Nr. 188. 34. Jahrg. Btonnements-Bedlnflungen:?!5 � vbonnemenl«> Preis pränumerando: Kt frm �fll�nl I-* rrirlnher' hlr\un f� BicmriflW. 8,30 ÜRf, monatl. 1,10 rn, W> KH M» Wl UW f/ IM W KW W«gl>«M Vx- W�I gjiS�f iclle oder deren Raum w Pfg,. für wöchenUich 28 Pfg, frei WS HauS. KW H M H WZ SM Wl gW W Wj f/ MZ P HM politische und gewcrr,chafll>che VeremS- Einzelne Nummer k Pfg, EonntagS- MWLl I rTBW BW WH HB w; VA EBB HCa WM«M»Sa DA MI' yy und Berfammlungs-Anzeigen 30 Pfg. nummer mit illustrierter Sonntags. Wgp| K�gW 839 Wj HB KB 181 Wl kW BSa Wj V) Wl W« t/„Kleine Hnreigen", das erste(fett. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- I Mg Md HB WM|H IM IM IM MI DD Ba 1�1 gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere ' w IrH D■ H M, JHLkBkB MM W m MWUM/ Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf. PrÄsK Unter lkeuband für B B U.M. �Wd> U l stellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, Deutschland und Oeslerreich. Ungarn Mg I WM Mgv Z'■8 icdes weitere Wort 5 Pfg. Worte Uder 2 Marl, für das übrige Ausland HH�I ▼/ J S Inserate für die nächste Nuinmer müssen nehmen an: Belgien Dänemark, � r&/f C____ S. Cv ▼/ bis S Nhr nachmittags in der Expedition SLV.SSA-« Verlinev Nolktsblnkk. Zentralorgan der fozialdemokrati fcben Partei Deutfchtands. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. tRaroMu. Mit einem gewissen Gefühl der Beklemmung blickt die deutsche Arbeiterklasse auf die Vorgänge in Marokko. Wäre doch das Los, das, wie es scheint, jetzt dem französischen Proletariat bereitet wird, beinahe das ihre geworden. Wenn es nicht deutsche Soldaten waren, die in Marokko gelandet wurden, wenn es nicht deutsche Steuerinillionen sein werden, die auf dem Umwege eines langwierigen Krieges in Profit der Armeelieferanten, der Panzerplatten- und Kanonen- sabrikanten verwandelt werden, wenn es nicht der deutsche Name ist, der durch schändliche Grausamkeiten, durch tausend- fachen Mord in dieser neuesten Kolonialunternehmung ge- schändet wird, dann verdankt das deutsche Volk dies wahrlich nicht seiner Regierung.- Denn wäre es nach den Plänen des deutschen Imperialismus gegangen, dann würden heute deutsche Schiffsgeschütze Krupps statt der französischen des Schneider den scheußlichen Leichenhaufen ausgetürmt haben, der die Trümmer Casablancas zu einer Stätte der Pest zu machen droht. Wenn wir heute mit momentan geringerer Sorge auf Marokko blicken, so verdanken wir dies nicht der deutschen, sondern den ausländischen Re- gierungen. Das Bündnis der Westmächte hat die deutsche Regierung verhindert, Pläne auszuführen, die ihr das expansionslüsterne Kapital der deutschen Reedereien und der deutschen Großbanken diktiert haben. Sodann aber war es die feste und entschlossene Haltung des deutschen Proletariats, das den Verheißungen und Lockungen der imperialistischen Narren immer seinen unbeugsamen Widerstand entgegengesetzt hat, die Deutschland wie vor einem europäischen Krieg so vor dem gefährlichen afrikanischen Abenteuer bewahrt hat. An Marokko kann das Proletariat die Beweggründe kapitalistischer Kolonialpolitik am deutlichsten studieren. Alle Lügen, die die deutschen Imperialisten so eifrig kolportieren, werden sofort hinfällig, wenn sie für den französischen Imperialismus vorgebracht werden. Frankreichs Bevölkerung ist konstant. Der Vorwand, man brauche Kolonien für die überschüssige Bevölkerung, ist für Frankreich noch weniger an- wcndbar, atz für Deutschland; denn auch hier geht die Auswanderung immer mehr zurück und spielt schon heute fast gar keine Rolle mehr. Ebensowenig gilt für Frankreich der Satz, daß Kolonien eine Notwendigkeit seien, um für die heimische Industrie neue Absatzmärkte zu haben. Denn die französische Industrie entwickelt sich so langsam und ollmählich, daß es sicher nicht die Bedürfnisse des in- dustriellen Kapitals sind, die heute die Triebfeder der kapitalistischen Expansion bilden. Nicht das Interesse einer wachsenden Bevölkerung, nicht das Interesse der industriellen EntWickelung, sondern das Interesse des Finanzkapitals ist es, das die französische Regierung zur kolonialen Er- oberungspolitik treibt, für die das Land kaum die Menschen aufbringen kann. Stagniert auch die französische Äc- völkerung, entwickelt sich auch die Industrie nur langsam. so häufen sich doch fortwährend in den Banken die Kapitalien an, die nach neuer Vcr- Wendung streben. Wo aber das Kapital angelegt wird, das hängt in erster Linie ab von der Höhe der Profitrate. In den Kolonien ist die Profitrate höher als in Europa; dort sind der Ausbeutung keine Schranken gezogen, dort wird die einheimische Bevölkerung mit Gewalt zur Zwangsarbeit für das Kapital auf Lebenszeit verurteilt. Weil aber die Er- obening der Kolonie eine Sache der„nationalen Ehre", eine Sache des„ganzen Volkes" ist, so fühlt sich der Staat der Kapitalisten verpflichtet, dem Kapital, das in den Kolonien arbeitet, die höhere Profitrate auch wirklich zu garantieren. Die Staatsmacht sorgt für die Verwandluug der Ein- geborenen in Sklaven des Kapitals. Sie sorgt dafür, daß das Land der Eingeborenen in Monopolbesitz kapitalistischer Gc- sellschaftcn verwandelt wird. Sie schafft aber nicht nur die Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutung, indem sie die Garantie für den Profit übernimmt, sondern übernimmt auch, wenn es not tut. das Risiko, indem sie die Zinsen für die Eisenbahnen gewährleistet. Kein Wunder, daß gerade in Frankreich, wo die In- dustrie, durch die Schutzzollpolitik in ihrer Entfaltung ge- hemmt, dem Kapital neue Anlagesphären nur zu einer sinkenden Profitrate gewähren würde, der Drang nach Expansion am größten ist. Er triumphiert schließlich sogar über das Bedenken, daß die Kolonial- kriege, die eine not>v endige Folge jeder kapitalistischen Kolonialpolitik sind, die Macht Frankreichs immer mehr untergraben. Gerade vom Stand- Punkt eines französischen Patrioten ist es eine Frivolität und eine Gewissenlosigkeit ohnegleichen, Frankreich in ein so gefährliches militärisches Abenteuer zu stürzen. Aber freilich, was bedeutet Vaterlandsliebe dem Kapital, für das der Staat nichts ist als ein ökonomisches Machtmittel, bestimmt die Profitrate zu erhöhen! Die wahren Interessen der Nation und die Profitinterefsen des Kapitals werden überall immer mehr un- versöhnliche Gegensätze. Nicht bei der französischen Bourgeoisie, beim französischen Proletariat liege die Zukunft Frankreichs l Unsere französischen Genossen dürfen sich mit Recht sagen, daß sie alles darangesetzt haben, um das Interesse der Mittwoch, den 14. Angust 1l)U7. Arbeiterklasse zu wahren. Sie haben in einem prächtigen An- stürm Delcassö gestürzt, als der Gegensatz des französischen und deutschen Imperialismus zu einem europäischen Kriege zu führen drohte. Sie sind auch jetzt Feinde des marokkanischen Abenteuers. Aber die Macht des Proletariats ist in der kapitalistischen Gesellschaft beschränkt. Sie hatten damals Erfolg, weil dem Kapital das Risiko eines europäischen Krieges zu groß schien. Sie konnten jetzt nichts hindern, weil das Kapital sich durch die Bündnisse nüt den anderen Westmächten gesichert glaubt. Es ist charakteristisch, daß gerade der kleinbürgerliche Radikalismus des Clömenceau dazu bestimmt ist, die Geschäfte des Bankkapitals zu besorgen. Das mächtige Anwachsen der gewerkschaftlichen Bewegung treibt das Klein- bürgertum und die Klcinkapitalisten in immer heftigeren Gegensatz zu dem Proletariat, macht es immer reaktionärer. Dadurch hält es sein Schicksal, vom Großkapital vernichtet oder abhängig gemacht zu werden, nicht auf. Aber der Gegensatz zur Arbeiterklasse schwächt es politisch so sehr, daß es auch politisch in die Abhängig- keit vom Großkapital gerät, das seine„patriotische" Ideologie für seine Zwecke trefflich auszunützen versteht. Dies erklärt, warum der Sozialismus in Frankreich das neueste Kolonialabcnteuer nicht hindern konnte. Aber noch weniger konnte er die Verantwortung für eine Politik auch nur im ertfcrntesten mit übernehmen wollen, die Frankreich aufs schlimmste schädigen, seine industrielle EntWickelung und daniit die Arbeiterklasse durch den Kapitalexport und die unpro- duktive Vergeudung von Kapital aufhalten mutz. Aber die deutsche Arbeiterklasse muß die Marokkofrage nicht nur deshalb verfolgen, um an ihr das Wesen kapitalistischer Kolonialpolitik klarer zu erkennen. Es ist vielmehr durchaus möglich, daß sie auch politisch wird energisch eingreifen müssen. Zwar glauben wir nicht, daß das frivole Kriegsgeschrei der„Rhein.-Westf. Ztg." eine momentane Gefahr bedeutet. Dazu sind die Machtverhältnisse für Deutschland zu ungünstig. Gc- fährlicher ist die Spekulation der„Deutschen Tageszeitung", die damit wohl nur sagt, was weite und einflußreiche Kreise hoffen, die Spekulation näinlich, daß Frankreich sich in Marokko nur recht verbluten möge, damit dann Deutschland um so leichter aktiv vorgehen, der deutsche dem französischen Imperialismus die Beute rechtzeitig abjagen könne. Wir glauben, daß, wenn diesen Ratschlägen gefolgt würde, dies eine Politik bedeutete, die eine ernste Gefahr für den euro- päischen Frieden wäre. Die deutsche Arbeiterklasse hat nicht das geringste Interesse an der Kolonialpolitik, die ihm immer nur Opfer auferlegt. Sie muß alles daran setzen, was in ihrer Macht liegt, um eine auswärtige Politik zu hindern, die uns wieder in eine Situation bringt, in der die Aufrecht- erhaltung des Friedcns� gefährdet ist. Die deutsche Diplomatie mag dafür sorgen, daß der Grundsatz des Freihandels, wo er wie in Marokko besteht, aufrecht erhalten bleiben. Sie möge aber wissen, daß, wenn es ihre Unfähig- keit verschulden sollte, daß dieser Grundsatz durchbrochen wird, die deutsche Arbeiterklasse den Krieg immer noch als etwas Unannehmbares ansehen würde. Danach möge sie gefälligst ihre Aktionen einrichten, Aber wir verlassen uns auch in dieser Frage durchaus auf unsere eigene Kraft. Die Furcht der Bourgeoisie vor dem Proletariat ist die einzig sichere Friedensbürgschaft, die es in der kapitalistischen Gesellschaft gibt, in Frankreich wie in Deutschland. Das französische und deutsche Proletariat haben das gemeinsame Interesse und werden es fürwahr mit ganzer Leidenschast zu zeigen wissen, daß die Entwickclung des Sozialismus nicht durch auswärtige Kata- strophen aufgehalten wird. Und wir dürfen hoffen, daß die vereinigte Kraft des französischen' und deutschen Proletariats schon heute stark genug ist, um einen europäischen Krieg zu verhindern. Frankreich will keine Eroberungen machen, Frankreich seine Truppen in Marokko nicht verstärken I so versichert der französische Minister des Auswärtigen, Herr Pich an, mit vieler Beflissenheit den ZcitungSreportern. Die Truppen, so sagte er weiter, sollen bleiben, wo sie sind, keinerlei Expeditionen ins Innere unternehmen, sich darauf beschränken, die Ordnung herzustellen, die Rebellen zu züchtigen, die Ruhe zu sichern sowie die Polizei in der Stadt und in der Umgebung von Casablanca zu organisieren. ES fragt sich nur, ob selbst bei ernstem Willen dieses eng um« grenzte Programm eingehalten werden kann, ob die Logik der Tat- fachen Frankreichs Regierung nicht zwingen wird, weiter zu gehen, wenn sie sich nicht ganz zurückziehen will, was ja die„nationale Ehre" und das Geschäft der Finanzmächte nicht gestattet. In der Unterredung des Herrn Pichon mit den Journalisten ist merkwürdigerweise nicht die Rede von der Forderung des Gene- rals Drude nach Verstärkung seiner Expedition um 3—400 Mann. Es scheint aber, daß er sie bitter nötig hat, denn trotz der Metzeleien, die seine Truppen unter den angreifenden Kabylen anrichten, lassen die Angriffe nicht nach. So meldet ein neueres Telegramm: Tanger, 13. August. Nach heute brieflich eingegangenen Nach- richten ist die Stadt Cas ablanca gestern von etwa 4000 Mauren angegriffen, der Angriff aber zurückgeschlagen worden. Nähere Nachrichten stehen noch aus. In einem Telegramm des Pariser„Figaro� aus Casablanca vom 10. August heißt es- Expedition: SM. 68, Oin den Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. „Die Affäre von Casablanca ist noch nicht zu Ende. Sie ist die ernsteste von allen, in die wir in Marokko verwickelt ge- wesen sind, eine der schwersten, die Afrika uns gebracht hat. Trotz exemplarischer Züchtigung wollen die A n g r i f f e der Marokkaner nicht enden. Die militärische Lage ist zur Stunde ausgezeichnet, aber unsere Truppen, deren Tapferkeit Betvunderung verdient, sind ermüdet, weil sie durch die Angriffe der Marokkaner beständig wach gehalten werden.„Seit drei Tagen", sagte mir General Drude in seinem Zelt,„geben meine Leute das Maximum von dein, was von Soldaten zu verlangen möglich ist." Zugleich meldet der Pariser„ Matin", daß General Drude das Verlangen der europäischen Kolonien von M a z a g a n und Rabat, dort Truppen zu landen, abgeschlagen habe, weil es sicher sei, daß 25 000 berittene und sonstige Kabylen gegen Casablanca marschieren und der Heilige Krieg beginne. Ist es also schon danach wahrscheinlich, daß Frankreich bald die vorsorglich in Toulon, Algerien und Tunis marschbereit gehaltenen Truppen absenden wird, die nach Herrn Pichon nur für den Fall „absoluter Notwendigkeit" abgehen sollen, so zeigt zudem die Eroberung Algeriens, daß die Franzosen solange mit stetig sich er- ncuernden Unruhen und Aufständen rechnen müssen, als sie nicht das ganze Land in der Hand haben. Die Besetzung von Häfen und eines Hinterlandteils sichert sie nicht. In der französischen Presse tritt denn auch hie und da die Erkenntnis auf, daß man in ein böses Wespennest gegriffen hat, und daß die leichten Siege von Casablanca Schweres im Gefolge haben werden. Die Nachrichten aus den nicht besetzten Hafenstädten lauten ge« witterschwül. So meldet das Bureau Reuter: Tanger, 12. August. Hier herrscht große Unruhe. Zahl- reiche Fainilieu sind heute nach Gibraltar abgereist und andere, die außerhalb der Tore der Stadt wohnen, haben sich in die Stadt be- geben. Mohammed el Torres hat heute an die Vertreter der Mächte ein Zirkular gerichtet, in dem scr sie auffordert, ihre Staatsangehörigen anzuweisen, sich nicht außerhalb der Postenkette zu begeben. Ein aus M a z a g a n hier eingetroffener Flüchtling erzählt, daß sich dort nichts von Bedeutung zugetragen habe, nur sei eine Ruhe- slörnng hervorgerufen worden durch Mauren, die von C a s a- b l a n c a bei den Kabylen cingetrosfen seien und Einzelheiten berichtet hätten über das Blutbad in Casablanca. Dies habe die Kabylen aufgereizt und sie hätten sich sofort zum Gouverneur bc- geben und unter Androhung, daß sie im Verweigerungsfalle die Stadt zerstören und Rache nehmen würden für den Tod ihrer Brüder, Geld verlangt. Der Gotwerneur habe ihnen 2000 Dollar gegeben und sie hierdurch für einige Zeit beruhigt. Es bestehe aber die Gefahr, daß andere Stämme, loenn sie hiervon hören würden, in derselben Weise vorgehen würden. Bis gestern habe der Gouverneur den Flüchtlingen die Erlaubnis zur Einschiffung verweigert mit der Bc- gründung, daß keine Gefahr vorhanden sei, und diese Erlaubnis erst gestern dank dem energischen Vorgehen des Kommandanten des französischen Kreuzes„Amirale Aube" gegeben. Die Flüchtlinge seien in der Hauptsache Frauen und Kinder; die Männer seien, da sie mit Waffen und Munition wohl versehen wären und Angriffen der Kabylen eine Zeitlang Stand halten könnten, geblieben. Eine andere Depesche sagt: Gibraltar, 13. August. 780 flüchtige Inden sind gestern aus Tanger und verschiedenen anderen marokkanischen Städten hier eingetroffen. Je mehr Einzelheiten über die Vorgänge in Casablanca bekannt werden, umso schändlichere Greuel tverden offenbar. In einem Privattclcgramm der„Kölnischen Zeitung" wird sogar behauptet, daß der erste Flintenschuß, der das Signal zum Bombardement Casablancas gab,„nach der Aussage aller Araber, der Reisenden an Bord und der Europäer, die auf den Dächern zusahen", von sranzösischer Seite fiel, und daß die französischen Soldaten blindlings und sinnlos jeden Araber, der ihnen begegnete, niederschössen. Das alles ist durchaus nicht unwahrscheinlich— Kolonialkriege, das lehrt die Geschichte, sind stets eine Häufung von Greueln aller Art. Wenn sich Gegner der Kolonialpolitik darüber entrüsten, so sind sie in ihrem Recht, elende Heuchelei aber ist es, wenn ein kolonialwütiges Blatt, wie die„Rheinisch-Wesifälische Zeitung", das zudem im Auftrage der Großindustriellen sein möglichstes tat, um Deutschland um Marokko willen in einen Krieg mit Frankreich zu treiben, plötzlich den Zart- besaiteten spielt. In seiner DienStagS-Morgenausgabe tobt dieses Blatt also: „Je mehr Nachrichten aus Casablanca kommen, desto beut- licher wird, daß französische Truppen Greueltaten verübt haben, die in ihrer Scheußlichkeit und Brutalität ihresgleichen suchen. Für alle Zeit ist der französische Name mit Schimpf und Schande dadurch bedeckt worden. Die übereilte Landung und das Bombardement einer großen Stadt, die an 20 000 Einwohner zählt, beweisen auf das deutlichste, daß Frankreich nur nach einem Vorwand suchte, um der fricd- lichen Durchdringung die kriegerische, die es stets im Grunde ge- wollt hat, folgen zu lassen. Harmlose Einwohner, Frauen und Kinder, sind von einer blutdürstigen Soldateska hingemordet worden, und auch die Plünderung der Stadt fällt auf das Konto des französischen Konsularvertreters Neuville und des Koni- Mandanten das Kreuzers„Galileo". Ginge es nach den sonst so oft von den französischen Federn betonten Grundsätzen der Zivili» sation, so gehörte dieser Konimandant, der eine Stadt ohne An, lündigung bombardiert, vor ein Kriegsgericht." Welch rührend zartes Gewissen doch deutsche Imperialisten haben können, wenn es sich um Greuel französischer Soldaten handelt!_ älarum fo zurüdchaltend? Die freisinnige Presse behandelt die Absage der Re» gierung an den Fmsnm mit ausfallender Zurückhaltung. Die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." hatte unumwunden erklärt, daß die Von der Negierung einzubringende preußische Wahlresormvorlage nicht da? ReichStagSwahlrecht, sondern ein Vierklassen- Wahlrecht darstellen werde. Sie hatte ferner den Freisinn nach- driicklich davor gewarnt, etwa gar durck eine Massenagitation die Wahlrechtsbewegung nachdrücklicher z» gestalten. Man hätte also erwarten sollen, daß die freisinnige Presse diesen bedeutsamen Auslassungen gegenüber erneut und unzweideutig der Stellung des Freisinns Ausdruck gegeben hätte. Aber die freisinnige Presse schweigt sich ans! Die„Freisinnige Zeitung" hat keinen größeren Schmerz, als sich in einem Leit- artikcl über die Ungleichheit der Wahlkreiseinteilung zu verbreiten. Als ob nicht die Ungleichheit der Stimmen unter dem Drciklasscnwahlsystcm ein viel schreienderes Unrecht dar- stellte I Und wenn der Freisinn wirklich das ReichStagSwahlrecht für Preußen durchzusetzen erhofft, darf er doch erst recht hoffen, auch die Ungleichheit der Wahlkreise zu beseitigen. Zum Schlüsse freilich bemerkt dann das führende Organ der Freisinnigen Volkspartei. daß der Freisinn nicht aus falscher Bescheidenheit„den Mund halten", sondern„mit Nachdruck das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für den größten deutschen Bundesstaat fordern" werde. Diese polemische Abwehr richtet sich aber nicht gegen die »Norddeutsche Allgemeine Zeitung", sondern gegen die„Deutsche Tageszeitung". Warum so zurückhaltend? Die gleiche eigentümliche Zurückhaltung übt auch daS„ B e r I. Tageblatt". Nur die„ V o s sis ch e Z ei tun g" ist weniger zurückhaltend. Freilich aber richtet sich ihre entschiedenere Stellung- nähme nicht gegen das offiziöse Organ, sondern gegen die entschiedeneren Elemente des Freisinns selbst! Die„Vossische Zeitung" schreibt: „Damit weiß man freilich noch nicht, welches neue Wahl- shstcm Fürst Lülow vorzuschlagen gedenkt. Nur eins wird man mit einiger Sicherheit voraussagen dürfen: das neue Wahl- gesetz wird den Ansprüchen der freisinnigen Parteien nicht vollkommen genügen. Denn diese Parteien verlangen die Ausdehnung des Reichstagswahl- rechts auf die Landtagswahlcn. Sie hatten dahingehende An- träge im Abgeordnetenhause gestellt und werden daran festhalten. Daß aber die lllegicrung ohne Vorbehalt das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen durchzuführen ge- willt sei, kann auch nach dem Ausfall der letzten Neichstagswahlen als ausgeschlossen gelten.... „Dagegen wird er, Bülow, auch allen Anlaß haben, sich bor einer Vorlage zu hüten, die so unzulänglich ist, daß sie der entschiedenen Verurteilung durch die bürgerliche Linke begegnen muß. Die freisinnigen Gruppen sind weit entfernt, wie ihnen von der äußersten Rechten nachgesagt wird» Er- Pressungspolitik zu treiben.... „Wie Fürst Bülow dieses Ziel zu erreichen gedenkt, kann man getrost seiner diplomatischen 5t u n st überlassen. In- zwischen ist es Sache der freisinnigen Gruppen, mit allem Nach- druck ihre Ansichten zu vertreten und ihren grundsätzlichen Stand- Punkt zu wahren. Sie wollen, wünschen und verlangen die lieber- tragung des Neichswahlrcchts auf Preußen. Nur sind sie n i ch t I l l u s i o n i st e n g e n u g, um zu glauben, sie brauchten nur zu wünschen und zu fordern, um ihren Willen durch- zusetzen. So liegen die Dinge im praktischen Leben nicht, daß man die Formel aufstellen könnte: Entweder gebt Ihr Preußen das RcichSwahlrecht oder der Block geht in Brüche! Damit täte man allenfalls der Sozialdemokratie und dem Zentrum einen Gefallen und hätte die Genugtuung, die preußische Wahlreform völlig zu hintertreiben. „Wir hegen auch einige Zweifel, ob national soziale Eiferer, die sich anscheinend für die Alternative begeistern: „alles ode r nichts", in der Praxis nach dieser Richt- schnür handeln würden, wenn die Vorlage des Fürsten Bülow die Klasseneinteilung, die indirekte Wahl und die öffentliche- Ab- stimmung beseitigte, gleichwohl wber in einzelnen Punkten hinter dem Reichswahlrecht zurück- bliebe. Wir selbst sind nicht geneigt, uns im voraus auf die Ablehnung jedes Entwurfs zu binden, der nicht vollkommen mit dem Reichswahlrecht übereinstimmt.... „Die freisinnigen Parteien werden sich dabei von nie» mand ins Schlepptau nehmen, auch von An- griffen ihrer Gegner nicht beirren lasse n." Die„Voss. Ztg." beteuert also der offiziösen Vcrmahnung gegen- ttber, daß der' Freisinn in Sachen der Wahlreform einem Kuh- Handel in der Tat nicht abgeneigt seil Gewähre man nur das direkte und geheime Wahlrecht und verzichte auf die heutige Dreiklassenwahl, so werde der Freisinn mit sich reden lasten. Das heißt also: Pluralwahlrccht und ständische Vertretung seien auch fiir den Freisinn unter Uniständen akzeptabel! Besonders scharf schüttelt die„Voss. Ztg." die„national- sozialen Eiferer", also Herrn Naumann, von sich ab. Zun, Schlüsse aber gelobt da? freisinnige Blatt der Regierung, sich von„niemand ins Schlepptau nehmen" lasten zu wollen I Was ja im Zusammenhang mit der offiziösen Warnung nichts anderes heißen kann, als daß die„Voss. Ztg." von einem„Blasen der Fanfaren", von einem Appell a n die Massen nichts wissen will! Wer vertritt nun eigentlich die Nuffassnng des Freisinns, die „Voss. Ztg." oder die freisinnigen Abgeordneten, die sich vor wenigen Tagen für die Entfachung eines Volks st urnieS zur Erkämpfnng des Wahlrechts aussprachen? Herr Naumann schrieb damals: „Nachdem der Herr Reichskanzler der Ocffentlichkeit hat mit- teilen lassen, daß er an eine Aenderung des preußischen Wahl- rechts denkt, ist es nötig, daß die Bevölkerung sich mehr als bisbcr mit preußischen Verfassungsfragen beschäftigt. Ins- besondere dürfen wir Liberalen es nicht den Sozialdemokraten überlassen, sich als die eigentlichen Träger der Wahlrechtsbewegung hinzustellen.... „Für uns Liberale ist das. was wir tun sollen, g a n z k l a r. Wir haben in der Richtung vorzugehen, die in den oben wieder- gegebenen Sätzen der„F r e i s i n n i g e n Z e i t u n g" zum Aus- druck kommt. Dazu aber brauchen wir die Unterstützung der Presse, der Vereine, der Volks stimmung. Jetzt im Hoch- sommer kann natürlich eine lebhaftere politische Bewegung nicht erwartet werden, aber wenn der Herbst kommt, dann muß Fanfare geblasen werden für die Erlangung des Rcichstagswahlrechtes in Preußen." Und Herr P a y e r schrieb: „Der ausschlaggebende Faktor sind am Ende das politische Verständnis und die politische Energie des preußischen Volkes. Auf dieses mitallerMachteinzuwirken. scheint nach mir deshalb die n ä ch st e Aufgabe. Gelingt es, das Volk auf die Schanzen zu bringen, so erleichtert das auch dem Reichs- tanzler die Stellungnahme. Denn ohne eine starke und nach- .haltige Unterstützung von unten den Kampf gegen die Konser- vativen allein aufzunehmen, kann ihm eigentlich niemand zu- muten." Aehnlich äußerten sich die Herren Haußmann, Hör- mann, Mugdan! Und Herr Müller- Meiningen schrieb dieser Tage noch den„Münch. Neueste Nachr.": „Es gibt keinen Freisinnigen, der nicht die Demokratisierung des preußischen Wahlrechts im Sinne des Reichstngswahlrechts für ein Gebot der Gerechtigkeit, der staatsrechtlichen Logik und schließlich auch— auf feiten der Regierung— staatsmännischcr Klugheit halten würde. Es muß also alles geschehen, um in einer allgemeinen Volksbewegung dieses große Ziel womöglich unter Berücksichtigung des allein gerechten �.ProporzeS" zu erreichen." Wir begnügen uns einstweilig mit der Feststellung dieser n n- begreiflichen Widersprüche! Da die freisinnigen Fü hrer sich offenbar nicht einig sind, wird ja nun wohl bald auch die frei- sinnige Wählerschaft selbst sich rühren! Namentlich der p r o l e t a r i s ch e Teil dieser Wähler hätte alle Ursache, auch seinen Wünschen Geltung zu verschaffen!_ Zentrumsdiplomatic. Das Zentrum wittert die Morgenluft einer neuen klerikal-konservativcn Aera. Seine Verabschiedung als Rcgierungs- Partei hat nicht nur im hohen Klerus, sondern auch bei seinen eigenen konservativen Elementen argen Verdruß erregt, und wenn die leitenden Größen des Zentrums die Abstimmung des 13. Dezember 1906 hätten rückgängig machen können, so hätten sie längst dieses Datum ans ihrem politischen Kalender ausgelöscht. Doch taktische Rücksichten hielten die Zentrumskapazitäten bisher, wenn sie auch hin und wieder deutlich durchblicken ließen, daß ihre Partei zur Rückkehr in das alte Konkubinatsverhältnis bereit sei, davon zurück, allzu offen um die. Gunst der sogenannten allerhöchsten Stelle zu werben. Vielleicht auch glaubte man, daß vorläufig, solange Bülow als Reichskanzler fungiere, die Aus- sichten für eine Wiederernenernng des konservativ-klerikalcn Blocks so gering seien, daß es sich noch nicht derlohne, die spröde, erkünstelte Züchtigkeit aufzugeben. Doch die Auf- werfung der Wahlrcchtsfrage durch den Freisinn hat die letzten Schranken, die bisher das Zentrum an der Feil- bietung seiner Reize hinderten, hinweggeräumt. Während es noch bei der Eröffnung der letzten Landtagssession den Freisinn in schlecht verhüllter Denmgogie an Begeisterung für den Sturz des Drciklassenwahlrechts zu übertrumpfen suchte und, nach- dem am 8. Januar der Freisinn seinen Antrag Aronsohn eingebracht hatte, sofort am 9. Januar den Antrag Porsch und Genossen folgen ließ, hielten sich, als in der letzten Woche der Freisinn Miene machte, ernstlich den Wahlrechtskampf aufzunehmen, die Zcntrumsdiplomaten vorsichtig zurück. Von der im Januar betonten heißen Vorliebe für das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht war in der Zentrumspresse nichts zu spüren. Sie hatte nur ein jesuitisches Schmunzeln für die freisinnigen Wahlrechtsforderungen, in denen sie nichts anderes sah als ein Mittel, den liberal-konservativen Block zu sprengen, Bülow zu Fall zu bringen und in die Stelle einzurücken, die der Freisinn im Block einnimmt. Zugleich aber scheint es die Zentrumsdiplomatie nötig gehalten zu haben, an sogenannter maßgebender Stelle wissen zu lassen. daß das Zentrum, wenn es wieder zur Regicrungskrippe zugelassen wird, seine Oppositionsgelüste gegen die Flotten-, Welt- und Kolonialpolitik aufzugeben geneigt ist und künftig selbst an die höchsten imperialistischen Forderungen keinen An- stoß mehr nehmen wird. So mußte denn Herr Spahn, der gewandteste der Obcrregisseure, heran und in Rhcinbach eine Rede halten, in der er die schönen Zugeständnisse auskramte, die das Zentrum zu bieten bereit ist. Nach dem Bericht der „Köln. Volksztg." sagte er: In der Ausgestaltung unserer Verteidigungs- mittel stille zu stehen, ist uns leider nicht er- m ö g l i ch t. Was nun diese betrifft, so steht die Organisation unseres Heeres fest, es steht nur ihr Ausbau in Einzelheiten, die Bewaffnung der Truppen, die Unifonnieruug und die Verstärkung unserer Befestigung in Frage. Der Mehraufwand für das Heer wird für 1903 auf 23 Mill. Mark geschätzt. Der Mehraufwand für die Flotte wird höher einzuschätzen sein, wenn wir die Eutwickelung der Auslandsflotten berück- sichtigen und sie für unsere Flotte verwerten. Unser Flotten- bauplan ist allerdings gesetzlich festgelegt. Das kann abernicht verhindern, daß unter Beibehaltung der Zahl der Schiffe in der Ar.t des Baues der einzelnen Schiffe und in der Berechnung ihrer Lebensdauer auf Grund der bei den anderen Staaten gemachten Erfahrungen Aenderungen vor- genommen werden. Wir dürfen die Augen nicht verschließen vor der Gefechtsstärke, die andere Staaten ihren Schiffen geben. Man konnte eine Zeitlang zweifelhaft sein, was für die Taktik in der Seeschlacht wichtiger sei, die größere Geschwindigkeit der Schiffe oder ihre größere Gefechtsstärke. Bei den heutigen Wirkungen der Artillerie hat das an Gefechtsstärke dem gegnerischen Schiff nach- stehende Linienschiff für die Schlacht selbst dann verminderten Wert, wenn es ihm an Geschwindigkeit überlegen ist; denn es wird zusammengeschoffen, bevor eS an den Feind herankommt. Die Gefechtsstärke der Schiffe erfordert ein großes Deplacement, weil nur dadurch die Tragfähigkeit der schweren Geschütze und die Ruhe ihrer Bedienung gewährleistet wird. Nun hat Nordamerika Schiffe mit einem Tounengehalt von 22 Tonnen in Bau gegeben, die mit ihrer Ausrüstung mit Geschützen gegen 40 Millionen Mark kosten. Wir werden diesem Borgange bei unseren Neubauten folgen müssen. Unser Flottenbauplan beruht zwar darauf, daß die zu eiuem Geschwader gehörenden Schiffe an Größe, Gefechtsstärke und Geschwindigkeit annähernd gleich seien, einem gleichen Typ angehörten. Wir dürfenaber daran nicht festhalten. Für die neuen Schiffe muß ein Deplacement von über 10 000 Tonnen und eine Armierung mit den schwersten Schiffskanonen gewählt werden. Das vexgröjjrrtr Deplacement erfordert dann eine Erhöhung dcr Zahl der Schiffsbesatzung, die allerdings nicht erheblich sein wird. Folgen wir den Vorgängen der anderen Staaten, so müssen wir auch die Lebensdauer der Linienschiffe von 23 auf 20 Jahre herabsetzen, was zu einer Beschleunigung der Ersatzbauten und dadurch zu einer weiteren Erhöhung der Kosten führt. Auch erhöhen sich die Koste» der Instandhaltung der Flotte in den nächsten Jahren dadurch, daß die Schulschiffe bald nur noch Dampfer und nicht mehr Segelschiffe sind. Tritt unsere Flotte in Aktion, so ist das AktionSgcviet nicht die Ostsee, sondern die Nordsee. Daraus ergibt sich dir Not- wcndigkeit zur Erweiterung unserer Srcanlugen in der Nordsee und in der Elbe. Alles in allem wird leine Ueberschätzung in der Annahme liegen, daß unsere Flotte eine jährliche Mehrausgabe von 40 Millionen Mark erfordert. Herr Spahn will also nicht nur 25 Millionen Mar! ProJahr mehr für das Heer bewilligen, sondern auch noch eine jährliche Mehrausgabe von 40 Millionen Mark für die Flotte— wenn es verlangt wird, auf gütliches Zureden auch noch etwas mehr. Ebenso ist er nicht abgeneigt, eventuell auch die Kolonial- Politik mit anderen Augen anzusehen; meinte er doch im weiteren Verlauf seiner Rede in bezug auf Südwestafrika: „Wenn jemals der einer Partei gemachte Vorwurf anti- nationalen Verhaltens von den Tatsachen widerlegt worden ist, so ist eS durch die Ereignisie in Südwestafrika geschehen. Von den am 1. April in Südwestafrika anwesend' gewesenen 7160 Manu werden 3000 Mann zurückbeordert, so daß 2100 in der Kolonie bleiben; von diesen 2100 scheiden etwa 400 als Ansiedler aus. Da die Schutztruppe vom 1. Oktober d. I. ab 4000 Mann stark sein soll, so sind 2300 Mann in der Heimat anzuwerben und in die Kolonie zu senden. Ein Kampf hat seit November 1v0ü überhaupt nicht mehr stattgefunden. Es lag deshalb nahe, die Truppenstärke von 4000 Mann als zu hoch abzulehnen. Nachdem aber in der Budgetkommissiou von dem damaligen Gouverneur, jetzigen Uilterstaatssckrctär v. Lindequist, erklärt worden war, daß die Kosten der Polizeitruppen sich höher stellen, wie noch in den früheren Elats angenommen worden war; daß an den Uebergang zu einer Kolonialarmee nicht gedacht werde; daß entgegen der Auf- fassuug des Oberkommandos dcr Schutztruppe die starke Truppen- reduktiou lediglich auf seine Verantwortung im Bundesrat konzediert worden sei, wobei er darauf vertraue, daß der Reichstag feine Verantwortlichkeit mit ihm teile, und daß er auf eine weitere Truppenreduktion hoffe, erschien bei dieser Uebcreinstimmung der v. Lindeguistschen Auffasiuug mit der vom Zentrum im Dezember 1906 bekundeten die Erhebung des Widerspruches als verfehlt. Wir würden mit ihr uns zwecklos der Berechtigung beraubt haben, in dieser Frage weiter mitzureden." Unverschämter hat sich kaum je eine Partei ausgcboten, als in dieser Rede das Zentrum— selbst der Nationallibera- lismus vermag diese Leistung kaum zu überbieten. politileke(leberNcbt. Berlin, den 13. August 1907. Etwas unbescheidener! Die Zentrumsblätter befolgen immer noch eine Taltik, dir jedem, der wirklich die Eroberung deS gleichen und geheimen Wahl- rechts in Preußen will, nichts weniger denn als„kluge Taktik" erscheinen kann. Die„Köln. VolkSztg." druckt mit großem Behagen einen längeren Artikel der„Deutschen Tagesztg." ab, der mit aller- Hand Zahlen die Schwäche des Freisinns nachzuweisen sucht und in der Mahnung au den Freisinn gipfelt,„etwas bescheidener" zu sein. Es ist aber sicher nicht die Aufgabe der Anhänger des gleichen Rechts, die„Schwäche" deS Freisinns fortwährend hervor- zuHeben, oder die höhnenden Betrachtungen dcr konservativen Blätter, die sich nicht so energisch wehren möchten, falls sie sich sicherer fühlten, kritiklos zu übernehmen. Solche Redereien über die„Schwäche" sind bloße Abwehrmanöver gegen den Freisinn, um ihn in Angst zu versetzen.' Denn die Sache des gleichen Rechts ist gar keine Sache deö Freisinns allein, sonderu eine Sache deS arbeitenden Volkes, eine„Sache" der Entrechteten. Sie ist aber auch eine„Sache", für die das Zentrum einzutreten verpflichtet ist. Hat ja doch das Zentrum selbst einen Antrag auf Einführung des gleichen Rechts gestellt und dadurch dieseBer- pflichtung anerkannt! Hinter dem gleichen Recht steht d i e überwiegende Masse des Volkes in Preußeil, steht, wenn das Zentrum ehrlich ist, die Majorität des deutschen Reichstages! Das sind Wahrheiten, die selbst- verständlich sind. Warum sagt sie aber die„Köln. Volkszeitung" nicht? Warum beschränkt sie sich darauf, schadcnfreudig den Zwie- spalt im Block zu konstatieren? Ein wirklich billiges Vergnügen I Wozu sucht sie die Konservativen, die doch wahrlich auch ohne das Zureden dritter jede Wahlrechtsreform zu verhindern suchen werden, gegen den Freisinn aufzuhetzen? Nicht den Freisinn zu Bescheidenheit zu ermahnen, ist Aufgabe der WahlrcchtSkämpfer, sondern dem preußischen Volke seine Bescheidenheit auszutreiben. Das Zentrum ist verpflichtet, und eS hat die Macht dazu, durch energische? Eingreifen in den W a h l r e ch t S k am p f jede reaktionäre Blockpolitik unmöglich zu m.achtzn und an Stelle der Block- Politik die Wahlrcchtspolitik zu stellen. Oder speluliert daS Zentrum nur darauf, den Block zu sprengen, um selbst den Konservative ir jene Dienste zu leisten, die dem Freisinn nach den Erklärungen seiner Führer zu schmutzig, zu reaktionär, zu volksfeindlich sind? Wir möchten nickst ohne weiteres annehmen, daß die Partei, die sich eine Volkspartei nennt, deren Anhängerschaft zu einem großen Teil aus Enterbten besteht, daß diese Partei wirklich das Volksrccht verraten will, um das Gnadenbrot der Regierung sich zu er- schleichen. Aber wir wollen endlich Antwort! Die Führer deS Zentrums dürfen nicht vergesien, daß es sich nicht um ihre Sache allein handelt, sondern um eine Frage der politischen Eni- Wicklung deS ganzen Volkes. Das ist keine Frage der künstlichen Schachzüge einer klügelnden Taktill Jeder Entrechtete kann die Antwort heischen auf die Frage, ob das Unrecht, das ihm geschehen, aufrcchlbleibcn soll, und jeder, der verantwortlich ist für dieses Unrecht, hat zu antworten. Das Zentrum aber i st in aller- er st erLinie verantwortlich und es darf sich nicht mehr verstecken hinter d e n A n s f l ü ch t e n. die ihm die Konservativen bereitwillig liefern. Wenn eS den Freisinn nicht ernst nimmt, so muß eS dcr Arbeiterklasse endlich sagen, waS es selbst tun wird, um das Unrecht in Preußen zu Fall zu bringe». Die Bescheidenheit der„Germania" ist vollends nicht mehr zu überbieten, wenn sie meint, der„Vorwärts" überschätze die Wirkung einer Aktion der aus Sozialdemokratie, Freisinn und Zentrum bestehenden Mehrheit im Reichstage, ebenso wie die Wirkung einer Volksbewegung dieser Parteien. Die„Germania" weiß offenbar nicht, daß die drei genannten Parteien inkl. Deutscher Volkspartei und der Polen bei der letzten Wahl von 11303 483 überhaupt abgegebenen Stimmen nicht weniger als 7 12G 554 Stimmen auf sich vereinigten, also mehr alS zwei Drittel dcr Stimmen! Und einem Volkssturm einer so kolossalen Mehrheit des Volkes sollte die Reaktion Stand zu halten vermögen?! Die„Germania" bezweifelt also wohl im Ernste nicht sowohl daS Gelingen einer solchen Volksbewegung, als vielmehr den dazu erforderlichen guten Willen der bürgerlichen Parteien! Und da mag die„Germania" für ihre Partei auch nicht unrecht haben! Ob die M a s s e n ihrer Anhänger freilich die Ansichten der Führer teilen, wird sich ja noch zeigen I Parteistimmen über den Wahlrechtskampf. In der Breslauer„Volks wacht" behandelt Genosie Eduard Bernstein eingehend die Frage:„Was kann die Sozialdemokratie in der Frage der LandtagSwahlrcform tun?" Bernstein läßt sich zunächst über die Aktionen auS, von denen er sich besondere Erfolge nicht verspricht. So hält er eine frühere Ein- berufung der preußischen Landeskonferenz nicht fiir erforderlich. DaS Fassen prinzipieller Beschlüsse auf der Konferenz, das Abhalten von Massenversammlungen würden doch Regierung und Landtag nicht nötigen, schneller vorzugehen. Gegenwärtig aber über derartige Demonstrationen hinauszugehen, hieße das Pulver vor der Schlacht verschießen. Wir könne» darin Bernstein unter einigen Vorbehalten zustimmen. Es wäre in der Tat eine schlechte Strategie, die stärlslen Trümpfe zuerst auszuspielen. Die Taktik des sozialdemokratischen WahlrcchtskampfcS hat sich vielmehr den Umständen anzupassen. Wir halten eS deshalb auch für überflüssig, schon jetzt, gleich der„Sächs. Arbeiter- zeitung", die Frage aufzuwerfen, ob das preußische Proletariat zum politischen Massenstreik schreiten wird. Die Sozialdemokratie wird eS sicher nicht daran fehlen lassen, den Wahlrechtskampf mit größter Energie und steigendem Nachdruck zu führen.— Wenn Genosse Bernstein schließlich meint:„Gewehr bei Fuß ist im Moment die Parole", so möchten wir diese Losung denn doch nicht wörtlich genommen wissen. Schon im Augenblick hat die Presse den Kampf zu führen, haben die Organisationen alle Borbercitungen zu treffen, um für jeden Augenblick gerüstet zu sein. Keine„Heber- stürzung", aber auch kein lässiges Abwarten! Nicht zu teilen vermögen wir Bernsteins Auffassung, daß die Sozialdemokratie kein Interesse daran habe, daß die Frage der Wahlreform schon im gegenwärtigen Landtag entschieden werde. Eine so wichtige Angelegenheit, meint Bernstein, gehöre z u e r st vor die Wähler. Schlechter wie der gegenwärtige Landtag könne der neue Landtag unmöglich werden, er biete also höchstens bessere Chancen für eine wirkliche Wahlreform.— Wir sind der Auffassung, daß der Landtag aus sich heraus in keinen: Falle eine brauchbare Wahlreform'schaffen wird. Wir halten es deshalb für richtig, den Freisinn schon im alten Landtage vor die Alternative zu stellen: entweder die Regierung zum Eintreten für das Reichstags Wahlrecht zu zwingen, was dann zur Auflösung des Landtages und zum Kampfe im Zeichen des ReichStagSwahlrechts führen würde, oder aber gleich der Sozialdemokratie den Kampf gegen Reaktton und Regierung auf- zunehmen. Nur in diesem Zusammenhange scheint unS auch die Frage eines Wahlbündnisses mit dem Freisinn diskutabel I Begnügt sich der Freisinn mit dem Versprechen einer Wahlreform k la Sachsen, so beweist er damit, daß er die Forderung des Reichstagswahlrechts nur des Stimmenfanges wegen erhebt, um dann doch die Volksrechte schnöde zu verraten! Den Frei- sinn aber in einer so verräterischen Taktik zu unterstützen, hieße dem Volke, hieße dem sozialistischen Proletariat selbst eine Taktik des politischen Selbstmordes empfehlen! Entweder geht also der Freisinn mit den Massen gegen die Reaktton, oder er geht mit ihr gegen die entrechteten Massen! Die nächste Aufgabe der Sozialdemokratie ist und bleibt es, Freisinn und Zentrum zu veranlassen, Farbe zu bekennen. damit sie durch die Tat zur Wahlrechtsfrage entschiedene Stellung nehmen müssen! Welchen Erfolg auch die sozialdemokratische Agitation haben mag: sie wird für unsere weitere Aktion ihre Früchte tragen! �_ Zentrumslob ans Scharfmachermunde. Zu den letzten Ausführungen der„Germania" bemerkt dte„Deutsche T a g e s- Z t g.": „An diesen Ausführungen ist dreierlei besonders beachtens- wert: einmal das kühle und besonnene Urteil über das Reichs- tagswahlrecht, dann die unzweideutige und scharfe Ab- sage an die Sozialdemokratie und ihre Wahl- rechtsaktion und schließlich die Einsicht, daß die Widerstände gegen die Einführung des Reichstagswahlrechtes in Preußen nicht von heute auf morgen gebrochen werden können. Sollte sich also der Freisinn wirklich mit der Sozialdemokratie zu einer großen Massenaktion in der Wahlrechtsbewegnng verbünden, so würde er nicht auf die Unterstützung, sondern auf den starken Wider st and des Zentrums rechnen können. Das ist auch ein nicht wertloser Beitrag zur Klärung der Frage." Hoffentlich sorgt die Zentrumspresse für die weiteste Ver- breitung dieser Anerkennung aus dem Munde der enra- giertesten Gegner einer Wahlresorm I Das Bildungsniveau der Unteroffiziere. Bei der Unterbringung der aus dem Heere ausscheidenden Unteroffiziere im Zivildienst hat die Regierung recht trübe Er- sahrungen gemacht. Obgleich die Leiter der Verwaltungen, in welche die mit einem Zivilversorgungsschein ausgerüsteten Unteroffiziere hineingestopft wurden, meist gerne ein Auge zudrückten, stellte stch ein derarttger Bildungsmangel der Stellvertreter Gottes a. D. heraus, daß mit ihnen nichts anzufangen war. Um diesem von den Zivilbehörden vielbeklagten Uebelstand abzu- helfen, soll das Bildungsniveau der Unteroffiziere und Feldwebel gehoben werden. Das Kriegsministenum hat die Generalkommandos zur Berichterstattung darüber aufgefordert, wie weit unter Berücksichtigung der dienstlichen Verhältnisse, wenn an- gängig, ohne Mehrbelastung der Truppe, sich am zweckmäßigsten der bisherige Kapitulantenunterricht verbessern läßt. Nach Mitteilungen der„Nat.-Ztg.". hat das Kriegsministerium sich dabei von folgenden weisen Erwägungen leiten lassen: „Wenn auch der Unteroffizier in erster Linie ftir die Zwecke des praktischen Truppendienstes verfügbar sein muß. so bleibt doch die zwingende Notwendigkeit bestehen, seine Elementarkeimtnisse zum Nutzen der Truppe und für seine spätere Verwendung im Zivildien st zu heben. Hierzu wird es erforderlich sein, den bisherigen Kapitulantenunterricht durch geeignete Lehrkräfte erteilen zu lassen, ihn soweit als möglich zu erweitern und zu vertiefen und endlich den Unteroffizieren vor ihrem Ausscheiden den Unterricht zu erteilen, dessen sie bedürfen, um eine angemessene Versorgung im Zivildienst zu erlangen." Der alte Fritz hatte eS bekanntlich leichter, seine abgedienten Unteroffiziere unterzubringen! er schickte sie einfach in die Schulämter.— Militärjustiz! Wegen Ungehorsams, Beharrens im Ungehorsam, Achtung?- Verletzung und falscher Anschuldigung ist am 20. Juni der Arbeits- soldat Bruno Moritz Schmidt II von der Militärarbeiterabteilung in Dresden vom Kriegsgericht zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er soll einmal nicht schnell genug Kehrt gemacht, einem Unteroffizier keine Antwort gegeben und während der Frühstücks- pause gesprochen haben. Die dem Angeklagten zur Last gelegte falsche Anschuldigung besteht darin, daß er einmal zu einem Käme- raden in Gegenwart eines Unterossiziers die Acußerung getan hat: „Wenn sie im Fesiungsgefängnis einen Schuhmacher brauchen(der Angeklagte ist ein solcher), dann brauchen sie sich nur an die Ar- bciterabteilung zu wenden, es wird dann schon dafür gesorgt, daß man sich vergeht und wieder ins Fesiungsgefängnis kommt!" Für diese Aeußerung hat der Angeklagte in der ersten Verhandlung einen Wahrheitsbeweis angetreten. Er bezichtigte verschiedene Unteroffiziere der mannigfachsten Uebergrisfe. Als sich der An- geklagte einmal bei einem Unteroffizier über die Behandlung be- schwertc, sagte dieser:„Was wollen Sie denn; an die Oeffentlichkeit kommen Sie nicht, in die Briefe schreiben dürfen Sie nichts; ich mache mit Ihnen doch was ich will!" Die Angaben des Angeklagten wurden von einigen Arbeits. soldaten bestätigt. Einige traten selbst mit Beschwerden vor, und einer der Unteroffiziere machte sogar von dem Rechte der Zeugnisverweigerung Gebrauch, um sich nicht einer straf. rechtlichen Verfolgung auszusetzen. Trotzsall dieser beachtenswerten Momente hielt das Kriegsgericht den Wahrheitsbeweis als nicht erbracht und warf obige Strafe aus. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. Dem Gerichtsherrn war dagegen die Strafe mit Rücksicht aus die An- schuldigungen zu n i c d r i gl Auch er legte Berufung ein. �aS OberkriegSgericht sn Dresden verhandelte deshalb nochmals in dieser Angelegenheit. Auch hier erklärte Schmidt wieder, daß er und auch andere Arbeitssoldaten schikaniert und gereizt worden seien. ES wurde in der Berufungsverhandlung festgestellt, daß auf Grund der Anschuldigungen deS Angeklagten ein Unteroffizier wegen mehrerer Uebergrisfe zu S Tagen�Arrest verurteilt worden ist und gegen einen anderen Unteroffizier wegen vorschriftswidriger Behandlung eine Untersuchung im Gange ist. Vor dem OberkriegSgericht kam es zu einem Zwischenfall, Der Ober- leutnant Giese von der Arbciterabteilung hatte im Zuhörerraum Platz genommen und machte sich bei den Aussagen der Arbeits- soldaten Notizen. Als schließlich ein A�beitssoldat dieserhalb nicht mit der Sprache heraus wollte, mußte der Oberleutnant den Saal verlassen und der Zeuge machte seine Aussage. Nach mehrstündiger Beweisaufnahme und langer Beratung wurde das Urteil des ObcrkricgsgcrichtS verkündet, es lautete eben- falls auf 8 Monate Gefängnis!! Die Berufung des Gerichtsherrn wurde verworfen._ Cnglanck. Blutvergießen in Belfast. Nun ist es auch im freien England zu einer Metzelei der Soldateska im Dienste der Kapitalisten gegen das Proletariat ge- kommen. Die Erbitterung, die die Parteinahme der Behörden gegen die streikenden Dockarbeiter und für die Streikbrecher sowie das Militäraufgebot hervorrief, hat zu heftigen Zusammenstößen der Massen mit den Truppen geführt. Fünf Tote und an 200 Verwundete sind das Ergebnis des ersten Tages der Strahenschlacht— am Montag ist diese Zahl der Opfer noch weit größer gewesen. Vergeblich hatten am Sonnabend noch die Genossen G r a h s o n und Pete Curran im Unterhause von der Regierung die Entfernung deS Militärs gefordert! Jetzt werden die Truppen noch um eine Kompagnie der Royal EngincerS von AlderShot ver- stärkt. Die Telegramme(die natürlich alle die Schuld den Volksmassen zuschreiben) lauten: London,. 13. August. Nach den bisherigen Meldungen aus B e l f a st sind bei den gestrigen Unruhen fünf Personen— darunter ein Kind— getötet und zahlreiche Personen verwundet worden. In der Stadt herrscht große Aufregung. Die Zahl der Opfer des gestrigen Tages ist noch größer, als die der Unruhen am Sonntag, wo 200 Personen verletzt worden sind. Ueber die Unruhen selbst ist noch zu berichten, daß junge Mädchen und Frauen die Kundgeber begleiteten und in ihren Schürzen Steine, Glasscherben und andere Geschosse mit sich führten, welche gegen die Truppen und Polizeiagenten geschleudert wurden. Kavallerie und Infanterie machten erst von den Waffen Gebrauch, nachdem sie die Menge aufgefordert hatten, auseinanderzugehen. Bei Ab- sendung des Telegramms dauerten die Unruhen noch fort. Belfast, 13. August. Die gestrigen Ruhestörungen waren sorgfältig vorbereitet. Ketten waren quer über die Straßen gc- spannt, um die Kavallerie zu behindern. Es war beabsichtigt, die Straßen- und Geschäftsbeleuchtung auszulöschen, um dadurch den Unruhestiftern Vorteile den Soldaten gegenüber zu bieten. Bis spät nach Mitternacht wurden die Soldaten und die Polizei mit Pflastersteinen beworfen, wobei Frauen und halbwüchsige Jungen einen großen Eifer an den Tag legten. Wiederholte Angriffe mit Bajonett und Polizeiknütteln hatten nicht den Erfolg, die Menge in Furcht zu setzen, vielmehr wurden die Truppen zurückgedrängt und die Aufrührer schienen zeitweise die Oberhand behalten zu sollen. 30 Zivilpersonen sind ins Hospital gebracht, von denen sechs Gewehrschußwunden hatten, ebenso auch einige Soldaten. Die Polizei nahm 50 Verhaftungen vor. De? PolizcigerichtShof ist Tag und Nacht mit der Aburteilung der Verhafteten beschäftigt. Die bisher verhängten Strafen gehen nicht über sechs Monate hinaus. Belfast, 13. August. Die Unruhen haben gegen Mitternacht aufgehört. Die Krankenhäuser sind voll; mehrere hundert Personen sollen verwundet sein. Viele Soldaten und Polizeibeamte sind durch Steinwürfe schwer verletzt. Ein Fortschritt des FraucnwahlrechtS. London, 12. August. Die bereits vom Oberhause angenommene Bill, nach der Frauen Mitglieder der Munizipal- und Grafschafts- räte werden können, ist heute vom Untcrhause in zweiter Lesung mit 132 gegen 13 Stimmen angenommen worden. Eoltanä. Dem allgemeinen Wahlrecht entgegen. A m st e r d a m, 9. August. Bei ihrem Amtsantritt im Jahre 1905 sagte die Regierung für daS dritte Jahr ihrer Tätigkeit eine Wahlreformvorlage u, die das allgemeine Wahlrecht bringen solle. Nachdem ie ernannte Staatskommission zur Untersuchung ver Verfassung bereits vor einiger Zeit ihren Bericht der Regierung eingereicht hat,„hofft" die letztere nunmehr, wie von gut unterrichteter Seite gemeldet wird, der Kammer während der nächsten Sitzungsperiode einige die Verfassungsänderung betreffende Gesetzentwürfe einzu- reichen, die eine Wahlrechtsreform in sich schließen. Inzwischen rüstet sich das holländische Proletariat zu seinen jährlichen, stets an Größe und Bedeutung zunehmenden Wahlrechts- demonstrationen. Ein vorbereitendes provinzielles Meeting fand bereits am Sonntag statt, 9 weitere werden am Sonntag den 25. August zu Groningen, Leeuwarden, Meggel, Enschede, Amster- dam, Middelburg, Eindhoven, Maastricht. Arnhcm und Utrecht statt- finden, während die Landcsdcmonstration am Sitze der Regierung und der beiden Kammern, zu dem Haag, am 11. September abge- halten wird. Die Kundgebung verspricht alle bisherigen zu über- tresfen; sie wird mit der gewachsenen sozialdemokratischen Stimmen- zahl bei den Wahlen vom Juni und Juli zu den Provinzialstaaten und den Gemeindcräten der Regierung und den herrschenden Par- teicn einen neuen, Iräftigen Stoß nach vorwärts geben. Denn ohne das uneingeschränkte allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wird sich das holländische Proletariat nicht mehr zufrieden geben.— Deserfton aus Heer nnd Marine. Amsterdam, 7. August. Vor einigen Wochen verließ beinahe eine ganze Eskadron der zu Zütphen stationierten Husaren, 51 Mann mit ihren Unter- offizieren den Garnisonplcitz und machte sich auf den Weg nach Venlo, um ihrem früheren, dahin versetzten und wie man sagt humanen Rittmeister persönlich ihre Klagen über die Quälereien und über die für Nichtigkeiten über sie verhängten zahlreichen Strafen ihres jetzigen Rittmeisters, Baron Vom Hcnnftra, vorzu- tragen. Zu Arnhem von Vorgesetzten wieder eingeholt, kehrten sie auf deren Zureden zurück, am Bahnhof vom Publikum, das die An- gelegenheit von der ironischen Seite aufnahm, fröhlich begrüßt. Ten Militaristen ist nicht wohl ob der wankenden Macht der Kascrnendisziplin. Ratlos aber stehen sie nun vor einem neuen Fall, bei der Marine, der schon lange in militaristischen Kreisen mißtraut wird. Ein bereits Ende Juli dem Matroscnblatt„Hct Anker" zugegangenes Gerücht wird nämlich dahin bestätigt, daß von dem vor New Uork liegenden Kriegsschiff„Geldcrland" 35 Mann, wovon 5 Verheiratete und unter diesen 2 Unteroffiziere, desertier- ten, um für sich und Frau und Kinder ein besseres Leben in Amerika zu suchen, als die holländische Kriegsmarine bietet Auch vom Kriegsschiff„Tromy" in Ost-Jndien desertierten fünf noch im jugendlichen Alter von höchstens 18 Jahren stehende Jungen. Geht es so weiter, dann hat die holländische Marine bald keinen Mann mehr, um das„Vaterland" und seine Kapitalisten gegen den „inneren" und äußeren Feind zu verteidigen. Denn diesem Massen- abzug gegenüber, wozu noch die wegen„antimilitaristischer Neigun. gen" Entlassenen und aus Abneigung gegen den Dienst um Ent- lassung Nachsuchende kommen, steht kein genügender Ersatz gegen- über. Die Agitation gegen den Eintritt Jugendlicher beim Militär hat ihren Erfolg gezeitigt. Unser neuer, vor kurzem als Stärkung der „rechten" Richtung im liberalen Ministerium ernannter Marine- minister Mentholt aber hat ii» seiner früheren Stellung als Kom- Mandant zu den Helder genügend Zeugnis abgelegt von seinen Fähigkeiten, die anti-militaristische Gesinnung im Marinepcrsonal durch anti-matrosensreundliche Maßnahmen, durch Mätzregelungen und durch Schikanierungen der Organisation der Marinematrosen, ja selbst derjenigen der Korporale und Subalternoffiziere, zu ver- stärken.— Besorgt fragen sich die Miliiaristen: Wohin soll daS führen? Und die Sozialdemokratie antwortet: Zur Abschaffung des militaristischen Systems und des stehenden Heeres!-» Norwegen. Aufhebung der Beschlagnahme russischer Schriften. Im September borigen Jahres, bald nach der Auflösung der ersten russischen Reichsduma, konfiszierten bekanntlich die norwe- zischen Behörden einige russische Schriften, die in der Druckerei des sozialdemokratischen Organs„Finmarken" in Vardö gedruckt worden waren. Das erste Gericht, das sich mit der Sache zu bc- fassen hatte, das„MaddomSrat", hieß diesen der russischen Despotie erwiesenen Lakaiendienst gut und verurteilte die angeklagten Russen Gratschaff und Gudkoff, die Einziehung der Schriften jsii dulden. Die eine der Schriften, das Manifest, das die aufgelöste Reichsduma in Viborg beschlossen hatte, war übrigens von den nor- wegischen Behörden wieder freigegeben worden, obwohl es in Ruß- land verboten ist, während die übrigen konfiszierten Schriften in Rußland öffentlich verkauft werden können, wenngleich bei der Will- kür der russischen Behörden wohl in dieser Hinsicht in den ver- schicdenen Landcsteilen eine gewisse Unsicherheit herrscht. Die in Norwegen beschlagnahmten Schriften werden in anderen Ländern, in der Schweiz, in Frankreich, England und teilweise auch in Teutschland, ungehindert zwecks Einführung nach Ruhland gedruckt. Diese Schriften sollten nun gegen den§ 95 des norwegischen Strafgesetzbuches verstoßen, nämlich Aufreizung zu Haß gegen«ine fremde Staatsmacht, sowie Verhöhnung dieser Staatsmacht ent- balten und dadurch das„friedliche Verhältnis" Norwegens zu jenem Staat in Gefahr gebracht haben. In der vorigen Woche hatte die höhere Instanz, das„Lagmands- rat", über die Sache zu entscheiden. Die Verhandlungen dauerten von Donnerstag bis Sonnabend mittag. Der Verteidiger Ober- gerichtsanwalt Puntcrvold hatte auch diesmal vor dem„Mad- domsrat", den ÄinisterdesAeußernLövlandals Zeugen laden lassen, ferner mehrere Russen und Russinnen. Bei der Ver- nchmung des Ministers wurde auf Gerichtsbeschluß die Ocffent- lichkeit ausgeschlossen. Nach dem, was später bekannt wurde, hat er ausgesagt, daß er befürchtet habe, das friedliche Verhältnis Norwegens zu Rußland könne durch die Herausgabe jener Schrif- ten gefährdet werden.— Als die Angelegenheit seinerzeit im Storthing zur Sprache kam, hatte Lövlano mitgeteilt, Laß der russische Gesandte in Kristiania nicht um Bcschlagnahine der Schriften ersucht, aber angefragt habe, ob die betreffenden Russen nicht ausgewiesen werden könnten. Dazu lag aber ganz und gar kein gesetzlicher Grund vor, und darum wählte man die Be- schlagnahme. Der Gerichtsvorsitzende Lagmand Vogt zeigte sich in seiger Rechtsbelehrung der Laienrichter reichlich parteiisch, indem er ihnen unter anderem die Auffassung des öffentlichen Anklägers Staats- advokaten Sitje beizubringen suchte, daß die Worte„das friedliche Verhältnis in Gefahr bringen" sich nicht nur auf Kriegs gefahr bezögen, sondern auch auf die Gefährdung des f r e u n d s ch a f t- l i ch e n Verhältnisses zu einer anderen Staatsmacht. Aber das Gericht kam gleichwohl, im Gegensatz zu der unteren Instanz, zu einem freisprechendeil Urteil und hob die Beschlagnahme der Schrif- ten aus. Der Lakaiendicnst, den die norwegische Regierung der ritt' Despotie mit der Beschlagnahme erweisen wollte, hat also seinen Zweck gänzlich verfehlt. Statt Behinderung der sozialdcmokrati- scheu und freiheitlichen Agitation in Rußland ist durch den Prozeß in Norwegen viel zur Aufklärung der Oeffentlichkeit über die russi- schcn Verhältnisse bewirkt worden, namentlich durch das reichhaltige Material, das die Verteidigung beibrachte, wie durch die Aussagen der russischen Zeugen.— jVlontenegro. Belgrad, 13. August. DaS radikale Blatt„Dncmil List" be- hauptet, Fürst Nikolaus von Montenegro bereite sich vor, die Opposition in seinem Lande unmöglich zu machen. Nach einem fingierten Attentat sollen die Oppositionsführer verhaftet und unschädlich gemacht werden.— Ge\verKIcKaftlid?e�. Deutsche Arbeiter als Streikbrecher im Auslände? Wir verwiesen schon neulich darauf, daß in Ant- Werpe», wo bekanntlich die Hafenarbeiter sich in der Ve- wegung befinden, außer englischen Streikbrechern auch deutsche erlvartet werden. Wir sind jetzt in der Lage, darüber Mitteilung zu machen, auf welchem Wege man den Antwcrpcner Hafenprotzcn deutsche Streik- brecher zuzuführen versucht hat. Die Hamburger Reeder sind es, die den Aiitwcrpcncr Unternehmern mit einigen Hundert ihrer Kontraktarbeiter zu Hülfe zil kommen suchten, die nun auf Grund ihres Kontrakts nud der famosen Sparkasse in Antwerpen Streikbrccherarbcit ver- richten müsse». Die Hamburger Schauerleute haben die Leute durch ein Flugblatt davor gewarnt. Um nun in Hamburg die Lücke wieder auszufüllen, be- absichtigen die dortigen Unternehmer, durch die bürgerliche Presse, wie die„Morgenpost" usw., Leute als Kontraktarbeiter nach Hamburg zu locken. Es wird ein Wochenlohn von 30 M. geboten, ebenso 1 M. für die Stunde Nacht- oder Somttags- arbeit; die Svarkasse wird allerdings nicht erwähnt. Genossen! Haltet den Zuzug von Kontraktarbcitern auS dem Hamburger Hafen fern! Der Schub Kontraktarbeiter nach Antwerpen beweist deutlich, wozu die Leute gebraucht werden sollen, sobald sie dasKontraktvcrhältnis eingegangen sind. Bei Beendigung der Aussperrung im April haben die Unternehmer Verhandlungen zum 1. Ottober zugesagt. Dann soll entweder der Schichtwechsel eingeführt oder der Lohntarif der Schauerlcute entsprechend verbessert werden. Wenn es ihnen jetzt gelingt, genügend Kontraktarbeiter zu finden, werden sie für Zugeständnisse nicht zu haben sein. Dazu komint, daß jeder Arbeiter, der als Kontraktarbeiter nach Hamburg geht, sich dem Unternehmertum gewissermaßen als internationaler Streikbrecher verschrieben hat. Sein Kontrakt zwingt ihn nicht nur, unter Umständen ivider Willen seinen Arbeitsbrttdern in den Micken zu fallen, sondern er kann, wie Figura zeigt, in eine Rolle gedrängt werden, durch die er der deutschen Arbeiterschaft den Ruf der Solidarität raubt und ihre Ehre für alle Zeit schändet I Soll die Arbeiterschaft des Auslandes mit Fingern auf daS deutsche Proletariat zeigen? Soll der Ruf der deutschen Gewerkschaftsbewegung unter dem Unverstand einzelner Schaden leiden? Wenn nicht, dann halte jeder organisierte Arbeiter den uzug von Antwerpen fern I Dann meide mau aber auch de« amburger Hafen, wo ehrliche Arbeiter durch einen von ihnen nicht verstanvenen Kontrakt gezwungen werden, die deutsche Arbeiterehre im Anslaude zu schände»! Berlin und clmzegend. Der Kampf im Baugewerbe. An sämtlichen Anschlagsäulen Groß-BerlinS veröffentlicht der Verband der Baugeschäfte von Berlin und dm Vororten heute folgende Bekaimtmachnng: „Nachdem der Streik im Bangewerbe durch die Organi- sationen der Albeitnchmer aufgehoben worden ist. fordern wir alle Arbeitnehmer, die zu den Bedingungen des Ver- bandeS der Baugefchäfte arbeiten wollen, auf, sich ziinächsl bei ihren früheren Arbeitgebern zur Arbeitseinstellung zu melden und, falls sie dort nicht eingestellt werden, sich bi-Z spätestens Sonnabend, den 24. August, im Arbeitsnachweis des Verbandes, Beulhstrasje 1, einschreiben zu lassen. Nach dem 24. A u g u st finde n im Arbeitsnachweis Einschreibungen bis zum Schlus; des Jahres nicht mehr statt." Die Arbeiterorganisationen haben naturgemäß zu dieser Vor- öffentlichung bisher noch nicht Stellung nehmen können. Für die Arbeiter aber ist diese Stellungnahme und nicht der Unternehmer� ukns maßgebend. Für die Zimmerer besteht überdies der Beschluß, nur gegen Bewilligung der Arbeilerforderungen die Arbeit anfzu- nehmen. Es scheint aber, daß auch in den übrigen Baufächern den Unternehmern die Lenke nicht in dem gewünschten Maße zuströmen. Wem» ja: warum die Flucht in die Oeffeutlichkeit? Die Kosten der Holzarb eitcr-Ansspcrrung. lieber zwei Millionen hat die Aussperrung in der Ber- liner Holzindustrie der Zahlstelle Berlin des Holzarbeiter-Verbaudes gekostet. Wie der Kassierer Miele in der Generalversammlung der Zahlstelle, über die wir an anderer Stelle berichten, mitteilte, wurden bis zum 1. Juli an Ausgesperrte 1617 265 M. und an. Arbeitslose 524 166 B!., zusammen 2 141435 M. aus- gegeben. Das beste ist, daß die Berliner Holzarbeiter dank der eigenen Opserwilligkeit jederzeit in der Lage sind, einen gleichen Angriff des Unternehmertums abzuschlagen. Feinde der Arbeiterorganisation. Die Firma Worckmeister u. Retz- dorff, Schokolade- und Zuckerwarenfabrik. Berlin O., suchte kürzlich einen Meister für ihre Marzipauabteilung. Jemand, der sich um diese Stellung bewarb, erhielt von der genannten Firma ein Antwort- schreiben, welches folgenden Schlußpassus enthält: „Herren, die Mitglieder des Zentralverbandes der Kon- ditoren usw., Sitz Hamburg, sind, finden in unserem Betriebe keine Aufiiahme." Solche rücksichtslose Bekämpfung der Arbeiterorganisation erlaubt flch eine Firma, deren Fabrikate durch Zwischenhändler und Waren- Häuser auch in Arbeiterkreisen Absatz finden. Die Firma wird diesen reaktionären Standpunkt aufgeben müssen, wenn die Mehrheit der Konditoren, was leider noch nicht der Fall ist, zum Klassen- bewutztsein erwacht und sich dem von den Unternehmern bekämpften Verbände anschließt. Des Obermeisters Feindschaft und Freundschaft. Als in den ersten Tagen des Bäckerstreiks eine große Zahl einsichtiger Bäckermeister die Forderungen der Gesellen bewilligt hatten, wurden sie in den Versammlungen und der Presse der Innungen mit den ärgsten Schmähungen überhäuft. Besonders ivar es der„Komordia"- Obermeister Fritz Schmidt, welcher in der von ihm redigierten „Konkordia-Fachzeitung" die Bäckermeister, welche bewilligt hatten, derart schmähte und verächtlich machte, daß verschiedene der Ge- schmähten den Staatsanwalt gegen Herrn Schmidt anriefen, so daß ein gerichtliches Verfahren aus diesem Anlaß in Aussicht steht. Doch kürzlich verwandelte sich der wutentbrannte Herr Schmidt für einen Augenblick in einen äußerst freundlichen Mann. An die- selben Bäckermeister, die Herr Schmidt vor wenigen Wochen in seiner Zeitung sowie in Flugblättern beleidigt und als Leute be- feichnet hatte, die nicht ivert seien, als Kollegen betrachtet zu werden, andte er folgende Postkarte: Sehr geehrter Kollegel Wenn Sie auch, durch die wirtschaftlichen Verhältnisse ge- zwungen, bewilligen mußten, so wollen wir dennoch nicht zwei Gruppen der Meisterschaft bilden. Der unterzeichnete Vorstand ladet Sie daher iin eigenen Interesse zum Quartal am Montag, den S. d. M., ein, da zu einem sehr wichtigen Punkt:„Der dies- jährige Streik und Boykott, seine Wirkung und was lehrt uns Verselbe?" Stellung genommen werden soll. Indem wir Sie nochmals versichern, daß eS unser ernstes Bestreben sein wird, einen Ausgleich der Junungskollegen herbei- zuführen, bitten wir Sie recht sehr, sich ebenfalls am Ouartalstage einzufinden. Mit kollegialischcm Gruß Der Vorstand. I. V.: Fritz Schmidt. Nicht alle Empfänger dieser Karte sind der freundlichen Ein- ladung des Herrn Schmidt gefolgt. Die von ihnen, welche doch in die Ouartalsversammlung gingen, waren arg enttäuscht. Von einem„Ausgleich der Jnnungskollegen" war nichts zu merken. Dagegen sah man bald, wie sich die augenblickliche Freundlichkeit des Herrn Schmidt erklären lasse. Es handelte sich nämlich um die Neubesetzung des mit 1566 M. dotierten Obermeister- Postens, der durch den Tod V o g e l e r s vakant geworden war. Als Kandidat für diesen Posten kam der bisherige zweite Obermeister Fritz Schmidt in Frage. Die freundliche Einladung zu einem „Ausgleich der Jnnungskollegen" sollte eine etwaige Opposition der beim Streik der von Herrn Schmidt beschimpften Meister ver- hindern. Dieser Zweck ist auch erreicht: Herr Fritz Schmidt wurde einstimmig zum Obermeister gewählt. Nachdem die Wahl vollzogen war, schwand sogleich die Freundlichkeit des Herrn Schmidt gegen die„geehrten Kollegen", welche bewilligt hatten. Der neue Obermeister hielt nun zum„Ausgleich der Jnnungs- kollegen" eine Rede, die genau auf denselben Ton gestimmt war wie seine Schimpfepistel in seiner Zeitung und in seinen Flug- blättern.— Die freundlich Eingeladenen und dann wieder Be- schimpften mögen hierdurch wohl belehrt sein, daß ein Ausgleich zwischen den vernünftig denkenden Bäckermeistern und den rück- ständigen Scharfmachern nicht möglich ist. Achtung! Automobilführcr! Die Differenz in der Automobil- Garage Franz Richard, Rixdorf, Wißmannstr. 25, ist beigelegt. Die Sperre ist somit aufgehoben. Verein der Droschkenführer. Mitgliedschaft IV des Transportarbeiter-VerbandeS. Oeutkckes KeicK. Achtung, Former und Kernmacher! Die Arbeit eingestellt haben am heutigen Tage 56 Former und 6 Kernmacher der „Elisabethhütte" in Brandenburg a. H. Der Grund der Arbeitseinstellung ist darin zu finden, daß die Werkleitpng jeder Anschwärzung und Beschuldigung, welche von feiten der Mitglieder des in dem Betrieb vorhandenen gelben Vereins gegen Mitglieder der freien Gewerkschaften erhoben wurde, ohne irgend eine Prüfung zu veranlassen, Rechnung trug und die verleumdeten Arbeiter sofort entließ. Die Werkleitung ging sogar so weit, die Entlassenen persönlich zu beschimpfen, ohne dabei zu bedenken, daß sie das tat. weswegen sie angeblich die Arbeiter entließ. Der Zuzug von Formern und Kernmachern ist streng fern- zuhalten. Deutscher Metallarbciterverband, Verwaltung Brandenburg a. H. Ein großer Teil der Arbeiter der Gasuhrcnfabrik von Krom- schröder zu Osnabrück ist in den Ausstand getreten. Achtung, Böttcher! Die Firma Wehrhahn u. Co. hat bis jetzt durch Postkarten, Briefe und Zirkulare vergebens Zeit und Geld geopfert, um Arbeits- »villige herbeizuschaffen. Sie hat deshalb ein anderes Mittel ge« fanden, um die heißersehnten Rausreitzer zu erhalten. Wir lasen im Arbeitsmarkt der„Berliner Morgenpost": 6 tüchtige Böttcher auf Lagcrfässer nach außerhalb sofort gesucht gegen hohen Loh». Zu er- fragen beim Portier von S—S Uhr _ Dorotheenstraße 85._■ Verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Wir waren nun, wie immer, neilgierig, wo und bei wem diese tüchtigen Böttcher bei hohem Lohn gesucht winden und erkundigten uns desvalb an der notwendigen Stelle. Hier erfuhren wir, daß in Nordbanse», im sogenannien Bulgarien, bei den Herren Wehrhah» u. Kai'er. dieses Böitchcreldorado sei. Nu» versuchen allerdings die Fünieainhaber. den Arbcitsw'lligen den Nordhäuier Ausenlbalt so angenehm als möglich zu gestalten. Eine besondere„Liebenswürdigkeit" legt hierbei Herr Kaiser an den Tag. Am Sonnabend abend empfing er am Bahnhof einen von seinem Berliner Portier geichickien fremden Böiicher und Seite an Seite wanderten beide der Villa des Herrn Kaiser zu. Es wurde aufgetragen und in der herrschaftlichen Wohnung durfte der ftemde Bönchergeielle, der in Gestalt des Herrn Kaiser einen neuen„Freund" erhalten, nach Herzenslust und ungeniert seinen Speisebebälter füllen. Dann legte er sich zur Ruhe. Am Montag- morgen sollte die Arbeil beginnen: aber die aussläudigen Böttcher wutzleii längst was zu tun war und— der gut bewirtete Böttcher- geielle verzichtete aus die weitere Freundschaft des Herrn Kaiser und erklärte sich mit den Kollegen, die mit der Firma iin Streit liege», solidarisch. Zeutralverband der Bölicher. Aus dem Ausspcrrungsgebiete in Gießen. Immer noch beharren die Herren Zigarrenfabrikanten auf ihrem Herrenstandpunkt.„Bedingungslose Unterwerfung" lautet die Parole; zum ehrlichen Frieden ist keine Neigung vorhanden. Die Aussperrung wird jedoch den Herren Fabrikanten auf Jahre hinaus im Magen liegen. Der Geist der Ausgesperrten ist ein vorzüglicher. In allen Versammlungen, wie Launsbach, Garben- teich, Altenbuseck, Trohe, Krofdorf, Gleiberg, Hcuchelheim, waren alle Ausgesperrten am Platze. In Wieset referierte Genosse Müller sMctallarbeitcr) vor vollbesetztem Hause. In kernigen Worten legte Redner nochmals die Situation des ganzen Schlacht- feldes dar. Tausend weibliche und männliche Tabakarbeiter stehen fest wie eine Mauer für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen schon 16 Wochen im Kampfe; der Angriff des Unternehmertums prallt an der Entschlossenheit der Ausgesperrten ab. In der Uebcr- zeugung, daß trotz schweren Ringens der Sieg den Ausgesperrten gehört, würden alle Versammlungen in gehobener Stimmung ge- schloffen. IZushmc!. Achtung, Vergolder! In Göteborg und Karstad in Schweden sind die Goldleistenarbeiter in Lohndifferenzen geraten. Der Zuzug nach Schweden ist darum streng fernzuhalten. Die Zentralkomnnssion der Vergolder. Die Gold- und Silberschmiede Finnlands befinden sich im Ans- stände. Die Unternehmer versuchen Arbeitswillige aus Deutschland heranzuholen. Vor Zuzug wird gewarnt. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten._ Der Telcgraphistensireik in Amerika. Die Streiklosung scheint überall erfolgreich befolgt zu werden. Fünf Sechstel der Telegraphisten sind organisiert. Die Ausdehnung des Streiks wird auf die ganze Union und Kanada be- fürchtet. Die Bahntelegraphisten stellen ihr Vermögen im Betrage von 1 Million Dollar den Streikenden zur Verfügung. Der Kongreß der französischen Metallarbeiter. Die französischen Gewerkschaften befinden sich in ihrer großen Mehrzahl seine Ausnahme bilden bis jetzt nur die Buchdrucker) noch in einer Periode der geringen Beitragsleistung. Die Ansammlung von Fonds zur Unterstützung bei Streiks, Arbeitslosigkeit usw. wird von der großen Masse der organisierten Arbeiter für überflüssig erachtet und bei Beginn eines Streiks fängt man dann sofort an, sich an die Solidarität der gesamten Arbeiterschaft zu wenden. Die Furcht, Mitglieder zu verlieren, hält selbst diejenigen Führer, die von der Notwendigkeit hoher Beitragsleiftung überzeugt sind, davon ab, für die Erhöhung einzutreten, der größte Teil aber glaubt in der Tat durch den„Elan" mit Hülfe der„direkten Aktion" alles erreichen zu können. Diese Auffassung hat auch dazu beigetragen, daß noch heute in Frankreich auf dem gewerkschaftlichen Gebiete eine arge Zersplitterung vorherrscht, die Massen haben sich noch nicht von der Notwendigkeit überzeugen lassen, daß die Beiträge in Zentralkassen abgeführt werden und daß Bewegungen von einer Zentralstelle aus geleitet werden müssen. Nach und nach können sich jedoch auch die französischen Syndi- kalisten den harten Tatsachen nicht verschließen; sie finden, daß ihre Lohnbewegungen vielfach aus Mangel an Mitteln resultatlos ver- laufen. Zu denjenigen wenigen Organisationen, die sich bemühen, ihre Beiträge zu erhöhen und eine mehr zentralistische Leitung zu schaffen, gehört die Federation der Maschinenbauer. Dieser Verband hielt in den letzten Tagen in Paris seinen Nationalkongreß ab, um hauptsächlich die Frage der Beitragserhöhung und die Ver- schmelzung mit anderen Metallarbeitersyndikaten zu verhandeln. Es gibt in Frankreich zurzeit 5 verschiedene Verbände von Metall- arbeiten», es sind das die Maschinenbauer(Mecaniciens), die Ver- bände der Metallarbeiter, Foriner, Schmiede ul»d Juweliere. Auf dem Kongreß waren die Vertreter der ausländischen Bruderorgani- sationen der richtigen Ordnung wegen stark vertreten; anwesend waren Delegierte von Teutschland, Schweiz, Oesterreich, Ungarn, England und Skandinavien. Die ausländischen Vertreter, ins- besondere Reichel vom deutschen Mctallarbeitervcrband, Hugler sSchweiz) und Stephenson vom englischen Maschinenbauerverband führten ihren französischen Kameraden die Wichtigkeit starker Be- russvereinigungen mit großer Wärme unb Ucberzeugungskraft vor 'Augen. Durch zwei Sitzungen hindurch ging die Diskussion, bis man eine Kommission wählte, die mit Hülfe des internationalen Sekretärs Schlicke sich mit anderen Metallarbeiterorganisationen in Verbindung setzen sollte, um zu erfahren, ob dieselben zu einer Ver- schmelzung oder doch wenigstens zum Abschluß eines Kartcllverhält- nisses geneigt seien. Die Kommission konnte am nächsten Tage leider nur berichten, daß sie eine abschlägige Antwort erkalten habe. ver Verband der Metallarbeiter lehnt jedes Kartell ab. Darauf stimmte der Kongreß einer Resolution zu, in welcher erklärt wird, daß die Maschinenbauer in Zukunft noch mehr bestrebt sein würden, Streikfonds zu gründen, die es erlauben, die Kämpfe um Ver- kürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes erfolgreich zu führen. Nach wie vor erklärt sich die Föderation der Maschinen- bauer bereit, eine Verständigung mit den übrigen Bruderorgani- sationen herbeizuführen. Durch die bedauerliche Hartnäckigkeit, mit der namentlich die französische Federation der Metallarbeiter unter der Leitung von JeanLaiapie an den alten Kampfes- und Organi- sationsmethödcn festhält, scheint zunächst jede Verständigung unter den französischen Metallarbeitern auSgcschloffen. Dagegen gelang es in der anderen Frage, der Erhöhung der Beiträge, einen erfreu- lichewBcschluß herbeizuführen. Mit 33 gegen 13 Stimmen wurde beschlossen, die Beiträge an die Hauptkasse auf 66 Centimes pro Monat und Mitglied zu erhöhen, das ist, wohlverstanden, der Bei- trag, den die Zweigvercine an die Kaffe der Federation für die allgemeinen Bedürfnisse des Verbandes abzuführen haben. Gegen den üblichen Beitrag von 15, 26 oder 36 Centimes, wie ihn die ineisten französischen Gewerkschaften an ihre Zentralkasscn abkühren, bedeutet dies immerhin einen erfreulichen Fortschritt. Bis zum »»ächstcn Kongreß will inan den Beitrag auf 75 Centimes steigern. Hus der frauenben>egung. Nicht beschwatzen lassen! Wir sind wohl gegen den Verdackt gefeit, strenggläubige An- Hänger der zunftmäßigen Medizin zu sein. Aber wir sind auck» nickt blind für die Sckädeu der Kurpfuscherei. Wir halten es vielmehr für unsere Pflicht, im Kainpfe gegen skrupellose Ausnutzung der Uu- loisscuheit durch sogenannte Naturbeilkmidige und Verkäufer „hygienischer" Artikel mitzuarbeiten. Und wir sind auch gelviß, da- niir den Brifall_ aller jener Jntcresseuten zu finden, die crnstbaft Th. Glocke, BerlinT'Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlagsanstglt? bestrebt stnd, Krankheiten zu bekämpfen und zu heilen, denen Ee« Gewissenhaftigkeit es verbietet, die Leiden anderer als hock- willkommene unversiegbare Gcivinngnelle zu betrachten. Leider gibt es genugsam Menschen, welche die Not und Unwissenheit anderer ausbeuten. Nicht nur das: die auch noch in verbrecherischer Un« veranlworilichkeit Halbkranke zu Tode kurieren oder ihnen un- ersetzlichcn Schaden an der Gesundheit zufügen. Das Doktor-Diplom ist nicht immer Garantie gegen solche„Erfolge". Und besonders die speziellen Frauenkrankheiten dienen oft zu skruvellosen Bereicherungsversuchen kurfuschender Charlatane. Bei Behandlung innerer Krankh iien ist die erste Bedingung: gründ- liche anatoinjiche Kenntnisse, intime Vertrautheit mit den Funktionen der einzelnen Organe und den Wirkungen ineckanischer oder medi- zinischcr Behandlung einzelner Organe auf die'e und den Gesamt» organiSmuS. Wo diese Kcuuinisse seblen, kann jede Behandlung irgend eines Kraukheilssymptvms großen Schaden herbeiführe»». A»is diesein Grunde ist größte Vorsicht bei de»» reklamenhaften An» kiindiguugei, wie: sickere Heilimg auch der aussichtslosesten Fälle und dergleichen vielversprccheudei» Verheißungen gedolen. Das gilt auch dann, wem» versucht»vird, Frauei»- und Mädcheuvereine zum Tuutinelplatz solcher Reklame zu machen. Ganz besonders begegne man mit Mißtrauen den Anpreisungen sogenaiiutcr hygienischer A»tikel. die oft unverschämt teuer und dabei vollständig wert- und zivecklos sind. Reue Schutzgesetze für Frauen und Jugendliche treten mit dem 1. Oliober für den Staat New-Dork durch das Geketz vom 15. Juli 1967 in Kraft. Danach»Verden 4 Klasse» von geschützlcn Arbeitern bezw. Arbeiicriitnen geschaffen, nämlich Kinder beiderlei Geschlechts von 14—16 Jahren, junge Männer von 16 bis 18 Jahren; junge Frauen von 16 bis 21 Jahren und Frauen im Alter von über 21 Jahren. Kinder unter 14 Jahren sind von der Arbeit in den Fabriken gänzlich ausgeschlossen. Für die jungen Leute bis zu 16 Jahren wurde die zulässige Arbeitszeit von 9 auf 8 Stuiideu pro Tag herab- gesetzt, und zwar hat diese in der Zeit von 8 Uhr»uorgens bis 5 Uhr uachmiltags zu fallen. Für die anderen 3 Klassen darf die Arbeitszeit in» Maximum 66 Stunden die Woche, 16 Stunden pro Tag betragen. Die Tageszeit, in welcher die Arbeit geleistet werden darf, variiert von Klasse zu Klasse. Die jungen Mädchen dürfen nach 9 Uhr abends nicht mehr beschäftigt werden, die jungen Männer dürfen in der Zeit von Mitternacht bis 4 Uhr morgens zur Arbeit nicht herangezogen iverden und Frauei» von über 21 Jahren können nach dem neuesten richterlichen Entscheid zu jeder Tageszeit beschäftigt werden. Da- gegen ist von demselben Gerichtshof ausdrücklich anerkannt worden, daß die Bestimmung bezüglich der Maxinialdaucr der Arbeitszeit für Frauen(16 Stunden pro Tag)„konstitutionell" ist. also zu recht besteht. Eine weitere Ausdehnung erfährt der Zehustundeiitag vom 1. Oktober ab für die Straßenbahner. Er galt für diese bisher in Städten von 166 666 Eiinvohilern und darüber, in Zukunft soll er noch in Städten von 56 666 Einwohnern aufwärts Geltung haben. Letzte JVachncbten und Depefcben. Ein Hüter der Ordnung. Breslau, 13. August.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Der Schutzmann Dronk wurde heute wegen Sittlichkcitsvcrbrcchen, be- gangen an drei Kindern, verhaftet. BergmannSloS. Köln, 13. August.(W. T. B.) Auf der Zeche„P l u t o" bei Roehlinghauscn wurde in Schacht 5 bei der Mittagsschicht infolge zu frühen LoSgchens eines Schusses ein Bcrglnann ge- tötet, neun Arbeiter wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Nationalitälenkämpse. Köln, 13. August.(W. T. B.) Der„Kölnischen Ze,tung" wird aus Saloniki vom 13. August telegraphiert: Auf dein Wege nach Serres wurden ein griechischer Pfarrer und zwei Bauern von Vulgaren gelötet.— Die türkischen Truppen vernichteten bei Meine- kitz, im Kreise Serres, und bei Tiholitza, im Kreise Castoria, zwei bulgarische Banden. ES wurden Kanonen verwandt. 26 Bulgaren wurden getötet. Ein brennendes Dorf. Degcndorf(Bayer»»), 13. August.(B. H.) Heute mittag brach in dem eine halbe Stunde von Straubing entfernten großen Pfarrdorfe Alburg in dem Anwesen des Oekonomen Max Büchner Feuer aus, das sich sehr schnell über einen großen Teil des Dorfes verbreitete. Bisher sind 21 Häuser abgebrannt, darunter das Kloster und Schulhaus. Die Kirche konnte nur mit großer Mühe gerettet werden. Zu Hülfe gerufen ist das ganze 7. Chevauxleger, Regiment von Straubing und eine Abteilung des 11. Jnfanterie- Ncgimcnts aus Rcgcnsburg. Ter Schaden ist sehr groß. Das Feuer entstand dadurch, daß von der Lokomobile einer Dr/sch- Maschine Funken in das Stroh flogen. Die Bclfaster Unruhen vor dein Unterhause. London, 13. August.(W. T. B.) Unterhaus. In der heutigen Sitzung gaben die Unruhen in Belfast zu vcrschietxiicn Fragen an die Regierung Anlaß. Currau(Arbeiterpartei) erklärt unter dem Beifall des Hauses, daß seine Partei de» Ausständigen stetS ein ruhiges Verhalten geraten habe, und bat dann die Re» gierung. Schritte zu tun, um die Arbeitgeber zur Anerkennung der Notwendigkeit zu bringen, den Konflikt einem Schiedsgericht z»r unterbreiten. Er empfiehlt gleichzeitig, inzwischen die Truppen für eine beslinilute Zeit a»3 Belfast zurückzuziehen. Minister Birrrl erwidert, die Regierung erkenne die Dringlichkeit der Angelegenheit bollkommen an; er habe erfahren, daß die Gewerkschaften N'.illenS »väre», die Frage einem Schiedsgericht zu unterbreiten, und er hoffe ernstlich, daß die Verhandlungen, die jetzt auf allen Seiten ge» pflogen würden, binnen wenigen Stunden ein günstiges Ergebnis haben lvürden. Er glaube nicht, daß die Entfernung der Truppen das Gefühl«der Sicherheit in Belfast erhöhen würde. Er nehme von Currans Erklärung bezüglich der Haltung der Arbeiterpartei gern Kenntnis und er wisse, daß die Teilnehmer an den bcklagens- »vertcn Ausschreitungen nicht Ausständige gewesen seien, sondern Pöbel. Markham(Liberaler) lenkt die Aufincrksamkcit auf die jüngste heftige Rede des Sozialisten Graysou in Huddcrsfield unÄ» fragt, ob dieser wegen Aufreizung zum Tumult verfolgt werden »viirde. Minister Birrel erwidert, jetzt wäre wohl nicht der richtige Augenblick, einer leidenschaftlichen Rede Aufmerksamkeit zu zollen, der seiner Meinung nach die Bevölkerung von Belfast keine große Bedeutung beimesse. Trotz aller ihrer Fehler würden sich die Bewohner von Belfast wahrscheinlich nicht von Grayson leiten lassen. (Beifall.) Kricgsminister Haidane verliest dann ein langes Tele- gramm von dem kommandierenden Offizier in Belfast. Die Stelle in dem Telegramm, die die Geduld und Pflichttreue der Soldaten unter schwierigen Verhältnissen lobend hervorhebt, wird mit all- geincincm Beifall aufgenommen. Gefangenen-Aufstand. Odessa, 13. August.(B. H.) Im hiesigen Gefängnis fand eine Revolte der politischen Gefangenen statt. Militär machte von der Schußlvaffe Gebrauch und verletzte mehrere Gefangene. I,. Berlin SW. Hier»u2Reilaaeuu.UllterbaltunaSblatt Dt.l88. 24. Jahrgang. KeilM iw„öoriüirts" Sftlintt MIlsM Pittnipit), 14. M 1907. Der Parteitag des franMichen Sozialismus. Nancy, 11. August.(Eig. Bcr.) Der Parteitag der französischen Genossen hat heute früh seine Verhandlungen begonnen. DaS VolkShaus. DaS VollShauS von Nancy, in dessen geräumigem Hauptsaal der Parteitag seine Sitzungen abhält, ist ein Bau, der bei aller Anspruchslosigkeit der an archirektonischer Schönheit so reichen Stadt Ehre macht. Er ist vor 5 Jahren von dem Architekten Charbornier errichtet worden, der die Elemente des modernen Stils mit sicherem Geschmack zur Verwendung brachte. Wenn das alte Nancy der Bischöfe und Herzöge auf seiner prächtigen Place Stanislas die Ueppiglcit der Barockzeit zeigt, so war dem Haus 'eines Proletariats Einfachheit, Klarheit, Zweckmäßigkeit an- gemessen. Daß trotz des bescheidenen Baubudgets auch die Schön- heit nicht zu kurz kam, ist dem Mitwirken bedeutender Künstler mit zu verdanken. Den Giebel krönt ein vortreffliches Bildwerk: Der freie Gedanke von Viktor P r o u v ö. Ueber' dem Ein- gangstor sieht man die kraftvolle Gestalt eines aus seinen Hammer gestützten Schmieds, Eine besondere Zierde des Hauses ist die Glastür. Sie ist ein Werk des berühmten Emile Gallo, des ver- storbcnen Schöpfers der modernen Glaskunst in Frankreich. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß der jungen Föderation des Departements — sie ist erst nach dem Amsterdamer Kongreß gegründet worden— bei der Errichtung ihres Hauses die Opferwilligkeit eines begüterten Parteigenossen, des Ingenieurs Keller—„Vater Keller"— wie ihn die Arbeiter von Nancy nennen— zu Hülfe gekommen ist. Er hat ihr den Baugrund geschenkt und auch sonst das Werk mit Rat und Tat vorwärts gebracht. Am Vorabend. Dem alten Parteibrauch entsprechend fanden gestern in Nancy und den Nachbarorten Volksversammlungen statt, in denen Dele- gierte referierten. Am imposantesten verlief die in Nancy selbst, wo Jaurös, Vaillant und Schleicher aus Metz sprachen. G u e s d e mußte wegen Unwohlsein auf das Wort verzichten. Die Versammlung hat eine ausgezeichnete propagandistische Wirkung ge- habt und wird.hoffentlich helfen, die bisher recht rückständige sozialistische Bewegung im industriereichen Lothringen zu fördern. Die Situation. Der Parteitag beginnt seine Verhandlung unter einer unleugbaren Verstimmung, die ihre Ursache in einer sehr unerquicklichen Preß- Polemik hat. Bekanntlich hat die„Humanito" eine„gewerkschaftliche Tribüne" eingerichtet, in der auch die außerhalb der Partei stehenden, ja dieser feindlich gegenüberstehenden Syndikalisten zu Wort kommen. Diese Freiheit hat nun der bekannte Sekretär der Arbeitskonföderation GriffelhueS in einer ebenso taktlosen wie gehässigen Art miß- braucht. In einem Artikel betitelt„Kriegserklärung", der sich gegen den von der Föderation der Dordogne gemachten Vorschlag wendete, die Parteiorganisationen mit den Ge- werkschaften zu gelegentlicher Kooperation zu vereinigen, griff er die Gegner seiner antiparlamenlarischen Anschauungen mit allerlei Verdrehungen, Unterschiebungen und Beschimpfungen an, namentlich den Genossen Gu es de, den er ganz im Stil der Skandalpresie als Kirchenhaupt verhöhnte, des StrebenS nach einem Ministerpostcn verdächtigte und sogar„von der Villa in Cannes, der Küste in Biarritz und vom Schloß in Pörigord" aus seine Pläne inS Werk setzen ließ, wo doch alle Welt in Frankreich, die Gegner wie die Freunde Guesdes, wissen, daß dieser Genosse zur Zeit, als er kein Abgcordnetenmandat hatte, in geradezu ärmlichen Verhält- nisten gelebt hat. Diese an Argumenten ebenso arme wie süffisante Polemik hat wegen des Orts, wo sie stand, begreiflicherweise viele Partei- genossen beftemdet, die es nicht verstehe» konnten, daß das Tagblatt der geeinigten Partei einen verdienten Genossen von einem Nicht- Parteigenossen im Namen der Meinungsfreiheit roh anrempeln lassen müsse. Im„Socialiste" veröffentlichten Vertreter von 6 Arbeits- börsen einen Protest. Der Verwaltungsrat der„Humanits" sah sich gezwungen, eine Erklärung abzugeben, die den Sinn der den Mitarbeitern des Blattes gewährten Freiheit der Acußerung in der Weise auslegte, daß persönliche Angriffe vermieden werden sollen. Im Grunde genommen war der unverkürzte Abdruck des Griffelhues- schen Artikels ohne jede redaktionelle Intervention wohl ein Versehen der sommerlich gelichteten Redaktion. Aber er war geeignet, alte Empfindlichkeiten wieder zu erwecken, und vor allen hat er die ganze Frage: Partei und Gewerkschaft wieder zu höchster Aktualität gebracht, obendrein aber mit persönlichen Momenten verknüpft. In einem großen Teil der Partei trat die Meinung zutage, daß der syndikalistischen Propaganda im Parteiorgan überhaupt ein Ende bereitet werden müßte. Auf ihrem Dcpartementalkongreß am 4. d. aber beschloß die Nordföderation, deren Mitglieder Griffelhues gleich- falls in beleidigender Weise traktiert hatte, eine Resolution, die erklärt, daß die„Humanitv" in einem Augenblick, wo sie'Belcidignngen und ungerechtfertigte Angriffe gegen die Organisationen der Föderation veröffentliche, kein Geldopfer beanspruchen könne. Dem Parteitage wohnen als Gäste die Genossen Schleicher sMetz, für die Genossen Elsaß-Lothringens), Maes(Belgien) und Boris Rein st ein(Sozialistische Arbeiterpartei der Vereinigten Staaten) bei. Die Verhandlungen. Die Vormittagssitzung wird mit Angelegenheiten formalen Charakters ausgefüllt. Zu Vorsitzenden des Kongresses werden Gron ssier. Lau drin und D e l o r y gewählt. Eine lebhafte Debatte entspinnt sich über den Antrag der Nordföderation, den Kongreß für nicht öffentlich zu erklären, das heißt, nur Partei- genossen und die Partcipresie zuzulassen. Der Antrag wird mit 155 gegen 120 Stimmen abgelehnt. 37 Delegierte sind abwesend oder enthalten sich. Schleicher begrüßt den Parteitag im Namen der lothringischen und elsässischen Genossen und verliest eine Erklärung, die hervorhebt, daß zum erstenmal seit der Annexion dieser Länder seine Bewohner den Brüdern aus ihrem alten Vaterland die Hand drücken. Wie die deutschen Sozialisten seinerzeit gegen die Annexion gestimmt haben, so protestieren auch heute die Sozialisten überall gegen jede Annexion eines Landes gegen den Willen seiner Bewohner. Es sind 148 Delegierte anwesend, mit 203 Mandaten. Sechs Föderationen haben keine Vertretung auf dem Parteitag. Der Parteitag beschließt den Opfern des jüngsten Gemetzels in den Vogesen seine Teilnahme, den Mördern seine Entrüstung aus- zusprechen. Mit Akklamation wird auch eine Resolution für die ruffischen Revolutionäre angenommen. Nachmittags-Sitzung. Dubreuilh erstattet und kommentiert den Parteibericht. Compdre-Morel(Seine-et-Oise) bringt die persönlichen Angriffe znr Sprache, die Griffelhues, der Sekretär der Arbeiterkonföderation, in der„Humanits" vor einigen Tagen gegen Jules G u e S d e gerichtet hat, und erklärt, es sei unleidlich, daß im Organ der Partei, das von allen Föderationen gefördert wird, fortwährend in der„gewerkschaftlichen Tribüne" gegen die Partei gearbeitet wird. In der„Humanits" kommen Leute zu Worte, die im Lande die Parteiarbeit stören, die anarchjstische Politik betreiben— eine Tätigkeit, deren Spuren im Rückgang der Seineföderation und der starken Wahlenthaltung im Seine-Departe- ment sichtbar sind. Der Redner legt eine Resolution vor, die die Nützlichkeit der gewerkschaftlichen Tribüne der„Humanits" anerkennt, aber erklärt, daß nur Parteimitglieder zur Mitarbeit zu- gelassen werden sollen. Corgeron spricht in demselben Sinn, wobei er auch die Ausführungen des Syndikalisten Latapie hervorhebt, der in der „Humanits" erklärt hat, was in Stuttgart beschlossen werde, sei ohne jede Bedeutung. I a u r s s erklärt, daß niemand mehr als er die Angriffe gegen Guesde, die während seiner Abwesenheit erschienen seien, beklage. Er habe es für würdiger gehalten, daß die Verwaltungskommission eine Erklärung abgebe, als er für seine Person. Wichtiger als dieser Zwischenfall, der zwischen ihm und Guesde nicht die leiseste Ver- stimmung zurücklassen werde(Guesde stimmt laut zu). sei die Frage der Aufrechterhaltung der Mitarbeit der Syndt- kalisten, die mit der Frage„Partei und Gewerkschaften" im engsten Zusammenhang stehe. Jaurss hält diese Mitarbeit für notwendig. Mit der Existenz der Arbeitskonföderation müsse man einnial rechnen, lvenn man mit ihren Tendenzen auch nicht zufrieden sei. Wir müssen der Arbeiterklasse das Vertrauen be- wahren, daß sie im Feuer des Klassenkanipfes ihre Ideen läutern wird. C o n st a n s(Montlucon): Wenn die Syndikalisten rechfi haben, dann spielen wir hier eine unwürdige Komödie. Aber eS ist eben nicht wahr, daß die Gewerkschaft„sich selbst genüge". Compöre-Morel sagt, daß es sich nicht um die Anerkennung der Konföderation, sondern um die Redaktion der„Humanits" handele. Die Arbeiter haben nicht Zeit, viel zu lesen. Wir dürfen ihnen in unserem Blatt nicht einen Lesestoff bieten, der sie verwirrt und gegen ihre eigene Partei beeinflußt. Lauche fragt, wie man ein Zusammenarbeiten mit den Ge- werkschaften für möglich halte, wenn man sie von der Mitarbeit im Parteiorgan ausschließe. Tatsächlich habe sich auch eine Annäherung gerade infolge dieser Mitarbeit vollzogen. Die Syndikalisten, die für die„Humanits" schreiben, sind gerade von ihren Gesinnungs- genossen am heftigsten angegriffen worden. R e n a u d e l findet, daß manche Genossen alle Tendenzen im Proletariat, die ihnen nicht passen, als Anarchismus abtun wollen. Es gibt Sozialisten auch innerhalb der Partei— sonst würden wir den Bankrott der sozialistischen Wahlpolitik erklären. Er wirft der Nordföderation vor, wenig fiir die„Humanits" getan zu haben Warum hat Guesde selbst nie für das Blatt geschrieben? Renaudel verliest die Erklärung des Redaktionskomitees der„Humanits" nach dem Zwifchenfall Griffelhues, von dem er glaubt, daß er den Ver- letzten jede Genugtuung gibt. Die Debatte zieht sich in die Länge und wird recht ermüdend. Schließlich faßt R e n a r d noch einmal die Argumente der Nordföderation zusammen: Seine Freunde hätten nicht im geringsten die Absicht, die Konföderation zu vernichten, im Gegenteil, sie hielten sie für notwendig. Aber sie seien entschlossen, die libertären Tendenzen in ihr zu bekäinpfen. Im Norddepartement habe man für die„Humanits" eifrig gearbeitet, bis zu dem Zwischenfall. Er appelliert an den Kongreß, Klarheit zu schaffen. JaursS versichert noch einmal, daß in der Redaktion der „Humanits" keine Voreingenommenheit gegen irgend eine Richtung in der Partei herrsche. Wenn man die gewählten Repräsentanten der Konföderation nicht zur Mitarbeit eingeladen hätte, wäre das eine Kundgebung des Mißtrauens gegen diese Arbeiterorganisation gewesen. Jaurss erklärt, die Annahme des Vorschlages Compsre- Morels wäre eine Verurteilung seiner ganzen Tätigkeit beim Blatt und er müßte die Konsequenzen daraus ziehen. Es liegt außer Compsre-Morels Antrag eine Resolution Renaudels vor, die unter Billigung cher Erklärung des Verwaltungs- komitees der„Humanits"— die die Notwendigkett hervorhebt, per- sönliche Augriffe zu vermeiden— den Uebergang zur Tagesordnung ausspricht. Die Resolution Renaudel wird mit 1S2 gegen IIS Stimmen angenommen bei 5 Stimmenthaltungen. 9 Föderationen find bei der Abstimmung nicht vertreten. C a m s l i n a t erstattet den Kassenbericht. Die Gesamt- einnahmen betrugen 78 000 Fr., die Ausgaben 52 000 Fr. Der Kassenbestand 30 000 Fr. Unter den Einnahmen ist die Partei- ft e u e r der Deputierten mit 34 000 Fr. verzeichnet. Sozlaldemoliratlsche Caudesttonfereoz für Sachen. Erster Tag. Dresden, den IS. August. Im Volkshaus, im eigenen Heim der Arbeiterschaft Dresdens finden die Verhandlungen statt. Allein die Tages- ordnungspunkte: Die Reichstagswahlen, vor allem aber: Die Wahlrcchtsfrage und die nächsten Landtagswahlen in Sachsen geben diefen Verhandlungen eine ganz besondere politische Bedeutung. Zu Vorsitzenden werden Fleißner- Dresden und L t p i n s k i- Leipzig gewählt. Richter- Dresden begrüßt die Konferenz im Namen des Lokalkomitccs und betont, daß Dresdens Arbeiterschaft elfrig an der Arbeit sei, die Scharte vom 25. Januar— den Verlust von Drcsden-Altstadt wieder aus- zuwetzen. In Dresdens 3 Wahlkreisen seien gestiegen: die politisch Organisierten von 12 800 auf 19 500, die Gewerkschaftlichen von 70 000 auf 100 000 und die Abonnenten der Partcipresse von 27 000 auf 30 000. Zum Geschäftsbericht des Zentralkomitees, — dessen wichtigste Zahlen wir kürzlich brachten und die ein ge» waltigcs Anwachsen der Parteiorganisationen und Abonnenten zeigen— bemerkt der Vorsitzende des Komitees Sindermann. daß die vom Zentralkomitee vorgeschlagene Beitragserhöhung für die Parteiorganisationen auf 10 Pf. pro Woche und Mitglied not- wendig sei und ebenso unzutreffend die Einwände dagegen. In den 0 Kreisen, die 10 Pf. Beiträge erheben, seien die Organi- sationen am stärksten— von 28 432 auf 44 005 gestiegen. Lebhafte Debatte ruft die Frage der Beitragserhöhung hervor. Vertreter einiger Wahlkreise im Gebirge und mit Landbevölkerung, wo Stundenlöhne von 17 bis 20 Pf. gezahlt werden, halten höhere Beiträge nicht für möglich. Dagegen wird aber besonders von L i p i n s k i aus den stark ländlichen Wahlkreisen der Nachweis geliefert, daß dort solche Beitragserhöhung größere Stabilität und Anwachsen der Mitglicderzahlen brachten. Beschlossen wird, den Beitrag pro Woche und Mitglied auf 10 Pf. zu erhöhen. Sodann wird Genosse L i p i n s k i�- Leipzig beauftragt, eine Broschüre zu bearbeiten, die die behördlichen Maß- nahmen in Sachsen gegen die Arbeiterbewegung auf dem Gebiete des Versammlungs» und Vereins- rechtes zusammenstellt. Braune- Dresden empfiehlt, das Obligatorium für die sächsischen Gemeindevcrtreter zum Bezüge der„Kommunalen Praxis" aufzuheben. Von den sächsischen Gemeinde- Vertretern seien berechtigte Beschwerden darüber vorgebracht, daß die sächsischen Gemeindeverhältnisse nicht genügend berücksichtigt würden. Dagegen führt Bruns- Berlin als Vertreter der die „Kommunale Praxis" verlegenden Buchhandlung„Vorwärts" aus, daß von den 55 000 Druckzeilen der„KoinTnunalen Praxis" in den letzten beiden Jahren allein 14 000 die sächsischen Verhältnisse behandelten. Sindcrmann hebt aber hervor, daß wohl die beiden Städte Leipzig und Dresden den größten Teil der 14 000 Zeilen in Anspruch nahmen, aber die Verhältnisse der 1250 Landgemeinden nicht genügend berücksichtigt und behandelt würden. In dem heutigen Zustand könne sie den Vertretern der Land- gemeinden nichts nützen. Bruns- Berlin meint, daß es ihm scheine, als wenn man wieder einen besonderen Teil der„Kommunalen Praxis" haben wolle. Da läge es doch im Interesse der Partei, sich an den Parteitag zu wenden und dort eine neue andere Ausgestaltung des Organes zu beantragen. Auch nicht eine einzige Beschwerde oder Anregung in dieser Richtung sei von den sächsischen Genoffen in den letzten 2 Jahren gekommen. Die Konferenz beschließt, das Obligatorium aufzu» heben, den Gemeindevertretern den Bezug der„Kommunalen Praxis" zu empfehlen. » m» Dresden, 13. August. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Nach Referaten L i p i n s k i s und G o l d st e i n S beschloß die Landeskonferenz einstimmig einen scharfen Protest gegen den Wahlrechtsentwurf der Regierung und die sonstigen Vorschläge bürgerlicher Parteien, da sie Versuche sind, die Entrechtung der Arbeiter Sachsens zu verewigen. Sie fordert daS allgemeine Wahlrecht für alle Männer und Frauen über 21 Jahre. Die Agitation zu den Landtagswahlen im Herbst soll benutzt werden, um diese Forderung energisch zu propagieren. Der Sitz des Landes- komitees bleibt in Dresden. Die nächste Konferenz soll in Plauen tagen._ Zweiter linternationaler Kongreß für Schulhygiene. London, 0. August. In der Sektion für die„hygienische Unterweisung für Lehrer und Schüler" trat Prof. Dr. Hartmann-Leipzig für den Kampf gegen den Alkoholismns auch in der Schule ein.— Lehrer Weigl- München verlangte die Aufklärung der Jugend über die Wirkungen der Genußgifte. Dazu gehöre nicht nur der Alkohol, sondern auch Caffein und Nikotin. Es müßten den Schülern die besten Ersatz- stoffe bekannt gemacht werden.— Eine andere Sektion be- fürwortete nach Referaten von Dr. Hopf-Dresden, Mme. Linder- Schweden und Prof. Guttmann-Wien die körperliche Ausbildung der Schüler wie überhaupt die Förderung der persönlichen Ge- sundheitspflege. In der 8. Sektion„Sonderschulen für schwachbegabte und ab- norme Kinder" gab Stadtschulrat Dr. Wehrhahn-Hannover, der Vorsitzende des„Verbandes deutscher Hülfsschulen", einen Ueber- blick über den Stand des deutschen HülfsschulwcsenS. Insgesamt gäbe es jetzt in Preußen 130 Städte mit 204 Hülfsschulen, in denen 505 Lehrer und 100 Lehrerinnen 13 102 Kinder unterrichten. In den übrigen Bundesstaaten seien noch 80 Städte mit 110 Hülfs- schulen und 7044 Hülfsschülern vorhanden. Insgesamt konnten 07 Proz. als gänzlich erwerbsfähig entlassen werden, 9 Proz. blieben erwerbsunfähig. Die Zahl der Klassen habe seit 1903 um 50 Proz., die der Hülfsschüler gar um 08 Proz. zugenommen.— In der letzten Sektion schließlich wurde die wichtige Frage der „sexuellen Ausklärung in der Schule" verhandelt. Dr. Chotzen- Berlin hielt systematische Kenntnisse der sexuellen Hygiene für ein Erfordernis der berufsmäßigen Erzieher. Als Vorbereitung zur Aufklärung müßten schon im frühen Alter botanische und zoologische Studien getrieben werden. Hier könnten Vereine viel leisten. Der Erfolg des Deutschen Vereins zur Bekämpfung der Geschlechts- kranlheiten beweise, was getan werden könne. Schule und Eltern- Haus müßten hier Hand in Hand arbeiten.— Lehrer Seansky- Böhmen behandelte die Frage, ob in sexuellen Sachen die Auf- klärung imstande sei, die sexuellen Verirrungen der Jugend gänzlich zu verhindern. Das könne geschehen, wenn Aufklärung und Vorbild Hand in Hand gehen und wenn die Aufklärung die notwendige Autorität der Eltern und des Lehrers besitze. Auch sei die Autorität des Schularztes in diesen sexuellen Angelegenheiten von größter Wichtigkeit. Eine andere Aufklärung werde als Ver- hindcrungsmittel gerade so wenig ausrichten als die Furcht vor Strafe.— Tluchor-Wien legte dar, daß die sexuellen Verirrungen der Kinder die verbreitetsten Ursachen auffallender Mißerfolge in der Erziehung seien. Das große Ouellengebiet der Ursachen sexueller Anormalien liege im nichtgeordneten Leben vieler Familien. Den sexuellen Verirrungen müßte entgegengearbeitet werden durch eine naturgemäße Ernährung und durch Vermeidung aller Reizmittel einerseits und durch sittliche und religiöse Be- lehrungen andererseits. Die Errichtung von Schulwerkstätten zur Ausübung eines Handfertigkeitsunterrichts sei besonders zu empfehlen. Sexuelle hygienische Belehrungen müßten beim Ver- lassen der Schule den Kindern beiderlei Geschlechts gegeben werden. Vor allen Dingen aber müßten Aerzte, Lehrer und Eltern hier zusammenarbeiten.— Damit waren die Arbeiten der Sektionen beendet. In einer gemeinsamen Schlußsitzung wurde heute noch einmal das geleistete Arbeitspensum durchgesprochen und gebilligt. Zur Erledigung einiger wichtiger schulhygienischer Fragen wurde ein internationales Komitee gebildet, in das für Deutschland Prof. Gricsebach-Mülhausen i. Elf. gewählt wurde. Der 3. Jnter- nationale Kongreß für Schulhygiene soll 1919 in Paris stattfinden. Internationaler Metallarbeiter. Kongreß In Milel. Brüssel, 12. August.(Eig. Ber.) Heute begannen im„Maison du Peuple" die Beratungen des fünften internationalen Mctallarbeiterkongresses, der eine so starke Beteiligung aufweist, daß sich der für die Verhandlungen in Aus- ficht genommene Saal als zu klein zeigte. Die morgigen Ver» Handlungen werden daher in dem geräumigeren„Weißen Saal" tagen. Genauere Angaben über die Zahl der Teilnehmer sind zur Stunde nicht möglich, da die Präsenzliste noch nicht vorliegt. Erwähnen wir aber die Vertreter bedeutender Organisationen: Für England Geo Barnes(Mechaniker), der 100 000 MitaNeder. vertritt, I. Davis(Kupferschmiede), John Hodge(Eisen- gießer), ferner Walls, Outbertson, Beadle, Hobson, E h a x und Millerchip Walsall. Deutschland ist durch zehn Delegierte vertreten, darunter Schlicke(Verband deutscher Metallarbeiter), Cohen, Dißmann, Jschinger, Seve» ring, Haak, Basner. Lange, Bischoff. Oester» reich zählt fünf Delegierte, darunter der Redakteur des öfter- reichischen„Metallarbeiter", Heinrich Beer, Domes, Exner, und H a r n a f. Vertreten sind ferner Ungarn(drei Delegierte). Amerika, Holland, Belgien(15 Delegierte) und Frankreich. Der Kongreß beginnt seine Verhandlungen vormittags mit einer Ansprache des Sekretärs der belgischen Metallarbeiter. Genossen Solan, der in herzlicher Weise die Anwesenden auf belgischem Boden be grüßt. Für die deutschen Metall» arbeiter spricht Genosse Schlicke, der auch der Freude der Deutschen Ausdruck gibt, die Gelegenheit hatten, den Jubiläums. festlichkeiten des„Maifon du Peuple" beizuwohnen. Schlicke fpricht dann der belgischen Metallarbciterorganisation über ihre günstigen Fortschritte feine Anerkennung aus. Es bewahrheitet sich, was die deutsche Metallarbeiterorganisation stets vertreten hat: daß die internationale- Organisation nur mächtig sein werde. wenn die nationalen Organisationen aufs kräftigste zentralisiert sein werden, Die Kongreßdauer wird sodann auf vier Tage festgesetzt, doch soll dem Wunsche der Engländer, die Arbeiten in drei Tagen zu beenden, möglichst Rechnung getragen werden. Als Präsidenten für die verschiedenen Delegationen werden bestimmt: Solan(Belgien), Hugler(Frankreich), Reichel (Deutschland), H a d y e(England). Einen breiten Raum ninimt die Diskussion über die Geschäfts- ordnung in Anspruch, insbesondere über den Artikel 2, der bc- stimmt, daß jeder Antrag, der nicht mindestens von fünf Delegierten unterstützt wird, nicht zur Diskussion zugelassen wird. Besonders L a t a p i e(französ. Metallarbeiter) bekämpft diese Bestimmung, die das Initiativrecht der schwachen Organisation erwürge. Auch Back schließt sich diesem Protest an. Es wird hierauf nach einer Erklärung Cohens von der betreffenden Bestimmung abgesehen, jedoch die schriftliche Formulierung als Bedingung gefordert. In der Nachmittagssitzung mutzte eine Verschiebung der TageS- ordnung vorgenommen werden, da Genosse Schlicke infolge aus- gebliebener Poststücke, die er für seinen Bericht als Sekretär che- nötigte, nicht in der Lage war, sein Referat zu halten. Der Kongreß einigte sich dahin, die A l k o h o l f r a g e in Behandlung zu nehmen. In der Diskussion ergriff als erster Redner I a n tz e n(Holland) das Wort. Er hält dafür, daß eine breite Behandlung der Alkohol- frage in den wirtschaftlichen Organisationen eine Ablenkung des gewerkschaftlichen Kanipfes nach sich ziehe. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter werde auch den Alkoholismus allmählich beseitigen. Man müsse in dieser Frage einer materia- listischen Denkweise Raum geben. Genosse Beer(Oesterreich) ist der Meinung, daß es nicht an» gehe, über eine zweifellos so wichtige Frage, wie es die Antialkohol- bewegung ist, in so oberflächlicher Weise zu debattieren, wie es von den Vorrednern geschehen sei. Es sei eine banale Phrase, zu erklären, daß mit dem Verschwinden des wirtschaftlichen Elends auch der Alkoholismus verschwinden werde. Der Kampf gegen den Alkohol ist eine Kulturbewegung, die für die Ar» b eiterschaft und ihren Emanzipationskampf von der allergrößten Bedeutung ist. Beer verweist auch darauf, daß der Alkoholismus bei Streiks eine die Arbeiter schädigende Rolle spielt und daß die Arbeiterschaft aller Länder keine Ursache hat, durch eine unernste und saloppe Behandlung der Frage die Wirkungen der Antialkoholbewegungen zu beeinträchtigen. Er wünsche, daß der Kongreß den gemeinsamen Willen bekunde, auch innerhalb der Gewerkschaftsbewegung den Alkoholismus zu be- kämpfen. Sehr energisch spricht sich Cohen gegen ein Hineinzerren der Antialkoholbewegung in die gewerkschaftlichen Kämpfe aus. Nach- dem noch Vertreter der englischen und ungarischen Delegationen gc- sprachen, werden die vorgelegten Resolutionen abgelehnt, wo- mit natürlich der Kongreß nur seine prinzipielle Auf- fassung über die Antialko Holpropaganda inner- halb der Gewerkschaftsorganisationen bekunden wollte. Daß der Antialkoholbewegung ihr Platz innerhalb der gesamten Arbeiter- bewegung gebührt, ist selbstredend von allen ausgesprochen worden. Als Berichterstatter des nun als Verhandlungsgegenstand be- stimmten Punktes Generalstreik erhält Latapie(Frankreich) das Wort. Sein Referat, das etwas rosig gefärbt die revolutionäre Terminologie der�-franzö- fischen Syndikalisten umschreibt, findet starken Widerspruch. Von ihm und der lebhaften Diskussion, die zur Stunde noch währt, wird morgen berichtet jverdcn. Huö der Partei. Zur Budgrtbcwilligiing der württemicrgischen Sozialdemokratie bringt die. M ü n ch e n e r P 0 st*, nachdem sie vorher die beiden „VorwärtS"-Artikcl in der DienSiagnummer abgedruckt, einen Leit- artikel, der da erklärt, daß die Gründe, die bisher die württem- bcrgischen Landtagsabgeordueten für ihre Haltung vorgebracht haben, nicht so schwerwiegend,„als daß sie eine Veriverfung der alten Form rechtfertigten". Der Artikel behandelt im übrigen die Ablehnung dcö Budgets als eine„überlieferte Form, die den Gegensatz zwischen der Sozialdemokratie und dem kapitalistischen Staat charakterisiert" und die man„nicht ohne gewichtige Grunde" in„den Schcrbenknsten werfen" darf. Der Artikel polemisiert sodann gegen die in den betreffenden Artikeln deS „Vorlvärts" ausgesprochene Abweisung des Gedankens eines all- mählichen Wachsens deS Kapitalismus in den Sozialismus. Da die württembergische Landtagssraktion ihre Darlegung zur Sache bis nach dem Stuttgarter Kongreß verschoben hat. so halten wir es für angebracht, das, waS wir zum Artikel der„Müncheaer Post" zu sagen hätten, zu vertagen, bis die Aeußerung der württem- bergischen Genossen vorliegt. Auf der Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins für Potsdam-Osthavelland, die am Sonntag in H e n n i g s- d 0 r f tagte, fand im Anschluß an den Jahresbericht des Vorstandes eine eingehende Diskussion über den A n t r a g der S p a n d a u e r Genossen statt, für die Provinz Brandenburg ein n e u e» P a r t e t b l a t t zu schaffen und zwar in erster Linie für den Wahlkreis Spandau-Potsdam-Osthavelland. Der Autrag wurde von mehreren Spandauer Genossen mit dem Hinweis auf die in den Spandauer StaatSwerkstätten beschäftigten Arbeiter eifrig befürwortet. Es wurde gefordert, der Parteivorstand solle eventuell die Mittel flüssig machen, um den Plan durchzuführen. (Nach Berechnungen der Swbener-Kommission, die vom Verband der Wahlvereine Großbcrlins und der Provinz Brandenburg zur Prüfung dieser Angelegenheit eingesetzt war. hat sich nämlich herausgestellt, daß das Unternehmen auf eigenen Füßen sich nicht halten könnte.) Zu diesem Zweck soll der Antrag dem Parteitag in Essen unterbreitet werden. Die Antragsteller machten geltend, daß weder der„Vor- wärts� noch die„Brandenburger Zeitung" im stände seien, die Spandauer Verhältnisse nach Gebühr' zu würdigen. Auf kommunalem und sozialem Gebiet liege eine Fülle von Material vor, das in den Redaktionen der beiden ge- nannten Parteiblätter nicht verarbeitet werden könnte. Dagegen zeige das Beispiel Kiel«, welchen Einfluß eine besonders mit Rück« ficht auf die Staatsarbeiter redigierte Zeitung gewinnen müßte. Der Antrag wurde von den übrigen Delegierten aus praktischen Bedenken sowie ivegen seiner Konsequenzen als zurzeit»och un- durchführbar bezeichnet und den Spandauer Genossen empfohlen. eS doch zunächst mit Anstellung eines besoldeten Lokalberichterstatters zu versuchen, um dadurch dem„Vorwärts" sowohl wie der„Branden- burger Zeitung" brauchbares Material aus Spandau zu liefern, dann aber auch mit allenKrästen für weiteste Verbreitung dieserbeiden Parteiorgane zu agitieren. Der Kandidat des Kreises, Genosse Dr. Karl Liebknecht, machte schließlich noch den VerniittelungSvorschlag. neben der vor- handenen Parteipresse für Spandau ein lokales Wochenblatt nach Art der eingegangenen„Laterne" zu gründen. Schließlich wurde, nachdem auch noch Genosse S t a a b> Potsdam seine Meinung dahin ausgesprochen hatte, daß mit Rücksicht auf die ausgedehnten Ver- brettungSbezirke der beiden bestehenden Provinzparteiorgane die Schaffung eines neuen Blattes im Interesse der Parteibewegung liege, der Spandauer Antrag in folgender Fassung angenommen: Für die Provinz Brandenburg ist ein neues Parteiorgan zu schaffen und womöglich der Reichstagswahlkreis Spandau- Potsdam-Osthavelland zu berücksichtigen, da es infolge der besonderen Verhältnisse in den StaatSwerkstätten zu Spandau, Potsdam usw. unmöglich ist, den Wahlkreis, um den schon jähre- lang mit größter Anstrengung gekämpft wurde, für die Partei zu «robent. Die Verhaltniste in Kiel mit seinen kaiserl. Werften zeigen, daß nur«ine für diese besonderen Verhältnisse redigierte Presse in der Lage ist, Einfluß auf die Staatsbetriebe zu ge- Winnen." Dieser Antrag soll der Provinzialkonferenz und sodann dem Parteitage unterbreitet werden. Ueber den Stuttgarter Kongreß, den Parteitag in Essen und den in Preußen hielt Genosse Dr. Karl Liebknecht sodann einen Vortrag, worin er unter anderem sagte: Hoffentlich werde das Experiment, das mit der Einberufung des internationalen Kongresses auf deutschem Boden gemacht ist, glücken; er vermute allerdings, manche Herrschasten in Deutschland werden Ohrensausen bekommen, wenn uiisere ausländischen Parteiftcunde sich in Stuttgart ebenso fteimütig aussprechen, wie sie das in ihren Ländern und von den stüheren Kongressen her gewohnt sind. Der Kongreß werde die weitverbreitete Ansicht, als ob der internationale Sozialismus nur die deutsche Sozialdemokratie nebst einigen Anhängern im Auslande sei, gründlich widerlegen. Denn während die Tradition von der„sieggewohnten deutschen Sozial- demokratie" durch den allerdings nur äußerlichen Mißerfolg bei der letzten Reichstagswahl erschüttert ist, haben unsere ausländischen Bruderparteien, namentlich in England, der Schweiz und Oesler- reich glänzende Fortschritte gemacht und werden dementsprechend auch ihren Einfluß ans dem Internationalen Kongreß geltend �u niachen wiffen. Das wird namentlich in der Frage des A n t,- Militarismus geschehen. Die deutsche Reichstagsfraktion hat, in dieser Frage unter dem frischen Eindruck des Man- datsvcrlustes eine Haltung eingenommen, die einem ängstlichen Zurückweichen vor dem revolutionären Prinzip sehr ähnlich sah und auch ziemlich allgemein verurteilt woden ist. Unsere fran- zösischen und belgischen Genossen werden voraussichttich darüber noch deutlicher sprechen. Redner kam dann auch auf die gegen ihn schwebende Hochverratsanklage zu sprechen und prophezeite, daß der Prozeß zu einem politischen Skandal ersten Ranges führen werde. Er(Redner) freue sich über die Anklage, sie erscheine ihm wie ein wahres Gottesgeschenk, weil uns mit ihr für den Kamps gegen die Reaktion in Preußen-Deutschland eine unschätzbare Waffe in die Hände geliefert worden fei. Nicht eine Einschüchterung, sondern eine Verschärfung der antimilitaristischen Propaganda werde die Folge sein. Auch vom Essener Parteitag dürfe wohl erwartet werden, daß er sich auf keine Abschwächung unseres grundsätzlich ablehnenden Standpunktes zum Militarismus einlassen werde. Auf Antrag eines Spandauer Genossen beschloß der Kreistag, den bekannten Antrag betreffend Entfaltung einer besonderen systematischen antimilitaristischen Propaganda dem Parteitage in Essen aufs neue zu unterbreiten. Als Parteitagsdelegie�e wurden Dr. Liebknecht, Pieper- Spandau und S t a a b- Potsdam gewählt. Der Wahlvcrein für den Kreis Königsberg N.-M. hielt am Sonntag seine Generalversammlung im Vereinshause zu G ü st e b i e s e ab. Anwesend waren 21 Delegierte aus zehn Zahl« stellen, B l e s s i n war nicht vertreten, Z e l l i n ebensowenig, letzteres hatte auch keine Abrechnung eingesandt. Als Vertreter der AgitationSkommiision war Genoffe H a ck e l b u s ch. als Vertreter des vierten Kreises Genosse Kupfer erschienen; ferner war zugegen der Kandidat des Kreises Stadtverordneter Borgmann- Bertin. Der Bericht des Vorstandes weift eine Steigerung der Mitglieder- zahl von 3ö3 auf 381 im letzten Halbjahr nach. Die Einnahme be- trägt 498 M., darin ist jedoch ein Zuschuß der Agitationskommission von löv M. enthalten, die Ausgabe 282.04 M., lodaß ein Bestand von 215,93 M. verbleibt. Der Antrag Küstrins, den Sitz nach dort zu verlegen, wurde abgelehnt. Als Vorsitzender wurde Wilhelm M a t h e S. als Kassierer B l u m b e r g, beide in G ü st e b i e s e, wiedergewählt. Zur Provinzialkonferenz wurde Große- Küstti», Ebel- Rcuenhagen und P 0 l a k- Neudamm entsandt. DaS Referat über den Preu ßentag hielt H a ck e l b u s ch, als Delegierte dazu wurden gewählt: F i s ch e r- Zäkerick und Blum- b e r g- Güstebiese. Ueber den Parteitag in Essen referierte Borgmann. Er sowie Fischer werden als Delegierte nach dort entsandt. Der Anregung, für die drei Kreise der Neumark eine eigene Zeitung zu gründen, wurde keine große Sympathie ent- gegen gebracht, namentlich Neudamm verhielt fich vollständig ab- lehnend; nicht viel besser sprach sich Küstrin auS. Als wünschenswert wurde die Schaffung einss eigenen Organs allgemein be- zeichnet, aber ebenso sehr die praktische Durchführbarkeit wenigstens für den Kreis Königsberg bezlveifelt. Für die Abstinenten war die Versammlung eine reine Freude; es gab nur Wasser zu trinken, da die Schankkonzession bisher noch nicht erteilt ist. Die Generalversammlung des Sozialdemokratische» Zentralvereins für den 8. und 1v. schleswig-holsteinischen Wahlkreis(Altona- Stormarn und L a u e n b u r g), die am Sonntag in Lauenburg tagie, war von 64 Delegierten und Parteifunktionären besucht. Der gedruckt vorliegende, sehr umfangreiche Jahresbericht konstatiert ein erfreuliches Wachstum und eine innere Erstarkung der Partei. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug am 1. Juli 1907 im 8. Kreise 7742, im 10. Kreise 603, zusammen also 8345 gegen 7584 am 1. Juli des Borjahres. Mithin hat sich die Mitgliederzahl im letzten Geschäftsjahr um 731 erhöht. Aehnlich so verhält es sich mit der Presse. Die Abonnentenzahl z. B. des„Hamburger Echo" stieg von 8197 auf 3875. die der„Gleichheit" von 571 auf 789. An Flug- blättern, Broschüren, Kalendern und sonstigen Schriften wurden, außer in der Wahlperiode, 13 in rund 260 000 Exemplaren verbreitet. Bei der Reichstagsivahl kamen 321 000 Flugblätter und 94 000 Wahl- zeitmigen zur Verteilung. Versammlungen wurden außer der Wahl- zeit abgehalten 53 öffentliche und 145 Vereinsversammlungen, 60 Wählerversamnilungen haben getagt. Die Hauptkasse hatte am 1. Juli v. I. einen Kassenbestand von 7001,20 M. und vereinnahmte im Berichtsjahre 42 252,15 M., zu- sammen 49 253,34 M. Die Ausgabe betrug 43 294,51 M., so daß ei» Kasseitbestand von 2958,83 M. verblieb. Die Kosten der Reichstagsivahl belaufen sich inklusive 3000 M., die an die Provinzial- Agitationskommission überwiesen wurden, auf 22 887,28 M. Dazu hat die Hauptkasse 7615,14 M. beigetragen, das übrige ist gedeckt worden durch Eingänge auf Sammellisten und sonstigen Zuwendungen. Die Mitgliedschaften und Vcrttauenspersonen des Vereins hatten zu- sammen mit einem Kassenbestande von 10 984,79 M. im Juli v. I. eine Einnahme von 54 281,40 M. und eine Ausgabe von 46 519,13 Mark, mithin verblieb ein Kasienbestand von 7762,27 M. Von den verausgabten Geldern sind 23175,60 M. in die Hauptkasse ge- flössen. In der umfangreichen Debatte wurde von fast allen Rednern die Notwendigkeit der Anstellung eines besoldeten Be- amten betont. Der Antrag wurde gegen sechs Stimmen an- genommen. An Stelle der als veraltet bezeichneten seitherigen schriftlichen Agitation durch Flugblätter usw. wurde beschlossen, für beide Kreise eine vielleicht zunächst alle zwei oder drei Monate erscheinende Landarbcitrr-Zeitung herauszugeben, in der auch den Verleuni- düngen der aus dem Reichslügenverbande usw. gespeisten Kreisblatt- presse entgegengetreten werden soll. Annahme fand ein Antrag Wandsbek: „Die Generalversammlung möge beschließen, daß unsererseits bürgerlichen Parteien bei Reichstagswahlen keine Unterstützung zu teil werde." Der Antrag wird zunächst dem Provinzial- und dann dem allgemeinen Parteitag überwiesen. Beide Kreise sollen durch vier Delegierte auf dem Parteitage vertreten werden. Die Wahlen finden in vier Bezirken statt. Angenomm�t wurde der Antrag: „Die pp. Versammlung ersucht den Parteitag in Essen, endlich einmal der Frage zwecks Einführung ein- heitlicher Mitgliedsbücher mit einheitlichen Beitrags- marken für die sozialdemokratischen Organisationen Deutschlands näher zu treten und den Parteivorstand zu ersuchen, sich mit dieser Frage eingehend zu beschäftigen." Abgelehnt wurde»dagegen ein Antrag, der verlangt, daß der Parteitag zur Alkoholsrage einen Korreferenten aus der Reihe der Abstinenten bestimmen möge, weil der Referent zu diesem Punkt, Genosse Wurm, kein Abstinent sei. Zum preußischen Parteitage bleiben die Mandate der im vorigen Jahre als Delogierte gewählten Genossen Heinrich- und S i e v e r t- Altona. R 0 s b i tz k i- Wandsbeck. P 0 l i n z- Schiffbeck und Wagner« Mölln bestehen. Dem Vorstände zur Berücksichtigung überwiesen wurde dtt „Der Vorstand wird beauftragt, baldigst ein Flugblatt heraus» zugeben, das die Wirkungen der deutschen Zoll- und Handelspolitik in volkstümlicher Weise schildert und sich ganz besonders mit dm jetzigen hohen Lebensmittel- und Kohlenpreisen beschäfttgt." Die Generalversammlung der Sozialdemokratie des Fürstentums Reust ä. L. fand am Sonntag in Sachswitz bei Greiz statt. Beschickt war sie aus den einzelnen Orten von 39 Delegierten. Weiter waren anwesend der Kandidat und stühere Reichstags- abgeordnete Genosse F ö r st e r- Hamburg, der Parteisekretär Genosse Leber- Jena und als Vertreter der Leipziger Buchdruckerei-Aktien- gesellschaft(Aßt. Gera) der Genosse Vetterlein- Gera. Der Geschäftsbericht deS Vorsitzenden, Genossen Feustel» Greiz, spiegelte ein tüchtiges Stück Parteiarbeit wider. Wenn auch die Gegner durch Anwendung der scheußlichsten Mittel— genau wie im Jahre 1887— den Wahlkreis erobert haben, so steht die nieder- gerittene Sozialdemokratie doch mächtiger da, als je. Indes, so erklärte der Redner, müßten auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in Reuß ä. L. sich mehr der politischen Organisation zu« wenden. Darin bleibe noch viel zu wünschen übrig. Eine Resolution wurde angenommen, die den Genoffen die Verpflichtung auferlegt, schon jetzt mit allen Mitteln in die Agitation für die im nächsten Jahre stattfindenden Landtagswahlen in Reuß ä. L. einzutreten. Aus dem Kassenbericht— der vom Genossen Kiß vorgetragen ivird— ist zu entnehmen, daß im letzten Jahre— ausschließlich der Reichstagsivahl— eine Einnahme und Ausgabe von 3068,80 M. zu verzeichnen ist. Die höchste Einnahme, die bis jept im Mhl- kreise— der in der Hauptsache mit schlecht entlobnten Textilarbeitern zu rechnen hat— erzielt worden ist. Eine Resolution, die den Wunsch ausspricht, die in den einzelnen Ortsgruppen liegenden Gelder nach Möglichkeit der Hauptkasse zu überweisen, wird an- genommen. Beim Punkt Presse wird die am 1. April 1907 vor- genommene Umänderung der„Reußischen Volkszeitung" erwähnt. Sämtliche Delegierte geben ihrer Freude dahin Ausdruck, daß es gelungen ist, auch für Reuß ä. L. ein Parteiblatt zu schaffen, welches den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Außerdem wird_ konstatiert, daß eine Zunahme von 700 Abonnenten zu verzeichnen ist. Ueber BildungSwesen, Jugendorganisatton und Frauenbewegung referierten die Genoffe» Körner und Leber. Ohne Debatte wird eine Resolution angenommen, die es den Parteigenossen zur Pflicht macht, auch auf diesen Gebieten ihr Möglichstes leisten zu wollen. Als Reichsiagskandidat wird Genosse F ö r st e r- Hamburg ein« stimmig wiederum aufgestellt. Als Delegierter zum deutschen Parteitag nach Essen wird— da Genosse Förster, der jetzt eine vierwöchentliche Agitationstour im Agitationsbezirk macht, es ablehnt, nach Esten zu gehen— Genosse Philipp- Zeulenroda gewählt. Als Vorsitzender des sozial- demokratischen Vereins für Reuß ä.L. wird Genosse Franz Feustel« Greiz einstimmig wiedergewählt. Als Kassierer Paul Körner» Greiz. Wahlkreis Erfurt- Schleusiagca- Ziegenrück. Die General« Versammlung des Kreisvereinö tagte am Sonntag, den 11. August, im gothaischen Orte Zella- S t. B lasii. Es ist eine alte„süße" Gewohnheit der Erfurter Genossen, mit ihren Kreisberatungen ins „Ausland" zu gehen, um die preußische Polizei zu ärgern, die leider im golhaischen Vaterländchen nichts zu überwachen und zu bevor- munden hat. Die Konferenz war von 41 Delegierten auS 16 Orten besucht, außerdem war der Kandidat des Kreises, Genosse Heinrich Schulz- Berlin, anwesend. Der Vorstand be- richtete, daß der Kreisverein aus 12 Ortsgruppen, gegen 10 im Vorjahre, besteht, die eine Mitgliederzahl von 1909, gegen 1527 im Vorjahre, umfassen. Die Einnahmen be- trugen 2757,26 M., die Ausgaben 2485,26 M., der Kassenbestand 227 M. Bei den Beratungen über das Ergebnis der Reichstagswahl war man einmütig der Meinimg, daß durch Einrichtung von Unter- richtskurfen mehr als bisher für die Mitglieder geschehen müsse. Ge« plant ist. daß einige Delegierte zu dem Kursus des Genossen Rühle. der im Oktober stattfinden soll, aus verschiedenen Orten des Kreises entsandt, serner besondere Kurse von einheimische» Kräften in Suhl abgehalten werden sollen, die am Sonntag stattfinden und zugleich für die Genossen der umliegenden Orte bestimmt sind. Genosse Schulz wurde einstimmig wiederum als ReichStagskandidat aufgestellt. Der Kalender wird in diesem Jahre zum letzten Mal verbreitet werden. Der Beitrag, der bis jetzt nur 25 Pf. monatlich betrug, wurde nach lcbhasten Debatten auf 10 Pf. pro Woche erhöht. Einer Brzirksorganifation für den Regierungsbezirk Erfurt wurde im Prinzip zugestimmt. Das Mandat für den deutschen Parteitag wurde dem Genossen Schulz- Berlin übertragen, für den preußischen Parteitag wurde Genosse Kiesewetter- Erstirt gewählt. Der letztere wird auch, nachdem Erfurt wieder als Kreisborort be« stimmt war, mit dem Amt des KreiSvorsitzenden betraut. polizeilicbee, Otricbtiicbco iifw. Wegen RcligionSvcrgrhens war die Genossin Grünberg, Arbeitersekretärin in Nürnberg, angeklagt. Siesoll in einer Versammlung in Oberfranken die heilige Jungfrau Maria beleidigt und die katholische Kircke beschimpft haben. Ans einer Kritik des Verhaltens der katholischen Geistlichkeit des betreffenden OrteS, die uneheliche Mütter einzuschüchtern und von der Organisation abzuhalten suchte, hatte man das blödsinnigste Zeug zusammen- konstruiert, um die Genossin dem Staatsanwalt auszuliefern. Zur Verhandlung am Landgericht in Bamberg war Genoffe Kurt Eis» er als.Sachverständiger geladen. Er sagte, er nehme nicht an. daß die Angeklagte die Worte, so wie sie in der Anklage- schrist stehen, gebraucht habe; er gab seine Erfahrungen darüber kund, wie Anklagen gegen Versammlungsredner zustande kommen. wie selbst tüchtige Journalisten eine Rede oft nicht sinngemäß wiedergeben könnten, geschweige denn weniger gebildete Personen und dazu— wie in diesem Fall— erst nach einigen Monaten.— Der Staatsanwalt beantragte fünf Tage Gefängnis, jedoch b e d i n g t e B e g n a d i g it n g; er sah die Aeußerung, trotz des jämmerlichen Beweismaterials als erwiesen an, betrachtete sie aber als eine Entgleisung. DaS Gericht sah die MutlergotteS- beleidigung als nicht erwiesen an und erkannte auf Frei- s p r e ch u n g. Der Vorsitzende des Gerichts war der Bruder des ErzbischofS von Bamberg. X Ier dritte Nerbaudstag der fteieu Gast- and Schanwitte Deutschlands tagte in der vergangenen Woche in Gera. 64 Delegierte waren anwesend. Nach de» Kassenbericht. den G i n k e- Berlin erstattete, beträgt der Mitgliederbestand jetzt in 49 Zahlstellen 3588 gegen 2300 im Vorjahre. Die Ein» nahmen in den Zahlstellen betrugen 57 850 M., wovon 33 172,51 M. an die Hauptkasse abgeliefert wurden. Die Ausgaben der letzteren betrugen 18 535,88 M., der Gesamtbcstand beträgt 39 883,15 M.— In der Diskussion ersuchte u. a. Durbahn-Hamburg, der dortigen Ortsverwaltung den Betrag von 1000 M., der den streikenden Schaucrleuten gewährt worden ist, von der Hauptkasse zurück zu erstatten. Hierauf erstattete Verbandsvorsitzcndcr Litfin-Berlin den Berwaltungsbericht. Die Agitation war teilweise recht schwierig, da viele Wirte, die als Parteigenossen gelten dürfen, eine Sonderorganisation für Gast- Wirte für überflüssig halten, wieder andere eS vorziehen, dem deutschen Verbände anzugehören, obwohl dessen Leiter mit den Matadoren des ReichsvcrbandeS zur Verleumdung der Arbeiter- schaft gemeinsame Sache machen und in Hannover sozialdemokratisch gesinnte Gastwirte„wegen politischer Umtriebe" ausgeschlossen worden find. Der umfangreiche Bericht enthielt eine Reihe Hin« weise dafür, wie die Agitation am besten und erfolgversprechendsten betrieben werden kann. Der Vorstand empfiehlt, einen ständigen» besoldeten Geschäftsführer anzustellen.— In der Diskussion beklagt es Kaiser- Rixdorf. daß die Gewerkschaften das Bestreben des Verbandes nicht genügend würdigen. Der Verbandstag bewilligt nachträglich die Beträge von je 1000 M., die durch den Vorstand dem Parteivorstande als Beitrag für die Reichstagswahlen und den streikenden Schauerleuten in Hamburg gewährt worden sind. Hierauf referiert von der Heyden- Köln über Organisation und Agitation. Die Konzessionssteuer, die von einigen Stadtverwaltungen im Automobiltempo eingeführt wird, leiste der Agitation gute Dienste. Viele Wirte glaubten freilich, schon genug getan zu haben, wenn sie einer bürgerlichen Organisation beitreten. Die auf dem letzten Verbandstage der bürgerlichen Gastwirte laut gewordene Er- Wartung, daß sich der freie Verband bald bei der bürgerlichen Organisation zur Aufnahme melden wird, würde nie in Erfüllung gehen. Gewiß habe die Klage viel Berechtigung, daß viele Arbeiter noch bei bürgerlichen Wirten verkehren und sich nicht verpflichtet fühlen, die politisch organisierten Gastwirte zu unterstützen; doch das sei die Folge mangelhafter Erziehung. Andererseits habe man za auch Wirte, die heute Mitglied des freien Verbandes werden und morgen volle Lokale haben wollen. Es müsse hüben wie drüben darauf hingewirkt werden, daß das Wort Solidarität keine Seifen- blase ist. Bei der Agitation dürfe man nie mit dem sozialdemo- kratischen Prinzip in Widerspruch geraten.(Beifall.) Der Referent legte eine später einstimmig angenommene Resolution vor, nach der das Reich in 13 Agitationsbezirke eingeteilt, deren Leitung Bezirks- vorständen in die Hände gegeben werden soll, die auf alljährlich stattzufindenden Bezirkstagen zu wählen wären. Diese Vorstände sollen halbjährliche Berichte und Abrechnungen einsenden, die im Organ veröffentlicht werden sollen. Die Resolution regelt ferner die Kostenfrage für Agitation, Verwaltung usw. In der Diskussion erklärten sich alle Redner mit den Aus- führungen des Referenten einverstanden. Die meisten wenden sich besonders gleich dem Referenten gegen den Antrag, daß der Pasius des Z 2 des Statuts, der lautet, daß nur aufgenommen werden kann, wer sich mit den Grundsätzen der sozialdemokratischen Partei einverstanden erklärt und politisch organisiert ist, gestrichen werden soll. Einige Redner dagegen meinen, daß mit der Aenderung der fraglichen Bestimmung das Prinzip nicht aufgegeben werde. Der Vertreter von Chemnitz wendet sich scharf gegen die Beibehaltung der Fassung, weil er meint, daß es für einen überzeugten Sozial- demokraten dieses Aushängeschildes nicht bedürfe. Keine einzige gewerkschaftliche Organisation habe eine derartige Bestimmung. In den bürgerlichen Organisationen befinden sich noch viele, die nur wenig von der Sozialdemokratie trennt. Die Leute müsse man zu gewinnen suchen und sie dann im Verbände zu überzeugten Sozialdemokraten machen. Die Masse betrachte die den politischen Charakter des Verbandes betonende Bestimmung als ein Aushänge- schild, durch das man Geschäfte machen wolle.(Lebhafter Wider- spruch.) In längeren Ausführungen trat Ewald-Berlin diesen Aus» führungen unter lebhafter Zustimmung entgegen. Von dem Ge- baren der blauen und schwarzen Organisationen angeekelt, habe man seinerzeit den Verband gegründet; man wollte mit Hurra- schreicrn und Spalierbildncrn nichts mehr gemeinsam haben. Wolle man jetzt den Namen m?dern, dann werde man sich mit Recht sagen lassen müssen, daß die freien Gastwirte kein Jota besser sind als die anderen. Berbandsvorsitzender L i t f i n macht einen Ver- mittelungsvorschlag, die jetzige Fassung des§ 2 zu belassen, aber hinzuzufügen, daß dem Vorstande daS Recht zusteht, im Verhands- interesse Ausnahmen zuzulassen. Der Verbandstag habe es ja in der Hand, sich einen Vorstand zu wählen, der die Verbandsinteressen wahrt. Nach weiterer Debatte, in welcher auch der VermittelungS- Vorschlag Litfins bekämpft wird, wurde durch einen Schlußantrag der Debatte, für die noch 13 Redner vorgemerkt waren, ein Ende gemacht. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wurde der Ver- mittelungsvorschlag Litfins mit großer Mehrheit abgelehnt und so- dann in namentlicher Abstimmung mit 49 gegen 16 Stimmen beschlossen, die jetzige Fassung des Statuts beizubehalten. Ueber die SchankkonzefsionSsteuer in Preußen referiert Obst- Schöneberg. Er zeigt, was in den letzten zwanzig Jahren den Gastwirten alles aufgehalst worden ist. Es bleibe nicht mehr viel übrig, um sie vollends zu ruinieren. Die preußische Schankkonzcssionsstcucr ist ein weiterer Schritt dazu, denn sie läßt es zu, daß die Kommunen nach den Gewerbesteuerklassen Sätze bis zu 6000 M. erheben. Die meisten Kommunen schicken sich auch schon an, von der Einführung dieser Steuer den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Es müsse von Verbands wegen mit aller Entschieden- heit gegen eine solche Steuer protestiert werden, denn auf ein mannhaftes Vorgehen der gegnerischen Organisationen sei nicht zu rechnen. Sie werden zwar momentan sich entrüsten, bei den Wahlen ahcr wieder diejenigen wählen, die solche Steuern erst schaffen. Lasse sich gegen die neue Besteuerung nichts ausrichten, so sei die Schuld jenen zuzuschreiben, die in Patriotismus aufgehen und kein Verständnis dafür haben, wie der eigene Stand zu schützen ist. iBravo.)— Nach kurzer Debatte wurde einstimmig beschlossen, den Vorstand zu beauftragen, eine Resolution auszuarbeiten und alles aufzubieten, um die Sache vor dem Forum des Reichstages zur Sprache zu bringen. Hierauf referierte v. d. Heyden- Köln über das Brenntwcinschankverbot vor 8 Uhr früh und die Alkoholfrage. In verschiedenen Regierungsbezirken Preußens besteht seit Jahren ein Verbot des BranntweinschankeS vor 8 Uhr früh, das mit Zunahme der Antialkoholbewegung immer schärfer in Anwendung gebracht wird. Die hohen Herrschaften, deren Keller von Wein überfüllt ist und die für ein Fuder Wein mehr ausgeben, als eine Arbeiterfamilie im Jahre verdient, dieselben Herrschaften gönnen es dem Arbeiter nicht, daß er vor 3 Uhr früh sein Schnäpschen trinkt. Dabei wendet die Polizei allerhand Tricks an, um die Wirte zu bespitzeln, und vergünstigt jene Wirte, die nicht im Ver- dachte stehen, sozialdemokratisch gesinnt zu sein. Die Antialkohol- bewegung ergreift aber auch weitere Kreise innerhalb der Partei. Der Kampf gegen den Mißbrauch des Alkohols sei gewiß durchaus berechtigt, heute nimmt aber dieser Kampf vielfach fanatische Formen an und wende sich gegen die Verkäufer des Alkohols, während die Erzeuger dieses„Teufels" Millionen und Aber- Millionen Liebesgaben in die Tasche gesteckt erhalten. Wissenschaft- liche Autoritäten weisen einwandfrei nach, daß der Alkohol nur bei übermäßigem Genuß Schaden anrichten kann. Antialkoholiker aber, wie Katzen st ein, sagen demgegenüber, daß die Minder- Wertigkeit der Kinder und alles Unglück in der Familie nur die Folge des Alkohols sei. Da müssen sich ja Marx, L a s s a l l e und die englischen Fabrikinspektorcn gründlich geirrt haben, als sie nachwiesen, daß die erwähnten Schäden durch die Auspowerung der zum Darben'lerurtcilten Arbeiter in den stinkenden Fabriken ein- treten. Und haben etwa unsere Klassiker ihre besten Sachen und unsere größten Meister ihre schönsten Melodien bei Selterswasser gemacht? Kein anständiger Wirt habe ein Interesse oaran, daß sich seine Gäste berauschen.(Sehr richtig I) Aber alle Wirte müßten sich darüber empören, daß sie als die Schuldigen der angeblichen Alkoholschäden verurteilt werden, während die Erzeuger des her- meintlichen Uebels, die Schnapsjunker, Prämien erhalten. Ein solcher Fanatismus fordere zum schärfsten Protest heraus.(Bei- fall.) Der Referent legte folgend« Resolutionen vor: 1. Zu dem Verbot des Branntweinausschankes vor 8 Uhr morgens: „Der Verbandstag der Freien Gastwirte Deutschlands pro» testiert mit aller Entschiedenheit gegen die ungleichartige und rigorose Behandlung der Gast- und Schankwirte in den ver» schiedcnen Provinzen des preußischen Staates durch die Polizei- liche Einschränkung des Branntweinverkaufs vor 8 Uhr morgens. Du der Verbandstag fest davon überzeugt ist, daß das Ver- bot mehr zur Förderung als Herabminderung?er Trunksucht dient und die ungleiche Behandlung der Schankwirte und der Be- völkerung innerhalb ein und desselben Staates einen ausnahms- gesetzlichen, schikanösen Charakter an der Stirn« trägt und damit das Rechtsbewußtsein untergräbt, verpflichten sich die Delegierten, mit allen zulässigen Mitteln das Verbot tu bekämpfen und aus der Welt zu schaffen." 2. Gegen die Antialkoholbewegung: „Der Verbandstag der Freien Gastwirte Deutschlands hält volkstümliche Belehrungen über die schädlichen Wirkungen des übermäßigen Alkoholgenusses für dringend geboten, protestiert aber zugleich ganz entschieden gegen die teils übertriebenen, teils albernen Lehren sogenannter Abstinenten, die alles Elend, alle menschlichen Gebrechen und UnVollkommenheiten und sogar die Degeneration oer Arbeiterklasse aus dem Schnaps- und Bier- genusse herleiten und damit absichtlich und unabsichtlich den Machthabern und besitzenden Klassen alle Verantwortung für die Not und elende Lage des eigentlichen Volles abnehmen. Wenn das wahr wäre, was von vielen Abstinenten behauptet wird, dann würden die Lehren der Statistik über die schädlichen Wirkungen der staubgeschwängerten Luft in Fabriken und Bergwerken, der mangelhaften Ernährung und der überlangen Arbeitszeit aus den menschlichen Organismus nichts als eine große Lüge sein, und ein Q u e t e l e t. ein M o I e s ch o t t. ein Marx, ein L a s s a l l e hätten umsonst gelebt. Der Verbandstag bezeichnet es ferner als plumpen Schwindel, daß der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Ge- tränke in Traktätchen und Broschüren den Bier- und Schnaps- genuß der Arbeiter bekämpft und in für andere Kreise bestimmten literarischen Erzeugnissen die ostelbischen Kartoffelbrennereien und Spritfabriken geschützt wissen will, ja sogar die Beibehaltung der sogenannten Liebesgabenpolitik befürwortet. Wenn es dem genannten Verein wirklich ernst ist mit der Bekämpfung des Alkoholismus, dann muß er ein Verbot der Kartofselbranntwein- erzeugung herbeiführen, womit eine Hauptquelle des Uebels ver- stopft werden würde. Solange aber die Tonangeber besagten Vereins nur in der höheren Besteuerung der von der arbeitenden Klasse konsumierten geistigen Getränke und in der stärkeren Be- lastung und polizeilichen Schikanierung der Gastwirte das Heil des Volkes erblicken, wird der Verband der Freien Gastwirte Deutschlands dieselben als falsche Propheten, als Alliierte des ostelbischen Junkertums und als Schrittmacher des Steuerfiskus mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln bekämpfen." Beide Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Die Resolufion zur Alkoholfrage soll dem Parteivorstande übermittelt werden. Die Anträge auf Abänderung des Statuts und des Rechtsschutzreglements wurden einer Kommission über- wiesen. Angenommen wurden zwei Anträge v. d. Heyden-Köln. die besagen, daß die Frage der Einrichtung einer Kranken- und einer Darlehnskasse dem Vorstande zu überweisen ist mit dem Auf- trage, dem nächsten Verbandstag« eine Vorlage zu machen. Ein Antrag der Zahlstelle Gera, bei der Generalkommission der GeWerk- schaften Deutschlands dahin zu wirken, daß durch einen Vertrag sestgelegt wird, daß bei Uebertritt eines Gewerkschaftsmitgliedes zum freien GastwirtSverbande, sowie bei Uebertritt eines Verbands- Mitgliedes zu einer Gewerkschaft die Betreffenden als vollberechtigt aufzunehmen sind, wurde debattelos einstimmig angenommen. Weiter beschloß der Verbandstag ein st immig. im Wege einer Petition den preußischen Kriegs- mini st er um Aufhebung der Militärboykotts zu ersuchen, die über Wirte verhängt sind, deren Lokale zu sozial- demokratischen Versammlungen zur Verfügung stehen. Die Frage der Stellung des Verbandes zu Boykott? ist zwar von der Tagesordnung abgesetzt worden; auf Antrag der Delegierten für den Halberstädter Bezirk findet aber dennoch eine Besprechung dieser Angelegenheit statt. Die Parteiwirte jenes Be- zirks sind Konsumenten einer Brauerei, über die wegen Entlassung eines Arbeiters von den Gewerkschaften der Boykott verhängt worden ist. Infolgedessen ist diesen Wirten das Kapital gekündigt worden. Einige davon hatten Verträge unterschriebe», laut deren sie, wenn sie anderes Bier beziehen, pro Tonn« 5 Mk. Entschädigung bezahlen müssen. Der Verbandstag möge sich äußern, wie sich die Mitglieder in solchen Fragen verhalten sollen. Der Vertreter für Weimar bringt die dortigen Boykottverhaltnisse zur Sprache. Es wird auch von anderer Seite bemängelt, daß vielfach Boykotts ver- HÄngt werden, ohne vorher mit den Wirten, die in Mitleidenschaft gezogen werden, Rücksprache zu nehmen. Der Verbandstag beschloß daher, den Vorstand zu beauftragen, mit der Generalkommission der Gewerkschaften oder mit dem Zentralvorstande der Brauerei- arbeiter darüber zu verhandeln, daß bei Boykottsverhängungen die Mitglieder des Verbandes freier Gastwirte am Orte zur Beratung zugezogen werden. Zur Frage der Stellung des Verbandes zur Partei und zu den Gewerkschaften wurde noch folgende Resolution angenommen: „In Anbetracht, daß wir bei Erweiterung unserer Organi. sation vielfach auf Widerstand seitens der Partei- und Gewerk- schaftSorganisationen in den einzelnen Orten stoßen, beschließt der dritte Verbandstag, den Vorstand zu beauftragen, ein Flug- blatt auszuarbeiten und über gan� Deutschland zu verbreiten, in welchem die Bestrebungen und Ziele des Verbandes klargelegt werden, so daß die organisierte Arbeiterschaft begreift, daß wir gegenüber sämtlichen bestehenden Gastwirtsorganisationen die einzige sind, die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht, wie dies auch statutarisch festgelegt ist. Es soll dadurch die Möglichkeit geschaffen werden, in jene Orte einzudringen, wo die Partei- und Gewerlschaftsorganisationen bereits festen Fuß gefaßt haben. Daß der Vorstand nach diesen Grundsätzen handelt, beweisen die in großen Massen von den einzelnen Zahlstellen geleisteten finanziellen Unterstützungen bei Streiks und Aussperrungen. Der Verbandstag erwartet daher, daß in Zukunft die Partei- und Gewerlschaftsorganisationen diesen Bestrebungen mehr Ent- gegenkommen bezeigen werden." Zum Punkt„Presse" beantragt die Beschwcrdekommission, daß vom 1. Oktober ab die Zeitung wöchentlich erscheinen soll. Der Posten eines Redakteur? soll ausgeschrieben werden.— Als Ort für den nächsten Verbandstag wurde Köln bestimmt. Vor- sitzender L i t f i n und Kassierer G i n k e wurden fast einstimmig wiedergewählt. Mit einem Hoch auf den Verband und die Partei wurde der VerbandStag geschlossen. Huö Induftm und Kandel. Ueberschiisse. Soweit Ausweise vorliegen, haben die Bergwerksunternehmen in der ersten Hälfte des laufenden Jahres mit erhöhten Ueberschüssen abgeschlossen, so daß daS Juyr 1907 aller Voraussicht nach, wenn nicht ganz erhebliche Veränderungen auf dem Wirtschaftsmarkt ein- treten, noch glänzendere Gewinnziffem bringen wird als daS Vor- jähr. Es betrug z. B. der Gewinn im ersten Semester resp. im zweiten Quartal 1907 1907 1908 M. M. Steinkohlenbergwerk Graf Bismarck. 1511746 1509 302 Bochumcr Bergwerksverein.... 195 494 141 129 Aplerbecker Altienverein..... 293 952 285 326 Zeche Ewald(3. Quartal).... 1 318 554 1 303 909 KönigSborn......... 1700 020 1 296 153 Essener Bergwerksver. König Wilhelm 1 443 163 1 402 283 Harpe»(2. Quartal)...... 6 373 000 6 003 600 Gewerkschaft Tremonia..... 174 452 108 809 Mülheimer Bergwerksverein... 1 358 826 1 285 608 Bergwerks-A.-G. Maßen..... 671 721 627 967 Hibernia(2. Quartal)...... 3 973 883 3 723 894 Die angegebenen Summen sind teils als Betriebsüberschuß. teils als Ueberschuß ausgewiesen; sie zeigen durchgängig für du letzte Periode eine Steigerung. Die Berg-Kapitalisten erfreuen sich emer kräftigen— Lohnzunahme. Lage drS deutschen Arbeitsmarktes. Die Lage des Arbeits- Marktes, so schreibt die Arbeitsmarktkorrespondenz, hat im Monat Juli eine bedenkliche Wendung erfahren: der Andrang auf hundert offene Stellen ist von 94,4 im Juni auf 116,1 im Juli hinaufge- gangen. Das Bedenkliche in dieser Bewegung liegt nun nicht etwa darin, daß eine Zunahme eingetreten ist. denn die Zunahme des Andranges von Juni auf Juli ist eine alljährlich wiederkehrende Er- scheinung; was vielmehr Besorgnis erregt, ist die Schärfe, mit der der Andrang emporgeschnellt ist, des treueren aber die Tatsache, daß nunmehr die Besserung des ArbeitsmarkteS gegenüber dem Vorjahr nicht nur verschwunden, fondern sogar eine auffallende Ver- Ichlechterung gegenüber der Vergleichszeit deS Vorjahres eingetreten ist. Nach der ganz besonderen Gunst im Juni, die durch ein starkes Wiederangebot von Arbeitskräften gekennzeichnet war, muß die Plötz- liche relative Unguitst im Juli natürlich um so schärfer ins Auge fallen._ Aktienbrauereien. Der Absatz der 489 deutschen Aktienbierbrauereien betrug im letzten Jahre 30 839 994 Hektoliter; im Vorjahre erzielten 486 Braue- reien 29 539 776 Hektoliter. Der Rohgewinn wuchs von 98 563 274 Mark oder 3,33 M. per Hektoliter auf 106 564 810 M. oder 3.45 M. per Hektoliter. Einen höheren Reingewinn erzielten 237 Gesell- schaften; 185 erreichten das Vorjahr nicht und 17 blieben auf der letztjährigen Höhe. 14 Gesellschaften mit einem Absatz von 188 048 Hektoliter erlitten einen Betriebsverlust von 366 722 M. oder 1.95 M. per Hektoliter, welcher jedoch vom obigen Rohgewinn bereits in Abzug gebracht wurde; die gewinnbringenden 475 Aktienbrauereien mit 30 651 946 Hektoliter Abiatz erzielten somit einen Roh- gewinn von 106 931 532 M. oder 3,49 M. per Hekto- liter gegen 3,33 M. im Vorjahre. Der Reingewinn vermehrte sich von 57 190 565 M. oder 10.16 Prozent des Aktienkapitals um 4732867 M. oder 0,69 Proz. auf 61923432 M. oder 10,85 Proz. Einen höheren Gewinn verzeichnen 317 Brauereien, während 152 hinter dem Ertrage des Vorjahres zurückblieben und 20 auf der letztjährigen Höhe bcharrten. 33 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von 15 243 675 M. verzeichnen einen, vom obigen Reingeivinn allerdings bereits gekürzten Verlust von 1 963 737 M. oder 12.91 Proz. des Aktienkapitals; bei den 456 gewinnbringenden Brauereien mit einem Aktienkapital von 555 448 750 M. berechnet sich der Reingewinn von 63 892 169 M. somit auf 11,50 Proz. gegen 11,03 Proz. t. V. Die Dividende stieg von 42 850 913 M. oder 7,61 Proz. um 1 366 806 M. oder 0,14 Proz. auf 44 217 724 M. oder 7,75 Proz. Höhere Dividende verteilten III Gesellschaften, 58 geringere und 320 blieben auf der vorjährigen Höhe. 84 Gesell- schalten mit einem Aktienkapital von 55 418 676 M. konnten keine Dividende bezahlen._ Die russischen Geslügelzufuhren auf dem Magerviehhofe in Friedrichsfelde nehmen von Woche zu Woche beständig zu. Die Zufuhren waren in der Zeit vom 12. bis 13. Juli 38 100 Gänse, 1500 Enten und 1800 Hühner. Auf 45 950 Gänse und 1325 Enten stiegen die Zufuhren vom 19. bis 25. Juli. Eine ganz gewaltige Zunahme brachten die beiden letzten Wochen. Vom 26. Juli bis 1. August trafen 62 100 Gänse, 3115 Enten und 500 Hühner ein und vom 2. bis 8. d. M. sogar 79 200 Gänse, 3310 Enten und 2200 Hühner. Trotzdem die Zufuhren in den beiden letzten Wochen bedeutend größer waren, sind die Preise für Gänse von 2,80 bis 3,70 M. auf 3,00 bis 4,20 M. gestiegen. Die Preise für Enten sind in der Zeit vom 26. Juli bis 1. August auf 1,50 bis 1,75 M. gestiegen, gingen aber in den letzten Tagen auf 1,40 bis 1,60 M. zurück. Für Hühner sind die Preise gefallen. Es wurden für junge 80 Pf. und für alte 1,80 M. gezahlt. Die amerikanische Koksindustrie hat in den letzten 25 Jahren einen enormen Aufschwung genommen. Das nimmt natürlich nicht wunder; hat doch die Kohlenförderung in Amerika ein Wachs- tum erfahren, gegen das alle anderen Länder, sogar England, zurückgeblieben sind. Amerika ist damit an die Spitze der Kohlen- Produktion getreten; seine Förderung macht bereits über ein Drittel der gesamten der Erde aus. Nach dem soeben erschienenen Zensusbcricht 1905 hat sich die Zahl der Koks produzierenden Be- triebe(278) seit 1880 mehr als verdoppelt, das in ihnen investierte Kapital aber hat sich verachtzehnfacht, cS beträgt jetzt 381 000 000 M. Die Zahl der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter hat sich verfünffacht und beträgt jetzt 18 931. Die Lohn- summe hat dagegen natürlich stärker zugenommen, von 5 Mill. M. (1880) auf 39,3 Millionen Mark im Jahre 1905, also um 677 Proz. Der Wert des Geldes ist ja in den letzten 25 Jahren erheblich ge» funken. Entsprechend der technischen Vervollkommnung der Be- triebe weist der Wert des verarbeiteten Materials aber eine noch stärkere Steigerung auf. 1880 wurde für 12,6 Millionen Mark Material verarbeitet, 1905 dagegen für 125 Millionen Mark, darunter für 123 Millionen Mark Kohle. Das bedeutet eine Steigerung um fast 900 Proz. Der Wert der hergestellten Produkte ist fast ebenso stark gestiegen. Er betrug 1880 nur 22,5 Millionen Mark, 1905 dagegen 217 Millionen Mark, die Steigerung macht hier also 865 Proz. aus. Die Nebenprodukte nehmen jetzt mit 11,5 Millionen Marl Wertfumme Anteil.— Die Betriebe befinden sich naturgemäß in erster Linie in der Nähe der amerikanischen Kohlenlager. Allein 112 liegen in Pennsylvanien(südlich an den Staat New?}ork grenzend), 80 in Wcst-Virginicn(füdlich von Pennsylvanien), 24 in Alabama(am Golf von Mexico) usw. Dem- gemäß entfiel auch der größte Anteil des verbrauchten Materials ch2 Proz.) sowie deS erzeugten Wertes an Produkten(65 Proz.) auf Pennsylvanten, wo auch infolgedessen die größte Ausbeute aus dem verarbeiteten Rohmaterial erreicht wird(70 Proz.). Sodann folgen West-Vtrginien, Alabama, Virginien, Colorado, Tennessee, Ohio usw. Die Zahl der int Betrieb befindlichen Koksöfen beträgt in Pennsylvanien 37 205, in West-Virginien 9910, in Alabama 5247, in Virginien 3426, in Colorado 2250 usw., in der ganzen Union 62 972. Der ZcnfuSbericht arbeitet auch mit Anfchauungs- mittel»; er enthält eine ganze Reihe von Abbildungen, die die Ausdehnung und die Gewaltigkeit der Betriebe und Anlagen klar erkennen lassen. Der Wert der gewonnenen Nebenprodukte beträgt 13,1 Millionen Mark, davon entfielen 2,6 Millionen Mark auf Teer, 3,4 Millionen Mar! auf Ammoniumsulfat, 3,2 Millionen Mark auf flüssiges Ammoniak, 3,6 Millionen Mark auf gewisse Gase und der Rest von 0,45 Millionen Mark auf andere Produkte. Infolge dieses Wachstums der Koksindustrie ist natürlich auch der Export an Koks stark gewachsen. 1896 betrug er erst 2,1 Millionen Mark, 1905 aber schon 9,4 Millionen Mark. Die Ein- fuhr an Koks ist trotzdem erheblich gestiegen. 1896 betrug sie noch nicht Vi Millionen Mark, 1905 dagegen schon 3% Millionen Mark. Der Import an Nebenprodukten geht dagegen zurück, während die Ausfuhr wächst. Nur Ammoniaksalze werden tu steigender Masse eingeführt, 1905 für 3,4 Millionen Mark. Saateitstand in Amerika. Nach dem Monatsbericht deS Ackerbau» bureauS betrug der DurchschnittSstand am 1. Aiiguft: Frühjahrs- Weizen 79,4, Mais 32,8. Gerste 34,5, Hafer 75,6, Roggen 83,9 gegen 86,9, 83,1, 90,3, 82,8 und 90,8 im Vorjahr, alles in Prozenten. Nach vorläufiger Schätzung dürfte Winterweizen ein Durchschnittsergebnis von 14,6 Bushelö per Acre gegen 16,7 im Borjahre ergeben. Soziales. Amtlich bestätigt! Die Unzulänglichkeit des Arbeiterschutzes wird dokumentiert in dem Bericht der Gewerbeaufflchtsbeamten in Elsaß-Lothringen für daS Jahr 1S0S. von Lberhaupt 7628 Fabriken mit 200816 Arbeitern wurden 1784 Betriebe mit 104 801 beschäftigten Arbeitern revidiert, gleich B0 Proz. der Arbeiter und 31 Proz. der Betriebe. Die Zahl der beschäftigten jugendlichen Arbeiter hat um 723, die der beschäftigten Kinder um 23 zugenommen. Die stärkste Zunahme zeigt die Textil- industrie im Ober-Elsaß. Dort wurden an Stelle der Streikenden jugendliche Arbeiter eingestellt. Junge Leute von 14—16 Jahren wurden in allen 3 Aufsichtsbezirken 15127 und Kinder unter 14 Jahren 1162 beschäftigt. Bezeichnenderweise wird über Mangel an »jungen Leuten" in den meisten Industriezweigen und auch im Hand- Werk geklagt. Die größere Zahl der jungen Leute wurde von den zum Hüttenwesen gehörigen Anlagen absorbiert. Im Oberelsaß beträgt die Zahl der jugendlichen Arbeiter 8191 bei einer Gesamt- arbeiterschaft von 86 755 Personen. Wohl war der Geschäftsgang ein guter und stiegen die Löhne, aber— sagt der Bericht wörtlich: „Die Lebensmittelpreise find in den letzten Jahren schneller in di» Höhe gegangen als die Löhne in den meisten Erwrrbszwrigen, so daß es im allgemeinen den Leuten kaum möglich war, den früheren Stand ihrer Lebenshaltung aufrecht zu erhalten." Zahlreich wurden die Handhabungen der gesetzlichen Bestimmungen durch die Unternehmer von den Aufsichtsbeamten beanstandet. In Sägewerken. Schotterwerken. Steinbrüchen und Ziegeleien, in Spinne- reien, vor allem aber in Tabakfabriken wurden jugendliche Arbeiter über 10 Stunden hinaus beschäftigt. In zwei Ziegeleien wurde ungesetzliche Beschäftigung von Kindern beobachtet. Resigniert meint der Bericht, daß die in Ziegeleien da und dort noch austretende ungesetzliche Arbeit von Kindern und Frauen.sich nur durch eine ausgiebige Mitwirkung der Ortspolizeibehörden wird völlig be- seittgen lasten". Zu schamlosen Ausbeutungspraktiken griffen zwei neugegründete Zigarrenfabriken. Die eine schloß mit 26 von 44 beschäftigten Personen.Lehrverträge" ab, worin die Lehrlinge sich zur Zahlung von Entschädigung verpflichten, falls sie vor Ablau von zwei Jahren die Fabrik verlassen. Die jungen Leute wurden aber als Wickelmacher— eine Arbeit, die man in 14 Tagen lernt— und obendrein noch im Akkordlohn beschäftigt. Die andere Fabrik unterschied sich nur darin von der eben genannten, daß sie drei Jahre Lehrzeit und 100 M.(I) Entschädigung forderte.— Gegen diese .Menschenfreundlichkeit" legte die Inspektion ihr Veto ein. Die Verfehlungen gegen das Kinderschutzgesetz wurden in bedeutender Zahl festgestellt. In einer Ziegelei wurden zwei italienische Kinder unter 13 Jahre» beschäftigt. Der Beamte von Lothringen hat festgestellt, daß in einzelnen Gemeinden des Kantons Saaralben Schulkinder bis nachts 10 und 11 Uhr, oft bis Mitternacht mit Flechtarbeiten in der hausindustriellen Strohhut- flechterei beschäftigt wurden. Unter den ungünsttgsten Licht- und Luftverhältnissen wurden selbst noch nicht schulpflichtige Kinder heran- gezogen. Im günstigsten Falle verdient eine erwachsene geschickte Person bei einer Arbeitszeit von morgens früh bis nachts 1 Uhr— 2 Mark.(III) Der gewöhnliche Verdienst schwankt zwischen 0.80 bis 1,20 Mark. Ungeschickte verdienen noch weniger. Wörtlich sagt der Bericht hierzu: „Die Ernährung ist daher eine sehr schlechte, vielfach nur Brot und Schnaps(I!!), Kaffee und Kartoffeln, und bedingt mit den in jeder Hinficht gesndheitswidrigrn Arbeitsverhältnissen eine frühzeittge Abnutzung. Die jungen Leute werden militäruntauglich, die Mädchen alten früh und find fast sämtlich blutarm und brustkrank." Und der Beamte bemerkt weiter, daß die Polizeibehörden auch tn anderen ErwerbSzweigen Mißstände ähnlicher Art festgestellt haben. Und wenn etwas geeignet ist, die Notwendigkeit zu zeigen, daß auch der Klastenstaat der Heimarbeit mehr Aufmerksamkeit zu- wendet, dann die Bemerkung seines Beamten, daß eS dem viel- beschäftigten Gewerbeaufsichtsbeamten beim besten Willen nicht möglich sei,dieUeberwachungder gesetzlichen Bestimmungenalletn durchzuführen. Uebereinstimmend konstatiert ferner der Bericht, daß bei der häufig vorkommenden Ueberttetung der gesetzlichen Bestimmungen über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter auffallend niedrig« Geldstrafen von den Gerichten festgesetzt werden. Oftmals seien die Ersparniste durch Nichtanbringung von Schutzvorrichtungen vorteilhafter als die niederen Geldstrafen. Der Beamte bestätigt, waS wir schon oft sagten: .Solange von den Gerichten so überaus niedrige Strafen für schwere materielle Vergehen gegen die«rbeiterschutzvorschriften. nicht allein gegenüber Jugendlichen, sondern gegen alle Arbeiter. verhängt werden, ist auf eine Verminderung der Zuwiderhand- lungen nicht zu rechnen." Wir sind sogar der Meinung, daß solche»Strafen" direkt einen Anreiz bilden, die Gesetze zu überschreiten. Der Unternehmer macht dabei immer noch seinen Profit. Im Gegensatz zu dem Verhalten der llnternehmer konstatiert der Bericht vom Ober-Elsaß, daß„die Arbeiter sich immer mehr um die Anbringung von Schutzvorrichtungen kümmern und Beschwerden Über das Fehlen solcher Einrichtungen mehrfach im Berichtsjahre einliefen". Insbesondere wirkten die Bauarbeiter bei der Ausführung des ArbeiterschutzeS auf Bauten mit. Einer Tuchweberei mußte untersagt werden, galizische Arbeiter beiderlei Geschlechts in durchaus feuchten und verwahrlosten Räumen zu lassen. In einer Ziegelei benutzten Mann, Frau und Schwägerin einen Schlafraum. In einer anderen Ziegelei schliefen acht Italienerinnen in einem Speicher neben dem Maschinenraum. Jede Ausstattung des Raumes fehlte. Die abgelegten Kleider mußten an den Sparren des unverschalten DacheS untergebracht werden. Der Bericht bringt auch einige erfreuliche Mitteilungen über die Verkürzung der Arbeitszeit. Im Unter-Elfaß haben fünf größere Be- triebe die zehnstündige Arbeitszeit unter Fortzahlung der früheren Verdienste für die Beschäftigten durchgeführt und»seht, gute Erfahrungen gemacht". Das Wasserwerk der Stadt Straßburg hat bei seinem Tag- und Nachtbetrieb— unter vernrehrung der Arbeiter- zahl— drei achtstündige Wechselschichten eingeführt. Im Kreise Ecbweiler, tn der Stadt Colmar, in den Seiden- Handwebereien von St. Ludwig, ja selbst da und dort in den Textilbetrieben der Gebirgstäler ist der 10- oder lO'/z stündige Arbeitstag durchgeführt worden. Jnterestant ist eine Stattstik, die eine Gebweiler Firma aufgenommen hat. vor dem Streik wurde bei ihr 11, nach dem Streik lO'/z Stunden gearbeitet. Pro Stunde und Webstuhl wurden vor dem Streik durch- rcynittlich 2,5176 Meter produziert. Nach dem Streik aber: vom 21. April bis 6. Mai 2,468 Meter, vom 6. Mai bis 19. Mai 2,646 Meter und voin 19. Mai bis 2. Juni 2,601 Meter. Das beweist, daß bei kürzerer Arbeitszeit die Leistungsfähigkeit des Arbeiters steigt.________ �Zeriebts- Leitung. Eine Anklage wegen Postportohinterziehung, die für die tveitesten Kreise der Geschäftswelt von großem Interesse sein dürste, wurde gestern vor der ersten Ferienstrafkammer des LandgeriHts II verhandelt. Auf der Anklagebank mußten der Verlagsbuchhändler Dr. Ohnefalsch-Richter. der Schriftsteller Dr. Schulz-Engelhard und der Kaufmann Eduard vnrber Platz nehmen, um sich wegen Ver- gehens gegen den Z 1 des Reichsgesetzes über das deutsche Neichspost- Wesen vom 23. Oktober 1871 zu verantworten. Die beiden erst- genannten Angeschuldigten sind Geschäftsführer bezw. Teilhaber der „Leporello Verlagsgesellschaft m. b. H.", während der dritte An- geklagte Angestellter der Berliner Paketsahrt-A.-G. Starke u. Co. ist. Im Frühjahr dieses Jahres wurden von der genannten Ver- N�antmartlicher Redakteur: Sans Weber. Berlin. Für den lagSaustalt an zahlreiche Personen besseren Standes ohne vorherige Bestellung 16 Kunstblätter zum Preise von 1,60 M. übersendet. Zwischen dem Verlage und der Paketfahrtgesellschaft kam ein Ver- trag zustande, nach welchem letztere gegen eine bestimmte Gebühr den Versand der Kunstblätter übernahm. Der Versand selbst ge- schah in der Weise, daß die Blätter in einem großen verschlossenen Kuvert, welches mit beftimmter Adresse versehen war, an die ein- zelnen Personen von Angestellten der Paketfahrt abgeliefert wurden. Am 27. Dezember v. I. sandte die Verlagsgesellschaft dem Studiosus der Medizien Kientopf im verschlossenen Kuvert jene Kunstblätter zu. Zufälligerweise ist der Empfänger der Sohn des Postdirektors K., der darin einen Verstoß gegen das Postgcsetz erblickte. Dies schreibt vor, daß Briefe ausschließlich von der Postbehörde befördert werden dürfen. Eine Verletzung dieser Verordnung zieht eine Bestrafung mit dem vierfachen Betrage der hinterzogenen Portofumme nach sich. Seitens der kaiserlichen Oberpostdirektion wurde Anzeige bei oer Staatsanwaltschaft erstattet, die das jetzige Strafverfahren zur Folge hatte.— Vor Gericht behaupteten die Angeklagten, nach keiner Richtung hin gegen das Monopol der Postbehörde sich ver- gangen zu haben. Es sei allgemein in der Berliner Geschäftswelt üblich, leichtgewichtige Waren als Paket durch die Paketfahrtgesell- schast besorgen zu lassen. Einen Brief könne man keineswegs in den Sendungen erblicken, sondern nur ein Paket. Der Staats- anwalt hielt die Angeklagten jedoch einer Portodefraudation für schuldig. Nach der konstanten Rechtsprechung des Reichsgerichts sei alles, was unter 260 Gramm wiege und in einer briefähnlichen Umhüllung untergebracht werden könne, als Brief im Sinne des Postgesetzes anzusehen. In dem vorliegenden Falle habe die Sen- dung sogar nur 224 Gramm gewogen. Da nach einer eigenen An- gäbe etwa 7000 Exemplare versandt worden seien, so entspreche dies einem Portosatze von 360 M. In Gemäßheit der Strafbcstim- mungen des Portogesetzes beantragte der Staatsanwalt eine Geld- strafe von 1400 M. Das Gericht erblickte ebenfalls in den Sen- düngen der Angeklagten eine Briefform und erkannte auf eine Geldstrafe von je 1460 M._ „Schwerer" Diebstahl. Daß vor unternehmungslustigen Spitzbuben wirklich nichts sicher ist, als etwa glühendes Eisen, wurde durch eine Anklage be- stätigt, welche die vorbestraften Arbeiter Franz Kark und Karl Elsner gestern vor die zweite Ferienstrafkammer des Land- gerichts Berlin III führte. Die kleine alte Kirche, die vor Er- bauung der neuen großen Kirche in Boxhagen-Rummelsburg die Stätte für Abhaltung des Gottesdienstes bildete, hat die Wandel- barkeit der irdischen Geschicke auch an sich erfahren müssen: nach- dem sie für die geistlichen Zwecke überflüssig geworden war, wurde sie verkauft und einer profaneren Bestimmung zugeführt. Aus dem Kirchlein, dessen kleines Türmchen eine Glocke beherbergte, wurde ein Restaurationslokal, in dessen Räumen lebensfrohe Men- schen bei lusttgen Tanzweisen einen kleinen Vorschutz auf die Selig- keit zu nehmen pflegen. Die Glocke, die auch noch bei der Metha- morphose des alten Bauwerks in dem kleinen Turme hängen blieb, hatte es den beiden Angeklagten angetan. In der Nacht vom 10. zum 11. April kletterten sie geräuschlos auf das Dach, lösten kunst- gerecht die 106 Pfund schwere Glocke aus dem Glockenstuhl und es gelang ihnen wirklich, mit ihrer gewichtigen Beute unbemerkt zu entkommen. Sie haben die gestohlene Glocke für 35 M. verkauft. Nach kurzer Zeit waren die Persönlichkeiten der dreisten Diebe festgestellt und Kark, der mit Rücksicht auf die Zahl seiner Vor- strafen fluchtverdächtig schien, wurde in Untersuchungshaft genom- men. Er wurde gestern vom Gerichtshofe zu 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft verurteilt. Gegen ElSner lautete das Urteil auf 3 Monate Gefängnis. Die für im Rückfalle verübten Diebstahl oder Betrug angedrohten Strafen stehen oft in keinem Verhältnis zu dem Werte, um den eS sich bei der Tat handelte. So wurde vom Landgericht Chemnitz ein Berg- arbeiter, der sich seinen Kaffeekrug mit Kohlen füllte deren Wert neun Pfennig betrug, wegen einfachen Rückfalldiebstahls zu der Mindeststrafe für dieses Delikt zu dreimonatlicher Ge- fängnisstrafe verurteilt. Eine arme Arbeitersehefrau stahl für ihr Kind, das sie unter dem Herzen trug, vom Bleichplatze weg, auf den sie durch Uebersteigen gelangt war, etwas Kinder wüsche von geringem Werte. Sie wurde wegen im Rückfalle ver- übten schweren Diebstahls mit der Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis belegt. In beiden Fällen waren den Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt worden; ins Zuchthaus wanderten sie, wenn ihnen mildernde Umstände versagt worden wären, wie dsm Handarbeiter G r o p p. der, ein Mann von 53 Jahren, nach der Verbüßung seiner Strafe sich wieder auf kleine Schwindeleien ver- legte. Er benutzte die Dienstbotennot auf dem Lande und erreichte in 16 Fällen, daß ihm Betröge von 26 Pf. bis 2 M. ausgehändigt wurden für Besorgung von Dienstboten, für die er sich angeboten, an die er aber gar nicht gedacht hatte; in 7 Fällen hatte er keinen Erfolg gehabt. Da er als rückfälliger Betrüger vor das Gericht kam und dieses ihm mildernde Umstände versagte, mußte er zu Zucht- hausstrafe und Geldstrafe zugleich verurteilt werden. Das Urteil lautete auf 3 Jahre Zuchthaus und 2766 M. Geldstrafe, an deren Stelle weitere 124 Tage Zuchthaus treten, denn der arme Teufel hätte ja die Schwindeleien nicht ausgeführt, wenn er soviel Geld hätte.— Grausam harte Strafen müssen oft von den Gerichten ver- hängt werden, weil den Richtern durch die Minimalgrenze die Hände gebunden sind. Da können die Verhältnisse, die den Taten zugrunde lagen und für manchen Täter zwingend waren, nicht berücksichtigt werden. Ost geben dann die Richter den Rat, die Gnade des Landesherrn anzurufen. Laut und den Gesetzgebern vernehmlich muß aber die Forderung erhoben werden: Weg mit der hohen Minimalstrafgrenze! Ein ganz unglaubliches verbrechen hat der Musiker Wilhelm H e l l m e r begangen. Er ist am 22. Juni vom Schwurgericht Landsberga. W. wegen Notzucht, begangen an seiner eigenen 80 Jahre alten Mutter, verurteilt worden. Seine Revision wurde vom Reichsgericht als unbegründet ver- w o r s e n._ Sein eigenes Geld gestohlen. Wegen Rückfalldiebstahls und Hehlerei ist am 22. Juni vom Landgericht Neu-Strelitz der Tischlergesetzlle Friedrich Holz zu 1 Jahr 6 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er hat das Vertiko seines Vaters gewaltsam geöffnet und zwei Hundertmark- scheine daraus entwendet.— In seiner Revision machte er geltend, daß das Geld eigentlich ihm selbst gehört habe, da es zu semem Erbteil gehörte, dessen Nießbrauch der Vater nur habe.— Das Reichsgericht erkannte gestern auf Verwerfung der Revision, da dieser Umstand einen Diebstahl nicht ausschließe. Ein gefährliches Dienstmädchen. Vom Landgericht T r a u n st e i n ist am 29. Mai die noch nicht 18 Jahre alte Dienstmagd Anna Heineritzi wegen vorsätz« licher Brandstiftung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Es gefiel ihr bei ihrer Herrschaft nicht und, um aus der Stelle zu konrmen, zündete sie einfach das Haus ihrer Herrschaft an, wodurch dieser ein großer Schaden entstand.— Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob das Reichsgericht das Urteil im Strafmatz auf und ver- urteilte die Angeklagte zu der gesetzlich zulässigen Mindeststrafe von einem Jahre Gefängnis._ Ein dreister Heiratsschwindler beschäftigte das Reichsgericht. Vom Landgericht 1 in München ist am 15. Juni der Monteur Joseph Köck wegen Rückfall- betruges und Urkundenfälschung, ferner wegen mehrfachen schweren und einfachen Diebstahls im wiederholten Rückfalle und verbotenen Waffentragens zu 9 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Als er Anfang Dezember 1906 fünf Tage in Steinhöring als Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Monteur tätig war, knüpfte er mit der Kellnerin T. ein LiebeS- Verhältnis an, obwohl er schon zwei„Bräute" hatte. Er ver- sprach ihr, sie zu heiraten und unterhielt von München aus mit ihr einen Briefwechsel. Er versprach ihr auch, ihr eine gute Stelle zu verschaffen und suchte sich auch auf andere Weise in ihr Ver- trauen einzuschleichen. Alles dies tat er nur, um ihr nach und nach ihre Ersparnisse in Höhe von 47 M. abzuschwindeln. Einem anderen Mädchen schwindelte er auf ähnliche Weise 480 M. ab. Dann hat er noch eine Reihe von Diebstählen ausgeführt, bei denen seine Geliebte, die Mitangeklagte Schwendberger, Hehlerdienste leistete.— Die nur von Köck eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Versammlungen. Die Berliner Gewerkschastskommission hielt am Montag eine Versammlung ab, in der zunächst die Neuwahl des Aus» s ch u s s e S vorgenommen wurde. Die Auszählung der Stimm- zettel ergab, daß folgende Genossen in den Ausschuß gewählt waren: Wilhelm Börner, Tabakarbeiter; Ernst Brückner, Graveur; Josef Hartmann, Metallarbeiter; Hermann Maatz, Holzarbeiter; Paul Schade, Buchbinder; Oswald Schumann, Handelshülfsarbeiter und Willi S i e r i n g, Schmied. Sodann berichtete Kunze, Schneider, über den B o h k» t t in der Konfektion. Er bemerkte einleitend, daß die Schneider, als sie vor fünf Vierteljahren die Verhandlungen mit Partei und Gewerkschaften anknüpften, geglaubt hätten, die Sache werde etwas schneller durchgeführt werden. Sie könnten bis jetzt jedoch mit dem erzielten Erfolge vollauf zufrieden sein. Selbst- verständlich sei es, daß die Zwischenmcister dem Hauptzweck des Boykotts lebhaften Widerstand entgegensetzten, weil sie selbst daran interessiert seien, das Zwischenmeistersystem aufrecht zu erhalten. Der Redner zeigte an einigen Beispielen, welche Gewinne Zwischen« meister durch ihre Tätigkeit des Abholens und Lieferns der Arbeit erzielen, und erwähnte u. a. einen Zwischenmeister, der vier Arbeiter und eine Arbeiterin beschäftigte, im ganzen III M. Lohn die Woche auszahlte, selbst aber für seine eigene Person 74 M. Gewinn erzielte. Man könne, so führte der Redner weiter aus, natürlich nicht aus Rücksicht auf die Existenz dieser Zwischenmeister die Interessen der großen Masse seiner Kollegenschaft preisgeben. Die Kollegen, die nicht bei Grossisten arbeiten, könnten nun ja nicht von diesen selbst fordern, daß sie Werkstätten einrichten sollten. Aus diesem Grunde habe man das ja auch von der Berliner Arbeiterschaft anerkannte Verfahren einschlagen müssen. Damit habe man nun zunächst erzielt, daß ungefähr 25 Detailgcschäfte, die für den eigenen Bedarf arbeiten, Werkstätten einrichteten, in denen ungefähr 300 Personen tätig sind. Der Boykott der Detail- geschäste, die von Grossisten beziehen, wirke aber auch dahin, daß die Großkonfektionäre selbst sich genötigt sehen, eigene Werkstätten zu errichten, um die Kundschaft der Detailliften nicht zu verlieren. Einige Detailgeschäfte, die bisher alles von Grossisten bezogen, haben nämlich eigene Werkstätten errichtet, weil sie die in der Heimarbeit hergestellte Ware der Grotzkonfektionäre nicht'mehr an den Mann bringen konnten. Bis zum Herbst würden für 800 bis 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen Werkstätten eingerichtet sein. Das sei für den ersten Anlauf ein guter Erfolg. Nun könne man ja annehmen, daß die Gesetzgebung durch eine Reglementierung der Heimarbeit eingreifen werde. An sich sei von solchen Maß- regeln nicht viel zu erwarten, doch würden wahrscheinlich manche Grossisten aus Furcht und Abneigung vor der vielen Schreiberei und Kontrolle, die damit verbunden sein werde, lieber in eigenen Werkstätten arbeiten lassen. Wenn die Gesetzgebung dazu beitrage, so könne das der Schneidxrorganisation lieber sein, als alle Reglementierung der Heimarbeit.— Der Redner erwähnte ferner die einstweilige Verfügung und den Prozeß, den der Boykott der Firma Böhm, Skalitzerstrahe, zur Folge hatte. Die einst» weilige Verfügung wurde bekanntlich vom Landgericht aufgehoben, aber darauf vom Kammergericht wieder für zu Recht bestehend erklärt. Der Redner meinte, daß nun vor dem Reichsgericht wohl der Schneiderverband wieder an der Reihe sei, Recht zu erhalten. Im übrigensei die Firma Böhm in der Skalitzerstraße gerade durch den Prozeß jedenfalls bekannt genug geworden, so daß das Verbot, sie zu boykottieren, der Sache selbst nichts schaden könne. Auf andere Firmen beziehe sich das Verbot ja nicht; wenn diese vielleicht Lust hätten, den ganzen Sommer über des Boykotts wegen zu prozessieren, sei das ihre Sache.— Zum Schluß ersuchte der Redner die Gewerkschaftsvertreter, dafür zu sorgen, daß den Ver» tretern der Schneiderorganisation Gelegenheit gegeben werde, in Versammlungen der einzelnen Gewerkichasten über die ganze Angelegenheit zu sprechen, und sprach im Namen seiner Organi- sation den Dank dafür aus, daß die Arbeiterschaft bisher für eine gute Wirkung des Boykotts gesorgt hat.— Hierauf machte der Gcwcrkschaftsfekretär K ö r st e n eine Mit» teilung, die sich auf den Verfall der Sternwarte in Treptow bezog. Ueber die Sache selbst hat bekanntlich der „Vorwärts" kürzlich unter dem Titel„Ein Notschrei" berichtet. Der preußische Staat hat bekanntlich für dieses gemeinnützige Institut kein Geld übrig, und die Stadt Berlin begnügte sich damit, die vierprozentige Verzinsung eines Kapitals von 100 000 M. zu garantieren. Von Privatleuten sind 96 000 M. für das Institut aufgebracht. Der Neubau soll so hergestellt werden, daß er den Ansprüchen weit mehr als der alte Bau genügt, und mit einem Vortragsraum, der 600 bis 700 Personen Platz bietet. Dazu sind 250 000 bis 260 000 M. nötig. Der Direktor der Sternwarte hat sich nun an die Gewerkschaften gewandt mit dem Angebot, ihnen für eine Summe von im ganzen 80 000 M. 100 000 Doppclbilletts zur Verfügung zu stellen, und sich auch erboten, für die Einzel- billetts in großen Sälen Berlins Projektionsvorträge zu halten. Die Doppelbilletts gelten für Vortrag und Fernrohr der Stern» warte. Den Gewerkschaften steht es frei, für die Mühewaltung mit dem Vertrieb der Billetts einen Aufschlag zu berechnen. Für die Gültigkeitsdauer der Billetts ist eine Grenze nicht festgesetzt. Die Sache ist um so mehr zu empfehlen, als vom Jahre 1908 ein Komet, zunächst erst durch das Fernrohr, nach zwei Jahren auch mit bloßem Auge sichtbar wird, der seit 1835 nicht mehr beobachtet werden konnte.— Der Redner forderte die Delegierten auf, die Angelegen» heit ihren Gewerkschaften zu unterbreiten, damit sich jede ihrer Mitgliederzahl und ihren Mitteln entsprechend daran beteiligen kann. Zum Schluß ersuchte Körsten die anwesenden Gewerbe- gerichtSbeisitzer, zwei Anträge an den Ausschuß des Berliner Gewerbegerichts zu unterzeichnen, von denen der eine die Ab- änderung des Z 31 des Gewerbegerichtsgesetzcs zum Ziele hat, während der andere sich auf die Konkurrenzklauscl bezieht, die ja jetzt auch vor dem Gewerbegericht immer mehr eine Rolle spielt.— Die Verlesung der Präsenzliste ergab, daß folgende Berufe und Unterkommissioncn nicht vertreten waren: Bildhauer, Brauer, Bureauangeftellte, Chcmi�raphcn, Glasschleifer, Kupferschmiede, Lagerhalter, Marmorarbeitcr, Steinarbeiter, Steinsetzer, Tech. nisches Bühnenpersonal, Zuschneider; Lichtenberg, Reinickendorf. Rummelsburg, Schöneberg und Tegel. Die Generalversammlung des Verbandes der baugewerblichen Hlllssarbciter fand am Sonntag vormittag in der Brauerei „Friedrichshain" statt. Nach dem Bericht des Kassierers Böttcher iib�r das 2. Quartal 1907 betrugen die Einnahmen 123 247,21 M. Der Bestand vom 1. Quartal war 85 366,11 M. Somit waren als Einnahmen insgesamt zu buchen 208 613,32 M. Die Ausgaben be- liefen sich auf 114 314,03 M., bleibt also zum 3. Quartal ein Bestand von 94 299,29 M. Die Ersatzwahl für einen Revisor war vorzunehmen und Theodor Schmidt wurde gewählt.— Böttcher legte dann eine Strcikabrechnung vor und unterbreitete der Versammlung einen Antrag des Vorstandes, daß die Mitglieder einen Extra- beitrag von 60 Pf. pro Woche für die Zeit von zehn Wochen leisten sollen. Nach kurzer Diskussion wurde der Antrag mit großer Majorität angenommen.__ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Kl. 188. 24. Jahrgang. 2. WM im Jütniärts" ßttliittt Jollislilfltt Mttmch. Ii 1901. Heute tfiittwocl) findet für Berlin und Vororte der Za!)1abend statt. parte!- Hngelegenhcltcn� Zur Lotallifte. Der Inhaber des Lokals von Kcttliy in Trepiow. Herr Czisch. weigert sich, seiner durch Unterschrift besiäligle» Verpflichtung nachzukommen und das Lokal der Arbeiter- schaft zu Versammlungen zur Verfügung zu stellen, infolge dessen ist die Sperre über dasselbe bei hängt. Mithin sind in Treptow die Lokale„Paradiesgarte n' und„K e t t l i p". Jnh. Czisch unter allen Umständen seitens der Arbeiterschaft zu meiden. Die Lokalkommission. Britz-Buckow. Am beutigen Mittwoch, abends>/.g Uhr, findet im Lokal.Landhaus" sWosinski), Chausseestraße 97 die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Lokal- und Zentralorganisation. Stefercnt Gen. Schröder. Korreferent Gen. Cohen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um pmiltliches und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht dringend Der Vorstand. Stralim. Der heutige Zahlabcnd de? zweiten Bezirks fällt aus. Der Zahlabend des ersten Bezirks findet wie gewöhnlich am dritten Mittivoch jeden Monats im Lokal von Paul Schöps. Alt-Stralau 17 statt. Der Vorstand. WliidmannSlust und Umgegend. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet Sonnabend, den 17. August, abends 8Vz Uhr, im Schweizerhäuschen. WaidmannSlust. Dianastraße statt. Das Volksfest findet Sonntag, den 18. August im selben Lokal statt. _ Der Vorstand. Berliner JVachricbtens Ein Berliner SchulhauS-Jdyll. Am Dienstag haben die Schulen Berlins der mehr oder minder lernbegierigen Jugend wieder ihre Pforten geöffnet. Auch die 48. Knaben-Gemeindeschule in der Scharnhorst st rafie hat das getan, obwohl auf ihrem Grundstück ein Umbau ausgeführt wird, der einen geregelten Schulbetricb zur Unmöglichkeit macht. Hinter dem Grundstück befindet sich die P u m p st a t i o n des 4. R a d i a l s y st e m s. die dort an die Panke grenzt. Diese Pumpstation hat bisher von der Scharnhorststraße her keine eigene Einfahrt gehabt, so daß der gesamte Wagen verkehr zur Station seinen Weg durch den für die Knaben bestimmten Eingang des Schulhauses und über den Schulhof hinweg nehmen mußte. An manchen Tagen donnerten wohl ein halbes Hundert schwerbeladene Kohlenwagen durch das Haus— ein Zustand, der nicht nur den Schulbetrieb störte, sondern auch die Schulkinder geradezu gefährden konnte. Die Schulverwaltung unserer Stadtgemeinde hatte hieran keinen Anstoß genommen, bis endlich das Provinzial-Schulkollegium kam und für die Pumpstation die An legung einer besonderen Einfahrt forderte. Man weiß ja. daß in unserer„ganz und gar nicht rückständigen" Stadt, in der„Musterstadt" Berlin, die Schulverwaltunasich gern erst von der Regierung mit der Nase auf einen Miß- stand stoßen läßt, ehe sie sich dazu bequemt, ihn zu beseitigen. Der Berliner Stadtfreisinn nennt dieses Verfahren— »Wahrung der Selbstverwaltung". Der notwendig gewordene Umbau ist nun noch jetztinvollem Gange. Die neue Einfahrt muß zwar gleichfalls durch das Schulhaus hindurchgeführt werden, sie wird aber wenigstens an die Grenze des Schulgrundstückes verlegt. Der alte Eingang ist für die Kinder unpassierbar: der Schulhof ist mit Baumaterialien aller Art bedeckt, so daß er in den Pausen nur teilweife benutzt werden kann: Hof und Haus hallen wieder von dem Lärm, den die Umbau- arbeiten verursachen. Hierdurch hat man sich aber nicht hindern lasten, den Schulbetrieb voll aufzunehmen. Am Dienstag mußten die Kinder dieser Schule durch die Räume der in demselben Gebäude hausenden Mädchenschule in die Räume des Knabenschulhauses hinein geführt werden. Zum Teil mußten sie auf den Fluren und Korridoren des Knabenschulhauses über Eisenträger, Stein Haufen, Mörtelkästen usw. usw. in ihre Klasten förmlich hinein- klettern. Während des Unterrichts wurde natürlich flott weiter- gearbeitet. Durch das Haus dröhnte ein Lärm, daß man mitunter in den Zimmern sein eigenes Wort nicht verstand. Unmittelbar vor den Türen einiger Zimmer, in denen unter richtet wurde, war auf dem Korridor eine fauchende Feldschmiede in Betrieb. die ihren rußigen Qualm in dicken Wolken zur Decke emporsandte. Eltern, deren Kinder die 48. Schule besuchen, haben sich sofort bei uns über diesen skandalösen Zu st and beklagt. Aber es handelt sich ja nur um eine Gemeindeschule, da haben die Eltern alles hinzunehmen, was man ihnen und ihren Kindern bietet. Daß man einer höheren Lehranstalt derartiges zumuten würde, ist ganz undenkbar. Wir machen unS darauf gefaßt, daß man im Rathause diesmal um eine Ausrede nicht verlegen sein wird. Wahr- scheinlich wird man hinausposaunen, an all' dem sei nur der Maurer st reik schuld, der die Umbauarbeiten aufgehalten habe. Es ist wahr: Der Maurermeister, der diesen llmbau ausführt, gehört zu jenen Unternehmern, die„keine Arbeiter kriegen konnten", weil- sie nicht durch Bewilligung der Gchülfenforderungen ihren Profit schmälern wollten. Aber das ist doch keine Entschuldigung für die Schul- Verwaltung, die sich nicht rechtzeitig darum gekümmert hat, ob in diesem Hause die Aufnahme des Schulbctriebes in vollem Umfange möglich war. Uebrigens könnte die Gemeinde vor solchen Verdrießlichkeiten bewahrt bleiben, wenn sie den Unter- nehmern. mit denen sie sich einläßt, auch bei Streiks für verspätete Fertigstellung hohe Kon- oentional st rasen androhte. Aber dem Freisinn, der in unserem Rathause regiert, gilt das ja als„Parteinahme zugunsten der Arbeiter". Partei nehmen sollen doch Frei- innige bekanntermaßen nur für das Unternehmertum. Die Existenzfrage der Treptower Sternwarte. Das wissenschaftliche Institut, draußen am schönen Treptower park gelegen, befindet sich, wie wir bereits vor etwa fünf Wochen nnmal mitteilten, in einem äußerst üblen Zustande. Noch immer rmgeben die kostbare Bibliothek und Apparate das primitive und »urch die Jahre morsch gewordene Mauerwerk, ohne daß bereits die sichere Gewähr zu einer vollständigen Erneuerung und Erweiterung des Instituts vorhanden wäre. Wer hätte wohl damals, als die Sternwarte errichtet wurde, geglaubt, daß das dürftige Gebäude in Ermangelung von Mitteln über ein Jahrzehnt aushalten müsse. Das Land der„Denker und Dichter" hat bis jetzt wohl Milliarden zu Menschenzerstörungsmitteln übrig gehabt, aber noch nicht einmal hunderttausend Mark für ein Institut, in welchem der menschliche Geist Triumphe feiert. Die Stadt Berlin ist dem Institut in etwas entgegengekommen, aber immer noch genügt das nicht, um dasselbe auf eine neue Basis zu stellen. Der Direktor der Sternwarte hat sich nun, wie auS dem Bericht über die letzte Sitzung der Berliner Gewcrkschaftskommission hervorgeht, an die Berliner Gewerkschaften gl wandt und zum Zwecke eines Neubaues ein Anerbieten gemacht, wonach denselben für 89 999 M. 199 999 Doppelbilletts zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Billetts gelten für Vortrag und Fernrohr und sind an keine Zeit gebunden. Es soll diese Frage nun in den einzelnen Gewcrk- schaften beraten und in einer anderen Sitzung darüber berichtet werden. Wir zweifeln nicht daran, daß, wenn eS sich um die Förderung eines wissenschaftlichen Instituts handelt, die organisierte Arbeiter- schaft Berlins ihre Unterstützung zusagen wird. Zur Frage der Verkehrsgemeinschaft Groß-Berlin hat die hier- für eingesetzte Kommission jetzt den Statutenentwurf fertiggestellt. Wir haben bereits vor einiger Zeit auf diesen Entwurf, der jetzt den zuständigen Körperschaften zur Beschlußfassung zugegangen ist, Bezug genommen. Eine neue Straßenbahnlinie wird am morgigen Tage eröffnet. Es wird von diesem Tage ab die letzte Gemeinde Groß-Berlins, die noch keine Straßcnbahuverbindung mit der Reichshauptstadt hatte, Rummelsburg, eine solche erhalten. Der Straßenbahnvcrkehr nach Rummelsburg ist die Verlängerung der Linie 79(Ringbahnhof Halensee— Königsbergerstratze). Die Wagen fahren in einem Ab- stand von 7% Minuten unter Beibehaltung der alten Trace bis zur Königsbergerstraße, von dort weiter durch die Frankfurter Allee, Boxhagenerstraßc, Boxhagcner Chaussee, Alt-Boxhagen, Marktstraße, Sadowa- und Türrschmidtstraße bis zum Rathaus in Rummels- bürg. Der Fahrpreis der Gcsamtlinie beträgt 29 Pf.; Teilstrecken a 15 Pf. sind Rummelsburg(Rathaus)— Lützowplatz und Box- hagencr-. Ecke Niederbarnimerstraße— Ringbahnhof Halmsee. Als 19 Pf.-Strecken sind festgesetzt: Rummelsburg(RathauS)— Spittel- markt. Neue Bahnhofstraße— Potsdamcrplatz, Boxhagener-, Ecke Niederbarnimerstraße— Uhlandstraße und PotAdamerplatz— Ring- bahnhof Halensee. Das Freibad am Wannsee, das am Sonntag der Erholungsort Zehntausender war, soll in Gefahr schweben, aufgehoben zu werden. Die Fortverwaltung hat sich mit einer Beschwerde an den Regierungspräsidenten gewandt und gegen die vielfachen Un- zuträglichkeiten, die durch das badende Publikum hervorgerufen werden, Klage geführt. Hauptsächlich sind es drei Punkte, die der .Forstverwaltung Veranlassung gegeben haben sollen, von der zu- ständigen Behörde die Zurücknahme der Badeerlaubnis zu erbitten: erstens das Herumwerfen von Papier und anderen Abfällen, wo- durch der Wald am Seeufer zu einer wahren Müllabladestelle ge- macht wird, dann das Wegschleppen, der aufgestapelten Holzkloben, die ins Wasser getragen und zu allerlei Spielereien benutzt werden, und endlich das Ilcberhandnehmen des Rauchens am und im Walde. Diese Nachrichten stehen allerdings im Gegensatz zu dem, was eine Korrespondenz am Montag über das Verhalten der Besucher mit- teilte. Danach soll die Haltung der Badenden eine musterhafte gewesen sein. Vielleicht ist für verschiedene Kreise der Massen- besuch nur etwas unangenehm. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Montagnachmittag gegen 3 Uhr wurden zwei Kinder am Alexanderplatz von einem Dreirad-Automobil überfahren. Der von einem Hausdiener einer hiesigen Konditorei geführte Kraft. wagen fuhr, aus der Königstrahe kommend, über den Platz, wobei der neunjährige Schüler Karl Ritter und ein achtjähriger un- bekannter Knabe fast gleichzeitig von dem Automobil erfaßt und zu Boden geschleudert wurden. Dem R. ging das Rad über den Kopf hinweg, während der andere Knabe anscheinend unverletzt blieb und, bevor seine Personalien festgestellt werden konnten, fort- lief. Der kleine Ritter hatte eine so schwere Kopfverletzung er- litten, daß er von der Unfallstation in der Keibelstraßc, wohin man ihn zunächst brachte, nach dem Krankenhause Fricdrichshain übergeführt werden mußte.— Von einem Automobil-Omnibus überfahren wurde nachmittags an der Ebertsbrücke der 24jährigc Hausdiener Linke. Er versuchte auf der genannten Brücke zwischen einem Handwagen und dem Automobil-Omnibus Nr. 24 der Linie A hindurchzufahren. Hierbei stürzte der Radfahrer und fiel so unglücklich, daß ihm das rechte Vorderrad des Kraftwagens über beide Beine hinwegging. L. erlitt schwere Verletzungen, die seine Ucberführung nach der königlichen Klinik erforderlich machten. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich noch in der gleichen Zeit an der Ecke der Wichmann- und Keithstraße. Der Kellner Karl Siebrecht auS der Zimmerstraße 46 hatte beim Heber- schreiten des Fahrdammes nicht das Herannahen des Droschken- automobils Nr. 9919 beobachtet. Er lief gegen den Kraftwagen und wurde zu Boden gerissen. Die Räder des schweren Gefährtes gingen dem Bedauernswerten über die Brust hinweg. Eine kurze Strecke wurde S. noch mitgeschleift. In besinnungslosem Zustande wurde der Verunglückte nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht, wo der Arzt schwere innere und äußere Ver- letzungen feststellte. In bedenklichem Zustande fand S. im Krankenhause Moabit Aufnahme. Ein tragischer Automobilunfall hat sich gestern nachmittag an der Ecke der Manteuffel- und Oranienstraße ereignet. Die 27jährige Ehefrau Marten aus der Skalitzerstratze war, ihren alten Vater am Arme führend, über den Fahrdamm geschritten, als plötzlich ein Privatautomobil in scharfem Tempo auf die beiden zugefahren kam. Die Tochter versuchte den Vater noch schnell zurückzureißen, es war jedoch bereits zu spät. Der alte Herr wurde von dem Kraftwagen umgerissen und die Räder gingen ihm über beide Unterschenkel hinweg. In einer Droschke wurde der Schwer- verletzte von der Tochter sofort nach dem Krankcnhause am Urban gebracht._ Ein Opfer des KindcrmSrderS, die' fünf Jahre alte Tochter Else des Zigarrcnhändlers Knispl aus der Prenzlauer Allee 25 konnte gestern vormittag das Krankenhaus am Friedrichshain ver- lassen. Sie ist jetzt fast ganz geheilt und braucht nur noch einige Male die Poliklinik zu besuchen. Das zweite Opfer, das mit dem Leben davon gekommen ist. das dreijährige Töchterchen Hertha des Friseurs Sens aus der Heinersdorfer Straße LI, das acht Stich- wunden in den Unterleib erhalten hat, befindet sich ebenfalls auf dem Wege fortschreitender Besserung, mutz aber voraussichtlich noch zehn bis zwölf Tage im Krankenhaus bleiben.— Anzeigen zur Ermittelung des Täters laufen noch täglich ein, sie erwiesen sich aber bei der Gegenüberstellung sämtlich als haltlos. Auf einem Dampfer gestorben ist der 38jährige Zigarren» Händler Paul Mahler, Waldemarjtraße 34 wohnhast. Er hatte mit einem Fcriendampfcr einen iilusflug nach Woltcrsdorfer Schleuse unternommen. Am Abend bei der Rückfahrt befand sich M. auf dem Deck des Fahrzeuges, als er plötzlich über Uebclkeit klagte und bald darauf besinnungslos zusamnicnbrach. Der Er- krankte wurde an der nächsten Anlegestelle in Erkner an Land gc- bracht, damit ihm ärztliche Hülfe zuteil werden konnte. Ein tele- phonisch hinzugcrufcncr Arzt vermochte jedoch nur den infolge Herzschlag eingetretenen Tod des M. festzustellen. Zwei Opfer hat vorgestern der Tegeler See gefordert. Bei Tegclort ertrank der 29 Jahre alte Kaufmann Ludwig Pietsch aus der Swinemiinderstraße. Der junge Mann hatte ein Freibad ge- nommen und sich etwas zu weit in die Fluten hinausgewagt. Als er dann wieder ans Ufer zurückschwimmen wollte, versagten plötzlich die Kräfte, er sank unter und ertrank. Die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden.— Nach einer bei der Tegeler Polizeibehörde eingelaufenen Meldung ist noch ein� zweite Person im Tegeler See beim Baden ertrunken. Es handelt sich um den 31jährigen Büglcr Georg Goldberg aus Berlin. G. hatte bei der Insel Baumswerder gebadet. Es vergingen Stunden, ohne daß G. wieder ans Ufer zurückkam. Die Kleidungsstücke sind bei der Polizei abgeliefert worden. Zweifellos hat G. den Tod in den Wellen gefunden. Die Linienstraße von der Prenzlauer- bis zur Kleinen Alexanderstraße wird behufs Ausführung von Kanalisationsarbeiten von heute ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. In große Verlegenheit ist der Techniker Rudolf Effcnberger ge- raten. Derselbe hat am Sonntag am Badestrande in Wannsee eine Brieftasche mit einem Hundertmarkschein und wichtigen Dokumenten verloren. Da derselbe für den Verlust ersatzpflichtig ist, wird der Finder der Tasche gebeten, dieselbe in der Fabrik Kessel u. Röhl, VV., Linkstraße 15, abzugeben. Feuerwchrliericht. In großer Lebensgefahr schwebte gestern in der Königsbergerstraße 16 ein Kind, das von den Eltern unbe- aufsichtigt in der Wohnung zurückgelassen worden war. Das Kind hatte in der Küche Betten in Brand gesteckt. Durch den Qualm wurden Hausbewohner aufmerksam; sie drangen noch vor Ankunft der Feuerwehr in die Wohnung ein und holten das Kind heraus. Die Flammen konnten auf die Küche beschränkt werden. Gleichzeitig kam in der Wrangelstraße 23 in einem Laden Feuer aus, das Kon- fektion ergriff. Um den Brand zu löschen, mußte tüchtig Wasser gegeben werden. Preßkohlenbrände beschäftigten die Feuerwehr in der Lindowerstraße 19, Wcißenburgerstraße 46, Hochstäoterstraße 22, Waldemarstratze 19 und anderen Stellen. In der Wildcnow- straße 22/23 brannte ein Wagen mit Bretter auf offener Straße. Ferner hatte die Feuerwehr in der Uscdomstraße 32, auf dem Exerzierplatz, an der einsamen Pappel(Schwcdtcrstraße), wo ein Baum in Brand gesteckt worden war und an einigen anderen Stellen zu tun. Vorort- JVacbricbtem Friedenau. Der Wahlverein hielt vergangene Woche eine außerordent- liche Generalversammlung im„Rheinschloß" ab, um zu der TageL. ordnung des Essener Parteitages Stellung zu nehmen. Das ein� leitende Referat hierzu gab Genosse Thielicke. Redner wünschte, daß der Vorstandsbericht den Genossen etwas früher zugänglich gemacht würde. Der Aufruf des Parteivorstandes zur Stichwahl niüßte auf dem Parteitag einer Kritik unterzogen werden, da es seiner Meinung nach angebracht wäre, bei Stichwahlen keinem bürgerlichen Kandidaten seine Stimme zu geben. Das Verhalten der württcmbergischen Landtagsfraktion unterzog der Redner gleichfalls einer scharfen Kritik.— Zur Alkoholfrage nahm Gc- nosse Katzenstcin das Wort. Obwohl die Alkoholfrage auf der Tagesordnung steht, sei es doch nötig, sich mit der Frage zu be- schäftigcn. Der Parteitag müsse diese Frage recht gründlich und im wissenschaftlichen Sinne behandeln. Ebenfalls sei es Aufgabe der Arbeiterpresse, dieser Frage mehr Interesse entgegenzubringen. Zur Landarbeiterfrage weist Genosse Katzenstein auf den Stimmen- rückgang in Ostpreußen, Mecklenburg usw. hin. Hier sei es nöiig, Material zusammenzustellen, um es den Genossen zu ermöglichen, die Ursachen des Skimmenrückganges kennen zu lernen. Um eine bessere Agitation unter den Landarbeitern betreiben zu können, befürwortet Redner die Errichtung von Landarbeitersekretariaten und Gründung einer Landarbeitcrorganisation, in welcher für einen geringen Beitrag Rechtsschutz, Krankenunterstützung und auch eine Zeitung gewährt werden müßte. Genosse Katzen st ein stellte zu beiden Fragen folgende Anträge: Antrag 1:„Die Kreis-Generalbersammlung erwartet von dem Parteitag einen kräftigen Anstoß zur Förderung des Kampfes gegen die verheerenden Wirkungen des Alkohols. Sie erklärt die planmäßige Belehrung über die Schäden und Gefahren des Alkohols, insbesondere für die Aufgaben des kämpfenden Prole- tariats und die Nachkommenschaft des arbeitenden Volkes, für eine Pflicht der Arbeiterpresse und der Organisationen. Sie erklärt für notwendig, daß die zur Alkoholenthaltung sich bekennenden Arbeiter sich keiner bürgerlichen Abstincnzocganisation, sondern nur dem auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Arbciter-Abstinentenbund anschließen." Antrag 2:„Die Generalversammlung beantragt? 1. Auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages zu setzen:„Die Landarbciterfrage". 2. Den Parteitag zu beauftragen: Vor dem nächsten Paxtei- tage eine Darstellung der landwirtschaftlichen Arbeiter-Verhältnisse in den verschiedenen Teilen des Reiches, eine Zusammenstellung des auf dem Gebiete des Landarbeiterschutzes und der Land- arbcitcrorganisationen bisher von der deutschen Partei wie von den ausländischen Arbeiterparteien Geleisteten zu veröffentlichen. 3. Unter Zuziehung von Fachleuten den Entwurf eines um- fassenden Arbeitcrschutzprogramms auszuarbeiten." In der Diskussion trat Genosse Grunwald der Meinung Thielickes, sich bei Stichwahlen der Stimme zu enthalten, entgegen; eS müsse hier von Fall zu Fall entschieden werden. Zur„Alkohol- frage" betont Redner, daß er die Schädlichkeit des Alkohols auf sozialem Gebiete wohl anerkennt, er auch ganz entschieden für Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs eintritt. Die Begründung durch Genossen Katzenstein veranlasse ihn jedoch, die Versammlung zu bitten, den von Katzenstein hierzu gestellten Antrag abzulehnen. Gleichfalls ersuchte Redner, den zweiten Antrag abzulehnen, und nur den Beschluß zu fassen, die Landarbciterfrage auf die Tages- ordnung des nächstjährigen Parteitages zu setzen. Die zwei Anträge wurden hierauf angenommen und der Kreis-Generalversammlung überwiesen. Zur KreiS-Generalversammlung wurden die Genossen Döring, Petri und Klemann, zur Ergänzung des Vorstandes als zweiter Vorsitzender Genosse Richter II und als Revisor Genosse Lasen aewäblt. Eharlottenburg. Ein« schwere GaSexhlesten, bei der zwei Personen lebenS- gefährlich und zwei leichter verletzt wurden, erfolgte gestern nach- mittag in der Kurfürstenstratze 33, unweit der Potsdamerstraße. Im Erdgeschoß des BorderhauseS hat dort die Gesellschaft für Körperkultur m. b. H. mehrere Räume innc. Der große Ge- fchäftsladen sollte Mitte dieses Monats eröffnet werden. Als nun gestern der Monteur Gustav SchechanowSki aus der Bötzow- straße 32 an der Decke deS Ladens mit Arbeiten beschäftigt war, vernahm er einen intensiven Gasgeruch. Er zündete ein Streichholz an, um die Röhren der Gasleitung zu untersuchen. Das ausge- strömte Gas fing Feuer und es kam zu einer heftigen Explosion. SchechanowSki wurde von der Leiter geschleudert und erlitt neben einer schweren Kopfverletzung auch starke Brandwunden an den Händen. Die großen Schaufenster wurden völlig zersplittert und sprühten wie Geschosse über die Straße, wobei drei Passanten Ver- letzungen davontrugen. Dem Tapezierer Georg Lemke aus der Eberthstraße 2 wurden durch Glassplitter Blutgefäße am Halse aufgerissen. Der Unglückliche mußte in ein Krankenhaus geschafft werden. Weiter erlitten Verletzungen an den Händen Alfred D i s e l aus der Johanniterstraße 4 und Karl Patzer aus der Emdenerstraße 40. Die Feuerwehr erschien bald nach der Explosion mit dem Löschzuge von der Apostelkirche. Brandmeister v. Fricken besichtigte die Unfallstelle und ordnete«die nötigen Aufräumungs arbeiten an. Die Gewalt der Explosion war so enorm, daß Bilder von den Wänden und der Putz von der Decke gerissen wurden- Rixdorf. Ein tüdlicher Bauunfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Neubau Hermannstraße SO. Dort war der verheiratete. 32 Jahre alte Dachdecker Karl Liebsch, Schönhauser Allee 77 wohnhaft, mit Arbelten beschäftigt, als er plötzlich, wahrscheinlich infolge eines Fehltrittes aus der Höhe de« fünften Stockwerls auf die Straße hinabstürzte, wo er mit zerschmetterten Gliedern sofort tot liegen blieb. Auf Veranlassung der Polizei wurde die Leiche nach dem Schauhause in Berlin gebracht. Der verunglückte hinterläßt Frau und vier Kinder. Marienfelde. Ueber den internationalen Kongreß referierte in einer Volks Versammlung Genosie Z i e t s ch. Die trefflichen Ausführungen des Redners fanden bei den Versammelten lebhaften Beifall. In der sich an die Versammlung anschließenden Mitgliederversammlung des Wahlvereins wurden die Genossen Hampel, Schuster und S ch l i e b n e r zur Kreis- Generalversammlung delegiert. Zum Schluß machten noch die Genossen Greulich und B e r g e r auf die Arbeiter-Bildungsschule auftnerksam. Alt-Glienicke. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschloh endgültig den Bau der elektrischen Straßenbahn von Alt-Gliemcke nach AdlerShof. Der Entwurf wurde unter einigen kleineren Abänderungen, die der Kreis verlangte, genehmigt. Der von der Gemeindevertretung gestellte Antrag. Kinder unter lO Jahren frei fahren zu lassen, wurde vom Kreis abgelehnt und die Bestimmung verlangt, es so einzuführen wie in Berlin, wonach nur Kinder unter 6 Jahren frei sind. Der Fahrpreis ist auf 10 Pf. festgesetzt; Arbeiterwochenkarten kosten 60 Pf. In den Morgen, und Abendstunden soll dem Ver. kehrSbedürfnis in weitgehendstem Maße Rechnung getragen werden. Nach Erledigung dieses Punktes wurden noch einige kleine Vor- lagen beraten. Biesenthal. Ein Automovilbrand verursachte auf der EberSwalder Chaussee ungeheures Aufsehen. Infolge Warmlaufens des Benzinbehälters war bei einem Droschkenautomobil, in dem mehrere Personen von Berlin nach EberSwalde befördert worden waren, eine Explosion entstanden, wodurch der Kraftwagen in Brand gesetzt wurde. Das Feuer verbreitete sich mit einer derartigen Schnelligkeit, daß es dem Chauffeur nur schwer gelang, sich durch einen kühnen Sprung in«Sicherheit zu bringen. Seine Kleidung hatte bereits Feuer gefangen. Gleich einer rasenden Feuersaule eilte nun das brennende Automobil führerlos dahin. ES rannte einige Bäume um und landete schließlich im Chausseegraben. Die Biesenthaler frei- willige Feuerwehr, die alarmiert wurde, vermochte nichts mehr zu retten. Nur als Wrack kognte das Auto nach Berlin zurücktrans- portiert werden. Kalkberge> Rüdersdorf. In einer imposanten BolkSversammlung, welche im Saal des Herrn Grewe stattfand, referierte Genosse Adolf Hoff- mann über das Thema:„Das neue Evangelium." Die am Orte und der näheren Umgebung amtierenden Geistlichen beider Kon. fcssionen tvaren zu dieser Versammlung eingeladen. Der cvau. gelische Geistliche motivierte schristlich sein Slichterscheinen mit zu großer Inanspruchnahme, während der katholische Kuratus Breyer erschienen war. nicht ohne seine Freunde auf die Beine gebracht zu haben. Unter lautloser Stille nahm Genosse Hoffmann das Wort zu seinem Vortrag und unterzog die christlich-kapitalistische Gesellschaft einer vernichtenden Kritik unter wiederholt stürmischem Beifall der überaus großen Mehrheit der Anwesenden. Unser Programm wurde besonders ausführlich behandelt und den Versammelten klar gemacht, daß nur der Sozialismus geeignet sei, die Sklavenketten des christlich-kapitalistischen Staates zu brechen. Die Kirche habe sich stets als Schirmherr der Ausbeutung auf allen Gebieten er« wiesen; dieselbe suche die Enterbten mit dem Hinweis auf das bessere Jenseits über das irdische Jammertal hinwegzutäuschen. Genosse Hoffmann schloß seine Ausführungen, daß nur durch die Trennung des Staates von der Kirche die Arbeiterklasse über die gemeingefährlichen Bestrebungen dieser unter dem Zeichen deS Kreuzes ausbeutenden und völkermordende Kriege führenden bezw. sie gutheißenden Institutionen aufgeklärt und von ihr befreit werden könnte. Dazu gehöre freilich noch eine unermüdliche Aufklärung und Festigung der sozialdemokratischen Organisationen. Darauf nahm der Kuratu« Breyer das Wort. Er führte aus, daß er mit den meisten Forderungen deS Referenten einverstanden fei, bis auf den Punkt,„die Erklärung der Religion zur Privat- fache". Teilweise verlas er das von unseren Genossen verbreitete Flugblatt; die besonders markanten Stellen riß er aus dem Zu- fammcnhang unter lebhaftem Widerspuch unserer Genossen. Er te. man müsse jedem Menschen den lieben Gott ins Herz pflanzen und wetterte gegen die verhetzende Tätigkeit der Sozial- demokratie, die die Religionslosigkeit propagiere. Unter stürmischem Widerspruch der Versammlung stellte er die Behauptung auf, daß die letzten Sittlichkeitsmorde auf das Konto der von der Sozialdemo- kratie propagierten Religionslosigkeit zu fetzen feien. Daraufhin nahm Genosse Hoffmann nochmals das Wort und wies die Ausführungen deS Vorredners gebührend zurück. Gerade der Klerus sei eS. der der Sittenverderbnis die Wege, ebene. Er verwies auf die Mai- ländcr Tatsachen und führte somit den schlafenden Gegenbeweis. wissend fei. Möglich fei es indes, da ja die Zentrumsprcsse der artige heikle Angelegenheiten ihrem Leserkreise unterschlage resp. so lange es geht totzuschweigen wisse. Der Herr KuratuS Breyer nahm diese Ausführungen HoffmannS zu der Erklärung als Vor- wand, daß er persönlich angegriffen worden und daß er nicht in der Versammlung erschienen sei. um sich persönlich in den Staub ziehen zu lassen. Das habe er nicht verdient. Sprachs und wollte mit seinen Freunden den Saal verlassen. Genosse Hoffmann rief ihm alsdann zu, daß er es als Feigheit auslegen müsse, wenn Herr Breyer ohne die Antwort ganz abzuwarten, vorzeitig den Saal ver- lasse, dies zog. Herr Breyer und die Seinen blieben. Hageldicht fausten nunmehr die Hiebe auf den Herrn Breyer hernieder. Mit der Frage, ob die Kriege mit oder fegen den Willen des allwissenden und allgütigen Gottes geführt wurden, brachte Genosse Hoffmann den Herrn Kuratus in arge Verlegenheit. Ganz außer Fassung, wußte er überhaupt nicht darauf zu antworten. Auf eine Antwort gedrängt, meinte er schließlich, daß eS auch gerechte Kriege gäbe, die dann allerdings mit dem Willen des lieben Gottes geführt würden. Genosse Hoffmann wies dann auf das fünfte Gebot hin: „Du sollst nicht töten", und daß dann der liebe Gott gegen seine eigenen Gebote handele. Damit war Herr Breyer am Ende seines Lateins; er verließ den Saal, mit der Bemerkung, daß er nie wieder in eine sozialdemokratische Versammlung, in der er persönlich ver. unglimpft würde, kommen werde. Diese Versammlung hat offenbar eine nachhaltige Wirkung für unsere Ideen hinterlassen; befeistcrt und unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie verließen die An- wesenden den Saal. Zehlendorf. Die Belebung in der Agitation bezweckt ein Vergnügen. welches der Arbeiter-Radfahrerverein„Solidarität" am Sonntag im Lokal„Zur Eisenbahn Osten" in Zehlendorf veranstaltet. Wer von den Genossen wüßte nicht, wie schwer es bisher gewesen ist, in dieser dunklen Ecke des Kreises Niederbarnim Bresche gegen das konservative Bollwerk zu legen. Nur spärlich haben wir bisher mit unseren Ideen dort Fuß zu fassen vermocht. ES ist deshalb für unsere Sache förderlich, wenn sich die Genossen der umliegenden Orte und schließlich auch Berliner Genossen an diesem Vergnügen beteiligen. Auch der Wirt hat unter den größten Schikanen unserer Gegner bisher fein Lokal für Versammlungen zur Verfügung ge- stellt. Es wäre eine kleine Anerkennung für dieses Opfer, wenn das Fest stattlich besucht werden würde. Potsdam. Die während der Ferien hauptsächlich wegen der Prüfung der gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerliste erhobenen Ein- fprüche stattgehabte Stadtverordnetensitzung erkannte von den 22 eingelegten Protesten nur 19 als berechtigt an und beschloß die Nachtragung in die Wählerliste. Zwei wurden ab- gewiesen, weil die Antragsteller Ausländer, d. h. NichtPreußen waren, und der dritte abgelehnte Antrag betraf einen in diesem Jahre irrtümlich nicht in die Steuerliste Aufgenommenen.— Für die in diesem Jahre aufzunehmende Anleihe von 960 000 M. zu 3% Proz. zum Zwecke der Straßenpflasterung hat sich kein Geld- geber gefunden. Inzwischen sind die Pflastcrungsarbeiten zum großen Teile schon ausgeführt und man braucht nötig Geld, Die Bank für Handel und Industrie will nun diese Anleihe zu 4 Proz. übernehmen unter der Zusicherung, daß ihr die im nächsten Jahre aufzunehmende größere Papieranleihe von 3 Millionen Mark über- geben wird. An Provision werden jetzt% Proz. bezahlt, die sich aber noch um% Proz. erhöhen, wenn dem jetzigen Geldgeber die Anleihe nicht übertragen wird.— Für den wegen Bruchleidens und Alters nicht mehr arbeitsfähigen Schuldicner Gutsch wurde nach Z 3 des Reglements eine jährliche Rente von 268 M. be- willigt. Trotz der beigebrachten ärztlichen Atteste ist einem Antrage auf Jnvalidengeld an die Invalidenversicherung nicht stattgegeben mit der Begründung, daß G. noch arbeitsfähig sei, umsomchr, da er noch als Logenschließer während des Winters im Königlichen Schauspwlhause tätig sei.— Zu Anfang der Sitzung gab es noch einen kleinen Zusammenstoß zwischen dem Stadtverordneten Fröhlich, der einen Dringlichkeitsantrag wegen Regulierung des BürgcrsteigeS zwischen Bahnhof Charlottenhos und der Stlftsstraße einreichte, und dem Stadtbaurat Nigmann, der einen solchen An. trag an die Stadtverordnetenversammlung sogar als ungehörig bezeichnete, was sich aber der Vorsteher verbat. Ein großes«Sdjadenfeu« wütete Montag abend auf dem «Schmidt u.«Studemundschen Grundstück in der Alten Luifenstratze. Um �9 Uhr wurde die städtische Feuerwehr alarmiert. Bei ihrem Eintreffen auf der Brandstelle fand sie das MafchinenhauS der obengenannten Firma in hellen Flammen vor. Ein mächtiger Feuer- schein färbte den Himmel glutrot. Sofort wurde die gesamte Feuer- wehr zur Brandstätte beordert. Gegen 9 Uhr hatte das Feuer der- art um sich gegriffen, daß das größte Augenmerk auf die anstoßen- den Gebäude zu richten war. Obwohl die Mannschaften mit allen Kräften arbeiteten, mutzte um �10 Uhr das erste Garderegiment zu Fuß alarmiert werden, das auch sofort anrückte. Gegen% 10 Uhr stürzte der hintere am Wasser liegende Teil des Gebäude? zu- sammen. Da das Feuer an den auf dem Trockenboden lagernden hölzern reichliche Nahrung fand, griff eS mit rasender Schnellig- eit um sich. Erst in später Nachtstunde konnte dem Element Ein- halt geboten werden. Termifchtc9. Die Kirche hat einen guten Magen! Das erfuhr auch der Fabrikbesitzer Hugo Just in Gcrabcrg bei Elgersburg in Thüringen, dessen Korrespondenz mit dem Pfarr- amt Elgersburg in einer Familienangelegenheit in einem Berliner Montagsblatte veröffentlicht wurde. Der Herr Fabrikbesitzer wünschte die Trauung seiner Tochter in der Kirche zu Elgersburg vollzogen zu sehen. Vom Pfarramt dieses Ortes wurde auch die Bereitwilligkeit hierzu erklärt, zugleich aber von dem„bewährten Verständnis für humanitäre, gesellschaftliche und kirchliche Be- zichungcn" des Fabrikbesitzers erwartet, daß er„unsere, gegen- wärtig durch ihren Orgelbau in größter Bedrängnis befindliche und auf private Wohltätigkeit angewiesene Kirche bei dieser Gelegenheit mit einer namhaften Summe ausstatten" werde. Auf diese un» verblümte Anschnörrerei hin stellte sich der Fabrikbesitzer zunächst etwas schwerhörig und bat um Aufschluß darüber, was unter einer „namhaften Summe" zu verstehen sei. Postwendend erfolgte vom Lizentiaten Lehmann die Antwort,„daß unsere Kirche unter der Amtsführung meines Vorgängers durch eine Orgelbauschuld von gegen 2000 M. belastet wurde. Ihrer freigebigen Hand und Ihrem Verständnis für humanitäre, gesellschaftliche und kirchliche Bo» iehungen möchte ich es anheimstellen, anläßlich Ihres bevor- iehenden Familienfestes eine„namhafte Summe" aus eigener Initiative zu geben." Der Fabrikbesitzer lehnte die Zahlung einer solchen Summe ab und erklärte sich nur zur Bezahlung der„an- gemessenen Gebühren" bereit. Daraufhin erfolgte unter gleichem Tage folgende Antwort des Pfarramtes Elgersburg:„Das Pfarr- amt ist nicht in der Lage, Ihnen für die TrauungSfcierlichkeit Ihrer Tochter die heilige Kirche zu überlassen. Liz. Lehmann."— Herr Just, der durch die Bekanntgabe seiner Korrespondenz mit dem Pfarramt seinen Aerger zu erkennen gibt, sollte sich doch nicht wundern, daß die Kirche nichts umsonst gewährt. Noch immer gilt bei ihr der Satz;„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt."_ Der gesunkene Kohlenkahn als Verkehrshindernis. Die „Schlesische Zeitung" meldet aus MySlowitz, daß in der Nähe der Kohlenumschlagstelle der Nifkagrube an der Dreikaiserreichsecke gestern ein mit 600 Zentner Kohle beladener Kahn infolge der Stromschnellen der Przcmsa unterhalb der Eisenbahnbrückc gesunken ist. Die Schiffahrt ist dadurch unterbrochen. Ein Bleh. Ein in Frankfurt a. M. in dem Hause Fahr- gaffe 30 unangemeldet wohnhafter Mann lockte gestern früh die 13jährige Tochter eines Ausläufers in fein Zimmer und ver- gewaltigte sie. Das Mädchen trug derart schwere Verletzungen davon, daß eS in eine Klinik gebracht werden mußte. Noch der Tat versuchte der Mann daS Mädchen mit einem Handtuch zu er- drosseln; auf das Hülfegeschrci deS Mädchens eilten Hausbewohner herbei, worauf der Täter flüchtete. Ausbruch deS Aetna.„Echo de Paris" berichtet aus Palermo, daß die Ausbrüche deS Aetna andauern. Eine Million Schulden. Der Großhändler Joseph Arie in Sofia beging wegen finanzieller Schwierigkeiten Selbstmord. Die Passiven sollen über eine Million betragen: das Ausland soll stark beteiligt sein. i Zerstörtes Pctrolcumlager. Aus Paris wird gemeldet: Durch Kinder, die mit Streichhölzern spielten, wurde im Petroleum- lager der Gebrüder Desmarets in Jvry für Seine ein gewaltiger Brand verursacht. Es bedurfte einer mehrstündigen Arbeit der Feuerloehrcn von Paris und den Vororten, um deS FeuerS Herr zu werden. Mehrere Häuser wurden zerstört, fünf Personen, darunter ein Feuerwehrmann, erlitten Verletzungen. Die Cholera in Rußland. Aus Samara werden 2 neus Cholerafälle und 23 Todesfälle gemeldet. Eine brennende Insel. Die im Jseosee liegende Jnse! steht nach cmer Meldung aus Mailand in Flammen, Wohnhäuser und Waldungen bilden ein Flammenmeer. Die Einwohner müssen dem«Schauspiel zusehen, ohne in der Lage zu sein, einzugreifen. Explosion. In der Nähe von Paris fand gestern in einer Fabrik von pharmazeutischen Produkten, bekannt unter dem Namen Lilas, eine Explosion statt. Mehrere Personen, darunter zwei Frauen, wurden schwer verletzt. o,ou— O.UV,«uimj. U,UU..UUC, giOB Psll. i,lU 0,80— 1,10, klein 0,60— 0,80. Heringe per schock S— S. 1,00,>/, Kiste 1,50—2. Sardelle», jl S02er per Anker Müer 98, 1906cr SO— 95. schottische Vollberinge Berliner Marktpreise. Au» vem amtlichen Lertchl der flkldtllchen 1>!arkIbaNeii-D>rektion.(Erohbandil.) Rindfleisch I» 70—75 pr, 100 Psd,, IIa 64-69, lila 59-60, Bullenfleisch la 65—70, Ha 53—62. Kühe, seit 52—60, do. mager 40—50, Fresser 56—64, Bullen, dän. 52—63, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellcnder 100— 120, Mastlälber la 75—85, IIa 66—74, Kälber ger. gen. 47—59, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammel. fleisch Masllämmcr 80—82, Hammel la 75—79, IIa 69-74, Ichase 66—68. Schweinefleisch 66—72. Rehbock la per Psund 0,60—0,75. IIa 0,30-0,59. Rothirsch la 0,40—0,59, do. Na 0,25. Damhirsch 0,53-0,55. Wildschweine 0,50. Kaninchen per Stück 0,40—0,46, do, australische 0,00. Wildenten per Stück IIa 0,50—1,50. Krickenten per stück 0,00, Hübnrr, alte, per Stück 1,40—1,70, Na 0,70—1,30, do. junge 0,40-1,00. Taube» 0,20—0,50, italienische 0,00, Enten per Stück 1,50—2.00, do. Hamburger per Stück 2,30—3,00. Gänse per Psund 0,58—0,66, do. per Stück 2,00—4,50, do, Hamburg., per Psd, 0,00, per Stück 0,00, do. Oderbrucher per Psd. 0,00, Poulet» per Stück 0,80—1,10. ChalonShühncr 0,00. Hechte per KK) Psund 114—141, do. matt 107, do. mittel und groß 0,00, do. groß, matt 0,00. Zander, mittel 0,00,-do. matt 0,00. Schleie, klein 0,00, do. groß 0,00, do. 131—164, Aale, groß 90—101, do. klein und mittel 85—97, mittel 90—100, do. un. sortiert 0,00, do. groß-mittel 89—93, do. klein 74. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpsen, 0,00. Bleie matt und tot 25—35. Bunte Fische 50—80. Barle, klein 0,00, do. malt 0,00, dito klew 0.00. Karauschen 100-101, do. klein 0.00. VIeifische 0,00. Wels 0,57. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer LachS la neuer, per 100 Psd. 110-130, do. IIa neuer 90-100, do. Nla 60. Seelachs 10-20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel per Kiste 2, Hamb, Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, IIa 1—3, Bücklinge, Kieler per Wall 2-3, Strals. 3,50-5,00, Bonih, 0,00, Aale, groß per Psd, 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Schellfische Kiste 3— 4 98, 1904er 98, 1905er 1905 0,00, largo 40-44, fall. 38—40, med. 36-42, deutsche 87-44. Heringe, neue MatjeS, ver'/, To. 50— 120, Sardinen, rufl;, Faß 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20— 1 40. do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock, große 28,50, do. miltelgr. 9,50—17,50, do. kleine 2,50— 1,50, do. unsortiert 4,00—6,50, Galizier groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,40, do. große 4,00. Butter per >00 Psd. la 114-117, Ha 106-114. Hla 100-106, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue, Schuck 4,00. Psefsergurken 4.00. Karlosleln ver 100 Psd. weiße runde 2,25—3,25, blaue 2,75—3,75, Rosen- 2,50 bis 2,75, Nieren- 2,75—3,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—15. Spinal per 100 Psund 20—25. Sellerie, per Schock 2,00—6,00. Zwiebeln per 100 Psd. 5,00—6,00, do. Keine 0,00, do. hiesige(Perl») 0,00. Charlotten 0,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,75— 1,00. Kohlrabi Schock 0,75—1,25. Rettich, bahr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige. Schock 3—4. Mohrrüben, per 100 Psund 4,0V bis 6.00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 6—12. Weißkohl 6—8. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 10—20. Kohlrüben, Schock 4,00—6,00. Petersilienwurzel», Schockbund 4,00—5,00. Schoten per 100 Psund 8—16, Pseffcrlinae per 100 Psd. 3— 10. Steinpilze per 100 Psund 15—20, Radieschen per Schockbund 0,75 bis 1,00. Salat per schock 2,00—2,50. Gurken, Einmache-, Schock 14,00, do. böhmische schock 0.00, do. Liegnitzer Schock 4,00— 4,50. Bohnen, grüne. 100 Psd. 6—12, Wachsbohnen, per 100 Psd. 10—25. Stachelbeeren, per 100 Psund 5—10. Blaubeeren, per 100 Psd. 12—15. Johannis- beeren, per 100 Psd. 7—14. Preißclbecrcn per 100 Psd. 14—22. Kirschen, per 100 Pfund Werdersche 0,00, Sächsische 0,00, Schlesische 0,00, Natten 25—30, sauere 14—20. Birnen, ital., 100 Psund 14—35, Muskateller 0,00, hiesige 8—16. Pfirsiche, hies. per 100 Psund 10—30. do. ital. in Kistchen zu 12 Stück 0,90—1.50, do. in Körbe» la per 100 Psd. 27—40, do. IIa in Korden per 100 Psd. 17—2?. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, ftanzös. 20—32. Aepsel, italienische, per 100 Psund 8—18, ung. 13—21, hiesige 8—10, Gravensteincr la 45, do. Ha 40. Pflaumen, ital., per 100 Psund 10—22, Reineclauden 20—28, hiesige 10—15, ung. 7—13. Weintrauben. Mgier, per 100 Psd. 30—32, ilalien. 25—30. Ananas I, per Psund 1—1,20, do. H 0,00. Zitronen. Meistna. 300 Stück 10,50-18.00. do. 360 Stück 9,00—21,00, do. 200 Stück 6,00—12,00, do. 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 18,00—20,00, grün 0,00. Melonen, per 100 Psd. ital. 12-20, stanz. 35-50, Holl. 25-30. WitternngSüderNcht vom 13. August 1007, morgens et Nh». eUtiMtn Zwwemde Hamburg Berlin grankf.a.M. München Wien I! 2e a» «- omet MC eV Ii M 3> 761 WSW 7629B3B 763 W 766 s 769 SW 766 WNW 3 wolkig 5 bedeckt 3 wolkig 3 halb bd. 4 halb bd. 1 bedeckt Slsttoae» i» *■= ZZ B f I paranda 752 Still s SeUer MC c% t* £ 3> wölken! ■ 1 etersburg 758 WSW 2beiter 2 molkig 1 bedeckt Sctllh Aberdren Parti 766 SSW 1 3Dunft 762 SSW 769 SW 14 13 16 11 19 Wetter-Prognose für Mittwoch, den 14. August 1007. Bei nicht erheblich geänderter Temperatur und mäßigen Westwinden veränderliche» Better und leichte Niederschläge. Berliner Wetterdureiw WafferftandS-Rachrichte« der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g« l, Jnsterbltra Weichsel, Thon» Oder, Ratibor , Krassen „ Frankfurt Warthe, Schvimm , LandSbcrg Netze, Nordamm Elbe, Leitmeritz , Barbh , Magdeburg Saale, Grochlitz l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. BrUfhaltcn der Redaktion. ®te Inristitibe Sprechstunde st»d,» Fried richstr. 40,«»fgang 4, «ine Treppe(HandclSftälte Bellrallionce, Turchgong auch Lindeiistr. 404>, w-ch-nia,l«ch von?>/, pi« ot/i Ubr abend« statt. Geöitnet 7 Uhr. Sonnabend» beginn» die Sprechstunde um 0 Ildr. Jeder Antrag-«tt et» Puchftab» n»d eine Zadl al» wlertzeichen beizniiigen. Bririliche'Antwort onwn-oe niio eine.'tarn at» loierezeichen beizntugen.«rietUche Antw, wird nicht erteil«. Eilige Fragen trag» man ,n»er Sprechstunde vor. F. H. A. 1. Wenn Sie davon wußten, daß Ihre Frau von der Der- waltcrin 5 M. zurücknahm, so dürste darin eine von Ihnen gebilligte Verabredung liegen, an Stelle der gemieteten Wohnung die Dachwohnung sür 25 M. zu mieten. Denn Sie nichts davon wußten, so brauchen Sie sich von den 25 M. nur soviel abziehen zu lassen, als die Dachwohnung wchck war, also etwa 10 M., so daß Sie 15 M. zurückverlangen könnten. 2. Eine Gesundheitskoinmission gibt es für die Vororte nicht. Anzeige ist an die zuständige Polizeiverwaltung zu rtchlen. 3. Die Polizei erstattet keine Gutachten. 4. Znständig ist der AmtSoorstcher deS bell essenden Orte». -» 50. O.>v. Erst muß ein sühneversuch aus der Polizei beantragt Außerdem kann Ihre Schwester ohne '~" Wenn occ Wirt es werden, bann kann geklagt werben. Kündigung ziehen.— M. B. 61. l.'Ja. 2. Ja. TOlll � Wtcdoffen hat ift er Ihnen und Ihrer Frau für den Krankheitsfall schaden eriatzpflichtia 3. Nur. wenn d,e Aeußerung in der Form b-icidigend war(z. B..Sie Dieb') sonst nicht. 4. Nein. 5. Nein.- B. P. Stein hinreichender Ehescheidungsgrund. Lassen Sie Ihre Frau von guten Freunden oder Verwandten unauffällig beobachten. Vielleicht sind Sie»u iniBtrauilch.- g-liiabeth 100. Wenn der Dienitvertrag aus nicht I länger als ein Jahr käust, hat der Vormund in erster Linie ein Be« stimmungsrecht. Sie können sich aber unter genauer Darlegung der Sachlage beim Vormundschastsgericht beschweren; am besten Person« lich zum Vormundschastsrichlcr gehen.—®. D. Z. 07. Nein. — 91. L. 10. 1. Sic brauchen Ihrem Schwiegervater keinen Unterhalt zu geben. Ihre Frau mutz es. Andere Kinder Ihres Schwiegervaters müssen ebenjalls beitragen. 2. Er kann nur Ihre Frau verklagen. 3. Bieten Sie ihm an, ihn in Ihrer Wohnung zu verpflegen. 4. Fragen Für de» Jnball vcr Juirrarr übernimmt die Redaktion dem Vublittim gegenüber keinerlei Beraniniorning. HKearer. Mittwoch, den 14. August. Ansang 8 Uhr. Neues königl. Lvcrntheater. OuvaUoria rustiouna. Vorher: Galathäe. Deutsches. Robert und Bertram. Ansang TL Uhr. Kammerspiele: Frühlings Er- wachen. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lessing. Die Stützen der Gesellschaft. Sitiilter 4». iWallner-Tpeairr.) Die Zauberflöte. Schiller X.(Friedrich Wilhelm« städliicheS Theater.) Der Weg zur Hölle. Neues Schauspielhaus. Rafflcs. Neues. Ein seltsamer Fall. Komische Oper. HoffmannS Er« Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. Lustipieldaus. Husarenfieber. Bernhard Rose. Der grohe Un- bekannte. Ansang S'/j Uhr. Zentral. DaS Tagebuch einer Ver« lorenen. Kleines. Vater und Sohn. Driano». Fräulein Josette— meine Frau. Mciropol. Der Teufel lacht dazu. Apollo. Der Hochzeitsgast. Epe« zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Aolics Caprice. Geisterauto.— Paris. Ansang 8'/. Uhr. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig« Wag. Es lebe das Nachtleben. Reichshaken. Steltiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Urania. Danbrnstraffe 46/40. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternwarte, Jnvalidenstr. 87/82. Scliiller- Theater 0. (Wallner-Theater.) Morivip-Oprr. Mittwoch, abends 8 Uhr: VI« SsadeulIStv. Donnerstag, abendS8Uhr! Gastspiel Goeirud Runge: Zum letzten Male: Die lustigen Weiber von Windsor. Freitag, abends 8 U b c: Gastspiel Hvlnrlcl» Vitt«!: Der Postillion von Lonjumean. Schiller-Theater N. Frledrich-Wilhelmst&dtisches Theater. S°S!' in Weg!»r HSIlr. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Mittwoch, 14. August, abends 8 Uhr: Donnerstag und solgende Tage: v!« tanzenden TlUnnchen Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. UM tind Sohlt. Morgen und solgende Tag«: Bater und Sohn. Theater ltes VesteiiZ. Abends 8 Uhr: Die Instige Witwe. Operette in 3 Alten v. Franz Lehär. t-ustspivlksus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. lentral-Theater. Täglich 8 Uhr: Tagebuch einer Uerlorenen. -ü* w 8 Uhr Direktion: Richard Alexander. KW" Freitag. 16. August:-MS ilrölTnungs. Vorst ellnrig. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequin und Pierre Vcber. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahrosrevuo in 7 Bildern von Julius Freund.- Musik von Viktor Hollaonder. Dirigent Max Rath. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schulte. Rauchen überall gestattet. ERNttAltP KOSE THEA! fl tSW. Frankinrlerstr 132 1 Im Garten, Ans. 4'/, Uhr: jFt Das glänzende _ I A u g« st< P r o g r a m m. Sperrsitz 50 Pf. Enlrce 30 Pf. Im Theater abends 8ll, Uhr: Der groBe Unbekannte. Sommerpreise. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Gletscher DerHoehplirge und die Eiszeit unserer Heimat. Jnvalidenstr. 57— 62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7�,-11 U. abds. I Täglich ab nachm. 5 Uhr: Großes Militär- Doppel-Konzert, Eintritt 1 Mk., von abends 1 | 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter' 10 Jahren die Hälfte. Slb 8 Uhr: Das kolossale Spezia. litätcn-Prograinm mit Hnmpfti- Bumsti. Pipisax und Paulo, Exzentriker. Mad. Piloty von Kaul- bach. KM" Indische Tänze. NM- 10 Uhr: Stürmisches, ununterbrochenes Lachen über Hartsteln als Ortsvorsteher Lehmann in seiner Burleske „Oer Hocliseitsxast". Passage-Theater. Jeden Abend 8 Uhr: 1 Artaro Bernardi | und das neue I • großartige August-Programm. Eröffnnngs- Torstellung: t Die Theaterkasse ist bereits geoltnet! Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstratze Nr. 57. Anfang 8 Uhr. Blllettvorvcrkaus 11—2 Uhr. Täglich: Die Novität III- Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnscld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separce-Affäre Es lebe Das Uebeo! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. V. Noacks Theater. Direktion- Rob. Dill. Brunneiiilr. tk. Nur noch wenige Tage das ersolg- reiche SensationSslückl 9'/, Uhr: Ver ftund von Saskerville. 9 Uhr: Berlin, Unter den Linden. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im 8aa>. Donnerstag: Ein treues Menschenherz Fröbels Allerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allce 97/99. AcltestcS Voilstheater Berlins. Heute: UNtQ-Dax? v«r Kionon.-Mg ZM- Ansaat Spielplan mit der Rnclnstrnpp« in ihrer Todestahrt im Höllenkessel und Konkurrcnzfahren um 1000 M. 8 uhr: Paulas Beichte. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Pf. Am 16, Aug: Konkurrenz Rshe-Raomg Am 22. August: Benefiz Harnt. Prot.: S.K.K.H. d. deutsdhe Kronpr. u.S.H.Horz. Job. Albr. z. Mecklbg. Deutsche= W Armee-, Marine u, Kolonial- A Ausstellung U K A Se beim Magistratskommiffar für Arbeiterverflcherung, Am Köllnischev Park 8. 5. Ist uns nicht bekannt. Vielleicht ist die Volksoersicherung de: Viktoria, Aktiengescllschast, Lwdcnstratze, geeignet.—®. H. 30. 1. Nein. 2. Ja.— Neuer Abonnent. 1. Lassen Sie den Schlächtermeister zum Offenbarungseid laden. 2. Wenn sie schon zwei Jahre in Berlin wohnen, sind Sie annenimterstützungsberechttgt. 3. Wenn Sie noch nicht zwei Jahre hier wohnen, wenden sie sich an das Polizei. Präsidium, falls Sie in höchster Not sind.— St. B. 34. Nein Wannsee-Bhf. Friedenau. Heute: n Italienische Nacht Große phantastische Illumination. Kristali-Flammen-Japan-Lampions. • Fontaine I�anilnense.• Italienische Musikkapellen. Serenade anf dem See. Italienische Gesänge und Tänze. Eintritt 50 Pf., Militär u. Kinder 25 Pf. Ausstellungslose her. zum Eintritt Hasenheide 108-114. Mittwoch, den 14. August 1907: Kindcrbclustigungen aller Art. Gratisverlosung: I. Fcelse: 1 goldene Herrenuhr. 1 goldene Tamenuhr. Groß. Doppel-Konzert. Spezialitäten-Vorstellung. Tanz> Reunion. Ansang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Entree zum Konzertgarten 10 Ps. Morgen Donnerstag: Scbweizergarten Am Königstor. Am Friedrichthaln. Stratzcnbahn 1,2,4, 17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kinematograph und Ball. Freier Hainen tan». Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Prater-Thealer. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber. SpezlalitUtcn 1. Ranges. Austreten der LUwenbraat Tllly ISiibc mit ihren dress. Löwen. I4onr,ert nnd»all. _ Ansang 41/, Uhr. Volksguilen-Theater. Bad-Behmstraße— Bahnhof Gesundbrunnen— Bellermannstraße. Grofiftadtzauber. Original- AuSstattungS. Operetten- Burleske in 2 Akten von W. Gericke. Musik von Alfred Sommerfeld. Hierzu: Das neue kiöM-8pMMn-?i'ugPäM. Volksbelustigungen. Uorsicht beim Einkaufe von Malzkaffee! � Es wird heutzutage dem Publikum vielerlei als„Malzkaffee" angeboten! Nur der echte„Kathreiner" in geschlossenem Paket mit Bild, Namen und Unterschrift des Pfarrers Kneipp und der Firma „Kathreiners Malzkaffee-Fabriken" ist das von den Aerzten am meisten empfohlene vollkommene Getränk, das an kaffee- ähnlichem Wohlgeschmack alle anderen Malzkaffees weit überragt! �9 Uorsicht Brunnen-Theater Badftratze 58. Direkt.: Bernh. Rose. Heute zum ersten Male: Der Seekadett. Das erstklass. Spezialitäten-Progr. P. Vendaro. Neitzel-Luri-Trio. lack-Theo-Trio. Gebr. Damm. ■Mi Panl Coradlnl.- DW Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 41/2 Uhr. Mittwoch, 21. August: Benefiz für Käte Wille-Bach. Einmalige Aus- snhrung: Die Dheaterprtnzessin. I Max Kliems j Sommer Theater! Hasenheide 13/15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater| u. Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Tornmerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. � Jeden Donnerstag: Glite-Dag. i Die Kaffceküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Sanssouci, ST Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonntags, Montags, Donnerstags: HotainsNurdd. Sänger u. Tanslirftiischen. In Vorbereitung: In der Hamuka. Novität. Sonntags Beginn 3 Uhr, wochentags 8 Uhr. Otto Fritzlcow HOnzstraOe 16. felt-Ausstellungs- Biograph-(8«- Theater lebender Photographien. Täglich Eingang von - Neuheiten.— Den ganzen Tag Vorstellung� Diez' Spezialitäten-Theater. »wä» Landsberger Allee 76-7». Direkt a. d. Riugbabnstation. Bequemste Fahrgelegenbeit n. allen Stadtricht. Hb scbOn! Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Hb R«s«n Z Riesen-Lacherfolg.'T&Q-ME Landsberger Allee anf Stelzen. Z Alllsons, phänomenale Akrobaten.— Db« Kerns, konkurrenzlose Neuheit.— Köln?. K«n«r, Seilt Geldern, prolongiert. Dazu das neue brillante August-Programm. Ans. 3 Uhr. Kaffceküche. Volksbciustig. aller Art.(Sntrcc 20 Ps., Sonnt. 30 Pf. Restaurant �HungrigeF Wolf" �rausherg II. Herrlich an Wald und Wasser gelegen.— Danzfaal. Kegelbahn. = Kaffeeküche.---------------------- ES ladet die geehrten Ausflügler, Vereine und Radfahrer ergebenst ein 663b* Fnnl Carow. Friedrichsberg. FranUfartcr Fernsprecher Nr. 8. CUanssee 6. Heute JMIttwHch: = Große Soiree= d«' Willy W«lde-8sliiger. Nach der Vorstellung: IMF* Familien-Krtlnzchon."M CIRCUS NORTON B.SMITH Berlin, ÜNcmeicrstt. Sei. VII. 1619 Mittwoch: 2 gr. Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr. Abends 8 Uhr. Nachm. ein Kind frei. 204/5 Donnerstagabend 8 Uhr: Große KMiit-Uorsteliung. Reitfishslleu-Thesler. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Roivhshallen Garten u. Rest.; Gr. Militär-Konzert. Berliner! ilk-Trio. U! Felix Soheuer ßj Strsliudentr. I. fistbahn-ftrk Am Küstrinerplatz, Rlldersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: tZrofiss Konzert» Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. G ardinen- SpeziaHians Emil Lefövre Berlin, Oranienstr. 158 Riesen«Aus wähl! Gardinen, Portieren, Stores, Vitrujtrn. Tttll- Bettdcdcen etc. Einzelne Fenster spottbillig I PraEht-KatalDy CiwunSS franko. StettiD-Kopenhagen s°wie Stettin- Gothenburg- Christiania und West- norwegen(bis Drontheim) direkt ohne Umsteigen mit den grotzen, schnellen, üutzerst elegant und komfortabel eingerichteten Paffagicrdampseni»Kong Haakon«.„Dronuing Mnuh«,„M. G. Melchior-,„C. P. A. Koch-- usw. 44/l» Prospekte gratis und franko durch Metzler, J Stettin. frische fruehtsifte von unübertroffener Güte Fabrikate von Hermann JKetjer S Co., I. Qualität Vi Ltr.-FL'/, I«tr.-Fl.-/. Ltr.-Fl. Bimbeersirnp...... 1.30 0.70 0.85 Kirschsirnp....... 1.30 0.70 0.35 Johannlsbeerslrnp.•., 1.30 0.70 0.33 Erdbeersirnp...... 1.30 0.70 0.35 Zitronensirap...... 1.30 0.70 0.35 II. Qualität Vi Ltr.-Fl. Vs I-tr.-Fl. Bimbeersirnp mit Kirschsaft 1— 0.55 Kirschsirnp....... 1.— 0.53 Erdbecrsirnp...... 1.— 0.55 Zitronensirnp...... 1.— 0.55 Flaschen werden mit 10 Pf. berechnet und zurückgenommen. In unseren 88 Verkaufsgesehäften im Süden Berlins zu haben. Südliche Wein- und Llkör-Geselisctiatt in. b. H., Berlin S., BrcsdenerstraHo 11. Systematische Aushungerung des dcntschcn Volkes durch die falsche IVlrtschafts- polltik. Schlafen die Kegiorungen, sind eio blind und taub? Gibt, es in Dcntschland einen Bclchstae? Wosn sind die Volksvertreter ecsvahlt? Existieren nandels- kammern? Warnen rUhrt eich die Presse nicht? Kennen diese Faktoren immer noch nicht die Trassrelte der Vorgllnge, die GrOfle der Gefahr? I»B» Wlrtsehsnsblld der eegcnwsrt und der JSnfcnnft Ist su besiehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär; Otto Weheii Letpr-fn). Broschüre A. vollstHndlge Aasgabe, OTk. 2.— Teil- nnd Volks» ausgebe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.1», berw. 6S Pfff.(ür das Inland, Mk. 2.20 besw. 70 Pfg. tür das Aualand, werden die Broschüren portofrei vom Verfaaser Kaufmann Michael Procstler in Wünbarg TOX* eandt, wenn in Buchbaodiungen nicht erhältlich. Mu verlange»bendeeelbet Flugschriften und Prospekte. Sozialdemokratischer Zentral-Wahlverein für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg. Sonntag, den 18. August, mittags 18 Uhr: General N�rsammlung im Restaurant„Jägerhaus", Grünau, Bahnhofftrafte 1« TageS-Ordnung: 1 Mitteilungen des Vorstandes und der JnnktionSre. 2. Die Provinzialkouferenz. Aiiträge und Wahl der Delegierten. 3. Der deutsche Parteitag in Essen. Referent: ITrlt« Zubeil. Anträge und Wahl der Delegierten. s. Derpreustische Parteitag. Anträge und Wahl der Delegierten. S. Antrag des Vorstandes betreffend Delegation zu den Kreis- Generalversammlungen. S. Sonstige Anträge und Verschiedenes» Jeder örtliche Verein hat das Recht, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandaten ver- sehen sein. Gäste haben Zutritt.——— 203/15 Der Zentralvorstand. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos 1. Amt 3, 1230. CliarlttatraBo 3. Hof III. Amt 3, 1987. Dounerstllg, den 15. Anglist, abrnds 8V2 Zlhr: K Oeffkiitlichk Nkchinmlnng Z der tlclttfcittcitlkiifö u. ülillsmciitklilB w den Mustktrsöleu, Kaiser Milhelmstr. 18in. TageS-Ordnung: 1. Die gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Elektromontenre und deren notwendige Ber- besserung. Referent: Kollege Handle. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 123/13 Ute OrtsverHvaltung. „Englischer Garten", Maiersir. sie. Bringe meine vier Iäle(75—>500 Pers. fass.) zu'Festlichleiten, Versamm- lungen usw. hiermit in Erinnerung.— Sonnabende u. Sonntage im Sep« tember, Oktober, November usw. noch frei. Zlax QnelUer, Gastwirt. Weinbergsweg 19/20. Zlmenth.Tor. Neue Spezialitäten. UM vreusierte Hären. Ans: Konzert 5: Vorstellung? Ubr. gpfF" Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Ibsstoe 8 Ubr. liraatz* Amerikanischer Affen-Zirkus a la Brockmann. VUS 1 Am Prenzlauer Tor."VQ Täglich: Gr. Vorstellung 81/, Uhr. Autzerocm Sonntags, Feiertags, Mitt. wochs u. Sonnabends nachm 4 Ubr: Cxtra-Klmlsr- u. Familien-Vorstellung Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltniigsstrlle Berlin. Todcs-Anzei�e. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Gürtler Karl Sctiiiicttei-, 20 Jahre alt. am 11. d. M. an einer Lungenkratikheit ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 14. August, nach- mittags 4 Uhr, von der i/eiche». Halle des neuen St. Michael- Kirchhofes am Mariendorser Wege aus statt. Rege Beteiligung ermattet 123/14_ Die Ortsverwallung Zahlstolle Berlin. Donnerstag, den 15. Auguh, abends präz. 8 Uhr, tu Wranhes Festsälen» Sebaftianstr. 39: NG" Versammlung"NT aller in Möbelgeschäften beschäftigten Tischler, Beizer. Polierer und Hülfsarbeiter. TageS-Ordnung: 1. Wie können die Kollegen in den Möbelgeschäften ihre Lage vir« bessern? 2. Welcher Organisalion haben sich die Kollegen in den Möbel- gcfchästen anzuschlieben. 3. Dtstusflon und Verschiedenes. 92/5� Bio Kommission. Irl r Iran U- DeUtSClliaUdS.(Zahlstelle Berlin.) Sezirbsversammhmgen: Bezirk 99 99 70/11 99 1. 2. 3. 4. 5. 6. Donnerstag, den 15. August, nachmittags 5 Uhr, bei Kirsohkowskl, Beusselstr. 9. Freitag, den 16. August, nachmittags 5 Uhr, bei Solirelner, Ichulstr. 66. Freitag, de» 16. August, nachmittags 5 Uhr, bei Sauer, Schönhauser Allee 135. Donnerstag, den 15. August, nachmittags 5 Uhr, bei Zietz, Warschauerstr. 61. Dounerstag, den 15. August, nachmittags 5 Uhr, bei Grumbach. Schönleinstr. 6. Freitag, den 16. August, nachmittags 5 Uhr, bei Baum, Stallschreiberstr. 44. Bio Ortsverwaltnug. Allen Freunden und Verwandten J)ie traurige Nachricht. dafi am Sonntag, den II. August. mi lags, mein libcr Mann, unser guter Vater, der Gastwirt Oskar Ulfert, Prinzen ftr. 44, plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 15. August, nach- mitlags 5 Ubr, von der Leichen- balle der Luijen-Gemeinde, Rix- dors, Hermannstraste. auS statt. Die trauernde Gattin A.fina LI Fort 2267b nebst Kindern. |ZMllkMMisch.VMLTe!i! für den Todcs-Auzcige. Hierdurch allen Verwandten. I Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe j grau, uniere gute Mutier Köllmg Zlreiever, geb. tiundlacb am 12. August abends 6 Uhr von ihrem langen, schweren Magen- leiden durch den Tod erlöst oorden ist. 5673L Die Beerdigung stndet Donners- tag. den 15. Augnst. nachniiitags ll£ Uhr von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhofs, Pappel Allee 15—17, aus statt. Streicher nebst Ktodern, R h i n o w e r st r. 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, 8 datz der Genosse Osfkai' Ulfert Restaurateur, Sebastianstrabe. Bezirk 256, verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung flndcl Donners- tag, 15. August. nachiniitagS 5 Ubr. oon der Lcichenballe des Luisen- s FriedhosS in Rixüors, Hermann- ftrastc, aus statt. Um rege Beteiligung der Ge- nassen ersucht Der Vorstand. Am 12. August, vormittags 9 Uhr, starb am Schlagansall mein lieber Mann, unser guter Balcr, Großvater, Urgrogvalcr und' Bruder, der Vergolder Karl Graß im Aller von 73 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 15. August, nach- mittags 5 Ubr, von der Leichen- halle dcS Parochial- Kirchhoscs, Boxhagencr Chaussee, auS statt. Deutscher Transportarbeiter- Vernüi/d. Verwaltungsstelle II. Den VerbandSkollegen diene Hiermit zur Nachricht, daß unser langjähriges treues Mitglied, der Kutscher 3otlanii Michalke am 11. d. M. im Aller von 40 Jahren an einem Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung stndet am Donnerstag, den 15. d M., nach- mittags 2'/, Ubr. von der Leichen- halle des Sebastian-Kirchhoies in Reinickendors< West, Humboldt- straße, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 74/13 Die Verwaltung II. Von der Reise zurück. Dr. Uli. Cdav Wlelil, 204/3* SO. Slalitzerstr. 54 I. Von der Reise zurück. 2265b Vr. J. Perl, Wilhelmstrasse 113. Haben Sie Stoff? /ch fertige davon Anzug od. Paletot noch Mass, schick, douerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Lnband, Oranienburger Strasse 4, /, '»TVlpv e'n Geschäsl(Branche gleich) oder Grundstück lausen oder verkaufen will, wende sich an die GeschäsfSvertaufö'Börse. Berlin, Zimiiierstr. 3«. 2271b Auslünsle kostenfrei. Eine Karte genügt und wir sprechen vor._ Sphilhonctp 79 ein Geschüstsparterre. UlUUliCllMl. i£ lokal zu vermieten.» «Jodes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 P(g. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Ptg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN (Or die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Ubr, in der Haupt-E.pedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. TevPlckiemIlFarbenleblern Fabrik« Nteberlnge fAroke FinnfiiirlerNrnge 9, parierte kein Laden. 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Conrad, Hermamtitr. 50. B»i»»ilelt«harg: A. Nosenkranz, All-Boxhagen 56. biehiineherg: WilH.Bäiimlrr. Marlin 2u!Herstr. 51. WefßeiiKee: K. Fuhrmann, Scoaustr. t05. Jnl. Schillert, König-Chaussee 39a Reinickendorf: P. Gursch, Proviiizjlr.' 108. Drepturv: R. Gramenz, kiesbolzstr. 412. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co» Berlin SW»