Ur. 191. RbonnenKntS'Bedlnsungen: WonnementS• Preis pränumerando! Lierteljährl. S£0 MI, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- PrerSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Kolland, Italien, Luxemburg, Portugal. , Schweden und die Schweiz. 34. Jahrg. Crfdidat tZgllch uBer Dlontaai. Verlinev VolKsblatt. Die TnTertlonS'GebQbr Behägt für die sechsgespaltene kolonel- geile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 80 Pfg. „Klein- Hnzeigcn", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozIaldemoHral Berlin". Zentralorgan der rozialdemohratifcben Parte» Deutfchlands. Redaktion: SSl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT- Nr. 1983. | Sonnabend, den 17. August 1907. expeditton s 8M. 68, Lindcnatraaoe 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Parteigenossen! Laut Beschlutz des letzten Parteitages findet der dies- jährige in Essen a. d. Ruhr statt. Auf Grund der Bestimmungen der ß§ 11. 12, 13. 14 und 15 der Parteiorganisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, de» 15. September, abends 7 Uhr, nach Esse« in daL Lokal des Herrn MaaS, Rüttenscheid- Essen, ein. AIS provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Sonntag, den 15. September, abends 7 Uhr: Vorversammlung. Konstituierung des Parteitages. Fest- fetzung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl der Mandats- Prüfungskommission. Montag, den 16. September, und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes: a) Allgemeines. Berichterstatter: F. Ebert. d) Kasse und Presse. Berichterstatter: A. G e r i s ch. 0) Parteischule und Bildungsausschutz. Berichterstatter: H. S ch u l z. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A. K a d e n. 8. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: A. Südekum. 4. Bericht vom Internationalen Kongreß. Berichterstatter: P. Singer. 5. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. 6. Die letzten Reichstagswahlen und die politische Lage. Berichterstatter: A. Bebel. 7. Me Alkoholfrage. Berichterstatter: E. Wurm. 8. Sonstige Anttäge. 9. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag statt- finden soll. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die Aufforderung, die Vorarbeiten für den Parteitag— also die Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen— rcchtzeittg zu bewirken. Die Anttäge müssen spätestens am 19. August im Besitze deS Vorstandes, Adresse: W. Pfannknch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 14, Ab- satz 2 der Parteiorganisation im„Vorwärts" veröffentlicht und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegen- zeichnung der Verttauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegatton dem Vorstande und dem Lokal- komitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und eventuell weitere Mitteilungen zugesandt werden können. Die Adresse des Lokalkomitecs lautet: Wilhelm Ostkamp, Essen a. d. Ruhr, Kirchstr. 20. Mandatsformulare sind durch das Parteibureau: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 zu beziehen, der Versand erfolgt vom 19. August an. Die Genossen, die Anttäge einreichen, werden darauf aufmerksam gemacht, datz etwaige den Anträgen beigegebene Mottve weder im„Vorwärts", noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Aufnahme finden können. Es steht den Genossen das Recht zu, ihre Anttäge selbst oder durch be- freundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. Ein Abdruck der Mottve verbietet sich aber aus räumlichen Gründen und um Wiederholungen zu vennciden. Berlin, den 22. Juni 1907. Mit sozialdemokratischem Grutz Der Parteivorstaud. Her IMiHt in Belfalt. London, 14. August.(Eig. Ber.) Der Mangel an einer täglichen Arbeiterzeitung in London macht sich gerade heute sehr fühlbar, da wir in bezug auf die Vorgänge in Belfast auf bürgerliche Korrespondenzen angewiesen sind, und diese haben selbstredend in gewerblichen Konflikten die Neigung, zu Ungunsten der Arbeiter zu be- richten. Vor allem sei hier festgestellt,„daß"— wie der Kriegsminister Mr. Haldane gestern im Unterhause mitteilte— „die am Streik beteiligten Arbeiter dem Zusammenstoße mit dem Militär ganz fern stände n". Die Angriffe auf Polizei und Soldaten kamen zum größten Teile von Frauen und jugendlichen Personen. Wir haben in der gestrigen Korrespondenz auf die religiösen und nationalen Scheidungslinien der Bevölkerung Irlands hingewiesen. Tatsächlich maäit heute die Presse den Versuch, die Angriffe auf die Polizei und Soldaten der nationalistischen(irisch- katholischen) Bevölkerung zuzu- schreiben, während der protestantische Teil der Bevölkerung sich ruhig verhalten haben soll. Zur Sache selbst ist folgendes zu berichten. Die mit dem Streik und Lockout der Docker und Kohlenfuhrleute der- bundenen Polizeiunruhen brachten eine Konzentration von Militär im Streikgebiete mit sich. Die Zentralregierung in London hat in erster Linie mit der Absendung von Militär nach Gebieten, wo die öffentliche Ordnung bedroht ist, nichts zu tun. Verantwortlich für derartige Requirierungen ist die Lokalbehörde. Kommt diese zur Ueberzeugung, daß zur Auf- rechterhaltung der öffentlichen Ordnung Militär nötig sei, so wendet sie sich an die Zentralregierung, die in der Regel dem Ansuchen nachkommt. In Belfast war es der Ober- bürgermeister Lord Shastesburg, der das Militär requi- bürgermeister Lord Syaftesbury, der das Militär requi- Polizei kam die Regierung dem Antrage des Oberbürger- meisters nach. Die Anwesenheit des Militärs in Belfast hat offenbar zur Erbitterung eines großen Teiles der Bevöl- kerung geführt, die bereits infolge des Streiks und Lockouts aufgeregt war. Dann ist noch folgendes zu bemerken. In Belfast wohnen die Katholiken und Protestanten abgesondert von einander. Der Mittelpunkt der katholischen Bevölkerung ist die Falls-Straße. Nach dem amtlichen Berichte fuhren am letzten Sonnabend einige Wagen der Firma Hughes, bei der gestreikt wird, durch die Falls-Straße. Die Wagen waren von Arbeitswilligen besetzt, die von den Einwohnern dieser Straße angegriffen wurden. Die Polizei reichte nicht aus, die Wagen zu schützen: sie rief deshalb nach militärischer Hülfe. Zwei militärische Posten kamen, die im Verein mit der Polizei die Wagen begleiteten. Die Einwohner der Falls- Straße warfen dann Steine und zerbrochene Flaschen auf Polizei und Soldaten, die sich aber beherrschten, da dje An- greiser sich zum größten Teile aus Frauen und Kindern zu- sammensetzten. Sonntag abend versammelte sich eine Menschenmasse in der Gegend von Falls-Straße und zer- trümmerte die Fenster der dortigen Polizeistation. Da die Polizei hülflos war, telephonierte sie um Militär. Es kamen einige Bataillone Infanterie und eine Anzahl von Kavallerie. Aber die Kavallerie konnte nicht vorwärts, da die Straßen durch Stacheldraht und Taue gesperrt waren. Die Infanterie wurde mit Steinwürfen empfangen. Die Straßenlampen wurden zertrümmert, die Gasröhren durchschnitten, so daß dieser Teil der Stadt im Dunkeln lag. Schließlich erhielt das Militär den Befehl zum Angriff. Die Menge floh, um bald wieder mit Steinen und zerbrochenen Flaschen zu er- scheinen, die gegen die Köpfe der Soldaten geschleudert wurden. Gleichzeitig wurden aus offenen Fenstern Steine gegen das Militär geworfen und mehrere Soldaten fielen verwundet zu Boden. Montag abend kam es in derselben Gegend wiederum zu ernsten Zusammenstößen zwischen den Massen und dem Militär. Bald erschien ein Richter und verlas die Aufruhrakte, die die Menge zum Auseinander- gehen aufforderte und sie auf die Folgen aufmerksam machte, die eine Nichtbefolgung dieses Befehls nach sich ziehen könnte. Aber die Verlesung der Aufruhrakte blieb erfolglos. Der Richter wandte sich sodann an die Truppen und kommandierte „Feuer!" Sieben Salven wurden abgegeben, die drei Personen töteten, darunter eine junge Frau von 22 Jahren, die am Streik nicht beteiligt war und sich nur auf die Straße begeben hatte, um ihren jüngeren Bruder nach Hause zu bringen. Gestern und heute war es ruhig in Belfast. Das Militär wurde zurückgezogen. Die streikenden Arbeiter sind nach wie vor bereit, ihre Sache einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Der Hauptpunkt ist die Anerkennung der Gewerkschaft. Gestern nachmittag stellten die parlamentarischen Ar- beitervertreter den Staatssekretär von Irland und den Kriegsminister zur Rede, die aber keine genaue Auskunft über die Lage geben konnten. Wichtig war die Anfrage des sozialliberalen Abgeordneten Chiozza-Money, aus der hervor- ging, daß die Kapitalisten von Belfast dem Staatssekretär von Irland einen groben Brief schrieben und ihm drohten, eine Pinkerton- Polizei anzuwerben, falls die Regierung ihnen nicht sofort den nötigen militärischen Schutz' gewähren sollte. Der Staatssekretär antwortete ihnen, der Ton des Briefes sei ungehörig, im übrigen lasse er sich von keiner Seite beeinflussen. Es ist indes wahrscheinlich, daß die Belfaster Kapitalisten einen Druck auf den Oberbürgermeister Lord Shaftesbury ausübten und ihn zur Requirierung des Militärs zwangen. Aus den parlamentarischen Fragestellungen ist noch fol- gendes bemerkenswert. Während die Arbeiterfraktion die Bclfaster Bevölkerung zur Besonnenheit und gesetzlichem Vor- gehen mahnte, hielt Grayson eine Rede, in der er sagte: „Kanonen und Flinten besitzen die Arbeiter nicht, aber Steine und zerbrochene Flaschen sind auch gute Waffen." Ein Parlamentsmitglied verlangte, daß Grayson unter Anklage gestellt werde. Der irische Staatssekretär meinte indes, man dürfe solchen Reden keine Aufmerksamkeit schenken, die Belfaster Bevölkerung habe sich nicht von Grayson leiten lassen. Beachtenswert ist der heutige Leitartikel der radikalen „Daily News", in dem gesagt wird:„Der Entschluß des Oberbürgermeisters von Belfast, das Militär zurückzuziehen, ist zugleich ein Kommentar über die peinvollen Vorgänge vom letzten Montag. Er hat um einen Tag zu spät den Fehler eingesehen, der seiner Strategie zugrunde lag. Eine Belfaster Menschenmenge gleicht keiner anderen in diesem Königreiche. Erzogen in den Ueberlieferungen des Bürger- krieges(zwischen Protestanten und Katholiken), hat sie sich einen rücksichtslosen Leichtsinn im Angriff und eine zornige Hartnäckigkeit in der Verteidigung erworben. Sie nimmt ihre Gefahren leicht: sie rechnet immer auf ein gewisses Maß von Blutvergießen bei ihren Demonstrationen.... Es ist kein Zweifel, daß sie die Konzentration des Militärs und den davon gemachten Gebrauch als eine Drohung und Heraus- forderung betrachtete. Es gibt überhaupt keine Menschen- menge, die nicht über eine derartige Machtentfaltung eine instinktive Entrüstung empfindet. Wir sind deshalb der Ansicht, daß die Ausnahmemaßregeln, die voin Oberbürger- meister ergriffen wurden, nur zur Entflammung der Massen beitragen mußten. Die Verstärkung der Garnison war der erste Mißgriff: das Aufstellen von Militärposten bei Nacht war der zweite Mißgriff. Denn man muß bedenken, daß die Streikenden ihre Streikposten nach 5 Uhr abends zurück- zogen, so daß ein Angriff auf die Arbeitswilligen um jene Zeit nicht zu befürchten war. Die sortgesetzte Anwesenheit der Militärpostcn wurde deshalb von der Bevölkerung als eine Drohung aufgefaßt. Der Oberbürgermeister kam schließlich zur Einsicht, daß seine taktlose Machtentfaltung den Frieden eher bedrohe als sicherte. Die Streikenden wurden durch ihre Führer beruhigt, und die Katholiken durch ihre Priester. Schon vor drei Tagen hätten sie das leisten können, was sie gestern geleistet haben.... Die Unternehmer kämpfen dort, um das Koalitionsrecht zunichte zu machen; sie lehnen sowohl das Schiedsgericht wie jede Unterhandlung mit den Gewerkschaftsführern ab. Dies ist eine Haltung, die weder von der Regierung noch von der öffentlichen Meinung gebilligt werden kann. Ebensowenig können wir Gewalttätigkeiten der Streikposten dulden. Rufen nun die Unternehmer den Schutz der Regierung an, so müßte die Regierung darauf bestehen, daß die Unternehmer nicht eine Haltung einnehmen, die die Aufrechterhaltung der Ordnung erschwert. Denn die Regierung darf nicht zum automatischen Diener des Kapitals gemacht werden. Ein Unternehmer, der jeden Ausgleich ablehnt, bleibt innerhalb des gesetzlichen Rahmens. Ein Agitator, der zur Anwendung von Steinen und zerbrochenen Flaschen aufreizt, bricht das Gesetz. Und doch kann der gesetzesliebende Unternehiner mehr zur Störung der öffentllchen Ordnung beitragen als der gesetzesbrcchende Agitator. Es ist die Schwäche unserer Zivilisation, daß die Regierung, die den Agitator niederhalten kann, keine Macht über den Unternehmer hat." Man kann wohl den meisten vom Leitartikler der„Daily News" entwickelten Gedanken zustimmen. Nur der Schluß- satz ist nicht ganz richtig. Es ist nicht die Schwäche der Zivilisation im allgemeinen, daß der Agitator bestraft wird, während der hartnäckige Unternehmer der Herr bleibt, es ist nur die Schwäche der kapitalistischen Zivilisation, die eben die besitzende Klasse als die herrschende betrachtet. Diese haben die Gesetze gemacht und haben sie bewußt oder un- bewußt in ihrem Interesse gemacht. Die„Daily News" kon- statiert nur, daß wir. � trotz der Demokratie— noch im Klassenstaate leben. e_ Freisinniger Sturmlauf gegen- die „nationalfozialen". „Der B 0 l k s st u r m" lautet der Titel des Leitartikels in Nummer 381 der„Vossischen Zeitung", der mit den Worten beginnt: „Die öffentliche Meinung, bei günstigem Anlaß fiir eine gute Sache eingesetzt, ist eine Macht, deren Druck sich eine Regierung oder Volksvertretung nicht leicht e n 1 z i e h e n kann. Das hat nian beim„Zuchthansgesetz", beim Zedlitzschen Schulgesetz, bei den kunstfeindlichen Bestimmungen der Lex-Heinze und bei manchem anderen Anlaß gesehen." Also endlich bequemt sich auch die schläfrige Tante Voß zu einem Appell an die Massen— könnte der naive Leser wähnen, nachdem er den Titel und Eingang des Artikels gelesen. Es kommt freilich ganz anders! Das freisinnige Blatt unternimmt allerdings einen Sturmlauf, aber nicht etwa gegen die Reaktion und für das Reichstags- Wahlrecht in Preichen. sondern gegen die„ N a t i o n a l- sozialen", die gewissermaßen als verkappte Parteigänger der Sozialdemokratie abgetrunipft werden. Zunächst erscheint es uns seltsam, daß Herr Naumann von einem freisinnigen Blatte einfach als„Nationalsozialer" abgetan werden kann. Die nationalsoziale Partei hat sich doch bereits im Jahre 1903 in aller Form aufgelöst, worauf Herr Naumann und seine Freunde gleichfalls in aller Form zur Freisinnigen Vereinigung übertraten. Nun ist eS allerdings richtig, daß noch der am 23. November 1906 tagende dreißigste Parteitag der„Freisinnigen Volkspartei" erklärte, daß er ein freundnachbarliches Vcr- hältnis zur Freisinnigen Vereinigung zu pflegen bereit sei, daß er dagegen„ein Zusammenarbeiten mit nationalsozialen Elementen für eine politische Unmöglichkeit" halte. Aber dann kam Ende 1906 die Reichstagsauflösung und der freisinnige Uebergang zun« Regierungsblock, dem dann im Februar dieses Jahres der Abschluß eines Bündnisses der drei frei- sinnigen Parteien folgte. Von einem Aus- schluß„nationalsozialer Elemente" ans diesem Fraktions- kartell war da gar keine Rede mehr! Gleich- wohl sucht heute die„Voss. Zeitung" die Herren Nan- mann usw. als„Nationalsoziale" abzuwinimeln. Und das, obwohl sich obendrein den frcisinnig-volksparteilichenAgeordneten Hör mann, Mugdan usw. mit Herrn Naumanns Stellung zur Wahlrechtsfragc vor kaum 14 Tagen solidarisch erklärt hatten I Wer bestimmt also eigentlich darüber, wer zum „Verbündeten" Freisinn gehört? Doch das nur nebenbei. Ueber den„ V o l k s st u r m" selbst sagt daö freisinnige Organ: „Heute ist wieder von der Entfesselung eines Volkssturms die Rede. Dieses Mal zur Ertämpfung des Reichstagswahlrechts für den preußischen Landtag. Die Sozialdemokratie ist so freundlich, der bürgerlichen Linken für die Entfachung dieser Agitation weise Ratschläge zu geben, und einige National- soziale von lebhaftem Temperament, die sich jähre- lang für das Bündnis mit der Sozialdemokratie begeistert haben, tun der Welt kund und zu wissen:„Wenn der Herbst kommt, dann mutz Fanfare geblasen werde n." Na ja, geblasen kann schon werden; es ist nur die Frage, ob die � Gegner bei dem Trompetengcfchmetter umfallen und die Fanfaren nicht als Fanfaronnaden betrachten. Ein Sturm entsteht; aber er kann nicht zu jedem Zeitpunkt nach Belieben gemacht werden. Ein« Bewegung, die wochenlang vorher angekündigt und dann nach einem ausgeklügelten Programm in Szene gesetzt wird, er- weist sich regelmäßig als ein Schlag ins Wasser.... Nur wer beide Augen gegen die Wirklichkeit verschließt, kann sich einbilden, das Reichs- Wahlrecht sei gegenwärtig durch ei iren Volks» stürm zu erreichen. Wer wird sich an diesem Sturm be- teiligen? Auch nur diejenigen Männer, die beim Kampf gegen > die Lex-Hetnzc oder bei ähnlichen Gelegenheiten mitgemacht haben? Sicherlich nicht. ES gibt unter ihnen recht viele, die von der Uebertragung des Reichswahlrechts auf Preußen nichts wissen wollen. Auch die Nationalliberalen sind nicht von der Partie, von den/ffreikonservativen nicht erst zu reden. Es bleiben also die Gruppen unter sich, von denen man längst wußte, daß sie das demokratische Wahlrecht anstreben. Daß sich zu dieser Minderheit die Sozialdemokratie gesellt, wird seine Aussichten � nicht verbessern. Die Regierung ist zwar gewillt, eine Reform des Landtagswahlrechtes vorzunehlien und dabei dem Liberalismus entgegenzukommen; abcr daß si« so weit gehe, das Reichs- >v a h l r e ch t für Preußen vorzuschlagen, ist vollkommen ausgeschlossen, und selbst wenn sie dazu bereit wäre, stieße der Vorschlag auf unüberwindlichen Widerstand sowohl im Ab- gcordnetenhause wie im Herrenhause.... Nimmt man also nüchtern die Dinge, wie sie sind, so ist zzurzeit die Uebertragung des Rcichswahl. rechts auf Preußen unerreichbar, wohl aber unter Ilmständen erreichbar eine wesentliche Umgestaltung des preußischen Wahlsystems in liberaler Rich- t u n g. Wie weit diese Reforni gehen wird, läßt sich heute noch nicht erkennen; es läßt sich daher auch nicht sagen, wie sich die bürgerliche Linke der Vorlage gegenüber wird verhalten müssen. Jedenfalls wird sie sich ihre Taktik weder vor . der Einbringung der Vorlage noch nachher von der Sozialdemokratie oder den National- sozialen diktieren lassen. Am wenigsten wird sie sich leichten Herzen? dazu hergeben, einfach den„konservativ-liberalen Lloik" zu sprengen, wenn Fürst Bülaw nicht das volle Reichswahl- recht„präsentiert"." Das ist also abermals eine runde und nette Absage an diejenigen Freisinnigen, die die Entfesselung eines Wahlrechts- sturmcs empfohlen. Wobei wir wiederum betonen wollen, daß die„Voss. Ztg." zweifellos eine ganz andere Resonanz in der„Freisinnigen Volkspartei" besitzt, als Herr Naumann innerhalb seiner Partei, der„Freisinnigen Ver- e i n i g u n g", in der die„ W e s e r- Z t g.", die völlig auf dem Standpunkt der„Voss. Ztg." steht, politisch ungleich mehr hinter sich hat. als das„Berl. Tageb l.", das Herrn Naumann gelegentlich Gastfreundschaft gewährt. Nimmt man noch die Haltung der„Franks. Z t g." hinzu, so kann man getrost konstatieren, daß die von Naumann empfohlene Taktik eines Appells au das Volk innerhalb sämtlicher drei freisinnigen Parteien nur von einer Minder- heit vertreten wird! Die Mehrheit deSGesamt-Freisinns ist bereit, sich von Bülow mit einem Kompromißwahlrecht, das auch Konservativen nnd Nätionalliberalen genehm ist, abspeisen zu lassen. Daß das nur ein Wahlrecht nach dem Muster des sächsischen Regierungsentwurfes sein kann, vermag nur von Schaumschlägern vom Schlage der«Voss. Ztg." bestritten zu werden! Die Mehrheit des Freisinns will eS eben, wie es die «Boss. Ztg." offen ausspricht, unter keinen Umständen auf einen Bruch mit dem Block ankommen lassen! Und das von Spahn und der Z e n t r u m s p r e s s e be- trieben? aufdringliche Liebeswerben um die Gunst der Re- aktion bestärkt, wie die„Voss. Ztg." ebenfalls offen aus- spricht, die auf einen Wahlrechts-Kuhhandcl sich einrichtende Mehrheit des Freisinns in dieser würdelosen Schacherpolitik I Auch ein Beiveis dafür, daß die schmachvolle Verrätertaktit des Zentrums nur die Chancen für die Erringung des Reichstagswahlrechtes verschlechtert. Was ja fteilich auch ganz in der Absicht der führenden agrarischen und großindustriellen Zentrumskreise liegt I Geradezu abgeschmackt nimmt sich angesichts dieser Haltung der«Voss. Ztg." deren Beteuerung aus: „Wie die Freisinnigen. Wähler und Gewählte, über das Wahlrecht denken, ist bekannt. Sie wünschen und verlangen die Uebertragung des allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts auf Preußen. Sie haben diese Forderung schon vor Jahrzehnten gestellt, haben sie noch neuerdings im Abgrordnetenhause wiederholt und werden diesen ihren Standpunkt selbstverständlich auch im Herbst und in Zukunft, solange ihr Verlangen nicht erfüllt ist, nachdrücklich vertreten, in Wort und Schrift, im Parlament und in Volksversammlungen." Nachdem der Freisinn erklärt hat, daß die Regierung das ReichStagSwahlrecht gar nicht gewähren kann, und daß sich deshalb der Freisinn auch mit einem konservativ-liberale» Kompromiß zufrieden geben wolle, wird die Reaktion natürlich auf alle„Forderungen" und„Anträge" des Freisinns pfeifen! Sie weiß ja, daß der Freisinn nur eine K o- m ö d i e aufführt, daß er von vornherein mit der A b- lehnung dieser Forderungen rechnet! Wird nun die freisinnige Minderheit, die es mit dem Wahlrechtskampf ehrlich meint, diese jämmerliche Komödie mitmachen, oder wird sie für ihr Teil wenigstens einen wirklichen Kampf aufnehmcn? I Sitzung«le; Internationalen Sozialiitiichen Bureaus. Stuttgart, 16. August.(Telegramm.) Am heutigen Nachmittag fand eine Sitzung des internationalen sozialistischen Bureaus statt, die sich bis gegen 7 Uhr abends aus- dehnte. Anwesend waren Jglesias, Troelstra, Ferri, Bebel, Singer, Rosa Luxemburg, Jaures, V a i l l a n t, Frau Balabanoff, Lenin, Rubanowitsch, Knudscn, Vandervelde, Anseele, Huysmans, Hobson, Delcone, Brauting, van Kol. Skaret, Ncmcc, Soukup, Dr. Adler und H i l l q u i t. Den Vor- sitz führte Vandervelde. als Sekretär fungierte HuhsmanS. Zunächst ersuchte die sozialistische Partei Kubas, ihre Stimme Spanien übertragen zu dürfen. Das Ersuchen wurde abgelehnt, da jedes Land sich nur durch eigene Delegierte vertreten lassen kann. Ferner lag ein Antrag der armenischen revolutionären Föderation vor, von der sich eine Mitgliedschaft als türkische revo- lutionär-sozialistische Sektion abgesondert hat und die Anerkennung durch das Bureau als besondere sozialistische Partei mit Stims» recht auf dem Kongreß verlangt. Dieser Antrag fand lebhaften Widerspruch, da der sozialistische Charakter der Organisation von mehreren Seiten bestritten wurde. Die Beschlußfassung hierüber wurde ausgesetzt. Di« wichtigste Frage, die das Bureau zu er- lcdigen hatte, war die Frage nach der Zusammensetzung der Kommissionen. Hierzu wurde nach längerer Aussprache beschlossen, daß jede Nation höchstens vier Stimmen haben soll. Bis- her hatte jede Nation nur zwei Stimmen. In der Kommission selbst wird nach Köpfen abgestimmt, nicht nach der Zahl der Stimmen, über die jede Nation verfügt. Der Schluß der Sitzung wurde mit geschäftlichen Angelegen- hellen ausgefüllt. ver„liberale" Cerror gegen die rumsuilche Arbeiterbewegung. Bukarest, 13. August.(Eig. Ber.) Die Ausweisungen von Arbeitern und Sozialisten aus Ru- mänien nehmen kein Ende. Die Regierung hofft also aus diese Weise mit der ganzen Bewegung, deren Existenz eine ständige An- klage gegen die ins„liberale" Lager übergelaufenen Talmi- sozialisten bildet, fertig zu werden. Abcr die steigende Wut ihrer Verfolgungen deweist nur, daß die Arbeiterbewegung lebt und un- ausrottbar ist. Heute wurde Genosse Anagnoste, einer der tätigsten Führer der Bukarcster Organisation und der Schuhmachergcwerkschaft, ausgewiesen, obwohl er im Lande geboren und den Militär- dienst geleistet hat. Die hiesigen Genossen begaben sich zum Bahn- Hof, um ihn zu begleiten und ihm ihre Sympathie auszudrücken. Etwa oreihundert Arbeiter fanden sich zu dieser friedlichen De- monstratian ein. Plötzlich wurden sie von einem übermächtigen Polizeiaufgebot umzingelt, ein großer Teil von ihnen verhaftet und die übrigen auseinander getrieben. Die Verhafteten, darunter die meisten Führer der hiesigen Ar- beiterbewegung, wurden wie gemeine Verbrecher dem Untersuchungsrichter überliefert. Welche Gewaltakt» die Regierung weiter plant, ist zur Stunde noch nicht bekannt; abcr unaufhörlich regnet es Schlag aus Schlag gegen die Arbeiterorganisationen, für die eS keine Gesetze und keine Rechte mehr gibt. Die Ruhe und die Selbstbeherrschung, welche die hartgeprüften Arbeiter gegenüber dem anarchischen Treiben der Regierungsbande an den Tag legen, ist bewunderungswürdig. Eine solche Bewegung kann nicht mehr besiegt werden, denn sie hat ihr Reifezeugnis abgelegt. Aber der internationalen Sozialdemokratie erwächst die Pflicht, ihrer jüngsten Schwester in diesem schwierigen Kampf allenthalben beizustehen. Sie hat den rumänischen Staat als das zu erklären und zu bekämpfen, was er tatsächlich ist: als ein Ebenbild des russischen Zarismus unter der heuchlerischen Maöke einer Konstitution. Und die- selben Angriffsmittel, die sie in so nachdrücklicher Weise gegen „Väterchen" anwendet, hat sie auch gegen das Regiment seines Ge- vatters, Carol von Hohenzollern, anzuwenden: Entlarvung der Lügenpolitik, Untergrabung seiner Kreditpumpcrcien, Beleuchtung seiner agrarischen Blut- und Naubherrschast, sowie moralische und materielle Unterstützung der rumänischen Arbeiterbewegung. JnS- besondere wird es die Aufgabe des internationalen sozialistischen BureauS sein, das Material über die grauenhaften rumänischen Zustände zu sammeln und allen Sektionen der Internationale be- Hufs einheitlichen Eintretens gegen die Tschinowniks an der Donau zugänglich zu machen»_ tßarohfto. Der Sultan von Marokko sitzt zwischen zwei Feuern. Frankreich und Spanien versichern ihm. daß sie nicht Krieg gegen ihn führen, sondern gegen aufrührerische Stämme, die wider sein Gebot gehandelt haben. Diese beiden europäischen Freunde geben ihm so zu verstehen, daß er den Krieg haben wird, wenn er sich auf die Seite seiner Rache fordernden Untertanen stellt. Auf der anderen Seite aber fordert die islamitische Geistlichkeit, die das Volk in der Hand hat, die die öffentliche Meinung Marokkos macht, von ihm die Prokla- mierung des„heiligen Krieges" gegen die Ungläubigen. Es wird nämlich gemeldet: Paris, 16. August. Dem„Matin" wird aus Tanger gemeldet. nach brieflichen Nachrichten aus Fez habe daselbst vor dem Sultan eine Versammlung von UlemaS(Geistlichen) stattgefunden, die mit heftigen Worten gegen die Politik des Maghzen Einspruch erhoben und erklärt hätten, daß die Lage Marolkos infolge der Besetzung von Udschda und Casablanca unerträglich geworden sei. Die einzig ehrenvolle Art, aus dieser Situation herauSzu» kommen, wäre die Proklamicrung deS heiligen Krieges. Der Sherif Kattain habe sich für diese Lösung ausgesprochen. Die Minister hätten ihn beruhigt und sodann die Herstellung der Ordnung und Hintanhalttmg weiteren Blutvergießens versprochen. London, 16. August. Die„Times* berichten anS Fez: Der Sultan sei über den Beschluß der Ulenias sehr erregt. Er habe erklärt, daß er sich dadurch in einer sehr heiklen Lage befinde. Er stehe in Gefahr, entweder abgeseilt oder ermordet zu werden. Die Franzosen sind in Casablanca am 13. August aber- mals angegriffen worden, am 14. soll verhältnismäßige Ruhe geherrscht haben, eS wurden„nur einige Schüsse gehört". Der Berichterstatter des Pariser„Matin" schildert die Lage der Franzosen als ziemlich kritisch es fragt sich indes, ob er nicht im Auftrage einer Gruppe arbeitet, die eine Aus- dehnung deS Feldzuges durchsetzen will. In seinem Bericht heißt es:... „... Man dürfe sich nicht verhehlen, daß die Franzosen in der Stadt von der Landseite her gewissermaßen umzingelt seien. Die französischen Truppen seien nicht zahlreich genug. Es seien zwar LSR) Mann gelandet, davon würde aber ein Teil für milt- tärische Hülfsdicnste verwendet...." lieber den Angriff vom 13. August wird berichtet: „Am 13. August sammelten sich in der Umgebung der Stadt zahlreiche Arabcrgruppen an, die den Versuch machten, die Stadt von der Rückseite aus zu nehmen. Der französische Kreuzer.Gloire" gab etwa dreißig Granatschüsse auf sie ab, durch welche sie unter Verlusten pertrieben wurden. Die Truppen brauchten nicht vor- zugehen...." Die Flucht der Europäer und marokkanischen Juden aus den marokkanischen Städten dauert an, ein Zeichen, daß die Befürchtungen groß sind. Wie stark der Flüchtlingsstrom sein muß, das geht schon aus dem Umstand hervor, daß eine in Gibraltar erlassene Regicrungsverfügung daL Zuströmen von Flüchtlingen aus Marokko verbietet. Von den sonstigen Meldungen sind zu registrieren die folgenden: Tanger, 16. August. Die Einwohner von Casablanca, bc- sonders die Juden, die sich in der größten Not befinden, beginnen allmählich zurückzukehren. Man teilt Lebensmittel an sie mi5._ Der Handel beginnt sich wieder zu regen. Am Morgen deS 14. August war alle? ruhig.— Nie aus Fez gemeldet wird, befindet sich die dortige Bevölkerung in der größten Erregung und hält lärmende Versamm- lungen ab.— AuS Marrakesch wird gemeldet, daß alle Europäer die Stadt unier dem Schutze einer Begleitmannschaft verlassen, die ihnen von Mouleq Hafid gestellt worden ist,— Meldungen aus Elksar zufolge ist dort die Mahalla(die Truppen des Sultans) angekommen, die von Fez nach Casablanca geschickt worden ist.— Heute abend eingetroffene Meldungen besagen, daß etwa hundert Europäer M o g a d o r verlassen haben, wo der Kreuzer „Duchaylo* am 14. Augüst eingetroffen ist. Paris, 16. August.(Meldung der„Agence HavaS*.) Eine Depesche deS Admirals Philibert von gestenr meldet: Nach Ansicht der Notabel» der Stadt M a z a g a n werden die umwohnenden Stämme nicht anf Mazagan losmarschieren. Zurzeit herrscht Ruhe. Die Abwanderung der Eliropäer vollzieht sich langsam weiter. Die Lage in Casablanca ist befriedigend, ebenso in Saffi und Rabat. Köln, 15. August. Die„Kölnische Zeitung" erhält ein Tele- gramm ans Tanger, in dem es inner anderem heißt, daß im ganzen nur etwa 20 Europäer in Mazagan zurückgeblieben seien, darunter sechs deutsche Kauflcute und der deutsche Postbeamte. Die im Innern gelegene Hauptstadt des südlichen Marokko M a rr a ke s ch haben die Deutschen in der Nacht zum Sonntag sämtlich verlassen. Der Vertreter des Sultans hat ihnen eine starke Begleitmannschast gestellt. Sie beabsichtigen, in Saffi die Küste zu erreichen. Tanger, 16. Anglist. Ein französischer Missionar beurteilt die Lage in L a r r a ch e als sehr ernst. Alle Verbindungen sind unter- brachen. Da§ Zollamt ist von sämtlichen Beamten verlassen. Viele Fremde verlassen täglich die Stadt. politische(lebersicbt» Berlin, den 16. August 1907. Ein Rückzug Naumanns? Unter der Stichmarke„Was wird daraus" behandelt ein Berliner Brief der gemäßigt liberalen„Straß- durger Po st" die gegenwärtige Bewegung in der W a h l r e ch t s f r a g e. Der Artikel ist, so bemerkt die „Köln. V o l k s z t g.", geeignet, zur Orientierung über die Stimmungen und Strebungen in den Kreisen der Regierung und der rechtsliberalen Parteien zu dienen und verdient unter diesem Gejichtspunkte berücksichtigt zu werden. Nach Ansicht des Verfassers können in der Wahlrechts» frage„unvorhergesehene Zwischenfälle, man möchte fast sagen Launen nnd Unvorsichtigkeiten einiger Politiker, die unangenehmsten Zwischenfälle und Folgen her- beiführen". Man betrachte daher auch in Berlin das Vor- gehen der freisinnigen Führer in der Wahlrechtssrage mit mindestens so ernsten Blicken wie die kriegerischen Ereignisse am Mittelmcer. Die Abendausgabe des„Berliner Tage- blattes" enthalte nun wieder einen Artikel Friedrich Naumanns, der zwar sehr entschieden und scharf klinge und sich an einer Stelle sogar zu einer sehr pathetischen, aber wenig überzeugend wirkenden Ansprache an das Volk, an die „Menschen dritter Klasse", die kein Recht auf politische Macht hätten, versteige, in der Sache aber eher einem Rückzug als einem weiteren Vorstoß ähnlich sehe; denn er vermeide es. offen auszusprechen, was der Freisinn tun werde, wenn die Regierung und der Reichskanzler nicht so weit in der Reform des Wahlrechts gehen würden, wie Naumann es wünsche. So wenig ein solcher Rückzug Naumanns imstande wäre, das politische Ansehen dieses trotz aller seiner Kenntnisse und Gewandtheit nur von einem kleinen Kreise von Anhängern willig unterstützten Politikers zu erhöhen, so nützlich wäre er nach Ansicht des Gewährsmannes der „Straßburger Post" unter den gegebenen Verhältnissen, „denn man darf sich darüber keiner Täuschung hingeben, daß in dem Augenblick, wo der Freisinn unnach- g i e b i g für die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen vor dem Parlament selbst eintritt, das Schicksal einer Wahlrechtsreform im ungünstigen Sinne besiegelt i st". Ob Herr Naumann wirklich einen Rückzug antreten wollte, wie ihm von der..Straßburger Post" unterstellt wird, wird sich ja bald genug zeigen. Einstweilen wagen wir noch zu hoffen, daß er sich durch solche Einschüchterungs- versuche eher vorwärts als rückwärts treiben lassen wird. Ist doch die Taktik der„Straßburger Post" zu durchsichtig. Die unangenehmsten Zwischenfälle", die die„Unvorsichtigkeiten einiger Politiker" hervorzurufen geeignet sein sollen, bedrohen ja keineswegs eine wirkliche Wahlreform, vielmehr das Wahlrechtstechtelmechtel, durch das das Volk um das Reichstagswahlrecht geprellt werden soll! Denn daß, wenn der Freisinn aus dem Blocke heraus und in die Oppo- sition gedrängt würde, die Chancen der Wahlreform keines- wegs verringert würden, liegt doch auf der Hand. Sobald der Freisinn mit der Sozialdemokratie einen Volkssturm für das Reichstagswahlrecht entfesselt, könnte auch das Zentrum nicht zurückbleiben. Selbst wenn also die Nationalliberalea jeder reaktionären Tücke bereit Wären, ständen zwei ritte! des Volkes gegen die Reaktion im Felde, die dann einfach kapitulieren müßte! Das ist so klar, daß sich auch Herr Naumann diesem Argument nicht verschließen kann. Und wenn auch die Mehr- heit der freisinnigen Führer von einer aufs Ganze ge- henden Volksbewegung nichts wissen mag, so kann doch die Minderheit den Freisinn vorwärts drängen— was ja die„Straßburger Post" selbst eingesteht! Vom Ver- halten des Freisinns aber hängt es ab, ob auch das Zentrum mittun muß, mögen die Strachwitz, Rintelen, Bachem usw. zehnmal nicht wollen! Herr Naumann wird es sich also hoffentlich reiflich über- legen, ob er den N a t i o n a l l i b e r a l e n und K o n s e r- v a t i v e n, ja auch den Feinden des Reichstagswahlrechts im Z e n t r u m den Gefallen tut, den Rückzug anzutreten!— Noch ein freisinniger Konzessionsschnlze. Auch die ,.K ö n i g s b e r g e r H a r t u n g s ch e Zeitung', das Organ des freisinnig-volkspartcilichen Abgeordneten G y ß l i n g empfiehlt dem Freisinn, sich mir dem Vicrklasscnwahlrecht für Preußen zu begnügen. Sie schreibt: Die Parole„alles oder nichts' ist in der praktischen Politik eben nicht durchzusetzen. Mit dem Kopf die Wand einrennen zu wollen, pflegt aber das Privileginn, von Toren zu sein. Also auch der Königsberger Freisinn glaubt ein gute? Geschcift gemacht zu haben, wenn er für die Zollanswncherung des Bolkes, für die Milliardenbelastnng der Nation durch Heeres-, Marine- und Kolonialausgaben ein neues schmachvolles Klasienwahlrecht ein- handelt!_ Vom kastrierten Freisinn. In einem in mehr als einer Beziehuilg bemerkenswerten Artikel hatte sich neulich der freisinnige Abgeordnete G o t h e i n in der „Franks. Ztg." über den kurzen Bergarbeiter streik in Oberschlesien ausgesprochen. Er führte aus, eS handelte sich eigentlich lediglich um einen L o h u k a in p f, der eine Folge der Teuerung aller LcdenSliediirfiusse sei, die sich nicht nur auf Brot oder Fleisch beziehe. Die künstliche Bcrtcuerung der Lebensmittel habe eine solche aller LebenSbednrfnifie und in deren Verlauf er- bitterte Lohnkämpfe zur Folge gehabt. Man werde natürlich auch hier die ganze Bewegung aus Agitation zurückzuführen suchen. Daß ohne eine solche ein umfangreicher Streik nicht ausbreche, könne ohne weiteres zugegeben werden; aber, betont Herr Gothein nachdrücklich, die Agitation müsse einen Nährboden finden, um zu gedeihen, und den habe sie eben in der allgemeinen Teuerung. Die Löhne der Bergarbeiter stehen in Oberschlesien wesentlich niedriger als in den Westlichen Bergrevieren; daL sei zum Teil in der etivas geringeren Arbeitsleistung, vor allem aber darin begründet, daß früher die Lebensbedingungen in Obcrschlesien un Verhältnis- mätzig billiger waren als im Westen. Das rechtfertigte nach Herrn Gothein den niedrigeren Stand der Löhne. M i t der deutschen Zoll- und Absperrungspolitik habe sich das aber, sagt er dann, mehr und mehr ge- ändert; heute seien die Preise in Obcrschlesien nur unwesentlich niedriger als im Nuhrrevicr. Deshalb sei auch das Streben der dortigen Bergarbeiter auf Lohnerhöhung ein durchaus ver- stän blich es. Erst in den nächsten Jahren, schließt Gothein, dürfte es dem deutschen Bolke cinigcrmasien zum Bewußtsein komme«, waS es sich mit sciner Agrarpolitik eingebrockt habe. In ihrer ueuesten Nummer macht sich nun auch die„Hilfe" des Herrn Naumann diese logische Beweisführung zu eigen, ohne scheinbar zu ahnen, wie sehr sie und Herr Gothein mit dieser ernsthaften Erkenntnis ihrer Blockpolitik ins Gesicht speien. Vom Standpunkt« dieser Blockpolitik sind schon solche Erkenntnisse, wie wahr und berechtigt' sie immer sein mögen, Sünde» wider den heiligen Geist dieser Politik! Was aber sollte aus den Säulenheiligen des Freisinns erst werden, tvenn sie eS wagten, von dieser Erkenntnis zur Tat überzugehen und, indem sie ihre alten Grundsätze wieder auf- nähmen, gegen die agrarische Wucherpolitik Sturm zu laufen?! Nicht auszudenken! Aber dazu kommt es nicht. Die biedere freisinnige„Weser- Zeitung" hat ja erst vor wenigen Tagen, wie wir hier für weitere Kreise festlegten, erneut offen gestanden, daß man„in geistig hochstehendenslljfreisinnigen Kreisen" kein Hehl daraus mache, daß man auf manches verzichten müsse,„was einem am Herzen läge". Dazu gehöre vorläufig der„Bruch deS Reiches mit der agrarischen Zollpolitik! Die politische Kastration deS Freisinns kann sich nicht gut beut- licher demonstrieren!_ Kolonialreklame. Die„Köln. Ztg." teilt triumphierend mit, daß sich im Bezirk von G o b a b i s, dessen Wasser- und Weideverhältnisse allerdings zu den b e st e n des ganzen Schutzgebietes gehörte», 21 neue Farmer angesiedelt hätten, so daß es jetzt im ganzen Distrikt dreißig bewohnte Farmen gebe. Die„Köln. Ztg." verschweigt, daß diese Farmbetriebe nur deshalb entstanden sind, weil wir mit einem Jahres» aufwand von zirka 4V Millionen Mark in Südwcstafrika eine dauernde Schutztruppe von zirka 5>och immer nicht genügend vertraut geniacht." „Es ivurde wie auch in früheren Jahren die Bcobachtnng gc- macht, daß bei Neueinrichwngcn in de» mittleren und großen Mühlen den Anforderungen der Uufallverhülnngsoorschrislen mehr Rechnung getragen wird, als iit den kleinen Mühle n." Bom neuen, noch nicht erprobten Akkord. Das Berliner Gclvcrbegcricht verurteilte den Beklagten Wolter zur Zahlung von 20 M. an den Schlosser Z., indem es ausführte: Es siehe fest, daß es sich im vorliegenden Streitfälle um ein Akkord- Verhältnis handelte und nicht um garantierten Stundenlohn. Gleich wohl sei anerkannt worden, daß Kläger ni e h r zu beanspruchen habe, als der zugestandeiie Akkordsatz ausmache. Die Druck- realer, deren Fertigstellung dem Kläger übertragen war, seien zum erstenmal in dem Betriebe gefertigt worden. Es liege ein n o ch nicht erprobter Akkord vor, bei dem die Preisbestimmung keine feste Grundlage habe. Das werde hier auch dadurch bewiesen. daß Kläger erst glaubte, mit 3,75 Mark pro Stück auskommen zu können, daß ihm aber 4,75 M. zugestanden wurden und daß schließlich eine weitere Erhöhung um 1 M. eintrat. Eine etwaige Benachteiligung dadurch daß der Akkord noch nicht erprobt gewesen sei, könne den Kläger nicht treffen. Dazu gehöre, daß die Vor- arbeiten, die dem Arbeiter zu liefern seien, mit besonderer Sorgfalt hergestellt wären. Dadurch, daß sie hier nicht genau den, Kläger geliefert wurden, sei diesem eine Mehrarbeit entstanden. Die wirk- lichen Nachteile, die den, Kläger daraus erwuchsen, würden auf Grund des Gutachtens der sachverständigen Beisitzer auf 20 M. ge- schätzt. Diese Summe werde ihm noch zugesprochen. Die Landarbeiterflucht in Ostpreußen. Die ostpreußische Land- Wirtschaftskammer hat Erhebungen angestellt über den Verbleib der in den Jahren 1895 und 1900 aus den dortigen Landschulen ent- lassenen Kinder. Es gelang ihr. den derzeitigen Beruf und Wohn- ort von 22 964---- 84,9 Proz. der Schulentlassenen aus dem Jahr 1895 zu ermitteln. Dabei stellte sich heraus, daß �/z davon der ost- preußischen Landwirtschaft als Arbeitskräfte verloren gegangen waren, lieber hatte die Provinz endgültig verlassen, um im westdeutschen Industriegebiet Arbeit zu suchen. Ein anderer Teil ist in die größeren Städte der Provinz gezogen. Auch von den in den kleineren Orten der Provinz Verbliebenen hat sich ein be- trächtlicher Teil eine nichtlandwirtschaftliche Existenz gesucht.— Auch von dem Jahrgang 1900, von dem 32 154=- 91,7 Proz. ermittelt wurden, sind nur% landwirtschaftliche Arbeiter geblieben; /5 ist nach dem Westen, der Rest nach den Provinzstädten ge- wandert.— Für das Jahr 1905/1906 schätzt die Landwirtschafts- kammer den Verlust der ostpreußischen Landwirtschaft auf 2460 Familien und 10 270 junge ledige Arbeitskräfte, d. h.(die Familie zu 5 Köpfen gerechnet) auf insgesamt 22 520 Köpfe.— Die Gutsherren schreien nach Einschränkung der Freizügigkeit. Be- strasung des Kontraktbruches und ähnlichen Maßregeln zur festeren Bindung„ihrer" Leute. Sie werden damit nur erreichen, daß der Drang, aus der wirtschaftlichen und politischen Hörigkeit der„an- gestammten Herrschaft" herauszukommen, bei der Landarbeiter- bevölkerung immer stärker wird. Die Kritik, welche Gehl an dem Verhalten der Akkord- maurer übte, war diesen natürlich sehr unbequem. Sie gaben das Versicherten und leider auch auch durch fortgesetzte Störungen und Unterbrechungen des Redners ii.-u erkennen. Besonders tat sick in dieser Beziehung ein Vorstands- itglied des Akkordmaurervcreins mit Namen Lauksch hervor. iim„____..... Mitten in der Rede Gehls verlangte er das Wort zur Geschäfts- ordnung. Dann rief er dem Vorsitzenden zu, er solle Gehl das Wort entziehen, hier dürften nur Akkordmaurcr reden. Es wurde während dieser Szene sehr unruhig in der Versammlung. Gehl ließ sich dadurch nicht beirren. Er setzte seine Rede fort, wurde aber wiederholt von verswiedenen Seiten unterbrochen. Als Gehl nochmals über den Vertrag der Akkordmaurer sprach und an ein- zclncn Bestimmungen desselben nachwies, daß der Vertrag in ein- seitigster Weise die Interessen der Unternehmer wahrnehme, entstand wieder eine lärmende Szene. Man pro- testierte gegen d,e Ausführungen des Redners, verlangte, daß er nicht weiter rede. Einige Akkordmaurer erhoben sich und sprachen durcheinander zur Versammlung. Dann löste der Ucberwachende die Versammlung aus._ OeutTches Reich. Die vereinigten Brot-, Schlacht- und Gemüsemesserreider zu Solingen, welche den Fabrikanten ein neues Preisverzeichnis mit erhöhten Lohnsätzen zugesandt hatten, verhängten gestern über 108 Fabrikantensirnten in Solingen, Wald, Hüscheid und Gräsrath, ivclche die neuen Preise abgelehnt haben, den Ausstand. 150 Firmen haben die Forderungen anerkannt. fZuslanä. Exerzitien des schweizerische» Militärs gegen streikende Arbeiter. In Chur(Kanton Graubündcn) werden gegenwärtig Rekruten ausgebildet, und da ist nun kürzlich in den Straßen der Stadt zwei Tage vor Beginn des gegenwärtig noch andauernden Spengler- strciks abends zwischen 10 und 11 Uhr von einer aus drei Soldaten und einem Korporal bestehenden Patrouille zum Zwecke der prak- tischen Ucbung ein Militäraufgebot ausgeführt worden, wobei die Mannschaft mit aufgepflanztem Bajonett ausgerüstet war. Der Korporal stellte dann an verschiedene vorübergehende Personen im wesentlichen folgende Fragen:„Befinden sich die Flaschner im Streik? Wohnt hier in der Nähe ein Flaschnermeister? Sind hier Streikposten aufgestellt usw.? Es wurde ihm bedeutet, daß der Streik erst mit Montag beginne, daß noch keine Streikposten bor- Händen seien, worauf die Patrouille wieder abzog. Man kann sich denken, wie ein derartiger provozierender militärischer Exzeß bei den Arbeitern Stimmung„für" die neue Militärvorlage macht. Wir halten es für ausgeschlossen, daß ein Gang zu Hofe jemals den Zwecken der Sozialdemokratie nützlich sein könnte. In der Rede Pernerstorfer wird ja gerade darauf verwiesen, daß die Stellung der Krone im Wahlrcchtskampfc nicht aus besonderer Bolksfreundlichkeit oder auf Grund sozialdemokratischer Höflich- keiten für die Krone genommen wurde, sondern einfach'aus einer Zwangslage entsprang. polizetUches, Gerichtlichca ufw. Strafkvnto der Presse. Das Schöffengericht zu Nürnberg verurteilte den Genossen Dr. W e i l l von der„Fränkischen Tagespost" wegen angeblicher Beleidigung des Bürgermeisters des Vorortes Lauf am Holz, verübt während der Landtagswahlen durch den Vorwurf der Verzögerung der Ableistung des Ver- fassungseides zu 14 Tagen Gefängnis. Soziales. Löhne und Unfälle in, Müllereibetriebe. Nach den Ausweisen der Müllerei-Berufsgenossenschaft betrug der Jahrcsdurchsckinittslohn der Müllereiarbeiter in den Jahren 1897 703,12 M.. 1900: 749,93 M.. 1902: 313,77 M.. 1904: 837,94 M.. 1905: 861,16 M. und 1906: 894,72 M. Triumphierend verkündet uns der Bericht:„Die Durchschnitts- löhne haben sich also in 10 Jahren um 191,60 M. erhöht." Das ist eine„Leistung" I Ob die Mühlenarbeiter auch diese„hohen Löhne" ganz aufbrauchen werden? 2,98 M. Durchschnittslohn pro Tag bei schwerer Arbeit und langer, langer Arbeitszeit I Den höchsten Durchschnittslohn mit 1024 M. pro Jahr hat die Sektion VII Altona. den niedrigsten Lohn mit 706,66 M. Sektion I Tomsdorf bei Heiligenbeil/ Die Zahl der Betriebsunfälle betrug im Berichtsjahre 3320, gegen 3370 im Vorjahre. Seit dem Jahre 1885 wurden der Berufsgenossenschaft ins- gesamt 57 490 Unfälle gemeldet. DaS Heer der Unfallverletzten, Krüppel entspricht also fast der Zahl der heute durchschnittlich be- fchäfligten Mühlenarbeiter I Trotzdem die Zahl der Betriebe und die Zahl der Arbeiter in den letzten 20 Jahren riesig zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der Unfälle ständig vermehrt. So entfielen im Jahre 1886 auf 79 945 beschäftigte Personen nur 1627 Unfälle, im Jahre 1892 auf 86 664 Personen 2413 und im Jahre 1906 dagegen auf 63 762 Personen 3325 Unfälle. Entschädigt wurden von 3320 gemeldeten Unfällen 1006, wogegen im Jahre 1899 bei'3046 gemeldeten Unfällen 1048 entschädigt wurden.„ Von den Unfällen hatten Folgen: 71 tödliche, einer dauernd völlige. 320 dauernd teilweise und 614 vorübergehend teilweise Erwerbsunfähigkeit. Auf 1000 versicherte Personen entfielen also durchschnittlich 51,67 gemeldete Unfälle, während die Ziffer der entschädigten Unfälle nur 15,69 beträgt. Am gefährlichsten sind die Kleinbetriebe mit 1—2 Vollarbeitern. die 300 Unfälle(entschädigte) und 22 Todesfälle� zählten, während in 121 Großbetrieben nur 163 entschädigte Unfälle und 6 TodeS- fälle vorkamen. Die Zahlen schreien nach Unfallschutz. Dabei hatten die vier Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft nach dem Bericht nur 1919 Betriebe(von 29 480 versicherten Be- 6ewerfcrcbaftUcbc9« Berlin und Umgegend# Achtung» Metallarbeiter! In Oberstein a. d. Nahe haben die Unternehmer eine Aussperrung aller in der Galanteriewarenbranche beschäftigten Arbeiter beschlossen. Wir ersuchen die Kollegen dringend, ganz besonders Goldarbeiter, Gürtler und alle in der Galanterie- warenbranche beschäftigten Kollegen, Arbeitsanaebote nach Oberstein nicht anzunehmen. Oberstein a. d. Nahe ist für Metallarbeiter bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Bewegung im Baugewerbe. Die Herren Akkordmaurer führten bisher ein in der Oeffentlichkeit wenig bemerkbares Dasein. Diese Leute, welche grundsätzlich die Beschlüsse der Gesamtheit ihrer Berufsgenossen mißachten und durchbrechen, hatten auch alle Ursache, öffentlich nicht hervorzu treten. Während des Bauarbeiterstreiks haben die Akkordmaurer nach Kräften �das Unternehmertum gegen die streikenden Arbeiter unterstützt. Sie haben die schändliche Rolle von Arbeitswilligen gespielt und erffeuen sich daher selbstverständlich der besonderen Gunst des Unternehmertums und aller Arbeiterfeinde. Die Situation scheint den Atkordmaurern jetzt günstig für die rücksichts« lose Wahrnehmung ihrer egoistischen Interessen. Sie halten es an der Zeit, aus der Verborgenheit in die Oeffentlichkeit zu treten und für die Ausbreitung der Akkördarbcit, an der naturlich die Unternehmer das größte Interesse haben, Propaganda zu machen. Zu diesem Zweck hatte der gewerkschaftliche Verein der(Akkord-i Maurer am Donnerstag eine öffentliche Versammlung einberufen. Der Verein mag auch wohl das Bedürfnis gefühlt haben, einen Rechtfertigungsversuch seines arbeiterfeindlichen Verhaltens beim Streik zu unternehmen. Die Versammlung war von etwa 200 Per- sonen besucht. Es waren aber auch Gegner der Akkordarbeit sowohl aus dem Verband wie aus der Freien Vereinigung der Maurer anwesend. Pfarr, der Vorsitzende der Akkordmaurer, trat in einer ziemlich unsicheren Rede für die Akkordarbeit ein. Er meinte, diese Arbeitsmethode breite sich immer mehr aus und könne durch keine Gegenagitation verhindert werden. Zwei Drittel aller Ber- liner Maurerarbeit werde schon im Akkord ausgeführt, etwa 3000 bis 4000 Berliner Maurer arbeiteten gegenwärtig in Akkord. Um das Verhalten der Akkordmaurer während des Streiks zu recht- fertigen, sagte der Redner, sein Verein sei ja zu der Lohnbewegung nicht hinzugezogen worden, er sei also an derselben nicht be- teiligt gewesen. Der Berein der Akkordmaurer habe auf die Lohn- bewegung, die er nicht mit beschlossen habe, keine Rücksicht nehmen brauchen, er habe übrigens durch den Streik ausgehungert werden sollen. Als erster Diskussionsredner nahm Genosse Gehl das Wort. Scharf aber durchaus sachlich kritisierte er das Treiben der Akkord- maurer. Was der Vorsitzende hier zur Rechtfertigung der Akkord- arbeit und der Akkordmaurer angeführt habe, sei in Wirklichkeit eine schwere Anklage gegen dieselben. Jetzt handele es sich nicht um die Frage, ob die Akkordarbeit an sich zu billigen sei oder nicht, sondern vielmehr darum, daß die Akkordmaurer während des Streiks ihren kämpfenden Arbeits- brüdern in den Rücken gefallen seien und den Kampf wesentlich erschwert haben. Auf Kosten und Gefahr der Streikenden haben die Akkordmaurer während des Streiks ihre eigenen Löhne verbessert, wo sie als Arbeitswillige aufgetreten sind. Sie haben auf manchen Bauten, wo sie von den Unternehmern gegen die Streikenden zu Hülfe gerufen wurden, einen Stundenlohn von 1,20 M. bekommen, während die Kollegen ihren Lohn von 75 Pf. auf 80 Pf. erhöhen wollten. Weiter wies Gehl nach, daß der Verein der Akkordmaurer zwar in seinem Statut sage, er wolle die Lohn- und Arbeitsverhältnisse verbessern, daß er aber nichts nach dieser Richtung hm getan habe, denn der�Vertrag, den der Generalstreik der Telegraphenbeamten! Chicago, 16. August. Heute morgen Uhr gab der Präsident des Telegraphistenverbandes allen im kommerziellen Telegraphen- verkehr beschäftigten Beamten Anweisung, unverzüglich in den Ausstand zu treten, falls nicht Verträge mit dem Verband unter, zeichnet worden seien. Letzte JVacbncbtcn und Depefcbea Jugendlicher Totschläger. Arnsberg, 16. August.(B. H.) Die hiesige Strafkammer ver- urteilte heute morgen den 14 jährigen Schüler Hoffmann, der im Februar d. I. den 7 jährigen Knaben Vollmer erschlagen und in den Bach geworfen hatte, wegen Totschlags zu sechs Jahren sechs Monaten Gefängnis._ Nützliche Elemente. Antwerpen, 16. August.(B. H.) An Bord deS Dampfer? „Cambreman", auf welchem die englischen Ersatzarbeiter ein, quartiert sind, kam es gestern abend zu tumultösen Auftritten» die in eine förmliche Meuterei ausarteten. Die Engländer plünderten die Borratskammern, betranken sich und stießen Drohungen gegen die Offiziere aus, auch entwendeten sie Revolver usw. 32 Polizisten wurden an Bord genommen, um die Ruhe wieder herzustellen. Mehrere der Meuterer mußten in Ketten gelegt werden. Die eng- lischen Arbeiter verlangen bereits eine Lohnaufbesserung von ein Schilling täglich. Inzwischen mehren sich die auf der Scheide der Löschung harrenden Dampfer. Die Unterhandlungen zwischen dey Streikenden und den Reedern werden fortgesetzt. Umgestürzter OmnibuS. Innsbruck, 16. August.(B. H.) Ein mit Fahrgästen über- fülltcr Omnibus der Linie Trieft— Tione ist bei Sarche um- gestürzt und in Stücke gebrochen. Neun Personen erlitten schwere Berletznngen; der Kutscher und ein Sprachlehrer wurden tödlich verletzt. Die Ursache des Unglücks ist in dem defekten Zustande des Wagens zu suchen. Kirchenglanbe und Wissenschaft. Rom, 16. August.(B. H.) In der vatikanischen Druckerei ist die Herstellung der Ausgabe des Index fast beendigt, in welchem alle diejenigen Bücher aufgezählt sind, welche seit der Thronbesteigung Pius X. den Katholiken zu lesen verboten worden find. Explosion im FeuerwerkSlaboratorium. Rom, 16. August.(B. H.) In einem Feuerwerkslaboratorium in der Nähe von Aversa fand eine Explosion statt, wobei drei Per» sonen getötet und sechs schwer verletzt wurden. Die Unruhen in Marokko. Tanger, 16. August.»(Meldung des Reuterschen BureauS.) Briefe aus Mogador besagen, daß dort wegen des von dem be- rühmten Saharahauptlings Maalainin angedrohten Angriffes große Unruhe hertssche, und daß die Bewohner die Stadt aus einem franzö- fischen Dampfer verlassen.— Hier geht das Gerücht, daß durch die Nachrichten aus Casablanca alle Städte im Innern aufgereizt seien und daß an verschiedenen Stellen der heilige Krieg gepredigt werde. Die Europäer haben Marrakesch verlassen. Der Auszug aus Tanger dauert an. Viele europäische Familien sind heute nach Gibraltar gefahren. Der amerikanische Telegraphenbeamtenstreik. New York, 16. August.(W. T. B.) Der Aufruf deS Präsi. denten des Telegraphistenverbandes zum Generalstreik ist nicht be. folgt worden. Die Leiter der Telegraphengcsellschaften erklären, die ielegraphische Verbindung auch mit den entfernteren und kleineren Städten wickele sich rasch ab und der Geschäftsverkehr nehme slott seinen Fortgang. Chicago, 16. August. Die Leiter des Telegraphistenverbandes in Chicago haben sich bereit erklärt, sich einem Schiedsspruch defl Schiedsaiutrs des amerikanischen Arbeitsbundes zu unterwerfen Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Ä«»wärlSBuchdr. u. VerlazSanstalt Paul SingcrScCo., Berlin LW. Hierzu 2 Bcilageu«.Unterhaltungöblatf' Nr. 191. 24. Jahrgang. 1. AillP des Jitniiitte" Kcrlim pIMIntt. Sunnalitni, 17. Jup(l 1907. Der französische Parteitag. Vierter BerhandlungZtag. Nancy, 14. August.(Eig. Ver.) Die gestrige Nachmittagssitzuug war durch GeschäftsordnungZ- debatten ausgefüllt. In einer Nachlsitzung wnrde die Ver- Handlung über die sozialistischen Parteien und die Gewerkschaften begonnen, die heute fortgesetzt wird. Es liegen zwei Resolutionen vor. Die der Dordogne hebt die Notwendigkeit beider Organi- sationsfonnen he'vor, spricht aber aus, daß die Gewerkschaft zur Befreiung der Arbeiterklasse nicht ausreicht, sondern nur die kapi- talistische Ausbeutung mildern kann, deren Abschaffung die Aufgabe des zur Eroberung der politischen Macht als Klassenpartci organi- sirten Proletariats ist. Die Resolution fährt dann fort: „In Erwägung andererseits, dast es dieselbe Klasse ist, die zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen und zu ihrer vollen Befreiung auf dem gewerkschaftlichen und auf dem politischen Gebiet sich organisieren und handeln mutz, und datz diese zwei Organi sationS- und Aktions formen, so ge- sondert sie auch bleiben müssen, einander nicht ignorieren oder sich entgegenarbeiten können, ohne das Proletariat tödlich zu spalten, erklärt der Kongreß, datz an- gestrebt werden mutz, datz die gewerkschaftliche und die p o l i t i s ch e A k t i o n der Arbeiter sich nach den gegebenen Umständen national und international verständigen und verbinden mutz." Die andere, von der Föderation Eher borgelegte Resolution ist eine Wiederholung der im vorigen Jahre in Limoges von Tarn vorgelegten und angenommenen. Sie hat folgenden Wortlaut: „Ueberzeugt, datz sich die Arbeiterklasse nur durch die k o m- binierte Kraft der politischen und gewerk schaft- lichen Aktion, durch den bis zum General st reik gehenden Syndikalismus und durch die Erobe- rung der ganzen politischen Macht zum Zwecke der allgemeinen Expropriation des Kapitalismus befreien kann, in Erwägung ferner, datz diese doppelte Aktion um so wirksamer sein wird, je mehr der politische und der öko- nomische Organismus ihre volle Autonomie haben werden und datz der Syndikalismus dasselbe Ziel wie der Sozialismus hat, in weiterer Erwägung, datz dieser fundamentale Einklang der politischen und wirlschafllichen Aktion notwendig, ohne Konfusion, ohne Unterordnung, ohne Mißtrauen, eine freie Kooperation zwischen den beiden Organismen sichern wird, fordert der Kongretz alle Genossen auf, nach ihren Kräften daran zu arbeiten, jedes Mißverständnis zwischen der gewerkschaftlichen und der politischen Or- ganisation der Arbeiterklasse zu zerstreuen." Der Parteitag bcschlietzt, für jede dieser Resolutionen je sechs Redner sprechen zu lassen. In der Debatte zeigt sich's, datz die grotze Mehrheit dcS Parteitags sowohl in der Anerkennung der Not- wendigkeit der politischen Aktion wie insbesondere in der Verurteilung der anliparlamentarischen Propagande in den Gewerkschaften einig ist. Fast alle Anhänger de» Antrages von Eher heben die prinzipiellen Vorzüge des Antrags der Dordogne hervor, machen aber Oppor- tunitälsgründe für den ihren geltend. Der Generalstreik, der in Limoges einen Hauplgegenstand der Diskussion gebildet hat, wird kaum gestreift. Dabei zeigt sich ein schneidender Gegensatz zwischen jenen Vertretern des Antrages Eher, die wie V i a n c e l l e(Kutscher, Paris) die volle Selbständigkeit der Gewerkschaften fordern, weil ihre Mitglieder noch keine Sozialisten seien— das heißt also zwischen den strengen Neutralisten— und denen, die gleich Lagardelle und V a i l l a n t in den Gewerkschaften den spezifischen Organismus der fozialistisch-revolutionären Revolution sehe». P a r v y(Porzellanarbeiter. LimogeS) sagt zur Verteidigung deS Antrages der Dordogne: Wir sind die wahren Neutralisten. Denn tvir wollen in den Gewerkschaften alle Arbeiter ohne Unterschied ihrer politischen, sozialen und religiösen Ueberzeugung vereinigen. Sie aber erklären, durch die Gewerkschaften die Umwandlung der Produktionsweise anzustreben. Sind etlva radikale oder klerikale Arbeiter Anhänger dieser Uinwandlung? Wir wollen nicht, datz man in den Gewerkschaften Kollektivismus. Antimilitarismus, Antiklerikalismus propagiere. Die Leute von der Konföderation sind gegen uns ebensowenig neutral. In den Versammlungen haben die Syndikalisten die Partei angegriffen, auch wo sie als Funktionäre der Gewerk'chaften gerufen worden waren. Wie JauröS gesagt hat, datz wir gegen den Herväismus auch dann auf- treten müßten, wenn wir damit ihr Mißfallen erregten, so müssen wir auch gegen die Syndikalisten Mut beweisen. Profeiior Emanuel Levy will Sozialismus nicht nur in der Partei, sondern auch in den Gewerkschaften haben. Den GueSdisten wirft er vor, datz sie der Konföderation die Hand entgegenstrecken, um sie zw erdrosseln. Roland protestiert gegen diese Unterstellung. Die GueSdisten haben von jeher Gewerkschaften gegründet. Lauche(Mechaniker) vertritt den Antrag deS Eher. Er spricht sehr ausführlich, aber anscheinend auf Grund recht einseitiger Informationen über die Gewerkschaftsbewegung im Ausland. Den deutschen Gewerkschaften bekundet er seine Bewunderung ihres Organisationsapparates, bedauert aber, datz sie bloße D e f e u s i v- o r g a n e seien. AuS der Differenz zwischen der Mitgliederzahl der Gewerkschaften und der der Partei folgert er, datz die deutschen Gewerkschaften zumeist keine Sozialisten seien. Dann glaubt er in der deutschen Gewerkschaftsbewegung ein Streben, sich gegenüber der Partei selbständig zu machen, zu erkennen— ein Streben, das nur durch die Gesetzgebung verhindert werde, die die politische Tätigkeit in den Gewerkschaften ausschließe. Zwischen Partei und Geiverkschaft wünscht er einen Parallellismus der Aktion, die ein gemeinsames Ziel habe. An der bestehenden Trennung sei die illoyale Haltung der GueSdisten in der Frage des Generalstreiks schuld. Auch in Amsterdam seien die französischen Gewerkschaften erniedrigt worden durch die Art. worin sich die GueSdisten mit der Internationale gegen den Generalstreik geeinigt hätten. Die Autorität der Sozialisten in den Gewerkschaften sei im Wachsen. Die Annahme der Resolution der Dordogne aber würde den Krieg zwischen der Partei und den Gewerkschaften ent- feffeln. Renard(Textilarbeiter) hält eine wirkungsvolle Rede für die Resolution der Dordogne: Ich habe keine Angst, datz unsere DiS- kusjion hier die Konföderation schädigen kann. Wir sind nicht gegen die Konföderation, im Gegenteil. Wir wollen, datz sie nicht alle möglichen Zwecke verfolge, die viele Arbeiter abschrecken. Die Reso- lution des Eher sagt, daß Partei und Gewerkschaft dieselben Zwecke verfolgen. Dann sehe ich nicht ein, welche Existenzberechtigung die Partei noch hat. Ich glaube aber nicht an die Identität der Zwecke. Vielmehr glaube ich an eine mit der Arbeiterbewegung fort- schreitende Arbeitsteilung. Für die wirklich gemeinsamen Aufgaben wünschen wir vor überg-ehende Vereinbarungen. mehr nicht. Was wir wollen, ist in Deutschland, Oesterreich. Däne- mark— kurz in allen Ländern mit entwickelter Arbeiterbewegung— Tatsache, warum sollte es bei uns unmöglich fein? Wir müssen uns immer mehr den Genossen des Auslandes nähern. Wir müssen 'in der Partei sozialistische Politik, in den Gewerkschaften gewerk. schaftliche Organiiations- und Propagandaarbeit betreiben. Der in Amsterdam angeblich so mißhandelte Generalstreik hat noch nichts produziert als einen Unterrichtsminister der Republik. D o n d i c o l meint, wenn die Partei eine Vereinbarung suche und die Gewerkschaften sie zurückwiesen, werde eine für die Arbeiter- bewegnng gefährliche Feindseligkeit zurückbleiben. Darum stimme er für die Resolution Eher. Marius Andrö: ES gibt zwei Arten Syndikalismus: jenen, der dem Sozialismus feindlich gegen- übersteht und einen anderen, der ihn ersetzen will. Wenn der Syndikalismus alles sein will. mutz er auch p o l i t i ich sein und gerade dagegen wenden wir uns. Die direkte Aktion ist nichts Neues. Sie ist der Druck auf die öffentliche Gewalt, den wir immer propagiert haben. Aber Ihr Schlagwort wird von den Massen mißverstanden, die meinen, es de- sage, daß man alles zusammenschlagen solle. Wir sind hier alle der Meinung, datz der Syndikalismus allein nicht genügt, datz wir parallel arbeiten müssen. Die Frage der Beziehungen zwischen uns ist also eine Opportunitätsftage. Wir wollen aber ja auch nur Ver- einbarungen„je nach den gegebenen Umständen". Schon heute bestehen in der Provinz fast überall solche Uebereinkommen. Was Sie wollen, ist, uns allen die Pariser Situation aufzuzwingen. Lagardelle legt in einer formell sehr geschickten Rede das Wesen des revolutionären Syndikalismus dar. Eigentlich spricht er nicht für die Resolution Eher, die ja auch die Notwendigkeit der be- sonderen politischen Aktion anerkennt, sondern nur gegen den Antrag der Dordogne: Auch ich habe einst durch GucSde die Bedeutung des Parlantentarismus für die Erziehung der Arbeiterklasse kennen gelernt. Nun aber ist eine neue, rein proletarische Klassenpolitik entstanden, die sich in der Kon- föderation verkörpert. Die Resolution der Dordogne trägt dieser neuen Entwickelung nicht Rechnung, sie ist veraltet. Veraltet ist auch die Anschauung, datz die neue sozialistische Gesell- schaft durch den eroberten Staat eingerichtet werden könnte. Die revolutionären Syndikate sind ein ganz anderer Organismus als die englischen Trade-Unions und die angeblich sozialistischen deutschen Gewerkschaften! Jede Klasse, die sich befreien will, schafft sich ihren eigenen politischen Organismus. Wie das mittelalterliche Bürgertum seine Kommunen, so hat das moderne Proletariat seine Syndikate. Der Parlamentarismus ist ein Fatalismus. Er schwächt die Initiative der Menschen.' G u es de: Die in LimogeS beschlossene Resolution ist wider- spruchsvoll. Sie spricht von einer fundamentalen Uebereinstimmung und lehnt doch die Kooperation ab.— Das Wählen war uns nie unser Hauptzweck. Immer haben wir die Wahlen für ein Manöver der Arbeiterklasse angesehen. Sind wir eS, die ein soziales Wunder erwarten, wir, die wir täglich die Organisation predigen? Es ist aber auch nicht wahr, datz die Geweikschaften gegen unsere Anschauungen sind. Wenn Sie von der Arbeits- konföderation alle die großen Organisationen abrechnen, die gegen den Sabotage usw. sind, wie viele bleiben übrig? Der Redner wendet sich auch gegen LagardelleS enge Auffassung des Klassenkampfs, die die Partei durch Syndikate ersetzen will, weil in dieser lauter manuelle Arbeiter, nicht„sozialistische Bourgeois" seien. Wenn wir die Gesellschaft umgestalten wollen, müssen wir Chemiker, Ingenieure, Profefforen haben.(Lebhafter Beifall auf allen Seiten.) Die Deserteure der Bourgeoisie, die wie Lagardelle selbst die Sache deS Proletariats zu der ihren machen, stören den Klassencharakter der sozialistischen Bewegung nicht. In allen Revolutionen stellt die herrschende Klasse Vorkämpfer des Neuen, wie die Klasse, in deren Jntereffe die Revolution gemacht wird, Verteidiger des Alten. Wir wollen die Konföderation nicht unterjochen. Was wir in Stuttgart sagen wollen, ist, datz die sozialistische Partei ihre Existenzberechtigung im Kampf um die politische Macht hat, der ihre Sache ist. Die Resolution der Dordogne spricht aus, datz die zwei Organisationen einander nicht stören dürfen. Wollen Sie das Gegenteil sagen? Es spricht noch.Vaill ant, der die revolutionäre Propaganda der Konföderation hervorhebt. Die Resolution deS Eher entspreche den französischen Erfahrungen.'Eine vermittelnde Formel zu suchen sei nicht angezeigt. Die Internationale sei nicht dazu da, einzelne Länder im Jntereffe anderer einzuschränken und zu majorisieren. In der Abstimmung wird der Antrag der Föderation Eher mit 147 Stimmen angenommen. Für den Antrag der Dordogne stimmen 121 Delegierte. linternationaler liietallarbeiter-Kongreß in Brüssel. Brüssel, 14. August.(Eig. Ber.) (Fortsetzung der Mittwochsverhandlungen.) Wir tragen hiermit noch in kurzem Auszug einige der Reden aus der Debatte über die Bundesbeiträge nach, soweit in ihnen ein prononcierterer Standpunkt zum Ausdruck kommt. H o b s o n(England) tritt der Meinung entgegen, datz die Mittel der internationalen Organisation der Errichtung von Ge- werkschaften in Ländern mit schwächeren Organisationen dienen könnten. Dies sei eine durchaus nationale Obliegenheit. Man babe übrigens den von der englischen Delegation vorgebrachten Talsachen keine Argumente entgegengesetzt. Cohen(Berlin) erblickt dagegen auch in der internationalen Organisation die Pflicht und die Möglichkeit, die Organisationen jener Länder zu unterstützen, wo die eigenen nationalen Organi- sationen ihren Aufgaben nicht genügen. Es sei auch ungerecht, deutschen Gewerkschaften daraus einen Vorwurf zu machen, datz deutsche Arbeiter die einheimischen in Frankreich verdrängen, ebenso wie es ungerecht wäre, den Trade-Unions vorzuwerfen, datz englische Streikbrecher während des letzten Streiks in Dresden gearbeitet haben. M i l l e r s h i p(England) bedauert, datz sich ein Einvernehmen über die Beitragsleistung nicht erzielen lasse. Warum bestehe man auf den Beiträgen von 20 Schilling, da die Kasse über Geld verfüge. Der Kongretz möge keinen Beschlutz fassen, der daS Ein- vernehmen der Trade-UnionS mit dem internationalen Bund stören könnte. Brandes(Deutschland) erklärt, datz die Deutschen nicht die Absicht haben, ihre Majorität zu mißbrauchen, doch dürfe auch eine Minorität dem Bund nicht ihren Willen aufzwingen. Die Summe von 20 Schilling pro 1000 Mitglieder sei auf früheren Kongressen von den Engländern selbst vorgeschlagen worden. Gegen die revolutionären Syndikalisten polemisierend, sagt der Redner, es sei eine Phrase, zu behaupten, ein kleiner Kern von tüchtigen Männern sei wertvoller als die grotze Masse. Wie will z. B. ein Streik gelingen, wenn die grotze Masse der Organisierten nicht mithilft? L a t a p i e(Frankreich) wehrt sich gegen die Angriffe der deutschen Delegierten gegen die französischen Syndikalisten und berichtigt, datz nicht 2 Proz. sondern mehr als 1b Proz. organisiert sind. Mit den den Eisenbahnerorganisationen und den lokaliftischen Organisationen angehörenden Metallarbeitern sind ungefähr 44 000 Arbeiter organisiert. Was siegreiche S�eikS betrifft, rangieren die Franzosen an zweiter Stelle. Die Deutschen ver- mögen eS trotz ihrer Stärke nicht zu verhindern, datz Tausende alljährlich auswandern. Er erklärt sich indes ungeachtet der ge- übten Kritik für die Aufrechterhaltung der alten Beiträge. Domes(Oesterreich) hält den Engländern entgegen, datz sie am meisten daran interessiert sind, datz sich die Organisationen der anderen Länder entwickeln. Wenn die Engländer mit ge- bundcner Marschroute gekommen seien, hätte der Kongretz keinen Wert. A e h l i ck e(Deutschland) bespricht die Ausgaben des Bundes. Die Mitarbeiter müssen entschädigt werden und es sei für das Bureau unbedingt erforderlich, das Material über die Anwendung der Arbciterschutzgcsetze, über Streiks, Aussperrungen und sonstige Konflikte zu beschaffen. Auch Studienreisen in den Ländern mit bedeutender Metallarbeiterindustrie sind unerlätzlich. Er wünscht, datz diese Gesichtspunkte, die für die höheren Beiträge streiten. von der englischen Delegation den Arbeitern zu Hause nahegelegt werden. Auf keinen Fall dürfe die Meinungsverschiedenheit die Einigkeit der internationalen Organisation trüben. In der Nachmittagssitzung erfolgte die bereits mitgeteilte Er» klärung der englischen Delegation über die Abstimmung. Bezüglich der Abhaltung der internationalen Kongresse wird entschieden, beim alten Modus— alle drei Jahre einen Kongretz abzuhalten— zu verbleiben. Zum Punkt 4 der Tagesordnung über das GegenseitigkeitsverhältniS ber Organisationen bringt Beer(Oesterreich) im Namen der Oesterreicher und im Einvernehmen mit den deutschen Delegierten folgende Reso- lution ein: Der Kongretz erklärt die Schaffung eines Gegen» seitigkeitsverhältniffeS zwischen allen dem Bunde angeschlossenen Organisationen für dringend notwendig. Dieses GegenseitigkeitsverhältniS hat sich zu erstrecken auf 1. die Erhaltung der Mitgliedschaft im AuS» lande; 2. Erhaltung der Rechte auf Unter» stützungen im Auslände; 3. gegenseitige Unter» stützungen bei Streiks und Aussperrungen, die die Mittel der Landesorganisationen in außer» ordentlichem Matze erfordern. Der internationale Sekretär wird beauftragt, eine ent» sprechende Vorlage den dem Bunde angeschlossenen Organi» sationen zu unterbreiten, über die die Abstimmung durch die Vor» stände der dem Bunde angehörenden Verbände zu erfolgen hat." Beer begründet diese Resolution in längerer Rede, in der er auf die Notwendigkeit eines Schutz- und Trutzbündnisses angesichts der von den Unternehmern aller Länder gegen die Ar- beiter angenommenen aggressiven Haltung hinweist. Zum Schluß fordert Beer, datz die organisierten Arbeiter der anderen Nationen, wenn sie nach England arbeiten kommen, in die englischen Gewerkschaften aufgenommen werden.— Die Resolution wird einstimmig und unter allgemeinem Beifall angenommen. Damit ist der dritte Verhandlungstag geschlossen. Der Abend vereinigte die Kongretzteilnehmer zu einer animierten geselligen Unterhaltung. Brüssel. 15. August.(Eig. Ber.) � Vierter BerhandlungStag. Der letzte Verhandlungstag galt der kurzen Durchberatung und Abstimmung der noch restlichen Anträge über die Aufgaben des Bundes, wobei der Antrag des Deutschen Metallarbeiterverbandes, der die statistischen Aufgaben, die Erhebungen über die Arbeits» zeiten und Löhne in der Metallindustrie, die Berichterstattung an den Sekretär und anderes festlegt, angenommen wurde, gleichwie die ebenfalls vom Deutschen Metallarbeiterderbande unterbreiteten Anträge über die Studienreisen und die Methode ihrer Durch» führung. Domes(Oesterreich) beantragte, dem Sekretär deS Bunde», Genossen Schlicke, ein Ebrenhonorar von 2000 M. für seine mühevollen Arbeiten zu bewilligen, was unter Beifall angenommen wird., Die Wahl de? Sekretär? Schlicke erfolgt auf Antrag Beer», nachdem die englische Delegation dem Vorgeschlagenen noch ihr be» sondereS Vertrauen bekundete, ohne Debatte. Bevor der Kongretz zur Abstimmung über die Bundesbeiträge schritt, gab die englische Delegation die Erklärung ab, datz sie bereit sei, einem Kompromitzantrag ihre Zustimmung zu geben, wenn er ihnen die Möglichkeit böte, bei ihren Mandatgebern für ihn eintreten zu können. Haak-Dresden beantragt darauf, den Kongretz zu vertagen. damit sich die verschiedenen Delegationen wegen eincS entsprechenden Antrages besprechen können. Bei Wiederaufnahme der Sitzung er- griff Genosse Beer das Wort. Es seien alle, sagte er, von dem lebhaften Wunsch durchdrungen, die bisherigen guten Beziehungen zu den englischen Arbeitern unver» mindert aufrecht zu erhalten. Man nehme daher da» aufrichtige Entgegenkommen der englischen Delegation mit Freude zur Kenntnis, und er proponiere, von dem gebotenen Kompromiß» Vorschlag Gebrauch machend, im Einvernehmen mit den übrigen Delegierten, die Beiträge an den internationalen Metallarbeiter» bund auf 15 Schilling pro 1000 Mitglkeder zu be» stimmen. Der nächste internationale Kongretz solle sich neuerdings mit der Beitragsleistung befassen und seine Entscheidung fällen.. Zur Proposition BeerS sprach für die englische Delegation H o d g e, der die Zusicherung wünschte, datz der nächste Kongreß keine Erhöhung der 1b Schillinge vornehmen werde. Haak- Dresden bemerkte dazu, datz ein Versprechen für einen künftigen Kongretzbeschlutz nicht möglich sei. ES handele sich einzig um die Annahme dcS heutigen KompromitzantrageS. Worauf Hodge erklärte, eS wäre nur ein Wunsch gewesen, die eng» tische Delegation werde für den Antrag Beer st i m m e n. Die Abstimmung ergab die einstimmige An» nähme, die mit freudigem Beifall» Hände» klatschen und Gratulationen aufgenommen wird. Auf aller Mienen und im gegenseitigen Händeschütteln drückt sich die Freude der Delegierten über die vollbrachte Einigkeit auS, die auch später von Davis im Namen der Engländer als ein alle erfreuendes Resultat der zum Teil durch die Differenzen beschwerten Verhandlungen bezeichnet wurde. Auch alle folgenden Redner betonten in ihren Danksagungen voll tiefer Befriedigung das ncubesiegelte herzliche Einvernehmen der organi» sierten Arbeiter Englands mit denen deS Kontinents. Davis schlug als nächsten Kongrctzort in launigen und herz- lichen Worten Birmingham vor, welchem Vorschlage der Kon- gretz zustimmte. ES erfolgten dann noch die Dankfagungen an die Präsidenten und die Uebersctzer, darunter eine überaus warme Ansprache der englischen Delegation, die nach den MeinungS- kämpfen doppelt erfreute, und eine Danksagung Schlickes an die belgischen Genossen. Zum Schluß faßten die Engländer die übrigen Genossen bei den Händen und sangen das schottische Lied:„Auld Long Syne" in der symbolischen geschlossenen Kette der inter» nationalen Arbcitervcrtreter, die auch diesmal in einer kritischen Situation von Meinungsverschiedenheiten sich bewußt wurden, daß sie zusammengehören in eine Phalanx gegen den geschlossenen Feind. linternationale Lewerülchaftsllongreffe. Stuttgart, 16. August. Nicht weniger als neun internationale BcrufSkongresse finden in dieser und nächster Wo-ye im Anschlutz an den inter- nationalen Sozialistenkongretz statt. Den Anfang machen die Tabakarbeiter, die bereits am Sonntag, den 11. d. Mts, im Stuttgarter Gewerkschaftshause zusammentraten. Am Montag vorsammelten sich für eine viertägige internationale Konferenz die Metallarbeiter in Brüssel. Die Internationale der Holzarbeiter hält ihren Kongreß vom heutigen Tage an in Stuttgart, und ebenfalls hier folgen ihr im Laufe der nächsten Tage die Maurer, die Schuhmacher, die Gemeinde» ar beiter, die Friseure, die Bäcker urtd die Hand» lungsgehülfen. Die Tabakarbeiter haben mit am längsten von allen Gewerkschaften internationale Beziehungen gepflegt. Bereits im Jahre 1871 traten die Tabak- arbeitergewerkschaften der verschiedenen Länder zu einem Kongreß zusammen; seit 1890 verfügen die Tabakarbeiter über eine inter- nationale Organisation, an deren Spitze der Sekretär JupterS, ffielßlcn fteljt. Vertreten sind auf dem diesjährigen Kongreß I und das ebenfalls englische Anschreiben gar nicht verlesen.(Heiter- " � � � � � � amerikanischen Holzarbeitershndikate waren nicht für den internationalen Verband zu gewinnen, obwohl der deutsche Verbandsvorsitzende Kloß-Stuttgart sie anläßlich einer Reise nach Nordamerika persönlich dafür warb. Die französischen Organisa- tioneu verlangten vielfach aus der Kasse der Internationale Unter- stüyungen für ihre Streiks. Nach dem Statut können diese aber nur bei besonders ausgedehnten und langandauernden Lohnkämpfen gewährt werden. Auch bei der Achtstundentagbewegung der fran- zösischen Holzarbeiter, der mittels der.direkten Aktion" am 1. Mai 1906 erobert werden sollte, hat das internationale Sekretariat materielle Beihülfe verweigert, weil es die Forderung, gestellt durch numerisch und finanziell so schwache Organisationen, nickt für durchführbar hielt. Die Beziehungen mit verwandten Berufen sind noch nicht recht geklärt. Die Wagenbauer wollen im September einen eigenen internationalen Kongreß nach Paris einberufen. Die Zimmerer verweigern ihren Zutritt zu der Union, weil sie sich nicht als Holzarbeiter ansehen. Ein Aufnahniegesuch der dänischen Korb- arbeiter in die Internationale wurde abgelehnt und ihnen der Rat gegeben, sich einem größeren Landesverband anzuschließen.— Leipart schließt seinen Bericht mit dem Ausdruck des Bedauerns. daß er nicht mehr habe leisten können; er habe aber die Arbeit für die Internationale nur nach Erfüllung seiner Aufgaben in der deutschen Organisation als Feierabendarbeit erledigen können. Die Aufrechterhaltung des Verkehrs und die Herausgabe der„Juter- nationalen Union" in den drei Kongreßsprachen dankt er Klara Zetkin, die auch auf dem heutigen Kongresse als Uebersetzerin dient; ihr spricht er die wärmste Anerkennung der Holzarbeiter- organisationen aller Länder aus.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion über den Bericht des Sekretariats gab zunächst T h o m s e n- Paris eine Erklärung für die Gieldfordc- rungen der französischen Gewerkschaften an die Internationale. Tie französischen Holzarbeiter litten seit Jahren schwer unter der Einwanderung rückständiger, gewerkschaftlich unerzogener, ja schlechter ausländischer Kollegen, insbesondere polnischer und russi- scher. Diese verlangten, wenn sie sich überhaupt an Lohnkämpfeu beteiligten, sofort Streitunterstützung, während die französischen Kameraden die Kämpfe auf eigene Kosten jedes einzelnen durchzu- fuhren bemüht seien und die notwendigen Entbeyrungen gerne trügen. Daher die großen Geldforderungen der französischen Ar- bciter an die Internationale. Auch hofften die französischen Holz- arbeiter, durch die Drohung mit der unbegrenzten, ungewissen inter- nationalen Hülfe die Kapitalisten leichter zur Nachgiebigkeit zu ver- anlassen. C a m p e n S-Gent dankt dem Deutschen Holzarbeiterverband für die 1000 M. Unterstützung, die dieser den Gentcr Holzarbeitern während chres I3wöchigen Streiks geschickt habe. Eine englische Gewerkschaft habe im Gegensatz dazu geantwortet, daß das Geld der Trades-Unions statutengemäß nur für Engländer zu verwenden sei.(Hört, hört!) Die Genter Holzarbeiter hätten durch diesen Streik eine Verkürzung der tOVistündigen Arbeitszeit um Vi Stunde und 2 Cents Lohnerhöhung pro Stunde erreicht, und erwarteten den gleichen Fortschritt für jedes der beiden nächsten Jahre. G o s s i p» London bedauert dieses Schreiben auf das tiefste und beteuert, daß es weder von ihm noch von seiner Gewerkschaft herrühre. Leider litten die englischen Arbeiter noch sehr unter nationalen Vorurteilen. Die Kapitalisten hättpn ihnen eingeredet. daß nicht die herrschende Wirtschaftsordnung, sondern die Konkurrenz der ausländischen Arbeiter an ihrer elenden Lage schuld sei. Allmählich breche sich aber auch in England die Erkenntnis Bahn. daß alle Arbeiter Bundcsbrüder und ihr einziger Feind der inter- nationale Kapitalismus sei.(Beifall.) Im übrigen zollt Gossip der eifrigen und glücklichen Tätigkeit LeipartS volle Anerkennung. M i k w i ck a- Wien berichtigt zunächst die Zahl von 7g 000 M.. die im Bericht als Ausgabe des österreichischen tzolzarbeitervcr- bandeS für Streikzwecke angegeben ist. Diese Summe umfasse nur die Ausgaben der Zentralkasse, die jedoch gering sein müßten, weil der österreichische Verband erst in allcrjüngster Zeit sich Prasser zentralisiert habe. Die meisten Streiklastcn hätten bisher die Lokal» kassen getragen. Im übrigen billigt Redner den Standpunkt de» Sekretars in allen Punkten. Er ist gegen die Selbständigkeit Wagenbauer, weil diese aus den Waggon- und Automobilfabri häufig fluktuierend in die Tischlereien zurückgegangen. Er kann sich auch für die französischen Sammellisten nicht erioärmen: Die „ungewissen" Erträge der Listen schrecken die Unternehmer viel weniger als sichere, große, gutgefüllte Kassen.(Sehr wahr!) Erst wenn diese vorhanden seien, lasse sich auch die internationale Soli- darität besser kräftigen, was allerdings auch dringend notwendig sei. Glocke- Berlin bittet gleichfalls die Franzosen und Belgier. bei voller Wertschätzung des Idealismus der Arbeiter sich doch für die großen Kämpfe der Zukunft aus festere Basis zu stellen als die Begeisterung und die Sammellisten. Gossip- London schließt sich dem durchaus an; nur heischt er Bewunderung für den Idealismus der französischen Arbeiter und Entschuldigung wegen der Ueberflutung durch ausländische Nichk unionisten. W e I t n e r» Budapest kann gar nicht verstehen, welchen Zweck die französischen Gewerkschaften eigentlich haben: Zeitungen geben sie nicht heraus, Beamte haben sie nicht und Streikunterstützung zahlen sie auch nicht. Solange die Ungarn Sammellisten gehabt hätten, hätten sie die Streiks verloren� jetzt, da sie sich unter den unerhörtesten Verfolgungen der Behörden geheim zentralisiert hätten, hätten sie glänzende Fortschritte gemacht.(Bravo!) T h o m s e n- Paris entgegnet, daß auch die französischen Go werkschaften ständig die Zahl der Mitglieder und die Höhe der Bei träge gesteigert hätten, und sich mehr und mehr dem englischen System des Trade-Unionismus angepaßt hätten. Aber es müsse eben dabei bleiben, daß die französtichen Arbeiter sich syndikalistisch und nicht föderalistisch organisierten. Jedenfalls würde er es sehr bedauern, wenn der Kongreß auseinandergehen würde, ohne feste Regeln für die internationale Unterstützung aufzustellen. Nachdem noch A r b o g a st- Paris in ähnlichem Sinne ge- sprochen, wird der Bericht des internationalen Sekretärs samt dem Kassenbericht genehmigt und die Weiterverhandlung auf morgen vertagt._ Deutschland durch 12 Delegierte. Belgien und Holland durch 2. Dänemark, Schweden, Oesterreich, die Schweiz und England durch je einen. Die deutschen Delegierten vertreten 33 009 Mitglieder, die ausländischen Delegierten annähernd 19 000 Mitglieder. Das Stimmenverhältnis wird nach Uebereinkunft so geordnet, daß Deutschland 17, die übrigen Staaten zusammen 18 Stimmen er- halten. Zu Vorsitzenden werden D e i ch m a n n- Deutschland tBremen) und M ö l I e r- Dänemark gewählt. Der erste Tag Ivird mit der Berichterstattung des internationalen Sekretärs ausgefüllt, der auf den Zutritt Oesterreichs und der Schweiz zum internationalen Tabakarbeiterbunde hinweisen kann. Von deutscher und holländischer Seite wird seine agitatorische Tätigkeit noch als unzureichend bemängelt. Oesterreich erklärt seinen Beitritt zur internationalen Union, bittet aber, ihre Statuten so auszugestalten, daß auch die Regiearbeiter Interesse und Vorteile bei ihr hätten. Am zweiten Verhandlungstage er- statten die Delegierten der verschiedenen Länder Bericht über ihre nationale Tabakarbeiterbewegung. D e i ch m a n- Bremen teilt mit, daß trotz zahlloser Lohnkämpfe, durch die der Verband den deutschen Tabakardeitern ein Lohnmehr von 4 Millionen erkämpft habe, ihre materielle Lage die denkbar traurigste sei. Als Ursache nimmt er die Verlegung der Fabriken auf das Flachland, die Heim- arbeit und die ständig wachsende Belastung des Tabaks durch Zölle und Steuern an. Die Zahl der deutschen organisationsfähigen Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen beträgt 120 000; davon sind im deutschen Tabakarbeiterverband organisiert 35 752, etwa 3000 in dem ebenfalls der Generalkommission angeschlossenen Sortimenter- verband, 5000 im christlichen und ungefähr 1200 im Hirsch-Duncker- schen Tabakarbeiterverband.— Plattermann- Oesterreich berichtet, daß von den 30 Regiefabriken der erst 1904 gegründete Ver- band bereits auf 20 festen Fuß gefaßt habe. Große Schwierig- leiten bereiteten ihm die Sprachverfchiedenheit und der Umstand, daß von 39 000 Tabakarbeitern 34 000 Frauen find. Gleichwohl habe der Verband Lohnaufbesserungen erzielt und sei auf dem besten Wege zum Achtstundentag.— B r u e n S- Holland macht Angabs über die allmähliche Ueberwindung der anarchistischen Ge. werkschaften durch die seine.— C o o p e r- England beklagt, daß die Zigarette immer mehr die Zigarre verdränge und daß der amerikanische Trust den ganzen englischen Markt beherrsche. Da- durch hätten sich die Verhältnisse der Arbeiter bedeutend ver- schlechtert.— Stickeln- Schweiz berichtet ebenfalls über große Schwierigkeiten, denen die Organisation in seinem Lande begegnet. Die Sektion Luzern zähle unter 15 Mitgliedern 8 verschiedene Sprachen.— Am dritten Tage wurden die Berichte der Landessektionen fortgesetzt. Möller- Dänemark berichtet, daß 95 Proz. aller dänischen Tabakarbeiter organisiert sind; den Nichtorganisierten Rest bilden Heimarbeiter. Das gute Organisationsverhältnis hat bewirkt, daß die Löhne auf dem flachen Lande nicht niedriger sind wie in Kopenhagen: daher nütze den Fabrikanten die Verlegung der Fabriken nichts. Die Fabrikanten hielten sich durch Vermehrung der Frauenarbeit und des ZigarrenimportS schadlos.— lieber Schweden berichtet Kiundstrand: Die Zahl der Tabak- arbeiter betrage etwa 4000; im Verband find 2000; auch die Kau- tabak- und Schnupftabakarbeiter gehören jetzt zum Verbände. Nach einem Siege über den Fabrikantenverein betrage der Minimallohn 8 Kronen. Die Heimarbeit sei so gut wie verschwunden.— JugterS- Belgien berichtet: Die Zahl der in der Branche bc- schäftigten Arbeiter beträgt etwa 10 300, davon 3000 weibliche Arbeiter; außerdem gibt eS zirka 2000 Zigarettenarbeiter und 300 Lehrlinge. Die Zahl der Verbandsmitglieder beträgt 2500, hat also für Belgien eine sehr respektable Höhe erreicht.— Am Nachmittag stand ein Antrag der schwedischen Sektion zur Debatte zwecks Einführung von obligatorischen Unter» Stützungen bei Arbeitseinstellungen und Au»- schlüssen in allen Organisationen, welche der Internationalen Vereinigung beigetreten sind. Den Antrag begründete Kiundstrand mit dem Hinweis auf die Jnternationalität der Trust» und die Unzulänglichkeit der frei- willigen Beihülfen. Dem Antrag wurden von mehreren Seiten Bedenken entgegengestellt. Die Holländer wollten ihn nur für Ab- Wehrstreiks gelten lassen, die Engländer erst nach ausreichender Kräftigung der nationalen Sektionen. Angesichts der MeinungS- Verschiedenheit wurde die Abstimmung vorläufig ausgesetzt. Internationaler Holzarbeiterkongreß. Als zweiter der in Stuttgart tagenden internationalen Ge- Werkschaftskongresse traten heute vormittag die Holzarbeiter zu- sammen. Vertreten sind der Deutsche Holzarbeiterverband(zehn Delegierte), der Zentralverein der Tapezierer, der Bildhauer- und der Verband der Schiffszimmerer Deutschlands(je 1), der Holz. arbeiter Oesterreichs(3). der Schweiz und Frankreichs(je 2), Belgiens. Dänemarks, Englands, Rumäniens. Schwedens, Ser- biens, Spaniens und Ungarns(je 1 Delegierter), insgesamt zwölf Länder durch 27 Delegierte. Entschuldigt fehlen von der Inter. nationalen Hol�arbeiterunion Italien, Holland und Luxemburg. Von NichtMitgliedern des Verbandes ist nur der Verband öfter- reichischer Bildhauer durch den Delegierten deS deutschen Bruder- verbandeS Dupont-Berlin vertreten. Der internationale Sekretär Leipart» Stuttgart, der zweite Vorsitzende des Deutschen Holz. arbeiterverbandeS, eröffnet den Kongreß mit einer Begrüßungs- anspräche; er stellt den ersten internationalen Holzarbeiterkongreß, der genau am gleichen Tage vom 16 Jahren in Brüssel zusammentrat, mit der heutigen ersten internationalenKonferenz auf deutschemBoden in Vergleich. Den Hauptfortschritt erblickt er in der EntWickelung von bloßen Kongressen zu einer festen internationalen Organisa- tion. als deren Generalversammlung sich die heutige Tagung dar Gasanstalt Tegel 6,80. Liste 671 Gasanstalt Tegel 15,35. Liste 452 Zenlralmagazin 5,65. Liste 462 Röhrensystcm 4,40. Liste 556 Kanalisation —,75. Liste 640 Kanalisation 1,40. Liste 492 Bauverwaltung 3,80. Liste 714 Riescljelder 4,35. Liste 716 Rieselfelder 1,85. Liste 475 Wasserwerk Berlin 9,85. Liste 494 Wasserwerk Berlin 7,55. Liste 506 Wasserwerk Berlin 5,95. Liste 522 Wasserwerk Berlin 3,35. Liste 536 Wasserwerk Berlin 8,75. Liste 684 Wasserlverk Berlin 9,80. Liste 573 Wasserwerk Tegel 5,60. Liste 574 Wasserwerk Tegel lt,73. Liste 667 Engl. Gasanstalt, Gitschmer- straße 8,55. Liste 497 Straßenreinigung 5,80. Lifte 493 Strasienreiuigung 2.65. Liste 538 Strabenreinigung 3.25. Liste 583 Straßenreinigung 4,85. Liste 600 Straßenreinigung 6,05. Liste 479 Schlacht- und Viehhof 6,55. Liste 483 Schlacht- und Viehhof 3,00. Liste 585 Revier-Jnspeltionen 7,33. Liste 579 Revier-Jnspekt. 7,60. Liste 585 Revicr-Jnspekt. 2,60. Liste 592 Revier-Jnspekt. 10,35. Liste 601 Revier-Jnspeltion 8,55. Liste 503 Siechen- Haus Pallisadenstratzc 1,85. Liste 702 Krankenhaus Urban 14,60. Liste 712 teilstälte Lichtenberg 6,—. Liste 544 Steinplätze 8,20. Liste 588 harlottcnbmg 3,15. Liste 589 Charlottenburg 0,50. Liste 468 Lichtenberg 1,35. Liste 471 Lichtenderg 1,90. xchte 604 Schöneberg 5,70. Liste 605 Schöneberg 1,20.(Zusammen 263,60.) Liste 8308 der Former der RiieSwerke 15,85. Kollegen der Schneiderwerkstatt Benedikt 20,—. Ges. bei Raden, Zorndorferslr. 8 2.—. Von den Genossen des 345. Wahlbezirks. UebeAchuß der Motorbootsjahrt 7,55. Verband der Lederarbeiler Sektion I Berlin(Weißgerber und Färber) 100,00. Verband der Huimacher, 2. Rate 100,—. Geiverkschaslskartell Elbing 50,—. Verband d. Maschinisten u. Heizer, Zahlstelle Lber-schöneweide 20,—. Von den Formern im..Cyklop" 13,25. Listen 2435, 2436, 2437, 2438, 2439, gesammelt in den NilcZ-Werten 92,20. Liste 175, ges. bei Pauly u. Binner, Luxuspapiers abrik 6,85. Summa 1320,05. Bereits quittiert 3683,78. Eingegangen intgefamt 5003.78 M. Im Bericht vom Sonnabend, den 10. August, 3. Zeil«, heißt es: Witwe S u ck e l 5,— und nicht Witwe Lücke. Weitere Beiträge werden entgegengenommen. Gelder, welche mittels Post eingesandt werden, sind zu richten an: A. K ö r st e u. 80. 16, Engel-Ufer 15, I. Der Ausschuß der Berliner Gcwerkschaftskomulissioa. stelle. werden hierauf konstituiert sich der Kongreß: Zu Vorsitzenden Z e i p a r t- Stuttgart und Gossip- London, zu Schrift- führern Richter» Wien und Arbogast- Paris gewählt. Den Bericht des internationalen Sekretärs erstattet Leipart- Stuttgart. Er geht aus von dem letzten, dem 3. internationalen Holzarbeiterkongreß in Amsterdam 1904, auf dem die Union beschlossen und das Sekretariat dem Deutschen Holzarbeitervcrband übertragen wurde. Seitdem sind der Union 26 Verbände beigetreten, die zusammen über eine Viertelmillion Mitglieder zählen, von denen allein auf den Deutschen Holzarbeiter- verband über 150 000 entfallen. Die Gesamtzahl der Ortsgruppen übersteigt 2000 um ein bedeutendes, die Beiträge der Mitglieder in den einzelnen Verbänden sind sehr verschieden, sie schwanken zwischen 11 Centimes pro Vierteljahr(Spanien) und 1«K. 4 ck. pro Woche(Englischer Möbelarbeiterverband). Die Gesamtein- nahmen der Verbände betrugen 8 Millionen Frank, wovon 4� Millionen für Unterstützungszwccke wieder ausgegeben wurden, darunter 2Va Millionen für Streikunterstützung. Auch von dieser Summe entfällt der weitaus größte Teil, über 2 Millionen, auf den Deutschen Holzarbeiterverband. Die Zahl der Streiks und Aussperrungen betrug im Jahre 1906 in den beteiligten Verbänden zusammen 1081, und 58 417 Mit- glicder waren insgesamt daran beteiligt. Von diesen Kämpfen wurden 647 mit vollem Erfolg, 171 mit teilweisem Erfolg beendet, während 215 verloren gingen. 12 Verbände verfügen über einen oder mehrere besoldete Beamte, deren Gesamtzahl 151 beträgt. Davon sind 50 in der Zentrale angestellt, 23 sind Bezirksbeamte und 78 OrtS- beamte. � Die diesem Bericht gleichfalls beigefügte Abrechnung des Kassierers der Internationalen Union weist für die verflossenen drei Jahre eine Gesamteinnahme von 5732,91 M. aus, welcher eine Ausgabe von 4318,19 M. gegenübersteht. ES ist somit ein Kassenbeftand von 1414,72 M. vorhanden. Die Tätigkeit des Sekretärs bestand hauptsächlich in der Herausgabe der 13 Num- mern der„Internationalen Union", des Organs für die Inter- nationale der Holzarbeiter, die der Uebermittelung der Berichte der einzelnen Landesorganisationen an alle anderen, und in der Vcr- Mittelung von Streikunterstützung. Seine Bemühungen, die eng- lischen Gewerkschaften der Holzarbeiter in größerem Maße für die Union zu gewinnen, sind gescheitert. Der größte englische Verband, der der Tischler und Zimmerer, antwortete mit der Bitte, ihm doch einmal in e n g l i s ch e r Sprache den Zweck der Union auseinander- zusetzen; man hatte dort also offenbar das englisch verfaßte Zirkular Em Induftne und Handel» Zwei Urteile über die Wirkung der Lebensmittelverteuerung. In den Preußischen Jahrbüchern(Heft L, August 1907) unter» sucht Dr. Karl Schürmann das Verhältnis zwischen Lohnerhöhung und Lebensmittelteuerung und kommt zu dem Resultat, daß die im letzten Jahre erzielten Lohnerhöhungen im allgemeinen hinter der Lebensmittelverteuerung zurückbleiben. Genosse Richard Calwcr glaubt in feinem„Wirtschaflsjahr 1906' zu können. Doch stellen wir zunächst gegenüber: das Gegenteil konstatieren die beiden Urteile einander fiii'«lle streikenden und ausgesperrten Cabakarbciter gingen ferner bei der Berliner GewerkschaftSkom» Mission ein: Liste 138. 139, 140. 141, 142 Tischler bei Zelder u. Plathe» 36,55. Liste 2318 Kall. b. Kimbel u. Friedrichsen, Tischlerei 9,90. Verband der Leder- arbeiter Berlin II, Lohgerber u. Zurichter 50,—. Liste 2196 Personal der Falzerei Ullstein u. Co. 29,75. Von d. Arb. bei FuchS u. Müller, technische Hartgummisabrik 6,—. Liste 167 Koll. d. Buchbinderei v. Seimar Bayer 12,15. GewerkschastSkartell NowaweS, 1. Rate, aus Listen und zwar: Orts- verein d. Buchdrucker Neu-BabeiSberg 2l,60, Kupserschmiede 15,—, Schmiede 10,—, Maler 10,—. Transportarbeiter 5,—, in Summa 61,60. Von den Arbeitern der Schuhfabrik von Müller u. Schlizwig 10,—. Modelltischlerei von Moidenhauer, Ackerstr. 50 10.—. Klempner b, Uthendörser u. Hagedorn 2,—. Durch A. G. uifprüngl. in Kassel sür die Berliner Wäiche- Näherinnen gesammelt 3,50. Deutsche Wafiensabrik, Abt, Gersdorf, aufgelöste Groschenkasse 7,55. Liste 2485 Meiallarb, d. Firma Zemlin ll,35, Liste 174 Personal der LuxuSpapiersabrik Kreslowsky u, Co, 18,15, Liste 164 von den Prcssern b, Selniar Bayer 9,20. Liste 157 Buchbinderei bei Ullstein u. Co, 13,20, Listen 145 und 147 Koll. b, Otto Müller, Brennersabrtk 34,20. List- 143 durch K, Ketzler 14,80. Liste 144 durch Walter 5,60. Liste 146 Koll, b. Lade, Möbelfabrik, Rixdors 11,75, Liste 2481 Polierer u. Vcrgolder bei Raschig 15,05. Von den Tischlern b, Hecht, AndreaSstr. 32 20,—, Liste 154 v, d, Kontobucharbeitern u, Arbeiterinnen a, d. Neuen Jakobstr, 18 10.—. Listen 1760, 1761, 1762 Verb, d, Kürschner. Zahist, Berlin 41,35, Liste 2484 Metallarbeiter b, Ehcstädt u, Robert 11,75. Personal der Buch- druckcrei H, S, Hermann,»3, Rate 116,85. Liste 1747 Meiallarb, b, Wolff, Voltastr 33 22—. Liste 169 Buchbinderei H. Jakobi 4,80. Kollegen der Tischlerei v. Marquardt 10,—. Von den Beschästigien b. Kahnt, Stralau 11,—. Liste 1011 ges. durch Hosmann 8,70. Verband der Gemeinde- und StaatSarb, 1. Rate auf Listen: Liste 546 Gasanstalt Müllerstrahe 6,60. Liste 548 Gasanstalt Müllcrstrahe 3,55. Liste 561 Gasanstalt Müllerstrahe 7,25. Liste 488 Gasanstalt Danzigerslrahe 6,50. Liste 533 Gasanstalt Danzigerstrah« 6.70. Liste 562 Gasanstalt Danzigcrftrahe 6.40 Calwer: In welchem Grade das Arbeiter- einkommen gewacksen ist, das ist auch nicht annähernd zu schätzen. Soviel dürste aber behauplel werden, daß es im Jahre 1906 überaus lrästig gewachsen ist. ein- mal durch die starke Zunahme der Arbeitsgelegenheit, iodann aber auch durch die Steigerung der Lohnsätze.... Die Steigerung des Kosten- ausivandes für die Ernährung ist danach in keinem Jahre seit 1900 so stark gestiegen wie 1906: die Steigerung betrug 53.56 M. oder rund nicht ganz 5 Prozent. Es sind aber nicht nur die Ausgaben sür Ernährung, sondern auch für Kleidung und Wohnung gestiegen, so daß insgesamt eine recht er- hebliche Verteuerung der Lebens- Haltung eingetreten ist. Daß der Konsum aber quantitativ ab- genommen hat, ist nicht im ge- ringsten anzunehmen. Er dürfte im allgemeinen vielmehr auch 1906 eine nicht unerhebliche Stei- genmg erfahren haben. Dos wird auch dadurch nicht geändert, daß der Fleischverbrauch abgenommen hat.... Alles in allem Hot trotz einer Reihe recht ungünstiger Er- scheinungen auch im Jahre 1906 der Konsum noch krästig. wenn auch vielleicht nicht so stark wie im Jahre 1905 zugenommen. Dieses Ergebnis ist sehr wichtig für die weitere Gestaltung der wirtschaftlichen Konjunktur im Jahre 1907. Wichtig ist aber da- sür insbesondere, daß die Kauf- krast der Arbeitermassen im Jahre 1906 keineswegs abgenommen. sondern gleichfalls trotz der Warenpreissteigerung eine merkliche Zu- »ahme erfahren hat.... Dabei muß noch betont werden, daß Schürmann die erzielten Lohnsteigerungen höher einschätzt als Calwer. Letzterer glaubt als besonders beweiskräftiges Moment für sein Urteil die vom Zentral- verein für Arbeitsnachweis in Berlin zusamniengestellten Lohn- nachweise anführen zu können. Er schreibt: Stellt man diese Lohn- listen ftir die Jahre 1905 und 1906 zusammen, so ergibt sich, wieviel Arbeiter in den einzelnen Lohnstufen eingestellt sind: 1905 1906 von 100 Arbeitern von 100 Arbeitern Arbeiter erhielten neben- Arbeiter erhielten neben- stehenden Lohn Dr. Schürmann: Eine sehr bedauerliche Erschei« nung bei der augenblicklichen Lage ist ferner, daß trotz der großen Opfer der Unternebmer die Arbeiter mancher Industrie- zweige eine Besserung ihrer wirt- schaftlichen Lage, die zu jenen Opfern im rechten Verhältnis steht, nicht erreicht haben. Die Lebensmittelverteuerung und die stetige Steigerung der WohnungS« mieten haben eben den Mehr« verdienst nicht nur absorbiert. sondern in einzelnen Fällen auch keinen Ausgleich ermöglicht. Wenn dieses schon von dem allgemein besser gestellten Industriearbeiter gilt, der sich durch seine erhöhten Lohnforderungen einigermaßen schadlos gehalten hat, so muß die Frage ausgeworfen werden, ob stch die wirtschaftliche Lag« der- jenigen, welchen eine Einkommens- erhöhnng unerreichbar war, namentlich der Heimarbeiter nicht verschlechtert hat. All dieses ist ein Grund zu der Befürchtung, daß die Unzufriedenheit de« Ar- beitnehmers. welcher die Sachlage nur einseitig von seinem Stand- Punkt aus beurteilt, trotz de» besseren Verdienstes und der ver- kürzten Arbeitszeit noch größer geworden ist. Mehr als von dem Standpunkte des Arbeiters sollte aber die hier behandelte Le- ivegung vom Standpunkte de» Unternehmer» und unserer ae- sanüen Industrie Anlaß zu ernst» Betrachtung geben. Lohnsatz pro Woche Mark 8—10 11-12 13-14 15-17 13-20 21 u. mehr Monats- lohn u. freie Station 726 2766 7 045 2 590 8135 18 234 2 615 7 17 6 10 43 6 163 1658 9 225 1 308 7 634 20 830 2 636 stehenden Lohn 0 4 22 3 17 48 Insgesamt 42 III 100 43 463 100 Dazu bemerkt Calwer weiter: „Für die ungelernten Arbeiter zeigt sich 1900 eine recht günstige Verschiebung... Wir können uns dem Urteil nicht anschließen. Ermittelt man. unter Zugrundelegung der Höchstlöhne der einzelnen Gruppen, für die gesamten Lohnsummen für die Zahl der dann ergibt sich folgendes Resultat: 1905 1906 die 7. Gruppe 25 M., angegebenen Arbeiter, Arbelterzahl Gesamtlohn für eine Woche Durchschnitt...... 42111 43 463 M. M. 794 101 829 064 18.86 13,85 Da sieht man, wie leicht Zusammenstellungen auf den ersten Blick täuschen können. Zweifellos beweist die Aufstellung CalwerS, daß sich für einzelne Personen daS Einkommen verbessert hat. Aber man darf nicht übersehen, daß die dritte Gruppe mit niedrigen Lohn- sätzen für 1906 eine größere Zahl aufweist als da» Vorjahr, und andererseits die Gruppen mit 14 und 17 M. Wochenhöchstlohn weniger Arbeiter zählen. Faßt man sämtliche Gruppen als Einheit Liste SS3 Gasanstalt Tegel 4,10. Liste L64 Gasanstalt Tegel"il.55." Liste 565 1 zusammen, dann ergibt sich im Verhältnis zur Kopfzahl kein höheres Einkommen, aber die Ausgaben für Lebensmittel sind gewachsen; wie Calwer unterstellt, um annähernd S Proz. Wie kanu man da von einer kräftigen Zunahme des Konsums reden? Auch die anderen von Calwer in seinem Buche angeführten Lohnsteigerungcn recht- fertigen in keiner Weise sein Urteil. Huö der frauenbewegimc� Sofortige Einführung des politischen Franenwahlrcchts. Die französischen ParlamcntSwahlen ISlB hatten in Frank. reich bei den Reaktionären den Gedanken ausgelöst, ihre Posirion zu festigen und zu stärken durch Verleihung des Wahlrechtes an die Frauen. Der Gedanke, daß durch die Gewährung des Wahlrechtes an die Frauen zunächst die Reaktion Vorteil ziehen werde, ist ja nicht allgemein von der Hand zu weisen, woraus sich auch die Re» serve gegenüber dem Frauenwahlrecht erklärt. Die Pariser„Revue Eocialiste" ersuchte eine Reihe bekannter Sozialisten, ihre Meinuilg über die Frage der eventuellen sofortigen Einführung des Frauen- Wahlrechts zu äußern. Das Ergebnis der Enquete ist als Anhang der von Clara Zetkin verfaßten Broschüre„Zur Frage des Frauen- Wahlrechts" beigefügt. Unter den Befragten ist auch Genosse Kautsky, dessen Autwort hier auszugsweise wiedergegeben wird: ... Seitdem die Bourgeoisie zur herrschenden Klasse geworden ist, im wesentlichen alles erlangt hat, was sie braucht, ist ihre Politik nur noch Augenblickspolitit, Gegenwartspolitik. Es ist für sie zwecklos geworden, eine ferne Zukunft vorzubereiten und danach ihre Politik in der Gegenwart einzurichten. WaS sie nicht sofort erreicht, das gilt ihr für verloren. Die Politik aller bürgerlichen Parteien ist daher insofern dieselbe, als jede von ihnen vor allem danach trachtet, augenblicklich die politische Macht zu gewinnen.... Auf diese gleiche bürgerliche Auffassung läuft aber die Anfrage hinaus, die an mich gerichtet wurde, ob wir für das Frauenstimm- recht auch dort sein dürften, wo es den Konservativen die Mehrheit verschafft. Und doch hat die Politik des Proletariers nicht bloß in den Zielen, sondern auch in den Mitteln einen ganz anderen Charakter zu tragen, als die Politik der Bourgeoisie.... Dadurch erhält die Politik des klassenbewußten Proletariats einen prinzipiellen Charakter, den die Politik der Bourgeoisie schon längst verloren hat. Für die bürgerlichen Parteien sind ihre schönen Prinzipien nichts als hohle Prunkstücke geworden, ausgestellt, um das naive Publikum anzulocken; sie haben keinen inneren Wert und man wirft sie als Plunder weg, wenn sie unbequem werden. Für das Proletariat dagegen ist die Leitung durch wissenschaftlich sicher begründete hohe Ziele, denen eS unverrückt zustrebt, eine praktische Notwendigkeit seines Kampfes. Ohne diesen„starren Dogmatis« muö", diese„Orthodoxie" verliert es sich in Einzelheiten, in Um- wegen und Irrwegen und wird es eine Beute bürgerlicher Reform- schwindlcr, die es plündern und ärmer am Wege zurücklassen, als es vordem gewesen war. Der Verrat der eigenen Prinzipien, der für die bürgerlichen Parteien ein Lebensclement geworden ist, wird für eine proletarische Partei ein Element der Schwache, wenn auch kurzsichtige„Politiker" damit unter Umständen einen momentanen Erfolg erzielen mögen. Die Notwendigkeit einer prinzipiellen Politik für unsere Partei oil� auch von Fragen des Stimmrechts. Dieses hat für das Prole- tariat eine ganz andere Bedeutung als für die Bourgeoisie. Für die lehtere ist es ein Mittel, die unteren Volksklassen politisch aus- zubcuten, sie sich dienstbar zu machen, um mit ihrer Hülfe die Mehr- heit im Parlament und die politische Macht zu erlangen. Wie groß auch die Differenzen unter den bürgerlichen Parteien sein mögen, keine tastet die Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft an. Jede ändert bloß in einigen Details, jede kann sicher sein, wenn sie heute die Mehrheit im Parlament verliert und daher die Regierung ab- gibt, daß damit die Grundlagen ihrer Ausbeutung nicht bedroht sind, daß ihr die Möglichkeit offen steht, wieder zu erstarken und nochmals das Staatsruder in die Hand zu bekommen. In England ist die Aufeinanderfolge konservativer und liberaler Ministerien förmlich eine politische Notwendigkeit geworden. Das eine bereitet den Weg für das andere vor. Sie beugen sich daher ohne weiteres vor der Majorität der Wähler und der Gewählten. Anders dagegen liegen die Verhältnisse für die Sozialdcmo- kratie. Das Proletariat kann nicht zur Herrschaft kommen, ohne aller Klassenherrschaft ein Ende zu machen. Die Sozialdemokratie kann nicht die politische Macht erlangen, ohne Zustände zu schaffen, die der Bourgeoisie— natürlich der Klasse, nicht den Individuen— für immer ein Ende machen, jede Wiederkehr der bürgerlichen Parteien ausschließen. Das Schaukelspicl des Auf und Nieder dieser Parteien nimmt also ein gründliches Ende, sobald die Sozialdemo- kratie zur Macht gelangt, und damit hört auch der Parlamcntaris- mus im bürgerlichen Sinne auf.... Der Parlamentarismus und das allgemeine Stimmrecht kommen für das Proletariat zunächst nicht in Betracht als das Mittel, die politische Macht zu erobern, sondern vor allem als Mittel, Arbeiterklasse, Staat und Gesellschaft für diese Eroberung vorzubereiten und tauglich zu machen. Es gilt, das Proletariat von der Gefolgschaft der bürgerlichen Parteien loszulösen,«S zu einer selbständigen Klassenpartci zu organisieren, es mit Klarheit über das Wesen der bürgerlichen Gesellschaft, ihre Entwickelung und seine daraus folgenden historischen Ausgaben zu erfüllen, ihm Mut und Selbstvertrauen zu geben, alle Konzcssionen der bürgerlichen Gesellschaft im Interesse des Proletariats zu entreißen, die ihr zu entreißen sind, und zugleich der Masse der Bevölkerung die Zu- verficht beizubringen, daß der kämpfende und aufgeklärte Teil des Proletariats allen Aufgaben gewachsen ist, die ihm in der Politik erstehen. Alles das kann nicht in möglichst vollkommener und umfassender Weise geschehen ohne das allgemein« Wahlrecht— und nicht minder wichtig ist das gleiche, direkte und geheime Wahlrecht. Auch dies kommt zunächst nicht als Mittel in Betracht, die volitische Macht zu erobern, sondern als Mittel für die kämpfenden Proletarier, sich zu zählen, ihre Macht und deren rasches Anwachsen zu erkennen und der gesamten Bevölkerung klar vor Augen zu bringen. Als Mittel, die Kraft und Begeisterung der proletarischen Massen durch die Wahlsiege anschwellen zu lassen und die Gegner unter Umständen zu Konzessionen zu drängen, die nach deren Meinung der Sozial» demokratie den Wind aus den Segeln nehmen sollen, aber nur in anderer Weise dazu beitragen. Kraft und Selbstbewußtsein deS Proletariats zu steigern... Und darum muß unsere Partei unter allen Umständen und Situationen, wie immer sich die politischen Machtverhältnisse dadurch gestalten mögen, auf das entschiedenste für das allgemeine und gleiche Wahlrecht als ein LebenSelcment der Arbeiterklasse eintreten, es verteidigend, wo eS gesährdet, für seine Gewährung kämpfend, wy es versagt ist. Wenn man von diesem Standpunkte aus das Frauenstimmrecht betrachtet, kann unsere Antwort nicht schwer sein, namentlich, wenn man»och die Bedeutung erwägt, die die Frau für den proletarischen Klassenkampf gewinnt..... ,,n Gewiß droht die Gewährung deS Frauenstimmrechts zunächst dem Pfaffcntun� einige Mandate zuzuschanzen. Aber gerade das beweist die Notwendigkeit einer energischen sozialistischen Propa- ganda unter den Frauen, die selbst wieder durch das Frauenstimm- reckt am meisten erleichtert, am stärksten angestachelt wird. ES heilt nicht bloß die Wunden, die es selbst geschlagen, es entfesselt neue, riesige Kräfte im Körper deS Proletariats. Solange das Frauenstimmrecht nicht besteht, da betrachten viele Genossen noch die sozialistische Propaganda unter den Frauen al» eine Art Sport oder Luxus, den sich die Partei gestatten darf, wo sie Ueberfluß an Kräften hat. nicht als eine Lebensbedingung, der um jeden Preis zu genügen ist. Man lasse nur einmal das Frauen- stimmrecht wirken, man führe nur einmal die Möglichkeit herbei, daß ein proletarischer Wahlkreis durch proletarische Frauenstimmen verloren gehen könne, und man wird sofort merken, wie die sozialistische Propaganda unter den Frauen als dringendste Not. wendigkeit empfunden wird, wie jeder Parteigenosse, und dächte er über die politische Begabung der Frau wie der ärgste Philister, stch eifrig bemühen wird, unter seinen weiblichen Familiengenossen Interesse und Verständnis für den Sozialismus wachzurufen. Mag das Frauenstimmrecht uns zunächst hier und da einen Wahlkreis kosten. Schließlich bedeutet es eine unendliche Ver- stärkung der proletarischen Armee und der Wucht ihres Angriffes. Die politische und ökonomische Gleichstellung von Mann und Weib ist ein tiefgcwurzelter Grundsatz des Sozialismus. Und die Praxis des Klassenkampfes heißt uns nicht, diesen Grundsatz in der Gegenwart stellenweise preiszugeben, sondern ihn unter allen Um- ständen aufs kräftigste versechten. Die prinzipielle Polisik erweist sich auch hier schließlich als die praktischste, erfolgreichste Politik— wenn man die Dinge vom Standpunkt des revolutionären Proletariats aus betrachtet. Wetter- Prognose für Sonnabend, de« 17. Slngnst 1907. Bei rnä feinen westlichen Winden am Tage etwas wärmer; vlelfach heiter, aber veränderlich, zeitiveife leichte Rlederfchläae. Berliner Wetterbureau. ifiir neu Julian acr Jinerair übcniiiiiiiii die Rrdatiiv» drin Publitiim araruiiber keinerlei "Zieraniluareiinft. Cbcarer. Sonnabend, den 17. August. Anlaiig 6 Uhr. Neues kiiiiigl. Operntheater. Traviae». DciU'ckes. Robert und Bertram. Ansang 7>/, Uhr. Kammersplele: Frühlings Er- wachen. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lesiing. Nosenmontag. Saliner«.(WnUlier-Tdealer.) Die Jüdin. Schiller.V.(Friedrich Wildelm« slädlücke» Theater.) Der Weg zur Hölle. Ncucö Schauspielhaus. NafsleS. Neues. Der Dieb. Komische Oper. Hossmanns Er- zählungen. Westen. Die lustige Witwe. !? n st U> i r I da»«. Husarcuficber. Bernhard Rose. Der grofee Un- bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Zentral. DaS Tagebuch einer Verlorenen. Kleines. Vater und Sohn. Nrsidenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Triano». Fräulein Jofette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs- Uhr> Onkel. wtctropol. Der Teusel lacht dazu. ülvollo. Der HochzeitSgast. Epe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folics Caprice. Geistcrauto.— Paris. Ansang S'j, Uhr. Gebr. Herrnfeld. Madame W!g- Wag. Es lebe das Nachtleben. Reichshalle». SIeltiner Sänger. Passage. Spezialilätcn. Urania. Tnudrniiraste SK/jn. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zun» Watzmann. Sternwarte, Jnvalidenstr. 87/82. Ferdiiiand Koniifl Berliner Theater. Sonnabend, 17. Aug., abends 8 Uhr: Die taraiee irntien. Sonntag und folgende Tage: vis tanzenden.Tlllnnvhcn. Kleines Thealer. Anfang 8 Uhr. Unter und Sohn. Morgen und folgende Tage: Batcr und Sohn. Ttleater des Westeus. Abends 8 Uhr: Die luMtlge Witwe. Operette in 3 Atton o. Franz Lehär. Ii MfWMsiM »ot. Frantsiirterstr. 132. Im Garten, Ans. ill, Uhr: Das glänzende August.Programm. Sperrsitz 50 Pf. Entree 30 Pf. Im Theater abends 3'/, Uhr: vs? groOc Unbekannte. Sommerpreise. Sonntagnachm. 3 Uhr im Theater Sherloc» Holmes. 8l!Wös-Tliös!sl 0. (W a l l n e r- T h e a t e r.) Morwitt-Oper. Sennabend, abend» 3 Uhr Die Jüdin. Sonntag, uart) m. 3 Uhr bei halbe» Preisen: Undlnc. Sonntag, abends 8 Ubr: Abschiedsvorstellung Lsrtruii Runge; Carmen. Montag, abends 8 Ubr: Gastspiel Heinrieb RUIcI: Martha oder: Der Markt zu Richmond. üteiropolTheaier Anfang 8 Uhr. Schiller-Theater N. Frledrich-WilhelmsUdtieches Theater. " Der weg zur Költe. �.ustspisllisiisa Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. ttr.— 8Uhr Direklton: Richard Alexander. Sonnabend, 17. August: «sbsnSiö nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequin und Pierre Veber. leolr»!-Idealer. Täglich 8 Uhr: Tngebuch eiutr Uerloreiien. Passage-Theater. Joden Abend 8 Uhr: Der große Verwandlüngskönstler Artaro iBernardi f und das nene s • großartigo•! I August-Prograim 14 Attraktionen 14. FWWWWWWWWWWWWWWWWWi Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstrafee Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Billettvorv erkauf 11—2 Uhr. Täglich: Die Novität Operetten-BurleSke von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Assäre Ds lebe Das UIH! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in dm Hauptrollen. Ab 8 Uhr: Das kolossale Spezta- litätcii.Prograiiim mit Humpsti- Biimftt. Pipifax und Paulo, Exzentriker. Mad. Pilot» von Kaut- dach. Mh?- Indische D ä n z e. NF» 10 Uhr: Stürmisches, ununterbrochenes Lachen über HaetHtein als Ortsvorfteher Lehmann In seiner Burleske „vor Dloeliieoitsxast". Fröbels Allerlei-Thealer Schänh. Allee 148. Kastan.-Allee 97/99. Aeltcste» Volkstheater Berlin». Morgen Sonntag: Ver nene Viesen. tzM usOgr* Augnat-Spielplan mit der prolongierten llaelng- truppe und d. neuen Runftstcmc. Ilm 8 Uhr: Grofeer Jubel über Paulas Beichte. Ansang 4 Uhr. Entree 3V Ps. Am 22. August: Benefiz Hnrat. Ab 1. September: Karl JBrann. Große Jahrearovue in 7 Bildern von Julius Freund, Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szeno eesotzt von Direktor Kichara Schultz. Rauchen überall gestattet. Braatz' Amerikanischer -Zirkus Affen u ia ilrockmann. Am Prenzlauer Dor. TSC Täglich: Gr. Vorstellung 81/, Uhr. Aunerdem Sonntags, Feiertags, Milt- wachs u. Sonnabends nachm. 4 Uhr: Rxira-Kinder- u. Familien-Vorstellung. Kasperle- Theater, Karussell usw. wird zu unserem am 25. u. 26. August stattfindenden Grwcrkschaftsfeft verlangt. Näheres bei Holnrlcht, «elten. Mittelste. 34. Urania. WiBeenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Jnvalidenstr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7>/,— 11 U. abdS. ZOOIOCISCHER GARTEN ! Täglich ab nachm. 5 Ubr: Z GroOc« Militär-Doppel-Konzert.• Rintritt 1 Mk., von abends• ' 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter? 10 Jahren die Hälfte.§ Variete-Garten jseinbergsiveg 19/20, ittoienlh.Tor. Stene Spezialitäten. DrettMlertc Büren. Am.: Konzert 6; Vorstellung? Uhr. BV Bei ungünstigem Welter VorstellunjInTrhea�� Wir gehen zu C&SlCllll* 165 Friedrichstr. 165 um das STcnesto zu sehen— den S®" Rechtsanwalt II au"TT machen wir diesen Sommer unsere Landpartien Hin? Nach Plcheiswerlier zum_ Partien bis 1500 Personen Haben bei schlechtem Wetter bequem Platz. Es ladet ganz ergebenst ein Bor alte Ifrennd. Fernsprecher Spandau: 814. Küche stets in altbekannter Litte. ,-wv-ä gj. machen wir diesen Sommer unsere Landpartien ym f 3KS0' alten Freund. Kolonie Schönholz. Sonntag, de» 18. und Montag, den ID. August: Großes Ernte-Fest nach althergebrachter Sitte unter Begleitung mehrerer Musikchäre. Alle Lokale frei.— 57068 frische Fruchtsäfte von unübertroffener Güte Fabrikate von Hermann Hcycr& Co. 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Sciiweizergarten Am KSnlgstor. Am Friedrichshain, Strafeenbahn 1,2,4.17,59, 63, 63 u. 74. Däglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kiuematograpli und Ball. Freier Uaiucntunz. Ansang 5 Uhr. Enlree 30 PI. Volksgarlen-Theater. Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesundbrunnen— Bellermannstraße. Die Veilchenfee. VolkSftück m. Gesang in 2 Akten von W. Geriete. Musik von Max Schmidt. Hierzu: Das nene Kiesen-WMMuwii. BolkSbelustigungen. Reichshallen-Theater. Täglich- iner Siger. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reich, hallen Garten u. Rest.; Gr. Militär-Konzert. Heute: W. Coachs fheater Direktion: Rod. Olli. Bruliiieuttr.>6. Gr. Grtra-Vorslcllung!'I,i0 Uhr: Das Fest d. Handwerker. los Jone&sus, tum. Reck-Pantomime, und 23 neue Pro gramm-Nummern. Ansang 6 Uhr. Bei schlechtem Vetter: Vorst, im Saal. Brunnen-Theater »abstrafet 58. Direkt.: Bernd. Rosa. Heute: Vollständig neues Programm. Spezialitäten 1. Ranges. Dammann-Truppe. Hopkins„Oer Weli- friede." Anton Sattler„Der Astral* »änger." Jack-Theo-Trlo. IW l'anl Coradinl.-WM 9'/, Uhr: Her Seekadett. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Mittwoch, Lt. August: Benefiz für Käte Wille-Bach. Prater- Theater. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber. Sprzialitiltcn 1. Rang/o«. Austreten der LUwcnbrnat Tilly Il6b6 mit ihren dress Löwe« Konzert nnd Ball. Anfang VI, Uhr. Diez' Spezialitäten- Theater. W* Landsherger Allee 76-79. Dtrett a. b. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stabtricht. VI»»chitn! Täglich im herrl. Garten ober gr. Saal:«h Segen! AM- WWU- Riesen-Lachrrfolg."WO Landsberger Allee auf Stelzen. ?de �eros, tleia? tieuer, pr-i-ngi-rt. Dazu das neue brillante August-Programm. Ans. 3 Mr. Kaffeewche. Volksbelustig. aller Art. Entree W Pf.. Sonnt. 30 Ps. Anläßlich bes bevorstehenden Internationalen Kongresses in Stuttgart empfehlen wir baZ Studium der Protokolle der ünterpationalen Urheiter-Kongresse. Paris 1889. London im- Mit einem Borwort von W. Ltebtnecht. Berichte der Delegierten der einzelnen Länder: Abschaffung der stehenden Heere: Maifeier. M.-.SS Politische Aktion; wirtschaftliche Mtion: Er- Ziehung und körperliche EntWickelung. M.— ,Sv Paris 1900. Der Kamps um da« allgemeine Wahlrecht: die Eroberung der politischen Macht: Kolonial- Politik: der Sozialismus in den Gemeinden. M.-.80 1901. Kolonialpolitik: Generalstreik: Sozialpolitik und £J5JJ*J2J2J22 Arbeiterverfichcrung; Trusts und ArbeitZIosigkeit. M.-.4« Zu beziehen durch alle Parteispeditionen, Parteibuchhaudlungen and von allen Kolporteuren, sowie durch die Expedition des„Vorwärts", Kerlw SW __ Lindenstrafte 69, Laden._ •» 235/10* frische fruchtsäfte von unfibertroflener Güte Fabrikate von Hermann Heyer* Co. Aktlengeselloetaaft. 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S. Verschiedenes. 141/17 ' Mitgliedsbuch legitimiert.- Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. I. A.: Pipenhagen, SO., Forsterstr. 3 II. Sonnabend, den 21. September, in Freyers Festsälen, Koppenstraste 2S: 25. Stiftungsfest bestehend in Konzert€# Vorstellang von Steidls Hamburger Sängern O Prolog Festrede f# Lebende Bilder D- Mitwirkung des Säugerkreises der Musikinstrumenteo-Arbeiter. Dirigent: Herr Richard Lange. Nach der Vorstellung: tlt'GlSeS' Bull. Anfang: S'l, Uhr. Billett SO Pf. Billetts find in sämtlichen Zahlstellen sowie im Verkehrslokal, MuSkaucrstr. 25, zu haben. D. O. CIRCUS HORTON B.SMITH Sonnabend. 17. Ang.. abds. 8 Uhr vom Berliner Zoologischen Garten. Außerdem: Auftreten ersttlasstger Künstler nnd Künstlerinnen. Hur noch wenige läge! Sanssouci, S'" Direktion Wilhelm Reimer. Der Garte« ist geöffnet. Sonntags, Montags, Donnerstags u. Tanzkranacben. Stets bochatt. Programm. Morg. Sonntag: Z. I.Male In de? Daroaka. Novität. Sonntags Beginn S Uhr, wochentags 8 Uhr. Von der Dantpferstnllon MichitfllnMt! Heute Sonnabend, 17. Aug.: Gr. Mondscheinfahrt _______ mit Musik nach MüggelWerder. Das. Tanzkränzchen. Abfahrt 91/,— 10 Uhr. Fahrpreis hin u. zurück 50 Ps.— Ferner Sonntag, 18. August, nachm. 2 Uhr: Extrafahrt nach Marienlust, Zeuthen und Neue Mühle. Preis 50 Ps., Kinder 25 Ps. C. Zachow. Gänse!! Gänse!! Mit heutigem Tage beginnen Wieder Wie alljährlich mit dem Verlaus sämtlicher (Zaii8e°,ATtikef und empfehlen täglich frisch in allbekannter Güte und grober Auswahl Oderbnickep Fettgänse, Stopfgänse, Gänseklein, Gänsefleisch usw. rcfn'cTA Gänseschmalz a Pfund 1,20 M., ff. Gänse» Rollbrust(Spickgans) usw. Www. Versand nach außerhalb gegen Nachnahme. »WMWWWMMMMMW Hermann Leißner, Berlin. Antrag des Vorstandes betreffend Delegatton zu den KreiS Generalversammlunge». 6. Sonstige Anträge und Verschiedenes. Jeder örtliche Verein hat das Recht, drei Delegierte zu ent« senden.� Die Delegierten müssen mit Mandaten versehen sein. Gäste haben Zutritt._ Der Zentralvorstand. KriiiiSnick. Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 2 Uhr, findet die Miigliederversainmlnng des Wahlvereins statt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht dringend Der Vorstand. WaidmmittSliist»nd Uinaegeiid. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet heute im„Schweizerhäuschen", WaidmannSlust, Dianastraftc, statt. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstandes und der Funktionäre. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Ver« schiedcnes. Bernau. Ain Sonntag, den 18. August d. I. veranstaltet der sozialdemokratische Wahlverein für Bernau und Umgegend eine» Familienausflug nach der Bernauer Stadtforst„Schieftstand". Ab marsch 1 Uhr nachmiltagS vom Restaurant Salzmann, BaSdorfer strafte. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. berliner JVaebriebten. Mit dem Bau der Hafenanlagcn am Stralauer Anger soll nunmehr trotz der noch bestehenden Schwierigkeiten bezüglich der Herstellung der Anschluftgleise nach einem heute gefaftten Beschluft des Magistrats begonnen werden. Die Ausführung der Quai- niauern ist der Firma Kohl u. Schellmann, Berlin, für 530 000 M. übertragen. Die Lieferung der Werksteine hat die Firma Rohde in Striegau für 97 000 M. erhalten. Aufterdem hat die Zement- fabrik Guthmaun u. Jeserich, Rüdersdorf, den Zuschlag für die Zementlieferung bekommen. Thalin-Theater.„Ihr S e ch S- U hr- O n? e l" nennt sich ein dreiaktiger Schwank, der, aus dem Französischen stammend und von Jean Kren, dem Hausdichter des Thalia-Theatcrs moder- nisiert, am Donnerstag über die Bretter deS MuscntempelS in der Dresdenerstrafte ging. Das Leitmotiv des Stückes bilden möglichst viele Verwechselungen und Verwickelungen im tollsten Durchein- ander; je toller, je unmöglicher, desto besser. Der Präsident einer Berufungskammer in Jxenhausen macht gern ein Schäferstündchen und wählt sich hierzu die Zeit um 6 Uhr abends. Seine Alte ist ihrem liebedürstigen Gatten sehr auf den Hacken und es gelingt ihr auch, ihn im Hanse einer Sängerin zu erwischen. Unser braver Präsident weift sich zu helfen. Um sich aus den fatalen Situationen — denn es sind mehrere, in die er gerät— herauszuwickeln, imuliert er plötzlich-ein zweites Bewufttsein. Die ergötzlichsten Situationen entstehen, wozu noch mindestens ein halbes Dutzend Miftverständnisse kommen, oft so derbe, daft es am Schlüsse Mühe kostete, alles aufzuklären und zum guten Abschluft zu bringen. Eine besondere Rolle muft ein verwechselter Spazierstock spielen mit der sinnigen Gravierung:„Gustav, nimm den Finger auS dem grünen Kohl"; sogar singende Reckitsanwälte— mit der Amts- robe angetan— wandern über die Bühne. Herr Schönfeld hat eine Anzahl hübscher GefangStexte dazu geschrieben, von denen ein von Frl. Vehlen und Arnold Riek vorgetragenes Duett:„Fritzi und der Fritze" stürmisch applaudiert wurde und das bald auf den Leierkästen seine Auferstehung seiern dürfte. Zu dem Ganzen hat Paul Lincke eine einschmeichelnde Musik geliefert, die viel Anklänge an frühere Kompositionen aufweist. Die Künstler taten ihr Bestes zum Gelingen des Saisonanfanges. Das Premieren- Publikum klatschte— manchmal wie toll— der neuen Leistung der Direktion Beifall und Theaterfteunde ließen zahlreiche Kränze und Blumengewinde auf die Bühne reichen. Ter Wiederanfba» des Biktoriaspeichers in der Köpenicker» strafte hatte sich so auffallend verzögert, daft daS Gerücht entstand, die Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft sei mit den Ver- sicherungsgcsellschaften in Konflikt geraten, so daft alle Arbeiten ruhen muftten. Die Omnibusgescllschaft macht jetzt folgendes bekannt: Die an dem Brandschaden im Viktoriaspeicher beteiligten Privat-Versicherungsgesellschaftcn haben keinerlei Einfluft betreffs des Wiederaufbaues der Gebäude, da nur deren Inhalt bei ihnen versichert ist. Die Regulierungsverhandlungcn nehmen einen durchaus normalen Verlauf, und es kann von einer. Verschleppung keine Rede sein. Die Inventarisierung der vom Brande betrosfenen i Gegenstände erfordert bei' einem so umfangreichen Schaden und bei der Versckuedenartigkeit der in Betracht komnienden Objekte selbstverständlich eine längere Zeit. Zu der Annahme, daft es wegen der Höbe des Schadenersatzes zwischen der Allgemeinen Berliner Omnibusaktiengesellschast und den beteiligten Privat- feuerversicherungsgesellschasten zu einem Prozesse kommen wurde, liegt kein Grund vor. Eine BerkebrSslockiing. Donnerstagabend gegen 7 Uhr entgleiste in der Gertraudtenstrafte an der Petrikirchc ein Straftenbahnwagen der Linie 74 auf der Fahrt nach Schöneberg. Der gesamte Per- kehr vom Köllnischen Fischmarkt nach dem Spittelmarkt. Moritz- Platz, Dönhvffplatz usw. muftte schlieftlich durch die Breitestrafte über den Schloftplatz abgelenkt werden. Es bedurfte langer Arbeit. um den entgleisten Wagen wieder flott und die jetzt in Reparatur befindliche Strecke freizumachen. Ueber einen Baunnfall auf dem Akkordbau Mommsenstr. 53, wo durch Aufterachtlajsung der»öligen Schutzvorrichtungen gearbeitet wurde, wird uns folgeudes gemeldet: Als am Montag 11 Uhr die Akkordmalirer in der vierten Etage an die Arbeit gingen, stürzte von de» aüfgeinrnllen Steinhaufen ein Teil herab und traf den Polier Nennian», welcher schwere Kopf- und Armwunden erlitt. Der Polier wurde wiederholt auf die lebensgefährlichen Zustände von einigen dort beschäftigten Arbeitern aufmerliam gemacht, emschuldigte sich aber damit, daft der Unternehmer keine Bretter lieiere, um Schutzdächer zu bauen. JlchtTage vorher wurden dem Fahrsluhlfiibrer belin Transportieren des Materials sämtliche Finger von der einen Hand abgerissen, mehrere Tage vordem stürzte nebenan der Wasserträger zwei Etagen herab und brach mehrere Rippen. Diese Bauten werden von dem Piitzineister Scharf als Bauherr ausgeführt. Ein Schutzmann war wiederholt auf der Baustelle, die Miftstände wurde» dadurch aber nicht beseitigt. Nach dem Unfall wurden einige Mängel beseitigt. Verschiedene Aufgänge sind heute noch ohne Schutzdächer. Die,e Unfälle zeigen wieder einmal, daft wenn Arbeiter nicht auf die Ein- führung der nötigen Schutzvorrichtungen drängen, ihr Leben und Gesundheit gefährdet ist. In die Baugrube der Untergrundbahn geschleudert wurde am Leipziger Platz der Zimmermann Heinrich Neudamm, Alt-Moabit wohnhaft. Er wollte DonnerStagnachmittag gegen 3 Uhr, mehrere Bretter auf der Schulter tragend, den Fahrdamm überschreiten. sticft dabei mit den Brettern gegen die Perronecke eines Straften- bahnwagens der Linie 91 und wurde zu Boden geschleudert. N. fiel in die Baugrube der Untergrundbahn und blieb dort mit einer schweren Verletzung am Kopfe und einer schweren Gehirn» erschütierung besinnungslos liegen. Der Verunglückte wurde zu» nächst nach der Unfallstation in der Kronenstrafte gebracht und von dort mittels Krankenwagens nach dem Krankenhause Moabit übergeführt. Ein Straßenbahuunsall ereignete sich gestern abend in der Karl» strafte. Dort geriet der Radfahrer Erich Borchardt mit dem Vorder» rade seines Zweirades in die Schienen, so daft er umstürzte und vor die Räder eines Straftenbahnwagens der Linie 12 fiel. Trotz- dem der Führer den letzteren bereits nach einigen Augenblicken zum Stehen brachte, wurde B. noch mehrere Meter weit mitgeschleift. Er wurde zwischen dem Schutzrahmen eingeklemmt und blieb besinnnngS» los und mit schweren inneren Onetschungen liegen. Ein hinzu- gerufener Arzt lieft ihm die erste Hülfe zu teil werden. Alsdann wurde er nach dem Krankenhause gebracht. Vom Besuch deS„Freibades Wannsee". An den letzten Sonn- tagen wurden infolge des Massenbesuchs des„Freibades" die Fahr- kartenschalter der Stationen Nikolassee und Wannsee abends so stark in Anspruch genommen, daft die Abwickelung deS Verkehrs schwierig wurde und das Publikum erst nach längerem Warten bei starkem Gedränge die Fahrkarten für die Rückfahrt erlangen konnte. ES scheint danach noch immer nicht allgemein bekannt zu sein, daft die einfachen Fahrkarten im Vorortverkehr in beiden Richtungen gelten, so daft man die Rückfahrtkarte schon bei der Abfahrt lösen und da- durch einen Gong zum Schalter ersparen kann. ES empfiehlt sich dies schon zur Vermeidung des bei starkem Verkehr an den Abend- schottern herrschenden Gedränges. Die VoranSlösung der für die Rückfahrt bestimmten Fahrkarte auf der AbgangSstatton ist im Ver- kehr mit Wannsee und Nikolassee um so mehr anzuraten, als die Preise von Berlin lWannseebahnhof und Friedrichstrafte) nach Wannsee, Nikolassee und Schlachtensee gleich sind, eine Voraus- lösung nach einer dieser Stationen also auch für den Fall deS Antritts der Rückfahrt von einer anderen dieser Stationen keinen Nachteil mit sich bringt. UebrigenS gelten die Fahrkarten nach den drei Stationen wahlweise sowohl zur Rückfahrt nach Berlin sWannsce- Bahnhof) wie nach Berlin fFriedrichstrafte). Einen dreisten Schwindel haben gestern 2 Männer verübt, von denen sich der eine Hans Grundlach, Artist, nannte. Sie be- gaben sich in das Kapsfche Pianoetablissement an der Potsdamer Brücke und verlangten dort ein Pianino zur Miete, welches ihnen auch nach ihrer angeblichen Wohnung, Friedrichstr. 129 bei einer ' rau Wied geliefert würde. Hier hatten sich die Schwindler ein .immer gemietet. Als das Klavier von den Kutschern kaum ab- geliefert war, sagten sie, es wäre nicht dasselbe, welches sie sich auSgesuch. hätten, damit es der Wirtin nicht auffallen sollte, wenn das Klavier von anderen Leuten sofort wieder fortgeschafft würde. Dies geschah dann auch schleunigst. Wahrscheinlich ist es von den Schwindlern versetzt worden und fehlt von ihnen, sowie von dem Instrument jede Spur. Das Pianino trägt die Firma Max Dreyer und die Fabriknummer 37 656. Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt am Sonn- tag, Dienstag und Sonnabend der Vortrag„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat" zur Darstellung, am Montag und Donnerstag wird der Vortrag„Von der Zugspitze zum Watzmann" und am Freitag der Vortrag„Durch Dänemark und Südschweden" wiederholt, während im Mittwoch noch einmal der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne" gehalten werden wird. Zu rekognoszieren. Die Polizeiberwaltung von Nowawes teilt mit, daft am 9. d. M. in der Heide von Ahrensdorf bei Ludwigsfelde die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden worden ist. Der Unbekannte ist ca. 60 Jahre alt, klein, hat grauen Vollbart und ist mit einem dunkelblauen Stoffanzng und schwarz- und weift-gestreifter Mütze bekleidet. Angehörige bczw. RekognoS- zenten wollen sich in Nowawes melden. Fruertvehrbericht. Gestern früh wurde ein Mann an der Ecke der Garten- und Jnvalidenstrafte von einem Straftenbahnwagen überfahren. Die Feuerwehr befreite den Mann und brachte ihn iiach dem Lazarus-Krankenhause in der Bernauerstrafte, wo man schwere Knochenverletzungen feststellte. Am Grünen Weg 61. Holz- warktstr. 62, Togostr. 8, Liesenstr. 12 und anderen Stellen mußten Kcllcrbrände gelöscht werden. Holz, Kohlen, Stroh usw. brannten dort. Nachts um 11 Uhr kam in einex Wohnung in der Bernaucr- srraße 61 Feuer aus und um 1 Uhr nacht» in der Webcrstr. 22. Gardinen, Wäsche, Möbel u. a. brannten dort. Ferner wurde die Wehr nach der Usedomstr. 31, A-kerstr. 131, Ebcrthstr. 30 u. a. Orten alarmiert. ttebcr unlauter« Vorkommnisse in einer Naturhcilanstalt in der Friedrichstraße wußten dieser Tage einige Blätter zu berichten. Und z>var handelt es sich um den Direktor Bruckhoff, der be- schuldigt wird, an einem jungen Mädchen, das sich ihm als HeTl- kunstlcr anvertraute, ein Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben. Bruckhoff, von dem man erst meldete, daß er sich in seinem Sana- torium zu Burg im Sprecwald befände, soll neueren Meldungen zufolge'wejjcn der oben angeführten Anschuldigung im Unter- su chu ngsgc fängn is sihcn. Die gegen B. eingeleitete gerichtliche Untersuchung dürfte ergeben, ob die Anschuldigungen auf Wahr- hcit beruhen. Ein schwerer Unglücksfall im Straßenbahnbetriebe hat sich gestern vormittag in der Jnvalidenstraße zugetragen. In der Nähe der Chausseestraße hatte der Schlächtergeselle Hildebrandt den Fahr- dämm überschreiten wollen. Als er die Gleise der Straßenbahn überschritt, kamen aus beiden Richtungen Motorwagen heran- gefahren. H. vermochte sich weder rückwärts noch vorwärts in Sicherheit zu bringen und er blieb infolgedessen zwischen den Schienen stehen und wollte die Straßenbahnwagen an sich vorüber- fahren lassen. Er wurde jedoch von einem der Waggons gestreift und zu Boden gerissen. Von beiden Straßenbahnwagen wurde der Bedauernswerte nun überfahren. Er geriet so unglücklich unter die Wagen, daß zu seiner Befreiung die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Erst nachdem die schweren Waggons hochgehoben waren, konnte H. hervorgezogen werden. In bewußtlosem Zustande wurde der Schwerverletzte auf einem Wagen der Feuerwehr sofort nach der kgl. Klinik in der Ziegelstraße gebracht. i Daß auch hier wieder die Feuerwehr alarmiert wurde, nimmt nnS eigentlich wunder, hatte doch die Straßenbahngesellschaft erst vor kurzem einmal mitteilen lassen, daß sie selbst Winden in den Wagen mitführen lasse, womit die Wagen gehoben werden können. Bemerken, wollen wir noch, daß der Bericht über diesen Unglücksfall nicht vom StraßenbahnoffiziosuS ist. Mord- und Selbstmordversuch. Ein blutiger Vorgang spielte sich gestern abend 8 Uhr in der Ho l z m a r k t st r. 7 1 ab. Dort wurde die 34 jährige Inhaberin des„Sport-Restaurants", Johanna Scholz, von ihrem Geliebten, dem 22jähr.Bierfahrer der Schultheißbrauerei Bliesener, durch einen Revolvcrschuß verletzt. B. brachte sich dann selbst zwei Revolver. fchüsse bei. Soweit sich feststellen ließ, unterhielt, der junge B. seit einiger Zeit ein Liebesverhältnis mit der viel älteren Scholz. Er will auch in dem Restaurant mit Damenbedienung um mehrere hundert Mark geneppt spin. Hierüber kam es gestern abend zwischen B. und der Scholz zu einer erregten Auseinandersetzung, die damit endete, haß B. den Revolver auf seine Geliebte richtete uyd ihr eine Kugel in die Schulter schoß. Dann wandte et die Waffe gegen sich ' selbst und jagte sich zwei Kugeln in den Kopf. Er wurde nach dem . Krankenhause gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. Die Scholz scheint besser davongekommen zu sein, denn sie konnte auf Anordnung des Arztes in ihrer Wohnung verbleiben. Ein gröftcrer Dachstuhlbrand kam gestern abend gegen 9 Uhr tn der Friedrichsfelder st ratze 32 zum Ausbruch. Bei Ankunft der Löschzüge aus der Köpenickerftraße standen die Dach- stühle des Vorder- und Hinterhauses in Flammen. Die Wehr ging sofort mit drei Schlauchleitungen vor, die über mechanische Leitern und die Treppen gelegt wurden. Trotz energischen Wassergebens konnte doch nicht verhindert werden, daß die Dachstühle zum größten Teil zerstört wurden. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Ucber die Entstehungsursache des FeuerS konnte noch nichts er- mittelt werden. Vorort- l�ackricbten. Schöneberg. Ihr Erscheiucn eingrstcllt hat seit Dienstag die„Schöneherger Bürgerzeitmig', die sich die Bekämpfung der Sozialdemokratie zum Ziel gesetzt hatte. Bei diesem Beginnen ist dem schwachen Unter- pehmen die Kraft ausgegangen. ES soll sich schon von Anfang an xin chronischer Dalles eingestellt haben, der nun schließlich vom Pleitegeier abgelöst worden ist. Wie unZ mitgeteilt wird, soll auch das Personal um die Früchte seines Fleißes betrogen worden sein. Der Herr Chefredakteur, ein ehemaliger Restauratcnr, duldete in seinem Betriebe keinen Arbeiter, der nicht eine echt christliche Ge- sinnung an den Tag legte. Jedenfalls zeigt das Schicksal des Unternehmens, daß es nicht so leicht ist, die»öffentliche Meiining" zu fabrizieren. Charlottenlmrg. Nach Unterschlagungen von 1500 M. ist der 20jährige Buchhalter Georg Langer, der in dein Baugeschäft von Emil Gabbert u. Co., Neue Kantstr. 28, tätig war, flüchtig geworden. Am Sonnabend de: vergangenen Woche halte der junge Mann von seinem Chef den Auftrag erhalten, einem Lieferanten, der im Cafä Fürstenhof wartete, 1000 M. in bar und einen Wechsel über 600 M. zu übergeben. Zur schnelleren Ausführung gestattete man ihm ein dem Geschäft ge- höriges Fahrrad zu benutzen. Der Lieferant im Cafö wartete ver- gebens. Bisher hat man noch keine Spur von dem Defraudanten gefunden. Angenommen wird, daß L. sich im Strudel der Groß- stadt verborgen hält. Lichtenberg. Die Auflösung de» Frauen- und Miidchen-BildungSvereins brachte unser Genosse Grauer im Austrage der sozialdemokratischen Fraktion am Donnerstag in der Gemeindevertretung zur Sprache. Dia Gemeindevertretung hatte am 11. April 1907 eine Polizeiverordnung betreffend das Halten von Hunden genehmigt. Diese Polizei- Verordnung hat die Genehmigung des Landrates nicht erhalten, da in den ZA 1 und 4 steuerliche Vorschriften enthalten sind. Nach Kammergerichtsentscheidungen ist das unzulässig. Die erneute Vor- läge gab unserem Redner Gelegenheit, die Frage aufzuwerfen, ob die mit der Bearbeitung solcher Vorlagen beauftragten Beamten die nötige Gesetzeskenntniö hätten, es wäre im bejahenden Falle dann doch gar nicht zu verstehen, wie die Vertretung veranlaßt werden könne, Vorlagen i» das Bereich ihrer Betrachtungcir zu ziehen, die de» gesetzlichen Änforderungen nicht entsprechen. An- scheinend an derselben Stelle sei die Verfügung anSgcärbeilet, die die Auflösttng des Frauen- und Mädchen- BildungsvereiuS für Lichtenberg ausspricht. Wolle»m» nicht annehmen, daß der Beamte glaube, die preußischen Volksschulen seien keine Bildungsstätten, dann muffe die AuflösungSorder einer GesetzesunkenntniS ihr Entstehen verdanken, da die Auflösung erfolgt sei, weil ein Redner die preußischen Schulznstände in einer Versammlung dieses zu Bildmigszwecke» bestehenden Ver- «Ins erörtert hat. Und doch sei den Frauen dieses Recht gesetzlich zugestanden. Auch hier werde die höhere Instanz die Ungesetzlichkeit der Verfügung anerkennen und letztere aufhebe». Die Bürgerschaft sei ernstlich und mit Recht beunruhigt über solche Vorkommnisse Der Gemeindevorsteher wies den Redner wiederholt darauf hin,'eine Verftignng des Amtsvorstehers stehe nicht zur Diskussion. Das war wohl auch die Veranlassung ✓ daß die „liberalen" Dorfväter„andächtig" und— schweigend den Versuch, das bißchen Vereinsrecht gegen Uebergriffe zu schützen, den Sozial- demokraten überließen. Der Gemeindevorsteher beschränkte sich darauf, in bezug aus die„Hundehaltungsvorlage" zu bemerken, daß auch Be- amte„Irrtümern" unterworfen seien, eine Bemerkung, die dem Ge- nassen Grauer Vcranlasstmg gab, darauf hinzuweisen, daß auch nicht beamteten Bürgern das Recht, sich zu irren, zugestanden werden müsse. Die Vorlage fand Annahme. Eine Vorlage, den Verkauf von 74 Quadratmeter Land an die Terräingeselljchaft Schaaffhausener Bank zu genehmigen, fand leb- hafte Befürworter. Die Genossen Spiekermann und Grauer machten prinzipielle Bedenken geltend, es wurde deshalb die Vorlage auf Antrag Grauer an die Baukommission verwiesen. — Die Wahl eines Armenvorstehers für den Bezirk 23 an Stelle des SchmiedcmeisterS Krämer wurde dadurch erledigt, daß Zigarrenhändler Trompa, Scharnweberstr. 4g, gewählt wurde.— Auf Amrag Grauer wurde miter Anerkennung der Dringlichkeit einstimmig beschlossen, gegen die geplante Errichtung einer„Talg- ichmelze" auf dem Terrain an der Herzbergstraße Einspruch zu er- heben und den Gemeindevorstand zu ersuchen, mit allem Nachdruck bie Verpestung des OrtS teils durch eine solche Anlage hintan- zuhalten. Treptow-Ba«mschule»lweg. Großes Unheil hat gestern abend gegen"/«? Uhr ein durch- gehendes Pferd angerichter, das am Bahnhof Treptow scheu wurde und. mit Wagen und drei Insassen, Mann, Frau und Kind, davon- raste. An der Köpenicker Landstraße schleuderte der Wagen plötzlich gegen einen Baum, wodurch Frau und Kind hcranSstürzten. Die Frau wurde am Kopf schwer verletzt, das Kind kam mit leichten Verletzungen davon, während der Mann unversehrt blieb. Auf dem Wege hatte das wildgewordene Tier mit dem Gefährt noch einige Frauen umgerissen, die gleichfalls mehr oder weniger Verletzungen erhielten. Endlich gelang eS, das Tier zum Stehen zu bringen. Die Verletzten mußten sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden. Spandau. Seht die Wählerliste ein k Diese Mahnung ist angesichts der im November dieses Jahres stattfindenden Stadlverordnetenwahlen für jeden Wahlberechtigten am Platze. Durch die Annahme, eS sei nicht nötig nachzusehen, da der vielleicht schon lange am Orte wohnhafte Wähler doch in der Liste stehe, ist schon mancher umS Wahlrecht gekommen. Die Wahl vor zwei Jahren hat gerade bewiesen, daß hauptsächlich Personen, welche schon jahrelang in Spandau ansässsig, auch schon mehreremal bei Stadtverordneteiiwahlen gewählt halten, nicht zur Wahl zugelassen wurden, weil sie nicht in der Wähler- liste standen, Auch diejenigen Kommunalwähler, welche in Be- zirken wohnen, die diesmal nicht wählen, müssen unbedingt die Listen einsehen, da die jetzigen Listen auch für die nächsten zwei Jahre Gültigkeit haben. Außerdem bekommen wir zu den be- stehenden acht Wahlbezirken jedenfalls zwei neue hinzu, da die Stadtverordneten um sechs vermehrt werden sollen. Die neue Begirkseiirteilung ist aber noch nicht bekannt gegeben. Auch aus diesem Grunde muß jeder Wahlberechtigte sich von der erfolgten Eintragung in die Wählerliste überführen. Schiebe auch niemand die Einsichtnahme der Wählerliste bis zum letzten Tage auf. Bekanntlich werben bei den Nachzutragenden manchmal Schwierig- leiten gemacht, die sich nicht sogleich beseitigen lassen. Wer keine.Zeit hat oder aus anderen Gründen die Listen nicht'selbst einsehen will, wende sich unter Angabe des Namens, und der Wohnung an einen der nachstehenden Genossen. Dieselben sind gern bereit, die Listen einzusehen eventuell auch die Nachtragung zu bewirken: .Ferdinand Schuster, Restaurateur, Wröhmännerstr. 11; Fritz Böhle, Restaurateur, Linden-Ufer 17; Otto Grieben, Schuhmacher- meister, Neumcisterstr. 13; Wilhelm Scholz, Bäckermeister, Neumeister- straße 11; Paul Kümke, Restaurateur, Schönwaldersw. 80; Karl Rupprccht, Restaurateur, Bismarckstr, 6; Emil Köppen, Buchhandlung, Jagowstr. 9; Wilhelm Pieper, Zigarrensabrikant, Metzersir, 12; Lumma, Restaurateur, Weißenburger-. Ecke Wörlherstraße; Fritz Götze. Restaurateur, Seeburgerstraße 82: Gustav Ristow. Restaurateur, Seegeselderstr. 65: Julius Schröter, Restaurateur, Pichelsdorf erste. 5; Karl Schwabe, Restauratur, Seege- felderstr. 64; Otto Galtecker. Restaurateur, Frobenstr. 12; Otto Greinert, Restaurateur, Frobenstr, 19; Wilhelm Pritschow, Nestau- raieur, Fallenhagenerstr. 35; August Beiler, Restaurateur. Juden- straße 11; Julius Feuerherd. Restaurateur. Kurstr. 21; Ernst Gornig. Lagerhalter, Mittelste. 13; Emil Köpnick. Restaurateur, Pichclsdorfer- straße 39. Die Wählerlisten liegen aus vom 16. bis 30. August in der Zeit von 8—1 Uhr vormittags mid 3— 6 Uhr nachmittags im Zimmer 13/14 dcS Rathauses._ Gerichts-Zeltung. Der überaus traurige Abschluß einer unglücklichen Eh« lag einem umfangreichen Strafprozeß zugrunde, in welchem das Vorverfahren aus M o r d gelautet hatte. Aus dem Untersuchung»- gcfängn's wurde der Zimmermann Magnus Fischer der 1. Steafkammcr des Landgerichts III vorgeführt. Nach dem Er- ösfnungSbeschlutz wurde der Angeklagte beschuldigt, am 16. De- zctnber v. I. seine Ehefrau vorsätzlich und mit Ile Verlegung getötet zu haben und zwar, indem er durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen der' Getöteten zu der Tötung bestimmt worden war. Der Anklage liegt ein entsetzlicher Vorgang zugrunde, der seinerzeit als Gattenmord aufgefaßt wurde.— Am Sonntag, den 16. Dezember v. I. ging der in einem Berliner Kanfhause ange- stellte Hausdiener K r e ch den Tegeler Weg in Charlottcnburg entlang spazieren. In der Nähe der Straßen 43 und 67 stieß er plötzlich auf einen grauenhaften Fund. Auf einem mit Schnee bedeckten Steinhaufen fand er einen unbekannten Mann in einer großen Blutlache liegend vor. Der Unbekannte blutete aus einer klaffenden Halswunde, die fast bis an die Halswirbel reichte. Als Krech den Mann umwendete, gab er einige lallende Laute von sich und wies mit dem Finger nach einem Zaun des in der Nähe ge- lcgcnen Charlottenburger VollsgartenS. Da K. nicht verstand, was der Unbekannte wollte, reichte er ihm eine Karte und einen Bleistift, mit dem der Verletzte mit vieler Mühe die Worte schrieb: „Frau ist tot. liegt hinter Zaunl" Durch einen zufällig des Weges kommenden Radfahrer be- nachrichtigte K. das nächste Polizeirevier. Als der zuständige Polizeileutnant mit mehreren Beamten an dem Tatorte erschien, machte man einen zweiten grausigen Fund. In der Nähe dcS Zaunes, auf den der schwerverletzte Mann, der bald darauf das Bewußtsein verlor, gezeigt hatte, wurde ein blut- bespritzter Regenschirm gefunden. Hinter dem Zaun wurde eine Frauensperson in einer großen Blutlache schwimmend aufgefunden.� Ter Hals war durch einen Schnitt bis auf die� Wirbelsäule du rch schnitten worden, die Haare waren aufgelöst und mit Blut besudelt. In der Nähe wurde ein mit Blut beschmutztes. Taschenmesser aufgesunden. Die nähere Unter- suchung ergab, daß die Frauensperson bereits seit längerer Zeit tot war. In dem Leichenschauhans Westend wurde als Todes- Ursache Verblutung infolge Durchschneidung der Halsschlagader festgestellt. Der immer noch bewußtlose Mann wurde nach dem Krankenhaus geschafft, wo man schwere Verletzungen am Halse konstatierte. Es wurde festgestellt, daß der Aufgefundene der jetzige Angeklagte Fischer war. Nachdem■ F. längere Zeit in Lebensgefahr geschwebt hatte, wurde er als Polizeigefcmgener nach der Kgl. Charitee über- geführt, wo man ihm eine silberne Kanüle einsetzte, da auch die Luftröhre durchschnitten worden war. Die zugleich auf- gefundene Frauensperson war die 2Zjährige Ehefrau des Angc- klagten. Marie F. geborene Heutzig. Unter dem Verdacht des Mordes an dieser wurde Fischer verhaftet und in das Unter- suchungSgefängnis eingeliefert. Dem prakt. Arzt Dr. Neupert gegenüber hatte der Angeklagte zugegeben,. seiner Frau nach vorauf- gegangenem Streit den Hals durchschnitten zu haben. Dem Krankenwärter Koch gegenüber hatte F. im Krankenhause ange- geben, er habe erst auf seine Frau geschossen und dann, um ihr Leiden abzukürzen, ihr den Hals durchschniltcn. In seiner gestrigen Vernehmung vor Gericht gab der Angeklagte eine ausführliche Schilderung von seinem früheren Leben und seiner unglücklichen Ehe. Er sei am 28. September 1878 zu Altendambach in Thüringen geboren worden. Nach seiner Konfirmation habe er drei Jahre Zimmermann ge- lernt und sei dann, nachdem er zwei Jahre bei dem 71. Infanterie- Regiment in Erfurt gedient habe, nach Berlin übergesiedelt. Hier habe er auf einem Zimmerplatz in Lichtenberg Arbeit gefunden und bis zu 50 M. pro Woche verdient. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß der Angeklagte bald nach seiner Ankunft in Berlin im Jahre 1904 ein Verhältnis mit einer gewissen Klatt angefangen und mit dieser zusammen ge- wohnt habe. Nach etwa einem halben Jahre sei es zwischen beiden häufig zu Streitigkeiten gekommen und eines Tage? habe der Angeklagte nach einer Eifersuchtsszene die K. und deren Mutter in brutaler Weise mißhandelt. Hierfür sei er vom Schössen- gcricht I wegen gefährlicher Körperverletzung mit 15 M. Geldstrafe bestraft worden. Um Weihnachten 1905 habe er, wie der Angeklagte weiter angab, auf einem Tanzboden seine spätere Ehefrau kennen ge- lernt, die damals 21 Jahre alt gewesen war. Nach kurzer Be- kanntschaft, während der es schon zu intimem Verkehr gekommen sei, habe er am v. Februar v. I. geheiratet. Die Ehe sei an- sänglich sehr glücklich gewesen und erst im September sei es das erste Mal zu einem Streit gekommen, da sich seine Frau in einem Lokal in unpassender Weise zu jungen Leuten benommen habe. In der Wohnung habe er ihr zur„Verwarnung" ein paar Ohr- feigen gegeben. Nach diesem Vorfall sei sie zu einer im Vorder- hause wohnhaften Frau Dörr gezogen. Bei dem Umzug, so yabe er svätcr erfahren, soll eS zwischen seiner Ehefrau und einem Schlächtergesellen Demant zu einem ehebrecherischen Verkehr gekommen sein. Eine? Tages im November sei er unvermutet nach Hause gekommen und habe seine Frau in der Küche mit einem unbekannten Manne angetroffen. Aus dem Tische habe eine Flasche Kognak'und ein großer Teller Kuchen gestanden. Er sei über diesen neuen Treue- bruch in Wut geraten und habe seine Frau allerdings geschlagen und ihr die Sachen wieder abgenommen, die sie schon eingepackt batte, um ihn zu verlassen. Sie sei dann zu einem unter dem Spitznamen„Brotmarie" bekannten Fräulein Menger ge- gangen und habe bei dieser gewohnt. Hier soll es zu den tollsten Orgien gekommen sein. Am Freitag vor der Tat habe die M. Wein und Liköre geholt und in deren Wohnung soll es nun zu verschiedenen Dingen gekommen sein, an denen sich auch seine Frau beteiligt habe. Ueber die Tat selbst machte der Angeklagte folgende Angaben: Nachdem er die Einzel- heiten von den nächtlichen Vorgängen in der M.schen Wohnung erfahren habe, sei ihm das Leben zuwider gewesen. Bevor er seinem Leben ein End« machte, habe er seine Frau noch einmal sprechen wollen. Seine feste Absicht sei eö gewesen, sich vor den Augen seiner Frau zu erschießen. Als er den Revolver gezogen habe, sei ihm seine Frau in die Arme gefallen, habe geweint und ihn geküßt. Schließlich habe sie ihm die Waffe entrissen und weggeworfen. Er habe seine Frau voller Abscheu von sich gestoßen, da er sie nicht mehr sehen wollte. Ehe sie ihn wieder erreicht hätte, habe er schnell sein Taschenmesser gezogen, sich in die linke SalSseite gestochen und rings herum ge- schnitten. WaS weiter geschehen sei, wisse er nicht. Er habe seine Frau nicht berührt und sie auch nicht verletzt. Mit dieser Behauptung rief der Angeklagte eine große Ueber- raschung hervor. In dem Vorverfahren hatte Fischer bisher an- gegeben, er habe seine Frau auf deren ausdrückliches Verlangen hin erst getötet und dann sich selbst in den Hals gestochen, um auS dem Leben zu scheiden. Aus wiederholte Vorhaltungen dcS Vor» sitzenden und des Staatsanwalts Dr. Baumgartcn blieb der An- geklagte bei seiner jetzigen Behauptung. Staatsanwalt Dr. Baum garten: Nachdem der Angeklagte in völliger Abweichung von seinen bisherigen Erklärungen behauptet hat, er habe sich nur selbst töten wollen, nicht aber seine Ehefrau, kann von dem Tatbestand des Z 216 St.-G.-B. sTötung aus Ver- langen) keine Rede mehr sein. Gerade letzt durch sein Leugnen hat sich der Angeklagte des Mordes dringend verdächtig gemacht. Ich stelle deshalb den Antrag, die Sache an das Schwurgericht zu verweisen. Der Angeklagte erklärte weinend:„Ich wollte ihr nur Platz machen. Die Frau hat mich zum unglücklichsten Manne gemacht." Rechtsanwalt Dr. C o ß m a n n führte aus, daß der Angeklagte der einzige Zeuge gewesen und man lediglich aus seine Aussage angewiesen sei. Es sei auch offenbar, daß der Angeklagte in dem Moment, als er sich selbst töten wollte, sich in einer Seelenver- fassung befunden habe, in der er des Gebrauchs seiner Vernunft beraubt gelvejen sei, sodatz eine Freisprechung schon heute geboten erscheine. Die Strafkammer erklärte sich jedoch für unzuständig und ver» wies die Sache an das Schwurgericht, da der Angeklagte des Mordes nach§ Sil St.-G.-B. bringend verdächtig erachtet wurde. Die Verhandlung wird nunmehr in der Ende September be» ginnenden Schwurgerichtsperiode stattfinden. Vermischtes. Eine K-Hlenstaubexplosioit. Nach Senftenberger Meldung erfolgte vorgestern nachmittag in der Anhaltischen Britettfabrik eine Kohlenstaubexplosion, durch die zwei Arbeiter getötet und zwei Arbeiter verletzt wurden. Die Fenster in der Nachbarschaft sind durch die Explosion eingedrückt worden. Der Brand konnte erst gestern morgen gelöscht werden. Ein Golddiebstahl. Aus Budapest wird gemeldet: Auf den Goldbergwerlen bei Marmaroß-Ziget wurde Gold im Werte von über 100000 Kronen von unbekannten Tätern gestohlen. Oessentltche Bibliothek nnd Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung jür jedermann, SW., Meraiidrinenste. 26. Geöffnet täglich von S'/i— 10 Uhr abends, an Sonn, und Feiertagen von S— 1 iliid 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung au». Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 18. August, vormittag» 8'/, Uhr. im Rathaufe, Eingang Jüdenftratze, Saal 109: Versammlung mit freireligiöser Vorlesung,— Vormittng» 10»/, Uhr in der Schule. Kleine Frankfurierstr, 6: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille über:„Biblisch« Sagen". 1. Die Schöpfung,— Damen und Herren al» Gäste sehr ivillkommen. Kranken- u»d Strrbekassc der Metallarbeiter(S, H, 29 Hamburg, Filiale Berlin 4,) Heute abend bei Merkowskt, SlndreoSftr. 26: Mitglieder- Versammlung,— Filiale Rummelsburg, Heut« abend 81/, Uhr bei Gustav Tempel. AII-Boxhagen 56: Mitgliederversammlung. Zentral-Krauken- und BegritbutSkasse kür Frauen nnd Mädchen Teutschlands(E. H. 28, Ostenbach a, M, VerwaliungSstelle Berlin III). Sonntag, den 13, August, nachmittags 5 Uhr, im kleinen Saale des Herrn Obiglo, Schwedterstr. 23: Außerordentliche Mltgliederoersammlung. VI. Wahlkreis. Sonntag, 18. Altgtlst, abds.«Uhr, bei Wilke, Krumlenstr. 188: M Versammiisiig. W Tag-S.Ordnung- Vortrag des Genossen fonckvi über:„Die Frauen und der internationale Kongreß". Nachher: Gemütliches Beisammensein und Tanz. 265/5* ZlrbettSuachweiS: Hos l Amt 3, 1239. Berwaltungöstellc Berti». Hauptbureau: LdsritSstraSs S. Hos III. Amt 3, 1987. Montag, 19. August 1907, abends 8V2 Uhr: Sranehen- Versammlung aller in den Sisengießereien beschäftigten Kollegen und Kolleginnen im großen Saale der Germania-Praditfale, Ehausseestraße Nr. 110. TageS-Ordnung: 1. Lichtbildervortrag de? Genossen Ingenieur P. M. Grempe-Berlin: Die Karlkatar tin Freihcit.kainpr seit 1818. Programm 10 Ps. 2. Mitteilungen der Branchenkommtsflon. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich mit ihren Damen zu erscheinen. Montag, 19. August 1907, abends 8V2 Uhr: Sranehen'Versammlung der Werkzeugmacher im Gewerkschastshaufe, Engel-Ufer Nr. 15 Saal 4. TageS-Ordnung: 1. Arbeitslohn and Kehrwert. Reserent Genosse Grunwald. 2. Neuwahlen zur AgitationSlommijsion. 3. Branchentommission. 123/19 Vollzähliges Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltnns. Mariendorf- Tempelhof. Radfahrer-Verein. Am Sonnabend, den 17. August: 1. Stiftonss- fcst im Lokale des Herrn Pnrschke, Mariendorf, Shausfeestr. 82: Reigensahren, auSgesührt von der Berliner Zentral-Riege, Pantomime Gasthaus zum.Blauen Assen". Humoristische Aussührungen von dem berühmten Volkshumoristcn Max Schmelzer. Hierzu laden wir die Genossen sreundlichst em.[23136] Das Komitee. __ Der Borstand. Achtung! Kki88ejVerlIer, Nieiiei'-LeliöneneMö. Inhaber: Albert Mchcrach. Jeden TienStag Kroßes Kinderfest. Jede» Kind erhält eine Kops» beoeaung und Los gratis, llaepoele- Itivalve, fsotiolpotonaizo, Verlosung und Fm-Tanz. Entree 10 Ps. Vom Schlesischen Bahnhos bis Nieder» SchSnewcide 10 Ps. Um geneigten Zuspruch bittet S477L* Albert 8ehez'neh. Sommerpreise. 5? A. B. Roch 5? Koiilen-Groß-Haiuiluiig Berlin 0. 84, Bronibergerstr. 15. Preise sür nur la Marken ab Platz von 10 Ztr. an: S376L' Prima la Halbsteinc(bekannte Marken).. pr. Ztr. SS Ps. , Pfännerschast... 07 Ps. , la Diamant pr. Ztr.(110 bis 120 Stck.)... 1,00 M. . la Ilse u.Zlkw.... 1.00 M. . laZlutlirazitEadzp.Ztr.S.ZOM. Koks, Steinkohlen usw. z» den billigsten Tngospreisen. Anlieserung srei Keller je nach Quantum pr. Ztr. 10—15 Ps. mehr.— Bei Original- Waggons und größeren Abschlüssen verlangen Sie meine Spezial-Osferte fisthahn-yark Am KUstrlnerplatz, Rüdersdorfarstr. 7t Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und Speziallläten- Vorstellung. Des großen Andranges wegen Ausnahmetage kurze Zeit speziell für alle, welche bisher nicht bedient werden konnten. Kolossale Posten scuen um total zu räumen zn Jedem annehmbaren Preis veräußert worden. schon mehr als 1, des Wertes ermäjügtll Reichhaltige u. prächtige Answahl v.einlachslen bis elegantesten Genre in allen Größen, selbst kür allerstärkste Figuren. Kostüme, Pnletots, Seiden-, Geblrgs-, Staub- und Veborsangs-.Tlilntel. Capes, Bücke, Jacketts, Liftboys, Blasen, Japans usw. Tagt. Eingang von reizenden hochelegant. Herbst-Neuheilen. Serie 1«« 4 5 früher bis M. 19 27 34 48 59 Iii. 0.50 Ö.5Ö 1Ä 15 10.50 Jetzt 8 usw. 152 -35" Hauptgesch.:w.MoIirenslr.3Ia an den Kolonnaden. kl: o. Cr. Franklnrterstr. 118 Sehr großes Trauermagarln. Am 15. August, srüh 61/. Uhr, j verstarb plötzlich unser geliebter Gatte, Vater und Sohn, der s Ncstauratcur Franz SeideB Mttenwaldcrstr. 16. Die Beerdigung findet am l Sonntag, den 18. d. M., nach. mittags 4 Uhr, von der Halle des Heiligen Krcuz-KtrchhosssD!arien- \ torf, auS statt. Um stilles Beileid bitten frau Anna Leidol und Kinder 1 5707L nebet Uutter. ZMäIl!Wli!t!'AtizeIie?VM?ei'eiii für den l Berliner Reietistags-Wattrels. Am 15. August, früh ö1/, Uhr, verschied plötzlich unser treues Mitglied und Abieilungskasfierer in der S. Abteilung, der Nestau- rat cur Franz Seidel Mittcnwalderstr. 16. Bezirl 126. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- lag, den 18. August, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Heilig Kreuz- Kirchhofes(Mariendorf) aus statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 239/16 Der Vorstand. jMstpUmir Am 15. August starb unser alles Mitglied 66/10 Franz Laidal. Sein stille», ruhiges Wesen so- wie seine Anteilnahme an der Arbeiterbewegung sichern ihm ein ehrendes Andenken. Die Beerdigung stndet Sonntag, den 18. August, nachmittags 4 Uhr, aus dem Kreuz-Kirchhose in Mariend ors stalt. Treffpunkt der Sänger: 3'/, Uhr bei Reichardt, Chausscestraste 16. Vösbiinil der freien Gast- u. Schankwirte Deutschlands Ortaverwaltung Berlin. Den Kollegen die traurige Nach- richt, dag unser Mitglied, der Gastwirt Franz Seidel am 15. August im Alter von 37 Jahren plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Slndenken! Die Beerdigung stndet am Sonn- tag, den 18. August, nachmittag? 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig Krenz-KirchhoseS in Marien- dors au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/12 Der Vorstand. Deulscver Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Seelbinder am 14. Zlugust verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Neuen Nazarelh- Kirch- Hosts in Rcinickendors, Bcrliner- straste, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/7 Die Ortsverwaltung. Dr. SchUnernann Spezial-Arzt für 5427L' Unat- und llnrnleiden, Prnncnkrnnkhciten. Frledrldistr. 203, Ecke Schntzenstr. 10«. 5-7, Sonnt. 10-1« Uhr. ISoziaiilemokpatiseliJäiilyereiii für den Ii Den Mitgliedern zur Nachricht, ! dag der Eenoffe F�iedncli Puder, Gastwirt, Hollmannslr. 33, verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 18. August, nachm. 3'/, Uhr, vom Krankenhause am Urban aus nach dem Simeon- Kirchhose in Britz statt. i Um zahlreiche Beteiligung er- i sucht Oer Verstand. ssHtöiid der freien Gast- unil Schankwirte Deutschlands. OrtSvcrwaltung Berlin. Den Kollegen die traurige Nach- richt, dast unser Mitglied, der Gastwitt Friedrldi Puder am 15. August im Alter von 40 Jahren nach langem Kranken- lager verstorben ist. Ehre seincm Andenken! Die Beerdigung stndet am Sonntag, den 18. August, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle deS Urban-KranlenhauseS nach dem Kirchhvs der Simeon- Gemeinde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/13 Der Borstand. Deutscher haetallarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Todes'Anzelgen. Den Kollegen zur Nachricht, daß | unser Mitglied, der Schleiser kränz Baumbacli am 15. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. August, nach- mittag» 4 Uhr, von der Wohnung Utrechtersttaste 6 aus nach dem Nazareth- Kirchhos in Neinicken- dott XV. statt. Rege Beteiligung wird ermattet. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zuleger Etfimrd Grell gestorben Ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. August, nachmittag» 3 Uhr, von der Leichen- balle de» Michael-Kirch Hosts in Rizdott. Hermaunstraste, au» statt. Rege Beteiligung erwartet 123/13 via Ortsverwaltung. Am Donnerstag, den 15. d. M., verstarb unser lieber Kollege, der Former Gtto Seknabel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung stndet am Sonntag, den 18. d. M.. nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Andreas. Kirchhosts, Wilhelmsberg, auS statt. Ole Kollegen der Eisengießerei C. Spatzler. Bekanntmachimg. OrtS'Krnnhtnhnfft der Dachdecker. Die fünfte Abänderung des Statuts, Artikel I S 52, trilt mit dem heutigen Tage in Krast. Berlin, den 16. August 1907. _ A. Salzmann, Vorsitzender._ Sozialdeniokralisctier Waiilvereiii, des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. i Am 15. d. M. verstarb unser/ Mitglied, der Gastwirt Gustav Rotheiler Soldinerstraste 28. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet amt Sonntag, nachmittags 5 Uhr, von k der Halle des neuen Pauls-! Kirchhösts in der Seestraste| (Plötzensee) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht j 265/16 Der Borstand. Statt besonderer Meldung. Verwandten, Freunden und I Bekannten zur Nachricht, dast :r So zur, söhn und Bruder unser lieber IPaul Bieberstein im Alter von 20 Jabren am 15. d. M.. mittags 1% Uhr, nach A langein schweren Leiden sanst entschlafen ist. 2307b fl Dies zeigen tiesbettübt an August Blsbersioln und Frau nebst Kindern. Adalbertstraste 59. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. August, nach- mittags 4 Ubr, von der Leichen- halle deS Michaeltirchhoses, Rix- dott, Hermaunstr. 191/195, aus statt. Deutscher Transpcrtarheiler-Verhand.� Verwaltungsstelle II. Den Mitgliedern zur Nachricht,\ dast unser Kollege, der Lager- arbeiter Uiornas Dutka am 15. d. M. im Alter von 28 Jabren nach kurzer Krankheit an Bauchsellentzündung ge- starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung stndet am Sonntag, den 18. d. M.. nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Pius- Kirchhose» in WilhelmSberg aus statt. 74/15 Die Verwaltung II. Allen Freunden und Bekannten I die lrauttge Nachricht, dast am 14. August, morgen» 4, Uhr,, meine liebe Fran Karoline Rabe nach langem Leiden entschlasen ist. i Die Beerdigung findet ams Sonntag, den 18. August, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle deS hiesigen Gemeinde- sriedhose» au» statt. Ober-Schöneweide. 0er trauernde Gatte. Fritz Rabe. Ein® wöchenlltche Teilzohlung litfere eleaonle fertige i»! Herren-GanMen j Ersatz für Maatz. Antcrttgiuig nacb Maaas. Tatzeaose LilSsuhrung. Julius Fabian, Schneidermetster. Gr. Frankfurterstr. 37, u Eingang Etrauiberger Platz. WßK.. lOtll umanis-Uerkoufs wegen Uebergabe and Umwandlung meines Geschäfts in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung Kaufhaus Max Mannheim Eck© Konlgsöergcr övmsso O FrRIlkfUrtGP AjLIG© 109" 110• i Ecke Konlgsberger Strosse -MÄ iimiieiidiiiii Von Sonnabend, den 1 7. bis Dienstag, den 20. August incl.'Ä Lebensmittel- Abteilung ü Fleischwaren Thüringer Kümmelwurst Pfd. 95 Pf. Thüringer Blockwurst. Pfd. 1.15 m. Thüringer Cervelatwurst Pfd 1.20 m. Thüringer Salamiwurst Pfd. 1.20 m. Westf. Cervelatwurst.. Pfd,1.45M. Pökelrippchen..... Pfun3 55 Pf. Liesen......... i Pfund 70 Pf. Cassler Rippespeer.. Pfund 95 Pf. Pomm. Schinkenspeck. Pfund 1.10 M. Braten-Schmalz..... Pfund 58 Pf. m Rehblätter Wild und Gellüge! das stück 1.70 1.90 m.| Junge Bratgäns© Kolonialwaren m Pfund 68 Pf. ü' iiiü Blütenhonig, gwantirt»te.«/i oi« netto q/-. I Kaffees Inhalt 1 Pfund.»•••••••••••#•* I ilnaitra Mnrk#>n tinH dm vorzOoilchon t Mischung: IV Hl Neue Linsen. i. Pfund 33pf. 1 W Aepfel Pfund 10 Pf. Mifda-Seife, Famnien-Self?, oa, l«0Or. 6tC«k 15 Pf. Mandelblüten-Seife 9 Pf. Weisse Flieder-Seife, a»?-°-bm � '. � tmi müde............. S Stück � O 90 1.10 1.30 1.50 Uour. Marken(Ind de»«orzOgliohen Gesohmaek« wegen albelUg bekannt. Obst und Gemüse Salatgurken....... stück 10 Pf.\ Blumenkohl, grosser Kopf Seifen Harzkern-Seife, neu., m«?.!-> stü«k 40 Pf. hlarzkern-Seife, �, Ttoni 50 Pf. Beste Palm-Cel-Oberschale (ehr trocken. Siegel ca. 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BerccIitiKtcs AnfHeben In allen GoeellMcIiart«. krolwen ihncht die Bc(*rttndnnsr der herannahondon Weltrcvolntlon in der Bronrhüre Proestier, sowie die Flngbliitter:„Anfrof an die dentschc Uandclsn-clt" und„Fnergrlsches Eingreifen des Handels oder Revolation I-' I»»» Wlrtwebaftsblld der Oegenwsrt and der ZnUnntt Ist zu beziehen dorch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto VVebe� Leipzig). Broschüre A, vollftflndige Aufgabe. Mk. 2.— Teil- und Volkf« ausgäbe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vorn Verfasser Kaufmann Michael Proestler in WUrxburg Ter* aaodt» wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Mao verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekt«» Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen«Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit m ehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen(Qr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt- Expedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. TcpblcheiiitlsiarbeiisedlernFadrtt« nlederlage utculie XronfiurlertlrnB, 9, parierte kein Laden. Manerhofi. t-1 Steppderkett billig i> Fabrik Groß« granisurterllratze 9, parierte. ft Gardttteuli»«» tSrogeFi nnknirier» strafie 9. parterre. Kein Laden. Mauerhoss. I f ssahrrader. Teilzahlungen, ftn« validenstrasje Ä), Skalitzerstrave 40.- Hrrreutahrrnd, Dameniahrrad, wie neu, 45,00. Holz, BUnne». ftcnjje Mb. 2515K» Zi'bbiilic!(jeblrrbn(lr) M allen Gröilt» sfir die Häfile des Wertes tut Teppid, Inger Bräun, Hackelcher Markt 4, Babiihos«örie. Wl/1« STebbbcitcu sponbillig, Fabril Wroge gtaiiljuvtcfilrai;t 60. 2167Jt* Wasseraründstiicte. Hermsdors. Deestrafie, umständehalber billig I Quadrairuie 25 Mark. Joachiin, Brumicuslrafie 95. 2298b- Cjusturiicrijauo Ü! 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