daß es für die Konstitution keine Gefahr gäbe, daß alle Maßnahmen, welche die Regierung ergreife, konstitutionell seien und für das Gemeinwohl bedacht, daß das Land beruhigt fei, und daß jetzt nur noch übrig bleibe, zu schöpferischer Arbeit über- zugehen. Die Opposition treibe daher ganz mit Unrecht ihr Spiel, und in ihren gefährlichen Bestrebungen, in ihrer Lüge, in ihre Verständnislosigkeit für das wahre Wohl des Staates, in ihrer befangenen Kritik, läge die Wuzel alles Uebels. Aber selbst in unserem dunkelen Rußland bleibt die Stimme der ..Rossija" eine Stimme in der Wüste. Deutlicher als jemals ist die Erkenntnis geworden, daß als dringendstes Erfordernis jetzt die Verwirklichung des Oktobermanifestes, der tatsäch- liche Uebergang zu der neuen konstitutionellen Staatsordnung für Rußland notwendig ist, sonst ist weder eine Erneuerung Rußlands, noch eine Hebung seines Kredits, seiner Volks- Wirtschaft und seiner Fmanzwirtschaft denkbar. Warten kann man damit nicht, weil weder die Welt noch die Geschichte warten können. Die Kardinalfrage bleibt: Gibt es eine Gewißheit, daß die neue Staatsordnung— die konstitutionelle Monarchie— endlich ihre tatsächliche Verwirklichung erleben wird? Und selbst die gemäßigtesten politischen Kreise Ruß- lands, die heute lieber zur Regierung schwören würden als morgen, müssen sich auf diese alarmierende Frage eine ne- gative Antwort geben, weil auch sie nicht blind bleiben können und die Gefahr erkennen müssen, die dieser neuen Staats- ordnung droht, eine Gefahr, auf die wir schon hingewiesen haben, als optimistische Politiker noch immer nicht recht an sie glauben wollten. Und optimistische Politiker gibt es in Rußland leider mehr als genug. Parteien werden in Rußland unterdrückt, wenn sie auch nur die geringste oppositionelle Färbung tragen. Es existiert und wirkt aber eine Partei, die nicht nur täglich in ihren Blättern die Regierung mit den rohestcn Ausdrücken angreift, sie offen des Verrats bezichtigt, und die nicht nur oppositionell, sondern direkt anarchistisch ist. Sie verlangt nicht nur die Absetzung aller Minister, mit dem Ministerpräsidenten beginnend, sondern sie erklärt auch offen, daß die Auflösung der zweiten Duma ihr Werk sei, da der Ministerpräsident das habe gegen seinen Willen tun müssen; die Minister werden als dem Volke verhaßt erklärt, die auf ihren Posten nicht geduldet werden können. Diese Partei des echtrussischen Volkes verkündet laut, daß die konstitutionelle Monarchie als Regierungsform nicht zu- lässig sei, daß der„verbrecherische Akt des 36. Oktober" aus- gehoben werden müßte; die dritte Duma muß laut Beschluß des Monarchistenkongresses nur dazu benutzt werden, um aus „konstitutionellem" Wege das alte Regime wiederherzustellen. Mit einem Wort, der Plan zu einer revolutionär-anarchistischen Staatsumwälzung wird offen ausgearbeitet, ohne daß die Re- gierung auch nur einen Schritt zu seiner Hintertreibung täte Man braucht nur eine beliebige Nummer der„Nußkoje Snamja" aufzuschlagen, um sich von der unerhörten Dreistigkeit in Wort und Tat zu überzeugen, die sich diese Partei gestatten darf. Selbst loyale Kreise sind empört darüber, in welchem Ton die Partei erklärt, daß sie deshalb nicht zur Audienz in PeterShof erschienen sei, weil Stolypin es gewagt habe, von den 14 Mitgliedern der Deputation nur 7 nach seiner Wahl zum Empfang zuzulassen. Was das Gericht über Topolew anbetrifft, der bekanntlich unter dem begründeten Verdacht steht, an der Ermordung Herzensteins beteiligt zu sein, so wird den Ministern offen gedroht, daß sie für die Schmach, die der„unschuldige" Topolew zu erdulden hat, einmal zu büßen haben werden. Was kann der langweilige Streit der„Rossija" mit der Opposition � unter solchen Umständen für eine Bedeutung haben? Wird nicht jedes ihrer Worte zur Phrase, wenn die- selbe Regierung, deren Sprachrohr sie ist, es ohne einzu- greifen zuläßt, daß offen eine Verschwörung gegen die Kon- stltutwn angezettelt werden kann, daß eine Revolution sick von rechts ungestraft breit machen darf? Wenn es Tatsache ist, daß diese revolutionär-anarchistische Partei sich gegen die — formell wenigstens— herrschende Ordnung erheben kann, wenn sie in der Provinz durch Administrativbeamte unterstützt wird, ohne daß diese Beamte abgesetzt werden, da verliert schließlich auch der vertrauensseligste Bürger den Glauben datan, daß es mit der Konstitution ernst sein könne. Wieder, wie fast immer, hat die russische Regierung vergessen, daß nur die Regierung stark ist. die sich auf ein ihr vertrauendes Volk stutzt. Das Volk muß erfahren, mit wem es die Re- gierung hält; mit dem Volke für die Konstitution oder mit den revolutionär-anarchistischen Elementen von rechts die eine Umwälzung zugunsten der alten Ordnung planen.' Die allrussische sozialdemokratische Parteikonferenz. Während der letzten Wochen stand das Partetleben der Sozial- �■»•ftsiie unter dein Zeichen der Vorarbeiten für die soeben ab- geschlossene Parteikonferenz, welche die Frage der Beteiligung an den Dumawahlen und der Beziehungen zu den Gewerkschaften zu lösen hatte. Die Delegierten wurden auf Bezirks- und Landes- konferenzen nach eingehender Diskussion der zur Tagesordnung gestellten Fragen, je einer auf 5999 Parteimitglieder gewählt. Anwesend auf der Konferenz waren die Vertreter aller Fraktionen, annähernd in demselben Stärkeverhältnis, wie auf dem letzten Londoner Kongreß(9 Bolschewiki, 5 Menschewiki, 5 Polen, 5 Bun- disten und 2 Letten). Das gegenseitige Verhältnis der Fraktionen jedoch war hier ein anderes als auf dem Kongreß: während dort die Bolschewiki mit Hülfe der Polen den Sieg über die Mensche- «viki und Bundisten davontrugen, unterlagen hier die Bolschewiki. die zum größten Teil(8 von 9) für den Wahlbohkott eintraten, dem vereinten Votum der Menschewiki, Bundisten und Polen. Der Hauptpunkt der Verhandlungen: Wahlboykott oder Wahl- bcteiligung wurde mit 15 Stimmen(Menschewiki, Bundisten, 4 Polen, 1 Lette, 1 Bolschewik) gegen 9 Stimmen(8 Bolschewiki und 1 Pole) im Sinne der Wahlbeteiligung entschieden. Der entsprechende Teil der Resolution lautet: „Die Konferenz erkennt an: 1. daß es notwendig ist, an der Wahlkampagne für die dritte Duma teilzunehmen: 2. daß die Sozialdemokratie während der Wahlkampagne und in der Duma selbst verpflichtet ist, die Ideen des Sozialismus und die revolutionären Losungen in den Massen zu verbreiten und zu festigen, und zugleich einen entschiedenen Kampf führen muß sowohl gegen die Reaktion als auch gegen die Hegemonie der Kadetten im Befreiungskampfe im allgemeinen und in der Duma im besonderen." Wenn in der praktischen Lösung der Frage der Wahlbeteiligung das Votum der Konferenzmehrheit zu Ungunsten der Bolschewiki ausfiel, so trägt der motivierende Teil der Resolution, der den jetzigen politischen Moment und die Aufgaben der Sozialdemokratie charakterisiert(angenommen mit 15 Stimmen— 9 Bolschewiki, 5 Polen und 1 Lette— gege.. 9— 5 Bundisten, 3 Menschewiki und 1 Lette— bei 2 Stimmenthaltungen) einen ausgeprägten bolschewistischen Charakter. Was die Entscheidung der Frage der Wahlabmachungen be- trifft, so tritt auch hier der Einfluß der Bolschewiki sehr deutlich hervor. Entgegen den Menschewiki und Bundisten wurden Wahl- admachungen mit den Kadetten bei den Stichwahlen kategorisch untersagt. Die Sozialdemokratie tritt auf der ersten Wahlstufe vollkommen selbständig auf. Auf den Stichwahlen sind Abmachungen mit Parteien nur links von den Kadetten zulässig. Auf der zweiten und auf weiteren Wahlstufen sind Wahlabmachungen mit allen revolutionären und oppositionellen Parteien, inkl. die Kadetten und die ihnen nahestehenden Gruppen zulässig. In der Arbeiter- kurie dürfen Abmachungen nur mit der sozialistischen Partei Polens(P. P. S.) und mit den nationalen sozialdemokratischen Organisationen, die der sozialdemokratischen Partei Rußlands nicyt angehören, abgeschlossen werden. Das ist das Fazit der Parteikonferenz in der brennendsten Tagesfrage. Der zweite Punkt der Tagesordnung— Stellungnahme zu den Gewerkschaften— wurde endgültig nicht ent- schieden. Die Berichte und Anträge der Fraktionen sind dem Zentralkomitee als Material für eine von ihm auszuarbeitende obligatorische Resolution überwiesen worden. Millionendiebe. Petersburg, 11. August.(Von einem besonderen Korre- spondenten). Die zur Untersuchung der Zustände bei der sibirischen Bahn eingesetzte Kommission stellte Veruntreuungen im Betrage von mehr als 19 Millionen Rubel fest. Blutnrteile. Petersburg, 11. August. Das Militärgericht sprach heute das Urteil in dem Prozeß gegen die Anarchisten und Kommunisten, die wegen räuberischer Ueberfälle, begangener Morde, des Ueberfallcs auf die Forstakademie und des Meuchelmordes an dem Studenten Lcontiew angeklagt waren. Vier wurden zum Tode, sechs zu schwerer Zwangsarbeit von verschiedener Zeit- dauer und drei zur Deportation verurteilt, sechs freigesprochen. Zur frage des frauenwahlmyis. Als willkommene Gabe zu den für die Frage des Frauenwahl. rechts hochwichtigen Tagungen in Stuttgart erscheint in den nächsten Tagen im Verlage der Buchhandlung Vorwärts unter vorstehendem Titel eine sehr instruktive Broschüre von der Genossin Clara Zetkin. AuS der Schrift, der wir wegen des agitatorischen Wertes und be- lehrenden Inhalts weiteste Verbreitung wünschen, bringen wir hier einige Abschmtte zum Abdruck: „Die proletarische Frauenbewegung steht entschieden auf dem Boden der sozialistischen Geschichtsauffassung. Wir wären daher nicht, die wir sind, wenn wir nicht auch bei der Antwort auf diese Frage, bei dem Suchen nach den nötigen Richtlinien unserer Aktion, eins betonen würden. Das ist die soziale Grundlage, welche die ge- schichtliche EntWickelung für die Forderung des Frauenwahlrechts geschaffen hat. Und da zeigt es sich, daß wir auch betreffs der Be- gründung unserer Forderung in reinlicher Scheidung von der bürgerlichen Frauenbewegung getrennt sind. Nach unserer Auf» fassung tritt die Berechtigung, die Notwendigkeit des Frauenstimm- rechts in erster Linie auf als Ergebnis der kapitalistischen Pro. duktionsweise. Es erscheint vielleicht manchem unwesentlich, das besonders hervorzuheben. Wir erachten eS dagegen als nötig, weil die bürgerliche Frauenbewegung bis jetzt die Berechtigung der Forderung überwiegend aus alten naturrechtlichen Gründen her- leitet. Die bürgerliche Frauenrechtelei fordert noch heute das Frauenstimmrecht als ein Naturrecht, genau so wie die spekulative Philosophie der sich emanzipierenden Bourgeoisie am Ausgange deS 18. und im Anfang des 19. Jahrhunderts Bürgerrechte als Natur» rechte rechtfertigte, die dem Menschen mit dem Geborenwerden zu- stehen. Wir unsererseits betrachten das Frauenstimmrccht im Lichte der Ergebnisse der forschenden Nationalökonomie und Geschichte. Wir fordern eS als ein soziales Recht, dessen Grundlage nicht in irgendwelchen naturrechtlichen Erwägungen zu suchen ist, sondern in den wesentlich gewandelten sozialen Bedingungen. Gewiß: auch im frauenrechtlichen Lager wird nebenbei betont, daß die Umwälzung der wirtschaftlichen Lage und damit auch des Bewußtseins der Frau durch die kapitalistische Produktionsweise von wesentlicher Bedeutung ist für die Rechtfertigung der erhobenen Forderung. Allein dieser Zusammenhang wird nicht in seiner vollen stützenden und treibenden Wichtigkeit gewertet. Zum Be- weis dafür kann die Prinzipienerklärung dienen, welche der bürger- liche„Weltbund für Frauenstimmrecht" bei seiner Konstituierung auf seiner ersten Internationalen Konferenz im Juni 1994 zu Berlin angenommen hat. In dieser Prinzipienerklärung stehen an erster Stelle rein naturrechtliche Erwägungen, die im Grunde sentimentaler Art sind. Aus ideologischen Gedankengängen heraus geboren, können sie leicht durch andere Gefühlswerte, andere Ge- fühlSgründe, durch eine andere Ideologie über den Haufen geworfen werden. Erst unter Punkt 8 wird nebenbei auch der Wirtschaft- lichcn Umwälzung der Gesellschaft, wird der beruflichen Tätigkeit der Frau gedacht. Aber in welchem Zusammenhang? ES heißt da, das Frauenstimmrecht ist begründet in der„gestiegenen Wohlhaben. heit". welche die Erwerbstätigkeit der Frauen dem weiblichen Ge- schlecht gebracht hat. DaS ist äußerst charakteristisch. Wir sind der Ueberzeugung. daß die Forderung deS Frauenstimmrechts ihre tiefste, ihre stärkste Begründung nicht findet in der Wohlhabenheit einer dünnen Schicht des weiblichen Geschlechts, nein: in der Armut, in der Not, in der Ausbeutung, der die große Masse des weiblichen Geschlechts preisgegeben ist. Mit aller Entschiedenheit weisen wir die angezogene frauenrechtlerische Begründung zurück. Sie ist nicht» als eine Variation de» alten liberalen Gemeinplatzes vom National- reichtum und dem Recht des Besitzes. Wollten wir uns mit den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen für unsere Rechtsforderung auf den naturrcchtlichen Standpunkt stellen, so könnten wir uns damit begnügen, allen Vorurteilen gegen das Frauenstimmrecht den ent- sprechend geänderten leidenschaftlichen Gefühlsschrei Unterdrückter und Geknechteter entgegenzurufen, den Shakespeare seinem Shhlock in den Mund gelegt hat:„Hat nicht ein Weib Hände. Gliedmaßen, Sinne, Leidenschaften wie der Mann, mit denselben Speisen ge- nährt, mit denselben Waffen verwundet, mit denselben Mitteln geheilt, von demselben Winter gekühlt, von demselben Sommer ge- wärmt. Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht, wenn ihr uns ver- wundet, bluten wir nicht, und wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht?!" Allein, so wirkungsvoll derartige elementare Gefühls- ausbrüche momentan sein mögen: im Kampfe um soziale Rechte erweisen sie sich als eine Waffe, die zersplittert, sobald sie den harten Felsen der geschichtlichen Wirklichkeit berührt."... „Respektvoll wird zur Begründung der Rechtsforderung der Betätigung eines Häufchens Damen in sozialen Hülfsvereinen ge- dacht, einer Betätigung, die oft genug den Charakter eines Sports oder des geschäftigen Müßigganges trägt. Kein Wort dagegen von der gesellschaftlich unentbehrlichen Tätigkeit der Millionen Arbeite- rinnen in Fabrik, Kontor und Laden, in der Landwirtschaft und Heimarbeit. Und doch ist es diese Tätigkeit, welche den festen Grundstein bildet, auf dem die Forderung der vollen politischen Gleichberechtigung deS weiblichen Geschlechts ruht. Und doch si-.-d es diese unerwähnten Arbeiterinnen, welche die Hecreskolonnen stellen, die die ausschlaggebenden Schlachten für das Frauenwahl- recht schlagen. Unserer Ueberzeugung nach erhält das Frauenstimmrecht seine Begründung durch den Wandel des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, den kapitalistische Produktion geschaffen hat und in Fluß erhält. Er gelangt zum Ausdruck in der Erwerbsarbeit der Frauen und im besonderen Maß« in der Eingliederung der Proletarierinnen in die Industrie. Zugegeben, daß bestimmte Tatsachen vorhanden sind, die dieser Auffassung zu widersprechen scheinen. Das Frauenstimmrecht— wenn auch in beschränktem Umfange— bestand und besteht in manchen Ländern schon, ehe die kapitalistische Produktion auftrar, vor allem aber, ehe sie jenen Grad der Reife erlangt hatte, für welchen dw Erwerbsarbelt der Frau bezeichnend ist. Aber diese Art des Frauenst:.nmrechts ist wesensverschieden von dem Recht. das wir heute, im Zeitalter deS entfalteten Kapitalismus heischen. Im Lichte der geschichtlichen Zusammenhänge betrachtet, entpuppt es sich entweder als Recht deS Grund und Bodens oder als Recht der Wirtschaftsgemeinde, der Grotzfamilie, wenn es natürlich auch einen Rückschluß darauf zuläßt, daß die Frau früher ihres Ge- schlechts wegen nicht davon ausgeschlossen war, dieses Recht zu repräsentieren. Nicht als Persönlichkeit erhielt die Frau das Wahl- recht, sondern als Vertreterin deS Haushalts der Grotzfamilie oder als Grundbcsitzerin, weil nach der lehnsrechtlichen Regel der Grund und Boden stärker war als die Person."... „Ein so geartetes Wahlrecht ist durchaus nicht das Recht, das wir für das gesamte weibliche Geschlecht fordern. Es ist ein Vor- recht deS Besitzes und nicht daS Recht, das nach unserer Auffassung der Frau als Persönlichkeit, als Staatsbürgerin gebührt. ES steht daher im schroffen Gegensatz zu unserer Forderung. In England finden wir betreffs des Frauenwahlrechts zu den verschiedenen Organen der lokalen Selbstverwaltung ein Kompromiß zwischen dem Rechte des Besitzes und dem Rechte der Frau als Persönlich- keit. Der Besitz soll m der Selbstverwaltung Recht und Vertretung haben, auch wenn zufälligerweise nicht der Mann, sondern die Frau sein Träger ist, dem kapitalistischen Grundsatz entsprechend. daß das Eigentum selbst daS geringere soziale Gefäß heiligt. Das Frauenwahlrecht zu den verschiedenen Körperschaften der lokalen Selbstverwaltung ist daher weitaus überwiegend auf den Zensus gegründet. Immerhin aber übt die englische Frau persönlich ihr Wahlrecht aus. Unserer Ueberzeugung entsprechend darf das Fcauenstimmrecht jedoch weder an Grundbesitz noch an gewerbliches Eigentum oder Steuerleistung gebunden sein. Wir fordern es als ein soziales Recht der Person."... „Aber wenn wir das Frauenstimmrecht auch in erster Linie als eine soziale Lebensnotwendigkeit würdigen, so begehren wir seine Zuerkennung doch nicht minder als einen Akt selbswerständ- licher Gerechtigkeit. Die Frau ist nicht nur wirtschaftlich von der Familie und dem Haushalt unabhängig geworden: sie wertet nicht nur ihre produktive Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten der Hand- und Kopfarbeit in ihrer Bedeutung für die materielle und kulturelle EntWickelung der Gesellschaft. Nein, sie ist sich auch des großen sozialen Wertes ihres hausmütterlichen und erzieherischen Waltens bewußt geworden. Der helle Schein, den die Feuer der großen Fabrikbetriebe auf das mütterliche Wirken im Heim ge- warfen haben, hat ihre Augen für die Bedeutung dessen geöffnet, was sie als Gattin und Mutter für die Allgemeinheit leistet. In dem Maße, wie die Zahl der erwerbstätigen Prolctarierinnen steigt, wie auch die Trägerin, Gebärerin und Erzieherin des prole- tarischen Nachwuchses dem Kapital zinsen und fronden muß, un- bekümmert um die Verpflichtungen gegen daS keimende Leben in ihrem Schoß, ohne Rücksicht auf die Pflege, deren das neugeborene Kind, auf die Sorgfalt und Führung, welches die heranwachsende Jugend bedarf: trat eS scharf in die Erscheinung, daß daS Schalten und Walten der Frau als Hausmutter mehr ist als ein Privat- dienst, den sie dem Manne leistet, nämlich eine Tätigkeit von höchster sozialer Bedeutung. Nicht durch Leichtsinn, nicht durch das Verstummen der Schläge des Mutterherzens, nein, durch den eisernen Druck der kapitalistischen Ausbeutung sind Millionen Frauen gezwungen worden, werden sie weiter gezwungen, sich wider das körperliche, geistige und sittliche Wohl ihres eigenen Fleisches und Blutes zu vergehen. Die steigenden Zahlen über die Säuglingssterblichkeit, über die sittlich verwahrlosenden Kleinen, über die jugendlichen Fürsorgebedürftigcn und Verbrecher: illustrieren den hohen Wert dessen, was die Frau innerhalb ihrer vier Pfähle für die Pflege und Erziehung des Nachwuchses wirkt. Die Forderung des Frauen- stimmrcchts ist die Forderung nach sozialer Anerkennung ihre» hochbedeutsamen sozialen Tätigkeit als Mutter." Eue der Partei. Set internationalen Konferenz der sozialistischen Jugendorgans- ationen, die im Anschluß an den Stuttgarter Kongreß vom 24. bis zum 28. August tagen wird, werden Vertreter aus Deutschland. Frankreich, Belgien. Holland, Spanien, Italien, der Schweiz, Deutsch-Oester- reich, Böhmen, Ungarn. Dänemark, Schweden. Norwegen. England und Bulgarien beiwohnen. Im ganzen sind bis jetzt 24 Delegierte angemeldet. Ein vom Bureau der internationalen Verbindung der Sozialistischen Jugendorganisationen herausgegebener Bericht über die sozialistische Jugendbewegung in allen Ländern wird noch vor Zu- mmmentritt des Stuttgarter Kongresses im Verlag der Leipziger Buchdruckerei A.-G. erscheinen. Die etwa 80 Seiten umfassende Broschüre wird zum Preise von 59 Pf. ver- kaust werden._ Dir sächsische Landeskonferenz. Dresden» 12. August. (Privatdepesche des„Vorwärt S'.) Die Landeskonferenz beschloß die Erhöhung deS Mit« gliederbeitrags auf 10 Pfennig pro Woche. Sie hob den obligatorischen Bezug der„Kommunalen Praxis" auf» empfahl aber ibren Buua durch die Gemeindevertreter. Mit dem Essener Parteitag beschäftigte sich eine Parteibersamm- luug in Nürnberg. Es wurde beschlossen, folgende Anträge an den Parteitag zu stellen: Die Wahlrechtsfrage in den Einzel stallten auf die Tagesordnung des Essener Parteitages. die Agrarfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen, ferner: den nächsten Parteitag in Nürnberg abzuhalten, da es im nächsten Jahre 40 Jahre her sind, daß in Nürnberg der erste Arbeiterkongresi im dortigen Rathause abgehalten wurde(1868). Genosse E i s n e r begründete den ersten Antrag des Vorstandes damit, daß er sagte, in Anbetracht der bevorstehenden Wahlrechts- „Reform" in Preußen gäbe es für den Parteitag in Essen kaum eine wichtigere Frage als die der Wahlrechtsfrage in den Einzel- ftaaten bezw. in Preußen. Diese Angelegenheit sei außerordentlich ernst. Das vom Negierungsblock im Verborgenen ausgearbeitete Projekt eines neuen Wahlrechts bilde zweifellos zugleich das Modell für das zukünftige Wahlrecht fiir den deutschen Reichstag. Werde dieses Projekt Gesetz, so bedeute das eine vollständige Lähmung des ganzen politischen Lebens überhaupt, denn die Zahl der Mandate werde dadurch für alle Ewigkeit sestgelegt. Die Wahlrechtsfrage sei also gegenwärtig die allerwichtigste für den Parteitag. Weniger erfolgreich sei eine ausgedehnte Dis- kussion über den Mißerfolg der letzten ReichstagSwahlen. Man müsse vielmehr ausgiebige Beratung darüber pflegen, was wir in Zukunft tun und arbeiten wollen, um vorwärts zu kommen. Alle diese Probleme laufen in der preußischen Wahlrechtsfrage zusammen; sie ist keine spezifisch preußische, sondern sie ist die deutsche Frage, sie ist die Frage des deutschen Proletariats. Genosse Merkel forderte von den zu wählenden Delegierten, die Reichstagsfraktion zu interpellieren über ihre Haltung zur Sold- erhöhung der Soldaten. Demgegenüber meinte Genosse E i S n e r, wir müßten den Militarismus nicht durch Kleinigkeiten bekämpfen. Eine Solderhöhung für die Soldaten sei zweifellos berechtigt. Unser Kampf gegen den Militarismus müsse sich erstrecken auf die inter- nationale Frage und die Dew okratisierung der Armee. Der deutschen Sozialdemokratie mangele es am Radikalismus der Tat. Gerade auf dem Gebiete des Militarismus erkenne man den mangelnden Einfluß der Sozialdemokratie. Wir müssen uns einmal entscheiden, was wir tun werden bei Ausbruch eines Krieges der Reaktion gegen Demo- kratie oder Revolution, waS wir tun werde», wenn eine siegreiche russische Revolution durch preußische Bajonette um ihren Erfolg gebracht werden soll? Wenn in gewissen Augenblicken das deutsche Proletariat nicht entscheidet, dann ist es mit der politischen Be- deutung des deutschen Proletariats überhaupt aus. Gegen erhebliche Minderheiten wurden noch folgende Anträge aus der Mitte der Versammlung heraus angenommen: Der Essener Parteitag möge sich gegen den Trinkzwang, gegen Beteiligung an Stichwahlen zwischen bürgerlichen Kandidaten und zur Frage der Kosten- deckung für die Opfer der Maifeier entscheiden. Als Delegierte zum Parteitag wurden gewählt die Genossen Treu, Haugen st ein und Kurt E i s n e r. Eine nächste Versamnilung wird sich mit der Einsetzung eines Bildungsausschusses beschäftigen. Die dritte ordentliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Zentralvcreins für den sechsten schleswig- holsteinischen Wahl- kreis(E l m s h o r n- P i n n e b e r g) fand am Sonntag in P i n n e- berg statt. 22 Ortsvereine hallen 46 Delegierte entsandt und außerdem waren der Vorstand, die Kontrollkommission des Vereins, die„Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" und die Agitationskommission Schleswig- Holsteins vertreten. Genosse V.' E l m, der bisherige ReichStaaöabgeordnete des Kreises, war ebenfalls anwesend. In einer Resolution wurde ausgesprochen, daß die vom Vorstand und der Kontrollkommission ein- geführte Art der Agitation bei der Landbevölkerung zweckentspechend ist. ES gehen regelmäßig Genossen aus den Städten, sogenannte „fliegende Arbeitersekretäre", auf das Land, kassieren Beiträge bei den Mitgliedern ein, versorgen die Landlcute mit Lektüre und stehen ihnen mit Rat zur Seite. Sodann wird eine Zeitung„Der Wähler" für das Land herausgegeben. Eine Nummer dieser Zeitung ist be- reits in 15 000 Exemplaren verbreitet worden. Auf Antrag des Vcreinsvorstandes und der Kontrollkommission wurde Genosse A. v. E l m eiilstimmig wieder zum Reichstags« kandidaten für den sechsten Kreis aufgestellt. Ferner wurde Genosse A. v. Elm einstimmig als Delegierter für diesen Kreis zum internationalen Kongreß in Stuttgart bestimmt. Zum Partei- tag in Essen soll auch nur ein Delegierter gesendet werden. Sieben Kandidaten wurden den Genossen des Kreises zur Wahl präsentiert. Aus der Versammlung heraus wurde folgende Resolution zur Annahme empfohlen: „Die am 11. August 1907 in Pinnebcrg tagende General- Versammlung des sozialdemokratischen Zentralvereins für den 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreis spricht dem langjährigen ReichstagSabgeordncten v. E l m ihr unumschränktes Vertrauen aus. Sie weiß, daß er stets in der aufrichtigsten, arbeits- freudigsten, energischsten und uneigennützigsten Weise der Partei und der Arbeiterbewegung gedient hat und noch dient und erklärt es deshalb für eine Niederträchtigkeit, wenn er jetzt von Leuten, die sich als Parteigenossen gcrieren, zum Gaudium der Gegner und in totaler Unkenntnis der Sache inil Schmutz beworfen wird, weil er analog früheren Entschließungen anderer hervorragender Parteigenossen sich gegen ihm zu weitgehend erscheinende Forderungen über Lohn- und Arbeitöbediugungen interessierter Kreise in der Konsumgenossenschaflsbcweguiig erklärt hat." Der Antragsteller führte aus, die Resolution könne überflüssig erscheinen, weil v. Elm das Vertrauen der Versammlung durch Uebertragung des Reichötagsmandats usw. ausgesprochen sei, aber er halte eS für notwendig, daß seinen Verleumdern und Beschinipfern in der unzweideutigsten Weise gesagt werde, wie man über sie denke. Er erinnere daran, daß Genosse v. Elm weiter nichts getan habe, als Forderungen des Lagerhalterverbaudcs in derselben Weise als zu weitgehend zu bezeichnen, wie das seinerzeit die Genossen Bebel, Auer und Singer mit den Forderungen des Vereins Arbeiterpresse getan hätten.— Genosse V.Elm erklärte, ihm sei es gleichgültig, ob die Resolution angenommen werde. Aber er habe es satt, sich von geivissen Journalisten beschimpfen und verleumden zu lassen und werde ihren Ausschluß aus der Partei beantragen. Was.sie von ihm behauptet hätten, daß er sich gegen den Achtuhrladenschluß, gegen die Sonntagsruhe, gegen die Besserstellung � der Angestellten und gegen die Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen habe, sei er- slunken und erlogen. Mit diesen Behauptungen arbeiteten die ge- kennzeichneten Journalisten nur den Gegnern in die Hände.— Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Es will uns erscheinen, daß die Resolution und die dazu gehaltenen Reden von zu großer Empfindlichkeit gegen Parteigenössische Kritik zeugen. Soweit wir gesehen haben, ist diese Kritik zwar sachlich scharf, aber in angemessenen Worten geführt worden— von Ler- leumdungen und Beschimpfungen der Person des Genossen v. Elm haben wir nichts bewerft. Genosse v. Elm sollte sich deshalb feine Ausschlußantrüge noch einmal reiflich überlegen. Dem Stuttgarter Kongreß ist die soeben erschienene Nr. 45 der „Neuen Zeit" vonrehmlich gewidmet. Die Redaktion erörtert die Bedeutung der internationalen Tagung im allgemeinen in einem Leitartikel. Einen sehr interessanten und instruktiven Beitrag zur Frage der Aus- und Einwanderung liefert Genosse Josef Diner-Dönes- Budapest in einem imAuftragedersozial- demokratischen Partei Ungarns verfaßten Artikel über die A u S w a n d e r u n g und Einwanderung in Ungarn. — Außerdem enthält die Nummer die Fortsetzung deS Berichts des Genossen L. B. B o u d i n über die politische Lage in den Bereinigten Staaten und die Demokratische Partei, einen Beitrag»Die Opfer der Militärjustiz' vom Genossen Dr. Siegfrieda und eine Literarische Rundschau, in der Gustav Eckstein die von R. H. Francö herausgegebene„Zeitschrift für den Ausbau der EntWickel ungs lehre, sv. Internationale Uebersicht über Gewerbchygicne von Dr. E. N e i ß e r- Berlin und?ft. die neueren Bände der im Verlag der Dürrschen Buchhandlung zu Leipzig erscheinenden Philosophischen Bibliothek besprechen._ Sozialce. Unternehmer gegen Aerzte. Im Verlage von Richard Schmidt in Meißen ist eine Broschüre erschienen, die einem charakteristischen Vorfalle ihre Herausgabe ver- dankt. Der Verfasser sagt darüber im Vorwort folgendes: „Die Drucklegung des nachstehenden Vortrages ist die Antwort auf ein, gelinde gesagt, eigenartiges Vorgehen der Unternehmer in der Meißner Ofenindustrie. Im Herbste des Jahres 1906 ersuchte die Organisationsleitung des Fabrikarbeiterverbandes, Zahlstelle Meißen, einen Arzt— einen Herrn Dr. med. Pfeiffer— in einer öffentlichen Ber- sammlung der inOfen- und Tonwarenfabrikenbeschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen einen Vortrag zu halten über„Die Berufsgefahren in der keramischen Industrie, unter besonderer Berücksichtigung der Bleivergiftung". Ursache der geplanten Versammlung war das Ueberhandnehmen der Bleivergiftungen in den erwähnten Betrieben: Zweck des Vortrages sollte sein, die Arbeiter über die ihnen drohenden Gefahren aufzuklären und den Unternehmern die Not- wendigkeit ausreichender Schutzmaßnahmen zu beweisen. Herr Dr. Pfeiffer kam dem Ersuchen der Arbeiter in dankenswerter Weise nach. Von den Unternehmern, die zu der Versammlung schriftlich geladen waren, erschienen zwei, äußerten sich jedoch in de, Versammlung nicht. Wenige Tage später aber erhoben die Vertreter der vier größten Betriebe Beschwerde über Herrn Dr. Pfeiffer beim ärztlichen Ehrenrate. Der Ehrenrat gab der Beschwerde statt und eröffnete ein Untersuchungs- verfahren, das allerdings niit Freisprechung des beschuldigten Arztes endete." Die He,-ren Unternehmer haben jedenfalls aus einem Gefühl heraus gehandelt, das ihnen sagt, der Arzt habe sich ausschließlich als Kuli des Kapitals zu betrachren. Berichts-Leitung. Aus der Stndt der Intelligenz. Eine moderne Phthia, die wie so viele andere ihrer„Berufs"- Genossinnen mit großem Erfolg auf die Leichtgläubigkeit derjenigen spekuliert hat, die„nicht alle werden", stand gestern in der Person der 73jährigen„Kartenkünstlerin" Wilhelmine Fischer vor der zweiten Ferienstrafkammer des Landgerichts II. Die Verhandlung zeigte wieder einmal, was in der Großstadt im zwanzigsten Jahrhundert noch immer möglich ist, und wie besonders Frauen, die sich auf ihre Intelligenz etwas einbilden, sich danach drängen, durch den Mund alter ungebildeter Frauen etwas über ihre Zulunft zu erfahren und sich aus dem Ei, aus Kaffeegrnnd oder aus Karten wahrsagen zu lassen. DaS Treiben der Frau Fischer, die ihre„Künste nach einander in Wilmersdorf, in Steglitz und in der Wormserstraße in Charlottenburg ausgeübt hat, hat seinerzeit zu Erörterungen in der Presse Veranlassung gegeben, ob es denn keine Mittel und Wege gebe, um solchem Unfug ein Ende zu machen. Die An- geklagte ist eine überaus geschwätzige, körperlich noch rüstige alte Frau, die in zlvei Minuten so viel törichtes und konfuses Zeug zusammen findet, daß der Vorsitzende seine liebe Not hatte, um den wasserfallartigen Redestrom der Angeklagten von Zeit zu Zeit wenigstens einzudämmen. Sie war früher Köchin, war dann einige Jahre hindurch unglücklich verheiratet und hat ein dürftiges Leben geführt, bis sie sich als Kartenlegerin und Wahrsagerin etablierte. Sie ist schon mehrmals vorbestraft.„Literarische" Unterstützung in ihrem Ge- werbe leistete ihr ein wegen Blödsinns entmündigter Sohn, der ihr die bombastischen Nellamezettel anfertigte, durch die sie zum Besuche ihres Salons einlud. Diese Zettel wurden gewöhnlich durch Kinder auf den Straßen und in den Häusern verbreitet. Den Kindern soll sie auch noch den ihnen zugesagten Lohn in betrügerischer Weise vorenthalten und durch deren Beschäftigung auch gegen das Kinderschutzgesetz verstoßen haben. Die massenhaft verbreiteten Rellamezettel priesen die Wahr- sagekunst der Angeklagten in der schwülstigsten Weise an. Sie wurde darin gefeiert als„weltberühmt seit dem Jahre 1898". Durch Gerichtsbeschluß sei ihr Gewerbe ihr gestattet. Es handle sich nicht um Hokuspokus oder Sympathie, sondern um die„einzig wirklich studierte Kartenkunst", für die zahl- reiche öffentliche Anerkennungen" vorlägen.„Wegen der zahl- reichen Damen, die zu ihr kämen, und um einer Ueberfüllung der Wartezimmer vorzubeugen, würden nur Konsultantinnen zugelassen, jede Dame werde einzeln zur Kon- sultation hereingelassen. Honorare kulant. Wegen der vornehmen und besseren Mieter des HauseS Hubertusstraße 11 werden nur anständig gekleidete Frauen zur Konsultation zugelassen. Jede Be- sucherin erhält in allen juristischen Angelegenheiten von einem juristisch gebildeten Manne gegen geringe Gebühr Rat und Schutz." Dieser juristisch gebildete Beirat war der als blödsinnig entmündigte Sohn der Angeklagten, den diese in vollem Mutterstolz nicht für blödsinnig, sondern für sehr schlau erklärt. Die Donnerstage und Freitage waren in den Rellc�nen als Elitctage angesetzt. Als bei der Behörde fortgesetzt Beschwerden über daö Treiben der Angeklagten eingingen, geißelte der„Steglitzer Anzeiger" unter der Ueberschrift„Fauler Zauber" die Geschäfte der Angellagtcn. was den Sohn der letzteren vcranlaßte, in hochtrabender Weife von dem Redakteur Simon- söhn eine Berichtigung auf Grund des ß 11 des Preßgesetzes zu verlangen. Als dann ein gerichtliches Verfahren gegen die An- geklagte eröffnet wurde, verstand es diese, die Termine dadurch zu vereiteln, daß sie sich verborgen hielt. Sie tauchte dann unter dem Namen Schickes ivieder auf und nannte sich nun„Chiromantin". In ihren Reklamen sprach sie wieder davon, daß eZ sich um„keinen Hokuspokus",„keine Sympathie", sondern nur um„studierte Planeten- und Kartenkunst" handele, daß sie große Erfolge und öffentliche Anerkennungen aus aristokratischen und bürgerlichen Kreisen aufzuweisen habe und vielfach ehrenvoll ausgezeichnet sei. Auf die Frage des Gerichtsvorsitzenden. Landgerichts- direktor H o f f m a n n. waS denn„Chiromantie" sei, hatte sie keine Antwort, dagegen beantwortete sie die Frage, ob sie denn wisse, was ein Planet sei, dahin:„Planet ist die Stunde, in der der NNensch geboren ist".— Präs.: Glauben Sie denn, daß Ihnen die Vorsehung die besondere Kunst verliehen hat, in die Zulunft zu schauen?— A n g e k l.: Ja Wohl I— Präs.: Wie sind Sie dazu gekommen, anzunehmen, daß Sie ein Werk der Vor- sehung seien?— Angekl.: Das weiß ich nicht. Ich habe ja aber die Leute auch gar nicht betrogen, sondern ihnen ganz richtig wahrgesagt.— Präs.: Auch das Publikum, welches so töricht ist. zu glauben, daß eine alte, ungebildete Frau aus Kaffeegrund oder aus Karten wahrsagen könne. muß vor Ausbeutung geschützt werden. Es gibt leider Gottes noch immer eine Menge solcher dummen und törichten Leute.— Angekl.: Ich beschwindele niemand. Ich kann Hunderte von Zeugen beibringen, daß ich ihnen sehr richtig Todesfälle, große Reisen, Glücksfälle usw. prophezeit habe und alles ist eingetroffen. Sehr vornehme Leute sind bei mir gewesen, sogarbomköni- lichen Schloß sind Damen bei mir gewesen und c... � waren immer sehr zufrieden.— Aus dem weiteren ko.. fusen Wortschwall der Angeklagten, in dem sie den liebe» Herrgott, den Herrn Christus und verschiedene Heilige als ihre Zeugen an- rief, klang immer wieder der energische Protest gegen den Verdacht heraus, daß sie auch„aus dem Kaffeegrnnd" oder„aus dem Ei" wahrsage: sie übe ihre Kunst nur mit Hülfe der Karten oder des Bleiflusses aus. Nach der Bekundung der wenigen Zeuginnen, die veniommeii wurden, empfing die Alte ihre Gäste, die auf die dunklen und die heiteren Lose, die noch im Zeitenschotze für sie schlummern, allzu neugierig waren, in einem ziemlich dunklen Zinimer, breitete dann Karten dar sich aus, die mit allerlei Gebilden, wie Monde, Brote, Scheren usw. bemalt waren, und„brummelte" absolut un- verständiges und konfuses Zeug vor sich hin, wovon die Klienten gar nichts verstehen konnten. Nur ein junges Mädchen hatte aus dem Gefasel der modernen Sibylle den Rat herausgehört, daß sie sich keinen Schwarzen, sondern einen Blonden als Bräutigam anschaffen sollte. Unter den Zeuginnen be- fanden sich wirklich einige, die zugaben an die prophetische Kraft der Alten geglaubt zu haben, andere erklärten verschämt, daß sie mehr aus Neugierde auf Grund der Reklame- zettel den Weg zur Angeklagten angetreten hätten, um zu sehen, ob diese wirklich den Schleier von der Zukunft lichten könne und was sie ihnen in Aussicht stellen würde. Für die Sitzung wurde ein Honorar von 1 M. von der Angeklagten beansprucht„ohne der Wohltätigkeit Schranken zu ziehen"; sie begnügte sich aber auch mit wenigen Groschen. Unter den Zeuginnen befanden sich nicht nur junge Mädchen, sondern auch Frauen, die schon„aus dem Schneider" waren. Die eine war zur Angeklagten durch den Um« stand getrieben worden, daß ihr Ehemann mehr als ihm dienlich war„saufen" ging, eine andere hatte andere familiäre Schmerzen. Die Anklage konstruierte den Betrug in der Weise, daß sie sagte: die Zeuginnen seien durch die falschen Angaben in den Reklamezetteln angelockt worden und hätten das Propheten- Honorar für ein unverständliches, konfuses und wertloses Gesalbadere der Angeklagten hingegeben. Diese ist längere Zeit hindurch in der kgl. Charitö auf ihren Geisteszustand beobachtet worden.— Prof. Dr. Henneberg begutachtete, daß von einer tieferen geistigen Störung bei der Angeklagten keine Rede sei. Sie zeige manche Eigentümlichkeiten, diese stehen aber mit ihrer lang- jährigen Berufstätigkeit im Zusammenhange, insbesondere ihre große Schwatzhaftigkeit. Dieser alten ungebildeten Frau sei es zur Gewohn- heit geworden, solches Gewäsch, wie sie bei ihren Wahrsagereien zum besten gebe, zu produzieren. Bon einem systematischen Können auf diesem Gebiete sei bei ihr keine Rede, sie schwatzt ins Blaue hinein, Ivos ihr gerade einfällt und für den je- weiligen Fall ihr opportun erscheint. Nicht ganz ausgeschlossen er- scheine es, daß sie infolge mancher zufälligen Treffer, die sie gehabt haben mag, in gewissem Grade an ihre Prophetengabe selbst glaubt.— Der Gerichtshof trat dieser letzteren Annahme nicht bei und verurteilte die Angeklagte wegen wiederholten Betruges zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft._ Eine Kindcsleiche im Reisekoffer wurde am 14. April d. I. anläßlich einer Haussuchung bei dem 18jährigen Dienstmädchen Emilie B. aufgefunden, daß bei einem in Biesdorf wohnhaften Kaufmann W. in Stellung war. Die Veranlassung zu dieser Haussuchung war ein Gerücht über einen Kinoesmord gewesen, dessen sich die jugendliche B. schuldig gemacht haben sollte. Das Ergebnis der angestellten Ermittelungen führte zu einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung, wegen welcher sich die B. gestern vor der 2. Ferienstrafkammer deS Landgerichts III verantworten mußte. ES war die alte Geschichte von der Liebe Lust und Leid mit einem überaus traurigen Abschluß. Die damals 17jährige Angeklagte hatte auf einem Tanzboden die Bekanntschaft eines jungen Mannes gemacht. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich bald ein Liebes- Verhältnis. Als sich die Folgen einstellten, verschwand der Lieb- haber und überließ das Mädchen seinem Schicksal. Die Angeklagte verstand es, ihren Zustand der Dienstherrschaft gegenüber zu ver- bergen. Am Morgen des 28. März kam die B. etwas aufgeregt aus ihrem Zimmer, verrichtete jedoch wie gewöhnlich des Tages über ihre leichte Arbeit. Erst nach einigen Tagen wurden ver- schiedcne Anzeichen entdeckt, daß die B. heimlich geboren hatte. Das Kind war jedoch verschwunden. Erst als das Gerücht von einem KindeSmorde auftauchte, nahm der Gendarm Schelble eine Hans- suchung vor. bei welcher eine grausige Entdeckung gemacht wurde. In einem Reisekoffer wurde völlig zusammengepreßt die Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Die Obduktion ergab als Todesursache Erstickung. Da die Angabe der Angeklagten, das Kind sei während einer Ohnmacht im Bette erstickt, nicht wider- legt werden konnte, wurde nur eine Anklage wegen fahrlässiger Tütung erhoben.— Vor Gericht war die Angeklagte geständig. Die Strafkammer erkannte mit Rücksicht auf die große Jugendlichkeit und die bisherige Unbescholtcnheit der Angeklagten auf eine Ge- fängnisstrafe von zwei Monaten. Außerdem wurde die B., weil sie eine Leiche ohne Vorwissen der Behörde beiseite geschafft hatte, zu einer Woche Haft verurteilt. Tie Probefahrt eines„wilden Automobilisten" beschäftigte gestern die 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Auf der Anklagebank mußte der Droschkenkutscher Max K u n i g Platz nehmen, um sich wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Der Angeklagte, welcher schon einmal wegen Körperverletzung zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden ist, hat bisher eine Pferdedroschke gefahren. Am 24. April traf K. in früher Morgen- stunde in einem Lokal in der Jnvalidcnstraße den Kraftdroschken- führer Schulz, der damit prahlte, daß er in der vorauf- gegangenen Nacht 61 M. eingenommen hatte, während der An- geklagte nur 15 M. verdient hatte. Als Kunig fragte, ob denn das Automobilfahren sehr schwer fei, äußerte Schulz, man könne es in einer halben Stunde lernen und wenn es ihm recht fei, könne er gleich eine Probefahrt machen. Der Angeklagte, der in feistem Leben noch in lcinci» Automobil gesessen und keinerlei Kenntnisse von den technischen Einrichtungen hatte, setzte sich in einem mehr als sträflichen Leichtsinn an das Stcuer der Antomobildroschke und fuhr darauf los. Der neben ihm sitzende Schulz gab ihm nur die nötigen Anweisungen. Nachdem der Angeklagte in einem Lokal in der Haidestraße noch mehrere Glas Bier und verschiedene Schnäpse zu sich genommen hatte, bestieg er auf Verlangen des Schulz allein das Automobil und fuhr die Haidestraße entlang. An der Ecke der Fenn- und Tegelerstraße verlor der leichtsinnige Fahrer vollständig die Herrschaft über das Fahrzeug und fuhr initte» in die den Strasicnllbergang passierenden Menschen hinein. Der Steinsetzer Emil Kurz wurde zu Boden geschleudert und über- fahren. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Trans- port zur Unfallstation verstarb. Staatsanwalts-Assessor Müller hielt den Angeklagten einer unglaublich leichtsinnigen und fahr- lässigen Handlungsweise überführt. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit erscheine es angebracht, derartigen loildcn Auto» mobilistcn einen gehörigen Denkzettel zu verabreichen. Dem An- trage des Staatsanwalts gemäß erkannte auch die Strafkammer auf eine Gefünonisstrafe von neun Monaten. Kus cler fraueiibewegung. Berfammluiigen— Beraustaltunge». Charlottendurg. Mittwoch, den 21. Aug., 8'/, Uhr, im Volkshaufe, Rosienenstr. 8. Vortrag. Frau Jeetze:»Wie wir arbeiten und wirtschaften müssen I" Verband sozialdemokratischer Wahlvereine ßertins und dmgegend. Dienstag, den 13. August, 8V» Uhr abends: Grnml-NersMmlmM der KreisMhImente Scrlins. Erster Kreis im„Ifttibbaus", Kraufenftraße 10. w Essen. L Der Leo Arons. 2. Anträge zum Parteitag. 3. Wahl der Delegierten. Tages-Ordnung: Referent: Dr. 4. Die Brandenburger Provinzialkonferenz. ö. Anträge zur Provinzialkonserenz. 6. Wahl der Delegierten. 7. Vereinsangelegenheiten. Zweiter Kreis in der Berliner Bock-Brauerei(kleiner Saal), am Cempelbofcr Berg. TageS-Ordnung: 1. Der Parteitag in Essen. 4. Die Provinzialkonserenz der Provinz 2. Anträge zu demselben. Brandenburg und Anträge zu derselben. 3. Wahl der Delegierten. 5. Wahl der Delegierten. 6. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Dritter Kreis im Gewerktcbaftshaufe, Bngcl-Clfer 15, großer 8aai. TageS-Ordnung: 1. Der Parteitag in Essen. 4. Die Brandenburger Provinzialkonserenz 2. Anträge zu demselben. und Anträge zu derselben.> 3. Delegiertenwahl zum Parteitag. 5. Delegiertenwahl zur Konferenz. 6. Partei- und Vereinsangelegenheiten. Vierter Kreis in Kellers f eftfäUn,?>»>. freyer, KoppcnCtraße 2p. Tages-Ordnung: 1. Der Parteitag in Essen. Refer.: Reichstags- abgeordneter D. Stücklen. 2. Diskussion. Beratung eventueller Anträge und Wahl der Delegierten. 3. Ausschlußantru��. 4. Die Brandenburger Konferenz» Anträge und Wahl der Delegierten. L. Verschiedenes. Fünfter Kreis im Tllten Scbützenbaufe, Linienftraße Z. Tages-Ordnung: 1. Der Essener Parteitag. 3. Die Brandenburger Provwzialkonferenz. 2. Anträge und Delegiertenwahl. 4. Delegiertenwahl. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. Sechster Kreis in den Gertitania-pracbttälen, ChaulTcertr. 103« TageS-Ordnung: 3. Konferenz der Provinz Brandenburg. 4. Wahl der Delegierten für dieselbe. l. Der Parteitag zu Essen. 2. Wahl der Delegierten. Zu allen Versammlungen legitimiert das Mitgliedsbuch des betreffenden Wahlvereins. Bei der Wichtigkeit der Verhandlungen erwarten pünktliche« und allseitigen Besuch Die Veretnsvorstände. «Jodes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlatstellen-Anzeigen 9 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen( ANZEIGEN fUr die nächste Nummer werden In den Annahmestellea für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche mlIFarbensehIernFabrN- Niederlnge fflrofte ftrnnfftirlerflrnhe 9, parterre fein gaben. Mauerhofs. fl Steppbecken billigst Fabrik Brotze granNurlerstrabe 9, parterre ,1 (Barbtneubn»» ÄrokeFranfiurler» ftraste 9. parterre. Kein Laden. Mauerhost._ 1+ Kahrräbrr, Teilzahlungen. In- validenslrahe 20, Skalitzerstratze 40,- Herrenfahrrad, Dameniahrrad, ivie neu, 4b, 00. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» kosten 00 Pf. die Zeile. Parteisekretär. Für den AgltationSbczirk Leipzig, der vier ReichStagSwahlkreise umsafft, soll alsbald ein Parteisekretär angestellt werden. ES wird aus eine tüchtige, organisatorisch begabte Kraft refleltirrt, die auch mit der Agitatiou aus dem Lande verstaut ist. Be- Werber wollen ihre Gesuche mit An« gäbe ihrcS Bildungsganges, ihrer bisherigen Tätigkeit und ihrer An« spruche bis zum 25. Slngust an den Vorsitzenden des AgitattonS- komitee», Rich. LipinSki, Leipzig, Elstersst. 14, einsenden. 295/4- Das Agitationskomitee. ItinpRstlMetit flotte Feder besonders aus politischem und kommunalpolitischem Gebiet, sicherer Korrektor, Berichterstatter (gelernter Setzer) sucht Stellung an Parteiblatt. Stilprobe zur Verfügung. Offerten erbeten an HVcnck«!, Rugenwalde» Carwitzerstraße 22. Dealscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Wegen Streik und Disserenzm find gesperrt: für Klavierarbeiter/z Uhr, finde: bei Kähne, Verlinerstr. 39, die Mitgliederbersammlung des Wahlvereins statt. 2er lvichiigen Tagesordnung wegen ist das Er- scheinen aller Genossen unbedingt notwendig. Der Vorstand. Wilhelmsruh. Mittwoch, den 14. August, abends S'/a Uhr, findet eine Mitgliederversammlung des Wahlvercins bei Barth statt. Die Mitglieder werden dringend ersucht, vollzählig zu erscheinen. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Nudow. Die Sammelliste Nr. 10169 des Zentralwahlvereins sllr Tcllow-Becskow-Storlow-Charlottenburg zur Deckung der Delcgalionskosten zum Parteitag ist auf dem Wege von Nieder- Tchöneweide nach Nudow verloren gegangen. Gezeichnet find t,4l1 M. Dieselbe ist anzuhalten. Grünau. Heute Dienstag, abends pünktlich 9 Uhr, findet in der „Grünen Ecke" die Mitgliederversammlung statt. Genosse Max Grunwald wird einen Vortrag über«Die Aufgaben des nächsten Parteitages" halten. Da auch wichtige Angelegenheiten zur lUeisgeneralversammlung zu erledigen sind, ist es besonders not- wendig, daß die Parteigenossen vollzählig erscheinen. Der Vorstand. Karlshorst. Den Parteigenossen zur Kenntnis, dafc der Zahl- ibend morgen abend 83/4 Uhr im Lokal von Sabrowski, Treskow- Slllce, Ecke' Kransenstrabe, stattfindet. Um vollzähliges Erscheinen ersucht Der Vorstand. Schmargendorf. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahl- bcrcins findet am Mittivoch, den 14. August, abends 8'/a Uhr. im Restauraut zum Lindenbaum, Spandauerstraße, statt. Um pünktliches Erscheinen bittet_ Der Vorstand. Berliner JVacbncbtem Immer weniger des„Kindersegens"! Der Rückgang der Geburtenziffer, den die letzten drei Jahr- zehnte dem deutschen Volke gebracht haben, ist für Berlin besonders grob gewesen. In V e r l i n wurden im Jahre 1905 nur 51 282 Kinder geboren(einschl. 1842 tote), das sind bei einer durchschnitt- lichcN Bevölkerungszahl von 2 916 826 Personen nur 25,5 Ge- borene pro 1999 Personen der Bevölkerung. In . 1876, dein letzten Jahr der Gcburtcnhochflut, die nach dem Krieg von 1879/71 über uns-gekommen war, hatte die Geburtenziffer den für Verlin beispiellos hohen Stand von 47,2 Geborenen pro 1999 Personen der Bevölkerung erreicht. Die Bedeutung des Rückganges der Geburtenziffer, der noch fencm Gipfeljahr 1876 begann und seitdem ohne nennenswerte Unterbrechung angedauert hat, wird ersichtlich aus der folgenden Berechnung. Die damalige Geburtenziffer, 47,2 pro 1999 Personen der Bevölkerung, ergäbe bei der Bevölkerungszahl des Jahres 1995, die ja bereits über doppelt so groh wie diejenige des Jahres 1876 war, nahezu 95 999 Geborene(einschl. Totgeborene). In Wirklich» kcit wurden aber, wie oben angegeben, im Jahre 1995 nur noch 51 282 Kinder geboren. Das sind etwa 44 999 Kinder weniger, als zu erwarten gewesen wären, wenn die Fruchtbar- keit in Berlin heute noch ebenso groß wäre wie vor dreißig Jahren. Hierbei ist freilich zu beachten, daß man die Geburtenziffern aus der ersten Hälfte der siebziger Jahre und namentlich den Höchst- stand aus 1876 nicht als maßgebend und sozusagen vorbildlich an- sehen kann. Es ist auch mehr als fraglich, ob die Arbeiter- bcvölkerung, die ja den allergrößten Teil des gesamten Nach- Wuchses beschafft, so sehr zu beglückwünschen gewesen wäre, wenn jene ungewöhnliche Fruchtbarkeit, die durch die besonders günstigen Erwerbsvcrhältnisse der„Gründerjahre" bedingt wurde, dauernd sich auf gleicher Höhe erhalten hätte. Segen kann es höchstens der bürgerlichen Gesellschaft bringen, wenn die Arbeiterklasse die ihr zugefallene Aufgabe, Kinder in die Welt zu setzen, nicht vernachlässigt. Dem Kapital sind immer neue Arbeiter nötig, die es ausbeuten darf. Und der Staat braucht Soldaten, die er gegebenenfalls als Kanonenfutter verwenden kann. Für Berlin bieten die vom Statistischen Amt ausgeführten Be- rechnungcn die Möglichkci«, den Rückgang der Geburtenziffer noch eingehender zu betrachten. Die Bergleichung der Zahl der ehelich Geborenen jedes Jahres mit der jeweiligen Durchschnittszahl der in Berlin vorhandenen Ehefrauen ergibt ein noch ungünstigeres Bild als die primitive Methode einer bloßen Bergleichung mit der Bevölkerungszahl. Für das Jahr 1995 ist die Durchschnittszahl der Ehefrauen auf 388 968 ermittelt worden. Da in demselben Jahr 42 673 Kinder ehelich geboren wurden(einschl. Totgeborene), so haben wir hier nur 119 Geborene pro 1999 Ehe- frauen. Tagegen hat das Statistische Amt für 1876 die sehr bedeutende Zahl von 249 Geborenen pro 1999 Ehefrauen heraus- gerechnet. Damals kam also fast auf jede vierte Ehefrau im Jahre ein Neugeborenes, während gegenwärtig pro Jahr erst jed- neunte Ehefrau ein Kind zur Welt bringt. Die Geburtenziffern aus der Mitte der siebziger Jahre können. wie gesagt, nicht als Norm gelten. Aber auch die Bergleichung mit den sechziger und fünfziger Jahren fällt sehr zuungunsten unserer Zeit ans. Die Zahl der ehelich Geborenen pro Tausend der Ehe- frauen stellt: sich im Durchschnitt der Jahrfünfte 1856—69, 1861 bis 1865, 1866— 79 auf 217, 219, 221. Wenn demgegenüber im Jahre 1995 nur noch 119 Kinder pro Tausend der Ehefrauen zur Welt kamen, so bedarf es nicht erst der Versicherung, daß eine so auf- fallende Verminderung nicht lediglich aus einer natürlichen Abnahme der Fortpflanzungsfähigkeit erklärt werden kann. DaS Freibad in Wannsee war am Sonntag, wie mitgeteilt wird, von 59- bis 69 999 Menschen besticht. Die Folge dieses dorthin ziehenden Menschenstromes ivar, daß sich namentlich des Abends bis spät in die Nacht große Verkehrsschwierigkeiten herausstellten,»m die Tauiende wieder heimzubefördern. Namentlich auf den Bahn- Hofen Nikolassee, Wannsee und Schlachtensee waren die Verkehrs- Verhältnisse geradezu lebensgefährlich. Bcotsunfülle auf dem Müggelsee. Am Sonntag kenterte gegen 5 Ilbr nachmittags infolge eines plötzlich eintretenden Windstoßes ein Segelboot, in dem sich zwei Herren und eine Dame befanden. Einem der Knsaffen gelang es, sich selbst und die Dame durch Schwimmen zu retten, während der zweite Herr sich an dem gc- kenterten Boot anzuklammern vermochte, bis Hülfe zur Stelle war.— Zu derselben Zeit geriet auf dem Langen See ein Ruder- boot, in dem sich zwei junge Leute befanden, in die Wellen eines vorbeifahrenden Dampfers und schlug um. Einer der Ler- unglückten konnte von der Mannschaft des Dampfers gerettet werden, während der zweite, der sofort im Wasser verschwunden war, erst nach längerem Suchen in besinnungslosem Zustande den Wellen entrissen werden konnte Aus der Selbstmordchronik. Eine Familientragödie fand am Sonntag im Humboldthain ihren Abschluß. Zwischen dem in der Hochstädterstraße wohnhaften Paulschen Ehepaare war es in der Nacht zum Sonntag zu einem erregten Auftritt gekommen, der damit endete, daß die Frau auf- und davonlief. Sie landete schließ- lich im Humboldthain und ließ sich dort erschöpft auf einer Bank nieder. Die Unglückliche holte dann eine Flasche Lysol, die sie sich heimlich verschafft hatte, hervor, und in dem Glauben, daß sie unbeobachtet sei, setzte sie die Flasche an den Lippen und trank von dem Gifte. Ein junger Mann, der jedoch den Vorgang beobachtet hatte, sprang hinzu und entriß der Lebensmüden die Giftflasche. Die P. hatte aber bereits eine derartige Menge von dem Lysol zu sich genommen, daß sie in hoffnungslosem Zustande in das Lazarus-Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Ein entsetzliches Brandunglnck, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich am Sonntag im Hause Kurfürstenstr. 163. Dort fingen die Kleider der Tochter� des Herrn Ludecky, als sie den Gaskocher anzünden wollte, Feuer. Auf die Rufe der Be- dauernswerten eilte ihr Vater herbei, dem es schließlich gelang, das Feuer an den Kleidern zu löschen. Sowohl die Tochter wie auch der Vater hatten schwere Brandwunden erhalte»; beide mußten in das Elisabelhkrankeuhaus gebracht werden. Die Tochter ist bereits gestern früh 19 Uhr den Brandwunden erlegen. Unter dem Verdacht, fahrlässig den Tod einer Frau herbei- geführt zu haben, ist am Sonntag die Masseurin Sophie Schund aus der Gerichtstraße 32 verhaftet worden. Am Sonnabend- vormittag erschien die llbjährige Ehefrau eines Schankwirts R. aus der Tegelerstraße bei der Sch. Gestern suchte nun Frau Sch. das Polizeirevier in der Grünthalerstraße auf und bat um einen Totenschein für die Li. Sie gab dabei an, sie habe die Schank- Wirtsfrau massiert und ihr dann ein Glas Wasser zu trinken ge- geben, worauf sie plötzlich gestorben sei. Der Arzt, der die Todes- Ursache feststellen sollte, vermochte dies jedoch nicht. Die Leiche wurde von dem Arzt vollständig culkleidct im Bette der Sch. vorgefunden. Es wurde davon die Polizei in Kenntnis gesetzt und die Unter- suchung führte dann zu der Verhaftung der Sch. Ein trauriger Vorfall hat sich Sonntag in früher Morgem stunde in dem Kricgcr-VcreinShaus in der Chausseestraße zw getragen. In dein großen Festsaale hatte ein Verein ein Tanz vergnügen abgehalten, an dem auch der 24jährige Lagerist Otto Czarmetzky aus der Bahnhofstraße 18 in Tegel mit seiner Braut teilnahm. Das Paar hatte bereits flott getanzt und in der dritten Morgenstunde brach der junge Mann plötzlich leblos in den Armen der Braut während des Tanzes zusammen. Ein hinzugezogener Arzt stellte fest, daß ein Herzschlag dem jungen Leben ein jähes Ende bereitet hatte. Durch laute Hülfrrufe ivurden in der Sonntagnacht plötzlich die Bewohner des Hauses Nollendorfttraße 26 aus dem Schlafe auf. geschreckt. Die Rufe drangen aus der im Vorderhause belegenen Kellerwohnung heraus, in der seit etwa vier Wochen die be- schäftigungslose Emma Hildebrandt wohnte. Dos erst 23jährige Mädchen war abends mit einem älteren Bekannten heimgekehrt und mit demselben ig Streit gekommen. In der Erregung ergriff das Mädchen ein Messer und richtete den Mann übel zu. Auf die Hülferufe eilten Hausbewohner hinzu und benachrichtigten die Polizei. Ein Beamter fand den Gestochenen in einer großen Blut- lache im Schlafzimmer auf und brachte ihn nach einem Arzt und auf dessen Anordnung erfolgte die Einlieferung in das Schöne- berger Krankenhaus. Die H. wurde verhaftet. Ein heftiger Zusammenstoß zwischen einem Straßenvahuwagen und einem Privatautomobil erfolgte gestern(Montag) vormittag an der Ecke der Hirten- und Prenzlauerstratze. An den dortigen Straßen bahnschienen werden Ausbesserungsarbeiten verrichtet, weshalb ein Notgleis gelegt worden ist. Uebcr dieses Nebengleis fuhr nun gestern ein Omnibus, wodurch die Weichenzunge nach der anderen Seite gedrückt wurde. Als dann der Motorwagen 2499 der Linie 61 (Weißensee— Wartburgplatz) herankam, fuhr er infolge der falschen Weichenstellung auf das linke Gleis. Im selben Augenblick näherte sich aber auf dieser Seite das Privatautomobil I. A. 2148, das einem Kaufmann in der Marsiliusstraße gehört. Es kam zu einer Karam bolage, wobei zwei Insassen des Automobils und der Chauffeur verletzt wurden. Alle drei begaben sich nach der nahen König- städtische» Apotheke und ließen sich dort verbinden. Das Automobil ist stark beschädigt. Der Arbeitcr-Schwimmerbund veranstaltete am Sonntag im Restaurant„Teeterrasse" in Lichtenberg sein äußerst interessantes Bundesschwimmfest. Bedauerlicherweise mußten gerade die Spring- konkurrenzen technischer Schwierigkeiten wegen ausfallen, dafür wurde das nach etlichen Tausenden zählende Publikum durch die spannenden Kämpfe beim Schwimmen entschädigt. Ueberraschend kamen die Siege von Frank,„VorwärtS-Rixdorf" im Jugendschwimmen und Schütz „Vorwärts Berlin" beim Seniorpreisschwimmen. Beim Hechttanchen er- zielteGleißnervom„Vorwärts-Oberschönclvcide" die Höchstleistung von 59 Meter, für ein Tauchen im freien Wasser geradezu brillant I Hervorgehoben zu werden verdienen die Leistungen der Damen, speziell der Sieg der Damenbruststafette der„Freien Schwimmer- Charlottenburg". RegeS Interesse brachte daS Publikum den Bor- führungen der Rettungswache entgegen, welche sich bei Arbeiterfeften in am Wasser liegenden Lokalen seit Jahren bereitwilligst zur Vcr- fügung stellt. Die Resultate sind kurz folgende: Bahnlänge 59 Meter. 1) Er st schwimmen: 199 Meter, Schwimmart beliebig. 1. W. Krebs,„VorwärtS-Berlrn", 1 Min. 47�z Sek. 2. O. Dieiencr. .Arbeiter-Schwimmverein-Leipzig", 1 Min. 48'/» Sek. 3. P. Wende. »Spreehort-Berlin", 1 Min. 56 Sek. 2) K n a b e n- B r u st f ch w i m m e n: 50 Meter. 1. G. Scheide- mantel.„Delphin-Tegel", 52 Sek. 2. R. Scorazewsky,«Vorwärts- Reinickendorf", 533/z Sek. 3. K. Stange,«Freie Schwimmer-Char- lotteuburg", öb'/z Sek. 3) Knaben schwimmen: 59 Meter, Schwimmart beliebig. 1. P. Sonnenbnrg,„Vorwärts-Reinickcndorf", 48'/� Sek. 2. K.Krüger, «Vor>värts-Berlin", 59 Sek. 4) Junior-Rückenschwimmen: 199 Meter. 1. H. Müller. „Vorivärts- Berlin", 1 Min. 443/z Sek. 2. K. Richter,„Vorwärts- Berlin", 1 Min. 59'/z Sek. 5) Senior-Brustschwimmen: 200 Meter. 1. B.Braun, .Vorwärts-Berlin". 3 Min. 51'/» Sek. 6) Mädchen. Schwimmen: 59 Meter. 1. M. Döring, «Vorivärts-Berlin", 1 Min.% Sek. 2. F. Mai,„Freie Schwimmer". 1 Mi».% Sek. 7) Juge n d-Bru st schwimmen: 14—16 Jahre, 199 Meter. 1. W. Frank,„VorwärtS-Rixdors", 1 Min. 41'/� Sek. 2. E. Kunzmann.„VorwärtS-Rixdorf", 1 Min. 49 Sek. 3. E. Winnen.„Vor- wärts-Oberschvueweide", 1 Min. 51'/z Sek. 8) Jugend s ch w i in m e n: 199 Meter. Schwimmart beliebig. 1. O. Röder,„Freie Schwimmer", 1 Min. 42 Sek. 2. A. Döring, „Vorwärts-Berlin", 1 Min. 46«/z Sek. 2. K. Schulze.„Vorivärts- Berlin", totes Rennen. 3. F. Rex,„Vorwärts-Berlin", 1. Min 47 Sekunden. 9) I u g e n d- B r u st s ch w i in in e n: 16—18 Jahre. 199 Meter. 1. Sebulke,„Vorwärts- Berlin", 1 Min. 422/6 Sek. 2. K. Strahl, „Vorwärts-Berlin". 1 Min. 49 Sek. 3. B. Hamann,„Spreehort- Berlin", 1 Min. 52 Sek. 19) Hechttauchen für Männer: Höchstleistung 59 Meter, bei gleicher Meterzahl entscheidet die kürzeste Zeit. 1. H. Gleißner, „Vorwärts-Oberschöneweide", 59 Meter. 2. B. Braun..Vorwärts« Berlin", 41 Meter. 3. H. Tiller,„Vorwärts-Berlin", 39'/z Meter. 11) D a m e n s ch w i in in e n: 14—16 Jahre. Schwimmart beliebig. 199 Meter. 1. L. Blattner,„Vorwärts-Berlin", 2 Min. 17% Sek. 2. L. Kutschkau,„Freie Schwimmer", 2 Min. 19 Sek. 12) Senior- Spanisch- Schwimmen: 299 Nieter. 1. F. Schütz,„Vorwärts-Berlin", 3 Min. 7% Sek. 13) D a in e n s ch w i m m e n. über 16 Jahre, 199 Meter Schwimmart beliebig. 1. A. Leutloff,„Freie Schwimmer". 2 Min. 2 Sek.. 2. I. Außner,„Freie Schiviimner", 2 Min. 4% Sek. 14) D a m e n- B r u st st a f e t t e: 3 X 69 Meter. 1.„Freie Schwimmer", I. Mannschaft, 2 Mi». 57% Sek.(Fräul. Kutschkau Leutloff, Außner).' 15) I u n i o r s ch w i m m e n: 299 Meter. 1. P. Krause. „Vorwärts-Berlin", 3 Min. 53% Sek. 2. W. Scholz,„Sprcchort", 3 Min. 55 Sek. 3. O Poock,„Arb.-Schw.-Leipzig", 4 Min. 5% Sek. 18) S e n i o r- S e i t e i ch w i in in e n: 299 Meter. Erster F. Rowinski,„Freie Schwinmier", 3 Min. 24% Sek. 17) V e r e i n s st a f e t l e: 4 X 59 Meier. Brust, Seite, Rücken, Spanisch. 1.„Vorwärts-Berlin", II. Mannschaft.(Masello, Schütz, Richter, F. Wengels.) Nähere Auskünfte erteilt F. Stöger, W. 8, Kraufeuftr. 18. Sportpark Steglitz. Die Rennen am Sonntag wiesen ein un- gemein starkes Programm auf. das neben zahlreichen Fliegerrennen auch ein Dauerrennen mit neuer Berechnungsweise zu verzeichnen hatte. Der„Große Germaniapreis" wurde in drei Läusen über 29. 39 und 59 Kilometer ausgesahren und sind culicheideud für das Endergebnis alle zusammengerechueten Kilometer, die der ein- zelue Fahrer zurückgelegt hat.— Die Besetzung des Rennens mit E. Bruni, P. Dickentmann, Th. Robl, A. SckiPke und A. Bauderstnift ließ schöne sportliche Kämpfe voraussehen. Den e r st e n Lauf ge- wann Band erst uift vor Robl. Bruni, Schipke und Dickeutmann. Leider gab die schon oft gerügte Unsitte der Schrittmacher, durch über- mäßiges Anlegen von Kleidungsstücke» und weilen Beinkleidern ihrem Fahrer einen Vorteil zu verschaffen, Veranlniiuug zu längeren Auscinaudersetzuugen und war es wieder Vanderstuifts Schrittmacher Anierigo, der wie ein Mehlsack auf seiner Maschine saß.— Die weitere Folge war ein gänzliches Versagen des Belgiers in den beiden anderen Läufen. Im 39 K i l o in e t e r- L a u f siegte Robl vor Schipke, Bruni, Dickentmann und Bauderstnift.— Den letzten Lauf<59 Kilometer) sah Bruni als Sieger vor Robl, Schipke, Dickeutmann und Banderstuift.— Dieser Lauf bot schöne. spannende Kämpfe. Schipke übernahm bald nach Beginn die Führung und werden alle, außer Robl, von ihm überrundet. Dann aber leisten Dickentinann und Bruni hartnäckigen Widerstand, ja der letztere er- obert sich in der 52. Runde den dritten Platz, dann den ziveiten und kann schließlich auch Robl passieren, der kurze Zeit den ersten Platz innehatte. Das Gesamtergebnis ist: 1. T h. Robl 99,769 Kilometer, 2. Schipke 99.229 Kilometer, 3. Bruni 98.699 Kilometer, 4. Dickeutmann 92.210 Kilometer, 5. Vanderstuift 78 869 Kilometer.— Der Sieg Robls zeitigte endlosen Jubel.— Die Fliegerrennen boten schöne Leistungen und waren es wie immer die alten Fahrer: Theile, Wegener, Peter, Scheuer- mann, Kudela, Stol, welche sich die Ehren des Tages teilten und schöne Proben ihres Könnens ablegten. Leider gab es beim Tandemfahren einen Sturz von 3 Paaren und sind besonders Vau- mann und Golk erheblich verletzt. Der Besuch war ein sehr guter. Radrennen in Spandau. Infolge der gleichzeitig stattfindenden Steglitzer Rennen ließ die Leitung der Bahn ihr ursprünglich ge- plautes Reimen über 199 Kilometer, das mit Guignard, Günther, Gombault. Huber, M. Bedell und Stcllbriuk eine sehr gute Be- setzung gefunden hätte, ausfallen und au dessen Stelle außer einigen Neunen für die Fahrer der B.-Klasse einen Zweikampf Gnignard-Günther über 199 Kilometer, und zwar in drei Läufen über 20, 39 und 50 Kilometer veranstalten. Im ersten Lauf siegte Günther mit einem Vorsprung von einer Runde vor dein Franzose»; doch verleidigte sich dieser in den beiden folgenden Läufen so erfolgreich, daß Günther, der einigemal von seiner Führung abgefallen war, 2829 bezw. 2469 Meter hinter seinem Gegner endete. Sieger war somit Guignard. dem dadurch der Preis von 2999 M. zufiel. In den beiden anderen Rennen über 19 und 29 Kilometer siegte jedesmal der Berliner Franz Gliedermann überlegen vor dem Spandauer L e in in und dem Treptower Fr. H o f f m a n n. Lemm fuhr als Anfänger sehr achtbar; Hoffmaun dagegen, der unter den Tücken seines Motors zu leiden halte, konnte sich nicht zur Geltung bringen; er endete mit 8 bezw. 6 Runden Rückstand als Letzter. Die Angehörigen der aufgefundenen 21jährigen Alma Grunzke bitten uns, mitzuteilen, daß ihnen irgend welche Ursachen, die das Mädchen in den Tod getrieben haben, nicht bekannt sind. Eine recht unangenehme veberraschung wurde vorgestern morgen den Bewohnern des Hauses Gerichtstraße 32 zuteil. Als sie in der Morgenstunde den Flur betraten, gewahrten sie am Fenster den Leichnam eines unbekannten Mannes. Der Fremde hotte sich an dem Fcnsterricgcl erhängt. Unbemerkt hatte er sich abends in daS Haus einschließen lassen und als alles zur Ruhe gegangen war, den Selbstmord verübt. In den Taschen des Toten wurden 9 M. bares Geld vorgefunden. Papiere, die über die Per- tonlichkeit des Selbstmörders Aufschluß geben könnten, wurden nicht gefunden. Die Leiche des Lebensmüden, der etwa 35 Jahre alt war, ist zur Rekognoszierung nach dem Schauhause gebracht worden. Frucrwchrbericht. Wegen eines großen DachstuhlbrandeS wurde gestern vormittag um 11 Uhr die 4. Kompagnie nach der Soldiner- straße 89 gerufen. Der 16. Zug mußte tüchtig Wasser geben, um den Brand auf den Dachstuhl, der erneuert werden muß, zu be- schränken. Der 9. Zug hatte in der Dorkstr. 35 zu tun, Ivo ein Zaun und ein Düngerhaufen vor einem Pferdestall in Flammen standen. Zigarren brannten in der Hausburgstr. 25. Das Feuer war durch' einen Trockenofen entstanden. Kohlen brannten an vielen Stellen, u. a. auf den Bahnhöfen Moabit. Wedding(in der Fennstraße). Anhalter, Nordbahnhof usw. VöSwilligerweise wurde nach der Perleberger- straße 28 alarmiert. Etwas später wurde sie nach der Perleberger- straße 58 gerufen, abermals ohne Veranlassung. Fette u. a. brannten in der Oppelnerstr. 49, Bülowstr. 27 u. a. Orten. Kellerbrände mußten in der Schmidstr. 34 und Waldcinarstraße gelöscht toerden. wegen der Beseitigung von Säuredämpfen rückte ein Zug nach der Pnnzenstr. 80 aus. Wohnungsbrände kgnien in der Gr. Frankfurter- straße 53, Metzerstr. 18 usw. aus. Ferner hatte die Wehr in der Frankfurter Allee 109, Stargarderstr. 7, Proskauerstr. 25, Dragoner- straße 13, Büschingstr. 12, Wriezenerstr. 21 u. a. Stellen zu tun. Dem Zoologischen Garten ist kürzlich ein Wüstenluchs zugegangen, der im kleinen Raubtierhause untergebracht ist und durch seine Zahmheit sich dem Beschauer bemerklich zu machen pflegt. Das jetzt etwa sieben Monate alte Tier ist mit der Flasche aufgezogen worden. Die Wüstenluchse oder Karakale sind im Gegensatz zu den gefleckten echten Luchsen einfarbig graubraun gefärbt, nur die sill'ergrauen Ohren stechen scharf von dem übrigen Fell ab, außerdem ist der Schwanz länger. Bezeichnend für die gesamte Luchsgattung sind jedoch die dunklen Ohrpinsel. Vorort- JVacfmcbteiK Rixdorf.l Eine auherorbentliche Generalversammlung des Wahlvereins bei Hoppe nahm Stellung zum Essener Parteitag. Das einleitende Referat hierzu hatte Genosse Molkenbuhr übernommen. In interessanter Weise beleuchtete er die Tagesordnung des Partei- tages, die wohl trocken aussieht, aber doch sicher zu anregenden De- battcn führen würde. Wenn gesagt werde, daß die Parteitage nicht jährlich stattzufinden brauchten, so sei daraus hinzuweisen, daß eine Partei, die kein Dogma hat, sondern ein Produkt der Forschung sei, immer mit seinen Mitgliedern in Verbindung stehen müsse. Hierzu sei auch nötig, daß die Parteigenossen sämtlicher deutschen Bundesstaaten sich frei aussprechen müssen, um die Grundsätze aus- zubauen und die Einheitlichkeit der Bewegung nicht verloren gehen zu lassen. Eine Zentralisation der Partei sei, solange wir noch kein Reichsvereinsgcsetz haben, unmöglich. Während die Süddeutschen ein ziemlich freies Vereinsgesetz haben, dürfen in Mecklenburg keine politischen Vereine existieren. Die Presse müsse immer mehr aus- gebaut werden, damit sie imstande ist, noch mehr als bisher als Kulturpionier zu wirken. Die Einnahmen des Kassierers haben zum ersten Male die Million überschritten. Zwar beneiden die Gegner die Opferwilligkeit der Genopen, doch müsse uns dies ein Ansporn sein zu pünktlicher und gewissenhafter Arbeit. Sollen doch nicht nur neue Genossen herangezogen, sondern auch die älteren ausgebildet werden zu tüchtigen, energischen Kämpfern. Redner geht hierauf noch kurz auf die Blockpolitik ein, die ja im parla- mentarischcn Bericht gründlich erörtert werden würde. Auf den Ausfall der Reichstagswahlen seien einsichtige Genossen vorbereitet gewesen. Hoffen wir, so meinte Redner, daß den letzten Wahlen wieder ein Aufschwung folgen möge, wie der von 1903. Zur Dis- kussion standen folgende Anträge: 1. Bons und Sammellisten für den Parteitag sind abzuschaffen. Dafür soll in dem betreffenden Monat ein Extrabeitrag von 10 Pf. erhoben werden. 2. Es sind einheitliche Mitgliedsbücher für ganz Deutschland einzuführen. Außerdem eine Resolution, die sich mit der Landagitation befaßt und in der die eventuelle Herausgabe einer für die Landarbeiter geeignete gratis zu verteilende Zeitung gefordert wird. Gen. Böske wies darauf hin, daß die Partei die Mittel, die durch Listen und Bons gesammelt werden, nicht entbehren könne. Er zeigte dies zahlenmäßig an den Einnahmen der einzelnen Kreise. Auch Ge- nosse Molkenbuhr ersuchte in seinem Schlußwort, die Anträge ab- zulehnen. Die Versammlung lehnte hierauf die Anträge ab; die Resolution wurde zur Provinzialkonferenz zurückgestellt. In der Diskussion über das Verbandsstatut wurde allseitig bedauert, daß in der kurzen Zeit auf dem Zahlabcnd es nicht möglich gewesen sei, sich zu orientieren, zumal die Mitteilungsblätter ja nicht jedem Parteigenossen zur Verfügung stehen. Ein Antrag, die Statuten- beratung von der Tagesordnung der Verbandsgeneralversammlung abzusetzen, wurde abgelehnt. Das Statut mit den Abänderungs- vorschlügen der Kreisfunktionäre angenommen. Abgelehnt wurde noch ein Antrag, das Mitteilungsblatt fallen zu lassen; dagegen ein Antrag angenommen, der dasselbe besser ausgestaltet und die Annoncen entfernt wissen will. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Zirkel, Fischer und May delegiert. Lankwitz. Die seitens der Gemeindevertretung beschlossene Kanalisation des Ortes soll nunmehr zur Ausführung kommen. Die bezüglichen Arbeiten wurden im Submissionswcge vergeben. Es sind 41 Offerten abgegeben worden. Das Höchstangebot der Berliner Firma Börner u. Herzberg beträgt 040 785,50 Mk., das niedrigste der Friedenaucr Firma Otto Ludwig 287 009,40 M. Das ist eine Differenz von nicht weniger als 359 770,10 M.!— Es ist taum glaublich, daß eine Firma bei einem solchen, auch im Sub- missionswesen wohl noch nicht dagewesenen Minderangebot die Kanalisation auf reeller Basis ausführen kann, ohne den Arbeitern die erbärmlichsten Löhne zu zahlen. Wir erwarten, daß die Ge- mcindcvertretung die einzelnen Offerten nicht unter ausschließ- licher Berücksichtigung des BilligkeiisstandpunkieS prüfen, sondern � speziell auch darauf achten wird, daß die Lohn- und Arbeits» bcdingunoen bei der betreffenden Firma menschenwürdige find. Die Lanlwitzer Bürger haben sich ja seinerzeit beim Kanalbau leb- Haft über die„unkultivierten Polen" beschwert und deren AuS- Weisung mit allen Kräften betrieben, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen, daß eben die„Unkultur" dieser zweifellos auf der niedersten Bildungsstufe stehenden Arbeiterschicht die logische Ltonsequenz ihrer traurigen wirtschaftlichen Lage und skrupellosen Ausbeutung durch das Unternehmertum ist. Und bei einem An- gebot, wie es die Friedenauer Firma abgegeben hat, scheint uns die Befürchtung sehr begründet, daß alsdann nur die billigen Polen, über deren unkultiviert« Eigenschaften die braven Lank- witzer Spießbürger so bittere Tränen vergossen haben, als williges Ausbeutungsmaterial herangeschleppt werden— falls jener Firma der Zuschlag erteilt werden sollte. Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch darauf hinweisen, daß nach den uns gewordenen Jnforma- tionen in Lankwitz bezüglich der Zuschlagserteilung bei Sub- Missionen ganz eigenartige Verhältnisse existieren sollen. Es wird nämlich behauptet, daß die Auswahl unter den submittierenden Firmen und der Zuschlag nicht durch die Gemeindevertre. tung, sondern durch den Gemeindevorsteher und einen Gemeinde- beamten erfolgen soll. Im Interesse des Ansehens der Gemeinde. Vertretung erscheint es uns unerläßlich, mit diesem Modus, falls derselbe tatsächlich existiert, s ch l e u n i g st zu brechen. Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß eine Gemcindever- tretung, die derartig wichtige, verantwortungsvolle und das finan- zielle Interesse der Gemeinde aufs tiefste berührende Entschei- düngen einzelnen überläßt, einfach im höchsten Grade pflichtwidrig handelt. Reinickendorf. Ausgeplündert wnrbe in einer der letzten Nächte die auf dem Grundstück Blankestr. 4/0 befindliche Station für drahtlose Telegraphie. auf der Versuche unternommen werden. Die Täter, die mit den örtlichen Verhältnissen wohl vertraut gewesen sein müssen, stahlen alles, was nicht niet- und nagelfest war. So schleppten sie den Morseschreiber im Werte von 400 M., mehrere Bündel Bronzedraht, zwei Kondensatoren im Werte von 350 M. usw. davon. DaS Drahtnetz, das am Aufnahmeapparat angebracht war. ist von den dreisten Einbrechern vollständig zerstört worden. Spandau. Eine«och dunkle Gchießaffäre spielte sich gestern bei dem be« anntcn Havelflecken Kladow ab. Als dort der Schlevvdamvfer '.Helena" der Dampfschiffsreederei von A. Fermum zu Spandau, Klosterstr. 34, mit fünf Schleppkähnen an dem Dorfe vorüberfuhr. fielen zwei Schüsse. Einer derselben traf den auf dem Danipfer befindlichen Bootsmann Knaak, so daß er zusammenbrach. Die Kugel war unter dem linlen Arm in den Körper eingedrungen und blieb im Rücken stecken. Der Uebeltäter, der vom Lande au-Z die Schüsse abgefeuert hatte, ergriff die Flucht und konnte noch nichi ermittelt werden. Er trug eine weiße Mütze. Der schwerverletzte Bootsmann Knaak wurde sofort mit einem Motorboot nach Spandau geschafft und in das städtische Krankenhaus eingeliefert, wo er ans den Tod daniederliegt. Oranienburg. Einen blutigen Ausgang nahm Sonntag ein Streit zwischen den im Netzebandschen Gasthause logierenden Handelsleuten Gries und Schichthold aus Hoya an der Weser, in dessen Verlauf Gries plötzlich ein Messer zog und blindlings auf Schichthold loSstietz. Diesem gelang es schließlich zu fliehen, worauf G. noch aus einem Revolver mehrere Schüsse auf seinen Schwager abgab und dann die Flucht ergriff. Schichthold wurde furchtbar zugerichtet. Der Schwcrverwuudete wurde nach der Königlichen Klinik in der Ziegelstraße übergeführt. Gries, der in der Richtung nach Berlin entflohen war. wurde später in einem Restaurant an der Oranicn- burger Chaussee ermittelt und festgenommen. Nowawes. Die Kohlenliefernng für die öffentlichen Gebäude sollte in der letzten Gemeindevcrtrctersitzung in NowaweS vergeben werden; da aber nur eine Offerte ohne Unterschrift eingegangen war, wurde die Sache an die Finanzkommission zur nochmaligen Aus- schreibung zurückverwiesen.— Bei der Beratung über den Antrag auf Beitritt zum preußischen Fortbildungsschulverband brachte Genosse Zöllner das von uns bereits berichtete Verfahren des Gemeindcvorstandes bei der Verlegung der Unterrichtszeit an der Fortbildungsschule zur Sprache und unterzog dasselbe einer scharfen Kritik; auch Genosse Neumann erhob energischen Protest gegen eine derartige Methode und verlangte, daß die Arbeiter in solchen Angelegenheiten ebenfalls gehört werden. Nachdem auch einige bürgerliche Vertreter in mißbilligendem Sinne über die Beiseiteschicbung des Schulvorstandes gesprochen hatten, wurde bc- schlössen, die Debatte zu vertagen, bis der Bürgermeister von seinem Urlaub zurückgekehrt ist, um ihn in der darauf folgenden Sitzung persönlich zur Rechenschast zu ziehen.— Der Beschluß über Erlaß eines OrtSstatuts über die Brauchwässerkanalisation und über die Festsetzung der Anschlutzfrist wurde ebenfalls vertagt, nachdem Genosse Gruhl erläutert hatte, daß die Subkommisston noch gar nicht die genügenden Unterlagen geben könne, um bindende Beschlüsse zu fassen.— Bei der hierauf folgenden Neubildung der Schätzungskommission für die Grundwertsteuerveranlagung und für die Gebäudcsteuerrcvision wurden u. a. die Genossen Gruhl, Frenze! und Wagner in diese Kommissionen gewählt.— Der Kreisausschuß hat sich bereit erklärt, eine Anleihe von 70 500 M., welche seinerzeit von der Gemeinde Neuendorf für den Ankauf von forstsiskalisci>ein Terrain aufgenommen worden ist, in eine dauernde Schuld umzuwandeln, wenn sich die Gemeinde mit der Erhöhung des Zinsfußes von 8% auf 4 Proz. einverstanden erklärt. Die Vertretung gab hierzu ihre Zustimmung.— Ferner wurde mit der Teltowcr Kreisverwaltung betreffend Befreiung von der Umsatzsteuer bei Grundeigcntumsveränderungen des Kreises und der Gemeinde folgendes Uebereinkommen getroffen: Dem Kreise wird bei Grundstückserwerbungen zu öffentlichen Zwecken Be- freiuna von der Umsatzsteuer gewährt, solange derselbe die gleiche Rücksicht unserer Gemeinde gegenüber beobachtet. Ger ickrs-Leitung. Der vermeintliche Streikposten— ein FiaSko der Polizei. Am 24. Juni wurde auf den, Neubau Ecke Thüringer- und Berg- straße gestreikt. Vor dem Neuban standen 2 harmlose Passanten, der Arbeiter Lindenberg und der Arbeiter Adolf M e r t i n. Prinz Handjerystr. 50. In der verkehrten Annahme, daß rS sich mn Streikposten handele, forderte der vor dem Bau postierte Schutzmann Katerberg dcn Mertin auf, weiterzugehen. Neben dem Bau befand sich jedoch ein Photographienschaukasten, den sich Mertin nun ansah. Der Beamte forderte M. wiederholt auf, weiterzugehen und als ihm dies.nicht schnell genug' ging, brachte er den vermeintlichen Streikposten' zur nächsten Wache. Mertin erhielt nun ein polizeiliches Strafmandat in Höhe von 15 Mark, weil er am 24. Juni früh 8.25 vor Bergstr. 15/10 Streikposten ge- standen haben soll. Gegen diesen Strasbefehl hatte M. gerichtliche Entscheidung beantragt und wurde deswegen gestern vor dem Rixdorscr Schöffengericht vomSubstituten des Rechtsanwalt Heinemann verteidigt. Als Zeugen waren die tatsächlichen Streikposten von der Ver- teidigung geladen, nämlich die Arbeiter Emil Wandtke und Julius Lehmann, die übereinstimmend bekundeten, daß weder Lindenberg noch Mertin als Streikposten in Frage kommen, daß sie beide noch nicht einmal kennen, aber den Vorfall im übrigen beobachtet hätten. Demnach sei Mertin sofort weiter gegangen, als der Beamte das verlangte. Diese Behaugtung bezeichnete der Schutzmann Katerberg wiederholt erregt als:„Lüge, groß« Lüg e'l" Ob der Lorsitzende dem Beamten dies verwies, geht aus dem vorliegenden Bericht nicht hervor..Außer mir und Wandtke", sagte Jul. Lehmann aus. stand nur der Schutzmann noch Streikposten!" Diese Be- merkung hätte dem Lehmann um ein Haar eine Ordnungsstrafe eingebracht, da sich Lehmann diese seine ganz richtige Meinung natürlich von dem Richter nicht aus reden lasten wollte. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten für sch«ldig und hean tragt, ihn zu 15 M. Geldstrafe zu verurteilen. Der Verteidiger dagegen plädiert auf Freisprechung. Der Beamte hätte diesen nichtigen Fall, der im übrigen nicht ganz aufgeNärt sei. zu einer Haupt- und StaatSaltion gemacht. Der Gerichtshof schloß sich dem Antrage deS Verteidigers an und erlannte auf Freisprechung. Vermischtes. Die Affäre Ha« scheint von Tag zu Tag immer mehr Gegenstand der Erörterung zu werden. Kein Tag vergeht, an welchem sich die ScnsationSpresse nichts Neues hierüber berichten läßt. Seit sich der Mann mit dem weißen Bart gefunden hat, kennt der Reportereifcr keine Grenzen. Und nicht nur die Sensationspresse ist es, die diesen Fall in der widerlichsten Breite behandelt und in den ständigen Berichten hierüber sich bald selbst nicht mehr auskennt, sondern auch die sich sonst ernst nennende bürgerliche Presse. Bereits vor einigen Tagen haben wir die Frage aufgeworfen, ob eS nicht ratsam sei, fest- zustellen, ob der 04 Jahre alte, in plötzlicher Liebe zu der von ihm des Elternmordes bezichtigten Olga Molitor entbrannte Lindenau auch geistig intakt ist. Die durch die Sensationspresse angeregte Volksphantasie dürfte, wenn es so weiter geht, bald von der Mörderin Olga Molitor sprechen, obwohl die bisherige gerichtliche Untersuchung hierzu noch nicht den geringsten Anlaß gegeben hat. Der Rechtsbcistand der Familie Molitor, Rechtsanwalt Schäfer in Baden-Baden, ermächtigt einen ZcitungSberichterstatter zu folgender Erklärung: Fräulein Olga Molitor steht mit der Bluttat nicht im ge« ringsten in irgend einem Zusammenhange. Mes was gegen sie geschrieben wird, geschieht, um einen Verbrecher den Armen der Justiz zu entziehen. Man hat es bei Fräulein Olga Molitor mit einer Dame zu tun, deren tadelloses Benehmen über jeden Zweifel erhaben ist. Fräulein Olga Molitor hat mir lRcchtsanwalt Schäfer) erklärt, den Täter, der den Schuß auf ihre Mutter abgab, gesehen zu haben. Unter Berücksichtigung der Verhältnisse ist sie der Ueberzeugung, daß Hau der Täter gewesen ist. Sie hatte in der Gerichtsverhandlung keine Veranlassung gehabt, diese für andere unerhebliche Meinung vorzutragen, besonders, nachdem sie vom Vorsitzenden nach ihrer Meinung über den Täter nicht befragt worden war. Nach meiner Ansicht hat sie dabei durchaus korrekt gehandelt; denn die bloße Ueberzeugung eines Zeugen kann für das Urteil nicht ausschlaggebend sein. Die übrigen gegen Olga Molitor erhobenen Vorwürfe, daß sie ständig einen Revolver bei sich getragen habe, daß sie gegen ihre Mutter handgreiflich ge- worden sei usw., entsprechen meiner festen Ueberzeugung nach nicht den Tatsachen. � Auch Dr. Dictz, der Verteidiger Karl Haus, will rncht, daß die Schwägerin seines Klienten durchs unbegründete Verleumdungen und gefährliche Sensationslust belästigt werde. Er erklärt aus- drücklich das Folgende: Für die von anderer Seite verbreiteten Mitteilungen ubel angebliche Unterredungen mit mir und Aeu-ßerungen über den Eharakter und das Wesen des Fräuleins Olga Molitor lehne ich jede Verantwortung ab. Diese Aeußerungen sind teils miß. verstanden, teils in schiefer Form wiedergegeben. �Meine Acuße- rungen waren lediglich privater Natur und nicht für die Ocfscnt- lichkeit bestimmt._ Ein Berliner verunglückt. Unterhalb Schwarzenegg fand nach Grindelwalder Meldung am Freitag ein Bergführer in denFelsen einen hülferufcnden Touristen, der erklärte, sein Freund habe sich ver- stiegen. Sofortige Nachforschungen blieben erfolglos. Eine neue RettungSkolonne fand gestern den Vermißten, Kaufmann Guido Gang aus Berlin, mit zerschmettertem Kopf auf. Die Leiche des Verunglückten ist nach Erindelwald gebracht worden. In der Alster ertrunken. Auf der Alfter kenterte nach Harn- burger Meldung ein Ruderboot, als die beiden Insassen die Plätze wechseln wollten. Die beiden Ruderer, junge Leute im Alier von 18 bis 20 Jahren, ertranken, trotz der Rettungsversuche, die die in der Nähe beschäftigten Bootsleute sofort anstellten. Im Wahnsinn. Der Bukarester Universitätsprofcssor und frühere rumänische Justizminister Stefan Sendrea. der in eine Wiener Heilanstalt übergeführt werden sollte, sprang beiRammagocz aus dem Waggon und wurde tödlich verletzt, er wurde nach Budapest transportiert, wo er mittags starb. Piraten. Nach einer Meldung aus Sotschi(Kaukasus) wurde in vergangener Nacht der Dampfer„Tschernomor" auf der Fahrt von Dschubga nach Tuapse auf offenem Meer von 15 Räubern ge- plündert. Die Reisenden wurden gezwungen, ihr Geld und ihre Kostbarkeiten herzugeben. Ein Reisender wurde durch einen Revolverschuß verwundet. Die Räuber bemächtigten sich dann der Schiffskasse, zwangen den Kapitän, das Schiff anhalten zu lassen. sie an Land zu setzen und befahlen ihm, nicht in Tuapse zu ankern. sondern direkt nach Sotschi zu fahren; im Falle des Zuwider- Handelns bedrohten sie ihn mit dem Tode. Einer weiteren Meldung zufolge sind bei dem Ucberfall auf den Dampfer„Tschernomor" den Reisenden 10 000 Rubel und aus der SchiffSlasse 1700 Rubel geraubt worden. Automobil-Unfall. Gestern nachmittag stieß am Stdinior in Braunschweig ein Automobil mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn zusammen. DaS Automobil stürzte um und begrub die zwei Insassen unter sich, von denen der eine schwer verletzt nach dem Krankcnhause gebracht wurde, ivährend dem anderen, dem Maschinenmeister Ebcrt. der Schädel zerquetscht wurde, lo daß der Tod sofort eintrat._ Eingegangene Oruckfedritten. Von der.Neuen Zeit«(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben da« 45. Hest des 25. Jahrgangs erschienen. ES hat folgenden Inhalt: Zum Stuttgarter Kongreß.— Auswanderung und Einwanderung in Ungarn. Bericht, verfaßt im Austrag der Sozialdemokratischen Partei Ungarns. Bon Joses Dwer-Döne«(Budapest).— Die politische Lage w den Vereinigten taatcn und die Demokransch« Partei. Von L. B. Boudin(New Jork). (Fortsetzung.)- Die Opfer der Militärjustiz. Von Dr. Siegsrieda— Ate- rarische Rundschau: Zciischrist sür den Ausbau der SntwicNcmgSlibre. Von Gustav Eckstein. Dr. E. I. Reißer. Berlin. Jniemationale Ueberstcht über Gewerbchygicne. Von' ew. Die neueren Bände der.Philosophischen Bibliothek-. Von Ph.. � �. Die.Neue Zeit- erscheint wdchentllch einmal und ist durch alle Buch- dcmdlungen, Postanstallen und 5?olporleure zum Prelle von M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet SS Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. WaldeZdust entströmt dem zarten Tttelbllde der Nr. 17 de»»Süd- deutsche» Posttllon», da« den berühmt gewordenen kgl. daher. Wildsäuen gewidmet ist: denselben Wildsäuen. denen auch slaverl lustig« Gstanzeln singt. A. Ficbiger gab ein Bild: Nikolaus jr, und seine neue Unisorm; ein ungenannter Künstler Hilst dem Zaren mittels unsrer Kulturträger. Das gestalienrciche Slblußbiid: Der Ruckzug der großen Armee hält einen richtig gcwerteicn Moment au» dem PclerSprozesse sest.— Au» dem Texte leuchlet hervor: International, Leliardichi von Ernst Klaar.— Internationale Gedanlen.— Zarenbesuch(Geb.).— Kameruner Schwulitäten.(Geb.) — OcfsenMche Erklärung.— Marokko(Geb.).— Korea s Ende.— Die Aussätze find voll Leben, die Gedichte voll Rhhlhmu» und Feuer, voll Satire und Spott.— Der.Süddeutsche Postillon-, der im Münchener Ber> läge M. Ernst erscheint, kostet pro Nummer 10 Psg. Lriefkakten der Redaktion. Sie turistttche«preikiftnude find»« Frtedrtchftr. IN, Rusgana 4, eine Treppe tHaudelSstättr vellealliancc, Tiirchgang auch Liudenstr. INI), wocheiitäglich von 7'J, bis O'/i Übe abends statt.(tzeiiffnet 9 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstnude»>«<1 Übt. Jeder Zinfrag»>N ei» Bnchstabe»nd eine Zahl als Merkzeichen beizntnzen. Briefliche Antwort wird»ich« erteilt. Eilige Fragen trag« man>n der Sprechstunde vor. B. E. X. Dl« bisherige Unterlassung der Besprechung hat mit den von Ihnen gemutmaßteo Gründen nicht daS geringste zu tun.— Sl. F. IVO. Eine direkte Umwandlung ist nicht zulässig. Die Genossenschasl muß sich auflösen und liquidieren(ZZ 78—97 KenossenschasiSgesetzeS), die Gen offen lönnen unabhängig von der Gcnossenschast eine offene Handelsgesellschaft gründen und ihren GeschäsiSanieil an der liquidierenden Genossenschasl in die offene HandelSgesellschast einbringen. AIS offen« HandelSgcselllchasier hasten sie jedoch mit ihrem ganzen Vermögen persönlich. 2. DaS Unter» nehmen der o. H..G. gilt alS selbständiges. Die Einlagen brauchen nicht gleich groß zu(ein. 3. Läßt fich nicht übersehen: eiwa 209 M. 4. Rein. Di« Nichieimeichung zieht aber gewisse Rechisnachieile nach fich. S. Ja.— E. T. 700. Sie müssen dafür sorgen, daß die Wohnung in der vcrab. redeten Zeit deflchtigi werden kann. Der Wirt ist eventuell berechtigt Schadenersatz zu fordern.— M. 3. Iß. 1. Ja. 2. Ja. 3. Ja. 4. Nein Witter,„Igsapersicht vom IL. Rngnst l»07. morgens» II»«. 735 WSW 789 SSW erltn' 737 WSW Franst. a M 738 O München i708O Wien i7f58SIill Swlnemde Hamburg cerün 3deiier 4 heller 1 Wolken! 2 heiter llwollenl halb bd Haparanba 749 Still Petersburg 753 WSW Ecillh.733 SSW .Iterbeen! 755 SO Paris 1768 Still I I bedeckt 3 bedeckt ö Regen 1 bebakt jiDollcnl 15 Wetter. Prognose für DieuStag. den 13.»lugust 1007. Warm, bei mäßigen lüdweNlichen Winden; zunächst heiter, später zu« nehmende Bewölkung und Gewitterneigung, «eriiner Wetterboreai» Berliner Marttprelle. ÄilS dein amMchen Bericht der stndMchen Narltballen-Direktion.(Grobhandel.) Nindsteisch I» 70-7S vr. 100 Psd., H» KZ, lila SS— KZ. Bullcnfteisch la 65—70, IIa 53—62, Kühe, fett 52— 60, do. mager 40—50, Fresser 56— 64, Bullen, dön. 52—63, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Mastkälber la 75—85, IIa 66— 74, Kälber ger. gen. 47— 59, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 80—82, Hammel la 75—79, IIa 69—74, Schase 66—68. Schweinefleisch 66—72. Rchbocl la ver Psund 0,55—0,70. IIa 0,30—0,53. Rothirsch 0,40—0,57. Damhirsch 0,00. Wildschweine 0,20—0,35. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,20—0,40, do. australische 0,00. Wildenten per Stück IIa 0,50. Krickenten per Stück 0.00. Hühner. alte, per Stück 1,40—2,15, IIa 0,80— 1,30, do. junge 0,50— 1,25. Tauben 0,25—0,50, italienische 0,00. Enten per-ilitck 1,00—2,25, do. Hamburger per Stück 2,60— 3,00. Gänse per Psund 0,59—0,66, do. per Stück 2,00—4,75, do. Hamburg., per Psd. 0,00, per Stück 0,00, do. Oderdrucher per Psd. 0,00. Poulels per Stück 0,00. Chalonshühncr 0,00. Hechte per 100 Psund 123—145, do. matt 104, do. mittel und grob 0,00, do. grob, matt 88—100. Zander, mittel 0,00, do. matt 0,00. Schleie, klein 0,00, do. grob 0,00, do-mittel 151—152, Aale, groß 90—92, do. klein und mittel 0,00, mittel 95—100, do. mi- sortiert 0,00, do. grob-mittel 91—98, do. klein 0,00. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpfen, 0,00. Bleie matt 60, do. klein 0,00. Bunte Fische 49—60. Barse, klein 0,00, do. matt 65, dito klein 0,00. Karauschen 92—99, do. klein 0,00. Bleifische 0,00. Wels 0,58. Zlland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila 60. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel ver Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, Qa 1—3. Bücklinge. Kieler per Wall 2—3, Strals. 3,50—5,00, Bornh. 0,00. Aale, grob per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgrob 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3—4.00, Kiste 1,50—2. Sardellen. 1902er per Anker II II II 1 1■IUI ll—m II— B—»III■! I 93. 1904er 93, 1905er 93, 1906er 90-95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 40-44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Maises, ver To. 50— 120. Sardinen, russ., Faß 1,50-1.60. Bralheringe Fab 1,20-1 40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksab 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Krebse per Schock, grobe 23,50, do. mittelgr. 9,50—17,50, do. kleine 2,50— 4,50, do. unsortiert 4,00—6,50, Galizier grob 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,40—3,50, do. grobe 4,00, Butter per 100 Psd. In 114-117, IIa 105-114. Ma 100-106, absallende 90-95. Saure Gurken, neue, schock 4,00. Psesfcrgurken 4.00. Kartofiein per 100 Psd. weibe runde 2,25—3,25, blaue 2,75—3.75, Rosen- 2,50 bis 2,75, Nieren« 2,75—3,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—15. Spinat per 100 Psund 20—25. Sellerie, per Schock 2,00-6,00. Zwiebeln per 100 Psd. 5,00-6,00, do. kleine 0,00, do. hiesige(Perl-) 0.00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockhund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 0.75—1,25. Rettich, bahr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige, schock 3—4. Mohrrüben, per 100 Psund 4,00 bis 6.00. Karotten, hiesige, schockbund 2,00—3,00. Wirjinglohi ver Schock 4,00 bis 10,00. Rotkohl, Schock 6—12. Wcibkohl 6—8. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 3—14. do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 10—26. Kohlrüben, Schock 4,00—6,00. Pctersilienwurzeln, Schockbund 4,00—5,00. Schoten per 100 Pfund 8—16. Psefferlinge per 100 Psd. 3—8 ..____-< r\ri m:____ s. 4 er or, m~ V I«= � �....K n TX r>:» i Hfl grüne, 100 Psd. 6—12. Wachsbohnen, per 100 Psd. 10—25. Stachelbeeren, per 100 Psund 5—10. Blaubeeren, per 100 Psd. 12—15. Johannisbeeren, per 100 Pfd. 7—12. Kirschen, per 100 Psund Schlesische 0,00, Werdersche 0,00, Sächsische 14-16, Thüringer 12—15, Natten 25—30, sauere 12—18. Birnen, ital., 100 Psund 18—35, Muskateller 0,00, hiesige 8—16. Pfirsiche, per 100 Psund 10—30. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, französ. 27-32. Achsel, italienische, per 100 Psunv 8-25. ung. 13-21, hiesige 8—10. Pflaumen, ital.. per 100 Psmid 10 bis 22, Reineclauden 20—28, hiesige 10—15, ungarische 10—13. Wem. trauben. Algier, per 100 Psd. 30-37, italienisch- 28-32..Ananas I. per P Und 1—1,20, do. II 0,00. Zitronen, Mesfina. 300 Stück 10,50—18.00, do. 360 Stück 14,00—21,00, do. 209 Stück 6,00—12,00, do. 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 18,00 bis 20,00, grün 0,00. Wasserstands-Nachrichten der LandcSanstait für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g«I, Fnstcrvurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm „ Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz Hav Sp'r Wes Nh'e Neck Mai Mos Wasserstand e l, Spandau Rathenow') e c, Sprcmbcrg Bccskow e r, Münden Minden tn, Waldshut Kaub Köln a r. Hcilbronn n, Werthein, el, Trier ')■+■ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Für dcii Jiihatl oer Juirraie iiiicr» iiiiiut die Redaktiou dem Vublitni» gegenüber keinerlei Berautniortiiiig. Chcatcr. Dienstag, den 13. August. Ansang 8 Uhr. NcueS rSnigl. Operntheater. Traviata. Deiitiches. Das Wwtermärchen. Ansang VI, Uhr. Kammerspicle: Ghges und sein Ring. Berliner. Die tanzenden Männchen. SchlUcr O. iWalluer-Thealer.) Der Troubadour. Schiller X.(Friedrich Wilhelm- städllichcS Theater.) Der Weg zur Hölle. Neues Schauspielhaus. RafflcS. NeueS. Ein seltsamer Fall. Komische Oper. Tosca. SScsten. Die lustige Witwe. ituftspielhauS. Husarenfieber. Bernhard Rose. Der grob« Un- bekannte. Ansang 8>/, Uhr. Zentral. DaS Tagebuch einer Ver- lorenen. Kleines. Vater und Sohn. Triauo». Fräulein Josette— meine Frau. Meiropol. Der Teufel lacht dazu. Sipoll». Der Hochzeitsgast. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Gaprice. Gcisterauto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. Gebr. Hcrrnfeld. Madame Wtg- Wag. ES lebe das Nachtleben. RetchShallc». Steitiner Sänger. Paffage. Spezialitäten. Urania, tranbeuslrasze 48s4U. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Steruwarte, Jnvalidenstr. 67/62. i<'crdlB»n,l Honnn Berliner Theater. DienStag, 13. August, abend» 8 Uhr Die Uen iiclien. Mittwoch und folgende Tage: DI« temzcixlvn IHttnnchcn. Schüler-TSiealer 0. (W a 1 1 n e r- T b e a t e r.) Mortvih-Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Ileiin-IoK Btttel: Der Tronbadoor. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die ZanbcrllUte. Donnerstag, oben dS8 Uhr: Gastspiel Gertmid Runge: Zum letzten Male: Die Instigen Weiber von Windgor. Sehiller-Theater K. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. "S" Btt itlkS i°- Solle. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne Jnvalidenstr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von VI,— II 11. abds. Ab 8 Uhr: Das kolossale SPezia litäten-Proaranim mit Hmnpstt Biimsti. Pipifckx und Paulo. Exzcnttiker. Mab. Piloth von Kaul dach. Indische Dünze. 10 Uhr:"lWtzZ Stürmisches ununterbrochenes Lachen über als Ortsvorstehcr Lehmann in seiner Burleske „Oer UockSs!tsx»»t" [KlimiiOSETIiEAT Gr. Frantsurlerstr. 132. Im Garten, Ans. 4>/, Uhr: DaS glünzende August-Programm. Sperrsitz 50 Ps. Eniree 30 Ps. Im Theater abends 8'/, Uhr: Den grolle Unbekannte. Sommerprelse. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ultter«nd Soli». Morgen und folgende Tage: Vater und Sohn. Ivestei' lies Vesleus. Abends 8 Uhr: Dlv luMtige Witne. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. LusispssZksus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. lentnU-TkLatei'. Täglich 8 Uhr: Tagrbnch finrr Aerloreiien. MetropoIThealer Anfang 8 Uhr. Grolle Jahresrovue in 7 Kildem von Julius Freund, lluaik von Viktor Hollaonder. Dirigent Max lioth. In Szene gesetzt von Direktor Riobard Schultz. Bauchen überall gestattet. Z---- i Passage-Theater.[ Jeden Abend 8 Uhr: Der groSe yerwawllangskilnsfler I Artaro p Bernardi und das neue großartige i August-Programm. I Eröffnungsvorstellung: Die Tlieaierkasse Ist bereits geöffnet! FrBbels Allerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. AeltcstcS BollSlheater Berlins. Heute, sowie tiiglich: Der IDeucn--V» «M- AugUHt-SpielpInn mit der Ilaclngtrnppe in ihrer Todesfatirt im Höilenkessel und Konkurrenzfahren um 1000 M. 8 uhn Pausas Beichte. Ansang i'l, Uhr. Entree 30 Pf. Am 16. Aug; Konkurrenz Rabe-Racing. Am 22. August: Bciicsiz UnrMt. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstrasje Rr. 67. Ansang 8 Uhr. Billcttvorverkauf 11—2 Uhr. Täglich: Die Novität I Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großcti Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 60 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Schweizergarten Am KSnlgstor. Am Friedrichshain. Strajjenbahn 1,2, 4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: TdesleT-VorZlellllllg. «eus Spezialitäten. Kinematograpii und Ball. Freier Damen tanz. Anfang 5 Uhr. Enttee 30 Pf. Brunnen-Theater Direkt.: Bemh. Rose. Heute:-T&Q |c August-Programm. Badstrabe 58. mr DaS grojjnrti Pünktlich 7,8 Uhr: Mit großem Erfolg: Carmen. Spezialitäten ersten Rangrs. R. Vendaro. Neiteel-Luri-Trio, Jack-Theo-Trlo. Gebr. Damm. SSISr Pual Corudlnl. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Großer Elite-Ball. Erster-Thester. Kastanien-Allee 7/9. Rotte Weiher. Spcxl alitütcn 1. Danges. Anstrerin der LUwenbraut Tllly Keb<5 mit ihren dresfl Löwen. Heuzert ii n«! lktall. _ Sliijang 4,/i Uhr._ W. Noacks Tlieaier. Dircklion: Rod. Olli. Bnmiienflr. 16. Nur noch wenige Tage das erfolg- reiche sensationsslück! 9>/, Uhr: Ler Mnli von üazkkrville. 9 Uhr: Berlin, Unter de» Linden. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Donnerstag: llln treues Menschcnherz Hax Kliems Sommer Theater! � Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Ifaolicli: Gr. Konzert, Theater| n Spezialitäten-Vorstellung.{ Jeden Montag: Sommcrfcst. D Jeden Mittwoch: Die beliebte» Kinderfeste. V Jeden Donnerstag:/, Uhr. Auberdcm Sonntags, Feiertags, Miil- wochs u. Sonnabends nachm. 4 Uhr: Extra-Kinder- u. Familien-Vorstellung JSICUC(üdt Hasenheide 108-114. Täglich: Gr. Doppel-Konzert Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Mittwoch: Ernte-Fest. GratiSverlolung: 1 Prpicp- 1 goldene Herrenuhr. l.frctoD. j„pjpcne Damenuhr. Jeden Donnerstag: külte-'I'ag 1 »onzlef-keuerverlt. Anfang 5 Uhr. Entree 25 Ps. Mittwoch 15 Ps. Donnerst. 50 Ps. Enttce zum Konzertgarten t0 Ps. Sanssouci, s�bTa Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonntags, Montag», Donnerstags: Tanzkrttnzchca. In Vorbereitung: In der Damaka. Novität. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. kelelizliallev- Idealer. Täglich: Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Relchshallen Garten Militär-Kouzert. Otto Prltzkow JSünzslraOe Ifl. Vtelt-iusstellnngs- Biograpli-cs«. louid Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von — Neuhelten.--- Den ganzen Tag Voratollung. Bisz' Spezialitäten- Theater. 'WSfO L<«nde.bcrger Allee 76—79. Dirctt a. d. Ringbabiistatton. Bequemste Fahrgclegenbcit n. allen Stadttlcht. Db HchOn! Täglich im hcrrl. Garten oder gr. saal: Db Degen! SPF" BW Ricfrii-Lacherfolg. 4W-stW Landsberger Allee ans Stelzen. a Allisoua, phänomenale Akrobaten.— The Heros, konkurrenzlose Neuheit.— Heina Heuer, Holll Geldern, prolongiert. Dazu das neue brillante August-Proqramm. Ans. 3 Uhr. Kaffecküchc. Volksbelustig. aller Art. 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Nachm. ein Kind frei 204/4 Kenbau„Armin- fallen", Komm andantenstr. 58|59. Fernsprecher I 8985. Grofte und kleine Säle an Sonnabenden und Sonntagen im Oftober. November, Dezember, Silvester 07 u. Januar, Februar, März 08 frei. 2257b- Kommandanten- elraBe 21 II. Gebr. Mielllz, 4, Hygienische Ukel. Ii sucit. Katalog B. jiinpiahl.Tiel. Aerete u.Prof. grat. oJl B. Dnnr, Sosuniwanaltbrik Berlin NW» Friedridnira«« 91/92. Wir empfehlen: Sozialdemokratie und Schule. Von Heinrich SchnlsE. Preis 75 Ps.. billige Ausg. 30 Pf. Sott? Cotlglaulie oder Mbus? Von J. Stern. Preis 20 Ps. Wellhen Mcrt hllt die Kilduug für die Arlmtmr? Von Wally Kepler. PrciS 10 Ps. per Aus- und Kmlmn der Arbtlterverjlcheruug. Von irrlcdrlch lilccis. Preis 1 M. SoWidtmoltratische 2Z4/i8> Gemeilidtplilitik. Hest 6. Die städtische Regie. Von De. 11. l,Ia«iemann. Preis 40 Ps. ExpeiioB des Jorwürtf, SW. 68. Llndenslr 69, Laden. Dresden-Badeb(;iil„sciiiok«�:_� LöBsnltz", Herrl. I,age.Sslchs. Nizza Prospcuo HeilorfOize. Aerzte. 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Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege �uxust Körper wohnhast Sldlershof, nach langem schweren Leiden an der Proletarier- lranlheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle zu AdlerShof auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 74/12 vi« Orteverwaltung. Wir sagen hiermit allen Freunden, velanutcn, sowie den Kollegen der Firma Flohr für die Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben, un- vergeßlichen Tochter und Schwester lleilms unseren tiefgefühlten Dank. ■Fniiilllc llllekley. 22606 Deutscher Metallarbeiter-Verband VcrwaltnugSstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der ülrbcitcr frltz Pohl am 6. d. M. ertrunken ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute| Dienstag, den 13. August, vor-! mittags 10 Uhr, von der Leichen-> balle des Kirchhoses in Hohen- Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 123/12 Oie Ortsvorwailung. DeulscIieF Holzarbeiter- Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht,| daß der Kollege, Tischler Mann Granatowlcz am 10. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. August, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Rostockerstr. 34 aus nach dem Paulus-Kirch hos in Rcinicken- dors statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/4 Oie Ortsvorwaltung. Verband d. baugewerbiiehen Hüifsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Am Freitag, den 9. d. M., ver- starb unser treuer Kollege kriedried Sczibalsky an Blutarmut. 47/3 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 13. d. M., nach. mittags 4 Uhr, aus dem Markus« Kirchhos in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht Oer Zwoigvoreinevoretand. Oanksac/nns:. Für die zahlreiche Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders und Bräutigams sagen wir allen Bekannten und Kollegen, ins- besondere den Genossen des 6. Wahl- kreiscs, dem Handels« und Transport- arbeiterverband, der Gcschästsleitung und dem Personal der Druckerei Vorwärts sowie dem Gesangverein Schildhorn unseren herzlichsten Dank. tVwo. Pauline Hagen nebst Kindern 22566 und Braut. Dauksagnug. Für die zahlreiche Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigunz meines lieben Mannes sage allen Bekannten, Kolleginnen und Kollegen sowie dem Deutschen Holz. arbeilerverband meinen herzlichsten Dank. Frau Martha Fischer. 56662 Ktiuiltll- nitd KlMlillldem von kobert Meyer,. nur Unmniien-Ztlttße 2. Dr. Schünemagin Spezial-Arzt für 54272* Hant- niul Harnleiden, Francnlirunkhcitcn. Fricdrichstr. 203, Ecke Schühelistr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Von der Reise zurück. 57/13 I>r. Paul Cliristellcr. Von der Reise zurück. VimmI. Gustav fiirsehfeltl, 204/3* SO. Slalitzerstr. 54 I. Bon der Reise zurück Gertrud Rewald Prinzeustr. 63. Auf Teilzahlung I Wöchentlich nur 1 M a r k. Uhren jeder Art sowie Goldwar., Zithern. Phonograph..Platten- iprechmaschiueii, Har- monikas, Mandotinen, Geigen usw. Große Auswahl in _ Platten, echte Edison-Apparate und Walzen zu Original-Preise». •lulwv& IConig, Warschanerstr. 72, 1. Etage, Reiilickendorfcrstr. 101, 1. Etage. Oänse! Enten! 1907er, vollkommen schlachtreif, garantiert lebende Ankunft, franko überall, pr. Nachnahme: 6 Spczlalität-Gänse M. 20,—. Mo. 10 Stück M. 32.—; 14 große schlachtreife Enten M. 20,— i svringlcb. Riesenkrebse 60 St, M. 6,50; Kuhmilch-Natiirbutter pr. lO Psd.-Kiste M.7.—, alle? srko. Kaphan, Bucraor 107, pr. Dziedib(Schiesien)._ 204/2 Zweigverein Berlin.— Sektion diir Gips» u. Zementbranche. Freitag, 16. August, abends 8V2 Uhr, im Eemerhsdjastshause, Eagel-Mr 15, gr. Saal: General sVersammliins. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den Zcrsplittcrungsbestrebnngen in unserer Sektion. 2. Bericht der Delegierten zur Berliner Gewcrkschaftskommission und Neuwahl dcii'elben. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.— Ohne dasselbe kein Zutritt. 142/13* Zahlreichen Besuch erwartet ver SelitlonsvoMtnnd. NB. Am Donnerstag, 15. August, findet üBer Berlin und Umgegend eine Vantcukontrolle statt und ersuchen wir hierdurch alle Kollegen, den Kontrolleuren alle Fragen genau zu beantworten._ Wilmersdorf! Jftaurer! Wilmersdorf! DicnStag, den 13. August, abends S'/a Uhr: Mitglieder Nersa«mlung 142/14 im WilhelmSauc 112. Hern«. Zlelirendt. Die Sitzung am Freitag, den 16. August, dagegen nächste » findet die itzung am FNUi sköLz freitag, den 39. fluguit, präz. 8v. Öhr, bei DrUscl, Neue Friedrichsir. 35, statt. 105/14 Die Tagesordnung wird den Mitgliedern daselbst bekannt gegeben. Die Mitglieder werden ersucht, an diesem Abend recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. I>le Ort.vei-H ait nnjj. „__ Täglich(außer Sonntag) LroDe exlra-vampfer-fabrlell '■�s��nachWenisdci'töf Schleuse« Gosener Berge Vuud'S�P? 1°b Schillingsbrücke. ücrzu ladet ein Pleljl, Restaur. z. Odcr-Spree-Kannl. B&ä Nkrlosllnggllrtlhel zuLandplirtien, sarUereiue� nur Neuheiten, Eaninlon», Fuckeli Girlanden, mutzen, nnsik- and ItadanKachen Stocklaternen, Fackeln, spottbillig im Engros- Geschäft Ll!-V fZ 5 1 f Alte Jakobvttraßo 03, • kiK» VJlULLniilf der Teydelstrasie. —— Bereinen extra hoher Rabott.-— 54262* Soeben erschienen: Vis soÄiisebs Äüsr-Siüßraationale l Berichte der sozialdemokratisch«: � Organisationen Europas, Austra- z licns und Amerikas über ihre» t Tätigkeit in de» Jahren 1904 bis» I 1907 an Mu: Juleruationalen Kon- ß s groß in Stuttgart. Herausgegeben vom Jntcr- A nationalen sozialistischen Bureau. Mit einen: Vorwort von llmil Vandorveldo. 234/20 Deutsche Slnsgabe. Preis 2,— M. \ Hur Trage des Jrauen- l voablreclits. Von Klara Zetkin. Preis 50 Ps. IßieSozialileinokratie ÖeutschGu Bsichstag 1. 1 t Tie parlamentarische Tüligleit des deutsche» Reichstags und der Landtage und die Sozialdemokratie s von lt-?l bis 1874. e Von A. Bebel. Preis 60 Ps. Expedition des„Vorwärts"! Herl In SW. < Lindeiistrasie 69, Laden. Von der Reise zurückgekehrt. Lr. med. kölim, Sperialarrl liir V/aseerheilverlahren Charlottcuslr. 14. 57/ Ii 2. Ziehung 2. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Zlebnng vom lt. Anguat 1907, Tormllligi. Jfut die Gewinne über»8 Mark«ins Sen betreffenden N'umraeni in Klammem heiaeriigl. (Ohne Oewtlhr.)(Narbdrucli verboten.) 5S5 1 137 229 58 8tS«1 968 Soor 15001 10 17[SOOl 421 53 55 886 805 10 41 3210 90 392 631 37 705 836 76 B23 83 4226 877 050 12001 763 872 5 036 129 512 59 500 tu 967 95 CDU 531 sioos 95.1 7076 7 7 97 114 318 404 59 966 83 8041 194 215 300 12001 50 582 40 660 733 300 72 0101 41 217 822(8001 493 536 737 971 93 10527[300] 46 60 604 1460] 21 519[8001 11037 93 618[800] 57 77 90[ 800 i 871 939 65 12060 132 233 63 835 73 423 530 751 932 13193 264 392 443 47(200) 706 »96 903 SO(200] 14078 228 66 1800] 87 549 15113 564 897 771 91 16900 73 171 503 78 631 785 1 7088 482 79 557 «7 730 1200] 40 44 18123 89 593[ 200] 33! 693 839[800] 19063 291 433 695 20113 611[800] 87[200] 808 977 83 21152 818 83 «0 531 49 724 93 801 70 22015 66 120 422 502 603 21 ■507 330 2 3 300 187 514 69 67.3 755 79 841 2 4035 518 61 639[200] 25115 213 713 834 2 6 203 43 83 1200] 460 629 7SI[2001 2 7020 68 193 221 351[400] 470 502 667 929 28103[lOOi'i] 339 503 600[400] 733 858[200] 917 2 9033 155 853 69 96[200] 30 ISS 563[200] 905 31109 241 838 67 413 518 628 »9 41 933 90 32081 58! 621 760 892 3 3 057 180 503 11 98 800 87 3 4270 151 636 850 99 623 69 35160 201 26 [400] 380 159 510 736 809 922 46 3 6014 153[lOOl 83 354 613[ 2001 56 85 602 7 20 31 19 3 7675 63 168 219 609 758 38276 3.33 716 31 820 971 39027 97 272 105 997 40169[400] 297 407 503 23 41 159 412 62 551 621 97 710 935 91 421.13 497 539 953 7 7 79 4 3 359 183 91 97[ 290] 44001 161 216 567 793 850 59 45007 133 218 72 328 418 57 JOS 350 060 4 6.353 637 702 816 53 957 4 76*8 163 722 931 45 62 4 8216 834 64 829 73 955 4 9 203 53 55 430 553 623 120 54 50133 53 85 284 83 sSDO] 520 832 37 818 81 5 1 070 152 35 887 467 532 628 733 3.32 52043 59 179 207 5.35 700 53149 57 319 9 7 997 5 4166 615 5 5158 93 339 8 7 472 662 SOI 27 56073 83 94 116 801 525|2u01 631 822 41 5 7018 Bä3 354 84 516 5 8364 410 13 45 95[2001 693 729 534 43 911 59197 666 81 60333 402 89 622 41 42 760 89.3 976 6 1 031 272 312 Ml 75 078 350 978 0 2113 410 621 905 U 6 3 077 803 578 64510 6 5 233 327 523 703 99 814 1300] 66179 212 330 609 820 50 6 7 437 618 77 611 861 75 6 8111[300] 22 265 877«16 66 762 364 73 955[200] 69010 51[200] 67 63[200] 19« 309 412 83 503«1 ... 79°'? 7ii90 63 931 SO 90 55,9' iff. 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D!« nächsic Ziehung finde» slalt am 7. und& September. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.iTh. Glocke, Rzrlin. Druä«.-LerlagiBorwärtSBuchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.