M. im S4. Jahrg. Hbonnemenfs-Bedingungeft: Bll A\�ilf«.> Pl! l�l9,ns�G,fbabL.„.t «lonncments. PrciS pränumerando: DD(jBf H 1 WP �StnA�Hl I �_?�u- od» deren Raum M°«fa sü! Bierteljährl. z,zo Mk., inonatl. l.lv Mk., IS I W> �D W DD // W DD W W Wl f Wl I Bcile obei deren Kaum BO P�. Illr wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. WM � JUm M B D> DD �D MW DD MI Ws f/ IM P4 �MSWZV polltische und gewerkschafmche Vereins. Einzelne Numnier s Pfg. Sonntags. VrlSM 1 DD IM DD DM Mg MD gM �D IX �D MD s-— y/ und LersammlungS-ilnzeigen 30 Pfg. nummer mit illustrierter Sonntags. JMMii K�CH I DD MD WD �D MD DM DD �D DD Ml DM �D I //„Kleine Hnreigcn", das erste(fett- Beilage.Die Neue Welt- 10 Psa� Post. M�M MD DD DD M■ M Dg DD DD W W DM> fl stellen-Rnzeigen d°S-�ste Wort lO Pfg.. Deutschland und Oesterreich. Ungarn �D M»l DUV 7/ H ledcs weitere Wort S Pfg. Wort- ilbec 2 Marl, für das übrige Ausland BÄX ZJ S // �D> 15 Puchstaben zählen für zwei Worte. 3 Mark pro Monat. Postabonnements MDDd � Inserate für die nächste Stummer müsse,« n-hm-n an: Belgien Dänemart. � rVyf< � � bis S Uhr nachmittags in der Expedition BÄÄÄ� �ege���W». «m»««.«»■.«» ä«.tä. Zentralorgan der fozialdemokratCfchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Klerikaler Volksbetrug. Wir haben wiederholt die verräterische Haltung gelenn- zeichnet, die das Zentrum in der Frage der Wahlreform einnimmt. Der Freisinn ist genötigt, seine Unterstiitzung der reaktiv- nären Blockpolitik dadurch zu beschönigen, daß er sich mit dem Nimbus umgibt, eine Verbesserung des preußischen Wahlrechts durchgesetzt zu haben. Bülow scheint denn auch geneigt zu sein, dem Freisinn eine Konzession auf diesem Gebiete zu machen. Selbstverständlich nicht dadurch, daß er das Reichs- tagswahlrecht für Preußen einführt, sondern ein K 0 m- p r 0 m i ß w a h l r e ch t auf der Grundlage des Plural- Wahlrechts und der ständischen Vertretung, das die„Germania" selbst noch vor wenigen Tagen als Vier- klasicnwahlrecht gebrandmarkt hat. Wie wenig nun auch die Mehrheit des Freisinns gewillt sein mag, bei der von ihm erhobenen Forderung des Reichstagswahlrcchts zu bc- harren, so steht doch fest, daß zurzeit die Frage der preußischen Wahlreform aufgerollt ist und daß die ehrlichen Anhänger des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts in allen Parteien alle Kraft aufbieten müßten, endlich an die Stelle der verrotteten Dreiklassenschmach das Reichstags- Wahlrecht auch in Preußen durchzusetzen. Das wäre auch durchaus möglich, wenn das Zentrum gleich der Sozial- dcmokratie bemüht wäre, den Freisinn bei seinem Wahlrechts- begehren derart zu unterstützen, daß er von der Forderung des Reichstagswahlrechts nicht zurücktreten könnte, ohne bei den Massen allen Kredit zu verlieren. Das Zentrum hat wiederholt die Frage gestellt, was es denn tun könne, um den Widerstand der zurzeit im Landtag vorhandenen wahlrechtsfeindlichen Mehrheit zu brechen. Wir haben dem Zentrum ebenso oft klare Antwort gegeben. Wir haben gezeigt, daß es im Reichstag einen Antrag auf Ein- führung des Reichstagsivahlrechts in Preußen durchdrücken könne, und daß es dann, da ja mehr als'/, aller Wähler dem Freisinn, dem Zentrum und der Sozial- demokratie angehören, auch bei einem um das Reichstags- Wahlrecht entbrennenden Wahlkampf in Preußen eine ivesentlich andere Zusammensetzung des Landtags zustande bringen könne. Auch eine gewaltige Volksbewegung der wahlrcchtsfrcundlichen Parteien werde nicht ohne stärksten Eindruck auf die Regierung bleiben. Aber das Zentrum kümmert sich nicht um solche Dar- legungcn. Es erklärt höhnisch, daß es sich seine Taktik von niemand vorschreiben lasse und seine Haltung so einrichten iverde, wie es ihm gut dünke. Mit anderen Worten: das Zentrum denkt nicht an die Erkämpfung des Reichstags- Wahlrechts, obwohl es s e l b st e r st im Januar im Land- tag den Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrechts ein- gebracht hatte l Und mehr noch, in demselben Augenblick, wo daö Zentrum seine eigenen angeblichen demokratischen Forderungen zu ver- raten sich anschickt, läßt es durch Herrn Spahn nicht nur feierlich ankündigen, daß das Zentrum bereit ist, mit dem Freisinn um die Wette alle Militär- und Flotten- forderungen zu bewilligen, sondern Herr Spahn bringt der Regierung sogar neue Ausgaben für Heer und Flotte in Höhe von jährlich 65 Millionen auf dem Präsentierteller entgegen! Auch früher schon hat ja das Zentrum dem Militarismus und Mariuismus die weit- gehendsten Konzessionen gemacht; aber die Regierung zu so kolossalen Mchrforderungen direkt anzureizen, ist doch ein„patriotisches" Verdienst des Zentrums, das sich diese Partei erst im Jahre 1907 erworben hat! Die Mauserung des Zentrums zum Kon- kurrenten des Flottenvereins hat sich zwar langsam, aber mit konsequenter Steigerung vollzogen. Es gab allerdings einmal eine Zeit, wo das Zentrum durch seine Führer dem Militarismus, der„Deutschland in ein Heerlager verwandele", den Krieg erklärte. In einem Artikel der„Kölnischen Volkszeitung" vom 11. Juni 1870 wurde gefordert:„Ermäßigung der finanziellen Belastung des Landes, insbesondere dnrch Verminderung der Ausgaben für Militärwescn." In dem Wahlaufruf der Zentrumsfraktion des Reichstages vom Dezember 1876 hieß es:„Beschränkung der Reichs- ausgaben, die vor allem beim Heerwesen durch an- aemessene Verkürzung der Dienstzeit und Verminderung der Präsenzstärke im Frieden zu erreichen ist." Auch in den Wahlaufrufen der Zentrumsfraktion vom Jahre 1378 und 1881 kehrt diese Forderung der Verminderung der militärischen Lasten wieder. Damals hielt auch das Zentrum im Gegensatz zu seiner neuerlichen Haltung die Frage der A b r ü st u n g keineswegs für eine„akademische Doktorfrage", wie Herr v. Hertling im Mai d. I. Meinte doch in der Militärdebatte am 1. März 1880 Peter Reichensperger:„Ich bin der Meinung, daß wir daS Recht und die Macht haben, den Fuß zu setzen auf die Quelle des Nebels, an dem ganz Europa krankt, ich bin der Meinung, daß wir das Recht und die Pflicht und die Macht haben, das Wort zu sprechen, das allgemeine Abrüstung heißt." Auch zivei Jahre später wiederholte Reichensperger diese Forderung, die bereits im Jahre 1875 von dem gleichfalls Freitag, den 16. Angnst 1667. hochangesehenen Zcntrumsführer v. S ch o r l e m e r- A l st er- hoben worden war. In den späteren Jahren, als das Zentrum mehr und mehr zur Regierungspartei geworden war, schwächten sich seine Proteste gegen den Militarismus immer mehr ab. Es verlangte jetzt nicht mehr eine Vermin d.erung der Aus- gaben für den Militarismus, sondern nur„weise Sparsam- kett"— siehe die Wahlaufrufe der Zentrumsfraktion von 1898 und 1903. Diese Bekehrung des Zentrums zum Mili- t a r i s m u s fand ihren Ausdruck auch in den Ab- st i m m u n g e n der Zentrumsfraktion. Das Zentrum hat gegen die Militärvorlagen von 1874, 1880 und 1887 gestimmt. Im Jahre 1890 aber stimmte der größere Teil des Zentrums bereits für die damalige Militärvorlage. Im Jahre 1893 stimnite es noch einmal in seiner Mehr- heit gegen die Militärvorlage; von da ab aber b e- willigte das Zentrum alle Ausgaben für Heer und Flotte, die von der Regierung gefordert wurden. Und im Jahre 1997 apportierte es gar der Regierung neue Militär- und Flotten- vorlagen i Man sieht, in der Belastung des Volkes mit militärischen Ausgaben hat sich das Zentrum ständig vor- w ä r t s entwickelt; gleichzeitig aber ist es in der Vertretung der Volksrechte immer reaktionärer geworden! Während früher seine Parole lautete: Für Volksrechte und gegen Militarismus, ist seine heutige Parole: Füt den uferlose st en Militarismus und gegen die Volksrechte! Im Jahre 1867 kandidierte der katholische Stadtpfarrer T h i s s e n in Köln. Das für ihn eintretende„Wahlkomited für eine volkstümliche Wahl", das die klerikalen Größen Kölns unifaßte, empfahl damals seinen Kandidaten folgender- maßen: „Herr Thissen kennt die schlimmen Seiten des Dreiklassenwahlsystems, unseres öffentlichen, indirekten Dreiklassenwahlsystems zu gut. und ist zu sehr fiir eine wirkliche und wahre Vertretung des ganzen Volkes, als daß er nicht entschieden für das allgemeine, direkte Wahlrecht, für geheime Stimmabgabe fein sollte. Allein er wird auch dahin trachten, daß daffelbe für alle Wahlen im Staats- und Gemeindeleben eingeführt werde." Im Jahre 1873 brachte dann das Zentrum unter Führung Windthor st s seinen Antrag auf Einführung des all- geni einen, gleichen und direkten Wahlrechts für Preußen ein. Seitdem freilich rührte sich das Zentrum nicht mehr, um den entrechteten Massen die ihm gebührenden Rechte zu erkämpfen. Immerhin hielt es das Zentrum doch für angebracht) auch später sich gelegentlich noch die demokratische Maske vorzubinden. So gab bei der Wahl zum preußischen Abgeordnetcnhause im Jahre 1898 die Zcntrumspartei in Köln zugunsten ihrer Kandidaten Trim- dorn und Fuchs ein Flugblatt heraus, in dem es hieß: „Entschiedene Männer brauchen wir auch, um endlich eine gründliche Aendcrung des WnhlgescyeS zu erreichen. Die alten Mißstände des DreiklassenwahlsystemS find durch die wirtschaftliche Enlwickelung und durch die Wirkung der Steuergesetze ins Un- erträgliche gewachsen." Nun hat ja auch im Januar dieses Jahres, veranlaßt durch die sozialdemokratischen Wahlrechtsdemonstrationen und das Vorgehen des Freisinns, auch das Zentrum wieder seinen Antrag auf Einführung des Reichstags wähl rechts für Preußen eingebracht, was� es aber nicht hindert, jetzt, wo es gilt, Farbe zu bekennen, die schmählichste Bcrrätertaktik zu üben. Die Erklärung für dies sonst unbegreifliche Verhalten ist allerdings nicht schwer: es gibt, wie wir sogleich beweisen werden, im Zentrum einflußreichste Kreise, die von der Ein- führung des ReichStagSwahlrcchtS für Preußen absolut nichts wissen wollen. So erklärte am 23. Januar 1904 der Zentrumsabgeordnete Bachem im preußischen Abgeordneten- Hause: „Es kann niemand daran denken, ohne weiteres daö NeichStagSwahlrecht an die Stelle des DreiklaffenwahlrcchteS zu setzen. DaS RcichStagSwnhlrccht kann nicht als ideal anerkannt werden. ES bringt Mißstände und Mißbräuche mit sich. von denen man nicht lvünschen kann, daß sie in daS neue preußische Wahlrecht hinein konime n." In ähnlichem Sinne sprach sich am 30. Juni 1905 der einflußreiche Zentrumsführer Gröber in der württcm- bergischcn Ständckammer gegen das allgemeine und gleiche Wahlrecht aus. Er erklärte: „Viel besser als die Erste Kammer eignet sich die �Zweite Kammer für eine bernfSsläudischc Vertretung, um die Mängel des allgemeinen Wahlrechts auszugleichen." Viel deutlicher noch erklärte sich der schlesische Zentrumsabgeordnete Graf Strachwitz am 24. August in der „Deutschen Tageszeitung". Dieser Zeutrumsab- geordnete urteilte über das ReichstagSwahlrecht folgender- maßen: »Bezüglich des NcichStagSwahlrcchtS möchte ich jedoch, ent- gegen sehr häufigen Lobpreisungen in ZentrumSblättcrn, ganz offen aussprechen, daß sehr viele Leute in der ZentniwS« Partei mit mir der Ansicht sind, daß an und für sich die Eigen- fchaftSworte„allgemeine gleiche" einen großen Mangel an diesem Wahlrecht bezeichnen." Auch der Zeutrumsabgeordncte G r a f S p c e sah sich nebst einer Anzahl anderer ultramontaner Dreiklassenhaus- Vertreter u i ch t veranlaßt, den Z e n t r u m s a n t r a g auf Einführung des Dreiklassenwahlrcchts anfangs dieses Jahres zu unterschreiben. Darüber zur Rede gestellt, erließ Expedition: SM. 68» Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IT- Rr. 1984. er in der ultramontanen„Rheinischen VolkSstimme" folgende Erklärung: „Man hat mir vorgeworfen, daß ich den Antrag der Zentrums- fraktion auf Abänderung des LandtagswahlrechtS nicht mit unter» zeichnet habe. Ich stelle fest, daß mit mir eine Anzahl Zentrumsabgeordnete denselben Standpunkt in dieser Frage einnehmen und den Antrag nicht mit unterzeichnet haben, wie Graf Ballest rem, Geheimrat König, Graf Praschma, Prinz Arenberg. AlberS, Becker. Decker. Euler, Ostrop, Pingen, Rintelen, Nügenberg, Strachwitz, Stromberg, Underberg, Watte ndorf, Graf W 0 l f- M e t t e r n i ch. Ich bemerke, daß ich die Mängel des LandtagSwahlrechteS unumwunden anerkenne und für eine sachgemäße Abänderung bin. Was ich jedoch nicht wünsche, ist, daß daS System des Reichstags« Wahlrechtes ohne weiteres auf daS LandtagSwahlrecht übertragen werde." Diesen doknmentarischen Beweisen der Gegnerschaft des Rcichstagswahlrechtes gerade in den wegen ihres Besitzes führenden Zentrumskreisen ließen sich noch eine Reihe weiterer Beweise hinzufügen. Aber wir glauben, auch bereits mit diesen Zitaten nachgewiesen zu haben. daß erhebliche und einflußreiche Teile des Zentrums entschiedenste Gegner des Reichstagswahlrechtes für Preußen sind. Die Weigerung des Zentrums, sich an dem Wahlrechtskampf zu beteiligen, ist also nicht der Ausfluß irgend einer besonders„klugen" Taktik des Zentrums, sondern nur der Beweis für den Einfloß derjenigen Kreise, die von der Einführung des Reichstagswahlrcchts ebensowenig wissen wollen, wie die reaktionärsten konservativen Junker! Das Zentrum hat bisher durch seine Haltung bewiesen, daß eS entschlossen ist, nach der Devise zu bandeln: Keine Volksrcchte, aber neue VolkSbelnstnng dnrch MilitarismnS und MarinismnS. Und von diesem Standpunkte wird das Zentrum nicht eher abzubringen sein, bevor den proletarischen Wählermassen des Zentrums durch die Sozialdemokratie die Augen über den wahren Charakter der angeblichen„Volks- Partei" geöffnet werden. Für. diese Aufklärung zu sorgen, ist eine der vornehmsten Aufgaben der sozialdemokratischen Wahl» rechtsagitation._______ Zur Cljarakteriftik der preußlichen luitlzverwaltung. Vom Genossen Rechtsanwalt Otto Landsberg in Mägde» bürg erhalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Ver» öffentlichung: Ende Mai d. I. riet mir mein Arzt, im Interesse meiner Gesundheit meine Berufstätigkeit sofort auf mehrere Wochen zu unterbrechen und einen waldreichen Ort aufzusuchen. Ich übe die RcchtSanwaltspraxis in Gemeinschaft mit einem Kollegen auS; doch ist diese zu umfangreich, als daß einer von uns sie außer- halb der GerichtSfericn allein versehen könnte. Deshalb hielt ich nach einem Vertreter Umschau und ermittelte einen Referendar S., der sich mir zur Verfügung stellte. Ich reichte den Antrag, mir Herrn S. zum Vertreter zu bestellen, dem ObcrlandcSgcrichtS- Präsidenten in Naumburg a. S. ein. Es ist mir bisher kein Fall bekannt geworden, in welchem das Gesuch eines Anwalts um Bestellung eincS Vertreters abgelehnt worden wäre. Ich erhielt von dem OberlandcSgerichtS-Präsidentei, den Bescheid, meinem Antrag könne nicht stattgegeben werden, zumal ich den Grund meiner Abwesenheit von Magdeburg nicht angegeben hätte. Darauf teilte ich dem OberlandcSgerichtS- Präsidenten den Grund meines Gesuches mit und übcreichte ihm zugleich eine ärztliche Bescheinigung, die meine Angaben bestätigte. Nunmehr erhielt ich folgenden Bescheid des ObcrlandeSgerichtS- Präsidenten:' »Ihrem erneuten Gesuch vom W. d. MtS.(Mai) vermag ich nicht zu entsprechen, da die Justizverwaltung keine hin- reichende Veranlassung hat, Ihnen einen Stellvertreter in den Rechtsanwaltsgeschäften zu bestellen,� umsomchr, als Ihre Ver- trctung durch Ihren Gcschäftsgcnosscn Herrn Dr. H. bewirkt. werden kann. UcbrigcnS hat Herr Referendar S. die Ucber-> nähme der Vertretung abgelehnt." Dieser Bescheid ist vom 3 9. Mai datiert. Dieselbe Post, mit der er bei mir einging, brachte mir folgendes Schreiben des Referendars S. vom 1. Juni: „Gelegentlich einer Audienz bei dem Herrn Oberlandes- gcrichtS-Präsidenten in einer anderen Angelegenheit eröffnete mir derselbe, daß Ihre Vertretung durch mich nicht genehmigt werden würde. Offenbar ist der Herr Präsident der Meinung. daß Herr Rechtsanwalt H. als Ihr Sozius Sie vertreten könne. Ich mutz deshalb bedauern, Ihre Vertretung nicht übernehmen zu können. Aber selbst für den Fall, daß Sie nochmals wegen der Vertretung ein Gesuch an den Herrn Präsidenten richten sollten, muß ich zu meinem größten Bedauern bitten, von meiner Person Abstand zu nehmen. Mit Rücksicht darauf, daß ich meiner Militärpflicht noch nicht genügt habe, daß ich zurzeit noch Beamter bin und später Notar zu werden beabsichtige, ist mir die Uebernahmc der Vertretung nicht möglich, weil sich dieses mit dem politischen Standpunkt, den Sie offen bekennen, nicht vereinbaren läßt. Ich habe von diesem Umstände erst in den letzten Tagen Kenntnis bekommen." Am 30. Mai wußte merkwürdigerweise der Oberlandes- gerichts-Prästdent bereits, daß S. entgegen seiner früheren Zusage moine Vertretung ablehne, was S. mir erst am 1. I u n i mitgeteilt hat. Die Umstände des Falles zeigten mir deutlich, daß der OberlandeSgerichtS-Präsidcnt mir aus politischen Gründen den Vertreter versagte. Ich beschwerte mich deshalb über den Bescheid Bei dem Justtzminister und sagte in der Veschwerdeschrift nach Widerlegung deS mir mitgeteilten Versagungsgrundes�' „Dem Herrn Dbcrlandesgcrichts-Prcisidenten hat meiner Ueberzeugung nach lediglich der Ilmstand, daß ich eine ihm nicht - genehme politische Gesinnung betätige, zur. Zurückweisung meines Gesuches bestimmt." Der Bescheid des Justizministers, der mir auf meine Beschwerde zugegangen ist, lautet:. „Die in Ihrer Beschwerde erörterte Angelegenheit sehe ich als erledigt an, da der Referendar S. in B. bereits vor Erlaß des Bescheides vom 30. Mai d. Js. dem Herrn Oberlandes- gerichtS-Präsidentrn in Naumburg a. S. angezeigt hat, daß er die Uebernahme Ihrer Vertretung ablehne." Der Justizminister stellt also nicht in Abrede, daß der Ober- landesgerichts-Präsident in Naumburg sich bei der Behandlung meines Gesuches von politischen Motiven hat leiten lassen. Ich veröffentliche die Dokumente des Falles in der Annahme, daß ich damit dem Kulturhistoriker künftiger Zeiten einen Gefallen erweise. Einen Kommentar glaube ich mir ersparen zu können. Magdeburg, den 14. August 1907. Landsberg. Rechtsanwalt. Die SMunrulKti in ßelfaft. London, 13. August.(Gig. Ber.) Depeschen aus Belfast bringen Nachrichten über ernste Zu- sammenstöße zwischen Polizei, Militär und Volksmassen, die als Folge des Streiks und LockoutS zu betrachten sind. Die Zusammen- stöße sind eher Zeichen des Jugendalters der Arbeiterorganisationen als irgendwelcher tieferen revolutionären Gesinnung. Die Arbeiter vom Norden Irlands(Ulster), wo Belfast liegt, sind noch unerfahren in der Leitung von organisierten gewerblichen Konflikten. Ulster ist protestantisch, während die übrigen drei Landschaften Irlands katholisch sind. Ulster ist auch unionistisch, daS heißt für diS Aufrechterhaltung der Union zwischen Groß- britannien und Irland. Bis vor wenigen Jahren waren die EcheidungSlinien in Irland religiösen und nationalen Charakters. Ulster kämpfte gegen den Katholizismus und gegen Homerule. Jetzt ist dies anders geworden. In Irland vollzieht sich eine Klassen- teilung auf Grund wirtschaftlicher Interessen. Die Farmer des Nordens vereinigen sich mit den katholischen Farmern; die Arbeiter des Nordens organisieren sich nach den Grundsätzen der modernen Arbeiterbewegung. Wie eS gewöhnlich mit jungen und schwachen Arbeiterorganisationen der Fall ist, erwarten sie von ihren Gewerk- schaften viel mehr, als sie ihnen geben können. Hinzu kommt noch, daß die Bevölkerung des Msters kampftüchtig ist, da sie als die britische Garnison in Irland betrachtet wurde. Zu Anfang Juli brach in Belfast ein ganz unbedeutender ge- werblicher Konflikt aus, an dem nur 1S0 Docker und Kohlenfuhr- leute beteiligt waren. Der Streik führte zu einem Lockout und bald standen etwa 10(XXI Arbeiter im Kampfe. Einige hundert irische Konstabler sympathisierten mit den Streikenden, wodurch es zu einer Polizeirevolte und zu einer starken Konzentration von Militär kam. Die Bevölkerung von Ulster ist sehr hartnäckig und weder die. Unternehmer noch die Arbeiter wollen nachgeben. Die Arbeiter verlangen die Anerkennung ihrer Gewerkschaft und eine Lohnerhöhung, die Unternehmer wollen aber die Arbeiterorganisation nicht anerkennen. Da der Konflikt hauptsächlich die Docker und die Kohlenfuhrleute betrifft, so sind auch andere Arbeiterschichten in Mitleidenschaft gezogen, da mehrere Fabriken wegen Kohlen- mangels den Betrieb einstellten. Deshalb die Erbitterung und die Zusammenstöße. Die Eingriffe der Polizei führten schließlich zu einem Massenangriff der anderen Arbeiterschichten auf Polizei und Militär. Heute abend fahren die Arbeitcrabgeordneten Peter Curran und Shackleton nach Belfast, sowie der Führer der Liverpovler Docker James Sexton, um die Bevölkerung zu beruhigen. v Marokko. In und um Casablanca ist es vorläufig ruhig geworden — die Sorge über die EntWickelung der Dsnge im Lande dauert unvermindert fort. Der Pariser„Petit Parijien" bringt aus dritter Hand eine unbcglaubigte Meldung, wonach Fürst B ü l o w" sich neulich in Swinemünde lange mit Herrn Jswolsky über die französisch- deutschen Beziehungen und die Marokko-Frage unterhalten habe. Fürst Bülow soll dabei dem russischen Minister erklärt haben, daß. wenn auch zurzeit eine Ab- änderung der Algcciras-Akte, deren Dauer übrigens begrenzt ist, nicht ins Auge gefaßt werden könnte, doch nichts im Wege stünde, daß die Politik Deutschlands in der marokkanischen Angelegenheit in einem für Frankreich günstigeren Sinne orientiert würde. Die Nachricht ist, wie gesagt, durchaus unbeglaubigt und klingt etwas phantastisch. Womit wir nicht sagen wollen, daß der deutschen Regierung eine solche Schwenkung nicht zuzu- trauen wäre, die die Unsinnigkeit und Gefährlichkeit ihrer Marokkopolitik von 1905/06 ins hellste Licht stellen würde. Die Meldungen des Tages lauten: Tanger, 18. August.(Meldung der»Ageuce Havas".) Eine Meldung des AdmiralS Philibert besagt, daß sich an der Lage von Casablanca nicht? geändert habe, dagegen in M a z a g a n eine B e s s e r u�n g eingetreten sei. Nach brieflichen Nachrichten ans Casablanca vom 12. d. M. ist nach dem 10. kein weiterer all- gemeiner Angriff erfolgt. Es kämen immer noch zahlreiche Juden aus dem Innen, dort an, die von geplanten Unternehmungen der Stämme gegen die Stadt berichteten. General Drude habe die Notabeln der Stadt zu sich kommen lasten und ihnen erklärt, daß die Sicherheit der Stadt gewährleistet sei.— In R a b a t herrscht Ruhe. In Fez chaben Beratungen der ausländischen Konsuln beim Minister des Auswärtigen über Maßnahmen zur Begegnung der schwierigen Lage stattgefunden. Paris, 18. August. Admiral Philibert telegraphierte am 13. d. M. abends, daß die Ruhe in S a f f i gesichert erscheine. Die Anwesenheit derKreuzer,, Admiral Aube" und„Conds" vor M a z a g a n habe die Ruhe wiederhergestellt und die Europäer öffneten ihre Läden wieder. Die Lage in Rabat sei sehr befriedigend. Die Kreuzer.Forbin",„Galilöe",„Cassini" und zwei Torpedoboots- zerftörer würben sich ablösen, um die Verbindmig zwischen den Häfen und die Ueberwachung der Küste zu sichern. Tanger, 18. August. Nachrichten aus Fez zufolge besteht dort ebenfalls große Gefahr für die Europäer. Die in Casablanca fortgesetzt stattfindenden Kampfe machen die Stimmung sehr nervös. obwohl offenbar keine direkte Gefahr vorhanden ist. Sollte jedoch das diplomatische Korps die Absicht ausführen, Truppen zum Schutze der Stadt landen zu lasten, so würde dies nach Ansicht ansässiger Europä« einer gefährlichen Provokation gleichkommen. poUtifchc ücberlicbt, Berlin, den 15. August 1907. ..Gute",„beste" und„angenehmste" Beziehungen. In Wilhelmshöhe, wo sich am Mittwoch Eduard VII. vnd Wilhelm II. begegneten, wurden nach der höfisch offi» ziösen StilWrMg is.lgMe£ ri n H tu ä ö e setauM: Wilhelm n.t »Ich bitte Euer Majestät, der Kgiserin und Meinen wärmsten Dank entgegennehmen zu wollen für den freundlichen Bc- such, den Euer Majestät UnS beiden gemacht haben. Ich erblicke in dtefem Besuch den Ausdruck der verwandtschaftlichen i und freundschaftlichen Gefühle, die Euer Majestät hegen für die Kaiserin, für Mich und Mein Haus, Gefühle, die begründet sind in den alten Beziehungen zwischen Unseren Häusern von langer Zeit her, als wir gemeinsames Leid trugen an den Särgen Meiner lieben Eltern und an der Bahre der großen Königin, Meiner Großmutter. Zu gleicher Zeit aber er- blicke Ich in Euer Majestät Besuch den Ausdruck guter Be- ziehungen zwischen Unseren beiden Völkern. Auf der Fahrt zum Schloß konnten Euer Majestät in den Augen der Bürger von Kassel und ihrer Kinder und später bei Unserer Rundfahrt durch die schönen Fluren und stillen Wälder in den Gesichtern aller derer, welche die Ehre und Freude gehabt haben, Euer Majestät u sehen, das Gefühl dankbarer Ehrerbietung für diesen Besuch csen. Ich bitte Euer Masestät um die Erlaubnis, Mein Glas zu erheben aus das Wohl Euer Majestät, Euer Majestät er- babenen Gemahlin der Königin, des gesamten Großbritannischen Königshauses und Euer Majestät Volke?." Eduard VII.: „Ich bitte Euer Majestät von ganzem Herzen Meinen besten Tank aussprechen zu dürfen für die so gütigen und freundlichen Worte. Euer Majestät können versichert sein, daß es Mir eine große Freude bereitet hat, zu diesem leider nur so sehr kurzen Besuch hierher zu kommen. Euer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin kann Ich nicht genügend danken für den herzlichen Empfang, der Mir geworden ist, für den Empfang von feiten der Armee Euer Majestät und von dem Volke, wiO es Uns in den Straßen begegnet ist. Euer Majestät wissen, daß es Mein größter Wu nsch ist, daß zwischen Unfern beiden Ländern nur die besten und angenehmsten Beziehungen be- stehen. Ich freue Mich sehr, daß Euer Majestäten Mich bald in England besuchen werden. Ich bin fest davon überzeugt, nicht nur Meine Familie, sondern das ganze englische Volk werden Eure Majestäten mit der größten Freude empfangen. Ich erhebe Mein Glas auf das Wohl Euer Majestäten." Schade nur. daß diese„guten",„besten" und„angenehm- sten" Beziehungen des angenehmen metallischen Beigeschmacks unausgesetzter Panzerschiffsrüstungen nicht entbehren! Wie auch in den höchsten Regionen der Wind wehen mag, ob es stürmt oder ob der Zephyr säuselt: weiter- gerüstet wird auf alle Fälle! Sollten, da die Politik der gekrönten Häupter so klag- lich versagt, nicht endlich die Völker selbst das politische Steuerruder mit entschlossener, kräftiger Hand ergreifen?! Rechter und linker Flügel deS Blocks. Wie vorauszusehen war. ist die agrarkonservative Presse über die staatsmännische Rede des ebenso„klugen" als„weitschauenden und klaren" Politikers Spahn in Rheinbach hoch entzückt: denn sie bereitet ihr eine günstige Gelegenheit, der Regierung zu Gemüte zu führen, daß sie bei der Durch- sührung ihrer flotten- und kolonialpolitischen Pläne keines- wegs unbedingt auf die Freisinnigen angewiesen sei, also diesen auch nicht in der preußischen Wahlrechtsfrage größere Zugeständnisse zu machen brauche und andererseits den Freisinnigen unter Hinweis auf die Bereitwilligkeit des Zentrums zur Selbstprostitution vorzuhalten, daß sie eigentlich ganz entbehrlich seien und sich deshalb in ihren An- sprächen bescheiden müßten. So schreibt beispielsweise die „Deutsche Tagesztg.": „Er hat zwar vorsichtigerweise niemals gesagt, daß er und seine Partei dafür stimmen würden, aber wer die Notwendigkeit so klar erkannt und so überzeugend dargelegt hat. der muß schließlich den Forderungen zustimmen. Dr. Spahn hat aber damit noch em anderes erreicht. Er hat bei der Ne- gierung und besonders bei dem Reichskanzler den Eindruck erweckt, daß das Zentrum trotz seiner veränderten Stellmig zur ReichSregierung sich nicht abhalten lasten werde, berechtigte Forderungen sachlich zu prüfen und zu bewilligen. Damit hat er dem linken Flügel des Blockes keinen besonderen Gefallen getan; denn er hat damit bewiesen oder doch angedeutet, daß die Regierung auf die Unter st ützung dieses linken Flügels nicht unbedingt angewiesen ist. Dieliberale Preffe spottet deshalb weidlich über den Zentrumsführer, der sich angeblich bei der Regierung wieder habe in angenehme Erinnerung bringen wollen.... Daß mit diesem Hinweise dem Reichs- kanzler in gewiffem Sinne und bis zu einem gewissen Grade ein Gefallen getan wird, ist richtig; aber das war nicht der Zweck der Uebung. Wenn die freifinnigen Parteien noch politisch denken und urteilen können, dann werden sie die Spahnsche Rede zum Anlaß einer Revision ihres Standpunktes nehmen müssen. S i e werden nicht umhin können, ein wenig be- scheidener zu sein, und sie werden darauf verzichten müssen, Zugeständnisse zu fordern, auf die sie bei ihrer verhältnismäßigen Bedeutungslosigkeit keinen Anspruch haben. Der Reichskanzler darf aber die tröstliche Hoffnung hegen, daß er auch dann, wenn der Block infolge der Ungeberoigreit des linken Flügels in die Brüche gehen sollte, nicht zwischen zwei Stühlen sitzen würde. Wenn man die Wirkung der Spahnschen Rede in einem etwas derben Volksworte zusammen- fasten darf, so kann man sagen, er habe dem Freisinn sehr in die Suppe gespuckt." Etwas anders faßt die„ K o n s e r v. K o r r e s p." die Sache auf. Sie wendet sich an den Reichskanzler oder cigent lich über diesen hinweg an den Kaiser, um indirekt den äußersten linken Flügel des Blocks als Feind der preußischen Monarchie und seine Forderungen in bezug auf die preußische Landtagswahl als eine Gefährdung der altpreußischen Heber lieferungen zu denunzieren. In einem„Die Liberalisierung Preußens" überschriebenen Artikel verkündet sie: ES ist immer das Verlangen der Linken gewesen, die konser vativen Grundlagen, auf denen die preußische Monarchie aufgr baut ist, und die sie befähigt haben, die Einigung Deutschlands herbeizuführen, zu erschüttern. DieSmal aber glaubt die Linke. dem Ziele näher zu fein als jemals, da sie meint, derleitende Staatsmann im Reiche und in Preußen sei in vollkommener Abhängigkeit von dem für die Mehrheitsbildung im Reichstage angeblich u n e n t- behrlichenFreisinn. Der Linken dünkt es, sie könne dem Fürsten Bülow die schärfsten Bedingungen vorschreiben, Bedingungen, durch die ein für allemal die Macht des Liberalismus im Reiche wie namentlich in Preußen festgelegt werden soll, weil der Fürst ihrer Gnade oder Ungnade überliefert sei. Wir glauben nicht, daß irgend ein Kanzler des Deutschen Reiches eine derart abhängige Stellung von einer noch dazu recht schwachen parlamentarischen Partei werde einnehmen wollen---- Es ist ganz unberechtigt, wenn jetzt wieder verlangt wird, Preußen solle liberalisiert werden, weil das bisherige System sich überlebt habe. An den konservativen Grundlagen des preußischen Staates rütteln, heißt an der preußischen Monarchie rütteln. Wären diese Grundlagen überlebt, so würde Preußen nimmermehr sich zum mächtigsten und führenden Staate Deutschlands emporge- schwangen haben. So intrigiert der rechte Flügel des Blocks gegen den linken. Eine famose Einheit, dieser konservativ-ngtioml- liberäl-freisinnige Parteiklotz!— Der Triumph der Drückeberger. Die„Weser-Ztg.", das Organ des hanseatischen Freisinns, das vom Rcichstagswahlrccht für Preußen ebenso- wenig wissen will, wie Herr H o r m a n n vom allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht ftir Bremen, jubelt: „ES war Zeit, daß Personen und Blättern, die nun einmal von der Allmacht zu nichts so völlig ungeeignet ge- schaffen sind wie zu Führern in der politischen Strategie,»In gründliches Halt zugerufen wurde, als sie toll- kühn mit einem„alles oder nichts" in die preußische Wahlrechts- frage hineinspringen wollten. Es wird anerkannt, daß von den frcisimngeu Blättern die„Weser-Zeitung" den ersten Mahn- ruf erlassen hat. Zu unserer Freude sind wir nicht allein geblieben. Wie wir bereits mitgeteilt haben, sind gewichtige Zeugen auf unsere Seite ge.tr eten. Man kaun bereits sage», daß der Versuch, in der Wahlrcchtsfrnge die Freisinnigen auf eine falsche Fährte zu führen, ebenso abgeschlagen ist, wie daS tollpatschige Unternehmen, den gestürzten Posadowsky als Hort einer liberalen Sozialpolitik an das Schiff der Freisinnigen zu vertäuen." Die„Weser-Ztg." hat allen Grund zu jubeln. Die Naumann und Gesinnungsgenossen scheinen faktisch an die Wand gedrückt zu sein, während die KonzessionSschulzes und Befürworter des Vierklassenwahlrechts-KompromtsseS trium- phieren! Wie der Freisinn an Stelle des Grafen Posadowsky den ebenso agrarischen aber sozialpolitisch ungleich rück- ständigeren Bethmann-Hollweg gebracht hat, so hat er bereits an Stelle des Re i ch s t a g s w a h lr e ch t es das Vierklassen-Wahlrecht gebracht! Der Freisinn marschiert unter der Führung der hanseatischen Pfeffersäcke mit fliegenden Fahnen in den politischen und sozialpolitischen Suiilpf!__ Wie sich in Polizeiköpfen die Welt malt. Ein freundlicher Zufall hat der„V o l k s w a ch t" zu Breslau einen geheimen Bericht des Brcölauer Polizei- Präsidenten an den Ersten Staatsanwalt zu Breslau zuge- tragen, den Herr Dr. Bienko nach der am Morgen des 1. Mai vorigen Jahres aufgelösten Tivoliversanimlung noch am Mittag desselben Tages gesandt hat und in dessen Verfolg Genosse Albert dann ain Abend des gleichen Tages unter der Beschuldigung der Aufreizung zum Klassenhaß in Unter- suchnngshaft genommen wurde. Dieser Bericht befindet sich bei den geheimen Beiaktcn der Staatsanwaltschaft zu dem Tivoliprozeß. In ihm heißt es: „Es tritt immer klarer zutage, daß die eigentlichen Urheber der gegenwärtigen Arbritcrunruhrn, die die Grundlagen des Staates und der öffentlichen Ordnung in bedenklicher Weise zu erschüttern beginnen, die sozialdemokratischen Agitatoren sind, denen es ausschließlich um ihre parteipolitischen Interessen zu tun ist. Hier in Breslau treiben, wie die Fälle L ö b e und K l ü h s beweisen, diese systematische Verhetzung der Massen in erster Linie die sozialdemokratischen Redakteure der„Volksmacht", deren er- logenc Berichte über die Borfälle des 10. April und aufreizende Artikel alles bisher auf diesem Gebiete Beobachtete in den Schatten stellen. Diesen schamlosen Aeußerungen der Presse reiht sich würdig an die in dem anliegenden Bericht wiedcrgegcbene Rede des Redakteurs Albert, in welcher von Bcmabruiig der Ruhe direkt abgemahnt und ausdrücklich auf die Gewalttaten der Jahre 1848/40 und auf die Verbrechen der russischen Revolution, die noch frisch im Gedächtnis stehen, als nachzuahmende Vorgänge hingewiesen wird. Wenn gegen derartige Agitatoren nicht mit der vollen Strenge des Strafgesetzes eingeschritten wird, dürften sich alsbald, speziell hier in Breslau, Zustände etablieren, deren bis Polizeibehörde kaum noch Herr werden könnte." Trocken bemerkt die Breblaucr„Volksmacht" zu dieser Blüte polizeilichen Scharfsinns und polizeilicher Scharf- macherei: „Wir stellen nur fest, daß der Polizeipräsident Dr. Bienko wegen der„erlogenen Berichte über die Vorfälle des 19. April" gegen die„Volksmacht" keinen Strafantrag gestellt hat, und daß Genosse Albert, trotzdem er nach Herrn Bienko„von Be. Wahrung der Ruhe direkt abgemahnt" und„ausdrücklich auf dir Gewalttaten der Jahre 48/49 und die Verbrechen der russischen Revolution als nachahmenswerte Vorgänge hinge- wiesen" hat, von der Strafkammer von der Anklage der Auf- reizung zum Klassenhaß freigesprochen worden ist. Preuflischcr Staatöhnushaltsctat für 1908. Im preußischen StoatSministerium scheint man eS für nötig zu halten, schon jetzt darauf hinzuweisen, daß der nächste Etat nicht nur recht beträchtliche Mehrforderungen enthalten, sondern dem preußisckicn Landtage auch später zugehen wird als in früheren Jahren. Die „Verl. Polit. Nachrichten" veröffentlichen folgende olffziöse Notiz: „CS ist bekannt, daß im Etat für 1008 verschiedene bedeut- same Neuforderungen in die Erscheinung treten werden. Um ihre Höhe anzudeuten, braucht nur an zwei, an die Aufbesserung der Beamtengehälter und an die Folgen deS Sckml- unterhaltungSgesetzeS erinnert zu werden. Verschiedene Kosten, die durch die Ausführung des letzteren Gesetzes hervor- gerufen werden, sind tzereits auf den Etat für das laufende Jahr übernoinmen, der Rest Oer infolge deS Gesetzes notwendigen Neu- forderungen fällt ober auch noch ganz bcträchlliS ins Gewicht. Auch das neue Richterbesoldungsgesetz wird noch Rückwirkungen auf den nächstjährigen Etat ausüben u. v. a. m. Die DeckmigS- frage, die ja bei jeder Etatsaufftellung die unangenehmste ist, wird sich deshalb diesmal in Preußen ebenso, wie im Reiche, noch schwieriger ge st alten. alSes schon bisher der Fall war. Dementsprechend wird nMürlich auch der SparsamkeitS- gesichtspunkt auf anderen Gebieten, auf denen die Notwendigkeit von Mehrausgaben nicht so stark vorhanden ist, noch mehr Berücksichtigung finden müssen. Kurz eS wird für den preußischen StaatShaushaltseta! auf 1S03 eine Genauigkeit in der Prüfung der Ausgaben ein- treten, wie sie Wohl kaum überboten werden kann. Wurde schon in früheren Jahren der Etat selten lange vor Weihnachten fertig gestellt, so wird man im laufenden Jahre diesen Zeitpunkt sicher herankommen sehen, ehe mit der Etatsdrucklcgung begonnen werden kann. Sollte also auch der preußische Landtag diesmal früher als sonst zusaminenberufc» werden, so würde ihm der Etat für 1003 vorauSsichllich doch erst wie gewöhnlich in der ersten Hälfte des Januars unterbreitet werden können."_ Flottenstärke. Die deutsche Kriegsflotte hat sich, wenngleich sie natürlich den Anforderungen der Keim und Konsorten noch bei weitem nicht ge« nügt, im letzten Jahrzehnt recht schön entwickelt. Ihre Etatsstärke hat sich feit 1807 mehr als verdoppelt. Sie betrug nämlich 13V7 »3 403 Mann, 1V01 31171 Mann. 1904 38 406 Mann. 1907 46 951 Mann und wird im nächsten Jahre sicherlich 80 000 Mann übersteigen— nach den Ansichten der Zentrumsführer. wie Herr Dr. Spahn in Rheinbach erzählte, allerdings noch immer viel zu wenig Tie„christliche Internationale". In Zürich tagt gegenwärtig der vierte internationale Kongreß christlicher Textilarbeiter» Lrgani« sattonen. Nach dem bom internationalen Sekretär Huising (Enslhede, Holland) im Verbandsblatt der christlichen Textilarbeiter Deutschlands veröffentlichten Bericht gehören der internationalen Bereinigung christlicher Tcxtilarbeiterverbände 403 Ortsgruppen mit 56 137 Mitglieder an. davon kommen 36 904 auf Deutschland, 4700 auf Holland. 4600 auf Belgien, die übrigen verteilen sich auf Frank- reich, Dänemark usw. Von feiten der internationalen Vereinigung der Textilarbeiter ist der Versuch gemacht worden, auch die übrigen christlichen Ge- werkschasten für den internationalen Gedanken zu gewinnen. So hat man sich um das Zustandekommen eines internationalen christlichen Arbeiterkongresses bemüht; an fast sämtliche christliche und konfessionelle Arbeiterführer sind dicserhalb Fragebogen geschickt worden, aber nur einige dieser Fragebogen sind, und dazu noch unvollkommen beantwortet, zurückgekommen. Auch mit der Veranstaltung eines internationalen Kongresses christlicher Gewerkschaften hat man sich be- schästigt. Im Jahre 1906 hatten sich fünf Länder mit 63 Verbänden und 296 675 Mitgliedern für die Abhaltung eines solchen Kongresses ausgesprochen. Der Zweck dieses Kongresses soll, wie cS im Bericht des internationalen Sekretär? heißt, die Gründung einer internationalen Bereinigung christlicher Gewerkschaften sein, um so der roten Jnter- nationale eine christliche Internationale ent- gegenzusetzen. Aus Holland kamen jedoch, infolge des Ein- grrifenS der Bischöfe in die dortige christliche Gewerkschaftsbewegung, Bedenken, und so ist eS denn bisher bei der Absicht geblieben: doch soll der Plan der christlichen Internationalen weiter verfolgt werden.—_ Der Volksverein für das katholische Deutschland zählte nach der soeben vom Vorstand veröffentlichten Aufstellung am 31. März 1906 an Mitgliedern 624 666, was gegen den gleichen Termin im Vorjahre eine Zunahme von 40 437— 8,4 Proz. bedeutet. Bon der Gesamtmitgliederzahl entfällt die weitaus größere Hälfte auf die beiden Provinzen deS Westens: Rheinland 177 217, Westfalen 121 502. Sonst kommen in Betracht Elsaß-Lothringen mit 82 527, Württemberg 30 100, Baden 27 547, Hessen-Nassau 25 180, Bayern 24796, Hannover 24297. Im Osten ist nur Schlesien mit 25816 Mitgliedern vertreten, die übrigen Länder und preußischen Provinzen zäh len 7000 und darunter; Ostpreußen. Wcstpreußen, Posen und Pommern haben zusaminen nur rund 1200 Mitglieder. 10,3 Proz. aller katholischen Männer über 21 Jahre gehören in Deutschland dem Bolksverein an, in Rheinland sind es 17,6, in Westfalen 30,1 Proz. Im übrigen hat der Volksverein bereits für das erste Halbjahr 1907 eine weitere Zunahme zu verzeichnen, die größer ist als die Zu- »ahme des ganzen vorigen JahreS. Namentlich für die beiden West- Provinzen hat das Zentrum sich im Volksverein eine Organisation geschaffen, der gegenüber die Sozialdemokratie einen überaus schweren Stand hat.—_ Herbst-Manöver. In verschiedenen Gegenden haben sich die ländlichen Groß- grtindbesitzer an die Generalkommandos der Armee und an die höheren Verwaltungsbehörden mit dem Ersuchen gewandt, wegen der Verspätung der diesjährigen Ernte die Hcrbstübimgcn der Truppen hinauszuschieben, und, wie in Anbetracht des engen Zu- sammenhanges zwischen der Armee und Großgrundbesitz selbstver- ständlich ist, haben die Generalkommandos diesem Wunsche die Gc- Währung nicht versagt. So sind z. V. die Herbstübungen deS ersten Armeekorps um sieben Tage hinausgeschoben und die Fcldartillerie- brigade soll mit der Bahn inS Gelände befördert werden, so daß die Ein- quartierungslast etwas geringer wird. Ferner ist auf die Vorstellung des mecklenburgischen MinsteriumS seitens des Generalkommandos des 9. Armeekorps erwidert worden, daß die Geländeübungen der 17. Feldartilleriebrigade ausfallen und die Geländeübungen der 18. Feldartilleriebrigade unter jeglicher Vermeidung von Flurschäden und Störung landwirtschaftlichen Betriebes dagegen abgehalten werden sollen. Eine Antwort des Generalkommandos des 3. Armee- korps, betreffend die Truppenübungen der 6. Division, welche übrigens erst im September in Mecklenburg stattfinden, ist noch nicht eingegangen.— Tie russisch-japanische Konvention. Petersburg, 14. August. Die Konvention, die von Rußland und Japan ani 30. Juli d. I. in Petersburg unterzeichnet worden ist, hat folgenden Wortlaut: Die Regierung Sr. Majestät des Herrschers aller Reußen sowie die Regierung Sr. Majestät des Kaisers von Japan haben, beseelt von dem Wunsche, die friedlichen und freundnachbarlichen Be- Ziehungen, die zwischen Rußland und Japan glücklicherweise wieder hergestellt worden sind, zu befestigen und für die Zukunft jede Ver- anlassung zu Mißverständnissen in den Beziehungen der beiden Kaiserreiche zu entfernen, die folgenden Vereinbarungen getroffen: Artikel 1. Jeder der beiden hohen Vertragschließenden ver- pflichtet sich, die gegenwärtige territoriale Integrität des anderen zu achten, ebenso wie auch alle Rechte, welche für den einen oder anderen Kontrahenten aus den Verträgen, Uebercinkommen und Abkommen entspringen, d>e zwischen den Vertragschließenden und China in Kraft stehen, und von denen Abschriften zwischen den Vertragsmächten ausgetauscht sind, soweit diese Rechte nicht mit dem Prinzip der Gleichberechtigung unvereinbar sind, welchSS in dem in Portsmouth am 5. September 1605 unterzeichneten Vertrage sowie in den besonderen zwischen Japan und Rußland geschlossenen Konventionen aufgestellt ist. Artikel 2. Die beiden hohen Vertragschließenden erkennen die Unabhängigkeit und territoriale Integrität deS Kaiserreiches China sowie das Prinzip der Gleich- berechtigung hinsichtlich des Handels und der Industrie aller Nationen in dem genannten Kaiserreiche an und verpflichten sich., für die A u f r e ch te r h a l t u n g und Verteidigung des status quo und die Achtung dieses Prinzips mit allen friedlichen Mitteln, die ihnen zu Gebote stehen, einzutreten. Gezeichnet: Jswolski, Motono., Schweiz. Bürger zweiter Klasse. Auch die demokratische Schweiz hat nun ihren Fall Schäuffele. Am 30. Juni wurde anläßlich der GesamterneuerungSwahlen als Vertreter der sozialdemokratischen Partei der Weichenwärter Hanhart in den Großen Stadtrat chon Zürich gewählt. Kurz vor der Wahl, als eine� Aenderung der Kandidatenliste nicht-mehr möglich war, wurde ihm von der Kreisdirektion der Bundesbahnen auf dem Dienstwege mitgeteilt, daß ihm die Annahme einer auf ihn fallenden Wahl nicht gestattet werden könne. Zehn Tage nach der Wahl gelangte er dann in den Besitz eines Protokollbeschlusses der Kreisdirektion, durch welchen er über die Motive der ihn be- troffenen Maßnahme unterrichtet wurde. Daraus erfährt man, daß dem Genossen Hanhart das ihm von der Äantonsverfassuiia .......-• d......■■—" auf es benwärter außer an seinen gesetzlichen Ruhetagen nicht auch sonst noch wöchent- lich ein- oder zweimal durch einen mit der Eigenart des Dienstes auf dem betreffenden Posten nicht in gleichem Maße vertrauten Ersatzmann abgelöst, vielmehr der Dienst auf einem bestimmten Posten auch möglichst regelmäßig von dem nämlichen Angestellten besorgt werde."— Man sollte glauben, daß eine Eiscnbahnver- waltung im Interesse der Verkehrssicherheit nur mit dem Posten eines Weichenwärters vollständig vertraute Ersatzleute verwendet. Nur wenn man annimmt, daß dieser Pflicht nicht vollständig genügt wirb, kann man in der Begründung der gegen den Genossen Hanhart gerichteten Maßnah«» etwas andekcS als eine bloße faule Ausrede, und in der Maßnahme selbst etwaS anderes als eine Matz- regelung wegen der politischen Gesinnung des Genossen Hanhart erblicken. Der Protokollbeschlutz enthält aber zudem eine Ueber- treibung, die es schlechterdings unmöglich macht, auf feiten der Kreisdirektion etwas anderes"als politische Motive anzunehmen. Genosse Hanhart käme nämlich als Mitglied des Großen Staats- ratcs nicht wöchentlich„ein- bis zweimal" in die Lage, seinem Be- rufe nicht obliegen zu können. Der Stadtrat hält im Jahre durch- schnittlich etwa 23 Sitzungen ab und Genosse Hanhart hat ab- jwcchslungsweise auch Spätdienst, sodaß er nicht für alle Sitzungen auf seinem Posten als Weichenwärter ersetzt werden müßte.— Natürlich wird es vorläufig dabei sein Bewenden haben, daß eine ganze Berufsgruppe unserer Bundesbahnen nur noch des aktiven Wahlrechts teilhaftig sein kann, denn es ist nicht daran zu denken, daß die Generaldir.cktion der Bundesbahnen anders entscheiden würde als die Kreisdirektion.—• Die Ersatzwahl ist auf den 8. September angesetzt.— Dänemark. Wider die Herrschaft der Kirche i« der Volksschule. In der vorigen Woche fand in Kopenhagen ein großer Schulkongretz statt, an dem ungefähr 2500 Lehrer und Lehre- rinnen Dänemarks teilnahmen. Zu den Unkosten hatte der dänische Reichstag 10 000 Kronen bewilligt. Es wurde über verschiedene wichtige Fragen des Schul- und Erziehungswesens verhandelt. Das Wichtigste ist, daß der Kongreß mit allen gegen eine Stimme eine Resolution annahm, in der� Beseitigung der geistlichen Schul- aufficht und Einführung einer pädagogisch sachverständigen Aufsicht, sowie einer von Ver- trctcrn der Bevölkerung auszuübenden Kon- trolle der Schulen verlangt wird. Weiter wurde über das Verhältnis zwischen Kirche und Schule und besonders über den Religionsunter- r i ch t gesprochen. Minder radikale Lehrer sprachen sich dafür aus, daß wenigstens jeder Zwang zur Teilnahme der Kinder am Religionsunterricht beseitigt werde, und ebenso für die Lehrer jeder Zwang, Religions- Unterricht zu erteilen. Radikaler gesinnte Lehrer wünschten dagegen, daß der Religionsunterricht selbst aus der Schule verschwinde. Lebhaft wurde auch über die Gehaltsverhältnisse der Volks fchullehrer diskutiert, die auf dem Lande besonders verbesserungS bedürftig sind.„Wir Lehrer wollen keine Pariakaste sein, sondern daß wir streiken sollen, aber beharrlich und mit Festigkeit unsere Forderungen stellen."— Die Frage des Streiks wurde denn auch nicht weiter berührt. Man nahm eine Resolution an, worin eine durchgreifende Gehaltsreform verlangt wird. Tie gesetzgebenden Körperschaften Dänemarks werden nicht umhin können.'sich ernsthaft mit den auf dem Kongreß erörterten Fragen zu befassen. Sie haben mit einer gut und stark organi- sierten Lehrerschaft zu rechnen, die einen großen Eumuß auf die öffentliche Meinung ausübt. Amerika. Das neue Arbeiterschutzgcsetz in New Aork. Die Notwendigkeit des größeren Schutzes der Industrie arbeiterfchaft in den Betrieben hat ein neues Arbeiterschutzgesetz in der letzten Session des New Dorker Staatsparlaments zustande kommen lassen. Es sieht eine Reorganisation b«s New Dorker Arbeitsamtes vor und räumt mit der Konfusion auf, die durch das Gesetz von Jahre 1901 betreffend die Errichtung eines Bureaus für Arbeiterstatistik, einer Fabrikinspektion und eines Schicks- und Vermittelungsamtcs entstand. Das neue Gesetz vermehrt die Zahl der Beamten bedeutend; daS Amt wird mit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Oktober 95 Beamte zählen, an deren Spitze der Commiffioncr of Labor steht. Das Gesetz ermächtigt ferner den Minister der öffentlichen' Arbeiten, dem Department of Labor die Dampferinspcktoren zuzuteilen. Da nun deren Arbeit für die Schiffahrt in den Winiermonat.cn ruht, gewinnt das Labor-Dcpartment für diese Zeit die wertvolle Arbeitskraft zweier technischen Sachverständigen, die dann im Dienste der Gewerbe- und Fabrikinspektion arbeiten werden. Einer von den Beamten der letzteren Kategorie wird sich vornehmlich der Inspektion der Tunnclbautcn und des Tiefbaues widmen, die jetzt in New Dort eine solche Ausdehnung annehmen, daß sie die ganze Bergbau- industric im Staate an Bedeutung zu überflügeln scheinen. Sie sind es auch, die vornehmlich an der hohen Sterblichkeitsrate und den vielen Unfällen schuld sind. Das Gesetz sieht ferner die strengere Dampfkcsselrevision namentlich bei Lokomotivkesseln vor, die in die Hände einer Kom- Mission gelegt ist. welche auch zugleich die Befugnis hat. die ihr für den Schutz der betreffenden Arbeiter als zweckmäßigst er- scheinenden Verbesserungen anzuordnen und den Transport-, Gas- und Elektrizttätsgescllschaften zur Befolgung aufzugeben. Das Gesetz bestimmt ferner, daß die Plattformen von Straßenbahnen im Winter geschlossen werden, um die Wagenführer gegen die Un- bilden der rauhen Witterung zu schützen und sieht weiter� eine prompt funktionierende Ventilation namentlich der Wcrkräume vor, in denen übelriechende und gesundheitsschädliche Dünste, Gase und Dämpfe entstehen. Für Formereien und Gießereien fordert das Gesetz Gelegenheiten und Vorrichtungen zum Trocknen der Kleider der Former und Gießer, sowie Waschgelegcnheit für sie. DaS Gesetz, da» mit dem 1. Oktober in Kraft tritt— seine Annahme erfolgte am 15. Juni—, unterscheidet vier Gruppen von Arbeitern, die einen besonderen Schutz bezüglich der Arbeitszeit genießen: 21 Jahre alte und ältere Frauen, jüngere Frauen, 16 bis 21 Jahre alt, junge Männer, 16 bis 18 Jahre alt, und Knaben und Mädchen. 14 bis 16 Jahre alt. Kinder unter 14 Jahren sind von der Fabrikarbeit überhaupt ausgeschlossen. Für Männer über 18 Jahre gibt eS im allgemeinen keine Beschränkung der Arbeitszeit. Die MaximalarbcitSzeit für Kinder(14 bis 16 Jahre) wird von 9 auf 8 Stunden pro Tag heruntergesetzt, und zwar mit der Bestimmung, daß sie am Tage zwischen 8 Uhr morgens und 5 Uhr nachmittags liegen mutz. Die Zugehörigen der anderen drei Gruppen dürfen bis zu 60 Stunden in der Woche be- schästigt werden, und zwar mit einigen Ausnahmen bis zu 10 Stunden pro Tag. Dabei dürfen junge grauen nicht nach 9 Uhr abends, junge Männer nicht in der Zeit von 12 bis 4 Uhr nachts beschäftigt werden. Die über 21 Jahre alten Frauen sind gemäß einer Gerichtsentscheidung bedauerlicherweise an keine bestimmte Tageszeit gebunden. Die Praxis vieler Unternehmer, die Arbeiter zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Stellen zu beschäftigen und damit die ArbeitSzeitbcschränkung zu umgehen, ist durch be- sondere Bestimmungen verboten. Die Beschränkung der Arbeitszeit ist durch die Gesetzgebung auf erwachsene Männer ausgedehnt worden in solchen Fällen, wo konstitutionelle Vorbehalte da? gestatten, z. B. bei Eisenbahnen, wo eS die öffentliche Sicherheit dringend erheischt. So haben die Eisenbahn-Telegraphisten und andere Beschäftigte, die Eisenbahn- Meldungen übermitteln, den Achtstundentag, während das Eisen- bahnpcrsonal nicht länger als 16 Stunden hintereinander im Dienste sein darf. Eine neue Schicht darf erst wieder beginnen, nachdem das Personal 8 Stunden ausgeruht hat. Die Anwendung des Zehnstundentages auf die Angestellten bei Straßenbahnen ist durch das Gesetz auf die Städte mit einer Bevölkerung mit wenigstens 50 000 Einwohnern ausgedehnt worden(früher nur bei denen mit mindesten? 100000). Alle diese Bestimmungen sowie noch manche andere machen sich auf dem Papier ganz schön. Hoffentlich werden sie auch so gut durchgeführt, wie das Labor-Departmcnt anscheinend möchte.... (New Dork Labor Bulletin Nr. 33, Juni M7). Soziales. Nährwert und Preis der Nahrungsmittel stehen keineswegs immer in richtigem Verhältnis zu einander. Wer mit knappen Mitteln eine Familie satt zu machen hat, wird gut tun, folgendes zu beachten: Der Einkauf von magerem Fleisch ist unvorteilhaft. selbst wenn dieses etwas billiger ist, wie Fletsch von gemästeten Tieren. Denn mageres Fleisch enthält 70 b i s 80 P r o z. W a s s e r. Mit dem steigenden Fettgehalt sinkt der prozentuale Wassergehalt des Fleisches bis aus 40 bis 45 Proz. Wer 1 Pfund fettfreieS Fleisch kauft, kauft% Pfund Wasser mit; wer 1 Pfund fettes Fleisch kauft, kauft nur Vn Pfund Wasser mit. Folgende Tabelle» die einem kürzlich erschienenen Buch des NahrungsmittelchemikcrS Dr. W. B r e m e r über„Nährwert und Geldwert unserer Nahruno" entnommen ist, mag das noch genauer veranschaulichen. Fettgehalt Wassergehalt 1—2 Proz. 76 u. mehr Proz mager mittel fett mager fett mager fett ' mager fett 5—6 24 0'Z 7-$ 5-6 29 7 37 72-73 55 79 72 76-76 51 73 47 Rind-(Ochsen) fleisch Kalbfleisch. �;. Hammelfleisch �. Schweinefleisch!. �... Wenn das Geld also nicht langt zu einem ausreichenden Stück Fleisch guter Qualität— und leider ist das ja im Arbeiterhaushalt die Regel— dann ist es immer noch vorteilhafter ein kleineres Stück Fleisch von fettem als ein größeres von magerem Vieh zu kaufen. Was das nächstwichtige Nahrungsmittel, das Brot, anlangt, so beachte man die durch zahlreiche Versuche erklärte Tatsache, daß die in der Schale des GctrcidekornS enthaltene Hslzfafer für den Menschen unverdaulich ist und empfindlichen Magen- und Darmkanälen Beschwerden macht. Alle gröberen Brotsorten ent» halten verhältnismäßig viel solcher Schalenrückstände(Kleie). � Den Einfluß der Zusammensetzung des Brotes auf seine Verdaulichkeit illustriert nachfolgende Tabelle. ES waren verdaulich: vom vom von den Eiweißgehalt Fett Kohlenhydraten bei feinerem Weizenbrot 81.1 Proz. 70.4 Proz. 98,0 Proz. 76.0 gröberem Grahambrot(aus ganzem Korn)... 72,0 Roggenbrot(feineres Graubrot).... 72,9 Kommißbrot... 68,1 Pun, pernickel(westf. Schwarzbrot)... 60,2 Weizen- Roggenbrot 75,0 60,4 54.2 50.0 50.0 50,0 49,3 97.0 92.0 95.0 93,0 90.0 94.0 mit Zusatz v. Mager- milch gebacken.. 80,0, 50,0„ 07,0» „Die Zahlen beweisen"— bemerkt Dr. Bremer dazu—„daß Brot aus feinen Mehlen für die Ernährung des Menschen weit dienlicher ist als gröberes Brot, welches niemals so hoch aus- genutzt werden kann."— Wer kräftige Verdauungsorganc hat und ferne sitzende Lebensweise führt, für den gilt das freilich nicht. Der nutzt auch grobes Brot gut und ohne Beschwerden auS; er mag es also, wenn er es des„kräftigen" Geschmackes wegen vor- zieht, genießen. ES hängt ganz von der Größe des Prcisunter- ichiedcs ob, ob er dabei billiger fährt. Bcs geringem Preis- unterschied sind die feineren Brotsorten jedenfalls die relativ billigsten. Noch ein Wort zu den flüssigen Nahrungsmitteln. Bier, Wein, Branntwein enthalten nur minimale Mengen von NahrungSstoffcn. Es sind Genutzmittel, keine N a h r u» g s- mittel. Das bißchen Nahrung wird in ihnen sehr teuer erkauft. Ganz das gleiche gilt für Kaffee und Tee. Wer seiner Familie ein relativ bissiges, weil nahrhaftes und gesundes Frühstück verschaffen will, der stelle morgens eine Kanne in Milch gekochten Kakao auf den Tisch. Milch ist � immer noch ein relativ sehr billige? Nahrungsmittel(100 Nährwertcinheiten kosten in Vollmilch 9 bis 10 Pf., in Magermilch 7 bis 8 Pf., gegen 15 bis 30 Pf. in Fleisch). Hinsichtlich des Kakaopulvers aber hat der Heidelberger Physiologe Professor R. Neumann durch viele Ex- perimente nachgewiesen, daß die weniger entfetteten, also billigeren Sorten vom Magen am besten ausgenutzt werden. Nur dürfen sie nicht viel Schalenteile resp. Holzfaser enthalten. Man kaufe also die weniger entfetteten Marken einer soliden Fabrik._ Die verweigerte Gcldannahme. In Kreisen der Handlungs- gehülscn herrscht der weitverbreitete Irrtum, daß, sofern man bei Differenzen mit dem Prinzipal einen Teil des beanspruchten Ge- haltS annimmt, man sich seiner wetteren Rechte damit begibt. Die in diesem Irrtum befindlichen verweigern daher die Annahme des ihnen per Post zugehenden Betrages, zumal wenn die Firma den Vermerk„Zum Ausgleich" hinzufügt. Der Angestellte kann aber auch in diesem Falle das Geld ohne Einbüßung seiner Rechte an- nehmen, da die einseitige Erklärung des Prinzipals für ihn nicht rechtsverbindlich ist. In der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer des KaufmannSgertchts kamen allein drei solcher Fälle zur Ver- Handlung. Der Vorsitzende wies die Angestellten darauf hin, daß sie Geld, das ihnen von der Firma zugeht, auf alle Fälle annehmen sollen. AuS der Nichtannahme kann ihnen sogar unter Umständen ein Schaden erwachsen, denn im Falle des Konkurse» der Firma kann der Angestellte den verweigerten Betrag nicht mehr als Forderung geltend machen. Die RechtSfreunde. Aus dem Bureau der«Vereinigung der RechtSfreunde" geht unS eine als„Erklärung" deklarierte Reklame zu. Wir glauben nicht, daß die Herren wirklich so naiv sind, un» ernsthaft die Ver- öffentlichung der Empfehlung ihre« Instituts zuzumuten. Nebenbei erwähnen sie, es sei ihnen nicht bekannt gewesen, daß der verletzte Arbeiter ein armer Teufel war. Sondervarl Die„RechtSfteuude" suchen wohl Millionen bei Leuten, die mit dem Armenschein zu ihnen kommen! Wenn die Rcchtsfreunde etlvaS zu berichtigen haben, dann mögen sie kommen._ Pfui Teufel dir Arbeit«! Die„liberale"»Augsburg« Abendzeitung" enthält in ihrer Nr. 195 eine Forderung an die Eisenbahnverwaltung, wonach in Lokalzügen Wagen für bessere Leute und für Arveiter eingestellt werden solle», denn „e« ist gerade nicht angenehm. namentlich mit Kindern den Zug auf- und abspringen zu müssen, bi» man endlich mit sauberen Kleidern bei den meistens mit Schmutz überzogenen Arbeitern Platz findet und deren oft noch schmutzigere Uiiterhaltuug mit an- hören muß." Vor den Wahlen hätte sich daS liberale Blatt gehütet, eine solche Gemeinheit sich zu leisten! Huö Induftm und Randd. Schulbeuwirischaft. Die Schulden folgender Städte sind im Zeitraum von 1896 bis 1905 wie folgt gewachsen: Düsseldorf von 29 Millionen ans 69 Millionen Mark Köln... 43» ,109., Berlin.» 273,, 423,» Breslau., 51,» 75,, Frankfurt. 65,, 183,, Hannover, 50,, 67., Die Schuldenlast der sechs aufgeführten Städte zusammen stieg von 511 Millionen Mark auf 926 Millionen Mark. Die Pump» Wirtschaft der Kominunen im letzten Jahre hat sehr viel zu der prekären Lage des Geldmarktes beigetragen. Konkurse. Zahlungsschwierigkeiten bei dem Warenhause Pflügst haben Mr Eröffnung des Konkurses geführt. Es sollen zirka MO Gläubiger vorhanden sein. Zu diesen gehört auch die Deutsche Bank mit einer Summe von 600 000 M.. wofür allerdings eine KautionS- Hypothek eingetragen ist.— Die Berliner Schuhfabrik G. m. b. H, hat ihren Gläubigern Ve Million Passiven vorgesetzt. Es soll ein Vergleich zu 33'/, Proz. vorgeschlagen werden. Kampf gegen Konsumvereine. Der Verband der Fabrikanten von Markenartikeln hat gegen die Konsumvereine durch Boykott einen Kampf begonnen. Der Verband schreibt bestimmte Verkaufspreise vor, angeblich, um dadurch zu verhindern, daß mit den Artikeln Schmutzkonknrrenz getrieben wird. Die Konsumvereine stehen auf dem Standpunkt, das; tatsächlich nur angestrebt werde, die Preise heraufzusetzen, und lehnen es ab, sich den Bestimmungen des Ver- bandes zu fügen. Die„Konfumgenoffenschaftliche Rundschau" be- merkt zu der Angelegenheit: Die Differenzen begannen in Frankfurt a. M., wo die Groß- detaillistcn, die zahlreiche Verkaufsstellen in allen Teilen der Stadt haben, statt Rabattmarken zu geben, bei Markenartikeln den Rabatt gleich abzogen. Von dem Konsumverein aber wurde gefordert, daß er, da er am Jahresschlüsse Rückvergütung verteilt, den festgesetzten Preis der Markenartikel einhalten müsse. Die Groydetaillisteu wurden dadurch in die Lage gesetzt, die Marken- artikel 1 bis 2 Pf. oder mehr nominell billiger zu verkaufen als der Konsumverein. Das wirkte dem Konsumverein gegenüber als eine schwere Benachteiligung, indem dadurch daS kaufende Publikum auf den Gedanken gebracht wurde, der Konsumverein sei weniger leistungsfähig als jene Grosidetaillisten. Darum konnte auch der Konsumverein, um seiner Existenz willen, die Forderung einer Ein- Haltung des Mindestverkaufspreises nicht erfüllen. Er war gezwungen, nominell zu demselben Preise zu verkaufen wie die Grotzdetaillisten. Darauf wurde dem Konsumverein von dem Markenschutzverband der Warenbezikg gesperrt. Die Konsumvereine werden sich bemühen, für die gesperrten Artikel andere gleichwertige Ware einzuführen. Der englische Außenhandel im Jnli 1907. Die aufsteigende Bewegung des englischen Außenhandels vollzieht sich ohne Unter- brechung. Sowohl Einfuhr wie Ausfuhr wiesen im vergangenen Monat erhebliche Zunahmen auf, besonders aber die Aussuhr, die eine der höchsten Ziffern erreichte. Die Einfuhr betrug 52 213 304. die Ausfuhr 40 452 331 Pfd. Sterl.: gegen den Parallelmonat des Jahres 1906 zeigt die Einfuhr ein Plus von 3 605 505. die Ausfuhr ein Plus von 7 009 369 Pfd. Sterl. Der größte Teil der Export- zunähme entfällt auf Fabrikwaren. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres betrug die Einfuhr 3L0 562 214, die Aussuhr 246 769 800 Pfd. Sterl.; verglichen mit der gleichen Periode des Jahres 1906 zeigt die Einfuhr eine Zunahme von 31 428 379 soder 9 Proz.), die Ausfuhr eine Zunahme von 32733 322 Pfd. Sterl. soder 15,2 Proz.). Der Preis der New Dorker Börscnfitze. Die„New Aorker Handels- zeitnng" schreibt: Wenn einer der New A orker Börsensitze unlängst für 71 500 Dollar verkauft wurde, d. h. zu dem niedrigsten Preise seit dem Frühjahr 1905, so drückt sich eben in diesem Preise die am Fondsniarkt herrschende Tendenz aus. Als die Haussebewegung des Winters 1905/06 den Höhepunkt erreicht hatte, wurde für eine Mit« gliedschaft der Rekordpreis von 95 000 Dollar gezahlt. Noch im April 1907 wurde ein Sitz für 79 500 Dollar verkauft. Von den sieben Sitzen, welche im Laufe dieses Jahres den Inhaber wechselten, erzielte einer im Januar einen Preis von 80 000 Dollar. Im vorigen Jahre wurden im ganzen 16 Sitze verkauft, wovon zwei sim August und September) je 95 000 Dollar erzielten, während der niedrigste Preis s73 000 Dollar) im Juli gezahlt wurde. Im Dezember 1905 stieg der Preis eines Sitzes von 85 000 auf 95 000 Dollar. Zurzeit zählt die New Iorker Fondsbörse rund 1100 Mitglieder. Diskonterhöhung. Die Bank von England hat ihren Diskont von 4 auf 4Vz Proz. erhöht. GewcrkfcbaftUcbces Die Standesehre der Unternehmer. Vor einiger Zeit versandte der Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten ein Rundschreiben an die Unternehmer der Baubranche, in dem diese aufgefordert wurden, den von ihnen mit den Arbeitern abgeschlossenen Tarif sofort zu brechen, sobald die dringendsten und notwen- digsten Arbeiten vollendet sind. Dieser Wortbruch wurde als ein Ausfluß der Standesehre hingestellt. Eine merkwürdige Auffassung von„Standesehre"! Aber diese Auffassung wird anscheinend nicht nur in Unternehmerkreisen geteilt: auch der Verwaltungsausschuß des Unternehmertums, der sich aus den diversen Maats- und Kommunalbehörden zusammensetzt, denkt über Ehre offenbar ganz anders, als die Arbeiterschaft zu denken pflegt. Daher die vielen Konflikte, die sich aus solchen zwischen Arbeitern und Unternehmern rasch immer in die zwischen Arbeitern und Behörden umzuwandeln pflegen. Arbeitern die Treue zu brechen, ist für das Unternehmertum und damit für die Hüter des kapitalistischen Staates immer ein Verdienst: zu ihnen zu stehen, ein Verbrechen! Vor einiger Zeit kämpften die Bäcker Berlins und der Umgegend um menschenwürdigere Zustände in ihrem Ge- werbe. Die Beseitigung des Kost- und Logiszwanges ver- langten sie von den Unternehmern und hin und wieder ein- mal einen freien Tag: Ein wenig Leben von der großen Sonne nur, Ein wenig Licht! Sonst schaffen wir nicht! Die übrige Arbeiterschaft trat an die Seite der Bäcker und mied die Bäckermeister, meidet sie heute noch, welche den Bäckern nicht geben wollten, was in anderen Berufen längst durchgeführt ist. Damit die Arbeiter aber jene Bäckermeister herauskennen mögen, welche ihren Gesellen im Streben um Verbesserung ihrer Lebensbedingungen entgegengekommen waren, wurden von der Verbandsleitung an diese Plakate ausgegeben, die ihnen bestätigten, daß sie die Forderungen der Gesellen bewilligt haben. Gegen diese Zeugnisse anständiger Gesinnung Hub schnell ein heiliger Krieg der Behörden an. Mittelalterliche Preß- Paragraphen wurden gegen sie ausgegraben und die mittel- alterliche Institution der Innung wurde schnell galvanisiert, die klappernden Gebeine gegen moderne Ideen zu regen. Die Rixdorfer Innung unter anderem verhängte gegen Bäckermeister, welche die Bewilligung der Gesellenforderungen durch Aushang anzeigten, Geldstrafen, und der Magistrat von Rixdorf, der von einem Bäckermeister dagegen an- gerufen wurde, trat der Innung bei. Und das Wundersame an der Sache: Mit der Unternehmer ehre wards ver- teidigt, daß ein anständiger Bäckermeister die Welt nicht wissen lassen darf, er habe menschlicherweise die geringen Forderungen der Gesellen bewilligt. Die Innung verteidigt sich so: „Sie erachte es mit der S t a n d e s e h r e. eines JnnungS- mitglicdes nicht für vereinbar, daß dieses dem Gehülfenverband in seiner anerkannt unzulässigen(!) Forderung auf Aushang des Plakates unterstütze."_ a Und der Rixdorfer Magistrat entscheidet: t„Es ist jedem Mitglieds einer Innung unbenommen, seinen Gehülfen in Lohnfragen usw. nach Belieben entgegenzukommen; aber es ist nicht standesgemäß, wenn es dieses Entgegen- kommen in einer von der Gehülfenschaft gewählten Form unter Bloßstellung der abweichend verfahrenden Jnnungsgenossen kund- bar macht."* Die„Bloßstellung der abweichend vcrfahreiiden Jnnungs- genossen" ist ein Phantasieprodukt des Rixdorfer Magistrats, das ihm ermöglichen soll, der innungsmeisterlichen Auf- fassung von„Standesehre" beizutreten. Aus dem Wortlaut des Plakates läßt sich nämlich die Absicht einer solchen„Bloßstellung" nicht rechtfertigen. Und der bloße Aushang der Mitteilung, daß ein Bäckermeister seinen Gesellen die Forderungen bewilligt hghe, kann doch auch nach Logik des Rixdorfer Magistrats andere Bäcker- meister nicht„bloßstellen", denn er sagt selbst: „Es ist jedem Mitgliede einer Innung unbenommen, seinen Gehülfen in Lohnfragen usw. nach Belieben entgcgcnzu- kommen usw." Aber die Sache ist die: Die„Standesehre" der Bäcker- meister erfordert es, ihre Gesellen nach wie vor in der patriarchalischen Abhängigkeit des Kost- und Logiswesens zu erhalten, und die„Standesehre" der Bäckermeister gestattet ihnen nicht, den Gesellen einen freien Tag zu geben, an dem sie auch Menschen sein dürfen. Und dieser Art von „Standesehre" vermag der Rixdorfer Magistrat keine andere Auffassung entgegenzustellen. Er findet es nicht ehrenvoll, für die um ihr Menschentum kämpfenden Bäckergesellen ein- zutreten: darum unterläßt er dies, und darum verurteilt er mit der Innung die Bäckermeister, die es dennoch taten! Eine merkwürdige Auffassung von Standesehre: aber eine für die Interessenten wenigstens recht nützliche! Lerlin un«t Umgegencl. Lohnkämpfe der Berliner Holzarbeiter im Jahre 1906. Für einen großen Teil der Vcrbandsmitglieder bestand bis zum Schluß des Jahres 1906 das Vertragsverhältnis, um besten Erneuerung und Verbesserung in den ersten Monaten des Jahres 1907 erfolgreich gekämpft wurde. Diejenigen Branchen, für die kein Vertragsverhältnis bestand, suchten ihre Lohn- und Arbeits- Verhältnis durch Einzelstreiks zu verbessern. Ucber die Zahl und Ergebnisse derselben gibt der soeben erschienene Jahresbericht der Berliner Zahlstelle des Deutschen Holzarbeiterverbandes Auskunft. Es wurden durchgeführt: 120 A n g r i f f s st r e i I s in 382 Be- trieben mit 3229 Beteiligten. Von diesen Streiks hatten vollen Erfolg 88 in 319 Betrieben mit 2346 Beteiligten, teilwciscn Er- folg 7 in 19 Betrieben mit 303 Beteiligten, keinen Erfolg 24 in 35 Betrieben mit 525 Beteiligten. Abwehrstreiks wurden 65 gc- führt in 65 Betrieben mit 1152 Beteiligten. Vollen Erfolg hatten 39 in 39 Betrieben mit 654 Beteiligten, teilweiscn Erfolg 2 in 2 Betrieben mit 21 Beteiligten, keinen Erfolg 23 in 23 Betrieben mit 447 Beteiligten. Im ganzen gab es 186 Streiks mit 6059 Be- teiligten. Davon hatten 127 mit 3000 Beteiligten vollen Erfolg, 9 mit 324 Beteiligten teilwcisen Erfolg, 47 mit 972 Beteiligten keinen Erfolg, 2 waren beim Jahresschluß noch nicht beendet. Wegen der Maifeier wurden in 80 Betrieben 1678 Arbeiter auS- gesperrt. Außer den hier aufgeführten Streiks fanden 191 Lohn- bewegungen ohne Streik in 902 Betrieben mit 12 189 Beteiligten statt. Ferner erhielten 9 Branchen mit 1716 Arbeitern in 159 Be- trieben ihre Forderungen ohne Streik bewilligt.— Die Gesamtzahl der Lohnbewegungen ist, mit denen des Jahres 1905 ver- glichen, von 229 auf 377 und die Zahl der Beteiligten von 5864 auf 12 189 gestiegen.— Die Kosten der Streiks im Jahre 1906 be- liefen sich einschließlich der Ausgaben für Inserate, Geldstrafen, Gerichtskosten usw. auf 185 016 M.; die Maiaussperrung erforderte eine Ausgabe von 12 629 M. Aus den Betrachtungen, die der Bericht' an die Ergebnisse der Streiks und Lohnbewegungen knüpft, sei folgendes angeführt: Nach der Zahl und der Beteiligung der Streikenden sind die er- folglosen Streiks am kostspieligsten gewesen, denn sie erforderten die Summe von rund 60 000 M. Es kommen demnach auf jedes einzelne streikende Verbandsmitglied bei den erfolgreichen Streiks 43,50 M., bei den erfolglosen 74,35 M.. bei der Maiaussperrung 8,54 M.— Der Verlauf der Streiks ist nach der Zahl derselben berechnet, im Vergleich zum Vorjahre wenig befriedigend. Von 185 Streiks waren 47 erfolglos, während im Jahre 1905 von 108 Streiks nur 15 verloren gingen. Betrachtet man aber die Zahl der an den Streiks beteiligten Werkstätten und Personen, so ergibt sich ein wesentlich günstigeres Bild. Die tatsächlichen Erfolge der Lohnbewegungen und Streiks waren folgende: 2641 Personen erhielten Verkürzungen der Ar- beitszeit von l�h bis 2 Stunden wöchentlich. 5544 Personen erhielten Erhöhungen der Löhne und Akkordpreise von durchschnittlich 1,90 M. pro Woche. Außerdem wurde noch eine Anzahl anderer Forderungen durchgesetzt, wie Lohnsicherung bei neuen Akkord- arbeiten, Einführung der Lohnarbeit, Anerkennung eines Mindest- lohnes usw. Die Errungenschaften sind in Wirklichkeit noch größer, als aus den Zahlen des Berichts zu sehen ist, da nicht in jedem Falle die errungenen Verbesserungen zahlenmäßig festgestellt werden konnten.— Die von der Schlichtungskommission erledigten Differenzen, die auch manche Verbesserungen für die betreffenden Arbeiter brachten, sind in den vorstehenden Nachweisungen nicht berücksichtigt., Im großen und ganzen kann der Verband, wie sich aus den Einzeldarstellungen des Berichts ergibt, mit den Erfolgen seiner Tätigkeit im Jahre 1906 zufrieden sein. Achtung! Heizungsmontcure! In München haben die Heizungsmonteure bei verschiedenen Firmen, wegen Nichtanerkennung des Tarifs, die Arbeit nieder- gelegt. Wir ersuchen die Kollegen, bei etwaigen Arbeitsangeboten nach München sich zuvor auf unserem Bureau zu erkundigen. München ist bis auf weiteres für Heizungsmonteure gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Kleber! Die Sperre über die Bauten der Firma Schade, Rixdorf, Kaiser Friedrichstr. 59; Böhmischestr. 8; Schudoma- straße 48 und Donaustr. 17—18, ist aufgebobcn, da Herr Schade den Tarif unterschriftlich anerkannt hat. Die Verbandsleitung. DeudkeKes Reich. Keine Differenzen bei der Firma Calw u. Ahlfelb in Bern» bürg. Die Bernburger Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes hat unter Zuziehung des Gewerkschaftssekretär festgestellt, daß bei Calm u. Ahlfeld Differenzen nicht bestehen und daß daher kein Anlaß vorliegt, die genannte Firma für gesperrt zu erklären. Deutscher Holzarbeiterverband. Bernburg. Zur Banarbeiteraussperrung in Krefeld. Die Aussperrung wurde, wie bekannt, von den Unternehmern vorgenommen, weil die Arbeiter einen Tarif, in welchem iOstündige Arbeitszeit und 45 refp. 55 Pf. Stundenlohn vorgesehen war, nickt anerkennen wollten. Von Seiten der Arbeiter wurde eine ÜM-stiindige Arbeitszeit und 60 Pf. Stundenlohn für Maurer und 50 Pf. für Bauhülfsarbeiter gefordert. Ein Teil der Arbeitgeber hat die Forderungen der Arbeiter anerkannt und wird an den betreffende« Bauten weiter gearbeitet. Außerdem ist ein großer Teil der AuS» gesperrten nach dem Ruhrrcvier abgereist und dort in Arbeit ge» treten. Die Leitung deS ArbcitgeberverbandeS in Krefeld hat nun die Unternehmer im Industriegebiet aufgefordert, die Ausge» sperrten zu entlassen, doch sind nur einige dieser Aufforderung gefolgt, cS fanden sich aber sofort wieder Bauherren, welche die Entlassenen einstellten. Mit dem Zicgelcisyndikat hat der Unter- nchmcrverband jetzt das Abkommen getroffen, daß den Outsiders kein Material mehr geliefert werden darf, wenn letztere nicht von den Tarifabmachungen mit den Arbeitern zurücktreten. Durch diese Maßnahmen vermeinen die Unternehmer die Arbeiter mürbe zu machen, sie verrechnen sich, denn sie ziehen den Kampf nur un» nötig in die Länge, weil die Streikenden in das Industriegebiet abreisen._ Und willst Du nicht mein Bruder sein, So schlag' ich Dir den Schädel ein! Wir empfehlen der Scharsinacherpresse zum Abdruck unter dieser bei ihr ja reckt beliebten Spitzmarke die nachfolgende Notiz aus der „Fachzcitung für Schneider": Die bürgerliche Presse verbreitete gelegentlich des Streiks unserer Kollegen in Mannheim-Ludwigshafen eine terroristische Schauermär von streikenden Schneidergesellen. In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai fand in der Straße zwischen P 1 und Q 1 eine schwere Schlägerei statt. Die streikenden Schneider Adolf Keller und Joh. Ruczinski, sowie deren Begleiter, der Spengler Raßler. wurden von den Streikbrechergesellen Anton Kößler aus Hagenau, Karl Adler auS Neunkirchen und Johannes I s s e l h a r d auS Böhl, welche bei Georg H i l d in Ludwigshafen beschäftigt waren, schwer mißhandelt, wo» bei Kößler mit einem Messer auf den Raßler ein st ach, Jsselhard mit einem Stock und Adler mit einem Ochsenziemer drcin- schlng. Wie nicht anders zu erwarten, wurden die Streikenden als Missetäter verhaftet; die Untersuchung zeigte jedoch ein anderes Bild, das die Schafmacherclique und ihre Presse jedenfalls recht unan- genehm berühren wird. Es stellte sich nämlich heraus, daß der O b e r s ch a r f m a ch e r, Mitglied des Arbeitgeber» Verbandes, Schneidermeister Georg Hild von Lndwigshafen, der eigentliche Vcranlasser der blutigen Schlägerei gewesen ist. Dieser„friedliebende" Meister vom ehrsamen Schneider- Handwerk, den, die Arbeiterorganisation ein Dorn im Auge ist. und der bei jeder Gelegenheit über den von den organisierten Arbeitern verübten Terrorismue jammerte, forderte seine Getreuen auf, den Streikenden Keller zu verschlagen, er zahle auch einige Liter Bier. Er gab dem Streik- brecher Adler einen Ochsenziemer, womit dieser ans die Streikenden einschlagen sollte. Mit Rücksicht auf die schweren Verletzungen erkannte daS Schöffengericht Mannheim gegen den Messerheld Kößler auf eine Gefängnis st rafe von vier Monaten. Adler und Jsselhard erhielten je sechs Wochen Gefängnis. Hild wurde zu 100 Mark Geldstrafe, eventuell 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Herren Arbeits« willigen wie auch ihr Anführer Hild sind für ihre Rowdytaten auf- fallend milde verurteilt worden. Streikende, die sich weit geringere Vergehen zuschulden kommen ließen, sind schon bedeutend härter be- straft worden. Besonders Hild ist glimpflich davongekommen; uns sind ähnliche Fälle bekannt, wo Gefängnisstrafen ausgesprochen wurden, allerdings waren es nicht Meister, sondern gewöhnliche Arbeiter. Der Fall ist wieder einmal ein klassisches Beispiel dafür, wo in Wirklichkeit die Terroristen zu suchen sind. AuSsperrungS-Androhung. Der Arbcitgebcrverband Oberstein beschloß, alle organisierten Arbeiter zu entlassen, falls die 94 Arbeiter der Metallwarenfabrik von Gebrüder Schmidt die Arbeit nicht wieder aufnehmen Hustand. Der Telegraphistcnstreik in Amerika. Die Kommercial-TelegraphcrS-Union erließ eine Bekanntmachung an die Präsidenten der Handelskammern, Börsen und anderer konnnerzidllen Körperschaften in den Vereinigten Staaten von Kanada, daß innerhalb 24 Stunden der Ausstand sich auf alle Zweige de» kommerziellen Telegraphcnverkehrs erstrecken werde. Die Bekannt- machung soll den Körperschaften Gelegenheit geben, die Geschäfte soweit wie möglich vorher zu ordnen. Präsident Rooscvelt wird sich in den Ausstand der Telegraphisten nicht einmischen. Die Regierung ist der Ansicht, daß ihre Tätigkeit und ihre Autorität mir den Bemühungen des Ministerial» kommissars für Arbeiterangelegenhciten, die Streitigkeit beizulegen, die Grenze erreichen._ Textilarbeiterstreik. Ottawa, 15. August. 2000 bei der Montreal Eotton Company in Vallehficld beschäftigte Personen sind wegen Lohnforderungen in den Ausstand getreten. Letzte)Sacbnchtcn und vepelcden. Flüchtlinge. Tanger, 15. August.(Meldung deS Reutcrschen Bureaus.) Von M a z a g a n ist ein französischer Dampfer mit 300 Flllcht- lingen, meist Europäern, hier eingetroffen. Als das Schiff Mazagan verließ, herrschte dort nach Angabe der Flüchtlinge noch große Be- unruhigung, obwohl kein Angriff erfolgt war. Gcrüchtlveise ver» lautet, daß auch noch andere Stämme dicht an Mazagan heran- gekommen und Geld verlangt haben mit der Drohung, im Wcigc» rungsfalle die Stadt anzugreifen. Sie sollen 7000 Dollars er» halten haben. Köln, 15. August.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" er« hält ein Telegramm aus Tanger, in dem eS unter anderem heißt, daß im ganzen nur etwa 20 Europäer in Mazagan zurückgeblieben sind, darunter sechs deutsche Kaufleute und der deutsche Postbcamte. Die im Innern gelegene Hauptstadt des südlichen Marokko, Marrakesch, haben die Deutschen in der Nacht zum Sonntag sämtlich verlassen. Der Vertreter des Sultans hat ihnen eine starke Begleitmannschaft gestellt. Sie beabsichtigen, in Saffi die Küste zu erreichen._ Entgleister Eisenbahnzug. Csik Szereda(Ungarn), 15. August.(W. T. B.) Ein von GyimcS kommender Zug entgleiste auf offener Sirecke. Die Lokomotive und mehrere Wagen sind zertrümmert. Eine Person wurde ge- tötet, drei andere wurden schwer, mehrere leicht verletzt. Streikbeendigung. - Belfast, 15. August.(W. T. B.) Der Ausstand ist beendet Väterchens Lieblingstruppen. MySlowitz, 15. August.(V. H.) Kosaken schössen wenige Schritte von der deutschen Grenze aus einen fliehenden Schmuggler. Den von der Kugel Getroffenen schlugen sie hierauf mit dem Gewehrkolben buchstäblich tot._ Krieg im Frieden. Pintschow(Gouvernement Kjclze), 15. August.(W. T. B.) Während der praktischen Uebungen einer Sapeurabteilung ereignete sich eine zu frühzeitige Ptzroxylinpatronenexplosion. Es wurden hierbei ein Nnterofsizier getötet und vier Gemeine verwundet. PäülSingerLeCo?, Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.UuterhaltuugSblatt Verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Krück u. Verlag: Vorwärts Buckdr.u.Verlag�anstalt Nr. 190. 24. Jahrgang. L KtilU des Jotinätts" Snlim WUlsblR fttifnj, 16. JiijiiP 1907. Der franz5likl)e(Parteitag. Nancy, 13. August.(Eig. Ber.) Vormittagssitzung. Die Diskussion über den Militarismus wird fortgesetzt I a u r e- verteidigt die Resolution von Limoges, die Hjm die revolutionäre wie die reformatorische Aktion des Proletariats auszudrücken scheint. Herve hat das Verdienst, Ideen, die sicher nicht erst von ihm gefunden sind, zur Diskussion gebracht zu haben. Es ist notwendig auszusprechen, was der Sozialismus gegenüber der Schmach des Krieges tun kann. Die Resolution der Donne ist gefährlich für die Partei. Aber wenn unsere Gegner verlangen, Herve öffentlich zu desavouiren, so leisten wir dieser Pression nicht Folge. Und wenn wir ihn in die Administrativkommission wiederwählen, so darum, weil wir im Organismus der Partei das Proportionalsystem durchführen und alle Richtungen vertreten wissen wollen. Herve ist aber in Wirklichkeit gar nicht der, als den man ihn in der bürgerlichen Presse darstellt. Seine bekannte Aeußerung über die„Fahne von Wagram" hat er in Entrüstung über die Entehrung der nationalen Fahne durch den eroberungs- süchtigen Imperialismus getan. Es ist auch nicht richtig, daß man bei nationalen Konflikten nie weih, auf welcher Seite das Recht ist. Beim schwedisch-norwegischen Konflikt hat das Proletariat beider Länder dies sehr gut gewuht und demgemäß gehandelt. Was soll das Proletariat in einem solchen Falle tun? Entspricht das internationale Schiedsgericht nicht seinen Interessen? Ich mache mir über die Haager Konferenz keine Illusionen, aber ich sehe doch in ihr das Zeichen einer bedeutungs- vollen Wandlung, den Einfluß sozialistischer Ideen. Bebels Resolution für den Stuttgarter Kongreß faßt ein internationales Parlament und das Schiedsgericht gleichfalls ins Auge. Wenn nun ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland droht und Frankreich akzeptiert das Schiedsgericht, Deutschland aber nicht, lvas will Herve dann tun? Ich bin überzeugt, daß dann auch die Unterzeichner der Resolution der Donne es als ihre sozialistische und revolutionäre Pflicht erkennen werden, zu marschieren. Sie haben das Rußland der politischen Revolution— das Rußland der Kadetten wie der Sozialrevolutionäre— gegen eine Intervention des monarchischen Deutschlands schützen wollen. Wollen Sie für Frankreich nicht das gleiche tun? Wenn Sie Frankreich durch den Sozialismus national entkräften wollen, arbeiten Sie auch gegen die deutsche Revolution. Herve spricht selbst vom bourgeoisen Patriotismus, also es gibt auch einen anderen. Warum definiert er ihn nicht? Wenn man Frankreich, noch ehe es sozialistisch geworden ist, angreift, eben um zu verhindern, daß es sozialistisch werde, sollen wir untätig zuschauen? Der Sozialismus hat nicht die Aufgabe, das Vaterland zu vernichten, sondern die, es sozialisieren. Die Bergarbeiter lassen die Grube, wo ausgebeutet werden, selbst in der Zeit eines Streiks nicht er- säufcn— denn sie haben eine Hypothek auf sie. Wenn aber eine so unklare und verderbliche Theorie wie die Hervesche solche Erfolge hat, beweist das, daß sie dem Friedens bedürfnis der Massen entgegenkommt. Die Resolution von Limoges ist logisch, sie spricht den Entschluß aus, das Land gegen Angriffe zu verteidigen, aber eine kriegerische Abenteuerpolitik zu ver- hindern.(Guesde ruft: Unter dieser Form nehme ich sie an!) Die Resolution der Dordogne aber verurteilt das Proletariat zur Unbewcglichkeit für solange, als der Kapitalismus nicht abgeschafft ist. Der Kampf gegen den Militarismus ist so wenig ein Irrweg („ckeviation"), wie der Antiklerikalismus, der die kongreganistische Erziehung abgeschafft hat. Auch Bebel erkennt an, daß wohl der Antimilitarismus den Kapitalismus nicht aus der Welt schaffen kann, aber daß es Mittel gibt, den Militarismus auch in der vom Sozialismus noch nicht eroberten Gesellschaft zu besiegen. Der KonfusionismuS ist bei Gucsde selbst, denn der Gipfel aller Kon- fusionismen ist das Vaterland, das er verteidigen will. Wenn Bebel in Stuttgart die alljährliche Verweigerung des Militär budgets geltend machen sollte, werde ich antworten: Das ist eine Kinderei. Solange als die Sozialisten in der Minderheit sind, tun sie damit dem Militarismus keinen Abbruch. Am Tage aber, wo sie die Mehrheit haben, werden sie für das Militärbudget sein — das der allgemeinen Volksbewaffnung. Die Revolutionen unseres Landes sind immer unter der Einwirkung auswärtiger Er eignisse eingetreten, mit der Tendenz, das Land zu verteidigen, aber dieser Verteidigung einen anderen Charakter zu geben. Wir vrlangen das Schiedsgericht, um die Revolution zu entfesseln, wenn unsere Herrschenden es verweigern. Wenn die des anderen Landes es verweigern, werden wir unser Land verteidigen. Hält man uns entgegen, daß die Deutschen unter ihren politischen Verhältnissen keine Beschlüsse im Sinne der Resolution von Limoges fassen können, so meine ich, daß die Deutschen nicht gar so vorsichtig sind, wie man sie hier hinstellt.— Der Redner verweist aus Kautskys Broschüre, die mit der Möglichkeit rechne, den Bourgeoisregierungen Angst einzujagen. Delory: Wir sind keineswegs für ein passives Zuschauen, wenn die BourgeoiSregierungen Krieg führen wollen. Im Conseil National haben wir beschlossen, daß sich angesichts eines drohenden Krieges das internationale Bureau versammeln soll, um über die geeigneten Maßregeln zu beschließen. Wir sind nur nicht dafür. unrcalisierbare Projekte zu beschließen, auch haben wir keinen An- laß, der Bourgeoisie alle Mittel bekanntzumachen, die wir gc- gebenenfalls anwenden wollen. Guesde: Wir sprechen immerzu von der Insurrektion gegen den Krieg, warum nie von der für das Proletariat wichtigeren zur Eroberung der politischen Macht? Wir dürfen auch die deutschen Genossen nicht in die Lage bringen, weniger entschieden zu er- scheinen als wir es sind oder auch— wie Varenne— nicht sind. Es folgen die Abstimmungen über die drei übriggebliebenen Resolutionen. Die der Donne wird mit 251 gegen 41 bei 12 Enthaltungen abgelehnt. Die der Dordogne mit 175 gegen 123 Stimmen bei 6 Enthaltungen. Ueber die beiden Teile der Resolution von Limoges wird zunächst getrennt abgestimmt. Gegen den ersten, der das Stecht auf nationale Unabhängigkeit anerkennt, stimmen 23 Herveisten, dafür 251 Delegierte. Für den zweiten 169 Dele- gierte, darunter die Herveisten, dagegen 125— der guesdistische Flügel. Die Resolution in ihrer Gesamtheit wird mit 182 gegen 16 Stimmen beschlossen. 10<) Gucsdisten enthalten sich der Ab- stimmung._ Der 18. pfälzische Gautag. Am 3. und 4. August hat in Gumstadt der Gautag der pfäl- zischen Genossen stattgefunden. Schon der Ort der Abhaltung legt Zeugnis von dem Fortschritt der pfälzischen Bewegung ab. Noch vor wenigen Jahren war es unmöglich, in diesem ehedem liberalen Bollwerk eine sozialdemokratische Versammlung abzu- halten; heute war es nicht allzu schwierig, die weit über hundert Genossen in dem kleinen Landstädtchen unterzubringen. Es waren 81 Orte durch 118 Delegierte vertreten. Wie allzährlich, wurde der Sonnabendabend zur Beratung über die Presse benutzt. Der Stand des Organs, der„Pfälzischen Post", wie der Parteidruckcrei ist ein sehr erfreulicher zu nennen, was auch einmütig anerkannt wurde. Der Abonnentenstand ist auf 16 099 angewachsen. Das finanzielle Ergebnis des Geschäftsjahres war ein solches, daß neben erheblichen Abschreibungen noch 8999 M. als Reserve zurückgelegt werden konnten. Dabei trägt die „Pfälzische Post" mit ihren weit über 199 Filialen eine Ausgabe für Postspcsen von über 19 999 M. Fest an- gestellte Filialbeamte sind zurzeit 3 und zwar in Kaisers- lautern, Pirmasens und Speyer tätig. vierter soll demnächst in Frankenthal angestellt werden. Während des verflossenen Jahres wurde die„Pfälzische Post" auf 8 Seiten erweitert und damit allgemeine Befriedigung erzielt. Ein von Kaiserslautern gestellter Antrag verdient erwähnt zu werden, der den Gauvorstand bc- .auftragt, bis zur nächsten Rcichstagswahl für die Hinterpfalz neben der„Pfälzischen Post" ein zweites Organ zu begründen, um das Pfälzer Hinterland besser bearbeiten zu können. Es wurde dabei betont, daß durch die Verwirklichung des neuen Unter- nchmens das alte nicht gefährdet werden darf. Der Tätigkeitsbericht der Gauleitung gibt ein sehr erfreuliches Bito. Die Anstellung unseres Genossen Profitt zum Parteisekretär hat sich bewährt. Die Zahl der Organi- sationen ist von 81 auf 88, die der Mitglieder auf 8699 gestiegen, die Ein- und Ausgaben bilanzieren mit 32 937 M. Die Kosten der ReichstagLwahlcn haben die pfälzischen Genossen auS eigenen Mitteln bestritten. Zu den Landtagswahlcn erhielten sie einen Zuschuß von 5999 M., wovon sie bereits 2599 M. zurückgezahlt haben. An die Parteikasse in Berlin wurden als ordnungsgemäße Beiträge 2645,79 M. und an die bayerische Landcsorganisations- lasse in München 1754 M. abgeführt. An den Parteitag stellte der Gautag den Antrag, daS Gehalt des pfälzischen Parteisekretärs, das früher nur zur Hälfte vom Parteivorstand getragen wurde, ganz zu übernehmen und das Gehalt in Anbetracht der außerordentlichen Tätigkeit des Genossen Profitt auf 2499 M. festzusetzen. An den deutschen Partei- t a g so der Antrag gestellt werden, die von den Parteiverlagen herausgegebenen Broschüren, wenn nicht zu den Herstellungskosten, so doch zu einem billigeren Preise abzugeben, um es auch den minder bemittelten Genossen zu ermöglichen, sich solche Schriften anzuschaffen. Ein Referat des Genossen Ackermann leitete eine Diskussion über die Revision der pfälzischen'�Gemeinde- ordnung ein. Die Resolution nebst den dazu gestellten Anträgen wurde einer Konferenz, der sozialistischen pfälzischen Gemeinde- ratsvertreter zur Prüfung überwiesen und die Frage auf den nächsten Gautag zurückgestellt. Allgemein wurde die Revisions- bedürftigkeit der total veralteten Gcmeindeordnung anerkannt und die Erwartung ausgesprochen, daß unsere Abgeordneten im bayerischen Landtag die Frage in Fluß bringen werden. In einer einstimmig gefaßten Resolution sprach der Gautag den seitherigen Landtagsabgeordneten vollste Anerkennung aus. Die einhellige Be- gcisterung, mit der die Genossen sich trennten, legte Zeugnis dafür ab, daß die pfälzischen Genossen ihr Gelöbnis, sich auf die kommenden Wahlen tüchtig vorzubereiten, erfüllen werden. Der nächste Gautag findet in Bad Dürkheim statt. Hus der Partei» Zum Stuttgarter Kongreß. Soeben erschien: Die sozialistische Arbeiter- Internationale. Berichte der sozial- demokratischen Organisationen Europas, Australiens und Amerikas an den Internationalen Sozialistenkongreß zu Stuttgart<18. bis 24. August 1997) über ihre Tätigkeit in den Jahren 1994—1997. Herausgegeben vom Internationalen sozialistischen Bureau mit einem Vorwort von Emil Vandervelde. Deutsche Ausgabe. Berlin 1997. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Die Schrift enthält die Berichte aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Socialist Party, Socialist Labor Party; Kanada, Die sozialistische Partei; B o l i v i a, Arbeiter- Vereinigung beS 1. Mai; Australien. Sozialistische Partei in Viktoria; Spanien, Sozialistische Arbeiterpartei, Der allgemeine Arbeiterverband; Frankreich, Parti Socialiste, Sektion franyaise de rJnternatiouals Ouvriäre; Belgien, Parti ouvrier; Holland. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei in den Niederlanden; Dänemark, Sozialdemokratische Partei, Gewerkschaften; Nor- wegen, Arbeiterpartei; Deutschland, Sozialdemokratische Partei, Gewerkschaften: Schweiz, Sozialdemokratische Partei; Bulgarien, Sozialdemokratische Arbeiterpartei; Serbien, Sozialdemokratische Arbeiterpartei; Ungarn, Sozialdemokratische Partei; Böhmen, Tschecho-slawische sozialdemokratische Arbeiterpartei in Oesterreich; Polen, P. P. S. D. in Oesterreich; Italien, Gewerkschaften; Armenien, Armenisch-sozialdemokratsiche Arbeiterorganisation im Kaukasus; Finnland, Sozialdemokratische Partei; Chile, Demokratische Partei; Groß-Britannien, Social-Democratic Federation, Jndependent Labour Party, Fabian Society, Labour Party; Oesterreich, Deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs; Polen, Ukrainische Sozialdemokratie in Oesterreich. In einer Schlußbemerkung sagt der Parteivorstand: Die Berichte der sozialistischen Parteien, die der neuen Jnter- nationale angeschlossen sind, wurden zunächst an das Internationale Bureau in Brüssel gesandt, das die ftanzösische Ausgabe der Ve- richte besorgte. Die vorliegende Ausgabe ist eine Uebersetzung der Berichte aus dem Französischen inS Deutsche. Nur die Be richte ans Oesterreich, ans Ungarn, aus Böhmen, aus der Ukraine, ans Polen, ans der Schweiz, aus Finnland, aus Armenien, aus Serbien, aus Dänemark und ans Deutschland wurden in deutscher Sprache geliefert. Die französische Ausgabe ist eine zwei bändige. Der 1. Band erschien Anfang Juli. Der 2. Band soll im August erscheinen. In die vorliegende deutsche Ausgabe sind alle Berichte aufgenommen, die zum äußersten Termine einer rechtzeitigen Fertigstellung in Berlin, wo die deutsche Ausgabe hergestellt wurde, eingetroffen waren. Neben den im 1. Band der franzüsischen Ausgabe enthaltenen Berichten konnten noch aufgenommen werden: die Berichte der italienischen Gewerkschaften und der sozialistischen Parteien von Oesterreich, Polen Die Schiedsgerichte haben durch die Entscheidungen zugunsten der Verletzten dem„System" des„Rentenquetschens" wenigstens teilweise Abbruch getan. In fast dem vierten Teil aller an- gegriffenen Bescheide mußte die von„sozialer Fürsorge" nur so triefende„Nordöstliche" gezwungen werden, den Verletzten ihr Recht zu gewähren. Noch krasser tritt das„Wohlwollen" der„Nordöstlichen" bei den am Reichs-Versicherungsamt anhängig gemachten Rekurs- verfahren zutage. Gegen die Entscheidungen der Schiedsgerichte wurden von der Bcrufsgcnossenfchaft 398 und von den Ver- sicherten 554 Rekurse eingelegt. Aus den Vorjahren kamen 313 unerledigte Sachen hinzu, so daß insgesamt 118 9 Rekurse zu er- ledigen waren. Von den Rekursen wurden 217 für begründet er- klärt. Davon entfallen auf die Berufsgcnosscnschaft 116 und auf die Verletzten 191; zurückgewiesen wurden 483 Rekurse, davon kommen auf die Berufsgcnosfcnschaft 83 und auf die Versicherten 493; auf andere Weise erledigt wurden 27 Sachen, davon cnt- fallen 13 auf die Verletzten; unerledigt blieben 182 Rekurse der Berufsgenosscnschaft und 266 Rekurse der Versicherten. Von sämt- lichcn(732) erledigten Rekursen sind demnach 191 oder rund gerechnet 13,89 Proz. zugunsten der Versicherten entschieden. Ehe die Verletzten endlich Ruhe und ihr Recht fanden, war erst monatelangcS Prozessieren notwendig. Wenn dabei die Verletzten„neurasthenisch" oder„hysterisch" werden, dann sind es natürlich nicht die Unfallfolgen, durch welche die Erwerbs- Unfähigkeit hervorgerufen ist, sondern dann ist es der„K a m p f um die R e n t e", den die Verletzten, getrieben von der„S u ch t", eine Rente zu erlangen, führen, um sich dem„süßen Nichts- tun" und einem„behaglichen Leben" hingeben zu können. Sie sirdeiterorgsniiatisneli Italiens im Jahre 1907. Rom, 12. August.(Eig. Ber.). Die Augustnummer des„Bulletins" deS ReichsarbeitsamteS .nthält die Statistik der italienischen Arbeiterorganisationen in der ersten Hälfte deS laufenden Jahres. Nach dieser Statistik waren in Arbeitskammern organisiert 392 889 Arbeiter gegen 298 446 im vorigen Jahre, in den zentralisierte» Gewerkschaften 204 271 gegen 173 333 im Vorjahre. Die Fortschritte der Arbeitskammern berteilen sich sehr ungleich über die verschiedenen Gegenden. Den Löwenanteil hat wie üblich die Emilia, die ihre Mitgliederzahl von 118 953 auf 151524 an- wachsen sah. eS folgte der Piemont, der von 19677 auf 31746 stieg, die Lombardei mit 46 674 gegen 38 254 im Vorjahr, Toskana mit 27 934 gegen 18 693, Campanien mit 19343 gegen 12798, Apulien mit 16419 gegen 11325 und Sizilien mit 39 738 gegen 11 164. Die Arbeitskammern L i g u r i e n s, der Marken und KalabrienS sind st a t i o n ä r geblieben, die Veneziens und des Latium sind von 16 999 auf 11999 und von 11999 auf 8999 Mitglieder gesunken. Materiell am besten gestellt ist noch inmier die Arbeitskammer von Mailand, die dank des starken kommunalen Zuschusses 47 999 Lire Jahreseinkommen hat. Auch eine Ausdehnung des Tätigkeitsgebiets zeigt die Statistik. So hatten im ersten Halbjahr 1997 49 Kammern einen Arbeitsnachweis gegen 39 im Vorjahr, 63 eine Rechtsschutzstelle gegen 59, eigene Aerzte 41(gegen 38), Fortbildungsschulen 36(28), Bibliotheken 49(38). Was die Gewerkschaft betrifft, deren Zuwachs wesentlich hinter dem der Arbeitskammern zurückblieb, so sind an ihr vor allem be- teiligt: die Bauarbeiter, Eisenbahner, die Arbeiter der chemischen Industrie, die Glasarbeiter, Porzellanarbeiter, Textilarbeiter und Schuhmacher. Einzig die Gewerkschaft der Seeleute weist einen Rückschritt auf. der sich wohl aus dem letzten verunglückten General- streik der Seeleute erklärt. Eue der f rauenbewegimg* Das beschränkte Frauenwahlrecht.*) Die klare Erkenntnis dessen, daß die Proletarierinnen in ihrem Kampfe für das Wahlrecht nicht auf nennenswerte, be» sonders aber nicht auf treue Unterstützung von bürgerlicher Seite hoffen dürfen, gewinnt dank eines UmstandeS in unseren Tagen erhöhte Wichtigkeit. Es ist die Rolle, welche das beschränkte Fraucnwahlrecht zu spielen beginnt, eine Rolle, die weniger be- deutsam für den Kampf um die politische Emanzipation des ge- samten weiblichen Geschlechts, als für den um die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat ist. In der Tat: wie heute die Dinge liegen, kann das beschränkte Frauenstimmrecht seiner praktischen Bedeutung nach nicht-in erster Linie als fort- schrittliche Errungenschaft, als Konzcssion an die Forderungen des weiblichen Geschlechts gewürdigt werden. Es tritt vor allem als reaktionäre Maßregel auf, bestimmt, dem wachsenden Einfluß der proletarischen Massen eine Fessel anzulegen. Bestimmte geschicht- liche Umstände, die später erörtert werden, bewirken, daß in den Klassen der Besitzenden die Neigung zur Einführung eines Frauen- Wahlrechts wächst, das an einen Zensus geknüpft ist. Ist aber ein beschränktes Frauenstimmrecht gleichbedeutend mit der politischen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts; muß die sozialistische, die Arbeiterbewegung, um ihrem Programm und ihrem Wesen getreu zu bleiben, auch den Kampf für ein be- schränktes Frauenstimmrecht führen? Das ist eine Frage, vor welche höchstwahrscheinlich in naher Zukunft die sozialistischen Arbeiterparteien aller Länder gestellt werden. Das ist eine praktische Frage, vor welcher die sozialistische Arbeiterbewegung in Norwegen schon gestanden ist, und vor welcher die von England steht. Bei der Antwort darauf muß unseres ErachtenS das Folgende berücksichtigt werden. Prüft man das beschränkte Frauenstimmrecht genau, so er- weist es sich im letzten Grunde immer als ein mehr oder weniger verhülltes Recht des Geldbeutels, des Besitzes. Es trägt ein demo- kratisches Mäntelchcn, hat aber eine plutokratische Seele. Es ist zwiespältiger Natur und charakterisiert sich dadurch schon als ein legitimes Kind des Kapitalismus. Seinem innersten Wesen nach bedeutet es weit weniger die erste Stufe zur politischen Gleich- berechtigung des gesamten weiblichen Geschlechts, als die letzte Stufe der sozialen, der politischen Emanzipation des Besitzes. Es verwirklicht nur die politische Gleichberechtigung zwischen den Be- sitzern von gleich großen Vermögen bezw. Einkommen. Es miß- achtet daher das Recht der Frau als Persönlichkeit und anerkennt nur ihre Macht al» Besitzerin von Eigentum. Es verleiht der Frau nicht Bürgerrecht, weil sie eine Frau, fondern obgleich sie eine Frau ist, nur weil sie als Besitzende auftritt. Was es emanzipiert, ist also nicht das weibliche Geschlecht, wohl aber den weiblichen Geldbeutel, daS weibliche Einkommen. Es läßt folglich auch die breiten Massen der nichtbesitzcnden Frauen nach wie vor rechtlos..... Die eingehende Prüfung deS Wesens eines beschränkten Frauenstimmrechts und im Zusammenhang damit die Darstellung des Kampfes um ein solches in England dünkte uns notwendig. Der Jubel über den Januarsieg des nationalen Blocks dürfte bald verrauscht sein und von neuem Jammer über das unaufhaltsame Anschwellen der„sozialdemokratischen Gefahr" abgelöst werden. Wir wissen daher nicht, wie bald in Deutschland die Furcht vor der Sozialdemokratie die bürgerlichen Parteien mit ihrer prinzi- piellen Gegnerschaft gegen die politische Emanzipation des weib- lichen Geschlechts auf den Weg gen Damaskus treiben und zu Aposteln eines beschränkten FrauenstimmrcchtS bekehren kann. Und daß wir in diesem Falle von den deutschen bürgerlichen Frauenrechtlerinnen mehr demokratischen Sinn, eine tiefere theoretische Einsicht und eine festere prinzipielle Haltung erwarten dürften, wie von ihren englischen, holländischen und norwegischen Schwestern: das hieße ihnen mehr zumuten, als ihrem schwachen bürgerlichen Leibe frommt. Dafür spricht nicht nur unsere historische Auffassung, sondern eine Kette langjähriger praktischer Erfahrungen, von denen einige früher angeführt worden sind. Wir könnten nichts Verkehrteres tun. als angesichts der sich entwickelnden Verhältnisse in Vogclstrauhpolitik den Kopf in den Sand der ge- fühlsgcschwollencn Beteuerifngen zu stecken, der zur Frage von einem Bäckcrdutzend„radikaler" Frauenrechtlerinnen aufgewirbelt wird. Nun liegt allerdings in Deutschland die Situation in mehr als einem Punkte anders als in England. Nicht zum mindesten auch insofern, als wir in Deutschland eine kräftige, zielklare sozialistische Frauenbewegung haben, die stetig an Einfluß auf das weibliche Proletariat gewinnt. Seit langen Jahren grundsätzlich scharf in Theorie und Praxis von der bürgerlichen Frauenrechtelei getrennt, hat sie je und je für daS allgemeine Frauenstimmrccht, für die vollste Demokratisierung des Wahlrechts überhaupt gekämpft. Allein die Genugtuung darüber darf uns nicht vergessen lassen, daß noch Millionen Frauen— indifferent oder zum mindesten un° geschult— außerhalb dieser Bewegung stehen. Da liegt die Ge- fahr nahe, daß große Kreise von ihnen durch die bürgerlichen Schaumschlägcreien mit dem Prinzip der Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts über die reaktionäre Natur eines beschränkten Frauenstimmrechts getäuscht werden könnten. Dem gilt es vor- zubeugen, und je früher und gründlicher wir das besorgen, um so besser. Die aufgezeigte Sachlage mutz den Massen der prolc- tarischcn Frauen zum Bewußtsein gebracht werden. Sie müssen die Ilcberzeugung gewinnen, daß sie im Kampfe für ihre volle soziale Emanzipation auf die eigene Kraft und auf die ihrer Klasse angewiesen sind. Lichtenberg. In der in Lichtenberg stattgefundenen öffcnt- lichen Versammlung der sozialdemokratischen Frauen des Kreises Niedcr-Barnim hielt Genosse Schütte einen Vortrag über„Die Bedeutung deS Parteitages für die Frauen". Außer vom Re- ferenten wurde noch von einer Genossin betont, wie wichtig und notwendig es sei, daß bei der jetzt ständig wachsenden Zahl der sozialdemokratischen Frauen unseres Kreises diese auch auf dem Parteitage vertreten sein müßten. Zum deutschen Parteitage in Essen wurde Genossin N e u m a n n- Weißensee einstimmig ge- wählt; zur Provinzialkonferenz wurde Genossin Liebermann- Lichtenberg delegiert. •) Aus der Broschüre: Zur Frage deS Frauenwahlrechts von Clara Zetkin- Berciil der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Rrbeiterinne« Berlins und Umgegend, Abteilung VII. und XVII. Abends 8 Uhr Versammlung bei Nix, HagelSbergerswaße 2.— Abteilung Charlottenburg Sonnabend, den 17. August, abends 8'/, Uhr, im„VolkSyauS", Rosinen- strafte 3: Versammlung. Komponisten«, Verleger welche der„Genossenschaft Deutscher Tonsetzer" nicht angehören, finden für ihre Kojmpositionen durch die Mitglieder der unterzeichneten ■ Korporationen weiteste Verbreitung.■ f. Deutscher Qastwirtsverband 2. Bund der Saal- und Konzertlokalinhaber Deutschlands 3. Gastwirte-Innung zu Berlin. Zuschriften sind zu richten an den Deutschen Gastwirteverbanil, Niederwallstraße 15, und den Bund der Saal- und Konzertlokalinhaber Deutschlands, Elsasserstraßo 10. [athan Manc! 129 Skalitzerstr. 129 Die schönsten 55502* Herren-Sonuner- Paletots und Anzüge jMouats-Garderobe I vonKavalieren gelragcneSachen, Jfaft neu, für jede Figur passend, 1 speziell Bauchanzüge sind in I grober Auswahl stets zu staunend .J billigen Preisen zu habe». � ffatban Manck 139 Sfnlihcrflr. 129. Hochbahnstation KottbuserTor Litte ansHausnurnnier zu achte» I VZ O Wanzen: t. Brut tötet mit unfehlbarer Sicher« heil Rlcichci'» verstärktes Wanzontlald. Nicht fleckend, nicht seuergesährlich. Kein llblerLeruoh, naehhaltigeVlirkung Fl. 50 Ps.. 1.—, 2,—, 3.—, Literfl. 5.—. Sprühapparate von 50 Ps. an. Einzig eck und garantiert nur mit Marke Tod und Tenftl. Otto Reichel, Ei.Sn�r. 4. Fernspr.-Anschlüsse A. IV. 4751, 4752, 4753. 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Kür den Inseratenteil veraniw.: Tli.Glvde. Berlin. Druck u. Verla«: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlaasanstalt Vau! Sinaer& Co.. Berlin SW, ».m. u.mm. Z. f eildje des„iotmiiilö" Kerlim lollislildlt. £lne Dynamittabrik in die Cuft geflogen. Eine furchtbare Katastrophe hat sich in Dömi tz a. d. Elbe er- eignet. Gestern früh 6,4ö Uhr flog die Dynamitfabrik von Rahnsen infolge einer Explosion in die Luft. Die erste Meldung hierüber besagt: Dömitz, 15. August. Heute morgen 6 Uhr 45 Minuten flog die hiesige Dynamitfabrik infolge einer Explosion in die Luft. Der erste Schlag, dem rasch hintereinander drei weitere folgten, erfolgte in der Oelbude. Da die Schläge andauern und noch mehrere befürchtet werden, wurden sämtliche Bewohner der Stadt aufgefordert, die Wohnungen zu räumen. Die Fabrik brennt. Die Fensterscheiben m der Stadt sowie in der Umgegend sind sämtlich zertrümmert. Wegen der Explosionsgefahr ist es unmöglich, an die Fabrik zu ge- langen. Die Opfer der Katastrophe. Wie ein späteres Telegramm meldete, erfolgte die erste Explosion im Menghaus Nr. 4. Schwerverletzt sind sieben und leichtverletzt zwanzig Personen. Die Behörden haben alles abgesperrt. Augen- blicklich liegt eine weitere Gefahr nicht vor, aber wenn der Wind sich dreht, sind die Magazine, in denen das Dynamit lagert, gefährdet. Bis nachmittags 2'/, Uhr wurde ein Toter geborgen, acht Arbeiter werden noch vermißt. Es besteht leider die Wahr- scheinlichkeit, daß diese ein Opfer der furchtbaren Katastrophe geworden sind. Die Dynamitfabri! liegt außerhalb der Stadt Dömitz, und zwar etwa zwei Kilometer von ihrem Zentrum und einen Kilometer Luft« linie vom Bahnhof entfernt. Die Arbeiten werden um 6 Uhr be- gönnen, so daß die Explosion also drei Viertelstunden später erfolgte. Beschäftigt sind im ganzen 200 Menschen, darunter etwa 20 Frauen, die aber durchweg in der bisher nicht vom Feuer berührten Spreng- lapfelfabrik beschäftigt werden. Durch die Gewalt der Explosionen wurden im Umkreis von sechs Kilometer von Dömitz sämtliche Scheiben zertrümmert. Das in der Nähe liegende Dorf Klein- Schmölen ist gleichfalls schwer in Mitleidenschast gezogen. Dormitz, 15. August, 7 Uhr abends. Bis jetzt sollen 12 Leichen geborgen und 40 Leichtverletzte festgestellt sein. Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 18. d. M.: Ausflug mit Fa- milie nach Restaurant„Hcidekrug", Kiekemal bei Köpenick. Ab- fahrt vom Stadtbahnhof Alexanderplatz S,4S. Nachzügler können rlle halbe Stunden fahren. Schöneberg. Wir weisen die Parteigenossen nochmals auf die heute abend 8 Uhr in C. Großers Festsälen. Meiningerstr. 8 statt- findende Wahlvercinsversammlung hin. Tagesordnung: Be- ratung der Anträge zum Essener Parteitag. Verschiedenes. Gleich- zeitig weisen wir auf die heute abend 7 Uhr stattfindende Flug- blattverteilung von den bekannten Lokalen aus hin. Damit die Arbeiten schnell erledigt werden und auf den Einzelnen nur weniges entfällt, werden die Genossen ersucht, zahlreich anzutreten. Der Vorstand. Oranienburg. Der Wahlverein hält am Sonntag, den 18. Au- gust, nachmittags 3 Uhr im Lokal von Braun seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht der Genossen, vollzählig zu erscheinen. Gäste will- kommen.," Der Vorstand. Berliner JVacbncbten. „Opfer fallen hier...." Ein sengend heißer Sommertag war im Verblühen. Noch glänzte die Göttin oben auf der Siegessäule goldflimmernd; aber durchs Brandenburger Tor schlenderten schon die Abendschattcn in die Straße„Unter den Linden" herein. Hier rauschte das Leben auf in verführerischen Augensternen und seidenen Toiletten. Karossen rollten hm und her; dazwischen schoben sich auch zuweilen schwerbeladene Frachtfuhren. Schwerfällig trotteten die Gäule— fast schlaftrunken vor Uebermüdung. Arbeitssklaven— nichts mehr.... Im planlosen Weiterstapsen seh ich plötzlich zahlreiche Passanten quer über die Linden einer Stelle des Fahrdammes zustreben. Näher gekommen, finde ich schon viel Volk zu beiden Seiten ver- sammelt. Zwei Schutzmannshelme blicken aus dem Knäul hervor; doch die Männer der Ordnung schreiten ruhig hin und her. Ein „Krawall" ists also nicht— manche Feingekleideten ziehen von bannen, enttäuscht, daß es nichts zu sehen gibt, enttäuscht, daß sie vor dem opulenten Abendessen keinerlei Reiz für die Nerven empfangen. Es war auch wirklich„nichts los". Stand ja nur ein mit Balken und Baugerüstkram hochbcpackter Wagen da. Die Be- spannung fehlte; offenbar sollte die Fuhre hier abgeladen werden, und der Kutscher hatte die Pferde abgeschirrt und dem Stalle zu- geführt. Aber deswegen hätte sich hier das Publikum ange- staut? Doch wohl kaum; denn ein Lastwagen ohne Pferde und Lenker ist doch nichts besonderes;' darauf achtet doch keiner, nicht einmal die Hunde, um bei den Rädern ihre Visitenkarten auszu- tauschen. Aber nein, cS muß sich da doch etwas ereignet haben. Ein Mann mit einer Peitsche in der Hand steht soeben dem Schutzmann Rede und Antwort, und der macht Notizen in seinem Kontrollbuche. Richtig, wie ich genau hinsehe, entdecke ich im Schatten der Fuhre einen Klumpen, mit einer Stalldecke verhüllt. Nichts regt sich darunter. Ist vielleicht jemand beim Ueberschrclton des Fahr- dammes unter den Rollwagen gekommen? Den ließe man doch nicht so liegen. Aber da erkenne ichs ja ganz deutlich: ein Rotz- schweif lugt unter der Decke hervor. Was hier anscheinend leblos lag, war der noch warme Kadaver eines Lastpferdes. Ob es einst in Jugendtagen stolze Reiter auf seinem Rücken getragen, oder auf Rennbahnen gesiegt, oder wappengeschmückte Kaleschen Pfeil- geschwind durch die Straßen gezogen, mit vornehmen Damen und Serren da drinnen— wer weiß es zu sagen? Aber einst kam sein nglückstag— es wurde ausrangiert, gelangte auf den Markt und zog nachher eine Droschke. Jahrelang! Und wieder stand es zitternd auf dem Markte und harrte eines neuen Herrn. Der war ein Fuhrmann. Da mutzte es nun tagsaus, tagsein schwere Fracht- wagen ziehen, mit ungeheuren Stückgütern obenauf. Rohe Lenker zerknallten auf seinen mageren Rippen ihre Peitschen, stießen und rissen es her und hin. Und wenn es endlich spät abends von der drückenden Wucht des Kummetgeschirrs befreit wurde und abge- rackert vor der Krippe stand, so hatte es nur dürftige? Stroh, selten eine Ration Heu zu Nahrung. Früh morgens, kaum wie der Tag graute, gings wieder vor den Wagen— und so Tag für Tag, Jahr um Jahr. Krumm waren seine Vorderbeine gebogen, schmal und keuchend die Brust— eine„Schindmähre" war aus ihm geworden. Lang konnte das nicht mehr so dauern. Einmal würde es auf offener Straße zusammen brechen und dgnn hätt alle Müh und Mqg ein Ende IN Ewigkeit...,- Solche Mattigkeit, wie heute morgen hatte der arme Gaul noch niemals verspürt. Von der unberührt gebliebenen Raufe hatte er sich an den Wagen zerren lassen. Und dann war er, nicht ohne Peitschcnschläge, mit der Ladung durch eine Flucht von Straßen gegangen— bis hierher. Plötzlich begann er zu keuchen, die Nüstern zu blähen und mit groß aufgerissenen Augen ängstlich nach einem Stützpunkt zu suchen. Dann ein qualvolles Aufbäumen, ein Strom dampfenden Brodems aus dem Schlünde— und ein dumpfer Fall. In den glasigen Augen stand der Tod: er drückte sie langsam zu, der Körper streckte sich,, der Kopf sank wie ein Hammer auf den Asphalt, zur Seite geneigt— das Tier hatte sein sklavisches Dasein geendigt. Gleich den Proletariern unter Menschenkindern war es mitten im Kampfe, auf dem Schlachtfeld der Arbeit gefallen..... Nun lag der Leichnam unbeweglich da— ein Schaustück für Stratzenpassanten.„Ach Jotte doch,'n Knobländer!"—„Jh, man bloß'n Karrenjaul,'n oller Klepper."... Ein flüchtiges Verweilen — und weiter hastet der Verkehr, unbekümmert um die, so auf der Strecke geblieben____ Unaufhörlich ratterten die Vehikel vorüber: tutende Auto- mobile, gelbe Paketpostler, spiegelblanke Staatskarossen, Miets- droschken, Kremser mit fröhlichen Ausflüglern, Lastfuhren von mancherlei Art und Gattung. Ein bald neugieriger, bald gleich- gültiger Seitenblick der Lenker— und mit sausendem Peitschen- knall weiter. Doch die Pferde vor all diesen Wagen? Fast jede? spitzt die Ohren und wendet den Kopf nach der Stelle. Wittert es Leichen- dunst? Mit nervösem Ansprung wird meistens eine kleine ab- weichende Kurve genommen— und vorbei. Andere trapsen gleich- gültig im gewohnten Gleise: hastig die einen, in langsamem Schritt die anderen. Einer ihrer Genossen ist hier elend nicdergcbrochen. Dergleichen sahen sie ach schon oft. Aehnlich vielleicht werden sie einst selber verenden. Das ist ihr Los. Beinah gewinnt es den Anschein, als ob mancher Droschken- oder Lastwagengaul so etwas wie eine Ahnung davon verspüre. Unsagbar bekümmert schaut manch' Auge, läßt manch' Ziehpfcrd den Kopf hängen: so, als möchte es nicht das Totenbild da auf der Straße sehen, als möchte es nicht vorzeitig an sein eigenes, vielleicht jähes Ende erinnert sein. Es liegt soviel Tragik in solcher Betrachtung— auch diese armen Tiere haben ihr Mitleid und ihre stummberedte Sprache.... Etwa eine halbe Stunde später kam der Äbdeckereiwagen. Vom Toten wurde die Decke genommen, eine Kette um seine Hinterbeine gelegt und der Kadawer durch zwei Männer mittels einer Winde über die Fallbrücke des Wagens zu diesem emporgezogen. Dann, als diese Prozedur beendigt war, nahm der Führer Platz auf seinem Sitz. Die Pferde zogen an. Gleichgültig, wie sie gekommen, so trotteten sie von bannen. Wie diesen Genossen, wie Dutzende vor ihm, so wird man sie einst selber, Wenns gut geht, zum Metzger, wenn es schlecht geht, zum Schindanger schleppen.... Die Befürchtung, daß das Fortbestehen des Freibades am Wannsee infolge einer Beschwerde, die die Forstverwaltung des Grunewaldes an die Regierung gerichtet hat, in Frage gestellt ist, wird verschiedenen Meldungen zufolge nicht geteilt. Es ioll un Gegenteil der Badestrand bei Beelitzhof noch vergrößert werden. Die Freigabe einer Reihe von weiteren Plätzen ist beantragt. Da- von ist Baumwerder bei Tegel bereits freigegeben, andere Orte sollen, wenn nicht dieses Jahr, so im nächsten Jahre folgen._ Wir wollen an dieser Stelle nicht unterlassen, einigen bei uns eingegangenen Beschwerden über das Betragen Badender am Wannsee Erwähnung zu tun. Danach soll nicht immer der übliche Anstand gewahrt werden. Wenn wir auch nicht verkennen wollen, daß unter Zehntausenden von Menschen stets Flegel und Ausbunde vorhanden sind, so sollte doch jeder darauf achten, daß Anstand und Sitte ge- wahrt bleiben. In der Regel müssen viele Tausende unter der Rücksichtslosigkeit und dem Mangel an Gemeinsinn Weniger leiden. Soll diese Einrichtung nicht beseitigt, sondern vielmehr eine weitere Ausgestaltung erfahren, so ist zunächst notwendig, daß seitens der Badenden kein Anlaß zu Beschwerden bei den Behörden gegeben wird. Mehr Bänke für die Parkanlagen! In jedem Sommer kann man in Berlin immer wieder beobachten, daß die Ruhebänke, die in den Parkanlagen sowie auf den Schmuckplätzen und Promenaden aufgestellt sind, bei weitem nicht ausreichen, um allen müden Erholungsuchenden eine Sitzgelegenheit zu bieten. Wer einmal an einem sonnenhellen Nachmittag oder einem sterncn- klaren Abend, wie wir deren in diesem wunderlichen Sommer allerdings recht wenig gehabt haben, den Kampf um ein frei- werdendes Plätzchen auf einer dieser Bänke mitgemacht oder doch mit angesehen hat, der wird uns durchaus zustimmen müssen. In den gesamten Parkanlagen usw. usw., die die Stadtgemeindc unterhält, stehen gegenwärtig noch keine 4000 Bänke, und alljährlich kommen nicht mehr als 100—150 hinzu. Bei der Ausdehnung dieser Anlagen ist das lächerlich wenig, zumal für eine Stadt von zwei Millionen Einwohnern. Daher sieht man denn auch überall in den Parks, auf den Schmuckplätzen, auf den Promenaden viele Personen, die sich ihre eigene Sitzgelegenheit zu schaffen suchen. Manche, die in der Nähe wohnen, bringen sich ein Feldstühlchen oder eine Fußbank mit. Andere, und das ist die Mehrzahl, lassen sich auf den eisernen Umfriedungen nieder, durch die die Rasen- flächen gegen die Wege abgegrenzt sind. Es ist kein großes Ver- gnügcn, auf diesen kantigen Eisenstangen zu sitzen, und lange hälts niemand aus. Doch auch für die Parkvcrwaltung hat es sein Bedenkliches, das Erholung suchende Publikum zu solcher Sclbsthülfe zu nötigen. Das Bild, das diese Galerie hockender Gestalten bietet, ist nicht besonders anmutig, und der Park- Verwaltung gereicht eS nicht zur Ruhme. Vor allem aber gewinnen dabei die Umfriedungen wirklich nicht an Standfestigkeit, davon kann man sich leicht durch den Augenschein überzeugen, wenn man daraufhin die Parks, Schmuckplätze und Mittclpromenaden be- sichtigt. Wir möchten hier übrigens vorschlagen, daß einmal an einem schönen Sommernachmittag z. B. nur auf den Mittel- Promenaden eine Zählung all der Personen veranstaltet wird, die da auf den Eiscnstangcn hocken, weil nicht genug Bänke da sind. Diese Zählung kann von den Wächtern, die dort stationiert sind, während ihres Dienstes ohne große Mühe ausgeführt werden. Auf Grund unserer eigenen Beobachtungen vermuten wir, daß sich dabei eine Zahl ergeben würde, über deren außerordentliche Höhe sogar die Parkvcrwaltung erstaunen müßte. Gegen den Verband der Fabrikanten von Markenartikeln richtet sich ein Flugblatt, welches die Konsumvereine Berlins und Umgegend sowie der Städte der Provinz Brandenburg an ihre Mitglieder verbreiten. In demselben wird auf das Bestreben des Verbandes der Fabrikanten von Markenartikeln verwiesen, loonach bestimmte Artikel nicht unter einem bestimmten vorgeschriebenen Preis verkauft werden sollen. Um diese Einheitlichkeit in der Festsetzung des Preises zu erreichen, muß der Detaillist einen entsprechenden Revers unterschreiben, laut welchem er sich verpflichtet, den vorgeschriebenen Verkaufspreis innezuhalten. Es wird nun in dem Flugblatt die Befiirchtung ausgesprochen— und unserer Ansicht nach mit Recht— daß dieser Verband allmählich eine Monopolstellung schassen und die Preise diktieren will. Die Leiter der Einkaufsvereinigungen beschlossen auf dem BerbandStage in Düsseldorf, den Revers des Verbandes der Fabrikanten von Markenartikeln nicht zu unterschreiben. DieS hatte zur Folge, daß ein Teil dieser Fabrikanten an die Großeinkanfsgesellschaft deutscher Konsum- vereine ihre Waren nicht mehr liefert. So haben ihre Lieferungen eingestellt die Firma Lnhn u. Co. in Waschextrakt, Henkel u. Co., Bleichsoda, Knorr Hafermehl und Flocken, Sunlight- seifenfabrii Sunlightseife, Schlinck Palmin. KathrcinerS Malzkaffee- fabrikcn, Mack Doppelstärke. Kufeke Kindermehl. Nestle Kindermehl. Kahn Edelweiß. Mampe Branntwein, Stollwerck Schokoladen und Glafey Nachtlichte. Der Verband von Markenartikel richtet sich nun gleichfalls in einem Flugblatt an das Publikum und setzt näher aiiö« einander, daß er nur zum Schutze des reellen Handels gegen Preis« schleudereien, zum Schutze auch des Publikums gegen Schleuder« bazare und schleudernde Warenhäuser gegründet sei. Uns scheint, daß die Gründung des Verbandes nicht erfolgt ist, um die Jntcr« essen des konsumierende» Publikums, sondern die der Fabrikanten wahrzunehmen. Die Konsumvereine selbst hätten, wenn sich der Kampf gegen den unreellen Wettbewerb und Schundkonkurrenz richtete, kein Interesse, den Verband an diesem Bestreben zu hindern; indes ist dies sicherlich nur ein Vorwand des Verbandes, dazu be- stinimt, sich den Profit auf Kosten des konsumierenden Publikum? nicht schmälern zu lassen. Es werden in dem Flugblatt der Konsunibereine die Mitglieder aufgefordert, die nicht mehr gelieferten Artikel nicht ans anderen Geschäften zu holen, da die Konsumvereine für gleichwertigen Ersatz dieser Artikel Sorge tragen. Die städtische Schuldeputatio» macht folgendes bekannt: Die Aufnahme in die städtische Taubstummenschule findet anfangs April und Oktober statt. Eltern, Vormünder taubstummer schulfähiger und noch nicht eingeschulter Kinder haben Anmeldungen zum bevor» stehenden Wintersemester bis spätestens 1. Oktober d. I. beim Direktor Gutzmann, Markusstraße 49 anzubringen. Die Grmiewaldfahrten der Omnibusgcscllschaft finden von jetzt ab nicht nur Sonntags nach der Krummen Lanke und der Alten Fischerhütte, sondern auch an Wochentagen nachmittags bei gutem Wetter statt. Die Wagen laufen von der Bülowstrnße durch die Tauenzienstraße. den Kurfürstendamm. die Königsallee usw. und vom Oranienburger Tor durch die Friedrichstraße, Unter den Linden, durch das Brandenburger Tor, die Königgrätzer-, Poisdamer- und Bülow- straße, über den Nollendorfplatz, die Kleist- und Tauenzienstraße, den Kurfürstendamm. die Königsallee usw. bis Krumme Lanke und Alte Fischerhütte. Die Wagen fahren ab Bülowstraße, Ecke Pots« damcrstraße, Sonntags von 9 Uhr an alle 20—30 Minuten, Wochen« tags von 2.30 an alle 20— 30 Minuten, von dem Oranienburger Tor, Ecke Elsasserstraße, ab Sonntags um 8.45, 9.30, 10.15, 11.0V, 2.30 und 3.30, wochentags um 2.00, 2.30, 3.05, 3.40 und von Alte Fischer- hülte Sonntags von 9.45 bis etwa 11 Uhr abends, wochentags von 3.40 nachm. bis 10 Uhr abends. Die Fahrpreise betragen vom Oranienburger Tor nach der Alten Fischerhütte für Erwachsene 1 M., vom Brandenburger Tor dahin 80 Pf., vom Ringbahnhof Halensee 50 Pf., von der Bülowstraße 70 Pf., von Halensee 50 Pf.; außer- dem auf der Rückfahrt von der Alten Fischerhütte nach Berlin vom Gasthaus Hundekehle nach dem Oranienburger Tor 00 Pf., nach der Bülowstraße 30 Pf. Kinder zahlen statt 1 M. nur 00 Pf., statt 80 nur 50, statt 70 und 00 bloß 40, statt 50 nur 30 und statt 30 nur 20 Pf. Ein Gefangener im Adainskostüm ans dem Dache. Gestern früh 10 Uhr wurde die Feuerwehr aus der Turmstraße nach dem Unter- suchungsgefängnis in Alt-Moabit gerufen, um einen Gefangenen vom Dache herunter zu holen. Ein 25 jähriger Untersuchnngs- gefangener hatte den Morgenspaziergang dazu benutzt, um in einem günstigen Augenblicke mit affenartiger Geschwindigkeit an einer Dachrinne emporzuklettern und sich auf der Dachfirst des zwei» stöckigen Gebäudes häuslich niederzulassen. Er spielte dort den Verrückten, entkleidete sich vollständig und schnitt allerhand Grimassen. Da die Feuerwehr mit der mechanischen Leiter nicht auf den Hof fahren konnte, mußte eine große Stehleiter aus der Anstalt herbeigeschafft werden, auf der der Oberfeuermaiin Stürze empor- stieg, um dem Ausreißer eine Schlinge überzuwerfen. Lorsichts« halber war auch ein Sprungtuch ausgebreitet worden, um den Burschen, falls er springen sollte, aufzufangen. Dieser suchte aber fcinei» Verfolger dadurch zu entgehen, daß er auf allen Vieren auf dem schrägen Ziegeldach herumvoltigierte. Erst als von der ent» ? egengesetzten Seite ein zweiter Feuerwehrmann das Dach erstiegen atte, konnte der Ausreißer festgemacht werden. Da er kein Ent- rinnen mehr sah, sprang er ins Sprungtuch, wo er unverletzt aus- gefangen wurde. Unter dem Straßenbahnwagen getötet. Hierüber erhalten wir vom Straßenbahnoffiziosus folgende Mitteilung: Ei» schrecklicher Unglücksfall ereignete sich Mittwoch nachmittag gegen Va6 Uhr vor dem Hause Kottbuser Damin 73. Dortselbst spielte der bei seinen Eltern Schönleinstr. 11 wohnhafte fünfjährige Walter Melchert mit einem Ball. Das Spielzeug entglitt seinen Händen, rollte auf den Fahrdamm und zwar zwischen die Strahenbahnschiencn, als gerade der Motorwagen Nr. 1712 der Linie 53 herannahte. Der Kleine versuchte den Ball zu haschen und geriet unter den Straßenbahn- wagen; obwohl der Führer desselben die Gefahrbremse zur An- Wendung brachte, war es jedoch nicht möglich, bei der kurzen Ent- fernung von kaum einem Meter den Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Der Knabe kam mit dem Kopf unter den Schutzrahmen und wurde festgeklemmt. Der Waggon wurde mittels mitgesührter Winden hochgehoben und der Kleine nach kaum drei Minuten noch vor dem Eintreffen der durch Passanten herbeigerufenen Feuerwehr befreit. Dem Kinde war der Kopf buchstäblich zermalmt worden. infolgedessen der Tod auf der Stelle eingetreten war. Nach einer uns gemachten Mitteilung eines Augenzeugen soll die Befreiung des Kindes nicht so schnell vor sich gegangen sein. Nahezu eine halbe Stunde soll es gedauert haben, bevor man es hervorgeholt hatte. Wäre es so schnell gegangen, wie der Straßen- bahnosfiziosuS mitteilt, so wäre schließlich die Feuerwehr nicht durch Passanten herbeigerufen worden. Der Augenzeuge macht bei diesem Vorkommnis auf die im Lokomotivbau zur Anwendung kommenden und in jedem Sitzkasten uiiterzubringenden Stockwinden aufmerk- sam, mittels deren es in kurzer Zeit gelingen soll, den Wagen zv heben. Ein heftiges Gewitter von längerer Dauer zog gestern nach» mittag zwischen 4 uiid 5 Uhr von Süden herauf. Starke Nieder« schlüge und stürmisches Wetter waren die Vorboten. Nach dem Ge- witter trat eine merkwürdige Abkühlung ein. Verschwunden waren die Staubwolken und die drückende Schwüle. Innerhalb einer Stunde war das Thermometer um 10 Grad auf 10 Grad gesunken. Der Blitz hat mehreremal im Weste», Norden und Osten, ohne indes Schaden anzurichten, Straßenbahnmasten und Bäume ge- troffen. Der Fernsprechverkehr war volle zwei Stunden vollständig unterbrochen. Straßenüberschwemmuiigen gab es wiederum an einigen Stellen, auch einige Keller wurden unter Wasser gesetzt. Im Gespräch mit den Kollegen vom Tode überrascht wurde am Mittwochabend der Maurer Priewer auf dem Geslnidbrumien. P. war mit mehreren anderen Maurern, von der Arbeit heim- kehrend, durch die Hussiteiistraße gegangen und brach an der Ecke der Hermsdorferstraße plötzlich leblos zusammen. Die Arbeits- kollegen brachten ihn zu einem Arzt in der Nachbarschaft, der aber nur noch den Tod infolge Herzschlages feststellen konnte. Nach Unterschlagung von 3000 M. flüchtig geworden ist der Buchhalter Ernst ThimiuS. Th. ivar in dem Restaurant„Zum Franziskaner" in der Friedrichstraße angestellt. Ein Automobilnnfall ereignete sich gestern mittag am Schloß« platz. Ecke Brüderstraße. Dort wurde ein Passant von einem daher- rasenden Auto überfahren. Schwer verletzt wurde der Berimglückte unter den Rädern des Kraftfahrzeuges hervorgezogen und mittels Droschke nach der Unfallstation in der Brüderstraße gebracht. 100 Di« Bewegung zur Herbeiführung des Achtnhr- Ladenschlüsse» in Berlin hat bereit» wieder eingesetzt. Wie berichtet wird, veranstaltet der Ausschuß vereinigter Geschäftsleute und Angestellter zur Herbei- führung des Achtuhr-Ladenschlusses eine geheime Abstiminuug. Das Resultat derselben soll am 1. Oktober oem Polizeipräsidium über- niittclt werden. Im Berliner Aquarium hat jetzt ein neuer Transport fünf Exemplare einer hinterindischen Spezies aus der Gruppe der alt- weltlichen Niesenschlangen der Stuminelfüßer gebracht, und es ist von Interesse zu sehen, wie diese Tiere, trotzdem es Artverwandte sind, ,n der Färbung abändern bczw. nach lichten und ganz dunklen gelben und braunen Tönen wechseln. Alle diese altweltlichen Niesen sind auf der linken Seite der Neptiliengalerie, die neu- weltlichen auf der rechten Seite untergebracht. In einem Glas- Haus unweit der ersteren fällt dem Besucher eine zum ersten Mal hier gezeigte prächtige grüne Schlange auf, die zur Familie der Nattern und zwar zur Abteilung der Baumschlangcn gehört. Das Tier hält sich fast stets aus dem im Käfig stehenden Baum auf. Der Name dieser aus Südwest-Afrika stammenden und zum ersten Mal lebend nach Deutschland gekommenen Spezies ist vispboliäu, l>'pus. Sieben den Häusern der Kriechtiere sind auch die Behälter der wirbellosen Seetiere vielfältig mit Zuführungen bedacht worden. Zm Sportpark Treptow findet am Sonntag das diesjährige llilometer-Nennen mit Motorführung statt. Zu rekognoszieren. Am S. August wurde in Köpenick eine unbekannte weibliche Leiche aus der Spree gelandet. Dieselbe ist etwa 45— öl) Jahre alt, hat kurz geschnittenes graumeliertes Haar iTituSkopf), karierte Bluse, grauen Rock, schwarze Strümpfe, schwarze Tuchschuhe, blaukarierte Schürze. Trauring rst gezeichnet: W. B. Mitteilungen nimmt jedes Polizeirevier und die Kriminalpolizei. Alexanderstr. 3/S. II Treppen. Zimmer 324 schriftlich und mündlich zu 5373 IV. S. 07 entgegen. Im Eportpark Spandau findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr großes Nennen statt. Im bakteriologisch-mikroskopischen Laboratorium von Dr. med. C. S. Engel, Fricdrichstr. 126, werden Absonderungen wie Urin, Auswurf usw. von Unbemittelten zur unentgeltlichen Untersuchung Wieder jeden Montag und Donnerstag angenommen. Feuerwehrbcricht. Gestern abend wurde der 7. Zug nach der Boxhagenerstr. 17u gerufen, wo ein Pferd tn einen Kohlenkeller ge- stiegen war. Mit vieler Mühe gelang eS, den widerspenstigen Gaul wieder aus dem Keller herauszuholen. Gleichzeitig wurde der 8. Zug nach dem Kottbuserdamm alarmiert. In der Voßstr. 17 brannten auf einem Neubau Latten, Fußböden u. a. und in der f oststr. g im dritten Stock des rechten Ouergebäudes Kartons, iichor u. a. in einem Wollwarenlager. In der Dorotheenstr. 25 mußte nachts ein Wohnungsbrand gelöscht werden. Eine Feuersäule an der Ecke der Koppen- und Langestratze alarmierte nachts um 2 Uhr die Feuerwehr. Eine Ga'slaterne war dort umgefahren und das ausströmende Gas in Brand geraten. Die Wehr beseitigte die Gefahr. Vorort-JVaebrirbten. Eharlottenburg. Wasserklosetts und Badeeiurichtungen sind Forderungen der Bolkshygiene, die insbesondere für alle städtischen Wohnungen un- bedingt erhoben werden müssen. Daß sie noch keineswegs für alle Wohnungen selbst in den modernen Großstädten erfüllt sind, zeigt die neueste Veröffentlichung des Statistischen Amtes der Stadt Char- lottenburg über die Ergebnisse der GrundstückSaiifnahme am 1. De- zembcr 1905. Danach gab es in Charlottcnburg insgesamt 3598 Grundstücke mit 58 290 Wohnungen. Von den letzteren hatten Wasserklosetts 49 398; ohne solche waren noch 8893— 15 Proz. der Wohnungen. Eigene Badeeinrichtungen hatten 21 588 Wohnungen, das sind 37 Proz. Mehr als»/, der Wohnungen hatten noch keine eigene Badeeinrichtung. DaS waren natürlich die billigeren, von Arbeiterfamilien bewohnten Wohnungen. Gerade für die mit schwerer körperlicher und schmutzender Arbeit Beschäftigten ist aber eine Badegelegenheit in der Wohnung von größter Wichtig« keit zur Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden. Ihre Ein- richtung sollte zu einer allgemein baupolizeilichen Vorschrift erhoben »erden. Der Charlottenburger Magistrat teilt mit: Gelegentlich der be- vorstehende» Herbstversetzungen tn den Schulen dürfte es weitere Kreise interessiereu. daß sich die Zweigstelle des städtischen Arbeits- Nachweises Charlottenburg. Wittenbergplatz 4. auch mit dem Nach- weis von weiblichen Lehrkräften für Nachhiilieunterricht befaßt; außerdem sind englische, französische und italienische Sprach- lehrerinnen. sowie Mufit-, Mal-, Turn- und Handarbeitslehrerinnen in größerer Anzahl vorgemerlt. Die Vermiuelung ist für beide Teile kostenlos. Friedenau. Ein schwerer Banunfall hat sich vorgestern auf dem Neubau an der Ecke der Kaiserallee und Rheinstraße zugetragen. Der 43jährige Maurer Jahroziuski aus der Emdenerstr. 23 war in der vierten Etage dabei beschäftigt gewesen, Mauersteine anzulegen. Beim Vor- beugen verlor er plötzlich das Gleichgewicht und kopfüber stürzte er in die Tiefe. In bedenklichem Zustande wurde der verunglückte in das Auguste Viltoria-Krankeuhaus eingeliefert. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Die Mitgliederversammlung des WahlvereinS am Sonnabend nahm ein interessantes und ausführliches Referat des Genossen Spiekermann über;„Was haben die Arbeiter von dem neuen Reichstage zu erwarten?" entgegen. Eine Diskussion schloß sich an den beifällig aufgenommenen Vortrag nicht.— Hierauf gab Genosse Schmidt den Bericht von der letzten Kreis-Generalversamm« lung. Weiter teilte der Vorsitzende mit, daß die Frage der Herab, setzung des Abonnementspreises und Einführung des Wochen, abonnements am„Vorwärts" vom Parteitage gelöst werden wird, jedoch wahrscheinlich eine Aenderung in den bestehenden Verhält- nissen nicht eintreten werde, da sich namentlich die Speditionen und die Preßkommission unter Anfuhrung maßgebender Gründe dagegen wenden.— In die Lokalkommission wurde Genosse Massute gewählt.— Ferner wurde beschlossen, gegen das Mitglied Tischler Holle das AuSschlußverfahren einzuleiten.— Eine längere Debatte entspann sich darüber, wie in Kaulsdors in Zukunft die Agitation zu fördern sei; hierzu wurde vom Vorstand mitgeteilt, daß am Mittwoch, den 14. August, in Kaulsdorf ein Zahlabend abgehalten wird, zu dem alle Genossen per Karte eingeladen werden.— Zum Schluß wurde noch bemängelt, daß leider noch so viele Arbeiter, auch organisierte Genossen, in den gesperrten Lokalen verkehren», des wetteren auf das am 25. August bei Schliefe stattfindende Stiftungsfest hingewiesen und um rege Beteiligung ersucht, Wilhelmsrnh-Rosenthal-Nordend. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzte» Sitzung mit der Vergebung der Mauer- und Zemcntarbeiten für den Schulhausbau. Die Arbeiten wurden der Firma E. Rohmoser mit 50 080 M. übertragen, es soll sofort mit den Arbeiten begonnen werden. Der Unternehmer verpflichtet sich, für jeden Tag 59 M. Konventionalstrafe zu zahlen, sobald der im Bertrag festgesetzte Termin nicht eingehalten wird. Die steinlieferung wurde der Firma Pein in Potsdam für 22 400 M. übertrage». Genosse Hascheck stellte den Antrag, eine Schulbaukommlsnon zu wählen und schlägt drei am Ort wohnende Fachleute dox. Der Antrag wurde jedoch'abgelehnt. Gemeindevertreter Dr- Oeprricher be» aktragte, die Wegekommisfion dafür zu bestimmen, welcher Antrag gegen zwei Stimmen angenommen wurde. Die Kanalisations- arbeiten haben bereits begonnen, es wird vorläufig Wilhelmsruh und Nordend angeschlossen, für Rosenthal soll ein neues Projekt ausgearbeitet werden. Die Kanalisationsgebühren werden in drei Raten eingezogen. Für die Kanalisation wurde die Aufnahme einer Anleihe von 235 000 M., welchen Betrag die gräflich Zehische Verwaltung vorzustrecken sich bereit erklärt hat, beschlossen. Die- selbe soll mit 8V2 Proz. verzinst und mit 2 Proz. amortisiert werden. De» weiteren wurde beschlossen, dem»Äerkehrsverband Groß-Bcrlin beizutreten und das Statut zu genehmigen. Eni- gegen dem Beschlutz der Vertretung, die neu zu pflasternden Straßen mit Reihensteinen zu versehen, regte der Gemeinde- Vorsteher Schmidt an, dieselben mit billigerem Pflaster pflastern zu lassen. Gemeindevertreter Dr. Oestreicher beantragte, da die Gemeindevertretung nicht vollzählig sei, eine diesbezügliche Aenderung des Ortsstatuts zu vertagen. Die Vertretung beschloß einstimmig demgemäß. Neinickcudorf. Das Anhängen der Kinder an Fuhrwerken hat wieder zu einem bedauerlichen Unglücksfall geführt. Der neunjährige Schüler Robert B. hatte sich in der Provinzstraße an einem Wagen an- geklammert und ließ sich eine Strecke mitschleifen. Als der Knabe sich losließ, geriet er unter eine vorbeifahrende Droschke und wurde überfahren. An Heiden Beinen schwer verletzt, wurde der Junge nach einem Krankenhause übergeführt. Sericbts- Leitung. Die„besonders nützlichen Elemente". Bei Ausübung ihres Amtes als Streikposten während der Holz» arbeitexaussperrung in diesem Frühjahr sollten sich der Drechsler Weber und der Tischler Pohle gemeinschaftlich gegen nicht weniger als sieben Paragraphen des Strafgesetzbuches, sowie gegen die ZK 152, 153 der Gewerbeordnung vergangen haben. Sie standen deswegen vor dem Schöffengericht in Alt-Moabit. Als Bclastungs- zeugen wurden der„Tischler" Ern st Schulz, sowie der„Tischler" und„Kellner" Max Schmidt vernommen, Idte beide seinerzeit als sogenannte Arbeitswillige tätig gewesen waren. Es waren offenbar Arbeitswillige, um die man das Unternehmertum nicht zu beneiden braucht. Der Zeuge Schmidt wurde aus der Unter- suchungshast vorgeführt, die über ihn verhängt wurde, weil er sich der H c h l e r ei schuldig gemacht haben soll, und der Zeuge Schulz mußte in der Verhandlung zugeben, daß er nach Auf« Hebung der Aussperrung nicht etwa auf Drängen der wieder einge- stellten Ausgesperrten, sondern wegen mangelhafter Ar« beitsleiftung entlassen worden war. Die Angeklagten sollte» den Schulz durch Ausdrücke wie„Streikbrecher" und den unter organisierten Arbeitern wohl kaum üblichen„Pißbudenlude" öffent- lich beleidigt haben. Außerdem wurde ihnen vorgeworfen, daß sie durch Drohungen, Ehrverletzung und Verrufserklärung versucht hätten, die beiden Zeugen von der Arbeit abzuhalten. Sie sollten Worte gebraucht haben wie:„Wir werden Dich rausbringen", und „Wir werden Dich von einer Werkstatt zur anderen Hetzen, daß Du aus Berlin hinaus mußt". Die Angeklagten bestritten entschieden, dergleichen Redensarten und Schimpfworte gebraucht zu haben, aber die Zeugen hatten cS unter ihrem Eide ausgesagt und blieben dabei, Uebrigens gab der Zeuge Schulz zu, daß er, als er von den Angeklagten angesprochen wurde, gesagt hatte:„Ich will nicht arbeite»! ich will bloß mal in die Pißbude gehen", und der Zeuge Schmidt gab zu, gesagt zu haben:„Hätte ich gewußt, daß gestreikt wird, so hätte ich nicht angefangen. Ich werde mir die Sache über, legen." Der eine Arbeitswillige hatte also die Streikposten zu täuschen gesucht, der andere ihnen Hoffnung gemacht, daß er sich doch den ausgesperrten Tischlern anschließen werde. Die Ange- klagten hatten, ihrer eigenen Aussage nach, die Arbeitswilligen nur ruhig und sachlich, ohne Drohungen oder Schimpfworte zu ge« brauchen, an ihr SolidaritätSgesühl erinnert. Der Staatsanwalt schenkte jedoch den Belastungszeuge» mehr Glauben und beantragte gegen Weber 4 Tage, gegen P ö h l« 3 Tage Gefängnis. Der Verteidiger führte aus. daß wenn das Gericht die Angeklagten für schuldig erachte, eine Geldstrafe vo» 10 bis 15 M. wohl eine ausreichende Strafe fei. Bei der Tatsach«, daß es sich nicht um einen vom Zaun gebrochenen Streik, sondern um eine Aussperrung handelte, komme der tz 153 der Gewerbe» ordnnng gar nicht in Betracht. Zudem sei festgestellt, daß der Zeuge Schulz nicht etwa infolge von Drohung ober VerrufSerklarung entlassen wurde, sondern weil seine Arbeit der Firma P i n l u s Das" Gericht sprach den Angeklagten W e b e r für schuldig dt» StreikvcrgehenS in zwei Fällen und verurteilte ihn zu 5 Tagen Gefängnis. Den Angeklagten Pohle verurteilte das Gericht wegen Beleidigung zu 30 M. Geldstrafe. Wir sind neugwrtg. ob sich die» Urteil gegenüber der Tatsache aufrecht erhalten läßt, daß die Holz« arbeiter ausgesperrt waren und bereit waren, die Arbeit jederzeit zu den alten Bedingungen, allerdings dann ohne Vertrag, auszu« nehmen._ Wegen des richtigen«nSdruck» bestraft i Einen bemerkenswerten Einblick in die Gefchäftsprakttken eine» Möbelgeschäfts gestattete eine Verhandlung, die gestern vor der fünften Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Wegen Unter« schlagung und Beleidigung war die Wirtschafterin Emilie Kretz an« geklagt.— Die bisher unbescholtene Angeklagte war als Verkäuferin in der Filiale eines Möbelhändlers S. in der Prinzenstraß« an- gestellt gewesen und erhielt außer ihrem Gehalt noch eine größere Provision. Zwischen der Angeschuldigten und ihrem Chef kam e< im März dieses Jahres zu Differenzen. Bei diesem An- laß warf sie dem Möbclhändler vor, daß sein Geschäft ein Schlvindelgeschäst ersten Ranges s«i. Gegen die Angeklagten wurde später eine Anzeige wegen Unterschlagung von kleinen Sum- men im Geianttbetrage von 11 M. erstattet, die fie sich angeblich von Auzahlimgen zweier Kunden angeeignet haben sollt«. Wegen dieser Unterschlagung und der Beleidigung wurde die K. vom Schöffengericht zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Hiergegen legte sie Berufung ein, so daß sich die Strafkammer nochmals mit dieser Angelegenheit beschäftigen mußte. In der Berufungsinstanz machte die Angeklagte recht interessante Angaben darüber, weshalb sie das S.sche Möbelgeschäft als Schwindel bezeichnet habe. Sie sei von S. veranlaßt worden, ein Inserat aufzugeben, nach welchem angeblich ein« junge grau in drücksndster Notlage ihre aesamt» Wohnungseinrichlung verkaufen wollte. Der Möbelhändler selbst habe ihr eine Wohnung gemietet und dies» mit alten Möbsln ausgestattet. Sobald Kauflustige kamen, mußte sie der Weisung ihres Chefs gemäß eine rührsame Geschichte von ihrem init einer Geliebten durchgebronnten ungetreuen Gatten erzählen, der sie in schlimmster Notlage zurückgelassen habe. sp daß sie nun, um ihren Hunger stillen zu können, di« gesamte Wvhnungseii, richtung verkaufen müsse. Sobald die Möbel verkaufl gewesen seien, habe S. sofort andere Möbel in die Wohnung gestellt und in gleicher Weise inseriert. Der von Rechtsanw. Dr. Werthauer nach dieser Richtung hin angetretene Beweis ergab, daß tatsächlich in dem S.schen Geschäft ,n dieser Weise manipuliert wurde, so daß selbst von seit»,, des Vorsitzenden erklärt wurde, er wüßt« auch keine andere Bezeichnung als das Wort„Schwindel" oder „unlauterer Wettbewerb".— Die Strafkammer hielt die Unter- schlagung nicht für erwiesen und erkannte deshalb auf Frei- s p r e ch u n g. Wegen der Beleidigung sei allerdings erwiesen, daß d»e Angeklagte das allein richtige Wort für derartige Geschäftspraktiken gebraucht habe. Dadurch, daß si»dieS aber in Gegenwart von Kunden 0 f s e Ii t l i ch getan habe, lasse sich aber ein» beleidigend« Absicht erkennen. In Anbetracht der ganzen Sachlage hielt da« Gericht jedoch die niedrigste gesetzlich zulässige Strafe von drei Mark für«i»- ausreichende Sühne. Wieder ein Urteil, da§ nicht einmal Juristen, geschweige denn sogenannte Laien verstehen werden. Wenn die Angeklagte, um Anschuldigungen gegen die eigene Person abzuwehren, dem Be- leidiger da» allein richtige Wort„Schwindel" zuruft, handelt sie doch auch formal juristisch in Wahrung berechtigter Interessen. „Der süße Heini". Ein Bursche, der längere Zeit in allen möglichen Verkleidungen den Tiergarten unsicher gemacht hatte, wurde gestern in der Person des 21 jährigen„Arbeiters" Heinrich S ch i ch a u dem Strafrichtcr vorgeführt, um sich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Beleidigung zu verantworten. Der Angeklagte gehört zu jener Sorte von Menschen, die ihr Lebtag keine ehrliche Arbeit kennen gelernt haben, sondern aus dem niedrigsten Laster der Großstadt, welches sich immer mehr breit macht, ihren Lebensunterhalt beziehen. Der Angeschuldigte, welcher in gewissen„besseren" pervers veran- lagten Kreisen den Spitznamen„Der süße Heini" trägt, ist wieder- holt wegen Vergehens gegen den Z 175 und wegen versuchter Erpressung vorbestraft. Wegen seiner Vorstrafen ist S. auch von der Polizeibehörde aus Berlin ausgewiesen worden. Trotzdem ging er nach wie vor seinem lichtscheuen Treiben im Tiergarten nach. Der Kriminalpolizei bereitete er große Schwierigkeiten dadurch, daß er alle möglichen Verkleidungen anlegte. Vielfach ging der gefährliche Patron auch in eleganter Frauenkleidung nachts auf den Fang. Am 28. Juni d- I. in später Abendstunde beobachtete der Kriminalschutzmann ocn Schwicchow den Angeklagten in der Nähe de» Brandenburger ToreS. Als S. den ihm schon von früher her bekannten Beamten erblickte, ergriff er die Flucht. Es cnt- wickelte sieb eine wilde Hetzjagd quer durch die Anlagen, bis es schließlich gelang, den Flüchtling einzufangen. Der Angeklagte wußte anscheinend was ihm bcvorstano und warf sich sofort auf den Schutzmann, so daß sich beide in wütendem Handgemenge auf dem Boden walzten. Mit knapper Not konnte der Kriminal- bcamte dem gefährlichen Burschen ein dolchartiges Messer entreißen. Erst als verschiedene Zivilpersonen hinzuciltcn, gelang es, den An- geklagten zu überwältigen und zu fesseln. Auf dem Transport zur Wache äußerte er noch, er würde, sobald er wieder aus dem „Kittchen" sei, sämtlichen„Blauen" im Tiergarten den Bauch aufschlitzen. ES besteht gegen den Angeklagten auch noch der Vcr- dacht, daß er sich unter der MaSke eines Kriminalbeamten an allzu rärtltcke Liebespärchen im Tiergarten herangedrängt und gegen iese Erpressungen verübt hat. Der Staatsanwalt hielt mit Rück- ficht auf die überaus große Gcmcingefährlichkeit des Angeklagten eine empfindliche Strafe für angebracht und beantragte deshalb eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten. Da? Gericht verurteilte S. zu drei Monaten Gefängnis. Vermilektes. Grossfeuer in Bremen. In der gestrigen Nacht, ungefähr um 2 Uhr, kam im größten Vergnügungsetablissement des bremischen BürgerparkcS, im Parkhause, ein größerer Brand zum Ausbruch. Der Brand ist bei dem Feuerwerk, welches vorgestern aus Anlaß einer Mustkaufftihrung abgebrannt wurde, entstanden. Dabei muß ein Funke auf das Dach geflogen sein, wodurch später der Brand entstand. Die Kuppel und drei der Nebcntürme sind abgebrannt und die Brandtrümmer in das Innere dcS Saales gestürzt, der bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt ist. Die beiden Seiten- flügel de» Hause» sind unversehrt geblieben. Grubenbrand. In den Schächten Hucal, Bitum und im Agnetenschacht wütete, wie von B 0 r t» l a w gemeldet wird, gestern ein großer Brand. Sämtliche Bohrtürme, Oelreservoir», Maschinen und Werkzeug« find vernichtet, der Dohrmeister de» erstgenannten Schachtes wurde als verkohlte Leiche hervorgezogen, während zwei seiner Gehülfen schwere Brandwunden erlitten. Ein Gelehrter al» Raubmörder. Auf dem Bahnhof Mittel- grund bei Tctschen wurde nach einer Meldung aus Wien der Rcalschulprofeffor Drost au» Wallachisch-Meseritsch unter dem Yer- dachte verhaftet, am 6. August die Verkäuferin Dora Rose in Hannover ermordet und beraubt zu haben. Bei der Hochzeitsfeier erstochen wurde am Dienstagabend in Bürgerfelde bei Oldenburg der junge Ehemann. Derselbe war mit dem Bruder seiner jungen Frau in Streit geraten. Die Hochzeitsgäste vermochten den Streit nicht zu schlichte»! vor der Tür des Raumes, in dem die Feier stattfand, wurde der junge Mann von seinem Gegner so zugerichtet, daß er bereits auf dem Wege nach dem Krankenhaus verstarb. Ein Ueberfall. Wie die„Breslauer Zeitung" aus Zabrze meldet, drangen 11 Arbeiter aus Paulsdorf, Bielschowitz und Zaborze auf Dominium Neurode in ein Familienhaus des Dominium» ein und überfielen die dort beschäftigten ruthcnischen Arbeiter. Sie bedrohten sie mit dem Tode, zertrümmerten die Wohnungseinrichtung und verletzten die Arbeiter mit Dunggabeln schwer. Drei Rädelsführer wurden verhaftet, Di« Cholera in Russland. In Astrachan ereigneten sich sieben Cholerafälle, in der Nähe von Astrachan 5, einer in Sysram und einer in einem Eisenbahnzuge nach Moskau. In Petersburg kam ein verdächtiger Todesfall vor. versunkene Insel. Wie der„Frankfurter Zeitung" über New flork aus Honolulu gemeldet wird, hat ein Sckmner vergeblich 2 Tage lang nach der von einer Anzahl Japaner bewohnten Insel Lahsan lHawaiiarchipelj gesucht. Man befürchttt, daß die Insel infolge eines Erdbeben» versunken ist. Die Sezialdemokratir ist schuld. Vor dem Landgericht in Bayreuth hatte sich ein Mitglied de» Kriegervereins wegen eines ganz gemeinen Schwindels zu verantworten; er hatte der Witwe eines Kameraden statt 150 M. Sterbegeld nur 125 M. ausbezahlt. die Witwe aber eine Quittung über 150 M. unterschreiben lassen. Statt sich über seinen Schwindel zu äußern, begann der Tapfere im Gerichtssaal eine Rede gegen die Sozialdemokratie zu hatten und er mutzte sich dann vom Vorsitzenden sage» lassen, daß gegen- wärtig nicht die Sozialdemokratie, sondern er wegen seiner Lumperei auf der Anklagebant sitze. Der gute Patriot konnte schließlich gar nicht fassen, daß man ihn verurteilen konnte. Die Konfciston im Lichte der Kriminalstatistlk. Gegenüber der von Vetretern der„alleinseligmachenden" Kirche beliebten Behauptung, daß der wahre Glaube allein die Menschen gut mache und ihre Sitten mildere, sind folgende Zahlen aus der Reichs- statistik interessant: Auf 1000 000 strafmiiiidige Zivilpersonen gleicher Konfession kamen im Durchschnitt der Jahre 1892—1901 Verurteilungen: Verbrechen und v,r- Verbrech, gegen gefährlich« gegen überhaupt die Person Körperverletzunf Katholiken. 1351 634 3l4,1 Protestanten. 1122 461 185,5 JudkN... 1030 382 75.3 Sehr lehrreich ist auch eine Gegenüberstellung der kriminal. statistischen Zahle» für das überwiegend katholische Bayern und das fast durchweg protestantische Sachsen. Auf die nach der Zählung vom 1. Dezember 1905 festgestellten 6 524 372 Bewohner Bayerns entfielen 1905 insgesamt 63275 Verurteilungen und Ver. gehen gegen dt» ReichSgesetze: auf die 4 508 601 Bewohner des Königreichs Sachsen nur 30 882. Das heißt Sachsen mit über X der Einwohnerzahl Bayern» hatte nicht halb so viel Verbrechen auszuweisen als dieses. Es wäre nun unsere? Erachtens verkehrt, die hohe Kriminalität Bayerns lediglich in der Vorherrschaft der katholischen Kirche zu suchen. Zweifellos trägt der relative Tief- stand der geistigen Kultur� der durch die fchulfxindliche ultramontane Klerisei konserviert wird, einen Hauptteil der Schutv. Daneben spielt aber auch die verschiedene psychologische Veranlagung der VollSstämme mit hinein. Und außerdem smd wirtschaftliche Momente dabei mit in Betracht zu ziehen. Das eine aber geht aus den gegebenen Zahlen jedenfalls hervor: mit der besonderen Bchütung der Menschen vor Abwegen durch den alleinselig. machenden Glauben ists eitel Schwindel. Gegen den Opiumgcnuß, das Nationallaster der Chinesen, wird kn China eine stetig wachsende Agitation entfaltet. In Kanton sind vorige Woche alle Opiumhöhlen geschlossen worden, was allgemein mit Freuden begrüßt wurde. Zur Feier dieses TageS wurde ein Festzug durch die Stadt veranstaltet und die Häuser geflaggt. An der Spitze der Bewegung gegen das Opium steht ein junger Mandarin mit Namen Lin, der Urenkel des kaiserlichen Kommissars Lin, der 1839 veranlaßt hatte, daß 2000 Pakete Opium, die eng. lischen Kaufleuten gehörten, vernichtet wurden, was einen Anlaß zu dem Opiumlricge gab. Damals wurde den Chinesen da» Opium durch die Engländer aufgezwungen.. Eingegangene Druefcrdmften. Reue Gesellschaft. Hejt 5.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Lilh Brauir) Verlag Berlin NW. 6, Charitsstr. 3. Karl Böttcher. Germania Im Ausland. Preis 1,Lö Mark. Thüringer Verlagsanstalt. W-Jena. Sophie Bogatina von Minsk. Beitrüge zur Russischen Geschichte 1816—1825(Dekabristenaujstand). Buchdruckerei Rulishaujer u. Ludwig, Bern. BrUfkaftcn der Redahtton. Sie juristische Svrechftiinde finde» Aried richftr.>«, Slufgana 4, eine Treppe(Haudelsftatte Belleullimiee, Turchgaua auch Liudeiiftr. 101), toochentaailch vo»?>/, bis Ü'U uvr abend» statt.(»eorfne» 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 0»Hr. Jeder iüttiraa» ist ein Buchstabe«»d eine Zahl al» SNertzeichen beizufügen. Briefliche ilntwor« niird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. W. 2. 86. Variieren. Variation, Varietät stammen alle von der gleichen lateinischen Wurzel, die verändern bedeutet.— Hau» 81. 1., 2. und 3. Alle Aniragen in bezug aus Stcnograpbie sind zu richten an das stenographische Bureau deS Preußischen Abgeordnetenhauses. S. Nein. i. Nein. 5. Der Revers ist verbindlich.— A. G.. Köln. Von Marx. Studien Ist soeben Band ll, Bauer, Nationalitätensrage, erschiene». Preis 8.40 M. Dann empschlen wir Ihnen KautSty, Marx' ökonomische Lehren. Preis 2 M. Wegen des Archive; wollen Sie sich an A. direkt ivcnden.— A. Z. ZI. Wilhelmstr. 32.-(S. F. 87. Da« Reitebureau am Bahnhos Alexanderplatz dürste Ihnen Auskunft geben.— 91. B. in(£. Nein I B. ist nicht anwesend.— W. 2ch. 100. Nach Wahl Charlottenburg oder Berlin.— Wettende 0099. Da» Kommando eines Jägerbataillons wird Ihnen Auskunst geben.— A. W., Rixdors. Wir haben vor dergleichen Kassen Immer gewarnt.— O. R..100. Nein.— H. S. 100. Nein, Sie können nicht zugleich in zwei organisierten(Zwangs.) Krankenkassen sein.— I. R. 28. Nr. 107 vom 9. mal 1907 de« .Vorwärts".— Hand 5. Alle Versuche vergeblich, ganz unbekannt. — sie. L. 10. Sie dürfen das Plakat mit dem bezeichneten Inhalt aus» zur Polizei und last Der Kontrakt ist nicht rückgängig.— R. V. 10. Arztkosten verjähren in zwei Jahren, aber erst vom 31. Dezember des Jahre» an gerechnet, in dem die ärztliche Hülscleistung ersolgte.—<5. B., 2«— strasfe. Wenn die grau so krank war, daß der Mann sie besorgen mußte, so ist es kein EntlasiungS- grund. War Pflege nicht direkt nötig, so ist die Entlassung gerechiserligt. falls nicht der Geschästsherr am Telephon mit dem Fortbleiben einverstanden war. — C. C. 31._ Sachen, die Ihr« Frau in die Ehe gebracht Hai. dürsen wegen Ihrer Schulden nicht gepfändet werden. Geschieht die» doch, so kann Ihre Frau aus Freigabe klagen. Die Klagckosten trägt die psändende PcBBm.— A. Th. 43. Sie müssen sich sür SO Ps. auf dem Si st, wo Ihr Kind mit dem Namen Kurt T h. am Ps. auf dem eingetragen Ist, tandes» eine Ah. c..tüt-tui v«. A-f| vwtuucu muji in uuyiiufti, den, können Sie keine Entschädigung sordern.■— ist zu Recht gepfändet. Wenn der gepsändcte Spiegel l ist, können Sic sich gemäß§ 768 der Ziutiprozeß. Bezirk Sie wohnen. Mim schrist der Legitimatkonserklärung gehen lassen. Ob die Schule das Stamm- buch als Legitimation gelten läßt, wissen wir nicht. Sic können es jedenfalls probieren.— W. i>. 4. J. Der preußische Justizminister und der König von Preußen. L. Wenn die 1'/, Stuben nicht in böslicher Absicht sortgenommen wurden,"----""' d»!-----' zb— Sozi 13. DaS Bild Ihr etnztaer Spiegel WWW ordnung oet dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Sti wohnen, beschweren. — W. W. 9. Von der Zurücknahme der Bcrusung braucht keine Mit- tellung an die Angeklagten zu ergehen. Ohne besondere Einstellung des Verfahrens wird da» Schöfsengerichtsurlcil von selbst rechtskräftig, sowie der Amtsanwall die Lerusung zurücknimmt; selbst wenn Strafe und Kosten noch nicht bezahll sind."----- �->-------------.- an, ob daS Schi müssen zum Term meldestube de» Amtsgerichts Mitte,'Neue Friedrichstraße, und tragen Si» Ihre Bitte vor.— C. 3., Reichrnbergerstrafte. 1. Tüte. 2. Unterliegt der Veretndarung mit dem Anwalt: ungesähr dreißig Marl.— Hutten- ftrassr. Ja, wenn Ihre Frau in einer katholischen Gemeinde cingepsarrt 'st— O.®., Reinickendorf, t Ja. 2. Ja- P.«. 82. 1. Ja. 2. Jlein._ W. C. 74. 1.«ein. 2. Unzulässig.-«. V. 23. 12. 72. Sie tonnen wegen Beleidigung klagen, auch wegen Sachbeschädigung und groben Unfug« bel der Polizei Strasantrag stellen— C. Nein. — R. G. 1003. 1. Der Anspruch aus Aussteuer verjährt In einem Jahr von Eingehung der Ehe an. 2. Enterbung ist nur im Falle deS£ 2333 de» Bürgerlichen Geletzbuche« möglich: a) Lebensnachstellung, h) Mißhandlung, c) sonstige» Verbrechen oder schwere» Vergehen, ck) Verletzung der Unter- hattspflicht, e) ehrloser oder unsittlicher Lebenswandel.— S. 103. Nein. — 9t. W. 100. An daS österreichisch, ungarische Konsulat, Schöncberger User 40.— Ziccht 3300. Mündliche Abrede würde genügen. Der Grund« buchrichtcr bleibt aber hastbar.— Laast, Prinzessinnrnstr. 10. Wenn die Kündigung im Pachtvertrag nicht ausgeschlossen ist, mußte am 1. Aprll zum 1. Oktober gekündigt werden, sonst läuft die Pacht ein Jahr weiter. Ist gekündigt, so müssen Sie am 1. Oktober räumen ohne Erntcsrist.— TechS streitende Genossen. Nein.— L. 3., I. K. 709, Milastr. Ja. — Anton 20. 1. Wenn Sie mindestens ein Jahr bei der Firma arbeiten, können Sie während der Ucbung Gehalt verlangen. 2. Ja. 3. Von der Firma bekommen Frau und Kind nicht».— A. 18, hier. 1 Wir haben inimer gewarnt. 2. Wenden Sie sich direkt an den betreffenden Verein.— D. K. 29. 1., 3., 4. u. 5. Keiner der bestehenden Rcligionsgemeinschastcn zugehörig. 2. Mitglied einer der„Freireligiösen Gemeinden".— R. 200. L. Versuchs- und Lehranstalt sür das Brcnnereigewcrbe, Berlin N., Seestraße.— B. 300. Mit 20 Jahren. Ohne Einfluß.— D. 180. Wenden Sie sich zunächst an den Arzt der zuständigen Krankenkasse, dann an die Landesversicherung.— Erna L. Uns nicht bekannt. Berliner Adreßbuch.— G. M., Rixdorf. Preis und Rechnung mußten bei Empfang beanstandet werden. Eine Anzeige halten wir sür zwecklos. — H. R. 77. Auch die mündliche Steigerung gilt, wenn ne nicht von Ihnen anzcnonimcn ivird, als Kündigung. NoiürUch dürfen Sie ferst vom Ende des Mietslontratte« ab gesteigert werde».— Harzerstr. 87. Sie müssen die 1,60 M. zahlen.— llnwiffend. 1. Ja. 2. Die Gemeinde kann versuche»?, Ersatz der Kurlosten von Ihnen zu erlangen. Doch haben Sie nichts zu sürchien, wenn Sie Ihr Einkommen für sich und Ihre Familie nötig selbst brauchten. 3. Ja.— 89. P, 1. Wenden Sie sich an den Armenoorstehcr wegen Armenattest. Damit gehen Sie zur Anmelde- stube beim Amtsgericht Mitte. Neue Friedrichstraße. 2. Monatlich 20 bis 30 M.— Strafsache 8000. Tie müssen zahlen, sonst wird die Geld- strase in Gesängnisstrase verwandelt. Wegen der 16 M. Kosten kann nur gepsändet, nicht in Gesängnisstrase umgewandelt werden. — G. 18. Vom Gericht; wenn eS Ihnen zu lange dauert, machen Sie aus der Gerichtsschretbcrel eine Eingabe.— M. 9. Ja. — W. 000. Es kommt daraus an, wie lange Sie dorts schon in Stellung sind. Wenn mindestens ein Jahr, haben Sie Anspruch ans Gehalt während der Uebung.— B. Z. 37. t. Wenn da» Kind volljährig ist und den PslichlteU verlangt, muß er schon beim Tode de» einen Ehegatten gegeben werden; sechs Wochen sind aber Frist. 2. Die Halste des Nachlasses des verstorbenen Ehegatten. 3. Wenn das Testament vor dem 1. Januar 1300 gemacht ist, kann das Kind den PfltchtteU nicht oerlangen.— E. 3. 3. Beantragen Sie, Sie von der Musterung mit Rücksicht aus Ihr Gewerbe zu befreien. Eventuell riskieren Sie bei unenlschnldiglcm Fernbleiben eine olizeistrase.— L. D. 48. 1. Ja. 2. Ja. 3. Sie müssen zu der vertragsmäßigen Kündigun kündigen. 4. Im Kontrakt wird wohl Kündigung durch eingeschriebenen Brief vorgeschrieben sein.— P. G. 99. Die Türschwelle gehört nicht zur Wohnung. Wenn die Decke aber sechs Jahre lang draußen lag, dürfen Sie sie auch weiter draußen liegen lassen. — N. 3. R. 1. Bevor die Freiheitsstrafe vollstreckt wird, muß das Ge- richt Beilreibung der Geldstrase versuchen. Wenn diese Beitreibung fruchtlos Ist, wird natürlich die Kostenbcitreibung erst recht sruchtlos sein. Wenn also die Freiheitsstrafe verbüßt wird, brauchen Sie zunächst keine Koste» zu zahlen, ohne daß aber Ihre Pflicht zur Zahlung ausgehoben wird.— Otto Schüler. Kg«.-Wusterhausen. Ja.— F. N. 04. Ja. Ohne behördliche Erlaubnis darf überhaupt keine öffentliche Ausspielung stattfinden. Wenn die Lose nur an VeremSmitglieder vertaust werden, bedarf es keiner Anmeldung.— Neubrandenburg. 1. Doppelbesteuerung ist unzulässig. 2. Sie müssen sich in Neubraudenburg polizeilich anmelden. 3. Beantragen Sie bei der Bürgcrmelsterei, die Steuern von Berlin nach N. tiperweisen zu lassen.— M. K. 100. 1. Sie hasten für die September. miete. 2. Wenn die Möbel Ihrer Frau wtrlllch, das heißt nicht nur zum Schein, gehören, kann Ihre Frau jederzeit mit den Möbeln ziehen und Sie dürfen beim Umzug helfen.— St. M. 705. 1. und 2. Ja. 3. Nein, — P. Z. 6. Sie können das Pflichtteilsrccht Ihrer Mutter zwar testamentarisch ausschließen; jedoch kann Ihre Mutter dagegen aus Aus- zahlung des Pflichtteils(ein Achtel Ihres Nachlasses) klagen, wenn Sie sterben. Ihre Frau kann dagegen aber sür Wohnung und Beköstigung wegen der 2 Jahre ausrechnen.— F. dt. 100. Das Kind hat nur ein Erbrecht aus die Srsparnifle der Mutter, nicht auch aus Ihren Teil der Ersparnisse. Neben dem Kind erben Sie ein Viertel der Ersparnisse der Frau.— A. B. 99. Dir Eltern können nach§ 13 des Fürsorge» erziehungs-Gesetze» bei dem die Fürsorgeerziehung bcaussichligenden Kommunalverbnnd die Aushebung der Fürsorgeerziehung beantragen. Gegen den etwa ablehnenden Bescheid körnten Sie das Vormundschasis- encht(Amtsgericht) anrufen. Wer den Kommunalverdand vertritt, richtet sich nach dem in jedem Kommunaloerband verschiedenen Reglement Fragen Sie auf dem Pvlizeibureau oder aus der Bürgermeisterel.— 100. E. 1. Nur, wenn Sie da« Kind nicht genügend beaussichliat haben. 2. Ja. 3. Beide können klagen. 4. Stein. 6. Nein.— M. P. 09. 1. Bei der Polizei Ihres Wohnorts. 2. Ja. 3. Nein; nur bei Einkommensteuer. Berliner Marttprelse. Au» dem amlltchen Bericht der städtischen Marlthallen-DtreMon.(Großhandel.) Rindftelsch la 70—72 br. 100 Pfd.. II» 64—69, Uta 69-60. Bullenflelsch la 65-70. IIa 63-62, Kühe, seit 62-60, do. mager 40-60. Fresser 56—64. Bullen, dän. b2— 63, do. Holl. 0,00, Kalbfleisch, Doppellender 100—120, Mastkälber la 75-85, IIa 68—74, Kälber ger. ge», 47—63, do, Holl, 0,00, dän. 0.00, Hammel, fleisch Maftlämmer 80—82, Hammel I» 75—79, IIa 69—74, Schate 66—68. Schweinefleisch 64—69. Rehbock la per Pfund 0,60—0,75, IIa 0,30-0,89. Rothirsch la 0,40-0.61. do. Na 0,26. Damhirsch 0,45-0,68. Wildschweine 0,30—0,40. Kaninchen per Slück 0,00, do. australische 0.00. Wildenten per Stück 0,45—1,60. Krickenten per Stück 0,65. Hühner. alle, per Stück 1,40—2,40, Na 0,70—1,30, do. junge 0,40—1,10, Tauben 0,20—0,60, italienische 0,00. Eniei, per Stück 1,00—2,00. do. Hamburger per Stück 2,30—2,90. Bänie per Pfund 0,50—0,86, do. per Stück 2,00—4,00, do. Hamb, per Psd. 0,76—0,80, per Stück 0,00, do, Oderbrucher per Psd. 0,00. PoulelS per Stück 0,80—1,10. Chalonshühner 0.00. Hechte per 100 Pfund 112-113. do. malt 106—108, do, mittel und groß 101-110, do. Nein 127—130, Zander, Milte! 0,00, do, malt 0,00. Schleie, mittel 0,00, do. groß n. mittel 118-130, do. 134—160, Aale, groß 90, do. Nein und mittel 83—92, mittel 91—96, do. un» sortiert 0,00, do. groß-inittel 90—33, do. klein 73. Plötzen, matt 0,00. Roddow 84. Karpfen, 60er 101—106. Bleie 64—78. Bunte Fische 64-90, Barse 0,00, dito»Natt 0,00, dito Nein 0,00. Karauschen 91—100, do. Nein 0,00, DIeifijche 0,00 WAS 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. Nn neuer 90—100, do. Nla 60. Seelachs 10-20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel per Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2-3, pomm. la Schock 9. Na 1-3. Bücklinge, Kieler Per Wall 2-3, Strals. 3,50-5,09. Bornh, 0,00. Aale, groß per Psd. 1.10 bis 1,40, initieigroß 0.80—1,10, Nein 0,60—0,30. Heringe per Schock 5— g. Schellfische Kiste 3—4,00,'/3 Kiste 1,50-2. Sardellen. 1902er per Anker 98. 1904er 93, 1905er 98, lS06er 90—95. Schottische Bollhermge 1905 0,00, largo 40—44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Maises, vcr'/, To. 50— 120. Sardinen, ruft.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20— 1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do kleine 5—6, dv. Riesen- 14. Krebs« per Schock, große 23,00, do. mittelgr. 13,00—20,00, do. Neine 4.00— 5.00, do. unsortiert 8,50—11,50, Galizier groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsorlierl per Schock 3,40, do. große 4,00. Butler per 100 Psd. la 117—120, n» 108—117, lila 100—108, abfallende 90—95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Psesfergurken 4,00. Kartossein per 100 Pjd. weiße runde 2.25—3,25, blaue 2,75—3,75, Rosen- 2,50 bis 2,75, Nieren- 2,75-3,00. Porree, Schock 0,60-1,00. Meer. retttch. Schock 5—16. Spinat per 100 Pfund 20—26. Sellerie, per Schock 2,00—6,00. Zwiebeln per 100 Psd. 6,00—6,00, do. kleine 0.00, do. hiesige(Perl.) 0,00. Charlotten 0,00. Peierfilie, grün, Schockbnnd 0.75-1,00. Kohlrabi Schock 0,76-1,26. Rettich, baqr. neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige, Schock 8— 4. Mohrrüben, per 10V Psund 4.00 bis 6,00. Karotten, hiefiae, schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl oer Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl. Schock 6-12 Weißkohl 4-10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 10—18. Koblrüben, Schock 4,00—6,00. Petersillenwurzeln, Schockbund 4.00—6,00. Schoten per 100 Pfund 8—16. Psesierlinae per 100 Pjd. 6—12. Steinpilze per 100 Psund 20—30. Radieschen per Schockbund 0,75 bis 1,00. Salak per Schock 2,00-2,50. Gurken, Einmache-, Schock 14,00, do. böhmische Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 4,00— 4,50. Bohnen, grüne. 100 Psd. 6—12. Wachsbohnen, per 100 Pjd. 10—25. Stachelbeeren, per 100 Pfand 5—10. Blaubeeren, per 100 Psd. 12—18. Johannis- beere», per 100 Psd. 7—14. Prctßclbeercn per 100 Psd. 14—22. Kirschen, per 100 Psund Werderschc 0,00, Sächsische 0,00, Schlcflsche 0,00, Ratten 25—80, sauere 14—22. Birnen, ilckl., 100 Psund 14—35, Tiroler 32 bis 35, hiesige 8—16. Pfirsiche, hies. per 100 Psund 10—30, do. tlal. in " cn zu 12 Stück 0,90—1,50, do. in Körben la per 100 Psd. 27—35, a in Körben per 100 P d. 17-28. Aprikosen, ftal.. per 100 Psund sranzös. 20—25. Aepsel. italienische, per 100 Psund 8—16, ung. 13—21, e 8—10, Gravensteiner la 40—45, do. IIa 33,60—40 Pflaumen. Ual., 00 Psund 10—22, Reineclauden 20—28, hiesige 10—16, ung. 7—13. Weintrauben. Algier, per 100 Psd. 30-33, italien. 23-30. Ananas I, per Psund 1—1,20, do. II 0,00. Zitronen. Messina, 300 Stück 10,00—20,00, da. 360 Stück 9,00-21,00, do. 200 Stück 6,00-12,00, do. 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 18,00—20,00, grün 0,00. Melonen. per 100 Pfd. ital. 12-20. franz. 35-50, Holl. 25-30. Witterniigoaderftcht vom IS. Rngust li)07, morgens 8 III)». Stationen L| s~ •f Bellet Swinenide. 766 SSW 3 wolkig 768 SSO 2 wolkig Derltri' I756SSA 2 heiler Franks.a.M.!767SW 2 heiter München 769 SO«wolkenl Wien>7ülSV 2woircnl Weiter- Prognose für Trübe und regnerifch, kühler <*£ cV » Ii E» Mi Slaktonen -§ Z° Ii i. paranda 7S2S tersburg 754 WSW 20 19 20 19 21 20 Freilag. den 1(5. August 1907. bei mäßigen südwestlichen Winden. Berttue r Wetterdurean. Scilly Aberdeeu Part» 757 W 762 ONO 757 SW Bellti 2 halb bd. i wolkenl 5 wolkig 2bedcckt 3 bedeckt Gai c-> e' 5 ts Mi 13 18 14 11 19 WasserstandS-Nachrichte« der Landes an stall sür Gowässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Vetterbureau. Wasserstand Memel. Tilsit B r e g e l. Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen , granljurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Nordamm Elbe, Leilmcritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz ')-i- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Kür»eu IiiimU der Jniecatc ubtruiinmi dir Redakiiou dcm Pilbtttiim gegenüber keinerlei Neraniw-riung. Zhcatcr. Freitag, den 16. Angnft. Anfang 8 Uhr. Nene» königl. Overntheater. Tie lchöne Galalhöe. Bajazzo. Deutimro. Robert und Bertram. Ansang 7'/, Uhr. Kammerspiele- Frühling» Er- wachen. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lcsstng. Die Stützen der Gesellschaft. Tchllier<«.«Wallnei-Tbenier.) Der Postillton von Lonjumeau. Echtster>. lgriedrtch Wilheiin- ftädlilihe» Theater.) Der Weg zur Hölle. Neues Schansplelhan». Raffle». Neues. Der Dieb. Komische Over. Carmen. Weste». Die lustige Witwe. Lustivielbans. Husarensieber. Bernhard Sioie. Der große Un- bekannte. Ansang S'l, Uhr. Zentral. Das Tagebuch einer Wer. iorenen. Alrinr». Vater und Sohn. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen 7 Erianon. Fräulein Josett«— meine Frau. Thalia. Ihr Sech». Uhr- Onkel. Anfang VI, Uhr. Ntrtropol. Der Tensel lacht dazu. «lpollo. Der Hochzettsgast. Spe- »lalitäten. Walhalla. Spezialitäten. Noliea Eapriee. Geisterauto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. Gebr. Herrnfeld. Madame WIg- Wag. dt lebe das Nachtleben. Neichsvallen. Stelliner Sänger. Passage. Tpeziastläten. Ilranii?. Tauvenstrasje 1H/40. Abends 8 Uhr: Im Lande per Mitternachtssonne. Cttrnionm, Jnvaltdenftr. 67/68. Ferdinand Bonnn Berliner Theater. Freitag. 16. August, abend» 8 Uhr: Die Meii imtieii, Sonnabend und folgende Tage: Die tannenden nUnnchea. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Nlitkk utili Schi. Morgen und folgende Tage: _ Bater und Sohn._ Tbeater des Westens. Abends 8 Uhr: Die Inatlg-e Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehür. wLra iüK- Lustspielnaus, Täglich 8 Uhr: Hnsarenfteber. Zentral-Theater. Täglich 8 Uhr: Tagebuch einer Zterloreneii. ! Passase-Theater, Jeden Abend 8 Uhr: Der große yerwandlungskiinstler Artuvo Bernardi I und das neue f » großartige• August-Programin,. 114 Attraktionen 14. 1 WWWWWWWWWWWWWWWWWWW Schiller-Theater 0. (W a 1 1 n e r- T h e a t e r.) Morwih-Opcr. Freitag, abends 8Ubr: Gastspiel Ilelnrlet»»titel: ver Postillion von l-onjumesu. Sonnabend, abend» 8 Uhr Die-Ittdla. Sonntag, nach m. 3 Uhr bei halben Preise«: Undine. Sonntag, abend» S Uhr: Abschiedsvorstellung Oertrud Runge; Carmen. Schiller-Theater M. Frledrich-Wilhelmatldiliohet Theater, "tS Dn Weg|ur hülle. Ä mW 8 Uhr Direktion: Richard Alexander. EW Fireitag, 16. August: IvqZ FrUlTnangH-'VorHtcIlung:. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequin und Pierre Aeber. KMPROKTIIMT ®r. Fraiiksnrlerllr. 132 Im Garten. Ans. 4'/, Uhr: Da» glänzenhe Au g» st- P r o g ra m m. Sperrsitz 50 Pf. Enlree 30 Pf. Im Theater abends S'l, Uhr: Der grolle Unbekannte Sommervreise. W.Koacks Theater Dtreklion: Roh. Dill. Lrilnnenstr. 16, Zum letzten Male!'MO Uhr: Der Kund von Baskerville. 9 Uhr: Egon Riten mit s. Charakterstudien: Berlin, Unter den Linde». Anfang 6 Uhr. Sei schlechtem Wclicr: Vorst, im Saal. Urania. Wisseusohaftlichea Theater. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne Jnvalldenftr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7'/,— 11 U. abd». ZOOMCISCHER GARTEN I Täglich ab nachm. 5 Uhr: S CroBeM? Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends ' 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter I 10 Jahren die Hälfte —————— Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Schweizergalten Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Tbealer-Vorsleliimg. Neue Spezialiläten. Kinenialograph und Ball. Freier Duiuentanz. Ansang 5 Uhr. Eittree 30 Ps. Freitag, den 16. August Große Jahreerevpo in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender, Dirigent Max Eoth. In Saene gesetzt von Direktor Kichard Schulta. Kauohon überall gestattet, Variete-Garten Wcinbcrgsweg 19/20, Roienlh.Tor. Neue Tpezialitüten. Dreasierte Büren. Ans: Konzert»: Vorstellung 7 Uhr. DM- Bei ungünstigem Wetter J/orjtestun�jjn�� morgen; Eröffnnngs- Vorstellung. Volksgarten-Theater. Bad-Behmstra8e— Bahnhof Gesund- hrunnen— BellermannstraSe. Die Veilchenfee. Volksstück m. Gesang in 2 Allen von W. Gericke. Musik von Max Schmidt. Hierzu: Das neu« ....MM Boitobrlusiigungen. Beiehshalleo- Thealer. Täglich: Ansang Wochentags 8 Uhr. SonnlagS 7 Uhr. Rliohshallea Garten u. Rest, i Gr. Militär-Konzert. Brunnen-Thealer Badstraße 58. Direkt.: Bemh. Rose. Heute: Vollsiandig neues Programm. Spezialitäten I. Ranges. Oammann-Truppe. Hopkins„Oer Well- IrledaJ' Anton Snttier„Oer Astral- sänger." Jack-TheoTrio. BW Faul Coradlnl. WU 9'). Uhr: Bei* �eekadett. Kaffeneröffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Mittwoch. 21. August: Bene tz für Käte Wille-Bach.__ Praler- Thealer. Kastanien-Alle« 7/9. Flotte Weiber. llipcztalUUtcn 1. Itanjxcsu Austreten der I.Uwcnlicnnt Tilly Höbö mit ihren bve Konvert und De _ Ansang 4'/, Uhr. Braat«* Amerikanischer Jltfett' Zirkus » la Rrockninmi, _»ff-«m Prenzlauer rox.-WM» Täglich: Gr. Vorstellung 8'/, Uhr. Außerdem Sonntag«. Feiertags, Mitt, wochs u. Sonnabends nachm. 4 Uhu fcrtkS-Kjrillw. u.Fsmilien-Vorilelluna. Ab 8 Uhr: Das kolossale Spezia- litäteii-Prograinm mit Humpsti- Bumsti. Pipifax und Paulo, Exzentriker Mab. Piloty von Äaul- back. AM— Indische T ä n z r. MM- lVUhr: stürmisches, ununterbrochenes Lachen über Hartstein als OrtSvorstehcr Lohmanir in seiner Burleske „Oer Hochzeitsgasl". Fröbels Allerlei-Thealer ©chönh. Allee 148, Kastan,-Allce 97/90. Aeltestes Volkstheater Berlins. Heute: Kinder-?sreudenfest und Konilunrenelsiir. links u. Karingtruppe. Der Riesen-'*0 DM- Angust-Spiolplan Ulli der Rucinstruppe in ihrer Todesfahrt im Höllenkessel und Konlurrenzsahren um 1000 M. bX: Paulas Beichte. Ansang 4'/2 Uhr. Entree 30 Ps. Am 10. Aug: Konlurrenz Nads-Naeing Am 22. August: Benefiz Rnrst. I Kommer-Tiseoter i Hasenheide 13/15. Arfistische Leitung: Paul Milbitz.. Täglich: Cr. Konzert, Theater 1 n. Spezialitäten-Iforstellung. � I I Jeden Montag: Tominerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebte» Kinderfeste. I Jeden Donnerstag: Elite-Dag. � Die Kasfeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geüssnet. ßstbahivp�k tm KOstrinerplatz, Rüdersdopfarstr. 7t Hermann Imbs. Qro/tes Konzerf, Theater- und Spezialitäten- Vorstellnag.__ JerlinerAriielter- Radiahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter- Radsahrer-BundeS »Solidarität-. ««nnlnx. Sen 18. Angnst: 1. Abt. 6 Uhr: Grabowsee. 1 Uhr: Birkenwerder(Freund). Start: Bülowstr. 58. 2. Abt 7 Uhr: Tchnitzelsaad, l'L Uhr- Hirschgarten(Kellers Waidburg), bei schlechtem Wetter per Bahn. Start: Fontane-Promenade 15. 2. Abt. 61/, Uhr: Potsdam(Laden- lhin). 1 Uhr: Picheiswerder(Freund). Start: Marianncnplah. 4. Abt. Sonnabend 0 Uhr: Jüter- bog. Sonntag 7 Uhr: Streiszüge durch den Osten, l'/j Uhr: Mentes Volksgarten. Start: Küstriner Platz. 5. Abt. 8 Uhr: Königswusterhausen /. Uhr: Katerbummel. Heiligensec (Ziekow). Start: Grenzstr. 2l. 8. Abt. Sonnabend 8 Uhr: Spree- Wald. Start: Wnldftr. 8. Sonntag 1 Uhr: Hciligensee. Start: Rostocker- ftrafje 17. 9. Abt. VI, Uhr: Johannisthal (Schulz). Start: Schillingstr. 22. Honlns, 19. Antust, abends 8'/, Uhr. Klosterstr. 101: Vorstands- Sitzung. I Möbelfabrik Julius Apelt 6 Adalbert• Straße O Hochbahnhos Koltbuser Tor (srüher: Skalitzer- Straße 0). iGebr. Herrnfeld- Tlieater. 37 Kommand antenstraße Nr. 37. Anfang 8 Uhr. Billcttvorverlaus 11—2 Uhr. Tä�lidi: Die Novität e 1- Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Asiäre Es lebe das Ulebea! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Sanssouci, ÄT Direktion Wilhelm Reimer. Der lSarten ist geiisfnet. Sonntags, Montags, Donnerstags: Neue Welt Hasenheide 108-114. Täglich- Gr. Doppel-Konzert Spezialitäten-Vorstellung. Abend» 10 Uhr: Rau-Diedel-Dau Große Burleske-Pantomine J in 2 Bildern und 1 Zwischenspiel sür die„Neue Welt" bearbeitet von Gurt Ellis. Ansang 5 Uhr. Entree 25 Ps. Entree zum Konzertgarten 10 Ps. CIRCUS HORTON B.SMITH Berlin, Memelerstr. Tel. VII. 1619 Freitagabend 8 Uhr: u. Tanzkränzchen. In Vorbereitung: In der Damaka. Novität. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Sonnabendabend 8 Uhr: Diez* Spezialitäten- Theater. HwÄ» /Landsberger Allee 76—79. Direkt a. d. Ringbahnsiation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtricht. Ob schön! Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Ob Regen' SMr* nf- Riesen-Lacherfolg Landsberger Allee auf Stelzen. 5 ÄJUsone, phänomenale Akrobaten.— The Koros, konkurrenzlose Neuheit.— Heinz Heuer, 8clll Geldern, prolongiert. Dazu das neue brillante August-Programm. Ans. 3 Uhr. Kaffecküche. Volksbelustig. aller Art. Entree 20 Ps., Sonnt. 30 Ps Auf vielstitigrs Vtrlaugen tm am Sonntag, 18. August. Abfahrt 7 Uhr früh von Berlin(Waisenbrücke) Fahrpreis hin und zurück 2 Mark. L. Kahnt, Berlin-Stralau. Teleph. Amt 7. 680 u. 13 459. Carl Keller5 Neue Philharmonie 5686L* Köpnickerstraße 96—97. empfehle meine 19 Säle, 50 bis 2000 Personen fassend, zu Ver O- Sammlungen, Sommerfesten und anderen Vereins Vergnügungen, Sonnabend. 7. September, ist der große Saal noch zu vergeben Ho Zimmermann Berlin SO. Juwelier Oranlenstr. 206 Gold- und Silberwaren-Fabrik, Uhren-Großhandlung. 5361L» Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell.— Billigste Preise. Anläßlich des bevorstehenden Internationalen Kongresses in Stuttgart empsehlen wir das Swdium der protokolte der ünlertialionalenUrheilerKongresse. Plll-I« 1889. Mit einem Vorwort von W. Liebknecht. Berichte der Delegierten der einzelnen Länder; Abschassung der stehenden Heere; Maifeier. M.—,25 T nndnn IMS. Politische Aktion: wirtschaftliche Altion; Er- ziehung und körperliche Entwickelung. M.—.20 Pnrlc 1900. Der Kamps um das allgemeine Wahlrecht; die Eroberung der politischen Macht; Kolontal- Politik; der Sozialismus in den Gemeinden. M.-.80 .fitMefortlfllft 1R>4. Kolonialpolitik; Generalstreik; Sozialpolitik und Arbeiterversicherung; Trusts und Arbeitslosigkeit. M.— ,40 Zu beziehen durch alle Parteispeditioncn, Parteibnchhnudlungen und von allen Kolporteuren, sowie durch die Expedition des„Vorwärts", Krrliil SV/,, _ Lindenstraste 69, Laden._ 235/10* Zentral-Verband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend. oc——c—— Jlrbeiter-Biidunpsctiule Berlin Freitag, den 23. August, abends SV-s Uhr, im Schullokal, Grcnadierstraße 37: M General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und des Lehrerkollegiums. 2. Anträge und Statutenänderung. 3. Schulangclegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! 4/16* Beiträge werden entgegengenommen. Bureau: Engel-Ufer 15 v. Hl, Zimmer 32.— Fernsprecher: Amt 4 No. 2789. Sonnabend, den 17. August 1907: % Großes Sommer=Fest in der Brauerei Friedrichshain am Königstor. Imsti:: Spiiartllii;; iulMn UrioerIHo;; «MmM"!/ le Sommernachtsball. Anfang des Konzertes 4'/, Uhr. Herren, die daran teilnehmen wollen, zahlen 50 Pfg. nach. Anfang der Spezialitätenvorstellung 6 Uhr. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 3 Uhr ab zur Verfügung.— Alle Mit- d Gönner sind hierdurch nochmals ergehonst eingeladen. glieder nebst Familie sowie Freunde un JEntrce SO Pf. Abendkasse findet nicht statt. Das Komitee. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnreau: Hos I. Amt 3, 1239. CharitsstraBe 3. Hos HI. Simt 3, 1987. Sonntag, 18. August, vormittags 9 Uhr, im großen Saale d.Uerems Kerlmer Muftker, Kaiser BSilhelmstrafie 18 m: ZKttgUeävr- Versammlung für die Branclrc der Eisen-, Metall- u. Revolverdreher. Tages-Ordnung: 1. Branchenangelegenheiien. 2. Vortrag des Genossen Adolf Stern über:„Die ältesten Spuren und Ursachen der Religion." 3. DiS- kussion. 4. Neuwahl von Kommissionsmitgliedern und Verschiedenes. Während beim ersten Punkt der Tagesordnung die Vorgänge im Auto bau zu Oberschöneweide behandelt werden, die sür alle Kollegen von äußerster Wichtigkeit find, ist der zweite Punkt ein interessanter und lehr- reicher Vortrag. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, das? diesmal die Versamnilniig um 9 Uhr eröffnet wird. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!-Mg 123/17 Sonntag, den 18. August, vormittags 10 Uhr, im Lernkanl Rose-Theater, Badstr. 58: Iraneken- Versammlung der Wickler u. Wicklerinnen Berlins und Umg, Tagesordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Bobert Bahn über:„Nationale Ehre— Ttandesehrr.- 2. Diskussion/ 3. Branchen- und VerbandSangclcgenheiten. Zahlreichen Besuch erwarlet_ Die Ortwverwaltnng. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. Deutschland.. Hltgllcd.chaft Berlin. -Ver- Wir machen hiermit bekannt, daß unsere Crvireral Sammlung des Stiftungsfestes wegen erst am ÄS. August 1907 stattfindet. Tagesordnung wird in nächster Woche bekannt gegeben. Auch ersuchen wir die Kollegen, sich recht zahlreich an unserem Stiftungsfest, welches in Ludwigs Viktoria-Gattku in Treptow, Köpenicker Landstraße, stattfindet, zu beteiligen. 19/8 Der Vorstand Deutsclier Holzarbeiter-Verband. - Zahlstelle Berlin. Sonntag, 18. August, vorm. 10 Uhr. in der Brauerei Pahenhofer, Turmftr. 25125(Garten-saal): Bezirks- Berfammlnng für Moabit. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Philipp Baase. 2. Diskussion. 8. Ver- Handsangelegenheiten und Verschiedenes._ 92/6 Clfcblcr-Vcrcln(€. R. 8�) Sonnabend, den 17. August 1907, abends 8>/z Uhr, Melchiorstr. 15 DM" Vvi'ssmmlung."UW Vercinsangelegenheiten._ 199/4 Ter Vorstand. i®" Steglitz."NU Sonnabend, 17. Aagnst, im RhelnschloB Friedenau 17. Stiftungsfest des Gesangvereins Zukunft I. Genossen und Gönner sind sreundlichst eingeladen. 294/5 Raa Komitee, Achtnng! Achtung! Gewerkschaften! Vereine! Gestatten uns, die werten Komitees daraus ausmerksam zu machen, daß unser ehemaliges Mitglied WilftflllPf(Sreyers Festsäle. n UUclUCr Koppenftr. LS) nach zehnjähriger Mitgliedschaft ausgetreten ist, und erbstlen Bestellungen nur an unsere Geschäftsstellen CieHverkaehaftshnnfl, Engel-Ufer 15 Teleph. Amt 4 No. 4407, Reatanr.|Pavel, Gr. Frankfurlerstr. 99 Amt 7 No 8028. 295/10_ Der Vorstand. Irische fruehtsäfte von unübertroffener Güte Fabrikate von Hermann JKeyer$ Co., Aktiengesellschaft. L Qualität »/, Ltr.-FL Hlmbccrslrup...... 1.30 Kirocbslrnp....... 1.30 Johannlsbeersirnp.... 1.30 Frdbcersirnp...... 1,30 Zitronensirup...... 1.30 II. Qualität '/. Ltr.-FL nimbeersirnp mit Kirschsaft 1.— Klrochslrnp....... 1.— Erdbeersirnp...... 1.— Zltronenslrnp...... 1.— »/, Ltr.-FL llt Ltr.-FL 0.70 0.70 0.70 0.70 0.70 Vi Ltr.-FL 0.56 0.55 0.55 0.55 0.35 0.35 0.36 0.35 0.35 Flaschen werden mit 10 Pf. berechnet und zurückgenommen. In unseren 80 Verkaufsgoschäften in Berlin und Cnarlottenburg zu haben. Westliche Wein- und übör-Gesellschatt m. b. H., NW., Bcnsoelstraße 79. Sozialdeiuokf atischer Wablvereie 6. des Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 13. August verstarb unser Mitglied, der Ar- heiter Pau\ Qauder, Schliemannstr. 41. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des HedwigS-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband.j Verwaltungsstelle II. Den Verbandskollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Viehtransporteur kmil Herrmann am 13. d. M. im Alter von 46 Jahren an Herzlähmung ge- starben ist. Ehre seinem Zlndenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. d. M.. nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Marlus-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. 74/14 Die Verwaltung II. Am Dienstag cntschiies unsere I liebe Mutter, Schwieger- und I Großmutter, Schwägerin und I Tante, Frau 2294b| Friederike Jäger (geb. Huth) im Atter von 69 Jahren. Hie Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am I Sonnabend, den 17. August, nach- mittags VI, Uhr, von der Leichen- 1 halle des HI. Kreuz-Kirchhoses I (Mariendors) aus statt. Am 13. d. M. verschied unser allverchrter Chef, der Inhaber des .Englischen Garten", Alexander« straße 27 c. 22896 Herr Max Queißer plötzlich am Herzschlage im Wer von 44 Jahren. Wir bettauern ausrichtig in dem Enlschlasencn einen Prinzipal, welcher sich durch seine Jovialität allscstig beliebt gemacht hat, und werden wir seiner stclS in dank- barer Erinnerung gedenlen. Das Personal d.„Englischen Garten". Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. d. M., nachm. 5'/, Uhr, von der Halle deS Georgen-KirchhoseS in der Lands- berger Allee aus statt. Todes- Anzeige. Am Mittwochnachmitlag 4'/« Uhr verstarb am Schlagausall und Lungenentzündung im Kranken- Hause am Urban meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tante, Schwester und Schwägerin Marie Starke geb. Peter im 56. Lebensjahre. 56902 Um stilles Beileid bitten Wilhelm Starke nebst Kindern, Boeckhstr. 42. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. August, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Begräbnis- platze der freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allce lb/17, statt. Statt jeder besondere» Anzeige! Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden meines gc- liebten Mannes, unseres guten VaterS psul Ntahloi» sage ich aus diesem Wege alisn meinen herzlichsten Dank. 66912 Eran Eonlse Huhler nebst Kindern. Danksagung. Die überaus vielen Beweise herz- licher Teilnahme und die zahlreichen schönen Kranzspenden bcun Hinscheiden meiner lieben, unvergeßlichen Frau Mirma Arlt haben mich tief gerührt und danke ich allen von ganzem Herzen. Berlin, 14. August 1907. 5689L August Arlt, Restaurateur, Brunnenstr. 30. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines geliebten Mannes Xugust Körper läge ich allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen des M. W. R. Kabelwerk sowie de» Mitgliedern des sozialdemokratische» WahivcreinS von AdlerShos und den Mitgliedern des Transportarbeiter- Verbandes meinen herzlichsten Dank. 5683L_ Witwe Kiirper. Hühner, Enten, Tauben, JunghDhner empfiehlt reell und billigst F. Wegner, Berlin, Mariannenst. 34.* Lerantworti sicher Rebakteur: Sans Weber. Berlin. Äüc den Inseratenteil Verantw./Tli. Glocke. Bellin. Druck u.Vellaa:BMvärts Buchdruckerei u. Bcrlaasanstalt Paul Singer Li Co.. Berlin S.W,