Dr. SO«. BbonnfmentS'BfcHngnngen: «ionnementS- Preis pränumerando! Werteljährl. ZL0 Mr, mortaU. 1,10 TOf., wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Eonntags. nununer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- «donnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Numünten, Schweden und die Schweiz. S4. Jahrg. erfcht»! tZgilch nütt m od tagt. Verlinev Volksblakk. Die Tnfcrt)onS'Gebü!»r betrögt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum K) Pfg, fflt politische und gewerkschastliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedcS weitere Wort 6 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Ndresse: „Sozlaldtmokrat ßtrlln". Zentralorgan der fdztaldemokratirchen parte» Deutfchlanda. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 4. September 1907« Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Herrn Arndts Rechtfertigung. Der Abgeordnete Dr. A r e n d t hat bekanntlich im PeterS- Prozeß in München unter seinem Eide Erklärungen abgegeben, die mit denjenigen der gleichfalls vereideten Frau des verstorbenen Kolontaldirektors Dr. K a y s e r im schroffsten Widerspruch stehen, so daß eine von den beiden vereideten Personen unwahre Be» hauptungen aufgestellt haben muß. Wie der Leser sich erinnern wird, handelt eS sich bei den Widersprüchen zwischen den sowohl im Prozeß selbst als auch schon vorher abgegebenen bestimmten und w 0 h l ü b e r- legten Erklärungen der beiden Genannten in der Hauptsache darum, ob Dr. Arendt im Jahre 1895 bei seiner Stellungnahme für Dr. PeterS dem damals erkrankten Direktor Dr. Kayser in dessen Privatwohnung beleidigend und drohend entgegen- getreten ist, so daß Dr. Kayser den Dr. Arendt auS dem Hause gewiesen hat. Frau Kayser hat das bei ihrer cid- lichcn Vernehmung ebenso bestimmt bejaht, wie cS Dr. Arendt, gleichfalls unter seinem Eide, verneint hat. In seiner jüngst erschienenen Schrift„Ein Meineid?" glaubt nun Dr. Arendt den Beweis dafür erbracht zu haben, daß seine Erklärung die richtige, die„Mordsgeschichte" der Frau Kayser aber„unwahr und freie Erfindung" derselben ist. Man kann nun aber wirklich nicht sagen, daß die Broschüre Arendt's eine Klarstellung des Sachverhalts zu seinen Gunsten bedeutet, wiewohl der Verfasser sich selber dazu beglückwünscht, „Belege gefunden zu haben, welche die Wahrheit seiner gericht- lichen Aussage zweifelsfrei klarstellen". Träfe das in der Tat zu, so würde wohl auch die Staatsanwaltschaft, welche gleich nach Beendigung des Petersprozesscs wegen dieses Falles die Akten eingefordert haben soll, die gesetzlich notwendige Kon- scquenz gezogen haben, nämlich gegen Frau Dr. Kayser wegen Meineids eingeschritten sein. Daß letzteres nicht geschehen, beweist, daß Dr. Arendt's begreifliches„Empfinden der Freude und des Dankes" über das Ausfinden der für ihn wichtigen„Belege" zum mindesten verfrüht ist. Es ist natürlich gänzlich unmöglich, in dem eng gezogenen Rahmen eines Zeitungsartikels die von Herrn Arendt in seiner K3 Seiten umfassenden Broschüre angeführten Tatsachen und Bc- hauptungen sämtlich kritisch zu beleuchten. Dazu wäre ein Raum erforderlich, der dem der Arendtschcn Broschüre mindestens gleich käme. Nur einzelne Punkte sollen daher hier zum Beweise dafür berührt werden, daß die Sachdarstcllung des Dr. Arendt durchaus nicht hinreicht, um die Angelegenheit völlig zu klären, daß ins- besondere die aufgefundenen Belege keineswegs jeden Zweifel ausschließen, daß Frau Dr. Kayser einen Falscheid geleistet habe. Die nach Herrn Arendt's Ansicht für ihn so wichtigen„Belege" bestehen zunächst in denjenigen Briefen, die er mit Dr. Kayser in Sachen Peters gewechselt und seinem Schützling Dr. Peters über- lassen haben will und die zusammen mit anderen Dokumenten aus jener Kiste, die in der W i l h e l m st r a ß e erbrochen sein soll, verschwunden sein sollen. Da schon Herr Arendt nicht umhin kann, selbst zu schreiben, daß„die Geschichte von dieser Kiste wie ein Hintertreppenroman klingt", haben wir dem nichts hinzuzufügen. Aber selbst wenn diese für Dr. Arendt so überaus wichtigen Briefe in dieser hintertreppenromanhaften Weise verschwunden sein sollten, so wäre das gar kein so großes Unglück für Herrn Arendt. Derselbe wird uns Dank wissen dafür, daß wir ihn auf die bekannte, von ihm wohl nur im Momente begreiflicher Er- regung vergessene Tatsache aufmerksam machen, auf welche in der Wistuba-Sache Herr von Loebell dem Abg. Roehren hinwies: daß nämlich die Behörde stets die Konzepte der aus- gehenden Schrift st ücke aufbewahrt. Der von Herrn Arendt so schmerzlich empfundene Verlust ist also nicht so groß; der Schaden läßt sich leicht reparieren. Herr Arendt braucht sich ja nur Abschrift des Schriftwechsels zu besorgen, der sich in den Petersschen Akten befinden muß. Bei seinen vorzüglichen Bc- Ziehungen zur Behörde, die ihm sogar ermöglichen, in geheime Akten hineinzusteigen, dürfte es also für Herrn Arendt eine Kleinigkeit sein, die Lücke in seiner Beweisführung auszufüllen. Uebrigens wäre auch der Staatsanwaltschaft, die ja bereits ein Auge auf diese Sache geworfen hat, die Möglichkeit der Ergänzung des Beweismaterials geboten. Die Staatsanwaltschaft würde sogar zu dieser Ergänzung verpflichtet sein, da dieselbe nach dem anscheinend zuweilen übersehenen Abs. 2 des§ 158 der Straf- Prozeßordnung„nicht bloß die zur Belastung, sondern auch die zur Entlastung dienenden Umstände zu ermitteln hat". Herr Dr. Arendt wäre also sogar in der glücklichen Lage, eine für ihn wichtige Ergänzung seines Beweismaterials fordern zu können. Ein weiterer Teil der Belege besteht in den in der Broschüre wiedergegebenen Briefen, die nach Ansicht des Herrn Arendt un- fehlbar beweisen, daß die von der Frau Kayser behauptete Szene in der Privatwohnung ihres Mannes in Wahrheit niemals stattgefunden haben kann. Es erübrigt sich, diese Briefe hier sämtlich zu zitieren. ES mag sein, daß Frau Kayser sich insofern irrt, als jener, wie Frau Kayser behauptet, einzige Besuch des Dr. Arendt in der Privatwohnung ihres Mannes nicht schon im Februar oder März, sondern eventuell im Mai 1895 statt- gefunden hat. Auf die Erklärung dieser unerheblichen Differenz kommt eS indessen gar nicht an. Worauf es vielmehr ankommt, daS ist die Feststellung, ob Dr. Arendt damals, als er Dr. Kayser in dessen Privatwohnung aufsuchte, tatsächlich in der von diesem niedergeschriebenen und von Frau Kayser beschworenen Weise behandelt, d. h. hinausgewiesen wurde. Die Aussage der Frau Kayser wird nun aber durch die von Dr. Arendt publizierten,„ganz unerwarteter Weise unter alten Briefen gefundenen Schriftstücke, von deren Existenz Herr Arendt nichts mehr ahnte," ganz und gar nicht widerleg tl Wenn Dr. Arendt gegenüber der eidlichen Erklärung der Frau Kayser, baß Herr Arendt nur einmal inderPrivatwohnungihres ManneS gewesen sei, darauf hinweist, daß Dr. Kayser ihn wiederholt in seine Privatwohnung gebeten habe, so be- weist die? nichts für die Widerlegung der Erklärung der Frau Kayser. Und ebensowenig sind die publizierten Briefe geeignet, die Erklärung der Frau Kayser zu widerlegen. In Anbetracht der plötzlichen und schweren Erkrankung des Dr. Kayser zu damaliger Zeit— derselbe hatte sich eine Blut- Vergiftung zugezogen, so daß er schwerkrank nach Hause gebracht und bald darauf operiert werden mußte— ist es gerade nach den von Herrn Arendt veröffentlichen Briefen im hohen Grade wahr- scheinlich, daß die der festzustellenden Tatsache zugrunde liegenden Vorgänge sich folgendermaßen abspielten: Am 27. April 1895 bat Direktor Kayser auf Anregung des Dr. Arendt diesen in der üblichen Weise zur Besprechung am 28. desselben Monats, und zwar, da Herr Kayser damals noch nicht erkrankt war, und wie auch in der Einladung steht, nach dem Auswärtigen Amt. Infolge der plötzlichen Erkrankung des Dr. Kayser— der Tag seiner Erkrankung ließ sich mit unfehlbarer Sicherheit aus den Akten des Auswärtigen Amtes feststellen— dürfte der Besuch des Dr. Arendt im Auswärtigen Amt nicht stattgefunden haben. Denn wie der Geheime Legationsrat von Schwartzkoppen, der älteste Vortragende Rat in der Kolonialabteilung und Vertreter des er- krankten Direktors, dem Dr. Arendt unterm 7. Mai. also wenige Tage nach der Einladung zur Besprechung auf den 28. April, schrieb, ließ Herr Dr. Kayser Herrn Arendt mitteilen, daß er, Dr. Kayser, immer noch nicht hergestellt sei und das Haus nicht verlassen könne. Aus diesem Grunde möchte Dr. Arendt ihn, Dr. Kayser, doch in seiner Wohnung, Viktoriastr. 32, II, am 9. Mai auffuchen. Der weitere eigenhändige Brief Dr. Kayser'S an Herrn Arendt: Berlin, den 13. Mai 1835. Viktoriastraße 32. Sehr geehrter Herr Doktor! Am Dienstag nachmittag habe ich mit dem Verbinden der Wunden so viel zu schaffen, daß ich dankbar sein würde, wenn Sie mir erst am Mittwoch die Ehre ihres Besuchs schenken möchten. Mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergeben ' gez. Kayser. beweist nun keineswegs, daß Dr. Arendt bereits am 9. Mai den schwerkranken Dr. Kayser gesprochen hatte. Nach dem Wort- laute dieses Briefes ist es vielmehr nicht nur sehr wohl möglich, sondern höchst wahrscheinlich, daß Dr. Arendt sich am 9. Mai nach der Privatwohnung deS Dr. Kayser begeben hatte und daß, weil dieser infolge schwerer Erkrankung nicht zu sprechen war, Herr Arendt entweder erklärt hatte oder aber gebeten wurde, am darauffolgenden Dienstag wiederzukommen; daß sodann aber Herr Dr. Kayser Herrn Arendt auS dem im Briefe angegebenen Grunde bat,„ihm erst am Mittwoch die Ehre feines Besuches zu schenken". Auf Seite 51/52 der Broschüre, unmittelbar vor dem hier zitierten Briefe des Dr. Kayser vom 13. Mai 1895, schreibt Dr. Arendt: „Frau Dr. Kayser hat erklärt, daß ich nur einmal in der Privatwohnung ihres Mannes gewesen sei, ich habe dagegen im April 1896 ausgesprochen, daß Dr. Kayser mich wiederholt in seine Privatwohnung bat. Jetzt stellt sich heraus, daß ich auch hierin recht hatte. Am 9. Mai kam mir Dr. Kayser jedenfalls nicht zugerufen haben,„ich verbiete Ihnen, jemals wieder mein Haus zu betreten," denn ich fand folgenden eigenhändigen Brief Dr. Kaysers mit einer Einladung zu einer zweiten Unterredung, die augenscheinlich am 9. für den 14. Mai verabredet war. Der Brief lautet:(folgt Wortlaut obigen Briefes). Als ob Frau Kayser jemals bestritten hat, daß ihr Mann den Dr. Arendt wiederholt in seine Privatwohnung gebeten hat. Wenn Herr Dr Arendt feststellt, daß er da Recht habe, wo ihm niemals Unrecht vorgeworfen ist, dann kann eS mit der Beweiskraft seiner „Belege" nicht weit her sein! Warum erklärt Herr Arendt gegen- über der von ihm richtig wiedcrgegcbenen Aussage der Frau Kayser, daß er nur einmal in der Privatwohnung ihres Mannes ge- Wesen sei, d. h. diesen nur einmal in der Privatwohnung ge- sprachen habe, nicht frank und frei, daß er Dr. Kayser bereits am 9. Mai gesprochen hat und daß in dieser Unteredung am 9. Mai eine weitere Rücksprache für den 14. verabredet worden ist, die dann auf den 15. Mai verlegt wurde? Und wo steht denn im Briefe des Dr. Kayser vom 13. Mai an Dr. Arendt etwas von einer Einladung zu einer zweiten Unterredung, wie Herr Arendt schlankweg angibt. Dr. Kayser bittet in diesem Briefe den Dr. Arendt, ihm, Dr. Kayser,„er st am Mittwoch— 15. Mai— die Ehre seines Besuches zu schenken". Wäre Herr Arendt schon am 9. Mai bei Dr. Kayser gewesen, so hätte dieser doch wohl in seinem Briefe vom 13. gebeten, ihn wieder zu be- suchen. DaS ist nicht geschehen! Der Besuch des Dr. Arendt am Mittwoch, 15. Mai, dürfte daher gerade nach dem Wort- laut des Kaysers chen Briefes vom 13. Mai und auch nach der Schilderung Arendt's selbst der erste und einzige Besuch Dr. Arendt's in der Privatwohnung Dr. Kayser'S gewesen sein. Man sieht, der Beweis, den Dr. Arendt anzutreten unter- nommcn hat, daß er Herrn Kayser mehrmals persönlich in dessen Behausung gesprochen hat, steht auf recht schwachen Füßen. Wird die Aussage der Frau Kayser aber durch die An- gaben im Tagebuch ihres Mannes und vielleicht noch durch die bereits in Aussicht gestellte Aussage eines Dienstboten bestätigt, der obendrein noch angeben könnte, daß Dr. Arendt zwar beim Dr. Kayser in dessen Privatwohnung vorgesprochen hatte, aber zuerst nicht vorgelassen wurde, so müßte Herr Dr. Arendt schon einen durchschlagenderen Beweis für die Richtig- keit seiner eidlichen Erklärung antreten. Im Anschluß an den hier zitierten Brief deS Direktors Kayser schreibt nun Herr Arendt: „Also auch am 15. Mai erschien ich auf Grund besonderer Einladung und auch da war die von Frau Kayser geschilderte Eindringsszcne unmöglich(nebenbeibemerkt war also die Krank- heit nicht im Februar, wie Frau Dr. Kayser angab, sondern im Mai 1895). Immerhin hätte es ja hier noch zu einem Streit kommen können, der damit endete, daß Dr. Kayser mir die Tür wies, obwohl Eds nach der Tonart der beiden obigen Briefe schon als recht unwahrscheinlich angesehen werden müßte." Herr Dr. Arendt berichtet recht harmlos, daß er auch am 15. Mai in der Privatwohnung erschien. Es erscheint dies wohl glaubhaft; es ist auch sogar anzunehmen, daß er an diesem Tage auch tatsächlich zu dem immer noch kranken, aber inzwischen cmpfangsfähig gewordenen Dr. Kayser geführt wurde. Man muß sich aber hüten, das ,. E r s ch e i n e n" des Herrn Arendt mit einem „Rücksprachenehmen" zu verwechseln. Herr Dr. Arendt, dem eine baldige zufriedenstellende Erledigung der Pcterssache offenbar sehr am Herzen lag, mag Wohl wiederholt bei dem er- krankten Herrn Kayser in dessen Privatwohnung erschienen, d. h. borgesprochen haben, ohne daß er allem Anschein nach eher als am 15. Mai, und offenbar auch nur dieses einzige Mal, zu Herrn Kayser gelassen wurde. Denn daß die weiteren Rücksprachen wieder im Auswärtigen Amt stattfanden, gibt, wie wir gleich sehen werden, Herr Arendt s e l b st zu. Wenn Herr Arendt sodann meint, daß„nach der Tonart' der von ihm zitierten beiden früheren Briefe— nämlich des hier wörtlich wiedergegcbenen Briefes des Herrn Kayser vom 13. Mai und des inhaltlich angeführten Briefes des Legationsrats von Schwartzkoppen vom 7. Mai 1895—„es schon als recht un- wahrscheinlich angesehen werden mußte, daß Herr Kayser ihm— am 15. Mai— die Tür wies", so ist es eigentlich recht bedauerlich für Herrn Arendt, daß er sich eine solche UnWahrscheinlichkeit folgert. Denn cS gehört doch in der Tat recht wenig dazu, um begreifen zu können, daß es sehr Wohl möglich ist, daß jemandem, der z u n ä ch st in üblich höflicher Weise eine Einladung zu einer Rücksprache erhält, nachher wegen verletzenden Benehmens die Tür gewiesen wird! Nun aber fährt Herr Dr. Arendt sein schwerstes Geschütz gegen die eidliche Aussage der Frau Kayser auf. Er sagt nämlich in seiner Broschüre weiter:>, „Allein Dr. Kaysers Krankheit war nun zu Ende. Anfang Juni war er wieder im Auswärtigen Amt und vor mir liegt nun wieder eine Einladung dorthin: Auswärtiges Amt. Der Direktor der Koloniälabteilung, Wirklicher Geheimer Le- gationsrat Dr. Kayser bittet Herrn Dr. Arendt, Mitglied des Abgeordnetenhauses, ihn morgen vormittag(von 19 Uhr ab) im Auswärtigen Amt mit seinem Besuch zu beehren. Berlin, den 3. Juni 1895.') ') Wenn mi? Dr. Kayser am 15. Mai die Tür gewiesen hätte, konnte er mich nicht am 3. Mai bitten, ihn mit meinem Besuche zu beehren. Mit dieser Einladung ist also bewiesen, daß die angeblich am Krankenbett von Frau Dr. Kayser als Augen- und Ohrenzeugin erlebte Szene freie Phantasie der Dame ist." Ganz und gar nicht! Das, wie Herr Arendt glauben machen will, schwerste Geschütz gegen Frau Kayser ist noch nicht ein- mal eine Platzpatrone! Die bloße Anstandspflicht gebietet es, Frau Kayser, die uns völlig unbekannt und deshalb sonst herz- lich gleichgültig ist, gegen eine so verfehlt begründete schwere An- schuldigung nachdrücklichst in Schutz zu nehmen. Nur wer mit den in Betracht zu ziehenden amtlichen Verhältnissen nicht vertraut ist, kann durch eine solche Beweisführung düpiert werden. Durchaus zutreffend hat auch Frau Kayser im Petersprozcß auf den Vorhalt des Vorsitzenden:„Aber wie sind die beiden, Dr. Kayser und Dr. Arendt, über diesen Vorfall— nämlich über die HinauSwcisung des Herrn Arendt durch Herrn Kayser— hinweggekommen? Sie haben doch nachdem mit einander verhandelt" erwidert: „Die Verhandluiigen fanden im Auswärtigen Amt statt." In seiner Eigenschaft als Beamter hatte der Kolonialdirektor gar nicht das Recht, den ihn im Auswärtigen Amt in dienstlicher An- gelegenheit aufsuchenden Abgeordneten Arendt abzuweisen! Eine fernere Verhandlung mit dem Dr. Arendt in seiner Privat- Wohnung hätte Dr. Kayser wohl zurückweisen können, nicht aber eine amtliche Verhandlung im Auswärtigen Amt! Uebrigens läßt die im Vergleich zu dem eigenhändigen, tn freundschaftlichem Tone abgefaßten Briefe deS Herrn Kayser vom 13. Mai höchst formell gehaltene, kalte Höflichkeit; atmende schriftliche Note vom 3. Juni eS an sich keineswegs un- möglich erscheinen, daß das von der Frau Kayser behauptete Ren- contre stattgefunden hat. So viel für diesmal über die nach Herrn Arendt's Ansicht für ihn so wichtigen„Belege", über die er sich am Schlüsse seiner Broschüre zu folgenden Worten aufschwingt: „So kann ich auch jetzt, nachdem der Tatbestand durch die aufgefundenen Briefe zu meinen Gunsten klar gestellt ist und niemand mehr meinen Eid und meine Ehre antasten kann, davon absehen, die Angelegenheit der Staats- an w altschaft zu übergeben, wie das meine Pflicht war, als die Berichte über die Münchcner Verhandlungen ein- trafen." Unseres ErachtenS befindet sich Herr Arendt im Zustande arger Selbsttäuschung, wenn er meint, daß es ihm durch seine Broschüre, insbesondere durch Bekanntgabe der aufgefundenen Belege, gelungen sei, die seiner Erklärung entgegenstehende Be- hauptung der Frau Kayser«völlig zu widerlegen"! Leider hat die Zentrumspresse den letzten Artikel Neu Manns richtig beurteilt: ein neuester Artikel dieses beispiellos lvandlungsfähigcn Politikers beweist es ganz zweifelsohne, daß Herr N a u m a n n sich in der Waylrechtsfrage auf dem Rückzüge befindet. Herr Naumann hatte— nach anfänglichein Schwanken— unumwunden erklärt, daß es für den Freisinn nur eine Parole gebe: die des RcichstagswahlrechtcS für Preußen. Und dies ReichstagSwahlrecht sei die Boranssctznug der ferneren Blockpolitik. Um alle Schwankenden mit fortzureißen, gelte es. zum Herbst Fanfare» zu blasen, einen Bvlkssturm zu ent- fesseln. ÜDtit all diesen Ansichten und Forderungen hat Herr Naumann bei der Masse der freisinnigen Politiker und Blätter nicht nur keine Gegenliebe, sondern sogar schroffste Zurückweisung gefunden. Die übergroße Mehrheit der inParlament undPresse führenden Freisinnspolitikcr hat mit aller Entschiedenheit erklärt, daß der Freisinn das Reichstags- Wahlrecht nicht zur Voraussetzung der ferneren Blockpolitik machen, daß er sich vielmehr auch mit einem Kompromiß- Wahlrecht zusriedcir geben und endlich auch jeden Appell an die Volks in assen vermeiden müssei Als nun Herr Naumann trotz alledem noch immer in der „Hilfe" von der„Einigkeit" des Freisinns phantasierte, blieb uns nichts anderes übrig, als Herrn Naumann seiner rätsel- haften Selbsttäuschung wegen zu verspotten. Allerdings, sagten wir, sei sich der Freisinn„einig", aber nur in der Ab- lehnung des Naummmschen Standpunktes und der der- räterischen Absicht, gegen ein neues Klassenwahl. recht daS ReichstagSwahlrecht zu verkuhhandeln l Darauf entgegnet nun Herr Naumann abermals in einem ganz wundersamen Erguß. Hier ist er: „In den Zeitungen unserer Gegner wird viel Redens davon geniacht, daß der Freisinn gegenüber der Frage des preußischen LandtagSwahlrechtS uneinig sei, und die„Hilfe" wird verspottet, weil wir geschrieben haben, die Einigkeit sei vorhanden. Trotz diese? schönen und billigen Spottes halten wir unsere Be- hauptung aufrecht, daß alle Linksliberalen in der Forderung des ReichStagSwahlrechteS für den p r e li tz i s ch e n Landtag einig sind. Für die freisinnige Volkspartei ist diese Forderung im Programm festgelegt; sie ist wiederholt im Landtage zum Ausdruck gebracht worden und wird auch jetzt, so viel wir sehen, von allen Parteiblättern vertreten. Dasselbe gilt von der Freisinnigen Vereinigung und von den preußischen Bestandteilen der Deutschen Bolkspartei. Irgendeine Veranlassung, an der grundsätzlichen Gemeinschaft aller Linlsliberalen in dieser Frage zu zweifeln, liegt nicht vor, und es ist nur wohlberechncte Bosheit der politischen Gegner, wenn sie bald diesen, bald jenen Teil deS Freisinns als unzuverlässig hinstellen wollen. Die Meinungsverschiedenheiten, über die man so viel Wesens macht, sind lediglich taktischer Natur. ES werden folgende Fragen aufgeworfen: � Ob«8 gerade jetzt richtig und angebracht ist. die Frage deS preußischen LandtagSwahlrechtS agitatorisch zu be. handeln oder ob es nicht richtiger ist, sie vorläufig mehr zurückzustellen, bis andere Dinge erledigt find, beispielsweise die für den Reichstag angekündigten Vor- lagen über ein ReichSvereinSgefetz, Börsenreform und vielleicht auch die R e i ch S f i n a n z f r a g e n. Ob nicht durch eine öffentliche Behandlung der Wahlrechtsfrage die Politik der Paarung gestört und da durch daS Zentrum wieder in feine frühere Macht eingesetzt werde. Man solle, so heißt eS, auf dieKonfervativen mehr Rücksicht nehmen. Daß derartige taktische Fragen erörtert werden, ist ganz in der Ordnung, und es würde ein Zeichen von politischer Interesselosigkeit sein, wenn sie nicht erörtert würden. Ueberall, wo jetzt Liberale zusammenkommen, wird naturgemäß die Lage des Liberalismus im ganzen besprochen, und es kann nicht ausbleiben, daß dabei verschiedene Meinungen zutage treten. In keiner Partei vollziehen sich folgenschwere Entschlüsie ohne Meinungsverschiedenheiten. DaranS auf innere Zwistigkeiten schließen zu wollen, ist völlig falsch. Wenn beispielsweise der„Vorwärts" nicht aufhört, Liberale gegen Liberale auszuspielen, so soll er doch dabei nicht vergessen, daß eS bei jeder größeren Aktion in der Sozialdemo- kratie genau ebenso zugeht. Auch dort gibt es auf Grund eines gemeinsamen ProgrammeS stets Unterschiede des Temperamentes und der taktischen Auffassung. Wenn daraus den Sozialdemo- kraten Vorwürfe gemacht wurden, so pflegten sie zu antworten, daß es für sie eine Ehre sei, ihre Meinungsverschiedenheiten rück- haltlos auszusprechen. Nichts anderes ist eS, was der Liberalismus für sich in Anspruch nimmt."... Zum Schluß stimmt dann Herr Naumann einer Aus- lassung der„L i b e r a l e n K o r r e s p o n d e n z" zu. in der es heißt, daß über das Endziel der Wahlrechts bestrebungen innerhalb der freisinnigen Parteien keinerlei Meinungsverschiedenheit bestehe. Setzen wir der wunderlichen Stilübung Naumanns kurz die Tatsachen gegenüber I Herr Naumann hatte dem diplomatisiercndcn, zu einem WahlrechtLkuhhandel aus Gründen der Erhaltung der Blockpaarung bereiten Teil des Freisinns gerade seine Taktik des prinzipiellen Wahlrcchtskanipfrs gegenüber gestellt. Daraufhin wurde er von allen einflußreichen Frcisinnsblättern als Störenfried abgetrumpft. Der Freisinn wolle seine Blockruhe haben und sein Wahlrechtsschachergeschäft nicht durch prinzipielle Forderungen durchkreuzt sehen. Und da erklärt nun Herr Naumann, daß der Freisinn gleichwohl ein ehrlicher und prinzipieller Wahlrechtsfreund sei, denn daS Neichstag'ivahlrecht bilde ja einen Teil seines— Programms! Als ob Herr Naumann es nicht gerade selbst als Kernpunkt der ganzen Frage bezeichnet habe, diese Programmfordcrung nunmehr einzulösen! Und daß die gesamte FreisinnSpresse nnt Ausnahme des„Berk. Tageblatts" und der„Hilfe" sich gegen dies p r a k t i s ch e E i n t r e t'e n für die programmattsche Forderung gewendet hat, hält Herr Naumann, dieser unvergleichliche Optimist, sogar für ein erfreuliches Zeichen des Interesses für die Wahlrechtsfrage! Mit demselben Recht kann man dann auch der reationären Presse ein solches „Interesse" nachrühmen, da sie ja ebenfalls gegen Herrn Naumann polemisiert hat! Begreift denn Herr Naumann wirklich nicht, daß es gar nicht darauf ankommt, daß man zur Wahlrechtsfrage Stellung nimmt, sondern wie man sich zu ihr stellt? I Das ganze krause Gerede des Herrn Naumann beweist nur das eine, daß Herr Naumann, der weiße Freisinnsrabe, sich wieder zu schwärzen beginnt, daß er in aller Form den Rückzug antritt! Der Freisinn will die Frage des RcichStagZwahlrechtS nicht zur Bedingung der Blockpolitik machen, er will keinen B o l k S st u r m entfachen, sondern kuhhandeln und sich dann für alle Verrätereicn damit herausreden, daß er ja doch im Prinzip fürs ReichstagSwahlrecht sei— stehe doch diese Forderung im Programm! Daß sie dort stehen bleibt und ja nicht als Zankapfel in die Politik geworfen wird. ist die eifrigste Sorge aller freisinnigen„Staatsmänner", zu denen sich jetzt auch Herr Naumann gesellt! Zeiltnim-Schschriige. In ihrer MontagZ-Abendnummer fühlt sich endlich auch die „Köln. Vollsztg." veranlaßt, sich mit dem Leitartikel„DaZ Zentrum und das Landtagswahlrecht" der Nr. 202 deS„Vorwärts" zu be schäftigen. Auf die geschichtlichen Nachweise der bisherigen Stellung nähme der Zentrumsführer zu der Forderung eines allgemeinen. gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Preußen läßt sich das klerikale Blatt vorsichtigerweise gar nicht ein. ES beschränkt sich daraus, den betteffenden Artikel als eine lediglich auf die Herauslockung und VorwärtStreibung des Zentrums berechnete„F u ch§ p r e d i g t hinzustellen und mit folgendem Räsonnement zu antworten: „Wir müssen zunächst ftagen, wo denn eine„Wahlrechts- bewegung" besteht? Herr Naumann schrieb einen Zeitungsartikel, der zuerst bei feinen Freunden Zustimmung fand, heute aber ganz allgemein verleugnet wird. Bei den Sozialdemokraten sehen wir auch nichts als ZeituckgSartikel; in der ZemrumSpresse ist es ebenso. Aber eine„Wahlrechtsbewegung" ist vorerst nicht vorhanden, und ob sie im Herbsie eingeleitet wird, wollen wir ganz ruhig abwarten. DaS Zentrum kennt seinen Weg und die Arbeiter, die zu ihm halten, wisjeu daS auch; auf eine Belehrung von sozialdemokratischer.Seite verzichten sie gern. Das Organ der evangelischen Arbeitervereine in Berlin und deS Nationalen ArbeiterwahlanSschnsseS(Sitz Hessen)„Die Arbeit meint gegenüber den sozialdemokratischen Versuchen ganz gelassen „Die Sozialdemokratie mag sich beruhigen. Wir glauben, daß die Führer der Zentrums- wie die der christlich-sozialen Partei den Wünschen und dem Drängen der Arbeiter Rechnung tragen werden, wie sie ja das bisher in anderen Fragen auch getan haben."... In Arbeitcrkreisen beurteilt man also diese bedeutsame Frage ganz nüchtern; es ist freilich s e l b st v e r st ä n d l i ch, daß die zum Zentrum haltenden Arbeiter von ihrer Partei ein zielbewußtes Arbeiten für die Wahlrechtsreform fordern. Wenn e i n Arbeiter im ganzenAbgeordnetenhausesitzt, so ist daS ganz ungenügend die Arbeiterschaft hat ein Anrecht auf erhöht Berücksichtigung. DaS Zentrum erkennt dies an und wird mehr Arbeiter schon bei den kommenden Landtags wählen als Kandidaten aufstellen. Da die Zahl der Doppelmandate verringert werden muß, so wird eine ganze Reihe von Stamnisitzen im Zentrum frei. ES ist Sache der Wahlkomitees, sich jetzt schon nach tüchtigenArbeiter kandidaten umzusehen." Die Herren sind recht gewandte Diplomaten. Zuerst stellen sie sich, als bemerkten sie nichts von einer Wahlrechtöbcwegung. und dann schieben sie die ganze Wahlrechtsfrage auf ein Neben gleise, indem sie die Forderung, daß dem Arveiter daS Recht eingeräumt werde, bei den preußischen LandtagSwahlen in gleichem Maße seiner Meinung Geltung zu verschaffen wie der Besitzende. mit der Frage identifizieren, ob eS sich nicht für die Politik deS Zentrums empfehle, unter ihre Landtagskandidaten noch ewige Handarbeiter mehr aufzunehmen. Dieses absichtliche Zusammenwerfen der beiden Fragen mag vom Zentrumsstandpunkt ganz geschickt sein; doch zweifeln wir daran, daß die Herren Zentrumsdiplomaten mit diesem Trick unter den katholischen Industriearbeitern den erhofften Erfolg haben werden. Der intelligente Arbeiter, auch der katholische, verlangt, daß seine Stimme in gleichem Maße zählt und gilt, wie die Slinime dessen, der durch Fleiß, rücksichtslose Ausnutzung der Arbeitskraft anderer oder durch Zufall in den Besitz eines großen Vermögens gelangt ist. nicht aber, daß da und dort unter Hunderten von Kandidaten anderer Berufe auch einige Personen, die sich durch Handarbeit ernähren oder einmal ernährt haben, in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt werden.—_ Der 49. fahreskongreß der britischen Crade-llnions. London, 31. August.(Eig. Ber.)' Am 2. September tritt in Bath der 40. Jahreskongreß der britischen Gewerkschaften zusammen. ES nehmen an ihm S18 Delo gierte teil, die 1 700 000 Arbeiter vertreten. Unter den Deto gierten befinden sich 34 � Parlamentsabgeordnete, 26 Friedens richter, 17 Gemeinderäte und 3 Ald'ermen, die selbstverständlich gleichzeitig Gewerkschaftsmitglieder sind. Dem Kongresse liegen zahlreiche Resolutionen der verschiedenen Gewerkschaften vor, die das ganze wirtschaftliche und politische Leben der Arbeiterklasse betreffen. Von den Resolutionen dürften folgende erivähnenS� wert fein: Ausländische Streiks: Der Kongreß spricht den schärfsten Tadel über diejenigen britischen Arbeiter aus. die sich dazu het geben, in den Dienst kosmopolitischer Gesellschaften zu treten, um ausländische Arbeiterstreiks zu schädigen; der Kongreß ist der An ficht, daß diese Machinationen von den kapitalistischen Syndikaten absichtlich unternommen werden, um die Arbeiter der verschiedenen Länder gegeneinander zu Hetzen und der allgemeinen Tendenz der Arbeiter der Welt, kameradschaftlich miteinander zu leben und sich auf internationalem Wege gegenseitig zu unterstützen, ent- gegenzuwirken. Der Lkongreß beantragt, daß die Regierung eine Vorlage im Parlament einbringt, die die Grundsätze der ForeiZn Enüstment Act auf ausländische Streiks ausdehnt, um diejenigen zu bestrafen, die Streikbrecher-Expcditionen nach anderen Staaten ausrüsten, und um der Möglichkeit internationaler Konflikte bor- zubeugen, die aus derartigen gefährlichen Verschwörungen ent- stehen können.(Die Gewerkschaft der Erdarbeiter, Bauarbeiter und Tagelöhner.) Das OberhauS: Der Kongreß verurteilt die Handlungsweise des Hauses öer Lords, welches Vorlagen verwirft, die von den Ver- tretern des Volkes im Unterhause angenommen und auch vom Lande gebilligt werden. Die Handlungsweise der Lords hindert den politischen Fortschritt und die soziale Hebung deS Volkes. Wir fordern die Regierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, die entweder zur Abschaffung oder zur Beschränkung der Macht deS privilegierten Hauses führen, um auf diese Weise daS Hindernis hinwegzu- räumen, das der Ausführung des Volkswillens im Wege steht.(Die Gewerkschaft der Zigarrenarbeiter.) Tägliche Arbeiterzeitung: Der Kongreß beauftragt daS Paria- mentarifche Komitee, eine Spezialkonferenz der Gewerkschaften einzuberufen zum Zwecke der Beratung über die Mittel und Wege, eine tägliche Arbeiterzeitung zu gründen.(Der Verein der Lon- doner Buchdrucker.) Allgemeines Wahlrecht: Der Kongreß ist der Ansicht, daß die Zeit reif fei für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für alle erwachsenen MännerundFrauen, und erklärt sich gegen eine weitere Ausdehnung des Zensuswahlrechts. DaS Parla- mentarifche Komitee wird beauftragt, in der nächsten Parlaments- rifchen Tagung eine Vorlage betreffend das allgemeine Wahlrecht einzubringen.(Die Union der Ladengehülfcn.) Heimarbeit: Da der Kongreß überzeugt ist, daß die niedrigen Löhne der Heimarbeiter eine beständige Gefahr für die organisierten Arbeiter bilden, so fordert er die Regierung auf, einen gesetzlichen Minimallohn für die Heimarbeiter festzulegen. i(Mgemeiner Verband der weiblichen Arbeiter.) Ladenschluß: Angesichts des Mißerfolges des im Jahre 1904 erlassenen Gesetze? betreffend frühzeitigen Ladenschluß, billigt der Kongreß die von den LadeugehülfenTTürch Sir Charles Dille ein- gebrachte Vorlage, welche die Arbeitszeit der Ladengehülfen auf 60 Stunden die Woche festsetzt.(Die Union der Ladengehülfen.) Alterspenüonen und 1. Mai: Das Parlamentarische Komitee wird beauftragt, einen Tag festzusetzen, an dem alle Arbeiter in Stadt und Land für die gesetzliche Einführung von Pensionen für die Veteranen der Arbeit demonstrieren sollen.(Der Verband der Messingarbeiter.) Der Demonstrationstag soll der 1. Mai sein.(Die Union der Geschäftsbuchbinder.) Ferner die alljährlich wiederkehrenden Resolutionen über Acht- stundcntag, obligatorische Schiedsgerichte bei gewerblichen Kon- flikten, Fabrikarbeiterschutz, Verweltlichung der Schule, Arbeits- losigkcit und Sozialismus, Behausung der Arbeiter usw. Marokko. Am 1. September haben die französischen Truppen ein neues Gefecht mit den Marokkanern provoziert, das diesen schwere Verluste beigebracht haben soll, jenen sechs Tote gc- kostet hat. Die Affären werden also für die Franzosen blutiger, doch sind ihre Verluste nach wie vor verhältnismäßig gering. Ob die Kriegsschiffe angegriffen haben, wird nicht gemeldet. — Die Zeit rückt heran, wo die periodischen Stürme der marokkanischen Küste die Kriegsschiffe zwingen werden, die Ankerplätze zu verlassen, sodaß für das Landungscorps der Schutz und Beistand ihrer weitttagenden Kanonen fortfällt. Nach französischer Darstellung ist die Regierung zu Paris über die nächsten Schritte noch unentschlossen; sie zieht danach vor, die Dinge sich selber weiter entwickeln zu lassen. Indes dauert die Sendung von Verstärkungen an. Die folgenden Meldungen sind zu verzeichnen: Casablanca, 3. September. Eine Aufklärungsabteilung verließ das Lager vorgestern 1 Uhr nachmittags und stieß gegen 3 Uhr auf den Feind. Nachdem sie Verstärkungen erhalten hatte, brachte sie den Marokkanern große Verluste bei, in deren Gefolge, wie unbestätigte, aber glaubhafte Gerüchte besagen, die Mahalla von Taddert zerstreut worden ist. Die Franzosen hatten sechs Tote, darunter einen Offizier. Paris, 3. September. Dem„Matin" wird aus Casablanca gemeldet, daß die Stämme gaer und Tadla sich den gegen General Drnde im Felde stehenden Kabylcn anschließen. Die beiden Stämme verfügen über zwölf alte Kanonen, welche vom ftüheren Sultan Mulay Hassan in Bamaler zurückgelassen worden waren. Der Kriegsmini st er und der K o l o n i a l m i n i st e r haben der„Depöche coloniale" zufolge vereinbart, eine Brigade Kolonialtruppen und ein aus Reservisten zu bildendes Regiment sudanesischer Schützen für Marokko bereit zu halten. London, 2. September.(Meldung deS Reuterschen BureanS.) In Casablanca werden heute zwei weitere Bataillone Schützen erwartet.— Die Lage in Mazagan wird sich ver- mutlich in den nächsten Tagen kritisch gestalten. Im dortigen Zoll- hause lagern zwei Millionen Patronen, die Mulay H a f i d ausgeliefert haben will. Die Munition gehört der marol- kanifchen Negicrnng, aber da die Stadtbevölkerung zu Mulay Hafid hält, so möchte diese sie Mulay Hafid auSgeliefen sehen. Die französischen Behörden sind entschlossen, die Fortschaffuna der Patronen mit Gewalt zu verhindern und möchten sie an Bord eines Kriegs- p ichiffeS schaffen. Man besürchtet aber, daß ein derartiger Versuch zu Feindseligkeiten mit der Bevölkerung führen würde. London, 3. September. Man besürchtet, daß die jetzt bald ein- setzenden Stürme die Kriegsschiffe zwingen werden, ihre Ankerplätze zu verlassen, so daß ihre Geschütze'nicht mehr wirken können, da ihre Scheinwerfer nicht mehr fähig sein werden, die Gelände zu beleuchten. Aus Larrasch wird demselben Blatte vom 1. September ge- meldet: Die letzte europäische Familie,' die FeS verlassen hat, ist heute hier angekommen. Sie besteht aus der Frau des deutschen Arztes Cohen mit drei Töchtern und zwei Söhneu. Dr. Cohen ist auf Bitten der Eingeborenen in FeS verblieben, die ihn ersuchten, die Stadt nicht ohne Arzt zu lassen. London, 3. Septeniber. Wie berichtet wird, hat Mulay Hafid 2000 Reiter um sich versammelt und wartet weitere Ver- stärlungen ab, um nach Casablanca vorzurücken. Es heißt, daß er nicht gegen die Franzosen vorgehen werde, sondern nur alsVer mittler zwischen den Franzosen und den sie umlagernden Stämmen auftreten wolle. Paris, 2. September.(Meldung der Agence HavaS.) Die Minister hielten heute abend eine Besprechung über die marokkanischen Angelegenheiten ab. Der Ministerpräsident erklärte auf eine Frage über den Verlauf, daß man sich zu keiner b e st i m in t e n Aktion entschlossen habe. General Drude und Admiral Philibert hätten das volle Vertrauen der Regierung. eS könne ihr nicht einfallen, ihnen den Plan ihrer Operationen vorzuschreiben. Paris, 3. September. Blättermeldungen aus Tanger zufolge haben sich alle Berg stamme mit Raisuli vereinigt, dessen Macht dadurch erheblich verstärkt worden ist. IPditllcbe(leberfickt. Berlin, den 3. September 1907, Flotten-Spahn und nationales Spähnchen. Bekanntlich hat ja Herr Peter Spahn. Zentrumsdiplomat und Oberlandesgerichtspräsident in Kiel, sich kürzlich der Mühe unter- zogen, den durch die ultramontane Kolonialopposition ramponierten Zylinder des genttumS wieder aufzubürsten. Herr Spahn hat ein mariuistisch.'S Bekenntnis abgelegt, dessen sich der enragiertefie Flottenvereinler nicht zu schämen braucht, was ja von den Flotten- vereinlern nicht ohne Anflug von Neid zugestanden wurde. Nun erzählt die„Vossische Zeitung" ein pikantes Geschichtchen, wie Herr Spahn bereits im Juni dieses Jahres die neue über- marimstische Aera des Zentrums einzuleiten versuchte. Als im Juni Mitglieder des Bundesrats und des Reichstages eine Marincreklamereise nach Kiel antraten, nahm auch Herr Spahn als Mitglied der Budgeikommiffion an dieser marinistischen Exkursion teil. Aber er benutzte nicht nur die Gelegenheit, sich für seine nun im August vom Stapel gelassene Rede vorzubereiten, sondern er lud auch die in Kiel anwesenden Mitglieder des Bundesrats, die Ver- treter deS RcichSmarincamtS und sämtliche an der Spritztour be- teiligten ReichStagSabgeordnetcn zu einem Feste ein, das er, das Mitglied einer'„niedergerittenen" Oppositionspartei, zur Feier deS TageS und des löblichen Zweckes der Marine- reklame veranstaltete. Wie die.Vossische Zeittnig" erzählt, nahmen sämtliche Geladenen an dem Feste teil, in dessen Ver- lauf Herr Spahn auch seinen Sohn, den Straßburger Pro- essor, den Erschienenen vorstellte. Am Tage darauf, bei einer Abschiedsfeier, nahm Herr Spahn Veranlassung zu einer Rede„in den gehobenen Tönen". Herr Spahn, der noch recht neu- b a ck e n e Kieler OberlaudeSgerichtSpräsident. stellte sich in dieser Rede den Versammelten als„Mann von der Waterkant" vor. Er— Herr Peter Spahn aus Winkel im Rheingau"— gebrauchte mit Vorliege Wendungen tele„Wir Schleswig-Holsteiner.'„Wir Söhne der Meer umschlungenen Provinzen/„Wir Männer aus Holsten- land." Mit besonderer Eindringlichkeit und Feierlichkeit plädierte er schließlich in einer Weise für Deutschlands Wehrhaftigkeit zur See und für die Stärkung feiner Rüstung, daß er nach dem Zeugnis der„Vossischen Zeitung"„von keinem Heißsporn des FlottcnvereinS übertroffen werden konnte". Seine schöne Rede schloß Herr Spahn nnt einem Hoch auf die Kaiserin, die er als feine„Landsmännin" reklamierte. Seltsam nur, daß der Freisinn diese rednerischen Kuriositäten der Oeffentlichkeit so lange vorenthieltl Es kann das nur aus dem Grunde geschehen sein, um den marinistischen Eifer deS Freisinns nicht durch einen so überlegenen Wettbewerb in den Schatten zu stellen! Daß dies der Grund der sonst unbegreiflichen DiS« kretion deS Freisinns gewesen ist, geht auch auS den heutigen Glossen der.Vossischen Zeitung" hervor. Voll sittlicher Enrpörung fragt das freisinnige Blatt, ob denn die Meldung eines national- liberalen Münchener BlatteS wirklich zutreffe, daß Herr v. Tirpitz dem Schalmeienklang des Herrn Spahn gefolgt sei, ihn in die Grundlinien seiner Marinepolitik eingeweiht und hinter den Kulissen die Verhandlung mit dem Zentrum wieder angeknüpft habe. Die„Vossische Zeitung" will das einstweilen noch nicht glauben, meint aber, daß man„gut tun werde, die Entwickelung der Dinge in der nächsten Zukunft, insbesondere die Geschäftigkeit des Herrn Spahn mit der schuldigen Ausinerksamkeit zu verfolgen". ES gibt ja nun freilich nur ein Mittel, das marinistische LiebeSwerben des Zentrum? zu durchkreuzen: die Ueberbietung der ultramontanen FlottenbewilligungSfreudigkeit durch den Frei- sinn! Und daß der Freisinn tatsächlich der Aufrcchterhalttmg der konservativ-liberalen Paarung zuliebe daS Zentrum aus diesem Ge- biete auszustechen bereit sein wird, dafür liegen ja bereits hin- längliche Beweise vor! Daß daS S p ä h n ch e n nicht weit vom Spahne fällt, beweist Herr Professor Martin Spahn dadurch, daß er in zwei Phrasen- geschwollenen Artikeln im„Tag" dem jWiirzburger Katholikentag das ehrende Zeugnis ausstellt, daß er an„Intensität der nationalen Empfindungen" alle seine Vorgänger ge- schlagen habe. Er als„Altprcuße" stehe von Natur der patriotischen Begeisterung der Süd- und Westdeutschen zweifelnd gegenüber: aber die Kundgebungen des„vaterländisch staatlichen SinneS" in Würz- bürg seien„so lebendig und echt, so herzlich und warm" gewesen, „daß der Teilnehmer davon ergriffen werden mußte." Herr Spahn überschlägt sich in Marinebegeisterung. daS Spähnchen in altpreußischem Nationalismus. Der arme Freisinn! Er wird es schwer haben, auf die Dauer in marinistischer GesinnungS- tüchtigkeit mit dem Zentrum zu konkurrieren!-- Kein marineoffiziöscr Vertrauensbruch! Der Zwischenträger der„Frankfurter Zeitung", Herr Stein, wendet einen ganzen(telegraphierten l) Leitartikel auf, nnl die blockbange Demokratie dahin zu beschwichtigen, daß Herr Spahn von Herrn Tirpitz keine Informationen über die Pläne der Regierung empfangen habe, sondern daß seine Rede auf bloßen Kombinationen und n t ch t o f s t- z i ö sc n Kieler Informationen beruhe. Damit wären der Freisinn und der Block wieder gerettet. Dem Zentrum sind die offiziösen Speisungskanäle verschlossen; nur die freisinnige„Demokratie" befruchten sie mit ihrem Schlamme!—_ Eisenvahnburcankratie. Da? staatliche Eisenbahnwesen in Preußen hat stets unter dem SurcaukratiZmuS gelitten! seit aber Herr Breitenbach auf Herrn V. Budde gefolgt ist, hat sich daS Schematisieren, Reglementieren, Disponieren, Revidieren und Annullieren noch beträchtlich gehäuft und speziell die Eisenbahntarifreform hat einen derartigen Wust von dauernden, zeitweiscn und partiell beschränkten Verfügungen zutage gefordert, daß in dem Gewirr von neuen Bestimmungen mit ihren Dutzenden von nachträglichen Ergänzungen und Einengungen kein Mcnsch mehr klug wird— die Fabrikanten der Verfügungen am allerwenigsten. Dieser BurcaukratiSmuS nimmt das preußische Eiseubahnamt dermaßen in Anspruch, daß für die Berücksichtigung der VerkchrSbedürfnisse wenig Zeit bleibt. Die Hauptsache ist. daß für alle irgend möglichen Vorfälle im Eisenbahndienst eine schöne Reglementierung gefunden wird und daß ferner niöglichst hohe Ueberschüsse hcrauSgewirtschastet werden. Ein besonders krasses Beispiel dieser Wirtschaft liefert folgende von der„Verl. Morgenztg." veröffentlichte Zuschrift: Seit längeren Jahren müssen unsere Kinder mit der Eisenbahn von Jessen und E l st e r an der Elbe nach Wittenberg, Bezirk Halle an der Saale in die Mittelschule und zun: Wymnasiuni fahren, wenn sie etivaZ lernen sollen, um später ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft werden zu können. Im Winterhalbjahr sind nun die Zugverbindungen so schlecht, daß die armen Kinder um S Uhr früh zur Bahn müssen! der Zug geht schon um V? respektive 8/«6 Uhr von Jessen und Elster ab. Die Kinder mü»en dann von öUhr früh bis 8 Uhr vor- mitta g s w arten, und wo? Auf dem Bahnhof in Witten- berg, wo die Räume um diese Zeit sämtlich gereinigt werden. Man kann sich wohl lebhaft die Kälte und den Windzug in solchen Räumen vorstellen, in denen die Kinder von einer Ecke in die andere ge- trieben werden. Wir Interessenten würden über diese Zustände nicht böse sein, wenn es nun einmal nicht anders ginge. Aber es geht doch. Die Eisenbahnbeamten haben daS Recht, ihre Kinder mit dem «>/. Uhr früh abgehenden GüterdurchgangSzug zu befördern und zahlen keinen Pfennig für die Fahrt, wo hingegen wir Interessenten für ein Kind jährlich 150 M. Fahrgeld entrichten. Wir hoben schon mehrmals Bittgesuche an die königliche Eisenbahndirektion in Halle a. S. gerichtet, sind aber stets abschlägig beschiedcn worden. Wir meinen doch, daß wir Interessenten, die wir unser schweres Geld für die Fahrt zahlen, doch nichts dafür können, oder viel- mehr, daß unsere Kinder nichts dafür können, daß wir keine Eisenbahnbeamlen sind. Wir wünschen durchaus nichts Unbilliges. Da doch einmal um'/«V Uhr früh ein Güterzug geht, mit welchem die Bahnbeanltenkindcr fahren dürfen und unsere nicht, so haben wir, wie schon gesagt, mehrmals darum gebeten, diesen Zug als gemischten Zug gehen zu lassen, aber nein. Ich bemerke, daß Jessen und Elster eine Einwohnerzahl von� zirka 6000 haben, und die Kinderzahl sicher bei besserer Zugverbindung auf 40 bis SO steigen würde. Wir können aber doch auch nicht dafür, daß wir nicht über Portemonnaies verfügen, die eS ermöglichen, unsere Kinder in die teuren Pensionen geben zu können! und doch wünschen wir, daß unsere Kinder etwas Tüchtiges lernen. Wir sind durchaus keine Neider den Babubeamten gegenüber! aber wir meinen doch und nehmen es an, daß daS, was dort möglich ist, auch bei unS möglich sein muß, denn wir sind doch alle pttzußische Staatsbürger. Dem Uebel ließe sich leicht dadurch abhelfen, daß in den be- treffenden Güterzug ein Personenwagen eingestellt und mit den Kindcm der Eisenbahnbcamten auch die der anderen Jessener und Elsterer Einwohner befördert würden. Jedoch daS duldet das Schema P nicht; per Zug figuriert nun einmal in den Dienst- bestimnmngen als Güterzug und folglich darf um keinen Preis ein Personenwagen mitgesührt werden, denn dadurch würde das ganze mühsam konstruierte Reglement in Unordnung geraten.— Das„gleiche" NeichstagSwahlrecht. Daß unser angeblich gleiches Reichstagswahlrccht infolge der feit dem Jahre 1871 unverändert beibehaltenen Wahl- krciseinteilung immer mehr ein total ungleiches wird, ist eine bekannte, von der Arbeiterpresse häufig genug hervorgehobene Tatsache. Fast der gesamte Bevölkerungszuwachs ist seit jener Zeit den Großstädten und industriellen Zentren zugute ge- kommen, deren größtenteils dem Arbeiterstande angehörende Wähler dadurch ein relativ immer geringeres Stimmrecht erhalten im Vergleich zu den Wählen: der ländlichen Kreise, in denen die Bevölkerung stationär geblieben oder gar zurück- gegangen ist. Einer in dem kürzlich erschienenen Statistischen Handbuch für das Deutsche Reich veröffentlichten Zusammen- stellung zufolge gab es im Jahre 19L0 noch 86 Wahlkreise, deren Einwohnerzahl unter der bei der ursprünglichen Ein- teilung vorgesehenen Durchschnittszahl von ItWOOl) stand, obwohl sich die Gesamtbevölkerung seitdem um rund 59 Proz. vermehrt hatte. Davon hatten die folgenden sogar einen direkten Einwohncrverlust erlitten: Wahlkreis 1871 1900 Naugard-Regeuwalde... 102 868 97 724 Labiau-Wehtau..... 98 714 97 413 Heiligenbcil-Pr.-Etflan.. 100 968 94 903 Pr.-Holland-Mohrungen. 100 883 93 382 ersfeld-Roteuburg-Hünfeld 87 903 85 385 reisenberg-Kammin... 80 924 79 968 Falkeuberg-Grottkau... 84 864 78 617 Frankkustein-Münslerberg, 83 281 77 257 Angerburg-Lötzen.... 77715 75 124 Glogau....... 74 237 72 622 Gebweiler....... 64 131 61 344 Rappoltsweiler..... 67 102 61 064 Die kleinsten Wahlkreise waren: Waldcck mit 57 913, Lanenburg mit 51 033 und Schaumburg-Lippe mit 43 132 Ein- wohnern. Diesen stehen auf der anderen Seite die Riescnwahlkreise gegenüber, an ihrer Spitze Berlin VI mit 696608, Teltow- Beeskow nnt 639 444, Bochum mit 566 813, Berlin IV mit 464 583, Hamburg III mit 448614, Leipzig-Land mit 421 749 und München H mit 421 102 Einwohnern, Ein Schaumburg- Livpescher Wähler hat also unter diesen Umständen ein etwa 16 mal, ein ostpreußischcr oder pommerscher Bauer ein 8 bis 10 mal so großes Wahlrecht wie ein Wähler deS VI. Berliner Wahlkreises, obgleich man den ersteren doch selbst beim besten Willen keine entsprechend größere politische Intelligenz wird zusprechen können. Tatsächlich läuft die in dieser Richtung immer weiter fortschreitende Entwickelung darauf hinaus, ein ausgesprochenes Pluralwahlrccht zugunsten der agrarischen und zuungunsten der industriellen Bevölkerungsschichten des Deutschen Reiches zu schaffen!--- Noch eine PetcrS-Klage. In den«Hamburger Na-brichten" gibt PeterS bekannt, daß er nun auch gegen den Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung" in Berlin, Herrn v. Bennigsen, Beleidigungsklage eingereicht hat. Bennigsen hatte im März 1906 in der„Kötuischen Zeitung' be- richtet: ES liege bei den PcterS-Akten im Auswärtigen Amt ein Brief von PeterS an den Bischof Woodwood von Manila, der den- selben Inhalt habe, wie der gefälschte Tuckerbriefz cS handle sich bei dem ganzen Tuckerbrief-Streit also nur um eine Namensverwechselung. PeterS bezeichnet diese Angabe als eine Unwahrheit und läßt durchblicken, daß Bennigsen seine Wissenschaft von dem Geheimen LegationSrat a. D. H e l l w i g habe, der dieselbe Behauptung schon 1903 dem Herrn v. d. Heydt gegenüber aufgestellt habe. In dem Prozeß will PeterS v. d. Heydt darüber vernehmen lasten und dann „die erforderlichen Maßregeln gegen Herm Hcllwig ergreifen". Herrn Hellwig wird mittelbar der Vorwurf der Verleumdung ge- macht. PeterS schreibt:„Der kannte die Akten ganz genau und wenn er eine solche Behauptung aussprach, wird er sich kaum mit Irrtümern entschuldigen können." Der Prozeß verspricht demnach sehr interessant zu werden.— Eine Revision des Polizei-Strafgesetzbuches ist in Bayern geplant. Die bayerische Regierung fordert auS diesem Anlaß die einzelnen Behörden auf, Ergänzungen oder Ab- änderungen deS bayerischen Polizeistrafgesetzbuches anzuregen. Der Stadtmagistrat in H o f i. B. schlägt die Aufhebung der Bestrafung der im K o n k u b i n a t Lebenden vor und begründet diesen Wunsch folgendermaßen: Die Bestrafung des Konkubinats stellt sich in seinen Wirkungen dar als ein Strafgesetz, das hauptsächlich die Minderbemittelten trifft, weil diese einerseits oft nicht sofort in der Lage sind, die bei der Verchclichung fällige Seimatgebühr zusammenzubringen, andererseits nicht wie die Bemittelten das Gesetz dadurch umgehen können. daß beide Teile eigene Wohnungen haben. Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß unter den im Konkubinat Lebenden viele Personen sind, welche die Verehelichung ohne zwingende Gründe hinausschieben, so muß doch auf Grund der ersteren Erwägung die Abschaffung dieser Strafbestimmung verlangt werden, zumal Verstöße gegen die Sittlichkeit auch schon durch daS ReichS- strafgcsetzbuch geahndet werden. Als ein Ausnahmegesetz erklärt ferner der Stadt- Magistrat von Hof die Bestrafung des KontraktbruchS der Dienstboten und landwirtschaftlichen Ar» veiter. Dieses Gesetz widerspreche der im modernen Rechts- leben immer mehr zur Geltung kommenden Anschauung, daß der Vertragsbruch nur zivilrechtliche Folgen haben soll. Unter allen Umständen aber hätte die polizeiliche Zurück- führung in daS Dienstverhältnis in Wegfall zu kommen; denn sie erscheint nicht nur entwürdigend, sondern in den meisten Fällen auch zwecklos. Die Bestrafung des„FeiernS des blauen Montags" ist auch ein speziell bayerisches Gesetz. Der Arbeiter, der am Montag„während der üblichen Arbeitszeit zecht", also„blau" machß wird nach Artikel 155 des bayerischen Polizeistrafgesetzbuches bestraft, während das Feiern des„blauen" Dienstag oder Mittwoch usw. nicht bestraft wird. Diese? Gesetz ist also nicht nur nicht zeitgemäß, sondern auch ein Unsinn. Der Stadt- Magistrat Hof fordert deshalb auch die Beseitigung dieses Gesetzes. A 175 und Zuvechmmgsfahigkeit. Bor dem Kriegsgericht der er st en Gardedivision hatte sich gestern der Leutnant Freiherr von Patow vom dritten Bataillon des Garde-FüsilierregimcntZ loege» Fahnenflucht und Miß- brauchs der Dien st gew alt gegen seine Untergebenen zu verantworten. Dem Angeklagten wird die schwere Anschuldigung vorgeworfen, sich an Soldaten in unsittlicher Weise vergangen zu haben. Wie wir erfahren, liegen die Straf- taten, die dem Offizier vorgeworfen werden, schon längere Zeit zurück. Leutnant v. P. hatte die Oberaufsicht über die Stallwache, in dem die OsfizierSpferde untergebracht sind. ES wurden bald unter den Mamischaften Gerüchte in Umlauf gesetzt, daß sich der Angeklagte im Stalle gegen die Wachtposten verging. Eines TagcS wurden von einem Füsilier entsprechende Beobachtungen gemacht, worauf eine Anzeige erfolgte. Leutnant v. P. zog es nun vor zu fliehen. Er wurde fahnenflüchtig und durch das Gericht der I. Gardedivision wurde ei» Steckbrief hinter ihm erlassen. Er stellte sich dann selbst der Behörde und lvurde in Untersuchungshaft genommen. Wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt gegen Untergebene und wegen Fahnen- flucht wurde ein UntersuchungSberfahren gegen ihn eingeleitet. Gestern fand vor dem Kriegsgericht die Hanptverhandluilg statt. Auf Antrag des Vertreters der Anklage wurde die Oeffentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlung ausgeschlossen und zwar wegen Gefährdung militärdienstlicher Interessen und der Disziplin. Das Gericht kam jedoch nicht zu einem Urteilsspruch. Nach längerci BetveiSaufnahme verkündete der Verhandlungsführer vor der wieder- hergestellten Oeffentlichkeit den Gerichtsbeschluß, wonach der An- geklagte daraufhin untersucht werden soll, ob er sich bei Begehung der Straftaten in einem Zustande krankhafter Störungen befunden hat bczw. ob er für seine Hand- lungen verantwortlich zu machen ist. Unter Hinzuziehung hervor- ragender ärztlicher Sachverständiger werden über den Angeklagter Gutachten eingezogen werden. Von dem Ausfall dieser Gutachter wird es abhangen, ob der Angeklagte sür seine Strastate» zw Rechenschaft gezogen werden kann.— Schweiz. Die Glaa�enS- and Gewisseusfreiheit beim Militär. Zürich, 2. September.(Erg. Ber.) Für eine Petition an den schweizerischen Bundesrat werden gegenwärtig Unterschriften gesammelt: Der Bundesrat wird auf- gefordert, dem Artikel der BimdcSverfasiung über Glaubens» und Gewissensfreiheit auch beim Militär Geltung zu verschaffen und so zu verhindern, daß aus die Soldaten irgendwelcher Zwang ausgeübt werde. Die Petition lautet: „Unter Berufung auf Art. 49 Abs. 2 der eidgenössischen Bundesverfassung, welcher lautet:„Niemand darf zur Teilnahme an einer Religionsgenossenschaft oder an einem anderen religiösen Unterricht oder zur Vornahme einer religiösen Handlung ge- zwungen oder wegen GlaubcnSsachen mit Strafen irgendwelcher Art belegt werden." und in Erwägung, baß die Konstgnierung der nicht an einem Gottesdienst teilnehmenden Soldaten den Zwang zu einer religiösen Handlung und einer Strafe wegen GlaubenSansicht gleichzustellen ist, haben die Unterzeichneten die Ehre, Sie aufzufordern, die nötigen Maßregeln zu treffen, damit der Art. 49 unserer Bundes- Verfassung befolgt werde und der Soldat während der Zeit des Gottesdienstes vollige Freiheit genieße." Es kommt heute vor. daß über Soldaten, die sich weigern, dem OffizicrSkommando zum Kirchenbesuche Folge zu leisten, Konstanierung oder Strafexerzieren verhängt und so in der Tat die verfassungS- mäßig gewährleistete Glaubens« und Gewissensfreiheit sür der Schlveizerbürger im Wehrkleide völlig illusorisch gemacht wird.— finnland. Helsingfor», 2. September. Der Landtag ist heute Wiedel eröffnet worden.—_ Die russische Revolution. Zum Pogrom in Odessa. Odessa, 8. September. Die Panik in der Stadt dauert fort. Die Mitglieder des Verbandes des. russischen Volkes setzen ihre Gewalttaten fort, es werden noch immer Personen getötet und verwundet. Die Patrouillen bleiben untätig. Die Läden, besonders in der Unterstadt, sind geschlossen. » In den Kreisen der wahrhaft russischen Leute wird daS Treiben der„Verbündeten" in Odessa als ein„Präludium" zu den bevorstehenden ReichSdumawahlen bezeichnet, da sich die jüdischen Wähler bereits vielfach geweigert haben, der vom„Verband wahr- Haft russischer Leute"' gestellten Forderung Folge zu leisten, keine Reichsdumakandidaten jüdischen Glaubens aufzustellen. Ist dem„Verband wahrhaft russischer Leute" bei der Ausübung seines„patriotischen" Werkes schon früher die tatkräftigste Unterstützung seitens der russischen Administrativbehörde zuteil getvorden. so haben die„wahrhaft russischen Leute" seit der Bekanntmachung der Depesche an Dr. Dubrowin, den ersten Präsidenten ihres Verbandes, insofern noch mehr gewonnen, als ihnen jetzt, zumal kurz vor dem eigent- lichen Beginn der Wahlkampagne zur dritten ReichSbuma, gewisser- maßen die Mordkonzession eingeräunit worden ist, um Blut« taten nach Herzenslust auszuführen. Nur so war eS den„wahrhast russischen Leuten" möglich, am letzten Sonntag den Pogrom von Odessa zu organisieren, obwohl die erbarmungslos verfolgten Juden sich nichts haben zuschulden kommen lassen, da der Tod de? Offiziers und der drei Schutzleute lediglich durch deren Unvorsichtig« keit bei der Entladung einer Bombe herbeigeführt worden ist. Wieweit die behördlichen Konzessionen an die wahrhaft russischen Leute gehen, beweist die Nummer der„Wjetsche stolnago goroda Kiewa" vom 25. August, in der sich auf der ersten Seite mit großen Buchstaben der„Befehl Nr. 16" befindet und wo in drei schwarzumränderten Rechtecken Namen solcher Personen aufgeführt sind, die in Kiew, Odessa und Petersburg unschädlich gemacht lverdcn sollen! Unter den letzteren befinden sich Miljukow, Hessen, Winawez, fintier und Gurljand. Diese Nummer ist natürlich nicht beschlagnahmt Wörden; im Gegenteil: sie findet dank der behörd- lichen Unterstützimg die weiteste Verbreitung. Btos der Partei. Zum Essener Parteitag. In einer Parteiversammlung des fünften sächsischen Reichstags« Wahlkreises sDreSden-Allstadtj lvurde»ach längerer und lebhafter Debatte eine Resolution deS Genossen Riem gegen eine Stimme an- geuommen, die sich gegen die Lokalorganisicrtcn und Sondcrbündler in der GelverkichaftSbeivegung richtet. Sie lautet: «Die Parteigenossen deS 5. sächsischen RcichStagSwahlkrciseS (DreSden-A> sprechen die Erwartung auS, daß der Parteitag in Esten energisch Stellung nimmt gegen das die gesamte Arbeiter- bewegnna schwer schädigende Treiben der Lokalorganisationen und anderer GewerkschaftSzersplitterer, soweit diese Mitglieder der Partei sind. Der Parteitag möge aussprechen, daß angesichts der fort« während zunehmenden Konzentration des Kapitals und deS brutalen Vorgehens des koalierten UntcriichmertimiS gegen die Organi- sationen der Arbeiter solche GewerkschaftSzersplitterung eine schlvere 'Schädigung der Arbeiterbetvegung bedeutet und geeignet ist, Un- einigkeit in die Reihen der Arbeiter zu tragen. Die Parteigenosse» haben die Pflicht, soweit sie in einem * Arbeitsverhältnis stehen, Mitglied der von ber Generalkominission anerkannten gewerkschaftlichen Zentralverbände zu sein." Ebenso wurde ein Amendement einstinnnig angenoinmen, das besagt: »Die Genoffen, die sich den Beschlüssen deS Parteitages zur Frage Partei und Gewerkschaft nicht unterwerfen, haben sich selbst außerhalb der Partei gestellt." Ein Vertreter der in Dresden neugegründeten Filiale des Wiesenthalschen MetallarbeiterverbandeS bekämpft die Resolution. Von einigen Debatterednern und auch vom Antragsteller wurde darauf hingewiesen, daß die Beschlüsse früherer Parteitage(Lübeck, Mannheim) in die Tat umgesetzt werden müßten. DaS werde am ehesten die Sondcrgewerkschaftler zur Besinnuna bringen. Als Delegierte zum Parteitag wurden die Genossen Riem und Dr. G ra d na u e r, als Ersatzmann Genosse Beiiikämpcn, Bevollmächtigter des MetallarbeiterverbandeS, gewählt. Der Wahlkreis Neckermünde-Usedom-Wollin hielt In I a tz n i ck seine Generalversammlung ab. Der Mitgliederbestand weist 771 Ge- nossen auf. Gewerkschasttich organisiert sind im Kreise 1791: unter diesen soll in Zukunft mekjr agitiert werden. Beschlossen wurde mit« anderem einen vierteljährlichen Extrabeitrag von 10 Ps. zu er- heben für Delegationen usw. Als Delegierter für den E ss en e r Parteitag wurde Genosse S t e i n f ö h r gewählt. Genosse v. Elm hat folgenden Antrag an die Parteileitung des 2. Hamburger Wahlkreises gestellt: .Als Mitglied des 2. Hamburger Wahlkreises beantrage ich die Einsetzung eines unparteiischen Schiedsgerichts zu dem Zweck, festzustellen, ob die Anschuldigungen der Lagerhalter, der Genossen Scharnberg, Ehlers, Tellkanip. Hcidrich und evenwell auch Fin- dorf, falls derselbe Genosse ist, auf von mir in meinen Reden auf dem Düsseldorfer GenossenschaftStage begangenen.Prinzipien- verrat" berechtigt find oder nicht. Die Anschuldigungen der Lagerhalter sind von der gegnerischen Presse des 6. schleswig- holsteinischen Wahlkreises, in welchem ich als Kandidat für die nächste Reichstagswahl aufgestellt bin, übernommen worden und werden zweifellos von dem Reichslügenverband nicht nur gegen mich, sondern auch gegen die Gesanitpartei in ihren Flugblättern verwertet werden. Habe ich.Prinzipienverrat" begangen, kann ich selbstverständlich nicht Kandidat der Partei bei Wahlen sein, müßte im Gegenteil aus der Partei ausgeschlossen werden. Stellt sich dagegen heraus, daß die betreffenden Genossen bewußt die Unwahrheit gesagt haben und weigern sich diese, dies.öffentlich zu bekunden, so ist dies zweifellos eine parteischädigende, ehrlose Handlung und müßten die betteffenden Genossen aus der Partei ausgeschlossen werden. Im Interesse der Partei sehe ich mich zur Stellung meines Antrag? gezwungen und bitte die Vorstände der Partei in Hamburg, meinem Antrage zuzustimmen und das Weitere veranlassen zu wollen." 42 Arbritersekretäre gibt eS zurzeit in der Schweiz, wovon 5 attf das schweizerische Arbeitersekretariat in Zürich entfallen, 3 auf die Züricher Arbeiterunion und je 1 auf Winterthur, St. Gallen, Schaffhausen, Aarau, Basel, Bern, Luzern, Genf und Kanton Tessin; 25 Sekretäre stehen im Dienste der Gewerkschaften, und zwar ent- fallen 7 auf den Metallarbeiterverband, je 2 auf die Verbände der Lebens- und Genußmittel, sowie Holzarbeiter und der Schneider, je 1 auf die Verbände der Zimmerer, Maler, Steinarbeiter, Buch- drucker, Uhrenarbeiter, Schalenmacher und 6 im Dienste der ver- schiedenen Eisenbahnerorganisationen. Dazu kommen noch die beiden Sekretäre der schweizerischen sozialdemokratischen Partei und der deutschen Sozialisten in der Schweiz, ferner der internationale Buch- druckersekretär in Bern, total 45 Arbeiterbeamte. GewcrhfcbaftUcbca. Die Hungerpeitsche. Der Verband deutscher Steinmetzgeschäste versendet folgendes Zirkular: Berlin. Linkstr. 15. den 2S. August 1807. Hierdurch zur Nachricht, daß die auf beiliegendem Verzeichnis näher bezeichneten Marmorarbeiter der unserem Verbände an- gehörenden Firma Deutsche Steinindustrie A.-G., Berlin, in den Ausstand getreten sind, weil die Firma an einöm Sonntage zwei Arbeiter an einem Bau mit einer kleinen wenig umfangreichen Arbeit beschäftigt hat, die sich Sonntag« nur ausführen ließ, da der Raum in der Woche anderweitig in Anspruch genommen war. Wir ersuchen unsere Mitglieder, die Ausständigen satzungS- gemäß biS auf weiteres von der Einstellung auszuschließen und bitten die nicht unserem Verbände angehörenden Geschäfte um ihre Unterstützung. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß der Streik der Marmor- arbeiter m Düsseldorf unverändert fortdauert. Alle vou dort kommenden Marmorarbeiter bitten wir von der Einstellung auSzu- schließen, etwa seit Ende Juni eingestellte Marmorarbeiter auS Düsseldorf aber wieder zu entlassen. Hochachtungsvoll Das Geschäftsamt des Verbandes deutscher Steinmetzgeschäfte. Dem Anschreiben liegt eine.schwarze Liste" bei, welche die Namen von 45 Steinmetzen, 6 Hoblern, 12 Handschleifern und 6 Maschinenschleifern enthält. Wie heißt jenes bekannte Wort?—.Schwerste Strafe dem, der seinen Mitmenschen an freiwilliger Arbeit hindert I— Und das andere Wort?—.Die Religion muß dem Volke erhalten bleiben!" Darum aufs Pflaster mit denen, die nicht im Interesse des Kapitalismus willig den Sabbat schänden! Berlin und Umgegend. Achtung, Bauklempner! Die Zustände auf dem Bau Tegel(Gas- anstatt) bei Ausführung der Dacharbeit sind beispiellos miserabel. Die Firma Winkelstein. Christinenstraße, führt daselbst die Klempner- arbeit aus. Da für den Schutz der Arbeiter in keiner Weise gesorgt ist, sei jeder Klempner davor gewarnt, die Arbeit ohne Rüstung aus- zuführen.' Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS. Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von F. Schach, Gollnowstr. 12, sind Differenzen ausgebrochen. _ Die Ortsverwaltung. Achtung, Sattler, Täschner, Portefeuillcr! Die Firma Ludwigs u. C a s p a r i u s hat den für die Galanteric- und Gürtelbrauche abgeschlossenen Tarifvertrag unterschriftlich anerkannt. Die Sperre über den Betrieb ist demzufolge aufgehoben. Die OrtSverwalwng Berlin des Verbandes der Sattler. Glasschleifer! Bei der Firma Horst Heimann in Dresden- Löbtau, Gröbelstraße, sind Lohndifferenzen ausgebrochen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Nach- druck gebeten. Oeutfehes Reich. Der Konfcktionsschneiderstreik in Stettin ist beendet. Zwischen dem Vorstand des Verbandes der Stettiner Konfektionäre und der Lohnkommission der Arbeiter fanden am Freitag und Sonnabend Besprechungen statt, die den Frieden herbeiführen sollten. Angeregt wurden diese Besprechungen von einem Teil der Mitglieder der Unternehmerorganisation. Bei diesen Besprechungen wurde von den Unternehmern erklärt, daß sie laut statutarische» Bestimmung nicht in offizielle Unterhandlungen mit den Arbeitern eintreten dürften, so lange der Streik dauert. Die Arbeiterver- treter betonten demgegenüber, daß sie nicht gewillt seien, ohi� bindende Erklärungen die Aufhebung des Streiks zu empfehlen. Daraus verständigten sich die Vertreter beider Parteien dahin, daß die Arbeitgeber sich verpflichten, über alle die Punkte de? Tarifnachtrags in entgegenkommender Weise mit der Lohnkom- Mission zu verhandeln, wodurch die seitherigen Schiebungen der Unternehmer unmöglich werden. Alle neuen Extraarbeiten sollen bezahlt werden. Die Aussperrung ist aufgehoben in dem Moment, wo die Arbeiter den Streik beendigt erklären. Die Arbeitsauf- nähme braucht nicht in vollem Umfange zu geschehen, sondern es bleibt der Organisation der Arbeiter überlassen, zu beschließen, wieviel Stücke der einzelne Arbeiter mitnehmen und ob er daran arbeiten soll oder nicht. Die offiziellen Unterhandlungen beginnen sofort. Werden dieselben nicht beschleunigt, so wird der Streik erneut proklamiert. Mit diesen Bedingungen erklärte sich die Generalversammlung der Unternehmer am Sonn- abend einverstanden. Für die Arbeiter war unter vorstehenden Umständen die Arbeitsaufnahme eine reine Formsache. Um den Kampf nicht unnötig zu verlängern, nahmen deshalb auch die Streikenden am Montag obige Vereinbarung an mit der Be- stimmung, daß der einzelne Arbeiter sich nicht mehr wie zwei Stücke holt. Die Konfektionsarbeiter haben den Unternehmern Verantw. Redakteur: Hans Webers Berlin. Inseratenteil verantw.: bewiesen, daß sie eine Macht sind, die sich ihr Mitbestimmungsrecht nicht�streitig machen läßt. Die Beschlußfassung über Aufhebung des Streiks ließ keinen Zweifel, daß, wenn die Arbeitgeber den Wünschen der Arbeiter nicht entgegenkommen— die geholte Arbeit nach 2— 3 Tagen wieder genau so abgeliefert wird. Ter Streik des Hamburger Schleppdampferpcrsonals ist durch Vergleich beendet. Nachdem im Laufe des Montagnachmittags Ver- Handlungen mit dem Hafenbetriebsvercin stattgefunden hatten, die nur in wenigen Punkten Zugeständnisse zeitigten, ist der Streik aufgehoben worden. Die Schiffsleute dürften wohl die Lehre aus diesem Kampfe gezogen haben, daß ein fester Zusammenschluß er- folgen mutz. Die seitherige Vercinsspielerei, die den Unternehmern nicht imponiert, wird auch in Bälde aufgegeben werden, indem Kommissionen eingesetzt worden sind, die das Einigungswerk be- treiben sollen. Wie uns mitgeteilt wird, gedenken die Schiffer und Deckleutc als eine Sektion dem Hafenarbeiterverbande bei- zutreten, während die verschiedenen Klubs der Maschinisten und Heizer zum Maschinisten- und Heizerverbande übertreten wollen. Das war die Stimmung, die eine vor kurzem stattgehabte Ver- sammlung der Streikenden beseelte. Zum Streik der Hamburg-Altonacr Elektriker. Die Situation hat sich in den letzten Tagen wenig verändert. Die Zahl der Ausständigen beträgt etwa 400, während in 35 geregelten Be- trieben 12S Monteure und Hülfsmonteure arbeiten. TlusUmd. AuS einem wilden Lande. Im April dieses Jahres streikten die Handwerker in einer chemischen Fabrik in Basel, unter denen sich auch Metallarbeiter befanden. Bei Ausbruch des Streiks unterzeichneten sie einen Ver- Pflichtungsschein, nach dem jeder von ihnen im Falle des Streit- bruchs 100 Frank Konventionalstrafe und den Betrag der erhaltenen Unterstützung an den Schweizer Metallarbeiterverband zurück- zuzahlen hätten. Es wurden in der Tat mehrere zu Streikbrechern und das Basler Gericht hat nun 4 derselben zur Zahlung von je 108 Frank, 121 Frank, 110 Frank und 115 Frank an den genannten Verband verurteilt, ferner haben sie die Prozetzkosten zu bezahlen. Das Streikbrechervergnügen wird so etwas kostspielig. Achtung, Leistenvergolder! Bei der Firma Fischer u. Co. in Budapest(Ungarn) stehen die Kollegen im Streik. Zuzug nach Budapest ist darum streng fernzuhalten. Die Zentralkommission der Vergolder. Die Bautischler von Kopenhagen nahmen in einer gestern Mittag abgehaltenen Versammlung einstimmig einen VermittelungSvorschlag an, der schon ftüher vom Arbeitgebervercin für unannehmbar er- klärt worden ist. Damit ist die vom Arbeitgeberverein angekündigte Generalaussperrung in sämtlichen diesem Verein angehörigen Be- trieben wahrscheinlich geworden. Der Kampf der Antwerpener Dockarbeiter. Antwerpen, 2. September.(Eig. Ber.) Die Unternehmer ernten nun, was sie gesäet haben... Man kann sagen, daß sie systematisch die Sache auf die Spitze ge- trieben haben.„Wir unterhandeln nicht", war ihre Losung. Glaubten sie nun etwa, man könne 15 000 Arbeiter, die sich bis jetzt für die Herren schinden durften, platt an die Wand drücken? Ruhe, Besonnenheit, Vernunft— haben die Streikenden nicht all daS in diesen Wochen bewiesen? Aber die Herren haben freventlich Zündstoff um Zündstoff gehäuft— darf sich jemand wundern, wenn die Arbeiter, die wochenlang auf eine friedliche Lösung gehofft, an die Einsicht appelliert haben, nun nicht länger die fremden gegen sie zu Hülfe gerufenen ehr- losen Elemente arbeiten lassen wollen? Noch einmal: die Unter- nehmer haben systematisch auf diese Situatton hingearbeitet. Man hat ja schon vor mehr als einer Woche die Bürger- garde in Bereitschaft gehalten... Nun ist den Herren die P o l i z e i bereits zu wenig, und sie führen Klage über zu geringen Schutz. Kostbar ist ihre Unverfrorenheit, den Bürger- meister zur Verantwortung zu ziehen, weil die Arbeiter sammeln. Dadurch macht sich die Bevölkerung zum„Mitschuldigen", erklärte Herr Steinmannl Die Unternehmer dachten sich das Aus- hungern von 15 000 Menschen doch zu bequem... Es ist selbstverständlich das Interesse der Arbeiter, daß die Ruhe nicht gestört wird, und das Streikkomitee will durchaus keine andere Taktik, wie sich aus allen seinen Kund- gedungen ergibt. Wenn die Erbitterung da und dort nicht mehr zu zügeln ist, wenn die Streikenden ihr Recht auf Arbeit verteidigen, trägt die Schuld allein die Taktik der Unternehmer, die tausende Taugenichtse ins Land schleppen, um ehrlichen Ar- beitern das Brot zu nehmen. In einem Manifest hat das Streik- komitee heute sämtliche Hafenarbeiter unterschiedslos aufgefordert, die Arbeit einzustellen, nachdem die Unternehmer mit der Zufuhr deutscher und englischer Streikbrecher fortfahren und die Situation immer ernster wird. DaS Komitee fordert den Kampf bis zum äußersten, der nun daS Zusammenschließen aller erfordere. Bis jetzt war vom Komitee auS immer noch bloßdieFort- führung der Streiks der Holz- und Getreidever- lader allein als Forderung aufgestellt. Nach diesem Aufruf ist es aber begreiflich, daß, da alle Einheimischen zur Arbeitseinstellung verpflichtet werden, die Streikenden auch die Fremden nicht arbeiten lassen wollen, und heute ist eS ihnen gelungen. die Arbeit im Hafen so gut wie brach zu legen. 15 Brüsseler, die man zur Arbeit verwenden wollte, gelangten nicht einmal zur Arbeitsstätte und erklärten, zurückzukehren. Auch die Engländer begehren heimzukehren. Heute arbeiten auch die Arbeiter der„NationS" nicht mehr, ebenso die bei den letzteren beschäftigten Frauen. Bei einzelnen Schiffen kam es zu Ge- walttaten, und in der Erbitterung wurden Werkzeuge vernichtet, Räder zerschlagen und Säcke heruntergeschleudcrt. Die Packträger, die bisher arbeiteten, wurden gleichfalls von den Schiffen gejagt. — Statt die immer ernster werdende Situation durch einen Friedensbeschlutz zu beenden, rufen die Unternehmer nach der Polizei, nach dem Staatsanwalt, nach Schutz der Arbeit. Aber die Arbeit ist nur von den Unternehmern bedroht, die mit ihrer Aushungerungstaktik die einheimischen Arbeiter am ar- betten hindern. Nachtrag. Der Vorstand der Unternehmervereinigung sprach im Rathause vor. um vom Bürgermeister erhöhten Schutz, d. h. militärische Assistenz zu fordern; doch war der Bürgermeister zur großen Verstimmung der Herren, die sich schon früher melden ließen, nicht anwesend, und sie wurden nur vom Sekretär empfangen. Dieses Nichtempfangenwerden der Herren wird vielfach kommentiert, um so mehr, als vorher der Bürger- meister anderen Abordnungen erklärt hatte, vorläufig nicht ein- schreiten zu können. Eine Firma hat sich an den Minister gewendet, damit dieser interveniere. Inzwischen ist eS in Antwerpen zu erheblichen Unruhen ge- kommen. Wir geben darüber bis zum Eintreffen der Mitteilungen unseres Antwcrpener Korrespondenten mit Vorbehalt die Nach- richten des von Unternehmerseite informierten Wolffschen Bureaus wieder. Das Wolffsche Bureau meldet: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verla«: Vorwärts Vuchdr. u. Verlägsanstalt l Antwerpen, 2. September. DaS Vorgehen gegen die Arbeits« willigen und die Angriffe mit Revolvern gegen die englischen Ar- heiter, die sich zur Arbeit begeben oder zurückkommen, mehren sich. Die Polizeibeamten, welche die Engländer geleiteten, wiesen die Angreifer durch Rcvolverschüsse zurück und veranlaßten sie zur Flucht. Antwerpen, 3. September. Ungefähr 200 ausländische Hafen« arbeiter, die in der Nacht hier eingetroffen waren, wurden beim Verlassen des Bahnhofs von der Menge angegriffen, die Polizei mußte, um die Arbeiter zu schützen, von der Waffe Gebrauch machen. Antwerpen, 3. September. Die Erregung nimmt zu. Die Polizeimannschaften sind der Menge gegenüber machtlos und sind genötigt, wiederholt von der Waffe Gebrauch zu machen. Es ist beabsichtigt, unverzüglich die Bürgergarde einzuberufen. eingegangene vruckfckritten. »Mörz«, Hest 17, Holbmonaisschttst für deutsche Kultur. Heraus- gcber: L. Thonia. H. Hesse, A. Langen, K. Aram. Preis 1,20 M. Verlag von Albert Langen in München. Die Kartosfeltrocknerei von Dr. W. Lehrend. 1,50 M. Geschäfts- stelle des Vereins Deutscher Kartoffeltrockner, Berlin N. 65. Letzte JVacfmcbten und Depefeben, Die Rechtlosigkeit der Frau. Die Treptower Parteigenossen hatten zu gestern abend eine Versammlung einberufen, in der die Berichterstattung vom Jnter- nationalen Kongreß in Stuttgart gegeben werden sollte. Unter den zahlreich erschienen Genossen befand sich auch eine Anzahl Frauen, die in dem für dieselben geschaffenen„Segment" Platz nahmen. Der überwachende Beamte hielt offenbar die anwesenden Frauen für nicht berechtigt, der Versammlung beizuwohnen und löste dieselbe kurzerhand auf. Die eingelegte Beschwerde wird ihn hoffentlich eines Besseren belehren. Den proletarischen Frauen werden derartige Rechtlosmachungen ein Ansporn sein, mit aller Kraft Einzutreten für ein freies, vom Willen untergeordneter Polizeiorgane unabhängiges Vereins- und Versammlungsrecht. Das Recht der Kritik. Essen, 8. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Bergmann Hermann Linke hatte in einer sozialdemokratischen Versammlung ein Urteil kritisiert, durch das ein Polizeibeamter freigesprochen wurde, der einen Arbeiter erschossen hatte. Der Erfolg der Kritik war zunächst die Verurteilung zu 50 M. Geld- strafe wegen Beleidigung des Gerichts. Das Reichsgericht hob jedoch das Urteil auf und sprach Linke frei. Des Amtes enthoben. Gelsenkirchen, 3. September.(Privatdepesche de?„Vor- wärts"). Der Rendant Bock von der Städtischen Sparkasse wurde seines Amtes plötzlich enthoben. Wie verlautet, handelt es sich bei dieser Maßnahme um Kassenmanipulationen, die der Rendant in seiner früheren Wirkungsstätte Ueckendorf vorgenommen haben soll. Acht Menschen ertrunken. Neuss, 3. September.(W. T. B.) Heute nachmittag'4 Uhr kam an der Erftmündung bei Grimlinghausen ein kleiner Schlepp- dampfer zum Sinken. Der Dampfer sank so schnell, daß 8 Per- sonen, nämlich die Frau des Kapitäns, der Maschinist und sechs Kinder den Tob in den Wellen fanden. Dem Tode entronnen. Bochum, 3. September.(W. T. B.) Auf der Zeche Dannen- bäum wurden in vergangener Nacht im Schacht 2 durch die zu Bruche gehende Strecke 3 Bergleute abgesperrt. Bei den Rettungs- arbeiten gelang es, ein Rohr durch den Bruch zu treiben, wodurch die Verständigung mit den Verschütteten hergestellt wurde. Heute nachmittag gelang die Rettung der Verschütteten, die sämtlich un« verletzt waren._ Eine Liebesheirat. London, 3. September.(B. H.) Wie hier verlautet, wird der Großfürst Michael von Rußland, der Bruder deö Zaren» sich dem- nächst mit der Prinzessin Viktoria, der Tochter des Königs von Eng- land, verloben. Der Großfürst ist 29 Jahre alt, die Prinzessin ist zehn Jahre älter._ Der englische Gewerkschaftskongreß. Bath, 3. September.(W. T. B.) Der Trades-Union-Kongreß wurde heute durch den Präsidenten, Parlamentsmitglied Gill, mit einer Ansprache eröffnet, in der dieser auf das ständige An- wachsen der Trades-Union-Bewegung seit Eröffnung des ersten Kongresses vor 40 Jahren hinwies. Der jetzige Kongreß zählte, wie Redner ausführte, 521 Delegierte, die 1 700 000 Mitglieder verträten, unter ihnen 34 Parlamentsmitglieder. Gill pries die Macht des Verbandes und wies auf den Wert des Zusammen- arbeitens der der Arbeiterpartei angehörenden ParlamentSmit- glieder hin, durch das bereits in der letzten Session des Parlaments eine Anzahl wertvoller Gesetze zustandegekommen seien. Die erste Aufgabe der Regierung müsse es sein, allgemeine AlterSpensionen ohne Bcitragsleistung im Mindestbetrage von fünf Schilling wöchentlich für Arbeiter, die das 60. Lebensjahr überschritten haben» einzuführen, und der Finanzminister müsse das Geld dazu schaffen. Nach der Eröffnungsrede gab es eine scharfe Debatte über das Arbeitslosenproblem, bei der B u r n s die Vertvaltungsbehörden und das Gesetz, das die Arbeitslosigkeit behandelt, scharf kritisierte. Internationaler Schutz den Ausbeutern. Antwerpen, 3. September.(B. H.) Der Bürgermeister unter- nahm heute eine Rundfahrt durch den Hafen, um sich von der Lage persönlich Rechenschaft abzulegen. Er weigerte sich trotz der heutigen Vorkommnisse, die Vürgrrwehr einzuberufen. Diese seine Haltung hat unter den Hafenbehörden großen Mißmut hervorgerufen. Es heißt, daß gegebenenfalls die auswärtigen Reeder sich an ihre Regierungen wende» werden, um diese zu ersuchen, die belgischen Behörden zu bestimmen, ihnen besseren Schutz angedcihrn zu lassen. Der Führer des Hafenbundes Steinmann erklärte: „Wir werden bis zum Ende kämpfen, eS handelt sich um da» Wohl des HafenS."_ Ten Henkern überliefert. Petersburg, 8. September.(W. T. B.) N i k i t e n k o. S i n j a w s k i alias Purkin und N a u m o w, die am 29. August zum Tode durch den Strang verurteilt worden waren, weil das Militärgericht sie für schuldig befunden hatte, ein Attentat auf daS Leben des Kaisers vorbereitet zu haben, sind heute hingerichtet worden._ Die„gelbe Kolonialgefahr"! New Dork, 3. September.(B. B.) Angebliche japanisch» Forschungsreisende hißten die japanische Flagge aus der Proteus- Insel in der Nähe der Philippinen. Fcrnbeben. New Dork, 3. September.(B. H.) Der Seismograph w Washington registrierte ein schweres Erdbeben in einer Entfernung von 9000 Kilometer._ jaul Singe rScCmiBcrlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. llnterhaltuugsblatt Nr. 206. 24. Jahrgang. 1. Irilnp des Joritiätls" Kerlim KIKsdlM. Mittwoch. 4. September 1907. Line IPartel' und IPreßfragc. Zur Frage des P r e ß b u r e a u s hat die„Leipziger Volks- Zeitung" zwei weitere Artikel veröffentlicht, denen wir daS Folgende entnehmen: „Nach unseren gestrigen Ausführungen brauchen wir nicht zu sagen, daß die weit überwiegende Mehrzahl der Nachrichten, mit deren Verbreitung die kapitalistische Presse einherprunkt, von vorn- herein von der Uebermittelung durch das' geplante Nachrichten- bureau der Partei ausgeschlossen ist, also aller diplomatische, aller höfische, aller parlamentarische Klatsch. Prinzipiell wird darüber vollkommene Uebereinstimmung in der Partei herrschen, praktisch wird die Sache aber doch ihren Haken haben. Werden die Auf- gaben des Nachrichtenbureaus nicht viel genauer spezialisiert, als in dem Entwürfe des Parteivorstandes geschehen ist, so werden seine Vertreter ihren Eifer und Fleitz zu betätigen und„Nach- richten zu erlangen" suchen, wo sie irgend können, wobei es nicht ausbleiben kann, daß ihr ehrliches Bemühen in ein arges Gedränge mit der notwendigen Kritik gerät. Wenn wir sagten, daß die große Mehrzahl der Nachrichten. die von der k a p i t a l i st i s ch e n Preffe kolportiert werden, für unsere Parteipresse nicht nur völlig gleichgültig ist, sondern sogar von ihr v e r s ch m ä h t werden muß, so ist von der Minder- zahl wirklich wichtiger Nachrichten wiederum die Mehrzahl längst durch die bürgerlichen Telegraphenbureaus verbreitet, ehe unser Nachrichtenbureau überhaupt in die Lage käme, an die Uebermittelung solcher Nachrichten zu gehen. Wir wissen nicht, ob irgendwo in der Partei die Ansicht besteht. daß die neue Einrichtung etwa die großen Telegraphenbureaus Wolfs, Hirsch oder wie sie sonst noch heißen, aus der Parteipresse verdrängen solle. Jedenfalls wäre diese Ansicht eine heillose Illusion, wenn sie irgendwo bestände. Schon aus finanziellen Gründen ist gar nicht daran zu denken, namentlich aber auch des- halb nicht, weil das größte jener Bureaus, das im offiziösen Dienste der Regierung steht, den Vorzug genießt, mit seinen telegraphischen Meldungen allen übrigen Depeschen vorzugehen. Sicherlich hat es seine große Mißlichkeit, daß diese Bureaus auch von unserer Presie benutzt werden müssen, und mehr als ein Parteiblatt sollte die Besierung seines Nachrichtendienstes damit beginnen, daß es den Wolffschen Depeschen die nötige Kritik entgegenbringt. Es ist manchmal erstaunlich, zu sehen, wie Parteiblätter Depeschen ver- öffentlichen, denen die offiziös-reaktionäre Mache mit plumpsten Lettern an die Stirn geschrieben steht, ohne ein Wort des Kommen� tars hinzuzufügen. Jedoch ganz entbehren kann auch die Parten presie die kapitalistischen Telegraphenbureaus nicht, sintemalen wir einstweilen noch in der kapitalistischen Gesellschaft leben, deren Einrichtungen wir als Handhaben des proletarischen Emanzt pationskampfes benutzen, sie eben deshalb aber auch brauchen. Machen wir unS auch hier durch ein Beispiel klar. Irgendwo in der Parteipresie ertönte vor einiger Zeit ein SchmerzenSschrei eines Parteiredakteurs über die Mangelhaftigkeit des Nachrichtendienstes für unsere Parteipresse, wofür er zwei typische Fälle beibrachte. Und in der Tat waren diese Fälle typisch, wenn auch nicht in seinem, so doch in unserem Sinne. Er beklagte sich erstens, daß die Reichstagsauflösung im Dezember v. I. von dem bürgerlichen Blatte seines Wohnortes hätte eher ver- öffentlicht werden können, ehe sie ihm zugegangen sei, und knüpfte daran die Aufforderung, der P a r t e i b o r st a n d solle solche wichtigen Ereignisse sofort an alle Parteiblätter telegraphieren. Das war aber ein ganz törichtes Verlangen. In dem Augenblick, wo der Reichstag aufgelöst wurde, blitzte das Wolffsche Bureau die Nachricht in alle Weltgegenden hinaus, und es wäre einfach eine unnütze Kraft-, Zeit- und Geldver- schwendung gewesen, wenn der Parteivorstand die Nachricht nun noch an alle Parteiblätter telegraphiert hätte. Hier ist die einzige Abhülfe nur, daß jedes Parteiblatt den bürgerlichen Telegraphendienst benutzt, was schon für gutes Geld, ohne gute Worte möglich ist. Der andere Fall, den jener Parteiredakteur anführte, bezog sich darauf, daß der Tod L i e b k n e ch t s seinerzeit ebenfalls früher von dem bürgerlichen Blatte seines Wohnortes habe ge- meldet werden können, ehe die Nachricht in seine Hände gelangt sei. Die Klage hierüber war berechtigt, und insoweit die bürger- lichen Telegraphenbureaus wichtige Parteiereignisse totschweigen, ist ihre Ergänzung durch ein Parteinachrichtenbureau allerdings wünschenswert und selbst notwendig. Hier ist wirklich noch eine Lücke der Parteirüstung auszufüllen. Indessen ist auch dazu noch zu bemerken, daß die größeren Parteiblätter sich solchen ergänzenden Nachrichtendienst längst ein- gerichtet haben. Sollen sie nun diesen mit großer Mühe und vielen Kosten hergerichtetcn Apparat zerstören, zugunsten des neuen Nach- richtenburcaus? Oder wenn nicht, sollen sie— da die Kosten des neuen Bureaus von der Parteiprejse nach Maßgabe ihrer Leistungs- fähigkeit aufgebracht werden sollen— eine Einrichtung, die sie weder gebrauchen noch wünschen, auf ihren Redaktionsetat mit übernehmen? Wir legen auf diese finanzielle Frage keineswegs ein entscheidendes Gewicht— wenigstens von Redaktionswegen nicht, denn wie die Preßkommissionen der größeren Blätter darüber denken werden, ist eine andere Frage— aber entscheidend ist, daß sich die Interessen der größeren und der kleineren Partei- blätter in diesem Punkte gar nicht vereinigen lassen. Soll das Nachrichtenbureau so eingerichtet werden, daß es auch den größeren Partciblättern genügt, so würde es die kleineren mit einem Segen überschwemmen, den diese in ihren Speichern gar nicht zu bergen wissen; soll eS aber nur für die kleineren Blätter gelten, so müssen die größeren Blätter ihren besonderen Nachrichtendienst beide- halten. Ob daraus nicht mancherlei Unbequemlichkeiten entstehen werden, wollen wir dahingestellt sein lassen.... Inzwischen hat unsere Forderung, daß die Ausgaben dcS neuen NachrichtenbureauS ungleich schärfer präzisiert werden müssen als in dem Entwürfe des Parteivorstandes, eine kürzere und schlagendere Bestätigung, als wir sie in zwei langen Artikeln zu geben. vermochten, durch zwei Zeilen der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" gefunden, deren leitender Redakteur bekanntlich der Verfasser des privaten OrganisationScntwurfs ist, den einige Parleircdakteure ausgearbeitet haben. Die„Sächsische Arbeiter-Zeitung" schreibt nämlich:„Der Antrag der Parteileitung besagt über die Aufgaben des Bureaus im wesentlichen dasselbe, was der Ent- >vurs der Redakteure ausführlich dargelegt hat." Diese Bemerkung ist unseres Wissens irrig, wenn damit gesagt sein sollte, daß die Parteileitung„im wesentlichen" den Entwurf der Redakteure habe annehmen wollen. Aber sie ist vollkommen richtig insoweit, als der Entwurf der Parteileitung in dem 8 2 sich unbestimmt und verschwoinmen genug ausdrückt, um den Entwurf der Redakteure, soweit es auf die Aufgaben des neuen Bureaus ankommt, mit all seinem Drum und Dran hineinzu bugsieren. Diesen Entwurf hier eingehend zu kritisieren, müssen wir UNS versagen, da die Aufgabe schon vom„Vorwärts" in seiner Nummer vom 27. August gründlich erledigt worden ist. Wir konnten seine bündigen Ausführungen nur wiederholen, mit dem einzigen Vor- behalte, daß er manchmal noch zu milde urteilt. Wenn er bei- spiclswcise die erste Forderung des Redakteurcntwurfs: tele- graphische und telcphonische Uebermittelung wichtiger Auslassungen der führenden bürgerlichen Presse, als ein journali- stisches HülfSmittel schätzt, und es nur nicht überschätzt haben will, so würden wir unserseits jeden Pfennig für weggeworfen erachten, der an diese Aufgabe gewendet würde. Es ist vom Standpunkt des Partnintcrefscs völlig gleichgültig, ob der Kohl, den der Dividenden- I Müller oder der Knuten-Oertel oder ähnliche Größen, die«zur l führenden bürgerlichen Presse" gehören, auf ihren Inseraten- �viantagen bauen, unserer Provinzpresse um ein paar Stunden früher oder später serviert wird..... Man wendet vielleicht ein, daß der Entwurf der Redakteure nur ein„Jnformations-, Nachrichten- und Materialienburcau" verlange und sich ausdrücklich dagegen verwahre, die selbständige Redakteurarbeit und die Tätigkeit individueller Mitarbeiter über- flüssig zu machen. Allein diese Versicherung ist bei der Natur der von ihm erhobenen Forderungen innerlich so brüchig, daß er als- bald erklärt,„es verstehe sich natürlich, daß die Nachrichten. In- formationen und Materialien, die das Bureau übermittelt, keines- Wegs etwa lediglich trockene Tatsachenangaben sein sollen, sondern daß sie s e l b st ä n d i g geordnet, gefärbt, literarisch dargestellt und mit selbständiger Beurteilung versehen s e i n m ü s s e n." Da haben wir die l i t e r a r i s ch e Obervormundschaftsbehörde der Parteipresse, wie sie leibt und lebt. Scheinbar ist der Entwurf der Parteileitung in diesem Punkte schärfer und unzweideutiger, indem er in seinem§ S die Abfassung von Kritiken und Artikeln, die geeignet seien, die Selb- ständigkeit und Selbsttätigkeit der Redakteure zu beeinflussen, von der Tätigkeit des Bureau? ausgeschlossen haben will. Aber leider trügt dieser Schein. Ein solche? Bureau braucht nicht das leiseste Wort der K r i t i k zu äußern und kann d o ch in der stärksten Weise die Selbsttätigkeit der Re- dakteure beeinflussen. Siehe das offiziöse Wolffsche Bureau, das nie einen Hauch von Kritik enthält, sondern in dürrstem Tone Tatsachen meldet, und gleichwohl die„Färbung" der Depeschen in einem Umfange betreibt, der selbst von den ab- gestumpften Nerven Lothar BucherS, der ehedem zu den Angestellten dieses Bureaus gehörte, als völlig unerträglich empfunden wurde. Vor einer„Färbung" der Depeschen in dem Sinne einer ge- wissenlos betriebenen Meinungsmache ist ja das neue Nachrichten- bureau geschützt; dazu würde sich kein Parteigenosse hergeben. Aber auch der ehrlichste und gewissenhafteste Mensch sieht die Dinge doch nur mit seinen zwei Augen und kann sie nicht anders sehen, und es geht nicht an, daß ein oder ein paar Parteigenossen, mögen sie auch mit der größten Sorgfalt ausgewählt sein und mögen sie sich auch der strengsten Sachlichkeit befleißigen, als Leiter des NachrichtenbureauS die Parteipresse dirigieren und reglementieren. DaS Wesen der Parteipresse, deren Uniformierung leider jetzt schon auf einen sehr beklagens- werten Grad gestiegen ist, würde dadurch im innersten Wesen verfälscht, ihre geistige EntWickelung in verhängnisvoller Weise gelähmt«nd um diesen Preisen die ohnehin nur in bescheidenem Maße mögliche Verbesserung ihres Nachrichten- dien st es hundertmal zu teuer erkauft werden. Die innerlich desorganisierende Wirkung des von einigen Re- dakteuren ausgearbeiteten Entwurfs machte sich äußerlich dadurch in ganz konsequenter Weise bemerklich, daß die Einrichtung und Leitung deS Preßbureaus einem Vereine übertragen werden sollte, der überhaupt nicht zur Parteiorganisation gehört. Davon ist jetzt keine Rede mehr, aber nun kommt ein revisionistisches Partciblatt mit der Forderung, die Leiter des BureauS dürften nur nach ihrer Tüchtigkeit, nicht nach ihrer„guten Gesinnung" auS. gewählt, aus der Bureaufrage dürfe keine Vorwärtsfrage gemacht werden. Diese sinnigen Anspielungen lassen nur den Sinn zu, daß die Einrichtung und Leitung des Bureaus der r e v i s i o- n i st i s ch e Richtung anvertraut werden soll, der es an rou- tinierten Journalisten gewiß nicht fehlt, was wir um so bereit- williger anerkennen, als wir in dieser Beziehung gleich frei von Ehrgeiz wie von Neid sind. Obgleich sich nun die Forderung jenes Blattes mehr durch Offenheit, als durch Bescheidenheit auszeichnet, so begrüßen wir sie dennoch, weil sie mit dem Finger auf die nächste und nicht die gering st e Gefahr deutet, die mit jedem übereilten Vorgehen in dieser Richtung verbunden sein würde, auf die Gefahr innerer Parteikonflikte der — weil immer persönliche Momente hineinspielen würden— gefährlichsten und häßlichsten Art. Man mag es beklagen, aber man kann eS nicht bestreiten, daß gegensätzliche Richtungen in der Partei bestehen, die man. gleichviel ob richtig oder unrichtig, auf die Namen des Radikalismus oder Revisionismus getauft hat. Und da der Revisionismus sich in der beträchtlichsten Minderheit befindet, so wäre es schon ein Verstoß gegen das demokratische Prinzip, ihm die Leitung des Bureaus anzuvertrauen. Die Redensart von der„Tüchtigkeit" erledigt sich dadurch, daß der routinierte Journalismus, an dem die re- visionistische Richtung den für sie erfreulichsten Ueberfluß haben mag, nicht entfernt die einzige und weitaus nicht die wichtig st e Vorbedingung für eine so ver- a n t w o r t l i ch e Stellung ist, wie die Leitung des Bureaus sein würde. Allein so unumwunden wir uns hierüber aussprechen, so unumwunden fügen wir hinzu, daß wir deshalb keineswegs die Leitung des Bureaus radikalen Genossen anvertraut wissen wollen. Solange diese Gegensätze innerhalb der Partei bestehen, sollen sie sich ehrlich, klar und offen ausleben k ö n n e n; wir wünschen so wenig, daß die revisionistischen Partei- organe von radikaler Seite, wie daß die radikalen Parteiorgane von revisionistischer Seite in der Weise„beeinflußt" werden, wie eS geschehen müßte und würde, wenn daS neue Bureau auch nur annähernd im Geist und Sinne des Redakteurentwurfs eingerichtet würde. Und deshalb muß der Entwurf der Partei. leitung so verbarrikadiert werden, daß der Tote nicht doch noch hineinschlüpfen kann. Wir gestehen gern, in dieser Beziehung an der„Gespenstcrfurcht" zu leiden, von der die„Sächsische Arbeiterzeitung' spricht. nie erste internationale iionkeren? «kr ioÄalistiichen Zugeoäorgaviiatloneo. (Fortsetzung statt Schluß.). Hiernach referiert Möller-Malmö kurz über Die Alkoholfrage. 0 Er weist auf die Macht und die Erfolge der Antialkoholbewegung in Schweden hin, und schlägt die Annahme der Resolution Katzen- stein vor, die auf dem Kongreß des Verbandes junger Arbeiter Deutschlands in Mannheim angenommen wurde. Sie lautet: „Die Generalversammlung erblickt im Alkoholismus einen schweren Schädiger der körperlichen und geistigen EntWickelung, der Kampfcstüchtigkeit der Arbeiterklasse, ein schweres Hemmnis aller organisatorischen Bestrebungen und Kulturarbeiten. Die daraus erwachsenden Schäden zu bekämpfen, ist ein? ernste Auf- gäbe der Arbeiterbewegung. Insbesondere die Organisationen der arbeitenden Jugend sind mit Rücksicht auf die besonderen Schädigungen, die der Alkohol der heranwachsenden Generation zufügt, zu diesem Kampfe berufen. Das erste Mittel in diesem Kampfe wird stets die wirtschaftliche und geistige Hebung der Arbeiterklasse sein, wie sie durch die politische und gewerkschaft- liche Organisation geleistet wird. Eine notwendige Ergänzung hierzu bilden aber die Aufklärung über die Wirkungen des Alkohols und die Erschütterung der Trinkvorurteile. Die Generalversammlung empfiehlt daher allen Orts- vereinen und VerbandSmitglicdern die Förderung der alkohol- gegnerischen Bestrebungen. Sie erklärt als ersten wichtigen Schritt in dieser Richtung die Abschaffung des Genusses alkohol- haltiger Getränke bei allen gefchäftlichen und belehrenden Zu» sammenkünften und die Beseitigung des Trinkzwanges und der Verherrlichung des Alkoholgenusses bei allen Gelegenheiten. Denn die große Aufgabe der Arbeiterbewegung erfordert ein klares, gesundes, willenstarkcS Geschlecht." t Diese Resolution wurde debatteloS einstimmig an« genommen.(Lebhafter Beifall.) Die NachmittagSsitzung wurde um L Uhr eröffnet. AlSbald ergriff Genosse Liebknecht das Wort zu einem Referat über den Kampf gegen de» Militarismus. Er führte etwa auS: Die Grundlage für unseren Kampf gegen den Militarismus müsse ein klares Verständnis über das Wesen deS Militarismus und seiner Bedingungen sein., DaS Heerwesen hat historisch zwei Wurzeln, die eine in den Gegensätzen der einzelnen Organisationen von Menschen(jwli» tischen Einheiten) gegeneinander, die andere in den Gegensätzen innerhalb dieser politischen Einheiten selbst. In erster Beziehung handelt eS sich um den Konkurrenzkampf der politischen Einheiten untereinander. In der zweiten Beziehung spielen nationale Diffe« renzen innerhalb des Staates, vor allem aber die Klassengegen- sätze eine entscheidende Rolle. Wir pflegen zu sagen, die Regierung sei ein Ausschuß der herrschenden Klassen. Das trifft so schlechthin nicht überall zu. Die Regierungsgewalt selbst hat sich vielfach in beträchtlichem Um- fang verselbständigt, sich eine eigene ökonomisthe Grundlage ge- schaffen, ein großes Beamtenheer und andere Kostgänger in seine unmittelbare ökonomische Abhängigkeit gebracht und sich schon durch das Recht zur mehr oder»linder weitgehenden Disposition über die bereiten Machtmittel des Staates einen besonders charakteristischen Einfluß gesichert. Abgesehen von den rein demokratischen Ländern bildet die Regierung daher, und zwar besonders in alten fest-' fundierten Monarchien, gewissermaßen eine Klasse für sich selbst.— Und die Klassen, auf die sie sich stützt, brauchen auch in kapitali- stischen Ländern nicht unter allen Umständen die kapitalistischen Klassen zu sein, wenigstens nicht nur. Dafür bietet Oesterreich ein Beispiel. Dort hat die Monarchie ja erst in allerjüngster Zeit gegenüber den zentrifugalen Kräften der nationalen Gegensätze durch Verleihung deS allgemeinen Wahlrechts die zentripetale Kraft des Proletariats, der umstürzlerischen Sozialdemokratie, anrufen müssen. Natürlich liegt daS nicht innerhalb der normalen Ent- Wickelungsreihe. Das Normale und Wesentliche ist immerhin durch den Satz getroffen: daß die Regierung ein Ausschuß der herrschenden Klasse, das heißt für den Kapitalismus, der kapltalistischen Klassen ist. Redner geht dann dcS näheren auf die besondere politische Funktion ein, die di, Gewalt, insbesondere die vhysische Gewalt, übt. auf die politische Bedeutung der Waffen und der schlagfertigen Organisation der GewaltauSübung.> Der Militarismus ist nichts spezifisch Kapitalistisches. In der kapitalistischen Gesellschaft tritt er in drei Formen auf: als Land-, See- und Kolonialmilitarismus; die Armee setzt sich zusammen aus dem Landheer, der Marine und den besonderen Kolonial- truppen. ES ist bedauerlich, dcG die Resolution des Internationalen Kongresses zum Punkt Militarismus, so Wie sie auch die Rolle deS Militarismus in der inneren Politik gänzlich übergangen hat, auch dem MariniSmuS keine hinreichende Beachtung schenkt. Unsere englischen Freunde haben anscheinend nur unter Einfluß dieser Gcdankenrichtung wiederholt betont: in England kenne man keinen Militarismus. Dabei haben sie ganz vergessen, daß gerade in Eng- land der See- und Kolonialmilitarismus einen Grad der Ent- Wickelung erreicht hat, der den festländischen Militarismus in den Schatten stellt. Natürlich entwickeln sich diese verschiedenen Arten von Milk» tariSmuS nicht überall und auch nicht überall gleichmäßig, weil eben nicht in allen Staaten die Bedingungen oder wenigstens die gleich- mäßigen Bedingungen für die Ausbildung jeder seiner Form ge- geben sind. Welches sind nun diese Bedingungen?> Redner erörtert eingehend zunächst die internationalen Gegen- sätze innerhalb der rapitalistischen Gesellschaft. Die Kolonialpolitik vor allem schafft neue Reibungsflächcn von größter Gefährlichkeit zwischen den kapitalistischen Staaten selbst. Sie hat aber auch ihre besonderen Kriegsgefahren: die Gefahr der Konflikte zwischen den verselbständigten Kolonien und dem Mutterland und die Ge- fahr der Eingeborenenaufstände; denken Sie nur an Algier, Tonkin, die verschiedenen Gebiete Afrikas und schließlich Indien. Die kapitalistische Expansion, die wir als ein Naturgesetz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung erkennen, macht die einzelnen kapitalistischen Staaten zu immer schärferen Konkurrenten unter- einander. Die kapitalistische Expansion ist eS, die allenthalben auf die Verschärfung der Rüstungen hinwirkt, eben weil sie die inter» nationale Spannung verschärft. Nur einige wenige kleine Staaten stehen fast außerhalb dieser interstaatlichen und kapitalistischen Konkurrenz. Im übrigen entwickelt lich vor unseren Augen in lebhaftem Tenipo besonders der Marinismus uns der Kolonial- Militarismus— ein deutliches Anzeichen für die Ursachen der zu- nehmenden internationalen Spannung. Auch der LandmilitarismuS steigert sich überall dort, wo seine Verwendung überhaupt in Frage kommt. England schien hier bisher geschützt. Durch die Verbesserung der Technik aber ist es erreicht, daß die insulare Lage nur noch ein immer schwächer werdendes Hindernis für den Einfall feindlicher Truppen bildet. Daher eine gewisse Unsicherheit und die außergewöhnliche Viel- gefchäftigkeit Eduards. Daher die Haltung auf der Haager Konfe- renz und daS lebhafte Streben nach einer Reform des Landmili» tariSmuS, wobei die Einführung einer Miliz, der allgemeinen Wehr» Pflicht, daS haben unsere englischen Freunde deutlich genug er» kannt, einen Schritt zur Verstärkung des Militarismus bedeuten würde. Je größer die Armee, um so stärker die Waffe: daher ist die Tendenz zur Vergrößerung von Heer und Marine der kapitalistischen EntWickelung imanent, ohne daß sich diese Tendenz freilich überall zu realisieren braucht. Die Tendenz geht zur höchstmöglichen AuS- bildung der militärischen Kraft, also zur allgemeinen Wehr- Pflicht. Die kapitalistische Expansion aber bedarf auch cincS Heeres, daS zum Angriff die höchste Tüchtigkeit besitzt, und daS gilt für die Form des stehenden HeereS, einer Art Zwitter zwischen Berufsheer und Volkslvehr: Das stehende Heer der all« gemeinen Wehrpflicht ist daS letzte Wort unserer internationalen militaristischen Entwicklung. ES ist insbesondere in den großen Staaten des europäischen Festlandes schon seit langem zum höchsten Raffincnient ausgebildet und Japan steht nicht zurück. Diese Form dcS stehenden Heeres bildet aber selbst eine neue besondere Kriegsgefahr. Redner führt dies unter Anführung einer brutal offenherzigen Auslassung aus Bismarcks„Gedanken und Erinnerungen" des näheren aus. Dies die Tendenzen für den äußeren Militarismus. Ihre Dar« stellung ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Steigerung der Lasten, besonder? die ungeheuerliche Zu- nähme der Kostenlast, ist unseren Herrschenden höchst unangenehm. Freilich suchen sie nach Möglichkeit diese Lasten aus die Schultern der minder bemittelten VolkSklasscn abzuwälzen— auch in der höchst brutalen, selbst gemeinen Art der Invaliden- abfindung. Indessen hat das seine zwei Seiten und seine Grenze, da es zur Verschärfung der innerpolitischen Situation beiträgt und die Ausbeutungsfähigkeit des Proletariats vermindert. Ein wefent- licher Grund für die großen Kosten ist die lange Dienstzeit; eine Verkürzung der Dienstzeit ermöglicht die raschere und billigere AuS- bildung eines großen HeereS. Trotz der ans der innerPolitischen Situation sich ergebenden Neigung zur Ausdehnung der Kascrnierung als eines besonderen Mittels zur Züchtung des militaristischen Geistes flcgenüBer dem äußeren und dem inneren Feind setzt fich daher in neuerer Zeit vielfach die Tendenz zu einer Verkürzung der Dienstzeit durch. Das neueste Beispiel bietet Frankreich, wo freilich auch der Antiklcrikalisinus mitwirkt. Weit lvichtigcr aber ist folgendes. Der Zuspitzung der Interessengegensätze zwischen den kapita- listischen Staaten steht eine sich sortgesetzt verstärkende Verknüpfung der Lebensinteressen dieser Staaten gegenüber. Handel und Verkehr, das Bankwesen und selbst die Industrie find längst international geworden. All die großen Staaten sind auf den gegenseitigen Güter- nustausch schlechthin angewiesen. Eine internationale Arbeitsteilung beherrscht die Weltwirtschaft, selbst der Arbeitsmarkt ist längst in gröberem Umfange international geworden. Daß sich auch im übrigen die geistigen Kulturen der kapitalistischen Staaten immer mehr untereinander nähern und gegenseitig durchdringen, spielt da- neben freilich nur eine geringe Rolle. Natürlich bildet all dies für eine kriegerische Auseinandersetzung ein schwerstes Hindernis. In der gleichen Richtung wirkt die immer größere Riesen- hastigkeit der Armeen, die schließlich in vielen Staaten fast alle arbeitS- fähigen Menschen umfassen, deren Einberufung dem gesamten Volke die Möglichkeit, für seinen Unterhalt zu sorgen, nehmen und in Ver- bindung mit der Unterbrechung der auswärtigen Zufuhr zunächst zu einer gewaltigen Steigerung aller Preise und Schlag auf Schlag zu einer gänzlichen Unterbindung aller Lebensquellen führen muß. Und noch ein weiteres: Die technische EntWickelung unseres Kriegswesens geht geradezu in Phantastische. Ein JuleS Verne und selbst die größten Konzeptionen der Menschheit von den Schrecken des jüngsten Gerichts und der Hölle sind übertrumpft durch unsere heutigen Kriegsinstrumente und die Grauenhaftigkeiten unserer heutigen Kriege. Ich will nur auf eines hinweisen. Noch ist's nicht lange her, daß die kriegerischen Kämpfe auf gleichem Niveau, aus der Oberstäche von Meer oder Land auSgefochten wurden. Das gehört der Vergangenheit an. Das Unter- seeboot und die kolossal entwickelte Minentechnik ermög- licht den Kampf von unten nach oben und nun ist auch durch das lenkbare Luftschiff die Lust erobert: der Krieg kann von oben nach unten geführt werden. Der dreidimensionale Krieg ist 'die gegenwärtige kriegstechnische Wirklichkeit. Damit sind alle Grundlagen unserer gegenwärtigen militaristischen Systeme verändert. Die Riveauheere verlieren ihre Bedeutung. Ich erinnere au den bekannten amerikanischen Roman„Casars Denksäule", in dem schon vor mehreren Jahrzehnten die Folgen einer solchen technischen EntWickelung hellseherisch ausgemalt sind. Die Vertvendung von giftigen Gasen, die in den Festungskriegen bereits gegenwärtig, z. B. in den so- genannten Stinkbomben, stattfindet, eröffnet hier unsägliche Per- spektiven. Die in nieinem beschlagnahmten Buch erwogene Möglich- keit einer so hohen technischen EntWickelung, daß die Kriege schon allem durch sie unmöglich werden, scheint sich trotz deS Spottes, mit dem sie hier und da überschüttet wurde, rascher zu verwirklichen, als ich selbst geglaubt hatte. Doch auch damit nicht genug. Die Entwickclung und Verschärfung der Klasiengegensätze selbst mag zwar eine gewisse Neigung zu bonapartisti- scheu Kunststücken entwickeln, indessen wirkt sie zweisellos viel energischer in der entgegengesetzten Richtung und erzeugt eine Tendenz gegen kriegerische Auseinandersetzungen. Im Kriege ist weit mehr als in Friedenszeiten das ganze Volt in Waffen. Der Kasernenhofdrill vermag das KriegSheer weit schwerer zu umklammern als das stehende Heer de« Friedens. Die zur Ergänzung herangezogeneu älteren Mannschaften sind an sich zu�Selbständigkeit mehr geneigt. Der Stand unserer heutigen KriegMechnik zwingt zur Verleihung immer größerer Selbständigkeit au den einzelnen. Die persönliche Bravour des einzelnen Soldaten spielt eine gesteigerte Rolle. Die große Masse des Heeres niuß mit Leib und Seele, mit dein ganzen Herzen für den Krieg enthusiasmiert sein, wenn das Heer seine volle Schlagkraft enifalteu soll, und das um so mehr, je unmenschlichere, wahnsinnigere Anforderungen rein physiologisch, aber auch psycho- logisch die heutige Kriegführung, aber auch die Schlacht erhebt. Die Stellung der breiten Masie des Volkes zum Kriege kann den herrschenden Gewalten weniger denn je gleichgültig sein. Das schlagendste Beispiel ist, von den Koalitionskriegen und dem Burcnkrieg abgesehen, der russisch-japanische Krieg.— Damit gewinnen die Interessengegensätze innerhalb der kapita- listischen Staaten, die verschiedene Stellung der einzelnen Klassen zu den interstaatlichen, insbesondere den aus der kapitalistischen Expansion folgenden Konflikten,*tne stets wachsende Bedeutung. Da? Proletariat steht diesen Konflikten allenthalben mindestens kühl, meist feindlich gegenüber. Dem Proletariat aller Länder wird auch mit der zunehmenden Klasienscheidung die internationale Jnteresscnsolidarilät immer mehr selbstverständlich und zu Fleisch und Blut. Demgegenüber steht die fortwährende Steige- rung des Gegensatzes zwischen dem Proletariat und den herrschenden Klassen innerhalb der einzelnen Staaten; und die damit immer mehr wachsende Abneigung der großen Maffe der Bevölkerung, sich zum Kanonenfutler für die herrschenden Klassen her- zugeben, die sich die Entscheidung über Krieg und Frieden vorbehalten. Kurzum, die Armee wird aiick gegenüber dem äußeren Feinde mit der Zuspitzung der Klassengegensätze und je mehr sich das Proletariat zur Erkenntnis seiner besonderen Interessen und zum Eulschluß, diese Interessen rücksichtslos zu vertreten, durchringt, d. h. Klaffen- bewußtsein erwirkt, immer unzuverlässiger.— Und dieses Klassen- bewußtsein verbreitet sich um?o leichter, je mehr auch der KapitaliS- muS selbst zu seiner vollen Entfaltung einer gesteigerten Intelligenz deS Proletariats bedarf, und infolgedessen diese Intelligenz, wenn auch noch so widerwillig, erzeugen muß. Die herrschenden Klassen fühlen auch immer mehr, daß daS klassenbewußte Proletariat vor der Türe steht, bereit und imstande, beim Ausbruch eines Welt- kriegcs die Zügel des Vvlkergeschickes selbst in die Hand zu nehmen, mag der Ausgang deS Krieges;ein, welcher er wolle. So erzeugen' Kapitalismus und Militarismus selbst den Feind, der sie zu Boden werfen ivird. Sie sehen, aus alledem, aus diesen vielen widerstreitenden Tendenzen in schlagender Weise den antagonistischen Charakter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und im speziellen deS Militarismus, ihre innere Dialektik. Es bedarf nicht mehr der besonderen Darlegung, daß das Proletariat, die Sozialdemokratie allen den heute praktisch wahr- scheinlichen Kriegen mit Notwendigkeit grundsätzlich gegnerisch gegen- übersteht, daß sie schon aus diesem Grunde durch und durch anti- militaristisch ist und daß ihre Forderung, dort wo bisher stehende Heere bestehen, diese durch eine allgenieine BolkSwehr zu ersetzen, den äußeren kapitalistischen Militarismus, der eben der Angriffs- armee bedarf, ins Herz trifft. 8. GtNtrstlvttsstmmlmtg des Allgenmutu devtschen Garttiervtreins. Dresden, 2. September. Gestern abend wurde die von etwa 30 Delegierten beschickte Generalversammlung im prächtig geschmückten Saale des Volks- Hause? eröffnet. Abends fand in den Räumen des VolkshauseS zu ßhren der Delegierten ein prächtig verlaufener Kommers statt. Zu Beginn der heutigen Verhandlung gibt der Geschäftsführer Schmidt die Erklärung ab, daß den Mitgliedern christlicher Or- ganisationen selbstverständlich das Gastrecht von der General- Versammlung nicht verwehrt werden würde. Aber der an- wesende Vertreter des christlichen Gärtnerver- bandes, Müller, habe beim Berliner Streik den Arbeitswilligenver mittler gemacht. Es verbietet dem Kongreß seine Arbeiterehre, mit solchen Leuten zusammenzusitzen. Die Generalversammlung beschließt einstimmig, daß Müller sich zu entfernen habe. Die Mandatsprüfungskommission erklärt alle Mandate für richtig. Beschlossen wird, daß Schüler- Magdeburg beim 3. Punkt der Tagesordnung nur mit beratender Stimme teilzunehmen habe. Zum Geschäfts- und Tätigkeitsbericht, dessen wichtigste Zahlen und Tatsachen wir bereits mitteilten, sei aus de» Ausführungen Schmidts noch hervorgehoben: Unser Erstarken schloß die Unternehmerorganisation, ihre AussperrungSgelüste wuchsen, aber dennoch— oder deshalb— sind wir erstarkt. Dafür gibt cS keinen besseren Beweis, als daß in den Jahren ISOö und 1607 die Hälfte unserer Mitglieder ausständig war und wir sie halten konnten. Die Hamburger Mitgliedschaft ist setz- hafter, während Dresden, Berlin nur DurchzugSorte für die Gärtner siind. Besonders in Süddeutschland entwickelt sich unsere Bewegung gut. Aber in den Kleinstädten haben wir noch ein großes Arbeitsfeld. Auch in Rheinland. Westfalen kommen wir vorwärts. Wie überall, überragen wir auch dort die Christ- lichen bedeutend. Quedlinburg und Erfurt müssen von unS in den nächsten Jahren aufs Korn genommen werden. Gelingt es uns, besonders in Erfurt, vorwärts zu kommen, dann bringen wir auch die Landarbeitersrage praktisch ins Rollen. In Berlin steht jetzt die christliche Bewegung aus dem Nullpunkte. Mit dem Gemeindearbeiterverbande haben wir einen Vertrag abgeschloffen, der die Differenzen über die Zugehörigkeit der Mitglieder regelt. Die internationalen Verbindungen haben sich gebessert. Mit der Organisation in der Schweiz haben wir einen Vertrag abgeschlossen. Unsere Verbindung mit der böhmischen Bruder- organisation hat den erfreulichen Erfolg gebracht, daß sich unsere böhmischen Kollegen, die hauptsächlich für Dresden in Betracht kommen, auch unserer Organisation als Mitglieder anschließen. Die Unternehmer holen sich jetzt, wie auch für Holstein erwähnt werden muß, Galizier und Russen als billige Arbeitskräfte. Im Ausschußberichte bemerkt M ä tz k e. Dresden, daß der Ausschuß der Gehaltserhöhung für Albrccht, um 200 M., nicht zustimmen konnte, da diese Erhöhung sechs Wochen nach der Generalversammlung gefordert worden war. � Um keinen Präzedenzfall zu schaffen, stimmte man dem Ersatz für den Marken. Verlust in Leipzig nicht zu, gegen die Auffassung deS Haupt- Vorstandes. Die Form des Ausschusses muß geändert, seine Macht- befugnisse erweitert werden. In der Diskussion über die Berichte wird kritisiert, daß Jansson in die Generalkommission eingetreten sei und daß er davon der letzten Generalversammlung nichts mitteilte; daß ferner der Vorstand bei seinem taktisch nicht klugen Feldzug gegen die Allgemeine Gärtnerkrankenkasse die Hände hätte davon lassen sollen. ES seien der Organisation nur neue Feind« geschaffen worden. Trotz deS Vertrages habe der Gemeindearbeiterverband unsere Filiale in S t r a ß b u r g i. E.— den Stützpunkt unserer Be- wcgung dort— avsichtlich aufgerieben und sich selber einverleibt. Mit diesem Verbände, der hier eine Taktik wie die„Christlichen" eingeschlagen habe, müsse Fraktur geredet werden. Hm Ve» hältniS zu den Ausgaben seien die Einnahmen nicht genügend ge- stiegen. KluS- Hamburg hält die Ausgabe von 1100 M. an Unterstützungen für andere Verbände zu hoch. Ferner wird die Eigenmächtigkeit deS HauptvorstandeL betreffs Verlegung der Generalversammlung getadelt. Lassen wir den Neutralitätsstand- Punkt fahren, betonen wir in der Agitation den sozialistischen Standpunkt, dann werden wir größere Erfolge erzielen als bisher. In der Maifeierfrage müsse die Generalversammlung end- lich einmal Richtlinien geben, damit man wisse, woran man sei. Der Wahl zum ReichSversicherungsamt hat der Hauptvorstand nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, sonst säßen dort nicht nur „Christliche" als unsere Vertreter. Im Rheinlande arbeiten viele Krankcnkassenbcamte den christlichen Gewerkschaften in die Hände. Ein Zusammenarbeiten mit den«Christlichen" sei so lange zu verwerfen, bi» sie sich geändert hätten. Soziales. Wrberelend. AuS dem sächsisch-thüringischen Webcreibezirke wird unS über die sammervolle Lage der dortigen Weber geschrieben: I» den hiesigen Webereiindustrieorten trifft man zahlreiche gramdurchfurchte Gesichter, denen man die Unterernährung aus den ersten Blick ansteht. Ein alter Bekannter, der in einer Weberei in Ronneburg jS.-A.) beschäftigt ist, gab mir über die Lage, in der sich die hiesigen Weber befinden, folgende Auskunft: „ES mag wohl vielerorts der Fall sein, daß die Weber einen auskömmlichen Lohn zu verzeichnen haben, d. h. soviel verdienen. daß sie sich sattessen können, etwas auf die hohe Kante zu legen. wird wohl, wenn der Mann allein verdienen muß, nicht mehr der Fall sein. Ich bin seit einem halben Menschenalter Weber, seitdem verheiratet und gehöre noch nicht zu den schlechtesten Verdienern. Eine Reihe von Jahren arbeitete auch meine Frau mit in der Fabrik, aber trotzdem sind wir nie in die Lage versetzt worden, einen Pfennig sparen zu können. ES langte immer nur dazu, den Wirt- schaftlichen Unterhalt zu begleichen und sich halb satt zu essen. Da- bei war aber der Lohn immer bester als gegenwärtig. Seit IVz Jahren ist es ein wahres Elend und m»r graut stets, an die Arbeit'zu gehen. Vier bi» fünf Tage muß man mitunter auf Kette warten, oft auch gar einen oder zwei Tage nach Haufe gehen, weil es keine gibt. Bekommt man endlich Kette,„dann was für welche", schlechte Garne, mitunter reinen Zunder, n, eisten- teils mehrbäumige, eine Nummer ist stets dabei, die nichts taugt. Ist die Kette wirklich einmal nicht schlecht, so taugt bestimmt der Schuß nichts. Und dabei soll man gute, tadellose Ware liefern. Ist daS nicht der Fall, so regnet eS Geldstrafen und mitunter nicht zu knapp. Liefert der Weber ein Stück, und der Warenschauer findet einen Fehler, so wird der Weber verantwortlich gemacht, selbst wenn die Schuld den Meister trifft. Handelt eS sich gar um einen organi- sierten und„rot" angestrichenen Mann, dann wehe ihm. Gewöhn- lich hat der hurrapatriotische Warenschauer dann schon vorher Direktor, Werkführer und Putzmeister zitiert, die dann mit vereinten Kräften vierstimmig auf den Arbeiter und seinen.Lappen" einhacken. AuS Mist von Wolle und Garn soll der nämlich fehlerftcie Ware hexen können. Wenn dagegen ein„Gelber" einen Fehler in seinem Stück hat. so ist oaS nicht halb so schlimm. der wird selten belästigt, da kommt der Warenschauer an die Stühle und sagt es ihm mündlich oder die Mitteilung wird auf dem Heimwege gemacht. Ist es schon eine Kunst, ans gutem Material ein fehlerfreies Stück zu liefern, so ist eS bei schlechtem Garn, auf zwei Stühlen, und noch dazu im Akkord, rein unmöglich. Die üblichen Löhne be- tragen jetzt S— 10 M. pro Woche. Doch gibt eS tatsächlich Ausnahmen, die 20 M. und darüber verdienen. Wünscht man daS auch einmal, so bekommt man zur Antwort:„Solche Stühle können nicht mehr eingerichtet werden." Damit basta! Die Gründe, daß der Geschäftsgang gerade jetzt so schlecht ist, liegen wohl in der Konjunktur, die im Niedergehen begriffen ist. Man hört wohl aller�i Vermutungen von dem Einkauf schlechter Garne, von der durch den Zolltarif erheblich verteuerten Wolle, sogar von dem Ausräuchern der„roten Elemente", aber das sind nur alles PhantaSmagorien. Bei Vollbeschäftigung könne» auf den 384 Webstühlen 102 Arbeiter beschäftigt werden. Gegenwärtig arbeiten aber aus 100 Stühlen 70 Leute, also die Mehrzahl auf nur einem Stuhl, und daraus sind die Hungerlöhne zu erklären. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn die Leute trockenes Brot essen und au Fleischkost„nicht„gewöhnt" find". Setzt man demgegenüber die Gehälter des kaufmämuschen Personals und der Lageristen, deren Monatsgehalt 100 bis 200 M. und darüber beträgt, so hat man ein Bild von der Lage und findet wieder, daß die Mehrwertkonsumentech viel besser als die Mehrwerlproduzenten leben, die letzteren aber die Kosten zu tragen haben. Um dem Leser einen erhärtenden Beweis über die Wahrheit dieses WeberelendeS zu führen, sollen nachstehend noch zwei Lohn- stattstiken folgen, deren Zahlei' Bände reden. ES handelt sich um ein voraufgegangenes gutes Jahr und um das letzte, als schlecht bezeichnete. Die Wochenlöhne betrugen 190S/6: 18.36. S.OS. 14,80, 14,70, 14,75, 18.—. 10,20, 17,10, 15,55, 16,—, 12,10, 10,60, 6,10, 18,10, IG,—, 7,75, IC,—, 10,05, 17,15, 17,20, 11,70, 14,55, 12,75, 11,85, 17,10, 16,95, 22,16, 16,30, 13,15, 9,05, 15,—, 27,80, 11,85, 12,00, 15,65, 7,25, 20,80, 17,16, 10,80, 17,20, 16,—, 8.—. 12,55, 16,26, 7,25. 7.10, 7,30, 12,85, 16,30. 14,65, 13,25, 16.- M. Im Jahre 1906/07 betrugen die Wochenlöhne 14.15. 10.80, 8,05, 14,75, 14,60, 15,35, 13,75, 7.25, 7,10, 7,80, 12,60, 16,60, 13,15, 6,25, 7.65 �Weihnachtsabend). 3,75(Neujahr). 15,65, 7,76, 14,85, 7,60, 0,00, 15,85, 6,05, 6,80, 7,65, 18,86, 8,40, 13,30, 12,65, 18,80, 6,30, 14,75, 12,65, 12,45, 6,30, 6,15, 13,90, 13,95, 9,50, 14,55, 14,40, 13,50, 12,60, 8,50, 9,00, 5,00, 11,45, 9,00, 6,45, 5,80, 13,10 M. DaS ist in dem„guten" Jahre ein Verdienst von 722,48 M.. und im letzten Jahre«st der Jammerlohn von 542,40 M. zu ver- zeichnen. Davon werden pro Woche noch 40 Pf. Krankengeld und Invalidenrente abgezogen, wofür im Falle der Krankheit sechSMark Krankenunterstützung bezogen werden. Wahrlich ein Einkommen unter der gegenwärtig vorherrschenden LebenSmittelteuerung, wie cS erbärmlicher nicht gedacht werden kann. Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Aber wir leben auch m der besten der Welten l_ AuS einem christlichen Mädchenhei«� In Greifswald wurden 22 Zöglinge des unter der Leitung deS PastorS Jahn stehenden„Mädchenheims", das den Charakter einer Zwangserziehungsanstalt hat, von der Strafkammer wegen Meuterei und Sachbeschädigung zu Gefängnisstrafen von 3 bis 9 Monaten verurteilt. 24 Insassen der Anstalt, die im Alter von 15— 20 Jahren stehen, waren am 20. Juni aus derselben gemein- sam ausgebrochen und hatten bei der Gelegenheit sämtliche Fenster eingeworfen. Die Behandlung der Mädchen muh nach jener Ge- richtSverhandlung eine geradezu skandalöse gewesen sein. Die Prügelstrafe, die statutenmäßig zulässig und vom Landeshauptmann genehmigt ist, wurde mit dem Stock reichlich angewandt. Ein Mädchen erhielt vom Pastor 6— 8 Ohrfeigen hintereinander. Bei Zellenstrafen bis zu einer Woche erhielten die Mädchen nur Wasser und Brot. Bei längeren Strafen gab es außerdem morgens und abends noch eine Wassersuppe. Ein Mädchen war 3 Wochen bei Wasser und Brot eingesperrt. Ferner wurden die in den Zellen Internierten— mit Entziehung des WaschwasserS bestraft. Ein beliebtes Strafmittel bestand darin, daß man den Mädchen, die Lust zum Fortlaufen zeigten, die langen Haare abschnitt! Die Zustände in dieser Anstalt sind so schmachvoll, daß selbst ein bürger- licheS Blatt zugibt, daß solche Erziehungsmethode den letzten Rest von Menschenwürde völlig ertöten muß. In einer an die Presse gesandten Erklärung suckte sich nun der prügelnde Pastor rein- zuwaschen. Er teilt zunächst mit, daß der Landeshauptmann auf Antrag deS LlnratoriumS ihm Rohrstock und Rute verliehen habe. Ueber Strafen würde genau Buch geführt. Der christliche Hirte äußert sich ferner dahin:„Die einzelnen Fälle, die zu strengeren Maßnahme» geführt haben, anzugeben, fühle ich mich nicht ver- vflichtet, würde auch zu weit gehen."...„Ich«nöchte... be- haupten, daß eine Strafe wohl der Ausfluß wahrer Nächstenliebe sein kann!" ES kann gegenüber dieser.ErziehungS"mcthode nicht wundernehmen, daß in den letzten Tagen wieder eine Anzahl Mädchen auSgekniffen sind. Eine solche Methode der„Zwangserziehung" kann unmöglich den Zweck einer vernünftigen Zwangserziehung erfüllen: die geistigen, sittlichen und körperlichen Fähigkeiten der zum mindesten zum übergroßen Teil durch die gesellschaftlichen Verhältnisse und ohne eigenes Verschulden Verwahrlosten zu heben und ihnen den schweren Kampf umS Dasein erleichtern. Sie muß vielmehr die letzten besseren Keime in den solchem Institut Ueberwiesenen zer- stören und die armen Opfer solchen Systems zur völligen geistigen und sittlichen Verwahrlosung treiben. Nicht zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft werden durch solche Methode die durch staatliche Organe der Fürsorgeerziehung Ueberwiesenen erzogen. sondern sie werden verroht und vertiert. Die Prügel verroht nicht bloß die Geprügelten, sondern, wie der Geheimrat Starcke schon vor Jahrzehnten mit Recht darlegte, noch viel mehr die Prügclanwender selbst, sofern ein größeres Maß von Verrohung ihre? Gefühls und ihrer Denkweise noch möglich ist. Das preußische Fürsorgegesetz und noch weit mehr diese Art seiner Ausführung erzieht heute zu Verbrechern, statt den Mangel an Bildung und Erziehung, den die bestehende Gesellschaftsordnung verschuldet, zu beseitige««. Die Früchte dieser Fürsorgeart spiegeln sich in dem großen Prozentsatz wieder, den so„Erzogene" zu schweren Kriminalfällen stellen. Nicht zuletzt ist an der Möglichleit solcher Brutalisierung von Menschen das elende und widersinnige preußische Dreiklassenwahl- system Schuld. Auf den, letzten Fürsorgekongreß wendete sich der ganz überwiegende Teil der Leiter von Fürsorgeanstalten gegen das durch die Gerichtsverhandlung festgestellte Prügelsystem wie eS der Pastor Jahn anwendete. Dem Rechtsbewußtsein hätte die Freisprechung der durch die Behandlung zur� Meuterei-Notwehr Gezwungenen und eine Verurteilung des PrügelanwenderS ent- sprachen. Der Pastor Jahn ist nicht der einzige für Prügel ein- genommene Pastor, wir erinnern an den Pastor Rohr und an jenen Pastor, der zur Befriedigung seiner widernatürlichen«Zfctt- hcit seine Zöglinge mißhandelte und deshalb zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Ländliche und städtische Sparkasse«. Wie sehr die Einrichtungen, die sich unter agrarischer Ler» waltung befinden, gegenüber den städtischen von den Organen der preußischen Regierung begünstigt und gefördert werden, zeigt auch das verschiedene Verhalten der Aufsichtsbehörden gegenüber städtischen und ländlichen oder KreiSsparkassen. DaS tritt be- sonder» da hervor, wo sich zwei solche Sparkassen an einem Orte befinden. So besteh!» in Kattowitz neben der von der städtischen Ver» waltung eingerichteten städtischen Sparkasse auch die Kreisspar- lasse. Letztere darf mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde die bei ihr gemachten Einzahlungen mit 3?4 Proz. verzinsen, während die Stadt bei einem Zinsfuß von 3 Proz. festhalten muß. Natürlich bringt infolgedessen die Mehrzahl der Sparer ihre Spareinlagen zur Kreissparkasse. Ferner darf die städtische Sparkasse von den bei ihr gemachten Einzahlungen nur zwei Drittel in Hypotheken anlegen; ein Drittel ist sie verpflichtet in Staats- oder Kreis- anleihcn anzulegen, bei denen sie infolge des Rückganges der jhursc schon bedeutende Verluste erlitten hat. Die Ltreissparkasse aber varf unbehindert 93 Proz. ihrer Bestände in Hypotheken anlegen und ist daher von solchen Verlusten fast gar nicht betroffen worden. Zwar haben Magistrat und Stadtverordnete von Kattowitz wegen der Benachteiligung durch diese verschiedene Behandlung bei der Regierung und dem Oberpräsidenten reklamiert, doch ist wenig Hoffnung, daß diese eine Acnderung veranlassen werden. lieber die Geschäftsführung einer solchen Krcissparkasse, der Neustcttiner, hat die„Kösliner Zeitung" unlängst einige Mit- teilungcn gemacht, die ein eigentümliches Licht aus diese Geschäfts- führung werfen. Die„KöSliner Zeitung" glaubt durch Zahlen nachweisen zu können, daß seitens oer Ncustettiner Kreissparkasse sehr hohe Beleihungen namentlich von Brennereien erfolgt seien. DieS sei auch namentlich der Fall bei der Beleihung einer dem Vorsitzenden des Vorstandes der beleihenden Krcissparkasse, dem Landrat v. Bonin-Vangerow gehörigen Brennerei. Ob und in- wieweit die Angaben der„KöSliner Zeitung", die in dem betreffen- den Kreise Aufsehen erregt haben, zutreffen, wird die bei der Staatsanwaltschaft anhängig gemachte Untersuchung ergeben. Die Stadt Christbcrg in Westpreußen beabsichtigte 1903 eine städtische Sparkasse zu errichten, da in Christberg noch keine solche bestand, sondern nur eine Annahmestelle der KreiSsparkasse und andere Sparkassen über 25 Kilometer entfernt lagen, also ein Be- dürfniS»ach einer eigenen Sparkasse wohl vorlag, auch die städtischen Finanzen und Verwaltung sich in guter Ordnung be- fände». Trotz alledem wurden wiederholte Gesuche des Magistrats um Genehmigung zur Errichtung einer städtischen Sparkasse so- wohl vom Provinzialrat wie vom Oberpräsidenten abschlägig be- schieden, weil die Annahmestelle der KreiSsparkasse vollständig ge- nüge. Auch der Minister deS Innern erklärte auf die dieserhalb an ihn gerichtete Beschwerde, in seinem Bescheide vom 14. Dezember 1906, daß er sich nicht in der Lage befinde, eine andere Entschei- dung zu treffen, als der Provinzialrat und der Oberpräsident. Der Beschluß dieser erscheine auch sachlich wohlbegründet, ba gegen die Errichtung einer Sparkasse wegen des geringen Vermögens der Stadt Thristberg wesentliche Bedenken gemäß§Z 3 und 4 des Regle- ments vom 12. Dezember 1838 obwalteten. Eine besondere Be- surwortung des deutschen Sparkassenverbandes bei dem Minister, die Errichtung einer städtischen Sparkasse in Christberg zu be- willigen, weil eine solche ein unbestreitbares Bedürfnis sei, indem die Annahmestelle kein geeigneter voller Ersatz für sie sei, da bei eintretendem Bedarf, Auszahlungen auf Sparguthaben bei der- selben nicht sofort und ohne Umstände erhalten werden können. Aber auch diese Befürwortung hatte nur negativen Erfolg. So ist die Stadt Christberg bis heute ohne eigene Sparkasse. Die Sparer können dort nur auf dem umständlichen Wege durch die Annahme- stelle der in Stuhm befindlichen Kreissparkasse Einzahlungen machen. Dabei wird selbst unbedeutenden Dorfgemeinden die Ge- nehmigung zur Errichtung von Sparkassen ohne Schwierigkeit er- teilt._ Ein Kulturbild aus Ostpreußen. Gutspächter der dem Grafen Lchndorf gehörigen Domäne Regitte» im Landkreise Fischhausen ist ein Herr Schadwinkel. Unter anderen Mißständen herrscht dort auch das gesetzwidrige Prügeln von Landarbeitern. Besonders jüngere Arbeiter bekommen die Fäuste des Gutspächters recht unsanft zu spüren. So machte am 24. Juni d. I. der 19jährige Scharwerker L., der dort bei seinen Eltern wohnt, dem Gutspächter an seinem Gespann irgend etwas nicht zu Dank. Sofort sprang er auf den jungen Menschen zu und schlug ihn mit den Fäusten ins Gesicht, so daß dieses deut- liche Spuren der Mißhandlung aufwies. Als der Gemißhandelte dann einige Worte zu seiner Verteidigung sagte, ergriff der Pächter einen Peitschenstock und bearbeitete damit in unbarmherziger Weise den Körper des jungen Menschen. Dieser ging nun von der Arbeit fort zu seinen Eltern und erklärte, für Prügel nicht länger arbeiten zu wollen. Aber schon am nächsten Tage erhielt L. von dem als Amtsvorsteher fungierenden Landschaftsrat und Gutsbesitzer Kühn aus Corniten folgende Strafandrohung, ohne daß er verhört worden war: „Nach einer heute hier von dem Gutspächter Herrn Schad- Winkel eingegangenen Anzeige haben Sie am 24. d. M. ohne gesetzlichen Grund die Arbeit verweigert. Sie werden hiermit aufgefordert, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen, widrigen- falls gegen Sie eine Strafe von 19 M., und wenn dieselbe nicht beizutreiben ist, eine Haft von drei Tagen festgesetzt werden Würde gemäß 8 1 des Gesetzes vom 24. April 18S4. Der Amtsvorsteher Kühn." Der Arbeiter, der sich mit Recht nicht weiteren Mißhandlungen aussetzen wollte, ging trotzdem nicht zur Arbeit. Aber er erklärte dem Amtsvorstcher den Grund seiner Arbeitsverweigerung. Trotz- dem erhielt er von diesem einen Strafbefehl über 10 M. ober drei Tagen Haft. Und eines Tages, früh um 4% Uhr. holte ihn der Amtsbote zur Verbüßung einer dreitägigen Haft nach der im nächsten Dorf befindlichen Kluse ab. AIS der Häftling Hunger verspürte und von dem daS Gefäng- nis verwaltenden Kämmerer Essen verlangte, erklärte dieser, er habe keinen Auftrag, ihn zu verpflegen. Wenn er zu großen Hunger habe, solle er nur nach Corniten zum Amtsvorsteher gehen. DaS ließ sich denn der Gefangene nicht zweimal sagen. Er ver- ließ seine Zelle und ging nach Corniten. Hier traf er den Amts- Vorsteher nicht zu Hause. Und da sonst niemand verpflichtet sein wollte, ihm Nahrung zu geben, marschierte der hungrige Sträfling nach Rcgitten zu seinen Eltern, wo er gerade zur Vesperzeit an- langte. Einige Tage später erschien nun wieder der Amtsbyte, um den Arbeiter nach dem über eine Meile entfernten Dorf Medenau zur Verbüßung der Neststrafe zu transportieren. Als er nicht mitgehen wollte, wurde ihm und seinen Eltern in Aussicht gestellt, daß dann der Gendarm zu Pferde kommen und ihn mit Gewalt dort hinbringen würde. Darüber waren nun besonders die Eltern des jungen Menschen sehr entsetzt. Sie suchten daher ihre wenigen Groschen zusammen, um die Strafe zu bezahlen. Nun verlangte der Amtsbote aber nicht nur 19, sondern 11 M., trotzdem der junge Mensch schon einen halben Tag Strafe verbüßt hatte. Mit diesem Betrag erkauften nun die Eltern die Freiheit ihres SohneS. Ob der Landrat des KreiseS Fiichhausen mit der Amtsführung des AmtLvorstehers von Corniten. der, ohne zu untersuchen wer der Schuldige ist, Strafen verhängt, und Häftlinge in menschen. unwürdige schmutzige Klüsen emsperren läßt, einverstanden ist, und ob der Staatsanwalt gegen den Gutspächter und gegen den Amtsvorsteher einschreiten wird, bleibt abzuwarten. Der Landarbeiter war vollauf berechtigt, wegen der Miß- Handlung den Dienst zu verlassen und seinerseits Schadenersatz wegen Vertragsbruch von dem Gutspächter, abgesehen von der Be» strafung diese? Herrn wegen Mißhandlung, zu verlangen. Hoffent» lich erlangt er auf strafrechtlichem und zivilrechtlichem Wege volle Genugtuung von dem Gutspächter und dem Amtsvorsteher. Die Klage gegen den Amtsvorsteher wäre auch aus dem Grunde sehr angebracht, um das Reichsgericht zu einem Entscheid der Frage zu veranlassen, ob gegenüber dem§ 888 der Zivilprozeßordnung. der dem Richter Vollstreckungen zwecks Antritts des Dienstes ver- bietet, der Polizei das von ihr ausgeübte Rückführungsrecht in Preußen überhaupt zusteht._ Zur Plage der Konkurrenzklausel. Ein HandlungSgehülfe in Dresden hatte in seinem Vertrage eine Konkurrenzklausel unterschrieben, wonach er bei einer Kon- vcntionalstrafe von 1990 M. innerhalb zweier Jahre nach seinem Austritt auS der Firma in keinerlei Weise für eine Konkurrenz- firma tätig sein dürfe. Nach mehrjähriger Tätigkeit trat der Hand- lungsgehülfe auf Grund eigener Kündigung bei der Firma aus und nahm Stellung bei einer anderen Firma. Es klagte darauf die erste Firma auf Zahlung der erwähnten Konventionalstrafe beim Dresdener KaufmannSgericht. Der HandlungSgehülfe machte geltend, daß die Konkurrenzklausel nur dem Buchstaben nach, keines- falls dem Sinne nach verletzt worden sei, da sein jetziger Chef nur Spezialartikel der allerdings gleichen Branche führe, die eine Kon- kurrenz mit der ersten Firma nicht bedeuteten. Trotzdem verur- teilte das Kaufmannsgericht den HandlungSgehülfcn zur Zahlung der Konventionalstrafe von 1999 M. ES führt aus. daß eine Ver- lctzung der Konkurrenzklausel vorliege, obgleich eine Schädigung der klagenden Firma noch nicht eingetreten sei,„diese aber im Bereiche der Möglichkeit liege." Es mag unerörtert bleiben, ob in dem geschilderten Fall über- Haupt die Zusprechung der Konventionalstrafe sich rechtfertigte. Jedenfalls ist die Zusprechung der vollen 1999 M. mit§ 343 B. G.» B. unvereinbar, der ausdrücklich vorschreibt: �Jst eine verwirkte Strafe unverhältnismäßig hoch, so kann sie auf Antrag des Schuld- nerS durch Urteil auf den angemessenen Betrag herabgesetzt werden."__ Hua Induftne und Kandel. Viehschlachtiingeu. Nach den Zusammenstellungen der.Statistischen Korrespondenz" Aber die Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau in Preußen, wurden im Jahre 1999 7 993 444 Schweine geschlachtet, da? sind, obwohl die Bevölkerung um zirka 3/4 Millionen Personen gewachsen ist. gegen das Vorjahr 34 öS3 Stück weniger. In ihrer rührend kindlichen Naivität bemerkt die.Deutsche TageSztg." dazu, der Rück- gang könne als erheblich jedenfalls nicht bezeichnet werden. Wie würden die Agrarier schreien, wenn ihnen in derselben Weise die Fleischschüssel höher gestellt worden wäre. Aber Schweinefleisch konsumiert ja vorwiegend die arbeitende Bevölkerung und da ist ein Minderkonsum nicht„bcmerkensivert". Die Herren Agrarier haben extra hohe Preise bekommen und so haben sie Grund zufrieden zu sein. Vielleicht kommt die.Deutsche TageSztg." auch noch auf die »itzige Idee, der Rückgang des Fleischkonsums sei ein Beweis für die verbesserte Lebenshaltung der Arbeiter. DaS Gesamtergebnis illustriert folgende Tabelle: in 1996 199S 1996 weniger— mehr+ Pferde und andere Einhufer. 97 494 9S 996— 1 498 Ochsen......... 897 148 314 762+ 7 614 Bullen......... 292 946 285 877— 6 169 Kühe......... 1 912 311 982 305— 30 996 Jungrinder, über 8 Monate alt 453 399 445 792— 7 512 Kälber biS 3,. 2 279 196 2 154 533—124 523 Schweine........ 8 927 999 7 993 444— 34 555 Schafe......... 1637 596 1 556 846— 89 669 Ziegen......... 157 924 168 581+ 19 557 Hunde......... 1 568 1 594-j- 26 Die Schlachtung von Kälbern hat einen Rückgang erfahren: bei 2 154 583 Stück stellt sich das Mirnis auf 5,46 Prozent. Weiter wurden 1 556 346 Schafe geschlachtet oder gegen das Vorjahr ein Rückgang um 4,93 Prozent. Die Zahl der Schlachtungen von Kühen sank um 2,96 Prozent, sie betrug 982 395 Stück. Jungrinder wurden 1995 453 399 Stück geschlachtet, während 1996 diese Zahl auf 445 797 fiel. Bei Pferden und Bullen ist die Zahl der Schlachtungen ebenfalls gesunken, bei Ochsen, Ziegen und Hunden dagegen etwas gestiegen. Zahlungsschwicrigkeiten. Die hiesige Glacoleder-Fabril von Emanuel Meyer lPriuzen-Alloe) ist m Zahlungsschwierigkeiten ge- raten. Die Passiven sollen sich auf 4 914 999 M., die Akliven auf 4 316 999 M. belaufen. Der Status per 31. Dezember v. I. hatte noch ein Vermögen von l�/4 Millionen ausgewiesen. Die Verlegen- heiten der Firma sind dadurch entstanden, daß dieselbe in den Ver- einigten Staaten eine Fabrik errichtel hat, deren Baukosten sich auf zirka 1 999 999 M. belaufen sollen. Ferner ist die Firma mit 859 999 M. an einer Roßhaarfabrik in Guben beteiligt. Als beteiligt von hiesigen Banken werden die Kommerz- und Diskontobank und der Schaaffhausensche Bankverein bezeichnet. Beide Institute sind indes durch Hypotheken gedeckt, sodaß Verluste derselben ausgeschlossen erscheinen. Kinderausbeutung lohnt! Die ManSfeldsche Kupferschiefer bauende Gewcrlschaft in EiSleben wird eine Herbstausbeute von 29 M. zur Verteilung bringen. Für daS erste Halbjahr 1996 wurden 29 M. Abschlagsausbeute ausgezahlt. Die Gelvinnziffern sind noch nicht offiziell bekannt gegeben, doch verlautet, daß sie das vorjährige SemestralergebniS von zirka 7'/� Millionen Mark wiederum erheblich übersteigen. Was schadetS, wenn zarte Kinder in der unerhörtesten Weise ausgebeutet werden, erfreut sich das Kapital dabei nur guten Befindens, dann stören im christlichen Staate der besten Sozial Politik solche unbedeutende Schönheitsfehler nicht. Keine gute Aussichten für die EisenauSfuhr. AuS Exportkreisen wird der.Rhein.-Westf. Ztg." geschrieben: Die Situation im Export- markte hat sich inzwischen weiter verschlechtert. Die Nachfrage von allen Märkten bewegt sich in den geringsten Mengen und die Be- richte, sowohl von dem Osten als auch von Südamerika lassen nicht auf eine demnächstiae Besserung der Nachfrage schließen. Infolge dessen sind die Preise auf allen Gebieten nicht unerheblich zurück- gegangen, wobei die belgischen Werle die Führung übernommen haben. Flußstabcisen ist mit 123 M. pro To. fob. Antwerpen leicht erhältlich. Grobbleche zu 139/— bis 132/—. Die deutschen Werke müssen notgedrungen folgen, da sich bei einigen Mangel an Spezifikationen fühlbar gu machen scheint. In der Hauptsache scheint es an Bedarf für Feinelsen zu mangeln, wohl infolge des Nach- lassenS der Bautätigkeit im Jnlande. Träger sind unverändert zu 119/— fob. Antwerpen angeboten, jedoch bietet die zweite Hand etwas unter diesem Preise an. Die Situation ist zurzeit zweifelsohne nicht normal, wenn man den Preis für Stabeisen von 125/— mit jenem für Träger von 119/— vergleicht. In Händler- kreisen neigt man zu der Ansicht, daß der Stahlwerks- verband unter diesen Umständen zu einer Reduzierung seiner Preise schreiten würde. Ein solcher Schritt würde jedoch voraussichtlich keine Besserung, sondern nur eine weitere Zurückhaltung hervorrufen und wahrscheinlich zu einer vollständigen Demoralisierung des Marktes führen. Bleibt der Verband fest, so wird sich die überseeische Nachfrage doch wohl früher oder später betätigen müssen, weil die Läger, wenn zurzeit auch noch reichlich versehen, doch schließlich erneuert werden müssen. Eine Reduzierung der Preise würde nur zu einer neuen Ueberfüllung der Märkte führen, ohne eine Gesundung im Gefolge zu haben. Hus der f raucnbcwccfung* Zensur. Mit unfehlbar sicherem Urteil zensiert Lydia Gustava Heymann in der bürgerlichen»Zeitschrift für Frauenstimmrecht' die inter nationale Frauenkonfcrenz und den intemationalen Kongreß. Daß sie der Genossin Zetkin sehr gram ist wegen der„abgeschmackten Ausfälle auf den Klassenstaat und die bürgerliche Frauenbewegung darüber reden wir nicht; man kann von der Dame wirklich nicht ernsthaft verlangen, sich näher mit den tiefdurchdachten, von zwingender Logik getragenen Darlegungen der Genossin Zetkin zu beschäftigen. Sie kann nicht ander?, sie muß sich mit einer albernen Bemerkung darüber hinweghelfen. Die Zcnsorin erlaubt sich dann aber weiter sämtlichen sozialistischen Führern und der Gesamtpartei eine geheime Feind schast gegen das gleiche Frauenwahlrecht zu unterstellen. Sie schreibt: „Nicht ein Führer der sozialistischen Parteien aller Länder, die sich in Stuttgart zusammenfanden, erachtete es der Mühe wert, zu diesem Punkte der Tagesordnung das Wort zu er- greifen, es herrscht eine so allseitige Gleichgültigkeit, daß ein frischer, energischer Kampf dagegen befreiend gewirkt hätte. Wer je darüber im Zweifel war, was wir Kämpferinnen fürs Frauenstimmrechi von der Sozialdemokratie zu erwarten haben, dem müssen die Verhandlungen über Frauen- ftimmrecht in Stuttgart volle Klarheit bringen. Selbst der größte Parteifanatismus kann nicht so blind machen, daß sozialistische Führerinncn es auch in Zukunft noch ivagen könnten, ihren Anhängerinnen bei der Propaganda draußen im Lande zu er- zählen, die einzige Partei, die euch das Wahlrecht erkämpft, ist die Sozialdemokratie. Hier wie in allen übrigen politischen Parteien gibt es aufrichtige Anhänger des Frauenstimmrechts, auf die wir Frauen, wenn die Zeit einmal da ist, zählen können, daß sie unsere Rechte wahren, d. h. wenn die ihrigen dadurch nicht geschädigt werden. Aber auf die Masse der Männer ist in der Frage dcS FrauenstimmrechtS nirgends Verlaß, mag sie durch Parteibeschlüsse oder Programme gebunden sein, Verlatz ist da nur— und daS sollten sich die Frauen aller Nationen und aller Parteien gesagt fein lassen,— auf uns selbst, und zwar auS dem einfachen Grunde, weil hier Geschlechtsinteressen allerstärkster Potenz den Ausschlag geben, die stärker und fester binden als alle Klassen- und Parteiinteresscn. Als Gesamtergebnis der Debatten dieses internationalen Kon- gresses der Sozialdemokratie über das Fraiienstimmrecht kann man jedenfalls verzeichnen-- völlige Bedeutungslosigkeit." Wir wissen die Ehre zu schätzen, daß die bürgerliche Dame dem Kongreß trotz seiner„völligen Bedeutungslosigkeit" einen langen Artikel widmete. AuS Dankbarkeit wollen«vir dafür auch gleich ver- raten. tvaS der Zweck der Uebung des Fräulein Heymann ist: Sie soll eine vorbereitende Salvierung sein für das Versagen der bürgerlichen Damen in Wahlrcchtsfragen und-bewegnngen. Sie verlangen und wünschen nicht, daß die bürgerlichen Parteien einen energischen Kampf führen, um für die Männer das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu allen gesetzgebenden und VerlvaltungS- Körperschaften zu erlangen; noch viel weniger entspräche eS ihren Wünschen, wenn die liberalen Parteien solches allgemeine politische Recht auch für die Frauen erkämpfen helfen wollten, die Damen beanspruchen nur ein Damcnwahlrecht. Und daS ist auch von ihrem Standpunkt konsequent. Wenn sie der Auffassung sind, daß die Frage des Wahlrechtes eine solche des GeschlechtSinteresscS ist, dann ist es ja auch ganz folgerichtig, wenn die Damen für sich ein Wahlrecht verlangen, das dem Hcrrcnwahlrecht entspricht; für die Arbeiterinnen genügt daS Wahlrecht, das man den Proletariern gestattet. Um Himmelswillen nur nichts fordern, was das Interesse der Männer schädigt. Die bürgerlichen Männer sehen daS allgemeine gleiche Wahlrecht natür- lich als ein sie schädigendes an. Und Lydia Heymann muß das an- erkennen, denn nach ihr verteidigen sie ja Geschlechtsinteressen, und darin will man nicht stören. Die bürgerlichen Männer verteidigen weiter Klasseiiiiiteressen und darin will man erst recht nicht hindern. ES ist nur zu erklärlich, wenn die Damen sich jetzt schon die Tür aufmachen, durche welche sie— rückwärts marschieren. Sie werden kräftig für daS allgemeine Wahlrecht eintreten— mit Worten, und sie jauchzen, Ivemi sie nachher verkünden können: wir haben wenigstens das beschränkte— das heißt ein Damen« Wahlrecht— Frauenstimmrecht erobert. Lydia Hetzmann hat allzu sehr merken lassen, daß tatsächlich Geschlechtsinteressen ver« bunden mit Klasseninteressen die sie bestimmenden Motive sind. Die Anrempelimg der Partei, die man leicht als Ausfluß prinzipieller Forderung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts für alle er» wachsenen Personen werten könnte und darum trotz ihrer Un- gerechtigkcit noch Sympathien auslösen müßte, ist in Wirklichkeit der vorbereitende Umfall der sich am radikalsten geberdenden bürger- lichen Frauen in der Frage des Frauenwahlrechts. Bei der kommenden LandtagSwahlbewegung werden wir die radikalen Damen schon durch die Nottür flüchten sehen, die ihnen Lydia Heymann auf« gestoßen chat.__ Keine Frauen im Schnlvorstand. In Katernberg(Kreis Essen) hatten die Lehrerinnen den Antrag gestellt, zu SchulvorstandSämtern zugelassen zu werden. Wie uns ein Privattelegramm meldet, hat der Gemeinderat den Autrag abgelehnt. Frauen verstehen ja nichts von Kindererzichnng— dachten die Zechenvertreter und Bau« spekulanten. Versammlungen. Genosse Ernst Kreowski sendet uns folgende Zuschrift: Der Bericht über die Generalversammlung der Arbeiter- Bildungsschule enthält in bezug auf die Materie: Lite» raturgcschichte einige böse Unstimmigkeiten, die der gegne- rischen Presse, wie vorauszusehen war, erwünschte Gelegenheit zu hämischen Bemerkungen gegeben haben. Insoweit, als meine Person in Frage kommt, sehe ich mich veranlaßt, jene augenschein- lich beabsichtigten Entstellungen zu korrigieren. Im April trat Genosse Grunwald im Auftrage des Vorstandes der Arbeiter- Bildungsschule an mich mit dem Wunsche heran, die literargeschichl- lichen Vorträge zu übernehmen. Dabei wurden mir die Gründe für diese Aenderung bekannt gegeben. Ich machte jedoch gleick darauf aufmerksam, daß mir die gedachte Lehrverpflichtung außer ordentlich schwer fiele, weil meine ganze Arbeitskraft bereits kon traktmäßig an die Fertigstellung meines nunmehr in Kürze er scheinenden illustrierten Werkes:„Richard Wagner in de Karikatur" gebunden wäre, und ferner, daß ich in Rücksich darauf wahrscheinlich in die Zwangslage kommen würde, die Vor. träge vorzeitig einstellen zu müssen. Am 7. M a i hielt ich der ersten Vortrag. ES waren kaum zwei Dutzend Zuhörer. Auf meir über diese laue Beteiligung geäußertes Erstaunen wurde mir er widert, daß die Ursachen hierfür— ganz abgesehen von der JahreS zeit— in rückläufigen Umständen zu suchen wären, die ich hier de Erörterung entziehe. Anläßlich der zweiten Stunde fand di- Leitung es für angezeigt, die nächste Stunde auszusetzen, wei! in anbetracht dcS schönen Wetters kaum jemand kommen würde Ich hielt dann noch einen dritten Vortrag. Inzwischen war dcr Maß meiner Arbeit— vermehrt durch die mittenhineinlaufendei Korrekturfahnen— so gewachsen, daß ich mich gezwungen sah, dcx Vorsitzenden der Schule: Genossen H. Lamm? brieflich untern 31. Mai zu bitten, mich auf die Dauer von etwa vier Wochen voi meiner Verpflichtung zu entbinden. Zugleich erklärte ich mich bereit, den Ausfall durch vermehrte Vorträge ab Juli weit zi machen. Unglückseligcrweise war Genosse Lamme verreist. D e. Brief war bei ihm liegen geblieben! Jnfolgedeffei konnten die Teilnehmer nicht rechtzeitig von meinem Wunsche unterrichtet werden. Erst einige Zeit danach teilte mir der Vor. sitzende mit, daß man beschlossen habe, den Kursus während der Sommermonate überhaupt ausfallen zu lassen, weil da an eine regsame Beteiligung erfahrungSmätzig nicht zu denken fei, Do? ist der Sachverhalt. Jedenfalls fand ich einen arg verfahrenen Karren vor und habe mcinesteils keinerlei Veranlassung gegeben, daß der Kursus„abgebrochen werden mutzte", weil er nicht„den Anforderungen der Schüler entsprochen" hätte. Zuschriften, die mir nachträglich zugegangen sind, haben mich vom Gegenteil über» zeugt,_________ Ernst Kre�joSkt, BnefhafUn der Redahtion. Tie futlffififie Sveechstmidc findet Fried richstr. 10, ülnsgattg 4. eilte Trcppc(Hnndclsftiitte VeUcnllinncc, Turihgang auch Ltiidenstr. INI), wochcutaglich vo»?>/, bis!>'/. Uhr abends statt. Gcüsfnct 9 Uhr. Sonnabends bcainnt die Sprechstnndc»m 0 Ilbr. Jeder Slnfrag- ist ein vuchstabe und eine Kahl als wicokzclchcn bciznfjigc». Briefliche alntwort wird nicht erteilt. Eilige Frage« trage man in der Sprechstunde vor. «S. B. 199. Die Höhe der Unterstüdung richtet sich nach der Zahl der eingeklebten Marken und nach der Höhe der einzelnen Marken.—®, R- 27. Beschwerde wäre zulässig, indessen ist kaum anzunehmen, daß in dem von Ihnen angesührten Fall die Unterbringung in eine Irrenanstalt ohne Grund stattgesimden hat. Die Beschwerde können Sie an das Amtsgericht richten.— W. 109. 1. Wenden Sic sich an den Zentralverband für tandlungigehülsen und Gehülfinncn DeuifchlandS, Neue Königstr. 39. ersuchen sie eS mit einer Eingabe an die StistungSdeputation, Magistrat. — K. Prawda. Die Kirchensteuern müssen Sie zahlen. Sie können sich für die Zukunft von der Zahlung nur dadurch besrclen. daß Sie aus der Kirche austreten. Treten Sie noch in diesem Jahre auS der Kirche auS, so haben Sie vom t. Januar IWZ ab Kirchensteuern nicht mehr zu zahlen. — R.&. 97. 1. Wenden Sie sich direkt an eine Reederei. 2. AuSkunst über Reisen u. dergl. erhalten Sie in amtlichen Auskunftstcllen: Mexandcr- iS. M. 38. Die Ablegung des Examens kann sür Ihren Sohn von Bor- teil sein. Wegen der Bedingungen, Kosten usw. wenden Sie sich direkt an die Gewcrbckammer.— S>. B« Den Text des Bürgerlichen Gesetzbuches und der Zivilprozesiordnung können Sie in Zeder öfsentlichcn Biblioihek z. B. Alexandrinenstr. 26 einsehen.— M. I. 199. Einbalsamieruna liegt vor. — Müller. Der Zug des fogcnaniilen Hauptmanns von Köpenick sand am 1». Oktober, seine Verurteilung ani 1. Dezember 1906 statt.— A.®. 19. Die Genossin Ida Baar, Wilmersdorf, Kaiserplatz 17, wird Ihnen die zntrcficnde Auskunft geben können.— A. B., Charlottenburg. Ihr Mann ist zur Zahlung des Buches nicht verpflichtet. Auch Sie nicht, wenn Sie etwa noch nicht volljährig, also noch nicht 2l Jahr alt sind. Sind Sie volljährig, so sind Sie zur Zahlung verpflichtet, weil Sie trotz der häusigcn Warnungen unsererseits den Bestellzettel unterschrieben haben. Haben Sic nichts, dann kann der Gläubiger auch nichts holen. K. W. 32. 1. bis 3. Doch. Wer Schlasteutc in Berlin ausnimmt, ist verpflichtet, innerhalb einer Woche nach der Ausnahme de? ersten Schlaf- (jastes eine schriftliche Anzeige bei der PolizeibchöAie in einem Formular über die Ausnahme von Schlasleuten zu machen. Die Polizei prült daraus, ob die Schlaslcuie den polizeilichen Bestimmungen entsprechen und erteilt eine Bescheinigung hierüber. Jeder Schiafrauni muh mindestens je drei Quadratmeter Bodensläche und je 10 Kubikmeter Lustraum aus den Kopf enthalten. Für Kinder unter 6 Jahren genügt'/,, sür Kinder von 6 bis 14 Jahren genügen% dieser Maße. Der Schlasraum dars mit'Abtritten nicht in ofjcner Verbindung stehen. Ohne besondere Erlaubnis dürsen Schlasleute verschiedenen Geschlechts, die zu einander nicht im Verhältnis von Eheleuten, eifern, Kindern oder Geschwistern stehen, Nicht gleichzeitig aufgenommen werden. Schlasleute dürfen nur in solchen Räumen zum Schlafen untergcdracht werden, welche nicht zugleich für Personen des anderen Geschlechts zum Schlafen dienen. Formulare für die Anzeigen werden aus der Revierpolizei unentgeltlich verabfolgt. — L. 50. 1. Ja, aber die Gerichtspraxis ist eine schwankende. 2. Nein. 3. Sie können zwei Jahre lang mit der Klage warten, aber aus der Nicht- erhebung der Klage wird in der Regel auch ein Verzicht der Ansprüche geschlossen.— R.®. 1007. 1. Ja. Wie die NamenSbcilegung erfolgt, ist unter K. P. 14 dargelegt. 2. Ja. 3. Ja. Es können aber daraus Polizei- liche Scherereien entstehen.— Südende 00. Sie würden in vollem Um- sänge haftbar sein.— Taunus 7777. Sie sind zur Zahlung verpflichtet, die Krankenverwaltung kann Ihnen Raten bewilligen.— H. 5. Eine solche Bestimmung besteht nicht.— R. M. 700. Wenden Sic sich an den Transportarbeiterverband, Engel-User 15.— B. P. Im Jahre 1879. - 20. Die Beschäftigung der Kinder ist verboten, beantragen Sie Bc- ltrasung.— C. L. 50. Ja, jedenfalls sollte der Vater den Antrag, ihm aus Grund des Gesetzes vom 22. Mai 1895 die Rente von 10 M. monatlich zu bewilligen, stellen.— A. B. 80. Lassen Sie sich von dem Gericht zwei Urteilsaussertigungen, eine mit der Vollstrcckimgsklauscl versehen, er- teilen und beauftragen Sie einen Gerichtsvollzieher mit der Vornahme der Pfändung.— M. L. 40. Ja.— E. K. 22. Der Fall würde nach dem früheren Gesetz entschieden werden, eine etwa jetzt noch anzustellende Klage würde daher, wenn altpreusiischeS Recht in Frage kommt, abgewiesen werden. — I. H. 15. 1. Ein solches Gesetz besteht nicht. 2. Ja. 3. Durch 1. er- ledigt.— M.®. 1. 1. In Ihrem Falle würde die sestgesetzte Verein- barung gültig sein. Die sogenannte Taxe tritt nur bei dem Mangel einer Vereinbarung ein. 2. Ja.— S. 101. 1. In Pfand behaltene Sachen bllrsen nicht verkaust werben. Man kann lediglich die Forderung einklagen und dann das Pfand durch den Gerichtsvollzieher verkaufen lassen. 2. Ein einfacher Kaufvertrag in Verbindung mit einem Lcihvcrtrag würde genügen. Soweit der Vertrag aber vorhandene Gläubiger schädigen würde, ist er ungültig. 3. Nein.— B. R. Die Betonung fällt bei Thalia auf i.— B. 25. 1. Ja. 2. Der Lohn ist unpsändbar. Soweit ersichtlich, liegt auch im übrigen kein Pfändungsstück vor.— Henze. Dammmühlengebäude um 11 Uhr. — E. 34. Wenden� Sic sich schleunigst beschwerdeführend an das Vor- mundschastsgericht. Sollte aber etwa die Ueberweisung durch Strafgerichts- urteil ausgesprochen sein, so würden Sie gegen dies Strafgerichtsurtcil Revision oder Berufung einlegen müssen und haben auch zu verlangen, dag Ihnen das Urteil zugestellt werde. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit empfiehlt es sich, die�Hülse eines Anwalts in Anspruch zu nehmen.— R. L. 10. Wenden Sie sich an Genossen Simanowski, Engel-User 15.— O. R. 75. Uns nicht bekannt.— Port Allegre. Seien Sie mit dem Abschlug des Vertrages sehr vorsichtig. Zuverlässige Auskunst erhalten Sie über die Verhältnisse in Brasilien durch die amtliche Auskunstsstelle, Berlin, Schellingstr, 4.— T. M. 33». Wenn nicht etwa aus Ihrem Miets- vcrtrage das Gegenteil hervorgeht, so sind Sie nicht verpflichtet, die Scheibe zu ersetzen, die beim Umziehen von Ziehleuten eingestoßen ist. Der Inhaber des Möbeltransportgeschäftes ist in vollem Umfange schadcnSersatzflichtig. — H. R. 1863. 1. Da die betreffende Person Mitglied der Kasse gc- blieben ist, ja. 2. Ja.— K. P. 14. Zur Umschreibung des NamenS ist erforderlich, daß der Vormund, die Mutter und der Ehemann vor dem Standesbeamten zu Protokoll ihre einwilligenden Erklärungen abgeben. Die Erklärungen können auch in notariell oder gerichtlich beglaubigter torm abgegeben werden. Die Kosten sind unerheblich, der außereheliche rzcuger wird durch die Umwandlung des Namens seines Kindes keines- wegS von 6er Verpflichtung entbunden, Alimente zu zahlen.— B. M. 53. Da Sie die Verpflichtung ausdrücklich übernommen haben, ist eine Be« freiung von derselben ohne Zustimmung der Gemeinde nicht möglich. — R. P. 61. 1. In zwei Jahren. 2. Ja.— M. H. 50. 1. Sie können den vereinbarten Lohn beim Amtsgericht einklagen. 2. Ja, aber die volle Schadcnersatzfordcrung stände Ihnen gegen den Wirt zu, mit dem Sie Vertrag geschlossen haben.— Abonnent 60. 1. und 2. Der Lohn ist wegen Alimcntensorderungen außerehelicher Kinder pfändbar. Jedoch muß dem Schuldner soviel gelassen werden, als er zu seinem notdürstigcn und zu dem standesgemäßen Unterhalt seiner Ehesrau un* seiner ehelichen Kinder gebraucht. Wieviel das ist, bat der Richter von Fall zu Fall zu entscheiden. 3. Auch ohne Vertrag leben Eheleute außer Gütergemeinschaft. Zweckmäßig ist es aber, durch einen gerichtlichen oder notariellen Vertrag das Eigentum der Ehesrau ausdrücklich anzuerkennen und aus das Verwaltungs- und Nießbrauchsrccht zu verzichten. 4. Ja. Die Ehefrau kann aber mit Erfolg dagegen klagen.— Z. Z. Ja. — Otto 400. 1. Ja. 2. An Stelle der Gerichtskosten kann nicht Hast festgesetzt werden. Der Fiskus kann wie jeder Gläubiger pfänden lassen, event. OffenbarungSeid verlangen. 3. Der Eid wäre ein unrichtiger. Die Sachen würden nach wie vor Ihnen gehören und nur verpfändet sein.— G. M. 500. Die Kinder erster Ehe können Nachlaßregulierung hinter dem Nachlaß der Mutter verlangen. Ob dabei für die Kinder etwaS herauskommt, oder ob ein überschuldeter Nachlaß vorliegt, läßt sich erst aus näheren Angaben des VaterS ersehen.— I. K. 44. Sie könnten nur aus Einräumung des vertragsmäßig Ihnen zustehenden Kellers und aus Schadenersatz klagen. Wenn Sie aber nicht sofort protestiert, die Sache vielmehr fast 2 Jahre haben lausen lassen, so hätte die Klage wenig Aussicht aus Erfolg. Für oe» Jiiftalt ver Inserate «vernimmt vir Redattto» dem Publikum gegenüber keinerlei Berautworning. Ubearer. Mittwoch, den 4. September. Anfang Vj, Uhr. Kgl. Opernhaus. Die Walküre. Ansang 7 Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Die Naben« steinerin. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele: Fräulew Julie. (Ansang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lessing. Die Stützen der Gesellschaft. Smtlter«». sWallner-Thenler.) Monna Vanna. Schiller Charlottcnburg. Ein Fallissement. ReueS Schauspielhaus. Die Hochzeitssackel. NencS. Der Dieb. Komische Oper. ToSca. Westen. Die lustige Witwe. Lnstspielhaus. Husarenfieber. Zentral. Orpheus in der Unterwelt. Kleines. Vater und Sohn. Residenz. Haben Sie nichts zu ver» zollen? Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs- Uhr. Onkel. Bernhard Rose. Der große Un- bekannte. Ansang 81/, Uhr. Theater an der Spree. Der Slktienbudiker. Merropol. Der Teusel lacht dazu. Apollo. Sylvester Schäffer. Epe- ztalitäten. Walhalla. Spezialitäten. Gebr. Herrnfcld. Madame Wig- Wag. ES lebe daS Nachtleben. Passage. Lona Nansen. Spezialitäten. Wintergarten. Anne Dancrey. Annie DirkenS. Spezialitäten. trater. Der Tanzteufel. «ise«. Turandot. Kasino. Die wilde Jagd. ReichSballen. Stetttner Sänger. Carl Haverland. Spezialitäten. Urania. Tnndrnstraste 48/40. LlbcndS 8 Ubr: Von der Zug spitze zum Watzmann. Sternwarte. Juvalidenstr. 57/82. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Mittwoch, 4. September, abends 8 Uhr: Die laraileo WM, Donnerstag: Die tanzenden Männchen.— Freitag: Sherlock Holmes. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Der Dieb. Donnerstag: Der Dieb. Freitag zum erstenmal: Uebcr den Wassern. Kleines Theater. Zum 50. Male: Vater und Sohn. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Die Stimme der Un- mündigen. t:ritag: Vater und Sohn. onnabend: Die Stimm« der Un- mündigen. Ideater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustige Witwe. Operette in 3 Akten v. Franz Lehär. LibsKspivIKsus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. Variete•Garten Weinberzsweg 19/20, Rosenth.Tor. Neue Spezialitäten. Besten eines Au t onioblls mit den Ztthnen. Ans.: Konzert 5/ Vorstellung 7 Uhr. fflgr Bei ungünstigem Wetter Vovztellung im Tvoator 8 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Juvalidenstr. 57—62: Sternwarte. Täglich geöffnet von 7'/.— 11 U. abdS. Zooiocizcllkk GARTEN Täglich ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär-Doppel-Konzert. 1 Eintritt 1 Mk., von abends 1 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter| 10 Jahren die Hälfte. q Zentral-Tbeater. Heute und solgende Tage: Orpheus in der Unterwelt. Sonnlag nachmittag: Geisha. Friedrich- Wilhelmst Chauffeestr. 30/31. Eröffnunffs-T orstellnne Freitag, 6. September, abends 8 Uhr: „Die IViOeluiiKen." Von Fr. Hebbel. I. Abend:.Der gebörntc Siegfrieds _.Siegsrieds Tod.'_ Luisen-Tiieater Relchenbergerstr. 34. Abend» 8 Uhr: Turandot. Donnerstag: Turandot. Freitag zum erstenmal: Die beiden Reichcnmüller. Sonnabend: Turandot. Sonntag nachm.: Gespenster. Abends: Gebildete Menschen. Montag: Turandot._ Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jahrosrevne in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rauchen überall 8Uhr: Debüts IneueoSpezialitäten Silvester Schäffer, der berühmte Universalkünstler. Toni p/ilion u. MiB Helvise, Bar-Akt. Ponscherrys Drahtseil-Akt. Geschwister A m o r o■, Equilibristische Neuheit. Ines et Takl, Musikalische Excentrics«. a. m. Anne Dimere/y, Pariset 8äng. The 8 Engllsh Girls, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Önrowsltys, Akrobaten, „Die Bauernjungeu im Walde". L-e Roy Talma n. Boseo, Zauberkünstler. Agoust, komischer Jongleur. George lt. Ueno Company, amerikanische Exzentriks. Annie Olrkens. «Ign Preobrajensty, Prima Ballerina, u. M. Legat, Solotänzer v. d. kais. Hofoper in Petersburg. Papinta, amerikan. Phantasie- und Spiegeltänzerin. Kellino Truppe, ,In Venedig'. The Harlleys, Springer. Der Biograph. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr- Die wilde Ilizd. k« v" Ludwig Fulda. Vorher d. glänz. Eröffnungs- Progr. "onutag 4 Uhr: Heirat auf Probe. Schiller-Tlieater. Schlller-Thealer 0. lWallner-Tbealer). Mittwoch, abends 3 Uhr: Douna Vanna. Schauspiel in 3 Auszügen von Maurice Maeterlinck. Deutsch von F. b. Oppeln-BronIkowSki. Donnerstag, abends8Uhr: Der Herr Senator. Freitag, abends 8 Uhr! Donna Vanna. lZebi. Herrnfeld- Tiieater. 57 Kommaudanteustraße Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Billettvorvcrlaus 11—2 Uhr. T&sllch: Die Vovltftt Madame Vig-Wag Opcretten-BurleSke von Anton u. Donat Herrnfeld. Mustl v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre ftsiede das Kachtieben! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. „Oas Lied der Liebe" und das „Anekdoten- Couplet" aus der Operetten-Burleske»Mab. Wig- Wag" sind im Theater sowie in allen Mufitalicnhandlg. zu haben. ' Passane-Tliealer.| Sotia i. Kausen. 14 erstklassige Nummern. EfUmPRDSETHMT Gr. Franksurterstr. 132. Im Garten. Ans. 4'/, Uhr: Das glänzende September- Programm Sperrsitz 50 Ps. Enlrce 30 Ps. Im Theater abends 8'/, Uhr: Der(proße Unbekannte. • Sommerpreise. W.Koacks Theater Direktion: Roh. Olli. Brunnen str. 16. Der Millionär«. s. Schwiegersohn. Schauspiel in 5 Akten. Anfang 6 Uhr. Kaffeewche 3 Uhr. Bei schlechtem Wetter: Vorst, im 8aal. Montag, 9. September: Schluß der Sommersaison. Sonnabend, 14. Sept.: Beginn der Wintersaison. frSbeis Allerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allce 97/99. Aeltestes Volkstheater Berlins. Ob schön! Der Ob Rege»! glänzende Scmptember- Spielplan mit Bari»rann. Oeslions, Lütlo Smith, Franconi usw. will Garnes, Florus Rapmet, Wendlnls. 8 Uhr: Der Bombardier im Feuer. Ansang 41/a Uhr. Entree 30 Pf. Im Saale täglich: Gros/er Ball. Am 5. September Doppcl- Benefiz für Winnie Kruse und Willy Fribel. Einmalige Aufführung: Der Raub der Sabinerinne«. Hasenhetde 108-114. Mittwoch, 4. September 1907: LM" Letztes Kinder-Fest Kinderbelustigungen aller Art. Gratisverlosnng: 1. Preis für Mädchen: 1 silberne Damcnuhr. 1. Preis für Knaben: 1 silberne Herreuuhr. Großes Konzert � Spezialitdten-Vorsteilung. Anfang 5 Uhr. Entree 15 Pf. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Fallissement. Schauspiel In 4 Auszügen von Björndjerne Björnson. Donnerstag, abendS8Uhr! G»ta Ton Berlichlngen. Freitag, abend? 8 Uhr: Der lilerr Senator. cTfaQkzm>$aS$w3 Köpenickerftraffe 68. Ansang 8 Uhr. Der Slktienbudiker. Bilder auS dem Volksleben m. Gesang von D. K a I i s ch, (Josefine Dora, Heinz Gordon, Marie _ Grimm-Einödshosen)_ 8 Uhr 8 Uhr Direktion: Richard Alexander. Mittwoch, den 4. September: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequin und Pierre Veber, Brunnen-Theater Badstratze 58. Direkt.: Bernd. Rose. Heute: Mit grossem Erfolge: llie Mer des BeimgekehrteD. Spezialltüten 1. Ranges. Schna X Osbar Tasbe. Rudolf Berger. X X Mr. Hopkins. Kaffeneröfftiung 2 Uhr. Ans. 41/, Uhr. Montag, den 9. September: Benefiz für daS SchausPielpersonaL Letzte Vorstellung der«aison._ Kastanien-Allee 7/9. Täglich abends 7'/, Uhr: Der Tanzteufel. Außerdem: Spezialitäten 1. Ranges. Konzert und Bali. _ Ansang 4'/, Uhr._ Sanssouci, Ä8" Direktion Wilhelm Reimer. Sonntags, Montags, Donnerstags: u. Tanzbrünzchen. Stets hochtntereff. Progr. Morgen: GroBe Elite-Soiree. Tanz. Sonntags Beginn 5, wochentags 8 Uhr. Sonnabeud, 2. Novbr., ist für Festlichkeiten noch frei! Reiebstttüen-Iiiekter. Britton als Aute im Familien- bad Wannsee. Ans. Wochent. 8. Sonntags 7 Uhr. Braaiz* Amerikanischer Affen-Zirkus a ia Brockmann. IW 1 Am Prenzlauer Tor.-V!3 Täglich: Gr. Vorstellung 8'/, Uhr. Außerdem Sonntags, Feiertags, Milt- wachs u. Sonnabends nachm. 4 Uhr: Exfra-Kinrier- u.Familien-Vorslolluug. Palast- Theater. * Burgstrasse 24. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Das glimzeude Programm. Attraktionen 4. Banges. Unter anderm: Das scliiiieiil Mr. Das Tollste vom Tollen. Hie 5 Jflarnos erstllaisige Akrobaten. Tlie Newports Exzentriks und 8 erstklassige Rümmer«. Vorverkauf von 11—1 Uhr. Irisnon-Idester. Fräulein Josette- meine fraa, Ansang 8 Uhr. G §3 ardinen- Spezialhans Emil Lefevre Berlin, Oranienstr. 158 Riesen� Aus wähl I Gardinen, Portleren, Stores. Vitragen, Tttll- Bettdecken etc. Einzelne Fenster epottbilllg I PucHl-kum ÄI&S! gratis und Franko._ Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, Schwiegervaters und Großvaters, des Schankwirts 2695b Bern». Wittenberg sagen wir hiermit dem Gesang- verein„Hoffnung IH", dem Wahl- vercin des Bezirks Lichtenberg sowie den Tischlern ver Möbelsabrik Sehr. Frank und den Stammgästen unseren ticsgesüHItesten Dank. Frau Wttenherg nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Alfred Kern sage ich allen Verwandten und Be- kannten sowie den Kollegen der Automobiijabrik Ober- Schöneweide meinen innigsten Dank, 2711b Ottilie Kern nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Barbiers Barl Schischke insbesondere dem 3. Berliner Wahlkreis meinen herzlichsten Dank. 27156 Frau liOnlse Schischke. 5699L* Phänomen- Dach Egyptischer Art feinste Handarbeit. Zigarettenfabrik„NAMKORI" wy____— unter Leitung von nUnSl-'/lPClECI Margar. Walkotto am Sonntag, 15. September, Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. Als Gast; Kill) ilWli. Mitwirkende: Kun Arpad, der 12jähr. Violinvirtuos a. Q.; Magarethe Walkotte, Vortragskünstlerin; Elsa Thiele, Koloratursängerin; Otto Wiemor, Rezitator und Dialekt- Humorist; Bernhard Nietzsche, am Flügel. 296/4* Entreo 00 Pt-, Abendkasse 7a. Anfang ll,S Uhr. Anschließend Tanz. Vorverkauf: Zigarrenhandlung Horsch, Engel-Ufer 15. Spezialität: vom einfachsten bis zum elegantesten Genre kauft man am besten und billigsten im ' MöbelsSpezialhause Brnnnenstr. 1 I, H, in., IV.. V. Etage. 2700b* Eingang Weinbergsweg, direkt am Rosenfhaler Tor. | Kulante Zahlungsweise, j Zuvorkommende Bedienung. Verantwortlicher Ncdgkteur! Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw,: Xh, Glocke, Berlin, Druck U.Verlag-Vorwärts Buchdruckttkl U, Bulllgianstätt Päul Singer öl Se« Berlin SW* Nr. 206. 24. Jahrgang. 2. KcilM Ks Jptmätlö" Ittlinti Hollislilall. MMvach. 4. September 1907. parte!- Hncjelegenbeiten. Spandau. Am Freitag, den 6. d. M., findet im Lokal von Köpnik, Pichelsdorferstrafie, die Generalversammlung des Wahl Vereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreis-General Versammlung. 2. Bericht von der Provinzialkonferenz. 3. Beo schiedenes. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuchs. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Zossen. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Kenntnis, daß am Sonntag, den 8. September, das diesjährige Sommerfest in Schimles Lokal abgehalten wird. ES beginnt nachmittags 3 Uhr. Die Mitglieder des Wahlvereins werden ersucht, recht rege für das Fest zu agitieren. Der Vorstand, Nordend. Heute Mittwoch abends S'/z Uhr findet im Lolal des Genossen I. Schützler die Versammlung des Wahlvereins für Nordend-Wilhelmsruh statt. Tagesordnung wird in der Bersamnr lung bekanntgegeben. berliner JNacbricbten, Paradekoller. Bei dem Paraderummel am Montag spielten sich wieder fiäsiliche Szenen ab. Die patriotischen Gaffer wollten sich ruohl den militärischen Klimbin nicht entgehen lassen, anderer- seits sich aber durchaus nicht den militärischen Regeln fügen. Aus diesem Anlaß gab es allenthalben erregte Szenen. Ucberall konnte man Schutzleute mit hochroten Gesichtern sich mit renitenten Zivilisten herumzanken sehen. Und die Männer der Ordnung können massiv grob sein und ihrem gestrengen Munde entfahren dann auch nicht gerade die gewähltesten Ausdrücke. Doch Patrioten haben bekanntlich ein dickes Fell und lassen sich das ganz gerne gefallen, wenn sie dafür den Anblick bunter Lappen und glitzernder Mnkerlitzchen erhaschen können. Wen aber seine Berufsgeschäfte da vorbei- führten, konnte sich auf manche Widerwärtigkeiten gefaßt machen. An der Gitschinerstraße wollte ein Arbeiter, der es eilig hatte, durch die Reihe, wurde aber von einer nervigen Beamtenfaust prompt zurückgerissen. Einem anderen ging es nicht besser, viele Arbeiter konnten nicht nach Hause zum Essen gehen. Ueberall dieselben Szenen, wenn auch in den nieisten Fällen das Publikum, das sich in wilder Schaugier wie wahnsinnig geberdete, die Behandlung verdiente. Eine Unsitte aber, gegen die nicht energisch genug an- gekämpft werden kann, ist das Mitnehmen kleiner, unerwachsener Kinder in ein solches Menschengewühl. Es ist eine Gewissen- losigkeit sondergleichen von Eltern, bloß um ihre eigene Neugierde zu befriedigen, Leben und Gesundheit ihrer Kleinen zu gefährden, wie sich dies bei der Parade in Hunderten von Fällen gezeigt hat. Mütter, mit 2—3 kleinen Kindern im dichtesten Gewühl, waren keine Seltenheit. Am Blücherplatz hatten sich auch eine große Anzahl Frauen mit kleinen Kindern aufgestellt. Als nun in der Ferne Musik erscholl, durchbrach die vom Paradekoller befalleneMcnge mit einem wahren Indianer- geheul das Spalier und drängte wie besessen nach vorn. Herz- zerreißende Schreie aus dem Munde der leichtsinnigen Mütter ertönten, als die Kinder von ihrer Seite gerissen wurden. Einige fielen hin, und die rasende Menge wäre rücksichtslos über die Körper der Kleinen hinweggetrampelt, hätten sich nicht die Schutzleute mit ganzer Wucht dem Anprall entgegengeworfen. Ein kaum dreijähriges Mädchen konnte gerade noch rechtzeitig unter den Füßen der Gaffer hervorgezogen werden. Besonders eine Mutter, die sich mit einem Säugling(!) in den Trubel gemischt hatte und fast erdrückt worden wäre, mußte sich manche bittere Wahrheit sagen lassen. Auch konnte man öfter sehen, wie Kinder von ihren Eltern gezüchtigt wurden, weil die Aermsten nach drei- bis vierstündigem Warten ungeduldig wurden. Wann werden diese Menschen mal zur Vernunft kommen? Als Paradepuppen hatte ein tapferer Patriot seine Kinder aus- gestellt. Ein Leser schreibt uns hierzu:„Bei dem Rückmarsch der Truppen nach der Parade vom Kreuzberg hatte auch ein biederer Patriot, mit der Kornblume im Knopfloch, mit seinen vier Jungen in Kürassicruniform mit Küratz und Adlerhelm in der Friedrich- stratze in der vordersten Reihe Aufstellung nehmen wollen, da er sich aber etwas verspätet hatte, waren alle Plätze von Hurraschreiern ausgefüllt; auch hatten die absperrenden Polizei- bcamtcn sonderbarerweise für diesen patriotischen Sinn und Geist nicht da§ nötige Entgegenkommen gezeigt und so mutzte unser Patriot schweren Herzens weiterziehen. Endlich an der Mohrenstratze fand er den rechten Mann; ein gleichgesinntcr Schutzmann postierte zu des Vaters Stolz und Freude die vier ausgeputzten Jungen vorn an die Bordschwelle, wo sie tüchtig Hurra schreien konnten. Vielleicht handelt der Vater mit Kindcruniformen, datz er dafür Reklame machen wollte; dann hätte er aber seine Firma besser zur Scbau wagen sollen. Ob dieser sonderbare Patriot etwa ein schwarz- wcitz-rotes Hemd anhatte, konnte ich leider nicht ermitteln." Der Zusammenstoß auf der Stadtbahn am Sonntagnachmittag hat gezeigt, datz die Bahnverwaltung beim Eintreten eines Betriebsunfalles vollkommen ohnmächtig ist. In einer Zuschrift an das„Berliner Tageblatt" hcitzt es: „Um 3 Uhr nachmittags passierte der Unfall, und noch um Mitternacht war man der Situation so wenig Herr geworden, datz durch die ganz regellose Abfertigung der Fernzüge ganz Deutsch- land durch den kleinen Zusammenstotz am Schlesischen Bahnhof in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es ist gewitz nicht leicht, den riesigen Verkehr über die vier Stadtbahngleise plötzlich auf zwei Schienenpaaren zu erledigen, aber so vollkommen unvorbereitet dürfte man einer Gleissperrung, die gerade infolge des grotzen Betriebes und bei dem mangelhaften Maschinenmaterial der Stadt- bahn stets in drohender Nähe ist, nicht gegenüberstehen. Es hätte unbedingt dafür gesorgt werden müssen, datz der Fahrplan der Fernzüge wenigstens annähernd innegehalten wurde. Der Lokal- verkehr hätte dann unterbrochen werden müssen, wann ein Fernzug fällig war. Statt dessen lictz man die vielen Hunderte von Reisenden, die mit den fünf zwischen 11 und 12 Uhr nachts fälligen Zügen nach dem Osten fahren wollten, ratlos auf den Bahnsteigen stehen und konnte ihnen nicht einmal Auskunft geben, ob sie mit einer oder mit fünf Stunden Verspätung würden abreisen können. Die Folge waren eine grenzenlose Verwirrung und geradezu (urbulente Szenen auf den Fernbahnsteigen. Die letzte Ursache dieser Verwirrung war wieder ein Mangel an Beamtenmaterial. Die Zahl der Beamten an den Blocksignalen war noch um Mitternacht nicht über die normale Zahl hinaus verstärkt worden. Dabei hatten diese Beamten während der Zeit der Störung einen um das Zehnfache vermehrten Dienst zu versehen. Denn da durch die völlig unnormale Führung der Züge auch die normale Signalgebung nicht funktionieren konnte, so war eine fortwährende telephonische Verständigung zwischen den einzelnen Älockstationen notwendig. Außerdem war jede der regel- losen Abfahrtszeiten der Züge zur'Kontrolle schriftlich zu vermerken > und auch der Zugführer eines jeden Zuges mit einem amtlichen .Abfahrtsbefehl zu versehen. Alle diese Handlungen mutzten an �vielen Stellen von einem einzigen Beamten erledigt werden. Kein Wunder, wenn auf der Stadtbahn am Sonntag eine Ordnung wie in einem marokkanischen Heerhaufen herrschte." Im Stadtbahnverkehr herrschte ebenfalls große Verwirrung. An vielen Stationen waren die Beamten nicht einmal in der Lage, über die Verzögerung des Verkehrs Auskunft zu geben. Die Stadtverordnetenversammlung tritt am Donnerstag zu ihrer ersten Sitzung nach den Ferien zu- sammen. Ihr liegt eine umfangreiche Tagesordnung mit sehr wichtigen Vorlagen vor. So steht zunächst die endliche Berichte erstattung über die Ausschutzberatungen über die W e r t � zuwachs st euer auf der Tagesordnung. Weitere Vorlagen be� treffen u. a.: die Errichtung eines Armenamtes im Osten der Stadt,— die Annahme eines Vermächtnisses von 15 Ml) M. der verw. Kaufmann Cäcilie Langncr, geb. Mendelssohn, zu Stipendien bezw. Aussteuerzwecken,— eine Ersatzwahl für den Bczirksausschutz, — den Abschluß von Gasversorgungsverträgen mit den Gemeinden Malchow und Karow,— die Verkleinerung des Platzes K, A' teilung XIV, zwischen Revaler- und Simplonstratze an der Grenze von Boxhagen-Rummelsburg,— die Abnahme des Ausbaues der Erfrischungshalle im Treptower Park,— die Annahme einer Zw Wendung eines Herrn, der nicht genannt sein will, in Höhe von 12 000 M.,— die Annahme einer Schenkung der Handelskammer zu Berlin,— die Bereitstellung außerordentlicher Mittel zu bau lichen Ausbesserungsarbeiten in der Köllnischen und Berlinischen Propstei,— die Anschaffung eines Automobils zur Benutzung durch die Magistratsmitglieder und die Beschaffung von Abonnements fahrkarten der Grotzen Berliner Stratzenbahngesellschaft für die Mitglieder der städtischen Behörden,— die Beschaffung eines oder mehrerer Ehrenpreise für die zweite milchhygicnische Ausstellung zu Dresden,— den Ankauf eines Teiles der Wuhlheide,— die Annahme des der Stadtgemeinde von dem Rentier und Bezirks Vorsteher Wilhelm Wurst zur Errichtung einer städtischen höheren Lehranstalt gemachten Vermächtnisses,— die Zahl der das passive Wahlrecht zur Stadtverordnetenversammlung besitzenden Berliner Hausbesitzer,— Sicherung der Fenster im Männcrüberwachungs- hause der Irrenanstalt Buch,— die Bewilligung von Ehrenpreisen an den Verband deutscher Köche,— die Annahme einer Stiftung von 2000 M.,— die Anlegung der verlängerten Magazinstratze von der Alexanderstratze bis zur Dirksenstratze,— die Verwendung des städtischen Geländes an den Plantagen- bezw. Antonstratze für Gemeindeschulzwecke,— die erfolgte Verleihung von Preisen aus der städtischen Stiftung zu Preisaufgaben für Studierende der hiesigen Universität,— Herabsetzung des von der Gemeinde Klein- beeren zu leistenden Beitrages zu den Kosten der Umpflastcrung der Dorfstrahe daselbst,— die Entnahme der Grundstücke Char lottenstratze 6 und 7 aus dem Stadtbezirk 27 und Zuteilung zum Stadtbezirk 26,— die Beschaffung eines elektrisch betriebenen Automobil-Löschzuges für die Feuerwache in der Schönlanker Straße,— die gegen die Richtigkeit der Gemeinde- Wählerliste erhobenen Einsprüche,— die Ueber- lassung des Terrains in Diedersdorf an die Gemeinde Diedersdorf zu Kirchhofszwecken. Außerdem zahlreiche Recherchen. AuS der städtischen Kunstdeputation. Einer Anregung der Bildhauervereinigung des Vereins Berliner Künstler folgend, hat die städtische Kunstdeputatton beschlossen, für die Ausschreibung eines freien Jdeen-WettbewerbS zweck Aus schmückung des Pappelplatzes einen Betrag von 7500 M. zur Verfügung zu stellen. Die Wahl der Jury, die Verteilung der Preise sowie die Gestaltung der Ausstellung der Konkurrenzarbeiten soll der Berliner Bildhauervereinigung überlassen bleiben. Die preis- gekrönten Skizzen gehen in das Eigentum der Stadtgemeinde Berlin über. Die Ausschreibung des Wettbewerbes wird zurzeit von der genannten Bildhauervereinigung vorbereitet. Der Pappelplatz liegt an der Jnvalidenstratze, bildet dort ein spitzes Dreieck, das an der einen Längsseite von dem Sophien-Kirchhof, an der anderen von der Jnvalidenstratze und an der Schmalseite von der Acker stratze begrenzt wird._ Neugestaltung des Bahnhofs Zoologischer Garten. Der Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin entspricht in seinem Umfange und Einrichtungen längst nicht mehr der wachsenden Bedeutung seines Verkehrs. Insbesondere ist der Zugang zum Bahnhof sehr unvoP kommen. Seit nahezu zehn Jahren schweben denn auch Wer Handlungen zwischen der Stadtgemeinde Charlottcnburg und dem Eisenbahnfiskus. Jetzt ist endlich ein Vertragseittwuri zustande gekommen, dem der Fiskus beistimmen will und der vom Charlotten burger Magistrat gutgeheißen worden ist, so datz nur noch die Zu stimmung der Stadtverordneten erforderlich ist. Vor allem soll auf der westlichen Seite des Bahnhofs auf dem Gelände der früheren Westeisbahn eine Stratze angelegt toerden, die etwa 100 Meter weit von der Hardenbergstratze hineinführt. Eine zweite neue Stratze soll eine Verbindung herstellen zwischen dieser Znfahrtsstratze und der verlängerten Joachimsthalerstratze. Das Gelände zwischen dem Bahnhof und dem Zoologischen Garten wird in der vollen be bauungsplanmätzigen Breite vom Fiskus an die Stadtgemeinde Charlottenburg abgetreten. Selbstverständlich bleiben die bestehenden Verpflichtungen gegenüber den Elektrizitätswerken, Wilmersdorf, der Westlichen Vorortbahn und dem Zoologischen Garten bestehen. Die übrige Verschiebung der Rechte zwischen FiSkuS und Gemeinde ist ohne Interesse für die Oeffentlichkeit. Gestohlenes Fuhrwerk. Der Milchhändler Gustav Polster aus Pankow war am Montag hier in der Neuen Schönhauferstratze be- schäftigt. Er Uetz sein Fuhrwerk, das aus einem guten Verdeck- milchwagen mit einem Blauschimmcl bestand, auf der Straße ohne Aufsicht stehen. Als er nach kaum zehn Minuten aus dem Hause Nr. 7 wieder heraustrat, waren Wagen und Pferd verschwunden. P. machte sofort der Polizei Anzeige, doch sind alle Recherchen bisher vergeblich gewesen. Der Schaden beziffert sich für den Bestohlenen auf rund 1000 M. Ein schwerer Automobilunfall, der auf eine seltsame Ursache zurück- zuführen ist, hat sich in der Behrenstraße zugetragen. Ein un- bekannter etwa 23 jähriger Mann war im Begriffe gewesen, in der Nähe der Friedrichsttaße den Fahrdamm zu überschreiten. In einer Entfernung von wenigen Metern kam ein Automobil herangefahrcn und der Passant war über das- plötzliche Erscheinen des Ltraftwagens derartig erschrocken, daß er sich weder vor- noch rückwärts wenden konnte. Der Chauffeur, der annahm, daß der junge Mann infolge der abgegebenen Warnungssignale ausweichen werde, fuhr weiter und das Auto ging über den Unbekannten hinweg. In bewußt- losem Zustande wurde er von einem Schutzmanne nach der Charitö gebracht, wo schwere innere Verletzungen bei ihm festgestellt wurden. Ins Manöver. Zahlreiche Militärzüge befördern jetzt die gesamten Garde- truppen ins Manövcrgelände. 32 Sonderzüge werden vom Schlesischen Bahnhof und 12 von der Oftbahnhalle abgelassen werden. Durch die Beförderung der Truppe» wird für den Güterverkehr eine Verkehrsstörung eintteten, da die fälligen Güterzüge teilweise still liegen müssen. Um bei dem Verladen der Truppen die Ordnung aufrecht erhalten zu können, wird auf dem Bahnhofe ein militärisches Wachkommando stationiert._ DaS Ende des Kutschers. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat gestern abend den Tod des Kutschers Karl Gcrlach aus der Schinke- straße 12 herbeigeführt. G. war mit einer Fuhre Sand auf das Neubaugrundstück Taubenstr. 15 gefahren. Durch die Ausschachtungen ist die Einfahrt steil abfallend angelegt. Als nun G. mit seinem Fuhrwerk den Abhang hinunterfuhr, kam das schwere Gefährt ins Rutschen, die Pferde vermochten eS nicht mehr aufzuhalten und G. stürzte vom Bock herab unter die Räder. Der Bedauernswerte wurde fast vollständig zermalmt. Die Räder waren ihm über Kops und Brust hinweggegangen. Bevor noch ein Arzt helfend eingreifen konnte, war G. den furchtbaren Verletzungen erlegen. Personen, die Zeugen des Straßenbahnunfalles am Sonntagabend in Alt-Moabit, Ecke Stromstraße, waren, bei dem eine Frau totgefahren wurde, werden gebeten, ihre Adressen an Karl Burg- Hardt, Stromstr. 38, zu senden. Mordversuch und Selbstmord. Gestern nachmittag 3 Uhr gab der 32 Jahre alte Schneider Johannes Heydt, wohnhaft Elisabcthufer 32. im Grunewald ohne jede Ursache auf den Tischler M. Sch. zwei Schüsse ab und tötete sich dann selbst durch einen Schutz in der rechten Schläfe. Allem Anschein nach hat Heydt Selbstmord verübt aus Furcht bor einer Strafe, die er noch verbüßen sollte.... Ertrunkene Kinder. Beim Baden im Tegeler See hat gestern der achtjährige Sohn des Schneidermeisters Rothe aus der Provinz- straße in Reinickendorf sein Leben eingebüßt. Mit anderen Schul- knaben hatte R. gebadet und unvorsichtigerweise wagte er sich zu weit in den See hinaus. Durch eine heranbrausende Welle wurde er umgerissen und er geriet dadurch in eine Untiefe. Die Kameraden bemerkten den Unfall erst, als sie sich wieder ankleiden wollten. R. war inzwischen bereits erttunken.— Aus dem Schiffahrtskaual ist gestern die Leiche eines ertrunkenen etwa vier Jahre alten Mädchens gelandet worden. In der Nähe der Belle Alliancebrücke ivurde der Leichnam ans Ufer angetrieben und geborgen. Zur Rekognoszierung wurde er nach dem Schauhause gebracht. DaS Apollo-Thcater bringt für den September ein in der Tat glänzendes Programm Den Clou des Abends bildet das Auftreten SilvesterSchäfferS, eines jungen, überaus vielseitigen Künstlers. Aus einer alten Künstlersamilie stammend hat sich Schäffer jun. auf zahlreichen Ge- bieten eine Eleganz und Vollendung angeeignet, die geradezu staunenswert ist. Seine Arbeit ist ein förmliches Mosaikbild. Sie beginnt mit dem Auftreten des erst 23 Jahre alten Künstlers als Zauberkünstler, Karten- und Münzen-Manipulator. Was hier ge- boten wird, reiht sich den besten Spezialitäten auf diesem Gebiete an. Während sich das Publikum über die Manipulationen des Zauberers noch den Kopf zerbricht, repräsentiert er sich schon nach rapidem Kostümwechsel in seiner zweiten Nummer als Schnellmaler. Mit Oelfarben schafft Silvester Schäffer in wenigen Minuten ein Gemälde, das die Zuschauer zu lauten Beifallsrufen begeistert. So- dann produziert sich der Vielseitige als Jongleur; ein Glanzpunkt seines RepertoirS bildet eine reizend komponierte Szene als moderner Jongleur im Damen-Boudoir. Bälle, Lampen, Stühle und Tische und Hüte, alles folgt willenlos den gegebenen Winken. Es folgt nun die spanische hohe Schule zu Pferde: Silvester Schäffer als Reiter. Seine Schulpferde, eine Vollblut-Fuchsstute und ein Toulousiner Hengst werden von ihm auf einer von drei Säulen begrenzten Fläche in allen Gangarten der hohen Schule präsentiert. Dem Schulritt folgen ikarische Spiele mit fünf Hunden. Flinke Foxterriers sind als Spanier kostümiert- die kleinen Eleven sind in ihrem Gehorsam einfach rührend und stellen ihrem Dresseur und Meister ein glänzendes Zeugnis aus. Auch als Kunstschütze ersten Ranges stellt sich der Künstler vor, wobei er von seinem treuen Jagdhund assistiert wird. Mitten aus dem Theatcrsaale in allen möglichen Stellungen, vorwärts, rückwärts und mittels eines Spiegels schießt Schäffer nach festen und beweglichen Zielen auf der Bühne und fehlt nie. Kaum hat sich das Publikum von seinem Er- staunen erholt, da ist der schmucke Waidmann schon verschwunden und zeigt sich nach einigen Sekunden als ausgezeichneter Violin- Virtuose in den Charaktermasken eines Joachim, eines Paganini und eines Johannes Strauß. Die Hauptsensation des Abends bildet Schäffer als Darsteller olympischer Spiele, welche herkulische Kraft und Gewandheit in schönster Harmonie zeigen. Wenn sich der Vorhang hebt, jagt der junge Olympier, auf einem von zwei Schimmeln gezogenen römischen Wagen stehend, auf die Bühne. Er trägt dabei das klassische Kostüm der olympischen Streiter, den Lorbeerkranz im lockigen Haar. Mit diesem Wagen führt er nun eine Glanzleistung aus. Er läßt sich 25- bis 40psündige Kugeln von erheblicher Höhe in deji Nacken fallen, balanciert den Wagen auf dem Kinne, während er zwei schwere Eisenkugeln emporstemmt; zum Schluß produziert er sich als der Riese Atlas, einen gewaltigen Globus auf den Schultern tragend, dem fünf Erdteile darstellende Personen entsteigen. Außer dieser Glanzleistung befinden sich noch eine Anzahl guter Nummern auf dem sehr reichhaltigen Programm. Das Kasino-Thcater in der Lothringerstraße hat nunmehr eben« falls seine Tore wieder geöffnet. Es ist seinem bisherigen Grund- satze treu geblieben, für ein verhältnismäßig geringes Eintrittsgeld an einem Abend möglichst viel Amüsantes zu bieten. Und so besteht auch das Eröffnungsprogramm wie früher aus einem Theaterteil und einem bunten Teil. Diesmal hat sich die Direktion bereits an Ludwig Fuldas Lustspiel:.Die wilde Jagd", herangewagt. Um eS aber neben den anderen Darbietungen an einem Abend ab- solvieren zu können, erscheint das Lustspiel in einer Miniaturausgabe, von F. Schäfer für das Kasino- Theater eigens bearbeitet. Wenn man die bescheidenen Mittel und die besonderen Umstände des Kasino- Theaters in Betracht zieht, kann man nur sagen, datz das Publikum bei einem Besuch vollständig auf seine Kosten kommt. Herr Direktor Berg als Dr. Weiprecht, Gertrud Hinzer als Melanie Dalberg und Fritz Schäfer als Sanitätsrat Liebenau spielten ganz ausgezeichnet. In dem bunten Teil war eS vor allem das TschuschkeS Liliputaner- Trio, das wahre Lachstürme entfesselte. Fenerwehrbcricht. In der letzten Nacht wurde die vierte Kam- pagnie nach der Straße Alt-Moabit 95/98 gerufen. Dort standen in der Motorenfabrik von Zschökel u. Rinne drei Automobile voll- ständig in Flammen. Diese hatten schnell reiche Nahrung an Oel, Benzin usw. gefunden, und als die Wehr nach Mitternacht dort an- kam, mußte sie von zwei Dampfspritzen mit mehreren Schlauch- lcitungen Wasser geben, um den Brand zu löschen. Der Schaden ist bedeutend. Drei wertvolle Automobile sind verbrannt. Wegen Kurzschluß in elektrischen Starkstromkabeln wurde dit dritte Kompagnie nach der Eiscnbahnbrücke über der Königin Augusta- straße alarmiert. Durch Ausschalten des Stromes wurde die Gefahr beseitigt. Der Verkehr auf der Hochbahn erlitt durch den Brand eine Unterbrechung, die bald behoben wurde. In der Alexandrinenstr. 46 und in der Hollmannstr. 33 brannten Papier, Lumpen u. a. im Trcppenhause und im Treppcnvcrschlage. Zwei Kellerbrände beschäftigten die Wehr in der Obcrwallstraße 13a und Weinmeisterstraße 4. Ferner mußte in der Lychenerstraße 100 ein Fener gelöscht werden, das auf dem Dache beim Kochen von Teer ausgekommen war; Papier it. a. wurde in der Willibald Alcris- straße 15 ein Raub der Flammen. Arbriter-Samaritcr-Kolonne. Donnerstagabend 9 Uhr: 4. Ab- teilung Rummelsburg-Lichtenberg bei Lindner, Grünbergerstr. 10. Vortrag und praktische Hebungen. Die Lehrpläne für den Winter- kursuS, welcher am 17. Oktober beginnt, werden ausgegeben. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Neue Mitglieder können jederzeit eintteten. Vorort- J�acbricbten. vever den Internationalen SozialistenkongreK erstattete Genosse Z i e t s ch als Delegierter des Wahlkreises Teltow-Becskow Bericht in einer Volksversammlung, die am Montag im Charlottenburger Volkshause tagte. In fast zwei. stündigem Vortrage gab der Redner eine anschauliche und lebendige Schilderung der Tagung des internationalen Arbeiterparlaments. Er sagte unter anderem: Der Kongreß habe einen nachhaltigen und tiefen Eindruck hinterlassen. Erhebend wirkte die feierliche Eröffnung und die darauf folgende Massenversammlung auf den Kannstatter Wiesen. Wenn man auch die Sprache nicht verstand in der die ausländischen Delegierten zu den Volksmasscn redeten. so fühlte man doch, sie sagten alle, was auch unsere Herzen erfüllt und unsere Gedanken bewegt. Die einheitliche Gesinnung des internationalen Proletariats kam hier erhebend zum Ausdruck.— Auch die Verhandlungen des Kongresses führten trotz mancher Meinungsverschiedenheiten schließlich zur Einheitlichkeit in den angenommenen Resolutionen.— Die Verhandlungen und schlüsse zum Frauenwahlrecht bestätigten unsere Auffassung, daß die Wahlrcchtsbewegung der proletarischen Frauen grundverschieden ist von der Bewegung der bürgerlichen grauen. Die proletarischen Frauen kämpfen nicht wie die bürgerl'chen im Gegensatz zu den Männern, sondern gemeinsam mit ihren männlichen Klassen genossen. Die proletarischen Frauen denken nicht nur an sich, sondern sie sind bereit, in Staaten wo erst das Wahlrecht für die Männer errungen werden muß, mit diesen gemeinsam den Kampf für dasselbe zu führen. Große Schwierigkeiten machten die Verhandlungen über die Frage der Ein- und Auswanderung. Bei den Debatten über diese Frage tauchten Interessengegensätze auf zwischen den Arbeitern solcher Länder, die durch die Einwanderung fremder Arbeiter, die meist als Lohndrücker auftreten, benachteiligt werden und den Ver tretern derjenigen Länder, deren Proletarier zum Auswandern gezwungen sind. Die Resolution, die zur Ein» und Auswanderung angenommen wurde, bringt die Frage nicht zum Abschluß, sie ist erst der Anfang auf diesem Gebiet, das noch eines eingehenden Studiums bedarf, welches schließlich zum Ausgleich der ver schiedenen Interessen führen muß. Es bedurfte langer Debatten, bis eine Mittellinie gefunden wurde in der angenomnienen Reso lution, die jeden gesetzlichen Zwang gegen die Einwanderung aus. schließt. Die Maifeierfrage ist in der deutschen Delegation gründlich, aber rein sachlich, ohne jede persönliche Erregung besprochen worden. Die angenommene Resolution machte es unnötig, daß die Maifeierfrage auf dem Kongreß selbst besprochen wurde. Der springende Punkt der Resolution ist der, daß die Maifeier als eine gemeinsame Angelegenheit der Partei und der Gewerkschaften be- trachtet wird. Es kann hiernach von einer Abschwächung der Mai feier keine Rede sein. Die von mancher Seite gehegte Befürchtung, daß die Gewerkschaftsführer gegen die Maifeier Sturm laufen würden, hat sich nicht bestätigt. Bei der Abstimmung über die Reso lution kam es zu einer gewissen Erregung. Die Gewerkschafts Vertreter wollten zunächst, daß die Partei zu den materiellen Opfern der Maifeier die Hälfte beitragen sollte. Dagegen erklärten sich die Parteivertreter, weil vorauszusehen war, daß der Essener Parteitag dem nicht zustimmen würde. Schließlich einigte man sich auf die angenommene Resolution, welche Partei und GeWerk schaften zur gemeinsamen Unterstützung der Gemaßregelten der pflichtet und die Regelung im einzelnen den zuständigen Instanzen überweist. Dieser Beschluß ist ein Erfolg. Er bestätigt und stärkt die Einheit von Partei und Gewerkschaft und ist Im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung zu begrüßen.— Dasselbe gilt auch von der Resolution, die der Kongreß zu dem Punkt: Das Verhältnis der Partei zu den Gewerkschaften annahm. Durch diesen Beschluß ist die engherzige Auslegung, welche dem Gedanken der Neutralität manchmal in gewerkschaftlichen Kreisen Deutschlands gegeben wurde, beseitigt. Die große Mehrheit der deutschen Ge- werkschaften hat ja nie die gewerkschaftliche Neutralität in so engem Sinne aufgefaßt, wie der Redakteur deS Buchdruckerverbandes. Die meisten Gewerkschaften haben bereits im Sinne der Reso- lution gehandelt. Die Bestätigung der Zusammengehörigkeit von Partei und Gewerkschaft durch den Kongreß ist insofern von großer Bedeutung, als uns schwere Kämpfe bevorstehen, die sich mehr auf wirtschaftlichem, als auf politischem Gebiet abspielen werden. Die Entlassung Posadowskys und�mdere Anzeichen sprechen dafür, daß die besitzende Klasse freie Bahn haben will, um die Arbeiterklasse rücksichtslos zu bekämpfen. ES wäre verfehlt, wenn sich in einer solchen Zeit die Gewerkschaften nicht offen zum Sozialismus be kennen würden.(Beifall.) Die Resolution, die zur Kolonialpolitik nach langen Verhand- lungen angenommen wurde, deckt sich mit der Auffassung, welche wir in dieser Frage stets vertreten haben. � Die Verhandlungen über Militarismus und internationale Konflikte waren wohl die bedeutendsten des ganzen Kongresses. Auch die bürgerliche Gesellschaft verfolgte diese Verhandlungen mit gespannter Erwartung. Ist doch der Militarismus die Stütze, der Lebensnerv der bürgerlichen Gesellschaft und das internationale Proletariat diskutierte darüber, wie es diesen Lebensnerv der bürgerlichen Gesellschaft lahm legen könne. Von großem Ernst waren diese Debatten getragen. Dem Antimilitarismus der Franzosen stand die Auffassung der Deutschen gegenüber. Wollmar vertrat sie in einer Form, die nicht zu billigen ist, in der Sache aber stimmte er mit Bebel überein. Herve erging sich in manchen Ueber- treibungen. Wenn er die deutschen Sozialdemokraten als Spieß- bürger bezeichnete, die sich vor dem Gefängnis fürchten, so wider- legen die Tatsachen selbst diese Ansicht. Nicht aus Furcht vor dem Gefängnis, sondern mit Rücksicht auf die tatsächlichen Verhältnisse opponierten die deutschen Genossen gegen die Forderungen des Ge- nassen Herve. Was Herve vorschlägt, richtet sich nur auf eine Lahmlegung des Militarismus im Falle des Krieges. Aber der Militarismus ist nicht nur eine Gefahr für den Kriegsfall, sondern mehr noch bei inneren Konflikten. Für diesen Fall aber hat Hervä keine Abwehrmittel. Mit unserem Gefühl stehen wir zu den anti- militaristischen Bestrebungen der Franzosen, aber wir betrachten den Militarismus nicht als ein Ding an sich, sondern als eine Folge der heutigen Wirtschaftsweise. Er hat seine Wurzel im Kapitalismus und wenn wir den Kapitalismus bekämpfen, treffen wir auch den Militarismus. In der angenommenen Resolution vereint sich die deutsche mit der französischen Auffassung unter Ausschaltung des Generalstreiks und des Aufstandes. in den Anschauungen schloß der konnte natürlich nur allgemeine verschiedenen Nationen gewisse und ihre Selbständigkeit wahren. führen, können die Genossen der Ansicht sein, aber sie alle sind Willen, unser Ziel zu erreichen, Trotz mancher Verschiedenheit Kongreß in vollster Harmonie. Er Richtlinien aufstellen, die den Freiheiten in der Bewegung lassen Ueber die Wege, welche zum Ziel einzelnen Nationen verschiedener ein Herz und eine Seele in dem den Kapitalismus zu besiegen. Die zahlreich besuchte Versammlung nahm den Bericht deS Referenten mit lebhaftem Beifall auf. Der einzige DiSkussionS- rcdner sprach im wesentlichen in demselben Sinne. Charlottenburg. Ein schwerer Nnglilcksfall im Straßenbahnbctriebe ereignete sich gestern an der Ecke der Kurfürsten- und AnSbacherstraße. Der Hausdiener Hermann Sitte wollte an der dortigen Haltestelle einen Straßenbahnwagen verlassen. Er sprang von der Vorder- Plattform herab, während sich der Wagen noch in der Fahrt befand und stürzte mit dem Kopf auf das Straßenpflaster. In bewußt- losem Zustande brachten Passanten den Verunglückten nach der Unfallstation am Zoologischen Garten, wo der Arzt einen schweren Schädelbruch feststellte. Fn hoffnungslosem Zustande wurde S. in zaS Krankenhaus Moabit einaelieiert. »Schöneberg. | Die Stadtverordnetenversammlung nahm am Montag ihre Arbeiten nach den Ferien wieder auf. Zur Auslegung gelangte u. a. der Geschäftsbericht des Elektrizitätswerkes Süd- West für das Jahr 190(5. Von Magistratsseite sowohl wie aus der Mitte der Versammlung wird in lebhafter Weise gegen das Ge- bahren der betreffenden Gesellschaft protestiert, das darauf hinaus- laufe, der Stadt Schöneb'crg den ihr gebührenden Anteil am Rein- gewinn vorzuenthalten. Die große Rücksicht, die die Herren von der bürgerlichen Seite bisher gegen die Gesellschaft genommen haben, soll svtzt aufhören und man forderte den Magistrat auf, keinen Tag verstreichen zu lassen, um auf dem Wege des Prozesses gegen die Gesellschaft vorzugchen. Angenommen wird sodann ein- stimmig ein Antrag, woisin der Magistrat ersucht wird, alle Rechte der Stadt gegen die Gesellschaft Südwest unverzüglich und mit aller Energie zu wahren. Ohne Debatte angenommen wird nach dem Bericht deS Ausschusses der Antrag: �„Der Magistrat wird ersucht, bei Neubauten von Schul. aebäuden die Einrichtung von Spiel- bezw. Er- holungspläjjen auf den Dächern in Erwägung zu ziehen." Es folgt die Beratung der Vorlage deS Magistrats betr. E r- höhung der Grundwert st euer für unbebauten Grund und Boden. Die vom Magistrat und von der Stadt- verordnetenversammlung eingesetzte Deputation empfiehlt, diese Steuer auf das doppelte, 4,5 M. pro Mille, zu erhöhen. Stadtv. Zobel(Lib.) begrüßt diese Vorlage mit Freuden. Durch Ein- führung dieser erhöhten Steuer, die nicht auf die Mieter abgewälzt werden könne, wird eine Erhöhung anderer Steuern überflüssig werden. Er beantragt, der Vorlage sofort ohne Ausschutzberatung zuzustimmen. Stadtv. Rich. Schneider(Hausbesitzcrfraktion) wünscht, daß die Vorlage auf spätere Zeiten zurückgestellt werde, bis der Magistrat den Nachweis geliefert habe, daß das Geld ge- braucht werde. Redner tritt warm für die Besitzer des unbebauten Grund und Bodens ein und meint, daß diese der erhöhten Steuer Trotz bieten werden dadurch, daß sie ihre Grundstücke noch länger der Bebauung vorenthalten, die Herren können es aushalten. Stadtv. K u tz n i tz k y wendet sich gegen den Vorredner, der gegen die Interessen der Hauseigentümer und für die Großgrundbesitzer eingetreten sei. Die erhöhte Steuer ist eine gerechte. Die Stadt habe jahrelang, wie sehr richtig von sozialdemokratischer Seite bei einer anderen Gelegenheit geäußert wurde, für die Großgrund- besitzer gearbeitet, ihnen seien mühelos Millionen in die Taschen geflossen. Auch der Kämmerer tritt den Ausführungen des Stadtv. Schneider entgegen. Der Ausspruch, daß die Herren es aushalten können, beweist, daß die Steuer keine ungerechte ist. Die Bebauung ist schon in diesem Jahre zurückgeblieben, wodurch der Zuzug nach Schöneberg vermindert wird. Durch Einführung der Steuer wird sich dieser Zustand erst ändern. Wie es die großen Grundbesitzer treiben, dafür nur ein Beispiel: der Besitzer eines Grundstückes beschritt den Klageweg gegen die zu hohe Ein- schätzung seines Grundstückes durch die Stadt Schöncberg. Die Klage hatte Erfolg, das Grundstück wurde auf 560 000 Mark ein- geschätzt. Ein paar Jahre später kaufte die Stadt dieses Grund- stück und mußte dafür 1 168 000 Mark bezahlen. Stadv. Kunze bekämpft die Vorlage. Die Hausbesitzer lassen sich durch dieselbe nicht ködern. Durch ein schnelleres Verkaufen der Grundstücke wäre wohl der Stadt geholfen, aber nicht den Hausbesitzern. Schon jetzt leide man unter der Ueberproduktion von Wohnungen. Die HauS- besitzer wissen nicht, wie sie auskommen sollen. Redner beantragt, die Vorlage zunächst einem Ausschuß zur Prüfung zu überweisen. Stadtv. Lohausen empfiehlt die Annahme der Vorlage. Die Stadt Schöneberg sei heute weiter nichts als der Kommis der Millionäre und Terraingesellschaften. Durch den Beschluß betr. Anlegung des Stadtparkes habe jetzt der Besitzer eines an denselben angrenzenden Grundstücks dasselbe zu einem Preise von 5 Mill. M. verkauft. Stadtv. O b st(Soz.) wendet sich hauptsächlich gegen die Ausführungen der Skadtvv. Schneider und Kunze. ES sei zu ver» urteilen, daß diese Herren hier für die Interessen der großen Grundbesitzer eintreten und daS Wohl der Stadt und der Allgemein- heit hinten ansetzen. Die von denselben vertretenen Grundsätze stellen alles auf den Kopf. Die winzige Erhöhung dieser Steuer tut den Grundstücksbesitzern garnichts, bringt aber der Stadt neue Einnahmequellen. In der Deputation sei das Für und Wider bereits eingehend erwogen, deshalb sei eine nochmalige Verweisung an einen Ausschutz überflüssig. Redner empfahl, der Vorlage schon heute zuzustimmen. Auch die Stadtvv. Schüler, LinicuS und H e p n e r, die dem Vorstande des Haus- und Grundbesitzer- Vereins angehören, traten für die Vorlage ein. Nachdem sich noch der Stadtv. B a r t e l t gegen die Vorlage wandte, weil sie nicht der Initiative des Magistrats entsprungen, sondern demselben von der Versammlung aufgedrängt worden sei, wurde dieselbe in namentlicher Abstimmung gegen wenige Stimmen ange- nomm en.,, Der Versicherung der Krankenhäuser gegen Wasser» leitungSschäden wird zugestimmt. Eine weitere Vorlage des Magistrats betrifft die Vorschriften über die Gewährung von Reisekostenentschädigungen bei Dienstreisen der städtischen Körperschaften und Beamten. Die Stadtv. Hoffmann(Soz.) und Lohausen beantragen die Ueberweisung derselben an einen Ausschuß. ES sei unmöglich, der- selben in der vorliegenden Form zuzustimmen. Die vorgesehene Klasseneinteilung wäre der Stadt unwürdig. Eine Abstimmung darüber konnte nicht vorgenommen werden, da die Beschlußunfähigkeit eingetreten war. Schluß S Uhr. Rixdorf. TodcS stürz au» dem Fenster. Auf dem Grundstück Zietenstr. 57 in Rixdorf hat sich gestern ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen. Das fünfjährige Söhnchen des Arbeiters Woitzack war in der in der ersten Etage belegenen elterlichen Wohnung auf das Fensterbrett ge- klettert, um dem Spiele der Kinder auf dem Hofe zuzuschauen. Der Kleine beugte sich dabei zu weit nach vorn, verlor das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe. Er erlitt einen schweren Schädel- bruch und starb nach wenigen Minuten. Köpenick. Die Einwohner unseres Städtchens können wieder ruhig schlafen. eit gestern hat es wieder einen Polizeiinspektor. Bekanntlich hatte ich der Polizeiinspektor Jäckel anläßlich der Hauptmannsaffäre in- ofern einen unsterblichen Namen gemacht, als er dem Pseudo- hauptmann Vogt nicht nur gewähren ließ, sondern sogar nach seinen Befehlen fragte und sich von ihm Badeerlaubnis erbat. Dieses Ver- halten stand im grellen Gegensatz �u dem Benehmen Jockels den organisierten Arbeitern gegenüber; in Punkts Schneidigkeit ließ sein Benehmen nichts zu wünschen übrig. Diese Schneidigkeit hatte Jäckel auch in dem bekannten Krawallprozeß Anfang 1890 betätigt. Der Nachfolger Jäckels, ein hiesiger Polizeileutnant sollte nicht allzulange die Köpenicker Polizei leiten. Schon nach kurzer Zeit ver- ließ er seinen Posten und nun ist wiederum ein hiesiger Polizei- lenmant mit Namen Hoeren als Polizetinspektor in Köpenick ein- getreten. Potsdam. Arbeitslöhne in den gewerblichen Betrieben der Stadt. Nach- dem im vorigen Jahre den Lehrern und Magistratsbeamten eine Aufbesserung ihrer Gehälter zugebilligt wurde, dürfte eine Besser- iellung der in den gewerblichen Unternehmungen der Stadt Wasserwerk, Schlachthof, Elektrizitätswerk und Straßenbahn) be- chäftigten Arbeiter, Heizer, Maschinisten usw. am Platze sein. ES bestehen für diese Arbeitergruppen, die doch in den crstercn drei Betrieben ziemlich gleichmäßig sind, keine bestimmten Bcsoldungs- normen. So erhalten z. B. die Arbeiter im Schlachthof pro Woche 19 M., für Beschaffung von Schuhen bekommen sie 10 M. extra pro Jahr; ein HülfSheizer erhält pro Woche 21,50 M., hat aber die Aussicht. im Jabr LI6l I)Uebcrstunden an den Sonntagen zu machen, die er mit 30 Pf. pro Stunde honoriert bekommt. Beson- deren Aufschlag gibt eS nicht für SonutagSarbeit! Der Seizer und Hülfsmaschinist erhält 21,50 M. ifrc Wächter des Schlachthofes hat ein Einkommen von jährlich 1000 M., der des Rathauses— allerdings nur in der Nacht— hat ein Jahreseinkommen von 840 M. Im Wasserwerk werden der Hülfsmaschinist, der Heizer und der Rohrlcgergehülfc mit 10,50 M. pro Woche Anfangslohn eingc- stellt und erhalten nach 5 Jahren eine Zulage von 1,50 M., also 21 M. Etwas besser gestellt sind die Arbeiter und Heizer im Elektrizitätswerk. Hier erhalten die Arbeiter einen Wochenlohn von 24 M. und die Heizer einen solchen von 29,50 M. An der P f e r d e b a h n, die mit dem 2. Septbr. d. I. den elektrischen Betrieb eingeführt hat, erhalten Fahrer und Schaffner einen Durch- schnittslohn von 21,40—21,50 M. pro Woche, dabei sind verschiedene Angestellte, die schon länger als 10 Jahre beschäftigt und demnach einen wohl höheren Lohn erhalten werden, so daß sich der Anfangs- lohn noch niedriger stellt. Die Löhne der Streckenwärter, Stall- leute usw. sind bekanntlich noch niedriger. Durch die durch den elektrischen Betrieb crfordertichcn Aenderungcn in der Betriebs- ordnung ist die Arbeitszeit für das Fahrpersona! jetzt auf 12 Stunden festgesetzt(bisher hat sie in diesem städtischen Betrieb mitunter 17 Stunden betragen). Lokalblätter machen nun natür- lich ein großes Geschrei, wie günstig diese Arbeitszeit ist, da doch in dem Kleinbahngcjetz für den Betrieb nach Potsdamer Verhältnissen eine solche bis zu 13 Stunden zugelassen ist.— In allen Betrieben werden zu Weihnachten besondere Gratifikationen verteilt, die aber auch wiederum in den einzelnen Betrieben mitunter sogar sehr verschieden sind. Hoffentlich wird für diese Arbeitergruppen in de� nächstjährigen Etat eine Aufbesserung ihrer Löhne vorgesehen. ßcncbts- Zeitung. KirchenauStrittSplakate. In Sachen der KirchenauStrittSplakate hat am Montag als vierte Instanz die Ferienstrafkammer des Landgerichts Berlin-Mitte aber- mals entschieden. Bekanntlich hatte der Rechtskonsulent Paul Fiedler Formulare zum Austritt aus der Landeslirche für einen Pfennig pro Stück durch Plakate im Fenster seines Bureaus ans- geboten. Diese Plakate wurden von der Polizei mit Gewalt be- schlagnahmt, F. wurde vom Schöffengericht zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, vom Landgericht freigesprochen. DaS Kammergericht hatte dann auf Revision der Staatsanwaltschaft die Sache in die Vorinstanz zurückverwiesen. Dadurch gelangte die Sache am Montag zum vierten Male zur Verhandlung. DaS Landgericht bestätigte nunmehr das Urteil des Schöffengerichts, da? den Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe verurteilte. Die beschlagnahmten Plakate wurden freigegeben, weil sie nicht Eigentum des Angeklagten, sondern der Freireligiösen Ge- ineinde seien. In der Begründung führte das Gericht aus: Die Uebertretung des§ 0 de? preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 fei darin zu erblicken, daß die Plakate dem Zweck dienen sollten, Personen zum Austritt aus der Landeslirche zu veranlassen. DaS ginge aus der Form hervor, wenn die Plakate auch an sich eine gewerbliche Ankündigung in sich schlössen. Nach§ 9 des preußischen PreßgesetzeS dürfen solche Ankündigungen aber nur gewerbliche An- kündigungen bekanntgeben. Ist diese Auslegung des§ 9 des altpreußischen Preßgesetzes zu- treffend, so müßte beispielsweise die Eisenbahnverwalwng bestraft werden, die Plakate zugunsten der Lungenheilstätten angeheftet hat. Ebenso wären die Plakate des Flottenvereins, die Anzeigen über Mägdeherbergen usw. gesetzwidrig. Wird nun endlich mit dem ver- alleten Plakatgesetz aufgeräumt werden? Wenn nicht: weshalb wird dann, entgegen dem Gesetz(falls die Verurteilung Fiedlers be- rechttgt ist), nicht gegen die Eisenbahnverwaltung, den Flotten- verein usw. vorgegangen? Stehen jene außerhalb deS Sttaf- gefetzes?_ TernufcbteB. Bom„Lenkbaren". Nachdem der deutsche Militärballon und daS Parferolfche Luft. schiff in Tegel nicht wegzuleugnende Proben ihrer Lenkbarkeit ab» gelegt haben, halten es die Freunde des Grafen Zeppelin für angebracht, auch diesen durch folgende Preßnotiz wieder in Er» innerung zu bringen: Graf Zeppelin beabsichtigt, im Laufe dieses Monats mit dem Bau eines neuen Ballons zu beginnen, der sein jetziges Luft» schiff noch an Größe übertreffen soll. Die einzelnen Teile des neuen Fahrzeuges sind bereits bei Manzell a. B. aufgestapelt. Die Probefahrten mit dem neuen Luftschiff werden Voraussicht- lich Ende September beginnen. An Neuheiten zeigt der Ballon außer Veränderungen des Steuers auch Anwendung eines Scheinwerfers und die Einrichtung einer Tele. funken st ation. Die Probefahrt, an der etwa zehn Per- sonen teilnehmen werden, soll bei günstiger Witterung bis nach Stuttgart und zurück ausgedehnt werden. Graf Zeppelin, der mit seinem„Lenkbaren" bisher arg Pech hatte, täte gut, nach Möglichkeit solche Reklamenotizen zu ver- hindern, die unangenehm an Herrn GanSwindt erinnern. Die„Scheinwerfer" und die„Einrichtung einer Telefunkenftation" find keine Fortschritte in Bezug auf die Lenkbarkeit, die immer noch im höchsten Maße Problem bleibt. Im Gegenteil: DaS Ge» wicht, das beide fressen,' wird beim Luftschiff sehr notwendig zur Erhöhung der Maschinenkraft und der Vorräte an Verbrennungs- stoffen gebraucht. Auch die mitzunehmende Personenzahl sollte man aus demselben Grunde auf die Bedienung und ein oder zwei Passagiere beschränken. Wie notwendig daS trotz aller Fortschritte ist, mag die Tatsache erweisen, daß die Verdoppelung der Maschinenkraft immer erst eine Steigerung der Geschwindigkeit von etwa 4 zu 5 bringt. Und die Steigerung der Eigen- geschwindigkeit bleibt vorerst die Hauptsache; nicht Schein- werfer, Telefunken und Raum für Passagiere. DaS drahtlose Telephon macht Fortschritte, was man daraus schließen will, daß die amerikanischen Kriegsschiffe, die Order er- halten haben, nach dem Stillen Ozean abzudampfen, mit Apparaten für drahtlose Telephonie ausgerüstet wurden. Man soll sich mit den neuesten Instrumenten bis aus 5 englische Meilen verständigen können, wenn auch das Wetter schlecht ist. Dr. Deforests Jnstru- mente sollen bei gutem Wetter 7 Meilen weiv' reichen. Beim Spiel. 16 Schulkinder ließen sich, wie aus Winterverg bei Kreuznach gemeldet wird, gestern in einem Pflugkarren einen Berg hinunterrollen. Sie verloren die Gewalt über den Karren, der umschlug, da§ Bachgeländer durchbrach und in den Bach stürzte. II Kinder erlitten schwere Verletzungen, Der Zustand einiger Kinder ist hoffnungslos. Felssturz auf die Eisenbahn. An der Bregenzer Waldbahn löste sich ein Felsblock in dem Augenblick, als ein Zug passierte; die Lokomotive und drei Waggons wurden den Damm hinab ge- schleudert; Personen sind jedoch nicht zu Schaden gekommen. Cholera und Pest. Petersburg, 3. September. Der Stand der Cholera ist in Astrachan, Samara, Kasan, Stawropol, Sysran und längs der Wolga unverändert. In Nowgorod sind fünf neue Fälle vorgc- kommen. Die Gefahr der Verschleppung durch Kausleute, die von der Messe kommen, ist besonders groß. Nokohama, 2. September. Ein Mann der Besatzung eines Dampfers, der aus Niutfchwang hier eintraf, ist an Cholera ge- starben. Die Paffagiere waren bereits gelandet, als der Fall cnt- deckt wurde. San Francisco, 3. September. In Berkeley ist ein durch Bllbonenpcst verursachter Todesfall und zwei Fälle von Pestverdacht festgestellt worden. «elf und DiskutierNub»Karl Marx-. Heu!« abend 8'/, Uhr bei Greulich, Utrechterstr, 9: Sitzung, Gäste willkomnien. Sozialdemokratischer Lese- und DiSkutierklub»Heine-. Heute abend 81/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbcrgstr. 8. Lese- und Tiekntierklub»Südost-. Heute abend 8'/, Uhr bei Tollsdors, Görlitzeestr. 58: Vortrag,_ Sozialdemokratischer ZlgitationSverein für de« Wahlkreis Aalau-Luckau. Wtittwoch, den 4. September, abcndS 8'/, Uhr: Monats» Versammlung bei Weihnacht, Grünstr. 21. «erliuer Marktpreise. Zlus dem amtlichen Bericht der städtischen Martthallen-Direktion.(Grohhandel,) Rindsteisäi 1» 70—72 vr, lvv Pitz,, lla 64-69. Iiis, 59-62. Bullenfleisch la 63—68, Ha 51—60, Kühe, fett 50—58, do, mager 40—43, Fresser 54—62, Bullen, dän, 52—63, do, Holl. 0,00. ktalbfleiich, Doppellendcr 100—115, Mastkälber la 73—82, IIa 64—71, Kälber ger, gen, 46—58, do, Holl, 0,00, dän, 0,00, Hammelfleisch Mastlämmer 78—30, Hammel la 73-77, Na 67-72, ungar, 0,00, Jchase 54—66, Schweinefleisch 62—67, Rehbock la Per Psund 0,65—0,85. IIa 0,30—0,60. Rothirsch la 0,50—0,57, do, IIa 0,00. Damhirsch 0,45—0,52. WUdschweine 0,30—0,43, Frischlinge 0,40—0,60, Kaninchen per Stück 0,50—0,90, Wildenten per Stück 0,75—1.65, Krickente»! Per Stück 0,00. Rebhühner, junge große 0,90-1,30, mittel», kleine 0,30-0,85, alte 0,65-0,85. Huhner, alle, per Stück 1,50—2,00, Na 1,20—1,40, do, junge 0,40—1,20, Tauben 0,30—0,62, italienische 0,00. Enten per Stück 1,50—2.25. do. Hamburger per Stück 2,10—3,00. Gänse per Psund 0,60—0,63, do, per Stück 2,00—4,00, do. Hamburger per Psd. 0,00, do, Oderbrucher per Psd, 0,00. Poulets per Stück 0,80—1,10. Poularden per Psd, 0,00. Hechte per 100 Psd. 115—116, do, matt 100—102. do, mittel und groß 100, do. klein 0,00, do, groß 87. Zander 0,00, Schleie, holländ. 0,00, do. groß, mittel 107, do. unsortiert 119—166, ilalc, groß 0,00, do, klein und mittel 0,00, mittel 94—101, do, unsortiert 75-87, do, groß-mittel 91—101, do, klein 60—68. Plötzen 0,00. Roddow 0,00. Karpsen, 60er— 80er, stumpf 0,00, do, 0,00. Bleie 76. Bunte Fische 44-87. varse 0,00. dito klein 0,00. Karauschen 0,00, do, klein 0,00. Weis 62. Bleifische 0,00. Slland 60—68. Quappen 0,00. Nmerikanischer Lachs la neuer, per 100 Pfd. 0,00, do. Na neuer 0,00, do, INa 0,00. Seelachs 0,00, Flmideiu, Kieler, Stiege la 2—6, mittel der Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, baloe Kiste 2—3, pornuu la Schock 9, Na 1—3. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3, Strals. 3,50—4,50, Bornh, 1,25. Aale, grog per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9, Schellsische Kiste 3—4,00, Kiste 1,50—2. Sardellen, 1902« per Anker 98, 1904« 98, 1905er 98, 1906« 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, vcr'/, To, 50— 120. Sardinen, rufl., Faß 1,50—1,60, Bratheringe Faß 1,20— 1,40, do. Büchse 14 Liter) 1,40—1,70, Neunaugen, Schockfaß 11, do, kleine 5—6, do. Niesen» 14. Krebse per Schock, große 27,50, do, mittelgr, 12—14 cur 8,50—10, do, kleine 3,50, do, unsortiert 5—7, Galizicr groß 0,00, do, unsortiert 2,40. Eier, Land», unsortiert per Schock 3,60—3,80, do, große 4,00. Butte, per 100 Psd, la 117-120, IIa 103-117. Uta 100-108, absaflende 90-95, Saure Gurken, neue, Schock 4,00, Pseflergurten 4,00, Kartofleln per 100 Psd, weiße runde 2,25—3,00, blaue 2,50—3,75, Rosen» 1,50 bis 2,50, Nieren» 2,50-3,50. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer» rettich, Schock 5—15, Spinal per 100 Psund 8—15. Sellerie, per Schock 2,00-8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 3,00-6,00, do. Perl» 40,00-75,00, Tbalotteu 50,00—75,00. Petersilie, grün, Schockbund 0.75—1,00, Kohlrabi Schock 0,75—1,25, Rettich, bayr,, neuer Stück 0,07—0,10, do, hiesiger Schock 3—4, Mohrrüben, per 100 Psurid 3,00 bis 5,00, Karotten, hiesige, schockbund 2,00—3,00. Wirfingkohl der Schock 4,00 bis 12,00, Rotkohl, Schock 6—12, Weißkohl 4—10, Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100, Stück 5—14. Kohlrüben, Schock 4,00—7,00, Petcrsilienwurzeln, Schockbund 3,00—4,00. Schoten per 100 Pfund 20—30, Pscsterlinge per 100 Psd, 3—8. Steinpilze per 100 Psund 25—30. Radieschen per Schockbund 0,50—1,00. Salat per Schock 1,50—2,00. Gurken, Einmache-, Schock 14—20, do, böhmische Schock 0,00, do, Liegnitzer Schock 3,00—5,00. Bohnen, grüne. 100 Psund 7—18. Wachsbohnen, per 100 Psund 5—20. Tomaten per 100 Psund 5—15. Blaubeeren per 100 Psd. 10—14. Johannis» beeren per 100 Pfd. 7—10. Preißeweeren per 100 Pst. 15—25. Kirschen, sau«e, 100 Psd, 10—12. Birnen, itak,, 100 Psund 14—40, Tiroler 25—40, hiesige 3—10, Salander 14—23. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd, 15—25, ital. in Kistchen zu 12 Stück 0,85—1,50, do. in Körben la per 100 Psd, 20—35, do, IIa in Körben per 100 Psd. 8—24. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, französ. 0,00. Aepsel, italienische, per 100 Psund 3—15, ung, 10—13, hiesige 3—10, Gravensteincr la 15—23, do, IIa 10—20. Pflaumen, ital,, per 100 Psund fi.OQ, Reineclauden 12—16, hiesige 8—13, ung, 6—15, Badener, Früh». 0,00, serb. 12—15. Weintrauben, franz., per lOOPsd, 14—20, italienische 15—20. Ananas I, per Psund 0,00, do, II 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 12,00-20,00, do, 360 Stück 10,00—18,00, do. 200 Stück, 10,00—14,00, do. 150 Stück 6.50 bis 9,00, Bananen, gelb, per 100 Psd. 20,00—22,00, grün 0,00, Melonen, per 100 Pfd. hiesige 26—35, ital. 12—18, franz. 0,00, Holl. 0,00, spanische 0,00, ungarische 10—12. WittcrungSübersicht vom 3. September 1907. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Frauks.a M München Wien Ii c a Sa Z« ? 5 B= 1 752 SSO 750 SW 754 SO 754 SW 1758 SSB ! 757 Still Bett« 5 bedeckt 4 bedeckt 1 bedeckt 4 bedeckt 2 Regen heiter » s c v - t» w:= Slattaveu LS Ii Ii S f Haparanda 1 759 WNW Petersburg 766 SSW Bell« Sctlly Abcrdeen Pari» 758 NNW 758 WNW 757 SW 2 wölken! 1 halb bd. 3 bedeckt 4 heiler Lwoltig *s E"• f* w a 7 9 15 6 18 Wetter» Prognose für Mitttvoch, de» 4. September 1907. Etwas kühler, vielfach bciter, jedoch sehr unbeständig mit Regenschauer» und frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Kaufhaus Max Mannheim G. m. b. H. Frankfurter Allee 109-110 Inventur- Ausverkauf In allen Abteilungen sind die meisten Artikel enorm herabgesetzt. Baumwollwaren Hemdentuch to"UgeQnÄ 28 30 35 45 pt. Elsasser Renforce 80/M«emr 38 45 50 53 pt Louisianatuch ÄVÄu 35 42 40 w. Louisianatuch 85 73 88 BettSatin gestreikt, eo/M cm breit.. 48 55 PI. BettSatin gestreift, Iio/ise cm breit. 78 95 Fl, Bettdamast es cm breit......... 68 80 n. Bettdamast uo/ue cm troit..... 95pi. V5 InlettS 80 cm breit............ 55 85 Pt 1� InlettS 128 cm breit...........|to J30 JTS Linon-Taschentücher..... vt--. I35 2'° Reinl. Taschentücher feuemÄ 226 325 Stubenhandtücher vreu....vts. 400 500 Jacq.-Stubenhandtücher.m«. 575 700 Küchen-HandtücherkoÄ 350 450 580 rv II T* Li." u 110X130 110X130 Servietten Drell-Tischtucher p p � z°o TiSChtÜCherHansmacber.Halblelnen 1 � 1 5 2� Servietten dazu pMsena.......... Dtzd.500 Kleiderstoffe u. Karos für Blasen u. Kleider fieinwoll. 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September, findet die Eröffnung ...... unserer bedeutend vergrößerten Geschäftsräume statt....... Unsere Grundsätze: Ir verarbeiten nur gute, reelle, ausgeprobte Stoffe. fr haben in sämtlichen Abteilungen enorme Auswahl. Ir achten auf tadellose Verarbeitung und guten Sitz. ir werden stets das Neueste zum Verkauf bringen. ir verkaufen zu billigen, aber streng festen Preisen. ir haben auf jedem Gegenstand den festen Verkaufspreis mit Zahlen vermerkt. Originalinserat! Nachdruck verboten. Knaben-Anzüge. Herbst-Paletots» Herbst-Anzllge. Einsegnungs-Anzuge. Große Auswahl in Stoffneuheiten des In- und Auslandes zur Anfertigung feiner Herren=Moden nach Maß unter Leitung erster Meister. Sämtliche Sachen werden in eigenen großen, der Neuzeit entsprechend eingerichteten Betriebswerkstäften angefertigt. Der immerwährende Praehl-Kalender— ist erschienen, auf Wunsch erfolgt Zusendung kostenlos. ) Von der Reise zurück Dr. Paul Cohnlieim Oranienburgerstr. 39. 65/1 Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PFiuzenslr.4!,„dXmtz, 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2— i. tep�decken (Ä VMW J billigst direkt in her WBWer Fabrik* 7». Wallstp. 72, wo auch alte Steppdecken ausgearbeitet werde». Bernhard Dtrohmundel, Sorliu S 14. Jllustr. Katalog gratis. Kevoliitloiisgefalir wegen liebonsmlttelmangel. Schlafen die Regierungen? Warnm greift die Presse nicht ein? Dm Wlrtsehaftablld der Gegenwart nnd der Knbnntt tat zu bezichen durch alle Buchhandlungen(Kommissionär: Otto Webe� Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volksausgabe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für daa Inland, Mk. 3.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in Würzburg versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte* Neubau„Arminhallen" Kommandantenstraßc 58150. Eröffnung Sonnabend, 5. Oktober 1907. Festsäle, bis 1100 Personen lassend, auch mit Bühne, an Sonnabenden und Sonntagen im Oktober, November, Dezember, Januar, Februar, März frei. 587352' Gebrüder Mielitz, SÄSiSsS Die Nchchnung iß die höGe Aiikilieiiming! Das ist unbestritten und wohl jedermann bekannt. Es muß also einleuchten, daß ein Fabrikat, welches Konkurrenten auf jede nur denkbare Art und Weise nachzuahmen versuchen, eine nachahmungs werte und somit hervorragende Qualität besitzen muß. Diese fortgesetzten Nachahmungen beweisen am allerbesten, daß nicht nur das Publikum, sondern sogar Konkurrenten Kathrewer als mustergültig anerkennen. Wir bitten alle Freunde des echten Kathreiner, nur den echten Kathreiner anzunehmen und alle Nachahmungen, die nur gemacht werden, um das Publikum zu täuschen, energisch zurückzuweisen. Wenn Ihr Kaufmann den echten Kathreiner nicht hat, dann schreiben Sie wegen Angabe von Kathreiner- Nieder- lagen an Klillireiiiers MlihkOc-Fabriktli,«.«t i. 5. Minilhc». 64/1 9t. 20«. 2* w« 3. Deilllge des Dmiilts" Kerliller WldsIllM.».ZtMwm?. Parteitag der SsMldemakratie SchlesVig-HolAews und des Fmstkntnlus liibelit-Eutin. Am zweiten Verhandlungstage wurde zunächst der Et a! für 1S03 festgesetzt. An Beiträgen der Vereine sollen nach dem Vor- anschlag 12 000 M. eingehen. Vom Parteivorstand in Berlin er- hofft man auch für dieses Jahr einen Zuschuß von 10 000 M. Die Gesamtausgabe ist auf 34 278 M. veranschlagt gegen 30 887 M. im vergangenen Jahre. Aus dem Bericht über die Presse ist ersichtlich, daß das Kieler Parteigeschäft einen erfreulichen Aufschwung genommen hat. Die Abrechnung für 1906 bilanziert in Einnahme und Aus- gäbe mit 286 33S M. Der Nettoüberschuß beträgt 23 158 M. Eni- sprechend der Ausdehnung deS Geschäfts mußten auch die technischen Einrichtungen erweitert werden durch Umbau des DruckereigebäudeS und Anschaffung einer Doppelrotationsmaschine zum Preise von 30 000 M. und einer Doppelschnellpresse zum Preise von 9000 M. Die„SchlcSwig-Holsteinsche Volkszcitung" erscheint gegenwärtig in einer Auflage von etwa 24 000. Wesentliche Einwände gegen den Inhalt deS Blattes werden nicht erhoben. Dann wird Stellung genommen zum Kommunal- Programm, das die sä Koe eingesetzte Kommission in einigen Punkten zu modifizieren bezw. zu ergänzen ersucht. In das Pro- gramm werden außer anderen Punkten die Forderung des Pro- portionalwahlrcchts und die WertzuwachSstcuer übernommen. In einer Resolution des Genossen Adler- Kiel ist die Taktik nieder- gelegt, von der sich die Genossen bei der Wahlbeteiligung leiten zu lassen haben. Der erste Teil der Resolution lautet: „Der Parteitag beschließt unter voller Aufrechterhaltung des Flensburger Beschlusses über die Beteiligung an den Kommunal- wählen die Aufforderung an die Genossen, den Kampf um die Eroberung der politischen Macht in den Gemeinden immer leb- hafter zu betreiben." Weiter heißt es in der Resolution, daß nur in Ausnahmefällen unter Zustimmung der hierfür vorgesehenen Instanzen Wahlent- Haltung stattfinden darf, daß zur Beteiligung an den Magistrats- Wahlen die Zustimmung der Instanzen erforderlich ist, daß sozial- demokratische Stadtverordnete in den PräsentationSkommissioncn nie für einen bürgerlichen Kandidaten eintreten dürfen, und daß kein Genosse ohne vorherige Zustimmung seines OrtSvereinS für den Magistrat kandidieren darf. Beschlossen wird, daß von den Einnahmen der Parteivereine 1V Proz. an die Agitationskommission abzuführen sind. Als Parteisekretär für den Agitationsbczirk wird Ge- nosse Bartels. Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, ein- stimmig wiedergewählt. Der nächste Provinzialparteitag findet in Kiel statt. Vittter Nerbandstag der Fleischer and Kervssgenossea Dentschluilds. Frankfurt a. M., 2. September 1907. Im Saale des hiesigen Gewerkschaftshauses wurde heute der vierte Verbandstag des Zentralverbandes der Fleischer eröffnet. 26 Delegierte sind vertreten. Vom Hauptvorstand ist der Vor- sitzende Honsel und der Kassierer K r a u s e-Berlin, vom Ausschuß Möller- Hamburg anwesend. Die Generalkommission der Gewerkschaften vertritt Rob. Schmidt- Berlin. Als Vor- sitzende werden M ö l l e r- Hamburg und K l u g e- Hannover gewählt. Zunächst werden die Geschäftsberichte erstattet. Vorsitzender H e n s e l und Kassierer Krause er- ganzen ausführlich den gedruckt vorliegenden Rechenschaftsbericht. Diesem entnehmen wir: Die verflossene Geschäftsperiode 1906/07 stand unter dem Zeichen der wirtschaftlichen Krise. Die Fleisch- teuerung und Viehnot hatte eine große Arbeitslosigkeit der Fleischcrgescllcn zur Folge. Die Fluktuation der Mitglieder war aus diesem Grunde sehr groß. Wenn auch derartige ungünstige i Verhältnisse naturgemäß auf das Wachstum der Organisation J einen großen Einfluß ausübten, so ist es doch gelungen, die Mit- 1 gliederzahl von 2296 auf 3 0 5 6 zu erhöhen. Durch diese Mit 1 gliederzunahme ist auch die Zahl der Mitgliedschaften in die Höhe gegangen. Einige kleinere Zahlstellen sind zwar durch den häufigen Wechsel der Kollegen verloren gegangen. Die Gesamtzahl der Verwaltungsstellen stieg jedoch von 35 auf 56. Der Verband hat sich dadurch zu einer Macht emporgearbeitet, mit der die Arbeit geber sowohl als auch die gegnerischen Gesellenvereinigungen ganz gehörig zu rechnen haben. Die Agitation war eine sehr intensive. Die Ausgaben hierfür steigerten sich enorm. Im vorigen Rechenschaftsbericht waren es nur 2134,40 M., heute 8164,64 M. Eine große Zahl von Broschüren wurde unter die Mitglieder gebracht. So in 5000 Exemplaren die Broschüre der Kommission zur Beseitigung des Kost- und LogiszwangeS beim Arbeitgeber. Daneben hat das Ver- bandSorgan„Der Fleischer", das an Ausbreitung sehr zugenommen hat, bei der schriftlichen Agitation sehr gute Dienste geleistet. In finanzieller Hinsicht hat der Verband ebenfalls recht er- freuliche Fortschritte gemacht. Der Kassenbericht zeigt eine Steige- rung der Einnahmen von 42 306,56 M. in der vorletzten Geschäfts- Periode auf 78 395,47 M. im Berichtsjahre. Gewiß ein achtung- gebietender Fortschritt. Die Ausgaben betragen 66 211,47 M., so daß ein Bestand von 12 184,02 M. vorhanden ist. Für Streiks und Boykotts wurden 8054,71 M., für Unterstützungen 1925,91 M., für Rechtsschutz 1362,03 M. verausgabt. Die Generalkommission gab bei zwei größeren Streiks je 1500 M. Zuschuß. Lohnbewegungen und Streiks sind genügend zu verzeichnen. ES handelte sich bei diesen meist um Beseitigung von Mißständen oder um Einführung von Tarifverträgen. Zum Teil endigten diese Bewegungen mit Erfolg, teilweise zeitigten sie einen sehr harten und andauernden Kampf, in dem seitens einiger GeWerk- schaftskartclle Boykotts verhängt wurden. Mit den statistischen Erhebungen der Reichsregierung über die Arbeitsverhältnisse im Flcischergewerbe beschäftigte sich der Hauptvorstand wiederholt. Der sozialpolitisch rückständige Stand- Punkt des Beirats für Arbeiterstatistik und das Gutachten des kaiserlichen Gesundheitsamtes lassen leider nicht darauf schließen, daß gesetzliche Bestimmungen gegen die unendlich lange Arbeits- zeit geschaffen werden. Der Verband veranstaltete dagegen Protest- Versammlungen.— Vorsitzender Hensel beklagt sich im Laufe seiner Ausführungen, daß viele Gewerkschaftskartelle dem Verbände leider ein geringes Entgegenkommen zeigen. Es wäre doch Aufgabe der Gewerkschafts- kartelle, kleinere Organisationen nach Möglichkeit zu unterstützen. Er übt ferner scharfe Kritik an einzelnen Kollegen und Verbands- beamten. In vielen Verwaltungsstellen hätten bessere Fortschritte gemacht werden können, wenn die Kollegen intensiver gearbeitet hätten. Den Bericht der Presse gibt ebenfalls Hensel. Die Redaktion sei ebenfalls bemüht, selbständig zu arbeiten, doch wäre cS sehr wünschenswert, daß die Kollegen die Redaktion mit Berichten mehr unterstützen. Aus finanziellen Rücksichten könne er die Anträge, das Verbandsorgao Wöchentlich erscheinen zu lassen, nicht unterstützen. Möller- Hamburg gibt den Auöschußbericht: Zwischen dem Ausschuß und dem Hauptvorstand herrscht ein etwas gespanntes Verhältnis. Größere Auseinandersetzungen zwischen Vorstand und Ausschuß ergab die von Mannheim be- antragte Anstellung eineS Gauleiters. Schließlich stimmte der Ausschuß der Anstellung des Gaubeamten zu. obwohl der letzte Verbandstag in Leipzig dies ablehnte. Ueber die Differenzen der Ortsverwaltung Hamburg mit dem Konsum-, Bau- und Spar- verein Hamburg soll der Verbandstag entscheiden. ES folgen nun die Begründungen der Anträge zu den Geschäftsberichten. München, Karlsruhe beantragen wöchentliches Erscheinen deS Verbandsorgans; Hamburg und Mannheim Ausbauung desselben. In der Nachmittagssitzung eröffnet der Vertreter von Mainz die Generaldebatte: Mit der Tätigkeit des Hauptvorstandcs ist er voll einverstanden. Die Agitationstouren hatten gute Er« folge gezeitigt. Bei Bestätigung der Vorstandsmitglieder müsse der Hauptvorstand mehr Vorsicht üben. Das Verbandsorgan solle ausgebaut werden. Gauleiter FlischkowSki- Frankfurt a. M. verteidigt sich gegen die Kritik des Hauptvorstandcs, die an seiner Tätigkeit gc- übt wurde. Er sei mit der langsamen EntWickelung des Verbandes auch nicht zufrieden, aber man müsse mit den bestehenden Ver- Hältnissen rechnen. Die ticftraurigcn Verhältnisse, die lange Arbeitszeit sei schuld an der Gleichgültigkeit der Kollegen. Da könnten nur langsam Erfolge erzielt werden. Wenn er die Klein- arbeiten im Gau selbst erledigen solle, dann müsse die großzügige Agitation darunter leiden. Die Kollegen müßten ihn mehr unter- stützen, dann könne er eine größere Tätigkeit entfalten. Er habe vollauf Arbeit gehabt und sei sich auch bewußt, seine Pslicht getan zu haben. Die Form der Kritik des Hauptvorstandes gegen die angestellten Beamten sei nicht berechtigt. Bergmann- Berlin polemisiert ebenfalls gegen die AuS- führungen des Hauptvorstandes den Gauleitern gegenüber und übt Kritik an der Tätigkeit des Hauptvorstandcs.— Die Ausgabe von Sammellisten bei größeren Aktionen müsse auch ferner bei- behalten werden, bis die Organisation finanziell gekräftigt sei. In dem„Fleischer" müßten mehr belehrende Artikel, besonders sozialpolitischen Charakters, stehen. Im Gegensatz zu dem Re- dakteur Hensel sei er der Meinung, daß Schriftsteller zur Mitarbeit herangezogen werden sollen. Der Inhalt des VerbandSorganS müsse zum Teil ein anderer sein. Der„Fleischer" solle mit dazu beitragen, die Kollegen zu klassenbewußten Arbeitern zu erziehen. Für die wöchentliche Herausgabe deS„Fleischers" könne er aus finanziellen Gründen nicht stimmen. Der Karlsruher Delegierte ist mit dem Geschäftsbericht des Hauptvorstandes im allgemeinen einverstanden; er befürwortet die Anträge aus wöchentliches Erscheinen des Vcrbandsorgans. Der Vertreter aus Offenbach bespricht eingehend die Ver- Hältnisse in Süddeutschland und schließt sich den Vorschlägen Berg- mann- Berlin bezüglich der Presse an. M ül l er- Hamburg bespricht eingehend die Differenzen mit dem Konsumverein Hamburg; er könne die Stellung des Hauptvorstandcs in dieser Sache nicht billigen. In demselben Sinne spricht B o ck s ch- Hamburg. Für das 8scitige Erscheinen deS VerbandSorganS sprechen Schäfer und K o h l e r- Hamburg. Der Delegierte aus Lübeck führt auS: Die Organisation sei fortgeschritten trotz Erhöhung der Beiträge. Da wir den Acht- stundentag fordern, könnten wir von den Beamten nicht verlangen, daß sie schließlich 15 Stunden arbeiten. Der„Fleischer" solle mehr sachwissenschaftliche Artikel bringen. Fischer. Mannheim legt die Verhältnisse in Mannheim dar. F i e d l er- Dresden: Die Quartaisabrechnungen sollten auS taktischen Rücksichten künftig nicht mehr im„Fleischer" veröffent- licht werden. Wasserst andS-Nachrichten der Landisanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m- l, TUfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe. Schrimm . Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel Mer-Wochen-Commissionj I e I I b) 2 Pfd. Ia. Kochzucker ä 9 Pfg..... M. 0.18 b) I Pfd. Ia. Würfelzucker......... M. 0.13 o) 2 Pfd. Ia. Tafclsalz ä 5 Pfg...... M. 0.10 d) 10 Schachteln Schweden Ia....... M. 0.05 e) I Pfd. Ia. Tafel-Rang.-Reis....... M. 0.10 f) I Pfd. Ia. Kaiser-Auszug-Mehl..... M. 0.15 g) 2 Wassergläser Ia. Tafelmostrich i. 88. oa. 1 Pfd. Inhalt, oder Vs Pfd. mag. SstCCk M. h) Vi Pfd. extrafeine Tafel-Butter..... M. oder 1 Pfd. Ia. Bratenschmalz i) 1 großes Brot.............. M. 0.45 k) I Pfd. Ia. Eierschnittnudeln...... M. 0.38 i) 1 Pfd. gebr. Kaffee D. w. b. v. B.-Mischung M. 1.20 m) I Dose Marmelade, netto 1 Pfd. ä 0.60— M. 0.60 Früchte nach Wahl 0.44 0.65 oder für Vj Orig.-Pfd.- Dose Kakao..... 1.50 oder Vi Original-Pfund IT. cbln. Tee...... 1.50 oder 10 St. lilllonnillch- Seife(extraf. Toil.-Seif.) 1.50 od. ViDose ca. 500Gr. Ia.Rou- vicr frör. 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Freitag, den 6. September 1907, abends 8Vs Kljr, bei Freyer, Koppenßr. 29: Qeneral-¥ersamiiilong für füu»t!iche Kerlrüe und Zahlstellen der Maurer, der Sektion der Putzer» der Gips-«. Zementkranche» sowie der Fliesenleger. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Benchtcrstatwng vom 9. Verbands- tage. 9. Verschiedenes. 143/2» Mitgliedsbuch und Streiklegitimationskarte legitimieren. Ohne dieselben kein Zutritt. _ Die Verbandsleitung:. 259/10* Tagesordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Der Borstand. Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands Filiale Berlin II. Mittwoch, den 4. September, abends 8 Uhr, im»Englischen Garten-, Alexanderstraste 37 o: AuOerordentliche Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: Der gegenwärtige Stand unseres Streiks.— Mit karte legitimiert. gliedsbuch oder Kontroll. 180/20 Der Vorstand._ Zentralverband der Lederarbeiter, Filiale I. Berlin. Donnerstag, den 5. September, abends 8 Uhr: Utitglieder-Versammlnng im„Marienbad", Badstraste SS. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Beratungslommission zur Einsührung der Erwerbslosen- Unterstätzung. 2. Vorstandsbericht. 3. Abrechnung vom Sommersest. 4. Vercmsangelegciiheitcn und Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches, aber auch pünktliches Erscheinen aller Psiicht. 144/4_ Der Vorstand. N EUES TOHRiWSTlEB-ORGHESIE Alte Jakobstr. 65, 1 DIRIGENT: FRANZ KOllFELDER Alle Jakobstr. 85, 1 Konservatorium für alle Zweige der Musik Musik In Jeder Besetaung m Bestellungen zeitig erb. 1 Automaten. Geld-Automat.Cito', sichtbares Geld, 10 Pf. Einwurf. 45 Marl.— Geld-Automat.Primus-, sichtbares Geld oder Marken, 5 Ps. Einwurf, 80 Mark.—.Piccolo-, intereflantcS Gcschicllichkcitsspiel, 50 Mark. I.e« Henken, Automatensabrik, 2866&• Köln. Mcllteftrafee 123. ß Haben Sie Stoff? re davon A mag od. Paleioi ass, schick, daitcrk. von 20 Mark an. Moritz Lab and, Orcnienburgtr Strasse 4, ?> Paletot 1 Zutaten,| .nbänd,] t�ry Orts- Krankenkasse Tempelhof. tv. Nachtrag zum Statut der Gemeinsame« Lrtskrnnkeiikasse für Dempelhof und Snscnheide 13. 12. 1868 4. 8. 1899 Beschloflen w der Generalversammlung vom 29. April 1907. § 14 erhält folgende Absätze 5 und S. .Der Vorstand ist berechtigt, mt dem Einverständnis des erkrankten Kassciimitgliedes sür diese« Aus- enthalt in einer Erholungsstätte zu bewilligen. In diesem Falle können dem überwiesenen Kassenmilgliede neben dem vollen Krankengelde und freier ärztlicher Behandlung und Arznei der Betrag des Fahrgeldes — Eisenbahnlarte und Fahrschein der Strasicnbahn— von und nach der Erholungsstätte, sowie die Kosten des in der Erholunnsstättc zu ver» absolgcnden Mittagessens aus Kasten- Mitteln gewährt werden. Die Zahlung der Kosten sür Mittagessen kann an die ErholungS- stätte setbit ersolgen.- Tempclhos. den 29. April 1907. Der Borstand dergcmcinrnnicnOrtSkrankenkassi für Dempelhof und Hasenheide. (ggez) Kunze. Kromm. Glieg. Ganzer Müller. (A. 1586— 5.)(B. 5862.) Genehmigt. Potsdam, den 5. Juni 1907. (L. S.) Namen« des BezirkSauSIchusteS Der Borsihcude. In Vertretung: Joachimi. (B. 5882.) 276/3 Besiaiiraol„Hungriger Wolf" Slraasiem II. Herrlich an Wald und Wasser gelegen.— Xanzfaal, Kegelbahn. === Kaffeeküchc.===== ES ladet die geehrten Ausflügler, Vereine und Radfahrer crgebenst«in 66%* l'anl Carow. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme- stellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition. Lindcnstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche niilFarbenseblernFabrik» Niederlage Oirobt FraiifiurlerNrntze 9, parierte kein Laden. 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September niederzulegen. man der Expedition dieses Blatte» bis * Hnnabme-Stcllen für„Kleine Hnzeigen". Zcntrnm: Fritz Zinke, Mauerstr. 89. A. Hahnisch, Augustsk. 50. ÜV�esten* G. Schmidt, Bülowstr. 52. Osten: W. Mann, Petersbnrgerplah 4. St. WcnaclS, RüderSdorferftr. gl Gustav Bogel, Koppcnstr. 83. Nordosten: S. Zucht, Keibclstr. 42. I. Renl, Barnimstr. 42. Kordon: H. Raschke, Ackerstr. 36. F. Trapp, Stettinerstr. 10. Karl MarS, Lychenerstr. 123. Karl Wciste, Nazarethkirchstr. 49. L. Dechand, Ruheplatzfir. 24. H. Bogel, Lorpingstr. 87. 21. Tietz. Jnvalidcnstr. 121 KorUsvestcn: Karl Anders, Salzwedelerstr. 3. W. Schrolle, GohlowSkystr. 29. SUdsvcBtcn: Werner, Gneisenaustr. 72. Schröder, Hagclbergerstr. 27, Süden: St. Fritz, Prinzenstr. 3l. F. Gutschmidt, Koilbuser Damm 3. t�Udouten: Panl Böhm. Lau fitzer Platz 14/15. P. Harsch, Engel-User 15. Charlottenburg: G. Schernberg, Sesenheimcrstr. t Erledrlchsbcrg: O. Seikel, Kronprinzenstr. 50. Klixdorf: M. Heinrich, Neckarstt. 7. Conrad, Hermamistr. 50. Bninmelshnrg: A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 58. Gehiineherg: WilH.Bäumler.MittlittLulHerstr.öl. �H-'elllen«ee: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Jul. Schillert, König-Chaussee 39» Belnlekendorf: P. Gnrsch, Provinzstr. 103. Dreptosv: R. Gramenz, Kiesbvlzslr. 412. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.