Nr. 308. BbonnemcntS'Bcdlngungcn; HlonncmentS• Preis pränumerando' Bierteljährl. S,Z0 Mk., Monats 1.10 Tit., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. Eingetragen in die Post. ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poslabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crtdjcint lZgllch außer Montag». 34. Jahrg. Vevlinev Volksblatk. VIe TnfertlonS' Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolons zeile oder deren Raum 50 Pfg., sü« politische und gcwerlschaftlichc Vereins- und Versammlungs-Zlnzeigen 30 Pfg. „KUär's dem Herrn nicht gefallen, solche Thesen zu verteidigen. Aber stärker als alle christliche Ideologie, aus der man die Waffen für solches Unternehmen holen könnte, sind die wirtschaftlichen Interessen der herrschenden Klasse im Zentrum, der besitzenden Klasse. Gute Karriere für ihre Söhne ist ihr viel lieber als ein Bündel von Volksrechten und eine gute Karriere gedeiht nur im Strahle der Regierungssonne. Kein Wahlrechts st urm— das ist jetzt der heißeste Wunsch der führenden Zentrumskreise. Und die Vertretung des Proletariats im Zentrum, die Gruppe der Arbeiter abgeordneten, schweigt dazu.... In den Verhandlungen des Katholikentages hat sich noch deutlicher als jemals zuvor das krampfhafte Bestreben des Zentrums dokumentiert, den Schein des Fortschreitens mit der Zeit, den Schein des Zeitgemäßen, der Modernität zu gc Winnen. Diesem Streben diente vor allem der Vortrag Spahns, worin der Katholizismus sich als Freund der Wissenschaft und der Universitäten gibt. Auf sozialem Gebiete gebiert dies Ve streben die Surrogate, die das Zentrum seinen Anhängern statt der echten Marken gibt. Jeder Fortschritt der klassenbewußten Arbeiterbewegung hat eine Nachäffung im Zentrums stil im Gefolge. Die Gewerkschaften die christlichen Gewerkvereine, die Frauenbewegung die katholische Frauenbewegung, die Organisationen der Dienstboten den Versuch, katholische Dienstmädchcnvcreine unter Obhut der katholischen Damen zu gründen, die Agitation unter den Landarbeitern das Bestreben, zentrumsfromme Landarbeiter organisationen ins Leben zu rufen l Welches die treibende Kraft dieser„sozialen Arbeit" des Zentrums ist, das hat der bayerische Reichstagsabgeordnete Heim ganz naiv zugegeben in seiner Mahnung, mit der Organisation der Landarbeiter zu eilen, damit es nicht gehe, wie mit den Industriearbeitern, „denen wir die Organisation erst erlaubten, als die Sozial- dcmokratie schon starke Organisationen geschaffen hatte." Ein Wort, das festgehalten zu werden verdient. Herr Heim hat den scharfen Blick des geborenen Demagogen für die Be dürfniffe der Zeit, und er ist schnell bereit, ans ihnen Trieb- kräfte für die Mühlen seiner Politik zu machen. Es ist nicht von ungefähr, daß gerade dieser Herr, der an demagogischer Gewandtheit viele seiner Zentrumskollegcn übertrifft, als Befürworter des Frauenstimmrcchts auftritt. Seine Rede in der im übrigen sehr inhaltlosen Debatte zur Frauenfragc muß ein Ansporn für die Sozialdemokratie sein, die Werbe arbeit unter den Frauen zu verdoppeln. Eine große Anpreisung des Zentrums als Ordnungs Partei, als zuverlässigste Schutzgarde vor Thron und Geld schrank, als brauchbare Regierungspartei war dieser Katholiken tag. Diesem edlen Zwecke dienten alle seine Verhandlungen und all das, was ungesagt blieb. Die Zentrumsdiplomatie hatte die Karten schlau gemischt. Sie hat Ursache zufrieden zu sein mit dem Ergebnis. Das Zcntrumswerk, das sie errichtet, ist groß und prächtig. Aber es ist Diplomatenwerk, das nicht festgegründet ist, das Volksstürme nicht übersteht. Die Zentrumsdiplomatie vertuscht, aber sie bindet nicht I Die Gegensätze, die sie ver- kleistert, müssen inimcr klaffender aufbrechen, weil die Wirt- schaftliche Entwickclung sie schafft und vertieft. Und dagegen hat die Zentrumsdiplomatie kein Mittel. Sie hat es gewagt, die Zentrumsarbeiterschaft heim- zuschicken ohne ein Wort vom preußischen Landtagswahlrecht. Hier ist ihre Achillesferse. Hierhin gilt es den Pfeil zu ent- senden l Caifalle über den BlablrechtsHainpf. Am 31. August 1864, also heute vor dreiundvierzig Jahren, wurde Ferdinand Lassalle, der beredteste Borkämpfer des deutschen Proletariates, inmitten der Geburtswehen der proletarischen Arbeiterbewegung durch ein tückisches Geschick dahingerafft. Viel zu langsam für diesen Fencrgeist. der mit dem Glutatem seiner Pracht- vollen Reden und Propagandaschristcn das noch im Banne bürger- licher Weltanschauung dahinvegetierende Proletariat in den Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse und die Entfesselung der kapitalistisch geknebelten Menschheitskultur hineinzureißen hoffte, rang sieh die deutsche Arbeiterklasse aus den Tiefen der Unwissenheit und politischen Entmündigung zu kraftvollem Klassenbewußtsein empor. Inzwischen freilich zählt das Evangelium des Sozialismus in Deutsch- land allein 3'/« Millionen Bekenner— allein noch immer muß es um ein Kampfziel ringen, das L a s s a l l e als eines der ersten, wichtig st en bezeichnete, für das er bereits vor anderthalb Menschenaltern die deutsche Arbeiterklasse auf die Schanzen ricf l So wertvoll LaffalleS beste Reden und Schriften noch heute für die Propaganda sind, so lebendig, so aktuell lesen sich gerade die Stellen, in denen er das Proletariat zum Kampfe um das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Preußen aufruft! In den sechziger Jahren schien es, als ob der Liberalismus den von der Bourgeoisie während der Revolutionsjahre verratenen Kampf um die Volksrechte wirklich aufnehmen wolle. Der Militärkonflikt brachte das forffchrittliche Bürgertum in den schärfsten Gegensatz zu Krone und Junkertum. Der Fortschritt er- st a r k t e gerade durch diese Kämpfe zur herrschenden aus- schlaggebenden Partei in Preußen. 1861 zählte er 161, 1862 gar 250 Mandate I Wollte der Fortschritt die Reaktion wirklich niederringen, so mußte er jetzt oder nie den Kampf um die Beseitigung der preußischen WahlrechtSschmach aufnehmen I Der Forffchritt stand auf der Höhe seiner Macht, er stand zugleich vor seiner historischen Mission, vor der Wende seines Geschickesl Der Fortschritt verriet abermals seine historische Aufgabe. Er tat nichts zur Zertrümmerung dcS schmählichen Dreiklassenwahl- rechts I Selbst seine entschiedensten Elemente warnten vor einem .ungebührlichen Drängen" des Volles; ein S ch u l z e- D e l i tz s ch meinte, die Arbeitermassen müßten sich erst bilden, um das Wahlrecht gebrauchen zu können I Das zwang Ferdinand Lassalle, der die bürgerliche Demokratie bisher vorwärts zu drängen versucht hatte, die Arbeiter zur politischen Selb st hülfe, zum Klassenkampf aufzu- rufen. Die Sünden des Fortschritts machten die Gründung einer proletarischen Arbeiterpartei unter sozialer, sozialistischer Flagge notwendig. Und was Lassalle damals über die Fortschrittspartei sagte, klingt, als sei es erst heute, in der Aera neuer Wahlrechts- kämpfe, für die Agitation des Tages, für die gegenwärtige Wahlrechtsaktion geschrieben worden. Hören wir Lassalle: „Aus Furcht vor Ihnen zwingt man sich zur Hoff- nung nach Oben; und mit dieser Furcht nach Unten und mit dieser Hoffnung nach Oben glauben Sie, könnte mar etwas ausrichten? Wie sagt Goethe: „Was ist der Philister? Ein hohler Darm Voll Furcht und Hoffnung, daß Gott erbarm'!* Eine solche Philisterbewegung kann niemals Resultate haben, und wenn wir dlwch ganze geo- logische Erdperioden hindurch warten wollten I Wer steht denn mit Energie und Aufopferung hinter der politischen Freiheit? Wer? Die liberale Bourgeoisie liebt freilich die Frei- heit, aber sie liebt sie, tvie man ein Ornament im Zimmer, wie man einen schönen Schmuck liebt; kann man jhn haben, ist es gewiß besser; kann man ihn nicht haben, ist es auch gutl Man geht dafiir weder ins Wasser noch ins Feuer. Die Hauptsache für die Bourgeoisie bleiben die materiellen Interessen, Handel und Wandel, Industrie und Produktion; Freiheit würde diese Ruhe momentan nur gefährden. Und so begibt sich die liberale Bourgeoisie noch viel lieber der politischen Freiheit, als daß sie durch einen e r n st e n Kampf die Ruhe und dadurch ihre materiellen Interessen gefährdet. Handelte es sich bei uns heute um die sozialen Frei- heften für die Bourgeoisie, um die es sich 1789 in Frankreich handelte, um die Kapitalfreiheit und alle jelie materiellen Interessen, die mit ihr verbunden sind, nun, unsere Bourgeoisie wiirde vielleicht dieselbe Energie finden, wie damals die französische. Aber um diese materiellen Fragen handelt es sich nicht mehr. Unsere Regierungen haben sich vorgesehen. Sie haben die soziale Seite der 1789 er Revolution von selbst und zum Teil seit lange eingeführt; und die bloß politische Freiheit vermag die Bourgeoisie nicht ins Feuer zubringen, vermag sie nur zu fromme n Wünschen und unschuldigen Redeübungen zu stimmen. Ihr entgegen aber stehen die Militärpartei und der Adel der Absolutismus und die Bureaukratie, und zwar mit bei höchsten Energie, mit aller Energie, welche soziale Jnteresser. gewähren, denn für die Klassen handelt es sich darum, die Reste ihrer Herrschaft zu verteidigen. Hinter der Reaktion stehen also Klassen mit bei h ö ch st e n Energie, die Nägel und Zähne daran setzen; hinter der politischen Freiheit steht keine Klasse, steht niemand als eine Handvoll Ideologen und Gefühlsmenschen! Es ist also gerade das größte Interesse der poli- tischen Freiheit, ein Klassenintereffe, ein soziales Interesse hinter sie zu werfen, und zwar gerade das Interesse der an Zahl und Kraft so unendlich überwiegende» unbemittelten Klassen überhaupt." � Wie damals, vor 44 Jahren— Lassalles Rede wurde am 19. Mai 1863 gehalten— zeigt sich auch der heutige Freisinn seiner Aufgabe nicht gewachsen. Wie damals will er für kleine Konzessionen und wirtschaftliche Vorteile für die B 0 u r g e 0 i s i e die Rechte des Volkes verraten I Und wie damals gilt eS heute, die Wucht des Prole» t a r i a t S. und zwar aller Parteien, für den WahlrechtSkainpf in die Wagschale zu werfen I Es gilt, um abermals LassalleS Worte zu gebrauchen, um das Banner des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu sammeln »»alles, was einen demokratischen Blutstropfen hat in ganz Deutschland!" Mangen! Das„Berliner Tageblatt" leistet sich in seiner FreitagS-Avend- Miminer einen„Unverhohlene Freude" überschriebenen Artikel, i» welchem es, anknüpfend an unsere Kritik der Ausführungen deS freisinnigen Neichstagsabgeordneten für Lauenburg a. E., des Herrn Dr. Heckscher, im„Hamburger Fremdenblatt', gegen den „Vorwärts" und im weiteren gegen die gesamte sozialdemokratische Presse den Vorwurf erhebt, ihr liege nicht das mindeste daran, dah die Wahlreform in Preußen durchgeführt werde; vielmehr sei sie nur darauf bedacht, den Liberalismus zu diskreditieren und dessen Schwäche parteitaktisch auszunutzen. Wörtlich behauptet daS Mossesche Blatt: „Es liegt der sozialdemokratischen Presse, die aus der von ihr verschuldeten Niederlage nichts gelernt hat, auch nicht das mindeste daran, daß die preußische Wahlreform durch eine Aktion der liberalen Parteien, durch eine liberale Volksbewegung verwirklicht Ivird. Diese Presse hat nur den einen Wunsch, �ie Ohnmacht des Liberalismus zu zeigen, und die ganze Presse des Zentrums wünscht und erstrebt daS gleiche. Wenn die Liberalen kleinmütig und bedenklich auf jeden Kampf verzichten, wenn sie das Streben nach großen Zielen anderen überlassen werden, dann werden Sozialdemokratie und Zentrum mit einem Anschein von Recht triumphieren können. Dann braucht man nicht weiter zu befürchten, daß der Liberalismus an Volkstümlichkeit und Zugkraft gelvinncn werde, und dann kann man seine Schwäche, seine Untätigkeit verspotten. Sozialdemo- kratie und Zentrum werden in jeder Tonart erklären, daß der Liberalismus seine Ideale verraten habe. Und weit indiskreter als die still zufriedenen Regierungsorgane werden sie diesen Tag wie ein SicgeSfest feiern." Wir nehmen denr„Berl. Tagebl." diese Polemik nicht allzu übel; denn seine Auslassung zeigt deutlich, daß eS seine Anklage gegen den„Vorwärts" nur als Vorwand benutzt, um den Freisinn ailS seiner„Schwäche" und seiner„Untätigkeit" aufzurütteln und ihm zu beweisen, daß er unsere Taktik am besten durchkreuzen würde, wenn er sich zu entschließen vermöchte, in eine energische Wahlrechtsbewegung einzutreten. Doch schon, um nun unseren eigenen Standpunkt zu wahren und der politischen Legenden- bildung vorzubeugen, sehen wir uns gezwungen, dem „Berliner Tageblatt" zu antworten. Wie wir ihm ver- sichern können, irrt es gründlich, wenn es der Ansicht ist, dem„Vorwärts" liege nichts daran, daß das heutige preußische Drciklassenlvahlrecht durch eine liberale Volksbewegung gestürzt werde. Wir sind vielmehr, wie wir wiederholt betont haben und wie Singer offen in der Generalversammlung der Wahlvereine Groß- Berlins erklärt hat, und zwar nicht nur für sewe Person, sondern im Namen des Parteivorstandes, bereit, eine solche auf die Erringung eines allgemeinen, zleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gerichtete Volks- Bewegung nach Kräften z u unter st ützen. Ferner halten vir auch den Liberalismus keineswegs für ohnniächtig, falls er alle seine Kräfte zusammenfaßte; aber was wir ver- nissen, ist der feste Entschluß, diese Kräfte für die Eroberung deS gleichen Wahlrechts einzusetzen; und gegen diese Schwäche, diese ssleinmütigkeit, die aus lauter Hyper-Besonnenheit gar nicht zu einem Entschluß kommt, weder nach der einen, noch der anderen Richtung, gegen diese amphibische Rückgratlosigkeit richtet sich unsere Kritik. Das„Berl. Tageblatt" wird nicht von uns verlangen wollen, daß uns die völlige Zerfahrenheit, die bisher das Präludium der freisinnigen Wahlrechtsbewegung bietet, sonderlich imponieren soll. Bisher haben nur einige liberale Politiker Wünsche und Aufforderungen ausgesprochen, die sofort von anderen liberalen Politikern verächtlich dementiert worden sind— amt irgend welchen Maßnahmen zur Entfachung einer liberalen Volksbewegung war nicht das geringste zu verspüren. E r st müssen w i r Taten sehen, ehe wir glauben können. Vermißt doch daS„Berl. Tagebl." bisher selbst jeden Ansatz zur Tat, denn wehmütig klagt es gegen Ende seines Artikels- „Denn daS ist es allein, worauf eS heute ankommt, und das ist eS auch allein, was wir hier verlangen und unbeirrt weiter verlangen werden: daß man die Flinten nicht gleich ins Korn werfen, daß man nicht int vorhinein verzichten, daß man der Sie- gicrung und den anderen Parteien daS Leben nicht allzu bequem inacheu soll! Ob man mit Albert Traeger den Grundsatz des „alles oder nichts" verficht, oder ob man einstweilen auf jede bindende Formel verzichtet, kommt im Grunde erst in zweiter Linie— die Hauptsache ist, wie Friedrich Payer gesagt hat. daß überhaupt einmal angefangen wird. Wir wissen so gut wie die Herren Heckscher und Pachnicke, daß die Schwierigkeilen groß sind und daß es keineswegs möglich ist, das Endziel iin Handumdrehen zu erreichen. Aber' wir wissen auch, daß diejenigen gar nichts durchsetzen, die nientalS zu fordern wagen, und daß der allzu kritisch Wägende nie auf den Berg hinauf- gelangt." Der Ansicht sind wir anch, daß erst mal angefangen wird, kräftig angefangen wird— daS weitere wird sich dann finden._ IftaroMo. Nachrichten ans Fez fehlen— man weiß noch nichts Genaueres über den Wert der Gerüchte vom Aufstande in der Hauptstadt und von der Ermordung des Sultans. Die Anerkennung Mulay Hafids macht stetige Fortschritte— die Franzosen setzen erhebliche Hoffnungen auf den.Gegen- sultan. General Drude ist nach den neueren Meldtingen ent- schlössen, ins Land vorzustoßen trotz der großen Schwierig- ketten einessolchen Unternehmens. Offenbar kann er nicht hoffen, auf andere Weise die Angreifer loszuwerden, die ihn beständig in Atem halten. Die Ruhe vor Casablanca ist nämlich inzlvischen wieder zu Ende gegangen. In der Nacht zum 29. August haben die Marokkaner erneut angegriffen und die Vorleute der Franzosen sind, obgleich immer noch verhältnismäßig ge- ring, doch größer als sie es bislang bei solchen Kämpfen waren. Die Meldungen des Tages lauten: Paris, 30. August. Nach einer hier eingetroffenen Meldung aus Casablanca vom gestrigen Tage war ein Kampf in der Nacht vom 23. auf den 2g. d. M. ein sehr heftiger. Die Verluste der Franzosen betrugen nach den letzten Feststellungen drei Tote und zwölf Verwundete. Casablanca, 28. August.(Meldung der Agence HavaS.V Eingeborene berichten, der Stamm der M e d i u n a s, 3000 Köpfe stark, lagere in der Umgebung von Taddert, ohne etwas zu unternehmen, und scheine Instruktionen von Mulay Hafid zu er- warten. Mehrere Stämme werfen den Mediunas vor, sie wollten mit den Franzosen verhandeln. London, 2g. August. Wie das Rcutcrsche Bureau aus C a s a- vlanca unter dem 23. August meldet, läßt es der Gang der Er» eignijse siir das französische Expeditionskorps zweckmäßig erscheinen, sobald als möglich vorzurücken, und zwar in der Richtung auf Taddert zu, das zwölf oder fünfzehn Kilometer südlich von Casablanca liegt. Die größte Schwierigkeit� die überwunden werden muß, besteht in der Beschaffung von Wasser und Trans- Portmitteln; alle brauchbaren Karreu, Maultiere und Pferde sind indessen schon zusammengebracht worden. Paris, 39. August. Nach seiner letzten Meldung beabsichtigt General Drude zu dem unmittelbar bevorstehenden Marsch nach dem 12 bis 15 Kilometer südlich von Casablanca gelegenen Ort Taddert zwei Bataillone Infanterie, seine ganze Kavallerie, eine Feldbatterie und eine Gebirgsbatterie zu verwenden. Zwei Bataillone Infanterie und eine Feldbatterie sollen die Reserve bilden. Die Spanier sollen den Schutz der Stadt übernehmen. Tauget, 30. August. Es wird bestätigt, daß infolge einer Mitteilung Mulay Hafids der Gouverneur von Saffi, S i A i s s a ben Omar, sich de in neuen Sultan unterworfen hat und sich demnächst nach Marrakesch begeben wird. Tanger, 29. August.(Meldung des Rcuterschen Bureaus.) Der englische Konsul hat allen englischen Untertanen den Rat erteilt, sich im Falle eines Angriffs auf die Stadt nach von ihm angewiesenen Zufluchtsstätten zu begeben, welche in Verteidiaunas- zustand gesetzt worden sind. politische deberlicht. Berlin, den 30. August 1907. Tie erste sozialpolitische Tat Bethmanu-Holltvegs. Dem Bundesrat ist eine Novelle zur Gewerbeordnung zugegangen, die sich mit einer weiteren Beschränkung der Nachtarbeit der Frauen, der Verkürzung des Maximalarbeits- tages für Frauen und mit der Regelung verschiedener Zweige der Hausarbeit beschäftigt. Ueber den Inhalt der Novelle wissen die„Berl. Pol. Nachr."— allem Anschein nach direkt aus dem Reichsamt des Innern— folgendes zu berichten: „Er(der Entwurf) ist, wie bekannt, hauptsächlich sozialpolitischen Charakters. Dabei handelt es sich zunächst um eine der Beruer Konvention entsprechende Abänderung der Bestimmungen über die Nachtarbeit der Frauen. Im§ 137 der deutschen Gewerbeordnung ist ja bereits vorgesehen, daß Arbeiterinnen in Fabriken nicht in der Nachtzeit von 8Vs Uhr abends bis 5>/z Uhr morgens beschäftigt werden dürfen. Nach der in Bern zwischen den ver- schicdenen Staaten erzielten Vereinbannig sind aber noch Er- gänzungen dieser Bestimmung nötig. Irgend ein Widerstand wird sich dagegen voraussichtlich nicht geltend machen. Ebensowenig ist ein solcher gegen die Verkürzung des Maximal- arbeitstages für Frauen von 11 auf 10 Stunden, die gleichfalls eine Aenderung des§ 137 bedingt, zu erwarten. Hier kommt in erster Reihe die Industrie in Frage. die Arbeiterinnen be- schäftigt. Gewiß wurde noch vor einigen Jahren die Ver- kürzung des Maximalarbeitstages für Frauen, wie er in der Gewerbeordnnngsnovelle von 1831 zuerst festgelegt war, seitens der Industrie bekämpft. Man fürchtete namentlich in der Textilindustrie eine Rückwirkung auf die Arbeitszeit der gesamten Arbeiterschaft. Inzwischen haben sich aber die Arbeits- zeitverhältnisse so gestaltet, daß die damaligen Bedenken fallen gelassen werden konnten. In erster Reihe ist es dann auch die Textilindustrie gewesen, die sich mit dieser sozialpolitischen Neuerung nunmehr einverstanden erklärt hat. Wenn aber die Interessenten selbst keinen Widerstand gegen die Neuerung leisten, so ist ein solcher im Reichstage noch weniger zu erwarten, zumal die Ver- kürznug des Maximalarbeitstages der Frauen auch einem im Reichstage schon mehrfach geäußerten Wunsche entspricht. Schließlich sollen in der erwähnten GewerbeordnungSnovelle Bestimmungen über die Regelung der Hausarbeit getroffen werden. Es dürfte sich hier um die Uebertragung von schon in der Ge- Werbeordnung befindlichen Vorschriften auf die Heimarbeit handeln. Man wird sich erinnern, daß zunächst in der Gewerbeordnung die Betriebsverhältnisse in den Fabriken geregelt waren. Dann zog man in diesen KreiS auch die Werkstätten hinein, in welchen durch eleinentare Kraft bewegte Triebwerke nicht bloß vorüber- gehend zur Verwendung kommen. Darauf übertrug man dem Bundesrate die Befugnis, die Borschriften über Kinder-, Frauen- usw. Arbeit auch auf andere Werkstätten aus- zudehnen. Jetzt soll die Heimarbeit in diesen KreiS ein- gezogen werden. Auch hierfür liegen aus dem Reichstage die verschiedenartigsten Wünsche vor. Im übrigen darf aber betont werden, daß die dem Bundesrate jetzt zugegangene Gewerbe- ordnungsnovelle sich nicht auf die aufgeftihrten sozialpolitischen Neuerungen beschränkt. Sie sieht auch die Erfüllung verschiedener anderer Wünsche vor. So dürfte wohl anch eine längst geplante Neuerung beim Schankkonzesstonswesen in Vorschlag gebracht werden." Die von den„Verl. Pol. Nachr." gegebenen Andeutungen find reichlich unbestimmt, so viel läßt sich aber immerhin er- kennen, daß die neue sozialpolitische Tat, mit der der neue Staatssekretär des Innern vor das Forum des Reichstages tritt, recht bescheidener Art ist.— Zur Kolonialresolution. In unserem Leitartilel in Nr. 201 ist uns ein Irrtum unter- laufen, den wir hiermit richtigstellen wollen. Wir hatten geschrieben, daß die von zwei Genossen vereinbarte Kompromitzfassu n'g der Einleitungssätze der Resolution der Kommissionsmehrheit, die lautete: „In der Erwägung, daß der Sozialismus die Pro- duktivkräfte des ganzen Erdkreises entfalten und alle Böller zur höchsten Kultur emporführen will, verwirft der Kongreß nicht jede Kolonialpolitik prinzipiell, weil diese unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wirken kann" in der deutschen Delegation überhaupt nicht mehr zur Abstimmung gelangt sei. Diese Darstellung ist unrichtig. Die Kompromiß- fassung wurde in einer unmittelbar vor der entscheidenden Plenar- fitzung abgehaltenen Sitzung der deutschen Delegation gegen wenige Stimmen akzeptiert, x Der uns unterlaufene Irrtum ändert indes nicht das gering st e an der Auffassung, die wir in unserem Leit- artikel„Sozialdemokratie und Kolonialpolitik" dargelegt haben. * Unter der Stichmarke:„Davids Aufklärung" macht die Düsseldorfer Volkszeitung" folgende Darlegungen: „David beginnt mit dem Amendement der deutschen Dele- gation zur van Kölschen Resolution und sucht eS so darzustellen, als sei dieses lediglich eine vernünftigere Fassung des ersten Absatzes der Resolution van Kol. Einmal ist das letztere nicht richtig und dann leidet David offenbar an einer bedauer- lichen Vergeßlichkeit. Er läßt eine Reihe von Tatsachen unter den Tisch fallen, die zur Beurteilung des wirklichen Sachverhaltes un- erläßlich find. Der erste prinzipielle Absatz der Resolution van Kol lautete sinngemäß: Der internationale Kongreß stellt fest, daß der Wert der Kolonien im allgemeinen und für die Arbeiterklasse im besonderen stark übertrieben wird. Er verwirft jedoch nicht jede Kolonialpolitik prinzipiell, da sie unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wird wirken können. Am bedenklichsten war der erste Satz dieses Absätze?. Indem er sich lediglich gegen eine Uebcrschätzung der Kolonien wandte, erkannte er an, daß die kapitalistische Kolonialpolitik für die Arbeiterklasse Wert besitzt. Damit war nicht nur die Haltung der deutschen Partei im letzten Wahlkampf gründlich desavouiert, die Partei war auch auf das System der kapitalistischen Kolonialpolitik festgelegt. Der erste Satz präjudizierte zudem den zweiten: JhreVerbindnng ergab den altenEvolutions- gedankcn des Revisionismus und die Betonung der Notwendigkeit einei: kapitalistischen Ent- w i ck e I u n g s st u s e für die Kolonien.... Es heißt die Tatsachen verdrehen, wenn man die Resolution der Minderheit eine Politik der Negation, der radikalen Utopie nennt. Lediglich dagegen verwahrte sich die Minorität, daß man beim Pakliercn mit dem kapitalistischen Kolonialsystem anlange. Darum beantragte sie eine andere Fassung des prinzipiellen ersten Absatzes. Was sich in der Resolution van Kol an praktischen Forderungen fand, wurde von ihr rückhaltlos und in vollem Um- fange akzeptiert. Aber darum ging es weder David noch Bern st ein. Sie erklärten gerade den ersten Satz der van Kölschen Resolution für den springenden und prinzipiell wichtig st cn, wohl wissend, daß gerade in ihm eine Schwenkung in der Frage der Flottenpolitik, der Etatsbewillignng und selbst der Schutzzollpolitik im Keime mit enthalten war. Was man auf dem deutschen tage nicht durchsetzen konnte, sollte bei günstiger Gelegenheit auf vrnt iinernationaleit Kongreß zu Wege gebracht, der Revtsionismus auf Schleichwegen in die Partei eingeschmuggelt werden. � Die Mehrheit der deutschen Delegation akzeptierte zunächst den ersten Absatz der Resolution van Kol. Darauf einigten sich unter Vorantritt der Delegation des NiederrheinS eine Anzahl Delegationen auf die folgende Erklärung, die in der nächsten Delegationssitzung zur Verlesung gelangte: Die Minorität der deutschen Delegation sieht in der Resolution van Kol eine Anerkennung kapitalistischer Kolonialpolitik und ihrer Konsequenzen, eine Vernrleilung der Taktik der deutschen Partei während deS letzten Wahlkampfes. Die Minorität der deutschen Delegation steht gruiidsählich auf dem Bode» des Antrages Lcdcbour und Gcuvsscii. Sie erblickt in der kapitalistischen Kolonialpolitik ein potenziertes AuSbeutnngS- und Herrschaftssystem, das zur Knechtung, Zwangsarbeit oder Ausrottung der eingeborenen Bevölkerung der Kolonien führen muß, und das zur schärfsten grundsätzlichen und praktischen Bekämpfung herausfordert. So sehr die Minderheit der deutschen Delegation daher die Notwendigkeit positiver Verbesserungsarbeit anerkennt, betont sie ihren priuzipiclleu Stand- Punkt iit Uebetelnstiuimung mit der Haltung der deutschen Gesamt- Partei. Die Erklärung und die daran anknüpfende Erörterung hatten den Erfolg, daß man sich bereit fand, den bisher hartnäckig ver- fochtenen ersten Satz der Resolution van Kol fallen zu lassen und eine neue Fassung der prinzipiellen Einleitung zu suchen.... Daß David in seiner„Aufklärung" alle diese Dinge unaufgeklärt läßt, ist recht bezeichnend, über es ist notwendig, das g r u n d- s ä tz l i ch e Zurückweichen d e S Revisionismus in der Delegation festzustellen, weil nur aus diesem Gesichtspunkt das spätere Verhalten der Delegation bei der Ab st immun g erklärlich wird. Daß auch van Kol sich mit dem Amendement einverstanden erklärte, besagt nichts. Es blieb ihm eben nichts anderes übrig, da ohne die deutschen Stimmen der erste Absatz seiner Resolution ohnehin fiel. So belanglos, wie David es hinzustellen beliebt, war also nach Lage der Sache das deutsche Amendement ganz und gar nicht. Es war der e r st e und entscheidende Schritt auf die Ent Wickelung hin, die die Dinge bei der Abstimmung im Plenum nahmen."_ Marinistische Ausgaben auf Grund des Militäretats. Die„Post" erklärt, daß man sich in deutschen Marinekreisen jetzt allseitig zu der Ansicht bekehrt habe, daß die Nordsee eines verstärkten Kiiftciischutzcs bedürfe. Die Besestigung der Weser- in ü n d u n g war bereits„in durchgreifender Untarbei- tung begriffen." Weitere BefesligungSauSgabcn ständen bc- vor. Doch wolle die M a r i n e v e r w a l t u n g, die aller bc- willigten Gelder für den Schiffsbau benötige, nicht die Kosten dafür aufbringen, vielmehr sollten diese Kosten im M i l i t ä r e t a t verrechnet werden. Das bat seinen guten Grund. Die Schiffsbauten werden soviel kosten, daß man die Kosten der Küstenbefestigung auf den Militäretat übernehmen will, um die marinistische Geld- Verschleuderung nicht allzu groß erscheinen zu lassen!— Warum Graf PosadowSky gehen mußte, verrat in einem ihm von„besonderer Seite" zugegangenen Artikel das Schweriner Nc- gierungsblatt, die„Mecklenb. Nachr.". Das offiziöse Organ, das sich meist gut unterrichtet zeigt über inttme Borgänge in den höheren RegicrungSkreisen, berichtet wörtlich mit der ihm eigenen Naivität: „Die Beseitigung deS Grafen PosadowSky bedeutet ein kleines Entgegenkommen gegen die Kon- servativen. Die Sozialpolitik, die Graf PosadowSky mit dem Zentrum und zum Teil mit den Parteien der äußersten Linken trieb, erregte bei den Konservativen immer größere Bedenken... Wünschte ein Konservativer den Grafen zu sprechen, so mangelte es ihm immer an Zeit. Sprach ein Soztaldemokrat im NcichSaint des Innern vor, so stand das ganze Amt, der Staatssekretär an der Spitze. zu seiner Verfügung. Der ideologische Graf glaubte eben an eine Versöhnung der Sozialdemokratie. Vor allem aber bedeutete die Entlastung des Grafen PosadowSky für den Fürsten Bülow selbst die Befreiung von einem sehr selb- ständigen Untergebe iten, der zur ganzen Denkungs- und Arbeitsart des ihm vorgesetzten Kanzlers wenig paßte." Ein niedliches Zugeständnis deS junkerlichen Obotritcn» blatteS. Ei» aufrechter Junker. Der Rittergutsbesitzer W. v. Treuenfels- Lenschow, der sich vor 14 Tagen vergeblich um eine Abbestellung oder wenigstens eine Aufschiebung der Manöver im Meckleitburgischen wegen der in diesent Jahre für die E r n t e a r b e i t e n ungünstigen Witterung bemühte, macht seinem Zorn und Acrger über seine erfolglosen Bemühungen jetzt in einer großen, in der„Nord- deutschen Po st" in Parchim veröffentlichten Anzeige Luft, die wie folgt lautet: „GutSvcrkauf. Da die Militärbehörde die Gegend, in der ich daS Unglück habe, einige Güter zu besitzen, zu den Herbstübungen scheinbar nicht entbehren kann— da dieselbe auf den Vorschlag meine Güter als Tnippenübiingsplatz anzukaufen, nicht hat ein- gehen wollen— da die mit Einverständnis eines großherzoglichen Ministerii gestellten Anforderungen an meine tmd meiner Güter Leistungsfähigkeit mir unerfüllbar und unerträglich erscheinen, ein Wandel aber nicht zu erhoffen ist, so habe ich mich entschlossen. meine Güter, die ich 35 Jahre mit viel Liebe und Fleiß und ich darf wohl sagen, auch mit einigem Erfolg bewirtschaftet habe, für jeden mir annehmbar erscheinenden Preis zu verkaufen. Der Tag, an dem ich den mecklenburgischen Sumb von meinen Pantoffeln werde schütteln können, wird zu den freundlichsten meines Lebens gehören. August 1907. W. v. TreuenfelS- Lenschow. Hierzu bemerkt die„F r a n k f u r t e r Zeitung": „Der Ritter, der in solcher Weise seinem bedrängten Herzen Luft machte, ist einer der reichsten Großgrund» besitzer des Landes; er besitzt nicht nur in Mecklen- bürg einige der wertvollsten Güter, sondern auch noch im Königreich Sachsen. L>err v. Trenenfels, der ein Verwandter deZ Neichstagsabgeordneten gleichen Namens ist, kann sich also einen Scherz leisten. Einiges Aufsehen erregt nur die zum min- besten kernige Sprache, in der er diesen Scherz ankündigt. Das ist das reine entweder— oder! Entweder der Staat zusamt NcgierungSanhängsel tut, was ich will, oder ich zeige ihm. was'ne Harke ist I Man sieht, unsere Ritter sind immer noch aufrechteLeute, wenn eS sich um ihren eigenen Vorteil handelt." Die„Franks. Ztg.' sollte freilich solch„aufrechte Leute" dem Freisinn als Borbild entgegenhalten. Denn dost die „kleine aber mächtige" Partei der Junker trotz ihrer Minderzahl in Preutzen-Deutschland das Heft in der Hand hat, findet seine Er- Ilärung eben darin, daß diese Junker allezeit„aufrechte Leute" ge- Wesen sind! Wollte der Freisinn im Kampf um das ReichstagSwahI- recht für Preußen nur einen Teil dieser junkerlichen Energie entwickeln, so könnte er die Reaktion zu Paaren treiben. Aber die Freisinnigen sind eben keine„aufrechten Leute", sondern kuhhandels- lüsterne„Staatsmänner", deren diplomatischer Ehrgeiz nur darin besteht, für einige der liberalenBourgeoisie gewährte Kon- zessioneu das entrechtete Volk abermals um feine wichtigsten poli- tischen Rechte zu prellen!—_ Lappalie oder Landesfriedensbruch. Unter der Spitzmarke: Vom Terrorismus gegen die Sozial- demokratie berichteten wir kürzlich, daß einem Gasthofbesitzer bei Portitz— einem Dorfe in der Nähe von Leipzig— die Polizeistunde auf 10 Uhr herabgesetzt wurde. Daß die Behörde nicht 9 Uhr fest- setzte, hat er nur dem Umstände zu verdanken, daß, seitdem er das Geschäft führt— nämlich 16 Jahre— niemals gegen ihn irgend etwas bei der Behörde vorlag. Alles wird dadurch erklärt, daß der Mann das Verbrechen beging, uns seinen Saal zu VereinSversamm- l u n g e n zur Verfügung zu stellen. Sein Konkurrent, auch der Gemeindevorsteher mit einer Zahl von Bauern aus Portitz haben alles getan, um den Mann in das„rechte" Licht bei der Behörde zu setzen. Jetzt treffen zwei Nachrichten gleichzeitig ein: l. hat die jireishauptmannschaft die Verfügung gegen den GasthofSbcsitzer be» stätigt, II. hat die Amtshauptmannichaft Mittwoch in aller Frühe je sechs Genossen auS Portitz und Taucha aus dem Bette geholt und die zwölf Man» gefesselt in die Untersuchungshaft abgeführt. Sie sollen Landesfriedensbruch begangen haben. Was ist geschehen? An einem Abend in, Juli brachte die Gesangsabteilung von Portitz dem Sohne des Gastwirts Kamm in Thekla zu seinem Polterabend ein Ständchen. Die Singstunde in Taucha fiel aus, da der Gesangsleiter in Thekla dirigierte. Darum »lachten die Tauchaer das Kränzchen mit. Man zechte dann in Thekla, zum Schluß in Porsitz. Angeheitert brach um 12 Uhr nachts das Häuflein Sänger auf. Es soll nun etwas laut zugegangen und zu einem Rekonter mit dem Ortspolizisten gekommen sein. Ausschreitungen und Ge- walttätigkcitcn sind nicht vorgekommen. Und das soll Landes- friedeusbruch sein I? Da erinnern wir unS der Nacht vom LS. Januar. Nicht nur im Rausche der Hottcntottenstimmung, sondern im Rausche schlechtweg zogen johlend Studenten und deutschnationale Jünglinge durch die Straßen Leipzigs. Vor dem Volkshause drängte sie die Polizei mit Mühe zurück, sie kamen johlend, pfeifend, sinkend und brüllend wieder. Von einem Eingreifen der Gerichte bat man später nichts gehört! Das waren die„Nationalen". Hier sind eS sozialdemokratische Arbeiter. Und da soll Landesfriedensbruch vorliegen. Wir haben gleiches Recht in Sachsen! Wer wagt es zu bezweifeln?— Die Anarchie in der rcichsländischen Regierung ist anläßlich des vor einiger Zeit in Metz abgehaltenen Eucharistischen Kongresses eingerissen. Wir berichteten seinerzeit, daß die Regierung der gelegentlich des Kongresses veranstalteten Prozession keinerlei Hindernisse in den Weg legte, obwohl ein altes französisches Gesetz die Prozessionen in Orten mit verschiedener konfessioneller Bevölkerung verbietet. Wir sind keine Freunde derartiger die Freiheiten des Volkes einschränkenden Gesetze, um- somehr als andere ähnliche Gesetze bei Umzügen der klasscn- bewußten Arbeiter mit aller Schärfe angewandt werden. Aber das Gesetz besteht nun einmal und so hätte man wohl erwarten löiinen, daß es von der Behörde angewandt werde. Da dies nicht geschah, so reichte das Metzcr Konsistorium der evangelischen Kon- fcssion Protest gegen die Prozession beim Regierungspräsidenten von Metz ein. Der Bescheid, den dieser daraufhin an den Kon- ststorialpräsidenten gab, ist klassisch. Er lautet: „Ew. Hochwürdcn beehre ich mich, den Empfang des Protest- schreibenS betreffend Abhaltung einer öffentlichen Prozession in Metz vom 1. August 1907 Nr. 833 crgebcnst zu bestätigen. Eine Aenderung der durch die gesetzlichen Be- stimmungen gebotenen Auffassung ist keineswegs ein- getreten. Die Prozession ist vielmehr nur ausnah ms- weise geduldet worden, weil es sich um eine außer- ordentliche Feierlichkeit handelte und die Prozession als ein Bestandteil des Eucharistischen Kongresses zu betrachten war. Graf Zeppelin.". Leben wir denn in einem Rechtsstaat? So fragt man sich unwillkürlich, wenn man sieht, mit welcher Eleganz sich die Re- gierung über einen vollendeten Rcchtsbruch hinwegsetzt! Von der Gärung in Kamerun. DaS Gouvernement in Busa meldet über die Bewegung in Adamaua folgendes: Die Bewegung ist mit dem Tode eines Malams sWanderpriester), der bei Djabake einen Tagemarsch östlich von Garua fiel, als vorläufig beendigt anzusehen. Eine örtlich beschränkte Erhebung zwischen Garua und Ngaundere wurde niedergeworfen. Vier Hauptanhänger des Malams wurden in Ubao, drei Tage südlich von Garua. hingerichtet. Auch �er durch den Lamido sHäuptling) von Garua gefangen ge- nommene Fullah-Mahdi, der Anstifter der ganzen Bewegung, wurde hingerichtet. Die Bevölkerung der Samidate sHäuptlings- fchaften) Rei Buba und Ngaundere ist noch erregt; jedoch haben die beiden LamidoS sich als regierungstreu erwiesen. Die Bewegung hatte einen allgemein europäer- feindlichen Charakter. Im südlichen Benusbogen bei Jola(zu dem englischen Nordnigerien gehörig) wurden Send- linge der Senussi-Sekte festgestellt. Am 18. d. M. ist ein Transport von 80 Mann mit einem Maschinengewehr unter Hauptmann v. Krogh über Burutu nach Garua in Bewegung ge- setzt worden. Diese Verstärkung soll in der Hauptsache die Residentur Adamaua instand setzen, der deutsch-englischen Grenz- expedition für die Strecke von Jola nach den Croßschnellen. die am 9. d. M. unter Major Höring die Ausreise von Hamburg an- getreten hat und auf e,n bis zwei Jahre berechnet ist, das nötige Begleitkommando zu stellen. Nach Eintreffen der Verstärkung wird aber auch eine Klärung der Lage in denLamidaten Rei Buba und Ngaundere möglich werden. Eine weitere Verstärkung hält die Regierung nicht für unnötig. An der Küste ist alles ruhig. „Borläufig" ist also durch eine Reihe von Hinrichtungen „Ruhe" geschaffen, doch dauert die Erregung in mehreren Häuptlingschaften noch fort. Doch soll nach Eintreffen von Ver- stärkunge» weitere„Klärung" geschaffen werden. Hoffen wir. daß diese„Klärung" nicht in allzu rigoroser Weise vor sich geht, damit nicht, wie in Südwestafrika, die Empörung der ohnehin europäerfeiudlich gesinnten Eingeborenen schließlich auch die Häuptlinge mit in die kriegerische Stimmung hineinreißt I Nur äußer st eS Maßhalten und möglich st e Scho» nung der Eingeborenen können den Ausbruch weiterer Unruhen verhüten I—_ Berichtigung. In dem Leitartikel:„Das Zentrum und das Landtagswahlrecht" der gestrigen Nummer hat sich ein sinnent» stellender Druckfehler eingeschlichen. In der ersten Spalte. 24. Zeile von unten muß es„platonische Liebeserklärungen" statt„katho- lische Liebeserklärungen" heißen.— Schweiz. Die Scharfmacher an der Arbeit. Zürich, 26. August.(Eig. Ber.) In unserer Stadt stehen seit vier Monaten die Spengler im Streik für den Neunstundentag und andere Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen und da sie nun eine Genossenschafts- s p e n g l e r e i errichtet haben, die bereits 22 Arbeiter beschäftigt. so ist die Erregung der Spenglermeister aufs höchste gestiegen� Wie immer die Unternehmer, machen auch die Züricher Spenglermcister für ihre„Not" andere verantwortlich und zwar unseren Genossen Vogel sanger, den Polizeichef der Stadt Zürich. Er läßt nicht wie sein Vorgänger die städtischen Polizisten als losgelöste Ketten- Hunde auf die streikenden Arbeiter los und darum muß er schuld daran sein, daß der Spenglerstreik noch immer nicht mit einer Niederlage der Arbeiter beendet worden ist. Die Speuglermeister richten deshalb folgenden bodenlos perfiden offenen Brief im Inseratenteil des Züricher„Tages-Anzeiger" an Vogelsanger: „Herr Polizeivorstand und Stadtrat! Sie haben bei Ihrer Wahl zirka 19 000 Stimmen auf sich vereinigt, von denen mehr als die Hälfte von Bürgerlichen stammen,, welche glaubten, einen un- parteiischen Volksvertreter gewählt zu haben. Heute können wir konstatieren, daß zweierlei Recht gilt, dä Ihre Parteigenossen Gesetze und Verordnungen nach Belieben über- treten können und erst auf energische Reklamationen und Klagen von feiten der Belästigten der eine oder andere vor Gericht gezogen wird, um möglichst schonend behandelt zu werden. Haben Sie etwa Furcht? Furcht vor jener Schmutzpresse, der nicht« mehr heilig ist, welche die Regierung und alles, was der Schweizer hochhält, schon durch bestraste Individuen angeifert. Furcht vor jener Presse, welche die Spitzbuben rühmt und hochleben läßt, und den ehrlichen, rechtschaffenen und fleißigen Menschen mit Kot bewirft. Wenn dem so wäre, Herr Polizeivorstand, dann würden Sie besser tun, Ihr verantwortungsvolles Amt niederzulegen, um eS Männern zu überlassen, welche die Gesetze nicht nur kennen, sondern auch handhaben, ohne durch die Parteibrille zu sehen, und gleiches Recht für alle walten lassen. Wenn Sie das nicht wollen, dann tun sie besser, wenn Sie die RegenSdorfer Pensionäre(Zuchthaussträflinge) laufen lassen und die rechtschaffenen Menschen einsperren, damit sie vor den Strolchen sicher sind. Kant. Spengkermeisterverband Zürich." Nur das eine sei zu diesem traurigen Pamphlet bemerkt, die Mehrzahl der auf Vogelsanger bei der letzten StadtratSwahl vor zirka drei Monaten gefallenen 19 000 Stimmen sozialdemokratische Stimmen waren. Die wildgewordenen Spießbürger im Züricher Spenglergewerbe taten noch ein übriges und schickten ihre ausländischen Genossen mit einer Eingabe an die zürcherische Justiz- und Polizeidireksion vor, in der sie das Verlangen nachEntfernung derStreik- p oft e n wiederholen nnd zwar unter Berufung auf die Staats- Verträge, die jedem den ungehinderten Erwerb zusichern.„Sollte dem Begehren, so heißt es weiter in der Eingabe, nach Entfernung der Streikposten, die die Meister materiell schädigen, nicht entsprochen werden, so würden sich die Meister an ihre Gesandt- schaften in Bern wenden und von dort durch Intervention Abhülfe verlangen." In der Eingabe wird auch unser Genosse Vogelsanger als Stadtrat und Polizeichef heruntergemacht von— ausländischen Spenglermeistern. Die kantonale Justiz- und Polizeidirektion hat das Gesuch ab- gelehnt, da die Zürcherische Bürgerschaft darüber zu entscheiden hat, was in Zürich geschehen oder unterlassen werden soll, und nicht die Regierungen in Berlin, Wien und Rom oder ihre Gesandtschaften in Bern. Handelte es sich um ein ähnliches Vorgehen ausländischer Ar- bester, die bürgerliche Presse würde eine noch nilbt dagewesene fanatische Ansländerhctze betreiben nnd massenhafte Opfer fordern. Gegen das maßlos freche Vorgehen der ausländischen Spengler- melstcr erhebt sich aber keine einzige bürgerliche Stimme. Das schweizerische Unternehmertum hat den traurigen Ruhm, an der Spitze der Scharfmacher aller Länder zu marschieren. Die Berner Mädchen gegen die Dorfmatadoren. Zürich, 27. August.(Eig. Ber.) Wir haben von der unglaublichen Dreistigkeit des Gemeinderates von Kandergrnnd im Bern er Oberland berichtet, mit der er den Mädchen bei Strafe polizeilicher Verhaftung und weiterer Folgen verbot, mit italienischen Arbeitern zu tanzen, zu trinken oder zu spazieren. Dagegen lehnen sich die Mädchen energisch auf. Sie erklären, daß sie selber wissen, was sie zu tun und zu lassen haben. „Wenn ein Mädchen mit einem Burschen, auch wenns ein aus- wärtiger sei, tanzen wolle oder auch ein Glas Wein zu trinken gehe, so werde es, wie die Mädchen sagen, niemand fragen; daS fei ihre Sache, mit wem sie tanzen und trinken wollen." Auch die Herren Ingenieure fühlen sich durch den Ukas be- leidigt. da sie meist Franzosen sind und sich somit auch zu den „ftemden Elementen" zählen, deren Umgang die Mädchen meiden sollen. Diese Auflehnung der Mädchen, die sich mit Recht verletzt fühlen durch die Arroganz der Dorfgewaltigen, ist erfreulich, umsomehr, als sich die männlichen Einwohner gegen die unerhörte Bevormundung ihrer weiblichen Angehörigen nicht gewendet haben. War sie ihnen der„unbeguemen Konkurrenz" der fremden Elemente wegen vielleicht gerade recht?— Italien. Florenz, 30. Auugst. Hier haben neue antiklerikale Unruhen stattgefunden. Die Volksmenge versuchte die Elisabeth- kirche in Brand zu stecken, wurde aber durch die einschreitende Gendarmerie daran gehindert. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Inclien. Kalkutta, 27. August. Bei der gerichtlichen Verhandlung gegen zwei Nationalfreiwillige, die verhaftet wurden wegen Angriffs auf die Polizei bei Gelegenheit der Boykottjahresfeier, veranstaltete eine Anzahl Studenten einen großen Tumult. Sie wurden auf die Straße getrieben, wo es zu einem neuerlichen Zusam- menstoße mit der Polizei kam; schließlich wurden sie durch be- rittene Polizei auseinandergetrieben.— Der Führer der Radikalen, B e p i n Pal, der als Zeuge in der Aufruhrangelegenheit ver- nommcn wurde, verweigerte ungeachtet der Warnung des Vor- sitzenden jede Aussäge gegen die Zeitung„Bandemataram". Er wird sich jetzt unter der Anklage der Mißachtung des Gerichts- Hofes zu veranworten haben.— Fünf National- Fr/ei- willige stießen in Chandpur den Zivilwundarzt Camilla in den Fluß; derselbe entging mit knapper Not dem Tode des Ertrinkens. — Der Plantina-Bund in Behar befindet sich in großer Erregung, weil der oberste Gerichtshof in Kalkutta das Todes- urteil aufgehoben hat, welches über die Männer, die den Pflanzer Bloomfield totgeschlagen hatten, gefällt war. Hmenka. Die Japaner in Kanada. Seitdem ihnen die Vereinigten Staaten verschlossen sind, kommen die japanischen Arbeiter in Massen nach Kanada. Der Zu- ström ist seit einigen Monaten sq stark geworden, daß er unter der kanadischen' Arbeiterbevölkerung große Beunruhigung hervor« gerufen hat. Es soll versucht werden, die'Regierung in Tokio zu veranlassen, daß sie fteiwillig die AuS- Wanderung nach Kanada beschränke, wie es 1899 geschah, als Japan das Zugeständnis machte, nicht mehr wie 600 bis 600 Arbeiter pro Jahr nach Kanada auswandern zu lassen. Von der Legislatur aus ist schon öfter ein Verbot der japanischen Einwanderung beschlossen worden, aber die Negierung legte immer ihr Veto ein, um die guten Beziehungen zwischen de» Ländern nicht zu stören._ Hus der Partei. Zur Frage des Prefjbureaus. Das Kasseler„Volksblatt" widmet dem Preßburcau in seiner letzten Nummer einen Leitartikel. Es erkennt darin an, daß die Aufgaben, die dies Bureau zu erfüllen habe,„zwar skizziert werden müssen"(der Sperrdruck des Wortes„müssen" stammt aus dem„Bolksblatt" selbst), allein es macht trotzdem selbst nicht einmal einen Versuch, sich dieser Aufgabe zu unterziehen. ES begnügt sich mit der Bemerkung, daß der private Fünfer- Entwurf von fünf der befähigstcn parteigenössischen Journalisten ausgearbeitet worden sei und— trotzdem ihm das„Volksblatt" nicht in allen Teilen zustimmen könne— doch zweckmäßiger erscheine. als der Entwurf des P a r t e i v o r st a»des. Das ist alles, was, das Kasseler Parteiblatt über die Aufgaben deS PreßbureauS zu sagen hat! Im übrigen wendet es sich gleich der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" gegen die vermeintliche„Gespensterscherei". Es schließt seinen Artikel mit dem Trumpfe: „Vergißt man nicht, daß an die Redaktcure ber kleinen Blätter in der Provinz in beziig auf agitatorische und organi« salorische Tätigkeit naturgemäß viel höhere Anforderungen gestellt werden, als an die Kollegen in den großen Parteizeitungen, dann liegt klar zutage, wie hülfreich für sie ein von journalistisch tüchtigen Sozialdemokraten geleitetes Preßburcau jenr könnte. Aber—— könnte nicht ein revisionistisch angekränkeltes Redaktionsscheusal schließlich einer radikalen Redaktion enr Kuckucksei ins Nest legen? „viktioilo est satiraw non soribero*— sagt der Lateiner. „Ein Donnerwetter möge die Gcspenstcr>ehcrci und Ge- simiungSschnüsfelesi hole» I" werden hoffentlich bald die sozial- demokratischen Arbeiter sagen." Wir halten die Arbeiter denn doch für zu geschult, als daß sie nicht einsähen, daß»ist ein paar burschikosen Redensarten eine wichtige Parteifrage, die ebenso gründlich wie sachlich zu diskutieren ist, nicht als erledigt gelten kann! Im vorteilhaftesten Gegensatz zu den Auslassungen der „Sächsischen Arbeiter-Zeitung" und des Kasseler „VolkSblatteS" steht ein Artikel, mit dem die„Leipziger Volkszeitung" eine Erörterung der Frage des PreßbureauS beginnt. „Eine Partei- und Preßfrage" nennt das Blatt mit Recht das Problem. Die„Leipziger Volks zeitung" ver- zichtet auf eine Erörterung deS Vorschlages des FünferentwnrfeS, das Preßbureau mehr oder minder zu einem Organ der„Selbst- v e r w a l t u n g" der Parteipresse zu machen. Dies Projekt könne bereits als begraben gelten. Ueber den Entwurf des Partei- Vorstandes macht unser Leipziger Parteiorgan dann folgende Ausführungen: „Wir wollen uns hier nicht näher über die Parteikorre- s p o n d e n z verbreiten, über deren Wert unseres Wissens die An- sichten innerhalb der Partei weit auseinandergehen; bei ihr handelt es sich nicht um eine prinzipielle Frage, sondern darum, ob sie technisch mehr oder weniger gut gemacht wird. Es ist eine Personenfrage, deren Erörterung hier ausscheidet. Auch bei dem dritten Punkt des ß,2 wollen wir nicht verweilen, da es hier wesentlich auch nur auf die technische Ausführung ankommt; gegen den Gedanken selbst ist nichts einzuwenden. Dagegen bedarf der zweite Punkt des§ 2 einer ungleich schärferen und, wie wir ohne Bedenken hinzufügen, einer ungleich engeren Fassung. Ein solch komplizierter Nachrichtendienst, wie er hier vorgesehen ist, verträgt sich nicht mit dem Wesen der Partei- presse, die keine N achrichten-, sondern eine P r i n z i p i c»presse ist. Deshalb ist eS auch keine Schande, sondern eine Ehre für «nS, daß unsere Blätter im Nachrichtendienst hinter den bürgcr- lichen Blättern zurückstehen. Dieser Nachrichtendienst ist ein wesentlicher und vielleicht der wesentlichste Hebel der bürgerlichen Pretzkorruption geworden; die umfangreichen Preßbeteiligungen, deren sich der Besitzer und der Handelsredakteur der„Frank- furter Zeitung" in den Gründerjahren erfteuten, haben dies Blatt politisch nicht so in Grund und Boden korrumpiert, wie sein„be- rühmter" Nachrichtendienst, von dem die„Frankfurter Zeitung" kürzlich mit immerhin anerkennenswerter Selbsterkenntnis sagte, daß die Ware die Flagge decken müsse. Man lese einmal acht Tage lang die Berliner Nachrichten dieses Blattes, die in der Tat so zu- verlässig sind, wie unter den heutigen Verhältnissen, wo die so- genannte aktuelle Politik in einem verhältnismäßig engen Kreise von Personen gemacht wird, Nachrichten nur immer fein können, und wer sich dabei nicht vor Ekel schüttelt über all den elenden Klatsch und Kram, der muß schon Nerven wie Schiffstaue haben. Das größte und potenteste Blatt der bürgerlichen Presse als Schleppen- trägerin des ostelbischen Junkertums, die» ist das widerliche Zerr- bild, zu dem der NachrichtenkultuS der bürgerlichen Presse geführt hat. Und dabei wahrt die„Frankfurter Zeitung" unter den„be- rühmten" Nachrichtenblättern dieser Art immerhin noch ein gewisses polittscheS Dekorum. Gewiß— zu diesem NachrichtenkultuS sind die bürg er» lichen Blätter durch die Peitsche deS kapitalistischen Konkurrenz« kampfes gezwungen. Sie können nicht anders, auch wenn sie anders wollten. Aber die Arbeiterpresse steht nicht unter diesem traurigen Zwange, und deshalb muß sie sich hüten, auch nur den ersten Schritt auf einem Wege zu tun, dessen letzter Schritt eine politische Korruption der ärgsten Art sein würde. Es ist selbstverständlich, daß kein Mensch in der Partei solche Zu- stände, wie sie gerade in den namhaftesten Organen.der bürgerlichen Presse hervortreten, herbeiführen will; obgleich es schon ganz selbstverständlich ist, so wollen wir doch ausdrücklich hinzufügen, daß wir auch jenem privaten Entwurf einiger Ne- dakteure, der dem geplanten Nachrichtenburcau die bedenkliche Auf- gäbe zuerteilen will,„über die Unterströmungen der Politik, über das, waS im Werden sei", Nachrichten zu sammeln, nichts anderes unterstellen, als die ivohlmeinende Absicht, den Vorsprung einzuholen, den die bürgerliche Presse im Nach- richtendienst vor der Parteipresse voraus hat, einen Vorsprung, von dem auch wir anerkennen, daß er bis zu einem gewissen Grade die sozialdemokratische Propaganda schädigt. WaS wir beabsichttgen, ist nur eine scharfe Abgrenzung der Frage, bis wie iveit hier Abhülfe geschaffen werden kann, ohne ungleich wichtigere Fragen der Parteiagitation zu schädigen. bis wie weit eine Prinzipien presse, was unsere Presse nach unser aller Willen ist und bleiben soll, eine Nachrichten presse werden kann. Darüber m ü s s e n wir u n S klar fein, ehe das neue Bureau eingerichtet wird. . Nicht alS ob wir fürchteten, daß eS jemals auf diesem Wege zu einer wirMchen Preßkorruptton innerhalb der Arbeiterbewegung kommen könnte, sondern um die Streitigkeiten und Verwirrungen zu vermeiden, die der erste Schritt aus solchem Wege, dessen Nu- gangbarkeit sehr bald erkannt werden würde, nach sich ziehen müßte. Und die Grenzen, die hier gezogen werden müssen. sind allerdings unseres Erachtens in dem Entwurf des Parteivorstandes nicht scharf genug gezogen." Zum Essener Parteitag. DaS»Verl. T a g e b l" behauptet in seiner gestrigen Abendnummer, daß der sozialdemokratische Parteitag in Essen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit tagen wird. Es seien nach der„Dortm. Arb.-Ztg." nur von einigen wenigen bürgerlichen Blättern Vertreter zugelassen, die schon aus- gewählt seien. Diese Meldung ist durchaus unzutreffend. Der diesjährige Parteitag wird genau so gut öffentlich tagen wie seine Vorgänger. Ueber die Zulassung der Journalisten hat der P a r t e i v o r st a n d zu b e sti m m e n. der nicht gewillt ist, lediglich aus Gründen der politischen Gegnerschaft bürgerlichen Journalisten einen Platz am Presse- tische zu versagen._ GewerkrcbaftUcbe� „Schwerste Strafe demjenigen... Eine Illustration zu dem bekannten Kaiserworte liefert die neueste Nummer der„Arbeitgeber-Zeitung". An besonders exponierter Stelle bringt sie in schwarzer Umrahmung groß gedruckt folgenden Erlaß: Deutscher Arbcitgcliervcrbnnd für JmS Baugewerbe zu Köln a. Rh. u. Nmg. in Köln genden Abänderungsantrag stellte:„In der Erwägung, daß der Sozialismus die produktiven Kräfte des ganzen Erdkreises ent- falten und alle Völker zur höchsten Kultur emporführen will, ver- wirft der Kongreß nicht jede Kolonialpolitik prinzipiell, da diese unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wird wirken können." Dadurch.daß im Plenum die von der Kommissionsminderheit beantragte Einleitung der Resolution, welche rein negativ die kapitalistische Kolonialpolitik verurteilt, mit 127 gegen 108 Stimmen bei 10 Stimmenthaltungen der Holländer angenommen ward, kam das Amendement Wurm-David nicht mehr zur Abstimmung. Deutschland, Oesterreich, Böhmen, Belgien. Holland, sowie Frank- reich und England zum Teil stimmten für die Resolution der Kommissionsmehrheit, die nicht jede Kolonialpolitik prinzipiell ab- lehnte. Gegen jede Kolonialpolitik stimmten hauptsächlich Staaten, die gar keine Kolonien haben. Sebr bedeutungsvoll zeigte sich hier auch die Art der Stimmenverreilung. Ungarn hatte zum Beispiel neben Oesterreich, das für sich 20 Stimmen zählte, auch selber 6 Stimmen. Rußland hatte ebenfalls 20 Stimmen, Polen und Finnland aber daneben 10 bezw. 8 Stimmen. Mit dem- selben Rechte hätte man Deutschland in alle seine einzelnen Bundesstaaten zerlegen und jedem Bundesstaat eine entsprechende Stimmenzahl zulegen können. Das kleine Luxemburg mit noch nicht einer Viertelmillion Menschen verfügte über 2 Stimmen. Und wie jämmerlich stehtS dort mit der Organisation! Mit dem gleichen Rechte hätten wir Anhaltiner auch besondere Stimmen und zwar noch ein paar mehr als Luxemburg beanspruchen können. Auf die Stimmenzahl der Abstimmungen kann daher absolut kein Wert gelegt werden. Wenn wir an einen Erfolg einer Resolution nicht glauben, so ist es der der Resolution in der Kolonialpolitik. Es wird wohl bei der Erklärung bleiben, die Bebel am 1. Dezember 1606 im Reichstage abgegeben hat. „Offenbacher Abendblatt: „Die Entscheidung in der Frage der Kolonialpolitik wird allerdings keine endgültige sein. Es wird darüber noch mancherlei zu reden sein; uns in Deutschland werden die Gegner so manchesmal die Rede van Kols vorhalten. Seine Darlegungen über die Notwendigkeit, praktische Politik zu treiben entspringen dem brennenden Wunsche, die Kraft und Macht der sozialistischen Bewegung nutzbar zu machen für Reformen; er übersieht aber dabei einmal, daß trotz ihrer prinzipiellen Ablehnung der kapi- talistischen Kolonialpolitik die deutsche Sozialdemokratie unaus- gesetzt Reformen durchzusetzen sucht: sie lehnt ja auch den Milr iorismus ab und fordert doch Reformen; eines schließt das andere nicht aus. Und zweitens liegt Unklarheit über den B e g r i f' Kolonialpolitik zugrunde. Kolonien sind niemals große Komplexe für Güteraustausch gewesen, vielmehr dienten sie dem Kapitalis mus immer als Ausbeutungsobjekte. Der Kapitalismus produziert nicht zum Zwecke der Befriedigung der Bedürfnisse, sondern um Profit zu machen. Und er hat die Produktion so ergiebig gemacht daß er im Mutterlande nicht mehr weiß wohin mit dem Reichtum und wo profitabel den angesammelten Profit anlegen. Deshalb zielt neuerdings der Kapitalismus dahin, Kolonien zu gewinnen als Absatzmärkte, als Anlegeplätze für Kapitalverwertung— und gleichzeitig befreite die Kolonialpolitik durch die damit vev bundenen maritimen und militärischen Rüstungen die Kapitalisten klaffe jedes Landes von einem Teil des Warenüberschusses, gibt auch ihnen abermals Gelegenheit zur Profitmacherei. Zu alldem steht die Sozialdemokratie in Theorie und Praxis im Gegensatz sie fordert Sozialpolitik, Kräftigung der Kaufkraft der Arbeiter massen auf die Gefahr hin, daß schließlich das Kapital überhaupt keinen Profit mehr machen kann. Den Kapitalismus zu über winden, das ist ja der Zweck unserer Aktion. Die sozialistische Produktionsweise wird kein Bedürfnis nach Profitmacherei haben sie ist nicht Warenproduktion, sie braucht nicht zu kolonisieren oder aber man müßte mit dem Worte einen ganz anderen Begrif decken wollen: den nämlich, daß die sozialistische Gesellschaft zu fremden Völkerschaften in Tauschbeziehungen tritt. Ueber diesi Zukunftsfragen brauchen wir uns heute nicht die Köpfe zu zer brechen, wir haben nur den Proletaricrmassen klar zu machen, daß der Kapitalismus der Kolonialpolitik bedarf und daß ihni die Kolonialpolitik ein Mittel ist zur Aufrechterhaltung und Aus breitung seiner Ausbeutungsinteressen; daß dagegen die Arbeiter klasse die Ausbeutung bekämpfen muß, richte sie sich gegen ein Volk, eine Rasse, eine Klasse oder ein Geschlecht. Im übrigen hat van Kol selbst festgestellt, daß der Kolonialkapitalismus im Mutter lande seine eigene EntWickelung hemmt und dadurch die prole tarischen Interessen schädigt." „Bolksstimme"(Frankfurt a. M.): „... In den beiden wichtigsten Fragen des Kongresses, in der Kolonial- und Militärfrage, wirkte die Stuttgarter Tagung scheinbar ganz verschiedenartig. Bei der Kolonialfrage glaubt der oberflächliche und unkundige Beurteiler einen Zug nach rechts, bei der Mllitärfrage einen Zug nach links in den Beschlüssen zu erblicken. Nichts falscher als diese bürgerlichen Flüchtigkeits- urteile! Auf beiden Gebieten betätigte sich vielmehr der mächtige Drang der stark gewordenen roten Internationale, nicht tatenlos mehr zur Seite zu stehen, sondern dabei zu sein, wenn über die Geschicke von Millionen Schwarzer oder Weißer souverän verfügt wird. Der kapitalistischen Kolonialausbeutung den Krieg, aber gleichzeitig Eindringen in die Kolonialvcrwaltung und allmähliche Durchdringung derselben mit den zivilisatorischen Grundsätzen des Sozialismus..." „BolkSzeitung"(Mainz): Gleich in der Kolonialfrage brach die Auffassung durch, daß die sozialistischen Parlamentsfraktionen nicht bloß Kritik zu üben haben an der jetzigen, von kapitalistischen Interessen und Mächten geleiteten kolonialen Raubpolitik; sondern daß ihnen darüber hinaus auch eine positive Aufgabe gestellt ist. Angesichts der un- abänderlichen Tatsache, daß die Kolonien da sind und daß die kolonisatorische Erschließung der Naturschätze des ganzen Erd kreiseS eine kulturelle Notwendigkeit ist, sehen sich die sozialistischen Parteien der einzelnen Länder vor die Aufgabe gestellt, eine Schutze gesetzgebung für die Eingeborenen zu schaffen, für geordnete Rechts Verhältnisse, Selbstverwaltung usw. in den Kolonien zu sorgen. Zwar hat der von einer kleinen Minderheit der deutschen Delegation verfochten- Standpunkt, daß die Kolonisation als solche unnötig und verwerflich sei, und daß darum auch an der heutigen Kolonialpolitik nichts zu reformieren sei, bei der Abstimmung noch einmal formell gesiegt. Allein die fortgeschrittensten West- europäischen Nationen haben den prinzipiellen Standpunkt einer positiven, sozialistischen Kolonisationspolitik anerkannt. Kein Zweifel, daß dadurch ein starker Impuls gegeben worden ist für die Inangriffnahme unserer praktischen zivilisatorischen Aufgaben m den Kolonien im Interesse des Schutzes der Eingeborenen und des Gesamtfortschritts der Menschheit." „Bolksstimme"(Aachen): «Die Frage drehte sich darum: ist eine sozialistische Kolonial Politik möglich oder bedeutet jede koloniale Politik Eroberung des Koloniallandes und Unterdrückung sowie Ausbeutung seiner Be- völkerung? Uns scheint, daß die Frage zu allgemein gestellt und der Unterschied in der Kulturhöhe der zu kolonisierenden Länder nicht in Rechnung gesetzt wurde. Bei Südseeinsulanern und Australnegern wird bei der Kolonisierung eine andere Taktik ein- zuschlagen sein, als wenn es sich um alte Kulturländer, wie bei- spielsweise Indien oder China, handelt. Der Kapitalismus macht aber keinen Unterschied; ihm bedeutet Kolonisierung Ausbeutung und Unterdrückung der Bevölkerung, gleichgültig, ob Hottentotten und Buschmänner in Afrika oder ob Chinesen, wie in Kiautschou, mit ihrer eigenartigen, aber alten Kultur in Frage kommen. Im übrigen ist die Voraussetzung der Kolonialpolitiker, als ob ohne kapitalistische Kolonisierung die zurückgebliebenen Völker sich nicht weiter entwickeln würden, erfahrungsgemäß falsch.... Japan ist zur kapitalistischen Wirtschaftsform gekommen, ohne daß eS zuvor zum Kolonialland heruntergedrückt worden wäre. Anders in O st i n d i e n.... Wäre der Führer des Auf- tandes(von 1859), Nena Sahib, Sieger geblieben, und hätten die Engländer ihre Herrschaft über Indien dauernd verloren, so würde— wenn man sich die EntWickelung Japans vor Augen hält — das Land heute sicherlich über keine geringere, höchstwahrschein- lich aber über eine höhere Kultur verfügen. Dafür würde dann allerdings das arbeitslose Einkommen in England eine ent- sprechende Minderung erfahren haben.... Zuungunsten Indiens stricht auch noch, daß unter der kolonialen Herrschaft noch kein ämpfendes Proletariat entstanden ist, während in Japan bereits die recht beachtenswerten Anfänge einer klassenbewußten Arbeiter- bewegung zu verzeichnen find." Der„Bolksfreund"(Karlsruhe» I?at sich den von uns besprochenen Artikel des Genossen Eduard David in der Mainzer„Volkszeitung" zu eigen gemacht. «Münchener Post": Weniger erfreulich ist die Entscheidung in der Kolonial- rage. Wir haben bereits früher die Abstimmung hierüber mit einigen kritischen Bemerkungen gewürdigt. Die Kommission zur Vorberatung der Kolonialpolitik hatte eine gründliche und vorzüg- liche Arbeit geleistet. Ein anerkannter Praktiker in Kolonialfragen, der holländische Delegierte van Kol, hatte durch sein sachverständiges Urteil jene Richtlinien gewiesen, die vom sozialdemokratischen Standpunkte aus einzuschlagen sind, um Einfluß auf die W- taltung der Kolonialpolitik zu gewinnen. Und diese Grundsätze landen im Einklang mit der Haltung der deutschen Reichstags. raktion und des deutschen ParteivorstandcS. Beide haben noch während der letzten Reichstagswahl betont, daß die Sozialdemo. kratie nicht Gegnerin jeder Kolonialpolitik sei. Wir können uns wohl eine Kolonialpolitik denken, die erstrebt, uns den auf tieferer Kulturstufe stehenden Kulturvölkern als Freunde und Befreier zu nähern im Gegensatz zu der kapitalistischen Brutalisierungs- und Unterjochungspolitik. Dieser.Kulturtätigkeit der Sozialdemokratie in der Kolonialpolitik wurde in der Mehrheitsresolution der Kom- Mission Rechnung getragen und der Berichterstatter van Kol ver- trat mit eindrucksvollen Worten die Auffassung der Mehrheit, die nichts weniger wollte, als ihr irrig unterstellt wurde: eine An- Näherung an die bürgerlichen Auffassungen der Kolonialpolitik. Im Gegenteil: es wurde in der Resolution durch eine von Wurm und David formulierte Fassung— die von der Kommission akzeptiert war— ausgesprochen:„In der Erwägung, daß der Sozialismus die produktiven Kräfte des gesamten Erdkreises ent- falten und alle Völker zur höchsten Kultur cmporführen will, ver« wirft der Kongreß nicht jede Kolonialpolitik prinzipiell, da diest unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wird wirken können." Die vom Kongreß angenommene Minderheitsrcsolution Wik sich gegen diese Auffassung wenden. In einem Absatz verlangt su aber eine Politik,„die die friedliche kulturelle Eutwickelung ge währleistet und die Bodenschätze der Erde in den Dienst der Höher eutwickelung der gesamten Menschheit stellt". Also auch ein» kulturelle Kolonialpolitik, wie sie nur vom Sozialismus im Sinne der von van Kol dargelegten Gesichtspunkte geleistet werden kanw Man hatte den Eindruck, daß es sich mehr um einen Streit un Worte als um verschiedene Auffassungen handelt... Die Aeußerung der „Fränkischen Tagespost"(Nürnberg» ist schon in dem Artikel„Der Sozialismus det Aktiv n" in Nr. 199 des„Vorwärts" wiedergegeben worden. „Schwäbische Tagwacht"(Stuttgart): „In der Kolonialdebatte gelang es noch nicht, zu dieser Ein- stimmigkeit zu kommen. Der Gegensatz ist noch vorhanden, er wird erst in einem künftigen Kongreß der Internationale seine Lösung finden. Einig ist man nur darin, daß man die Kolonial- Politik in ihrer jetzigen Methode verivirft, einig auch darin, daß man trotzdem mit allen Mitteln bemüht sein muß, wenigstens die schwersten Schäden zu verbessern. Aber in der Betonung der grundsätzlichen Ablehnung und der innerlichen Reformierung tritt der Unterschied zutage. Die beschlossene Minderheitsrcsolution läßt eine zivilisatorische Llolonialpolitik innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsordnung aussichtslos erscheinen, die ab- gelehnte Mehrheitsresolution der Kommission legt das Haupt- gewicht auf die innere Umgestaltung der Kolonialpolitik, indem sie die einmal geschichtlich gewordene Tatsache der Kolonialpolitik an- erkennt und sich mit ihr abfindet. Daß über die Aufgabe der Kolonialpolitik selbst keine Meinungsverschiedenheit besteht, das bewiesen die stürmischen Kundgebungen für die Jndierin Kamar, welche die Leiden Indiens und seiner von England brutal ausgebeuteten Bevölkerung schilderte. Diese Kolonialpolitik lehnt die Jnternati«ale ohne Unterschied ab. Aber man drängt auch hier, aus der Negation zur Aktion zu gelangen. Hinter der Minderheit standen ja gerade die Länder mit starker sozialistischer Bewegung, auch die große Mehrheit der Deutschen." �_> Mehrere Parteiblätter, so die„Schleswig-Holsteinische Volkszeitung"(Kiel) und das„Norddeutsche Volksblatt" (Bant) und das„Gothaer Volksblatt" haben der Auf- fassung des„V o r w ä r t s" durch Abdruck feines Schluß- artikels über den Kongreß beigestimmt. SSchIllche fabrlliinipelUlon 1906. Mit erheblicher Verspätung sind die diesjährigen Jahresberichte der sächsischen Gewerbeaufsichtsbeamten erschienen. Wer aber nun hoffte, auch einmal etwas Besseres als früher zu bekonmien, ivürde arg enttäuscht werden. Auffällig ist schon, daß der äußere Umfang deS Bandes abermals reduziert worden ist, und zwar gegen das Vorjahr um rund 100 Seiten; obwohl darin noch ein allerdings recht nichtssagender Sonderbericht über die Zustande m Glashütten enthalten ist. Die an d?n maßgebenden Stellen herrschende Tendenz scheint dahin zu gehen, die Berichte immer dürftiger werden zu lassen und Meinungsäußerungen der Aufsichtsbeamten über die Existenzverhältnisse der Ar- beiter, Mißstände in Fabriken usw. möglichst zu unterdrücken. Tatsächlich findet man solche Auslassungen jetzt äußerst selten, da- gegen hat man trotz des beschränkten Raumes mit der Aufzählung von WohlfahrtSeinrichtungen, Fabriksparkassen, Bettelsuppenverab- reichung durch die Unternehmer usw. nicht gespart. Obwohl nun kein Zweifel mehr darüber bestehen kann, daß die Wirksamkeit der Gewerkschaften für die Lebenshaltung der Arbeiter und die Lohn- und Arbeitsverhältnisse weit wichtiger ist, findet man davon in den 'ächstschen Fabrikinspektionsberichten so gut wie nichts. Diese Art der Berichterstattung ist natürlich nicht dazu angetan, das Vertrauen der Arbeiter zu den Gewerbeaufsichtsbeamten zu wecken. ES zeugen denn auch die Angaben in den vorliegenden Berichten wiederum davon, daß die sächsischen Fabriken so gut wie keine Fühlung mit den Arbeitern haben und daher ihrer Tätig« keit eine der wichtigsten Voraussetzungen mangelt. Von den 17 Amtsstellen hatten.nur zwei einen nennenswerten Verkehr mit Arbeitern, und zwar die in Annaberg, wo 180 Arbeiter sich Rat holten oder Beschwerden vorbrachten und in Aue, wo 209 Arbeiter vor- 'prachen; sonst wandten sich in der Regel mehrere hundert Unternehmer vertrauensvoll um Rat und Hülfe an die sächsischen Fabrikinspektoren und daneben nur 6—10 Arbeiter. Freilich jede Berührung mit den Arbeiterorgani« ationen haben auch die sächsischen Aufsichtsbeamten nicht ver- meiden können, daS bewirkte schon die schnell gewachsene Stärke und Bedeutung der Gewerkschaften. Insbesondere haben sie sich mit Beschwerden und Anzeigen über Mißstände in Betrieben be- 'chäftigen müssen, die von Arbeitersekretären und gelverk- schaftluhen Vertrauensmännern ausgingen. Und einige In- 'Pektoren können nicht umhin, dieses Verfahren als vorteil- Haft zu bezeichnen. So berichtet der Beamte des Leip- i g e r Bezirks, es müsse„anerkannt werden, daß die G e w e r k- ' ch a f t e n und insbesondere das Arbeitersekretariat bemüht gewesen sind, nur berechtigte Beschwerden zu überreichen", und aus Würzen wird gemeldet, daß un- berechtigte Beschwerden seltener vorgekominen eien, was jedenfalls dem Einflüsse der Ver» rauenSpersonen der Arbeiter zuzuschreiben sei. Früher haben die sächsischen Aufsichtsbeamten zuweilen auch kritische Erörterungen über Betriebsmißstände in der sozialdemokratischen Presse verfolgt und darauf hin Revisionen vorgenommen, die diesjährigen Berichte enthalten darüber jedoch keinerlei Mitteilungen mehr. Sollte eine Anweisung ergangen sein, derartige Notizen nicht mehr zu beachten? Vereinzelt sind auch Aufsichtsbeamte in Gewerkschaftsversammlungen erschienen, in denen über Zustände in Fabriken verhandelt wurde. Auch über diese Art Wirksamkeit verlautet nichts mehr. Nur ein einziger Fall wird er- lvähnt, wo ein Bericht über eine solche Versammlung Anlaß zu einer Revision gewesen fft. Die letztjährige Revisionstätigkeit der sächsischen Aufsichtsbeamten erstreckte sich auf eine Periode geschäftlicher Hoch- �onjunktur. DaS wird in den Berichten mehrfach betont, das ersieht man auch aus der starken Zunahme der Arbeiter und der— Unfälle. Der Arbeiterzuwachs ist der stärkste, der jemals in einem Jahre zu verzeichnen war, obwohl mehrere tausend streikende oder ausgesperrte Arbeiter bei der regelmäßigen Zählung nicht mit berück- 'ickitigt werden konnten. Während am 1. Mai 1601 in Sachsen 588 832 Arbeiter gezählt wurden, 1605 614 714, waren eS 1'906 644 084, mithin in diesem Jahre ein Zuwachs um 29 370, während bisher die höchste Zunahme 26 300 betrug. Dennoch wird aus fast allen Bezirken von Klagen der Unternehmer über Arbeitermangel berichtet, besonders scheint das billige und willige und daher be- sonders begehrte weibliche Arbeitspersonal knapp für die Nachfrage gewesen zu fein. Ein Rückgang der Arbeiterzahl machte sich nur in den Ziegeleien bemerkbar, während auf den Arbeitsplätzen der Maurer und Zimmerer sowie in den Getreidemühlen die Arbeiter» zahl fast unverändert blieb. Die Unfälle stiegen mit Ausnahme von zwei Bezirken allent- halben außerordentlich. So kamen im Bezirke Chemnitz 1905 auf 1000 Arbeiter 19,9 Unfälle, 1900 aber 21,1. In Dresden, wo sich die Unfälle noch stärker— um 580— vermehrten, hat nach dem Berichte des dortigen Beamten die Streikbewegung mit zur Steigerung der Unfälle beigetragen, denn dadurch seien häufiger Arbeiter mit Verrichtungen betraut oder mit Bedienung maschineller Vorkehrungen beauftragt worden, für die es bei ihnen an den erforderlichen Fertigkeiten und Erfahrungen gemangelt habe. Es war also die Etre,kbrecherarbeit. die wesentlich zur Ver» mehrung der Unfälle beigetragen hat. Zu bezweifeln ist nicht, daß die Bemühungen der Gewerkschaften, die günstige Konjunktur dazu auszunutzen, den Unternehmern Zugestäudiiisfe abzutrotzen, mehrfach von Erfolg gewesen sind und diese Wirksamkeit der Lohnsteigerung im allgemeinen förderlich war. die ja auch durch rapide LebenSnuttelteuerung nötig wurde. ES müssen aber auch die sächsischen Fabrikinspeltoren wenigstens zum Teil zugeben, daß die höheren Löhne, die überdies bis zu einem gewissen Grade durch Ueberhastung bei der Akkordarbeit und Ueberstunden erzielt worden sind, durch höhere Lebensmittelpreise wieder aufgewogen wurden. So wird aus dem Dresdener Bezirk gemeldet,„daß eine Auf- befferung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeiter nicht eingetreten sei, weil im Berichtsjahre wiederum die Preise der Lebensmittel gestiegen sind". In Bautzen und Umgegend hat nach dem Berichte d i e Lohnerhöhung mit der Preis steigeruug der njotwendigsten Lebensmittel nicht gleichen Schritt ge- halten,„so daß sich die wirtschaftliche Lage der Ar- beiterschaft nicht gebessert haben dürfte". Der Annaberger Beamte meldet, die Löhne seien, von wenigen Ausnahmen ab- gesehen, nicht in den, Maße gestiegen wie die Unterhaltungskosten des .yaushalteS. Aehnlich lauten auch die Urteile aus Leipzig und Würzen. Stur einzelne Beamte glauben, daß sich die Lage der Arbeiter eher gebessert als verschlechtert hat. Man ersieht daraus, daß auch die sächsischen Fabrikinspektoren zugebe» müssen, daß die Industrie- arbeiter Sachsens durch die Wirkung der Zoll Wucher- Politik un» die Efolge ihrer gewerkschaftlichen Kämpfe gebracht worden sind. Die Hochkonjunktur hat den Arbeitern somit nichts gebracht als Ueberhastung und Vergrößerung der Unfallgefahr. Die arbeiterfchutz g es e tz lich en Bestimmunaenwerden bekanntlich bei lebhaftem Geschäftsgange noch weniger beachtet als sonst; besonders zahlreich sind die Verstöße gegen die Verordnung über die Arbeit in Steinbruchsbetrieben, die wohl zumeist nur auf dem Papier bestehen. Leider wird dadurch der Anschein er- »neckt, als iefiffen vielfach die Arbeiter gemeinschaftlich mit den Unternehmern auf die gesetzlichen Bestimmungen, sonst könnte es nicht vorkommen, daß in einer großen Anzahl von Steinbruchsbetrieben 11 Stuijden und länger statt der vorgeschriebenen 10 gearbeitet »vorden wäre. Die geringe Höhe der ausgeworfenen Strafen— in den meisten Fällen wurden ohnehin nur Verivarnungen erteilt— ist nicht dazu angetan, den Unternehmern Achtung vor der Verordnung beizubringen. Hier kann nur die fortschreitende Organisation im Verein mit der Aufklärung der Arbeiter Besserung bringen. Die weiblichen Fabrikinspektorinnen berichten vorwiegend über die Wiriimg und Handhabung des Kinder- s ch u tz g e f e tz e s in der Hausindustrie; denn diese ist ihnen be- sonders zur Ueberivachung zugewiesen worden. Aus allen Bezirken wird eine große Anzahl von Verstößen mitgeteilt. Tatsächlich steht cS wohl so, daß das Kinderschutzgesetz in der Hausindustrie so gut wie gar nicht beachtet wird, Strafen sind nur vereinzelt aus- geworfen, und wo es geschehen ist, später herabgesetzt oder ganzer- lassen Wörde»». Auch zum AriStragen von Backwaren und Zeitungen werden Kinder in gesetzwidriger Weise benutzt. In Leipzig betrafen 65 Prozent aller Anzeigen derartige Tätigkeit. Als wirksam erwies sich die Tätigkeit der Kinderschutzkoininission in Leipzig, die von den sozialdemokratischen Frailen errichtet worden ist. Durch Mitteilungen dieser Kommission konnte in zahlreichen Fällen die Einstellung unplässiger Kinderarbeit erzielt Iverden. Die Jnspcktorin des Chen, nitzer Bezirks teilt mit, daß sich in der Hausindustrie»md auch sonstlvo eine bessere Kenntnis deS KinderschutzgesetzeS bemerkbar gemacht habe, leider diene sie nur dazu, eine grögere Geschick- lichkeit im Umgehen deS KinderschutzgesetzeS an den Tag zu legen. DaS erkenne nian in erster Linie daran. daß die Kinder instruiert»vorden seien, falsche Angaben über ihr Alter und die Dauer und Zeit ihrer Beschäftigung zu machen. ES wird auch hier nicht besser werden, bis die sozialdemokratische Auftlärung mehr auch in die Reihen der Hausgewerbetreibenden eingedrungen ist und sich die Heimarbeiter selbst durch gewerkschaft- lichen Zusammenschluß eine Existenz errungen haben, die ihnen er- möglicht, ohne Not darauf verzichten zu können, ihre Kinder selbst iin zartesten Alter der Ausbeutung zu überliefern. MeltmlDhornrnen und IhaashaMoften im Jahre 1900. In seiner neuesten»Wirtschaftlichen Korrespondenz" schreibt der Genosse C a l w e r: „Wiederholt versucht der„VorwkirtS" den Nachweis zu liefern, daß im Jahre 1900 die Konsumkraft der Arbeiter nicht gestiegen, sondern zurückgegangen sei. Wir halten die Frage für wichtig genug, un» die Belveise des„Vorwärts" für seine Behauptung ,»äher zu prüfe»». Auf Nebensächlichkeiten soll dabei nicht eingegangen »verden, sondem eS sollen vielmehr nur die ausschlaggebenden Punkte hervorgehoben werden. Zunächst sucht der„Vorwärts"(und zwar in seiner Nummer vom 23. August 1907) die Bewegung der Löhne von 1905 auf 1900 festzlistellei». Er stützt sich dabei auf die Lohnnachiveisungen einer größeren Zahl der gelverblichen Berufs- genossenschaften und koinmt zu den» Schluß, daß das Loh>»nivcau auf Grund der von ihm angegebenen Ziffern im Jahre 1900 um 4,93 Proz. gestiegen sei. Nach den Ergebilissen sämtlicher Berufs- genossenschafien»vird sich das Resultat jedenfalls noch ungünstiger gestalten. Wie hat nun der„VorlvärtS" sei» Resultat gewonnen? Er gibt selbst an. daß er die BcrufSgenossenschaften anführe, die er im Jahresberichte der Kleineisenindustrie- und Maschinenbau- Berussgenossenschaft zusammengestellt gesunden habe. In diesen» Bericht sind für 24 gewerbliche Berufsgenosscnschaften die versicherten Personen und die Summe der anrechnungsfähigen Löhne und Ge- hälter angegeben. Nebenbei beinerkt ist die Zusammenstellung, auf die der„Vorwärts" seine Berechnung basiert, in»nehrfacher Hinsicht fehlerhaft. Indem der„Vorwärts" nun die Zahl der versicherten Personen in die Summe der Löhne und Gehälter dividiert, er- hält er für jede Berufsgenossenschaft eine Ziffer, die er als JahreSdurchschnittSlohn bezeichnet. Die Steigerung dieses Jahres- durchschnittSlohneS von 1905 auf 1900 bedeutet für ihn den Mehrverdienst eines Arbeiter» in» Jahre 1900. Bei dieser Art der Berechnung muß der„Vorwärts" zu einem durchaus falschen Re- sultat toininen. Zunächst ist die Zahl der Versicherten keineswegs gleichbede»ltend»mt der Zahl der tatsächlich beschäftigten Arbeiter, sondem st« ist wesentlich größer. Denn in vielen Berufsgenossen- schaften erscheint jeder versicherungspflichtige Arbeiter, der im Laufe deS Jahres eine Stelle»vechselt, so oft als Ver- sicherter, wie er den Betrieb geivechselt hat. Wechselt er dreiinal den Betrieb, so kommen drei Versicherte in die Lohn- nachweisungen der Berussgenossenschaft,»vährend den Lohn der drei Versicherten nur ein einziger Arbeiter erhält. Da in«ine», so guten Jahre wie 1900 der Arbeiterwechsel sehr lebhast»var, so übt allein dieser Faktor eine» ganz erheblichen Einfluß auf die Höhe der Ver- sicherten aus. Man ersieht dies schon daran, wei»n»nan die Zahl der versicherten mit der Ziffer der Bollarbester vergleicht, die die Berufsgeiiossenschaften in der Weise ermitteln, daß sie in der Regel für je dreihlindert geleistete Arbeitstage eine Arbeitskraft einzusetzen haben. Es ergibt fich dabei, daß die Zahl der Vollarbeiler erheblich niedriger ist als die der Ver- sicherten. Nun deckt sich die Zahl der Vovarbsitrr zivar auch keines- »vegs mit der Zahl der»virklich beschäftigten Arbeiter, aber in einem Jahre mit so reichlicher Arbeitsgelegenheit wie 1900 kommt die Zahl der Vollarbciter der Zahl der durchschnittlich beschäftigten Arbeiter viel, viel näher als die Zahl der Versicherten. Unter Berücksichtigung dieses einen Gesichts- Punktes allein wächst aber die Lohnsumme im Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten ganz erheblich: der JahreSdurchschnittSlohn gestaltete sich 1900 für den einzelnen Arbeiter weit günstiger als im Jahre 1905. Es kommt aber weiter hinzu, daß im Jahre 1900 die geleisteten Ueberstunden bedeutend zahlreicher»varen als 190S, daß infolge davon ein größerer Prozentsatz Arbeiter als 1905 einen Lohn von mehr als 5 M. täglich verdieitte. Da sich nun der„Vorwärts" auf die Summe der anreÄnungSfähigen Löhne stützt, so ist der Mehrverdienst über 5 Vi.„»'»r mit eiitem Drittel bei den Lohnnachiveisungen der Berussgenosscnschaften be- rncksichtiat. Es geht also von der Gefamtlohiisnnime ein nicht unerheblicher Teil verloren, der dem„Vorwärts" bei seiner Be- rechnung gleichfalls entgeht. ES ergibt sich daher, daß der„Vor- »värts" mit seiner Annahme, daS Lohnniveau habe sich im Jahr 1900 nur»nn 4.93 Proz. oder gar uin noch weniger gesteigert, nicht daS Richtige trifft; das Arbeitereiukommen hat sich vielmehr wesentlich stärker gehoben. Dein einen großen Jrvttun des„Vorwärts" schließt sich aber noch ein zweiter, nicht geringerer an. Er gibt auf Grund von Anssnhrnngen in Calwers Jahrbuch „DaS Wirtschaftsjahr 1900' die Steigerung der Hanshaltungskosten im Jahre 1900 ans 5 Proz. an. Unter Hanshaltskosten sind dte Ans- gaben für die Ernährung verstanden, wie auch der„VorlvärtS" hervorhebt. Wenn die Haushaltskosten um 5 Proz. gewachsen sind, so muß das Einkommen des Arbeiters, wenn man annimmt, daß 50—55 Proz. des Einkommens von den Hanshaltskosten be- ansprucht werden, um 2,5—2,0 Proz. steige»,, damit die Steigerung der HaushaltSkosten ausgeglichen werden kann. Dazu komint dann noch die Steigerung für Kleidung, Wohnung»md andere Ausgaben. Wenn man hier den Steigerungs- koeffizicnten auf den entsprechenden Teil der Ausgaben zu- schlägt, so kommt man noch lange nicht zu einer Gesamt- steigerung der Ausgaben in Höhe von 5 oder gar 0 Proz., wie der„Vorwärts" angibt,»tamentlich nicht, wenn man die Be- »vegungdcr diesbezüglichen Ausgaben im Jahre 1905 berücksichtigt, wo die Steigerung ganz beträchtlich war. Die Hanshaltskosten haben sich 1900 um 5 Proz. erhöht, die Ausgaben insgesamt unter Annahme eines gleichen Verbrauchs»vie 1905 um annähernd etlva 3,5 bis 4,5. Es ist also sehr wohl begründet, wenn aiigeuominen wird, daß die Konsumkraft der Arbeiter im allgemeinen sich 1900 gehoben habe. Ja, es spricht auch noch ein indirekter Beiveis dafür: hätte sich die Konsunikraft der Arbeiterbevölkerung im Jahre 1900 nicht gehoben, so würde sich der gewerbliche Beschäftigungsgrad iin Jahre 1907 bis heute»ncht so günstig gestaltet haben, wie eS tatsächlich der Fall ist. Für den„Vorwärts" freilich ist die ganze Frage gar kein Problem, er hat die Lösung der Frage stets fertig in der Tasche. Ob die Lage der Arbeiter sich bessert oder verschlechtert, das kann die Arbeiter und ihre gewerkschaftliche Tätigkeit nicht im mindeste» interessieren. Stellen wir uns nur unverzagt auf den Standpunkt des Elendssozialismus. Dieser Standpunkt ist der bequemste und verleitet auch nicht dazu, die Wirklichkeit so erkennen zu wollen und so zu erkennen, wie sie nun einmal ist." « ♦ « Wir haben die Auslassungen CalwerS wörtlich und vollständig wiedergegeben, um den Lesern zu zeigen, in»velch schreiendem Miß- Verhältnis bei ihm Versprechen und Wahrhalten stehen. Daß die Rederei von den störenden Momenten bei den berufSgenoffenschaft- lichen Nachweisen Calwers einzige Ausrede sein werde, ahnten wir im voraus»»nd bemerkten ausdrücklich: Die rechnerischen Ergebnisse der Berufsgenoffenschasten, die für uns hier nur Bcrglrichswert haben, sind die folgenden: Wenn Calwer das ignoriert, so werden dadiirch seine Be- hauptungen nicht beweiskräftiger. Pikant»vird die Sache noch da- durch, daß Calwer sonst die Nachtveisungen der B.-G. selbst zu Vergleichungen gebraucht. Ja er hielt den Vergleichölvert der Jahres- zahlen für so sicher, daß er in seinem Handel und Wandel 1901, allerdings mit dem entsprechenden Vorbehalt, sogar die Ziffern für 1900 mit denen der Vorjahre zusammeirstellt, obwohl für eine neüe Verrechnungsweise die Verglerchbarkeit unterbrochen war. Calwcr bemerkte dazu jSeite 250): .... daß diese Berechmingen nicht abgebrochen zu werden verdienen,»veil das Jahr 1900 ziisällig die Kontinuität der Vergleichbarkeit»»nterbricht." Trotzdem, derselbe Caliver leugnet die Vergleichbarkeit— wenn er da? z»ir Rcchtfertigilng unbeiviesener Behauptungen für nötig hält. Einfach ist die Methode, aber auch ebenso wertlos. Eine ne»le nicht beiviesene Behmlptung ist die, daß im Jahre 1900 der Arbeiterwechsel und die Summe der geleisteten Ueberstunden bedeutend größer gewesen sei, als in» Jahre 1905. Teilweise ist direkt unrichtig, was er sagt: in manchen Genossenschaften ist z. B. die Zahl der Vollarberter niedriger als die der durchschnittlich Ver- sicherten. UebrigenS haben wir auch noch in der Nummer 202 des „Vorwärts" betont, daß die Zahlen der Berufsgenossenschaften i»ur Vcrgleichswert haben. Weiter geht Caliver gar nicht darauf ein, daß er selbst für das Land ein erhebliches stärkeres Anziehen der Warenpreise konstatiert hat, als sich nach den bezüglichen Marktberichten für die Großstädte ergibt. Sodann ist es auch nur wieder eine Annahme, die mit den tatsächlichen Verhälttnssen in Widerspruch steht, wenn Calwer die Ausgaben für den Haushalt mit 50 bis 55 Prozent von» Einkommen unterstellt; für große Kreise und zivar gerade für die minder entlohnten Arbeiter beanspruchen die Aus- gaben für den Haushalt bis 70 Prozent»»nd mehr. Um schließlich die Streitfrage nicht verschieben zu lassen, sei noch folgendes fest- gestellt: Caliver hat wiederholt behauptet, die wirtschaftliche Lage der Arbeiter habe sich im Jahre 1900 allaeinein gehoben. An einem von ihm als besonders bewel'skräftig an- geführten Beispiel— Wochenlöhne ungelernter Arbeiter in Berlin— haben»vir rechnerisch»»achgelviesen, daß sein Material seine Behauptung nicht stützt. Auch darauf geht Caliver vorsichtigerweise fiar nicht ein. ES scheint ihm den»nach nebensächlich zu sein, daß einem Material die Beweiskraft fehlt. Wir können aber Be- hauptungen nicht als Ersatz für positive Beweise gelten lassen. Gegen sein allgemeines Urteil haben wir weiter die benifsgenoffen- schaftlichen Nnchiveise angezogen. Dem Urteil Callvers haben»vir entgegengestellt, daß für einzelne Gruppen sich die wirtschaftliche Lage»vohl etwas verbessert haben kann, für einen anderen Teil der Arbeiter sei die LebenShaltiing ziemlich gleich geblieben, während un- zweifelhaft für eine große Menge die Lohnzunahme hinter der Steigerung der Warenpreise zurückgeblieben ist. Und dieses Urteil wird auch nicht erschüttert, wenn man die Calwcrschen Eii»>vände gelten lassen will, denn bei einer Reihe BerufSgenossenschaften hält sich die Lohn- zui»ahme»mter 3 Prozent. Andererseits hat Calwer bisher noch kein beweiskräftiges Material für seine Behauptung erbringen können. Wenn er glaubt, mit seinen Schluhbemertlingen der Be« »veissllhrung enthoben zu sein, so registrieren wir das mit Vergnügen. Soziales«. Achtuhr-Ladenschluß. Wie der„Confektionär" mitteilt, beschäftigt man sich in Kreisen der Geschäftsinhaber zurzeit wieder lebhaft mit der Frage des Achtnhr-Ladenschlusses. Die Jnbaber der größeren»»»d im Innern der Stadt liegenden Geschäfte ständen der Frage sehr wohllvollend gegenüber, aber allgemein sei man gegen die obligatorische Ein- sührung. Mit dem Wohlwollen kommt man aber nicht»veiter. Wie auf allen sozialen Gebieten, so ist eS auch in dieser Frage bisher nur die Sozialdemokratie gelvesen, die energisch die Interessen der in Betracht kommenden Berufsgrnppe vertreten hat. Das wird in einen» Artikel des Handlungsgehülsenblattes einwandfrei nach- gelvicsen. Es heißt da: Der Achtnhr-Ladeirschluß ist eine alte Forderung der Sozial- demokratie. Bereits der vom 11. bis 10. Oktober 1890 zu Gotha abgehaltene Partteitag machte das Verlangen der klasienbeiviißtcn Handlungsgehnlfen nach dem Achluhr-Ladcnschluß ausdrücklich zu dun seinigen. Parteigenossen in Karlsruhe, Kiel und des vierten sächsischen Reichstagsivahlkmses legten dem Parteitage zu Gotha folgende Resolution vor: „In Eriväguug, daß eine Einführung des gesetzlichen Achtuhr» Ladenschlusses nicht nur für die im Handelsgewcrbe Angestellten allein, sondern für die gesmnte Arbeiterschaft ganz bedeutende Vor- teile mit sich bringen würde, erachten»vir, daß der diesjährige Parteitag in Gotha sich mit de»» Vorschlägen der Reichskommission für Arbeiterstatistik beschäftigt und die Genossen aller Orte ver- pflichtet Iverden, die im Handelsgewerbe Angestellten im Kampfe um den Achtuhr-Ladenichluß zu unterstützen und selbst tatkräftig in die Agitation einzugreifen." „Ter Parteitag beschäftigte sich daraufhin des längeren mit dein Achtuhr-Ladenschluß. Nach dem Parteitagsprotokoll Seite 140 und 147 äußerte sich bei Punkt„Arbeiterschutz" der Bericht- erstatter Wurm: Der gesetzliche Achtuhr-Ladenschluß, der jetzt dem Bundesrat vorgelegt ist, ist ein ganz ungenügender Schutz und enthält für alle, die nicht als Koinmis beschäftigt sind, eine große Schädigung, da für diese Leute AnSiiahinebestimmnngen zugelassen sind. Diese Ver- fügung ist nichts weiter als eine Verwässcrung des Arbeiterschutzes und nur eine ganz geringe Abschlagszahlung. Dabei bringen die Kapitalisten noch das Demagogenkunststück fertig, sich in den Mantel der Arbeiterfreundlichkeit zu hülle» und zu sageit, es liege nicht im Interesse der Arbeiter,»venu die Läden um 8 Uhr geschloffen »verde»». Kein einziger Arbeiter, gleichviel in welchem Berns er tätig ist, erbtickt in dein frühzeitigen Ladenschluß eine Schädigung seiner Interessen. Wir können darauf hinweisen, daß in Württemberg der Achtuhr-Ladenschluß schon existiert, daß eine Anzahl von Konsumvereinen ihn eingestihrt haben und die Arbeiter überall damit zufrieden sind. Selbstverständlich bringt das hier und da etwas Rücksichtslosigkeit, in der UebcrgangSzeit Un- bequcmlichkeiten und Schädigungen mit sich. Wir treten aber für die gemeinsamen Interessen der Arbeiter im Arbeitskittel und der Arbeiter im schtvarzen Rock ein. Das Verhalten der Prinzipale, die auch die bescheidensten Forderungen verweigern, wird hoffentlich die Handlungsgehülfen von ihrem Kasteitdünkel, in dein sie sich zum großen Teil jetzt noch befinden, befreieit und sie lehren,� daß sie nur ohne Kompromisse, ohne Versöhnlichkeit und Rechimngsträgerei gegen- über dem Unternehmertum ihre Lage bessern können, und zwar durch eine straffe Organisation, durch die sie sich auf denselben Boden stellen wie die andere Arbeiterschaft." Mit diesen Ausführungen empfahl der Berichterstatter Wurm dem Parteitage die Annahme folgender Resolution: „Der gesetzliche Achtuhr-Ladenschluß, wie ihn die Rcichskommission für Arbeiterstatistik vorschlug, ist nur ein durchaus ungenügendes Verbot der Nachtarbeit und entspricht keineswegs den berechtigten Ansprüchen der im Handelsgewerbe beschäftigten Personen. Da aber deren kapitalistische Gegnerschaft dieses bißchen Arbeiterschutz ver- »veigert,»veil angeblich durch ihn die Interessen der laufenden, be- sonders der arbeitenden Bevölkerung benachteiligt würden, er- klärt der Parteitag, daß die Arbeiter filr die Forderung der im Handelsgewerbe beschäftigten Personen eintreten, die Einführung des gesetzlichen Nchttihr-Ladenschlusses als keine Schädi- gung ihrer Interessen betrachten uird selbstverständlich für den Schutz jeder Arbeiterkategorie eintreten." Der Delegierte Adler hatte beantragt, an die von Wurm vor- getragene Resolution folgenden Schlußsatz aiizulitüpfcn(Protokoll des Parteitages, Seite 148): „Deshalb erwartet der Parteitag von der Fraktion bei jeder geeigneten Gelegenheit energisches Eintreten für die Herbeiführung des gesetzlichen Achttihr-Ladenschluffes als eines Schrittes zur weiterei» Verkürzung der Arbeitszeit." Er begründete seinen Antrag durch nachstehende Ausführungen: „Gerade die HaudelSai»gestellten gehören zu den geplagtesten aller Arbeiter. Wie verlürzt man nun ihre Arbeitszeit? Ihre Organi- sationen sind zu schwach,»i»» eine Verkürzung der Arbeitszeit durch- zusetzen. Der einzige Weg zu dieser Verkürzung ist der Achtuhr- Ladenschluß. Das ist eine ungeheuer bescheidene Forderung, und doch hat sie augenblicklich wenig Aussicht auf Vertvirklichung, nach- dem Berlepsch gegangen ist. Sein Nachfolger»vird»vohl mehr auf die Stimme der Unternehmer, als auf die schwache Stiiiune der Kommis und Hausdiener hören. Mit um so größerem Nachdruck muß die Forderung von uns erhoben werden. Erstens kürzt der Achtuhr-Ladenschluß ein klein»venig die Arbeitszeit. Zweitens verringert er die Schar der Unbeschäftigten im Handel,»veil durch ihn die EinlaufSzeit in den Geschäften zusammengedrängt wird und die Prinzipale die Intensität der Angestellten nicht steigern können, sondern mehr Kräfte emstellen müssen. Drittens ist der Achtuhr-Ladenschluß ein Hemmnis für die Lehrlings- und Lailf- jungen-Ausbeutung. Aber er liegt auch in» Ji»tcresse der allgemeinen Arbeiterbelvcgung. Noch schließen viele Fabriken um 8 Uhr und noch später. Sind die Geschäfte um 8 Uhr geschlossei», so empfinden die noch indifferente»» Arbeiter den Schaden ihrer lai»gen Arbeitszeit besonders empfindlich. Ein Keil treibt den anderen. Ferner»vird der Achtuhr-Ladenschluß einen früheren Schluß der Arbeitszeit am Sonnabend oder wenigstens die Freitag-Lohnzahlung herbeiführen." Noch weiter ging der Delegierte Stadthageir. Ihm war der Achtuhr-Ladenschluß eine so bescheidene Forderung, daß er auf den Antrag Adler fragte: Wollen Sie wirklich, daß ein sozialdemokratischer Parteitag erklärt, daß er in diesem Vorschlag eine Verkürzung der Arbeitszeit erblickt? Stadthagen erklärte es aber als notivendig, daß die alberne Behauptung der Gegner des Achtuhr- Laden- schlusseS, die Arbeiterwelt sei dagegen, in energischer Weise zurück» gewiesen wird. Ausweislich Seite 159 des Protokolls hat der Parteitag die Resolution Wurm iniistimrnig mir der Verbesserung angenomme»», daß am Schluß gesagt wird, daß die Arbeiter „selbstverständlich für dielen(nämlich den Achtuhr- Ladenschluß. D. Red.) wie für jeden Schutz jeder Arbeiterkategorie eintreten". Damit hat sich der Parteitag für den unbedingten Achtuhr- Ladenschluß erklärt._ Würmer am lebendigen Leibe. Ungefähr zwei Stunden von Eisenach liegt daS gegen 2000 Einwohner zählende Städtchen Creuzburg. Dort wurde beim Tode einer armen Frau folgendes festgestellt: Der Bezirksarzt Dr. Menieur hatte die kranke Frau Schwanz in Behandlung genommen. Da diese mittellos war, mußte die Stadtgemeinde das ärztliche Honorar auf- bringen. Der Herr Doktor hat der Patientin auch öfters einen Besuch abgestattet, bei der Untersuchung aber anscheinend etwas übersehen; denn man fand die Frau nach dem jetzt erfolgten Tode in einem Zustande, der aller Beschreibung spottet: die Frau hatte verschiedene Löcher im Rücken, die alle voller — Würmer waren I— Wie weit dieser Zustand die Todesursache geivcsen sein kann,»vollen wir nicht untersiichen. Dr. Menieur hat »ofortige Beerdigung der Toten beantragt. Vielleicht macht sich aber doch eine Untersuchung des Falles notivendig, damit sich herausstellt, wer daran schuld ist, daß der Körperzustand der Frau so ekelerregend werden konnte, daß eine sofortige Beerdigung angezeigt erscheint. Hua Induftne und Ftandel. Profit bei GriindstllckSvcrkäufcn. Der Photograph Peter Schneider verkaufte(»vie der„Ton- fektionär" meldet) sein Ketttvigerstr. 19 gelegenes HauS an Willy Samson für 150 000 M. In welch enormer Weise der Grundbesitz in Esten in den verkehrsreichen Straßen gestiegen ist. ist auch hier wieder ersichtlich. Schneider kaufte im Jahre 1338 das Grundstück Von Fritz Ordenbach für 43 OOS M. Daß Herr Schneider genommen hat. was er bekommen konnte, kann ihm niemand verübeln. Mit der Moral hat das nichts zu tun l Daß aber solche Reingewinne, denen keine Leistung gegenüber- steht, erzielt werden können, ist der beste Beweis dafür, daß die Verhältniste geändert werden müssen. Und das kann wirksam nur geschehen durch die Abschaffung des Privatbesitzes an Grund und Boden. Handarbeit und Maschinenarbeit in der Landwirtschaft. Nach einer amtlichen amerikanischen Untersuchung, deren Ergebniste in Laughlins Schrift„Aus dem amerikanischen Wirtschaftsieben" an- geführt sind, läßt sich der große Vorteil, den die amerikanische Landwirtschaft durch die Einführung der Maschinenarbeit erlangt hat. durch folgende Beispiele illustrieren, die den Zeitaufwand für eine gegebene Einheit sowohl fiir Handarbeit als auch für Maschinen- arbeit angeben. Es betrug die Arbeitszeit Arbeit Pflanzen 1 Ernten und Dreschen J von kleinem Getreide Schneiden} 0011 WaxS]..... Ntw�ren! b°n Baumwolle.. Mähen(Sense gegen Maschine).. Einholen und Verpacken von Heu. Pflanzen von Kartoffeln.... Pflanzen von Paradiesäpfeln.. Kultivieren und Ernten von Paradies äpfeln......... Aus der umfangreichen Untersuchung ergibt sich als allgemeine Schlußfolgerung, daß ein Arbeiter mit Hülfe guter Maschinen nahezu doppelt so viel anbauen und ernten kann als früher mit dem Hand- arbeitverfahren._ Für die{Menden und ausgesperrten tabakarbelter gingen ferner bei der Berliner GewerkschaftSkom- Mission ein: Liste 163 4,90. List- 2463 d. Wagenführ 15,90. Liste 159 Firma Borchardt Aachs., Ritterstraße 5,20. Liste 173 Hellriegcl, Lur>lspapiersabrik 14,65. Liste 1007 A. Theile, Blumensabrik 11,25. Liste 180 WinklerS Buchbinderei 22,40. Kollegin d. deutschen Telephonwerte, Z-ughosstraßc aus Liste»: 2447, 2448, 2449, 2450, 2451, 2452. 2453, 2454. 2455. 2456. 2457, 2458, 2459, 2460, 2461, 2462 108,50. Verb. d. Textilarb. aus Listen: 1522 9,60, 1524 2,25, 1527 2,40, 1529 3,30, 1546 5,40, 1547 7,05, 1548 4,60, 1549 5,05, 1551 6.-, 1552 1,20, 1554 1,70, in Summa 48,55. Liste 2446 Bade- wanncnsabr. v. Schignitz 13,—. Listen 447 u. 448 Botenpersonal der „Berliner Morgenpost- 13,95. Sechserkasse bei Borniann, Sldmiralstraße 10,—. Sporte», Scknhsabrik 11,40. Liste 1072 Angestellten bei der Victoria Vers.-Ges. 31,—. Liste 1075 Angestellten b. d. Victoria Vers.-Ges. 7,60. Liste 155 Buchbinderei Wübben 26,75. Liste 801 Buchbinderet Wübben 9,70. Verband der Kupscrschmtede 50,—. Verband der Buch- und SteindruckhülsSarbeiter u.-Arbeiterinnen, Zahlstelle II aus Listen 124,25. UnterstützungSsondS der GlaSarbester in Stralau 50,—. Verband der Braucrciarbeiter, Sektion I Berlin: Liste 1 Braueret Friedrichs« Hain 23,50. Liste 2 Brauerei Fricdrichshain 12,45. Liste 3 durch Kollegen Schäfer 8,85. Liste 4 durch Koll. Schäfer 21,25. Liste 5 Patzenhoser l 13,—. Liste 6 Patzcnhoser 1 6,55. Liste 8 Patzenhofer II 7,85. Liste 10 Patzen- böser II 4,—. Liste 12 Schloßbraucrei Schöneberg 6,95. Liste 15 Schultheiß II 13,45. Liste 16 Bergjchloßbrauerei 8.-. Liste 18 Bockl 4,80. Liste 19 Bock I 5,50. Liste 21 Kronenbraucrei 9,75. Liste 22 UnionS brauerei 9,70. Liste 27 Oswald Berliner 9,25. Liste 29 Löwenbrauerei 11,40. Liste 30 Löwenbrauerei 10,70. Liste 31 Schultheiß IV 10,40. Liste 32 Schultheiß IV 9,50. Liste 33 Gernianiabrauerei 5,30. Liste 34 Germania- brauerei 7,20. Liste 36 Gregory 1,50. Liste 37 Happoldt 8,95. Liste 38 Happoldt 5,20. Liste 39 Königstadt 3,70. Liste 40 Königstadt 9,85 Liste 41 Pscsserberg 8,20. Liste 42 Psefferberg 5,85. Liste 43 Schultheiß I 5,80. Liste 44 Schultheiß I 10,90. Liste 45 Hilsebeln, Tempclhoscr Berg 10.—. Liste 46 Hilscbein, Tempelhoser Berg 8,—. Liste 48 Gabriel u. Richter 3,40. Liste 49 Deutsche Brauerei. Pichelsdors 32,60. Liste 50 Deutsche Brauerei, Pichelsdorf 33,—. Liste 51 Deutsche Brauerei, Pichelsdorf 32,50. Liste 52 Bötzow 6,35. Liste 54 Malzfabrik Pankow 12,45. Liste 55 Kaiserbraucrei 5,55. Liste 59 Stadtbrauerei 3,90. Liste 60 Stadibrauerei 2,40. Liste 61 Norddeutsches Brauh. Grünau 9,50. Liste 63 GenossenschaftSbr. Friedrichs- Hagen 10,30. Liste 64 GcnossenschastSbr. Friedrichshagen 11,85. Liste 73 Nordsternbrauerei 4,50. Liste 74 Norosternbrauerei 4,50. Liste 75 Schweizer- garten 3,05. Liste 76 Viktoria II 7,15. Liste 77 Viktoria II 5,65. Lifte 80 Gebr. Wanninger 4,50. Liste 81 Gebr. Wanninger 3,—. Liste 82 Vereins- brauerei Rtxdors 14,80. Liste 84 Habel 5.-. Liste 85 Habel 5,50. Liste 86 Mllnchener Brauhaus 7,50. Liste 87 Münchener Brauhaus 6,95. Liste 90 Spandauer Bergbraueret 9,40, Liste 91 Spandauer Bergbrauerci 8,20. Liste 95 Schultheiß, Malzfabrik Pankow 8,75. Liste 96 Friedrichs- Fabrik Pankow 7.20. Liste 2339 Schultheiß I 3,80.(In Summa 620,40 Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Rate II aus folgenden Liste»: Gasanstalt Müllerstraße: 532 5,20, 545 4,25, 547 3,70, 550 2,15, 551 6.90. 552 11,45. Gasanstalt Danzigerslraße: 487 3,80, 489 2,80, 554 2,35, 516 2,40, 517 9,20, 518 2,55, 519 2,80. Gasanstalt Gitschinerstraße: 660 4,15, 667 7,55. Gasanstalt Schmargendors: 606 11.—, 609 7,20. Gasanstalt Tegel: 568 1,70. Röhrenshstem: 461 14,10, 534 0,40, 540 2,50. Zcntralmagazin: 692 7,90. Oessentl. Beleuchtung: 774 10,70. Revier- inspektionen: 459 4,75, 464 4,55, 465 5.80, 485 1,30, 512 9,10, 513 2,35, 526 5,55, 528 2,65, 542 2,95, 559 4,75, 577 4,70, 578 3,95, 653 6,25, 688 1,75, 690 2,95, 697 8,10, 698 1,—. Laterncnwärter 505 2,—. 679 0,40. Kanalisation 453 8,80. 493 2,40. 555 3,60. 681 1,26. Bauverwaltung 520 5,25. 683 3,90. Wasserwerk Berlin 454 3,60. 476 2,80. 521 0,30. 537 4,05. 610 2,05. 641 0,70. Wasserwerk Westend 624 4,30. Engl. Gasanstalten 496 7,55. 597 6,75. 643 1,05. 644 7,75. 645 4,—. 647 1,85. 655 3,15. 656 11,45. 665 3,45. 685 5,70, 686 9,73. 694 1,40. 711 7,45. Straßenreinigung 456 3,05. 458 5,30. 499 1,30. 500 4,30. 509 2,65. 523 5,25. 524 1,50. 541 2,80. 576 3,20. 651 2,80. 652 1,45. 687 2,25. 676 1,80. Schlacht- und Bi-hhos 477 2,—. 480 4.10. 481 2,80. 510 1,—. Liste 703 Krankenhaus Urban 8,30, 407 Krankenhaus Moabit 2,80, 705 Irrenanstalt Herzbcrge 5,30, 560 Kinderkrankenhaus 3,05, 708 Heilstätte Buch 1,40, 669 Badeanstalt Bärwald straße 9,35, 460 Badeanstalt Schillings- brücke 1,50, 699 Parkverwaltung Trevtow 3,00, 701 Steinplatz Treptow 3,60, Eharlottenburg 626 5,05, 630 3,75, 631 9,10, Lichtenberg 467 4,80, 472 0,25, Rixdors 671 4,25, 672 12,60.(In Summa 440,55 M.)— Vom Allgem. deutschen Gärtncrverein, OrtSverwaltung Groß-Berlin auf folgende Listen: 987 3,15, 988 10—, 989 2,95, 992 12,70, 993 10,70, 997 6,80. 999 6,50, 1000 16,90, 1004 12,50.(In Summa 81,20 M.j— Verband der Lagerhalter Bezirk Berlin 30,—. In Summa 1752,05 M., bereits quittiert 6992,93 M., eingegangen insgesamt 8744,98 M. Weitere Beiträge werden entgegengenommen. Gelder, welche mittels Post eingesandt werden, sind zu richten an: A. K ö r st e n. SO. 16, Engel-Ufer 15, I. Der Ausschuß der Berliner GewertschaftSkommissi»». Eins der frauenbewegung. DaS schwache Geschlecht. Im»Hamburgischen Korrespondent" stellt A. O. Klaußmann Betrachtungen an über die physische Leistungsfähigkeit der Frau. Und er kommt zu dem Resultat, daß die Redensart vom schwachen Geschlecht durch die Praxis des Lebens nicht gerechtfertigt wird. Er hebt zunächst folgende Tatsache hervor: »ES ist bekannt, daß man den Frauen mit der Bezeichnung »baS schwache Geschlecht" unrecht tut, schon aus dem Grunde, weil sie im Ertragen von Schmerzen, aber auch im Ertragen von Strapazen und Entbehrungen mit geringen Ausnahmen mehr leisten als die Männer. Man denke nur an das junge Mädchen, das auf dem Ball die ganze Nacht hindurch tanzt, ohne auch nur einen Tanz auszulassen, und nicht eher ruht, als bis sie die Sohlen ihrer Tanzschuhe verschlissen hat. Kein junger Mann macht ihr das nach und tanzt mit solcher Ausdauer." Der Verfasser stellt dann Betrachtungen an über die tägliche Leistung der Bürgersfrauen, und der männlichen Vertreter des Bürgertums, soweit es sich um Beamte und freie Berufe handelt. Das Resultat ist die Konstatierung der Tatsache, daß die Frauen ganz erheblich mehr physische Arbeit leisten als die Männer. Klauß- mann resümiert: „Es lag mir nur daran, andeutungsweise zu zeigen, wie viel körperliche Anstrengung den Hausfrauen zugemutet wird. Wie groß diese in Wirklichkeit ist, scheint man selbst in den interessierten Kreisen, nämlich seitens der Ehegatten, nicht zu tvissen. Sonst würde man die Arbeit der Frau in Küche, Haushalt und Kinder stube höher bewerten, als die» leider sehr oft geschieht. Wenn aber eine brave, pflichteifrige Hausfrau abends darüber klagt, daß sie zum Sterben müde sei und sich nicht mehr auf den Beinen halten könne, hat sie ivahrlich Grund genug zu dieser Klage; denn sie hat gewöhnlich körperlich das Zehn- bis Fünfzehnfache von dem geleistet, was so und so viele Männer an diesem Tage vor sich gebracht haben. Daß sie dabei auch geistig nicht untätig war, ist ganz selbst- verständlich." Wohlweislich hütet sich der Verfasser, auch die Arbeiterin, die neben der Erwerbsarbeit noch alle? das und zivar ohne Hülfe eines Dienstmädchens leistet, was die Frau des Mittelstandes schaffen muß, in den Kreis seiner Betrachtungen zu ziehen. DaS paßt nicht für die vorausbestimmte Nutzanwendung. Die Frauen werden im allgemeinen älter als die Männer. Das ist eine Folge der höheren körperlichen Leistung der Frau, sagt Klaußmann, und darum muß auch der Mann mit sitzender Lebensweise mehr sich körperlich an- strengen und dazu wird ihm der Sport angelegentlichst empfohlen. Uns interessiert die Anerkennung, daß die Redensart vom schwachen Geschlecht, die der Spießer gern benutzt, wenn die Frau Gleich- bercchtigung verlangt, eine leere Phrase ist. Da der Frau aber im Staate auch dieselben Pflichten aufgepackt werden wie dem Manne, so ziehen wir aus der Konstatierung des Herrn Klaußmann die Schlußfolgerung, daß die größere Leistungsfähigkeit der Frau nicht nur ein Anreiz für die Mämier fein soll, durch sportliche Vergnügen den Frauen gleichwertig zu werden, sondern, daß den Frauen auch die Gleichberechtigung nach jeder Richtung gebührt. Witterungsüberstcht vom SO. August 1007« SlaHmoi L S l9 5-2 S5 «— Swinemd». erlin Frants.a.M. München Wien = H Bf 7StSSO 762 NW 761 SO 764 SW 764 W Wetter »Ute, 3 Regen 4 Dunst l bedeckt t wolkig 2 wolkig 2wolkcnl »K :% i U i» w a. 14 16 15 17 18 21 SlatUaen 3 s- Hadaranda!781G Petersburg 767 Still neuer Sctlly «berdeeu Paris 765 GS« 764 WSW 766 NNW 4b-d-ckt — wolkenl I wolkig 2 halb od Lwollig WC dt- u ♦Oi 9 6 16 9 15 für Sonnabend, den 81. August 1007. Vielfach heiter, zunächst kühler, später wieder etwas wärmer de schwachen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. v« Kaufhaus Max Mannheim G. m. b. H. -------------- Frankfurter Allee 109-110- Der Inventur- Ausverkauf der von der Firma Max Mannheim von uns übernommenen Waren beginnt Sonnabend Nachmittag 4 Uhr und bietet ausserordentliche Vorteile. Um unsere werte Kundschaft allerbilligst bedienen zu können, haben wir beschlossen, das bisherige Rabatt- System aufzulösen, da erfahrungsgemäss dieser Rabatt bei der Kalkulation aufgeschlagen werden muss. Infolgedessen haben wir fast sämtliche Preise umkalkuliert, so dass wir imstande sind, unsere Preise bis 15 Prozent zu ermässigen. Wir bieten hierdurch wesentlich grössere Vorteile als mit den bisherigen Rabattmarken. Alle noch im Umlauf befindlichen Karten und Rabattmarken lösen wir bis zum 1. Oktober er. ein. Beachten Sie unser Sonntags-Inserat! Lerantwortlicher Redakteur: Han» Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u.Verlaa: Vorwärts Buckidruckerei u. VerlaaSanstalt Paul Singer& So» Berlin SW. H. Greifenhagen Nachf. Brunnensirasse 17-18 Veferanensfrasse 1-2 W/r haben für unten benannte Serien seit Monaten ganz besonders prels- uerfe Artikel gesammelt. Dieselben gelangen nur In dieser W och e zum Verkauf. er 1.95 Damen-Blusen»u» bwunw. Telonr, 1b(«rohin&ek- TOllen Dessins Kinderkleidchen, 8ohottisoh(jte s-io jihr« p»«s. Unterrocke sas gutem Melton m. plissiertem Volsnt MatimJeS In Schoner Ansftlhrnng Knaben-Blusen»ns dmerhalten Stollen Eleg. 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Staubtücher oder 6 Poliertücher 1 Gartentischdecke oder 1 Rolltuch 2 Damast-Handtücher 1 grosse Wachstuch-Decke, iooXiso 1 Wachstuch-Waschgarnitur,«tenig Gestickte Stuben-Handtücher Gezeich. Stuben-Handtücher mit Dnrohbruob Gestickte Küchen-Handtücher Gezeichnete weisse Läufer mit Durobbruei» Gezeichnete Besenhandtücher Gezeichnete Tischdecken toxto, m. Dnrobbruch Grosse Häkel-Tischdecken I Tüll-Garnitur, weles oder crOm« Gestickte Klammerschürzen Congress-Waschtisch-Garnituren 95 ?/■ Weisse Damen-Glacdhandschuhe Karrierte Velour-Echarpes Knaben-Sweaters lar 3— IS Jahre passend Wollene Kopf-Fichus 2 Stck. gestrickte Kinder-Röckchen Gestrickte Kinder-Kleidchen w a Grossen Gestrickte Golf-Blusen I Kinder-Mützchen u. 1 Paar Schuhchen 1 Kinder-Jäckchen mit Mützchen Trikot-Untertaillen mit oder ohne Aermel 5 Stück glatte Korsettschoner 2 Stück durchbrochene Korsettschoner 4 Paar schwarze Damenstrümpfe 2 Paar geringelte Damenstrümpfe 3 Paar gestr. schwarze Damenstrümpfe 1 Paar reinwoll. gewebte Damenstrümpfe I Paar gestr. reinwoll. Damenstrümpfe 2 Paar halbwoll. schw. Damenstrümpfe 3 Paar Schweiss-Socken 4 Paar halbwollene Socken 1 Falten-Serviteur u. weisse Manschetten 2 Herren-Krawatten d Begatte««. i Diplomat) Eleg. Herren-Krawatt d Eegatteeod.> Diplomat) 1 Normalhemd oder Beinkleid Vi Pfd. Estremadura,«eis«, w« starken 1 gefflHt. Kasten m. Kurzwaren, tobTOoh4*1" 3 Paar Strumpfbänder mit Schleife I Paar Strumpfbänder od. Halter, spi�ngm! 2 Stck. Bettlitze n. 2 Garnituren Senkel 1 Wetterhäusch. 95 pl, 2 Spiegelfig. 96fi. 2 Blumenvasen 95 Fi.. 2 Wandteller 95 Fi. 1 Fruchtkorb»»« ztnkgn»» I Zinnbecher mit Ansieht 1 Nippesgegenstand 95 n, 2 Vasen 95 n. 2 Plüsch-Wandteller I Plüsch-Haussegen 1 Rauchservlcc95Pi,l Thermometer 95pi. 1 Liqueur- oder 1 Wasser-Service 1 Butter- oder 1 Eier-Menage 1 Familien-Rahmen, poUert sei» 1 grOSSe FigUr Bttenbeüunaeae 1 Schwarzwälder Wanduhr 1 Bambus-Etagbre mit« Tenem I Vogelkäfig 95 Fi, 1 Fussbank 95 Ft 1 Bild 95 Ft, 1 Zeitungsmappe 95 Fi. 1 Bücherbrett oder 1 Paneelbrett 1 Spiegel 95 Ft., I Wandspruch 95 Fi. 1 braune Reisetasche 1 Photographie- oder Postkarten-Album 1 Kettentasche 95 Ft,l Markttasche 95fi. 1 Läufer u. 50 Papierservietten im Karton 2 Karton- 12 Stck. Blumenseife 1 Kart. Eulenseife n. 1 Flasche Parfüm 12 Stck. 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Möbelfabrik A. S. Ball 15,—. Arbeiter der Stockfabrik C. K. Redlich 10,—. Leo Arons 100,—. Kollegen der Schlosserei Bichl 7,60. Bon den Kesselschmieden der Firma Paul Sieh, Gasanstalt Schmargendorf 3,50. Gesammelt von den Kunstschmieden der Firma Kockel, Urbanstratze 5,60. Dr. A. A., Würzburg 5,—. Gesammelt von organisierten Kollegen der Lokomotivteilschlosserei Borsig 8,90. G. D. Wilmer?- dors 3,—. Gesangverein Kupferschmiede 5,—. Klempner von Elster, Filiale Krautstr. 52 3,—. W. F. Berlin 5,—. 414. Bezirk 2,25. Die Bromelbrüder der Silberwarenfabrik von Schneider 3,50. 4. Kreis, Abteilung 34 40,95. 4. KreiS, Abteilung 33 3,—. O. W. Stadtbezirk 155 1,—. Reichstagswahlbezirk 388 3,—. Reichstagswahlbezirk 364 10,—. Weitere Beiträge für das Auer-Denkmal sind zu richten an den Kassierer Emil BoeSke. Verbandsbureau, Verlin SW. 68, Lindenstr. 69. Partei- Hngelegenbeiten* Am Sonntag, den 1. September 1907, mittags 12 Uhr, findet im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, die Parteikonferenz für Berlin und die Provinz Brandenburg statt. Tagesordnung: I. Bericht des Zcntralvorstandes. Referent L e o Z u ch t. (Organisation und Agitation.) 2. Bericht über die Presse. Referent O. S i d o w. 3. Die Rcichstagswahl 1907. Referent Otto Wels. 4. Der Parteitag in Essen. Referent Emil Faber. 5. Das Gesinderccht in Preußen. Referent Artur Stadthagen. 6. Anträge. Gäste haben nur mit Eintrittskarten Zutritt. Der Einberufer: Otto WelS. Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den 7. September, veranstalten lie Gesangvereine.L i e d e r h a i n"..Eintracht II" und.B el- Santo"» Lichterfelde in dem gesperrten Lokal.Hertels S ch ü tz e» h a u s", Lichlerfclde, Zehlendorferftr. 5, ein Konzert mit inichlietzendem Tanz. Da nach den uns gemachten Mitteilungen obengenannte Vereine fast ausschließlich aus Arbeitern bestehen sollen, .nilhin sich auch das Absavgebiet für den Billettverkaus in der Haupt- fache auf Arbeiterkreise beschränkt, so ersuchen wir, alle etwa an- zebotencnen Billetts zu obigem Vergnügen entschieden zurück- zuweisen. Gleichzeitig machen wir die Mitglieder obiger Ver- eine, soweit dieselben der politischen Organisation angehören sollten, auf die eventuellen Folgen eines Boykottbruches aufmerksam. Die L o k a l k o in m i s s i o n. Treptow-Baiimschiilenweg. Die Parteigenossen werden ersucht, sich zu einer Handzettelverbreitung am Sonntag früh 8 Uhr in den BcziikSlokalcn zahlreich einzufinden. Der Vorstand. Mariendorf. Sonntag früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Zahlreiches Erscheinen der Genossen ist Pflicht. Schenkeiidorf bei Königs- Wusterhansen. Die Mitglieder- oersammlnng dcS Wahlvereins findet Sonnabend, den 31. August, abends 8 Uhr, im Lokale von O. Pätsch statt. Als Referent wird Genosse Stadtverordneter Pagels- Rixdorf erscheinen. Die TageS« ordmiiig wird in der Versammlung bekanntgegeben. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Genossen erwartet Der Vorstand. berliner l�acbnchtcn. Tie Sittlichkeit am Freibad im Wannsee. Unter diesem Titel wandten wir«ns in der Dienstagnummer gegen den Sittlichkeitsapostel, der in der„Großen Glocke" nicht ein- dringlich genug auf die sittliche Gefahr am Freibad Wannsee auf. inerksam machen konnte. Genanntes Blatt repliziert in seiner letzten Nummer des längeren gegen uns. Doch wir können es uns versagen, das gleiche zu tun, da die„Große Glocke" nichts wesent- liches zu sagen weiß. Schließlich haben die letzten Vorgänge, näm- lich das Bestreben der dort Badenden, selbst dafür zu sorgen, daß die dem Sittlichkeitsfanatiker so sehr auf die Nerven gefallene „Schanilosigkeit" beseitigt werden soll, etwas beruhigend gewirkt. Das Blatt erkennt die dem neuen Berliner Freibäder-Verein Bei- getretenen als solche an, die den„Standpunkt des„Vorwärts" mehr oder weniger teilen". Wir haben uns schließlich auch nur dagegen gewandt, daß ein Sittlichkeitsfanatiker, dessen An- schauungen nichts anderes als eine Wiederbelebung der dunklen Moral darstellen, es versuchte, die Behörde zum Einschreiten gegen das Treiben am Wannsee zu bewegen Ter Haupttrumpf so- genannter Dunkelmänner ist stets, daß sie alle diejenigen, die für ihr„normales Scham- und Sittlichkeitsgefühl" nicht das richtige Verständnis besitzen, als Förderer und Interessenten der Scham- losigkeit verschreien. In Wirklichkeit ist die Denunziantensucht weit gefährlicher und beschämender, als die am Freibad im Wann- see promenierenden und badenden Personen. Wir halten es für selbstverständlich, daß den„Spähern", die nur nach Wannsee fahren, um sich das Treiben dort anzusehen und nur geile Gedanken hegen, der Zutritt verweigert werden muß. DaS Freibad ist weder ein Ort, wo sittlich verwahrloste Individuen ihren Gelüsten nach- jagen, noch alte Betschwestern sich über das Nackte entrüsten dürfen. Damit dürfte auch zum Teil die Frage, die das Blatt an den Artikclschreiber des„Vorwärts" stellt, beantwortet sein. Doch wir sind nicht unkulant. Unsere Leser sind schließlich auch neugierig, welche Frage die„Große Glocke" an uns richtet, sie lautet: „Fragen möchten wir den Artikelschreiber deS„Vorwärts" nur, und zwar, nachdem er sich das Freibad am Wannsee an einem belebten Tage selbst angesehen hat, ob er zugeben würde, daß seine eigene Frau und seine halberwachsene Tochter sich vor den Augen vieler Tausende am offenen Strande aus ihren Kleidern schälen, und ob er selbst den Mut haben würde, da- zwischen in einem Schurz herumzulaufen, der bei einer Größen- konkurrenz mit einem Feigenblatt noch verzweifelt schlecht ab- schneiden würde. Wenn er uns diese Fragen glatt bejaht, dann soll er recht haben I Aber er darf eS uns nicht verübeln, wenn wir ihn dann bedauern!" Selbst auf die„Gefahr" hin, von der„Großen Glocke" be- dauert zu werden, sei gesagt, daß der Artikclschreiber keinen An- stoß nehmen würde, wenn es Frau und Tochter Vergnügen macht, unter Tausenden entkleideter Menschen das gleiche zu tun; und selbst er genierte sich nicht, unter so vielen nackten Menschen seinen Körper den Sonnenstrahlen auszusetzen. Vorbedingung natürlich ist, daß weder Sittlichkcits- und Moralhclden vom Schlage des Artikelschreibers der„Großen Glocke" noch verwahrloste Individuen mit Späheraugen das Treiben beobachten. Wir haben uns zu der Rolle der Heuchelei und Einbildung noch nicht emporschwingen können, in dem Nackten nur immer das Unsittliche und Geschlecht- liche zu sehen. Ja, wir behaupten sogar, daß es zur Frevelhaftig- keit führt, wenn Menschen daran gewöhnt werden, bor dem eigenen Körper und dem anderer Scham zu empfinden. Damit glauben wir die Frage, wenn auch nicht nach dem Wunsch der „Großen Glocke", so doch im Einverständnis vieler Tausende be- antwortet zu haben. Mode und— Selbstmord. Gibt es etwas, was nicht der Mode unterläge? Die Mode beherrscht alle Formen der Lebensbetätigung, niemand kann ihren Launen sich ganz entziehen, nichts bleibt unberührt von ihrem Ein- fluß. Sogar jene Verzweifelten, die des Lebens müde sind und in bitterer Enttäuschung es von sich werfen, zeugen manchmal noch im Sterben für die Macht der Mode, ihrem Wink folgend in der Wahl des Mittels, das den Tröster Tod herbeirufen soll. Die Statistik der Selbstmorde in Berlin hat uns in neuester Zeit ein sehr lehrreiches Beispiel hierfür geboten. Eine lange Reihe von Jahren hindurch hatte man beobachten können, daß der Anteil der einzelnen Selbstmordarten an der Gesamtzahl der Selbstmorde sich nur unwesentlich verschob. Alljährlich konnte mit einiger Sicherheit darauf gerechnet werden, daß unter den Mitteln des Selbstmordes der Strick, der Revolver, das Gift usw.-wieder mit ungefähr soundsoviel Prozent vertreten sein würden. Plötzlich kam aber das Lysol als Modegift auf, und alsbald stieg in Berlin der Anteil der Vergiftungen an der Gesamtzahl der Selbstmorde weit über den bisherigen Prozentsatz hinaus. Wie groß die Verschiebung ist, die hier eintrat, davon machen wohl die wenigsten sich eine richtige Vorstellung. In- zwischen dürste ja infolge der Erschwerung des Verkaufes von Lysol wieder eine rückläufige Bewegung begonnen haben. Aber auch jetzt ist es noch von Interesse, zu sehen, welche beherrschende Rolle das Gift in der Selbstmordstatistik der letzten Jahre gespielt hatte. Für Berlin liegt die Statistik der Selbstmorde über- Haupt erst bis 1905 vor, also bis zu dem letzten Jahre, in dem für das Lysol noch keine Verkaufserschwerung bestand. In den drei Jahren 1903, 1904, 1905 wurden in Berlin 599, 612, 695 Todesfälle als Selbstmorde gebucht. An diesen Zahlen waren die Vergiftungen beteiligt mit 71, 113, 209 Fällen, d. h. mit rund 12 Proz., 18'/, Proz., 30 Proz. Man sieht, daß von 1903 bis 1905 der Prozentsatz der Vergiftungen in jähem Aufstieg auf das Zweiundeinhalbfache emporgeschnellt ist. Die lebensmüden Frauen greifen in verhältnismäßig größerer Zahl als die lebensmüden Männer zum Gist; das ist weitverbreitete Meinung, und die Statistik bestätigt sie. Sondert man die Selbstmordfälle nach dem Geschlecht der Selbstmörder, so enffallen in den drei Jahren auf das männliche Geschlecht 430, 440, 494 Selbstmorde, darunter 39, 66, 115 Vergiftungen, auf das weibliche Geschlecht 169, 172, 201 Selbstmorde, darunter 32, 47, 94 Vergiftungen. Der Anteil der Vergistungen an der Gesamtzahl der Selbstmorde beträgt beim männlichen Geschlecht rund 9 Proz., 15 Proz., 23 Proz., beim weiblichen Geschlecht rund 19 Proz., 27 Proz., 47 Proz. Bei den Frauen ist der Anteil doppelt so groß wie bei den Männern. Bis 1905 war er bei beiden Ge- schlechten! so bedeutend gestiegen, daß er bei den männlichen Selbst- mödeni fast ein Viertel, bei den weiblichen fast die Hälfte der Selbst- mordfälle ausmacht. Bemerkenswert ist übrigens, daß die Zunahme des Prozentsatzes der Vergiftungen auf das Zweiundein- halbfache, die oben hervorgehoben wurde, auch nach Sonderling der Geschlechter bestehen bleibt, bei den Männern wie bei den Frauen. Selbstverständlich sind neben dem Modegift Lysol nach wie vor auch noch andere Gifte zu Vergiftungen benutzt worden, aber die ver- blüffende Zunahme aller Vergiftungen ist dem Lysol aufs Konto zu setzen. Für 1905 berichtet die Stattstik, daß von 209 Vergiftungen 139 durch Lysol bewirkt wurden. Für 1904 aber waren erst 31 Lysolvergiftnngen unter überhaupt 113 Ver- giftungen gezählt worden.(Für 1903 ist nicht gezählt worden, wie oft Lysol benutzt wurde.) Die Zunahme des Anteils der Vergiftungen hat naturgemäß eine Abnahme des Anteils anderer Selbstmord- arten zur Folge gehabt. Bei den Männern hat besonders der Strick, wenn man so saDn darf, etwas von seiner Beliebtheit ein- gebüßt. Bei den Frauen ist besonders der Selbstmord durch Er- tränken seltener geworden. In den Jahren 1903. 1904, 1905 endeten durch Erhängen 181, 156, 145 Männer, das sind rund 42 Proz., 3ö'/z Proz., 29 Proz. der männlichen Lebensmüden. Durch Er- tränken endeten 45, 34, 22 Frauen, rund 27 Proz., 20 Proz,, 11 Proz. der weiblichen Lebensmüden. Geringer sind die Ver- schiebungen bei der Zahl der 57, 60. 59 Männer, die sich ertränkten, und der 59, 43, 49 Frauen, die sich erhängten auch der 119, 124, 133 Männer, die sich erschosien. Die übrigen Selbstmordarten (Sturz aus dem Fenster. Ueberfahrenlassen usw. usw.) sind so selten, daß wir sie hier außer Betracht lassen können. Für die neue Feuerwache in der Schönlankerstraße soll nach einem Beschluß des Berliner Magistrats vorbehaltlich der Zu- stimmung der Stadtverordnetenversammlung ein elektrisch be- triebener Automobil-Löschzug beschafft werden. Die vorgenommenen Versuche der Feuerwehr sind soweit vorgeschritten, daß ein Urteil über die Zwcckmäßigkei des Automobilbetriebes für die Berliner Feuerwehr gewonnen werden konnte. Danach hat man sich für elektrisch betriebene Automobile als erste Angriffsfahrzeuge ent- schieden. Die Frage der Umwandlung des gesamten Pferde- betriebcs der Feuerwehr in Kraftbetricb soll erst in Angriff ge- nommen werden, wenn über die Bewährung des e r st c n Lösch- zugcs hinlängliche Erfahrungen gemacht sein werden. Die Kosten für den Betrieb eines Automobil-Löschzuges sind auf 11013 M. veranschlagt, gegenüber 17 281 M. Kosten für einen bespannten Zug. Die Kosten für den kompletten Zug, einschließlich der Rc- serveteile und der elektrischen Ladeeinrichtung, sind vom Magistrat in Höhe von 133 500 M. bewilligt und in dem Feuerlöschetat für 1908 eingestellt worden. Der Stadtverordnetenversammlung wird hierüber noch eine ausführliche Vorlage mit Erläuterungen usw. zugehen. Zur Hcrbstparade erläßt der Polizeipräsident folgende Bekannt- machung: AuS Anlaß der am 2. September d. I., vormittag 9 Uhr, auf dein Tempelhofer Felde stattfindenden Parade wird die Tempel- hofer Chauisee von etwa 8 Uhr an bis zur Beendigung der Parade für jeden Verkehr gesperrt. Die Bellealliancestraße und die Lichter- felderstraße dürfen von Lastlvagen während der Zeit vom Ausrücken der Truppe» bis nach deren Einmarsch in die Stadt nicht befahren werden. Nur den mit Passierscheinen versehenen Personenwagen ist das Befahren der Bellealliancestraße bis zum Sleuerhanse gestattet. Alle übrigen Personenwagen haben bei der Krcuzbergstraße in die Lichterfelderstraße einzubiegen und durch diese auf das Tenipelhofer Feld westlich der Chaussee zu fahren. Der Betrieb der Straßenbahn- und Omnibuslinien wird auf der Tempelhofer Chaussee und den aus Berlin nach dem Tempel- hofer Feld führenden Straßen(insbesondere auch in der Friedrich- straße) mit dem Beginn des Ausmarsches der Truppen(etwa von 7 Uhr ab) bis zur Aufhebung der Absperrung eingestellt bezw. ein- geschränkt oder abgelenkt. Auf das Parädefeld östlich der Tempelhofer Challssee werden nur solche Equipagen zugelassen, deren Inhaber mit polizeilichen Passier- scheinen versehen sind; alle anderen Gefährte sowie die zu Fuß be- findlichen Zuschauer müssen sich westlich der Tempelhofer Chaussee auf- stellen, sofern letztere nicht im Besitze einer Zutrittskarte für die auch diesmal auf dem Paradefelde von der Militärverwaltung aufgebauten Tribünen sind. Den Anordnungen der Schutzmamischaft in bezug auf Anfahrt und Abfahrt aller Wagen sowie über das Verhalten� auf dem Tempelhofer Felde muß im Interesse der Aufrechterhaliuiig' der Ordnung unweigerlich Folge geleistet werden. Marketenderei und Restaurationsbetrieb wird auf dem Tempelhofer Felde nicht geduldet. Das Aufstellen von Stühlen, Handwagen und ähnlichen Mitteln zum besseren Sehen ist nicht gestattet. Zweifellos wird diese Verkehrseinschränkung nicht nur von Fuhr- leuten und Geschäftsleuten, sondern auch von Arbeitern und An- gestellten, die in der Gegend ihre Beschäftigung haben, empfunden werden. Die Chronik der Verschwundenen und Verschollenen ist heute wieder einmal eine ungewöhnlich reichhaltige. Polizeilich sind nicht weniger als sieben Vermißte gemeldet worden. Es befinden sich darunter fünf Mädchen sowie Frauen und zwei Männer. Seit dem 19. August ist die 16iäHrige Tochter des Beamten Schulz am Schießplatz in Halensee wohnhaft, verschwunden. Am vergangenen Sonnabend ver- schwand die ebensalls erst 16 Jahre alte Charlotte Fent aus der elter« lichen Wohnniig in der Müncheuerstr. 47. DaS junge Mädchen hat sich aus Furcht vor Strafe heimlich entfernt und eS wird befürchtet, daß eS sich ein Leid angetan hat. Bekleidet ist die F. mit blauem Faltenrock, schwarzer Bluse und weißem Strohhut mit braunen Schleifen.— Seit vier Tagen wird die 17 Jahre alte Frida Jepp- söhn am Marheinickeplatz 13 wohnhaft vermißt. Sie wohnte dort bei der Mutter.— Verschwunden ist ferner das 28jährige Dienst- mädchen Elise Große, das bei einer Familie T. in der Fehrbelliner- straße 8 bedicnstet war. Die G. ist dunkelblond und war mit rotem Kleid mit schwarzem Besatz bekleidet.— Seit drei Woche» ver- schollen ist der 49 Jahre alte Stellmacher Paul Breite! aus Rixdorf, Bcrgstr. 154. B. war einige Zeit arbeitslos gewesen und vor etwa 3 Wochen verließ er seine Wohnung mit dem Bemerken, daß er wieder Arbeit gefunden habe. Seitdem ist er spurlos verschwunden.— Schließlich sei noch auf ein verschwundenes Paar von außerhalb, das vermutlich in Berlin Zuflucht gesucht hat, hingewiesen. Am 28. d. M. entfernte sich die Ehefiau Gusälke Rißmann geb. Harry aus der ehelichen Wohnung in Budapest. Zur gleichen Zeit verschwand auch der um einige Jahre jüngere Schwager der R., Emanuel Rißmann, und man nimmt an. daß die beiden gemeinsam nach Berlin ge- fahren sind. Die hiesige Polizei fahndet nach dem verschwundenen Pärchen. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Ein Zusammenstoß einer Droschke mit einem Straßenbahnwagen der Linie 23 ereignete sich gestern am Bahnhof Groß- Görschenstraße. Durch einen vorüber- fahrenden Eiscubahnzug scheute das Pferd und giiijj durch, wobei das Gefährt mit dem Straßenbahnwagen zusanimenstieß. Der etwa 33jShrige Kutscher sowie der Insasse, Schneidermeister Rtemann, wurden auf das Straßenpflaster geschleudert. Riemann erlitt einen Arm- bruch, während der Kutscher durch daS heftige Auffallen mit dem Kopfe gegen die Bordschwelle eine schwere Gehinicrschütterung und mehrere blutende Kopfwunden davontrug. In hoffnungSloiem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Krankenhause gebracht. Ein weiterer Zusammenstoß einer Autodroschke mit einem Wagen der Großen Berliner Straßenbahn, Linie 37, fand gestern nach- mittag 4 Uhr in der Prinzenstraße statt. Personen wurden jedoch hier zum Glück nicht verletzt, nur die Autodroschke wurde be- schädigt. Ein Diebstahl von Fernsprechdraht ist jetzt nach längerer Pause wieder entdeckt worden. In der Nacht vom 27. zum 28. d. M. sind aus der Fernsprechlinie an der Görlitzer Bahn zwischen den Stangen 7 und 8 in Treptow 5 VerbindungSleitiingen mittels Zange abgekniffen und gestohlen worden. Der Draht ist zwei Millimeter stark. Sein Gewicht beträgt zehn Kilogramm, sein Wert etwa 26 M. Für die Ermittelung der Täter hat die kaiserliche Oberpostdireltion wieder eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt. Ein tödlicher Unfall ereignete sich Donnerstag in dem Hafen der Berliner Gasanstalt in Tegel. Dort wollte der Schiffseigen- tümer Karl Schröder ans Nieder-Zahdcn eine Ladung Kvks ein- nehmen, und um dies besser bewerkstelligen zu können, versuchte er, auf der Kajüte seines Kahnes stehend, mit einem großen Boots- haken die Zille einige Meter rückwärts zu schieben. Hierbei rutschte die Stange aus, Schröder verlor das Gleichgewicht und stürzte rücklings in das leere Fahrzeug. Obwohl der Fall nur von einer unerheblichen Höhe erfolgte, hatte der Schiffer einen Bruch des Genicks davongetragen, so daß der Tod alsbald eintrat. Die Leiche des Verunglückten wurde polizeilich beschlagnahmt und nach der Leichenhalle des Tegeler Friedhofes übergeführt. Schröder ist verheiratet und hinterläßt mehrere unmündige Kinder. In dem orthopädisch-chirurgischen und mediko-mechanischen Institut der Doktoren Blumeuthal und Hirsch findet wochentäglich von 12 bis 1 Uhr eine poliklinische Sprechstunde für Unbemittelte statt, in der Kinder und Erwachseue mit schlechter Haltung, Verbiegung der Wirbelsäule, tuberkulösen Erkrankungen der Gelenke, angeborenen und erivorbenen Mißbildmigen und Verkrümmungen, ivie Klumpfuß, Plattfuß, X- und O-Beine, Schiefhals usiv. behandelt werden. Der Berliner Nudervercin„Freiheit" veranstaltet seine dies- jährige VereinSregatta am Sonntag, den 1. September 1907, niorgenS 9 Uhr, auf dem Rummelsburger See. Es werden fünf Rennen gefahren. Start Restaurant Schonert, Ziel LiebeSinsel. Die heutige Eröffnung svorftellniig deS„Theaters an der Spree" beginnt bereits um 7>/z und nicht um 8 Uhr. Ans dem Wege von der Ackerstraßc bis zur Jnbalidenstraße, Ecke der Scharnhorststraße, ist einem Hauskassierer des Zentral- Verbandes aller in der Schmicderei beschäftigten Personen, Zahl- stelle Berlin, am Mittwoch, den 28. d. M., ein graues Beutel- Portemonnaie mit 49,50 M. Inhalt verloren gegangen. Der Ver- lust trifft den Kollegen um so schwerer, als derselbe für den Schaden verantwortlich ist. Der ehrliche Finder wird hiermit gebeten, dasselbe an Hinze, Ackerstr. 152 4 Tr., abzuliefern. Feuerwehrbericht. Der 13. Zug wurde nach der Invaliden- straße 147 alarmiert, wo Holzwolle und anderes brannte. Ter- selbe Zug hatte in der Luisenstr. 6 zu tun, wo Schaldecken, Balken und anderes in einem Keller in Brand geraten waren. Auf dem Hofe Stralfunderstr. 40 mußte ein Teerbrand gelöscht werden. In der Stralauerstrabe und in der Kursürstenstr. 142 war durch Un- Vorsichtigkeit Aeuer ausgekommen. Stroh usw. Brannte Bort. Ferner liefen noch Alarme aus der Rheinsbergcrstr. 62. Langestr. 30, Neuen Äonigstr. 93, Thaerstr. 17 und anderen Stellen ein. Fleisch, Schornsteine usw. brannten dort. Vorort- I�acKriebten. Rixdorf. Kein Bolttpark für Rixdorf. Der Plan, die Königsheide zu einem Bolkspark für Rixdorf umzugestalten, ist, wie gemeldet wird. gescheitert. Da eö sich um ein fiskalisches Gelände handelt, wurde der königl. Forstfiskns befragt, welchen Preis er für die Heide der- langen würde, und gleichzeitig wurde er gebeten, keine zu hohen Forderungen zu stellen, um nicht ein gemeinnütziges, im ge sundheitlichen Interesse der ganzen Stadt liegendes Unter nehmen unmöglich zu machen. Die Antwort des Forst fiskus ging dahin, er sei Wohl zum Verkauf der Königsheide für den genannten Zweck bereit, müsse aber als Mindestpreis für die Ouadratrute 170 M. verlangen. Die ganze Königsheide umfafit 925 Morgen, sie würde also bei diesem Mindestpreise nicht weniger als 27 738 000 M. kosten. Selbst wenn man sich mit der Hälfte der MnigSheide begnügen würde— und viel kleiner darf ein Bolkspark nicht sein— mühte die Stadtgemeinde Rixdorf dem Plane nahezu 14 Millionen opfern, was nach der Finanzlage der Stadt aus geschlossen ist. Der Fiskus ist in seinem Verlangen wahrlich nicht bescheiden Die Tatsache, bah solche Wälder für die Hebung der Volksgesund heit dienen könnten, hindert ihn nicht, eine so ungeheuere Summe zu verlangen. Zahlreiche Taschendiebstähle sind in der letzten Zeit auf den Wochenmärkteu am Maybach-Ufer verübt worden. Die Langfinger „arbeiten" in der Weise, daß sie einkaufenden Frauen, während diese mit den Standinhabern unterhandeln, die Geldbörsen aus den Handtaschen herausstehlen. Bei der Polizei laufen fortgesetzt An zeigen über derartige Räubereien ein. Vor den dreisten Dieben mag also dringend gewarnt sei». Charlottendurg. „Der Unternehmervervand im TranSportgewerbe und unsere Orga nisation" lautete daS Thema, über das Kollege H i m p e l in einer von_ der Ortsverwaltung Charlottendurg des Deutschen Transport arbeiterverbandes einberufenen össentlichfn Versammluna referierte. Der Referent beleuchtete scharf und trtffend die Klassengegensätze der Gegenwart. Er wies auf die ungeheuere Zahl der ständig Arbeitslosen hin, die das Kapital stets z» gegebener Zeit für seine Interessen einzufangen suche, um bei Streiks und Aussperrungen ihren Brüdern in den Rücken zu fallen. Zum Schlug seines mit drastischem Material belegten Vortrages verwies Redner die An wesenden darauf, bah wir vor einer industriellen Krise ständen, in welcher das Unternehmertum'frecher denn je sei» Haupt gegen die Arbeiterorganisation erhebe. Er mahnte daher zu kraftvoller Agitation und zum Eintritt in die modernen Gewerkschaften. Nach den, der Referent seinen Vortrag beendet, ergriff Kollege Gebert da? Wort. Er führte aus, dast der zweite Vorsitzende des Arbeit gcberverbandes Herr Ebert, in Firma Hugo JoSke, seinen Arbeitern augekündigt habe, den Tarif mit dem Mutschen Transportarbeiter verbände zu kündigen. Der bisher gezahlte Lohn wird gekürzt und der bisher gewährte Urlaub gestrichen; der Verband soll nicht mehr anerkannt werden. Auch er ermahnte die Versammelten treu zum Verband zu stehen, nur dann sei es möglich, den Gelüsten der Arbeitgeber entgegenzutreten. Nachdem noch einige Diskussionsredner im Sinne des Referenten sprachen, nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: Die heute am 27. August im Volkshause tagende öffentliche Verffanimluiig aller im Handels- und TranSportgewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen erklärt sich voll und ganz mit den AuS- führuugen des Referenten einverstanden und verpflichtet sich für die Werbung neuer Mitglieder und Ausbreitung deS Verbandes mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln Sorge zu tragen. Die Versaminelken erblicken im Deutschen Transportarbeiter-Berband den besten Schutz gegen die Maßnahmen der Unternehmer. Tchönaverg. Die Schöueberger Gewerkschaftskommission nahm in ihrer letzten Sitzung zunächst den Bericht von der Berliner GewerkschaftS> kommission entgegegen. Die Delegierten erklärten sich mit den einzelnen Punkten einverstanden. Betreffs der Angelegenheit „Treptower Sternwarte" wurde beschlossen, den auf Schöneberg entfallenden Teil an BorstellungSkartcn zu entnehmen. Bergmann gab einen kurzen Ueberblick über die Situation im Schlächter gewerbe. Jansen hatte sich der Mühe unterzogen, gelegentlich die Polizei auf die Uebertretung der Kinderschutzbeftinimungeu aufmerksam zu machen. Wie er den Delegierten mitteilte, ist eS ihm einige Male passiert, daß der betreffende Polizist ihn selbst notiert habe, aber nicht das Kind. Die Kommission will sich mit dem Frauen verein in Verbindung setzen, um auf diesem Gebiet geeignete Schritte zu unternehmen. Zum Punkt„Bibliothek" wurde beschlossen, die den, Wahlverein gehörige Bibliothek, welche in den Räumen der Spedition untergebracht, daher den ganzen Tag geöffnet ist, zu benutzen und die von nur gewerkschaftlich Organisierten veruntreuten Bücher auf Kosten der Gewerkschastskommission zu übernehmen. Genosse Stargard sHaiidlungSgehülfe) machte darauf aufmerksam, alle Einkäufe vor 7'/, Uhr zu bewirken, ebenso die Genossen anzu- halten, ihre im kaufmännischen Berus tätigen Söhne und Töchter dem Zentralverband der HandlungSgehülfen zuzuführen. Die Wahlvereinsversammlung tagte am 27. d. M. im Obstschen Lokal. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des verstorbenen Genossen Wilhelm Thüle mit warmen Worten; die Versammlung ehrte daS Andenken des Verschiedenen durch Erheben von den Plätzen.— Die Versammlung nahm hierauf das Referat des Genossen Molkenbuhr:„Der Wert des ParlamentariS- mus" mit Beifall entgegen. Eine Diskussion schloß sich an daS- selbe nicht.— Darauf erstattete Genosse Butry den Bericht von der Kreisgeneralversammlung, der ebenfalls debattelos entgegen- genommen wurde.— Unter Vereinsangelegenheiten wieS der Vor- sitzende dann nochmals darauf hin, daß die Wählerlisten noch bis zum 80. d. M. zur Einsichtnahme ansliegen. Er forderte die Mit- glieder auf, in der bevorstehenden Stadtverordnetenwahlbewegung in allen Stücken ihre Schuldigkeit zu tun. Marieudorf. Ein Verbot, polnische Arbeiter in Schlafstelle aufzunehmen, hat der hiesige Amtsvorsteher erlassen. Dasselbe lautet:„ES wird hier- durch zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß ausländische Polen im hiesigen Amtsbezirk in Gchlafftelle nicht aufgenommen werden dürfen. Ich warne die Schlasstellenvermieter vor dein Vermieten der Schlaf- stellen an ausländische Polen und mache darauf aufmerksam, daß alle Polen rücksichtslos mittels ZwangStranSportZ ihrer Heimats- behörde zugeführt werden, soweit sie nicht kontraktlich in der Land« Wirtschaft beschäftigt werden." TS läge doch viel näher, den Arbeitgebem, die ein besonderes Interesse haben, polnische Arbester heranzuziehen, die Beschäftigung derselben zu verbieten. Zwar duldet man, daß polnische Arbeiter als Lohndrücker und Streikbrecher herbeigeholt werden, alsdann aber lvill mau verhüten, daß dieselben im Ort wohnen sollen. Jnter- essaut ist. daß bei den kontraltlich Verpflichteten in der Landwirt- schaft noch eine Ausnahme gemacht wird. Wir sehen auch hier, daß den Herren vom nationalen Schwein ein besonderes Kompliment ge- nacht wird. Weistensee. Ein neuer R isthauSbau soll einem Gerücht zufolge auf dem Schloßgeläude errichtet werden. Es wird hierzu mitgeteilt, daß gar nicht daran zu denken sei, daß das allerdings in Bälde zu er- richtende Rnthans auf die Stelle des Schlosses zu stehen kommt, da die Gemeinde den Schloßankauf vollständig aufgeben mußte, weil die Besitzer einen unverhältnismäßig hohen Preis verlangen. EZ ist vielmehr das Bauamt benuftragl worden, einen RathaUSentwUrf an- zufertigen; das Nathans soll ans dem eigens zu diesem Zweck an- gekauften Hoffmannschen Gelände seinen Platz erhalten. Ebenso ist für das Realgymnasium bereits ein Platz bestimmt und zwar auf dem Gelände hinterm Kreuzpfuhl, welcher durch Anlegung neuer Straßen erreichbar wird. Dieser Bau soll bereits im nächsten Jahre in Angriff genommen werden. Eichwalde. In der Generalversammlung de? Wahlvercins, die am Dienstag bei Heinrich in Hankels Ablage stattfand, erstatteten zunächst Vorstand und Funktionäre ihre Berichte über das erste Halbjahr 1903. Nach diesen hat sich der Mitgliederstnnd innerhalb dieser Zeit gehoben von 50 auf 73. Verzogen sind 4, gestrichen werden mußten 4 Mit- glieder.— Der Kassenbericht verzeichnet eine Einnahme von 122 M., dem eine Ausgabe von 27,40 M. entgegensteht.— Auch der Abonnentenstand des„Vorwärts" hat in der Berichtszeit eine erfreu« liche Zunahme erfahren und zivar beträgt derselbe gegenwärtig 139 gegen 103. Ans dem Mißverhältnis zwischen„Vorwärts"- Lesern und Mitgliederzahl aber ergibt sich, daß für agitatorische Tätigkeit dem Wahlverein noch ein reicher WirknngS- kreis offen steht.— Sodami erstatteten die Genossen Molkenthin und Schöps Bericht über die Verbands- wie die KrciSgeneral« Versammlung, mit deren Beschlüsten sich die Versaimnlung einverstanden erklärte.— lieber die Angelegenheit der Miersdorfer Schute resp. des Neubaues derselben entspann sich eine längere Debatte, in deren Verlauf beschlossen wurde, die traurigen Schnlverhältnisse Miersdorfs in einer öffentlichen Versammlung zu behandeln. Nieder- Schönhausen. In immer mysteriöseres Dunkel hüllt sich das Verschwinden deS Kaufmanns Hampe. Die Nachforschungen der Polizeibehörden haben bisher noch nicht den geringsten Anhaltepunlt ergeben. Die den Behörden zugegaiigenen Meldungen haben sich zum größten Teil als völlig belanglos oder unzutreffend erwiese». Jetzt kommt aus Tegel die Nachricht, daß in Tegelort eine Flaschenpost aufgefangen worden ist. Diese lautet:„Am 22. bin ich, Hampe cknS Schönhausen, im Tegeler See ertrunken". Ob diese Zeilen wirklich von dem Berschwimdeneii herrühren oder ob dieselben von einer fremden Person geschrieben sind, dürfte eine Prüfung der Schriftzüge ergeben. Keinesfalls aber wäre damit erwiesen, daß Hampe in der Tat elbstmord im Tegeler See verübt hat resp. dort ertrunken ist. Ein aus polizeiliche» Quellen schöpfender Berichterstatter meldet jetzt, daß Hampe in schlechten VermogeiiSverhältnisten gelebt habe und stark verschuldet gewesen sei. Die 2000 M., die er von Hanse mitnahm, hatte er ohne Wissen seiner Frau, eingesteckt. Die Polizei und Frau Hampe glauben zurzeit, daß der Mann noch lebt. Daß er seiner Frau beim Abschied 100 M. in die Hand drückte, deutet nicht gerade auf die Absicht hin, bald wiederzukommen. Die zurück« gesandten Wechsel hat Frau Hampes Vater für eine Forderung von 3100 M. beschlagnahmen lassen. Der Brief, in dem die Wechsel lagen, wurde nebst Originalbriefen Hampes dem Sachverständigen Dr. Georg Meyer in Hermsdorf übergeben. Dieser erklärt, alles spreche dafür, daß die Schrift von Hampe selbst herrühre.— Da- nach wäre H. aus Furcht vor seinen Gläubigern flüchtig geworden. Reinickendorf-Ost. In der Mitgliederversammlung deS Wahlvereins hielt Genosse Block ein Referat über:„Die preußische.- Verfassnng". worin er ein anschauliches Bild über ihre Entstehung, Wandelung. Ans- lehmig und deren Widerspruch mit der Praxis gab. In der Diö kussion unterstützte Genoste Meißner die Änsführungen des Rcfe- reuten und Genosse Lorenz forderte die Anwesenden auf, das Ge- hörte bestens zu verwerten und in eine intensivere Agitation eutzu- treten.— Den Bericht über die Generalversammlung von Groß Berlin gab Genosse Meißner, den über die KreiS-Generalverfammlnilg Genoste Nielsen. Unter Bsreinsangelegenheiten erfolgte die Maifeier- Abrechnung, die trotz der ungünstigen Verhältnisse noch einen kleinen Ueberschuß aufwies. Um die Abrechnungen schneller zu ermöglichen, wurde ein Antrag Meißner-Lorenz angenommen, daß Billetts stets spätestens nach zwei Monaten abzurechnen sind und etwaige Restanten persönlich zu haften haben. Die Beschwerde Gumpert-Gursch wurde zur persönlichen Gegenüberstellung der Streitenden an den Vorstand zurückverwiese». Genosse Nielsen machte noch darauf aufmerksam, daß die Gewerkschaften 100 000 Billetts zur Besichtigung der Treptower Sternwarte abgeschlossen haben und empfahl regste Be teiligung. B eriia«. Ein Diebstahl wurde in der vergangenen Nacht in dem Kassew zimmer der hiesigen GiiterabfertigiingSstelle versucht. Durch Elm »rücken einer Fensterscheibe verschaffte' sich der Dieb Eintritt in das Kassenzimmer. Er schnitt da? Schloß der Tür am Kassenschranlfuße heraus, so daß die Tür geöffnet werden konnte. Der unlere Raum bot aber nichts MitnehmenswerteS und der Kassenschrank selbst schien wohl zu erbrechen, wie Spuren bewiesen, unmöglich, so daß der Dieb unverrichtetcr Dinge wieder von bannen zog. Eine LiebeStragödie, die voraussichtlich zwei Menschenleben ordern wird, spielte sich am DienStagnachmittag in dem beuach Barten Dorfe Klosterfelde ab. Die 18jähri»e Tochter de« Gärtners Lange daselbst war mit dem 24jährige» in Nedlitz geborenen Gärtner Meier verlobt. Meier hatte früher bei Lange, in Arbeit gestanden, war aber, weil die Eltern von dem Verhältnis nichts wissen wollten, entlassen worden. Am Dienstagnachmittag gegen 4 Uhr, als daS Mädchen mit ihrem Bruder auf dem Felde beschäftigt war, erschien »lötzlich Meier, der in Berlin in Stellung war und bat um Rück prache mit dem Mädchen. Im Verlaufe derselben zog er plötzlich einen Revolver und feuerte drei Scküsse auf das Mädchen ab. Den, Bruder, der seiner Schwester zu Hülfe kommen wollte, schoß Meier in die Hüfte und nur n»it Mühe konnte sich derselbe ins Dorf chleppen, um Hülfe zu holen. Indessen hotte sich Meier selbst eine Kugel in den Kopf gejagt, er wurde festaenomineu, bis später Sanitätsrat Jennrich aus Liebenwalde die sofortige Ueberführung 'ämtlicher drei Verletzten in das Liebenwalder Krankenhaus ver- aulaßte. Das Mädchen ist in der Hüfte, im Genick und im Rücken verwundet, ihr Zuftand ist besorgniserregend. Der Täter ist, wie verlautet, noch am selben Abend seinen Verletzungen erlegen. Oranienburg. Den Boden u»ter den Füßen verloren hat in deS Wortes wahrster Bedeutung die Frau des Arbeiters Stirnnagel in ihrer in dem Hause Berlinerstr. 38 belegenen Wohnung- Als Frau St. vorgestern abend gegen 10 Uhr aus der an das Wohnzimmer grenzenden Kammer etwas holen wollte, brach der Fußboden unter ihr zusammen und ie stürzte in die darunter liegende Stube einer fremden Familie, und jjwar gerade ans da? Bett, in welchem der Mann schlief. Die Arbeiterfrau erlitt bei dem Fall einen Bruch deS rechten Armes und Verletzungen am Kopf und an den Leinen. Die zerbrechliche Kammer wurde von der Polizei geschlossen. , tariaks der ganzen Kultnrwelt gewesen, die auch auf die herrschenLe Klasse Eindruck gemacht und ihr gezeigt habe, daß die Arbeiter- klaffe aller Länder rüstig vorwärts schreite zu ihrem Ziel. Hierauf gab F e ch n e r den Bericht vom paritätischen Arbeits« Nachweis. Im ersten Quartal wurden 0440 Arbeitsuchende ein» geschrieben. 2534 Gesuche liefen ein, 1745 Stellen wurden besetzt. Im zweiten Quartal' waren 7470 Arbeitsuchende eingeschrieben, 2027 Adressen liefen ein, 2291 Stellen wurden besetzt. Die höchste Zahl der Arbeitslosen— 2133— war am 24. Mai, die niedrigste Zahl— 1226— am 28. Juni zu verzeichnen. Von den Arbeit- suchenden, die im zweiten Quartal eingeschrieben ivaren, gehörten 6795 dem Deutschen Holzarbciterverbande an.— Den Bericht vom Arbeitsnachweis des Verbandes erstattete Späthe. Im ersten Quartal liefen 826 Adressen ein, 233 Stellen wurden besetzt. Im zweiten Quartal waren 353 Adressen gemeldet, 231 Stellen wurden besetzt. Leffentliche«ivttotlicr und LefeyaUe zu uimitnemicher Be. »nyu»g iür jedermann, SW., Alerandrinenstr. 26, Geöffnet tägllch von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den 2e!csölcn liegen zurzeit Slö Zeitungen und Zeitschristen jeder Art nnd Richtung aus. Sozialdemokratischer Zeniralwaylverein für den Reichstags- Wahlkreis Züttichau- SchwiebuS« 5ironen< Sommerfeld lOrlsvercln Berlin). Heule abend bei Hosjmann, Koppe, islraße 47, Mitgttedcrvcr- "'"'RtcirelUlatc �mcinde. Sonntag, den 1. September, 8'/, Uhr früh tm Rathanse, Eingang Jbdenstratze, Saal 109- Versammlung mit srcireltgiöser Vorlesung,- VonnittaaS lO'i. Uhr in der Schule, Kleine Franksurlerstr 6-. Vortrag de? Herrn Dr, Bruno Wille:„Biblische Sagen, ll. Das Paradies." Damen und Herren als Gäste ivtlltommen. Vermiscdtes. Zehn Personen getötet, achtzig verletzt. In Oporto fand vorgestern in dem im ersten Stockwerk ge» legenen Redaltionssaal der Zeitimg„NotieiaS" in Gegenwart vieler Personen eine Verlosung statt. Plötzlich stürzte der Fußboden ein. Dabei sind zehn Personen umS Leben gekommen und viele verletzt worden. Eine spätere Meldung aus Oporto besagt: Die Zahl der Personen, die sich gestern in den Räumen der Zeitung„Notieias" befanden, betrug etwa 500. ES wurden, wie sich nunmehr heraus- stellt, weit mehr Personen verletzt, als eS zuerst den Anschein hatte. 80 Verwundete werden in Krankenhäusern behandelt, eine Anzahl andere fanden Hülfe in Apotheken. Auf die Bevölkerung hat das Unglück einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Im Toten- schauhause und beim Transport der Leichen spielte» sich herzzerreißend« Auftritte ab._ Versammlungen. Holzarbeiterverband. Am Mittwoch fand in Kellers Saal eine Vertrauensmännsrversammlung statt. Glocke erstattete Bericht als Delegierter zur Internationalen Holzarbeiterkonferenz und zum Internationalen Sozialistenkongreß. Er gab eine eingehende Darstellung von den Verhandlungen der beiden Kongresse und faßte sein Urteil über den Internationalen Sozialistenkongreß dahin zu- sammen: Der Kongreß sei eine machtvolle Kundgebung des Prole- Bier Bergleute tödlich verunglückt. Aus Dortmund wird vom gestrigen Tage gemeldet: Aus der Zeche„Victor" bei dem Dorfe Rauxel verunglückten heute früb vier Bergleute tödlich bei einer verbotswidrigen Seilfahrt. Ei« folgenschwerer Brückeneinsturz, wobei eine große Anzahl Menschen nmS Leben gekommen'siild, hat sich in Ouebee, Eanada ereignet. Wie von Ottava gemeldet wird, ist die neue Ouebee-Brücke eingestürzt. 50 Menschen sollen dabei das Leben ein- gebüßt haben. Nach einer anderen Lesart soll sich die Zahl der Um-- gekommenen sogar auf 250 belaufen. Ei» späteres Telegramm aus Ottava meldet: Die Zahl der bei dem gemeldeten Vriickeneinstnrz getöteten Personen wird jetzt auf 50 beziffert. Man vermutet, daß der Einsturz, der in einer Länge von einer Viertelmeile am Südende der Brücke erfolgte, durch einen ArbettSzug auf der betreffenden Strecke veranlaßt ist, Diese Vermutung wird bestätigt durch eine NachmittagSmeldung vom gestrigen Tage aus Ottawa. In derselben heißt es: Der Arbeits- zug, durch den der Einsturz des Südendes der Brücke herbeigeführt wurde, bestand au« einer Lokomotive und drei Wagen mit Eisen- Material. Der Oberbau stürzte in einer Länge von 800 Fuß in den Fluß und riß 80 bis 90 Personen mit, die zum größten Teil zu Tode gequetscht beziehungsweise schwer verletzt wurden. Bis jetzt sind 7k Leichen geborgen. Die verunglückten Arbeiter sind meist Amerikaner. Die Brücke,, für deren Bau sechs Millionen Dollar ausgeworfen waren, sollte im nächsten Jahre fertig werden. Der Schaden ist sehr beträchtlich._ JnS Meer gesunken. Die französische Barke„Violette" ist, wie aus Lille gemeldet wird, bei heftigen Swrm mit 13 Mann Besatzung gesunken. Der Gemeinderat von Lille hat den Witwen und Waisen der Opfer Unterstützungsgelder zur Berfügung gestellt. Eisenbahnnnfall. Amtlich wird vom gestrigen Tage anS Danzig gemeldet. Vom Zuge 301 Berlin— Dirschau'entgleisten vermutlich durch Umlegen der Weiche unter dem fahrenden Zuge auf Station (izersk gestern abend um'/4\0 Uhr die letzten beiden Wagen und schlugen' um. Dabei wurde ein Kind russischer Nationalität getötet und'elf Personen unerheblich verletzt. Dieselben fuhren mit dem nächsten Zuge iveitcr: Verkehrsstörungen sind nicht eingetreten. Die Untersuchung ist im Gange. Ein schwerer Wolkenbruch ist, wie der„Kurier für Niederbayern' berichtet, über die Orte Hagrein und Aschdorf gestern nieder- gegangen. Die Distriktsstraße ist zum größten Teil zerstört; über 20 Brücken au« Holz oder Stein sind von den Fluten weggerissen worden. Zwei Häuser sind teilweise fortgeschwemmt, die Telephon- und Telegraphenleitung ist vielfach zerstört. Auch in Schönbrunn bei Landehut richtete das Wasser großen Schaden an. Opfer des Leichtsinns. Nach einer Meldung au? Budapest kenterte in Zimmanod ein Boot, in dem sich drei junge Mädchen befanden. Alle drei ertranken. Eine FenerSirunst ist gestern in einem Räume des Marseille! JustizpalasteS ausgebrochen, konnte aber glücklicherweise bald gelöscht werden. Nur ein Teil der Akten wurde zerstört. Die Benlenpest in San Francisco. Es wird von San Francisco gemeldet: Da sich in der letzten Zeit neun Fälle von Beulenpest ereignet haben, von denen sieben tödlich verlaufen sind, so haben die BmideSbehörden einen Marinehospitalarzt hierher gesandt. Nach der Angabe des Ouarantänebeamten ist keine Ursache zu Beunruhigungen vorhanden. Museen, Slmullungtv, Sthenslvurdlgketten. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.) Alteö und Neues Museum. Am Lustgarten, Wochentags(außer Montags): Slpril bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Osler-, Psingstselertagen: April bis iseptember 12—0, Oktober und März 12—5, November und Februar 13—4, Dezember und Januar 12— 3. Am Montag und an Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen): geschlossen. Aanarium. Unter den Linden 68 a. Im Sommer: täglich g— 7, im Winter: an Sonn- und Feiertagen S— 7, an Wochentagen 9—6.• Eintrittsgeld: 1,00 M., an Sonn« und geiertagen 50 Ps.; Kinder die Hälfte. Am letzten Sonntag jedes Monats 26 Ps, Architektur-Museum. Technische Hochschule, Eharlottenburg, Berliner- straße 151. Montag 10—3(auch 5'/,—7'/,, vom Oktober bis März). Dienstag 12—3,(auch 10—13 für Studienzwecke), Mittwoch 10—12, Donnerstag 12—3 tauch 10—12 für Studienzwecke, auch 6'/,— 7'/, vom Oktober bi» März), Freitag 10—8, Geichlossen: Sonnabend und Sonntag, ZluSstellniig für Arbeiterwohlfahrt. Eharlottenburg, Fraunhofer- straße 11/12. An allen Wochentage»(außer Montag) 10—1, gm DienSlaa und Donnerstag auch 6—9 abends. Sonntag 1—5. Banmnsenm. Siebe Vcrkehrsmuseuin. / Berg- und Huttenmnscum. Jnvalidenstr.«4. Wochentags(auher Eonuabcnd) Ii— 2, am Sonntag: Stpnl bis September 12—6, Oktober und Marz 12— 5, November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Unentgeltlich: DIcnStag, Mittwoch. Freitag 2—7, Sonntag 16—7. üln Wochentagen vormittags Zutritt nur gegen Erwerbung des„FuhrerS"(beim Psürtner). Botanisches Mnsrum. Dahlem. Montag und Donnerstag 3—6, Mittwoch S— 6. Gisenbahnmnseum. Siebe VerkehrSmuseum. Kaiser Frirdrich-Musrum. Monbijouilrahe. Eröffnung: an den ■. ���■(11 November und Februar um 4, Dezember und Fanuar um 3. SliitritlS geld: Montag 1 M., Dicnötag und Mittwoch 56 Ps. Eintritt ftel: an allen übrigen Tagen. Dienstag und Freitag 16—2; * und März 1—5, November Knnitgewcrbe-Museum. Prinz Albrcchtstr. 7. Besuchszeit wie beim Wien Museum. LandtvirtschaftSmuscum. (auber Montag) 16—3. Sln jedem dritten Jnvalidenstr. 42. a> dritten Sonnta An den Wochentagen onntag im Monat: 11—5. > Märkisches Museum. Wegen Umzug nach dem Neubau geschloffen. Meereskuiideninsenm. Georgeustr. 34—30. Sonnabend und Montag 11—4, Sonntag 12—3.' National-Galerie. an den Wochentagen am Sonntag und an den zweiten WeibuachlS-, Oller- und Pstngt um 12. Schlug, an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und 'März um 6, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintrittsgeld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 60 Ps. Eintritt an allen übrigen Tagen frei. Naturkunde Donnerstag, 16—3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Alten Museum. Pcraamon-Museum. Museumsinsel, hinter der National-Galerie. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Post-Museuin. Leipzigers�. IS/lg. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. An: Sonntag und an den zweiten Feiertagen: 12—2. "''*" Raui'" igen Tagen frei. inde- Museum. Jnvalidenffrahe 43. Montag, Mittwoch, Sonnabend: April bis September 16— 4, Oktober bis März Rauch-Museum.(Werte von Christ. tagS: April bi« September 16— 4. Oltober bis Klosterstr. 76. Wochen- ärz 16— 3. Maihaus. Rönigltrabe. Täglich(autzer Donnerstag und Freitag) 16— 3, uucntgelUich. Tunnbesteigung: April bis September, täglich(auch Donnerstag und Freilag) 16—3, Eintrittsgeld 26 Ps. Reichstagsgebäudc. KönigSplatz. An Wochenlagen 8'/»— O'/s vormittags, am Sonntag 2—4. Eintrittsgeld 50 Pf. Stcruwarte. Endplatz 3». Mittwoch und Sonnabend, im Sommer 6—11, vormittags, lm Winter 16—11 vormiitagS. Stermvarte. Treptower Part. Täglich von 2 Uhr nachmiltagS ab, im Sommer bis 12 Ubr nachts, im Winter bis 16 Uhr abends. Eintritts- geld: 56 Ps. für Besichtigung der Sternwarte und des Astronomischen MuscumS, 1 M. für Beobachtung mit dem groben Fernrohr. Sternwarte der.Urania". Jnvalidenstr. 67)62. Täglich TU—U Uhr abeudS. Eintrittsgeld 56 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 43. Täglich von 16 Uhr vormittags ab. Eintrittsgeld 56 Pfennig'(für Abendvorstellungen von 1 Marl an). --- tag. Bitlkerkunde-Museum Bertehrs- Dlcnötag. Dom und Baumuscum. Jnvalidenstr. 5t. Sonntag 11—4, onnerStag, Freitag 16—4, Mittwoch und Sonnabend 2—8. kunde-Muscum. Könlggrätzerstr. 126. Besuchszeit wie beim Men Museum. Zengliaus. An der Schlohbrücke. Wochentags(ausser Sonnabend): März bis Oktober 16—3, November bis Februar 16—2; am Sonntag und an den zivctte» Feiertagen 12—3. Zoologischer Garten. Eingänge: Lühow-Nser, Kurfürstendamm und Stadtbahnhof. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Mart,(abends nach 6 Uhr 56 Pf.), an Sonn- und Festlagen 56 Ps.; Kinder die yäiste. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Ps. BrUfhaften der Redaktion. Die fiirinifihe Cvrcchsiiinve finde» Friedrtchftr. IN,'Aufgangs, eine Treppe(BandelSstiitte Bellcallianc«, Tnrchgang auch vindenstr. IUI), wochentäglich von bis»'1, lltir abend» ftntl. iSeäftnel 7 Uhr. Sonnabeiid» beginnt die Sbrcchstnnde um), Uhr. Nachmittag» 4'), Uhr: Einer muss heiraten. Bertin in Italien, vcr- botene Wege. Slietropol. Der Teufel lacht dazu. »Ipollo. Der HochzeilSgast. Epe« zialitäten. TEalhalla. Spezialitäten. Gebr. Hcrrnfeld. Madame Wigl Wag. ES lebe da» Nachtleben. Passage. Bernardi. Spezialitäten. TSintergarten. Anne Dancrey. Amue Dirken». Spezialitäten. Arater. Der Tanzteusel. Figaro. Pari».— Die Klaue.— Unterm Bett. ütetchSballe». Stettin«» Sänger. Carl Haverlaud. Spezialitäten. tlraiiia. Tandeustriiike 48)49. Abend» 8 Uhr: Von der Zug- spitze zum Watzmann. Sternwarte, Jnvalidenstr. 87)62. Ferdinand llonns Berliner Theater. Sonnabend, 81. Aug., abend» 8 Uhr: Telelliv-Komödic in 4 Auszügen von _ Ferdinand Bonn. Kleines Thealer. Ansang 8 Uhr. Die Stimme der Uumündigen. Sonntagnachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Sonntagabend 8 Uhr: Die Stimme der Unmündigen. Montag zum 49. Male: Vater und Sohn. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Jnvaltdenftr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7>/,— 11 U. abd«. ZOOldCISCHER CARTEN ; Täglich ab nachm. 5 Uhr:, Großes Militär- Doppel-Konzert.| Eintritt 1 Mk., von abends 1 ' Ö Uhr ab 50 l'f., Kinder unter' 10 Jahren die Hälite., Zentral-Thealep. Täglich 8 Uhr: DaS Tagebuch einer Verlorenen. Idealer lies Vealeos. Abc»dS 8 Uhr: IMo liiNtif-c Wlttre. Operette in 8 Alien v. Franz Lehlr. Luisen-Tlieater Reicheubergerstr. 34. Sonnabend, dm 31. August: Taramlot. Sonntag nachm.: Das Rätsel feiner Ehe. Abend«: Turandot. Montag: Gebildete Menschen. Metropol-Thealer Anfang; 8 Uhr. Große Jahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor HoUaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überaU Letzte Woche! DaS kolossale Auguftprogr. U. a.: s',. Humsti-Bumsti. ov. Schenk Bros., zwei Berliner Jungen. u°„ Hartstein. MMMIM Gr. Fraiitsurlerstr. 132. Im Garten. Ans. l'/j Uhr: DaS glitnzende August-Programm. Sperrsitz 56 Ps. Entree 36 Ps. Im Thealer abend» 8>/, Uhr: Der»rotte Unbekannte. _ Sammerpretse. Scli Iller-Thea ter. 5«i>IlIor-7be»lee0.tWallner.Theater). Morwih-Vper. Sennabc II d. abends 8Uhr: Schluss der Operilsaison. Populäre Vorstelluna b. halb. Preisen: UlKaroft Hochzelt. Kom. Oper In 3 Akt. v. W. A. Mozart. Sonntag: Wiedereröffnung der Schauspielsaison nachm. 3 Uhr: Tranninlns. Sonntag, abenv« 8 Uhr: 4V>'t,' dorn der Ilixt. Montag, abend» 8 Uhr: Der Herr Senator. Sodillar-lüeater Vkaklottendveg. Zennabend. abend« 8 Uhr GOtz von Berlichingen. Schauspiel In 6 Auszügen von Wolsgang Goethe. Sonntag, nachm. 8 Uhr« Donna Vnnna. Sonntag Her II abend» 8 Uhr: err Senator. Montag, abend« 8 Ubr: GUtz von Berlichinjeen. Wir gehen zu St Hfl 9 165 Friedrichstr. 165 am das Bfcaeste zu sehen— den Rechtsanwalt Hau und andere Sehenswürdigkoiton. Prot.: S.K.K.H. d. deutsche Krön n. 8. H. Herz..Toh. Albr. z. Me eklbg Deutsche flrmEEvMarinc u. Kolonial- A Ausstellung M■ U K A Wannsee-Bhf. Friedenau. Heute: 50 Pfennige. Konzerte. VergnQgnngspark Gr. Attraktionen. Voranzeige: SONNTAG: SEDAN-VOLKSTAG. Eintritt 50 Pf. und 2 Kinder frei. Gebr. Herrnfeld- Tlieater. 57 Kommandantenstrasse Nr. 67. Anfang 8 Uhr. Billettvorverlaus 11—2 Uhr. Tttellch: Hie Novität Operetten-BurleSke von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre Sslebe das Kachtieben! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Da» Lied der Liebe" und da» „Anekdoten-Couplet" au» der Operetten-BurleSke„Mab. Wig» Wag- find im Theater sowie in allen Mufikallcnhandlg. zu haben. Anne Hnnerev, Pariser Säng. The 8 Ensliah Girl«, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Karowukyz, Akrobaten, „Die Bauomjungon im Walde". Le Roy Talma n. Bosco, Zauberkünstler. AKunzt, komischer Jongleur. George II. Ueno Company, amerikanische Exzentriks. Annle Dlrken». Olga Preobrj�jensky, Prima Ballerina, u. M. Legat, Solotänzer v. d. kais. Hofopor in Petersburg. Paplntu, amerikon. Phantasie-- und Spiogoltänzerin. Kelllno Truppe, ,In Venedig'. The Hartlcys, Springer. Oer Biograph. Passage-Theater. Jeden Abend 8 Uhr; Artnro Bernardi f and das neue I • groll artige• August-Programm, i 14wAttraktioi«en 14.' »M WMMA» W.Koacks Theater Direktion: Hob. Dill, önnmenflt. t«. Letztes Austr. d. August-Spezlalitäten. 8 Uhr! Zum erstenmal I 8 Uhrl Der Millionär«. s. Schwiegersohn Schauspiel in 5 Akten von Lcmbert. Ans 6 Uhr. Kaffcetüche 3 Uhr. Ball. Bei schlechtem Welter: Vortt. im Saal. Max Kliems Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. 8 Uhr (er. ä Direktion: Richard Alezander. Sonnabeud. 31. August, Haben Sie nichts zu verzollen? Schwant in 3 Akten von Maurice Hennequin und Pierre Pcber. Sommer-Theater pasenheide he Leitung: 13/15. Paul«ildltr. vrtistis ßigliclK Gr. Konzert, Theater o. SpezialitÄten-Forslellunp. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Glite-Dag. Die Kaffeckllche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Palast-Theater. * Burgstraffe 24. Heute 8 Uhr: Premiere. Zum erstenmal tn Berlin: DaS ÄWMck Mr. l>ie 5 Maruos Th© Xewports n str. usw. Entr» 60 Ps. Borverk. v. 11—1 Uhr. Va!llsgaslaff-TIiaaI«s. gad-Sedmalraöe— llaknkot Lesund- drunnen— gellermannatrakb. Die Beilcheufee. DolTSstück m. Gesang in 2 Akten von W. Gericke. Musik von Max Schmidt. Hierzu: Da» neue Bnumen-Tlieater Badstrasse 58. Direkt.; Bernh. Rose Heute: Benefiz sür die HauSklllner Die Tochter des Heimgekehrten John. Stvr..... Bernhard Nose. ' erstklassige SPeztalilSten- Programm. . D»nl Gofndlnl.'DMA Anton Sattler. X X Mr. Hopkins The Oammann Family. Rosa und Josefa Blazeks. die zusainmengewachsenen Zwillinge. Kaffeneröffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Da» frödelZ Uferlel-Ibeslei' Schönh. Allee 148. Kastan..Allee 97)29. Aelteste« Voltsthcater Berlins. Heute: Abschiedsvorstellung für die Raringtrnppe. Das Riesen-Angust-Programlu. U. a.: Die Raclngtruppes Xramer-Tri», Max RA», Gaffron usw. JW Grosser Jubel l D» k Bombardier im Feuer. Im Saale: Groffer Ball. Ansang 4'/, Uhr. Entree 36 Pf. Ab 1. September: Karl Braan. Am 6. September Doppel» Benefiz. Vorstellung für Minnio Russe und Willy Frdbel: Der Raub der Sabinerinncn. Sciiweizergarton Am KBnigstor. Am Friedrlehshaln. Strassenbahn 1.2,4,17,59, 62, 63 u. 74. Täglich: Vdesler-Vorslellullg. Neue Lpezislilsleo. ITrclcr Uamcntnnz. Ansang 5 Uhr. Entree 30 Ps. Praler- Theater. Kastanlen-Allee 7)9. Der Tanzteufel. SpezlalltUton 1. Range«. Austreten her littwcnhrnut THIy mit ihren dress. Löwen. Konzcx-t und Ball. Ansang 4'), Uhr. kjem-WMeo-kroMOi. __ BolkSbelustignngen._ Braatz' Amerikanischer Alfen ArKus u In Brockmann. UV- Am Prenzlauer Tor.-TpQ Täglich: Gr. Borstellung S'/, Uhr. Ausserdem Sonntags, Feiertag«, Mitt« wachs u. Sonnabend» nachm. 4 Uhn crlrA-lllnller- u. Funlllsn-Vorttellung. Köpeutckerstraffc 68. Ansang VI, Uhr. Zum ersten Male: Der Aktienbudiker. Gesangsposse von D. K a l t s ch. (Josesuie Dora, Heinz Kordon, Marie Grlmm-ElnöoShoser.) keiedLdAlIell-Idsalei'. Täglich: Brltton al» Aute im Familien- lab Wannsee. Ans. Wochent. 8. SonnlagS 7 Uhr. itawr Hasenheide 108-114, Täglich t Gr. Doppel-Konzert i ilil und Hervorragende» Programm. Unter anderem: conle Seranos Löwen-Dressuren. Ansang 6 Uhr. Entree 25 Pf. Kasino-Theater. Lolhringerstr. 37. Täglich 3 Uhr: Nie ioildc Ingd. :1!L Ludwig Fulda. Vorher d. glänz. Eröffnung«« Progr. 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Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in WUrsburg vw sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. _ Man verlange ebendaselbat Flugschriften und Prospekte._ J" NleigtWffeu. K-Ilrgen iifw. SJAri't.™ IIS Raauhnftr.«S-S?? Ä1'™ Ähi" der olle T— e— p— p— e— r von Rixdorf HCl HI. bCUuIIUl. vi-esltensrsti'. ttk V/dWCll /\1 IIUIU(Kein Uden) am OranienpUtC l)ut und Mutzen Sngrssgesdiält! Einzelverkauf zu auffallend billigen aber festen Preisen Preisenl Steife HcrrenhQte v, 2.00—7,00 Welche HerrenhOte v. 1J50-7.00 Motzen- und Daraenhflte. Partei- Speditionen: Eentrrim I: Fritz Zinke, Mauerstr. 89. Zentrtim II: Albert H a h n i f ch, Auguftstr. 50, Eingang Joachimstraße S. Wnhlhrci«, W e st e n: Gustav S ch in i b t, Bülowstr. 52. Hos. , S ü b e n unb Sübweften: Hermann Werner, Gneifenaustr. 72, Laben. S. WnhIIrrcI«: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hof rechts pari. 4.■Wohihrcl» i Ost e n: Robert W e n g e l s, RüberSborferstr. 3, am Küstrinerplatz.— Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4(Laben). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laben). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Neibelftr. 42(Laben). 0. Wahlkreis(Roablt unb Hnnsavlcrtcl): Karl Anders, Salzwedelerflr. 8, im Laben. Weckcking: Karl Weiße, Nazarethkirchstraßc 49. Rosenthaier und Oranienburger Vorstadt: Hermann N a f ch k e, Ackerftr. 36, Eingang Zlnklamerstraße. Gesn nckhrnnnen: F. Trapp, Stetttnerstr. 10. Sehiinhanser Vorstaiit: Karl Mars, Lhchenerstr. 123. VIt-Giienieke: Wilhelm Dürre, Nudowerstr. 83 II. Cbarlottenbnrg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ecke Goethestraße, Laden. Wllmersdorf-Ralensee: Georg F e e s e, Berlinerstr. 46, Laden. Elelitenhorg, Erieckriehsfeicke, Wiiheimsherg: Otlo S« i k e I, Kopuprinzenstraße 50, I. Rammclsburg, Boxhagcn:A. Rosenkranz, Alt-BoxHagen 56. Griiiian: Otto S ch r ö d e r, Köpenickerstr. 1. Rixiiorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Schmargcudorf: Gustav K a m i n s k y, Cunostraße 2. «ohiineberg: Wilhelm Bau ml er, Martin Lutherstr. 5l, im Laben. Vernpelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober-Scbbneweide: Julius G r u n v iv, Edisonstr. 10, I. Zlieder-itzi.ehöneweide: BouakowSky, Hasselwerberstr. 8, dobanni�thai: Franz Hünvlb, Bismarckstr. 7. Vdiershqf: Erich Steuer, Hackenbergstr. 5, II. Rönigs-W usterizapsen: Friedrich Baumann, Luckenwalder» straiie 4b. Kiipcnlck: Friedrich W a i ck, Kietzerstr. 6, Laden. Eriedenan-Siteglitr.-Siideiuie: H. Seinfee, Schloßstr. 115, Gartenhaus I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. S ch e l I h a s e, Ahornstr. 15». Rarionckorf: Paul Müller, Bergstr. 35, Hos I. Rannischalcnw eg: Stock, Ernststr. 2, II. Treptow: Rob. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. Itlen-Weivensee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Reiaiekendorf- Ost, Wilhelmsrah und Schlinholz: P. G u r s ch, Provinzstraße 108, II. Tegel, Borsigwalde, Wittenaa, Waldmannslast, Hermsdorf und llcinlckendorf• West: Paul Kienajt, Borsigwalde, Räuschstrabe 10. Raakow-Viedersehiinhaasea: G. F r e i w a l d t, Mühlen str. 73. Bernau: Heinrich Brase, Hohesteinstr. 74, Part. Eiehwalde, Reuthen, Micrsdorf und Hankcls Ablage: Alfons G r ä tz, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, I. Teltow: Wilhelm Keßler, Hohersteinweg 7. Xowawes: Wilhelm Joppe, Priesterstr. 46. Spandau: Koppen, Jagowftr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu habe». Attd) tOevbCtt �IlfCfUtC fÜV den„Vorwärts" entgegengenommen. BW Bitte ausschneiden.~SM ll/alhalia v v Variefe-Garfeh Weinbergsweg 19/20, Z!o!enth. Tor. Spezialitäten. Dressierte Büren. Ans.: Konzert 5; Vorstellung 7Uhr. BMSP" Bei ungünstigem Wetter Vorslollung im Theater 8 Uhr. Ziehung amSO.SepK 120000 Gewinne W MK 90000 Zwei Hauptgew. rus W. 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Wir danken dem Dahingeschiedenen für seine hingebende Förderung unserer Sache und sprechen seiner Familie unser herzliches Beileid aus. 150/3 Die Verwaltung der Netten freien Volksbühne. Arbeitsnachweis: Hos L Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin..Hauptbureau: Charittstrabe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Montag, den 2. September 1907, abends 8 llljr, im Gewerkrcbaftöhaufe, Engel-Ufer 15, gr. Saal: V ersammlung aller in den Tarifmerbltätten der Gelbmetall-Imiastrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns der Schlichtungskommission. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegenheiten. Kollegen und Kolleginnen! In Anbetracht der Wichtigkeit der Tages. ordnung erwarten wir zahlreiches und pünktliches Erscheinen. MF" Den Bertraiiensmännern der Süden-Bezirke zur Nach- richt, daß die Konferenz für Monat September ansfällt. 147/20 Die Di-tsvci-waitang. Zentralverband dar Steinarbeiter Deutschlands Filiale Berlin II. Sonntag, de« 1. September, vormittags 10 Uhr, im»Englischen Garten«, Alexanderftraße 37 e: Außerordentliche Mltglleder-Versamniliing. TageS-Ordnung: Der gegenwärtige Stand unserer Tarijbewegung und unser weiteres Verhalten.— Mitgliedsbuch legitimiert. Vollzähliges Erscheinen erwartet_ Der Borstand. Zur Beachtung! Folgende Zahlstellen sind neu errichtet worden: Zahlstelle 69: EktpsoM! Lokal Rohlan, Kiesholzstraße 35. . 70: KaUMschllltMtg:«--.dl-er� Baumschulen. . 71: Marschanerstr. 22: bei Raauemaua. - 72: KtlNlckevdorf-Mtst: 8ofal*chÄ'2�arnweJer- 93/9 I. 21.: Die Ortsverwaltung. Rlxdorf. Sozlatdcmokratlfchcr ------- Mahlvepein------ Dienstag, den 3. September, abends 8 Uhr, im Lokal von Hoppe, Hermannstraße 46: Oeffentl Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Internationalen Kongreß in Stuttgart. Referent: Genosse 2!etscii- Charlotteilburg. 2. Bericht von der KreiS-Generalversammlung. 3. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht(235/12) Der Vorstauck. Achtung! HasselwerdeF, Nieder-Sciiöneweide. Inhaber: Albert Schernch. Jeden TienStag Großes Kinderfest. Jedes Kind erhält eine Kops. beoeckung und 2oS gratis, llasperls- Theater, Fackelpolonaise, Verlosung und Frei-Tanz. Entree 10 Ps. Born Schlesischen Bahnhos bis Nieder- Schöneweibe 10 Pf. Um geneigten Zuspruch bittet 5477L' Albert tSeherueh. mn Lröffnung«er Kerbst- und Wintersaison! Heute nachmittag von 4 Uhr an Hocheleg. reizende Neuheiten in Pliisch- und Pelzkonfoktion, Kostümen, Röcken, Blusen usw. Orig.-Modelle Paris- Wien• American- Kopien. Sehr günstige Gelegenheitskaufe Große Auswahl auch für allerstärkste Figuren vorrätig. Ferner: Total-Ausverkauf lies Frühjahrs- und Sommerbestande in Staub-, Regen-, Uebergangs- und Seidenmänteln, Tatttjacketts, Kleidern, Kostümen, Röcken, Blusen usw. in 6 Serien nun 3U des Wertes und mehr ermässlgt 'Verantwortlicher Redgkteur; Weher, Berlin. jetzt M. 5.50 1 M. 9.50! 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Uhr, von der Leichen- 1 halle des Emmaus-Kirchhoses in! Ripdorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet 147/19 Bie Ortsverwaltung. 1 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die großen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlich?!: Mannes und lieben Vaters, des Majchinensormers 2593b Heinrieh Kube sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten sowie der Firma Har- iung, Prenzlauer Allee, für ihre Hülseleistung bei der Beerdigung, wie auch dem Deutschen Metallarbeiter- Verband, den Genossen des sechsten Wahlkreises, als auch den Musikern und Sängern für ihre vorzügliche Leistung, auch für die liebevollen Be- weise in Hentschels Lokal. Reinicken- dorserstraße, unseren herzlichsten Dank. >Vitwe Hedwig Kube u. Tochter. Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden, Prinzenstr. 41, m".z. 10— 2,5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Von der Reise zurück: Hermann Kail, Denüst. Landsbergerstr. 71. _ Für Zahnleidende 8—8. Dr. Schünemann Spezial-Arzt für 54271!» Haut- und Rnrnlcidcn, I'rancnkrankhcitcn. Fricdrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10-2. 5—7. Sonnt. 10—1» Uhr. Orts- Krankenkasse für r-Mieii Die von der ordenilichen General- Versammlung vom 29. April 1907 beschlossene Abänderung betreffend §§ 49 und Ifta hat die Genehmigung der Aussichtsbehörde erhalten. Die Wahlen der Vertreter der Mitglieder ersolzen nunmehr in ungetrennler Wahlversammlung. 278/19 Ober-Schöneweide, 29. August 1907. Der Verstand. gez. C. Liesegang, Vorsitzender H. Rodend usch, Schristsührer. Soeben ist eine dem Andenken Auers gewidmete Schrist, betitelt: Xgmz Huer eine 224/5 Gedtlibschrist von Eduard Bcrosteln erschienen. Der Verfasser behandelt In zwöks Kapiteln den Lebensgang des Ver- storbenen. Die Schrist ist gut au-5- gestaltet, mit mehreren Jllustrattonen versehen und kann jedem Arbeiter bestens empfohlen werden. Der Preis beträgt 20 Pf. Expedition des„Vorwärts", Berlin SW., Lindenftr. 69. Laden. 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Juli, einem Sonnabend, wollten sie sich Gewißheit verschaffen und öffneten nach Geschäftsschluß das Pult des Klägers, wo sie auch eine halbgefüllte Flasche„Gorki" vorfanden. Sie konfiszierten den ominösen Schnaps und entließen am Montag den Lagerverwalter. Wie die Beklagten gestern aus- führten, stützten sie die Entlassung nicht nur auf die Entdeckung des Schnapses, sondern auch auf die Duzbrüderschaft mit den Arbeitern(!). Denn es sei für einen Kaufmann, be- sonders in der Position des Klägers,„unwürdig"(!!) mit dem ihm unterstellten Arbeitspersonal auf Du und Du zu stehen(!!!). Der Kläger hingegen behauptete, es sei sein gutes Recht, sich au duzen, mit wem er wolle. Was den„Gorki" anbeträfe, st habe er gar nicht i h m gehört, sondern dem Werkmeister, «r ihn gebeten habe, das Fläschchen bis zur nächsten Woche auf- zvhcben. Durch die Vernehmung des Werkmeisters wurde diese Behauptung auch bestätigt. Das Kaufmannsgericht verurteilte die Firma zur Zahlung des Rcstgehalts von 120 M.. indem es die sofortige Ent- lassung als ungerechtfertigt ansah. Aus der Duzbrüder- schaft könne die Firma keinen Entlassungsgrund herleiten, denn die Chefs haben davon schon lange vorher gewußt, ohne daß sie daran Anstoß nahmen. Der Wahrheitsbeweis, daß Kläger am 13. Juli Schnaps getrunken habe, sei mißglückt, es habe im Gegenteil die Beweisaufnahme ergeben, daß der im Pulte auf- gefundene Schnaps dem Kläger nur zur Aufbewahrung übergeben worden war. Dieser hat der früheren Verwarnung somit nicht zuwider gehandelt.— Da» unverständige Verhalten einer verschwciidüngSsüchtigen Frau hat den bisher unbescholtenen Handlungsgchülfen Emil B r i e n- h a g e n, der gestern unter der Anklage des wiederholten Diebstahls vor der ersten Ferienstrafkammcr des Landgerichts I stand, ins Unglück gebracht. Der junge Mann, der sich bis dahin einwands- frei geführt hatte, war in einem hiesigen großen W-erenhause an- gestellt und genoß das volle Vertrauen seiner Chefs. Zu scinfcm Unglück besaß er eine Frau, die nicht zu wirtschaften verstand und außerdem in der leichtfertigsten Weise Geld für Tand und allerlei unnütze Dinge ausgab. Als sie starb, hinterließ sie ihm eine große Zahl unbezahlter Rechnungen, deren Begleichung dem Angeklagten, der noch drei Kinder zu versorgen hat, große Sorge bereitete. Darüber hat er das moralische Gleichgewicht verloren. Er suchte seine finanziellen Schwierigkeiten dadurch zu überwinden, daß er sich an dem Eigentum seiner Chefs vergriff. Er hat zugestandener- maßen nach und nach Chaiselonguedecken, Portieren u. a. im Ge- samtwerte von etwa 1500 M. aus dem Geschäft hinausbefördert und im eigenen Nutzen verkauft. Seine Abnehmer waren Be- kannte, denen er vorredete, daß er vermöge seiner Stellung Ge- legenheit gehabt habe, von einem Fabrikanten die Ware billig zu erstehen. Einer dieser Abnehmer, der dem Angeklagten aus gutem Herzen 100 M. geborgt hatte und dafür als Bürgschaft einige Decken in Empfang genommen hatte, ist durch diesen Freundschafts- akt noch in die üble Lage gekommen, unter der Anklage der Hehlerei neben dem Angeklagten vor Gericht sich verantworten zu müssen. Er wurde freigesprochen, B. aber mit Rücksicht auf den groben Vertrauensbruch, den er begangen, zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Eine saubere Erzieherin. Mutter und Sohn mußten sich gestern wegen Diebstahls bezw. Hehlerei und Anstiftung zum Diebstahl vor dem Strafrichter ver- antworten. Vor der dritten Ferienstrafkammer des Landgerichts III war der 13 jährige Schüler Johannes Frank aus Spandau in Ge- meinschaft mit seiner Mutter, der Frau Emma F., angeklagt. Es handelte sich um einen der überaus traurigen Fälle, in denen eine Mutter ihr eigenes Kind auf den Weg des Verbrechens führt. Die Angeklagte F. ist nicht weniger als fünfmal wegen Diebstahls und dreimal wegen Betruges und anderer Eigentumsvergehen vor- bestraft. Ihre diebische Leidenschaft übertrug sie auch auf ihren 13 jährigen Sohn, der bei dem Eicrhändler Moczkowitz in Spandau als Laufbursche beschäftigt war. Sie überredete den Knaben, den Schlüssel zur Ladenkasse zu entwenden. Als sich der Junge erst weigerte, drohte sie ihm mit Schlägen! Am nächsten Tage brachte er tatsächlich den Schlüssel mit nach Hause. Bon der eigenen Mutter erhielt er sodann die genaue An- Weisung, wie er die Ausplünderung der Ladenkasse bewerkstelligen sollte. Einige Tage später drang Johannes F. in früher Morgen- stunde in das M.'sche Geschäft ein und raffte aus der Ladenkasse in aller Eile die größten Geldrollen zusammen, die dort aufbewahrt lagen und überbrachte sie seiner Mutter. Seine Vermutung, daß sich in diesen Rollen viel Geld befinden würde, bestätigte sich nicht, denn beim Auswickeln zeigte es sich, daß sie nur Nickel- und Kupfer- geld enthielten. Die kleineren Geldrollen, die Zwanzig- und Zehnmarkstücke enthielten, hatte der jugendliche Dieb achtlos liegen lassen. Vor Gericht waren beide Angeklagten geständig. Dem Antrage des Staatsanwalts gemäß erkannte die Strafkammer gegen Johannes F. wegen Diebstahls auf einen Monat und einen Tag Gefängnis. Gegen Frau Frank läutete je- doch das Urteil auf ein Jahr Gefängnis wegen Anstiftung und Hehlerei. Zugleich wurde die Angeklagte wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. Schmutzige Rache. Eifersucht war die Ursache zu einer sehr leichtfertigen Handlungsweise, welche gestern den Kaufmann I ö r s ch e l unter der Anklage der Urkundenfälschung vor die 7. Strafkammer des Landgerichts I führte. Der bisher unbescholtene Angeklagte, der sich in einer sehr guten Position befindet, lernte vor etwa sechs Jahren eine Frau Olga Th.' kennen und lieben. Frau Th. lebte von ihrem Manne getrennt, fühlte sich auch bevor ihre Scheidung ausgesprochen war, schon sehr vereinsamt und war deshalb gar nicht unwillig darüber, daß ihr der Angeklagte den Vorschlag machte, ohne die üblichen Formalitäten vor dem Standesamt mit ihm zusammen zu leben. Dieses Verhältnis währte auch zur beiderseitigen Zufriedenheit mehrere Jahre. Nur hin und wieder kam es infolge der maßlosen Eifersucht des Angeklagten zu Diffe» rcnzen. Obwohl es Frau Olga mit der Treue absolut genau nahm, wurde ihr von feiten des Angeschuldigten das größte Miß- trauen entgegengebracht, welches sich schließlich immer mehr steigerte und zu Beobachtungen durch Detektive führte, bis es eines Tages aus diesem Anlaß zu einem vollständigen Bruch kam. Frau Th. nahm sich eine andere Wohnung und schrieb ihrem che» maligen Anbeter in sehr drastischer Form, er solle sie ein für alle Male in Ruhe lassen. Dem Angeklagten war diese Trennung von Tisch und Bett schon nach einigen Tagen wieder leid geworden. Als seine zärtlichsten Briefe nichts fruchteten, verwandelte sich seine einst so heiße Liebe in glühenden Haß. Von dieser Zeit wurde Frau Th. mit anonymen Schmähbricfen überschüttet, die von Obscönitätcn und Beleidigungen strotzten. Auch ihxe Hauswirtin erhielt derartige Briefe; eine Stellung, die sie angetreten hatte, mutzte sie verlassen, da der anonyme Briefschrcibcr sie auch bis hierher mit seinen Verleumdungen überschüttete. Ein Brief folgenden Inhalts wurde u. a. von dem Anonymus an die Krimi- nalpolize, gerichtet:„Die Frau Th. in der Johannisstraße wirft vom Fenster aus jedem Vorbeigehenden schmachtende Blicke zu. Was sollen wir armen Midchen von der Straße tun, wenn unS in der Weise Konkurrenz gemacht wird. Eine für viele Martha Grögner." Tatsächlich wurde auf Grund dieser versteckten Anzeige gegen die Frau Th. ein Ermittclungsverfahren anhängig gemacht. Im Laufe dieses Verfahrens stellte es sich heraus, daß die sämt- lichcn Briefe von dem Angeklagten herrührten, der sich in dieser Weise zu rächen gedachte. Die Folge war eine Anklage wegen Urkundenfälschung. Weitere Strafanträge sind von der Frau Th. nicht gestellt worden, da diese sich inzwisckcn wieder mit dem Angeklagten ausgesöhnt hat. Wie der Vorsitzende in der Urteilsbegründung ausführte, könne man den Angeklagten nur als einen verliebten Narr bezeichnen, der sich in krankhafter Erregung zu dieser eigenartigen Betätigung seiner Rachegelüste habe ver- leiten lassen. Das Urteil lautete deshalb nur auf 3 Tage Ge» f ä n g n i s._ lygienische llcdnpfsaptikel, Gummiwaren, lOOOe Änerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. 1 byg. Präp. Berlin 0., Holz- | marktetr. 69-70. 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