Nr. 193. RbonnementS'Bedingungen: LbonnementZ> Preis pränumerando: Sierteijährl. 3,30 3X1, monatl. 1,10 Ml, wöchemiich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer k Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Weit' 10 Psa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeihmgs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, 'nien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. Ciftolit tigllt iaBvegen seiner jüngsten Rede für den Flottenverein. In einem Artikel iin„Tag" schreibt er: „Es geschehen Zeichen und Wunder am Zentrumsfirmament. Herr Spahn hat in diesen Tagen öffentlich ein Flotte»Programm entwickelt, für das der Deutsche Flotjenverein schon seit Jahren agitiert. Er ist deswegen vom Zentrum und der Sozialdemokratie„gemeingefährlich" genaunr, seine be- ziiglichen Forderungen sind als lllopien, als uferlose Flotten- Pläne usw. stigmatisiert, die Leiter deS FlottenveremS_alä Phantasten angesprochen worden. Auch im„Tag" war kürz- lich von„Flottentreibern" die Rede, und ich freue mich, daß der Führer deS Zentrums jetzt auch zu ihnen gerechnet werden muß." Generalmajor Keim weist eingehend nach, daß Abg. Dr. Spahn tatsächlich dasselbe fordert, was der Flottenverein bei seiner Hauptversammlung in Köln in einer Resolution verlangt habe, nämlich eine Herabsetzung des Lebensalters der Linienschiffe und Kreuzer. Mitgroßer Genugwung erfüllt es den Führer des Flottenvercins, daß Herr Spahn jetzt gleichfalls„die relative Unbrauchbar keit eines recht erheblichen Teils unserer Flotte für den Ernstfall feststellt. Wenn solches sonst einer der Flottentreiber tat, so war das nahezu Vaterlandsverat. S o ändern sich die Zeite n." Ob danach die Zcntrumspreffe noch immer leugnen wird. daß Herr Spahn tatsächlich in den Spuren des noch vor wenig Monaten vom abgehalfterten Zentrum so geschmähten Flotten- Vereins wandelt?!— Vor der Wahl Liebkosungen — nach der Wahl Fufttritte'! Die christlichen Gewerkschaften im Saargebict waren während der letzten Reichstagswahl eifrig umworben. Justizrat B o l tz, der nationale Kandidat in Saar- brücken, nnd General von Schubert, der nationale Kan- didat in Ottweiler-St. Wendel, stiegen. mit ihren Helfern herab zum Volke und versicherten, daß sie Freunde des Koalitions- rechtes seien und den christlichen Gewerkschaften wohlwollten. Die Herren spekulierten auf die Stimmen der evangelischen Arbeiter. die anderenfalls sich der Stimme enthalten oder für den Zentrums- kandidaten gestimmt hätten. Run find die Herren Schubert und Boltz mit Hülfe der evangelischen Gewerkschafts-Knappen- und Arbcitcrvereinsmitglieder gewählt worden, und wenn man wissen will, wie die christlichen Arbeiter für ihre Wahlhülfe von den Herren Nationalen gelohnt werden, so lese man in der christ- lichcn Arbeiterpresse, was dort von der Trangsalierung und Maß. regelung christlicher Arbeiter durch daS nationale Unternehmertum berichtet wird. Die Untcrnchmerwillkür im Saargebict hat einen Umfang angenommen, daß unter Führung des Gewerkschafts- sekretärS Schneider vom christlichen Bergarbeitcrverband eine Aktion „nationaler Arbeiterwähler" eingeleitet ist, die sich namentlich gegen die Zustände im Wahlkreise Saarbrücken richtet. In einer an die bürgerliche Presse aus diesen Kreisen ge- richteten Zuschrift heißt es: „Die Burbacher und Völklinger, zeitweise auch die Brabachcr Hüttenwerke haben nach getätigter Reichstagswahl mit den schäbigsten Mitteln wieder den Kampf gegen die christlich organisierten Arbeiter aufgenommen, gegen dieselben Arbeiter, denen man bei der Reichstags- wähl alle möglichen Volksrechte versprach. Auf der Burbachcr Hütte z. B. sind nach der Reichstagswahl wieder eine ganze Anzahl christlich organisierter Ar- beiter gemaßregelt worden. Darunter befinden sich Arbeiter, die bei der letzten Wahl aufs eifrigste für den nationalliberalen Kandidaten Justizrat Boltz agitiert haben. Erst jetzt ist wieder ein Vertrauensmann des christlichsozialen Metallarbeiterverbandes gemaßrcgelt worden. Von einzelnen Meistern der Hütte werden die christlich or- ganisicrten Arbeiter täglich gepeinigt, uni sie zu veranlassen, der Organisation den Rücken zu kehren. Der Besitzer der Völklinger Hütte gibt sogar denen, die darauf verzichten, sich gewerkschaftlich zu organisieren, ein Jahresalmosen von 2 9 M. Daß angesichts solcher von nationalliberalen Groß. industriellen erzeugten Zustände sich die nationalen Ar» beiterwäbler jetzt als die Betrogenen fühlen und unter ihnen die größte Erbitterung herrscht, ist zu vcr- stehen." Zum Schluß wird angekündigt, daß die„nationale Arbeiter- Wählerschaft" auf dem diesjährigen Dclegiertentag der national- liberalen Partei den Antrag stellen wird: 1. gegen die gelben Ge- werkschaften Stellung zu nehmen, 2. diejenigen Mitgliederder Partei auszuschließen, die den christlich organisierten Arbeitern ihr Koalitionsrecht vorenthalten und die gelben Gewerkschaften protegieren, da ein solches Verhalten weder den nationalen noch den liberalen Grundsätzen entspricht. Diesen Antrag sollen drei Arbeiter aus dem Saarrevicr auf dem nationalliberalen Parteitag eingehend begründen. Man weiß wirklich nicht, ob die christlichen Arbeiter, die solcher- weise jammern und drohen, noch des Mitleids würdig sind, oder ob man sie nicht auslachen soll, daß sie aller Erfahrung zum Trotz immer noch glauben, durch Liebedienerei dem Unternehmertum gegenüber etwas für sich gewinnen zu können. Wer sein Heil beim Unternehmertum sucht, begeht damit einen Verrat an seiner Klasse, und die nachfolgenden Fußtritte aus dem kapitalistischen Lager sind eigentlich noch eine zu gelinde Strafe für diesen Verrat! Das Zentrum als Schrittmacher der„großen Pläne" Ternbnrgs. Das Zentrum, dessen aus Geistlichen, Agrar- und Bourgcoiskreisen stammende Leitung sich anschickt, an dem preußischen Proletariate den schnödesten Wahlrechts- verrat zu begehen, ist umso eifriger am Werke, alle militaristischen und kolonialpolitischen Bestrebungen der Regierung in einer Weise zu fördern, wie das selbst der neue Verbündete der Negierung, der Freisinn, nicht zu tun wagt! So schreibt heute— wenige Tage nach dem militaristischen und marinistischen Licbcswerben des Zentrumshäuptlings Spahn, die„Köln. V o l k s z t g.": „Sollte nun Morenga in der Lage sein, von neuem gegen die Deutschen den Kriegspfad zu beschreiten, dann ist das alte Elend wieder da. Alles, waö„sonnenverbrannt" ist, wird sich ermuligt fühlen, und der Krieg in Südwestasrika kann wieder von vorne anfangen. Das wäre nach einem dreijährigen Fcldzuge, der so überaus zahlreiche Opfer an Gut und Blut verschlungen hat, eine wahre Kalamität für das Deutsche Reich. Der neue Kolonial-StaatSsekretär hat große Pläne für Süd westafrika. Es fehlt dort an Eisenbahnen, an Kohlen und vor allem an Wasser: auch auf Besserung der Hafen verhält nisse müßte energisch Bedacht genommen werden, nni solchen Zielen näherzutreten. Aber man beabsichtigt ja schon, Swakopmund zu einem modernen und er st klassigen Handelshafen für S ü d w e st a f r i k a umzugestalten. Erst wenn diese Pläne sich verwirklichen, könnte an die Wirt- schaftlichc Erschließung SüdwestafrikaS, bis jetzt des größten SorgcnlnideS des Reiches, gedacht werden. Aber solche Aufgaben des Friedens find nicht zu lösen, wenn der Krieg wieder be- ginnen sollte und ein ncner Kampf gegen Morenga geführt werden müßte." Das rheinische Zcntrumsorgan bedauert also, daß die„großen Pläne Dernburgs", der das Zentrum während d c S W a h l k a m p f e s nicht heftig genug bekämpfen und verspotten konnte, wegen der neuen Erhebung Morcngas undurchführbar seien. Als ob nicht gerade diese Erhebung von unseren Kolonialfexen zum Anlaß genommen werden würde, die Realisierung dieser Projekte zu b e° schleunigen! Die„Köln. Volksztg." aber gibt durch Winke mit dem Scheiuicntor zu verstehen, daß es keinen eifrigeren Förderer der„großen Pläne Dernburgs". die Hunderte neuer Millionen verschlingen werden, gibt, als das Zentrum l Ein Beitrag zur Internationale des Kapitalismus. Die schlotjunkerlich interessierte. R h.- W e st f. Ztg." schreibt zur Frage de? farbigen Lohndriilkcrimportö: „Deutsche Agrarier haben ja schon bereits einmal die Möglichkeit erwogen, chinesische Kulis für die Landarbeit einzuführen. Wenn sich herausstellte, daß dann die KuliS teurer z» stehen kommen würden als heimische Arbeiter, so konnten sick» doch später die Verhält- nisse ander n. Tatsache ist jedenfalls, daß das europäische Kapital bei dem herrschenden Arbeitermangel mit den ungeheueren Arbeitcrrescrvcn Asiens Fühlung genommen hat. Die Folgen sind iniübersehbar. Die Frage des Kuliimports nach europäischen Ländern wird nicht wieder von der Tagesordnung verschwinden. Da die Sozialisten mit Gründen der Rasse nnd Nationa- lität, die allein gegen einen Kuliinwort ins Feld geführt werden können, nicht gern etwas zu tun haben, suchen sie zunächst glauben zu machen, die K n l t n r stände in Gefahr. Das i st ein U n s u g. Wenn es sich hier um einen modernen Barbaren- einbruch handelt, so ist zu bedenken, daß im Grunde noch keine Kultur durch Barbaren v e r n i ck» t e t worden i st. Nur die Römer und Griechen selbst gingen als Nationen in den Stürmen der Völkerwanderung zugrunde, ihre Kultur lebt noch heute in ihren Ucbcrwindern, den damaligen Barbaren, fort. So lange der chinesische Kuli bedürfnislos bleibt, kann er der Kulturnatio», die ihn verwendet, nur nützen. Er kann der Kultur des Landes, in das er eingeführt luird, ebenso wenig schaden wie arbeitsparende Maschinen. Gefährlich für die ihn beherbergenden Völker wird der Kuli erst, wenn er Kultur anniinmt, wen» er sich assimiliert." Dieses, der„Bolksw. Korr." ohne Kommentar, also zu- stimmend entnommene KapitalistcnbekenntniS ist seiner brutalen Offenherzigkeit wegen höchst bemerkenSivcrt. Kraut- wie Schlot- jnnker werden sich danach also des farbigen Lohndrückerimports so lange skrupellos bedienen, als die asiatischen KuliS eben KuliS bleiben, d. h. Lohndrücker, durch die das Lebensniveau des Proletariats herabgedrückt werden kann! Erst dann, loenn die bedürfnislosen Asiaten Kultur anzunehmen, sich zu assimilieren beginnen, als Lohndrücker nicht mehr in Frage kommen, beginnen sie der Kapitalisteicklasse unangenehm zu werden! Ein geradezu klassisches Bekenntnis der skrupellosen internatio- nalen VolksauSbeutungsmoral des Kapitalismus 1— Morenga! Das„Verl. Tagebl." hatte bereits der Ansicht Raum ge» geben, daß der Einfall MorengaS nicht nur eine Verlang- samung der RücktranSporte der Truppen nach sich ziehen, sondern wahrscheinlich sogar eine neueTruppenverstärkung über die noch vorhandenen zirka 7000 Mann hinaus mit sich bringen werde. Wir haben diesen Pessimismus sofort bekämpft. Jetzt äußert sich im Mossc-BIatt auch Oberst G ä d k e in unserem Sinne: „Nun sind aber glücklicherweise inzwischen doch auch Verhältnisse eingetreten, die dem Bilde einige freundlichere Züge verleihen. Das ist erstens die Fertigstellung derBahn Lüderitzbucht- Kectmanshoop, deren hoher militärischer Wert nunmehr deutlich wird, bis K u i b i s. Die ärgsten Durststrecken der Küstengegend find damit überwunden, die Verpflegung unserer Truppen erheblich erleichtert, ihre Beweglichkeit vergrößert.... Endlich die schärfere Absperrung der Grenze, die die Verstärkung der englischen Polizei und mehr noch der gute Wille der Kap- regicrung in die Wege leiten wird. Morenga wird also seinerseits die Lage bei weitem nicht mehr so günstig finden wie vor anderthalb Jahren- Alles in allem kann ich augenblicklich noch nicht so ernst sehen wie das Oberkommando der Schutztruppe. Ich halte es doch nicht für unmöglich, daß der Ablösuugstrausport von 950 Manu, der bereits unterwegs ist, zur Bekämpfung des kühnen Baudenführers ausreichen wird. Indem diese Leute die ungefährdeten Garnisonen besetzen, machen sie die kriegsgewohnten Teile der Schutztruppe zu den Operationen verfügbar. Die Truppenzahl, die wir im Süden verwenden können, ivi'rd ja durch die Möglichkeit ihrer Verpflegung immer eingeschränkt werden. Geben wir also die Hoffnung nicht auf. daß das Hinaus- senden weiterer Verstärkungen sich als erforderlich nicht beraus- stellen wird. Südwestafrika hat uuS ohnehin reichlich viel Geld gekostet." Hoffen wir, daß nicht trotzdem die Interessen der Heeres- lieferauten und der in Südwestasrika befindlichen Ansiedler, die seit Jahr und Tag alsTruppenlieferanten und Marke- tender ein Bombengeschäft gemacht haben, obsiegen werden I Beschränkt mau sich auf die A b Iv e h r, so wird Morenga bald bitterstem Mangel ausgesetzt sein; gibt man ihm dagegen durch un- überlegte Offcusivbewegungcn Gelegenheit, wieder Proviant- und Munitionstransporte abzufangen, so könnte der Orlog Morengas bald wieder flott gemacht werden I Berlin, 19. August. A m t l i ch e M i t t e i l u n g. Der Gouverneur der Kapkolouie telegraphiert, daß lveitere 50 Polizisten sowie ein Spezialkommissar nach der deutschen Grenze gesandt seien, der über nähere Umstände von Morengas Ei n f a l l Ermittelungen an- stellen solle. Nach Privat Nachrichten aus Kapstadt sollen sich Morenga und Simon Kopper heute bei Nakab vereinigt haben. D i e Zahl der Morenga-Leute wird neuerdings er- heblich geringer angegeben. Die Grcuzbczirke lverdcn von Farmern und Bich geräumt. Die Bondelzwarts sind bisher ruhig. 50 Mann sind seit dem 14. d. Mts. unterwegs nach Warmbad und Brakwater zur frei willigen Arbeit am Bahubau. Die durch die veränderte Lage erforderlich gewordenen mili tärischcn Maßnahmen sind getroffen. Was ist's mit den Ovambos? Der„Weser-Zeitung" wird aus Berlin geschrieben: „Hiobsposten kommen nie allein. Von privater Seite, von deutschen Missionaren, liegen Nachrichten über eine drohende Bewegung der Ovambos vor. An amt- sicher Stelle ist wiederum nichts bekannt. Aber das peinliche Ge fühl steigt immer mehr aus. als ob man hier reichlich post festum über den wahren Stand der Lage etwas erfährt. Die Ovamboö haben bereits während des ersten Teiles des südafrikanischen Feldzuges wenig Hehl auS ihrer Abneigung gegen die deutschen„Eroberer" gemacht. Wenn sie sich ruhig verhielten, war es wohl mehr die Furcht, die bestellten Acker und die Viehzucht gegen ein unruhiges und ungeiviffes Kriegsleben eintauschen zu müssen. Seßhafte Völker greifen zum Schwerte nicht so schnell wie jene nomadisierenden Stämme der HereroS usw. Welche Ursachen der heutigen plötzlich erwachten Bewegung zu- gründe liegen, läßt sich, solange genauere Meldungen nicht vor- siegen, schwer erkennen. Aber die Frage nach der Ent- stehung ivird durch die Sorge um die weitere Entwickelung in den Hintergrund gedrängt." Danach könnte es fast' scheinen, als ob wir nicht nur mit einer Ncuerhebung Morengas, sondern auch mit dem gefürchtetcn Ovambo-Kricge beglückt werden sollten! Die Ovambo haben sich seit drei Jahren friedlich vcr halten. Um sie nicht ebenfalls in den Aufstand zu treiben, ist bekanntlich von der südwestafrikanischen Kolonialverwaltung der Erlaß ergangen, den„Händlern" keinen Zu tritt zu ihrem Gebiet zu gewähren. Ob dieser Erlaß inzwischen wieder aufgehoben oder übertreten worden ist? Oder welche Gründe liegen sonst für die von Missionaren behauptete Bewegung der Ovambo vor? Angesichts dieser Alarmmeldung ist es auch gut, sich des Geständnisses des Generals L e u t w e i n zu erinnern, der in seinem bekannten Werke erzählt, daß ihm schon während des Hereroaufstandcs von einflußreichster Seite nahe gelegt worden sei, auch gegen die Ovambo vorzugehen! Ob mau jetzt das von Lcutwein Versäumte nachholen zu können hofft?!—_ dngaiii. Nationalitätcustreit in Kroatien. Agram. 19. August. Der Bonus Raaodei wurde gestern von einer Vollsmcnge insultiert, ausgepfiffen und ausgezischt. Agram» 18. August. Im Wallfahrtsort St. RochuS kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Serben und Kroaten, so daß Gendarmerie einschreiten mußte. Zahlreiche Per- sonen sind schwer verletzt. Der Zusammenstoß wurde dadurch berbeigeführt, daß Serben zu einer Versammlung mit der serbischen Trikolore erschienen lvaren._ Snglanä. Der Trade-Nnions-Kongreß und die englischen Streikbrecher. London, 17. August. lEig. Ver.) Der nächste Trade-UnionS- Kongreß, der in der ersten Septemberwoche in B a t h stattfindet, ivird sich auch mit der Ausfuhr von englischen Streikbrechern bc« schäftigen. Folgende Resolution wurde eingebracht: „Der Tradc-Unious-Kongreß tadelt die britischen Arbeiter, die sich in den Dienst kosmopolitischer Syndikate stellen, um aus- läudische Streiks zu brechen. Ferner fordert er die Regierung auf. das dem Gesetze betreffend Foreign Enlistment/z!12� 217 217 13 Stunden und darüber Stunden 13>13'/.i13'/,!13-/.I 14 655 655 354 354 184 249 650|i 2161 433 36 41 35 35 24 25 Wenn nun schon die Länge der Arbeitszeit auf jeden Arbeit- suchenden abschreckend wirken könnte, so erst recht die hierfür ge- zahlten Löhne. Hier zeigt sich die den Warenhausbesitzern inne- wohnende kaufmännische Intelligenz, indem sie zum Ausgleich für die lange Arbeitszeit niedrige Löhne zahlen. Allen voran marschiert die Firma Gerson, Hoflieferant ver- schiedener allerhöchsten Herrschaften. Die Firma beschäftigt in ihren beiden Häusern ungefähr 170 Handelshülfsarbeiter und zahlt den- selben einen in Berlin einzig dastehenden Anfangslohn von 8 5 M. pro Monat. Die höchste Steigerung wird erreicht mit 120 M.; doch muß schon beinahe ein ganzes Menschenalter im Betriebe ab- solviert werden, bevor jemand in den Besitz dieser höchsten Steige- rung kommt. Es kann daher gar niemand wundernehmen, wenn nur sehr wenige in der gewiß zweifelhaften glücklichen Lage sind. Gleichen Schritt mit Gerson halten Graff u. Heyn, Herm. Engel nicht zu vergessen, Joseph u. Co., Kaufhaus des W e st e n s, welches bekanntlich der Firma A. Jandorf gehört, und P f i n g st u. Co. Die Hausdiener der letzten Firma sind um so mehr zu bedauern, als das Kaufhaus P f i n g st u. Co. in der Königstratze in den Besitz der Firma Jordan, Markgrasenstraße, übergegangen ist. Diese Firma steht aber bei den Berliner Haus- dienern in dem übelsten Geruch. Mit dem Transportarbeiterverbande abgeschlossene Tarife be- stehen zurzeit bei den Firmen A. Jandorf u. Co., sowie der durch T i e tz aufgekauften Firma Max Mannheim. Diese Tarife laufen in diesem Herbst ab. Ein weiteres Abkommen ist mal bei T i e tz zwischen der Firma sowie einer Kommission der Hausdiener abgeschlossen worden, da die in Betracht kommenden Organisationen wegen der allzu niedrigen Löhne dem Abschluß ihre Zustimmung versagen mußten. Nach einer lebhasten Diskussion, in der siitj alle Redner den Ausführungen des Referenten anschlössen und bei der auch die an- wesenden Vertreter der in Berlin leider noch bestehenden Lokal- organisationen erklärten, einen eventuellen Streik ihrer Mitglieder sofort mitzumachen, wurde ein Antrag angenommen, in dem der Deutsche Transportarbciterverband, Verwaltungsstelle I(V. B. H.) beauftragt wurde, allezurzeit in denBerliner Waren- Häusern bestehenden Tarife zu kündigen und in allernächster Zeit in einer weiteren Versamm- lung den in Betracht kommenden Hausdienern einen neuausgearbeiteten Tarif vorzulegen, der dann den Waren hä usern unterbreitet werden soll. Gefordert wird eine einheitliche Arbeitszeit von 10 Stunden, sowie regelmäßige Pausen mit einer Mittagszeit von mindestens 2 Stunden. Einheitliche Durchführung des 8-Uhr-Ladenschlusses und Arbeitsschluß sowie Verbot der Verwendung jugendlicher Arbeiter unter 21 Jahren als Dreiradfahrer. Die Versammlung erwartete ferner, daß in allernächster Zeit die Berliner Gewerkschaftskommission die Mitglieder der ange- schlossenen Gewerkschaften auffordert, ihre Einkäufe bis spätestens abends V28 Uhr zu besorgen, da gerade durch das Kaufen nach �8 Uhr durch Angehörige des Arbeiterstandes den Firmeninhabern eine Waffe zur Verhinderung des 8-Uhr-Ladenschlusses sowie Verkürzung der Arbeitszeit der Handelshülfsarbeiter gegeben ist. veutfcbes Reich. Die Firma Oehmigke u. Riemschneibcr in Neu-Ruppin ist für Lithographen und Steindrucker gesperrt. Die Arbeiter der Gasuhrenfabrik Kranschröder in O s n a- brück stehen, wie schon wiederholt mitgeteilt wurde, im Ausstand. Die Arbeiter haben gegen diese im Stummschen Geist regierende Firma einen schweren Kampf zu führen. Neben minimalen Lohn- forderungen wurde vor allem Abschaffung von Mißständen, Ver- besserung der sanitären und hygienischen Einrichtungen und Ein- führung eines Arbeiterausschusses gefordert. Durch die brüske Ablehnung sämtlicher Forderungen waren die Arbeiter zur Ar- beitsniederlegung gezwungen. Der Plan des Osnabrücker Arbeit- geberverbandes geht dahin, die noch junge Organisation zu zer- trümmern. Damit diese Absichten zuschanden werden, ist es not- wsndig, daß der Zuzug nach Osnabrück vollständig unterbunden Wird! Die Firma hofft durch ihre auswärtigen Filialen in B r ü s s e l und Z w 0 l l e(Holland) Streikbrecher heranzuziehen und ist es ihr auch schon gelungen, einige Holländer zu importieren. Zur Generalaussperrung der Stettincr Konfektionsschneider. Die Aussperrung dauert fort. So wollen es diejenigen Arbeit- geber, deren Kapitalskraft es gestattet, sich die geschäftsschädigende Produktionsstörung zu leisten. In einer Arbeitgebersitzung wurde dieser Beschlutz gegen eine starke Minderheit, der vorwiegend die kleineren Konfektionäre angehören, beschlossen. Die Leitung dcj Ausgesperrten ist inzwischen nicht untätig gewesen. In einer großen von den Wahlvereinen Stettin und Randow-Greifenhagen und des Gewerkschaftskartells einberufenen Versammlung wurde der Boykott über fünf Firmen verhängt, die als offene Laden. geschäfte sich der Aussperrung angeschlossen haben. Daß die Ar- beitseinstellung den Konfektionären sehr ungelegen kam, beweist der Umstand, daß sie versuchen, Arbeit auswärts— besonders in Berlin und Hamburg— herstellen zu lassen. Hoffentlich wird das durch die Aufmerksamkeit der Organisation verhindert. Die Stimmung unter den Ausgesperrten ist eine sehr gute. Die beteiligten Organisationen können über eine erfreuliche Zunahme ihrer Mitgliederzahlen berichten. Die Stettiner Klempner sind in Tarifverhandlungen ein- getreten. Das Entgegenkommen der Arbeitgeber ist aber derart minimal, daß die Verhandlungen scheiterten. Eine Klempner- Versammlung ersuchte den Gesellenausschuß, weitere Verhandlungen zu versuchen. Sollten die Arbeitgeber diese ablehnen, dann wollen die Organisationen weitere Schritte unternehmen und vorläufig die Sperre verhängen._ Beendigung der Bauarbeiterbewegung in Erfurt. In einer heute mittag abgehaltenen außerordentlichen Mit- gliederversammlung der organisierten Maurer, Zimmerleute und Bauarbeiter wurde mit Zweidrittelmajorität der nun 15 Wochen dauernde Ausstand für beendet erklärt. Die Arbeit soll unter dem beim Beginn des Ausstandes seitens der Arbeitgeber gemachten Angebot alsbald wieder aufgenommen werden. Bergarbeiterbewegung. Heute fanden im Ruhrrevier eine Anzahl Bergarbeiter- Versammlungen statt, die teils vom christlichen Gewerkverein, teils vom alten Bergarbeiterverband einberufen worden waren. In allen Versammlungen wurden Resolutionen angenommen, die darin gipfelten, den Aeltesten zu.empfehlen, das neue Statut abzulehnen, falls die Forderungen der Bergleute. Erhöhung des Krankengeldes, Erhöhung der Pensionen, freie Aerztewahl und Bei- bchaltung des Kindergeldes, keine Berücksichtigung fänden. Verlammlungen. Huefond. Die Streiks in Belfast. London, 17. August.(Eig. Ber.) Zwischen den Fuhrleuten und den Unternehmern ist ein Vergleich zustande gekommen, der dem Streik ein Ende machte. Die Forderungen der Fuhrleute waren: 1. Anerkennung der Gewerkschaft; 2. Lohnerhöhung. Die erstere Forderung wurde abgelehnt, die andere bewilligt, die zum Erfolge hat, daß ein Lohnminimum festgestellt wurde. Sämtliche am Streik beteiligt gewesenen Arbeiter sollen wieder eingestellt werden. Dagegen wird der Streik der Docker fortgesetzt, aber er hat wenig Aussicht auf Erfolg, da es bei den Dockern nicht an Streik- blechern fehlt.—_ Beendigung der Massenaussperrung in Norwegen. Nach fünftägiger Verhandlung ist am Freitag ein Ueberein- kommen zwischen den Organisationen der Arbeiter und Unter- nehmer der norwegischen Zellulose- und Papierindüstrie zustande gekommen, wodurch der größte gewerkschaftliche Kampf, den die Arbeiterschaft Norwegens bisher zu bestehen hatte, sein Ende er- reichte. Hinsichtlich der Arbeiter der Borregaard-, Union- und Skotfosfabriken, die 13 bis 14 Wochen im Kampfe standen, waren die Verhandlungen bereits am Donnerstag abgeschlossen; anderen Tages einigte man sich über den Abschluß der allgemeinen Aus- sperrung, die sich bekanntlich auf die Zellulose- und Papierindustrie des ganzen Landes erstreckte. Es wurde ein Tarifvertrag ab- geschlossen, der auf drei Jahre gelten soll. Sämtliche streikenden und ausgesperrten Arbeiter werden wieder eingestellt. Maß- rcgelungen sind ausgeschlossen und das Koalitionsrecht ist unbedingt anerkannt. Im übrigen sind Lohnerhöhungen von mindestens 8 bis 10 Proz. das Ergebnis des Kampfes, die zum Teil allerdings erst vom 1. April 1908 in Kraft treten. Auch Verkürzungen der Arbeitszeit wurden erreicht. So ist z. B. in Borregaards Zellulose- fabriken für Arbeiter, die bisher 12 Stunden tätig sein mußten, die Achtstundenschicht eingeführt. Die Lohnerhöhungen, die dieses Unternehmen zu zahlen hat, belaufen sich auf 200 000 Kronen jähr- lich, während sie in den Skotfos- und Unionfabriken 100 000 Kronen ausmachen. Das Uebcreinkommen ist von den Arbeitern und ihren Organi- sationcn wie vom Hauptvorstand der Norwegischen Arbeitgeber- Vereinigung samt den Vertretern der Zellulose- und Papierfabriken gutgeheißen worden, so daß die Arbeit am Montag wieder auf- genommen werden konnte. Zu einer äußerst imposanten Kundgebung kür den Sozialismus gestaltete sich die zum Sonntag nachmittag von der Agitations» kommission für die Provinz Brandenburg nach Feuersteins Lokal, Alte Jakobstr. 75, einberufene Schiffervcrsamm- lung, die von Schiffseignern und Bootsleuten gut besucht war. Einige Schifferfrauen sowie etliche„bessere" Leute, allem Anschein nach Abgesandte der Reeder, hatten sich ebenfalls eingefunden. Genosse Wilhelm D ü w e l l hatte es übernommen, den Anwesenden die Entwickelungsgeschichte der heutigen kapitalistischen Produk- tionsweise von ihrem Anfangsstadinm bis zum Höhepunkt, der Vereinigung der ungeheueren, gewaltigen Kapitalmengen in den Händen einzelner Personen, vor Augen zu führen. Nachdem er die Tatsache, daß in der Seeschiffahrt sich bereits die Konzentration des Kapitals bis zum Kulminationspunkt nahezu vollzogen hat, geschildert, erbrachte er an drastischen Beispielen den Beweis, daß auch in der Binnenschiffahrt die Enteignung der kleinen Fahrzeug- besitzer, ihre Aufsaugung durch das Großkapital, sich immer mehr und mehr vollziehe. Nichts kann dem Kleingewerbetreibenden, dem Klcinschiffer mehr helfen, als die Erkenntnis seiner Klassenlage und die nachhaltige Vertretung seiner und der Interessen der Allgemeinheit durch Einreihung in die Bataillone des um Freiheit und Menschenrechte kämpfenden Proletariats, dessen Aufgabe und Endziel die Ueberführung der gesamten Produktionsmittel in den Besitz der Allgemeinheit ist, die die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen bedeutet.— Die Anwesenden folgten dem Vortrage mit großer Spannung.— In der durchaus zustimmenden Diskussion schilderten die Genossen Schwedt er, Koch und N i t s ch k e einige Episoden aus dem schweren Existenz» kämpf der Schiffer und machten den Anwesenden in eindringlicher Weise die Notwendigkeit politischer Erkenntnis, des Eintritts in die sozialdemokratischen Wahlvereine und die gewerkschaftliche Organisation klar.— Nach einem kurzen Schlußworte, in welchem der Vorsitzende zu reger Agitationsarbeit, zur Anschaffung und Vertiefung in die sozialistische Lektüre aufforderte, wurde die Ver- sammlung mit einem dreifachen Hoch auf die völkerbefreiende Sozialdemokratie, in welches die Anwesenden mit Begeisterung einstimmten, geschlossen. Genosse Arons sendet uns einen Schriftwechsel zwischen der Gewerkschaftskommission und ihm, der durch unseren Bericht von der Generalversammlung des ersten Kreises veranlaßt ist. Der Brief der Gewerkschaftskommission lautet in der Hauptsache: In der gestrigen Nummer des„Vorwärts", in der über eine am 13. August stattgefundene Versammlung des Wahlvereins für den ersten Berliner Reichstagswahlkreis berichtet wird, läßt Sie der Berichterstatter bei dem Kapitel„Partei und Gewerk- schaft" unter anderem dem Sinne nach folgendes sagen: „Der Parteivorstand mußte in den Apfel beißen, den die Gewerkschaftskommission zu sauer fand." Wir gestatten uns, Ihnen mitzuteilen, daß Sie über die ganze Angelegenheit offenbar schlecht informiert worden sind, da die Berliner Gewerkschaftskommission zu keiner Zeit und in keinem Stadium der Bauarbeiterbewegung mit dem Partei- vorstand in Verbindung getreten ist, um wie der Bericht weiter sagt:„die Bauarbeiterschast zu warnen, in den Kampf zu ziehen". Wir stellen ausdrücklich fest, daß dies wohl von feiten der Maurerorganisation geschehen ist, ohne daß diese Organi- sation vorher die Berliner Gewerkschaftskommission in Kenntnis fetzte, was sie aber andererseits auch gar nicht nötig hatte, da die Berliner Gewerkschaftskommission weder Aufsichtsinstanz der einzelnen Gewerkschaften ist, noch sich in die taktischen Fragen bei Lohnbewegungen derselben einzumischen hat. In seiner Antwort auf diesen Brief sagt Genosse Arons: In der Versammlung am 13. August 1907 habe ich von der Gewerkschaftskommission überhaupt nicht gesprochen. Ich führte als Symptom dafür, daß das.Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften zurzeit nicht richtig sei, an: 1. den Aufruf des Parteivorstandes zur Maifeier, 2. den Umstand, daß die Führer der Bauarbeiter den Parteivorstand zur Beschwichtigung der Streiklust an- rufen mutzten. acl 1 sagte ich etwa, daß wenn schon zur Mäßigung bei der Maifeier geraten werden mußte, das eigentlich Sache der Ge- ncralkommission gewesen wäre. Dieser aber könne man es nicht verübeln, wenn sie einen solchen Schritt nicht tun wollte, nach- dem die Gewerkschaftsfiihrer in letzter Zeit so häufig als Flpu- macher angegriffen worden wären; ja, sie hätten sogar gewärtig sein müssen, daß sie von neuem angegriffen und so ihr Zuspruch wirkungslos gemacht worden wäre. Unter diesen Umständen hätte der Parteivorftand in den sauren Apfel beißen müssen. ack 2 führte ich aus: Ich könne mir wohl vorstellen, daß der Parteivorstand einmal an die Gewerkschaften heranträte und aus politischen Gründen zum allgemeinen Streik drängte. Daß aber Gewerkschaftsführer den Parteivorstand ersuchen müßten, die organisierten Arbeiter vom Streik zurückzuhalten, wiese auf eine Verhetzung hin, die bei den Arbeitern das nötige Ansehen der Gewerkschaftsführer erschüttert habe. Ich betonte noch ein. mal, daß ich unter den gegebenen Verhältnissen beiden Parteien keinen Vorwurf machen könne, den Vorgang aber als ein be- dcnkliches Symptom auffassen müsse. Unser Berrchterstarrer glaubt auch jetzt noch, gehört zu haben, daß Genosse Arons den Ausdruck Gewerkschafts kommission, nicht G e n e r a l kommission gebrauchte. In seiner ersten uns zu- gegangenen Erklärung ist Genosse Arons übrigens auf dieses nicht unerhebliche Mißverständnis ni'cht eingegangen. Letzte JVachricbten und Depclcbcn. Der Würger der Kinder. Götttngen, 19. August.(B. H.) In Northeim ist eine Diphthcritis- epidcmie ausgebrochen. Etwa 50 Schulkinder sind erkrankt, mehrere derselben sind bereits gestorben. Drei Touristen abgestürzt. Lauterbrunnen, 19. August.(W. T. B.) Am letzten Mittwoch unternahmen drei in Luzern wohnhafte Touristen, der Schweizer Schreinermeister Lehmann, der aus Oesterreich gebürtige Spengler Biedermann und der Holzbildhauer Lehmkuhl aus München, eine Besteigung der Jungfrau, wobei sie vom Rottalsattel abstürzten. Nach mehrtägigen Nachforschungen wurden die dret als Leichen heute gesunden, konnten aber wegen Lawinengefahr bisher nicht ge- borgen werden._ Die Kämpfe in Marokko. London, 10. August.(W. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet über die gestrigen Kämpfe vor Casablanca weiter, die Marokkaner benutzten das Schwert beim Angriff, als ihnen die Munition ausging. Die Franzosen verloren zwei Tote und drei Verwundete. Der Verlust der Eingeborenen ist wahrscheinlich groß. Es wurden dringend Verstärkungen verlangt, um das Terrain auf- zuklären. Die Spanier nehmen am Kampfe nicht teil. Sr. Majestät untertänigste Buren. Pretoria, 19. August.(W- T. B.) Die gesetzgebende Versamm- lnng nahm mit 42 gegen 19 Stimmen den Vorschlag BothaS an, den Cullinan-Diainanten als Geschenk für König Eduard anzukaufen. Verantw. Redakteur: Sans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Tb.Glocke.Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr.u. Verlagsanstalt WauISingerLeCo.. Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. RnterbaltungsblaU ir. 193. 24. 1. Keilllge des„Ullmältg"§ti\\\iu UlllksdlM. w-w. 20«'M. Die prolctarifche Internationale in Stuttgart. Internationaler iozialiftiicfter Kongreß. S t u t t g a r t, 13. August. Die Eröffnungssitzung. Im großen Saal der„Liederhalle" fand heute vormittag um elf Uhr die feierliche Eröffnung des Kongresses statt. Der Saal ist der einfach-schlichte Rahmen für dies weltgeschichtliche Schau- spiel, er wirkt nur durch die Größe und Harmonie seiner Maße. Eine auf viereckigen Pfeilern ruhende breite Galerie läuft in halber Höhe um drei Seiten des mächtigen Rechtecks. Die vierte Seite, eine der Schmalseiten, wird von einer riesigen Musikestrade eingenommen, deren Hintergrund eine Orgel bildet. Die be- sondere Ausschmückung, die der Saal für den Kongreß erhalten hat, ist einfach und geschmackvoll; eine rote Draperie hebt die Estrade hervor, auf der das Präsidium sitzen wird. Links und rechts auf dieser Bühne stehen auf roten Postamenten die Riesenbüsten von Marx und Lafsalle. Kleine rot umrahmte Schilder an den Wänden erinnern an die vorangegangenen internationalen Kon- gresse: Paris 1889; Brüssel 1891; Zürich 1893; London 1896; Paris 1999 und Amsterdam 1994. Noch eine schmale rote Draperie an der Orgel, sonst kein farbiger Schmuck und keine Parteifahnen. Dafür aber überall Blumen, Blumen auf dem Vorstandstische und dem Tische der Uebersetzer, Blumen auf allen Tischen für die Delc- gierten. Für diese sind sechsmal sechs lange Tische aufgestellt, die den ganzen Saal füllen. Aber auch der breite Gang unter der Galerie hat mit Tischen dicht besetzt werden müssen, um für fast 1999 Kongreßteilnehmer Platz zu schaffen. Die Plätze für die Dele- gationen sind so gelegt, daß Deutschland die ganze Internationale umspannt, das heißt, daß die ausländischen Delegierten die Mitte einnehmen und ringsherum unsere deutschen Genossen sitzen. Die weiten Tribünen sind um 19 Uhr überfüllt; seit Wochen sind die Einlaßkarten sämtlich vergeben. Zwischen 19 und 11 Uhr treffen die Delegierten ein. Fast alle Sprachen der Welt tönen durcheinander. Sänger und Sängerinnen füllen die Estrade und kurz vor 11 Uhr nehmen die Mitglieder des internationalen Bureaus auf dem Podium Platz. Um 11 Uhr beginnt die Feier mit einem feierlichen Chorgefang unter Orgelbegleitung:„Ein feste Burg ist unser Bund". Der Text ist von Jakob Andorf, die Melodie die des alten Lutherliedcs. Unter Leitung des Musik- direktors Brenner tragen die Gesangvereine„Lassallia" und„Freya" und ein eigens zu diesem Zwecke gebildeter Frauenchor das Lied kraftvoll vor. Als die Töne berrauscht sind, tritt Vandervelde, der bor- her zwischen Singer und Adler gesessen hat, während Bebel am Tisch der Uebersetzer Platz genommen hat, in den Vordergrund des Podiums und die Verhandlungen beginnen. Die Verhandlungen der Eröffnungssitzung. Vorsitzender Bandervelde: Im Namen des Internationalen sozialistischen Bureaus erkläre ich den 6. Kongreß der 2. Jnternatio- nale für eröffnet und gebe das Wort unserem Freund und Genossen August Bebel. Bebel Ymit stürmischem, nicht endenwollendem Händeklatschen empfangen): Partei- und Kampfgenossen! Im Namen der deutschen Sozial- demokratie heiße ick Sie in Deutschland und in Stuttgart will- kommen und begrüße Sie alle auf das herzlichste. Es ist zum ersten Male, daß wir in Deutschland einen internationalen Kon- grcß abhalten. Allerdings hatte bereits die alte Internationale beschlossen, im Sommer 1879 in Mainz einen Internationalen Kongreß abzuhalten. Aber da kam der unglückselige Krieg zwischen Deutschland und Frankreich, und der Kongreß wurde unmöglich, nicht nur für dieses, sondern auch für die nächsten Jahre. Das neue Deutsche Reich war kein Reich der Freiheit und des Rechts. Sofort nach seiner Schaffung ging es mit Ausnahmegesetzen und mit Klassenjustiz gegen die ihm verhaßten Personen und Parteien vor, und so verstand es sich von selbst, daß ein internationaler Sozialistenkongreß auf absehbare Zeit für Deutschland zur Un- Möglichkeit wurde. Wir haben lange gewartet, bis wir es gewagt haben, die Internationale nach Deutschland einzuladen. Und als wir in Amsterdam die Einladung an Sie ergehen ließen, da gab es noch manche? Kopfschütteln und manches Bedenken, ob es rat- sam sei, im neuen Deutschen Reiche zu tagen, das in bezug auf bürgerliche Freiheit sich bis dahin im Auslande gerade nicht des besten Rufes erfreute. Wir haben es gewagt, wir haben es darauf ankommen lassen, ob man sich wirklich vor der ganzen Kulturwelt blamieren und den Internationalen Sozialistenkongreß in Deutsch- land unmöglich machen würde. Freilich «ach Berlin zu gehen, trugen wir keinerlei Gelüste: Unter den Augen des Fürsten Bülow und der Berliner Polizei zu tagen, war nicht nach unserem Geschmack.(Heiterkeit.) Wir dachten uns aber, das, was in Berlin nicht möglich sei, vielleicht in Stuttgart gehen würde, und Sie sehen, es ist gegangen: Wir heben heute eine Versamm- lung vor uns, so glänzend und großartig, wie sie noch nie ein Internationaler Sozialistenkongreß aufzuweisen gehabt hat. (Bravo!) Freilich im Laufe der letzten Jahre sind uns noch manchmal mit Recht Bedenken aufgestiegen, ob Deutschland das rechte Land für einen Internationalen Sozialistcnkongreß wäre. Gerade jetzt vor 2 Jahren, als die unselige Marokkoaffäre die ganze Kultur- weit in Atem hielt, beschlossen die Berliner Partekgenossen, unseren Freund I a u r e s einzuladen, damit er vor den deutschen Prole- tariern im Namen der französischen Proletarier für den Frieden spräche. Da setzte Fürst Bülow alles daran, diesen Mann, den er selbst kurz zuvor im Deutschen Reichstage seine Hochachtung aus- gesprochen hatte, nicht nach Deutschland hineinzulassen und ließ ihm sogar durch den deutschen Gesandten mit der Ausweisung drohen.(Pfuirufe.) Mev Ihr wißt das ja schon alle.(Heiter- keit). Jedenfalls war das kein gutes Vorzeichen für den Kongreß. Dem Beispiele Berlins folgte das benachbarte Karlsruhe. Am selben Tage wie in Berlin sollte in Konstanz, wo drei Länder an- einanderftoßen, eine große Demonstration für den Frieden statt- sinden, bei der Adler, Greulich, Todeschini und ich daS Wort ergreifen sollten. Aber das rühmliche Beispiel von Berlin fand in Karlsruhe Nachahmung; auch in Konstanz wurden die Versammlungen verboten, nur hatten wir dort den Vorteil, in der freundnachbarlichen Schweiz das sagen zu können, was uns aus deutschem Boden unmöglich gemacht worden war. Weiter machte uns bedenklich das Verhalten der preußisch- deutschen Regierung gegenüber unseren geächteten russischen Ge- nassen. Ihnen allen rst noch die Rede des Fürsten Bülow von den Schnorrern �inb Verschwörern im Gedächtnis. Sie alle wissen, wie Dutzende und Aberdutzende, zu- letzt Hunderte von russischen Studenten in rücksichtslosester Weise ausgewiesen wurde«. Das waren alles Momente, die wohl bei Ihnen Mißtrauen erwecken konnten, ob wir dennoch hier in Deutsch- land tagen könnten. Wir haben es gewagt— um mit Hutten zu reden und wir hoffe«, daß dieser Kongreß in glanzvoller und für die ganze proletarische Welt segensreicher Weise sein Ende finden wird. Sehen wir doch, in welch mächtiger Weise die Gedanken der Internationale tn der ganzen Kulturwelt Boden gefaßt haben. Wir sehen heute :ine internationale Bewegung des menschlichen Fortschritts von einer Großartigkeit vor uns, wie die Geschichte der Menschheit noch niemals etwas Aehnlichcs aufzuweisen hatte. Wir haben seit Amsterdam auf den verschiedensten Gebieten sehr erhebliche Fortschritte gemacht. Für alle diejenigen, die das Glück hatten, in Amsterdam an- wesend zu sein, war es wohl der großartigste und wirkungsvollste Eindruck, als bei Eröffnung jenes Kongresses der Vorsitzende auf das furchtbare Schlachten im fernen Osten zwischen Japan und Rußland hinwies und als in diesem Moment der Vertreter von Japan, Katayama, und der Vertreter von Rußland, Plechanow, sich brüderlich die Hände reichten.(Bravo.) Weiter gingen wir nach den Debatten in Amsterdam über die Frage der Anteilnahme von Sozialdemokraten an der Regierung mit dem Gedanken auseinander, daß es schwer- lich gelingen werde, unter unseren französischen Brüdern die Einheitlichkeit herzustellen. Aber siehe da, zu unserer aller freudiger Ueberraschung ist das große Werk dennoch gelungen. Der Samen von Amsterdam hat Früchte getragen, unsere fran- zösischen Brüder haben gemeinsam einen gewaltigen Wahlkampf geführt, aus dem sie siegreich hervorgegangen sind, sie haben die Zahl ihrer Mandate von 37 auf 94 erhöht und gleichzeitig eine bedeutende Vermehrung ihrer Stimmen auf- zuweisen.(Bravo.) Unmittelbar an dies schöne Ereignis knüpfte sich ein anderes. Zum erstenmal in der englischen Arbeiter- bewegung trat die englische Arbeiterklasse gegenüber den bürgerlichen Parteien als selbständige Arbeiter- Partei in den Wahlkampf. Und siehe da, was niemand erwartet hatte, auch dieser Kampf wurde glorreich zu Ende geführt und zum ersten Male konnten 32 Delegierte des englischen Proletariats als selbständige Arbeiterpartei in das englische Parlament ein- ziehen,(Lebhaftes Bravo.) Es hat etwas lange gedauert, bis das ökonomisch fortgeschrittenste Land Europas in dieser Weise sein Proletariat- als selbständige Partei aufmarschieren sah. Aber, Ihr englischen Freunde, Euer Anfang war ein guter, und was gefolgt ist, hat uns noch mehr gefreut. Wenn auch das eintraf, was ich bereits in Amsterdam voraussagte, daß bei einem Siege der englischen Arbeiter die englische Regierung einen Sozialisten ins Ministerium nehmen werde— ich nannte damals auch bereits John Burns—, so hat doch diese Konzcssion nicht vermocht, unsere englischen Freunde auch nur um eines Haares Breite von ihrer Kampfestaktik abzubringen.(Bravo!) An diese Siege in Frank- reich und England reihte sich an der S i e g i n Finnland. Dort haben es unsere Freunde verstanden, ein unter dem zarischen Regime, das seinem eigenen Volke nicht die geringsten Rechte ver- gönnt, sonderbar radikales Wahlrecht so auszunutzen, daß nicht nur eine starke männliche Fraktion, sondern auch 9 sozialistische Frauen in das finnische Parlament ihren Einzug halten konnten.(Bravo!) Aber damit waren die Siege der Internationale noch nicht zu Ende: es folgte die große Schlacht in Oe st erreich. Unsere österreichischen Genossen, die jahrelang mit Heroismus und Begeisterung den Kampf um das Stimmrecht geführt hatten, zogen mit 87 Genossen als stärkste sozialistische Fraktion der Welt in das österreichische Parlament ein.(Stürmischer Beifall.) Weiter haben unsere Freunde in Holland und ebenso in der Schweiz bei den Kommunal- wählen glänzende Fortschritte gemacht, ein Beweis, daß überall die Internationale marschiert. Scheinbar eine Ausnahme davon macht das Deutsche Reich, die deutsche Sozialdemo- kratie. Ich habe hier nicht auf die Gründe einzugehen, welche die unerwartete Auflösung des Reichstages im letzten Winter herbei- führten. Wir haben eilen Wahlkampf zu bestehen gehabt, wie noch niemals seit dem Bestehen eines norddeutschen und deutschen Reichstages. Nicht nur die gesamten bürgerlichen Parteien— das ist nur selbstverständlich—, sondern auch die Regierungen des Reiches und der Einzelstaaten, die kommunalen Vertretungen sind allesamt in den Wahlkampf gegen uns eingetreten. Das End resultat, wie es nach diesem Wahlkampf nicht anders erwartet werden konnte, ist: Wohl steigerten wir die Zahl unserer Stimmen von 3 Millionen auf 3% Millionen, aber die Zahl unserer Mandate sank von 79 auf 43. Man hat deshalb im Berliner Schlosse von einem Niederreiten der Sozialdemokratie gesprochen. Freunde und Parteigenossen aller Länder! Wir fühlen uns aar nicht niedergeritten, wir sitzen so fest im Sattel wie je.(Stürmischer Beifall.) SV* Millionen Stimmen nach solch einem Wahlkampf, das bedeutet 3 259 999 eisenharte Männer, Männer, auf die man sich in jeder Gefahr verlassen kann, eine Armee der Propaganda, wie sie größer nirgends vorhanden war. Und auch unsere Gegner haben inzwischen eingesehen, daß es ein Zufallssieg war, daß sie nicht darauf rechnen dürfen, uns in dieser Weise zu besiegen, und es ist recht von ihnen, daß sie diese Er- kenntnis haben. Denn wir alle, bis zum letzten Mann, warten sehnlichst darauf, die Scharte vom 25. Januar und 5. Februar aus- zuwetzen(Lebhafter Beifall) und bedauern lebhaft, daß wir wahr- scheinlich erst 1912 wieder einen Wahlkampf durchkämpfen können. Aber daß die deutsche Sozialdemokratie inzwischen auf ihrem Posten ist, zeigt der glänzende Ausfall der Ham- burger Bürgerschaftswahlen und der bayerijichen Landtagswahlen, zeigt eine ganze Reihe von Nach- wählen, besonders die im Wahlkreise unseres leider verstorbenen Parteigenossen Auer. Ferner ist im letzten Jahre die Zahl der organisierten deutschen Genossen und Ge- nossinnen von 384 990 auf 539 999 gewachsen. Das ist ein Zuwachs von 146999 oder um 38 Proz.(Beifall.) In gleicher Weise ist die P a r t e i p r e s s e gewachsen, in gleicher Weise trotz der gewaltigen opferreichen Kämpfe, die finanziellen Mittel der Partei. Es ist doch etwas sehr Erhebendes für eine niedergerittene Partei, wenn ihr Kassierer in einem, dem letzten, Monat über eine Beitragssumme von 179999 Mark quittieren kann. Die deutschen Gewerkschaften sind von 7 9 999 9 Mitgliedern im Jahre 1999 auf über 18 9999 9 in diesem Jahre angewachsen, ein kolossales Wachstum der proletarifchen Kräfte. So also sieht die niedergerittene Partei aus! Glaubte man wirklich, daß wir wahrhaft niedergeritten wären, warum weigert sich dann Fürst Bülow und sein Herr so hartnäckig, für den preußischen Land- tag das allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht zu geben, da könnte man ja das Niederreiten von neuem ver- suchen.(Heiterkeit.) Aber Bülows offiziöses Organ erklärt in bezeichnender Angst, daß das Verlangen nach dem allgemeinen Wahlrecht eine„Jagd zu Pferde nach wilden Gänsen" sei.(Heiter- keit.) Ich kann Ihnen also versichern, daß inuner, wenn in den nächsten Jahren für die deutsche Sozialdemokratie sich Gelegenheit bieten wird, ihr Schwert zu schwingen, sie sich als die alte erweisen wird. Am Ende schadet es gar nicht einmal, wenn nach so vielen Siegen auch einmal eine Niederlage kommt.(Heiterkeit.) Es ist ja menschlich begreiflich, daß dauernde Siege leicht etwas übermütig machen. Hat doch schon unser Altmeister Goethe gesagt, daß nichts schwerer zu ertragen sei, als eine Reihe von guten Tagen. Nun haben wir einmal einen trüben Tag gehabt, aber kckon scheint die Sonne wieder, soggr zu diesen, Kongreß.(Heiterkeit.) Vielleicht steht selbst der Olymp mit uns im Bunde.(Er� neute Heiterkeit.) In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat inzwischen ein skandalöser Prozeß gegen unseren Genossen Haywood stattgefunben. Die Herr« schende Klasse hat alles aufgeboten, um diesen unschuldigen Mann wegen Mordes verurteilen zu lassen. Selbst der Leiter der großen Republik hat sich dazu hergegeben, ihn als„unerwünschten" Bürger zu bezeichnen. Der Prozeß hat mit der glänzenden Freisprechung des Genossen Haywood geendet. Aber vor allem hat er die Ar» beiter der Vereinigten Staaten aufgerüttelt, sie auf die Schäden der großen Republik aufmerksam gemacht, die trotz aller Rechte und Freiheiten auf dem Papier für das Proletariat auch keine Freiheit und keine Gerechtigkeit zur Verfügung hat. Hoffentlich wird nun das erwachte Arbeitervolk Amerikas ebenso machtvoll in die politische Geschichte der Republik eingreifen wie das englische Proletariat das getan hat. Heute sehen wir jedenfalls hier eine so starke amerikanische Delegation, wie niemals zuvor. Nach all diesem kann ich mit vollem Rechte sagen: Die Internationale marschiert! Sie gewinnt mit jedem Jahre neuen Boden. Heute bereits zu diesem Kongresse sind Vertreter aller fünf Erdteile erschienen; es wird nicht mehr lange dauern, bis chier auch alle Staaten der Welt durchMhre Delegierten vertreten find. So sehen wir eine starke, mächtige Partei vor uns, die vorwärts stürmt und weiß, was sie will. So hoffe ich, daß die Arbeiten des Kongresses dazu beitragen werden, die Internationale zu stärken und zu kräftigen, und den großen Ideen und Zielen, die sie erstrebt, neue Anhänger zu werben. Ich hoffe, daß dieser Kongreß hier in Stuttgart ein anderes Beispiel internationaler Gesinnung geben wird als die Internationale der Regierungen, die im Haag vereinigt ist(Lebhafter Beifall), die Sitzungen über Sitzungen ab- halten, und schließlich hat der kreißende Berg ein Mäuslein geboren, ja vielleicht ist sogar dieses Mäuslein noch totgeboren.(Heiterkeit.) Wir aber wollen freudig und zielbewußt an die Arbeit gehen und zum Zeichen Ihrer Zustimmung bitte ich Sie, mit mir einzustimmen in den Ruf: Die voller-, die menschlieitsbefrciende Sozialdemokratie sie lebe hoch!(Stürmischer, vielfach wiederholter Beifall.) Die Delegierten stimmen begeistert dreimal in den Hochruf ein. Auch die Ueberfetzung der Bebelschen Rede durch Clara Zetkin, die stürmisch begrüßt wird, und Smith wird lebhaft akklamiert. Vandervelde-Brüssel: Wir Belgier haben die große Ehre, als Bewohner des kleinsten Landes, den Sitz des Internationalen Bureaus in unserer Mitte zu haben. Ich habe nun von dem Jnter» nationalen Bureau den Auftrag erhalten, dem Genossen Bebel für feine Begrüßungsworte zu danken, dem berühmtesten Veteranen, ich will nicht sagen der ältesten sozialistischen Partei überhaupt, wohl aber der ältesten Partei, die sich der Internationale an- geschlossen. Bebel hat mehr wie einen Sieg und eine Niederlage erlebt, aber gewiß ist der heutige Tag, an dem er hier die so groß gewordene Internationale begrüßt hat, einer der schönsten seines Lebens. Wie hat sich doch alles geändert seit den Jahren, wo er als junger Führer mit Liebknecht zusammen an die Spitze der deutfchen Sozialdemokratie trat. Vor 36 Jahren war die Kommune besiegt, Bebel war mitLiebknecht im Gefängnis, weil er mutig gegen die Annexion von Elsaß-Lothringen Protest erhoben hatte. Kaum ein Zehntel der Wähler folgten der roten Fahne. Wie anders ist es nun heute! Heute sind 25 verschiedene Nationen hier auf dem Kongreß vertreten, aus allen Teilen der Welt, auS Europa von Stockholm bis Madrid, von London bis Petersburg. Nordamerika hat seine Delegierten, auch Bolivia, Argentinien, Kanada, Britisch-Kolum- b i e n sind vertreten. Asien hat nur einen Delegierten, aber er wird uns für den nächsten Kongreß zahlreiche andere Delegierte herbeiführen; denn er stammt aus Japan, aus diesem herrlichen Volke, daß von Europa nicht nur seine Kanonen, seine Hchiffe und seine Industrien angenommen hat. sondern auch das„K a p i- tal" von Marx und die Prinzipien. des Klassen- t a m p f c s und der Klassenorganisation. Aus A u st r a- l i e n ebenfalls ist ein Delegierter da der j ü n g st g e e i n i g t e n sozialistischen Arbeiterpartei. Aus Afrika sind zwar keine Delegierten der armen, von Leopold II. ausgebeuteten Neger da, wohl aber Delegierte der weißen Arbeiter, die gegen die Ausbeutung der Diamant- und Goldbarone ankämpfen. Karl V. sagte einst, in seinem Reiche gehe die Sonne nicht unter; wir Sozialisten können mit mehr Recht sagen, daß innerhalb der Länder, wo die rote Fahne weht, die Sonne nicht untergeht.(Stürmischer Beifall.) Wir haben nicht nur oberflächlich unser Feld bebaut, sondern auch in die Tiefe. Das geht aus dem bloßen Vergleich der Lage von 1994 und heute hervor. In Amsterdam vor drei Jahren, da waren unsere franzö- fischen Genossen noch in mehrere feindliche Lager gespalten, die Oesterreicher standen vor dem Kampfe für das allgemeine Stimm- recht, in Rußland hatte gerade der blutige Krieg gegen Japan be- gönnen, dessen Folgen kein Mensch ahnen konnte. In England konnten die Konservativen höhnend sagen, der Sozialismus sei in England kein Importartikel. Und heute, da sind die französischen Genossen zu einer großen Partei vereinigt; im Internationalen Bureau sitzt neben Vaillant, dem wackern alten Veteranen der Kommune, brüderlich vereint Jaures, die Hoffnung des Sozialis- mus. Im englischen Parlamente sitzen mehr Proletarier als in irgendeinem anderen; sie haben sich bereits von allen bürgerlichen Parteien getrennt; damit sie eine rein sozialistische Partei werden» möchten sie nur noch einsehen, daß zur Klassenkampftaktik noch das Endziel gehört. Gerade so hat die gewerkschaftliche Bewegung einen großartigen Aufschwung genommen, gerade in Deutschland. Bebel hatte es nicht nötig, von einer Niederlage unserer deutschen Brüder zu sprechen. Das war keine Niederlage, sondern nur eine Etappe auf dem Marsch zum Siege. DaS beweist schon der großartige Aufschwung der Organisation.(Bravo!) In Frankreich, in England, in Deutschland, überall geht eS vorwärts. Ueberall dringt der Sozialismus siegreich vor. In Finnland, Schweden, Württemberg und Baiern, in Oesterreich haben unsere Brüder den herrlichsten Sieg erfochten und das all- gemeine Stimmrecht sich erkämpft. Die österreichischen Genossen, die haben uns gelehrt, daß in ihrem national zerspaltenen Reiche, wo die bürgerlichen Parteien sich nicht vertragen können, die Prole- tarier allein eine einheitliche Masse bilden.(Lebhaftes Bravo!)) Mit bangem Herzen schauen wir nach Osten, wo die Russen und Polen noch unter dem zarischeit Joche seufzen, und wir sende» den heldenmütigen Frciheits- kämpfern dort unseren innigsten Brndergruß.(Lebhaftes Bravo! und Händeklatschen.) Seit drei Jahren kämpfen sie unverzagt und lassen sie'Blut und Gut für ihre Menschenrechte. Mehr wie einmal I)aben wir für sie gebangt, mehr wie einmal haben wir gehofft. der Sieg sei endlich nahe. Leider aber hat sich unsere Hoffnung nilht ggnz verwirklicht. Der Zarismus ist zum Tode getroffen. aber die Bestie ist noch nicht verendet. Aber haben wir Vertrauen! Die russische Revolution dauert erst drei Jahre, loährcnd die fran- zösische Revolution von 1739 bis 181S gedauert hat. Die Revo- lutionen sind um so länger, je tiefgehender sie sind. Die englische Revolution 1388 hat die Bourgeoisie ans Ruder gebracht/die französische Revolution 1789 hat der bürger- liehen Demokratie den Weg gebahnt. Wir hoffen, daß die russische Revolution nicht nur eine bürgcrlich-demokratische Revolution sein, sondern das, sie die Signatur dcS sozialistischen Proletariats tragen wird.(Lebhaftes Bravo!; langer, anhaltender Beifall.) Unzählige Opfer hat die Revolution schon gefordert, mit Blut sind die russischen Gefilde der Freiheit über und über getränkt; hart ist der Kampf. Unsere Sympathien gehen in erster Linie zu diesen Märtyrern, die dort in den russischen Gefängnissen schmachten.(Lebhaftes Bravo!) Aber ihr Märtyrertum ist nicht umsonst. Die mit ihrem Blut getränkte Saat wird ihre herrlichen Früchte tragen. Jede Revolution fordert ihre Märtyrer. Vor nahe an zweitausend Jahren hat auch eine Bewegung begonnen, die die Gegner im Blut zu ertränken suchten. Hunde�e von Märtyrern starben den Tod für ihren neuen Glauben! Aber schon am Ende des zweiten Jahrhunderts konnte ein christlicher Bischof sagen: „Die Christen sind eine ungeheuere Masse." Wir auch haben unsere Märtyrer, und auch wir sind heute eine ungeheure Masse. 8 bis 19 Millionen Proletarier stehen hinter uns.(Bravo!) In ihrem Namen danke ich der deutschen Sozialdemokratie für ihre Gastfreundschaft. Sie war uns oft eine Mahnerin im Streit. Sie hat uns die straffe Organisation gelebrt, die von einem hohen Ideale, einem idealistischen Schwünge getragen wird. Ich begrüße Sie herzlichst. Unsere Tagung gereicht nicht allein den Sozialisten zur Freude; alle diejenigen, die nicht zu unserer Partei gehören, die aber den Weltfrieden wünschen, sehen mit Zuversicht nach Stuttgart. Bebel hat bereits die Unfruchtbarkeit der Haager Konferenz charakterisiert. Als sie zusammengetreten, begrüßte man sie als F r i e d e n s k o n f e- r e n z; heute aber ist sie zu einer Kriegskonferenz ge- worden!(Lachen!) Wir sind der einzig wahre Weltkongreß, wir allein bringen die Proletarier aller Länder einander näher; denn wir lehren sie, daß sie alle Brüder sind. Wir vereinigen unter dem roten Banner Gelbe, Schwarze und Weiße, Deutsche und Franzosen, Russen und Japaner, Europäer, Afrikaner, Asiaten! Unser Ideal um- schließt die ganze Welt. Und wir werden die ganze Welt erobern! (Bravo!) Der Kapitalismus ist der Krieg! Der Sozialismus aber ist der Frieden!(Lebhaftes Bravo! und Beifallklatschen.) Die Uebersetzerin, Genossin Rosa Luxemburg, wird mit lebhaftem Beifallklatschen begrüßt. Auf Bebels Vorschlag wird hierauf wie in Amsterdam die Leitung der Verhanolungen dem Jnternatio- nalen Bureau übertragen. Bandervelde macht namens des Bureaus folgenden Vorschlag: Morgen, Montag, um 9 Uhr, treten die einzelnen natio- nalenSektionenin ihren Zimmern zusammen und prüfen ihre Mandate. Jede ernennt einen Sekretär, der sofort mit dem Sekretär des Internationalen Bureaus in Fühlung tritt und ihm die Präsenzliste und die etwaigen angenommenen Resolutionen tiberreicht, nebst deren Uebersetzungen. Um 10 Uhr tritt das Internationale Bureau zusammen, um als letzte Instanz über die angefochtenen Mandate zu entscheiden. Dann müssen auch die Kommisstonen gebildet werden, ze eine für die fünf Punkte der Tagesordnung. Nach Beschluß des Bureaus kann zede Nation höchstens vier Delegierte in jede Kom- Mission schicken. Die Sekretäre der Kommissionen haben dem Sekretär des Internationalen Bureaus die angenommenen Resolutionen nebst ihrer Uebersetzung zu übergeben. Das Internationale Bureau tritt jeden Tag um 0 Uhr zusammen. Die Plenarsitzungen finden von 19 Uhr morgens bis 1 Uhr, und von 3 bis B Uhr, eventuell 7 Uhr, statt. Für die Dauer des Kongresses wird da» Priifidtum den deutschen Genossen übertragen. Zum ständigen Vorsitzenden des Kongresses wird Ge- nosse Singer bestimmt. Die von dem Bureau vorgeschlagene provisorische Tagesordnung tautet: 1. Der Militarismus und die internationalen Konflikte. 2. Die Beziehungen zwischen den politischen Parteien und den Gewerkschaften. 8. Die Kolonlalfrage. 4. Die Ein. und Auswanderung der Arbeiter, 5. Frausnstimmrecht. Diese Tagesordnung wird ohne Widerspruch ge- n e h m i g t niit der Maßgabe, daß die einzelnen Punkte in der Reihenfolge zur Verhandlung kommen, wie die einzelnen Sektionen mit ihren Beratungen fertig werden. Hierauf werden die Verhandlungen auf Dienstag, 19 Uhr vertagt. Schluß IVs Uhr. Das internationale liiaffenrneetlng auf dem Cannftatter Walen. Stuttgart, 18. August, nachmittags. Die große Volkskundgebung, die anläßlich des Internationalen Kongresses nachmittags um'/.ß Uhr ihren Anfang nahm, ist glänzend verlaufen. Zu Tausenden strömten die Arbeiter mit rhreu Frauen und Kindern nach den Wiesen in der Neckarnicderung, dein Stuttgart-Cannstatter Volksfestplatz. Aber nicht nur die Arbeiter, sondern auch ein großer Teil des Stuttgarter Bürgertums war auf den Beinen, und nicht nur aus Stuttgart, sondern aus de: näheren und weiteren Umgebung war viel Volk nach der schwäbischen Haupt- stadt gekommen. Ja, aus ganz Württemberg waren Deputattonen von den politischen Organisationen und Gewerkschaften entsandt. Vielfach hatten diese Ab- ordnungen ihre Fahnen und eine Musikkapelle mitgebracht, und so entfaltete sich ein festliches bunt bewegtes Treiben. Auf dem Festplatze waren sechs Trlbiincn errichtet' große Bier- Ivagen stellten das Podium dar, auf dem ein rotdraprertes Redner- pult sowie ein Tisch für den„Präsidenten der Volksversammlung im Freien" und für die Redner aufgestellt waren. Reich gestickte Fahnen der Wahlvereine und der vielen Stuttgarter Gewerkschaften gaben einen wirkungsvollen Hintergrund für sie Redner ab. In muster- hafter Ordnung scharte sich die Menge um die einzelnen Emporen und bewahrte auch dort die Ruhe, wo von den Worten der Redner nichts mehr zu verstehen war. Während auf den Straßen zur Fest- wiese ein starkes Polizeiaufgebot den Massenverkehr in Bahne» hielt. war auf den Wiesen selbst keine Polizei zu sehen und die (50000 Menschen bewahrten von selbst eine außerordentliche Disziplin. Am Nachmittag hatte sich der Himmel etwas bewölkt und die Hitze war nicht drückend. Während der Reden aber brach die Sonne durch, es wurde heißer und ging nicht ganz ohne kleine OhnmachtS- anfalle ab. Dann war aber sofort die freiwillige SanitälSkolonne bei der Hand und die ganze Veranstaltung ist ohne wesentliche Un- fälle verlaufen.— Geistige Getränke— dafür hatte daS Komitee Sorge getragen— dursten auf dem Platze nicht feil gehalten werden. So war das Ganze ein großes Gelinaen. Auf der erste» Tribüne führte den Vorsitz Genosse Singer. Redner sind die Genossen Ahfy JaureS-Paris, Abg. Branting-Schweden, Abg. Macdonald- England und Siuions- Vereinigte Staaten. Punkt 4l/z Uhr erscholl ein Trompetensignal, das den Beginn beS Meetings anzeigte; das Summen und Surren der nach Zehntausenden zählenden Menge machte einer lautlosen Stille Platz. Genosse Singer, mit brausenden Hochrufen und nicht endenlvollendem Beifall begrüßt, weist auf die Bedeutung dcS Tages bin, der so ungeheuere Massen auf diesem Platz zusammengernfen hat. Er wolle nicht lange auseinandersetzen, warum es btS jetzt nicht möglich gewesen sei, in Deutschland einen internationalen Kongreß abzuhalten. Jetzt habe man es gewagt, und daß dieser Kongreß in Stuttgart gelinge, müsse die preußische Regierung ansehen als eine Antwort auf ihre reaktionäre Politik.(Stürmiscker Beifall.) In Stuttgart Iverden die Vertreter des Proletariats aller Länder Neue Waffen schmieden und neue Wege weisen für den Kampf, dem sie sich zugeschworen haben, um die arbeitende Klasse aller Länder zu befreien' aus dem Joch ökonomischer Ausbeutung und politischer Rechtlosigkeit. (Donnernder Beifall.) Diese mächtige, kaum zu übersehende Ver- sammlung ist auch ein Ausschnitt aus dem Bild«o» der nieder- gerittenen Sozialdemokratie.(Brausender Beifall.) Diese Versamm- lung ist ein Bild der Arbeit, vi« die Sozinldeinokratie seit den letzten Wahlen geleistet hat, ein Bild von dem gewaltigen Anwachsen der politischen und gewerkschaftlichen Organtsaltonen'und widerlegt aus das schlagendste die Ansicht derer, die geglaubt haben, daß der 25. Januar der Anfang vom Ende der deutschen Sozialdemokratie sei.(Betfall.) Unseren ausländischen Brüdern können ivtr die Versicherung geben, daß unsere deutsche Partei jetzt wie früher Schulter an Schulter mit den Arbeitern aller Länder kämpfen wird. Die deutsche Sozialdemokratie wird nicht ruhen und rasten, bis der Sieg der Arbeit an ihre Fahne geheftet ist.(Stürmischer Beifall.) Wir bilden heute eine Versammlung, wie sie Stuttgart wahrscheinlich nie gesehen, und Millionen von deutschen Arbcitcrherzcn bedauern es aufs tiefste, an dieser gewaltigen Demonstration nicht teilnehmen zu können. Die Stuttgarter Genossen sind heute berufen, als Vorort der deutschen Sozinldemolrntie den ausländischen Brüdern die Hand zu reichen. Beachtet, was die ausläudtschen Genossen Euch zu sagen habe», damit die Herzen und die Kopfe revolutioniert werden. (Stürmischer Beifall.) JanrdS, mit lebhaften Hochrufen und„Vivo llaurde!" empfangen(übersetzt auch K a u t S k y) gibt feiner Freude Über die mächtige Versammlung Ausdruck, wie er noch n i e ein e g e s e b en h a b e. Er wolle der Solidarität Ausdruck geben, welche dre Deutschen und die Franzosen, wie überhaupt die Proletarier aller Länder miteinander verbinde. Sie kämpfen für die höchsten Ideale, die e? jemals gegeben hat: für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit I(Stürmischer Beifall.) Besonders freue er sich, als Vertreter der Franzosen die Deutschen begrüßen zu können. die sich gegen- eitig viel Unheil zugefügt haben und sich doch gegen- eitig soviel schuldig sind. Hocherfreut sei er dnrüber, diese Ver- aminluNg im Lande Schwabe» begrüßen zu könne», daß der deutschen Kultur soviel gegeben habe, dem Lande, in dem Friedrich S ch i l l ejr geboren sei, den die Franzosen als Ehrenbürger der französischen Repubik begrüßt haben, dem Geburtslands des ausgezeichneten Philosophen Hegel, der daS sozialistische Denke» so stark befruchtet habe.(Sturmischer Beifall.) Er freue sich über die Solidarität der Arbeiterklasse zweier Völker, die so grostcl geleistet haben. Ihre Verbindung zeige, baß daS Wort: Arbeüer aller Länder vereinigt Euch l Wahrheit werde. Wenn er nach Frank« reich zurücklehre, werde er berichten von dem herrlichen Schau« spiel, das hier geboten worden sei, und die Franzosen würden sich bemühen, es den Deutschen nachzumachen. Hier sängt Ja urös unter stürmischem Applaus plötzlich an, deutsch zu reden- Wenn der deutsche Reichskanzler geruhe, ihn, JauröS, zu emp- fangen, dann werde er ihm sagen, daß eS ihm nicht gelungen sei, die deutsche Sozialdemokratie zu zertrümmern. Mit Freude und Stolz überbringe er im Namen der französischen Genossen der deutschen Sozialdemokratie die herzlichsten Grüße.(Stürmischer Bei« fall.) Wir wollen zusammen Hand in Hand arbeiten im Kampfe um die Beseitigung de? Kapitalismus.(Lebhafter Beifall.) Unser Sieg wird ein Sieg sein der Menschheit, der Kultur, des Fortschritt» und der Freiheit. Hoch die internationale Sozialdemokratie.(Stürmischer anhaltender Beifall.) Branttng«Stockholm gibt ein Bild über Partei- und Gewerkschaftsbewegung in Norwegen und verweist auf den Einfluß, den die Sozialdemokratie bei dem schwedisch-norwegischen Konflikt ausgeübt hat. Er überbringt Grüße aus dem Lande der Mitternachtssonne.(Beifall.) Macdonald(England) schildert in begeisterter Ansprache die Fortschritte de» Sozialismus in England in den letzten Jahren und mit ergreifenden Worten die Leiden, die das Proletariat unter dem Drucke eines Kapitalismus auszustehen habe» der der hochentwickeltste, aber dem Zusammenbruch auch am nächsten sei.(Stürmischer Beifall.) Weiter sprach noch Simons(Vereinigte Staaten) eben« falls unter großem Applaus. Die Schlußrede hielt Singer. Er dankt den Rednern und er- sucht die Zuhörer, soweit sie noch nicht politisch und gewerkschaftlich organisiert sind, das Verabsäumte nachzuholen, die Köpfe und Herzen zu revolutionieren, damit, wenn uns Alten, die wir jahrzehntelang für die Ideale des Sozialismus gekämpft haben, die Fahne dereinst entsinkt, neue Streiter an die Stelle treten. Hoch die internationale revolutionäre Sozialdemokratie I(Stürmische Hochrufe.) Auf der zweiten Tribüne führte Klara Zetkin den Vorsitz. Unter großer Heiterkeit und leb- haftem Beifall der Umstehenden wies sie einleitend darauf hin, daß auf diesem Platze, wo gewöhnlich die kapitalistischen Klassen ihr Kriegsheer einexerzieren, heute die rote Internationale exerziert. Die Zeit werde konimen, Ivo sie nicht nur exerziere, sondern auch marschiere und schlage.(Bravo!) Bon stürmischem Beifall begrüßt nahm darauf das Wort der Führer der belgischen Sozialdemokratie Bandcrvclde-Brüssel: Der internationale Sozialismus blickt mit Bewunderung auf die deutsche Sozialdemokratie, deren Größe und Gewalt wieder in dieser imposanten Veranstaltung zum Ausdruck kommt. Zu dieser Größe und Gewalt der Sozialdemokratie hat auch ungewollt bei- getragen unser Todfeind, der Kapitalismus, der durch seine Aus- beutung der Massen auch die Kämpfer zur Befreiung dieser Massen erzeugt.(Lebhafte Zustimmung.) Der Kapitalismus verfährt mit dem Proletariat, wie jener Manu in der englischen Erzählung mit den zwei Katzen, die er in einen Sack steckte, damit sie sich gegen- fettig zerfleischten. Die Arbeiter der verschiedenen Länder aber zer- fleischen sich nicht, sie vereinigen sich zur gemeinsamen Bekämpfung ihres Unterdrückers. Redner schließt mit einem begeistert anfge- nommenen Hoch auf die internationale bölkerbefreiende Sozialdemo- kratie. Seine Rede wird von der mit lebhaftem Beifall begrüßten Genossin Rosa Luxemburg übersetzt. Nach ihr besteigt die Tribüne Troelstrn-Holland: Wenn ich auch Ausländer bin, will ich doch versuchen, Sie in deutscher Sprache anzureden.(Bravo!) Einige Sprachfehler mögen Sie verzeihen; ich will versuchen wenigstens keine Gedanken- fehler zu machen.(Heiterkeit.) Es wird mir um so leichter werden, mich zu verständigen, da die Sprache, die wir sprechen, die gemein- same internationale sozialdemokratische Sprache ist.(Lebhafter Bei- fall.) Heute ist ein großer Tag. Es ist Elektrizität in der Lust, es weht Gewitterluft, von den Tribünen kommen die Gedankenblitze und auf die Blitze folgt der Donner aus Euren Kehlen und Herzen. (Heiterkeit und Beifall!) Wir leben nicht mehr in der Zeit, wo die unterdrückten Masten als Arbeitsvieh für die Herrschenden frondeten, Ivo sie ihr ganzes Leben, ihre Gesundheit, ihre Sittlichkeit, ihre geistige Entwickeluiig dem Moloch Kapitalismus opferten. Heute haben sich die Arbeiter aufgerichtet, sie fühlen sich als Menschen, sie haben einen Krieg entfacht gegen die Verteidiger der herrschenden Gesellschafts« ordnung, ihre Ausbeuter, und dadurch ist ein permanentes Gewitter in der Menschheit entstanden. Wir halten hier eine KricgS- Friedens- Konferenz ab(Heiterkeit und Beifall), denn der Friede, den wir erstreben, die geordnete Gesellschaft, in der es keine reichen Nichtstuer und keinen Zuvieltuer geben soll(«ehr gut l), er muß erobert weroen mit den Wösten des Geistes, der Organisation, die Ihr geschmieder und die wir Abgesandten dcS internationalen Proletariats Euch lehren wollen, Mit Erfolg zu gebrauchen. Bei dieser Kriegs- Frieden-- kouferenz denke ich als Holländer unwillkürlich an die Wort- FriedenSkon fers nzim Ha a g(Große Heiterkeit), einberufen von dem größten Scheusal unserer Zeit(Stürmische Zustimmung), dein Haupte deS AbsolutiSmu», unter dessen Namen all die Greuel in Rußland verübt werden. Daher haben wir in der Kammer auch stets die Kredite für diese Fricdcnökomödie ver- weigert.(Bravo l) Und der Verlauf der Konferenz hat bewiesen, daß cS sich nur um eine Komödie handelt. Eng- land hatte bekanntlich— erschrecken Sie nicht!— die Abrüstulig beantragt.(Heiterkeit.) Den englischen Abgesniidteit ist es nun wirklich vergönnt gewesen, einen Antrag behusS Studium der Frage einer teilw eisen Entwaffnung— vorzulesen(Große Heiterkeit) unter der von Herrn Dülow erfundenen H i n z u f>1 g U n g, rS dürfe dann nicht mehr darüber gesprochen werden.(Erneute große Heiterkeit,) Den wahren Vvlkcrfrieden wird nur daS internationale Proletariat mit der Verwirklichung seiner Ideale herbeiführen.(Lebhafter Beifall.) Bellamd vergleicht in seinem„Rückblick aus dein Jahre 2999" die bürgerliche Gesellschaft mit einem Wagen, auf dem einige Personen von dem geduldigen Volke gezogen loerden. Die Leute auf dem Wagen sind sich uneins über die Behandlung der Ziehenden, die einen geben ihnen die Peitsche. die anderen suchen sie durch Zucker gefügig zu machen, aber all« sind darin einig. daß sie auf dem Wage» bleiben wollen, und sie meinen, eS könne doch immer nur einige geben, die gezogen werden, die große Masse sei zum Ziehen bestimmt. Wir aber wisse»! eS gibt Automobile und wir können auf dies« Weis« uns alle ziehen lassen, ohne einen unserer Mitmenschen vor dem Wagen zu haben.(Große Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Ich möchte schließen mit einem Bilde aus der Siegfriedsage. Aus seinen drei Waffen, der genossenschaftlichen, der gewcrlschaftlichen und der politischen Bewegung, wird der Siegfried de» Proletariat» sich daS rechte WotanSschivcrt schmieden, um den Drachen Fafier deS Kapitalismus zu Überwinden und ihm feine Schätze von Gold und Edelstein zu entrethen.(Stürmischer Beifall.) Als letzter Redner weist Rubaiiowitsch-Parts(russischer Sozialrevolutionär) auf die Bedeutung der russtsckien Revolution hin. Vor kurzem waren zwei Kaiser zusammen. WaS sie auf hoher See verabredet haben, weiß niemand. Wir. die man die Konfpiratoren, die Ber- tchwörer nennt, verhandeln in voller Oesteittlichieit und verkünden unser Ziel: die Arbeiter der ganzen Welt zu befreien.(Lebhafter Beifall.) Ich danke Ihnen fttr die Solidarität, die Sie dem russischen Proletariat in seinem schweren Kampfe bewiesen haben. Hoch die deutsche, hoch die russische revolutionäre Sozialdemokratie! (Stürmische Zustimmung,) Klara Zetkin: Wir können dies Meeting nicht würdiger abschließen als damit, daß Ivtr des größten Ereignisse» unserer geit,� der russischen Revolution gedenken, die das Vorspiel ist zu einer Reihe von Revolutionen, in denen das Proletariat aller Länder seine Ketten brechen und eine Welt erobern wird. Es lebe die russische Revolution. cS lebe die kämpfende Jnternattonake l Unter begeisternden Hochrufen zerstreuten sich hierauf die Um- stehenden. Die dritte Tribüne, auf der Bömelburg den Lorsitz führte, war di» Tribüne der Alten. Hier waren Baillant au» Pari», Hyndman auS London und Greulich auS Zürich die Redner. Der Wagen, von dessen Plattform gesprochen wurde, war reich mit Fahnen geschmückt. Neben den Fahnen der sozialdemo- kratischen vereine von Feuerbach und A o d n a n g wehten die Banner zahlreicher Gewerkschaften und Arboitcrgcsangvereine aus Stuttgart,.Heslach und Cann stadt, so die der Böttcher. Steinhauer. Metallarbeiter, Textil- und Tabakarbeiter. Baillant, von stürmischem Beifall begrüßt, sprach in deutscher Sprache. Er erinnerte daran, daß er 1879 Tübingen, wo er studierte, verkästen mußte, als der Krieg ausgebrochen war. Aber nicht der Haß der Schwaben gegen Frankreich hätte ihn vertrieben. Obwohl häufig bayerische Nachrichten verbreitet Ivarcn, daß ganze württcmbergische Regimenter niedergemetzelt seien, habe ei damals nie ein feindliches Wort zu hören bekommen und das schöne Schwabcnland sei ihm noch lieber als früher geworden. (Stürmischer BeifallF Eine große Freude sei es für ihn, vor den Nachfolgern, den Söhnen und Töchtern jener Generation, sprechen zu können. Teutschland und Frankreich müßten sich weit besser kennen lernen, die beiden Nachbarn würden, wenn sie sich kennten, nur gute Freunde sein.(Stürmischer Beifall.) Tiefe Freude er» stille ihn, wenn er die Fahnen der großen Gewerkschaften sehe, die die Ehre Deutschlands seien.(Stürmischer Beifall.) Ein an» derc», größeres, mächtigeres Deutschland und eine andere, größere. mächtigere Arbeiterbewegung, als er sie verlasten, treffe er jetzt an. Die französische Arbeiterbewegung sei dem Beispiel der deutschen gefolgt. Seit Amsterdam gibt es nur eine einzige so- zialistische Partei Frankreich». Auch in Frankreich hätten die Gegner die Lüge von der Niederlage der deutschen Sozialdemo- kratie bei den letzten Wahlen verbreitet. Aber die Stimmen hätten sich um 259 999 vermehrt, und die nicht ge. wählten Führer seien so mutig wie vorher. Nicht der Parla- mcntariSmuS sei die Hauptsache, sondern die Volkstümlichkeit einer Bewegung.(Lebhafter Beifall.) Für die sozialistischen Parteien aller Länder sei cS gut, sich zu kennen. Diesem Zweck dienten die internationalen Kongresse. Die Sozialdemokratie Deutschland? und die Frankreichs seien Bruderparteien und würden eS bleiben (Stürmischer Beifall.) Vaillant schließt mit einem begeistert auf» genommenen Hoch auf die deutsche, die französische Sozialdemo- kratie und auf die Internationale. Ihm folgte Hyndman» der den größten Teil seiner Rede gleichfalls in deutscher Sprache hielt. Auch er sagte, in England habe eS nach den letzten deutschen Wahlen geheißen, die deutsche Sozialdemokratie sei tot(große Heiterkeit), aber ganz gestorben sei sie offenbar nocy nicht.(Erneute Heiterkeit.) Uebcrall in der Welt habe die Sozial- demokratie in den letzten drei Jahren groK Fortschritte gemacht. Drei Jahre seien viel im Leben eines Mannes, aber im Leben der Menschheit seien sie keine drei �Minuten. Die Stimmung im Volke ist mehr al» das Parlament. Das Parlament hat bis jetzt viel mehr getan, um die Reaktion ,u verhindern, als den Fort- schritt zu begünstigen.(Lebhafte Zustimmung.) Er sei mit Bern- stein nicht immer derselben Meinung, aber sicher sei et. daß ein Mann wie er heute genau so viel Einfluß habe, als wenn er noch der Abgeordnete von Breslau wäre.(Lebhafte Zustimmung.) Der Sieg der Zukunft ist der Sozialdemokratie sicher.(Stürmischer Beifall.) DaS heutige englische Volk hat seine politischen Frei- heiten nicht selbst erkämpft, sondern ererbt. Heute hat eS neue Freiheiten zu erkämpfen. Da» englische Volk wünscht keinen Krieg zwischen den Völkern.(Stürmischer Beifall.) Er sei nach Deutsch- land aekommen. um den deutschen Arbeitern die friedliche, brüder, liche Gcsmnnung und die Liebe der englischen Arbeiter zu über- mittel». Die Sozialdemokratie wird den Frieden unter den Völkern zur Wahrheit machen.(Stürmischer, ivicderholter Beifall.) Der letzte Redner war, wie Boemelburg ihn nannte, unser lieber, guter, alter Greulkai aus Z ü r i ch. Er sagte: In wenigen Tagen sind es 42 I a h r c h e r, da saß auch eine Schar von uns in der Liederhalle. Sie war etwas kleiner damals, die Liederhalle und die Schar.(Heiterkeit.) Und heute sind auf diesem Ricsenplatze nur zwei Mann, die dort ge- sessen haben, Freund Bebel und ich. Vielfach hat es heute getönt: die Sozialdemokratie ist der Friede. Das wollen unsere Ekgner aber gar nicht glauben.(Heiterkeit.) S-ie sagen von uns, wir seien Ruppige und Raubautzc.(Heiterkeit.) Die Wohlmeinen- den aber kommen und sagen, wir sollten die Arbeiter moralischer machen.(Heiterkeit.) Dazu dienen aber nicht Moralpredigten, sondern mehr freie Zeit, bessere Wohnungen, besseres Essen und Trinken für die Arbeiter.(Lebhafter Beifall.) Wir haben in die Arbeiterschaft das große schöne Menschhcitsideal einer Zukunfts- gesellschaft gepflanzt. In Millionen von Herzen steckt dieses Ideal tief eingewurzelt und keine Polizei, kein Strafgesetz kann es heraus- reißen.(Stürmischer Beifall.) Es liegt im Menschenherzcn tief begraben, das Sehnen nach einem Glück, nach einer Gesellschaft, in der es keine Knechtschaft, keine Ausbeutung gibt, nach einer Gesell- schaft, die allen denen, die ehrlich und fleißig arbeiten, die Sorge für des Lebens Notdurft abnimmt.(Beifall.) Dieses Sehnen steckt selbst in denen drin, die sich dessen heute noch nicht bewußt sind. Auch unter unseren Gegnern wird mancher sein, der sich später dessen bewußt wird. Und dann wird die Geschichte einen m.ächtigen Schritt vorwärts tun.(Stürmischer Beifall.) Dies Strebeziel stählt unsere Kraft. Ich habe das Glück gehabt, den ge- Ivaltigen Aufstieg der Arbeiterklasse in diesen vierzig Jahren zu sehen. So wie die Juden unter dem alten Moses, der auch so ein Wühler, Hetzer und Streikführcr war(stürmische Heiterkeit) vierzig Jahre durch die Wüste gezogen sind, bevor sie inS gelobte Land kamen, so hat auch die Arbeiterbewegung ihr Kanaan. Aber sie wird das heilige Land erobern, wo die Menschheit auferstehen wird zur Teilnahme an dem heiligen Erbteil der Kultur!(Stürmischer Beifall.) Unser heiliges, großes Endziel lebe hoch! (Stürmische Hochrufe!) Gcnoste Bernstein, der als Uebersetzer nicht einzutreten brauchte, gab unter großem Beifall den Versaminelten warm» herzig gezeichnete Lebensbilder der drei Redner, dann schloß Bömelburg mit begeisterten Worten die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale, völkerbcfreiende Sozial- demokratie. Aus der vierten Tribüne präsidierte Bebel. Er leitete die Versammlung mit einigen Worten ein: Es ist diesmal zum erstenmal, daß wir in Deutschland einen internationalen Kongreß haben. Aber das ist nicht uufm Schuld, sondern die der traurigen Verhältnisse im deutschen Reiche. Ihr in Württemberg seid besser daran. Hier hat es das Volk verstanden, sich ein demokratisches Vereins- und Versammlungsrecht zu er- halten. Wir haben nur den lebhaften Wunsch, daß es uns iin Herbst gelingt, mindestens ein ebenso gutes für ganz Deutschland zu erringen. Hitguitt-Amerika überbringt die Grüße der sozialistischen Partei der Pereinigten Staaten. Eine halbe Million sozialistischer Proletarier jenseits des Ozeans ist den deutschen Genossen dankbar, nicht nur weil sie ihnen die theoretischen Waffen geliefert haben, sondern auch weil deutsche Arbeiter die Pioniere der sozialistischen Bewegung in Amerila waren. Lange Zeit waren sie allerdings auch die einzigen Träger des Sozialismus. Die amerikanischen Arbeiter schienen dem Sozialismus ganz unzugänglich, ihre Wirt- schaftliche Lage war verhältnismäßig gut, ihr Denkvermögen der- hältnismäßig schlecht, so tonnten sie sich für den Sozialismus nicht erwärmen. Aber seither ist der stille friedliche Agrarstaat zur brausenden Fabrikstätte geworden. Wir haben nun den Gipfel der Zivilisation erklommen: Wir haben Trusts, die das Weltall um- spannen, wir haben Milliardäre— aber wir haben auch Elend und Hunger und Verbrechen. Wir haben eine Republik mit fast unbe« schränktcr politischer Freiheit, aber unsere Republik ist doch keine Demokratie, sondern eine Kapitalhcgemonie. wir haben keine Volks- regicrung, sondern eine Herrschaft des Geldbeutels. Unser Bour- gcois herrscht absoluter als der Zar von Rußland oder der Sultan der Türkei. Aber der P r o z e ß in Idaho hat nun durchgesetzt, was wir nicht vermochten: der amerikanische Arbeiter hat zu denken begonnen, der amerikanische Arbeiter befindet sich auf dem Weg zum Sozialismus. Der Riese streckt seine mächtigen Glieder und bald wird er über den Ozean hinüber seinen Donnertritt vernehmen lassen.(Lebhafter Beifall.) Frau Noland-Holst(Holland): Immer wieder müssen wir Holländer darauf hinweisen, wieviel wir der deutschen Sozialdemokratie verdanken. Der Sozialismus ist überall, wo der Kapitalismus ist, sein Schatten, er erobert immer mehr die ganze Welt, aber in so kleinen Staaten irne Holland ist, würde daS Proletariat unendlich langsam den Weg gefunden haben, wenn wir nicht das große Beispiel und die moralische und materielle Unterstützung unserer Brüder gehabt hätten. Mehrmals bildete sich bei uns eine Arbeiterbewegung, aber jedesmal kam sie wieder auf Abwege. Da haben wir uns wieder gestärkt an Eurer Taktik, an Euren Siegen. Mit allen sozialdemokratischen Parteien fiihlen wir uns solidarisch, am brüderlichsten verknüpft fühlen wir uns aber mit Euch; wie viel wir von allen Parteien gelernt haben, von Euch haben wir ani meisten gelernt; durch Eure Kämpfe wuren wir am meisten gestärkt. Und wie es in der Vergangenheit war. so wird es gewiß auch in Zukunft sein. Wenn allerdings Deutschland immer mehr seine führende Stellung verliert, so ist das nicht darum. Werl es zurückgeht, sondern weil die anderen ebenfalls zu Großmächten heranwachsen. Wir, der kleine Nachbar, der jüngere Bruder, werden uns durch Eure Taten gestärkt, durch Eure Siege und— was die Gegner Niederlagen nennen— erhoben fühlen.(Lebhafter Beifall.) Adler-Wien: Wenn wir Oesterretcher zu Euch kommen, fühlen wir uns immer so zu Hause— wie zu Hause. Es geht uns Sozialdemokraten zwar überall so. Zum Glück ist heute die ganze Welt ein sozia- listisches Kampffeld und überall finden wir Kampfgenossen. Aber drüben im Kongretzsaal ist mir doch ganz merkwürdig zumute ge- worden. Napoleon l. hat sich einmal in Erfurt ein Theater ein- gerichtet mit einem ganzen Parterre von Königen. Gebändigte, unterdrückte Königlein, die vor dem mächtigen Eroberer auf dem Bauche lagen. Wir zeigen der Welt ein viel größeres Schauspiel, ein Schauspiel, wie es die Welt noch nicht gesehen: ein Parterre von Kämpfern, von denen jeder ein Leben voll Aufopferung, voll Begeisterung, voll Hingebung darstellt— in 30 Ländern, in fünf Weltteilen kämpfen für ein gemeinsames Ziel, für eine Sache (Beifall.) In jenem Saal ist eingetroffen das wichtigste Stück der Geschichte unseres Jahrhunderts— nicht nur der Vergangenheit, sondern erst recht das Stück Geschichte, die wir erst zu erleben an- fangen, die verwirklichen wird, waS die kühnsten Denker gedacht, was die größten Herzen empfanden und erstrebt, wofür die edelsten Märtyrer ihr edelstes Blut vergossen haben.(Lebhafter Beifall.) Oesterreich ist ein armeS Land und wenn Ihr von Oesterreich redet, psleget Ihr die Achseln zu zucken: ach, das wilde Land!(Heiter- keit.) Ihr wöget recht haben hier im Herzen des deutschen Volkes, wo die größten Dichter und Denker gewirkt, aber ich kann Euch be- richten, so schlimm, wie eS einmal war, ist eS heute nicht mehr. WaS durch Jahrhunderte von einem verrotteten Regime an den Völkern Oesterreichs verbrochen wurde, von einem beutegierigen Adel und dann vom modernen Geldsack, das ist zum Teil durch das moderne Proletariat gutgemacht worden; ein Proletariat, das einen schweren Kampf führt, aber ihn als einen Kampf um sein Leben führen muh! Wir haben zugleich mit Euch Württcmbergern das Wahlrecht errungen; allerdings war es ein bißchen schwerer bei unS. Wie groß der Widerstand bei Euch gewesen sein mag, von der Gewalt der alten reaktionären Mächte in Oesterreich habt Ihr doch keinen Begriff. Endlich nach langem Kampf kam für uns der Augenblick, Ivo die Vernunft siegen mutzte. Man hat uns das Wahlrecht nicht bloß deshalb gegeben, weil wir so stark waren, son- dern der Staat war am Verrecken(Heiterkeit), er wäre an der Bc- schränktheit seiner Beherrscher zugrunde gegangen. U e b e r a I l, wo Wahnsinn herrscht, da st eilt die Sozialdemo- kratie all et n die Logik, die Vernunft, die Not- wendigkeit dar. Und so ist es gekommen, daß wir Bekeh- rungcn erlebt haben der merkwürdigsten Art. Die Worte, wegen deren wir jahrelang verfolgt, auf Monate und Jahre in Kerker ge- warfen worden waren, haben wir uns nun auf einmal von den Herren Ministcrn als neueste Weisheit sagen lassen dürfen(Bei- fäll) und schließlich hat auch der alte Kaiser— spät, aber doch— eingesehen, daß die Demokraten, auf die er sonst nicht zu hören ge- wohnt war, denn doch recht haben(Heiterkeit)— und zusammen haben wir die Sache fertig gebracht.(Lebhafte Heiterkeit.) Dann mußten wir allerdings noch ein volles Jahr Gewehr bei Fuß stehen, in jedem Moment bereit, loszuschlagen. Das Wahlrecht in Oester- reich wurde nicht im Parlamente erkämpft, sondern auf allen Straßen aller Städte Oesterreichs.(Lebhafter Beifall.) Wir danken der deutschen Sozialdemokratie die Erziehung, den Rat bei den ersten Schritten, wir haben von ihr auch gelernt, besonnen zu sein und klar über das Ziel weiter zu marschieren und niemals einen Schritt zurückzuweichen. Der Sieg bei den letzten Wahlen ist die Frucht von iahrelanger prinzipieller Erziehung der Massen. Vor- mals hieß es bei unS: keine Ruhe in Oesterreich, bis das allge- meine Wahlrecht errungen ist! Nun haben wir das Wahlrecht— und nun erst recht keine Ruhe!(Stürmischer Beifall.) Zum Schluß forderte Bebel zur eifrigen Organisationsarbeit auf und schloß mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Auf der 5. Tribüne führte Stuttgarts Vertreter im Reichstage Hilbenbrand den Vorsitz. Er gab das Wort zunächst dem Belgier Anseele» der in seiner häufig vom Beifall unterbrochenen Rede ausführte, daß er zwar der N a t i o n nach Belgier sei, daß er sich aber überall heimisch fühle beim arbeitenden Volke. Stärker als Rasse und Baterland sei die Gemeinsamkeit der proletarischen Interessen und dicker als Blut das Band der sozialistischen Ueberzeugung. Darum babe baß Proletariat aller Länder dem Völkerhaß und der Rassen- Verhetzung den Krieg erklärt und werde der ganzen Welt den Frieden bringen. Der Tscheche Remee sprach deutsch. Er schilderte den Kampf der Oesterreicher aller Nationen um das allgemeine Wahlrecht. Die österreichische Ar- bciterschaft habe den Regierungen gezeigt, daß sie auf der Straße ebenso ihre Pflicht tun wie im Parlamente. So habe sich das Pro- lctariat die Minister so erzogen, daß sie eS doch noch lieber im Par- lament als auf den Straßen sähen.(Heiterkeit und Beifall.) Im Kampf um das allgemeine Wahlrecht habe die österreichische Sozial- demokratie aller Zungen und Nationen sich die Kraft errungen, die eS jetzt im Wahlkampfe bewiesen habe. Auch der greise, weiß- haarige Führer der dänischen Bruderpartei Knudsen sprach deutsch. Er zeigte, wieweit die Arbeiter aller Länder, inS- besondere in den Kleinstaaten des skandinavischen Nordens, von Deutschland gelernt hätten und wieviel sie den Praktikern und den Theoretikern der deutschen proletarischen Bewegung seit Marx ber- danken. Er halte eS für seine erste Pflicht, der deutschen Sozial- demokratie den Dank der Internationale auszusprechen und gedenke in erster Linie ihrer Verdienste, wenn er mit einem Hoch auf die Internationale schließe.— Die deutschen Genossen stimmten be- geistert in das Hoch ein und dankten dem Redner durch eine warm- herzige Kundgebung für sein freundliches Lob. Als Vertreter der russischen Sozialdemokratie gab Genosse Woinoff der Versammlung die Versicherung, daß der russische Kaiseradler nicht ewig vom Herzen des russischen Volkes fressen werde. Der nächste revolutionäre Generalstreik in Rußland werde den Zaris- muS zerschmettern.(Jubelnder Beifall.) Nachdem Genosse Dr. Frank d'e Rede verdeutscht hatte, schloß Hildenbrand mit einer an- feuernden Ansprache die Serie der Redner auf dieser Tribüne ab. Auf der sechsten Tribüne präsidierte Genosse Legten. Sie war außer von deutschen Ge- nassen auch von Italienern und Polen dicht umdrängt, sollten doch hier Ferri und Daszynski sprechen. Stürmische Rufe „E v v i v a Ferrit" erschollen, als nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden Enrico Ferri das Wort ergriff. Ich komme, sagte der Füher der italienischen Sozialdemokratie, aus dem Lande der Sonne, in dem es doch so viel Elend und Unterdrückung gibt. Aber die Landarbeiter und die Proletarier der Fabrik sind erwacht, und so jung die sozialistische Arbeiterbewegung in Italien auch ist, sie hat ihre internationalen Pflichten stets treu erfüllt und den Premierminister-General, der stets die Arbeiterbewegung durch Standrecht und Ausnahmegesetze niederzuwingen suchte, hat sie mit der parlamentarischen Obstruktion und der leidenschaftlichen Aufwallung des Volkes überwunden. (Bravo!) Im Lande Garibaldis läßt sich die Freiheit nicht unter- drücken.(Stürmischer Beifall.) Und als der Zar-Mörder, der sein Volk hinschlachten und foltern läßt, den Boden Italiens betreten wollte, hat sie ihm ein donnerndes Veto entgegen- gerufen. Der Zar durfte seinen Fuß nicht mehr auf den Boden eines freien Landes setzen.(Stürmischer Beifall.) Dann wendet sich Enrico Ferri in italienischer Sprache an seine anwesenden Landsleute, und ermahnte sie, sich in treuer Solidarität den Gewerkschaften Deutschlands anzn- schließen. Heute, wo in Italien 300 000 Arbeiter gewerkschaftlich und 40 000 politisch organisiert seien, dürfe kein italienischer Ar- beitcr mehr Streikbrecher sein.(Laute Bravol und Hochrufe auf Ferri.) Der Redner schließt deutsch mit dem Ausrufe:„Hoch die internationale Sozialdemokratie!"(Die Tausende stimmen bc- geistert ein.) Nachdem Südekum FerriS beredte Worte verdeutscht hat, ergreift DaSzYnSki für die Polen daS Wort: In einem fernen Lande lebt ein un- glückliches Volk. Von ihm bringe ich Euch den Brudergruß, denn es will Schulter an Schulter und Arm in Arm mit Euch kämpfen. (Bravol) Mit pochendem Herzen und großer Erwartung bin ich hierher gekommen, denn auf der Tagesordnung steht die Frage des Militarismus. Wir leiden unter dem Joche des Militarismus. Bei uns in R u s s i s ch» P o l« n hat der Zar seine Soldaten, die in Ostasien ihre Fahne mit Schmach bedeckt hatten, zu Brandstiftung und Mord gegen die wehrlosen Proletarier angestiftet.(Stürmische Zurufe.) Begreifen Sie, Parteigenossen, mit welcher Wut. mit welchem Haß wir diesen Militarismus verfolgen. Aber auch in Deutschland ist dieses Laster tief cingcfresscn. Auch für Sie gilt es, das Volk zu befreien, indem man das Volk bewaffnet.(Stürmischer Beifall.) Diesem Militarismus keinen Mann und keinen Groschen. tAnhaltender Beifall.) Und deswegen will man uns mit dem Worte von den vaterlandslosen Gesellen beschimpfen und be- schmutzen. Was ist das Vaterland? Das sind die wunderschönen grünen Fluren, die Paläste, die Fabriken, die Schienenstränge, die ganze Zivilisation. Und wer hat das alles geschaffen, wessen Arm und Nerven haben sich angespannt, das alles zu bebauen und zu schmücken? Das waren wir, das war das arbeitende Volk, das ist das Proletariat. Und wenn wir das Vaterland mit dem Schweiße unserer Hände und Stirnen erbaut haben, wem gehört dann das Vaterland? Uns. uns allein, nicht den Parasiten und nicht den betreßten Taugenichtsen, nicht den Intriganten und Diplo- maten. Dem obdachlosen Bolle das Vaterland als Stätte mensch- licher Würde und Lust zu erobern, das ist das Ziel deS So,-. mus.(Stürmischer, oft wiederholter, langanhaltender Bei;. Dritter Redner war der altbewährte Führer der russisch.. Sozialdemokratie Plcchanow. Er schilderte den schweren, opfervollen Kampf der russischen Revo- lutionäre mit einem Staate, der sich mit allen Mitteln moderner Kultur und Unkultur verteidige. Gleichwohl habe das russische Proletariat mit dem Generalstreik dem Zaren die Verfassung ent- rissen, die er zwar gebrochen habe, die ihn aber doch binde. Die russische Revolution habe nicht so rasch gesiegt, wie manckzer gläubige Optimist wohl gehofft habe. Aber je länger die Revolution daure, desto tiefer greife sie. Nicht die Errichtung der sozialistischen Republik sei ihr Ziel, wie manche beredte sozialistischen Schrift» steller und Schriftstellerinnen wohl behauptet haben, sondern die Schaffung der bürgerlichen Freiheiten die die Grundbedingung seien für den friedlichen Fortgang der proletarischen Emanzipations- bewcgung. Diese aber werde die Revolution erreichen, und ihr Sieg werde ein Sieg des internationalen Proletariats sein. (Stürmischer Beifall, in den sich brausende Hochrufe auf die russischen Freiheitskämpfer mischen.) Als letzter Redner sprach Marccll Cachin- Paris. Er begann mit einer Entschuldigung für den er- krankten Jules Guesde, für den er eingesprungen sei. Er zahle mit seiner Gesundheit, seinem Leben seines Lebens Arbeit. die stets nur dem Volke gewidmet war.(Bravol) Die Bourgeoisie habe zwischen Frankreich und Deutschland das ungeheure Miß- Verständnis geschaffen und unterhalten. Aber weder unsere Väter noch Ihre Väter, ruft Cachin unter stürmischem Beifall auS, sind schuld an jenem unglücklichen Kriege. Die Arbeiter werden sich nie verwirren lassen durch die chauvinistischen Treibereien. Sie rufen in proletarischer Solidarität: Krieg dem völkermordendcn Kriege!(Jubelnde Zustimmung.) Hierauf schloß» Legten mit dem Ausdrucke lebhafter Freude über diesen machtvollen Be- weis proletarischer Einigkeit und internationaler Solidarität die Versammlung. Unter stürmischen Hochrufen auf die Internationale des Proletariats gingen die versammelten Zehntausende ausein- ander. Auf dem ganzen Festplatz war kein Schutzmann zu sehen; nur die Ordner der Partei walteten ruhig und höflich ihres Amtes. Auch in den Straßen hielten sich die Polizisten streng zurück und machten höchstens einmal den Weg frei für die ge- schlossenen Züge der Parteigenossen aus der Umgegend, die vielfach mit klingendem Spiel abzogen. Die Massen aber zogen in derselben Ruhe und Ordnung ab, wie sie gekommen waren, froh bewegt von dem Stolze über die Kraft der proletarischen Aktion und der Freude über die trefflich verlaufene Demonstration für Völkerfrieden und Volksbefreiung. Lenei'Zlvei'lamwIung von Ccltow-ßmliow. Am Sonntag tagte die Generalversammlung des Zcntralwahl» Vereins für Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg im Nestau- rant„Jägerhaus" in Grünau. Nach Eröffnung der Versammlung begrüßte S t e i n i ck- Grünau die Delegierten. Er bemerkte, obgleich Grünau zu den größeren Orten des Kreises gehöre, sei es bisher noch nicht möglich gewesen, die Generalversammlung hier abzuhalten, weil den Ge» nassen kein geeignetes Lokal zur Verfügung stand. Erst seit An- fang dieses Jahres sei der Saal, in dem heut die Gcneralversamm- lung tagt, für unsere Genossen zu haben. Zum ersten Mal finde die Kreis-Generalversammlung in Grünau statt. Hoffentlich werde es in Zukunft öfter der Fall sein. Wollermann gab einen kurzen Bericht des Vorstandes für die Zeit seit der letzten, im Juli abgehaltenen Generalver- sammlung. Anfang Juli nahm der Verein eine Erhebung über den Mitgliederstand auf. Es wurde eine Mitgliederzahl von 20 425 festgestellt. Das ist eine Vermehrung um 2048 seit dem Schluß des Geschäftsjahres. An der Zunahme ist Rixdorf am stärksten beteiligt, nämlich mit 4027. Schöneberg hat um 463, Steglitz 402, Wilmersdorf 462 Mitglieder zugenommen. Mit klei- neren Zahlen sind verschiedene Orte an der Mitgliederzunahme be- tciligt. In einigen Orten ist eine geringe Abnahme des Mit- gliederstandcs zu verzeichnen, was auf den Bauarbeiterstreik zurück- zuführen ist, der eine Anzahl Genossen zur Abreise veranlaßte.— Die vorige Generalversammlung hat dem Vorstande einen Antrag überwiesen, welcher dafür eintrat, daß die Delegierten des Kreises zum Parteitag usw. nicht von der Generalversammlung, sondern von den Genossen der einzelnen Orte gewählt werden sollen. Der Vorstand hat diesen Antrag abgelehnt, weil dessen Annahme zu llnzuträglichkeiten führen würde. Nachdem auch Eberhardt einige geschäftliche Mitteilungen gemacht hatte, gab Heinrichs einen kurzen Bericht der Preß» kommission, dessen Einzelheiten durch die in anderen Versamm- lungen erstatteten Berichte bereits bekannt sind. Heber die Provinz! alkonfercnz sprach Fischer. Seine Ausftihrungen gaben keinen Anlaß zur Diskussion; es lagen auch keine Anträge zu diesem Punkt vor.— Als Delegierte zur Provinzialkonferenz �nrden Groger, Steter und Heller gewählt. Ueber den Parteitag in Essen rcferierte Z u b e il. Der Parteitag werde unter dem Eindruck des internationalen Kongresses stehen. Es erübrige sich, heute ein- gehend über die Frage der Maiseier zu sprechen, da der intcrnatio- nale Kongreß dazu Stellung nehme. Hoffentlich werde durch die Beschlüsse des Kongresses und des Parteitages kein Rückschritt, sondern eher noch ein Fortschritt in der Maifeierfrage zustande kommen. Wenn auch die Tagesordnung des Parteitages nichts ent- halte, was Anlaß zu Streitigkeiten geben könnte, so biete sie doch ein großes Interesse für die ganze Partei. An den parlamenta- rischcn Bericht werde sich voraussichtlich eine rege Debatte knüpfen. Anlaß zur Kritik gebe die bekannte Aeußerung des Genassen N o s k c im Reichstage, daß auch die Sozialdemokraten die Flinte auf den Buckel nehmen und marschieren würden, wenn Deutsch- land angegriffen werde. Diese Aeußerung sei ja bei einem Teil der Parteigenossen auf berechtigten Widerspruch gestoßen, denn nicht in jedem Falle würden sich die Sozialdemokraten verpflichtet fühlen, die Flinte auf den Buckel zu nehmen. Es komme immer auf die Verhältnisse und Umstände an, die zum Kriege Anlaß geben. Auch die Frage der grundsätzlichen Ablehnung des Budgets werde zur Besprechung kommen und die Budgetbewilligung durch unsere württembergischen Landtagsabgeordneten werde zu leb- hasten Debatten führen. Bei der Erörterung über den Ausfall der Reichstagswahl werde auch unser Wahlrechtskampf in Preußen zur Sprache kommen müssen. Zu diesem Punkt seien Anträge gestellt, welche verlangen, daß wir bei Stichwahlen keine bürgerliche Partei mehr unterstützen. Derartige Anträge werde der Parteitag nicht annehmen können. Wenn die Abneigung gegen alle bürgerlichen Parteien einschließlich der Freisinnigen auch durchaus berechtigt sei, so müsse man in der Politik doch mit den Verhältnissen rech- ncn. Gewiß sei es richtig, daß sich die Freisinnigen in manchen Fragen von den Konservativen nicht unterscheiden, aber es gebe auch politische Fragen, wo die Freisinnigen mit Rücksicht auf ihre Wähler so stimmen müssen, wie es auch in unserem Interesse liegt. Aus diesem Grunde müsse von Fall zu Fall entschieden werden, ob wir in der Stichwahl für den Vertreter einer bürgerlichen Partei stimmen.— Die Einrichtung eines Nachrichtendienstes für unsere � Parteipresse werde ebenfalls auf dem Parteitag zur Sprache kommen. Möglich, dah sich daran wieder ein Stück Preßdebatte knüpfe. Der Entwurf des Vereins Arbeiterpresse sei unannehm- bar, weil er die Einrichtung und Leitung des Nachrichtendienstes in die Hände des Vereins legt und den Parteivorstand sowie den Parteitag als matzgebende Instanzen ausschaltet. Der Entwurf des Parteivorstandes regele diese Angelegenheit in zuftieden- stellender Weise, deshalb werde der Parteitag diesem Entwurf zu- stimmen können.— Am Schlutz der Tagesordnung stehe die Alko- holfrage. Obgleich in der Person des Genossen Wurm ein durch- aus sachkundiger Referent hierzu gestellt sei, seien die Abstinenzler unzufrieden und verlangen die Aufstellung eines Korreferenten aus ihren Reihen. Die Abstinenzler hätten alle Ursache, mit ihrem Er- folge, datz die Alkoholfrage als besonderer Punkt auf dem Partei- tag erörtert werde, zufrieden zu sein. Die Abstinenzler scheinen der Ansicht zu sein, datz alles Elend der Arbeiter vom Alkoholgenutz komme. Diese Ansicht sei irrig. Wir alle sind dafür, datz der Alkoholteufel bekämpft wird. Zu den wirksamsten Mitteln im Kampfe gegen den Alkoholteufel gehört die Verkürzung der Ar- beitszeit. Wer die Zeit miterlebt hat, wo in Fabriken und Werk- stätten bis zum späten Abend und jeden Sonntag gearbeitet wurde, wird wissen, datz zu jener Zeit auf den Arbeitsstätten viel ge- trunken wurde. Seit wir kürzere Arbeitszeiten haben, ist dazu keine Gelegenheit mehr. Jede halbe Stunde Arbeitszeitverkürzung arbeitet dem Trunk entgegen. Wir können zufrieden sein, datz die Alkoholfrage auf dem Parteitage besprochen wird, aber wir möchten nicht, datz uns die Abstinenzler alles verbieten.— Zur Frage der gewerkschaftlichen Einigung sagte der Redner, die Verhandlungen, welche der Parteivorstand im Auftrage des vorigen Parteitages mit den Gewerkschaften eingeleitet hat, seien noch nicht abgeschlossen. Es würde deshalb am besten sein, wenn man diese Angelegenheit noch ein Jahr laufen lietze. Gcwih sei es unsere Pflicht, auf eine geschlossene einheitliche Gewerkschaftsorganisation hinzuwirken und den Versuch zu machen, die Minderheit eines Besseren zu belehren. Wenn das aber nicht gelingen sollte, so habe die Partei kein Recht, Genossen auszuschliehen, weil sie einer anderen gewerkschaftlichen Organisation als den Zentralverbänden angehören. Der Aussall der letzten Reichstagswahl sollte uns auch belehren, dah es unklug wäre, lOOlK) Genossen von uns zu stotzen. Der Redner besprach die Anträge, welche der Generalversammlung vorlagen und schlotz mit der Bemerkung, der Parteitag werde uns wieder ein Stück vor- wärts bringen und seine Arbeiten würden dazu beitragen, datz die Scharte, die wir bei den Reichstagswahlen bekommen haben, wieder ausgewetzt werde. Die Diskussion drehte sich fast ausschlietzlich um die Anträge, welche die örtlichen Wahlvereine zum Parteitag eingebracht hatten. Angenommen wurden folgende Anträge: Das Parteiprogramm den Parteigenossen zur Agitation in . unbeschränkter Anzahl unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die im Auftrage des vorjährigen Parteitages vom Partei- vorstand eingeleiteten Verhandlungen zwecks Herbeiführung des Zusammenschlusses der lokal- und zentralorganisierten Gewerk- schaften betrachtet der Parteitag für noch nicht abgeschlossen; der Parteivorstand wird beauftragt, die Einigungsverhandlungen fortzusetzen. Die Generalversammlung deS Kreises Teltow-Beeskow- Storkow-Charlottenburg erwartet von dem Parteitag einen kräftigen Anstotz zur Förderung des Kampfes gegen die ver- heerenden Wirkungen des Alkohols. Sie erklärt die planmätzige Belehrung über die Schäden und Gefahren des Alkohols, insbesondere für die Aufgaben des kämpfenden Proletariats und die Nachkommenschaft des arbeitenden Volkes, für eine Pflicht der Arbeiterpresse und der Organisationen. Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen: Die Landarbeiterfrage. Den Parteivorstand zu beauftragen: 1. Vor dem nächsten Parteitag eine Darstellung der landwirtschaftlichen Arbeiter- berhältnisse in den verschiedenen Teilen des Reiches, sowie eine Zusammenstellung des auf dem Gebiete des Landarheiterschutzes und der Landarbeiterorganisation bisher von der deutschen Partei wie von den ausländischen Arbeiterparteien Geleisteten zu veröffentlichen. 2. Unter Zuziehung von Fachleuten den Entwurf eines umfassenden Landarbeiterschutzprogramms aus- zuarbeiten. Ohne Debatte wurde ein von Wollermann gestellter An- trag angenommen, welcher im§ 26 des Parteistatuts, wo es heitzt, datz jeder der 8 Berliner Kreise 2 Pretzkommissionsmitglieder stellt, eine Aenderung beantragt, die dem schon bestehenden Zustande Rechnung trägt, wonach der Kreis Teltow-Beeskow und der 6. Kreis je 3 Vertreter in die Prehkommission senden. Als Delegierte zum Parteitag wurden gewählt: S tiefen» Hof er- Charlottenburg, Grunwald-Friedenau und Siedow- Ketschendorf. Der Bericht der Mandatsprüfungskommission, den Däumig erstattete, ergab, datz von 43 örtlichen Wahlvereinen 24 durch je 3, 6 durch je 2 und 9 durch je 1 Delegierten vertreten sind. Deutsch- Wusterhausen, Grotzbeeren, Markgrafpieske und Mittcnwalde haben keine Delegierten entsandt. Ueber den preußischen Parteitag referierte B ö s k e. Die Anträge, welche die Angelegenheiten der preutzischen Genossen dem deutschen Parteitage überweisen wollen, feien unannehmbar. So wenig die Parteiorganisationen anderer Bundesstaaten ihre Angelegenheiten durch den deutschen Parteitag erledigen lassen, ebensowenig dürfe man das von den Genossen Preutzens verlangen. Andererseits sei aber der Vorschlag nicht annehmbar, welcher neben dem Parteivorstand einen besonderen Vorstand für Preuhen fordert. Durch die Annahme dieses Vor- schlages würde der Parteivorstand ausgeschaltet, der ja schon jetzt in der Hauptsache die Agitation und Organisation in Preutzen leite. Der Standpunkt der Genossen Berlins sei der, datz die Leitung der preutzischen Landesorganisation in Gemeinschaft mit dem deutschen Parteivorstande geführt werde. Das sei fchon des- halb geboten, dah Reibungen, die zwischen einer selbständigen preutzischen Parteileitung und dem Parteivorstande entstehen könnten, vermieden werden. Der wichtigste Punkt, welcher den preutzischen Parteitag beschäftigen wird, werde die Wahlrechtsfrage fein. Genosse Singer habe ja namens des Parteivorstandes er- klärt, datz die Vorbereitung des Wahlrechtskampfes in vollem Gange sei. Der preutzische Parteitag werde weitere Mittel und Wege zur Betreibung des Wahlrechtskampfes beraten, so datz dieser Kampf demnächst mit voller Schärfe geführt werden könne. Wie notwendig es ist, datz die Sozialdemokratie ihre Kraft für die Eroberung eines demokratischen Wahlrechts in Preutzen einsetzt, das wies der Redner nach an der mehr als zweifelhaften Haltung des Freisinns, den man, wenn er der Regierung die Hand biete für die Durchsetzung einer blotzen Scheinresorm, als Zuhälter der Reaktion bezeichnen müsse. Die Sozialdemokratie werde alles auf- bieten, um das preutzische Wahlunrecht zu beseitigen. In der Diskussion sagte Zubeil: Wenn wir, hoffentlich bald nach dem Parteitage, in die Wahlrechtsagitation eintreten, dann müsse dieselbe nachhaltiger sein als die vorjährige. Im vorigen Jahre setzte unsere Agitation für das preutzische Wahlrecht sehr energisch ein, aber bald verflachte sie und nichts wurde getan, um sie wieder zu beleben. An dem Beispiel der österreichischen Parteigenossen können wir sehen, datz Wahlrechtskämpfe mit Aus- dauer geführt werden müssen. Datz auch in Preutzen der Kampf ausdauernd und mit Nachdruck geführt werde, dafür möge der preutzische Parteitag sorgen. Zu dem Entwurf des Organisationsstatuts für Preutzen wurden folgende Anträge angenommen: § 2 Absatz a ist dahin abzuändern, datz jeder Kreiswahl- verein drei Delegierte zu entsenden berechtigt ist. S 2 hinzuzufügen: Zur Teilnahme berechtigt ist je ein Mitglied der Redaktion jeder preutzischen Parteizeitung. Ausserdem beantragt die Versammlung: Die Polenfrage auf die Tagesordnung des preutzischen Parteitages zu setzen. Als Delegierte wurden gewählt: Wollermann-Schöne« berg, Dr. Borchardt» Charlottenburg und Gramenz» Treptow. Dem internationalen Kongretz sandte die Versammlung ein Begrützungstelegramm. Die vorige Generalversammlung hat den Vorstand beauftragt, einen Vorschlag betreffs einer gerechteren Verteilung der Dele- giertenzahl auf die einzelnen Wahlvereine zu machen. Infolge- dessen beantragt der Vorstand folgende Aenderung des Kreis» statuts: Zu den Generalversammlungen des Zentralwahlvereins hat jeder örtliche Wahlverein Delegierte zu entsenden, und zwar wählen die Vereine mit weniger als 259 Mitgliedern zwei Dele» gierte, mit 259 bis 599 Mitgliedern drei Delegierte und die» jenigen mit' mehr als 599 Mitgliedern für je fernere 599 Mit- glieder einen weiteren Delegierten.» Matzgebend für die Delegation ist die Mitgliederzahl, welche sich aus den im vorhergehenden Jahre eingegangenen Mitglieder» beitrügen ergibt. Eberhardt begründete den Antrag. Derselbe wurde nach kurzer Diskussion angenommen. Nachdem die Tagesordnung erledigt war, forderte der Vor- sitzende Böske zur regen Teilnahme an den Wahlrechtskämpfen in Preuhen aus und schlotz die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie, Soziales. Nicht Militäranwärter! Fünf Jahre lang hat der Krankenwärter Borowski der Stadt Danzig Dienste geleistet. In dem Zeugnis, das ihm von dem Professor Dr. Barth ausgestellt ist. heitzt es:.Borowski ist fleitzig und nüchtern gewesen, er hat sich gute Kenntnisse angeeignet und ist namentlich in der Pflege Schwerkranker sehr brauchbar gewesen." Ein glänzendes Zeugnis I Trotzdem versuchte der Krankenwärter vergeblich, eine Stelle als Magistratsbote oder als Gas- oder Wasserrevisor zu erhalten. Borowski bemühte sich deshalb um eine Anstellung bei der Stadtverwaltung, weil er zum Krüppel geworden war, als er noch seine Krankenwärterstelle am Stadtlazarett zu Danzig innehatte. Das kam so: Eines Tages sollte im Stadtlazarett die Sektion einer Leiche vorgenommen werden. Zu den Aufgaben Borowskis gehörte es, Leichen zur Sektion vorzubereiten. Beim Ausschneiden des Schädels der Leiche verletzte der Krankenwärter sich den Mttelfinger der rechten Hand. Eine Blutvergiftung war die Folge. Der verletzte Finger wurde abgenommen. Borowski, der von Beruf Tischler war, konnte in seinem Fache nicht mehr tätig sein. Auch als Diener versuchte er sein Glück. Ueberall aber war die verkrüppelte Hand hinderlich. Da endlich bat er in einer Petttion den Danziger Magistrat um irgend eine passende Stelle. Der Magistrat antwortete, Borowski könne nicht angestellt werden, da er nicht Militäranwärter sei und auch keinen Zivilversorgungsschein besitze. Nun wollte der frühere Krankenwärter die Stadt schadenersatzpflichtig machen. Er lietz sich von derselben Stadt, in deren Diensten er zum Krüppel geworden war, seine Armut bescheinigen und suchte beim Landgericht die Ge- Währung des Armenrechtes nach. Umsonst! Er wurde abgewiesen, weil die Klage aussichtslos erscheine. Deutscher Arbeiter.Abstinentendund. Ortsgruppe Berlin. woch, den 21. August, abends 8'/, Uhr: Versammlung. Mitt» Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Plg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. 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Am gestrigen Abend und heutigen Frühmorgen hat die E i n i g u n g s k o m m i s s i o n gc- tagt, die aus je zwei Vertretern der tschecho-slawischen und der deutsch-österreichischen Organisation sowie drei Unparteiischen bc stand. In der Kommission haben die Tschechen erklärt, daß sie keine Anträge stellen und keine bindenden Erklärungen abgeben wollten. Sie könnten sich angesichts der gespannten Beziehung ihrer Gruppe zur Reichskommission der Gewerkschaften Oester- reichs auch nicht verpflichten, ihre Mitglieder in diese Gesamt- körperschast zurückzuführen. Sie seien jedoch bereit, die Frage ihrer im nächsten Monat stattfindenden Generalversammlung zur Entscheidung vorzulegen und das Resultat der Beratungen der Rcichskommission und der Parteileitung mitzuteilen. Die Kom� Mission hat ferner von den Deutsch-Oesterreichern das Versprechen entgegengenommen, den tschechischen Schuhmachern dieselben Frei- heiten und Rechte einräumen zu wollen, die im österreichischen Metallarbeiterverband den Tschechen gegeben worden sind und durch die dort eine Zersplitterung verhindert worden ist. Daraufhin hat die Kommission den Tschechen aufgegeben, sich auf dieser Grund- läge innerhalb eines Jahres mit der Hauptorganisation wieder zu vereinigen. Die heutige Debatte dreht sich nun zunächst um die Frage, ob innerhalb dieser Jahresfrist bis zur Einigung die tschechische Sonderorganisation vom internationalen Verband an- zuerkennen sei oder nicht. Die rcichsdeutschen Oesterreicher er- klären sich mit aller Schärfe gegen die einstweilige Anerkennung. Die Tschechen wollten sich jetzt nur in den internationalen Ver band einschleichen; einmal anerkannt, würde für sie auch der letzte Antrieb fortfallen, sich wieder mit ihrer alten Reichsorganisatioil zu vereinigen. Die Diskussion findet ihr Ende mit der plötzlichen Erklärung der Tschechen, daß sie mit den Zugeständnisien an die tschechischen Metallarbeiter nicht zufrieden seien. Auf die Frage, was sie denn sonst wollen, ob ihr Ziel das dauernde Bestehen ge trennter nationaler Gewerkschaftsorganisationen in Oesterreich sei, erwidern sie, dah ihr Programm das der Prager tschechischen Ge- Werkschaftskommission sei und daß die Frage der tschechischen Ge- werkschaften nicht für sie allein, sondern nur allgemein für alle Gewerkschaften in Oesterreich zwischen der Prager Kommission und der Wiener Rcichskommission geregelt werden könne. Vor- sitzender S i m o n schlägt danach vor, über die Vereinheitlichung der Schuhmacherbewegung in Oesterreich noch während des Jnter nationalen Kongresses mit der tschechischen Parteileitung, der Präger Gewerkschaftskommission und der Wiener Reichskommission unter Vcrmittclung der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands zu verhandeln. Die Deutsch-Oesterrcicher wollen sich dem Antrage nicht widersetzen, halten aber angesichts der Haltung der Tschechen alle Bemühungen für aussichtslos. Der Kongreß stimmt dem Vorschlage Simons zu und nimmt zur Sache einstimmig folgende Entschließung an: „Der internationale Kongreß nimmt die Erklärung der Vertreter der tschecho-slawischen Organisation zur Kenntnis, die dahin geht, daß sie bereit seien, in ihrer Heimat für eine Ver- ständigung und Verschmelzung des tschecho-slawischen Verbandes mit dem Reichsvcrein unter der Voraussetzung zu wirken, daß ihnen dieselben Rechte vom Reichsverein eingeräumt werden, welche die tschecho-slawischen Metallarbeiter in der ReichSorgani sation besitzen. Ter Kongreß spricht die Erwartung aus, daß die Delegierten dcS tschecho-slawischen Verbandes ehrlich bemüht sein werden, auf der vorstehend verzeichneten BasiS eine Ver ständigung zu erzielen." Ist eine Verständigung zwischen der österreichischen und der tschecho-slawischen Organisation erfolgt, so ist damit auch daS Gcgcnscitigkeitsvcrhältnis zwischen den tschechischen Mitgliedern und den übrigen im GcgcnseitigkeitSverhältnis stehenden Landes- organisationen wiederhergestellt.— Bis dahin bleiben also die Tschechen wie bisher seit der Zersplitterung von der inter- nationalen Gegenseitigkeit ausgeschlossen und gelten z. B. für die deutsche Organisation einfach als unorganisierte Arbeiter. Es folgt Punkt 3 der Tagesordnung: Die Beziehungen der Landesorganisationen zueinander. Vorsitzender Simon legt zur engeren Verbindung der Schuhmacher aller Länder einen Entwurf zum Abschluß einer Internationalen Union vor, deren Haupt- bcstimmungen lauten: Internationale Union der Schuhmacher. Zw e ck. 8 1. Die Gewerkschaften der verschiedenen Länder vereinigen sich zu einer Internationalen Union zu dem Zweck, die gemein- kamen Interessen zu fördern. 8 2. Die Aufgaben dieser Union sollen insbesondere sein: a) die Verbindungen zwischen den einzelnen Landesorgani. sationcn herzustellen; b) eine gegenseitige Benachrichtigung und Verständigung über wichtige Fragen herbeizuführen; c) bei Lohnkämpfen den Zuzug fremder Arbeitskräfte ab- zuhalten; 6) wenn nötig und möglich die finanzielle Unter st ützung solcher Streiks bezw. Aussper- ruttgen z u vermitteln, welche von dem Unter- nehmertuin zur Lahmlegung der Arbeiter» organisation Heraufbesch waren werden; e) den Abschluß von Kavtcllverträgen über den gegenseitigen Uebcrtritt und eventueller Unterstützung der Mitglieder im Aus- lande anzuregen und zu unterstützen; k) im allgemeinen ein solidarisches Zusammenarbeiten der einzelnen Landesorganisationen der Schuhmacher herbeizuführen. 8 3. Die Mitglieder der der Union angeschlossenen Landes- organisationen werden gegenseitig, sobald sie im Auslande in Ar- beit getreten sind, ohne Eintrittsgebühr in die Organisation des Landes aufgenommen, sofern der Uebertritt innerhalb 6 Wochen nach dein Arbeitsantritt erfolgt und das Mitglied seine Pflichten gegen die seitherige Organisation erfüllt hat. Solchen über- "etrctencn Mitgliedern werden die Beiträge, welche sie an eine andere der Internationalen Union angeschlossene Organisation ge- leistet haben, in der Weise angerechnet, daß etwaige niedrigere Beiträge auf die Höhe des Beitrages der betreffenden Organisation umgerechnet, gleich hohe und höhere Beiträge dagegen in voller Zahl übertragen werden. Im Rahmen dieser Vorschrift stehen den übergetretenen Mitgliedern auf die Unkerstützungen der Landesorganisationen dieselben Rechte zu wie den eigenen Mitgliedern bei gleicher Mitglicdsdauer.— Vor dem Uebertritt hat ein auf der Reise im Auslande befindliches Mitglied nur An. spruch auf die Reiseunterstützung, welche die betreffende Landes- organisation ihren eigenen Mitgliedern gewährt und auch nur unter den für letztere geltenden Bestimmungen. 8 4. Die an Mitglieder ausländischer Landesorganisationen ausbezahlte Reiseunterstützung wird einhalbjährlich zwischen den beteiligten Organifationen aufgerechnet und unter Einsendung der Reisescheine gegenseitig ausgetauscht, so daß also die Rciseunter- stützung z. B. von der Schweiz nur verauslagt, nicht getragen werden muß. Beitritt. 8 b. Alle Landesorganisationen der Schuhmacher können der Union beitreten. Um jedoch einer Zersplitterung der Arbeiter eines Landes in verschiedene Organisationen vorzubeugen, soll in der Regel aus jedem Lande nur eine Organisation als legitim an- erkannt und andere Organisationen nur mit deren Zustimmung in die Union aufgenommen werden. Der abgewiesenen Organi- sation steht das Recht zu, sich beschwerdeführend an den nächsten Internationalen Kongreß zu wenden, welcher die endgültige Eni- lcheidung trifft. § 6. Jede Landesorganisation, welche Mitglied der Union ge- worden ist, behält ihre vollständige Selbständigkeit, ausgenommen diejenigen Pflichten, welche gegenwärtiges Statut der Jnter- nationalen Union auferlegt. Der Beitrag für die Union soll b Pf. pro Mitglied und Jahr betragen, die Verwaltung in den Händen eines internationalen Sekretärs liegen. Beschließendes Organ der Union ist der Jnter- nationale Schuhmacherkongreß, der mindestens alle b Jahre mög- lichst im Anschluß an den Internationalen Sozialistenkongrcß tagen muß. Jede Landesorganisation hat nach Schluß jeden Jahres einen Bericht über ihre Mitgliederzahl, über Einnahmen und Ausgaben, Zahl und Erfolg der Lohnkämpfe usw. an den Sekretär ein- zusenden.— Diese Jahresberichte hat der Sekretär in einer Tabelle zusammenzustellen und so zur Kenntnis der Landesorganisationen zu veröffentlichen. Wichtige Vorgänge in einer Landesorganisation, namentlich auch größere Streiks, sind an den Sekretär möglichst sofort zu berichten. Die Publikationen des Sekretärs erfolgen in der Regel mittels Zirkulars in deutscher, französischer und englischer Sprache. Ebenso ist die Korrespondenz der Landesorganisationen an den Sekretär möglichst in einer dieser Sprachen zu führen. In der Begründung teilt Simon interessante Zahlen über die Häufigkeit der Uebertritte mit. In den letzten Ikb Jahren sind in den Deutschen Schuhmacherverband eintrittsgeldfrei eingetreten: Aus Oesterreich 1(33, aus der Schweiz 65, aus Dänemark 40, aus Schweden und Norwegen 13, aus anderen Ländern 11, aus dem christlichen Verband 158 und aus dem Hirsch-Dunckerschen 64. In der Debatte schließt sich Z i n n e r- Winterthur dem Eni- wurf. völlig an. Das Verschwinden des ersten durch den Jnter- nationalen Schuhmacherkongreß zu Zürich 1893 geschaffenen Jnter- nationalen Sekretariats in der Schweiz beweise nichts gegen dessen Nutzen und Existenzmöglichkeit. Oesterreich hat Bedenken gegen die internationale Streikunterstützung, die infolge der Kämpfe der kleinen zurückgebliebenen Nationen um das Koalitionsrccht Deutsch- land leicht erheblich belasten könnte. Ungarn befürchtet Schwierigkeiten bei der Auszahlung der Reiseunterstützung: die ungarischen Funktionäre würden die komplizierten Bestimmungen nicht richtig lesen, berechnen und anwenden können. Besser sei eine einheitliche internationale Reiseunterstützung. Nach einem Schlußworte Simons, der die technische AuS- führung des Vertrages erläutert und betont, daß kein Arbeiter, der im Auslande arbeitet, nach der Heimat Beiträge weiterzahlen darf, daß vielmehr jeder zu der Organisation des Landes über- treten muß, in dem er arbeitet, wird der internationale Kartell- vertrag einstimmig angenommen. Zum Sekretär der Internationale wurde ebenfalls einstimmig Simon« Nürnberg gewählt. Damit sind die Arbeiten des Kongresses erledigt. Vor- sitzender Simon bittet nochmals die englischen Kollegen um ver- mehrte internationale Solidarität und die Tschechen um Liebe zur Einigkeit. Der Kongreß habe die Erwartungen der Einberufer übertroffen sowohl in der Beschickung wie in dem Ertrag der Arbeit, und eine gesunde Grundlage für die Pflege der inter- nationalen Beziehungen geschaffen. Mit einem dreifachen Hoch auf die sozialistische Internationale der Arbeit schließt Simon den Kongreß. Auch der Internationale Maurer- und Bauhülfsarbelterkongreß wurde heute zu Ende geführt. Zunächst wurden die beiden von gestern noch ausstehenden Referate der Landessek- t i o n e n erstattet. Amerika wird durch eine deutsche Sektion deS New Yorker MaurerverbandeS vertreten. Der Delegierte berichtet, daß die lokalen Sektionen ziemlich autonom sind, auch im Beitrag. Das Eintrittsgeld soll jedoch nicht unter 16 und nicht über 25 Dollar betragen. Ein Streik darf nur mit Genehmigung deS Zentral- komitees erklärt werden. Im allgemeinen sind die Maurer in Amerika sehr gut organisiert. Auch die eingewanderten Deutschen haben sich nicht zu Streikbrecherdienstcn hergegeben, sondern sich den verschiedenen Zwcigabteilungen angeschlossen. In neuerer Zeit ist eS sogar gelungen, die Italiener zu organisieren. Der Redner schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es ihm gelingen wird, den ganzen nationalen Zcntralvcrban� der Vereinigten Staaten für die internationale Bewegung zu interessieren.— Aus Finnland überbringt V o l p e r s die Grüße der Organisation. Maurer- verbände, die zuerst von bürgerlicher Seite gegründet wurden, gibt es in dem Lande schon seit 1883. Doch wuchsen sie sehr langsam, zumal da der Senat ihre Statuten nicht bestätigte. Erst seit der Erkämpfung politischer Freiheit für Finnland durch die Revolution von 1965 kam die gewerkschaftliche Bewegung in schnelleren Aufschwung. Der Tätigkeit der 21 Ortsvereine ist es jetzt gelungen, den Zehnstundentag, in Helsingfors den g��Stundentag einzw führen. Damit sind die Berichte der Landessektionen erschöpft und nachdem Vorsitzender Bömelburg noch Begrüßungstclcgramme aus Amerika, Prag und Nürnberg mitgeteilt hat, wendet sich die Beratung dem Abschluß des internationalen Kartellvertrages zu, für den der Deutsche Maurerverband einen Entwurf vorgelegt hat. Er findet in folgender Form Annahme: 1. Für jedes Land wird nur eine Organisation und, wenn die Bauhülfsarbciter getrennt von den Maurern organisiert sind, von jeder Berufsgruppe nur eine Organisation anerkannt. 2. Jeder Verband hat nur Geltung im Gebiet seines Landes und die Arbeiter der in Frage kommenden Berufsgruppen(Maurer, Putzer, Zementicrer, Plattenleger usw. und deren Hülfsarbeiterl dürfen nur dem Verband angehören, in dessen Gebiet sie in Arbeit stehen und der für sie nach ihrem Beruf in Betracht kommt. Ausgenommen bleiben solche Arbeiter, die in einem Grenz- orte des Nachbarlandes beschäftigt sind und jeden Abend in den Heimatsort zurückkehren. 3. Die Mitglieder haben ein Recht auf Zulassung zu allen an diesem Vertrage beteiligten Verbänden: in Dänemark, Schweden und Norwegen" jedoch nur dann, wenn der Nachweis von der Er- lcrnung des Maurerhandwerks erbracht wird. 4. Im Verkehr von einem Lande zum anderen hat vor der Abreise die Abmeldung und bei Ankunft in einem anderen Ver- bandsgebiet die Anmeldung bei dem Zwcigverein des Arbeitsortes zu erfolgen. Die Beiträge sind vor der Abreise bis zum Tage der Abreise zu entrichten. Vorausbezahlte Marken haben im Gebiet des Arbeitsortes keine Gültigkeit. 5. Der Uebertritt von einem Verbände zum anderen ist kostenlos; eine Unterbrechung in der Beitragszahlung darf aber nicht eintreten, d. h. die Beiträge sind nach dem Uebertritt an» schließend an die letzten Beitragsleistungen zu entrichten. 6. Den Mitgliedern wird ihre gesamte, aber nur ununter- brochcne Mitgliedschaft— gleichviel in welchem Verbände— angerechnet. 7. Reiseunterstützung beruht außer in den skandinavischen Ländern während der Monate Dezember, Januar. Februar und März auf Gegenseitigkeit. Zum Empfang der Unterstützung berechtigt sind solche Mit- glicdcr, die mindestens ein Jahr ununterbrochen organisiert sind und sich im Besitze der für den Unterstützungsbezug maßgebenden Lgitimation befinden. Die Legitimationen werden einheitlich ge- staltet und nur von dem Zentralvorstand, in dessen Gebiet der Abreiseort liegt, ausgestellt. Innerhalb der Unterstützungsfrist dürfen in allen Organisationen zusammen nicht mehr als vierzig Unterstützungsraten ausbezahlt werden. 8. Sonstige Unterstützungen, für deren Gewährung die Statuten der einzelnen Verbände maßgebend sind, zahlt jeder Ver- band nur innerhalb seines Gebietes; Ausnahmen sind zulässig bei Unterstützung im Sterbefalle, die auch nach dem Auslande gcsanor werden kann. 9. Sind an Streiks in den Grenzorten(Ziff. 2 Abs. 2) Mit- alieder mehrerer Verbände beteiligt, dann unterstützt jeder Ver- band seine eigenen Mitglieder. Für die an solchen Streiks be- teiligten NichtMitglieder hat derjenige Verband aufzukommen, in dessen Gebiet der Strcikort liegt. 10. Die koalierten Verbände unterstützen sich gegenseitig in der Agitation, besonders in den Grenzgebieten. Die Art der gegenseitigen Hülfe unterliegt der besonderen Vereinbarung zwischen den für die Grenzagitation in Frage kommenden Ver- bänden. 11. Jeder Verband ist verpflichtet— in der Regel auf seine Kosten—, dafür Sorge zu tragen, daß aus seinem Gebiete keine Streikbrecher nach einem Streikort eines anderen Landes sszanderii. 12. Die zur Führung von Streiks erforderlichen Mittel hat jeder Verband selbst aufzubringen. In ganz außerordentlichen Fällen, besonders bei umfangreichen Aussperrungen, ist es aber gestattet, auch die Hülfe der anderen Verbände anzurufen. Die Art und Höhe der Unterstützung unterliegt der Entschließung der einzelnen Verbände. 13. Die Organisationen tauschen gegenseitig ihre Drucksachen aus(Fachzcitungen, Adressenverzeichnisse, Protokolle und sonstige Mitteilungen); die hierin enthaltenen Anregungen, soweit sie das internationale Verhältnis berühren, sind durch die Fachpresse der einzelnen Länder zu verbreiten. Mitteilungen, die einer besonders schleunigen Erledigung bedürfen(Mitteilung der Streikorte über drohenden Zuzug usw.) sollen nach Möglichkeit in der Sprache des» jenigen Landes abgefaßt sein, an das sie gerichtet sind. "l4. Als Verbindungsorgan wird„Der Grundstein", Fachorgan des Deutschen Maurerverbandes, bestimmt. 15. Internationale Konferenzen sollen in Zukunft regelmäßig in Verbindung mit den internationalen sozialistischen Arbeiter- kongressen stattfinden. 16. Dieser Vertrag hat Gültigkeit vom 1. Januar 1963 bis zu dem Zeitpunkt, den die nächste Konferenz bestimmt. Als Referent erklärt Bömelburg die Errichtung eines internationalen Sekretariats noch nicht für nötig, da die für den internationalen Verkehr nötigen Arbeiten vom deutschen Verband erledigt würden. Das Sekretariat werde den Arbeitsapparat nur komplizieren und die Aufbringung der nötigen Gelder nur er- schweren.— Da jedoch die Vertreter aller übrigen Nationen die Errichtung des Sekretariats wünschen, da dieses als internationale Einrichtung mehr Entgegenkommen finden werde als der deutsche Verband, erklären sich auch Bömelburg und P ä p l o w mit dem Titel des Internationalen Sekretariats einverstanden. Seine Errichtung wird einstimmig beschlossen und die Geschäftsführung dem Deutschen Maurerveroand übertragen. Der Kartellvertrag, der nach gründlicher Spezialdcbatte einstimmige Annahme gefunden hat, tritt am 1. Januar 1968 in Kraft. Neu hinzugetreten sind Belgien und Polen. Nachdem noch ein Antrag auf internationale Vereinheitlichung der Mitglicdcrlegitimation angenommen ist. schließt Vorsitzender Bömelburg den Internationalen Maurerkongrcß mit dem Ausdruck lebhafter Genugtuung über die Fortschritte der internationalen Solidarität. Internationaler Tabakarbeiterkongreß. Auch der Internationale Tabakarbeiterkongreß hielt nur noch eine kurze Schlußsitzung ab. Zunächst brachte in der fortgesetzten Debatte über die Regelung der Rechte der reisenden Kollegen Roscnthal- Deutschland zur Sprache, daß infolge der Banderole st euer auf Zigaretten eine bedeutende A r- b e i t S l o s i g k e i t in dieser Branche in Deutschland eintrat. Viele Zigarettenarbeiter mußten inS Ausland gehen; außer nach Amerika und der Schweiz wandten sie sich auch nach England. Unter den letzteren befanden sich auch etwa 266 vollberechtigte Mit- glieder, die von der englischen Organisation keine Unterstützung erhielten. Die Solidarität solle nicht nur auf dem Papier stehen. Er frage den Vertrauensmann Englands, wie es sich mit der Sache verhalte. D e i ch m a n n- Deutschland stellt folgenden Antrag: „Die dem internationalen Sekretariat angeschlossenen Tabak- arbeitervercinigungen verpflichten sich, vom Ausland zureisende Mitglieder dicjer angeschlossenen Vereinigungen ohne Eintritts- geld aufzunehmen. Sie verpflichten sich ferper, Gcgenseitigkeits- vertrüge untereinander abzuschließen, die für die zurcisenden Mitglieder die Mitgliedsrechte in bezug aus die Streik-, Gemäß- regelten- und Rechtsschutzunterstützungen, sowie Arbeitslosen- Unterstützung nach der geleisteten Beitragssumme, und wo dieses nicht angängig, nach der Beitragszeit regelt. Bestehen in den vertragschließenden Verbänden noch andere Unterstützungseinrich- tungen, wie Kranken- und Stcrbeunterstützung, so ist zu wünschen, daß auch diefe, wenn möglich vertraglich, geregelt werden. Alle Gegenseitigkeitsverträge müssen bis zum nächsten Kongreß ab- geschlossen sein." C o o p e r- England erklärt, daß seine Organisation nur Zigarrenarbeiter aufnehme oder unterstütze. An dieser 46jährigen Praxis werde sie auch schwerlich etwas ändern. Die Zigaretten- arbeiter seien in England meist unorganisiert. Den Zigarren. arbeitern aus Deutschland hätten die englischen Kollegen stets Soli- darität bewiesen. Hierauf bringt Hacke lberg-Dcutfchland folgende Reso« l u t i o n ein, die er kurz begründet: „Der Kongreß hält eine Organisation, welche alle Branchen der Tabakarbciter umfaßt, für die allein zweck- und zeitgemäße. Der Kongreß fordert die angeschlossenen Länder auf, in diesem Sinne zu wirken." Die Resolution wird ein st immig angenommen. Auch der Antrag Deichmann wird gegen die Stimmen Eng- lands angenommen. Nachdem noch I u p t e r s- Belgien ein» stimmig zum internationalen Sekretär wiedergewählt worden ist, schließt Junge. Deutschland den Kongreß mit einer kraftvollen, aufmunternden Ansprache. Internationaler Holzarbeiterkongreß. In der Schlußsitzung der Internationalen Holzarbeiterunion wurde L ei p a rt- Stuttgart auf Vorschlag von Engländ, Frank- reich und Belgien einstimmig zum internationalen Sekretär wiedergewählt. Die Beitragserhöhung für die Internationale Union soll am 1. Januar, das abgeänderte Statut am 1. März 1963 in Kraft treten. Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die internationale Konkurrenz. Th o m s e n-Paris ver. weist als Referent ausi die Tatsache, daß manche Arbeiten in Frankreich wegen der billigeren ausländischen Konkurrenz über- Haupt nicht mehr gemacht würden. Einst wurden die Kapitalisten vielleicht Kulis importieren. Er mahnte die Völker Europas, sich gegen die Schmutzkonkurrenz kulturell niedriger stehende«: Völker zu schützen.— Die Frage wird den Landessektioncn zum Studium überwiesen. Vorsitzender L e i p a r t wirft einen kurzen Rückblick auf die Arbeiten des Kongresses. Durch die diesmaligen Verhandlungen, so führt er aus, habe die ideale Form der Internationalen Union einen materiellen Inhalt empfangen. Hoch befriedigend sei aber vor allem der harmonische Verlauf dieser Tagung der Arbeiter aller Länder und Sprachen. Wie kleinlich und häßlich erscheine daneben der Zank der kapitalistischen Sachwalter im Haag.(Lebhafter Beifall.) G o s si p»London dankt dem Bureau und insbesondere Klara Zetkin für ihre treffliche Mithülfe, und der Kongreß schließt mit einem dreifachen Hoch auf die Internationale der Holzarbeiter» Die lkutiche Delegation des Tnternationalen IKongrelles über die Maifeier. Stuttgart, den 19. August. (Telepho n i sch e r B er'i cht). Die deutsche Delegation trat Sonnabend, den 17. August, zu etner Sitzung zusammen, die früh �/zlt) Uhr vom Genossen S in g e r eröffnet wurde. Die deutsche Delegation wählte für die Dauer des Kongresses zu Borsitzenden die Genossen P f a n n k u ch und Legten, zu Sekretären die Genossen Knoll und Parteisekretär Müller- Berlin. Auf der Tagesordnung der Sitzung stand die Stellung zur Maifeier. Die Diskussion über diesen Punkt war sehr eingehend, es be- teiligten sich daran 16 Redner aus Partei und Ge Werk- s ch a f t e n. In den Verhandlungen wurden einerseits die aus früheren Debatten in der Presse und aus Parteitagen und Gewerkschafts- kongressen bekannten Argumente für und wider die Arbeitsruhe am 1. Mai vorgebracht, andererseits wurde aber auch neues Material aus den Erfahrungen der letzten Jahre und aus weiteren Kreisen zugänglich gemacht. Im Auftrage der Gewerkschaften, die am Tage vorher bereits zur Behandlung der Maifeierfrage auf dem Stritt- garter Kongreß Stellung genommen hatten, referierte Genosse Robert Schmidt. Als Korreferent sprach im Namen der Partei Richard Fischer. Die Debatte, die durchaus sachlich gepflogen wurde, führte zu einer Verständigung. Mit beträchtlicher Mehrheit wurde in der Gesamtabstimmung in der NachmittagSsitzung folgende Resolution angenommen: Die deutsche Delegation zum Internationalen Kongreß in Stutt- gart empfiehlt, die Feier am 1. Mai in der Form zu begehen, wie es in der Resolution des Mannheimer Partei- t a g e S niedergelegt ist. Wo aber die Arbeitsruhe Maß- regelungen zur Folge hat, muß den wegen der Maifeier durch Maßregelungen geschädigten Arbeitern eine Unterstützung ge- währt werden, auf die die politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Anspruch erheben können. Zur Regelung ist die deutsche Delegation zum internationalen Kongreß nicht kompetent, sie erwartet sedoch vom nächsten Parteitag die Regelung auf folgender Grundlage:«Die Unterstützung ist von Partei und Gewerkschaften zu tragen. Die Art, wie Partei und GeWerk- schasten die dafür erforderlichen Mittel aufbringen, bleibt der Verständigung der Instanzen, Partei und Gewerkschaften, vor- behalte)r. Dabei ist festzulegen, von welchem Zeitpunkt und für welche Dauer die Unterstützung zu gewähren ist." Nach Annahme der Resolution konstatierte Genosse L e g i e n, daß nunmehr von deutscher Seite kei» Antrag wegen Verhandlung der Maifeier auf dem Internationalen Kongreß gestellt werden soll. — Nach Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten wurde die Sitzung nachmittags ö Uhr geschlossen. Die liommiiiionen. Stuttgart, 19. August. (Telephonischer Bericht.) Die Kommissionssitzungen, die auf 11 Uhr vormittags angesetzt tvaren, mußten, mit Ausnahme der Kommission für Kolonialfragen, auf 3 Uhr vertagt werden, weil die Mandatsprüfungen der einzelnen Nationen mehr Zeit als vorgesehen in Anspruch nahmen und weil ferner die Resolutionen noch nicht sämtlich im Druck vorlagen. Die Deutschen schickten in die einzelnen Kommissionen folgende Delegierte: 1. Für Militarismus und internationale Kon- flikte: Bebel, Sachse, Dr. Südekum, v. Wollmar. 2. Für die Bezieh ungenzwischendenpolitischen Parteien und den Gewerkschaften: Kautsky, Legten, Pfannkuch, Robert Schmidt. 3. Für die Kolönialfragel Bock, Lebebour, Dr. David und Wurm. 4. Für die Ein- und Auswanderung der Arbeiter: Paeplow, Paul Müller, Hansmann und Schippel. 5. Für Frauenwahlrecht: Klara Zetkin, Emma Ihrer, Frau Zieh, Singer. Die Kommission für die Borbereitung der Kolonialfrage konstituierte sich am Vormittag und wählte van Kol zum Vorsitzenden und Terwagne-Antwerpen zum Schriftführer. In Vertretung van Kols übernimmt aber zunächst Gollerstepper-New Dork den Vorsitz. In der Generaldebatte weist Genosse Dr. David-Mainz darauf hin, daß schon frühere Kongresse sich mit der Kolonialfrage beschäftigt und Resolutionen gefaßt hätten. Es genüge aber nicht, diese Resolutionen zu wiederholen, sondern es komme darauf an, praktische Direktiven zu geben und zu erklären, daß die Sozial- demokratie die Art, wie die bürgerliche Welt heute kolonisiere, ver- urteile, daß sie aber ihren ganzen Einfluß aufbieten müsse, um sowohl die koloniale Bevölkerung wie die kolonialen Naturschätze gegen kapitalistische Ausbeutung zu schützen. Das sei dasselbe, was die Sozialdemokratie in Kulturländern dem Kapitalismus gegen- über durch Schaffung der Arbeiterschutzgesetze tue. Bebel hat in dem Deutschen Reichstag in diesem Sinne sich ausgesprochen. Er sagte:„Es ist ein großer Unterschied, wie Kolonialpolitik ge- trieben wird. Kommen Vertreter kultivierter Länder zu fremden Völkern als Befreier, um üjnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu bringen, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonisation als Kulturmission zu unter- stützen bereit sind." Ich empfehle, diese Gesichtspunkte bei der Ab- fassung einer eventuellen Resolution zu berücksichtigen. Genosse Lebebour: Ich muß mich leider gegen David und in gewissem Sinne auch gegen Bebel wenden. Genosse David hat"die Hauptsache außer acht gelassen. Solange wir eine kapitali- stische Gesellschaft haben, wird die Kolonialpolitik stets die scheuß- liehen Formen zeigen, die wir alle verurteilen. David scheint diese Scheußlichkeiten für vermeidbar und für Begleiterscheinungen der heutigen Kolonisation zu halten. Das ist ein grundsätzlicher Irr- tum. Er hat sich für seine Ansicht auf Bebel berufen und hier eine angebliche Erklärung Bebels verlesen. Es handelt sich hier aber um keine autoritative Erklärung Bebels, sondern um eine bei- läufige Bemerkung in einer seiner vielen Reichstagsreden zu Kolonialftfägen, und wie ich Bebels Stellung kenne, würde er gegen eine solche Interpretation seiner Worte durch David protestieren. Es geht nicht an, einen solchen Satz allein herauszugreifen. Der Satz an sich freilich zwingt mich, auch gegen Bebel zu polemisieren, denn er läßt die Deutung zu, als seien die jetzigen Scheußlichkeiten der Kolonialpolitik im heutigen Staate vermeidbar. Die jetzige Kolonialpolitik ist aber das unvermeidbare Resultat des Kapitalis- mus und nur durch die Widerstandskraft der Aus- gedeuteten selbst können diese Brutalitäten gemildert werden. In den Kolonien können sie dies nicht, da die Kolonialbevölkerung so gut wie gar keine Wider st andskraft besitzt. In einer Resolution müssen wir an die Spitze stellen, daß wir von der kapitalistischen Kolonialpolitik keine Berücksichtigung der kultu- rellen Mission erwarten. Da wir grundsätzliche Gegner jeder Aus- beutung und Unterdrückung im eigenen Lande sind, müssen wir die noch viel schlimmere Ausbeutung in den Kolonien grundsätzlich bekämpfen. Wenn wir diese grundsätzliche Erklärung an die Spitze gestellt haben, können wir dann hinzufügen, daß wir als Minorität für möglichsten Schutz der Eingeborenen durch Schaffung eines Kolonialrechts eintreten wollen. Darüber sind wir wohl alle einig. Die Hauptsache ist, daß niemand durch unsere Resolution auf die Idee kommen kann, wir hielten eine andere als eine mit Grau- samkeiten und Scheußlichkeiten verbundene Kolonialpolitik mit dem Kapitalismus vereinbar, Nachmittags wurde die Debatte fortgefetzt, van Kol, Wibaut und Lebebour beintragen folgende Resolution: „Der Kongreß bestätigt von neuem die Resolutionen von Paris(1969) und Amsterdam(1964) über die Kolonialfrage und verwirft nochmals die jetzige Kolonisationsmethode. Das Wesen des Kapitalismus hat keinen anderen Zweck, als fremde Länder zu erobern und fremde Völker zu unterwerfen, um sie schonungslos zum Nutzen einer verschwindenden Minder- heit auszubeuten. Der Kongreß verurteilt jede Politik des Raubes und der Eroberung, die nur eine schamlose Anwendung des Rechtes der Stärkeren ist. Der Kongreß erklärt schließlich, daß die sozialistischen Abgeordneten in allen Parlamenten die Pflicht haben, die Methode der Ausbeutung und Knechtung zu bekämpfen, die in allen bestehenden Kolonien herrschen. Zu diesem Zwecke haben sie für Reformen einzutreten, um das Los der Eingeborenen zu verbessern und jede Verletzung der Rechte der Eingeborenen und deren Ausbeutung und Versklavung zu ver- hindern. Sie haben mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, die Erziehung zur Unabhängigkeit zu begünstigen. Finanziell be- trachtet sollen die Ausgaben für die. Kolonien ebenso wie die, die der Imperialismus verschuldet und die, die im Interesse der ökonomischen EntWickelung der Kolonien gemacht werden, von jenen getragen werden, die allein von der Ausplünderung fremder Länder Nutzen ziehen und deren Reichtümer daher stammen." Terwagne-Belgien schlägt vor, folgenden Satz anzufügen: „Der Kongreß verwirft nicht prinzipiell und für alle Zeiten jede Kolonialpolitik, die unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wirken können wird." Rouanet-Paris meint, es sei falsch, die Kolonisafton nur als kapitalistische Erscheinung zu betrachten. Sie sei auch eine historische Erscheinung. Er sei deshalb für den Antrag Terwagne. Es ist auch heute für die Kolonien manches zu erreichen. Die Kolonialfrage ist eine internationale und auch die Lösung des Eiugeborenenrechts muß international erfolgen. Er will einen Zusatz beantragen in dem Sinne, daß ein internationales Kolonialrecht geschaffen werde. Terwagne begründet seinen Vorschlag und betont dabei, daß sein Standpunkt nur der der Minderheit seiner Partei ist. Die Frage ist so: Sollen wir am Kongo alles so lassen, wie es ist, oder sollen wir die Zustände dort bessern? Mit dem starren Prinzip ist nichts zu machen. Ob Kolonisationen notwendig sind, wolle er nicht entscheiden. Man kann jedenfalls auch nicht sagen, daß sie entbehrlich sind. Der Kongreß würde unlogisch handeln, wenn er sagte, auf kolonialpolitischem Gebiete können wir nichts tun. Wir können da dasselbe tun, wie auf allen anderen Gebieten. Die Zukunftstür darf nicht geschlossen werden. Deshalb müsse der von ihm beantragte Zusatz, der sich ja ursprünglich in der Resolution van Kol befunden hat, angenommen werden. Von David wird folgende Einleitung für die Resolution vor- geschlagen:„In der Erwägung, daß der Sozialismus die Produttiv- kräfte des ganzen Erdkreises in den Dienst der Menschheit stellen und die Völker aller Farben und Zungen zur höchsten lwltur empor- führen will, sieht der Kongreß in der kolonialen Idee als solcher einen integrierenden Bestandteil des universalen Kulturziels der sozialistischen Bewegung. Die jetzige kapitalistischkoloniale Methode aber hat keinen anderen Zweck, als fremde Völker auszubeuten usw.. Perncrstorfer-Wien: Ich kann den Standpunkt Ledebours, der die starre Negation vertritt, nicht teilen. Er sagt, die Kolonial- Politik ist der Ausfluß des Kapitalismus und deshalb müssen wir sie bekämpfen und dagegen protestieren. Wir protestieren aber nicht gegen den Kapitalismus, sondern bekämpfen ihn mit Tausenden von Mitteln. Die Kolonien sind da und wir müssen uns in die Kolonial- Politik einnrischen und positive Mitarbeit leisten. Ich bin für den Antrag Terwagne und am liebsten für die Davidsche Einleitung. Laurence-England gibt zu, daß das kapitalistische Kolonial- shstem antikulturell und barbarisch ist. Er n, eint aber, daß die heuftge Diskussion nicht von großem praktischen Werte sein wird. Pepin-Mons erklärt, daß der belgische Kongreß sich gegen jede Kolonialpolitik ausgesprochen habe. Nach der Motivierung durch Terwagne könne er nicht mehr für dessen Anttag stimmen. Gollerstepper-New Dork: Die koloniale Frage hat für die amerikanische Arbeiterschaft keine Bedeutung. Mehr Grausamkeiten und Barbarismus, als es in der amerikanischen Grotzindusttie gibt, gibt es in der unkultiviertesten Kolonie nicht. Die amerikanischen Sozialisten sind deshalb der Ansicht, daß der Kapitalismus mit Stumpf und Stil ausgerottet werden muß. Eine provisorische Abstimmung ergibt, daß die Mehrheit der Sektionen im Prinzip für eine neue Fassung im Sinne der Anträge Terwagne oder David ist. Es sollen nur noch Gegner eines solchen Einleitungssatzes zu Wort kommen. Wurm: Im Laufe der Diskussion ist die Hauptfrage verschoben worden. Die Hauptfrage ist: Wie sollen wir uns einer Kolonial- Politik gegenüber verhalten, di? im Interesse des Kapitalismus gegen die Interessen der Arbeiter gemacht wird. Denn die Kolonialpolitik hängt nicht von unserer Gäade ab, sondern wird gegen uns geniacht. Die Kolonialpolitik belastet uns nicht nur mit großen Ausgaben, sondern erregt auch Kriegsgefahren und dieser Gesichtspunkt muß unbedingt in die Resolution hinein. Pernerstorfer sagt: Wir sollten nicht nur negative Politik treiben. Die Abwehr von Greueln ist aber eine eminent positive Politik. Solange wir keine Verantwortung für die Kolonialpolitik übernehmen können, müssen wir sie st r i k t ablehnen und dagegen protestienen. Ein solcher Protest ist keine leere Phrase," sondern er wirkt erzieherisch, propagandistisch und sozialistisch. Wir können keine Opporlunitätspolittk treiben, um eventuell Gnade bei den Herrschenden zu finden und als gleich- berechtigte Partei angesehen zu werden; es gibt nichts Gemeinsames zwischen uns und den jetzt Herrschenden. Wir können nur prinzipielle Politik treiben. Karski-Polen: Kolonialpolitik und kapitalistische Wirtschafts- ordnung sind grundverschiedene Begriffe. Letztere können wir wandeln, erstere nicht. Gegen die Kolonialpolitik können wir nur protestieren. Schließlich wird unter Ablehnung der von David vor- geschlagenen die Resolution van Kol in der ursprünglichen Fassung angenommen:„Der Kongreß stellt fest, daß der Nutzen der Kolonialpolink allgemein, besonders aber für die Arbeiter- klasse stark übertrieben wird. Er verwirft aber nicht prinzipiell und für alle Zeiten jede Kolonialpolitik, die unter sozialistischem Regime ziviilisierend wird wirken können." Außerdem wird ein Zusatzantrag Wurm, der die Erhöhung der Kriegs- gefahr und die Belastung der Ausgaben für Heei� und Flotte betont, und ein Zusatzantrag Rouanet angenommen, der Vereinbarn n g en über ein Kolonialrecht fordert. Ledebour kündigt für die Minderheit die Stellung eines Korreferenten für das Plenum an. Zum Referenten wurde van Kol gewählt und die Sitzung der Kommission dann geschlossen. Der MilitarisinnZ und die internationalen Konflikte. Die Sitzung der e r st e n Kommission, der diese Frage zugewiesen wurde, war außerordentlich stark besucht. Alle größeren Nationen haben ihr Delegationsrecht durch Entsendung von vier Mitgliedern in die Kommission voll ausgenützt. Auch die anderen Völker sind stark vertteten. Delegierte für Deutschland sind Bebel, Voll mar, Sachse und S ü d e k u m. Frankreich Jaurös, G u es d e, Vaillant und H e r v s, für Belgien Vandervelde, Furnän, ont, Troglef und De Man, für Oe st erreich Eldersch, Winarski. Schramme! und Adler, für Holland Schaper und Henriette Roland- Hol st, für Polen Karski und Rosa Luxemburg, für die S ch w e i z L a n d, Moor und S i g g.— Außerdem wohnten zahlreiche bekannte Partei- genossen als Gäste den Verhandlungen bei. Wir nennen auZ Deutschland Liebknecht und N o S k e. Zum Vorsitzenden wird, nachdem Bebel die Verhandlungen eröffnet hat, auf Vorschlag Vanderveldes Genosse Südekum gewählt, zum Stellvertreter Fernömont. Ms Uebersetzer fungieren Südekum, Vandervelde und Dr. L i e b m a n n. Vandervelde beantragt zur Geschäftsordnung, sofort in die Spezialdebatte der vier vorliegenden Resolutionen, Herds, G-ti esde, Vaillant und Bebel einzutreten. Hervö, der den Aufstand und den Militärstreik gegen den Krieg fordere und Guesde, der jede besondere Aktion gegen den Militarismus verwerfe und ihn als bloße Teilerscheinung des Kapitalismus betrachte, seien Extreme. Würde es abgelehnt, die beiden Anträge zuerst zu beraten, so wäre eine Einigung auf der mittleren Linie Vaillant-Bebel leicht. Bebel bekämpft den Vorschlag, da er eine große Generaldebatte zur Folge haben würde. Die Kommission beschließt einstimmig, zunächst in die all- gemeine Generaldebatte einzutreten. Die Debatte eröffnet Bebel: Ich glaube, wir hätten gerade jene Frage auf den internationalen Kongressen wirklich genügend disputiert.(Sehr wahr!) Alles, was Hervs über den AntiPatriotismus in seinem Buche:„I�sur patris" ausführt, hat uns auf früheren internationalen Kongressen schon Nieuwen- huis gesagt. Hervs sagt, das Vaterland sei nur das Vaterland der herrschenden Klassen, es ginge also das Proletariat nichts an. Aber auch die Parlamente sind"doch eine Einrichtung der herrschenden Klassen. Unsere ganze Tätigkeit läuft ja darauf hinaus, die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Einrichtungen der Bonrgeoisie zu verbessern. Die bloße Negation stimmt also nicht. Es ist überhaupt noch eine große Frage, wem das Vaterland gehört. DaS Kulturleben kann sich ja doch nur auf der Grundlage der Muttersprache und auf dem Boden der Nationen entwickeln. Seht doch nach Oesterreich, seht auf den Kampf der Polen um ihre nationale Wiederherstellung. Auch in Ruß- land wird die Nationalitätenfrage noch einmal erwachen.(Rosa Luxemburg lviderspricht.) Jedes Volk, das unter der Fremd- Herrschaft leidet, selbst wenn sie ihm sonst Wohltaten bringt, er- hebt sich in seiner ganzen Masse zuin Freiheitskampf und stellt alle anderen Ziele zurück. Wie hat sich Elsaß-Lothringen gegen die Losreißung von Frankreich gesträubt, mit dem es trotz der deutschen Sprache seit der großen Revolution eng kulturell verwachsen war. Hervss Gedanke, daß es gleich sei für das Proletariat, ob Frankreich zu Deutschland oder Deutschland zu Frankreich gehört, ist absurd.(Lebhafte Zuruse: Es ist gar kein Gedanke! Heiterkeit.) In der Tat, wollten Sie diese Lehre prakttsch verwerten, Hervs, Ihre eigenen Volks- genossen würden Sie unter die Füße treten.(Sehr wahr!) Lieb- knecht und ich haben ja 1876 erfahren, wfr» es bedeutet, wenn man sich auch nur der Abstimmung über die 51riegs- anleihe enthält. Und doch wußten wir noch nicht, daß Bismarck den Krieg provozierte und durch Fälschung der Emser Depesche herbeigeführt hatte. Ueberhaupt wird die Unterscheidung zwischen Angftffskrieg und Verteidigungskrieg den unterrichteten Politikern stets gleich sein. Aber prüfen wir die Frage des Antimilitarismus auch praktisch. Als vernünftiger Mensch muß ich offen sagen, daß selbst, wenn wir wollten, wir nicht leisten könnten, was Hervs von uns verlangt, zu fürchten ist, Ihr in Frankreich werdet böse Erfahrungen machen, wenn im Kriegsfalle Hervs das Mittel des Massenstreiks, der Fahnenflucht und der Insurrektion anwendet.(Zustimmung.) In Deutschland bat man selbst Liebknecht, der weit abgerückt ist von Hervs, die Ver- abredung zum Hochverrat angedichtet. Wollen wir wirk- lich die strenge Neutralität aufgeben, die wir uns jetzt aufzuerlegen gezwungen sind, so hätten wir gleich alle Paragraphen des Strafgesetzbuches auf dem Halse. Die antimilitaristische Ägitation' in Frankreich aber würde, wenn sie Erfolg hätte, den Weltfrieden gefährden, denn die deutschen inilitärischen Kreise verfolgen die Sache mit größtem Interesse und sein desorganisiertes Heer würde den starken Gegner mag- netisch anziehen.(Hört hört.) Noch freilich will in Deutschland nie- mand ernsthaft den Krieg. Aber selbst Bülow hat zugegeben, daß jetzt ein Krieg der herrschenden Klasse ihr letzter Krieg sein könne. Wir sind ja in der Idee vollkonimen einig. Wir haben den Militarismus im deutschen Reichstage stets aufs entschiedenste bekänipft und haben' jeden Pfennig verweigert, so daß uns Jaurss als Muster von Patriotismus b o r- gehalten wurde.(Jaurss: Gerade wie Sie mir in Frank- reich!) Jawohl, weil man in meinen Erklärungen statt Berteidigungs- krieg einfach„Krieg" schlechthin setzte! Auch während der Marokko- Affäre haben wir alles aufgeboten, um die Spannung zwischen den beiden Kulturnationen nach Möglichkeit zu lindern. Soweit militärische Rüstungen nötig sind, wollen auch wir sie haben, aber nur in der Form der fr ei est en Demokratie. Wir in Deutsch- land bekämpfen den Militarismus in jeder Form, an jeden, Tage und auf jeder Weise, aber wir lverden uns darüber hinaus nicht zu Schritten drängen lassen, die dem ganzen Parteileben, der ganzen Parteiexistenz im höchsten Maße ge- fährlich werden können.(Lebhafter Beifall.) Gustave Hervs- Paris: Ich weiß wirklich nicht, ob der Generalstab in Berlin meine Agitation mit so großem Interesse und solcher Freude verfolgt hat, aber das eine weiß ich gewiß: Nicht nur meine engeren Freunde, nein, die ganze sozialistische Welt sieht mit Erstaunen und Trauer die gegenwärtige Haltung der deutschen Sozialdemokratie zum Militarismus. Wie sind wir denn zu unserer so brutalen, so rücksichtslosen, so wilden antimilitaristischen Agitation in Frankreich gekommen? Es war in den heißesten Tagen der russischen Revolution, in jenen Tagen, wo täglich die preußischen Bajonette auf die russischen Revolutionäre loszugehen drohten, und wir fragten uns: was wird dagegen die deutsche Sozialdemokratie tun und mußten befürchten, daß sie gegen ein so frevelhaftes Beginnen nichts tun würde, als„das moralische Gewicht ihrer drei Millionen Stimmen in die Wageschale zu werfen".(Heiterkeit.) Und dann kam die schreckliche Spannung der Marokko-Affäre, da die KriegSfurie über Deutschland und Frankreich schwebte. Und wieder fragten wir uns und wieder mußten wir uns sagen, daß Deutschland als Antwort nur das moralische Gewicht seiner drei Millionen Stimmen hatte. Bebel hat mich gütigst darüber belehrt, daß die Vaterländer im gegenwärtigen Europa eine historische Tatsache seien. Aber ich habe von Bebel noch viel interessantere Dinge gelernt, in Amsterdam sagte er uns: Ob deutsche Monarchie oder französische Repnblik ist für den Sozialisten ganz gleich. Und dasselbe sage ich Euch heute. Jedes Baterland ist nur eine milchende Kuh für die Kapitalisten, es ist eine Stiefmutter für alle Proletarier, um dessentwillen sie sich wirklich nicht die Köpfe einzuschlagen brauchten. Die Wölfe hinter den verschiedenen Gittern haben sich längst geeinigt. Erklärung. Die Polizei des Zarismus, die jede freiheitliche Bewegung im Innern Rußlands mit Gewalttätigkeiten verfolgt, setzt wieder einmal alle Hebel in Bewegung, um den russischen Revolutionären auch die kärgliche Möglichkeit der Emigration zu rauben. Das Asylrecht, das den russischen Emigranten in einer Reihe von Staaten noch gewährt wird und das somit für alle revolutionären Krejse überaus wichtig ist, soll ihnen geraubt werden. Es soll den Regierungen der Schweiz, Frankreichs und der anderen Länder, in denen bis zu einem gewissen Grade freiheitliche Gesetze bestehen, ein Vorwand geboten werden, die Emigranten in Massen in die Arme der russischen Polizei zu treiben. Die Zeichen häufen sich, daß die Provokateure an der Arbeit sind, um in den Asyl gebenden Ländern Gewalttaten, insbesondere sogenannte Expropriationen (d. h. Räuberei), anzuzetteln, die doch sicher nur als Mittel der Diskreditierung anzusehen sind. Daher sehen sich die Unterzeichneten veranlaßt zu erklären: Eine jede Tat dieser Art, insbesondere jede sogenannte Expropriation, ist ein Verrat an der Revolution, eine Niederträchtigkeit gegen die Emigranten, da sie den Re- gierungen und den Polizeibehörden ganz selbstverständlich eine Handhabe geben würde, das Asylrecht aufzuheben. Ein jeder, der solche Taten bollführt, ist entweder ein Probolateur oder ein Werk- zeug der Provokateure. Es ist die Pflicht eines jeden Revolutionärs, dem Zarismus Sas Spiel zu verderben, das Asylrecht gegen die Intrigen zu schützen und den Kampf gegen die Provokateure und die von ihnen ausgehenden Zettclungcn mit aller Energie zu führen. Gesamtheit der Delegation der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Gesamtdelegation der Partei der russischen Sozialrevolutionäre. Delegation der polnischen sozialistischen Partei.(P. P. S.) Delcaation der revolutionären Föderation der polnischen sozialistischen Partei. ertte internationale Konferenz sozialistischer grauen. Zweite Sitzung. Stuttgart, 19. August. (Telephonischer Bericht.) Genossin B o s ch e ck eröffnet die Sitzung um 4 Uhr. Unter den zahlreichen Gästen befindet sich auch eine Indien» Miß Kana aus Bombay. Auf der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand: Das Frauenstimmrecht. Hierzu liegt folgende Resolution der deutschen Genossinnen bor: 1. Die Forderung des Frauenwahlrechts ist das Ergebnis der durch die kapitalistische Produktionsweise bedingten wirtschaftlichen und sozialen Umwälzung, insbesondere aber der Revolutionierung der Arbeit, der Stellung und des Bewußtseins der Frau. Sie ist ihrem Wesen nach eine Konsequenz des bürgerlich-demokratischen Prinzips, welches die Beseitigung aller sozialen Unterschiede heischt, die nicht auf dem Besitze beruhen, und auf dem Gebiete des privaten wie des öffentlichen Lebens die volle juristische Gleichberechtigung aller Grostjäbrigen als Recht der Persönlichkeit proklamiert. Das Frauen- Wahlrecht ist daher von Anfang an von einzelnen Denkern in Ber- bindung mit allen Kämpfen gefordert worden, in denen die Bour- geoisie für die Demokratisierung politischer Rechte eingetreten ist, als für eine Voraussetzung ihrer politischen Emanzipation und Herrschaft als Klasse. Die treibende und tragende Kraft als Massenforderung hat es jedoch erst durch die steigende Erwerbstätigkeit des weiblichen Geschlechts erhalten, vor allem aber durch die Einbeziehung der Proletarierinne» in die moderne Industrie. DaS Frauenwahlrecht ist das Korrelat der wirtschaftlichen Emanzipation der Frau vom Haushalt und ihrer ökonomischen Unabhängigkeit von der Familie auf Grund ihrer Berufsarbeit. Prinzipiell bedeutet das aktive und passive Wahlrecht für das weibliche Geschlecht in seiner Gesanitheit die soziale Mündigkeits- erklärung. Praktisch bedeutet es ein Mittel, politische Macht zu erlangen, um die gesetzlichen und sozialen Schranken zu beseitigesi, welche die Lebensentwickelung und Lebenstätigkeit des WeibeS hemmen. Aber die in der Frauenwelt ebenso wie in der Männerwelt wirksamen 5llassengegensätze bedingen, das; der Wert und der Hauptzweck des Wahlrechts für die Frauen der verschiedenen Klassen verschieden ist. Der Wert des Wahlrechts als soziales Kampfmittel steht im unigekehrten Verhältnis zu der Größe des Besitzes und der durch ihn verliehenen sozialen Macht. Sein Hauptzweck ist je nach der Klassenlage die volle rechtliche Gleichstellung des weib- lichen Geschlcchls oder aber die soziale Emanzipation des Prole- tariatS durch die Eroberung der politischen Macht zum Zwecke der Aushebung der Klassenherrschaft und der Herbeiführung der sozia- listischen Gesellschaft, die allein die volle menschliche Emanzipation dcS Weibes verbürgt. Den Klassengegensätzen innerhalb deS weiblichen Geschlechts zufolge tritt die bürgerliche Frauenbewegung nicht einheitlich geschlossen und mit höchster Kraftentfaltung für das allgemeine Frauenwahlrecht ein. Die Proletarierinnen sind deshalb für die Er- oberung ihres vollen Bürgerrechts auf ihre eigene Kraft angewiesen und auf die ihrer Klasse. Die praktischen Bedürfnisse seines Einanzipationskainpfcs zusammen mit historischer Einsicht und dem seiner Klassculage cutspringenden Gerechtigkeitssinn erheben das Proletariat zum konsequentesten Vorkämpfer für die volle politische Gleichberechtigung deS weiblichen Geschlechts. Die sozialistischen Parteien, die politischen Kampfcsorganisationen des klassenbewußten Proletariats treten daher prinzipiell wie praktisch für das Frauen- Wahlrecht ein. Die Frage des Frauenstimmrechts gewinnt mit der Verschärfung des Klassenkampfes erhöhte Bedeutung. Auf feiten der herrschenden reaktionären Klassen wächst die Tendenz, durch die Einführung eines beschränkten Franenlvahlrechtes die politische Macht des Besitzes zu stärken. DaS beschränkte Fraucnwahlrecht muß heute weniger als erste Stufe zur politischen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes gewürdigt werden, als vielmehr als letzte Stufe der sozialen Emanzipation des Besitzes. Es emanzipiert die Frau nicht als Persönlichkeit, sondern als Trägerin vchr Vermögen und Ein- kommen, wirkt daher als Pluralwahlrecht der besitzenden Massen, läßt breite Massen der proletarischen Frauen politisch rechtlos und bedeutet in der Folge tatsächlich nicht-die politische Gleichberechtigung des gesamten weiblichen Geschlechts. Auf feiten des Proletariats steigt die Notwendigkeit, die Köpfe zu revolutionieren und seine er- wachsenen Glieder ohne Unterschied des Geschlechts wohlgerüstet in die Kampfesfront zu stellen. Der Kampf für das allgemeine Frauenstiinmrccht ist das zweckmäßigste Mittel, die Situation im Interesse des proletarischen Befreiungskampfes zu benutzen. Diesen Gesichtspunkten entsprechend erklärt die erste internationale Konferenz sozialistischer Frauen zu Stuttgart: Die sozialistische Frauenbewegung aller Länder weist das beschränkte Frauenwahlrccht als eine Verfälschung und Verhöhnung des Prinzips der politischeil Gleich- berechtigung des weiblichen Geschlechts zurück. Sie kämpft für den einzig kebenSvolleii konkreten Ausdruck dieses Prinzips: das allgemeine Frauen- stimmrccht, das allen Großjährigen zusteht, und weder an Besitz, noch Steuerleistung, noch Bildungsstufe oder sonstige Bedingungen geknüpft ist, welche Glieder des arbeitenden Volkes von dem Genuß des Rechtes ausschließen. Sie führt ihren Kampf nicht im Bunde mit den bürgerlichen Frauciirechtlerinuen, sondern in Gemeinschaft mit den sozialistischen Parteien, welche das Frauenwahkrecht als eine der trundsätzlich und praktisch wichtigsten Forderungen zur vollen Zemokratisierung deS Wahlrechts überhaupt verfechten. Die sozialistischen Parteien aller Länder sind verpflichtet, für die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts energisch zu kämpfen. Daher sind insbesondere auch ihre Kämpfe für Demokratisierung des Wahlrechts zu den gesetzgebenden und verwaltenden Körper- schaften in Staat und Gemeinde zugunsten des Proletariats als Kämpfe für das Frauenwahlrecht zu führen, das sie fordern und in der Agitation wie im Parlament mit Nachdruck vertreten müssen. In Ländern, wo die Demokratisierung des Männerwahlrechts bereits weit vorgeschritten oder vollständig erreicht ijf, haben die sozialistischen Parteien den Kampf für die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts aufzunehmen und in Verbiirdung mit ihm selbstverständlich all die For- dcrungen zu verfechten, die wir im Interesse vollen Bürger- rechts für daZ männliche Proletariat etwa noch zu erheben haben. Pflicht der sozialistischen Frauenbewegung in allen Ländern ist eS, sich an allen Kämpfen, welche die sozialistischen Parteien für die Demokratisierung des Wahlrechts führen, mit höchster Kraftcntfaltung zu beteiligen, aber auch, mit der nämlichen Energie dafür zu wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des allgemeinen Frauen- Wahlrechts nach ihrer grundsätzlichen Wichtigkeit und praktischen Trag- weite ernstlich verfochten wird." Klara Zetkin: Wir halten es nicht für nötig, dieser Resolution eine besondere Begründung zu geben, lieber die Berechtigung des Frauenstimmrechts braucht heute hei uns nicht mehr diskutiert zu werden. Wir erörtern diese Frage nicht mehr, ivir kämpfen für sie.(Beifall.) Eine Agitation für das Frauenstimmrccht muß in allen sozialistischen Parteien einsetzen. Die Rednerin bespricht rm einzelnen die Resolution, auf die sich die deutschen Genossinnen geeinigt hätten und fährt dann fort: Wir erstreben das Frauen- ftimmrecht, nicht weil wir etwa des Glaubens wären, daß durch die Mitarbeit der Frau an der Verwaltung der soziale Friede ge- fördert würde. Wir glauben vielmehr, daß durch die Heranziehung der großen Masse der Frauen zum politischen Leben sich der Klassen- kämpf verschärfen wird Das Fraucnstimmrecht soll nicht ein Mittel sein, die bürgerliche Gesellschaft aufzuflicken, sondern ein Mittel, sie zu stürzen. lBeifall.) Wir weisen grundsätzlich das beschränkte Fraucnwahlrecht zurück, das nichts anderes ist als die Emanzipation des weiblichen Geldbeutels, jenes beschränkte Frauenwahlrecht, das heute gefordert wird als ein Mittel, den steigenden politischen Einfluß des Proletariats zu schwächen. Wir lehnen aber auch aus einem anderen wichtigen strategischen Grunde dieses beschränkte Wahlrecht ab. In dem Moment, wo die bürger- lichen Frauen auf diese Weise emanzipiert werden, scheiden sie aus als Befriedigte, als Satte aus dem Kampfe für das allgemeine Stimmrecht,(©ehr richtig!) Wir sind der Ansicht, daß um die große Forderung des allgemeinen Frauenstimmrechts von den sozialistischen Parteien aller Länder grundsätzlich gekämpft werden muß. Diese Frage darf nicht von taktischen Gesichtspunkten oder aus Zwcckmätzigkeitsrücksichten heraus beurteilt werden. Aber natürlich stellen wir andererseits nicht die Forderung: Frauen- wahlreckst oder nichts! Der Kampf muß so geführt werden, daß wir grundsätzlich alles, was im Interesse des Proletariats zu erreichen ist, nehmen, daß wir als Siegesbeute heimtragen, was wir nehmen können. Wir halten die Aufrechterhaltung der Frage des Frauen- stimmrechts für außerordentlich geeignet, die Macht des Prole- tariats zu stärken, zumal durch die Erhebung dieser Forderung andererseits Uneinigkeit und Wirrwar in die Reihen unserer Gegner getragen wird. Die Genossen innerhalb der einzelnen sozialistischen Parteien müssen vor allem dahin wirken, daß der Kampf für das Frauenstimmrecht mit allen proletarischen Wahl- rechtskämpfen vereinigt wird. Dann werden wir den Einwen- düngen unserer Gegner, daß die Frauen selbst in ihrer großen Masse das Frauenwahlrecht nicht wollten, und nicht reif dafür wären, am besten entgegentreten. Treten die Frauen des ar- bettenden Volkes in Massen in die Reihen der Kämpfer für das allgemeine Wahlrecht, so erbringen sie damit den Beweis, daß die Frauen des Proletariats reif sind, um zwischen politischen Gauk- lern, Finsterlingen und Hansnarren und zwischen der Partei zu unterscheiden, die überhaupt ihre Interessen vertritt.(Stürmischer Beifall.) Es ist inzwischen folgender Antrag von Vertretern der Jnde- pendcnt Labour Party und Womens Labour League eingelaufen: Die Konferenz gibt ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß es Pflicht der sozialistischen Parteien aller Länder ist, für das Frauenwahlrecht zu kämpfen. Sie überläßt die Taktik dieses Kampfes den sozialistischen Organisationen der einzelnen Länder. Genossin Schlesinger-Eckstein- Wien: Ich komme aus dem Lande, in dem der opferwilligste und zäheste Kampf um das allgemeine Wahlrecht geführt worden ist. Seit LS Jahren kämpfen wir zwar zunächst um das Wahlrecht der Männer. Wir sind nur soweit gekommen, daß wir das allgemeine Wahlrecht errungen haben. Wir hatten alles daran gesetzt, sogar der Massenstreik war bereits organisiert. Zu Hunderttausenden sind wir vor das Parlament ge- zogen und haben unseren Willen kundgetan. Die Frage der Er- kämpfung des Männerwahlrechts war für uns in Oesterreich so brennend, daß wir Frauen uns sagten: Wir verlangen jetzt nicht, daß für unser Recht gekämpft ivird, aber wir werden mit aller Entschlossenheit, mit unserer Existenz und mit unserem Blute mit- kämpfen für die nächste Forderung, für das allgemeine Wahlrecht der Männer. Wenn ich sage„mit unserem Blute", so ist das keine rednerische Floskel. In jenen Oktobertagen, da wir die freudige Botfchaft hörten, daß der russifche Zar sich vor dem Proletariat gebeugt habe, war die Begeisterung so stürmisch, daß wir uns sagten: der Partei- tag muß seine Sitzungen unterbrechen und hinaus auf die Ring- straße, hinaus vor das Parlament und hinaus vor das Kaiserschloß. Eine halbe Stunde später hatte eine Million Menschen sich auf dem Ringe vereinigt. Wir durchbrachen die Reihen der Polizisten und ebenso viele Frauen wie Männer haben sich dem Polizeisäbel entgegen- geworfen.(Bravo!) Wenn wir auch in Oesterreich das Frauenwahlrecht noch nicht haben, so haben wir doch andere Rechte errungen. Wir sind jetzt so weit, daß wir Frauen uns versammeln dürfen. Es kann nicht die Rede davon sein, daß durch unsere Taktik der Forderung des Frauenwahlrechts geschadet würde. Würden wir aber die Resolution der deutschen Genossinnen ohne jede Aenderung annehmen, so würden wir damit zugeben, daß wir mit unserer Taktik einen Fehler begangen haben. Wir glauben aber behaupten zu können, daß diese Taktik nicht nur einen glänzenden Erfolg errungen hat. sondern daß sie auch prinzipiell einwandsfrei und nachahmenswert ist. Der erste Beschluß unserer 87 Köpfe starken Reichsratsfraktion war, daß das Frauenivahlrecht im ReichSrat beantragt werden würde. Wenn das geschieht, dann beginnt bei uns auch der Kampf um daS allgemeine Stimnirecht der Frau. Wir haben daher dem Internationalen Bureau folgenden Antrag unterbreitet: „Die immer weitere Ausdehnung der Großindustrie und der mit ihr verbundenen industriellen Frauenarbeit ebenso wie die fortschreitende Demokratisierung des Wahlrechts in allen Kulturländern macht dessen Ausdehnung auf die Frauen immer mehr zu einer Frage von aktueller Bedeutung. Es genügt nicht mehr, das; die internationale Sozialdemokratie sich wiederholt prinzipiell für die Erringung des Frauen- stimmrechts ausgesprochen hat, sondern es tut nun dringend not, daß allerorten, besonders in den vorgeschrittenen Ländern für die politische Gleichberechtigung der Frauen eine ebenso kraftvolle wie unermüdliche Propaganda entfaltet werde, wie sie für das Wahlrecht der Männer überall von der Sozial- demokratie betrieben wurde, und wo es an diesem Recht noch fehlt. betrieben wird. Angesichts der Tatsache, daß die bürgerlichen Parteien der verschiedenen Länder anfangen, sich dieser Forderung zu bemächtigen, und das Wahlrecht der Frauen, das wir als notwendige Ergänzung des allgemeinen Wahlrechts ansehen, als Privilegium der besitzenden Klassen einzuführen be- absichtigcn. erklärt der Kongreß eine erhöhte Propaganda für die politische Gleichberechtigung der Geschlechter in den Kreisen der Arbeiterschaft für unaufschiebbar und beauftragt die Bruderparteien, bei jedem sich bietenden Anlaß, insbesondere während jeder Bewegung zur Ausdehnung des Wahlrechts mit der Forderung nach dem Frauenstimmrecht energischer vor- zugehen.— Obwohl es den Parteiorganisationen der einzelnen Staaten überlassen bleiben muß, den Augenblick und die Methode zu be- stimmen, in welchem und mit der der Kampf mit Erfolg aufgenommen werden kann, erklärt es der Kongreß für eine Pflicht aller Parteiorganisationen, keine Unterbrechung in dem Wahlrechts- kämpfe eintreten zu lassen, bis wirklich das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen errungen ist. Wir sind selbstverständlich mit der Genossin Zetkin bollständig einverstanden, daß nur das allgemeine und kein beschränktes Frauenwahlrecht zu erstreben ist. Wir bitten aber in Berücksichti- gung der Tatsache, daß die Verhältnisse in den einzelnen Ländern ganz verschieden sind, unserem Antrage zuzustimmen. Lily Braun- Berlin: Ich kann den Antrag der österreichischen Genossin nur unterstützen. Es kann sehr leicht die Situation ein- treten, daß wir als Sozialdemokratinnen zuerst unsere frauen- rechtlerische Forderung zurückstellen, um das allgemeine, direkte Männcrwahlrccht zu erlangen. Diese Situation würde z. B. zweifellos eintreten, wenn etwa die preußische Regierung das all- gemeine Wahlrecht für Männer beantragen würde. Ueber die Haltung der englischen Frauen wollen wir hier nicht rechten. Wir wollen uns nicht als Sittenrichter über die Vorgänge in einem anderen Lande aufspielen. Wir wollen uns vielmehr den Opfer- mut der englischen und österreichischen Genossinnen in ihrem Kampfe für das Wahlrecht in dem bevorstehenden Kampfe um das Wahlrecht in Preußen zum Muster nehmen.(Lebhafter Beifall.) Madame Dr. Pelletier-Paris hält die Forderung des Frauenwahlrechts für die einzig wichtige Forderung unserer Zeit. Man soll die französischen Frauen nicht auslachen wegen der Art, in der sie ihre Forderungen vertreten. Sie selbst sei ausgelacht worden, daß sie Plakate für das Frauenwahlrecht angeklebt habe. Rednerin hält diese Art der Propaganda in Frankreich für die einzig geeignete. Miß Mac Millant befürwortet den Antrag der Jndependent Labour Party und der Women Ligue. Mr. Borrow wendet sich im Namen der sozialdemokratischen Partei Englands lebhaft gegen diesen Antrag, der mit dem Beschluß des letzten Kongresses der Jndependent Labour Party in Wider- spruch stehe, wo sich LlXllXX) Arbeiter für das allgemeine Frauen- Wahlrecht ausgesprochen hätten. Dieser Kongreß sei dazu bestimmt, die Prinzipien für die Taktik der internationalen Sozialdemokratie festzulegen. Wenn jedes Land, wie auch Frau Braun wünsche, eine eigene Taktik für sich behalten wolle, wäre ein solcher Kongreß aus- sichtslos. Der Beschluß der Forderung des beschränkten Frauen- wahrechts, wie die bürgerliche Frauenbewegung in England jetzt fordere, stehe im Widerspruch mit den Interessen und den Idealen der internationalen sozialistischen Frauenbewegung. Miß Montcfiore meint, daß die Bewegung für das Frauenstimmrecht in England mehr Erfolg gehabt hätte, wenn die sozialdemokratische Partei in England ihre Prinzipien mit größerer Energie vertreten hätte. Nirgends hätten die Frauen mehr Opfer für ihre Rechte gebracht als gerade in England. Die Rednerin bittet die Delegierten, für die deutsche Resolution zu stimmen. Lily Braun stellt gegenüber Mr. Borrow fest, daß sie niemals für ein beschränktes Fraucnwahlrecht eingetreten sei. Sie habe lediglich für eine Verständigung mit England gesprochen, um dieses gewissermaßen nicht vor den ganzen Kongreß vor den Kopf zu stoßen. (Schluß folgt in der morgigen Nummer.) Hue der Partei. Zum Essener Parteitag. Die Wohnungskommission des Essener Parteitages richtet an die Parteitagsdelegierten die Bitte, sich umgehend anzumelden im Jnter- esse einer rechtzeitigen und passenden Wohnungsbeschaffung. Die Delegierten wollen ihre speziellen Wünsche gleich beifügen. Zu be- merken ist, daß Essen als teures Pflaster gilt. Trotz aller Be- mühungen hat die Wohnungskomniission zirka 170 Logis in der Preislage von 3bis4Mark täglich inklusive Frühstück festlegen müssen. Zu und unter 2 Mark sind nur verschwindend wenige Logis vorhanden. Die Delegierten der finanzkräftigen Wahlkreise müssen ausnahmslos in den teueren Logis untergebracht werden. Die Wohnungskommission betrachtet es als ihre Pflicht, rechtzeitig auf diese Tatsache zu verweisen, damit die Diätenfrage dementsprechend geregelt werden kann. Die Meldungen sind zu richten an Franz Gcmoll, Esse»(Ruhr), Kastanicnallce 70. In Stettin sprach Genosse Horn im Wahlverein über den Parteitag. U. a führte er aus, daß eine Reform der Partei- korrespondenz hoffentlich auf der Essener Tagung beschlossen werde. In der jetzigen Form, die viel Geld koste, genüge sie nicht. Ebenso sei es mit der Parteischule. Unsere zukünftige Stich Wahltaktik erheische dringend eine Neuregelung. In der Diskussion sprach sich Genosse Ouessel gegen die Zentralisation der Bildungsbestrebungen im Sinne der Parteischule aus und wünschte, daß durch materielle Unterstützung die lokalen Bildnngsgelegen- heiten seitens des Parteivorstandes verbessert würden. Auch er war für eine Umgestaltung der Korrespondenz, die von Zeit zu Zeit unter Benutzung des neuesten Materials vollständig ausgearbeitete Vorträge, Mai- und andere Festreden bringen sollte. Ferner sprach man sich im Gegensatz zum Referenten gegen die Herausgabe illustrierter Wahlfluzblätter aus und verlangte eine populäre Ab- fassung derselben. Zwei Anträge auf Einführung e i n h e i t- licher Mitgliedsbücher und Stellung eines abstinenten Korreferenten zum Punkt„Alkohol- frage" wurden angenommen. Als Delegierter wurde Genosse G ö b e l gewählt. In Hann over-Lin den beschäftigte sich am Sonnabend eine von stark 1000 Personen besuchte Vereinsversammlnng mit dem Parteitag. Die Genossen vom Hannoverschen Arbeiter- abstinentenverein beantragten. dc>n„unsachverständigen", weil nichtabstinenten Referenten zur Alkoholsrage, Genossen Wurm, einen Korreferenten gegenüberzustellen. Sodann forderten sie Stellung- nähme gegen die Trinkgewohnhciten und den Trinkzwang, sowie die Verpflichtung der Parleiorganisationcn und der Parteipresse zur Be- kämpfung des Alkoholismus. Nachdem der Referent, Genosse D ö r n k e, und bis auf zwei abstinente Genossen ebenso sämtliche Diskussionsredner sich gegen diese Anträge gewandt, wurden sie mit großer Mehrheit abgelehnt. Diese Abstimmung kann aber nach dem Ergebnis der Diskussion nicht als eine Partei- nähme gegen die Arbeiter-Abstinenzbewegnng angesehen werden. Genosse Striefler, der Vorsitzende des Gcwerkschaflskartells, wünschte, daß beim Punkt ReichStagswahlen gründlich über die T a k t i k i n den Parlamenten beraten iverde. Er sprach dabei von unserer bisherigen„alles negierenden Taktik" und stellte ihr die Budgetbewilligung durch unsere württenibcrgische Landtagssraktion gegenüber, die anscheinend seinen Beifall hat. Er bemängelt weiter die„P a r t e i k o r r e s p o n d e n z", die im Wahlkampfe nicht ihre Schuldigkeit getan und das beste Agitationsmatcrial erst nach der Wahl geboten habe. In der Angelegenheit der Lokal- Gewerkschaften führt er gegen Genossen D ö r n k e, der in seinem Referat für Entgegenkommen plädiert hatte, aus, daß dieses Entgegenkommen von der anderen Seite nur mit Hohn und Spott erwidert würde, und daß die Parteigenössische Verpflichtung bestände, endlich reines Haus zu machen. Wohin Absplitternnq und Sonder- organisation führten, hätte die Berpfuschuiig des Kampfes im Berliner Baugeiverbe gelehrt. In dem gleichen Sinne sprachen sich noch einige andere Genossen aus, die an führender Stelle der Hannoverschen Geiverkschasts- bewegung stehen und entrüstete Beschwerde führten über das Treiben der in Hannover verschwindend kleinen Gruppe von Leuten, die unter dem Deckmantel der Parteizugehörigkeit die Partei und die besten und ältesten Parteigenossen nur nichtswürdig verhöhnen. Die Erregung der Masse gegen die Lokalistcn kam in der Ber- sammlung wiederholt zu lautem Ausbruch und wurde noch verschärft durch das Auftreten zweier lokalorganisierter Genossen, deren einer bis vor kurzem zu den Anarchisten gehört hatte und ans einen Zwischenruf, der auf die mögliche Ausschließung aus der Partei anspielte, meinte, das„schade nichts"! Eine bestimmte Direktive gegen die Lokalgewerkschaftler, von der in der Diskussion mehrfach die Rede war, wurde zwar nicht ausgesprochen, jedoch wurden die beiden Hauptsprecher gegen die Lokalisten, die Genossen Fenske und Levin, neben Genossen D ö r n k e zu Partettags- delegierten gewählt. Ersatzmann ist Genosse Beruh. Wilhelm. Die Generalvcrsammlinig des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Dortwund-Hörde fand am Sonntag in Hörde statt. Aus dem vom Parteisekretär Klnpsch erstatteten Jahresbericht ergab sich eine außerordentlich günstige EntWickelung der Organisation' im letzten Jahre. Die Zahl'der Mitglieder ist in, letzten Jahre von 1200 auf über 4000 gestiegen. Auch die Zahlung der Beiträge ist eine erheblich pünktlichere geworden. Rocht gute Fortschritte erzielte die Partei bei den Kommnnalwable». Eine aan,e Anzahl von"» Mandaten wurde gewonnen' tn einzelnen Orten war gegen die letzte Gemeindewahl ein Stimmenzuwachs bis zu 1502 zu verzeichne». Von der Beteiligung der Partei an den Ge- wnbegerichtSwahlen läßt sich dasselbe sagen; hier beträgt die Stimmenzunahme der freien Gewerlschaften durchschnittlich 902. Die sogenannten„Christlichen" erlitten überall böse Schlappen. Bemerkenswert ist der erfreuliche Fortschritt der Organisation an den sogenannten„schwarzen Orten", die für die Bewegung als uneinnehmbar galten; erinnert sei an die Hochburg des Zentrums, den Arbeiterort C a st r o p, wo die Mitgliederzahl von 70 auf 150 stieg und die Leserzahl des Parteiblattes, der„Arbeiter- z e i t u n g", von einer kaum nennenswerten Ziffer auf 500. Dies geschah trotz der Gegenagitation der Kaplanokratie, die unsere Zeitung auf das wütendste bekämpst. Dementsprechend waren auch die Ersolge bei der ReichStagSwahl. Während wir 1903 mit einer knappen Mehrheit siegten, schlugen wir diesmal den Gegner mit einer Mehrheit von 15 000 Stimmen.. Als Delegierte für den Parteitag wurden die Genossen Stühmeier. Otting und Wollbruch gewählt. Parteiliteratur. der Sonntagsnummer sind die beiden Neu In der Notiz erscheinungen Klreis, Der Aus- und Umban der Arbciterversichcrung und Zetkin, Zur Frage dcS FrancnwahlrcchtS durch ein Versehen unter die Zeile: In A. H o f f m a n n s Verlag, Berlin O. 27, erschienen... geraten. Die beiden Schriften sind im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Ruskin-College. London, 17. August. sEig. Ber.s Im vorigen Jahre gaben wir eine Schilderung der britischen Arbeiterschule in Oxford die unter dem Namen Ruskin-College(lies: RaSkin-Kollidsch) be könnt ist. Danials waren dort ungefähr 40 Arbeiter, die von ihren Gewerkschaften zu Studienzweckcn hingeschickt wurden. Im Laufe des Jahres wuchs die Zahl auf 52; darunter ivaren 20 Bergleute, 7 Maschinenbauer, 4 Weber, 4 Eisenbahner, 2 Kesselschmiede. Das Haus, in dem die Schüler lernen und leben, erweist sich nun als zu klein, so datz jetzt Anstrengungen gemacht werden, ein Gebäude für .00 Schüler zu erwerben. Euq der frauenbenegung. iversammlungen— Veranstaltungen. Spanbau. Dienstag, den 20. August, 8�/2 Uhr, im Restaurant von Bohle, Lindenufer 17. Bericht des Vorstandes. Neuwahl des Vorstandes. Charlottenburg. Mittwoch, den 21. August, 8l4 Uhr, im Volks haus, Rosinenstr. 3, Vortrag von Frau M. Jeetze:„Wie wir arbeiten und wirtschaften müssen!" Mariendorf. Mittwoch, den 21. August, bei Reichardt, Chaussee stratze 13. Leseäbcnd. Britz. Donnerstag, den 22. August, 8Va Uhr, bei Weniger-Britz, Werderstr. 23. Vortrag von Herrn Raschle:„Praktischer Einkauf von Seifen aller Arten und deren Verwendung im Haushalt". Trcptow-Baumschulenwcg. Mittwoch, den 21. August, 8sh Uhr, bei E. Christ, Marienthalerstrahe. Ecke Ernststraße. General Versammlung. Bericht des Vorstandes. Neuwahl der Re visorinnen. Pankow. Donnerstag, den 22. August, 81h Uhr, bei Grohkurt, Berlinerstr. 27. Vortrag von Herrn Dr. Zadel:„Frauen- leiden und deren Verhütung". Tcgel-Borsigwalde. Mittwoch, den 21. August, 8sh Uhr, im Lokal des Herrn Schmidt in Tegel. Vortrag von Herrn C u r t H e i n i g:„Arbeiterin und Bildung". Königs-Wusterhausen und Umgegend. Mittwoch, den 21. August. 3 Uhr, im Lokale des Herrn Schumann-Wildau. Vortrag von Frau Tolle- Wilmersdorf. ein Rabenvater. Stuttgart, 19. August. (Telegraphischer Bericht.) Unter einem Andrang, wie ihn Stuttgart noch nicht erlebt hat, begann heute nachmittag die Verhandlung gegen den kgl. Musik- direktor S t e i n d e l, der der Mißhandlung seiner drei Söhne Bruno, Max und A l b i n angeklagt ist. Das Publikum steht in dichten Scharen in den Korridoren und aus den Treppen des Ge richtsgebäudes und wartet auf Einlaß. Als die Saaltüren geöffnet werden, entsteht ein lebensgefährliches Gedränge. Selbst in de» Türen und auf den Treppen steht das Publikum, von denen aus man einen Blick in den Saal werfen kann. Der Vorsitzende mutz wiederholt das Verhalten des Publikums rügen, das so taktlos ist, den Hut im Saal auf dem Kopfe zu behalten und während der Ver- Handlungen laut zu reden. Aber es nützt alles nichts, es gelingt kaum, die Saaltüren zu schließen, und' als man es endlich erreicht hatte, da werden d-e Türen wieder aufgerissen und die VerHand- lung muß viertelstundenlang unterbrochen werden. Auch während der weiteren Verhandlung geht, trotzdem einigermaßen Ruhe ein- getreten war, der Lärm häufig wieder von neuem los. Der Angeklagte Albert Robert Steindel ist 48 Jahre alt. Er ist ein kleiner untersetzter Mann mit groben Gesichtszügen und seit 15 Jahren verheiratet. Seiner Ehe entstammen 5 Kinoer. Vor einigen Jahren ist er zum kgl. Musikdirektor ernannt worden und schließlich ist er Inhaber des Ordens für Kunst und Wissen- schaft von Lippe-Dctmold. Wegen Ltollusionsgcfahr befindet er sich in Haft. Neben ihm nimmt auf der Anklagebank ein Landjäger Platz. Die Anklage lautet auf fortgesetzte lebensgefährliche Körperverletzung, begangen in den letzten 10 Jahren an seinen leiblichen Kindern, außerdem auf Bedrohung der Kinder und auf Mißhandlung seiner Ehefrau. Das Verfahren wegen Mißhandlung seiner zwei jüngsten Kinder ist vor kurzem eingestellt worden. Die Anklage fordert Bestrafung wegen Ver- gehcns gegen die ZZ 232c und 74�i>es Str.-G.-B. und wegen Be- drohung im Sinne des 8 241 des Str.-G.-B. Die Vorgänge, welche die Grundlage der Anklage bilden, werden in dem Anklagebcschluß wie folgt geschildert: Der Angeklagte hat in den letzten 10 Jahren durch zahllose Mißhandlungen die Gesundheit seiner drei Söhne Bruno, Max und Albin in der schwersten Weise geschädigt. Die Mißhandlungen und Körperverletzungen sind zum Teil mit einem dicken Meerrohr ausgeführt worden oder auch mit einem Spazier. stock, ferner mit einem Wellenholzstock, mit einem Schiefertafel- rahmen und einem vierkantigen Lineal. A l b i n hatte besonders schwer unter den Mißhandlungen zu leiden. Er wurde auf Hände und Arme geschlagen, daß sie rot an- schwollen. Ferner hat ihm der Angeklagte häufig auf das entblößte Gesäß 20 bis 25 Stockschläge gegeben, so datz eitrige Wunden entstanden. Im April 1903 ist A l b i n von dem Angeklagten derart auf beide Füße ge- schlagen worden, daß die Füße stark anschwollen. Ein anderes Mal hat der Angeklagte den A l b i n gezwungen, sich mit entblößtem Gesäß auf den heißen Ofen zu setzen, so datz der Knabe furchtbare Brandwunben davontrug, die sein Leben gefährdeten. Am nächsten Tage hat der Angeklagte dann den Jungen auf das mit Brandwunden bedeckte Gefäß noch heftig mit einem Kehrbesen geschlagen. Außer furchtbaren Schmerzen, die der bedauernswerte Junge zu ertragen hatte, trat bei dieser Mißhandlung auch noch ein starker Blutverlust ein. Einen seiner anderen Söhne hat der Angeklagte mit solcher Wucht auf eine Klavierecke gestoßen, daß schwere Vereiterungen die Folge waren, und schließlich hat er einen anderen Sohn mit dem Geigen- bogen ins Gesicht gestoßen, so daß dicke Anschwellungen die Folge waren, ßenebts- Zeitung* Das Schulfest als Lchrstunde. Wegen Fernhaltens ihrer Kinder von Schulstunden waren Schwarzkopf und Genossen, elf baptistische Eltern aus Fischhausen in Preußen, angeklagt worden. Sie sollten die Regierungs- Verordnung vom 12. Dezember 1899 übertreten haben, welche die Eltern mit Strafe bedroht,. die ohne genügenden Grund ihre Kinder die Schule versäumen lassen. Die Angeklagten bestritten, strafbar zu sein. Die Kinder hätten keine Schulstunden, sondern nur ein Schulfest versäumt. Im übrigen ständen ihnen ver- schiedene Gründe zur Seite. Sie gehörten der Baptistengemeinde an und deren Mitgliedern sei es verboten, bei Tanzfestlichkeiten auch nur zugegen zu sein. Auf dem Schulfest im Restaurant Villa Rosenberg sei aber von den kleinen Mädchen auch getanzt worden. Es sei ferner gegen ihr Prinzip, Alkohol zu trinken, und so seien sie bestreht, den Kindern auch den Anblick anderer, die Alkohol genössen, zu entziehen. Das Landgericht in Königsberg i. Pr. als Be- rufungsinstanz verurteilte jedoch die Angeklagten zu Geldstrafen und führte aus: Unter Vorantritt einer Musikkapelle seien die Schüler und Schülerinnen nach dem Lokal„Villa Rosenberg" mar- schiert. Dort seien körperliche Spiele(Turnspiele) ausgeführt worden, und schließlich hätten auch die Mädchen getanzt. Alles sei unter der Aufsicht der Lehrer vor sich gegangen. Es sei auch nie- wand verpflichtet gewesen, ein Eintrittsgeld zu zahlen oder in dem Lokal etwas zu verzehren. Solche Schulfeste und Schulausflügc wären als Lehrstunden zu betrachten. Sie seien von erheblichem erzieherischen Wert. Sie lägen auch im Interesse des Vertrauens zwischen Lehrern und Eltern und widersprächen keineswegs der christlichen Auffassung. Die religiöse Stellung der Angeklagten, speziell als Baptisten, befreie sie nicht.— Das Kammergericht verwarf die Revisionen der Angeklagten mit folgender Begründung: Nach den Feststellungen habe dies Schulfest einen erziehlichen Cha- rakter gehabt. Eine Versäumnis derartiger Schulfeiern sei gleich- bedeutend mit einer gewöhnlichen Schulversäumnis.— Versammlungen. Tie Gips- und Zementarbeiter(Sektion des Maurer Verbandes) hielten am Freitag eine Generalversammlung im Ge werkschaftshause ab. Dieselbe beschäftigte sich zunächst mit sonder- bündlerischen Bestrebungen, welche sich in letzter Zeit unter den Mitgliedern der Branche bemerkbar gemacht haben. Hierüber wurde ausgeführt, daß eine kleine Zahl von Zementarbeitern kürzlich eine Sonderorganisation unter der Bezeichnung„Freie Vereinigung der Betonarbeitcr" ins Leben gerufen hat. Der Grund dieser Absplitterung ist der, daß die Betreffenden unzufrieden sind, weil sie während des Kampfes im Baugewerbe Streikbciträge, wie sie von der Organisation beschlossen sind, zahlen sollten. Die Ver- sammlung verurteilte diese Absplitterungsversuche ganz entschieden. Man hält das Vorgehen der Sonderbündler für einen unbesonnenen Schritt und hofft, daß die Betreffenden vernünftigen Vorstellungen zugänglich sein und für die zuständige Organisation wieder zu ge- Winnen sein werden. Von Beschlüssen, welche sich gegen die Sonderbündler richten, sah die Versammlung deshalb ab.— Grundmann erstattete Bericht als Delegierter der GeWerl schaftskommission. Dann wurden Heese, Lemm und Plage- mann in die Gewerkschaftskommission gewählt.— Hierauf be richtete der Vorsitzende Heese, daß das Einigungsamt auf Antrag der Unternehmer der Steindeckenbranche einen Schiedsspruch gefällt hat, wonach der für die Gips- und Zementbranche bestehende Tarif vertrag auf die Steindeckenbranche ausgedehnt werden soll. Der Redner empfahl die Ablehnung des Schiedsspruches, weil die Stein deckenarbeiter in Lohn und Arbeitszeit ungünstiger als bisher ge. stellt würden, wenn der Vertrag auf sie ausgedehnt werde. Das sei auch der Grund, der die Unternehmer veranlaßte, die Aus dehnung des Vertrages beim Gewerbegericht zu beantragen. Nach diesen Darlegungen lehnte die Versammlung den Schiedsspruch ab. — Ausgeschlossen wurden 16 Mitglieder» weil sie die festgesetzten S�vttbejträge nicht bezahlt haben. eingegangene vrucklckriften. Von der„Neuen Zeit-(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 46. Hest des 25. Jahrgangs erschienen. ES hat solgenden Inhalt: Die preußische WahlrcchtSsrage.— Der Internationale Kongreß in Stuttgart. — Die politische Lage in den Vereinigten Staaten und die Demokratische Partei. Von L. B. Loudin(New Aork).(Schluß.)— Literarische Rund- schau: Klara Zetkin, Zur Frage des Frauenwahlrechts. Von X. 14. Parvus, Die Kolonialpolitik und der Zusammenbruch. Von r. b. Emma Adler, Jane Welsh Carlyle. Bon P. M. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet L5 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeilcrlnncn (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 17 des 17. Jahr- zanges zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Die internationalen Tagungen zu Stuttgart.— Von der Heimarbeit. II. Von Gustav Hoch. — Eine sozialtstische Enquete über die sosortige Einführung dcS Frauenwahlrechts.(Schluß.)— Die Mitarbeit der Frauen tn der Armen- und Waisenpslege Hamburgs. Von Emil Fischer.— Freie Arbeiterinnen oder Sklaven? Von Heiden.— Die erste Konserenz organisierter Arbeiterinnen in den Vereinigten Staaten. Von Hede.— Neiolution zur Internationalen Konserenz sozialistischer Frauen, das Frauenwahlrecht betreffend.— Aus der Bewegung: Ausländische weibliche Delegierte zur Internationalen sozialisti« scheu Frauciikonscrenz zu Stuttgart.— Von der Agitation.— Von den Organisationen.— JahrcS- und Tätigkeitsberichte der Genossinnen von Mülheim a. Ruhr, Gera-Debschwitz und Fürth.— Der Vormarsch der sächsischen Genossinnen.— Die Kinderschutzkommission der sozialdemo- kratischcn Frauen Leipzigs.— Politische Rundschau. Von FI. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Der Kampf der Käsereiarbeiter um ihr Or- ganisationsrecht.— Notizenteil: Dienstbotensraae.— Frauenstimmrecht.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Quittung.— Feuilleton: Seid -grüßt. Von Ada Negri.(Gedicht.)— Vor dem Angesicht des Lebens. .on Maxim Gorki.— Aus„Die Verschwörung des Ficslo zu Genua". Von Friedrich Schiller. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Entschluß. Von Joseph Freiherrn v. Eichendorff.(Gedicht.)— Die EntWickelung dcS Gedächtnisses beim Kinde. Von M. H. Barge.— Mein Fluß. Von Eduard Mörike.(Gedicht.)— Die Ernährung des neugeborenen Kindes. Von Hanna Dorsch.— DI« Zeit geht nicht. Von Gottsried Keller.(Gedicht.) — Betrachtungen einer Mutter. Von Klara Wchmann.— Für die Hausfrau. Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen bettägt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband LS Pf. Jahresabonnement 2,60 M. Dem Internationalen Sozialiftenkongreß ist die soeben erschienene Nummer dcS„Wahren Jacob« gewidmet. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Ein Bild der Zukmist" und„Unter Piraten", sowie die weiteren Illustrationen.Zu den neuen Attentats- gerückten",„Vorstellung in der Haager Menagerie",„Stuttgart und Haag", „Buchmacher",„Spaß muß sein",„Illustriertes Telegramm",„Berliner Schmerzen",„Drei Berliner, die nach Stuttgart wollten" und„Das Harakiri in Korea". Der textliche Tcll der Nummer bringt die Gedichte Willkommen!",.Der Kaiser und sein Sohn",„Männer des Volkes", Schwacher Trost",„Warschawjanka",„Bokharische Nattonalhymne",.Land Armut",„Zur Beruhigung!",„Das Geistcrparlament dcS Zaren" und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Fcuillcions„v. Arninr-Schnoddcrhcim an v. Below-Pleitenburg".„Briese an den Stuttgarter Sozialistcntongreß",„Herausgeplatzt",„Vom Adler" sowie Briese des.Fleegenwirt Claus Swartmuul ans Hamborg" und „Jotthils Rauke aus Berlin". Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Die Gesellschaft. Herausgegeben von M. Buber. Bd. S. Der Handel von N. Calwcr. Bd. 9. Die Sprache von F. Mauthner. Bd. 10. Der Archiiekt von K Scheffler. Bd. 11. Tie geistige» Epidemie,, von W. Hellpach. Bd. 12. Das Warenhaus von P. Göhre. Jeder einzelne Band 1,50 M., geb. 2 M.— Verlag: Literarische Anstalt Rütte» u. Loening in Frankfurt a. M. Die Enthaltsamkeit von geistigen Getränken, eine Konsequenz moderner Wcltallschauuiig von Dr. H. Wehberg. Preis 50 Ps. Verlag: Chr. G. Tienlcn in Leipzig. Rcclamö Iluiversum. Illustrierte Wochenschrist. Hest 46. Preis 30 Ps. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. „Plutus". tzcst 33. Preis 30 Ps.(Herausgeber! G. Bernhard.) Berlin-Charlottenburg. C. Behrens. Geschichte der Berliner Buchdruckcr-Fachschule seit ihrer Begründung.(1875—1907.) 91 Seiten. Universitäts- Buchdruckerei von Gustav Schade(Otto Franke), Berlin. Himmel»lud Erde. Illustrierte naturwissenschaftliche Monatsschrift. Herausgegeben von der Gesellschaft„Urania". Heft 10. Preis oierteljähr- lich 3 Mark 60 Pfennig. Einzelheit 1 Mark 60 Pjennig. Verlag Hermann Paetel, Berlin. Geschäftsbericht des Vorstandes für das Jahr 1906 Zcnlralvcrband der Schmiede. Verlag von Fr. Lange, Hamburg 1, Besenbinderhos Nr. 57/66. Jahresbericht des Schweizerischen Grütlivcrcins und Parteisekretarials in Biel für das Jahr 1906. Buchdruckerei de? Schweizerisch' Grüllivcreins, Zürich. Internationale llebersicht über Geiverbehygicne. Bibliothek süi Soziale Medizin, Hygiene und Medizinalstatistik und die Grenzgebiete vor Volkswirtschast, Medizin und Technik. Nr. 1. Preis 10,50 Mark. Verlag: Lützowstraße 105. Jahresbericht für das Arbeitersekreiariat Dortmund. Geschäftsjah, 1906. Selbstverlag des Arbeitersekretariats Dortmund. Herausgeber Dr. Nudois Lennhoff Nutenberg A.-G., Berlin IV. 35 Berliner Marktpreise. Aus dem amlllchen Berich! der flädtlichin Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Rindfleisch la 70—72 vr. 100 Pfd., IIa 64-69, nia 59-60, Bullenflcisch la 65-70, IIa 53-62, Kühe, seit 52—60, do. mager 40—50, Fresser 56— 64, Bullen, dän. 52—63, do. Holl. 0,00. Kalbilcisch, Doppellender 100— 120, Mastlälbcr la 75—85, IIa 66—74, Kälber ger. gen. 47—59, do. Holl. 0,00. dän. 0.00. Hammel- sieisch Masllämmer 80—82, Hammel la 75—79, IIa 69—74, Schafe 66—68. Schweinefleisch 60— 66. Rehbock la per Psund 0,60—0.75. IIa 0,30-0,59. Rothirsch la 0,40—0,56, do. IIa 0,40. Damhirsch 0,47. Wildschweine 0,00. Kaninchen per Stück 0,40—0,60, do. australische 0,00. Wildenten per Stück 0,90. Krickenten per Stück 0.00. Hübner. alle, per Stück 1,50—2,00, IIa 0,00, do. junge 0,50— t.00. Tauben 0,40—0,50, italienische 0,00. Ente» per Stück 1,50—2.00, do. Hamburger per Stück 0,00. Gänse per Psund 0,55—0,63, do. per stück 2,00—4,00, do. Hamburger per Psd. 0,00, per Stück 0,00, do. Oderbrucher per Psd. 0,55—0,60. Poulets per Stück 0,80—1,25. Poularden per Psd. 0,00. Hechte per 100 Psund 100-114, do. matt 82-100, do. mittel und groß 90—94, do. klein 0,00. Zander, groß 0,00, do. matt 0,00. Schleie, klein 0,00, do. groß u. mittel 127—130, do. 145!— 163, Aale, groß 0,00, do. klein und mittel 0,00, mittel 104—108, do. un- sortiert 101, do. groß-mittel 0,00, do. 0,00. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpse», 60er u. 70er 0,00, do. 35— 40er 0,00. Bleie, malt 67. Bunte Fische 66— 75. Barle 77, dito matt 62—71, dito klein 0,00. Karauschen 83, do. klein 0,00. Bleisische 0,00. Wels 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila 60. Seelachs 10—20, Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel ver Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, IIa 1—3. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3, Sttais. 3,50—5,00, Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0.80—1,10. klein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kille 3—4.00,>/, Kiste 1,50—2. Sardellen. 1902cr per Anker 98. 1904er 93, 1905cr 93, 1906er 90—95. Schottische Bollberinge 1905 0,00, largo 40-44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, ver To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20— 1 40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Krebse Ver' Schock, große 0,00, do. mittelgroße 12,50, do. kleine 3,50, 00. unsortiert 3,00—4,00, Galizier groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,55—3,30, do. große 4,00. Butter per >00 Psd. la 117— t20. Ha 108-117. lila 100-108, absallende 90-95. Saure Gurten, neue, schock 4,00. Pseffergurken 4,00. Kartosseln per 100 Psd. weiße runde 2,75—3,25, blaue 3,25—3,75, Rosen- 1,75 bis 2,50, Nieren- 3,00—3,50. Porree, Schock 0,50—>,00. Meer- rettich, Schock 5—15. Spinat per 100 Psund 20—25. Sellerie, per Schock 2,00—6,00. Zwiebeln per 100 Psd. 6,00—6,00, 00. Perl- 60,00—75,00. Charlotte» 75,00—90,00. Petersilie, grün, Schockbund 0,75— 1,00. Kohlrabi schock 0,76—1,86. Rettich, bahr., neue Stück 0,07—0,10, do. hiesige. Schock 3—4. Mohrrüben, per 100 Psund 3,00 bis 6,00. Karotten, hiesige,«chockbund 2.00—3,00. Wirsinatohl per Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, schock 6—12. Weißkohl 4—10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 8—18. Kohlrüben, schock 4,00—6,00. Pelerstlienwurzeln, Schockbund 4,00—5,00. Schoten per 100 Pfund 8—16. Psefferlinge per 100 Pfd. 6—8. Steinpilze per 100 Pfund 18—20. Radieschen per Schockbund 0,75 bis 1.00. Salat per Schock 2,00—2,50. Gurken, Einmache-, Schock 14.00, do. böhmische Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 3,00—4,50. Bohnen, grüne, 100 Pfd. 4—10. Wachsbohnen, per 100 Pfd. 10—25. Stachelbeeren, per 100 Psund 0,00. Blaubeeren, per 100 Psd. 10—18. Johannis- beeren, per 100 Psd. 7—13. Preißelbeeren per 100 Pfd. 14—22. Kirschen, per 100 Psund Werdersche 0,00, Sächsische 0,00, Schlesijche 0,00, Natten 25—30, sauere 11—25. Birnen, ital.. 100 Pfiliid 14—40, Tiroler 25 bis 35, hies. 6— 16, Salander 20—25. Pfirsiche, hies. per 100 Psd. 10—30, ital. in Kistchen zu IL Stück 0,90—1,50, do. in Körben la per 100 Psd. 20—30. do. IIa in Körben per 100 Psd.- 17—28. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, sranzös. 20—35. Aepsel, italienische, per 100 Psund 8— 15, ung. 12— 18, hiesige 6—10, Gravensleiner la 40—45, do. IIa 33.50—35. Pflaumen, ital., per 100 Psund 10—22, Neincclailden 20—30, hiesige 10—15, ung. 7—13. Weintrauben. Algier, per 100 Psd. 30—35, ilalicn. 25—32. Ananas I, per Psund 1—1,20, do. II 0,00. Zitronen. jMessina. 300 Stück 10,00-20,00, do. 360 Stück 9,00—21,00, do. 200 Stück 6,00-12,00, do. 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 13,00—20,00. grün 0,00. Melonen. per 100 Psd. ital. 12-20, jranz. 30-50, Holl. 20-30. Zur geü Beachtung! Infolge Anhäufung von Aufträgen. sind wir mit Lieferungen eiwas in Rückstand gekommen; die hierdurch entstandenen Gerüchte, in unserer Fabrik werde gestreikt, sind in böswilliger Weise aus der Luft gegriffen, zumal bekanntlich gerade in unserem Betriebe stets das beste Einvernehmen mit unserer Arbeiterschaft besteht! Gebr. Selowsky- Dresden. Bewährte Spezial-Marken: Zenilb.— Askari.— Bolero. 56112* Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 193. 24. Jahrgang. 3. Knlage des Jotiiiärto" Knlim öolliDliIntl. Dienststg, 20. Angust 1907. Partei- Hngelegcnbeitem Britz-Buckow. Heute, Dienstag, den 20. August, abends Uhr. findet im Lokal„Schöncberg", Rudowerstr. 66, die Wahl- bereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung Grotz-Berlins. 2. Bericht von der Kreis- Generalversammlung. 3. Verschiedenes.— Die Diskussion der vertagten letzten Versammlung vom 14. d. M. wird fortgesetzt. Pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am heutigen Dienstag bei Kubig, Baum- schulenstr. 64, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Berichterstat- tung von der Kreis-Generalvcrsammlung. 3. Wichtige Vereins- angelegenheitcn. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Reinickendorf- West. Morgen Mittwochabend 8>/z Uhr findet im Restaurant Muster, Berlinerstr. 29, ein kombinierter Zahlabend statt. Die Tagesordnung wird daselbst bekannt gemacht. Pünkt- licheS Erscheinen aller Parteigenossen ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiertl Der Vorstand. Tegel. Heute abend 8'/, Uhr findet bei dem Genossen Götz, Schloststr. 7/8, die Monatsversammlung des Wahlvereins statt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Borstand. berliner JVacbrichtcn. Eine„Pflicht der Gesellschaft"! Der Verein für Volks- kindergärten in Berlin bittet uns um Aufnahme eines Auf- rufeS, der so beginnt:„Die grausamen Untaten, welche in letzter Zeit hierorts in erschreckender Zunnahme gegen Kinder verübt worden sind, sind eine eindringliche Mahnung an die Gesellschaft, die Hülflosen Kinder soweit als möglich in Schutz zu nehmen. Je mehr die Kinder der elterlichen Obhut entbehren, sei es, weit ihnen die Eltern fehlen, sei es, weil nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter durch die Not der Verhältnisse gezwungen ist, außer dem Hause dem Broterwerb nachzugehen, desto mehr erlvächst der Gesellschaft die Pflicht, Anstalten zu schaffen und zu erhalten, in denen die Kinder Pflege und Aufsicht genießen und so den sie drohenden Gefahren und Verbrechen entzogen sind."(Die hervorgehobenen Stellen sind auch im Original unterstrichen.) Weiter wird dann in dem Aufruf aus- geführt, der Verein verfolge dieses Ziel seit Jahrzehnten, indem er armen Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren unentgeltlich den Tag über ein freundliches Obdach, Beaufsichtigung durch geprüfte Kindergärtnerinnen und Verflcgung gewähre. Um aber auch in Zukunft den„stets wachsenden Anforderungen" gerecht zu werden, bedürfe er noch mehr als bisher der Mitwirkung weiter Kreise. Und zum Schluß kommt dann der Appell an die„Opferwilligkeit unserer Mitbürger" und die„dringende Bitte", Mitglied zu werden oder wenigstens Geld zu geben. Der Aufruf, der auch der bürgerlichen Presse zugegangen ist und von ihr wiedergegeben wird, ist unterzeichnet vom Vorstand, auch von zwei freisinnigen Stadtverordneten Berlins, die ihm angehören. Wer die Grundsätze des Freisinns und ihre Anwendung auf die Gemeindeverwaltung kennt, der wird sich vielleicht wundern, daß in diesem Aufruf von einer„Not der Verhältnisse" und sogar von einer„Pflicht der Gesellschaft" gesprochen wird. Soviel Einsicht ist man doch sonst vom Freisinn nicht gewöhnt! Indes, man darf das Matz des Verständnisses dieser Leute für unsere sozialen Zustände nicht nach den schön klingenden Worten solcher Aufrufe taxieren. Wenn sie gegenüber der Not des Pro- lctariats von einer Pflicht der Gesellschaft reden, so denken sie niemals an die Pflicht des Staates oder der Gemeinde, .mit vorbeugender Hülfe einzugreifen. Was ihnen dabei vor- schwebt, das ist immer nur ihr armseliges bißchen„Wohl- t ä t i g k e i t". Es gibt noch eine ganze Reihe anderer„Wohl- tätigkeitS"-Vereine, in denen forschfrcisinnige Leute, Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung oder des Magistratskollegiums, das große Wort führen. Beredt schildern sie die Not der Besitzlosen und mahnen an die Pflicht zur Abhülfe. Besonders dann, wenn sie versuchen müssen, das nötige Kleingeld durch öffentliche Gaben- dettelei zu beschaffen, schrecken sie nicht vor starken Ausdrücken zurück. Aber das„soziale Empfinden", das sie zur Schau tragen, reicht nicht hinaus über den engen Zirkel ihres Vereins. Daß sie mit ihrer„Wohltätigkeit" nicht mehr erreichen als mit einem winzigen Tropfen, der auf einen heißen Stein fällt und kraftlos verzischt, das wissen sie selber am besten. Oft geben sie es sogar in ihren Aufrufen wie in ihren Jahresberichten offen zu, daß sie mit ihren Leistungen weit hinter den stets wachsenden Anforderungen zurückbleiben, weil sie die erforderlichen Mittel nicht zusammenzubetteln vermögen. Aber das hindert diese„Volksfreunde" nicht, in unserer Berliner Stadt- vcrordnetenversammlung unentwegt sich dagegen zu wehren, daß irgendwelche von„wohltätigen" Vereinen übernommenen Auf- gaben zu pflichtmäßigen Aufgaben der Kommune gemacht werden. Sie stimmen so ziemlich jeden Antrag der sozial- demokratischen Fraktion nieder, der etwas Derartiges fordert. Gewöhnlich wird dann von den Wortführern des Rathaus- frz.sinns auch noch keck abgestritten, daß überhaupt ein Eingreifen der Kommune nötig sei. Von der„Not der Verhältnisse" und ähnlichem, was in den schwungvollen Aufrufen paradiert, wird dann geschwiegen— oder es wird dreist behauptet, daß die private Tätigkeit der Vereine vollkommen ausreiche, die etwa vorhandene Not zu lindern. Doch keiner der im Rathaus sitzenden„Volks- freunde", die es aus ihrem Verein anders wissen, hat den Mut, auf- zustehen und vor jenen freisinnigen Gesinnungsgenossen die Wahr- heit zu bekennen. Es ist eben kommunalfreisinniger Grundsatz, daß es möglichst sein Bewenden haben soll bei den B e t t e l s u p p e n, die von„warmherzigen Wohltätern" für den „begehrlichen" Proletarier zusammengerührt werden. Im Wannsec-Familicnbad! Ungezählte Scharen Wuger- lustiger hatten am letzten Sonntag ihren Körper den kühlen Fluten des Wannsees anvertraut und der Strand war dicht besät mit Menschen, Männern, Frauen, Kindern, die, zum Teil bekleidet, zum Teil auch nur im Badekostüm steckend, ein ungemein Wechsel- volles und interessantes Bild boten. An der schimmernden, wogenden Wasserfläche wimmelte und kribbelte es und triefende Gesichter mit wirren Haarsträhnen hoben sich vergnügt aus den schäumenden Wellen empor. Männer, Frauen, Knaben und Mädchen gaben sich dem Genuß eines erfrischenden und stärkenden Bades hin und bewegten sich frei und ungezwungen, sowohl im Wasser als auch am Strande. Auch' Spaziergänger waren massenhaft er- schienen und das Gedränge am Strande war fast beängstigend. Der kleine Bahnhof Nikolassee, der dem Seebad am nächsten liegt und daher auch an, stärksten frequentiert wird, erwies sich als viel zu klein, um die vielen Tausende von Menschen auszunehmen. In dem Tunnel stauten sich die Menschenmengen zu stundenlangem, lebensgefährlichem Gedränge. Es ist dies zuzuschreiben dem Riß- stand, daß die den Bahnsteig Verlassenden wie auch die denselben zu Erreichenden einen Gang und eine Treppe benützen müssen. So haben Familien mit mehreren Kindern, wie aus Zuschriften her- vorgeht, sich stundenlang in Lebensgefahr befuirden. Dadurch geht natürlich die Abwickelung des Verkehrs sehr langsam von statten, so daß-das vermehrte Einlegen von Zügen zwecklos ist, weil die Einrichtungen des Bahnhofes eine schnelle Abwickelung des Ver- kehrs unmöglich machen. Das gleiche Gedränge herrschte auf dem Bahnhofperron. Eine große Anzahl Harrender eilten, des Wartens müde, über die Schienen und die Böschung hinab. Der Eisenbahn- Verwaltung dürfte es ein leichtes sein, diesen Zustand durch sepa- rate Aus- und Eingänge zu beseitigen. Zu besonderer Vorsicht mahnen die üblen Erfahrungen einiger Personen, die sich für den Gesangschor des Mrätensschen Konser- vatoriums, Gormannstratze 1, verpflichtet hatten. Genannter Chor sucht von Zeit zu Zeit Damen und Herren zu winterlichen Kon- zerten mit großem Orchester. Die Konzerte werden gegeben im Berliner Theater, Garnisonkirche usw., die Teilnahme ist für Dilettanten kostenlos. Wenn sich nun Teilnehmer an diesem Ge- sangschor finden, so müssen dieselben einen Vertrag unterschreiben, wonach sie sich verpflichten, zu den Uebungen und Aufführungen zu erscheinen, widrigenfalls sie für jede versäumte Uebung 59 Pf. und für jede Aufführung 2 M. Konventionalstrafe zahlen müssen. Daß Herr Märtens für die strikte Jnnehaltung des Vertrages sorgt und die Pslichwergessenen ohne Gnade zur Rechenschaft zieht, be- weisen einige Fälle, von denen uns nur zufällig Mitteilung gemacht wird. So hatte sich ein sangeskundiger Herr M. auf ein solches Inserat in der„Morgenpost" bei Herrn Märtens vorgestellt; sofort wurde ihm ein solches Aufnahmeformular zur Unterschrift vor- gelegt. Herr M. unterschrieb auch in der Annahme, es handele sich um die üblichen Statuten, wie sie in Vereinen bestehen. Nach einigen Tagen änderte sich sein Arbeitsverhältnis, wodurch es ihm unmöglich wurde, die eingegangenen Verpflichtungen innezuhalten. Er teilte dies Herrn Märtens mit und glaubte, da er eine Ant- wort nicht erhielt, die Sache sei erledigt. Doch nach einem halben Jahr erhielt er einen Einschreibebrief, worin er aufgefordert wurde, für 28 versäumte Uebungen 14 M. und für 3 Aufführungen 6 M. zu zahlen. Herr�M. einigte sich schließlich mit Herrn Märtens, da letzterer diese Strafe im Klagewege beizutreiben drohte, auf Zahlung von 15 M. Aehnlich erging es einem Fräulein K., nur waren bei letzterer die Gründe andere, die zur Nichtinnehaltung des unterschriebenen Vertrages führten. Sie wurde mit einer Strafe von 31 M. bedacht; bei Nichtzahlung obiger Strafe hatte ihr Herr M. mit dem Offenbarungseide gedroht. Eventuell er- klärte er sich auch in einem Schreiben bereit, bei regelmäßiger monatlicher Abzahlung von 4 M. die Strafe auf 24 M. zu er- mäßigen. In dem Schreiben versichert auch Herr Märtens, daß es ihm gar nicht auf Geld ankomme, sondern nur darauf, die kontrakt- brüchigen Mitglieder empfindlich zu strafen. Die Konventional- strafeil werden, wie auf dem Aufnahmereglement vermerkt ist, teils für bedürftige Miisikstudioren.de der Anstalt verwendet, teils dem Verein für Ferienkolonien zugewiesen. Wir wollen Herrn Märtens das Recht, in seinem Chor für Ordnung zu sorgen, nicht absprechen, denn davon hängt schließlich das Gelingen der Musikaufführungen ab. Aber Herr Märtens dürfte schließlich auch die nötige Rücksicht auf wirtschaftliche Ver- Hältnisse, die es den einzelnen mitunter unmöglich machen, ihren eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen, üben. Dies umso- mehr, als ja Herr M. keinerlei finanzielle Gegenleistungen über- nimmt. Die Mühe für die Einübungen der Aufführungen dürfte Herr Märtens hinreichend belohnt erhalten. Den Sangeslustigen aber, die die Absicht haben, dem Märtensschen Gesangschor bei- zutreten, dürfte durch diese Fälle bewiesen sein, daß vor Eingehen zu den vertraglichen Verpflichtungen reifliche Uebe.rlegung am Platze ist. DaS Pfandleihgcschäft von Richard Sommerfeld, Grüner Weg 73, hat, wie aus Zuschriften hervorgeht, den Unfug, das Publikum bei seiner Gcschäftsreklame durch Benutzung des„Vor- wärts"-Kopfes zu düpieren, noch nicht eingestellt. Am Sonnabend- abend sind am Schlesischen Bahnhof wiederum solche Geschäfts- rcklamezcttel verbreitet worden. In der Regel glaubt das Pu- blikum, cS handle sich um eine Extraausgabe des„Vorwärts". Dem ist nicht so: obengenannte Firma bedient sich, das wollen wir nochmals mitteilen, eines unerlaubten und strafbaren Reklamcmittels. Auf die Gcscllcnprüfiiug macht die Gewerbedeputatiou des Magistrats alle Lehrlinge aufmerksam, die demnächst ihre Lehrzeit beenden. Wer die Gesellenprüfung nicht bestanden hat, ist zur Ab- legung der Meisterprüfung und zur Führung des Meistertitels nickt berechtigt, auch darf er keine Lehrlinge halten und nicht in den Prüfungsausschuß gewählt werden usw. Die Lehrherren haben bei Strafe darauf hinzuwirken, daß die Lehrlinge sich der Ge- scllenprüfung unterziehen. Der Winter- Fahrplan der Berliner Stadt- und Vorortbahne» ist soeben im Entwurf erschienen. Abgesehen von den im Winter regelmäßig erfolgenden Zugverschiebnngen, den ausfallenden sonn- tägigen Ausflüglerzügen usw. bringt derselbe u. a. die nachfolgenden ivichligen Verbesserungen: Auf der Strecke Potsdain-Stadlbahn— Erkner— Fürstcnwalde werden drei neue Züge eingelegt: ab Grüne- wald 1.26. au Friedrichshage» 2.34 nachm., ab Friedrichshagen 7.23. an Schlesiscker Bahnhof 7.59 vorm., ab Friedrichshagen 1.24, au Grunewald 2.32 nachm. Zwischen Charlotleuburg(ab 2 38 nachm.) und Nieder-Schöneweide(an 3.29 nachm.) wird ein neuer Zug ver- kehren, ebenso zwischen Gruüelvald und Westend zwei Züge lab Grunewald 4.56 früh), zum Anschluß an den Nordriug(an Weißensee 5.36 früh) und ab 5.19 früh zum Anschluß iiber die Stadtbahn nach Schlesischer Bahnhof(an 6.2l früh) und zurück nach Westend(an 6.59 früh). Auf der Görlitzer Vorortslrecke werden folgende Züge ein- gelegt: ab Görliger Bahnhof 6.lV abds., an Grünau 6.35 abds.; ab Grünau 6.13, 9.03 vorm., 2 03 nachm. und 7.13 abds.; auf der Strecke Berlin— Spandau: ab Lehrter Bahnhof 6.34 vorm., ab Spandau 6.57 vorm., 6.31 abds.(an Lehrter Bahnhof 7.14 vorm., Spandau 6.53 abds.); auf der Tegeler Vororlstrecke ein neuer Nacktzug: ab Berlin 1 Uhr nachts, ab Tegel 1.50 nachts; ans der Nord- bahn werden einige Züge über Hermsdorf bis Oranienburg durchgeführt, neu ist der Abendzng ab Sieltiuer Vorort- bahnhof 6.05 abds., an Hermsdorf 6.35 abds.(der früher nur Sonnabends verkehrte); der Gegenzug geht ab Herms- dorf 11.30 abends, an Berlin 12 nachts; dazu tritt ein neuer Nacht- zug: ab Hermsdorf 12, an Berlin(Steltiner Vorortbahnhof) 12.30 nachts. Auf der Wannsecbahn wird der Nachlzug 5652(ab Berlin 1.45, an Wannsee 2.21 nachts) im Winter täglich verkehren. Eine Ziigvermehrrmg tritt auch auf der Groß-Licklerfelder und der Werneuchener Strecke ein. Der Fahrplan für die Dallgoiw Döbcritzer Strecke endlich gilt nur für die Daner der Beleamig des Truppenübungsplatzes, die bis zum 11. Oktober d. I. einschließlich dauert und voraussichtlich anfangs April künftigen Jahres wieder beginnt. Während der übrigen Zeil verkehren nur die Züge ab Berlin, Lehrter Bahnhof 5.46 vormiltags, 6.10 abends, ab Dallgow- Döberitz 5.02 und 7.24 vormittags und zwar an Werktagen. Zivischen Berlin, Lehrter Bahnhof, und Spandau sind die Züge 286 bis 299 zur Benutzung mit Vorortfahrkarten freigegeben. Der„erste Spatenstich" zur Probestrccke der Schwebebahn ist gestern abend in der Brnnnenstraße. nahe dem Rosentbnler Tor, getan worden. Ein schweres Brandungliick ereignete sich am Sonnabendabend gegen 6 Uhr auf dem Grundstück Tahlmannstraße 32. Dortselbst war der 24 Jahre alte Monteur Gustav Jlgner aus der Kiefholz- stxaße ö in Treptow damit beschäftigt, an der Zentralleitung Repa- raturen auszuführen. Der junge Mann war zu diefekü Zweck in die Schlange der Heizung gekrochen, nachdem er zu seiner Sicher- heit vorher das Ventil mit einem Stöpsel verschlossen hatte. Als der Monteur die Arbeit beendet hatte, entfernte er den Korken wieder aus dem Ventil, ohne zu wissen, daß der Kessel geheizt war. In demselben Moment war I. von dem kochenden Dampf vollkommen eingehüllt und in wenigen Minuten war er derart ver- bräunt, daß ihm die Haut in Fetzen vom Leibe herunterhing. Nur mit Aufbietung der letzten Kraft gelang es dem Bedauernswerten, ins Freie zu gelangen, wo er besinnungslos zusammenbrach. Jlgner, der namentlich an Armen und Beinen schwere Brand- wunden erlitten hatte, wurde, nachdem er von einem herbei- gerufenen Arzt die erste Hülfe erhalten, nach dem Krankenhause Am Urban übergeführt. Aus den» Krankcnhausc konnte am Sonnabend die breijährige Hertha des Friseurs Senst entlassen werden, die bekanntlich am 26. Juli mit eines der Opfer des jetzt noch nicht ermittelten Kindes- mörders war. Beim Baden ertrunken ist im Tegeler See am Sonntag ein junger Mann, über dessen Persönlichkeit bisher noch nichts fest- gestellt werden konnte. Auf der Insel Baumwerder hatten sich zahlreiche Personen dem Badcsport hingegeben. Ein etwa 25jähriger Mensch, der anscheinend des Schwimmens unkundig war, hatte sich an eine Stelle herangewagt, die für Nichtschwimmer außer- ordentlich gefährlich ist. Er verlor plötzlich den Halt unter den Füßen und versank, nachdem er noch einige Hülferufe hervor- gestoßen hatte. Einige Herren schwammen sofort nach der Unfall- stelle, sie vermochten den Gefährdeten jedoch nicht mehr zu finden. Die Leiche konnte noch nicht gelandet werden. Anscheinend ertränkt hat sich am Sonntag im Tegeler See der 18jährige Handlungsgehülfe Hans Schr., dessen Eltern in Rummelsburg wohnen. Der junge Mann war nachmittags nach Tegel gefahren, hatte sich dort ein Boot gemietet und fuhr weit in den See hinaus. Als nach wenigen Stunden Schr. nicht zurückkehrte, suchte der Bootsverleiher den See ab und ent- deckte auch alsbald den Kahn führerlos auf dem Wasser treibend. Zweifellos hat der Handlungsgehülfe sich von dem Fahrzeug in den See gestürzt und dabei den Tod gefunden. In der Tasche des Ueberziehcrs, den der Lebensmüde als Pfand bei dem Boots- Verleiher zurückgelassen hatte, wurde auch ein an die Eltern des Schr. gerichteter Brief vorgefunden, in welchem dieser mitteilt, daß er sich das Leben nehmen werde. Die Leiche des Selbst- mörders konnte noch nicht gelandet werden. Seinen Verlebungen erlegen ist der Bierfahrer Willi Blissener aus der Naunhnstraße, der aus Eifersucht seine Geliebte, die Schankwirtin Johanna Scholz, in der Holzmarktstraße 71 zu er- schießen versuchte und sich dann selbst drei Kugeln in den Kopf jagte. Blissener starb, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Wegen Sittlichkeitsverbrechen an Kindern wurden vorgestern drei Männer, der 23jährigc Schneider Wilhelm Kalitzki aus der Elbingcrstraße, der 75 Jahre alte Rentenempfänger Ferdinand Redlin aus der Hasenheide und der 42jährige Bauarbeiter Joseph Gabisch, Hausburgstraße 9 wohnhaft, dem Moabiter Untersuchungs- gefängnis zugeführt. Der Erstgenannte, der an Krücken geht, lockte die zehnjährige Tochter seines Hausgenossen P. in eine Laube un- weit der Prenzlauer Allee und vergewaltigte das Kind, das zurzeit schwerkrank im Urban-Krankenhause daniederliegt. Reblin entpuppte sich als ein alter Wüstling der schlimmsten Sorte; im Friedrichshain, wohin er nachmittags seine Spaziergänge zu richten pflegte, verging er sich schwer an zwei Kindern eines Telephonarbeiters. Bei Gabisch liegt ein ganz besonders krasser Fall vor; er verging sich an seiner vierzehnjährigen Stieftochter; die Folge war die Geburt eines Kindes, das bald starb. Nach Abbüßung der ihm hierfür zu- erteilten l'/b jährigen Zuchthausstrafe trat er von neuem in Ver- kehr zu seiner Tochter. Aus diesem widernatürlichen Verhältnis entsprossen nacheinander zwei Kinder, die am Leben sind. Furcht- bare Drohungen hielten das unglückliche Mädchen jedesmal von einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zurück, bis endlich Gabisch sich in der Trunkenheit selbst verriet. Im Wintergarten. Es ist Eröffnungsvorstellung. Der große, von der Dorotheen- straße bis Georgcnkirchstrahe sich durch das Zentralhotel durch- ziehende Saal des Variete-Theaters ist bis auf den letzten Platz besetzt. Das Galapublikum ist ein sehr gemischtes. Den Ton gibt an die Theater- und Lebcwclt. Schon äußerlich ist das erkennbar. Herren, gestriegelt und gebügelt, im Zylinder, die Damen in Kleidern neuester Mode und Hüte auf dem Kopfe, daß man manch- mal wild werden kann. Denn um die Hüte zu zeigen, haben die Damen die Angewohnheit, ihre recht umfangreiche Kopfbedeckung gar nicht abzunehmen. Wer das Glück hat, solche behütete Damen vor sich sitzen zu haben, kann in Aufregung geraten. Will er nicht immer den großen Hut bewundern und auch etwas von den Vor- gängen auf der für den großen Saal schlecht gelegenen Bühne wahr. nehmen, mutz er seinen Kopf in ständiger Bewegung halten und bald rechts, bald links beugen, sich nach den Kopfbcwegungen der ihm die Aussicht versperrenden Premierenbesuchcrin richten. Und welche zornentbrannten Blicke werden geworfen, wenn bestimmte Damen veranlaßt werden, ihre Hüte abzunehmen und ihnen der teilweise Zweck ihres Theaterbesuches, sich in ihrer ganzen Eleganz zu zeigen, etwas beeinträchtigt wird. Besonders zahlreich vertreten ist das Ausland. Wohl in keinem anderen Berliner Etablissement ist das in diesem Matze der Fall. Vor uns hören wir englisch sprechen, ncbdn uns französisch, hinter uns schwedisch, russisch oder auch— deutsch, daß man den AuS- länder sofort heraushört. Kurz, wir finden bicr ein wirklich intcr- nationales Publikum, das sich amüsieren will in einem erstklassigen Variete. Die Direktion des Wintergartens kennt sein Publikum und sucht das Programm entsprechend zu gestalten. Das zeigt sich auch wieder im neuen Programm. Aus PcterS» bürg vom dortigen kaiserlichen Theater geholt ist Olga Prcobrajensky, eine Primaballerina, und Ballettmeister Legat. Die Dame tanzt so vorzüglich Ballett, daß ihrer Kunst der Beifall des Publikums ohnehin sicher war und es der an diesem Abende offensichtlich verstärkten Claque, die rechts und links postiert war und ohrenbemubend klatschte, gar nicht bedurft hätte.?lls Sängerinnen machten sich Anne D a n c r e y als Pariser Sängerin und Annie Dirkens Konkurrenz; die erste wirkte durch ihren Schick und ihr Charme, während Annie Dirkens als holländische Amme Erfolg hatte. Die Akrobatik hat in dem Springer H a r t l e y und in der Kellino-Truppe erstklassige Ver- treter.„The 8 Eng�ish Girls" sind eine Gesangs- und Tanztruppe; ihr Gesang und ihr Tanz sind nicht weit her, dagegen entfalten sie durch prachtvolle Kostüme einen„glänzenden" Auf» wand und ihre Beinsiufonicn mögen manchen alten Gecken er- freuen. Le Roy Palma-Bosco stellen sich als gewandte Zauberkünstler vor; in einem Falle„zaubern" sie aus Blechbüchsen Gänse, Enten, Hühner. Tauben en masse hervor, daß die Bühne einem Gcflügclhof gleicht. Die Licht- und Bcleuchtungskunst feiert Triumphe in dem Auftreten der amerikanischen Phantasietänzerin P a p i n t a._ Radrennen in Spandan.„1000 T a l e r" war der Titel des 100 Kilometer-Rcnnens, welches am Sonntag von dem Franzosen E d m o n d D u f s o t(Paris) mit 50 Punkten gegen Bedcll(37), Ryser(27), Ebcrt(26) und Gombault(10 Punkten) gewonnen wurde. Das Rennen wurde in drei Läufen über 20, 30 und 50 Kilometer ausgefahren und belegte jedesmal Dussot den ersten Platz, wie überhaupt der Franzose sich als guter, sicherer Fahrer erwies. Vom Beginn ab die Spitze nehmend, legte er stets ein gutes Tempo vor und überrundete se'ne Gegner nach Belieben. Am längsten Wider- stand leistete Bcdell, der im zweiten Lauf unter Motorschaden zu leiden hatte und dadurch weit zurückkam. Gegen den Schluß dieses Laufes brachte er durch Fahrlässigkeit sich und Dusiot in ernste Ge- fahr, indem er von seiner Führung abging, nach oben bog und den nachfolgenden Dussot fast an die Barriere drängte, so daß für alle eine Sturzgesahr sehr nahe lag. Am meisten Pech hatte Gom- bault; in allen drei Läufen wurde er durch Zwischenfälle behindert. Im ersten Lauf riß die Kette seines Rades, im zweiten Lauf kam er durch Platzen seines Radreifens zu Fall und konnte das Rennen nicht beenden. Im dritten Lauf mußte er ebenfalls gleich nach Bc- ginn sein Rad wechseln; dadurch büßte er viel Boden ein, holte abep später schön auf und hatte sich bis auf den dritten Platz vorge- arbeitet, als an seinem Motor der Riemen ritz und der Fahrer weit zurück endete. Rhscr spielte keine besondere Rolle und ebenso der an Stelle von Tommy Hall fahrende Ebert.— Den„Borussia- Preis" errang de N o o s vor Lemm, Dubagnewicz, Gliedermann und Schiefer. Die beiden letzteren hatten beständig unter ihrer Führung zu leiden und fuhren die meiste Zeit allein. Sehr achtbar fuhr de Noos, der in der halben Stunde 38 390 Kilometer zurück- legte.— Im„Preis vom I u l i u s t u r m" hielt vom Beginn ab Tetzlaff die Spitze, der es auf 31220 Kilometer in der halben Stunde brachte. 2. Kiehne, 3. Wittig, 4. Sauger. Dieses Rennen wurde von 8 Fahrern hinter Straßenmotoren bestritten; da jedoch nicht für jeden Fahrer ein Motor zur Stelle war, so mußten besonders Müller, Keil, Welz und Rudel allein die Fahrt beenden und machte es einen sonderbaren Eindruck, zeitweise zwei, drei Fahrer hinter einer Führung fahren zu sehen. Radrennen zu Treptow. In dem 100 Kilometer- Rennen mit Motorführung(1000, 600, 400, 300 M.), das von A. Stellbrink, A. Schulze lZehlendorf), Fr. Hoffmann und F. Haberer bestritten wurde, zeigte sich Stellbrink seinen Gegnern überlegen; er gewann das Rennen in 1 Stunde 31 Minuten 60,2 Sekunden vor Schulze l426ö Meter) und Haberer(10 625 Meter zurück). Hoffmunn beim 87. Kilometer durch Sturz ausgeschieden. Dank der guten Führung durch Jos. Käser vergrößerte Stellbrink seinen Vorsprung beständig. Schulze fuhr sehr gut, wurde aber durch wiederholte Motordefekte behindert. Für Hoffmann und Haberer war die Entfernung zu groß. Gegen Ende des langen Rennens war es mit ihrem Widerstande vorbei; Hoffmann stürzte infolge eines Schwächeanfalles, doch ohne Schaden zu nehmen, und Haberer blieb vom 90. Kilometer ab aussichtslos zurück. Scyulze machte, obwohl weit zurück, wiederholt erfolgreiche Vorstöße. In einem Vorgabefahren iOOO Meter) siegte Götze(50 Meter Vorgabe) vor Vierck chO), Pawke(40) und Genz(50). Die Mal- lcute Hellcmann und Rabe endeten unplaziert. 42 Fahrer im Rennen. Das Hauptfahren(1200 Meter) gewann Rabe knapp vor Helle- mann, Hitzlcr und Erxleben. In 7 Vorläufen 36 Fahrer. Den Schluß bildete ein Nennen hinter kleinen Motoren (Vj Stunde, 300, 150, 100, 80, 73, 50 M.). Sieger war Kelbel mit 29 Kilometer 688 Meter vor Nottnick(230 Meter), Erxleben(zehn Runden), Rabe(14 Runden), Hansen(17 Runden) und Pawke. An- fangs führte Rottnick; nach dem 20. Kilometer ging Kelbel vor. Die anderen vier blieben gleich von Beginn an weit zurück. Die PartcitagSliste Nr. LOKO ist in der A. E.-G. Turbinen- Fabrik abhanden gekommen. Die Parteigenossen werden ersucht, dieselbe anzuhalten und an Will,. Klaust. Schönhauser Allee 156, abzugeben. Gesammelt waren 90 Pf. Wer ist der Tote? Am 17. d. M. wurde im Landwehrkanal, an der Schleusenbrücke, die Leiche eines unbekannten, zirka 23 bis 23 Jahre alten Mannes angeschwemmt und nach dem Leichenschau- hanie geschafft. Der Verstorbene, der schon einige Zeit im Wasser gelegen hat, war zirka 1.55 groß, hatte dunkelblondes Haar und starken Schnurrbart, hellbraune Augen und niedrige Stirn. Die beiden oberen Schneidezähne find auffallend groß. Bekleidet war er mit dunklem Jackettanzug, weißem Hemd»ut roten Streifen, gez. P. F., graucu Hosenträgern, weißem Vorhemd niit Stehkragen und dunklem langen Schlips der Firma W. Barke, Berlin, Oranien- straße 142. Außerdem wurden bei der Leiche gefunden zwei weiße Taschentücher, gez. P. F., ein Handtuch, gez. dl H., und eine rote iind eine weiße Badehose. Mitteilungen über die Persönlichkeit nimmt die Kriminalpolizei und ein jedes Polizeirevier zu Journal- Nummer 6524 IV. 41. 07 entgegen. Der Zentralvcrein für Arbeitsnachweis teilt mit:„Die Lehr- lingsabteilung des Zcntralvereins für Arbeitsnachweis, Gormann- straße 13, nimmt wieder Meldungen von Lehrstellen und Lehr- lingen in der Bureauzeit von 8— 4 Uhr an. Erfahrungsgemäß ist große Nachfrage nach Lehrstellen der elektrischen Branche, Mechantl, Auwmobilbau und Wcrkzcugfabrikation und werden insbesondere Inhaber solcher Betriebe gebeten, offene Lehrstellen baldgefälligst zu melden. Die Vermittelung ist für beide Teile kostenlos. Orgelkonzert. Mittwoch, den 21. August, abends 7(4 Uhr, er- öffnet der kgl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang in der St. Marien- iirche wieder die Reihe seiner Orgelkonzerte unter Mitwirkung von Frau Annelise Wagner-Gronwald(Sopran), Frau Anna Reichner- Feiten(Alt) und Herrn Walter Kratz(Violine). U. a. große Orgel- sonate: Psalm 94 von Reubke. Der Eintritt ist frei. Eintrittskarten zur Ausstellung der Erfindungen der Klein- indnstrie stehen den Orgauisatiousvorständen zu ermäßigten Preisen nach wie vor im Bureau der Gewerkschaftskommission zur Verfügung. Feurrwehrbcricht. In der Alcxandrinenstr. 18, Ecke der Waffer- torstraße, stand am Sonntag der Lagerkeller der Kolonialwaren- Handlung von H. Köpping in Flammen. Diese hatten an Pctro- Icum, Spiritus und Packmaterialien, Kisten usw. reiche Nahrung gesunden und bei Ankunft des ersten LöschzugcS schon eine große Ausdehnung erlangt. D�r 11. Zug mußte mit mehreren Schlauch- lcitungen tüchtig Wasser geben, um eine weitere Ausdehnung de? Brandes auf den Eckladen zu verhüten. Nachmittags mußte nicht weit davon in der Ncanderstr. 18 auf dem 5. Hofe ein gefährlicher Kellerbrand gelöscht werden. Kisten und anderes brannten dort in großer Ausdehnung, so daß kräftig Wasser gegeben werden muhte. In beiden Fällen soll Unvorsichtigkeit die Ursache der Entstehung sein. In der Birkenstr. 15 wurde ein Mann von einem elektrischen Straßenbahnwagen überfahren und mit schweren Verletzungen nach dem Moabiter Krankenhause geschafft. Grober Unfug lag wieder einmal einer Feuermeldung zu Grunde, die den 14. Zug nach der Gartenstr. 41 alarmierte. Ein Kabelbrand beschäftigte am Montag, vormittags 9 Uhr, den 7. Zug in der Frankfurter Allee 74. Ein Kabel der A. E.-G. war dort vollständig durchgeschmort und bil- dete mit dem umgebenden Erdreich nur noch eine feste glühende Schlackenmasse. Das Kabel muß auf mehrere Meter Länge voll- ständig erneuert werden. Der 30. Zug hatte am Molkenmarkt 2 zu tun, wo durch elektrischen Kurzschluß Feuer ausgekommen war. Der 19. Zug hatte in der Lindenstr. 53 ejnen Brand zu löschen, der in einem Kontor ausgekommen war. Am Luisenufcr des Urban- bafenö stand eine Bude zu dem dortigen Kohlcnkran in Flammen. Am häufigsten aber waren Kohlen- und Küchenbrände. Solche mutzten in der Hübnerstr. 1, Dorothecnstr. 53, Kottbuserufer 44�, Oranienstr. 181, Gr. Frankfurtcrstr. 106, Rcinickendorferstr. 108, Stendalerstraße und anderen Stellen gelöscht werden. Wohnungs- brände wurden aus der Alexandrinenstr. 28, Bülowstr. 40, Schwe- rinstr. 6, Gr. Frankfurterstr. 65, Prinzenstr. 94, Liebigstr. 40, Schützenstr. 36 und anderen Orten gemeldet. An zwei Stellen brannte Fleisch. Ferner hatte die Feuerwehr noch in der Cuvry- straße 47 und anderen Straßen zu tun. Vorort- f�ackrickten. Nixdorf. Die berichtigte Liste der stimmfähigen Bürger für die Stadt- verordnetenwahlen liegt in der Zeit vom 1V. bis 30. August d. I. an den Wochentagen während der Gcschäftsstulide» von 3 Uhr vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags und an den Sonntagen von 3 bis 10 Uhr vormittags im Wahlbureau Jsarstr. 5/6(Ecke Boddinstraße) 3 Tr. links aus. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Sladtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste schriftlich oder zu Protokoll Einwendungen erheben. Schöneberg. Allzu große Vertrauensseligkeit hat das Dienstmädchen Elisabeth Dammenhagen aus der Martin Lutherstraße 24 schwer büßen müssen. Sie wollte gestern verreisen und auf dem Anhalter Bahnhof stellte sie ihren Koffer, in dem ihr ganzes Besitztum enthalten war, in den Wartesaal vierter Klasse. Ein anderes Mädchen, das sich in dem Wartesaal aufhielt, bat die D., doch für einen Augenblick, während sie ihr Billett löse» wollte, auf ihren Koffer acht zu geben. Als das junge Mädchen wenige Minuten später wieder zurückkehrte, war die Wächterin mitsamt dem Koffer spurlos verschiounden. Der dreisten Diebin waren u. a. auch 300 Mark an barein Gelde zur Beute ge- fallen. Es waren dies die sauer verdienten Ersparnisse der D. ge- wesen. Trcptow-Baumschulcnlveg. In der Mitgliederversammlung des Wahlvcreins referierte Gen. Fülle über„Positive Leistungen der Sozialdemokratie". Die allen Vorwürfe unserer Gegner, meint Redner, daß die Sozialdemokratie nichts Positives leiste, seien während und nach der letzten Reichstagswahl besonders eifrig erhoben worden. So lange der berüchtigte Reichsvcrband diese handgreiflichen Verleumdungen weiter verbreite bezw. erfinde, könne man ruhig darüber hinwegsehen. Wenn aber der oberste Reichsbeamte, der Reichskanzler Blllow, sich nicht scheue, von der Bundesratstribüne des Reichstags aus solche Unwahrheiten über die Tätigkeil der Sozialdemokratie ins Land hillauszuschleudern, so könnten wir dem nicht müßig zusehen, sondern es müßte den Wählern gezeigt werden, was die Sozialdemokratie schon alles für die arbeitende Klasse geleistet habe. An mannigfachen Beispielen wies Redner nach, daß Anträge, die die Sozialdemokratie vor Jahrzehnte» im Reichstage gestellt hatte, aber abgelehnt wurden, später von anderen Parteien oder der Regie- rung wieder aufgegriffen wurden und als Unterlage ihrer Anträge dienten. Mit der Aufforderung, bei der bevorstehenden Wahlrechts- bewegung fest zusammenzustehen und für Stärkung unserer Reihen zu sorgen, schließt Redner seine mit lebhaftem Beifall belohnten interessanten Ausführungen. Den Bericht von der Verbands-General- Versammlung erstaltete Gen. Weiß. Er verwies auf den Bericht im „Vorwärts" und beschränkte sich auf kurze Erläuterungen. Seine Verwunderung müsse er darüber ausdrücken, daß sicki trotz der klaren und einleuchtenden Denkschrift der Preßkommission gegen die „Vorwärts"-Verbilligung doch noch eine so erhebliche Minderheit für Verbilliguug und Wochenabonnemeut gefunden habe.— Jeden- falls sei die Denkschrift nicht allen Delegierten zugänglich gewesen. — Unter Vereinsmitteilunge» gab Gen. Posielt bekannt, daß das Stiftungsfest durch einen Kunstabend am 23. Oktober gefeiert«verde. Brist-Buckow. „Lokal- und Zentralorganisation" lautete das Thema, über das in der am Mittwoch im„Landhaus", Chausseestraße 97, tagen- den Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Schröder vom Allgemeinen deutschen Metallarbeiterverband als Referent und Genosse Handle vom Deutschen Metallarbeiterverband als Kor- referent referierten. Weit ausgreifend gab der Referent eine ge- schichtliche Darstellung der modernen gewerkschaftlichen Arbeiter- bwegung in Deutschland, betonend, daß es von Anbeginn zwei Richtungen gegeben habe(Eisenacher und Lasfallaner) und nicht, wie verschiedentlich angenommen werde, die Lokalorganisationen geschaffen wurden, die Arbeiterbewegung zu zersplittern. Die Hauptfrage sei, ab die gewerkschaftlichen Organisationen neutral sein sollen oder nicht. Das Unterstützungswesen müsse eingeschräntt nnd die Mitglieder mehr idealistisch erzogen und der Generalstreik sowie politische Fragen mehr propagiert werden. Genoffe Handle als Korreferent an Stelle des am Erscheinen verhinderten Genoffen Cohen gab zu, daß die Lokalorganisationen zu gewissen Zeiten not- wendig und berechtigt waren, daß aber, wie auf allen Gebieten alles zur Zentralisation drängt, es bei der gewerkschaftlichen Or- gauisation erst recht der Fall sein muß. Nachdem die Lokalorgani- sationen das Unterstützungswesen ebenfalls eingeführt hätten, liege kein Grund mehr vor, daß sie den Zentralorganisationen fern bleibe» oder den Einigungsverhandlungen des Parteivorstandrs widerstreben. Redner wies auch statistisch nach, daß die Streiks trotz der Zentralorganisationen nicht ab, sondern vielmehr zuge- nomine» haben und von Verflachung der Arbeiterbewegung keine Rede sein könne. Die Frage des Generalstreiks betreffend meinte gledner, daß vorläufig alle Kräfte angestrengt werden müßten, um die Indifferenten heranzuziehen, aufzuklären und zu zielbewußten Klassenkämpfern heranzubilden. Er forderte die Lokalisten auf, ihren Sonderstandpunkt zu verlassen, den Zentralorganisationen beizutreten und dort ihr Wollen und Können zu betätigen. Redner brachte dann folgende Resolution ein: „Die am 14. Auggust tagende Parteiversammlung erklärt: Angesichts der Tatsache, daß sich die besitzende Klaffe immer enger und fester vereinigt, um das Proletariat in feinen Bestrebungen zu hindern, ist es notwendig, daß mich die Arbeiterschaft in gewerk- schaftlicher Beziehung eine eben solche geeinte Macht darstellt. Mit Rücksicht darauf, daß durch die Zwistigkeiten der Lokal- und Zentral- organ'sationen nicht nur die Gewerkschaften selbst, sondern auch die Partei schwer geschädigt wird, und unseren Gegnern Gelegen- heit gegeben wird, unsere erkämpfte Stellung auf wirtschaftlichem Gebiet zu erschüttern, erwartet die Versammlung vom Parteitag, daß derselbe die Lokalorganisationeu auffordert, sich den zustän- digen Zentralverbänden anzuschließen. Sollten die Lokalorgani- sationen nach wie vor ablehnend gegen einen Anschluß an die Zentralverbände verhalten, dann ist eS Pflicht der Parteileitung, resp. des Parteitages, eine Scheidung vorzunehmen." In der hierauf folgenden Diskussion polemisierte Genosse Raatz zunächst gegen Genoffen Schröder. Genosse Schenke-Rixdorf begründete dann einen Vertagungsantrag, der auch angenommen wurde. Die Diskussion wird am Dienstag, den 20. August, abends (49 Uhr, im Lokal des Herrn Schöneberg, Rudowerstraße 66 fort- gesetzt. Lichtenberg. Zur StlidtwerdnngSfrage. Noch immer ist die VerfaffimgS- Snderung der Landgemeinde Lichtenberg amtlich nicht bestätigt, doch nehmen die Vorbereitungen zur Schaffung der städtischen Ver- waltung ihren Fortgang. Es wird»nt Sicherheit darauf gerechnet, daß mit dem 1. April 1908 die Stadtverwaltung ihre Funktion aufnimmt. Die noch in diesem Herbste stattfindenden Stadtverord- netenwahlen lassen es ratsam erscheinen, noch einmal darauf hinzuweisen, daß entgegen den Bestimmungen der Landgemeinde- ordnuna, nach welcher an der Gemeindevertreterwahl jeder Deutsche teilnehmen kann, zu den Stndtverordnetenwahlen unter anderem die Eigenschaft olö„Preuße" erforderlich ist. Es möge also vor Aufstellung der Wählerliste, die demnächst vorgenommen wird, jeder Nichlprenße die A» f n a h m e in den preußischen Staatsverband nachsuchen. Desgleichen sollten«Schlaf- barschen" ihre Anmeldung als Chambregarniften bewirken, da erftere nicht wählen dürfen. Nummelsb«rg. Ein Atteiitat auf zwei Kinder, das in der Sonntagstraße ver- übt worden ist, ruit dort Aufregung hervor. Die beiden fünf und sechs Jahre alte» Schwestern Johanna und Margarete Felmer hatten vor dem Elternhanse Sonntagstr. 7 gespielt. Als sie dann nach der elterlichen Wohnung hinaufgingen, begegnete ihnen aus der Treppe ein unbekannter Mann. Ohne weiteres ging er auf die beiden Mädchen zu und packte das eine an den Hüften. Er befahl dem Kinde, sich umzudrehen und würgte es dann am Halse. Das gleiche Attentat führte der Unhold auch bei der Schwester seine? Opfers aus. Auf das Geschrei der Kinder eilten Hausbewohner hinzu und jetzt zog eS der gefährliche Bursche vor zu entfliehen. Er wird von den Überfallenen Mädchen als ein etwa 30 Jahre alter, besser ge- kleideter Mensch geschildert. Weistensee. Aus dcr Genieiudevertretnng. Der Fleischschauamtsetat für daS Jahr 1906 ist um 2743,24 M. uberschritten, diese Summe mußte dem Reservefonds entnommen werden, da die Einnahmen für Ge- bübren nicht ausreichten. Die Baugesellschaften a» der Lehderstraße schulden der Gemeinde vom September 1906 bis Juni 1907 an Gemeinde- grundsteuer 710,52 M. Da von der„armen" Baugesellschaft nichts zu haben ist, wurde die Zwangsversteigerung der Grundstücke be- schloffen. Die demnächst fällige Steuer wurde gleichfalls in An- rechuung gebracht. Der Gemeindevorsteher von Birkholz hat die hiesige Gemeinde wegen des Grundbesitzes in Birkholz zur Gemeindeeinkommensteuer nach dem Jahressatze von 276 M. herangezogen. Hiergegen hat die Gemeinde, da nach ihrer Ansicht diese Veranlagung den Einkommen- Verhältnissen des Gutes nicht entspricht, Einspruch erhoben. Dieser ist vom Gemeindevorsteher in Birkholz zurückgewiesen ivorden. Der ablveifende Bescheid soll durch Klage im Verwaltungsstreitverfahren angefochten werden. Den kolossalen Ueberschwcmmungen in der Gegend der Friedrichstraße soll durch Erbauung eines Notkanals entgegengetreten werden; dieser Punkt wurde jedoch von der Tages- ordnlnig abgesetzt, da noch Formalitäten zu erledigen sind. Die Regelung des Hamburger Platzes wurde beschlosten und die dazu notwendigen Kosten bewilligt. Die Bürgersteige in der Uckermark- straße sind von einigen Anliegern eigenhändig ausgeführt worden und jetzt, nachdem die ganze Straße von der Gemeinde reguliert ist. verlangen die ersteren den auf die Gemeinde entfallenden Betrag von 25 Proz. zurück, waS sich die Herren Hansbesitzer denn auch gegenseitig bewilligten. — Einem Angebot, zwei Millionen Mauersteine anzuschaffen, stimmte die Vertretung zu. da dieses Angebot als äußerst günstig angesehen wurde. Zur Förderung der architektonischen Ausgestaltung von Wohnhausbanten im Kreise wurden 300 M. bewilligt. Einige Pächter des Riesellandes glaubten durch die diesjährigen Nieder- schlage geschädigt zu sein und beantragen einen Pachtnachlaß, was aber abgelehnt wurde. Für die Anschaffung einer Lokomobile und Dreschmaschine und sonflige Maschinen für daS Rittergut Birkholz wurden 15 000 M. bewilligt. Für einen Schwimmverein wurde zu seinem Schwimmfest ein Preis von 50 M. gestiftet. Die Gemeinde trat dem 14. Kongreß für Hygiene und Demographie als Mit- glied bei. Französisch- Buchholz. Die Mitgliederversammlung des WahlvereinS nahm außer dem Bericht des Genossen Jakob über die Kreis-Generalversammlung den von der Generalversammlung Groß- Berlin vom Genosien Wieöberg entgegen. Diskutiert wurde nur über den Antrag, der die Ver- billigung des„Vorwärts" und Einführung des Wochenabonnements forderte. Dir Versammlung vertrat die Ansicht, daß eine Ver- billigung des„Vorwärts" nicht möglich sei. da durch einen eveiitnellen finanziellen Verlust die ländliche Agitation zu leiden habe. Sie stimmte deshalb dem Beschluß der Generalversammlung Groß-Berlins zu. Sodann erstatteten die am Erntefest die Kontrolle arsübenden Genoffen Bericht. Danach find nur in vereinzelten Fällen gesperrte Lokale besucht worden. Des weiteren wurde der Vorstand beauftragt, ein Gesuch an die Gemeindevertretung zu richten, in welchem eine ordentliche Beleuchtung der Straßen verlangt werden soll. Die großen Gärtnereibesitzer sollen mehr als bisher zur Steuer herangezogen werden. Es wurde betont, daß einige derselben die Hälfte und weniger Steuern zahlen als mancher Arbeiter. Zum Schluß teilte Genoffe Wiesberg noch einiges aus der Gemeindevertretung mit. der er als Zuhörer beigewohnt hatte. Redner wie auch sämtliche Genossen waren der Ansicht, daß die Jnteresien der Einwohnerschaft im Gemeindeparlament von den gegenwärtigen bürgerlichen Vertretern nicht richtig gewahrt werden. Als in. der Sitzung der mit auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung zur Beratung stehende Punkt.Armensachen" zur Verhand- lung kommen sollte, habe der Gemeindevorsteher ihn. Wiesberg, als den einzigen Zuhörer mit den Worten ausgewiesen: Diese Sachen lind nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt. Dies wurde von der Versammlung einmütig verurteilt. Neinickendorf. Bei einem schrecklichen Unglücksfall hat die Frau des Getreide- Händlers Wendt aus der Scharnweberstr. 17 vier Finger eingebüßt. Frau W. hatte auf einer Maschine Häcksel zum Futtern geschnitten. Durch ein verhängnisvolles Versehen geriet ihr plötzlich die rechte Hand in das Getriebe der Maschine und vier Finger wurden der Aermsten glatt abgeschnitten. Die Verunglückte mußte nach dem städtischen Krankenhause gebracht werden. Wilhelmsruh-Rosenthal. Die letzte Bersammlung des WahlvereinS nahm zunächst eine Erklärung des Vorsitzenden Kemnitz entgegen, nach welcher derselbe seinen Posten niederzulegen gedenkt. Räch lebhafter Diskussion nahm die Versammlung einstimnng eine Resolution an, in ivelcher Kemnitz volles Vertrauen ausgesprochen und derselbe ersucht wird. auf seinem Posten zu bleiben. Kemnitz nahm hierauf daS Amt weiter an. �Eine lebhafte Debatte entspann sich über die kommenden Wahlrechtslämpfe zum preußischen Landtage. Dieselbe führte zu dem Ergebnis, erst die Beschlüsse von Groß-Berlin abzuwarten, jedoch schon in der nächsten Zeit vorbereitende Vorträge über die preußische VerfassungSgeschichte und daS jetzt gellende Wahlrecht durch sachlundige Referenten halten zu lassen. Alsdann wurde bekanntgegeben, daß der Gcmeindevertreter Willmeroth, welcher sein Mandat auS den Händen des Wahlvereins empfangen habe. seinen Austritt auS der Organisation erklärt hat, nachdem durch seine Abstimmungen in der letzten Zeit schon zweifelhakt geworden war, ob der Verein ihm noch Vertrauen schenken könne. Der Vorstand wurde ermächtigt, folgende Erklärung zur Kenntnis der Oeffentlichkeit zu bringen: Der Wahlverein für Wilhelmsruh erklärt als Mandatgeber des GemeindevertreterS Fritz Willmeroth, daß derietbe infolge verschiedener Borkommnisse nicht mehr daS Vertrauen seiner Wähler besitzt, und fordert denselben ays, sein Amt als Vertreter ungesäumt niederzulegen. Durch seinen Austritt auS dem Wablverein, der durch nichts motiviert wird als durch das offenkundige Bestreben, einen Gemeindeposten zu erhaschen, hat derselbe auch der Partei den Riicken gekehrt: deshalb lehnt der Wahlverein auch jede Verantwortung für irgendwelche serneren Handlungen Willmeroths als Gemeinde- Vertreter ab. fall» derselbe trotz dieser Aufforderung sein Amt nicht sofort niederlegen. sondern seine Rolle als Kostgänger dcr herrschenden Gesellschaft weiter zu spielen gedenkt. De» Vorstand des Wahlvereins für Wilhelmsruh und Umgegend. Köpenick. Uebcr die christliche Kirche und daS Ideal der christlichen Bruder- liebe wird in einer zu Mittwochabend 8 Uhr von der Freien Ge- meinde einberufenen Volksversammlung der frühere Geistliche Ad. Stern im Lokal von Seidel, Grünstraße, referieren. ES sollen in Verbindung hiermit die Vorgänge anläßlich der Beerdigung des Genossen Mall ans dem hiesigen Äirchbof zur Sprache gebracht werden. ES wird deshalb von allen Genossen rege Beteiligung erwartet. Vermischtes. Ein devtschcr Dcimpfer verloren! Nach einer Meldung aus Tokio brach am 16. d. M. auf dem Dampfer„Wik" auf der Höhe von Mikamoto Feuer aus; es erfolgte dann eine Explosion, bei der ein Leck in den SchiffSnnnpf gerissen tmirde. Eine Person kam umS Leben, die übrigen an Bord befind» lichen Personen wurden gerettet. Ein weiteres Telegramm au» Hamburg besagt: Der Dampfer„Wik", der Reederei H.Diedcnchsen- Kiel gehörig, ist ans der Höhe von Mikamoto tJapan), wo eine Feuers- Bnmst ausbrach, auf den Strand gesetzt worden; er gilt als voll- ständig verloren. Der bei dem Unfall uinZ Leben gekommene Mann war Steward._ Der gestrandete Bremer Dampfer„Asia" ist nach einer Meldung aus Frederikshavn am Sonnabendabend durch eigene Kraft wieder losgekommen. Erdbcbcmiieldungen. Die Apparate der Hamburger Hauptsiation für Erdbebenforschnng haben an, Sonnabend, den 17. d. M., nachmittags, mehrere Erdbeben aufgezeichnet. Leichtere Beben wurden gegen 1 Uhr 22 Minuten und kurz nach 2 Uhr nachmittags registriert. Gegen 6 Uhr 40 Minuten aber zeichneten die Apparate ein mittel- starkes Fernbeben von fast zweistündiger Dauer auf. Die Haupt- Bewegung begann kurz vor 7 Uhr. gegen 83/4 Uhr abends waren die Apparate wieder m Ruhe. Der Herd des Bebens wird in siid- östlicher Richtung in einer Entfernung von vielleicht 8000 Kilometern, zu suchen fem. Auch die seismographische Station in Grenoble verzeichnete vor- gestern abend ein heftiges Fernbeben in westlicher Richtung. Ein ausgeraubter Bankier. Der Bankier LremiZ Perrin, der in einigen Gemeinden des Departements Jssre Gelder einkassiert hatte, wurde Pariser Meldung zufolge bei Bouvesse in seinem Wagen von drei Strasteuräubern überfallen, die ihn seiner Barschaft von 15 000 Frank beraubten und ihn an einen Banm banden. Der Bankier wurde erst nach drei Stunden aus dieser Lage befreit. Eingrschncstr Sommergäste. Im Pnstertal, im Zillertal, in dem Riesenferner in den Dolomiten und den Tauern ist Schnee gefallen. Viele Sommergäste sind eingeschneit. Die Pest in der Mandschurei. Wie au? Charbin gemeldet wird, macht die Pest in der westlichen Mandschurei weitere Fortschritte. Sechs Personen ertrunken. Wie aus Henwsand gemeldet wird, ist Sonntag auf dem Afvan-See in Lappland ein Ruderboot mit acht Personen gekentert, von denen sechs ertrunken sind. ßrUfhalTtcti der Redaktion. Tie inristischc Cprcil, stunde findet?! r i ed ri ch st r. 16, Zlnsaang 4' eine Treppe?» ein Buchstabe»»d cinc aabl als Aicrkzcichc» beiznsiige». Briesliche Zlntlvor« wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man i» der Sprechstunde vor. H. W. 21. 1. Ja. 2. Hängt vom Statut der Krankenkasse ab. 3. Heiratsurkunde und Geburtsurkunde der Kinder oder polizeiliche Be- schcinigung. 4. Nur, wenn zugleich Beleidigung vorliegt.— H. K. 62. 1. Ja. 2 Kirchensteuern ja. 3. Ja.— M B. 100. Eine in Nmerika rechtskräftig geschiedene Ehe gilt auch in Deutschland als geschieden.— 2). 91. 47. Wenn der Vertrag über Mengen von Sachen, z. B. zehn Hemden, drei Maschinen usw. lautet, ist er stempclsrci. Andernfalls eine Mark.— C. B. 23. Stuf Räumung kann der Wirt kcinessalls klagen; wenn die Miete sür Aprll gezahlt ist, lann er auch nicht aus die April- miete klagen.— M. Tch. 32. t Sie sind Gewerbcgchüisin. 2. Ja. 3. Der Kontrast gilt auch noch nach einem Vierteljahre. Sic sind nicht fest an- gestellt. 4. Zu 1 erledigt. 5. Wenn Sie nur kurze Zeit(bis 2 Wochen) krank waren, nein, doch kann Ihnen auch dann das Krankengeld abgezogen werden. — I. D. Z. 21. 1. Nein. 2. Bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner ivohnt. Den übrigen Verdienst können Sie pfänden lassen, soweit er mit der Pension zusammen monatlich 125 Mark übcrstetgt.— F. W. L. 1. Ja. 2. Ja. 3. Zweiselhast. Der Rechtsanwalt ist wahrscheinlich schuldlos, da die Rechtsanwälte dem Gerichtsvollzieher stets Austrag zur gleich- zeitigen Einziehung von Hauptforderung und Kosten geben, soweit letztere schon seststehen. Vielleicht lag es daran, daß die Kosten erst noch vom Gericht sestgeietzt werden mutzten.— M. G. 25. Für den halben Tag bestunmt. Unseres ErachtenS mußten Sie mittags noch einmal nach. sehen, ob die Arbeitsstätte jetzt geöffnet war,— G. 75. Slellcu Sie beim Polizeirevier Antrag auf Gewährung einer Rente aus dem Rcichsinvaliden- jonds beziehungsweise Ehrensonds,— W. W. 79. 1. Nein. 2. Fraglich, Skatlanen ~ E I« Ii Swiiicmde Hamburg Berlin granks.a M Münch, Wien )C)I - f = S el OtUR 754 SSW 756 SSW 756 SW 759 SS 762 SW 763 Still 3 bedeckt 4 bedeckt 2Regen 3 Regen 3 heiter Nebel e? »4 i- Stationen == Bf I zapara!ida!755NO Petersburg 75? SW Sctlly Werdeeti Paris «eUer e« s -- s. a P 5• H& 62 W 750WSW 763»SR®1 I I I 2 bedeckt 1 wolkig 4 bedeckt t Rege» 2 halb bd. Wetter- Prognose für Dienstag, den 20. August 1007. Bei lebhaflercu westlichen Winden Temperatur wenig geändert, weise ausklarend, aber veränderlich und Niederschläge. Wasserstauds-Nachrichtcn der Landcsanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau, 12 13 16 11 16 zeit- Wasserstand M» m- 1. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, R atibor«) , Krassen Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Nordamm Elbe, Leitmeritz , Barby . Magdeburg Saal«, Grochlitz ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall,—") Untcrpegel. •) Nach besonderer Meldung betrug der höchste Wasserstand der Oder bei Natibor am 18, d, M. vormittags 212 cm. Er- Un- Für den Jndatl der J»,cr»ir übernimm» die Redaktion de« Publikum gegenüber kciuertei Ncra»«»oort»ng. Ukeatei*. Dienstag, den 20. August. Ansang 8 Uhr. Kgk. Opernhans. Der fliegende Holländer. Nene? königl. Operntheater. Die Fiedcrmaus, Dentsrltrs. Robert und Bertram, Anfang 7'/, Uhr. Kammerspiele: FrsihlwgS Er- wachen. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lessing. Die Stützen der Gesellschaft. GwilUr(I. sWallner. Thealer.) Don Juan. Schiller X.(Friedrich Wilhelm- städllltbes Theater.) Der Weg zur Hölle. Neues Schauiplclhans. RagleS. Neues. Der Dieb. Komische Oper. Hoffmanns zählungen. Weiten. Die lustig« Witwe. LiistsPielhouS. Husarensieber. Bernhard Rose. Der große bekannte. Ansang 3'/, Uhr. NachmiltagS 4»/, Uhr: Er ist nicht cisersüchtig. Das viert« Gebot. Verbotene Wege. Zentral. DaS Tagebuch einer Ver- lorene».-. Kleines. Vater und Sohn. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Drianon. Fräulein Josctte— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs- Uhr- Onkel. ».vietropol. Der Teusel lacht dazu. Apollo. Der Hochzeitsgast. Epe- zinlitäteii. Walhalla. Spezialitäten. NolicS Caprie«. Geisterauto.— Pari», tlnsang 8'/» Uhr. Gebr. Hcrrnfeld. Madame Wig- Wag. Es lebe das Nachtleben. Wintergarten. Anne Daueret). Amue Dlrkens. Spezialitäten. Prater. Flotte Weiber. ReichShallen. Stclttiier Sänger. Passage. Bernardi. Spezialitäten. ilmiiia. Tauveui, raffe)K/4U. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Stcriiwnrte. Jiivalidenstr. 57/62. Ifer/, Uhr: Der grelle Unbekannte. _ Soniinerprcffe. Anne Dancrcy, Pariser Sang. The 8 EngliMh«Irl«, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 KarotvMkya, Akrobaten, „Die Bauernjungen im Walde." l.«' Key Talma n. Uohco, Zauberkünstler. Agoust, komischer Jongleur. Deorge B. Rene Company, amerikanische Exzentriks. Annie Dirken«. Olga Preobrajcnsky, Prima Ballerina, u. M. Legat, Solotänzer v. d. kais. Hofoper in Petersburg. Paplnta, amerikan. Phantasie- und Spiegeltänzerin. Kelllno Truppe, ,In Venedig'. The Hariley», Springer. Oer Biograph, Braatz' Amerikanischer Uffen- Zirkus _ u lu Brockmann. BW" Am Prenzlauer lor.-MsZ Täglich: Gr. Vorstellung 8'/, Uhr. «lusierdemLoniilags, Feiertags, Mtlt- wachs u, Sonnabends nachm. 4 Uhv extrs-llimler. g. Fumllien-Vorsttllung. Urania. Wissenscbaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Gletscher derfioehgehirge imil die Eiszeit unserer fleimat. Jnvalidenftr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7>/,— 11 U. abds. Täglich ab nachm. 5 Uhr:« Grolle« Militär-Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 1 6 Uhr ab 50 PI, Kinder unter! 10 Jahren die Hälfte., — ae—t \17alhalla TTVarjete-Garfen WeinbergSweg 18/20, Rolenth.Tor. Neue Spezialitäten. §W Dressierte Büren. Ansi: Konzert 5; Vorstellung 7 Uhr. BMF* Bei ungünstigem Wetter Vorstellnog im Theater 8 Uhr. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstraße Rr. 57. Ansang 8 Uhr. Billettvorvcrfaus 11—2 Uhr.; Täglich; Die Novität Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnscld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre Cs Ick das Ullckn! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. W.�oacks Theater Dtrettto»: Hob. Olli. Brmmeiiftr. te. 9-/, Uhr: Das Fest d. Handwerker. 9 Uhr: Le$ Jonetcus, Reck-Päntom. 8'/, Uhr: Alles lacht über'n klein, pilon. Aus.« Uhr. Ehren- u. Vorzugsk. gültig. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal. Prater-Theater. Kastanien-Allee 7/9. Flotte Weiber. Spoislalltttirn 1. Hnngcs. Austreten der l.tfvrcnbrHut Tllly Btibs mit ihren dress. Löwen. Itonrvrt»n.I BnU, Slnsang 4>/, Uhr. R. Berlin, Memelerstr. Groffer(sirsolg von vom Berliner Zoologischen Garten. Jeden Abend 8 Uhr: Drove Vorstellungen mit vollständig neuem Programm. Neue Welt Hasenheide 108-114. Dienstag, den 20. August: Galn-Krnch-Ntirstellllug sür Herrn Onrt Bill« aus Anlaß seine» 25 jährig. Ksiuftlerjnbilänms. SO. Anmibrnng von Rgii-lliedel-IIgii Große Burleske-Pantomine von Gurt Ellls. Aenßerst reichh. Programm,«. a.: Oont« 8«rano« Löwen-Dressurakt.» Im kleinen Saale: VaiiS-Reutitaii. Ansang 5 Uhr. Entre« 50 Pf. � Entre ezum Jteninfgartcn �10 �Ps. Volksgarten-Theater. Bad-BehmstraBe— Bahnhof Gesund- brunnen— BeliermannstraBe. Die Veilchenfee. VolkSstück m. Gesang in 2 Akten von W. Gerick«. Musik von Max Schmidt. Hierzu: DaS neue Riesen-8peMM- �3» Volksbelustigungen. Fröbels Allerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allce 97/99. AcltesteS VolkSthrater Berlins. Heute, sowie täglich: Der neue Riesen-"961 pielpl Angust-Spiclplan mit der Rncingtrnppe in ihrer Todesfahrt im Höllenkessel Arnd Konkurrenzjahren um 1000 M. 8 Uhr: Paulas Beichte. Slujang 4'/, Uhr, Entree 30 Pf. Am 22. August: Benefiz llnrnt. 1. September: Karl Brann. Schweizergarten Am KBnigstor. Am Friedrichshain. Sttaßenbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kineinatograpii und Ball. Freier Dniuentniiz. Anfang 5 Uhr._ Eniree 30 Ps. fisthahn-yarh Am KUstrinerplatz, RUdersdorforstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Qroßes Konzert» Theater- und Spezialitäten- __ Vorstellung._ | Max Kliems| Sommer Theater � Hasenheide 13/15. Arlistffche Leitung: Paul Milbitz. Wied: Gr. teert, Theater n Spezialitäten-Meliung. Jeden Montag: Sommcrfrst. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Doimerstag: Elite-Dag. Dte Kaffcrküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 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Die 10 Pf.-Rollen sind stete in Etiquetten verpacktm,d,Auffchr!st:____ Dieselbe Ausschrlst tragen die in allen 5 Pf.-Rollen und 5 und 10 Pf-Tchletfen wliegendcn Zettel des Kapitän-Kautabaks. Kapitän-Kaulabak ist in den meisten Zigarrengeschästen käuflich, wo auch kleine Priemdosen gralss zu haben sind. 5598L» raul Rnphoi» Berlin. Gnmer Weg Il2. Afli I nuilkcl, Fernspr.; Amt VII, 386t. Generalvertrieb: I Metall- Bettstellen wegen Umbau der Verkaufsräume zu | V orzugs- Preisen j gegen Vorzeigung dieses Inserats. Beitfedern- Fabrik Berlin 8., Prinzenstr. 45-46 Nr. 10. MelUM-MtMl mit Sprungscd. Tr«ll- btjun u. eins, ß ß! �ußtlaPPe M. i M.Roll, genau kk Eft lt. Abbild. M. IS'«»! Nr. 212. Reform- Betlslella mit Zugfedermatr., hell oder dunkel, lein lackiert, mil Messingkugeln SOXlSOvoa O«_ SD!,«r* Nr. 118. Metall- Bettstelle 90X190 om 27 mm.Psosten mit Zugfedeimairatze, Messmgroselten und Mesfingfußbunden M. Z?.SI>. Metall- Bettstelle 800 X 90 cm, 88 mm mit Zugfedermatratz«, Messtngstangen, Messingkugeln und Wesfingvcrjicrmlgen ze.- 190 X 90 om S7 mm- Pfosten, mit I lönsiverbinbrn ,en und\ SNesfingfuKbnnden 190X90 om 83 mm. Pfosten mit Mesfingfüllungen u. Messingfußbunden flocbelegante Messing- Bettstellei mit Zugfedermatratze 90X190 cm CR_ M.«>'« 105 X 200 cm 88 mm« Pfosten Beste Bettenfiillung: m cltin. Nonopoldaunen (gesetzlich geschützt) per Pfund M. 2.85. freie Vereinigung der Maurer Deutschlands Bureau: Ortsverein Serlin. C. 54, Stein-Straße 38, L— Telephon: Amt III Nr. 8100. Mittwoch, den 81. August, abends S'/j Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17 i Mitglieder Uersamminng. Tages-Ordnung: 1. Situationsbericht. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Revisors, zweiten SchriftsührerS und eines Ersatz. mannes zum Slusschuß. 4. Verschiedenes. iM/g Um zahlreichen Besuch ersucht Der Torstand. OrtsverwaUnng Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 188, Restaurant Wille. Amt III, 5325. Achtung! Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Borständen, Komitee? und Saalinhabern unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Brunnenstraste 188. Geschäftszeit täglich von lO'/z— 1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Versügung. Der Borstand. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. CiiaritsstraBo 3.£ Hauptbnrrau: Df III. Amt 3, 1987. Mittwoch, den 81. August 1907, abends 8'/- Uhr: Allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer Kttlins und Umgegend in Frankes Festsälen, Sebastianstr. 39. Tages-Ordnung: 1. Die kulturelle Bedeutung der Gewerkschastsbewegung. Referent: Ge- nosse Rehbein. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenheitcn und V«r> schiedenes. Kollegen! Wir ersuchen«m recht zahlreichen«. Pünktlichen Besuch. 147/2 Die Drtsvervaltnns. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rixdorf. Tonnerstag. 88. Augnst, abends 8'/, Uhr bei Thiel, Bergftr. 151/152: MiigNoißei'- Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag und Verbandsangclegenheiten. 92/12' Die DrtsrerHvaltnns. Verband der Porlefeuiller. ZahstcIIe Berlin. Bureau: Sebastianstr. 4, I., geössnet 9—1 u. 4—7 Uhr. Tel. Amt 4 Nr. 5837. Mittwoch, 21. August, abends 8',, Uhr, bei Graumann, Nannynstr. 27: |3P Niitgliedep-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag; Referent wird in der Versammlung bekanntgemacht. 2. Der Schiedsspruch des Einigungsamtcs betreffs der Differenzen bei der Firma A. Schwalbe. Verbandsangelegenhciten und Verschiedenes. «liste liaden Zutritt."<5», Da beim zweiten Punkt wichtige Vcrbandsangelegenhciten zur Sprache kommen, erwartet zahlreichen Besuch(109/11) Oie Ortsverwaltung. Zahlstelle Serlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß folgende neue Zahlstellen errichtet worden sind:« in Rtinilkeudorf-West: Lokal Schalze, Scharnweberstr. 22 Samschlileme«: in SrfptOUl l Lokal Mahlan, Kiesholzstraße 35. Spiegelrahmen- Branche. Dienstag, den 20. August, abends 8Va Uhr: Versammlung nllkr in der Spikgelrahmtiibrancht btschästigten Kollkgen 92/1 bei ZIerltovv«jltl, Zlndreasstraße 25. Jede Werkstatt muft vertreten sein.___ Die Koniml.nlon. Ml>dtlI-»Flibriklisl!ilcr«.Ml>!>Mchslcr. Donnerstag, den 22. August, abends S1/« Uhr; a Branchen-Versammlung s bei iSoiimidt, Gartenstraste K. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Ba«)xe über:»Gehirn und Seele.' 2. Die Lehrlingsfrage. 3. Branchcnangelegenheiten. Ltoinardeiter. Berlin I. Freitag, den 83. d. M.. abends 8 Uhr: WtgUcücr-Vcrssmmlung in» t-eHverit�oiiari-viinnw, Enirei-l/ier 15, Saal I. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Wegen derselben ist es notwendig, daß sämtliche Kollegen er- der Wichtigkeit scheinen. Vv..,vwv.s»,». LU ilUllUCJlUI Mitgliedsbuch legitimiert. � 180/14» Tie Ortsberwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters k�riedrick Puder sage ich aus diesem Wege allen meinen herzlichsten Dank. Frau I-lna Pader nebst Kindern. P. P. Mache zugleich die Mitteilung, daß ich das Geschäft in unveränderter Weise weiterführe und bitte ich, das meinem Mann in so reichem Maße geschenkte Vertrauen aus mich über- tragen zu wollen, da ich stets bemüht sein werde, allen Ansorderungen nach- zukommen, 2381b I-iaa Pader. Danksagung. Sage hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die ausrichtige Teilnahme bei der Be- erdigung meiner lieben, unvergeß- lichen Frau, unserer guten Tochter, Schwester und Schwägerin meinen herzlichsten Dank. 5720L Der trauernde Gatte Relnhold Kassner nebst Familie Kliimtn- und Utlliisliiiidrrti von ködert Meyer,. nur Mittllmiikii-Zliilße 2. �Hygienische BedarlsarüKei. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. ii4j H. vaeer. Gommiwaienlabrüc Berlin NW.. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. d. Mts., nachmittag 5 Uhr, von der Leichen- Halle desRixdorscrGemeinde-Fried- hoscS(Mariendorser Weg) aus statt. Um zahlreichcBeteiligung ersucht 235/11 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband VcrwaltiingSstellc Berlin. Todes-Anzelsc. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Emil Kurth gestorben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet heute DienStag, den 20, Augnst, nachmittags 5 Uhr. von der Leichen- Halle des neuen Rixdorscr Ge- mcindekirchhoscs am Mariendorser Weg aus statt. Rege Beteiligung crlvartet Hie Ortsverwaltung, Sonnabend morgen 8 Uhr.... schtics nach langen schweren Leiden unser guter Vater. Schwieger- und| Großvater, der Bauanschtäger Eduard Kuhnel im Atter von 71 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. August, nach- mittaas 4 Uhr, von der Leichen- halle des Dom-Kirchhoses, Müller- straße 72/73, aus statt. 2385b Allen Freunden und Bekannten I zur Nachricht, daß meine liebe! Frau, unsere gute Mutter �tma Ließmann geb. Henkel nach längerem Krankenlager im I Alter von 43 Jabren gestorben ist.> Dies zeigen tiejbetrübt an Oie trauernden Hinterbliebenen: Christian LieBmann uifb Kinder. I Die Beerdigung findet am[ Mittwoch, den 21. August, nachmittags 4 Ubr, von der Leichen- Halle deS Luiscn-KirchHoses, West- end. Neuer Fürslenbrunner Weg,! aus statt. 2379b I Hiermit die traurige Nachricht, I daß meine liebe Frau dda Buchholz geb. Krause nach zehmnonatiger glücklicher Ehe plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mitt- woch. den 2l. August, nachnüttags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Frtedhoses, Max- straße, aus statt. 5721L Die» zeigt tiesbetrübt an Oer trauernde Gatte llmil Buehholz, Prinz Georgstr. 4. Dr. Schünemann Sp-zial-Arzt für 54272* Haut- and Harnleiden, Fraacnkrankheitcn. Fricdrichstr. 203, Ecke 10 ledrichstr. 203, Ecke Schützenstr. —8. 5—7, Sonnt. 10—18 Uhr. Verantwortlicher Redakteur: Sans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verla«-Vorwärts Buckdruckerei u. VerlaaSanttalt Paul tsinaer Lc Co.. Berlin LW,