Nr. 201. 24 Jahrg. Bbennnnents-Btdlngungen: �H[.AvAx�Ml« � Pl! r* CbonntmcnJS. SStetS ttdnrnnetonbo: W W« I � Lierte5iährl. 8,30 SEW., monaU. 1,10 SKI.. Hl BB i WB DD MD f/ Hfl Hfl DW EH b|§ ffiaf � m*•« wöchcnllich 28«fg. frei WS H-uS. Hl, �JH BB BUnBIHBw ESEB W // W H folitif�e und gewerlschastl.che Vereins. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- �«iAZ I i— 8B*i MD Dfl WM WW fSj KW BBa Hfl Hfl IX- MM MS y/ und LersaminIungS-Anzeigen 30 Pfg- nummer mit illustrierter Sonntags. ��Hfl /pWBB BSS Bw WW HB DD» WU Hfl HM KB C*J Hl HH£/„Kleine Hnzeigcn", das erste(fett. »«läge.Die Neue Welt->0 Pw Post. MWÄ MZ! BB B BBB WW B W gedruckte, Wort 20 Psg. jedes weitere n ZrH■ B H RR BLkB. B B W B 4SO&*&Mr.' Wort 10 Psg- Stellengesuche und Schlaf- Vufml Uwer lkeuzband?ü! H B B, HL. J»S MäX H s.ellen-Anzeigen das erste Wort lO Psg-, Deutschland und Oeslerreich, Ungarn W Mi JHV // B jedes weitere Wort 5 Psg- Worte über 2 Mark, für das übrige Ausland MU� �M>v~J S MM/>/ Hfl 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, 3 Mark pro Monat. Postabonnements fl�M �W/ �\S �W�� Bfl�\ Inserate für die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien, Düneman, � r&A C j-._ V C V/ bis S UhrnachmMags w der Expedition Holland, Jtaliem Luxemburg �Zugal.-----\ Vs�O abgegeben werden. Die Expedition ist Rumänien. Schweden und die Schweiz. � V------— � bis 7 Uhr abends geöffnet, o.«»«.»-»»..»»,.S»SÜL", 2entralorgan äer fozialclemokratifcken Partei Veutfckianäs. lteäakrion: SM. 68, Qinäensrrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sozialdemokratie und Koloniaipolitik. Die Stuttgarter Kolonialdebatte findet in der Partei- presse noch lebhaften Nachhall. Speziell die Genossen S ü d e k u m und David können sich noch nicht darüber be- ruhigen, daß nicht die Resolutton, die in der Kommission die Mehrheit auf sich vereinigte, von der Mehrheit des Plenums angenommen wurde, sondern die Resolution der Kommissions- Minderheit. Genosse David findet es zudem befremdend, daß gleich der„Leipz. Volksztg." auch der„Vorwärts", das Zentralorgan der deutschen Partei, diese Ent- scheidung des Kongresses mit„stürmischem Jubel" be- grüßt habe. Die Genossen Südekum und David finden die Stellung- nähme des„Vorwärts" um so unbegreiflicher, als nicht nur die große Mehrheit der deutschen Delegatton für die Re- solution der Kommissions Mehrheit eingetreten sei, sondern weil diese Resolutton auch völlig im Einklang mit den bisher von der deutschen Sozialdemokratie vertretenen An- schauungen gestanden habe, während sich die Verteidiger der vom Plenum schließlich angenommenen Resolution— also „Leipz. Volksztg." und„Vorwärts"— in einen Gegensatz zu dieser bisherigen Auffassung der Partei gebracht hätten. Nun ist in Wirklichkeit genau das Gegenteil richtig, wie wir hiermit beweisen wollen! Die dem Plenum vorgelegte Resolutton der Kom- missionsmehrheit— die den bisherigen Auffassungen des Sozialismus im allgemeinen und der deutschen Sozialdemo- kratie im besonderen entsprechen soll— begann mit folgender Einleitung: „Der Kongreß stellt fest, daß der Nutzen oder die Not- w e n d i g k e i t der Ki lonien im allgemeinen— besonders aber für die Arbeiterklasse— stark übertrieben wird. Er verwirft aber nicht prinzipiell und füralleZeiten jede Kolonial- Politik, die unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wird wirken können." Wenn Worte überhaupt einen Sinn haben, war damit die bisherige Auffassung speziell der deutschen Sozialdemokratie, daß die Kolonialpolitik, wie sie bisher geschichtlich in die Erscheinung getreten ist und wie sie sich in der kapitalistischen Kolonialpolitik der Gegen- wart verkörpert, dcni Proletariat nicht nur keinen Nutzen brinist, sondern seineu Emanzipationskampf in der schlimmsten Weise gefährdet, verleugnet worden. Denn wenn auch die Anpreisung des Nutzens der Kolonien alS„übertrieben" gekennzeichnet worden war, so war der relative Nutzen doch zugleich zugegeben worden! Der zweite Satz, der dann speziell von den zivilisatorischen Aufgaben der„sozia- listischen" Kolonialpolitik sprach, schwächte wohl den ersten Satz ab, schaffte ihn aber keinesivegs aus der Welt I Ganz abgesehen davon, daß der Begriff der„sozialistischen Kolonial- Politik" etwas ganz Neues, Unfaßbares, wissen- schaftlich und logisch Unhaltbares darstellte, wie wir weiter unten dartun»Verden. Man muß aber außerdem den Wortlaut der Resolutton der Kommissionsmehrheit mit den Reden des Bericht- e r st a t t e r s der Kommissionsinehrheit und anderer Befür- »vorter der Resolutton vergleichen, um das Gefährliche der Resolution in vollem Umfange zu erkennen. So wendete sich van Kol. der Berichterstatter, nicht etwa nur gegen die- jcnigen, die von einer„s 0 z i a l i st i s ch e n" Kolonialpolitik nichts wissen»vollen, sondern auch gegen die Vertreter der Auffassung, daß die kapitalistische Kolonialpolitik trotz aller „Humanitären" Schönheitspflästerchen prinzipiell zube- kämpfen sei. Sagte doch van Kol: „Ledebour wird doch auch überzeugt davon sein, daß der Kapitalismus in Europa eine Notwendigkeit ist. eine notwendige und unvermeidliche Zwischenstufe. Sollte das gleiche nicht auch für den Kapitalismus in den Kolonien zutreffend fein?... Gelviß. die kolonialen Greuel sind schrecklich. aber es ist nicht wahr, daß wir unfähig sind, sie zu unter- drücken und die Kolonialpolitik zu verbessern. Wir Holländer sind eines der ältesten Kolonialvölker. Aber»vir haben es erreicht, daß man jetzt in den holländischen Kolonien nicht mehr alltäglich mordet, martert, brennt und plündert. Ledebours Zukunftspläne sind reichlich utopistisch. Er weiß doch sicher nicht, daß eine zukünftige Kolonialpolitik nach menschlichen Grundsätzen immer ganz friedlich sein wird. Ich»vllrde es sehr bedauern. Zzr.n eine so große Nation wie die deutsche sich iin Vertrauen auf so utopische Pläne in den S ch m 0 l l lv i n k e l stellen und für die Gegenwart auf die bloße Negation beschränken würde." Das ist doch sehr deutlich l Van Kol behauptete unter Berufung auf die holländische Kolonialpolitik, daß auch unter dem kapitalistischen System die Kolonialpolitik h u in a- nisiert. also doch wohl für Sozialisten akzeptabel gemacht »verden könne. Und in der Tat,»venn auch, nach van Kol, die sozialistische Kolonialpolittk der brutalen Gewalt der Waffen nicht entbehren können soll, warum sollte man denn da die kapitalistische Gegenwartspolittk noch in„starrer Ncgatton" ablehnen! Es handelte sich also gar nicht, wie z. B. S ü d e k u m glaubest machen will, um die theorcttsche Anerkennuna der Donnerstag, den Ä9. Angnst 1907. Möglichkeit einer sozialistischen Kolonialpolitik der Zu- kunft, sondern um die Einschmuggelung des Gedankens, daß eventuell auch ein Konlpromiß mit der kapitalistischen Kolonialpolitik inöglich sei. Sagte doch auch Bernstein: «Wir müssen von der utopischen Idee ab- kommen, die dahin geht, die Kolonien zu verkaufen. Die letzte Konsequenz dieser Anschauung»väre, daß man die Vereinigten Staaten den Indianern zurückgäbe.(Unruhe.) Die Kolonien sind da. Damit muß man sich abfinden. Eine gewisse Bormundschaft der Kulturvölker vor Nichtkulturvölkern ist eine Not- wendtgkeit, die auch Soziali st en anerkennen sollten." Wir»vollen damit freilich nicht behaupten, daß die Mehrheit derjenigen, die der Resolution der Kommission zugesttmmt hatten, solche Absichten gehegt hätten, ja sich über die Absichten einiger Genossen auch nur klar ge»vesen»vären. Aber die Reden der Genossen van Kol und Bernstein be»viesen doch ein solches Maß des Entgegenkommens an die b ü r g e r- l i ch e n Anschauungen über die Kolonialpolitik, sie verrieten so deutlich, daß man unter„ s o z i a l i st i s ch e r" Kolonial- Politik nicht nur eine Lösung des kolonialen Problcins in der sozialistischen Gesellschaft, sondern auch eine „sozialistische" Sanierung der k a p i t a l i st i s ch e n Kolonial- Politik im bürgerlichen Klassen st aate verstehen wollte, daß es notwendig war, solchen Deutungen von vorn- herein mit aller Entschiedenheit vorzubeugen. Schon aus diesem Grunde war es hocherfreulich, daß die Mehrheit des Plenums schließlich auch jene a>n Tage darauf vor- geschlagene Kviupromißfassung der einleitenden Sätze der Resolution der Kominissionsmehrheit ablehnte, die folgender- maßen lautete: «�n der Erwägung, daß der Sozialismus die Pro- dukttvkräfte des ganzen Erdkreises entfalten und alle Völker zur höchsten Kultur emporsühren will, verwirft der Kongreß nickt jede Kolonialpolitik prinzipiell, weil diese unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wirken kann." Auch diese Fassung hätte von skrupellosen Interpreten »vieder zugunsten der Ansichten van Kols und Bern- st eins gedeutet werden können. Schon deshalb war ihre Ablehnung eine hocherfreuliche Tat! Genosse David sucht die Abstimmung des Plenuins nun dadurch zu diskreditteren, daß er hervorhebt, für diesen Kompromißantrag habe die gesamte deutsche Dele- gation mit Ausschluß von nur drei oder vier Delegierten gestimmt. Auch das ist unrichtig. Ueber diesen An- trag ist in der deutschen Delegation überhaupt nicht a b g e st i m m t worden, vielmehr wurde nur gegen drei oder vier Stimmen beschlossen, daß je ein Vertteter der Mehrheit und Minderheit genieinsam eine für beide Teile aunehmbare Neufassung der einleitenden Sätze versuchen sollten. Dieser Koinpromißantrag kam erst so kurz vor der ent- scheidenden Plenarsitzung zustande, daß er zur Abstiinmung in der deutschen Delegation nicht»nehr gelangen konnte. Welches die eigentliche Ansichf auch eines großen Teiles der deutschen Delegation»var, bewies ja deren Schluß- a b st i m in u n g in der Plenarsitzung, Ivo die unzlveideutige prinzipielle Resolution der Minderheit der Koinmission angenommen»vurde! Es ist also nur ein p o l e m i s ch e r K n i f f, die Frage der Abstimmung über die K o m P r o m i tz f a s s u n g in den Vordergrund zu schieben und damit den Kern der ganzen Streitsrage zu verschleiern. Nur die Behandlung der ganzen Debatte in ihrem Zusammenhange gibt Aufschluß über das, um»vas sich die Differenzen in der Kolonialfrage eigent- lich drehten! Zum Schluß noch einige Worte über die„sozialistische" Kolonialpolitik als s o z i a li st i s ch e s Zukunftsproblem. Da behaupten nun David und Südekum, die deutsche Sozialdemokratie habe sich bereits vor dem Kongreß auf diese „sozialistischeKolonialpolitik" festgelegt, nämlich durch eine Stelle aus einer Rede Bebels und einen Passus des F r a k t i o n s a u f r u f s zur letzten Wahl. Nun be- deuteten ja schon an und für sich solche Auslassungen noch keinesivegs eine Festlegung der Partei; allein diese Be- nlfung ist auch ohnehin durchaus verfehlt. Die Stelle der Bebelschen Reichstagsrede lautet: «Daß Kolonialpolitik getrieben tvird, ist an und für sich kein Verbrechen. Kolonialpolitik zu treiben, kann unter U m st ä n d e n eine K u l t n r t a t sein: es konmit nur darauf an.»v i e die Kolonialpolitik getrieben»vird. Es ist ein großer Unterschied, wie Kolonialpolitik sein soll, und»vie sie ist. Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völker- schaften, wie es z. B. die europäischen Nationen und die nord- amerikanische sind, zu fremden Völkern als Befteier. als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungen- schaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht daS in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind. Wenn Sie also zu den fremden Völker- schaften als Freunde kommen, als Wohltäter, als Erzieher der Menschheit, um ihnen zu helfen, die Schätze ihres Landes, die andere sind als die unsrigen. heben zu helfen, um dadurch den Eingeborenen und der ganzen Kulturmenschheit zu uützeu, dann find wir damit einverstanden." Bebel stellt hier der realen Kolonialpolitik, »vie sie bisher einzig in E r s ch e i n u n g getreten, eine ideale Kolonialpolitik gegenüber,»vie sie bisher noch nie und nirgends existierte. Ja, die kapitalistische Kolonial- Politik, die ja nur auf der Ausbeutung der Kolonial- Cxpeditfom SM. 68» Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Rr. 1981. bevölkerung sotvohl»vie des einheimischen Prole- tariats basiert, ist solcher Humanitären Wandlung auch nach der ehernen Logik der Wirts chastlichen und politischen Tatsachen gar nicht fähig! Wenn schon die kulturelle Befreiung der heimischen Arbeiterklasse inner- halb der kapitalistischen Gesellschaft nach den Auffassungen des »vissenschaftlichen Sozialismus absolut ausgeschlossen ist—»veshalb erstrebten wir denn sonst die s 0 z i a l i st i s ch e Gesellschaftsordnung? I— so ist erst recht die kulturelle Befreiung der Eingeborenen der Kolonien eine platte Unmöglichkeit. Daß trotzdein die Sozialdemokratie für die m ö g l i ch st e Besserung der Lage der Unterdrückten und Ausgebeuteten auch schon imGegenwartsstaate eintritt, versteht sich ganz von selbst; aber nimmermehr kann diese praktische Gegen Wartsarbeit zur Auerkeuuung des Kapitalismus in all seinen Erscheinungsformen führen I D a r.a n denkt natürlich ein Bebel, der sich»vicderholt als „Todfeind" der heutigen Gesellschaftsordnung bekannt hat, zu allerletzt! Auch dürfte es Bebel schivcrlich einfallen, seine rhetorische Antithese, die der kapi- t a l i st i s ch e n kolonialen Ausbeutungspolitik eine Politik der kulturellen Emporhebung der farbigen Rassen entgegensetzt, als theoretische Fundamentierung der sozialisti- scheu„Kolonialpolitik" zu bettachten. Das, was Bebel will, aber ist selbstverständlich die Knlturmission des Sozialismus, die»vir freilich nicht durch die Bezeichnung „Kolonialpolitik" herabgesetzt sehen möchten! Um ein bloßes Wortspiel handelt es sich auch nur bei den» Fraktionsaufruf, der sich genau in den von Bebel entivickelten Gedankengängen bewegt und hinzufügt: „Wir sehen endlich in der deutschen Kolonialpolitik keine Stärkung, sondern eine Schwächung Deutschlands." Das ist doch etwas ganz anderes, als»vas van Kol und Bernstein über die Kolonialpolitik geäußert haben! Nach alledem war es, wir wiederholen es, gerade an- gesichts der impcmlistischcu Aera des kapitalistischen Deutsch-- land eine befreiende Tat, daß der Internationale Kongreß eine Resolution faßte, die allen Kompronußlereien und Jnterpretationskünsten gründlich ein Ende macht! Der Versuch— wir bemerken nochmals, nicht der Mehrheit der deutschen Delegation oder des Kongresses— wohl aber einer Minderheit— an dem Klassenkampf- charakter der Sozialdemokratie zu„revidieren", ist abermals abgeschlagen»vorden, abgeschlagen ganz im Sinne der Dresdener Resolution, in der es heißt: „Der Parteitag verurteilt auf das entschieden sie die revisionistischen Bestrebungen, unsere bisherige bewährte und sieggekrönte, auf dem Klassenkamps beruhende Taktik in dem Sinne zu ändern, daß an Stelle der Eroberung der politischen Macht durch Ueberlvindung unserer Gegner eine Politik desEntgegenkommens an die b este h en d e Or d- nung der Dinge tritt. Die Folge einer derartigen r e v i s i 0 n i st i s ch e n Taktik wäre, daß aus einer Partei, die auf m ö g l i ch st r a s ch e ll m» Wandlung der bestehenden bürgerlichen in die sozialistische Gesellschaftsordnung hinarbeitet, also im besten Sinne des Wortes revolutionär ist, eine Parte wird, die sich mit der Refor- mierung der bürgerlichen Gesellschaft begnügt. Daher ist der Parteitag im Gegensatz zu den in der Partei vorhandenen revisionistischen Bestrebungen der Ueberzeugung, daß die Klassengegensätze sich nicht abschwächen, sondern stetig verschärfen und erklärt: 1. daß die Partei die Bernutwortlichkeit ablehnt für die auf der kapitalistischen Produktionsweise beruhenden politischen und wirtschaftliche» Zustände und daß sie deshalb jede Bewilligung von Mitteln verweigert, welche geeignet sind, die herrschende Klasse an der Regierung zu erhalten.... DerParteitag erwartet, daß die Fraktion... den Kampf... wider Kolonial- und Weltmachtspolitik, wider Un« recht, Unterdrückung und Ausbeutung in jeglicher Gestalt noch energischer zu führen, als es ihr bisher möglich ge- w e s e n i st... und für den Ausbau der Sozialgesetzgebung und die Erfüllung der politischen und kulturellen Aufgaber der Arbeiterklasse energisch zu»virken hat." ein freisinniger ffbrüttler u» Deshalb inüffe» wir dafür sorgen, daß unsere berechtigten Beschwerde» abgestellt werden.(Lebhafter Beifall.) Aber die Institution als solche müssen wir, wie die Lage jetzt ist, hochherzig und weitsichtig unterstützen. Achten Sie einmal auf die psychologischen Vorgänge rings um sich herum I Es braucht nicht jeder Mensch Weltanschauungsbildung zu Kaben, aber er muß sich seiner religiösen und sittlichen Verpflichtungen bewußt werden, die ihm aus seiner Stellung inmitten der Weil erlvachsen. Seit 20 oder 30 Jahren aber sind weite Kreise unseres Volkes, vor allen Dingen die heranwachsende Jugend oberflächlich und gleich- gültig gegenüber unserer nationalen und christlichen Zukunft ge- worden und dadurch gefährdet. Jetzt macht sich die Reaktion be- merkbar. Jeder Buchhändler, jeder Gewerkschaftsführer, jeder Lehrer. kurz jeder, der im öffentlichen Leben steht, kann das bezeugen. Der gegenwärtige Moment ist deshalb von höchster Bedeutung. Un- ermeßlicher Schaden entsteht, wenn der neuerwachte Heißhunger vor- nehmlich auS unreinen Quellen von halbgebildeten, seniations- lüsternen Schriftstellern befriedigt wird.(Sehr wahr!) Deshalb begrüßen wir freudig, daß auch die Universitäten diesem Umschwung ihre Aufmerksamkeit zuwenden, und an seiner Verteilung und Mehrung tätig sind.(Beifall.) Die Universitäten allein sind unter den gegenwärtigen Zuständen geeignet, hier zu helfen und die Führung zu übernehmen.... Schon das Wort von den vier Fakultäten erweckt eine Vorstellung von dem Zusammenwirken aller Wissen- schaften. Diese Vorstellung ist nur schwach im Vergleich zur Wirk- lichkeit. Solange dieses Zusammenarbeiten, diese LebenSeinheit der Universitäten nicht zerstört ist, solange werden sie trotz un- gläubiger Professoren auch für unsere Weltanschauung immer neue Streiter schaffen.(Lebhafter Beifall.) Solange dies der Fall ist, werden sie auch ihre Geltung behalten, beim Streit gegen alle Halb- bildung, gegen alles Halbwissen und für die Wahrheit. Es liegt uns ganz fern, den Somldanteil zu leugnen, den die Universitäten daran tragen, daß unsere Nation in ihrer Weltanschauung un- sicher und gleichgültig wurde. Das Spezialistentum, die Beschäfti- gung mit bloßen Teilgebieten der Wissenschaft unter Preisgeben der Ueberschau über das Ganze, dieses Spezialistentum hat an den deutschen Hochschulen überhand genommen. Der Geist des Spezia- listentums wirkt oberflächlich und beschränkt Der Geist des Spezialistentums ist jeder nach Erfassung des Ganzen strebenden Weltanschauung hinderlich, er widerstrebt dem gläubigen Christen- tum. Um dieser so feindlichen Gesinnung willen wurde er von vielen Professoren aus dem Studierzimmer hinaus in die Hörsäle getragen und von dort in die volkslümliche wissenschaftliche Litera- tur verpflanzt. Plötzlich indessen bäumte sich das Gewissen und die Ehre der deutschen Univerütäten auf. Das geschah, als sse das Volk, für dessen Bildung die Universitäten sich verantwortlich fühlten, einer Philosophie, die derjenige» Haeckels, die an den ernst» lichen Problemen vorbeigeht, willige Aufnahme bereiten sahen. (Stürmischer Beifall.) Und wir dürfen schon jetzt die Hoffnung hegen, daß durch diese energische Abwehr dem Bordringen des MoniSmus nicht nur Halt geboten, sondern daß er auch zurück» gedrängt worden ist.(Erneuter Beifall.) Die Universitäten sind immer die edelste und geistigste Blüte an dem Baum des mittel- alterlichcn Strebens nach Erfassung und Zusammenfassung des Weltganzen gewesen. Wir Deutschen haben dereinst mehr Herz- blut sür diesen mittelalterlichen UniversaliSmus hergegeben, als irgendein anderes Volk. Danir hat sich aber auch der Geist, der an den mittelalterlichen Univerfffäten herrschte, tiefer in unser natio- nales Leben eingesenkt, als irgendwo anders.(Stürmischer Bei» fall.) Bei uns allein hat sich auf die Dauer ein wahres Universi- tätslcbcn entwickelt, das noch heute reiche Früchte trägt. Täuschen wir uns darüber nicht. Für olle unsere Bildungsbestrebungcnffind wir in erster Reihe aus die Universitäten angewiesen.(Sehr wahr!) Wir müssen alles aufbieten, um den den Universitäten eingeborenen Geist des UniversaliSmus in ihnen und dadurch mittelbar auch den christliche» Geist in unserem Volte zn stärken. Wir müssen zu diesem Zwecke unsere eigenen wissenschaftlichen Kräfte, wo inimer nur möglich, fördern. IJSch erinnere da an die Göreesgesellschast, den Albert Marius-Verein und an sein junge? Schwesterlein, den Hilligardis-Verein. der die Unterstützung der katholischen Frauen betrifft. Wir müssen dafür sorgen, daß jede Aeußerung des UniversaliSmus an den Universitäten von uns ver- ständnisvoll und liebevoll festgehalten wird. Vor allem aber mutz hier die Presse mitwirken. Unsere Presse ist reich an politischen Leitartikeln und Erörterungen sozialer Angelegenheiten. Die Wcltanschauungsfragen haben aber noch nicht gebührende Beachtung gesunden, das mutz und wird anders werden.... Jetzt regt sich in unserem Volke nach all der furchtbaren Zerfahrenheit des poli- tischen Lebens und nach der Oede der Herrschast deS Materialismus das Sehnen nach einer einheitlichen befriedigenden Weltanschauung. Es gilt unsere Jugend, es gilt die Entscheidung, ob unsere Söhne, sowohl der Protestanten wie der Katholiken, im christlichen Geist erzogen werden sollen, aus dem heraus die Väter so Großes ge- schassen haben.(Lebhafter Beifall.) Und dann muß unsere katho- lische Studentenschaft hier mitwirken. Unsere katholischen Studenten drängt es nach Arbeit, sie wollen mit den sozialen Fragen und Aufgaben der Zeit in Berührung kommen, und daher muß sich auch ihre Weltanschauung vertiefen. Noch vermag aber der UniversaliSmus der Universitäten nicht das zu entzünden, was in den jungen Leuten wallt. Wir wollen hoffen, daß der Tag nicht mehr fern ist, wo der christlich-dcutsche Gedanke auch in unserer deutschen Studentenschast erwacht. Mag der Tag auch nicht fern sein, wo der universale Geist an den Uni- versitäten nicht bloß dazu dient, Halbwissen und Halbbildung abzu- wehren, sondern wo er das Ringen der Nation zusammenfaßt und organisiert.(Beifall.) Ich sehe viele bunte Mützen hier im Saale. Kommilitonen I Söhne Eurer Väter! Macht Euch bereit, die Fahne des christlichen Gedankens zu erheben! Wir anderen werden für Euch die Luft freier und heller machen an den Uni- versitäten und Euch beweisen, daß wir eines Geistes mit Euch sind. Aus der Fülle unserer katholischen Geister und unserer katholischen Kraft wollen wir an allem geistigen Ringen der Nation mitwirken. Dieser Kampf wird von uns geführt werden und wentt die Zukunft uns noch so oft bitter enttäuschen sollte, wie uns in den letzten Monaten unsere Volksgenossen bitter enttäuscht haben, so wird unerschütterlich oer Glaube an das innere Gute des deut- scheu Volkes in uns leben, so werden wir, Klerus und Laien, geeint vorwärts gehen und Erfolg uns erringen dort, wo wir ihn noch immer fanden, im Licht und Sonnenglanz des christlichen katholischen Geistes.(Stürmischer langanhaltender Beifall.)_ Als dritter Redner sprach der Rektor Brück über: „Katholizismus und Volksschule".„Die Volks- schule muß konfessionell sein. Der Katholizismus fordert nicht bloß, daß der Religionsunterricht die erste Stelle einnehme, sondern daß er auch von anderen Unterrichtsfächern unterstützt werde. Er muß eine zentrale Stellung einnehmen.(Beifall.) Beim naturkundlichen Unterricht, beim geschichtlichen Unter- richt, überall ntuß auf den Schöpfer hingewiesen werden." Das war die Quintessenz seines Vortrages, der in einer Empfehlung des katholischen Lehrervereins ausklang. Die geschlossene Versammlung des Mittwochvormittags brachte den Geschäftsbericht des Volks Vereins für das katholische Deutschland. Er zählt nach dem Bericht des Generalsekretärs Reichstagsabgeordneten Piper- M.-Gladbach zurzeit 565 700 M i t g l i e d e r. davon allein im Rheinland 200 000, in Westfalen 130 000. in Bayern rund 35 000. Ein Netz von 80000 Vertrauensmännern ist über ganz Deutschland verbreitet. Der Volksverein will,„ohne sich in konfessionelle Streitfragen ein- zulassen, das katholische Volk religiös und Widerstands- fähig machen gegen Irrtümer und falsche Bestrebungen". Er hat sieben Millionen Flugblätter verteilt. Zahlreiche soziale Kurse und Konferenzen sind abgehalten worden, in denen aktuelle Themata aus den verschiedenen sozialen Gebieten behandelt ivorden sind. Für die katholischen Studenten sind soziale Studentenknrse abgehalten worden. Die sozialpolitische und apologetische Bibliothek in München-Gladbach zählt 14 000 Bände. Int Vorjahre sind 25 000 Volksversammlungen ab- gehalten worden. Junge Geistliche, die sich der Arbeit des Volksvereins widmen wollen, erhielten Stipendien zum Studium der Nationalökonomie. Der Verein hat 33 Volksbureaus und 44 Arbeitersekretariate gegründet. Generalsekretär Piper hob besonders hervor, daß der Volks- verein im vorigen Jahre 53 700 neue Mitglieder gewonnen habe, in Bayern allein 10 000. Anläßlich der bayerischen Landtagswahlen seien 800000 Flugblätter verteilt worden. Der Redner führte dann weiter auS: Der Verein treibe praktische Realpolitik, wie sein Miibe- qründcr Windthorst auch oer erfolgreichste Sozialpolitiker gewesen seil Wir leben nicht in einem Zeitalter der ruhigen Beharrung, sondern einer gewaltigen wirtschaftlichen, religiösen und gcsellschaft- lichen Umwandlung. Gärung finden wir jetzt auf allen Gebieten. Neues, was sich nicht zurückhalten läßt, ringt in den Kopsen um Herrschaft. Die Zahl der Industriearbeiter nimmt außerordentlich zu, der Landwirtschaft fehlt es an Leuten. Uebcrall machen sich neue Erscheinungen im wirischaftlichen Leben bemerkbar. Schwere wirtschaftliche Jntercssenkämpsi zeigen sich stets in drohender Nähe. Um diese zu verstchen, müssen Mann und Hausfrau sozial geschult werden. Das wird vom VolkSverein sür das katholische Deutschland unternommen. Er erweckt auch wieder die Liebe zur Religion, durch welche die sozialen Kämpfe leichter Scniacht werden. Wir müssen uns de nF orderungen der i e i t anpassen und die christliche Gesellschaftsordnung aus- bauen. Wir müssen den modernen sozialen Gedanken pflegen, sonst nützt uns die soziale Gesetzgebung nichts, sonst bleiben wir hüls- lose Kinder. Wir müssen„neu sozial" sein, dann werden wir vorwärts kommen.(Lebhafter Beifall.) Man kann das Volk nicht sozial heben, wenn es nicht sozial geschult ist. Das sehen wir an Rußland, wo trotz aller Reformen das Volk nicht geistig höher steigt. Bei uns geht es vorwärts, das sehen wir am besten aus dem Anwachsen der christlich-nationalen Arbeiterbewegung. Es gilt das Volk für die modernen Verhältnisse zu erziehen.(Lebhafter Beifall.) Die weiteren Verhandlungen beschäftigten sich mit einet Reihe von Anträgen zu den verschiedensten Materien. Marokko. Ein Gerücht, das in Tanger umgeht, meldet, daß det Sultan Abdul Aziz in seinem Palaste er- mordet worden ist. Die Bestätigung fehlt. Das französische Ministerium hat am Mittwoch eine Ge» samtsitzung abgehalten, über deren Beschlüsse Clemencan den Zeitungsberichterstattcrn die Auskunft verweigert hat. Indes hat er ihnen auf die Frage, ob dem General Drude Per- stärkungen gesandt werden sollen, geantwortet, daß man dem General mehr gegeben habe, als er verlangte; so habe er, der Ministerpräsident, während seines Aufenthaltes in Karlsbad, ohne darum angegangen zu sein, aus eigener Initiative den: ttriegsminister geraten, eine Batterie nach Casablanca ab- gehen zu lassen. Aber, fügte Clcmenceau hinzu, der Genera! Drude wird alle Truppen erhalten, die er für die Ausführung seines Auftrages benötigen wird. Ferner teilte Clemenceau mit, daß die Regierung dem General verschiedene Fragen gestellt habe.„Wir erwarten jeden Moment seine Antwort". fügte er hinzu,„und es ist möglich, daß wir sie noch im Lause des heutigen Tages erhalten." Neue Känipfe sind nicht gemeldet worden.; die wichtigsten Tagesmeldungen lauten: Paris, 23. August. AuS Casablanca liegen mehrere Blättermcldungen vor.„Matin" meldet: Die französische Polizei ist jetzt vollständig organisiert; 12 Scharfschützen dienen als Polizisten, und 12 marolkanische Soldaten werden ihnen beigegeben werden. „Figaro" meldet, daß eine strenge Untersuchung über die Ereignisse vom 30. Juli eingeleitet worden ist. Bis jetzt sind 53 Individuen wegen Mordes, Plünderung, Notzucht und Verbindung mit den aufrührerischen Stämmen verhaftet worden.— Paris, 28. August. Nach emer Meldung crnS Casablanca unternahm gestern nachmittag 2 Uhr eine französische Kolonne von 1599 Mann einen Kundschafterritt und stieß dabei auf eine ma- rolkanische Abteilung von gleicher Stärke. General Drude konnte seinen Plan, das Lager von Fabbart anzugreifen, bevor die Marok- kaner noch Verstärkungen erhalten haben, nicht ausführen und wird wahrscheinlich gezwungen sein, sein Ziel durch einen Nachtangriff zu erreichen. Paris, 28. August. Admiral Philibert meldet, die politische Situation sei unverändert; die Eingeborenen fingen an zurückzukehren. In M a z a g a n sei die Ausrufung M u l a y Hafids zum Sultan beifällig aufgenommen worden. Emc Abteilung Kavallerie sei bis auf 8 Kilometer von Casablanca vorgerückt, ohne jedoch auf den Feind zu stoßen..... Paris, 28. August. Die Agcnce HavaS erklärt, daß thc bis heute nachmittag 3 Uhr keine Bestätigung des von der Londoner „Tribüne" verbreiteten Gerüchts von'der Ermordung Abdul Azis vorlag._.._ Sidi BcllabeS, 28. August. Unter mehreren Stammen Nord- Marokkos, besonders denen in der Umgebung von Udschda machen sich Zeichen großer Gereiztheit bemerkbar. Fanatiker durchziehen die Gegend, berichten die Ereignisse von Casablanca und predigen den heiligen Krieg. Bu Amema und der Noghi, welche mit Frankreich gute Beziehungen zu unterhalten wünschen, haben er- klärt, daß sie ihr möglichstes tun werden, um Ausschreitungen gegen Europäer zu verhindern» Politische debcvlicbt Berlin, den 28. August 1007. Zur preußischen Wahlrcchtsfrage. Die nach der Ansicht des„Verl. Tagedl." subalternen e i st e r mehren sich, die sich trotz ihrer angeblichen Politischen Freisinnigkeit gegen eine energische Agitation für die Ein- führung des Reichstagswahlrechles zum preußischen Landtag wenden und statt der öffentlichen Wahlrechtsbewcgung die Kompromißlerci mit dem Fürsten Bülow und den rechtsstehenden Blockparteien empfehlen— ein Ziel, das ihnen so hehr dünkt, daß sie, um es zu erreichen, sogar den Kon- servativcn allerlei„Extratouren" ans kirchlichem und wirtschaftlichem Gebiet gestatten wollen. So der- öffentlicht zum Beispiel der Hospitant der Freisinnigen Ver- cinigung, der RcichStagsabgeordnete Dr. Heckscher, im frei- sinnigen„Hamburger Fremdenbl." einen Artikel gegen Naumann, in dem es heißt: „Vielmehr darf man annehmen, dah der Zentrumsführer den Augenblick für günstig hielt, um der Regierung die alte Geschäfts- Verbindung Zentrum und Konipagnie wieder in Erinnerung zu bringen. Vor allem bemühte er sich durch eine überraschende Flotten- begeisterung zu zeigen, wie angenehm und Profit verheitzend der Handel mit seiner Firma sei. Um nun im Bilde zu bleiben: wer zu geflissentlich und eifrig seinen Konkurrenten auszustechen und zu überbieten trachtet, erweckt Verdacht beim Abnehmer und Auf- nrerksamkeit bei seinem Mitbewerber. So auch hier. Darüber hinaus verdient sorgfältige Beachtung, mit welcher unverhohlenen Freude die Sozialdemokratie den Naumannschen Vorstoß begrüßt hat. Wahrhaftig nicht um der Sache willen. Nein, Zentrum und Sozialdemokratie erwarten mit Schmunzeln und Behagen, dah bei dem Kampfe um die Reform des preußischen LandtagSwahlrechts der verhaßte Block in die Brüche gehen werde. Beiden Parteien ist der Block ein Block des Anstoßes. SSuwr der Spott der Sozialdemokratie, noch die stolze Gelassen- heit des machtbcwußten Zentrums läuschen über diese Tat- fache hinweg. Die wichtige Frage für uns Linksliberale ist jetzt. ob wir die erste unpassende Gelegenheit ergreifen sollen, den Be- stand des Block» aufs Spiel zu setzen. Ich sage mit größter Entschiedenheit: neinl Freilich fordere ich mit Naumann das Reichstagswahlrecht für den preußischen Landtag. Ich gebe mich aber nicht der Illusion hin, daß wir diese liberale Programm- forderung auch bei dem besten Willen und Eifer in der nächsten Zeit verwirklichen können, weder im Block, noch abseits vom Block, am allerwenigsten durch Anwendung des durchaus illiberalen Beamlenerlaffcs von 1832. Weshalb also eine gesunde politische Entwickelung, wie sie der Block bedeutet, über den Haufen rennen, um bestenfalls ein vorläufig unerreichbares Ziel nicht zu erreichen? Denn gesetzt, selbst der preußische Landtag würde aufgelöst und die preußische Regierung— man denke erschiene mit dem Schlachtrufe„Für das allgemeine ReichStagSwahlrecht!" auf dem Plane: glaubt einer im Er n st e, daß die Neuwahl eine Mehrheit für die Negierung bringen ivürde? Ich für meinen Teil glaube nicht an Wunder. Man könnte gegen uns Linksliberale mit Recht einen Vorwurf erheben, wenn wir, der Blockpolitik zuliebe, unsere politischen Grund- sätze verleugneten. Davon kann aber schlechterdings nicht die Rede sein. Schon daß die Negierung mit der Reform des preußischen LandtagswahlrechieS Ernst macht, bedeutet einen sichtbaren Erfolg deS wiedererwachtcn Liberalismus. Unsere große Aufgabe ist, an der Reform mitzuarbeiten und nach Kräften Sorge zu tragen, daß sie liberalen Geist atmet. Nur so dienen wir dem gesunden Fortschritt. Eine Politik hin- gegen nach dem Rezept: alles oder nichts wäre geradezu ver- hängnisvoll. Sie führt zwar zu einer löblichen Prinzipicntrcue, aber ebenso retwngSloS zur Unfruchtbarkeit und zur Erstarrung auS der der deutsche Liberalismus nach langem Schlafe glücklich eben erwacht ist. Ohne Kompromisse sind praktische Politik und Fort- schritt undenkbar, mögen die Sozialdemokraten noch so viel spotten »md Verrat schreien.... Wir Liberalen müssen für den Fortbestand des Block» eintreten, Zentrum darf nicht wieder Trumpf werden. Blockpolitik bedeutet keineswegs Aufgabe politischer Eigenart, so wenig wie die Staaten des Dreibundes irgend ein Tüttelchen ihrer Selbständigkeit dem Bunde geopfert hätten. Wir müssen uns sogar beizeiten darauf einrichten, daß gelegentlich eine Extratour gestattet wird, sei eS nun Liberalismus und Zentrum in sozialpolitischen oder Konservative und Zentrum in kirchlichen, vielleicht auch wirtschaftlichen Fragen." Um seine eigenartige Empfehlung zu beschönigen, greift Herr Heckscher zu dem nichts weniger als anstündigen Mittel, die Beweggründe der Sozialdemokratie zu verdächtigen und frank und frei zu behaupten, ihr wäre es nicht um die „Sache", das heißt um daL Wahlrecht selbst zu ftm, sondern um die Sprengung deS Blocks. Diese Behauptung mag auf daS Zentrum zutreffen, das sofort die Gelegenheit benutzt hat. um sich durch Herrn Spahn der Regierung, wie eö im kauf- nlännischen Gcschäftsstil heißt, in„empfehlende Erinnerung" zu bringen, nicht aber auf die Sozialdemokrate, die, wenn sie auch die Hochschätzung deS libcral-konservativcn Blocks, die Herr Heckschcr beweist, durchaus nicht teilt, doch einem liberal- konservativen Block sicherlich nicht feindlicher gegenübersteht, als einem ultramontan-konscrvativcn. Allerdings soweit geht sie nicht, daß ihr die Konservierung des liberal- konservativen Blocks wertvoller erscheint, als eine energische Wahlrechtsagitation in Preußen und ein wirklich„liberales" Landtags- Wahlrecht. Interessant ist übrigens, daß trotz dieser Absagen an die Nauniannsche Forderung die„Hilfe" zu dem Resultat kommt: „Vorläufig ist aber für unS die Hauptsache, daß die Frei- sinnige» unter sich einig sind in der von der„Freisinnigen Zeitung" und unS gemeinsam vertretenen Proaramnfforderung." Einig sind die Freisinnigen allerdings— aber nicht in ihrem Eintreten für Naumanns WahlrechtSforderling, sondern in ihrem Widerstand gegen sie.— Ein Agent des Herrn v. Nheinbaben. In Güttingen lebt und lehrt seit Jahren ein„liberaler" Natlonalökonom, Herr G u st a v Cohn. Der Mann gehört und rechnet sich zu der sogenannten„ethischen" Schule der deutschen bürgerlichen Nationalökonomen. Jetzt ist er mit seiner deutsch-professoralcn Ethik glücklich so weit herunter- gekonimcn, die Geschäfte deS Herrn v. Nheinbaben zu be- treiben. Herr v. Nheinbaben nämlich braucht für seinen preußischen Etat zur versprochenen Aufbesserung verschiedener Bcamtengehälter die Summe von 1Ä Millionen Mark. Woher sie nehmen? Aus den riesigen Eiseilbahnüberschüssen will er sie nicht opfern, an eine Erhöhung der Einkommen- und Bernlögensstener lvagt er bei diesem Landtage nicht ein- mal zu denken. Am genehmsten ist ihm: eS bleibt alles beim alten, die Beamten bekomnien nichts, und er braucht njchtö zu geben. Für diesen famosen Rückzug kommt ihm nun der Herr Professor zu Hülfe. Der setzt in einem der von Scherl aus- gehaltenen Blätter znerst sehr ernsthaft auseinander, wie die riesigen E i s e n b a h n ü b e r s ch ü s s e in Preußen, die für 1007 auf 501 Millionen veranschlagt sind, eine drückende indirekte Steuer bedeuten, die in einem unerhört un- gleichen Verhältnis zu der Einkommen- und Er- gänzungssteuer stehen, deren Ertrag im letzten Jahre nur 2-11 Millionen brachte. Man denkt jetzt: Herr Cohn wird für Aufhebung dieser volksausbeuterischen Eisenbahnüberschußlvirtschaft ein- treten und für Erhöhung der direkten Steuern. In einem breiten Dnimheruingerede ahnt der Leser zunächst auch solche Absicht dunkel. Dann aber koinmt es anders. Schweres Geschütz wird aufgefahren und gedroht: niit diesem Landtag geht das nicht, also Aenderung des Wahlrechts mit dem Ergebnis, daß ein Landtag kommt, der wenigstens der Erhöhung der direkten Steuern zustimmt. Das scheint ein so gilter Gedanke, daß man nun glaubt, Herr Cohn endet mit dieser Vernunft. Aber es komnit lvieder anders. Herr Cohn soll doch für Herrn von Nheinbaben schreiben, und dieser ist, wie man weiß, der ärgste Feind einer wie immer gearteten Wahlreform. Also muß der Professor lvieder auS der Vernunft in die Un- Vernunft fallen. Und wem würde das leichter als einem deutschen Professor! Er kommt zu dem überraschenden Entschluß: man solle es nicht zu einer Kraftprobe komm er lassen! Und das Ergebnis ist, ob er's sagt oder nicht: Herr v. Rhein- baben braucht nicht l30 Millionen zu geben, keiner drängt ihn, um es zu einer„Kraftprobe" tolmnen zu lassen, die ja nur die völlige Banfälligkeit dieses Dreiklaffenhauses offen- baren könnte. Es geht nichts über die deutschen Professoren, am wenigsten, wenn sie Ethiker sind.—_ Vom Späh ii che». Als noch das Zentrum Regierungspartei war, wurde nicht liuc Herr Peter Spahn, der Führer des Zentrums, zur Bc- lohnung für seine polltischen Dienste zum Obcrlandcsgerichts' Präsident in Kiel befördert, sondern auch sein Sohn, daS junge Spähnchcn, zum Professor in Straßburg ernannt— und als einige liberale Professoren gegen diese Tat des damaligen Bülvwschen Kurses schüchtern zu protestieren wagten, wurden sie durch ein kaiserliches Telegramm zur Ordnung verwiesen. Seitdem hat Herr Spahn junior in Straßburg Geschichte doziert. Stach welchen Grundsätzen, das zeigt die Rede über „K a t h o l i z i s nl u s und Hochschule n", die er gestern auf dem Katholikentag in Würzburg gehalten hat. Nach seiner Ansicht muß sich der Einfluß der christlichen, richtiger der allelnseligmachenden katholischen Kirche nicht nur aus die Volksschule, sondern auch auf die Universitäten erstrecken. Sie müssen Pflanzstätten der christlichen Weltanschauung sein: lind so lange ihre organische Lebenscillhoit nicht zerstört wird, so lange werden sie auch, versichert Herr Martin Spahn, trotz aller ungläubigen Professoren, immer neue Glanbensstreiter schulen. Aber diese große Aufgabe hat einen Feind, und dieser Feind ist der„Geist des Spezialistentums", das heißt das zu tiefe Eindringen in die Einzelwisscnschasten. Wörtlich sagte nach dem ausführlichen Bericht der„Germania" Herr Martin Spahn als Straßburger. Geschichtsprofessor: „Fern liegt mir den Schuldanteil zu leugnen, den die Universitäten letzthin daran trugen, daß die Natign unsicher in ihrer Weltanschauung wurde. DaS Spezialistentum, die Beschäftigung mit bloßen Teilgebieten der Wissenschaft, hatte unter den Lehrern der Hochschule lleberhand genommen. Der G e i st deS Spezialistentums wird leicht eng und be- schränkt, er ist jeder nach Erfassung des Weltganzen ringenden Weltanschauung gram und entgegengesetzt, zumal dem Christentum. Von vielen Professoren wurde er auch aus dem Studierzimmer in die Hörsäle und dort weiter in die populär-wissenschaftliche Literatur verpflanzt. Indessen plötzlich bäumte sich Gewissen und Ehrgefühl der Universitäten auf. DaS geschah, als in dem Volke eine Philosophie wie die Haeckelsche, die sich an allen ernsten Problemen vorbeiflüchtet, plötzlich die beifälligste Aufnahme fand. Loose, Reinle und Hermann Schell brachten das Vordringen des Monismus, des Todfeindes unserer Weltanschauung zum Stehen." Deshalb ist notwendig, daß die Universitäten zum christlichen„U n i v e r s a l i s m u s" des Mittelalters zurückkehren, zu jener Einfalt, die alles Geschehene unter dem Gesichts- lvinkcl der Kirchenlehre sah; denn so sagt Herr Spahn, der Sohn seines Vaters: „Die Universitäten sind die edelste Blüte am Baum deS mittelalterlichen Strebens nach einheitlicher Erfassung und Organisation des Weltganzen gewesen. Wir Deutsche haben dereinst mehr Volkskraft und mehr Herzblut als andere Völker für die Idee dieses mittelalterlichen Universalismus hingegeben. Dafür hat sich aber der Geist der mittelalterlichen, der katholischen Llniversitas Litarurn tiefer in unser nationales Wesen eingesenkt, als eS bei anderen Völkern der Fall ist.... Wir müssen deshalb alles aufbieten, was den Geist des Universalisinus und damit den christlich- deutschen Geist an den Hochschulen stärken kann. Wir müssen unsere eigenen� wissenschaftlichen Kräfte wecken, wir müssen inzwischen auf die ka t h o l i s ch- t h e o l o g i s ch e n Fakultäten ganz besondere Rücksichten nehmen, denn sie allein wirken noch als geschlossene Gruppen an den Universitäten aus unserer Weltanschauung heraus, während alle weltlichen Professoren katholischen Glaubens verstreut und gering an Ein- fluß sind. Wir müssen weiter alle rein wissenschaftlichen wie auch ernsthaft populär wissenschaftliche Unternehmungen in unseren Reihen fördern. Ich verweise auf die Görresgesellschaft. das Herdcrsche K'onversationslexikon, die Sammlungen deS Kirch. heimschen und Kösellschcn Verlags, sowie auf den Albertus Maguus-Vercin. Wir müssen endlich— und das ist vielleicht daS wichtigste— für jede Aeußerung und Anstrengung des UniversalismuS an den Hochschulen durch unser regeS Aufmerken auf sie mittels Presse und Literatur die Sympathien des Volks- geistes anregen." Und welcher Art ist diese katholische Universitas Literarunl, diese katholische Weltanschauung und Wissenschaft, die Herr Spahn fordert? Er antwortet darauf selbst: „Der A u g u st i n u S- V e r e i n ist hier in Würzburg im Jahre 1S77 begründet worden. Möge vor den Augen seiner� Mitglieder das Bild des ManneS aufflammen, dessen Namen er trägt: die hagere.Gestalt mit dem schmalen Gesicht, mit den Spuren so mannigfacher Kämpfel Mit welcher Kultur hat sich dieser Geist aber auch auseinander gesetzt und sie bezwungen. Und richten wir unsere Anstrengungen dorthin, wo allein die Entscheidung fällt, aus die Universitäten. Haffner hat 1877 hier gesagt: dic Wasser fließen von den Bergen: Ihr habt die Volksschule nicht, weil euch die Universitäten entgegen sind." Welcher Art die Geschichte ist, die Herr Spahn in Straßburg doziert, läßt sich danach leicht begreifen. Daß ein Mann init diesen Anschauungen zum Gcschichtsprofessor installiert und zu seinen Gunsten sogar der Kaiser in Aktion treten mußte, ist gleich charakteristisch für die Bülowsche Aera wie für die Stellung Preußens unter den europäischen Kulturstaaten. Die„Aktion". Die„Frank. Tagespost" läßt sich den Inhalt unser:" Notiz über ihre seltsame Verherrlichung deS„neuen Sozialismus der Aktion" telegraphisch übermitteln, erklärt aber dann in einer 68 Zeilen langen Anmerkung, daß sie erst den Wort- laut unserer Notiz abwarten wolle, bevor sie sich entscheide, ob sie eine Antwort für notwendig erachte. Auch wir wollen also ab- warten, ob das Nürnberger Parteiblatt statt mit Worten mit Argumenten antworten wird. Nur folgende Stelle ihrer heutigen Erwiderung sei niedriger gehängt: „Unsere Auffassung zur Kolonialpolitik deckt sich mit der Auf- fassung der deutschen Delegation(mit Ausnahme der drei Genossen KautSky, Ledebour und des„VorwärtS"-Redatteurs Cunow) und den führenden Nationen auf dem Stuttgarter Kongreß. Wenn uns daher das Zentralorgan Annäherung an den bürgerliche» Standpunkt vorwirft, so richte eS gefälligst seine Borwürfe gegen die Gesamtpartei." Die Unrichtigkeit der ersten Behauptung haben wir bereits in unserem heutigen Leitartikel korrigiert. Sie ist übrigens durch die S ch l u ß a b st i m m u n g der deutschen Delegation schon zur Genüge widerlegt worden. Besonders hübsch aber macht es sich, wenn die„Frank. Tages- post" sich für ihre abfällige Beurteilung der angenommenen sozialistisch-priiizipiellen Resolution auf das Votum der„führenden" Parteien beruft. Die„Fränk. Tagespost" beschwert sich darüber, wenn man einen Genossen seiner Anstchtcn wegen einen Revisionisten nennt. Aber sie hält es für ganz in der Ordnung, sich das souveräne Recht der Entscheidung darüber anzumaßen, wer von den Parteien deS internationalen Proletariats zu den. f ü h r e n d e n" Parteien gehört oder zu denen, deren Votum eigentlich belanglos ist. Eine ganz neue, entschieden originelle Art der Betätigung interuatioualeu sozialistischen Geistes. Diese famose Graduierung der Parteien wird noch reizender dadurch, daß E n g l a n d, Italien und Frankreich sehr starke, zum Teil, wie Frankreich, fast gleich starke Minoritäten für dic Resolution der Minderheit gestellt haben; Italien sogar mit 11 gegen 4 Stimmen dafür eintrat I Daß sogar Deutschland in seiner Mehrheit schließlich ebey- falls für die der„Frank. Tagespost" unangenehme Resolution stimmte, tut nichts: Wer wider die Ansicht der„Fränk. Tagespost" ist. wird unbarmherzig aus der Reihe der„führenden" Nationen aus- gestoßen I Ob diese eigenartige Zensurerteiluug auch zum„neuen Sozia- liSmuS der Aktion" gehört?—_ Zum Wahlrcchtskampf. Im Vochnmer Wahlkreise fanden am Sonntag, den 23. Anglist, drei öffentliche Volksversammlungen zur WahlrechtSfrage statt, die sänitlich sehr gut besucht ivaren. In einer der Versamniluitgen, die in Herne stattfand und in der Genosse W e tz k e r daS Referat übernommen hatte, er- klärte in der Diskussion ein Vertreter des Zentrums, der Stadtverordnete E i s e n ni e n a e r. daß eS keinen veriiiiuftigcn Arbeiter geben werde, der nicift für die Forderung deS allgemeine», geheimen nnd direkten Wahlrechts eintrete. Diesem schloß sich ein anwesender Vertreter der Christlichsoziale» an. In der Versammlung in W a n n e wurde eine Resolution angenommen, in welcher sich die Versammlung mit den Ans- führungen des Referenten einverstanden erklärte und der Erwartung Ausdruck gab, daß der Parteitag in Essen sich nnt der preußischen Wahlrechtsfrage beschästigen werde.— Liebknecht über seine«, Hochverratsprozest. In einer Volksversammlung, die anläßlich deS internationalen Kongresses in Stuttgart stattfand, referierte Genosse Dr. Karl Liebknecht über Klassenjustiz und machte dabei einige sehr interessante Mitteilungen über seinen Hochverratsprozeß. Liebknecht verwies u. a. auf die sehr bemerkenswerte Tatsache, daß der aus dem Plötzeusceprozeß rühmlichst bekannte Herr Oppermann. der bald nach seinem schneidigen Vorgehen gegen Liebknecht als Anwalt zum Reichsgerichtsrat befördert wurde, in Kürze das Vergnügen haben werde, über ihn, Liebknecht, in seinem Hochverratsprozeß zu Gericht zu sitzen., Von dem Inhalt seine» Buche», so erklärte Liebknecht unter stürmischem Beifall, werde er niemals ein Wort zurücknehmen. Auch mit einer Verurteilung werde das Reichs- gericht gegen ihn und seine antimilitaristische Propaganda den erhofften Erfolg nicht haben. Wenn jemand Hochverrat begehe, so gehöre dazu, daß er in einem nicht zu fernen Zeitpunkt eine be- stimmte Handlung unternehme, welche den gelvaltsamen Umsturz der Verfassung oder einzelner Teile derselben zum Ziel habe. Doch nun versuche man auch unser stehendes Heer unantastbar zu machen und jeder Kritik desselben daS Genick zu brechen. In seinem Buche habe er nichts von einem gewaltsamen Umsturz gesagt, sondern lediglich die Tatsache konstatiert, dah in der Be- völterung verschiedene Klassen existieren, von denen die weitaus größte die Arbeiterklasse sei, und baß in dem Augenblick, wo sich die ganze Arbeiterschaft ihrer Jntcr- essen bewußt sei, die Armee in sich zusammenbreche. Mit Gewaltmitteln habe das aber nichts zu tun. Redner fuhr dann fort: Man habe ihm die Absicht unterschoben, Frankreich zu einem Kriege gegen Deutschland zu reizen(Stürmisches Gelächter) und zwar mit Hülfe der Sozialdemokratie beider Länder(ErnenteZ stürmisches Gelächter) um bei dieser Gelegenheit die soziale Revo- lution zu inszenieren und der Armee den GarauS zu machen. Sein ganzes Buch handle aber gerade davon, wie es möglich sei, einen Krieg zu verhindern. Als diese Begründung der Anklage nicht aus- gereicht habe, habe man ihm unterschoben, er habe die Arbeiter auf- gefordert, Waffenfabriken zu bauen und eine proletarische Revo- lutionSarmee auszubilden mit der dann der der Armee treu gebliebene Teil zuschanden gemacht werden und die soziale Revolution herbeigeführt werden solle. Er müsse dem ReichSanwalt sein Kompliment machen, daß er Dinge auS dem Buche herauslese, die gar nicht darinstäudcn. Man habe nun noch ein drittes Mittel gefunden. Drei verschiedene Wege zu eine», Ziel, da wisse doch jeder, daß erst daS Ziel da war, um dann erst den Weg zu finden. Das Ziel sei die Unterbindung jeder Kritik des Militarismus und an ihm gedenke man ein Exempel zu statuieren. Die Anklage sei für seinen Antimilitarismus ein wahres Gottesgeschenk geworden. Daß der Hintergedanke, ihm die Anwaltschaft zu entziehe», bestehe, darüber habe er leinen Zweifel.-- Der Paragraph 175, Wie wir schon gemeldet haben, hat sich in Friedrichsfeld auf dem Uebungsplatz seines Regiments der Hauptmann Hagemann vom Infanterieregiment Nr. 83(Koblenz) erschossen. Ein Leutnant desselben Regiments ist flüchtig. Wie uns geschrieben wird, war der Hauptmann in ein Gerichts- verfahren verwickelt, das sich um den berüchtigten§ 176 deS Strafgesetzbuches dreht. Der Hauptmann soll mit einem seiner früheren Burschen strafbaren Verkehr gehabt haben. Der Bursche hat nach Beendigung der Dienstzeit, obwohl ihm der Hauvtmaun eine Stelle verschaffte, von diesem andauernd Geld er. preßt. Als der Hauptmann nicht mehr zahlen wollte oder konnte, drohte der LumpaziuS mit einer gerichtlichen Anzeige. Der Haupt- mann übergab baö betreffende Schriftstück der Staatsanwaltschaft, utib der Bursche wurde wegen Erpressung und wegen Beleidigung dcS Hauptmanns, der jeden Verkehr eidlich bestritten hatte, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nachträglich gelang es aber dem Verurteilten, Zeugen für seine Behauptung zu finden. Wegen des dann gegen den Hauptmann eröffneten Ver- fahrens hat dieser Selbstmord verübt. Es handelt sich hier also um einen besonders krassen Beitrag zu dem traurigen Kavital von dem Erpresserparagraphen 17S.— Neber einen Angriff auf eine Pferdewache an der Ostgrenze Südwestafrikas liegt folgende Meldung vor: Die Pferdewache des Telegraphenpostens Blumpuetz ist am 26. August nachmittags einen Kilometer östlich dieses Ortes von etwa acht Hottentotten, wahrscheinlich aus der Gegend von Rietfontein, beschossen worden. Gefreiter Friedrich Menge, früher beim Jnfanterie-Regiment Nr. 1öS, erhielt einen leichten Schulterschutz. Die Pferde wurden in Sicherheit gebracht. Die Verfolgung wurde aufgenommen. Ob diese Hottentotten zu M o- rengas Bande gehören, ist zweifelhaft. Blumpuetz liegt etwa 40 Kilometer westlich von der Grenze des Schutzgebiets, südwestlich von dem auf englischem Gebiet liegenden Rietfontem.—_ Ungarn. Ein Demonstrationsstreik. Stuhlweißenburg, 28. August. Hier sind gestern alle sozial- demokratischen Arbeiter in den Streik getreten. Veranlassung hierzu bot die Verurteilung dcS Sekretärs der sozialdemokratischen Partei, Julius Handler zu 15 Tagen Haft. 150 Kronen Geldstrafe und Ausweisung, weil er angeblich die zum Ersatz der streikenden Bauarbeiter aus Galizien herbeigeholten Arbeiter an der Arbeitsaufnahme behindert hat. Die Streikenden durchzogen gestern die Stratzen der Stadt, es kam zu großen Demonstrationen. Blutige Manöver. Untcr-Weihenburg, 28. August. In der Ortschaft Panad wurde der O b e r st eines zu den Manövern durchmarschierenden Regiments von einem rumänischen Lehrer durch Worte be- l e i d i g t. Anwesende Offiziere entfernten den Lehrer. Die rumänischen Bewohner begannen hierauf das Gasthaus, in welchem die Offiziere sich aufhielten, zu stürmen. Das alarmierte Militär war gezwungen, von der Schutzwaffe Gebrauch zu machen. Von den Rumänen sind zwei tot, sechzehn schwer, viele leicht verletzt. Noch eine Rumäncnmetzelei. Budapest, 28. August. Der rumänische Abgeordnete Dr. Julius Maniu sendet den hiesigen Blättern die Nachricht, datz am 25. August ein Bataillon des 24. Honved-RegimenlS in die Ortschaft Panad ohne jeden Grund eingedrungen sei und unter der rumänischen Bevölkerung ein förmliches Blutbad anrichtete. Sechs Personen seien hierbei getötet, fünfzehn schwer und dreißig leicht verletzt worden. Kroatien. Die neue Lage. Agram. 26. August. sEig. Ber.) Trotz der überall sonst herrschenden Saurengurkenzeit gehen hier die Wogen der politischen Kämpfe hoch. Bisher beschränkten sich die Parteien auf die Agitations- und Aufklärungsarbeit in Volks- Versammlungen auf dem flachen Lande und in den Provinzstädten, nun ist auch Agram, in dem noch in letzterer Zeit nur der stille Jntrigenkampf hinter den Kulissen sich abspielte, zum Schauplatze lauter Demoiistrationstätigkeit. grotzer Parteiversammlungen und sogar agressiven.Patriotismus" geworden. Am 17. August erfolgte der Austritt der„serbisch-radikalen Partei" aus der Koalition, wodurch der erste entscheidende Schritt zur Sprengung der vereinigten Oppositionsparteien gemacht ist: BanuS Nakodczay fühlt sich schon Herr der Situation, denn auf ein- mal stellten sich ihm eine Reihe hoher Persönlichkeiten zur Be- setzung der vakanten Sektionschefsstellen zur Verfügung. Einen Tag vorher traute sich kein Mensch im Lande seine Aspirationen auf die schönen Sinekuren lautwerden zu lasten. Der Preis, den die„Serbisch-Radikalen" für ihren Schurkenstreich erhalten, ist eine Jahresrente von einer Million Kronen, soviel trägt nämlich das Mitrovitzer Patriarchat, welches nun ihr Mann Zmejanovics erhält. Tags danach, am 18., erfolgte eine Attacke auf den BanuS, der er nur dank der Schnelligkeit seiner Pferde unverletzt entkam. Am 20. wurde eine grotze Demonstrationsversammlung der organisierten Arbeiter abgehalten, in der gegen die Ge- meindeverwaltung, die Erhöhung der Brotpreise und für das all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht plädiert wurde. Am selben Tage fand auch die Generalversammlung der kroatischen Rechtspartei statt, wo die Koalition noch einmal zur Not zusammengeleimt und der Verrat der Radikalen gebrandmarkt wurde. Zugleich legte sich diese Partei ein neues„sozialpolitisches" Programm zurccht, womit sie bei den kommenden Wahlen Stimmen ködern will. Einen erfreulichen Schritt nach vorwärts machte am 23. die fortschrittliche Lehrerschaft Kroatiens, die in einer abgehaltenen Ver- sammlung eine Aktion für die„Freie Schule' beschlotz. Es ist das eine Tat, welche dem von der Sozialdemokratie und der „Kroatischen Fortschrittspartei" mit grotzer Heftigkeit geführten Kampf gegen den Klerikalismus viel gesunde Nahrung zuführen wird. Von verhängnisvoller Bedeutung für die Ausbreitung unserer Partei unter der bäuerlichen Bevölkerung ist die Konstituierung einer Bauernpartei deS Stjepan Radics, die am 25. d. M. stattfand und ein Programm annahm ähnlich jenem der ländlichen Chri st lichsozialenOe st erreich S. Selbstverständlich ruht die Sozialdemokratie Kroatiens nicht einen Augenblick, sondern verdoppelte sogar ihre Tätigkeit anlätzlich der fieberhaften Bewegung der bürgerlichen Parteien. Jeden Sonntagabend werden unter der bewährten Leitung unseres Partei- obmannes Genossen Koracs öffentliche AgitationS« und Aufklärungs- Versammlungen abgehalten, die sich eines regen Besuches auch aus autzerhalb der Partei stehenden Kreise erfreuen. frankreick. Nancy, 28. August. Der Polizeichef nahm in der Druckerei deS sozialistisch-revolutionärcn Komitees eine Haussuchung vor und be- schlagnahnite mehrere Dokumente. Wie es heitzt, erfolgte die Hans- suchung im Zusammenhang mit den jüngsten Zwischenfällen während des Ansstandcs in Raou. England. Landunruhen und Belagerungszustand in Irland. Genauere Nachrichten über die Landunruhen, deren plötzlicher Ausbruch gestern durch die Meldung von zahlreichen Verhaftungen in Irland bekannt wurde, liegen noch nicht vor. Daß die englische Regierung die Lage für sehr bedrohlich ansieht, zeigen die folgenden Depeschen: Dublin, 28. August. Das Amtsblatt teilt mit, datz die Graf- tchaftcn C.lare, Galway, Kings County, Leitrim, Longford, Roscommon für in Aufruhr befindlich erklärt sind und der Verstärkung an Polizeimannschasten bedürfen. Longford, 28. August. Das Parlamentsmitglied McKenna, oer Vertreter für Süd-Longford, und 17 andere Personen sind ver- saftet worden._ Die Nachwahl in Bury-St. Edmunds. London, 26. August. sEig. Ber.) Am Sonnabend fand in Buch eine parlamentarische Nachwahl statt, die mit einem Siege des Verantw. Redakteur: Sans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: konservativen Kandidaten W. Gninnes endigte. Der Wahlkreis war auch früher konservativ vertreten, aber die jetzige konservative Mehr- heit im Wahlkreise hat sich verdoppelt. Im Januar lS06 betrug sie 484, jetzt 890 Stimmen. Im Laufe der letzten drei Monate hat bei Nachwahlen die Stimmenzahl der Konservativen bedeutend zu- genommen, besonders solcher Kandidaten, die offen für Tarifreform (Schutzzoll) eintraten. Amerika. Gegen die Neger ist ein neues Wahlgesetz in Georgia ge- richtet. Um den verhatzten Schwarzen das Wahlrecht zu nehmen oder zu erschweren, macht man im Süden der Vereinigten Staaten skriwellos eigene Gesetze, wenn sie auch mit der Bundesverfassung nichr in Einklang zu bringen sind. Die Sraatslegislatur von Georgia hat das neue Gesetz mit 159- gegen 60 Stimmen angenommen, der Senat hat seine Zustimmung erklärt und der Gouverneur Hope Sniith ist bereit, es zu unterzeichnen. Man rechnet, datz 90 Proz. der Neger in Georgia, die dort sehr zahlreich sind, ihres Wahlrechtes verlustig gehen. Laut den Bestimmungen des Gesetzes sind nur die folgenden Personen fortab wahlberechtigt: solche, die Kriegsdienst in der Bundeöarmee, in der konsöderierten Annee oder der Georgia-Land- wehr geleistet haben: Nachkommen von Soldaten in der konföderierten Armee oder in der Georgia- Landwehr während des Bürgerkrieges: Personen, die einen guten Leumund besitzen und wissen, was Bürger- pflichten find; Personen, die korrekt englisch lesen und schreiben können; jedermann in Georgia, der Grundeigentum von wenigstens 40 Acker im Einschätzungswerte von 500 Dollar besitzt. Chile. Santiago de Chile, 27. August. Die Deputiertenkammer hat daS Gesetz über die Sonntagsruhe angenommen. GewerblcbaftUcbc*** Berlin und Umgegend. An die organisierte Arbeiterschaft Berlins und der Umgegend! Der„Verein der Bierabzieher" hat sich bekanntlich am 1. Januar 1907 dem„Verband deutscher GastwirtSgehülfen" angeschloffen unter dem Titel: Ortsverwaltung Berlin HI., Abteilung der Bier- abzieher. Da eS nun ungemein schwer ist, in unserem Berufe für die Arbeitersache zu agitieren, weil die grotze Mehrheit der Bierabzieher weder die Arbeiterpreffe liest, noch Versammlungen besucht, und uns einige sogar wegen des Anschlusses den Rücken gekehrt haben, bitten wir die organisierten Arbeiter, überall, wo sie einen Bierabzieher antreffen, denselben nach seiner Mitgliedskarte zu ftagen und, wenn eine solche fehlt, denselben auf unsere Organisatton auf- merksam zu machen. Unsere Karte ist für daS jetzige Quartal weitz mit rotem Druck und mutz vorschriftsmäßig abge- stempelt fein. Um der meist gebrauchten AuSrede, man habe keine Zeit, zwecks Aufnahme zur Versammlung zu gehen, entgegen zu treten, haben wir in den verschiedenen Stadtgegenden Zahlstellen eingerichtet, in welchen, wie bei unseren Vertrauensleuten, Auslunst erteilt wird und Mitglieder aufgenommen werden. Näheres hierüber siehe im I n s e r a t der nächsten Sonntag« nummer. Abteilung der Bierabzieher des Verbandes deutscher GastwirtSgehülfen. Deutfcsies Reich. Vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer erhalten wir folgende Zuschrift: In der Nr. 199 deS„Vorwärts" vom 27. August cr. bringen Sie unter„Gewerkschaftliches" eine Notiz aus Hamburg, betreffend den Streik der Schiffer, Maschinisten und Deckleute im Hamburger Hafenschleppschiffahrtsbetriebe. Es heitzt dort am Schluß der Notiz:„Die Schiffer und Maschinisten haben einsehen gelernt, datz sie durchaus keine Sonderstellung einnehmen, fondern von den Unternehmern genau so behandelt werden, wie andere Hafen- arbeiterlatcgorien; deShalbwollensiesichauchinihrer Gesamtheit dem H a f e n a r b e i t e r v e r b a n d e an- s ch l i e tz e n." Diese Fassung der Notiz ist im Schlußsatz nicht zu- treffend. Die Maschinisten und Heizer, die tatsächlich mehreren Vereinen angehören, haben irgendeine Willenskundgebung, sich dem Hafenarbeiterverbande anzuschließen, bis jetzt nicht geäußert, sondern sind gewillt, dem Zentralvcrbande der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands, welcher in dieser Lohn- bewegung selbst stark interessiert ist, beizutreten. Es liegt um so weniger Vcranlaffung zu dieser Notiz vor, als der Zentralvcrband der Maschinisten und Heizer in unserer Zahlstelle Hamburg zur- zeit 2300 Mitglieder zählt.__ Bcrgarbeitervcrband und Zcntrmnsgewerkverrin. Die Zentrumspreffe, speziell die.christlichen VolkS'-Zeitungen des preußischen Westens erheben in ihren Spalten periodisch ein Jubelgeschrei über die„glänzende Entwickelung" der christlichen Ge- werkschaften. Ebenso regelmätzig beweisen die Abrecbnungen und das Zahlenmaterial das gerade Gegenteil. Ein klassisches Beispiel hierfür liefert der„Gewer.'verein �christlicher Bergarbeiter". Mit 43 400 Mitgliedern trat er in das Jahr 1905 ein. Ueber 30 000 traten während des Ruhrstreiks neu bei, so datz am 1. April 1905 über 80000 Mitglieder vorhanden waren. Im Laufe des Jahres entwickelte ler sich„glänzend weiter"— bis am Jahresschluß 1905 noch 66 630 Mitglieder vorhanden waren. Das Jahr 1906 brachte weitere„glänzende Ergebniffe" für den Gewerkverein, indes der„sozialdemokratische" Verband „am Sterben" war. Beim Jahresabschluß Ende 1906 zählte der Gewerkverein rund 75 000, der Verband aber 110 000! Der Unterschied tritt noch deutlicher hervor, wenn man die Ein- nahmen zu Grunde legt. Es erhielten Beittäge 1905 1906 Gewerkverein..... 492 957 M. 741 444 M. Bergarbeiterverband... 1 189 585„ 1 587 836„ Beide Verbände erhoben seit 1. Oktober 1905 die gleichen Bei- träge(40 Pf. pro Mitglied und Woche). Am 1. April 1907 wollte der Gewerlverein 77 000 Mitglieder haben, davon 47 000 im Ruhr- decken. Das wären 7000 mehr als vor dem Streik 1905. Während desselben hat der Gewerkverein nach seinen eigenen Angaben über 30 000 Mitglieder neu aufgenommen, so datz er gut 20000 Mit- g lieber allein im Ruhrgebiet verloren hat! Der Gewerkverein gab Ende 1906 sein Vermögen auf 508 354 M. an. daS Verbandsvermögen betrug aber 1 252 645 M.! Die Finanzkraft deS Bergarbeiterverbandes ist im ersten Halbjahr 1907 iveiter gewaltig gewachsen. An Mitgliederbeiträgen wurden in der Zeit vereinnahmt 830 803 M. gegen 758 265 M. in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Finanzkraft des Ver- bandeS ist so gewachsen: Vermögensbestand Ende 1906.... 1 252 645 M. Ende des ersten Halbjahres 1907... 1 624 445 f Vermögens z u w a ch S im letzten Halb- jähr............ 871 800„ Die VerbandSleitung hofft den Kampffonds am Jahresschluß auf zwei Millionen Mark zu bringen. Selbstverständtich ist die Summe verhältnismäßig noch gering, aber die ganze Entwickelung zeigt ein kräftiges Vorwärtsschreiten. DaS fällt um so mehr ins Gewicht, als die gegnerischen Organisationen, besonders die „Christen", von den Behörden und der Geistlichkeit gehegt und ge- pflegt werden, während der Bergarbeiterverband von allen Seiten mit den schofelsten Mitteln bekämpft und seine Ausbreitung zu Lti.Glocke.Berlm. Druck u.Lerlaa: LorwärtsBuchdr. u. BcrlaaScmstalt" hindern versucht wird. Geht die Entwickelung so weiter, werden die Sonderverbände im Bcrgarbciterbernfe zur Bedeutungslosigkeit herabsinken und damit ist die unselige Zersplitterung, von der das Unternehmertum so lange den Vorteil gezogen hat, beseitigt. Kusland. Der Dockcrstreik in Antwerpen. Antwerpen, 27. August.(Eig. Ber.) Entgegen der gestrigen Meldung einer möglicherweise sich günstiger gestaltenden Konstellation der Dinge, müssen wir heute berichten, daß die Unternehmer in ihrer letzten Komiteesitzung jedwede weitere Unterhandlung rundwe-zab- geschlagen haben. Der Präsident und der Vizepräsident der Handelskammer, die die besorgniserregende Situation weniger gleichmütig ansehen als die Unternehmer, haben neuerdings an zehn Vorschläge gemacht— alles vergeblich.„Alles ist umsonst," erklärte der Präsident Steinmann von der Unternehmer« Vereinigung,„es wäre lächerlich, unsere Haltung zu ändern! Alle großen ausländischen Schiffsgcsellschaftcn sind mit uns einig. Wir wollen die Unterwerfung der Arbeiter brdingungS- los." Man möge keine weiteren Vorschläge machen, um keine v.er- geblichen Hoffnungen zu erwecken. In dieser unverhüllt brutalen Kapitalistensprache, die sich wie ein blutig-höhnendes Spottlied aus das sonst salbungsvoll ge- predigte„gute Einvernehmen" von Arbeitnehmern und Arbeitern anhört, wird nun den Streikenden der angedrohte und längst be- absichtigte Kampf„bis aufs äußerste" erklärt.„Die Unter» werfung der Arbeiter"— das war von Anfang�an die Parole der Herren, nur datz man sie bis jetzt in den Schein von Bedingungen gehüllt hat. von denen man nur zu gut wußte. datz sie für die Arbeiter unannehmbar waren. Die bewilligte Million zur Fortsetzung des Widerstandes, das Einverständnis der ausländischen Unternehmer, die Hoffnung auf einen aus- giebigeren Schub von Streikbrechern— diese drei günstigen Momente haben das gehegte Projekt zum runden Abschluß gc» bracht.— Demgegenüber steht ja bloß das Schicksal von Tausenden von Arbeitern, eine wirtschaftliche Katastrophe der Bevölkerung. ein auf lange Zeit nachwirkender, in den mannigfaltigsten Bc- Ziehungen sich auslösender Schaden des Antwerpcncr Hafens selbst. Es geht nichts über den kapitalistischen„Patriotismus", der einer Regung des Starrsinns, der Eitelkeit und nicht zuletzt böser Räch- sucht bedenkenlos das Gcsamtinteresse opfert. Für daS Streikkomitee ist jetzt die schwere Frage: WaS nun?— denn die Sachlage ist jetzt, wo eine auf gegenseitige Verein- barung gestützte Austragung des Konfliktes ausgeschloffen ist, eine wesentlich andere als vordem. Für heute abend ist eine ge- schlossene Versammlung einberufen, in der die neue Sachlage be- raten werden wird. Chapelle, der unermüdliche Führer der Streikenden, hat der naheliegenden Meinung Ausdruck gegeben, den Streik wieder auf seine ursprüngliche Streikschicht, die Holz- und Getreideverlader, einzuschränken— eine Auffassung, die nur seinerzeit in der Flut der Ereignisse und der Bewegung verlassen wurde. Jedenfalls wird sich nun. nachdem der Stuttgarter Kongreß vorüber ist, der Generalrat der Partei mit der Sachlage befassen. Ein Delegierter des Streikkomitees wird dort morgen über die Streikangelegenheit Bericht erstatten.— Der Bürgermeister hat die Erlaubnis zur Ausstellung von Kollekten verweigert und die Ansucher auf den burcaukrat, scheu Weg ver- wiesen. Scheinbar ist jetzt etwas mehr Ordnung im Hafen ein- gekehrt— aber der Grund ist nicht etwa eine ausreichendere Arbeitsleistung, sondern das— Ausbleiben der Schiffe, die nach den Weisungen der Gesellschaften jetzt Antwerpen umgehen. Die Saat geht bereits auf. In England haben einige große Kohlen- werke den Import der Kohlen über Antwerpen eingestellt und Brügge und Zeebrügge haben nun den Nutzen. Desgleichen haben die englischen Linien, darunter die Bristol Steam Navigation Company, ihren seit Jahren bestehenden regulären Verkehr mit Antwerpen eingestellt.— Die Zahl der angeworbenen Streik- brecher hat.sich auf zirka 5000 vermehrt. Die Neuangekommenen 80 Deutschest dürften Antwerpen verlassen, nachdem ihnen erklärt wurde, daß sie Streikbrecherdienste leisten sollen.— Die Bürger- garde ist in Bereitschaft— die Herren sehen sich für alle Fälle vor veber den Hafenarbeiterausstand in Antwerpen meldet das offiziöse Wölfische Bureau: In einer nichtöffentlichen Versammlung der ausständigen Hafenarbeiter wurde beschlossen. den allgemeinen Ausstand morgen zu beenden. Sämtliche Arbeiter werden morgen die Arbeit wieder aufnehmen mit Ausnahme der Kornauslader und der Holzarbeiter, die vor einigen Wochen in den Ausstand getreten sind._ Versammlungen. Versammlung deS Zentralverbandes deutscher Brauereiarbeiter, Sektion I. Nach Ehrung des Andenkens des verstorbenen Kollegen Michael Stauber gibt Heyder den Kuratoriumsbericht vom pari. tätischen Arbeitsnachweis. DaS Ergebnis des Berichtsjahres war absolut wie relativ in der zu vergebenden Arbeit ein sehr günstiges. Es wurden 377 feste und 1730 Aushülfsstellungen von Brauern besetzt. In der Einstellung ohne Benutzung des Arbeitsnachweises taten sich besonders die Unions-, Versuchs- und Lehrbraucrei, die Kaiser-, Hilsebein- und Bötzow-Braucrei hervor. Die hohe Anzahl der Aushülfsstellen wurde von der Versammlung stark kritisiert und wurden die Kuratoriumsmitglieder angewiesen, darauf hin- zuwirken, daß diesem Unwesen endlich einmal gesteuert werde und die Brauereien ihren Etat an ständig beschäftigten Leuten nicht immer durch Aushülfskräfte aufrecht erhalten. Ebenso werden die Organisationsvertreter beauftragt, sich strikte gegen einen Ausschluß von Jnvalidenrentenempfängern vom Arbeitsnachweis zu erklären. wie dicS von dem Obmann des Arbeitsnachweises, Dr. Freund, befürwortet wurde.— Die Quartalsabrechnung ergab: Einnahme 4469,99 M.. Ausgabe 2540,90 M.; an die Hauptkaff« konnten ab» geführt werden 1929,00 M. Der Mitgliederbestand beträgt 895. Eingegangen sind im 2. Quartal 1907 pro Mitglied 11,03 Beiträge gegen 12,04 im 1. Quartal. Die Lokalkaffe weist eine Einnahme von 2165,25 M. und eine Ausgabe von 1749.17 M. auf. also ein Mehr von 416,08 M.. mit dem Bestand vom 1. Quartal von 9347,71 Mark ergibt dieS ein Vermögen von 9763,79 M. Letzte JVacbncbten und Depefeben. Drakonisches Urteil. Neiße, 28. August.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Das Kriegsgericht Neiße verurteilte heute nach zweitägiger Verhandlung wegen militärischen Aufruhr» die Reservisten Niwiadomski- Beuthcn zu sieben Jahre» Zuchthaus, H u b r i ch- Oppeln zu sieben Jahren Gefängnis und Bischof- Breslau zu 5'/s Jahren Gefängnis. Außerdem wurde auf die üblichen Nebcnstrafen erkannt. Truppennachschllbe für Marokko. Paris, 28. August.(W. T. B.) Aus Anlaß der Ereigniffe bezüglich der Erhebung Mulah Hafids zum Sultan von Marrakesch erbat General Drude eine Verstärkung von zwei Bataillonen, deren Entsendung in Oran vorbereitet ist. Es wurde unverzüglich der Befehl erteilt, morgen diese Truppen nach Casablanca einzuschifie«, ohne an den früheren Instruktionen etwas zu ändern. «aul SingerLcCo..BerIin LW. Hierzu 2 Beilage» u.tlnterhaltungSblatt Nr. 201. 24. Jahrgang. 1. KtilU im Jotrairts" Jetlintt NsllisdlM Jdinftätiij, 39. Xujnft 1907. Die einheitliche Parteilegitimation. Von Parteitag zu Parteitag mehren sich die Anträge, die eine einheitliche Parteilegitimation fordern. In den Partciversamm- lungen, die sich mit dem Essener Parteitag beschäftigen, wird diese Forderung jetzt wieder erhoben und erfreulicherweise schenkt auch unsere Parteipresse dieser Frage jetzt weit größere Beachtung, als das früher der Fall war. So macht gegenwärtig eine die Schaffung einheitlicher Parteilegitimationen befürwortende Stelle aus dem Jahresbericht, den der Genosse Z e u k e r- Bielefeld für den Wahl- kreis Bielefeld-Wiedenbrück veröffentlicht hat, die Runde durch die Parteipresse. In früheren Jahren beachtete die Parteipresse solche Anregungen kaum. Vielfach hielt man die Frage für absolut be- langlos und kleinlich, vielfach glaubte man auch, daß sie wegen der Verschiedenartigkeit der Statuten, der Beitragshöhe, der Beitrags- Perioden usw. praktisch nicht durchführbar sei. Erst mit dem Wachstum unserer Organisationen und der dadurch hervorgerufenen näheren Vertrautheit größerer Parteikreise mit moderner, praktischer Titelblatt. Sozialdemokratische Partei Deatschlaads. IWtgUecksbud» für Herrn. Beruf. .geb. am_ sm .18. S». (Geburtsort) (ev. Reg.-Bez. oder Kreis, Amt«.) Staatsangehörigkeit Familienstand: Eingetreten am_ ten_ 19_ zu. Ausgestellt von (Stempel) (Unterschrift) Verwaltungsarbeit vollzog sich allmählich ein Wandel und die- jenigen Parteigenossen, die jahrelang den Gedanken propagiert haben, sehen nun zu ihrer Genugtuung seine Verwirklichung in greifbare Nähe gerückt. Wenn man sich nur darüber klar ist, worauf es bei der Frage allein ankommt, und alles ausscheidet, was sie verwickelt machen kann, so ist die Lösung die denkbar einfachste. Man mutz sich vor Augen halten, daß es sich lediglich um einen einheitlichen Ausweis über die Zugehörigkeit zur Partei- organisation handeln soll, um nichts mehr! Beachtet man dies, dann kann nicht nur die Aufnahme der Orts- und Wahlkreis-, der Bezirks- und Landesstatuten, sondern selbst des Organisations- ftatuts der Gesamtpartei und ihres Programms unterbleiben, die alle mehr oder minder fortlaufend Aenderungen unterworfen sind und deshalb besser gesondert ausgegeben werden. So bleibt für die Legitimation erstens nur die Angabe der Per- s o n a l i e n in der Vollständigkeit, wie sie zu parteistatistischen Zwecken für die Mitgliederregister unserer Organisationen not- wendig ist, und zweitens der Nachweis über die Beitrags- Markenfelder. Beitragsquittung pro IS_ 1. Woche 2. Woche — Januar— 4. Woche 14. 15. Woche - April— IS. Woche 17. Woche 27. Woche 28. Woche - Juli- 29. Woche 80. Woche 40. 41. Woche — Oktober— 42. Woche 43. Woche S. Woche S. Woche — Februar— 7. Woche 8. Woche 18. 19. Woche Wochl — Mai— 20. Woche 31. Woche 21. Woche 82. Woche — August— 83. Woche 44. Woche 84. Woche 45. Woche — November— 46. Woche 47. Woche 9. 10. Woche - März 11. Woche 22. Woche 12. 23. Woche — Juni— 24. Woche 85. Woche 25. Woche 86. Woche — September— 87. Woche 38. Woche 48. 49. Woche — Dezember— 50. Woche 51, Woche 13. Woch� 26. Woche 89. Woche 52. Woche l e i st u n g e n und die Mitgliedschaft in den einzelnen Parteiorten. In diesem Sinne schrieb ich bereits vor zwei Jahren in einem im„Hamburger Echo" über die Organisationsfragc ver. ösfentlichten Artikel:„Eigentliche Schwierigkeiten bereitet der Ein. führung einheitlicher Parteilegitimationen gegenwärtig nur noch der Umstand, daß teils Monats- und teils Wochen. beitrüge erhoben werden. Durch entsprechende technische Anordnung der Markenfelder ließe sich aber auch dieses Hindernis beseitigen.... Gleiche Höhe der Beiträge und gleicher Nennwert der Ouittungsmarken ist dazu absolut nicht er. forderlich, nur gleiches Format der letzteren." Das Frankfurter Agitationskomitee hat darauf. hin im Herbst 1905, als es sich für die 13 Wahlkreise des Bezirk! um die Schaffung eines einheitlichen Mitgliedsbuches handelte. dieser Anregung entsprechend gehandelt. Es wurde ein Mit- g l i e d s b u ch zur Einführung gebracht, das außer Umschlag und Titelblatt mit Personalien lediglich 10 Seiten Markenfelder und 4 Seiten An- und Abmelderubriken enthält. Titelblatt, Marken- selber und Melderubrikcn repräsentieren sich folgendermaßen: Melderubriken. Mitgliedschafts-Nachweis. Angemeldet (Nur bei Anmeldung ausfüllen) Abgemeldet (Nur bei Abmeldung ausfüllen) den- in:- »teu. -19— unter Buch• Nr. Stempel Unterfchrist den- in:- .ten. -19— unter Buch» Nr. Stempel Unterschrift den- in:- -ten. -19— unter Buch» Nr. Stempel den. -ten. -19— von: mit der Buch«Nr. Stempel Unterschrift den- ten_ von:- -19— mit der Buch«Nr. Stempel Unterschrift den- ten- -19— von: mit der Buch«Nr. Stempel Unterschrist Unterfchrist DaS Titelblatt enthält neben den notwendigen Personal» angaben auch das Datum des ersten Eintrittes in eine Partei« organisation und den Eintrittsort. Die Markenfelder sind für Wochen« wie für Monats- marken eingerichtet, so daß beide Markensorten abwechselnd nach- einander eingeklebt werden können, je nachdem an den einzelnen Orten Wochen- oder Monatsbeiträge erhoben werden. Die Größe der- Markenfelder ergibt sich von selbst aus der Teilung des Ge- samtmarkenfeldes, für welches die Normalmaße von 12 und 8 Zentimeter angenommen worden sind, die erfahrungsgemäß einem handlichen Mitgliedsbuchsormat entsprechen. Die Reihenfolge der Wochcnmarkcn ist durch Wochenziffern so angeordnet, daß niemals in Reihen quer über das Buch, sondern stets im Viereck des einzelnen Monatsfeldes geklebt werden muß. Die Melderubriken enthalten zugleich den Raum für die Mitgliedsnummer, unter welcher das Mitglied am Orte geführt worden ist; einheitliche Buchnummern für das Reich sind ja nicht möglich und auch nicht notwendig. Diese Mitgliedsbücher hat gleichzeitig mit dem Frankfurter Agitationsbezirk auch der Agitationsbezirk Kassel zur Einführung gebracht. Da Frankfurt besonders stark von Partei- genossen auS süddeutschen Bundesstaaten aufgesucht wird, ver- fiändigte sich das Frankfurter Agitationskomitee mit den Bezirks- resp. Landcsorganisationcn der Partei in diesen Staaten, das Buch gleichfalls einzuführen. So/ ist es denn auch weiter eingeführt ivorden im Gau Südbayern, im Gau Nordbayern und im Gau Pfalz, also in der gesamten bayerischen Landesorgani- s a t i o n. weiter in den Landesorganisationen Württemberg und Baden. Teils hat man dabei Statuten usw. beigeheftet. waS, wenn es auch nicht unbedingt notwendig ist, andererseits aber auch der Brauchbarkeit deS Buches in anderen Bezirken und Orten absolut nicht schadet. Für Süddeutschland ist die Frage der einheitlichen Partei- legitimation also bereits bis weit über die Mainlinie hinaus ge- löst. Wenn sich die übrigen Landcsorganisationen und Bezirks- verbände gleichfalls anschließen, so kann die� Frage in kurzer Zeit auch für das ganze Reich gelöst sein. Wilh. Dittmann- Frankfurt a. M. Illittlmtionalt Sonfereu; der Fnstnrgthülft«. Stuttgart, 27. August 1907. Der zweite Verhandlungstag begann mit der Diskussion über das Referat A l f ch e r über Forderungen der Gchülfen an Gesetz- gebungen und Arbeitgeber. Sie endet mit der Annahme folgender Resolution: Die Konferenz stellt an die Gesetzgebungen beziehungsweise Arbeitgeber der vertretenen Länder folgende Forderungen: 1. Volle Koalitionsfreiheit. 2. Unterstellung des FriieurgewerbeS unter die Gewerbe- inspektion- Erlaß hygienischer Vorschriften über die Beschaffen- heit der Arbeitsräume. Wahl der Gcwerbeinspektoren durch die Gewerkschaften. 3. Regelung der Arbeitszeit unter Festsetzung einer höchstens SOstündige» wöchentlichen Arbeitszeit, welche an Wochentagen spätestens um 8 Uhr abends(Sonnabends 10 Uhr), an Sonn- tagen spätestens um 12 Uhr beendet sein muß— bis zur Ein- führung der vollständigen Sonntagsruhe. Gänzliche Freigabe der drei zweiten Feiertage, sowie der auf Wochentage fallenden gesetzlichen Feiertage und des 1. Mai. 4. Beseitigung des Kost« und LogiszwangeS. 5. Bessere Bewertung� der Arbeitskraft. Festsetzung eine? MinimalstttiidenlohneS. Wöchentliche Lohnzahlung in barem Gelde. 6. Lehrlingsausbildung in staatlichen oder kommunalen Lehr- Werkstätten. Verbot des Lehrlinghaltens in Privatbetrieben. 7. Gesetzliche Anerkennung der Tarifverträge zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern. 8. Staatliche Versicherunaseinrichtungen gegen Arbeitslosigkeit, Krankheit. Alter und Invalidität. 9. Periodische Vornahme regelmäßiger Erhebungen über die Lage der im Friseurgewerbe Beschäftigten zum Zwecke einer gesetz- lichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen, insbesondere der Verkürzung der Arbeitszeit. Zur Frage des Trinkgeldwesens beschließt die Konferenz folgende Resolution: „Die Konferenz verurteilt das Trinkgeldwesen als die niedrigste Form des Lohnes und macht es den angeschlossenen Organisationen zur Pflicht, bei allen Lohuforderuiigen die Beseitigung deS Trink- geldwesens anzustreben durch Erringung auskömmlicher Löhne, deren Normierung ohne Rücksicht auf etwaige Trinkgeldeinnahmen zu erfolgen hat." Nachdem die Konferenz noch beschlossen hat, die Verbands organe der Organisationen auszutauschen, so daß jede Ortsgruppe regelmäßig ein Exemplar der ausländischen Zeitungen erhält, wird die Vormittagssitzung geschlossen. Die Nachmittagssitzung beginnt mit der Beratung über die Regelung der internationalen Beziehungen. Einstimmig wird die Errichtung eines internationalen Sekretariats beschlossen. In dem Regulativ, das die internationalen Beziehungen regelt, wird fest- gesetzt, daß den Mitgliedern der dem Sekretariat angeschlossenen Organisationen das Recht des kostenfreien UebertrittS aus der einen in die andere Organisation zusteht und daß die Rechte, die sie sich in ihrer Organisation erworben, in Anrechnung gebracht werden. Die Organisationen haben pro Mitglied und Jahr 10 Pf. an daS internationale Sekretariat abzuführen. Die nächste Konferenz soll 1910 i» Bern stattfinden. Zum Sitz des internationalen Sekre- tariats wird Deutschland und als Sekretär E tz k o r n- Hamburg gewählt. Vom französischen Delegierten war beantragt worden, die Punkte Antimilitarismus und Generalstreik auf die Tagesordnung zu setzen. Die Konferenz lehnte das jedoch ab, woraus L u quet- Paris bei dem Punkt„Erledigung besonderer Anträge" Gelegenheit nahm, seine Ausführungen zu den Fragen zu machen. Da seine Anschauungen den Beschlüssen der interuaiionalen Kongresse in diesen Fragen zum Teil widersprechen, so beschließt die Konferenz, sie lediglich zur Kenntnis zw nehmen. Nachdem dann noch die Frage der weiblichen Arbeitskräfte im Friseurbcrufe dahin erledigt ivorden war, daß versucht werden soll. diese Arbeiterinnen zu organisieren und auch bei ihnen für gleiche Leistungen gleiche Bezahlung zu verlangen, wurde mit den üblichen Schlußreden die Konferenz geschlossen. Erster iuternationaler Kougreß der Kiilker, Konditoren und vemandter Kernfsgenossen. Zum erstenmal traten am Sonnabend hier in Stuttgart die organisierten Bäcker- und Konditorgehülfen zusammen, um darüber zu beraten, wie es möglich ist. den Arbeitgebern wirksamer ent- aegentrcten zu können. Freudig waren dem Rufe die aus- ländischen Bruderorganisationen gefolgt. Auf dem Kongreß waren vertreten: Verband der Bäcker, Konditoren und verwandten Berufs- genossen Deutschlands(19 000 Mitglieder) durch Allmann-Hamburg, Gaßner-München, Lankcs-Frankfurt a. M.; Fachvercin der Bäckereiarbeiter Böhmens(1800 Mitglieder) durch Jirafek-Prag; International Union of operative BackerS und ConfektionerS of Great Britain and Jreland(200 Mitglieder) durch L. Tösch-London; Verband der Lebens- und Genußmittelarbeiter der Schweiz (550 Mitglieder) durch Jak. Stickel-Bern; Confcdcratione Jtaliana sra Lavoratori bell' Arte Bianca(10 000 Mitglieder) durch Pietro Premoli-Milano; Verband der Bäckerciarbeiter Oesterreichs (0400 Mitglieder) durch Frz. Silberer-Wien; Swenska Bageric- och Konditoriarbetarctforbundet(3150 Mitglieder) durch Anders Sjöstedt-Stockholm. Insgesamt beteiligten sich an dem Kongreß sieben Nationen mit 41 1000 Mitgliedern. Am Sonnabend den 24. August, nachmittags 3 Uhr, traten die Delegierten zur Beratung zusammen. Kollege Allmann» Hamburg hieß die Anwesenden, insbesondere die Delegierten dSh ausländischen Bruderorganisationen herzlich willkommen. Er gap seiner Freude Ausdruck, daß der von Deutschland ergangenen Ein- ladung eine ganze Anzahl Bruderorganisationen gefolgt sind. Die Bäcker- und Konditorgehülfen fühlen immer mehr, daß sie den Bruderbund über die Grenzpfähle hinweg schließen müssen, wenn der Ausbeutung in allen Ländern Schranken gesetzt werden sollen. Keine nationalen Gegensätze können uns in unserem Vorwärts- marsch zur Befreiung aller Berufsangehörigen aus den Fesseln der Ausbeutung hindern. Außer btn Anwesenden erklären sich im voraus die Bruderorganisationen Hollands, Belgiens, Ungarns, Warschaus und Petersburgs mit den Beschlüssen des Kongresses einverstanden. Nordamerika und Dänemark werden noch dazu Stellung nehmen, während von Frankreich keine Antwort zu er« halten war. Zur Leitung der Verhandlungen wurden A l l m a n n- S am bürg als Vorsitzender und L a n k e S- Frankfurt a. M. als chriftführer bestimmt. Von Schweden wird beantragt, die Unfallversicherung mit auf die Tagesordnung zu setzen. Allmann erklärt, daß dieser Punkt mit behandelt wird. Damit ist der Vertreter Schwedens einver- standen. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Bäckerschutzgcsetze bezw. a) Einrichtung und Betriebe der Bäckereien, d) Dauer der täglichen Arbeitszeit, c) ein wöchentlicher Ruhetag, ck) Verbot der Nachtarbeit. 2. Der Kampf gegen die Nachtarbeit. 3. Die Gegenseitigkeitsverträge der Verbände betreffs Ueber« tritts der Mitglieder, und Reise-, Arbeitslosen» und Kranken- Unterstützung. 4. Gegenseitige Unterstützung bei Streiks in Fernhaltung des Zuzugs und in finanzieller Beziehung. 5. Ist es zweckmäßig und notwendig, ein internationales Sekretariat zu errichten? Von der deutschen Delegation liegt zu Punkt 1 und 2 eine Resolution vor, die von Allmann eingehend begründet wurde. Ein genauer Bericht über die Schutzgesetze im Berufe in den ein- zelnc» Ländern kann nicht gegeben werden. Soviel ist jedoch sicher, daß sämtliche Regierungen auf diesem Gebiete wenig getan haben und wir mit den in manchen Staaten äußerst oberflächlichen Bestimmungen uns nicht zufrieden geben können. Die Meinungen bezüglich Beseitigung der Nachtarbeit gehen auseinander. Während in den romanischen Ländern, besonders in Italien, der Kampf sich ausschließlich auf diesen Punkt konzentriert, sehen wir in den übrigen Ländern, daß diese Forderung nicht als die zunächst zu erreichende betrachtet wird, sondern von den Organisationen die wirtschaftliche Bcsserstelluieg der Arbeiter und Arbeiterinnen in erster Linie durch die Beseitigung des Kost- und Logiszwanges und der siebentägigen Arbeitswoche, sowie in der Arbeitszeit- Verkürzung zu erstreben gesucht wird. P r e m o l i- Mailand verteidigt die Taktik der italienischen Kollegen, die für die Beseitigung der Nachtarbeit eintreten. Dieser Frage bringen die Italiener das größte Interesse entgegen. Es sei auch möglich gewesen, den Generalstreik als Protest gcg»n die Pcrschleppungsversuche des Ministeriums in die Wege zu leiten. Erreicht wurde dadurch, daß nun ein Gesetzentwurf von b" Regierung ausgearbeitet wurde. Dem wöchentlichen Ruhetag, sowie der Abschaffung des Kost- und Logiswesens setzen die Arbeitgeber den größten Widerstand entgegen. Auch zeige sich für letztere rage wenig Interesse bei den Kollegen. Gegen die vorliegende csolution niüssc er sich deshalb wenden, weil die Beseitigung der Nachtarbeit an letzter Stelle gefordert wird; damit können sich die Italiener nicht einverstanden erklären. Redner gibt nun einen ausführlichen Bericht über die EntWickelung und Erfolge seiner Organisation. In mehr als 30 Städten bestehen Tarifverträge mit den Unternehmern. Tösch-London ist mit der Resolution einverstanden, des« gleichen S t i ck e l- Bern. In der Vormittagssitzung vom 25. August gab Allmaon zunächst die eingelaufenen Glückwunschtelegramme bekannt. Telegraphisch wünschen dem Kongreß die Bruderorganisationen von Böhmen, Ungarn, Norwegen, sowie die Mitgliedschaften von Crimmitschau, Köln und die Bäcker des Wuppertales die besten Erfolge. An der Debatte über die Punkte 1 und 2 beteiligen sich noch die Kollegen S j ö st e d t- Stockholm, G a ß n e r- München, I traf e k- Prag, L a n k e s° Frankfurt a. M. und Silber er- Wien. Sämtliche Redner sind mit der Resolution einverstanden. In der Abstimmung wurde dieselbe einstimmig angenommen. Sie lautet: „Das Bäckergewerbe, mit Ausnahme einzelner Betriebe, gehört in allen Ländern zu dem rückständigsten Gewerbe. Der technische Fortschritt, vermag sich nur langsam Bahn zu brechen; die Einrichtung der Betriebe steht selbst mit den minimalsten sanitären Anforderungen in schroffstem Widerspruch. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen ent- sprechen der Rückständigkeit des Gewerbes in jeder Beziehung. — Wahrhaft kulturwidrig ist die rücksichtslose Ausnutzung der Arbeitstraft in unbeschränkter Arbeitszeit, die sich in taufenden Fällen bis zu 16 und 18 Stunden täglich erstreckt. Besonders verschärft wird die Last unbeschränkter Ausbeutung durch die Nachtarbeit, die den Anreiz zur Verlängerung der Arbeitszeit bildet und in Verbindung mit der unhygienischen Beschaffenheit der Arbeitsräume die Gesundheit der Arbeiter schwer schädigt, ihre Lebensdauer verkürzt, die Moral und die geistige Aus- bildung beeinträchtigt und das Familienleben schädigt oder ganz unmöglich macht.— Die Nachtarbeit ist um so verwerflicher, als sie keinem zwingenden Bedürfnis der Bevölkerung entspricht, sondern dem Konkurrenzkampf der Arbeitgeber entsprungen ist. Dazu kommt noch die ungeheuerliche Tatsache, daß mit Aus- nähme von nur einzelnen Staaten die Arbeitswoche sich auf sieben Tage oder Nächte erstreckt. Mit Rücksicht auf diese trau- rigen Tatsachen beschließt der Kongreß und macht es allen Landesorganisationcn zur Pflicht: Durch energische Agitation unter den Berufsangehörigen als den unmittelbar Beteiligten, sowie der Bevölkerung als Konsumenten und mit Unterstützung der organisierten Arbeiter- schaft von der Gesetzgebung der einzelnen Staaten zu fordern: 1. Vollständige Beseitigung des Kost- und Logiswesens beim Arbeitgeber und Festsetzung ausreichender Minimallohne. 2. Festsetzung der Arbeitswoche mit 6 Tagen für die ein- zelnen Arbeiter und Arbeiterinnen, wobei es den Landes- organisationen überlassen bleibt, entweder die volle Sonntags- ruhe oder den Ersatzruhetag zu fordern. Verzicht einzelner Arbeiter auf den Ruhetag ist unzulässig und wird dem Streik- bruch gleich erachtet. 8. Beschränkung der Arbeitszeit auf höchstens zehn Stunden täglich, inklusive einer Pause von mindestens einer Stunde, in allen Betrieben mit mehreren Schichten auf 8 Stunden täglich inklusive einer Pause von einer halben Stunde. In Betrieben der letzteren Art wöchentlicher Wechsel der Schichten. 4. Ausnahmslose Abschaffung der Nachtarbeit für Frauen und jugendliche Arbeitskräfte unter 18 fahren; für die er- wachsenen Arbeiter Verbot der regelmäßigen Nachtarbeit.— Nachtarbeit ist entsprechend höher zu bezahlen als Tagarbeit. 6. Wegfall aller Klauseln, durch welche das Bäckergewerbe vom allgemeinen Arbeiterschutz ausgenommen wird. 6. Erlaß strenger Vorschriften über die technischen und sanitären Einrichtungen der Betriebe zum Schutze der Arbeiter und des konsumierenden Publikums. 7. Unterstellung der Bäckereien und Konditoreien unter die Fabrik- und Gewerbeinspcktion. Behufs wirksamer Kontrolle Beiziehung von Vertrauensmännern, die aus der Mitte der Organisation gewählt werden. Der Internationale Kongreß macht es den einzelnen Landesorganisationen zur Pflicht, durch energische Agitation die Arbeiter und Arbeiterinnen von der Notwendigkeit des geWerk- schaftlichen Zusammenschlusses zu überzeugen und sie zum Klassenkampf zu erziehen. Der wirtschaftliche Kampf muß darauf gerichtet sein, unbeschadet der gesetzlichen Regelung unserer Forderungen vor allem die Beseitigung des Kost- und LogiswcsenS beim Arbeitgeber durchzuführen. Dafür ist ein ausreichender Minimallohn festzusetzen. Die Verkürzung der Arbeitszeit sowie die Erkämpfung eines wöchentlichen Ruhe- tages sind unsere zunächstliegenden wichtigsten Forderungen." Bei dem Punkt Gegenseitigkeitsverträge fand nachstehende Resolution einstimmige Annahme: „Der Internationale Bäckerkongreß betont im Hinblick auf die verschiedenartigen Unterstützungseinrichtungen der Verbände die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung dieser Zweige. Er ersucht die Vertreter der Landesorganisationen, dahin zu wirken, daß da, wo Unterstützungseinrichtungen noch gänzlich fehlen, solche geschaffen werden, vor allen Dingen aber Reise- Unterstützung eingeführt wird. Der Kongreß beschließt, die bestehenden Gegenseitigkeits- Verträge sollen auf der Grundlage der Gleichberechtigung aller Mitglieder sobald wie möglich auf alle dem Internationalen Sekretariate angeschlossenen Verbände ausgedehnt werden, und als Minimum der Gegenseitigkeit den unentgeltlichen Uebertritt von einem Verband zum andern unter Anrechnung der früheren Mitgliedschaft und Gewährung von mindestens Reiseunter- stützung und Rechtsschutz enthalten." Ueber Unterstützung bei Streiks und Aussperrungen einigten sich die Delegierten nach vorausgegangenem Referat A l l m a n n s auf nachstehende Grundsätze: „Zur erfolgreichen Durchführung der wirtschaftlichen Kämpfe empfiehlt der Kongreß alle den. Internationalen Sekretariat angeschlossenen Verbände, die Beitragsleistung der Mitglieder so zu gestalten, daß sie jederzeit in der Lage sind, ihre Lohnkämpfe aus eigenen Mitteln führen zu können. Nur bei außergewöhnlichen, das Maß der Leistungsfähigkeit übersteigenden Streits und Aussperrungen von mindestens 3 Wochen Dauer» die eventuell zur Zerstörung oder Lahmlegung dep Organisation führen würden, kann das Internationale Sekretariat um die Hülfe sämtlicher Verbände angegangen werden. Im Falle von ausgedehnten Aussperrungen kann die Hülfe schon in einem früheren Stadium beansprucht werden. Bei Streiks und Lohnbewegungen ist dem Sekretariat stets sofort Mitteilung zu machen, damit Benachrichtigung der übrigen Verbände zur Fernhaltung des Zuzugs von Streik- blechern erfolgen kann. Die Verbände haben die Pflicht, dem ' Sekretariat jährlich mindestens einmal einen genauen Situations- bericht einzusenden, sowie alle Anfragen prompt zu be- antworten." Auf Vorschlag von dem Vertreter Schwedens wird bezüglich der Unfallversicherung beschlossen: „Der Internationale Kongreß fordert die Landesorgani» sationen auf, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß alle Be- triebe unseres Berufes den staatlichen Unfallversicherungs- gesehen unterstellt werden. Wo dies nicht gelingen sollte, oder wo keine staatlichen Unfallversicherungen existieren, ist beim Abschluß von Tarifverträgen mit den Arbeitgebern auf die Schaffung der freien Unfallversicherung hinzuwirken, um allen Arbeitern und allen Arbeiterinnen die Vorteile dieser Ver« sicherung zu teil werden zu lassen." Beschlossen wird ferner bei Punkt S die Errichtung eines Internationale» Sekretariats für Bäcker, Konditoren und ver- wandte Berufsgenossen mit dem Sitz Hamburg. Anschluß an dasselbe können nur solche Organisationen finden, die auf dem Boden desKlassenkampfes st ehe n. Zum Sekretär wird einstimmig A l l m a n n- Hamburg gewählt. Der Beitrag pro Mitglied und Jahr wird auf 2 Pf. festgesetzt. Aufgabe des Sekretariats ist, alljährlich einen Bericht über die Entwickelung der einzelnen Landesorganisationen herauszugeben, schwache Or- ganisationcn niit Rat und Tat zu unterstützen und zu diesem Zwecke Informationsreisen zu unternehmen. Der gegenseitige Austausch der Fachblätter wird allen Organisationen zur Pflicht gemacht. Ein ausführliches Protokoll mit den Situations- berichten der einzelnen Organisationen in Broschürenform her- auszugeben, wird ebenfalls gutgeheißen. Der nächste Kongreß findet 1916 in Kopenhagen statt. Einer von Silberer- Wien eingereichten Resolution stimmten die Anwesenden zu; sie lautet: „Der Kongreß entbietet den italienischen Kollegen zu ihrem großen und gerechten Kampfe für vollständige Abschaffung der Nachtarbeit seine brüderlichen Wünsche für vollen und dauernden Erfolg." Der Kongreß ist damit am Schlüsse seiner Tagung angelangt. Allmann gibt einen Rückblick auf die gefaßten Beschlüsse und erwartet bestimmt, daß von den Vertretern der ausländischen Bruderorganisationcn alles daran gesetzt wird, um die Beschlüsse in ihrem Heimatlande zu verwirklichen. Rüsten wir zu den kommenden Kämpfen und setzen wir alles daran, um die Organi- sationen zu einem machtvollen Bollwerk gegen Entrechtung und Knechtung auszubauen. Dann müssen alle scharfmacherischen Be- strebungen der Ausbeuter an dem neugcgründeten Bund der Bäcker- und Konditorgehülfen aller Länder abprallen. Mit einem begeistert aufgenonnnenen Hoch auf die inter- nationale Arbeiterbewegung wurde der Kongreß geschlossen. Bus der Partei. Znm Parteitag in Essen. Die Generalversammlung des Wahlkreisvereins In st erBurg« G u in b i n n e n nahm am 2ö. August Stellung zum Parteitag. Es wurde unter anderem beschlossen, folgende Anträge dem Partei- tag zu unterbreiten: „Der Parteitag wolle beschließen: auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages ist die Landarbeiterfrage zu setzen. Der zu bestellende Referent soll bei der Beschaffung des Materials für dieses Thema in erster Linie die östlichen Provinzen berück- sichtigen." „In Anbetracht, daß der übermäßige Alkoholgenuß der Aufklärungsarbeit der Partei unter der proletarischen Be- völkerung großen Widerstand entgegensetzt, Körper und Geist ruiniert, die zum Klassenkampf so notwendige Energie den Ar- beitern raubt, ist von der Partei mehr wie bisher in Wort und Schrift der Alkoholmißbrauch zu bekämpfen. Vollständige Ent- haltsamkeit ist zu empfehlen, soll aber nicht als Bedingung der Zugehörigkeit zur Partei gelten." Zum Delegierten wurde der Parteisekretär für Ostpreußen, Ge- nosse Linde gewählt. Er soll auch im Einverständnis Mit den übrigen Organiiationen alle anderen ostpreußischen Wahlkreise mit Ausnahme der Sladt Königsberg vertreten. Für diese ist Genosie D o n a t i e s als Delegierter gewählt. Der ostpreußische Wahltreisverein Tilsit-Niederung be- schloß eine Erhöhung der Beiträge für die Stadt Tilsit von 26 au 25 Pf. monatlich. Den Mitgliedern auf dem Lande will man es freistellen, den niedrigen oder höheren Beitrag zu zahlen. Eine— eigentümliche Ausrede, um uns höflich auszudrücken, bringt der„ V o l k s b o t e" zu S t e t t i n für seinen von uns angenagelten arg tendenziös zugespitzten Bericht über die Verhandlung des Stuttgarter Kongresses zur Kolonialfrage vor. schädigung." Die gegen das oberlandesgerichtliche Urteil von der Klägerin eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht in der Hauptsache verworfen, nur bezüglich der Kosten wurde zu gunsten der Klägerin diese für alle drei Instanzen bis auf b0 M. entlastet. An dem Urteil ist mehrereS interessant: Einmal, daß sich daS Gericht, um den Beklagten vor Ansprüchen zu schützen, daS Urteil des Militarismus über die K u n st aneignet, indem es den ver> klagten Musiker als„Unteroffizier" anspricht. Dann auch die wellfremde Behauptung, daß Mädchen auS dem Arbeiterstande erst in höherem Alter heiraten, und daß die Existenz von un- ehelichen Kindern bei ihnen kein wesentliches Ehehindernis bilde. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß Arbeiterinnen zumeist früher zu heiraten pflegen, da sio sich nicht in höherem Alter einen Mann kaufen können, wie die Töchter der Besitzenden. Die Klägerin hat ganz offenbar infolge des gegebenen Eheversprechens den Zeit- Punkt versäumt, in dem man in ihrem Stande zur Heirat zu schreiten Pflegt. Auch die Existenz von unehelichen Kindern ist für sie ein erhebliches Ehehindernis: Arbeiter müssen sich bei ihrem Einkommen sehr überlegen, ob sie ein Mädchen mit inehreren fremden Kindern heiraten können, wenn auch ihre Sitten- begriffe nicht so verwildert sind, daß sie der Mutter ihrer eigenen Kinder eine„bessere Partie" vorziehest. Am interessantesten ist aber daS Zugeständnis, daß eine„unvermögende Schneiderin" und Tochter einer„unverehelichten Frauensperson" natürlich nicht die Ansprüche stellen darf, wie vielleicht eine FaulenAerin, die ihr Dasein der schwachen Stunde etwa einer Prinzessin verdankt? Soziales* Landarlicitcrrecht in Mecklenburg. Mit der Frage des Landarbeiterrechtes beschäftigt sich unser Bruderorgan die„Mecklenburgische Vollsztg." und zwar an der Hand einer im Verlage der stramm zu den Junkern stehenden„Mecklen- burger Nachr." erschienenen Broschüre, in der ein Jurist den Junker» Anweisung gibt, wie sie dir Landarbeiter ganz rechtlos machen können. Das Gesetz läßt den Landproletariern nämlich noch ein Restchen Recht, indem sie den Kelten der Gesindeordnung entzogen sind. Das paßt nicht für die göttliche junkerliche Ordnung: der Verfasser der Broschüre weist darauf zunächst hin, daß nach den Be- stimmungcn des Bürgerlichen Gesetzbuches die Gesindeordnung aus Hoftagelöhner. Depuiatisten,„fremde Arbeiter" und andere in ähn- lichen Dienstverhältnissen stehenden, zum Betriebe der Land- und Forstwirtschaft verpflichteten Personen keine Anwendung finden kann. Für alle dies: Personen gelten die Bestimmungen des Z 611 ff des Bürgerlichen Gesetzbuches betreffend den Dicnstvertrag. Natürlich ist die Untersuchung und Konstatierung der Rechtslage nicht Zweck der Broschüre, sie bilden für den Verfasser nur Aus- gangspunlt für eine Mahnung an die Junker, das Recht der Land- arbeiter durch Dienstverträge vollständig illusorisch zu machen. Den Gutsherren wird der Rat erteilt, sie sollten mit jedem Tagelöhner, Deputatisteu usw., der jetzt bei ihnen in Arbeit tritt, „ausdrücklich, und z-var am besten schriftlich, tnindestens aber in Zeugengegenwart, vereinbaren» 1. daß jedem Teil nur einmalige Kündigung, nämlich Ostern zum 24. Oktober zusteht; 2. daß der Tagelöhner usw. auch bei einem Wechsel des Guts- Herrn zur Stelle und in Dienst zu verbleiben hat." Dazu bemerkt die„Mecklenburgische VolkSztg.":„Der jnnker- freundliche Jurist des Schweriner Regierungsblattes hat also heraus- gefühlt, welche Waffe die bewußten Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches in den Händen der Tagelöhner, Deputatisten usw. unter Umständen sein können I Der Gute hat aber doch übersehen, daß fein Ratschlag den Junkern nicht ein radikales Hülfsinittel ist. Denn wenn in den Tagelöhnerkontrakten nicht ausdrücklich die Dauer des Dienst- Verhältnisses bestimmt ist(§ 620 Abf. 2 B. G.-V.), dann hilft die Abmachung über Kündigungsfrist und Wechsel des Gutsherrn nichts. sondern dann tritt§ 621 B. G.-B. in Kraft, wonach die Kündiguugs- zeit gleich ist der, nach welcher die Vergütung bemessen ist! „Es ist nicht zweckmäßig"— für die Gutsherren!— den Tagelöhnern, Deputatisten usw. die rechtlichen Verhältnisse klarzulegen, meinte der Anwalt des Schweriner Regierungsblattes. Zu ihrem Schaden glauben auch nämlich noch die meisten mecklenburgischen Tagelöhner. Deputatisten usw., die Voraussetzungen und Folgerungen, welche die Gesindeordnung für das Gesinde fest- gelegt hat, träfen auch für sie zu. Sie sind nämlich eingeschüchtert durch die Verordnung vom 3. August 1892 betreffend die Bestrafung von Dienstvergehen. In dieser heißt es, daß Dienstboten, Hoftagelöhner usw. bestraft werden, wenn sie„ohne Rechtsgrund" den Dienst verlassen, oder die Arbeit versagen oder niederlegen, den schuldigen Gehorsam ver- weigern oder sich einer groben Ungebühr schuldig machen, oder die Hausordnung in grober Weise verletzen. ES sollte nun aber ein Zlveifel nicht mehr bestehen darüber, daß diese Verordnung höchstens noch für das Gesinde zutrifft! Die mecklenburgifche Verordnung von 1892 betreffend Bestrafung von Dienstvergehen trifft die Tagelöhner und Deputatisten usw. nicht mehr, weil deren Dienstvertrag geregelt ist nach dem Bürger- lichen Gesetzbuch l Reichsrecht geht aber vor Landesrecht! Also darf kein Tage- löhner, Deputatist usw. mehr bestrast werden in Mecklenburg auf Grund der Verordnung von 1892. Diese Zuchtrute kann nur noch angewendet werden gegen das Gesindel Der Jurist des Schweriner RegierungSorganS und Anwalt der mecklenburgischen Junker wußte also ganz genau, warum er es„nicht für zweckmäßig" hielt, auf die Rechtsbestimmungen für die Hostage- löhner, Deputatisten usw. näher einzugehen! WaS er aber im Interesse der Gutsherren fein fürsorglich unterläßt, das sei hiermit zum Nutzen der Tagelöhner, Deputatisten usw. nachgeho? Anprobedame«. Vor dem Gewerbegericht in der Zimmerstraße klagte eine Ver- käuferin in der Vergleichsverhandlnng gegen eine Konfektionsfirma wegen unbcreckttigter Entlassung. Die Klägerin erklärte, ihr Chef habe sie plötzlich entlassen, weil sie ihm angeblich den Gehorsam verweigert habe. Die» fei nicht der Fall. Sie habe sich nur mit Recht geweigert, anznproben und sich von jedem Kunden befühlen zu lassen, da sie laut schriftlichem Kontrakt als Verkäuferin und Lageristin, aber nicht als Konfektioneuse engagiert worden sei. Allerdings habe sie ihrem Chef zugesagt, im Ausnahmefall, wenn einmal„Not am Mann" sei, einzuspringen, doch habe sie dies nur mit deni größten Widerwillen getan, da sie es absolut nicht über sich bringen konnte, selbst wenn sie es gewollt hätte, ihren Körper von den Kunden, unter denen doch immer etliche das Maß des Schicklichen überschritten, be« tasten und befühlen zu lassen. Eine augenblickliche Beschiverde über solche diskreten und deshalb vor dritten schwer festzustellenden Hand- greiflichen Beleidigungen des weiblichen Ehr- und Anstandsgesühls sei nickt tunlich, da der Chef dadurch einen sehr guten Kunden ver- lieren könnte. Ihr Chef habe sich auch stets, wenn sie anprobcn innßte, über ihr„mises Gesicht", das die Kunden abschrecke, auf- gehalten: zun. Animieren der Kunden sei sie aber nicht, dann brauche sie ja bloß Kellnerin zu werden. Sie habe ihren Eltern, als sie ihre Heimal verließ, fest versprochen, anständig zu bleiben: das halte in Berlin sehr schwer, da sie ganz allein stehe. Bis jetzt, so schloß sie unter Tränen, sei sie es geblieben. Sie bat den EulscheidungStermin vor �dem 1. September an- zusetzen, da sie die 105 M. Gehaltsforderung, um die es sich bei der Klage handelt, notwendig brauche. Der Vorsitzende versuchte den Chef zu einem Vergleich zu bewegen, doch umsonst. Der Chef er- klärte, nichts zahlen zu wollen. Der Vorsitzende bestimmte die Spruchsitzung für den gestrigen Tag. Hatte sich das junge Mädchen während der stundenlangen Verhandlungen vor dem Gericht, wenn auch unter Tränen, mit Einsetzung ihrer ganzen Kraft aufrecht er- halten, auf dem Trepvenflur brach sie ohnmächtig zusammen. Hülfs- bereite Hände fingen sie auf und besprengten sie mit Wasser, so daß sie bald wieder p sich kam. In der gestrigen Spruchsitzung, in der der Bevollmächtigte de? Chefs die Angaben des jungen Mädchens im ganzen Umfange bestätigte, wurde der Chef zur Zahlung des ganzen Gehalts verurteilt._ Geringe Besoldung. Daß der Selbsterkenntnis nicht immer die Besserung auf dem Fuße folgt, lehrt das Verhalten der Fuhrwerksberufsgenossenschaft. Wir nahmen schon Gelegenheit, auf die wenig zufriedenstellende Be- Handlung der Angestellten in dieser Berufsgenosscnschast hinzuweisen. Daß sie schlecht bezahlt, damit haben wir der Fuhrwerksberufs- genossenschaft aber gar nichts Neues gesagt. In ihrem letzten Jahresbericht liest man nämlich: Der Umzug des Hauptbureaus von Dresden nach Berlin wurde in der Woche vom 17. bis 22. September 1006 bewirkt, fo daß das Bureau, welches am 15. September 1906 in Dresden ge- schlössen wurde, am 24. September 1903 seinen Betrieb in Berlin in vollem Umfange wieder aufnehmen konnte. Die durch den Stillstand des gesamten VerwalimigSapparates eingetretene Stockung in der Erledigung der Geschäfte wurde in Verhältnis- mäßig kurzer Zeit überwunden, da der Stamm des Beamte»- Personals, dem zum größten Teile seitens der Ber- liner Mitglieder UmzngSentschädigungen be- willigt waren, seinen Dienst wieder nusirahm. Die Stellen von 20 in Dresden verbliebenen Hülfskräften mußten hier neu besetzt werden. Hierbei stellten sich infofern Schwierigkeiten heraus, als es wegen der ver- hältniSmäßig geringen Besoldung nur schwel und meist er st nach wiederholtem Wechsel gelang. geeigneten Ersatz zu beschaffen. Also, man weiß, daß man schlecht bezahlt, aber gibt sich keine Mühe, die Untugend abzulegen. Einfuhr von KuliS. Im Jahresbericht der Landwirtschaftskammer der Probinz West» Preußen werden die Arbeitsverhältnisse besprochen und im Anschluß daran wird mitgeteilt, daß der Gedanke der Einfuhr von Chinesen nicht aufgegeben sei. Bisher wurden höhere Zölle verlangt, damit man bessere Löhne zahlen und die Landwirtschast vor dem Unter- gange retten könne. Nun hat man die erhöhten Zölle, aber die Landwirtschast ist immer noch am Untergehe»— weil man keine höheren Löhne zahlen will. Und um der Notwendigkeit, die Löhne aufzubessern, zu entgehen, sollen nun Kulis den Ruin der Land- Wirtschaft aufhalten. Was wird kommen, wenn man die Kulis hat? F»r oc« IutinW»er Jnicr«,» »nberiiimmt»ie Redntiiv» dem Publituni grqciiiiver teinevlei Berauilvorr»»«. HKearer. Donnerstag, den 29. August. Anfang 71/, Uhr. Kgl. OpernhanS. Samson und Dalila. Kgl. TchauspielhanS. Feenhände. Tentichcs. Das Wintermärchen. Kamm erspiele: Fräulein Julie. (Anfang 8 Uhr.) Auiang 8 Uhr. Neues könial. Operutheater. Wiener Blut. Berliner. Die tanzenden Männchen. Die Slützen der Gesell. (Varl Havcrland. Spezialitäten. IIr»»i». Dn»»e»str»fic IN/49. Abend» 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Tter»i»>me, Jnvaltdenstr. 67/62. Lessing. schalt. Gcklllcr O. sWallner-Theaier.) Der Freischütz. Schiller Eharlottenburg« Götz von Berlichittgen. Neues Schauspielhaus. RafflcS. Neues. Der Dieb. Romische Oper. HofsmannS Er- zählungen. Weste». Die lustige Witwe. LnstspielhnnS. Husarensteder. Zentral. Das Tagebuch einer Ver- loreuen. Meines. Die Stimme der Un- mündigen. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen 7 Trianon. FrSuketn Jofette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs. Uhr< Onkel. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Anfang 8>/, Uhr. Nachmittags 41/, Uhr: Einer muß heiraten. Berlin in Italien. Ver- votene Wege. Metropoi. Der Teufel lacht dazu, sihoNo. Der Hochzeitsgaft. Hpe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Gebr. Herrnfclv. Madame Wig. Wag. ES lebe daS Nachtleben. iviiingr. Bernardi. Spezmliiäien. Winteraarie». Anne Dancrey. «lnnle Dirken». Spezialitäten. Praier. Flotte Weiber. Figaro. Paris.-> Di- Klaue.- Unterm Bett. Rcichshall-n. SteUIner Sänger. Ferdinand llonn» Berliner Theater. Donnerstag, 29. Aug., abends 8 Uhr: vis tairadi ioneto. Detektiv-Komödie in 4 Aufzügen von Ferdinand Bonn. Heines Thealer. Die Stimme der Unmündigen. Anfang 8 Uhr. t:«itag: Bater und Sohn. onnab.: vis Stimm, ilsr Unmllnälgvn Sonntagnachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Sonntagabend 8 Uhr: Tie Stimme der Unmündige» SvMUvr- Sehlller-ThealerO.fiSndiicr.Hjeaier). Morwitz-Oper. Donnerstag, ade» dSSUhr: Populäre Vorstellung b. halb. Preisen: Ver FreiacUiit». Romantische Oper in 3 Alten von Carl Maria von Weber. Freitag, abends 8 Ubri Abschiedsvorft.�lelnrlel, Nittel: Ver 1>onI»ii«Iuur. Sonnabend, abe ii dS 8 U hr: Schluß der Operiifaison. Populäre Borstellung b. dalb. Preisen: FiKar«»>« Hoclmclt. Tlieater. Schiller- Thoater Charlottenburg, Donnerstag, abendS8Uhr Götz von Bcrltehtngen. Schauspiel in 5 Aufzügen von Wolsgang Goethe. Freitag, abend» 3 Uhr: Zum ersten Male: vor Herr Senator. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Götz von Verl Ich inffcn. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Die Inetige Witwe. Operette in 3 Alien v. Franz Lehar. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. 8 Uhr 8 Uhr Dtreltton: Richard Alexander. TounerSiag. 29. Sluguft: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Alien von Maurice Hennequin und Pierre Beber. !.ii!8Bii'M8r Reichenberge» str. 34. Freitag, den 30. August: Eröflrnnnffs.Vor.tellnng. Tnrandot. Sonnabend: Suranbot. Somttag nachm.: Da» Rätsel seiner Ehe. AdendS: Turandot. Montag zum erstenmal: Gebildete Menschen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: [m Lande der Mitternaeiitssonne. Jnvalidenstr. 57—63: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7>/,— 11 U. abds. OOtQCISCHER GARTEN Täglich ab nachm. ö Ihr: Grofios Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pi., Kinder unter| 10 Jahren die Hälfte. Prfibels illerlei-Thealer Schönh. Alle« 148, Saften.•Allee 97/99. AeltcsteS VollSlhcater Berlins. Heute sowie täglich: Das Riesen-Angust-Programm. u. a.: vie Racinglruppe, Kramer- Trio, Max R6e. Gaffron usw. Zum ersten Male: Der Bombardier im Fcner. Im Saale: Grostcr Ball. Ansang 4'/, Uhr. Entte« 3v Ps. Ab 1. September: Iknrl Brunn. Am 5. September Doppel- Benefiz- Vorstellung für Minnlo Russe und Willy Frobel: Der Rand der Sabineriuncn. lentrAl-TMe!'. Täglich 8 Uhr: DaS Tagkliuch tiuer Zlerlorrntn. ÜSeiropolTheaier Anfane 8 Uhr. ä 10 PFg. enthalten alle Nähr- und Geschmack- Stoffe einer guten Fleischsuppe. Man braucht nur mit Wasser zu kochen. Ein Würstchen gibt 3 Teller gehaltreiche Suppe. j Koche mit KKnorru\ Große Jahrosrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. DirittentMax Roth. In Szene gesetzt von Direktor Kichard Schultz. Hauchen überall gestattet. W.KoacUs Theater Dliekliun Hob. Olli. Briliiiieiiilr in- Benefiz für d. Tchauspielpersonal! Nur einmalige Ausführung. 3 Uhr: Das Geisterhaus od.: Das Gespenst um Mitternacht. Ans.«Uhr. Kafjeeküche Z Uhr. Ball. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im Saal Letzte Woche! Das kolossale Augustprogr. U. a. s'i, Mumsti-Bumsti. o'/. Schenk Bros., zwei Berliner Jungen. »- Uhr: 10 llartstein. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Heute: GroBor Elite-Tug! Die Jljfötfrpriuiffpn. Das erstklassige Spezialitäten- Programm. iär. Hopkins. X X Anton Sattler. The Oammann Family. Rosa und Josefa Blazeka, d. zusammengewachsene Zwillingspaar. Kassenerässnuiia 2 Uhr. Ans. 4ll, Uhr. AV Elite Ball.~" Palast-Theater. Burgstrafte 24. Sonnabend, den 31. August. 8 Uhr: Wieclerdexilln der Vorsteilunxen. Gliinzendes Programm. Zum erstenmal in Berlin: Das sMiwnie TMr. DaS Tollste vom Tollen. Vi« 6 SlaruoM. Akrobaten usw. 0�- Entree 50 Pf. cJkakzmSaSpißa Köpeiitckerstrasic Ob, Vor anzeiget Sonnabend, den 31. Augnst: Erölfniinsin- VorMtcIluns: Der Aktienbudiker. GesaNiiSposse von D. K a 1 1 s ch. (Fosesine Dora, Heinz(«ordon, Marie Grimm-Einödshofer usw.) VilHßplen-TlisslU. Bad-Behmstraflo— Bahnhof Gesundbrunnen— Bellermannstraha. Die Veilchenfee. Volksstück m. Gesang in 2 Akten von W. Gcrickc. Musik von Max Schmidt. Hierzu: DaS nene kiM-8pe!iMte!i-?MW. _ Volksbelustigungen. Olga Preiae* beliebige Teil» zahlnng. lacedeen..TÄ Kliimil- mib KiMhiildtttl tion Roberl Meyer,. nur|lliuiiHiimt'$trflOr 2. freie Volksbühne� Sonntagr, den 1. September, nachm. 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 1. Abteilung. Fuhrmann Henschei Sohonspiel in 5 Aufzügen von Gerhart Hauptmann. Künstlerische Leitung: Alfred Halm. Berliner Theater. 19./20. Abteilung. Freiwild Schauspiel in 3 Akten von Artur Schnitzler. Künstlerische Leitung: Adolf Stelnert. Voraussichtlich: IXI* Sd'iC« Friedrich Hebbels Judith. Tragödie in fünf Aufzügen. 14« Kimst-Hbcnd im Rathaus am Freitag, 25. Oktober Imdwlg Thoma. Hpf( I 9<*er Mona,8schriff„Freie VolksbDhne" liegen{ nCH 1 und L von der letzten Augustwoche in allen Zahlstellen aus. 229/15< blennige Zahlstelle Die neuen Mitgliedskarten aU8 abgeholt worden. Umschreibungen müssen acblennlc den in eine andere Zahlstelle können nur noch im August vorgenommen werden. Der Torstsnd. In Vertr.: Q. Winkler. Schweizergarten Am KSnigstor. Am Friedrichshain. Strabcnbahn 1,2,4,17,59, 62, 63 u. 71. T-igltch: Theater-Vorstellung. Nene Spezialitäten. Kinematograph und Ball. Freier Danicntnnz. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. AÄAAAAJhAAdHabmAAdHAAdadbd Passage-Theater, i Jeden Abend 8 Uhr: Artaro Bernardii I und das neue(| » großartige• f August-Programm, j 14 Attraktionen 14. Anne Dancrcy, «h«Irin, Pariser Säng. The 8 Engllnh(»Irl Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Itarowakya, Akrobaten, „Die Bauernjungen im Walde". L.«' Boy Talma n. Ii oh co, Zauberkünstler. Agonet, komischer Jongleur. tieorge B. Beno Company, amerikanische Exzentriks. Annle Dlrkens. Olga Preobrafensky, Prima Balleriniku. M. Legat, Solotänzer v. d, kais. Hofoper in Petersburg. Paplnta, amerikan. Phantasie und Spiegeltänzerin. Kelllno Trnppe, ,In Venedig'. The Hartleys, Sprmger. Oer Biograph. MWMMI B<Ät. Scauffucterftr. 132. Im Garten, Ans. 4'/, Uhr: Das glänzende August-Programm Sperrsitz 50 Ps. Enlree 30 Ps. Jin Theater abends 8'/, Uhr: Der grolle Unbekannte. Sommerpreise. Sanssouci, sträao'e" Direktion Wilhelm Reimer. Bei günstiger Witterung aus der Gartenbühne. Heute sowie jeden Sonntag und Montag: u. Tanzkrltnzchen. Studiosus in der KJemme. Sonntags Beginn 5, wochentags 8 Uhr. Sonuabeud, S. NoCbr., ist Festlichfeilen noch frei Reiehshsiien-Thestel'. Täglich: Dritten als Nute im Familien- bad Wannsee. Ans. Wochcnf. 8, Sonntags 7 Uhr. VarietS-Dsrien WeinbergSwcg 19/20. Roieuth.Tor. Neue Spezialitäten. UM" Drenuiei-te Büren. Ans.: Konzert 5; Borstellung 7 Uhr. OAU- Bei ungünstigem Wetter �forstelluujjjim�hea� Gebr. Herrnfeld- Tlieatcr. 57 Kommandantenstratze Nr. 67. Ansang 8 Uhr. Billettoorverfaus 11—2 Uhr. Täglich: Die Aovftat JfadatneWigWag Operetten-BurleSfe von Anton u. Donat Herrnscld. Musif v. L. Jtal Dazu die Scparee-Affäre 88lLdk ää8 ZMMett! mit den Autoren Anton u. Donat Hcrrnscld in den Hauptrollen. „Das Lied der Liebe" und das „Anekdoten-Couplet" aus der Operetten-Burlesfe„Mad. Wig- Wag" sind im Theater sowie in allen Musikalienhandlg. zu haben. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Ansang 8 Uhr. Sonnabend, den 31. August: FrUffnnngH- Vorntellnng, Die wilde Jagd. sTn v' Ludwig Fulda. Vorher das Erössnungs- Programm. fistbahn-yarh Am KBstrinerplatz, Rfldersdorferstr. 7t Hermann Imbs. Täglich: Qroßes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Braafz* Amerikanischer lUfen- Zirkus _ a la Brockmann. >WU- Am Prenzlauer Tor.-WIA Täglich: Gr. Borstellnng 8'/, Uhr. Auiierdem Sonntags, Feiertags, Milt- wachs u. Sonnabends nachm. 4 Uhr: Extra-Kinder- u. Famlllen-VorstellunB Kaffee— Zneker Warum greift Ketreide alle Lebensmittelpreise steigen rapid. der Handel nieht ein 9 Dm Wlrtsehsnsblld der«*ffenwsrt und der Zakonft l«t zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto Webc� Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volks« ausgäbe. 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 3.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die BroachQrea portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in Wünburg vsr» sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekts. m Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Neue Welt Donnerstag, den 29. August er.: Elite=Tag. Großes Doppel-Konzert Spezialitäten-Vorstellung. Ergtklasalgesi Programm. Unier anderem: Conte Seranos Löwen-Dressuren. t ZKoustsr-7suenverk 1 des Pyroteohnikers Adolf Bock. —— TanzsReunion.—— w„s,/ Entree zum Konzertgarte« 10 Pf. Anfang 5 Uhr.[(g„trec Thcatergarten 50 Pf. Biez' Spezialitäten-Theater. W«• w«» Landaberger Allee 76— 79. Direlt a. d. Ringbabnstation. Beoucmste Fahrgelegenbeit n. allen Stadtricht. Ob GCbvn! Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Ob Begen! SPCP CV Riefen-Lacherfolg."WS 4M AI Landsberger Allee ans Stelzen. � Ike i�eros, IonSenit°fe Heinz Heuer, prolongiert. 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BezirlS, den Kollegen der Firma Rudolph Bauch, dem Mundhannonifa-Verein „Symphonie- und den Mielern des Hauses Bastianstraße 2 meinen lies- gesühllen Dank. 2522b Wwe. dobanna Xcnntann. Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichliger Teilnahme bei der Bestallung unserer lieben Enlschlaseuen, ganz besonders dem Sladlvei ordneten Herrn Gottfried Schulz für die trostreichen Worte am Grabe und den Sängern sagen unseren innigsten Dauf. 2569b Im Namen der Hinterbliebenen _ C. Splllncr. Karl Palt's Verelnsliaus C. 54, Dragonerstrahe 15. Empfiehlt seine von 20—150 Per- sonen sassende Räume zu Sitzungen und Versammlungen. 2486b" Bureaus auch zu vergeben. Alle Manzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt.— FI. 50 Ps. u. 1,00.— Ebenso Schwaben, Russen, Franzosen, Blattläuse usw. Schachtet 50 Ps. 00 Ps. u. 1.00. 56252' — /ahlroiehs Anerkennungen. 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Nichiersotg nachweist. 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Die Beerdigung findet Freitag nachmittags 5 Uhr von der Leichen- halle in Wilmersdorf, Berliner- strahe, aus statt. e Um rege Beteiligung ersucht Der Borftaud. Am 27. August verstarb nach längerem Krankenlager unser Kollege, der Maschinenmeister Max Riedel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 30. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leicheukille i» Wilmersdorf, BerlinerstruM, aus statt.» 2S53b Personal der Bnchdrackerci H. S. Hermana. Deutscher Metallarbeiter-Verband! Verwaltungsstelle Berlin. Todes= Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dah' unser Mitglied, der Former OttoPrixboiwsk�! gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am\ Freitag, den 30. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. PauIS-Kirchhoses in| Plötzensee, Seestrahe, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltun,. I I II Zeatral-FerW der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am 26. August verstarb unser langjähriges Mitglied friedlich Stoewe Bezirk Osten H Im Mer von 61 Jahren an Gehirnerweichung. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Markus- Kirchhofes in Hohenschönhausen- Wiihelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 142/17 Die Berbaudsleitung. Am Montag, den 26. d. M., nachmittags 7 Uhr, verstarb an Karbunkel, Zuckerkrankheit, im Atter von 47 Jahren, mein lieber Bruder, der Schriftsetzer Rodericli fiacnell. Dies zeigt ttesbetrübt an die Schwester 2559b Eäcilie Haenelt. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 30. August, nach» mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zeniral-Friedhoscs in Friedrichsfelde aus statt. rrsler-IIiesler. Kastanien-Allee 7/9. Der Tanzteufe!. Spezialitttten 1. Banges. Austreten der liöwenbrnnt Tllly B£be mit ihren dress. Löwen. Konzert und»all. _ Ansang 4';8 Uhr. CIRCUS NORTON. ß.SMITH Scböneberg, Ecke Haupt- nAkaziensl. TSglich 8 Uhr gr. Borstellung. Austreten deS weltberühmten PferdebändigcrS Prof. Smith Verein Berliner Hausdiener Mitgliedschaft I des Deutich. T ransportarbeiter- Verbandet. Toden-Anzeigc. Unicvcii Milgiicdern Hiermit zur Nachricht, dah der Kollege Georg Schirmer Metzerstrahe, verstorben ist Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 29. August, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes statt. 74/16 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsvertvaltung I. Am Dienstag, den 27. d. M., verstarb unsere liebe Tochter Eis« Minx im Alter von 15 Jahren. Die Beerdigung findet am Freilag, den 30. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Franjeckistr. 4. aus statt. 57922 Die trauernden Eltern und Brüder. Danksagnng. 57932 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnnhme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verwandten, Freunden und Belaiinten, insbesondere den Kollegen der Firma Gebr. Sie» mens u. Co. sowie Herrn Georg Schwankt meinen tiesgesühlten Dank __ Oswald Baabe und Familie fiSgel. �Hygienische -Neuest. Katalog . Einpfehl. viel. Aerzie u.Prof. grat."ff H. Dng». Cnxnmiwtreölakrtk ftariid NW- Friedrichatrass• 91/91 Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. üt. 201. 24.?chM, 2. Keillllje des, Joriniirts" Saliner Polblilntt. 29 Partei- Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Die wissenschaftlichen Vorträge für die Funktionäre des Wahlvereins beginnen am 4. September bei Boeker, Wcberstr. 17, und Freitag, den 6. September bei Graumann, Raunynstr. 27. Durch die beiden Tage in der Woche kann sich jeder Genosse den passenden Tag auswählen. Der Umtausch der Karten erfolgt aber nur auf dem Bureau, Tilsiterstr. 81. Die Vorträge sind für die Teilnehmer unentgeltlich. Der Vorstand. Steglitz. Heute abend 8'/, Uhr: Oeffentliche Versammlung im .Birkenwäldchen", Schützenstraße. Es spricht Redakteur Heinrich Schulz über:.Volksswule und Volksbildung". Die Lehrerschaft das Ortes ist besonders geladen. Lichtenberg. Sonnabend, den 31. August, findet in den Pracht- sälen des Ostens, Frankfurter Allee 151/62, der UnterhaltungSabend der Parteigenossen Lichtenbergs statt. Lichtbilder-Vortrag:.Die Eni- stehung des Menschengeschlechts". Vortragender: Genosse H. Barge. Gemütliches Beisammensein und Tanz. Anfang 8'/z Uhr. Eintritt 20 Pf. Billetts sind bei sämtlichen Bezirksführern zu haben. Zahl- reichen Besuch erwartet Das Komitee. Bernau. Am Sonnabend, den 31. August, findet abends SVj Uhr im Gasthof.Zum goldenen Hirsch", Bürgermeister- straße 225, die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung von Groß-Berlin. 2. Be- ratung des Statuts von Groß-Berlin. 3. Verschiedenes. Zahlreiche Beteiligung erwartet_ Der Vorstand. Berliner JNfaebriebten» Forst Krummcndamm. Beim Verlasien des Bahnhofs Friedrichshagen wenden wir uns links in den Wald, indem wir die Nähe des Fließes zu erreichen suchen, dessen weite Niederung durch die Stämme schimmert. An- fangs ist der Wald parkartig gehalten, dann gewinnt er die Uriprüng- lichkeit des märkischen Kiesernhochwaldes wieder. Wir wandern an der Rabenfteinmühle(Milchausschauk), an den Forsthäusern Neu- und AltkrumMcndamm vorüber und wenden uns dann südöstlich durch den Wald zurück, um nach der Gegend von Rahnsdorf zu gelangen. Wir können dabei den sogenannten Heuweg benutzen oder in dessen Nähe im Walde bleiben. Der feuchte Sommer hat den Pflanzen- wuchs des Waldbodens zu üppiger Entfaltung gebracht. In den Erdbeerkräutern schimmert hier und da noch eine verspätete Frucht, während die großen Brombeerbüsche über und über mit zum Teil noch unreifen Früchten besät sind. Preißel- und Blaubeerenbestände wechseln mit einander ab. Zwischen den blaßrötlichen Kugel- blüten der Graslilie machen sich die gelben Kronen der Habichtskräuter breit und die gelbe Farbe herrscht auch in, übrigen vor, bei Wachtelweizen und Fünffingerkraut.— In der Nähe des Bahnhofs Rahnsdorf kreuzen wir die Bahn, um weiter südlich cnlweder die RabnSdorfer Mühle oder das Forsthaus Müggelsee, beide an der Chaussee von Friedrichshagen nach Erkner gelegen, zu erreichen. Bald sind wir am Nordufcr des herrlichen SeeS, um an diesem entlang nach Friedrichshagen zurückzuwandern. Am sandigen Strande viele Ausflügler, die das in Aussicht stehende Freibad Müggelsee schon jetzt in die Praxis einführen. Das immer etwas unruhige Gewässer wirft dicke, grüne Ballen aus Algen und Laichkräutern ans Ufer. Die leeren Schneckenschalen knirschen unter den Sohlen, während wir angesichts der reizvollen Silhouette der dunklen Müggelberge auf dem anderen User des Sees dahinschreiten, bis die Wasserwerke der Stadt Berlin unserem Wege ein Ziel setzen und uns zwingen, wieder die gepflasterte Straße zu gewinnen. Zu Fuß oder mittelst der Straßenbahn erreichen wir schließlich wieder unseren Ausgangspunkt, den Bahnhof Friedrichshagen. In der gestrigen Sitzung der städtischen Hochhandepittation unter dem Vorsiy des Stadtrats N a m s l a u wurden die Entwürfe und Kostenanschläge fiir fünf offene Rinderhallen und einen Wagen- «chuppen auf dein städtischen Viehhof vorgelegt und nach eingehender Beratung für die Errichtung derselben 27 800 M. bewilligt. An der Serstraße, wo infolge der Zunahme der Bebauung die bisherigen .Schulen nicht mehr ausreichen, soll eine neue 20 klassige Baracken- schule errichtet werden. Der vom Stadtbaumeistcr Straß mann vorgelegte Entwurf und� Kostenanschlag in Höhe von 266 000 M. wurde von der Deputation angenommen. Auch dem Entwurf für den Neubau eines Vierfamiliemvohnhauses für Angestellte und zwei Assistenzärzle der Anstalt in Wuhlgarten wurde zu- gestimmt. Die Kosten dieses Neubaues sind mit 85 000 M. veranschlagt. Geh. Baurat Dr. L. H o f f m a n n legte die Eni- tvürfe sür vier kleine, recht nett in kleinen Modellen aufgeführte lluterkunftshäuschcn vor, die Parkwächtern und LaterncnwäNer» zum Versammeln usiv. dienen sollen und für de» Lützow-Play, Garten«, Lausitzer- und Mariannen-Platz bestimmt sind. Die entworfenen Häuschen fanden den Beifall der Deputation, die auch die Kosten- anschläge genehmigte. Ferner beschäftigte sich die Deputation mit dem Umbau der� Zugwache 12 der Berliner Feuerwehr an der Apostclkirche 9. Die vorgelegten Entwürfe und der Kostenanschlag in Höhe von 32 000 M. wurden angenommen. Außerdem be- schästigte sich die Deputation u. a. noch mit der Renovierung der Aula, der Treppenhäuser und der Korridore der 4. städt. Realschule in der Diestelmeyerslraße. Den Entwürfen und Kostenanschlägen wurde zugestimmt. Neue deutsche Postkarten kommen in diesem Herbste zur A»S- gäbe. Veranlassung zu der Neuausgabe gaben die Beschlüsse des Weltpostkongresses in Rom vom vorigen Jahre, die am 1. Oktober zur Ausführung kommen. Der Kongreß hat unter anderem be- schlössen, daß der Absender in Zukunft über den linken Teil der Vorderseite der Postkarte verfügt. Diese Bestimmung erstreckt sich auf alle Postkarten, nicht nur aus Ansichtskarten. Ihr werden die amt- lichen Formulare für den inneren deutschen Verkehr angepaßt. Es handelt sich demnach um insgesamt sechs„Ganzfachen". Postkarten zu 2 Pf. für den württembergischen Orts- und Nachbar- ortSverkchr, solche zu 6 Pf. fiir den übrigen inneren Verkehr der Neichspost und Württembergs und Karten zu 10 Pf. für den Welt- verkehr nebst den entsprechenden Karten mit Antwort. Der Karton, die Marke und der Vordruck„Postkarte" bleibt derselbe wie bisher. Dagegen fallen bei den inländischen Karten die Worte„An",„in" sowie„Wohnung sStraße und Hansnummer)" weg. Die punk- tierte» Linien für die Aufschrist gehen auf allen Karten links nur über zwei Drittel der Karte, so daß der ver- bleibende linke Teil, abgesehen von dem Wort Postkarte, für den Absender frei bleibt. Er kann außer zu schriftlichen Mitteilungen auch zum Aufdruck von Reklamen usw. benutzt werden. Bei den in- ländischen Karten mit Antwort fällt auch die Bemerkung„Die an- gebogene Karte ist für die Antwort bestimmt" weg. Es heißt ledig- lich„Postkarte mit Antwort" und auf der„angebogenen" Karte „Postkarte Antwort". Ebenso tragen die einfachen deutschen Welt- Postkarten in Zukunft nur noch die Aufschrift Postkarte. Der Vordruck„Weltpostverein, Carts postale, Union postale universelle" und„Nur für die Adrcsie" wird vollständig wegsallen. Nur bei den Antwortkarten für den Weltverkehr ist der französische Text„Osrte postale aveo rsponse payöe union Sostale universelle" und„Carte postale— reponse" geblieben. 8 wird aber dafür eine modernere Schrift als bisher verwendet. Die Bemerkung auf der Antwortkarte„Cötü rbssrvs k ladresse" fehlt jetzt naturgemäß ebenso wie der entsprechende deutsche Text. Die neuen Karten kommen nicht vor dem 1. Oktober zur Ausgabe, aber auch danil erst, wenn die alten Vorräte der betreffenden Sorte aufgebraucht sind. Die Reichsdruckerei ist jetzt mit der Herstellung beschäftigt. Zwei neue Polizeipräsidien in Grosi-Vcrlin. Der Kaiser hat die Polizeidirektionen zu Rixdorf und Schöneberg zu Polizei- Präsidien erhoben und die betreffenden Polizeidircktorcn zu Polizeipräsidenten mit dem Range der Oberregierungsräte ernannt. Die Straßenbahn eröffnet am nächsten Sonntag, den 1. Sep- tcmbcr, außer dem von uns schon angekündigten Gerichtsring 5, eine durchgehende Verbindung von Halensee bis zum äußersten Nordosten von Berlin. Es geschieht dies dadurch, daß die Linie Q Halensce— Stetiincr Bahnhof bis zur Elbingerstraße verlängert wird. Die Verlängerung nimmt ihren Weg durch die Invaliden-, Brunnen-, Lothringer- und Fricdcnstraße, das KönigStor, die Straße Am Friedrichshain und die Kniprodcstraße bis zur Elbinger- straße. Die Linie wird von der Großen Berliner in Gemeinschaft mit der Berlin-Charlottenburgcr Straßenbahn betrieben. Der Fahrpreis für die ganze Strecke der beiden Gesellschaften beträgt wie bisher 15 Pf. Teilstrecken zu 10 Pf. sind künftig Halensce— Paulstraße,� Knie— Stettiner Bahnhof und Gotzkowskystraße— Knip- rodestratze.'— Auf der Schleusenbrücke wird der Bohlenbelag er- neuert. Die Straßenbahn ist deshalb genötigt, in den Nächten zwischen dem 28. und 31. August in der Zeit von 9,30 abends bis 6,30 früh die Linien 17 Moabit— Greifswälderstraße, 63 Weißenplatz— Greifswalderstraße, 60 Weißcnsee— Friedenau, 61 Weitzen- seo— Schöneberg, 80 Schlesischcr Bahnhof— Charlottcnburg und 81 Zcntralvichhof— Charlottenburg umzuleiten. Es ist beabsichtigt, die Linien 17 und 63 nicht durch die Jerusalemerstraße, über den Hausvogteiplatz, die Obenvall-, Jäger- und Werderstraße, über den Schloßplatz und durch die Königstratze zu führen, sondern vom Dönhoffplatz durch die Leipzigerstraße, den Spittelmarkt, die Ger- traudtenstrahe, den Mühlcndamm und Molkenmarkt, die Span- dauer- und Königstratze sowie umgekehrt. Die Limen 60, 61 und 81 gehen nicht durch die Französischestratze, über den Werderschen Markt, die Wcrderstraße, den Schloßplatz und die Königstraße, sondern von der Französischen- durch die Oberwallstratze, Haus- vogteiplatz, Jerusalcmer-, Leipzigcrstraße, Spittelmarkt, Ger- traudtenstraße, Mühlendamm, Molkenmarkt, Spandauerstraße, Königstratze und umgekehrt. Linie 80 macht nicht den Weg Fran- zösischestraße, Werdcrscher Markt, Werderstraße, Schloßplatz, Breite- straße, Köllnischcr Fischmarkt, sondern Französische-, Oberw'allstraße, Hausvogteiplatz, Jerusalemer-, Leipzigcrstratze, Spittelmarkt, Ger- traudtenstraße, Köllnischcr Fischmarkt und umgekehrt. In der Zeit von 6,30 früh bis 9,30 abends wird der Betrieb dieser Linien über die planmäßigen Strecken geführt. „Station Moltkcstraße" wird die neue Haltestelle der Wannsee- bahn, die zwischen dem Bahnhof Steglitz und dem von Groß-Lichter- fclde-Wcst auf Lichterfclde gelegen ist, heißen. Eine eiserne Brücke von 15 Meter Breite soll über die Straße, nach der die Station den Namen trägt, geführt werden. Das eigentliche Bahnhofsgebäude soll an der Westseite des Geländes erbaut werden. Die Königliche Eisenbahn hat bereits den Bauplan ausgearbeitet, welcher dem- nächst den beteiligten Vorortsgemeinden zugeht, die ihn dann, den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, öffentlich auszulegen und etwaige Einsprüche entgegenzunehmen haben. Vergebliche Umschau nach einem Schutzniann hielten Straßen- Passanten am Sonnlag früh, als sie von einem Vergnügen beim- kehrend vor dem Hause Skalitzerstr. 27 von sechs Rowdys überfallen wurden. Die Mißhandellen begaben sich, wie aus einer Zuschrift hervorgeht, nach dem Polizeirevier am Lausitzerplatz, wo ihnen ein Schutzmann zur Verfolgung der Rowdys mitgegeben wurde. Doch als sie an die Ecke der Skalitzerstraße kamen und die Angreifer noch zu sehen waren, soll der Beamte erklärt haben, daß er sich schon über der Grenze seines Reviers befände und deshalb nichts unter- nehmen könnte. Den Uebersallenen gelang es auch nicht, einen wandelnden Schutzmann des anderen Reviers anzutreffen. Indessen waren natürlich die Verfolgten ihren Augen ent- schwundcn. Wir können nicht annehmen, daß die Grenzen der Tätigkeit für einen Beamten so eng gosteckt sind. Wenn, wie hier angegeben. die Rowdys in des Beamten nächster Nähe waren, so wäre es doch sicher kein Verstoß gegen die Disziplin gewesen, wenn derselbe auch in einem anderen Revier die Burschen festgestellt hätte. Uns ist zwar bekannt, daß ein Berliner Schutzmann an der Rixdorfer Grenze so leicht niemand arretiert; daß dieser Modus aber in Berlin sür die einzelnen Polizeireviere Anwendung findet, ist uns nicht recht erklärlich. Wir halten es für selbstverständlich, daß Beamte nicht wegen jeder Lappalie in ein fremdes Revier geholt werden können, indes um eine solche handelt es sich hier nicht. Der Beamte war nach unserer Meinung verpflichtet, den gefährlichen Burschen nachzugehen und sie dingfest zu machen. Ein schwerer Strasienbnhnunfall ereignete sich Dienstag mittag auf dem Wittenbcrgplatz. Dort versuchte gegen 12 Uhr die Frau des in der Hardenbcrgstratze 20 wohnenden Fabrikbesitzers Bcndix einen vorbeifahrenden Straßenbahnwagen der Linie A(Richtung tzuirdekehle) zu besteigen, glitt vom Trittbrett ab und stürzte so un- glücklich, daß sie unter den Vorderperron des Anhängewagens zu liegen kam. Frau B. erlitt einen Bruch des linken Oberschenkels und einige leichtere Kontusionen. Sic wurde, nachdem ihr durch einen in der Nähe wohnenden Arzt ein Nowerband angelegt worden war, nach ihrer Wohnung übergeführt. Durch Herabstürzen aus dem Fenster sind am Dicnstagfrüh zwei Kinder verunglückt. In dem Hause Proskauerstratze 12 hatte die in der dritten Etage wohnhafte Ehefrau des Arbeiters Veclmy, während sie Einkäufe besorgte, ihr drei Jahre altes Söhnchen allein in der Wohi.ung gelassen. Das Kind erhob sich von seinem Bett- chen, kletterte auf die Fensterbrüstung, bog sich zu weit nach vorn und stürzte in die Tiefe. Ein Hausbewohner trug den Kleinen nach der Unfallstation in der Watschauerstraße, wo der Arzt aber nur leichte äußere Verletzungen feststellen konnte. Trotz der be- trächtlichen Höhe war das Kind noch glücklich davongekommen.— Schwerere Folgen hatte ein ähnlicher Unfall in der Uckermarkstraßc. Die fünfjährige Tochter des Mechanikers Stermcr hatte vom offenen Fenster aus dem Spiel der Kinder auf dem Hofe zugeschaut. Sie verlor dabei plötzlich das Gleichgewicht und stürzte in den Hof hinab. Der linke Arm wurde dem Mädchen gebrochen und an- scheinend hat es auch innere Verletzungen davongetragen, sodatz es nach einem Krankenhause gebracht werden mutzte. Ein seltsames Zlttentat in einem Straßenbahnwagen ist vor- gestern am Antonplah verübt worden. Am Alexanderplatz hatte ein Weißenseer Bürger einen Straßenbahnwagen bestiegen, um nach Wcißensee zu fahren. Der Wagen wurde fortwährend von einem Automobil verfolgt, dessen Insasse ebenfalls ein Weißenseer war. Am Antonplatz sprang der Automobilist plötzlich aus dem Krastwagen heraus, betrat den Straßenbahnwagen und eilte in das Innere. Ohne ein Wort zu wechseln, fiel er über den dort ahnungs- los sitzenden Bürger her und mißhandelte ihn. Schaffner und Wagenführer mußten den Attentäter schließlich gewaltsam vom Wagen herunterbringen. Bevor man ihn feststellen konnte, war er auf sein Auto hinaufgesprungen und davongerast. Vermutlich hat es sich um einen Racheakt gehandelt. Die Stadtbahnfleddercr treiben gegenwärtig trotz der scharfen Kontrolle wieder ihr Wesen. So wurde vorgestern ein Handels-; mann B. aus der Hoppestraße in einem Stadtbahnabteil um seine � Barschaft von 250 M. erleichtert. Er hatte von der Station Westend aus einen Nordringzug benutzt, um nach dem Gesundbrunnen zu fahren, war jedoch eingeschlafen, und als er auf dem Bahnhof Wcißensee erwachte, mußte er die unanaenehme Entdeckung machen,! daß ihm aus der linken Hosentasche das Portemonnaie mit 250 Mark Inhalt gestohlen worden war. A» der Westseite des Humboldthafens wird jetzt ein Sibuppen von 104 Meter Länge und 25 Meter Tiefe erbaut, der zum Lagern von Mehl usw. diene» soll. Die Grundfläche dieses„Speichers" be- irägl 2600 Quadratmeter. Er geht jetzt seiner Vollendung entgegen. Zur schnellen Ent- und Beladung der anlegenden Kähne sollen zwei elektrisch betriebene Krane aufgestellt werden. Der Speicher ist nur einstöckig und besteht in der Hauptsache aus einem eiiernen Gerippe mit einem Dache und den vier Wänden aus Stein. Die Kosten sind mit 190 000 M. veranschlagt. Im Sportpark Treptow findet am kommenden Sonntag ein erst« klassiges Fliegerrennen mit internationaler Besetzung und darauf ein Stundenreuneu mit großen Motoren statt. In einer öffentlichen Versammlung der Straßenhändler und -Händlerinnen soll morgen abend das gewählte Komitee in Sachen des Staatsanwalts Dr. Lehmann Bericht erstatten. Der Arbeiter-Stenographenbund, Mitgliedschaft Berlin, teilt uns bezugnehmend auf die gestrige Notiz mit, daß der Unterricht heute bei Grapentin, Skalitzerstraße 102 und bei Joseph Schmidt, Belle-Alliancestraße 74 a. Ecke Bergmannstraße, beginnt. Die Unterrichtsdauer beträgt 10 Stunden und ist unentgeltlich. Die Lehrmittel werden gegen Zahlung von 2 M. geliefert. Fcurrwchrbericht. In der letzten Nacht hatte die Wehr an drei Stellen Kellerbrände zu löschen. In der Lottumstr. 6 und Schützen- straße 42 brannten Kohlen und in der Wriezenerstr. 13 Späne u. a. Ferner hatte die Feuerwehr in der Köppenstr. 49 zu tun, wo Schal- decken. Ballen u. a. brannten. Außerdem liefen noch Alarme aus der Alten Jakobstr. 139 und anderen Stellen ein. Vorort- JSachricbten. Wilmersdorf. Die Liste der stimmfähigen Bürger der Stadtgemeinde Deutsch- Wilmersdorf wird in der Zeit vom 1. bis einschließlich 15. September an den Wochentagen von vormittags 8 Ubr bis nach- mittags 2 Uhr und an den Sonntagen von vormittags 9 bis 12 Uhr in der Melde- und Wahlabteilung. Lauenburger- straße 19, parterre rechts, zur Einsicht öffentlich ausliegen. Ein- spräche gegen die Richtigkeit der Wählerliste sind während der Dauer der Auslegung der letzteren bei dem Magistrat zu erheben. Die Gesamtsumme aller für die Abteilungsbildung zusammengetragenen Steuern beträgt 2 809 752,09 M. Nach den hierdurch bewirkten Fest- stellungen der drei Abteilungen gehören zur 1. Abteilung diejenigen Wähler, welche mindestens einen Steuerbetrag von 1398,30 Mark zahlen. Die 2. Abteilung beginnt mit dem Steuerbetrage von 1397,40 Mark ab, während die 3. Abteilung mit dem Steuerbetrage von 248 Marl anfängt. Schönebcrg. Bon einem Bären angefallen wurde am Dienstag im ZirkuS Norton B. Smith der Tierbändiger Havermann. Der Schwer- verwundete mußte in ein Sanatorium gebracht werden. Lichtenberg. Ein„schwerer" Diebstahl wurde in der vorgestrigen Nacht in der Auguftstratze verübt. Dort hatte der Nadlcrmeifter Fiedler aus der Andreasstr. 38, der für die Stadt Berlin den zwischen Friedrichsfelde und Lichtenberg befindlichen Rieselgraben zu umzäunen hat, mehrere Rollen Draht gelagert, die ein Gewicht von zirka acht Zentner hatten. Als gestern früh die UmzännungSarbeiten aufgenommen werden sollten, war das wertvolle Material verschwunden. Zur Fortschaffung der Beute müssen sich die Diebe natürlich eines Fuhr- werk« bedient haben. Anscheinend ist der gestohlene Draht noch w der Nacht nach Berlin transportiert worden. Nieder-Schönhausen. Die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvereins nahm zunächst eine Rezitation des Genossen Stripp über„Ludwig Anzengruber" mit lebhaftem Beifall entgegen. Am 3. September findet eine öffent- liche Versammlung statt, in der Genosse Freiwaldt vom inter- nationalen Kongreß Bericht erstattet. Die neugegründete Bibliothek umsaßt 98 Bände und steht von jetzt ab den Genossen zur Ver- fügung. Die Bücherausgabe erfolgt durch den Genossen Paetzold, Eichenftr. 70. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende die Genossen, sich an der am Sonntag stattfindenden Handzettelverteilung recht zahlreich zu beteiligen. Pankow. Als Amtsausschuß gab die Gemeindevertretung ihre Zustimmung zu dem Entwurf einer Polizeiverordnung sür den neu eröffneten Bürgerpark. Nach der Verordnung ist der Park in der Zeit von morgens 6 Uhr bis abends 11 Uhr geöffnet. An Sonntagen müssen diejenigen Besucher, welche Kinderwagen führen, eine diesbezügliche Erlaubnis des Nmtsvorstandes Pankow vorzeigen. Die letztere Bestimmung wird zweifellos zu Unzuträglichkeiten führen, indem alle diejenigen Familien, welche von Berlin kommen, nicht im Besitze von Legitimationskarten gelangen, auch dürfte es manchem Bürger Pankows zu umständlich sein, sich eine LegitimationSkarte zu beschaffen. Des weiteren wurde Klage geführt, daß die sogenannten Polizeihunde auch„außerdienst- lich" mit den Polizcibcamten in Zitzil ohne Maulkorb im Park herumlaufen; da diese Köter nicht die gewünschte Disziplin haben, so werden die Kinder in Angst versetzt. waS bereits zu Unzuträglich- leiten geführt hat. Der Amtsvorsteher versprach Abhülfe, wonach den Polizeihunden in diesem Falle keine Aiisnahmestellung ein- geräumt werden soll. Potsdam. Unfall eines MalcrS. Gestern mittag gegen 2 Uhr fiel beim Anstreichen der Eleklrizitätsmaste ein Maler an der Ecke der Hohen- zollern- und Charlottenstraße herab und zog sich einen komplizierten Armbruch zu. Nachdem ein herbeigeholter Arzt einen Notverband angelegt halte, wurde der Verletzte mittels Krankenwagens in das städtische Krankenhaus übergeführt. Tegel. Die Gemeindevertretung mußte gestern erneut zusammen» treten, um wiederum über den Vertrag betreffs des Tegeler Hafen- baues und-Betriebes zwischen Gemeinde und Kreis zu verhandeln. Die Vertretung war ab�r nur gerade beschlußfähig. Der Vorsitzende berichtete, daß der Kreislandrat nicht in allen Punkten mit dem Vertrage in der von der Gemeindcvertretung�am Donnerstag bc- schlossenen Form einverstanden gewesen sei. So wäre er bezüglich der Verunreinigung nur gewillt, für 10 Meter Breite die eventuelle Reinigungspflicht anzuerkennen. Der Landrat glaube, daß ein Fall, wie er von der Gemeindevertretung befürchtet werde, über- Haupt nicht vorkomnie. Da dies auch Meinung der Gemeinde- Vertretung ist. diese sich aber nur für alle Fälle sichern wollte, so stimmten die Gemeindevcrtreter der neuen Fassung ohne weiteres zu. Bezüglich der Berufungsinstanz ist der Kreislandrat seiner- seits der Meinung, daß als solche auch das im Vertrage vorgesehene Schiedsgericht genüge, das in anderen Streitigkeiten im Vertrage vorgesehen ist. Auch dem wurde zugestimmt, um so mehr als in> diesem Schiedsgericht auch Sachverständigenvertreter der Ge- mcindc Tegel sitzen werden. Ter letzte strittige Punkt war die Frage der Lieferung von elektrischer Betriebstraft. Es ist nämlich der Kreis gewillt, eventuell die ganze Bahn zu elektrisieren, st würde dann oder sein eigenes Elektrizitätswerk Häven und so selbst Kraft liefern. Für diesen Fall würde ihm eine Verpflichtung, nur dom Tegeler Gemeindewerk 5kraft zu beziehen, nur hinderlich sein. Darum ist für den Vertrag, nach dem es Pflicht ist, insoweit inner- halb der Tegeler Gemarkung elektrische Kraft nötig wird, diese von der Gemeinde Tegel zu beziehen, wenn die Gemeinde zu denselben Bedingungen, unter denen von anderer Seite Kraft angeboten ist, die Lieferung übernimmt. Falls aber der Kreis selbst ein Elektrizi- tätswcrk baut, darf die Gemeinde nichts dagegen einwenden. Auch dieser Punkt wurde nach kurzer, erläuternder Debatte angenommen. Da nun kein Widerspruch mehr vorlag, wurde der ganze Vertrag vom Vorsitzenden für angenommen erklärt. Die Einquartierung beschäftigte dann noch kurze Zeit die Gemeindevertretung. Genosse Lichtenberg stellte nämlich an den Vorsitzenden die Frage, wie es möglich sei, daß Leute, die nur Stube und Küche hätten, Einquartierung nehmen müßten. Der Vorsitzende, Gemeindevorsteher Weigert, bat, daß ihm jeder Fall, der zu Beschwerden Anlaß gebe, auf dem Wege schriftlicher Eingabe zugefertigt würde. Es würde dann untersucht werden, ob die Beschwerde berechtigt sei und wenn erforderlich, von der Einquartierungskommission Abhülfe geschaffen werden. Voraus- fichtlich handele es sich bei dem vom Gemeindevertreter Lichtenberg erwähnten Fall um einen Einzelfall, der bereits zu Untersuchungen Anlaß gegeben habe. Dort sei der Betreffende, statt schriftlich ein- zukonimen, zum.Vorwärts" gegangen. Wie festgestellt sei, habe aber nur Einquartierung erhalten, weil er sich, obwohl er Fabrikarbeiter ist, als„Werkmeister" angemeldet habe. Im übrigen meinte der Gemeindevorsteher, sei die Einquartierung gar nicht fcüche der Gemeindevertretung, sondern einfache Verwaltungssache auf Grund bestehender Gesetze. Genosse Lichtenberg bestritt zu- -rächst, daß er den erwähnten Einzelfall im Auge hatte, es seien vas andere Fälle. Er sei aber entgegen der Meinung des Vorsitzen- den der Ansicht, daß die Einquartierung, da sie sich als Gemeinde- bclastung darstelle, sehr wohl die Gemeindevertretung beschäftigen könne. Ihm wurde vom Vorsitzenden erwidert, daß bisher noch n cmalS Schwierigkeiten entstanden seien. Es genügten ja auch nur ein paar Zeilen an das Gemeindeamt. Es gäbe aber leider Leute, die prinzipiell mit der Gemeindebehörde, wie überhaupt mit einer Behörde nichts zu tun haben wollten. Die ganze Sache sei eigentlich anders. Die jetzigen Beschwerdeführer dürften gar nicht wehr berücksichtigt werden. Sie hätten, als der Einquartierungs- katastcr auslag, sich nicht darum gekümmert. Man müsse eben nicht bloß die Reichstags- und Gemcindewählerlisten einsehen. Wenn die Liste ausläge, dann könne jeder Einwohner daraus ersehen, was er an Einquartierung im Laufe des Jahres erhalten könne, um dann dagegen eventuell Einspruch zu erheben. In der Tat seien einige, etwa elf, Einsprüche erfolgt und überall sei die Ein- quartierungSliste abgeändert worden. Damit war die Sitzung be- endet. 6ericht9- Zeitung. E ne geriebene WrchselfallenschN'indlerin, oie sich die Zentralmarkthalle als Arbeitsfeld ausgesucht hatte. mußte sich gestern in der Person der Frau Louise Äahll vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I wegen versuchten und bollendeten Betrugs im strafschärfenden Rückfalle verantworten. Die Angeklagte ist die Ehefrau eines in der Koloniestraße wohn- haften Schneidermeisters, der in guten Vermögensverhältnifsen lebt und für seine Familie in ausreichendster Weise sorgt. Schon vor Eingehung dieser Ehe ist die B. zweimal wegen Betruges mit längeren Freiheitsstrafen bestraft worden, und zwar hatte sie da- mals ebenfalls mit der„Wechselfalle" gearbeitet, indem sie bei ihren Einkäufen in geschickter Weife das von ihr in Zahlung gc- gebene Geldstück verschwinden ließ, zugleich aber auch das heraus- gegebene Wechselgeld einstrich.— Am 11. Mai d. I., kurz vor Schluß der Zentralmarkthalle am Alexanderplatz, als gerade an den einzelnen Verkaufsständen ein großes Gedränge herrschte, erschien vor dem Stand des Schlächtermeisters Budczislawski eine besser gekleidete Frau und kaufte Flcischwarcn im Betrage von 90 Pf. Budczislawski gab ihr zwei Zweimarkstücke und ein Zehnpfennig- stück heraus und wandte sich sofort einer anderen Käuferin zu. Plötzlich wurde er von der Frau zurückgerufen, die ihm erklärte, sie habe ein Fünfmarkstück in Zahlung gegeben und nicht einen Taler, da ihr B. nur 2,19 M. herausgegeben habe. Als B. der Frau sagte, er wisse genau, daß er zwei Zweimarkstücke heraus- gegeben habe, tat diese sehr empört über eine derartige Zumutung und wies ein leeres Portemonnaie vor. Im Tone höchster Eni- rüstung erklärte sie dem Schlächtermeister, ihr Mann sei Schneider- meister und habe sein gutes Einkommen, so daß sie„so etwas" nicht nötig habe. Wenn er bei seiner Behauptung bleibe, so würde sie ihn verklagen. Da B. mit der Möglichkeit rechnete, daß irgend einer der Umstehenden sich vielleicht das Geldstück angeeignet haben könnte, zahlte er der Frau, um jeden Skandal zu vermeiden, noch- mals zwei Mark. Nach wenigen Minuten trat eine Dame an den Verkaufsstand des Schlächtermeisters heran und teilte ihm mit, daß jene Frau bei einem anderen Flcischermeister denselben Trick soeben mit Erfolg angewendet habe. B. folgte sofort der Frau und erwischte sie gerade in dem Augenblick, als sie vor einem dritten Vcrkaufsstand das Schwindelmanöver probierte. Die Ver- käuferin Finger hatte jedock die Gaunerin beobachtet und gesehen, wie sie das Geldstück in einer Geheimtasche in ihrem Umhang ver- schwinden ließ. Die Schwindlerin wurde von B. festgehalten, bis ein Schutzmann herbeigerufen worden war. Auf der Polizeiwache entpuppte sich die Festgenommene als die jetzige Angeklagte B a h l l. Bei einer Visitation wurden zwölf Zweimarkstücke bei ihr vor- gefunden, so daß die Vermutung nahe liegt, daß sie die Wechsel- falle auch an mehreren anderen Stellen angcwenoet hatte. Außer- dem wurden bei ihr mehrere leere Portemonnaies vorgefunden. Vor Gericht war die Angeklagte geständig. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von einem Jahre, da man es an- scheinend mit einer gewerbsmäßigen und höchst gefährlichen Schwindlerin zu tun habe. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis sowie 3 Jahre Ehrverlust. Der Antrag des Staatsanwalts, die Angeklagte mit Rücksicht auf die Höhe der er- kannten Strafe wegen Fluchtverdachts sofort in Hast zu nehmen, wurde von der Ferienstrafkammer abgelehnt. Eine empfindliche Nieberlage erlitt die Staatsanwaltschaft des Landgerichts Potsdam in der Strafsache gegen die Weißgerber Otto Kettner und Genossen aus Brandenburg. Die Angeklagten waren des Vergehens gegen Z 153 der Gewerbeordnung beschul- digt. Sie sollten zwei Nichtorganisierte Arbeiter durch Droh- un gen veranlaßt haben, ihrer Organisation beizutreten. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht rn Brandenburg hatte bereits mit der Freisprechung der Angeklagten geendet. Das Schöffen- gericht konnte einen die Anwendung des 8 153 der Gewerbeordnung rechtfertigenden Tatbestand nicht feststellen. Gegen dieses Urteil hatte trotzdem die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Potsdam Berufung eingelegt und der Erste Staatsanwalt vertrat selbst die Anklage. Im Laufe der Verhandlung änhxrte die Staatsanwalt- schaft vollständig die Basis ihrer Anklage. Während sie zunächst behauptet hatte, die Angeklagten hätten sich gegen ihr« Arbeits- genossen vergangen, um sie zum Eintritt in ihre Organisation zu zwingen, behauptete sie nunmehr, sie hätten sich gegen ihren Arbeitgeber des Vergehens gegen 8 153 der Gewerbeordnung schuldig gemacht. Der Staatsanwalt beantragte gegen jeden der sieben Angeklagten eine Gefängnisstrafe von je« Wochen, während der Vertreter der Anklagcbehörde vor dem Schöffengericht nur je drei Tage in Antrag gebracht hatte, und zwar für die einfache Tat der Angeklagten, daß sie ihrem Arbeitgeber in ruhigem und sachlichem Tone erklärt hatten, sie würden mit dem mit ihnen in Feindschaft lebenden Weißgcrber Richter, dessen Aufnahme inNhrer Organisation sie abgelehnt hatten, nicht länger zu�animenarbeiten. Die Verteidigung, die Dr. Engel führte, machte in Ucbcr- einstimmung mit den Ausführungen der Staatsanivaltschaft zu- tiächft geltend, daß bei allen wirtschaftlichen Kämpfen den Ge- schädigten menschliches Mitleid nicht versagt werden könne, daß aber sehr oft auch die Arbeiter die Bemitleidenswerten waren. Er wies gegenüber der Behauptung des Ersten Staatsanwalts darauf hin, daß auch Arbcitgeberkoalilionen wiederholt Arbeitgeber, die sich ihren Ringen nicht anschlössen, wirtschaftlich vernichtet hätten. Die Denkschrift über das Kartellwesen, die dem Reichs- tage zugegangen wäre, habe darüber deutlich Aufschluß gegeben. Die Staatsanwaltschaft habe aber in diesem Verfahren au'ch nicht folgerichtig gehandelt, denn vierzig Arbeiter hätten die Arbeit niedergelegt und nur sieben wären angeklagt worden. Ent- weder sei die Anklage gegen alle begründet, dann hätten auch alle Arbeiter angeklagt werden müssen, oder sie sei es gegen keinen. In rechtlicher Beziehung sei die Anklage nicht zu halten, denn 8 153 der Gewerbeordnung könne immer nur Anwendung finden, wenn auf Genossen derselben Kampf feite eingewirkt würde, also von Arbeitnehmern auf Arbeitnehmer und von Arbeitgebern auf Arbeitgeber, niemals aber bei einer Einwirkung von Arbeit- nehmern auf Arbeitgeber und umgekehrt. Eine andere Auslegung sei durchaus unzulässig und würde das im§ 152 der Gewerbe- ordnung gewährleistete Streikrecht vernichten; sie sei auch sinn- und sprachwidrig. Das Gericht schloß sich diesen rechtlichen Ausführungen der Verteidigung an und erkannte gegen sämtliche Angeklagte auf Freisprechung._ Der„arme" Bonner Studio! Man berichtet uns aus Leipzig: Vom Landgerichte Bonn ist am 24. Mai der Student Wilhelm Orth e n wegen Hehlerei zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die wegen Diebstahls ver- urteilte Mitangeklagte R a u b a ch war Kammerjungfer bei einer Frau v. M.. welche sehr wohlhabend war. Orthen, der mit der Raubach ein Liebesverhältnis unterhielt, war häufig in Geld- Verlegenheit und verschmähte es nicht, im ganzen 359 M. von seinem „Verhältnis" als Unterstützung anzunehmen. Die R. hat ihrer Herr- sibast 259 M. und einem Professor, bei dem sie zu anderer Zeit diente, 199 M. entwendet. Das Gericht hat festgestellt, daß Orthen, der erst katholische Theologie und später Rechtswissenschaft studiert hat, annehmen mußte, daß die R. daS Geld, das sie ihm in Beträgen von zweimal 199 und dreimal 59 M. übergab, gestohlen war.— In seiner Revision führte Orthen aus: Den einen Betrag von 59 M. hatte Frau v. M. der Rambach für die Armen gegeben, wie festgestellt ist. Wenn sie das Geld dem— armen Angeklagten gab, so handelte sie nicht rechtswidrig III Es liegt darin weder Diebstahl, noch Unterschlagung, da der R. das Bewußt- sein der Rechtswidrigkeit fehlte.— Das Reichsgericht hob das Urteil, soweit eS Orthen betrifft, auf und verwies die Sache an das Land- gericht K o b lenz. Die Aufhebung erfolgte, weil nicht festgestellt ist, ob die Raubach die 59 M. für die Armen gestohlen oder unterschlagen hat. Auch die übrigen Feststellungen erschienen unklar._ Aus einem Waiscnhausr. Göttingen, 27. August. sEig. Ber.) Wegen„fahr- lässiger Körperverletzung" hatte sich vor dem Schöffen- gericht die Jnspektorin des hiesigen Waisenhauses, Frau Katharina Bosse, zu verantivorteu. Vor mehreren Jahren wurde die jetzt 11 Jahre alte Else Scebode, deren Vater damals ermordet worden war, im Waiseuhause untergebracht. Else kehrte dort gegen die Jnspektorin ein„ungehorsanies und lügnerisches Wesen" heraus, indem sie trotz des Verbotes der Frau Bosse nach Schulschluß wiederholt zu ihrer Mutter sl), die mit dem Installateur Stern eine neue Ehe eingegangen war, hinlief, sich dort, weil das Waisenhausessen angeblich in Beschaffenheit und Menge zu wünschen übrig ließ, Nahrung erbat und dann der Anstaltsmutter über ihr längeres Ausbleiben schwindelhafte Angaben machte. Am 14. Mai will Elie wieder ein- mal durch Hunger zu ihrer Muller hingetricbeu worden sein, weil sie die„sauer gewordene" Leberwurst aus dem Waiienhause in der Schule nicht habe hernnlerbckommen können. Frau Bosse sperrte sie zur Strafe dafür zunächst in einen alten Kamin der Anstalt ein und bedrohte sie dann, nachdem sie dieses Gefängnis wieder ge- öffnet, mit Stockprügel. Else flüchtete, ritz dabei drei Stühle um, und als Frau B. mit dem Rohrstock nachsetzte, warf sie sich nieder und strampelte zur Abwehr mit den Füßen. Durch diese Widerspenstigkeit gereizt, prügelte Frau Bosse au die nur leicht bekleidete Kleine ohne jede Rücksicht so derb los, daß der Körper der Geschlagenen allenthalben zahlreich e dicke, blutunterlaufene Striemen auf- wies; auch unter dem linken Auge fand sich eine Strieme. Der Vormund des Kindes stellte Strafautrag gegen Frau Bosse und be- zeichnete in der Heuligen Verhandlung jene Züchtigung als eine „brutale Mißhandlung",' wie er sie sich kaum gegen seinen Hund erlauben würde. Der Waisenhausvorsteher, Abt Pro- fessor D. theol. Knoke, faßt die Sache milder aus und meint,„eine körperliche Züchtigung, die keine sichtbaren Spuren hinter- lasse, existiere überhaupt nicht." Der Klassenlehrer der Else, Asch off, bemerkt, ebenso wie der R e k t o r T e ck l e n b u r g, daß er„so nicht strafen würde", und meint, daß die Else, seitdem sie sich nicht mehr im Waisenhanse befinde, anders geworden sei. Der Sachverständige Dr. med. Schade hält die Züchtigung für eine„außergewöhnliche", besonders bei einem Mädchen. Das Gericht berücksichtigt als strafmildernd, daß die Angeklagte sich gereizt fühlte und daß nachteilige Folgen für die Gesundheit des Kindes nicht zurückgebliebe» sind, betont aber, daß sie„erheblich" das ihr zu- stehende Züchtigungsrecht überschritten hat. Das Urteil lautet auf vierzig Mark Geld st rufe. Die unliebsame Kritik im Gerichtssaale. Man schreibt uns aus Dresden: Anläßlich der Verhandlung gegen den Arbeiter Otto Adolf Breuer spielte sich vor dem Dresdener Schöffengericht eine Szene ab, deren Entstehung und einzelne Details für die Stellung, welche Polizei und Gericht sich in unserem gegen- wältigen Staatswesen selbst zuweisen, geradezu charakteristisch ge- nannt zu werden verdienen. Der Angeklagte hatte eine Straf- Verfügung über drei Tage Haft wegen groben Unfugs erhalten. gegen die er gerichiliche Entscheidung beantragte. Er beschimpfte am 39. Mai auf der Wettinerstraße seine ehemalige Logiswirtin und soll dadurch einen Menschenauflauf verursacht haben. Der An- geklagte behauptet nun unwidcrlegt, er sei unschuldig zu einer zehn- monatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, habe diese Strafe ver- büßt und im Wiederaufnahmeverfahren wurde er freigesprochen, Schuld daran, daß er zehn Monate im Gefängnis sitzen mußte, fei die Frau gewesen. Wenn er sie nun treffe, könne er sich vor Wut nicht halten und schimpfe sie. So wqr eS auch am 39. Mai. Nachdem er aber der Frau gegenüber seinem Unwillen Luft gemacht, sei deren Ehe- mann auf ihn zugetreten und habe ihn zur Rede gestellt. Er er- klärte sich nun bereit, seinen Namen feststellen zu lassen und ging dem Ehepaar voraus auf einen Schutzmann zu, diesem sagend: „Diese Frau wünscht meinen Namen feststellen zu lassen, weil ich sie beschimpft habe." Es hatten sich mehrere Leute angesammelt, weil die Frau bei dem Gange zum Schutzmann ihm Zuchthäusler usw. nachrief— so behauptet er wenigstens. Der Schutzmann wurde als Zeuge vernommen und erzählte, die Frau sei zuerst auf ihn zu- getreten und habe ihm den Vorfall angezeigt. Der Angeklagte stellte dies richtig und sagte, er sei zuerst zu ihm gekommen und habe ihn um Feststellung seines Namens ersucht; er sei v o r der Frau hergegangen. Da der Schutzmann dies ausdrücklich verneinte und feine crftcre Behauptung aufrecht erhielt, ja sogar hinzufügte, der Angeklagte sei hinter der Frau hergekommen, bezeichnet dies der Angeklagte als eine„Lüge". Er wird vom Vorsitzenden verwarnt, daß er dies nicht sagen dürfe. Da er diesen Vorwurf abermals gegen den Schutzmann erhebt, erhält er einen Tag Hast wegen „Ungebühr bor Gericht". Kaum zwei Minuten daraus wird durch die Vernehmung der Frau, die gegen den Angeklagten als Be- lastungszeugin aiiftritt, zweifellos festgestellt, daß der Schutzmann tatsächlich die Unwahrheit gesagt hat. Trotz noch- maligen Befragens bestätigt sie die Angabe des Angeklagten, daß dieser zuerst an den Schutzmann heran- getreten sei und sich zur Feststellung seines Namens zur Verfügung gestellt habe; sie sei hinter ihm hergegangen. Die Verhandlung selbst wird vertagt und beschlossen, nun doch einen vordem ab- gelehnten Zeugen zu vernehmen. Da nochmals auf die Strafe für die„Ungebühr vor Gericht" zurückgekommen wird, er- klärt der Angeklagte, daß er den Tag absitzen werde, es sei aber doch bewiesen, daß es eine Lüge war. DaS Gericht verurteilt ihn deshalb zu einer weiteren drei- t ä g i g e n H a f t st r a f e. Der Angeklagte, der von voncherein den Eindruck eines nervös erregten Menschen machte— das geht ja auch aus allem hervor— wurde darüber dermaßen erregt, daß er fast weinend vor Wut rief:„Es ist bewiesen, daß es eine Lüge war; Sie wissen einen Sch... dreck davon; ich bin schon so vielemal unschuldig verurteilt worden und lasse mich nicht rechtlos machen I" Resultat weitere drei Tage Haft, im ganzen also sieben Tage. Ein Befehl an den Gerichtsdiener— der Mann wird mit kühnem Schwünge hinaus befördert und abgeführt. Das Publikum ist im höchsten Grade erregt, einige verlassen den Saal. An der Tür kann sick> einer namens Fünfeck nicht enthalten, dem Gericht zu- zurufen:„Aber richtig ist es auf keinen Fall I" Er muß sofort Platz nehmen, wo der Angeklagte eben gesessen hat und erhält 3 M. Geldstrafe, wobei sich das Gericht jede Kritik verbittet. Vermischtes. Parfüm der Zarin. Eine der Lieblingsbeschäftigungen der bürgerlichen Zeitimgs sckreiber ist die Beweihräncherung fürstlickiei Personen. Alle Tugendei. sind nach ihnen den Fürsten und Fürstinnen eigen. Ganz selbst- verständlich sind die männlichen Mitglieder der Fürslcngcschlechter infolge ihrer hochgradigen Intelligenz durchaus befähigr. auf den Universitäten die schwierigsten Lehrstone spielend zu bewältigen, sie sind in den Armeen die geborenen Feldherren und stellen sllr die Murine die tüchtigsten Admirale. Wie es gar nicht anders sein kann, verkörpert sich in den Fürsten ManneSrnut und Biederkeit, Wahrhaftigkeit und Treue und wie sonst alle die Dinge heißen, die gerade in sürstlichen Familien in Reinkultur gezogen werden. Die Fürstinnen dagegen stellen— mit■ Ausnahme der verflossenen Kronprinzessin von Sachsen— wahre Muster von Haussraucntugend dar. Höchste Schönheit und Reinheit der Seele finden wir fast bei allen Fürstinnen. Der ausgeprägteste Familiensinn ist ihnen eigen, Spariamkeir und Einfachheit in der Lebenshaltung machen sie zu uuerreichien Vorbildern für die Landes- töchter. Putzsucht und Eitelkeil sind Untugenden, die wohl einmal in den unteren Schichten der Bevölkerung sich vorfinden, Fürstinnen dagegen präsentieren sich als Muster einfacher Eleganz. Daß diese„einfache Eleganz" sich manchmal freilich nicht sehr billig stellt, davon zeugt eine Notiz in der Frauenzeitschrift„Womans Life". Nach der genannte» Zeitschrist gibt die Kaiserin von Rußland für Parfüm in einem einzigen Pariser Parfürneriegeschätt die Kleinigkeit von 199 999 Frank jährlich aus. Ihr Putziisch ist von gediegenem Silbermit Malachits üßeu, und ihre Parsninflaschen, die mit G o l d und E d e l st e i n e n geschmückt sind, repräsentieren allein ein Vermögen. Ihr Lieblingsduft ist Veilchen, und zu Beginn deS Frühlings pflücken in Grass« sSüdfraiikrcich) hunderte weiblicher Lohitsklaven wochenlang Veilchen, ans denen einzig und allein Parfüm für die Kaiserin von Rußland hergestellt wird. Uns ist dieser reichliche Konsum von Parfüm scbr erklärlich. Der Blut- und Moderdunst. der von den russischen Leichenfeldern aussteigt, belästigt daS empfindliche Naschen der Zarin. I» eine Wolke lieblichen Düstes gehüllt, tändelt sie durchs Leben— bis der ganze Grimm und Haß der unterdrückten und geknechteten Russen sich cutlädt und die parfümierte Herrlichkeit zusainmendricht._ TyphuSepidemie in einem Gefängnis. Wie aus Köln berichtet wird, sind im Gefängnis zu Winlich jKreis Trierj 49 Gefangene am Typhus erkrankt. Sie wurden in eine andere Gefangenenanstalt übergeführt. Der Regierungspräsident von Trier begab sich alsbald an Ort und Stelle. Mehrere auswärtige Aerzte wurden auf höhere Anweisung nach Wittlich gesandt. Zum Schutze der übrigen zahl- reichen Insassen der Strafanstalt sind die weitesten Vorkehrungen getroffen worden. Auch in Magdeburg haben sich die Typhus- erkrankungen mit Todesfolge in den levtcn Tagen so vermeha, daß die Einberufung der GesundheitSkoinmission angeordnet wurde. Ein Automovilnnfall. In Heerlen(Holland) verunglückte bei einer Antomobilfahrt der Mitinhaber der Seidenweberei Krahncn und Gobbers in Krefeld. Sein nciinjähriger Sohn wurde getötet und seine Frau schwer verletzt Cr selbst blieb unverletzt. Von scheu gewordenen Pferden eines Wagens überrannt wurden gestern in Le»S eine Frau mit drei kleinen Kindern. Zwei Kinder blieben sofort tot, die Frau und das dritte Kind wurden schwer verletzt. Eine Touristin abgestürzt. Die Hochtouristin Fräulein Marianne Gelmo rniS Wien ist vom Hochtaufing bei Liezen 150 Meter tief abgestürzt und war auf der Stelle tot. Eine Explosion erfolgte nach einer Meldung ans Lissabon in dem Kohlenraum am Bord des Kreuzers„Vasco de Gama". Mehrere Matrosen wurden verletzt. Eine Feiiersbrunst. In Paris zerstörte gestern abend eine Fenersbrunst mehrere Gebäude in der Bcrohstraße. DaS Feuer brach in einem Fouragemagazin, welches mit Heu und Stroh an- gefüllt war, aus. 79 Pferde verbrannten. Eine Holzsägerei wurde ebenfalls zerstört. Mehrere Feuerwehrleute, darunter ein Offizier, wurden bei den RettungSarbeiten verletzt. Das Feuer nahm eine derartige Ausdehnung an, daß vier Kompagnien der Marineinfanterie die Feuerwehr unterstützen mußten. Der Materialschaden wird auf l'/z Millionen geschätzt. Die Blattern in Wien. Die Zahl der Bkatternerkrankungen be- trägt seit Mitte April 69. Gestern sind zwei neue Fälle gemeldet worden. Die Cholera in Rußland. In Lodz sind mehrere cholcraverdächtige Fälle festgestellt worden. Die Sladverwoltung traf weitgehende Maßnahmen, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher. Kehülfen, Berlin. Am Donnerstag, den 29. d. M., abends 19 Uhr, Mit» glicdcrocrsammlung im Lokale Dirckjenstraße 4ö. Zcnrral-Krankrn' und Sterbckafic der in der Lederfabrikation beschäftigten Arbeiter und Arbeiteriune» Deutschlands. Heute abend'Jß Uhr im Marienbad. Badjtr. 35/38: Versamntlmig. KnefKatten der Redafctfon. Sie fnrlstltche Eprechstiinde giide» Fried rtchstr- 19, Sliifgang � «lue Treppe(Handelsslättc BeNealliancc, Tiiribaana auch tiindenftr. Ion. wocheniiialich von 7'J, bis 0", Ulir abends statt. Cteosfiict 7 Uhr. Loiinabcllds brainnt die Sprechstunde-IM« Uhr. Jeder Ausrag- ,n.j, Buchstabe und eine Kahl als»tert, eiche» b,ii»füae». vric-liche Slnewor« niird nicht erteile. Eilige Frage» trage ina» in der Sprechstunde vor. H. Z. Barenthin, Bureau des 4. Wahlkreises. Tilftterstr. 81.— M. Z. HO. Rein.—(f. P. 78. Wenden Sie sich an einen.Patent- anmalt. Adressen finden Sie im Berliner Adreßbuch. � A. L. 100. Wemi die Erkrankung innerhalb drei Wochen nach Beendigung deS Arbeits- verhültniffcS eingetreten ist, ist die Kasse zur Zahlung verpflichtet.— ?il. K., Baumschule. Städtisches Waisenhaus, Alte Jakobstr. 33/35.— Ar,50—1.60. Bratberinge Fass 1,20— 1 40, do. Büchse l4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksass 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Krebse per Schock, grosse 0,00, do. mittelgrosse 0,00, do. kleine 3,00, do. unsortiert 5,50, Galizier gross 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,70—3,80, do. grosse 4,00. Buttel ver 100 Psd. la 117—120. IIa 108-117. Illa 100-103, abiallende 90-95. Saure Murken, neue. Schock 4,00. Piestergurken 4.00. Kartostcln per 100 Pjv. weisse runde 2,25—3,25, blaue 3,00 3,75, Rosen- 2,00 bis 2,50, Nieren- 2,75—3,50. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer- rettich. Schock 5—15. Spinal per 100 Psund 15—25. Sellene, per Schock 2,00-8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 4,00-6.00, do. Perl» 50,00-75,00. Cbarlotten 75,00—30,00. Petersilie, grün, Schockbund 0.75— 1,00. Kohlrabi Schock 0,75—1,25. Rettich, bayr., neuer Stück 0,07— 0,10, do. hiesiger Schock 3— 4. Mohrrüben, per 100 Psund 3,00 bis 6.00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl vers Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 6—12. Weisskohl 4—10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14. do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 8—20. Kohlrüben, Schock 4,00— 6,oO. Petersilienwurzeln, Schockbund 3.00—4,00. Schoten per 100 Psund 8—20. Psesscrlinge per 100 Psd. 4—9. Steinpilze per 100 Psund 20—25. Radieschen per Schockbund 0,75 bis 1,00. Salat per Schock 1,50 2,50. Gurken, Einmache-, Schock 14,00, do. böhmische Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 2,00— 4,50. Bohnen. grüne. 100 Psd. 7—15. Wachsbohnen, per 100 Psd. 10—25, Stachelbeeren, per 100 Psund 0,00. Blaubeeren, per 100 Psd. 10—15. Johannisbeeren, per 100 Psd. 10—15. Prcitzelbecrcn per 100 Psd. 25—23. Kirschen, sauere, 100 Psd. 15— 20. Birnen, ilal., 100 Psund 14—40, Tiroler 35—40, diesige 3—20, Salander 20—25. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd. 20—30, ital. in Kislchen zu 12 Stück 0,75—2,00, do. in Körben la per 100 Psd. 28—35, do. IIa in Körben per 100 Psd. 17—25. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, jranzös. 0,00. Aepsel, italienische, per 100 Psund 8— 17, ung. 10-13, hiesige 3—15, Gravenstciner la 15—25, do. IIa 10—20. Pflaume», ital., per 100 Psund 10—20, Reineclauden 15—30, hiesige 8—16, ung. 12—15, Baden«, Früh-, 12—20. Weintranben, franz., per 100 Psd. 14—20 italten. 15—28,. AnanaS I, per Psund 1—1,20, do. II 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 10,00-20,00, do. 360 Stück 9,00-21,00, do. 200 Stü» 6,00—12,00, do. 150 Stück 5,00 Bis 8,00. Bananen, gelb, p« 100 Psd. 20.00—22,00, grün 0,00. Melonen, per 100 Psd. hiesige 25-35, Ual. 14-20, franz. 0,0 Holl. 25—28, spanische 8—10. Witternngsübersicht vom 88. August 1907. Statt mu S 8 5: 5 §2 e 5 s s 8« Seil« <0K a 11 Sf H tö Swlnenide 764 NW 3 wolkig Hamburg 766 WSW 3wolkenl Berlin 765 WNW 3 halb bd. Frants.a M 766 O München 765 JW Wien 2 wölken! 3 heiter 764 Still-Dunst Statianeu ( Haparanda 756N Petersburg 757 N® Scilly 764 ONO tlderdeen 762 SSW Pari» 764 ONO OeUtt 4 heiter 1 bedeckt 1 heiler 1 bedeckt 2wollenl »Ö c r» Ii M5 7 11 14 0 15 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 29. August 1907. Bei schwachen südwestlichen Winden mäßige Erwärmung; nach Zu« nähme der Bewölkung Niederschläge. Berliner Detterburea» Wasserstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Geivässerkunde, mitgeteflt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. TUstt P r c g e l, Jnsterburg Weichsel. Thom Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. HERMANN HETZ LEIPZIGER STRASSE Diese Woche towait vomt: ALEXANDERPLATZ Besonders preiswerte Lebensmittel Italienische Weintrauben ca.41/. Pfund 90?,................. ca. sv« Pfund I35 Prima Pfirsiche............................ 30 Pf. Im Origtnalkorb, c«. 7 Pfd., Brutto fDr Netto Pfund 25 Pf. Kochbirnen b Pfd. 50 Pf. iopfd.95 Pf. Tafelbirnen......... s pfund40pf. Grosse Kochäpfel 5 p�d 70 pr. Tafeläpfel........... s p�d 50 pr. Prühstücksardinen......... 30 pf. Sardinen Mark» Carmen.... Oo«e 48 Pt. Sardinen saop'oo®*•'/> vo«» Sardinen Marke Lambert.>/> Dose 2�" Bismarckheringe....... 45 pt. Bratheringe...... 45 pf. Delikatessheringe 0°» 73 Delikätessheringe-»»° 48 pf. Zwiebelieberwurst...... pm. 50 pf. Rotwurst la............ p«.70 Delikatessleberwurst....pfd.70 p,. 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Aprikosen Vs Frucht.............. Vi Dose l05 Vi Dos« Vi Dom Leipz. Allerlei SS* 92-f. 51-f. Leipz. Allerlei la.. 52 pf. 31 pf. Spinat............ 44 pf. 27 n Junge Baretten... 45 pf. 28 pf. Morcheln......... 80»f. Melange-Marmelade 288|�los Honig m Gldiem ,. Pfd. 95 pr. Gebrannter Kaffee"Z'sc)«. ss». r i' i-° TEE, neue Ernte Mlschunz I II III IV V VI Pfund V5 1Q0 2 20 2 70 3 50 42° Ii kräftige, reinschmeckende Qualität, gebrannt....... Pfund 70 pr. vorzügliche Qualität Pfund 85 pf. n ir ir IL Sozialdemokratischer Nahlverein für den b. Berliner Beichstags-Nahikreis. B jnlralutrküii In NM WWmls. im Sonntag, den i. September 1907 Volksgarten- Theater früher Weimann, Eingang Böhm- und Böllermannstraße: Großes Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstetlnng, Künstler ersten Ranges, 265/19* arrangiert von den Parteigenossen des Gesundbrunnens. Im Saale: Großer Ball. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach, Eintritt 25 PI. Kinder frei. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. 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Diskussion über den Bericht von der achten Gcneralversamnilung in Berlin. 2. Verschiedenes. In Anbetracht, dah unter.Verschiedenes" wichtige Angelegenheiten zu erlebt gen find, ist es notwendig, dag jeder Kollege unbedingt erscheint._ 200/13_ Der rlorstand._ Zahlstelle Berlin. Möbelpolierer. Donnerstag, den 29. August 1907, abends 8 Uhr, im Lokal von Anton Boeher, Weberstraste 17: Branchen-Versammlung der Möbel- u. Stuhlpolierer sowie Beizer. Tages-Ordnung: 1. Die Gründung der Freien Vereinigung der Möbelvolterer und ihre Bedeutungslosigkeit im wirtschaftlichen Kampf. 2. Diskusston. 3. Der paritätische Nachweis und unsere Arbeitsvermittelung, 4, Verbands- und Branchenangelegenheiten. 93* Da ein Beschlutz betreffend unsere ArbeitSvermittelung gesatzt werden soll, ist das Erscheinen aller Kollegen erforderlich.' Die Branchenleitung. I. Ä.: Alb. Schreiber, Berlin S. 59, Maybach-User 7. Wendt8 Prachtsäle Münzstr. 17, Eingang Kouigsgraben. 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