Nr. 199. IlbonnementS'Btdlngungen; ÄSonntmmlS• Preis pränumerando: Lierteljährl. z.Z0 Ml�monatl. 1,10 Ml,, Ivöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS, Einzelne Awmmer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illuftrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- ZcitungS- PreiSIiste. Unter Kreuzband iilr Deutfchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, RtMinien. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CMtiRt agil» außer Oleitast. Berliner VolKsblnlt. Die Tnlertions-Gebüftr deträgl für die fechSgefpaltene kolonel- ,eile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche LereinS- und BerfammlungS-Anzeigen M Pfg. „Kleine anzeigen", daS erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort k Pfg. Worte über lk Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expeditton gpgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „SHialdcindkrat Reriln". Zentralorgan der roziatdemobratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 681. 68, Lindcnstraooc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 881. 68» Lindenetrasae 69« Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Crdroneluns der freien WMaiien und freie Kahn für Schwindeikaiien. IV.(Schluß.) Weitere Gefahren. Abgesehen von den angeführten Rekursfällen ist ein Rechts- inittel gegen Verfügungen des Aufsichtsamts nur zulässig, wenn es sich um Strafandrohungen handelt, die ergehen, weil ein bereits zu- gelassenes Vcrsicherungsunternehmen es unterlassen hat, die zur Klarlegung ihres Geschäftsplans erforderlichen Angaben zu machen oder weil Geschäftsleiter, Bevollmächtigte, Agenten eines Unter- nehmens der Pflicht nicht nachgekommen sind, Bücher, Belege usw. anzulegen oder eine von ihnen über den Geschäftsbetrieb und die Vermögenslage erforderte Auskunft zu erteilen, oder weil Anord- nungen zuwidergehandelt ist, durch die die Vermögensverwaltung im Fall der Untersagung des Geschäftsbetriebes geeigneten Per- sonen übertragen ist. Das in diesen Fällen zugelassene Rechts- mittel ist die Beschwerde an das in Rckurssachen als erste Instanz fungierende Fünfmännerkollegium. In allen anderen Fällen, in denen das Aufsichtsamt in die Ber waltung eingreift, ist keinerlei Rechtsmittel zulässig. In allen den Fällsn zum Beispiel, die der Geh. Regierungsrat Dr. Hoffmann am 28. April 1903 ohne Erfolg zur Begründung der Einengung des Selbstverwaltungsrechts der Ortskrankenkassen anführte, könnte das Aufsichtsamt vorgehen, ohne daß die zu Unrecht Betroffenen das geringste dagegen machen könnten. Ebenso liegt es mit den zahllosen Fällen, in denen bisher die Aufsichtsbehörde eingeschritten ist und in denen das Oberverwaltungsgericht die getroffenen be- hördlichcn Schritte als rechtswidrige aufgehoben hat. Wir erinnern an die Fälle der Aufoktroyicrung eines Arztes, einer verkehrten Rcchtsansicht der Behörde usw. Wir erinnern an die Fälle, in denen eine Aufsichtsbehörde einen Kassenvorstand absetzte, weil er Merk- blätter zur Bekämpfung des Alkoholismus verbreitete, und an die Fälle der versuchten Mahregelung, weil Kasscnmittel zum Besuche von hygienischen Kongressen oder von Kongressen der Ortskranken- kasscn und dergh verwendet waren. Aehnlich liegt es mit dem Fall jener Krankenkasse, deren stati�grischc Vorschrift, in der..Magde- burger Volksstimmc" zu annoncieren, von der Aufsichtsbehörde und dem Bezirksausschuß rechtswidrig kassiert und erst vom Ober- Verwaltungsgericht wiederhergestellt wurde. Dasselbe trifft auf das an die Tischlerkasse in Frankfurt a. O. ergangene Verbot zu. die Sitzungen im Gcwerkschaftshause abzuhalten. Alle solche und noch viel weiter gehende Anordnungen würden, falls der Entwurf Gesetz wird, die Aufsichtsbehörden treffen und durchsetzen können, ohne daß dem geschädigten Arbeiter-Kafsenverein auch nur daS geringste Rechtsmittel zustehen würde. Das Verhalten der Siegicrungsvertretcr in der vorjährigen Kommission zeigt deutlich, daß die Absicht besteht, das Gesetz gegen die sozialdemokratische oder sonst mißliebige Parteien anzuwenden, ja auch die Zulassung von der Gesinnungslosigkeit der Arbeiter ab- hängig zu machen. Wie oben dargelegt, kann die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb versagt und entzogen werden, ebenso(nach§ 64 des Versicherungsaufsichtsgesetzes) durch Geldstrafen bis 1000 M. Anordnungen erzwungen werden, die geeignet sind...„Mißstände zu beseitigen, durch welche die Interessen der Versicherten gefährdet werden oder der Geschäftsbetrieb mit den guten Sitten in Wider- spruch gerät." Diese Vorschriften passen für Versicherungsunter- nchmungen: darunter fallen nach den Beratungen des Versiche- rungLaufsichtsgesetzes Fälle wie Versicherungen gegen Selbst- Verstümmelung, gegen Geldstrafen, die Fabrikanten wegen Gewerbe- Übertretungen zu zahlen haben, u. dergl. Die Vorschriften passen aber nicht für Arbeiterkasscn. Hier könnten diese Vorschriften für politische Zwecke mißbraucht werden. Um dem entgegenzutreten, war von sozialdemokratischer Seite in der vorjährigen Session bc- antragt, einen Paragraphen folgenden Inhalts einzuschalten: „Die politische oder religiöse Ueberzcugnng oder Betätigung der Kassenmitglieder, des Kassenvorstandes oder der Kassen- beamtcn dürfen nicht als Tatsachen im Sinne des§ 7 des Ge- setzeS über die privaten Versicherungsunternehmungen oder als Gefährdung der �Interessen der Versicherten oder als Wider- fpruch des Geschäftsbetriebes mit den guten Sitten im Sinne der§H 64 und 67 des Gesetzes über die privaten VersicherungS- Unternehmungen erachtet werden." Dieser Antrag wurde abgelehnt. Der Regierungsvcrtreter hatte zuerst die Ausrede gebraucht, es liege keine Veranlassung vor. gerade für die Krankenkassen besondere Bestimmungen der ge- forderten Art einzuführen, da dariWs vielleicht gefolgert werden könne, daß sie für andere Kasscn und Versichcrungsvereine nicht gültig seien. Diesem fadenscheinigen Einwand begegneten die Antragsteller dadurch, daß sie..sich", heißt es im Koinmissions- bericht,..bereit erklärten, den Antrag zurückzuziehen, falls seitens der verbündeten Regierungen die Ertlärung abgegeben werden könnte, daß das Aufsichtsamt sich bei der Beaufsichtigung der Kassen nach dem Wortlaut des Antrages richten würde. Diese Erklärung konnte nicht abgegeben werden, weil der Antrag nicht nur von einer politischen oder religiösen Neberzeugung, sondern auch von einer entsprechenden Betätigung spricht, durch die doch Schädigungen der Kasse und der Kaffenmitglieder nicht ausgeschlossen seien". Damit ist so offen wie denkbar erklärt, daß politische Rücksichten maß- gebend sein sollen. Man denke an den letzthin gemaßrcgelte» Dr. Schcllenbcrg, so wird man nicht mit der Annahnie zu weit gehen: Die Vorlage soll die Möglichkeit geben, der Aufsichtsbehörde wegen ihrer politischen oder religiösen Richtung nicht genehme Vorstandsmitglieder und Beamte zu entfernen. Ein Rechtsmittel dagegen gibt es nicht. Im Jahre 1903 hat der Reichstag gegen Willkürlichkeiten von Aufsichtsbehörden auf dem Kassengebiete in der Krankenkassen-Rovelle das Verwaltungsstreitvcrfahrcn durch- gesetzt. Und jrtit sollten die Arbeiter selbst die Hand dazu bieten, wegen ihrer politischen Betätigung oder Gesinnung sich maßregeln zu lassen, selbst den Rest ihres SelbstverwaltungsrcchtS aufgeben. selbst sich unter Polizeidiktatur stellen? Das„Hamburger Echo" kommt über alles dies leicht hinweg: tf traut der Regierung nicht die„Dummheit zu, zu glauben, auf diese Weise die Hülfskassen erdrosseln zu können". Ueberdics habe ja die Sozialdemokratie im Jahre 1991 für das Versicherungs- aufsichtsgesctz gestimmt, und was den anderen Versicherungs- vereinen recht ist, müsse den Krankenkassen billig sein. Mit Nichten! Wer so argumentiert, wer ein so unbegrenztes Vertrauen zu der höheren Einsicht der Regierung und eine so geringe Achtung vor der Selbstverwaltung hat, müßte dafür eintreten, das Vereinsrecht der Arbeiter auf dem Gebiete des Kassenwesens ohne Schminke auszuheben und die Regierung zu ersuchen. Polizeikommissare an Stelle der von Arbeitern erwählten Beamten zur Verwaltung ihrer Angelegenheiten zu ernennen. Die Parallele zwischen den Arbeiterkrankenkassen und den auf Erwerb gerichteten Versicherungs- Unternehmungen ist völlig hinfällig. Die Sozialdemokratie hat im Jahre 1991 für das Aufsichtsgesetz gestimmt, weil durch§ 122 desselben Gesetzes das Hülfskassengesetz aufrechterhalten und in § 1 des Aufsichtsgcsetzes als Abs. 2 zum Schutz der Gewerkschaften die Vorschrift aufgenommen war, daß als Versicherungsunter- »iehmungen im Sinne des Versicherungsaufsichtsgesetzes solche Per- soncnvereinigungen nicht anzusehen sind, die ihren Mitgliedern Unterstützung gewähren ohne ihnen einen Rechtsanspruch darauf einzuräumen. Daß das sozialen Zwecken dienende Krankenversiche- rungswesen mit den Erwcrbsgescllschaftcn nicht in einen Topf zu werfen ist, ist auch in der ausländischen Gesetzgebung z. B. in dem schweizer Gesetz vom 25. Juni 1885 anerkannt. Unverständlich ist die Logik des„Echo": da die sozialdemokratische Fraktion im Jahre 1991 für ein Gesetz stimmte, das die Hülfskassen nicht in seinen Bereich zog, müsse sie jetzt für die Unterstellung des Hülfskassen- gesetzes unter jenes Gesetz sein. Wirkungen des Gesetzes. Der„Entwurf des Hülfskassengcsetzes" trifft nicht nur die Rechte der rund 999 999 Mitglieder der eingeschriebenen Hülss lassen(im Jahre 1995 bestanden 1364 dem§ 25 K.-K.-G. ent sprechende eingeschriebene Hülfskassen mit 858 428 Mitgliedern). Er berührt die Rechte der Arbeiterklasse auf das erheblichste. Er nimmt ihr selbst auf dem Gebiete der ganzen heutigen Versicherung gegen Krankheits- und Stcrbefälle das Vercinsrecht. Derselbe Staat, der unbehindert Krankenkassen von Kriegerverrinen, Streik- vcrsicherungSvereinen von Unternehmern zuläßt, gestattet den Ar- beitern nicht einmal in dem vor 25 Jahren von einem so hervor- ragenden Zcntrumsmann wie Moufang für bei weitem zu eng erklärten Rahmen des Hülfskassengesetzes ihre Interessen wahrzu- nehmen. Er stellt sie unter Polizei- und Unternehmeraufsicht. Der Zweck, den die Regierung mit der geforderten Erweiterung ihrer Allmacht und Bevormundung verfolgt, ist offensichtlich der�ihr aus politischen Gründen genehme Kasienvereine zu begünstigen. Es sollen die Arbeiter wehrlos gegen die Pläne gemacht werden, die auf dem Gebiet der Ortskrankenkassen geplant werden. Vom Kajsenzwang soll zu Jnnungskassen übergegangen werden, in denen die Verwaltung Behörden oder Unternehmern zusteht. Und nicht nur an der Einschränkung der Rechte der Arbeiter auf kaffenrechtlichcm Gebiete, sondern darüber hinaus an der Be- kämpfung aufrcchtstehender und an der Begünstigung von Unter- nchmcrn abhängiger Arbeitervereine ist der Regierung gelegen. Die oben erwähnte in§ 1 des Versicherungsaufsichtsgesetzes zum Schutze der Gewerkschaften durchgesetzte Vorschrift, daß das Ver- sicherungsaufsichtsgesetz auf Personenvereinigungen nicht an- wcndbar ist. die ihren Mitgliedern Unterstützung gewähren, ohne ihnen einen Rechtsanspruch darauf einzuräumen, genügt nicht mehr zum Schutz vor Angriffen gegen gewerkschaftliche Unterstützungen. So ist vor wenigen Jahren bekanntlich gegen die Unterstützungs- lasse des Tabakarbeiterverbandes prozessiert worden. Die GeWeck- schaftcn müssen gegen die Möglichkeit eines ähnlichen Vorgehens, wie es vor 1869 und während des Sozialistengejetzes, aber auch nach 1991 auf Grund des Versicherungsaufsichtsgesetzes beliebt wurde, geschützt werden. Zu diesem Behuf war in ver Kommission beantragt, dem§ 1 des Gesetzes über die privaten Versicherungs- Unternehmungen folgenden Zusatz zu geben: „Als Versicherungsunternehmungen im Sinne des Gesetzes sind ferner Bcrufsvcreine, Gewerkschaften. Gewcrkvcreine, Ge- sellenvcrcine und ähnliche Personenvereinigungen nicht anzusehen, die ihren Mitgliedern gegen Zahlung von Beiträgen Zuschüsse zu den gcfeblichen Krankengelder» und Invalidenrenten oder Witwen- und Waiscnuuterstiitzungen oder Sterbegelder oder Arbeitslosen- unterstütlungcn oder dergleichen gewähren, sofern die Rechtsver- Hältnisse für die Mitglieder untereinander sich lediglich nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs über den Gesellschafts- vertrag bestimmen." Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Ist der Zweck der Regie- rungsvorlagc, eine Schwächung selbständiger Gewerkschaften durch behördliche Unterstützung gelber Gewerkschaften herbeizuführen, so ist diese Ablehnung verständlich; sonst nicht. Ist der Hülfskassenentwurf geeignet, Schwindelkassen ihr Hand- werk z» legen? Will die Regierung tatsächlich den Schwindelkassen an den Kragen— warum hat sie bis jetzt gewartet? Ihr stehen ja hin- längliche Befugnisse zu. Statt dessen ist die Regierung wiederholt gegen die Redakteure sozialdemokratischer Zeitungen vorgegangen, nachdem diese vor Schwindelkassen gewarnt hatten. Ja es sind z. B. in Hannover Bestrafungen unserer Genossen durchgesetzt: die als Schwindler in unseren Organen Entlarvten wurden vom Staat geschützt. Die Staatsorgane erklärten die Schwindler für Ehren- leute und verurteilten den Redakteur, weil er vor den Schwindlern gewarnt hatte. Freilich ein Jahr später dämmerte der hohen Staatswcishcit auf. daß der sozialdemokratische Redakteur durchaus lltccht hatte. Die Schwindler wurden mit längeren Freiheitsstrafen belegt— inzwischen hatten sie Tausende begaunert und zur Be- gaunerung das gute Zeugnis der Staatsbehörde als Reklame ver- wendet. Nicht der geringste Grund liegt vor, weshalb man an- nehmen sollte, in Zukunft werde es besser werden. Die Regierung hat zu sich selber dies Zutrauen nicht: sie lehnte die Anträge ab, die das Reich für dennoch durch Schwindelkassen entstehenden Scha- den haftbar machen wollten. Das ist auch begreiflich: es ist auch dem tüchtigsten Beamten unmöglich, jedem Schwindel einer Kasse vorzubeugen. Organische Einwirkungen können hier unendlich mehr helfen als die höhere Weisheit, das Belieben oder das Pflicht- mäßige Ermessen einer Behörde. Höhe der Verwaltungskosten, schikanöse Handhabung der Statuten, Abhaltung von Gencralver- samgtltlNgW so sntkämB ßliSBi AllIMüß demokratischer Selbstverwaltung, Ausschluß des Rechtsweges und dergleichen sind bei« spielsweise Anzeichen einer Schwindelkasse: nach allen diesen Rich- tungen hin wurde aber abgelehnt, gesetzliche Vorschriften zu treffen. Den Schwindelkassen käme man ferner durch Einräumung des Rechts auf Anklageerhcbung seitens der Geschädigten, durch Aus- dehnung des§ 193 des Strafgesetzbuches auf die Berufspslichtcn der Redakteure in außerordentlich viel mehr Fällen als heute bei. Aber auch nach dieser Richtung gestellte Anregungen wurden von der Regierung verworfen. Die staatliche Konzessionierung fördert Schwindelkassen. Das ist im Reichstag s chon vor Jahrzehnten wiederholt dargelegt. Gerade durch die staatliche Genehmigung, die zu Reklamczwccken verwertet wird, lassen sich leider recht viele täuschen. Aber all diese einzelnen Mittel zur Unterdrückung der Schwindelkassen wiegen federleicht gegenüber der Hauptursache, der die Schwindelkassen ihr Florieren verdanken, das ist: die mangelhafte Gestaltung des Krankenkassenwesens. Eine AuSbrh- nung des Kreises der Versicherten, insbesondere auf die ländlichen Arbeiter, das Gesinde und den kleinen Gewerbetreibenden, und eine Erhöhung des unzureichenden Krankengeldes, eine Beseitigung der Zersplitterung des Krankenkassenwesens durch Aufhebung der Bc- triebs-, Jnnungs-, Knappschaftskassen und durch Äonzentricrung der Kassenorganisationen ist daS beste Mittel gegen Schwindel- lassen. Ausbau der Kassengesetzgebung, nicht Unterdrückung sozialer Institutionen wie sie der Entwurf anbahnt. Da; Zeutm will keine Aahlrechtz- dewegung! Die„Freisinnige Zeitung" hatte jüngst auf die zweifcl- hafte Stellung des Zentrums in der preußischen Wahlrechts- frage hingewiesen und dabei gleich dem„Vorwärts" angespielt auf die wachlrechtsfeindlichcn Aeußcrungen der Zentrums- a rasen S t r a ch w i tz und Spec. Die„Kölnische Volkszeitung" nennt das eine Verschiebung des Streit- Punktes und bemerkt dazu: „Daß in der Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses einige Außenseiten vorhanden find, weiß alle Welt. Aber das Zentrum hat nie erklärt, daß eS 1. in eine große Wahlrechtöbcwcguiig ein- treten werde, wie eS der Freisinn zu tun beabsichtigte; 2. nur „Alles oder Nichts" machen werde, wie eS der Freisinn vor drei Wochen formulierte. DaS Zentrum hält in ganz überwiegender Mehrheit seiner Abgeordneten und noch einmütiger in seiner Wählerschaft an der Einführung des NeichStagSwahlrechteS in Preußen fest und ist jederzeit bereit, auf gesetzlichem Boden für dieses Ziel einzutreten. Aber so wenig es im Kulturkampf auf die Straße ging. ebensowenig hat eS heute Anlaß, für den auf dem Nuckzug be- findlichen Freisinn auch nur einen Finger zu rühren. Das Zentrum wählt seine Taktik als völlig freie und unabhängige Partei nach eigenem Ermessen und läßt sich von keiner fremden Partei drängen; das mögen sich dieselben ein für allemal gesagt sein lassen." Mit anderen Worten: das Zentrum beschränkt sich darauf, seinen Antrag im Abgeordneten Hause ein- e bracht zu haben und ihn dort mit einigen Reden zu >rabe zu tragen. An eine WahlrechtSbeweguilg denkt das Zentrum nicht! Wozu auch?— ist die Partei doch schon willens, sich mit irgend einem Kompromiß zu begnügen, der darin besteht, dem alten System von Unrecht und Unsinn einige modern schillernde Flicken aufzusetzen. Es ist richtig, daß das Zentrum im Kulturkampf nicht auf die Straße gegangen ist; es verlangt auch niemand, daß die Herren Spahn, Bachem und Hitze zugunsten der preußischen Wahlrechtsreform die Barrikaden besteigen. Wenn das Zentrum aber in dieser Frage nur einige Monate den- selben Eifer, dieselbe Tatkraft, dieselbe Begeisterung gegen das Dreiklasscnwahlsystem cnt- wickelte, wie es damals, in den siebziger Jahren gegen die Kulturkampf gesetze zu entwickeln vermochte, wäre uns um die Wahlreform in Preußen nicht bange! Aber diese Zeiten scheinen endgültig für das Zentrum vorüber zu sein, und wenn die Ultramontanen noch Sinn und Ver- ständnis für politische Ehre hätten, Würden sie sich hüten, selber den Vergleich ihrer jetzigen Waschlappigkeit mit ihrer damalige« Entschiedenheit heraufzubeschwören!— Her„Sozialismus der flftflon". Eine seltsame Kunde ist von Stuttgart aus an die. F r ä n k. Tagespost" und mehrere andere Parteiblätter gelaugt: die An- kündigung einer„neuen Epoche" des Sozialismus, des.Sozialis- mus der Aktion". Wir wären in Verlegenheit, eine Definition dieses „neuen" Sozialismus zu geben, da wir wohl die Botschaft hören, ihren Sinn aber bis jetzt leider noch nicht begriffen haben. Wir geben daher dem Propheten der neuen Botschaft selbst das Wort: „Man hat mir vorgeworfen", so rief JanröS in der Militär- kommiffion aus,„daß ich meine Anschauungen gewechselt habe, ich wäre zum RadikaliSinus abgeschwenkt. Das ist falsch. Ich bin immer derselbe geblieben, ich bin seit jeher Anhänger der Aktion auf allen Gebieten, auf allen Wegen, mit allen Mitteln". DaS sagte JauröS, wenn nicht den Worten, so dem Sinne nach. In der Tat, das ist der Leitgedanke des großen französischen Sozialisten, und man kann sagen, daß JanreS, der Vorkämpfer der Aktion, heute das Haupt der Internationale ge- worden ist, w e i l e r i m in e r n u r d i e A k t i 0 n will. Von Stuttgart aus wird man vielleicht eine neue Epoche des Sozialismus datieren, des Sozialismus der Aktion. Es gibt nur e i n e revolutionäre Betätigungsform: die Aktion, welche die Erkenntnis der Gehirne»n mitte ld nr in die Tat umsetzt. Auf dem Stuttgarter Kongreß hat diese leidenschaftliche und zugleich besonnene, weil auf wissenschaftlicher Erkenutnis beruhende Tatsache der Tat sich durckigcsctzt. Kein stärkeres Anzeichen für die wachsende Macht des Proletariats als dieses internationale llngeftüm, das zu handeln drängt. Gewiss, die Aufklärung der' Kopfe ist die notwendigste Vorbedingung, die nie vernachlässigt werben darf. Auch unsere Organisationen müssen weiter einsig ausgebaut, unsere Agitation vertieft und ausgebaut werden— aber die Hauptsache ist doch die Entschlossenheit und Klugheit, mit der wir in das Getriebe der Zeit eingreisen. eS nach unserem Willen lenken. Diese Politik der Aktion betätigt sich bald in dem, was man praktische positive Arbeit nennt, bald in der r e v o l u t i o- nären Kraftentfaltnng zur Ni e d erz tv i n g nn g reaktionärer Widerstände." Lasjen wir JanroS, alS dessen Dolmetsch der Verfasser austritt, ganz ans dem Spiel. Halten wir uns an die Verherrlichung des neuen Sozialismus der„Aktion" selbst. Dieser Sozialismus der„Aktion" wird uns als etwas Neues, von dem bisherigen Sozialismus— speziell in Deutschland— Unterschiedenes vorgeführt. Also hat die deutsche Sozial- dcmorratie cS bisher an der„Aktion" fehlen lassen I Genosse Robert Michels, der Salon-Revolnzzer, hat das der Welt durch Herrn Somvarts Archiv und andere bürgerliche Zeitschriften ebenfalls verkündigt— aber das ist doch höchstens für Herrn Sombart und andere Kritikaster der Sozialdemokratie ein Beweis. Für deutsche Sozialdemokraten müßte der Beweis also erst erbracht werden. Also wir fragen: Wann und w o hat es bisher die deutsche Sozialdemokratie an der„Aktion" fehlen lassen? Vermag man aber eine solche Antwort nicht klipp und klar zu geben, so sollte man auch die deutsche Sozialdemokratie mit den kom- promitticrcnden Prophezeiungen des Anbruchs einer„neuen Epoche" lieber verschonen. Sie leisten höchsten? anarcho-sozialistischer Konfusion Vorschub I In der gleichen Nummer der„Fränk. Tagesp." finden wir dann wenigstens einen leisen Anhalt für das, was der Verfasser unter der neuen Epoche der Aktion zu verstehen scheint. Er sagt da über die Kolonialdebatte auf dem Stuttgarter Kongreß: „Bedeutsam waren die Verhandlungen über die K o k o u i a l- frag e, die heute das Plenum erledigte, bedeutsam vor allem deshalb, weil sich ganz unverkennbar zeigte, wie sich auch auf diesem Gebiete die T e n d e n z zur Aktion, zur positiven Arbeit— bei aller grundsätzlichen Festigkeit— durchsetzt. Je stärker daS sozialistische Proletariat wird, desto ungestümer drängt eS zur unmittelbarenBeeinflussung der lebendigen Gegenwart, es will auf allen G e- bieten mitarbeite». Es gehört keine Prophetengabe dazu, um vorauszusehen, daß indemStuttgarterBeschlußbereitSseinebaldige Wiederaufhebnng keimt. Durch eine Art Zufallsabstinimung wurde zwar mit kleiner Mehrheit die Minderheitsresolution der Kommiision vom Plenum beschlossen, die Mehrheitsresolution ab- gelehnt— die Deutschen stimmten bei der Gcsamtabstimnnmg eigentlich gegen ihren eigenen Beschluß— aber die T e n d e n'z war unverkennbar: auf die Kolonialpolitik ivilisatorisch einzuwirken und sich nicht mit der tarren Negative zu begnüge n." Auch hier vermag mau ja unter einem Schwall von Wort«, den Sinn nur zu ahne n. Aber immerhin: die baldige Aushebung deZ Stuttgarter Beschlusses, der die kapitalistische Kolonialpolitik bündig und zweifelsohne ver- wirft, wird prophezeit, und darin soll„die Tendenz zur Aktion" fl) liegen! Die„Aktion" bestünde in diesem Falle also in der Annäherung an den bürgerlichen Standpunkt gegenüber der Kolonialpolitik. Da scheint unS denn doch der Standpukt der „starren Negative" vorzuziehen I Aber dies Wort von der„starren Negative" ist zugleich eine Verleumdung der bisherigen Tätigkeit der Sozialdenw« kratie! Denn die Sozialdemokratie— und sie in Deutschland allein!— hat bisher schon alles aufgeboten, um die unheilvollen Bcgleit- erschcinungen der Kolonialpolitik nach Kräften zu mildern. Und zwar sind eS— was besonders betont zu werden verdient— innerhalb der deutschen Sozialdemokratie gerade die Vertreter des „alten" Sozialismus der prinzipiellen„starren Negative" gewesen, die sich der Eingeborenen in der nachdrücklichsten Weise an« genommen haben. Im Parlament die Gcnofien Bebel und Lebe- b o u r, und in der Presse ebenfalls vorwiegend die Genossen der radikalen Richtung I Das zur Würdigung der Redensart von der„starren Negative" l Und wie in diesem Falle halten wir es überhaupt im Interesse der Partei für geboten, die Phrase nicht zu allzu„revolutionärer Kraftentfaltnng" emporwnchern zu lassen l Sie ftDtnnBi-Sthzuttellng zo Aimbiii'g. In der bayerischen Bischofsstadt Wiirzburg hat am Sonntag die sogenannte Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, d. h. die alljährliche Schaustellung, die das Zentrum seinen Wählern anstatt eines Parteitags bietet, ihre Tagung eröffnet. Eine Massenveranstaltung, die durch ihre Masse und nur durch ihre Masse imponieren soll: 4000 Personen haben sich durch Lösung einer Festkarte das Recht erkauft, an den geschlossenen Versammlungen teilzunehmen, d. h. nicht etwa zn diskutieren und Anträge zu stellen, sondern Staffage und Claque zu bilden bei den Reden der geistlichen und Welt- lichen Größen, bei den von der sorgfältig zensierenden Leitung vorbereiteten Aktionen. Eingeleitet wurde die Tagung, tvie alle Jahre, durch eine große Parade katholischer Arbeitervereine. 280 Arbeitervereine waren im Festzuge vertreten, der 10— IL'OOO Teilnehmer gezählt haben soll. Man braucht über diese Zahl nicht allzusehr zn erstaunen, wenn man hört, daß Sonderzüge von weit her die Gläubigen brachten, daß von den Vereinen viele vom Rhein, aus dem Ruhrgcbiet, Hessen, Baden und Württemberg kamen, daß Deputationen selbst von Kiel, Hamburg und Neu- münster, Rendsburg, Schwerin und anderen norddeutschen Städten vertreten waren. Den Abschluß des Festzuges bildeten sechs Arbeiterversammlungen, von denen die in der Festhalle 7000-8000 Teilnehmer zählte. Der Fabrikbesitzer Brandts- München führte den Lorsitz. Hier sprach der Reichstagsabgeordnete von Essen, der Arbeitersekretär Giesberts und feuerte seine Massen an zum Kampf nicht etwa für das gleiche Wahlrecht zum preußischen Landtag, sondern gegen die Sozialdemokratie. Er sagte: Seit Jahren bildet der Arbeiterfestzug am Sonntag ein er- hebendes Bekenntnis der arbeitenden Stände zu den Idealen des Glanbens.(Beifall.) Tausende haben hier dargelegt, was fie trennt von der antichristlichen Arbeiterschaft und was sie eint mit den Katholiken der übrigen Stände. Sie bekunden ihre Hingabe für den Glauben, für die christliche Familie, wir erwarten aber auch von den Gesetzen und Arbeitgebern Entgegenkommen und Interesse für den Arbeiterstand. Es gibt eine Strömimg in Deutschland, die unsere katholischen Arbeiter- und Gesellenvereine als überlebt bezeichnet. Aber ohne Organisation kann im öffentlichen Leben heute nichts erreicht werden. Das haben die katholischen Arbeiter früher erkannt als die anderen katbolischen Stände. Die Arbeiterorganisationen sind doppelt nöiig. Noch nie hat der Unglaube' so frech sein Haupt erhoben, noch nie haben die verflachten religiösen Ideen so ver- hängnisvoll gelvirkt wie jetzt. Kein Stand ist so vielen Angriffen vom Unglnnben ausgesetzt ivie wir. Müsse» wir uns doch täglich in den Fabriken»iid Strasse» verteidigen gegen Angriffe unserer gottlose» Arbeitskollegen.(Beifall.) Jeder muß so viel apologetisch geschult sein, um jedem grünen Jungen die gebührende Antwort erteilen zu können.(Beifall.) Die zweite Auf- gäbe ist der Kampf gegen die Sozialdemokratie. Man hat längst auf- gehört, in der Sozialdemokratie ein Werk der Hölle zu erblicken, das der Teufel in seiner Bosheit erschaffen habe. Wir kennen jetzt die Ursachen der Sozialdemokratie. Sie liegen i» Unglauben, in der religiösen Verflachung und auf der anderen Seite in den Sünde» des modernen Kapitalismus. Wenn mnnmeiut, dass nach den letzten Reichstags- wählen die Sozialdemokratie übcrwmidcii sei, so ist das ein gcfnhr- lichcr Optimismus. Eine Partei, die trotz aller Angriffe eine Viertelmillion Stimmen mehr gewonnen hat, ist nicht gebrochen, deren KampfeSmut ist nicht niedergedrückt. Wir gönnen ihr ja für ihren Uebermut den Dämpfer, und damit ist ja auch der Glaube an ihre Unüberlvindliibkeit gewichen. Aber nur mit Hülfe der christlichen Arbeiterschaft ist die Macht der Sozialdemokratie zu brechen. (Lebhafter Beifall.).Um so notwendiger ist es, daß wir für soziale Reformen, für die KoalitionS- und BcrciuSfrcihcit eintreten, besonders, da dunkle Mächte die Sozialreform zum Stillstand bringen wollen. Der Rücktritt PosadowSkyS kau» nicht gerade als Zeichen sozialen Fortschritts betrachtet werden.(Beifall.) Da ist es not- wendig, den Regierungen zu zeigen, dass wir auf die gerechten An- sprüche der Arbeiter nicht verzichten wollen.(Stürmischer Beifall.) Man sollte mit dem Vorurteil brechen, daß die Arbeiter geborene Dummköpfe sind. Der Herrgott ist bei der Verteilung der"Geistes- gaben der größte Demokrat gewesen.(Heiterkeit und Zu- stimnmng.) Es wäre ja auch schlimm, wenn Bildung und Besitz verknüpft wären.(Stürmischer Beifall.) Ich wünsche weiter die Förderung des StandeSbewnßtseins, denn der Arbeiter kann sich sehen lassen, er ist ein wichtiges Glied in der Weltwirtschaft. Wir wollen stolz darauf sein, deutsche katholische Arbeiter zu sein.(Stürmischer Beifall.) Weiter müssen wir darauf bedacht sein, daß wir für die Förderung des christlichen Familien- lcbcns und sür die Kindererziehung sorgen, denn an der christlichen Familie und an der Sittlichkeit rüttelt ja am meisten der Unglaube. Wir wollen betende Männer, betende Familienväter fein.(Stürmischer Beifall.) Die christlichen Gewerkschaften sind die notwendige Ergänzung der Arbeitervereine, denn sie sind die einzige Organisation, die der Sozialdemokratie einigcrmasscn Respekt abnötigt.(Lebhafter Wider- spruch.) Sie sind trotz der Angriffe und Verfolgungen immer zahl- reicher geworden. Ich weiß, dass die Ansichten darüber in unseren Reihen verschieden sind. Aber ich erkläre, wir müssen an ihnen fest- halten. Sie sind das einzige Mittel, um den gewaltigen Ansturm der sozialdemokratischen Organisationen, die in diesem Jahre viel- leicht schon zwei Millionen Mitglieder umfassen werden, einen Damm entgegenzusetzen. Wenn die Arbeiter so erzogen werden, werden wir die Garantie haben, daß die Bahnen eingehalten werden, die Ver- nunft und Klugheit vorschreiben.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Bemerkenswert ist hier der Widerspruch, den die Einp- fehlung der christlichen Gewerkschaften fand. Die„Berliner Richtung" der katholischen Arbeitervereine verwirft bekanntlich die konfessionell gemischten christlichen Gewerkschaften und will nur katholische Fachabteilungcn zulassen. Ans der Schluß- rede, die der Fabrikbesitzer Brandts hielt, ist der Registrie- rung wert die Mitteilung, daß in seiner Fabrik, in der die Arbeiter völlig gleichberechtigt mit dem Besitzer seien, ein Verhältnis, bei dem sich beide Teile gut stehen, die neuneinhalb- stündige Arbeitszeit an Stelle der zehneinhalbstündigen ein- gerichtet und dabei die Erfahrung gemacht wurde, daß das- selbe geleistet wird wie früher. Diese Beobachtung bestätigt lediglich viele vorhergehende Erfahrungen derselben Art— es sperrt sich indes, wie die Kämpfe der christlichen Gewerkschaften in rein katholischen Gegenden beweisen, die Mehrzahl der gut katholischen Unternehmer nicht minder energisch gegen jede Verkürzung der Arbeitszeit, als ihre protestantischen und gott- losen Kollegen. Stark besucht war natürlich auch die Begrüßungs- Versammlung am Sonntagabend. Eine ganze Reihe aus- ländischer Redner begrüßte die Versammlung. Größeres Interesse haben ihre Ausführungen für unsere Leser nicht. Die erste geschlossene Versammlung am Montag wählte den Reichstags- und badischen Landtagsabgeordneten Rechts- miwalt Fehrenbach- Frciburg zum ersten und Frei- Herrn von Francken st ein, Kämnierer und Regierungs- asscssor zu Würzburg zum zweiten Vorsitzenden. Die Ab- sendung der üblichen Huldigungstelegramme an Papst, Kaiser und den Prinzrcgenten von Bayern wurde beschlossen und sodann eine ganze Reihe von Anträgen wie immer debattelos nach der Begründung durch die offiziellen Redner angenommen. Zur Pap st frage wurde die übliche Resolution an- genommen, in der diesmal die folgende bemerkenswerte Stelle porkommt: .... Sie(die Versammlung) weist darauf hin, daß die immer dringender werdende finanzielle Notlage des heiligen Stuhles es angezeigt erscheinen läßt, bei dieser Gelegenheit dem heiligen Vater durch eine besonders reiche Spende, einen außerordentlichen Peters- Pfennig, zu Hülfe zu kommen. Sie weist ferner darauf hin, daß das Interesse, die Unabhängigkeit und Freiheit der Kirche und päpstlichen Verwaltung es dringend erfordere, zur Bestreitung der laufenden Bedürfnisse des heiligen Stuhles den gewöhnlichen Peterspfennig z» einer regelmäßigen, all- jährlich wiederkehrenden Gabe an den hl. Vater zu gestalten, welche diesen in den Stand setzen muß, allen an ihn herantretenden Er- fordernissen der Kirche im Pollen Umfange gerecht zu werde». Sie fordert die Katholiken Deutschlands auf, an jenem außerordentlichen JubiläumSpeterSpfennig, wie auch an dem alljährliche» regelmäßigen PeterSpfennig sich durch möglichst reiche Spenden zn beteiligen, als ein Beweis der Katholiken Deutschlands zu ihrer Kirche und ihrer innigsten Verehrung zu dem regierenden Papst." In seiner Begründungsrcde sagte der Abg. P o r s ch dar- über: „... Die»ichtkathokische Preffe, die sich gern mit der Lage des Papstes befaßt, stellt es so dar, als ob der heilige Bater einen glänzenden Hofftaat führt.(Pfuirufe.) Das ist nicht wahr. Trotz allergrößter, sogar übermäßiger Sparsamkeit ist es dem heiligen Vater nicht möglich, dauernd Mittel zur Abhülfe der kirchlichen Be- dürfitisse zu beschaffen, trotz aller Einschränkungen sind jährlich sechs Millionen für den Papst und die Regierung, von denen durch den PeterSpfennig die Hälfte gedeckt werden muß, nötig. Wir müssen dafür sorgen, daß das katholische Deutschland seine Pflicht tut und dem heiligen Vater sein schweres Amt erleichtert." Die Finanznot des Vatikans scheint demnach ziemlich groß zu sein. Ersparnisse also können nicht gemacht werden, denn der Hofstaat des Papstes ist nicht glänzend, versichert Herr Porsch, und der muß es ja wissen. Von den sonstigen Anträgen sind die zur Auswanderer- fürsorge bemerkenswert. Sic lauten: Die 54. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands lenkt wiederholt die Aufmcrlsamkeit der Katholiken Deutschlands auf das gegenwärtige Anwachsen der europäischen AuSwandernng nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas. Angesichts der Tatsache, daß die Zahl der Auswanderer in den letzten Jahren eine Million über- schritten hat und daß*U derselben aus zwölf verschiedenen Nasionen stammen, die der römisch-katholischen Kirche angehören, hält� die Generalversammlung die religiöse Fürsorge, wie sie die deutschen Raphael-Vercine bereits seit Jahren in nordenropäischcn Hafen- Plätzen ausübt, in den EinschiffungShäfen und tunlichst auch während der Seereise für dnrckiaus nolwcndig für die Auswanderer katholischen Glanbens. 2. Die 54. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands warnt vor leichtfertiger Auswanderung und ersucht die demschen Katholiken, die zur Auswanderung durchaus entschlossen sind, sich der unentgeltlichen Hülfeleistung der Ver- troncnSiiiänncr des Raphael-Vcreins zu bedienen. Die General- Versammlung empfiehlt die segensreiche Wirksamkeit deS Raphael- Vereins durch Beitritt zum Verein und sonstige Spenden und Unter- stützungen." Beide Anträge wurden ohne Debatte angenommen, ebenso ein Antrag auf Griindung von Seemanns- Heimen. Damit schloß die Versammlung. ffiaroklto. Nachdem sich an der Tatsache der Proklamierimg M u l a y H a f i d s zum Gegensultan nicht nichr zweifeln läßt, haben die französischen Staatsmänner einen neuen Trost bei der Hand. Mnlay Hafid soll ein Freund der Franzosen und ein kluger, energischer Mann sein, der wahrscheinlich seine Waffen nicht gegen Frankreich, sondern gegen die rebellischen Stämme richten werde. Er werde mit mehr Erfolg als sein schwacher Bruder, der Sultan, Rtihe und Ordnung im Lande herstellen und damit ein gutes Verhältnis zu Frankreich ermöglichen. sodaß die' Franzosen sich eigentlich zu seinem Auftreten Glück wünschen könnten. Es fragt sich nur, ob Mnlay. Hafid sich halten kann, wenn er sich nicht zum Führer des niusel- männischen FanatisnmS und Franzosenhaffes der Marokkaner macht. Ueber die Aufnahme des Gcgensultans im Lande und seine Maßnahmen liegen folgende Meldungen vor: Tanger, 25. August.(Meldung des Reuterschen Burcans.) Zahlreiche Privatbriefe bestätigen die Ausrufimg Mulay HafidS zum Sultan. Er soll auch bereits Minister ernannt haben. Man glaubt. daß er die Prollamation nur angenommen habe, um zurzeit dort für Ruhe zu sorgen und die Stämme in seinem Gebiet m Ordnung zu balten. London, 26. August. Nach einer Meldung ans Tanger ernannte Mnlay Hafid den früheren Minister des verstorbenen Sultans Ben Kavor zn seinem Großvezier. Mulay Hafid empfiehlt den Stämmen große Borsicht und Zurückhaltung. London, 25. August. Hiesige Blätter berichten aus Tanger, daß der neue Sultan c i n st i in m i g von den verschiedenen Stämmen proklamiert worden ist. Er lehnte die Wahl ursprünglich ab, gab aber schließlich dem anhaltenden Drängen nach. Tanger, 25. August. Gerüchtweise verlautet, daß der neue Sultan Befehl gegeben habe, die Z o l l e r t r ä g n i s s e nicht mehr wie früher an den Gouverneur und die franzö» fischen Zollinspck teure zu übermitteln, sondeni an seine Vertreter abzuliefern: zu diesem Zweck hat gestern eine Bersamm- liing unter dem Vorsitz des Kriegsministers El GuebaS stattgefimden. Dieser Versammlnng wohnten hervorragende Beamte bei. Sa» Sebastian, 24. August. Die spanische» Konsuln in den marokkanischen Häfen haben dem Minister deS Aenßern telegraphisch mitgeteilt, sie hätten die Nachricht erhalten, daß Mulah Hafid aus Casablnnca marschiere. Rom, 26. August. Der Spezialkorrespondent der„Tribnna" in Tanger glaubt mitteilen zu können, daß Mulay Hafid nach Casablauca eine Mitteilung entsandte, worin er den Franzosen er- klärt, daß sie wohl daran getan hätten, die Mörder ihrer An- gehörigen zu bestrafen, daß er die Franzosen aber mit allen Mittel» bekämpfe» werde, wenn sie sich uilterstchc» sollte», andere uiaroltaiiische Städte anzugreifen oder zu besetzen. Tanger, 2(3. August. Die hiesigen Beamten deS Sultans sandten nach Fez ein ErgebenheitStelcgramm. Trotzdem macht sich überall im Lande für Mulay Hafid große Sympathie bemerkbar, und man nimmt an, daß er die Herrschaft ohne große innere Kämpfe gewinne» wird. Die von ihm ernanute neue Regierung besteht aus den tüchtigsten MännetN. In Fez sind nach einer Londoner Meldung vom 26. August e r n st e Unruhen ansgebrocheit. Ob das vor oder nach dem Auszug der Europäer geschah, ist ungewiß. Die deutsche Kolonie hat die Hauptstadt am 26. August ver- lassen. Der Sultan stellte ihr Mittel zur Verfügung. die Reise zu unternehmen und hat sie mit einer Veglcit- Mannschaft versehen. Vor Casablauca und den übrigen Küstcnstädten blieb es am Sonntag und Montag ruhig. Politische(leberllcbt. Berliti, den 26. August 1907. Ein Wettrennen ans des Volkes Kosten. Ein beachtenswertes Wettrennen beginnt sich so allmählich zwischen Zentrum und Freisinn um Erwerb oder Erhaltung der Gunst des Herrn v. Bülow zn entwickeln. Man erinnert sich, wie Herr Peter Spahn am 11. August in Rheinbach seinen Zylinderhut sür einem demnächstigen Bestich beim Reichskanzler zu präparieren begann. Herr Spahn offerierte in seiner Rede eine neue Marineverstärkung für vierzig Milliöiichen; eine Offerte, die dann den Freisinn sein blockfcstcs Herz sofort in die längst geweiteten Hosen fallen ließ, aus Furcht, das Zentrum werde wieder langsam in die Gunst der Regierung zu kommen suchen und den Freisinn ans dem Block drängen. Diese Furcht ruft jetzt ein amüsantes Wettrennen hervor, defien Ergebnis für das Volk freilich nichts weniger ivie amüsant sein wird, da es schließlich die K o st e n der ganzen Uebung zn tragen bekommt. Hatte nämlich zuerst die freisinnige Presse ihre Furcht vor der neuen RegierungSfähigkeit deS Zentrums mit einem gigantischen Eni- rüstungsauSbruch zu verdecken gesucht und keinerlei positive Zustimmung zu neuen Marinefordcrungen laut(verde» lassen, so lvendet sie jetzt langsam aber sicher ihre Taktik. Sie diskutiert nicht mehr über die Ma r ineford erun g en, sondern nur noch um die Art ihrer Deckung. Und das aus dem sehr durchsichtigen Grunde, in der D e ck u n g S f r a g e dem Zentrum bei seinen Wählern ein Bein stellen zu können und sich selbst in den Geruch besonderer Volksfreundlichkeir zu bringen. Damit wäre dann bei einer eventuellen Sprengung deS Blocks für den Freisinn zugleich auch wieder eine Rückendeckung in, Volke geschaffen. Diese Taktik ist nicht so übel, aber eS wird dem Freisinn übel genug danach werden. Denn daö Volk weiß ganz genau und längst, daß, wer eine orderung bewilligt, auch in jedem Falle für die Art ihrer Deckung verantwortlich bleibt: will also der Freisinn mit dem Zentrum um neue Marineforderungen Wettrennen. o bleibt es völlig gleichgültig, ob er in der DcckungSftage vor- läufig sich volksfrcimdlich anstellt und gegen neue indirekte Steuern lospoltert. Dies letztere tut er nämlich zurzeit noch. T�e„Weser-Zeitung" bringt einen langen schweren Artikel gegen Herrn Spahns Taktik, ohne sich mit einem Worte gegen seine Forderung zu wenden, dafür aber legt sie desto gewaltiger los gegen eine„Nachricht", die ihr angeblich„von höchst vertrauenswürdiger Seite' zugekommen ist. Nach dieser „Nachricht" will das Zentrum mit den Konservativen, ferner mit seinen eigenen Anhängseln und einem Teil der Nationallideralen eine Zigarrenbandcrolesteuer durchführen. Diese Nachricht selbst hat viel für sich, und wir haben schon in unserer letzten Nummer auf die immer deutlicher hervortretenden Formen der neuen Steuern hingewiesen und dabei auch bereits die Version einer Zigarrenbanderolesteucr wiedergegeben. Die„Weser-Ztg." deutet mit Recht die schweren, volksfeindlichen Wirkungen an, die eine solche Steuer im Gefolge haben müßte; nicht nur für den Konsumenten der Zigarren, sondern ebenso sehr für den Produzenten, im besonderen wieder für die Arbeiter in der Tabakindustrie. Das einzusehen, mußte der„Weser>Ztg." um so leichter werden, als gerade in Bremen, wie bekannt, eine starke Zigarrenindustrie vorherrscht. Die.Weser-Ztg." wendet sich auch mit Recht und mit guten Gründen schon jetzt gegen die Phrase von der.Besteuerung nach dem Werte", womit man wieder sagen will, daß nur die.teure Zigarre des reichen Mannes" getroffen werden solle. Dieser Humbug ist auch zu alt, als daß er noch irgendwo seine beruhigende Wirkung ausüben konnte, am wenigsten in den Kreisen der A r b e i t e r. auf die daS Zentrum in seinen Wahl- kreisen angewiesen bleibt. Insoweit also würden wir der„Weser-Zeitung" beipflichten können. Aber die Gefahr ihrer freisinnigen Taktik gegen das Zentrum liegt eben darin, daß sie kein Wort der energischen Abwehr gegen die Forderung des Herrn Spahn und seiner Hintermänner findet, die erst solche Stenerprojekte provoziert! Und diese freisinnige .Taktik" hat eben ihren Grund wiederum in der sachlich so widernatürlichen Stellung des Freisinns im.Block"; der Freisinn will an Heldengrvße im Bewilligen militaristischer und marinistischer Blutopfer des Volkes dem Zentrum nicht nachstehen, aber er will sich, wie gesagt, den Rücken für neue Wahlen dadurch im Volke decke», daß er sich noch hinsichtlich der Art, wie diese Opfer ge- deckt, das heißt bezahlt werden sollen, in den Mantel der Volks- und im besonderen der Arbeiterfreundlichkeit hüllt. DaS wird ihm aber nichts und bei niemand helfen. Denn wenn irgendwo die Forderung gilt: Hier hilft kein Mund- spitzen, hier muß gepfiffen werden, so bei allen Forderungen für Heer und Marine. Wer für diese eintritt, darf sich nicht um ihre Deckung drücken; wer sie haben will, muß sie bezahlen helfen I Will also der Freisinn mit dem Zentrum Wettrennen um neue Volksopfer für Heer und Marine, um feine Blockwiirdigkeit zu sichern, fo wird er sich sagen lassen muffen, daß er dies genau so auf des Volkes Kosten tut wie das Zentrum, und er wird genau wie dieses die Folgen dafür zu tragen haben I— Das laftt„tief blicken"! Gegen die Polen wird bekanntlich ein Entcignungsgesetz geplant. Die liberale Prcffc— wie übrigens auch die ZeritrumSpresse— sind borläufig noch sehr gegen eine solche Maßnahme. Wie sich ihre Fraktionen im Abgcordnetcnhause benehmen werden, wenn wirklich ein solcher Entwurf einlaufen sollte, wollen wir abwarten. Bei dem Gepolter, nnt dem die liberale Presse sich in der Be- kämpfung einer solchen Absicht bemerkbar macht— sie tut daS be- kanntlich immer,«in sich, wenn später die Tat fehlt, wenigstens auf ihre großen Worte berufen zu können— entschlüpft nun der »Frankfurter Ztg." folgendes bemerkenSlvcrte Geständnis: „Eine solche Vorlage muß in ihrer Entstehung bekämpft werden, denn wenn sie erst einmal eingebracht ist, so wirkt die nationale Phrase, daß ihre Ablehnung ein Triuniph der Polen und eine Niederlage der Regierung bedeuten würde und daß mau daher gegen bessere Ncberzeugnng daS gefährliche Abenteuer mitmachen müsse." Das ist ja allerliebst und gestattet allerlei Rückschlüsse auf die jüngste Vergangenheit. Also wenn die.nationale Phrase" entfesselt ist, dann macht der deutsche Liberalisinus auch gegen bessere Ueberzeugnng init— vermutlich um nicht in den Verbacht der„Reichsfeindschaft" zu kommen. Nun war eS bekanntlich die nationale Phrase, die ausschließlich den jüngsten NeichStagswahl« kämpf beherrscht hat. lind ebenso bekannt ist, daß der Liberalismus in Sachen der Kolonialpolitik vom 13. Dezember ab urplötzlich das Gegenteil seiner früheren Anschauungen propagierte. Nach dem jetzigen Geständnis der.Franks. Ztg." dürfen wir annehmen, daß er das gegen seine bessere Ueberzeugung aus Angst vor der nationalen Phrase getan hat.— Schlimme Folgen„kameradschaftlicher" Behandlung. Bekaniitlich haben in vielen Regimentern die Rekruten unter den Roheiten und Schikanen der„alten" Soldaten zu leide», so daß aus diesem Grunde oft Desertionen vorkommen. Auch der Füsclicr S. von der 11. Kompagnie des in Sonderburg aarnisoniereudcn 8S. Infanterieregiments hätte unter dieser„kamerad- schaftlichcn" Behandlung schwer zu leiden, indem die im ziveiten Jahre dienende» Leute i h in allerlei Ar- beiten aufhalsten und ihn nachts im Bett mit Wasser begossen. Eines TageS ging der Gequälte auf und davon, aber er wurde nach einigen Wochen ergriffen und wegen Fahnciiflncht zu sieben Monaten Gefängnis nnd den üblichen Ncbeuftrasen verurteilt. In der betreffenden Verhandlung vor dem Kriegsgericht stellte die ganze Stubenbelegschaft, 16 Mann, in Abrede, den S. schlecht behandelt zu haben. Drei der Zeuge» wurden darauf wegen Meineides angeklagt und der eine zu einem Jahre und drei Monaten Gefängnis, vier Jahren Ehrverlust und Entfernung ans dem Heere verurteilt, während die andere» frei- gesprochen wurden. Gegen dieicS Urteil hat der Gerichtsherr Be- rufung eingelegt, weil ihin die Strafe zu niedrig erschien, und wegen der Freisprechung des einen AngekUrgten. Die Vcrhaiidlung vor dein ObcrkricgSgcrichl des 0. ArmcclorpS sAItona) fand ain DonnerSlag statt und nahm den ganze» Tag in Anspruch. Auch diese Zeugen- Vernehmung machte den Eindruck, daß die Zeugen mit der Wahrheit nicht herausrückten. Der Vertreter der Anklage beantragte gegen beide Angeklagte wegen ivissenllicher Verletzmig der Eidcspflicht l'/ä Jahre Zuchthaus und Nebenstrafeir. DaS Urteil lautete auf 1 ö Monate bczw. ei n.Jahr Zuchthaus, je zwei Jahre Ehrverlust, Entfernung auS dem Heere und dauernde Unfähigkeit, als Zeuge eidlich vernommen zu werden. Die rekrutcnschindcndcn„Kameraden' verdienten die Aechtung aller anständigen Manuschasten!— Knuten-Oertel als Anstandstante. Zu unseren Bcmerklingen über die preußische Polizei» fllrchtigkeit, mit deren Maßstab die Ivürttcnibcrgische Negicrung die Redefreiheit ausländischer Sozialisten abzuzirkeln zu müssen glaubte, bemerkt die deutsche„T a g e S- Z t g.": Das ist der Gipfel der Unverfrorenheit I Wer einem sozialistischen Kongresse Obdach gewährt, der muß damit rechnen, daß be- schimpfende Aeutzerungen fallen. Was der Hinweis auf die„bürgerlich fortgeschrittenen Länder' soll, verstehen wir nicht. Kein Land, mindestens kein Kulturland, kann dulden, daß offizielle Vertreter der Kulturstaaten in pöbelhafter Weise bcschjinpft werden und daß diese Beschimpfung ausdrücklich wiederholt wird. Wenn ausländische Sozialisten bei uns reden, dann fällt cS uns '»cht ein. uns nach ihren Gepflogenheiten zu richten: sondern sie müssen daS beachten, lvaS bei uns Gesetz ist, und das meiden, was gegen unser Strafgesetzbuch und gegen die Gebote des Anftandes verstößt." Bis jetzt haben wir faktisch nicht gewußt, daß die„Deutsche Tageszeitung" und ihre Hintermänner die berufenen Hüter der „Gebote des Anstand es" sind. War eS nicht ein agrarischer Junker und Führer deS Bundes der Landwirte, der einst ausrief:„Die Minister können unS sonst w a S l"? War es nicht ebenfalls ein agrarischer Junker, der im Reichstag bei der Schilderung furchtbaren ProlctarierelendS dazwischenrief:«Der Vater wird alles versoffen haben!"? Und schlägt nicht gerade der preußische K a s e r n e n h o f t o n, wie ihn nicht nur die subalternen Stellvertreter Gottes kultivieren, jeden Rekord der Drasiik l Warum also so zimperlich, verehrte Vertreter des nationalen Schweins? I—_ Nochmals der Schwabenstreich. Selbst die„ N o r d d. A l l g e m. Ztg." fühlt sich durch die LcSart choquiert, daß der unsäglich kleinliche Akt der Ausweisung des englischen Genossen Queich durch die wiirttembcrgische Re- gicrung einem Wink ans Berlin zuzuschreiben sei. Sie weist aus dem— uns nicht zu Gesicht gekommenen— Wortlaut des„Württem- bergischcn Reichsanzeigers" nach, daß die württembergische Regierung ohne jede Direktive auS Berlin ihren Schwabenstreich verübt habe. Das konnten wir nicht wissen, weil unS jene Erklärung nur nach dem Auszug des offiziösen Dcpeschenbureaus vorlag, das die in Betracht kommenden Stellen die Erklärung verschwieg und auch keinerlei Dementi gegen die Behauptung der„Flf. Ztg." brachte, baß eine Weisung aus Berlin vorliege. Wir konstatieren aber nach den nunmehr vorliegenden Fest- stellungen der offiziösen„Nordd. Allg. Ztg." aus geziemender Ge- wissenhaftigkeit. daß für diesen Schwabenstreich die preußische Re- giernng nicht verantwortlich ist. Leider können wir nicht zugleich konstatieren, daß die amtlichen Stellen in Berlin den Schwabenstreich, für den sie die Urheber- schaft ausdrücklich ablehnen, auch mißbilligen! Das wäre steilich auch zuviel verlangt. Wir erklären also hiernnt feierlichst, daß Württemberg nicht als der politische„Vasall Borußlands" handelte, sondern nur seine borussische Seelenverwandtschaft bekundete I— Gemeinsame englisch-dentsche Aktion gegen Morenga. Gouverneur von L i n d e q u i st telegraphiert: Der Gouverneur der Kapkolonie bestätigt die Anwesenheit Morengaö auf englischem Gebiete bei B a k r i v i e r m u n d. Alle vor- sügbare britische Polizei ist dorthin entsandt. Nach Mitteilung deS Generalkonsuls plündern Morengas Leute ans englischem Gebiete. DaS Kapministerinm hat meinem Antrag, einen deutschen Gcneralstabsoffizier nach Kapstadl zu entsenden, um die Wünsche und Pläne des Truppcnkommandcnrs dein Ministerinin und dem Polizei« defehlshaber niitzuteilen. entsprochen und z n g e st i m in t, daß derselbe alödonn dem kommandierenden Polizeioffizicr deS Gordonia- distrilts attachiert wird zum Zwecke der Herstellung der Wer- b i n d u n g z lv i s ch e n den deutschen und englischen Streitkräften. In Aussicht genommen ist hierfür von dem Trnppeiikommmldcur mit meinem Einverständnis Haiiptmann von Hagen. Berlin, 26. August. Amtliche Meldung aus Windhuk: Nach Meldima der Kmidschafter und englischer Hottentotten ist Morris am 20. August mit 2 Hottentotten und 37 Pferden zu Morenga ge- stoßen. Morenga ist angeblich von Bakrivier wieder in die Berge gezogen._ Trmkfchlcrbcrichtigllng. In dem Artikel„Nochmals: der kastrierte Freisinn" in der Sonntagsnummer muß eS im fünften Absatz heißen:„Da ist also die Sozialdemokratie glücklich wieder zum schuldigen Karnickel geworden," nicht u n- schuldigen._ Cnglanct. Ministerredeu gegen daS Oberhaus. London, 25. August. Der UnterstaatSsekretär Winston Churchill äußerte in einer Rede, die er in Cheadle Hulme bei Manchester hielt, die Gesctzesvorschläge. die von dem Ober- hause verworfen worden seien, würden dem Unterhause von neuem vorgelegt und so rasch als möglich zur Erledigung gebracht werden, bis daS Land z» g-cigucter Zeit einen Urteilsspruch zu- guustcn der Regierung von der Demokratie anstatt von dm herrschende» Klassen verlange. Ebenso brachten auch der Kanzler der Schatzkammer A S q u i t h in CorSham bei Bath, der Kriegsmiiiister H a l d a n e in Kippen- House in Pcrthshire sowie der Unterrichtsminister B i r r e l in Bristol die Absicht der Regierung zun, Ausdruck, die Oberhausfrage zur Entscheidung zu bringen. Asquith äußerte, die ernsteste politische Frage sei die, ob daS Volk gestatten solle, daß der Führer einer kleinen Minorität deS Unterhauses mit Hülfe der Lords Gcschesanträge verstümmele oder beseitige. H a l d a n e er- klärte, die Regierung gehe damit um, de», Volke die entscheidende Gewalt zu übertragen, indem sie seinen Willen in einem einzigen Parlamente zur vorherrschenden Geltung bringe.— Italien. Richter als Werkzeuge dcS Klassenhasses. Rom, 24. August.(Eig. Ber.) Die italienischen Richter fühlen sich immer mehr berufen, an dem organisierten Proletariat die verschiedenen Spielarten dcS „gleichen Rechts für alle" zu experimentieren. Besonders bei Streik- vergehen lverden jetzt Excmpel statuiert, die recht deutlich zeigen, daß sich die herrschende Klasse nicht mehr stark genug fühlt, um den Kampf mit ehrlichen Mitteln anszufcchten. Sie werfen die ganze Brutalität des GerichtSterrotiSinnS zugunsten des Kapitals in die Wagschale. So sind z. B. zur Stunde noch 29 Arbeiter von Argenta im Gefängnis, die während des Streiks in diesem Frühjahr ver- haftet wurden. Auch die Arbeiter und bürgerlichen Genossen, gegen 100 an der Zahl, die während des großen Feldarbeiterstreiks von C o p p a r o verhaftet worden sind, befinden sich bis zur Stunde in Untersuchungshaft. In L i v o r n o hat man am 20. d. M. gegen den Genossen I t a l a L u c o n i und einen gewissen Scgre wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verhandelt. Beide waren am 1. Mai den Brutalitäten der Polizisten entgegengetreten. Die Beweisaufnahme ergab so wenig Belastendes, daß zivei der Verteidiger ganz auf das Wort verzichteten. DaS verhinderte die Richter nicht, den Genossen Luconi zu 14 Monaten Gefängnis zu verurteilen. Der Mitangeklagte kam mit 7 Monaten davon, weil er minderjährig und wohl auch, weil er nicht Sozialist ist. Wie sehr bei solchen Urteilen da? Bestreben mitspielt, ein Excmpel zu statuieren, hat sich am 22. in Ferrara gezeigt. Hier waren acht organisierte Arbeiter wegen Vergehens gegen die per- sönliche Freiheit angeklagt, weil sie drei nicht organisierte Arbeiter durch Drohungen zum Eintritt i» die Gewerlschaft bewegen wollten. Das Gericht Iprach sechs der Angeklagten frei und verurteilte die übrigen zu 15 und 20 Tagen Hast. Für dasselbe Vergehen hat man während deS letzten Landarbciterstrciks sechs Streikende zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt I So sehr haben sich die Richter von der„Not der Grundbesitzer" beeinflussen lassen! Wie die„Stahlwerke Tcnii" für ihre Arbeiter sorgen. Rom, 24. August.(Eig. Ber.) Ein schrecklicher Unglücksfall hat am 22. d. Mts. gezeigt, wie berechtigt die Beschwerden der Arbeiter der Stahlwerke Terin gegen! ihre noblen Arbeitgeber sind. Seit langem klagen die Arbeiter dar- über, daß die Auszahlung dcS HalbmonatSlohneS in einem ganz ungeeigneten Lokale stattfinde, wobei der Umstand, daß man die Mittagspause von 12 bis 2 Uhr zur Auszahlung benutzt, zu einem lebensgefährlichen Gedränge führt. Vorgestern ist nun wirklich im Vorraum, wo sich die Wartenden anstancn, ein Arbeiter er- drückt und ein anderer schwer verletzt worden. Kann eine Aktiengesellschaft, die 3000 Arbeiter beschäftigt, die Lohn- auSzahlung nicht in einem Lokal und unter Umständen vornehmen, die solche schrecklichen Unglücksfälle ausschließen? Kann sie, die Millionen an Dividende» verteilt, nicht mehrere Angestellte für die Auszahlung anstellen? Lulgarien. Sosin, 25. August. Die Regierung verfügte die Auflösung des bulgarischen VolksschnllchrcrverbandeS. Der Verband hat sein Bernrögen bereits vor einiger Zeit bei auS- ländijcheu Banken deponiert; es beträgt 300000 Frank.— Eue der partei. Eine Berichtigung zum Bericht dcS ParteivorstnndcS an den Essener Parteitag bringt die„Lcipz. Volkszeitimg". Sie schreibt: In der Zusammenstellung der Mitgliedcrzahlcn der Parteiorgani- sationen ist beim Umbrechen deö Satze? Leipzig um eine Anzahl Mitglieder gekommen.(Seite 9 deS VorstaudSberichlS.) Die Leipzig zustehenden Mitgliederzahleu sind auf diese Weise zu Che m n i tz gekommen und die Chenmitzer zu Leipzig. Leipzig hatte nicht 12720 bczw. 17 887 Mitglieder, sondern 1906: 18 105 1907: 26 760 Die Zahl der Ortsvereinc hat ebenfalls durch den Umbruch gelitten. Zu viel Delegierte. Die„Leipziger VolkSzeitung" und die„ M ü n ch e n e r P o st" fördern, daß für künftige i n t e r- nationale soziali st ische Kongresse die Zahl der Delc- gierten eingeschränkt werde, da der fast tanscndköpfige Be- ratlingSkörper in Stuttgart zu groß war.— Das ist auch unsere Ansicht. Bon de» Organisationen. Der Agiiationsbezirk„Nordwest" hat im verflossene» Jahre erfreuliche Fortschritte gemacht. In den angeschlossenen fünf Wahlkreisen— Bremen, 6., 17.. 13. und 19. hannoverscher Wahlkreis— bestehen zurzeit 21 Ortsvereine. Die Mitglicderzahl ist von 11 173 auf 17 179 gestiegen, in diesem einem Jahre also um 6001, das macht 53,6 Proz. Die Zahl der wcib- lichcn Mitglieder beträgt 589. Einen besoldeten Sekretär zur Führung der Parteigeschäfte hat der Wahlkreis Bremen. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemcindevertreter im Bezirk beträgt 10 in Städten und 53 in Landgeineinden. Dazu kommt»och die Zahl der sozialdemokratischen BnrgerschaftsmitglicdlK für Bremen. Der Jahresbericht des Sozialdemokratischen Vereins Elberfeld-Barnien für 1906— 07 ist als Fest- buch zum Parteifest herausgegeben worden. Mit einem Kampf- gedieht von Ernst Söhngen„Wir bitten nicht" wird die schön aus- gestattete Schrift eingeleitet._ 7. skandinavischer Arbeiterkongreß in Kristiania 1007. Der 7. skandinavische Arbeitcrkongrcß wird vom 6.— 8. Sep» tember er. in Kristiania abgehalten. Ans der Tagesordnung ist zu nennen: Das Ziel der modernen Arbeiterbewegung. Berichterstatter: Reichstagsabgeordneter Hj. Branting, Storkholm. Genossenschaftswesen. Berichterstatter: Sigr. Olsen. Sozialpolitische Fragen. 1. Gesetzlicher achtstündiger Arbeitstag. 2. Die Arbeitslosigkeit. 3. Die Wirksamkeit der Selbst- hülfe in den fachlichen Organisationen in Verbindung mit der sozialen Gesetzgebung. 4. Skandinavisches statistisches Bureau für die Arbeiterbelvegung. 5. Was ist zu tun zur Förderung der Bildung und Kultur der Arbeiterklasse? 6. Gesetzliche Schiedsgerichte bei Arbeitslonflikten. 7. Die skandinavische Arbeiterpresse. Gewerkschaftliche Fragen. 1. Können die Arbeiter die gewerkschaftlichen Landesorganisationen entbehren? 2. Gegenseitigkeit zwischen den Fachverbänden Skandinaviens. 8. Was ist zu tun um die Frauen zu organisieren? 4. Industrie- oder Fach- verband. 5. Gegenseitige obligatorische Unterstützung bei größeren Ausständen. 6. Die Stellung der öffentlichen Angestellten zu den Arbeiterorganisationen. 7. Handiverksfach und ungelernte Arbeiter. P o l i t i s ch e F r a g e n. 1. Die Bekämpfung deS Militarismus. 2. Gesindegesetzgebung._ Genosse Tak gestorben. Amsterdam. 25. August. Am Sonntagnachmittag verschied plötzlich im Atter von 59 Jahren infolge eines Herzschlages der Genoffe P. L. Tak zu Domburg, wo er sich zeitweilig bei seinem Bruder aufhielt. Der Hingeschiedene, ein in- und außerhalb der Partei angesehener und beliebter Genosse, war sozialdemokratischer Abgeordneter zur Zweiten Kannner für den Wahlkreis Francker, Mitglied der Provinzialstaaten Nordhollands und de? Amsterdamer Gemeinderats. Im inneren Parteilebcn ist er hervorragend tätig gewesen. Von 1903— 1906 war crHauptredaktcnr des Parteiblattes „Het Volk", von 1903—1905 Mitglied dcS PartcivorstandeS. Außerdem saß er im Vorstande des Vereins sozialdemokratischer GemeinderatSmitgliedcr. Er galt als Autorität in der Gemeinde- Politik. Die holländische Partei verliert in ihm eine erste Kraft. Seiner Wirksamkeit wird stets ein ehrendes Andenken bewahrt werden. polireUlebes, Gerichtliches ulw. Strastonto der Presse. Wegen Beleidigimg einiger National liberaler zu Weida, begangen während der Reichstagswahl, wurde der Genosse Pfeuffer von der ,. W eim.a r i s ch en Volks« z e i t u n g' in zweiter Instanz zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. GemrksckaMicke�. Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir de» Schädel ei»! Die Scharfmacher-Prcsse ivird höflichst gebeten, dem folgenden Fall„Arbeitcr-TerroriSmns" ihre„geehrten Spalten" zu öffnen: Katholische Mitglieder des ch r i st l i ck e n Metallarbeiter- Verbandes verteilten am Sonntag, den 25. August, mittags, an der katholischen Kirche in Moabit Flugblätter, durch welche zu einer öffentlichen christlichen Gewerkschaftsversammlung, welche am 23. d. M. in Alt-Moabit. Kroncn-Brauerci. stattfinden solll, eingeladen wurde. Fanatisierte Anhänger der katholischen Fachabteilungen glaubten ihren GlaubenSbrüdern die Verkehrtheit der christlichen Gewerkschaften „schlagend" nachweisen zu müssen. Der christliche Zettelverteiler wurde angespuckt, ihm wurden die Flügzettel gewaltsam entrissen, damit an de» Klopf geschlagen und schließlich wurde er vom Trottoir auf den Fahrdamm gestoßen. Als sich ein starker Menschenauflauf gebildet hatte, kam die Polizei dazwischen und führte de» muligen Angreifer zur Polizeiwache zwecks Feststellung der Personalien. Der angegriffene christliche Gewerkschaftler ging zum Arzt zwecks Aus- ftellung eines Attestes._ Berlin und Qrngegtnd« Achtung, Klempner! Die Firma Paul P e r i tz, Lützowstr. 43. zahlt nicht nach dem Tarif; die Firma ist deshalb gesperrt. Die OrtSverwaltnng. Die Marmorarbeitcr hatten den Unternehmern ihres Berufes einen Tarif eingereicht, dessen hauptsächlichste Forderungen folgende sind: Abschaffung der Akkordarbeit, Erhöhung der Stundenlöhne auf 85 Pf. für Steinmetzen, 70 Pf. für Schleifer, Einführung der S'/z stündigen Arbeitszeit. Die Unternehmer haben sich bereit erNärt. den bisherigen Stundenlohn um 5 Pf. zu erhöhen; die Abschaffung der Akkordarbeit, ebenso die Verkürzung der Arbeitszeit lehnen sie dagegen ab.— Am 20. d. Mts. hat sich das Einigungsamt mit dieicr Angelegenheit beschäftigt, es kam jedoch zu keiner Ver- ständigung. Das Einigungsamt empfahl den Vertretern beider Parteien, nochmals eine gemeinsame Sitzung abzuhalten und eine Einigung über die bestehenden Differenzen zu versuchen. Diese Sitzung hat stattgefunden. aber es kam auch da nicht zu einer Einigung.— Am Sonntag fand nun eine General- Versammlung der Marmorarbeiter statt, welche zu dieser Sachlage Stellung zu nehmen hatte. Der Filialvorsitzende Ungemach berichtete über die stattgehabten Verhandlungen und machte mit Rücksicht auf die gegenwärtige Situation folgenden Vorschlag: Es soll jetzt ge- fordert werden für Steinmetzen ein Stundenlohn von 75 Pf. in der Werkstatt, 80 Pf. auf Bauten, in Geschäften, die nur Versetzarbeit haben, 85 Pf. Der Stundenlohn der Schleifer soll in der Werkstatt 65 Pf., auf Bauten 70 Pf. betragen. Die Versammlung stimmte diesem Vorschlage zu und beschloß mit großer Mehrheit, daß der Tarif mit diesen Aenderungen im Laufe der Woche den einzelnen Unternehmern vorgelegt wird und daß er bis zum 1. März 1903 Geltung haben soll. Wo diese Forderungen nicht bewilligt werden, soll am Montag die Arbeit niedergelegt werden. Die Betrirbshülfsarbeiter der Allgemeinen Elektrizitäts-Gcsell- schaft haben auf ihre Lohnforderungen noch nicht den erwarteten günstigen Bescheid von der Direktion erhalten. Diese will sich nicht durch bestimmte Zugeständnisse binden; den Arbeitern aber genügen bloße Versprechungen nicht, sie verlangen die Anerkennung eines Anfangslohnes von 40 Pf. pro Stunde und eine Festsetzung der Lohnerhöhungen bis zu 56 Pf. pro Stunde. In einer Versammlung, die am Sonntag im Swinemünder Gesellschaftshaus stattfand, wurden die Angelegenheiten beraten und der Arbeitcrausschuß erhielt Auftrag. von neuem die Wünsche der Arbeiter der Direktion vorzutragen. Den Vorschlag der letzteren. zu dem bisherigen Anfangslohn von 34 Pf. einen Zuschlag von 2 Pf. zu gewähren und die weiteren Lohnerhöhungen dem Gutachten der Direktion zu überlassen, lehnte die Versammlung mit großer Stimmen- Mehrheit ab. Achtung, Klebe»? Die Sperre über die Bauten der Firma M. Kamm. Nixdorf, Hermannstr. 66, ist aufgehoben, da Herr Klamm unterschriftlich bewilligt hat. Die Verbandsleitung: Engel-Ufer 15. Achtung, Friseurgchülfe»! Beigelegt sind die Differenzen bei C i ch y, Hnttenstr. 32. Beusselstr. 84 und Drescher. Krossener- straße 14. Noch gesperrt Karts. Stralauer Allee 23. Bewilligt Alpers, Stralauer Allee 20. I. A.:PaulLiere, Rosenthalerstr. 57. Oeutkebes Reich. Lohnkämpfe in der Juteindustrie. Vor neun Monaten wurden die Jutearbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands durch den Textilarbeiterverband zu einer Konferenz nach Braunschweig zusammenberufen. Vordem war es trotz aller Agitation nicht gelungen, eine größere Anzahl dieser Arbeiter zu organisieren. Seit dieser Konferenz, auf welcher sämtliche größeren Jutebetriebe Deutschlands— zusammen 23— vertreten waren, ist das anders geworden. Die Jutearbeiter kamen in Bewegung und in den Verband. Wie so oft unorganisierte Arbeiter alle Aktionspläne der Leitungen durchkreuzen, so trat das auch in diesem Falle ein. Statt zunächst, den Weisungen des Verbandes folgend, organisatorisch tätig zu sein, sich Rechte in der Gewerk- schaft zu erwerben und dann Lohnbewegungen gut vorbereitet durchzuführen, gingen die seit Jahren geschundenen Lohnsklaven ohne weiteres in den Streik. Die in drei Sprachen verteilten Flugblätter und Broschüren über die Jutekonferenz hatten offenbar ihre Wirkung getan. Die Arbeiter empörten sich gegen ein schreiendes Unrecht. In Sendhofen, Neckarsulm, Bremen, Hemelingen, Braunschweig, Branden- bürg, Landsberg a. W. kam es zu Arbeitseinstellungen. Ohne die zurückdrängende Tätigkeit der Organisation wäre zweifellos die gesamte deutsche Juteindustrie zum Stillstand gc- kommen. Die Organisation hatte nun die Aufgabe, die wild auf- geschossenen Streiks zu beenden, ohne die Arbeiter und den Ver- band zu schädigen. Das ist im großen und ganzen gelungen. Die Streiks wurden beendet und die Lohnbewegungen planmäßig durch- geführt. Verbesserungen wurden fast überall erreicht. Allerdings sind die Zustände in den Jutebetrieben so entsetzlich, daß es jahrelanger Arbeit bedürfen wird, um einigermaßen er- trägliche Zustände zu schaffen. Beschäftigt werden zum großen Teil auf niedriger Kulturstufe stehende ausländische galizische und tschechische Arbeiter. Der Prämien- und Wohlfahrtsschwindcl steht in bester Blüte. Die Wohnungen der Jutearbeiter spotten jeder Beschreibung. Eingepfercht in enge, schmucklose Räume liegt alt und jung, männlich und weiblich wild durcheinander. In Schiffbcck müssen es sich die in Fabrikhäusern wohnenden Arbeiter- familien einfach gefallen lassen, daß zugereiste fremde Arbeiter— ob mit Ungeziefer behaftet oder nicht— bei ihnen einquartiert werden. Wer das nicht mitmachen will, verliert Arbeit und Wohnung. Ist Arbcitcrmangel vorhanden, so müssen in Beuel a. Rh. die Mieter von Fabrikwohnungen ihre Frauen mit zur Arbeit bringen, ganz gleichgültig, ob sechs oder mehr Kinder die Hülfe der Mutter brauchen. Wer sich nicht fügt, der fliegt aus Wohnung und Fabrik. In derselben Fabrik und noch in vielen anderen Fabriken gehören die Arbeiter zum Fabrikkonsumverein. Die Haftsumme beträgt 50 M. Die Verwaltung besorgt die Direktion. Der Arbeiter hat nichts zu sagen. Auch Fabrikküchen sind als „Wohltat" für die Arbeiter in vielen Fabriken eingerichtet. Er kann dort um billiges Geld schlechtes Essen bekommen. In Send- Hofen bei Mannheim war lange Zeit ein Koch beschäftigt, dessen Frau es für gut befand, ihre Notdurft in die Kücheneimer der Volksküche zu verrichten. Dazu kommen noch die Fabriksparkassen. Elend sind die Löhne. Es betragen die Stundenlöhne für die Männer zirka 23 Pf., für Frauen 15 Pf. und für jugendliche Ar- beiter 10— 14 Pf. Dabei ist noch das Strafsystem in raffiniertester Weise ausgebaut und werden die Arbeiter noch durch die ver- schiedensten Manipulationen um ihren so elenden Lohn geprellt. Zweifellos stehen auch die Kinderschutzgesetze für viele Jutebetriebe nur auf dem Papier. Man braucht nur die Kinder der galizischen Arbeiter, wie sie in Vechelde und anderwärts beschäftigt werden. zu sehen, um zu erkennen, dasi es sich um schulpflichtige Kinder handelt. Selbstverständlich befinden sich die Unternehmer in dem guten Glauben, daß der Schule entwachsene, jugendliche Arbeiter in Frage kommen, denn der Agent für Menschenware hat ja ein„amtliches Zeugnis"„galizischer Behörden"(Geburts- schein) vorgelegt, welcher den guten Glauben des Unternehmers bestätigt. Sollte da nicht ein Dokumentenschwindler seine Hände im Spiele haben? Auch der Gewerbeinspektor in Braunschweig mußte auf eine Beschwerde zugeben, daß„die galizischen Jugend- lichen sehr zurück sind und in der Tat den Eindruck machen, daß es sich um Kinder von höchstens 12 Jahren handelt". Sonst hat er nichts tun können, weil ja die„Geburtsscheine" vorlagen. Er hat sich„darauf beschränken müssen, der Fabrikleitung in Vechelde anheimzugeben, in Zukunft mehr dem Sinne des Gesetzes nach zu handeln und„Jugendliche fortan in derart zurückgebliebener körperlicher Entwickelung nicht mehr einzustellen". Richtet man an diese Kinderchen die Frage nach dem Alter, so erhält man ge- 'Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: wohnlich die Antwort: 16 Jahre. Kein Wort mehr, keins weniger. Aber in zwei Fällen hat der Vertrauensmann des Textilarbeiter- Verbandes in Vechelde doch eine andere Antwort erzielt. In einem Falle erklärte ein Knabe, daß er 10 Jahre alt sei und ein kleines Mädchen gab ihr Alter auf 9 Jahre an. Ein kleines, höchstens 9 Jahre altes Mädchen sahen wir aus dem Betriebe kommen. In ihrer Schürze hatte sie ihre Gespielin— eine kleine Puppe, welche sie alltäglich mit zur Arbeit nahm. Und diese armen Würmer müssen täglich 10 Stunden in Staub und Dreck arbeiten. Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß diese Jutearbeiterschaft geistig und sittlich noch sehr zurück ist. Der Alkohol spielt bei ihnen eine große Rolle, und ein großer Teil der beschäftigten Arbeite- rinnen wird zweifellos von gewissenlosen Vorgesetzten zu gcschlecht- lichen Zwecken mißbraucht, was wiederum ungünstig auf das Zu- sammenarbeiten der Gesamtarbeiterschaft in den Fabriken zurück- wirkt und auch die Organisationsarbeit ungemein erschwert..Diese elenden Zustände können nicht von heute auf morgen gebessert werden. Jahrelang wird unter den sich viel auf Wanderschaft befindlichen Jutearbcitern gearbeitet werden müssen, um durch- greifende Besserung zu schaffen. Aber es geht vorwärts! Zu den bisherigen Erfolgen ist jetzt ein neuer Erfolg in Hemelingen gekommen. Die Arbeiter hatten verlangt: Wöchentliche Lohn- zahlung, achttägige Kündigungsfrist, Bezahlung der Zeit für Re- paraturen und während welcher auf Material gewartet werden muß, monatliche Reinigung der Bedürfnis- anstalten(!), Vertilgung der Wanzen in den Aborten(!!), Einführung von Lohnbüchern, Anerkennung der Organisation, 20prozentige Lohnerhöhung usw. Erreicht wurde eine 8prozentige Lohnerhöhung und die Bewilligung sämtlicher obengenannter Forderungen. Außerdem ist der fluchwürdige Oualitätentarif für die Weber beseitigt. An dessen Stelle ist ein Tarif getreten, welcher den Lohn berechnet nach der Zahl der Kettenbänder und der Schuß- zahl. Jetzt können die Jutcarbeiter weiter bauen. Der Streik der Schiffer, Maschinisten und Deckleute im Ham- burger Hafenschleppschiffahrtsbetriebr hat seit Sonnabend größere Dimensionen angenommen, indem zu den bereits im Ausstande befindlichen Mannschaften die bei mehreren bedeutenden Schlepper- gesellschaften beschäftigten Leute hinzugekommen sind. Da es sich hier in der Hauptsache um qualifizierte Arbeiter handelt, die völlig vertraut find mit der Eigenart der Hamburger Hafenverhältnisse, können sie nicht durch englisches Streikbrechergesindel ersetzt werden. Ein Hamburger Reederblatt schwindelt, daß die Schiffer und Maschinisten 250—300 M- pro Monat verdienen, um in dem- selben Atemzuge mitzuteilen, daß die Arbeitgeber nicht imstande feien— 36 M. pro Woche zu bewilligen. Eine nette Logik I Gefordert werden 36 M. Lohn(bisher 33 M.). Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde(jetzt wird von morgens 6 bis abends 7 Uhr gearbeitet) und Regelung der sehr ausgedehnten Ueberarbeit. Die„Base", wie die Arbeitgeber heißen, wollen nur 35 M. Wochenlohn bewilligen bei unverkürzter Arbeitszeit und glauben auch eine l'/zstündige Mittagszeit nicht bewilligen zu können, dagegen wollen sie für die durchgearbeitete Mittagszeit(bis- her wurde das Essen nebenher verschlungen) 1 M. zahlen. Statt des geforderten siebentägigen Ferienurlaubs pro Jahr wollen die Base den Urlaub für Maschinisten und Schiffer nach dreijähriger Dienstzeit„nach Möglichkeit" einführen. Das Vorgehen der Base hat in organisatorischer Hinficht vorzüglich gewirkt. Die Maschinisten und Schiffer waren bislang in mehrere Vereine gespalten; in ihrer letzten öffentlichen Versammlung sind bereits Einigungsbestrebungen angebahnt worden, die bald zum Abschluß gelangen werden. Die Schiffer und Maschinisten haben einsehen gelernt, daß sie durchaus keine Sonderstellung einnehmen, sondern von den Unternehmern genau so behandelt werden, wie andere Hasenarbeiterkategorien; deshalb wollen sie sich auch in ihrer Gesamtheit dem Hafenarbeiterverbande anschließen. Auch bei dieser Ausstandsbcwegung haben sich die Behörden sofort auf die Seite der Arbeitgeber geschlagen, denen alle„Er- leichterungen" verschafft werden. Während sonst für die Seeschiffe Schleppzwang besteht und sie beim Verholen von einem Platz zum anderen von Schleppdampfern assistiert werden müssen, brauchen diese hafengesetzlichen Bestimmungen nun nicht innegehalten zu werden. Die Lohnbewegung der Hamburger Staats- und Gemeindearbeiter hat einen Erfolg gezeitigt, soweit die Arbeiter der drei Gaswerke in Betracht kommen. Die Deputation für das BeleuchtungSweien will die achtstündige Schichtdauer für Retortenarbeiter ab 1. Februar 1908, eine verkürzte Arbeitszeit für die anderen GaSarbecter ab 1. April 1908, eine Erhöhung der Löhne für die jetzt m,t 4,10 bis 4,40 M. entlohnten Arbeiter um 20 Pf., sowie für die hierfür m Frage kommenden Arbeiter Arbeitskleidung und Schuhwerk für den Dienst befürworten, unter der Voraussetzung, dag von den Arbeitern der Gaswerke die Arbeit im kommenden Winter mcht niedergelegt wird. Die Gasarbeiter haben sich mit diesen Zu- geständnissen bereit erklärt und dieS am Sonnabend durch Schreiben der Deputation mitgeteilt. Hoffentlich stimmt der Senat der„Be- sürworMng" zu.— Die anderen Staatsarbeiter scheint man zum größten Teil nicht auf der Rechnung zu haben, denn die weiteren Deputationen verhalten sich immer noch schweigsam. HuslancL Die KonfektionSschneider von B u d a p e st sind in den Ausstand getreten. Es handelt sich um 2500 Mann. Sie fordern die neun- ständige Arbeitszeit und eine Erhöhung der Stundenlöhne um 100 Proz. Ein neuer Hafcnarbeiterstreil wird aus F r a n k r e i ch gemeldet. Danach sind 13 000 Hafenarbeiter zu Graville in den Ausstand ge- treten._ Der Telegraphistenstreik in Amerika. Gestern trafen der GewerkschastSpräsident S m a l l und die Arbeiterführer G o m p e r S und Mitchell in New Uork ein. um eine Einigung zu versuchen. Der BundeSkommisiar Neill ist an- geblich bei Roosevelt vorstellig geworden wegen des Telegraphisten- sireiks. Die Gesellschaft sucht immer wieder glaubhast zu machen, daß der Betrieb in Ordnung sei. Derselbe ist aber im ganzen Lande durchaus gestört. Daß die Telegramme teilweise mit der Post ver- sandt werden, wurde wieder nachgewiesen. Die Telegraphisten der Long Island drohen mit dem Streik am Mittwoch, wenn ihre Forderungen abgewiesen werden. Versammlungen. Eine allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer, ein- berufen vom Deutschen Metallarbeiterverband, tagte am Mittwoch in Frankes Festsälen. Genosse Franz Rehbein hielt zunächst einen Bortrag über die kulturelle Bedeutung der Gewerkschafts- bewegung, der großen Beifall fand.— Nach einer Aufforderung, unter den Rohrledern und Helfern kräftig für den Deutschen Metallarbeiterverband zu agitieren, erörterte Eckert Organi- sationsfragen: Von der Ortsverwaltung sei der Kollege M es ick mit einer speziellen Agitation auf den Bauten betraut worden. Eine seiner Aufgaben sei auch die, dafür zu sorgen, daß auf allen Bauten ein Vertrauensmann für die Rohrleger und Helfer des Deutschen Metallarbeiterverbandes gewählt werde, wo ein solcher noch nicht vorhanden sei. Flugblätter mit den Ucbertrittsbcdin» gungen sollen den einzelnen Kollegen in genügender Zahl zur Ver- sügung gestellt werden. Jeder Einzelne solle in der Lage sein, sich zu informieren. Er bitte, M e s i ck auf den Bauten möglichst ent- gegenzukommen, auch in bezug auf die Statistik, die er im Auftrage T�Glockr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstglt des Hauptvorstandes gleichzeitig mitmache.— Redner machte bankß noch verschiedene Mitteilungen aus einigen Werkstattversamm» lungen, wo Kollegen der Richtung Wiesenthal damit vorgegangen seien, ihn als Vertreter des Deutschen MetallarbeiterverbandeS hinauszuweisen.— Tie Ausführungen führten zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen Dannenberg und anderen an- wesenden Vertretern des neuen Allgemeinen deutschen Metall- arbeiterverbandes einerseits und Mesick, Gutschke, Eckert, sowie weiteren Mitgliedern des Deütschen Metallarbeiterverbandes andererseits. ES handelte sich im wesentlichen um eine Aussprache über die bekannte Geschichte der Trennung der Rohrleger und Helfer vom Deutschen Metallarbeiterverband. Mancherlei Persön- lichcs floß mit unter.— Die Redner vom Deutschen Metallarbeiter« verband stellten fest, daß sich die Zahl der Rohrleger und Helfer mehre, welche sich dem Deutschen Metallarbciterverbande entweder neu anschlössen oder wieder zu ihm zurückkehrten. Die Schlnchtergesellen von Berlin und Umgegend hielten ant Mittwochabend eine öffentliche Versammlung in den Musiker- Sälen ab. Der Zentralverband der Fleischer nahm Stellung gegen ausgestreute Verleumdungen und Verdächtigungen und hatte den Altgesellen Otto Brednow als Hauptschuldigen aufgefordert, in der Versammlung zu erscheinen und sich zu recht- fertigen. Der Referent Konrad Krause schilderte, in welcher Weise der Zentralverband von seinen Gegnern angegriffen wird. Man sagte den Leuten, die an der Spitze des Verbandes stehen, alle möglichen Schlechtigkeiten nach. Darin tat sich besonders das Mitglied des Gesellenausschusses, der Altgeselle Otto Brednow, hervor. Dieser war nicht erschienen, und auch sonst wagte niemand, die Verdächtigungen öffentlich zu vertreten, die heimlich eifrig ver- breitet werden. Brednow ist schon gerichtlich bestraft worden wegen schwerer Beleidigung gegen den Verbandsleiter H e n s e l. aber er fährt fort, den Verband in den Augen der Schlächtergescllen herabzuwürdigen, und leider besitzt er als Altgeselle und Mitglied im Ausschuß noch zuviel Einfluß, sodatz es notwendig geworden ist. öffentlich gegen die Machinationen aufzutreten. Im Gesellen- ausschuß verbreitete Brednow die Unwahrheit, daß der Zentral- verband einem zugereisten Kollegen 100 M. abgenommen habe und daß ein Arbeitsloser 5 M. Gebühren für eine ihm zugewiesene Stellung zahlen mutzte. Die Stellenvermittelung des Verbandes ist dagegen vollständig kostenfrei, wie Brednow weiß. Auf solche Weise wird versucht, den Zentralverband zu bekämpfen. Die Absicht dabei ist geienwärtig, alle Gesellenvereine zu veranlassen, bei den nächsten Mankenkassenwahlen gegen den Verband Front zu machen. Auchlftie nationale Phrase muß herhalten, um gegen den„sozialdemokKtischen Verband" zu Hetzen. Dieser aber gedeiht trotz alledem. Die Führer der„meistertreuen Vereinigung" kriti- sierte der Redner scharf und zeigte an Beispielen, wie die Innung die Fürsorge für die Gesellen auffaßt. An Lehrer und Geistliche hat die Innung Rundschreiben ergehen lassen mit der Bitte, die Jugend zur Erlernung des Schlächterhandwerks zu bestimmen. Dabei herrscht Arbeitslosigkeit unter den Gesellen und die Löhne sind sehr schlecht. Viel Mühe gibt man sich. die Streikbrccherorganisation zu stärken. Mit dem Vermittler von Streikbrechern, dem Jnnnngssprechmeister Dräbert, be- schäftigte sich der Verbandsleiter Paul Hensel im zweiten Punkt der Tagesordnung. Dräbert hatte eine Erklärung ein- geschickt, um seine Schuld in mildcrem Lichte erscheinen zu lassen, aber der Verband verurteilte die Vermittelung von Streikbrechern auf das schärfste, unbekümmert um Nebenfragen. Allen Anwesenden wurde es zur Pflicht gemacht, für den Zentralverband fleißig zu agitieren._ eingegangene Druchrcbnftai. 9. Jahresbericht des Städtischen Arbeitsnachweises Charlottenburg 1306/1907. 18 Seiten. Druck: A. Gertz, Charlottenburg, Dantebnannltr. 3. Rechenschaftsbericht de» Vorstandes des ZenwalverbandcS der Handels-, Transport-, VcrkehrSarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands 1305/1906. 559 Seiten. Verlag:.Courier". Berlin, Engel-User 21. Hygienische Winke. Von I. P. Müller. 3M.. geb. 4,20 M. Verlag von K. F. Kochler in Leipzig. Bericht des ZentralvoritandeS deS sozialdemokratischen Zentralvereins für den 7. schleSwig-holsteinijchen ReichStagSwahlkreiS. 69 Seiten. Verlag: W. Poller in Kiel.,. Monatsschrift für christliche Sozialresorm. Augusthest. Begründet von welland Freiherr K. v. Vogelsang. Preis 6,40 M. Verlag: Baeßler, Drexler u. Co., Lottstetten, Amt Waldshut(Baden). Letzte JVacbncbtcn und Oepelcden. Der explodierte Badeofen. Frankfurt a. M., 26. August.cs Jjtiitls" Knlim Jnlliüliinlt. SM«!), 27. M 1907. Hnträgc zum Parteitag in Clien. Cagesordnung. 1. Nürnberg. Kiel und Breslau: Auf die Tages- vrdnung zu setzen: Das Wahlrecht in den Einzelsiaatcn. 2. Parteigenossen des fünften schleswig-holsteinischen Wahlkreises, Nürnberg, Preetz, Stralsund. Hahn bei Pfungstadt, Stettin, Erfurt, Bremen, Langerfeld, Apenrade, abstinente Genossen in Elberfeld-Barmen, 21 Genossen Berlin II, drei Genossen Berlin V, acht Genossen in Schöneberg: Zu Punkt 7 der Tagesordnung einen zweiten Berichterstatter zu bestellen und hierzu einen Vertreter der Abstinenz� bewegung zu nehmen. Agitation. Z. Weißensee: Zwecks besserer Bildung der Landarbeiter allmonatlich eine Agitationsschrift zur Gratisverteilung auf dem Lande herauszugeben. 4. Rendsburg: Ucber die Agrarfrage im allgemeinen ist in den breiten Schichten der Arbeiterbevölkerung mehr Aufklärung durch Verbreituug von Flugschriften usw. zu schaffen als dieses bisher geschehen ist. 5. A m b e r g: Der Parteitag möge Mittel und Wege finden, wie die Agitation auf dem Lande besser zu'betreiben ist wie bisher, eventuell die Beschaffung einer billigen Presse zu bewerkstelligen. 6. Düsseldorf: Den Parteiorganisationen im Lande dringend empfehlen, der Organisation der Landarbeiter und Land- ' arbe'iterinnen mehr Aufmerksamkeit als wie bisher zu widmen. 7. Frankfurt a. M.: Der Parteitag möge dafür Sorge tragen, daß die Parteiliterawr zu einem lolchcn Preise verkauft wird, daß fie ein wirksames Mittel gegen die Schundliteratur darstellt. 8. Teltow-Beeskow-Charlottenburg: DaSPartei- Programm den Parteigenossen zur Agitation in unbeschränkter An- zahl unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. 9. Velten: Eine besondere antimilitaristische Propaganda ist svstematisch zu entfalten. Zu diesem Zweck ist ein ständiger Ausschuß einzusetzen. 19. Ottweiler-St. Wendel: 1. Der Parteitag möge den Parteivorstand beauftragen, ein Flugblatt auszuarbeiten, welches die Wahlmachinationen der bürgerlichen Parteien kennzeichnet sowie die„arbeitet freundliche' Tätigkeit der Blockparteien im deutschen . Reichstage ins rechte Licht stellt. Dieses Flugblatt ist in einer Massen- aufläge über ganz Deutschland zu verbreiten. 2. Die Kreisvereine, in denen eS an rednerischen Kräften mangelt, durch hervorragende Redner zu unterstützen. 3. Zur planmäßigen Agitation im Saarrevier ist ein Partei- sekrctär anzustellen, welcher vom Parteivorstand besoldet wird. 11. Berlin IV: Alle im Reichstage wichtigen Debatten über Lebensmittelzölle und Kulturftagen in Broschürenform zu drucken und auf dem platten Lande zu verbreiten, damit der Land- bevölkerung klar gemacht wird, welche Partei ihre Interessen vertritt. IS. 10. sächsischer R e i ch S t a g s w a h l kr eis: Den Parteivorstand zu ersuchen, nach jeder Reichstagssession ein Flug- blatt herauszugeben, das die wichtigsten Anträge und Beschlüsse des ReilbStages enthält und die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion in kritischer Behandlung den Anträgen und Beschlüssen gegenüber erläutert.' 1». Genosse Brügel in Retzbach bei Würzburg: Es soll eine Prämie ausgesetzt werden für die Ausarbeitung einer Schrift. Dieselbe soll das enthalten, was jeder im Volk über die Sozialdemokratie wissen soll. Sie soll volkstümlich geschrieben und nicht zu umfangreich fein. Sie soll ans Kosten der Partei in einer Auflage von zwölf Millionen hergestellt und im Volke verteilt werden. 14. Berlin II: In Verfolg des Beschlusses des Mannheimer Parteitages in bezug auf die Stellung der Partei den lokalen Ge- werkschaften gegenüber einen endgültigen Beschluß des Essener Partei- tagcS herbeizuführen. 13. Berlin IV: In Erwägung, daß die zunehmende Ver- schärfung der wirtschaftlichen Kämpfe und in Verbindung damit die wackscnde Ausbreitung der Unternehmerorganisationen die Erstarlung der Gewerkschaftsorganisationen zur Notwendigkeit macht: in weiterer Erwägung, daß unter dieser Voraussetzung für die Parteigenossen nur eine einzige Organisation ihres Berufes in Frage kommen kann und jede Sondcrbünoelei nur zum Schaden der ge- werkschaftlichen Kämpfe gereicht, erwartet die Generalversammlung vom Parteitage, daß derselbe klipp und klar den Gedanken der Not- wendigkeit einer einheitlichen gewerkschaftlichen Organisation zum Ausdruck bringt und den Appell an die lokalorganisierten GeWerl schaflSgcnossen richtet, sich den Zentralverbänden anzuschließen. 16. Teltow- BeeSkow-Storkow- Charlotten- burz: Die im Auftrage des vorjährigen Parteitages vom Partei- vorstand eingeleiteten Verhandlungen zwecks Herbeiführung des ZufaminenschlusieS der lokal- und zentralorganisierten Gewerkschaften betrachtet der Parteitag noch nicht für abgeschlossen; der Partei- vorstand wird beauftragt, die EiniguiigSvcrhandlungen fortzusetzen. 17. Sachsen-Altenburg: Erwartet vom Partei- vorstand, daß er bis zum Essener Parteitag völlige Klarbeil darüber schafft, ob die Lokalisten noch länger der Partei angehören können. Die Lokalisten entfalten nun auch in der Provinz das die Arbeitersache so sehr schädigende Treiben und gründen zun» Gaudium unserer Gegner ihre„Lokalistischen Zentralorganisationen", die unter heutigen Verhältnissen innerhalb der Arbeiterschaft doch nur Zank und Streit hervorzurufen geeignet find. Viele Mitglieder der lokalistischen Vereine haben seit dem Manilheimer Parteitag und insbesondere während der letzten Reichs- tagSwahl eine solch parteischädigende Tätigkeit entfaltet, daß man das als offenen Verrat an der Arbeitersache ansehen muß. Diesem Treiben muß schon deshalb ei» Ende gemacht werden, weil die Führer der Lokalisten dahinter stehen lind die Partei jetzt genau so wie seither die Gewerkschaften auseinander zu sprengen beabsichtigen.... Die Alienburger Parteiorgamiatronen verlangen deshalb vom Parteivorstand und dem Essener Parteitag eine klare und endgültige Entscheidung in dieser Streitfrage. 18. B e r l i n IV. Der Verlag und die Parteiinstanzen werden verpflichtet, mehr als bisher eine umfassende Propaganda für die „Neue Zeit' zu betreiben. Orgamfarion. 19. Berlin I. Der 8 18 des Organisationsstatuts ist dahin abzuändern, daß 1. auch die beiden Beisitzer im Parteivorstand durch den Parteitag gewählt werden, und daß 2. niemand länger als zwei Jahre hintereinander Beisitzer sein darf. Zu diesem Zweck sind im Absatz II des Z 18 die Worte:„der Vorsitzenden, des Kassierers und der Schriftführer' zu ersetzen durch die Worte:„des Parteivorstandes". Ferner ist der bisherige Absatz III des Z 18 zu streichen und als neuer Absatz III an seine Siclle zu setzen:„Das Amt als Bei- fitzer darf niemand länger als zwei Jahre hintereinander bekleiden." K9. Teltow-BeeSkow: Im§ 26 des OrganisationS- statutS der sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist im ersten Absatz der Schluß„die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligten Reichstagswahlkreis bestehen darf" zu streichen. 21. Berlin I: Der„Vorwärts' ist in das Eigentum der Genossen von Groß-Bcrlin überzuführen und verliert den Charakter als Zentralorgan der Partei. Dem Parteivorstand ist die Ermächtigung zu erteilen, in zwang- losen Blättern eine„Sozialdemokratische Korrespondenz' heraus- zugeben, die an sämtliche Parteiblätter zu versenden und von diesen abzudrucken ist. Demgemäß sind im Organisationsstatut die 8s 25 und 26 zu streichen und an ihre Stelle zu setzen:„Der Parteivorstand gibt in zwanglose» Blättern die„Sozialdemokratische Korrespondenz" heraus, die nur an die Parteiblätter versendet wird und von ihnen zum Abdruck gebracht werden mutz." 22. S e ch st e r schleSwig« holsteinischer Wahl- kreis: Dem 8 27 Abs. 2 des Organisationsstatuts folgende Fassung zu geben: Das Schiedsgericht besteht aus sieben Personen. z>vei der Beisitzer wählt der Angeschuldigte, zwei die antrog- stellende Organisation, wobei die Auswahl auf die Parteigenossen des Bezirksverbnndes zu beschränken ist, dem der Beschuldigte an- gehört. Den Vorsitzenden und zwei weitere Beisitzer bezeichnet der Parteivorstand. Wo die Möglichkeit gegeben ist, ist der Vorsitz einem juristisch gebildeten Genossen zu übertragen. 23. Bremerhaven:§27 Absatz 2 des OrganisationSstatuts, die Worte„des Bezirksverbandes" in„des Wahlkreises" umzu- ändern. 24. Bochum-Gelsenkirchen: Im Falle des§ 2 ent- scheidet über die fernere Zugehörigkeit zur Partei die KceiSorgani- fation. Dem Ausgeschlossenen steht das Recht der Berufung an den fiarteivorstand, alsdann an die Kontrollkommission und in letzter inie an den Parteitag zu. 23. Vierter sächsischer Wahlkreis: Der Parteivorstand möge mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands eine für die Gewerkschaften und Partei einheitliche Regelung der Aus- schlußgründe und des Ausschlußverfahrens vereinbaren. Als letzte Instanz in Ausschlußsachen, bei denen ein Parteimitglied in Frage kommt, hat auf Verlangen des Auszuschließenden, das an die Generalversammlung der betreffenden Gewerkschaft zu richten ist. ein Schiedsgericht zu fungieren, das aus Mitgliedern der Gewerkschaft besteht, die zur Hälfte von dem Auszuschließenden, zur anderen Hälfte vom Gewerkschaftsvorstande zu bestimmen sind. Als unparteiischer Vorsitzender fungiert ein Beauftragter des Partei- Vorstandes, der nicht der betreffenden Gewerkschaft augehört. So lange das Ausschlußverfahren nicht seinen endgültigen Abschluß gesunden hat und soweit es sich nicht um Streikbruch, Veruntreuung öder Zahlungsverweigerung handelt, ist der Auszuschließende noch im Besitze seiner Rechte und Pflichten zu belassen. 26. Stollberg in Sachsen: In Bezug auf das Ergebnis der letztverflossenen ReichötagSwahl hat man die Wahrnehmung machen können, daß betreffs der Lokalorganisation in den meisten Wahlkreisen noch viel zu wünschen übrig bleibt. Selbst in solchen Kreisen, welche als sehr fortgeschritten gelten, findet man. daß die Mehrzahl der Orte noch emer Lokalorganisation entbehren. Infolge- dessen beantragen wir, daß der Parteitag beschließen wolle, der Partei- leitung auszugeben, das Nötige in die Wege zu leiten und eine Broschüre in Druck zu geben, welche dahin geht, den Parteigenossen bei Reichstags«, Landtags- und Kommunalwahlen als Leitsaden zu dienen. 27. Osnabrück, Altenburg. Stralsund, Bochum, Gelsenkirchen. Magdeburg, Bremerhaven, Calbe- AscherSleben. Augsburg-Wertingen, Düsseldorf, Breslau, Stettin, Trier, Bremen, Celle, IX. han- noverscher Wahlkreis, Sorau-Forst und VIII. und IX. schleswig-holsteinischer Wahlkreis: Einheitliche Mitgliedsbücher ftir alle Parteiorganisationen Deutschlands einzu- führen. 28. Bant: Einführung von einheitlichen Mitgliedsbüchern und Mitgliederbeiträgen für ganz Deutschland. 29. Frankfurt a.M. und vierter sächsischer Wahl- kreis: Der Parteivorstand wird beauftragt, die Einführung ein- heitlicher Parteilegitimationen für das ganze Reich nach dem Bor- bild der vom Frankfurter AgitationSkomite« herausgegebenen Mit- gliedsbücher zu veranlassen. 36. Sagan-Sprottau: Der Parteitag wolle beschließen, einheitliche Mitgliedsbücher und Geschästöbücher über das ganze Reich einznfiihren, welche vom Parteivorstand zum Selbstkostenpreise be- zogen werden können. AI. Kassel: Der Parteivorstand wird beauftragt, die Aus- gäbe einheitlicher Mitgliedsbücher und die Einführung einer Einheits- marke für das ganze Reich vorzubereiten und dem nächsten Pattei- tag Borlage zu inachen. presse. S2. Parteivorstand und Kontrollkommission: Organisation der Nachrichten-Vermittelung für die sozialdemokratische Partei. 8 l. Die Partei errichtet ein Nachrichtenbureau. das seinen Sitz in Berlin hat. 8 2. Aufgabe des Bureaus ist: 1. Herausgabe der.Partei-Korrespondcnz'; 2. Erlangung wichtiger Nachrichten und Mitteilungen politischer. sozialer und wirtschaftlicher Natur zur Uebermittelung an die Parteipresse; 3. Sammlung gesetzgeberischen und statistischen Material?, daS für die Parteipresse von Wichtigkeit ist. § 3. Zwecks Erlangung bezüglicher Nachrichten und Mitteilungen aus Deutschland und anderen Ländern ist ein Berichterstatterdienst ein- zurichten. Ausgeschlossen von der Tätigkeit des BureauS ist die Abfassung von Kritiken und Artikeln, die geeignet sind, die Selbst tätigkcit der Redaktionen zu beeinflussen. 8 4. Der Nachrichtendienst ist derart zu organisieren, daß die Partei' presse in der raschesten Weise unterrichtet wird. Insoweit hierfür Telephon- und Tclegraphengebühren erwachsen, haben die betreffenden Parteiblätter diese Gebühren zu erstatten. 8 s. Die Unterhaltungskosten für den Nachrichten- und Mittciliings- dienst sind— mit Ausnahme der Kosten für die„Partei- Korrespondenz"— dergestalt aufzubringen, daß die beteiligte Partei- presse nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit einen entsprechenden Teil zu leisten hat. 8 6. Die Einrichtungen für das Bureau, die Anstellung der Redakteure, der Berichterstatter und des Hülfspersonals ist Sache des Partei- Vorstandes, dem zu diesem Zweck als Beirat fünf Redakteure der Parteipresse zur Seite stehen, die in allen daS Nachrichtenbureau betreffenden Angelegenheiten beratende und beschließende Stimme baben. Ein Mitglied des Beirats kann nicht Angestellter bei dem Bureau sein. 8?. So oft Angelegenheiten des Bureaus zur Beratung kommen sollen, hat der Parteivorstand die Mitglieder des Beirats rechtzeitig mit Angabe der Tagesordnung zu dieser Sitzung einzuladen. In der Regel sollen diese Sitzungen alle drei Monate stattfinden. 8 8. Die in dem Bureau angestellten Redakteure haben das Recht, zu jeder Sitzung einen ihrer Kollegen als Vertreter mit beratender Stimme zu senden. Der Parteivorstand hat zu diesem Zweck die Redakteure recht» zeitig von einer stattfindenden Sitzung zu benachrichtigen. 8 Die Mitglieder des Beirats werden alljährlich durch die Partei» leitung gewählt. 33. Berlin Hl: Die im Gewerlschaftshause tagende General» Versammlung dcS dritten Berliner Wahlkreises mißbilligt die Auf- nahine von Annoncen, welche alte Gewohnheiten der bürgerlichen Gesellschaft in empfehlende Erinnerung bringen. Sie hält auf religiösem Gebiet strengste Neutralität für Pflicht der Partei und ersucht den Parteivorstand, die Parteiverlagsgeschäfte zu veranlassen, solche Annoncen in Zukunft nicht mehr zu bringen. 34. B e r l i n IV: 1. Der Verlag hat die„Neue Zeit" vom 1. Oktober ab in einem dem Titel und der neuen Kunstrichtung ent- sprechenden Gewände herauszugeben. 2. Der internationalen Bedeutung der„Neuen Zeit' entsprechend und um die Lektüre auch den ausländischen Genossen möglicher zu machen, die der deutschen Sprache wohl mächtig sind, denen aber die deutschen(gothischen) Schriftzeichen Schwierigkeiten bereiten, hat der Schriftsatz in lateinischen Lettern zu erfolgen. 33. Velten: Für die Provinz Brandenburg ist ein neueS Parteiorgan zu schaffen und möglichst der Reichstagswahlkreis PotSdam-Spandan-Osthavelland zu berücksichtigen, da es infolge der besonderen Verhältnisse in den Staatswerkstätten zu Spandau, Pols- dam usw. unmöglich ist, den Wahlkreis, um den schon jahrelang mit größter Anstrengung gekämpft wurde, ohne eigene Zeitung für die Partei zu erobern. partcifcbule und BUdungoauGfcbuß. 36. Wittenberg-Schweinitz: Die Parteischule in ihrer gegenwärtigen Form wird aufgehoben. ES werden die dafür an- gesetzten Ausgabeposten für die Landes- bezw. Bezirksorganisationen offen gelassen zur Errichtung von ständigen Unterrichtsknrsen. Diese haben sich auf der Basis einer Vorschule zur Vertiefung der Kennt- nisse des Sozialismus unter den tu der Partei tätigen Genossen zu bewegen. Bei Ablehnung obigen Antrages als Unterantrag: Sollte die Parteischule in ihrer gegenwärtigen Form bestehen bleiben, so sind daneben die obengenannten ständigen UnterrichtSkurse dennoch einzurichten. 37. Genosse R i ch t st e i g, B e r l i n HI. Um eine Zusammen- fafiung und Vertiefung der gesamten BildungSbestrebungen inner- halb der sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu ermöglichen, beschließt der Parteitag die Herausgabe eines monatlich erscheinenden Korrespondenzblattes. Das Blatt soll den Parteigenossen als Weg- weisrr und Führer in allen Bildnngsfragen dienen. Es wird von dem Bildungsausschuß in Berlin herausgegeben und gilt auch als dessen PublikationSorgan. Das Blatt ist den Vorständen der Or- aanisationen kostenlos zu liefern, kann aber auch von einzelnen Parteigenossen tin Abonnement bezogen werden. 38. Torgau-Liebeuwerda: Die Parteischule in ihrer gegenwärtigen Form wird aufgehoben. ES werden die dafür an- geletzten AnSgabeposten für die Landes- bezw. Bczirlsorganisationen offen gelassen zur Errichtung von ständigen Unterrichtskursen. Diese haben sich aus der Basis einer Vorschule zur Vertiefung der Kennt- nisse des Sozialismus unter den in der Partei tätigen Genossen zu bewegen. Die Organisierung der Unterrichtskurse bleibt den Landes- bezw. Bezirksorganisationen überlassen. 39. Witte nberg-Schweinitz. Ueber die Bewerber zur Parteischule sollen vorher Erkundigungen beim jeweiligen Kreis- vorstand eingeholt werden. 46. M ü h l h e i m a. M. 1. Die Partei möge in allen größeren Orten eine Agitation auf dem Gebiete des Volksschulwesens ent- falten und ebenso auch naturwissenschaftliche Vorträge halten lassen, die zur Aufklärung des arbeitenden Volkes beitragen. _ 2. Die Partei möge ebenso mit Rücksicht auf die Kinder- erziehung darauf dringen, daß überall wo möglich Kindergärten er- richtet werden, die einen weltlichen Charakter tragen. parlamentarische OtigKeit. 41. D a r m ft a d t. Die Fraktion wird beauftragt, die geeigneten Schritte zu unternehmen, daß die Ausdehnung des Fahr- kartcusteuergesetzes auf Bureanarbeiter, Lehrlinge und solche Arbeiter und Arbeiterinnen, die nicht in einem festen VertragSverhätlnis zu einem Arbeitgeber stehen, durch daS RcichSschatzamt wieder rück- gängig gemacht werde, und im Bedarfsfalle eine Interpellation durch die sozialdemokratische ReichStagSfraktion vorzubereiten. 42. Fürth. Der Parteitag beschließt, daß in Zukunft bei Abstimmungen über Sozialgesetze, auch wenn sie unsere Forderungen nicht voll bewilligen, die Fraktion ihre Zustimmung gibt. 43. Flensburg. Der Parteivorstand wird beauftragt, die Gesetzentwürfe der Regierung und der Parteien im Reiche und in den Einzelstaaten mit Begründung und Materialien den in der Agitation tätigen Parteigenossen in einer ähnlichen Form Wie die „Partei-Korrespondenz" zugänglich zu machen. Maifeier. 44. Nürnberg. Der Parteitag wolle klar anssprechen, in welcher Weise die Opfer der Maifeier zu unterstützen sind, eventuell soll die'S in höherem Maße wie bisher durch die Partei geschehen. 43. Frankfurt a. M., Magdeburg, Bunzlau- Lübben, Berlin V: Die Maifeier ist in der bisherigen Form auch künftig abzuhalten. 46. Bremen: Die Bremer Genossen stehen nach wie vor auf dem Standpunkte, daß es die moralische Pflicht aller Partei- und Gewerkschaftsführer ist, für die größtmöglichste Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai einzutreten. Der diesjährige Maiaufruf des Parteivorstandes war in der Form verfehlt und in der Sache unbegründet. Die Bremer Delegierten werden beauftragt, auf dem Parteitage für die Beibehaltung der ArbeitSrnhe am 1. Mai einzutreten. 47. O t t e n s e n: Die Parteigenossen erklären, daß sie an der bisherigen Form der Maifeier festhalten, indem sie in der Arbeits« ruhe die würdigste Feier des i. Mai erblicken. Sie wünschen, daß die Frage auf dein Parteitage gründlich erörtert und es den Partei- genossen und der Parteipresse zur Pflicht gemacht wird, mit allein Nachdruck für die ArbeitSrnhe am 1. Mai Propaganda zu machen. 48. Genosse Brügel in Netzbach bei Würzburg: ES soll mit der Maifeier eine Verteilung aufklärender Schriften verbunden werde». Dabei ist zu berücksichtigen, daß a) der Inhalt der grnndlegcnden Schriften mehr verbreitet und b) die Stellung der Kirche zur sozialen Frage eingehender behandelt wird. tUiebstagsivablen und poUtifcbe Lage. 49. Weimar: Da der Freisinn bei der letzten Reichstag?- wähl sich offen als einen Teil der gemeinsamen reaktionären Masse entpuppte, indem derselbe eine Anzahl Wahlkreise den reaktionärsten Volksfeinden auslieferte, beschließt die Jahresversammlung des ersten weimarischen Reichstagswahlkreises: Der Parteitag in Essen wolle beschließen: Bei Stichwahlen zwischen Freisinn und einer anderen bürgerlichen Partei enthält sich die sozialdemokratische Partei der Stimmenabgabe. 50. Nürnberg, Kiel: Bei Reichs tagZ-Stichivehlen zwischen Ijtoei bürgerlichen Kandidaten ist strengste Stimmenenthaltung zu üben. 51. Rendsburg: Bei vorkommenden Reichstags- und LandtagSstichwahlen, in welchen keine Sozialdemokraten in Frage komme», ist von der Parteileitung strikte Stimmenenthaltung zu proklamieren. 52. Düsseldorf: Bei kommenden Wahlen ist eine Unter- stutzung bürgerlicher Parteien zu vermeiden. 55. Berlin III, Guben, Kottbus-Spremberg und Randow-Greifen Hagen: In Anbetracht des Verhaltens der freisinnigen Parteien bei den Nachwahlen der Legislaturperiode 1903 zu 1996, bei welchen sie dieBrotwncherparteien gegen die sozialdemokratische Partei unterstützten, sowie der Stellungnahme der sreisinnigcn Parteien bei der ReichStagswahl 1907, bei welcher sie offen für die reaktionären Parteien eingetreten sind und in einer Anzahl von Kreisen selbst die Hülfe des Reichsverbandes zur Bekämpfuug der Sozialdemokratie in An- spruch nahmen, halten es die Genossen für Pflicht der Sozialdemokratie Deutschlands, bei Stichwahlen zwischen freisinnigen und reaktionären Parteien sich unter allen Umständen der Stimme zu enthalten. 54. Bremerhaven: Bei sämtlichen Wahlen, in denen der Freisinn mit anderen reaktionären Parteien in Stichlvahl steht und die Sozialdemokratie ausschlaggebend ist, haben sich unsere Partei- genossen der Stimmabgabe zu enthalten. 55. Flensburg: In Zukunft ist bei den Reichstagsstich- wählen gegenüber bürgerlichen Kandidaten Stimmenthaltung zu üben. Hlkoholfvage. 50. Nürnberg, V. Schleswig« Holsteinischer Wahlkreis, Langerfeld, Apenrade. 3 Genossen in Berlin V, abstinente Arbeiter Elberfeld-Barmen und Stralsund: Erwarten vom Parteitag eine entschiedene Stellung- nähme gegen den Trinkzwang bei Zusammenkünften von Partei- genossen, gegen Trinksitten und Trinkgewohnheiten, sowie Be- fürwortung der alkoholgegnerischcn Bewegung in der organisierten Arbeiterschaft.— Ferner sind die Parteiorganisationen und die Parteipresse zu verpflichten, für Aufklärung über die Schädigungen des Alkohols Sorge zu tragen. 57. Teltow- Beeskow-Storkow-Charlotten- bürg(Kreis-Generalversammlung): erwartet von dem Parteitag einen kräftigen Anstoß zur Förderung des Kampfes gegen die verheerenden Wirkungen des Alkohols. Sie erklärt die planmäßige Belehrung über die Schäden und Gefahren des Alkohols, ins- besondere für die Aufgaben des kämpfenden Proletariats und die Nachkommenschaft des arbeitenden Volkes, für eine Pflicht der Arbeiter- presse und der Organisationen. 58. Bremen: Der Parteitag erachtet eS als selbstverständ- lich, daß sich abstinente Parteigenossen dem Deutschen Arbeiter- Abstinentenbunde und nicht bürgerlichen Abstinenzvereinigungen an- schließen. 50. Bielefeld: Die Parteipresse und die Parteiorganisa« tionen werden verpflichtet, den Anhängern der Abstinenzbewegung die Möglichkeit zu geben, in Wort und Schrift ihre Ansicht zu vertreten. 00. 21 Parteigenossen in B e r l i n II: 1. Die Genossen er- warten vom Parteitag eine entschiedene Stellungnahme gegen den AlkoholiSmuS, insbesondere ist die Parteipresse mehr als bisher zu verpflichten, auf die Schäden, die der Alkoholismus anrichtet, hinzu- weisen. 2. Der Parteitag möge de» Parteigenossen, die sich zur Ab- stinenz bekemien, empfehlen, sich dem Deutschen Arbeiter-Abstinenten- kmnd anzuschließen und nicht einer bürgerlichen Organisation(Gut- templer-Orden, Alkoholgegnerbund).' Diese Organisationen haben bei den letzten Reichstagswahlen gezeigt, daß sie zu unseren Gegnern gehören. Sonstige Anträge. 01. Frankfurt a. M.: Der Parteivorstand wolle dafür Sorge tragen, daß das gesamte Vermögen der Partei« wie der GewerlschaftSorganisationen in einer eigenen Volksbank angelegt werde. 02. Teltow-Beeskow-Storkow-Charlotten- bürg: Den Parteiborstand zu beauftragen: l. Vor dem nächsten Parteitag eine Darstellung der landwirtschaftlichen Arbeiterverhält- nisse in den verschiedenen Teilen des Reiches sowie eine Zusammen- stellung des auf dem Gebiete des Landarbeiterschutzes und der Land- arbeiterorganisation bisher von der deutschen Partei wie von den ausländischen Arbeiterparteien Geleisteten zu veröffentlichen. II. Unter Zuziehung von Fachleuten den Entwurf eines uinfassenden Land- arbeiterschutzprogrammS auszuarbeiten. 05. Genosse Brägel in R e tz b a ch bei Würzburg: Der Partei vorstand wird ersucht, eine Konimission zu ernennen, die zu untersuchen hat, ob nicht die Gründung von B a u er n v e re i n e n zu erstreben ist, die in ähnlichem Verhältnis zur Partei stehen wie die Gewerkschaften und Konsumvereine, und deren Zweck ist: die Hebung der landwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und die Zusammen- schließung deS zersplitterten Grundbesitzes zu genoffenschaftlichen Großbetneben zu erstreben. Das Ergebnis der Kommission soll dem nächsten Parteitag vor- gelegt werden. 04. Genosse Halfter, Berlin VI: In der Präsenzliste deS Parteitages wird außer Name, Wohnort und Wahlkreis auch der jeweilige Stand oder das Gewerbe des Delegierten(Parteibeamter, Gewerkschaftsbeamter, Gastwirt, Tischler usw.) genau angegeben. 05. Magdeburg: Die Generalversammlung des Sozial- demokratischen Vereins, überzeugt von der Bedeutung solcher statistischen Aufnahmen über die soziale Zusammensetzung der ReichstagSwählerschaft, wie sie in Magdeburg, Leipzig. Offenbach und Augsburg voroenominen wurden, richtet an den Parteitag das Ersuchen, die Wahlkreise, bei denen die Vorbedingungen hierzu vor- handen sind, aufzufordern, solche Statistiken auszunehmen. ES ist dei diesen Aufnahmen vor allen, im Auge'zu behalten, daß sie nach einem einheitlichen Schema zu erfolgen haben, damit sie mit ein- ander verglichen werden können: es ist ferner erforderlich: da sie nicht nur für einen Wahlkreis, sondern für die Gcsamtpattci nützliche Erkenntnis erschließen sollen, daß alle Statistiken veröffentlicht werden. Da der Wert der Austrahmen um so größer ist, je zahl- reicher sie sind, werden die Parteitagsdelegierten ersucht, überall da, wo eS sich ermöglichen läßt, auf die Aufnahme solcher Wahl- staristiken hinzuwirken. Die Formulare hat der Parteivorstand zu liefern. 00. F r a n k f u r t a. M.: Die Frankfurter Delegierten werden beauftragt, in Essen für die Abhaltung einer kurzen Preußenkonfercnz im Anschltch an deu Parteitag einzutreten uird an derselben als Frankfurter Delegierte zur Beschletinignng der Vorarbeiten für eine preußische Landes organisation teilzunehmen. Parteitag 1908. 07. Teltow-VeeSkow, Bremen: Auf die Tages- ordnung des nächsten Parteitages zu setzer: Die Landarbeiterfr.age. 08. Frankfurt a. M.: Der Parteivorstand wird ersucht die Stellung der Partei zur Genossenschastsbewcgung auf die Tages- ordnung dcö nächstjährigen Parteitages zu setzen, falls es die Um- stände gestatten. 00. Nürnberg: Auf die Tagesordnung des Parteitages 1908 ist die Agrarfrage zu setzen. 70. Kiel: Der nächste deutsche Parteitag möge in Kiel ab- gehalten werden. 71. Magdeburg: Den nächsten Parteitag in Magdeburg stattfinden zu lassen. 72. Nürnberg: Der Parteitag in» Jahre 1908»löge in Nürnberg stattfinden. Das SFrcßburea«. Der Essener Parteitag wird sich auch mit der Frage des Preß- burcaus, für das ja der Entwurf deS Parteivorstandes vorliegt, zu beschäftigen haben. Wir möchten diesen Gegenstand sogar als einen der w i ch t i g st e n bezeichnen, den der bevorstehende Parteitag zu erledigen hat. Handelt es sich doch nicht etwa um eine t e ch- nische Frage der Presse, an der die Gesamtpartei nicht weiter interessiert ist, sondern, sofern wenigstens die Wünsche einer Anzahl Genossen Erfüllung fänden, um daS politische Gepräge, das einem großen Teile unserer Parteiblätter aufgedrückt werden soll, um Physiognomie und Charakter der Presse. Da aber die Presse fraglos nicht nur das wichtigste Agitationsmittel der Partei bildet, sondern auch den klaren Spiegel des Parteilebens darstellen soll, kann es keine wichtigere Sorge der Partei geben, als die Partciprcsse in ihrem Sinne auszugestalten, sie zum Ausdruck der Ausfaffungen und des Strebens der G e s a m t p a r t e i zu machen. Die Parteigenossen im Lande haben umsomehr Ursache, sich mit der Frage des PreßbureauS gründlich zu beschäftigen, als bisher eine eingehende Erörterung über dies Institut im Rahmen größerer Parteikorporationen nicht stattgefunden hat. Wir wollen aber auch an dieser Stelle noch einmal nachdrücklichst der Legende entgegentreten, als ob auf der Redakteurkonferenz im Februar dieses Jahres Aufgaben und Form eines solchen Bureaus den Gegenstand einer auch nur einigermaßen gründlichen Aussprache ge- bildet hätten. Es wurde in der Debatte vielmehr über die Ausgestaltung unserer schriftlichen Propagandamittel überhaupt gesprochen: während der eine Redner über die beste Form der Flugschriften sprach, gab ein anderer Redner Anregungen zur Ausgestaltung des provinziellen und lokalen Teiles einer Tageszeitung, während ein dritter die Schaffung eines zentralen Nach- richtendien st es für wünschenswert erklärte, worauf dann ein vierter in ganz allgemeiner Form einige Privatwünsche für diesen Nachrichten- dienst vorbrachte. Alle diese Anregungen und Wünsche hatten weder eine konkrete Form, noch wurden sie mit der Prätension bor- getragen, die Auffassung der Gesamtkonferenz darzu- stellen. Die ganze Erörterung über das Preßbureau stellte nichts als eine so unverbindliche und provisorische Vorbesprechung dar, daß es diejenigen Konferenzteilnehmer, die die geäußerten An- sichten nicht teilten, für ganz überflüssig hielten, einem Schluß- antrag zu widersprechen, der einer Reihe von Rednern das Wort abschnitt. Nun hat allerdings der P a r t e i v o r st a n d die Frage des PreßbureauS erörtert, zunächst unter sich, dann unter Zuziehung dreier Redakteure. DaS Ergebnis dieser Beratung ist sein Entwurf gewesen, der bor 11 Tagen im„Vorwärts" veröffentlicht wurde. Aber diese Veröffentlichung des Organisationsentwurfes kann nicht den Abschluß, sondern erst den Ausgangspunkt der Diskussion bedeuten. Gibt doch der Entwurf nur darüber Auskunft, wie der äußere Rahmen des PreßbureauS aussehen und wem seine Leitung überttagen werden soll. Ueber die Funktionen, die das Bureau erfüllen soll, äußert er sich keineswegs mit der Bc- stimmtheit, die uns unbedingt geboten erscheint. Und doch ist diese Frage gerade der springende Punkt. Man wende nicht ein, daß ein derartiger Entwurf sich unmöglich über alle Einzelheiten verbreiten könne. Nun, wenn nicht der Ent- wurf selbst die nötigen Einzelheiten enthalten kann, so sollte das Fehlende wenigstens in Motiven nachgetragen werden. So wie der Entwurf vorliegt, läßt er die erforderliche Klarheit vermiffen. Das ist nicht nur unsere Ansicht. Auch in einem Artikel des Bochumer„BolkSblatteS", das auf dem Standpunkt des mehrfach erwähnten Entwurfes der fünf Redakteure zu stehen scheint, der den Ausgangspunkt der Debatte über das Preßbureau gab, heißt es: „Der Kritik der dem Bureau zugewiesenen Aufgaben und der Art ihrer Erfüllung begegnet der Vorstandsentwurf dadurch, daß er darüber so gut wie gar nichts ent- hält." Verfehlt wäre auch die Einwendung, daß sich für das Bureau selbst schon die richtige Form seiner Tätigkeit aus der Praxis ergeben werde. Die Tätigkeit des Bureaus hängt vielmehr in erster Linie von seiner Z u s a m m e n s e tz u n g ab, die nur dann in dem einen oder anderen Sinne zu lösen ist. ivenn die das Bureau er- richtende Partei weiß, welche Funktionen das Bureau überhaupt verrichten soll. Soll das Bureau in erster Linie Der Verarbeitung gesetzgeberischer Materien, stattstischen Materials dienen, so kämen für die Redaktion deS Bureaus nur in erster Linie sozialpolitisch und ökonomisch geschulte Kräfte in Frage; soll eS dagegen in erster Linie dem Nachrichten dien st gewidmet sein, so gebührte journalistischen Routiniers der Vorrang. Es geht also nicht an, erst den äußeren Rahmen für die Tätigkeit des Bureaus zu schaffen, aufs G e- rate wohl Redakteure anzustellen und alles Weitere der Praxis zu überlassen, sondern es ist notwendig, sich zunächst über die Aufgaben deSBureanS schlüssig zu werden, weil nur dann auch die g e e i g n e t e n P e r s o n e n für die vorgesehenen Funktionen gefunden werden können. DariWr aber, was daS Bureau eigentlich leisten soll, gehen die Ansichten außerordentlich weit auseinander. llnd dieser Widerstreit der Ansichten wäre auch dann keineswegs aus der Welt geschafft, wenn der Parteitag daS Statut des Partei- Vorstandes akzeptierte, ohne zugleich in Gestalt einer unzloeidcutigen Willenskundgebung allen Jnterpretationsmöglichkeiten den Riegel vor- geschoben zu haben. Wir wollen das sogleich unter Beweis stellen. Ueber den sogenannten Nachrichtendienst sogt der Entwurf deS Parteivorstandes: 8 2. Aufgabe des Bureaus ist: 1. Herausgabe der„Partei-Korrespondenz"; 2. Erlangung wichtiger Nachrichten und Mitteilungen politischer, sozialer und wirtschaftlicher Natur zur Ueber- Mittelung an die Parteipreffe; 3. Sammlung gesetzgeberischen und statistischen Materials, das für die Partcipresse von besonderer Wichtigkeit ist. 8 8. Zwecks Erlangung bezüglicher Nachrichten und Mitteilungen a u S Deutschland und anderen Ländern ist ein Berichter st atterdien st einzurichten. Ausgeschlossen von der Tätigleit des Burcaus ist die Abfassung von Kritiken und Artikeln, die geeignet sind, die Selb- ständigkeit und Selbsttätigkeit Der Redaktionen zu beeinflussen. Was sind„Nachrichten und Mitteilungeil polittscher, sozialer und wirtschaftlicher Natur"? Darunter läßt sich genau da§ verstehen, was der Pribatentwurf der fünf Parteircdakteure verlangt: nämlich nicht nur die Uebermittelnng des Inhalts der führenden bürgerlichen Presie, Nachrichten und Informationen von Parteivorstand und Gewcrlschasten, parlamentarischer Nach- richtendienst, sondern auch Uebermittelung von Partei- und Gewerkschafts nachrichte«.Frauenbewegung, Berichte über alle möglichenVorgänge deSJn- undAuSlandeL— kurz Vermittelusig von Nachrichten aus allen Gebieten, die über» Haupt für die Parteipresse in Frage kommen. Ob es aber ratsam ist, alle diese Dinge in den Nachrichtendienst einzubeziehen, darüber kann man, wie wir weiter unten darlegen werden, sehr v er- schieden er Meinung sein. Vorher jedoch noch ein sehr wichtiges Moment. Der§ 3 des vom Parteivorsiand vorgelegten Entwurfes sagt:„Aus- geschlossen von der Tätigkeit deS Bureaus ist die Abfassung von Kritiken und Artikeln, die geeignet sind, die Selbständig- k e i t und Selbsttätigkeit der Redaktionen zu beeinflussen." Auch dieser Wortlaut ist der größten Dehnbarkeit jähig. Sagt doch das„Bochumer Volksblatt": „Die Erfüllung der Parteipresse mit schlechter Gesinnung dürfte die Vorschrift vorbeugen, daß die Abfassung von Kritiken und Artikeln, die die Selbständigkeit der Re- daktionen beeinflusien könnte, ausgeschlossen sei. Wie steht eS aber mit der Auswahl der Nachrichten und mit ihrer Aufmachung? Denn auch diese hängt natürlich von der Gesinnung ab. Auch verdient hier wieder der Entwurf der fünf Redakteure an» gezogen zu werden. Der Entwurf ging, wie eS in feiner Einleitung hieß, voil der Voraussetzung ans, daß daS zu errichtende Zentral- bnreem keine Zentralinstanz werden solle, die der Parteipresse den politischen, volkswirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Stoff tag- täglich fertig bearbeitet übergeben solle, so daß dadurch die selbständige NedaktionSarbeit und die Tätigkeit individueller Mit- arbciter mehr und mehr ü b e r f l ü s s i g werde. Eine s olche Schablonisierung betrachte man als keinen Segenfür die Parteipreffe. Das Bureau solle vielmehr in erster Linie als JnformationS-, Nachrichten- und Materialienbureau für die Parteipresse dienen. Dann aber hieß eS an einer späteren Stelle dieses Entwurfes der fünf Redakteure: „Es versteht sich dagegen natürlich, daß die Nach- richten, Informationen und Materialien, die das Bureau über-' inittelt, keineswegs etwa lediglich trockene Tat- fachen angaben sein sollen, sondern daß sie selb- ständig geordnet, gefärbt, literarisch dargestellt und mit selbständiger Beurteilung versehen sein müssen." Wer will, falls„die selbständige Ordnung, Färbung und Be- iirteilung" durch das Bureau zulässig sein soll, jedesmal ent- scheiden, ob die Selbständigkeit und Selbsttätigkeit der Redaktion dadurch beeinflußt worden sei? Solchen Becinfluffungsinögltchkeiten kann eben einzig dadurch vorgebeugt werden, daß man einmal den K r e i L der Nachrichten beschränkt, so daß dadurch die tendenziöse Auswahl und Gruppierung der gemeldeten Fakta ausgeschlossen ist, und zweitens kategorisch bestimmt, daß eben nur nackte Talsachen gemeldet werden dürfen, deren politische und parteipolitische Bewertung völlig in das Ermessen der. Redaktionen der Parteiblätter gestellt ist! Es fragt sich also immer wieder: Welche Nachrichten soll daS Preßburcan übermitteln? Bevor wir die Beantwortung dieser Frage im einzelnen ver« suchen, möchten wir kurz unseren generellen Standpunkt zum Preß- bureau darlegen. Was unserer Parteipreffe hauptsächlich fehlt, ist unserer Auffassung nach in erste: Linie nicht der Mangel an Nachrichten, sondernder Mangel an redaliionellcn Kräften, um die einzelnen Blätter agitatorisch wirk- s a m und zugleich individuell lebendig auszugestalten. Das Streben der Parteigenossen müßte also hauptsächlich darauf hinausgehen, den Redaktions st ab der kleineren Blätter zu vermehren und außerdem den Redakteuren die Möglichkeit zu geben, sich individuelle Mitarbeiter zu halten. Zurzeit ist ein großer Teil der Parteipreffe genötigt, sich bestehender privater Kor- respondenzen zu bedienen und zwar häufig in einem Maße, daß manche Parteiblätter in ihrem politischen Teile einander ähneln wie ein Ei dem anderen. ES liegt uns fern, damit Vorlviirfe er- heben zu wollen; wir konstatieren einfach eine nicht zu leugnende Tatsache. Wir wissen auch, daß zur Besserung dieses ZusiandeS zwei Dinge gehören: Geld und journalistische Kräfte. Aber bei gutem Willen wäre auch für die nahe Zukunft schon manches zu bessern. Hat doch die Partei durch Stärkung ihrer Organisationen ihre Kasienlicrhältnisse bedeutend ans- gebessert, und bemüht sich doch auch die Parteischule, wenn vorläufig auch in bescheidenem Maßstäbe, für die Heranbildung ge- schütter Kräfte zu sorgen. ES gibt keine größere Gefahr. die Tendenz der individuellen Verbesserung der Prcßvcrhältnisse zu durchkreuzen, als eine zu weit getriebene jonr» nalistische Zentralisierung, wie sie durch ein Prcßbnrean geschaffen würde, das den Wünschen, wie sie in dem Entwurf der fünf Redaktcure niedergelegt sind, auch nur einigermaßen ent- gegenkäine! Deshalb ist Vorsicht und gründliche Ucbcrlegnng bei Schaffung eines solchen Jnstittits nicht nur im Interesse der Ge- samtpartci, sondern gerade auch im Interesse der kleineren Pnrteiblätter dringendst geboten I Wenden wir uns nunmehr den Einzelheiten zu: Gefordert wird da zunächst in dem Fünfer-Entwnrf die tclcgraphischc und tele» phonische Uebcrnnttelnng wichtiger Auslassungen der führenden bürgerlichen Presie. Wir haben gegen diese Art de? Nachrichten- diensteS Einwendungen nicht zu machen, doch möchten wir vor der Ueberschätznng dieses journalistische» Hülfsinittels warnen. Es erscheint uns zweifelhaft, ob regel» mäßige gedrängte Inhaltsangaben der bürgerlichen Presse agitatorischen Wert besitzen. Eine eingehendere politische Würdigung solcher Preßstimmen zur Beleuchtung der politischen Haltung der einzelnen Parteien wird häufig an demselben Tage auf Grund kurzer Inhaltsangaben doch nicht tnehr möglich sein. Derartige Würdigungen verlieren auch nicht den mindesten Wert dadurch, daß sie 24 Stunden später erscheinen. Eine Ver- a r b e i t u n g und Färbung dieser Nachrichten durch das Bureau aber bedeutete nichts anderes, als die U n i f o r m i e r u n g der Parteipresse, ihre Beeinflussung von einer Zentralstelle ans! Auch gegen die Uebermittelnng der Nachrichten und In- formationcn von Parteivorsiand, der Generalkoininission, von Informationen über wichtige Vorgänge in den Parlamenten und ihren Kommissionen ist an sich nichts einzuwenden, obgleich ja auch hier vor Uebertreibung des Nachrichtendienstes gewarnt werden muß. Nicht die Fixigkeit, sondern die Gründlichkeit in der Verwertung parlamentarischen Materials ist für die Parteipreffe die Hauptsache. Für absolut unannehmbar aber halten wir die Forderung, den parlamentarischen Nachrichtendienst, der ja am ersten dazu verleiten könnte, etwa dazu zu benutzen, auch, wie das der Entwurf der Fünf vor- sieht,„über die Unterströmungen der Politik, das, was im Werden ist", zu berichten. Das bedeutete nichts anderes, als die Verseuchung unserer Politik durch Hintertreppenklatsch und Kon- jekturalpolitik der allerbedenklichsten Art! Für ausgeschlossen halten wir es auch, nach dem Entwurf der fünf Redakteure dem Preßbureau die Vcrmittelung der Partei- und Gewerk schaftSnachrichtcn zu übertragen. DaS könnte nur zu einer ganz unerträglichen Uniformierung und Be- einflnsstuig der Parteipreffe führen. Von einer nennenswerte» ArbeitSersparung könnte dabei ohnehin keine' Rede sein. Die Lektüre der Partei- und GewerlschaftSblätter ist für die Redaktionen schon deshalb notwendi*. um einen Ueverblick über das Partei- und Ge« W«rksch«sMeIisn zu övBrtlieti itnS n« den imtevdrtTb dieser Presse auftauchenden Streitfragen s e l b st Stellung nehmen zu können. Für ebenso wenig wünschenswert müssen wir den ebenfalls in dem Entwurf der fünf Genossen Norgesehencn deutschen Nachrichtendienst erklären, zu dessen Belverkstelligmig im ganzen Reich ein Netz von Berichterstattern geschaffen werden soll. Worüber könnten diese Korrespondenten berichten? Heber gelegentliche Vorkoinnmisse, Polizeiaffären und ähnliches? Dergleichen kann sehr gut der örtlichen Parteipresse oder Speziakberichten grösserer Blätter entnommen werden. Oder soll über politische Vorgänge in den einzelnen BundeZstaaten, Provinzen, Kommunen berichtet werden? Z. B. Über den sächsischen Wahlkampf, über die w ii r t t e m- b e r g i s ch e Bndgetabstimmnng und dergleichen? Eine Uebermittelung der nackten Tatsachen erleichterte den Re- daktionen die Arbeit nicht im mindesten, eine Bearbeitung solcher Materialien durch das Bureau aber bedeutete wiederum die schlimmste Gefahr der Schablonisierung und geistigen Bevormundung der Parteipresse. Bisher entnahmen die Parteiblätter solche Darstellungen, sofern sie zur selbständigen Bearbeitung keine Zeit fanden. doch v e r- schiedenen gröfferenParteiblättern oder der jeweiligen örtlichen Preffe. Dadurch war der Gefahr einseitiger Dar- stellnng und Uniformienmg wenigstens bis zu einem gewissen Grade vorgebeugt; die Zentralisierung dieser Art von Nachrichtendienst würde also den gegenwärtigen Zustand verschlechtern! Das gleiche gilt für den Nachrichtendienst für das Ausland! Wobei gar nicht genug beachtet werden kann, dasi der Zwang zur möglichsten Selbsttätigkeit aus allen diesen Gebieten für die Redakteure den Anreiz in sich birgt, sich mit den fraglichen Materien genauer vertraut zu machen, dergestalt also beim Lehren zu lernen. Je mehr diese Selbstarbeit durch Versorgung von einer Zentralstelle aus erleichtert wird, desto größer wird die Gefahr der Einseitigkeit für die Redakteure! Soviel über den eigentlichen Nachrichtendienst. Wenn wir unser Urteil über die Forderungen, die der Entwurf der 5 Redakteure stellt, kurz zusammenfassen, so lautet er: Das Preßbureau würde einen geradezu gigantischen Niesenbetrieb darstellen. Seine Redakteure würden nur einen winzigen Teil seiner Arbeit selbst leisten können. Sie würden auf eine Unzahl Mitarbeiter angewiesen sein, die ihnen teils fertiges, teils Rohmaterial lieferten, in dessen rein formaler Bearbeitung sie aufgingen. Des Vorteils wegen, einige Nachrichten früher zu erhalten, würde die gesamte Parteipresse in ihrem Urteil von einer Zentralinstanz ab- häng ig lein, von dort nicht nur mit Informationen, sondern auch mit fertigen Urteile» über alle politischen Borgänge versorgt werden. Ein geradezu trauriger Zu- stand, der das geistige Niveau der Parteipresse und damit der Partei selbst hcrabdrückcn müßte I Daß wir nicht übertreiben. mag folgende Auslassung des »Bochum er Volksblatt" beweisen: „DaS Bureau wird also de» Partcircdaktionen das Urteil über einen Vorgang zivar nicht fertig in einem hübschen Leitartikel zu liefern brauche», wohl aber es ihnen häufig suggeriere». Diese Behandlung der Nachrichten durch das Bureau, die„Aufmachung" hängt natürlich von dem politische» Urteil, von der Auffassung ab, die der Redakteur von der politischen Sachlage hat. Wird diese Auffassung aber von irgend einer Seite, die sie nicht teilt, als parleivcrdächtig behandelt, als eine solche, die eine Politik des Entgegenkoinmens an die be st ehe» de Ordnung'der Di i, ge bedeutet oder voraussetzt, dann dürfte es wohl mit dem Vertrauen in das Bureau vorbei sein und dann ist eine ersprießliche Tätigkeit nicht möglich. Wir glauben nicht, daß der Parteivorstand sich auS dem Grunde das Recht der Anstellung der Redakteure vorbehält, um diese aus ihre gute oder schlechte Parteigesinnung— im Sinne einer gewissen verdächtigenden Kritik— zu prüfen; wir haben das Vertrauen zun, Parteivorstande, daß er lediglich die tüchtigsten Genossen für die Arbeit des Bureaus zu gewinnen suchen wird; dann ist aber auch nach den bisherigen Erfahrungen und unter den angedeuteten Gesichtspunkten mit der Möglichkeit der das gegenseitige Vertrauen verwüstenden Kritik zu rechneu. Wir sagen das jetzt, weil, ivie die Dinge einmal gegangen sind, von der Art, wie man bei Einrichtung und Behandlung des Bureaus verfahren wird, auch von vornherein die Stellung abhängt, die ncan zu der ganzen Ein- r i ch t u n g einnimmt. Wir halten das Bureau für eine sehr nützliche Einrichtung, aber wir würden jeden Pfennig Parteigeld für lo egge warfen halten, der dafür a u s g e w e n d e t w ü r d e, wenn e S z u m P r ü f st e i n d e r guten Gesinnung werde» sollte, wenn auS der Bureaufrage eine neue—„Vorwärts"-Frage w ü r d e." Die Parteigenossen ersehen daraus, daß die voreilige Schaffung eines PreßburcanS, dessen Funktionen nicht ganz genau fest- gelegt wären, dem die Möglichkeit politischer„Suggestionen" offen stände, nichts anderes bedeuten würde, als die Herauf- beschwör»tng neuer Parteikonflikte. Denn daß die Mehrheit der Parteigenossen, die auf dem Boden der D r e s- dener Resolution stehen, so gutmütig sein würde, ein so einflußreiches Institut, wie nicht wir, sondern die Anhänger des Entwurfes der fünf Redakteure eS zu schaffe» wünschen, einfach dein Revisionismus auszuliefern, ist doch eine mehr alS naive Annahme! Die Majorität denkt nicht daran, durch einen Nürnberger Zentral- trichtcr der Partcipresse ihre Auffassung zu„suggerieren", aber sie würde sich auch ganz energisch dagegen verwahren, die Presse der Suggestion der Minorität auszuliefern! Es bliebe nur noch übrig, unsere Meinung über den e i g e n t- lichen Materialien dien st zu äußern, über die„Sammlung gesetzgeberischen und statistischen Materials". Diese Aufgabe scheint uns die wichtigste des ganzen Bureaus darzustellen. Die rasche, dabei aber gründliche, fachwissenschaftliche Bearbeitung dieser wichtigen Materien durch dazu besonders qualifizierte Personen ist eine Aufgabe, die bisher nur in unzureichendem Maße erfüllt Iverdcn könnte. Eine solche Bearbeitung sozial- politischer und volkswirtschaftlicher Gegenstände würde tatsächlich einem Mangel abhelfen; doch wäre von vornherein eine sorgfältige Umgrenzung auch dieses Arbeitsgebietes notwendig. WaS die Verwaltung des PreßbureauS anlangt, so können wir in diesem Puime rückhaltlos dem Entwurf des Parteivorst an des zustimmen. Soziales. Weiße Sklaven. DaS„Berk. Tagebl." berichtet aus New Dork, daß die Ein- wanderungsbehördcn in Chieago einer MassenauSbeutung von Knaben aus den südeuropäischen Ländern auf die Spur gekommen sind. „'Ts ist eine große Anzahl von Unternehmern verhaftet worden, die als„Importeure" dieser zum Hausieren und anstrengenden Diensten aller Art verwendeten Jungen große Gewinne erzielten. Die Bc- Hörden stellten fest, daß diese„kackroui" die kleinen Burschen durch ein wohlorganisiertes Auwerbeshstem in Massen aus Europa bezogen, gleich Sklavenhändlern bei schlechter Nahrung und übler BshanMimg in vollkommener Gefangenschaft hielten tind sie an Handels« und Gewerbsleute. die Bedarf an solchem Arbeitermatcrial haben, gleich Viehherden um einen bestimmten Preis pro Kopf ab- gaben. Die Einwanderungsinspektoren haben nun den Antrag ge- stellt, daß die Regierungen der in Betracht kommenden europäischen Staaten auf diesen ungeheuerlichen Handel austnerksam gemacht werden sollen, damit schon dort den„Aufkäufern" dieser lebenden Ware das Handwerk gelegt wird." Zu dem Kapitel über den Handel mit kleinen Kindern wird uns noch geschrieben: Der Handel mit Kindern aus gewinnsüchtigen Absichten und zu unsittlichen Zwecken blüht inmitten unserer„christ- lichen" Gesellschaft. Henriette Arendt, die seit 1303 beim Stadtpolizeiantt Stuttgart als Polizeiassistentin augestellt ist, be- schreibt im Juliheft der„Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Strafrechtsreform" die Schleichwege, auf denen dieses schmähliche Geschäft betrieben wird. Sie ist lange Zeit hindurch den Annoncen der Tageszeitnngen, in denen Kinder zur Adoption angeboten oder gesucht werden, nachgegangen und hat dabei die Erfahrung gemacht, daß es sich meistens um die Weggabe von unehelichen Kindern handelte, wobei die Mütter aus bitterster Not, die Ucbernehmer aber anS schnödester Gewinnsucht handelten. Zahlreiche heranwachsende Kinder weiblichen Geschlechts fallen dabei der Verkuppelung an Bordellinhabcr zum Opfer. So konnte Fräulein Arendt hinsichtlich einer in vielen Zeitungen wiederholt erscheinenden Annonce, wonach „ein hübsches Mädchen— Alter Nebensache— ohne gegenseitige Entschädigung an KindeS statt angenommen werden sollte", feststellen, daß der Suchende gerade eine längere Strafe wegen Kuppelei ver- büßt hatte, und daß die gesuchten Kinder von ihm an Bordell- inhaberinnen weitergegeben»vurden. Ferner ermittelte sie, daß von einer Gesellschaft im Staate Nebraska in Amerika gewerbsmäßig Kinder aus Deutschland zum Preise von 25 Dollar pro Kind an- gekauft wurden. Um diesem schandbaren Kinderhandel die Wurzel zu durchschneiden, verlangt Fräulein Arendt vor allen Dingen: st a a t l i ch e Fürsorge für uneheliche Mütter und deren Kinder durch Einrichtung von Wöchnerinnenheimen und Säuglingsasylen.„Wie viele Kinder verlassener unehelicher Mütter sind wohl mit unter diesen unglücklichen, kleinen weißen Sklaven!" ruft sie.„Welcher Vorwurf trifft da nicht unsere pharisäische Gesellschaft, unser modernes Christentum, das sich allenfalls nur das erste uneheliche Kind einer armen Mutter annimmt, das zweite oder gar dritte und vierte aber erbarmungslos dem fürchterlichsten Schicksal preisgibt. Ich habe diverse Mädchen mit fünf Kindern, einige sogar mit sieben, acht und neun Kindern in Fürsorge. Gewiß sind diese Mädchen nicht zu loben, aber das fünfte und das achte und das neunte uneheliche Kind empfindet den Hunger genau so schmerzlich wie das erste und ist noch viel beklagenswerter wie dieses, weil es in der Regel noch viel verlassener ist." Was aber das Schicksal der unglücklichen Mütter anlangt, so lautet eS heute zumeist: Prostitution. Darüber sagt Fräulein Arendt:„Wie oft kommen Mädchen, die aus der Entbindungsanstalt entlassen werden, mit ihrem neugeborenen Kinde zu mir und flehen um Hülfe! Diese Mädchen sind in der Regel von ihrem Ge- liebten verlassen worden, haben keine Mittel, keine Unterkunft für sich und ihr Kind, sind noch unfähig zur Arbeit, und so stehen sie schutzlos auf der Straße, allen Verführungen preisgegeben. Sie fallen Kupplern und Kupplerinnen in die Hände und werden durch die bitterste Not oft zur Prostitution direkt gezwungen. Verschiedene Mädchen, die unter Sittenkontrolle stehen, haben mir gestanden, daß die Unfähigkeit, ein oder mehrere Kinder zu versorgen, sie veranlaßt? unter Kontrolle zu gehen.— Ein Kinderftäulein, daß von einem Offizier zwei Kinder hatte, wurde von ihm im Stich gelassen. Er verschwand nach Südwestafrika, um als treuer Soldat seinem Kaiser zu dienen, und sie wurde Prostituierte, weil sie seine Kinder nicht ernähren konnte und niemand hatte, der sich ihrer annahm."_ Leutenot. Eine Epistel über Leutenot in der„Deutschen TageSztg." schließt der Verfasser mit diversen Vorschlägen über Abhülfe. Gegen Kontraktbrnch empfiehlt er folgendes: „Kontraktbruch sollte durch mindestens vierwöchentliche Unter- bringung der Arbeiter in einem Arbcitshause bestraft werden. Die Geldstrafe, die nie eintreibbar ist, wird fast immer durch Haftstrafe von 2—3 Tagen ausgelöst, die den Entlaufene» nur eine angenehme Abwechselung zum Ausschlafen und Faulenzen bietet." Wenn der agrarische Sachverständige der Ucberzeugung ist, daß Haftstrafe eine Abwechselung für den gequälten Landarbeiter fei, dann braucht nian sich freilich nicht zu wundern über das Bestreben, sich den agrarischen Annehmlichkeiten durch die Flucht zu entziehen. DaS Handgeld und der Gesindedienstvertrag. Verschiedene der im Königreich Preußen geltenden Gesindeordnungcn sahen die Schriftlichkcit des Vertrags vor, ließen aber die Gültigkeit münd- licher Dienstverträge zu unter der Bedingung, daß ein Handgeld lMietstaler usw.) gegeben werde. Auch die schleswig-holstcinsche Gcsindeordnung enthält solche Vorschriften. Wegen Uebertretung dieser Gesindeordnung(Verleitung der Tochter zum mutwilligen Verlassen des Dienstes) war der Arbeiter Düring in zweiter In- stanz von der Strafkammer Itzehoe zu einer Geldstrafe verurteilt worden.— In der Verhandlung vor dem Kammergcricht als Rc- Visionsinstanz warf nun der Vertreter der Oberstaatsanwaltschaft die Frage auf, ob hier mit Rücksicht auf jene Vertragsvorschriftcn der Gesindeordnung nicht erst genauer festzustellen sei, ob über- Haupt ein gültiger Mictsvertrag vorliege. Das Kammergericht verwarf die Revision des Angeklagten als unbegründet und führte unter anderem aus, daß es auch die Bedenken des Staatsanwalts hinsichtlich der Gültigkeit des Miets- Vertrags nicht teile. Er sei als rechtsgültig aus folgenden Er- wägungen anzusohcn. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch bedürfe es der Regel nach nicht der schriftlichen Form für Verträge aller Art. Nach dem allgemeinen preußischen Landrecht und auch nach dem schleswig-holstcinschen Gesindcrccht sei nun das Mietsgeld dazu bestimmt gewesen, den schriftlichen Vertrag(soweit er ge- bräuchlich war) zu ersetzen. Wenn jetzt nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch die Schriftform auch für Gcsinde-Mietsverträge über- Haupt nicht mehr erforderlich sei, so falle damit auch die Bedeutung des Handgeldes als eines Ersatzes der schriftlichen Form hinweg. Also wäre es hier ganz gleichgültig, ob der Ver- trag nur mündlich und ohne Gewährung eines M i e t s t a l e r s geschlossen worden sei. Auf jeden Fall sei er gültig zustande gekommen. Wäre das aber der Fall, dann sei D. mit Recht verurteilt worden. Die Sklavenkette der Konkurrenzklausel. Herr F. Butzkc ersucht uns um Aufnahme folgender Berichtigung: Ter Expedient Herr Lüdicke trat in seinem 25. Lebensjahre am 1. April 1905 mit einem Anfangsgehalt von 115 M. bei mir ein. Am 1. Juli 1905, also nach drei Monaten, wurde das Gehalt um monatlich 10 M., also auf 125 M. erhöht, und am 1. Januar 1906 auf 135 M. und sodann am 31. Dezember 1907 auf 145 M. Als mir Herr Lüdicke von dem Angebot seiner fetzigen Stellung Mitteilung ficachte, bot ich ihm ein Monatsachalt von 175 M., mit der Aussicht auf weitere Erhöhung innerhalb Jahresfrist. Das Vertrauen, welches ich Herrn Lüdicke entgegenbrachte, war durch sein Verhalten geschwunden, und auS diesem Grunde habe ich den- selben in einem zweifenstrigen, möblierten Zimmer mit statistischen Arbeiten beschäftigt, und zwar von 9—4 Uhr, das sind 7 Stunden pro Tass. Herr Lüdicke. der zum?. April 1907 gekündigt hatte. teilte mir am 9. März 1907 mit, daß er aus Anraten seines Arztes die Stellung aufgeben müsse, um sich zur Erholung nach außer- halb zu begeben. Daß diese Mitteilung nicht der Wahrheit ent- sprach, geht daraus hervor, daß derselbe sofort seine jetzige Stellung antrat._____ Hus Induftric und Kandel. Die Herrscher in der rhcinisch-westfnlischen Großindustrie. Nachfolgend geben wir eine Aufstellung über die Kohlen« prodnkiion, Erzeugung bon Halbzeug und Walzwerkerzeugnissen der neun größten kombinierten Betriebe, die gleichzeitig dem Kohlen« syndikat und dem Stahlverbande angeschlossen sind. �... Beteiligimg bei dem Produktiv., Stahlverband Kohlen � Produkte� in Tonnen insgesamt Gelsenkirchen. 8 364 000 283 604 225 000 608 604 Hoesch, Dortmund. 1 08l 78t 170 970 283 519 454 509 Deutscher Kaiser.. 2 421 694 355 000 619 525 974 325 Gute HoffnnngShiittc 2 375 237 283 580 296 419 585 999 Phönix-Hörde... 38 388 774 430 454 699 177 1 129M1 Rheinische Stahlwerke 1 144 231 273 305 216 000 489 305 Union. Dortmund.. 867 761 272 219 164 177 436 496 Bochumer Verein.. 747 638 205 503 130 454 335 957 Krupp...... 2 199 495 526 827 450 090 976 917 Insgesamt 23 540 651 2 807 582 3 088 161 5 895 743 Stellt man nun die bon diesen 9 Unternehmern produzierten Brennmaterialien und die Beteiligungsziffern beim Stahlverband in Vergleich zu der Gesamtproduktion aller Syndikatszechen und zu der Gesamtbeteiligung der dem Stahlverband angeschlossenen Werke, dann erhält man folgendes Bild: Anteil der Produktion Beteilig, b. Stahlverb. aller Zechen der 9 Werke überhaupt der 9 Werke rsp. 2!o. So. To. 5Eo. Beteiligung in Proz. Kohlen 76 631431 23 640 651—— 30.7 Produkte A—— 6 054 084 2 807 582 46,3 „ B—— 5 817 535 3 088161 53,1 Dem Kohleusyndikat sind 72, den, Stahlverband 31 Unternehmen angeschlossen, davon beherrschen 0 Werke ainiähernd ein Drittel der Kohlenproduktion und die Hälfte der Stahlproduktion. Es fehlen »och ein paar Fusionen zwischen einigen der vorstehenden Hütten- werke mit noch vorhandenen reinen Zechen, dann ist die Hälfte der Produktion an Brennmaterialien und an Stahlerzeugnissen in wenigen Händen vereinigt. Dabei muß noch herborgchoben werden, daß der Stahlverband die gesamte deutsche Stahlproduktion umfaßt. Vermögen und Schulden deutscher Städte. Ueber die Finanzlage 36 deutscher Großstädte macht die„Franks. Ztg." folgende Aufstellung: Aachen. Altona. Barmen. Berlin.. Breslau. Cassel.. Charlottcnbg Chemnitz.. Creseld.., Danzig.. Dortmund Dresden.. Düsseldorf. Duisburg. Elbers eld. Essen.... Franks, a. M. Geilenkirchen Ein- wohner- zahl »'S u gj 'S c «ä (Mill. Mark) 152 000 171 000 158 000 2 040 000 470 000 146 000 251 000 245 000 110 000 159 000 190 000 517 000 260 000 204 000 163 000 238 000 340 000 151000 57.24 42.25 53.03 756.13 176.08 53.07 115.74 68.71 43.90 42.35 92.43 187 98 110.77 57.13 97.00 66.00 341,18 23.31 25.96 31.25 43,92 363.26 82.12 29.12 83.37 32.59 34.01 18.23 56.82 130.11 68.71 38.70 52.00 41.55 182.58 13.73 2385.30|1348.43 Halle.... Hannover., Karlsruhe., Kiel...... Köniasb. i.P Leipzig.... Mainz.... Mannheim. München.. Nürnherg., Plaue».. Posen.... Rixdors... Schöncberg. Stettin... Sirassburg Stuttgart. Wieshadeu Ein- wohner- zahl 170000 250 000 122 000 164 000 224 000 504 000 100 000 170 000 548 000 294 000 110 000 137 000 178 000 151 000 224 000 167 000 249 000 101 000 «"Ü G (Mill. Mary 39.76 209.00 37.15 67.40 80.3 l 147.47 64.03 124.90 412.44 187.34 40.18 61.36 35.88 46.33 81.98 77.57 77.00 78.94 30.30 67.00 37.24 40.11 49-75 106.92 34.36 57.97 263.16 90.72 24.09 57.16 23.26 35.35 53.90 29.74 51.32 39.32 4254 042440.10 Diese Zusammenstellung, die sich allerdings auf zum Teil ver« schiedene Termine bezieht, zeigt zunächst als hervorstechendste Tat« fache, daß bei den in Frage kommenden 36 deutschen Großstädten das Aktivvermögen die Schulden um nicht weniger als 1814 Millionen Mark übersteigt._ Gefliigelpreise. Die Preise für Geflügel sind für ans dem Mager- Viehhof in Fricdrichsselde zu Markt gestellte Eisten und Hühner ge- fallen, dagegen für Gänse gestiegen. Für letztere waren die Preise im vergangenen Monat 2.80—4,00 M. für das Stück, in der letzten Woche gingen sie auf 2,80—4,40 M. herauf. In derselben Woche de? Vorjahres wurden Gänse sogar mit 3,20— 4,40 M. notiert. Die Preise für Enten sind im Juli d. I. 1,30—1,80 M. gewesen. Auf 1,20—1,40 M. gingen sie in der letzten Woche zurück. Für junge Hühner sind im vergangenen Monat 70 Pf, bis 1,00 M., für alte 1,80— 2,00 M. gezahlt worden. Die Preise für die ersteren sind jetzt 60 Ps. bis 1,00 M. und für letztere 1,60 M. In derselben Woctie deS Vorjahres waren die Preise für Enten 1,60—1,70 M. n»d für junge Hühner 80 Pf. bis 1,20 M., für alte sogar 2,00 M. AnSnahmctarif für Steinkohle und Koks. Wie der„Loknk-Anz" meldet, wird an den zuständigen preußischen Stellen im Hinblick au? den wachsenden Kohlenmangel und die Steigerung der Kohlenpreise die vorübergehende oder dauernde Anfl>ebu»g der bestehenden Ans« nahmetarife für Steinkohle und Koks nach den verschiedensten AuS- landsgebieten ernstlich erwogen. Diese AnSnahmetnrife entstammen überwiegend noch der Zeit der Privathahnen und waren damals vorwiegend aus Rücksichien des Wettbewerbes dieser Bahnen unter« einander eingeführt worden. Bevor indcsien jetzt ein endgültiger Beschluß über die Beseitigung dieser SuSnahmetarife gefaßt werden wird, soll zuvor diese Frage dem preußische» LandcSeiscnbahnrat überwiesen und dessen Gutachten darüber eingefordert werden. Neue Thyssengriindung. Dem„Hamioverschen Courier" wird gemeldet, August Thyssen beabsichtige in Rheinberg(Kreis Moers) eine Maschinenfabrik zu errichte». Es sollen bereits Grundstücke in Größe von 1500 Morgen zu einem Preise von 4 Millionen Mar/ angelanft worden sein._____ Gerickts-Geltung. Der Kolporteur als Zensor. Den§ 56 Ziffer 12 der Gewerbeordnung in Verbindung mi> A 42a sollte der Kolporteur Röcker übertreten haben. Es wurde ihm vorgeworfen, er habe eine Druckschrift auf der öffentlichen Straße in Berlin feilgeboten, die geeignet gewesen sei. in sittlicher Be- ziehung AergerniS zu geben. ES handelte sich um eine Nummer des„Sekt". Das Landgericht verurteilte ihn auch zu einer Geldstrafe, indem es für festgestellt erachtete, daß eine auch nur oberflächliche Betrachtung ihn den Charakter des Heft- chens hätte müssen erkennen lassen, zumal er eine lang- jährige Erfahrung besäße und schon ans diesem Gebiete vor- bestraft sei.— DaS Kammcrgericht verwarf die Revision des Angeklagten und führte anS: Auch das Reichsgericht habe sich, gleich dem Kammergericht, auf folgenden Standpunkt gestellt: Man könne allerdings nicht vom Zeitnugshändler verlangen, daß er alles durchsehe, was et feilhalte. Wenn er«her wisie, daß eine bestimmte Zeitschrift ihrem Charakter nach gclvöhnlich anstößig sei, dann müsse er die Nummer, die er feilhalten möchte, im Hinblick auf die KI 42 a und 56 der Gewerbeordnung nachprüfen. DaS wäre hier bezüglich der Zeitschrist „Sekt" von ihm anzunehmen. Femer sei festgestellt, daß er bei oberflächlicher Durchsicht schon die Anstößigkeit der fraglichen Nummer hätte erkennen müssen. Demnach sei auch ein vertretbares Verschulden ohne Nechtsirrtum festgestellt. Bei der Auskunft eines Schutzmannes, daß gegen die Nummer nichts vorliege(keine Aus- schlußverfügung). hätte er sich nicht beruhigen dürfen. Seine Prüfungspflicht sei dadurch nicht ausgeschlossen worden. Ein GcwcrkschaftSkasscnmardcr stand in der Person des 1870 in Ellefeld i. Vogtland geborenen Holzschleifers M e i s e l vor dem Chemnitzer Landgericht. M. ist ein vielfach bestrafter Mensch, der gegenwärtig wegen Rückfalls- vetruges eine zweijährige Zuchthausstrafe verbüßt. Er gab sich bei Zahlstellenvorsitzenden als Opfer des Streiks bei Seidel u. Naumann in Dresden aus und bat um Darlehne. In zwei Fällen hatte er Erfolg; die Bevollmächtigten des Holzarbeiterverbandes in Hai- n i ch e n und Franke nberg ließen sich von dem Schwindler düpieren, der insgesamt 15 Mark bei ihnen erschwindelte. Er war geständig. DaS Gericht erkannte auf eine Zusatzstrafe von einem Jahr Zuchthaus und 366 Mark Geldstrafe, an deren Stelle noch 40 Tage Zuchthaus treten. Zwei Dieliesspezialisten, die zu einem wahren Schrecken für die Hauswirte geworden waren, wurden gestern aus der Untersnchungs- Haft der dritten Ferienstrafkammer de§ Landgerichts I vorgeführt. Wegen bandenmäßig ausgeführten Diebstahls mußten sich der 21jährige Diener Max Kräh er und der 18jährige Arbeitsbnrsche Otto Schmidt vor dem Strafrichter verantworten, ivährend die Prodnktenhändlerin Auguste Wandrey wegen Hehlerei angeklagt war.— Seit längerer Zeit machte sich das Treiben einer Bande von Diebesspezialisten bemerkbar, die über ganz Berlin verbreitet zu sein schien. Fast alltäglich kam eS vor, daß Bewohner eines HauseS die unangenehme Entdeckung machen mußten, daß die aus Messing hergestellten Türlnöpfe, Tür- klinken und Stangen, die zur Befestigung der Treppen- läufer dienten, spurlos verschwunden waren. Die Diebe arbeiteten so geräuschlos, daß trotz besonderer Wachsamkeit weder der Portier noch die übrigen Hausbewohner etwas von dem Diebstahl bemerkten. Die Diebe hatten sogar die Dreistigkeit, ganze Straßenzüge hinter- einander auszuplündern, um dann bei dem ersten Hause wieder an- fufangen, in welchem mittlerweile die gestohlenen Treppen- taugen und Türknöpfe wieder ersetzt worden waren. In den Stadtteilen im Westen Berlins wurden haupti Schlich die schweren Messingstangen von den Treppen gestohlen. Am 17. Juli dieses JahrcS beobachtete der in dem Hause Grüner Weg 30 wohnhaste Kaufmann Fischer zwei junge Burschen, die sich in verdächtiger Weise aus den Treppen zu schasten machten. Er faßte vor der HauStllr Posta, um die beiden Verdächtigen anzu- halten. Nach kurzer Zeit kamen die beiden Burschen mit großen Paketen beladen wieder die Treppe herunter. Als F. auf sie zutrat, ergriffen beide die Flucht. Einer von ihnen stürzte jedoch zu Boden und konnte deshalb festgenommen werden. Es war der jetzige An- geklagte Schmidt, der in Gemeinschaft mit einem Komplicen, den er an- geblich nicht kennen wollte, die sämtlichen Treppenläuferstangen abge- schraubt und entwendet hatte. Wenige Tage später wurde der ent- kommene zweite Dieb in der Person des Angeklagten Kräher durch den Kriminalwachtmeister Schulz festgenommen. Die Er- Mittelungen ergaben, daß die beiden Verhafteten Mitglieder einer aus halbwüchsigen Burschen bestehenden Diebesbande waren, die lediglich Diebstähle an Türklinken und Messingstangen ausführten. Die übrigen Mitglieder, neun arbeitslose Burschen, konnten erst vor einigen Tagen dingfest gemacht werden. Die ge- stohlenen Messingteile waren von den Angeklagten bei der Frau Wandrey verkauft worden, die ihnen sür das Pfund Messing 35 Pfennige bezahlte.— Vor Gericht waren die beiden Diebe geständig. während die der Hehlerei bezichtigte Frau Wandrey jede strafbare Handlung in Abrede stellte. Ter ihr von Amtswegen als Verteidiger gestellte Referendar Wolff plädierte aus Freisprechung, da die W. den allgemein üblichen Handelspreis dafür gezahlt habe und auch nicht annehmen konnte, daß das Messing aus Diebstählen herrührte, da die' Diebe die ge- stohlenen Teile vorher zerschlagen und umgeschmolzen hatten. Das Gericht erkannte auch gegen die W. auf Freisprechung. Mit Rücksicht auf die Jugendlichkeit der beiden Diebe und die von ihnen gezeigte Reue erkannte die Strafkamnier gegen K r ä h e r auf drei Monate und gegen Schmidt auf sechs Wochen Ge- s ä n g n i s. Ein einträiilicheS Geschäft, durch welches zahlreiche Möbel- Händler in empfindlicher Weise geschädigt worden sind, betrieb die Frau Emilie K l ä h n e, welche gestern aus der Haft der 3. Ferien- strafkamnier des Landgerichts I vorgeführt wurde, um sich wegen Betruges im strafschärfenden Rückfalle in 20 Fällen und wieder- Holter schwerer Urkundenfälschung zu verantworten. Die Angeklagte ist wiederholt wegen Betruges zu längeren Gefängnis- strafen verurteilt ivordcn und hat erst im April d. I. die Strafanstalt verlassen. Wie wenig die Strafe bessernd auf sie eingeivirkt hat, bewies, daß sie sofort ihr altes Metier wieder aufnahm und sich zahlreicher Schwindeleien gegen Möbel- Händler schuldig machte. Mit einem gefälschten Mietskomrakt erschien sie in einem Möbelgeschäft in der Oranienstraße und bestellte eine Möbelemrichtung pur zwei Zimmer, ow thr auch nach Leistung der üblichen Anzahlung prompt geliefert wurde. Als die erste Abzahlungs- rate fällig war, ließ sich die Angeklagte nicht mehr blicke». Der Möbelhündler zog nunmehr erst nähere Erkundigungen ein und erfuhr zu seinem Schrecken, daß er einer geriebenen Schwindlerin in die Hände gefallen war. Die Angeklagte hatte die Möbel sofort an, Tage nach der Lieferung an einen Händler zu einen, Schleuderpreis weiter- verkauft. Ehe der geschädigte Inhaber des Möbelgeschäfts diesen ermittelte, waren die Möbel längst an dritte Hand weiterverkauft, so daß er um die volle Summe geschädigt war. Derartige gemein- gefährliche Schwindelmanöver verübte die Angeklagte in vcr- schiedenen Stadtteilen, in denen sie sich unter falschem Namen extra eine leere Wohnung mietete. Durch einen eigenartigen Zufall, den die Angeschuldigte selbst herbeiführte, wurde sie schließlich festgenommen. Sie erschien bei einem Möbelhändler, den sie schon einmal geprellt hatte, zum zweitenmal, um den Schwindel noch», als zu versuchen. Der Händler erkannte sie jedoch wieder und ließ die vergeßliche Dame festnehmen.— Vor Gericht war die Angeklagte, die erst vor einigen Wochen wegen anderer ähn- licher Schwindeleien zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. in vollem Umfange geständig. In Anbetracht der ganz erheblichen Gemeingefährlichkeit der Angeschuldigten erkannte der Gerichtshof auf eine Zusatzstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust. Em der frauenbeweofun� Genossinnen! Die erste Internationale Frauenkonferenz und der Jnter- nationale Kongreß in Stuttgart haben ersprießliche Arbeit geleistet Befriedigt über die entfaltete Tätigkeit, kehren die Delegierten aller Nationen in ihre Heimat zurück, um dort die Beschlüsse zu propagieren und für möglichst praktische Durchführung derselben einzutreten.— Das weibliche Proletariat ist an den gepflogenen Verhandlungen und dem Ergebnis derselben ganz besonders inter essiert; wurde doch auf beiden Tagungen zur Frage des Frauen Wahlrechts Stellung genommen und Beschluß gefaßt. Die Genossen aller Länder sind auf Grund der angenommenen Resolution ver- pflichtet, für Einführung des allgemeinen Frauenwahlrcchts energisch einzutreten. Doch auch die anderen Punkte der Tages- ordnungen sind für das gesamte Proletariat von größter Wichtig- keit, z. B. die Fragen der Kolonialpolitik, der Ein- und Aus- Wanderung, des Militarismus, der internationalen Konflikte usw. — Die Delegierten der Berliner Genossinnen werden am Mittwoch, den 28. August, abends 8 Uhr, im„Neuen Klubhause", Kom- mandantenstraße 72, Bericht erstatten über die beiden Tagungen in Stuttgart. Versäume keine Genossin, diese Versammlungen zu besuchen. Nur eine gut besuchte Versammlung kann Zeugnis geben von dem Interesse aller an den stattgehabten Verhandlungen. _ Die Vertrauensperson. Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Montag, den 2. September, im Neuen Klubhause, Kom- mandantenstraße 72: Bortrag von Herrn Max Grunwald. Treptow-Baumschulenwcg. Mittwoch, den 28. August, 8'� Uhr, bei bei Mohlau, Treptow. Kiefholzstr. 35: Vortrag von Herrn Kurt Hcinig:„Proletarische Moral". Köpenick. Mittwoch, den 28. August, bei G. Moll: Vortrag. Lese- und Diskutierklub„Eintracht«. Mittwoch, dm 23. d. abends 81/, Uhr, bei Beetz. Goßlerstr. 10/11: Sitzung. Vermischtes. Ein Eisenbahnzusammenstost. In der Nacht zum Sonntag entgleiste der Schnellzug Bordeaux- Paris. indem er mit einem Güterzug zusammenstieß. Die Ursache der Katastrophe war nach einem Telegramm aus Paris bisher nicht mit Sicherheit festzustellen; der verhaftete Weichensteller beteuerte, daß er feine Pflicht voll erfüllt habe, daß aber der von ihm bediente Apparat schon den ganzen Tag hindurch nur mit der größten Schwierigkeit zu führen gewesen sei. Ein Telegramm aus C o u t r a S vom 25. August besagt: Nach neueren Feststellungen sind bei der gestrigen Entgleisung des nach Paris bestimmten Expreßzuges zehn Personen getötet und zwanzig verletzt worden. Minister Barthou traf heute abend hier ein und besichttgte die Stätte des Eisenbahnunfalls. Es wird behauptet, daß die Zug- entgleisung durch einen Fehler beim Weichenstellen herbeigeführt worden sei. Nach einer Meldung aus Bordeaux befanden sich in dem Schnell- zuge zirka 150 Passagiere. Die Gerichtsbehörden weilen an Ort und Stelle. Ueberall findet man Blutspuren. Unter den Trümmern werden noch fortwährend Körperteile der Opfer hervorgeholt. Von der Eisenbahngesellschaft wird die Möglichkeit einer falschen Weichen- stellung bestritten. Man glaubt vielmehr, daß ein Stein oder irgend ein anderer Gegenstand das Funktionieren der Weiche unmöglich gemacht hat. Paris, 26. August. Die bei der Eisenbahnkatastrophe bei Coutras Verwundeten sind meist Reisende auS Bordeaux. Ei» weiterer Eisenbahuiliifall ereignete sich in Ungarn. Der von Budapest am Sonnabendabend abgelassene Personenzug ent- gleiste aus unbekannter Ursache in der Nähe der Stadt K a r o a g. Die Lokomotive stürzte den Bahndanim hinunter. Von den Pasta- gieren wurde ein Offizier und eine Dame schwer verletzt. Ei» Hamburger Dampfer verloren! Ein Telegramm ans Sierra Leone meldet: Der Dampfer„Hedwig Woermann" ist bei der Insel Scherbro gestandet. Die Mannschaft ist gerettet, der Danipfer gilt als verloren._ Der Fall Hau. Der Verteidiger Haus, Rechtsanwalt Dr. Dietz hat, wie bor einigen Tagen gemeldet wurde, für daS Schwurgericht Karlsruhe eine umfangreiche Schrift zur moralischen Begründung der gegen das Todesurteil eingelegten Revision ausgearbeitet., Er sagt darin unter anderem, daß am 13. Mai 1007 zwischen ihm(dem Verteidiger) und Frau Hau eine Aussprache stattgefunden habe, woraus klar hervorging, daß Frau Hau nicht deshalb aus dem Leben zu scheiden den Entschluß faßte, weil sie von der Täterschaft ihres ManneZ überzeugt gewesen sei, sondern weil ihr Mann hinter ihrem Rücken nach Baden-Badcn gefahren sei und mit ihrer Schwester Olga getechtelmechtelt habe. Seine Bemühungen, sie von dem Selbst- mordplan abzuhalten, habe sie mit der Erklärung beantwortet, daß sie ja nichts mehr tauge, selbst das Kind tyrannisiere sie und sie stehe dem Jungen im Wege. Nachdem der Verteidiger in seiner Schrift nochmals den Gang der Ereignisse vor und während des Mordtages darlegt und nachgewiesen, wie töricht Hau in den einzelnen Phasen seiner LiebeSreise gehandelt habe, gibt er der Meinung Ausdruck, daß er heute fester denn je von der Unschuld deS Angeklagten überzeugt sei und daß er deshalb seine Freisprechung für ein Gebot der absoluten Notwendigkeit halte. Ein Boot gekentert. Sonntagnackimittag unternahmen in Königs- berg drei junge Leute in einem gemieteten Boot einen AnSflng nach Arnau. DaS Boot schlug bei einem heftigen Windstoß uni und die Insassen stürzten in den Pregcl. Es gelang, einen von ihnen zu retten, während die beiden anderen ertranken. Ueberschwemmmigen durch Flutwellen. AuS Zentraljapan laufen Meldungen über so getvaltige Flntlvelleu ein, wie sie seit vielen Jahren nicht vorgekommen sind. Eiseiibahnzüge sind aufgehalten und mehrere Dörfer überschwemmt lvorden. Man befürchtet, daß der angerichtete Schaden sehr schwer ist. Eine Dynamitexplosion. Wie der Londoner„Daily NewS' auS San Francisco gemeldet lvird, hat vorgestern in einer Dynamitfabrik in Sobrante(Süd-Kalifornien) eine Explosion stattgefunden, durch die 7 Personen getötet und 130 verletzt wurden. Eingegangene Orucksckriften. „Plutnö«. Wochenschrist sür Volkswirtschalt und Finanzwesen sHerans- ßcbev: G, Bernhard.) Hest 34. Preis 30 Ps. Berlin-Lharlottcnbnrg, Goelbestr. 09. Bericht über die Tättgkcit der Brauerei- und Mälzerei- Berufs- genossenschast im Jahre 1900. 55 Selten. Druck von G, Adcluiaim, Frank- surt a. M._ WitternnaottverNwt vom 26. August iuo7,» UV». Elutionen ämtmmbe, Hamburg Berlin Fraiiks.a>M. München Kien V 9 I5 1= «3 3 «0- II 759© 762® 761® 765 SS© 1766(3® 1767 Still Htttn 3wolltg Lbedeckt 3 bedeckt 2 heiter 4 ivoltenl —Dunst Wetter- Prognose für Dienstag, de» S7. August 1907. Bei mäßigen nordwestlichen Winden, Temperatur wenig geändert; zeit- weise heiter, aber veränderlich; keine oder geringe Niederschläge. Berliner Wctterdureau. Wasierstauds-Nachrichtcn der Landesanslalt sür Gewäsfertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e I. Tilsit Pregcl, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Natibor » Krassen , Frankfurt a r t h e, Schrimm Laudsbcrg Netzes Nordainm Elbe, Lettmeritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. SozialilemokratisclierWalilvErsiiil für den 4. Berliner Reiclistags-Walilkreis. zFranksurter Viertel.) Bezirk Nr. 300. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Schuhmacher j Eidimn! Stierle gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am| Mittwoch, den 28. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen-, Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseioe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand LMMMkrst. Waiilvereio CliarloUeuburg. Todcs-Auzeige. Den Mitgliedern hiermit zur! ! Nachricht, daß unser Genosse, der| Schankwüt Hugo Friese EraSmuSstr. 1 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an: I Mittwoch i'l, Uhr aus dem alten i Luisenlirchhos(am Fürstenbruimer I Weg) statt. Der Vorstand. Ualvösdsnt! der Schuhmaclier ßeiitsciiiands.| Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht,! daß unser Mitglied Etall Sderle am 24. August verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet stall I am Mittwoch, den 23. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- 1 Halle des FriedhoseS in Friedrichs- sclde ans. DI« Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten I zur Nachricht, daß mein lieber j Mann, der Barbier Karl Schisclike am Sonntag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. d. M., nach- mittags 4 Uhr. vom Thomas- Kirchhof, Rixdorf, aus statt. Um stilles Beileid bittet die trauernde Witwe 25396 I-nl-re Schlsichke. Todes-AiiKeigc. Am 25. d. M. verstarb unser Mitglied, der Kollege Uilkelm Hempe nach schwerem Leiden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- / Ivoch, den 28. d. M., nachmittags 1 5 Uhr, von der Leichenhalle des j Städlischen Fricdhoss in Friedrichs- j selbe aus statt. 295/19 Um rege Beteiligung ersucht . 0er Vorstand des Allgemeinen 3 deutsch. Metallarbeiterverbandes I(Freier Verband d. Aietallarbeitcr Dentschlands.) Verein Oeriin Deulselier iHoIzarbeiler- Verband I Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Emil Brockow am 23. August verstorben ist Ehre seinem Andenken' Die Beerdigung findet am DienStag, den 27. August, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Markus-Kirchhofes in WilhclmSberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht gZ/5 Oie Ortsverwaltung. Am Sonntag, den 25. d. M., ooruiiltags IM/, Uhr, verstarb an Bauchscllcntzündung unser lieber Sohn Roski im Sötcr von 15 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an Oie trauernden ttlnierhliebenea Petrus Itoskl und Pran. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. d. M., vom Trauerhause. Rixdors, Emserstraße Nr. 47, aus statt. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und vieien Kranzspenden bei der Be- erdigung meines Verlobten, unseres Bruders. sagen wir hiermit allen Freunden und Kollegen unseren herz- lichsten Dank.-f5784L Wwe. Ick» Ikliiuseler, Lndwig und Frans Ucxl. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage den Genoffen des 769. Bezirks. den Kollegen der Firma Rudolph Bauch, dem Bund„Heriiuke-Vercin Lhmphonie" und dem Mietern des Hauies Bastianstraße 2 meine» lies- gesühllen Dank. 25220 Wwe.«Foiianna Btzenmann. Verantwortlicher Redakteur Kjnmll- und fumtsbiiidkrti von Ködert Aexer,. uur WmWtN-SwKe �_ Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th.Glockr.Berlin. Druck u.Verlag;Vorwärt» Buckdruckerei u. Verlaasanltalt Vau! Singer& Co.. Berlin SW. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung unseres lieben Sohnes Haff« sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. L528b Louis Beyer nebst Frau u. Kindern. Dr. SchäinematiBi Spezial-Slrzt für 54272» llant- und llni-nlcidcn, Frauen krau l< Ii ei teil. Fricdrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10— 8, S— 7, somit. 10— 18 Uhr. Retten, was noeli zu retten ist! Fnjfclieore Verluste an den Kircktenbitrsen stehen unmittelbar bevor. Die Uroschüro Procstler hat schon seit Jahren darauf hingewiesen. Das Wlrtschnftshtld der Gecetiwart»ud der Knlmnft tot ru beliehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto Weher Leipriff). Broschflre A, vollstündiee Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volk» »ungabe, 60 Plg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 P(g.(ür du Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg, für das Ausland, werden die Broachüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Procstler in WilrxburS versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaaelbet Flugschriften und Prospekte. Ihre als vorzüglich bekannten O,« a l i t ä t s-Zigarren empfiehlt die 66312» Tabakarbeiter- Genossenschaft, Hamburg. Fabriklager und Vertretung für Berlin und Ilmgegend: üdo Slangeuberg, Ker!itt80..Köpemckerstr.M. Pcrkaussstellen: Berlin, Köpenick usw.. Hamburg, Stettin, K8ln usw. von wetteren Verkaufsstellen wollen sich kautionsfähige Reflcktantc» a» obigen Vertreter wenden. Wendt® Prachtsäle Münzstr. 17, Eingang KönigSgrabeu. Lounobende im September und Oktober habe eine» große« und kleinen Daal noch sür Festlichkeiten zu vergeben. Vcrcinszimmer jeder Größe _ zu Sitzungen und Versammlungen vollständig gratis. 57622» Nr. 199. 24. 2. Kcilm te Jotiüiirtü" Ittlintt WKMM Ditttsiag, 27. Allgtlst l9l)7. Partei-?Zngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Die wissenschaftlichen Vorträge für die Funktionäre des Wahlvereins beginnen am 4. September bei Boeker, Weberstr. 17 und Freitag, den 6. September bei Gran- mann, Naunynstr. 27. Dieselben finden für die Teilnehmer un- entgeltlich statt. Der Vorstand. Schöneberg. Heute Dienstag, den 26. d. M.. abends 8 Uhr, findet in Obsts Festsälen, Meiningerstrasze 8, die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Der Wert des Parlamentarismus. Referent Genosse H. Molkenbuhr, Reichstagsabgeordneter. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlnng. 3. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Steglitz. Heute abend 7— V/� Uhr Flugblattverbreitung in allen Bezirken. Donnerstag, den 29. August öffentliche Versamm- lung im„Birkenwäldchen". Rege Beteiligung wird bestimmt er- wartet. Pankow. Die für heute fällige Mitgliederversamlung des Wahl- Vereins fällt aus. Dieselbe findet am nächsten Dienstag, den 3. September, im Feldschlößchen des Herrn Großkurt, Berliner- straße, statt. Tagesordnung: Berichterstattung vom Parteitage. Der Vorstand. Nieder-Schönhausen. Die Parteigenoffen werden nochmals auf die heute im Lokal„Neu-Carlshof", Beuth-, Ecke Charlottenstraße stattfindende Wahlvereinsversammlung aufinerksam gemacht. Die Versammlung wird pünktlich abends 3'/z Uhr eröffnet. Tages- ordnung: 1. Rezitatton des Genossen Stripp über:„Ludwig Anzen- gruber". 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. In An- betracht der interessanten Tagesordnung wird pünktliches und zahl- reiches Erscheinen der Mitglieder mit ihren Frauen erwartet. Gäste haben Zuttitt. Der Vorstand. Reinickendorf-Ost. Am heuttgen Dienstag, abends 8Va Uhr, findet beim Genossen Kirsch, Markstraße 2/3, die Mitglieder- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vorttag des Genoffen Block:„Die preußische Verfassung". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Genossen I Euer Er- scheinen ist in Anbettacht deS wichttgen Vorttages, der ein wich- tiger Beitrag zu den kommenden Wahlrechtskämpfen sein wird, un- erläßlich._ Der Vorstand. Berliner lyacbricbten. »Die Sittlichkeit im Freibad am Wannsee." Endlich hat sich eine Betschwester gefunden, die in tiefer In- brunst für die Beseittgung der„nackten Schamlofigkeit' am Freibad Wannsee bittet. Das Sensationsorgan„Die Große Glocke" der- öffentlicht in seiner letzten Nummer, wie uns nachträglich erst mit- geteilt wird, unter obigem Titel eine Zuschrift, in welcher gegen das Treiben am Strande„im Namen der Kultur" Einspruch zu er- heben gefordert wird. Wir glauben verpflichtet zu sein, jenem Denunzianten und dem Blatt, da? sich zum Schluß mit demselben einverstanden erklärt, ausnahmsweise Beachtung zu schenken. Der Anonymus nimmt einleitend Bezug auf den Massenbesuch am der- gangenen Sonntag und findet es im Anschluß hieran als ärgernis- erregend, wenn Tausende von Menschen, Männer, Frauen und Kinder, auf das notdürftigste bekleidet am Sttande promenieren. Zwar habe es ihn schon in Heringsdorf angewidert, wenn sich dort mehr oder weniger schöne Gestalten mit jungen Weibern im Sande wälzten: aber was seien Heringsdorf und die Nordseebäder gegen die nackte Schamlosigkeit, die im Freibad Wannsee getrieben werde. „Die gute Gesellschaft— heißt es— kommt natürlich nur als Zuschauer in Betracht. Man geht hinaus, weil man so viel davon gehört hat, die einen, weniger mit Feingefühl begabt, amüsieren sich köstlich über dies tolle Durcheinander von nackten Leibern, die anderen rümpfen die Nase über den Pöbel, der sich selbst prostituiert und werfen sich in pharisäischem Hochmut in die Brust:„Für unsere Kreise wäre das unmöglich I" Die Armen und Aermste» sind eS auch nicht, die an dem Treiben Gefallen finden. Es sind gerade die Mittelschichten, die sich bei jeder Gelegenheit als die Erbpächter des alten deutschen Sittlichkeits- gefühls aufspielen und wiederum jede Gelegenheit benutzen, um ihr blechernes Phipsengetöne in der Praxis Lügen zu strafen. Seht Euch nur die Zehntansende an, die nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Frauen prostituieren und ihren Kindern eine herrliche Lehre mit auf den Weg geben." Zun, Schluß bezeichnet es der Schreiber als eine Blasphemie, wenn man sage, die am Wannsee vorkommende Nacktheit sei Reinheit. „Nacktheit wirke nur dann rein, wenn sie in plastischer Schönheit auftrete, aber nicht lüstern einherschreite, mit Blicken werbend, mit Gebärden lockend, sondern stolz, frei und marmorkalt." Der Artikel ist im großen und ganzen eine Infamie und bezweckt die moralische Diskreditierung taufender Arbeiterfamilien, die, von der Last des Alltags gedrückt. Sonntags bei schönem Wetter unter den Sonnen- strahlen und im Wasser Stärkung und Erholung suchen. Zahlreiche Zuschriften beweisen uns, daß am Freibad Wannsee für sittlich ver- wahrloste und geile Individuen kein Platz ist. Wir haben bereits vor kurzer Zeit betont, daß bei so vielen tausend Menschen sich stets Elemente einfinden, deren Verhalten keineswegs lobend ist; hierfür können aber viele tausend Menschen nicht verantwortlich gemacht werden. Wenn der Einsender der Zuschrift beim Anblick eines nackten Armes und Beines in sittliche Raserei gerät, ja darin eine Entweihung der Schamhaftigkeit befürchtet, so können wir in ihm nur einen der Be- dauernswerten erblicken, die das Geschick vom Tische des Lebens ausgeschlossen hat, sich frei zu entwickeln und gleich alten Jungfern, verkrüppelt an Geist und Sinnen, in einer nackten Person geschlecht- liche Leidenschaften wittert. Das mag in den Bädern der Erst- klassigen angebracht sein, wo sich oft Reichtum und Prostitution paart, nicht aber, wo sich hunderttausende schaffende Menschen auf wenige Stunden Gesundheit und Erholung suchen. Die gegenwärtig am Badestrande zu Wannsee vorhandenen Mängel und Uebelstände sind nicht minder darauf zurückzuführen, daß der Erholung deS Volkes gerade auf diesem Gebiete bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde, sie werden aber mit der Zeit verschwinden, sobald solche Bäder zur ständigen Einrichtung werden. Zum Schluß möchten wir noch betonen, daß auch Kindern gegenüber,, die ungezügelte Phan- taste des Einsenders, die im Nackten immer nur das Geschlechtliche sieht, gefährlicher ist, als der Badestrand mit hunderttausend nackten Menschen. Auf diesem Gebiete können diese Voltsbäder gerade von sittlicher Wirkung für Kinder sein, weil sie daran gewöhnt werden, sich ihrer eigenen und fremden Nacktheit nicht zu schämen. Damit schwindet auch zugleich die Gefahr, daß dieselben später einmal hinter hoch- gerafflen seidenen Jupons und fteigemachlen Waden feiler Dirnen cinherwandeln. Wir glauben nicht, daß die Behörde den Wunsch des Lex Heinze- Mannes, das Freibad Wannsee aufzuheben, er- füllen wird._ Eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung soll einem gestrigen Beschluß der Deputation für die städtischen Gaswerke zufolge in folgenden Straßenzügen borgenommen werden: Mendelssohn-, Bellermann-, Grünthaler-, Reinickendorfer- und Bödickerstraße, am Markgrafendamm sowie am Unionsplatz. Ferner wurde das Projekt für die elektrische Beleuchtung der Nordfront des Domes, wo sich früher die alte Börse befand, festgestellt sowie die Aenderung der elektrischen Beleuchtung des Schloßplatzes und das Projekt der öffentlichen Beleuchtung für die neuen Straßen deS ehemaligen Scheunenviertels, wofür neue Beleuchtungsanlagen erforderlich werden. Es bleibt beim Sechsuhr-Lukenschluß. Wie wir meldeten, hat die Staatsbahnverwaltung im Interesse einer schnelleren und zuverlässigeren Güterbeförderung beschlossen, vom 2. k. Mts. ab— an Stelle des jetzigen Sechsuhr-Annahmeschlusses— den Sechsuhr- Lukenschlutz für alle Güterbahnhöfe des Eisenbahn-Direktions- bezirkes Berlin, mit Ausnahme der sieben großen im Inneren der Stadt belegenen Güterbahnhöfe, einzuführen. Für die über- wiegend große Mehrzahl der in Betracht kommenden Bahnhöfe ist die Handelskammer zu Potsdam zuständig, welche sich rückhalt- los mit der geplanten Maßnahme einverstanden erklärt hatte. Rücksichtlich der wenigen Bahnhöfe, welche im Bezirk der Berliner Handelskammer liegen, sind die von hiesigen Verkehrsinteressentcn erhobenen Bedenken inzwischen ebenfalls beseitigt worden. Daß der Sechsuhr-Lukenschlutz in der Uebergangszeit nicht allzu streng gehandhabt werden soll, haben wir schon angedeutet; insbesondere werden Güter und ganze Fuhren ein und desselben Anlieferers, mit deren Annahme bei Schluß schon begonnen war, auch nach 6 Uhr noch sämtlich übernommen. Wie früher erwähnt, ist auch für die Berliner Jnnenbahnhöfe eine ähnliche Verkehrsbeschränkung in Aussicht genommen, welche indes erst im nächsten Jahre zur Einführung gelangen soll. Ein empörender Vorgang, der sich am Sonntagabend an der Kottbuser Brücke abspielte, wird uns von Augenzeugen folgender- maßen geschildert: Zwei Schutzleute— Nr. 5622 und 4499— waren dabei, einen Mann aus irgend einem Grunde nach der Polizeiwache zu bringen. Es handelte sich augenscheinlich um einen Betrunkenen, der den Beamten nicht gutwillig folgen wollte. Die Anwendung von Gewalt seitens der Beamten schien hiernach an sich nicht unbegründet, jedoch erregte die Art der Gewalt- anwendung berechtigtes Aufsehen und allgemeine Empörung bei den zahlreichen Augenzeugen dieser Szene. Die Schutzleute hatten den Mann an den Händen gefesselt, und so schleiften sie ihn, der mit den Beinen und dem Rücken auf der Erde lag, eine Strecke die Straße entlang. Unwillige Bemerkungen über diese Art des Transportes wurden im Publikum ausgestoßen, und man gab der Meinung Ausdruck, daß die beiden Beamten den einen Sistierten wohl bewältigen könnten, ohne eine so unpassende und rücksichtslose Art der Transportierung anzuwenden. Bald kamen noch zwei andere Schutzleute hinzu, und nun wurde der Sistierte nach der Wache getragen. Es ging also wirklich anders als die ersten beiden Beamten angefangen hatten. Begreiflicherweise folgte eine große Menschenmenge dem Aufsehen erregenden Transport bis zur Wache. Bei dieser Gelegenheit gab es wieder einige Sistierungen von Leuten aus dem Publikum, welche einem Schutzmann, der sie aus- forderte, sich sofort zu entfernen, die Antwort gaben, sie seien schon im Begriff zu gehen, nur wollten sie sich die Nummern der beiden Beamten notieren, welche den Transport Pes Sistierten in so rück- sichtsloser Weise begonnen hatten. Daß auch durch dieses Vorgehen der Beamten der berechtigte Unwille über ihr Verhalten im Publikum nicht, gemildert wurde, ist begreiflich. Zusammenbruch auf einer Baustrecke der Untergrundbahn. Gestern abend bald nach 6 Uhr stürzte an der Ecke Tauben- straße-Gendarmenmarkt die fertig abgedeckte Untergrundbahn auf einer Strecke von etwa zehn Meter ein, wodurch die Taubensttaße in ihrem östlichen Teile vollständig gesperrt wurde. Um die an gegebene Zeit fuhr ein vollbeladener Wagen mit leeren Weinflaschen der Firma Hehl u. Co. vom Gendarmenmarkt in die Taubenstraße ein und kreuzte hier mit einem mit Erde gefüllten Wagen. Unter der Last brach das ganze Eisengerüst mit der Ueberdachung zusammen und der nach der Südseite fahrende Flaschenwagen senkte sich in die Tiefe. Mit großen Anstrengungen gelang es die Pferde abzusträngen und in Sicherheit zu bringen. Der Kutscher dieses Fuhrwerks war vom Bock geschleudert worden und hatte sich Verletzungen zugezogen, weshalb er auf der Unfall- statton in der Kronenstraße verbunden werden nmtzte. Die alarmierte Feuerwehr trat weiter nicht in Tätigkeit, da sie die Entleerung des Flaschenwagens und dessen Hebung Privat heifern überließ. Der Zusammenbruch ist anscheinend darauf zurück� zuführen, daß die eisernen Verbindungsschrauben, die die fcnkrecht stehenden Eisenpfeiler mit den Eisenträgern verbanden, im Gewinde abbrachen. Ob das angrenzende Eckhaus, das die bauausführende Firma angekauft hat. durch den Unfall in Mitleidenschaft gezogen ist, muß erst die sachgemäße Untersuchung ergeben. Eine Erleichterung für die Kunden des Pfandlcihers bedeutet eine neue Anordnung des Ministers des Innern an den Berliner Polizeipräsidenten und sämtliche Regierungspräsidenten. Erst im Februar d. I. war eine neue Ordnung für den Gewerbetrieb der Pfandleiher erlassen worden, worin unter anderem bestimmt worden ist, daß neue Sachen, die nicht zu den Gebrauchsgcgcn- ständen des Verpfänders gehören, nur auf Grund einer Bescheini- gung der Ortspolizeibchörde als Pfandstücke angenommen werden dürfen. Diese Bestimmung ist jetzt dahin ausgelegt worden, daß von der Beibringung der ortspolizcilichen Bescheinigung abzusehen ist, wenn unter den zum Versatz gebrachten neuen Sachen sich un- verarbeitete Sachen, wie Leinen, Kleiderstoffe usw. befinden. Auf die Verlängerung von neuen Sachen, die schon vor dem Jnkraft- treten der Bekanntmachung vom Februar verpfändet worden sind, sollen aber die neuen Vorschriften nicht zur Anwendung gebracht werden. Mit seinem Dienstgcwchr erschossen hat sich der Unteroffizier Beyer vom 4. Garderegimcnt. Beyer stand früher in einem Linien- rcgiment und kam erst vor zwei Jahren nach Berlin zum 4. Garde- regiment, in dem er der 3. Kompagnie angehörte. Er diente im siebenten Jahre. Als das Regiment vor einiger Zeit nach Döberitz, wo es sich noch befindet, ausrückte, blieb er mit dem Wachtkonnnando hier. Am Sonnabend brachte Beyer um 2 Uhr nachmittags Reservisten nach dem Bahnhof. Zwei Stunden später schoß er sich aus seiner Stube mit seinem Gewehr eine Kugel in die Brust. Als Leute vom Wachtkommando, die den Knall hörten, ihn auffanden, war er schon tot. Die Leiche wurde nach dem Garnisonlazarett I in der Scharnhorststraße gebracht. Was den Unteroffizier in den Tod ge- trieben hat, ist noch nicht bekannt. Urber einen Unglücksfall auf der Straßenbahn wird berichtet: Im Schlafe von einem Straßenbahnwagen herabgestürzt und schwer zu Schaden gekommen ist Sonntag früh der in der Britzerstraße 49 wohnhasle Kaufmann Gustav Halisch. Er benutzte gegen 6 Uhr morgens einen Wagen der Linie 29 zur Nachhausefahrt. H. hatte aus dem Vorderperron Aufstellung genommen und befand sich, da er die Nacht zum Sonntag unterwegs gewesen, in schlaftrunkenem Zu- stände. Als der Straßenbahnwagen aus der Seestraße in die Müllerstraße einbog, stürzte infolge des Ruckes der Kaufmann von dem Perron herab. Er schlug derart heftig auf das Straßenpflaster. daß er eine schwere Kopfverletzung erlitt. Der Verunglückte wurde nach dem nahen Paul Gerhardt-Stift gebracht. Durch die oft geübte Unsitte mancher Kutscher, ihre Pferde ohne Grund zu schlagen, ist gestern eine Frau in die Gefahr gekommen, ihr Augenlicht zu verlieren. Ein Kutscher der Firma Ern st Büsche, Kottbuserstr. 39, hielt mit seinem Wagen vor einem Hause im Grünen eg. Ein Pferd trat mit den Vorderfüßen auf den Bürgersteig, worüber sich der Kutscher so ärgerte, daß er das Pferd mit aller Gewalt herunterriß und nachher einen kräftigen Hieb mit der Peitsche nach demselben führte. Er traf aber nicht das Pferd, sondern die gerade vorübergehende Frau'Anna Triebe, Große Frankfurter- straße 30, so unglücklich in das rechte Auge, daß dieses nach dem Spruch deS Arztes auf das höchste gefährdet ist. Im Tiergarten erschossen hat sich Sonntag ein unbekannter, etwa 26 Jahre alter Mann. In der Nähe des Krollschen Etablisse- ments jagte sich der Lebensmüde auf einer Bank sitzend eine Kugel in die rechte Schläfe. Auf den Schuß hin eilten Spaziergänger hinzu, die sich um den Leblosen bemühten. Der Schuß hatte jedoch auf der Stelle den Tod herbeigeführt. Die Leiche wurde zur Re- kognoszierung nach dem Schauhause gebracht. In der Rocktasche des Toten fand man eine Visitenkarte mit dem Namen Richard Wetzel. Großes Aufsehen rief Sonntagnachmittag der Selbstmord« versuch eines Lebensmüden am Nordhafen hervor. Ein etwa 30jähriger Mann, der durch sein aufgeregtes Wesen die Aufmerk- samkeit der Passanten hervorgerufen hatte, sprang plötzlich, einen Schrei hervorstoßend, in den Hafen und verschwand unter der Oberfläche. Schiffer, die in der Nähe mit ihren Fahrzeugen vor Anker lagen, sprangen dem Lebensmüden nach, um ihn zu retten. Der hartnäckige Selbstmörder setzte ihnen jedoch energischen Wider- stand entgegen, und es entstand nun im Wasser ein förmlicher Kampf. Schließlich gelang es den Schiffern doch, den Lebens- müden ans Ufer zu bringen. In bewußtlosem Zustande wurde er nach dem Virchow-Krankenhause gebracht. Ein schreckliches Branbunglück ist am Sonntag in der Prinz Eugenstraße durch die leichtsinnige Handlungswetse eines Knaben hervorgerufen worden. Vor dem Grundstück Prinz Eugenstraße 25 hatten mehrere Schüler gespielt und aus Zeitvertreib zündeten sie Streichhölzer an und schleuderten sie in die Luft. Einer der Knaben warf ein angezündetes Streichholz auf die vor dem Eltern- hause Prinz Eugenstraße 26 spielende dreijährige Tochter des Kaufmanns Rasch. Im nächsten Augenblick stand die Kleine, deren Kleider sich entzündeten, in hellen Flammen. Passanten stürzten schnell hinzu und löschten die Flammen an dem Kinde. Noch brennend und rauchend trug die entsetzt herbeieilende Mutter ihr Töchterchen nach einem Arzt in der Nachbarschaft. Das bedauernS- werte Geschöpf hatte am ganzen Köper furchtbare Brandwunden erlitten. Sein Zustand ist recht bedenklich. Beim Neben im Radfahren fiel gestern abend in der Auklamer« straße die achtjährige Tochter der Witwe Kaspar, Anklamerstraße 53, vom Rade herunter und geriet unter einem vorüberfahrenden Ge- schäftswagen. Die Räoer des Wagens gingen dem Kinde über Brust und Füße hinweg. Das Mädchen verstarb nach einigen Minuten auf dem Transport nach dem Krankenhause. Radrennen in Steglitz. Bei vollständig auSverkauftein Hause wurde am Sonntag der„Große Preis von Berlin" aus- gefahren und in glänzender Weise von dem Franzosen P. Gnignard gewonnen. Im ersten Lauf(40 Kilometer) hatte der Franzose bis kurz vor Schluß die Spitze vor dem schön fahrenden Dickentmann, als sein Motor aussetzte; ehe Ersatz zur Stelle, war der Vorsprung eingebüßt und Dickentmann blieb Sieger. 2. Gnignard(39,770 Kilometer), 3. Vanderstuift(33,790 Kilometer), 4. Robl(38 Kilometer), 5. Schipke(36,520 Kilometer). In diesem Laufe leisteten der Holländer und der Belgier dem Franzosen einigermaßen Widerstand. Auch Schipke, der durch Motorschaden weit zurückkam, hielt sich zum Schluß tapfer, während Robl keine gute Rolle spielte.— Anders im zweiten Lauf<60 Kilometer). Guignard nahm bald nach Beginn die Spitze und fuhr dann in solchem Tempo weiter, daß keiner seiner Gegner an Widerstand dachte und alle glatt überwunden wurden. Im An- fang schien es, als ob Robl die Scharte vom ersten Lauf auswetzen wollte; er hielt sich lange Zeit als zweiter, kam dann aber durch Radschaden zurück und mußte sich zum Schluß mit dem letzten Platz begnügen. Vanderstuift und Schipke fuhren schön und machten sich wechselseitig den Vorrang fftreitig. Dickentmann fuhr schlechter und holte erst gegen den Schluß auf. Das Endergebnis war: 1. Guignard(99,770 Kilometer), 2. Vanderstuift(95,040 Kilo- meter), 3. Dickentmann(94,760 Kilometer), 4. Schipke(93,900 Kilo- meter), 5. Robl<92 230 Kilometer).— Der Sieg des Franzosen hatte tumultuarische Szenen im Gefolge— die Menge johlte und pfiff— und klatschte Beifall; angeblich hatte der Schrittmacher zu reichlich bemessene Beinkleider an und wurden die Schrittmacher von Guignard, Robl und Dickentmann später seitens der Direktion in Strafe genommen.— Die Fliegerrennen verliefen hoch- interessant und gab es zum Teil spannende Endkämpfe.— Unter den Siegern waren: Ellegard, Theile, Peter, Scheuer- mann, Wegener u. a. Die bedeutenden Flieger Poulain, Messori, Friol usw. mußten sich mit den zweiten und dritten Plätzen begnügen. Sämtliche Rennen verliefen ohne Unfälle. Radrennen zu Treptow. Während in Steglitz die„großen Kanonen" kämpften, gab eS in Treptow eine nicht minder inter« essante Begegnung. Die Fahrer George, Fr. Hosfmann, W. H u b e r und C. Moritz trafen sich in zwei Läufen über 20 und 30 Kilometer. Sie erwiesen sich als gleichwertig und da alle ihr Bestes gaben, endeten sie in beiden Nennen nicht weit aus- einander. Der Kölner Moritz, ein ausgesprochener Pechvogel, wurde auch diesmal wieder vom Mißgeschick verfolgt. Im ersten Lauf konnte er den zweiten Platz belegen; im zweite» Rennen geriet sein Motor beim Ablassen gegen die Barriere, so daß diese durchbrochen und der Motor beschädigt wurde. Da für Moritz kein Ersatzmotor vorhanden war, so mußte, er von einer weiteren Beteiligung ab- sehen. Vorher hatte der Dauerfahrer Fr. Hauptmann einen Angriff auf den Zweistunden-Rekord ohne Schrittmacher, der seit dem Jahre 1898 mit 71,940 Kilometer besteht, unternommen. Bei dem herrschenden Winde glückte der Versuch nicht, doch fuhr Haupt- mann so vorzüglich, daß er nur wenig hinter dem Rekord zurück- blieb, denn er legte 71,410 Kilometer zurück. Ein Malfahren über 900 Meter wurde von 28 Fahrern be« stritten. Elxleben siegte in demselben vor Tschilpe, Götze und Horch. Die Dauerrennen endeten wie folgt: 20 Kilometer. 100, 75, 50, 50 Mark. 1. Hoffmann, 17 Min. 40'/» Sek.; 2. Moritz, 120 Meter; 3. Hubcr, 140 Meter; 4. George, 1320 Meter zurück. 30 Kilometer. 250, 175, 100, 50 Mark. 1. George, 27 Min. 483/5 Sek.; 2. Huber, 340 Meter; 3. Hoffmann, 780 Meter zurück. Arbeitcr-Bildungsschule Berlin. Am Sonntag, den 1. Scp- tember: Familienausflug nach der Jungfcrnhcide. Treff» Punkt von nachmittags 3 Uhr ab im Restaurant„Paradiesgarten", Inhaber W. Fiedler, Straße 63 am Tegeler Weg, 7 Minuten vom Bahnhof Juugfernheide. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. * Orgelkonzert. Mittwoch, den 28. August, abends 7>/2 Uhr, veranstaltet der königliche Musikdirektor Beruh. Jrrgang in der St. M a rst e n- K i r ch e das nächste Orgelkonzert unter Mit- Wirkung von Fräulein Marg. Henning(Sopran), Fräulein Hilde Ellger(Alt) und Frau Elsa Barkowska-Fischer(Violine). Orgel» kompositionen von Pachelbcl, Thiele(as-ckur-Variationen) und Dayas. Der Eintritt ist frei. Fcuerbericht. Am Sonntagabend wurde die Feuerwehr wegen eines Wohnungsbrandes von drei Seiten nach der Tcgclerstraße 14 alarmiert. Betten, Möbel und anderes brannten dort. Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Der 7. Zug hatte in der Münchcbergerjtraße 18 zu tun, wo Regale mit Spiritusbehältem in Brand gerat«» waren. Im Keller des HauseS Voigtstraße 18 brannten Holz, Stroh und anderes und in der Linicnstrahe 32 Matratzen usw. Ein kleiner Fabrikbrank kam in der Blumen- straße 77 zum Ausbruch. Ferner wurde die Wehr nach der Mohren- stratze 63/64, Ecke Kanonicrstraße, gerufen, wo Koks brannte. Gestern früh um 3 Uhr mußten die Feuermelder der Telegraphen- linie lV abgefahren werden, um sie wegen einer undeutlichen Meldung zu prüfen. Es stellte sich dabei heraus, daß der Feuer» inelder an der Michaelkirchbrückc von unbekannten Personen um- gefahren worden war. Außerdem liefen noch Feuermeldungen aus der Jablonskistraße 20, Jnvalidcnstraße 12V und anderen Stellen ein. Vorort- ffciclmckteit. Eine Plage für Mitglieder von Krankenkassen ist die Sucht mancher Kassenverwaltungen, erkrankten Mitgliedern mit übertriebenem Mißtrauen zu begegnen und voll raschfertigen Argwohns betrügerische Simulanten in ihnen zu wittern. Es versteht sich von selber, daß Kasscnbeamte und Kassenärzte jeden etwaigen Versuch, die Kasse durch Simulation zu schädigen, sofort abwehren müssen und eventuell gegen wirkliche Simulation mit aller Strenge vorzugehen haben. Das ist pflichtgemäße Wahrung des KassenintcresseS, das ja nur das Interesse der Mitglieder selber ist. Aber man kann in solchem Pflichteifer doch auch des ..Guten" zu viel tun, so daß durch unbegründete Simulation s» riech erci erlrankten Mitgliedern die ärgerlichsten Scherereien bereitet werden. Im„Vorwärts" hat mehrfach berichtet werden müssen über ganz merkwürdige Entscheidungen von Kassenbeamtcn oder Kassenärzten, über Maßregeln, die so seltsam waren, daß man sie sich nicht anders als aus SimulationSriecherei erklären konnte. Wir haben heute wieder einen Fall mitzuteilen, der an» scheinend in dasselbe Kapitel hineingehört. Bei der Kranken- kasse für Fabrik- und Landarbeiter(eingeschriebene Hülfskassc) in C h a r l o t t e n b ur g ist seit fünf Jahren eine Schneiderin T. versichert. Frl. T., die an Bleichsucht leidet, mußte Anfang August den Kassenarzt konsultieren und wurde von ihm für krank und erwerbsunfähig erklärt. Sie hat eine eigene kleine Wohnung, und das gab sie auch auf dem Kassenbureau an. Als Frl. T. nach Ablauf der ersten Woche das ihr zustehende Kranken- geld von 1 M. pro Werktag abheben wollte, wurde sie vom Kassierer Eymeß gefragt, wer ihr denn die Wirtschaft besorge. Sie ant- wartete, für die grobe Arbeit halte sie sich eine Hülfskraft, das übrige werde von ihr selber gemacht. Da erklärte der Kassierer, das gehe aber auf keinen Fall, die Kasse könne dann kein Kranken- geld geben. Herr Eymeß zahlte schließlich doch das Krankengeld und gab auch dexi neuen Krankenschein für die zweite Woche. Indes, Frl. T. war kaum nach Hause zurückgekehrt, da kam ihr ein Kontrolleur der Krankenkasse in die Wohnung nach, forderte ihr den neuen Krankenschein wieder ab und überreichte ihr eine Anweisung, sich in das Charlottenburger Krankenhaus auf Westend zu begeben. Diese Verfügung erschien schwer begreiflich. » Die Wohnung deS Frl. T. ist so beschaffen, daß eine Ueberweisung der Patientin in ein Krankenhaus durchaus nicht erforderlich ist. Auch wird gerade bei Bleichsucht wohl nur selten ein Arzt auf die Idee kommen, eine Patientin in ein Krankenhaus zu stecken. Und schließlich erwachsen der Kasse aus der Krankenhausbehandlung nur unnötige Mehrkosten, da im Krankenhaus 2,50 M. für jeden Tag bezahlt werden müssen, während daS Krankengeld sich auf nur 1 M. pro Werktag stellte. Frl. T. wunderte sich, ging aber ohne Wider- spruch noch an demselben Tage nach dem ihr genannten Kranken- haus. Selbstverständlich wurde sie dort abgewiesen. Die öffentlichen Krankenhäuser Verlins und der Vororte haben so wenig Ueberfluß an freien Betten, daß man es wirklich keiner KrankcnhauSvcrwaltung verdenken kann, wenn sie solchen Patienten, die ja der Anstaltspflege am allerwenigsten bedürfen, die Aufnahme verweigert. Wieder ging nun Frl. T. zur Kasse. Hier wurde ihr jetzt erklärt, sie könne auch in ihrer Wohnung verbleiben, aber sie müsse nachweisen, daß sie sich irgend eine Person als„Pflegerin" oder„Wirtschafterin" halte, andernfalls bekomme sie kein Kranken- geld. Am nächsten Tage schickte Frl. T. ihre„Wirtschafterin" zur Kasse, aber der Herr Kassierer wies sie kurzerhand ab. Erst als Frl. T. selber aufs neue zur Kasse ging und dem Kassierer Eymeß die Hülfskraft vorstellte, die sie sich zur Besorgung der Wirtschaft angenonimen hatte, gab der Herr Kassierer sich zufrieden. In- zwischen waren aber drei Tage vergangen. Wenigstens für diese drei Tage wurde— die Zahlung des Krankengeldes verweigert! Da möchten wir wirklich wissen, womit die Kasse das rechtfertigen will. Die SimulationSriecherei mancher Krankcnkasscnvorstände wird zu einer Plage nicht nur für erkrankte Kassenmitglieder, sondern schließlich auch für die KrankenhauSleitungcn. Das Verfahren, leichtkranke Kassenmitgliedcr in Krankenanstalten zu schicken, wo sie Schwerkranken den Platz wegnehmen, kann nicht scharf genug verurteilt werden. Das mag ja ein wirksames Mittel sein, finiulationSverdächtige Personen auf die Probe zu stellen und wirkliche Simulanten durch Verlust des Krankengeldes rasch zu kurieren. Aber unsere öffentlichen Krankenhäuser sind denn doch wohl zu anderen Zwecken da. Die Krankenhaus- leitungen sollten sich diesen Unfug ganz energisch verbitten. Schöneberg. Seit einigen Wochen propagieren die den Hirschdunckerschen angeschlossenen Straßenreinigcr unter der Oberleitung eines Herrn Matschulat die Errichtung einer BetriebSkrankenkasse für alle städtischen Arbeiter Schönebergs. Die blauen Straßenreinigcr. die sich in den krausen„sozialpolitischen" Gedankengängen ihres Vor- sitzenden Matschulat total verrannt zu habew scheinen, fühlen sich angeblich in der Allgemeinen Ortskrankcnkasse nicht wohl, weil, wie sie sagen, in dieser Kasse die„faulkrankcn" Arbeiter über Wasser gehalten werden müßten. Da könne nux eine Betriebskrankenkasse gegen helfen; auch sei diese bei niedrigeren Beiträgen demnach leistungsfähiger als die'OrtSkrankenkassc. Die Stratzenrciniger fanden für ihre barocken Ideen auch das nötige Verständnis bei einigen freisinnigen Stadtverordneten, wie Goldschmidt, Dr. Freund und Hecht. Während vor einigen Wochen bereits der frei- sinnige Stadtvater Goldschmidt den Straßenrcinigcrn in einer Versammlung erzählte, wie ein„wirklicher" Arbeiterausschutz aus- zusehen habe, war es Sonnabend abend dem praktischen Arzt Dr. Freund— ebenfalls Stadtvater— vorbehalten, eine Lanze für die Betricbskrankenkasse einzulegen. Die blauen Straßenreiniger, die — die Götter mögen wissen warum— sich für etwas besseres als die übrigen Lohnprolcten Schönebcrgs halten, hatten den Dr. Freund zum Nefercnten in einer öffentlichen Versammlung aller städtischen Arbeiter bestimmt; in dieser Vcrsainmlung sollte der Grundstein zur Betricbskrankenkasse der städtischen Arbeiter Schönebcrgs gelegt werden. Aber erstens kam es anders und zweitens wie man denkt! Die Versammlung fand am Sonnabend in der Schloßbrauerei statt und war von etwa 160 Personen besucht. Herr Matschulat er- öffnete die Versammlung und trat auf Mehrheitsbeschluß das Bureau an drei Mitglieder des Gemcindcarbeiterverbandes ab. Herr Dr. Freund hielt hierauf seinen„Vortrag", der von Sach- kenntnis nicht gerade Zeugnis ablegte. Es war im Grunde gc- nommen ein artig Eiertänzlein, das trefflich in die Aera der liberal-konservativen Paarung paßte und bewies, wie leicht sich jene gebildeten Elemente des Bürgertums die Lösung der Aufgabe denken: die Arbeiter zu übertölpeln. Redner verwahrte sich gegen den Verdacht, pro domo zu sprechen, wenn er für die Betriebs- krankenkassen eintrete. Sie hätten bei niedrigen Beiträgen mehr als die Ortskrankenkassen geleistet,„obwohl" er nicht den Segen verkenne, den die Ortskrankenkasscn durch vorbildliche und sozial- hygienische Einrichtungen geschaffen hätten. Aber— so meinte er— die Betriebskasscn könnten das auch machen, zumal sie keine oder doch nur ganz geringe Verwaltungskosten hätten. Daß die Arbeiter vielfach erst auf ihre Gesundheit untersucht würden, ehe sie in Betriebe mit eigenen Krankenkassen aufgenommen würden, wisse er wohl, und wenn man sich recht überlege, so sei das ja auch gar nicht so schlimm.(Protestrufe aus der Versammlung.) Nachdem er dann noch auf die Bctriebskrankcnkassen der Nachbar- städte verwiesen, die„glänzend" prosperierten und zum Beweise seiner Behauptungen noch auf die in dem Blatt deS� Gemeinde- aroeitcrverbandes enthaltene Aufstellung des Dr. Stier-Somlo über die Leistungsfähigkeit der Betriebskrankenkassen hingewiesen, schloß er seinen mit ironischem Beifall aufgenommenen Vortrag. — Aach Herrn Dr. Freund nahm der Stadtverordnete Genosse K ü t e r das Wort, um in längeren, von wirklicher Sachkenntnis zeugenden Ausführungen der Versammlung zu zeigen, daß das Ei, welches der angebliche Freisinnsdoktor gelegt, ein kläglich Windei gewesen sei. Redner empfahl dem Herrn Referenten das Studium des Krankenvcrsichcrungsgesctzcs und ging dann Punkt für Punkt den Behauptungen des Dr. Freund nach, nachweisend, daß weder die Aufstellungen des Dr. Stier auf Glaubwürdigkeit Anspruch machen können, noch die gewünschte Betricbskasse ein lebens- und leistungsfähiges Gebilde fei. Stier-Somlo fei bereits durch die Krankenkasscnzcitung widerlegt worden und die gewünschte Be- triebskassc würde ganz einfach ein Institut sein, das aus den Taschen der Steuerzahler erhalten werde. Redner ging auf die Gesund- heitsverhältnisse der städtischen Arbeiter ein und meinte, wenn die reichen Stadtväter bürgerlicher Kouleur etwas für die Arbeiter tun wollten, so möchten sie für eine bessere Bezahlung der städtischen Arbeiter eintreten.(Sehr richtig!) In der Betriebs- krankenkasse seien die Mitglieder und ihre Vorstandspersonen rechtlos, sie hätten dann jedes Mitbestimmungsrecht verloren. Redner schloß unter großem Beifall seine Darlegungen mit dem Wunsche, daß die Versanimlung das Projekt des Ortsvereins der Straßcnrcinigcr in den Orkus schleudern möge.— Nackdem noch einige städtische Arbeiter aus beiden Lagern das Wort er- griffen, auch der Herr Matschulat seine wcstclbischen sozial- politischen Empfindungen ins hellste Licht gerückt und gegen die „Fanlk ranken" gewettert hatte, verlangte auch der anwesende Be- vollmächtigte des Gemeindearbeiterverbandcs, Genosse M a y, das Wort. Gegen diese Wortmeldung protestierte der Oberste der Straßenfeger, weil May kein städtischer Arbeiter sei! Die Ver- sammlung entschied' jedoch zur großen Beschämung des Matschulat, daß Moy sprechen solle. Redner bedauerte, daß ein Arzt sich dazu hergebe, der Dezentralisation der Arbeiterversichcrung das Wort zu reden, jedoch wer in den letzten Jahren es erlebt, wessen die Herren Aerzte in dem Kampfe gegen die Ortskrankenkassen fähig gewesen, dem würde auch der heutige Husarenritt des Dr. Freund erklärlich erscheinen. May behandelte dann in eindringlicher Rede die Leistungen beider Kasscnartcn und stellte fest, daß selbst die Regierung in einem Rundschreiben die unsoziale Tendenz der Be- lricbskrankenkassen anerkannt habe, jedoch nicht dazu zu haben gewesen sei, den Betriebstassen die Erlaubnis zur Voruntersuchung der Arbeiter zu nehmen. Schutz den Unternehmerkassen, Trutz den Ortskrankenkassen! Redner schilderte aus seinen Erfahrungen im Rheinlandc, wie die Aerzte die Gründung von Betriebskasscn pro- pagiert hätten, als sie den Widerstand der Ortskrankenkassen gegen die ärztlichen Schröpfgelüste empfunden! Er kenne eine Betriebs- krankenlasse, von der der Handelskammerbericht meldete, daß sie bei 200 Versicherten ganze 70 Pf.„Vermögen"— ohne von den Reserven zu reden— besäße.(Heiterkeit.) Er empfehle die Annahme einer eingelaufenen Resolution, die sich strikte gegen die Errichtung von BetriebSiassen seitens der Gemeinde ausspricht. Noch sei es Zeit, Schlimmeres zu verhüten.— Nach einigen Repliken und Dupliken zwischen den Stadtverordneten Kütcr und Dr. Freund nahm die Versammlung mit übergroßer Majorität folgende Resolution an: „Die am 24. August in der Schloßbrayerei versammelten städtischen Beamten, Arbeiter und Arbeiterinnen von Schöne- berg protestieren auf das entschiedenste gegen die Bestrebungen, welche auf die Errichtung einer BetriebSkrankenkasse für die An- gestellten der Stadt Schöncbcrg hinzielen. Die Versammelten stehen auf dem Standpunkt, daß die hiesige Ortskrankcnkasse ihren Pflichten in vollster Weise genügt und daß sie Mitglieder dieser Kasse bleiben wollen. Die Betriebskrankenkassen sind unsoziale und unzeitgemäße Gebilde, die auf das schärfste bekämpft werden müssen." Eine Resolution des Herrn Matschulat, die ein Niederschlag der Dr. Freundfchen Ausführungen war, fiel mit ganzen 32 Stimmen unter den Tisch. Wir wollen hoffen, daß der Betriebskranken- kassenspuk in Schöneberg für immer gebannt ist! Auf entsetzliche Weise umS Leben gekommen ist gestern(Montag) nacht gegen'/z!2 Uhr in Schöncbcrg der 64 Jahre alte Arbeiter Richard Tnrschky, Ebersstr.� 6 wohnhaft, indem er beim Ueber- schreiten des FahrdammeS in der Hauptstraße von einem daher- sausenden Automobil überfahren wurde. In betvußtlosem Zustande und aus zahlreichen Wunden blutend wurde er in dem Automobil mit Hülfe von Passanten nach der in der Hcrberlstraße 6 gelegenen Unfallstation geschafft, wo er unter den Händen des Arztes verstarb. Außer mehreren Rippen- brächen, einem Schlüsselbein- und Schädelbruch hatte er schwere innere Verletzungen erlitten. Wer die Schuld an dem Unfall trägt. konnte bis jetzt nicht festgestellt werden, da das Automobil, nachdem es den Schwerverletzten nach der Unfallstation gebracht, sofort ver- schwand und sich leider niemand die Nummer gemerkt hat. Die Leiche ist beschlagnahmt und nach dem Schauhause in der Maxstraße geschafft worden. Nixdorf. Gegen die gefährlichen Bahuübcrgäiige hat auch der Rixdorfer Magistrat Stellung genommen und beschlossen, die königliche Eisen- bahndirektion um baldige Beseitigung der Nivcauübergänge der Gör- litzer Bahn im Rixdorfer Stadtgebiet sowie in dessen Umgebung dringendst zu ersuchen. Zwecks Einrichtung einer Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft Berlins und Umgegend findet am Mittwoch und Donnerstag abends L'/g Uhr im Feldschlößchen, Elsenstraße, je eine öffentliche Vcrsamm- lung statt, in denen die Genossen Mücke und Stürmer über Genossenschastswesen referieren werden. Die Agitationskommission ersucht die Arbeiterschaft, namentlich des 6. und 6. Bezirks, um regen Besuch der Versammlungen. Storkow. Eine ergreifende Szene spielte sich am Sonntag auf dem Fried- Hofe in Storkow ab. Dort war die 73jährige Frau des Arbeiters Barsch gestorben. Als man sie zu Grabe trug, folgte auch der be- tagte Gatte dem Sarge. Als der Trauerzug auf dem Kirchhofe angelangt war und der Geistliche die Gedächtnisrede hielt, brach Barsch plötzlich zusammen; ein Blutstrom stürzte ihm aus Mund und Nase und in wenigen Sekunden trat der Tod ein. Tcßel. AlS gestern uachniittag der 23jährige Buchhalter Alfred Gornick aus Berlin mit einein Freunde, dem Biireanvorsteher Robert Wabnitz, im Tegelsr See badete, wollten beide um die Wette schwimmen. Plötzlich bekam Gornick, der etwa zehn Meter vor feinem Freunde schwamm, einen Schwächcaiifall und ging nach einigen Augenblicken unter. Trotzdem Wabnitz ihn festzuhalten suchte, gelang es ihm nicht, seinen Freund, der bereits die Besinnung verloren hatte, herauszuziehen, so daß dieser vor seinen Augen ertrank. Seine Leiche konnte bis jetzt noch nicht geborgen werden. Reinickendorf. Die Augenzeugen des am 19. August auf der Straßenbahnlinie Berlin-Tegel verunglückten Malers Heu ermann werden gebeten, ihre Adresse bei Frau Heuermann, Klixstraße 25, vom parterre rechts, oder im Zigarrengeschäft von A. Bolz. Reinickendorf-West, ebendaselbst abzugeben. Unlosten werden bergütigt. Nicder-Schönhausen. Das Verschwinden dcS Kaufmanns Franz Stampe ist bisher noch nicht aufgeklärt. Am Sonntag find in Steglitz bei Feiler Hans- suchungen vorgenommen worden. Die Vernehmung sämtlicher An- gehörigen der Familie Felker sowie auch des Bureaupersonals hat indessen bis jetzt zu keinerlei Resultaten geführt. Felix Felker ist überdies ein schwer leidender, gebrechlicher Mann, der zu elner Ge- walttat keineswegs fähig erscheint. Er hat außerdem imchwersen können, daß er am Freitag voriger Woche mit Hampe überhaupt nicht zusammengetroffen war. KmfKaften der Redaktion. Tie jiivifiitrfjc Slircifmmibc sludet F r i- d r i<1, st r. l«. Bufgalia 4) eine Treppe(.H-iiidelestatre Bcl!calli-»ice, TiirKganu auch Lindenftr. Ivochentäulich vo» oy? bis O'ß Ilvr abends statt. tAciiffnct 7 Uhr, Exniinbende tcniimt die Lprechstundc>»»» Nhr. Jeder Rusraae•1» eui Buchstabe und rille Zahl nIS Zllcrkzcichc» bcizilfiiae». Briefliche'Antwort wird Nicht erteilt. Eilinc Franc» trage um» in der Sprech stmidc vor. H. G. 114. Einen Anspruch aus Steuererlaß Haien Sie nicht. Be« antragen Sie den Steuererlaß, wie die Behörde Ihnen vorschlägt und reichen Sic der Behörde eine Bescheinigung über die Stellung des Erlaßantrages ein. dann wird vor Entscheidung über Ihren Antrag nicht gc- pfändet.— W. B. Beussrlstraste. Wenden Sie sich an den Magistrats- kommissar für Arbeiterversichcriliig, am Cöllnischcn Park 8. Die Höhe der Rente ist im Einzelsall verschieden.— F. P. Beschweren Sie sich bei dem Landrat des Kreises Groß-Strchlitz. Eine Klage ist nicht zulässig.— R. ivt. Steuer. Kommen Sie in die„Vorwärts"-Sprech stunde.— Zl. F.®. 21111. An daS Polizeirevier.— F. K. IVO. Läßt sich nich genau seit- stellen. Fragen Sic beim Maglstratskommissar für Arbcitcrversicherung Am Cöllnischcn Park 8.— Abel. Kommen Sie in die.Vorwärts'. Sprechstunde. K. K. 72. 1. Nein, bei 1500. 2. PensionSkasse, ja I— I. I. 100. Die Krankenkasse wird Sie einem geeigneten Arzt überweisen.— 20. G. 12. Wollen sie sich zu einem Spezialarzt für Hauikrankhcsten begeben.— 20.>2. Der Komponist de» GrabiiedeS.Wenn sich ztvci Herzen scheiden' ist der Organist a. D. Wilhelm Sauer-W-Ruppi». Verlag: C. Glascr-Lcipzig. — Zl. H. 0. Die Tochter ist neben den Söhnen zum Unterhalt des VaterS verpflichtet, jedoch nur zu gleichen Teilen mit diesen, braucht also nur zu Unterhalt zu leisten. Ueberhaupt erstreckt sich die Unterhalts- Pflicht nur so weit, wie die Tochter ohne Gefährdung ihres eigenen Unicr- Halts imstande ist, an den Vater abzugeben.— R. F. 70. 1. Ein ZahluiigSbcschl wird erst vollstreckbar, wenn der Schuldner nicht binnen einer Woche widerspricht; da»» muß aus Autrag deS Gläubigers der Zahlungsbefehl mit dem VollstteckungSbefehl oevtehen werden. DicS muß das Gericht tun, welches den ZahlungSbesehl erlassen hat. 2. Ja. Bis zur Höhe von monatlich l25 M. 3. Ja.— Toll 30. 1. Aus uneheliche Er- zcugcr trifft dieser Paragraph nicht zu. 2. Diese Frage wird Ihnen in der .Vorwärls'-Sprechstunde beantwortet werden. 3. Wegen aller Forderungen kann Lohn gepfändet werden.— R. 108. Ihr Brief enthält keine Frage. Was wollen Sie denn beantwortet Huben! Komnicn Sie in die„Dorivärts"- Sprechstunde.— H. P. 28. 1. Der Konkursverwalter kann, wenn er es sür zweckmäßig hält, den Bau fertig stellen und Hypotheken besorgen; er braucht es aber nicht zu tun. 2. Wenn Sie die Steine usw. von dem in Konkurs gegangenen Baumeister gelaust und schon bezahlt haben,>0 sind die Steine usw. Ihr Eigentum.— 9t. H. 24. 50—00 M. Genau läßt sich dies natürlich nicht scststellen.— H. H. 20. Die Klage gegen die Frau ist unbegründet. Sie würden gut tun, die Klage zurückzunehmen.— Else SO. Sparkassengebäude am Mühlendamm. — F. K. 22. Ja.— 05. 2. 75. 1. Ihre Frage ist nicht verständlich. 2. Wegen des Katasteramtes fragen Sie aus der Polizei.— Fischer 15. Lassen Sie den Kreisarzt kommen und die Wohnung untersuchen. Ist sie gesundhcitsgcsährlich, so können Sie sofort ausziehen. Von der Miete können Sie st. objicijctt für die Zeit, während weicher Sic in der Wohnung wohnten.— E. P. 100. Verlangen kann Ihr Bater nichts. Kommen Sie in die, VonvärtS'-Sprech stunde.— I. H. Sie müssen die Karte bei der Polizei einreichen und einen Nsickzahlungsantrag stellen.— P. O. 5. Ja. eingegangene DrucklcKriften- Von der„Renen Zeit'(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da» 47. Hcst deS 25. Jahrgangs erschiene». ES hat solgcndcn Inhalt: Die Regelung der Maiseicrsrage. Von Wilhelm Diltmann(Frankfurt a. M.)— Detailhandel und MittelilaiidSpolitik. Von Paul Lauge(Hamburg).— Der Entwurf einer schweizerischen Kranken- und Unsallvcrsichcrung. Von Ernst Oberholzer(Zürich).— Gemeinden und Kapitalismus. Von LinuS Scheibe, Arbcitersckretär in Dorlmmid.-- Literarische Rundschau: Enicst Seilliörc. Der demokratische Imperialismus. Bon Otto Bauer. LebcnSgcschichte eines modernen Fabrikarbeiters. Von?. A.— Notizen: Die Arbcilerbibliothelcn. Von t'ldam Bär, Brandenburg a. H. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- haildlungeii, Poslaiiftaltcii und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 23 Pf. Probenumiucru stehen jederzeit zur Verffügung. Pcrltuer Dtarktpretse. Au« dem cinillichcn Bericht der städtischen Marklballcn-Dircllion.(Großhandel.) Siindflcijch la 72—74 vr. 100 Psd., IIb 66-71, III» 61-64, Bullenfleisch I» 05-70, Hb 53-62, Kühe, fett 52—60, do. mager 40—50, Fresser 56—64, Bullen, dän. 62—03, bo. Holl. 0,00. Kalbilcisch. Doppcllcnder 100-120, Mastkälbcr la 75-85, IIa 66—74. Kälber ger. gen. 47—59, do. Holl. 0,00, dä». 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 82—84, Hammel 1» 77—81, IIa 71—76, uugar. 50—00, Schale 68—70. Schweinefleisch 65—71. Rehbock la per Psuud 0,60—0,75. IIa 0,45-0,59. Rothirsch la 0,46-0,55, do. IIa 0,00. Damhirsch 0,47-0,55. Wildschweine 0,30— 0,40. Frischlinge 0,50—0,70. Kaninchen per Stück 0,60 bis 0,95. Wildenten per Stück 1,30. Krickenten per Stück 0,00. Nebhühner, junge große 1,00—1,25, do. kleine 0,50—0.90, alte 0,30-0.85. Hühner, alle, per Stück 1,40-2,50, II» 0,70—1,30, do. junge 0,50-1,10. Tauben 0,45—0,60, Italienische 0.00. Enten per Stück 1.50— 8,00, do. Hamburger per Stück 2,75—3,00. GSnlc per Pjund 0,00—0,70, do. per Stück 3,00—4,25, do. Hamburger per Psd. 0,00, do. Oderbrucher per Psd. 0,00. Poulcts per Stück 0,90—1,10. Poularden per Psd. 0,00. Hechte per 100 Psund 99—111. do. matt 0,00. do. mittel und groß, matt 0,00, do. mittel 0.00, do. groß 90, do. klein 0,00. Zander, matt 0,00. Schleie, groß 0,00, do. mittel 0.00, do. unsortiert 0,00. Aale, groß 0,00, do. klein und mittel 0,00, mittel 104— tll, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittcl 0,00, do. klein 0,00. Plötzen, matt 0.00. Roddow 0,00. Karpfen, 60ei— 80er 79—84, do. BOer—«Oer 0,00. Bleie, matt 0,00. Bunte Fische 56—91. Barse 0,00, do. klein 0,00. Karauschen 0,00, do. klein 0,00. Wels 0,00. Bleisiiche 0,00, Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Pfd. 110—130, bo. IIa neuer 90—100, do. III» 60. Scclach» 10—15. Flundern, Kieler, stiege I» 2—6, iniiiel ver Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, IIa 1—3. Bücktinge, Kieler per Wall 2— 3, strali. 3,50—5,00, Bornh. 0,50— 0,60. Aale, groß per Pfd. 1,10 bi» 1.40. mittelgroß 0,80—1,10, Nein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfliche Kiste 3—4.00, st, Kiste 1,50-2. Sardellen. 1902er ver Anker 98. 1904er 98. 1905cr 98. 1900er 90—95. Schottische Vollheriiige 1905 0,00, larxo 40-44, kuU. 38-40, mock. 36-42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, ver»/, To. 50—120 Sardinen, ruff.. Faß l.50— 1,60. Bratheringe Faß 1,20—1 40, do. Büchse(4 Liter) t, 40-1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5-6, do. Riesen. 14. Krebse per Schock, große 19,50—20, do. mittelgroße 10—13, do. kleine 2,70—4, do. unsortiert 4,50—8, Gallzier groß 0.00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-. unsortiert per Schock 3,70—3,80, do. große 4,00. Butter per 100 Psd. I» 117—120, II» 108—117. III» 100-108. absallcndc 90-95. Saure Gurke», neue, Schock 4,00. Pseffergnrken 4.00. Kartoffeln per 100 Psd. tveiße runde 2,50-3,25, blaue 3,00-3.75, Rosen. 2.00 bis 2,50, Nieren- 2,75—3,50. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer- rcttich. Schock 5—15. Spinal per 100 Pjund 20—25. Sellerie, per Schock 4,00-8,00. Zwiebeln per 100 Pfd. 5,00-6,00, do. Perl- 50,00—75,00. Ehariotten 75.00— 90,00. Pelcrsille, grün, Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 0.73—1,25. Rettich, bayr., neuer Stück 0,07—0,10, do. hiesiger Schock 3—4. Mohrrüben, per 100 Pfund 3,00 bis 6,00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirstnakohl per Schock 6,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 6—12. Weißkohl 4—10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 8—18. Kohlrüben, Schock 4,00—6,00. Petcrsillenwurzeln, Schockbund 8,00—4,00. Schoten per 100 Psund 8—16. Pfefferlinge per 100 Psd. 8—5. Steinpilze per 100 Psund 18—20. Radieschen per Schockbund 0.75 bis 1,00. Salat per Schock 1,50—2,50. Gurken, Einmache-, Schock 14,00, do. böhmische Schock 0,00, do. Ltegniher Schock 2,00—4,50. Bohnen, grüne, 100 Psd. 7—15. ÄachSbohnen, per 100 Psd. 10—25. Stachelbeeren, per 100 Psund 0,00. Blaubeeren, per 100 Psd. 10—16. Johannis- beeren, per 100 Pfd. 12—20. Preiselbeeren per 100 Psd. 14—20, Kirschen, per 100 Psund Wcrdcrschc 0,00, Sächsische 0,00, Schlesische 0.00, Natten 0,00, sauere 15—20. Birnen, ital.. 100 Psund 14-40, Tiroler 35—40, hiesige 4—18, Salander 19—24. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd. 10—30, ital. in zUstchcn zu 12 Stück 0,90—1.60, do. in Körben la per 100 Psd. 20—35, do. IIa in Körben per 100 Pfd. 17—30. Slprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, sranzös. 0,00. Aepsel, italienische, per 100 Pfund 8—17, ung. 10—13, hiesige 5—13, Gravensteiner la 15—35, do. IIa 10—20. Pflaumen, ital., per 100 Psund 10—20, Reineclauden 15—30, hiesige 10—16, ung. 6—12, Badencr, Früh-, 15—18. Weintrauben, franz., per 100 Psd. 16—25, itallen. 16—22. Ananas I, per Psund 1—1,10. do. II 0,00. Zitronen. Meisina, 300 Stück 10,00-20,00, do. 360 Stück 9,00-21,00, do. 200 Stück 6.00-12.00. do. 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 20.00-22.00. grün 0,0V. Melonen, per 100 Psd. ilal. 14-20, franz. 30-S0. ho«. 25-29. Inhalt der Inserate l die Ift*»«■ iibernimuit die Redaktion dem, Bnblitnm gegenüber keinerlei BerantMortung. UKearer. Dienstag, den 27. August. Anfang 7'/, Uhr. Deutsches. DaS Wintcnnärchen. Kammerfpiele: Frühlings Er- wachen. Slnfang L Uhr. Kgl. Opernhans. Salome. Neues königl. Operntheater. Wiener Blut. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lesfing. Di» Stützen der Gesell- Rafflcs Schiller O. lWallner-Tdeater.) Der Postillon von Lonjoumeau. Schiller lV.(Friedrich Wilhelin städtisches Theater.) Der zur Hölle. Neues Schauspielhaus. Neues. Der Dieb. komische Oper. HoffmannS Er- Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. » stiv i e lh a u s. Husarenfieber. Zentral. DaS Tagebuch elner Ver- lorencn. Kleines. Vater und Sohn. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Trinnon. Fräulew Josette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs« Uhr» Onkel. Bernhard Rose. Der große Un« bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Nachmittags 4'/, Uhr: Einer mutz heiraten. Berlin in Italien. Ver- botene Wege. Metropol. Der Teufel lacht dazu. Apollo. Der HochzeitSgast. Epe» »iali täten. Walhalla. Svezialitäten. Gebr. Herrnfcld. Madame Wig- Wag. Es lebe daS Nachtleben. Passage. Vcrnardi. Spezialiläten. Wintergarten. Anne Dancrey. Annie Dirkens. Spezialitälen. Vrater. Flotte Weiber. Figaro. Paris.— Die Klaue.— Unterm Bett. ReichShallcn. Steltincr Sänger. Folies Caprtee. Geisterauto.— Paris. Ansang 8'/, Uhr. klrania. Tandenstrafie 48/4S. Abend» 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte. Jnvalidenstr. 87/82. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Dienstag, 27. August, abends 8 Uhr: Detektiv-Komödie in 4 Auszügen von _ Ferdinand Bonn._ Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. UM M Sohn. Morgen und folgende Tage- Bater und Sohn. Tbeater des Westens. Abends 8 Ubr: Die Instige Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. Lusftspieihaias. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. SUhr ler. ä Direktion: Richard Alexander. DienStag. 27. August: üaben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequin und Pierre Veber. Zentral-Theater. Täglich 8 Uhr: Cngrlmch einer Verlorenen. Luisen-Theater Reicheubergerstr.»4. Freilag, den 30. Augitst t ZEriillnungs- Vorstellung. Turamlot. Sonnabend: Turandot. Sonntag nachm.: Rätsel seiner Ehe. AdendS: Turandot. Montag zum erstenmal: Gebildete Menschen. Dienstag: Gebildete Menschen. Mittwoch: Tmundot. Die Kasse ist täglich von 10—2 Uhr vorm. und nachmittags von 8—3 Uhr geöffnet_______ Metropol-Thealer Anfang 8 Chr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaonder. Dirigent Max Koth. In Szene gesetzt von Direktor Kiohsrd Schultz. Kanchen überall gestattet. WIMM NM . Artistische Leitung: Saul Milbitz. MW. Cr. Konzert, Theater ii.Speziali(lten-?orstellün3. { Jeden Montag: Sommerfcst. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste, | Jeden Donnerstag: Elite Dag. Die Äasseekiiche ist täglich von L Uhr ab geöstnet. Silhillei'.IhsMeeo.tWnllner.Thiater). Morwih-Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Vorl. Gastsp. Heinrich Bökel: ver Postillion von honjumean. Komische Oper in 3 Allen von Adolf Adam. Mittwoch, abends 3 Ubr: Populäre Vorstellung b. b»Ib. Preisen: Die IKanberßöte. Donnerstag, abendsSUHr: Populäre Vorstellung b. halb. Preisen: Der Prelschiits. Schiller-Theater Charlöltenburg. Wiedererbsfunng Mittwoch, 28. August 1907: (Goethes Geburtstag.) Zum ersten Mal«: Götz von Bcrlichingen. Schauspiel tn 5 Auszügen von Wolsgang Goethe. Donnerstag abends 8Uhr: Götz von Berlichlngen. Freitag, n b c n b ä 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Borr Senator. Disz' Speziatitätsn-Theater. fydß ö w ßä L/audsberger Alice 76— 70. Direkt a. b. Ringbahnstation. Deqncmste Fahrgelegenheit n. allen Stadwicht. vb svbvn! Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Ob Bogen l Niescn-Lacherfolg.-WW-?Ml Mnehesli. Leite gkupi-«. Täglich 8 Uhr: Graste Borstellnug. Ausicrdrm: Mittwochs und Sonntags»achmittag» 4 Uhr: Kinder- und Fvmilicn-Porstclliing. Zer!!»Lr?.aybtierZe!w!s. Landsberger Allee auf Stelzen. The Reros, ft,nSSf le Heinz Heuer, prolongiert. Dazu das neue brillante August-Procsramm. Ans. 3 Uhr. Kaffeelüche. Volksbelustig. aller Art. Entrce 20 Ps., Sonnt. 30 Pf. �.ZttvALksMSsterl PnZwp.l'tzpaiap Dtreftioii: Hob. lli». vriliinenstr. lg. I KTaGObsrX» Abends 3'/, Uhr: Der Lebensretter oder: V�obltun trügt Zinsen. Lebensbild mit Gesang in 3 Akten. Dazu die erstklassigen Spezialitäten. Bei schlechtem Wetter: Vorst. Im Saal. Donnerst.: Benefiz f. d. Schausplclpcrs. Brunnen-Theater Badstrahe 58. Direkt.: Bernh. Rose. Heute: Großer Elite-Tag t 's Etieserl. Scph, Gcmsjäger. Bernhard Rose. Erstklassige Spezialitäten. Rosa und loseta Blareks, b.zusammengewachseneZwillingSpaar. wog- Banl Ooradinl. Hopkins Dressurakt. Anton Sattler. The Dammann Family. Kasseneröffnmig 2 Uhr. Ans. 41/, Uhr. Großer Elite-Ball. Fröbeis Allerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. AeliesleS Volkstheater Berlins. Heute: Der große Biesen» Angnst-Splelplan mit der Raclng- Trappe und den übrigen Kunststernen. Ab 1. September: Braun. Am 5. September Doppel-Benefiz- Vorstellung sür Minnle Russe und Willy Fröbel: Der Raub der Sabinerinne». Variete-Karten öergswcg 19/20, 3tv>cnth.Tor. Neue SPeztalttäten. Agg- Dressierte Büren, Ansi: Konzcrt S; Vorstellung7Uhr. V0g- Bei ungünstigem Wetter Vorstellung Im Theater 8 Uhr. Kafino-Theater. Lothringerstr. 37. Ansang 8 Uhr. Sonnabend, den 31. August: Eröffiinngs» Vorstellnng. Die wilde Jagd. fK v" Ludwig Fulda. Vorher da« Eröffnungs- Programm. Schweizergarten Am KBnlgstor. Am Frledrlchshaln. Stratzenbahn 1,2,4, 17,69, 82, 63 u. 74. Täglich: Theater-Vorstellung. Neue Spezialitäten. Kinematograpb und Ball. Freier Oamentanz. Anfan g 5 Uhr._ Entree 30 Pf. Relchsüallen-Theater. Täglich: Britton al» «Ute im Familirn- 6 ab Wannser. Sonntags 7 Uhr. Sanssouci, Ein1! Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonntags, Montags, Donnerstags: Hoffmanns Nordd Sänger U. Tanzkrünzchen. Sonntags Beginn 5, wochentags 8 Uhr. Ans. Wochent. 8, Volksgarten-Theatur. Bad-BehmetriBe— Bahnhof Gesund' brunnen— BellermannitraBs. Die Veilchenfee. Volksftück m, Gesang in 2 Akten von W. Gcricke. Musik von Max Schmidt. Hierzu: DaS»eue k«-8pazIM�W». BoMvelnstignnge«. Kastanien-Allee 7/9. Der Tanzleufel. Spezlnlltütcn 1. Ranges. Austreten der Eöwenbrant Tllly BAbA mit ihren dress. Löwen. Konzert ond Ball. Ansang 41/, Uhr. Istbatm- Am Küstrlnerplatz, Rüdereaorforslr. 71 Hermann Imbs. Täglich: yrofisZ Konsert, Theater- und Spezialitäten Vorstellnng. Aufruf zum Skat- Tournier! Skatkliibs und Vereinigungen, die am großen 577W Skst- Wettspiel teilnehmen wollen, mögen sich melden im Nestanrant Fisch, Forsterstraße' 9, behuss näherer Besprechung. Unserm treuen Genossen und Freunde, dem Maurer Karl KUm welcher seit nahezu 40 Jahren ausdauernd und arbcitSsrendig der politischen und gewerkschaftlichen Organisation zugehört, gratulieren wir zun»(50. Geburtstag und wünschen, daß er in alter Frische noch lange Jahre sür die Ziele der Partei wirken möge. 237/3 Der Borstanb des sozialdemokratische« Vereins im S. Berliner Wahlkreise. äuteeheu erregendes, Mnstlerlsoh ausgestattetes Prachtwerk mit 80 wertvollen lüustratloneh und mehreren Kunatbeilazon.— Preis 2 Mark. Zu beziehen durch F. B. Bilz' Verlacr, Dresden-Badcboul und Leipzig, sowie durch alle Buchhandlungen. Dar Vorsitzende des Vereins fttr Körperkultur, Dp. med. Jaerschky-Berlin schreibt:„Warmherzig und begeistert geschrieben, werden die„Qoldnen Lebensregeln- Widerhall in neu Herzen der Menschen finden."— Prof. Relnh. Begas-Borlin: „Die Lehren und Anleitungen, welche Bilz'„Goldne Lt bensregeln rar Körperkultur und speziell filr Nacktgymnaetik geben, finden meinen vollsten Beifall" flciitung! Kleber. Mtang Mittwoch, den 28. August, abends 8 Uhr, bei Meyer, Oranieustr. 103: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. WaS gedenken die Kleber zu tun, um die jetzige günstige Konjunktur auszunützen? 101/7» 2. DiSkufston. 8. Verschiedenes. Die Kollegen der Firmen: Steinvorn, Baadt und DangerS, Schiedlich, Müller, Winterfeldstrafie, Schley, Otto, Feh, Daniel, Kummer, ttngrr, Moser, Springer, Helm. Brandenburg, Schulz- Reinickendors und Hunger sind besoliders eingeladen. ZW-— Pflicht eines jeden Kollegen ist es zu erscheinen. Die Vcrbandslcltnng. okaaiA. 3 Soeben sind neu«sebionen: | DieEntwickelung des Sozialismus von der Utopie znr Wissenschaff von Friedrich Engel«. Ffinfte vervollständigte Auflage. Mit einem Vorwort von Harl Kautsky. 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Mittwoch, den 28. August 1907, abends 8 Uhr: Zeziirks- Versammlung für Steglitz, Gr.'Siehferfelde und Umgegend im Lokale von Sehellhase, Stexllts, AHornstr. 13 a. Soges. Ordnung: 1. Vortrag de? Kollegen Villvlce über:»Die Gewerkschafts- bewegung vor und nach dem Sozialistengesetz". 2. Verbands- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Ohne Buch kein Zutritt."Mg In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eweS jeden Kollegen, zahlreich und pünltlich zu erscheinen. 147/14 Ble Ortsvcrwaltnng. Zentralverband der Zivilmusiker Deutschlands. ------- Ortsverwaltuug Berlin.--------- Bureau: Berlin N. 54, Brunnen, lr. 188. Restaur. Wilke. Tel. Amt III, Nr. 6325. Donnerstag, den 29. August, vormittags 11 Uhr, bei Wllke, Brunnenstr. 188: Außernrdentlidic Gciittlil-Nttsnilmlnnz. TageS-Ordnung: Ausnahme neuer Mitglieder. Ersatzwahl zum Vorstand der Orts- Verwaltung. Wahl der Statutenberatungskommisflon. Bericht der Kommission zum Zeutralarbeitsnachweis und Verschiedenes. 50/6 Erscheinen unbedingt notwendig. Der Vorstand. Sofastofle Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Doctat Hocqnetts. Piüsch-"vhlv. Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Emil Lelövre, oSnstr. 1SB. �HygienischB BedansartiHel. JSeuo st. Katalog IQ. Empfohl. viel. Aerzte u.Prof. grat. uiS H. üneer. Gnnuniwarenlabrik Berlin NW.. Friedridistrags e 91/91. Auf Teilzahlung I Wöchentlich nur 1 Mark. Uhren jeder Art so- wieGoldwar., Zithern, ß Phonograph., Platten-H sprechmaschincn, Har- monilas, Mandolinen, Geigen usw. Große Auswahl in Platten, echte Edison-Apparate und Walzen zu Original-Preise». .IuKps& König, Warschauerstr. 72, 1. Etage. Reinickcndorferftr. 101. 1. Etage. Der gesündeste und haltbarste Essig läßt sich nur bereiten auS IteivlKvI'8 Essig- Essenz. Ortginalflasche für 12 oder sechs Weinflaschen semsten Speise- und Einmache-Essig von unerreichtem Wohlgeschmack M. 1 u. 50 Ps. 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Bewerbungen mit Angaben über die bisherige Tätigkeit sind an nach- stehende Adresse zu richten und müssen bis fpäteftens 9. September 1907 eingegangen sein. Der Zentralvorstaud des Sozialdemokratischen ZenttalvereinS für den 7. schleswig-holsteinischen Reichstags-Wahlkreis. I. A.: TV. Pullcr, Kiel, Weiftenburgstr. 15. Chauffeurschule»Am Wedding«, nur Gerichtstraße 17, größte, be- deutendfte, nimmt stets Lehrlinge an. Theoretische und praktische AusbUdung zum Chauffeur unter Ingenieur- leitung. Werkstätten mit elektrischer Kraft. Kostenlose Vermittlung hoch- bezahlter Stellungen. 285/1« Barock-Vergolder verlangt Gold- leisten-Fabrik Lottumstraße 5.+52 Tischler auf Furnieren für Leistensabrikatton verlangt Ed. Methlow u. Co., Köpenickerstraße 145. Geiger verlangt Klement, Roß- straße 8._ 25236 Lehrmädchen für Parsümerie verlangt Danziger, Alte Jakobstraße 9. 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