Ur. 192. H6onn«mentS'Bcdingungen; Abonnements, PreiZ pränumerando i Lierteljährl. ALS M!., monnH. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags- nummcr mit itluftrierler Sonntags- BeUage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. «bonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige ilusland s Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. kklchelnl IZgllch»ußer Dlootaat. Verltnev VolksblsK. 24. Jahrg. vle TntertlonS'GebQljr veträgt für die fechsgefpaltene Kolonel» zeilc oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Pereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnrcigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jede« weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expcditton ist, bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soslillilemollrzf Berlin". Zcntralorgan der rozialdcmohrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: SQQ. 68, Lindenstrasde 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 18. August expcditton: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Zum Stuttgarter Völkerparlament C'est la lutte finale, Groupons— nous, et demain, L'lntemationala Sera le genre hnmain. Zum zwölften Male seit der Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation tritt heute das Weltparlament der internationalen sozialistischen Arbeiterschaft zusammen— diesmal auf deutschem Boden, in Württembergs Hauptstadt. All die kleinen Fragen, die der tägliche politische Kampf aufwirbelt, verschwinden vor diesem Ereignis und seiner Be- dcutung für den Emanzipationskampf des Proletariats. Während in der bürgerlichen Welt das Vorurteil der Rasse stetig an Macht gewinnt und ein durch die imperialistische Weltpolitik zu wilder Kriegsschwärmerei aufgepeitschter nationaler ParoxismuS die Nationen auseinander- reißt und dermaßen verhetzt, daß die Friedenskonferenz im Haag bisher nicht den geringsten Erfolg aufzuweisen vermag, finden sich in Stuttgart die erwählten Vertreter der internationalen sozialistischen Arbeiterschaft in der gleichen Idee des Klassenkampfes zusammen— zur gemeinsamen Bekämpfung der bestehenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung und ihrer Grund- läge: der Lohnsklaverei. Die Rassen-, Sprachen-, Nationalunterschiede, die die kapitalistische Gesellschaft zerklüften, vermögen die Proletarierschichten der verschiedenen Staaten und Nationen nicht mehr zu trennen. Sie haben erkannt, daß sie von den herrschenden Klassen der eigenen Nationalität weit größere Gegensätze scheiden, als von den unter gleichartigen wirtschaftlichen Lebensbedingungen ihr Dasein fristenden Klassengenossen jenseits der Grenzen. Der Völkerverhetzung trotzend, verfolgen sie den ihnen durch die historische Notwendigkeit gewiesenen Weg in der ihnen durch die Gegner selbst aufgezwungenen Erkenntnis, daß, wenn die Arbeiterklasse im Kampf für eine neue, sozialistische Welt ihr Ziel erreichen will, sich die vielen variierenden Einzelwillen zu einem einheitlich gerichteten, weltumspannenden Gesamtwillen vereinigen müssen. Schon diese alle nationalen Widerstände überwindende internationale Solidarität, diese zunehmende Einheit und Einheitlichkeit der gesamten Arbeiterbewegung verleihen dem Stuttgarter Arbeiterparlament seine kulturhistorische Bedeutung; denn in dieser Solidarität, in diesem Gefühl der Klassengemeinschaft stecken, wenn auch heute vielfach noch gebunden, gewichtige moralische und physische Machtfattoren für den künftigen Befteiungskampf. Selbst wenn die Stuttgarter Tagung an prakttscher Arbeit wenig oder nichts leisten sollte, würde sie doch deshalb als eine Manifestatton des internattonalen proletarischen Klassenbewußtseins eine ungleich höhere Bedeutung in der Geschichte des Werdenden beanspruchen als all die Monarchenbegegnungen, Diplomatenzusammenkünfte, Friedenskongresse usw. der letzten Zeft. Aber die Gegner, die in ihrer eingebildeten polittschen Ueberlegenheit über die inter- uattonalen sozialistischen Arbeiterparlamente spötteln, geben sich einer gefährlichen Selbsttäuschung hin, wenn sie in diesen Parlamenten nicht viel mehr als eine leere polittfche Schaustellung sehen ohne eigentlichen Zweck und Erfolg. Des Stuttgarter Kongresses harrt ein großes Arbeits- Pensum, und wenn auch kaum zu hoffen ist, daß er dieses ganze Pensum erledigt, wird er doch voraussichtlich ein gutes Sttick wertvoller Arbeit leisten. Der Amsterdamer Kongreß hat ihm als Vermächtnis eine Reihe recht schwieriger Probleme hinterlassen; und mehr noch als seine letzten Vorgänger, die internattonalen Kon- grcsse von Zürich, London, Paris und Amsterdam, findet er sich vor ernste, bedeutungsvolle Fragen gestellt, darunter vor allem die wichtige Frage, welche Mittel zu ergreifen sind gegen- über dem durch die imperialistische Strömung mächtig geförderten Fortschritt des Militansmus und wie sich im Falle internattonalcr Konflikte das Proletariat der beteiligten Staaten zu den Kriegsttcibcrcien der kapitalistischen Bevölkerungsschichten zu verhalten hat; ferner die Frage, welche Stellung das sozialistische Proletariat entsprechend seiner geschichllich gegebenen Positton ini heutigen Entwickelungsprozeß zu der kapitalistischen Kolonialpolitik sowie zu der Einwanderung bezw. Einfuhr von bedürfnislosen Arbeitern aus kulturell rückständigen Ge- bieten in entwickeltere Länder mit einem höheren Lebensstand der Arbeiterschaft nehmen muß. Das sind nicht nur sehr wichttge, sondern auch in Anbetracht der verschieden- arttgen, vielgestalttgen Lebens- und Arbeitsverhältnisse äußerst schwierige und verantwortungs- volle Fragen, denen sich noch verschiedene andere, nicht viel weniger schwierige Probleme an- reihen. An Arbeit, im Plenum wie in den Kommissionen, mangelt es demnach dem Stutt- garter Völkerparlament nicht, und ohne prophettsche Begabung läßt sich voraussagen, daß es an erregten Debatten und hcfttgem Meinungsstteit in Stuttgart nicht fehlen wird. Aber trotzdem rechnen wir zuversichtlich darauf, daß das schließliche Ergebnis der Tagung nicht nur in einer weiteren Stärkung der inneren Einheitlichkeit der internattonalen Arbeiterbewegung bestehen wird, sondern auch in einer wertvollen praktischen Arbeitsleistung: in einer noch schärferen Absteckung der Grenzlinien, die den proletarischen Klassenkampf von dem weltpolitischen Macht st reden der kapita- listischen Klassen scheiden, und in der Aufstellung weiterer RichtungS- und Onentterungspunkte für den sich zwar auf verschiedenen Etappenstraßen vollziehenden, aber auf das gleiche Ziel hinsteuernden Vormarsch der großen internattonalen Arbeiterarmee. Mehr als vierzig Jahre ist es her, seft das sozialisttsche Proletariat, damals noch eine schwache Schar vereinzelter Pioniere, seinen ersten internationalen Kongreß abgehalten hat. Im November 1863 war auf Grund der von Marx entworfenen Statuten in London die Internationale Arbeiterassoziatton begründet worden und hatte als ihr Ziel die Einanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse selbst im„planmäßigen Zusammen- wirken" der Proletarier aller Länder proklamiert. Langsam aber sicher ge- langte die neue Arbeiterliga vorwärts, und im Jahre 1866 konnte sie in Genf ihren e r st e n internationalen Kongreß abhalten, dem 1867, 1868, 1869 und 1872 vier weitere Zusammenkünfte in Lausanne, Brüssel, Basel und im Haag folgten. Doch die polittfche Gestaltung Europas in den Jahren 1870/72: der deutsch' ftanzösische Krieg, der Fall der Pariser Kommune, die Stellungnahme des größten Teils der englischen Trade-Unions gegen die Kommunekämpfer, besonders aber die in der Inter- nattonalcn selbst ausgebrochenen Zwistigkeiten zwischen den anarchistischen und sozialistischen Richtungen setzten der Wirksamkeit der Arbeiterassoziation ein Ende. Der Haager Kongreß bedeutete, wenngleich die sozialisttsche Richtung die Mehrheit der Sttmmen behielt und die Verlegung des Generalrates, der Bundesleitung, nach New Aork beschloß, tatsächlich die Auflösung der Afsoziatton. Die Jnternattonale trat von der polittschen Bühne zurück. Doch der Gedanke der internattonalen Solidarität hatte in den Proletarierherzen Wurzeln gefaßt. Das Bedürfnis nach Verständigung und gemeinsamem Vorgehen trieb die nationalen sozialistischen Arbeiterparteien, die sich inzwischen in den wirtschaftlich vorgeschrittendsten Ländern gebildet hatten, immer wieder dazu, an die Ueberlieferungen der alten Internationale anzuknüpfen. 1877 fanden in Gent, 1881 in Chur, 1883 in Paris internattonale Arbeiterkonfcrenzcn statt, die jedoch sämtlich nur schwach beschickt waren und keine größere Bedeutung für die inter«' nattonale Arbeiterbewegung erlangten. Den eigentlichen Anstoß zur Wiederherstellung der früheren internationalen Beziehungen zwischen den sozialistischen Arbeitern der verschiedenen Länder gab erst der Kongreß der deutschen sozialdemokrattschen Partei in St. Gallen, indem er im Ottober 1887 die deutsche Parteileittmg beaufttagte, im Verein mit den Arbeiterparteien anderer Länder für den Herbst 1888 einen internattonalen Arbeiterkongreß einzuberufen zu dem Zweck, gemeinsame Schritte zur Verwirttichung einer internattonalen Arbeiterschutzgesctzgebung herbeizuführen. Der geplante Kongreß kam zwar nicht mehr im Herbst 1888, wohl aber im nächsten Jahre, am 14. Juli 1839, dem Jahrhunderttag des Pariser Bastillcsturmes, in Paris zustande— der„größte Kulturtriumph und die größte Kulturtat des 19. Jahrhunderts", wie ihn mit vielleicht allzu hoffnungsftcudigcr Begeisterung Liebknecht in dem von ihm herausgegebenen deutschen Kongreßprotokoll nannte. Die nächsten internattonalen Zusammenkünfte von Brüssel(1891), Zürich(1893), London(1896) entsprachen nicht ganz den Erwartungen, die der Pariser Kongreß von 1889 verhieß; doch mit dem zweiten Pariser Arbeiterparlament vom Jahre 1900 nahmen die internationalen Arbeiterkongresse wieder eine aufsteigende Bewegung. Die Erkenntnis, daß die internattonale Solidarität eine der wichtigsten Vorbedingungen für den Sieg des sozialisttschcn Proletariats ist, überwand alle Hindernisse. alle Schwierigkeiten, die sich den mehrsprachigen Verhandlungen und der Einigung der verschiedenen Auffassungen auf bestimmte gleiche Richtlinien entgegenstellten. Und einen noch größeren Erfolg als der Pariser hatte der Amsterdamer Kongreß im Jahre 1904. Wenn er auch mehr Fragen aufwarf als löste und dem heute beginnenden Stuttgarter Völker- Parlament eine reiche Erbschaft an schwierigen Problemen hinterließ, so hat er doch die früher einander bekämpfenden französischen Bruderparteien zur Verständigung und zur Einheit geführt. Wir hoffen und wünschen, daß der Stuttgarter Kongreß diese aufsteigende Richtung fortsetzt, daß er mehr. Bedeutenderes, Größeres leistet als seine beiden letzten Vorgänger, daß er die sozialistischen Arbeiterparteien der verschiedenen Länder einander noch näher bringt, damit sie sich immer mehr als gleiche Glieder derselben großen sozialistischen Arbeiterarmce fühlen. In diesem Wunsche heißen wir die Delegierten, die im Dienste der Arbeiterschaft aus allen Gegenden des Erdballs herbeigeeilt sind, um mitzuarbeiten an dem Aufbau einer besseren, sonnigeren Zukunft, herzlich willkommen. Mitkommen auf deutfehem Boden! Die Interoatlonalc! Es werden nächsten Monat 43 Jahre, daß in der St. Märtins» Hall in London die Internationale gegründet und damit begonnen wurde, den Mahnruf des kommunistischen Manifestes:«Prole- tarier aller Länder vereinigt Euch!" in die Praxis >zu übertragen. Aller Anfang ist nicht nur schwer, sondern in der Regel auch klein. Noch herrschte im Jahre 18S4 Ruhe über den Wässern der proletarischen Bewegung. Der Sozialismus war dem Proletariat noch eine fremde Idee. Erst ein Jahr zuvor war die erste sozialistische Organisation gtoßeren Stils in Deutschland, der „Allgemeine deutsche Arbeiterverein", durch Lassalle ins Leben gerufen worden. Aber auch diese Organisation umfaßte nur wenige hundert Mitglieder und wurde gerade aus der Ar- beiterschaft heraus lebhaft bekämpft. In allen anderen Ländern existierte kaum eine nennenswerte sozialistische Organisation, wenn wir von dem in den vierziger Jahren in Baden gegründeten Ar» beiter-Bildungsverein absehen. In England bestanden zwar die Trade-Unions, die bereits eine achtunggebietende Macht sich errungen hatten, aber sozialistische Ideen suchte man in ihnen vergebens. In Frankreich waren die Sozialisten in die verschiedensten Schulen gespalten, die sozia- listischen Organisationen waren klein und besaßen einen sektiere- rischen Charakter. Ihre Mitglieder rekrutierten sich hauptsächlich aus den Kreisen der Intelligenz. Zwar hatten die Sozialisten der verschiedenen Schulen in der Februar-Revolution ein ernstes Wörtlein mitgesprochen, es war ihnen sogar gelungen, die Massen mitzureißen; aber die Junischlacht und das später folgende Staats- streichsregiment eines Louis Bonaparte vernichteten die vielver- sprechenden Anfänge einer sozialistischen Bewegung wieder. In den übrigen Ländern Europas waren sozialistische Ele- mente nur sporadisch vorhanden. In den Vereinigten Staaten tobte der Sklavenbefreiungskrieg. Nirgends bestanden Sammel- punkte, um die die sozialistischen Elemente sich kristallisieren konnten. Doch hatte bis zu Anfang der sechziger Jahre die kapi- talistische EntWickelung außer in England und.Frankreich ganz besondere Fortschritte in Deutschland, Belgien und der Schweiz gemacht und ein industrielles Proletariat geschaffen, das empfänglich war für den in London ausgestreuten Samen, der langsam zu keimen begann. Eigentlich wurde mit der Begründung der Internationale, ehe noch die nötigen Grundlagen in den einzelnen Ländern vorhanden waren, der Bau vom Dach aus begonnen. Nichtsdestoweniger hat die Internationale außerordentlich anregend und befruchtend auf die Bewegung in den verschiedensten Ländern gewirkt und viel- fach er st die Anregung zur Gründung nationaler sozialistischer Organisationen und Parteien ge« geben. Vom Standpunkt dieser Tatsachen aus erklärt sich, daß es für die Gründer und Leiter der Internationale, in erster Linie für Marx und Engels, außerordentlich schwer war und ein U ebermaß von Arbeit, Mühe und Geduld heischte, die Bewegung in den der- schiedenen Ländern in Fluh zu bringen und attionSfähige Organe zu schaffen. Im Jahre 186S beschränkte sich die Leitung der Jnter- nationale, der Generalrat, auf die Berufung einer Konferenz nach London, deren Haupfteilnehmer die Leiter einer Anzahl englischer Trade-Unions waren, die in den ersten Jahren des Bestehens der Internationale ein« weit sympathischere Stellung zu ihr ein» nahmen, als in späteren Jahren. Im September 18SS hielt die Internationale ihren ersten Kongreß in Genf ab. Mittlerweile war eö der außerordentlichen Rührigkeit und Opferwilligkeit Jean Philipp Beckers in Genf ge- lungen, in der Schweiz eine Anzahl Organisationen der Jnter- nationale zu gründen oder bestehende Organisationen zum An- schluß an sie zu bewegen. Ferner gründete er im„Borboten" ein tüchtige? Organ der Internationale, das seiner Aufgabe ge» recht wurde. In der Schweiz fand auch der zweite Kongreß der Internationale statt, und zwar 18S7 in Lausanne. Der dritte folgte 1883 in Brüssel, nachdem in Belgien die Bewegung ebenfalls festen Fuß gefaßt hatte. Der vierte Kongreß wurde 1889 wiederum in der Schweiz, und zwar in Basel, abgehalten. Dieser war für die deutsche Bewegung insofern von besonderer Bedeutung, als die in demselben Jahre in Eisenach gegründete sozialdemokratische Ar- beiterpartei Jean Philipp Becker und Wilhelm Liebknecht als ihre offiziellen Delegierten nach Bafel sandte, wo als wichtigster Punkt über die Grund- und Bodenfrage verhandelt und im kommunistischen Sinn« entschieden wurde. Diese Verhandlungen wirbelten in Deutschland viel Staub auf. Namentlich veranlaßten sie eine scharfe Auseinandersetzung zwischen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und den süddeutschen Demo- kraten, die bisher der ersteren sympathisch gegenüber gestanden hatten. Um eine klare Auseinandersetzung herbeizuführen, wurde beschlossen, die Grund- und Bodenftage auf die Tagesordnung deS im Jahre 1870 in Stuttgart tagenden Parteikongresses zu setzen. Ich wurde dafür zum Referenten bestimmt. Die von mir vor- geschlagene und vom Kongreß angenommene Resolution deckte sich selbstverständlich mit den Baseler Beschlüssen. Damit war das Tischtuch zwischen der bürgerlichen Demokratie und unS zer» schnitten. In demselben Jahre sollte auch der erste internationale Kongreß auf deutschem Boden, und zwar in Mainz abgebalten werden. Der im Juli ausbrechende deutsch-ftanzösische Krieg machte daS unmöglich. Der Kongreß unterblieb für dieses Jahr; aber auch im nächsten war er unmöglich. Der furchtbare Aderlaß, den die französischen Sozialisten durch die Niederwerfung der Kommune erlitten, und ds« Verfolgungen, die danach auch in Deutschland in- szeniert wurden, ließen es dem Generalrat ratsam erscheinen, sich mit einer Konferenz in London zu begnügen. Mittlerweile waren jedoch auch in der Internationale zersetzende Elemente aufgetaucht. In der Westschweiz hatte sich in den In- dustrieorten deS Jura die jurasische Föderation gebildet, deren geistiges'Oberhaupt Bakunin war. Die Zerwürfnisse erweiterten sich, sie griffen über nach Frankreich. Spanien. Belgien, wo ge- nügend Boden für sektiererische und anarchistische Bestrebungen vor- Händen war. Daraus entstanden speziell für die Häupter des. Generalrats, Marx und Engels, eine Menge Unannehmlichkeiten. War Marx schon während der vorhergehenden Jahre durch seine Stellung im Generalrat in seinen wissenschaftlichen Arbeiten gehindert worden, so wurden diese jetzt ganz unmöglich. Korrespondenzen, öffentliche Preßpolemiken, Sitzungen aller Art nahmen seine und Engels Zeit gänzlich� in Anspruch. Man be- greift, daß beide Sehnsucht hatten, die auf ihren Schultern ruhende Last loszuwerden. Der im September 1872 im Haag zusammen- tretende Kongreß bot dazu die Gelegenheit. Der Kongreß war stärker besucht, als alle seine Vorgänger, und gerade zum Teil auS Ländern, die zum ersten Male vertreten waren. Die Idee der Internationalen hatte trotz der Wirren im Innern� an Einfluß nach außen gewonnen. Das Endresultat deS Kongresses war, daß der Generalrat nach New gork verlegt wurde. waS unter den ge- gebenen Umständen eine Versumpfung der Internationale be- deutete- Höchst merkwürdig war, daß die Internationale in den wenigen Jahren ihres Bestandes sich dcu Nimbus einer ungeheuren Macht und einer enormen Auhängerschar erworben hatte. Man muß noch heute lächeln, liest man die großen Zahlen, die angeblich ihren An- hang bildeten. So sollte sie z. B. allein in Spanien weit über 188 000 Mitglieder zählen. Und die Gegner glaubten dieses alles nicht nur, sondern sie halfen noch, die Macht der Internationale ins Ungeheuerliche zu übertreiben. Wie anderthalb Jahrzehnte später Puttkamer im deutschen Reichstage erklärte, hinter jedem Streik lauere die Hydra der Revolution, so sah damals die bürger- liche Welt hinter jedem Streik in irgend einem Lande Europas Marx und die Internationale. Hunderttausende, ja Millionen Frank aus den Kassen der Internationale standen nach Ansicht der Gegner den Streikenden zur Verfügung. Eines Tages war ich selbst unfreiwilliger Augen- und Ohren- zeuge, wie eines der Häupter der deutschen Manchesterpartei. Prince-Smith, seinen am selben Tische sitzenden Nachbarn eine gruselige Geschichte über die Macht der Internationalen auftischte. Liebknecht und ich waren im Sommer 1369 während der Tagung des Zollparlaments durch Robert Schweichel in den Berliner Schriftstellerverein eingeführt worden. Mir gegenüber saß Prince- Smith, der mich nicht kannte und im Laufe des Abends seinen verblüfften Zuhörern erzählte: er habe heute von befreundeter Seite aus Belgien einen Brief erhalten, worin ihm aus bester Quelle mitgeteilt worden sei, der Generalrat der Internationale habe 3 Millionen Frank zur Unterstützung der damals in Belgien und der Schweiz auSgebrochenen zahlreichen Streiks zur Verfügung gestellt. Ich hatte Mühe, das Lachen zu verbeißen, denn ich wußte, daß der Generalrat glücklich gewesen wäre, hätte er statt 3 Millionen nur 30 080 Frank zur Verfügung gehabt. Bei den Regierungen bestanden ähnliche Vorstellungen über die Macht der Internationale. Die französischen Bourgeois- Republikaner sahen in ihr mit Unrecht die Urheberin der Kommune. Die Angehörigen der Internationale wurden wegen ihrer Zu- geHörigkeit zu derselben in Frankreich mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft. Bismarck hatte nach dem Friedensschluß mit Frankreich nichts Eiligeres zu tun, als eine internationale Kon- ferenz der Regierungen anzuregen zu gemeinsamen Schritten gegen die gefürchtete Internationale. In Oesterreich war damals das Ministerium Hohenwart-Schäffle an der Regierung, und hier war es der letztere, der Herrn von Beust, dem Leiter der aus- wältigen Politik, den Star stach. Schäffle hatte einige Jahre zuvor, als Mitglied des Zollparlaments in Berlin mit Liebknecht und mir in häufigem, geselligem Verkehr gestanden, und so war er über manche Dinge etwas besser unterrichtet als der eiserne Wenn die Emanzipation der Arbeiterklassen daS Zusammen- wirken verschiedener Nationen erheischt, wie jenes große Ziel er- reichen mit einer auswärtigen Politik, die frevelhafte Zwecke ver- folgt, mit Nationalvorurteilen ihr Spiel treibt und in piratischen Kriegen deS Volkes Blut und Gut vergeudet? Nicht die Weisheit der herrschenden Klassen, sondern der heroische Widerstand der englischen Arbeiterklaffe gegen ihre verbrecherische Torheit be- wahrte den Westen Europas vor einer transatlantischen Kreuz- fahrt für die Verewigung und Propaganda der Sklaverei. Der schamlose Beifall, die Scheinsympathie oder idiotische Gleichgültig. keit, womit die höheren Klaffen Europas dem Meuchelmord des heroischen Polen und der Erbeutung der Bergfeste des Kaukasus durch Rußland zusahen; die ungeheueren und ohne Widerstand er- laubten Uebergriffe dieser barbarischen Macht, deren Kopf zu St. Petersburg und deren Hand in jedem Kabinett von Europa, haben den Arbeiterklassen die Pflicht gelehrt, in die Geheimnisse der internationalen Politik einzudringen, die diplomatischen Akte ihrer respektwen Regierungen zu überwachen, ihnen, wenn mög- lich: entgegenzuwirken; wenn unfähig: zuvorzukommen, sich zu ver- einen in gleichzeitigen Denunziationen, und die einfachen Gesetze der Moral und des Rechts, welche die Beziehungen von Privat» Personen regeln sollten, als die obersten Gesetze des Verkehrs von Nationen geltend zu machen. Marx: Jnauguraladresse. Kanzler, der angeblich erst durch meine Kommunerede im Reichs- tage(Mai 1871) über die internationale Gefahr aufgeklärt worden sein wollte. Schäffle war eS auch, der nach seinem Eintritt ins Ministerium Hohenwart eS durchsetzte, daß die wegen Hochverrats zu vieljährigem Zuchthaus verurteilten damaligen Genossen Ober- winder. Most, Scheu usw. begnadigt wurden. Die Internationale war also vom Jahre 1372 ab taffächlich ausgeschaltet, dafür begannen jetzt überall die nationalen Partei- bildungen sich zu entfalten; und diese allein konnten die feste Basis für eine dauernde internationale Verbindung bilden. Frei. lich währte es ein wenig lange. Die Niederlage der Kommunarden und die ihr folgenden Verfolgungen des französischen Sozialismus, die inneren Parteikämpfe in Deutschland, an die sich nach kaum er- folgter Einigung neue Verfolgungen und schließlich 12 Jahre Sozialistengesetz anreihten; ferner die Parteiwirren in Oester. reich, die erst durch das äußerst geschickte Eingreifen und die hoch. herzige persönliche Hingabe Viktor AdlerS gegen Ende der achtziger Jahre ihr Ende erreichten: alles das war nicht geeignet, einen internationalen Zusammenschluß zu beginnen und zu pflegen. Kaum aber waren alle diese Schläge überwunden, kaum hatten die Parteien neue Lebenskraft gewonnen, so stellte sich auch wieder daS Bedürfnis nach internationaler Verbindung ein. Der Versuch, Anfang der achtziger Jahre in der Schweiz einen internationalen Kongreß abzuhalten, hatte keinen nennenswerten Erfolg. DaS Be- kanntwerden der Absicht genügte aber, um die Züricher Bourgeoisie in die größte Auflegung zu versetzen und einen PetitionSshum zu organisieren, um da» verbot deS Kongresses im Kanton Zürich durchzusetzen. Der Kongreß fand unter schwacher Beteiligung in Chur statt. Charakteristischerweise gab eS'M� Kanton Zürich einen Ort, das Dorf Offingen, in dem sich nicht eine Stimme zur Unterzeichnung der Publikation gegen Abhaltung eines inter- nationalen Kongresses fand. Ursache war. daß das Jahr zuvor die deutsche Sozialdemokratie in dem bei Offingen gelegenen alten Schloß Wyden ihren Kongreß unter dem Ausnahmegesetz abgehalten hatte, und die Offinger Arbeiter und Bauern hatten damals einen so guten Begriff von den sozialdemokratischen Delegierten be- kommen, daß sie für ein Verbot eines internationalen Kongresse? nicht zu haben waren. Da rückte 1889 das Jubiläumsjahr des Sturmes auf die Bastille heran, von verschiedenen Seiten kam die Anregung, die Feier zu benutzen, um wieder einen internationalen Kongreß, und zwar w Paris abzuhalten. Die Einberufung desselben erfolgte. nachdem die Führer der verschiedenen Parteien sich im Herbst 1888 auf einer Konferenz im Haag über die Einberufung desselben ver- ständigt hatten. Soweit der Besuch in Frage kam. gelang der Kongreß über Erwarten. An 488 Delegierte traten zusammen. darunter 98 aus Deutschland. DaS Arrangement des Kongresse» ließ dagegen viel zu wünschen übrig, denn unsere französischen Genossen waren für dergleichen Veranstaltungen noch zu wenig organisiert und Geldmittel fehlten ihnen gänzlich. Aber von Kongreß zu Kongreß wurde es nach jeder Richtung besser. Brüssel 1S91. Zürich 1893. London 1896, Paris 1900, Amsterdam 1004 sind die Etappen, die feit 1889 die Internationale marschierte. Und als es gelang, im internationalen Bureau ein Organ zu schaffen, daS der Mittelpunkt für die Tätigkeit der Internationale wurde, stand dieselbe auf festen Füßen. Die er sie Internationale begann mit der Schaffung einer Spitze, noch ehe die rechte Basis dazu vor- handen war; die zweite Internationale schuf sich diese Spitze er st, nachdem der Bau ge- nügend fundamentiert war. Das ist kein Vorwurf gegen die alte Internationale. Diese handelte, wie sie handeln mußte, und sie tat Wohl daran. In diesen mehr als 40 Jahren internationaler Bewegung hat eine gewaltige Umwälzung der Verhältnisse, der ökonomischen und der politischen, stattgefunden, damit aber auch eine gewaltige Um- gestaltung und Erweiterung der Massenbewegung des Proletariats. Ter Unterschied zwischen damals und heute ist ein ungeheurer. Drastisch trat dieser Unterschied in die Erscheinung, als in einer Festschrift der holländischen Genossen auf dem Kongreß zu Amsterdam die Abbildung des unscheinbaren, spelunkenhaften Lokals dargestellt wurde, in dem der letzte Kongreß der alten Jnter- nationale im Jahre 1872 im Haag abgehalten worden war. und man diese Abbildung im Vergleich stellte zu dem palastähnlichen Gebäude, in dem der Kongreß im August 1984 in Amsterdam tagte. Wie hierin so ist seitdem auch auf anderen Gebieten der Unterschied ein riesenhafter geworden. Im Haag waren 1872 einige 80 Delegierte versammelt, in Stuttgart wird die Zahl derselben mehr als das Zehnfache betragen. Mit Ausnahme von China wird kein Staat mit moderner Industrie unvertreten sein. Aber die Hauptsache" ist: heute besteht unter den klassenbewußten Arbeitern der ganzen Kulturwelt eine Einigkeit und Einheit über daS gemeinsame Ziel und die Wege zu diesem Ziele, die kaum noch ernsthaste Meinungsverschieden. beiten aufkommen läßt. Eine Erscheinung, die einzigartig in der Geschichte der Entwickelung der Menschheit ist. So ist der Mahnruf des kommunistischen Manifestes: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch'." nunmehr zur Tat und Wahrheit geworden. Bedauern können wir nur, daß es den Verfassern jenes einzig dastehenden historischen Aktenstücks nicht vergönnt war, diese Riesenentwickelung zu erleben. Doch ist einer noch am Leben, der an der Beratung des kam- munistischen Manifestes teilnahm, unser Landsmann Friedrich Leßner in London, der in diesen Tagen mit besonderer Genug- tuung nach Stuttgart blicken wird. Der Stuttgarter Kongreß wird weiterführen, WaS seine Bor- gänger mit Erfolg begonnen. Kampfgenosse»! seid gegrüßt! August Bebel. Die internationale Verbindung der GewerKkbaften. Erweist sich die internationale Verbindung für die poli- tische Arbeiterbewegung als absolut notwendig, so ist sie für die gewerkschaftliche Bewegung geradezu unentbehrlich. Es ist nicht nur das gleiche Ziel und die gleiche Tendenz, was die beiden Richtungen der Arbeiterbewegung veranlaßt, inter- nationale Verbindung zu suchen, sondern es sind wichtige praktische Fragen, die zu einer solchen Verbindung zwingen. Für die politische Arbeiterbewegung handelt es sich um eine Verständigung über ein gemeinsames Vorgehen zur Durch- fllhrung der Demokratie und besonders � um gleichartige Formulierung der Forderungen betreffend die Arbeiterschutz- gesetzgebung. Für die Gewerkschaften aber ist nicht nur eine Verständigung bezüglich der zu stellenden Forderungen not- wendig, sondern die internationale Verbindung soll eine unmittelbare praktische Wirkung ausüben, indem sie den Zu- zug von Streikbrechern unterbindet und für gegenseitige Unterstützung der organisierten Arbeiter bei schweren Känip- fen mit den Unternehmern sorgt. Es ist somit erklärlich, daß schon bei den ersten Anfangen der gewerkschaftlichen Bewegung sich das Bestreben zeigte, eine internationale Verbindung herbeizuführen. Der am 28. September 1864 auf einem Meeting in London gegrün- deten„Internationalen Arbeiterassoziation" sollten in gleicher Weise politische Vereine, wie Gewerkschaften ange- hören. Die von den Angehörigen der sozialdemokratischen Partei(Eisenacher) in Deutschland gegründeten„Jnter- nationalen Gewerksgenossenschaften" sollten, wie schon der Name besagt, sich über die Grenzen des Landes hinaus er- strecken. Wie bei diesen ersten Gründungen gewerkschaftlicher Organisationen, die neben den im..Allgemeinen Arbeiterschaftsverbande" vereinigten Gewerkschaften der Partei der Lassalleaner auftraten, sich daS Streben nach internationaler Verbindung der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft sich zeigte, so tritt es auch in der weiteren Entwickelung der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland hervor. Dieses Drängen nach einer internationalen Verbindung fand seinen unfreiwilligen Abschluß mit dem Erlaß des Sozialistengesetzes. Während dessen zwölfjähriger Herrschaft konnten die Gewerk- schaften in Deutschland nicht einmal untereinander Verbin- dung halten, viel weniger noch internationale Verbindung suchen. So kam es. daß ein für das Jahr 1888 von.englischer Seite einberufener Gewerkschaftskongreß von den GeWerk- schaften Deutschlands nicht besucht wurde. Es war jedoch nicht nur der Umstand, daß eine Teilnahme an diesem Kongreß die Gewerkschaften Deutschlands der Gefahr einer polizeilichen Auflösung aussetzte, sondern auch die Erkenntnis, daß das. was für die Gewerkschaften sich in bezug auf internationale Verbindung notwendig machte, nicht auf einem internatio- nalen Gewerkschaftskongreß geschaffen werben konnte. Auch heute noch ist diese Meinung bei den Gewerkschaften Deutsch- lands vorhanden und sie wird von den Organisationen der in gewerkschaftlicher Beziehung gut organisierten Ländern geteilt. Ehe eine allgemeine internationale Verbindung der Ge- werkschaftcn eintreten kann, müssen die Organisationen jedes Landes sich zu gemeinsamem Wirken vereinigt haben. Ist das geschehen, so bedarf eS, wenigstens vorläufig nicht, be- sonderer Gewerkschaftskongresse, sondern eS genügt, wenn die Landeszentralen, d. h. die Zentralstellen der gewerkschaftlichen Organisationen jedes LandeS. sich über naheliegende vraktische Fragen verständigen. Daneben haben dann die einzelnen Be- rufSorganisationen mit den gleichartigen Gewerkschaften in anderen Ländern Verbindung zu halten. Fragen allgemeiner Natur, welche die Gewerkschaften besonders inter- essicren, kann sehr wohl der internationale sozialistische Kon- greß erledigen, die speziellen Berufsfragen aber würde auch ein Gewerkschaftskongreß nicht zu lösen vermögen. Diese Meinung ist allgemein bei den Gewerkschaften aller Länder vorhanden und ihr entsprechend ist gehandelt worden. So haben einzelne Gewerkschaften in Deutschland noch zur Zeit des Sozialistengesetzes internationale Verbindung mit den Bruderorganisationen gesucht. Deren erste wurde von den Buchdruckern im Jahre 1889 geschaffen. Tann folgten 1890 die Bergarbeiter und Tabakarbeiter, 1892 die Glas- arbciter und Handschuhmacher, 1893 die Holzarbeiter, Hut- machcr, Kupferschmiede, Metallarbeiter, Sattler, Schuh- macher, Steinsetzer, Textilarbeiter und Töpfer. 1894 die Kirschner und Vergold'er, 1895 die Bildhauer, 1896 die Brauer, Lederarbeiter, Lithographen und Schneider, 1897 die Hafen- arbeiter und Seeleute, 1898 die Bäcker, Porzellanarbeiter und Steinarbeiter und 1900 die Handels-, Transport- und Der- kehrsarbeiter und die Handlungsgehülfen. Im Jahre 1900 bestanden internationale Beziehungen für die Organisationen von 32 Berufen, 1906 für die Organisationen von 38 Be- rufen. Viele dieser Verbindungen waren und sind noch heute sehr loser Natur. Einige der Verbindungen, die vor dem Jahre 1900 geschlossen waren, sind wieder gelöst und sollen erneut herbeigeführt werden. Festere organische Verbin- düngen sind nur bei wenigen Gewerkschaften vorhanden, doch zeigen sich hier von Jahr zu Jahr Fortschritte. So wurden rm �ahre 1906 bereits für die vier Berufe der Buchdrucker, Holzarbeiter, Metallarbeiter und Transportarbeiter inter- nationale Organe herausgegeben, die in drei Sprachen er- scheinen. Zweck dieser Vereinigungen ist nicht nur der Aus- tausch von Nachrichten, sondern Verminderung des Zuzuges von Streikbrechern und gegenseitige materielle Unterstützung. Die letztere beschränkt sich, abgesehen von den Buchdruckern, zurzeit noch auf die Gewährung freiwilliger Beiträge bei Streiks und Aussperrungen. Seit dem Jahre 1901 ist neben diesen internationalen Verbindungen für die einzelnen Berufe auch eine Verbindung der gewerkschaftlichen Landeszentralen herbeigeführt. Die Sekretäre der gewerkschaftlichen Landeszentralen, die als Gäste dem skandinavischen Arbeiterkongretz im Jahre 1901 in Kopenhagen beiwohnten, traten zusammen, um über eine nähere Verbindung der Gesamtorganisation der einzelnen Länder zu beraten. Auf der dann folgenden zweiten inter- nationalen Konferenz der Vertreter der gewerkschaftlichen Landeszentralen im Jahre- 1902 in Stuttgart wurden be- stimmte Regeln für die internationale Verbindung aufgestellt und wurde die Landeszentrale von Deutschland mit der Er- ledigung der Geschäfte betraut. Die dann folgenden Kon- ferenzen 1903 in Dublin und 1905 in Amsterdam vervoll- kommneten die in Stuttgart getroffenen Bestimmungen. Diese gehen dahin, daß alljährlich von jeder Landeszentrale an das internationale Sekretariat ein Bericht über die Be- wegung im Lande zu erstatten ist. Der internationale Sekre- tär hat die Berichte zusammenzustellm und in drei Sprachen zu veröffentlichen. � Ferner ist bestimmt, daß Unterstützung von Streiks von einem Lande zum anderen, abgesehen von der Unterstützung, welche die einzelnen Berufsorganisationen auf Grund internationaler Verträge sich gegenseitig ge- währen, nur dann erfolgen soll, wenn ein entsprechendes Ge- such von der betreffenden Landeszentrale gestellt und von dem internationalen Sekretär den sämtlichen Landeszentralen zugestellt ist. Hierdurch ist den unkontrollierbaren Samm- lungen für Streiks vorgebeugt. Die Unkosten, welche das internationale Sekretariat hat, werden durch Beiträge gedeckt. die von 1903 bis 1905 50 Pf. und von da ab 1 M. pro 1000 Mitglieder der angeschlossenen Organisationen be- tragen. Dem internationalen Sekretariat sind beigetreten England(hier jedoch nur die in der General Federation of Trade Unions vereinigten Gewerkschaften, die zirka 30 Proz. der gewerkschaftlich Organisierten Englands um- fassen), Frankreich, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden. Norwegen, Deutsch- land, Oe st erreich, Ungarn, Serbien, Bul- garien,. Schweiz, Italien und Spanien. In diesen Ländern waren(mit Ausnahme von Frankreich, für das kein Bericht vorlag) im Jahre 1905 insgesamt 4 631 678 Arbeiter und Arbeiterinnen gewerkschaftlich organisiert, von denen 2 524 680 den Landeszentralen angeschlossen waren. Diese Zahl ist für das Jahr 1906 auf 2 867 650 gestiegen. Es ist bereits eine stattliche Arbeiterarmee, die inter- national vereinigt und zur Ausübung internationaler Soli- darität bereit, dem Unternehmertum gegenübersteht. Dieses hat stets, trotz des zur Schau getragenen Patriotismus, inter- national geschlossen gehandelt. Wenn es darauf ankommt, die Arbeiterschaft des eigenen Landes niederzuhalten, dann schwinden die Grenzen und aus allen Teilen der Welt werden auf niedrigster Kulturstufe stehende Arbeiter herangeholt, um den um ihre Existenz kämpfenden Arbeitern des eigenen Landes eine Niederlage zu bereiten. Die Arbeiter brüsten sich mit ihrem Patriotismus nicht. Sie wissen, daß die wirt- schaftliche Ausbeutung der Arbeiterklasse in allen Ländern die gleiche ist und fühlen sich deshalb eins mit der Arbeiterschaft aller Länder. Trotzdem aber leisten sie für die Fortentwicke- lung der Kultur des eigenen Landes durch ihr Streben nach besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen weit mehr als die Kapitalistenklasse. Um diesem Streben größeren Nachdruck zu geben, suchen sich die Arbeiter mit ihren Arbcitsbrüdern international zu vereinigen. Bereitet auch die Verschieden- nrtigkeit der Entwickelnng und der Einrichtungen in den ein- zelnen Ländern, sowie auch die Vcrschiedcnartigkeit der Sprache dieser Vereinigung große Hindernisse, so zeigt sich doch ein ständiger Fortschritt, der zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Wie allmählich ein immer festerer Zu- 'ammenbalt der organisierten Arbeiter der verschiedenen Be- -«fe'ich so wird auch die internationale Verbindung vervollkommnet werden, bis in jedem Lande und schließlich international die Arbeiterschaft geschlossen dem organisierten Unternehmertum gegenüberstehen wird, nicht nur ihre For- derungen stellend, sondern auch mächtig genug, diese Forde- rungcn durchzuführen und der Arbeiterklasse politische Frei- heit und wirtschaftliche Unabhängigkeit bringend. __ C. Legten. 6in fubiläuro der Internationale. In dielen Tagen, wo zum erstem Male die I n t e r n a t 1 ö n a le sich auf deutschem Boden eint, kann Deutschlands Sozialdemokratie sie grüßen mit einem Jubiläum deS größten Ereignisses des wissenschaftlichen Sozialismus: mit der v i e r z i g- jährigen Wiederkehr des ersten Erscheinens des „Kapitals*. Bierzig Jahre sind gerade in diesen Tagen verflossen, seit Marx den ersten Band dieses deutschen Fundaments inter- aationaler Wissenschaft und Politik erscheinen lasfen konnte. DaS Vorwort ist vom 25. Juli 1867 datiert und im August 1867 lag daS erste fertige Exemplar des ersten Bandes deS„Kapitals" vor: ein Monument deutscher Arbeit, wie eS Deutschland seit der Periode seiner klassischen Philosophie und Dichtkunst auf dem Gebiete der Geisteswissenschaften größer nicht gesehen, wie es in theoretischer und praktischer Wirkung überhaupt niemals macht- volleres hervorgebracht hat. Man wird uns keinerlei unberechtigten Nationalstolz vorwerfen können, wenn wir die internationale Gemeinschaft des wissenschaftlichen Sozialismus mit einer Erinnerung glücklvünschend willkommen heißen, die ein starkes nationales Moment in sich birgt. Indem deutscher Geist hier ein bestes in die Internationale warf, hat er nur gegeben, wo er auch tausend- fältig nahm. Aber als Engels, wenige Monate nach dem Er- scheinen, das„Kapital* im„Demokratischen Wochenblatt' begrüßte, betonte er schon mit berechtigtem Stol�, daß hier das Verhältnis von Kapital und Arbeit, die Angel, um die sich unser ganzes heutiges Gesellschaftssystem dreht, mit einer Gründlichkeit und Schärfe entwickelt sei,„wie sie nur von einem Deutschen möglich war*. Und er fügte hinzu:„Wertvoll wie die Schriften eines Owen, Saint-Simon, Fourier sind und bleiben werden,— erst einem Deutschen war es vorbehalten, die Höhe zu erklimmen, von der aus das ganze Gebiet der modernen sozialen Verhältnisse klar und übersichtlich daliegt, wie die niederen Berglandschaften vor dem Zuschauer, der auf der höchsten Kuppe steht.* Es kann in der Tat keinen Streit darüber geben, daß die deutsche Nasion, wo sie innerhalb der internasionalen Geistesarbeit ernsthaft und vorurteilslos wirkte, immer ein be- sondereS Maß von Gründlichkeit im Material und von Schärfe in der Begriffsbildung zeigt. Aber außer Hegel und Goethe hat nur Marx hierin über eine Universalität verfügt, die über alle nationalen Gegensätze hinweg mit ehernen Schritten die internationale Kultur- gemeinschaft als Sieger durchschritt. Was diese internationale Kultur- gemeinschaft als notwendige Voraussetzung für diesen Siegeszug an Empfängnismöglichkeiten bot, interessiert uns hier nicht. Es genügt für uns die Tatsache eines bisher in der Geschichte fast unver- gleichlichen Siegeszuges festzustellen, dem deutscher Geist seine beste Kraft gab. ... Der politischen Oekonomie als Wissenschaft war eS vor Marx in ihrem geschichtlichen Verlauf sehr ähnlich gegangen wie der spekulativen Philosophie. Sie war sich weder ihres Objektes noch der Methode klar bewußt gewesen, mit der sie eS behandeln wollte. Ihr fehlte, woran Josef Dietzgen in seiner kongenialen Anzeige des„Kapitals* erinnerte, das Kautschs Merkzeichen Es darf der Name des Weltproletariats nicht ein prun- kendes Wort und ein leerer Schall sein. Es darf das inter- nationale Proletariat nicht zu einer intermittierenden und oberflächlichen Machtquelle werden, die bloß in entfernten Zwischenräumen auf Kongressen oder durch Zirkularberichte des internationalen sozialistischen Bureaus zur Wirkung gelangt. Es muß eine wirkende, eine wohl unterrichtete, eine wachsame Macht werden, die stets imstande ist, die Ereignisse von vornherein zu kontrollieren, und die Konflikte schon im Keime zu überwachen, deren Entwickelung zum Kriege führen könnte. Es sind Anfänge vorhanden einer Organisation der Arbeiter und der Sozialdemokratie. Es sind Keime vor- handen eines internationalen Völkerbewußtseins. Heute schon, wenn wir den festen Willen dazu haben, können wir uns dem Verhängnis des Krieges, das die kapitalistische Gesellschaft in sich birgt, widersetzen. Jean Jaurds. einer Wissenschaft:„der einhellige sichere Gang*. Marx war es, der ihr ihn gab, indem er die politische Oekonomie über- Haupt erst zu einer Wissenschaft emporhob. Marx gab ihr den festen Umfang, den erschöpfenden Inhalt und die sicheren Begriffe. Marx gab ihr aber als Wiffenfchaft zugleich auch ihre zeitliche Begrenzung für jede besondere geschichtliche Epoche, und es ist oft und mit Recht betont worden, daß das„Kapital* ebenso sehr ein historisches wie ein ökonomisches Werk ist. Damit nahm Marx der politischen Oekonomie die fixe Idee absoluter, über Zeit und Ort erhabener Gesetze; er stellte sie auf den unerschütterlichen Boden besten, w a S ist. Aber er hätte die Oekonomie niemals zu einer Wistenschaft gemacht, wenn er sich mit einer bloßen Sammlung des historisch Tatsächlichen be- gnügt hätte, wenn er nicht ebenso hoch wie die Sammlung der zeitlichen Tatsachen ihre kausale Erf o r schu n g und ihreschärfste Begriffsbestimmung gestellt hätte. Ganz besonders auch die Untersuchung nach Ursache und Wirkung, die Aufdeckung eines Kausalnexus in der ökonomischen Entwickelung war eS, die das «Kapital* über alle früheren historisch- ökonomischen Werke so weit emporhob. Hierdurch allein war eS möglich, alle moralischen Lamen- tationen aus der politischen Oekonomie zu vertreiben und die historische Notwendigkeit einer jeden Epoche zu erkennen. Aber diese Methode war auch zugleich das Mittel, die Erkenntnis über das gegenwärtig Gestehende hinauszuleiten, aus dem Gegen- wältigen die Keime deS Zukünftigen zu erkennen und danach Forde- rungen zu stellen. Damit bekam die P o l i t i k zum ersten Male ein wissenschaftliches Fundament. Die beiden größten Entdeckungen von Marx: die materialistische Geschichtsauffastung und die Enthüllung deS Ge- heiinnistes der kapitalistischen Produktion vermittelst deS Mehrwerts waren von gleicher Bedeutung für die politische Oekonomie wie für die h i st o r i s ch- ö k o n o m i s ch e Politik. Und darum ist das vierzigjährige Jubiläum deS„Kapitals* auch nicht bloß eine Siegesfeier der ökonomischen Theorie, sondern auch der politischen Praxis, eine Siegesfeier der deutschen, der inter- nationalen S o z i a l d e in o k r a t i e. Diese Erkenntnis, wie hier durch das„Kapital* gleich Großes für Theorie und Praxis, für wissenschaftlichen Sozialismus und für die Sozialdemokratie geleistet war, wie die eine aus dem andern folgt, konnte Engels in seiner schon erwähnten Anzeige mit Recht darin zusammenfassen, daß er sagte:„So lange es Kapi- t a l i st e n und A r b e i t e r' in der Welt gibt, ist kein Buch er- schienen, welches für die Arbeit er vvn solcher Wichtigkeit wäre wie das vorliegende." Und eS ist das größte Ruhmesblatt, gerade auch für die deutsche Sozialdemokratie, für die deutschen Arbeiter, daß sie dieses Wort sich haben zur Lehre werden lassen, daß sie die Theorie niemals in der praktischen Arbeit der Politik vernachlässigt, übersehen oder gar geringschätzig be- handelt haben, daß sie immer trotz aller kleinen, und kleinlichen Perfuche, sie von dieser Erkenntnis abzubringen, dabei beharren. daß die praktischste Politik letztlich noch immer die prinzipielle, theoretisch fest fundierte Politik gewesen ist. Und dieses Ruhmesblatt muß um so höher bewertet werden, als gerade das Eindringen in Marx'„Kapital" keine leichte und bequeme Arbeit ist. Es sind auch Voraussetzungen nötig, die der Klasse der Arbeiter durch die kapitalistische Fron vorenthalten werden, und die so das Eindringen in die ökonomische Theorie gerade derjenigen Klasse am schwierigsten machen, die sie am not- wendigsten braucht und am wenigsten entbehren will. Aber die Arbeiterklasse, soweit sie zum Klassenbewußtsein erwacht ist, hat alle Hindernisse fast spielend überwunden, und das Wort, daS Johann Philipp Becker vor vierzig Jahren theoretisch un- geschickt prägte, daß das„Kapital" die Bibel der Arbeiter» k l a s s e sei, ist, historisch genommen, um so berechtigter geworden. Das.Kapital" ist Gemeingut der internationalen Arbeiterschaft geworden, tfe ist unendlich oft kommentiert worden, aber'S wird seinen reinsten Zauber immer-n seiner originalen Gestalt ent- falten. Wie viele gibt es, die zuerst vor dem Umfang rnw dem harten Gang der systematischen Untersuchung im Original zurückschrecken, und doch, sobald sie die ersten Schritte hineingetan haben, nicht wieder zurückwollen. Wie viele auch gibt es, die sich selbst vor diesem ehernen Stil der Sprache fürchten, bis sie ihn begreifen, bis sie erkennen, wie wahr das schöne Wort von Schweitzer ist:„In diesem Stile hat Kant in der transzenden- talen Aesthettk seine tiefsten Gedanken in ruhige, feste Worte nieder- gelegt. Ruhig und fest stehen auch hier die Gedanken da— so einfach sicher, als ob gesagt würde:„Die Sonne scheint* oder„dir Sterne leuchten".". . Das„Kapital* ist in Inhalt und Form der Ertrag eine« zwanzigjährigen Arbeit gewesen. Vorarbeiten zu ihm hatte Marx. wie seine ökonomische Streitschrift gegen Proudhon, daS„Elend der Philosophie* zeigt, bereits Ende der vierziger Jahre gemacht; 1859 erschien dann das Heft„Zur Kritik der politischen Oekonomie*. daS die erste Darstellung seiner Wert- und Geldtheorie brachte. und als dann 1867 das„Kapital" erschien, stand Marx mit seinem System fertig und abgeschlossen da. Aber es war ihm, wie be- kannt, nicht vergönnt, seine vollständige Publikation zu erleben. Als er 1883 starb, übernahm E n g e l S die Herausgabe der weiteren Bände, die 1885 und 1894 als zweiter und dritter Band erschienen. Den vierten Band deS„Kapital" hat dann bekanntlich K a u t S k y als„Theorien über den Mehrwert* 1965 herauszugeben begonnen. Als 1867 der erste Band erschien, war die gigantische Wirkung, die das„Kapital" in den folgenden Jahrzehnten ausstrahlen sollte, nicht sehr zu spüren; nur wenige gab es, die eS sofort voll zu würdigen wußten. Allen voran natürlich Engels. Er war schon „außerordentlich zuftieden mit der Sache", als er die Korrektur- bogen las, schreibt Marx am 19. Juni 1867 an einen deutschen Freund und er fügt hinzu:„Sein Urteil war mir beruhigend, da meine Sachen mir gedruckt immer sehr mißfallen, namentlich bei erster Ansicht." Im März 1868 erschienen dann die zwei bekannt-n Artikel von Engels im„Demokratischen Wochenblatt", das Lieb- k n e ch t in Leipzig als„Organ der deutschen Volkspartei" heraus- gab, nachdem dies Blatt schon im Januar 1868, in seinen beiden ersten Nummern, als erste Anzeige de? Werkes da? Vorwort wieder- gegeben hatte. Im August und September 1863 brachte dasselbe Organ dann die berühmten Artikel von Dietzgen. Auf der anderen Linie der deutschen Arbeiterbewegung hatte Schweitzer gleich nach Erscheinen deS ersten Bandes in seinem„Sozial-Demo- krat" das Vorwort abgedruckt, ein halbes Jahr später, im Januar 1868, brachte er dann eine Artikelserie, die Marx selbst für„sehr beachtenswert' erklärte. In den bürgerlichen Reihen wußte man zunächst gar n!ck,t. was man mit diesem Riesen überhaupt anfangen sollte, schließlich wählte man den besseren Teil der Tapferkeit und— schwieg. Nur der liberale Allerweltsmann F a u ch e r mühte sich in seiner„Volks- wirtschaftlichen VierteljahrSschrift" eindringlich damit ab, an dem Werk vorbeizureden, mit einem Geschwätz, das heute lediglich lächerlich wirkt. Weit näher kam Eugen Dühring gleich nach Erscheinen des Buches seinem Inhalte in einer ausführlichen Anzeige in den„Ergänzungsblättern zur Kenntnis der Gegen- wart", die Marx zuerst als ein Produkt der Angst charakterisierte, über die er aber wenige Monate später schon weit milder urteilte, ja, für die er sich zu einem gewissen Danke verpflichtet� fühlte, „da eS der erste Fachmann ist, der überhaupt gesprochen hat". Den übrigen„Fachmännern* wurde, wie man weiß, erst sehr spät die Zunge gelöst, und dann meist auch weniger durch eigenes Interesse und wissenschaftlichen Ernst als durch das sehr positive Interesse ihrer Brotgeber. Seit 1875, wo dieser Tanz los ging, haben sie sich dann mit redlichem Eifer bemüht, sich an diesem monumentum aer« perennius, diesem Denkmal dauernder denn Erz, wie es Freiligratb mit dichterischer Seherkraft sofort charakterisierte, ihre morsche» und falschen Weisheitszähne auszubrechen. Sehr naiv, um nicht zu sagen komisch berührt uns heute demgegenüber eine Kotiz des „Demokratischen Wochenblatt" vom März 1869, die aSen Ernstes und wörtlich den Lesern die folgende schöne Mär auftischte: „Der Triumph sozialistischer J�een. Die wissenschaftlichen Vertreter der National-Oekonomie fallen einer nach dem anderen von der Bourgeoisie ab. Daß sämtliche Universitätsprofessoren der National-Oekonomie in England mehr oder weniger rückhaltlos die Berechtigung des Sozialismus anerkannt haben, ward von unserem Londoner Korrespondenten wiederholt hervorgehoben. Wie wir neuerdings hören, haben mehrere deutsche Oekonomen, die bisher ent- fchiedene Gegner der sozialistischen Prinzipien waren, privatim ihre Uebereinstimmung mit den(im Werk„Das Kapital" niedergelegten) Ergebnissen der Forschungen von Karl Marx ausgedrückt." Zu ihrem Glücke haben die intellektuellen Verantworter dieser „Nachricht" noch in einem langen Leben ihren Irrtum einsehen können, und sie haben an ihrem Teil reichlich ersetzt, was sie etwa in einem Augenblick rosiger Selbsttäuschung von anderer Seite al> Unterstützung für Marx erwarteten. •» • Heute gibt es keine ernsthafte ökonomische Arbeit mehr, weder von Freund noch auch von Feind, die sich nicht mit Marx so oder so auseinandersetzte. Nach vierzig Jahren hat das„Kapital" alle in seinen Bann gezwungen; ob sie wollen oder nicht, sie müssen es berühren, weil es der adaequate Ausdruck der Zeit ist. in der wir ökonomisch und historisch leben. Wo immer der inter- nationale Kapitalismus herrscht, herrscht Marx' „Kapital", und nur durch seine siegende Herrschaft ist 'eine lleberwindung möglich. Eine Ueberwindung, die da- mit nur den Anbruch einer neue n Zeit, einer anderen ökonomischen und historischen Struktür bedeutet l Ein deutsches Werk als Siegerin und Künderin internationaler politischer und ökonomischer Freiheit! So grüßt heute das Jubiläum eines wahrhaft deutschen Werkes voll unermeßlicher internationaler Wirkungen die Internationale auf deutschem Boden, und die Jünger dieses Werkes einen sich heute um so inniger in dem Wunsche, daß an diesem deutschen Wesen die Welt genesen möge. Max Grunwald. Internationale Richtlinien. Mit großem Interesse blicken die Sozialisten des Ver- einigten Königreichs dem kommenden Internationalen Kon- gresse entgegen, um so mehr, als er in Deutschland, dem Vaterlande von Karl Marx, stattfindet, und von den deutschen Genossen arrangiert ist, denen der sozialistische Gedanke und der sozialistische Parlamentarisnius soviel zu verdanken hat. Die britische Delegation zählt ungefähr hundert Mit- glieder, wovon über fünfzig der Sozialdemokratischen Födera- tion angehören. Für uns vertritt der Kongreß die bestdurch- dachte Ueberzeugung und die reichste Erfahrung des inter- nationalen Sozialismus. Wir erwarten deshalb von ihm allgemeine Direktiven für die sozialistische Politik der Parteien oller Länder. Es ist selbstverständlich, daß die Taktik, die jedes Land anzuwenden hat, von den besonderen Umständen des Landes bestimmt werden muß und mit den Umständen� wechselt. Die Prinzipien sind unveränderlich, während die Taktik sich notwendigerweise den Verhältnissen anpassen muß. Man kann deshalb vom Kongresse nicht ver- langen, daß er eine unverrückbare Taktik festlegt. Er kann aber die allgemeinen Richtlinien festlegen, die die Parteien bei der Wahl ihrer Taktik leiten sollen. Dies ist bereits bis zu einem gewissen Grade von den früheren Kongressen ge- leistet worden, und wir erwarten vom Stuttgarter Kongreß, öaß er diese nützliche Arbeit in bezug auf die dringenden Fragen der nächsten Zukunft fortsetzt, die die internationale Sozialdemokratie betreffen. Eine der Fragen von wachsender Bedeutung ist das Ver- hältnis der Sozialdemokratie zum Trade-Unionis- m u s. Es dürfte nicht schwer sein, in dieser Beziehung eine allgemeine Politik festzulegen, die— mit entsprechenden Modifikationen, wie sie die besonderen Umstände gebieten— von allen Ländern befolgt werden kann. Dasselbe gilt von der brennenden Frage des Militarismus und der äußeren Beziehungen der Staaten, und auch die Frage der Kolonialpolitik und der Ein- und Auswanderung ist von höchster Wichtigkeit. Tie Erschließung des fernen Ostens und die Ausdehnung der kapitalistischen Wirtschaft auf Länder anderer Rassen stellen uns vor die Gefahr, daß ein farbiges Proletariat in direkten Wettbewerb mit dem weißen Proleta- riat gebracht würde, wodurch der Klassenkampf erschwert und kompliziert werden könnte. Es ist zwar nicht zu erwarten, daß der Kongreß fertige Lösungen für alle diese Fragen finden wird, aber ich zweifle nicht im geringsten, daß es ihm gelingen wird, uns den rich- tigen Weg zur Lösung dieser Fragen zu zeigen. � Wir haben das feste Vertrauen zu unseren deutschen Ge- nossen. daß sie mit ihrem glänzenden Organisationstalent den Kongreß erfolgreich ausgestalten werden. _ H. Queich. Nationalitätenfrage und Sozialdemoitratie. Otto Bauer. Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie. Marxstudien. Herausgegeben von Dr. Max Adler und Dr. Rudolf Hilferding. II. Band. „Tie Wissenschaft hat bisher die Nation den Lyrikern, den Feuilletonisten, den Rednern in der Volksversammlung, im Parka- ment, am Biertisch fast ausschließlich überlassen.- In einer Zeit großer nationaler Kämpfe haben wir kaum erst die Ansätze zu einer befriedigenden Theorie der Nation." Diese Feststellung, mit der Otto Bauer sein Buch eröffnet, das eben eine solche Theorie geben soll, könnte auf den ersten Moment fast unerklärlich erscheinen. Und doch ist sie nur ein besonderer Fall der allgemeinen Erschei- nung, daß der bürgerlichen Sozialwisscnschaft die wissenschaftliche Analyse ihrer eigenen Gesellschaft nie restlos gelungen ist. Bürger- lich ist die Sozialwisienschaft ja nur deshalb und solange, als ihr die bürgerliche Gesellschaft selbst eine Schranke des Erkennens ist. Dies ist aber der Fall, wenn die bürgerliche Gesellschaft in den Grund- zügen ihrer Organisation als unveränderlich vorausgesetzt wird. Ein so gebundenes Denken sieht in den Einzelerscheinungen immer nur ihr Dasein, selten und unvollständig die Gründe ihrer Eni- stehung, nie die Gründe ihres Vergehens. Die bürgerliche Sozial- Wissenschaft sieht so nie den geschichtlichen Prozeß, in dem die Er- scheinungen der bürgerlichen Gesellschaft stehen. Erst der Marxis- mus reißt die Schranke der bürgerlichen Sozialwissenschaft nieder, indem ihm die bürgerliche Gesellschaft selbst problematisch wird, zu einem Objekt statt zu einer unbewußten Voraussetzung des wissen- schaftlichen Denkens. So kann erst der wissenschaftliche Sozialismus, eben weil sein Sozialismus erst Resultat der Wissenschaft ist, mit Recht für sich jenen Anspruch auf die Voraussetzungslosigkeit er- heben, die nach den Behauptungen gerade der bürgerlichen Ge- lehrten da? Erfordernis jedes wissenschaftlichen Denkens ist. Hat aber jene Schranke, von der wir vorhin sprachen, die bürgerliche Sozialwisscnschaft an der richtigen und vollkommenen Analyse der Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft gehindert, die nur durch eine erschöpfende theoretische Oelonomie gegeben werden kann, so ist es noch weniger zu verwundern, daß sie die komplizierteren Erscheinungen dieser Gesellschaft wissenschaftlich nicht erfassen kann. Gerade bei dem Problem der Nation wird dies außerordentlich anschaulich. Die wenigen bürgerlichen Schriftsteller, die über den Begriff der Nation zu objektiven Aussagen zu gelangen suchen, fassen ihr Problem wenn nicht gar metaphysisch so doch rein natur- wisienschaftlich-anthropologisch auf. Sie sprechen über Vererbung, Anpassung und Variation, über Arten und Rassen prinzipiell nicht viel anders, als ob es sich um Hunde oder Pferde handelte. Daß die Nation vor allem eine soziale Erscheinung ist, daß sie daher nur aus der historischen EntWickelung der menschlichen Gesellschaft be- griffen werden kann, kommt ihnen nicht in den Sinn. Umgekehrt verdankt Otto Bauer die reichen und fruchtbaren Resultate, die uns sein Buch liefert, der Erfüllung der Forderungen der marxi- stischen Methode, die er allerdings auch ausgezeichnet zu Hand- haben weiß. Um zu finden, was erklärt werden soll, muß Bauer zunächst �ragen, was wir denn eigentlich meinen, wenn wir von Nation sprechen. Er findet das Merkmal der Nation in ihrem National- charakter, d. h. in dem„Komplex der körperlichen und geistigen Merkmale, der eine Nation von der anderen scheidet. Darüber hinaus haben alle Völker gemeinsame Merkmale, die sie alle uns als Menschen erkennen lassen, und haben andererseits die Klassen, Individuen und Berufe jeder Nation individuelle Merkmale, Sondermerlmale, die sie von einander scheiden. Aber daß der Durchschnitt-ideutsche vom Durchschn,ttsengländer verschieden ist. mögen sie auch als Menschen, als Zugehörige derselben Klassen oder desselben Berufes vieles miteinander gemein haben, und daß ein Engländer mit dem anderen in einer Reihe von Merkmalen über- einstimmt, wie sehr sie auch individuelle oder soziale Verschieden- heiten trennen mögen, ist gewiß. Die Nation wird nichts für den, der das leimnen wollte. Der Nationalcharakter ist veränderlich. Charaktergemeinschaft verknüpft die Zugehörigen einer Nation während eines bestimmten Zeitalters, keineswegs aber die Nation unserer Zeit mit ihren Ahnen von 2 oder 3 Iafirtaufenben." Damit ist der Wissenschaft das Problem gestellt. Wodurch ,st die Ver- schiedenheit der einzelnen Nationalcharaktere erzeugt und was bc- wirkt ihre Veränderlichkeit? Man sieht sofort, es sind Fragen, die nur durch eine historische Analiise�bcantwortet werden können. Ursprünglich ist die Nation Naturgemeinschaft. Die Gemein- samkeit des Eharakters beruht auf gemeinsamer Abstammung. Aber wir wissen, daß diese Gemeinsamkeit bald gelockert wurde durch die Tatsache der individuellen Variation. Dem wirkt die Vererbung entgegen. Aber nicht alle Eigenschaften werden vererbt. Es ist kein Zufall, daß z. B. etwa die Eigenschaft der Wehrhaftigkeit ver- erbt wird. Vielmehr erklärt sich dies daraus, daß die Ahnen eines wehrhaften Volkes ein kriegrisches Nomadenleben führen mußten, wobei die minder Wehrhaften von der Fortpflanzung ausgeschieden wurden und daher nur die Kampftauglichen ihre Art fortpflanzen konnten.„Die vererbte Wehrhaftigkeit einesVolkes ist also der Nieder- schlag seiner Geschichte in vergangenen Jahrhunderten, das Ergebnis der Bedingungen, unter denen es seinen Lebensunterhalt suchte. Die Vererbung der Eharaktereigenschaftcn der Eltern auf die Kinder ist nur ein Mittel, durch das die Lebensbedingungen, die Bedin- gungen, unter denen ein Volk seinen Lebensunterhalt sucht, er- arbeitet, erkämpft, auch noch für spätere Generationen wirksam werden..... Die ererbten Eigenschaften einer Nation sind nichts anderes als der Niederschlag ihrer Vergangenheit, gleichsam ihre erstarrte Geschichte..... So begreifen wir die Nation als ein Er- zeugnis der Geschichte." Aber alle Naturgemeinschaft ist von der Tendenz bedroht, zu zerfallen. Nach Auslösung des Sippschaftskommunismus drohten die Germanen überhaupt aufzuhören, eine Nation zu bilden und zerfielen in Stämme, deren Znsammenhang sich immer mehr lockerte. Daß aber trotzdem aus diesen Stämmen später eine Nation wurde, kann nicht aus den natürlichen Tatsachen der Ver- erbung begriffen werden, die vielmehr immer nur die Absonderung der Teilvölkcr aus einem Volke, niemals die Entstehung der Nation aus verschiedenen Stämmen erklären kann, sondern sie kann nur begriffen werden aus den wirkenden Einflüssen gemeinsamer Kultur. Die Nation ist immer Schicksalsgcmcinschaft. Aber diese „wird wirksam einerseits durch die natürliche Vererbung der durch das gemeinsame Schicksal der Nation angezüchteten Eigenschaften, andererseits durch die Ucberlieferung der durch das Schicksal der Nation und ihrer Eigenart bestimmten Kulturgüter". So be- stimmen die Geschicke der Ahnen den Charakter der Nachkommen. Dies wird nun an der Hand der deutschen Geschichte bewiesen. Es wird gezeigt, wie die ökonomischen Verhältnisse die Kulturent- Wickelung bestimmen. Die Kultur ist aber seit Auflösung des ur- wüchsigen Kommunismus immer ein Privileg der herrschenden Klassen gewesen. Bauer weist im Einzelnen nach, wie die Nation bisher nur in gar keiner anderen Weise bestand als in der Kultur- gemeinschaft der herrschenden Klasse; wie sich mit dem Charakter dieser auch der Inhalt der nationalen Kultur ändert, bis erst die Auf- Hebung der Klassenherrschaft die nationale Kultur verallgemeinern wird, sie zum Besitztum des ganzen Volkes machen wird. Erst der Sozialismus verwirklicht die Einheit der Nation und gibt ihr die Autonomie, die Freiheit, bewußt an der Weiterbildung der natio- nalcn Kultur zu arbeiten. Bauer erwartet vom Sozialismus kein Aufhören, sondern vielmehr die raschere und tiefere Entwickelung nationaler Eigenart und Kultur. So begreift die„materialistische Geschichtsausfassung die Nation als das nie vollendete Produkt eines stetig vor sich gehenden Prozesses, dessen letzte Triebkraft die Bedingungen des Kampfes des Menschen mit der Natur, die Wand- lungcn menschlicher Produktivkräfte, die Veränderungen mensch- licher Arbeitsverhältnisse sind. Diese Auffassung macht die Nation zu dem Historischen in u n s: Der Darwinismus hat uns die Zeichen deuten gelehrt, die die Geschichte des organischen Lebens unserem lebendigen Körper eingegraben. Aehnlich lernen wir nun auch den Nationalcharakter deuten. In der individuellen Eigenart, die jedes Individuum mit den anderen Individuen seines Volkes gemein hat, durch die es also mit diesen anderen Individuen zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt wird, ist die Geschichte seiner lleiblichen und kulturellen) Ahnen niedergeschlagen, s e i n Charakter ist erstarrte Geschichte. Daß sie Person- liche Eigenart jedes einzelnen von uns geworden ist im Daseins- kämpfe vergangener Gemeinschaften, das bildet aus uns eine nationale Charaktergemeinschaft". Das Suchen nach dem Wesen der Nation enthüllt so ein grandioses geschichtliches Bild.„Am Anfang— im Zeitalter des Sippschaftskommunnismus und des nomadisierenden Ackerbaus— die einheitliche Nation als Abstammungsgcmeinschaft. Tann seit dem Uebergang zum seßhaften Ackerbau und der Entwickelung des Sondercigentums die Spaltung der alten Nation in die Kultur- gemeinschaft der herrschenden Klassen auf der einen, die Hinter- fassen der Nation aus der anderen Seite— diese eingeschlossen tn enge örtliche Kreise, die Zersetzungsprodukte der alten Nation. Weiter, seit der Entwickelung der gesellschaftlichen Produktion in kapitalistischer Form die Verbreiterung der nationalen Kultur. gemeinschaft— die arbeitenden und ausgebeuteten Klassen bleiben noch die Hintersassen der Nation, aber die Tendenz zur nationalen Einheit auf Grund der nationalen Erziehung wird allmählich stärker als die partikularistische Tendenz der Zersetzung der alten auf Abstammungsgcmeinschaft beruhenden Nation in immer schroffer geschiedene örtliche Gruppen. Endlich, sobald die Gesell- schast die gesellschaftliche Produktion ihrer kapitalistischen Hülle entkleidet, das Wiedererstehen der einheitlichen Nation' als Er- ziehungs-, Arbeits-, Kulturgemeinschaft. Die Entwickelung der Nation spiegelt die Geschichte der Produktionsweise und des Eigen- tums wider. Wie aus der Gesellschaftsverfassung des Sippschafts- kommunismus das Privateigentum an Produktionsmitteln und die individuelle Produktion, und aus dieser wieder die genossen- schaftliche Produktion auf Grund des gesellschaftlichen Eigentums entsteht, so spaltet sich die einheitliche Nation in Nationsgcnossen und Hintersassen und zerteilt sich in kleine örtliche Kreise, die sich seit Entwickelung der gesellschaftlichen Produktion wieder einander nähern, um schließlich in der einheitlichen sozialistischen Nation der Zukunft aufzugehen. Die in Nationsgenossen und Hintersassen der Nation geschiedene, in zahlreiche engere örtliche Gruppen ge- spaltene Nation des Zeitalters des Privateigentums und der indivi- duellen Produktion ist das Zersetzungsprodukt der kommunistischen Nation der Vergangenheit und das Material der sozialistischen Nation der Zukunft." II. Nachdem Bauer das Wesen der Nation analysiert hat, ist es ihm möglich, die nationale Politik des Proletariats näher zu be- stimmen. Wir haben gesehen, daß die nationale Eigenart sich fort- während ändert.„Veränderung der nationalen Eigenart bedeutet keineswegs Preisgabe nationaler Eigenart." Gerade der Kapitalis- mus hat die ganze Eigenart des deutschen Volkes völlig verändert. „Ein öder Empirismus und Historismus, die Lust an wertloser Einzelforschung, die Anbetung des Erfolges, jene Realpolitik, die nach einem Worte von Marx für Realität hält, was ihr zunächst vor der Nase liegt, kennzeichnet die geistige Kultur des heutigen Deutschland. Bourgcoiser Rationalismus ist nicht mehr möglich. proletarischen Rationalismus verbietet die Bourgeoisie durch das Mittel des von ihr beherrschten Staates, der jeden Mann von„ver- dächtiger Gesinnung" von aller praktischen Wirksamkeit auszu- schließen sucht. Geistesverwandt mit der akademischen Jugend unserer Dreißiger- und Vierzigerjahre ist heute nicht die deutsche. sondern die russische Intelligenz. Und auch diese Wandlung der nationalen Eigenart blieb keineswegs auf die akademisch gebildete Oberschicht beschränkt; auch der neue Geist sickert durch viele Kanäle in die breiten Massen hinein. Der Revisionismus in der deutschen Sozialdemokratie ist sein Kind: er entspringt jener Abkehr von allen„unpraktischen" Prinzipien, jener Opportunitätspolitik, die den alten Rationalismus verdrängt hat, jener Gesinnung, die ihr Handeln nicht mehr als Mittel zu einem theoretisch als richtig erkannten obersten Zweck, sondern nur noch durch den unmittelbar sichtbaren, wenn auch noch so kleinen Erfolg rechtfertigen zu können �"(grschewt so das Wesen der Nation als im steten Flusse be. findlich, so kann wissenschaftliche, nationale Politik nicht die Unver- änderlichkeit nationaler Eigenart zum Zwecke haben. Konservative. nationale Politik ist reaktionär und unwissenschaftlich zugleich, weil sie der geschichtlichen Fortentwickelung Halt gebieten möchte. Sozialistische Politik kann daher nur„evolutionistisch-nationale Politik" sein. Sie besteht in dem„planmäßigen Zusammenwirken zu dem Zwecke, daß das ganze Volk an der nationalen Kultur- gemeinschaft Anteil habe, durch die nationale Kultur bestimmt und so zu einer nationalen Charaktergemeinschaft verknüpft werde.... Ihr handelt es sich nicht nur um Entwickelung der Nation, sondern um Entwickelung des gesamten Volkes zur Nation." Evolutionistisch steht natürlich für diese Auffassung„durchaus nicht im Gegensatz zu revolutionär. Revolution, plötzliche Umwälzung, ist nur eine be- stimmte Methode, ein Mittel der Entwickelung, eine Phase der Evolution." Um diese Politik zu treiben, dazu braucht die Sozialdemokratie durchaus kein neues Programm. Vielmehr ist ihre ganze Wirk- samkeit stets zugleich von den größten und sruchtbarsten Folgen für unsere nationale Entwickelung begleitet. Die Arbeiterklasse verfolgt freilich ihre Politik nicht um der Nation willen— wir wissen ja bereits, daß es unter der Klassenherrschaft gar keine einheitliche Nation gibt, hinter„nationaler" Politik also immer Klassenpolitik verborgen ist—, sondern um ihrer selbst willen. Aber da das Proletariat notwendig um den Besitz der Kulturgüter kämpft, die seine Arbeit schafft und möglich macht, so ist die Wirkung dieser Politik notwendig die, das gesamte Volk zur Teilnahme an der nationalen Kulturgemeinschaft zu berufen und dadurch di? Gesamtheit des Volkes erst zur Nation zu machen. „Diesem Zweck dient schon die demokratische Politik de? Proletariats. Das gleiche Wahlrecht wird zu einem gewaltigen Hebel nationaler Entwickelun g, indem es die Parteien zwingt, um den letzten Tagelöhner zu kämpfen und in der Werbearbeit für ihr Programm ein Stück nationaler Kultur zum Besitz der Massen zu machen. Prehfreiheit, Ver- sammlungsfreiheit, Vereinsfreiheit ermöglichen erst kulturelle Ein- Wirkung auf die breiten Massen. Die zweckbewußte Zusammen» arbeit in den Arbeiterorganisationen entreißt den Arbeiter der Tiefe eines bloß vegetativen Daseins, das sich in Arbeit, Schlaf und im rohesten Sinnesgenusse verzehrt, führt ihm Elemente der natio- nalen Kultur zu." Demselben Zwecke dient die Schulpolitik, vor allem auch die Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik des Proletariats. Gerade die agrarische Politik ist ein Krebsschaden der nationalen Entwickelung. Die Einheit der Nation, die Anteilnahme aller an der Kulturgemeinschaft kann vollends erst der Sozialismus bringen. Die nationale Politik der Arbeiterklasse ist also nichts anderes als die Klasscnpolitik des Proletariats betrachtet unter dem Gesichts- Punkt ihrer Einwirkung auf die Nation. Daraus ergibt sich bereits ihr schroffer Gegensatz zu jeder bürgerlichen nationalen Politik, deren Ziel immer die Herrschaft über Teile der eigenen Nation und daher der Ausschluß dieser aus der nationalen Kulturgemeinschaft ist. Das Konkurrenzinteresse der Kapitalistenklasse macht ihre nationale Politik schließlich zu einegr Mittel im Kampf um den Weltmarkt. Das bürgerliche nationale Ideal, bestimmt durch den Expansionsdrang des Kapitals, endet schließlich im Imperialismus. Ter Imperialismus bricht mit der Forderung der revolutionären Bürgertums nach dem einheitlichen Nationalstaat. Er sordert die Herrschaft einer Nation, des Staatsvolks, über möglichst viele unterworfene Nationen. Die Kritik des Imperialismus, der Nach» weis der Gefährlichkeit dieses Ideals für das kämpfende Prole- tariat gehört mit zu den besten und beachtenswertesten Kapiteln des Buches. Dieser Abschnitt, zusammen mit der Studie von Parvus über„Die Kolonialpolitik und der Zusammenbruch" geben uns sehr wichtiges Material über Probleme, die immer mehr in den Mittelpunkt auch der deutschen Politik rücken. Entwickelt sich aber das bürgerliche Nationalitätsgcfühl zum Im» pcrialismus, so das proletarische zu dem Prinzip der Inter» Nationalität. Sehr gut entwickelt Bauer die Notwendigkeit der Jntcrnationalität aus den gebieterischen wirtschaftlichen und poli. tischen Bedürfnissen des proletarischen Emanzipationskampfes. Auch hier müssen ivir uns nur mit der Wiedergabe des Resultates bc- gnügen.„Der Internationalismus der reifen Arbeiterschaft ist etwas wesentlich anderes als der naive Kosmopolitismus ihrer ersten Jugendzeit. Sie sieht nun nicht mehr von der ErsahrungS- tatsache der Verschiedenheit der Rationen ab, die Nationalität ist ihr nicht mehr ein bürgerliches„Vorurteil", sondern ihre Politik wurzplt in der klaren Erkenntnis, daß die Interessen der Arbeiter- schaft der eigenen Nation nicht anders gefördert werden können, als indem man den Kampf der Arbeiter der anderen Nationen unterstützt. Sie entspringt nicht mehr dem Gedanken deu Humanität, sondern der Erkenntnis der internationale!' Solidarität der Klasse." Diese Stellung der Arbeiterklasse ergibt sich notwendig auS ihrem Gegensatz zu den Unternehmern einerseits, zu dem Klassen- ftaate andererseits.„Wie die Stellung des Arbeiter? im Pro- duktionsprozeß die internationale Gewerkschaftsbewegung fordert, so heischt die Stellung des Arbeiters im Klassenstaat den inter- nationalen politischen Klassenkampf." III. Diese Ergebnisse werden aber dort von höchster Wichtigkeit, wo der Klassenstaat selbst verschiedene Nationen in sich faßt, wo daher notwendigerweise die politischen Fragen als nationale Fragen erscheinen. Dies ist aber der Fall in ganz Osteuropa, vor allem in Oesterreich und Rußland. Dies ist ja auch der Grund, daß gerade österreichische Marxisten sich so eingehend mit dem nationalen Problem befassen. Hat Bauer das Wesen der Nanon dadurch anschaulich gemacht, daß er die Geschichte des deutschen Nationalbewußtseins ausführlich schilderte, so behandelt er die spezifischen, innerstaatlichen Aufgaben sozialdemokratischer Nationalitätenpolitik an der Geschichte und den staatlichen- Pro- blemen Oesterreichs. Hier ergänzen und vervollständigen seine Aus- führungen aufs glücklichste die außerordentlich wertvollen Studien Karl Renners») Die Resultate dieser Untersuchungen sind auch außerhalb Oesterreichs für den Sozialismus von großer Be- deutung. Die Ucberwindung des russischen Despotismus rollt alle Probleme auf, die in Oesterreich in kleinem Maßstabe längst aktuell sind und hier vom Standpunkte des wissenschaftlichen Sozialismus prinzipiell erörtert werden. Wir konnten in unserer Besprechung nur cm dürftiges und unzulängliches Bild des reichen Inhaltes des Buches geben. Vor allem konnten wir die ökonomischen Partien des Büches kaum berücksichtigen. Gerade diese aber sind überaus wertvoll. Indem Bauer die verschiedenen und stets wechselnden Erscheinungen einer so komplizierten Ideologie, wie es die nationale Ideologie ist, in ihrem notwendigen Zusammenhang mit der Entwickelung der Pro- duktionsvcrhältnisse aufzeigt, hat er ein ausgezeichnetes Stück materialistischer Geschichtsschreibung geliefert. Jene, die die Marxsche Methode für eine schablonenhafte, einfache, leichte Formel halten, auf der man bei genügender Oberflächlichkeit alle gcschicht- lichcn Erscheinungen zurückführen könne, können aus diesem Buch. ivie aus jeder wirtlich marxistischen Arbeit lernen, wie schwer und kompliziert die Handhabung dieser Methode ist, wie viel gründ- lichcs Wissen und scharfsinnige Arbeit sie erfordert. Otto Bauer hat einen wichtigen Beitrag zu unserer Erkenntnis geliefert. Einzelne seiner Schlußfolgerungen mögen vielleicht-iner weiteren Forschung crgänzungs- oder verbesserungsbedürftig erscheinen. Aber im ganzen ist das Buch ein glänzender Beweis für dre Fruchtbarkeit der marxistischen Methode. Bauers Buch verdient aufmerksames und gründliches Studium.-�l—». •) Wir nennen hier vor allem die unter dem Pseudonym Rudolf Springer erschienenen Schriften:„Der Kamps der Nationen um den Staat" und„Grundlagen und ziele der österrcichisch-ungarischcn Monarchie". Noch gab uns ein Geschenk kein Spender Dem Tonncrwortc gleich: Ihr Proletarier aller Länder. Vereinigt Euch! Verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Zl). Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwäris Buchdr. u. Verlagsanstalt Pgul Singet& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilagen Hr. 192. 24. Iahrgaug. 1. Kilm des Jotiuirts" Keelim PolteMalt. Süimtag, 18. Angnst 1907. Das marokkanische D benteuer. Unmittelbar nach der Beschießung von Casablanca wurde .l französisch-offiziöser Seite erklärt, die französische Ne- gierung wolle keine erobernden Schritte in das Innere von Marokko tun. Mag dieser Beschwichtigungsversuch auf die öffentliche Meinung Europas oder auf den marokkanischen Hof berechnet gewesen sein, neuerdings liest man es wieder anders. Es gewinnt immer mehr den Anschein, als habe die französische Negierung die Resignation überschätzt, mit der die Marokkaner die Vernichtung einer ihrer Städte aufnehmen würden. Die Haltung des Maghzen und seines Hofes wird unter dem Druck der Bevölkerung offenbar täglich zweifele hafter, wie schon die fortgesetzten französischen Rüstungen er- kennen lassen. In der Tat konnte nur der Wahnsinn kapita- listischer Profitsucht und eine Regierung, die sich mit äußeren Verwickelungen über innere Schwierigkeiten hinweghelfen will, Frankreich in das marokkanifchc Abenteuer stürzen. Allerdings trägt an dieser Entwickelung die deutsche Politik ein voll gerüttelt Maß der Schuld. Früher rivali- sierten um Marokko England, Spanien und Frankreich, und die marokkanische Staatskunst bestand darin, die Ansprüche dieser Mächte gegeneinander auszuspielen und dadurch zu paralysieren. In dem gegenseitigen Mißtrauen der drei Rivalen fand Marokko einen mockus vivencki. Daß keiner der drei Staaten dem anderen über den Weg traute, hinderte sie, sich dem Maghzen vereinigt gegenüberzustellen. Das änderte sich mit dem Auftreten Deutschlands. In den 80er Jahren behauptete man, Deutschland würde in Marokko Äohlcnstationen erwerben, wenn es im Mittelmeer größeren Einfluß gewinnen wolle. Man pries Marokko als ein Land mit weiten Brachstrecken fruchtbaren Ackerbodens, die sich vor- trefflich zur Besiedelung mit deutschen Bauern eignen sollten. Die einheimische Bevölkerung genügte zwar hinlänglich zur Bestellung des ganzen Landes, sofern nur das drückende und verrottete feudalistische Verwaltungssystem einem besseren und kreieren Platz machte; doch daran stieß man sich nicht weiter. Diese ausschweifenden Pläne ließen sich nun nicht verwirk- lichen, aber sie sührten doch die erste Annäherung Frankreichs, Englands und Spaniens in Marokko herbei. Um so mehr schlug Deutschland die Politik ein, dem Sultan gegen diese drei Mächte den Nacken zu steifen und schließlich Hoffnungen zu erwecken, die sich nur auf Kosten eines europäischen Krieges verwirklichen ließen. Der Sturz Dclcassäs durch unsere fran- zösischcn Genossen bewahrte die Welt vor den Freuden eines solchen Vernichtungskrieges. Aber die Konferenz von Algeciras brachte die definitive Annäherung Frankreichs, Englands und Spaniens in Marokko. Anstatt die Koalition dieser drei Mächte zu hindern, war es gerade die deutsche Politik, die sie heraufbeschwor und Frankreich Rückendeckung in Marokko gewährte. Die Besetzung Udschas, des Schlüssel- Punktes auf dem Wege nach Fez, war das erste folgenschwere Meisterstück deutscher Diplomatie. Wie in Deutschland macht sich auch in Frankreich eine immer stärkere Beeinflussung der Kolonialpolitik durch die Hochfinanz bemerkbar. Die Hochfinanz hat an Algier, das den Heimatsetat gewaltig belastet und gerade die Kosten der eigentlichen Verwaltung deckt, zu viel verdient, als daß ein zweites und größeres Algier ihr nicht das innigste Behagen bereiten sollte. Der Traum eines nordwestafrikanischcn Kolonialreichs steckt ihr zudem zu tief im Blut, als daß er sie nicht gerade jetzt wieder kitzeln sollte. Tunis und Algier haben die herrschenden Klassen Frankreichs in der Gewalt. Von Senegambien aus haben sie die französische Interessen sphäre am Südrande der Sahara entlang bis ins Wadai aus gedehnt, auf den Ober- und Mittellauf de? Niger und feine alte Handelsstadt Timbuktu die Hand gelegt. Käme Marokko hinzu, so wäre der Besitz„abgerundet", wären auch die nörd lichen Ausläufer der durch die westliche Sahara führenden Karawanenstraßcn unter französischem Einfluß. So verlockend jedoch die Gelegenheit sich der französischen Bourgeoisie dar bieten mag, das marokkanische Abenteuer birgt der Schwierig keitcn und Gefahren so viele, daß sie auch das abgebrütetste kapitalistische Draufgängertum dämpfen müßten, wenn dies» Menschensorte überhaupt anderen Erwägungen als den nach testen�Profitinteressen zugänglich wäre. Schon die militärische Widerstandsfähigkeit der maroh konischen Regierung dürfte nicht zu unterschätzen sein. Der deutsche Ministerrcsident Weber schätzte seiizerzeit die Ein- künfte der Regierung auf rund llü Millionen Duros a 5 Franks das Jahr. Zu einer ähnlichen Berechnung war zu Beginn des vorigen Jahrhunderts der schwedische Generalkonsul Graebcrg von Heinsoe gekommen. An dem Etat eines europäischen Staates gemessen, ist das gewiß ein geringer Betrag. Fiir marokkanische Verhältnisse jedoch, die noch völlig im Feudalismus stecken, innerhalb deren das Geld noch eine beträchtlich höhere Kaufkraft besitzt als im Rahmen kapita- listischer Erwcrbszustände, sind diese Summen nicht unbe- trächtliche. Ihre Bedeutung ist um so größer, als die Haupt- masi'e des Heeres sich selber verpflegt. Unterrichtete Personen behaupten zurzeit, daß im letzten Kriege Marokkos mit Spanien bei Tctuan über 300 000 Mauren unter den Waffen standen. Die gesamte bewaffnete Macht ist jedoch wesentlich größer. Ihr Hauptkontingent bildet die Harkah, die„Be- wegung", der Landsturm. Er besteht aus allen Waffen- fähigen Männern, die nach Bedarf aufgeboten werden. Ihre Gestellung ist eine freiwillige, so daß sich ihre Effektivstärke .auni angeben läßt.„In Kriegen für die nationale Unab- hangigkeit eventuell für den Islam", so schreibt ein Kenner der Verhaltnisse,„dürfte ihre Zahl sehr groß sein. Wenn man?n Betracht zieht, daß jeder Bewaffnete vom Knaben- bis zum Greisenalter zur Harkah gehört und daß jeder be- waffnet ist, so muß man zugeben, daß die Schätzung einiger Schriftsteller, welche sie auf 300—500 000 Mann angeben. nicht übertrieben ist." Gleichwohl ist, wenn Marokko und Frankreich den Kampf allein ausfechten, der Ausgang kaum zweifelhaft. Nicht nur ,st die europäische Waffentechnik die überlegene. Die Besetzung von Udscha und der Hafenplätze gibt den Franzosen strategische Stützpunkte, die das Schicksal von Fez uiid deS nördlich des Atlas liegenden Flachlandes nicht zweifelhast erscheinen lassen, sofern Frankreich die erforderlichen Heercsmassen aufbietet. Anders aber verhält es sich, soweit die Bergstämme des Atlas in Frage kommen. Während in den Niedernligen als Ackerbauer oder Nomaden Araber leben, die sich seit der Ein- Wanderung aus dem Orjeyt Mdexmjscht erhalten hahen, sind die Gebirge von Berbern nach europäischer, Scheluh nach einheiinischer Bezeichnung bewohnt. Die Kreuzung beider Volkselemente ergab die Stadtbevölkerung, die eigentlichen Mauren. Die Scheluh sind Marokkaner der Urbevölkerung, der alten Mauritanier, die neben dem Arabischen noch die eigene Sprache reden. Sie teilen sich in zwei wenig von ein- ander verschiedene Stämme: die Amazirg und die eigentlichen Scheluh, von denen jene die höheren Teile der Gebirge bewohnen, vom Nif ab bis tief in den Süden hinein und sich mehr mit Vieh- und Bienenzucht beschäftigen, während diese iin Hügcllande neben der Viehzucht auch etwas Ackerbau treiben. In ihren zerklüfteten, wilden und schwer zugäng- lichen Gebirgen haben sie seit jeher der Regierung ersolgreich Widerstand geleistet. Die Scheluh wie die Amazirg sind ein großer, kräftiger, kriegerischer und freihcitliebender, aber auch wilder und grausamer Menschenschlag, dem der Guerillakrieg des Gebirges zur zweiten Natur geworden ist. Da sie in ihren Bergen den Karawanenhandel jederzeit unterbinden können und die Niederung ihren fortgesetzten Strcifzügen preisgegeben wäre, würde Frankreich sich zu ihrer Unter- werfung entschließen müssen, eine Aufgabe, die nur nach langen Jahren unter ungeheuren Opfern an Gut und Blut zu bewältigen wäre und deren Erfolg nicht einmal gewiß ist, nachdem das internationale Kapital, voran da? deutsche, es sich hat angelegen sein lassen, diese Stämme während der letzten Jahre mit modernen Waffen auszurüsten. Hinzu kommt, daß sich gar nicht übersehen läßt, welche Folgen das marokkanische Abenteuer selbst in Afrika nach sich ziehen und zu welchen Verwickelungen es dort führen kann. Vor wenigen Wochen kam, wie erinnerlich, die Nachricht von Bewegungen unter den mohainmedanischcn Fulde im Hinter- land von Kamerun, hervorgerufen durch die Waffen- lieferungen deutscher und anderer Fabrikanten an die Heid- nischen Negerstämme, deren Gebiet die Fulde ursprünglich besetzten. Diese Fulde sind die Nachbarn der Mauritanier am französischen Senegal und stehen zu ihnen wahrscheinlich in alten verwandtschaftlichen, jedenfalls aber in engen Handelsbeziehungen, die sich auf dem Weg der Karawanen- straßen bis nach Marokko hinein erstrecken. Die Fulde kennt man nicht anders als fanatische Mohammedaner, und welche Wirkung gegebenenfalls die Nachricht vom„heiligen Krieg" in Marokko auf sie ausüben wird, nachdem die Profit- sucht europäischer Händler und die die heidnischen Neger unterstützende Politik der deutschen Regierung den religiösen Haß rege gemacht hat, läßt sich vorderhand nicht ermessen. Jedensalls liegt in diesen Umständen für die deutsche Ar- beiterklasse ein triftiger Grund mehr, unseren Diplomaten und ihrer afrikanischen Jntrigenpolitik scharf auf die Finger zu sehen und sich jedem provokatorischen Gelüst im Hinter- land von Kamerun mit aller Energie zu widersetzen. � � Die Nachrichten vom 16. und 17. August berichten von steigender Gärung unter den Eingeborenen an verschiedenen Punkten des Landes. Bemerkenswert ist, daß General Drude plötzlich seine Streitkräfte fiir genügend und seine Stellungen durch die Hülfe der Spanier für uneinnehmbar erklärt: Er will sich auf die Wer- teidigung CasablancaS beschränken.. Denn eine Verfolgung der Marokkaner würde nach seiner Ansicht die Aufbietung Von25 000 Mann er- fordern! Und General Drude hat nur 3200 Mann Infanterie, 350 Mann Kavallerie, vier SchneNfenergesckütze, eine Batterie von sechs GebirgS- aeschützen und vier Marinegeschütze. UebrigenS dauern die französi- schen Vorbereitungen zu weiteren Truppensendungen an. Der ohnmächtige Sultan hat dem Drängen der Franzosen nach- geben und„seinem" Volke erklären müssen, daß er mit dem Vor gehen Frankreichs einverstanden ist und daß seine Truppen mit denen der Republik gegen die Rebellen kämpfen werden. Die UlemaS und viele Notabilitäten von Fez haben nach einer Meldung der Londoner„Times" dem Sultan den Vorschlag zur(Säte gemacht, er solle die Mächte ersuchen, das Reformwerk in Marokko auf 15 Jahre zu verschieben, um den marokkanischen Behörden Zeit zu lasten, die Ruhe im Lande wiederherzustellen. Wie mag die prosit- hungrige Grotzfinanz gegrinst haben, als sie dieses naive Ansinnen erfuhr I Von sonstigen Meldungen sind die folgenden zu registrieren: Paris, 17. August. Das„Echo de Paris" berichtet, daß sich unter den Ständen in Marrakefch große Aufregung be- merkbar macht. In Casablanca wird eine neue Tätigkeit unter den Kabylen beobachtet, welche auf neue Angriffe schließen lassen.� In der Nacht von Donnerstag auf Freitag fand bereits ein Angriff auf das fianzösische Lager statt. Es heißt, daß den Marokkanern die Munition knapp geworden ist. Landen, 17. August. Nach einer Meldung des Rcnterschen BnreauS aus Casablanca soll in der Nacht vom 15. auf den 16. General Drude eine Botschaft von den Kabylen erhalten haben, in der seine sofortige Ergebung gefordert wird, widrigenfalls große Scharen von Arabern die französischen Truppen vom Erdboden der- tilgen und die Stadt zerstören würden. Köln, 17. August. Der Korrespondent der„Köln. Zeitung' in Casablanca hört, daß außerhalb der Stadt viele Arbeiter und andere Flüchtlinge, unter ihnen viele Schutzbefohlene von Europäern. sich in verlassenen Farmen aufhalten. Sie sind ohne Lebens- mittel, da sie sich fürchten in die Stadt zurückzukehren. In Casablanca herrfcht völlige Desorganisation. Mit Lebensmitteln eintreffende Dainpfer können aus Mangel an Arbeitern und Bar- lassen nicht löschen. Die Truppen fahren fort, euro- Päische Schuygenossen zu berauben. Tanger, 16. August.(Meldung d�S„Renterschen Bureaus".) Vricse aus M o g a d o r besagen, daß dort wegen des von dem be« kannten Saharahäuptling Ma el Ainin angedrohten Angriffes große Unruhe herrsche und daß die Beivohner die Stadt auf einem fran- zösischen Dampfer verlassen.— Hier geht das Gerücht, daß durch die Nachrichten aus Casablanca alle Städte im Innern in Auf« r e g n n g seien, und daß an verschiedenen Stellen der heilige Krieg gepredigt werde. Die Europäer haben Marrakesch bcrlasten. Der Auszug aus Tanger dauert an; viele europäische Familien haben sich heute nach Gibraltar begeben. Paris. 17. August. Die Blätter melden aus Casablanca. daß daS fianzösische Konsulat die Verluste, welche die Europäer erlitten haben, auf zehn Millionen schätzt.— Berber sollen M e k i n e S geplündert haben und auf Fez marschieren. Der Maghzen habe einen angesehenen Scherif ausgeschickt, um die Stämme m der Umgebung von Casablanca zu beruhigen. Lei' Zude! der Blahlmhtsfeinde. DaS Zentrum, das sich selbst seine„kluge" Diplomatie bescheinigt, fällt auS verfrühter Freude über die vermeintliche Erfolglosigkeit deS Kampfes für d-rS ReichStagSwahlrccht für Preußen täglich täppischer auS der Rolle. ES bildet sich ein. den WahlrechtSvcrlcgcnhciten bereits entronnen zu fein, weil führende FreisinnSkreife aus ihren Konipromißgelüsten immer weniger Hehl machen. Ja. die„Diplschaten" im Freisinns� und Zentrumslager könnten sich freuen, wenn nicht das Volk wäre, das ihre schönsten Seitensprünge über Nacht durch- kreuzen kann! Die guten Leutchen dürfen sich deshalb ja nicht einbilden, schon freie Bahn für jede schmähliche Ver- schachcruug der Volksrechte zu haben! Bis jetzt handelte es sich erst uni ein verhältnismäßig harmloses Geplänkel— der eigentliche Kampf wird erst beginnen! Die„Germania" ist deshalb gründlich auf dem Holzwege, wenn sie glaubt, über peinliche Tatsachen durch krampfhafte Scherze folgender Art hinwegkommen zu können: „Der„Vorwärts" wird sich wegen des Zentrums noch die Gelbsucht anärgern. Schon beginnen die Freisinnigen, die et glücklich eingekesselt zu hoben glaubte, ihm wieder„durch die Lappen zu gehen" und die Gefolgschaft bei der„Wahlrechts- bcwegrmg" zu versagen. DaS wäre hinreichend für einen tüchtigen Gallenergnß, aber mit dem Zentrum ist cZ nun schon gar nicht auszuhalicn. Nicht so abhängig von der Gnade der Sozialdemo- kratie wie die Freisinnigen, will cS sich überhaupt weder durch Schimpfen»och dnrck Drohen bewegen lassen, die große Aktion mitzumachen. Natürlich ist das pure Gemeinheit von ihm. Man denke nur, wie sich ZeniriimSblätter und ZentrnniSabgeordnete fiüher über das preußische Wahlrecht ausgesprochcu haben— der „Vorwärts" hat in feinen Zettelkasten gelangt und einige solche Acußerungen hervorgeholt— und nun will diese nichtswürdige Partei nicht mittun. DaS ist der schnödeste Verrat am Volke und seinen Rechten. ES tut uns leid: Aber die Sozialdemokratie wird sich schon an den Gedanken gewöhnen müssen, daß das Zentrum keine sozial- demokratische Filiale ist und sich nicht von Bebel und Singer kommandieren läßt, fondern selbständige Politik treibt. Eine gründliche Reform des preußischen Wahlrecht? hält cS für nötig, aber unter FührungderSozialdemokraten ist kein erfolgreicher Fcldzug gegen da? Dreiklastensystein zu unternehmen. DaS hat man in- zwischen selbst iin freisinnigen Lager einzusehen begonnen und, wie es scheint, ist sogar Herr Naumann wieder auf dem Rückzüge begriffen. Man kniin doch vom Zentrum nicht gut verlangen, daß eL Singer zu Liebe Torheiten begehe." Wir hatten bekanntlich durch unanfechtbare Aeußerungen führender Zcntrumsleute und Feststellung unbe st reit- barer Tatsachen den Beweis geführt, daß— wegen ihres Besitzes— einflußreiche Zentrumskreise prinzipielle Gegner des ReichstagSwahlrecht sind! Diesen begegnet das führende Zentrums- windigsten Mätzchen, ohne Widerlegung finden zu können. Die„Germania" glaubt eben, daß der„Vorwärts" ja den Zentrumsproletaricrn doch nicht zu Gesicht kommt. Nun, es gibt schon Mittel, auch diesen ZentrumSaiihängern die Augen über ihre Führer zu öffnen— und von diesen Mitteln G e- brauch zu inachen, lvird sich die Sozialdemokratie auch ohne die gnädigste Erlaubnis deS Zentrums gestatten! Und>vas vom Zentrum gilt, gilt auch vom Freisinn! Die„Germania" braucht sich also wirklich nicht um unsere Galle zu sorgen. Statt unS zu ärgern, bereitet es uns ein besonderes Vergnügen, unseren verehrteil Gegnern mög- lichstes Unbehagen zu bereiten! Feststellungen organ mit den ein Wort der Sie eoglilche Arbeiterpartei gegen Streikbrecherexport. London, 15. August.(Eig. Ber.) Die Ausfuhr von englischen Arbcitsivilligcn nach Ant. werpen veranlaßte gestern den Arbcitcrabgcordncten Artur Henderson. folgende Frage an den Minister des Innern zu richten: „Ist es Ihnen bekannt, daß am 3. d. M. in einem der Londoner Docks ein Schiff von Antwerpen mit englischen Arbeitern beladen wurde, um sie nach Antwerpen zu bringen, wo sie die Plätze von Streikenden einnehmen sollten? Und ist es Ihnen bekannt, daß jeder der enga- gierten Arbeiter mit einem Kautschnkstempcl abgestempelt wurde? Was gedenken Sie zu tun, um im Interesse des guten Namens unseres Landes solche Praktiken unmöglich zu machen?" Der Minister antwortete, er sei darüber nicht informiert, und wenn er informiert wäre, so hätte er doch keine Macht zum Eingreifen. Die Arbeiterfraktion ist selbstredend mit dieser Antwort nicht zufrieden. Sie beschloß, von der Regierung eine Gesetzesvorlage zu verlangen, nach welcher cS Verbote» sei» soll, in England Streikbrecher sifi daS AnSland anzuwerben, ebenso wie es auf Grund der I'oroixn Enliotment Act verboten ist, Engländer für eine kriegführende fremde Macht als Soldaten anzuwerben. Sollte die Regierung eine solche Vill nicht einbringen, so wird dies die Arbeiter- Partei tun. Wie Henderson dem Berichterstatter der „Daily NewS" mitteilte, hat die Arbeiterpartei eine der» artige Vorlage bereits fertig.— eine Aktion der fchweizerifchen Schart- wacher gegen die Arbeiter. Bafel, 13. August.(Eig. Ber.) Die Bauunternehmer haben sich seit jeher als die skrupellosesten Ausbeuter und wütendsten Scharfmacher erwiesen, wie sie denn auch seinerzeit in Deutschland die direkten Urheber der berüchtigten ZuchtyauSvorlage waren. In der Schweiz wird kaum irgendwo ein -treich gegen die Arbeiter geführt, der nicht von Lauunter» nehmern angezettelt wurde. Bei uns in Bafel versuchen sie seit Jahren ein- um das anderemal die Regierung gegen die Arbeiter scharf zu machen und ihre dabei erlittenen Niederlagen stacheln sie nur zu neuen Hetzereien an. Jetzt hat der„Allgemeine Meister- verband des Bauhandwerls von Baselstadt" eine neuerliche Ein- gäbe an die Regierung betreffend gesetzliches Verbot deS Streikpostenstehens gerichtet. Die Eingabe fordert: 1. Es sollen die zuständigen Behörden durch den hohen Regierungsrat auf das dringlichste angehalten werden, die Aus- schreitungen, wie sie anläßlich der bestehenden Streiks tatsächlich vorkommen, zu verhüten und dafür besorgt zu sein, bei Mangel an Personal dasselbe auf die durch die Umstände gebotene Höhe zu dringenz c. Es soll das Streikpostcnstchen direkt verboten werben und falls die gesetzlichen Grundlagen für ein solches Verbot gegen- wärtig fehlen, mit möglichster Eile dafür Sorge getragen werben, daß die gesetzliche Basis hierfür geschaffen werde; 3. Es möge die hohe Regierung sich mit den Regierungen der angrenzenden Länder ins Einvernehmen setzen, um geeignete gemeinschaftliche Magnahmen zu treffen, das einheimische Handwerk und Gewerbe und die persönliche Freiheit der Arbeits- willigen zu schützen. � Aus der langen Begründung dieser elenden Scharfmachereien erfährt man, daß der Verband der Bauunternehmer am 24. Juni eine Eingabe an das Polizeidepartement mit dem Verlangen ge- richtet hat, den„Kordon" zu beseitigen, den die in Basel streikenden Bauarbeiter längs der ganzen Kantonsgrenze gezogen hatten, um „Arbeitswillige" abzuhalten. Das Polizeidepartcment hat sich dann in der Tat an die K r e i S d i r e k t i o n M ü h l h a u s e n(!) und das Polizeidepartement des Kantons Baselland um Untersuchung .der Angelegenheit gewandt. In den Antworten dieser Behörden werden nun die„Tatsachen" als sehr harmlos bezeichnet, so dasz auch daS Basler Polizeidepartement keinen Anlatz hatte, weitere Schritte im Sinne der Scharfmacher zu unternehmen. Damit waren aber diese selbstverständlich nicht zufrieden und so haben sie nun ihre neuerliche Forderung nach dem direkten Streikpostenverbot erhoben, das die Regierungen der angrenzenden Länder ebenfalls erlassen sollen. So werden nun schweige- rische Bauunternehmer zu Jnitianten für eine neue Zuchthausvorlage in Deutschland und damit stellt sich da? wütendste Ausbeuter- und Scharfmachertum der Schweiz an die Spitze der europäischen Reaktion. Welche große Schande für die demokratische Republik, daß ihre Bürger derart politisch verkommen und gesunken sind. Freilich ist ihre ganze Hetze nur-in Schlag ins Wasser, denn was sie ver- langen, wird nicht durchgesetzt werden. Aber dieser voraussichtliche Mißerfolg niacht ihre schlechte Handlungsweise nicht besser. Wie dringend notwendig wird aber unter solchen Umständen die weitere Ausbreitung und Erstarkung der schweizerischen Arbeiterbewegung, um endlich der Reaktion, die vor keiner Gewalttat und Schandtat mehr zurückschreckt, ein Ende zu machen und der freiheitlichen Ent- Wickelung die Bahn zu öffnen. IMel und Gewcrhlcljaftcn in Italien. Tie Antwort des ParteivorstandcS an die„Konföderation". Rom, 14. August.(Eig. Bericht.) Die Tagesordnung der„Konföderation der Arbeit" gegen die italienische Partei hat das Exekutivkomitee des Parteivorstandes zu einer Antwort veranlaßt, die vier Spalten des heutigen „ A v a n t i" ausfüllt. Das Kommunique setzt auseinander, daß daS Exekutivkomitee es für seine Pflicht halte, die gegen die Partei erhobenen Vorwürfe zurückzuweisen, da es aus finanziellen Gründen nicht angängig sei, über diese Frage eine Plenarsitzung des ParteivorstandcS einzuberufen. Es wird dann auf die integralistische Tagesordnung von R o in hingewiesen, die es als Pflicht der Partei bezeichnet,„die wirtschaftliche Organisation in ihren verschiedenen Formen— Gewerkschaft, Genossenschaft, HülfSkasse— zu entwickeln und eine Arbeiterschutzgesetzgebung zu er- obern, die, in Gemäßheit der Beschlüsse der Arbeiterorganisationen, die stückweiscn Eroberungen der Gewerkschaften ausbauen und ver- allgemcinern". � Nach diesen Leitsätzen, die für ihn allein maß- gebend seien, hätte der Partcivorstand gehandelt. Die Formel, nach der Partei und Konföderation ihre Beziehungen regeln müßten, wäre die der Koordination, nicht der Subordination. ES sei deshalb zu bedauern, daß die Konföderation der Arbeit in einer Tagesordnung sich gegen die Partei gewendet hätte, anstatt freundschaftliche Verhandlungen einzuleiten. DaS Exekutivkomitee setzt dann auseinander, in welcher Weise die Partei und der Vorstand den Beschlüssen de? Parteitags von Rom gerecht geworden sei: 1. Durch Berufung von 4 Gewerkschafts- führcrn in den Vorstand; 2. durch Abhaltung einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand, Parlamentsfraktion und Ausschuß der Kon- föderation der Arbeit; 3. durch Zulassung einer Vertretung der Konföderation zu allen Vorstandssitzungen; 4. durch Unterstützung aller Gewerkschaftsbewegungen im„Avanti"; S. durch Aufnahme von Gewerkschaftsführern oder Sachverständigen tn Schutzgesetz- gebungsfragcn in die Redaktion des„Avanti"(C a b r i n i, R i a o l a, B o n o m i); 6. durch eine Tagesordnung des Vor- standeS und der Fraktion zugunsten der Wahl von Arbeitern in das Parlament; 8. durch die parlamentarische Aktion(ReiSarbeiter- schütz, Militärausgaben, Nachtarbeit der Bäcker); 9. durch Er- nennung eines besonderen Propagandisten für die wirtschaftliche Propaganda; 19. durch Entsendung der beiden politischen Propa- gandisten des Vorstandes zur Vertretung gewerkschaftlicher Jnter- essen; 11. durch Ernennung eines Propagandisten für Sizilien, der sich hauptsächlich der Organisation der Landarbeiter widmen soll; 12. durch Unterstützung der Inspektionen, die der Verband der italienischen Kooperationen in Kalabrien veranstaltet hat; 13. durch Eröffnung von Sammlungen für die Streiks von T e r n i und Ar genta im„Avanti"; 14. durch Anregung kommunalpolitischer Reformen in der jüngsten Zusammenkunft sozialistischer Kom- munalvertreter in Rom; IS. durch Verteilung der Mandate zum internationalen Kongreß, bei der V Mandate der Partei und 6 der Konföderation der Arbeit zugeteilt wurden. WaS den„Avanti" betrifft, so führt das Kommunique aus, daß auch auf den Raummangel, an dem das Zentralorgan leider, Rück- ficht genommen werden muß; jetzt, wo der„Avanti" Setzmaschinen einführt, würde dieser Mangel durch die Veranstaltung von drei Auslagen für die verschiedenen Landcsteile teilweise behoben werden. Der Konföderation stände jederzeit frei, durch Einsendung von Mit- teilungen am„Avanti" mitzuarbeiten. In der Beurteilung der Streiks folge das Zentralorgan den Leitsätzen der Partei; zwischen diesen und der Konföderation der Arbeit sei aber bisher noch nie von einem Einvernehmen über diese Fragen die Rede gewesen. In Bezug auf die Anklagen gegen die Parlamentsfraktion heißt es, daß der Vorstand selbst bereits die Unzulänglichkeit der Fraktion in eigener Tagesordnung hervorgehoben hätte. Haupt- Ursache dieser Unzulänglichkeit sei der Mangel an Diäten für die Abgeordneten. Dann wird die Tätigkeit der Fraktion für die bereits erwähnten Gesetze hervorgehoben und mitgeteilt, daß die Er- vennung eines Fraktionssekretärs bevorstünde. WaS die Kompetenzfrage betrifft— die Konföderation erklärte die Partei in allen Streikangelegenheiten für un z u st ä n d i g— so hebt daS Kommunique hervor, daß zunächst in allen politischen Streiks die Partei zuständig sei. Der Konföderation unterständen auf alle Fälle nur die Streiks der ihr angehörenden Organisa- tionen. In diese habe sich die Partei nie als leitender Faktor ein- gemischt; sie habe sich nur begnügt, auf den Schauplatz großer Streiks ihre Vertreter zu entsenden, um die Arbeite� vor politischer Vergewaltigung zu schützen. Es wird zugegeben, daß ein Einver- nehmen wünschenswert sei. das Fehlen eines solchen sei aber beiden Teilen, nicht allein der Partei, zur Last zu legen. ES sei von der Konföderation übel vermerkt worden, daß der „Avanti" für Argenta und Terni Geldsammlungen veranstaltet hätte, die natürlich die Beiträge zu anderen Streiks becinträch- tigten. Bisher hätte aber auch die Konföderation derartige Samm- lungen veranstaltet, um erst seit 19 Tagen für die Bildung eines einzigen Streikfonds einzutreten. Es stünde noch dahin, ob dieses System— theoretisch das bessere— sich in Italien praktisch oe- währen würde. Das Exekutivkomitee erklärt dann ausdrücklich, daß es sich daS Recht und die Pflicht jedes Soziali st en, im Kampf dem Proletariat zur Seite zu stehen, auch in Streikfällen nicht nehmen lassen wolle. Nach einigen Ausführungen über die Formen lokaler Organi- fationcn schließt das Kommunique mit der Versicherung, daß die Partei nichts sehnlicher wünsche, als ein gutes Einvernehmen mit den Gewerkschaften, allerdings auf der Basis der.Gleich- stellung und nicht der Unterordnung Gerade diese letzten Ausführungen werden nicht verfehlen, in Parteikreisen einen guten Eindruck zu machen, wenn sie auch nicht gerade nach dem Herzen der Reformisten der äußersten.Rechten sind._ politische öcberlicbt. Berlin, den 17. August 1907. Das Zentrnm als Konkurrent des Flottenvereins! Die„Germania" will es nicht Wort haben, daß durch die Rede des Herrn Spahn das Zentrum, wie der„Vor- wärts" es nannte, zum Konkurrenten des Flottenvereins avanciert sei. Der Flottenverein, erklärt das führende Zentrumsblatt, habe viel mehr gefordert, nämlich ein paar neue Linienschiffsgeschwader, während Herr Spahn viel be- scheidener gewesen sei. Nun, Herr Spahn forderte die Ver- größerung des Typs unserer Neubauten bis zu 22 und 23 000 Tonnen und Herabsetzung des Dienstalters der Linienschiffe von 25 auf 20 Jahre! Das heißt also Beschleunigung der Ersatzbnuten, genau dasselbe, was auch die jüngste Nummer des Organs des Flottenvereins empfiehlt! Daß Herr Spahn tatsächlich dem Flottenverein Konkurrenz macht, bestätigt auch die in Sachen des Panzerplattenpatriotis- mus vorzüglich unterrichtete„ N h e i n i s ch- W e st f ä l i s ch e Zeitung". Sie schreibt: „Das Scherzhafte bei der Sache ist nur, daß der Zentrumsführer jetzt auf der Spur des verhaßten, gemeingefährliche» Flotte»Vereins zu wandeln versucht. Auch was Dr. Spahn über den schnelleren Ausbau unserer Flotte sagt: Herabsetzung der Lebensdauer der Linienschiffe von 2S auf 20 Jahre— ist eine alte Forderung des Flottenvereins. Man wird sich jener zirka 400 099 Nnierschriften tragenden Petition an den Reichstag ge- leqenilich des letzte» Flottengesetzcs erinnern, die sang- und klanglos im Papierkorbe versank, nachdem Staatssekretär v. Tirpitz in der Budgetkommission seine„vertraulichen" Erklärungen ab- gegeben hatte.„Schneller bauen!" lautete die Resolution der Kölner Tagung des Flottenvereins.—„Beschleunigung der Ersatzbauten' fordert Herr Dr. Spahn in Rheinbach. Vor allem aber möchten wir auf folgenden Passus hinweisen:„Wir dürfen unsere Augen nicht verschließen vor der Gefechtsstärke, die andere Staaten ihren Schiffen geben... Bei den heutigen Wirkungen der Artillerie hat das an Gefechtsstärke den: gegnerischen Schiffe nachstehende Linienschiff für die Schlacht selbst dann verminderten Wert, wenn öS ihm an Geschwindigkeit überlegen ist: es wird zusammengeschossen, bevor es an den Feind herankommt." — Aber Herr Spahn I Das ist ja genau die gemein- gefährliche Redensart von den„schwimmenden Särgen", die damals dem Flottenverein so gewaltig übelgenommen wurde." Fauler Zauber ist es auch, wenn sich die„Germania" gleich der„Köln. Volksztg." damit herauszureden sucht, daß das Zentrum als solches sich ja noch gar nicht darüber ge- äußert habe, wie es über die Auslasfnngen Spahns denke. Hat doch weder die„Germmiia" noch die„Köln. Volksztg." Herrn Spahn bis jetzt zu desavouieren gewagt!— Tu' Geld in den Beutel! Die Kolonialpresse tut so, als ob der neueste Einfall von 169(II) Hottentotten in unser südwestafrikanisches Gebiet eine neue gewaltige Kriegsgefahr für diese uns so„teuer" gewordene „Kolonie" darstelle. DaS Mb sse- Bla tt schildert die Situation in seinem heutigen Abendblatt als besonders kritisch: „Dabei ist ganz besonders zu berücksichtigen, daß die Truppen, über die Deutschland im Süden verfügt, bedeutend schwächer sind als die Trn p p e nm a s> en, die für die Friedensorganisation vorgesehen sind. Das er- scheint wohl eigentümlich, aber die Erklärung kann in dem Um- stände gefunden werden, daß durch die beabsichtigt gewesene Heim send un g von Truppen— mit der es wohl jetzt seinBe- wenden wird haben müssen— eine Herabminderung der Truppen zahl erfolgte und daß man auch gegen Simon C o p p e r hat Truppen stellen müssen. Es bestehen jedoch Zweifel darüber, daß man angesichts der so plötzlich ver- änderten Verhältnisse mit den derzeit vorhandenen Truppen wird anskommen können und es ist viel- mehr zu erwarte», daß Estorff und Lind equist au den Reichstag mit neuen Forderungen werden heran- treten müssen." ES ist ein starkes Stück, daß in dem freisinnigen Blatte für außerordentliche Tnlppeilverstärkungen Reklame gemacht wird l In Wirklichkeit ist die Behauptung des Moffe-BlatteS, daß die Zahl der zurzeit in Süd-West vorhandenen Truppen g e- r i n g e r sei, als die vorgesehene Friedensorganisation, Schwindelt Denn in dem Morgenblatt des»Berliner Tage- blatts" selbst war zu lesen: Nach der„N. pol. Korr." befinden sich im deutsch-südwest- afrikanischen Schutzgebiet zurzeit 217 Offiziere, 47 Sanitätsoffiziere, 124 Beamte und 6534 Mannschaften, in Summa 6922 Köpfe. Hierzu kommt der am 11. d. M. von Kn�haven abgegangene Ab- lösungStransport in Stärke von 8 Offizlercn. 1 Sanitätsoffizier und 959 Mannschaften, so daß sich im Monat September im Schutzgebiet V881 Köpfe befinden werden. Es sind also Mitte September rund 2000 Mann mehr in Süd- West, als die„FriedenSorganisatioit" vorsah! Das bestätigt auch das Scherl-Blatt! Es wäre also ungeheuerlich, wenn man mit diesen annähernd 7000 Mann nicht mit den 200 Hottentotten fertig werden wolltH Diverse Millionen— vielleit sogar Dutzende von Millionen!— wird uns allerdings der neue„Orlog" MorengaS kosten I Das Verfahren wegen Hochverrats gegen den Genossen Karl Liebknecht ist nunmehr vom Feriensenat des Reichsgerichts in einer Sitzung vom 9. August beschlossen worden. Genosse Liebknecht hat selbst keinen Zweifel darüber ge- lassen, daß er diesem Prozeß mit größter Seelenruhe entgegen- sieht. Der„Vorwärts" hat wiederholt erklärt, daß es ihm absolut unerfindlich sei, wie selbst die klügclndste juristische Spitzfindigkeit in Liebknechts verdienstlicher Broschüre die Indizien auch nur vorbereitender Handlungen zur Vor- bereitung eines hochverräterischen Unternehmens entdecken könne. Wir sind sicher, daß daS Reichsgericht bei diesem Prozeß sehr schlecht abschneiden wird. Die Oeffentlichkeit— deren Ausschluß ja aus- geschlossen erscheint— wird der Verhandlung mit be- greiflicher Aufmerksamkeit folgen! Die christlichen Gewerkschaften als freikonservative Schntztrnppe. Der freikonservative Verein in Barmen- Elberfeld hat beschlossen, einen ständigen Ausschuß zu bilden, der die dauernde Verbindung unter den verschiedenen Parteien, die sich bei der letzten Reichstagswahl unter der Bezeichnung„christlich-nationale Volks- und Bürger» Parteien" zusammengefchloffcn hatten, zu unterhalten und zu fördern. In diesem Ausschuß sollen außer den Freikonservativcn die christlichsozialen Vereine, die deutschnationalen, die evangelischen Arbeiter- und die Jünglingsvereine vertreten sein. In dem Kuddelmuddel, das Herrn Linz den ReichstagSsitz sichern soll, fehlen die christlichen Gewerkschaften, die sich in der Stichwahl zwischen dem Genoffen Molkenbuhr und dem Blockmann Linz stramm auf die Seite des freikonservativen Scharf- machergenossen gestellt haben. Weshalb die Partei- und Gewerk- schaftsgenossen des Herrn Giesberts nicht mit in den Bund auf- genommen worden sind» darüber läßt sich daS Blatt des Herrn Linz wie folgt aus: „Ein wackerer Mitkämpfer in der Reichstags« Wahlschlacht waren auch die Glieder der christ» l i ch e n Gewerkschaften. Da sie als solche sich diesem Ausschuß offiziell nicht anschließen werden, es aber ebenso rätljch wie auch nötig erscheint, daß eine stete Fühlung mit ihnen unterhalten wird, so möchten wir die dem neu- gebildeten Ausschuß angeschlossenen Vereine bitten, bei der Aus- ivahl der in den Ausschuß zu entsendenden Vertreter auch auf die christlichen Gewerkschaften Rücksicht zu nehmen und zwar in der Weise, daß ein Teil der Delegierten gleichzeitig auch Mitglieder der christlichen Gewerkschaften sind. damit auch diese in der Lage sind, etwaige Wünsche in der Kommission vorzubringen. So würde sich zweifellos ein Ver- hältnis zu den christlichen Ge werkschaften herausbilden, das denBestrebungen des neuen Ausschusses nur förderlich sein könnte." Die christlichen Gewerkschaften werden also für würdig be- funden, dauernd dem freikonservativen Scharfmachergenossen als Schutztruppe zu dienen— zwar nicht„als solche", denn da- leidet die„politische Neutralität" nicht, aber durch einzelne ihrer Mit- glieder, WaS in der Sache genau so ist, als ob die christlichen Gewerkschaften„als solche" in dem freikonservativen RettungS- ausschuß vertreten wären. Ohne Jesuiterei geht? bei der Gesell- schaft eben nicht ab.— Hirsch-Tunckersche und Wahlrecht. Demnächst findet ein Gewerkvereinstag für Rheinland und Westfalen statt. Auf der Tages- ordnung steht u. a. auch die preußische Wahlrechts- r e f o r ni; Referent ist Landtagsabgeordneter Gold- schmidt....... Die„Düsseldorfer Post", das Blatt der rheimsch-west- fälischen Gcwerkvereinler, schreibt in einem Artikel zur Wahl- reform:„Ter Herbst rückt immer näher und damit die Zeit, wo der Kampf um die Wahlrechtsreform stärker einsetzen wird. Daß dieser zu einem Sturm wird, der das ganze preußische Volk in seinen tiefsten Tiefen auf- rührt, um das elende st e aller Wahlsysteme zu Fall zu bringen, dafür wollen auch unsere Leser sich mit ihrer ganzen Kraft einsetzen."— Zur Winzerbewcgung im Rheingau. Die Vorgänge in Südfrankrcich waren für einige Zentrums- leute im Rheingau die Mitveranlassung, zu Sonntag den 21. Juli eine allgemeine Winzcrversamnrlung einzuberufen, um gegen die Weinpantscherci im allgemeinen und gegen die namentlich in Preußen geübte legere Handhabung der Weinkontrolle im be- sonderen zu protestieren. Kaum war aber die beabsichtigte Ein- bcLufung der Versammlung bekannt geworden, als Gegcnordcr kam, offenbar, weil man an emem Sonntag einen unerwünscht starsten Zuzug der Arbeitcrschast befürchtete. Eine später erfolgte 'Bekanntmachung eines mittlerweile gebildeten Aktionskomitees ver- legte die Versammlung auf den 15. August(Maria Himmelfahrt), locist das für die einheimische Bevölkerung ein Feiertag ist, die auswärts beschäsligteu Industrie- � und Bauarbeiter aber ihrer Beschäftigung nachgehen mußten, die Versammlung also nicht be- suchen konnten. Der Zweck der Winzerbcwegung ist natürlich hier wie in Frankreich, die in manchen Lagen in Frage gestellte Rentabilität des Weinbaues zu steigern. Das Angebot von Wein soll in ein günstigeres Verhältnis zur Nachfrage gebracht werden und die Gewähr, reinen Naturwein zu erhalten, soll die Nachfrage nach Wein bei solchen Leuten anregen, die sich der Weinschmiererei wegen dem Biere zugewandt haben. Von diesen Bestrebungen war m der Versammlung ausschließlich die Rede, obgleich den Reichs- und Landtagsabgeordnetcn Baumann. Schüler und Dahlem sicherlich nicht unbekannt ist, daß mit der Beseitigung der Weinschmiercrei kaum die Hälfte der Frage gelöst ist. Denn die Verteuerung des Bodens macht zur Rentabilität auch zum mindesten halbwegs gute Erträge notwendig. Die verschiedenen Fehljahre haben nun die kleinen Winzer im Rheingau— das ist das rechtsrheinische, mit Wein bepflanzte Ufcrgebiet zwischen Main und Lahn— in eine immer größere Verschuldung und damit der Prolcfarisierung nahe gebracht. Welche Bedeutung dem Klein- winzcrstand im Rhcingau heute noch zukommt, erhellt daraus, daß von insgesamt 2317 WeinbergSbetrieben 84,61 Proz. der Gesamtzahl auf Kleinbetriebe mit weniger als einem Hektar Rebgelände entfallen. Diese Kleinwinzcr besitzen meist die geringen und ge- ringsten Lagen und erzielen mithin, wegen der geringeren Qualität ihrer Weine und wegen der Zwangslage, die sie unbekümmert um den niedrigen Stand der Preise, gleich nach der Lese zum Berkauf nötigt, trotz der Knappheit des Weines einen so geringen Erlös, daß in den letzten Jahren nicht immer die Selbstkosten gedeckt wurden. Daß unter solchen Umständen der„W i n g e r t s m a n n". das ist der Weinbcrgsproletarier, nicht daran denkt, für sich eine bessere Bezahlung zu verlangen, ist selbstverständlich. Im südlichen Rheinhessen haben wir allerdings die Anfänge einer Winzer- bcwegung rein proletarischen Charakters zu verzeichnen, dort ist es unter Führung des Küfcrverbandes in neuerer Zeit bereits zum Abschluß von Tarifverträgen zwischen den Weingutsbesitzern und den Wingertsleuten gekommen. Im Rheingau haben sich aber die Weinbergsproletarrer bisher auch in den weinbaulichcn Großbetrieben nicht gerührt, woraus sich denn auch erklärt, daß tn der großen Versammlung keiner der ZentrumLredner den „W i n g e r t s m a n n" zu erwähnen auch nur für notwendig hielt! Auch in der nachstehenden Resolution wurden sie, obgleich dieselbe sehr ins einzelne geht, nicht genannt. Sie verlangt für das ganze Reich: einheitliche Kellerkontrolle für daS ganze Reich durch hierzu im Hauptamte angestellte Beamte; obligatorische Lager- buchführung für Winzer, Weinhändler und Wirte, hclche eine genaue Kontrolle über den Eingang und Ausgang aus dem Lager ergibt; das Verbot über die Zeit von der Lese bis 31. Dezember desselben Jahres hinaus, und mehr als 29 Proz. zu zuckern, (räumliche und zeitliche Begrenzung der Zuckerung); die De- k l a r a t i o n s p f l i ch t s) des ZuckerzufatzcS überhaupt und b) für den Verschnitt von Rotwein mit Weißwein; den Marken- schütz bezw. daS Erfordernis der Herkunftsbezeichnung des Wernes; für jede absichtliche Ucbertrctung des Weingcschcs F r c i h e i t S- und Geldstrafe; eine scharfe sanitäre Ueber- wachung und Kontrolle der aus dem Auslände eingehenden Trauben und Weine; amtliche Erhebungen über die Lage des Winzcrstandes und insbesondere der Größe des in Deutschland a) aecrnteten, d) eingeführten und c) vorhandenen Quantums an Wem. Zur Aufrcchtcrhaltung und Förderung des KleinwinzerstandcS im Rheingau forderte die Versammlung weiter— in diesem Falle vom preußischen Landtag— die Gewälhrung unverzinslicher Darlehen an bedürftige Wi n ze r seitens des Staates; die Gewährung billigen Betriebskapitals an die kleinen Winzer durch den Staat, mit dem Rechte der Be-' leihung des selbstgebouten Weines; Einschränkung der Reben- Pflanzung auf qualitativ geeigneten Boden und Erweiterung bezw. Vermehrung der Nebenerwerbsqucllen, insbesondere des Acker- baues, der Bich- und Obstzucht; obligatorische und behördlich überwachte Bekämpfung der Rebenkrankheiten und Reben- schädlmge mit staatlicher Subventionierung des Kleinwinzerstandcs. Die Versammlung erachtete es auch für dringend geboten, daß eine Zentralstelle zur Wahrung der Interessen des Kleinwinzer st andes im Rheingau gebildet werde und beauftragte das Komitee,� das hierzu Erforderliche zu veranlassen, sowie die vorstehende Resolution zur Kenntnis der Behörden, des Reichstags und preußischen Abgeordnetenhauses zu bringen. Die geforderte Gewährung unverzinslicher Darlehen in be- sonderen Notlagen an die Winzer besteht bereits in Bayern und Hessen; eine Schad losHaltung für behördlich angeordnete Ver- nichtung von Rebstöcken zur Bekämpfung von Rebkrankheit auch in Preußen. Mildeste Strafe dem— Soldatenschinder. MS am 18. Juli 1907 der Sergeant Ludwig Plambeck von der 3. Kompagnie des 163. Jnfanterie-Regiments seine Korporalschaft zum Felddienst hatte antreten lassen, kam der Feldwebel hinzu und rügte das schlechte Aussehen der Stube. Hierüber ärgerlich, versetzte Plambeck dem Musketier Platzke, der Stubendienst hatte, mit dem Ge Wehrkolben einen Stoß vor die Brust und holte zum zweiten Stoß aus. Der jähzornige «Stellvertreter" besann sich aber und schlug den Musketier so heftig mit der F a u st inS Gesicht, daß die N a s e stark blutete und die Lippe anschwoll. Wegen dieser Brutalität, die, wenn umgekehrt begangen, den Soldaten auf viele Jahre hinter Schloß und Riegel gebracht hätte, mußte P. sich am Donnerstag vor dem Kriegsgericht der 17. Division(Hamburg) verantworten. Der An- geklagte führt seine Erregbarkeit auf den C h i n a f e l d z u g zurück, auch habe er sich einer Schutzimpfung gegen Tollwut unterziehen müssen, die seine Nervosität noch gesteigert habe. Sachverständige traten dieser Ansicht entgegen. Der Vertreter der Anklage erkannte den Chinakoller als st raf mildernd an und bean- tragte deshalb wegen Mißhandlung in Ausübung des Dienstes unter Mißbrauch der Waffe zehn Tage gelinden Arrest. Das Gericht erkannte auf vierzehn Tage Mittelarrest. Fürwahr— ein abschreckendes Urteil.'— Die Bestie als Unteroffizier. Zu den scheusäligen Subjekten, die aus Roheit, Bosheit und dielleicht auch aus Wollust sich an Untergebenen vergreifen, gehört der Unteroffizier Rudolf Schmidt von der 11. Kompagnie des Regiments„Hamburg". Der anscheinend sadistische Neigungen be- kündende Unteroffizier, von Beruf HandlungSkommis, quälte seine Untergebenen täglich, ja stündlich, wobei er ganz systematisch ver- fuhr, und sah er, daß ein neuer„Trick" einschlug, dann lächelte er diabolisch. Namentlich war es der Musketier W., den er aufS Korn genommen hatte. Der Schießplatz Grotz-Borstel bei Hamburg war hauptsächlich der Ort, wo der selbst noch sehr der Nach- erzichung bedürftige betreßte Bursche seine Wut an den Leuten ausließ. Dort stieß er den W. vor die Brust, daß er hinfiel, und als der Mißhandelte sich erhob, bekam er einen Fußtritt ins Gesäß, daß er taumelte. Am anderen Tag erhielt der Unglücks» mensch von seinem Pciniger drei Schläge mit dem Seitengewehr auf das Gesäß und die Oberschenkel, so daßBlut floß. Beim Turnen wurde W. geohrfeigt bis die Backe anschwoll. Der Musketier P. ist fünfmal mit dem Seitengewehr bearbeitet worden. Eines Tages erhielten zwei andere Leute bei den Uebungen in Groß-Borstel Säbelhiebe, so daß sie sich vor Schmerzen wanden. Dann ließ er fcijie Leute, 20 Mann, nachüben, weil sie schlecht geschossen hatten. Zu dieser„Nachübuna" war er gar nicht bosugt. Eine volle Stunde marterte-er die Soldaten, die mit einem acht- pfundigen Sandsack im Tornister den 250 Meter langen Schießstand auf- und ablaufen mußten. Nachdem sie die nötige„Wärme" hatten, wurde die Folter um einige Grade verschärft, indem die abgehetzten Soldaten sich wiederholt hinwerfen, dann aufspringen und sofort mit dem Gewehr in Anschlagstellung übergehen mußten. Zuletzt ließ er sie in der Daueranschlagstellung stehen, bis den gequälten und ermüdeten Leuten die schmerzenden Arme herab- sanken. Von dem vielen Niederwerfen war dem einen Mann die Drillichhose an beiden Knien durchgescheuert und die Knie bluteten stark. Der Mann wollte sich bei dem an einem anderen Schießstand kommandierenden Leutnant krank melden, doch schlug der Unteroffizier ihm dies a b. Wie niederträchtig der Bursche war, geht daraus hervor, daß er eines Morgens, als er sich auf der Kasernenwache als wachthabender Unteroffizier befand, die Wachtstube verließ, wozu er gor nicht berechtigt war, und seine Leute eine halbe Stunde früher weckte, obwohl das Wecken zu den Obliegenheiten des Unter» offiziers vom Dienst gehört. Daß er daneben seine Korporal- schast fortgesetzt durch Püffe und Knüffe«korrigierte", sei nur der Vollständigkeit halber bemerkt. Endlich war dem Musketier W. die Sache denn doch zu bunt geworden, er faßte den„heroischen" Entschluß, von seinem Beschwerderecht Gebrauch zu machen. A l S Unteroffizier Schmidt davon Wind bekam, hieß er W. sich auf die Pritsche legen, als wenn er eine besondere Prozedur an ihm vornehmen wollte. Dann spielte er den Gemütlichen, indem er sagte:„Wenn Sic(sonst hieß es stets„Du") die früheren Sachen aussagen, werden Sic mich ruinieren; w�nn Sie mich nicht melden, können wir in Zukunft noch ganz gute Freunde werden." W. blieb aber standhaft und verzichtete auf diese„Freundschaft", worauf Schmidt erwiderte:„Scheren Sie sich weg. Sie frecher KerlI" Der„freche Kerl" hatte dann die«Frechheit", die fortgesetzten Quälereien zur Anzeige zu bringen. Unteroffizier Schmidt, dessen„konfiszierte" Visage auch auf die Militärrichter einen schlechten Eindruck machte, stand am Freitag vor dem Kriegsgericht der 17. Division(Hamburg); als Entschuldigung für seine Brutalitäten führte er Diensteifer an, der von fast allen Soldatenschindern als Beweggrund zu ihrem Handeln ins Feld geführt wird. Der Vertreter der Anklage be- antragte nur 2 Monate und 14 Tage Gefängnis, während das Gericht auf drei Monate Gefängnis und Degradation erkannte.— Und alle diese Schindereien sind den Vorgesetzten des verflossenen„Stellvertreters" entgangen! Ein„vertagtes Kolonialprozetz. Der Prozeß, den der Reichskanzler Fürst v. Bülow gegen den Herausgeber der„Kolonialen Zeitschrift", A. Hcrfurth, wegen Beleidigung der Angehörigen der Schutz» truppe in Südwe st»Afrika angestrengt hatte, ist plötzlich aus unbekannten Gründen auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Die Verhandlung sollte am 23. d. M. vor der 1. Straf» kammer des Landgerichts III stattfinden. Ob es damit eine ähnliche Bewandtnis hat, wie seinerzeit mit dem Prozeß gegen den. V o r w ä r t S", dessen Durchführung seinerzeit Herr I s e n b i e l selbst der Kolonialverwaltung auS aller- Vings trifiigsten Gründen widerriet? l Sdnvdz. Zürich, 16. August. In einem schweizerischen Anarchisten glaubt man einen der Teilnehmer deS Anschlags auf die Z ü r i ch e r Polizeikaserne erkannt zu haben, der zur Befreiung des da- mals in Gewahrsam gehaltenen Russen Kalasizcis führen sollte, und bei dem auf die wachhabenden Polizisten geschossen wurde. (Köln. Ztg.) Snglanä. Grayson und die Vorgänge in Belfast. London, 18. August.(Eig. Ber.) Wie Genosse Grahson heute der Presse mitteilt, habe er seine Rede erst am Sonntag abends— also nach dem Ausbruch der Belfaster Unruhen— in HndderSfield gehalten. Er habe die Belfaster Arbeiter nicht zum Gebrauch von Steinen und zerbrochenen Flaschen aufgereizt, sondern er habe seine Zuhörer darauf aufmerksam gemacht, daß die Arbeiter einen un- gleichen Kampf führten, indem sie auf Kanonen und Flinten nur mit Steinen und Glassplittern antivorten könnten.— Hus der Partei. Zum Essener Parteitag. Im 12. sächsischen Wahlkreis(Leipzig-Stadt) fand am Donnerstag die Parteiversammlung statt, die sich mit dem Parteitag befaßte. Genosse Dr. L e n s ch referierte unter starkem Beifall. Als notwendig bezeichnete er die Beibehaltung der jetzigen Form der Maifeier und beim Fraktionsbcricht eine Erörterung der bekannten Militäretatsrede des Genossen Noske im Reichstag. Zum Projekt eines Nachrichtenbureaus be- merkte er, daß der Entwurf des Vereins Arbeiterpresse zu be- kämpfen sei, daß also die Leipziger Genossen von ihren Dele- gierten verlangen müßten, daß der im Organ des Vereins Arbeiter- presse abgedruckte Entwurf unbedingt abgelehnt wird. Als Delegierte wurden die Genossen Klcemann, Mcusch und Lipinski vorgeschlagen. In der Debatte betonte Genosse Schulze, daß es doch merkwürdig sei, wenn nach dem Gehörten gewissermaßen der Vater des als schädlich gekennzeichneten Antrags des Vereins Arbeiterpresse nun selber als Delegierter nach Essen gesandt werden solle. Genosse Mcusch entgegnet, daß die übrigen Lcip- ziger Delegierten schon wüßten, wie sie zu stimmen hätten und sich Lipinski sonst im Einverständnis mit den Leipziger Genossen be- fände. Dr. Lensch bemerkte, daß die Delegation des Genossen Lipinski den Eindruck hervorrufen könnte, als ob damit der„Leip- ziger Volkszeitung" ein Desaveu erteilt werden sollte. Das sei nicht der Fall! Man habe die Delegation Lipinskis schon be- schloffen, als von jenen Auseinandersetzungen noch nicht die Rede war. Bei der Abstimmung wurden die Genossen Meusch und K l e e m a n n beinahe einstimmig, Genosse Lipinski gegen eine Minorität gewählt. In einer gutbesuchten Versammlung nahmen die Krefelder Genossen zum Parteitag Stellung. Der Kandidat des Kreises, Genosse Reimer, Gaubeamter des Textilarbeiterverbandes, referierte. Unter dem Beifall der Versammlung erklärte er sich für die Beibehaltung der Maifeier in ihrer jetzigen Form. Wenn von einzelnen Gewerkschaftsführern soviel über die Opfer, welche die Maifeier erfordere, geredet würde, so sei er der Meinung, daß jeder Kampf Opfer verlange. Durch den hohen ideellen Wert und die werbende Kraft der Maifeier würden die Opfer hundertfach aufgewogen. Die Versammlung gab im weiteren Verlauf der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Stell-ung unserer Parte» zum Zentrum in der letzten Zeit nicht die richtige war. Schon während der Wahlkampagne wurde vielfach vergessen, daß das Zentrum unser Hauptfeind ist. Als zweckmäßig wurde die Heraus- gäbe von Serienflugblättern gegen das Zentrum erachtet; jedes der Flugblätter müsse sich mit einem bestimmten Punkt befassen. Aw diese Weise könne man den Lügen, die aus der M.-Gladbachcr Jcfuitenschule kommen, am wirksamsten entgegentreten. Weiter trat die Vcxsammlung für einen noch engeren Zu» sammenschluß von Partei und Ge we rkschaft ein, der Neutralitätsgedanke, wie er seinerzeit von einzelnen Genossen gepredigt' wurde, habe sich vollständig überlebt. Mit der Parteikorrespondenz in ihrer jetzigen Gestaltung war man nicht zufrieden; es sei etwas ganz anderes als die Zu- sammenstellung von Zeitungsausschnitten erwartet worden. Da der Parteitag sich nach einem Beschluß des Mannheimer Parteitages mit den Lokalorganisationen beschäftigen muß, so nahm die Versammlung auch zu dieser Frage Stellung. Am ganzen Niederrhein befinden sich noch Neste einer Lokal- organisation, des Niederrheinischcn Weberverbandes, vor vielleicht 7 bis 8 Jahren ein blühendes Gebilde, jetzt nur noch ein Schein- dasein führend. Die Versammlung stellte sich auf den Stand- Punkt, daß die Lokalorganisierten nicht aus der Partei ausgeschlossen werden können. Ein solches Vorgehen wäre zu schroff, es Oege nur Oel ins Feuer gießen, wenn ein Ausschlußantrag, der jeden- falls gestellt würde, Annahme fände. Man war der Meinung, daß derartige Zwittergebilde, die sich als nicht mehr den Ver- Hältnissen entsprechend erwiesen haben, ganz von selbst verschwinden. BilbungSarbeit. Die Krefelder Genossen sind zur Gründung eines BildungsauSschusseS geschritten. Er ist zusammengesetzt aus Mitgliedern des sozialdemokratischen Vereins und des Gewert- schaftskartells. Diese Organisationen bringen auch die Mittel je zur Hälfte auf. Am 8. September wird sich der Ausschutz durch einen VolkSuntcrhaltungsabcnd, bei welchem bewährte Künstler mitwirken und der im schönsten Saale Krefelds abgehalten wird, einführen. Beabsichtigt ist, im kommenden Winter Vortrags. Zyklen zu arrangieren, weiter sollen Theater- Vorstellungen und Konzerte veranstaltet werden. Selbst- verständlich wird auch die Ausbildung der schulentlassenen Jugend nicht vergessen._ Parteiliteratur. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschien: I. Stern, Gott? Gottglaube oder Atheismus? Der Ver» fasser beleuchtet in dieser Abhandlung die Frage«Gottglaube oder Atheismus?" historisch-kritisch. Der Preis beträgt 50 Pf.» eine Agitationsausgabe 20 Pf. W. Zeppler, Welchen Wert hat die Bildung für die Arbeiterin? Eine volkstümliche Schrift, in der die Verfasserin die Notwendig- keit der Bildung und der geistigen Erhebung der Arbeiterinnen, wenn sie ihren Beruf als Gattin, Mutter und Staatsbürgerin er- füllen wollen, darlegt. Die Broschüre kostet 10 Pf. In A. H o f f m a n nS Verlag, Berlin 0. 27. erschien in 1 1. A u f l a g e(101.— 110. Tausend): Ad. Hoffmann, Die zehn Gebote und die besitzende Klasse. Nach einem gleichnamigen Vortrage mit einem Geleitbriefe von Frau Klara Zetkin und einem Nachwort unter Berücksichtigung der Zugeständnisse der Herren Pastoren sowie der Einwürfe von Gegnern dieser Schrift. Preis 30 Pf.-An Vereine usw. wird die Schrift zwecks Agitation zu bedeutend ermäßigten Preisen, bei größeren Bezügen zum Selbstkostenpreise abgegeben. Kleeis, Der Aus- und Umbau der Arbeiterversicherung. Preis 1 M. Der Verfasser will eine umfassende Reform der Arbeiter» Versicherung, deren Notwendigkeit sich ihm als Krankenkassen- bcamter an der Hand der gesammelten Erfahrungen aufdrängte. Die Broschüre soll Versicherten, VersammlungSrcdnern, insbesondere aber Aerztcn und den in Versicherungsinstituten Angestellten mit Material in dieser Frage versehen. Zetkin» Zur Frage deS Frauenwahlrecht». Preis 1 M. Agitationsausgabe öv Pf. In klarer und überzeugender Weiss legt Genossin Zetkin alle die Gründe dar. die für die Notwendig- keit der Einführung des Frauenwahlrechts sprechen, während uns ein Anhang einen Ueberblick über die Entwickelung des Frauen- stimmrechtS in den verschiedenen Ländern gibt. Partcisekretariat Jena. In einem Bericht über den Landesparteitag der Partei- genossen Sachsen-Altenburgs, der in der Nummer 182 deS„Vor- wärts" sich vorfindet, wird unter anderem auch von der„Los- lösung" vom Parteisekretariat in Jena berichtet. Zu diesem Bericht wird uns vom Parteisekretariat Jena ge» schrieben: Wir erlauben unS, Ihnen eine Ergänzung zu geben. Das Parteisekretariat Jena, welchem die vier Wahlkreise Alten- bürg, die beiden Reuß und Weimar 3 angeschlossen sind, wurde am 1. April 1906 gegründet. Nachdem der Sekretär ein Jahr— und wie öfter betont wurde— mit Erfolg im Agitationsbezirk tätig war, wurde eine kombinierte Borstandssitzung zusammen- berufen, an welcher auch die Altenburger Genossen mit drei Mit- gliedern ihres Landesvorstandes beteiligt waren. Der Sekretär erstattete unter anderem auch Bericht über seine Tätigkeit im ab- gelaufenen Jahre. Auch aus dieser Zusammenkunft erfolgte kein Wort der Kritik— im Gegenteil— Anerkennung! Die Beiträge an das Sekretariat für das laufende Jahr wurden auf das neue festgesetzt, und auch hierzu gaben die Altenburger Genossen ihre Zustimmung. Um so mehr mußte man sich wundern, als ungefähr 2 Monate nach dieser Sitzung ein Antrag— gestellt von den Genossen der Stadt Altenburg— auftauchte, der die Loslösung vom Partei- sekretariat verlangte. Auf die Begründung konnte man selbswer- ständlich gespannt sein. Sie lautete:„Das Sekretariat hat keine „positive Arbeit" geleistet. Das Sekretariat hat die Bildungsbc- strebungen nicht genügend gefördert. Im Sekretariat müßten die Fäden der ganzen Bewegung zusammenlaufen, die Beiträge müßten durch das Sekretariat kassiert werden usw." Dabei hat der Sekretär in der kurzen Zeit deS Bestehens deS Sekretariats im Altenburger Wahlkreise 37 Versammlungen und Besprechungen abgehalten, zwei neue Organisationen gegründet. das Material für den Agitationskalender zusammengestellt, mehrere Flugblätter geschrieben sowie eine Anzahl Gesuche an- gefertigt und außerdem mit dem Landesvorstand fortwährend in engerer Fühlung gestanden, um jeder Neuerung auf irgend einem Gebiete zur Durchführung zu verhelfen. Und was bieten die Altenburger Genossen durch ihren Antrag? Ein Sekretariat soll in den Räumen der„Altenburger Volkszeitung" errichtet werden. Der Sekretär soll zur Hälfte Redakteur und zur anderen Hälfte Sekretär sein. Jeder Genosse, der nur halbwegs in der Organisation sich auskennt, weiß, daß diese Einrichtung nichts nützen wird. poUreiliclies, ßerichtliches uTw. Eine große Haupt- und Staatsaktion hat in Zeitz die Polizei gegen die organisierte Arbeiterschaft eingeleitet. Am 21. Juli dieses Jahres fand in Zeitz ein großes Turnfest der deutschen Turner statt. Die Polizeibehörde genehmigte alle öffentlichen Veranstaltungen, wie Umzüge mit Musik, Bau von Empfangs- Pforten usw. Da an dem gleichen Tage da? Gewerkschaftsfest stattfand, meldete der Vorsitzende des Kartells, Genosse Gerhardt, ebenfalls öffentlichen Aufzug an. Er wurde aus Verkehrs- und Ordnungsrücksichten verboten. Diese Polizeitat vcranlatzte die Genossen zrr einer gewältigen Demonstration. Wohl an 3000 Genossen und Genossinnen zogen im zwanglosem Zuge nach der Bürgererholung, dem Lokal, wo das Gewcrkschastsfest stattfand. Die Polizei sucht nun nach Genossen, die durch Zahlung von 18 M. die Stadtkasse füllen können. Dabei schlägt sie die wunderbarsten Kapriolen. Der Kartellvorsitzende soll Leiter eines öffentlichen, verbotenen Aufzuges sein. Derselbe lehnte beim Verhör jede Aus- kunst bor der Polizei ab. Ein anderer Genosse soll einen Trupp weißgekleideter Kinder, echte Proletariermädchcn, geleitet haben. Der Herr. Inspektor Jakob selbst behauptet, er hätte ihm zugerufen, die Kinder zu zerstreuen. Doch der betreffende Genosse saß ruhig seit Stunden im Festlokale und sorgte dafür, daß kein Prolet ohne die wegen des preußisch-Zcitzer Polizcisystems notwendige Karte �Zutritt zum Fcstplatz erhielt. Andere Genossen, die fern von Zeitz ' auf Montage waren, fallen ebenfalls blechen. Nachtschutzleute wollten es beweisen, daß sie dabei waren. Was mag da in manchem Polizeihirn vorgegangen sein? Wenn Arbeiter gegen Beamte solche falschen Anschuldigungen erheben würden, eine Anklage wäre ihnen sicher. Vorläufig muß sich die Polizei gedulden und abwärtcn, waS die Gerichte sagen werden. Letzte Nachrichten und DepeFchen» Deutsch-sozialer Parteitag. Frankfurt a. M., 17. August.(B. H.) Der diesjährige Partei- tag der Drutsch-sozialen Partei wird vom 7. bis 10. September hier stattfinden._ Opfer deS Berufs. Mannheim, 17. August.(B. H.) Auf dem hiesigen Rangier- bahnhof wurde der Rangierer Roßlar von einem ausfahrenden Personenzug überfahren und getötet. Kopf und Beine wurden dem Verunglückten abgefahren. Der Kaps konnte nicht aufgesunden werden. Die Autorascrei. München, 17. August, abends.(W. T. B.) Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich heute mittag in Perlach in der Nähe von München. Ein mit drei Chauffeuren besetztes Automobil fuhr in vollem Lauf an einem Baum an. so daß die drei Insassen herausgeschleudert wurden, lebensgefährliche Verletzungen erlitten und bewußtlos liegen blieben. Zwei der Verwundeten sind wieder zum Bewußtsein gekommen. Gescheitert. Brest, 17. August.(B. H.). Im Hafen von Douarnenez scheiterte heute ein Schiffcrboot mit 6 Insassen, welche sämtlich r» tranken. Gestrandeter Dampfer. FreberikShaven, 17. August.(W. T. B.) Der nach AarhuS be» stimmte Bremer Dainpfer„Asia" ist südlich von Saeby gestrandet. Ein großer BergungSdampfer ist abgegangen. Streikende Streitvrecher. Antwerpen, 17. August.(B. H.) Heute morgen weigerten sich neuerdings 250 englische Arbeiter, die Arbeit aufzunehmen. Auch viele einheimische Hafenarbeiter weigern sich, mit den Eng- ländern zu arbeiten. Di« Pest. Washington, 17. August.(W. T. B.)' Der Marinehospital» Verwaltung sind aus San Francisco drei Fälle von Pest zur Kenntnis gebracht worden, die sämtlich tödlich verlaufen sind. ES seien zwei Infektionsherde festgestellt worden. Eine allgemeine Desinfektion und Vernichtungsmaßregeln gegen die Ratte» wurden in Erwägung gezogen. Charbin, 17. August.(W. T. B.)' In der Eüd-Mandschurei wurde die Pest erklärt. In Haidjao wurden 16 Todesfälle in» folge Pest festgestellt. Die Reisenden, die nach der Nord-Mand» 'churei gehen, werden in Kuantschendsy einer sanitären Be- obachtung unterzogen. � l...... A.JAND0RF&O öpittelmarkt Belle Ailianceslrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Wirtschafts-Artikel Kottbuscp Damm Montag— Dienstag- Mittwoch soweit Vorrat Waschfässer ÄÄe' 8.50, 10.25, 11.50 Waschfässer etaftemwunt 9.75, 11.75, 13.50 Wasch-Zober starte Quaiim 8.50, 10.75 Waschtöpfe ,SrÄ 2.45, 2. 65, 2.95, 3. 25 Verzinnte Deckel di«»» 70» 85, 93, 1.10 Wringmaschinen u Quant«, m em mi«e 8.75 Waschbretter Klammern Plättbretter Plättbretter bezogen Plättbretter 48, 60, 75 pf. Schock 12, 20 Pf. 95 pt 1.95 2.35, 2.55, 2.75 Aermelplättbretter bezogen 38pf. Plätteisen u Quaum 1.95, 2.10, 2.25, 2.50 Plätteisen vemickeit 2.60, 2.75, 2.95, 3.25 2 Gas plätten mit Erhitzer 4.95 Plätteisenuntersätze 15 Wäschetrockner? stabe 75?,. io stabe 95 Pf. Küchenbänke 1.25,1.35,1.55 Küchenbänke gestrichen 1.69, 1.75, 1.90 Küchenschemel 80, 95, 1.10 Küchenschemel gestrichen 1.19, 1.25, 1.49 Leitern etufe 38?,. Fussbänke 42, 75?,. Putz- oder Wichskasten 42 pt MeSSerputzbrett mit 1 Buchse Putzpulver 20p,. l�ri/-.I-iQr>/-iorr,i+m" bestehend ans: 1 Küchenbrett, 1 Au, schnitt- rXUul löfiy dil 11 IU i brett, 1 Eeibekcule, 1 Fleisch-/ c\ kiopfer, 1 Kudelroile, 1 Messerputzbank 40P,. Kfirhannnrni+Iir bestehend aus: 1 Quirlhalter, INudelrolIe, ixucnengarnixur i Fleischklopfer, 1 Eeibekeule, n C 2 Quirlen, 2 Löffel 90 PL Küchengarnitur? nÄ'i b�TÄZVs� 95?,. Fleischmühlen 2.85, 4.25 Bratpfannen rBtt�Äie<,et 30, 35, 40, 45?,. Messer U. Gabel Stahl,ff. vernickelt, Paar 42, 43?� Einzelne Tischmesser 6tockl5, 20, 25pt Butterdosen mit vernickeltem leller und Veckel 95?, Kaffeemühlen ff. lackiert mit Broucestreiien 95?, Menagen 3 temg Salz- und Pfefferstreuer 6pt Wetzsteine 5Pt, Emaille Schmortöpfe ÄÄ- 35,45,55,70.80� Schmortopfe"derkneubuu 48, 60, 70, 80, 95?, Kasserollen ohne swg 20, 28, 35. 42?,. Kasserollen mit Emg 48, 60, 70, 80, 90?,. Wasserkessel ifiÄt 1.25, 1.45, 1.65 Wasserkessel ,««aa 55, 65, 80?,. Wannen ovai 1.00. 1.25, 1.55, 1.95, 2.45 Eimer ca. 2S cm grau 65? neuhlau 85, marm. 95?,. Eimer ff. dekoriert, mit Deckel 1.75, 1.95 Eimer 3. dekoriert, mit Deckel, Messingbogel u. Knop, 2.45 ASCheimer grau oder neublau 1.05, 1. Kehrichteimer mit Aufschrift und Deckel Toiletteimer weiss, geradeForm 1.85, 2 Müllschaufeln gestanzt, grau Müllschaufeln gestanzt, neublau oder weiss Waschschüsseln neubwuVweiss 48, Lchüsseln weiss,«ach 25, 28, Schüsseln weiss, tief 60, 70, Wasserkannen ia Quam« 95, 1. Wasserkonsole mitMa««, neuwau 45 pf-' 25. 1.45 2.45 .10 2.45 33?,. 3 8?,. 60, 75?,. 30, 35?,. 80, 90?,. 25,1.65 48 ?, Seifenhalter die Leitung Schaffnerkannen Milchkannen Essenträger 38, Kaffeeflaschen 42, Zwiebelbehälter mit Aufschrift Kummen Tassensiebe LeUChter 18 PL, ff- dekoriert mit Nachtgeschirre neublau oder weiss 13?,. 38, 45, 55?,. 42. 48, 50?,. 40, 45. 48?l 43, 60, 70?l 95 pl 6, 8, 10, 12 pl 10 PL Solds tre Ifen 38 p» 38. 45, 55 pl >— Jn der XonfekUonS�ihieUung: Weit unier regulärem Serie I II III| 3000 weisse Blusen E?=äH 2.50 3.65 4.65 5.65 Serie I II III iv Sport- u. Regenröcke SS 3.45 4.65 5.45 6.45 IV !! Wo!! lause ich preiswert sür mich Stoff z. Herrenanzug? Bei Ludwig Engel, Prenzlauerstr. 23, II, Alexander-Platz. Gegründet 1892. Gros; es Stofflager. Neueste Muster Aachener Fabrikate, reinwollene Stoffe, Reste Von 5.R. au per Meter. Spottbillig! !! Mer!! sertigt mir einen Herrenanzug, wenn ich Stoff habe? Ludwin Engel, Prenzlauerstr. 23, II, Alexanoer-Piatz, sür 20 M.. feinste Zutaten, 2 An- proben, für guten Sitz bekam goldene Medaille. Ein Versuch sührt zu dauernder Kundschaft. I! Ohm Konkurrenz U 8'2* W C 3 Lebens- Versicherung. VICTORIA zu BERLIN. Lebens-Versicherungsbestand: über 1 Milliarde u. 395 Mill. Mk. Gesamt-Vermögen: rund 600 Millionen Mk. Prämien- und Zinsen-Einnahme in 1906; 123 777 086 Mk. Pro 1906 erhalten die Versicherten 24 366 296 Mark Uebersohuß als Dividende. Volks-Versicherung. VICTORIA. IC I FEUBJt-VERSICHEEUNGS- AOnEN-GESELLSCHAIT. |ü|»» Ganz neue liberalste Bedingungen. Feuer-Versicherung. Parteigenossen, B494S1* Paul Kobus,: Gewerkschafte» und Vereinen empfehle meine Lokalitäten. Vereinszimmer bis zu 80Pers. 2Kegelbahnen Paul I�odus, Boxhagenerstr. 26. VkrfÄlene ZSetten (Staub fefton für 9 iuöer�pfünifei� JfämHborMt™1 tfk VlSlteS von 1,80 Mb an Kabinetts n 4,30 M. n V MV in guter Ansführnng liefert Oscar Goetze, Photograph. 1. Geschäft: Paul'Straße 26. 275/3» 2.„ Dresdener Straße 135. 3.„ FriedrlchsStraße 91/92, 4.„ Charlottenburg, Nehringstr. 1. Spezialität: SrowsilbetvVergröjierung bis Mensgröjle. _XJ_ orhlilt Jeder Rcstellcr eine Scnii-Ematlle- Wl allS Brache oder Xadel, also ganz ninnannt! ClcUffnet von morgens 8 Uhr bis abends O L'hr. IMV~ Sonn- und Festtage den ganzen Tag geöffnet. ZM 5699L» Phänomen- Nach Egyptischer Art hergestellt. feinste Handarbeit. Zigarettenfabrik„NAMKORI" Arbeiter finde» m jede» 3enif 6596a' richtig gearbeitete Bekleidung in groffer Auswahl Jrunnensir. Oelber Saden. (Mehr als 30 Sorten) Nur 10 Pfennig Man verlange ausdrücklich Stlppefl! kosten 2 Teller vorzüglicher Suppe --4-MflGGI' Suppen Kreuzstern In kürzester Zeit nur mit Waffer herzustellen. � ZiAf.'-.b Ä Verantwortlicher Redaklcur: Sans Weber. Berlin. Kür den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck it. Verla»: VorwärtSBuÄdruckerei u. VerlaaSanitalt Paul Einaer St So« Berlik Nr. 192. 24. Iahrgavg. 2. KW Ks Joniiätts" Ktliiift Kllislilatt. Zoiltttllg. 18. Aligllst 1907. Die prolctarifche Internationale in Stuttgart. IntcrparlamentarifcK iozialüliicK Konferenz. (Telephonischer Bericht). Stuttgart, dcn 17. August. Die Interparlamentarische Konferenz, an der etwa IM sozialdemokratische Abgeordnete aller Länder teilnehmen, wurde von Vandervelde- Brüsiel, dem Vorsitzenden der intcrparlamcn- tarischen Kommission, eröffnet. Er hieß die Erschienenen will- kommen und fährte aus, daß in London die Grundlage für die interparlamentarische Kommission gelegt worden sei. ES sei keines- wcgs die Absicht, diese Kommission zu einer Art Kongreß neben dem internationalen Kongreß zu machen, sondern man habe bei ihrer Gründung lediglich praktische Zwecke im Auge gehabt. Auf der heutigen Tagesordnung stünden folgende Punkte: erstens handle es sich darum, ob die Mitglieder der aufgelösten russischen Duma als aktive Mitglieder der Konferenz zu betrachten seien, zweitens handle es sich um die Schaffung einer Verbindung zwischen den parlamentarischen Fraktionen der verschiedenen Länder. Drittens liege eine Resolution des Genossen T r o e l st r a vor, die er selbst begründen werde. Viertens müsse über die Ncso- lution eines rumänischen Genossen verhandelt werden und zuletzt müßten noch einige andere Angelegenheiten erledigt werden. Dr. Adler- Wien stellt dcn Antrag, Punkt 1 der Tages- ordnung ohne jede Debatte anzunehmen. Außer den Abgeordneten, die bereits bei der letzten Sitzung Mitglieder der Jnterparlamen- tarischen Konferenz waren, müßten wir auch jene Abgeordneten ausnehmen, die es noch nicht waren, als wir in Amsterdam tagten, weil es ein russisches Parlament damals noch nicht gab, und die es heute nicht mehr sind, weil zarischc Gewalt die Duma aufgelöst hat. Wir haben die russischen Genossen mit jener Ehrerbietung aufzunehmen«nd zu begrüßen, die diesen unerschrockenen Kämpfern für die Freiheit gebührt.(Bravo!) I a u r e S schlägt eine Sympathiekundgebung für die rufst- schcn Freiheitskämpfer vor, die im Gefängnis in den Ketten des Zarismus schmachten. Guesde beantragt folgende Resolution:„Die interparla- mcntarische Konferenz, an der Abgeordnete der ganzen Welt teil nehmen, bekundet ihre lebhafteste Sympathie und ihre unerschiitter liche Solidarität mit den sozialdemokratischen Abgeordneten*) der aufgelösten russischen Duma als mit den Männern, die jetzt in den Gefängnissen der russischen Regierung schmachten. Sie ruft die Entrüstung der ganzen zivilisierten Welt gegen dieses Attentat deö Zarismus auf, der unter dem lügnerischen Vorwande die Ab geordneten ins Gefängnis geworfen hat, sie gehörten einer.ge Heimen Verbindung an und wären an einem militärischen Kom plott beteiligt, während in Wirklichkeit ihr einziges Verbrechen war, in der aufgelösten Duma die Sache der russischen Arbeiter verteidigt zu haben. Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden aufgefordert, in ihren Parlamenten in' Gemeinschaft mit allen demokratisch gesinnten Elementen eine Bewegung zu gunsten jener Abgeordneten in die Wege zu leiten, die schamlos verfolgt werden, nur weil sie bis zum Ende ihre Pflicht erfüllt haben, um dem russischen Volke die Freiheit zu erkämpfen. Die allgemeine parlamentarische Bewegung soll dazu dienen, den Männern, die in ias Gefängnis geworfen sind, wieder zur Freiheit zu verhelfen." (Lebhafter Beifall.) Es wird mitgeteilt, daß von den sozialdemokratischen Mit gliedern der aufgelösten Duma Dr. Mandelberg einen Bericht über die Verfolgungen eingereicht hat, der dem Protokoll der heutigen Sitzung beigefügt werden soll. Auf Antrag Singer wird unter lebhaftem Beifall die Reso» lution durch Akklamation einstimmig angenommen und be> schlössen, den Bericht Dr. Mandelbergs dem Protokoll einzuvev leiben. Ferri bittet im Namen der Italiener, auf die Tages. ordnung der Interparlamentarischen Konferenz zu setzen: „Die sozialistischen Mitglieder der einzelnen Parlamente sollen gegen jedes Gesetz stimmen, das die fremden Arbeiter schlechter stellt als die einheimischen oder die Einwanderung auSl ländischer Arbeiter erschwert." Nachdem von Dr. Adler- Wien betont ist, daß die Konferenz dem Kongreß, auf dessen Tagesordnung die Einwanderungsfrage steht, nicht vorgreifen dürfe, erklärt Ferri, eS genüge ihm. die Aufmerksamkeit der Konferenz auf diese Frage gelenkt zu haben. Auf Antrag Fournemont- Belgien wird beschlossen, daß die Kassierer der einzelnen Parteien mit den Beiträgen für daS Jnter- nationale Bureau auch den statutenmäßigen Fünffrankbeitrag der Parlamentarier für die Erhaltung des Jnter. nationalen Archivs einziehen und nach Brüssel abliefern sollen. Eine längere Diskussion rufen zwei Anträge der Engländer hervor: 1. Eine Uebersicht zu veröffentlichen, wie weit in dem vor- geschrittensten Lande die Arbeiterschutzgesetzgebung ist, und dcn einzelnen Volksvertretungen zu empfehlen, dafür zu agitieren, daß die Jndustriegesetzgebung ihres Landes so verbessert werde, daß sie derjenigen des vorgeschrittensten Landes gleichstehe. 2. Eine Arbeiterschutzvorlage mit den einzelnen Volksvertretern zu vereinbaren und sie gleichzeitig allen gesetz- gebenden Körperschaften zu unterbreiten. Macdona ld-London begründet die Anträge. Sie seien notwendig, damit die Kapitalisten nicht mehr sagen können: die Länder mit einer vorgeschrittenen sozialen Gesetzgebung sind nicht mehr konkurrenzfähig mit den sozial rückständigeren. v. Wollmar warnt vor der Uniformierung und etwa für ein internationales Musterschutzgesetz einzutreten. Der zweite Antrag sei unannehmbar. In gleichem Sinne äußern sich van Kol- Holland und Dr. David- Mainz. Dr. S ü d e k u m weist darauf hin. daß in Basel ein Institut bestehe, das die soziale Gesetzgebung der einzelnen Länder vergleichend herausgibt. Mehrere Redner bedauern, daß das internationale Bureau trotz seines elfjährigen Bestehens so gut wie nichts geleistet habe. Macdonald erklärt, er wolle den zweiten Antrag nicht be- sonders vertreten, meine aber, das Institut in Basel sei un- zureichend, es arbeite oberflächlich und manchmal verständnislos. Gute Arbeit für den Sozialismus könne.nur von sozialistischen Parlamentariern geleistet werden. Grou ssier- Paris hält es für möglich, vergleichende Da�- stcllungen in Spezialfragen, so in der Frage der Verkürzung der Arbeitszeit, zu geben; das halte er für sehr nützlich. •) Vandervelde wirst bei der Verlesung der Resolution ekn, daß der Ausdruck„sozialdemokratische Abgeordnete" zu Miß- veutungen Anlaß geben könnte, da es mehrere sozialistische Gruppen in der aufgelösten Duma gegeben habe. Er schlage vor, .sozialistische Abgeordnete" zu sagen.— Pl e ch a n o w macht aber aarauf aufmerksam, daß tatsächlich nur Mitglieder jener Gruppe, Sie sich als russische Sozialdemokraten bezeichnet hätten, verhaftet norden seien. I Dr. Adler-Wien: Die Uniformität führt immer nur zum Minimum, nicht zum Maximum. Deshalb sei eine Aktion zu gleicher Zeit und mit gleicher Formulierung nicht möglich. Aber � wir können England entgegenkommen und hier erklären, daß wir "alles daran setzen wollen, die Arbeiterschutzgesetze soviel als mög- lich zu verbessern. Die Gesetzgebung der einzelnen Länder ver- niögen wir zur Not zu übersehen, aber wir wissen nicht, waS unsere Genossen in den einzelnen Ländern für Anträge stellen. Das zu wissen wäre nützlich, und ich beantrage, daß jede Fraktion ver- pflichtet wird, zwei Exemplare von jedem gestellten Antrage an daS Internationale Bureau zu liefern. Hierauf tritt die Mittagspause ein. � Am Nachmittag wurde die vormittags abgebrochene Dis- kussion über die Informierung des Brüsseler Bureaus in bezug auf die parlamentarischen Arbeiten und Aktionen der sozialistischen Gruppen in den einzelnen Ländern fortgesetzt. Nach längerer Er- örterung fand ein Vorschlag von Dr. David- Mainz und Vaillant- Paris die Mehrheit, der jede Fraktion verpflichtet, alles sozialpolitische Material dem Jnter- parlamentarischen Bureau in Brüssel ein» zuscnd'en. Das Interparlamentarische Bureau soll jeder Fraktion Auskunft� über schwebende Fragen geben. DaS Bureau soll die Gesetzesvorschläge veröffentlichen und eventuell auch spätco hin Enqueten veranstalten. T ro e Ist ra- Holland wirft die Frage auf, ob eS nicht an der Zeit sei, sich mit der Ent Wickelung eineS eigenen sozialistifchsn politischen Systems zu beschäftigen Was gegenwärtig in dcn Parlamenten getrieben werde, sei im Grund bürgerliche Politik, im besten Falle StaatSsozialismuS. Der ganze Streit zwischen Reformismus und Radikalismus habe darin seinen Grund, daß es uns an einem eigenen politischen System fehle, daß wir vorläufig gezwungen sind, mit den politischen Mitteln der bürgerlichen Gesellschaft zu arbeiten. Wenn man sehe, daß in Frankreich eine stark anarchistische, wenigstens antimilitaristische Strömung existiere, die auch in Deutschland Anhänger findet (Widerspruch bei den deutschen Delegierten), so resultiere daS ebenfalls auö dem Mangel an einem eigenen sozialistischen politi- schen System, und zwar nicht für die Zukunft, sondern schon für die Gegenwart. Er beantrage daher die Einsetzung einer kleinen Kommission für das Studium dieser Frage. V a i l l a n t- Paris: Was uns Troelstra gesagt hat, war sehr interessant, aber ich halte eS für unmöglich, schon jetzt ein Bild des ZukunftSstaatcS zu geben. JaureS hat einmal so etwas AehnlicheS versprochen.(Heiterkeit.) Er wird aber dieses Ver- sprechen vergessen haben.(JaureS ruft: Ich vergesse nie etwas! Heiterkeit.) Dann wird JauräS das auf eigene Verantwortung tun, die Partei kann eine solche Verantwortung nicht übernehmen. Wir haben alle Troelstra aufmerksam zugehört, können ihm aber nicht folgen. JaureS: WaS Troelstra angeregt hat, gehört eigentlich nicht hierher. Wenn diese Frage aber schon einmal angeschnitten werden soll, dann müßte man sie vorher den einzelnen Nationen zur Begutachtung unterbreiten. Es handelt sich hier um die schwierigsten Probleme, mit denen sich die Sozialdemokratie zu beschäftigen hat. Es soll hier kein Programm de» ZukunftSstaatcS, etwa der Bauplan dieses Staates entwickelt werden, sondern eS handelt sich darum: Wie soll das Minimumprogramm zur Wirk- lichkeit werden? Wir in Frankreich stehen vor der Frage: Was soll werden, wenn das jetzt am Ruder befindliche bürgerlich. radikale Ministerium feine Forderungen durchsetzt oder ab. wirtschaftet? In beiden Fällen stehen wir vor schweren Zlufgaben Kautsky hat in seinem Buche ausdrücklich gesetzgeberische Fragen des Zukunftsstaates behandelt. Wir können nicht nur kritisch sein, sondern müssen auch Positive? schaffen. Schon die letzte inter- parlamentarische Konferenz hatte mich gebeten, meine Vorschläge für die zukünftige Politik einmal zu detaillieren. Zum Glück für die sozialistische EntWickelung wurde ich damals krank. (Heiterkeit.) Jetzt bin ich wieder ganz gesund.(Erneute Heiter kcit.) Jede einzelne parlamentarische Gruppe sollte sich mit dieser Frage beschäftigen.(GueSde ruft: Nicht die parlamentarischen Gruppen, sondern die Parteien selbst.) Luch dem widerspreche ich nicht.(Beifall.) Dr. Adler-Wien: Ich glaube, daß die Anregung Troelstra! für jede Nation nützlich ist. Aber für eine internationale Aktion halte ich sie nicht für fruchtbringend. Der Pessimismus TroelstraS findet nicht meine Zustimmung. Ich glaube, daß ein Pessimismus über die parlamentarische Aktion da eintritt, wo man sich über die Möglichkeit und Wirksamkeit parlamentarischer Aktionen phantastische Vorstellungen gemacht hat. Wo nmn sich solche Vorstellungen nicht gemacht hat, wird man nicht enttäuscht sein von dem, waS eine proletarische Vertretung, die eine Minorität ist, leisten kann, sondern man wird sich dessen bewußt sein, daß die ganze Aktion der Gesetzgebung in allen Ländern, wenn auch mit vielen Rückfällen, eine fortschreitende Tendenz hat. Das ist zunächst der parlamentarischen sozialistischen Aktion ge- schuldet, aber nicht nur dem, was wir selbst machen, sondern auch dem, waS die anderen wohl oder übel gezwungen sind, zu tun oder zu unterlassen. JaureS sagt, daß die Demokratie in Frank- reich am Ende sei. Ich bezweifle, ob er für Frankreich Recht hat, aber sicher hat er es nicht für die anderen Länder. Ueberall ist da noch so viel zu tun, damit die bürgerliche Gesellschaft auch nur das aus sich heraus entwickelt, dessen sie fähig ist. Und wenn Jaurös für Frankreich sagt: Und WaS dann?, so sage ich:..Nu», Genosse JaureS, verwirklichen Sie dann Ihr eigenes Minimal- Programm und Sie werden noch genug zu tun haben und noch viel Zeit haben, über weitere Aktionen nachzudenken." Man wird mir sagen, ich dokumentiere auch hier wieder eine gewisse Kurz- sichtigkeit. Aber ich weih, daß auch Weitsichtigkeit nicht bloß eine Tugend ist.(Heiterkeit.) Wir alle haben mit den Fragen des Augenblicks so viel zu tun, und meine innerste Ueberzcugung ist, daß gerade das Detaillierte in der Ausführung der sozialistischen Organisation daS wichtigste ist, daß ich nicht befürchte, daß diese Krankheit allzu große Dimensionen annehmen wird. Allerdings, wenn wir eine Kommission einsetzen würden, um alle die Vor- stellungen, die darüber bestehen, zu ordnen, oder gar in Kongruenz zu bringen, so wäre die Krankheit gefährlich, aber nicht für die Bewegung, sondern für die Mitglieder der Kommission.(Heiter- keit.) Trotzdem will ich die Idee TroelstraS nicht in allen Punkten ablehnen. ES wäre gut, zu studieren, wo sich überall Ansätze und Uebergänge zum Sozialismus finden. Aber dann darf man sich nicht auf die Aktionen der Sozialdemokratie beschränken, denn diese Uebergänge vollziehen sich auf allen Gebieten auch ohne unser Ein- greifen von selbst. Ein Buch darüber zu schreiben wäre interessant, aber die interparlamentarische Konferenz kann dabei nichts beraten. Wie jemand inmitten einer großen Schlacht sein kann, ohne etwas zu sehen, so meine ich, wir alle sind in einer Schlacht, ohne den Zusammenhang zu kennen. Und das wird auch die Kommission nicht sehen. Vandervelde schlägt vor, dm Frage der nächsten Konferenz zu überweisen. v. V o l l m a r kann nur unter der Voraussetzung dafür sein, daß wir uns damit zu nichts verpflichten. Ich muß überhaupt davor warnen, alle Fragen auf den internationalen Schimmel zu schieben. Der Antraa Vandervelde wird angenommen. R a k o w s k i teilt mit, daß er eine Resolution wegen der rumänischen Zustände nicht hier, sondern dem Kongresse vorlegen werde. Der Vorsitzende Vandervelde regt noch, da die Ver» Handlungen erschöpft sind, an, daß man im Laufe dcS Kongresses noch einmal zusammentrete, um klar zu werden, wie ein innigerer internationaler Kontakt möglich Ware. H u h s m a n stellt fest, daß weder er, noch seine Vorgänger an der Untätigkeit des Komitees schuld sind. Vielfach würden diesem nicht einmal die Rainen der korrespondierenden Sekretäre bekannt gegeben. Damit haben die Verhandlungen der interparlamentarischen Konferenz ihr Ende erreicht. Crite internationale Konferenz sozialistische,' fstauen. Die proletarische Internationale umfaßt die ganze klassen- bewußte Arbeiterschaft aller Kulturländer— die ganze, d. h. nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen. Sie sind in den Reihen der internationalen Sozialdcmolratie gleichberechtigte Kämpfer und der Kongreß der Internationale zu Stuttgart ist ihr Kongreß so gut wie der der männlichen Proletarier, und das Interesse, das sie ihren Beratungen entgegenbringen, nicht geringer, als jenes der stärkeren Hälfte der Arbeiterschaft. Die sozialistische Frauenbewegung ist cinS mit der sozialistischen Arbeiterbewegung. Aber sie ist zugleich ein besonderes Stück dieser Bewegung, eine Kämpfverschar, die neben dcn allgemeinen besondere Aufgaben zu erfüllen hat. Deshalb tagt an der Schwelle des all- gemeinen Arbeiterparlaments, das am Sonntag zu Stuttgart seine Beratungen eröffnet, ein besonderes Parlament der sozialistischen Frauen, die erste internationale sozialistische Frauenkonferenz, der natürlich das besondere Interesse der proletarischen Kämpferimieil aller Länder gilt. Die Reaktionäre aller Länder mögen fauchen: die von ihnen fast noch mehr als die revolutionären Männer gcfiirchteten und ge- haßten Sozialistinnen haben in Stuttgart besondere Beratungen darüber gepflogen, wie sie auf dem ihnen zugefallenen Sondergebiet am erfolgreichsten die kapitalistische Gesellschaftsordnung berennen können. Sie knüpften die internationalen Bande enger, um dem speziellen Kampf, den die Frauen in der bürgerlichen Gesellschaft zu führen haben, größere Planmäßigkeit zu geben, ihn einheitlicher und damit nachdrücklicher zu gestalten. Mit dieser Aufgabe steht in innigem Zusanimenhang die Beratung über das F r a u e n lv a h l r e ch t. Prinzipielle MeimmgS- Verschiedenheiten darüber bestehen unter den sozialistischen Frauen wohl kaum. Anders ist es mit der Anffassuiig über die Taktik lieber die Wege, die zum Ziele führen, über das einzuschlagende Tempo gehen die Meinungen auseinander. Ob und welche OpportunitätSrücksichtcn unter gegebenen Umständen Berechtigung haben, daS sind Fragen, deren Beantwortung sehr stark von dcn all- gemeinen politischen Verhältnissen in den einzelnen Ländern beein- flußt wird. Da ist eS von großer Wichtigkeit, daß die Frauen zunächst zu einem Einverständnis gelangen, um auf dem allgemeinen Kongreß bei der Erörterung der Frauenwahlrechtsfrage wenn möglich in vollständiger Geschlossenheit die Künsche der Frauen zu ver- treten. Die Wünsche deS ganzen klassenbewußten Proletariats sind mit den in Stuttgart versammelten Vertreterinnen der sozialistischen Frauen-Jnternationale. Mögen die Arbeiten der ersten Jnter- nationalen Sozialistischen Frauenkonfercnz die Hoffnungen de» Käinpferinnen erfüllen, die auf sie als ihre berufene Vertretung blicken. » Stuttgart. 17. August. (Telephonischer Bericht.) Fm Mozartsaale trat heute vormittag die erste inter» i»at»onale K o n f e re n z sozialistischer Frauen zusammen. Der für die Zahl der erschienenen Genossinnen viel zu kleine Saal verzögerte die Eröffnung der Konferenz um etwas. Deutschland ist durch etwa 15 Genossinnen vertreten, darunter Frau Zetkin, Ottilie Baader, Frau Ihrer. Rosa Luxemburg, Frau Stock, Frau Greiffenberg, Frau Kühler, Frau Thiede, Fräulein G r ü n b e r g, Frau Bau- mann- Altona, Frau B o l l m a n n» Hannover, Frau L i l y Braun und Frau L e w i n- Dresden. Oesterreich ist durch fol- gende Genossinnen vertreten: Frau Adelheid Popp, Frau?I d l c r, Frau Schlesinger-Eckstein, Frau L i t k a, Frau B o s ch e ck. Frau Fr rundlich- Mährisch-Schönberg, Frau S t e i n e r t und Frau Mach. Frankreich hat grau Pellecö, Frau Sorgue und Frau R o u s s e l entsandt. Frau Balabanoff vertritt die sozialistische Frauenorganisation Turins. Aus England sind Frau H h n d m a u und Frau M a c d o n a l d erschienen, ginn» land hat zwei Genossinnen entsandt, darunter die Landtags» abgeordnete Tarsienen aus Wiborg. Ferner sind die Schweiz» Holland, Belgien. Rußland und Amerika vertreten. Die Einberuferin der Konferenz, die ZentralvertrauenSperfon der sozialistischen Frauen Deutschlands, Fräulein Ottilie Baader, eröffnete die Konferenz mit folgender Ansprache: Die erste internationale Konferenz der sozialistischen Frauen ist hiermit eröffnet. Ich begrüße alle Genossinnen auf daS herz. lichste, die auS dem In- und Auslände der Einladung gefolgt fino, um mit uns zu beraten, wie wir am besten im Kampf gegen den Kapitalismus die Waffen schärfen können. Ich begrüße alle Mit- kämpferinnen, die gekommen sind, um die unentbehrlichste Waffe für unS, daS Fraucnftimmrecht, mit erobern zu helfen. DaS Frauenstimmrecht ist notwendig, weil der Kapitalismus unS Frauen die gleiche Ausbeutung und die gleiche Unterdrückung wie den Männern auferlegt. Das ist auch der Grund, weshalb wir diese Konferenz der sozialistischen Frauen der verschiedenen Länder zu gemeinsamer Arbeit zusammengerufen haben. Ich hoffe, daß die Konferenz fruchtbringende Arbeit leisten wird.(Beifall.) Die Konferenz ist eine sozialistische und wir haben beschlossen, daß nur die sozialistische Presse zugelassen werden soll. Sollten Journalisten hier sein, die für bürgerliche Blätter schreiben wollen, s» bitte ich sie, den Saal zu verlassen; sie gehören nicht hierher. Als Vorsitzende werden bicrauf gewählt Frau Zetkin- Stuttgart und Frau B o s ch e ck-Wien, als Schriftführerinnen Frau Tarsienen- Wiborg und Frau tz y n d m« n- London. Die provisorische Tagesordnung lautet wie folgt: 1. Bericht über die sozialistische Frauenbewegung in den ver« schiedenen Ländern. S. Schaffung regelmäßiger Beziehungen zwischen dcn organi- irrten Genossinnen der einzelnen Länder. 3. Das Frauenstimmrccht. Die Taaesordnung wird unverändert acmhmigt- �flt Deutschland berichtet Fräulein Ottilie Baader- Nerlin: Tie sozialistische Frauenbewegung in Deutschland reicht mit ihren ersten Anfängen bis in die sechziger Jahre zurück. Sie hat sich von vornherein zu einer sozialistischen KampfeSbewegung herausgebildet und hat von vornherein das Bestreben gehabt, die Scheidung zu vollziehen zwischen den bürgerlichen und sozialistischen Frauen, weil die bürgerlichen Frauen mit ihren Einzelreformen den Kapitalismus nicht aus den Angeln heben, sondern ihn stützen und festigen wollen. Bereit» vor dem Sozialistengesetz bestand eine ziemlich radikale Frauenbewegung. So waren im sächsischen Vogt- lande damals bereits über KXX) Frauen organisiert. Wenn auch durch das Sozialistengesetz die Bewegung zum Teil wieder zurück- geschlagen wurde, so hat doch die sozialistische Aufklärung in den Köpfen revolutionierend gewirkt und heute finden sich in unseren vieihen«ine große Anzahl aufgeklärter, theoretisch geschulter Ge- nossinnen. Unsere rechtliche Lage ist eine sehr schwierige. Wir haben nameutlich in Preußen nicht einmal das �reie Vereins- und Versammlungsrecht. Politischen Vereinen dürfen Frauen in Preußen nicht angehören. Aber nicht nur der Buchstabe deS Gesetzes, sondern auch seine Handhabung hindert uns an der Organisation. Trotzdem haben wir es verstanden, die sozialistische Frauenbewegung.in Deutschland zu fördern. Wir haben un- politische BildungSvereine gegründet, um den Frauen die für den Befreiungskampf notwendigen Kenntnisse zu vermitteln. Zurzeit bestehen 94 solcher BildungSvereine. Wir veranstalten in diesen vereinen auch Musikabendc, Konzerte und Vorträge belehrender und unterhaltender Natur. In verschiedenen Bundesstaaten Deutschlands haben allerdings die Frauen auch das Recht, poli- tischen Organisationen anzugehören, so z. B. in Hamburg, Bremen und so weiter. Die Zahl der in den sozialistischen Wahlvereinen organisierten Frauen beträgt 19 599.(Bravo!) Weiter ist durch daS Organisationsstatut der sozialdemokratischen Partei den Frauen die Möglichkeit geboten, durch Zahlung freiwilliger Beiträge ihre Zugehörigkeit zur Partei zu dokumentieren. Für diese Frauen fcaben wir Lese- und TiSkussionSabende eingerichtet. An 97 Orten Deutschlands leisten 8751 Frauen diese freiwilligen Beiträge. (Bravo!) DaS Organ, dem wir unsere theoretische Schulung ver- danken, ist die„Gleichheit". Es hat viel Mühe und Arbeit gekostet, daS Blatt auf die jetzige Höhe zu bringen. Aber die Arbeit war nicht umsonst. Der Abonnentenstand beträgt heute 79 999.(Lebh. Beifall.) Und jedes Exemplar der„Gleichheit" wird sicher von mehr als nur einer Genossin gelesen. Besonderen Anklang findet bei uns die Jugend- und Kinderbeilage der„Gleichheit", lieber- aus erfreulich sind unsere Oraanisation»crfolge in gewerkschaftlicher Beziehung. Nach der letzten Zählung gab cS 129 999 gewerkschaftlich organisierte Arbeiterinnen.(Lebhafter Beifall.) Nähere Angaben über unsere Organisationsverhältnisse finden Sie in dem gc- druckten Bericht. Ich hoffe, daß wir auch aus den anderen Ländern so günstige Berichte zu hören bekommen.(Lebhafter Beifall.) Frau Tchlesinger-Eckstein- Wien beantragt zur Gc. schäftSordnuna, daß die weiteren Berichte mit Rücksicht auf die anderen Punkte der Tagesordnung und mit Rücksicht darauf, daß die Berichte gedruckt vorliegen, möglichst kurz erstattet werden. (Zustimmung.) Genossin Dr. Madeleine P e l l e c-- Paris von der„Socieiät" der Frauen"(Societe de? femmeS"): In Frankreich gibt eS. wie in Deutschland, eine rechtsstehende und eine linksstehende Frauen- dewegung. Die rechtsstehende Frauenbewegung tritt sehr schüchtern auf. Sie verlangt nicht einmal daS Frauenstimmrecht, sondern bc- gnügt sich mit minderwertigen materiellen Forderungen, wie der Forderung auf daS Recht der Frau auf Gehalt und auf ihr Ver- mögen. Die lozialistischc Frauenbewegung hat andere Ziele. Sie benutzt als KampfeSmittcl dieselben Waffen wie die Männer: Ver-- (ammlungen und Aufklärung. Sie wollen der Frau ihr höchstes Recht, das allgemeine Wahlrecht, erkämpfen.(Lebhafter Beifall.) Wir chaben schon mehrere Male vor dem Parlament demonstriert trotz aller polizeilichen Verbote. Die sozialdemokratischen Frauen hatten auf dem Parteitag in LimogeS im November 1996 eine Resolution eingebracht, die auch angenommen wurde, und die die sozialdemokratische Kammerfraktion aufforderte, in der Kammer einen Initiativantrag auf Einführung deS allgemeinen Frauen- ftimmrechts einzubringen. Dieser Antrag wird der Kammer in nächster Zeit vorgelegt werden und wird auch von Abgeordneten verschiedener bürgerlicher Parteien unterstützt werden, da die Be- wegung für das Frauenstimmrecht auch in bürgerlichen Kreisen sich einer gewissen Sympathie erfreut. Der sozialdemokratische Antrag wird in der Kammer wohl an 899 Stimmen bekommen, d. h. die Mehrheit erhalten.(Beifall.) Warum sollten in Frank- reich den Frauen die politischen Rechte borenthalten werden, dort. wo eine Frau, Madame Curie, Professor an der Pariser Universität ist. In der Republik Frankreich kennen die Frauen keine recht- lichen Beschränkungen wie in Deutschland, wir dürfen allen ver- sammlungen beiwohnen und uns auch innerhalb der sozialdemo- kratischen Partei politisch organisieren. Unsere Frauenbewegung ist durch und durch sozialistisch. Sie muh es auch(ein. Aber ein klein wenig muß sie doch außerhalb der Partei stehen, denn in den Parteiorganisationen beschäftigt man sich in erster Linie mit brennenden TageLfragen. Die Frauenbewegung kann da nur eine Nebenrolle spielen. Sie muß jedoch zentralisiert und auf einen Punkt konzentriert sein, gerichtet auf die Eroberung des Frauen» ftimmrechts. Me„Societe deö femmes" organisiert zu diesem Zweck eine ständige Agitation unter den Parteiorganisationen und sucht die noch außerhalb der Organisation stehenden Frauen durch diese Agitation zum Eintritt in die Parteisektion zu bewegen. Die Partei soll hierbei eine erzieherische Nolle spielen, sie muß die Frauen zu Eozialistinnen machen. Die Aktion selbst ist Sache der zielbewußten Frauen. Ich hoffe, daß das internationale Bureau in Brüssel die einzelnen Parteien auffordert, die Frauenbewegung im Auge zu behalten, sozialistische Erziehungsarbeit zu leisten und die Organisationen der Frauen zu kräftigen. Alle Genossen sollten an der Frauenfrage das lebhafteste Interesse nehmen.(Lebhafter Beifall.) Miß K o u g h- England spricht im Namen der sozialdemo. kratischen Frauenföderation. Sie stellt fest, daß die englischen Proletarierinnen in ihrer Beurteilung der wirtschaftlichen Ver- bältnisse noch nicht über die Kinderschuhe hinaus gekommen feien. Die Föderation betrachtet cS deshalb als ihre Hauptaufgabe, den Proletarierinnen zunächst die notwendigen ökonomischen Begriffe beizubringen. Wir fordern daS Stimmrecht ohne Ausnahme für alle Volljährigen. Wir wollen kein Damcnrecht und halten das anderslautende Programm der bürgerlichen Frauenbewegung für reaktionär. Miß Mackherson spricht im Namen der Jndependent Labour Party, die über eine Million Wähler hinter sich hat und durch 13 Abgeordnete im Parlament vertreten ist. Sie ver- breitet sich über die Tätigkeit der Partei und freut sich, mit den Genossinnen anderer Länder zusammen zu kommen und ihre Berichte zu hören. Miß Macdonald berichtet, daß die unabhängige Arbeiter- Partei 659 Parteifilialen mit 39 900 Mitglieder habe. Darunter befinden sich viele Frauen, deren genaue� Zahl nicht angegeben werden kann, da zwischen Frauen und Männern kein Unterschied bei der Mitgliedskarte gemacht wird. Das Zentralkomitee der Partei bat weibliche Mitglieder, die in der sozialistischen Propa- ganda ÖlroßeS leisten. Obwohl keine Zeitschrift herausgegeben wird, wird durch die Sonntagsschulen und durch Jugendzeitschriften, sowie durch besondere Rubriken, die für die Frage vei oen großen sozialistischen Blättern eingerichtet sind, vieles für die sozialistische Erziehung der Frauen und Kinder gelan.(Bravo!) Miß Mac Arthur: Kein Bericht über die sozialistische Frauenbewegung in England wäre vollständig, der nicht auch einige Worte über die Frauengewerkschaft enthielte. Dieser verein hat eine Mitgliedschaft von 159 999 Frauen, davon sind 15 999 in den letzten drei Jahren beigetreten. Auch ohne daß die Gewerkschaft offiziell sozialistisch wäre, sind doch alle ihrer Führer Sozialistinnen. Seit kurzem erscheint eine monatliche Zeitschrift: „Die Arbeiterin", die für die sozialistische Beweauna von großer Bedeutung sein wird.(Bravo!l > Miß Moniefiore- London spricht im Namen des Komitees für das Wahlrecht für alle Volljährigen. Sie betont, daß die englischen Genossinnen aus dem theoretischen Studium der Deutschen in dieser Frage vieles lernen können. Sie hat speziell unter den Arbeitslosen Propaganda für das Wahlrecht mit großem Erfolg betrieben. Die SonntagSfchulbewegung habe dasselbe Ziel, das die„Gleichheit" in der Kindcrbcilage er- strebe. Wie revolutionär-sozialistisch die SonntagSschulcn seien, beweise die Tatsache, daß in einem Falle durch die Behörde der Schule da? Lokal entzogen fei, als in einer solchen Schule drei Preise für den besten Aufsatz über Sozialismus ausgesetzt worden waren. Drei Mädchen haben die Preise bekommen. DaS beweist, wie zugänglich selbst die weibliche Jugend für die sozialistischen Ideen sei.(Bravo!) Genossin Til mann-Brüssel: In Belgien hat sich die sozialistische Frauenbewegung sofort gegen die bürgerliche gewandt. Tie sozialistischen Frauen sind der sozialistischen Arbeiterpartei beigetreten. Ihre Agitation ist dahin gerichtet, die Frauen zum Klassenbewußtsein zu erziehen und zum Anschluß an die Arbeiter- Partei zu bewegen. In Belgien werden zwei Frauenzcitungen veröffentlicht:„Die sozialistische Frau" in französischer und vlämischer Sprache. Politisch organisiert sind 599 Frauen, gewerk- schaftlich 14 999. Die geringe Zahl der politisch organisierten er- klart sich durch den geringen Bildungsstand der belgischen Frauen. Deshalb unterstützen die belgischen Frauen mit aller Macht den Kampf der Arbeiterpartei um Einführung des allgemeinen obli- gatorischen Schulunterrichts in Belgien. Auf dem letztjährigen Parteitag der belgischen Arbeiterpartei hat Genossin Tilmann den Bericht zu dein Frauenstimmrecht erstattet und eine Resolution zur Annahme gebracht, die es der Kammerfraktion zur Pflicht macht, einen Gesetzentwurf zur Erlangung des allgemeinen Erauenstimmrechts und der Wählbarkeit der Frauen einzubringen. in Antrag für daS Stimmrecht und die Wählbarkeit zu den Gc« werbeger,chten liegt bereits der Kammer vor. Die belgischen Frauen können noch nicht speziell für das allgemeine Frauen. stimmrecht bei den Kammerwahlen agitieren und das Stimmrecht der Männer verlangen, da dieses Plural- und Klassenwahlrecht den Arbeitern ungünstig ist. Die belgischen sozialistischen Frauen unterstützen deshalb den Kampf der Arbeiterpartei um das all- gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht. Der größte Wunsch der belgischen sozialistischen Frauenföderation ist die Bildung einer sozialistischen Frauen-Jnternationale.(Beifall.) Genossin Gauthiot- Paris: 55m Namen mehrerer sozia- listischen Frauendelegiertinnen muß ich gegen einzeln« Ausfüh- rungen der Genossin Pellece ankämpfen. Zahlreiche sozialistische Frauen in Frankreich kämpfen nicht neben der Partei für die Emanzipation der Frauen, sondern in der Partei für die Zer- trümmerung des Kapitalismus überhaupt und für die Befrei- ung des gesamten Proletariats. Diese Frauen sind der Ansicht, daß die sozialistische Agitation allein zum Ziele fuhren MUß, auch speziell zum Ziele der Befreiung der Frau. Genossin Dzeczi. Ungarn berichtet über die sozialdemokra- tische Arbeiterbewegung in U n a a r n. In Ungarn bestehl keine besondere Organisation für die Arbeiterinnen. In allen Branchen, in denen Arbeiter und Arbeiterinnen arbeiten, werden auch Arbeite- rinnen in diese Gewerkschaften aufgenommen. Für Dienstboten und Lehrerinnen, die nicht mit Männern zusammen arbeiten, find besondere Fachvereine gebildet. Außer in Budapest bestehen noch in drei großen industriereichen Provinzstädten ArbciterbildungS- vereine, welche die Genossinnen in sozialdemokratischem Sinne auf» klären. Die Rednerin hofft, daß dieser Kongreß dazu beitragen werde, daß die Arbeiterinnen aller Länder zustimmen mit den Arbeitern den gemeinsamen Kamps zur Erreichung deS sozialisti- sehen Endzieles führen.(Bravo!) Genossin Whbaut-Holland: In Holland hat die Organi- sation der Frauen erfreuliche Fortschritte gemacht, seitdem wir vor zwei Jahren in Amsterdam angefangen haben, sozialdemokra. tische Frauenpropaganda zu treiben. Die KlubS haben heute 500 Mitglieder, die alle der Partei angehören. Da» Ziel der grauen- klubö ist. die Frauen über ihre eigene Lage und den Zusammenhang der Frauenbewegung mit der Arbeiterinncnbewegung aufzuklären, und weiter die Mütter von der Ueberbürdung zu entlasten. Zu diesem Zwecke wird für genossenschaftlichen Haushalt und gemein- schaftliche Erziehung der Kinder Propaganda gemacht.(Beifall.) Adelheid Popp-Wien: AuS dem detaillierten gedruckten Bericht über unsere Bewegung will ich nur hervorheben, daß unsere 42 999 gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen auch ihre Bei, träge an den Parteivorstand zahlen. Sowohl in den Gewerk- schaften wie in der Partei sind die Frauen überall durch Delegiert« vertreten.(Bravo!) Obwohl die Frauen bei unS kein politisches Stimmrecht haben, haben wir doch«ine sehr gute politische Frauen. bewegllng, die sich innerhalb der Gcsamtbcwcgung betätigt. Bei den letzten Wahlen haben sich die Frauen aufs lebhafteste an der Wahlarbeit beteiligt. In dem GeneralauSschuh zur Vorbereitung deS Massenstreiks waren auch die Frauen vertreten. Wäre es zum Generalstreik gekommen, so hätten die Frauen, obwohl eS sich dabei nicht um das Wahlrecht der Frauen handelte, genau so an der Aktion teilgenommen wie die Männer. Während der Wahlbewe- gung haben die Frauen eigene Flugblätter herausgegeben, um die grauen über die volksfeindliche Schulpolitik und über die große Gefahr des scharfmacherischen Parlaments für daS Kvalitionsrecht der Arbeiterschaft aufzuklären. Die Haltung der Frauen, die mit großen Opfern sich in den Dienst der Aktion gestellt haben, hat auch in anderen Ländern den Gedanken geweckt und verstärkt, daß auch die Frauen, wenn es darauf ankommt, imstande sein werden. ihre politischen Rechte im Berein mit der Arbeiterklasse auSzu- nutzen.(Bravo!) An vielen Orten ist unsere Bewegung gestärkt worden, wo sie bisher ganz brach lag. Wir haben jetzt genug zu tun, um allen Ansprüchen, die infolge Gründung neuer Organi- sationcn an uns gestellt werden, nachzukommen. Unsere Abgeord- neten im Reichstag haben einen Antrag auf Gewährung des Ver- einSrccht» und Wahlrecht« auch an die Frauen ausgearbeitet. Die werden im Herbst ihrem Vorgeyen durch energische Propaganda den nötigen Nachdruck verleihen. So hoffen wir, daß nicht nur die Frauenkonferenz, sondern auch der internationale Kongreß sich im Sinne unserer Bestrebungen zugunsten de? FrauenwahlrechtS aus- sprechen wird, und daß schon daS nächste Jahr unS bedeutende Er- folge in bczug auf die politischen Rechte der Frauen bringen wird. (Stürmischer Beifall.) Genossin Mach. Prag: Die Aktion der böhmischen Frauen ist bedeutend erschwert durch den Nationalismus. KlerikalismuS und das Agraricrtum. Trotz alledem sind zurzeit 6999 Frauen politisch und 15 999 Frauen gewerkschaftlich organisiert. Unsere Frauen- zeitung erscheint in einer Auflage von 6599 Exemplaren. In dem Wahlkamps im Mai haben die sozialistischen Frauen Böhmens voll und ganz ihre Pflicht getan und mitgekämpft. Ihnen verdankt die sozialistische Partei 24 tschechische Abgeordnetcnmandate. Die Frauen haben bei uns die Männer oft an die Urne geführt und ihnen rote Stimmzettel aufgezwungen.(Lebhaftes Bravo!) Die Versuche, die Dienstmädchen zu organisieren, sind� bisher erfolglos geblieben bei der überaus gedrückten Lage der Mädchen. Dagegen macht die Organisation unter den Landarbeiterinnen schöne Fort- schritte. Auf dem Parteitag in Pilsen haben die Frauen eine große Rolle gespielt. Die sozialistische Frauenbewegung blüht überall mächtig auf.(Bravo!) Hierauf tritt die Mittagspause ein, NachmIttagSsitzuna. In der Nachmittagssitzung wird die Berichterstattung au» den einzelnen Ländern sortgesetzt. Johanna Greie-Kramer-Chicagot Obgleich wir in den Vereinigten Staaten eine arohe Anzahl organisierter Frauen und Mädchen haben, die sich strikt auf den Standpunkt der sozialistischen Weltanschauung stellen, ist es«nS nur gelungen, die deutsch- sprechende Abteilung der sozialistischen Frauenorganisation zu einer Delegation nach Ihrem Kongreß zu bestimmen. Äußer der deutschen Sprachgruppe gibt es vor allem eine böhmische und polnische Gruppe. Die Leitung liegt in den Händen des Zentralkomitees. Um die Oraanisation erfolgreicher zu gestalten, wird es notwendig sein, die Agitation in englischer Sprache zu betreiben. Wir werden nur Erfolge erzielen können, wenn wir eine reinliche Klassen» scheidung zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Frauen- bewcgung vornehmen, nachdem die bürgerlichen Frauen erklärt haben, sie seien nicht für das Wahlrecht für Proletarierinnen, da diese noch nicht reif dafür seien.(Lachen.) Unser kleines Häuf- lein von 599 klassenbewußten Prolctaricrinnen wird auch weiter seine Pflicht als Pioniere im Kampfe für den Sozialismus tun. (Bravo!) Frau Hilga Torstenen. Finnland wird von stürmischem Beifall begrüßt. Die Genossin vertritt Wiborg im finnischen Landtag. Sie gibt einen Ueberblick über die Entwickclung der finnländischen Frauenbewegung. Sie alle wissen, daß die sinn- ländischen Frauen am 29. Juli 1996 ein weitgehendes Stimmrecht bekommen haben. Von 19 gewählten weiblichen Repräsentanten sind 9 Sozialisten. Unsere Abgeordneten verlangen die Aufhebung des GesindcgesetzcS, die Gründung von Heimen für verwahrloste Kinder usw. Der sozialdemokratische Fraucnverband besteht gegen- wärtig aus 93 Abteilungen. ES gibt 18 699 der Partei angehörige Frauen in Finnland. Wir wissen, daß wir unsere Freiheit dem Freiheitskampfe der russischen Genossen verdanken.(Sehr richtig! und Beifall.) Wir hoffen, daß auch die Genossinnen in den anderen Ländern ebenso viele politischen Freiheiten bekommen werden. Das Proletariat hat nur seine Fesseln zu verlieren und die ganze Welt zu gewinnen!(Lebhafter Beifall.) Frau Kröstein-Norwegen vertritt den Verein arbeitender Frauen in Stavangcr. Die Arbeiterinnen sind in eigenen Vereinen über das ganze Land organisiert und bilden Sektionen der sozialistischen Arbeitervereine. Die gcwcrkschaft- liche Organisation der Arbeiterinnen läßt noch viel zu wünschen übrig. Wir haben die Freiheit, die den deutschen Frauen fehlt. Wir können diskutieren und Politik treiben, so viel wir wollen. Wir nehmen teil an den Wahlkämpfen und Kämpfen um bessere Lebensbedingungen der Arbeiterinnen. Nach allem, was ich hier gehört habe, mutz ich sagen: Norwegen ist das glücklichste Land Europas!(Heiterkeit und Beifall.) Wir haben das Frauen- stimmrecht und alle übrigen demokratischen Freiheiten. Seit sechs Jahren haben wir daS Kommunalwahlrecht. In Stavangcr sitzen zwei sozialistische Frauen im Gemeinderat. In diesem Jahre haben 399 999 Frauen das Wahlrecht zum Reichstag erhalten. Bei den nächsten Wahlen hoffen wir, so zahlreiche Stimmen zu liesern, daß wir uns vor den Frauen anderer Länder nicht zu schämen brauchen.(Bravo.) In Norwegen haben wir zwei Frauenbewegungen, aber mit den bürgerlichen Frauen können wir sozialdemokratischen Frauen nicht zusammenarbeiten. Die norwegischen Sozialisten schätzen unsere Arbeit hoch, sie arbeiten gern mit unS.(Lebhafter Beifall.)— Fräulein B e r g l e i n- Estland: Im Namen der lettischen Sozialdemokratie begrüße ich die erste internationale Frauen- konferenz. Wie überall in Rußland, kämpfen auch wir einen heißen Kampf gegen den zarischcn Despotismus. Unsere Gc- nossinnen standen bei diesem Kampfe mit in den ersten Reihen. Sie wurden mit in die Festungen geworfen, sie wurden gemartert und sie haben mit ihrem Blute da« rote Banner deS Sozialismus brennender und roier gefärbt. Ick bringe Ihnen herzliche Glück- wünsche und begrüße Sie. Wer den Mann hat, hat nur einen halben Menschen, so heißt eS. Wer aber die Frau hat, der hat zwei Menschen, und wer die Kinder hat. der hat die Zukunft, und die Zukunft gehört dem Sozialismus.(Beifall.) Fräulein FaaS-Schweiz: lieber den schweizerischen Arbeite. rinncnverband finden Sie nähere Angaben im schriftlichen Bericht. Daher nur wenige Worte über die schweizerische sozialistische Frauenbewegung im allgemeinen. Wir haben in der Schweiz keine politische Organisation, sondern unsere Frauen sind alle gewerk. schaftlich organisiert. In den Berufen, in denen Männer nicht tätig sind, bilden die Fmucn sogenannte Arbciterinnciivcreine. die dann auch die Interessen der Frauen im allgemeinen vertreten. Die Organisation ist also bei uns ähnlich wie in Ungarn. In den letzten zwei Jahren haben unsere gewerkschaftlich organisierten Frauen schwere und bittere Kämpfe zu führen gehabt. Wir haben erleben müssen, daß Militär und Miliz gegen die Frauen gy- führt wurden, daß die Söhne streikender Frauen gegen ihre eigenen Mütter marschieren und an den Pforten der Fabriken Posten stehen müssen. Die schweizerischen Genos- iinnen bemühen sich, den Sozialismus, soweit cB geht, schon heute durchzusetzen. Deshalb nehmen sie teil an der GcnosscnschaftS- bewegung. Mehrfach haben Konsumvereine streikenden Frauen die Waren auf Kredit oder auch ganz umsonst gegeben. Diese Konsum- vereine liefern keine Waren, die unter schlechten ArbeitSbcdingun- gen hergestellt worden sind. Ungefähr 19 999 Frauen sind in der «chwciz organisiert, d. h. ungefähr der siebente Teil aller Organi» siertcn sind Frauen. Wir haben eine französische und eine deutsche Zeitung, die lediglich die Interessen der proletarischen Frauen vertreten. Mit den bürgerlichen Frauen vertreten wir nür einige Forderungen, wie die der Wöchncrinncnunterstützung, gemeinsam. Im übrigen kämpfen wir mit den proletarischen Männern für die Umwandlung der privatkapitalistischen Produktionsweise in eine kommunistisch-sozialistische.(Bravo!) Genossin Äalabanoff überbringt der Konferenz die Grütze der sozialistisch organisierten Frauen Turins. Die italienischen sozialistischen Frauen haben zu der Konferenz keinen offiziellen Vertreter entsandt, weil in Italien von einer theoretisch und praktisch fest gegründeten sozialistischen Frauenbewegung noch nicht die Rede sein kann. In Ftalien überwiegt noch die landwirt- schastliche Bevölkerung, in der ja das Klassenbewußtsein noch nicht so stark entwickelt ist, wie in der industriellen Bevölkerung. Handelt eS sich aber darum, für Menschenrechte, für würdige LebenSbedin- gungen zu kämpfen, gegen Druck und Ausbeutung sich aufzulehnen, dann stehen die italienischen Frauen in den vordersten Reihen. Sie haben mit ihren eigenen Leibern und denen ihrer Kinder den Streikbrechern den Weg verlegt. Aber zu einer selbständigen Or» ganisation haben sie sich noch nickt zusammengeschlossen. Auch über ein Organ verfügen sie noch nicht. Schuld trägt daran der Kleri- kaliSmuS, der so schwer auf Italien lastet. Doch die italienischen sozialistischeii Frauen versagen nicht. Das Klassenbewußtsein der- stärkt sich bei ihnen immer mehr. Immer weniger Italiener und Italienerinnen geben sich zu Streikbrecherdiensten her und immer größer wird die Zahl derer, die keine Streikarbeit mehr verrichten. (Beifall.) Die Frauen, die in Italien der Religion den Rücken lehren, die sich nicht mehr kirchlich trauen und begraben lassen, sind zahlreicher al» man glaubt. Die Frauen Turin» entbieten der Konferenz herzlichsten Gruß in der Hoffnung, daß auch in ihrem Laiide bald eine mächtige sozialdemokratische Frauenbewegung auf- blühen möge.(Beifall.) Genosse M a r t o f f- Petersburg begrüßt die Konferenz im Namen des jüdischen Frauenbunde». Es könne auffallen, daß die Frauen Rußlands, die einen so heftigen Kampf gegen Despotismus und Kapitalismus und für ihre Menschenrechte -ühren, keine Frau als Delegierte hierher geschifft haben. Aber die russischen Frauen kämpfen Schulter an Schulter mit der allge» meinen sozialistischen Bewegung und sie wissen, daß nur der inter- nationale Sozialismus sie zu ihrem ivirllichen Rechte al» Menschen und Frauen verHelsen kann.(Beifall.) Ko l o m a n- Alexandrowitsch entschuldigt die Vertreterin der r u s s i s ch- revolutionären Frauen, die nicht offiziell vertreten eicn. Die ganze Welt weiß, ivaZ die russische Arbeiterin für die Befreiung Rußlands von zarischcr Gewalt getan hat und cS wird deshalb vielleicht nicht verstanden, daß sie ihren proletarischen Schwestern nicht einmal eine eigene Vertreterin gesandt hat. Aber wir hatten eben bi» jetzt in Rußland keine besondere Arbeiterinnen- oder Frauenbewegung. Die klassenbewußte Arbeiterin hat Reihe an Reihe im Befreiungskampfe an der Seite de» Mannes gestanden. Die russische Sozialdemokratie hat auch stets da» Interesse der Arbeiterin vertreten und in großer Zahl haben sich die russischen aufgeklärten Frauen der sozialdemokratischen Partei und den Ge- wcrkschaften angeschlossen, vor allen den Gewerkschaften, die sehr rasch gewachsen sind. Jetzt allerdings haben auch wir in Rußland eine schwere Zeit zu überstehen. Der prolctari,chen Frauenbewe» aung ist iA der bürgerlichen Frauenbewegung eiy neuer Feind er« standen, von dem dar drei Jahren noch keine Spur vorhanden war. Jetzt ist sie wie ein Pilz nach dem Regen aufgeschossen. Es gibt kadettisch-radikale Frauen, die politisch ganz entschieden, in der sozialen Gesetzgebung aber rückständig sind. Es gibt auch fort- schrittliche Frauen, und schließlich auch einen Verband echt russischer Frauen(Psuü-Rufe), die gierig sind, das Blut unserer opfcr- willigsten revolutionären Kämpfer zu trinken. Eine schöne Or- ganstation für das schöne Geschlecht! Mit allen diesen bürgerlichen Frauen müsien wir jetzt die Klinge kreuzen und so führen wir weiter den blutigen Kampf gegen den Absolutismus, Männer und Frauen gemeinsam. Wir werden ihn niederzwingen und dieser Sieg wird ein Sieg für die ganze Welt sein.(Leb- hafter Beifall!) Frau Wilkominski- Lodz: Eine spezielle Frauen» bewegung existiert in Rußland nicht. Ich bin die Vertreterin von 200 jüdischen Weberinnen in Lodz, die mit Spannung auf das Ergebnis dieser Konferenz blicken. Wir wünschen ihr besten Erfolg in unserem gemeinsamen Kampf für die ökonomische und politische Befreiung der Frau.(Bravo!) Damit war die Rednerliste erschöpft. Burrows führte namenS der sozialistischen Föderation Englands aus, daß infolge seiner ZOjährigen Tätigkeit für die russischen und jüdischen Proletarier und ferner, weil England das einzige Land sei, das die russischen Flüchtlinge aufnehmen könne, er eine Resolution ein- gebracht habe, die den russischen Freiheitskämpfern hohe An- erkennung zolle. Er habe volle Sympathie für den Kampf der Proletarier Rußlands und hoffe, daß die nächste sozialistische Frauenkonferenz trotz alledem in Petersburg tagen werde, (Stürmischer Beifall.) Die Resolution Burrows lautet: »Die internationale Konferenz sozialistischer Frauen drückt den russischen, lettischen und jüdischen Genossinnen zu den von ihnen erlittenen Verfolgungen seitens der russischen Autokratie herzliche Teilnahme auS und hofft, daß die Zeit nicht mehr fern ist. wo sie Schritt für Schritt mit ihren Genossen die vollständige politische und ökonomische Befreiung bekommen." Diese Reflation wird einstimmig angenommen, indem alle Delegiertei�ich zu Ehren der russischen Freiheitskämpferinnen von den Plätzen erheben. Hierauf erstattet Frau Jhrer-Berlin den Bericht über die MandatSprüfungS-Kommission. Es sind b8 Delegierte anwesend, darunter von England 19, von Deutschland 16, von Frankreich 3, von Belgien 1, von Amerika 1, von Oesterreich 9(darunter 2 Tschechen), von Ungarn 3, von Italien 1, von der Schweiz 1 mit zwei Mandaten, von Schweden und Norwegen 2, von Finnland 2 und von Holland 1. Ein Protest von 9 englischen Delegierten gegen das Mandat der Genossin Montefiore von der englischen allgemeinen Stimmrechtsgesellschaft wird mit großer Mehrheit zurückgewiesen, da das Bureau einstimmig der Ansicht ist, daß eS sich um eine sozialistische Gesellschaft handelt. Tarauf trat um 6 Uhr eine einstündige Pause ein. Nach der Pause nahm Klara Zetkin das Wort zu ihrem Referat über die Schaffung regelmäßiger Beziehungen zwischen den organisierten Genossinnen der einzelnen Länder. Sie führte auS: Die Frage dieses Gegenstandes der Tagesordnung ist bereits beantwortet durch die Berichte, die wir heute früh gehört haben. Sie haben uns gezeigt, daß in allen Kulturländern die Proletaricrinncn mehr und mehr dazu übergehen, sich an dem Emanzipationskampfe der Arbeiterklasse zu beteiligen. Alle Redne- rinnen haben uns gesagt, daß es in jedem Lande notwendig ist. gegen Ausbeutung und Unterdrückung, die auf der ungeheuren Mehrheit der Frauen des Proletariats liegen, mit aller Kraft an- zukämpfen. Die Berichte haben uns weiter übereinstimmend klar- gelegt, daß im Kampf der proletarischen Frau in allen Ländern bestimmte Forderungen in den Vordergrund treten. Die proletarische Frauenbewegung aller Länder hat zunächst eine erzieherische Aufgabe: Die Hinführung der Frau zum Sozialismus, ihre Erziehung zum Klassenbewußt sein, zu einer Kämpferin in dem Befreiungskampf. Die zunächstlicgendcn Forderungen auS den Berichten aller Länder lassen sich in die Worte zusammenfassen: Mehr Schutz der Frau als Arbeiterin, als Mutter, als Gattin, als Staats- bür gerin gegen Ausbeutung, und auf der anderen Seite Er- oberung der politischen Gleichberechtigung, damit sie frie klassen bewußten Proletarier in ihrem Kampfe gegen die bürgerliche Gesell schaft, ihnen darin helfen kann, die heutige Gesellschaftsordnung über den Haufen zu werfen.(Lebh. Beifall.) Ohne allen Zweifel wird die proletarisch-sozialdemokratische, die revolutionäre Frauen- bewegung noch kräftiger, noch wirksamer arbeiten können, wenn die Frauen aller Länder miteinander kämpfen und voneinander lernen, lernen aus der reichen Mannigfaltigkeit der einzelnen nationalen Frauenbewegungen.(Sehr wahr!) Nicht kleinliche Uniformierung kann das Ziel fein, die schulmeisternd in Einzel- heilen der Agitation und Aktion des einzelnen Landes eingreift, sondern Verständigung und gegensestige Belehrung über die Grund- züge der theoretischen Auffassung und praktischen Förderung de? Emanzipationskampfes, den die proletarischen Frauen führen. Zu diesem Zwecke empfehlen wir Ihnen die Schaffung einer Zentral- stelle, der von Korrespondentinnen, die für jedes Land zu ernennen wären, mindestens alljährlich ein zusammenfassender Bericht über die Frauenbewegung in den einzelnen Ländern gesandt werden müßte. Durch diese Zusammenfassung der proletarischen Frauen- bewegung hoffen wir zu erreichen, nicht eine Selbständigkeit im proletarischen Klassenkampf, wohl aber, daß die proletarische Frau ein immer tüchtigeres, wertvolleres und unentbehrlicheres Glied der allgemeinen revolutionären Arbeiterinnenbewegung wird. (Stürmischer Beifall.) Von einem Teil der österreichischen Delegierten und der Ge- nossin Lily Braun ist folgender Antrag eingegangen:„Um eine nähere Verbindung zwischen den Genossinnen herzustellen und die Möglichkeit einer Verständigung über schwebende Fragen herbei- zuführen, soll innerhalb jeder nationalen Partei eine Frau be- auftragt werden, regelmäßig kurz gefaßte Berichte über die Ar- bciterinnenbewegung ihres Landes an die führenden Partei» biälter des Auslandes zu versenden. Genossin Jhrer-Berlin hält die Schaffung einer Zentrale für da» Notwendigste, um eine wirklich eingehende Verständigung zwischen den einzelnen Ländern herbeizuführen und einheitliche große Aktionen zu ermöglichen. Sie schlage die Redaktion der .Gleichheit' als Zentralstelle vör. Die„Gleichheit" sei wohl in allen Ländern die meist gelesenste Frauenzeitung. Sollte sich dieser Vorschlag nicht bewähren, so könnte ja auf der nächsten Konferenz eine Aenderung beschlossen werden. Lily Braun-Berlin: Auch ich halte den Vorschlag der Genossin Zetkin für akzeptabel und wünschenswert. Aber ich glaube nicht, daß er ausreicht. Zweifellos wird in der allgemeinen Parteipresse der Frauenbewegung noch viel zu wenig Beachtung geschenkt. Ich denke mir die Ausführung meines Borschlages in der Weife, daß in jedem Lande eine Genossin verantwortlich gemacht wird dafür, daß in der ausländischen Parteipresse über wichtige Vorkommnisse der Arbcitcrinnenbewegung nicht nur ein- mal im Jahre, sondern vielleicht alle 8 Wochen oder 14 Tage berichtet wird. Am besten wäre cS. diese Zentrale an die vor- bandene internationale Zentrale, das Brüsseler Bureau, anzu- schließen. Die große Masse der ausländischen Arbeiter und Ar- beiterinncn ist zweifellos nicht in der Lage, die»Gleichheit" zu lesen. Sie muß daher regelmäßig durch die Parteipresse unter- richtet werden.(Vereinzelter Beifall.) Montefiore- England ist der Meinung, daß, da die Idee eine» ZentralbureauS der proletarischen Frauenbewegung von Deutschland ausgegangen ist, Deutschland auch die Stätte dieses ZentralbureauS werden sollte, und daß die.Gleichheit" als Zentralorgan regelmäßig die Berichte aus den verschiedenen Ländern zu bringen hätte. Sie schließe sich daher dem Antrage des Bureau» vollständig an. ES fei kein Zweifel, daß die eng- lischen Genossinnen es noch sehr nötig hätten, in enge Beziehungen zu der internationalen sozialdemokratischen Frguejibetp.egung 3U treten. Denn die Eiigkänderinnen behielten ihren insularen Charakter auch in der sozialdemokratischen Bewegung. Da ihnen weniger Schwierigkeiten wie in anderen Ländern von den Be- Hörden gemacht würden, so fehle cS den englischen Genossinnen an dem stark kämpfenden Sozialismus, durch welchen allein man auf dem richtigen Wege zu wirklich sozialistischen Reformen kommt. Tie englische Frau kämpfe nicht scharf genug gegen Kapitalismus und KleriraliSmus, und das würde sie von der proletarischen Frauenbewegung deS Festlandes lernen.(Beifall.) Genossin Z i e tz- Hamburg tritt entschieden für den Antrag Zetkin ein, nicht nur, weil die„Gleichheit" das führende Organ der sozialistischen Frauenbewegung sei, sondern auch, weil sie bereits internationale Beziehungen unterhalte. Lily Braun sei entgegenzuhalten, daß alljährlich nur ein umfassender Bericht ge- geben werden solle, daß aber nichts im Wege stehe, Nachrichten über schwebende Fragen häufiger zu versenden. Die Information der Parteiprcsse erfolge wie heute am zweckmäßigsten durch die „Gleichheit". Auf diese Weise würden die Parteüblätter auch mehr von den Frauen gelesen werden. Ein Schlutzantrag, den Frau Hyndman-London stellt, wird abgelehnt, dagegen ein Antrag auf Schluß der Rednerliste angenommen. Frau Boschek-Wien: Die Debatte wäre vielleicht ver> mieden worden, wenn die deutschen Genossinnen uns richtig dar über unterrichtet hätten, wie sie sich die ersten Vorbedingungen für ein internationales Bureau gedacht hätten. Wir find mit den Ausführungen der Genossin Zetkin gewiß alle einverstanden. Natürlich handelt es sich um ein Provisorium.(Sehr richtig!) Der Antrag Lily Braun tangiert in keiner Weise die Vorschläge der deutschen Genossinnen, er ergänzt sie. Genossin FaaS-Schweiz: Der Antrag der deutschen Ge nossinnen kommt darauf hinaus, daß die„Gleichheit" zum inter- nationalen Publikationsorgan der Frauen gemacht wird. Wir be streiten der„Gleichheit" keineswegs das Recht, die ihr zugehenden Berichte zuerst zu veröffentlichen, aber zur Verständigung der Ge nossinnen wird es nötig fein, daß die einzelnen Länder periodisch an die Zentralstelle Berichte einschicken, die dort in drei Sprachen ausgearbeitet werden, und daß den Organisationen in der von ihnen gewünschten Sprache eine Anzahl Berichte zugeschickt werden. Aufgabe der Laudesorganisationen wäre eS dann, daß dieser inter nationale Bericht in den Parteiblättern ihres Landes veröffentlicht wird. Ich schlage Ihnen deshalb folgenden Antrag vor: „Es ist an das Zentralbureau periodisch aus jedem Lande ein Bericht über die nationale Frauenbewegung jede? Landes ein zusenden. Diese Berichte sind von dem Zentralbureau zu einem internationalen Berichte zusammenzustellen, der in einer der drei Kongreßsprachen abzufassen ist und den Organisationen der der- schiedcnen Länder in der gewünschten Anzahl zugesandt wird. Die Organisationen der verschiedenen Länder sorgen für die Publi zierung dieses internationalen Berichtes in den Parteiblättern ihres Landes." Vors. Zetkin: Ich möchte hier eine Erklärung abgeben, die vielleicht geeignet ist. die Debatte abzukürzen. Wir haben uns die Organisation natürlich auch nicht so gedacht, daß die Berichte in der Zentrale liegen bleiben oder unter Ausschluß der inter- nationalen Oeffentlichkeit nur für Deutschland erscheinen. Es ist selbstverständlich, daß wir die in verschiedenen Sprachen einge« gangenin Berichte jedem Lande in seiner Sprache geben, d. h. zu nächst in einer der drei Kongretzsprachen zusenden. Aber dazu brauchen wir Mittel und wir haben die„Gleichheit" als Zentrale vorgeschlagen, weil dort jemand sitzt, der gern bereit wäre, die Berichte in den drei Sprachen unentgeltlich herzustellen und weil die„Gleichheit" so gestellt ist, daß sie wenigstens für den Anfang die Aufwendungen für diesen Zweck tragen könnte. Die Kor« respondcnten der einzelnen Länder müßten das erhaltene Material natürlich in der Parteipresse ihres Landes veröffentlichen. Das ist selbstverständlich, darüber brauchen wir doch nicht erst zu diS kutieren. Oder dachten Sic, daß die Korrespondcntinnen das Material von uns erhalten, damit sie es schwarz auf weiß besitzen und getrost nach Hause tragen können?(Heiterkeit und Beifall.) Nach dieser Erklärung werden die Anträge Braun— Oester reichische Delegation und Faas zurückgezogen. Genossin Luise Zietz- Hamburg stellt hierauf» um die Debatte nicht ohne Ergebnis abschließen zu lassen, folgenden An trag:„Um die internationalen Beziehungen zwischen den Ge nossinnen der einzelnen Länder enger zu knüpfen, beschließt die erste internationale Frauenkonferenz, daß eine internationale Zentralstelle geschaffen wird, an welche die Genossinnen der ein zelnen Länder alljährlich zusammenfassende Berichte über die Frauenbewegung ihres Heimatlandes einsenden, außerdem aber auch fortlaufende Berichte über alle wichtigen Vorkommnisse liefern AIS Zentralstelle wird Deutschland bestimmt, als PublikationS- organ die„Gleichheit". Die„Gleichheit" wird zur Information an die Zentralstellen der Genossinnen der einzelnen Länder sowie an daS Internationale Bureau gesandt. Die Genossinnen der ein zelnen Länder haben für die Veröffentlichung der Berichte in den Parteizeitungen ihres Landes Sorge zu tragen." Miß M a c d o n a l d- England meint, daß der HerauSgeberin der»Gleichheit" herzlicher Dank gebühre für die Bereitwilligkeit, diese Zeitschrift zum internationalen Zentralorgan zu machen. Durch Zusendung von Berichten müßte man daS Unternehmen soweit wie möglich unterstützen. Die Frauenbewegung müsse aber daneben in engen Beziehungen zu dem Internationalen sozia- listischen Bureau bleiben. Frau P elletier-Pari»: Die sozialistische Frauenbewegung braucht unbedingt eine Zentrale, um die Agitation und die Organi sation weit energischer betreiben zu können. Genossin Pelletier bringt zn diesem Zwecke folgenden Antrag ein:„Ein internationales Bureau wird geschaffen bei der„Gleichheit". Jede Nation wird in diesem Bureau vertreten sein und muß regelmäßig Berichte bei ihm einreichen, die dann veröffentlicht werden sollen. Schließlich sollen die Fvauen durch spezielle Delegierte in dem Internationalen Bureau in Brüssel vertreten sein." Rosa Luxemburg, mit lebhaftem Beifall begrüßt: ES ist der Wunsch ausgesprochen worden, die internationale Frauen- bewegung möchte sich dem Internationalen sozialistischen Bureau in Brüssel anschließen. Da ich selbst Mitglred, und zwar daS einzige des schönen Geschlecht»(Heiterkeit) von diesem Bureau bin, fühle ich mich veranlaßt, dazu einiges zu sagen. Ich muß Ihnen offen sagen, daß wohl nur diejenigen Genossen eine so hohe Meinung vom Internationalen Bureau haben, die seine Mrksamkeit von sehr weit her kennen.(Heiterkeit.) Wir sind zu der Ueberzeuguna gekommen, daß wir nicht in der Lage sind, durch rein mechanische Mittel einen Zentralpunkt der inter- nationalen sozialistischen Arbeiterbewegung zu schaffen. Die Zeiten der Internationale, wo ein Marx selbst die eigent- l:che Zentrale der internationalen Bewegung deS Proletariats war. find vorüber. Wir haben jetzt nichts als periodische Zusammen- künfte von Vertretern der verschiedenen Länder in Brüssel, die jedes Mal für diesen Vertreter eine sehr unangenehme Pflicht sind. Denn jedesmal haben wir das Gefühl, daß wir nicht den hundertsten Teil der eigentlichen Aufgaben deS BureauS erfüllen können. Das liegt nicht an unserem guten Willen, auch nicht an den mangelnden Fähigkeiten deS gegenwärtigen Sekretärs. Aber e» kehrt immer die'Klage wieder, daß das internationale Bureau von den angeschlossenen Partciländcrn sozusagen gänzlich ignoriert wird. Nicht einmal kurze Berichte über stattgefundene Bewegungen werden eingesandt. Nur wenn wir daS Glück haben und ein Zentrum moralischer Autorität gewinnen, welche? wirklich ein genügendes Interesse in den angeschlossenen Ländern zu wecken vermag, werden wir ein lebensfähigere» und tat- kräftigeres Zentrum der sozialistischen Bewegung haben. In dieser glücklichen Lage aber sind Sie, wenn Sie den Porschlag der deutschen Genossinnen annehmen. Ich will Ihnen noch ein kleines Geheimnis anvertrauen.(Heiterkeit.) Als wir in Amsterdam vier Jahre schmerzlicher Enttäuschuna von der Tätigkeit des Internationalen Bureau» in Brüssel hinter unö hatten, waren wir uns jchon klar« daß wir ein richtiges Internationales Bureau nur bekommen würden, wenn wir es erstens nach Deutschland, zweitens nach Stuttgart, und drittens in die Redaktion der„Gleichheit" verlegten. Aber der Parteivorstand winkte mit einer ebenso kurzen wie deutlichen Hand- bewegung das Internationale Bureau von Deutschland ab und so mutzten wir uns dieses Ideal versagen. Sie aber werden von sich dieses moralische Zentrum der Internationale gewinnen, und ich kann nur die Genossin Zetkin bewundern, dckß sie auch diese Ar- beitslast noch auf sich nimmt. Der Wunsch, das Internationale Sozialistische Frauenbureau nach Brüssel zu verlegen, konnte nur aus der Unkenntnis der Verhältnisse hervorgehen. Glauben Sie nicht, daß Sie mit der Ablehnung des Gedankens, die Inter- nationale in Brüssel abzulehnen, etwas verlieren; sagen Sie nicht: „Es war so schön gewesen, eS hat nicht sollen sein!"(Große Heiter» keit und.Beifall.) Damit schließt die Debatte. Der deutsche Antrag wird ein- stimmig angenommen, alle übrigen Anträge zurückgezogen. Vors. Frau Zetkin regt an, unter die Mittel der internatio» nalen Verständigung auch die internationalen sozialistischen Frauen- konferenzen aufzunehmen. Sie schlägt vor, die nächste inter- nationale sozialistische Frauenkonfcrenz wiederum im Anschluß an den internationalen Sozialistcnkongreß abzuhalten.(Zustimmung.) Hierauf wird die Weiterberatung auf Montag vertaat. 'Schluß nach 9 Uhr. gar scho GewerkfehaftUebe*!. Terrorismus. Ist daS fortwährend ein Geschrei über den Terrorismus der Gewerkschaften. Wenn diese mal irgendwo die Mit- arbeit verweigern, dann heißt es gleich: da seht ihr diese terroristischen Gewerkschaften. Wenn auf einem � Bau„reine Wäsche" verlangt wird, gleich heißt es: das ist der Gewerkschaftsterrorismus. Wenn die Gewerkschaft gezwungen ist, unwürdige Mit- glieder aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen, schreit der anze Chorus: da habt ihr den offenen Beweis deS gewerk- aftlichen Terrorismus. Was— sagen wir da—, es gäbe einen wahren und einen berechtigten Terrorismus? Ist das nichb eine uner- hörte Behauptung, ob der mancher Angst und Zähneklappern bekommt und sich in heiligem Zorn entrüstet gegen Menschen, die es wagen, solches Zeug zu reden. Doch bitte, kaltes BlutI Regen Sie sich doch nicht unnötig auf. Sehen wir uns die Sache in aller Gemütsruhe an. Terroristisch, unduldsam nennt man den, der anderer Leute Ansicht gar nicht gelten lassen will, ja noch mehr, der anderer Leute Meinung unterdrücken möchte und diejenigen, welche trotz ihm bei ihrer Meinung bleiben, mit Gewalt zu einer anderen Meinung zwingen will. Terroristisch handelt also der Antisemit, der, wenn er eine krumme Nase sieht, gleich mit dem Spazicrstock zu- schlagen will. Terroristisch ist es, wenn im RechtSstaate Sozialisten von öffentlichen Acmtern ausgeschlossen sind, deshalb, weil sie sozialistisch sind. Terroristisch ist es, wenn, wie es vielfach geschieht, ein Arbeiter bestraft wird, weil er von seinen Staatsbürger- rechten Gebranch machte. Terroristisch ist es, wenn nicht sozialistische Professoren „Ringe" bilden, um sozialistische Gelehrte von den Lehr- stuhlen fern, die Universität sozialistenrein zn halten. Terroristisch ist das Scharfmachertum, wenn es jeden, der die Freiheit sich nimmt, Gewerkschaftler zu sein, verhöhnt und begeifert. Terroristisch ist die Kirche, indem sie alle Eltern zwingen will, ihre Kinder in Schulen zu schicken, in denen diesen der christliche Glaube eingepaukt und die Klerisei ins Herz ge- pflanzt werden soll. Terroristisch ist der Pfarrer, wenn er die KirchPizucht gegen die Gewerkschaften ausspielt. Das ist Terrorismus gegen die Gewerkschaften. Merkwürdig ist es nur, wie man diesen Tcrrorismus zu rechtfertigen sucht. Dann heißt es ganz einfach: Wer in einem Glashause sitzt, der darf nicht mit Steinen werfen. Wer selbst treibt, was er an anderen tadelt, hat kein Recht, sich zu beschweren. Gibt es denn einen berechtigten Terrorismus? Gewiß gibt es das! Er ist sogar so allgemein und so selbstverständlich, daß kein vernünftiger Mensch gegen ihn etwas vorbringen kann. Machen wir uns daS an ein paar Beispielen klar. Der Gärtner findet in seinem Gemüsegarten Gift- pflanzen. Was wird er tun? Er wird sie herausreißen, da- mit sie ihm nicht unter seine anderen Waren geraten und er sich schließlich vor dem Staatsanwalt zu verantworten hat, daß er Giftpflanzen verkauft und dadurch Menschen- leben gefährdet habe. DaS ist selbstverständlich für jeder- mann, und doch ist der Gärtner— terroristisch. Ebenso terroristisch ist der Lehrer gegen die Unwissenheit des Schülers, der Richter gegen den Verbrecher, der Arzt gegen die Krankheit. Terroristisch in dieser Weise ist sogar daS Einmaleins, denn es duldet nicht, daß 2 und 2 gleich 5 ist, sondern eS darf 2 und 2 eben nur gleich 4 fein. Fassen wir diese Beispiele zusammen, so müssen wir sagen: Terroristisch ist das Wahre gegen das Falsche. Die Wahrheit ist gegen die Unwahrheit. Das ist in der Natur der Sache begründet. Glaubt also jemand und ist er fest davon überzeugt, daß seine Ansicht, mag sie sich auf was ihrer beziehen, die richtige ist, so ist er mit seiner Meinung terroristisch gegen— und jetzt kommt die Hauptsache— gegen jede andere Meinung, aber er ist deshalb noch lange nicht intolerant gegen jenen, der diese andere Meinung hat. DaS ist also der große Unterschied, auf den alles ankommt und den man nie übersehen darf. Die Wahrheit ist terro- ristisch gegen den Irrtum, aber nicht gegen jenen, der dem Irrtum huldigt. Der Terrorismus der Wahrheit geht gegen die Sache, nicht gegen die Person. Welche Schlußfolgerungen ziehen wir daraus: Es ist berechtigter Terrorismus, wenn die Gewerkschaften die durch lanfje, opferreiche Kämpfe erlangte Position dadurch hu be- festigen suchen, daß sie Unorganisierte zum Eintritt in die Organisation überreden. Ja eS ist auch berechtigter Terro- riSmuS, wenn Organisierte verlangen, daß Zugezogene, die zu den Kosten des wirtschaftlichen Kampfes nichts bei- getragen haben, nun zu den laufenden Ausgaben beitragen und daß Organisierte sich weigern, mit Rauhbeinen zusammen zu arbeiten, wenn deren Einstellung den Zweck hat, die Position der Gewerkschaftler wieder zu verschlechtern. Nehmen wir cinnial eine politische Partei. Diese würde sagen, jede andere Partei ist ebenso wahr und richtig wie ich, ihre Wähler könnten also ebensogut auf jedes andere Partei- Programm wählen, eine solche Partei würde Selbstmord be- gehett und' sie konnte nicht einmal ihre seitherigen Wähler tadeln, wenn diese einer anderen Partei ihre Stimme geben wollten. Keine Partei tut so etwas und kann es tun und es fällt niemandem sin. den Parteien deshalb Terrorismus vor- zuwerfen. ÄÄ'_ Deutfches Reich. Achtung, Metallarbeiter! Sämtliche Schlosser, Klempner, Schmiede, Schweitzer und Maschinenarbeiter der Rothenfelder Blechwarenfabrik in Bad Rothenfelde haben am IS. d. M. die Kün- digung eingereicht. Die Arbeiter haben bescheidene Lohnforde- rungen gestellt und an Stelle der bis jetzt halbmonatlichen Lohn- zahlung eine solche von regelmätzig 14 Tagen verlangt. Nutzer der 14tägigen Lohnzahlung hat die Firma trotz der mit der Or- ganisationSleitung gepflogenen Verhandlungen in bezug auf die Verbesserung der Stundenlöhne keine Zugeständnisse gemacht. Bad Rothenfelde ist ein autzerordentlich teurer Badeort, und würde jeder Zureisende arge Enttäuschungen erleben. Zuzug nach der Rothenfelder Blechwarenfabrik ist also strikte fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltungsstelle Bielefeld. Einen schöne» Sieg erfochten die Klempner und Installateure in Dortmund. Nach elfwöchigem, auf feiten der Meister wie der Gesellen mit grosser Erbitterung geführten Kampfe kam ein Tarif zustande, der für die Gehülfen erhebliche Ver- besserungen bringt. Die hauptsächlichsten Positionen sind folgende: Die tägliche Arbeitszeit ist eine neuneinhalbstündige, an den Vorabenden der hohen Feste ist zwei Stunden früher Schluss? die ausfallenden Stunden sind zu bezahlen. Der Stundenlohn beträgt im Minimum: im ersten Jahre nach der Auslehre 38 Pf., vom 18.— 20. Lebensjahre 40 Pf., vom 20.— 22. Lebensjahre 45 Pf., vom 22. Lebensjahre an£0 Pf. Für Ueberstunden werden 10 Prozent aufgeschlagen, fiir Nachtarbeit snach 8 Uhr abends) 50 Proz., ebenso für Sonntngsarbeit. Für Arbeit während der Pausen wird pro Stunde 1,20 M. bezahlt. Ist der Gehülfe aus- wärts beschäftigt, wo er übernachten muss, so sind pro Tag 2,50 M. zu vergüten. Akkordarbeit ist möglichst zu vermeiden. Ein neuer Gewaltakt des bayerischen Metallindustriellen« Verbandes. Die in. der M ü n ch e n e r Gelbmetallindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hatten mit ihren Unternehmern einen Tarifvertrag abgeschlossen, der nach dreijährigem Bestehen am 12. August abgelaufen ist. Als sich der Deutsche Metallarbeitervcrband behufs Erneuerung des Vertrages an das Einigungsamt wandte, lehnten die Unter- nchmer hier jede Unterhandlung ab mit der Motivierung, datz, da sie dem Jndustriellenverband angehören, die Verhandlungen nur mit der Ortsgruppe des bayerischen Jndustriellcnvcrbandes geführt werden können. Die Arbeiter reichten hierauf ihren Tarifcntwurf bei dem Bayerischen Metallindustriellenverband ein, der eine dies- bezügliche Sitzung nach dem Kunstgewerbehaus anberaumte. Die Verhandlungen verliefen jedoch resultatlos, da die Scharsmacher sowohl die Sstündige Arbeitszeit als auch die geforderten Mindest- löhne rundweg ablehnten.'Hierauf legten die Arbeiter in vier Fabriken die Arbeit nieder, was zur Folge hatte, datz am Freitagabend sämtliche organisierte Mctallgietzer, Gürtler und Schleifer ausgesperrt Wurden. Die bayerischen Scharfmacher, die sich mit ihrer un- längst angedrohten Aussperrung der sämtlichen bayerischen Metall- arbeiter so gründlich blamierten, möchten jetzt die Scharte wieder auswetzen und ihrem nicht mehr ganz blanken Schilde durch eine frivole Aussperrung wieder Glanz verleihen. Zuzug von Arbeitern der Gelbmetallindu- strie ist von München strengstens fernzuhalten. Tie Münchencr HeizungSmonteurc und Helfer haben durch ihre Organisation, den Deutschen Mctallarbeitcrverband, der süd- deutschen Gruppe des Verbandes deutscher Heizungsindustrieller und dem Arbcitgcbcrverband für das Baugewerbe einen Tarif- entwurf unterbreitet, der in der Hauptsache folgende Forderungen enthält: 9s4stündige Arbeitszeit mit 5 Uhr-Schlutz an den Zahl- tagen und 4 Uhr«Schlutz an den Vorabenden von Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Der Lohn soll für Monteure nicht unter 70 Pf., für Anfangsmonteure 55— 60 Pf., für Helfer im ersten Jahre nicht unter 40, vom zweiten Jahre ab nicht unter 45 Pf. betragen. Für Ueberstunden und Sonn- und Feiertags- arbeit soll ein Zuschlag von 25 bezw. 50 Proz. bezahlt werden. — Im vergangenen Herbst wären die Heizungsindustriellcn bereit gewesen, mit dem Metallarbcitcrvcrband einen Tarif eventuell über ganz Süddeutschland abzuschlietzen. Ob eine derartige Geneigtheit auch jetzt noch besteht, wird sich bald zeigen.- Huatand. Allzu scharf macht schartig! Im Jahre 1902 gelang es dem damaligen Direktor Brand von„Det forenede Dampskibsselskab" mit Hülfe polnischer und russischer Streikbrecher, den dänischen Seeleuten und Hafenarbeitern das Koalitionsrecht zu rauben. Gemeinsam mit der Dänischen Dampfschiffsrccdercivereinigung zwang jene Gesellschaft jeden, der für sie arbeiten wollte, einen Kontrakt mit der Verpflichtung zu unterschreiben, keiner Gewcrkschaftsorganisation anzugehören. In- zwischen hat jener Direktor, der in der Arbeiterschaft seiner Her- kunft und seines Auftretens wegen der„Russen-Brand" genannt wurde, seinen Posten verlassen müssen. Die Art seines Auftretens hatte nicht nur zu Konflikten mit der Arbeiterschaft, sondern auch zu Konflikten mit ausländischen Reedereien geführt, die der Dampfschiffsgcsellschaft wie den dänischen Reedereien zum Schaden gereichten. Mit dem neuen Direktor Richelieu trat in der ganzen Leitung ein Systemwcchsel ein, was denn auch dazu führte, datz das Unternehmen' wieder besser florierte. Die Brutalität des „Russcn-Brand" war verschwunden, und man zeigte auch den See- leuten wieder ein gewisses Entgegenkommen hinsichtlich'ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Im Laufe der vorigen Woche erhielt nun der Gcsamtvcrband der dänischen Gewerkschaften ein Schreiben des Direktors Richelieu, worin mitgeteilt wurde, datz die Recdcreivercinigung aus ihren Hcucrkontraktcn das Verbot gegen die Seeleute und Heizer, einer �Gewerkschaft anzugehören, gestrichen hat. ES mutz als selbstverständlich angesehen werden, datz dieser Vcschlutz der Rcedereivereinigulig auch für die Hafenarbeiter mit. tvclinllleich diese nicht in dem Schreiben erwähnt werden» Versammlungen. Für die Magazinarbeiter, für alle in Möbelgeschäften beschäs» tigten Tischler, Beizer, Polierer und HülfSarbeiter, hatte der Holz« arbeitcrverband(Zahlstelle Berlin) zum Donnerstag eine Ver- sammlung einberufen, die der Organisationsarbeit unter den ge- nannten Arbeitern dienen sollte. Schreiber referierte über das Thema:„Wie können die Kollegen in den Möbelgeschäften ihre Lage verbessern?" Er legte dar, datz man bestrebt sei, die Verhält- nisse in den Möbelgeschäften so zu ordnen, wie sie in den Werk- stätten seien. Die Vorbedingungen einer Lohnbewegung feien aber noch nicht gegeben, da zuviel Kollegen der Organisation noch fernständen. Zu beachten sei auch, datz sich die Magazinarbciter jetzt einer Organisation ihrer Arbeitgeber, der Vereinigung der Grossisten Deutschlands, gegenüber sähen. Desto straffer mutzten sich die Kollegen organisieren.— Nach einer kurzen Diskussion, an der sich mehrere Magazinarbeitcr beteiligten, wurde eine Resolu- tion angenommen, worin sich die versammelten Biagazinarbeiter verpflichten, mit allen Kräften die Agitation der Kommission zu unterstützen, bis der letzte Magazinarbeiter dem Holzarbciterver- band beigetreten sei.—„Welcher Organisation haben sich die Kollegen in den Möbelgeschäften anzuschlietzcn?" lautete der nächste Punkt der Tagesordnung. S k u h r bemerkte dazu, datz dieser Punkt lediglich deshalb auf die Tagesordnung gebracht sei, weil manche Kollegen der Aufforderung zum Beitritt in den Holz- arbeitcrverband entgegenhielten, sie seien im Transportarbeiter- verband organisiert, weil sie sozusagen Hausdiener oder Lager- arbeiter seien. Das sei niöbt ganz zutreffend. Für Tischler, Beizer, Polierer usw. könne nicht der TranSportarbeitervcrband in Frage kommen, wenn sie auch andere Arbeiten, als die von ihnen ursprünglich gelernten, mitmachen mütztcn. Sie gehörten in den Holzarbeitcrverband, wenn dieser auch höhere Beiträge fordere. F e h s e trat hinsichtlich der Polierer für die„Freie Vereinigung der Möbelpolierer" ein, indem er die ZentralvcHünde bekämpfte. — S ch ni a l e r vom Transportarbeiterverband erklärte, datz der Holzarbcitervcrband nicht daran denken dürfe, die Hülfsarbcitcr und Hausdiener dem Transportarbeitervcrband abspenstig � zu machen. Man sollte sich damit begnügen, die gelernten Arbeiter wirklich im Holzarbeitcrverband zu organisieren.— Der Vorsitzende sowie N i t s ch k e und Schreiber stellten fest, datz die Ausfüh» rungen des Referenten Skuhr lediglich sich bezögen auf die ge- lernten Arbeiter, auf Tischler, Beizer, Polierer. Tie eigentlichen Hülfsarbcitcr und Hausdiener svrsche man gern dem Transport- arbcitervcrbaikd zu. Etwaige Grenzfragcn würden in Güte er- ledigt werden.— Im übrigen wandte man sich gegen die„Freie Vereinigung der Polierer", der man die Existenzberechtigung ab- sprach. Schmaler erklärte schlichlich noch, datz der Transport- arbeiterverband sich freuen würde, wenn es gelänge, gemeinsam mit dem Holzcrrbeiterverband eine Verbesserung der Lage der Magazin- arbeiter herbeizuführen. Angenommen wurde ein Antrag, datz die Magazinarbciter sich vcrvflichtcten, dem Holzarbeitervcrband bei- zutreten und aus jeder Werkstatt einen Vertrauensmann zu ent- senden. örunnen- Str. 17-18 II. MeiflUKen NocM. Veteranen« Strasse 1-2 Sommer-Schlnstverkanf zu noch nie dagewesenen Preisen. Mehrere hundert wetterfeste Staubmäntel Serie 1 4.8s Staubmäntel Seri0 n ß.vs Mehrere hundert Faiten-KosttlmröckB 3." Mehrere hundert Mädchen-Schulklflider weSÄhÄ 2.85 Ein großer Posten tt/nll Blucon in schön. Karos mit rund. Stich- 9 lYUli'DiUocIl passenj'�Aerme�Werts.SOjetzt ö'®5 Gestrickte Golf-Blusen sene i stck. 95 Ff. Gestrickte Golf-Blusen Serie n stck. Us Karierte Blusenstoffe jetzt 68 pf. Pa. Kleider-Mousseiine M6ter Wert fj* 88 pi Klelder-Alpacca Meter Wert 1.85, jetzt 1.25 Blusen-Seide Meter Wert bis S M., jetzt 1,75 Abgepaßte Gardinen\n Fenster= 2 Flügel durchweg«>45 3,95 Rarriinon meterweise bis zu Serie I II UlllUIIIBII1 II»»»t!>�'>'>\MUim.............................. I....................... IIIIII—B— IIHII III Der franzönfcl�e Parteitag. (Schlußbericht.) Nancy, 15. August,(©ig. Oer.) Gestern nacht und heute vormittag hat der Parteitag den Rest der Tagesordnung erledigt, begreiflicherweise im Hinblick auf die kurze, zur Verfügung stehende Zeit in summarischer Weise. Genossin Dr. Pelletier legte eine Tagesordnung für das Frauenwahlrecht vor, die einstimmig angenommen wurde. Eine stürmische Diskussion rief die Frage der P a r t e i st e u e r n der Deputierten hervor, da einige Genossen die Abtretung der ganzen Erhöhung der Abgeordnetenentschädigung, also von 6000 Frank, an die Partei forderten. Schließlich entschied der Parteitag mit großer Mehrheit, es bei dem Beschlutz des National- ratS bewenden zu lassen, der die Abgabe auf 3000 Frank festsetzt. Die Wahl der VerwaltungSkommifsion wurde auf Grund des Proportionalsystems vorgenommen, d. h. der Parteitag nahm eine Liste an, für die die Mehrheit und die Minderheit, wie sie bei den zwei wichtigsten Abstimmungen— über den Militarismus und über Partei und Gewerkschaft— sich kristallisiert hatten, ihre Kandidaten nominierten. Den Guesdistcn wurden S von den 22 Mandaten eingeräumt. Die Mehrheit brachte auch in ihrem Kreis dasselbe System zur Anwendung und bestimmte u. a. H e r v e. Nach einer Resolution für die Gewerkschaftsfreiheit der Beamten und einem gleichfalls mit Akklamation gefaßten Beschlutz, der den Parteimitgliedern die Annahme von De- korationen untersagt, wurde ein Protest gegen die marokkanische Abenteurerpolitik angenommen. Als Ort des nächsten Parteitages wurde Toulouse bestimmt.� Im gestrigen Bericht sind die Stimmen, die auf die beiden verschiedenen Resolutionen zum Punkt:.,.Die sozialistischen Par- teien und die Gewerkschaften" fielen, falsch angegeben. Es fielen auf die Resolution der Föderation Eher 1ö7. und auf die der Föderation Dordogne 141 Stimmen. Isnteriiationale GewerWcljaftskongreiie. Stuttgart, 16. August. Heute tagen im Stuttgarter Gewerkschaftshause die inter- nationalen Kongresse der Holzarbeiter, Maurer, Schuh- macher und Tabakarbeiter. Auf der Generalversammlung der Internationalen Holzarbeiterunio» wandte sich heute am zweiten Verhandlungstage die Beratung der zukünftigen Gestaltung der Internationalen Union, der Statutenänderung und insbesondere der Frage der Gegenseitigkcitsverträge be- treffend den Uebertritt und die Unter st ützung der Mitglieder im Auslande zu. Hierzu liegen folgende beiden Anträge vor: 1. Seitens des Vorstandes des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes: „Die Mitglieder aller Landesorganisationen, welche der Internationalen Union angeschlossen sind, werden gegenseitig, sobald sie im Ausland in Arbeit treten, ohne Eintrittsgebühr in die Organisation des Landes aufgenommen, sofern der Ueber- tritt innerhalb sechs Wochen erfolgt und das Mitglied seine Pflichten gegen die seitherige Organisation erfüllt hat. Solchen übergetretenen Mitgliedern werden die Beiträge, welche sie an eine andere der Internationalen Union angeschlossene Organi- sation geleistet haben, in der Weise angerechnet, daß etwaige niedrigere auf die Höhe des Beitrags der betreffenden Landes- organisation umgerechnet, gleich hohe und höhere Beiträge da- gegen in voller Zahl übertragen werden. Im Rahmen dieser Vorschrift stehen den übergetretenen Mitgliedern auf die Unter- dützungcn der Landesorganisation dieselben Rechte zu wie den «igenen Mitgliedern bei gleicher Mitgliedschaftsdauer. AuS- nahmefälle sind durch Gegcnseitigkeitsverträge der betreffenden Landesorganisationen besonders zu regeln. Vor dem Uebertritt hat ein auf der Reise im Ausland befindliches Mitglied nur Anspruch auf die Reiseunterstützung, welche die betreffende Landesorganisation ihren eigenen Mitgliedern gewährt, und auch nur u rter den für letztere geltenden Bedingungen." 2. Seitens des französischen Möbelarbeitervcrbandes: „Die international verbundenen Gewerkschaften sind der- pflichtet, die nach dem Ausland reisenden Mitglieder bei der betreffenden Gewerkschaft des Auslandes anzumelden." Als Referent über die zukünftige Gestaltung der Inter- nationalen Union führte D e i n h a r d t- Stuttgart aus: Die Versuche zur internationalen Organisation, die seit 18S1 gemacht wurden, waren von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil ihnen nicht als Grundlage starke Organisationen zur Verfügung standen. Seit Amsterdam hat sich das gebessert und jetzt endlich können wir auf einen kräftigen Fortschritt der internationalen Bewegung hoffen.— Die erste Aufgabe des internationalen Sekretärs muß die sein, die noch rückständigen Organisationen in die Höhe zu bringen. Die Organisation muß endlich auch in den romanischen Ländern festen Fuß fassen. Der internationale Sekretär muß den schwachen Verbänden raten und ihre Tagungen besuchen, wie der Besuch von Kloß und Lcipart in Oesterreich viel zur Reorganisation des österreichischen Holzarbeitervcrbandes bei- getragen hat. So muß der internationale Sekretär Fühlung suchen mit Ost- und Westeuropa. Ist es nötig, werden die jetzt schon starken Organisationen gerne bereit sein, höhere Beiträge für die Internationale zu zahlen und arötzere Opfer zu bringen. Denn gerade die fortgeschrittenen Länder haben das größte Interesse daran, die zurückgebliebenen Kollegen aufzuklären. Auch die Engländer, die jetzt Leiparts langmütige Briefe Protzenhaft gar nich< beantworten, werden ihre„nationalen Vorurteile" schon ablegen, wenn sie die Folgen der russisch-polnischen Invasion stärker am eigenen Leibe fühlen. Aber w,e es einst noch für die Eng- lander von der größten Wichtigkeit sein wird, von ihrer falschen ? a Zulassen, so haben auch wir ein großes Interesse, gerade die starken Organisationen fest an die Internationale zu ketten: s j e lallen die Schwachen in brüderlicher Liebe umfassen. Vielleicht hat �eipart einen Erfolg, wenn er auch zu dem Kongreß der englischen Gewerkschaften persönlich geht. Die zweite Aufgabe des internationalen Sekretärs istdieSchaffungvonGegen- s e i t r g k e i t S v e r t r ä g e n, die bessere organisatorische Ver- bindung der Organi, ationen der einzelnen Länder. Wir müssen nach dem deutschen Antrag den Uebertritt aus der einen in die andere Organisation mit gleichen Rechten und Pflichten ohne weiteres ermöglichen. Nimmt doch der Deutsche Holzarbeiter- oerband unter diesen Bedingungen sogar die auf, die vom christ- iichen und Hirsch-Dunckerschen Verband zu ihm übertreten. Die i.luktuiercndcn sind die Jungen, denen die gewerkschaftliche Durch- bildung am meisten nottut.— Ob die internationale Organi- sanon schon jetzt weitere Pflichten übernehmen soll? Soll schon «oa letzt an eine statutenmätzigegegenseitigeStreik- Unterstützung stattfinden? Ich glaube: Nein! Noch sind oie Organisationen zu schwach: noch könnte eine solche Bestimmung pen Bestand der internationalen Organisation gefährden. Bei Tll'stenzlämps« ist die gegenseitige Unterstützung ja sowieso selbst. verständlich und stellt sich von selbst ein. Andererseits aber muß die Sewerklchaft jedes einzelneo Lsndks jelbst m Opferwilligkeit erzogen werden. Deutschland kann nicht hinter jedem Lande als Goldonkel stehen, sonst lernen es die Romanen nie, gewerkschaftlich zu denken. Vielleicht kann künftig an internationaler Hülfe mehr geleistet werden, aber statutarisch festlegen läßt sich das nicht. Jedenfalls sollte eine schnellere Information über ausgcbrochene Streiks zwecks moralischer Unterstützung stattfinden. Wenn wir in dieser Weise starke nationale Verbände schaffen und mit ihrem Wachstum wachsend internationale Solidarität Üben, werden wir die Internationale groß und stark machen. Arbeiten wir!(Leb- hafter Beifall.) M r k w i ck a- Wien berichtet besonders über die Frage der Gegcnseitigkeitsverträge. Werde der deutsche Antrag angenommen, so entfalle ihre Notwendigkeit. Die Angehörigen der gut organi- siertcn Länder würden ja in den schlecht organisierten Ländern ge- schädigt, aber dagegen sei nichts zu machen. Anzustreben sei der Ausbau des Unterstützungswcfens in allen Ländern, das weit davon entfernt, den Kampfcharakter der Organisation zu schwächen, ihn kräftige, indem es die Mitgliedschaften zusammenhalte und die Fluktuation mindere. Für die Gegenseitigkeitsverträge komme jetzt meist nur die Reiseunterstützung in Betracht, da Umzugs-, Waffenübungs-, Kranken-, Sterbe- und Arbeitslosenunterstützung jetzt weder allgemein noch gleichmäßig eingeführt seien. Am schwersten werde durch eine Ausdehnung der Gegenseitigkeit der Deutsche Holzarbeiterverband getroffen; um so anerkennenswerter, daß er dazu die Initiative ergriff. Der deutsche Antrag möge einstimmig angenommen werden, dagegen sei der französische Antrag besser abzulehnen. Die Arbeit, die er den großen Organi- sationen machen werde, stehe in keinem Verhältnis zu dem voraus- sichtlich minimalen Gewinn. Ueber den deutschen Antrag werde man heute überhaupt nicht gut hinausgehen können; denn Verträge betreffend gegenseitige Streikunterstützung ließen sich nur mit zahlungsfähigen Kontrahenten schließen. Aber wenn einmal dank auch den Ratschlägen und Winken des internatio- nalen Sekretariats in allen Ländern starke Zentralvcrbände vor- handen wären, dann ser die Zeit für die internationale Streik- Versicherung reif. Vielleicht bringe die Zukunft noch einmal EinhcitSorganisationen über die Grenzpfähle hinaus.(Lebhafte Zustimmung.) In der Diskussion dankt T h o m s e n- Paris für die liebenswürdige Aufmerksamkeit, die man den ftanzösischen Ar- bcitern in den Referaten bewiesen habe. In der Tat seien die französischen Gewerkschaften Ausnahmen, da sie ihren Mitgliedern ke,ne materiellen Vorteile gewährten. Aber ihre Verschmelzung mit den bestehenden Unterstützungsvereinen sei auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Sie wollen auch noch keine obligatorische Fest- Icgung internationcklcr Streikunterstützungen, aber sie hoffen auf die Weiterentwickelun� der fteiwilligcn. Die Teilnahme des internationalen Sekretärs an den Landeskongressen werde jeden- falls von Nutzen sein. Im übrigen verteidigt der Redner den französischen Antrag, der sich bei den Bildhauern und im Verkehr mit England und Amerika praktisch bereits bewährt habe. Nur so könne verhindert«erden, daß„gelbe" Gewerkschaften und andere Spitzel in die Organisation des anderen Landes Aufnahme fänden und dort Schaden anrichteten.— Kißling- Zürich hält für das beste Mittel zur praktischen Arbeit die Anstellung von Sekretären der Internationale in den Ländern, in denen die Organisation zu schwach dazu sei. So habe der deutsche Maurerverband in der Südschweiz einen Sekretär angestellt, und die Holzarbeiter könnten das gleiche sehr zweckmäßig in Oberitalien tun. Die großen Ver- bände hätten selbst das lebhafteste Interesse daran, die Streik- brecherrcservoire auszuschöpfen.— G o s s i p- London verteidigt die englischen Gewerkschaften gegen den Vorwurf, nichts für die einwandernden Russen getan zu haben. Seine Organisation habe mit bedeutendem Erfolge besondere Sektionen für russische und jüdische Arbeiter gegründet. Leider folgten nicht alle englischen Gewerkschaften diesem Beispiel. ES sei bedauerlich, daß englische Streikbrecher zu Tausenden be,m Hafenarbciterstreik nach Hamburg gekommen seien. Es handele sich aber um das schlimmste Londoner Lumpenproletariat, das niemand organisieren könne. Redner de- fürwortet den deutschen Antrag, sympathisiert auch mit dem sranzö- fischen, hält ihn aber für schwer durchführbar. Für die Anregung von Kißling würde er eintreten, wenn die Mittel dazu vorhanden wären. Er persönlich würde ja für die Internationale Union— die Zustimmung unserer Organisation vorausgesetzt— gern den dreifachen Beitrag zahlen, zweifle aber an der Bereitwilligkeit der anderen Organisationen. Lcipart- Stuttgart begründet noch einmal kurz den Antrag des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Unter anderen schon in der Debatte genannten Gründen weist er darauf hin, daß die Verein- heitlichung der Ucbertrittsbedingungen eine große Vereinfachung gegenüber den bisherigen Sonderbeiträgen bilde und dadurch die einzelnen Zahlstellen von überflüssiger Arbeit entlaste. Die Eni- scheidung über das neue Statut solle in den verschiedenen an- geschlossenen Organisationen, etwa bis 1. Januar 1S09. endgültig herbeigeführt werden. Der Vorschlag Gossips auf Vereinfachung der Beiträge sei anerkennenswert, würde aber auch nicht aus- reichende Mittel schaffen, um alle Wünsche zu erfüllen. Es würde noch nicht einmal ausreichen, einen internationalen Sekretär an- zustellen; er bittet deshalb, davon abzusehen. Den französischen Antrag bittet er abzulehnen, da er für Deutschland un- annehmbar sei. Es ist ein Antrag eingelaufen, den Beitrag zur Union von 1 Fr. auf 2 Fr. für hundert Mitglieder pro Jahr zu erhöhen.— Constantinesc- Bukarest unterstützt den Antrag auf Beitrags- erhöhung und empfiehlt die Gründung eines internationalen Streik- fondS; die Mittel dazu sollen durch jährliche Feste in den einzelnen Ländern aufgebracht werden. Die Verpflichtung deS Sekretärs, allen Kongressen beizuwohnen, wäre wohl undurchführbar, da er dadurch seine übrige Arbeit vernachlässigen müßte. Das inter- nationale Bureau solle eine illustrierte Broschüre zur Belehrung der Mitglieder herausgeben. Arbogast- Paris weist darauf hin, daß die deutschen und anderen auswärtigen Genossen bei der Annahme des deutschen An- träges durch Frankreich sehr enttäuscht und geschädigt werden wurden, da die französischen Gewerkschaften doch nicht in der Lage seien, Unterstützungen zu gewähren. Eine weitere Schwierigkeit für Frankreich bei der Erfüllung seiner internationalen Pflichten liege in der großen Autonomie der lokalen Syndikate, die erst, wenn das Geld knapp werde, sich an die Zentralverbände wenden. Den Vorschlag eines internationalen Streikfonds halte er noch für verfrüht. Er gibt zu, daß die französischen Genossen leichter bereit wären, auf die Straße zu gehen, als regelmäßige Beiträge zu leisten, worin die französischen Arbeiter eine Beschränkung der persönlichen Freiheit erblicken. Der Erhöhung der Mitglieder- beitrage zur Union stimme er zu, den Antrag durch Feste einen Streikfonds zu bilden, bitte er aber wegen der Unsicherheit dieser Methode abzulehnen. Nach dem Schlußworte deS Referenten wird der Antrag auf Beitragserhöhung und der deuffche Antrag angenommen, der französische und der rumänische abgelehnt. Der Internationale Tabakarbcitrrkongrrh beschäftigte sich an seinem 4. Verhandlungstage mtt der Beitrags- höhe und dem Abstimmungsmodus im internationalen Sekretariat. Nach langer und lebhafter Debatte wurde auf Antrag Deichmann der Beitrag pro Jahr und Mitglied auf 20 Pf. festgesetzt. An Stimmen erhalten Deutschland 13, die übrigen Staaten zu- sammen 15. Sobald sich Oesterreich und die Schweiz dem inter. nationalen Verband anschließen, soll Deutschland 18. dw anderen 22 Stimmen haben. Bei allen Abstimmungen entscheidet einfache Majorität. Der Antrag Schwedens auf Regelung der inter- »atipwilc» StreilynteMLum wllde gut den uaMsu Äomttß vertagt, weil die Frage noch nicht spruchreif ist. Ein Antrag Belgiens, nach welchem die Vertrauensleute jährlich einen kurzen Bericht an den internationalen Sekretär zu liesern haben, wird als bereits auf dem vorigen Kongreß beschlossen erklärt. Auf Wunsch Belgiens sollen die Bestimmungen des Antrages ins Regle- ment aufgenommen werden. Der Kongreß beschäftigt sich ferner mit einem Antrage Hollands, der dahin geht, eine Regelung der gegenseitigen Rechte und Pflichten derjenigen Mitglieder einer angeschlossenen Organisation herbeizuführen, welche sich in ein anderes Land be- geben, um dort zu arbeiten. Der Antrag führt eine eingehende Aussprache über die internen Angelegenheiten der verschiedenen Organisationen herbei. Die Schwierigkeit der Materie besteht darin, daß die Unterstützungseinrichtungen der Organisationen große Abweichungen ausweisen. Die Fortsetzung der Debatte wurde auf morgen vertagt. Der internationale Schuhmacherkongresz wurde, nachdem am gestrigen Abend eine gesellige Begrüßung vorausgegangen war, heute durch den Vorsitzenden des deutschen Zentralverbandes, Simon- Nürnberg, als Einberufer eröffnet. Er führt in seiner Eröffnungsrede aus: Die Entwickelung des internationalen Kapitalismus mit seinem internationalen Aktien- kapital und seinen ausländischen Streikorechcrkolonncn zwingt auch die Arbeiter, ihren Befreiungskampf international zu führen. Denn der„Schutz der nationalen Arbeit" wird im kapitalistischen Staat nur dem Produkt, nie dem Produzenten zuteil. Aber wir verlangen auch gar keinen Schutz, wir verlangen nur ungestörte Möglichkeit der Aufklärung. Wir wollen freies Koalitions- und freies Versammlungsrecht, dann werden wir schon selbst verhindern, daß, wie im vorigen Jahre beim Weißenfelscr Streik, ein Agent Streikbrecher importierte, die zu spät erst merkten, wozu sie gc- braucht werden sollten, und als sie dann die Arbeit niederlegten, ihre ganze Habe, Geld, Kleidung und Werkzeuge ln den Händen der Agenten lassen mußten, ohne sie bis heute auf gerichtlichem Wege zurückerhalten zu können.(Hört, hört!) Ein fester, dauernder Zusammenhang zwischen starken Landcsorganisationen, die dem früheren internationalen Sekretariat der Schuhmacher in der Schweiz leider noch fehlte, wird die Bewegung in allen Ländern fördern. Wir hoffen, daß diese Verhandlungen, ihrem hohen Ziele entsprechend, im Geiste der Solidarität und Brüder- lichkeit geführt werden.(Beifall.)— Vertreten sind auf dem Kongreß: Deutschland mit 37 019 Mitgliedern durch 19 Delegierte, England mit 25481 Mitgliedern(1 Delegierter). Oesterreich mit 5200(2), Böhmen mit 4500(4), Ungarn mit 6125(1), Schweden mit 4850(1), Norwegen mit 700 (vertreten durch Schweden), Dänemark mit 2325(2) und die Schweiz mit 1400 Mitgliedern durch 1 Delegierten. Den Vorsitz des Kongresses führen S i m o n- Nürnberg und Möller-Wien. Schriftführer sind M anhart-Prag, L e x- Stuttgart und Weickers- Halle. Erster Beratungsgegenstand ist der Bericht der ein« zelnen Länder über den Stand der Industrie. Für Deutschland berichtet Simon: Der Fabrikbetrieb hat sich seit den sechziger Jahren in Deutschland stark entwickelt. Heute sind etwa 70 000 Arbeiter, darunter 25 000 weibliche, in etwa 2000 Fabriken tätig. Die Zahl der Handwerksmeister ohne Gesellen hat inzwischen sehr stark zugenommen, die der Gehülfen ist ebenso stark gesunken. Die Arbeitszeit ist in den letzten Jahren auf 9� Stunden durchschnittlich herabgcdrückt worden; auch die Lohn- Verhältnisse haben sich da. wo die Organisation gut ist. sehr ge- bessert. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder hat sich seit 1900 verdoppelt.(Bravo!) Aber auch die Unternehmerorganisationen sind sehr stark und scharfmacherisch. Daher allein im Jahre 1906 78 Schuhmacherstreiks mit 12 017 Beteiligten und 195 850 Mk. Kosten. 9000 Schuhmacher sind noch in anderen Schuhmacher. organisationcn— christlichen und Hirsch-Dunckerschen— organisiert, 4000 Lederarbeiter in anderen modernen Zentralvcrbänden.— G r i b b l e- England bedauert, daß die englischen Arbeiter so sehr konservativ seien und nur sehr langsam die Ideen der Inter- nationale aufnähmen. Auch mit den zahllosen jüdischen Schuh. fabriken in England hielten sie keinerlei Fühlung oder Verbindung. Die Organisationsverhältnisse seien gut. dank ihnen ist der Lohn in den letzten Jahren um 15 Proz. gestiegen. Leider sei trotz der günstigen Gcschäftskonjunktur die Zahl der Arbeitslosen infolge der Einführung der Maschinen sehr groß.— Möller- Oesterreich schildert die Rückständigkeit der österreichischen Schuhfabrikation, die noch fast durchweg handwerksmäßig sei. Stelle sich doch die Heimarbeit leider noch vielfach billiger als die Maschinenarbeit.— Auch Herrmann- Ungarn schildert die Schuhsabrikation Ungarns noch ganz als Kleingewerbe. Es beständen in Ungarn nur sechs Fabriken, davon eine besonders große in Temesvar mit über tausend Arbeitern. Die Schuhwareneinfuhr sei groß. Ter Ver- band bestehe erst vier Jahre, komme aber vorwärts.— Tie tschecho-slawischen Schuhmacher berichten durch Johannis- Prag über eine Reihe schwerer Lohnkämpfe, vor allem über die Zwistigkeiten, die zur Trennung vom Deutsch-österreichischen Ver- band geführt haben.— In Schweden hat sich nach dem Bericht von NielSson die Schuhindustrie erst in dem letzten Jahrzehnt dank einem hohen Schutzzoll entwickelt; ihr Produktionswert be- trägt jetzt 17 Millionen Kronen. Die Maschinen sind die aller- modernsten: von den Arbeitern sind 35 Proz. Frauen und 22 Proz. Minderjährige. Gleichwohl gehören die Schuhmacher den best- bezahlten Berufsarbeitern an. Der Verband besteht seit 1888. Jorgensch. Dänemark gibt eine Geschichte des schon 1873 gegründeten Verbandes. Es hat jetzt(seit 1900) provinziale Ein- heitstarise mit OM-stündiger Arbeitszeit durchgesetzt und fast alle Handarbeiter organisiert.— Schließlich spricht Z i n n e r- Winter- thur über die Schuhmacherindustrie in der Schweiz. Sie nimmt innerhalb der Produktion deS Landes einen viel größeren Prozent- satz ein als das Gewerbe in irgend einem anderen Lande. Die Arbeiter sind aber außer Frauen hauptsächlich Deutsche, Oester- reicher und Italiener. Die Dreisprachigkeit erschwert die Agitation, und erst in letzter Zeit geht es mit ihr rascher vorwärts. Der Lohn ist meist in Frank weniger als in Deutschland in Mark, die Arbeits- zeit länger. Der Import(4 Millionen) kommt hauptsächlich auS Tuttlingen und Pirmasens(ebendaher auch deutsche Streikbrecher!!, der Export geht meistens nach England und in die eng- tischen Kolonien.— Vorsitzender Simon setzt dann in längerer Rede die einzelnen Vcrwaltungseinrichtungcn des deutschen Ver- bandeS auseinander.— Die Debatte wird zunächst ausschließlich zwischen den Deutsch-Oesterreichern und den österreichischen Tschcchen-Slawen gefuhrt und dreht sich nur um ihren Organi. sationsstreit. Die Deutsch-Oesterreicher werfen den Tschechen vor, daß sie sie ausgenutzt und ihnen jetzt den Rücken gekehrt, ja Streik- brccher geworden wären, weil sie die Beitragserhöhung um zehn Heller nicht mitmachen wollen. Die Tschechen bestreiten das ent- rüstet und behaupten, daß die Deutschen fortdauernd höhnisch ihre nationalen Ansprüche verletzt hätten. Dieser Streit spielt die Hauptrolle auch beim 2. Punkt der Tagesordnung, dem Referat von Bock- Gotha über die Frage: Welche Form der Organi- sation ist die zweckentsprechendste, um Wirt- schaftliche Vorteile für die Arbeiter zu er. ringen und zu erhalten? Der Referent w-ist darauf hin, daß alle Sozialisten, mögen sie die Beschlüsse der internationalen Sozialistenkongresse billigen oder nicht, sich ihnen fügen. So müßten auch die Beschlüsse der internationalen Schuhmaiberkon- gresse befolgt werden. Leider seien nur in Deutschland und in den skandinavischen Ländern feste große Zcntralorganisationen, die sich von anarchistischen Untcrströmungen, Generalstreitßspielereien und nationalistischen Zersplitterungen freihielten. Das müsse auch für Ellglagp, das wenill mternationgl gesinnt« und für die romanischen Nationen, die nur schlecht organisiert seien, dorbildlich sein: Ein- heitliche, sozialistische Zentralorganisationen (Lebhafter Beifall.) Der Referent schlägt— nach längerer De- batte— die Einsetzung einer Einigungskommission zwischen den feindlichen österreichischen Brüdern unter einem unparteiischen Ob mann vor. Der Antrag wird einstimmig angenommen, ebenso folgende Resolution Bock: „Der internationale Schuhmacherkongrest in Stuttgart er kennt als zweckmäßigste und leistungsfähigste Form der gcwerk- schaflichen Organisation nur die einheitliche Landesorganisation an, welche allein geeignet ist, dauernde Erfolge auf Wirtschaft lichem Gebiete für die Arbeiter zu erringen und zu sichern. Der Kongreß macht es deshalb den Berufskollegen aller Länder zur Pflicht, sich in Zentralorganisationen zu organisieren und dem internationalen Verbände beizutreten." Nach Verlesung eines von dem norwegischen Schuh- macherverb an de entsandten Begrüßungstelegramms wird die Weiterberatung auf morgen vertagt. Der Internationale Maurerkongreß, der seine Beratungen heute früh begann, beschloß zunächst ein- stimmig, auch die Bauhülfsarbeitcr zuzuziehen. Ein Protest des niederländischen, in anarchistischem Fahr- Wasser segelnden Maurerverbandes gegen seine Nichtzulassung wurde zurückgewiesen. Die Konferenz war sich darüber einig, daß nur Vertreter solcher Organisationen Zutritt hätten, die auch das Delegationsrecht für den Internationalen Sozialistenkongreß hätten. Danach waren auf dem Kongreß vertreten: Deutschland dutjd) il8 Delegierte �(Maurer 14 und Hülfsarbeiter 4), Oesterreich 3 isMaurer 2, Hülfsarbeiter 1), Ungarn 2, Schweiz, Italien, Belgien, Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Russisch- Polen und die Union Nr. 11 in New Jork durch je einen Delegier- ten. Die 33 Delegierten vertreten insgesamt 428 035 Mitglieder (1. Ouartal 1307), wovon 229 566 in 6 Maurerverbänden, 30 000 in 2 Bauhülfsarbeiterverbänden und die übrigen in 7 Bauarbeiter- verbänden organisiert sind. Insgesamt sind 13 Länder mit 15 Organisationen vertreten. Nach den einleitenden � Begrüßungsworten Theodor BömelburgS, der einen Rückblick auf die erste internationale Bauarbeiterkonferenz wirft und besonders die russischen und bel- gischen Kameraden als neue Mitkämpfer begrüßt, konstituierte sich der Kongreß mit Bömelburg-Hamburg als Vorsitzenden, Siegel- Wien, Bokanyi-Budapest und Behrend-Hamburg als Beisitzern. Aus den Berichten der Landesverbände sei her- vorgehobcn: In R u s s i s ch- P o l e n ist die Maurerbewegung noch zu jung; das Geburtsjahr der Organisation ist erst 1906. Die Organi- sation steht ganz unter sozialdemokratischer Leitung. Auch das Verbandsstatut erkennt formell die Sozialdemokratie als Ver- treterin des polnischen Proletariats an. Im Vorstand des Verbandes sitzt ein Vertreter der Partei und umgekehrt. Die Organi- sation ist im Interesse ihrer Bewegungsfreiheit natürlich geheim. — AuS Oe st erreich berichtet Siegel über erfreuliche Fort- schritte. Die Zahl der organisierten Maurer ist von 1663(1901) auf fast 36 000 gestiegen. Die Mitglieder finden sich in der Haupt- fache in den großen Städten und Jndustriebezirken. Die Sudeten- länder sind besser organisiert als die Alpenländer. Die Beitrags- höhe ist abgestaffelt nach der Lohnhöhe. Unter Streikbrechern hätten sie bei Lohnkämpfen nicht mehr viel zu leiden, nur die Reichsitaliener stellten dazu noch ein größeres Kontingent.— Aus der Schweiz schildert K ä p p l e r die Schwierigkeiten der Organi- sationsarbcit, besonders bei den Italienern, die sich nicht an- und abmelden, und wie alle Romanen dem Verbände nur schwer treu bleiben. Trotz der demokratischen Einrichtungen der Schweiz ständen die Behörden stets auf feiten der Unternehmer. Bei allen größeren Bewegungen werde Militär aufgeboten und manchmal kämen auf jeden Streikenden zwei Soldaten.— RaSmussen schildert die vorzügliche Organisation der Maurer in Dänemark. Nur ungefähr 100 Maurer sind dort nicht organisiert und etwa 80 in einem christlichen Verbände. Alle übrigen Bauarbeiter gehören der freien Gewerkschaft an. Besonders hervorzuheben sind dann noch die reichgefüllten Kassen: jedes Mitglied hat etwa 50 Kronen Vermögen im Verband.— Mülle r-Holland schildert die Grün- dung und den Aufschwung der niederländischen Organisation der Bauarbeiter, die mit den Anarchisten nichts zu tun haben wollten. Die Organisation besteht seit einem Jahre und hat bereits die deutschen Streikbrecheragenten in Holland hindern können, Erfolge zu erzielen.— Für Ungarn gibt B o k a n y i den Bericht der dortigen ebenfalls geheimen Organisation. Die Behörden machen ihr die größten Schwierigkeiten, selbst Geldsammlungcn für Streikzwecke sind verboten. Obendrein ist das Unternehmertum so straff organisiert, daß man sagen kann, daß kein Unternehmer mehr seinem Verbände fernsteht.— B ö m e I bu r g stellt an die Spitze seines Berichts für Deutschland die Tatsache, daß der Maurerverband in den letzten fünf Jahren um über 100 000 Mit. glieder zugenommen hat. Er schildert dann die Verwaltungs- und Unterstützungseinrichtungen für die jetzt erreichte bedeutende Mit- gliederzahl: Hervorzuheben sind vor allem die hohen Extrabeiträge für die bei Streiks zu den neuen Bedingungen in Arbeit treten- oen Mitglieder, die jetzt zum Beispiel beim Berliner Bauarbeiter» streik bis zu 6 M. betrugen. Bömelburg verbreitet sich dann über das Streikbrcchertum, unter dem Deutschland früher schwer zu leiden hatte. Es sei damit erheblich besser geworden: Schufte werde eS ja immer geben, aber die Zahl der Streikbrecher werde doch so gering werden, daß sie für die Unternehmer keinen Wert mehr hätten. Der Organisation der Unternehmer mißt Redner keine allzu große Bedeutung bei, so lange es noch das Wort Konkurrenz gibt.— B e h r e n d- Hamburg(Bauhülfsarbeiter) führt aus, daß es nach der Geweroezählung 325 000 Bauhülfsarbeitcr gebe, von denen jedoch nur 90 000 organisiert seien. Er bittet die gelernten Arbeiter, sich ihrer ungelernten Kollegen anzunehmen — In gleichem Sinne spricht für die Bauhülfsarbeiter Oester- reich? R e ut e re r- Wien.— Weitere Berichte erstatten heute noch Belgien, wo man im September auf einer Konferenz zur Zentralisation und damit zu rascherem Fortschritt zu gelangen hofft, Italien und Skandinavien. Finnland und New Jork berichten erst morgen. Es wird dann der E n tjp u r f e i n. s internationalen KartellvertrageS beraten, den Bömelburg begründet. Die Debatte w,rd wegen der auf 3 Uhr von der Generalkommission einberufenen Konferenz der deutschen Gewerkschaftsdelegierten zum Internationalen Kongreß auf Sonnabend vertagt. Vis russische Revolution. Bolksvergifter. In Petersburg, Moskau und anderen Städten sind einige Pest fälle beobachtet worden. Im gegenwärtigen Momente läßt sich schwer beurteilen, ob die Epidemie größere Dimensionen an- nehmen wird. Es ist aber andererseits nicht zu leugnen, daß die Oeffentlichkeit durch die offizielle Mitteilung sehr beunruhigt ist. In einer solchen trüben und unruhigen Zeit al,o, wo die Volks- legende von den dunklen Massen genährt und betrieben wird, sorgen die„inneren Freunde" dafür, das blutige Märchen zu ver- breiten, daß die Pest und die Cholera von polnischen und jüdischen Aerzten verpflanzt wurden. Das offiziöse Organ der„Neben. rcgierung", die„Russtoje Snamja", gibt unter dem Titel„Eine neue Revolution" den Traum eine».Judenhassers" wieder. In diesem Traum wird ausgeführt, daß die Bomben- und Revolver- revolution zu Ende sei und daß die Aerzte jüdischer und polnischer Herkunft eine neue Art von revolutionären Kampfmitteln aus- gedacht haben. „Ich träumte," erzählt der Mitarbeiter der„Russkoje Snamja", „daß ich mich in einem medizinischen Experimentiersaale befinde. Ringsherum stehen Schränke mit Glaskolben und Glasgefäßen. An der Wand hängt das Bild von Herzenstein. Aus seinem Munde spricht eine Stichflamme, welche den ganzen Saal beleuchtet. Bei dem Lichte dieser Flamme begann der Saal sich mit Polen und Juden zu füllen, welche in weißen Kitteln gekleidet waren. Jeder trug auf der Schulter ein Doktorabzeichen und an der Brust einen samtncn Totenschädel angenäht mit der Aufschrift„Gift" in roten Buchstaben. Die versammelten„unheilverkündenden Aerzte" nahmen ihre Plätze ein, und dann erscyien aus dem Schranke ein „graucnerweckender Arzt" mit einem„Talles"(jüdischer Gebet- mantel. Red.) auf dem Haupte. Dieser Redner forderte die Polen und die Juden auf, gegen die russische Regierung nunmehr mit Hülfe von Cholera- und anderen Bazillen zu kämpfen. Diese Bazillen sollen sie in den Kosakendörfcrn und unter der dunklen ..Bauernmasse" verbreiten. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß dieser Vorschlag des„grauenerweckenden Redners", mit dem „Talles" auf dem Haupte, von den„unheilverkündenden Aerzten" mit Jubel und Begeisterung aufgenommen wurde; sie schrien, sprangen empor und applaudierten. Als der Redner sich von ihrem freudigen Einverständnis mit seinem Plane überzeugt hatte, ging man gleich anS Werk: Aus den Schränken wurden die Bazillen herausgeholt. Zuerst Pest, dann Typhus und zuletzt endlich auch Cholera."... ,„Russkoje Snamja" und die Schwarzen Hundert stellen be- reits die herannahende Cholera in den Dienst ihrer verbrecherischen Agitation. Noch sind aus den früheren Cholerajahren her die gräßlichen Untaten nicht vergessen, die die verhetzten Bauern gegen Aerzte, Studenten, barmherzige Schwestern usw., welche ihnen Hülfe bringen wollten, begangen haben, weil verbrecherische Volks- Verführer sie als die Urheber der Seuchen bezeichneten.„Cholerny bunt"(Choleraaufruhr) war damals ein Schreckwort, so schrecklich wie heute„Pogrom". Und wie in den mittelalterlichen Pestjahren in Westeuropa, so verleumden jetzt die echten Russen die Juden als Bolksvergifter. Die Folgen solcher entsetzlicher Hetzen werden furchtbar blutig sein. Und diese Verleumder sind nach einem Zarenwort die„zuverlässigsten Stützen des Thrones", gegen die selbst Stolhpin machtlos ist! Kampf der Regierung gegen die Arbeiterverbände. Die zu beruflichen Arbeiterverbänden organisierten Arbeiter Petersburgs sind durch die unerwartete Verhaftung mehrerer Funktionäre und durch andere ebenso unerwartete Re- Pressalien auss höchste erregt. Bis jetzt ist es unklar, wodurch die Repressalien hervorgerufen sind und welche Bedeutung sie für die Zukunft der Verbände haben können. Die Re- pressalien kommen nicht nur für die Mitglieder der Ver» bände ganz unerwartet, sondern sind es auch für alle, die in letzter Zeit die Tätigkeit der Verbände unparteiisch verfolgt haben, ja es scheint sogar, daß die Administration selbst durch das Vorgehen gegen die Arbeiterverbände überrascht ist. Ein paar Tage, bevor im Verband der Handschuhmacher Ver- Haftungen vorgenommen, registrierte die zuständige Behörde einige neue Berufsvereine, was zu beweisen schien, daß die Administration den Verbänden nicht feindlich sei. Natürlich ist es möglich, daß diese Widersprüche nur charakteristische Zeichen für den neuen Kurs sind. Aber die russische Re gierung hat einstweilen noch nicht aufgehört zu versichern, daß diesem Kurs eine gewisse„Gesetzmäßigkeit" zugrunde liegt. Von diesem Standpunkt sind die Repressalien noch weniger verständlich, da sie sich gegen solche Verbände richten, dere'» Tätigkeit von der Administration selbst kontrolliert wurde, ohne daß sich irgend welcher Grund zu einer Verdächtigung ergab. Eine so einflußreiche und dauerhafte Organisation wie die der Arbeiter des Druckereigcwerbes war z. B. immer kontrollierbar. Auch den anderen Verbänden geht es nicht besser. Man muß die Ausdauer, die Disziplin und das Verständnis der fortgeschrittenen Elemente der russischen Arbeiter bewundern, die unter solchen Bedingungen an der Organisierung und sozialen Erziehung ihrer Genossen erfolgreich gearbeitet haben. Die gewaltige soziale und kulturelle Bedeutung der Arbeiter- verbände liegt zu sehr auf der Hand, als daß man weiterer Ausführungen bedürfte. Wenn sie von der Administration unterdrückt werden sollten, so würde die Arbeitermasse sicherlich von jenen desorganisierten Zuständen und ordnungs losen Handlungen getrieben werden, die für die Arbeiter wie für die Gesellschaft überhaupt von unermeßlichem Nachteil sind und die ganze Industrie lahmlegen. Es ist nicht uninteressant zu beobachten, wie auch hier die russische Regierung in ihren krampfhaften Versuchen, die Revolution zu unterdrücken, durch solche ungesetzliche Maß» nahmen künstlich selbst eine neue vorbereitet. Soziales» Gefängnisarbeit. Die Schädigung der freien Industrie durch die in immer weiterem Umfange eingeführte Gefängnisarbeit macht sich besonders auch in der Papierwarensabrikation bemerkbar. Es gibt in der Kartonnagen-, in der Geschäftsbücher- und namentlich in der Düten- industrie bestimmte Artikel, die zu den handelsüblich gewordenen Preisen durch freie, auskömmlich bezahlte Arbeitskräste überhaupt nicht mehr hergestellt werden können. Im Berliner UntersnchungsgesängniS wurden von einer Düten- fabrik im Februar 1906 auf drei Siationen 71 gefangene Arbeiter� mit dem Zuschneiden, Falzen. Kleben und Packen von Düten_(Größe% bis 10 Pfund) beschäftigt. Es ge- langten 650 000 Stück Düten zur Ablieferung, wofür der Unternehmer, einschließlich Kleister und aller Rebenspesen, insgesaint nur 309,40 M. an die Gefängnisverwaltung zu zahlen hatte. Diese zahlte ihrerseits an die 71 Gefangenen für dieselbe Arbeitsleistung nur 45.63 M. aus— also zirka 14 Proz.—, während der Ueberschuß als„Unternehmergewinn" zur Staatskasse floß.... Mit 86 Proz. Bruttogewinn arbeitet also der Staat als Besitzer der Arbeitskräfte der Gefangenen! Welcher freie Fabrikant, dem man auf diese Weise die Existenz über Gebühr erschwert, könnte ein Gleiches von sich behmipteii?... Freilich, der staatlich zugelassene Unternehmer für Gesängnisarbeit mag nicht viel weniger verdienen, und er bringt es daher auch fertig, mit setneu Schleuderpreisen un- lauteren Wettbewerb zu treiben. Zum Kapitel: Die Konkurrenz der Gefängnisarbeit, liefert auch nachstehende Eingabe und der hierauf ergangene Bescheid einen interessanten Beitrag.„An die Königliche Staatsanwalt. schaft in Posen. Ich. Endesunterzeichneter, habe im hiesigen Strafgefängnis vom 23. April 1904 bis 23. April 1907 eine drei- jährige Gefängnisstrafe verbüßt. Während meines Aufenthaltes im Gefängnis wurde ich mit Zigarrenrollen beschäftigt. In dieser Eigenschaft der Beschäftigung wurde ich von dem Werkmeister Nordmann veranlaßt, Ueberpensum zu machen, und mir dafür für je 100 gerollte Zigarren eine Extravergütung von 10 Pf. zu» gesichert. Ich habe im ganzen im Ueberpensum 33 300 Zigarren geliefert und hatte demnach laut Versprechen 33,80 M. zu erhalten. Ich habe wiederholt bei Herrn Nordmann wegen dieses Betrages vorgesprochen, bin aber immer vertröstet worden; auch sein Rat, mich an die Firma Artur Dctcr m Breslau zu wenden, hatte keinen Erfolg, da ich nicht einmal eine Antwort erhielt. Ich er- suche eine Königliche Staatsanwaltschaft, dahin wirken zu wollen, daß ich zu dem mir versprochenen Betrage gelange. Auf diese Eingabe erging folgender Bescheid:„Der Erste Staatsanwalt. G.-N. III. 42. Posen, den 25. Juli 1307. Auf das Gesuch vom 22. Juli d. I. eröffne ich Ihnen, daß früher den Gefangenen für gelieferte Uebcrpcnscn von dem Unternehmer eine besondere Eni- sckädigung gewährt, daß jedoch Anfang dieses Jahres im Auf- sichtswcge die Weiterzahlung solcher Entschädigungen im Interesse des Dienstes verboten worden ist. In Vertretung: Pilling." Daß dies Verbot eine rückwirtende Kraft auf den Zeitraum von fast drei Jahren hat, ist zwar in dem Bescheide nicht gesagt, der Unternehmer, der ohnehin einen riesigen Gewinn aus der Arbeit der Gefangenen zieht, scheint dies aber anzunehmen und das Verbot als willkommenen Vorwand zu benutzen, um seinen Verpflichtungen für eine jahrelang in Anspruch genommene Leistung sich zu entziehen._ Entschädigung bei Krankheit. Kann der mit Kost und Logis Angestellte bei Aufnahme in einem Krankenhaus Geldentschädigung für Wohnung und Ver- pflcgung verlangen? Diese bisher st r e i t i g e Rechtsfrage ist gestern seitens des Kaufmannsgerichts in bejahendem Sinne entschieden worden. Die Verkäuferin Amanda L. war bei dem Fischhändler Hermann Mielke mit einem Monatsgehalt von 21 M. nebst fteier Kost und Wohnung angestellt, wobei Logis und Verpflegung mit 60 M. berechnet wurden. Am 4. Juni erkrankte die Angestellte, und die Krankenkasse ordnete ihre Ueberführung in das Krankenhaus Moabit an. woselbst sie auch über den 1. Juli hinaus verbleiben mutzte. Nach ihrer Genesung wollte ihr der Fischhändler zwar das Gehalt für Juni in Höhe von 21 M. zahlen, weigerte sich indessen, für Kost und LogiS etwas zu ersetzen. Wie er in der vorgestern vor der vierten Kammer deS Kauf» mannsgerichts stattgehabten Verhandlung ausführte, habe der Klägerin sowohl die Kost wie das Logis zur Verfügung gestanden. denn auch das Zimmer habe er für die Klägerin pränumerando bezahlen müssen._.... Das Kaufmannsgericht sprach sich dahin aus, daß die Klägerin Entschädigung für entgangene Kost und Logis verlangen könne. Die Ueberführung ins Krankenhaus fei nicht fteier Wille der Klägerin, sondern geschehe auf Verordnung der Kassenorgane. denen sich jene nicht widersetzen durfte. Die Angestellte könne aber weder von doppelter Verpflegung und Unterkunft Gebrauch machen, noch dürfe sie einer angemessenen Geldentschädigung dafür im Erkrankungsfalle verlustig gehen. Der Beklagte wäre daher in Höhe des Klageantrages von 31 M. verurteilt worden, tckknn der vom Gericht aus Billigkeitsgründen vorgeschlagene Vergleich von 50 M. nicht von der Klägerin akzeptiert worden wäre. Die Wohnungsnot in Nürnberg hat nun zu neuen sozial. politischen Einrichtungen geführt. Der Stadtmagistrat hat in seiner Sitzung am Freitag beschlossen, eine ständige Wohnungs- kommission einzusetzen, zu welcher Vertreter aller Bevolkerungs- schichten herangezogen werden sollen. An die Spche dieser Wohnungskommission kommt ein Wohnungsinspektor, der eine regelmäßige Zählung der Wohnungen vorzunehmen hat. Ferner wird ein städtischer Wohnungsnachweis errichtet, der den Mietern sowohl als auch den Hausbesitzern unentgeltlich zu dienen hat. Weiter ist beschlossen worden, da die Stadt selbst keinen Baugrund in Besitz hat, den Staat zur Hergabe seines rings um die Stadt liegenden Baugrundes zu veranlassen und ihm zu empfehlen, dem Landtag ein Gesetz vorzulegen, wonach einzelne Grundstücke, die für sich allein zum Bebauen nicht geeignet sind, zwangsweise zu- sammengelegt und so bebaumigsfähig gemacht werden können. Schließlich will die Stadt auch noch die Bauvorschriften erleichtern. Strahenherstellungskosten erlassen, eventuell Straßen selbst bauen. Was aber die Hauptsache wäre: Kleinwohnungen durch die Gemeinde zu bauen, das will der Stadtmagisftat in Nürnberg nicht tun. r~~.. Ferner weigert sich die Stadtverwaltung zur Erfüllung eines weiter sehr wichtigen Wunsches der minderbemittelten Bevölkerung: Die Erweiterung des Stratzenbahnnetzes. Nun will die Nürnberger Arbeiterschaft selbst praktisch in die Wohnungsftage eingreifen. Der dortige Konsumverein hat sich entschlossen, den Kleinwohnungsbau auf genossenschaftlichem Wege aufzunehmen.__ Eue Induftrie und FtandeU Biehschlachtungen. Nach den im kaiserlichen Statistischen Amt zusammengestellten Nachweisen über die Schlacht- und Fleischbeschau ist die Zahl der Schlachtungen im zweiten Bierteljahr 1907 mit Ausnahme bei Schweinen ziemlich erheblich zurückgegangen. Die Zahl der Tiere, an denen die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vorgenommen wurde. betrug: Erstes Vierteljahr___ Zweite» Vierteljahr Pferden, a. Einhufer Ochsen.. Bullen.. Kühe... Jungrtnd. Kälber.. Schweine. Schafe.. Ziegen.. Hunde 1205 35 822 142 214 112 783 413 756 186 353 1 122 865 3 324 286 452 397 107 778 1785 1306 43 542 152 270 101057 429 674 211 212 1 052 687 3 238 282 485 865 98 323 2151 1907 37 402 141 078 96 968 392 623 183 989 1 053 585 4 076 384 440 346 131 699 2 278 1905 29 224 143 962 125143 406 841 215 577 1 322 529 3143114 2 981914 484 033 486 139 1906" 1907 29 005 25 368 152 118 134 278 177 348 106 983 392 660 369 207 222 341 203 918 1 254 177 1 187 195 3 711571 152 931 947 170 996 1013 434 742 178 918 943 Die Schweineschlachtungen haben im zweiten Vierteljahr 1907 gegen die gleiche Zeit 1906 um S68 4ö7 zugenommen, dagegen zeigt sich bei allen anderen Vieharten recht erhebliche Abnahme. Insgesamt wurden im zweiten Vierteljahr 1907 nur 327 221 Stück Vieb mehr geschlachtet als in der gleichen Zeit 1905. Die Trennung vom HauSbesitz und HauSeigentum. Ein uns vorliegender Offertbrief eines Berliner Bankhauses. das in Grundstücksgejchäften macht, gewährt einen imeressanten Ein- blick in die städtischen Hausbesitzerverhältnisse. Das Bankhaus bietet feine„völlig kostenlose" Vermittelung beim Erwerb von Grund- stücken in Berlin und Vororten an und führt über 80 verkäufliche Liegenschaften auf, unter detaillierten Angaben der Kaufpreise, der verlangten Anzahlungen und der herousspringenden JahreSüber- schlisse. ES ist überraschend zu sehen, mit wie wenig Geld man in Berlin Hausbesitzer werden kann. Greifen wir einige dieser ver- lockenden Anerbietungen heraus; es sind zu haben: Straße Tilsiterstraße.. Auguststraße.. Bardelebencrstraße Hausburgslraße. Nüdersdorfersiraße Purlitzftraße.. Simon Dachstraße Mariannen-Uferi. Anzahlung Kaufpreis 10 000 M. 153 000 M. Ueberschuß 1857 M.(zirka 1'/,%1 12 000, 163 000, 1914,(über 1 15 000, 190 000, 1601,(fast 1. 16 000„ 202 000, 2859;(zirka 1'/«. 20 000„ 265 000. 4835.(zirka l1/». 20000„ 820 000, 2912.(zirka 1. 25 000„ 260 000. 3185,(zirka l'/s. 30 000. 340 000. 8572,(zirka 1, Das heißt also, für 10—30 000 M. kann man Häuser im Werte von 150—350 000 M. erwerben. Man braucht nur ein Fünfzehntel bis ein Zehntel des Kaufpreises zur Anzahlung zu besitzen, die ganze übrige Summe bleibt in Hypotheken auf dein Hanfs stehen oder wird durch VermiUelung der Bank anderweitig kreditiert. Dabei bleibt dem Käufer nach Begleichung der Hypothekenzinsen noch der Einnahmeüberschuß aus den Mieten von 1— l'/j Proz., wie aus der dritten Rubrik zu ersehen ist. Bezieht man diesen Ueberschuß auf die angezahlten Summen, so entfällt auf diese ein Jahresgewinn von 10—20 Proz. Oder anders ausgedrückt: Man kauft sich sür 10—80 000 M. eine Hausverwaltungsstelle, die 1500—4500 M. jähr- lich einbringt. Stimmt die Rechnung, find keine laufenden Unkosten vergessen, gehen die Mieten in der berechneten Höhe wirklich ein, bleibt nicht» leer stehen und werden keine größeren Eztrarcparaturen notwendig. so mag sich der Käufer seines Besitzes freuen. Treten aber solche Widrigkeiten ein, gibt es gar infolge stockender WohnungS- nachfrage eine allgemeine Grundstückskrisis mit hinkende» Mieren respektive Grundstückswerten, wie das z. B. in Dresden in den letzten Jahren der Fall war. dann kracht die ganze Hansbesitzer- Herrlichkeit zusammen. Der bcrausgerechncte Jahresgewinn ver- roandelt sich in ein Defizit: die Zinseulast kann nicht bezahlt werden, es kommt zur Subhastation und das Hau« mit samt der angezahlten Summe ist fort. Dem Htzpothekeugläubiger, resp. der Bank, fällt das ganze Eigentum zu ermäßigtem Preise wieder zu. Für sie lvar also das Geschäft nicht schlecht und sobald die Häuserpreise wieder steigen, kann sie das Spiel auf erweiterter Stusenleiter von neuem beginnen. Bei Zugrundelegung der sämtlichen in dem uns vorliegenden Offertbrief gemachten Zahlen würde sich ergeben, daß die Berliner Grundstücke kaum zu einem Zehntel den nominellen Besitzern ge- hären. Neun Zehntel davon wären danach im Eigentunr der Darlehnsgeber, resp. der den Gruudstückskredil vermittelnden Banken. Der nominelle Hausbesitzer ist dabei in Wirklichkeit nur ein mit fremdem Gelds wirtschaftender Unternehmer, der Wohnungen und Geschäftslokale in Generalpacht nimmt, um sie im einzelnen vorteil- hast zu vermieten. Auch hier hat sich also eine Treitnung zwischen kapitalistischen Eigentümern und Unternehmern herausgebildet. Aus den geschilderten Verhältnissen erklärt sich auch der rasche Wechsel im Hausbesitz. Nach einer vom Statistischen Amt der Stadt Charlottenburg angestellten Untersuchung gingen in dem Jahr- fünft 1S00— 1905: 40,6 Proz. aller dortigen Grundstücke in andere Hände über. Der Begriff des.alteingesessenen, soliden Hausbesitzer- standes" hat also längst keme konkrete Unterlage mehr. Damit hat auch die kommunalpolitische Bevorrechtung der Hausbesitzerschaft den letzten Schein von Berechtigung verloren. Entwickelung w der Müllerei. Auch in der Müllerei gehen die Kleinbetriebe von Jahr zu Jahr ständig zurück. Nach der berufSgenoffenschastlichen Statistik waren versichert: 1886 37 118 Betriebe mit 79 943 Arbeitern, 1889 38 151 Betriebe mit 36 916 Arbeitern, 1892 37 828 Betriebe mit 86 664 Arbeitern, 1895 37 219 Betriebe mit 86 039 Arbeitern und 1906 29 480 Betriebe mit 63 762 Arbeitern. Gegen das Jahr 1889 hat also die Zahl der Müllereibetriebe um 10 671, die Zahl der beschäftigten Personen um 23 154 ab- genommen I Der soeben erschienene Geschäftsbericht der Müllereiberufs- geuossenschafl bemerkt, daß im Jahre 1906 ein.weiterer Rückgang von 793 Betrieben" zu verzeichnen sei. An dem Rückgänge sind beteiligt: Windmühlen mit 219 und Wassermühlen mit 607 Betrieben. Eine Zunahme haben erfahren: Dampfmühlen mit 51 und Mühlen mit Dampf- und Wafferkraft mit 9 Betrieben. Die Oelmühlen weisen einen Rückgang von 20 Betrieben auf usw. Die Zahl der versicherten Personen hat gegen das Jahr 1903 um 1652 Personen abgenommen. Die meisten Windmühlen klappern noch im Bezirke der Sektion VUl lHannovcr) mit 1383, die meisten Wassermühlen im Bezirke der Sektion XV fNüruberg) mit 3734. Eine kleine unscheinbare Tabelle des Berichts läßt auch einen Schluß auf die Größe der versicherten Betriebe und deren Gefährlichkeit zu. xv uuu«Hicmueuieue yuueu scueu im einen mueuet ue» schäftigt. 23 697 Betriebe beschäftigten nur 17 314 Arbeiter, während 121 Großbetriebe mehr als 12 000 Arbeiter zählen. Wirtschaftliches aus der Schweiz.' Die Bierbrauereien haben jahrelang zum Gaudium der Häuserspekulanten und Wirte ein wahres Wettrennen in der Er- Werbung von Wirtschaften ausgeführt und dabei die Häuserpreise um Millionen hinaufgetrieben, wobei sie selbst aber viele Millionen verloren haben. Dieser Erfolg der freien Konkurrenz gefiel ihnen schließlich doch nicht und so vereinbarten sie einen Kundenschutz mit der Verpflichtung, sich gegenseitig nicht mehr die Kunden ab- zusagen. Mit diesem Handel sind aber die Wirte nicht einvcr- standen und sie stellten ihrerseits Forderungen an die Brauer, deren wesentlichste die ist, den Konsumvereinen die Verteilung einer Divi- dende auf das Flaschenbier zu untersagen, Verbot der Lieferung von Flaschenbier an Private mit Ausnahme des Platzes Basel. Gegen einige Brauereien in Basel und Rheinfclden wurde durch Boykotterklärung gekämpft. Gleichzeitig erörterten die Wirte die Gründung einer eigenen Genossenschaftsbrauerei. Nachdem die Brauereien ihre Gegenmaßnahmen getroffen, sind die Wirte ge- neigt, einzulenken und wollen vor allem auf das Verbot für die Konsumvereine, Dividenden auf Flaschenbier zu verteilen, der- zichten. Die Brauereien verpflichten sich, kein Bier in Fässern an Private, Pensionen, Vereine und Verbände von Vereinen, für Wald- feste, sowie Bier in Flaschen in der Zahl von weniger als zwölf- Flaschen abzugeben. Seit Jahren terrorisierten die Schuhhändlcr die Schuhfabci- kanten, den Konsumvereinen keine Schuhwaren zu liefern, ja sie mußten sogar Zwangsmitglieder des<-chuhhändlerverbandcs sein und ihm als solche ihren Tribut entrichten. Da aber die Konsum- vereine trotzdem den Schuhhandcl betrieben und der Basler allein einen Jahresumsatz von einer halben Million Franken in diesen Artikeln hat, so beschlossen kürzlich die schweizerischen Schuh- fabrikanten die Aufhebung des Boykotts über die Konsumvereine und auch der Zwangsmitgliedschaft im Schuhhäudlerverbande. Aus Rache dafür wollen nun die prozcntpatriotischen Schuhhändler in erster Linie nur ausländische Schuhwaren bevorzugen, aber natüc- lich nach wie vor an das schweizerische Publikum verkaufen. Die Verwaltung des schweizerischen Alkoholmonopols hatte im Jahre 1906 Einnahmen von 13.85 und Ausgaben von 7,22 Millionen Franken, sodaß sich ein Ucberfchuß von 6,62 Millionen Franken er- gab, wovon 6,31 Millionen an die Kantone verteilt luerdeu.•' Vermischtes. Bei Leipzig erkrankte as Elternpaar ist ge- An Pilzvergiftung gestorben. In eine Familie Dacbritz an Pilzvergiftung. gestorben, ein Sohn konnte gerettet werden. Ein Bich. Wegen vier SittlichkeiisverBrechen, begangen an Mädchen unter 14 Jahren, wurde, Aschaffenbiirger Meldung zufolge, der 19jährige Fabrikarbeiter Gottfried Maidhof aus Hösbach der- haftet. Wieder ein Eisenbahn-Unfall. In RaicS, der Strecke Agram— BoSnisch-Brod. wurde, wie ans Budapest gemeldet wird, ein nach dem Badeort Lipik bestimmter Waggon vergessen. Ein Lastzug siihr in den Waggon hinein, wobei fünf Personen verwunder wurden.- Die Lokomotive und neun Wagen des Lastzuges sind schwer be- schädigt. Wettersturz in Oesterreich. Aus allen Teilen Oesterreichs treffen Meldungen über den vorgestrigen Wettersturz ein. In vielen Gegenden sind fürchterliche Gewitter mit Hagelschlägen nieder- gegangen. In den Gebirgsgegenden ist die Temperatur bis auf 5 Grad gesunken. Die Berge sind mit Neuschnee bedeckt. Em Automobilunfall. In Lyon sind bei einem Automobilunfall gestern zwei Personen getötet worden. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. "4 Die Nchchmig ist die höchste Ailerliemililig! Das ist unbestritten und wohl jedermann bekannt. Es muß also einleuchten, daß ein Fabrikat, welches Konkurrenten auf jede nur denkbare Art und Weise nachzuahmen versuchen, eine nachahmungs werte und somit hervorragende Qualität besitzen muß. Diese fortgesetzten Nachahmungen beweisen am allerbesten, daß nicht nur das Publikum, sondern sogar Konkurrenten Kathrewer als nmstergttttig anerkennen. Wir bitten alle Freunde des echten Kathreiner, nur den echten Kathreiner anzunehmen und alle Nachahmungen, die nur gemacht werden, um daS Publikum zu täuschen, energisch zurückzuweisen. Wenn Ihr Kaufmann den echten Kathreiner nicht hat, dann schreiben Sie wegen Angabe von Kathreiner-Nieder- lagen an m/i lt G. m. b. S., beliebige Teil« ziUftiiiig. Jaccbson, sßiÄ. ____________________ j Mlit tilchtigem Werkführer I möchte sich Kaufmann, langjähriger Reisender, Christ, etablieren. gflT Strengste Diskretion. MU Offerten T. 1 Erpedition des „Borwart»-'. 231Sb Zentral-Krankeu- u. Sterbe- Kasse der Tischler und anderer gewerbl. Zlrbeitcr. E. H. 3 in Hamburg. Verw. verlin, 0. Den Mitgliedern zur Kenntnis- nähme, dag wir in der Bötzow- strafte 8 im Lokal von Xriueo eine neue Zahlstelle errichtet haben. 184/6 Die Ortsverwaltuug. Zur Gründung eines Unter- «ehmens in einer rheiuischen Großstadt wird ein Teilhaber mit 8000 bis 10 000 M. Kapital gesucht. 23736 Gefällige Offerten unter 1. an die Expedition dieses Blattes. Dr. Schlinemann Spezial-Arzt für 54272» Hunt- nnd Hurnlciilcn, Frauen Uran k holten. Friedrichstr. 203, Ecke Schiitzenstr. 10-a, 5-7, Somit. 10-1» Uhr. Die Harnleiden Ibre Gefahren, Verhütung und Deseitigung von Dr. med. Schnper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■(tes tausend> Verl»? Mm Kiehler-ranMuet tod«, Baschmfibl.�JuawM Den Genossen bringe meine öluinsn- ual! Kranzbinderei in empfehlende Erinnerung. 56082» G. Gey, Beusselstr. 70. Teilzahlung monatlich 10 M. liejere Herren-Garderobe nach Maß(billigste Preise). J. Tfliiijiorowski, 81 Nähe Belleallianceplatz. Kasse 10°,„ billiger.• Ich beabsichtige, meine Akten aus den Jahren 1897—1305 vernichten zn lassen. Wegen Herausgabe einzelner Aktenstücke wollen sich die Berechtigten bis zum 1. September 1907 bei mir melden. Berlin, den 18. August 1907. Dr. Oskar Cohn, Rechtsanwalt, Laiidsbergerstr. 58. 59/16 -»»weis», Goldn) aren, I Ilten,'""" ts*1*"«l Juli na K nrth. 14 Neue Roft Ttrafte Nr. 14. B Kellen B für 284/14 Maurer und Patzer unter Garantie, anerkannt beste Qualität. Klingauf, Weißenburgerstr. 79. Gelegen heltB-Kant! Teppiche'•£ Gardinen" Portleren'• n�u."5, 91 fowia Steppdechen. Tlaoh- u. Dlwen- desken. Lauter- und Mibeletoff« et». Teppicb- Mler Königstrasse 20-21, ---- a..oc!jo«itr. Fürstenbergcrstr. 13/14, Wollenberg. Franlsurter Allee 84, Steinbock. Gabelsbergcrstr. 2, Krüger. Gerichtstr. 3. Graudenzerstr. 10, Lehmann. Gnbenerstr. 25, Zeucherl. Hennigsdorserstr. 7, Schwarz. Koppenstr. 47, GrSber. Kottbuscrstr. 15, Brandenburg. Littauerslr. 7, Mews. Lychenerstr. 131, Andel). Memelerstr. 11, Wobbe. Am Ostbahnbos 12, Beyer. Am Ollbahnhos 18. llannenderg. Putbuscrstrahe, Schulz. Ramlerstr. 13, Sebmldt. RHewsbcrgerftr. 31, Warmbier. Rügenerstr. 13, Krszineki. «chönfließcrstr. 7, Schwarz(Kolonial- warenhandlung). Schönfließerstr. 16, Kettko. Soldinerstr. 38, Volkrnann. » 73, Butz, Stolpischestr. 48/49, Reimann. Stralsunberstr. 53, Nitschke. Strclitzerstr. 16, Wittig. Strelitzerstr. 47, BSNober. Stromftr. 36, Beyer. Swincmünderstr. 5. Urbanstr. 26, Weber. Wattstr. 3, Richter. Werneuchenerstr, 9, Brache. Weißendurg-rstr. 54. franke. Butter- Handlung. Zcchlinerstr. 2, Tamm. Zorndorserstr. 7, Noack. Stralsnnderstr. 30, Hänselt, war irrtümlich unter den aus unbe- bewilligten Bäckereien beziehenden Händlern. Schöneberg. Bahnstr. 17, Blank. EbcrSstr, 82, Gablke. Golhenstr. 3, Wartenberg. Merseburgerstr. 5. A. Gärtner. Lichtenberg. Slhpodlcnstr, 2. llrdmann. Gürtelstr, 7. Henschel. Rixdorf. Pnmtterftr. 31, Simian. Mainzerstr. 11, Fehl. Wclscstr. 40, Som. Knesebeckstr. 103, Eschendorf. Rumiuelsbnrg. Boxhagenerstr. 35, Hein. Boxhagener Chaussee 8, Schwartz. Aufklarung! Wir stellen hierdurch richtig, daß bei der Firma ?iuil Hanke' Brotbäckerei die Tarifforderungen der Bäckergesellen: Gewährung des freien Tages, gute Eut- lohnung, Beseitigung des Kost- und Logiswesens, stets innegehalten worden sind. Es waltete lediglich bei einigen unserer Vertreter ein Irrtum wegen der Entnahme der Gesellen vom Paritätischen Arbeitsnachweis ob. Da die irrtümliche Auffassung, der Verband verlange die Entlassung bei uns lang- jährig beschäftigter Gesellen, durch eine bündige Erklärung der Organisationsvertreter beseitigt ist, stehen wir nicht an, in Zukunft die bei uns freiwerdenden Plätze durch Gesellen vom paritätischen Arbeitsnachweis besetzen zu lassen. Es sind somit bei der Firma Panl Hanke' Brotbäekerel (Inhaber: Paul Hanke, August-Straße 42) alle Forderungen der Bäckergesellen durchgeführt. Die Richtigkeit dieser Erklärung bestätigt Verbslld der Äcker, Koudlwtll und oertv. Aerufe Zeutschlllllds (Mitgliedschaft Berlin). I. A.: Karl H e tz s ch o l d. Bäckereien. 1. Alte Schöiihauserstr. 30/40. 2. Stallschreiberstr. 32a. 3. Köpcnickerstr. 23. 4. Jnvalidenstr. 156. 5. Weinbergsweg 7. 6. Wilsnackerstr. 83. 7. Müllerstr. 166a. 8. Reinickendorferstr. 30. 9. Tilsiterstr. 91. 10. Nollendorfstr. 40. 11. Dresdenerstr. 104. 12. Putbuserstr. 21. 13. Prenzlauerstr. 43. 14. Gr. Franlsurterstr. 38. 15. Waldstr. 17. Filialen. Alexandrinenstr. 116. Falckensteinstr. 8. Pücklerstr. 11. Anklamerstr. 23. Swinemünderstr. 114. Bandelstr. 38. Stendalerstr. 15. Dalldorserstr. 15. Reinickendorferstr. 25. Liebenwalderstr. 44. Zorndorferstr. 2. Liebiastr. 8. Löwestr. 8. ComeninSplatz. Conrbierestr. 19. Ansbacherstr. 28. Gräfesir, 12. Stettinerstr. 7. Prinzen-Allee 19. Neue Königstr. 32. Palisadenstr. 2. Weberstr, 25. Rostockerstr, 13. Gotzkowslystr. 12. - Sftr) WkMi Ifesätzffls© 50 7o billiger als im Laden kaufen Sie verfallene Pfänder in d. Pfandleihe Seusset- straste 28 1 Treppe. Achtung! Für viele Anfragende folgendes zur Beachtung: Aektung! Mankes Bäckereien sind nicht einheUUch zu behandeln. Boykottfrei sind alle Jackersten von Oskar Hanke und Paul Hanke. 7dtz KanUe dagegen hat nicht einheitlich für alle Geschäfte bewilligt, sondern dies seinen Vertretern Üherisssen. Wir bitten deshalb für letztere 7inNS sich NUV NÄCh der „Borwärts"-Liste zu richten. Hausfrauen! ArEbaatep! Unterstfitzt die um ihre Klensehenreehte kämpfenden Sächergesellen! Tie Lohnkommission der Bäcker. Bureau: Augnststr. 3«. F. A. HI, 124S. Kronleuchter-Fabrik für Gas u. Petroleum. • Größte Auswahl.• /»? 500 Kronen ö /ä>\ Avon 10—800""""k S //Wy.» Verkauf zu billigsten B 1*riV i fabrikpreisen an Private. Auf Wunsch kulante Zahlungsbedingungen ö ohne Preiserhühung. Siegel& Co., PrinvicnstraBe 33. Arbeiter- W* Benits-Kleidang Aeltestes Spezial-Gcschift 8 Mhlendsmm Z und I4«»tt>»u«ei-«I»n,„, Gl». üäolf Aecker. RPianinn krankh bill, auch Sonntag, . I IlluIIIu BsriohtstraSs 32, lliltrioh. Cod und Ceulel allem Ungeziefer! Relchel's verstärkt. Wanzcnfluid gl. 50 Pf., M. l.-,2.-,3.-, LitCist.5,-. Spezial-Schwabcnpulvcr „Poudre Martial" Paket 50 Pf., M. 1.— u., Pfund 4.—. Morlal gegen Flöhe, FI. 75 Pf. und M. 1.50. SprüHnpparate vo» 50 Pf. an. Anerkennungen aus aller Welt! Man nehme i. d. Drogerien nur die echten Drlginalpaekungen»i. meiner Firma u. Marke..Tod und Teufel", die einzige Garaniio für Erfolg. Otto Boichs!, Berlin, AsenbaHnftr, 4. oiii' 1 ML! OnniBiophone, Phonographen, Spieldosen, echte Menzenh.- Zithern, Konzert- Zithern, Geigen, Mandolinen, Hand-Harmonikas. Grosse Auswahl in Zonophone• Platten, Edison- Walzen usw. Zubehörteile und Reparaturen billigst. Juhre's Musik-Spezialgeschäft N., Demmmerstr. 2, an der öninneastrassc. SO., Britzerstrasse 10. am Kotthnscr Tor. Die Möbel-Fabrik von• Ai Soliulz, 5 Relchenbergerstr. 5 enipsichlt Svohiiiings-Ginrichtuiig!» von L4V— 19 0VGM. in nur anerkannt gediegener'.'wssühning in jeder Holz- und Stilart sowie auch Polsterware» eigener Fabrikalion zu äußerst billige» Preisen, Streng reelle und gewisscnhajte Be- dicnung. Kulante Zahlungen. Tel. Amt IV 6877. s5047L' AlnstGr as Scderzuann franko! Das seidene Brautkleid bietet statt* und Seide jeder Art wirklich reell und billig einzukaufen, zweifellos derjetzt im Soiden-Engros-Hause Hermann Herzog_____ findende billige Ausnahme-Verkauf. Braut- und Hoehzeits-Seidcn sowie Seiden für Eoben, Blusen, Jupons etc. 1.00, 1.25, 1.50, 2.25 bis zu den besten Qualitäten. Eeinsoideno schw. Damaste, Merveilleux 15.00, 20.00, 25.00, 30.00 etc. per Hobe. Beine Seiden für Gesell- schafts- und Strnssen-Eoben jetzt 1.50, 2.25 bis 5.50. Heinseidcne Streifen, Schotten, Chines 1.50, 2.25 bis 4.50. Viele Hundert einzelne Hochzeits- und Silberhochzeits-Eoben, darunter hochelegante Qualitäten, früher ca. 5.50, jetzt 2.50 p. Meter. Prima schw. Taffete für Kleider und Eöcke von 1.75 bis 4.50. Blusen- u. Jupon-Tteste teilweise unter der Haltte v. 1.00. ---- Adresse genau beachten.-- Berlin, nar Leipziger Strasse 79, 1 Ircppc, am UOnlioII-l'tatz. Selden-Eugros Haus Hermann Herzog, Tc'egr.- Adresse! Seiden-Herzog. Lerantwortlichcr Nedgltmr: Dans Weber. Verlin. Für den Lnseratenteil berantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u.Verlaa: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlaasanitalt Vaul.Sinaer& ßu SBoriu, Nr. 192. 24. Jahrgang. 4. WM Ks Lmölts" Lkrlimr Zonntag, 18. August 1997. Versammlungen. Bei Julius Pintsch, Aktiengesellschaft. Sechs Wochen sind darüber verflossen, dasi sich die Arbeiter des Berliner Betriebes der Firma Julius Pintsch in öffentlicher Betriebsversammlung mit den Mißständen in der Fabrik- k a n t i n e beschäftigten und eine Kommission wählten, die Haupt- sächlich dieser Sache wegen bei der Fabrikleitung vorstellig werden sollte. Am Donnerstag fand nun von neuem in den„Andreas- festsälen" eine Betriebsversammlung statt. Der Bezirkslciter Gries des Metallarbeiterverbandcs berichtete zunächst über die Kantinenangelegenhcit. Die Kommission hat ihrem Auftrage gemäß der Fabriksleitung die Beschwerden vorgetragen, und die Arbeiter führten den Boykott der Kantine gut durch. Der Erfolg war, daß der Kantinenwirt seinen Betrieb einstellen mußte. Die Firma aber hat dem boykottierten Wirt die Pacht bis zum 1. Oktober dieses Jahres erlassen. Natürlich trägt die Firma nicht selbst den Schaden. Die Pacht, die der Wirt zu zahlen hatte, floß nämlich in die Groschenkasse der Ardeiter, aus der Zuschüsse zur Krankenunter st ützunjj gezahlt werden, und auf Kosten der Arbeiter konnte sich die Firma recht nobel zeigen einem Manne gegenüber, der von der Arbeiterschaft in schwerster Weise beschuldigt wird. Vorläufig besteht nun in der Fabrik überhaupt keine Kantine mehr. Weiter ist bei der Sache noch nichts herausgekommen. Der Wirt hat gegen jene zwei in der Kantine beschäftigt gewesenen Dienstmädchen, die über seine und seiner Frau Kochkunst und Wirtschaftsweise Aussagen machten. An- zeige wegen Diebstahls von Marken erstattet. Wie weit die Staats- anwaltschast gegen den Wirt selbst und seine Frau vorgehen wird, weiß man noch nicht. Polizeiliche Vernehmungen haben statt- gefunden; aber die Behörde, die doch sonst in solchen Fällen schnell bei der Hand ist, scheint diese Sache nicht für besonders dringend anzusehen. Das Interesse für diese Angelegenheit ist in den letzten Tagen etwaWtii den Hintergrund gedrängt worden durch einen Vorfall, der skandalöse Zustände im Fabrikbetriebe der Firma Pintsch kraß hervortreten ließ. Es war am 7. August, mittags 1?� Uhr, als im Gußlager der Arbeiter B a n d o w plötzlich von einem schweren Blutsturz befallen wurde, umsank und auch sofort verstarb. Die Leiche blieb, notdürftig mit alten Lappen zugedeckt, in dem- selben Raum, wo noch-40 Arbeiter tätig waren, 3� Stunden lang liegen. Dann sollte sie in einen Arbcitsraum geschafft werden, wo Tischler beschäftigt sind. Man kam aber ab von dem Gedanken und brachte sie nach dem Keller. Einen besonderen Raum, wo Ver- unglückte oder plötzlich Erkrankte untergebracht werden können, gibt es in dem Betriebe von Pintsch mit seinen 1150 Arbeitern nicht. Ein kleiner Verbandskasten, kaum ausreichend für Zwergbetriebe, ist alles, was zur ersten Hülfeleistung bei Unfällen vorhanden ist. Eine Tragbahre, den Toten fortzuschaffen, war überhaupt nicht zu haben. Auf alten Gasröhrcn wurde die Leiche in den Keller getragen, und hier blieb sie bis zum anderen Tage, den 8. August, mittags 1 Uhr, liegen. Dann wurde sie, wie der Referent weiter berichtete, nach dem 3. Hof gebracht und hier auf offenem Hose, wo die Züge der Stadtbahn vorbeifahren, ent- kleidet und notdürftig mit alten Putzlappen gewaschen. Beamte der Firma Pintsch standen dabei, ohne Einspruch zu erheben. Bandow starb unter merkwürdigen Begleitumständen. Er war schon einmal aus dem Betrieb entlassen worden. Er hatte sich vor dieser Entlassung bei der Betriebsleitung über Schikanierung durch den Verwalter Hiller beklagt, man wies ihn aber mit seinen Klagen zurück an denselben Herrn Hiller, über den er sich beschwerte. Der Beklagte wurde also von der Firma zum Richter gemacht. Der schrie ihn an und entließ ihn sofort. Es gelang aber dem schwer lungenkranken Mann, in einer anderen Abteilung der Fabrik wieder Unterkunft zu finden. Als Hiller das erfuhr, ließ er ihn sofort zu sich kommen und verlangte, er solle sich entschuldigen, daß er ohne sein Wissen wieder bei Pintsch in Arbeit getreten war. Bandow, in der Meinung, daß er als kranker Mann wo anders keine Arbeit mehr finden werde, und in Sorge um seine Familie, tat das. Als er von seinem Bittgang zurückkehrte, war er höchst ausgeregt und sagte, daß er dergleichen nicht mehr ertragen könne. Bald darauf geschah es. daß er tot zusammenbrach.__ ■\5ust an demselben Tage sind noch drei andere Unfälle passiert. Einem Arbeiter wurde an einer Maschine der Unterkiefer zer- schlagen, zwei anderen wurden Finger abgequetscht. An diesen Unfällen sollen teils die schlechten Akkordlöhne, die die Arbeiter zu allzu hastiger Tätigkeit antreiben, schuld sein, teils der Mangel an Schutzvorrichtungen. Noch eine Reihe anderer Mißstände wurden in der Versammlung erwähnt; u. a. daß in einem 22 Meter langen, 6 bis 8 Meter breiten, 5 bis 6 Meter hohen Raum, wo 29 größere und 14 kleine Maschinen stehen, 35 Mann arbeiten, daß dort ein Schleifstein vorhanden ist, der, schlecht in Ordnung gehalten, über- mäßig viel Staub entwickelt und Gefahr zu Verletzungen bietet, und daß für diese 35 Mann samt einer Anzahl anderer Arbeiter nur zwei Klosetts vorhanden sind. Außerdem wurde erwähnt, daß es jetzt, im Gegensatz zu früher, sehr schwer sein soll, bei fehler- hafter Lohnberechnung das zu wenig empfangene Geld ausbezahlt zu erhalten. Was der Referent ausgeführt hatte, wurde in der Diskussion nur bestätigt und noch ergänzt. Mit Recht wurde hervorgehoben, daß das beste Mittel, den Mißständen abzuhelfen, die Organisation ist. Jetzt steht noch ein großer Teil der Arbeiter des Betriebes der Organisation fern. Die organisierten Arbeiter, die den Mut haben, energisch auf Abhülfe zu drängen, finden nur zu oft nicht den nötigen Rückhalt bei der Masse der Kollegen. Auch das Schmarotzer- tum soll sich unangenehm bemerkbar machen. Ein Fabrikausschuß oder eine anerkannte Kommission, die Beschwerden der Arbeiter der Fabrikleitung vortragen kann, besteht bei Julius Pintsch nicht. Die in der vorigen Versammlung gewählte Kommission hat ihrem Auftrage gemäß auch die Einsetzung eines solchen Ausschusses an- geregt, aber auch hiermit bis jetzt keinen Erfolg gehabt. ES wurden nun zwar in der Versammlung lebhafte Zweifel an dem praktischen Wert eines Fabrikausschusses bei der Firma Pintsch ge- äußert, doch war man allgemein damit einverstanden, daß jene Kommission auch in dicker Hinsicht ihre Aufgabe Wetter verfolgen soll. Heuer Stsdtteü an der Schönhauser Allee! 1, 2 und 3 Zimmerwohnungen mit Bad, Balkons und Loggien in der Nslmöerstrssze. Oeckermiinderstrasse und Fmnländiscliestrasse «ahe dem Bahnhos Schönhauser Allee mit geräumigen Vordcrzimmern und grohen Doppelhösen(ohne Quer- gebäude) sind sehr preiswert zum 1. Oktober, auch sofort beziehbar, zu vermieten._ 203/20* ?AUl 7ÖbS, Schneidermeister S teppdecken billigst direkt in der Fabrik 72. WullHtr. 72, wo auch alte Steppdecken ausgearbeilcl werden. Bernhard Strohmandel, Berlin S 14. Jllustr. Katalog gratis. fei CM = M KLCIMC KIÜS i 2m 5? 56» T Pi 2 Pfg.Cigarette � Cigaretlen-Fabrik„Kios" o E. Robert Böhme, Dresden. � Hochbangelände. 4 Etagen, geschlossene Bauordnung, direkt anschließend an den Bahnhof Seegefeld unweit der Döberiher Heerstrasse II«. 8— Mark an Gasanstalt. Gütcrbahnhos vorhanden. Ort in größter, schnellster Entwicklung begriffen. Auskunst durch Verkäufer Ätüller im Bahn- Hos-Rcstaurant Scegescid. Besitzer XleKchalko dt Xltsche, Berlin, Landsbergerstraße 68. VieleTausende Exemplare .Joppen- und Jackett- Fassons mit kurzen oder langen Hosen. Bewährte 1-oden, Cheviots, Zwirnbuckskin und andere Erzeugnisse. 30.— 27,- 24.— 21— 18— 1-5— 12— 10— � Mk. Schul-Anfanq. Einzelne Schuf er- Joppen,- Jacketts, Schüler- Hosen zu niedrigen Preisen. Einsegnungs- Anzüge in unermessficher Auswahl Sinzig schön ist ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen, weiße, sammetweiche Haut und schöner Teint. Alles dies erzeugt die echte Steckenpfercl-LUienmilck-Seife von Kergmann öd Co.. Radeheul, ä Stück so Pf. überall zu haben. Landpartie-, Vereins-Verlosungs■ Gegenstande, Lampions, Papiermiltzen, Radau- Instrumente inhervorr.Auswahl. Außergewöhnlich billig z. B,: tranNparente\ Dutzend Stocklatcrnen/ 45 Pf.• Bernhard Keilich« Größt. Spielwaren- Gesch. Dtsohl. Gr. Hamburgerstr. 21— 23, Ecke Oranienburgerstr. 19 Schauf. k Brautleute sich ihre Möbel-Ausstattung kaufen, sollten sie unter keinen Umständen unterlassen, fSm Rffi?sul Buroius Jcköbel-TabriU, Sindenstr. 105 (Nähe Hallesches Tor) zu besichtigen. Moderne bürgerliche Wohnung Einrichtungen schon für 200, 300, 400 M., hochelegante von 600— 10-000 J W Hj Zur Anschaffung von Ergänzungsstücken besonders zu empfehlen, da I gerade große Posten verliehen gew. Möbel, darunter ganze Zimmer- oinrichtungen, am Lager stehen. Auszugsofa 30, Paneelsofa mit Sattel- taschon 85, Muscholkleidcrspindf Muscholvortiko 39, Musohelbettstelle m. Matratze 40, Chaiselongue, Schreibtisch, Säulontrumeaus 38 M., Salongarnitur sowie komplette englische Schlafzimmer für 220 M., Ältmahagoni-Salon mit Umbau elegant 645 M., farbige Küchen 65 M., sowie Sp '"----'-------— 1— Teilzahlungen gestattet. Sonntags 8— 10 und ko und Herrenzimmer in allen Stilarten. geöffnete Gekaufte Möbel werden kostenlos aufbewahrt. Speisezimmer nd 12—2 Uhr 4983L* Für de» Jiilialt der Zuierate überui«»»t die Redaktion de», vublik»», aeneniiber keinerlei Beranltvortuiig. ip�rm—iHn iiiiii iiiiiiBrnmi €hcatcr. Sonntag, den 18. August. Nusaiig 8 Uhr. Nene? königl. Operntheater. Carmen.(Anf. 7'/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Fieder- maus. Montag: I,a Traviata. Deutsches. DaS WintermZrchm. Montag: Der Gott der Rache. Ansang 7'/, Uhr. Kammerspiele: Ghges und sein Ring. Montag: Aglavaine und Selysctte. Berliner. Die tanzenden Männchen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lesfing. Die Stützen der Gesellschaft. Nachmittags 3 Uhr: Die Weber. Montag: Die Wildente.(Ansang VI, Uhr.) Tchtlter O. tWallner- Theater.) Carmen. Nachmittags 3 Uhr: Undine. Montag: Martha. Tchilter K.(Friedrich Wilhelm. städtisches Theater) Der Weg zur Hölle. Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Montag: Der Weg zur Hölle. NcucS Schauspielhaus. Ztafsles. Montag: Dicsetbe Vorstellung. Neues. Der Dieb. Montag: Dieselbe Borstellung. Komische Oper. Hossmanns Er- Zählungen. Montag: Carmen. Weste». Die luitige Witwe. Montag: Dieselbe Vorstellung. LustiUieUiaus. Husarcusieber. Nachmittags 3 Uhr: Unsere Kate. Montag: Husarenfiebcr. Bernhard Stose. Der grohe Un- bekannte. Slnfang 8'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Sbcrlock Holmes. Montag: Der grasje Unbekannte. lAnsang 8'/, Uhr.) Nachmittags 4'/, Uhr: Er ist nicht eiserfüchtig. Das vierte Gebot. Verbotene Wege. Zentral. Das Tagebuch einer Ver- lorenen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Bater und Sohn. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Montag: Dieselbe Vorstellung. Triauo». Fräulein Josctte— meine Frau. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Ihr Sechs- Uhr- Onkel. Nachmittags 3 Uhr: CharleyS Tante. Montag: Ihr«sechs-tlhr-Onkel. Merropol. Der Teusel lacht dazu. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stpollo. Der Hochzcitsgast. Spe- zialiläten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Folies Eaprice. Gctsierauto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr. Herrufrld. Madame Wig- Wag. Es lebe daS Nachtleben. Montag: Dieselbe Vorstellung. Winteraartc». Anne Dancreh. Anme DirkcnS. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Prater. Flotte Weiber. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichshallen. Slettiner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage. Bernardi. Svezialiläten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Tanve» strastc 48/10. Abends 8 Uhr: Di- Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Montag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternuiarle, Jnvalidenstr. S7/K2. Fcrditiun«! Konn« Berliner Theater. Sonntag. 18. August, abends 8 Uhr; Montag und folgende Tage: Die tanzenden iHlinnchon. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ulltn Nil Sohlt. Morgen und folgende Tage: Bater und Sohn. Idester lies Westens. Abends 8 Uhr: DI© Instlec Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lebär. l.T>st»|riv>kaus. Nachmittags 3 Uhr: Unsere Käte. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. � Direktwn: stioksrii Alexender. Sonntag, 18. August: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 8 Alten von Maurice Hennequin und Pierre Peber. Hetroiiol-Theater Anfang 8 Ohr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julias Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Eoth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Sohulte. Smohen überall gestattet. Schiller-Theater 0. (Wallner- Theater.) Morwih-Oper. Sonntag, nachm. 3 Uhr bei kalben Preisen: ilndlae. Sonntag, abends 8 Uhr: Abschiedsvorstellung Gertrud Runge; Carmen. Montag, abends 8 Ubr: Gastspiel Helnrlcl, liötcl: Martha oder: Der Markt zu Richmond. Dienstag, abends 8 Uhr: Don Juan oder: Der steinerne Gast. Schiller-Theater M. Friedrieh-Wilhelmstädtischcs Theater. rst 5» uitij jw Köie. Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Neutral-Theater. Täglich 8 Uhr: Tagebuch einer ilerlorenen. 8'/« Uhr: Humpsti-Bumsti. Pipifax und Paulo, Exzentriker. 9'/, Uhr: Schenk Ilms. Zwei Berliner Jungen. Wunder derKrast- Equilibristik. uL: Hartsteiu in seiner Burleske „Oer HockSeUsxast". AnneDnncrcy, Panser Säng. The 8 Knglish Girls, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Itavo« skys, Akrobaten. „Die Bauernjungen im Walde." l-n Koy Talma n. Uosco, Zauberkünstler. Agonst. komischer Jongleur. George B. Renn Company, amerikanische Exentriks. Annle Dirkens. Olga JFreobrajensky, Prima Ballerina, u. M.Legat, Solotänzer v. d. kais. Hofoper in Petersburg. Paplnta, amerikan. Phantasie- und Spiegeltänzerin. KelllnO Truppe, ,In Venedig.' Th e Hart I eys, Springer. Der Biograph. [ Passage-Theater, i * Heute zwei Vorstellungen. Nachm. 3-7(ermäßigte Preise), i Abends 8-U Uhr.] S Der große Verwaniilungskünstler Artnro Bernardi 1 und dos neue J J ! großartige•! August-Programm, i J 14 Attraktionen 14.{ [HRPKOSETIttnE i iSii. Fraiisturterstr. t38. Im Ggrien. Ans. 4 Uhr: Das glänzende August-Programm. SonntagSprelse. Im Theater abends 8'/, Uhr: Der große Unbekannte. Sommerpreise. Nachm. 3 Uhr: Sherloct Holmes. kehl. Hsimsoili- Tlieater. 57 Kommandantcnftratze Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Billett» orverlaus 11—2 Uhr. Täglich: Die Novität Iß w Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Astäre mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. TV.ZtaacksTlisster Direktion: Rod. Dill. Bruimenstr. 16. 9',. Uhr: Das Fest d. Handwerker. 9 Uhr: Lee Jonessus, Reck-Pantom. 8'/, Uhr: Alles lacht übcr'n klein. Piton. 23 neue Nummern. Ansang 5 Uhr. Bei schlechtem Wetter: Verl. Im Saal. Volksgarien-Theater. Bad-BehmstraUe— Bahnhot Gesundbrunnen— BallermannstraBe. Die Veilchensee. DollSstück m. Gesang in 2 Akten von W. Gericke. Musik von Max Schmidt. Hierzu: Das neue -WälMeD-l'i'Dgi'WD. BoUsbelusttgungen. Wir gehen zn 165 �riedrichstr. 165 um das Rleneste zu sehen— den :isr Rechtsanwalt Hau und andere Sehenswürdigkeiten. Mgx' Spezialitäten- Theater. w wandfil>i'rger Allee 76— 79. Direkt a. b. Ringbahnstation. Bequemste Fahrgelegenheit n. ollen Stadtricht. Ob schUn! Täglich im herrL Garten oder gr. Saal: Ob Degen! -- Riesen-Lacherfolg—— Laudsberger Allee ans Stelzen. Ihe i�eros, Dein? Deuer, prolongiert. Dazu das nene brillante August-Programm. Ans. 3 Uhr. KasteeMche. Volksbelustig. aller Art. Entree 20 Ps., Sonnt. 30 Ps. »————— zwischen Landsberger Allee und Röderplatz.— 9 Grösites und schönstes Vergnüguugs-Etablissement, 25 000 Personen 2 fassend, mit 11 000 Quadratmeter See. Heute, Sonntag, den 11. August, nachmittags 3 Uhr: Großes Schwimmfest des Arb.-Scb.-Bundes unter Mitwirkung von ca. 800 Schwimmerinnen und Schwimmern. Zur Aufführung gelangen: NeUschwimmon, Konkurrenzschwirnmen, Tauchen usw. Außerdem: Großes Lützow-Konzert. Um« und 10 Uhr: Auftreten der 53938» besten Turmsellkiinstier der Weit™dVJa.Liff längstes und höchstes Turniseil, welches je belausen wurde. � � KrsMsssigLS SpsÄsUtStsn-7kssteri ca. 49 Knuicuern. � # Riesen-Land- and Wasser-Feuerwerk, r In zwei IJ, p«|| X Or. KalTeekUche. X 15 Ruderboote. X Sälen: U'1 t"1';' 4 vord. Kegelbahnen. Volksbelustigungen aller Art.' Ans. 3 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder unt. lO Jahren srei, ältere Kinder tOPs' JJ Aegidius Diez, Direktor und Besitzer. � Bo.roln Markgrafensäle"ammÄ."' - Inhaber: Rerrnann Seboltz.- Heute fvivie jede» Sonntag: dtwmÜSr Mall.» Säle von 100 bis 1000 Personen für Vereine, Hochzeiten nsw. unter kulantesten Bedingungen. 54922* Famitien Restaurant. Zwei komfortable Kegelbahne». Wrkiseher Hof. Empsehltz mein Lolal zu Versammlungen und Festlichkeiten. Der kleine Saal ist an einigen Sonnabenden und Sonntagen, der grosse Saal noch am Sonnabend, den S. November, frei.— Jede« Sonntag: Großer»all. Ansang 4 Uhr._ 56598* Heote! Luisenpark Wilmersdorf Wllhelmsanc 119. Solree der Brettl-Diva.71 arg. Walkotte nntor� Mitwirkung der Berliner Chorführer- Schule 1907.. «all. Jeden Mittwoch: KalTeekoehon und Prcltanz. Kaffeekücho alle Tage geöffnet. Kegelbahnen. Moabiter Seh iltzenli ans Plötzensee. Jnh.: Karl Frßbei. Plötzensee. Endstaston der Straßenbahnlinien Nr. Ii, 12, 22, 29, 68. AM- Stadlbahnhch Beusselstraße�: 5 Minuten biS zum�Lokal.� Großer Dali. Kindeskeet. Kind ein Geschenk. Jede» Sonntag Ä Jeden Mittwoch LKÄÄ Kegelbahnen. Gute Entree 10 Pf. Grosser Vergnügungspark. Gondelfahren. 2 Ke Konzett 4 Uhr. Küche«. Keller. Kasfeekochen. ?unke» CeseNseksftsiiaus. M., Trlftstr. 41. Jeden Sonntag: iSatl* Große» Orchester. Entree frei. Saal mit Bühne, 400 Personen, sowie Vereinszimmer, alles voststänbig renoviert, zn Versammlungen und Festlichkeiten. Einige Sonnabende noch frei.— Framtlien-Restaurant, Garten und Kegelbahn. 230Jb Heiligensee HSST neben Schiitzenhans. Inhaber Wilhelm Zickotv. Am Walde und auch am Wasser gelegen, hält sich einem geehrten Publikum als auch Vereinen und Gewerkschasten bei Dampser- und Land- Partien bestens einpsohlen. 2355b Kulante Bediemmg, solide Preise.— Für gute Speisen und ßtetränle stets Sorge tragend Hochachtungsvoll D. O. x X X X Die Kaffeeküche steht zur Verfügung. X X X X Im Mo arnüflercn wir uns? Krug zum grünen Kranze 50222* Ober-Schöneweide, Waldstras?« 74. Kttche und Keller vorzüglich.= Ernst IlUfllch. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Melier Meiigeliicge UDd die Eiszeit unserer Deiat. Montag 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Jnvalidenstr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7>/,— II U. abds. Z0010CISCHER GARTEN Heute rn D! Kinder 2 Sonntag f|l| Fl unt.10.Tahr. 2 Eintritt" � die Hälfte.& Ab nachm. 4 Uhr:# Militär- Doppel-Konzert. S Morgen, sowie täglich:? Großes Militär-Doppel-Konzert, g ••»•••••••••••••••♦ Berliner Apariüm Unter den Linden 68a Eingang Schadow-StraDeNo.14. Heute Sonntag Eintrittspreis _ 50 Pf.~_ eichhaltigsto Ausstellung der Welt an lebeaden Seetieren, Reptilien etc._ 58/19 Allgemeine Ausstellung von Erfindungen der Kleinindustrie 23. Juni— 15. Sept. 1907■ Sonntags von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends geöffnet. Eintritt 50 Pfennig Dauerkarten 3 Mk. Keine Extra-Entreos. Von 11—1 und 4—7 Uhr: KOMZERT VßvßM Mlska unter persönl. Leitung. E AUSSTELLUNGSHALLE am Zoolog. Garten m Prot.; S.K.K.H. d. deutsche Kronpr. n. S. H. Herz. Joh. Albr.*. Mecklbg. Deutsche• flmiEE-, Marine □.Kolonial- A Ausstellung m iHi u K Wannsee-Bhf. Friedenau. m Heute: onster- Konzert. 3 Kapellen und Tambourkorpt. Zapfenstreich. Halle b. 8, Gelände b. 12 Uhr geöfln. Hanta• Eintritt so Pf. Uvlltv. Militär und Kinder 25 Pf. Auestellungsloso der. zum Eintritt CiRCUS MW B.SMITH Herlin, Ntemclerjtr. Heute Sonntag, nachm. 4 Uhr: Kinder- it. Janiitien Vorstellung. Kinder balbe Preise. Abend» 8 Uhr:«lite-Vorstellung. Rnvormnnn»« Raubtiergruppe vom Berliner Zoologischen Garten. Außerdem: Auftreten ersiklaffiger Künstler nnb Künstlerinucn. Braatz* Amerikanischer Affen- Zirkus a In Brockmann._ US Am Prenzlauer Dar.-VG Täglich: Gr.«»rstellung 8',. Uhr. Außerdem Sonntags, Feiertag», Mitt- wochs u. Sonnabends nachm. 4 Uhr: llztra-Kinder- u. Familien-Vorstellung. fidler Friedrichsberg° �ädibähästMwn�?rän��Z?� illll.l Pernspr�rledriehs�� jleden Sonntag: l-liillll CillizlIel'Clm?öl!» ZsiSÄglilslsn-Volzlellimg Im Rßnlgsnnlci VevEvN NsIIa Volksdelustixunxen aller Art. ♦ Drei verdeckte Kegelbahnen. i i Dio Kaffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet.*- Entree SO Pf.[5021 L*] Anfang A Chr. Mlttwocb, den ZI.Angnst: Vorletztes Auftreten der Wiliy Waide-Sänger I ♦ CSSI!SI5S�3 ♦ CSSSSSZ siestaurant ewerbselt�ls- � liaus. � Engel-Ulcr 15. 1 Kföenu 75 l�f. Heute Sonntag: Blumenkohlsuppe. Lachs in Butter oder Leipziger Allerlei mit Schnitzel. Gefüllte Kalbsbrust oder Kasseler Rippespeer. Kompott oder Salat. X kelcbffaltige Abendkarte. X Wochentäglich: Grosser bürgerlicher MiltagsiiscIiGoutGOpf. Um zahlreichen Besuch bittet alle Genossen l?lcli. Augustin» Variete-Garten Weinbcrgswcg iy)20, Roienth.Tor. Reue Spezialitäten. StT" DrcHalcrte Kßrcn. Ans: Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. Bei ungünstigem Wetter �/orttetstmjMn/Th�awr�ijp]� Prater-Theater. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber. Spezialitäten 1. Hanges. Austreten der Eßwenbraat Xlll.v IlöbC mit ihren dress. Löwen. Konzert und Bull. Ansang 4'/, Uhr._ Reicbshallen-Theater. u. Rest.; Täglich: Ansang Wochentags 8 tlhr, Sonntag» 7«Hr. Reiobsballen Garten Gr. Militär-Konzert. I Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose Heute: Großer Elite-Tag! 9'/, Uhr: Mer Seekadett. Das crstklass. Spezialitötcu-Pregr. P. Vendaro. Neitzel-Luri-Trio. Jack-Theo-Trio. Gebr. Damm. Pap Panl Corndinl."96 Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 41/, Ulli. Mittwoch, 21. August: Bencjiz für Käte WillejBach.___ | MaxKliems| Sommer Theater I Hasenheide IZ/lö. Artistische Leitung: Paul Milbitz.. Wed: Gr. Konzert Theater 1 u. Spezialitäten-Vßi'stelliii]g.| Jeden Montag: Sommerfrst.■ Jeden Mittwoch: W Die beliebte» Kinderfeste, w (Jeden Donnerstag: Glite-Tag. A Die Kaffeeküche ist täglich von H 2 Uhr ab geöffnet. Fröheta Allerlei-Theaiep Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99, Acitestcs Volkstheater Berlin». Heute Sonntag: Der nene Bleuen- Angnut Spielplan mit der prolongierten Bnclng- trnppc und d. neuen Kunststerne. Um 8 Uhr: Großer Jubel über Paulas Beichte. Ansang 4 Ubr. Enttee Zv Ps Am 22. August: Benefiz Bnrut. Ab 1. September: Karl Brann. Union-Festsäle Greifslvalderstr. ÄSÄ am KönigStor. Jeden Sonntag im großen Fest« |[aal von 5 Uhr ab: Großer Ball. Empfehle Totensonntag, sowie ersten Weihnachtsseicrtag für Ge» sang-, Theater« oder Tunivereine. Ergebcnst > 2357b O. Rcrndt. wA - Wirtshaus----- oritz Uhte Krcuzbcrgstrafie 3. Sonntag frischer Gilnsehraten 75 Pf. GroSer Mittagstlscb, kleine Preise. Vorz. Kaffee in Kannen(Kaffeekuchen). Echt Kulmbachcr, alte Weiße. m Schöner schattiger Garten« M Achtung! 4.Wahlkreis Am Sonntag, den 18. August: S Achtung! Qrofies Sommerfest in Mentes Volksgarten(Lichtenberg), Röderstraße, und„Elysium", Landsberger Allee 40. ErßlTnnng Si Chr. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Billett 20 Pf, Das Komitee. __ Die alten Billette, soweit dieselben noch nicht kopiert sind, behalten öltigkeit Holzarbeiter-Verband. ächlunj! Drechsler, Treppengelinder- und Luiusmllbelhnnche! Sonnabend, den 31. August: Großes Sommerfest Garten und Festsälen, Weberstr. 17. in Boekers Garten und Festsälen, Eintritt: Herren 50 Pf., Damen 30 Pf. Tanz frei! s ■Ei 0 10 Braut-Ausstattungeii liegen vom 19. bis 22. August zur Besichtigung aus. Die Ausstattungen kosten in der Reihenfolge des Wertes: m 2141 Mk. 2144 Mk. 2432 Mk. 2107 Mk. 3263 Mk. 4270 Mk. 4800 Mk. 6311 Mk. 6500 Mk. 8115 Mk. B Besichtigung erbeten. F. V. Qrünfeld Landeshuter Leinen- und Gebild-Weberef. Berlin W., Leipziger=Straße 20—21. IBI 0 Sciiweizergarten Am Königstor. Am Fricdriohshain. Straßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Thealer-Yorstellung. Neue Spezialitäten. Rioematograpli und Ball. Freier Damentauz. Ansang 5 Uhr._ Entree 30 Pf. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Bei güniliaer Witterung aus der Gartenbühne. Sonntag«, Montags, Donnerstags: HolwNoräSäiiier u, Tanzkriinzcben. Premiere: In der Dainaka. Posie mit Gesang in l Alt. Sonntags Beginn 5 Uhr, wochentags 8 Uhr. Morgen: In der Damnka. fisthahn-park Am KDstrlnerplatz, RUdersdorfarstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qroßes Konzert, Theater- und Spezialitäten- _ Vorstellnug. Kur noeh kurze Zeit! Jeden Montag. Mittwoch, Freitag u. Sonnabend nach Heideschloft Hoheubinde,»Zum Gutenberg«. LM- Schönster Punkt der Oberspree, herrlich im Walde gelegen. Abfahrt: Berlin, von der Waiscnbrück«, Ecke Stralau erdrücke, 10 Uhr morgens, von Casö Alse» 10'/. Uhr, Nücksahrt 7 Uhr. Fahrpreis: Einfache Fahrt 50 Pf., hin und zurück 75 Pf., Kinder 40 Pf. Reederei F. Kaimt, Stralau-Berlin, Tel.»Amt 7, 580 u. 13456. Von der Dampfttstatilm Michaelbrücke! Heute Sonntag, nachm. 2 Uhr: Extrafahrt nach .. Marlcnluft, Zeuthen. Neue Mühle. Preis 60 Pf., Kinder z5 Ps. Ferner Montag, Mitttvoch�Frellag früh 10 Uhr nach Neue Mühle. Dienstag und Donnerstag nach Wolteredorfer Schleuse. Prc hin u. zurück 50 Pf., Kinder 25 Pf.__[23236] O. Zachow. JSTcu! Aä JVcu! 1SE& Bamafer-Oxtrafahrt nach Seelitzkof BHT Famlllenfrelbad Wannzee von Montag. de» IS. bis Freitag, den SS. täglich von der Wcidendammer Brücke, Prinz Louis Ferdinandstraße, am Bahn- Hof Friedrichstraßc.— Abs. l'j, Uhr mittaas. Fahrpreis hm und zurück 73, Eins. öS Pf.. Kinder die Häljtc._ H. Bcrtzer. Telcph. Amt 4, 6718. Alhambra Wallner-Theaterftraße 15.• Großer Ball Jeden Sonntag; Großes Orchester. Ansang sonntags 6 Uhr..A. Zaiueitat. Ober-Schönewelde a. d. Oberspree. Jnh.: �.N». Hoerner (Neues Konzerthaus). 53S1L*] Heute: hlra-Borniioii (Leitung: Taiizlehrer«achsj. Für Vereine und GeWerk- schaften im Sommer»och Sonnabende zu vergeben. Bedlngniigen in bekannter kulanter Weise. Mhau„Armin- fällen", Kommandantenstr.58>o9. Fernsprecher I 8985. GroHe und kleine Säle au Sonnabenden und Sonntagen im Oktober. November, Dezember. Silvester«7 u. Januar, Februar. Wtärz 08 frei. 2257b' CebF. Mielitz,«T Auf Teilzahlung! Wöchentlich nur 1 Mark. Uhren jeder Art so- l wie Äoldivar., Zithern.j I Phonograph., Platten-� Isprechmaschiiien, Har- I monikaS, Mandolinen. J Geigen usw. Große Auswahl in � Platten, echte Edison-Zlpparate und Walzen zu Original-Preisen. Juhfv& KonigSi Warschauer»». 72, 1. Etage, Rewickendvrferstr. 101, h Etage. Tägliich lZroke Bxlru-Bnmplei'-fulirleu nachNrii8l!l>rsor Sedlouse». lZooem Borgs l°b Bedilliggz-Bi'IIelll!. Hierzu ladet ein Bichl, Restaur. z. Oden-Spree- Kanal. sZU. Carl Keller5 Neue Philbarmome Köpnickerstraße 96—97. 5686L' Empfehle meine lO Säle, 50 bis 2000 Personen fassend, zu Ver- � Sammlungen, Sommorfesten und anderen Vereins Vergnügungen. Sonnabend, 7. September, ist der große Saal noch zu vergeben- BREUER8 Pestsäle =„Zur Königsbank"- Gr. Frankfurtertip. 117. X Jnh. Cm-t Breuer. X Amt VIU, 8142 Den geehrten Gewerkschaflen, Vereinen, Klub» empfehle ich meine Gefanil» räume zur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art -— zu den kulantesten Bedingungen.-■ Um recht regen Zuspruch bittet[5382S*] Cur! Breuer, Gastwirt. Fey s Gesellscbartsbaus, Brunuenstr. 184, habe ich neu renoviert und mit neuem Parkett übeniommen. � Empfehle dasselbe zu Versammlungen und Festlichkeiten. Totensonntag ist noch zu vergeben. Blchurd Fey jun. Reichel's Traehtsgrnp- Sxtrakte 1 das volle Aroma frischer Früchte enthaltend, in Himbeer, Kirsch, Erdbeer, Zitronen, Llmetta, Lemon Squash, Grenadine(französische Art) usw. Eine Orlglnalflascbe gibt S Pfd. Llmonadensirap, dessen reiner natürlicher Fruchtgeschmack und Billigkeit überrascht. Ein Pfund stellt sich fix and fertig auf etwa 25 Pf. Köstlich zu Brause- und anderen I-imonadcn, als Zusatz zu WelUbler und Setter« sowie als BeignB zu Pudding«, SpciHcn!C. '/. Flasche 7S Pf. Zum Versuch'/, Flasche 40 Pf. Berühmte Original-Relcbel-Essenzen, keine Kunstprodukte, sondern natürliche Destillate und Extrakte. Nachweislich Beste, Bewährteste und im Gebrauch Billigste zur Selbstbereitung von Kognak, Rum und sämtlichen LikSren. In Hnnderttausenden Haushaltungen im Gebrancb. Otto Reichel, Berlin SO., EisenbahnstrA KrttUte Spezlnlfubrlk Dcntochlands. Fernsprech-Anschlüsse IV. 4751, 4752, 4753. „Die Oestllllsrung Im Haushalt". Wertvolles Rezeptbuch gratl«! Niederlagen In den durch meine Nlederiagssohllder kenntlichen Drogerlen etc., wo nicht erhältlich, Versand ab Fabrik. kl>M ict allnin bas Original. I!oI,t1>«.,it alles andere nur Ll-Ill lol dslclll Produkt mit Marke»klbillllvlt, Nachahmung k Gutgehendes Parteigeschäft Beatanrant, Fremdenzimmer. VereiiiSzimmer, großer Garten, VcrkehrSgegend Berlin» Ist krantheits. halber sofort zu vergeben. Preis 23 000 M. Ber. mittler verbeten. Offerten bitte unt. Vf. 1 Expedition 6(2.Vorwärts- „Englischer Garten", ituH. m. Bringe meine vier Säle(75—500 Pers. sass.) zu Festlichkeiten, Versamm- lungen usw. hiermit in Erinnerung.— Sonnabende u. Sonntage Im Sep- tember, Oktober, November usw. noch frei. Bax Qnelßer, Gastwirt. Der schönste Ansslngsort ist Restaurant Wendensehloß. Unter den Müggelbcrgen an der Dahme und Lange» See gelegen, bietet für Vereine. Verbände. Gesellschaften,«lubS. Fabriken und Schulen den angenehmsten Ausenihalt. 53832* Schönster tdhlllscher Garten, 4000 Sitzplätze, 2 neue grohe Säle und ein kleiner Saal, Glashallen, 2 Kegelbahnen, Ausspannung und Belustigungen aller Art. Es cinpsichlt sich sreundlichst Telephon: Amt Köpenick 67. WO. JFVIdl 1 Mark. ' � Cigarctte» Ifresstolil feinste Handarbeit No. 2 10 Stück 20 PI. „ 3 10 ,, 30 ,, Revolntionsgefahr durch unerhörte Verteuerung aller lieben«- und täglichen Bedarfsartikel. VVarnm greift die Presse nicht ein? Da« wirtocbartsblld der Gegenwart und dar Zukunft ist zu beziehen durch»II« Buchhandlungen(Kommisslon&r; Otto Weber, Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgebe, Mk, 2.— Teil- und Volks- ausgebe, 60 Plg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 6S Plg. für du Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg.(flr das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in WUrzburg versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbct Flugschriften und Prospekt« Sehuhwarenhans Wilmersdorf Robert Schramm Berlinerstraße 41, Ecke Brandenburgiscbestraße. Kerren-, Damen- n. Kinderstiefel In grofier Auswahl. Billlgatc Preise. StaATfalilSt* Herrenstlefel 7, 50 Speziantat- Bamenstiefel V0 Eigene Kcpuraturwerkntatt. Die seidene Bluse und dns Kostüm kaufen Sie am vorteilhaftesten direkt in meiner Konfektions-Ab- teilung. Mehrere hundert reinseidene Blusen, feste n. lose Formen I« allen Grftssen jetzt 10.00, 12.00, 15.00 eto. Sohlohe Jacken- o. Bolero- Kostftme aus prima Stoffen, ganz auf Seide für die Hälfte des Wertes ietit 45.00, 55.00, 6500. Beinseidene Jupons mit reicher Volant- Jarnlerung Jetzt 12.00. 15.00. 18.00 etc. Modelle reinseidener Strassen- Eoben sowie einzelne elegante Böcke bedeutend unter Preis. BV Aenderungen sofort. Maas-Anfertigung schnellstens. VHS Adresse genau beachten! Beiden- Engros-Hans Hermann Herzog, Berlin, Jetzt nnr Leipziger Str. 7», l Trapp», am Dönhottplatz. Telogr.-Air.: Seldon-Berzon« Spezialitat Wichtig für Bruch- leidende. Meine Bruch« hän der mit u. ohne Feder, sowie meine Leibbinden sind die bestsitzenden u. vorursachea keine Beschwerden. Außerd. empfehle mein Lager von Bettunterlagen, Gummistrümpfen, Suspen- sors, sowie sämtl. Aussplil-Apparate, Hygienische Schutzmittel. A. R F I C U E, BandagiHt, Lieferant sllmtl. Krankenkassen etc. Berlin C., Seydelstr. 15. Tel. I, 3256. 4« Hygienische Banansartiksl. Nouost. Katalog Hmpfehl.viel. Aerzto u.Prof, grat.mtt Berlin üuger, Gumniwateufabrik NW- Friedricbsiraaa a 91/93. 6310L« Räumungspreis Vundervoll gestickte abgepafite Portieren n.P) für Fenstei und Türen. ganze Dekoration (bestehend ans 2 Flügeln und 1 Querbehang) schwer. Wollserge 425%f in Viktoriatuch. 585 WZ mit Seidenplüsoh-ÄppHkation in Leinenplllsch 785 W in hell E».»!,o 1125(Wert seidenart. tlll|JIIB II 18,00) ca. lOOOSmckielchgsslickte Stück 2K(Wert 5 Mark) Gardinen, Stores, Xag- vorhttuge, TUllbett- deckon unter Preis t Teppich-Spezialhans Emil Lefevre Berlin Süd. Seit 1882 «»«»i' Oranienstratle 158. Unterhalte nirgentls Filialeoü Wach auswirts per Nachnahme. Pracht-Katalog etwa 800 Äbbilöungen lo küstleriscber Ausstattung auf, Wunsch! Zahlsfells Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß folgende neue Zahlstellen errichtet worden find: in DkllUditllölüf'IDt� ♦ Lokal Schnlze, Scharnwebcrstr. 22, . Lokal Joseph Schilfer, Baum« in sep schulmstratze 14. Lokal Zlahlsri, KiefHolzstraße 35. Spiegelr ahmen- Branche. Dienstag, den 20. August, avendö 8Va Uhr: Versammlung aller in der SpiegtlralMenbrallche beschiifligten Kollegen bei Zlerhovskl, Andreasstraße 26. :_ Jede Werkstatt muß vertreten sein.- 92/13* Die Kommission. Modell-«Flibriktisihltr«.Modclldrechslcr. Donnerstag, den 22. August, abends 8'/. Uhr: üü Branchen-Vcrfammtung � bei Schmidt, Gartenstrafte 6. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Dnexe. 2. Die Lehrlingsfrage. S. Branchcnangelcgenhciten. — Zweigverein Berlin. Sektion I. Geschäftsstelle: Berlin 0. 54, Mulackstr. 10 I. Sonntag, den 18. August, nachm. 2�2 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Saal I: Versammlung. TageS. Ordnung: 1. Kuratoriumsbericht. 2. Abrechnung vom II. Quartal 1907. 3. Vcreinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreiches und Pünktliches Erschewen erwartet 42/12 Der Vorstnnd. Verband dentseher Kürschner —— Zahlstelle Berlin.—— Mittwoch, den 21. August, abends S'/o Uhr, Prenzlauerstraße 41: Mitglieder- Versammlung. TageS. Ordnung: Vortrag des GewerkschastssekretärS 2kd. Dlttei' über:„Die Wirt- schaftlichen Kämpfe der Gegenwart und ihre Lehre für die Arbeiterschaft." Um zahlreiches Erscheinen ersucht' 102/13_ Die Ortsverwaltnng. Herren- undKnabenkonfektion! Am Montag, den IS. August, abends 3'/, Uhr: zwei öffentliche Versammlungen. Für den Norden: in der„Verolina«, SchSnhauscr Allee 23, .„ Osten: bei Grät!, Große Franksurlerstr. 30.. Tages-Ordnung:" .Die Aussperrung der Konsektionsschneider in Stettin und die Lohn- bewegung der hiesigen Kollegen". Reserenten: Kollegen Sübr und Kunze. Zu zahlreichem Besuch sordert aus Der Klnberafer. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburea«: CharitistraBe 3. Hos HI. Amt 3, 1937. Dienstag, den 20. Angnst, abends 5V2 Ahr: MT Oeffentilche'HW Metallarbeiter-Versaramlnng für Weißensee und Umgegend im Saale„Zum JJriüntrn", Lehderstr. 122 Tages-Ordnung: 1..Die Emanzipationsbestrebungen der Arbeiterschaft.' Referent: Kollege Handle. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. mar- Zu dieser Versammlung sind die Kollegen folgender Firmen eingeladen: Berger, Conrad. The New Departure, Dalking, Schultz 4K Co., Gebrüder Scheller, Schönheimer. Ruhnke, Lenz. Köhler, Römer 4K Kertscher, Magnet, Luis, Lüders und Luxfer Prisme-Syndikat. Die OetsveroenUnns. ~ VI. Wahlkreis. Sonntag, 18. August, abds. i* Uhr, bei Witte, Drnnnenstr. 188: |g: yersaminlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen k'vmtvl über:„Tie Frauen uitd der internationale Kongreß". Nachher: LemüMokes Veisammenseill llllä Tanz, 265/5* Der Vorstand. Zveigverein Berlin. Kolegen! Am Montag, den 10. August wird mit dem Abstempeln der Streikkarten und dem Ausstellen der Legitimationskarten im Saal Ä des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15, begonnen. Da voraussichtlich der Andrang in den ersten Wochen sehr stark sein wird, so ersuchen wir die Baudeputierten der einzelnen Bauten, die Verbands- und die Streik- Papiere, soweit dieselben in Ordnung sind, sämtlicher auf dem Bau beschäftigter Kollegen zu sammeln, eine Liste derselben anzulegen und ins Bureau zu bringen. Um den Kollegen, die noch Beitragsrückstände haben, die Nachzahlung derselben zu erleichtern, werden von der nächsten Woche an in allen Verkehrslokalen der Maurer Sonnabend zwischen 8—10 Uhr abends Kassierer zum Einsammeln der Extrabeiträge anwesend sein. 142/15 �_ Die Verbandsleitung. « Berlin.(Mitglied des Arb.- Turner■ Bundes.) Montag, den 19. Augnst, abends 81/. Uhr: M EröITiiung der 14. Lehrlings-Äbteilung � •tn der Schulturiihallc KOpenickerstr. S. Tnrnzeit: Montag und Donnerstag von 8—10 Uhr abends. Einschreibegeld 10 Ps., monatlicher Beitrag 25 Ps. 295/12 Dienstag, den SO. Augnst, abends 81/, Uhr: gr Eröduung der 14. Männer-Abteilung m IN der Schulturnhalle EhrooherKStr. 24(am Stralauer Tor). Turn- zeit: Dienstag und Freitag von 8—10 Uhr abends. Einschreibegeld 25 Pf., monatlicher Beitrag 70 Ps. Einschreibegeld wird bei Anmeldung am ersten Turnabend nicht erhoben.— Im Beitrag ist die monatlich zweimal erscheinende„Arbeiter Turnzeitung- und das.Mitteilungsblatt" deS Vereins sowie die Unfall- und UnterstützungSkasse einbegriffen. Ebenso seien unsere Damen- und Schülcrabteilungcn und die in allen Stadtteilen befindlichen Männer- und Lehrlingsabtcilungcn allen Turnsreunden bestens empfohlen. Auslunjt durch die Geschäslsstelle deS Vereins 0. l7, Kopponaie. 24. Tanzlehrer-Verband„Solidarität" Berlins und Umgegend. Achtnng! Achtung! Gewerhsctiaftcn! Vereine! Gestatten uns, die werten Komitees daraus ausmcrksam zu machen, daß unser ehemaliges Mitglied WiM-,nk-r(FreherS Festsäle VY UUdlier Koppenstr. 29) nach zehnjähriger Mitgliedschaft ausgetreten ist, da es für ihn nicht mehr zeitgemäß ist, die Ideen der modernen Arbeiterbewegung anzuerkennen, und erbitten Bestellungen nur an unsere Geschäftsstellen veirerhsehaftslmns, Engel-Ufer 16, Teleph. Amt 4 No. 4407, Rcstanr. Pavel, Gr. Frankfurterslr. 9 Amt 7 No. 8028. 295/10 Der Vorstand. Deutscher Buchbinder-Verband. ----------- Zahlstelle Berlin.--------------- Dienstag, de« 20. August, abends 8 Nhr, im Gcwerkschaftöhause, Engel-User 15, Saal 4: venera!-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Einführung des Staffelbettrages und Festsetzung des Lokalbettrages. 2. Gefchästs- und Kassenbericht. 3. Ersatzwahlen der Revisoren und zum Gauvorstand. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt! Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. Mittwoch, den 21. August, abends S»/, Nhr, in dc» Michacls-Festsälcn, Michaelkirchstr. 39: Iranehen-Versammlung aller in öen Berliner Galanteriebetrieben beschäst. Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: I. Der Wert der Darifverträge. Zicscrcnt: Genossin Rannaseh. SS. Wahl der Branchenleitung. 3. Branchen- und Verbandsangelegcnheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 24/14 Die Ortsverwaltnng. � ügarette „Hoffnung" Berliner Schneiderei• Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwischen Rosenthaler OuuuMnHnfw 4 OK Zwischen Rosenthaler l Tor u. Invalidenstr. OruniienSir. lOo Tor u. Invalidenstr. Gegr.i.Februarl906 v. organisiert. SohnoidergehüUen Berlins.' SÄ Arbeitern, Parteigenossen Mitbürgern i und zur Abfertigung eleganter HeireikUeiigarilerolie Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- u. Kinder-Anzüge in allen Größen and Preislagen." Keichhaltiges Lager in fertigen Soimr-Paletots, Ulster, Fautasie-Vesten sowie Arbeiter° Berufskleidung. Tio Hcrstellnng unserer Fabrikate erfolgt in j eigouen Betriebswerkstätten unter doa von, unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten der . Konsum-Genossenschaft Itcrllns n. FmgcgeRd,| des UcrlincrKonnnRi-Vcretns sowie des Charlottenburger Konsum Vereins. GOOGOOOGOO»GOOHHOOOGB Deutscher Metallarbeiter-Verband BertvaltungSstellc Berlin. Todcs-Anzclge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Otto Lcbnshel am 15. d.M. an Lungenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des St. AndreaS-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 147/1 Die Ortsverwallung. Verband d. baugewerblichen Hültsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Süd-West. Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den 14. d. Mts., verstarb unser treuer Kollege Iriedrich Seela im Atter von 50 Jahre» an Magenkrebs. 47/5 Ehre seinem Andenken! �Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 18. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig Kreuz-Kirchhoses in Mariendorj aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Oer Zweigvereinsvorstand. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter sagen wir hierdurch allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Msx Streicher 57162 und Kinder. Danksagung. Für die so zahlreichen Beweise aus- richtigster Teilnahme und die reichen Blumenspenden beim Hinscheiden meines inniggeliebten Mannes, unseres herzensguten Vaters, des KausniannS und Gastwirts Kax tlueisser sage ich hierdurch allen Freunden und Bekannten, meinen lieben Mitarbeitern und Gewerkschaften, sowie sür die zahlreiche Begleitung zur letzten Auhestätte meinen ausrichtigsten Dank. Die tieslrauernde Witwe Anna tjnelsser geb. Weinert nebst Kindern. P. P. Mache zugleich die Mitteilung, daß ich daS Geschäft.Englischer Garten- in unveränderter Weise weiterführe und bitte ich, das meinem Manne in so reichem Maße geschenkte Vertrauen aus mich über- tragen zu«vollen, da ich stets be müht sein werde, allen Ansorderungen nachzukommen. Anna tyielsser, .Englischer©arten". Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Oskar Ulfert sage ich aus diesem Wege allen meinen herzlichste» Dank. Fran Anna Ulfert 2354b nebst Kindern. Hödellabrft Eerolina. Eingetragene Genossenschaft mit be- schränkter Haftpflicht. Sonntag, den 1. September 1997, vorrniltagS 9 Uhr, im GeschästSlokal, Bophagenerstr. 16a: Geucral-Bersaiumluilg. Tagesordnung: 1. Statutenänderung. 2. GeschäsllicheS. Oer Vorstand. Braa Maschkow Adolf Webers Verlobte. Berlin, 18. August 1907. 23051, Freilag morgen 9 Uhr entschlics sanft nach langen, schweren Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, der Restauratsur Fritz Steuer, Um stille Tellnahme bitte» Die trauernde Witwe Alwine Steuer geb. Bobumann nebst Kindern Richard und Fritz. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 19. August, nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhause Weinstr. 23 aus nach dem Barths- 1 lomäus« Kirchhof in Weißcnsee, Falkcnberger Weg, statt. 2320b �lisiiieWiu'Miiel'iSsMMiii für den 1. BeriiQerReieiistags-Walilkreis. «Frankfurter Viertel.) Bezirk Nr. 387. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unscrGcnosse.derRestaurateur Fritz Steuer Weinstr. 23 gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 19. August, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Bartholomäus- Kirchhos in Weißensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 262/13 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Schraubendreher Wilhelm ernst nach langen schweren Leiden saust entschlafen ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernde Hinterbliebenen. Verwitwete Karollne Ernst. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 5'/, Uhr von der Leichenhalle deS EmmauS- Kirchhofes(Rixdors) aus statt. Sozialdemokrat. IfahlvereiD für den l Berliner Reiehstapalreis Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Händler �ViUtelm Ernst wohnhast Grünaucrstr. 12, Wahlbezirk 219 II, gestorben ist. 262/9 Ehre scinein Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. August, nach. mittags 5'/z Uhr, von der Leichen. Halle deS EmmauS-KirchhoseS auS statt. Ilm zahlreiche Beteiligung ersucht Der Voritaud. lenlralverdsiill der Brauereiarbeiter i Zweigverein Berlin. Sektion II. Den Kollegen zur Nachricht, daß I unser Mitglied, der Mitfahrer Wilhelm Inders (Bockbraucrci I) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 13. August, nachm. 5 Uhr, l von der Leichenhalle des Sankt! Matthias- Kirchhofs, Maricndors, 1 Schönebergcrstr. 63—68(Marien- Höhe) aus statt. Rege Beteiligung erwartet 42/13 Oer Vorstand. Beutseder Holzarbeiter- Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler EmiB Timpel am 14. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. August, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS Andreas. Kirchhojes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/10 Oie OrUverwaltung. ZentralveMderDaciideeker. Verwaltungsstelle Berlin. Durch Absturz vom Dache tödlich verunglückt ist au» 13. August unser Kollege kouis Hübsch. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am DienStag. nachmittags 5 Uhr, vom Gethsemane- Kirchhose(in Nordend) aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 57/3 Oer Vorstand. GfinstigesAngebot f. Anfänger. Metalldrehcrei m. Elektrom.. 5 Drchb„ reich!. Zudeh. z. Jnventarpr, vcrkäufl. Wunderlich, Berlin, Oranienstr. 3t. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weder, Berlin, Für den Inseratenteil verantw,: Th,Elvcke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, BerlagSanstalt Paul Singer St Co., Berlin SW, Nr. 192. 24. Jahrgang. 5. KrilM Ks Jotmärts" ßtrlintt Sollistilitl. Sonntag, 18. August 1907. partci- Hngeköfenbeiten. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 18. d. M.: Ausflug mit Familie nach Restaurant„Heidekrug", Kickemal bei Köpenick. Abfahrt vom Stadtbahnhof Aleraudcrplatz 9,46. Nachzügler können alle halbe Stunden fahren bis Köpenick. Friedenau. Dienstag abend: Mitgliederversanrnrluug bei Gnrbe, Kaiser-Allee. Tagesordnung: Arbeiterbildung in Theorie und Praxis. Referent: Genosse Heinrich Schulz. Berichte von den General- Versammlungen Grost-Berlins und des Kreises. Vereinsangelegen- heilen und Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich VgS Uhr eröffnet. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Heute nachmittag 3 Uhr findet eine Familienfestlichkeit in obengenanntem Lokal statt, wozu zahlreiches Erscheinen gewünscht wird. Der Vorstand. Zehlendorf. Am Dienstag, den 20. d. M.. abends 8 Uhr, findet bei Mickley, Potsdamerstr. 2b, die Mitgliederversammlung des Wahl Vereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Paul G ö h r e über.Kolonialpolitik und Sozialdemokratie". Um vollzähliges Erscheinen wird ersucht. Steglitz. Die am Dienstag festgesetzte Flugblattverbreitung und die am Donnerstag festgesetzte öffentliche Versammlung fallen aus, da am Donnerstag verschiedene Gewerkschaften Versammlung haben. Die Versammlung findet nächste Woche statt. Mitteilung folgt noch. Treptow-Baumschulenweg. Die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins findet am Dienstag bei Kubig, Baumschulenstr. 64, statt. Tagesordmmg: 1. Bortrag. 2. Berichterstattung von der Kreis- Generalversammlung. 3. Wichtige Vereinsangelegenhciten. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Britz-Buckow. Am Dienstag, den 20. August, abends �9 Uhr. findet im Lokal„Schöneberg", Rudowerstr. 66, die WahlvereinS- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der General- Versammlung von Grotz-Berlin. 2. Bericht von der Kreisgeneral. Versammlung. 3. Verschiedenes. Die Diskussion der vertagten letzten Versammlung vom 14. d. M. wird fortgesetzt. Pünktliches Und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. ObcrschSnewcibe. Heute, Sonntag. grohcS Volksfest im .Wilhelminenhof", Anfang 4 Uhr. Zahlreiche Beteiligung er- wartet Das Komitee. Dienstag, den 20. August, abends 8� Uhr, findet die Mit- gliederversammlung des Wahlvereins bei Dobislaw, Ostend, statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Der Preufiische Parteitag, Referent: Stadtverordneter Genofle Emil BöSke. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung von Grost-Berlin. 4. Verschiedenes. Die äußerst wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämt- licher Mitglieder. � Der Vorstand. Teltow und Umgegend. Am Dienstag, den 20. d. MtS., abends 8'/, Uhr. findet die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins im Lokale des Herrn Dertz, Zehlcndorferstr. 4, statt. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Genossen notwendig. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Lichtenberg. Dienstag, den 20. August, abends Punkt 8'/, Uhr. Generalversammlung in Gebr. Arnholds„Schwarzem Adler", Frankfurter Chaussee S. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht von der Kreis- Generalversammlung. 3. Bericht von der Verbands- Generalversammlung. 4. Neuwahl von 21 Delegierten zur Kreis- sowie Verbands- Generalversammlung. 5. Neuwahl der Zeitungskommission. 6. Vereinsangelegeuheite». Parteigenoflen l Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung' ist vollzähliges Erscheinen notwendig. Der Vorstand. Bezirk WaidmannSlust. Heute, Sonntag findet das Sommerfest deS Wahlvereins in Waidmannslust im SchweizerhäuSchcn, Diana- straße, statt. Das Komitee hat alles aufgeboten, um den Genossen einige genußreiche Stunden zu bereiten. Es wird deshalb ersucht, für den Besuch des Festes rege zu agitieren. Der Vorstand. hellen Sommerkleidern und ihr Gesang und Jubel mischen sich in das muntere Gezwitscher der Vögel. Primitiv eingerichtete Wald- schänken spenden den schäumenden Gerstensaft. Jetzt biegen wir links ab über die Bahngleise. Ein schlankes Reh bricht durch das Gebüsch und guckt uns mit seinen großen, klugen Augen verwundert an. Noch eine kleine Weile und wir sind am Ziel. Restaurations- gcbäude tauchen vor uns auf. Kellner, mit der weißen Serviette über der Schulter, blicken uns erwartungsvoll entgegen.— Ein schmaler Fußweg führt hinüber zur Krummen Lanke und bald stehen wir an der spiegelnden Wasserfläche. Angler stieren mit be- wunderungswürdiger Geduld auf die Angelrute, während einige Badende mit kühnem Schwung in die Fluten tauchen. Gurgelnd schäumt das Wasser am Ufer hoch, und die Wellen spritzen klatschend ihren weißen Gischt auf den heißen Sand. Hier herrscht Ruhe, süße, satte, wohlige Ruhe. Eine heilige Stille umgibt un?. Wir strecken uns gemächlich in den Schatten der Bäume und atmen in vollen, kräftigen Zügen die würzige, ozonhaltige Luft ein, bis ein realistisches Knurren in der Tiefe unseres Magens uns an das Angenehme eines guten, schmackhaften Mittagsmahles erinnert; nicht lange dauerts und wir fügen uns dem strengen Mahner. berliner JVadmcbten. Mit dem„Autobus"»ach der„Alten Fischerhütir-. Um die elfte Stunde bestiegen wir am Oranienburger Tor den plumpen Koloß.diese neueste Errungenschaft im Berliner Ver- kchrsleben. Obgleich es Sonntag war und der Himmel, trotz einiger Wolken, die der kecke Morgenwind gar jämmerlich zerzauste, zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, blieben wir die einzigen Fahr- gäste. Langsam setzte sich das Ungetüm in Bewegung, schnaubend und fauchend nimmt es seinen Weg durch die Friedrichstraße und biegt in einer eleganten Kurve in die Linden cin�dem Branden- burgcr Tor zu. Wir„fühlen" uns und lehnen uns nachlässig und gemächlich zurück, während Häuser und Menschen wie im Fluge an uns vorüberziehen. Bald aber schreckt uns die schnarrende Stimme des Schaffners aus unseren Träumereien und die blanke Reichs» mank ,die er uns gleichgültig„abknöpft", reißt uns gleichsam ein Stück aus dem Herzen mit. Wehmütig sehen wir unser Geldstück in der unergründlichen Tiafe der rindledcrnen Bügeltasche ver- schwinden. An der Hochbahnstation„Bülowstraßc" ist die Halte- stelle, nun beglücken uns mehrere Familien und LiebcSpärchen mit ihrer Gesellschaft. Von hier aus ist der Fahrpreis auf 70 Pf. festgesetzt, ein Umstand, den sich viel« nicht entgehen lassen, indem sie bis zur Bülowstraße irgenÄ eine andere Fahrgelegenheit für 10 Pf. benutzen. Nachdem durch den langen Aufenthalt unsere ohnehin nicht allzu reichlich bemessene Geduld bis auf den letzten Nest erschöpft ist, beginnt es»m Innern des Vckikels wieder zu rumoren und durch seinen Riesenleib geht ein Stoßen und Zittern und Rollen, daß es uns wie ein elektrischer Strom durch den Körper rieselt. Ueber den Nollendorfplatz, durch die Kleiststraße, an der Gedächtniskirche vorbei, saußen wir den Kurfürstendamm entlang. Halenfee zu. Rechts und links erheben sich die eleganten Pracht- bauten der oberen Gesellschaft, mit hübschen, peinlich sorgfältig ge- pflegten Vorgärten, urid aus dem Reitweg jagen-flink« Reiter und graziöse Reiterinnen auf schlanken, edlen Rossen hin. In Halensec kommen noch einige Fahrgäste hinzu. Dann geht es durch die Königsallce, wo schmucke Villen in vornehmer Ruhe hinter lauschigen Tannen hervorblicken. Die Jalousien sind herabgelassen und nur selten huscht ein Dienstmädchen mit weißem Häubchen durch die Büsche oder ein Hund springt am Gitter entlang und kläfft uns wütend an. Bald ist Hundekehle erreicht. Nun wird es einsam. Die Häuser bleiben hinter uns zurück und der weite, stille Wald nimmt uns auf. Die holperige Straße ist rechts und links von Bäumen flankiert, deren breites Blättcrdach herunter hängt, und uns mehreremalc nötigt, tiefe Bücklinge zu machen, was uns bei unserem steifen Rückgrat nicht leicht fällt. Zkbcr wir tun es gern vpr diesen ernsten, schlichten Könizcn der Natur, die sich von irdischen Potentaten dadurch vorteilhaft abheben, daß sie der Mensch- heit nützlich sind und Herz und Auge erquicken. Abseits vom Wege stehen mehrere, mit Girlanden umwundene Kremser, nicht weit da- bon lagern Gruppen fröhlicher Ausflügler in Hemdärmeln und Ein Lagerraum für Menschenware. Auf dem großen Menschen- markt Berlin blüht das nicht immer saubere Geschäft jener be- triebsamen Agenten, die aus Ostelbiens weiten Gefielden oder womöglich auch aus Rußland, Oesterreich usw. eine gewisse Sorte von Arbeitern heranholen, um sie als billige und willige Ar- beitskräfte an Unternehmer Westdeutschlands zu verhandeln. Solche Agenten schlagen ihre Bureaus vorzugsweise in der Umgebung des Schlosischen Bahnhofes aus, der ja für Berlin die Eingangspforte von Osten her ist. Dort in Bcrlin-Ost müssen sie auch ihre Menschenware einquartieren, bis der Weitertransport nach Westen möglich wird. Diese Arbeiter sind in ihrer Lebenshaltung von einer Bescheidenheit der Ansprüche, die nicht mehr weit entfernt ist von völliger Bedürfnislosigkeit. Arbeiter, die auf einer höheren Kulturstufe stehen und daher auch mehr Lohn für ihren Unterhalt brauchen, sind nicht wenig erstaunt, wenn sich ihnen mal Gelegen- heit bietet, die Lebensweise solcher aus dem Osten importierten AuSbeutungsobjekte zu beobachten. Dieses„Vergnügen" kann man z. B. auf dem Grundstück Langcstr. 71 haben, wo ein dort wohnender Agent seine frisch ankommende Mcnschenware bis auf weiteres in einem Keller auf- zustapeln pflegt. Der Raum, den er zu diesem Zweck gemietet hat, ist früher mal eine richtige Kellerwohnung gewesen, heute aber gleicht er mehr einem Lagerraum. Von Möbeln befindet sich kein Stück darin. Die ganze„Ausstattung" besteht in einer Schütte Stroh, auf der die beneidenswerten Insassen schlafen, sowie in einer auf dem Fußboden stehenden Waschschüssel. Dieser Raum ist ein enges Loch von etwa 4 Meter Länge, 4 Meter Breite, LMs Meter Höhe. Er dient als Herberge für eine wechselnde Zahl von Menschen; in einem bestimmten Fall sind fünf Insassen gezählt worden, eS sollen aber auch schon mehr darin untergebracht worden sein. Trennung der Geschlechter scheint es hier nicht zu geben, und sie ist hier wohl auch gar nicht möglich. Alle, die da hineingesteckt werden, liegen neben einander auf dem zerbröckelten Stroh, da? aussieht, wie wenn es seit langem nicht erneuert worden ist. Wer sich zudecken will oder gar nach einem Kopfkissen verlangt, muß seine eigenen Kleider dazu verwenden. Wie es in diesem Raum um die Reinlichkeit bestellt ist, daS kann sich jeder denken. Wann mag der zum letzten Mal gereinigt worden sein? Selbstverständlich dürfen wir nicht daran zweifeln, daß eine hochlöbliche Polizei von der Verwendung des Kellers als Her- berge weiß. Auch das ist als sicher anzunehmen, daß sie. die be- kanntermaßen als Sachverständige für alles und noch einiges gilt, sich über die in dem Keller herrschenden Zustände informiert haben wird. Aber offenbar findet sie von ihrem Standpunkt aus keinen Anlaß, hier einzuschreiten. Auch sie ist ja in den Ansprüchen, die ihr für die Lebenshaltung eines aus Ostclbien importierten Ar- bciters als„standesgemäß" gelten, so überaus bescheiden, daß sie ein Mehr nicht zu fordern wagt. Für diese Bescheidenheit wird sie preisenden Dank ernten bei jenen Agenten, die aus der Vcrschachcrung ihrer Menschenware trotz aller Billigkeit einen möglichst hohen Profit herauswirtschaften wollen. Das Virchow-KrankcnhauS der Stadt Berlin ist im Herbst des vorigen Jahres in Benutzung genommen worden, aber noch heute scheint dort nicht alles so zu„klappen", wie man es von einer gut eingerichteten und umsichtig geleiteten Anstalt erwarten und fordern muß. In letzter Zeit sind unS mehrfach Klagen darüber zugegangen, daß in diesem Krankenhause P a t i e n- ten unter Miß st ändcn mancherlei Art zu leiden haben. Man kann vielleicht abschen von den Beschwerden, die sich gegen die Aerzte oder gegen das Wartepersonal richten. Manches Versehen und auch mancher Uebergriff, die da vorkommen, mögen daraus zu erklären sein, daß die Anstalt eben noch jung ist. Doch läßt es sich allerdings durch nichts entschuldigen, wenn z. B. ein Wärter Beschwerden der Patienten abtut mit der groben Antwort: „Halten Sie Ihre Schnauze!" oder wenn ein Arztcr Mond beobachtet. Im Sportpark Treptow findet heute nachmittag 4 Uhr ein 100 Kilometer-Rennen statt. Schornsteinfeger nnd Feuerwehr. AuS einem eigenartigen Anlaß wurde die Feuerwehr gestern nachmittag 5 Uhr nach der Kloster- straße 26/23, Ecke Königstraße, gerufen. Dort hatte ein 27 jähriger Schorilstetnfeger die Dampfheizung gereinigt und wollte dann auch den Schornstein fegen. Um schnell auf da» Dach zu kommen, kletterte er gleich im Rauchfang empor. In der Höhe der zweiten Etage inuß ihn nun wohl der Rauch betäubt haben, denn er glitt balo bewußtlos tvieder hinab. Als er nach einiger Zeit nicht zum Vorschein kam, schöpfte der Portier Verdacht und alarmierte die Feuerwehr. Diese fand den Verunglückten am Fuße des Rauchrohres der Dampfheizung bewußtlos liegen und schaffte ihn schleunigst iuS Freie. Unter Anwendinig von Sauerstoff wurde der junge Mann wieder zur Bestimung gebracht. Anscheinend hat er keine nachteiligen Folgen für seine Gesundheit davon- getragen. Feuerwehrbcricht. Durch die Explosion einer Spirituslampe kam in der Wörtherstrahe 9 Feuer aus. Grober Unfug war die Ursache einer Feuermeldung, die gestern früh um 6 Uhr auS der Malplaquetstraße einlief. Die Ursache einer zweiten Feuer- Meldung aus der WinSstraße 12 konnte nicht ermittelt werden. Wegen einer Lcuchtgasvergiftung wurde gestern morgen um 6 Uhr der 11. Zug nach der Alexandrinenstraße 10 gerufen. Es gelang, die bewußtlosen Personen durch Einflößen von Sauerstoff wieder herzustellen. Der 16. Zug hatte in der Müllerstraße 163 zu tun, wo«in Schlächterkeller brannte. Ein Wohnungsbrand rief den 7. Zug nach der Warschauerstraße 68. Weitere Alarme veronlaßtcn das Ausrücken der Wehr nach der Ebertystraße 30, Zossenerstraße, Auguststraße 62 und anderen Stellen. Vorort- sdszcsi richten. Rixdorf. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß die berichtigte Liste der stimmfähigen Bürger für die Stadtvcr» ordnetenwahlen in der Zeit vom 15. bis 30. August d. IS. an den Wochentagen während der Geschäftsstunden von 8 Uhr vormittag» bis 3 Uhr nachmittag» und an den Sonntagen von 8 bis 10 Uhr vormittags im Wahlburcau Jsarstraße Nr. 5/6(Ecke Boddinstraßel III Treppen links auSliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtgemeinoe gegen die Richtigkeit der Liste schrift- lieh oder zu Protokoll Einwendungen erheben. Der Mixdorfer Stichkanal, der den Landwehrkanal mit dem Teltowkanal verbinden soll und der nur bi» zur Ringbahn fertig. gestellt ist, gestaltet sich immer mehr zu einer Plage für die An- wohner. Schon im ersten Sommer seiner Existenz entsandte er nicht gerade angenehme Düfte. Jetzt hat sich dieser Geruch zu einem unerträglichen Gestank entwickelt, der die Hausbewohner zwingt, die Fenster geschloffen zu halten. Warum wird denn der Kanal, dessen Uferstraßen an den lieblichen Laubenkolonien vor- über einen angenehmen Spaziergang bilden könnten, nicht durch. gelegt? Dann hätte der Schmutz doch Abfluß. Tie Gelder hierfür sind doch vom Magistrat und dem Stadtvcrordnctenkollcgiuni be- willigt! Sollte denn die Beseitigung de» Mißstandes beim Eisen- babnfiSkuS soviel Zeit in Anspruch nehmen, daß vurch den Geruch erst daS nahe Polizeipräsidium belästigt wird? Wir wundern uns nur, daß die Schiffer eS in dieser Atmosphäre aushalten können; jedenfalls ist die starte Benutzung durch diele ein Zeichen dafür, daß zu wenig Ausladestellen vorhanden sind. Hoffen wir, vaß durch diesen Notschrei einem Zustand ein Ende bereitet wird, der allen sanitären Bedingungen Hohn spricht. Bom Tode überrascht wurde am Freitag die in Berlin zu Besuch weilende 60 Jahre alte Frau Mittemeister. Sie war im Begriff. mit ihrem kleinen Enkel in dem Hause Lohmühlcnstr. 36 Bekannte aufzusuchen, als sie plötzlich vor der Tür des Hauses zusannnenbrach. Ein Herzschlag hatte den Tod der bereits 20 Jahre lang herzleidenden Frau herbeigeführt. Die Verwandten wurden von dem Lorfall in Kenntnis gesetzt und diese sorgten für die Ueberführung der Leiche nach dem Schauhanse. Charlottenburg. Die Wählerliste liegt vom 15. bis 30. August zur öffentlichen Einsicht auf dem Statistischen Amt in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags, am Sonntag nur von 8 bis 12 Uhr aus. Um eine möglichst allseitige Einsichtnahme und Kontrolle zu er- reichen, hat der Magistrat die Liste auch durch Druck vervielfältigen lassen. In diese gedruckten Exemplare können die Wähler vom 18. August ab in den Steuerzahlstellen, RevierbureauS der Gas. anstalt und in der Volksbibliothek, WilmerSdorferstr. 166. Einsicht nehmen, und zwar in den Dienststunden der betreffenden Bureau». Außerdem befinden sich Exemplare der gedruckten List« auch bei den Genossen, welche sich zur Einsichtnahme in die Wählerliste bereit erklärt haben(ihre Namen stehen auf dem am letzten Sonntag ver- breiteten Flugblatt). Einsprüche gegen die Richtigkeit oder Voll- ständigkeit der Liste sind aber lediglich im Statistischen Amt, Berlinerstr. 71, anzabringen. Wer in der Liste nicht steht, geht seine» Wahlrechts verlustig. Versäume daher niemand, sich davon zu überzeugen, daß er in die Liste aufgenommen ist, und. fall» seine Aufnahme versäumt ist. sie noch vor dem 80. August beim Statistischen Amt zu beantragen. Tödlich verunglückt ist am Freitag der Arzt Dr. Ludwig Fried. länder aus der Kirschen-Allee 12 in Westend. Dr. F. versuchte nachmittag gegen �6 Uhr an der Ecke der Kirschen-Allee und Spandauer Chaussee den Motorwagen Nr. 253 eines Straßenbahn- zuge» der Lime P(Westend— Dönhoffplatz)> der an der Haltestelle gehalten und sich bereit» wieder in Bewegung gesetzt hatte, zu be- steigen. Der Arzt glitt jedoch vom Trittbrett ab und fiel so un- glücklich zu Boden, daß er zwischen Bordschwelle und dem Anhänge- wagen zu liegen kam. Dr. Friedländer hatte eine Gehirnerschütte- rung, schwere innere Verletzungen sowie eine blutende Kopfwunde erlitten und wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht, wo er eine Stunde nach erfolgter Einlieferung verstarb. Verein Freier Kinderzarten. Sonnabend, den 24. August, vcr- anstaltet der Verein im Restaurant. WaldhauS"(Inhaber Kant). Tegeler Weg 38/39,«in Kinder-Spielfest. Äiisang g Uhr. Eintritt sür Kinder 10 Pf., sür Erwachsene 20 Pf. Grost-Lichterfelde. Der Storch auf der Straße. Die 20jährige Kontoristin Lina P. au» der Stcinmetzstrahe 25 war gestern nachmittag nach Grotz-Lichterfelde gefahren, um dort die Mutter zu besuchen. Als sie durch die Ringstraße schritt, meldete sich bei ihr plötzlich der Storch an, und kurz darauf hatte sie einem kräftigen Knaben das Leben geschenkt. Mutter und Kind wurden nach dem Kreis- krankenhause gebracht. Aus„verschmähter Liebe" hat sich ein vierzehnjähriges Schul. mädchen, Alice F. aus der Bockhstraße in Berlin, gestern nach. mittag in den T-ltowkanal gestürzt. Durch Passanten wurde das Mädchen den Fluten entrissen. Da» Mädchen war heute früh mit der Schulmappe von Haufe fortgegangen, hat es aber vorgezogen. statt die Schule zu besuchen ein Stelldichein mit ihrem Liebhaber wahrzunehmen. Ober-Schöneweide. Gemeindevertretersttzung. In einer außerordentlichen Sitzung lag der Vertretung die Schlußabrechnung de» BauauSführenden der 3. Gemeindeschule vor, weiche mit einem Betrage von 364 000 Mark abschließt. Vom Bauamte wurde begutachtet, daß der Be- trag von 320 000 M. nicht strittig sei, der darüber hinausgehende erst näherer Prüfung bedürfe. Seitens unserer Genossen wurde eS als unerfindlich hingestellt, wie ein Mehraufwand von 87 000 Mark über die Submissioussumme von 227 000 M. hinaus ent- stehen kann. Wenn dies mit der Unzulänglichkeit des aufgestellten Projektes und sonstigen Aenderungen entschuldigt würde, so sei trotzdem die Abrechnung sowie ihre Begutachtung durch die Bau- leitung sehr mißtrauisch zu betrachten. Auf alle Fälle habe die Vertretung die höchste Pflicht, hier auf vollste Klarheit zu dringen, TaS SubmissionSwescn bedürfe dringend einer Aenderung. Be- schlössen wurde, der Firma Stutterheim eine letzte Abschlagszahlung von 40 000 M. vor endgültiger Klarstellung der Abrechnung zu leisten.— Die Linienführung der projektierten Straßenbahn nach Karlshorst hat nicht die Zustimmung der Behörden gefunden, es wird nun seitens der Gesellschaft beabsichtigt, die Wagen auf dem vorhandenen Gütergleis verkehren zu lassen. Mitgeteilt wurde, daß die Wetterführung der hiesigen Straßenbahn bis nach Treptow zum 1. Dezember d. I. gesichert sei. Eine Anfrage betreffs der von unseren Genossen beantragten Badeanstalt wurde dahin be- antwortet, daß die Aufsichtsbehörde der Neuanlage von Bade- onstalten oder auch Freibädern an den Sprccufcrn im Gemeinde- bezirk im Hinblick auf den hier herrschenden starken Verkehr ab- lehnend gegenüberstehe. Lichtenberg. Mit der Aufnahme von Anleihen im Gesamtbetrage von 700 000 M. hatte sich wiederum die Gemeindevertretung zu be- schäftigen. Die Spannung auf dem Geldmärkte zwingt die Gemeindeverlvaltiingen, bei Geldbedarf auf Bedingungen ein- zugehen, die unter anderen Verhältnissen nicht diskutabel wären. Die Sparkasse de» Kreise» Kolüerg sieht sich infolge vermehrter Rückforberung ihrer Sparer gezwungen, der Gemeinde Lichten- berg 500 000 M. zu kündigen. Dieselbe Ursache veranlaßt die Sparkasse der Stadt Quedlinburg zur Kündigung von 151 800 M. ES sollen aufgenommen werden 500 000 M. vom Deutschen Werlmcistcrverband zu 4'/� Proz. Zinsen, einer Abschluß- Provision von 1 Proz., ferner ist für die Dcriuittelung eine Gebühr von'/« Proz. zu zahlen. Der evangelische ZcutralkircheufondS in Hessen ist bereit, von seinem schnöden Mammon 100 000 M. zu 4'/« Proz. seinen Mitchristen in Lichtenberg zu leihen. Auch die Sparkasse des Kreises Bersenbrück will 100 000 M. hergeben gegen 4'/« Proz.; hier ist das Geschäft ohne Vermittler zustande ge- kommen. Gegen die Vorlagen und die Fiuanzwirtschaft überhaupt wandten sich nur umsere Genossen, während die Mehrheit die Vorlagen annahm. Herr Röder empfahl eine gründliche Sanierung der Gemeinde- fiuanzen bei eintretender Bcsscrimg des Geldmarktes. Der Ge- mcindcvorsteher nahm am Schlüsse der Verhandlung Gelegenheit zu folgender Ausführung:„In den letzten Sitzungen sind vcr- schiedentlich außerhalb der Tagesordnung Sachen zur Sprache tebracht worden, die nicht Gegenstand der Tagesordnung waren. 1 a d i e Gefahr besteht, daß Sachen zur Sprache gebracht werden, über die sich der Gemeinde« vorstand nicht genügend orientiert hat. so ivird von der nach st en Sitzung an streng auf die Jnnehaltung der Tagesordnung gehalten lvcrdenl Eine besondere Hochachtung vor der Betätigung eines in Ausübung seines Amtes sich befindlichen Geuieindcvertrcters zeigen diese Worte nicht. Wir wollen abwarten, inwieweit der„Drill" bei unseren demokratischen Freisinnige» vorgeschritten ist. Pankow. Ein zweite? Opfer hat feit kurzer Zeit der Dinzsee, jener Pfuhl, welcher zwischen der Berliner Grenze und der Binzstraße liegt, gefordert. Am Montag voriger Woche ertrank dort, wie berichtet, der vjährige Fritz Ladewig, dessen Leichnam trotz eifrigen Suchen« erst am dritten Tage gefunden wurde. Am Donnerstag nun nahm der 18jährige Rudolf Seifert, Berlin, Kuglerftr. 45. dort ein Bad und ertrank infolge' eines SchlaganfallcS, che Hülfe gebracht werden konnte. Der Leichnam wurde erst 2t Stunien später geborgen. Dieser traurige Fall beweist aufs neue, wie gefährlich e« ist, Kinder ohne Aufsicht baden zu lassen. Nieder-Schönhatlscn. Ans der Gemeindevertretung. Für den Bau einer Turnhalle sollte die Summe von 55 000 M.„achbetvilligt werden. Damals bewilligte die Gemeindevertretung für den Schulhausbou 225 000 Mark mit der Maßgabe, daß derselbe von der Gemeinde in eigener Regie ausgeführt werden solle. DaS Schulgcbäude kostet 184 000 Mark, das Abortgebäudc 16 000 M., die Turnhalle mit Waschraum und Garderobe 72 000 M., die Einfriedigung und Pflasterung deS Grundstücks 8000 M., somit insgesamt 230 000 M. Ter lange un- günstige Winter sowie die BauarbciterauSspcrrungcn sollen die Mehrkosten verursacht haben. Gcmeindcvertreter Panitz befürchtet, daß es böseS Blut in der Bürgerschaft geben werde, wenn eine der- artige Summe nachbewilligt wird. Zur Beruhigung der Bürger- schaft konnte der Bürgermeister Abraham mitteilen, daß da» Schul- Haus sauber und solide gebaut sei. Nach längerer Debatte wurde der Baumeister Schulz vcauftragt. die Pläne für die Turnhalle so auszuarbeiten, daß die Gemeinde in eigener Regie bauen, aber auch Arbeiten an einen Unternehmer vergeben werden können. Bernau. Die letzte Stadtverordnetenversammlung wählte für den 5. und 6. Stadtbezirk den Kaufmann Mäder als Schiedsmann. Eine rege Diskussion rief der Einspruch deS Bildhauers Karl Schröder wegen Nichtaufnahme in die Stadtverordnctcnwählerliste hervor. Einige Bürgerliche bezweifelten, daß Schröder einen eigenen Hausstand besitzen soll, weil er bei dör Mutter wohne. Nachdem unsere Genossen den Nachweit geführt, daß der Betreffende gar nicht nötig habe, direkt einen eigenen Hausstand zu besitzen, sondern, wie die Kommentare in der Stadteordnung deutlich zu erkennen gäben, er nur Chambregarnist zu fein brauche, welches bei Schröder zuträfe, und nachdem auch der Stadtverordneten- Vorsteher dies durch Verlesen weiterer Kommentare klargelegt. wurde einstimmig beschlossen, Schröder in die Wählerliste auf» zunehmen. Alsdann wurden einige Aenderungen bei dem Bau des Liepnitz-RestaurantS von der Versammlung genehmigt. Der Versicherung der Geld- und Wertbcstände in hiesiger Kämmerei- kasse gegen EinbruchSdiebstahl wurde im Prinzip zugestimmt und soll demnächst der Versammlung eine Vorlage eingebracht werden. Eine längere Diskussion rief auch die Magistratsvorlage wegen Verlegung eineö Berliner DruckrohreS durch die Land- ftrahen Schönerlinde-Bernau und Schönerlindc-Schönbrück hervor. Von unseren Genossen wurde zum Ausdruck gebracht, es mit Berlin nicht so scharf zu nehmen, da die Möglichkeit vorhanden sei, später von Berlin gleichfalls Entgegenkommen zu erwarten. Es soll zu diesem Zweck der Magistrat mit Berlin verhandeln. Zum Schluß fand zunächst in öffentlicher, dann in nichtöffentlicher Sitzung eine Besprechung über eventuellen Ankauf der Gasanstalt statt. Potsdam. Eine fcknvere Handverletzuna zog sich am Freitag der 13jährige Sohn der Witwe H. dadurch zu, daß er eine Platzpatrone durch Reiben zur Explosion brachte. Dr. Schlichting ordnete die Ueber- führung in das städtische Krankenhaus an, wo ihm gestern Daumen und Zeigefinger amputiert wurden, die übrigen Finger glaubt man zu erhalten. ßmcbta- Zeitung. Der„öffentliche Ort". Die§K 42 d nnd 5ba der Gcwerbeordiimig sowie die ver- ordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage sollte der Angeklagte Frauböse dadurch übertreten haben, daß er die anarchistische Zeitschrift.Der Revolutionär' eineS Sonntags an einem öffentlichen Orte feilbot. Das Feilbieten er» folgte auf dem Borplatz des Zirkus Busch innerhalb des Gitters, welches das Zirkusgrundstück begrenzt. ES hatte an dem Sonntag im Zirkus eine Versammlung der christlich-sozialen Partei stattgefunden, deren Ausgang F. ab- wartete, um seine Schrift zu verkaufen.-- Das Landgericht verurteilte den Angeklagten u. a. auf Grund der angezogenen Para- graphen der Gewerbeordnung, wonach das Feilbieten von Waren auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder öffentlichen Orten von einer Erlaubnis abhängig gemacht werden kann, und, abgesehen von Ausnahmen, an Sonntagen verboten ist. Das Gericht zweiter Instanz führte aus: ES stehe fest, daß Frauböse beim Feilbieten der Zeitschrift innerhalb des den Zirkus begrenzenden Gitters gestanden habe. Gleichwohl habe es sich um einen öffentlichen Ort gehandelt, denn auch ein in Privateigentum stehender Platz, der für den V e r- kehr deS Publikums freigegeben sei und unter freiem Himmel liege, sei als öffentlicher Ort im Sinne der Gewerbeordnung anzusehen. Angeklagter legte Revision ein und rügte eine Rechtsverletzung der Bestimmungen der Gewerbeordnung. Er betonte besonders, daß das Gitter, innerhalb dessen er gehandelt habe, nicht immer geöffnet sei und das Publikum durchaus nicht den ganzen Tag auf dem Platze am Zirkus verkehren könne. Der Ferienstrafsenat des Kammergerichts verwarf indeffen die Revision und führte aus: Ohne Rechtsirrtum habe das Landgericht angenommen, daß der fragliche Vorplatz ein öffentlicher Ort während der Zeit gewesen sei. wo Angeklagter dort an daS VersammlungS- Publikum seine Schriften feilbot. Mit Recht sei er auch wegen Uebertretung der Bestimmungen der Gewerbeordnung verurteilt worden._ Eine akademische Verkehrsstörung. Zu sehr lehrreichen Auseinandersetzungen für Streikpostensteher. (o berichtet man uns aus Halle a. S-, führte eine Verhandlung gegen einen Vertreter der Rechtswissenschaft, der vielleicht später einmal über.Verkehrsstörungen" Streikender zu Gericht sitzen und dann die richtigen Konsequenzen ziehen wird. Bekanntlich wurde hier während des BanhandwerkcrstreikS Tag und Nacht seitens der Polizei sehr scharf darauf geachtet, wenn Streik« Posten alif den Bürgersteigen standen. Jede Kleinigkeit, auch das Beobachten italienischer Streikbrecher durch das nicht am Streik beteiligte Publikum, wurde als.unerlaubtes Zusammenstehen" an« gesehen und mit recht erheblichen Strafen bedroht. Gerade zur Zeit als der Streik tobte, nach einer flott durchlebten Jnninacht kam der Kyndidat der Rechte Friedrich B ö l k e, morgens gegen b Uhr. als die Arbeiter sich aufmachten die Fabriken aufzusuchen, mit einem Kommilitonen die Geiststraße entlang und setzte sich aus das Trottoir. Als er sich dort fitzend gemütlich eine Zigarelte anzündete, kam der Polizeisergeant Heinrich auf ihn zu und bat ihn aufzustehen, da der Verkehr gehindert sei nnd derjenige, der dorr vorbei gehen wollte, einen Bogen machen mußte. Als der Rechtskandidat nicht folgte, wurde er von dein Sergeanten angepackt und hoch> gezogen. Der Widerspenstige nahm dann seinen Spazier stock und schlug damit dem Polizeibcamten über die rechte Hand, daß der Geschlagene nicht zufassen konnte und einen Tag dienst» unfähig war. Die Folge davon für den RechtSkandidaten war eine Anklage wegen Verkehrsstörung. Unfugs. Widerstandes und Körper Verletzung vor dem Schöffengericht. Einen gediegenen Einfall hatte der Verteidiger des Angeklagten. Er plädierte: Die angezogene Polizeiverordnung verbiete nur das unerlaubte Zusammen stehen auf den Bürgersteigen, nicht aber das Sitzen. Diesen Fall habe der Gesetzgeber nicht im Auge gehabt. Das Gericht nahm denn auch eine Vcrkehrsbehinderung als nicht vorliegend an und verurteilte den Angeklagten nur, da der Polizeisergeant nicht ganz gerechtfertigt vorgegangen sei. wegen Körperverletzung und Widerstandes zu 20 Mark Geldstrafe.— Nun können eS die Streikenden ja einmal auf den Bllrgersteigen mit dem Streikposten — sitzen versuchen. DaS ist erstens viel bequemer und— nicht strafbar. Nach den, hier geschaffenen„Präzedenzfall" werden nun künftig die Polizisten an die stehenden Streikposten mit den Worten herantreten:„Aber bitte placieren Sie sich doch". Selbstverständlich werden Streikposten auch nicht mit Knüppel schlagen und die Lohn- bewegungcn werden sitzend mit aller Gemütlichkeit ausgekämpft Werden. Und wer das nicht glaubt, ist ein Nörgler. Nehmt Eure Kinder in acht! Wegen wiederholter tätlicher Beleidigung war der Bäcker Julius Stephan angeklagt. Der Angeschuldigte war häufiger Gast in einem sogenannten„Kintopp" im Norden Berlins. Hrer fiel es einem übenomchendcn Kriminalbeamten auf, daß sich der Angeklagte stets an kleine Mädchen herandrängte, ihnen Süßig- keiten und Geld schenkte und ihnen auch das Eintrittsgeld gab. Jene Mädchen trieben sich vor dem Eingang des Kincmatographen- theatcrs uinhcr und bettelten die hineingehenden Erwachsenen in sehr zudringlicher Weise an, sie mitzunehmen. Der Angeklagte er- freute sich bald einer gewissen Beliebtheit unter den Kindern, die ihm willig überallhin folgten. Von dem Kriminalbeamten wurde wiederholt beobachtet, wie Stephan die Mädchen in unsittlicher Weise berührte nnd diese es sich auch ruhig gefallen ließen.— Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte bestritt der Angeklagte, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. DaS Schöffengericht er- kannte wegen Beleidigung in zwei Fällen auf Freisprechung, weil sich die Mädchen selbst nicht beleidigt fühlten. In den übrigen Fällen nahm daS Schöffengericht Verbrechen gegen die Sittlichkeit an und verwies die Sache an die Strafkammer, welche hierfür nur zuständig ist. Eine eigenartige Kindcsnussetzung beschäftigte gestern die zweite Straslonuncr des Landgerichts l. Auf der Anklagebank mußte die töjährige Frida D a m in s ch n e i d e r Vlatz nehmen, die beschuldigt wurde, eine wegen jugendlichen Alter» hülflost Person ausgesetzt zu haben.— Die Kellnerin Schmidt hatte im März d. I. ein Inserat erlassen, in welchem sie anbot, ihr halb jähriges Kzpd zu verschenken. Auf dieses Inserat hin erschien am nächsten Tage ein kaum den Kinderschuhen entwachsenes Mädchen bei der S. und erklärte, sie komme von ihrer Schwester, einer in Rixdorf wohnhaften Frau Lehmann, welche gern das Kind als eigen annehmen wollte. Die Kellnerin gab auch ohne jegliche Fpr» malitäten das Kind heraus und bedeutete dem Mädchen, cS solle ihr keinesfalls wieder in das Haus gebracht werden. An dem- selben Abend kurz vor 10 Ilhr vernahm eine im vierten Stockwerk eines Hauses in der Wiclefstraste wohnhafte Frau ein jämmerliches Kindcrgcschrei, welches anscheinend vom Boden kam. AIS sie sich sofort auf den Hausbodcn begab, fand sie hier zu ihrer größten Ueberraschüng ein in schmutzige Lumpen eingehülltes kleines Kind zwischen altem Gerumpel liegen. Es wurde sofort die Polizei benachrichtigt, welche das unglückliche kleine Wesen in einem Säug- lingsheim unterbrachte. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei führten zu einem eigenartigen Ergebnis. Jenes junge Mädchen. welches das Kind der Kellnerin in Empfang genommen hatte, war die damals erst 14jährige Angeklagte, die ohne einen erkennbaren Grund sich in den Besitz deS Kindes zu setzen gewußt hatte. Die Frau Lehmann in Ripdorf war eine Schwester der Angeklagten, die sich selbst eines reichen Kindersegens erfreut und keineswegs beabsichtigte, ein fremdes Kind anzunehmen. Die Angeschuldigte estand ein. daß sie, nachdem sie den ganzen Tag über mit dem gling durch die Straßen von Merlin geirrt war und jene Kellnerin die Rücknahme bertveigerte, das Kind in der Wiclefstraße ausgesetzt hatte. Da verschiedene Zweifel an der Zurechnungs- fähigkeit der D. aufgetaucht waren, wurde sie durch den Gerichts- arzt Dr. Marx auf ihren Geisteszustand untersucht. Die Be- obachtung ergab jedoch nur eine gewisse geistige Minderwertigkeit. In der gestrigen Verhandlung trat die Angeklagte.plätzlich mit der Behauptung hervor, sie habe daS Kind für eine Arbeiterin Stolzenburg aus der Eisenacherstrahe besorgen sollen. Da sie trotz wiederholter Vorhaltungen bei dieser Behauptung verblieb, mußte die Sache vertagt werden; zugleich wurde dt? Ladung dieser Zeugin beschlossen._ Versammlungen. Die Elektromonteure leiden in Berlin noch unter recht un- ssünstigen Lohn- und Arbeitsbedingungen, das wurde in einer öffentlichen Versammlung am Donnerstagabend in den..Musiker» Sälen" deutlich dargelegt. Otto Hondke vom Deutschen Mc» tallarbeiterverband hielt einen Vortrag über die Lage der Arbeiter dieser Branche und zeigte, wie dringend notwendig eine Ver- bcsserung der bestehenden Verhältnisse ist. Leider besitzen viele Elektromonteure zu viel Standesdünkel und Vorurteil, um sich dem Metallarbeiterverband anzuschließen, und eine rege Agitation wird gegenwärtig entfaltet, um hier in Berlin eine Organisation zu schaffen, wie cS in anderen Städten, z. B. in Hamburg, Hau- nover, Mannheim und Kiel schon geschehen ist. An der Hand einer Statistik, die 12 Firmen mit zusammen 400 Arbeitern umschließt. wies Handle nach, daß die Elektromonteure weit schlechter gestellt sind als viele Arbeiter anderer Branchen, auf die jene mit Ge- ringschätzung herabblicken. Die Löhne für Elektromonteure sind bei diesen 12 Firmen nicht höher als 88 Pf., 39 Pf., 47 Pf. und höchstens 00 Pf. pro Stunde. Für HülfSmonteure werden gezahlt L7 Pf., 35 Pf. bis 80 Pf. und höchstens 48 Pf. pro Stunde, lieber- stunden sind allgemein an der Tagesordnung mit 10 bis 20, höchsten» 80 Proz. Zuschlag. Eine Firma in der Drcsdenerstraße zahlt bis zu 12 Ucberstunden wöchentlich überhaupt keinen Zuschlag.— In bezug auf die Arbeitszeit wird bei acht Firmen noch zehn Stunden pro Tag gearbeitet, bei zwei Firmen 9�, Stunden, und die beiden letzten haben je 9 und 8� Stuflden eingeführt. Die sanitären Einrichtungen sind überall mangelhaft; nur bei zwei Firmen gibt es eine Waschvorrichtung. Baubuden werden nur von acht Firmen gestellt.— Wo hohe Löhne verdient werden, kann man sicher sein, daß daS Ucberstundensystcm stark ausgebildet ist.— In der Diskussion wurden noch viele Mißstände bei den einzelnen Firmen angeführt. Ein Eelektromontcur hatte bei einer Firma einen Unfall erlitten und war ein Vierteljahr lang krank. Er ver- diente vorher 58 Pf. pro Stunde; als er zurückkehrte, bot man ihm 45 Pf. mit der Motivierung, daß er in der ersten Zeit nach der Krankheit doch nicht so ganz leistungsfähig sein würde.— Die stark besuchte Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie anerkannte, daß eine Vcrbeffcrung der Verhältniffe dringend notwendig und der Anschluß an den Metallarbciterverband«dem Elektromonteur und Berufsgenossen zu empfehlen sei. incnsiag: �le(jicucimaua. aumiutnj ZIgeuncrbaron. Freitag! Wiener Bli Unterwelt. Sonntagnachmittaq S Uhr: in der Unterwelt. Montag! Die Geislü Mocken- Spielplan der Berliner Cbcater. Königl. Lpernbaus. Sonntag und Montag geschlossen. Dienstag: Der sliegeiide Holländer. Mittwoch: Figaro» Hochzeit. Donnerstag: Salome.(Ans. 8 Ubr.) Frellag: Zar und Zimmermann. Sonnabend: Lohengrin.(Auf. 7 Uvr.) Sonntag: Carmen. Montag: Tannhäuser. NeucS kilnigl. Opern-Theater. Sonntag, lachmitlag 3 Uhr: Die Fledermaus. AbendS: Carmen.(Ans. 71/, Uhr.) Montag: La Traviotn. icnStag: Die Fledermaus. Mlllwoch- Wiener Blut. Donnerstag- Der ~" Wiener Blut. Sonnabend: Orpheus in der Die Fledermaus. Abends: Orpheus ag! Die Aeisda. Deutsches Theater. Sonntag: Da» Wintermärchen. Montag: Der Gott der Rache. Dienstag: Robert und Bertram. Mittwoch: DaS Winter- Märchen. Donnerstag.: Robert und Bertram. Freitag: Das Winter. Märchen Sonnabend: Robert und Bertram. Sonntag: DaS Winter- Märchen. Montag: Robert und Bertram. Deutsches Theater(Kammersptele). Sonntag: GygeS und sein Ring. Montag: Aglaoalne und Selysette. Dienstag- Frühlings Er- wachen. Mittwoch: Frühling» Erwachen. Donnerstag: Aglavaine und Selysette. Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag: Frühlings Er» wachen. Berliner Theater. Allabendlich: Die tanzenden Männchen. Lessing-Theater. Sonniagnachm. 3 Uhr: Die Weber. Abends: Die Stützen der Geievlchast. Montag: Die Wildente.(Ans. 7',, Uhr.) DIens- tag: Di- Stützen der tAesellschasr. Mittwoch: Hedda Gabler. Donnerstag: Die Stützen der Gesellschaft. Freitag: Nora. Sonnabend: DI- Stützen der Gesellschait. Sonntagnachmittag 3 Uhr! Nosemnonlag. Abend»: Hedda Gabler. Montag: Der Biberpelz. Neue« Theater. Allabendlich: Der Dieb. Neues Schauspielhaus. Sonntag Bl« nächsten Montag: Rassle». Kleine« Theater. Allabendlich- Vater und Sohn. vtesidciij.Theater. Allabendlich: Haben Sie nicht» zu verzollen 7 Komiiche Oper. Sonntag- HossmannS«rzähliliigen. Montag: Carmen. Dienstag und Mittwoch: HossmannS Erzählungen. Donnerstag: ToSca. Freitag, Sonnabeud und Sonntag: HossmannS Erzählungen. Montag: Toöca. Theater des Westens. Allabendlich: Die lustige Witwe. Schiller> Jthentrr«». Sonntagnachmittag 3 Uhr: Undlne. AbendS: Carmen. Montag: Martha. Dienstag: Don Juan. Mittwoch: Die weiße Dame. Doimcrtiag: Die Jüdin. Freitag: Der Poslillion von Lonjumeau. Sonnabend: Figaros Hochzeit. Sonntagnachmltiag 3 Uhr: Die Astttanerin. Abend»: Der Troubadour. Montag: Unbestimmt. Schiller. Tlienler Fl.(Friedrich-Wilhelmstädtlsche« Theater.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends und die folgenden Tage: Der Weg zur Hölle. Sonntagiiachmiltag 3 Uhr: Jugend. Abends und Montag: Der Weg zur Hällc. Luftspiclhans. Sonntagnachmsttag 3 Uhr: Unsere Käte. Abend» b!» Sonnabend- Husarensieber. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Unsere State. Abends und Montag: Husarensteber. Zeutral-Thratcr. Bis auf weiteres täglich: DaS Tagebuch einer 1. Die Frag» läßt sich nicht bcanllvorlcn. Die Verjährung der Strafverfolgung kann durch Erneuerung des Steckbriesc» unterbrochen werden. 2. Die Strase beträgt: Geldstrafe von 150—3000 M. oder GesänankS von einem Monat bis zu einem Jahr. 3. Wenn der Steckbrief innerhalb der letzten fünf Jabr« nicht erneuert ist, ist die Strase ver» jährt.—». M.. Lichtenberg. Sie brauchen nichts zu zahlen. — I. R. Sie»ulsteii das Testament eigenhändig schreiben, mit Bor- und Zunamen u n t e r schreiben und mil dem Ort und Tag. wo und wann Sie daS Testament Machen, überschreiben. Wegen Inhalt» des Testament» wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt; Sie sind durch die Frau im Testicrrecht nicht beschränkt.— T. 100. 1. DiebstahISanzeige beim Polizeirevier. 2. Die 4 M. müssen Sie sich abziehen lassen, da die Fische dem Käufer noch nicht übergeben waren; erst von der Ucbcrgabe an trägt er die Gesabr zusälligen Tode» der Fische. Wegen der 2 M. Futlerkosten köiiiicn Sie bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Käuscr wohnt, klagen. 8. Wenn Ihre. Frau das Verlassen de» Lokals zweimal ersolgloS verboten hat, können Sie mich Strasantrag wegen HaussriidenSbrilchS aus dem Polizeirevier stellen. Antragssrlst drei Monate.— P. H. 12. Der Mahnzettcl muß im Kuvert abgegeben werden. Beschweren Sie sich beim Magistrat über den Steiierboten. Strasbar ist eS jedoch nicht. — Otto 10. 1. Sic leben in Gütertrennung. Der Man» hat nur das WerwaltungS- und NutznießungSrcchr am Frauenvcimögen. 2. Antrags stnd In der Aiinieldestube des Amtsgerichts, in dein Sie wohnen, zwecks Ein» tragung in« GüterrechtSregister zu stellen. Die Kosten sind gering. 3. Zu- nächst genügen die Ouitlungen. Kommt cS zur Psändmig, so müssen Sie aus Freigabe klagen und Ihre Frau und die Licseranteir alS Zeugen benennen. 4. Da« wäre als Schiclumg rcchtSunwlrksam. Auch ohne solchen Verlaus kann Uhr, die notwendigeii Anzüge uiid Paletot nicht gepsäudet werden. Kette ist psändbar.— O. R. 12. Kläger muß, weiui ei sich um weniger MS 300 Mark handelt, den Bellagien binilci, K Monaten neu zur Verhandlung laden. Die Ladung ist am besten aus der Anmcldcstube des Amtsgericht» anzubringen, in dessen Bezirk der Nläaer wohnt. Bei mehr al» 300 M. muß durch einen Rechtsanwalt geklagt werden.— B. 780« Ja. Briefkasten der Sxpedition. N., Glogau. Gewünschtes Buch kostet 4 Mark. Können Sie Hort von Eitner, Kl. Oderstr. 11 beziehen. «erltner Marttpreise. Aus dem amiliche» Bericht der flädtifche» Marklhallen-Direllion.(Großhandel.) Rindsteisch la 70—72 vr. Ivo Psd., Na iU-lllh lila 59-60, Bullenfleisch la 65-70, IIa 53-62, Kühe, fett 52—00, do. mager 40—50, Fresser 56—64, Bullen, dän. 52—63, do. Holl. 0,00. Kalbsteisch. Doppcll-nd-r 100-120, Mastlälber la 75-85, Na 06—74, Kälber gcr. gen, 47—59, do, Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammel- fleisch Mastlämmer 80—82, Hammel 1» 75—79, II» 69—74, Schafe 66—68. Schiueinelletlch 64—69. Rekbock la per Pfund 0,60—0,75. Ila 0,30-0,69. Rothirsch la 0,40—0,56, do. IIa 0,90-0,33. Damhirsch 0.45-0,60. Wildschweine 0,40—0,45. Kaninchen per Stück 0,30—0,75, do. australische 0,00. Wildenten per Stück 0,00. Krickenten per Stück 0,00. Hühner, alle, per Stück 1,50—2,50, Na 0,30—1,40, do. junge 0,55—1,00. Tauben 0,30—0,50, italienische 0,00. Eliten per Stück 1,20—2.50, do, Hamburger per Stück 2.30—3,00, Gänse per Pjund 0,58—0,70, do. per Stück 2,00—5,00, do. Hamburger Per Psd. 0,80, per Stück 0.00, do. Oderbruchcr per Psd. 0,55—0.65. PouletS per Stück 1,10—1,35. Poularden per Pfd. 1,20. Hechte per 100 Psund 105—128, do. matt 90—111, do. mittel und groß 105—111, do. klein 0,00. Zander, mittel 108, do. malt 0,00. Schleie, klein 0,00, do. groß u. mitlcl 113—130, do. 130—179, Aale, groß 87—102, do. klein und mittel 100—106, mittel 93—103, do. Uli» sortiert 0,00, do. groß-mittel 100—107, do. 89. Plötzen, matt 0,00. Noddow 8t. Karpsen, 60-r 95-105, do. 35-40cr 0.00. Bleie, matt 60. Bunte Fische 43-92. Barle 0,00, dito matt 0,00. dito klew 0,00. Karauschen 74-99, do. Nein 0.00. Blelsische 0.00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. ItO— 180, do. IIa neuer 90—100, do, INa 60, Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel ver Kiste 2, Hamb. Sliege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomin. la Schock 9, Na 1—3, Bücklinge, Kieler per Wall 2-3, Strals, 3,50—5,00, Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0.80—1,10, Nein 0,60—0,30. Heringe per Schock 5—9, Schcllsische Kiste 3-4,00,»/• Kiste 1,50—2. Sardellen. 1902« per Anker 98, 1904« 98, 1905« 98, 1906« 90-95. Schottische Vollheriilg, 1905 0,00, largo 40-44, füll. 88—40, med. 36-42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, per To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1.50-1.60. Bratheringe Faß 1,20-1 40, do. Büchse(4 Liter) 1.40-1.70. Neunaugen. Schocksaß II. do. kleine 5—6. do. Niesen» 14. Krebse per Schock, große 0,00. do. mittelgroße 12,50, do. kleine 3,50, do. unsortiert 3,00—4,00, Gglizier groß 0,00, do, unsortiert 0,00. Eier, Land-. unsortiert per Schock 3.40, do, große 4,00. Butler per 100 Psd. la 117—120, Na 108—117. NU 100-108, absallende 90-95. Saure Gurken, neue. schock 4,00. Pscftergurten 4.00. Kartosteln per 100 Psd. weiße runde 2,75—3,25, blaue 3,25—3,75, Rosen- 1,75 bis 2,60, Nieren» 8,00-3,50. Porree, Schock 0.50-1.00. Meer. rettich, Schock 5—15, Spinat per 100 Psund 20—25. Sellerie, ver Schock 2,00-6,00. Ziviebcl» per 100 Psd. 5,00-6,00, do. Perl» 60,00—75,00, Charlotten 75,00—90,00. Pciersilie, grün, Schockbund 0,75-1,00, Kohlrabi Schock 0,75—1,25. Nettich, Knill'., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige. Schock 3—4. Mohrrüben, per 100 Psund 3,00 bi» 6.00. Karotte», hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl ver Schock 4,00 bi» 12,00. Rotkohl, Schock 6-12. Weißkohl 4-10. Blumenkohl, hi-stger 100 Stück 8— t4, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurt« 100 Stück 8—18. Kohlrübe», Schock 4,00—6,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 4,00—5,00. Scholen per 100 Psund 8—18. Psefterllnge per 100 Psd. 7—10. Steinpilze per 100 Psund 18-20. Radieschen per Schockbund 0.75 b!» 1,00. Salat per Schock 2,00—2,50. Gurten, Esnmache-, Schock 14,00, do. böhmische Schock 0,00, do, Liegnitzer Schock 4,00—4,50. Bohnen. grüne. 100 Pfd. 4-10. WachSbohnen, per 100 Psd, 10-25, Stach-Ibccren. per 100 Psund 5—15, Blaubecren. per 100 Psd. 10—20. Johannis» beeren. per 100 Psd. 7—15. Prclßclbeercn per 100 Psd. 14—22. Kirschen, per 100 Psund W-rch-rsche 0,00, Sächsische 0,00, Schl-sische 0,00, Natten 25—30, sauere 11—25. Birnen, ltal., 100 Psund 14—40, Tiroler 27 b!« 35, ht-sige 5—16. Pstrsiche, hies, per 100 Psund 10—30, do. ltal. in Kistchen zu 12 Stück 0,90—1.50, do. in Körben 1» per 100 Psd. 22—35, do. IIa in Körben per 100 Psd. 17—28. tzlpriluscn, sial., per 100 Psund 0,00, französ. 20—35. A-psel, italienische, per 100 Psund 8— 15, ung. 12— 18, hiestge 8—10, Gravensteln« la 40—45, do. IIa 33,50—35. Pflaumen, ital., Thalia-Thcatcr. Sonntagnachmittag 3>/, Uhr: Charleh» Tante, ': Ihr Scchs-Uhr-Lnkel, Sonntagnachittag 3 Uhr: AbendS und Montgg: Ihr Sechs-Uhr-Vntcl. i Abends bi» Sonnabend: Eine lustige Doppclehe, Trianon-Theatev meine Krau. Bi» aus weitere» täglich: Fräulein Josett«— ES Mctropol-Theatcr. Allabendlich: D« Teufel lacht dazu. »Ipollo'Tlieater. Allabendlich: Der Hochzeitsgast. Spezialitäten. Bisallialla-Theater. Spezialitäten. Neichslialle»> Theater. Allabendlich- Gtettlner Sänger. Gebr. Herrufeld- Theater. Allabendlich: Madame Wig-Wag. lebe das Ngchtleben. Passage- Tbeater. Spezialitälen. Figaro-Thcaier(im Folies Caprlce). Allabendlich: Gcisterauto. Paris. Ansang S'l, Uhr. vernhard Nose-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Eherlock Holmes. Abend» bis ans ivcttercZ: Der große Unbekannte. In der Woche n-ichmtttagS 4'/, Uhr; Er ist nicht eisersachtsg. Da» plerle Gebot. Verbotene Wege. Prater-Theater» Flotte Weiber. Spezialitäten. Ilrania-Tveater, Taiibcnstraße 48/49. Sonntag.sDieuStag und Sonn- abend, den 24. August- Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Montag und Donnerstag: Bon der Zugspitze zum Watz» mann. Mittwoch und Sonnlag, den 25. Anglist: Im Lande der Mittcr» nachlssonne. Freitag- Durch Dänemark und Südschwedm. Anfang 8 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Dt» tnrlftisilic evrechfllind» finde« Friedrichft». »lue Ireppc tHandclestüiic lvell-allianc-, Tnrif-------" .. I« Aufgang 4, �BHWWWWWWWWWWWWWWMWpänch stubnift*. lou, wosientagliil, von?>/, bis O'/t Uvr abend« statt.«eiissuet 7 Uhr. eonnabendS deginn« dl« eprechftundc un,« Ilhr. Jeder üinirage ,tt ei» Vuihstabc nnd et»« Kahl als Sttertzeichen beizufnge». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilig« Fragen»rage man»i der Sprrchftnnve vor. M.(3. 22. Dl« betreffende Zeitschrift heißt-.Der Naturfreund. Mitteilungen deS TouriftenvereinS.Die Naturfreunde' in Wien". Die Adresse ist: Wien. XV 14/1, Löhrgasse 13.- 91. W. 12. 1. Erst für da» folgende Jahr. Lcrsuchen Sic ein Gnadengesuch; deshalb wenden Sie sich an das Polizeirevier. 2. Erst vom nächsten Jahre ab. 3. Antrag ist beim Magisiratslommissar für Arbeiteroevsicherung, Am Köllnischen Park 8, zu stellen.— v. P. 21- Ist un« nicht bekannt. Wenden Sie sich an da» 'sterreichisch-migarische Gcncralkonsulat, SchSnedcrger User 40.— F. R. do. 360 Stück 9,00— 2 l, 00, do. 200 Stück 8,00-12,00. do, 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Pfd. 18.00—20,00. grün 0,00. Melonen, per 100 Psd, ital, 12-20, franz. 30-50, Holl. 20-30. WttternngoüderNcht von« 17. Aiignst 1007, morgens b Ith». Slallinen Swlnemde Hamburg verlln granfs.a.M, München Wien I 760 W 759 SSO 761 SW 760 SW 764 SW 762 WNW rz-iin 1 wölken! 2bedeckt 1 ivolkcnl «bedeckt 8 bedeckt 4 wolkig *»< ri* !«' M& 13 15 10 11 15 Wetter-Prognose für Sonntag, de» 18. August lt>«7. Zunächst trübe und regnerifch. später ansllarcnd; bei mäßigen wesb llchen Winden, nach wärmerer Nacht am Tage Temperatur wenig geändert Berliner Wette rdnreon. WasserstandS-vkachrichteu der LandeSanftalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M- m- l. Tilsit P r e g e l, Jnstervurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Ltrossen . Frantfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Nordamm -lve, Lciimeritz , Barbtz , Magdeburg Saale, Grochlitz ')+ bedeutet Wuchs,— gast.—•) Untcrpegel. Verkäufe. Xeppi-lie mitFarbenIehIernFabrik. nitbetlnfle®toRi fvtanfiurlcrfiT«fee S, pa�Krre lein gaben. Maucrhosf. fl Ztcpt'decke» billigst gfbvit Große Frankjurterftrad- 9. parterre� Gnrd-inenbailS Großegrimsturler. strabe S. parterre. Kein Laden. Mauerhoff._ If Fahrräder. Toilzahiungen. In- vaildenstratze St), Skalitzerstraße 40.' Herrenfahrrad, Damenfahrrad, wie neu, ibfiO. Holz, Bwmen. straffe LSb. SS15K' �cppjlste!(sedier bafle) in allen Griffen lür die Hälste des Wertet ti» Teppichlnger vrstnn, Haikeicher Atartl 4, vahndos Börse. 261/1' Steppdecken spottbillig, Fabrik Grohe Franksurterftrasze 60. 216751' Vorjährige Herrenanzüge, Pale. tots, Hosen, neu nach Mag bestellt, nicht abgeholt, verkaufe Hälfte Kosten« preis. Prenzlauerstraße 23 II, Mex« anderplatz. löiübclsiichende! Nach wie vor nur„Grüner Weg 81' vollständige Einrichtungen, enorm riesige Auswahl, Sofas, Trumeau, Bettstellen reelle Mastatzen, bekannt billigst, genau Hausnummer„81' achten I Tgvinätzki. Herrmann Schlesinger, Turni- straße 58, ist die reellste und billigste Bezugsquelle für bessere Herren« und Kuabenkonscklion, sowie sür Berufs- und Ärbeiterlleidung zu sireng seften Preisen.»Lieferant des Berliner Kon- sumvvreinS und der Konsumgenosscn- schafi Berlin«nd Umgegend. Fahr- gelb wird vergütet! 2549K' Ätohcttisch.lcre« liefert gediegen. WohnuirgScinrichtungcn äugerst�billig Bunte Küchen. Auch Ratenzahlung. Kein Laden. Harnact, Tischlcwnristcr, DrcSdcnerstrage 124, nahe Kottffuser Tor. Genossen erhalten 3 Prozent.* Bronzegnskronen!! ÄaSzug. lampcnl SM. Schaufensterlicht I Hängelicht I spottbillig I GaSIhren l'l,. ZweilochgaSkocher I 3,00. Woblauer, Wallnertbeaterstraffe 32. 2606JI' Dtädelfabrit. Oranicnstraße 58 direkt Mcnitzplatz. Iii meinen fünf Etastc» stehen komplette WohnungS- «inrichtnngen in jeder Preislage o»m Eiusachsten LiS zum Elegantesten. Besondere Gelegenheit biete ich in verliehen ßewesencn, sast neuen Möbeln, die bedeutend herabgesetzt find. Besichtigung erbeten, ohne Kaus- ffwang. Aufsallend billig verkauje ich neue Chaiselongues 20, Schlaf- sola 23, Satteltaschensosa 45, Paneelsosa 55, hochelegante Garnitur 75, Süulentrumcau 32, Bettstelle mit Matratze 16, AuSzieh- tisch 18. Muschclspind, Verstko 27. Gekaufte Möbel können drei Monate kostenfrei lagern. Teilzahlung gestattet. Kein Laden, direkt Fabrik. Auch Sonntags geöffnet. Muffxr- buch gratis._ 2613K' Herren- Garderobe nack Mag, saubere Arbeit, großes Stoffiager, Paletot, Anzug 36 Mark au. Kauft beim Handwerker, lasset den Hand- werkerverdicnen. Teilzahlung gestattet. F. Dörg«, DreSdenerstraffe 109.' Kolonialwaren mit DeslillationS- Niederlage, viel SchnapZmnd Flaschenbier, sofort umständehalber verläustich Uf-rstratze 141).__+87 Piauinoö, kreuzsaMg, hoch, 130,«), Turmstraffe 8 I._ 59/7 »adratrntc 20 Marl an, Zehn- psennigtour, Linie 36 Behrenstrabe— Maricndorf, Endstation Lichtenradcr Chaussee. Berkäuser daselbst, Nestau- rant Erdmann, Marlendorf, Chaussee. straffe 41a._ 230/7* Kinderwagen, Kinderbeltstellen Sportwagen, gebrauchte, zurückgesetzte fpoilbillig. Schneider. Kursiirsteu- ftrage 172. 2247K* M i l ch geschästF> Einrichtungen, Kübel, Maffe, Wagen, Gewichte, Kannen, Drehrollcn, Ladentische, Regale, billig, Waßmamistratze 27.* �TLasscr grn ndfin ck c, Hermsdors, Scostraffe, umständehalber billig I Ouadralrute 25 Mark. Joachim. Brunncnsstnffe 95._ 22986* Psandauktio»! stattgefunden. Eiligster spottbilligster Ausverkauf zurückgekaufter Psandflücke, Schmuck- fachen, Taschenuhren, llhrketfen, Bett« Wäsche, Bettenoerkauf, Gardinen- verkauf. Teppichverlauf, Steppdecken, Tsichdeckeit, Fcnstervorhänge, Damcn- sachcn, Herrensachen, Nähmaschinen, Bildeederkaus, Regulatoren, Fr«- schwinger, Beitinleitc, Aussteuer« wasche. Pfandleihhaus. Weiden- weg 19.__+30* Fahrräder..National', QuastiälS- marke. Kleine Abzahlung. Siosen- thalerstrahe 19. 22 Ivb* PsandleihhauS k Herulafiiiplatz fech«. Erirabilliger Beiicnverkauf, Braulbetten, AuSsicuerwäsche, Bett- stücke, VeimiewngSbcti. Betiiiileite, Leibwäsche, Psäuderverkauf, Gardinen- verkauf. Tcppich verkaus, Steppdecken- verlaus, Tischdecken. Goldsachen, Schtnucksachen, Fcstgeschcnke, Uhren- verkauf, Jackellanzüge, Gehrockanzüge, Sommcrpalelol«. Nähmaschinen. ÄsoualSonzüge und Sommer- pnieiolS von 5,00, Hosen»0» 1,50, Gehrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie für korpuleiite Figuren. Nene Garderobe zu staunend billcheii Preise»» aus Psanbleiben o�rjallene Sachen kaust man am billigsten bei Raff. Mulackstrade 14. 2270b' Laube mit Einrichtung zu�Ge- stügclzucht. Bäume, Sirnucher und Ernte verkaust billig Wegirl, Rixdors, Weiseftraffe 48. ffllS* Reichgcsticktc Portieren, Bikioria- tuch 4,15, Wolle 4.50. Plüsch 8,35 pro Fenster, Extraangebot. Tcppichhaus Emst Lesövre, Oranienstraffc 158. Schäfte und Unterleder, Spezialität Eich-ngerbung. Lcderhandlung Rühl, Schöncberg, Bahnstraffe 43.' f 106' - Berantwortlicher Redakteure Junge Schlelerschwanz-Fische der« kaust Borchherdt, Koloniestraffe 30.* Landen- Baumaterialien, ge- b»auchte und neue, wie: Kantholz, Breiter, Latten, Leisten, Türen, Fenster, Dachpappe, in gröffier Aus- Wahl billigst. Hasenhoide 2(am Her- mannplatz)._ 1961b* Abessinierpumpen 8,00 bis 100,00, Sauger 2,50, Flügestmmpcn, Gartenspritzen, Gartenschläuche. Pumpen- sabrik Schröder, Hochstraffe 43. 2130b' Gassparlocher 1,00, ZweilMh 3,00, Ga»pläit«ifen2,23, Bügelapparaic Hochstrahe 43. 2131b' Nähmaschinen. Zable höchste Per- güiung. All- erstklassigen Systeme. Kleinste Abzahlung. Hruda, Rosen« thalerstrahe 19, FilfiJCi: Chorincr- swaffe 86._' 22206 Stefiniiration, Parlcilokal, wegen anderweitiger Ucbernahme sofort billig zu verkaufen Weiffensee, Skaffburg- straffe 29. f 134* Steppdecken. Groger Räumungs Ausverkans, Similiseide 4,75, Woll- atlaS 5,65. SpezialhauS, Dresdener- straffe 8._ 26155)' SommerpalctotS, MonatSanzüge wenig getragene, von 5 Marl an, groffe AuSwabl für jede Figur, auch neue elegante Garderobe auS erster Bezugsquelle 20 Prozent billiger wie im Laden, direkt vom Schneider- nie ist er Paul zürstenzett, nur Rosen. Ibalcrswaffe 10. Fernsprecher Amt III 5117. 261/17' Haarfärt>em»ttel. unübertrofsen, unschädlich, ProbeflascheO, 50. Grieffler, llharlotienstraffe 5. 23326 Herrenfahrrad. Damensahi-rad, neu, spottbillig, Mitzschke, Exerzier- straffe 25._ Anzüge, Paletots, zurückgebliebene Mahbestelluugen sowie semste Maff- konsektion nach Inventur. Englische Anzüge 70-100, jetzt 30-50 Mark. Deutsche früher 40—60, jetzt 20-40 Mark. BIuhm u. Co., Friedrich- straffe 212 I. Kein Laden. 23536 Schtrierschwänze 25, Makropoden 10, Barbusviiaius, ConchoniuS 35, LaliuS 45, Rcticulata 95, Sagittaria 8. Baumgärtel, Rixdors, KarlSgarien- straffe 5.__ 23306 Halbrcnner, wie neu. verkaust Wieland, Friedenstraffe 96. 2334b Kolonialwarenzeschäkt, Milch, Obst, Gemüse, Waschariikcl, Rolle, veränderungShalber. Wilmersdorf, Prinz Regentcnstraffe 6t._ 23376 Möbel, aus Pensionat, Kronen. straffe 6. IV. Besichtigung Montag. Singer-Nähmaschine, guwähend, 10 Mark. Llnienstraffe 199, II links. Kinderwage«, leicht, verkauft Meier, Willibald Alexissiraffe 27. Herrenfahrrad, Damenjahrrad, 30,00, Dahn, Zionskirchstrahe 16 H. Pianino, 220 Mark, wie neu, Oranienftraffe 169 I, Täuber. 765 Kinderwagen, fast neu, Gummi. räder. Friedrich, Gartenstraffe 39 III. Seifengeschäft wegen lieber. nähme eines anderweitigen Unter- neymenS zu verlaufen Strelitzer- straffe 23._+90 �Bettstelle», Matratzen, fü+ jeden annehmbaren Preis verkämst Westphal, Fcldsiraffe 5._+80 Haarfitrben 1,00, elegant, unschädlich. sofort waschecht, auch aufferm Hause. Sommersell, Ackerftraffc 57 1. Geschäft, günstig für Tapezierer und Sattler, verkauft billig Rempel, Köpenickerstrahe 195._+5 Aquarium, Handharmonika(Pott- billig. Gebauer, Grünauerstraffe 10. Zigarrengefchäft, für Parlfi. geiiossen passend, preiSwerl zu ver- kaufen. Zu erfragen Expeditton Lausitzcr-Platz. +S Littaner- Nähmaschinen ohne An- zahlung, wöchentlich 1,00. Repa- raturcn billig. Wienerstraffe 1—6, Warschauersttaffe 67, Ackerstraffe III. Herrenfahrrad, dringend, 33, Pankstraffe 24 0, parterre rechts.+97 Herrenfahrrad umständehalber. Kleinfchmidt, Usedomstraffe 27a.+141 Herrenfahrrad, fcltencr Gcleaen- heiiskauf Oderbergersir. 22, Vorder- Haus II rechts.__+141 Fahrrad dringend. Schmidt, Bad straffe 34._+97 Fahrrad dringend Schmidt, Stet- iinersiraffe 42._+97 crnng. Donnerstag. den 22. ds. Mts., nachmittags 2 Uhr: Versteigerung der verfallenen Pfänder aus Juni und Juli 1906 in Chone's Judustriepalast, Fruchtstr. 57 und 58, 1. Hos links parterre. Leih- haus.Continental", Große Frank. snrterstraffe 9, I._+31 Parteilokale. 1. Zentrum, 60 Halbe Bairisch, 8 Halbe Weiffbier. Groffe Räume. Anschließende Woh- nung. 2. Norden, 3v Halbe Baltisch, 6 Halbe Weiffbier. Anschlictzendc Wohnung. Miete 2000 Mark. Er- fragen Kindermann, Pankstr. 3o, III. 'Nustbaum> Kleiderfpwd, Beriik», Plüschsofa, Trumeau, Muschclbeiien billig. Königsbergerstraffe 13, Liefe. Verkaufe umzugSbatber Bettstelle, Matratze. Tisch, Wanduhr. Kleider- sptnd, Laube(Ernte), Elsenstraffe gc- legen. Lewau, Rixdorf, Berliner- straffe 97._+108 Arstauration und Destillation, aroffcs VereinSzimmer, wegen Krank- heit der Frau an schwell entschlossenen Käuser billig zu verkaufen. Näheres Winsstraffe 66._+31 Gangbares Milchgeschäst sür jeden annehmbaren Pckiis zu verlausen. Rixdors, Erkftrahe 7. �+115 Milchgeschäft, Rolle, Materials /"waren, 1200, Anzahlung 800, ver- taust Rixdors, Wiidcnbruchplatz 4. Griinkramgeschäft mi� Rolle, Eeiiaung, Berlin-Osten, trankheitS- rlbrr billig zu verlaufen. Näheres, Rixdorf, Kirchhofstraße 2, Milch- geschäft._+115 halber verläuflii straffe 4. hast verändcrtlngS- Rixdorf, Weichsel- +115 Dezimalwage spottb!lli?s Danncn> bcrg, Grünauerstratzc 36._+5 Entzückende Blusen, Kostümröcke, Staubmäntcl, selbstgeserttgt, verkauft spottbillig Littaucr, Brunnenstraff« 4. Keine Ladenmicie. 2366b* Schlei«rschtt»änze'0,30, Kometen 0,10, Makropodenvaare, Wasser- pffänzen verkaust Züchterei Klasen, Pücklerstraffe« 26 IV._+5 Metallbetten, prachtvolle, reelle, spottbillige fkaufgelegenhett. Ritter- straffe 112 II. 26224K' Metall-öett-Mawatze 25:00, Näh- Maschinen 25,00, Fahrrad 30,00, Zinn- und Eisentops a 25 Liter. Berlin 0., Gürtelstraffe 31, Hos III. 23596 Säulentrumeaus 32,00. Muschel- schrank 28,00, gediegenes Sofa 25,00, Bilder 3,00, Kristolllrone 10,00, Steppdecken, Tischdecken, Betten, jeden Preis. Elsassersiraffe 53, Restaurant. Kinderwagen billig zu vcrkause». Brünger, Kopischstraffe 10. 2360b Umständehalber Papiergeschäft verkäuflich. Offerten.Papiergeschäft' Postamt Danzigerstraffe._+50 Pufferbäckerei mit bestem Stand Berlins wegen Eröffnung eines anderen Geschäft billig zu verlausen Dunckersiraße 70, 2. Portal I links. Klempneret- Hausgrundstück im großen Orte, worin seit Jahren Klempnerei mit Erfolg betrieben, eignet sich auch zur Schlosserei, da selbige am Orte fehlt, ist preiswert zl» verkaufen. Anzahlung 1300 M. Offerten U. 1 Exedilion Lmdensiraffc. Plüschsofa 38,00, Sdfläs'osa 20,00, Bettstelle, Malratze 15,00, Palisaden- straffe 23, Tapezierer. 59/10 Liescrwage« und alle Sorten Räder Palisadcnstraffe 101. 2368b Kanarienroller 6,00. Drcmien« straffe 65. 230/9 Gänse! Gänse I srlsch geschlachtet. von nächster Woche, den 22. August, au. Letttedern-Ncrlaus Samariter- straffe 21, Paul Host. 59/9 Spottbillig! Geringe An- und Abzahlung. Land- und Waldparzcllen, wundervoll gelegen, nahe Bahnhos, verkaufe,«eil aus erster Hand, die Ouadrairuie noch von 6 Mark an Otto Breseke, Bahnhos Fredersdorf, Ostbahn. Wochenkarte 2 Mark. 230/11 Slbankgeschäft, Osten, gutgebend, verkehrsreiche Straffe, billige Miete, zweizimmrige Wohnung, alters- und krankhellshalber. Näheres Vertreter Mbuschat, Landwehrstraffe 22 1. 23746 Soifengeschäft wegen Reftauraiions- Übernahme verlaust Kopenhagener. straffe 42. 2370b Kredit jedermann! Nähmaschinen ohne Anzahlung, Woche 1,50, ge- brauchte 12,00, vorteilhast nur Groffe Franksmterstraffe 30, Köpenicker- straffe 60/61, Prenzlauerstraffe 59/60. Damenhemden, Herzsasson, mit gesttcktcrPasse 1.25, Herrenhemden 1,30. Bettbezug nebst zwei KopsNssen 4,50, Normalwäsche, Arbelterchemden so- wie einzelne Reisemuster spottbillig. Wäschesabrik Salomonsky, Dircksen- straffe 21, Mcxanderplatz. 230/12 Neslauration wegen scbwcrer Krankheit sofort verkäuflich. Ersorder- lich 1400 Mark. Büschingstraffe 7. Fahrrad oerkaust billig«chüttauf, Rummelsbmg, AU-Boxhagen 8, vorn 3 Treppen.__+145 Grammophon verlaust Monlagabend Pauly, Alt-Boxhagen 24:_+145 Herrenfahrrad, gut erhalten 40,00. Beuflelftraffe 21.(Verwalter.)_+75 Seifengeschäft. konkurrenzlos, Rolle, schöne Wohnung, billigst Liebenwalderstraffe 1.+81 Puhgeschäst billig zu verkauscn Gleimstraße 33.-fgl Nuftdaum-Wirtschast, Swbe und Küche verlaust sofort Dresdener- straffe 28, Seitenflügel parterre. 2348b Herrenfahrrad(25), Damenfahr« rad(40), Krankenwagen, Kleiber- spmd Adalberlsiraffe 24, Lokal. 2342b GlaSnquarinm 44 X 22 X 48 1,90 einige Hundert. Alle Sorten fremd« ländische Zierfische, Wasserpflanzen billigste Andersen, Kürasfierstraffe 10a. Sänlentrnmean, Piüichsosa billigst Forsterslraffe 22, Zahnatelier. 2346b Zigarrengeschäft, 14 Jahre ve« stehend, Miete 600 Mark, zwei Stuben, Küche, altershalber billig zu ver- kaufen. Eharlottenburg, Am Bahn- hos Westend 4._ 23416 Fahrrad, Kinderwagen, wie neu, verkauft Klar, Rixdorf, Friede!- straffe 25 III.____ 23456 Grammophon mit Platten zu ver- lausen. Preißner, Reichenberger- straffe l25._ 23436 Rrstanrant. passend für Partei. genossen, sofort zu verkaufen. Offerten P. K. Rixdorf, Expeditton Neckar- straffe 2._+115 Seifengeschäft. gut gehend, krank- heiiShalber sofort billig. Näheres Rixdorf, Reuterstraffe 49. 2Z02b Verschiedenes. BolkSduett Boghcmolblh, Gaudy- straffe 16._+60« LewandowSty-Sänger-Gsfellschaft Oldenburgerstraffe 23.+76* Bolkssänge»� Gefellfchaft.Henry Balzö', Manieuffclstraffe 41.+4' Reformtrchnikum. Ausbildung zum Mafchinisten(MarineffMafchinen- und Elektromonteur, Werkmeister, Formermcister, Maschinenmeister. Techniker, Jngmieur. Prospekte gratis. Rcformtechnikum Berlin, Ehauffeesiraffe 1. 243317* Danzunterricht! Grupc, Annen- straffe 16. Sonntagskurfe Herren 4,00, Damen 3,00 monatlich. 230/8* Lernt die Muttersprache beherrfchen! Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Wort und Schrift der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewissenhafter Privatlebrer. Die Stunde kostet eine Mark. Eine Unter- richisstunde wöchentlich genügt. Ge- fällige Angebote sind unter G. 4 an Expedition des.Vorwärts' zu richten. Patentanwalt Wessel, Gittchiner- straffe 94». 255557* Bolksäiiartctt.Gerhardy', vorzügliche Humoristen, Wrangelstr. 22. Voltsfänger< Gesellschaft Swinemünderstraffe 17. Anke. +90' Gmpfrhle allen Freunden und Bekannten mein Weiß« und Bayrisch- Bierlokal; Vercinszimmer mit Piano ist zu vergeben. Fritz Drogge, Dieffenbachstraffe 57.+108' BereinSzimmcr. kleiner«aal, für Vereine, Gewerkschaften zu ver- geben. VereinshauS Rosenihaler- straffe 57._+141' Pfandleihe MarkuSsttatze 27. Tanzschule llicinhold Schebel, Zlnton BoekerS Fcstfäle, Weber- straffe 17. Eröffnung: Sonntag, 1. September. Anmeldungen jeder- zeit erbeten._+141* Platina abfälle, Gold, Bruchgold, Silber, Gebisse, Kebrgold, Stanbgold, phoiographische Rückstände, sowie sämtliche gold- und silberhaltigen Abfälle kaust Gold- und Silber- schmclzerei Köpenickcrstraffe 29 I.' BoltSsänger> Gesellschast Max Schmcltzer, SteMnerstraffe 57.+97' Elsholz, Komiker, straffe 6. GropiuS- 23356* Piatina, alle Zahngebisse, allerhöchste Preise, Linienstraffe 199 II links. 144b Der beliebteste Humorist bei ArbeiiersefUichkeiten ist G. Rehan, Reichenbergersiraffc 95._ 23646 Mann, 39 Jahr alt, möchte Möbcl- polieren erlernen. Adressen an W. Paischulla, Wiffmannstraffe 28, erbeten.+115 Theätcrverein«! RcMeur empfiehlt sich. Paul Metzlow, Rixdors, Zicten- straffe 53._+115 Freunden und Bekannten zur Nachricht, daff ich das Lokal Schlefiiche- straffe 5 übernommen habe und bitte, aufmerksame Bedienung zusichernd, mich auch in meinem neuen Unter- nehmen zu anierstützen. Eduard Schön._+5 Theaterverein sucht Mitglieder, Damen und.Herren, Vercmslokal Neue Rotzstraffe 3. Auskunft ertellt Otto DanSke, Münchebergerstraffe 27. Strcliherstraffe 32 jetzt Buch binderet und Papierhandlung Waller Si-ber.+90 Handwafchanftalt.Naturblciche Köpenick. Tadellose Wäsche, Laken, Leibwäsche 0,10. Abholung Montag, Dienstag. Siegemund, ParisiuS- straffe._ 230/10 Wer Stoff bringt, zahlt 20 Marl für gutsitzenden Anzug. Kuschewski, Annenstraffe 2. 23726 Vermietuagen. Wohnungen. Prachtwohnungen. Gelegenheit. Trockene, renovierte, groffe Räume, Bad, eigeueS Klofett, 3 Zimmer 44,00, 2 Zimmer 26.00, 1 Zimmer 19,00, sofort, Oktober. Berlin Ndrden, Koloniestraffe 68. Früherer Einzug gestattet. 284/16 Freundliche, groffe Stube, Küche, Korridor, Woldenbergerftraffe 26. BorderhanS, zwei Zimmer, Küche, Balkon, Zubehör. Hochstädterstraffe 4. Web ding.__+144 Zimmer. Teilnehmer zum möblierten Zimmer gesucht Bclle-Alliancestr. 11, Seitenflügel I rechts. 1715b Elegant möbliertes Zimmer mit Badcbcnutzung für 25 Mark fofort zu vermieten Holsteinifcheswaffe 11, Gartenhaus IV bei Herden. 23366* Möbliertes Zimmer, 18 Mark. Kaiscrstraffe 34, Hof 2 Treppen, Ouackatz._+31 Mödliertes Zimmer(12,00) bei Neumann, Rcichenbcrgersiraffe 126. MödlierteS Zimmer. Wahle, Wicseusiraffe 47, Ouergebäude I.+97 Möbliertes Zimmer für Herren, GarfenauSsicht.zu vermieten Wilhelm- straffe 128, Paradowsti. 2312b Möbliertes Vorderzimmcr zu vermieten. Müller, Simon Dach- straffe 40, vorn Iii.-s/n Möbliertes Zimmer, 1-2 Herren, herrliche Aussicht, Baumschulenweg. Trojanstraffe 6 II, Bahnhof. 1894b Freundliches Zimmer an zwei Herren(separat) vermietet Hoffmann, Ihristburgerftraffe 49 IN. 23656 Möbliertes Zimmer fofort oder später vermietet Lorenz. Feurig. straffe 38, vorn parterre, Schöneberg. Möbliertes Zimmer zu vermicicn, Rixdorf. Thomassiraffe 32 III, flis Leere Stüdes Grastat, Rixdors. Prinz Handfery straffe 46._+115 Rixdorf. möblierte? Zimmer, Hirsch, Jsarstraffe 2(Münchener. Berlinerswaffe).__+115 Möbliertes Balkonzimmer. un- geniert, 2 Herren a 15,00 inklusive, Wiffmannstraffe 47 III rechts. Ecke Hasenheide.__+115 Möbliertes Zimmer vermietet RiffUch. Pücklerstraffe 51. vorn I.+5 Möblierte Zimmer 15, 20. Storch, Eharlottenburg, Schiller- straffe 26. Möbliertes Zimmer bei Hcmpel, Tilfiterswaffe 48, vorn III._+121 . Schlafstelle, Herrn. Frankfurter Allee 106, vorn I, Bredlau.+31 Möbliertes Zimmer zu vermieten, Plehn. Pappel-Allee 4._ �+51' Kleines möblierte? Zimmer per- mietet Vogel, Wcddmg, Samoastraffe 3. vorn._+75 Schlafstellen. Herrenlogis, sofort, 7 Mark, Woche zahlen. Nigaerswaffe l3, vom.Dröfclcr. Möblierte Schlafstelle, 2 Herren, vermietet Schmidt, Slalitzerstraße 22, I links. 2351b Möblierte Schlafstelle für Herrn, Berg seid, Oraniensiraffe 6. 2350b Möblierte Schlafstelle(separat), 2 Herron, Köpenickersiraffe 22, Köhler. Möblierte«chlasstelle verlnictet Frau Schulze, Gubencrslraffe 42ll. vorn IV.+31 Möblierte Gahl, Andreasswaffe gebäude IV. Schlafstelle, He " 24, Ei errn, ucr- +31 Freundliche Schlafstelle bei Hell- w!g, Posenerswaffe 29, III._+31 Schlafstelle, einen Herrn, ver- mietet Dreffler, Braunsbergerswaffe 26, Ouergebäude O_+21 Schiasstellc Lindcnswaffe35,Hos II. Stoppel. 2347h Schlafstelle stzr junges Mädchen, Mittcnwalderstraffe 25, Hof parterre, Klaus.+110 Schlafstelle separat, Schulze. Gneisenauswaße 61 J.+110 Möbliert« Schlafstelle, Jaku- bafchk, Schöncberg, Gustav Müller- straffe 26.+110 Schlafstelle, anständig, 2 Herren, Voliaswaffe 6, Oelschlägcr.+127 Möblierte Schlaislellc, Dresdener- fwaße 13, vorn II. Breithaupt. Beficre Schlasttelle, Herrn, sepa- rat, Bratzke, Libaucrswaffe 6, Ouer- geb'äude III, nächst Bahnhof War- fchauerswaffe.__+5 Bessere Schlafstelle bei Rcimann, Langcstraffe 91 I._ 2536b Möblierte Schlassiclle, Herfen, vorn, 8 Mark. Wikdt, Rixdorf, Weife- swaffe 65/66.+136 Möblierte Schlafstelle vermiclet Schnur, Pücklerstraffe 19.._+5 Möblierte Schlafstelle Pfeiffer, Pappclallec 18 II._+51 Möblierte Schlafstelle billig. Kloß, Weiffenburgerswaffe 59._+51 Möblierte Schlafstelle vermietet Witwe Lacker, ZionSkwchswaffe 47, parterre.+50 Freundliche Schiasstellc vermietet Trcbligar. Pücklerstraffe 11, Ouer- gebäude Iii.____+5 Schlafstelle(Herren) vermietet Wolske, Adalbertswaffe 98, vorn II. Schlafstelle sür 2 Herren Watser- torswaffe 14, Äppeli. 23616 Schlafstelle für Herren. Böhme, Pücklcrswaffe 11, Hos II._+5 Schlafstelle für Herren Pückler- swaffe 00, vorn IG, Frau Splitt.+5 Schlafstell«, 1—2 Herren. Schwarz, Bandelswaffe 27, vorn IV. Witwe vermietet Schlafstelle. Müller. Reinickendorferswaffe 34, rechter Seitenflügel II.___+87 Freundliche Schlafstelle. Laude, Strausbergerswaffe 42._ 69/11 Schlafstelle an Herrn vermietet Gogulsli, Planta genstratze 5, Hof II. Möblierte Schlafstelle, allein, monatlich 12 Mark mit Kaffee. Waldenserfw. 18/19, vorn IV rechts. Sch lafftelle(Balkonzimmer), sieben Mark. Bölling, Rixdorf, Kaiser Friedrichswaffe 11, Aufgang I, IV. Mletsgesuche. Zwei junge Leute suchen zum 1. September 1907 ein sauberes, ein- faches möbliertes Zimmer, bis 15 Mark. Nähe Koitbufer Tor. Mel- düngen Expedition, Lausitzer Platz. Zwei Freunde suchen zum 1. Sep- tember ein freundlich möbliertes Zimmer oder Schlafstelle im Süd- osten. Offerten an H. Shögcr, Holz- marktstraffe 9, Ouergebäude IV. Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Bauanfchlöger sucht Beschäftigung. Thormann, Petersburger- swaffe 8.+121 Stellenangebote. Zlutomobilführerl Vorzüglichste theoretische und praktische Ausbildung zum Chauffeur unter Ingenieur- leiiung. Werkstätten mit elektrischer Kraft. Größter Stellennachweis gratis. Aulotcchiiikum.Berlin', Wilmersdors, Hildegardstraffe 13. Bedeutendstes Lehrinsliwt Deutschlands. Von Bc« Hörden bevorzugt. LblOK* Goldletstenfabrik sucht tüchtigen Meister sür Vcrgoldcrel und Poliererci. D. Meier. Kasiameu-Ztllce 79. 2622K Chanffeurschule.Am Wedding', nur Gcrichiswaffe 17, größte. be- deuiendste, nimmt stets Lchrlirmc an. Theoretische und praliffche Ausbildung zum Chauffeur unier Ingenieur- leiiung. Werkstätten mit eickirischer Krast. Kostenlose Vermittlung hoch- bezahlter«icllungen._ 284/15' Platzarbcitcr, welcher aus dem Platze zu wohnen hat, möglichst auS der Fliesenbranche, kinderlos, sofort gesucht. Offerten?. öl. Postamt Halenfee. 2324b Tüchtiger Dirigent, Gesangverein, Mittwoch. Offerten Ernst Gloe. Weiffensee. PistorluSfwaffe 103b.+134 Tüchtigen Rabmenmacher verlangt Lechner, Rahmcnsabrik, Alexandrincn swaffe 93/94. 2321b Tüchtige» Barockvergolder ver langt für dauernde Beschüfligung Goldleistenfabrik Lützowswaffe 4. 23190 Schnekderlehrling verlangt Hoff- mann, Chaufleeswaße 131. 2352b Goldlcisten-Grundrerer verlangt Werkmeister, Schmidslraffe 8».+136 Stempelfabrik, Riiierswaffe 11, sucht ewen branchekundigM Hülfs- arbciter(Tischler)._ 59/3 Antouiobiltilhrer-Tcchnikmn, Pols- damcrfwaße 122 a/b, gediegene theoretische, praktische Ausbildung zum Berufschauffeur sür alle Systeme. Große UebungSfahrien. Eigene Fa« brikaiion, Montage. Nach Lehrzeit Stellung. Sonntag geöffnet 10—2. Schürzennäherin in nnd außer dem Haufe Schmdler, Siendaler- swaffe 21.+75 Mamsells aus Jacketts verlangt Haupt, Kleine AndrcaSswaffe 16. 0 Bcrgoldcri» Fliedcrswaffe 4. sucht Imunbholz, 2367b Perfekte Verkäuferin zur Leitung einer Verkaufsstelle(Lagerbalierin) per 1. Oktober gesucht. Berliner Consum-Verein, Kraulstraffe 7. 2S28K Näherin, Hand und Maschine. Strieder, Elfetiswatze 38. 262757 Barock- Vergoldcrin verlangt Lottumslratze 5.__+50 Mädchen für kleine Wirtschaft verlangt Papierhandlung, Volia- straffe 29._ 23226 Blusen- Arbeiterinnen, aufferm Hause, perfekte, verlangt Zänker, Rixdorf, Reuterstraffe 58. 23896 Mamsells aus Kostümjacken ver- langt Crohn, Thaerswaffe 21.+31 Küiistliche Blumen- Kröserinncn Kleberinnen verlangt Schindclbauer Alexandnnenswaffe 93/94. 2290b' Lehrmädchen sürunsereExvedilion verlangt. Rcmal u. Silber, Schirm« sabrik, Kraufenfwaffe 39. 2301b' Im Arbeitsmarkt durch befoudereu Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Lehrmädchen mit guter Schulbildung bei monat- licher Vergütung für unsere Geschäfte per sofort oder später gesucht. Mel- düngen nur in Begleitung der Eitern oder des Vormundes mittags 1—2 oder abends 8—9 Uhr. 5684L* A. Jandoi-f& Co., Bclleallianccfw. 1—2. Flotte Sclireiberin gesucht. Konsum-Genosseuschaft Berlin «. Umgegend, Willdenowstr. Z0. Gesucht erstllassige Handwickler von einem bedeutenden Werke im Nordwesten Frankreichs. Seriöse Re- lercnzcn. verlangt. Schreiben unter V 8511 X an Ilaasensteln 11. Vogler Ii» Genf. 204/12 farbmn für eine erstNassige KlllMtUsllbrIK feinen Genres wird per sofort oder später gesucht. Dauernde Stellung, Gehalt bis zu Mk, 200, Gefl. Offerten an die Haupiexped. dieses Blattes uuter Chiffre.3. 1*. Tin tüchtiger, iRkgcrcr Hilsedilleiidsller, welcher am Schraubstock wie an der Drehbank bewandert ist, wird fofort verlangt 58/20 Schriftgießerei Fmll Gnrvcb, Gneisenauswaffe 27. Achtung! Achtung! Zuschneider und Zuschneiderinnen! Sperre verhängen wir über nach» benannte Geschäfte ivegen Nicht- ancrlennung unserer Lohnsordcrung: Hugo Hermann u. Co., Span- dauerslr. 78/80. Müller u. Leopold, Spandanerstr. 18. Albert Gräti, Spandaucrsw. 16/17. Jacobsen u. Israel, Molkcnmarlt 5. Paul Unger». Co., Neue Friedrichsw. 37. Jean Popper, Roscnsw. 15.>65/7* Es darf dort lein Zufchneider Stellung annehmen. OrtSvcrwaltung d. deutschen TchneidcrvcrbandeS. veulzeker UvIigsbeilöl'Vssbglill ?sklstel!o Berlin. Wegen Streik und Differenzen find gesperrt: sür Tischler tzVInblor AZkot», Planuser 92b. für Bergoldcr«. Lcistcnpolicrer die Firma Ritter, straffe 47. 86/17' Für Bobenleger gesperrt der Bau Schillerfw. 121/122, Firma Mittag. Bau Waitzstr. 3, Firma Pninplun Bau der Firma JPetncI», Rosen- haincrslraffe. Ecke Kyffhäuferslrahe. Für Korbmacher vieliuiiclt, DreSdcnersw. 82. Achlnngz Korbmücher! Bei der Firma Coki» A Ablkelck. Beriibnrg find Differenzen aus- gebrochen. Zuzug fernhalten. Tie Ortsverwaltung. Der Gesamt- Auflage unserer heuttgen Nummer liegt ein Prospekt der Tuchfabrik R-eliuiaiin«& Asamy in Spremberg N.-L., einem Teil der tzluslage, für den Süd- weiten und Westen, ein Prospekt der Möbelfabrik I. Bockel, Berlin S, Oraniensiraffe 58, bei. Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vercmtw.:Zh.Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlag: Vorwärts T'uchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SVV.