Nr. 310« 24* Jahrg. a x avavAx �5� Wf llb«nnem-! W W Mf WZ a ü-KSgt für die ,°chSg°s»>-It°ne K°l°n-I. W-rteljihrl. Z.Z0 m., monatl. 1,10 Ml. WA W> MW �A WA // W WZ DA W N Wf 8clIe oder deren Raum m Psg„ für wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus, JIh L-flKW I£9 M WD WD W W> WD MW WW f/ H P* �W�WP�r politische und gewertschaftliche Vereins. Einzelne Nummer 5 Pfg, Honntags- �BSSi I I CJKB j EM BM WA>W MM UM t A. W> Wfl p"— y/ und VersammIungS-Anzeigen 30 Pfg. Nummer mit illustrierter Sonntags. MMW I'PWSi! H H H H H W» DA DD>W W) B WH i //„KKlne Hnzelgtn". das erste(fett. Ä��e-DieN-ue Welt 10?ffl.Voft. WW j[H BB DD B DD B WM M M gedruckte, Wort SO Psg„ jedes weiicre ' w MeSßost" Bdiiingsi■ M M M. IP| M ü M■ Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf. Preisliste. Unter Kreuzband für■B W Bl«LV �WyWW��� MtU.X W �V/B stellen-Anzeigen das erst- Wort 10 Psg.. Deutschland und Oesterreich- Ungarn �W I �W l �/ �B9v\ WM\ yy WM jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 2 Marl, für das übrige Ausland-J S is Buchstaben zählen für zwei Worte. 3 Marl pro Monat. Postabonnements Bfe■—- ,1 //- BW. Inserate für die nächste Nummer müssen ?Ä1! PnÄnr��l' e&A vis s Uhr nachmittags in der Expedition LSZS«?,-« m'C,SÄ»Ä""" c««..«» äs». Zcntralorgan der rozialdcmohrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Nochmals Sozialdemokratie und Kolonialpolitik. In der Debatte über die Kolonialpolitik in und nach Stuttgart hat sich soviel Unklarheit gezeigt, daß es notwendig ist. wenigstens die schlimmsten der Mißverständnisse richtig- zustellen. Einer der schlimmsten Fehler war es. die Kolonial- Politik der verschiedensten historischen Pe- rioden unterschiedslos durcheinander zu werfen. So sprach Bernstein den unglaublichen Satz aus, der dann erstaunlichcrweise von anderen adoptiert wurde, daß eine prinzipielle Verwerfung der Kolonialpolitik schließlich darauf hinauslaufen müsse, den Indianern Nordamerika zurückzugeben. Mit derselben Logik könnte man sagen: wenn ihr den Kapitalismus prinzipiell bekämpft, müßt ihr die ganze kapitalistische EntWickelung ungeschehen machen! Einer der Hauptvorzüge des wissenschaftlichen Sozialismus ist sein hi st arisches Denken. Er betrachtet deshalb den Kapitalismus als das notwendige Durchgangsstadium zum Sozialismus. Gleichwohl bekämpft der Sozialismus prin- zipiell den heutigen Kapitalismus, dessen Existenzberechtigung er verneint, dessen Umwandlung in die sozialistische Gesell- schaftsordnung er mit allen Kräften anstrebt. Allerdings sind ja auch innerhalb der Sozialdemokratie vereinzelte Genossen aufgetreten, die die sonderbare Auffassung vertraten, die Sozialdemokratie dürfe die Sozialisierung der Gesellschaft nicht allzu sehr zu beschleunigen suchen, der Kapitalismus müsse sich erst noch viel gründlicher ausleben. Die Partei in ihrer ungeheuren Ueberzahl hat jedoch diese Auffassung stets verworfen und den Standpunkt vertreten, daß der Kampf des Proletariats gegen den Kapitalismus gar nicht intensiv genug betrieben werden könne, und daß alle irgend möglichen Mittel angewandt werden müßten, um die Ucber- Windung des Kapitalismus nach Möglichkeit zu beschleunigen! Wenn die Sozialdemokratie zur Kolonialpolitik Stellung nimmt, so kommt für sie nur die heutige Kolonialpolitik in Betracht. Die Kolonialpolitil der Vergangenheit dagegen nur' insofern, als auch an ihr der ausbeuterische, barbarische Charakter der Kolonialpolitik nachzuweisen ist. Aber für die Kolonialpolitik der Vergangenheit läßt sich immerhin geltend machen, daß sie zur Ausbreitung des Kapitalismus notwendig war, daß weite Gebiete der ge- mäßigten Zone die Möglichkeit boten, den vorgeschrittensten Nationen und Rassen Expansionsmöglichkeit zu gewähren, un- geheure Gebiete für die Auswanderung zur Verfügung zu stellen. Aber diese Bedeutung kommt den heutigen Kolonien nicht mehr zu. Diejenigen Länder der gemäßigten Zone, die für die Auswanderung früher einmal in Frage kamen, sind läng st aufgeteilt: Amerika, Mittelasien. Australien. Diese Länder sind auch längst keine„Kolonien" mehr, sondern entweder Provinzen oder selbständige, un- abhängige Staaten, die mit dem Mutterlande entweder über- Haupt nicht mehr oder doch nur in loser, föderalistischer Vor- bindung stehen. Kolonien als Siedelungsgebiete existieren nicht mehr; die heutigen Kolonien sind nur Aus- beutungsobjekte für unsere Kapitalistenklasse. Und so wertvoll sie für unsere kapitalistischen Kolonial- ausbeuter sein mögen: für die Entfaltung des Kapitalismus im ganzen kommen sie nicht in Frage! Van Kol hat das ja für Holland auch zugegeben, und Bern- stein hat erst letzter Tage in Breslau erklärt, daß auch England im Grunde besser führe, wenn es seinen oft- indischen Kolonialbesitz los wäre I Es steht also außer Frage, daß die EntWickelung des Kapitalismus heute der Kolonien nicht mehr bedarf. Nur gewisse Kapitalistenschichtcn ziehen aus der heutigen Kolonialpolitik einen Vorteil, und weil diese Schichten die herrschenden sind, betreiben die Nationen die heutige Kolonialpolitik, die für die beherrschten Eingeborenen Versklavung und un- erhörte Ausbeutung und für die Kolonialpolitik be- treibenden Nationen selbst ungeheure Opfer für Kolonial- kriege, Eiseubahnbauten, Flottenrüstungen usw. bedeuten I Man sollte meinen, daß es unter solchen Umständen keinen einzigen Sozialdemokraten geben könnte, der die heutige Kolonialpolitik nicht grundsätzlich verwürfe! Das ist jedoch keineswegs der Fall! Hat doch zuni Beispiel Bernstein ausdrücklich erklärt, daß die Sozialdemokratie sich mit der Kolonialpolitik abfinden und den Gedanken aufgeben müsse, die Kolonien zu verkaufen. Nun hat man, um' das sonst Platterdings Unbegreifliche begreiflich zu machen, zlvei Argumente zugunsten der Kolonial- Politik vorgebracht. Erstens die Behauptung, die Produktiv- kräfte aller Länder müßten erschlossen werden, und zu dem Zwecke müßten auch die heutigen Kolonien die Etappe des Kapitalismus durchlaufen. Dagegen ist zweierlei zu sagen: erstens bedarf es zur kapitalistischen Entfaltung wirtschaftlich rückständiger Länder nicht der Kolonialpolitik, denn gerade die wichtigsten Länder, China und Japan, stehen im Begriff sich a u s s i ch s e l b st heraus infolge des Handelsverkehrs zu kapitalistischen Ländern zu entwickeln. Zweitens dürften die eigentlich tropischen Länder überhaupt nicht für den Sonntag, den 8. September llW7. Jndustrialismus zu erschließen sein, der doch das .eigentliche Wesen des modernen Kapitalismus ausmacht. Die Erschließung der Produktivkräfte dieser Länder aber ist erstens für die heutigen kapitalistischen Staaten keine Lebensfrage, und zweitens würde sich diese allmähliche Erschließung auch ohne die brutale Bevormundung und Knechtung der Eingeborenen vollziehen lassen. Aber das nur beiläufig: denn die Sozialdemokratie hat wichtigere Aufgaben, als sich über weltpolitische Endzielfragen, die man wundersamerweise gerade bei der K o l o n i a I p o l i t i k in den Vordergrund schiebt, einstweilen den Kopf zu zerbrechen! Ebenso wenig Kopfzerbrechen und moralische Skrupel braucht sich die Sozialdemokratie auch darüber zu machen, was besser sei: die kapitalistische Kolonialpolitik mit ihrem endlosen Blutvergießen und ihrer Knechtung der Eingeborenen, oder die Barbareien, die unter den kulturell rückständigen Rassen an der Tagesordnung sind. Wenn es für die Sozial- demokratie keine brennendere Frage gäbe, wenn sie nichts Wichtigeres und Näherliegendes zu tun hätte, könnte sie ja über diese in der Tat nicht leicht zu be- antwortende Frage diskutieren. Aber die Sozialdemokratie ist doch keine ethische Gesellschaft, sondern die Partei des proletarischen Klassenkampfes, für die es kein wichtigeres und aktuelleres Problem gibt, als das der möglichst raschen Ucberwindung des Kapitalismus. Oder ist die Frage der Befreiung des modernen Proletariats aus den Fesseln kapitalistischer Knecht- schaft etwa minder wichtig, als die der kulturellen Hebung der afrikanischen Schwarzen? Denn die als Lohndrücker für Arbeiter weißer Rasse in Frage kommenden Mongolen kommen ja für die K o l o n i a l- Politik gar nicht in Frage; dies Problem ist völlig eine Frage für sich! Wir haben also gesehen, daß es für die Sozialdemokratie nicht einen einzigen Grund gibt, die heutige Kolonialpolitik nicht mit aller prinzipiellen Schärfe zu be- kämpfen! Dafür gibt es aber unzählige Gründe von erdrückendem Gewicht, die eine solche prinzipielle Be- kämpfung der modernen kapitalistischen Kolonialpolitik geradezu zum ersten Gebot des sozialistischen Proletariats machen I Der schlimmste Feind des proletarischen Emanzipations- kampfes ist der Militarismus, sowohl der Militaris- mus als Institution, als auch die ganze militari st ische, imperialistische, chauvini st ische Welt- anschauung! Militarismus und Chauvinismus aber .ziehen aus der Kolonialpolitik, der Weltpolitik ihre stärksten Kräfte. Es ist doch ein Axiom des Sozialismus, daß die Weltpolitik heute die Ursache der ganzen Völkerverhetzung, das Motiv alles marinistischen Wettrüstens ist. Diese „Weltpolitik" aber entspringt zur Haupt- fache der Kolonialpolitik. Der Kapitalismus, der sich ja durch die Zollpolitik, die ihrerseits Folge wie Ur- fache der Kolonialpolitik ist, selbst künstliche Schranken für seine Entfaltung errichtet, sucht sich durch koloniale Aus- beutungs- und kapitalistische Anlagemonopole schadlos zu halten. Dieser koloniale Wettbewerb begünstigt dann wieder die Zollabsperrungspolitik. Ein ewiger Kreislauf k a P i t a l i st i s ch e n W i d e r s i n n s! Diesen kapitalistischen Widersinn gilt es zu bekämpfen! Als Zollpolitik wie als Kolonialpolitik! Zugleich aber ist an die Wurzel des Kapitalismus, die Institution des Privateigentums, die Axt zu legen! Dieser prinzipielle Kampf ist so schwer, erfordert ein solches Aufgebot aller Kräfte, daß darüber die Frage der s o z i a l i st i s ch e n Erschließungspolitik Afrikas wahrhaftig einstweilen aus der Debatte ausscheiden kann! � Das für den Sozialismus Notwendige ist dagegen die schärfste prinzipielle Bekämpfung aller Kolonialpolitik, die ja nur ein Mittel ist, den proletarischen Befreiungskampf aufzuhalten! Hätte die Sozialdemokratie die Mächt, die Abschaffung der Kolonien durchzusetzen, so wäre es ihre unweigerliche Pflicht, der kapitalistischen Kolonial Politik einEndezumachen. Da sie zurzeit leider diese Macht nicht hat, gibt es für sie nur das Mittel des prinzipiellen Protestes und der nachdrücklichsten Bekämpfung aller imperialistischen Propaganda der bürgerlichen Parteien. Daß daneben die Sozialdemokratie auch die Pflicht hat, die Barbarei der K o l o n i a l p o l i t ik nach Kräften zu mildern, versteht sich so sehr von selbst. daß darüber innerhalb der Partei niemals irgend welcher Streit bestanden hat. Und es war nur natürlich, daß die- jenigen, die— als Radikale— den Imperialismus am nach- drücklichsten bekämpften, sich auch mit den kolonialen Scheuß- lichkeiten am eingehendsten beschäftigten— sowohl aus humanitären Gründen, als auch um die Kolonialpolitik an den Pranger zu stellen! Eine arge Täuschung freilich wäre es, sich einzubilden, selbst die nachdrücklichste Geißelung kolonialer Barbareien und Ausbeutungspraktiken vermöchte am Charakter der kapitali- stischen Kolonialpolitik etwas Wesentliches zu ändern. Dazu reicht unser Einfluß leider nicht weit genug! Deshalb ist immer wieder zu betonen, daß die prinzipielle Ablehnnng»nd Bekämpfung der Klolonialpolitik selbst allezeit die w i ch t i g st e Aufgabe des Sozialismus sein muß! Wir sind trotz aller Mißverständnisse, die in Stuttgart zutage traten, der festen Ueberzeugung, daß dieser Stand- Expedition i SM. 68» Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Punkt der der überwältigenden Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie nicht nur, sondern des i n t e r n a t i 0- n a l e n Sozialismus ist. Wenn aber Mißverständnisse ob- walten, wenn gar Ansichten, wie die von B e r n st e i n und van Kol vertretenen überhaupt geäußert werden konnten, so ist es die Pflicht der Partei und der Parteipresse, diesen Eigenbrödeleien gegenüber mit doppelter Klarheit und Entschiedenheit den prinzipiellen Standpunkt der Sozialdemokratie zu vertreten! Zum Aahlrechtztzampf. Arbeiter und Dreiklassentvahlrecht. „Die liberalen Parteien werden nicht nur bezügliche Anträge im Abgeordnetenhause respektive Reichstage zu stellen haben, sondern ihre führenden Köpfe müssen zum Volke herabsteigen, in ganz Preußen Bersammlungen arrangieren mid eine Wahlrechtsaktion größere» Stiles in die Wege leiten." „Düsseldorfer Post". Wochenblatt der rheinisch-west- fälischen Gewerkvereine H.-D. „Deswegen wollen wir schreien, schreien und immer wieder schreien, bis die Regierung, wenn es sein muß, auch gegen den Willen der tonservativ-Iiberalen Mehrheit, eine gründliche Reform des elendesten aller Wahlsysteme vornimmt." „Die Arbeit", Organ des nationalen Arbeiter-Wahlaus- schusseS, des Verbandes der evangelischen Arbeitervereine von Berlin und Umgegend(christlichsozial). „Soll das Landtagswahlrecht in demokratischem Sinne aus- gestaltet werden, dann muß das preußische Boll in eine offene und klare Agitation dafür eintreten." „W e st d e u t s ch e A r b e i t e r z e i t u n g". Organ des Ver- bandcs katholischer Arbeitervereine Westdeutschlands. Werden die bürgerlichen Parteien dem Rufe der Arbeiter folgen, zu ihnen„herabsteigen" und eine offene und cnt- fchiedene Wahlrechtsagitation einleiten? Ein Aufruf an die Gewerkschüftsgenossen. Der„Proletarier", das Organ des Zentral- Verbandes der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und-Arbeite- rinnen Deutschlands, widmet der Wahlrechtsfrage einen treff- lichen Leitartikel. Es heißt darin einleitend: „Eine für die gewerkschaftliche Weiterentwickelung und damit für das materielle und geistige Wohl der Arbeiterschaft hoch- bedeutsame Angelegenheit ist zurzeit in den Vordergrund der öffentlichen Diskussion gerückt. ES ist die Frage deS LandtagswahlrcchtS. Um die Wichtigkeit dieser Frage für die gewerkschaftliche Be- wegung darzutun, ist nur notwendig, darauf hinzuweisen, daß der Landtag dasjenige Parlament ist, welches bisher allen Kultur- forderungen zum Hohne die Ausnahmebestimmungen gegen die Landarbeiter hartnäckig verteidigt, die Gesindeordnung aufrecht- erhält, dem die Berggesetzgebung untersteht und das über die Arbeitsverhältnisse in den Staatsbetrieben bestimmt und trotz des bestehenden Koalitionsrechtcs allen StaatSlohnfrondern dieses Recht verwehrt. Das Urteil darf man nach den gemachten Er- fnhruiigen fällen: der preutzische Landtag, in seiner bisherige» Zusammensetzung, lätzt eine mit den anderen Organisationen gleichwertige Organisation für Landarbeiter und Gesinde nicht aufkommen, an dem reaktionären Wall dieser Institution finden alle Kultur- wellen den stärkste», rrbittersten Widerstand." Es wird dann dargetan, wie gerade die noch in bürgerlichen Lagern befindlichen Arbeiter aufgerüttelt werden müssen: „Wollen die ch rist l i ch e n G e w er k s ch a ft e n sich nicht mitschuldig machen an der vom Zentrum und von den als Arbeiter- Wahlausschutz markierten Nationalliberalen inszenierten Ver» räterei unzweifelhaft wichtiger GewerkschastS- int er essen, dann gibt es keine Wahl, dann müssen sie hinaus aus d e m W i n k e l st i l l e n Z u s ch a u e n s, dann habe» sie mit aller Macht für die Eroberung deS allgeiiicinc», geheimen und gleichen Wahlrechts für Preußen einzutreten. Wer in diesem Kampfe versagt, hat offenkundig Gewcrk» schaftsinteresscn verraten. Darum, Kollegen, fordert die Christ» lichen heraus: Farbe sollen sie bekennen!" Ohne Zweifel werden in nächster Zeit alle Gewerkschaften blätter derart Fanfare blasen. Sache der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ist es dann, dem Aufruf einmütig Folge zu leisten! Vorwärts zum Wahlrechtskampf l Ein Hofrat gegen die Klapperbeinigen! Der Hofrat C. Aldenhoven in Köln schreibt im „Berliner Tageblatt: „Unser verehrter Freund Pachnicke redet von Vernunft und Leidenschaft. Am allerun vernünftigsten aberscheint mir, datz man eine Volksbewegung mit Diplom atisieren be- ginnen will. Das Reichswahlrecht ist verständlich, denn eS ist gerecht. Sobald man aber mit der Phrase Bildung und Besitz das plutokratische Prinzip wieder hineinbringt, wird man niemand mehr für dieses gefälschte Recht begeistern. Die Sache liegt ernster als Pachnicke annimmt. Wenn der Freisinn jetzt auch, noch in der Wahlrechtsfrage unsicher wird, ist die nächste Generation der Arbeiter für uns verloren und gehtzu der S ozialdemokratie über. Auch auf religiösem Gebiete gilt für uns Liberale einzig und allein der nationale Gesichtspunkt, und da sind die„antinationnlcn Parteien" zweifellos die preußischen Nationalliberalen und die Konservativen unter Führung deS Fürsten Bülow ' denn sie haben daS unheilvolle Gesetz gegeben, das unsere preußische Volksschule nach der Konfession ge- spalten hat. Und da sagt Pachnicke, wir brächten kein Opfer deS Intellekts, wenn wir mit solchen Politikern zusammengehen I Wenn ich mich darauf besinne, daß man auch nur die Zumutung an meine Partei stellt, eine N e g i e r n n g zn unterstützen, die jeneS Gesetz und den räuberischen Zolltarif durchgeführt hat, so schäme ich mich. Mir scheint daS ein ungeheueres Opfer. Und wofür bringen wir es?... Und wenn man uns sagt:.Ihr dürft nicht schreien, ihr sollt nicht auf die Straße herabsteigen!" so antwortet das Volk:„Am liebsten redeten wir auch ruhig und verständig im hohen Hause der Abgeordueten, aber wenn man uns dort die Türen schließt, wenn die Stimmen der wenigen, die dort unseren Willen vertreten, vom Hohngelächter der herrschenden Parteien übertont werden, so setzt man uns eben ans die Striche und aus der Straße muß man laut reden, wenn man gehört werden will!" Ob der Hofrat die„klapperbeinigen" Salon-Demokraten des Freisinns auf die Beine bringen wird? Wir erwarten einstweilen wenigstens, daß sich die frei- sinnigen Arbeiter nicht von einem Hofrat beschämen lassen werden I Line«ientich-baltisthe€delinann$beft)e. Die Gegenrevolution in den baltischen Provinzen Ruß- lands gebiert entsetzliche Greuel. Deutsche Junker, die sich der russischen Regierung als Ehrenpolizisten zur Verfügung stellen, um ihren viehischen Trieben gegen die unglücklichen Letten und Esten ungehindert frönen zu können, wüten wie trunkene asiatische Despoten. Sie sind trunken von Rachedurst und Blutgier. Ein Fall ist zu berichten, ein Fall unter vielen, ein Fall. der— entsetzlicherweise— nicht schlimmer ist, als hundert andere, den wir aber besonders hervorheben, weil wir dies- mal in der Lage sind, infolge der Energie tapferer Menschen, den Tatbestand in allen Einzelheiten aufs genaueste festzu- stellen und zu erhärten. Das Dunkel, in das sonst die schänd- lichen Verbrechen der deutschen Junker Baltikums gehüllt sind, ist hier zu grausamer Helle zerstreut. Am Montag, den 2. September, brachten die offiziellen !Zcitungen Kurlands die Nachricht, daß der in Untersuchungs- liaft befindliche lettische Revolutionär R o h l a u bei einem Fluchtversuch auf dem Transport nach dem Libauer Gefängnis bei Grobin von den begleitenden Dragonern e r- schössen worden ist. R o h l a u, der dem Auslande bekannt ist durch Ver- offentlichung über die Grausamkeiten der Kosaken und der kurländischen Barone, der die ganze zivilisierte Welt auf- gerufen hat gegen die Rigaer Folterungen, war am 11. August in Odessa verhaftet worden unter der Anklage der Be- teiligung am Morde hochgestellter Personen im Jahre 1905. Er wartete in Zuversicht auf die Verhandlung vor dem Llricgsgericht, er konnte, seine Unschuld an den ihm vorgeworfenen Taten beweisen. Rohlau hat keinen Fluchtversuch gemacht, er ist ermordet worden, ohne auch nur verhört worden zu sein. Dte Einzelheiten dieses Meuchelmordes sind die denkbar gräßlichsten und sind der Bevölkerung genau bekannt. Am 31. August um 5 Uhr morgens wurde der Gefangene, an Händen und Fiiszen gebunden, aus den: Gefängnis in Grobin nach Libau transportiert, unter Begleitung von 18 Dragonern, eines Offiziers, eines älteren KreiSchef- gehi'llfen, eines Ehrenpolizisten Baron Ropp und dessen Ge- nossen Henkel. Der Gefangene konnte sich nur mühsam fort- bewegen, eine Flucht war ihm unmöglich. Dreiviertel Werst vom Orte Grobin befahl der voran- reitende Offizier Halt. Zwei Bäuerinnen melkten nahe der Landstraße ihre Kühe. Sie hörten den Gefangenen bitten, ihn nicht zu toten, ihn vor Gericht zn stellen. Sie hörten, wie dem Gefangenen befohlen wurde, allein aufs Feld zu gehe», wie er sich weigerte und bat, wenn man ihn töten wolle, so solle man ihn nicht gnälrn. Sie sahen, wie Baron Ropp sich auf den Gefangenen stürzte, ihn mit einem Peitschenstock srngelte, ihm dreimal eine Rcvolverkugel in den Rücken schoß. Siesahcn, wie Baron Ropp und„einer seinesgleichen mit Namen Henkel" den Gefangenen aufs Feld trieben, den in einen Graben Stürzenden herausrissen und fortwährend prügelten und schössen. Sie hörten den Gefangenen schreien und flehen� sie sahen endlich, wie Baron Ropp und Henkel den blutüberströmten, zerschlagenen Gefangenen noch durch den Kopf schössen. Die Soldaten hatten keinen Schuß abgegeben. die feigen Meuchelmörder waren Baron Ropp und Henkel. Die Leiche ließ man bis Abend im Graben liegen: dann erhielt die Gemeinde den Befehl, den„auf der Flucht Er- fchossenen" zu begraben. Die Frauen, die den Körper reinigen tvollten, fanden keine heile Stelle an demselben, Glieder und Rückgrat waren gebrochen. Er war von 5k»geln vollständig durchlöchert. So der gräßliche Hergang, wie er festgestellt worden ist und jederzeit vor Gericht erhärtet werden kann! Und dabei wagen die deutsche Ordnungspresse und der Professor Schiemann. die deutschen Junker der baltischen Provinzen als verfolgte Unschuldslämmer hinzustellen, und kann sich nicht genug entrüsten über die Greueltaten der Revolutionäre. Wahrlich, die feigen Meuchelmörder Baron Ropp und Henkel, die ihr wehrloses Opfer bestialisch martern, ehe sie es morden, sind der Protektion der„K r e u z z e i t u n g", der„Deutschen Tageszeitung", der„Post" und ähnlicher Organe würdig. Und sie sind nur zwei unter vielen! Eine grauenhafte Blutschuld lädt das deutsche Junker- tum des Baltikums auf sein Haupt. Eine furchtbare Saat streut es aus! Wehe ihm, wenn die Ernte kommt! tlförMo. Die Meldung vom Bombardement Mazagans war falsch. Skrupellose Berichterstatter englischer und fron- zösischer Blätter zu Casablanca haben, nachdem der Befehl zur Abfindung französischer Truppen nach Mazagau gegeben war(er wurde später wieder zuriickgezogen) die Besetzung und das Bombardement Mazagans noch vor dem Stattfinden melden zu können geglaubt. Die Franzosen haben sich indes nach den bitteren Erfahrungen von Casablanca doch etwas zurückzuhalten verstanden. Sie haben die Auslieferung der in Mazagan liegenden Waffen und Munition an Mulay Hafid nicht mit Waffengewalt zu verhindern gesucht, sondern haben sie geschehen lassen gegen das Versprechen Mulay HafidS, sie nicht gegen die Franzosen zu gebrauchen. Wenn der neue Sultan sein Wort halten will, so hindert ihn nichts daran, diese Waffen gegen seinen Bruder Abdul Aziz zu verwenden. Vielleicht ist das den Franzosen nicht un- angenehm. Denn wahrscheinlich hoffen sie, sich mit Mulay Hafid verständigen zu können, wenn er der alleinige Herrscher über Marokko ist. Wenn indes der Wunsch der französischen Regierung ist, zu einer friedlichen Regelung mit Marokko zu kommen, so ist nicht zu verstehen, wie sie einen Plan verfolgen kann, dessen Verwirklichung das KriegSfeuer in alle Hafenstädte Marokkos schleudern heißt. Sie beabsichtigt nämlich im Einvernehmen mit der spanischen Regierung, die nach der AlgcciraS-Akte für die marokkanischen Hafenstädte zu bildende Polizeitruppe nicht wie die Akte vorsieht, aus Marokkanern, sondern durchweg aus französischen und spanischen Mannschaften zu bilden. Be- gründet wird diese Verletzung der AlgeciraS-Akte. die, wie immer in solchen Fällen, eine zeitweilige sein soll, mit den gegenwärtigen Zuständen, die also die Ein- stcllung von Marokkanern schon wegen der Lebens- gefahr, die sie für die europäischen Offiziere bedeuten würden, unmöglich machen. Die Signatarmächte sind bereits um ihre Zustimmung zu dem Plane angegangen»vordcn, der einfach eine Besetzung der marokkanischen Hafenstädte mit französischen Garnisonen unter der Bezeichnung Polizeitruppcn bedeutet. Die paar spanischen Soldaten kommen praktisch kaum in Betracht. Für die deutsche Regierung. wird die stimmung eine harte Nuß sein, da vorauszusehen ist. daß diese französischen Besatzungen die Tendenz haben iverden. sich zu dauernden Einrichtungen auSzuwachsen. Ein Artikel der „Kölnischen Zeitung" gibt die Bedenken der deutschen Regierung also zu erkennen: Ganz abgesehen vom Vertrage von AlgeciroS hat der Vorschlag, auch praktisch betrachtet, seine Schattenseilen. Wenn da? gcplniitc fraiizösffch-spanische Polizeikorps sich in seiner Stärke auch nur an- nähernd in den in AlgeciraS vorgeschriebenen Schranken halten soll, so ist die Wiederkehr ähnlicher Ereignisse zu besorgen wie in Casablanca, und daß die Mächte, die vi« Interessen ihrer Landsleute in den marokkanischen Hafenstädten zu vertreten haben, eine solche Möglichkeit nur mit ernster Pesorgnis ins Auge fassen, kann man ihnen nicht verdenken. Von sranzöstlcher Seite wird betont, daß die Maßregel nur provisorisch sein solle, und mau ist nicht berechtigt, an der ehrlichen Absicht der Franzosen zu zweifeln. Sie selbst aber haben bei Casablanca sehen müssen, daß man nicht genau beurteilen kann, wie weit m anzugehen gezwungen» st. nachdem man einmal eine bestimmte Bahn ein- geschlagen hat. So konnte cö auch geschehen, daß. wenn man einmal an, Ver- trage von AlgeciraS ändert, diese Aendcrung dann weitere Folgen nach sich zieht, die mit dem Vertrage noch weniger in Einklang stehen. Wir halten den Vertrag nicht für eine Losuiia, die über jede Anfcchtuna erhaben wäre, aber nachdem er einmal vestcht, hat er sich doch insofern bewährt, als er der Tätigkeit der einzelnen Mächte eine bestimmte Richtlinie vorschrieb und eine Tätigkeit neben- einander ohne scharfe Reibungen ermöglichte. Wo durch A u s st ä n d e und Metzeleien ein militärisches Eingreifen Frankreichs herbeigeführt wurde, hat man dagcge» keine Eiiiwendlingen erhoben, und man gedenkt auch fernerhin, wie wir schon sagten, dem militärischen Vorgehen Frankreichs keine Hindernisse zu bereiten. ES wäre aber sehr zu wünschen, daß die Franzosen sich darauf beschränkten, »nd daß etwaige organisatorische Aenderungen einer Zeit vor- behalten blieben, in der da» Land wenigstens z» einiger Ruhe ge« kommen ist. Daß die Marokkaner die französischen Polizcitruppen nicht ruhig hinnehmen würden, ist anzunehmen. Die Londoner „Morning Post" meldet z. B. nach der„Voss. Ztg." aus M o g a d o r, daß K a i d A n f l u ß und die anderen benach- barten Häuptlinge eine abwartende Haltung beobachten. So lange kein Versuch gemacht werde, eine fremde Kontrolle ein- zuführen, wollen sie Ordnung halten, aber ihre A b s che u gegen die Franzosen sei durch die Berichte über die Niedcrmetzelung ihrer Brüder in Casablanca dergestalt ge- lvachsen, daß sie und ihre Leute sich bis zum letzten Blutstropfen der Landung fremder Soldaten, die entwedcr als Kriegsmacht oder als Polizeitruppe kämen, widersetzen würden. Achnltches drahtet„Reuters" Vertreter, der meldet, daß sich die Ein- geborenen respektvoll gegen die Europäer verhalten und die Hoff- nung atisdrückcn. die anderen europäischen Nationen würden die Be- setzmig Marokkos durch die Franzosen verhindern. DerFranzosen- haß nehme täglich zu. Der Berichterstatter der„Morning Post" in Tanger befürchtet, daß sich in allen von Frankreich zubesetzendenHäfen die Mordszenen vonCasab l anca wiederholen werden. Die Meinungen der übrigen Signatarmächte über den 'ranzösischen Plan sind noch nicht kundgegeben worden. Die Meldungen vom Tage lauten: Pari«, 7. September. Der Torpedobootszerstörer.Cassini" hat den Befehl erhalten, von Mazagan nach Tanger in See zu zehen. um,'wie der«Petit Parisien" nieldet, den dortigen Vertretern ?er Mächte von der Abmachung Mitteilung zu machen, die in Mazagan zwischen dem Kommandanten des Kreuzers„Condü" und einem von Mulay Hafid dorthin entsandten Kaid getroffen worden ist. Mulay Hafid hat sich schriftlich bereit erklärt, die in Mazagan lagernden Waffen- und Munition?- vorräte in Marrakesch zu behalten und nick)t den gegen Frankreich kämpfenden Stämmen aus- uliefern. Unter dieser Bedingung bewilligten ie französischrn Behörden die AuSfolgung der Waffen sowie der Munition an den Abgesandten Mulay Haftds. Paris, g. September. Laut Nachrichten, die heute nachmittag hier eintrafen, wird in M a g a z a n die unmittelbar bevorstehende Ankunft eines Abgesandten Mulay HafidS erwartet, der von diesem beauftragt ist, die bei der dortigen Zollbehörde lagerndin Waffen« und Munitionsvorräte in Besitz zu nehmen. ES darf angenommen werden, daß die Zollbehörde sie ausliefern wird und daß sie daher nicht in die Hände der gegen die Franzosen kämpfenden Stämme'gelangen werden. London, 6. September. Wie dem Reuterschen Bureau aus Casablanca von heute gemeldet wird, wäre der bezüglich der Tin- chiffnng von drei Kompagnien der Fremden leaton nach Mazagan erteilte Gegenbefehl auf den Eingang von Nach- richten zurückzuführen, nach denen Mulay Hafid sich der im Zoll« amte von Mazagan lagernden 1 700 000 Patronen, welche die Franzosen mit Beschlag zu belegen beabsichtigten, bemächtigt hätte. Mulay Hafid würde durch diese Patronen für lang« Zeit mit Munition versorgt sein. Casablanca, 7. September.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Mehrere Stämme baten um Einstellung der Feindseligkeiten, um in Friedensverhandlungen einzutreten. General Drude gab ihnen bis zum 8. dS. MtS. Zeit, um sich zu ergeben: allein man glaubt, daß der einzig« Zweck der Bitte ist, Zeit zu gewinnen. PariS, 6. September. In einem Telegrainin, da» über die Verteilung der französischen Kriegsschiffe in den marokkanischen Häfen berichtet, teilt Admiral Philibert unter den, gestrigen Datum aus Mazagan mit. baß dieZahl d e r A n h ä n g e r Mulay Haftds zunimmt. politische(lederlicht. Berlin, den 7. September 1907, Hammerstein Moral. Eine große moralische Aufregung hat fich der agrarisch- konservativen Junkerpreffe bemächtigt. Diese biederen Moralpächtcr drucken eine Sudelei der„Deutschen Volkswirtschaft- lichen Korrespondenz" nach, jener„Klapper"-Schlange, die ihr geistig-mferioreS Dasein nur fristen kann, weil ihre Hinter- männer dank unserer Zollwucherpolitik im Fette schwimmen. In diesem Geschreibsel Wird ein demagogisches Geschrei darüber angestimmt, daß in der letzten Generalversammlung der Berliner Arbeiter-BildungSschule aus den AuSschlußbestimmungen die Worte:„wegen ehrloser Handlungen" gestrichen wurden mit der Begründung, daß«ehrlose Handlungen im Sinne der gegenwärtige!! Gesellschaft nicht auch solche im Sinne des Proletariats zu sein brauchen". An sich sind wir auch der Meinung, daß der betreffende Passus im Statut der Arbeiter-Bildungs- schule ebenso gut hätte stehen bleiben können, wie er aus guten Gründen im Organisationsstatut der Gesamtpartei steht. DaS letzte Wort über diese Streichung ist überhaupt noch nicht gesprochen, da eine Statutenänderung der Schule zwei Generalversammlungen passieren und in der zweiten init zwei Drittel der Stimmen angenommen werden muß: während dieser Antrag neulich nur mit einer knappen Majorität angenommen wurde. Aber selbst wenn die Streichung bestehen bleiben sollte, läge für die junkerliche Presse kein Grund zu einem Moralgehcul vor! Denn eS ist eine infame Verleumdung, wenn nun die erwähnte Korrespondenz die Schule zu einem Sammelbecken allerlei Kriminal- Verbrecher zu stempeln sucht und den Unterstützern jenes Antrages unterschiebt, sie hätten jede ehrlos« Handlung schlecht- hin geleugnet. Was mit der Streichung der Worte«ehrlose Handlung" gesagt sein sollte, deutet der Versammlungsbericht hinlänglich an, nämlich: daß nicht jede ehrlose Handlung im Sinne der gegenwärtigen Gesellschaft, besser: der gegen- wältigen herrschenden Gesellschaftsklassen, auch eine solche im Sinne des klassenbewußten organisierten Proletariats, zu sein braucht. Damit ist lediglich die von niemand, der historisch zn denken vermag, geleugnete Tatsache konstatiert, daß jede Geschichtsperiode, und in jeder Ge- schichtiperiode wieder jede Klasse, verschiedene Moralbegriffe hat. DaS Proletariat, soweit et klassenbewußt und in der Sozial- demokratie organisiert ist, lehnt es ganz energisch ab, dieselben Moralbegriffe zu haben wie die preußischen Junker der„Kreuz- Zeitung" und der„Deutschen TageSztg.": Moralbegriffe, denen zum Beispiel die krasseste Ausbeutung der Landarbeiter als„gottwohl- gefällig" und der Zollivncher als kategorischer Imperativ gilt. Geradezu grotesk lächerlich ist e», wenn die„Deutsche volkSW. Korresp." unsere Vertreter in den Parlamenten, die z. B. koloniale Greuel zn untersuchen verlangen, als Denunzianten bezeichnet, die nach Streichung der„ehrlosen Handlungen" einen Ehrenplatz in der Berliner Arbeiter-BildungSschnle verdienten. Freilich die An- betör der Peter», Leist, Aehlan und Konsorten find„ehrenwerte Männer" und die Bebel und Ledevour, die diese Schandtaten an den Pranger gestellt und Untersuchungen verlangt haben, sind„ehrlos". In der Tat: wir find stolz darauf, daß sich unsere Moral- begriffe von denen jener junkerlichen Sippschaft scharf und unüberbrückbar. scheiden I Der„Kreuz-Zeitung", die mit Wohlbehagen die moralische EntriisinngSleistung der„Deutschen volkswirtschaftl. Korrespondenz" nachdruckt, können wir übrigen» nebenbei versichern, daß selbst dann, wenn der betreffende PassuS gestrichen bleiben sollte, die Mitglieder der Arbeiter-AildungSschule sicherlich einen Ha mm er st ein nicht so lange unter sich dulden werden, wie dieser in der Redaktion der„Kreuz-Zeitung" ge- duldet und als Interpret junkerlicher Ehrbegriffe„geschätzt" worden ist. Und dasselbe gilt von so manchem anderen journalistischen Verfechter der höheren Sittlichkeit der Raubritter-Epigonen. der heute in konservativen Preßorganen sein Wesen treibt.— Ein Kolonialfrennd über unsere Kolonien. Wir lesen in unserem R o st o ck e r Parteiorgan: In einer dem ja nun ausgewanderten Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg gewidmeten Broschüre, die den Auswanderern einige Winke geben soll, wird allerlei Jnter- essanteS ausgeplaudert über die Kolonien. Der Verfasser, Dr. Bon- g a r d- Berlin(Verleger ist Süsser ot-Berlin). gibt uns da zunächst eine Schilderung der deutschen„Kulturträger". Er sagt:„Ich habe in Ost-»nd Südwestafrika eine große Anzahl Leute kennen gelernt, welche aufs Geratewohl ausgewandert waren. Hauptsächlich trieb sie Abenteuerlust hinaus. Die meisten hatten gar keine oder nur eine unklare Vorstellung davon, was sie eigentlich anfangen wollten. Viel« waren von schlechter Charalterveranlagung. Ihnen war der Boden in der Heimat zu heiß geworden und sie hofften ihr l o ck e r e s und verwerfliches Leben in noch leichterer Weife in den Kolonien fortführen zu können." Der Verfasser Dr. Bongard, der Freund der deutschen Kolomalherrlichkeit, kann ferner nicht umhin, die Kauslcute, Arbeiter und Handwerker zu warne n. Cr erklärt: „Für den Kaufmann liegen gegenwärtig die Verhältnisse nicht sehr günstig. In Südwestafrika hat der Krieg mit seinen großen Lreferungen und Bedürfnissen eine Menge größer« und kleinere deutsche und ausländische Kaufleute in das Land gezogen. Dte Einkehr friedlicher Verhältniffe und die damit verbundene Verminderung der Schutztruppe macht einen großen Teil dieser Kaufleute überflüssig und über manche nicht sehr kapitalkräftige wird wohl die Kata- strophe hereinbrechen. Die Eingeborenen sind durch den Krieg gewaltig dezimiert worden und die übriggebliebenen sind gänzlich verarmt. Also auch der Handel mit den Ein- geborenen bietet für den Händler keinerlei Aussicht. E« ist einleuchtend, daß unter diesen Umständen dem Kauf- mann von der AnSwandernng nach Südwestafrika vor- läufig abgeraten werdei: muß. Auch in O st a f r i k a sind die Verhältnisse n i ch t günstig. Der Kleinhandel mit den Ein- geborenen liegt fast ausschließlich in den Händen der Inder, mit denen der Deutsche nicht konkurrieren kann. Für den Klein- Handel der Europäer und den G ro ß h and« l g e- n ü g t dte Anzahl der vorhandenen Kausleute vollkommen. Die jahrelang anhaltende Krisis in der GeschäfiSlage war dte Ursache, daß einzelne Gcschästsleut« sich nur mühsam über Wasser halten konnten. In den tropischen Kolonien kann der Europäer nicht auf die Dauer schwere körperliche Arbeit verrichten; für den deutschen Arbeiter sind sie daher kein Aus- wanderungsgebtet. Für Handwerker ist nur in beschränkter Zahl Verwendung. Ist Ostafrika decken die Inder und die in den HandwerlSschulen und durch Missionare ausgebildeten Eingeborenen eine» großen Teil deS Bedarfs. Ist Südwestafrika fanden vor und während des NufstanbcS eine stattliche Zahl Handwerker und Arbeiter lohnenden Verdienst. Mit der eingetretenen Beendigung deS Krieges werden aber viel» von ihnen überflüfsig. Dte Auswanderung nach Südwest ist aus diesem Grund« für Handwerker und ebenso wir für Kauflente zurzeit bedenklich. Für den Gewerbetreibenden ist daS über den Kauf- Mann Gesagte ebenfalls zutreffend." Das sind unsere herrlichen Kolonien, für die bereits 1500 Millionen verputzt sind und die uns einstweilen jähr- lich weitere 70—89 Millionen kosten!— Quatsch. Die Parteiblätter in Solingen und Kassel hatten an unserem Artilel„Sozialdemokratie und Kolonialpolitik" allerlei auszusetzen. DaS war ihr gutes Recht. Kein Recht jedoch hatten sie. dem„Vor- wärts" zu unterstellen, er habe Bebel, dessen Ausführungen er eine „rhetorische Antithese" nannte, bezichtigt,„leere Redens- arten" und„blödeste Phrasendrescherei" gemacht zu haben. Diese„liebenswürdigen Unterstellungen" wiesen wir des- halb in aller Höflichkeit zurück. Darauf haben nun die beiden Blätter wieder reagiert. DaS Kasseler Parteiblatt in an- ständiger Form, das Solinger Parteiblatt im blühendsten KronSbein-Stil. Das Blatt schließt seine Polemik gegen den „Vorwärts" mit den Worten: „Wir müssen nach alledem erklären: Ein solcher Quatsch, wie er hier und an anderen Stellen im„Vorwärts" verzapft wird, geht in der Tat über unser Begriffsvermögen. In der Sache selbst zieht der„Vorwärts" vor zu schweigen." Das Itttgedruckte ist auch im Solinger Parteiblatt fett- gedruckt I Und worin besteht der„Quatsch" de»„Vorwärts"? In der dem Solinger Blatt nicht in den Kram passenden Feststellung, daß cS den Ausdruck„Wortspiel" auf den Wortlaut deS FraktionSaufrufeS bezogen hatte, während er nicht nur der Absicht deS Verfassers� sondern auch dem ganzen Sinne deS Artikels gemäß auf die Jnterpretations- versuche der Genossen David und Südekum zu beziehen war! Während wir gesagt hatten, daß eS ein Spiel mit Worten sei, sich wortklauberisch an den Ausdruck„K o l o n i a l p o l i t i k" zu klammern, da doch in dem Aufruf in deutlichem G e g e n s a tz e zu den Ansichten van Kol« und Bernsteins eine sozialistische Kulturpolltik gemeint sei, die mit dem, was bisher stets als Kolonialpolitik bezeichnet wurde, im schroffsten Widerspruch stehe, unterstellt un« das Solinger Parteiblatt ebenso hartnäckig wie sinnlos seine als falsch zurück- gewiesene Auslegung. Und weil wir uns nicht die uns unterstellte Abgeschmacktheit zuschulden kommen ließen, sollen unsere AuS» führungen„Quatsch" sein!— Zur„Sache selbst" das Folgende. Wir hatten geschrieben: „Ja, die kapitalistische Kolonialpolitik, die ja nur auf der Ausbeutung der Kolonialbevölkerung sowohl wie de» einheimischen Proletariat» basiert, ist solcher Humanitären Wandlung auch nach der ehernen Logik der wirtschaftlichen und politischen Tatsachen gar nicht fähigl Wenn schon die kulturelle Befreiung der heimischen Arbeiterklasse inner- halb der kapitalistischen Gesellschaft nach den Auffassungen deS wissenschaftlichen Sozialismus absolut ausgeschlossen ist— weshalb erstrebten wir denn sonst die s o z i a l i st i s ch e Gesellschaftsordnung?!— so ist erst recht die kulturelle Bc- freiung der Eingeborenen der Kolonien eine platte Un» Möglichkeit. Daß trotzdem die Sozialdemokratie für die möglichste Besserung der Lage der Unterdrückten und Ausgebeuteten auch schon im Gegenwartsstaate eintritt, versteht sich ganz von selbst: aber nimmermehr kann diese praktische Gegenwartsarbeit zur Anerkennung des Kapitalismus in allen seinen Erscheinungsformen führen l" Dazu sagte da« Solinger Partciblatt: „Die kapitalistische Kolonialpolitik ist der Humanitären Wandlung ebensowenig fähig wie der Kapitalismus überhaupt. Trotzdem tritt die Sozial&emokratie für die möglichste Besserung der Lage der Ausgebeuteten. und Unterdrückten auch schon im G e g e n w a r t s st a a t e ein. Besserung der Ver- hältnijse ist n i ch t m ög.l i ch, trotzdem suchen wir zu besser n. Wer's ergründet, d«r mag'S v ar tr e t e nl Un« erscheint mehr und mehr, daß die große theoretisch« Aufklärung zu einer großen praktischen Konfusion führt!" Daß das Solinger Parteiblatt unser« Auffassung nicht zu er- gründen vermochte, lag einfach an seinem Mangel an Fähigkeit� unsere Sätze korrekt lesen zu können! Was lehnten wir ab? Die Anerkennung der kapitalistischen Kolonialpolitik, wie sie v a n K o l und B e r n st e i n befürworteten. Und weshalb lehnten wir sie ab? Weil die kapitalistische Kolonialpolitit— abgesehen von allen sonstigen Gründenl— auch durch die eifrigste Reformarbeit niemals ihr Wesen abstreifen, niemals zur„kulturellen Befreiung" der Eingeborenen führen könne. Diese„kulturelle Befreiung" könne hier, wie überhaupt, erst durch Beseitigung deS Kapitalismus herbeigeführt werden. DaS war ein so eminent und gemeinverständlich sozialistischer Gedankengang, daß ihn jeder Sozialdemokrat verstehen mußte. Wa» sagte aber daS Solinger Partetblatt: Welches Rätsel! Trotzdem an, Wesen des Kapitalismus nichts geändert, trotzdem die„kulturelle Befreiung" der Ausgebeuteten nicht da- durch erzielt werden kann, treiben wir praktische Gegen- wartSarbeit? Eine solche Frage beweist nur, daß der Verfasser vom Wesen des Sozialismus und unserer Taktik überhaupt noch nicht viel kapiert hat! Und weil der Verfasser de« Artikel» solch bedenkliche Lücken in seiner elementarsten politischen Bildung aufweist, behauptet er, der.Vorwärts" schreibe„Quatsch"! Diese anmutige Tonart verzeihen wir gern dem betreffenden Redakteur des Solinger ParteiblarteS. Wo die Wegrisse fehlen, stellt sich ja zur rechten Zeit ein Schimpfwort ein.. Im eigensten Interesse des betressenden Redakteurs möchten wir ihm jedoch den Rat geben, baldmöglichst an einem Kursus der Parteischule teilzunehme». Doch möchten wir ihm gleichzeitig raten, als Befähigungsnachweis für feine Bewerbung nicht diese Polemiken gegen den„Vorwärts" einzusenden, da sonst seine Auf nähme nicht ganz stcher wäre I— „Bewundernswerte Schulung der Massen"— durch die Sozialdemokratie! Die zentrumsagrarische«Rheinische VolkSstimmc' liest den Bauern den Text, weil sie sich zu wenig um die Presse kümmern: eine derartige Jnteressinlosigkeit sei heutzutage einzig im Bauernstande zu finden. In dieser Zeit des Kampfes aller gegen alle müsse sich endlich auch der Bauer darauf besinnen, zur Trhaltung und Stärkung seines Standes etwas zu tun. Die„Rhei- nsche VolkSstimme" weist zu diesem Zweck auf die Sozial. emokratie hin, die den Wert der Zeitung zu schätzen wisse, te der Bericht des Parteivorstandes über den Stand und das lachStum der sozialdemokratischen Presse beweise: „Die Folge davon zeigt sich einmal an den gewaltigen Ueber- schüssen, an denen allein der„Vorwärts" 170000 M. erzielte. Sie zeigt sich aber auch weiter an der bewundernswerten Schulung der orvisen Mafien, denen immer wieder durch die intensive und weite Verbreitung der Presse neue Rekruten in Scharen zuströmen. Daher auch das riesige Anwachsen der sozialdemokratischen Sttmmenzahl b e i der letzten Reichstags wähl zu Beginn dieses Jahres um mehr als eine Biertelmillion. Es ist das alte Lied: das Ge» > heimnis deS gewaltigen Anschwellen« der sozialdemikratischen Bewegung und ihre Macht beruht auf der klugen Er- kenntnis der Bedeutung der Presse, deren Ein- fluß sich wieder auf die tatkräftige Unterstützung seitens der . Partei gründet..., „Riesiges Anwachsen der sozialdemokra» tischen Stimmenzahl bei der letzten Reichstags- » a h l"— wir wollen es uns merken für den Fall, daß wir in der Zentrumspresse wiedermal von der sozialdemokratischen„Nieder- läge" und dem„Stillstand" der Partcibewegung lesen.„ B e- wundernswerteSchulung der großen Massen"— wir wollen dran denken, wenn uns die ultramontanen Blätter wieder von den„Mitläufern" und dem„gedankenlosen Gefolge" der Sozialdemokraten erzählen.— Born herrlichsten aller Wahlrechte! Für den nach Afrika ge- sandten Geh. Legationsrat v. Schuckmann, bisher Abgeordneter zum preußischen Landtage für den Wahlkreis Arnswalde-Fricdeberg findet eine Neuwahl statt. In Driescu sollte am 3. September für die ausgeschiedenen Urwahlmänner Ersatzwahl im 1. und 3. Bezirk statt- finden. Die Wahl kam jedoch nicht zustande, da auch nicht ein einziger Wähler erschienen war. Eine Verurteilung des Systems, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann.— Ocftcrmch. Ter Kampf um die Wahlreform in Böhmen. AuS Teplitz wird der„Wiener Arbeiterztg." unterm b. Scp- tember gemeldet: Heute fand hier eine Konferenz der deutschen und der tschechischenSozialdemokratie Böhmens statt, die von den Vertrauensmännern und den Abgeordneten beider Parteien sowie von dem Dele- gierten der deutschen Parteivertretung Genossen Perner» storfer besucht war und die über die Landtagswahlreform be» raten hat. Es wurde einstimmig beschlossen, den Standpunkt der Sozialdemokratie in dieser Frage demnächst in einer gemein» samen Proklamation darzulegen, in einer Reihe von Ver- sammlungen gegen die Verzögerung der Wahlreform zu protestieren und durch eine Abordnung den Oberstlandmarschall von Böhmen aufzufordern, die Wahlrcform auf die Tagesordnung des Land- tages zu stellen. Die Abordnung soll auch direkt beim Minister- Präsidenten vorsprechen, um ihm die Dringlichkeit der Frage vor- zustellen._ Der Prozeß der ruthenischen Studenten von Lemberg. Wien. 7. Septeniber. Der Prozeß gegen die 17 r u t h e- nischen Studenten ist heute beendet. Sieben Angeklagte sind wegen öffentlicher Gewalttätigkeit zu einem Monat Kerker, einer wegen Aufreizung zu einer Woche Arrest verurteilt, zwei freigesprochen worden. Bei sechs Angeklagten hatte der Staatsanwalt am Schluß der Beweisaufnahme die Anklage fallen lassen. ES handelte sich in dem Prozeß um die Gewalttaten, die ruthenische Studenten an der polnischen Universität Lemberg ver» übten, um die Immatrikulation in ruthenischer Sprache zu erzwingen. Die Untersuchung wurde bekanntlich der- artig in die Länge gezogen und die Untersuchungshaft an den Angeschuldigten in derartig schikanöser Weise vollstreckt, daß die Verhasteteten zum Hungerstreik griffen. Er hatte den Cr» folg, daß die galizische Justiz von Wien au« zur Ordnung gerufen und die Untersuchungshaft beendet wurde. Die verhältnismäßig geringen Strafen zeigen, welch ein Mißbrauch der richterliche» Amts» gewalt die Verhängung der Untersuchungshaft war.— Englanä. Ein neues Unterseeboot. Londin, 7. September. Die Admiraliät hat ein neue» Unterseebot in Auftraa gegeben, dessen Beschaffenheit und Ein» richtung einen großen Fortschritt gegenüber den bisher bestehenden Shstcmeü bedeuten soll. Eö heißt, daß sich an Bord 8 Torpillan, läncierrohre befinden, anstatt der bisherigen g, und das Unterseeboot doppelschraubig ist. Italien. Der Polizeiskandal von Neapel, Rom, ö. September.(Eig. Ber.) Wir meldeten bereits, daß der Prozeh gegen die Mörder des Ehepaares C u r c o l i in Neapel zu der Entdeckung geführt hat, daß ein Teil der dortigen Polizei im Bunde mit per Kamorra steht. Jeder Tag bringt nun neue anmutige Einzelheiten über dieses Bündnis, und am 4. d. MtS. hat der Staatsanwalt dem Untersuchungsrichter die Akten überwiesen zu einem Prozeß gegen sechs Polizcibeamte verschiedenen Grades, die sich wegen Bildung einer verbrecherischen Vereinigung, Diebstahls und Urkunden- fälschnng sAusnahizie falschen Protokolls) zu verantworten haben werden! Ans Licht gekommen ist die ganze Sache durch die Nach» forschungcn der Carabinieri, deren Tätigkeitsgebiet vielfach mit dem der Polizei zusammenfällt. Wegen ihrer eisernen Diszivlin — sie unterstehen dem Kriegsminister, während die Polizei dein Minister des Innern untersteht— und wegen der strengen A ü S- lese bei der Anwerbung ist das Corps der Carabinieri nicht so leicht verbrecherischen Einflüssen zugänglich wie die Polizisten. Auch genießt es, besonders auf dem Lande, wo ihm hauptsachlich der Sicherheitsdienst zufällt, große Achtung, während die Polizisten in Italien so mißachtet sind, daß es der Regierung schwer fällt, die nötige Zahl anzuwerben. Infolgedessen ist man nicht gerade wählerisch bei der Anstellung von Polizisten. Das zeitigt dann so herrliche Früchte, wie wir sie jetzt in Neapel sehen. Und hier ist man erst am Anfang der Enthüllungen!— Neue„Probleme" des Prozesses Nasi. Rom, 6. September,(©ig. Ber.) Der Prozeß Nasi erwirbt sich immer größere Verdienste um die in der HundStagshitze verdorrende Nachrichtenquelle der italienischen Presse. Er liefert Tag für Tag neuen Stoff zur Füllung der Spalten der Tagcsblättcr. Das neueste Problem ist folgendes: Wer übernimmt die Vorführung Nasis im Senat» gebäude? Bei Schwurgerichtsverhandlungen tun es die Cara. binieri, aber diese dürfen den Senat nicht betreten, ebensowenig wie die Aula des Parlaments.— Die Aufrechterhaltung der Ordnung liegt den von den Senatoren selbst gewählten Q u ä st o r e n ob. Diese alten Herren bedanken sich aber höflichst für die„Ehre", einen Gefangenen vorzuführen.— Wie löst man nun den grausamen Konflikt? Der„Avanti" schlägt vor, Giolittj möge selbst die Vorführung besorgen: sei es doch bekannt, daß der Ministerpräsident halb Jesuit sei und halb Carabiniere...—__ Die russische Revolution. Pogrompläne der„Echt-Russischen". Die„Russische Korrespondenz" erhält folgendes Telegramm: Petersburg,?. September. Aus allen Teilen Rußlands treffen Berichte ein, daß vom Perbande des russischen Volkes und seinen hohen Gönnern während der Wahlkampagne allerorten Pogrome in großem Umfange geplant werden. Auf diese Weise soll ein der Regierung günstiges Resultat der Wahlen erzielt werden. Die schrecklichen Ereignisse in Odessa bilden nur ein Vorspiel der Greueltaten, die noch bevorstehen. Der Zweck der Pogrome ist, die jüdische und liberale Bevölkerung zu terrori- sieren und sie von der Beteiligung an der Wahl ab- zuhalten. In der letzten Nummer des hochkonservativen Blattes„Grashdanin" schreibt der über die Absichten der Hoskreise sehr gut unterrichtete Fürst Meschtscherski, daß es eine Unzahl ge- yeimer Organisationen und vereinzelter Zirkel in ganz Rußland gäbe, deren Absicht, überall Pogrome zu veranstalten, bekannt ist. Neue Nachrichten aus Odessa melden, daß die Ausschreitungen noch immer andauern. Erst gestern, also nach fünftägiger D a u e r des Pogroms, wurde aus dringlichen Befehl von Stolypin eine Haussuchung bei dem Verbände des russischen Volkes veranstaltet, natürlich wurde nichts Kompromittierendes vorgesunden, genau so natürlich wie die Polizeiberichte melden, daß es.nicht gelungen ist, Verhaftungen vorzunehmen", Der neue Stadthalter General Nowitzki hat zwar versprochen, nunmehr für Ruhe zu sorgen, aber er kann den finsteren Plänen von KaulbarS nicht entgegenarbeiten, wenn er nicht seine Stellung verlieren will Eue der Partei. Zum Essener Parteitag. Am Donnerstagabend beschäftigte sich eine Miigliederbcrsamm« lung des Sozialdemokratischen Vereins in Kiel mit dem Partei» tag. Genosse Brecour, der von der Kieler Mitgliedschaft dem Kreise als Delegierter vorgeschlagen ist, hielt das einleitende Referat. Er wandte sich scharf gegen die Sonderbündclei der Lokalisten. die mit dem Parteiprogramm im Widerspruch stehe Und der endlich ein Ende gemacht werden niüsse. Auch gegen die militärische Haltung der Fraktion, die der Stimmung der prolc- tarischcn Massen schroff widerspreche, müsse der Parteitag Front machen. Der Beschluß der deutschen Delegation zur Maifeier, der diese zu einer bloßen Untcrstützungsfrage mache, sei nicht gerade erhebend, aber immerhin sei die darin bekundete und nunmehr glücklich in dieser Sache erreichte Einigkeit von Partei und Ge« werkschaften wichtiger als die Maifeier selber. Redner wandte sich gegen die von den Kieler Genossen zum Parteitag gestellten. An- träge, soweit sie die Stichwahltaktii betreffen und verlangen, daß daS Wahlrecht der Einzellandtage auf die Tagesordnung des Parteitages gesetzt werde: die Anträge werden indessen aufrecht- erhalten. Ferner entspann sich eine lebhafte Diskussion über den Antrag: Der Parteitag möge beschließen: Bei Beratung des Militär- ctats sind nur solche FraktionSrcdner zu bestimmen, die die völlige Garantie dafür bieten, daß sie entschieden Stellung gegen den Militarismus nehmen und im Sinne der Resolution des Stutt- garter internationalen Kongresses sprechen. Der Antrag wurde vom Genossen Adler, der ihn mit unter- schrieben, u. a. damit begründet, seine Teilnahme am Stuttgarter Kongreß habe ihn gelehrt, wie nötig cS sei, daß der Fraktion ein Rückhalt gegeben werde, damit sie nicht aus den Erfahrungen, die sie mit der revisionistisch gefärbten Stuttgarter Delegation gemacht, falsche Schlüsse aus die Stimmung der Parteigenossen im Lande zu ziehen verleitet wird. Schließlich wurde der Antrag ange- n o m m e n gegen eine erhebliche Minorität, von deren Rednern jedoch kein einziger das gerügte Verhalten der Fraktionsredner billigte; nur über die formale Frage, ob der Parteitag der Fraktion eine solche Direktive geben könne, hatten sich Zweifel erhoben._ Eine ganz faule Ausrede bringt Genosse Noske-Chemnitz in der„VolkSstimme" als Entschuldigung für seine Behauptung vor, daß persönliche Motive die deutsche Delegation zum Stuttgarter Kongreß veranlaßt hätten, das Mandat der Ge« nossin Luxemburg für ungültig zu erklären. Er sagt in seiner Erklärung: .. Ich habe den Eindruck gehabt, daß das Resultat der Abstimmung auch als ein Protest eines große» Teiles der Dele- gierten gegen die von der Genossin Luxemburg vertretene Richtung in der Partei aufzufassen war. DaS habe ich in der Chemnitzer Parteiversammlung rein referierend ausgesprochen. Darüber zu streiten, ob ich die Vorgänge richtig beurteilt habe, empfinde ich kein Bedürfnis. Bei ruhiger Ueberlegunn hätten die aufgeregten Partetblätter sich wohl ihre Entrüstung darüber, daß ich mich über den empfangenen Eindruck offen auesprach, geschenkt... Genosse Noske ist selbst Miiglied der. deutschen Delegation geivescn und hat natürlich in der �acfye auch cm Votum abgegeben und Motive gehabt. Von sich selbst hat er aber vor allen Dingen den Eindruck gehabt, daß er aus persönlichen und nicht aus fach- lichen Gründen für die Kassierung gestimmt hat. Die Richtigkeit dieses Eindrucks wollen wir nicht anzweifeln. Inwieweit sonst der Eindruck NoSkeS den Tatsachen entspricht, wollen, wir nicht untersuchen. Wir halten cS aber für eine blamable Tatsache, daß ein deutscher Delegierter, wie es NoSke in seinem Bericht getan, es ganz natürlich und richtig hingestellt hat, daß man sich in Parteiangelcgenhcltcn von persönlichen an Stelle von sachlichen Gründen. leiren läßt. Warnung. Die Vorstände, Sekretäre und Kassierer der Partei« vereine werden hierdurch vor einem angeblichen russischen Studenten gewarnt, der am Dienstag von Aachen, angebliches Reiseziel Rußland, abreiste. Der Betreffende trägt einen hell- karrierten Anzug, ist etwa LS— 2S Jahre alt, von schlanker, nicht großer Figur und blassem Gesicht mit kleinem blonden Schnurr- bart. Sein Empfehlungsschreiben ist rot unterstempelt, doch kann man bei genauer Betrachtung die Fälschung des Stempels (Herbergsarbeit) erkennen. Auch hat das Schreiben keine Unter. scht'ft. Der sozialdemokratische Berein des Wahlkreises Aachen. Parteiliteratur. Sozlalbemokratie und Arbeiterversicherung. Unter diesem Titel ist soeben auf Veranlassung des Parteivorstandes von der Buchhandlung Vorwärts in Berlin 81V. 08, Linden- straße 09, das erste Heft einer Flugschriften serie heraus- gegeben. In dieser Serie sollen in leicht verständlicher Form Fragen des öffentlichen Lebens behandelt werden, die für die Arbeiter und für unsere Parteigenossen von besonderer Bedeutung sind. Jede dieser für die Massenverbreitung bestimmten Flugschriften ist für sich abgeschlossen und wird zu einem billigen Preise ab» gegeben. Einzelne Exemplare kosten 10 Pf. und sind von jeder Parteibuchhandluiig zu beziehen. DaS erste Heft der Serie wendet sich gegen die im letzten Wahlkampf von den Gegnern wieder mit besonderem Nachdruck aufgestellte Behauptung, daß die Sozialdemokratie im Deutschen Reichstage gegen die Arbeiter-Versicherungsgesetze gestimmt habe, um dadurch eine Aussöhnung der Arbeiterklasse mit den be- stehenden GesellschaftSzustanden zu verhüten. Der Verfasser der Flugschrift weist durch die einfache Mitteilung der Tatsachen die Unsinnigkeit dieser Behauptung nach und zeigt, welche Gründe die damalige Fraktion zu ihrer Stellung bewogen haben, daß aber auch andere Parteien und warum diese gegen einzelne der Ver- sicherungsgosetze gestimmt haben. Er erläutert ferner die Forde- rungen, welche die Sozialdemokratie als notwendig zum Ausbau der Arbeiterversicherung erhebt, pollreittcdes» Verkektllcdea ukw. Ein klassisches Dokument von hoher kulturhistorischer Be« bevtuna, so schreibt das„Volksolatt>ur Harburg", ist am DienStag dem Genossen Z i e l k e(verantwortlicher Redakteur des BlatteS) überreicht worden. Der Absender der Schrift ist der Vorsitzende der Ferienstrafkammer des königl. Landgerichts, der Verfasser vermutlich der Erste Staatsanwalt in Stade. Genosse Zielke wird darin beschuldigt, sich gegen Z 184 des Strafgesetzbuches vergangen zu haben. Dieser Paragraph lautet: Wer unzüchtig« Schriften, Abbildungen oder Darstellungen verkauft, verteilt oder sonst verbreitet, odex an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt oder anschlägt, wird mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Die Straftat wird darin gefunden, daß Genosse Zielke in Nr. 104 und 10b des„Volksblatt" eine kulturgeschichtliche Skizze des Schriftstellers Franz Laufkötter-Hamburg, betitelt:«Mittel» alterlicher Humor" veröffentlicht hat. In dieser durchaus seriösen Abhandlung waren u. a. auch Kapitel aus dem jedem Gebildeten bekannten Volksbuch„Schimpf und Ernst" von Bruder Johanne» Pauli enthalten und als Bei» spiele herangezogen worden. Unsere Leser können dieses Volksbuch, das im Jahre 1322 zuerst erschien und von namhaften Autoren wiederholt bearbeitet und neu herausgegeben worden ist. für 40 Pf. in der bekannten Äeclomfdjen Universal-Bibliothek erhalten. Wir müssen aus guten Gründen von der Veröffentlichung der merkwürdigen Anklage� fchrift absehen. Freiheitsberaubung. Von der Staatsanwaltschaft wurde dem Genossen Wicky in Mülhausen mitgeteilt, die angestellten Untersuchungen haben ergeben, daß seine Beschwerde darüber, daß er bei der Verbüßung einer Gefängnisstrafe von einer Woche eine Stunde über seine Strafzeit hinaus im Ge- fängnis zurückbehalten wurde, berechtigt war. Der Grund der längeren Zurückbchaltung wird in dem Schreiben des Staatsanwalts darauf zurückgeführt, daß die Strafantrittszeit aus Versehen falsch eingetragen wurde. Weiter wird mitgeteilt, daß der betreffende Beamte, dem das Versehen passiert ist, von der Gefängnisverwaltung zurRechenschaftgezogen worden ist, Se�erKscbaMicKeft. Der Trade-Unionskongreß und die englischen Streikbrecher. London, S. September.(Eig. Ber.) Unter den Resolutionen, die der Kongreß gestern dis kutierte, befand sich auch die über die Ausfuhr von englischenStreikbrechern. Die Resolution wurde vom Arbeiterabgeordneten JohnWard(Sekretär der Erd, arbeiter) begründet. Er sagte: „Es ist eine Schmach für England, daß es gestattet, Streik brecherexpeditionen zu organisieren, um ausländischen Arbeitern, die um eine Verbesserung ihrer Existenz kämpfen, in den Rücken zu fallen. Angesichts des Wachsens der militärischen Lasten in allen Ländern war es die Politik der Arbeiter, die Jnternatio nalität zu pflegen. Aber die Streikbrechererpeditionen stören uns in unserer Arbeit für den internationalen Frieden. Ich hoffe, der Kongreß wird die Resolution einstimmig annehmen, um dadurch die Schmach auszulöschen, die uns durch Leute, die sich Engländer nennen, angetan wurde." Der Delegierte I. Anderson unterstützte die Resolu tion und brandmarkte vor allem die Schiffahrt-Föderationen, die sich vorgenommen haben, die Docker-Organisationen zu vernichten. Das Resultat der Streikbrecherexpeditionen ist, daß England zu einem Schimpfnamen auf dem europäischen Festlande wurde.... „Wo war das Handelsministerium, als tblX) Streikbrecher im Hafen von London wie Rindvieh gestempelt und nach Ant- werpcn verschifft wurden? ES ist schade, daß sie nur mit Kautschukstempeln gezeichnet wurden. Mit einem glühenden Eisen hätte man ihnen den Namen„Streikbrecher" auf der Stirn aufbrennen sollen, um sie vor aller Welt zu brandmarken." Der Delegierte W i g n a l l(Swansea), der den Stutt gvrter Kongreß besucht hatte, sagte, die ganze zivilisierte Welt betrachte England als den Herd der Streikbrecher, wo die Leute geholt werden, um die festländischen Arbeiterorganisa tionen zu ruinieren. Der Delegierte H e n s o n(London) erklärte, der Kongreß müsse etwas tun, um den Streikern in Antwerpen beizustehen: „Wir kämpfen bereits seit IS Jahren gegen die Shipping Fcderation, die den festen Entschluß gefaßt hat, den Trade-Unio nismus zu vernichten. Diesem Plane kann nur durch eine intet nationale Verbindung der Arbeiter entgegengearbeitet werden. Die Engländer müssen vor allem ihre Vorurteile gegen die Aus länder aufgeben. Ich komme fast täglich mit skandinavischen und deutschen Arbeitern in Berührung. Ich kann nur sagen, es sind zehnmal bessere Gewerkschaftler als die Engländeks die mit der Schiffahrt verbunden sind. Im Namen der Arbeiter, die von der Shipping Föderation unterdrückt werden, bitte ich Sie, die der dämmten Streikbrecher nicht nur zu verurteilen, sondern auch den Streikenden finanziell beizustehen, um den Kapitalisten zu zeigen, daß man Männer, die um eine menschenwürdige Existenz kämpfen, nicht vernichten kann." Die Resolution wurde einstimmig angenommen UNZ Zen Streikenden in Antwerpen telegraphisch mitgeteilt, Gewissenlose Seelenverkäufer. Vor kurzem kennzeichneten wir das Treiben einiger Agenten, Me unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Arbeiterfamilien nach bestimmten Bezirken lockten, um die in Not Befindlichen dann als Streikbrecher anzuwerben. Zu diesem Treiben erhalten wir als Ergänzung noch folgendes Privattelegramm unseres Korre- spondenten: Bei der Hamborner Polizeiverwaltung ging noch folgendes Telegramm ein: Arbeiter nach OscherSleben nicht mehr abreisen, da die Angekommenen obdachlos auf der Straße liegen. gez. Polizei. Die Abgereisten werden mit Kind und Kegel auf der Straße liegen gelassen und wissen nicht wohin. Es soll sich um 1 3 1 P e r- sonen handeln, wozu eine Menge kleinex Kinder kommt, denn es sind Dienstag und Mittwoch 131 Fahrkarten nach Oschersleben auf dem hiesigen Bahnhof verkauft worden. Die sächsischen Behörden werden hoffentlich dazu beitragen, den hüls- losen Leuten das Weiterkommen zu ermöglichen. Zu derselben Sache wird aus Operfeld mitgeteilt, daß in der dortigen Gegend noch andere Agenten ihr Unwesen treiben. Die- selben stammen aus Sachsen und suchen für die dortigen Zechen Arbeitskräfte. Den Leuten wurden sehr verlockende Versprechungen gemacht und viele ließen sich überreden. Es wurde ihnen ein Arbeitslohn von S bis 7 M. pro Schicht versprochen, auf der anderen Seite aber seien vor einigen Wochne etwa 400 aus Sachsen kommende Bergleute aus verschiedenen Zechen gekommen. Diese Leute seien mit der Behandlung und dem Verdienst auf den Zechen sehr unzufrieden gewesen._ Berlin und Qmgegend. Die Gastwirtsgehülfen und die Berliner GewerkschaftSkommission. Die für die Gastwirtsgehülfen soviel versprechende Jahreszeit — die paar Sommermonate— sind vorüber, und wohl die meisten qaben ihre Hoffnungen auf Grund der überaus ungünstigen Witterung zu Grabe getragen. Es beginnt für sie die Zeit des Notstandes, in der rücksichtslos Unternehmer und Stellenvermittler im Bewußt- sein ihrer wirtschaftlichen Macht oftmals gemeinschaftlich die Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeitslosen ausüben: crstere durch Lohndrückerei und sonstige Drangsalierungen, letzterer durch Erpressung von klingender Münze, der hohen Stellen- Vermittlungsgebühren. Bis zu einem gewissen Grade hat die Organisation der Gast- wirtsgehülfen, der Verband deutscher Gastwirts- g e h ü l f e n, diesen Mißständen zu steuern gewußt, doch hat die- selbe bisher trotz rühriger Agitation noch nicht die Stärke erreicht, um überall mit Erfolg einzugreifen. In Rücksicht dessen hat die Berliner Gewerkschaftskommission, von der Notlage der Gastwirts- gehülfen überzeugt, durch einstimmige Annahme nachstehender Resolution ihre Solidarität bekundet: „In Erwägung, daß die Arbeitsverhältnisse der Gastwirts- gehülfen außerordentlich ungünstige sind und die Agitation für die Organisation ganz besonders erschwert ist; in weiterer Er- wägung, daß festgestellt ist, daß im Gastwirtsgewerbe Stellen- wucher und Kommissionär-Unwesen in einer Weise ausgebreitet, wie in keinem anderen Berufe, beschlieht die Berliner Gewerk- schaftskommission, die Gastwirtsgehülfen in ihrem schweren Organisationskampfc dadurch zu unterstützen, daß die Dele gierten in ihren Gewerkschaften dahin wirken, die VergnügungS- komitees, die Vorstände der Organisationen sowie die Vertrauens Personen anzuweisen, bei Abmachungen von Vergnügungen und Versammlungen die Gastwirte schriftlich zu verpflichten, organ sierte Gastwirtsgehülfen zu beschäftigen, die dem„Verband deutscher Ga st wirtsgehülfen"(Ortsverwaltung Berlin, Gr. Hamburgerstr. 18/10— Amt III, 1813) zu entnehmen sind. Es ist Ehrenpflicht der berufenen Vertreter der Organisationen, sich bei Beginn der Vergnügungen oder Versammlungen davon zu überzeugen. ob der Ga st Wirt den getroffenen Verein- barungen nachgekommen i st." Der Vorstand obigen Verbandes ersucht deshalb die organi sierte Arbeiterschaft, dem Beschluß der Gewerkschaftskommission die gebührende Beachtung zu schenken und dementsprechend zu handeln. Arbeitcrklagen über den Augustusbrückcnbau zu Dresden. Lebhafte Klagen der Arbeiter, namentlich der Steinarbeiter, über die Handhabung verschiedener Angelegenheiten, Lohnfrage, Akkordtarif usw., beim Neubau der Dresdener Augustusbrücke werden jetzt laut. Mit den beim Brückenbau beteiligten großen Firmen Dykerhoff u. Widmann und Holzmann u. Co. leiteten die Arbeiter Verhandlungen zwecks Beseitigung verschiedener Differenzen ein, die aber ergebnislos verlaufen sind. Die Ver treter der Firma Holzmann u. Co. erklärten den vorstellig ge wordenen Arbeitern, auf keinen Fall mit den Organisationen ver handeln zu wollen. Sie hätten einen Vertrag mit dem Rat zu Dresden und wenn die Arbeiter etwas wollten, müßten sie sich dort hin wenden. Die am Brückenbau beschäftigten Steinarbeiter hatten den genannten Firmen einen Akkordtarif vorgelegt, der jedoch vor den Unternehmern nicht anerkannt wurde. In den Kreisen der Steinarbeiter wundert man sich darüber, daß die Steinarbeiten den genannten Firmen Dykerhoff u. Widmann und Holzmann u. Co. übertragen worden sind, weil nach den Behnuptungen der Arbeiter Oberbürgermeister Beutler zwei Vertretern der Dresdener Stein- metzinnung versprochen haben soll, daß die Steinmetzarbeiten zum Brückenbau vom Nullpunkt ab aufwärts ausgeschrieben und an Dresdener Steinmetzmeister vergeben werden sollten. Sie beschweren sich weiter darüber, daß man auswärtige Arbeiter bevorzuge, obgleich es in Dresden an Arbeitslosen nicht mangele. Da nun die Ver- Handlungen mit den Unternehmern zu keinem Resultat geführt haben, haben die Steinarbeiter am Brückenbau zu Dresden die Sperre übe r�b i e Firmen Dhkerhoff u. Widmann und Holzmaiin u. Co. verhängt. Die Arbcitervertreter im Stadtverordnetenkollegium werden voraussichtlich den Rat interpellieren, wie er sich zu der Arbeiterfrage zu stellen gedenke. Lohnbewegung der Leipziger Bäcker in Sicht. Die Bäcker beschlossen in einer Versammlung, die im Früh jähre bereits eingeleitete Bewegung im Herbste zu Ende zu führen. Bekanntlich haben sie im vorigen Jahre schon einen Kampf geführt, wobei ein Teil der Meister und auch nur teilweise die Forderungen bewilligten. Diese Forderungen zur Regelung und Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse sollen nun abermals erhoben werden._ Lohnbewegung der Textilarbeiter Leipzigs. Auf die von den Arbeitern eingereichten Forderungen hat die Direktion der Gautscher Kammgarnspinnerei geantwortet, daß sie ablehne, mit der Textilarbeiterorganisation zu verhandeln, aber zu Verhand lungen mit„ihren" Arbeitern über Lohnaufbesserungen und „Wünsche" bereit sei. Im Interesse der Sache wurde aus dem Personal der Firma eine Kommission gewählt, die die VerHand lungen führen soll. Es wird sich ja herausstellen, ob es der Firma Ernst ist. Die Wahlen zum Kaufmannsgericht in Leipzig setzen die be teiligtcn Organisationen in lebhafte Bewegung. Das Tätigkeits gebiet des Gerichts ist in Zukunft nicht nur die Stadt, sondern die Amtshauptmannschaft Leipzig. Statt 30 wird es 40 Beisitzer haben. Der Percin der Buchhandlungsgehülfen geht nicht mehr mit dem deutschnationalen Handlungsgehülfenverband zusammen, sondern stellt eine eigene Liste auf. Der Zentralverband der Handlungs- gehülfen stellt mit dem Lagerhalterverbande eine gemeinsame Liste auf._ Scharfmacherei überall. Im Hotel Wittelsbach zu Nürnberg gab es kürzlich einen Hoteldienerstreik. Ein Hotelgast, angeblich ein hoher Regierungs- beamter aus Wien, war spät in der Nacht schwer bezecht nach Hause gekommen und hatte im Hotel allerlei groben Unfug ver- übt. Unter anderem bearbeitete er fortgesetzt die Glocke, so daß die anderen Gäste in ihrer Nachtruhe gestört wurden. Auf deren Verlangen verwies der Nachtportier dem lärmenden Gaste sein Gebaren. Aber der Negierungsmann vom Donaustrand nahm dies gewaltig krumm und schlug aus allen Kräften auf den dienstbaren Geist ein, bis diesem die Geschichte zu dumm wurde und er seinem Gegner eine Ohrfeige versetzte. Darauf wurde nicht etwa der unge- zogene Gast hinausgeworfen, sondern der Portier, d. h. er wurde sofort entlassen. Die übrigen Hausdiener verlangten die Wiedereinstellung und legten, als dies verweigert wurde, die Ar- beit nieder. Das Hotel kam dadurch in große Verlegenheit, weil die Hoteldiener der anderen Hotels sich einmütig weigerten. Aus- hülfsdienste für Wittelsbach zu leisten. Der Hoteldirektor hat es nun unternommen, eine Vereinigung der Hotelbesitzer und Gast- Wirte zu gründen, um dem„Terrorismus" des Verbandes der Hoteldiener entgegenzuwirken. Den Hausburschen soll durch die Hungerpeitsche klar gemacht werden, daß sie stille zu halten haben, wenn ein vornehmer Gast in der Bezechtheit geruhen will, sie durch- zuprügeln. HustancL Der Kampf der Antwerpener Docker. Antwerpen. 6. September.(Eig. Ber.) Auch die traurige Lehre der letzten Ereignisse hat auf die Unter- nehmer keinerlei Eindruck gemacht. In einen, Schreiben an den Bürgermeister, der in' seinem so versöhnenden Vorschlag— Auf- nähme zu den alten Lohnbedingungen und Er- nennung eines aus Delegierten beider Parteien gebildeten Schiedsgerichts— das größte Entgegenkommen zeigte, erklären die Unternehmer trocken, von ihrem Stand- punkt nicht weichen zu können. Der Hafen ist mit Militär umzingelt— der Traum der Unternehmer erfüllt und jeder Handgriff der Streikbrecher ist von In- anterie oder Bürgergarde bewacht. Das macht den Mut der Unternehmer kühn: nun hoffen sie auf ungehinderte Streik- brecherzufuhr und siegesgewiß werden neue Schübe angekündigt. Aber immer werden nur hunderte Streikbrecher aufgezählt, und was wollen die zirka 2000 Engländer, die jetzt arbeiten ollen, und noch einige Hundert, die ankommen sollen, bedeuten dem ChaoS gegenüber, das nun seit einem Monat im Hafen herrscht? Sieht man diese paar hundert Hände tätig, und wohin das Auge reicht, turmhoch die Kisten, Wollballen, Getreide- äcke usw.— die mit Schiffen überfüllten Bassins, die tot daliegen und auf tausende geübter Hände warten— dann erscheint einem der Optimismus der Untenrehmer ebenso lächerlich wie ver- brecherisch und gewissenlos. Alle Welt hält die Beendigung des Streiks, der einer unheilvollen und gefährlichen Situation mit einem Ruck ein Ende machen kömrte, für e i n Ding d e r a b s o- lutesten Notwendigkeit. Es muß immer wieder gesagt werden: die Unternehmer und nur die Unternehme stemmen sich gegen eine friedliche Lösung. In der gestrigen Versammlung der Streikenden, die einen Zu- ström wie noch nie hatte, sprachen außer den Antwerpener Streik führen, die sozialistischen Abgeordneten Van Langendane! und A n s e e l e und der Sekretär der Gewerkschaftskommission, Genosse Berg m ans unter ungeheurem Beifall. Besonders Anseele fand mit seinem kraftvollen Humor, der aber immer auch ins Gewissen trifft, und mit seiner scharfen Argumentation jubelnde Zustimmung. Die Versammlung protestierte einmütig dagegen, daß man die Streikenden für die Brandlegungen verantwortlich machen wolle. UebrigenS �haben sich eine Reihe von Persönlichkeiten, die nichts mit der Streikbewegung zu tun haben, im selben Sinne ausgesprochen, indem sie die Brände als von Missetätern angestiftet bezeichneten. Die großen Gewerkschaften haben bereits größere UnterstützungS- summen angekündigt, so die Syndikate von VervierS 30 000 Fr., die„Antwerpensche Vakbonden" ebenfalls 30000 Fr., die Bnisseler Buchdrucker u. a. mehr. Die Stadt ist ruhig— die Streikenden sehen, in ganz kleine» Gruppen stehend, mit spöttischer Miene den von Gewehrkolben um- säumten ausländischen Streikbrechern bei der Arbeit zu. Die Bürger- garde wurde verstärkt und ans Ostende kam noch ein Infanterie- Regiment. Der Hafen sieht wie ein Feldlager aus. Ter Petersburger Lithographenvcrband ersuchter Redaktion des„Russ. Bulletins", die deutschen Kollegen davoü in Kenntnis zu setzen, daß die Typo-Lithographic von K i b b e l in Petersburg, auf der die Arbeiter vor einiger Zeit in Ausstand getreten sind, in Berlin Streikbrecher anwirbt. Die deutschen Kollegen wer- den ersucht, jeden Zuzug strengstens fernzuhalten und etwa ange- wordene Arbeiter zurückzurufen, weil es den Petersburger Kol- legen unmöglich ist, in Anbetracht der herrschenden polizeilichen Bedingungen, in die Fabrik einzudringen. Es verdient der Be» achtung, daß der Petersburger Lithographenverband aus Anlaß des Streiks bei Kibbel polizeilich geschlossen wurde. Achtung, Metallarbeiter! In Bielefeld ist ein Streik ausge« brachen. Da der bestreikte Arbeitgeber versuchen will, in Berlin Arbeitswillige zu erhalten, ersuchen wir dringend, jede» Arbeitsangebot nach Bielefeld abzulehnen� Deutscher Mbtallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin, Letzte JVacbncbtcn und DepeFebea Lebcnsgefährleche Brandwunden erlitt gestern abend ein achtjähriges Mädchen bei einem Brande, der in der L i e b i g st r a ß e 4 in einer Küche ausbrach. In Abwesen- heit der Eltern versuchte da? achtjährige Kind in der Küche Feuer anzumachen. Es benutzte dazu eine Petroleumkanne, wobei das Petroleum in Brand geriet und dem Mädchen die Kanne entglitt. Bevor noch auf da? Geschrei des Kindes Hälfe zur Stelle war, standen seine Kleider schon in Flamm e.n. Haus- bewohner, die dann herbeieilten, rissen ihm die Kleider vom Körper. Die inzwischen eingetroffene Feuerwehr löschte den Brand und brachte das Mädchen nach der nächsten Unfallstation, wo ein Arzt die schweren Brandwunoen verband. Der ganze rechte Arm, sowie die rechte Brustseite mußten verbunden werden. Wegen der Lebensgefahr wurde das 5ftnd dann nach einem Krankenhause gebracht. Wahlrechtsschacher. Berlin» 7. September.(B. H.) Der Reichstagsabgeord- nete Payer ist heute früh in Norderney eingetroffen und hatte eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler zusammen mit dem Abgeordneten Schmidt-Elberfeld. Hierauf fand ein gemeinsames Dejeuner statt. Förderung sozialer Bestrebungen. Breslau, 7. September.(Privatdepeschc des„Vorwärts".) Der Magistrat der Stadt Breslau bewilligte 000 Mark an die Arbeiter- schuykommission für eine WohlfahrtSausstellung, die in einem städtischen Lokale stattfinden wird. Unternehmerpraktiken in Antwerpen. Brüssel, 7. September.(Privatdepesche des„Vor- wärt s".) Die Unternehmer ließen Plakate anschlagen, die eine verlogene Darstellung des Streikes geben. Es heißt in diesem An- schlag, daß der Streik rein politische Ursachen habe und von der Sozialdemokratie inszeniert sei. Die Unternehmer kündigen an, daß sie nicht nachgeben, um nicht das Anseehn der Streikführer zu stärken. Der Streik hat sich noch auf andere Arbeiterschichten aus- gedehnt. Ein Teil der Unternehmer will entgegen der Parole der Unternehmervereingung arbeiten lassen, auch die Stauer sind einer Verständigung mit den Dockarbeitern geneigt; der Präsident der Unternehmer und seine Clique lehnen jedoch jede Vereinbarung ab. Tie Kaufleute sympathisieren mit den Streikenden und geben dieser Sympathie durch reichliche Spendung von Naturalien AuS- druck. Die Diamantarbeiter bewilligten den Ausständigen 25 000 Frank. Der Streikfonds ist auf über 100 000 Frank an- gewachsen. Ein großer Teil der Presse bekämpft den TcrrorismuS der Unternehmerclique. Eine Anzahl holländischer Dockarbeiter, die hier ankamen, haben die Arbeit verweigert und sich in einer Streik- Versammlung mit den Ausständigen solidarisch erklärt. Die Promenaden am Hafen sind mit Stricken für den Verkehr ab- gesperrt. Das Militär und die Bürgergarde befinden sich ununter- brachen im Dienst. Die Ruhe wurde nicht gestört. Tödlicher Unglücksfall. Duisburg, 7. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".). Ein tödlicher Unglücksfall kam heute im Hochofenbetriebe der Gute-' Hoffnungshütte vor. Der Arbeiter Hinz geriet mit dem Kopf beim Abladen von Förderung unter ein Gitter. Dem Arbeiter wurde der Kopf zerquetscht, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Beendigung des englischen Gewerkschaftskongresses. Bath, 7. September.(W. T. B.). Der Trade-Union-Kongreß wurde nach Annahme einer Resolution geschlossen, durch welche die Regierung aufgefordert wird, die Frage der Arbeitslosen dadurch zu regeln, d»ß sie unter Reorganisierung der Industrie auf genossenschast- licher Basis den Arbeitslosen dauernde Arbeit schafft. Gefährdung eines Eisenbahnzuges. Soldau, 7. September. M. Ordnungsstrafe erhielt.(Heiterkeit.) Damals spielte der Landgerichtsdirektor Oppermann eine besondere Rolle. (Sie kennen ja den Namen Oppermann.(Große Heiterkeit.) Wo immer man den Namen Brausewetter nennt, da mutz auch der Name . Oppermann genannt werden. Oppermann hatte nicht nur mit mir I Konflikte. Dieser Mann ist auch gemaßregelt worden, aber er ist ''hinaufgemaßregelt worden. Reichsgerichtsrat ist er geworden, und I beinahe hätte er in meinem Hochverratsprozeß mit zu judizieren 1 gehabt.(Lebhafte Zurufe.) So geht es, Parteigenossen." Blirttchaftlicher Wochenbericht. Berlin, 7. September 1907. Börsenstimmung— Getreidepreise— Weltrrnte. Abgesehen von einigen Jndustriepapieren, bei denen irgend welche Kombinationen zu Spekulationen reizten, war die Stimmung an den Börsen in den letzten Wochen pessimistisch. Ende der vorigen Woche schien es einmal, als ob der Berliner Börse wieder schönere Tage kommen sollten. Man nahm einen Anlauf zu lebhafterer Be- lätigung. Und eine Redefloskel war der Anlaß zu dem vergeblichen Versuch. Für 24 Stunden hatte der Vizepräsident der Reichsbank, Herr v. Glasenapp, bessere Börsenstimmung gemacht, und zwar durch eine Bemerkung, die man glaubte als die Zusicherung deuten zu dürfen, die Lage auf dem Geldmarkt habe sich schon wesentlich günstiger gestaltet. Das war eine Täuschung und schnell war das aufblitzende Hoffnungsstrählchen wieder verlöscht. Und so sehr man sich auch bemüht, auf anderi Momente als Zeichen dauernd guten Wirtschaftswetters zu verweisen, z. B. hohe Förderziffern, flotte Beschäftigung in den Hüttenwerken, günstige Geschäftsberichte, die andere Seite glaubt nicht mehr an ununterbrochenen Sonnenschein. Die Klagen aus der weiter verarbeitenden Industrie über sich bemerkbar machende Verminderung des Arbeitsstockes, vor allem aber auch über Verschärfung des Miß- Verhältnisses zwischen Materialkosten und Preisen für Fertigerzeugnisse, die Berichte aus Handelskreisen über Absatzerschwerung und be ginnende Preiskämpfe, die andauernd prekäre Lage auf dem Geld markt, Abschwächung der Eisenpreise in Amerika, das Konzert in Casablanca und schließlich das ununterbrochene Hinaufgehen der Getteidepreise, sind Unwetter ankündigende Erscheinnngen, die stärker wirken als die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Die günstigen Abschlüsse einiger Unternehmen, die jetzt mit dem Geschäfts bericht herauskommen, beweisen nur, IvaS war, nicht geben sie Garantie für die Zukunft. Es gehörte ein sehr starker Glaube dazu, anzunehmen, ein Danktelegramm BülowS an den Bankiertag werde die Börse nachhaltig beeinflussen. Die Bankiers hatten Bülow antelegraphiert, der hatte gedantt. Aehnliches kommt öfter vor. Aber man stellte sich, als hätte man die Börsenreform schon in der Tasche. Als ob bei einem Worte BülowS auch sicher der Mann stehe. Dazu hat er sich zu nichts verpflichtet. Wäre das Gegenteil der Fall und ist die Reform sicher, die dräuenden Wetterwolken sind damit nicht vorübergezogen. Im Gegenteil, die Entladung scheint sogar sehr heftig zu werden. Besondere Besorgnis können die zu be- ängstigender Höhe hinaufkletternden Getreidepreise auslösen. Man muß in den Statisttken schon 16 Jahre zurückgehen, um so hohe Notierungen zu finden, wie die heutigen. In den letzten zwei Wochen find die Weizenpreise wiederum um 16—17 M. hinauf- gegangen und halten sich mit kleinen Sprüngen nach unten und oben auf dem Satz: 227/223. Um ein Bild von der EntWickelung der Preise zu geben, setzen wir Berliner Notierungen aus dem August und September dieses Jahres in Vergleich zu den Preisen des Vorjahres nach zwei Ouartalsdurchschnitten. Es kosteten Mark pro Tonne: Weizen II. Quartal 1906... 183,22 EI., 1906... 176,92 14. August 1907... 201,25 22.. 1907... 214,00 2. Septbr. 1907... 222,50 6.. 1907... 227,50 7.. 1907... 229,75 Die jetzige Notierung erhebt sich bei Weizen Roggen 160,57 155,54 184,75 195,00 200,50 203,75 205,50 um rund 60 M. gegen gleich 28 Proz. über den Septemberpreis des Jahres 1906; den Septemberdurchschnitt des Jahres 1905 beträgt die Steigerung sogar 33 Proz. Bei Roggen stellt fich die Preiserhöhung auf 48 resp. 61 M. oder 30 resp. 33 Proz. DaS Anziehen der Preise zeigt sich an allen Handelsplätzen der Welt. am schärfsten aber doch in Berlin, wie die folgende Aufstellung beweist. Es notierten: Steigerung-s- Berlin. Chicago Pest.. Paris. Um. weiter entWickelung zu Weizen 27. August 2. Septbr. 222,50 M. 92.00 CtS. 11,43 Kr. 23.90 Fr. Ueberblick : � 216,75 M. .. 91'/« Cts. .. 11,66 Kr. .. 23,50 Fr. zurückgreifend, einen geben, bringen wir in nachfolgender Ausstellung Rückgang— in Prozent »st 3,13 -st 0,27 — 1,99 -st 1.70 über die Preise Relativzahlen, die sich ergeben nach den Notierungen der Berliner Börse, indem der Durchschnitt 1879/1888 gleich 100 gesetzt ist. Für die Zeit vom 1. Januar 1897 bis 1. April 1900 sind die amtlichen Breslauer Notierungen zugrunde gelegt. Infolge Schließung der Berliner Getreidebörse fehlen die amtlichen Notierungen für Berlin. 1879 1885 1890 1391 1895 1900 Roggen 89,58 94,81 144,66 142.47 80,78 96,57 Weizen 107,73 87,61 106,40 122,09 77,57 83,12 Hafer 98,07 103,76 122,02 128,09 93,90 103,82 Wie sofort klar in die Augen springt, hatte das Jahr 1891 ganz ungewöhnlich hohe Preise. Eine sehr schlechte Ernte war die Ur- fache. In Frankreich war der Weizen, in Rußland der Roggen total mißraten. Auch diesmal ist unbeftiedigende Welternte das stärkste Haussemoment. Die schon seit Monaten anhaltende Be- wegung nach oben erhiell nun in den letzten Tagen noch besonderen Nachdruck durch die vom ungarischen Ackerbauministerium veröffent- lichte Schätzung der Welternte. Die Schätzung bringt sehr im- günstige Zahlen. Danach stellen sich die diesjährigen Ernteerträge im Vergleich zu den vorjährigen wie folgt: Weizen Roggen Gerste Hafer Mais in Millionen Doppelzentner 1907... 860 407 331 541 937 1906... 933 399 326 536 1037 Der Ausfall bei Weizen und Mais ist ganz erheblich; dem Minderertrag in diesen beiden Fruchtsorten stehen nur unbedeutende Mehrerträge bei Roggen, Gerste und Hafer gegenüber. Die Ernte allein ist aber für die Weltversorgung nicht matzgebend, eS müssen auch die vorhandenen Bestände berücksichtigt werden. Unter Berück- sichtigung der Vorräte rechnet daS ungarische Ackerbauministerium bei Weizen trotz deS großen Ernteausfalles doch noch einen lieber- schütz von zwei Millionen Doppelzentnern über den Weltbedarf her aus, bei Roggen dagegen ergibt sich, obwohl die Ernte gegen das Vorjahr einen Mehrertrag von 13 Millionen Doppelzentnern er- bringen soll, ein Manko von 4 Millionen Doppelzentnern. Bei Mais bleibt die Summe aus Ernte und Vorrat um 7 Millionen Doppelzentner hinter dem Weltbedarf zurück, während bei Gerste ein Ueberschnß von 6 Millionen Doppelzentner verbleibt und bei Hafer daS Plus fich auf 9 Millionen Doppelzentner stellt. Die Schätzungen können aber auf Genauigkeit keinen Anspruch machen. Bisher haben die Abmessungen des ungarischen Ackerbauministeriums sich noch nicht als Präzisionsarbeit erwiesen. Die vorjährige Weizenernte blieb z. B. um 11 Millionen Doppelzentner hinter der Schätzung zurück, während die Ernteerträge in Roggen, Gerste, Mais und Hafer um 17, 11, 65 und 9 Mill. Doppelzentner über die Schätzung hinausgingen. Es ist nur zu bedauern, daß die ungünstige Schätzung, nach der eine ungestörte Deckung der Bedürfnisse fast ausgeschlossen erscheint, der preissteigernden Bewegung noch kräftig nachHilst. Die Schätzung des ungarischen Ackerbauniiuisteriums kann den Konsumenten viele Millionen Mark kosten. Würde sie lediglich dazu dienen, die Ver- sorgung der Märkte besser zu regulieren, dann wäre sie zu be- grüßen, selbst dann, wenn sie die Erutemenge viel zu niedrig erfaßte. Unter den obwaltenden Verhältnissen wird die Spekulation durch die Schätzung aber gerade angereizt, die Versorgung der Märkte zu stören, um dadurch die Preistreiberei noch weiter zu fördern. DaS ist kapitalistische Ordnung. Es gibt einige Milliardäre mehr, wenn die große Masse der Konsumenten an Brotmangel leidet. Der Brot- Wucher ist ein großes Geschäft. v. Soziales. Die Jnvnlidcnkarte als UriaSbrief. Vor uns liegt dieses vertrauliche Rundschreiben! Arbeitgeberverband für das Baugewerbe zu Aachen, 28. August 1907. Aachen und Umgegend. Theaterstr. 0. An unsere Mitglieder! Nach Mitteilung des Arbeitgeberverbandes für das Ba» gewerbe des Stadt- und Landkreises Krefeld sind daselbst seit dem 20. Juli d. I. 542 Bauarbeiter ausständig. Wir ersuchen ergebenst, Arbeiter aus dem Krefelder Bezirk bis auf weiteres nicht einzustellen, und machen darauf aufmerksam, daß der Ent- wertungsstempel der Jnvalidenkarte» der in Krefeld streikenden Arbeiter mit der Nr. 41 versehen ist. Es wird höflichst gebeten, auf diese Nummer genau zu achten und die Arbeiter mit solcher Karten nicht einzustellen. Hochachtungsvoll Der Vorstand. I. A.: Heinr. I. S i e p r a t h. Die Scharfmacherpresse wird nicht müde, Polizei, Gerichte und Gesetzgebung gegen die organisierte Arbeiterschaft aufzuhetzen, indem sie immerfort erfundene oder verdrehte TerrorismuSgeschichtcn produziert. Daß aber gerade vonseiten des organisierten Arbeit- gebertums der krasseste Terrorismus geübt wird, dazu bedürfte es nicht erst des oben abgedruckten Beweises, der allerdings wohl das stärkste Stück ist, das sich Ausbeuter bisher geleistet haben. Denn daß vonseiten eines Unternehmerverbandes die Invaliden- karte in solcher systematischen Weise zur Brandmarkung von aus- ständigen Arbeitern benutzt worden wäre, ist bisher nicht bekannt geworden. Im übrigen wurden in letzter Zeit die Redaktionen der Arbeiterpresse mit ihnen von anständigen Unternehmern zu- gestellten Beweisen des Ausbeuterterrorismus nahezu überschwemmt. So gingen unserem Kölner Bruderblatte in den letzten Tagen drei schwarze Listen auf einmal zu. Die erste enthält die Namen der ausständigen Former der Adelonhütte in Porz bei Köln, die durch die empörende Behandlung vonseiten eines Werkmeisters die Arbeit einzustellen gezwungen worden waren. Die zweite Liste enthält die streikenden Topfbäcker von Höhr bei Koblenz. Und die dritte umfaßt nicht weniger als 941 Namen von streikenden Aachener Bauarbeitern. Das Ausbeutertum weiß, was es sich zum Hohne von Gesetz und Recht erlauben darf. Es weiß, daß die kaiserliche Drohung von der„schwersten Strafe dem, der einen anderen an freiwilliger Arbeit hindert", nur gegen die Arbeiter Geltung hat. Wann end- lich wird ein Strafgesetz die Anwender von schwarzen Listen au» allen Teilen der Bevölkerung von und aus dem Volke gewählte Richtern zur Aburteilung überwiesen? „Darf eine schriftliche Kündigung beS Arbeitsverhältnisses an Wünsche und Forderungen geknüpft sein?" (Ein Nachklang zum Binnenschifferstreik.) Bekanntlich legten im Herbst 1906 bei mehreren größeren Ge. sellschaften die Binnenschiffer(Bootsleute, Steuerleute usw.) die Arbeit nieder, weil die schwerreichen Unternehmer die bcschei»«c«n „Forderungen und Wünsche" nicht bewilligen zu können glaubten. Vorher hatte die Sektion der Binnenschiffer des Deutschen Hasen- arbeiterverbandes, Verwaltung Magdeburg, den Arbeitgebern ein Zirkular zugestellt, dessen Eingang lautete: „Im Auftrage der in Binnenschiffahrtsbetrieben beschäftigten Boots- und Steuerleute sowie der Maschinisten und Heizer er- lauben wir uns, deren Wünsche und Forderungen» welche eine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse bezwecken, zur wohl- wollenden Prüfung und Berücksichtigung zu unterbreiten." Nach Aufzählung der„Wünsche und Forderungen" und deren Begründung heißt es am Schluß:. � � „Die Schiffsmannschaften sind der Ansicht, daß diese Forde- rungen von Ihnen nicht als unbescheiden bezeichnet werden können, und geben sich der angenehmen Hoffnung hin, daß dieselben Ihrer- seits uneingeschränkte Anerkennung finden werden. Indem wir vorstehende Forderungen der Leute hiermit zu Ihrer Kenntnis bringen, erlauben wir uns zu bemerken, daß eine Verständigung im beiderseitigen Interesse liegen würde und hoffen, bis zum 15. Oktober im Besitz Ihrer geschätzten Antwort zu sein. Sollten Sie wider Erwarten nicht geneigt sein, die vorstehenden Forderungen zu berücksichtigen, so ist das Arbeitsverhältnis am 15. Oktober für die Schiffsmannschaften als gelöst zu betrachten." Die Vereinigten Elbschiffahrts-Gesellschaften antworteten auf dieses beinahe überhöflich gehaltene Schreiben nicht, reichten aber gegen 100 ihrer Deckleute, die am 16. Oktober die Tlrbeit einstellten, wegen Kontraktbruches eine Schadenersatzklage beim Hamburger Gewerbegericht ein. Sie verlangten von je zwei Deck- leuten als Gesamtschuldnern vorläufig einen Betrag von 110 M. und erklärten, die Beklagten hätten ohne Kündigung die Arbeit verlassen, denn das Zirkular enthält keine rechtskräftige Kündi- gung. Um zunächst einen prinzipiellen Entscheid herbeizuführen, zogen die Klägerinnen ihre Klage bis auf gegen zwei Dcckleute zurück. DaS Olewerbegericht wies die Klage ab, weil die Kündi- gung ordnungsgemäß erfolgt sei. Die Zivilkammer des Landgerichts Hamburg als BerufungS- instanz hob das Urteil des Gewerbcgerichts auf und erklärte den Schadenersatzanspruch der V. E.-G. dem Grunde nach für bcrech- tigt. Zur weiteren Verhandlung wurde die Sache an die Vor- instanz zurückverwiesen. Begründend wird u. a. ausgeführt:„Der Vorderrichter geht davon aus, daß das betreffende Zirkular eine Kündigung enthalte. Dieser Auffassung kann nicht beigetreten werden. Durch den in demselben(oben erwähnten) Schlußsatz wird eine rechtswirksame Kündigung nicht erklärt. Die Kündi» gung mutz dem Gekündigten in unzweideutiger Weise den Willen des Kündigenden erklären, daß das zwischen ihnen bestehende Rechtsverhältnis für einen bestimmten Zeitpunkt aufhören solle. In dem Zirkular werden den Arbeitgebern, wie es im Eingang heißt, Wünsche und Forderungen der Arbeitnehmer zum Zwecke der Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zur wohlwollenden Prüfung und Berücksichtigung unterbreitet. Schon hierdurch ist zum Ausdruck gebracht, daß es sich nicht in allen Punkten um For- Gerungen handelt, von welchen die Arbeitnehmer auf keinen Fall» abgehen zu wollen erklären, sondern um Vorschläge, welche seitens der Arbeitnehmer gemacht werden und welche in der dann fol- senden Begründung als berechtigt dargetan werden. Die weiteren Ausführungen des Zirkulars können gar nicht anders aufgefaßt werden, wie die Bitte, bis zum 1ö. Oktober sich zu erklären, welche Vorschläge angenommen werden» eventuell welche Gegenvorschläge gemacht werden. Daraus und aus dem Beschlutz deS Zirkulars konnte der Arbeitgeber nicht entnehmen, ob der Wille der Arbeit- nchmer dahinging, das Arbeitsverhältnis auch dann aufzulösen, wenn biS zur genannten Zeit ein Teil der Vorschläge von ihm an- genommen, ein Teil abgelehnt, oder mit Gegenvorschlägen beant- wartet war. Der Arbeitgeber konnte ferner aus dem Zirkular nicht entnehmen, ob das Arbeitsverhältnis nur aufgelöst werden sollte, wenn der Empfänger die Vorschläge nicht annahm. Hier- nach war die Kündigung inhaltlich nicht bestimmt und definitiv. Sie war daher nicht wirkungssähig.— Die Beklagten selbst haben am 12. Oktober nicht gekündigt. Sie handelten daher Vertrags- widrig, als sie am 1ö. Oktober die Arbeit niederlegten, da sie hier- durch die für sie bindenden Personalvorschriften, durch die eine fünftägige Kündigungsfrist vereinbart war, verletzten und sind sie daher schadenersatzpflichtig. Die Höhe dieses Schadens wird da- durch begrenzt, datz die Klägerin so gestellt sein mutz, als wenn ihr vom 16. Oktober an noch fünf Tage die Arbeitskraft der Beklagten zur Verfügung gestanden hätte. Von einer Mitschuld der Klägerin bei Entstehung des Schadens durch Nichtbeantwortung des Zirku- lars kann keine Rede sein, da keine Rechtspflicht für die Beant- Wartung bestand." Die Eingangs gestellte Frage ist also im Gegensatz zum Ge- Werbegerichtsurteil verneint worden. Diese Entscheidung erscheint falsch, weil die angewendete Form der Kündigung nach den Regeln über Treue und Glauben unzweideutig und klar erfolgt ist. Aus dem landgerichtlichen zugunsten des Unternehmertums wirkenden Urteil dürfte aber, um ähnlichen Rechtsirrungen vorzubeugen, die Lehre zu ziehen sein, datz bei.schriftlichen Massenkündigungen mehr auf präzise Form als auf höfliche Redewendungen zu geben ist. Ist PlSblich eingetretenes Glatteis als außergewöhnliches Natur- ereigniS anzusehen? Ein Tagelöhner war in Dortmund auf dem unbe st reuten Hiltropwall infolge des eingetretenen Glatteises zu Fall gekommen und hatte sich einen Unterschenkelbruch zugezogen. Derselbe klagte gegen die Stadt Dortmund auf Ersatz der Pflege- und Kurkosten sowie auf Zahlung einer monatlichen Rente von 66 Mark. DaS Oberlandesgericht Hamm wies Kläger ab mit folgender die oben aufgeworfene Frage bejahenden und für alle Stadtgemeinden, welche die Stratzenreinigung auf den Kommunaletat übernommen haben, sehr wichtigen und sehr unsozialen Begründung: „Die Stadt habe allerdings für den verkehrssicheren Zustand der Stratze zu sorgen, jedoch konnte sie für die Folgen des Unfalles nicht haftbar gemacht werden, weil sich nicht ein schuldhaftes Unter- lassen der Streupflicht seitens der Stadt ergab. Der Straßen- meister ließ— dem Urteil gemäß— von seinem Personal die Bürgersteige bestreuen, aber bei der Ausdehnung der Stadt liegt es auf der Hand, datz die Besandung der Stratzenteile nur nach und nach erfolgen konnte. Wenn der Kläger der Stadtgemeinde zum Vorwurf macht, sie habe es unterlassen, die Zahl ihrer Straßen- arbeiter zu verstärken, so übersieht er, daß es sich um ein außer- gewöhnliches Naturereignis handelt. An ein Gemeinwesen von der Bedeutung der Stadt Dortmund könne nicht die Aufforderung ge- stellt werden, datz es sich für jeden nur vereinzelt auftretenden Vedürfnisfall vorsieht. Die Beklagte verletzte nicht ohne weiteres die im Verkehr von ihr geforderte Sorgfalt, wenn sie nach Möglich- keit mit den ihr zur Verfügung stehenden Arbeitskräften das außer- gewöhnliche Verkehrshindernis zu beseitigen suchte. Ueberdies sei es sehr zweifelhaft gewesen, ob eS der Beklagten bei dem im In- dustriegebiet herrschenden Mangel an Arbeitskräften gelungen wäre, nach dem unerwarteten Auftreten des Glatteises so schnell die erforderliche Aushülfe zu beschaffen. Der Kläger handelte selbst fahrlässig, und es trifft ihn ein mitwirkendes Verschulden insofern, als er bei seinem vorgerückten Alter am Arme seiner ihn be- gleitenden Schwiegertochter die Straße hätte passieren müssen, Wie falsche Lohnstatistikcn zustande kommen. Unter der Anschuldigung, dem Bergmann Groll aus Ober- Hausen 50 Mark Vorschutzgelder unterschlagen zu haben, hatte sich der Betriebsführer beider Schächte der Zeche„Concordia" zu Ober- Hausen, Karl Gewecke von dort, auf amtsanwaltliche Berufung vor der Duisburger Fericnstrafkammer zu verantworten. Das Schöffengericht in Oberhausen hatte ihn freigesprochen. Das Er- gebnis der Berufungsverhandlung war wiederum Freisprechung des Angeklagten. Auch wurden die notwendigen dem Angeklagten erwachsenen Auslagen der Staatskasse zur Last gelegt. Doch stellte sich ein bei der Zechenverwaltung geübtes Rechnungsverfahren heraus, das der amtierende Staatsanwalt als ein recht bedenkliches Verfahren charakterisierte. Aus der umfangreichen Beweisaus- nähme ging hervor, daß der nunmehrige Wetterkontrolleur Groll dem Angeklagten zwei Jahre hindurch zur Verrichtung privater Arbeiten zugewiesen worden war, wofür ihm der sonst beim Ver- fahren der Schicht gezahlte Lohn von 4 Mark 70 Pfennige weiter- gezahlt worden war. Seitens der Steiger und des jeweiligen Be- triebsführers waren kleinere Anschaffungen für die Zeche in der Weise zu Lasten der Zechenverwaltung gerechnet worden, datz die Kosten der Anschaffung irgendeinem vorher verständigten Arbeiter in die Lohndüte getan wurden. Nachher nahm man ihm den über- scküssigen Betrag aber wieder ab und beglich damit die Rechnungen. Man hatte dem betreffenden Arbeiter soviel Schichten mehr an- geschrieben als ihm für den Rechnungsbetrag wieder abgezogen werden sollte. Dieses Verfahren dürfte den Schlüssel dazu bieten, wie manchmal Lohnstatistiken zustande kommen, denen die Arbeiter nicht glauben. Im borliegenden Falle waren S0 Mark an Kranz- gelber zu bezahlen gewesen. Dem Groll waren dafür eine Anzahl Schichten mehr angeschrieben worden, doch hatte Groll sich diese mehr erhaltenen S0 Mark nicht abziehen lassen, weshalb der An- geklagte einen Vorschutz von S0 Mark auf seinen Namen hatte ent- nehmen lassen. Es ergab sich auch, datz Groll von der Verrechnung der Kranzgelder durch seinen Reviersteiger Hüskes Kenntnis er- halten hatte. DaS frevelhafte Spiel mit Arbeiterleben ist besonders stark im Baugewerbe in Schwung. Die milde Be- Handlung, die den alle Rücksicht auf Leben und Gesundheit der Ar- beiter aufs Spiel setzenden Baulöwen durch die Gerichte zuteil wird, ist nicht geeignet, sie zu etwas mehr Rücksichtnahme zu er- ziehen. In Nürnberg wurde vor einiger Zeit beim Gebälklegen an einem Neubau ein am Aufzug beschäftigter Arbeiter von einem abstürzenden Balken zum Krüppel geschlagen, so daß er mindestens auf Jahre hinaus vollkommen arbeitsunfähig ist. Der Unfall ent- stand dadurch, datz der Kran zu nahe am Bau stand, so datz sich der Balken vom Seil löste und abstürzte. Der Zimmermeister Galster wurde deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung ange- klagt und vom Schöffengericht auch zu 200 M. Geldstrafe ver- urteilt. Aber das Landgericht als Berufungsinstanz sprach ihn frei, obwohl festgestellt wurde, datz der Baukontrolleur vergeblich die Beseitigung des gefährlichen Zustandes verlangt hatte und der Sachverständige der Baupolizei erklärte, datz nur der Leichtsinn Galsters an dem Unfall schuld sei. Das Gericht glaubte einem Kol- legen des Angeklagten mehr als dem amtlichen Sachverständigen. Jener bestritt als„Sachverständiger" jede Schuld des Galster, ließ aber etwas unvorsichtig die Katze aus dem Sack, indem er meinte, je weiter ein Kran vom Bau entfernt stehe, desto mehr Kraft sei zum Aufziehen nötig.— Die Rücksicht auf Menschenleben mutz also hinter dem Unternehmerprofit zurückstehen. Em IndiuflTle md Handel Der Dortmunder Sumpf. Die Dortmunder Union bereitet diesmal den Aktionären eine Aeine Freude. Ungefähr 80 Millionen Mark hat dieser Sumps schon verschlungen. Wie jedesmal wlirden auch bei der letzten Kapitals' crhöhung den Aktionären für die Zukunft bessere Erträgnisse zu» gesichert. Diesmal sollte es wirklich die letzte größere technische Umänderung sein— wie jedesmal— die die Aera statt- sicher Dividendenzahlungen vorbereiten würde. Und nun gibt es auch 3 Proz. auf die Aktien Lit. C., für welche in den beiden Borjahren nur 2 Proz. abgestotzen worden sind. Für die Aktien Lit. D. werden wiederum 5 Proz. ausgeschüttet. Da 6 Millionen Mar! neues Kapital am Dividenden- genutz teilnimmt, stellt sich die Gewinnsumme erheblich höher als im Borjahre. Der Bruttogewinn stieg von 5 222 923 M. au 6 726 952 M. Dabei ist der Ueberschutz auZ dem Kohlenbergbau von 1 097 435 M. auf 577 118 M. zurückgegangen. Dagegen warfen die Dortmunder Werke, die im Vorjahre mit 3 614 336 an dem Ueberschutz partizipierten, für das letzte Jahr 6 310215 M. ab. Man könnte nun schließen, da? Werk sei nun wirklich technisch auf der Höhe der Zeit und einer erhöhten Leistungsfähigkeit sei das bessere Erträgnis zu danken. Das ist aber in nur be» schränktem Matze der Fall. Die Union hat einige ans daS beste ausgerüstete hochleistungsfähige Teilanlagen, aber sie wird nie ein nach den neuesten Methoden des kontinuierlichen Betriebes arbeitendes Werk werden. DaS ist nach dem Urteil Sachverständiger aus räum- lichen Gründen und wegen der Gesamtanlage der Union aus- geschlossen. Das bessere Erträgnis der letzten Jahre resultiert in der Hauptsache ans der Gunst der Verhältnisse am Eisenmarkt. Kommt erst die Abflauung, dann wird der Sumpf es an weiteren Enttäuschungen nicht fehlen lassen. Zur Kouzeutratio» im Eiseuhaudel. Wie dem„B. T." gemeldet wird, ist die altangesehene Eisenhandlung Friedrich Kuring m Jauer nebst Filiale in Bolkenhain in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt und dem Konzern Caro- Lindner angegliedert worden. Die Geschäftsführung verbleibt in den Händen des bis- herigen Firmeninhabers. Gelsenkirchener Bergwerks- Gesellschaft. Die Gesellschaft, welche im vorigen ganzen Geschäftsjahre einen Bruttogewinn von rund 30 Millionen Mark erzielte, hat, nach Mitteilungen an der Börse, in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres bereits 20 Millionen Mark Bruttogewinn herauSgewirtschaftet. Und daS, obwohl, wie immer behauptet wird, die Preisaufschläge durch Lohn- steigernngen absorbiert worden sind. Elektro-Stahlanlagcn. Die Röchlingschen Eisen- und Stahl- werke G. m. b. H. in Völklingen a. d. Saar machten vor einigen Tagen ihre Elekro-Stahlanlage mit Induktionsöfen zum erstenmal einer größeren Anzahl von Interessenten zugänglich. Die Vertreter bedeutender Werke aus den verschiedensten Zweigen der Eisen- und Stahlindustrie Deutschlands, der Schweiz, Belgiens, Rußlands und Japans besichtigten den neuesten Ofen für drei Tonnen Einsatz, welcher seit mehreren Wochen in ununterbrochenem Be- triebe steht und flüssigen Einsatz vom Thomaskonverter bis auf Spuren von Schwefel und Phosphor nachraffinicrt. Wie berichtet wird, soll sckon in nächster Zeit eine eigene Gesellschaft zur Ver- Wertung der m Rede stehenden Elektto-Slahlöfen ins Leben treten. — Wie das.Iserlohner Tageblatt" berichtet, hat die Aktiengesell- schaft Friedr. Krupp in Essen das Lenne- EleltrizitätSwerk Siesel bei Plettenberg erworben, um Versuche zur rationellen Erzeugung von Stahl durch den elektrischen Strom wieder aufzunehmen. Das Werk Siesel wurde im Jahre 1904 von der in Werdohl be- gründeten Firma Deutsche elektrische Stahlwerke erbaut. Seit 1905 hat der Betrieb, an dem auch französische Fachleute beteiligt gewesen sind, geruht.______ Em der frauenbenegung. Die„Post" und die Dienstbotenorganisatio«. Die„Post" faselt von Mitzerfolgen der Berliner Dienstboten- orgamsation. Sie macht sich das Urteil, indem sie dem kürzlich erschienenen Bericht der Vcrtrauenspersonen der Genossinnen Deutschlands Gewalt antut. Das Blatt unterschlägt die S t a t i st i k der Erfolge. Von der ununterbrochenen Zunahme der Mitglieder in den Dienstboten- Vereinen wird nichts berichtet, nichts davon, daß nicht nur die lokalen Dienstbotenorganisationen in vielen Städten Deutschlands festen Futz gefatzt haben und ständig wachsen und nichts davon, datz die Zahl der in Deutschland organisierten Dienstboten 6000 beträgt — woran vor Jahresfrist noch nicht zu denken war—. und nichts davon, datz in dem Bericht bestimmt ausgesprochen wird, datz die entfaltete Agitation auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Der „Post"-Esel klaubt aus dem Bericht folgenden Satz heraus: „In einzelnen Fällen ist es bereits gelungen. Dienste auf Grund solcher Kontrakte einzugehen." Dazu wird bemerkt: „Ans dem letzten Satz ergibt sich zur Evidenz, datz die Sozialdemokratie mit ihrem Mustervertrag keinen Erfolg gehabt hat. Selbst die sozialdemokratischen HauShaltungsvorftände haben sich in den meisten Fällen geweigert, derartige Verträge zu unterschreiben. Die Tätigkeit des Vereins der Dienstboten in Berlin besteht deshalb im wesentlichen in der Veranstaltung von Vorträgen und Festlichkeiten. Auf die Lage der Dienstboten hat er gar keinen Einfluß." Also wenn es glückt, Forderungen durchzusetzen, die zu erheben vor Jahresfrist noch als Tollkühnheit galt, dann findet die„Post" Mißerfolg. Grandiose Logik! Wir können der„Post" verraten, datz auch die Berliner Dienstbotenorganisation seit der Zeit ihrer Umwandlung in eine auf dem Boden der modernen Arbciterbewc- gung aufgebaute Gewerkschaft ständig an Mitgliedern zu- genommen hat. Von einem Mißerfolg ist nichts zu ver- spüren. Nirgends in dem Bericht unserer Genossin Baader liest man von einem„Mitzerfolg". Die„Post" weiß, datz sie bei ihren Lesern voraussetzen darf, daß sie sich um den wahren Sachverhalt nicht gekümmert haben und sie darf schwindeln. Die weiteren Aus- lassungcn der„Post",„daß jetzt auch schon„viel" von bürgerlicher Seite, Polizei und Kommune für die Dienstboten getan werde". illustriert nur wiederholt die Unkenntnis über die Lage der Dienst. boten und über den Weg zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse. Wir können uns auf diese Kritik der Auslassungen der„Post", die ungeprüft auch der„Tag" übernommen hat, beschränken. Der W u n s ch— als Vater deS Gedankens— die Organisation möchte verschwinden, damit die Herrschaften wieder zur Ruhe kommen, ist zu schwach, um die Bewegung der Dienstboten aufhalten zu können. Der Einfluß der Organisation, der ja der„Post" schon oft- mals zu schaffen gemacht hat, wird weiter wachsen, zum Segen der Dienstboten, zum Aerger aller Arbeiterfeinde. Versammlungen. Genosse Rehbein sendet uns eine weitere Zuschrift, in der er der gegenteiligen Feststellung unseres Berichterstalters gegenüber dabei bleibt, den NiiSdrnck„Abklatsch" nicht gebraucht zu haben. Er habe von der selbstverständlichen Berwersung der Hervvsschen Utopien ge- sprachen und hinzugefügt, datz Genosse Liebknecht etwnS Aehn- l i ch e s, wenn auch in.abgeblatzter Form" propagiere. Vermischtes. Der verkannte Bulle. Die„Elb. Ztg." schreibt:„Vor Pillau liegt bei Peise als Fahrzeichen eine Leuchttonne, die wegen ihrer Grötze bei der Schifferbevölkcrung und in Seglerkrciscn unter dem Namen„Peiser Bulle" bekannt ist. Der Malermeister dcü Dorfes hatte die Tonne anstreichen müssen und reicht seine Rechnung(„den Peiser Bullen zweimal mit Oelfarbe angestrichen... 8 M.'j bei der Hafenbauinspektion ein. wo man an dem bekannten Namen keinen Anstoß nimmt und dem Mann das Geld dezahlt. Da aber kommt am Jahresschluß von der Oberrechnungstamm« an die Hafenbauinspektion in Pillau folgende Anfrage:„Hält die Hafen- bauinspektion in Pillau auf Peise einen Bullen? Und wenn, warum ist dieser Bulle zweimal mit Oelfarbe gestrichen?" Eine ganze Stadt niedergebrannt! R om, 7. September. Im Vatikan sind Nachrichten eingelaufen von den katholischen Missionen über den Brand der Stadt Hakadate. DaS Feuer zerstörte in wenigen Stunden die ganze Stadt. 60 090 Einwohner sind obdach- los. Die meisten Niederlassungen der Patres, sowie die Kirchen Schulen und Klöster sind zerstört. Der Schnellzug Chicago— Minncapoli» hat auf der Rock Island- Eisenbahn in der Nähe von Norris(Iowa) einen Unfall erlitten; elf Personen sollen dabei ums Leben gekommen, sieben verletzt worden sein. Der Niagara-Wasserfall wird seit Mittwoch durch 61 elektrische Suchlichter farbig beleuchtet, was ein großartiges Schauspiel bieten soll. Die Lichter entfalten eine Kerzenstärke von 1 116 000 000. Das ist nur ein Viertel der Kraftquelle, die für Beleuchtungszwecke durch die Wasserfälle nutzbar gemacht werden kann. Eine doppelte Reklame ist damit beabsichtigt» für die Wasserfäll« und für die Kraftanlagen am Niagara. Eingegangene Druck IcKnften. „I» Freien Stunden", XI. Jahrgang, Heft 36»md 36. Pro Hest 10 Pf. Der jetzige Jahrgang bringt u. a. eine Novelle von Joh. Scherr: „Die Pilger der Wildnis-»md„Eme Herrenhossage-, Erzählung von der schwedischen Schriftstellerin Lagerlöf. „Koinuiunale Praxis-. Wochenschrift sitr Kommunalpolitik und Gemeindesozialismus. VII. Jahrgang, Nr. 35 und 36. Die erster« ent- hält einen Artikel über die sich in den Jndustriebezirken immer unHeim- sicher ausbreitende Genickstarre, Nr. 36 Winke sür die Errichtung von Gewerbe-Kausmannsgerichten. Dennoch k Worte gegen das RetchitagSwahlrelbt und gegen baZ preußische Laudtagswahlshstem. Von B. Mann. 60 Ps. Verlag: H. Walther, Berlin W. 30. Berliner Marktpreise. AnS dem amisichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(Großhandel.) Ochsenfleisch la 70—72 pr. 100 Psd., IIa 64-69, Ulla 59-62. Bullenfleisch la 63-68, IIa 51—60, Kühe, seit 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 52—63, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 100—115, Mastkäldcr la 75—85, IIa 66—73, Kälber ger. gen. 48—60, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 78—80, Hammel la 73—77, IIa 67—72, ungar. 0,00, Schase 54—66. Schweinefleisch 60—66. Rehbock la per Psund 0,65—0,95. IIa 0,55. Rothirsch la 0,50—0,58, do. IIa 0,00. Damhirsch 0,50—0,59. Wildschweine 0,30. Frischlinge 0,00. Kaninchen per stuck 0,50— 0,90. Wildenten per Stück 1—1,60. Krickenten per Stück 0,70. Rebhühner, junge große 1,00—1,50, mittel u.lleme 0,30—0,90, alte 0,70—0,90. Hühner, alle, per Stück 1,50—2,70, Ha 1,00—1,30, do. junge 0,60—1,06. Tauben 0,35—0,57, italienische 0,00. Enten per Stück 1,00—2,75, do. Hamburger per Stück 2,00—3,10. Gänse per Psund 0,60—0,75, do. per Stück 1,75—5,00, do. Hamburger per Psd. 0,75—0,80, do. Oder- brucher per Psd. 0,55—0,70. Poulcts per Stück 0,90—1,80. Poularden per Psd. 0,00. Hechte per 100 Psd. 103—127, do. matt 0,00, do. mittel 128 bis 136, do. matt u. mittel 116—126. Zander, klein, matt 77—90, do. klein 101, dito mittel 131-142. Schleie, klein 162-168, do. mittel 0,00, do. unsort. 126 bis 146. Slalc, groß 90—100, do. klein und mittel 0,00, do. mittel 96—103, do. uns. 0,00, do. groß-mittel 93—97, do. klein 62. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpfen, 70er— 90er, stumpf 0,00, do. 80er 76—79. Bleie 60—70. Bunte Fische 40—81. Barse 98, dito Nein 0,00. Karauschen 0,00, do. klein 0,00. Weis 66. Bleifische 0,00. Barbe 75. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. Ma 0,00. Seelachs 10—15, Flundern, Kieler, stteg« la 2—6. mittel ver Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, Ha 0,00. Bücklinge, Kieler per Wall 2-3, Strals. 3,00-3.50, Bornh. 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10. klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3-4.00, Kiste 1,50-2,00. Sardellen. 1902er per Anker 98, 1904er 98, l905er 93, 1906er 90—95. Schottische Vollheruige 1905 0,00, large 40-44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 87—44. Heringe, neue Masse«, per>/, To. 50—120. Sardinen, russ.. Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Nemiaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. kleiiie 0,00, do. unsortiert 3,50—6, Galtzier groß 0,00, do. unsortiert 2,40. Eier, Land-, ulisorticrt per Schock 3,60—3,30, do. große 4,00. Butter per 100 Psd. la 117-120, Ha 108-117. Ula 100-108, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Pscffergurke» 4,00. Kartoffeln ver 100 Psd. Dabersche 2,50—3,00, weiße runde 1,75—3,00, blaue 2,50—3,75, Rosen- 1,50—2,50, Nieren- 2,00—3,50. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5— 15. Spinal per 100 Psund 10—15. Sellerie, per Schock 2,00—8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 3,00—6,00, do. Perl. 40,00-75,00. Ehalotten 50,00-60.00. Petersilie. grün, Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 0,75—1,25. Rettich, bahr., neuer Stück 0,07—0,10, do. hiesiger Schock 3—4. Mohrrüben, per 100 Psund 3,00 bis 5,00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, schock 6—12. Weißkohl 4—10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 5—14. Kohlrüben, Schock 4,00— 7,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 3,00-4,00. Schoten per 100 Psund 20-35. Psesserlinae per 100 Psd. 5-8. Steinpilze per 100 Psund 20—30. Radieschen per Schockbund 0,50—1,00. Salat per Schock 1,00—2,00. Gurken, Einmache-, Schock 10—25, do. böhmische Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 3,00—5,00. Bohnen, grüne. 100 Psund 12—23. Wachsbohnen, per 100 Psund 15—25. Tomaten ver 100 Psund 10—15. Blaubeeren per 100 Psd. 10—15. Johannis« iceren per 100 Psd. 7—16. Preißelbeeren per 100 Psd. 20—26. Kirschen, sauere, 100 Psd. 10—12. Birnen, ilal., 100 Psund 14— 40, Tiroler 22— 40, hiesige 3—10, Salander 20—24. Psirsiche, hiesige per 100 Psd. 15—20, ital. in Kislchen zu 12 Stück 0,30—1,50, do. in Körben la per 100 Psd. 20—35, do. IIa in Körben per 100 Psd. 8—24. Aprikosen, ital., per 100 Psund 0,00, sranzös. 0,00. Aepsel, italienische, per 100 Psund 8—15,»mg. 10—13, hiesige 3—10, Gravensteiner la 15—25, do. IIa 10—20. Tiroler la 46—50, dito IIa 22—45, Pflaumen. italienische, per 100 Psund 0,00, Reineclauden 12—16, hiesige 8—12, ungarische 6—13, Badener, Früh-, 0,00, serbisch 8—15. Weintrauben, sranzofischc, per 100 Psd. 16—25, italienische 15—23. Ananas I, per Psund 1—1,20, do. II 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 10,00-18.00, do. 360 Stück 10,00-16,00, do. 200 Stück. 10,00—14,00, do. 150 Stück 6,50 bis 9,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 18,00—20,00, grün 0,00. Melonen, per 100 Psd. hiesige 26—85, ital. 12—18, stanz. 0,00, Holl. 25, spanische 7—8, ungarische 10—15. ßnefhaften der Redaktion. Die{nriftifdie Sprechstunde findet Ariedrichstr. 10, Aufgang 4, eine Treppe(Handelsftätte Bellealltanc«, Durchgang auch Ltudenstr. 101), loocheutaglicki von?>/, bi« O'/, Uhr abend« statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde nin 0 Uhr. Jeder Zlnirage>st ein Buchstabe»»d eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Slntwort wird»ich» erteilt. Eilig« Fragen»rage«an 1» der Sprechstunde bor. A. N. KS. 10 M.— F. W.. Graudenzerftr. S. lieber Ihren An- trag hat aus Beschwerde da« Armenamt zu entscheiden. Leider hat der Antrag wenig Aussicht aus Erfolg.— Zimmerer LS. 1. Ja. 2. Nein. 3. Nein. 4. Ueber die Kasse ist unS Nachteiliges nicht bekannt.— Bild 100. Sie find sür die von Ihrer Frau gemachte Bestellung nicht vcrantivorilich, haben also nichts zu zahlen. Ihre Frau müßte, wenn sie großjährig ist, die eingegangene Verpslichtung erfüllen. Wir haben außerordentlich häusig davor gewarnt, Bestellungen aus Abzahlung sür Bücher, Kreideporträt.S, Photo- graphten, Schutzmittel usw. zu unterschreiben, ohne ich genau vorher klar zu machen, daß durch die Zestellung eine Verpslichtung übernommen wird. u der in der Regel dt« versprochene Lteserung n einem aussälligen Mißverhältnis steht.— Zk. Ja. — A. S. KS. Das ist leider unmöglich.— Schulsse. Sie müßten sich an das Polizeipräsidium wenden, werden nach einem Vsrexamen tn die Liste der Hebammcnaspiranten eingetragen und zum Kursus später zuge- lassen. Die Kosten des Kursus betragen etwa 300 Mark und werden nicht zurückgezahll. Sie werden dann zum Examen zugelaffen und sallS Sie noch nicht 30 Jahre alt sind und das Examen bestehen, al« Hebamme zu- zelaffen. Wegen des großen Andränge» ist daraus zu rechnen, daß Sie drei bi» vier Jahre bis zum Hebeammenexamcn zu warten haben.— Dtesing Zossen 30. Soweit ersichllich, wäre leider ein Schadensersatz- Prozeß ohne Aussicht aus Erfolg.— W. KS. Wende» Sie sich dstelt an die Direktion.— R. Sch. Wie viel dem verbelratcten Ehemann vom Lohn ivegen Alimente abgezogen werden kann, ist von Fall zu Fall durch den Richter zu entscheiden. Die Frau hastet sür die Schulden ihres Mannes nicht. Dem Mann muß so viel belassen werden, als zum standeS- mäßigen Unterhatt feiner Familie erforderlich ist.— P. H. 23. 1. Ja. 2. DaS wäre zweckmäßig. 3. 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Es standen nicht weniger als fünf Fälle zur Anklage, in denen die Angeklagten Leute, die aus ziemlich nichtigen Anlässen in abgekürztem Verfahren und teilweise unter Anwendung von Schließketten zur Wache befördert worden sind, mißhandelt haben sollen. Am meisten wird durch die Anklage der Angeklagte Kuhnert belastet. In allen Fällen be- st reiten die Angeklagten ihre Schuld und behaupten, daß es sich um Exzesse lärmender und angetrunkener Menschen handelte, die sich sehr obstinat betragen hätten und deren Widerstand durch ihre Energie hätte gebrochen werden müssen. Ganz im Gegensatz zu den Behauptungen des Angeklagten Kuh.nert stellte der 42 jährige B u r e a u g e h ü l f e K e r l i n, der bei einem hiesigen Justizrat arbeitet, den Fall, in welchem er der Leidtragende war, wie folgt dar: Es war am 17. Dezember, eines Sonntagsabends, als der in Weißensee wohnende Kerlin in ein seiner Wohnung gegenüberliegendes Lokal ging. Er war ohne Kopfbedeckung und trug Pantoffel. Auf Wunsch eines Gastes, der dort Klavier spielte, holte Kerlin seine Geige herbei und spielte in Begleitung des Klavierspielers einige Stücke. Da sah er, daß es schon spät geworden war und als er nun vor seinem Hause anlangte, bemerkte er, daß er keinen Hausschlüssel bei sich hatte. Er wollte nicht durch das in seinem Hause befindliche Gastlokal seines Hauswirts hindurchgehen und gab deshalb auf seiner Geige durch einen Drei- klang seiner noch wachen Frau ein Zeichen, damit sie ihm'den Hausschlüssel herabwerfen solle. Ist demselben Augenblick erhielt er, wie er behauptet, vom Angeklagten Kuhnert einen heftigen Stoß vor die Brust, so daß er gegen den Zaun flog. Zugleich herrschte ihn Kuhnert an: Sie kommen mit zur Wache. Kerlin will darauf seinen Namen genannt und gesagt haben, daß er im Hause wohne. Er stellte auch anheim, mit in das �chanklokal des Hauswirts zu kommen, um sich die Angabe be- stätigen zu lassen, erhielt aber nur die barsche Antwort:.Kommen Sie mit!" So ging denn der Zeuge ruhig mit. Auf der Wache angekommen, erhielt er, wie er behauptet, von Kuhner» zwei Ohrfeigen» die ihm dieser versetzt haben soll, nachdem ein anderer in Zivil anwesender Beamter hinausgegangen war. Als er die Ohrfeigen weg hatte, sei jener Beamte in Zivil wieder hereingekommen. Kuhnert habe dann in höchst barscher und bedrohlicher Weise ein Protokoll mit ihm aufgenommen.»Er hat mich behandelt wie eine Bestie, aber nicht wie einen Menschen"— so erklärte gestern der Zeuge, der gleichzeitig versicherte, daß er ein ruhiger Mensch sei, noch nie mit der Polizei Konflikt gehabt habe, aber über eine solche Behandlung, die er kaum für möglich halte, noch heute empört sei. Als Kuhnert Miene gemacht, ihm mit einem Lineal zu Leibe zu gehen, sei er ihm um den Tisch herum ausgewichen, immer ver- folgt von Kuhnert, der ihm zugerufen habe: »Steh, Du Hund! Do Schuft!� Er habe aber erklärt, nicht eher zu stehen, bis der inzwischen wieder hinausgegangene Zivilist wieder hereingekommen sein würde. Auf daS Kommando»Abführen!" sei er dann in die Zelle gebracht worden und Kuhnert habe ihm noch das Geleit durch einen heftigen Schlag in den Rücken gegeben, so daß er beinahe hingestürzt wäre. Kerlin hat dann die Nacht in seiner gänzlich unzulänglichen Bekleidung in der Zelle zugebracht, während seine Frau angsterfüllt die ganze Nacht vergeblich nach seinem Verbleib forschte. Kuhnert be st ritt die Mißhandlung und behauptete, daß Kerlin ihm zum Trotz auf der Straße„noch einen zweiten Vers" auf der Geige habe spielen wollen und im übrigen stark betrunken gewesen sei. Kerlin erklärte diese Behauptungen für blanke Er- findungen. In einem zweiten Falle ist Kuhnert in der Silvesternacht mit einem Po st boten Garske in Konflikt geraten und soll diesen auch unter Assistenz des Ange- klagten Lange mit Fäusten bearbeitet haben, was von beiden Am geklagten bestritten wird. In einem dritte» Fall» wird Kuhnert beschuldigt, in der Nacht zum 8. Januar einem Arbeiter, der mit einem anderen Arbeiter auf der Straße laut gesprochen hatte und den er deshalb sofort festnahm, gleich die Kette umgemacht und diese besonders eng angezogen zu haben. Auf der Wache soll der Sistierte dann noch zwei Ohrfeigen und einen Fußtritt erhalten haben. Zu einer Verhandlung dieser beiden Fälle kam eS gestern noch nicht. Die im ersten Falle vernommene Frau des Zeugen Kerlin bekundete nämlich, daß ihr Mann bald nach jenem nächtlichen Abenteuer angefangen habe zu husten und Blut zu spucken und offenbar kränkele. Der Eheman Kerlin bestätigte dies und auch sein vorgesetzter Bureau- Vorsteher bekundete ein gleiches. Kerlin selbst erklärt auf Be- fragen, daß er früher kerngesund gewesen sei und seitdem mit Lungenbeschwerden zu kämpfen habe. Er habe wegen seines Blut- spuckens zwei Aerzte konsultiert, auf Verlangen des einen Arztes seine Arbeit aufgeben und sich in der Charit« in Behandlung geben müssen. Er seit seitdem leid»nd und schiebe dies entweder auf den Stoß vor die Brust oder auf die in der kalten Polizeizelle erlittene Erkältung. Der Gerichtshof hielt nach diesen Bekundungen die Möglichkeit für gegeben, daß daS Blutspucken des Kerlin eine Folge der Mißhandlungen sei und ein dauerndes Siechtum in Frage stehe. Unter diesen Umständen würde sich Kuhnert vor dem Schwurgericht zu verantworten haben. Das Gericht beschloß daher, die den Kuhnert betreffenden Fälle und gleichzeitig den Fall, an dem der Angeklagte Lange be- teiligt ist zu vertagen und die in Frage kommenden Aerzte, sowie die Aerzte der Charit« und den gerichtlichen Sachverständigen dar- über zu vernehmen, ob Kerlin in Ciechtum verfallen ist oder zu vei-fallen droht. Zu erwähnen ist noch, daß Kerlin aus Anlaß dieses Vorfalls seinerzeit wegen ruhestörenden Lärms auf Grund seine? Geigespiels angeklagt, vom Schöffengericht aber freigesprochen worden ist. Das Gericht erledigte sodann die Anklage gegen den Angeklagten Walczinskh ver jetzt nicht mehr im Dienste der Gemeinde Weißensee steht. In der Nacht des 21. Juni kehrten mehrere junge Leute von einer Kegelpartie heim und als sie die Königchaussee passierten, sangen drei von ihnen, die ein wenig vorausgingen. In der Dunkelheit lam der Wächter Walczinski, der als solcher nicht zu erkennen war, auf die Sänger zu und der etwas loeiter hinten gehende Kaufmann Ziemann verstieg sich zu der Bemerkung:„WaS will denn der?!" Darauf packte ihn Walczinski sofort am Arm und wollte ihn mit zur Wache nehmen. Ziemann war darüber sehr verwundert und erklärte, daß er in Weißensee ansässig und verheiratet sei. Es half aber nichts: obgleich er gar nichts ver- brachen hatte, muhte auch er mit den übrigen zur Wache. Der Angeklagte legte ihm sogar die Kette um und zwar so eng, daß Ziemann laut aufschrie. Da drehte sich der Angeklagte um und gab ihm eine Ohrfeige mit dem Bemerken:„Das hast Du für Dein Schreien, Du Lümmel!" Nach den übereinstimmenden Aussagen sämtlicher Belastungs- zeugen sind diese dann auf die Wache transportiert worden. Einer von ihnen hatte seine Legitimationspapiere bei sich und verbürgte sich für die übrigen; deren Entlassung wurde aber abgelehnt. Einer der jungen Leute bat, doch nach seinem Berliner Polizeirevier an- zuklingeln, um seine Personalien festzustellen: dies wurde aber strikte abgelehnt. Die Zeugen behaupten, daß sie gleich in die Wache hineingestoßen und dort„wie das Vieh" behandelt worden seien. Der Angeklagte, der hauptsächlich das Wort geführt, sei wie ein Rasender umhergelaufen. Beim Protokollieren seien sie fortgesetzt gedubt worden und die anwesenden Beamten hätten Schimpfworte, wie„Lümmel" und dergleichen gebraucht. Als sich einer der Sistierten die Anrede„Jndenlümmel" verbat, schlug ihn ein Beamter vor das Kinn und trat ihn auf den Fuß. Als Ziemann die Ohrfeige von dem Angeklagten bekam, drehte sich der Zeuge Jacob um und erklärte:»Ich habe gesehen, daß Sie geschlagen haben!" Als Antwort erhielt er einen Fußstoß gegen den Unterleib. Ebenso stieß der Angeklagte auf der Wache den Ziemann mit dem Knie gegen den Unterleib. Der eine Sistierte, der seine Papiere gezeigt hatte, wurde aus der Wache entlassen. Er sagt, er habe aber gleich einen solchen„Stuk" bekommen, daß er zur Tür hinausgeflogen sei. Die übrigen Sistierten wurden ir�die Zellen gesteckt und erst morgens gegen Uhr entlassen. Der Angeklagte bestritt die Mißhandlungen und Beleidigungen. Ein Nachtwächter Skorczynski, der in der kritischen Nacht bei der Sistierung mitgewirkt hatte, beschwor, daß er die Zeugen für sehr angetrunken gehalten, aber von Mißhandlungen und Schimpf- Worten nichts bemerkt habe.' Der letzte Anklagefall datiert aus derselben Nacht, in welcher Kuhnert das Renkontre mit Herrn Kerlin hatte. In der Nacht zum 18. Dezember kam der Hausdiener Schmidt von einer kleinen Festlichkeit durch eine Straße von Weißensee. Er war ganz nüchtern, pfiff aber vergnügt halblaut etwas vor sich hin. Da trat ihm der Angeklagte entgegen und rief ihm zu:„Es ist nachtschlafende Zeit! Seien Sie still!" Der Zeuge will daraus ganz ruhig geantwortet haben:»Gut, dann bin ich still!" und war höchst erstaunt, als der Angeklagte sich plötzlich umdrehte und ihm imputierte, eine unanständige Redensart gebraucht zu haben. Er wurde vom Angeklagten geknebelt und nach der Wache gebracht; dort soll ihn der Angeklagte so geschlagen haben, daß er aus Mund und Nase blutete. Er hat dann einem anderen Beamten zugerufen: »Sie haben doch gesehen, daß mich der Beamte soeben geschlagen hat!", erhielt aber zur Antwort:„Seien Sie ruhig, sonst kommen Sie in die Zelle!" Auch in diesem Falle bestritt der Angeklagte seine Schuld, doch beschwor der Zeuge seine belastende Aussage. Staatsanwalt Brünning Jjjielt die Schuld de? Angeklagten für eklatant erwiesen. Wenn "ihm auch mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtenheit mildernde Uw stände zuzubilligen seien, so müsse die Strafe doch scharf ausfallen, wenn ein Beamter, der für Ruhe und Ordnung sorgen solle, sich in dieser Weise betrage. Der Staatsanwalt be- antragte fünfMonateGefängniS. Urteil. DaS Gericht, unter Vorsitz deS LaNdgerichtSratS Vogel, hielt die Schuld de? Angeklagten für voll erwiesen. Wenn, so führte der Vorsitzende aus, dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine Un- bescholtenheit und die Tatsache, daß in Weitzensee notorisch häufig nächtliche Ruhestörungne vorkommen, mildernde Umstände zuge- billigt werden, so Handel« es sich andererseits doch um geradezu empörende Roheiten und Dinge, die um so schwerer wiegen, als sie sich gewöhnlich schwer feststellen lassen und den Grimm gegen die Polizei geradezu züchten und deshalb dem öffentlichen Wohle sehr schädlich sind. Das NichtHeizen der Zelle im Dezember, die Vornahme von Verhaftungen, obgleich die Personalien genannt worden, deuten außerdem auch noch auf vorhandene Mißstände. Der Gerichtshof hat den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von vier Monaten Gefängnis verurteilt. * Gegenüber der Roheit und Feigheit, mit der der Angeklagte borgegangen ist, erscheint die Zubilligung mildernder Umstände als eine außerordentliche Milde. Ein so roher, brutaler und feiger Amtsmißbrauch verdiente Zuchthausstrafe. Sericbts-�eitunq. Die Ehre eines„Gelben". Die meistertreuen Bäcker in' Breslau besitzen ein Muster- exemplar eines Altgesellen. Nicht nur daß er die Manieren eines ReichsverbändlerS besitzt, nicht nur daß er eifrigst die Meister in ihren Bestrebungen gegen den Gehülfenverband unterstützt. Er hat auch früher, bevor er Führer der„Gelben" wurde, jahrelang im Gefängnis gesessen, und zwar wegen Straftaten, die man kurz- weg als Zuhälterei zu bezeichnen pflegt. Diese Stütze der herrschenden Ordnung hatte der Ortsbeamte des Bäckerverbandes in einem Flugblatt als»Zuhälter" bezeichnet. Darauf stellte der Altgeselle Strafantrag. Und der Staatsanwalt erhob— im öffentlichen Interesse Anklage wegen Beleidigung gegen den ruchlosen Verbändler. Vor dem Breslauer Schöffengericht wurde festgestellt, daß der Herr Altgeselle, für dessen Ehre der Staatsanwalt eintrat, wegen Kuppelei, Erpressung und Bedrohung Lib Jahre im Gefängnis gesessen und noch außerdem verschiedene Male wegen anderer Taten Freiheitsstrafen zu ver- büßen hatte. Als er gewählt war als Altgeselle, protestierten die Verbändler dagegen, allein der Magistrat wollte den„roten" Ver- bändlern nicht recht geben, sondern erklärte die Strafe und den Ehrverlust als verjährt! Gefragt, ob er nicht außerdem noch einige Strafen abgebüßt, verweigerte der Herr Altgeselle die Antwort. Die Ehre dieser Ordnungsstütze steht dem Breslauer Staats- anwalt hoch genug, im öffentlichen Interesse Klage auf Reparatur der durch die erwähnte Beleidigung vermeintlich verletzte Ehre zu erheben. Das Breslauer Gericht verurteilte tatsächlich den respektlosen Verbändler zu 4(1 M. G e l d st r a f e. Außerdem soll durch Veröffentlichung des Urteilstenors in der„Deutschen Bäcker- Zeitung" der Ruhm des ehrbaren Altgesellen aller Welt kund werden. Ja, das Gericht erklärte sogar, es hätte den Beleidiger dieses Mustermannes ins Gefängnis gesteckt, wenn er nicht daS Glück gehabt hätte, als völlig Unbescholtener in den Gerichtssaal zu kommen!_ Schabenersatzpflicht eines Warenhauses wegen Unfalls eines Kunden beim Aufsuchen deS Aborts. Die Frage, ob jeder Geschäftsinhaber verpflichtet ist, seiner Kundschaft auch einen Abort mit verkehrssicherem Wege frei- zustellen, läßt sich im großen und ganzen nicht gut bejahen. Bei größeren Geschäften jedoch, wo damit zu rechnen ist, daß hin und wieder ein Kunde in die Lage kommen wird, seine dringenden Bedürfnisse zu befriedigen, verlangt die deutsche Rcchtspraxis auch einen verkehrssicheren Zustand solcher Anlagen, besonders jedoch dann, wenn dem ÄMden das Aufsuchen des Abortes nicht per- wehrt wird» In dem vorliegenden Falle besorgte die Frau eines Amts- gerichtssekretärs in Hannover am 17. Dezember 1902, abends gegen 7 Uhr, in einem dortigen Warenhause Einkäufe. Auf ihre Frage nach dem Abort sagte ihr die Verkäuferin, daß es wegen der Ge- fährlichkeit im Hofe für dritte Personen verboten sei, dorthin zu gehen. Sie gab dann jedoch einem Lehrmädchen den Auftrag, die Frau hinter zu geleiten. Das Lehrmädchen führte den Auftrag aus, wartete aber nicht, bis die Frau wieder zurückkam. Auf dem Rückwege stürzte die letztere in einen offenstehenden, mit Klapp» türen verschließbaren Keller, der sich 1,20 Meter von dem Abort entfernt befand. Für die Verletzungen, welche die Ver- unglückte sich hierbei zuzog, machte der Ehemann derselben den Inhaber des Warenhauses im Klagewege haftbar. Das Landgericht Hannover verurteilte den Be- klagten zur Zahlung von 7S0 M. Schmerzensgeld, 200 M. Arztkosten und einer jährlichen Rente von böv M. Dieses Urteil wurde vom Oberlandesgericht Celle insoweit abgeändert, daß es dem Kläger eine jährliche Rente von insgesamt <3 5 0 M. zusprach, im übrigen trat das Oberlandesgericht dem Er- kenntntsse des Landgerichts bei. In den Entscheidungsgründen ist ausgeführt, daß einmal die Oeffnung des Kellers, zweitens die mangelhafte Beleuchtung deS Hofes und drittens das zu- gelassene Betreten des Hofes bei dem Unfälle mitgewirkt hätten. Was die Kelleröffnung anlange, so komme§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches in Verbindung mit Ziffer 12 des Z 367 des Strafgesetzbuches(Verwahrung von Abhängen, Gruben usw.) in Betracht, da der Beklagte hier gegen ein den Schutz deS anderen bezweckendes Gesetz verstoßen habe. Auch sei eS in Hannover gewöhnlich üblich, solche Kelleröffnungen nicht ohne Schutz zu lassen, vor allem gereiche dem Beklagten aber auch die mangelhafte Be- leuchtung des Hofes zum Verschulden. Was das Verbot anlange, so stehe ebenso fest, daß diesem Verbot nicht durchgängig Folge ge- leistet worden, sondern der Abort mehrfach von Kunden benutzt worden sei; wenn dem Beklagten das auch nicht bekannt geworden sei, wie er behauptet, so hätte er doch mit dieser Möglichkeit bei seinem Geschäft rechnen müssen. Berufe sich der Beklagte dann noch darauf, daß sein Personal stets darauf achten sollte, daß die Kellertüren geschlossen würden, so könne ihn daS nicht entschuldigen, denn er verlange hier von den im Drange deS Geschäfts stehenden Mädchen mehr Sorgfalt, als wie die Geschäftsinhaber, die alles ruhig überlegen konnten, selbst betätigt haben. Die von dem Beklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde vom 6. Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Zum Jnseratenschwinbel. Der Versicherungsinspektor Rudolf Pietsch, Rixdorf, Berg- straße S, der wegen Eigentumsvergehen schon vorbestraft ist, mußte sich gestern vor dem Rixdorfer Schöffengericht wegen Kautions- schwindels und Unterschlagung verantworten. Pietsch ist Vertreter der Oberlausitzer Krankenkasse und erläßt täglich Inserate in bürgerlichen Tageszeitungen Berlins, nach derem Inhalt er kosten- freie Stellungsvermittelung bei Mitgliedschaft der Oberlausitzer Krankenkasse verspricht. Die Mitglieder, die auf den Leim gehen, müssen 2 M. Einschreibegeld zahlen, hören aber dann nichts mehr von dem Angeklagten. Mehere Mitglieder haben gegen Pietsch Strafantrag wegen Unterschlagung gestellt, da P. der Ober» lausitzer Krankenkasse weder mitgeteilt hat, daß die fraglichen Per- fönen Mitglieder geworden sind, noch hat er die diversen Zweimark. stücke, die er den Aermsten der Armen und Stellenlosen abgeknöpft hat, an die Kasse abgeführt, sondern, wie die Anklage annimmt, für sich Verwendet. Zwecks Ladung eines Zeugen, auf den sich Pietsch noch beruft, vertagte das Gericht betreffs der Unterschlagung. Zum Abschluß gelangte die Anklage wegen Betruges. Pietsch hat am 15. Juni d. I. einem 18jährigen Arbeiter namens Reinhold Riebold 60 M. Kaution abgeschwindelt. Er hatte versucht, 100 M. aus dem stellenlosen Arbeiter herauszupressen. Riebold wurde von Pietsch engagiert als Kassierer, um die faulen vorher erwähnten Zweimarkforderungen einzukassieren. Als Engelt für seine Leistungen sollte Riebold an dem Schwindelunternehmen mit einem Prozentsatz partizipieren. Riebold begann auch seine Tätigkeit, in- dem er von dem Angeklagten 17 Quittungen erhielt. Diese waren trotz größter Mühe nicht einzutreiben und Riebold, der den Schwindel nun erst merkte, verlangte seine Kaution zurück. Nun trat der Angeklagte dem N. gegenüber mit der falschen Behauptung auf, er habe dem Riebold nicht 17, sondern 18 Quittungen gegeben, mich habe sich Riebold verpflichtet, das Geld Vi Jahr nach Austritt erst zu kündigen und andere Ausflüchte mehr. Zum Beweis dafür legte Pietsch dem Riebold den Vertrag des letzteren mit dessen eigener Unterschrift vor. Der Angeklagte hatte sogar dem Gericht gegenüber die Stirn, zu behaupten, daß Riebold diese Bedingung unterschrieben habe. Durcfi die Beweisaufnahme kam das Gericht jedoch zu der Gewißheit, daß der Angeklagte, den freien Raum zwischen Text und Unterschrift des R. benutzt hat, um diesen für P. günstig gewesenen Paragraphen erst nachträglich dazwischen zu schreiben. Wegen dieses gemeingefährlichen Betruges verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Woche Gefängnis. Frühstllcksbeutel durch einen Bäckermeister entwendet. Wie wir am 19. Juni mitteilten, wurde der zu Rixdorf. Boddinstraße 64 wohhafte Bäckermeister Franz Gobawa in einer Beleidigungsklage moralisch verurteilt, die er gegen die in dem- selben Hause wohnende Grünkramhändlerin Frau Luise Hurthc wegen angeblich verleumderischer Beleidigung angestrengt hatte. Die Beklagte hatte die Erzählung, daß der Kläger im Beamten- Hause Frühstücksbeutel eines anderen Bäckermeisters entwendet habe, weiter erzählt. Vor dem Schöffengericht erfolgte Freisprechung, weil die Entwendung erwiesen wurde. Bei diesem freisprechenden Urteil wollte sich Godawa nicht beruhigen und legte Berufung ein. Auch das Landgericht kam jedoch auf Grund der Aussage des pen- sionierten Lokomotivführers Böhme zu der Ueberzeugung, daß Go- dawa tatsächlich seinerzeit die Jrühstücksbeutel gestohlen hat. Es erfolgte deshalb abermals kostenlose Freisprechung der Frau Hurthe. Mittlerweile ist gegen Godawa Anklage wegen Diebstahls erhoben. Die diesbezügliche Hauptverhandlung steht Mitte nächster Woche vor dem Rixdorfer Schöffengericht an. Godawa ist natürlich einer von den Bäckermeistern, die die Forderungen der Gesellen nicht be- willigt haben. Er ist derjenige, der im vorigen Jahre mal einen alten arbeitslosen Familienvater bei dem Diebstahl einer Schrippe abfaßte und ihn dafür blutig schlug. XcrmU&UQ. Vom Druckfehlerkobold. Sie hatten sich durch die Zeitung kennen gelernt, auf der kurzen Hochzeitsreise aber gleich lieb gewonnen.(DaS war auch die höchste Zeit!) Ihm war übrigens alles recht i— nur nicht das Essen in den Gasthöfen. Als sie in ihrem Heim landeten, war sein erster Wunsch, ein von den Händen seiner Frau bereitetes Mittagsmahl zu genießen. Und das Mahl kam— aber eS war kein Genuß! Er konnte das auch nicht über- winden und machte mit umwölkter Stirn die Bemerkung:„Ja. liebes Weibchen, in der Annonce, die uns zusammengeführt, las ich doch. Du hättest die Kochschule absolviert!" Zitternd und bangend erwiderte die junge Frau:«Das war ein Druckfehler. Ich habe di� Hochschule absolviert!" Die Cholera in Rußland. In M o s k a u ist ein neuer Cholera- fall festgestellt Wörde» Für dc» Inhal» der Juierate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Berantwortung. HKeater. Sonntag, 8. September. Freie Volksbühne. Nachmittags 3 Uhr: 2.13. Abteilung: im Neuen Schaulpiclhause: Fuhr mann Henschel. 17./18. Abteilung: im Berliner Theater: Freiwild. Reue Freie Volksbühne. 2. AbtÜ ■ nachmittags 21/1 Uhr: im Deutschen Theater: Romeo und Julia. K. Abteilung: nachmittags 3 Uhr: im Neuen Theater: Die Möwe. S. Abteilung: nachmittags 3 Uhr: im Schiller-Theater O: Trau mulus. 12. Abteilung: nachmittags 3 Uhr: im Friedrich- Wilhelmstädttschen Schauspielhause:' Jugend. 1S./16. Abteilung(14 501— 15 000, voll): im Schiller-Theater Char- lottcnburg: Monna Vanna. Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Götterdämme- rung.(Anfang 6>/, Uhr.) Montag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Kgl. Schauspielhaus. Die Raben- steinerin. Montag: König Richard m. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Montag: Robert und Bertram. Kammcrspiele: Gyges und sein Ring. Montag: Frühlings Erwachen. Ansang 8 Uhr. Berliner. Die tanzenden Männchen. Montag: Faust. Lcssing. Kollege Crampton. Nachmittags 3 Uhr: Der Biber pelz. Montag: Hedda Gabler. Schiller t».(Wallner-Theater.) Der Herr Senator. Nachmittags 3 Uhr: TraumuluS. Montag: Monna Vanna. Schiller Charlottenburg. Gc von Berlichingen. Nachmittags 3 Uhr: Monna Vanna. Montag: Der Herr Senator. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Nibelungen. Nachmittags'� Uhr: Jugend. Montag: Nibelungen. Neues Schauspielhaus. Herthas Hochzeit. Montag: Alt-Heidelberg.(Ansang VI, Uhr.) Neues. Ueber den Wassern. Montag: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. Carmen. Nachmittags 3 Uhr: Hoffmanns Ferdinand Bonns Berliner Theater Abends 8 Uhr: Montag: Faust. Dienstag: Die tanzenden Männchen meines Thealer. Zum 53. Male: Vater und Lohn. Ansang 8 Uhr. Montag und folgende Tage: Bater und Sohn. Tveater des Westens. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: Frtilillnirslnft, 8 Uhr: Die Inatige Witwe Lustspielhaus. Nachmittags 3 Uhr: Sei» Alibi. Täglich 8 Uhr: Husarenfteber. lentra!-Idealer. Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Abends Vlf Uhr und Montag: Orpheus in der Unterwelt. Erzählungen. itag: Hoffn «Übe :g: Hoffmanns Erzählungen. .'Die lustige Witwe. itttags 3 Uhr: FrühlingZlust. Montag Weste». Nachmittags Montag: Die Iustige'Witwe7_ Liistlpirliians. Husärenflcber. Nachm. 3 Uhr: sein Alibi.« Montag: Husarenfieber.>■ Zentral. Orpheus in der Unter- Welt. Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Orpheus in. der Unter« Welt. Kleines. Vater und Sohn. Stachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Die Stimme der Un- mündigen. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zolle»? Montag: Dieselbe Vorstellung. Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Nachmittags 3 Uhr: Madame X. Montag: Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs- Uhr» Onkel. Nachmittags 3 Uhr: Eine lustige Doppel-Ehe. Montag: Ihr SechS-Uhr-Onkel. Luisen. Gebildete Menschen. Montag: Turandot. Nachmittags 3 llhr: Gespenster. Bernhard Rose. Der grotze Un- bekannte. Ansang 8'/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Carmen. Nachmittags 5 Uhr: Tilly Böbs. iSie- Löwenbraut. Montag: Der große Unbekannte. (Ansang B'l, Uhr.) Thtatcr au der Spree. Der Alticnbudiker. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mctropol. Der Teusel lacht dazu. Montag: Diesewe Vorstellung. Apollo. Sylvester Schäffer. SPe- zialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Spezialitäten.» Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr. Herrnfeld. Madame WIg- Wag. Es lebe das Nachtleben. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage. Lona Nansen. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Anne Dancrey. Annie Dtrkcns. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Prater. Der Tanzteufel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kasino. Die wilde Jagd. Nachmittags 4 Uhr: Heirat aus Probe. Montag: Die wilde Jagd. Ncichsballe». Stcttiner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Haverland. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Taiidcnstrahe 48/49. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag: Die Gletscher der Hoch- gcbirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57/52. iirtater. � Direktion: Richard Alexander. Sonntag, den 8. September: Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank- m 3 Allen von Maurice Heiinequin und Pierre Veber. Luisen-Theater Nachmittags: Gespenster. Abends: Gebildete Menschen. Montag: Turandot. Dienstag: Die beiden Reichenmüller. Mittwoch: Gebildete Menschen. Donnerst.: Die beiden Reichenmüller. Freitag zum ersten Male: Carmen. Schauspiel mit Gesang. Sonnabend: Turandot. Sonntag nachmittag: Turandot. Abends: Carmen. kriedi-jck- Wilhelmst. Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Abends 8 Uhr: Die Nibelungen. Montag: Die Nibelungen. Dienstag: Winterschlaf._ Trianon-Thealer. Fräulein Josette- meine Frau. _ Anfang 8 Uhr._ »'/, Uhr: Täglich:»V, Uhr: Berlins größte Sensation; Silvester Schäffer jr., der berühmte Unibersal-Künstler. Vorher, ab 8 Uhr: Das große Spezialitäten-Programm. .4nnS Dancrey, Pariser Sang. Ttao 8 Englisli Girl«, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Karor,.-iüiys, Akrobaten, „Die Bauernjungen im Walde". l-e Roy Talma n. Bosco, Zauberkünstler. Agonst, komischer Jongleur. George B. Rcno Company, amerikanische Exzentriks. Annie Dirkens. Olga Preobrajensky, Prima Ballerina, u. M. Legat, Solotänzer v. d. kais. Hofoper in Petersburg. Papinta, amerikan. Phantasie- und Spiegeltänzerin. Kellino Truppe, ,In Venedig'. The Hartleys, Springer. Oer Biograph. Passage-Theater. Beate zwei Vorstellungen. Nachm. 3-7(ermäßigte Preise). Abends�ß— 11 Uhr. Sotta Kansen. 14 erstklassige Nummern. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Neber de« Paßtrit. Morgen und folgende Tage:. Ueber den Wassern. Metropol-Theater Anfang 8 Chr. Große.Tahresrevue in 7 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Dirigent Max Roth. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Rancbeo überall gestattet Schiller- Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 U h r: Traumnlns. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Beer Senator, Montag, abends 8 Uhr: Slonna Tanna. Theater. Schiller-Theater Charlotlenburg. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ronna Tanna. Sonntag, abends 8 Uhr: Gbt� von Berlichingen. Montag, abends 8 Uhr: Der Berr Senator. unter Leitung von Margar. Walkotte Kunst-Hb�nd am Sonntag, 15. September, Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. m. gm-, Kun irpad, mitwirkende: Kun Arpad, der 12jähr. Violinvirtuos a. G.; Magarethe Walkotte, Vortragskünstlerin; Elsa Thiele, Koloratursängerin; Otto Wiemer, Rezitator und Dialekt- Humorist; Bernhard Nietzsche, am Flügel. 296/4* Bntree 60 Pt., Abendkasse 7a. Anfang'/,8 Uhr. Anschließend Tanz. Vorverkauf: Zigarrenhandlung Harsch, Engel- Ufer 15. Wir gehen zu 165 Friedrichstr. 165 um das Bfeneste zu sehen— den Rechtsanwalt Hau und andere Sehenswürdigkeiten. Wer wirklich volkstümlichen echt Berliner Humor liebt, der besuche das Theater an der Spree Köpenickerstraße 68, wo jeden Abend 8 Uhr W Der Aktlenbadlkeru Posse mit Gesang und Tanz gespielt wird. Die besten Possenkräfte wirken mit: Josefine Dora, Heinz Gordon, Marie Grimm-Einfidstiofer, Preise der Plätze: Parkett 1,50 M. I. Rang 1,50„ IL Rang Balkon 1,20„ 65/19* II. Rang 0,90 ,. etc. etc. llarkgrafensäle Inhaber: Hermann 8choltz. Telephon: Amt 7. 4277. Berlin 0. 98. Markgrafendamm 34. Inhaber: Jede» Sonntag: Cwroßd* Dali bei freiem Entree. Säle von 100 bis 1000 Personen für Vereine, Hochzeiten usw. unter kulantesten Bedingunazn einige Sonnabende noch zu vergeben. Vereins- zimmer bis 100 Personen fassend. 2 komf. Kegelbahnen n. einige Tage frei. Etablissement„Pharns-Säle" Berlin N. illil. JllliUS Viernau. Müllerstr. 142. Sonntag, den 8. d. M.: Große Soiree der Stelnmetz-Quartett-Sänger und Humoristen. Nach der Soiree: Tanzkrttnzchen. Anfang 0'/, Uhr. Im Wilh. Busch-Restaurant: Konzert. Dienstag, d. 10. d. M. Wilh. Wolfis Hamburger Sänger. Germania Pracht-Säle| Chaosseesfr. 1 1 0 Cäfl RlClltEF Chausseestr. 110 Jeden Sonntag: Otto Steiders Hamburger Sänger Vollständig neues Programm. Ansang 6'/, Uhr. Eintritt 50 Ps. Mit aoschlieOendem Familienkrttnzchen. rwÄfa. Großer Ball. Mittwoch: Otto Steiäel5 Hamburger Sänger nnd Preltanz. 5902b* Im Mo amüsieren wir uns? Krug zum griiuen Kranze Ober-Schöneweide, Waldstraße 74. 5022s* Küche and Keller vorzüglich. Ernst Höllich. 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Festsäle, bis 1100 Personen fassend, auch mit Bühne, an Sonnabenden und Sonntagen im Oktober, November, Dezember, Jaunar, Februar, Marz frei. 5873L* Gebrüder Mielitz, ÄÄiM Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat, Invalidenstr. 57— 62: Sternwarte. Tägl. geöffnet von V/,—li U. abds. Heute PA TU Kinder Soniitag{III r| unt.lOJahr. Ejfn tritt****»" die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: I Militär- Doppel- Konzert. Morgen, sowie täglich: Großes Militär-Doppel-Konzert. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: pie iiiilk IiO. itmen v! Ludwig Fulda. Vorher b. glänz. Eröffnungs- Progr. Sonntag 4 Uhr: Heirat auf probe. ERNnSRPRÖStTlfiSI (%. Franksurterstr. 132. Im Garten, Ans. 4'/, Uhr: Das glänzende September> Programm Sperrsitz 50 Ps. Entree 30 Ps. Im Theater abend« B1/, Uhr: Der groUe Unbekannte. _ Sommerpreise. TfieakzandaSpTW Köpenickerstrafie 68. Abends 8 Uhr- Der Aktienbudiker. Bilder aus dem Volksleben m. Gesang von D. K a I i s ch. (Josefine Dora, Heinz Gordon, Matte _ Gttmm-EinödShoser.) Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstratze Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Billettvorverlaus 11—2 Uhr. TUgllch: Die Xovitat Madame Vig-Wag Operetten-Burleske von Anton u. Donat Herrnfeld. Musik v. L. Jtal. Dazu die Separee-Affäre 85 lebe das Kachtieben! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnfeld in den Hauptrollm. „Das Lied der Liebe" und das „Anekdoten- Couplet" aus der Operetten-Burleske„Mab. Wig- Wag" sind im Theater sowie in allen Musikalienhandlg. zu haben. W. Koaeks Theater Direktion: stob. Dill. Brnnnenftr. IB. �'hr. Der lobrikaut.? uhr. Schauspiel in 3 Alten. Ans. 5 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Montag: Letzte Vorstellung der Sommerspielzeit. Benefiz, für das Hauspersonal I Nur einmalige Auf- uhrung: Ein furchtsamer Held. Mm PralEMMer Kastanien-Allee 7/9. Täglich abends 71/, llhr: Der Tanztenfel. Außerdem: Spezialltütcu 1. Rangen. Konzert nnd Ball. _ Ansang 4'/, Uhr._ Reichsliallen- Theater. Täglich: Britton alS Ante im Familien- bad ____ Wannsee. Ans. Wochent. 8» Sonntags 7 Uhr. Zirkus Saison 1007/08. Sonnabend, 14. September, abends 71/» Uhr: Für Berlin vollstäailig neues Propm. Nene Spezialitäten. Keue Schul- und yreihelts-firessureu. Alles Nähere Tagesplakate. Prot.: S.K.K.H. d. deutsche Kronpr. u. S. H. Herz. Joh. Albr. z. Mecklbg. Deutsche—- Armee-, Marine u.Ko!onial- A Ausstellung M Mii U K A Wannsee-Bhf. Friedenau ! Heute Sonntag: Sedaii-Yolksfest Eintritt 50 Pf. 2 Kinder frei! _ Militär- MoBster- Konzen Gr. Zapfenstreich in. Schlachtenmusik ohne Extra-Entree. Großes Wettschwimmen. Brunnen-Theater Heimgekebrte'j, »ezialitäten. Badstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose Heute: Großer Elite-Tag! Die Tochter des Erstklassige Spezialt Schna X Oskar Tcshe. Rudolf Borger. X X Mr- Hoph'111 Kasseneröffnuna 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. DM- Gr. Elite Ball."Wß Montag, den 9. September: Benefiz für das Schauspielpersonal: Der Hund von BaSkerville._ Vl/alhalla f ▼Variete-Garten WeinbergSweg 19/20, Rolenth.Tor. Neue TpezialitStent'' Beben eines A ntomobUs mit den kühnen. Ans.: Konzert 5; Vorstellung? Uhr. 0�" Bei ungünstigem Wetter Sanssouci, IVTb. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntags, Montags, Donnerstags: Entehrt. zügen.> und Tanzkränzche». eute: Jungferuliebe. onnt. Beg. 5, wochent. 8 u Morgen: Grofie Elite- Soiree, Tanz.. Dienstag: Gastspiel bei Berliner Volksbühne: Offiziersdramä in 5 Aus> Gl- Volkstümliche Preise Palast- Theater. * Bnrgstrafte 24. Heute'/zS Uhr. Entree 50 Pf. Das glänzeudt Nrogramm Unter anderm: Das Tollste vom Tollen. The 5 Manaos erstllassige Alrobaten. The Newporf« Exzentriks und 8 erstklassige Nummern. Vorverkaus von 11—1 Uhr. frSdeis Üllerlei-Iiieslei' Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Aeltestes Volkstheater Berlins. Der Kjesett-Spielplan mit Zlsrl Traun usw. usw. Im Saale: Groüer Ball. Anfang 4 Uhr. Enttee 30 Pf. Am 15.: Schlich der Sommerspielzeit. Bolksgartentheater Gesiiiidbruniieit, 8�°�. Sonntag, de» 8. September: X ICoDLort X'rkeater X Speieialitäten-Vor«toll, „Ein Sohn des Volkes*. Volksstülk mit Gesang in 3 Bildern. Kaffeeküche. Grofter Ball. Gnioit-Fkskälk Greifswalderstr. 222 am Königstor. 2675* Jede» Tonntag: Oroßer Ball. Ansang 5 Uhr. Eintritt frei Jede« Dienstag: Otto Stciells ltglndDkgA Sänger. Nachdem Freitanz. RixdorferTheater Bergstraste 147. Schluß des SlbonnementZ am ' 8. September,-wo Beginn der Vorstellungen: * 18. September. Furfl-Verein„Fichte" I. u. 10. Männer-Abteilung. Mitglied des Arbeiter-Turner-Bundes. Zsimabtild.�.Skpt.lM: 296/11 ms- im großen Saale des Böbmiscben Brauhauses, Landsberg.Alleel l-U Anfang 9 Uhr. Eintritt 23 Pf. Allgemeine Ausstellung von Erfindungen der Kleinindustrie 25. Juni— 15. Sept. 1907■ Sonntags von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends geöffnet Eintritt 50 Pfennig Dauerkarten 3 Mk. Keine Extra-Entrees. Täglich EXPER I MENTAL-VORTRÄGE: Teslaströme, Telegraphie ohne Draht. Farbenphoto graphie. Femphotograpbie. Elettrophysikal. Experimente. Flüßige Luft. Radium. Von 11—1 und 4—7 Uhr; KOXZFRT VUvtts Jliska E unter persönl. Leitung. AUSSTELLUNGSHALLE am Zoolog. Garten | AUSSTELLUNG von Antiquitäten und Kunstge�enständen V. September bis 6. Oktober 1907 in der Berliner Scccssion, Kurfürstcmlamm 208-209 fieMfnct von 10-7 Uhr. Eintritt I Mark. Restaurant ewerhschalts- % haus.\ - Engel-Ufer 15. Menu 75 Pf. Heute Sonntag: Blunienfohlluppe. Lachs in Butter oder gemischtes Ge miise mit Schnitzel. ZchweiiiSriickcii mit Chainpignonsance oder ZlalbSbraien. Kompott oder Salat. X Reichhaltige Abendkarte. X Wochcntäglich; GroHer bürgerlicher �ilWMch!!«>». KU lt. Um zahlreichen Besuch bittet alle Genossen SS29L I?icK. /Auxustin. 0der-8eKSne«e!de a. b. Obcrspree. Jnh.: XIK. Zloorner (NeueS ZlonzerthaiiS). 5301L»1 Heute i' Extra-Reunion (Lcitmig: Tanzlehrer Sachs). Für Vcrcnte und Getverk» fchafte« im Äommcr noch Sonn- Lbentie zu vergeben. Bediiignugen in bekannter kulanter Weife. tUkambrn Wallucr-Thealelstratze 15.• uX Großer Ball Große? Orchester. Ansang SonniagS 6 Uhr. A. Zunicltat. Rixdorf. Fritz Hoppes Festsäle Hermannstraßc 40. Fcden Montag 8 Uhr die sehr be- liebten Rcga- Stechert> Sänger. Nach der Vorstellung Familien. Iii>itn»chcn.— Jeden Sonntag: Gcoltei? Itall bei stark besetztem Orchester.— Große und kleine«öle bis 1500 Personen, sowie Vereins- zimmcr von 80 bis 100 Personen für Vereine, Hochzeiten und Prioalscst- lichlcitcii zur gesälligen Benutzung. Ein Saal ist auch Sonntags zu ver- geben.__ .! L Uli Uli Sozialdemokratischer Wahlverein des Vi. Kreises(6. Abteilung). ♦- Sonnabend, den 14. September 1907 Kunst-Abend im großen Saale der Germania-Säle Chausseestraße 1 10.= MITWIRKENDE: Sinfonie=Orcliester(Dirig. Herr Gustav Vogel) Solist: Herr Dir. Alexander Altmann Die beliebte Brettldiva Marg. Walkotte Rezitator: Herr Emil Walkotte Gesangv. Nordwacht(m. d. a.-s.-b.) Anfang SV« Uhr. ww Preis des Billetts SO Pf. Die Saaltüren bleiben während der Aufführungen geschlossen. Das Rauchen ist bis zum Schluß der Aufführungen im Saale mi cht gestattet. Nach der Vorstellung: TäU X» Herren, welche daran teilnehmen, zahlen SO Pf. nach. Wir bitten. die Genossen, sich vorher mit Billetts zu versehen, da an der Kontrolle ein Billettverkauf nicht stattfindet. 266/2* Um zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee. ir :ir Deutseher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Sonnabend, den 21. September: 14. StiftungssPest in den Gesamträumen der Neuen Welt, Hasenheide 108— 114. Oroßes tSymphoiiie- Konzert ausgeführt vom Berliner Symphonie-Orchester(60 Künstler). Kapellmeister Herr ülaxfmtllan Fischer. 93/10* Herr Opernsänger Victor Donders(Bariton). mitwirzenae. Herr K;onzortmeistor Brnno Schulz(Violine). Relgenlahrcn. Klnematograph. Während des Konzertes im hinteren Saale: Tanz. KertT Gr. Ball. Tanz frei. Billett 50 Pf. Billetts sind auf allen Zahlstellen, im Bureau und folgenden Lokalen ständig zu haben: Osten: Lorenz, Koppenstr. 28; Südosten: Mühle, Mariannenstr. 41; Süden: Grumbach, Schönleinstr. 6; Erbe, vis-a-vis der Neuen Welt; Rixdorf: Schmidt, Berlinerstr. 14. Regen Besuch erwartet Das Komitee. 3*1 3*1: Schwarzer Friedrichsberg Frankfurter Chaussee 6 (früher ISO). StadlbahnstationF� Inh.:(tCbtT. JltTtlltOld« Jeden Sonntag: Großes Künstler-Konzert« Spezialitäten-Vorstellung Im Künlgsaale: Gs�OßCI* Ball. Volksbelustigungen aller Art. ♦ Drei verdeckte Kegelbahnen.'WU == Die Kaffccküche ist von 3 Uhr an geöffnet. Entree 80 Pf.[5021L*] Anfang 4 Ehr. Vi. _M ♦ B_ ullus Pcycr Restaurant, Oranieöstp.lßä Jeden Sonntag: Viemütl. Beisammensein und Tanz. 3 & (jetinegelsliergspest-�e, Ha.cnhcldc Xo. ai. Jeden Sonntag|2n Rsall und Mittwoch;t3lP. Dail Toten-Sonntag f. Vereine frei. 29 Gardinenhans Bernhard Schwartz ZÄallstr. 29 Flnr-Eing. 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Einen amüsanten und unterhaltungsreichen Abend versprechend, ladet freundlichst ein Das Festkomitee [VR Die Mitglieder erhalten Billetts in den Abteilungsver- Sammlungen sowie in derGenossenschaft, Oderberßerstr.30. Kranken- und Begräbniskasse der Seifensieder n. Berufsgenossen E. H. No. 17. Sonnabend, den 14. September 1907. in den Gesamträumeu der Alhnmbra, Wallner-Theatcrstr. 15: 30Jahriges Stiftungsfest unter Mitwirkung des Berliner lllk-Trio. Alle Freunde und Gönner der Kasse sind hiermit freundlichst eingeladen. Aniana 9 Uür.(2784b) Itn«. 1� Das Komitee. Mo verkehrt» Sie? Mo logieren Sie? Mo speisen Sie? Bei H. Stramm, Berlin, Äitterstraße IÄ3. r-. ♦ Großer Frühstück-, Mittag- und Abendtlsch. ♦ Mittag mit Bier 60 Pf., abends ä la carte in reicher AuSw. zu sol. Preisen. Gr. FremdenlogiS a Bett 40 Ps. 2 Bcreinszimmer(20 u. 60 Pcrs.) auch mit Planino. Telephon Ami IV 2366. 55292�' MM„ B rn Bürgerliche Mflhal.ss,. ■ VI V M w I Einzelne Möitel. 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Diesem Beeinflussungsversuch des Statistischen Amtes durch die Innungen glaubt der Bäckerverband dadurch zu be- gegncn, datz er dem Statistischen Amt gleichfalls eine Darstellung der Lohnbewegung einreicht. Der Behörde soll dadurch Gelegenheit gegeben werden, auch die andere Seite, nämlich die Vertretung der an der Lohnbewegung beteiligten Arbeiter zu hören und sich so ein objektives Urteil zu bilden, was nach der einseitigen Darstellung der Meister natürlich nicht möglich ist. Die ziemlich umfangreiche Denkschrift des Bäckervcrbandes reiht die Tatsachen aneinander, welche die Lohnbewegung veranlaßt haben, und widerlegt durch die einfache Wiedergabe dieser Tat- fachen alle Behauptungen, welche über die Lohnbewegung seitens der Innungen in der Presse und in Versammlungen verbreitet worden sind und noch fortgesetzt verbreitet werden.— Nach der Denkschrift des Bäckcrverbandes hat sich die diesjährige Lohn- chewcgung folgendermaßen entwickelt: Im Jahre l!X)4 schloß eine Anzahl von Bäckermeistern mit dem Bückerverband vor dem Berliner Gewerbegericht einen Tarif ab, der bis zum 1. Oktober 7906 gelten sollte, falls es dem Bäcker- verbände nicht vorher gelingen sollte, mit den Bäckerinnungen von Berlin und Umgegend einen für die Gesellen günstigeren Vertrag abzuschließen. Es gelang dem Bäckerverbande, am 3. Mai 190k nach voraufgegangenen Verhandlungen einen Vertrag mit den Innungen abzuschließen. An den Vertragsverhandlungen hatten außer den Vertretern des Bäckerverbandes und der Gesellen- ausschüsie auch einige Vertreter von Gesellenvereinen, die von Meistern gegründet und geleitet wurden, teilgenommen. Die Be- tciligung dieser Vereine, die sich später zu einem Bund der Bäcker- und Konditorgchülfen vereinigten, geschah auf Betreiben der Innungen, die sich dadurch einige Vertreter in der Schlichtungs- kcmmission sichern wollten, welche allen Maßnahmen der Meister zustimmten, so daß die wirklichen Gesellenvertreter immer in der Minderheit blieben. Um den Bertrag nicht scheitern zu lasien, willigte der Bäckervcrband trotz schwerer Bedenken unter Protest in die Beteiligung der meistcrtrcuen Gesellenvereine ein. Der abgeschlossene Vertrag wäre zweifellos geeignet gewesen, die Wünsche und Forderungen der Gesellen auf Jahre hinaus zu befriedigen und das Gewerbe vor wirtschaftlichen Kämpfen zu be- wahren, wenn die Jnnungsmitglieder den Vertrag gehalten und die Jnnungsvorstände sich so, wie sie es bei den Verhandlungen wiederholt versichert hatten, bemüht hätten, den Vertrag überall zur Durchführung zu bringen. Das ist jedoch nicht geschehen. Zunächst setzten die Jnnungsvertreter in der Schlichtungs. kommission den Tag, an dem der Vertrag in Kraft treten sollte, auf den 3. Juni fest, während es im Vertrage selbst heißt, daß er mit dem Tage der Unterschrift in Kraft tritt. Die Gesellenvertreter fügten sich, wenn auch nach heftigem Sträuben. Auch der S. Juni ging vorüber, ohne daß die Jnnungsmitglieder Anstalten trafen, das Kost- und Logiswescn zu beseitigen, wie es der Vertrag besagt. Nur in vier bis fünf Fällen stellten die Meister den Gesellen frei, sich ein eigenes Logis zu beschaffen. Als sich die Gesellenvertrcter in der Schlichtungskommission darüber beschwerten, stellten die Jnnungsvertreter den Grundsatz auf: Wenn die Gesellen nicht ausdrücklich vom Meister verlangen, daß sie sich Kost und Logis selbst besorgen, so wird angenommen, daß sie mit der Bei- beHaltung des Kost- und Logiswesens einverstanden sind. Die Gcsellenvertreter beriefen sich auf den Wortlaut des Vertrages: „Kost und Logis darf den Gesellen vom Meister nicht mehr gewährt werden. Ausnahmen sind nur auf ausdrücklichen Wunsch der Gesellen zulässig." Die Jnnungsver- trcter hielten aber an ihrem Standpunkt fest. Natürlich wagten nicht alle Gesellen, von ihren Meistern die Beschäftigung ohne Kost und Logis zu verlangen, denn in den meisten Fällen b e a n t- warteten die Meister ein solches Verlangen mit sofortiger Entlassung. Eine Beschwerde bei der Schlichtungskommission konnte den Betreffenden nichts nutzen, weil inzwischen ihre Stellen besetzt waren. In einer anderen Arbeits- stelle hatten solche Gesellen dann nicht mehr den Mut, die Be- schäftiguckg ohne Kost und Logis zu verlangen. Die Arbeitsver- mittler der Innung dachten gar nicht daran, in dieser Hinsicht die Bestimmungen des Vertrages zu erfüllen. Hiergegen führten die Gesellenvertreter in der Schlichtungskommission Beschwerde. Die- selbe hatte jedoch nur die Folge, daß ein Meistervertreter, der Vor- sitzender des Ausschusses für Arbeitsvermittelung ist, in d'cr Zeitung der Innung eine Bekanntmachung erließ, des Inhalts, daß die Gesellen berechtigt sind, dem Arbeitsvermittler ihren Wunsch, beim Meister in Kost und Logis zu bleiben, auszudrücken und daß die Meister berechtigt seien, sich beim Arbeitsvermittler solche Gesellen zu bestellen, die Kost und Logis beim Meister nehmen. Gegen diese Bekanntmachung protestierten die Gesellen- Vertreter in der Schlichtungskommission, aber die Meister blieben bei ihrer Auslegung des Vertrages. Noch andere Differenzen haben die Vertreter der Meister heraufbeschworen. Obgleich der Vertrag eine Zentralisierung der gesamten Arbeitsvermittelung Vorsicht, bestand nicht nur eine er- hebliche Zahl von Arbeitsvermittelungsstellen der Innungen, sondern die meistertreuen Gesellcnvcreine gründeten auch mit Wissen der Innungen zu ihren bisherigen Arbeitsnachweisen noch vier neue und trafen mit der Meisterschaft das Abkommen, daß diese, wenn sie Gesellen einstellen wollen, solche bei den genannten Vereinen zu bestellen haben und daß die Vorsitzenden dieser Ver- eine den Arbeitsvermittlcrn der Innungen diejenigen Gesellen zu bezeichnen haben, die in die zu besetzenden Stellen geschickt werden sollen. Die Innungen, denen diese Dinge bekannt waren, haben nichts getan, um dem vertragswidrigen Treiben ihrer Mitglieder ein Ende zu machen.— Besondere Beschwerden der Gesellen richteten sich gegen den Arbeitsvermittler Vogel, von dem gesagt wird, daß er eine Günstlingswirtschaft im großen Matzstabe betreibe. Auf Grund dieser Vorgänge kamen die Gesellenvertrcter zu der Ueberzeugung, daß die Innungen den Vertrag abgeschlossen in der Voraussetzung, sie brauchten ihn nicht zu halten. Nochmals versuchten die Gesellenvertrcter, die Innungen zur Durchführung des Vertrages zu bewegen. Sie stellten in der Schlichtungskom- Mission Anträge, durch deren Annahme die Vertragsbcstimmung durchgeführt werden sollte, welche besagt:„Für Berlin und die- Vororte wird ein zentralisierter Arbeitsnachweis errichtet. Dieser ist einer aus gleichen Teilen von Meistern und Gesellen gewählten Kommission zu unterstellen. Die Schlichtungskommission hat die Vorarbeiten zur Errichtung dieses Arbeitsnachweises einzuleiten. Derselbe muß spätestens am 1. April 1997 in Kraft treten." Ueber die Auslegung dieser Bestimmung entstanden neue Differenzen. Die Meister wollten, daß der Zentralarbeitsnachweis ein Arbeitsnachweis der Innungen, und unter deren Einfluß stehend, bleiben sollte, während die Gescllenvertreter unter Be- rufung auf den klaren Wortlaut des Vertrages die Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises verlangten. Diese Differenzen konnten nicht beseitigt werden, da die Meister von ihrer Aus- legung des Vertrages nicht abgehen wollten. Aus diesem Anlaß kam es dann zum Bruch zwischen den Parteien. Um einen Kampf, wenn irgend möglich, zu vermeiden, machten die Gesellen- Vertreter den Innungen den Vorschlag, die schwebenden Differenzen dem Einigungsamt des Berliner Tcwerbegerichts zu unterbreiten und dasselbe um Abgabe eines Schiedsspruches zu ersuchen, dem sich beide Teile zu fügen hätten.— Die Innungen lehnten diesen Vorschlag ab. Sie wollten diese Angelegenheit nicht vor dem Gewerbegericht, sondern vor dem Jnnungsschicdsgcricht zum Aus- trag gebracht wissen. Damit konnten sich aber die Gesellender- treter nicht einverstanden erklären, denn sie hielten das Jnnungs- schiedsgericht, dessen Vorsitzender ein Angestellter der Innungen ist, nicht für eine in dieser Angelegenheit unparteiische Instanz. Da eine Verständigung ausgeschlossen erschien, beschlossen die» Gesellen von Berlin und den Vororten, aufs neue in eine Lohn- bewegung einzutreten, die das hauptsächlichste Ziel hatte, einen Vertrag mit den Innungen abzuschließen, der keiner Auslegung fähig wäre und genügende Garantie für seine Jnnchaltung biete. Wieder schlugen die Gesellen vor, daß über ihre Forderungen vor dem Einigungsamt des Berliner Gcwcrbegerichts verhandelt werde. Wieder lehnten die Innungen dieses Einigungsamt ab. Die Ge- sellcn versuchten noch einen letzten Schritt, um den Kampf zu ver» meiden, sie ersuchten den Oberbürgermeister von Berlin, als un» parteiischer Vermittler zu fungieren. Derselbe erklärte sich bereit, entweder die Jnnungsvorstände zur Anerkennung des Gewerbe» gerichts zu bewegen oder selbst einen höheren Magistratsbeamtcn mit der Leitung der Einigungsverhandlungcn zu betrauen, falls die Innungen damit einverstanden wären. Die Innungen aber lehnten auch diesen Vorschlag ab, so daß der Oberbürgermeister seine Tätigkeit in dieser Angelegenheit als erledigt ansehen mußte. Die Leitung der Gesellen versuchte nun, mit der Freien Ver- einigung der Bäckermeister, einer kleinen, außerhalb der Innungen stehenden Organisation, eine Verständigung und den Abschluß eines Tarifs herbeizuführen. Vertreter beider Seiten verhandelten auch vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts. Der Schieds- spruch, den das Einigungsamt fällte, wurde von der Freien Ver- einigung der Bäckermeister abgelehnt, von den Gesellen aber an- erkannt und als Forderung für die Lohnbewegung aufgestellt. Am 28. Mai beschlossen zwei Gesellenversammlungen, diese Forde- rungen den Meistern zu unterbreiten und, wo sie nicht anerkannt werden, die Arbeit niederzulegen, was denn auch geschehen ist. Im weiteren gibt die Denkschrift eine Darstellung vom Ver- lauf des Streiks, sie schildert den Kampf der Innungen gegen die- jenigen Meister, welche die Forderungen der Gesellen bewilligt hatten, verweist auf das bekannte Eingreifen der Polizei im Plakat- kriege zugunsten der Innungen und konstatiert, daß infolge des Streiks für 3590— 4900 Gesellen die Forderungen bewilligt sind, welche sich bekanntlich neben der Erfüllung der Bestimmungen des alten Vertrages auf die Gewährung eines freien Tages erstreckt, der. den Forderungen entsprechend, je nach der Größe der Betriebe jede Woche, jede zweite oder jede vierte Woche zu gewähren ist. Weiter wird darauf hingewiesen, daß eine Bewegung eingeleitet ist, um die gesetzliche Festlegung dcS Ruhetages zu erlangen. Dicht Schnur und Plombe i sind sichere Zeichen dafür, daß Sie den echten „Kathreiner" bekommen, sondern am Kneipp-Bild und dem Namen„Kathreiner" können Sie ihn erkennen. 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September 1907, abends G'l, Jlftr, in Kellers Festslllcn(Inhaber Freyer)» Koppenftraße 29: — MttKlieSer-Versammlunx � TageS-Ordnung: l. Bericht der Lohnkommisfion. S. BerschiedeneZ. DM- In Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung ist eS unbedingt notwendig, daß jeder Kollege In dieser Versammlung erscheint. 200/ U Ansang präzise.»er Borstand. Ida« Barean wird am Freltai; am O Uhr gcnchlossen. i*i'jüL Ktaurer._ Zenlralverband der Maupep Deutschlands, Zweigverein Berlin, Bezirk Wedding. »ienStag. den 10. September 1907, abend» 8Vi llhr, in Baabes FcMtsaicn, Kolbcrgerstr. 23: KitgUeder-Versammltmg. TageS-Ordnung: 1. Vortrag bei Kollegen O. Hanke über GewerlschaslSsragen. 2. Diskussion' Bericht ans den Vertrelersitzungen. 4. Verschiedenes. � Mitgliedsbuch mitbringen.——— 1MW Die Bezirksleitung. I. A.: cai» poredol. gsimen- uiiä Kinder-Konfektion! Montag, den 9. September, abends 8'/, llsir: Ocffcntlkbe Versammlung für den Büd-Oftcn im„Reichenbrrger Hos«, Reichenbergerstr. 147. TageS-Ordnung: »Was haben die Konfcktionsarbeiter und-Arbeiterinnen zu tn», um ihre Lage zu verbessern?" Reserentin: Fräulein Gertrud Hanna. Pflicht eines jeden Kollegen und einer jeden Kollegin tn der Konsektion ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. 166/1»er Einberufer. ilpossenscMn Denis ------- Bezirksgruppe: Berlin-Brandenburg und Mecklenburg. Montag, den 0. September, abends 8 Uhr: ZKiigUe äer- Versammlung in den Musiker-Siilen, Kaiser Wilhelmstr. ISm./ Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen dnlins€ohn: Der Mannheimer Ver Sandstag des ZentralverbandeS deutscher OrtSkrankenlassen. 2. Diskussion. ä. Verbandsallgelegenheiten. Aus dem Mannheiiner Krankenkassentag ist auch über die Ausbildung der Kassenbeamten gesprochen worden, eS ist daher der Versammlungsbesuch aller Kollegen notwendig. Pünltliches Erscheinen erwartet L96/9 Der Vorstand. KonsiniigenosseiiseM Berlin und Umgegend. Arbeiter und Hausfrauen Rixdorfs! Dienstag, den 10. September, abends 8'/, Uhr: Oeffentliche Versammlung in Hoppes FestsUlcn, Hermannstr. 49. Tages-Ordnung: 1. Der Kampf um die wirtschaftliche Freiheit. Referent Genosse Dan! Gvbre-Zehlcndors. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. 14S/7 Zahlreichen Besuch erwartet»ie Agitationskommission. Branche der Kistenmacher! Montag» den S. d. Mts.» abends S'/z Uhr, im Gewerk schaftshanse, Saal 8: VersaHimluux. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des GewerkschastSsckretärS, Genossen Bitter über:.Di« kulturelle Bedeutung der Arbeiterbewegung." 2. Diskussion. 3. Ver< schiedenes.»er Obmann. VreppeiKAoländvi'- Branche. Montag, den 9. September 1997, bei Boeker, Weberstr. 17 1 SOT Versammlung"W aller in Treppengeländerfabriken beschäftigten Tischler, Trechsler, Stellmacher, Maschinenarbeitcr und Polierer. TageS-Ordnung: 1. Di« ArbeitSdermiiteiung in unserer Branche. 2. Diskussion. 3. Be- richt der Kommission. 4. Verbands- und Branchenangelegenheiten. BV Jeder Kollege, der in der Branche beschäftigt ist, wird der- pflichtet, in der Versammlung zu erscheinen. »ie Kommisston. l Ver>vültunx Lerlin. Donnerstag, den 12. September 1907, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschastshause, Saal I: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen dnliaa Uorcliardt: „Das ueue Evaugelium." 2. Geschäftliches. ErgänzungSwahl zur Bezirkskommission. 3. Verschiedenes. .®i{ sind gebelen, mit Ihren Damen zahlreich zu erscheinen. 20/14» Der Vorsta-'d. Orts- Kraiitentasse der liiikichnek und verwandten Gewerbe zu Berlin. Ordentliche—— General- Versammlung der Delegierten am Donnerstag, den t2. Sept. 1907, im Alten Sehfitzenhaus. Limenstr. 5. In getrennter Versammlung abends Punkt 8 Uhr: Bersammlung der Arbeitgeber. TageS-Ordnung: 1. Ersatzwahl eines Vorstands- Mitgliedes bis End« 1908. 2. Wahl eines Borstandsmitgliedes aus drei Jahre. Um O'/a Uhr: Bersammlung der Arbeitnehmer. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahl von zwei Vorstands- Mitgliedern bis Ende 1907 rcsp. 1908. 2. Wahl von zwei Vorstands- Mitgliedern auf drei Jahre. 0m 9'/. Uhr; Gemeinschaftliche Versammlung mit folgenden Punkten: 1. Verlesung des Protokolls. 2. Wahl von drei Revisoren zur Revision des Jahresabschlusses. 3. Sonstige Kasieiiangclegcnheiten. Um pünktliches Erscheinen wird dringend ersucht. Di» zugesandte Einladung legitimiert, ohne dieselbe(kein Einlas. 276/5 Ter Borstand. R. Möhler, 2. Vorsitzender, Roßstraße 4. und Orts- Krankenkasse der U M«» verwandter Gewerbe zu Berlin. Die für das Jahr lS07 gewählten Vertreter der Örtskrankcnkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin werden zu der am Dienstag, den 17. September. abends S'/a Uhr, im Zfenen HInhhan«, Kommau- dantenstr. 72, stattfindenden Msfofitantiiliiien Generalversammlung Hierdurch eingeladen. Tagesordnung: 1. Abänderung des ZiaisenstatutS (■§§ 13 und 25 betr. Erhöhung des Krankengeldes und H 32). 2. Antrag des Vorstandes betr. Er» werb eines GruiidstückS. 3. Antrag der Kassierer aus Zurück- zahlung der Kautionen. 4. Antrag der Beamten betr. Ge- haltsrcgelung. 276/4 WBerlin, den 6. September 1907. Der B o r st a n d. Vlnst. Nahtow, Vorsitzender. Panl Doritz, Schrijtsührer. 81. Wahlkreis« 110. Bezirk. Unseren Mitgliedern zur Nachricht. dag der Zahlabend Mittwoch, den 11. September 1907, im Restaurant von Hermann Göbe, Fidicinstr. 17, statljiiidet.»er Bczirksfiihrer. Orts- Krankenkasse Lichtenberg. Einladung zur Waliwersammlung. ES wachen sich zusolge AuS- scheidens Stenwableu zur General- Versammlung nötig. In Gemäsihett der ZK 51, 51» und 66 der Kassensatzimgeii lade ich da- her zur Neuwahl hiermit crgebcnst ein. Wahlberechtigt und wählbar sind die Kasscnmitgiieder, die grosisährig und im Besitz der bürgerlichen Ehren rechte sind. Die Wahlen finden in getrennten Mahlgängen sArbcilgeber und Arbeit- nehmer) statt. Zu wählen ist für die Periode: Oktober 1907 bis 30. Scvtembcr 1909. Zur Vornahme der Wahlen laben wir die Herren Arbeitgeber zu Mittwoch, den 18. September 1907, nachmittags S-O llhr. in das Lokal der Herren Gebr. Ar» hold, Frankfurter Chaussee 5. Zimmer rechts vom Hanptei» gang, hiermit ergebenst ein. Die Herren Arbeitnehmer, Kassenmitglleder, die in zwei Nb teilungen wählen, laden wir zur Vor- nähme der Wahl, und zwar die 1. Wahlabteilung umlassend die Be- triebe östlich der Gürtelstrasie, der Dorsstrahe und des Weisienseer Weges, auSschliesilich der drei gc- nannten Straszen, sowie die Kassen- Mitglieder, die tn WilhelmZberg be- schästigt find, zum»oniirrstag, den 19. September 1907, abends von 3—8 llhr, in das Lokal von Gebr. Arnhold, Frankfurter Ghanffee 5, die 2. Wahlabteilung. umfassend die Betriebe in der Gürtelstraße, der Dorsslraße und des Wcißensecr Wege?, sowie den Orts- teil westlich dieses StraßenzngeS zum Freitag, den 20. September 1907, abends 6—8 Uhr, tn das Lokal von Gebr. Arnhold, Frank- furter Chanssee 5, hiermit ergebenst ein. Die Kastenmllglieder. die ihre Bei- träge selbst zahlen(srciwillige Mit- glieder) wählen in der Abteilung, in der ihre Wohnung belegen ist. Die Arbeitgeber haben aus ihrer Mitte 37 Delegierte, die Kassenmitglicder der 1. Wahl- abteilung 60 Delegierte und ii8 Ersatz- miinner, die Kassenmitglleder der 2. Wahl- abteilung 30 Delegierte und 16 Ersah- Männer mittels geheimer Wahl zu wählen. Die Wahlhandlung wird pünktlich eröfinet und gilt als Legilimation sür die Kassemitglicder das Mitglieds- buch oder Karte, für die Arbeitgeber die letzte BeitragSqnittung. Zur zahlreichen Beteiligung ladet -W 276/6 Der Kassenvorstand. M. Hentschcl, 1. Vorsitzender. Arbeiter■ Sängerbund = Berlins und Umgegend. 1 Sonntag, den 15. September 1907, vormittags 11 Uhr,| im Saale der Brauerei Friedrlcbsbain: Uebung;ss Stunde. Geübt werden folgende Lieder: „ScIiwUMsches Volkslied4'(Jetzt gang i an's Brünnele). „Herbstfeler",„Weihe des«esangea",„Arbeiter- Vatcrlandsllcd". Pünktlich 10 Uhr vormittags Im Nebensaale: Ausschuß s Sitzung. Tagee-Ordnung: 1. Aufnahme neuer V e s■ ereine. 2. Zur Bezchtung! Bundos-Ängelegonhe iten. Beschluß haben in| Laut dieser Ausschußsitzung die| Vereine die Billetts vom Sängerfest abzurechnen; um eine 1 ordnungsgemäße Geschäftsführung des Vorstandes zu onnög- I liehen, werden die Vereine dringend ersucht, diesen Beschluß [ zu beachten.— Ebenso wollen die Vereine den in letzter 1 Ausschußsitzung zu einem Wohltätigkeitsakt beschlossenen| Extrabeitrag(1 M. pro Verein) an den Kassierer abliefern. 16/15 Der Vorstand. Bekanntmachung. DaS Kassenlokal der Orts- Krankenkasse der Zigarrenmacher!e. befindet flch vom Montag, de» 10. September ab Dragoner- stralie 6 a, vorn eine Treppe. Geössnet nur wochentags vorm. v. 8— l Uhr. An Sonn- u. Festtag, bleibt d. Kasse geschlossen. Der Bo'rstaud. teppdecken billigst dirclt in der Fabrik 7». Wallntr. 72, wo auch alte Steppdecke» ansgearbcitet werden. Berndard Strohiiinndcl. DarUn S 1«. Jllttftr. Katalog gratis. 00. StetrSUIe-, Kaifee-, Zucker-, alle Lebensmittelpreise steigen rapid. Warum greift der Handel nicht ein? Warum läßt er sich von den Ilttrsen- Spekulanten, von den Handels- und llUrsenxeltnngcn am Vnrrenseil licramt'Uhren? Das Wlrtsehartsblld der Gegenwart und der ZnknnR ist xu beziehen durch alle Buchhandlungen(Kommiseionär; Otto Webet, Leipzig). Broschüre A, volUtSudige Ausgabe, Mk. 3.— Teil- und Volks- ausgäbe, 60 Pfj�e Geg-cn Einsendung; von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg;. für d&a Inland, Mk. 2.20 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüre® portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael procstler in Würiburg Ter- sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospektt» Besondere Beachtung Möbel- KaushauseS Th. Fort, Krctzschmar u. Co., I a n n o w i tz b r ü ck e 4, die nur einen Keinen Auszug auS dem grosicn Musterbuch darstellt, da« aus Wunsch gratis zugestellt wird. Die Besichtigung der Lagerräume ist ohne Kaufzwang gern gestattet und besonders deshalb zu empsehlcn, weil reizende Neuheiten in allen möglichen Stil- und Holz- arten in grösitcr Auswahl und jeder Preislage ausgestellt sind._ Gegründet 1861. billiger als im Laden kaufen Sie verfallene Pfänder In der Pfandleihe Beussel- Strasse 23. 1 Trepp». Arbeitsnachweis: BcrwaltnngösteUe Berlin. Hauptburcau: Hos I. Amt 3, 1239. CharltöttraBe 3. Hos III Amt 3. 1987. Dienstag, den 19. Septeuiber, abends L Ahr, im Eewei'kfcbaftsbause, Engel-Ufer 15, gr. Saal: WlgUeäkr-Verssmmwns der ItfletalldpiiclKei* Berlins u. Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Vortrag de« Genossen Stern über:.Alte und neue Welt- anschauung'. 2. Diskussion. 3. Bericht der AgitallonSkommission und Neu- wähl derselben. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht der Kollegen, sür guten Besuch der Versammlung zu sorgen. 148/3 Die Ortsvcrwaltnng. Achtung! Zahlstelle Berlin. Stul-Hrfcelter. Achtung! 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Johann Fischer. . 34, Grützmacher, tr ü her Plntschstr. 4. „ 37, Manthey. FriebrichZselderftr. 17, Kunz. Göbenstr. 13, Brotsabril Berolina. Äoßlerstr. 22, Gebigle. Gräsestr. 12, Hanke. Greifswalderstr. 29, Bartsch. Hcidenseldstr. 7, Auer. Jnvaltdenstr. 155, Paul Hanke. Kesselsw. 42, Tauer, Milchgeschäst, liesert boykottfreie Backware. Kochhannstr. 34, Wolsram. Köpentckerstr. 23, Paul Hanke. Kremmenerstr. 15, SosnowSki. Langestr. 46, Peter. Libauerstr. 17, Oeck. Liebenwalderstr. 34», Reimer. Linienstr. 1561157, Kemnitz.* Mirbachsir. 46, Pfeiffer. Prenztaüerstr. 43, Paul Hanke. Prinzen-Allee 10, Paul Hanke. PrinzeN-Allee 13, Fuhrmann. Ruheplatzstr. 27, Gärtner. Scheererstr. 1, Gärtner. Schwedenstr. 19, Kappler. Schwedterstr. 25, Winkelmann. «parrslr. 9, Niederlage von Fritz Hanke. Stettincrstr. 7, Paul Hanke. Straufzberaerftr. 33, schicke. Tegelerstr. 32, Voigt. Turmftr. 54, Bernau. Warschauerstr. 8, Schild. Weinbergsweg 9, SchräMIN. Weinbergswcg 7, Paul Hanke. Wilsiiackcrstr. 33, Paul Hanke. FlonSkirchslr. 2, Hentze, früher Regen. Zorndorserstr. 4, Hammel. Britz. Werderstr. 89, Pernika». Werdcrstr. 33, Käuser-VerelN. (Wiederverkäuser und Kunden« sammelslelle.) Boxyagen. Boxhaaener Chaussee 5d, Schubert. Neue Bahnhofstr. 34, Riedel. Pankow. e 41. Schneider(Pertreter Reinickendorf« Eichbornstr. 35, Kubt. Justus ffr. 29, Oertel. Rixdorf. Betgstr. 73, Knhlert. Prinz Handjerystr. 33, Raschick. Siegsricdstr. 44, Brückner. Weichsclstr. 34. Schul,. SchSneberg. Slegfriedstr. 1, Brotsabril Berolina Kaiser Friedrich str. 4,,. Steglitz. Marksteinstr. 3. Stratzmann(Wieder Verkäufer). Die Bewilligttng zurückgezogen resp. durchbrochen haben: Anklamerstr. 57, Eder. Zlntonstr. 43. Biesenthalerstr. 2, Mcnstng. Chodowickistr. 1. Müller. Danzigerstr. 8, Konrad. Dunckerstr. 2, Cherwenka. Elbingersir. 32, Wensch. Fennstr. 51, Fritz Hanke. ochmelsterstr. 20. Höchstädterstr. 23, Zahl. Kolbergerstr. 1, Fr. Hanke. Sknlitzerstr. 63/64, Dehme! hat unserm Kontrolleur in der schnödesten Weise die Tür gewiesen. Tieckstr. 16. Fürst. Tristftr. 28/29. Sprtgade. Charlottenvurg Pestalozzistr. 12, Walter. Rixdorf. Falkstr. 21, Susat.(Schon zweimal zurückgezogen.) Steinmetzstr. 131, Lorenz. Rummelsburg. Kantstr. 18, Mägdesrau. Liste dvrienigen Kackmaretl-. Milch- und Gemiisegeschäftr, die nachweislich Ware von«nbewilligten Bäckereien beziehen. Er. Hamburgerstr. 26, Stengle. Hochsir. 32 a, Müller. 'ussitenstr.S2,Slübbe/Braschma0 St 30 Pt Ii 3?�! Damentuche ÄtÄ Paletots, Jacketts, Abendmäatel, Costuraes, Costumes-RScke in größter Auswahl. C» Pelz. Kottbuserstr. 5. Muster, Astrachans, Krimmer, Trlkotstoffe, Seiden-Plüsch, Sammet, Seide etc. feit» Mm Eithltr Jtfohel u. yolstenparen taust man am reellsten bei fkeoÄor Knorn, 5745L» Gerichtstr. 1« (Hoch- Platz). Reichhaltigstes Lager in 1 u. 2 Zimmer-EinriGiitunggi), kompl. Kflclicn von SOM.an. FUufjahvieo Oarantlc. 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N., Relnickendorferstrasse 23. Charlotteaburg t nur Wilmersdorferstr. 122-123. Kixdorii Bergstrasse 30-31. Potsdam.- Brandenburgerstr. 64. Nicht irren! Man achte stets genau auf unsere volle Firma, um Verwechslungen mit ähnlich lautender Firma zu vermeiden. Jacques Cohn Müllerstraße 182—183 Ecke Seilerstraße. Von Sonnabend, den 7. September bis Sonnabend, den 14. September Schluß Tage R&umungs-Verkaufs des aus der Jacques Cohnschen Konkursmasse erworbenen Warenlagers und anderer Waren. Di AMirrA CamÜvm ,n Kleiderstoffen— Seidenwaren— Damen» und Kinderkonfektion— Weißwaren— Besatzartikeln KicSinC �UriiniBnLlj Kurzwaren— Handschuhen— Strumpfwaren— Trikotagen— Schirmen— Herrenkonfektion " � Herrenartikeln— Leinen und Baumwollwaren— Bett» und Tischwäsche— Damen» und Kinder» Wäsche— Schürzen— Korsetts— Gardinen— Portieren— Möbel» und Vorhangstoffen— Läufern und Vorlagen— Linoleum Heise-, Schlaf» und Tischdecken gelangen während der Schlußtage zu unvcrglelditleh billigen preisen zum Verkauf. Trotz der enorm billigen Preise geben wir auf sämtliche Artikel ohne Ausnahme rir Nordenmarken; Jacques Cohn Mullerstraße 182—183, Ecke Sellerstraße. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke» Berlin, Druck u.Verlag:VorwärtSÄuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. u m 24, wtpn, 4. jeiiuje heg LgUliltg" Snlim NolksdlM. 8.�.-�. flm IHittwocl) findet Zur Mubshullststtrophe in Strausberg. Das spurlose Verschwinden des Direktors Kraschutzki von der Ostbawk für Handel und Gewerbe, der die Filiale in Königsberg leitete, hat jetzt eine tragische Aufklärung gefunden. Aus Strausberg wird berichtet: Der Bankier Kraschutzki ist nach den gestrigen Ermittelungen ein Opfer der Strausberger Eisenbahnkatastrophe geworden. Er ist bis auf wenige, fast unkenntliche Reste verbrannt. Durch Vernehmung des StationÄeamten in Königsberg war fest- gestellt worden, daß Kraschutzki in Königsberg den Schnellzug 6 bestiegen hatte. Nach Aussage der Zugschaffner, die ihn ebenso wie die Stationsbeamten von seinen hausigen Fahrten kannten, ließ er sein Gepäck in Kreutz nach einem anderen Abteil 2. Klasse bringen, um allein zu sein. Er blieb noch bis Schneidemühl im Speisewagen. Dann suchte er sein neues Abteil auf, um zu schlafen. In Landsberg teilte er dem Schaffner, der ihn nach feinem Reiseziel fragte, mit. daß er nach Berlin fahre. Gestern wurden die Wagentrümmer bei Strausberg noch einmal durch- sucht, während zugleich Gendarmerie und Kriminalpolizei die Umgegend durchstreiften. Während der Aufräumungsarbeiten fand man unter den Ueberbleibseln des verbrannten Wagens hinter dem Speisewagen in den Spiralfedern der ausgebrannten Abteilpolster verschiedene Sachen, die darauf schließen lassen, daß Kraschutzki ver- brannt ist. Außer zum Teil durch die Hitze stark beschädigten Zwanzig» und Zehnmarkstücken und Nickelmünzen wurden Kleider- knöpfe mit der Firma Orgler u. Hirsch in Königsberg aus dem Schutt gelesen. Telegraphische Nachfragen, die der aus Spandau herbeigeeilte Schwiegersohn des Vermißten in Königsberg hielt, be- stätigten, daß Kraschutzki von dieser Firma seine Kleider bezog. Auch ein Stück des Hosenträgers war übrig geblieben. Auch dieses wurde als dem Vermißten gehörig erkannt, ebenso die Bügel des verbrannten Portemonnaies und mehrere Schlüssel. Endlich fand man noch einige Reste der verbrannten Schädel« decke und von Fingergliedern. Die nach dem Bahnhof Rehfelde gebrachten und dort untersuchten Ueberreste lassen über das Schick- sal Kraschutzkis keinen Zweifel mehr übrig. Der Bankier ist jeden- falls bei dem Zusammenstoß bewußtlos geworden und verbrannt, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Die Trümmer und Asche dieses Wagens waren bereits in der Unglücksnacht durchsucht worden, aber so flüchtig, daß von den Ueberbleibseln nichts bemerkt wurde. Die amtlichen Nachforschungen nach dem Verbleib des Direktors Kraschutzki aus Königsberg haben, wie aus dem Eisenbahnministerium mitgeteilt wird, folgendes ergeben: Nachdem die Angehörigen deS Direktors Kraschutzki mit der Meldung hervorgetreten waren, daß der Direktor seit der Eisen- bahnkatastrophe bei Strausberg vermißt werde und hochstwahrschein» lich verbrannt sei, war die Behörde eifrigst bemüht, die Spur des Vermißten zu verfolgen. Die Trümmerstätte wurde gestern ein- gehend durchsucht. Mehrere Stückchen einer menschlichen Schädel- decke, ein etwa sechs Zentimeter langes Stück eines Unterarm- knochens, eine Anzahl kleiner Knochenstücke unbestimmbarer Art, ein Hosenknopf mit dem Firmenaufdruck Orgler u. Hirsch, fünf Münzen, ein Zwanzigmarkstück, ein Einmarkstück, zwei Zehn- Pfennig- und ein Fünfpfennigstück, außerdem anscheinend ein Portemonnaiebeschlag und 14 Metallteilchen, vielleicht von einer Uhrkette herrührend, sowie ein kleiner Rest eines Hosenträgers und ein Schlüsselring mit Schlüsseln wurden gefunden. Der an- wcsende Schwiegersohn des Bankdirektors erklärte, daß sein Schwiegervater nur bei der Firma Orgler u. Hirsch habe arbeitzen lassen. Die Fundstelle der Ueberreste lassen daraus schließen, daß er sich zum Schlafen niedergelegt hatte, und liegend den Tod ge- funden hat. Um zu ermitteln, ob die Schlüssel dem Direktor Kraschutzki gehören, wurden sie sofort nach Königsberg gesandt. Das Eisenbahnministerium beauftragte die Eisenbahndirektion Bromberg telegraphisch, genaue Einzelheiten über das Ergebnis der Untersuchung an das Ministerium zu berichten. Die Katastrophe von Strausberg wird wahrscheinlich noch ein zweites Opfer fordern. Wie mitgeteilt wird, ist das Befinden des verunglückten Ingenieurs Hofmann, der unter anderem eine Gehirnerschütterung erlitten hat, andauernd besorgniserregend. Es besteht wenig Aussicht, den Patienten am Leben zu erhalten. Wegen der Täterschaft verhaftet würde in der Nacht vom Freitag zu Sonnabend in Lichtenberg ein früherer Bahnarbeiter Franz Wirsching. Das Sensationsblatt, die„B. Z. am Mittag", glaubte sich gestern rühmen zu sollen, an dem großen Erfolg der Polizei seinen Anteil zu haben. Das Blatt wußte bereits mitzuteilen, daß das Signalement auf den Ver- hafteten genau passe. Dann aber sei ihm die Tat zuzutrauen, weil er von der Bahnverwaltung aus bestimmten Gründen entlassen worden sei; W. habe aus Rache gehandelt. Nun stellt sich heraus, daß die ,.B. Z. am Mittag" etwas sehr eilfertig war. Eine amt. liche Meldung besagt: Der ehemalige Bahnarbeiter Franz Wirsching aus Mahlsdorf, der heute vormittag unter dem Verdacht, den Bahnfrevel bei Strausberg ausgeführt zu haben, verhaftet worden ist, kotinte, nachdem man ihn um 2 Uhr dem Arbeiter Prewitz gegenüber- gestellt hatte, entlassen werden, da er nicht der Täter ist. Auf der Suche nach dem Frevler hat die„Post" eine Wunder- fame Entdeckung gemacht. Sie meint, die Tat sei eine„Folge der sozialen Verhetzung."„Die sozialdemokratische Hetzpresse hat an hem Geschehen solcher Verbrechen ihr gestrichen Matz schuld," phan- tasiert sie. Wir wollen ernsthaft kein Wort gegen diesen Wahn- sinnsausfall sagen. Postesel müssen ja tagtäglich solchen Blödsinn verbrechen, wenn sie nicht davongejagt werden wollen. Was das Unglück selbst anbelangt, so halten wir es für wünschenswert, daß neben den selbstverständlichen Ermittelungen nach dem Urheber dieses unerhörten Eisenbahnfrevels auch die Frage erörtert wird: War es nicht möglich, durch genügende Kon- trolle der Eisenbahnstrecke das Unglück zu verhüten? Dabei muß natürlich festgestellt werden, ob die Eisenbahnverwaltung für ge- nügendes Personal Sorge trägt, das diesen Kontrolldienst auch ohne Ueberlastung wahrnehmen kann. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. In Adlershof steht das Lokal„Kaiser Wik« Helmsgarten" der Arbeiterschaft nicht mehr zu Versamm- lungen zur Verfügung, infolgedessen ist die Sperre über dasselbe verhängt. In Beelitzhof sind sämtliche Lokale frei- Die Lokalkommissson. Zweiter Wahlkreis. Heute findet in den Gesamträumen der Berliner Bockbrauerei unser Volksfest statt, be- stehend aus Konzert, Ball, Kinematograph, Turnerischen Auf- führungen und Kinderspielen, unter Leitung des Arbeiter-Turn- Vereins. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Billetts im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 30 Pf. Um recht zahlreiche Be- tciligung bittet Das Komitee. Tempelhof. Am Sonnabend, den 14. September feiert der Wfthlverein sein Herbstfest in Mokulys Festsälen, Berlinerstraße 0. Für genügende Unterhaltung ist gesorgt. Um rege Beteiligung er- sucht Das Komitee. für Min und Vororte Zeuthen. Am Dienstag, den 10. September, abends 8 Uhr. findet in dem durch die Energie der hiesigen Arbeiterschaft er- kämpften Lokale ,. Albrechtshos" eine öffentliche Versamm- lung statt. Tagesordnung:„Wesen und Ziele der Arbeiter- bewegung."— Wir ersuchen die Parteigenossen, für diese erste in einem freien Zeuthener Lokale tagende Versammlung kräftig zu agitieren und den Besuch derselben dadurch zu einem imposanten zu gestalten. Der Vorstand des Wahlvereins zu Eichwalde. Spanbau. Am Dienstag, abends 8� Uhr, findet im Lokal von Kumke, Schönwalderstraße 80, eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung„Bericht vom internationalen Kongreß" statt. Referent: Genosse Stadtverordneter Hermann Schubert, Berlin. Die Arbeiterschaft, Männer wie auch Frauen, ist freundlichst ein- geladen. Der Vorstand des Wahlvereins. Schmargendorf. Mittwoch, den 11. September, abends 8% Uhr, findet im„Gasthaus zum Lindenbaum", Spandauerstraße, die Mit- gliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Serlmer JVadmcbten. Besuche in Krankenhäusern werd'en von Len Krankenhausverwaltungen nicht besonders gern gesehen. Die Besucher, die zu den Kranken kommen, tragen in den Anstaltsbetrieb mancherlei Stövung hinein, die besser ferngehalten würde. Andererseits sind gerade sie geneigt, die Anstalten und ihre Einrichtungen mit kritischem Blick zu betrachten, und so üben sie eine Art Kontrolle aus, die schon mancher Anstalt unbequem geworden ist. Man kann nicht sagen, daß den lästigen Gästen der Weg ins Kranken- haus allzu bereitwillig geebnet würde. Vielmehr ist es in den meisten Krankenhäusern alter Brauch, den Besuchern so wenig Entgegenkommen wie nur möglich zu gewähren. Eine arge Rücksichtslosigkeit müssen wir es nennen, daß fast nirgends Wartcräume bereit gehalten werden. Wer vor der festgesetzten Besuchszeit eintrifft, der muß auf der Straße warten, im Winter wie im Sommer, im Sonnenbrand wie im Regenschauer oder im Schneesturm. Den Sonnenbrand haben wir ja in dem lieblichen Sommer dieses Jahres nicht oft zu spüren gekriegt, desto öfter aber ist der Regenschauer auf uns herniedergeprasselt. Wer bei solchem Wetter z. B. vor dem Friedrichshain-Krankenhaus warten muß und sich dort nicht mal in eine schützende Türnische hinein- retten kann, der wird die Krankenhausverwaltung unserer Stadt Berlin sicherlich nicht segnen. Man erwidere uns nicht, es brauche ja niemand so zeitig zu kommen. In einer Stadt wie Berlin läßt sich das nicht immer so abpassen, daß man just mit dem Glockenschlag eintrifft. Tatsächlich warten vor jedem Krankenhaus an den Besuchstagen und besonders am Sonntag Hunderte von Personen jeden Alters auf die Oeff- nung der Türen und sind Viertelstunden hindurch allen Unbilden der Witterung preisgegeben. Selbst da, wo Warteräume zur Verfügung gestellt werden könnten, denkt kein Mensch daran, sie herzugeben. Das Krankenhaus Bethanien z. B. hat eine Vorhalle, die groß genug ist, um alle Wartenden aufnehmen zu können, aber die Besucher müssen draußen stehen. Den Krankenhäusern der Stadtgemeinde(Bethanien ge- hört nicht der Stadt) fehlt es an geeigneten Warteräumen, wenigstens den älteren Anstalten. Nur das neue Virchow- Krankenhaus hat Räume, die den wartenden Besuchern ge- öffnet werden könnten. Aber auch dort mag man immer noch nicht den lieben alten Brauch aufgeben, die Besucher auf der Straße stehen zu lassen. Kürzlich ist es einem sozialdemo- kratischen Stadtverordneten passiert, daß er im Virchow- Krankenhaus einen Manken zu besuchen hatte und draußen warten mußte, weil er zu zeitig eintraf. Gegenüber einem Beamten der Anstalt bezeichnete er es als rücksichtslos, daß man auch hier den Besuchern keinen Warteraum gewähre. Der Beamte erwiderte ihm gemütlich:„Sie sind der e r st e, der sich darüber beklag t." Das kann stimmen; wenigstens bei ihm wird sich noch niemand beklagt haben, und er selber sitzt ja trocken. Wenn er aber mal bei Regenwetter im Gewühl der Wartenden ein Viertelstündchen vor der Tür stehen müßte, dann würde er bald merken, wie lebhaft von den Besuchern darüber geklagt wird. Kommunale Angelegenheiten. Die Stadtverordneten Goeroldt, Thieme und Genossen haben folgende Anfrage an den Magistrat in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht:„Am 20. Juli dieses Jahres sind infolge eines starken Gewitterregens in den. der Pumpstation Bcllermannstraße benachbarten Häusern nicht nur die Kellerräume, sondern teilweise auch im Erdgeschoß gelegne Läden von Wassermcngen, die aus den Kanalisationsröhren strömten, überschwemmt worden. Sind dem Magistrat die Ursachen der Ueberschwemmung bekannt? Sind geeignete Schritte eingeleitet, um ähnlichen Vorgängen in Zukunft vorzubeugen?"— Die Stadtverordneten F. Schmidt, Joen und Genossen haben der Stadtverordnetenversammlung folgenden Antrag unterbreitet: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, ihr eine Vorlage zu machen betreffend die Herstellung eines Fußgängersteiges über dem Bahnkörper des Görlitzer Bahn- Hofes im Zuge der Liegnitzer- oder Glogauerstraße zum Zwecke einer direkten Verbindung der Wiener- mit der Görlitzerstraße und somit zur Erleichterung des geschäftlichen Verkehrs für Fußgänger."— In der gestrigen Sitzung der Deputation für das städtische Turn- und Badewesen, unter dem Vorsitz des Stadtschulrates Dr. Michaelis wurde beschlossen, einen neuen großen Turn- und Spielplatz im Plänterwald(Treptow) zu er- richten, der besonders für Fcrienspiele geeignet ist. Der Beschluß der Turn- und Badedeputation ist sehr zu begrüßen. Die städtische höhere Weheschule, Markusstraße 49, beginnt den Unterricht im Wintersemester in den Abend- und Sonntagsklassen am Sonntag, den 20. Oktober dieses Jahres, vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird erteilt für Weber, Wirker. Stricker, Posa- mentiere, Kurbelsticker und-Stickerinnen. Musterzeichner und -Zeichnerinnen, Zuschneider und Zuschneiderinnen, Schneider und Schneiderinnen, Färber und Kaufleute. Die Tagesschule der Anstalt beginnt den Unterricht am Donnerstag, den 27. Oktober dieses Jahres, 8 Uhr vormittags. Der Unterricht umfaßt folgende Kurse: 1. Kaufmännischer Kursus; 2. Musterzeichnenkursus(1 Klasse für Weberei und 1 Klasse für Stickerei und Posamentiererei); 3. Konfektionskursus:») Abteilung zur Herstellung von Frauen. bekleidung(1. Klasse für Konfektionszeichncn, 2. Klasse für Zu» Zablabend statt. schneiden usw.), b) Abteilung zur Herstellung von Wäsche; 4. Posa- mentier- und Besatzkonfektionskursus; b. Hand- und Maschinen- stickereikursus: je 1 Klasse zur Ausbildung von Geschäftspersonal und zur Ausbildung von Arbeitspersonal; 6. Wirkerei- und Stickereikursus; 7. Färbereikursus.. Teilnehmer an den Unterrichtskursen haben sich bei dem Direk- tor der Anstalt anzumelden. Der Berkehr auf dem„Teltowkanal" läßt viel zu wünschen übrig. Um den Verkehr zu heben sind die Tarife ermäßigt worden. Bis jetzt hat diese Ermäßigung noch nicht zu einer wesentlichen Besserung des Verkehrs geführt. Es ist deshalb von Interessenten vorgeschlagen worden, einen Umschlagverkehr einzurichten, der bis jetzt nicht besteht. Wenn es z. B. möglich wäre, Massen- güter aus Trebbin, Luckenwalde, Jüterbog usw. ohne große Kosten in Groß-Lichterfelde vom Eisenbahnwagen direkt in Schiffe zu verladen, würde der Verkehr sicher ganz bedeutend ge- Winnen. Jetzt gehen diese Güter nach Berlin. Andere, wie z. B. Kies, Mergel usw,. die keine hohe Frachten vertragen, bleiben ent- weder ungenutzt liegen, oder bleiben auf die nächsten Absatzgebiete beschränkt. Linienverlegung der Straßenbahn. Die Straßenbahn ist wegen Asphaltierung der Jägerstraße seit einiger Zeit genötigt, zwei wichtige Linien umzulenken. Es sind dies die Linien 17 Greifswalderstraße— Moabit und 63 Greifswalderstratze— Hansaplatz. Die beiden Linien gehen seit dem 19. August in der Richtung Hausvogteiplatz— Schloßplatz durch die Oberwall- und Werder- stratze. Diese Umlenkung kann am nächsten Dienstag, den 10. September, aufgehoben werden. Dagegen müssen gleichzeitig die beiden Linien in der anderen Richtung umgelenkt werden. Sie gehen von diesem Tage an in der Richtung vom Schloßplatz über den Werderschen Markt und durch die Oberwallstraße. Beide Richtungen erhalten bei dieser Gelegenheit neue Gleise in der Jägerstraße. Gegen die Polizeiverfügung, welche die Schließung der Deutschen Peptonfutterwerke auf dem Berliner Schlachthofe an- geordnet hat, hat der Pächter der Werke Klage beim Vcrwaltungs- gericht erhoben. Ein Abnehmen des Blutes erfolgt, wie die„Allg. Fleischer-Zeitung" meldet, seitens der Werke nach wie vor, da aber Blut in die Fabrikräume, vor denen noch immer zwei Schutzleute Wache halten, nicht eingeführt werden darf, wird es außerhalb derselben in Petroleumfässer aufgesammelt. Ein Teil diesestT Blutes wird nach Oranienburg versandt, der Rest aber wird auf dem Schlachthofe aufgestapelt. Zur Zeit lagern dort zirka 200 Faß Blut. Einem Toten ins Grabk Wir berichteten in Nr. 206 vom 4. September über einen t ö d» lichen Unfall, der in Rixdorf herzliches Bedauern ge- funden hat. Der Kutscher Karl G e r l a ch, der im Hause Schinkestraße 2 wohnte, war in Berlin auf einem Neubau- grundstück der Taubenstratze dadurch verunglückt, daß er auf dem in die Baugrube hinabführenden Einfahrtsweg von seinem Wagen fiel und totgefahren wurde. Gerlach hinterläßt eine Frau mit sieben Kindern, deren ältestes noch nicht das zwölfte Lebensjahr vollendet hat. Er wird am heutigen Sonntag um 3 Uhr nachmittags auf dem Rixdorfer neuen Friedhof zu Grabe getragen. Diesem Mann hat nun der Lehrer eines seiner Jungeft, ein Herr Wandtke von der Gemeindeschule in der Kaiser- Friedrichstraße, vor versammelter Klasse einen— wenn man so sagen darf—„Nachruf" gewidmet, der in den Kreisen der Eltern viel besprochen wird. Der Junge mußte am Tage nach dem tödlichen Unfall des Vaters der Schule fernbleiben und ließ sich durch einen Mitschüler mündlich entschuldigen. Als Herr Wandtke hörte, daß der Vater verunglückt sei, soll er erklärt haben, der werde wohl betrunken gewesen sein. Die Aeußerung soll noch schärfer gelautet haben, das ist uns in einigen der Fa- mitten, in denen wir hierüber Ermittelungen angestellt haben, auf das bestimmteste versichert worden. Wir legen keinen Wert auf den Wortlaut. Aber selbst gegenüber der mildesten Form bleibt es unverständlich, daß ein Lehrer es fertig gebracht haben soll, über den tödlich verunglückten Vater eines seiner Schüler sich vor dessen Mitschülern in dieser takt- und herzlosen Weise zu äußern. Die Jungen waren über die Worte ihres Lehrers erstaunt, in den Kreisen der Eltern aber hat dieser Auftritt lebhaften Unwillen und starke Er- regung hervorgerufen, die in Zuschriften an uns zum Ausdruck gekommen ist. Personen, die Herrn Gerlach kannten, haben uns gesagt, da� gerade er nichts weniger als ein Trinker gewesen sei. Da er als Kutscher mit seinem doch wahrlich nicht fürstlichen Einkommen eine Familie von sieben Kindern zu versorgen hatte, so ist es ja auch ohne weiteres begreiflich, daß zum Trinken nicht viel für ihn übrig geblieben sein kann. Aber selbst, wenn er tat- sächlich ein Trinker gewesen wäre. ja. wenn er in der Trunkenheit zu Tode gekommen wäre, so verdiente eine solche Aeußerung eines Lehrers immer noch die allerschärf st e Zurückweisung. Will die Schule schon die Kinder auf die Gefahren des Alkohols aufmerksam machen, so darf sie der Anerkennung und des DankcS gewiß sein. Aber soll das geschehen auf Kosten der Pietät, die die Schule selber den Kindern predigt? Die Schule selber mahnt ja unsere Kinder: Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehreni Frau Gerlach hat uns unter Tränen erzählt, daß der Verstorbene trotz aller Mühe, seine Familie durchzubringen, es sogar verschmäht habe, die Schule um Hefte und Bücher für seine Kinder zu bitten. Und nun komme der Lehrer eines seiner Kindep stelle sich vor die Klasse hin und rufe dem toten Vater ein ihn verunglimpfendes Urteil nach, von dem er wissen mutzte, daß es durch die Jungen weitergetragen werden würde! Herr Wandtke wird wahrscheinlich den Versuch machen, sich zu rechtfertigen. Was er auch zu seiner Entschuldigung anführen möge, das eine steht fest, daß der Sinn seiner Aeußerung von Schülern seiner Klasse so aufgefaßt worden ist, wie wir ihn wieder- gegeben haben. Diese Auskunft ist uns in allen Familien ge- geben worden, in denen wir nachfragten, und überall war man empört. Gegenüber einem Mann, durch dessen pädagogisches Wirken die Beziehungen zwischen Schule und Haus in so empfindlicher Weise gestört werden, muß man in der Tat die Frage aufwerfen, ob er an richtiger Stelle steht. Agrarische„Arbeiterfreunblichkeit". Daß die notleidenden Agrarier nicht mehr Willens sind, ihre Angestellten für Dienst- leistungcn zu entlohnen, beweist nachstehendes Inserat der „Deutschen Tages-Zeitung", Organ für 5?aifer und Reich! Für Deutsche Art! Für Arbeit in Stadt und Land! in Nr. 415 vom 5. September 1907: „Gesucht ein etwas kaufmännisch gebildeter jüngerer oder älterer Mensch als Schreiber im großen Guts» vekrleve. ohne gegenseitige Vergütung; Jagdgelegenheit, bei Ee. friedigender Leistung etwas Gehalt. Off. u. L. Ä. LS 284a a. d. Verl. d. Z." O alter Junkeredelsinn, wie tief bist du gesunken. Arbeits- tdistung ohne Entgelt! Nur Aussicht auf die Jagd nach Maul- würfen, Mäusen, Ratten, Krähen, damit der Kammerjäger nichts mehr zu tun bekommt. Auch ein Jubiläum. Auf ein LSOjahriges Bestehen blickt die Burg st ratze zurück, welche früher den Namen»die Kaye an der Spree" trug. Bis um die Mitte des 17. Jahrhunderts war hier nur ein schmaler und schlechter Gang. Man nannte diese Gegend, in der nur Grenzzäune und einige armselige Buden zu finden waren,„hinter dem heiligen Geist". Erst 1657 lieh der Kurfürst längs der Spree, soweit das Schlotz geht, eine Ufcrstrahe oder, wie man damals sagte,„eine Lastadie" errichten, die 22 Jahre später von dem Hofrentmeister Michael Mathias, dem die an- stotzenden Grundstücke gehörten, auf seine eigenen Kosten, von der Pommeranzenbrücke an, fortgesetzt wurde. Die grohen Gärten, welche von der Spree bis zur Heiligengeiststratze reichten, mutzten einen Teil ihres Terrains zu Stratzenland überlassen. König Friedrich l. befahl, diejenigen Grundstücke, welche dem weiteren Ausbau der Straße bis zur alten Herkulesbrücke, in der Gegend des heutigen Bahnhofs Börse, im Wege waren, anzukaufen, so daß sie um 1707, vor genau 200 Jahren, ihre jetzige Ausdehnung erreichte. Folgende Warnung erläßt de« Polizeipräsident: Bei dem Be- streichen der Innenwände eines Dampfkessels mit„Dermatin", einem Kesselsteinschutzmittel, entwickelten sich betäubende Dämpfe, die bei den mit der Herstellung des Anstrichs beauftragten Arbeitern TobsuchtS- und Ohnmachtsanfälle hervorgerufen haben. Die Ar- beiter haben infolge davon längere Zeit krank gelegen. Die bei dem Gebrauche des Dermatin beobachteten schädlichen Folgen er- klären sich daraus, daß das Mittel erhebliche Mengen Tetrachlor- kohlenstoff enthält. Dieser hat die Zusammensetzung C LI, und steht in seiner Wirkung dem Chloroform C LI, H nahe. Es ist zu besorgen, daß bei der Benutzung des Mittels in engen, nicht ge- nügend gelüfteten Kefselinnenräumen solche Gesundheitsschädi- gungen sich wiederholen werden. Vor der Verwendung des Mittels unter solchen Verhältnissen mutz daher gewarnt werden. Ein unerhörter Borfall wird von der Eisenbahnunfallstelle bei Rehfelde gemeldet. Die Eisenbahnverwaltung hatte in ganz un- zulänglicher Weise für die Fahrgäste gesorgt, die während der Auf- räumungsarbeiten von einem Zug in einen anderen umsteigen mutzten. Die Fahrgäste wurden genötigt, beim Aussteigen von den hochgelegenen Trittbrettern auf das Steingeröll des Bahndammes abzuspringen. Dabei kam nun, wie die„Allg. Fleischer-Ztg." meldet, u. a. auch die Gattin des Mühlenmeisters Günther auS Gorgast zu Fall und schlug dabei so unglücklich auf die spitzen Steine auf, daß sie eine schwere Verletzung des Nasenheines davon- trug. Als sie sich blutüberströmt erhob, äußerte ein dicht dabei stehender höherer Eisenbahnbeamter in näselndem Tone:„Na was, ein kleiner Schönheitsfehler!" Die Entrüstung des Publikums über diese mindestens recht ungehörige Bemerkung war allgemein. Da der betreffende höhere Beamte als Negierungs- assessor aus dem Eisenbahnministerium bezeichnet wurde, ist der Borfall von Fahrgästen dem Ministerium zur Kenntnis gegeben worden. Die Kinbesleiche im Neisekoffer. Ein schauriger Fund ist vor- gestern in einem Hause in der Stratze In den Zelten gemacht worden. Auf dem Boden wurde in einem Neisekoffer der Leichnam eines neugeborenen Kindes entdeckt. Er war bereits stark in Ver- wesung übergegangen. Der Reisekorb ist Eigentum eines Dienst- mädchens und es wird vermutet, daß dasselbe die Mutter des Kindeö ist. Ob der Säugling eines gewaltsamen Todes gestorben ist, kann erst durch die gerichtliche Obduktion festgestellt werden. Zwische» Himmel und Erde. In einer furchtbaren Lage mutzte gestern der Schlosser Hermann Wulff auS der HubertuSstratze 57 längere Zeit zubringen. W. hat auf dem Dache einen großen Taubenschlag. Er kletterte nun gestern auf das Dach, um die Tauben fliegen zu lassen. Während er mit der rechten Hand eine kleine Fahne, die zum Aufscheuchen der Tiere diente, schwenkte, stützte er sich mit dem linken Ellenbogen auf einen Schornstein auf. Es löste sich plötzlich ein Stein und W. stürzte, jeden Halt verlierend, nach vorn und fiel vom Dach herunter. In der Höhe des vierten Stockwerkes blieb er an einem hervorspringenden Schneefängcr mit der Kleidung hängen. So schwebte der Ver- unglückte zwischen Himmel und Erde und jeden Augenblick drohte er in den Abgrund zu stürzen. Auf der Stratze hatten sich bald grotze Menschenmassen angesammelt, die W. durch Zurufe auf- forderten, sich ruhig zu verhalten, um dadurch einem Absturz vor- zubeugen. Der Hauswirt und einige Mieter begaben sich dann auf das Dach und versuchten mit Hilfe einer starken Leine den Gefährdeten zu retten. Es gelang ihnen auch nach mehreren ver- geblichen Versuchen, dem W. eine Schlinge um die Brust zu werfen und ihn auf diese Weise nach dem Dach emporzuziehen. Die braven Retter hatten bei den Bergungsarbeiten selbst in der größten Ge- fahr geschwebt, vom Dach herabzustürzen. W. war mit äußeren Verletzungen davongekommen. Ein Kind aus dem Zuge geworfen. Ein schwere? Verbrechen ist auf der Stettiner Bahn verübt worden. Nicht weit von der Station Eberswalde wurde an der Bahnböschung die zerschmetterte Leiche eines wenige Tage alten Kindes aufgefunden. Es wurde ermittelt, datz das Kind während der Fahrt auS dem Zuge herausgeschleudert worden war. Die eigene Mutter kommt als Täterin in Betracht. Festgestellt wurde, daß die letztere auf der Fahrt von Stettin nach Berlin begriffen war. Die Ermittelungen der Polizei nach der Uebeltäterin erstrecken sich infolgedessen hauptsächlich nach der Reichs- Hauptstadt. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Am Sonntag, den IS. Sep- tember: Familienausflug nach Treptow. Treffpunkt von nachmittags US Uhr ab Nonnenbergs Restaurant„Zum Park- schlotz", Köpenickcr Landstratze 254. Ecke Parkstratze, in der Nähe der Endhaltestelle der Straßenbahn gelegen. Rege Beteiligung er- wartet das Komitee. Die Kinderspiele des Berliner Arbeiter-Turnvereins „Fichte" haben auch in diesem Sommer— trotz aller Ungunst der Witterung— wieder eine rege Beteiligung gefunden. Das Mitteilungsblatt, das der Verein herausgibt, bringt in der Septembernummer eine Spielstatistik. Wir entnehmen ihr, datz auf den vier Spielplätzen an allen Spielsonntagen zusammen 4329 Kinder l215S Knaben und 2173 Mädchen) sich einfanden und an den Spielen teilnahmen, und zwar: im Friedrichshain an sechs Sonntagen zusammen 2272 51inder, im Treptower Park an fünf Sonntagen zusammen 540 Kinder, in der Behmstratze(Sportplatz) an sechs Sonntagen zusammen 1174 Kinder, in der Jungfernheide an vier Sonntagen zusammen 343 Kinder. Die Leitung der Spiele wurde besorgt von 490 Erwachsenen(240 Turngenossen und 130 Turngenossinnen), die bereitwillig sich zur Verfügung stellten. Wir wollen nicht unterlassen, erneut auf den außerordentlich leb- haften Zuspruch hinzuweisen, den der Spielplatz im Friedrichshain wieder gehabt hat. Gute Spielplätze in leicht erreich. barer Nähe sind die Vorbedingung für ein Gelingen des ver- dienstlichen Unternehmens, das der Turnverein„Fichte" alljährlich aufs neue ins Werk fetzt. Für den Nordosten Berlins ist die Vor- bedingung erfüllt durch den im Friedrichshain gelegenen Spiel- platz, der denn auch seit Jahren regelmäßig die weitaus stärkste Zahl spielender Kinder aufweist. Auf der Treptow-Stcrnwarte spricht Direktor Dr. F. S. Archen. hold am Sonntag, den 8. September, nachmittags 5 Uhr, über „Neues vom Mars", abends 7 Uhr über„Astronomie für jeder- mann". DaS Thema für den Montagvortrag, abends 9 Uhr, lautet: „Einfluß der Astronomie auf unsere Weltanschauung". Sämtliche Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird nachmittags die„Sonne", von S�h Uhr ein„Fixstern", von 7— 10 Uhr der„Mond" und später„Saturn" beobachtet, kleinere Fernrohre stehen den Besuchern gratis zur Ver- fügung. Im wissenschaftlichen Theater der Urania in der Taubenstratze gelangt am Sonntag, Mittwoch und Sonnabend der mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Im Lande der Mittter- nachtssonne" zur Darstellung, am Montag und Freitag wird noch einmal der Vortrag„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat" wiederholt, während am Dienstag und Donners- tag der Vortrag„Von der Zugspitze bis zum Watzmann" gehalten wird. Fcuerwehrbericht. Der 19. Zug hatte gestern in der Friedrich- stratze 49 zu tun. Dort war ein Ballon Schwefelsäure ausgelaufen, Die Dämpfe machten sich im ganzen Hause unangenehm bemerkbar. Die Feuerwehr machte deshalb überall Luft. Ein Mann drang mit einem Rauchschutzapparat bis zur Unfallstelle vor, die mit Sand beworfen wurde. Der Oberfcuermann Rothe, der ebenfalls mit vorgedrungen war, erkrankte später unter VergiftungScrschci- nungcn. Der 16. Zug hatte in der Boyenstratze 17 einen Brand zu löschen. Holzwolle war dort in einer Fabrik auf dem 2. Hofe in Brand geraten. Der 13. Zug hatte in der Jnvalidcnstratze 34 einen Brand zu löschen, der in einer Küche ausgekommen war. In der RhcinSberger Stratze 50 brannten Gardinen u. a., in der Strc- litzer Stratze 15 Möbel usw., in der Potsdamer Stratze 67 Kisten, HauSrat u. a. Außerdem liefen noch Alarme aus der Grünauer Stratze 9, vom Molkenmarkt 11 u. a. Stellen ein. Arbeiter-Samaritcrkolonne. Montag abend 9 Uhr findet die letzte Uebungsstunde des Sommerkursus in der 1. Abteilung, DreS- dencrstratze 45, statt. Vortrag des Herrn Dr. Schwab über Knochen- brüche, Verrenkungen, Verstauchungen. Daran anschließend prak- tische Uebungen. Der Winterkursus beginnt am 7. Oktober. Vorort- I�admclrten. Der Kampf gegen die Arbcitcr-Turnvereine wird bor allen Dingen von behördlichen Organen in einer recht kleinlichen Weise geführt. Alles wirkt zusammen, um den Arbeiter- turnern das Leben so sauer wie möglich zu machen: Regierung, Kommunalbehörden, Schulleiter und sonstige fanatische Gernegroße mehr. Den Beweis für diese Nadelstichpolitik liefert wieder einmal ein UkaS der König!. Negierung zu Potsdam, der den Turn- leitern der Freien Turnerschaft glixdorf-Britz zugegangen ist und sich bezieht auf die Erteilung von Turnunterricht an noch schul- Pflichtige Kinder. Nachdem die Turnleiter des Vereins vor längerer Zeit nach erfolgter Aufforderung das Gesuch um Ge- nehmigung nebst Turnwartszeugnis, Lebenslauf und polizeiliches Führungsattest eingereicht hatten, lautet die Antwort in lapida- rischer Kürze wie folgt: König l. Regierung, J.-Nr. Potsdam, d. 26. Aug. Ihrem Antrage auf Erteilung der Genehmigung zur Er- teilung von Turnunterricht an schulpflichtige Kinder, kann nicht entsprochen werden. Wir untersagen Ihnen vielmehr auf Grund der Kabinettsordre vom 10. Juni 1834 lG. S. S. 135) die weitere Erteilung derartigen Unterrichts. Bei Zuwiderhandelungcn gegen dieses Verbot würde gegen Sie für jede begonnene Stunde erteilten Unterrichts eine Strafe von 20 M. bczw. ein Tag Haft festgesetzt werden. Die eingereichten Zeugnisse folgen anbei zurück. Unterschrift unleserlich. Gründe anzugeben findet die Regierung nicht für nötig. Eine alte Kabinettsordre aus dem Jahre 1834 wird angezogen und die Turnleiter mögen sehen, wie sie sich mit einer vor 73 Jahren er- gangenen, vergilbten Verfügung abfinden. Die Regierung hätte sich diese Mühe auch noch sparen können, wenn sie ganz offen erklärte hätte: Was wir jedem anderen Turnverein erlauben, unter- sagen wir einem Arbeiter-Turnverein. Arbeiter haben nicht das- selbe Recht wie andere Berufsklassen, cS fei denn, datz sie„treu zu Kaiser und Reich stehen". Die Gesinnung entscheidet und ist matzgebend für Entschlüsse der Regierung. Schon der verflossene Justizminister Schönstedt sagte cS so schön: Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe I Das trifft auf den vorstehenden Fall vollkommen zu. In Rixdorf-Britz wird in bürgerlichen Turn» vereinen an schulpflichtige Kinder Turnunterricht erteilt, in einem Falle sogar von einem achtzehnjährigen jungen Mann. Im Laufe der nächsten Woche wird sich eine öffentliche Versammlung in Rixdorf über die Anordnung der Regierung unterhalten. Einen weiteren Beitrag zu diesem Gegenstand liefert uns folgende Zuschrift aus NowawcS:„Schwere Sorgen scheint den hiesigen Volksschulleiter» die Schülerabteilung des Arbeiter-Turnvereins„Freiheit" zu bereiten. Schon zu verschiedenen Malen haben dieselben Verbote an die Schüler erlassen, die Turnstunden genannten Vereins zu besuchen, was aber nur zur Folge hatte, datz sich die Mitgliederzahl der Schiilerabteilung ständig vergrößerte, so datz derselben jetzt über 100 Knaben an- gehören. Dieses ersteuliche Wachstum des Vereins scheint besonders Herrn Rektor Ritter nicht zu gefallen; wie uns von verschiedenen Seiten mitgeteilt wird, hat genannter Herr dieser Tage wiederum den Schülern den Beiuch der Turnstunden obigen Vereins verboten mit der Drohung:„Sonst gibt's was I' und dem■ Hinzufügen:„Wer turnen will, solle zu den anderen Turnvereinen gehen." Wie der Herr Rektor zu dieser Drohung kommt, ist uns unerfindlich, umsomehr, da er doch wissen mutz, datz er dieselbe gar nicht in die Tat umsetzen darf; andererseits dürfte ihm auch bekannt sein, datz gerade diejenigen Schüler die besten Leistungen in den Schulturnstunden aufzuweiten haben, die zu den regelmäßigen Besuchern der Schlllerwrnstunden des Vereins„Freiheit" gehören. Wenn der Herr Schulleiter aber glaubt, durch derartige Matznahmen den im Absterben begriffenen Schülerabteilungen der hiesigen bürgerlichen Turnvereine zu neuem Leben zu verhelfen, so dürfte er sich arg getäuscht haben, wie die bisherigen Resultate der- artiger Agitationen beweis en. Wir glauben vorläufig mcht, datz Herr Ritter seine Drohung wahrmachen und mit ZwangSmatzrcgeln gegen die Schüler vorgehen wird, welche die Turnstunden des Vereins „Freiheit" besuchen; sollten wir uns aber getäuscht haben, so werden natürlich die Eltern der betreffenden Schüler den Schulleitern be- greiflich machen, datz sie kein Recht haben, den Kindern zu verbieten. Turnvereinen anzugehören, die nach ihrem Geschmack sind. Die beste Antwort auf vorstehendes Verbot können die Arbeiter aber dadurch geben, wenn sie ihre Söhne, die noch nicht genanntem Verein an- gehören, veranlassen, der Schülerabteilung beizutreten, wodurch sie auch der körperlichen Erziehung ihrer Kinder zu gutem Fortschritt verhelfen._ Charlottenburg. Das Urteil der Stabtärzt« über die Ursache der Erkrankungen. Die von der Charlottenburger Armenvcrwaltung veröffentlichte Uebcrsicht über die Tätigkeit der Charlottenburger Stadtärzte im Rechnungsjahr 1906 mutz konstatieren, datz der Gesundheitszustand der Bevölkerung trotz größerer Aufwendungen des Armenamtes im allgemeinen nicht günstiger, in vieler Hinsicht ungünstiger als in den Vorjahren gewesen ist. Auffallend zahlreich waren die Erkrankungen infolge von Unterernährung, namentlich bei Kindern. Gehörte doch die Anämie mit nicht weniger als 462 Fällen zu den am häufigsten behandelten Krankheiten. Wenn sich auch die Aerzte bemühten, wenigstens den schwersten Mißständen durch Ver- ordnung von Milch und Krankenkost entgegenzutreten, so blieb diese Hülfe natürlicherweise doch nur eine beschränkte. Datz diese Wirkung der Teuerung allgemein eintritt, geigt der neueste Bericht der Armenverwaltung in Mannheim, die die gleiche Erfahrung gemacht hat. Auch die auffallend große Anzahl von Erkrankungen an Skrofulöse und Tuberkulose sind offenbar Wirkungen der Teuerung und ungenügender, schlechter Ernährung und Wohnung. Kamen doch nicht weniger als 277 Kinder unter 14 Jahren neben nur 5 Erwachsenen wegen Skrofulöse zur Behandlung. Auch an Tuberkulose mutzten neben 349 Erwachsenen schon 196 Kinder unter 14 Jahren behandelt werden, zusammen im Jahre 545 gegen -:71 im Jahre 1902. Sehr groß war auch die Zahl der zur Be- Handlung kommenden Fälle von Krankheiten des Nervensystems und der Sinnesorgane; sie stieg unter der Ungunst der Teuerung and Mangel von 472 im Jahre 1902 auf 689 im Jahre 1906. Dasselbe ist von den Erkrankungen der Verdauungsorgane der Fall, die von 422 im Jahre 1902 auf 648 im Jahre 1906 stiegen. Von Krankheiten der Rcspirationsorgane kamen außer Tuber- kulose noch 514 bei Kindern unter 14 Jahren 440 Fälle bei Er- wachsencn vor, zusammen 954 Fälle gegen 771 im Jahre 1902. Tie schlimmen Folgen der Teuerung zeigten sich auch darin, datz viele Familien sich ihretwegen gezwungen sahen, kleinere Wohnungen zu nehmen, wodurch aber die Jnnehaltung der Ordnung und Reinlichkeit in denselben erschwert wurde und der Sinn für Rein- lichkcit überhaupt abnahm, wodurch ebenfalls die Ausbreitung von Krankheiten begünstigt wurde. Fanden doch Aerzte nicht selten „Ernährungs- und Wohnungsverhältnissc, datz von einem gesund- heitsmätzigen Leben keine Rede sein konnte." So übt das Kapital seine unheilvolle Wirkung auf alle Alters- klaffen der Besitzlosen auS. Nur der verhältnismäßig kühlen Witterung des vorjährigen wie deS heurigen Sommers ist es zu danken, daß wir nicht von einer exzessiven Säuglingssterblichkeit heimgesucht worden sind. Die Freie Volksbühne Charlottenburg eröffnet»hre neue Spielzeit mit Goethes„Götz von Berlichingen". Die Vorstellung findet am Sonntag, den 15. September, nachmittags 3 Uhr. im Schillertheater Charlottenburg statt, und zwar für die 1. u n d 2. A b t e i l u n g zu s a m m e n. Die Mitglieder müssen ihre Marken spätestens Sonnabend, 14. September, geklebt haben. Rixdorf. Eine lebhafte Agitation für die GenossenschaftSbewegung, welche vom besten Erfolge begleitet war. wurde in den letzten Wochen in einigen Bezirken Ripdorfs entfaltet. So sind in dem am Tempel- hofer Felde belegenen Ortsteil innerhalb kurzer Zeit mehr als 400 neue Mitglieder für die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend gewonnen worden. Mitte September gelangt nunmehr eine Verkaufsstelle dieser Genossenschast in der Weisestratze, Ecke Herrfurthstratze, zur Eröffnung. Die Errichtung weiterer Verkaufsstellen in anderen Bezirken ist in AuS- ficht genommen, sobald daselbst die Mitgliederzahl die erforderliche Höhe erreicht hat. Um das Verständnis für die GenoffenschaftSsache auch in weitere Bevölkerungskreise zu tragen, findet am Dienstag, den 10. September, abends 8 Uhr, eine Volksversammlung im Hoppeschen Saale, Hermannstr. 49 statt, in welcher Genosse Paul Göhre über das Thema:„Der Kampf über die wirtschaftliche Frei- heit" referieren wird.(Näheres siehe im Inserat in der heutigen Nummer.) Es werden die Genossen gebeten, fiir zahlreichen Besuch dieser Versammlung Sorge tragen zu wollen und im besonderen für rege Beteiligung seitens der Frauen zu wirken. Lichtenberg. Die Wahlbcwegung zu den ersten Stadtvcrordnctenwnhlen setzt langsam ein. Während bereits die Wählerlisten aufgestellt werden, beginnen bürgerliche Kreise, für ihre Sache Propaganda zu machen. Ein Verein, der sich auf den Kriegspfad gegen die Sozialdemokratie aufgemacht hat, ist der Verein der Gast- und Schankwirte von Lichtenbcrg-Friedrichsberg und der„unpolitische" Bürgerverein sieht sich in seiner Position als„Wahlmacher" von der Konkurrenz be- droht. Jede Interessengruppe möchte in der dritten Abteilung Beute machen. Obenan sind die Grundbesitzer, die nirgends fehlen. Jetzt kommt der.Bund deutscher Militäranwärter", der auch einen Anteil haben möchte; allein glaubt er aber es zu nichts Ordentlichem zu bringen und so hat er den Grundbesitzerverein Lichtenberg-Ost ergebenst gebeten, sich an dein Kampf um die Mandate der dritten Wählerklasse beteiligen zu dürfen. Das„Ortsblatt" berichtet, datz diesem„Wunsche" seitens des Grundbesitzcrvereins„beifällig zugestimmt worden sei". In gleicher Sitzung, so berichtet weiter das„OrtSblatt", wurde ein Schreiben verlesen, in dem der„Verein der Gast« und Schankwirte von Lichten- berg-Friedrichsberg den Wunsch ausdrückt, sich hinsichtlich der bevorstehenden Stadtverordncten-Wahlen mit dem Grund- befitzerverein Lichtenberg« Ost ins Einvernehmen zu setzen" l Auch diesem.Wunsche" wurde beifällig zugestimmt.— Unterstützt von den allezeit um das Wohl„ihrer" Mieter besorgten Grundbesitzern werden nun die Gast- und Schankivirte ihren „ManneSmut" im Kampfe gegen die Arbeiterschaft erproben; auch wird Gelegenheit gegeben sein, die„VaterlandStreue" nach„oben" kund und zu wissen zu tun usw. I Zittere, Lichtenbergs Arbeiter- fchaft l Die Gastwirte find losgelassen I— Mit der vorgenannten„Dreieinigkeit" Hand in Hand werden die diversen„Stammtische", auch unterstützt von den Mannen des Lllgenverbandes und der„christlichen Korrespondenz". Im Orts» blättchcn ruft ein SelbstverwaltungSfreund die Aerzte, Kaufleute, Beamte, kurz alle nichtsozialdemokratischen Wähler auf den Plan. „Gelänge eS", so schreibt der Einsender, die Partei der«NichtWähler' an die Wahlurne zu bringen, dann müsse eS gelingen, die„Sozial- dcnwkratie zurückzudrängen". Hauptbedingung: Alle Mieter müssen Mitglied des„BürgervercinS" werden, desselben BereinS, in dem die Männer der diversen Grundbesitzervereine tonangebend sind. Die Lichtenberger Arbeiterschaft wird dafür Sorge tragen, daß diese Pläne zu schänden werden; sie wird den Gegnern den Beweis liefern, datz die dritte Abteilung sicherer Besitz der Sozialdemo- kratie ist. Wilhelmsruh-Rosenthal-Nordend. Die Gemeindevertretung hatte sich zum zweitenmal mit einer Beschwerde der Gemeinde Niederschönhausen wegen Erbauung unseres Wasserwerkes zu beschäftigen. Es wird ein zweites Gut. achten verlangt, von einem Wassersachverständigen ausgestellt, da das erste Gutachten nicht genügt. Die Vertretung befchldtz, dieses Verlangen abzulehnen, weil der Gemeinde Kosten in Höhe von 400 Mark erwachsen würden. Ferner wurde beschlossen, voraus» gesetzt datz sich alle HanS» und Gutsbesitzer von Rosenthal zum Anschluß bereit erklären, im nächsten Frühjahr Roscnthal der Kanalisation anzuschlirtzen. Die Vergebung der Zimmerarbeiten für den Schulhausbau wurde vertagt. Die eingegangenen Offerten bewegen sich zwischen 13 735 und 19 915 Mark; cS soll nachträglich Is�zölliger Fußboden gefordert werden. Die Lieferung der Ver- blcndcr und der glasierten Steine für den Schulhausbau wurde der Rcusengrube übertragen. Die in der vorletzten Sitzung beschlossene Anleihe von 259 000 Mark von der Gräflich Zechschcn Verwaltung wurde wegen des geforderten hohen Zinsfußes nicht von diesem Geldgeber auf. genommen: es wurde beschlossen, eine Anleihe von 250 000 Mark von der Kreißsparkasse Nicderbarnim mit 4 Proz. für die Kanali» sation aufzunehmen. Beschlossen wurde die Pflasterung der Goethe- und Fontancstratze und des Pflaumbaumschen Terrains. Die Vertretung gab ihre Zustimmung zur Her» stellung eines Industriegleises von der Nebenbahn bis zur Kreis, industriebahn auf Kosten der Elcktrizitätsgcscllschaft Bcrgcmann, soweit das Gelände der Gesellschaft in Betracht kommt. Zum Schlug machte� der Gemeindevorsteher die Mitteilung, datz er sich mit den Vorständen der Freiwilligen Feuerwehr von Wilhelmsruh und Rosenthal ins Einvernehmen gesetzt habe wegen eines Ein- fluffeS der Gemeindeverwaltung auf die Tätigkeit der Wehr. Dieses Recht sei herzuleiten aus dem Umstände, dah die Gemeinde 360 Mark Zuschuß leiste. In der Generalversammlung der Wehr habe jeder Hauseigentümer, der 6 Mark jährlichen Beitrag zahle, eine Stimme; auf Grund dieser Bestimmung nähme auch die Ge- meindeverwaltung Stimmrecht und sogar das Bestätigungsrecht der Vorstände in Anspruch. Der Landrat sei der gleichen Meinung und werde sich die Vertretung in nächster Sitzung mit der Sache zu beschäftigen haben. Genoße Hasche! wandte sich gegen die Ab- ficht, in die Selbstverwaltung der Wehr einzugreifen. Lieber ver- zichte die Wehr auf die 360 Mark, als daß sie sich in dieser Weise bevormunden lasse. Spandau. Ein mindesten? sonderbares Verhalten zeigte der Amtsvorsteher V. Bredow zu Bötzow beim Erlaß von zwei Strafbefehlen gegen den Gastwirt Tetzmann zu Hennigsdorf, der sein Lokal auch den Gewerkschaften zu Versammlungen zur Verfügung stellt. Das erste Strafmandat über 30 Mark wurde erlassen, weil Teßmann am 5. Mai er. trotz des Verbotes des Amtsvorstehcrs und des Gendarmen Müller II in seinem Lokal hat tanzen lassen, und das zweite Strafmandat über 10 Mark lautet: Teßmann habe am 20. Mai er. in seinem Lokal ein Tanzvergnügen abgehalten, ohne die Genehmigung des Amtsvorstehers eingeholt zu haben. Gegen beide Strafmandate hatte Teßmann durch Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht Einspruch erhoben und verhandelte das Schöffengericht zu Spandau am Freitag in dieser Sache. Teßmann selbst ist zum Termin nicht erschienen. Dr. Liebknecht wendet ein: Beide Tanz- Vergnügungen waren vom polnischen Turnverein„Sokol" zu Hennigsdorf veranstaltet. Es hatten zu demselben nur Mitglieder und geladene Gäste Zutritt. Außerdem war das Vergnügen am S. Mai, das Stiftungsfest des Vereins, beim Amtsvorsteher an- gemeldet und hatte dieser eine Bescheinigung darüber erteilt. Der Amtsvorsteher und der Gendarm hatten daher gar kein Recht, den Tanz zu verbieten. Das Vorgehen des Amtsvorstehers v. Bredow gegen den Schankwirt Teßmann sei, seitdem dieser sein Lokal den Gelvcrkschaftcn zur Verfügung gestellt, ein ganz systematisches. Er verweigere seit dieser Zeit dem Gastwirt jede Erlaubnis zur Ab- Haltung einer Tanzlustbarkeit. Der als Zeuge geladene Gendarm Müller II sagte unter seinem Eide aus, daß am 3. Mai er. nur ein Vergnügen des Turnvereins„Solol" abgehalten wurde, zu welchem nur Mitglieder und geladene Gäste Zutritt hatten. Er habe vom Amtsvorstcher den Befehl erhalten, den Tanz zu der- bieten und dies getan, trotzdem er wußte, daß es sich um ein ge- schlopenes Vereinsvergnügen handelte. Im zweiten Falle wisse er nicht genau, ob am 20. Mai ein geschlossenes Vergnügen war, es sei ihm erzählt, daß auch andere tanzen durften. Dagegen be- kündeten zwei Vorstandsmitglieder des Turnvereins„Sokol", daß auch das Vergnügen am 20. Mai ein geschlossenes war und daß mehrere Personen, die nicht zum Verein gehörten und nicht ein- geladen waren, aus dem Saal gewiesen wurden. Auf Grund dieser Beweisaufnahme beantragte der Amtsanwalt selber die Freisprechung. Der Verteidiger beantragte, auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen. Der Gendarm habe hier unter seinem Eide bekundet, daß der Amtsvorsteher ihm einen Auftrag zu etwas Ungesetzlichem gegeben habe. Es müsse daher dafür gesorgt werden, daß die Leute, welche auf solche Weise auf die Anklagebank müssen, auch schadlos gehalten werde. Das Gericht erkennt auch auf Freisprechung, lehnt aber den Antrag des Ver- teidigers, die Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzu- erlegen, ab, weil die Sache sehr einfach liege und der Angeklagte auch ohne Verteidiger freigesprochen worden wäre. Eine Kritik über das Verhalten des Amtsvorstehers scheide bei dem Gericht aus..... Besser wäre es gewesen, wenn dem Herrn Amtsvorsteher für seine durchaus ungesetzliche Handlungsweise sämtliche Kosten auf- erlegt wurden. Vielleicht wäre er dann etwas vorsichtiger beim Erlaß von Strafbefehlen. Zum Seltzschen Saalloykott. Wegen.Verkchrshinderung' hatte sich vor einigen Tagen der Genosse Strucks vor der zweiten Ferien« strafkammer des Landgerichts III zu verantworten. St. war ivegen oben angegebenen Delikts mit den Genossen Fink und Fallseher vom Schöffengericht zu 3 M. Strafe verurteilt worden. St. hatte Berufung eingelegt, während die beiden übrigen Genossen die Be- rufungsfrist versäumt hatten. Die Verhandlung gestaltete sich in« sofern interessant, als der Angeklagte dem Gerichtshof zwei photographische Aufnahmen vorlegte; von denen die erste die drei Genossen an derselben Stelle zeigte, lvo sie den Verkehr angeblich gehindert haben sollten. Auf der zweiten standen sieben Personen nebeneinander ans dem Trottoir, was bewies, wieviel Personen an der fraglichen Stelle Platz finden konnten. Der als Zeuge vernommene Lkommissar Mangelm gab an, daß während der Zeit, in der die drei Genossen dort gestanden hatten(etwa 7 Minutens ungefähr 40 Personen die Stelle passiert hätten, ferner behauptet er, daß nur etwa eine Person an der Stelle, an der die genannten drei Genossen gestanden hatten, vorbeikommen könnte. Auch die Breite des TrottoirS hatte der Kommissar ausgemesseii. Doch auch hiermit war ihm Genosse S. eine Nasenlänge voraus, indem er dem Gerichtshof eine tadellose Zeichnung überreichte, die die ganze Straßenanlage nebst beider- seitigcn Trottoirs und der Mittelpromenade, sowie die genauen Breitenmaße enthielt. Hierauf sah das Gericht die Sache als voll- ständig geklärt an, nahm von der Vernehmung der beiden Ent- lastungSzeugen Abstand und sprach den Angeklagten dem Antrage deS Verteidigers Dr. Friedländer gemäß kostenlos frei. Der Eifer der Spandauer Polizei ist in dieser Angelegenheit schlecht belohnt worden, denn in fünf bis jetzt stattgefundenen Terminen hat das Gericht gegen sieben Genossen auf Freisprechung erkennen müssen, ein Genosse war nicht weniger als dreimal angellagt. Unserem Genossen SS32L Franz Ilipplcr zu seinem heutigen Wiegenfest« ein dreifach donnerndes Hoch I Tie Genossen deS 518. Bezirks. Franz noch'neu„Habel". SozialdemokrattsclierWalilyerfilD des Todes- Anzeige. Am 5. September verstarb unser Mitglied, der Kohlenaroeiter Karl Troga Usedomstr. 9. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sonntag, mittags lÄst, Ilhr, vom Trauerhause aus nach dem HimmelsahrtS-Kirchhoj in Nieder- .ichönhnnien statt. 266/3 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ver Torstand. Berlins nnd limgepii. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 5r!el!rick aus Klub„Feste Brüder' am b. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 8. Scvtember, nachmittags 4 Uhr, auf dem St. Thomas- Kirchhose in Rixdorf, Hermann- slratze statt. 3/12 Ver Torstand. Verband d. baugewerblichen HOlfsarbeüer Deutschlands. Zweig verein Berlin u. Umgegend. Bezirk Osten. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kolleg« Reinhold Krelschmar am Mittwoch, den 4. September, verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 8. September, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichcnballe des LazaruS-Mrch- hoses, Wilhelmsberg, aus statt. Uer Zwelgvereimvorstand. Lma Deutscher 1 Transportarbeiter- Verband.| Hierdurch diene den Mitgliedern j zur Nachricht, daß unser lang- vj jähriges treues Miiglled, der -l ArbcitSkutscher �dolf Qerlach am 2. September im Alter von 41 Jahren plötzlich durch Betriebs. imfall lUebcrfahren auf der Bau. stelle Taubenstr. IS) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. d. M., nach- iniltagS 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Nixdorser Gemeinde- Friedhofes am Mariendorser. Weg au» statt. 73/7 lZI» Verwaltung II. Todes-�nieixe. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin, Lmü Granel geb. NalllowSki, am Freitag sanst entschlafen ist. U!e trauernden Hinferbliebcnen. Die Beerdigung findet Montag- nachmittag 5'/, Uhr, aus dem neuen Sankt Michael. Kirchhos Marien- g| dorfer Weg, statt._ 28116 Die Beerdigung meiner am S. September verstorbenen un- vergeßlichen Gattin Fr-m Else Fornfeist geb. Stock sindct am Sonntag, 8. September, nachm. 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen Rixdorscr Ge« meinde- Fricdhoss(am Marien- dorfer Weg) aus statt. Enill Fornfeist. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Sohn, Bruder und Schwiegersohn Rudolf Schärfchen am Freitag, den 6. d. M., nach- mittag» 1'/, Uhr, verstorben ist. Tie Beerdigung findet am Dienstag, den 10. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Ramlerstraße 17, aus nach dem HimmeljahrtSkirchhos in Nordend statt. vis trauernden Hinterdlielieneii. Deutscher Holzarbeiter-Verband Nachruf. Am 30. August ist der Kollege, Stellmacher Karl Qandlau verstorben. 94/2 Ehre feiuem Andenken! die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Nachruf. Am 29. August ist der Kollege, Modelltischler 94/1 Fraüi Krause verstorben. Ehre seinem Andenken! 94/1 Olo Ortsverwaltung. Tantsagung. Für die große Be- teiiigung und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines SohneS, unseres Bruders und Schwagers Ver mann Velster jagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Spar- und Krcditverein.Solidaria' unseren innigsten Dank. S931L Die trauernden Hinterfiliebenen. Von der Reise zurück Augenarzt Dr. Holfniann, Große Frankjurterstraße 134. • 8—11. 5—7. Dr. Schlinemann Spezfal-Arzt für 64272* Hant- und Harnleiden, Franenkrankheiton. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10— JJ, 5—7, ewniil. 10— 12 Uhr. Dr. Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2,5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Olga Preise• beliebige Teilzahlung. Jacobson,.'ÄV 'mmm Berlin, AlteJakobstr. t24." Elektro- Technikum 1 gegr. 1874. Eig. Fabrik. Elektro- i Maschinen-. Bau«, Ingenieur-, I Techniker-, Werkmeister-, Mon- 1 tcur-, Chauffcur-AuZbildung.»I heuet Abendiiutsus. kostenfrei. GkluerWastskaM für Kerlm und Nmgtgtnd. c. 54. Stcinstr. 38, Fernspr. Amt 111, 8574. Abrechnung der während der Holzarbeiterbewegung im Frühjahr 1007 ausgegebenen Sammellisten. Abgeliefert vom Vorstand deS Fach Vereins der Tischler B e r l i n s auf Listen Nr.; 361 5,60 M.; 362 6,70 M.; 363 6,60 M.; 364 17,25 M.: 385 3,70 M.: 366 5,20 M.; 367 3,— M.; 368 4,25 M,; 370 2,90 M.; 371 6,- M. J 373 5,50 M,: 374 13,45 M.; 375 6,85 M.; 878 10,35 M.; 377 21,10 M.; 378 6,40 M.; 380 110 M.; 381 1,45 M.; 382 5,05 M.; 383 1,75 M.; 384 1,— M.; 385 6,60 M.; 386 1,35 M.; 388 0,70 M.; 389 12,90 M.; 390 2,50 M.; 391 8,25 M.; 392 7,55 M.;(393 20,65 M., von den Lithographen mid Stcindruckern der Firma Littauer u. Lausen Slalitzerstr. 104); 394 4,75 M.; 395 4,40 M.; 396 14,85 M.; 397 13,80 M.; 399 16,70 M.; 400 5,60 M.; 401 6,85 M.; 403 7,60 M.; 404 2,90 M.; 405 8,70 M.; 406 5,30 M.; 408 29,45 M.; 409 8,05 M.; 410 14,20 M.- Listen Nr.: 1 12.20 M.! 2 4.25 M.: 4 7.- M. 5 6.80 M.! 6 5,15 M. Abgeliefert vom Kassierer deS Vereins der Maurer Berlins aus Listen Nr.! 411 0,50 M.: 412 7,80 M.: 413 7.70 M.; 414 5,35 M.; 415 2,15 M.: 416 18,55 M.: 417 8.�- M.: 418 11,20 M.: 419 0,75 M.; 420 2,35 M.; 421 5,35 M.; 422 3,55 M.; 423 4,80 M.; 424 2,85 M.; 425 3,— M.; 426 8,80 M.: 427 1,— M.; 428 12,35 M.; 429 8,90 M.; 430 0,60 M.; 432 8,25 M.; 433 16,45 M.; 434 4,70 M.; 435 2.05 M.; 4 3,95 M.; 438 4,80 M.; 439 4,50 M. Nbgeliesert vom Kassierer des Vereins Berlin deS Allgemeinen DeutschenMetallarbetterverbandeSauf Listen Nr.: 461 1,— M. 473 6,80 M.: 474 9,25 M.; 475 3,10 M.; 476 25,40 M.; 477 3,50 M.; 478 1,75 M.: 556 3,40 M.: 557 3,- M.; 558 4,45 M.; 550 4,25 M. 560 1,60 M.; 561 4,70 M.; 562 10,05 M.; 563 19,85 M.; 564 2,65 M. 565 5,50 M.; 566 2,90 M.; 568 6,80 M.; 569 18,50 M.; 570 7,— M.; 571 2,30 M.; 572 11,70 M.; 573 12,50 M.; 574 6,30 M.; 575 4,90 M.; 576 14,65 M.; 577 4,10 M.;. 578 13,15 M.; 579 1,50 M.; 581 8,55 W; Abgeliesert vom Verein der Isolierer und Steinholzleger Berlins durch Herm. Lang« aus Listen Nr.: 491 3,25 M.; 492 4,75 M.; 493 2,60 M.: 494 14,05 M.; 497 5,05 M.: 499 2,20 äB.; 500 1,— M. 501 16,75 M.; 502 2 45 M.; 503 1,85 M.; 504 1,70 Ab; 505 1,05 M. 506 7,30 M.: 507 5,55 M.; 508 10,50 M.; 509 3,75 M.; 510 12,05 M. 511 0,40 M.; 512 11,75 M.; 513 2,30 M.; 514 5,30 M.; 515 10,50 M. Abgeliesert vom Verein der Flteienleger Berlins aus Listen Nr.: 517 9,75 M.: 519 4.85 M.; 520 9,15 M.; 521 2,55 M.; 522 1,60 M.; 523 7,50 M.; 524 6,20 M.; 525 9,40 M.; 526 7,85 M.; 527 33,30 M.; 538 1,50 M. Fliesenleger. Hülssarbeiter verliaS auf Listen Nr.: 542 4,10 M.: 544 2,30 M.: 545 7,25 M. Abgeliefert vom Berein der Zimmerer Berlins auf Listen Nr.: 608 1,— W.; 609 16,75 M.; 610 10,70 SR; 612 9,65 SU.; 613 7,20 St.; 614 11,40 M.; 623 8,90 M.; 625 0,50 M.; 626 1,50 M. Abgeliesert vom Borstand des Vereins der Musikinstrumenten- arbeiter Berlins auf Listen: 656 16,20 M.; 657 5,50 M.; 658 4,50 M; 659 4,50 Sil.; 660 8,30 M.; 661 3,50 M.; 662 10,40 M.: 663 11,— M.: 664 2,— 665 18,— SR.; 666 7,— M.; 668 13,20 M.; 669 4,65 M.; 670 2,— M.; 671 5,50 M.; 672 4,— M.; 673 0,70 M.; 674 12,— M.: 675 3,80 SR.; 676 10,05 M.; 677 4,— M.; 678 12,75 M.; 679 8,15 M.: 680 1,55 SR.; 681 4— M.: 682 9,30 Ab: 683 1,50 M.; 684 11,80 SR.; 685 16,50 Ab; 686 18,— M.; 687 6,— SR.; 688 4,50 Ab; 689 9,50 SR.; 690 4,— SR.; 691 4,75 SR.; 692 12,50 M.; 693 3,— M.; 694 5,50 M.; 695 7,75 SR.; 696 6,50 M.; 697 5,76 SR.; 698 4,— SR.; 699 8,10 M.; 700 3,50 Ab; 701 3,50 SR.; 702 16,95 SR.: 703 3,— Ab; 704 4,85 SR.; 705 4,—.; außerdem 667 9,30 M.; gesammelt in der Pianosabrik Laurenat von Arbeitern der Klaviatursabrik Herm 6,— M.; von Arbeitern der Firma WieSner 2,50 M.; von Arbeitern der Pianosabrik Hoffmann 4,— M. Von O. Baum aus Liste Nr. 21 7.05 M.; 706 5,80 Ab; Von Düsseldorser Genossen durch Hermann Werth aus aus Listen Nr. 707 1,— M,; 708 18,30 M. Abgeliesert vom Verein der Glaser Berlins auf Listen Nr. 807 2,20 M.; 803 9,10 M.; 809 3,70 M.; 810 4,05 M.; 811 9,— M.; 812 9,20 M.; 814 4,80 M.; 815 6,25 M.; 816 3,05 M.; 818 3,10 SR.; 819 3 50 SR* 823 3 30 SR. Abgeliesert'vom Verband derKürschnerBerlinS aus Listen Nr 832 21,95 M.; 633 11,25 M.; 834 11,05 SR.; 835 6,— SR.; 830 13 45 SR.; 837 8,— Ab; 838 1,— SR.; 839 3,76 Ab; 840 8.— M.; 841 7,15 M.: 842 8,90 M.; 843 1,50 M.; 844 3,50 M.; 845 10,60 M.; 846 11,55 M.; 84? 7,20 M.; 848 4,05 M.; 849 9,90 M.; 850 8,05 M.; 352 7,95 M.„ Abgeliesert vom Berein der Tapezierer Berlins aus Listen Nr. 857 11,25 SR.; 858 13,60 SR.; 880 0,50 Ab; 861 550,- SR.; 862 9,85 Ab; 863 3,70 M.; 664 4,10 SR.; 865 8,— SR.; 866 1,80 SR.; 867 5,15 M.; 868 2,45 M.; 869 2,20 Ab; 871 3,- SR. Abgeliesert von der Gewerkschaft der Maler Berlin» aus List- Nr. 882 3,35 SR.; 883 2,70 SR.; 884 10,95 SR.; 885 1,— SR.; 886 2,75 SR.; 890 6 25 SR.; 894 1,50 SR.; 896 10,30 Ab; 897 7,55 M.; 898 13,20 Ab; 899 1,50 SR.; 902 7,85 Ab; 003 3,25 M.; 904 6,35 M.; 905 5,70 Ab; 906 2,90 M. Vom Verein der Nohrer Berlins aus Liste 908 19,90 M.; 911 6,05 SR.; 912 4,40 SR. Abgeliesert vom Lokalverband derStukkateure Berlins aus Liste Nr. 933 9,35 SR.; 935 4,50 SR.; 936 0,50 Ab; 937 0,50 SR.; 938 4,25 Ab; 940 0,50 SR.; 941 0,50 SR.; 942 0,50 SR.; 943 3,— SR.; 944 0,75 SR.; 946 1,50 SR.; 947 3,- M.; 948 3,- M.; 949 0,50 M.; 951 3,15 SR. Vom Genossen Julius Mayer- Rixdorf auf Liste Skr. 957 5,65 M.; 958 13.— M.; 959 4,05 M.; 960 2.60 M.; 961 2.— Ab; S62 7,- Ab; 963 4,70 SR.; 964 13,45 SR.; 965 8,90 M.; 966 8,70 SR. Vom Genossen Waeschke-FriedrtchSberg aus Liste Nr. 968 2,10 M. Vom Genossen M. Burkhardt. Charlottenburg aus Liste Nr. 977 1,80 M.: 932 1,— M.; 983 1,80 M. Vom Genossen Drcger-Schöneberg aus Liste 987 0,50 M.; 933 9.30 M. Vom Genossen Z i g g e l aus Liste Nr. 997 9,05 M.; 998 7,75 M. Vom Genossen L a n g e» G ö r I i tz aus Liste Nr. 26 8,60 M.; 27 8,20 M. Summa 2040,80 SR. Folgende Listen sind noch nicht zurückgcliesert und ersuchen wir die Empsängcr bierdurch noch einmal öffentlich, für die baldige Ab- liejerung derselben im Bureau des Kartells Sorge wagen zu wollen. Nr. 379, 387, 393, 407(abgegeben an W. Beiersdorf, Tischler). Nr. 541, 543, 549—554(abgegeben an M. Brechlin, Flicsenleger-Hülss- arveitcr). Nr. 567(abgegeben an Edm. Moritz, Metallarbeiter). Skr. 870(abgegeben an SR. Wwklcr. Tapezierer). Nr. 967, 969(abgegeben an W. Waeschke, Maurer, FriedrichSbcrg). Nr. 979(abgegeben an M. Burkhardt, Bauarbeiter, Charlottenburg). Liste Nr. 496 ist gestohlen worden beim Einbruch in die Siestauration. Für den Ausschuft des Kartells: Hermann Putilitz. 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Ziehung 3. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 7. September 1907, nachmittag., Nor dl. Gewinne über 144 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammem beigefügt. {Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboteru) 290 386 607[ 5000]«40 749 890 1067 840 7« 471 551 83 871 7« 901[500] 2060 134 98 38»[300] 636 66 745 99[300] 3060 128 278 357 455 891 4077 212 5 4 824 82 400 617 41 5017 599 600 15 38 950 45 91 6280 505 728 885 903 7660 774 859 954 8 411 47 58 594 711 9000 63 X73 201 349 60 422 {«00] 552[400] 770 81 10136 238 319 71 677 720 832 11136 5« 87 537«79 897 12031«61 858 1 3277 372 85 505 631[800] 747 7« 90 996 14078 503 603 735 936 83 1 5911[400] 187 235 309 63« 71 79 717 93[800] 808 913 1 6149 232 393[300] 405 551«42 11744« 51« 605 80 873 990 1 8163[390] 320 796 928 1 9181 »92 06 505 818 902 9 78 2O037[ 300] 141 42 406 70« 837 OOS 2 1 036 425[400] «69 916[300] 31 22166 231 413 79 795 851 2 3 012 142 397 «98 945 2 4005 15 24 122 80 202 49[300] SSO 77 605 84 771 25034[300] 459 66 67[300] 71 846 923 24 2 6313 428 552 2 7062 209 375 660 63 729 838 97 2 8059 114 866 632 740 808 49 2 0269 317«20 68 969 30164 43? 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Für den Inseratenteil verantw.: Th-Glicke, Berlin. Druck u.Vcrlag:VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 210. 24. Iahrgnug. 5. KcilM des.Awiick" Knlim WIKsdlM. Soilutag, 8. SeptmbttlM. Zhcrtcr. Friedrich-Wklhelmstädtisches Schauspielhaus.„Sie N i b e- lunge n", ein deutsches Trauerspiel von Friedrich Hebbel. Vorspiel und erster Teil. Das Schillertheater dl., das nach kurzem, aber erfolgreichem Bestehen bei Eröffnung des Char- loitenburger Schillertheaters seine Pforten schloß, wird, seinem Programm nach, an der alten Stätte durch eine neue von Herrn Oskar Wagner geleitete Bühne fortgesetzt. Auch im Friedrich- Wilhelmstädtischen Schauspielhause sollen zu niedrigen, auf mög- lichst breite Massen der Bevölkerung zugeschnittenen Preisen klas- fische und wertvolle moderne Dramen in sorgfältig gefeilter Form zur Darstellung gelangen. Die Vorzeichen sind günstig. Daß eine solche Bühne in Nord-Berlin einem wirklichen Bedürfnisse ent- gegenkommt, ist durch den äußerst starken Zuspruch, den hier die Schillertheater-Vorstellungen fanden, zur Genüge erwiesen; und die Aufführung der Hebbelschen„Nibelungen", mit der das neue Unternehmen sich am Freitag einführte, zeigte, daß es der Leitung an Mut, sowie auch an Mitteln und Kräften nicht gebricht. Eine überraschend glückliche Leistung war Rudolf Wer- n er s junger Nibelungenheld. Er erinnerte im Stil an den präch- tigen Siegfried Adalbert Matkowskys und war wohl auch nach diesem Vorbilde gearbeitet— jedoch in einer Weise, die nirgendwo die Empfindung von etwas äußerlich mechanisch Uebernommenem aufkommen ließ. Eine lebendig persönliche Wirkung ging von dem Schauspieler aus. Für das quellende Glücks- und Kraftgefühl, das Vertrauen, das unbesorgte Lachen, die liebende Innigkeit, den jäh ausbrechenden, wild wütenden Zorn bei der Nachricht vom Treu- bruch und Verrat der Feinde— für alles stand ihm gleich unge- zwungen Ton und Gebärde zur Verfügung; er überzeugte und ge- wann die Herzen. Bedeutendes bot, außerhalb des auch in der Dichtung kalt deklamatorisch ausgefallenen ersten Aktes von„Sieg- frieds Tod". Marie Jmmisch in den Brunhildeszenen. Aus der anfänglichen Monotonie lauter und großsprecherischer Rhetorik entwickelte sich im weiteren Verlauf des Abends ein temperament- voll packendes und farbenreiches Bild. Mystische Schimmer, wie sie die Gestalt der sagenhaften Jslandkönigin nach des Dichters Intentionen umschweben sollen, konnte sie freilich nicht herauf- beschwüren; so fehlte etwas in der Stimmung und im Hinter- gründe. Doch wieviel andere Darstellerinnen überhaupt vermöchten einer solchen Forderung zu genügen? Das andere aber, den stolzen Hochmut, dos Aufbäumen des Hasses, das zischend wir- belnde Gewühl rachsüchtiger Erregung, das kam in diesem Spiele wuchtig in heißen Atemzügen der Leidenschaft heraus. Würdig repräsentierte Gertrud Korn die Krimhilde, Holthaus. wenn auch nicht sonderlich nuanzenreich, den grimmen Hagen. Günther und seine Brüder wurden von den Herren Z s ch o k k e, Sarnow und Rottacker gespielt. Sehr warm sprach Ru- dolf Lettinger die kleine Rolle des christlichen Kaplans, der die wilden Seelen vergebens von ihrer Rache abzustehen beschwört. Frau Schäfer° Kruse beeinträchtigte als Königswitwe Ute durch allzu gemütliches Aussehen, Agnes Werner in der Figur von Brunhildens alter Amme durch eine allzu feierliche Langsamkeit den Eindruck. Das Ensemble griff gut ineinander. Die Ausstattung war reich und stimmungsvoll. Nach jedem Fallen des Vorhangs erscholl anhaltender Applaus. Dreieinhalb Stunden währte trotz knapp bemessener Verwandlungspausen die Auffüh- rung. Eine Kürzung, die das vorletzte Bild beseitigte, das ohnehin durch den Racheschwur Krimhildens in der Schlußszene im Dom verdunkelt wird, würde die Bühnenwirkung voraussichtlich nur krhöhen._ dt. Sozialdemokratischer Wablverei« für den Reichstags- Wahlkreis Brieg-Namslau.(Ortsverein Berlin.) Heute Sonntag, abends L Uhr, Sitzung bei Emil Voigt, Krünauersw. 3. Zlllgemeine Familien- Sterbetasse. Heute: Zahltag Ackerstr. 123 bei Wiesenthal von 3— ö Uhr. Cdocbcn- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Götterdämmerung. ssAnfang Uhr.) Montag: Salome.(Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Manon. Mittwoch: Lucia von Lanimermoor. Donnerstag: Die Meistersinger vou Nürnberg. (Ansang 7 Uhr.) Freitag: Bajazzi. Die Rose von Schiras. Sonnabend: Salome.(Ansang 3 Uhr.) Sonntag: Margarete. Montag: Der fliegende Holländer. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Rabensteinerin. Montag: König Richard III. Dienstag: Die Rabensteinerin. Mittwoch: Klein Dorit. Donnerstag: Die Rabensteinerin. Freitag: Feenhände. Sonn- abend: Die Rabensteiiierin. Sonntag: Uriel Acosta. Montag: Die Rabensteinerin._..„ Neues königl. Opern. Theater. Sonntag: Der Barbier von Sevilla.(Anfang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Robert mid Bertram. Dienstag: Minna von Barnhelm. Mm. woch: Das Wintermärchen. Donnerstag: Minna von Barnhclm. Freitag: Der Revisor. Sonnabend und Sonntag: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Das Wintermärchen. Deutsches Theater(Kamm er spiele). Sonntag: Ghges und sein Ring. Montag bis Sonnabend: Früblings Erwachen. Sonntag: Fräulein Julie. Die Geschwister. Montag: Frühlings Erwachen. Berliner Theater. Sonntag: Die tanzenden Männchen. Montag: Faust. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Die tanzenden Männchen. Freitag: König Richard III. Sonnabend und Sonntag: Die tanzenden Männchen. Montag: König Richard III Lessing-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Biberpelz. Abends: Kollege Crampton. Montags Sedda'Gabler. Dienstag: Wenn wir Toten erwachen. Mittwoch: Die Stils Mittwoch: Die...... Crampton. Freitag: Nora. Sonnabend: ktollege� Crampton. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Weber. Stutzen der Gesellschaft. Kollege Abends: hen. Montag: Wenn wir Toten erwachs Allabendlich: Ueber den Wassern. Die Stützen der Gesellschast Neues Theater. Neues Schauspielhaus. Alt. Sonntag: Herthas Hochzeit. MoNtag ------ � �ochzeitssackcl. Mi: erthas Hochzeit. Sonm Heidelberg.(Ansang 7»/, Uhr.) Dienstag:' Die Hochzeitssackel Mittwoch Stög: Das und Donnerstag: Das GlaS Wasser. Freitag: abend, Sonntag und Montag: Das Glas Wasser. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends Bater und Sohn. Montag: Die Stimme der Unmündigen. Dienstag: Vater und Sohn. Mittwoch: Ein idealer Gatte. Donnerstag: Vater und Sohn. Freitag: Die Stimme der Unmündigen. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Nachtasyl Abends: Vater und Sohn. Montag: Die Stimme der Unmündigen. Residenz-Theater. Allabendlich: Haben Sie nichts zu verzollen? Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Hoftmanns Erzählungen. Abends: Carmen. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Tosca. Mittwoch: Hoffmanns Erzählungen. Donnerstag: Werther.(Ansang 7'/, Uhr.) Freitag: Carmen. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Carmen. Abends: Werther. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frühlingslust. Allabendlich: Die lustige Witwe. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frühlingsiust. Schiller- Theater v. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Traumulus. Abends: Der Herr Senator. Montag: Monna Vanna. Dienstag: Der t-rr Senator. Mittwoch: Die Schmuggler. Donnerstag und Freitag: in Fallissement. Sonnabend: Der Herr Senator. Sonntagnachmittag 3 Uhr: TraumuluS. MendS: Die Schmuggler. Montag: Ein Fallissement. Schiller. Theater Charlotteuburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Monna Vanna. AbendS: Götz von Berltchingen. Montag: Der Herr Senator. Dienstag: Götz von Berlichingen. Mittwoch und Donnerstag: Perrichons Reise. Freitag: Götz von Berlichingen. Sonnabend; Monna Vanna. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Götz von Berlichingen. Abends: Heimat. Montag: Perrichons Reise. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jugend. AbendS und Montag: Die Nibelungen. Dienstag: Winterschlaf. Mittwoch: Die Nibelungen. Donnerstag: Winterschlaf. Freitag und Sonnabend: Die Nibelungen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends: Winierschlas. Montag: Unbestimmt. Lustspielhans. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sein Alibi. Allabendlich: Husarensiebcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Unsere Käte. AbendS und Montag: Husarenfieber._ Zentral-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Sonntag- abend bis Mittwoch: Orpheus in der Unterivelt. Donnerstag bis Sonntag: Die Puppe.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Puppe. Luise»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gespenster. Abends: Gebildete Menschen. Montag: Turandot. Dienstag: Die beiden Reichen- müller. Mittwoch: Gebildete Menschen. Donnerstag: Die beiden Reichen- müller. Freitag: Carmen. Sonnabend: Turandot. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Turandot. Abends: Carmen. Montag: Die beiden Reichenmüller. Thalia-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Eine lustige Doppelehe. Allabendlich: Ihr Sechs-Uhr-Onkel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Staats- anwalt Alexander. Trianvii-Thcater. Allabendlich: Fräulein Josette— meine Frau. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Madame X. Motropol-Theuter. Allabendlich: Der Teusel lacht dazu. Apollo-Theater. Allabendlich: Sylvester Schäffer. Spezialitäten. Walhalla-Theater. Spezialitäten. Bernhard Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Carmen. Sonntag bis Donnerstag: Der große Unbekannte. Vom Freitag ab: Der Held des Tages.(Ansaug 8'/, Uhr.) Montag- bis Sonnabendnachmittag 5 Uhr; Tilly Böbs. Die Löwenbraut. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der große Unbekannte. Theater au der Spree. Allabendlich: Der Aktienvudiker. Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Madame Wig-Wag. ES lebe das Nachtleben. Figaro-Theater. Passage-Theater. Prater-Theater. Casino-Theater. 4 Uhr: Heirat auf Probe. Wintergarten. Anne Dancrey. Anni DirkenS. Spezialitäten. Reichshalle»- Theater. Allabendlich: Stetttner Sänger. Carl Haverland-Theater. Spezialitäten. Auf. 8 Uhr. Sonntag? 7 Uhr. Urania-Theater. Tanbenstraße 48/49. Sonntag, Mittwoch und Sonn- abend, den 14. September: Im Lande ber Mitternachtssonne. Montag und Freitag: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Dienstag, Donnerstag und Sonntag, den 13. September: Bon der Zug- spitze zum Watzmann.(Ansang 8 Uhr.) Allabendlich: Pari». Die Klaue. Unterm Bett. Allabendlich: Lona Nansen. Spezialitäten. Allabendlich: Der Tanztcusel. Allabendlich: Die wilde Jagd. Spezialitäten. Sonntagnachmittag Witterungsnbersicht vom 7. September 1907. Heller 4 wolkig 1 wolkig Zbedeckt 2 halb bd. lwolkeni - r, r: H fi 10 13 16 11 13 Wetter-Prognose für Sonntag, den 8. September 1907. Morgens und abends nebelig, um Mittag ziemlich heiter und warm bei schwachen südwestlichen Winden, leine erheblichen Niederschläge., Berliner Wctterbureau. Wasserstands-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbnreau. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel. ] Alexanderplatz Fl*« BERLIN C. Alexanderplatz Neuheiten in Kleiderstoffen für Herbst und Winter. OTollftoffc, Blockkaros.......... Mder l.�-y.so � Bandstreifen......... Meter l.ao-s.so � Fantasiekaros......... Meter I.zo-b.so m. breitgerippte DiaijOnalS..... Meter h5®- 4iS® M. Chevron-Streifen....... Meter 1.35-5,00 M. gestreifte SeidentüClie..... Meter 2.70-5.00 M. glatte DamentUClie....... Meter 2.25-3,00 M. Scldcttftoffc* Taffet- II. Louisine-Blockkaros. Meter 2.>0-3.9<» M. Taffet- u. Satin-Bandstreifen.. Meter 1.90-4.50 M Pekingstreifen......... Meter 2.00-5.00 m. Louisine- u. Taffet-Scliotten.. Meter 1.20-5.00 � modernste GilineS....... Meter 3,00—7,00 � Chine faconne........ 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