Nr. 802. �4� 84. Zahrg. BbonntmtntS'Btdlngun�n: W.Av A\- Ml Die Inlertions�GebQbr «wonnemen». Preis prinumeranda: MI WS V/ BB BB bWl V9 � betrügt für die ,cch-ge,paltcnc Kolonei. Vierteslährl. 3,S0 Ms, mcmatl. 1,10 SRI., Hl I Hl) SH— f/ W> HH BH Wml WB Zeile oder deren Raum öo Mg., für tvschentlich 23 Pfg, frei ins Haus. MZ I-ZW VN H WW l�N U KR Wg W> WU Wl X/« poNtische und gewerlschaftliche Vereins. XRSfl W W K�E9bHH| Hm W Us W Wi r~>7 und BerlammlungS.Slnzeig-n 30 Pfg. 5wZr ABB'TH mH W WWW Hm H V W H 1/„Kleine Hnzeigen", das erste(fett. KBonnem?iü:UO Marl Mo&onat' H HH W HHH Hfl H H gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Eingetragen in die P°st°Z-imügz.-�W W W H MA< J8&NH�xÄ\ JhI H W H RHtHT/ Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. Preisliste. Unter Kreuzband für MI! M»!»Mi. WM< Jggmiy �äSSaP&KSi»�-— l ÄÄ\ M stellcn.Rnzeigen das erste Wort 10 Pfg., Deutschland und Oesterreich. Ungarn HM 1 Kai 1 MW. Z/ BM jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 2 Marl, für da» übrige Ausland»MX v /< M lk Buchstaben zählen für zwei Worte. 3 Marl jnw Monat. PostabomiementS MBM z-v � HB Inserate für die nächste Nummer müssen S-MSW»MW Verlinev is=Ä. Zcntralorgan der rozialdcmokrati fehen parte» Deutfchlands. Redaktion: 8W. 68, Llndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 19S3. Das Zentrum und das Candtags* Wahlrecht. Das Zentrum verhält sich zur preußischen Wahlrechts- bcwegung als ginge sie ihm nichts an. Auch auf dem zurzeit in Würzbilrg tagenden Katholikentag haben seine Führer bisher ängstlich vermieden, die Frage des preußischen Landtags- Wahlrechts zu streifen. Wie sich immer deutlicher zeigt, be- trachtet es die Wahlrechtsfrage lediglich als eine Frage Partei- Politischer Taktik; der Taktik nämlich, lvie es am besten den freisinnig. konservativen Block sprengen und seine frühere politische Macht st ellung als Regierungspartei wieder- erlangen könnte. Dieses Streben, möglichst rasch jene klerikal-konservative Koalition wiederherzustellen, die in den letzten Jahren des Reiches wie Preußens wirtschafts- und kirchenpolitische Bahnen bestimmte, veranlaßt das Zentrum, nicht nur seine so oft demonstrativ verkündeten demokratischen Grundsätze völlig kaltzustellen, sondern auch alle jene taktischen Schachzüge zu vermeiden, die eine Wiedcrcrstehung des klerikal- konservativen Bündnisses erschweren und den Agrarkonserva- tivcn das Zusammengehen mit den Liberalen vorteilhafter er- scheinen lassen könnte, als die Rückkehr zu der früheren klerikal-konservativen Interessengemeinschaft. Handelte es sich für das Zentrum lediglich darum, den Block zu sprengen, ganz gleich auf welche Weise, so würde dazu eine energische Wahlagitation für ein preußisches Land- tagsivahlrecht nach dem Muster des Reichstagswahlrechts das sicherste Mittel sein, denn es würde dadurch den Freisinn bei Strafe des völligen Verlustes seitfcs letzten politischen Kredits zwingen, an der Forderung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes festzuhalten und in Konkurrenz gegen das Zentrum eine Wahlagitation zu entfalten, welche die politischen Gegensätze zwischen dem rechten und linken Flügel des Blocks gegen- einandertreiben und den Block sprengen müßte. Aber das Eintreten in eine solche Wahlagitation könnte nicht nur den hohen Klerus, der mit allen Mitteln die guten Beziehungen zur preußischen Regierung aufrecht zu erhalten sucht, noch mehr verschnupfen, es würde auch die Sympathien der Agrarkouservativcn für das Zentrum stark beein- trächtigen und die Abschließung klerikal- konservativer Wahlbündnisse bei der Landtagswahl im nächsten Jahre erschweren. Und ferner würde dadurch das Zentrum gezwungen werden, im nächsten preußischen Landtage einen scharfen Vorstoß zur Durchsetzung eines dem Rcichstagswahl- recht ähnlichen preußischen Landtags>vahlrechts zu unternehmen; denn hat es einmal die katholische Arbeiterschaft zum Wahl- rechtSkampf aufgerufen, dann kann es nicht, falls es nicht seine Autorität in diesen Schichten völlig verlieren will, hinterher die Hände gemächlich in den Schoß legen. Eine solche Wahl- rechtsaktion aber muß die zwischen den Konservativen und dem Zentrum bestehenden starken Sympathien schwächen. Es würde die konservativen Elemente des Reichs- und Landtages gegen die sogenannten demokratischen Strömungen im Zentrum mobilisieren und die Wiederherstellung der klerikal-konservativen Rcgicrungskoalition auf der Basis der früheren Interessen- solidarität aufs äußerste erschlveren. Eine solche Wahlrechtsagitaston des Zentrums würde also voraussichtlich zwar den heutigen Block sprengen, aber e.s würde an dessen Stelle nicht den klerikal- konservativen Block setzen, dessen Wicderanfrichtung die offizielle Zentrnmsleitung und vor allem der höhere katholische Klerus erstrebt, der der nicht ganz unrichtigen Meinung ist, daß sich auf kirchenpolitischem Gebiete weit mehr durch ein Bündnis mit der Regierung, als im Kampfe gegen sie erreichen läßt. Das alles wissen die leitenden Zentrumspolitiker ganz genau. Deshalb scheuen sie sich, in eine ernste Wahlrechts- bewegung einzutreten. Deshalb begnügt sich ihre Presse mit katholischen Liebeserklärungen für das allgemeine, gleiche, geheinie und direkte Wahlrecht und sucht ihre Aufgabe darin, die Erregung des konservativen Blockflügels gegen die Frei- sinnigen um Naumann und Schräder zu schüren. Begreiflich ist diese Haltung des Zentrums, denn es ist ein schwerer Irrtum, daß sich die demokratische Richtung in seinen Reihen während der letzten Jahrzehnte verstärkt habe. Das heutige Zentrum ist ein ganz anderes poli- tisches Gebilde als das der Kulturkampf- Periode, und alle Betrachtungen, die von seiner damaligen Politischen Haltung ausgehen, enden notwendig mit gcsähr- ließen Illusionen. Im Grunde genommen haben eigentliche demokratische Anschauungen im Zentrum nie eine Stütze gefunden. Seine früheren Führer, wie die Gebrüder Reichensperger, Mallinckrodt und selbst Windthorst haben sich immer wieder gegen die demokratische„Demagogie" und das allgemeine Stimmrecht erklärt, das einst Peter Reichensperger als das„lügen- hafteste. tyrannischeste und verwerflichste aller Wahlrechts- systrme" bezeichnet hat,„das unter dem Eindruck einer Leidenschaft in einer St un de die müh- samen Errungenschaften von Jahrhunderten mit einem Atemzuge von sich wirft und ver- u i ch t e t." Selbst Windthorst verlangte noch im April 1871 Freitag, de»»9. August 4997. zur Ergänzung des Reichstagswahlrechts die Herstellung des Zweikammersystems, denn daß auf die Dauer der Bundesrat, so wie er sei.„einem aus allgemeinen direkten Wahlen hervor- gegangenen Reichstag gegenüber das konservative Prinzip nicht genügend wahren" könne, das sei, meinte er. so klar wie das Tageslicht. Erst in der sogenannten Kulturkampfzeit entdeckten die Zentrumsführer in ihrem Herzen demokratische Neigungen. In dem Kampfe der katholischen Kirche oder vielmehr des katholischen Klerus gegen die Bismarck-Falkschcn Maßnahmen bedurfte die katholische Geistlichkeit und das deren Interesse vertretende Zentrum der weitesten Unterstützung der katholischen Volkskreise; und um diese für die oppositionelle Zentrums- Politik einzufangen, mußte die Zentrumsfraktion den demo- kratischen Anschauungen der kleinbürgerlichen und proletarischen Elemente notwendig gewisse Zugeständnisse machen. So brachte denn auch derselbe Windthorst, der noch zwei Jahre vorher das Reichstagswahlrecht bekämpft hatte, im Jahre 1872 im preußischen Abgeordnetenhause einen Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrechts für den preußischen Landtag ein. Er erklärte nun das Reichstagswahlrecht Plötz- lich für„richtiger und gesunder" als das in Preußen bestehende Dreiklassenwahlrecht. Doch ist die klerikale Mär völlig falsch. daß Windthorst den Antrag stellte, um den Arbeitern die Vertretung ihrer Interessen im preußischen Dreiklassenparlamcnt zu ermöglichen und dem kulturellen Fortschritt den Weg zu bahnen. Sein Motiv war vielmehr ein durch- aus reaktionäres. Die Arbeiterschaft war damals nur erst zum kleinsten Teil von sozialistischen Gedanken ergriffen, und Windthorst rechnete damit, daß, wenn diese politisch noch völlig unaufgeklärte Masse unter dem Einfluß der Kirche das gleiche und geheime Wahlrecht in Preußen erlange, sie sich als Sturmbock des konservativen Prinzips gegen die liberal „destruktiven" Elemente werde gebrauchen lassen. In seiner Begründung im Reichstage am 28. November 1873 heißt es z. B.: „Die Angehörigen der dritten Klaffe halten mehr als die anderen Klassen fest an den überlieferten geschichtlichen Bcr- hältnisscn, und sie sind nach meiner Ucberzeugung im großen und ganzen konservativer als die Männer des Geldes. Das destruktive Element der Welt ist das Geld, und der Versuch, das allgemeine Wahlrecht durch den Geldbeutel zu korrigieren, ist der allerbcdenk- lichste, den nian machen kann. Die Klassen, bei denen dieses destruktive Element vorzugsweise zu Hause ist, sind am meisten an- gefressen von den Ideen des modernen heidni- schen Staates, und ich kann es weder klug noch konservativ, noch überhaupt verständig politisch halten, de» Schwerpunkt der staatlichen Verhältnisse in diese Klassen zu legen." Als nach der Beendigung des Kulturkampfes das Zentrum erkannte, daß es sich in seinem Vertrauen auf das Festhalten der Arbeiter an den„überlieferten geschichtlichen Verhält- nisten" geirrt hatte und die Sozialdemokraten immer weiter in die proletarischen Kreise eindrang, auch in katholische, da war es niit der Vorliebe für das Reichstagswahlrecht vorbei. In der 5laplanprcsse wurde es.zwar noch platonisch an- gepriesen, doch ernstliche Versuche/ es auf Preußen zu über- tragen, hat das Zentrum nie unternommen. Im Gegenteil, bei der Beratung der durch die Steuerreform veranlaßten Aenderung des Wahlrechts zum preußischen Ab- geordnetenhause erklärte 1893 der Zentrumsabgeordnete Herold kurz und bündig, daß seine Partei„an de n Hauptgrundsätzen des D r ei k l a ss e nw a h l> rechts nicht rütteln" wolle. Und als dann die einstige Kulturkampfpartei zur anerkannten Regierungs- Partei aufrückte, bat sie auch nicht eine einzige der sich ihr bietenden Gelegenheiten benutzt, in eine Agitation für das allgemeine gleiche Stimmrecht zum preußischen Landtag ein- zutreten oder auf die Regierung einen Druck in dieser Richtung auszuüben. Als im Jahre 1993 der Freisinn einen Wahl- rcsormantrag im preußischen Abgeordnetenhause einbrachte, erklärte der Zentrumsabgeordnete Porsch als Fraktions- rcdner, für das Zentrum sei es ziemlich gleich- gültig, nach welchem System gewählt werde. Und als im Reichstag eine Resolution vorgelegt wurde, durch die die Regierung zur Einführung des gleichen und all- gemeinen Wahlrechts in Preußen aufgefordert wurde, ver- schanzte sich das Zentrum hinter allerlei lächerliche Kompetenz- bedenken. Erst als am 13. Dezember v. I. der Reichstag aufgelöst worden war und das Zentrum erfuhr, daß der Freisinn im preußischen Abgeordnetenhause den Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zu stellen gedenke, erinnerte sich die Zentrumsfraktion daran, daß sie eigentlich auch für ein solches Wahlrecht sei und stellte, um die freisinnige Konkurrenz bei der bevorstehenden Reichs- tagswahl zu schlagen, am 9. Januar 1997 einen ähnlichen Antrag: doch, obgleich es sich gar nicht um einen ernst- gemeinten Antrag, sondern lediglich um ein Agitations- Manöver handelte, verweigerten dennoch die Ab- geordneten: Albers, Graf v. Balle st rem, Decker. König, Ostrop, Pingen, Graf v. Praschma, Rintelen, Ruegenberg, Graf v. Spee, Graf v. Strachwitz-Bertelsdorf. v. Strom deck, v. Wolff- Metternich ihre Unterschrift. Der Charakter des Zentrums hat sich seit der Kultur- kampfperiode immer mehr verändert. Ks muß noch immei Expedition: 831. 68» ldndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 4984. auf die Arbeiter, die in den industriellen Revieren zu seiner Fahne halten, eine gewisse Rücksicht nehmen, aber im ganzen haben diese ihren Einfluß auf die Richtung der Zentrums- Politik verloren. Maßgebend für diese Politik sind, das haben die Zollkämpfe aufs neue bewiesen, die Wünsche des Zentrums- adels, dem sich die katholische Bauernschaft angeschlossen hat, und die Wünsche des hohen und höheren Klerus. Erst in dritter Reihe kommt die städtische Kleinbürgerschast und er st in vierter, in letzter Reihe die katho- l i s ch e Arbeiterschaft. Die genannten maßgebenden Schichten im Zentrum verfolgen aber entschieden konservative Zwecke, und speziell der Kurie erscheint der Bruch zwischen Zentrum und Regierung im Dezember vorigen Jahres als eine der größten Dummheiten der Zen- trumspolitik. In Anbetracht dieser Vergangenheit des Zentrums und der heute seine Politik bestimmenden Faktoren heißt es sich gefährlichen Illusionen hingeben, wenn man vom Zentrum erwartet, es werde eine energische Agitation für die Ucber- tragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen betreiben. Aus taktischen Gründen wird es sich vielleicht ostentativ im Landtag oder im Reichstag als Verfechter des gleichen Wahl- rechts gericren; doch ein energischer Kampf des Zentrums für dieses Recht widerspricht den heute in seinen Reihen herrschenden Tendenzen. Es ist in der Politik stets von Vorteil, nicht mit Wünschen und Hoffnungen als mit Tatsachen zu rechnen, son- dern die Verhältnisse zu nehmen wie sie sind. Das ist in diesem Falle uni so nötiger, als uns das Verhalten des Zentrums eine breite Angriffsfläche auf seine Position in den rheinischen Jndustriegegenden bietet, die unbedingt aus- genutzt werden muß. Hält sich das Zentrum von der Wahl- rcchtsbewegung weiterhin zurück, stellt es die Wünsche des höheren Klerus und seiner konservativen Elemente rücksichts- los über die politischen Lebensinteressen der katholischen Arbeiterschaft, dann müssen dieser die Augen über solche Klassenpolitik geöffnet und ihr die Aufopferung ihrer Interessen zum Vorteil der konser- vativen Zentrumselemente nachgewiesen werden. Ohnehin regen sich überall im Zentrum die Klassengegensätze, und in den heute noch zur Zentrumsfahne stehenden katholischen Arbeitcrschichten stürmt und drängt es gewaltsam vorwärts. Die Sprache der christlichen Gewerkschaftsprejse wird immer schärfer, immer erbitterter. Unternimmt das Zentrum nichts in der Wahlrechtsfrage, dann bedarf es nur einer geschickten Aufrüttelung, um diese schon jetzt vorhandene gereizte Stimmung zum Kochen zu bringen. Besonders dje Landtagswahl im nächsten Jahr bietet da- zu die günstige Gelegenheit. Gedenkt das Zen- trum die politischen Lebensinteressen der Arbeiter prciszu- geben, dann sollen ihm auch die Folgen dieser Politik nicht erspart bleiben I_ Der Nshlrechttlizmpf. „Der Freisinn ans dem Rückzöge" überschreibt die„Germania" einen Leitartikel, der einen einzigen Hohnerguß auf den„einigen" Freisinn darstellt. Das führende Zentrumsorgan spottet: „Die Sache macht sich. Das Reichstagswahlrecht wird nun sicher demnächst für Preußen erobert werden: die Freisinnigen, die ein paar Tage lang über die„Forderung des Tages" ganz einig schienen, sind jetzt glücklich wieder zu ihrer gewohnten Katzbalgerei und Eifersüchtelei zurückgekehrt. Nord und Süd, Naumann, Haußmann, Payer und alle die Führer der Volkshaufcn, zuletzt Träger, erklärten laut und drohend: Herr Kanzler, das Reichstagswahlrecht für Preußen sollst Du uns geben, sonst tun wir nicht mehr beim Block mit und lassen Dich in der Patsche sitzen.„Einmütig" versicherte die freisinnige Presse, sie sei mit Naumann und Genossen ganz einverstanden; es müsse jetzt ein großer Feldzug für das Reichstagswahlrecht unternommen werden: das Volk will est Aber mit dieser Leistung war auch die frei» sinnige Kraft erschöpft. Der Hanncmann in Wasser» stiefeln, der von rechts wegen hätte vorangehen sollen, dachte zuerst an den Rückzug. Die„Freisinnige Zeitung" sagte sich los von der Forderung Naumanns... Inzwischen hat die Preffe der verschiedenen freisinnigen Denominationen den„Einigungsgcdankcn" wieder so gepflegt, daß sie zum Ergötzen der Zuschauer ein wildes Raufen ausführt, wobei dann zu Tage kommt, daß außer dem „Verlin er Tageblatt" niemand mehr den Plan einer Eroberung des Reichstagswahlrechts ernst nimmt, vielleicht sogar Herr Naumann selb st nicht mehr; ob etwa noch Herr Träger steht dahin... Aber hält wenigstens Naumann noch bei der Stange? In seiner„Hilfe" setzt er bedächtig auseinander, daß eine Ver- bcsserung des Wahlrechtes in mehreren Wahlkreisen den Sozial- dcmokraten auf Kosten des Freisinns zugute kommen würde, und dabei handele es sich nicht bloß um einige Wahlkreise, sondern darum, ob der Liberalismus als Ganzes eine politische Macht in Preußen werde oder nicht. Allerdings meint er dann wieder, wenn dem Liberalismus eine ernstliche Wahlreform gelinge, dann brauche er keine allzuängstlichen Wahlkreissorgen zu haben, denn dann werde er durch das Gelingen von selbst magnetisch, gelinge ihm aber die Reform nicht, so hülfen auch die bisherigen Wahlkreise nicht. Herr Naumann will also schließlich doch an seiner Forderung festhalten, aber er ist schon nicht mehr so siegesgewiß und kämpf- lustig, und wie wir gesehen haben, seine tapfere Ge» - l 0 l g s ch a f t v e r k r ü m e l t j i ch. Die„Freisinnige Zeitung" erlläct zur Sache: wie das Ziel der Einführung des Reichskags- Wahlrechts für die preußischen Landtagswahlcn im Parlament am besten und schnellsten zu erreichen sei, habe die Fraktion der Freisinnigen Vollspartci des Landtags zu erwägen und zu entscheiden; da diese Fraktion mit der der Freisinnigen Vereinigung in enger Gemeinschaft stehe, so sei eine Einigung beider Fraktionen des Landtags über die Wahlrechtsfcage die Vorbedingung für das weitere taktische Borgchen. Also die Fraktion; Es ist sehr bor sichtig, sich hinter diese zurückzuziehen. Was sie tun wird. oder vielmehr nicht tun wird, kann man im voraus erraten. Ein Delegiertentag der Freisinnigen Volkspartei in Hagen hclt allerdings resolviert, die Landtagsfraktion müsse alles an die Wahlrechtsreform setzen und jede Vorlage, die das Reichs- tagswahlrccht nicht bringe, mit Entschiedenheit bekämpfen. Aber die Fraktion will vor allem beim Block bleiben, weil sie sonst gar nichts ist. Sie hat eine Heidenangst vor dem Zentrum, von dem sie argwöhnt, daß es um jeden Preis seine frühere Stellung wiedergewinnen wolle und� nur darauf lauere, wie es sich der Regierung wieder empfehlen und den Block sprengen könne. Die Angst vor dem Zentrum wird den Freisinn vor allzu un- gestümen Forderungen bewahren." Der Spott der„Germania" ist ja nicht unverdient. Es ist Tatsache, daß Herr Naumann, mag seine„Hilfe" die „Einigkeit" des Freisinns in der Wahlrechtsfrage noch so sehr beteuern, so ziemlich„allein auf weiter Flur" dasteht. Die in der Presse und dem Parlament führenden Freisinnskreise wollen unter allen Umständen den Block konservieren, mag darum das Volk auch um sein Wahlrecht betrogen werden I Und es ist auch ganz richtig, daß, wie der Erguß des Abg. Heckscher bewies, der Freisinn fürchtet, bei tat- kräftigem Vorgehen in der Wahlrechtsfrage vom Zentrum aus dem Block herausgedrängt zu werden. Aber daß die „Germania" sich nicht geniert, mit dieser Tatsache noch zu renommieren, ist doch ein starkes Stück und geradezu eine BrüSkieruug der ZcntrninSproletarier. Denn das Zentrum brauchte sich an dem Wahlrechts- stürm bloß zu beteiligen, um auch den zaghaften, blockbangen Freisinn trotz alles Widerstandes der freisinnigen Führer in die Wahlrechtsbewegung mit hinein- z u r e i ß e n I Das Zentrum ist also' verantwortlich für Ver- rätereicn der freisinnigen Führerschaft I Freisinnige Wähler gegen die freisinnige Leitung. Ter Liberale Wahlverein für den Wahlkreis Duisburg- Ruhrort-Mülheim-Oberhausen f>ot am 26. August zur Wahl- rcchtsfrage einstimmig die folgende Resolution angenommen: Der Liberale Wahlverein für den Wahlkreis Duisburg- Ruhrort-Mülheim-Oberhausen spricht dem NeichStagsabgeordncten v. F. Naumann zu seinein mutigen und kraftvollen Eintreten für eine baldige Beseitigung des herrschenden preußischen Klassen- wahlunrcchtS und die Einführung des gleichen, geheimen, all- gemeinen und direkten Wahlrechts in Preußen seine freudige Zustimmung aus und gibt der Hoffnung Ausdruck. daß die zündenden Worte Naunianns bei allen Liberalen in Preußen begeisterten Widerhall finden werden. Er bedauert, daß jetzt noch selbst in entschieden liberalen Kreisen Stimmen der Zaghaftigkeit und des Widerspruches laut werden, die nur die Stärke und Stoß- kraft der von Naumann eingeleiteteu liberalen und demo- kratischen Wahlbewegung mindern und ihren Erfolg in Frage stellen können. Der Liberale Wahlverein hält mit Naumann das räckheltlsse Eintreten für die von allen wahrhast liberalen Parteien anzustrebende Reform für eine Lebensfrage des ent- schiedcuen Liberalismus und wird nach Kräften für den Naumann- schen Reformplan wirken." Die Gäning unter der liberalen Gefolgschaft gewinnt also an Umfang. Es ist in der Tat höchste Zeit, daß die sreisinnigen Wähler ihren Fraktionen klar machen, daß sie nur die Exekutive des Willens ihrer Wähler, nicht aber ihre Bcvormunder sind! Von unten auf muß die Losung deö Wahlrechtskampfcs namentlich auch innerhalb deS Freisinns selbst sein! von Sei' 7eolnii»!-lheei1lhz» in Süi'lldnkg. Einen trefflichen Begriff vom Wesen des Zentrums gibt die Rede, die der Reichs- und LandtagSabgcordnete Gröber am Mittwochnachmittag über das Thema: Katholizis- m u S und wirtschaftliches Leben hielt. Sie spiegelt die Politik der Zweideutigkeit, die Politik des Ja und Aber, die das Zetitrum mit wahrhast großartigen! demagogischen Geschick betreibt, die Politik, die scheinbar jedem etwas gibt und in Wirklichkeit eine große Betölpelung der Arbeiter zugunsten der Besitzenden ist, klar und deutlich wider. Die eine Stelle schon, wo der Redner von den Interessen der Arbeiter an niedrigen Lebensmittelpreisen spricht, redet Bände, .vcim man sie mit den Zollwuchertaten des Zentrums kon- krontiert. Die Rede ist eine in christliche Sauce getauchte Aufforderung:„Bereichert euch I" DaS Streben des Zentrums geht dahin, die wirtschaftliche Rückstündigkeit der katholischen Gebtete wettzumachen. DaS Zentrum weiß, daß Wirtschaft- liche Macht der Grundstock politischer Macht ist. Seine Sehn- sucht ist eine starke, reiche katholische Bourgeoisie, die mit der liberalen Bourgeoisie konkurrieren kann, die Verwaltung und Regierung ganz anders beeinflussen kann, als Mittelstand und Bauernschaft. Die wichtigsten Stellen der Gröbcrschen Rede lauten: .Das Christentum will, wenn e-Z den Blick auf die höheren Ziele lenkt, die irdischen Güter keineswegs herabsetzen. ES warnt nur vor der Ueberschätzung der irdischen Güter. Auch den Reichtum verbietet das Christ ent um durchaus nicht, es weist nur darauf hin, daß der Reichtum gewisse sittliche Gefahren bietet, nicht d e r R e i ch t u m an sich, sondern der unehrliche Erwerb oder die unrechtmäßige Verwendung deS Reichtums.(Beifall.) DaS Streben nach irdischen Gütern ist nicht nur er- laubt, sondern sogar pflichtmäßig... Der Ausgangs- punkt einer gesunden Wirtschaftsordnung ist gegründet auf der Solidarität der Interessengemeinschaft. Der Staat ist nicht nur Inhaber von Rechten, sondern auch von heiligen Pflichten, und die Untertanen haben nicht nur Pflichte», sondern auch Rechte. sStürmischer Beifall.) Damit kommt mau an den Satz, ob der Staat die Quelle alles Rechts sei. Das ist ein großer, schändlicher Irrtum.(Stürmischer Beifall.) Das E i g e n t u m S r e ch t, so hoch es von unS geschätzt wird, darf in einem christlichen Gemeinwesen nicht ein absolutes Recht sein. Auch hier kann unter Um- ständen für den einzelnen die Notwendigkeit� eintreten, daß er den Interessen der Gesamtheit lveichen»ruß.(Stürmischer Beifall.) Auch die Gerechtigkeit allein reicht nicht als Grundlage einer gesunden StaatSfonn auS. Dazu muß die Liebe kommen. ES gibt so viel Unrecht im heutigen Staat, daß es nicht von bloße» Para- graphen und Gesetzen gedeckt werden kann. Die Liebe ist da notwendig.(Stürmischer Beifall.) Alle ck u f atheistischer Au ffassung gegründeten W i r t s ch a f t s- s y st e m e sind herzlos und g e m ü t l o S. Nur auf dem Boden der Gerechtigkeit und Liebe kann eine Wirtschaftsordnung er- wachsen, die eines christlichen Kulturvolkes würdig ist.(Minuten- langer Beifall.) Die Arbeiter und Unternehmer müsse» sich gegen scitig verstiüidigcll, wie Leute, die am Prosperieren eines Geschäfts gleichmäßig interessiert sind. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert. aber wie viel wird heute noch gegen die Forderung eines gerechten Lohnes eingewendet!(Sehr wahr I) Die Solidarität der Interessen zwischen Arbeiter und Unternehmer haben vielfach zum Abschluß von Tarifverträgen geführt; Tarifverträge sind Friedens- d o kument e, die ivir nur begrüßen können.(Stürmischer Beifall.) Leider begegnen lvir bei den Arbeitgebern oft nur geringem Ver- ständnisse. Den, Ausgleich der Interessengegensätze würden weiter paritätische Arbeiiskamniern dienen. Wir nähmen es der Regierung gar nicht übel, wenn sie uns eine solche Vorlage möglichst rasch machen würde.(Sehr wahr!) Wenn wir auch gegenwärtig in einer anderen politischen Situation wie früher stehen, diese Vorlage nähmen wir an.(Stürmische Heiterkeit und Beifall.) Redner bespricht weiter die wirtschaftliche EntWickelung Deutschlands in den letzten Jahrzehnten und warnt vor einseitiger Förderung der Industrie, die gerade den Arbeitern Schaden zufügen würde. Denn durch die Schädigung des Mittelstandes würden mehr Arbeits- kräfte vom Lande und dem Handwerk in die Stadt drängen und dadurch ans die Arbciterlöhnc drücken.(Sehr wahr!> Wir können in Deutschland keine Prodiizeiitcnpolitik treiben, weil Millionen von Arbeiter» an niedrigen Lebensmittelpreisen interessiert sind. Wir können aber auch keine Konsumentenpolitik treiben, denn die Millionen von Landwirten müssen fortbestehe», wenn der Staat nicht schwersten Schade» leiden soll.(Stürmischer Beifall.) Wenn eine gute Wirtschaftsordnung geschaffen iverden soll, dann müssen Gesellschaft, Staat und Kirche zusammenarbeiten, um den Mittelstand zu kräftigen, um den Arbeiterstand zu heben. (Stürmischer Beifall.) Organisationen find gewiß notwendig, aber sie allein sind nicht die Hauptsache. Es muß christlicher Geist in ihnen herrschen, sonst führt die Organisation zum Mißbrauch der Gewalt, die sie in sich trägt.(Lebhafter Beifall.) Diesen Geist in unserem Volke kann aber nicht der Staat wecken, das muß die Kircke tun, und um das tun zu tonnen, muß die Kirche frei sein, frei in der Kindcrcrzichung, damit sie den Kindern das geben kann, was sie ihnen geben muß, um sie zu guten Christen zu machen. (Stürmischer Beifall.) Auch die Herren Liberalen wollen folg- same Kinder.(Stürmische Heiterkeit.) Es gibt Länder, von denen wir wissen, daß die allerradikalsten unter ihnen ihre Kinder in Ordensschulcn schicken.(Stürmische Heiterkeit.)... In einem Münchener Blatt wurde vor zehn Jahren prophezeit, daß die Katholiken ans den vornehmsten Stellen gedrängt und mit der Zeit so arm würden, daß sie ihre Kinder nicht inchr in die hohe Schule schicken könnten.(Lebhafte Pfuirufe.) Es i�f zuzugeben, daß die Frage der Verarmung des katholischen Volkes überaus ernst ist. Die Verarmung der Katholiken bedeutet die Abnahme der Religion und des Einflusses im Gcscllschaftslebe». Glücklicherweise haben die Prophe- zeiungen jenes Blattes in geistiger Beziehu ng sich nicht bestätigt. Der Anteil der Katholiken am Studium hat zugenommen,(Beifall) aber noch lange nicht genug.(Erneuter Beifall.) Auch im literarischen Leben hat sich auf katholischer Seite Erfolg auf Erfolg gehäuft, aber es muß noch mehr geschehen, denn wir können es gerade so wie die anderen. Auch die Ausbildung unserer Töchter hat sich ge- bessert. Das kann ich unparteiisch sagen, denn ich bin ein Jung- geselle.(Stürmische Heiterkeit.) Die Einkommensteuer- und Ver- mögensstatistit weist mit grausamer Rücksichtslosigkeit nach, daß die größten Einkommen und Vermögen überhaupt nicht ans christlicher Seite sind.(Stürmischer Beifall.) Für uns liegt das Schwergewicht des ivirtschaftlichen Lebens und StrcbenS nicht im Diesseits, sondern im Jenseits.(Beifall.) Wir halten uns an das Wort des Heilands: „Was nützt eS dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne und nähme doch Schaden an seiner Seele." Aber diese Erörterungen sollten uns nicht dazu veranlassen, das Strebe» nach Reichtum aufzugeben. (Sehr richtig!) An und für sich ist der Reichtum etwas sittlich Indifferentes. Man kann ihn zum Guten und zum Bösen ver- tuenden. Gewiß, der Reichtum schließt sittliche Ge- fahren in sich, aber deshalb darf man das Streben nach ihm nicht aufgeben. Denn auch die Armut hat ihre sittlichen Gefahren.(Stürmischer Beifall.) Und doch hat noch niemand die Behauptung aufgestellt, daß unter allen Umständen die Armut ver- mieden werden müsse.(Sehr richtig!) In der freilvilligen Ueber- nahine der Armut kann sogar etwas Heiliges liegen!(Beifall.) Das Problem lautet nicht: Soll ich nach Reichtümern streben, sondern, wie erlange ich die sittliche Kraft, um alle Gefahren zu vermeiden, wie stärke ich mein christliches Gemüt?(Beifall.)... Dieser Rede ging ein Vortrag des geistlichen Rats Wacker- Zähringeu über„Katholizismus und Nationalität" vorauf, worin behauptet wird, daß die katholische Kirche die Nationalität geschützt und respektiert habe und daß sie die Menscheit am sichersten vor den Aus- schrcitungen der Nationalität bewahre, vor dem Vaterlands- losen Weltbürgertum(l). wie es die Sozialdemokratie predige(!), auf der einen und vor der Ueberspannung der Nationalität durch die Erben des Liberalismus auf der anderen Seite. Der Vortrag klang aus in einer lauten Be- teuerung, daß die Katholiken Deutschlands gute Patrioten seien. In einem Vortrage über christliche Charitas nahm der Referent Professor S ch e r e r- Freiburg Stellung gegen die Schein- und LuxtiScharitaS, gegen ihre Auswüchse in den Wohltätigkeitsbasaren und bei anderen Gelegenheiten. Unter den in der geschlossenen Vormittagssitzung an- genommenen Anträgen ist bemerkenswert jener, der sich mit der Fürsorge für die zur Aushebung und zum Heeresdienste bestimmten katholischen Jüng- l i n g e befaßt. Sie sollen durch Vorträge und Vereine be- ständig im Bannkreis des Katholizismus gehalten werden. Von den Zivil- und Militärbehörden ivird tatkräftige Unter- stützung gefordert. Dieselbe Tendenz hat ein Antrag, der die zuwandernden Arbeiter betrifft. Er fordert u. a., daß die Seelsorger in katholischen Landbezirken die zur G r o ß st a d t Ab wandernden über die kirchlichen Ver- Hältnisse derselben belehren und auf die dort bestehenden religiösen und sozialen Vereine hitiwiesen(z. B. durch Uebergabe der in den meisten solcher Städte erschienenen„Führer für die Katholiken" oder Kirchcnkalender); serner, daß sie womöglich auch die Adressen der Zuwandernden einer Seelsorge st elle der Stadt oder einer etwa dort be- stehenden katholischen Zentrale(katholisches Arbeiter- sekretariat) mitteilen. So ist das Zentrum stetig darauf bedacht, seine Organisation zu vervollkommnen und ihre Maschen so eng zu ziehen, daß ihm kein Schäflein entgehen könne. Der Donnerstag war der letzte Tag der Heerschau. Er brachte noch eine sehr interessante Debatte über die Dienst- boten- und Laudarbeiterfrage. Die Wichtigkeit dieser Materie fiir die klassenbewußte Arbeiter- bewegung veranlaßt unS, die Verhandlungen darüber ausführlich wiederzugeben. Die Erörterung ging aus von folgendem Antrag: „Da die Lage der weiblichen Dienstboten sowohl in religiös- sittlicher wie gesellschaftlicher und sozialer Hinsicht vielfach eine miß- liche ist, weist die 54. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands auf die Notwendigkeit von Standes- o r g a n i s a t i o n e n für die D i e n st m ä d ch e n hin und fordert daher auf, allerorten katholische Dienstmädchen- vereine zu gründen. Die latholischen Dienftmädchenvereiiie. sollen erstreben: Religiös- sittliche Hebung des Standes,! Ausbildung und Erziehung für den künftigen Beruf als Gattin und Hausfrau. Beseitigung w,rt,chaftltcher Mivstnndc. insbesondere veralteter Bestimmungen der Ge- sindeord nungen. unwürdiger Behandlung, nicht genügender Verpflegung und Wohnungsverhälmisse; Ausdehnung der Kranken- Versicherung ans die Dienstboten; Uebernahme der Stellenvermittelung unter Festsetzung von Bestimmungen über die Diensiverhältniste, welche zwischen Hausfrau und Dienstboten(z. B. durch Hausdienst- ausschüsse) vereinbart werden. Die Generalversammlung Ipricht die Hoffnung aus, daß auch die H e r r s ch af t e n diesen Dieiistboteu- organisationen zeitgemäßes Berständnis entgegenbrlngeu und mit denselben loweit als möglich Hand in Hand zu arbeiten bestrebt sind." Aus der Debatte seien die folgenden Ausführungen hervorgehoben: Reichstagsabgeordneter Dr. Pieper- München-Gladbach: Die Dienstboteufrage ist eine eminent wichtige Frage. Bon sozial- demokratischer Seite wird dahin gestrebt, die weiblichen Dienstboten in die gewerlschaftlichen Organisationen mit einzubeziehen und sie mit unter die Gewerbeordnung zu stellen. Wir, nüssen gegen diese Bestrebungen Stellung nehmen. Am besten wäre eS. eine Art Tarifausschuß zu bilden, in dem sowohl Vertreter der Dienst- boten wie der Herrschaft sitzen.und der etwaige Strcitigleiten zu schlichten hätte..„ ,r,..- Reichs- und Landtagsabgeordneter He,n: Es ist eme sehr kitzliche Frage, in deren Beratung wir eintreten wollen. Das darf uns aber nickt veranlassen, ihr aus dem Wege zu gehen. Das wäre Vogel Strauh-Polink. Es hnndelt sich um nicht mehr und nicht weniger als darum, ob die ländlichen Dienstboten unS erhalten bleiben oder der Sozialdemokratie zufallen sollen. Wir dürfen ihr nicht ausweichen. Sonst geht es uns mit den ländlichen Dienstboten ebenso wie mit den Industriearbeitern, denen wir die Organisation erst dann erlaubten. als die Roten bereits große Organi- sationen gegründet und das Feld abgegraben hatten. Wir haben heute schon Anzeichen dafür, besonders in Süddeutschland, wo nicht wie in Norddeutschland gesetzliche Hindernisse bestehen, daß die Sozialdemokratie draus und dran ist, die ländlichen Diciistboten und Arbeiter zu organisieren.(Hört! hört I) Es ist höchste Zeit, daß auch wir daran denken, daß es auf dem Lande Dienstboten und Arbeiter gibt. In Mecklenburg haben die Sozialdemokraten die Herausgabe einer Landarbeiter-Zeitung beschlossen, in der Gegend von Oppenheim in Hessen haben sie schon die Winzer organisiert und � bei uns in Bayern � haben sie Millionen von Flugblättern auf das Land geworfen. Aber für mich ist nicht nur die Furcht maßgebend, daß wir zu spät kommen könnten. Maßgebend ist die Tatsache, daß es eine Forde- rung der Gerechtigkeit ist, den ländlichen Arbeitern dieselben Rechte zuzugestehen, die die städtischen Arbeiter haben.(Lebhafter Beifall.) Die Bauern Nagen heute so bewegt über Mangel an Gehorsam und Umgangsformen bei ihren Arbeitern. Das beweist gerade die Not- wendigkeit der Organisation. Die organisierten Arbeiter halten auf Disziplin. Der richtig denkende Bauer braucht die Organisation sicher nicht zu fürckten. Nun will auch ich einen Unterschied machen zwischen ländlichen Dienstboten und Landarbeitern. Für den Landarbeiter des Großgrundbesitzes ist die Organisationsfrage sicher eine Lohnfragc. für das Gesinde des kleinen und mittleren Bauern, das meistens gut entlohnt wird, mehr eine Frage der guten Behandlung und der guten Unterkunst. Vieles auf dem Lande würde besser werden, wenn man dem Gesinde und den Landarbeitern ein Lebensziel geben würde, aus das sie hinzuarbeiten hätten. Wie einfach wäre eS zum Beispiel, durch eine staatliche Bodcnbank der planlosen Bodenzertrümmernng einerseits und der Latifundienbildung andererseits entgegenzuarbeiten.(Sehr wahr!) Warum geht es denn bei den Polen niit der Ansiedelung? (Großer Beifall.) Wer zwei oder drei Dezennien der Landwirtschaft gedient hat, den, sollte ein sorgenloser Lebensabend garantiert sein. (Beifall.) ReichstagSavgeordneter G ies b er pS-München-Gladbach: Wenn wir im Norden für die Koalition der Landarbeiter eintreten, dann sagen uns immer die Bauern: Was sollen wir»lachen, wenn unS dann unsere Arbeiter die Ernte hinwerfen und streiken? Ich stehe nicht an zu erklären, daß ich de» Streik zur Zeit der Ernte, wenn nicht dringende Gründe für ihn vorliegen, auf das entschiedenste verurteilen würde. Aber Schwierigkeiten bereiten uns die noch be- stehenden 27 Dienstbotenordnungen, die teilweise geradezu unge- heuerliche Bestimmungen enthalten. So enthält die preußische Gesindeordnung einen Paragraphen, der mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, wenn Landarbeiter Vorbereitungen ur Arbeitsniederlegung treffen.(Hört! hört!) Gerade üeser Punkt bietet der Sozialdemokratie eine breite Angriffsfläche.(Sehr wahr!) Ich bin mit dem Abgeordneten Heim durchaus darin einig, daß auf dem Lande ein Unterschied zivischeu Gesinde und Arbeiter gemacht werden muß. In den Großstädten ist diese Grenze schwer zu ziehen. Dort wählt man zu gewerblichen Zwecken vielfach die Form des Dienstverhältnisses, nur um billige Arbeitskräfte zu haben, die man weidlich ausnutzen kann.(Sehr wahr!) Von der Dienstbotenbcwegung hoffe ich neben der materiellen Hebung auch eine Hebung in sittlicher Beziehung. Die jungen Mädchen konimen vom Lande in die Stadt niit der dort üblichen Ehrfurckt vor ihrem Herrn und seineu Söhnen. In der Großstadt herrscht nun in den Familien häufig nicht der christliche Familicngeist, der Gott sei Dank auf dem Lande besteht. Dort dient das Dienst- botenverhältnis häufig direkt der Spekulation, die Mädchen zu un- sittlichen Zwecken auszunutzen. Es wäre deshalb zu wünschen, wenn die Mädchen etwas iveniger Ehrfurcht vom Lande in die Stadt mit- bringen würden.(Heiterkeit und Beifall.) Der Antrag wird einstimmig angenommen. Nachher gab es noch eine Debatte über die Frauenfrage. in der einer Frau Baronin v. G o r d o n als„Gutachterin" das Wort verstattet wurde(die Satzungen des Katholikentages schließen nämlich die Frauen von den Beratungen und Ab- stimmungen aus!) und in der der Reichstagsabgeordnetc Heim sich für das Frauenstimmrecht erklärte. Ein Antrag auf Empfehlung des katholischen Frauenbundes wurde zuni Schluß angenommen. Der Nachmittag brachte noch zwei Vorträge über: Schöne Literatur und Kunst und über: Das Papsttum. Dann schloß der Vorsitzende die Tagung mit einer Triumphrede, in der er die Pflicht der Unterwerfung unter die päpstliche Autorität mit Nacyi>ruck und unter dem Jubel der Versammlung betonte. Und darauf ging der Katholikentag auseinander, ohne ein Wort zur lircnnendste» Frage der Zeit, zur Wahl- rcchtsfrage gesagt zu haben! DaS Zentrum will keinen Wahlrechtskampf! Auch seine Arbciterabgeordneten nicht! Werden die Zentrumsarbeiter sich diesen Verrat gefallen lasscu?_ llisrMo. Eine Bestätigling der Meldung von der Ermordung beS Sultans Abdul Aziz liegt bis jetzt nicht vor, wohl aber werden Gerüchte berichtet, wonach in Fez heftige Kämpfe stattgefunden haben und der Sultan vom aufftändischcn Volke in seinem Palaste belagert»verde. Die Anerkennung Mulay Hafids macht Fortschritte. Er soll aber nach einer allerdings auch noch unbc- slätigten Meldung einen Konkurrenten in seinem Bruder Mulay Mohamcd erhalten haben, der in Fez zum Beherrscher der Gläubigen ausgerufen Warden sei. General Drude hat am Montag eine Rekognoszierung vorgenommen, bei der es zu einem Gefecht mit den Marokkanern kam, die zurückgehen mußten. Der General siebt seine Lage keineswegs rosig an, er hat dringend Verstärkungen gefordert und wird sie, wie jetzt offiziös zugegeben wird, er- halten. Die Tagesmeldungen lauten: Casablanca, 28. August.(Meldung der„Agsnce HabaZ.") Am 26. August unternahmen Spahls und algerische Freilvillige eine Rekognoszierung nach Südwesten. Feindliche Streitkräfte be- fanden sich bei dem Dorf Abdellabad Ulddschcllal. General Drude schickte 3 Kompagnien Schützen und Fremdenlegion ans mit einer halben Batterie der 75 Millimeter-Kanonen, die den Anmarsch der Infanterie decken sollte. Während de« Bombardements des Dorfes. dessen Bewohner bestürzt hinter die Dünen am Ende der Südküste flüchteten, schwärmte die Infanterie aus. Die Marokkaner er- widerten das Feuer heftig, verliehen aber bald ihre Stellung. Zwei benachbarte Flecken wurden von den algerischen Freiwilligen ausgeplündert und in Brand gesteckt. Paris, 29. August. Der von General Drude über die mili- tärische Lage von Cansablanca eingeforderte tclcgraphischc Rapport ist eingetroffen. Die Regierung gab hierauf Befehl, datz die beiden algerischen Schützenrcgimenter, die in Oran bereit stehen, sofort nach Casablanca in Marsch gesetzt werden. Durch diese Vcr- stärkung von 1600 Mann beläuft sich die Hecresstärke, über die General Drude verfügt, auf über 7000 Mann. Die Regierung erteilte autzerdem General Drude völlige Freiheit für die mili- tärische Organisation, befahl ihm aber, sich im Geiste der Akte von Algeciras zu halten. Tanger, 29. August, llnbestätigte Nachrichten aus Ein- geborenenquelle sagen, daß Fez von feindlichen Stämmen über- fallen sei und geplündert werde. Tanger, 29. August. Mulah Hafid wurde nunmehr auch in Mazagan zum Sultan proklamiert. Nach Meldungen aus Fez ist der Bruder des Sultans, Mulay Mohamed, dort zum Sultan ausgerufen worden. Heftige Kämpfe toben zwischen den Parteien; es gehen Gerüchte, die Stadt stehe in Brand. London, 29. August. Aus Tanger wird von gestern gemeldet, Mulay Hafid habe bekannt gegeben, daß er Vorbereitungen treffe, um für die Mordtaten in Casablanca Genugtuung; leisten und sich mit den europäischen Mächte» zu verständigen. E habe den Stämmen verboten, die Franzosen anzugreifen, falls letztere nicht in das Gebiet des Schauja-StammeS eindringen. London, 29. August. Nach einer Meldung des Daily Telegraph auS Mazagan erhielt der Pascha von Mazagan, Si Hassan, am 25. d. M. einen Brief von Abd el Aziz, in welchem dieser dem Pascha und den Zollverwaltern den Befehl gab, eine Anzahl Gewehre und Munition nach Tanger zu schicken. Der Pascha gab im letzten Augenblick Gegenbefehle, da er gerade die offizielle Mitteilung von der Proklamation Mulah Hafids erhalten hatte. Dies läuft praktisch auf eine Anerkennung des neue Sultans und Unterwerfung unter seine Autorität hinaus. Tanger, 29. August. Soweit bekannt, hat die Mehrzahl der südlichen Stämme Marokkos Mnla» Hafid zum Sultan prokla miert. Es heitzt, daß Mulay Hafid zurzeit an der Spitze be deutender Truppen sich auf dem Wege zur heiligen Stadt b* findet. In Tanger herrscht noch große Besorgnis, da man immer noch einen Handstreich seitens der Bergstämme befürchtet. Paris, 29. August. Nach Meldungen einer Pariser Zeitung aus Tanger soll in F e z eine Revolution ausgebrochen, der Sultan und seine Minister im Palast gefangen sein. Die Be völkcrung habe einen Sturm auf die Mauer» versucht. ver vositsnckv i r r e n d, in schwülstigen allgemeinen Phrasen von Aktionen" zu deklamieren. Mit hochtrabenden Worten macht man keine Aktionen, auch nicht im preußischen Wahl- rechtskampfe, sondern nur durch die Aufrüttelung der pro- letarischcn Massen, durch unausgesetzte, vorwärtstreibende Kritik der bürgerlichen Parteien, deren am Wahlrecht gleich- falls interessierte Wählermassen in Bewegung zu bringen sind. Wir wollen nicht behaupten, daß eS die„Fränk. Tagespost" bisher an solcher wirklichen Aktion habe fehlen lassen, wohl aber möchten tvir feststellen, daß gerade der„Vor- >v ä r t s" mit dieser Aktion bereits im Juli energisch ein- gesetzt hat— also lange bevor der Stuttgarter Kongreß dem„neuen Sozialismus der Aktion" angebliche Geburts- helserdienste leistete ly— Die Teuerungszulage an die Unterbeamten. Bon einigen Blättern wurde jüngst gemeldet, datz bei der AuS- Zahlung der Teuerungszulagen an die Unterbeamten dcnjcuigeu Unterbeamten, die wegen Krankheit oder sonstigen Unglücks iir ihrer Familie im Laufe des Jahres eine Unterstützung bei ihrer vor- gesetzten Behörde nachgesucht und zugebilligt erhalten hatten, diese Unterstützung in voller Höhe bei der Auszahlung der Teuerungs- zulage wiederum in Abzug gebracht worden sei, so daß einzelnen dieser Unterbeamten anstatt 100 M. tatsächlich nur 20 oder 10 M. erhalten hätten. Darauf erwidert die ministerielle.Berliner Korrespondenz�: Da jede Andeutung fehlt, bei welcher Behörde so verfahren sein soll, ist eine Prüfung der Richtigkeit der Behauptung im einzelnen ausgeschlossen. Nach den an zuständiger Stelle ein- geholten Erkundigungen würde aber das behauptete Boraehen den Absichten der Staatsregierung und den von ihr erlassenen Be- stimmungen keineswegs entsprechen. Gemäß den im Landtage abgegebenen Erklärungen ist in den Ausführungs- anweisungen betreffend die Verteilung der im Etat vorgesehenen außerordentlichen einmaligen Bcihülfcn für Uuterbcamte nur gesagt, daß den Unterbeamten, insoweit sie an der diesjährigen Gehaltsaufbesserung beteiligt sind, die Beihülfe um den Betrag der Aufbesserung zu kürzen fei. Von einer Anrechnung einer etwaigen Zuwendung aus Unterstützungsfonds ist nicht die Rede. Da diese Fonds nicht gekürzt sind, lag auch zu einer solchen allgemeinen Anordnung kein Anlaß vor." Die.Berliner Korrespondenz" bestreitet also nicht, daß Unterbeamten die Unterstützungen, die sie im Laufe des letzten Jahres erhalten haben, bei der Auszahlung der Teuerungszulage in Anrechnung gebracht find; aber sie behauptet, daß Anordnungen von oben in dieser Richtung nicht erlassen sind, und daß die Staats- regierung auch diese Abzüge nicht billigt. Dennoch können die Unterbeamten, denen die Unterstützungen von ihrer Teuerungszulage abgezogen worden sind, den einbehaltenen Betrag nachfordern und, falls er ihnen verweigert werden sollte, Beschwerde erheben. Afrikanische Züchtigungsmethoden. Daß preußische Richter außerordentlich abgehärtet sind gegen die Prügel, die die Kinder des arbeitenden Volkes in der Schule empfangen, ist allgemein bekannt. Haben doch vor wenigen Jahren Berliner Richter eine katholische„Erzieherin" f r e i g e- sprachen, weil 50 Stockhiebe, deren Spur noch nach 8 Tagen in Form blutiger Krusten zu sehen war, nach ihrer Ansicht„auf die körperliche Gesundheit des gezüchtigten Kindes keinen dauernd schädlichen Einfluß" Hütten. Immerhin hieß es, daß Scham- Verletzungen bei der Schulhauerei in Preußen ausgeschlossen seien. Man munkelte sogar, es bestände ein m i n i st e r i e l l e r E r l a ß, der unanständige Formen der Züchtigung, insbesondere Züchtigungen bei entblößte in Leibe, ausdrücklich verbiete. Das scheint jedoch nicht richtig zu sein; wenigstens spricht das nachfolgende Dokument für das Gegenteil: Der Erste Staatsanwalt. Hildcsheim, den 22. Juli 1907, Geschäfts-Nr. 4. I. 505/07/3. Aus die nicht datierte, hier am 12. Juni 1907 eingegangene Anzeige gegen die Lehrerin Elisabeth Reinbeck in Gronau: Ihrer Ansicht, Sie und Ihr Sohn seien dadurch beleidigt worden, daß die Beschuldigte Ihren Sohn vor der ganzen Klasse 0) durch Schläge auf das entblößte Gesäß gezüchtigt hat, kann ich nicht beitreten. Die Beschuldigte hat Ihren Sohn gezüchtigt, weil er trotz häufiger Ermahnungen zur Ruhe immerfort auf dem Schulhofe und in der Klasse gelärmt und den Unterricht in erheblicher Weise gestört hat. Sic hat die oben erwähnte Art der Züchtigung(Schläge auf das entblößte Gesäß) gewählt, weil ihr nach ihren glaubhaften Angaben eine wirksame Züchtigung ohne Herunterziehen der Hose nicht möglich gewesen wäre. Diese Maßnahme lag noch innerhalb der Grenzen des Züchtigungsrcchtcs, so daß ein straf- barer Verstoß gegen§ 340 des Strafgesetzbuches nicht vorliegt. Bei dieser Sachlage kann in dem Verhalten der Beschuldigten aber auch eine Aeußerung ehrverletzenden Charakters für Sie nicht erblickt werden. Selbst wenn man die Handlungsweise der Be- schuldigten für objektiv beleidigend halten wollte, so ist der Be- schuldigten jedenfalls nicht im entferntesten bewußt gewesen, daß Sie oder Ihr Sohn darin eine Beleidigung erblicken würden. Vor allem aber kommt in Betracht, daß die Beschuldigte be- absichtigte, Ihren Sohn zu züchtigen, also ihm ein körperliches Uebel zuzufügen, nicht aber ihn, am allerwenigsten seine Eltern, durch die Art der Züchtigung an der Ehre zu kränken, also zu be- leidigen. Der Vorsatz, körperlich zu züchtigen, schließt die Absicht zu beleidigen in der Regel a u S. Das Verfahren hat also eingestellt werden müssen. In Vertretung:(Unterschrift unleserlich.) frankvdch. Ein««zuverlässiges Regiment. Paris» 29. August. Ju der Garnison Die ereignete sich ein aener Aufruhr beim 17. Infanterieregiment, von welchem bekanntlich schon ein Teil wegen Menterri nach Algier gesandt worden ist. Das Regiment manövrierte, als eine Anzahl Reservisten, welche sich über ihren Hauptmann zu beklagen hatten, weil er nicht genügend für ihre Einquartierung gesorgt habe, plötzlich meuterten und rrvo- lutionäre Lieder sangen. Die Bewegung nahm sofort eine große Aus- drhnung an, ein Hauptmann, welcher intervenieren wollte, wurde von den . Soldaten tätlich angegriffen. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet. Offiziös wird folgendermaßen zu beschwichtigen gesucht: Paris, 29. August. Oppositionelle Blätter wissen von einer Meuterei unter den Reservisten des 17. Infanterieregiments zu melden. Der Kriegsminister erklärt dazu, daß eS sich lediglich um einen vereinzelten Fall von Ungehorsam handle. Englancl. Die irischen Landnnruhen- London» 29. August. Die gestern in Irland verhafteten 19 Personen sind gegen Stellung von Kautionen freigelaffen worden. In ganz Irland dauern die tumultuösen Versammlungen an; man befürchtet den Ausbruch einer sehr ernsten Agrarbewegung. GcwcrfcfcbaftUcbc**. Haltet die deutsche Arbeiterehre hoch? Wir mußten schon die betrübliche Tatsache konstatieren, daß sich in Antwerpen eine Anzahl der„besonders nütz- lichen Elemente" eingefunden hatten, um die deutsche Arbeiterehre zu schänden. Neuerdings haben sich auch noch einige, erfreulicherweise wenige, Bergarbeiter gefunden, die ihren Kameraden in B e l g i e n in den Rücken fielen. Dieser letztere Fall scheint seine Ursache teilweise mit darin zu haben, daß die belgischen Bergleute bisher wenig taten, das Ausland über den Kanipf aufzuklären, in den sie zurzeit verwickelt sind. Schon acht Monate stehen nämlich die Bergarbeiter der Gruben von Pres de Fleron u. Hosard in Belgien im AuS- stand. Die Aussichten des Streiks haben aber eine für die Streikenden insofern ungünstige Wendung angenommen, als Berantw. Redakteur:. Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: es den Unternehmern neuerdings gelungen ist, Streikbrecher auch aus Deutschland heranzuziehen. Es ist für die deutschen Arbeiter jedenfalls tief beschämend und ihre moralische Pflicht ist es, alles zu tun, um den Zuzug von Arbeitswilligen nach dem Streikgebiet fernzuhalten. In einer Sitzung, welche das Streikkomitee von Hosard abhielt, wurde beschlossen, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß sich leider deutsche Bergarbeiter gefunden haben, die sich von der Direktion der Grube Hosard anwerben ließen und dadurch ihren streikenden Brüdern in den Rücken fallen. So kamen am letzten Mittwoch sieben deutsche Bergarbeiter, welche an- geworden waren, mit dem Versprechen, daß sie pro Stunde 1 Frank 50 Cent, verdienen sollten. Diesen Leuten erzählte auch ein Ingenieur, daß noch andere Arbeiter aus Holland und Belgien angeworben seien und nachfolgten. Wie vermutet wird, ist es ein Mann namens Daubach, welcher die Leute anwirbt. Nachmittags kamen noch drei Deutsche in Hosard an, welche auch angeworben waren und direkt von den Unternehmerknechten nach Pres de Tleron, einer Bruder- grübe von Hosard, gebracht wurden; auch auf dieser Grube wird gestreikt. Wir bitten nun die arbeiterfreundliche Presse allüberall die Bergarbeiter davor zu warnen, sich für die Gruben Hosard und Pres de Tleron anwerben zu lassen, da- mit der Kampf, der schon acht lange Monate dauert, nicht aussichtslos wird. Ferner würde es sehr freuen, wenn uns vom Ausland etwas Hülfe zukäme. Sendungen(Geld) nimmt D. D. Wislot, Sekretär des Verteidigungskomitees, entgegen. Seine Adresse ist: Volkshaus Retinna, Micharoux(Belgien). ßertin und Umgegend. Die Kleber versammelten sich am Mittwochabend bei Meyer in der Oranienstraße, um zu beraten, wie sie die gegenwärtige günstige Konjunktur ausnützen könnten. Der Vorsitzende V r u n o w schilderte, wie die Verhältnisse im Beruf zurzeit liegen. Es ist Arbeit in Fülle vorhanden; ein Vertrag besteht nicht, aber die Tarifpreise sollten überall Geltung haben. Bedauerlicherweise arbeiten nun noch viele Kleber zu Preisen unter dem Tarif; an vielen Plätzen werden nur die Mindestpreise bezahlt. Der Sektionsvorstand empfiehlt allen Mitgliedern, überall da die Arbeit niederzulegen, Ivo die tarifmäßigen Preise nicht bezahlt werden. ES wird erwartet, daß jeder Kollege energische Anstrengungen macht, möglichst gute Preise zu erzielen, auf keinen Fall sich aber herbeiläßt, unter den alten Tarispreisen zu arbeiten. Durch eine vorgenommene Bautenkontrolle für die Kleber wurde festgestellt, daß für Berlin innerhalb des RingbahnnetzeS allein SOO Bauten in Betracht kommen, also jedem Kleber Gelegcnheir gegenwärtig geboten ist, lohnende Arbeit zu finden. Die Empfehlung des Vorstandes wurde einstimmig angenommen. In der Diskussion wurde die Notwendigkeit einer strafferen Organisation besonders hervorgehoben und allen Anwesenden zur Pflicht gemacht, für den Verband zu agitieren. Die organisierten Hausdiener, Kutscher usw. aus den Wäsche- vcrlcihgeschäften Berlins haben seit dem 1. Mai 1906 einen korpo- rativen Lohntarif zur Durchführung gebracht. Um eine Durch- brechung dieses Tarifes zu verhüten, ist vom Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter eine K o n t r o l l- karte eingeführt worden. Nur von den Firmen ist der Tarif anerkannt, werden die geforderten Lohnsätze gezahlt, deren Ar- beiter im Besitz der Kontrollkarte sind. Dieselbe ist seit dem 1. Mai dieses Jahres von grüner Farbe und nur dann gültig, wenn dieselbe ordnungsgemäß jeden Monat abgestempelt ist. Verein Berliner Hausdiener. Die Branchenleitung: Hermann Mehring, Wrangelstr. 102. Achtung, Glasschleifer! Die Spiegelschleifer in Budapest stehen im Streik. Die Meister versuchen in Berlin arbeitswillige Schleifer anzuwerben. Wir ersuchen die Kollegen, keinerlei Angebote »ach dort zu machen und den Meistern bei event. Anfrage die ge- bührende Antwort zu geben. Zentralverband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ucdcr die Tcltowcr Porzcllanfabrik hat der Porzellanarbeiter- verband die Sperre verhängt. Veranlassung hierzu geben die in bezug auf Verdienst und Behandlung usw. bestehenden Mißstände. Sodann die Maßregelung einiger Vcrbandskollcgen. Es werden auch nur solche Arbeiter eingestellt, welche auf ihr Koalitions- recht Verzicht leisten. Da die Direktion nun keine gelernten Arbeiter bekommt, die allein imstande sind, den vollständig heruntergekommenen Betrieb wieder flott zu machen, so versucht sie ungelernte Arbeiter aus Teltow und Umgebung heranzuziehen, um den Wirkungen der Sperre zu entgehen. Die Teltoivcr Arbeiter und Arbeiterinnen werden hoffentlich, nachdem ihnen die Sperre der Porzellanfabrik bekannt ist, das ihrige dazu tun, daß das Streben der Direktion vergeblich sein wird! lveutlebeo Keiev. Zum Streik des Hamburger Schleppdampferpersonals. Das Rcederorgan veröffentlicht von mehreren Bugsierdampfcr- gescllschaften Lohnlisten von Schiffern und Maschinisten, wonach diese bei der einen Firma im Monatsdurchschnitt 196,75 M. ver- dient haben sollen; eine Gruppe soll es sogar während der Monate Januar— Juni 1907 im Monatsdurchschnitt auf 253,20 M. ge- bracht haben, und das, wie selbst angegeben wird, bei einem festen Wochenlohn von nur 30 M. und 50 Pf. für die Ueberstunde. Diese Leute sind also während der sechs Monate ständig im Dienst ge- Wesen und haben, in Tagwerk umgerechnet, ein Arbeitspensum von 12 Monaten geleistet, denn 130 M. beträgt ja nur der feste Monatslohn bei zwölfstündiger Arbeitszeit pro Tag. Die Agenten der„Base" befinden sich auf der Streikbrecher- suche, haben bisher aber erst nur einige„Maschinisten" auftreiben können, die zum Teil nicht einmal die Signale verstehen. Die Polizei nimmt sich, wie immer, der Arbeitswilligen liebevoll an, damit diese ja nicht in Berührung mit den Streikenden kommen. Streik der Hamburg-Altonaer Elektromonteure und HlllfSmonteure. Vor einigen Wochen haben die eine Sektion des Metall- arbeiterverbandcs bildenden Elektromonteure und Helfer(Hülfs- Monteure) ihren Arbeitgebern einen neuen Lohn- und Arbeits- tarif zugestellt, der für Monteure einen Minimallohn von 70 Pf. (bisher 50 Pf.) und für Helfer einen solchen von 55 Pf. Vorsicht. Außerdem wird eine Aufbesserung des Lohnes iür Ueberstunden sowie Nacht- und Sonntagsarbeit verlangt, iie neunstündige Arbeitszeit besteht schon seit zwei Jahren. Die Arbeitgeber wollen den Monteuren nur 60 Pf. und den Helfern 45 Pf. Stundenlohn zugestehen; ferner weichen ihre weiteren Zugeständnisse wesentlich ab von den aufgestellten Positionen der Arbeiter. In einer am Mittwochabend stattgehabten Versammlung der Elektromonteure und HülfSmonteure wurde beschlossen, am Donnerstagmorgen die Arbeit einzustellen. Der diesbezügliche Beschluß wurde mit 417 gegen 3 Stimmen gefaßt. Entsprechend diesem Beschluß wurde am Donnerstag in den Werkstätten die Arbeit niedergelegt, deren Inhaber sich ablehnend verhalten. In Hamburg-Altona arbeiten etwa 700 Monteure und Hülfsmonteure. Eine Anzahl Arbeitgeber hat sofort den neuen Lohntarif anerkannt, so daß am Donnerstagmittag schon 150 Mann zu den neuen Bedingungen arbeiteten. Im Streik befinden sich etwa 600 Monteure und Hülfsmonteure. Ausland. Der Tockerstreik in Antwerpen. Antwerpen, 28. August.(Eig. Ber.) In der gestrigen Dockerversammlung wurde der von den Streikführern vertretene Vorschlag, daß alle Hafenarbeiter die Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: BorwärtsBuchdr.u. Verlagsanstalt Arbeit aufnehmen und alle Kraft und alle Mittel auf die Fort« sctzung des Kampfes der Holz- und Getreideverlader konzentriert werden sollen, einstimmig angenommen. Nur in dem Falle, daß die Unternehmer die Arbeiter zum Verladen von Getreide und Holz verwenden sollten, dürften diese die Arbeit verweigern. Diesem, aus der ruhigsten, besonnensten Erwägung, aus der gewiffcnhaftesten Ucberprüfung der Lage resul- tierenden Entschluß, den sich abzuringen Hunderten der gereizten Hafenarbeiter schwer genug wird— diesem Entschluß steht nun die provokatorische Haltung der Unternehmer gegenüber. Der Präsident der Unternehmervereinigung, S t e i n m a n n, erklärte, daß die Arbeiter, die unterzeichnet haben, auch zur Verladung von Holz und Getreide verwendet werden. Wenn sie sich jedoch weigern sollten, würde dies die allge- meine Aussperrung zur Folge haben. Die General- Versammlung der Unternehmer wird heute darüber abstimmen, aber es scheint, daß die Sache bereits abgemacht ist und von dem ein- geschlagenen Weg der brutalsten Vergewaltigung nicht um eines Haares Breite gewichen werden soll.— Nun gibt es auch sonst noch bei der Arbeitsaufnahme— es haben sich Vor- mittag 2 bis 3 Tausend Arbeiter gemeldet— genug der Schwierigkeiten durch die noch anwesenden fremden Arbeiter.— Das in Aussicht gestellte Vorgehen der Unternehmer wäre also in der gegenwärtigen allgemeinen Erregung doppelt sträflich und� ver- dammenswert. Noch ist die letzte Entscheidung abzuwarten. Daß die Streikführer rieten, nicht nur die Arbeit aufzunehmen, sondern auch, wenn es gefordert wird, denKontrakt zu unterzeichnen, zeigt, daß von ihrer Seite alles geschieht, um den Konflikt zu beenden. In diesem die Gegensätze auf schärfste aufpeitschenden Kampf kommt die Kunde, daß sich die Unternehmer durch den i n t e r- nationalen Ausbau ihrer Organisation noch viel schärfer und umfassender gegen künftige Streiks wappnen werden. Auf dem im Oktober statt- findenden Kongreß wird insbesondere die Frage der raschen Beförderung von Streikbrechern nach denHäfen geregelt werden. Die Hafenarbeiter haben also durch die empfan- gene Lehre dieses Streiks wie mit Rücksicht auf die bevorstehende internationale Zusammenschließung der Herren der Häfen die dringend st e Pflicht ein Gleiches zu tun.— »«» Antwerpen, 29. August. W. T. B. meldet: Der Arbeitgeber- verband beschloß, die Hafenarbeiter solange auszusperren, bis sie sämtlich die Arbeit wieder aufgenommen hätten und zu diesem Zweck neue Millionen zu bewilligen. Gegenüber der Haltung der Arbeitgeber beschlossen die Arbeiter in heute vormittag abgehaltenen Versammlungen, den Widerstand fortzusetzen. Die Lage im Hafen ist ruhig. Die Ladearbeiten werden von ausländischen Arbeitern verrichtet. Die Gendarmerie ist verstärkt worden. Tischlerstreik in Kopenhagen. Unterm 29. August meldet W. T. B. aus Kopenhagen: In der heutigen außerordentlichen Generalversammlung der Arbeitgeber- Vereinigung wurde in der Angelegenheit des seit vier Monaten dauernden Bautischlerstreiks einstimmig bcschloffen, den Bautischlern zur Wiederaufnahme der Arbeit eine Frist von drei Tagen zu gewähren. Bei Nichtaufnahme der Arbeit innerhalb dieser Zeit soll die Generalaussperrung für sämtliche der Arbeitgebervereini- gung angehörenden Betriebe des Landes proklamiert werden. Behördliche„Arbeiter-Fsirsorge" in Rußland. Den Vertretern des Petersburger DnickcrciarbeiterverbaudcS wnrds im RegistrierungSamt nntgeteilt, daß gegenwärtig die Vor- arbeiten für ein neues Vereinsgesetz im Gange seien, welches die Tätigkeit der Gewerkschaften vollkommen lahmlegen dürfte. So soll die Leitung von Lohnkämpfen den Gewerkschaften überhaupt untersagt werden.(1) Der Moskauer Stadlhauptmann erklärte den Vertretern des Verbandes des graphischen Gewerbes, die um die Wieder- eröffnung des siftierten Verbandes nachsuchten, daß er im Verlaufe von 1>/z Jahren die Ueberzengung gewonnen habe, daß die Gewerkschaften den Arbeitern nur Schäden zufügten. Auf die Einwendung, daß der Verband oft Konflikte zwischen den Arbeitern und Unternehmern geschlichtet und überhaupt deren gegenseitige Beziehungen reguliert habe, entgegnete der Stadthauplniann, daß der Verband auch in diesem Falle überflüssig sei, weil er, der Sladthauplmann, gerne selbst bereit sei, a n Stelle deS Verbaudes die Beziehungen zwischen den Arbeitern und Unternehmern zu regulieren...» Man wird in gewissen Kreisen von der Elbe und Spree mit Neid nach der Newa und Wolga blicken! Eine Genossenschaftsgärtnerei in Basel haben die streikenden Gärtner errichtet und dafür bis jetzt an Anteilscheinen und Bei- trägen von gewerkschaftlicher Seite 6015 Frank erhalten. Der aus- gedehnte Betrieb scheint zu prosperieren. Eingegangene Dnickrcbnften. Nene Gesellschaft. Heft 9.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Lily Braun.) Verlag Berlin dIW. 6, Cbaritäftr. 3. Der Tripper.— Die Syphilis. Laienverständllch erklärt von Dr. Orlowski, Spezialarzt in Berlin. Preis je 90 Pf. Würzburg, A. Stubors Verlag. Werde gesund! 8. Heft. Zeitschrist für VolksgesundheitSpflcge. EerauSgcber: Dr. G. Liebe. Monatlich ein Hest. Vierteljährlich 75 Ps.— erlag: Th. Krische in Erlangen. Müller tZtzuldaj, Richard, M. d. R. Die Ewnahmcquellen des Deutschen Reiches und ihre Entwickelung in den Jahren 1872—1907. Voltsvcrcinsocrlag: M.-GIadbach. Preis 1,20 M. E. Döuickc, Berliner Sozialdemokralcn alS Soldaten I Verlag! E. Maerter. Leipzig-R. Preis 2,— geb. 3,— M. Letzte Nachrichten und Dcpelcben, Streik der Elektromonteure. Hamburg, 29. August.(B. H.) Die Elektrizitätsmonteure be- schloffen die sofortige Arbeitsniederlegung, weil die Arbeitgeber es abgelehnt haben, wegen ihrer Lohnforderungen mit dem Metall- arbciterverbande zu unterhandeln. Schlechte Steuerzahler. Paris, 29. August.(B. H.) Die Versuche mit dem neuen Einkommensteuergesetz scheiterten in Bellerive vollständig infolge des Widerstandes der Bevölkerung, welche sich hartnäckig weigerte, die notwendigen Aufklärungen dem zuständigen Ausschüsse zu geben. Opfer des Freiheitskampfe?. Petersburg, 29. August.(W. T. B.) Heute nachmittag ver- kündete das Militärgericht das Urteil in dem Verschwörcrprozeß. Nikitenko, Sinjawski alias P u r k i n und N a u m o w wurden für schuldig erkannt, ein Attentat auf das Leben des Kaisers vorbereitet zu haben, und zum Tode durch den Strang verurteilt. Von vier Angeklagten, die der Bildung einer Organisation zwecks Sturzes der bestehenden RegierungS- form für schuldig erkannt wurden, sind drei zu acht Jahre» und einer zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Fünf weitere Angeklagte wurden wegen Unterstützung der Verschwörung zur Ausweisung verurteilt unter gleichzeitigem Verlust aller Standesvorrechte. Sechs Angeklagte wurden freigesprochen, doi» unter auch Rechtsanwalt Feodoßjew sowie dessen Frau. paülSsngeröeCo"., Berlin LVV. Hierzu 2 Beilagen n.Unterhaltungsblatt » Nr. 202. 24. Zahrgaug. 1. WIM im Jonufitts" Kcrlim Solliülilnlt. Freitag, 30. Aagaß 1907. Dlt Fartelpreffe über den Internationalen Kongreß. L Die sozialistische Presse Deutschlands und des Auslandes ist einstimmig im Lob der Stuttgarter Tagung. Die allge- meine Beftiedigung, die sich kundgibt, hat ihren schönsten Ausdruck gefunden in dem Artikel: Der Triumph der Jnter» nationale, den Genosse Viktor Adler in der„Wiener Arbeiterzeitung" dem Kongreß gewidmet hat. Er beginnt: .Mit dem Gefühl stolzer Genugtuung, mit dem Bewußtsein der Kampfbereitschaft und der Siegeszuversicht sind die Vertreter des kämpfenden Proletariats aller Länder heute auseinandergegangen. Der internationale Sozialismus war immer die Hoffnung und die Zukunft, er beginnt eine Macht und wirkende Gegenwart zu werden. Das sind nicht mehr Apostel, einsame Rufer in der Wüste des Kapitalismus, das ist ein wachsendes weltumfassendes Heer, mit eigenem, blühendem, vielgestaltigem Leben von Gedanken, fähig der Zusammenfassung zu gemeinsamem Wollen, zu einheitlichem Eni- schluß, zu zielbewußter Tat." Und nach einer knappen scharf charakterisierenden Skiz- zierung der Verhandlungen kommt Genosse Adler zu dem Schluß: .So waren die Stuttgarter Tage erhebend und fruchtbar. Mit gesteigertem Mute, mit einem Zuwachs an Kraft, an Hoffnung kehren die Abgesandten deS Proletariats zurück in ihre Heimat, die ihr Kampfp'osten ist, neu gestärkt durch die lebendige Anschauung, wie der Sozialismus vorwärts schreitet und die Welt zu umfassen und zu durchdringen beginnt; jeder einzelne gestärkt in dem Entschluß. in dem Kampfe gegen Ausbeutung und Klassenherrschaft seinen ganzen Menschen einzusetzen, um diese herrliche Welt dem Menschentum, der Freiheit zu erobern." Die Einmütigkeit in der Bewertung deS Kongresses im ganzen hindert natürlich nicht, daß über Einzelheiten die Meinungen auseinandergehen. Wir geben die wichtigsten Aeußerungen hier wieder und zwar zunächst die zu dem Punkte, wo die Differenz der Ansichten am größten ist— die Aeußerungen zu den Verhandlungen und dem Beschluß des Kongresses über die Kolonialfrage. „Hamburger Echo": Die erste Plenarentscheidung galt der Kolonialfrage Unerwarteterweise siegte die Minderheitsresolution der Kommission, die jede KolonialpolUik verwirft. Wir möchten glauben, daß weniger die Sache, als der Ausdruck.Kolonialpolitik" diese Entscheidung herbeigeführt hat. Dieser Ausdruck war der Mehr- heit anstößig, weil er— wie Kautsky, der die Ansicht der Kommisstonsminderheit vertrat, sagte—.Eroberung eines fremden, überseeischen Landes und gewaltsame Festhaltung dieses Landes bedeutet". Hätte es statt dessen gelautet:.Sozialdemokratische Politik in den Kolonien", so wäre wohl kaum eine tiefere Differenz vorhanden gewesen..Der Gedanke," sagte gleichfalls Kautsky,„daß wir die Kolonien nicht einfach ignorieren können, daß wir in ihnen gewisse Aufgaben zu erfüllen haben, so viel als mög- lich für sie positiv tätig fein müssen, hat meines Wiffens noch nie- nrand bestritten. Das ist aber etwas ganz anderes als Kolonial Politik." Und im weiteren:„Man hat gesagt, wir müssen Er ziehungspolitik treiben, wir müssen hinausgehen zu den wilden Natur, Völkern als Lehrer und Berater. Ja, das müssen wir allerdings. Wir find selbst daran interessiert, daß diese Naturvölker auf eine höhere Kulturstufe gelangen." Usw...." „Bremer Bürgerzeiwng": .Zunächst die Kolonialfrage. Hier überwog in der deutschen Delegation leider der revisionistische Standpunkt, was unbestreitbar daher rührte, daß die Revisionisten unter den 150 Vertretern der Partei bedeutende Verstärkung aus den Reihen der in Stärke von ebenfalls ISO Delegierten erschienenen Gewerkschaftsvertretern erhielten. DaS Plenum des Kongreffes verhinderte den Rückschritt, der infolgedessen drohte, indem die Resolution der Minderheit zur Annahme gelangte. Diese Resolution lvird uns in Deutschland. vortreffliche Dienste leisten. Sie erlaubt nicht nur, sondern sie gebietet der Sozialdemokratie aufs nachdrücklichste den Ruf:.Fort mit den Kolonienl" zu erheben und so die Bereicherung einiger Weniger auf Kosten der Nation aufs schärfste zu bekämpfen. Ganz unglaubliche Argumente lvurden von revisionistischer Seite zugunsten einer.reformierten auch den Arbeitern nützlichen Kolonialpolitik vorgebracht. So, ob man denn auf die kolonialen Produkte verzichten wolle? Als ob Tee, Kaffee, Tabak, Gewürze und viele andere Produkte nur auf dem Wege der Kolonialpolitik zu ge- ivinnen wären. Als ob sich die Produktivität in jenen Ländern, wo diese Produkte gewonnen werden, nicht immens erhöhen ließen. Wir begrüßen es mit Freude, daß die sogenannte Mehrheits, resolution abgelehnt wurde und wünschen dringend, daß die Kolonial frage in der Partei recht eingehend diskutiert werden möge, waö wir in Stuttgart an Ansichten über diese Frage vernahmen, läßt geradezu auf eine Verlodderung der sozialistischen Theorie bei vielen Sozialdemokraten schließen. Und dadurch, daß man verächtlich von den.Theoretikern" spricht, werden die Lücken im theoretischen Wissen bekanntlich nicht ausgefüllt. Ebensowenig, wenn von gewisser Seite aus versucht wird, bestehende Gegensätze immer aufs neue wieder zu verkleistern." »Leipziger Bolkszeitung": .... Es ist in der Tat nicht abzusehen, was die Kritik der kapitalistischen Kolonialpolitik mit der Frage zu schaffen haben soll. ob dermaleinst der Sozialismus eine zivilisatorische Kolonialpolitik treiben werde. An die Spitze einer, die kapitalistische Kolonial- Politik verurteilenden Resolution den Satz zu stellen, daß„der Kongreß nicht prinzipiell und für alle Zeiten jede Kolonialpolitik verwerfe, die unter sozialistischem Regime zivilisatorisch werde wirken können", heißt die klare Lage der Gegenwart verdunkeln, um einer Zukunft nichts zu vergeben, die— Ivir wiederholen leider I— noch in recht weiter Ferne liegt. Wenn aber dieses Vorgehen damit begründet werden soll, daß es für den internationalen Sozialismus notwendig sei, nicht bloß zu kritisieren, sondern auch seine schöpferische Fähigkeit zu zeigen, so wird man durch diesen Satz die Gegner der Arbeiterbewegung nicht von der schöpferischen Fähigkeit des Sozialismus überzeugen, was man diesen braven Leuten am Ende nicht einmal übelnehmen kann. Ob eS eine zivilisatorische Kolonialpolitik geben kann, zur Zeit, wo unsere Enkel mit unseren Knochen die Aepfel von den Bäumen werfen, das ist eine Frage, um die es sich nicht lohnt, eine Zukunfts- mustk zu treiben, die von den Gönnern der kapitalistischen Kolonial- Politik mißbraucht werden kann, um deren Scheußlichkeiten zu ver- hüllen.... Weniger erklärlich war die anfechtbare Haltung der deutschen Partei in der Kolonialpolitik. Sie führte zur bewegtesten Szene des Kongresses, die nicht ohne peinliche Momente war. Glücklicherweise fiel die endgültige Abstimmung umso erfreulicher ans. Der Versuch einer Annäherung an die bürgerlichen Auffassungen der Kolonial- Politik, dein leider auch die Mehrheit der deutschen Dele- gation zugestimmt hatte, wurde klipp und klar zurückgewiesen. Damit ist eine schwere Gefahr vereitelt worden, die für die sozialdemokrattsche Agitatton der nächsten Jahre hätte verhängnisvoll werden können, um so verhängnisvoller, als die offizielle Reichspolitik' Der absehbaren Zuiunft unter den trügerischen Sternen der Dern- burgschen Dattelkistenutopie stehen wird. Ungehindert durch jedes Bleigewicht, können wir jetzt klar zum Gefecht machen gegen die ungeheuerlichen Opfer an Gut und Blut, die den Massen abermals ausgewälzt werden sollen zugunsten einer kleinen Minderheit Profit- lüsterner Kapitalisten." „Sächsische Arbeiterzeitung"(Dresden): „Nach unserer Auffaffung wäre es irrtümlich, wenn man die Auseinandersetzung über die Kolonialpolitik auf die Formel bringen wollte, als habe es sich um Sieg und Niederlage zwischen einer entschiedeneren und einer gemäßigteren Richtung gehandelt. Es mag demjenigen, der sich an Aeußerlichkeiten hält, so erscheinen, als habe zunächst in der Kommission eine gemäßigtere— oder gar, wie es bedauerlicherweise bereits geäußert wurde, eine dem Kapitalismus cnt- gegenkommende— Richtung die Mehrheit erhalten, während nachher im Plenum die radikale Richtung mit einer Mehrheit von einigen Stimmen durchdrang. Aber es ist doch schon auffällig, daß nach der Ablehnung des ersten Absatzes der Kommissionsresolutton das Plenum des Kongresses fast einstimmig die vorherige Minderheitsresolution in der Gcsamtabstimmung annahm, was im Falle eines vollen Gegensatzes beider Auffassungen wohl schwerlich hätte geschehen können. Dazu kommt, daß die Redner von beiden Seiten sich gegenseitig zugestehen mußten, daß in der Resolution der anderen dieselben Forderungen auch mit enthalten seien wie in der eigenen Resolution. Der französische Genosse Rouanet sagte mit Recht, in der Minderheitsresolution seien auch positive Forderungen zur Verbesserung der kapitalistischen Kolonial- potttik enthalten und Vertreter der Minderheitsresolution konnten gleichfalls mit Recht darauf hinweisen, daß auch die Mehrheits- resolution jede kapitalistische Kolonialpolitik verurteile. Es zeigt sich also, daß es sich nicht etwa um einen vollen Meinungsgegensatz handelte, sondern um die Frage, in welchem Maße und Umfange es möglich ist, innerhalb des Kapitalismus die Kolonial- Politik sozialdemokratisch zu beeinflüssen und zu verbeffern. Die Minder- heitsresolution betont schärfer und in mehrfachen Wiederholungen die Abscheulichkeit der kapitalistischen Kolonialpolitik und betont die Mög- lichkeit des Ankämpfens gegen diese Polittk weniger eindringlich; sie er- scheint daher vorwiegend protestierend und negierend. Die Mehrheits- resolution verurteilt prinzipiell die kapitalistische Kolonialpolitik genau so wie die andere Resolution, aber sie fordert stärkere Einflußnahme der Sozialdemokratte aller Länder auf die Kolonialpolitik, um deren kapitalistische, ausbeuterische, die Eingeborenenbevölkerung unter drückende Maßnahmennach Möglichkeit abzuschwächen. Es wäre auch nach dem schweren und tapferen Kampfe, den wir gerade in Deutschland vor kurzem gegen die kapitalistische Kolonialpolitik gekämpft haben, geradezu unverständlich, daß die Mehrheit der deutschen Delegation mit ihrer Auffassung etwas anderes als dieses gemeint und gewollt hätte. wurde nicht entfernt auf eine Abkehr von bisherigen Grundsätzen gesonnen, vielmehr sollte eine intensivere Anwendung unserer Grunde sätze auf die praktische Politik angestrebt werden. Und hierin sehen wir das wesentliche und wichtige Merkmal dieser ganzen Kolonialdebatte auf dem Stuttgarter Kongreß. Es macht sich ein immer stärkeres Drängen nach positiverer Be einflussung der Politik geltend, es wächst mit dem Wachstum des Sozialismus in allen Ländern das Streben, auch das wichttge Gebiet des Kolonialwesens dem brutalen Schalten des Kapitalismus nicht zu überlassen, sondern hier mehr als bisher die bessernde Hand anzulegen, wie wir es auf anderen Gebieten stets getan haben. Dieses Streben stark offenbart zu haben und ihm für die Zukunft Ermunterung gegeben zu haben, das ist als ein großes Ergebnis des Stuttgarter Kongresses anzusehen." „Sächsisches Bollsblatt"(Zwickau): .... Bebel hat bekanntlich im Reichstage unsere Stellung in der Kolonialftage seinerzeit dahin präzisiert, daß wir gegen die Kolonisation an sich nichts haben können, nur auf das Wie komme es an. Bernstein, David und Genossen zitieren nun Bebel für sich doch mit Unrecht, denn gerade das W i e ist bei Bebel nicht in dem Sinne, wie erstere Genossen eS aufgefaßt sehen wollen, gemcinl ge- Wesen, van Kol, Bernstein, David und Genossen haben durch das Amendement zur Mchrheitsresolution beabsichtigt, daß die Kolonial polittk unter sozialisttschem Regime zivilisatorisch wirken könne. daß wir die Kolonialpolitik nicht prinzipiell verwerfen sollen. Da jedoch Kolonialpolitik immer Unterwerfung niederer Völkerschaften voraus- setzt, so hatte Kautsky ein Recht, zu sagen, daß wir deutschen Sozialisten immer gegen eine solche Politik gewesen sind. Soll sozialistische Kolonialpolitik dagegen friedliche Aus einandersetzung mit anderen wilden Völkerschaften bedeuten, dann brauchen wir solches nicht erst festzulegen, denn friedlichen Warenaustausch, zivilisatorische Einwirkung auf barbarische Völker- schaften haben wir immer schon erstrebt; dies resultiert aus unserer Gesamtanschauung, deren letztes Resultat die humanisierte Menschheit ist. ... schon im Interesse der deutschen Sozialdemokratte ist Klärung der grundsätzlichen Anschauung über die Kolonialpolitik und deren politische und finanzielle Behandlung erforderlich. Wir haben ein Recht zu fordern, was die sogenannten Revisionisten mit ihrer von der der Mehrheit der deutschen Sozialisten abweichenden Meinung in dieser Hinsicht herbeizuführen gedenken. Wo sind Eure Schriften über die Kolonialpolitik und Kolonien überhaupt, frug bekanntlich van Kol in Stuttgart. Das durfte er jedoch nur die sogenannten Revisionisten fragen, denn die Marxisten haben eine besondere Detaillierung ihrer kolonialen Anschauungen bisher nicht nötig gehabt. Doch darüber wird sich ja in den nächsten Tagen schon, spätestens aber nach dem Essener Parteitage näher reden lassen...." „Bolksstimme"(Chemnitz): „Lebhafte Auseinandersetzungen gab eS im Plenum nur bei der Debatte über die K o l o n i a l p o l i t i k. Die zur Annahme ge langte Resolution ist ein sonderbares Gebilde, und enthält Sätze, die den Tatsachen widersprechen. Wurm, Ledebour und Kautsky, die für die Resolutton der Minderheit der betreffenden Sektton ein- traten, hatten nur eine kleine Minderheit der deutschen Delegation hinter sich. Bei der Vorberatung in unserer Delegatton hatten sie sich vergeblich bemüht, ihren Ansichten Geltung zu verschaffen. Polen, Serben, Rumänen, Bulgaren usw.»erhalfen der Resolutton der Minderheit im Plenum zur Annahme." „Arbeiterzeitung"(Dortmund): „Von großer Bedeutung war für uns Deuffche nach den verfloffenen Reichstagswahlen die Kolonialfrage. Zunächst schien eS, als hätte der Kongreß Neigung, auf diese neuen Gefahren der Welt- und kolonialpolttischen Romantik mit einer Abschwüchung der Resolutionen zu antworten, die auf den internationalen sozialistischen Kongressen von Paris(1900) und Amsterdam(1904) angenommen worden sind. Formell bestätigte die vorgelegte Resolution der Kolonial- Kommissionsmehrheit zwar die Pariser und Amsterdamer Beschlüsse, sie begann aber mit einem Absatz, der, indem er von einer Uebertreibung des Nutzens oder der Notwendigkeit der Kolonien— für die Arbeiter- klaffe sprach. den Nutzen und die Notwendigkeit solcher Ko- lonien für die sozialistische Arbeiterschaft als etwas Gegebenes und Erwiesenes voraussetzte. Zudem wurde die Kolonialpolitik nicht prinzipiell verworfen, sondern zwischen einer kapitalistischen und sozialistischen, das heißt zwischen der heutigen und einer ge- milderten, humaneren Kolonialpolitik unterschieden und letztere iir akzeptabel erklärt. Der Kongreß hat jedoch diesen Vor- 'chlag, dessen Annahme eine Desavouierung deS Verhaltens des größten Teiles der sozialdemokratischen Parteipreffe während des letzten ReichstagSwahlkampfeS bedeutet hätte, verworfen und der Resolution durch Ablehnung des ersten und des letzten Absatzes sowie durch Einfügung eines Minderheitsantrages eine Fassung ge- geben, welche die früheren Kolonialresolutionen der internationalen Arbeiterkonaresse nicht mildert, sondern verschärft. Für den Kampf, den die sozialdemokratische Arbeiterschaft Deutschlands in den nächsten Jahren gegen die Flotten- und Weltpolitik deS neuesten imperialistischen Kurses zu fuhren haben wird, eine vorzügliche Waffe." „Bolksblatt"(Bochum): „Haben alle Völker das nationale Selbstbestimmungsrecht oder haben es nur einige? Bei welchem Kulturzustande fängt dieses Recht an und wer bestimmt die Grenze? Der eine Grundsatz ist zwar aufgestellt worden in der Kolonialfrage nnd der andere in der Frage des Militarismus und der internationalen Konflikte, aber das ändert doch nicht? an dem Widerspruche, zeigt dagegen, wie sehr beide Fragen zusammen- hängen. Wir vergessen nicht, daß daS Bevormundungsrecht der höheren Kultur nur von einem Mitgliede der deutschen Delegation ausdrück« lich proklamiert worden ist, uns will jedoch scheinen, als ob dieser eine der konsequentere Teil der deutschen Delegation in der Frage der Kolonialpolitik war— freilich nur in dieser Frage; daß die Konsequenz aufhört, wenn man einen Schritt aus dem begrenzten Zirkel heraus ins allgemeine tut, haben wir gezeigt—. Will man einmal eine Kolonialpolitik rechtfertigen, welchen anderen Recht- ferttgungsgrund als den besprochenen will man aufstellen? Wir können uns deshalb der Mehrheitsauffassung der deutschen Delegation nicht anschließen. Die Stellungnahme zur gegen« wältigen Kolonialpolitik ist die politische Gegenwartsfrage, die zu entscheiden war. Wenn wir die gegenwärtige Kolonialpolitik rundweg ablehnen, so heißt das keineswegs, daß wir nun die Re- gierungen der herrschenden Parteien in den Kolonien schalten und walten laffen nach Belieben. Wir können deshalb sehr wohl für Re- formen in den Kolonien wirken. Eine grundsätzliche Anerkennung der Kolonialpolitik in einer Resolution festzulegen, die ja eine politische Prinzipienerklärung, nicht eine utopische Zuknnftsschilderung sein soll, war zu diesem Zweck nicht erforderlich. In der Kolonialfrage ist sicher noch nicht der Weisheit letzter Schluß gefunden, aber die Lösung, die die deutsche Mehrheitsresolution suchte, ist insbesondere mit der hier behandelten Begründung die anfechtbarste." „Freie Presse"(Elberfeld): ..... Bei der Frage der Kolonialpolitik hatte die Mehrheit der deutschen Delegation— die aus den Vertretern der Gewerkschaften und dem revisionistischen Flügel der Partei bc- stand—, einer Formel zugestimmt, die uns vollständig lahmgelegt hätte in der Agitation gegen das Zentrum, soweit das weite kolonial- politische Gebiet in Betracht kommt. Die Sache war so schlimm» daß die niederrheinischen Parteidelegierten sich entschlossen, eine weitere Sitzung der deutschen Delegation zu ver- langen, von der sie beanspruchten, falls die Resolution der Mehr- heit der Kolonialkommission, zu der die deutsche Mehrheit ge- hörte, vom Kongreß angenommen werde, im Plenum des Kongresses eine Erklärung verlesen zu dürfen, wonach und weshalb sie mit dieser Resolution nicht einverstanden sein könnten. Die deutsche Delegation beschloß darauf wohl, das Anstößigste aus der Mehrheitsresolution herauszubringen, in prinzipieller Hin- ficht aber an der Resolution nichts zu ändern. Der Kongreß ließ sich nicht leiten von konzilianten Rücksichten gegenüber den Deut- schen; obwohl der Berichterstatter der Kommission die deutsche Faffung angenommen hatte, wurde diese von dem Kongreß mit 127 gegen 198 Stimmen verworfen und derr prinzipielle Stand- Punkt, den wir bisher zur Kolonialpolitik eingenommen haben, gewahrt. Die deutsche Delegation, d. h. die Mehrheit derselben» hat eine Niederlage erlitten, aber sie ist k e i n e unverdiente. Hoffentlich ziehen daraus diejenigen deutschen Genossen, welche so gerne zu Konzessionen an die bürgerliche Gesellschaft bereit sind, in der Meinung, dadurch praktische Erfolge erzielen zu können, die nötigen Schlußfolgerungen." «Rheinische Zeitung"(Köln): .... In der Sektion, der diese Frage zur Vorberatung über» wiesen war, kam unter Führung des holländischen Genossen van Kol und unter Mitwirkung der deutschen Genossen Bernstein und Dr. David eine Resolution zustande, die der Hauptsache nach zwar einwandfrei war, jedoch durch ihren einleitenden, recht unglücklich aufgepfropften Satz berechtigten Anlaß zu lebhaften Angriffen bot. Dennoch fand diese Fassung in der deutschen Delegation eine starke Mehrheit. In einer zweiten Sitzung der deutschen Delegation wurde jedoch eine Aenderung des ersten Satzes beschlossen, worauf auch noch ein großer Teil der Minderheit die Gesamtrefolution akzepicrte. Nur Kautsky und Ledebour protestierten noch. Die nach Nationen vorgenommene Abstimmung im Plenum des Kon- gresses ergab aber ein ganz anderes Bild: die Minderheits- resolution der Sektion für Kolonialpolitik, die den Absatz 1 der Mchrheitsresolution durch eine erheblich schärfere Fassung ersetzen wollte, fand eine starke Mehrheit, und da sich in einer Sonder- abstimmung auch die Mehrheit der deutschen Delegierten für die dadurch hergestellte ganz neue Art der Resolution entschied, war der glatte Sieg dieser schärferen Fassung gesichert. Die deutschen Stimmen gaben nicht den Ausschlag, führten aber herbei, daß die Mehrheit nicht nur an wenigen Stimmen einer vielleicht recht un- bedeutenden Nation hing. Die Resolution zeichnet in ihrer jetzigen Fassung dem internationalen Sozialismus klar den Weg vor, den er in praktischen Fragen der kapitalistischen Kolonialpolitik zu gehen hat: eine Versöhnung mit ihr gibt es unter keinen Um- ständen I..." «Bolkszeitung"(Düsseldorf): „... Es war eine gewaltige Rcdenschlacht, die über die Re- solution van Kol entbrannte. In der Hauptsache handelte es sich um den ersten Absatz derselben wonach, wie es bekanntlich hieß, der Wert der Kolonien im allgemeinen und im besonderen sür die Arbeiterklasse bedeutend übertrieben worden sei, jedoch nicht jede Kolonialpolitik grundsätzlich verworfen wurde, da sie unter sozia- listischem Regime zivilisatorisch würde wirken können. Unnötig zu sagen, daß diese Resolution, falls der Kongreß sie annahm, die Haltung der deuiichen Sozialdemokratie während des letzten Reichs- tagswahlkampfes in aller Form desavouierte; daß damit der Evolutionsgedanke des Revisionismus, den die deutsche Partei wiederholt und in seiner Takttkresolution auch der Amsterdamer Kongreß abgelehnt hatten, wieder aufgenommen worden wäre.... Für deutsche Sozialdemokraten konnte es zumal nach dem letzten Wahlkampf eigentlich keinen Zweifel geben, welche Stellung zu der van Kölschen Resolution einzunehmen war. Die Majorität der deutschen Delegation sprach sich jedoch zunächst für dieselbe aus, um dann in einem Zusatzantrage ihre Stellung nicht unwesentlich zu modifizieren. Der Kongreß folgte der Majorität der deutschen Delegation nicht und votierte für die Minderheit derselben, zu der, wie bemerkt sein mag, auch die Vertreter des Niederrheins gehörten. Ein anderer Ausgang war auch nicht zu erwarten.... Hatte der Revisionismus in der deutschen Delegation diesmal eine zu- 'ällige Mehrheit und versuchte er die Gelegenheit zu benutzen, um auf dem internationalen Kongreß neue Richtlinien für die deutsche Partei festzulegen, so machen diese Umstände seine Niederlage in Stuttgart nur um so bedeutungsvoller. DaS Votum des Kon- zress�s ist'mithin für die deutsche Partei in doppelter Hinsicht er« reulich."_ Erste illtmmtwilllle Konferenz der Arbeiter öffentlicher betriebe. In der Zeit vom 25. bis 27. August d. I. tagte in Stuttgart die erste internationale Konferenz der Arbeiter öffentlicher Be- triebe, das ist das Personal der Gemeinde- und Staatsbetriebe, der sonstigen Kraft-, Licht- und Wasserwerke sowie der Kranken- pflege- und Badeanstalten. Delegierte waren anwesend aus: Däne- mark 4, Deutschland S, Holland 2, Schweden 1, Schweiz 1 und Ungarn 1. Sympathiecrtlärungen waren eingegangen von der Organisation in England, Frankreich, Luxemburg, Oesterreich und Nutzland. Die persönlich vertretenen Organisationen umfasien insgesamt 44 479 Mitglieder in öffentlichen Betrieben. Selb- ständige Verbände für diese Kategorie von Arbeitern bestehen in Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Luxemburg, Oesterreich, Rutzland, Schweiz und Spanien. In den skandinavischen Ländern gehören diese Arbeiter jedoch zumeist den allgemeinen Arbeitsmännerverbänden an. Uebcr den Punkt:„Die rechtliche Grundlage des KoalitionS- Und Streikrechtes der Arbeiter öffentlicher Betriebe in den einzel- nen Länder» und die praktische Durchführung von Lohnbewegungen" referierte MohS-Berlin. Aus dem Referat und der Diskussion iit hervorzuheben der Hinweis auf das Streben der Behörden, das Koalitions- und Streikrecht dieser Arbeiter illusorisch zu machen, sowie die Auseinandersetzungen über die Anwendung der Mittel zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Die Grundlinien der gepflogenen Verhandlungen spiegeln sich in nachstehender Resolution wieder, die Annahme fand: „In Anbetracht der Verschiedenartigkeit der rechtlichen Grundlagen des Koalitions- und Streikrechts für die in öffent- lichen Betrieben beschäftigten Arbeiter, hält es die erste inter- nationale Konferenz der Arbeiter öffentlicher Betriebe für ge- boten, datz die einzelnen Landesorganisationen die diesbezüg- lichen, für ihr Land geltenden gesetzlichen Bestimmungen, sowie alle später in Kraft tretenden Neuerungen mit den Bruder- organisationen austauschen. Die Konferenz protestiert in jeder Weise und Form gegen die Schmälerung des Koalitions. und Streikrechts für die Arbeiter in öffentlichen Betrieben und bc- trachtet es als Ehrenpflicht aller hier in Frage kommenden Organisationen, mit allen Mitteln für ein freiheitliches KoalitionS- und unbeschränktes Streikrecht für alle Arbeiter öffentlicher Betriebe einzutreten, da sie keineswegs auf das letzte, wenn auch schärfste Kampfmittel im wirtschaftlichen Kampfe Verzicht leisten können. Zur praktischen Durchführung von Lohnbewegungen aller Art sind die wirtschaftlichen Kampfmittel der modernen Gewcrk- schastSbewegung je nach den Verhältnissen anzuwenden. Die öffentliche Meinung und die Gemeindevertretungen sind in ent- sprechender Weise über die Lage der Dinge aufzuklären und ist dabei unsere Stellungnahme darzulegen. Die Beteiligung an den Wahlen zu den öffentlichen Körperschaften ist besonders zu propagieren. Die Organisationslcitungen werden ersucht, für die Durchführung der hier gegebenen Anregungen zu sorgen." Ueber:„Lohn- und Arbeitsverhältnisse und Arbeiterfürsorge" für die Arbeiter öffentlicher Betriebe referierte D i t t m e r- Berlin. Als Resultat der Verhandlungen gelangte nachstehende R e s o- lution znr Annahme: „In Erwägung, datz die Organisationen der in öffentlichen Betrieben tätigen Arbeiter mit aller Macht für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse wie auch größerer Arbeiter- fürsorge einzutreten haben, beschließt die Konferenz, zur Orientierung über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter aller Länder regel- mätzig die Statistiken der einzelnen Organisationen über diese Fragen auszutauschen, selbige branchenweise zusammenzustellen und in kleinen Heftchen herauszugeben. Von Aufstellung bestimmter, allgemein für alle Organi- sationen geltender Forderungen für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der in öffentlichen Betrieben tätigen Arbeiter wird von der Konferenz Abstand genommen. Die ein- zelnen Bruderorganisationcn werden verpflichtet, über diese Punkte unter ihren Mitgliedern gründlich zu diskutieren und mit ihren auf diese Weise gewonnenen Ansichten an die nächste Konferenz heranzutreten." Zur„Alkoholfrage" wurde nachstehende Resolution an- genommen: „Die internationale Konferenz steht den Bestrebungen zur Bekämpfung des unmäßigen Alkoholgenusses sympathisch gegen- über. Besonders hält es die Konferenz im Interesse der Förde- rung des körperlichen und geistigen Wohles, wie auch der Pflege des gewerkschaftlichen Gedankens für unerläßlich, dahin zu wirken, den Genutz alkoholhaltiger Getränke in öffentlichen Be- trieben möglichst zu beseitigen. Die Konferenz betrachtet eö als eine Pflicht der Betriebsverwaltungen, in den Werken für den nötigen Ersatz, als Kaffee, Tee und dergleichen, Sorge zu tragen." In bezug aus die internationale Verbindung wurde beschlossen: „Zum Zwecke einer besseren internationalen Verbindung wird der jeweilige Vorsitzende des deutschen Gemeinde- und StaatSarbeiterverbandcs beauftragt, die hierfür nötigen Ar- beiten, wie auch die von der Konferenz beschlossenen Resolutionen zur Erledigung zu bringen. Die Kosten, welche das internationale Sekretariat verursacht, werden alljährlich durch Umlage von den angeschlossenen Organisationen ausgebracht, und zwar ent- sprechend der Mitglicderzahl derselben. Zur Unterstützung bei Lohnkämpfen ist ein Vorschlag vom Sekretariat auszuarbeiten, welcher dann den angeschlossenen Verbänden zur Beschlutzfassung unterbreitet wird." Die nächste internationale Konferenz findet im Anschluß an den nächsten Internationalen Sozialistenkongretz in K o p e n- Hagen statt._ Hue der parteu Zur Frage des PreßbureauS. „Gespenst er für cht" betitelt die„Sachs. Arbeite r- Zeitung" eine Notiz, die sich mit den eingehenden Darlegungen unseres Artikels beschäftigt oder vielmehr nicht beschäftigt. Denn da? Blatt geht jeder Diskussion über die von uns eingehend be- gründeten Bedenken mit der wohlfeilen Ausrede aus dem Wege: „Wir sehen keine Ursache, ausführlich auf die Einzelheiten des ,VorwärtS"-ArtilelS einzugehen, da wir dieser Angelegenheit nicht die Bedeutung beilegen, die er ihr beilegt." Bequemer kann man sich die Sache freilich nicht machen. Diese Haltung des Autors des Entwurfs der fünf Redakteure, denn als solchen stellt sich der Verfasser der Notiz in der„Sachs. Arbeiter- Zeitung" vor, ist freilich um so befremdender, als seinerzeit die Redaktion des„Vereins Arbeiterpresse' zu lebhafter DiS- k u s s i o n in dem VereinSorgan aufforderte. Nachdem nun die Angelegenheit vor das Forum der Partei gebracht worden ist, soll sie auf einmal alles Interesse verloren haben I Wenn die„Sächsische Arbeiter-Zeitung" versichert, die fünf Redaktcure, von denen der private Entwurf ausging, hätten gar nicht daran gedacht, die Presse uniformieren zu wollen, so be- deutet da» gar nicht» gegenüber den Gefahren, die, wie wir im einzelnen nachgewiesen haben, tatsächlich für die Partei- presse aus einem Pretzbnreau notwendigerweise erwachsen mutzten, stir das die Wünsche der sünf Redakteure als Richtschnur dienten. Das freundliche Zureden der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung", sich doch„vom Alpdruck dieser Gespenster" recht bald befreien zu wollen. bewiese bestensall» das eine, daß die Verfasser des Fünferentwurfs die Tragweite und die unausbleiblichen Konsequenzen ihres Projektes selbst nicht zu übersehen vermögen. Da» Bochumer„Bolksblatt" hat da einen viel weiteren Blick gezeigt. Wie notwendig die gründliche Erörterung des Entwurfes des Parteivorstandes ist und wie recht wir hatten, als wir der Fassung desselben die größte Dehnbarkeit beimaßen, beweist ja geradezu klassisch folgender Satz der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung": „Der Antrag dör Parteileitung besagt über die Aufgaben des BnreauS denn auch im wesentlichen dasselbe, was der Entwurf der(fünf) Redakteure ausführlich dargelegt hat." Also I Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Essen. Dem auf der Generalversammlung am Sonntag gegebenen Bericht über das verflossene Geschäftsjahr ist folgendes zu entnehmen: Die Mitgliederzahl stieg von 2392 im Vorjahre auf 2912. Die Einnahmen stiegen von 11 133 M. im Vorjahre aus 16 468 M. Es fanden 29 öffentliche„nd 37 Mi�liederversamm- limgen statt: an Flugschriften und Broschüren wurden 331 OVO Exemplare verbreitet. Nicht einbegriffen sind in diese Summe die ans An- Iah der Reichstagswahlagitation verbreiteten Flugblätter, die zirka eine Million betragen: anch die Wahlversammlungen sind in obiger Zahl nicht mit enthalten. Zur Fortbildung der Genossen wurde ein Bildungsausschutz an« Delegierten des sozialdemokratischen Vereins und der freien Gewerkschaften zu gleichen Teilen gebildet. Bis jetzt veranstaltete er einen Kursus i Einführung in die National- ökonomie), den Genosse Julian Borchardt- Berlin leitete. Der Kursus nahm fünf Abende in Anspruch: es beteiligten sich 126 Ge- nossen. An den Gemeinde wählen beteiligte sich die Partei mit gutem Erfolge. Die Stimmenzahl stieg von 2396 im Vorjahre auf 4449, mithin ein PlnS von 2653 Stimmen. Der Bericht stellt ferner fest, datz' in verschiedenen Orten des Landkreises Essen die Polizei ohne gesetzliche Grundlage gegen die Partei vorgegangen sei. Bei verschiedenen Genossiimen, die in der Frauenbewegung eine führende Rolle spielen, hat man „Haussuchungen" vorgenommen. In Rotthausen und Barbeck erschien bei neiiaufgcnommenen Mitglieder» der politischen Organisation die Polizei,„um die Personalien der Betreffenden anfzlincljmen".(!) Wenn man den ungeheuer schwierigen Boden in Betracht zieht, auf dem besonders in dem schwarzen Landkreise Essen die Pro- pagmida betrieben werden muh. so sind auch die ziffernmätzigen Er- folge in dem Kreise als hochbefriedigend zu betrachten. Eine nngcwöhnliche Zuwendung hat der B a u f o n d s des Solinger GewerkschaftshauseS erhalten. In dem Stimmenkaiifprozetz des Frankfurter Parteisekretärs D i t t m a n n gegen den Redakteur Dretzler vom„Solinger Kreis-Jntelligenzblatt" kam bekanntlich am 8. Juli vor dem Solinger Schöffengericht ein Vergleich zustande, nach dem sich Dreßler verpflichtete, außer sämt- lichen Kosten eine Sühne von 290 Mark zu zahlen. Dieses Sühncgeld ist vom Genossen Dittmann nunmehr dem genannten Fonds überwiesen worden. So kann ein Kreisblatt-Redakteur dazu kommen, wider Willen einmal Nutzen zu stiften. Zur Angelegenheit Calwcr. Auf dem Landesparteitag der sozialdemokrati- scheu Partei des Herzogtums Braunschweig, der am Sonntag in Blankenburg a. H. tagte, gab der Genosse Merges-Delligsen im Auftrage der Genossen des 3. braun- Ichweiäischen Wahlkreises zu der Entsetzung des Genossen Calwer von seinem NeichstagSmandat eine Erklärung ab, der der Braun- schweiger.B olksfreund" folgendes entnimmt: In der bürger- lichen Presse werden in letzter Zeit allerlei verlogene Behauptungen über die Gründe der Verabschiedung des Genossen Calwer durch die Kreiskonfercuz des dritten Wahlkreises verbreitet. Ich bedauere da- her, daß kein Vertreter der Redaktion unseres Parteiblattes der Konferenz beigewohnt hat, um eine» objektiven Bericht von der Verhandlung aufzunehmen.(War uns für den Sonntag unmöglich. Red. d.„Volksfr."> Schon auf der Kreiskonferenz des dritten Kreises im Jahre 1999 in Ildehausen haben es die Genossen dem Genossen Calwer böse verübelt, daß er in den„Sozialistischen Monatsheften" für den eventuellen Schutzzoll eingetreten ist. Der Konfereuz lag damals schon eine Mißtraue nsreso- lution gegen den Genossen Coli» er vor, die diesem durchaus nicht recht war. Man verständigte sich mit ihm, überließ ihm die Redaktion der Resolution, die da»» eine Form erhielt, unter welcher sie einstimmig angenommen wurde. Wenn Cahwer heute in Zuschriften an die Presse ver- sucht, dem Genossen Antrick die Schuld daran zu- zuschieben, daß sich der d r i t t e K r e i S v o n i h m g e- trennt hat. so entspricht diese Behauptung durch- aus nicht den Tatsachen. Die Genossen des dritten Kreises sind urteilsfähig genug, sich ihr Urteil selbst bilden zu können und sie haben es sich über den Genossen Calwer selbst gebildet, ohne irgend eine Beeinflussung von außen her. Auf den Kreiskonfereuzen in Münchehof und Seesen hat sich Genosse Calwer mit s e i ii e il R e f e r a t e n, z. B. ü b e r den M a f s e n st r e i k, in völligen Gegensatz zu dem gesamten Genossen- kreis gesetzt. Alle Redner ohne Ausnahme haben sich gegen die Ausführungen Calwerö gewendet. Das Maß ist endlich übergelaufen. Mir hat ein bürgerlicher Redner öffentlich erklärt: Herr Calwer gehört ja gar nicht zu Euch. Und wie hat denn Calwer in dem Streite mit der Genossin David abgeschnitten, bei welchem Calwer doch seine Behauptung genugsam wider- legt wurde, daß der deutsche Arbeiter trotz des'Getreidezolles billigeres Brot esse, wie der englische Arbeiter bei der englischen Freihandelspolitik. Genosse Calwer hatte sich große Achtung im Kreise erworben. Noch auf der letzten Konferenz erklärte ein Stadt- oldendorfer Delegierter dem Genossen Calwer seinen Dank für seine Broschüre über die Bundesratsverordnung, den Steinhauerschutz be- treffend, aussprechen zu müssen. Allein soweit geht die Geschichte doch nicht, daß man Genossen Calwer alles nachsehen kann. Er hat mehr als einmal den Gegnern die Waffen gegen unsere Partei ge- schmiedet, und daher die endgültige Scheidung zwischen ihm und uns. potizeUlcbcs, Gerichtliches ufw. Eine sehr schwere Reinigung, so berichtet man uns unterm 28. August aus Halle a. S., vollzog heute das Schöffengericht an einem Gendarm Perl aus dem Orte L a u ch h a m m e r bei E l st e r w e r d a, der sich durch zwei im„LollSblatt" ver- öffentlichte Artikel beleidigt fühlte. Die Gendarmeriebrigade in Magdeburg hatte Strafantrag gestellt, Genosse Redakteur Fröhlich war angeklagt und Genosse Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d« Berlin hatte die Verteidigung übernommen. Die vorgesetzte Behörde wird nicht allzu große» Spaß an den, Strafantrag gehabt haben, denn es wurde festgestellt, datz der Hüter des Gesetzes„nicht immer" in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes gehandelt hat. In beiden Artileln war gesagt worden, daß der Gendarm gelegentlich eines Streiks und Boykotts der Arbeiter in Dolftheide und Bockwitz häßliche Straßenszenen provoziert habe. Während der Gendarm seine Hauptheldentalen meist in Abrede stellte, mußte er doch zugeben, datz mindestens zehn Streikposten, die er durch seine Anzeigen vor Gericht gebracht hatte, freigesprochen worden sind. Mehrere Zeugen bekundeten, daß der Gendarn,„wie ein Raubvogel" auf Streik- und Boykottposten losgestürzt fei und in vermeintlicher Ausübung seines Amtes Arbeitern die Rock- ärmel bis zur Hälfte aufgerissen hatte. Rücklings vvn hinten habe er»»gegriffen und einen Arbeiter von einem Privatgrundstück weggezerrt. weil der Hüter des Gesetzes annahm, eS könnten vorbeigehende ArbeiiSloillige gestört werde». Genosse Herzfeld umerzog das Anfircteii des Gendarmen einer scharfen Kritik. Die Verhandlung habe ein Bild der Rechtlosigkeit der Arbeiter ergeben; der Schuldige sei nicht der Angeklagte, sondern der Gendarm. Das Gericht erkannte an, daß der Gendarm nicht in allen Fällen objektiv berechtigt gehandelt hat. Die Kritik sei aber über das erlaubte Matz hinaus- gegangen, weshalb eine Geldstrafe von 109 Mark verhängt worden ist. Hue Industrie und Kandel. Kohlcnwnchcr. Durch beträchtliche Busfuhr und durch über den Bedarf hinaus gehendes Brennen von Koks hat die für Preiserhöhungen günstige Angst vor einer Kohlenknappheit auf den erforderlichen und ge- wünschten Grad gebracht. Den oberschlesischen frommen Kohlen- königen kam noch ein anderer Umstand zu Hülse, um mit dem Gespenst einer Kohlennot günstige Stimmung für Preiserhöhung zu machen. Der Streik der Kohlenarbeiter ist Mittel zum Zweck I Kein vernünftiger Mensch wird glauben, datz die wenigen Streiktage einen erheblichen Förderausfall gebracht haben. Aber der Anschein wird zu erwecken versucht. Die Händler können keine Kohlen bekommen— weil die Zechen größere Vor- röte lagern. Ob nun aber wirklicher Mangel vor- handcn ist oder solche nur künstlich erzeuat wird, das beeinflußt die Wirkung nicht. Die Konsumenten rissen sich um die an den Markt kommenden Mengen und der Widerstand gegen Preis- erböhungen ist gebrochen. So wird das Volk bewuchert mit den Bodenschätzen und eine Handvoll Kohlenmagnaten, die bei jeder passenden Gelegenheit ihre edlen Tugenden des Nationalismus und Patriotismus leuchten lasten, füllen ihre Geldschränke. Das Volk da? ftierend murrt, ist vaterlandsloses Gesindel, die Bestie, der man den Zaum anlegen mutz. Vom 1. September ab wird die .Preisvereiniguug mitteldeutscher Braunkohlenwerke" für Würfel- brikettS 4 M. per 299 Zentner Preisaufschlag berechnen und zwar gelten die so erhöhten Preise dann bis Ende deS laufenden Äbschlußjahres(31. März 1998). Im Zwickauer und Lugau- Oelsnitzer Revier hat man dies Jabr die sonst erst im Herbst für Hausbrandssorten eintretende Preiserhöhung bereits am 1. Juli d. I. bewirkt und dieselbe auch auf Judustriekohle ausgedehnt. Hausbrandkohlen sind in diesem Jahre je nach Qualität und Sortierung 6— 19 M. per 200 Zentner und Jndustrielohlen 6 M. per 299 Zenwer teurer als seither. Nachdem die böhmischen Braun- lohlenwerke bereits am 1. April d. I. für alle Sorten die Preise erhöht hatten, ist am 1. August eine weitere allgemeine Preis- steigerung eingetreten. Wen» das so weiter geht mit der Preistreiberei, dann wird es im kommenden Winter in mancher Familie an dem notwendigsten Heizmaterial fehlen._ Profit bei Gruiidstiicksvrrkäiifen. Die Wilmersdorfer Terrain- Rheiilgaii-Aktiengesellschast teilt in ihrem Jahresbericht unter anderem folgendes mit: Es ist im Berichtsjahr gelungen, einen größeren Komplex von zirka 1299 Ouadratruten des Steglitzer Besitzes zum Preise von 299 Mark pro Quadratrute gleich 337 999 Mark gegen bare Auszahlung zu verkaufen. Ferner wurde von dem Steglitzer Terrain der Bauklasse C(Villenbnu) ein Teil von 13,89 Quadrat- ruten an einen früheren Käufer nachverkauft, wofür 499 Mark pro Ouadratrute erzielt wurden. Der aus diesen beiden Verkäufe» dem Eliistandspreise gegenüber erreichte Nutzen beträgt 115 993 Mark. Lohnnachwrise. Die BerilsSgenossenschast der Nahrungsmittelindustrie schreibt in ihrem letzten Jahresbericht: Z 28 des GenosienschaftsstawtS bestimmt, daß jedes Mitglied fortlaufend ein Lohnbuch zu führen hat, aus welchem die zur Fest- stelluug der Lohniiachweisungen erforderlichen Angaben, insbesondere Zahl. Namen und Geschlecht der-versicherten Personen, deren Arbeitstage sowie die von ihnen verdienten Gehälter und Löhne eninommen werde» können. In das Lohnbuch sind auch die Natural- und sonstigen Nebenbezüge der beschäftigten Personen unter Angabe ihres Wertes anfzunehmen. Die Lohnbücher sind drei Jahre lang aufzubewahren. Diese Vorschrift wird leider, wie sich insbesondere bei Be- Handlung von Unfallsachen gelegentlich der Feststellung des JahreS- arbeitsverdieustes herausstellt, vielfach nicht beachtet. Die Ursache für die Bestrafung von 171 Genossenschaftsinitgliedern wegen Nichteinreichung der Jahrcslohnnachweisung für 1996 ist Haupt- sächlich auf den Mangel einer ordentlichen Lohnbuchführung zurück- zuführen. Uebrigens scheint eine Besserung eingetreten zu sein, denn im Jahre 1996 mußten insgesamt 676 Unternehmer wegen Verstößen gegen die gesetzlichen Bestimmungen in Strafe genommen werden, im letzten Jahre erfolgten nur noch 432 Strasfestsetzungen, darunter 31 wegen unrichtiger Lohndeklaration. Die Knappschaftsberussgenossenschaft bringt eine tabellarische Uebersicht über die Lohnentwickelung und konstatiert zum Schluß folgendes: „Hiernach erhöhte sich sin der Zeit von 1886 bis 1996) die Zahl der versicherten Personen von 343 799 auf 639 243 oder um 146 639— 100,5 Proz.. die Gesamtlöhne von 269 796 617 M. aus 891 222054 M. oder um 640 426 437 M.= 255,4 Proz. und die auf einen Versicherten entfallende Lohusumme von 729,69 M. auf 1293,94 M. oder um 663,36 M. 77,2 Proz." Rechnerisch stimmt das— aber in Wirklichkeit nicht. Die nach- gewiesenen Lohusummen haben keinen Vergleichswert, weil sie nach verschiedenen Grundsätzen festgestellt sind. Bis zum Jahre 1991 wurde z. B. der über 4 M. pro Tag hinausgehende Lohn nur mit einem Drittel eingestellt, seit dieser Zeit werden die JahreSlöhne bis 1699 M. aber voll und die darüber hinausgehenden Summen mit einem Drittel verrechnet. Daraus ergeben sich erhebliche Differenzen. Wie wenig Vergleichswert die Nachweisung der Knappschaftsberufs- genossenschaft hat, dafür ein paar Zahlen. ES werden nachgewiesen Jahresdurchschnittslöhne in der amtlichen durch die preußischen Statistik Berufsgeuossenschaft M. M. 1895... 848 894 1900... 1138 1107 1901... 1076 1163 1902... 1006 1107 1903,., 1045 1151 1904... 1067 1165 1905... 1071 1189 1906... 1211 1293 Bis zum Jahre 1999 blieben die von der B.-G. nachgewiesenen JahreSlöhne ziemlich weit hinter den Sätzen der amtlichen Statistik zurück, von da an ist das Verhältnis umgekehrt. Die Steigerung im Jahre 1996 gegen 1999 beträgt nach der amtlichen Statistik 6,4 Proz., nach den berufsgenoffen schaftlichen Nachweisen 16,8 Proz. Die Nachweise der B.-G., speziell die oben zitierten Bemerkungen sind durchaus irreführend, sie sind objektiv falsch. Selbständige als Lohnarbeiter. In manchen Berufen und Gewerbe» geht anscheinend die Zahr der Selbständigen nicht zurück oder sie weist sogar Zunahmen auf. Bei dergleichen Feststellungen toird gewöhnlich übersehen, daß die soziale Stellung dieser Selbständigen vielfach eine ganz andere ge- worden ist, daß sich eine besondere Form der Lohnarbeit entwickelt hat. So sind z. B. tausende sogeunimtcr selbständiger Schneider- meister nur Akkordarbeiter für Konfektionsgeschäfte. Eine ähnliche Entwickelung vollzieht sich im Schaulwirtschaftsbetriebe. In N ü r n b e r g- F ü r t h ist jetzt eine Massenbewegung der Schankwirte ausgebrochen, verursacht durch die fortschreitende Prolctarisierung des Wirtestandes und das Bestreben des Brauerei- kapilals, die Wirte mehr und mehr zu bloßen Bierzapfern herab- zudrücken. Früher bestand zwischen Wirten und Brauern ein fast „patriarchalisches" Verhältnis: um sich die Wirte als Kunde» zu er- halten, wurden ihnen alle möglichen Vergünstigungen und Er- leichtenmgcn gewährt. Inzwischen aber hat sich die Situation voll» kommen geändert. Die Brauereien haben den wilden Konkurrenz- kämpf unter sich eingestellt und sich zum größten Teil zu Großbetrieben verschmolzen, die unter sich wieder einen Ring gebildet haben, besten Hauptziel eS ist, die Wirte von den Brauereien bollständig abhängig zu machen. Keine Brauerei darf bei hoher Konventionalstrafe der anderen die Kundschaft wegnehinen, selbst den Wirten, die von der Brauerei gänzlich unabhängig sind, ist es verwehrt, gegen den Willen des Brauers daS Bier zu wechseln. DaS Verhältnis wird noch viel gespannter werden, wenn der in der Bildung begriffene Landesverband bayerischer Bierbrauereien zur Tatsache geworden ist. Eine von zirka LOCK) Wirten besuchte Versammlung hat sich mit der ihrem Stande drohenden Gefahr bcfafft und einmütig beschlossen, eine grobe GenossenschastSbrauerei zu errichten, um den Brauereibcsttzerring zu sprengen. Soziales. Die„freie Station" des Berkäiifcrs. Trostlose hygienische Zustände in einer Drogerie wurden in einer Verhandlung aufgedeckt, die gestern vor der vierten Kammer des Kaufmannsgerichts stattfand. Der Kläger Bruno S. war mit einem Monatsgehalt von 33 M. und freier Station in der Drogerie von Hermann Mohren, Aorkstr. 74, als Verkäilfcr angestellt. Nach seiner vom Beklagten auch nicht bestrittenen Darstellung bestand die MittagSkost in zweimal wöchentlich verabreichten Erbsenrationen, während es die übrigen Tage nur Kartoffeln gab. Da die Frau des Prinzipals nicht kochte und der Chef selbst meist auffer dem Hause ab. so muhte sich der Kläger selbst das Essen zubereiten. Um Abwechselung hinein zubringen, kochte er umschichtig Bratkartoffeln. Kartoffelpüree, Pellkartoffeln usw. Obgleich er um 7 Uhr aufstehen muhte, be kam er erst gegen 11 Uhr den Morgenkaffee. ein zweites Frühstück gab es überhaupt nicht. Seine kleinen Auslagen für Zutaten und Zubereitung des Abendbrots schwankten zwischen 20 und 55 Pf. pro Tag, aber auch das war dem Chef noch z u hoch. Den Hauptgrund zum Konflikt mit dem Beklagten bildeten die geradezu haarsträubenden hygienischen Zu st ä n d e in den Geschäfts- und Wohnräumen, die eng aneinander- liegen. Der Kläger muhte sich das Ehgeschirr selbst reinigen. Die Aufwaschschüssel benutzte der Chef zu körperlichen Rei n i g u n g e n. Sodann hatte der frühere Kommis statt des K l o s e t t s einen im Geschäftsraum stehenden grohen M u st e r k o f f e r in regelmähige Benutzung genommen. Erst nach dem Abgang des Ersteren entdeckte der Beklagte den Inhalt deS Koffers. Er hob den mit Kot angefüllten Musterkoffer noch wochenlang in einem an den Laden angrenzenden Raum auf, um ihn gelegentlich dem Bater seines früheren Angestellten zu zeigen. Auherdem unterhielt der Beklagte eine Hundezucht. Die Tiere verunreinigten Küche, Wohn- und Geschäfts räum. An einem Tage verendeten drei Hunde. Die Kadaver lagen tagelang herum, dann verbrannte sie die Frau des ChefS im Küchenherd.— Der Kläger bat wiederholt um Abstellung der unhygienischcn Zustände und als er am 27. Juli wieder eine barsche Abweisung erhielt, lieh er sich zu der Aeuherung hinreihen: „Sic sind ein ungebildeter Mensch 1", worauf er sofort entlassen wurde. Das Kaufmannsgericht sah die Entlassung des Klägers als ungerechtfertigt an. Die Aeuherung des Klägers sei zwar ungehörig, aber sie habe sich erst aus einem scharfen Disput ent- wickelt, der seinen Ursprung in den tatsächlich höchst eigenartigen Zuständen im Hause- des Beklagten habe.— Vor Urteilsfällung zahlt der Beklagte im VergleichZwege 100 M. Mciiiipiilntioiicn in den Bcrufögcnossenschasten. Wie manche Mitglieder der Bcrufsgenossenschaften es durchzu- setzen wissen, dah nur eine ihnen genehme Aussicht über ihre Be» triebe zugelassen wird, zeigt eine Mitteilung, die in der Sitzung des Vorstandes der Berufsgenosseuschaft der chemischen Industrie am 8. Juni er. gemacht wurde. Das Reichsversicherungsamt hatte dem GenossenschastSvorstande mitgeteilt, dah zur besseren Beurteilung der vielen Unfallsachen, die in dieser Berufsgenosseuschaft vorkommen, eintechnischer Beamter des Amtes Rcg.-Siat Dr. Heyroth in Begleitung des zuständigen AufsichtSbeamtcn der Berussgenossenschaft einige Betriebe in Höchst a. M. und Ludwigshafen a. Rh. zu besichtigen wünsche. Da die Beamten des RcichSversichcruugSamtcs zur Verschwiegenheit über ihre Wahr- uchmungen bei solchen Besichtigungen eidlich nicht verpflichtet sind, so sollen dem Präsidenten des Reichsversicheruiigsamtes die gegen den beabsichtigten Besuch sich erhebenden Bedenken mitgeteilt und daS Ersuchen ausgesprochen werden, die Namen der zu besichtigenden Be- triebe vorher anzugeben, um zunächst die Genehmigung der BctricbSuntcriiehmer einzuholen. Bei der Erörterung dieser Frage kani die Tatsache zur Sprache, dah bei einem etwaigen Besuche der badischcn Aniliii- und Sodafabrik in Ludwigshafen der technische AufsichlSbeamte der Sektion die Führung des Herrn RcgicriingSrat Dr. Hehroth nicht übernehmen könne, weil er selbst von der Revision der Fabrik ausgeschlossen ist, diese vielmehr auf ihren Wunsch durch einen besonderen Sachverständigen revidiert werde. Also nicht nur die oberste Reichsversicherungsbehörde soll nicht ohne besondere Genehmigung der Betriebsleitungen die von grohen Unfällen häufig betroffenen Betriebe— man denke an die grausigen Unfälle und Explosionen der chemischen Fabrik Electron in Höchst— besichtigen lassen dürfen, sondern auch der von der Berufsgenossen schast für die betreffende Sektion mit der Beaufstchtigiing der Be triebe betraute Beamte darf auf Wunsch der Fabrikleitung eine Fabrik selbst nicht betreten I_ Der Gutshandwerker in den Fängen des Ausnahmegesetze» gegen ländliche Arbeiter und Gefinde. Das preußische Gesetz vom 24. April 1834, betreffend die Per. ketzung der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Ar� bester, dehnt seine Strafbestimmungen durch den 8 2 unter anderem auch aus auf:„das Verhältnis zwischen dem Besitzer eines Land gutes oder einer anderen Acker- oder Forstwirtschaft sowie den von ihm zur Aufsicht über die Wirtschaftsarbeiten bestellten Personen und solchen Dienstleutcn, welche gegen Gewährung einer Wohnung in den ihm gehörigen oder auf dem Gute befindlichen Gebäuden und gegen einen im voraus bestimmten Lohn behufs der Bewirb schaftung angenommen sind(Jnstleute, herrschaftliche Tagelöhner, Einlieger, Katenleute und dergleichen)." Auch diese„Dienstleute" können also gemäß§ 1, unbeschadet des Rechts der Entlassung oder der Beibehaltung, auf Antrag der Herrschaft mit Geldstrafe bis zu 3 Talern oder Gefängnis bis zu drei Tagen bestraft werden, wenn sie eine?„hartnäckigen Ungehorsams oder Widerspenstigkeit gegen die Befehle der Herrschaft oder der zur Aufsicht bestellten Personen" sich zuschulden kommen lassen oder ohne gesetzmäßige Ursache„den Dienst versagen oder verlassen". Dagegen sollte gefehlt haben der Stellmacher Neumann, der auf dem Rittergute des Herrn von Weih in der Gegend von Allenburg(Ostpreußen) beschäftigt war. Er war angenommen worden, um die auf dem Gute vor- kommenden Stcllmacherarbciten und etwa vorkommende Böttcher a»beitcn zu verrichten. DaS Landgericht Königsberg als Be- rufungSinstanz ging zunächst davon aus, daß er als G u t S st e l l macher, der gegen Gewährung der Wohnung und eines be stimmten Lohnes engagiert war, den Dienstleutcn im Sinne des zitierten 8 2c zuzurechnen sei l DaS Gericht verurteilte ihn, weil er widerspenstig gegen die Befehle des Gutsinspcktors gehandelt und ohne gesetzmäßige Ursache den Dienst versagt hätte. Der Tatbestand war der: Nenmann hatte zum 1. April seine Stellung gekündigt. Zu dem Zwecke. sicheineandereStel- l u n g zu s u ch e n. wollte er für den 6. März Urlaub. Ehe er noch den Zweck seine? Urlaubsgesuchs nennen konnte, fuhr ihm der Inspektor barsch dazwischen:„Es gibt keinen Urlaub; wenn Sie nicht zum Dienst kommen, sind Sie entlassen!" Darauf erklärte Neumann, natürlich ebenfalls in barschem Tone:.DaS wäre ia noch schöner I" Er blieb am nächsten Tage weg, kam aber am 7. März wieder und blieb auf dem Gute bis zum Ablauf des Ver träges tätig. Das Landgericht führte in der Urteilsbegründung auS: N. habe im Februar schon einen Urlaub gehabt und ihn überschritten, ohne sich deshalb zu entschuldigen. Nun sage N. aller- dings, jener Urlaub habe ihm nichts genutzt, weil er damals krank geworden sei. Wenn nun wegen jenes früheren Falles der Jw spektor beim zweiten Urlaubsgesuch dazlvischcngefahrcn sei und er so vielleicht ihn hinderte, den Grund des Gesuchs zu nennen, so hätte dies doch nicht N. zu seinem Verhalten berechtigt. Aller dings hätte N. nach 8 629 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auf Ver� laugen ein Anrecht gehabt auf die Bewilligung einer angemessenes Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses. Er hätt'e aber abwarten müssen, welche Zeit die Herrschaft für die richtige hielt. Er durfte nicht selbst sich den Urlaub nehmen. Er habe darum widerspenstig gegen die Befehle gehandelt und ohne Grund den Dienst versagt, als er erklärte das wäre ja noch schöner und am 6. März vom Dienst weg blieb Das K a m m e r g e r i ch t, bei dem N. Revision einlegte, billigte dies Urteil als zutreffend und verwarf das Rechtsmittel. Hue der frauenbewegung. Die proletarischen Frauen Berlins hatten sich am Mittwoch zahlreich im Neuen Klubhaus, Konimandaistenstrahe, versammelt, um die Berichte von der Jiiteriiationalcn Fraueiikoufereiiz und vom Internationalen Sozialisten- und Arbeiterkougreh entgegeiizuuehiiieii Genossin Stock berichtete von der Konferenz, Die Frauen koufereiiz stelle sich dar als der erste tastende Versuch, eine Verständigung der internationalen proletarischen Frauenbewegnua herbeizuführen. Das machte nötig, die Tagesordnung möglichst klein zu fassen, und es erklärt, dah bei der Organisation der Ver- anstaltung mancher kleine Fehler unterlief. Der Einwand, dah die Frauen keine besondere Frauenorganisalion brauchlcn, sei widerlegt durch die tatsächlichen Verhältnisse in ollen Ländern.— In den ver schiedenen Ländern stehe die sozialistische Frauenbewegung auf ver schiedenen Stufen. Gute Organisationen und klares Ziel bcwuhtsein finde man; daneben aber auch in manchen Ländern viele Unklarheit mit fraueiirechtlicheu Teudeuzcii. AuS den bekannten Verhandliuigeii greift Reduerin einzelne Feststellungen heraus und betont, dah auS alle» auf der Konferenz gegebenen Berichten sich ergeben habe, dah gemeinsam sei den Arbeiterinnen aller Länder das Leiden unter deni Drucke des Kapitalismus. Das weise den Weg zu gemeinsamem Streben, genieinsamem Kampfe, Dah das Fraueustimmrecht auf die Tagesordnung kam, sei selbst verständlich. Reduerin verweist auf die Resolution und meint, man könne mit dem Anfang einer Verständigung unter den inter nationalen sozialistischen Frauen zufrieden sein. Die Annahme der Resolution gewährleiste, dah die internationalen sozialistischen Frauen mit aller Energie das Franenwahlrecht in jeder Wahlrechlsbewegimg erstreben werden. Nun müsse bewiesen werden, dah man nicht bloß Resolutionen fassen könne, sondern auch gewillt sei. sie mit aller Kraft durchzusetzen. Es handele sich schließlich uni die große geschichl liche Aufgabe des BefreiiingSkainpfeS der Arbeiterklasse, darum, Frauen und Männer für die sozialistische Gesellschaft reif zumachen, (Lebhafter Beifall,) Hieran schloß sich daS Referat der Genossin Ottilie Baader über die Tagimg des Weltparlaments der Arbeiterklasse. Sie gab ein Bild von diesem imposanten Kongreß, dieser einzigartigen internationalen Friedenskimdgebung, wie sie ihn nannte. Gewiß viete die Vielfprachigkeit manche Schwierigkeit für den Fortgang der Verhandlung; sie werde aber überwunden. Unverlöschlicki se> der Eindruck des Zusammentritts. Verbunden mit Audorfs:„Ein feste Burg ist unser Bund" durchbrauste gewaltig die schöne, getragene Melodie des alten LntherliedeS den Saal. Hinter der Weihe dieser Stunde versänken die kleinen Ereignffse des Tages in nichts. Solche Momente höben über vieles hinweg. Wir sähen die Einige keits des Proletariats aller Länder, das gemeinsam kämpfe gegen Schmach, Ausbeutimg und Verderben. Und dann die große Demonstration auf dem Wasen, dem Platz, der sonst zum Exerzierplatz diene, dazu, dah Menschen lernten andere zu ver- nichten. Auf diesem Platze sei das Proletariat von Stuttgart und aus meilenweiter Umgegend zusammengeströmt, um sich von den Delegierten der verschiedenen Länder begeistern zu lassen für das, was der Kongreß wollte, also auch für den Weltfrieden. Ein er- hebendes Schauspiel, dies große Fricdcnsfest auf dem Wasen. Keine Helmspitze zu sehen, und doch welch' ruhiger Verlauf. Nur das sozialistische Proletariat bringe das ferttg.— Rednerin wendet sich dann den wichtigen Verhandlimgen des Kongresses zu. Die grundsätzliche Stellungnahme zur Kolonialfrage begrüßt sie mit großer Genugtuung. Eingehend läht sie sich auch zur Frage der Einwanderung und Auswanderung aus, die sie nach verschiedenen Richtungen hin beleuchtet und wobei sie zeigt, dah auch hier wieder der Klassencharakter upserer heutigen Gesellschaft zutage trete. An« genehm sei den Herrschenden und ihren Sachwaltern in der Rel gierung der willige und billige Ausländer, Wehe ihm aber, wenn er sich auf seine Menschenrechte besinnt. Sie erläutert die dazu ge- faßten Beschlüsse, die das Richtige getroffen hätten.— Zur Frage: Gewerkschaft und Partei" sei auss neue ausgesprochen, dah sie zusammengehörten, Ivenn auch jede der beiden KampfeSschwestern ihre eigene Organisation behalten solle. In den Gewerkschaften solle der sozialistische Geist gepflegt werden, und andererseits habe die Partei die Pflicht, für die gewerkschaftliche Organisierung ein- zutreten. Auch die sozialistischen Prolelarierinen seien durch die Resolution verpflichlet, auch sie hätten ihre Schuldig- keit in der Richtung zu tun.— In der Frage:„Militarismus und die internationalen Konflikte" zeige die angenommene Resolution den Weg. Wir seien der Meinung, es wäre die Haupt« fache, dah die Massen mit dem Geiste deS Sozialismus erfüllt würden. Das sei der Geist des Friedens. Je größer unsere Zahl werde, je sicherer sei es, daß die Kriege aufhörten. Und dabei sei von gröberem Wert die Erziehung der Jugend zum Sozialismus. Aufklären und aufrütteln im Sinne unseres grogen Zieles— das heihe den Krieg beseitigen und: Friede auf Erden I(Lebhafter Bei- fall.) Eine Diskussion entspann sich nicht. Zum Essener Parteitag delegiert wurden die Genossinnen WengelS, Reichert und Ottilie Baader. Als De» legiertinnen zur Proviiizialkonferenz wählte man die Genossinnen B a u s ch k e und S t e i n k o p f. Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Montag, den 2. September, 8'/„ Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandanteiistr. 72: Vortrag Schriftsteller Max Grunwald: „Die Entwickelimg der Weltwirtschaft". Gäste willkommen. Reinickcndorf-Ost. Mittwoch, den 4. Septcniber, 8'/, Uhr, im Lokal bei Gründer, Hoppestr. 24, Vortrag. Zrhlrndorf. Sonntag, den 1. September, 2 Uhr, bei Micklcy, PotS- damerstraße: Familienlaffeekochen. Ein schwerer nächtlicher Kampf» bei welchem ein Zuhälter durch einen Kriminalbeamten nieder« geschossen wurde, lag einer Anklagesache zugrunde, die gestern unter Vorsitz des Amtsgcrichtsrats Dr. SadrozinSki vor dem Schöffengericht Berlin-Tempelhof zur Verhandlung kam. Wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Gewerbsunzucht war die 23jährige unverehelichte Emma tz o b I i s ch angeklagt.— Die bereits wiederholt vorbestrafte H. steht seit längerer Zeit unter sittenpolizeilicher Kontrolle. Seit März d. I. widersetzte sie sich den erlassenen Kontrollvorschriften und hielt sich verborgen. Trotz eines Haftbefehls gelang es längere Zeit nicht, den Auf- enthaltkort der Angeklagten zu ermitteln, die sich in allerlei Schlupfwinkeln herumtrieb. Mitte Juni wurde festgestellt, dah die H. von ihrem„Freunde" einem gewissen Richard Schulz ver- borgen gehalten werde, der bei der Polizei in dem Rufe eines äußerst gewalttätigen und gefährlichen Zuhälters stand. Am abend des 23. Juni erhielt der Kriminalschutzmann Web e r den Auftrag, die H. zu verhaften. Als die Angeklagte in der Möckern- strahe auf ihren nächtlichen Spaziergängen getroffen wurde, nahm sie der Beamte fest. Auf dem Transport zur Polizeiwache ritz sie sich plötzlich los und lief in das Haus Möckernstr. 63 hinein, welches ihr von einem Manne geöffnet wurde. Der Schutzmann folgte der Flüchtigen sofort und sah gerade noch, wie sie über den Hof und dann die Hintertreppe hinauslief. Als Weber das Mädchen erreicht hatte, stürzte sich plötzlich der Zichälter der H. auf ihn und schlug mit einem Schlagring auf ihn ein. Auf der Treppe kam es nun zu einem wüsten Kampf, der umso gefährlicher war, da er sich völlig im Dunkeln abspielte. Der Schutzmann erlitt schwere Kopf- Verletzungen, durch welche ihm das Blut in die Augen lief. Im Augenblicke höchster Gefahr griff er zu seiner Browningpistole und gab auf seinen Angreifer einen Schuh ab. Bald darauf verlor er das Bewußtsein. Der Schuh hatte den Schulz sofort ge- tötet, da die Kugel das Herz durchbohrt hatte. Gegen die Holbisch, welche durch ihre Flucht die indirekte Veranlassung zu diesem Vorfall gegeben hatte, wurde Anklage wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt erhoben, weil sie sich, ehe ihr„Freund" den Beamten angriff, an dem Treppengeländer festgehalten und sich geweigert hatte, mitzugehen. DaS Gericht erkannte dem An- trage des Amtsanwalts gemäß wegen des Widerstandes auf sechs Wochen Gefängnis und wegen Ucbcrtretung auf fünf Wochen Haft unter Anrechnung von 14 Tagen der erlittener Uiitersuchungshaft._ Brotherr und Untergebener. Vor dem Rixdorfer Schöffengericht muhten sich am Donners» tag wegen gegenseitiger Beleidigung und Körperverletzung der Fuhrherr Rudolf Werner, Treptow, Elsenstr. 38, sowie dessen Kutscher Friedrich Hein, Berlinerstr. 8, verantworten. Am 17. Mai soll Hein nur zwei Möbclfuhren besorgt und mit dem ihm anvertrauten Geschirr nur 8 Mark verdient haben. Das war dem Werner zu wenig, noch dazu, weil Hein angeblich Galopp gefahren und docki erst Uhr abends nach Hause gekommen war. Der Fuhrherr Werner soll nun nach der Anklage den Kutscher Hein mit den Schimpfworten Lump. Strolch, Lausejunge beleidigt und Hein soll mit den Worten Lump und Strolch erwidert haben. Der Fuhrherr Werner soll darauf einen P e i t s ch e n st i e l er- griffen und den Kutscher Hein damit mißhandelt haben, worauf Hein dem Werner einen SchlagmitderHand ins Gesicht ver- setzt haben soll. Die gegenseitigen Mihbandlungen wurden durch die VerHand- lung erwiesen. Der Fuhrherr Werner gab nicht nur den Schlag mit dem Peitschenstiel zu, sondern brüstete sich damit, dem Hein, von dem er sich angeblich(!) bedroht gefühlt habe, es im Stalle mit dem Peitschenstiel ordentlich besorgt zu haben, w i e es sichfür einen Brotherrn gegen den Untergebene» geziemt I Während Hein die Beleidigungen ohne weiteres zu- gab, bestritt sie Werner mit den Worten:„Ich bin doch der Brotherr und Hein ist nur der Untergebene, wie kann ich wohl solchen Menschen beleidigen?" Der Vorsitzende er- mahnte Werner wiederholt. Drei Zeugen hätten die Wechsel- fettigen Beschimpfungen bestätigt. Es sei doch zu wahrscheinlich, dah er a u ch geschimpft habe, er zeige sich doch auch heute vor Gericht sehr erregt. Werner blieb aber bei der Verneinung mit dem Bemerken, wenn er als Brotgeber wirklich etwas gesagt hätte, wäre es noch lange keine Beleidigung! Der Vorsitzende stellte übrigens durch Befragen noch fest, daß Hein an jenem Tage nicht nur zwei Möbelfuhren gefahren, sondern auch auherdem eine Fuhre Kies von Britz geholt hatte. Der Amtsanwalt beantragt gegen Hein, der beleidigt und nur mit der Hand geschlagen hat, 20 M. Geldstrafe, dagegen gegen Werner wegen gefährlicher Körperverletzung mitteTS Peitschenstieles und wegen Beleidigung 50 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof war jedoch der Anficht, daß dem Kutscher die höhere Strafe zukomme und verurteilte Hein zu 30 M. Geldstrafe wegen ein- facher Körperverletzung und Beleidigung. Der bereits wegen Körperverletzung vorbestrafte Fuhrherr Werner dagegen wurde von der Anklage der Beleidigung freigesprochen!, wegen gcfähr- lichcr llörperverletzung erhielt er nur 15 M. Geldstrafe. Versammlungen. öerkhtQ- Zeitung. Das„Querulieren" immer noch strafbar. Für noch rechtsgültig erachtet werden vom Kaminergericht die Strafvorschriften der alten Gerichtsordnung von— 1790, die sich auslassen über das sogenannte Querulieren gegenüber der Obrigkeit, den Kollegia und deren Vorgesetzten". Die Revision eines Angeklagten S t e m p e, der auf Grund der Gerichtsordnung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war, wurde verworfen. Das Kammergericht geht davon aus, daß jene Strafvorschriften weder durch Landesrecht, noch durch Reichörccht aufgehoben feien. Den Justizbehörde» solle Schutz gegen solche Belästigungen gewährt werden I— Ja, wenn das Kammergericht in Berlin nicht wäre! Die ArbeiterbilbinigSschule hielt am Freitag ihre ordentlich« Generalversammlung im Schullokal Grenadierstrahe 37 ab. Aus dem jetzt fertig vorliegenden Bericht für das Schuljahr 1906/07 ist zu eutuehmen, dah die Steigerung der Mitgliedcrzahl eine nicht unerhebliche ist. Das Quartal April/Juni d. I. ist weniger be- friedigcnd ausgefallen, wofür verschiedene Gründe anzuführen sind. Nicht ohne Einfluß waren die Unbequemlichkeiten, welche die Ueber- sicdelung des Lehrers Dr. Maurenbrecher nach Breslau her- vorgerufen hatte. Auch der Kursus in Literaturgeschichte entsprach den Anforderungen der Schüler nicht, so daß dieser nur von drei- zehn Teilnehmern besucht war und abgebrochen werden muhte. Der Mitgliederbestand betrug im letzten Quartal 715 Herren und 58 Damen. Die Beteiligung an den Kursen war folgende: An einem Kursus 368, an zirx» Kursen 64, an drei Kursen 9. an vier Kursen 2 und an sechs Kursen 1 Schüler. Als Einnahmen für dieses Vierteljahr sind 2038,59 M. zu verzeichnen, an Ausgaben 2002,46 M. Der Bestand betrug am 1. Juli 2928,81 M. Eine Diskussion über den VorstandSbcricht fand nicht statt. Ein Antrag Maurenbrecher, welcher gewissermahen gegen den Vorstand eine Beschwerde enthielt, wurde abgelehnt. Desgleichen ein Antrag K a tz e n st e i n. Dieser beansprucht, dah ein Fortschrittskurfus in Sozialer Gesetzgebung über zwei Quartale hinaus abgehalten werde. Ter Vorstand überließ den Bericht hierüber der General- Versammlung. ES wurde beschlossen, für das kommende Quartal einen Fortschrittskursus über Nationalökonomie mit dem Genossen Borchardt als Lehrer abzuhalten. Ein Antrag, diesen Kursus auf drei Quartale auszudehnen, wurde abgelehnt.— Die letzte Generalversammlung hatte den Vorstand beauftragt, den 8 8 deS Statuts in der Weise zu ändern, dah der Beginn deS Schuljahres, aus den 1. Oktober fällt. Im Anschluß hierzu schlägt der Vorstand noch einige Abänderungen des Statuts vor, welche meist formaler Natur sind. Auf Antrag aus der Versammlung heraus wird noch aus dem Satz:„Ausgeschlossen wird jedes Mitglied, das sich grober Verstöße gegen die Statuten oder die Interessen des Vereins oder ehrloser Handlungen schuldig macht,"„ehrlose Handlungen" ge- strichen, weil„ehrlose Handlungen" im Sinne der gegenwärtigen Gesellschaft nicht auch solche im Sinne des Proletariats zu sein brauchen. Dem Vorschlage des Vorstandes wurde zugestimmt. Zu einer längeren Debatte kam es noch bei dem 8 8, der von der Zu» sammensetzung des Vorstandes handelt. Von einer Seite wurde be» hauptct, dah der Vorstand den Lehrern zuviel Mitbestimmungsrecht an seinen Beschlüssen eingeräumt und dadurch gegen das Statut, das er zu wahren habe, selbst verstoßen habe. Der Vorstand besitze nicht den Mut, die Lehrer in ihre Schranken zurückzuweisen. ES kam hierüber zum Teil zu sehr heftigen Ausführungen, welche erst gegen 1 Uhr nachts ihr Ende erreichten, nachdem der größte Teil ocr Mitglieder bereits den Saal verlassen hatte. ««»«»«» Marttpreis«. Vtti dem amtNche»«ertcht der stSdttlch-n Rartthallen-Dtrektio».(Vroßhandel.) Rindfleisch I» 72—74 pr. 100 Pfd., IIa S0— 71. lUa S1-K4. Bullenfieisch la 65—70, IIa 53—62, Kühe, seit 52—80, do. mager 40—50, Fresser 56—64, Bullen, dän. 52—63, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—115, Mastkälber la 74—84, IIa 65—73, Kälber ger. gen. 46—58, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Masllämmer 80—83, Hammel la 75—79, IIa 69—74, ungar. 50—60, Jchase 55—68. Schweinefleisch 62—67. Rchbock la per Psund 0,65—0,80. IIa 0,50—0,60. Rothirsch la 0,40—0,56, do. IIa 0,00. Damhirsch 0,45—0,55. Wildschweine 0,30—0,45. Frischlinge 0,40, Kaninchen per Stück 0,50 bis 0,90. Wildenten per Stück 1,45. Krickenten per stück 0,65. Rebhühner, junge graste 0,90—1,20, do. kleine 0,30—0,85, alte 0,72-0,85. Hühner, alte, per Stück 1,50—2,45, Na 1,00—1,45, do. junge 0,50—1,00. Tauben 0,40—0,62, italienische 0,00. Enten per istück 1,40—2,70, do. Hamburger per Stück 2,90—3,00. Gänse per Pfund 0,60—0,72, do. per Stück 2,50—4,00, do. Hamburger per Pfd. 0,80, do. Oderbrucher per Psd. 0,60—0,65. PouletS per Stück 0,80—1,26. Poularden per Psd. 0,00. Hechte per 100 Psund 0,00, do. matt 0,00, do. mittel und grast, matt 0,00, do. mMel 0,00, do. grast 0,00. Zander, New 0,00. Schleie, Nein 0,00, do. mittel 112—118, do. unsorttert 142. Rai«, grast 0,00, do. New und mittel 0,00, mittel 101—108, do. unsorttert 95, do. grost-mittel 108—108, do. Nein 0,00. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpfen, SOer— 80er 73—78, do. 50er— 60er 0,00. Bleie, matt 75. Bunte Fische 59—89. Barse 102, dito New 0,00. Karauschen 0,00, do. klein 0,00. Wels 0,00. Bleifische 0,00. Slland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer LachS la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. Na neuer 90—100, do. Nla 0,00. Seelachs 10—15. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel der Kiste 2, Hamb. Sttege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, IIa 1—3. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3, Strals. 3,50—5,00, Bornh. 0,00. Aale, grost per Psd. 1,10 bis 1,40, mitteigrost 0.80—1,10, New 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3—4,00,>/, Kiste 1,50—2. Sardellen, t902er per Anker 98. 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90-95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, larga 40— 44, füll. 38— 40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Maises, per'/, To. 50—120. Sardinen, rufl., Fast l, 50— 1,60. Bratheringe Faß 1,20— 1 40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksast 11, do. Leine 5—6, do. Riesen» 14. Krebse per Schock, große 27,50, do. mittelgroße 0,00, do. Leine 4,00, do. unsorttert 8—10, Galizier grost 0,00, do. unsorttert 0,00. Eier, Land-, unsorttert per Schock 3,40—3,55, do. große 4,00. Butter per 100 Psd. la 117—120, IIa 108-117. IHa 100-108, abfallende 90-95. Saure Gurten, neue, schock 4,00. Pfeffergurken 4,00. Kartoffeln per 100 Psd. weiße runde 2,25—3,25, blaue 3,00-3,75, Rosen- 2.00 bis 2,50, Nieren. 2,75—3,50. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer- retttch, Schock 5—15. Spinat ver 100 Psund 15-25. Sellerie. per Schock 2,00—8,00. Zwiebeln per 100 Pfd. 4,00—6,00, do. Perl» 40,00—75,00. Charlotten 50.00—75.00. Petersilie, grün. Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 0,75—1,25. Rettich, bayr., neuer Stück 0,07— 0,10, do. hiesiger schock 3— 4. Mohrrüben, per 100 Pfund 3,00 bis 5.00. Karotten, hiesige, schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl ver schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 6—12. Weißkohl 4— 10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 8— 20. Kohlrüben, Schock 4,00—7,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 3,00— 4,00. Schoten per 100 Pfund 8—20. Pfefferlinge per 100 Psd. 5— 12. Steinpilze per 100 Psund 30— 35. Radieschen per Schockbund 0,50 bis 1,00. Salat_ per Schock 1,50—2,00. Gurken, Einmache-, Schock 14,00, do. böhmische Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 2,00— 4,50. Bohnen. grüne. 100 Psd. 7—15. Wachsbohnen, per 100 Psd. 10—25. Stachelbeeren, per 100 Psund 0,00. Blaubeeren, per 100 Psd. 10—18. Johannisbeeren, per 100 Psd. 10—12. Preißclbceren per 100 Pfd. 25-28. Kirsche», sauere, 100 Psd. 15—20. Birnen, iial., 100 Pfund 14—40, Tiroler 35—40, hiesige 3—20, Salander 20—25. Pfirsiche, hiesige per>00 Psd. 20—30, ital. in Kislchen zu 12 Stück 0,75—2.00, do. in Körben la per 100 Psd. 28—35, do. IIa in Körben per 100 Psd. 17— 25. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, französ. 0,00. Aepsel, italienische, per 100 Pfund 8—17, ung. 10—13, hiesige 3—15, Gravenfteiner la 15—23, do. Na 10—20. Pflaumen, ital., per 100 Psund 10—20, Reweclauden 15—30, hiesige 8—12, ung. 12—15, Badener, Früh-, 12—20. Weintrauben, franz., per 100 Psd. 14—20, statten. 15—28,. ÄnanaS I, per Pfund 1—1,20, do. N 0,00. Zitrone», Messina. 300 Stück 10,00-20,00. do. 360 Stück 9,00—21.00, do. WO Stück 6,00—12,00, do. 150 Stück 5,00 bis 8,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 20,00—22,00, grün 0,00. Melonen, per 100 Psd. hiesige 25—35, ital. 13— 18, franz. 0,0 hott. 25—26, spanische 5—8. Wasserstands-Nachrichte« her LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Kaufhaus Max Mannheim a=======� Frankfurter Allee 109-110= Wegen Inventur und Uebergabe bleibt mein Kaufhaus von Freitag früh bis Sonnabend Nachmittag 4 Uhr geschlossen. Der Inventur- Ausverkauf beginnt am SONNABEND NACHMITTAG und bietet ausserordentliche Vorteile. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen S Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zahlen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, fUr die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. 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Ohngemach, Vorsitzender. Verantwortlicher Redakteur: Nr. 202. 24. Jahrgang. 2. WM Ks Jotmirtf ßttliiitt Jolbliliitt. Freitag, 80. August 1907. Partei- Hncfelcgenbeitcn. Die Adresse des AgitationSkommisfioiismitgliedes für den sechsten Wahlkreis Paul Dobrohlaw ist nicht mehr Eberswalderstr. 1, sondern S ch l i e m a n n st r. 39, vorn part. Nieder-Schönhausen. Am Sonntag, den 1. September, früh 8 Uhr, findet eine Handzettelverbreitung statt und zwar von folgenden Lokalen aus: Restaurant Huth, Kaiser Weg. Ecke Platanenstrafie, Restaurant Thulmann, Uhlandstraße, und Restauraut Babst, Beuih strafie. Pflicht der Parteigenossen ist es. sich recht rege daran zu ßc wligen._ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Wenn die Schwalben wieder kommen. Noch sind sie nicht fort. Aber schon exerzieren sie und üben ihre Flugkünste, um die nötige Sicherheit und Ausdauer für die weite Reise zu erlangen. Gerne unterbricht man den Spaziergang und bleibt stehen, um die lieben traulichen Segler zu beobachten, wie sie in geschlossenen Zügen, oft hundert und noch mehr an der Zahl, in lautlosem Fluge die Luft durchschneiden. Bald schieben sie pfeil schnell, in schnurgerader Linie dahin, bald ziehen sie kühne, elegante Kurven in der Lust. Jetzt gleiten sie sicher, kaum sichtbar, am Boden hin, dicht über den Grasspitzen, um dann plötzlich, in einer präzisen, scharfen Wendung herum zu biegen, wie ein Heer Soldaten, und dann hoch hinauf in die Lüfte zu stcucni. Und das geht alles so ruhig, so bestimmt, kein Wut schnaubender Unteroffizier steht dabei, kein Fluchen, kein Donner Wetter durchzittert die Luft. Frei, nur dem Gesetze der Natur folgend, vollführen sie ihre Manöver, in ungezwungenem, munterem Gezwitscher sich unterhaltend. Auch Freund Adebar sammelt sich mit seinen Stammesgenossen aus den Wiesen in gröbere» Scharen. Aus einem Beine stehend, in philosophischer Ruhe sich umschauend oder in gemessenem, gravitätischem Schritt aus und abgehend, erwartet er die Säumigen. Plötzlich, wie ans Kommando, erheben sich alle, um mit schweren Flügelschlägen ihre Uebnngen zu beginnen. Manchen wird eS wohl nicht bekannt sein, dab dieser populäre Bursche, dem der Volksmund eine gewisse Eigenschaft zuschreibt, ebenso praktisch wie grausam veranlagt ist. Er mordet nämlich, allen Regeln der Pietät zuwider, mit heftigen Schnabclhieben diejenigen Familienältesten, die infolge Krankheit oder Altersschwäche keine sichere Gewähr bieten, dah sie den Strapazen einer so weiten, beschlverlichcn Reise gewachsen sind. Ferner rüsten sich noch zum Aufbruch fast alle die lieben, kleinen Sänger, die im Frühling und Sonmier Wald und Feld mit ihren prächtigen Weisen erfüllen und uns Menschenkindern daS Herz erquicken. Bald sind sie fort. Weit weg, in südliche Zonen, geht ihr Flug, wo der Tisch aufs neue gedeckt ist. Viele aber, leider allznviele, werden die deutschen Gauen nicht mehr wiedersehen. Viele Gefahren drohen ihnc», deren schlimmste der Mensch mit seinen Netzen und Schlingen ist. In Tirol und Italien harre» ihrer schon die herzlosen Gesellen. inn sie für schnöden Gewinn dem Tode zu überliesern. So manche Nachtigall, deren Jauchzen und Schluchzen in lauen Sommernächten uns bis ins Innerste ergriff, fällt rohen Meuchelmördern zum Opfer. Jene aber, die allen Gefahren glücklich entrinnen, kehren, iveiin die Frühlingssonne die starre Hülle sprengt, wieder. Mit frischem Mut bauen und renovieren sie ihre Nester und schmettern in trunkener Lebenslust ihre Lieder in den neuerwachten Lenz hinaus. Aus einem„Kranken- und Genesungsheim", das in Nieder- schönhau scn-Nordend von einem Arzt Dr. Dosquct- M a n a s s e betrieben wird, haben Patienten uns mancherlei Bc- schwcrdcn vorgetragen. Die Anstalt ist ein Privatunternchmen, sie wird aber viel auch von Krankenkassen benutzt. Kassen, die ihre kränkelnden, in der Genesung befindlichen, der Schonung be- dürfenden Mitglieder dort unterbringen, zahlen pro Kopf und Tag 2,50 M. Für Sclbstzahler soll der Pflcgesatz noch höher sein. Dieses„Kranken- und Genesungsheim" nimmt nur weibliche Patienten auf und hat rund 100 Betten. Gegenstand der Unzufriedenheit ist vor allem die B c- köftigung. Wir kennen diese Klage zur Genüge; sie kommt aus allen Pslegcanstaltcii, aus öffentlichen wie aus privaten. In der Regel ist eS unmöglich, da zu entscheiden, ob die Unzufriedenheit berechtigt ist oder nicht. Eine Anstalt, die alle Insassen aus ge- incinsamem Kessel beköstigen must, kann schwer die besonderen Wünsche des cinzelncii berücksichtigen. Doch über das„Kranken- und Genesungsheim" wird uns berichtet, die Kost sei dort so schmal, das; man sich fragen müsse, wie man dabei zu Kräften kommen solle. Geklagt wird z. B. darüber, dast die Milch, die doch sonst als ein wichtigstes Ernährungs- und Kräftigungsmittel für Genesende gilt, nur in knapp bemessener Menge gewährt werde und überdies�' nur von mäßiger Qualität sei. Die Bitte einer Patientin, mehr Milch zu erhalten, soll einmal abgewiesen worden sein mit der Erklärung, das würde zu teuer werden. Ueber eine solche Antwort könnten wir uns nicht groß wundern; denn na- türlich will der Besitzer dieses Unternehmens von den 2,50 M. pro Kopf und Tag noch einen Profit drüber behalten. Im„Kranken- und Genesungsheim" soll aber auch die Zubereitung der Speisen manches zu wünschen übrig lassen. Uns wird versichert, ge- legentlich seien sogar Maden darin gefunden worden. Es läßt sich denken, daß eine Anstalt, in der diese Meinung bei Patienten auskommt und Verbreitung findet, nicht als besonders angenehmer Aufenthaltsort empfunden werden wird. Geklagt wird sodann über hygienische Mängel, die in dem„Kranken- und Gencsungsheinl" bemerkt worden seien. Die Patientinnen, von denen wir unsere Informationen erhalten haben, mußten im Bett sich mit einer Wolldecke bedecken, die nicht in einem vollständigen und geschlossenen Bezug steckte, sondern nur lose aus einem Laken auflag. Nur zu leicht kommt da der Körper in direkte Berührung mit der Decke, die im Laufe der Zeit schon zahlreiche Patientinnen als Bettstück gedient hat, also selbst- verständlich niemals so gereinigt werden kann, wie es bei einem waschbaren Bezug möglich ist. Solche Decken auf Laken sind in manchen Hotels üblich, weil sich das billiger stellt. Aber für ein „Kranken- und Genesungsheim" ist eine so unhygienische Art, die Pfleglinge zu betten, doch wohl nicht zulässig. Selbst in Hotels wird. sie von Reisenden als bedenklich empfunden. Aus der Anstalt des Herrn Dr. Dosquct-Manasse ist uns noch über einen anderen hygienischen Mißstand berichtet worden, der erwähnt werden muß. Dort wurden Nachtgeschirre lediglich mit kaltem Wasser ausgespült. Manche dieser Geschirre behielten allmählich einen widerwärtigen Geruch, der bei� Nacht sehr lästig wurde. Die Reinigung der Ge- schirre wurde übrigens von Patientinnen besorgt— ebenso, wie manche andere Arbeit,' die sonst dem Personal zukäme. Ist denn in der Anstalt nicht genug Personal vorhanden? Den Besitzern solcher Pflegeanstalten geschähe Unrecht, wenn man von ihnen fordern wollte, daß sie ihren Pfleglingen dasselbe bieten, was in öffentlichen Krankenhäusern, Heimstätten usw. geboten werden kann. Die öffentlichen Anstalten geben samt und sonders noch Geld zu, während die privaten doch einen Gewinn ab- werfen sollen. Selbstverständlich kann keinem, der ein Geschäft betreibt, es verübelt werden» daß er dabei verdienen will. Das Bedauerliche ist nur. daß nicht die Gemeinden durch Schafsting ausreichender Pflegeanstalten es privaten Unternehmern überhaupt unmöglich machen, solche Geschäfte noch zu betreiben. Schule und Familie sollen jederzeit freundliche Beziehungen zu einander unterhalten, die eine gemeinsame Arbeit an der Förderung des heranwachsenden Geschlechts ermöglichen. So sollte es und könnte es sein, aber nur zu oft ist es anders. Nur zu oft herrscht zwischen Schule und Familie eine verdrossene Zwietracht, eine feindselige Stimmung, die mitunter sogar zu bitterernster Fehde führt. Die Lehrerschaft ist rasch bereit, die„größere Hälfte" der Schuld den Eltern zuzuwälzen. Da möchten wir allen, die eS an- geht, wieder mal den folgenden Fall zur Beachtung empfehlen. An der 10S. Mädchen-Gemeindeschule in der Britzer- straße ist ein Fräulein T o k o ß beschäftigt, eine Lehrerin, die schon im vorgerückten Alter steht. Dieses Fräulein T. bestrafte kürzlich in einer vierten Klasse eine Schülerin D. mit Nachbleiben, weil in einem Heft ein Blatt fehlte, über dessen Verbleib das Kind nicht Ailskilnft gab. Außerdem wies Frl. T. die D. an, zehnmal abzuschreiben: „Wegen meines verstockten Charakters mußte ich nachbleiben". Und sie fügte den Befehl hinzu, die D. solle ihren Pflegevater seinen Namen daruntersetzen lassen. Herrn D. ärgerte begreiflicher Weise die unnötige Schroffheit, die aus diesem Strafarbeitssatz sprach, und er verweigerte die Unterschrift. Frau D. aber, die sich gleichfalls verletzt fühlte, schrieb dem Fräulein T. einen Brief und erklärte darin mit dürren Worten, sie selber kenne besser als die Lehrerin den Charakter des Kindes. In ihrer Gereiztheit hängte sie dein Brief den Znsatz an, die Lehrerin habe wohl einen Haß gegen das Kind. Diese Bemerkung war allerdings ungehörig, aber Frau D. glaubte sich zu ihr berechtigt im Hinblick auf ftühere Vor- komninisse, die ihr aus der Schule berichtet worden waren. Was tat nun Frl. T., als ihr der Brief übergeben wurde? Sie stellte sich vor ihre Klasse hin und sagte zu den Kindern:„Nun will ich Euch mal vorlesen, was Frau D. mir geschriben hat." Und sie las ihnen in der Tat den Brief von Anfang bis zu Ende vor. WaS sie damit beabsichtigt haben kann, ist nicht recht klar. Fra» D. meint, Frl. T. habe sie vor der Klasse verhöhne» wollen. Der Rektor aber ließ Frau D. zu sich kommen und setzte ihr auseinander, daß sie in ihrem Brief die Lehrerin beleidigt habe. Durch diese Mitteilung wurde Frau D. nicht wenig überrascht. ES habe ihr ja gänzlich fern gelegen, die Lehrerin beleidigen zu wollen. Sie vermag vorläufig auch noch nicht recht zu glauben, daß Fräulein T. sich wirklich beleidigt fühlen könne. Welche Lehrerin, so fragt sie sich, würde wohl einen Brief, den sie für beleidigend hält, ihren Schülerinnen vor- lesen, von denen sie doch Respekt fordert I Der Rektor hat der Frau D. in Aussicht gestellt, daß er„die Sache weitergeben" werde. Sollte es zu einer Klage kommen, so muß nian gespannt sein auf den Ausgang, den sie nehmen lvird. Inzwischen wird hoffentlich die Schuldeputation sich mit der Frage beschäftigen, ob das Verfahren dieser Lehrerin geeignet war, die Beziehungen zwischen Schule und Famili freundlicher zu ge st alten. Die Dame ist zwar schon seit mehr als drei Jahrzehnten im Schuldienst tätig. Das darf aber die Schuldeputation nicht abhalten, ihr eine Revision ihrer Erziehungs grundsätze aufzugeben. „Importierte Arbeiter". Der Kaufmann Leider, der au dem Grundstück Schwedter st raße 263 die Fabrikation von Konipott betreibt, fühlt sich verletzt durch unsere Notiz ftn Nr. 198) über die bei ihm beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. In einem Briefe teilt er uns mit, er lasse sich seine Leute nicht durch Agenten besorge», die niit billiger Menschcnware handeln, sondern kriege sie zugewiesen durch seine älteren Arbeiterinnen, von denen ihm mehr HülfSkräfte enipfohlen würden, als er brauchen könne. Er erzählt auch, als Tagelohn gebe er den Arbeiterinnen 3.30 M., den Arbeitern 4,00 M, dazu komme noch freies Logis nebst Kost. Er fügt die Versicherung hinzu, daß der Raum, der ihnen als Quartier diene, eine„durchaus geräumige und gesunde Stube" sei. Diese „Stube" ist, wie wir schon erwähnten, ein Futterboden, der über dem Pferdestall liegt und durch eine an der Außenwand des Hauses emparfiihrende Stiege erreicht lvird. Herr Leider erklärt, er be schränke seine Leute in keiner Weise in ihren Handlungen, und jeder könne sich anderswo eine Schlafstelle suchen, wenn er wolle. Auch seien sie polizeilich angemeldet. Zum Beweise, daß er die Wahrheit sage, hat er seine Arbeiter und Arbeiterinnen ihren Namen unter den Brief setzen lassen. Sogar ein Mann, der nur als Aushülfskraft bei ihm beschäftigt wird, hat sich mit unterschrieben, ein Herr Julius Timrick, der(wie wir ermittelt habe») im Hause Chorinerstraße 23 einen Gemüse Handel betreibt. Auch er verbürgt sich also mit seinem Namen dafür, daß das alles so stimmt. Der Brief ist datiert vom 27. August. Da müssen wir annchnieii, daß in der Reihe der Unter- zeichner wenigstens ein Arbeiter des Herrn Leider fehlt, jener eine. der mitten in der Saison am 25. August auf und davon gegangen ist. Dieser undankbare, schlechte Mensch hat offenbar kein Ver ständniS dafür gehabt, welches überschwängliche Glück eS für einen Arbeiter ist, in dem Betrieb des Herrn Leider arbeite» zu dürfen. Da er just am Sonntag das Arbeiterparadies verlassen hat, das Herr Leider uns so verlockend schildert, so hat er sich noch um das Vergnügen gebracht, an diesen, Tage von 5 Uhr früh bis 3 Uhr nachmittags SoiuitagSarbijit zu leisten. Die Scdan- und Paradeferien werden wahrscheinlich diesmal nicht länger als eine» Tag dauern. Unsere Annahme, daß die Parade am 31. Augnst abgehalten werden solle, war unzutreffend. Das militärisch-höfische Schauspiel, das alle Straßenbummler in Entzücken versetzt, wird ain 2. September in Szene gehen. Am 2. September müssen aber die Schulen doch wohl auch die Sedanfeier absolviere», die ihnen wie alljährlich anbefohlen worden ist. Dann braucht also den Schulkindern nur der eine Tag freigegeben zu lvcrden. Wir vermuten, daß diese Einschränkung den patriotischen Enthusiasmus des Berliner Nachwuchses st a r k abkühlen wird. Schade nm die Reihe von Bumnieltagen, die den Schulkindern so entgeht! Zählt»inn den Sonntag mit, so wären es wieder mal drei Tage Vinter einander gewesen. Nun wird durch die vorgeschriebene Sedanfeier auch der Genuß der Parade geschmälert. Wenn am Montag die Regimenter durch die Straßen der Stadt mit Bumbum und Trara zum- Paradcfeld hinausziehen. sollen die bedauernöiverten Jungen und Mädel in den engen Schulhäusern sitzen und den abgedroschenen Phrasen« schivall langweiliger Sedanfeiern über sich ergehen lassen? Wer soll denn in d e n S t r a ß e n st c h e n und Mau lassen feilhalten, wenn man an solch cm Tage die Kinder in die Schulhäuser hin ein zwingt! Werde» da die „Spaliere" nicht ein bißchen dünn bleiben? Oder vielleicht kommt doch noch alles ganz anders. Vielleicht hat das Provinzial-Schul- kollegium ein Einsehen und verfügt, daß für die Schule» Berlins und der Vororte„Sedan" diesmal auf den 31. August verlegt wird. Der Sieg des Droschkengauls über den Motor. Hierüber wird berichtet: Das Berliner Autoinobildroschkengewerbe steht vor einer ernsten 5lrise. Von den gegenwärtig in Berlin fahrende» 700 Motor- droschken befinden sich schon 400 Wagen unter GerichtSsiegcl und auch die Automobilfabriken haben schwere Verluste erlitte». Eine Unzahl von Prozessen schweben zwischen den Motordroschkenbesitzern und den Lieferanten, teils von den ersteren angestrengt wegen Schadenersatz, teils von den Lieferanten gegen ihre Abnehmer auf Zahlung der Monatsrate. Eine Zeitlang ging das Geschäft der Motordroschkenfabriken glänzend und die günstigen ZahlungS- bedingungen, die es möglich machten, gegen eine Anzahlung von 500 M. und monatlicher Abzahlung von 100 M. eine Autodroschke zu erwerben, führten zu einer Masseneinstellung dieser Wagen. Später waren dann aber die Besitzer nicht mehr in der Lage, die Monatsraten zu erschwingen, weil einesteils die erwarteten hohen Einnahmen ausblieben oder doch nicht die Höhe erreichten, die zur Deckung der außerordentlich hohen Rcparaturkosten nötig war. Diese hohen Reparaturkosten sind die Hauptursache der jetzt zweifellos fest- gestellten Unrentabilität des Autodroschkenbetriebes. Nach der Be- rechnung eines Fachblattes,„Der Fuhrhalter", braucht jedes Auto- mobil 10 Proz. des Anschaffungspreises an Reparaturkosten pro Jahr, während die Reparaturkosten bei Pferdedroschken nur 1 Proz. pro Jahr ausmachen. Aber auch die Kosten für den Gummi sind bei den Autodroschkcn außerordentlich hoch. Eine Pnenmatikgarnitur kostet bei Motordroschken rund 1000 M. und hält höchstens Ve Jahr aus; pro Tag stellt sich der Gummiverbrauch an der Motordroschke auf 6 bis 10 M. lbeim AutoomnibuS sogar auf 30 M.). Bei so hohen Betriebskosten war an eine Rentabilität nicht zu denken, und auch die Tariferhöhung hat dieses Mißverhältnis zwischen Ein- nahmen und Betriebskosten nicht ausgleichen können, zumal dadurch die Zahl der Passagiere abgenomnien hat. Viele Motordroschken- besitzcr sind deshalb schon wieder zum Pferdcbetrieb übergegangen. Man befürchtet für die nächste Zeit auch den Zusammenbruch ver- schiedener Motordroschkenfabriken. Mit dem Bau des städtischen Straßendahndcpots ist jetzt be« gönnen worden. Die Stadt Berlin, die, wie bekannt, im nächsten Jahre eigene Straßenbahnlinien in Betrieb nehmen wird, errichtet in der Kniprodestraße ihr erstes Depot. Die Gesamtausführung lvurde der Aklicngescllschaft für Hoch- und Tiefbauten(vormals Gebrüder Helfmann) übertragen. Die Wagenhalle ist vorläufig für 35 Wagen vorgesehen, sie unisaßt ausgedehiile Reparaturwerkstätten, eine Schmiede, Akkumulatorenräume usw. Die ganze Anlage ist so gestaltet, daß eine Erweiterung sich leicht ermöglichen läßt. Der Berkehr nach dem Freibad Wannsee wird von heute ab eine weitere Erleichlerung dadurch erfahren, daß die Große Berliner Straßenbahn einen kombinierten Straßenbahn- und Motoromnibus- Verkehr einrichtet. Die Linien 91, 79,.A, T und Q werden in der Zeit von 12� bis 7 Uhr nachmittags an Sonn- und Wochentagen bei günstiger Witterung Anschluß an die zwischen Halensee und Beelitzhof verkehrenden Motoromnibusse erhalten. Letztere werden in erster Linie für die mit der Straßenbahn ankommenden Fahrgäste freigehalten und nehmen weitere Passagiere nur dann auf. wenn Platz sreigcblieben ist. Der Fahrpreis beträgt einschließlich der Zehnpfennigstrecke der Straßenbahn 60 Pf. Fahrscheine für die Fahrt von Berlin nach Wannsee sind bei den Straßenbahnschaffnern, für die Fahrt von Wannsee nach Berlin bei den Omnibusschnffnern erhältlich. Ein entsetzlicher Unglücksfall, bei dem eine Person den Tod gefunden und eine zweite schwer erkrankt ist, hat sich auf dem am Königsdamm belegenen Grundstück des Schmiedemeisters Gundlach ereignet. Auf dem Hofe befindet sich ein Backofen, der reparatur- bedürftig war. Um die Schäden, die im Innern des Ofens lagen zu beseiiigen, machte sich der Schwiegersohn des G., der 34jährige Schlosser Menzel genieinsam mit seinem 16jährigen Lehrbuschcn Max Felmer an die Ausbesserung. Die beiden krochen in den Ofen hinein, in dem kurz vorher noch gebacken worden war und der infolgedessen noch starke Hitze enthielt. Durch einen Windstoß wurde die nach dem Freien zu belegene Ofentür plötzlich zugeschlagen und die beiden Männer waren nun in dem Backofen gefangen. Ihre Hülferufe verhallten in dem dumpfen Räume ungehört. In der Verzweiflung schlug der Lchrbursche die Wand ein, wodurch aber die Wärme in dem Ofen noch mehr angefacht wurde. Unter Anwendung all seiner Kräfte gelang es schließlich dem jungen Menschen, sich durch die geschaffene Oeffnung in Sicherheit zu bringen. Er hatte aber bereits schwere Brandwunden erlitten und war durch das Einatmen der Wärme- gase derartig erschöpft, daß er besinnunglos wurde. Er vermochte daher nicht mehr für die Rettung des M. zu sorgen und elend mußte der letztere im Backofen ersticken. F. wurde in das Kranken- hauS gebracht. Ein langgesuchter Schcckschwindler ist gestern in der bei Königs» Wusterhausen belegenen Sommerfrische Krummensee dingfest ge- macht worden. Seit Anfang des Sommers hielt sich in den öst- lichen Vororten, so in Adlershof, Grünau, Zeuthen, ein elegant gekleideter Herr aus Berlin auf, der sich bald Kaufmann Zühlke, bald Rentier Drewes, Schlüter, Fähndrich oder Fischer nannte und der in diesen Ortschaften Bekanntschaft mit den Sominergästen und Sportsleuten machte. Da der Rentier vorgab, mehrere Häuser im Osten der Reichshauptstadt zu besitzen, so gelang es ihm, eine große Anzahl seiner neuen Bekannten zu bewegen, ihm Darlehen zu gewähren. Er zog dann, sobald er das Geld erhalten, ein Scheck- buch von der Kommerz- und Diskontobank heraus und beglich seine Schuld, indem er einen Scheck auf die genannte Bank ausstellte. Natürlich mußten die Opfer ihrer Gutgläubigkeit die traurige Er- fahrung machen, daß ihr neuer Freund sie betrogen habe, da er überhaupt kein Guthaben auf der Bank besaß. Allerdings hatte der Hochstapler Anfang dieses Jahres einmal einen kleineren Betrag auf der Kommerz- und Diskontobank deponiert und hatte sich dann ein Scheckbuch geben lassen, dessen Formulare er nun zu seinen Schwindeleien benutzte. Vor einigen Tagen bezog ein fremder Herr, der sich Fischer aus Berlin nannte, in dem Gasthofe des romantischen Dörfchens Krummensee eine Sommerwohnung und gab dem Wirt für Logis und Zeche einen Scheck in Zahlung. Das Ausstellen eines Schecks auf einen so geringen Betrag fiel dem Hotelier auf und er benachrichtigte die Kriminalpolizei, die als- bald Herrn Fischer besuchte und ihn verhaftete. Der Festgenommene ist der 37 Jahre alte Kaufmann Gustav Zühlke aus Stettin, der dort früher eine Fabrik' ätherischer Ocle besaß. Ein„Grosffeuer" beschäftigte in der vorgestrigen Nacht die Feuer- ivehr in der Stallschreiberstr. 29. Der Feuermanu Auer von der Kompagnie, der bei der Löschung i» die Glut fiel, wurde ziiin Glück von seinen Kameraden schnell herausgeholt, so daß er niit leichteren Verletzungen davon gekommen ist. Der Brand kam nach 9>/z Uhr zur Kenntnis der Feuerwehr und als diese gleich darauf niir drei Zügen an der Brandstelle erschien, hatte daS Feuer schon eine große Ausdehnung erlangt, muß also schon längere Zeit un- bemerkt dort gewütet haben. Es brannten in der Hauptsache die Kartonfabrik von Theodor Nathan im dritten und vierten Stock des linken Seiteuflügels und Onergebäudes sowie die Dachräume, das Kontor und Nebenräume von Metallwarenfabriken. Sehr gefährdet war das Gemeindehans der Luisengemeinde, das unmittelbar an die Brandstelle grenzt. Die Flammen hatten an Pappkartons, Regalen und der übrigen Einrichtung reiche Nahning gefunden. Unter Leitung des Branddirektors Reichclt wurde mit leben Schlauchleitungen, darunter ein K-Rohr stärksten Kalibers, unailsgeseyt Wasser gegeben. Da wegen der enormen Berqualmung ein direkter Angriff sehr erschwert war, lvurde auch von den Nachbar- grundstückcn vorgegangen. Ans dem Hofe war eine große mechanische Leiter aufgerichtet, über die ebenfalls vorgegangen wurde. Um Luft zu machen, drangen Feuennänner über Hakenleitern bis zum dritten Stock vor. Beim Vorgehen über die Treppen, die nicht nur ver- qualmt waren, sondern auch schon in Flammen standen, mußte ein senerschutzanzug benutzt werden. Die Hitze war so enorm, daß die Mannschaften, die direkt vor den Flamme» lagen und dort Wasser gaben, öfters abgelöst werden mußten. Einige wurden ohnmächtig Und mußten durch Einflößen von Sauerstoff wieder zum Bewußtsein gebracht werden. Gegen 2 Uhr nachts war die Macht des Feuers gebrochen, doch hatte die Wehr noch die ganze Nacht dort zu tun. Gestern früh wurde mit den Aufräumungsarbeiten begonnen, die voraussichtlich zwei Züge der Feuerwehr noch längere Zeit beschäftigen werden. Der Betrieb der Ofenfabrik von Förster u. Runge, der sich dort und nebenan befindet, erleidet keine Störung, Die Ursache des Brandes konnte noch nicht ermittelt werden. Der Schaden soll durch Versicherungen bei mehreren Gesellschaften gedeckt sein. Außer diesem Brande hatte die Feuerwehr frühzeitig am Luisenplatz 5 zu tun, wo in einer Wohnung Feuer ausgekommen war. Nachts um 3 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Wrangel- straße alarmiert. Grober Unfug war die Ursache. Der Täter ist leider entkommen. Früh um Ü Uhr brannten am Nordbahnhos Kohlen. Wegen eines Schaufensterbrandes rückte der 12. Zug nach der Steglitzerstr. 2ö aus. Ferner hatte die Wehr noch in der Hohenlohestr. 8 und Schönhauser Allee 65 zu tun. Der Dieb im Polizeipräsidium. Ein dreister Diebstahl ist, wie eine Zeitung meldet, im Dienstgebäude des Polizeipräsidiums der- übt worden. Ein Kriminalkommissar hatte am Montag im Zimmer Nr. 38 Leute zu vernehmen. Dabei standen mehrere Per- sonen um ihn herum. Nachdem sich alle entfernt hatten, ver- mißte er seinen neuen schwarzen Hut und fand dafür aus einem Stuhl neben einem kleinen Regal einen alten schmierigen Hut wieder. Es ergab sich, daß von den Vernommenen niemand den Hut vertauscht hatte; es muß also ein Dieb die Gelegenheit be- nutzt haben, sich heranzuschleichen und ihn zu stehlen. Merk, würdigerweise haben beide Hüte, der alte wie der neue, dasselbe Geschäftszeichen im Futter: Extra beste deutsche Qualität. Ein großes Schadenfeuer kam gestern abend in der neunten Stunde in der Bärwaldstr. 8, Ecke der Wilmsstraße zum Ausbruch. Trotzdem der benachbarte 11. Zug der Feuerwehr schnell zur Hand war, konnte doch nicht verhindert werden, daß der größte Teil des Dachstuhls abbrannte. Auch ein Teil der 4. Etage hat unter dem verheerenden Element gelitten. Einen grandiosen Anblick bot dem massenhaft zusammengeströmten Publikum der Einsturz des großen Eckturms des Hauses. Im Sportpark Spandau findet am kommenden Sonntagnach- mittag 3 Uhr ein Stundenrenncn um den goldenen Humpen von Spandau statt. Nachdem stehen Fliegerrennen aus dem Programm. DaS Theater an der Spree wird am morgigen Sonnabend mit Kalischs Gesangsposse„Der Aktienbudiker" eröffnet werden. Der Billetverkauf findet iin Theatergebäude, in den Warenhäusern von Wertheim, im Jnvalidendank, Unter den Linden und hei Wagner. Markgrafenstraße, statt. Vorort- J�acbnchtem Charlottenliurg. Verein Freier Kindergarten. Auf die seinerzeit an den preußischen Ministerpräsidenten gerichtete telegraphische Beschwerde gegen die be» hördliche Schließung des Freien Kindergartens in Charlottenburg ist nunmehr auf dem Umwege über den Kultusminister und die königl. Regierung in Potsdam eine Antwort eingelaufen. Die Zuschrift der Regierung berührt die in ihren Voraussetzungen falsche— materielle Begründung der Schließung des Kindergartens mit keinem Worte, sondern konstatiert nur, daß die Beschwerde abzuweisen sei, da die Regierung auf Grund einer Staatsininisterial-Jnstruktion vom 31. Dezember 1839(!) die Macht habe, so wie geschehen zu verfahren. Basta! Da für viele die Rechtsbasis der behördlichen Macht- Vollkommenheit gegenüber erziehlichen Einrichtungen für die vorschulpflichtige Jugend einigermaßen dunkel gewesen ist, war es vielleicht nützlich, die angezogene Ministerial- instruktion, welche alle Erziehungsanstalten der Aussicht des Staates unterstellt und konzessionspflichtig macht, auS dem Staube der vormärzlichen Alten herauszuholen. Es wird nun die Losung aller Freunde einer freiheitlichen EntWickelung sein müssen, auch die Klein« kinderanstaltcn der bureaukratischen Willkür zu entziehen und sie unter die Kontrolle der Gesetzgebung durch eine wahrhaste Volks- Vertretung zu stellen. In der am 28. August stattgehabten Sitzung der Delegierten zur Charlottenburger Gewerkschastskoinmission erstattete der Genosse Albert Wilde Bericht über die Tätigkeit des hiesigen GcwerbegerichtS für die Zeit vom 1. April 1986 bis 31. März 1987. AnS dem reichhaltigen Zahlenmaterial seien hier einige Zahlen wiedergegeben. Danach wurden Klagen erhoben von Arbeitgebern gegen Arbeiter 13, im Vorjahre 1985/88 13; von Arbeitern gegen Arbeilgeber 1249, im Vorjahre 1142, und von Arbeitern gegen Arbeiter 4, im Vorjahre 4. Insgesamt 1266 Streitfälle im Berichtsjahre gegenüber 1164 Streitfällen im Jahre zuvor. Auf das Baugeiverbe und Bauhandwerk entfallen von diesen Klagen 681, im Vor- jähre 488; Fabriken aller Art 63, im Vorjahre 49; für das übrige Handwerk und Gewerbe 686. im Vorjahre 616. Nicht zu- ständig war das Gewerbegericht in 17 Fällen gegen 19 ini Vorjahre. Vergleiche kamei« im Berichtsjahre 474 gegen 434 im Vorjahre vor dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts und 182 gegen 72 des Vor- jahreS vor dem ordentlichen Spruchgericht zustande. Die Höchst- zahl der an einem Tage verhandelten Klagen belief sich auf 38 vor dem Vorsitzenden und 12 vor dem Spruch- gerichte, die Jahresdurchschnittszahl auf 23 vor dem Vor- sitzenden und neun vor dem Sprnchgericht.— Als Einigungsamt ist das Gewerbegericht im Berichtsjahre nicht in Anspruch genomnren. Eine Diskussion über den Bericht fand nicht statt. Auf Anregung deö Obmannes Genossen Flemming sollen die einzelnen Gewcrk- schaften in ihren nächsten Versammlungen den Bericht einzeln besprechen. Denjenigen Gewerlschaftcn, die keinen GclverbegerichtSbeisitzer in ihrer Mitte haben, wird sich der Genosse Wilde zur Verfügung stellen. Nunmehr wurde die in der vorigen Sitzung abgebrochene Debatte über den vierten Genossenschaftstag in Düsseldorf zu Ende geführt. An derselben beteiligten sich u. a. noch die Genossen Storch. Krause, Sellin, Spörer und Schütze. Besondere Momente traten nicht mehr zutage. Nach de» Schlußworten der Referenten Genossen Gebert und Winter einigte man sich schließlich zur Annahme folgender Resolution des Genossen Nichter. Sie lautet: Die Charlottenburger Gewerkschaftskommission sieht in der Annahme der Resolution v. Elm eine Tatsache, die nicht geeignet ist, ein gedeihliches Zusammen- arbeiten der Genossenschafts- und Gewerkschaftsbewegung zu fördern. Dessenungeachtet ist sie der Ansicht, daß nur ein talkräftiges Ein- trelen der Gewerkschaftsgenossen für die Genossenschaftsbewegung eine Bürgschaft dafür bietet, daß der teilweise noch in den Konsum- vereinen herrschende rückständige Geist verschwindet." Unentschuldigt fehlten die Vertreter der Buchbinder, Gastwirts» gehülfen, Maschinisten und Heizer, Schmiede und Steinsetzer. Infolge BerfiellenS einer Weiche durch einen Knaben ist gestern nachmittag an der Ecke der Kurfürsten- und Nürnbergcrslraße ein schwerer Zusanuneustoß im Straßenbahnbetriebe herbeigeführt worden. Kurz vor dem Herannahen eines Straßenbahnzuges der Linie II hatte ein stmges Bürschchen an der erwähnten Kreuzung die Weiche umgestellt. Der Wagenführer, der dies nicht bemerkt hatte, führ über die Weiche hinweg, ohne sie wieder umzustellen und da in diesem Augenblick aus der entgegengesetzten Richtung einAutomobil heran- gefahren kam, so war ein Zusammenstoß unvermeidlich. Der Chauffeur deö Automobils war natürlich der Meinung gewesen, daß der Straßen- bahnwagen die vorschriftsmäßige Richtung einhalte und er fuhr infolgedessen auf das Gleis, auf das durch die falsche Weichen- stellnng der Straßenbahnzug geriet. Der Zusaminenstoß erfolgte mit solcher Gewalt, daß das Automobil am Vorderteil fast gänzlich zertrümmert wurde. Die in dem Kraftwagen sitzende 74 jährige Frau Albu, Marienburgerstraße 4, wurde durch umherfliegende Glasscherben an der Stirn und an der Schläfe erheblich verletzt. Sie erhielt die ersten Notverbände auf der Unfallstation. Auch der Motorivagen wurde beschädigt. Der Urheber des Unfalles hatte es inzwischen vorgezogen, das Weite zu suchen. Rixdorf. Einen seltsamen Selbstmordversuch unternahm vorgestern die in der Friedelstr. 47 wohnhafte Schneiderin Elvira E. Das junge Mädchen stellte einen mit Braunkohlen gefüllten Eimer in die Mitte des Zimmers und zündete die Kohlen an. Durch Einatmen der aufsteigenden giftigen Gase versuchte sie sich dann ums Leben zu bringen. Nach einiger Zeit kam eine Freundin der E. hinzu. Diese fand das junge Mädchen bereits bewußtlos auf. Ein Arzt stellte mit Hülfe des Sauerstoffapparates Wiederbelebungsversuche an, die auch von Erfolg gekrönt waren, Die Lebensmüde fand im städtischen Krankenhause Aufnahme. Tchöneberg. Die Wählerlisten liegen nur noch heute aus. Wer noch nicht Einsicht genommen hat, beeile sich, dies zu tun. Nur wer in der Liste verzeichnet steht, kann sein Wahlrecht zur Stadtverordneten- wähl ausüben. Die Listen liegen aus von 9 Uhr vormittags bis L Uhr nachmittags im Rathause am Kaiser Wilhelmplatz, Zimmer 2 des Quergebäudes. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Listen können nur noch heute erhoben werden. Die„Blanke Hölle", jener kleine Pfuhl an der Tempelhof- Schöneberger Grenze, der im Sommer von den Bewohnern beider Orte gern als Ausflugsziel gewählt wurde, ist dem Untergang ge- weiht. Die Schönebcrger Hälfte des Weihers ist bereits zugeschüttet, um Raum für die Anlage neuer breiter Straßen zu schaffen. Auch Tempelhof wird nunmehr seinen neuen Ortsteil an der Friedrich Wilhelmstraße bis zur„Blanken Hölle" ausdehnen und dadurch muß naturgemäß dieser alte Teich verschwinden: Wilmersdorf. Die organisierten Frauen des Kreises Teltow hatten zum DienS- tag, den 27. d. M., nach Wilmersdorf eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer einberufen, die sich eines regen Besuches erfreute; auch von den nächstgelegeuen Orten der Umgebung waren zahlreiche Besucher beiderlei Geschlechts erschienen. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete der Bericht vom internationalen Kongreß, den die Vertrauensperson des Kreises, Genossin Frau Thiel« Tempelhof gab. Freudig bewegt überbrachte sie der Versammlung aus Stuttgart die Grüße der Schwestern und Brüder der ganzen Welt. Rednerin betonte, daß dieser internationale Kongreß mit seiner geradezu gewaltigen Demonstration an den Usern des Neckars auf jeden Delegierten einen erhebenden, begeisternden Eindruck gemacht habe und diese überwältigende, durch den Sozialismus vereinigte Heerschau von Kampfgenossinnen und Genossen aus allen Erdleilen wird allen Beteiligten unvergeßlich bleiben. Rednerin beschränkte sich in ihrem Bericht im wesentlichen auf die Arbeiten der dem eigentlichen Kongreß voraufgegangenen Frauen- konferenz, und streifte nur kurz die übrigen Verhandlungen. Auf eine Wiedergabe des Berichtes kann hier verzichtet werden, da ja während der Tagung des Kongresses ausführliche Berichte im„Vor- wärts" enthalten waren. Hiim Schluß forderte die Rednerin die anwesenden Frauen und Mädchen auf, in Zukunft mit allen Kräften die Frauenbewegung fördern zu helfen. An den mit lebhaftem Beifall aufgeuommenen Bericht schloß sich nun eine kurze Diskussion xrn der sich Genossin Bäumler-Schöncberg beteiligte und Haupt- sächlich die miserablen Zustände in unseren Volksschulen kritisierte. Als Delegiertiu zum Estener Parteitag wurde einstimmig Genossin T ö l l e- Wilmersdorf gewählt. Als Delegiertin zur Provinzial- konferenz wählte die Bersammlung die Genossin B ä u m l e r» Schöneberg und zur Preußenkonferenz die Genossin Thiel» Tempelhof. Zum Schluß forderte die Vorsitzende Genossin Tölle die anwesenden Frauen auf, sich dem Frauen» und Mädchenbilduugs» verein anzuschließen und gab bekannt, daß der Verein am Sonn- abend, den 21. September, sein zweites Stiftungsfest feiert und zwar in der Form eines Heine-Abend. Groft-Lichterfelde. Ihren Verletzungen erlegen ist das 26 Jahre alte Dienstmädchen Wilhelmine Schlüter, die. wie wir meldeten, vor einigen Tagen beim Austragen von Backware infolge eines KrampfaNfalleS in einem Hause tu der ViSmarckstratze die Treppe hinunterstürzte. Das Mädchen hatte sich eine schwere Verletzung des Rückgrats zugezogen, an deren Folgen es trotz der sorgfältigsten ärztlichen Behandlung im KreiS- Iranlenhause verstarb. Das Schicksal der Sch. ist umso bcdauerns, werter, als daS junge Mädchen in wenigen Wochen Hochzeit feiern wollte. Steglitz. Wie die Banbalen gehaust haben Einbrecher, die in der ver- gangenen Nacht der in der Mariendorferstraße belegenen Lauben- kolonie einen Besuch abstatteten. Die Diebe erbrachen hier nicht weniger als 28 Lauben, in denen sie sämtliche Gegenstände zerschlugen und unbrauchbar machten. Gestohlen haben die Einbrecher außer Getränken und Zigarren nur wenige Sachen. Lichtenberg. Die Stcinsctzmristcr gegen Stelnschrieister. Die Bau- kommission hat sich bei der anbaufähigen Herstellung der Straße 6 (zwischen Rathaus und Ruschestraße) für Asphalt als Pflaster- material entschieden. Veranlassung hierzu war im besonderen der Ring der Stcinsctzmeister, durch den die Offerten ersichtlich beein- flußr waren. Die Kommisston war sich einig, daß diesem Ringe gegenüber nur Selbstbülfe geboten ist und wird mit dem neuen Etatsjahr durch die Einstellung einer Steinsetzcrkolonne als Gc- meindearbeiter der Preistreiberei begegnen. Bei den großen Pflasterarbeiten des kommenden Frühjahrs dürfte diese von unseren Genossen so oft angeregte Einrichtung ins Leben treten. Der Landrat verlangt auf dem Vcrordnungswege unser Androhung von Zwangsmaßnnhmen die llmpflasterung bezw. die Ncubesesligung des Straßenzuges von der Berliner Grenze nach Hohen-Schönhausen. Die von der Gemeinde beabsichtigte anbaufähige Herstellung dieses Straßenzuges, der gleichzeitig die Ausschließung des großen Baublvcks an der nördlichen Gcineiiidegrenze ermöglichte, scheiterte bekanntlich an dem„größeren Interesse", das der„Besitz" an der EntWickelung der Gemeinde mitbringt und die„privilegierte Stellung" des Grundbesitzes rechtfertigen soll. Die„schwarze Brücke" im Zuge der Thaerstraße soll nun endlich mit einem Kosten- aufwände von mehr als 288 888 Mark hergestellt werden. Die Gemeindevertretung bat der Stadt Berlin einen Beitrag von 16 888 Mark bewilligt.— 00 808 M. Kouveiitionalstrafe Hai die Berlin- Anhaltische Maschinenbau-Akliengesellschaft bei der Verzögerung des Baues eines Gasbehälters verwirkt. Eine Einigung auf 7888 Mark soll der Gemeiudevertretung vorgeschlagen werden. Pankow. Die Gemeindevertretung versagte zum zweitenmok die Mittel für den weiteren Ausbau der höheren Mädchenschule. Maßgebend für die Ablehnung ist, daß die Mittel außeretatsmäßig dazu verlangt werden. Da die Schule zu klein ist, soll in dem der Gemeinde gehörigen MietShause an der Schönholzcrstraße die obere Etage zu Schulräumen eingerichtet werden: dieses Provisorium erfordert an Baukosten zirka 6088 M. Des weiteren soll bereits am 1. Oktober eine zweite zehnte Klasie eingerichtet werden, weil die acht Schülerinnen, welche jetzt in einer Klasse unterrichtet werden, in eine Ostern- und Michaelisklasse geteilt werden sollen. Für diese vier Schülerinnen sollen an neu einzustellenden Lehrkräften 1388 M. Kosten entstehen; wie aber dem Gemeindevorstaiide nachgewiesen wurde, bringen die vier Schülerinnen zirka 688 M. ein und er- fordern eine Ausgabe von zirka 7888 M. Erheiternd wirkte die Ver- sichernng. daß man eine wissenschaftlich geprüfte Lehrerin für 188 M. pro Monat bekäme und daß die Damen sich noch dazu drängen, um eine derartige Stelle zu bekommen; auch hier wurde betont, daß ein Oberlehrer mit 2988 M. AnfangSg'ehalt eingestellt werden müsse. Während das Gros der Gemeinbebertreter au? fach» lichen und pekuniären Gründen die Vorlage ablehnte, gab Gemeinde- Vertreter Holtkötter die Erklärung ab,„daß er die Schülerinnen ihrem eigentlichen Beruf als Gattin und Mutter nicht entziehen will und deshalb die Borlage ablehne." eine Erklärung, die von dem sozialdemokratischen Redner richtig beleuchtet wurde. Für dieselbe Schule wurden die Mittel zur Auschaffung von Bänken bewilligt. Für den Bürgerpark wurden für Gewächshäuser und HeizungS- anlagen zirka 8888 Mark bewilligt. Desgleichen 8288 Marl für die im Bürgerpark noch nötigen Bedürflnsanstalten. Dem Vaterländischen Bauverein, Ivelchein das der Gemeinde gehönge Grabenterrain mit 788 M. die Rute verkaust werden soll, ist der Preis zu hoch; die' Kommission und der Gemeindevorstand ersuchten. den Preis auf 698 M. zu ermäßigen, welchen Vorschlag die Äer» tretung ablehnte. Damit bleibt es bei dem festgesetzten Preise.— Die Verbreiterung der Fließbrücke und die Pflasterung des Wolters- dorfer Weges in Mühlenbeck, zu welcher die Gemeinde Pankow als Gutsbesitzer verpflichtet ist, haben 13 588 M. Kosten verursacht. Da keine Mittel vorhanden sind, soll diese Summe der aufgenommenen Anleihe zur Aptierung der Rieselfelder entnommen werden. Tegel. Tödlich verunglückt ist gestern vormittag kurz nach Vz18 Uhr auf dem Grundstück Schlieperstr. 88 ein junger Maurer, der 19 J�ahre alte Sohn des Poliers Gnesener, Hermann Gnesener. Die Firma Wilhelm Lucas läßt dort aus dem ihr gehörenden Grundstück ein Nebengebäude aufführen, das Stallzwecken usw. dienen soll. Für dasselbe waren Fundamentierungsarbeiten notwendig, die eine tiefe, kanalähnliche Ausschachtung erforderlich machten. In dem so gebildeten Erdschacht errichteten nun zurzeit der junge Gnesener und ein anderer junger Maurer oie Fundament- nmuer. Nach der Frühstückspause entfernte nun Gnesener, dem über- dies von seinem Vater die Vertretung als Polier übertragen war, eines der unteren Abstufungsbretter infolge des Fortschreitens der Mnuerarbeiten. Er unterließ es dabei aber, die übliche Ausfüllung des Raumes zwischen Mauer und Ausschachtungswand vorzunehmen. So kam es, daß das sreiwerdende Erdreich nachrutschte und die darüber etwa drei Meter hoch lagernden Erdmassen nach sich zog. Die stürzenden Massen fielen gerade auf den jungen Mann, zu, der sich zwar auf den fertigen Mauerteil zu retten suchte, dabei aber schon umgerissen und verschüttet wurde. Sein Mitarbeiter brachte sich noch eben durch einen Sprung in Sicherheit und alannierte dann Rettungsmannschaften. Es zeigte fich aber, daß nur wenige arbeiten konnten, da die Gefahr eines weiteren Erdrutsches nicht ausgeschlossen war. Es gelang bald, den höher liegenden und weniger mit Erde bedeckten Kopf des Ver- unglückten freizumachen. Er lebte noch. Fieberhast wurde nun gearbeitet. Nach bangen Minuten gelang es, den Körper gänzlich freizumachen, aber es war bereits zu spat. Die schwere Erdlast hat wahrscheinlich erhebliche innere Verletzungen verursacht, außerdem konnte die Lunge nicht mehr arbeiten und infolgedessen war der Tod durch Erstickung eingetreten. Die Unglücksstelle wurde polizeilich gesperrt. Potsdam. Feuer im Garnisonlnzarctt. Infolge Ueberheiznng der Rippen- rohrheizanlage geriet Mittwoch mittag gegen 12 Uhr die auf dem Trockenboden, der sich oberhalb de? Maschinenhauses befindet, auf- gehängte Wäsche in Brand. DaS Feuer griff schnell um sich und dehnte sich auch auf die nebenan befindliche Rollkamnier aus, die aber dank des tatkräftigen Eingreifens der städrischeit Feuerivehr gerettet werden konnte. Da daS Feuer auch auf den Turm über- griff, war für kurze Zeit der ganze Bau gefährdet, doch konnte ernste Gefahr schnell beseitigt werden. Der Schaden belauft sich aus Vermischtes. Die Leiche im Koffer. Der mysteriöse Leichenfund im„Badischen Hof" zu Calw ist jetzt anscheinend völlig aufgeklärt. Die Behörden von Calw haben eine Erklärung erlassen, in der es heißt: Der Untersuchungsrichter und der Arzt haben den Koffer, in dem die Leiche des Knaben gefunden wurde, noch einmal einer Durchsicht unterzogen. Sie erklären, daß die Wahrscheinlichkeit eines Unglücks- falles sehr nahe liegt. Der Knabe versteckte sich im Koffer, der sich infolge einer Bewegung des Knaben von selbst zudeckte. Dem gefangenen Knaben war es unmöglich, sei» Gefängnis zu sprengen. Da der Koffer zur Hälfte mit Flicklverk angesüll! war. scheint der Luftzug kein geiiisgender gewesen zu sein. Dieser Umstand und die Angst, die der Eingeschlossene ausgestanden, scheinen ihn allmählich entkräftet zu haben, und als Personen den Raum betraten, war eS ihm wahrscheinlich unmöglich, ein wahrnehmbares Zeichen zu geben. Im Laufe der Nacht trat der Tod des bedauernswerten Kindes ein. Für einen Unglücksfall sprechen auch die Spuren, die an den Seitentvändcn des Koffers, an der Stelle, wo sich die Füße befanden, sichtbar sind,»nd die nur durch ver- gebliche BefreiungSversuche entstanden sein können. DaS Kind hat sich die eigenen Kleidungsstücke in der Verzweiflung zerrissen. Auf Grund dieses Ergebnisses hat die UntersuchungSbehörde das Verfahren gegen einen verhafteten Diener eingestellt. Eisenbahnzusammenstoß. Amtlich wird aus Rathenow vom gestrigen Tage gemeldet: Der um 8% Uhr von Neustadt an der Dosse in Rhinow eintreffende Personenzug der branden- burgischcn Städtebahn fuhr heute vormittag im Bahnhofe Rhinow infolge falscher Weichcnstellung aus einen Güterzug. Bei dem Zusammenstoß wurden die Lokoniotive des letzteren uvd zwei Güter- wagen stark beschädigt. Die letzten Wagen des Güterzuges haben sich durch den Anprall hoch aufgetürmt. Personen sind nicht ver- letzt worden. Der Zugverkehr auf der brandenburgischcn Städte- bahn erleidet Verspätungen. Typhus in Magdeburg. Wie der„Magdeburgisihen Zettl», g von amrlickicr Seite mitgeteilt wird, sind seit dem 28. Juli hier 23 TyphuLfälle vorgekommen. Von den Erkrankten sind zwei ge- storben. Die Genickstarre in Köln. Nach Mitteilung der Polizeiverwaltung sind seit Ende März 1987 unter■ der Zivilbevölkerung Kölns 69 Fälle von Genickstarre vorgekommen, von denen 41 Fälle tödlich verliefen. Krieg im Frieden. Bei Utting rutschte, einer AugSburger Meldung zufolge, ein Geschütz der dritten Batterie des 7. Feld- artilleriereginieuts über die Straßenböschung und zermalmte dem Kanonier Hüber den Kopf. Der Tod trat auf der Stelle ein. Zwei andere Kanoniere retteten sich durch rechtzeitiges Absprinaen vom Protzkasten. Neue Abstürze. RegierimgSosieffor Bauer aus Posen, der ohne Führer ging, ist nach einer Meldung aus Tiers-tTirol) vom Winller- türm in der Rosengartengruppe abgestürzt. Die Leiche wurde geborgen. Aus Salzburg wird gemeldet: Zwei Wiener Touristinnen namens Herbst und Zeckmik sind beim Besteigen deS Reishorndels abgestürzt und erlitten schwere Verletzungen. Eine heftige Kesselcxplosion erfolgte an Bord deS Schleppdampfers „La Chanipagne", wobei zwei Heizer so schwer verbrüht wurden, daß sie kurze Zeit darauf starben. Straßcnbahnzusaminciistoß. In Paris stießen gestern abend in- folge falscher Weichenstellung zwei Straßenbahnwagen zusammen. Acht Fahrgäste wurden schwer verletzt. Der Elektrobus in London. Seit sechs Wochen fährt durch die Straßen von London der mit Elektrizität getriebene Omnibus, ElettrobuS genannt. Er soll diese Probezeit glänzend bestanden haben und alle anderen OnmibuSarten in vieler Beziehung über- treffen. Jeder Wagen fährt 128 englische Meilen pro Tag und muß viermal geladen werden, was aber viel schneller geht als das.Um- spannen der Pferde. beim alten Omnibus. Die Alkmnulatoren reichen 38 Meilen weit, was pollständig genügt. Die„London Electrobus Company" beabsichtigt. 388'Wagen einzustellen. BrUfftafUti der Redaktion. Di« invlftififie Evrechstilnde findet F r l- d r i ch st r. Ist, Slufnaiig 4, «lue Treppe/- bi« v>/, Ilhr abends statt. v�östner 7 Uhr. Sonnabends beßinm die Svrechsinndc um st Uhr. Jeder>Zl»frag<' ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizusiige». Brictliche Zluttvort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man IN der Sprechstunde vor. 739 Schweiz. Uns sind die dortigen Verhältnisse nicht bekannt.— W. L.. Lüdenscheid. Berlin, SW., Kochstr. 23.— H. I. 305. 1. Ja. 2. In beiden Orten ersolgt der Aushang.— E. W. 109. Wir haben vor derartigen Kassen immer gewarnt.— Echt Freisinnig 00. Tragen Sie Ihr Anliegen sosort dem Stadtverordneten Adolf Hosfmann, Berlin, Blunien- slrasie 14, vor.— I. D. Unterbreite» Sie Ihre Angelegenheit dem Vor- stand des betreffenden Verbandes.— Mirbachstr. 5. 1. Ja. Unter An- gäbe der genauen Nationale. 2. Poststrasie, Ecke Mühlcndamm. 3. Fragen Sie an im Stistungsbureau, Poststr. IS II.— A. K. 4L. 1. Von l8l4 an fünf Jahre Dienstzeit, davon drei Jahre aktiv und zwei Jahre KriegSreserve. 2 Ein-, Zwei- und Zweieinhalbsilbergroschenstücke.— A. G. 10. 1. Bis zuin Schtuff des Schutbalbjahres. was der Vollcndmig des 14. Jahres folgt. 2. Fragen Sie direkt an. 3. Herr Friedend, Südende, Mittelftratze 3. — E. 91. 1. 1« 1. 1. und P. St. 119. Sie können von der Miete etwas abziehen.— C. R. 53. Sie sind zur Zahlung verpflichtet.— D. D. 50. Fragen Sie w dem Krankenhause, in weichem Sie sich nielden wollen, persönlich an.— F. G. 79. Je nach dem Umsange der aus- zubiwahrenden Gegenstände.— M. D. 31. Schreiben Sie an das Land- gericht in Potsdam.— N. D.. Boeckhstr. 85. Fragen Sie bei der Handelskammer, Dorotheenstr. 7/3, an.— 100 L. Die Sparkasse wird kaum imstande sein, Auskunst zu erteilen.— B. 100. Nein.— A. E. 3. Nein.— M., Westfalen 39. Das Statut der bciresfenden Stiftung ist matzgcbcnd. Meistens besteht die RückzahlungSpsticht.— L. L. 8889.«ie haben keinen Pflichtteilsanspruch.— R. 51, Lücken- Walde. Sie hätten die Pachtsumme zahlen und wegen de? Verlustes Nagen sollen. Jetzt erscheint ein Prozeß aussichtslos.— E. St. 35. Ihre Frage ist ohne genauere Angabe des Sachverhalts nicht zu beantworten. Lesen Sie§ 104 der strasprozetzordnung.— M. E. 33. 1. 27. August bis 20. Dezember 1896. 2. Nein.— F. G. 50. Bis zum vierten Lebensjahre. — G. F. 33. Zahlen.— K. H. 30. Kläger mutz Ihren Ches be> nachnchtigen.— O. W., RunimelSdurg. Wegen der Beschädigung der Bettstelle können Sie sich an die Miete halten, im übrigen müssen Sie zahlen.— H. V. Wenn die Benutzung der Wohnung mit einer erheb- l t ch e n(Gefährdung Ihrer Gesundheit verbunden ist, können Sie ohne Einhaltung einer Kündigungssrist ziehen.— P. Sch. 1. Nein. 2. Ja. 3. Es ist nur ein Antrag erforderlich. 4. Aus Auslassung können Sic nicht llagen.— H. I. 8. Paris. Wahrscheinlich niemals, da die Verjährung regelmätzig unterbrochen wird.— Offerte 80 und W. 35. Kommen Sie in die Sprechstunde.— H. W. 38. 1. Ihr Vertreter mutz die An- beraumung eines neuen Termins beantragen. 2. Eine Frist besteht nicht. 3. Das Teilurteil erledigt nur einen Tcll des Prozesses. 4. Nur vor dem Amtsgericht.— L. W., Rixdorf. Sie können mit sichcrem Erfolg klagen. — O. K. 40. Scben Sie in StadthagcnS„Arbdterrecht" nach.— Barbarossastraste. Der Inhalt des von dem Hauseigentümer mit dem Portter und den Mietern geschlossenen Vertrage? ist maßgebend.— H. 39. Dem Arzt gegenüber sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Sie können dam, von der Mutter Ersatz verlangen.— F. M. 80. 1. Sie haben kein Recht vom Kontrast entbunden zu werden. 2. Die Möbel Ihrer Ehcsrau kann der Wirt nicht einbehalten.— L. 18. Nein.— W. 88. Nein.- Witterungsiibersicht vom 89. August 1907. 93«Uer f 2 heiter 2 heiter 2 bedeckt 2 wolkig b wolkig — Dunst » il S* H S, Stationen LS Ii S o «5= i§ i Haparanda!763 NO Petersburg 709 NW Swtnemde 1 766 SSO Hamburg! 764 OSO Berlin! 766 SO Franff.a.M. 762 NO München 76g SW Wien>764 Still Wetter. Prognose für Freitag, den 30. August 1907. Bei mätzigrn südwestlichen Winden nachts wärmer; veränderlich und östcrS Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Scilly Aberdeen Paris 762 SW 757 SW 761 S »etter 4 wölken! 1 wolkig 1 halb bd. 2 heiter 3 bedeckt »si cä®- l| « a 7 10 14 12 17 Für den Jnbali der Jnierare übernimmt die Redattio» dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Ukeater. Freitag, den 30. August. Ansang VI, Uhr. Kgl. Opernhaus. Csvallori» rnstr» cana. Coppelia. Kgl. Schauspielhaus. Die Raben« stdnerin. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele: GhgeS und sein Ring.(Ansang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues köuigl. Operntheater. Wiener Blut. Berliuer. Die tanzenden Männchen. Lesfiug. Hedda Gabler. Schiller O.< Wallner« Theater.) Der Troubadour. Schiller Charlottenburg. DerHerr Senator. Neues Schauspielhaus. Rassles. Neues. Der Dleb. Komische Oper. ToSca. Westen. Die lustige Witwe. Liiftipielhniis. Husarensieb er. Zentral. DaS Tagebuch einer Ver- lorenen. Kleines. Vater und Sohn. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Triauon. Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs- Uhr- Onkel. Bernhard Rose. Der grotze Un- bekannte. Ansang 8'/. Uhr. Nachmittags 4'/, Uhr: Einer muh heiraten. Berlin in Italien. Ver- botene Wege. Meeropol. Dir Teufel lacht dazu. Apollo. Der Hochzeitsgast. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Gebr. Herrufelb. Madame Wig» Wag. Es lebe das Nachtleben. Pastagr. Bernardi. Spezialtläten. Wintergarten. Anne Dancrey. Annic Dirkens. Spezialitäten. Prater. Der Tanztcusel. Figaro. Paris.— Die Klaue.— Unterm Bett. Nctchsballcn. Steitiner Sänger. Carl Haverland. Spezialitäten. Ilrnni». Tnubcnstrnste I»« 49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternwnrte, Jnvalidenstr. 67/62. t'crcklnaitri Bonns Berliner Theater Freitag, 30. August, abends 8 Uhr Dctcltiv-Komödle in 4 Auszügen von _ Ferdinand Bonn._ Kleines Thealer. Zum 48. Male: Bater und Sohn. Ansang 3 Uhr. Sonnab.: vis Stimme derUnmQnillaen Sonntagnachm. 3 Uhr: Nachtafhl. Sonntagabend 8 Uhr: Die Stimme der Uniiiündige». Theater des Westens. Abends 8 Übt: Die ItiMigc Witwe. Opercllc in 3 Asten v. Franz Lehär L.us'tspivlksus. Täglich 8 Uhr: Hnsarettfieber. 8Uhr Resiienz-Iliealer.!= Dirctlion: Richard Alexander. Freitag, 36. Augmt: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant tn 3 Asten von Maurice Hennequin und Pierre Veber. Zentral-Theater. Täglich 8 Uhr: DaS Tngkbuch tiurr Z!krtort«kn. i-lliseii-Iheater Reichen bergcrstr. 34. Freitag, den 30. August: Hr 0 ffn u nx»- Voxw te 1 1 a iik. Turaiidot. Sonnabend; Turandot. Sonntag nachm.: Das Rätsel seiner Ehe. Abends: Turandot. Montag zum erstenmal! Gebildete den. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge and die Eiszeit unserer Heimat Jnvalidenstr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7'/,— 11 U. abds 0010CISCHER GARTEN | Täglich ab nachm. 5 Uhr: I Großes § Militär- Doppel-Konzert. i Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Metropol-Thealer Anfang; 8 Uhr. Große Jahresrevne in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Raachen überall gestattet. Letzte Woche! DaS kolossale Auguftprogr. U. a. s«/« Humsti-Bumsti. vi. Schenk Bros., zwei Berliner Junge». uhr- Hartstein. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstratze Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkaus 11—2 Uhr. TUsllch: Die Novitfit Madame WWag Operetten-Burleske von Anton u. Donat Hcrrnseld.. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre Lslede llssZUtteM mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. „Das Lied der Liebe" und das „Anekdoten-Couplet" aus der Operetten- Burleske.Mad. Wig- Wag' sind im Theater sowie in allen Musilalienhandlg. zu haben. imPRimHEtT Gr. Fwmflmlciftr. 132 Im Garte». Aus. i'l, Uhr: Das glänzende Anglist- Programm. Sperrsitz 50 Pj. Enlrce 30 Ps. Im Theater abends 81/, Uhr: Der große Unbekannte. Sommcrpreise. Praler- Theater. Kasiaiiien-Allee 7/9. Der Tanzteurel. 8pezia1Ufiten 1. Range«. Ausiretc» der Uibwenbrant Tlll.v liebe mit ihren dress. Löwen. Konzert und Hall. _ Animig 41/, Uhr._ Sclililer-Tlieater. Schlllsr-lbeateeO.lWalliier-Theaterj. Mvrwih-Opcr. Freitag, adendS8Udr: Abschiedsvorst. Reinrieb Rittel- Der Tronbadonr. Oper in 4 Sitten von G. Verdi. Sonnabend, abends 8 Uhr: Schluh der Opernsaison. Populäre Vorstellung b. bald. Preisen: Flzxaro» llochxeit. Sonntag: Wiedereröffnung der Schaiispielsaison nachm. 3 Uhr: Drannusln». Sonnlag, abends 8 Uhr: UVeb' den» der lltgt. Schiller-Thealer Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Rerr Senator. Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönthan u. Gustav Kadelburg. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Gßtz von Berlichlngen. Sonntag, nachm. 8 Uhr: Hlonna Tanna. Sonntal Der H |, abends« Uhr: :err Senator. Diez * SeeziaUtäfen- Theater. Landsberger Allee 76—79. Dirclt a. d. Ringbabnstatton. Bequemste Fahrgelegenheit n. allen Stadtrtcht. Ob»obttn! Täglich im herrl. Garten oder gr. Saal: Ob Regen! SV BV Riesen-Lacherfolg,"asg TSa SP Landsberger Allee auf Stelzen. The Reros, IonSXIe Heinz Heuer, prolongiert. Dazu das neue brillante August-Programm. Ans. 3 Uhr. Kaffceküche. Vollsbelustig. aller Art. Entree 20 Ps., Sonnt. 30 Pf. am Sonntag, d. 1. September von der Waisenbrücke. Nach Teupitz letzte diesjährige Fahrt. Absähet 7 Uhr. Fahrpreis hin u. zurück 2 M. Kacli Krarapenliiirg Ws.»u u.2Uhrt SaS%�f unb n Beiileseliloß Hobeniiiie Abfahr. 10 uhr) i- Om~ Abfahrt von Cafe Alsen je Stunde später. lWU keeliere! 1. Kahnt Stralau-Berlin, 5B0 Nächste Woche täglich nach Krampenburg und Hoheiibinde. fallgge-Iiiesief. jeden �.hend 8 Dhr: Der große Verwaniilungskilostler Arturo Bernardi !and das neue I großartige• August- Programin. 14 Attraktionen 14. Anne Dancrcv, Pariser Sfing. The 8 RngllHU fiirl«, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 llarowskys, Akrobaten, „Die Bauernjungen im Walde". Le Roy Talma u. Rosco, Zauberkünstler. Agouat, komischer Jongleur. Uieorge B. Reno Company, amerikanische Exzentriks. Annie Dtrkens. Olga l'i-eobrajensky, Prima Bullerina, u. H. Legat, Solotänzer v. d. kais. Hofoper in Petersburg. Paplnta, amerikan. Phantasie- und Spiegoltänzerin. Kellln'o Trappe, ,In Venedig'. Tho Hartleys, Springer. Der Biograph. j Max Kliems| IfiealctafiSotSpKS Köpeuickerftrafte 68. Voranzeige! Sonnabend, den 31. August: EraiTnnngs- Vorstellung: Der Aktienbudiker. GejangSposse von D. K a 1 i j ch. (Jojefine Dora, Heinz Gordon, Marie Grimm-EinödShofer usw.) Weinbergsmeg 19/26. Roienth. Torl Neue Spezialitäten. Dressierte Rßren. Antz: Konzert 5; Vorstellung? Uhr. Letter Uhr. Bei ungünstigem Jtorstellunj�hi�T� Brunnen-Theater Badstratze 58. Direkt.: Bernd. Rose. Heute: Großer Rllte-Tug I Die gjjfotfrpriujrfßii. Das erstklassige Spezialitäten- Programm. Mk. Hopkins' X Anton Sattler. The D..lann Family. Rosa und Josefa Blazeks, ft. zusammengewachseile Zwillingspaar. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. -- Rllte Ball.- ß> Sommer-Ttzeaterg B* Hasenheide 13/15. I* Artistische Leitung: Paul Milbitz.* Wied: Gr. Konzept, tater! � b. SDezialitäten-MIlun!]. i I ii. Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite-Dag. Die Kasfeeküche ist lüglich von 2 Ubr ab geöffnet. ! �.ZttoseksTkestsr Direluvn Rod. Dill. Brniinenllr. lv. Zum letzten Male: Abends g-/, Uhr: Der Lebensretter oder: Wobltnn trügt JEinscn. Lebensbild mit Gesang in 3 Asten. Slns. 6 Uhr. Kaffeetüche 3 Uhr. Bei schlechtem Welter: Vorst. Im Saal. Sanssouvi, Ä'V Dirctlion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonntags. Montags, Donnerstags: ttokkmsnns Hordel Sänger u. Tanzkrilnxctaen. Sonntags Beginn 5, wochentags 8 Uhr. ! lieue M Hasenheide 168-114. Täglich: Gr. Doppel-Konzert «Ii und Hervorragendes Programm. Unter anderem: Conte Seranos Löwen-Dressuren. Ansang 5 Uhr. Entree 25 Pf. Röbels Ällerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Sleltestes Volkstheater Berlins. Heute: Kindcrfreudeufcst. Das Niesen-August-Programm. U. a.: Die Ravinglruppe, Kramer-Trio, Max Rte, Gaffron usw. |«r Grotzer Jubel I riM, Der Bombardier im Feuer. Im Saale: Grotzer Ball. Ansang 4'/, Uhr. Entrce 39 Ps. Ab 1. September: Karl Rrana. Am 5. September Doppcl- Bcncsiz- Vorstellung für Minnio Russe und Willy Fröbel: Der Raub der Sabinerinnen. 8GliwBizeniatti!D Am KSnlgstor. Am Friedrichshain. Stratzenbahn 1,2,4, 17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Tbeater-Vorstellung Neue Spezialitäten. Rinematograph und Ball. IVeior Dumcntanz. Ansang 5 Uhr. Entrce 30 Pf. Reiehstiailen- Theater. Täglich- r Sinpr. Britton als Ante im Familien- bad Wannsee. Ans. Wochent. 8, Sonntags 7 Uhr. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Ansang 8 Uhr. Sonnabend, den 31. August: ErUtTnnngs- Vorstellung. Die wilde Jagd. Äf o" Ludwig Fulda. Borher das Eröffnungs- Programm. Volksgarten-Theater. Bad-BehmstraSe— Bahnhof Gesundbrunnen— Bellormannstraße. Die Veilchenfee. Volksstück m. Gesang in 2 Sitten von W. Gericke. Musik von Max Schmidt. Hierzu: Das neue Kiezen-WMen-krogrzW. BolkSbelustigungeu. veriinkrlllK-Irio. Felix 8oKeuer ü Stralnederitr.l. EIHSESBUNGS-?»"? serti . Scha 58051, S. l-ovy, Charlottenburg, ertig u. nach Matz. "charrcnstr. 86. 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Wahlkreis(/Moabit und Uansavlertel): Karl Ander», Salzwedclerstr. 8, im Laden. Weckdlng: Karl Meitze, Nazarcthktrchstratze 49. Rosentbaler- und Qranlenbnrger Vorstadt: Hermann Si a s ch l e, Ackerstr. 36, Eingang Slnkiamerstratzc. Res,, ndbrnnnen: F. Trapp, Sieltinerslr. 10. bieb«»bai»ser Vorstadt: Karl Mars, Ltzchenerstr. 123. Alt-t-ilir»irke: Wilhelm Dürre, Nudowcrstr. 83 II. Charlottenburg: Gustav Echarnb crg, Sesenheiniersttatze 1, Eck» Goeihcstratze, Laden. Wilnicrsdurr-Halcnsce: Georg F e e s e, Berlincrstr. 46, Laden. dehteuberg. I'rlrdrichsfclde, Wllhelmsberg: Otto ©eitel, Kronprinzenstratze 50, 1. Rnmmolsbnrg, Roxhagcn:A. Rosenkranz, Alt-Boxhagcn 50. Criinau: Dito Schröder, Köpenickerstr. 1. Rixdorf: M. Heinrich, Neckar slratzc 2, im Laden. «cbmnrgendorl': Gustav K a m i n S k y, Cunostratze 2. 8>ebu»e!>erg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Lade», Tcmpelhof: Süi. Müller, Berlincrstr. 41/42. Obor-SHchUncwelde: Julius G r u n o w, Edisonstr. 10, I. h'leder-htebiinetvvld«: Bonakowsky, Hassclwerderstr. B. ckobannlstbal: Franz Hünold, Bisinarcksir. 7. Adlersbot: Erich Steuer, Hnckcnbergstt. 5, 11. UUnigs-W nsterhuusen: Friedrich Baumann, Luckenwaldes ftrane 4h. Rvpenlek: Friedrich Woick, Kictzerstr. 6, Laden. I>'rledeaan-8teglltsi-8iid«»d«: H. Bernsce, Schlotzstr. 115, Garlenhaus 1. in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in tzstogUtsi: H. M o h r, Düppelslr. 32, und Fr. S ch e 1 1 h a s e, Ahorustr. 15a. IMarlsnckorP: Paul Müller, Bergftr. 35, Hos k Ranrnsehulonn' og: Stock, Ernststr. 2, 11. Treptow: Nob. Gramenz, Kieshotzsttatze 412, Laden. Ülvu-Wvlßonsev: Kurt F» d r m a n n, Scdanftr. 105, parterre. Rciuirkondorf- Dst, Wilhelmsruh mid SchUnholst P. G u r I ch, Provinzstratze 108, 11. Tcgvl, Itorsigwaldo, Wlttennn, Waldmannslnst, tlormsdorf und Reinickendorf-West t Paul Kicnast, Borsigwalde, Näuschstratzc 10. Rankow-Aledersehiinhansen: G. Frelwalbt, MüHlcnstr. 73. Rernan: Heinrich Brase, Hohesteinstr. 74, Part. Rlehwalde, lecuthcn, Wiersdorf und llanhel« Ablage: AlsoirS GrStz, Eichwalde, Kronprinzcnstr. 82, I. Teltow: Wilhelm Ketzler, Hoherstemweg 7. Aowawes: Wilhelm I a P p c. Pricstcrstr. 46. tzipandnn: Koppen. Jngowstr. 9. Antzcrdcm ist säiniliche Parteilitcratur sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Attch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. DW Ritte ausschneldon.-HW> Palast-Thealer. Burgstraste 34. Sonnabend, den 31. August, 8 Uhr: Wiederbeginn der Vorstellungen. Glänzendes Programm. Zum erstenmal in Berlin: Das scDinnde fMr. Das Tollste vom Tollen. IM« 6 Slarnos. Akrobaten usw. HSgr* Entrcc 59 Pf. fisthahn-�ark Am Küstrinorplatz, RQdorsdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Charlottenburg:. Sozialdemokratischer Wahlverein. Montag, den Ä. September, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung Tagesordnung Dislusfion. Um zahlreichen Besuch fauch der Frauen) ersucht im Volkshause, Rostnenstrahe S. 1. Bericht vom Internationalen Kongreß in Stuttgart. Referent: Frist Zietsch. 251/3» Ner Vorstand. Braatz' Amerikanischer Jlffeti- Zirkus u la Brockiuann. SÄT Am Prenzlauer Tor.-Mg! Täglich: Gr. Borstrllnug 8'/. Uhr. Slusterdem Sonntags, Feiertags, Mitt- wachs u. Sonnabends nachm. 4 Uhr: Rxtra-Klndgr- u. Familien-Vorstellung. CIRCUS Sehönelierg, Ecke Haupt- u.AkazieDsl. Täglich 8 Nhr gr. Borstellung. �weigverein Putzer. Achfung! Putzer! Actifung! = Mitg/lieder= Versammlung-- am Sonntag, den 1. September 1007, vormittags 10 Uhr, in Freyers Fest-Sälen (großer Saal), Koppenstr. 20. Tages-Ordnung: i. Endgültige Beschlußfassung betreffs der Extradeiträge sowie der UnterstützungSfrage. 2. Verschiedenes. Jlltgllcdsbnch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zntrltt. 134/14_ Ter Vorstand. I. A.: Ernst S ch u lz e. Zmsigverein Zsrlin unü Umgegend. Telephon: Amt IV Nr. 4493. BerbandSbureau: Engel-Nfer 16, Pt. Telephon: Amt IV Nr. 4493. Sonntag, de» 1. September, vormittags Ii» Uhr, in der„Neuen Welt-, Hascuheide 198—114: Allgemeine Miigliedep-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Ueberblick über unsere Bewegung. 2. Unsere vorzunehmende Büchertonlrolle. 3. Berhandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohue dasselbe kein Eintritt. 47/8 Recht regen Besuch erwartet Der ZwcigvereinSvorstand. IV». Die für diesen Monat fällige MietSunterstüstung wird am Sonnabend, den 31. d. M.. (morgen) ausgezahlt. Mitgliedsbuch und Streikkartcn sind hierbei vorzulegen. Die Auszahlung findet im Gewerkschaftshause, Saal 4, statt.________ D. O. Sozialdemokratischer Zentral-Wahlverein für den Beichstagsiralilkreis Ziilliciiau-Schwiebus-Krossen-Sommerfeld I _(Ortsverein Berlin._ | Sonnabend, den 7. Sept., in Hahns Festsälen, Große Frankfurterstr. 74, 5. Stiftungsfest verbunden mit Tanz, Gesangsaufführungen und humoristischen Borträgen. Festrede, gehalten vom Kandidaten des Kreises, Gen. Grauer. Um 12 Uhr gr. Faekelpelenaise mit großer Ueberraschung. Nnfang B'l, Uhr. Herrenbillett 50 Ps., Damenbillett 30 Ps. Abend- lasse smdet nicht statt. Billetts sind zu haben bei den Gen. Eitner, Mirbachstr. 50, vorn III; Lange, Libaucrstr. 18, Onergebäude I. Freunde und Gönner des Vereins find herzlich eingeladen. Den Parteigenossen des Kreises zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 31. August, abends S'l, Nhr, eine I ------- Mitgliederversammlung---------- des Vereins bei Genossen Hoffmann, Koppenstr. 47, stattfindet. Aus der Tagesordnung steht: Bericht von der Krelsgeneralveriammlung. Die OrtsvereinSvorstände aus dem Kreise werden anwesend sein. Pflicht eines jeden Genossen ist es, in dieser Versammlung zu er- scheinen. 296/3 Der Vorstand. Tansendfacli bezahlt der dem Inhalte üaoht sich die Broschüre Proestler für jeden, Beaclitung schenkt. Das Wlrtsehsftsblld der gen wart und der Knbonft ht zu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto Wcbeti Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volksausgabe. 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg.(ür das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren sortolrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in Wiirxburg versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Nurfür Herren welche Wert auf elegante Garderoben legen, bietet sich Gelegenheit, fich in dem Kaufhaus für MonatS- garderobe», Markus- und Graste Frankfurterstraste 93(zwischen md Krautstraste), mit gebrauchter moderner Kleidung zu verschen. Wir beziehen unsere Anzüge, PaletotS usw. teils»uS ersten AbonnemcntShäusern, teils von Herrschasteu, Doktoren, Kavalieren usw., die nur bei ersten Schneidern arbeiten laffen. Es bieten sich daher für jedermann ganz enorme Borteile, da sich unsere Garderode» der meist sehr mangelhaft angefertigten Konfektions- wäre gegenüber durch besonders gute Berarbeituug (vielfach anf Seide) und tadellosen Sist auszeichnen. Wir empfehlen gereinigte, reinwollene 57862» 3 Monat getragene 2 Monat getragene 1 Monat getragene Maß-Anzüge 8 M. 12 M. 16 M. Maß-Paletots 6 M. 10 M. 14 M. Kaufhans für Jtatsgarderoben Große Prankfurterstraße 93 zwischen.Tlarkns- and KrantstraOc. Fracks and GesellschaftSauziige werden zu billige» Preisen verliehe». Einziges christliches Geschäft dieser Art am Plaste. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. 93/8 Heute Freitag, abends 8% Uhr, im GewerkschastShause, Engel-Nfer 15: Sitzung dep Opisvepwaltung. Sonnabend. 31. August, in Boekers Frstsälen und Garten, Weberstraste 17: Großes Sommerfest bestehend in Konzert, Auftreten des Künstlerpaares Kraus sowie des Charakterkomikers Herrn Rosemann. Nach dem Konzert: SoMMoPnSvKtS»> Ks». Anfang 7 Uhr. Tanz frei l Ende??? jggy- Entree für Damen 30 Pf., für Herren 30 Pf.-WsH Bei ungünstiger Witterung findet daS Konzert im Saale statt.— Billetts sind auf dem Bureau zu haben. Um gütigen Zuspruch ersucht_ Das Komitee. Achtung! Achtung! Zuschneider u. Zuschneiderinnen! Die nächste Sitzung findet, wie allen Mitgliedern bereits bekannt, am Freitag, den 30. August 1907, abends S'/a Uhr, bei Drüsels, Neue Friedrichstr. 35, statt. TageS-Ordnung: 1. Der gegenwärtige Stand unserer Tarifbewegung«nd unser weiteres Verhalten. Referent: Kollege Kümlng. 2. Verschiedenes. Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, recht pünktlich und zahl- reich zu erscheinen. Die OrtSvcrwaltnng. IIB. Zutritt haben nur diejenigen, die ihr Mitgliedsbuch mitbringen und nicht langer als 13 Wochen mit Beiträgen im Rückstände find. 165/18 Zitchlcv-Xcvctn<€• H. 8g) Sonnabend, den 31. August 1907, abends 8V3 Uhr, Melchiorstr. 15: WM" ¥epsammlung. V ereinSangelegenheilen._ 199/5_ Der Borstand. Deutscher Metalfarbeiter-Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos 1. Amt 3. 1239. CdaniösIrsSo 3. Hos m. Amt 3, 1987. Sonnabend, den 31. August, abends 8'/z Uhr, bei Kumke, Schönwalderstr. 80: Bezirks-Versammlung für Spandau und Umgegend. Tages-Ordnung: I. Vortrag. 2. Bericht über die Abrechnung vom Vergnügen. 3. Bericht vom Gewerkschastskartell. 4. Verbandsangelegenhciten, 147/17 Zu dieser Versammlung sind besonders die Kollegen der Firmen ein- geladen: Orcnstcin u. Koppel, Rinow, Jasirow, Bugge, Wenz u. Co., Sasse, Knarr, Elektrische Zentrale._ Die Ortsvcrwaltnng. H. Zimmermann Berlin SO. jimeiier Oranienstr. 206$ Gold- und Silberwaren-Fabrik,| Uhren-Großhandlung. 5361L* Bekanntmachung der Gemeinsamen Ortskranken- kasse für Mariendorf und Umgegend. Die von der Generalversammlung ain 15. April 1967 beschlossene Statutenänderung ist zu den KK 7 Absatz 2, 10 Absatz 1 und 2. 14 Ab- satz 1, 16 und 30 Absatz 1 durch die Aussichtsbehörde genehmigt, sie tritt mit dem 2. September d. I. in Krast und erhält der§ 30 Absatz 1 solgen- den Wortlaut. Die wöchentlichen Kassenbeiträge betragen: Klasse I. Für alle in Fabrikbctricben des Kassenbezirks beschästtgten männlichen Personen über 16 Jadr, ausschließlich der Lehrlinge....... 75 Pf. Für alle nicht in Fabrik- ctriebcn, aber in den Ort- schaftcn Martendorf mit Süd- ende, Lankwitz und Marien- scidc beschäftigten männlichen Personen über 16 Jahr, aus- schließlich dcrLehrlinge 63 Ps. II. Für alle übrigen im Kassen- bezuk beschästigien männlichen Personen über 16 Jahr aus- schließlich dcrLehrlinge 54 Pf. III. Für Lehrlinge und Kassen- Mitglieder unter 16Jahr 27 Ps. IV Für weibliche Kassenmitgliedcr über 16 Jahr..... 33 Ps. V. Für weibliche Kassenmitgliedcr unter 16 Jahr.... 21 Pf. la. Diese Statutenänderung tritt nach ihrer Genehmigung durch die Aus- sichtsbehörde mit dem ersten Montage desjenigen Monats in Krast, der aus die ordnungsmäßige Bekaniltmachung erfolgt. Mariendors, den 15. Slpril 1907. Der Vorstand. R. Buth, F. Fischer, Schristjührer. Vorsitzender. Genehmigt. Potsdam, den 20. Juli 1907. (1-. 8.) Der Borsiüende. In Vertretung: Joachiml. Anmerkung: Die zurzeit im Druck befindlichen Nachträge vorstehenden Statutenänderung dürfen in Kürze bei unseren Geschästsstellen in Eaipsang genommen werden. 275/13 F. Fischer, Vorsitzender. noch zur Mm irteiter- Radlalirer-Fereifl" Ritglied des Arbeiter- RadsaHrer-BundeS »Solidarität�. 13/11 �tourcu Sonntag, den 1. September. 1., 5. und 8. Abt. 7 Uhr: RüderS- dors. 1 Uhr- 1. u. 5. Abt.: Müggel- heim. Start: 1. Abt. Bülowstr. 58. 5. Mt. Elysinm. 2. Abt. 2 Uhr: Lankwitz(Ebel, Marienselderstr. 9). Start: Fontane- Promenade 15. 3. Abt. morgen Sonnabend, abends 8 Uhr: Herbstsest, Sanssouci, Kott» buserstr. 4a. Sonntag 2 Uhr: Hirsch. garten(Wilhelmshos). Start: Ma- riannenplatz. 4. Abt. 5 Uhr: Buckow(Schweizer- hauZ). 1 Uhr: Schöneiche(WaidhauS). Start: Küstriner Platz. 6. Abt. 7 Uhr: Grünheide(Ftelitz). 1 Uhr: Fichtenau(GesellschastShaus). Start: Genossenschast, Oderberger- slraße 30. 7. Wt. Sonnabend 8 Uhr: Freienwalde. Sonntag 5 Uhr: Teu- Pitz. 10 Uhr: Wannsee(Fürstenhos). Start: Grenzstr. 21. 8. Abt. 1 Uhr: Start: Kriminalgericht. 9. Abt. 9 Uhr: Sarmund b. Lucken- walde. l'/s Uhr: Zehlendors. Start: Schillingstr. 22. RummelSdnrg. Tour nach Zerns- dors. Start srüh 5 Uhr bei GorgaS. •Bettfedern Erste Oettfedsrnlab. m. elokL Betrieb» Gustav Lustig BERLIN 8. Prinzenstr. 46 otrftnhei geg. Nachnahme garanlietf neue und gut entstäubte, gut lullende «ettfeder» p. P/d. M. o.ss-l.oo-l.«: primd Halbdaunen M. 1.15; Gänfe- rupffedern M. 2.00; prima weiße Gänsehalbdanncn M 2.50-8.00-3.50 echt chines. 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August, nach- | mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Dritten Kirchhofes in | Pankow-Schönhalz aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. der treien Gast-| [u.Schankwirte Deutschlands! Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Kenntnis,! daß die Frau des Kollegen Podschies verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 31. August, nach- mittags 2 Uhr, vom Kranken- hause Moabit nach dem Heilands- Kirchhof in Plötzensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 70/15 Der Vorstand. j Freie Kereimglmg der I Tllptwrer Keriino a. Jt.| Am 27. August starb nach langer Krankheit unser Kollege psu? fttickei. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- I tag. den 30. August, nachmittags 1 4 Uhr, von der Leichenhalle des I Thomas- Kirchhofes in Rixdors, ! Hermannftraße, auS statt. Rege Beteiligung erwartet i 2591b Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn, der Schlosser Mred Saleschke nach kurzem, schwerem Kranken- lagcr im 20. Lebensjahre verstorben ist, 25806 Die trauernden Eltern und Geschwister. Die Beetdigung»ndet Sonn- abend mittag 1 ilhr von der Leichenhalle der Philipp Apostel- Gemeinde, Müllerstraße, aus statt. Am Montag, den 26. Ülugust, entschlies plötzlich meine innigst geliebte Frau, unsere gute Mutier bledwig Potschies geb. Grawe im 29. Lebensjahre. _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Anglist, nach- mittags 2 Uhr, vom Moabitcr Krankenhaus, Mrkeiistraße, aus nach dem Heilands-Kirchhos in Plötzcnsce statt. 5807L Ferdinand Potschies nebst Kindern Für die liebevollen Beweise innigster Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben unvergeßlichen Sohnes itai-I Roski sagen wir hierdurch allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Fetrns Boskl».Frau 25815 nebst Kindern. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Be- kannten sowie den Kollegen der Firma Kutzner und dein Allgemeinen Deutschen Metallarbeiter- Verband hiermit meinen ticsgesühltcn Dank. Die trauernde Witwe 2590b Klara fiempe. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VatcrS, des ManrerS Wiidelin Ihäle sagen ivir allen, insbesondere den Mitgliedern deS Wahlvereins, des Gesangvereins»Rote Nelke I-, sowie sämtlichen Gcwcrkschaslskollegen, seiner dem Genossen E. Obst für die trost- reichen Worte am Grabe unseren berzlichsten Dank. Die trauernde Gattin nebst 58062 Kindern. BV* Soeben ist eine dem Andenken Auers gewidmete Schrift, betttett: Tgna? Huer eine 224/5* Gkdtllhschrist von Eduard Bernstein erschienen. Der Verfasser behandelt in zwölf Kapiteln den Lcbensgang deS Per- storbencn. Die Schrift ist gut anS- gcstatlei, mit inehrercn Jllustrattoncv verschen und kann jedem Arbeilei bestens empsohlen werden. Der Preis beträgt 59 Pf. Expedition des„Vorwärts", Berlin 8W., Liudenftr. 69, Laden. Verantwortlicher Redgkteur: Laus Weber. Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.: Tb-GIocke-Berlin. Druck U-Berlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Vcrlagsanstait Paul Singer Li Eo- Berlin SW.