Nr. SU. RbennnnenU'BedlnsangtD: KlimnemenJ«- Preii prünumeranda» Bierteljährl. ZL0 MI., man all. 1,10 MI, wöchenlii» 28 Psg. frei WS HauS. Einzew« Nummer 5 Psg. Sonntags« nummer mit Multrserter Sonntags- Beilage.Die Neue Well' 10 Psg. Post- «bonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für "--.*, unna Ausland Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da» übrige~" 8 Marl pro Monat. PostabonnementS nel öo en an: Belgien. TSnemarb >. Italien, Luxemburg. Porwgal, tn, Schweden und die Schweiz. CMtlBt tlslii» aiSer mtstaat 34. Jahrg. Verlinev Volksblsakk. vle saltttion!-eedlll>k KetrSgt für die fechsgespallene Uolonel« zeile oder deren Raum 50 Psg, sür politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammIungS-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hnxelgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übe, 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte Inserate sür die nächste Nummer müssen biS li Uhr nachmittags Inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. relegramm. Adresse: „SöÄäliltliiostnt KtlUl»". Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Dcutfchlands. Redaktion: 8 Cd. 68. Lindenötraoae 69. Fernsprecher: Amt TV, Nr. 19S3. Dienstag, den 10. September 1907. Expedition» 8 Cd. 68. Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt TV, Nr. 1984. Der 40. pbresltongreß der britischen trade"önions. London, 7. September.(Eig. Ber.) Der soeben geschlossene Trade-Unions-Kongreß in Bath bedeutet einen Fortschritt der britischen Arbeiterbewegung zur politischen Selbständigkeit und szu einem besseren Verständnis ihrer Aufgaben. Das geht sowohl aus dem Jahresbericht und aus der Rede des Präsidenten wie aus den Verhäng lungen hervor. Der Jahresbericht des Parlamentarischen Komitees des Kongresses zieht aus den politischen Ereignissen der letzten 18 Monate die Lehre, daß die Arbeiterklasse eine politische Macht ersten Ranges bilde, die wohl imstande sei „die gegenwärtige Ungleichheit der Gesellschaft zu beseigen" Die bisherigen Erfolge müßten die Arbeiterbewegung an spornen, weitere Reformen durchzusetzen, ganz besonders den Achtstundentag für die Bergleute, Alterspcnsionen, die Be schränkung der Uebcrstundenarbeit und die Verstaatlichung des Grund und Bodens. Der Arbeiterabgeordnete Gill, der den Vorsitz führte erinnerte an den ersten Trade-Unions-Kongreß, der vor 40 Jahren in Manchester stattfand. Damals waren nur 34 Delegierte anwesend, die 118 000 Arbeiter vertraten. Heute gebe es so viele Arbeiterabgeordnete auf dem Kon greß als damals Delegierte! Bedeutende Sozialreformen wurden in den letzten vier Jahrzehnten errungen, aber es bleibe noch viel zu tun. Die w i ch t i g st e Aufgabe sei äugen blicklich der Kampf um AlterSpensioncn von 5 M. die Woche für alle Bürger im Alter von 00 Jahren. Eine der wichtigsten Debatten war die über die Her stellung der Einigkeit zwischen der Arbciterfraktion und den liberalen Arbeiterabgeordneten im Parlament. Wie bekannt sitzt die Arbeiterfraktion auf den Oppositionsbänken, während die liberalen Arbeiterabgeordneten zur Regierungspartei, das heißt zu den Liberalen gehören. Auf dem vorjährigen Kongreß wurde eine Resolution angenommen, die eine Einigung der Arbeiterelemente empfahl. Im Laufe des Jahres fanden mehrere gemeinschaftliche Sitzungen statt, ohne indes die Einigungsresolution ausführen zu können. Die liberalen Arbeiterabgcordnetcn verlangten, daß zur Arbeiter- Partei nur gewerkschaftlich organisierte Arbeiter zugelassen würden, das heißt: sie verlangten den Ausschluß der Sozia- listen!— Die Arbeiterpartei lehnte diesen Vorschlag als un- diskutabel ab und berief sich auf den Beschluß des Trade- Unions-Kongresses vom Jahre 1899,'aufGrund dessen die sozialisti- schen Organisationen eingeladen wurden, an der Bildung des Lillbour Representation Committee mitzuwirken. Die Vertreter der Arbeiterpartei erklärten, sie seien bereit, mit den liberalen Arbeiterabgcordneten zusammenzugehen, wenn diese sich der- Pflichteten, bei Wahlen den Arbeiterkandidaten nicht entgegen zutreten, auch wenn diese Kandidaten gegen die Liberalen aufträten. Dieser Bedingung wollten die liberalen Arbeiter führer, die von der liberalen Partei ausgehalten werden, nicht zustimmen, und tatsächlich traten zwei liberale Arbeiter- abgeordnete(Maddison und Vivian) im Wahlkreise Jarrow zugunsten des Liberalen und gegen Pete Curran auf. Das Parlamentarische Komitee des Trade- Unions Kongresses berichtete nun über den Mißerfolg und fügte hinzu, es werde sich auch fernerhin bemühen, die beiden Richtungen zu vereinigen. Darüber kam es in Bath zu einer erregten Debatte. Der erste Redner war der Delegierte G 0 u l d aus Hull. Er sagte:„Ich beantrage, den Absatz, der von der Fortsetzung der Unterhandlungen spricht, zu st r e i ch e n. Das Parlamentarische Komitee des Trade-Unions-Kongresses ist nur der Zuhälter der liberalen Partei. Ich hoffe, der Kongreß wird sich dahin aussprechen, daß die Arbeiter- Partei mit unseren sozialistischen Genossen weiter arbeite und sich die Hyänen der liberalen Partei vom Leibe halte.. Der Präsident unterbrach den Redner und meinte, er müßte nicht derartige Schimpfworte gebrauchen. G 0 u l d:„Ich bin außer stände, einen anderen Ausdruck für Individuen zu finden, die sich„Arbeiterführer" nennen und dennoch nach Jarrow und Colne Valley gingen, um gegen Curran und Grayfon aufzutreten."(Beifall und Wider- spruch.) An der Debatte nahmen die angesehensten Arbeiterführer des britischen Trade-Unionismus teil. Der Bergarbeiterführer Enoch Edwards meinte, es sei tatsächlich ein Skandal, daß Leute, die sich Trade-Unionisten nennen, einem so verdienst- vollen und tüchtigen Gewerkschaftler wie Curran entgegen- traten. S h a ck l e t 0 n sagte, es sei ganz unniöglich, eine einheitliche Arbeiteraktion herzustellen, so lange die Herren Maddison und Vivian im Dienste des Liberalismus gegen die Arbeiterpartei wirken.(Stürmischer Beifall.) Hier ist noch zu bemerken, daß Maddison der Gegen- kandidat des Genossen Hyndman in Burnley war. Der Kongreß beschloß, die Unterhandlungen zwischen der Ar- beiterpartei und den liberalen Arbeiterabgcordneten fortzusetzen. Viel Aussicht auf Einigung ist nicht vorhanden, aber es ist sicher, daß im nächsten Parlament diese Unterhandlungen nicht mehr nötig sein werden.— Von den 25 liberalen Arbeiter- � abgeordneten, die gegenwärtig im Parlament sind, wird höchstens ein halbes Dutzend wiedergewählt werden. Dafür sorgen schon die Verhältnisse und die Arbeitcrfraktion. ... � Auch die Diskussion über die Resolution betreffend die Beseitigung oder Beschränkung der Macht deS Oberhauses war ziemlich lebhaft und lang. Die radikaleren Elemente verlangten einen Zusatz, der besagte, daß die liberale Re- gierung die ganze Angelegenheit nicht e r n st nehme und die Oberhausfrage nur aufs Tapet gebracht habe, um die Arbeiter vom Klaffenkampf abzulenken. Als Beweis dafür wiesen sie auf die Tatsache hin, daß die liberale Regierung mehreren ihrer reichen Anhänger die P a i r s w ü r d e verliehen habe Anderen Delegierten war die Resolution nicht entschieden genug. Sie wollten die Abschaffung und nicht die Be schränkung der Macht der Lords. Interessant war die Bemerkung des Delegierten F r e a k(Schuharbeiter in Lcicester), daß die ganze Resolution keinen Zweck habe. Das Haus der Lords sei mit der monarchischen Institution eng verknüpft. Solange jedoch die Monarchie nicht er- schüttert sei, werden auch die Lords bestehen! Der König von England sei nun aber sehr populär; durch sein gewandtes Benehmen habe er die Lebenszeit der englischen Monarchie um ein Jahrhundert verlängert. Er(Redner) sei überzeugter Republikaner, aber man müsse den T a t s a ch e�n ins Gesicht blicken.— Der Kongreß wies die Resolution zurück und nahm ein- stiuimig eine in unzweideutigen Worten abgefaßte Resolution an, die die Abschaffung der Lords verlangt und die liberale Regierung auffordert, keine Pairs mehr zu machen. Die Friedensstörungen von Belfast wurden vom Belfaster Delegierten Boyd zur Sprache gebracht.- Er redete als Augen- zeuge der traurigen Vorgänge und gab die positive Erklärung ab, daß die Unruhen erst begannen, als das Militär auf der Vildfläche erschien. Der Streik wäre ohne jeden ernsten Zwischenfall abgelaufen, wenn die städtischen Behörden nicht das Militär requiriert hätten. Der Dockerführer S e x t 0 n sagte, die Eingriffe des Militärs haben in Belfast geradezu eine Revolution hervorgerufen. Die protestantischen und die katholischen Arbeiter haben nunmehr ihre religiösen Zwistig- leiten vergessen und unterstützen sich kameradschaftlich. Die Protestanten sammelten für die katholischen Docker 1500 M. Man könne jetzt die größten Arbeiterversammlungen in Belfast abhalten, ohne daß man die früheren religiösen Vorurteile wahrnehme. Der Kongreß beschloß eine Resolution, in der die Re- gierung aufgefordert wird. den Bürgermeistern das Recht, Militär zu requirieren, zu entziehen. Der Kongreß sprach sich ferner gegen jede Form von Militarismus aus. ohne indes die Angelegenheit ernster zu diskutieren. Die Resolution betreffend Einführung von Schieds- gerichten nach neuseeländischem Muster wurde mit 1003000 gegen 343 000 abgelehnt. Der Kongreß sprach sich fast einstimmig für die Ver- weltlichung des gesamten Schul lvesens aus. Miß Mac Arthur, die Delegierte der Frauengewerkschaft, plädierte mit Erfolg für die Einrichtung vonLohn- behörden für die Heimarbeit. Das Gehalt des Sekretärs des Trade-Unions-Kongresses (Mr. Steadman) ward von 250 auf 300 Pfund Sterling (6000 M.) erhöht. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, die dem Sekretär des Trade-Unions-Kongresses die Pflicht auferlegt, Mitglied der Arbeiterpartei zu sein. Diese Resolution kann aber erst bei Ernennung von Stcadmans Nachfolger zur Geltung gelangen. Aber es ist charakteristisch, daß die Zu- ehörigkeit zu einer Gewerkschaft nicht mehr genügt, einen Josten einzunehmen, den der Gewerkschaftskongreß zu ver- geben hat._ Der Kichhandel von liorderner. Es gab einmal eine Zeit— und gar, gar nicht lang ist'S her— wo der Freisinn zu witzeln und zu spotten begann, wenn Herr Spahn seinen Zylinder bürstete, um mit der Regierung irgend einen Kuhhandel abzuschlietzen. Wenn jetzt Herr Spahn einen Zylinder bürstet oder auch nur mit dem Z w e i s p i tz, dem Galahut der Marine, vertauscht, so vergeht dem Freisinn aller Spott. und voller Entrüstung protestiert er gegen solchen Mißbrauch. Herr Spahn, der ZentrumSmann, habe kein Recht, sich den Zweispitz aufzusetzen, da ja die Türen zum ReichSmarineamt dieser ver- ruchten Oppositionspartei verschlossen und nur dem Freisinn, dem vom Sturmgesellen zum harmlosen Blockgespielen gezähmten, offen stehen müßten! Mit seiner Blockverbrüderung hat der Freisinn auch die Gerechtsame des Kuhhandels übernommen. Das Recht des Spottes über diese Kuhhändlerpraltiken ist auf andere Parteien übergegangen. Ja, der Freisinn muß es sich sogar gefallen lassen, daß feine eigenen Blockbrüder, die Konservative» und National- liberale», über seine KuhhandelSbefliffenheit den ätzendsten Spott ausgießen l lieber denKuhhandelvonNorderneh leitartikelt heute die„Voss. Z t g.". Sie gibt ganz offen zu, daß Bülow die Frei- innSmannen Schmidt- Elberfeld. Kämpf und P a y e r zu sich zitiert habe, um sie für die Politik der mittleren Linie, die .konservativ- liberale Paarung" zu gewinnen. Bei den Herren Schmidt und Kämpf mag das ja sehr leicht gewesen sein. Herrn Payer, dem„Demokraten", dagegen dürfte ein Privatissimum gelesen worden sein. Gehört er doch auch zu denen, die sich, wie die„Voss. Ztg." ausführt, einbildeten,„es gehe jetzt an die jähe Liberalisierung des preußischen Staates, die hier und da mit mehr Temperament als Ueber« legung geräuschvoll angekündigt" worden sei. Herr Payer gehörte zu diesen geräuschvollen Rellamctrommlern. Die „Voss. Ztg." wirst ihm deshalb Mangel an„Ueberlegung" vor— was mag da erst Bülow selbst gesagt haben l Aber die„Voss. Ztg." ist deS vollen ErfolgcS des Kuhhandels von Norderney sicher! Des Kuhhandels, bei dem die preußische Wahlrcchtsfrage als Schacherobjekt dienen mußte I Denn sie und keine andere Frage konnte ja in die„Paarung von Karpfen und Kaninchen" Unstimmigkeit hineintragen! Das freisinnige Blatt schreibt: „Der Reichskanzler wird, des sind wir gewiß, bei den Ver« Handlungen in Norderney volles Verständnis für die politische Lage gefunden haben; er wird erkannt haben, daß die Führer der Linken bereit sind, mit der Regierung zusammenzugehen, soweit es ihnen ihre Grundsätze gestatten, daß sie aber diese Grundsätze nicht aufzugeben vermögen. Es wird mithin Sache der praktischen Er- fahrung sein, welchen Erfolg die Blockpolitik hat. Ein st weilen hat der Liberalismus keinen Anlaß, sich zu ihr ablehnend zu st eilen. Wenn er seine Prinzipien nicht preisgibt, hat er bei der konservativ-liberalen Paarung nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen." ES ist geradezu ekelhaft, wenn hier die„Voff. Ztg." von den zu konservierenden„Prinzipien" des Freisinns spricht! Diese Prinzipien erforderten den Wahlrechtskampf! Und mm sollen sie in den G l a S s ch r a n k gestellt werden, wo sie bei dem Freisinn fteilich am besten„aufgehoben" sind! Vollends lächerlich aber ist es, wenn es die„Voss. Ztg." so hinstellt, als ob Bülow nun auch noch den Konservativen ein- dringlich zureden müsse, um ihnen die freisinnige Prostitution akzeptabel zu machen. Als ob die Konservativen nicht bei dem freisinnigen Verrat alles zu gewinnen hätten l Wentt die kons ervative Presse trotzdem noch über den frei« sinnigen Kuhhandel höhnt, so beweist das nur, wie unsäglich ver- ächtlich sie vom Freisinn denkt. So schreibt die„Kreuz-Zeitung": „Die nationalliberale„Rheinisch-Westfälische Zci» t u n g" ironisiert in amüsanter Weise den linkSlibcralc» Kuhhandel. Sie meldet vom„politischen Markte", daß dort in den letzten Tagen lebhaftes Tretben geherrscht habe, obwohl der Handel flau gegangen sei. Der Auftrieb sei stark gc- wesen, aber die Abschlüsse hätten gefehlt, und obwohl das Angebot sich als lebhaft gezeigt habe, sei kein rechtes Geschäft zu stände gekommen.„Flotte Z e n t r u m s k ü h e von den meerumspülten grünen Weiden Schleswig-HolsteinS wurden von einem betriebsamen Händler angepriesen, aber eS fehlte sichtlich die Lust für diese schwere Ware. Magere Freist nnskü he waren in großer Zahl vorhanden und wurden mit lautem Geschrei der linksliberalen Händler offeriert, fanden jedoch keine Liebhaber. Die Rasse ist zu schlecht und offenbar zu wenig vertrauenerweckend für PaarungSzwecke." Dieses Stimmungsbild vom„politischen Markte" ist nicht übel; denn in der Tat kann man sagen, daß der politische Kuhhandel nur selten mit solcher Ungeniertheit betriebe» worden ist. w i e i n d e n Tagen der Blockherrlichkeit." Wann hätten die Konservativen jemals so wegwerfend vom Zentrum gesprochen? Aber beim F r e i s i n n ist es ja auch ganz was anderes! Er gehört in die Kategorie der politischen: Mühlendammer, die desto erpichter auf ein Handelsgeschäft sind, je nachdrücklicher man ihnen die Tür weist I Klskienjuktis. Gegen nichts ist der Klassenstaat empfindlicher alS gegen Angriffe auf seine Justiz, und mehr als einmal schon sind Re. dakteure unserer Partcipresse oder Redner unserer Bersamm- lungen zu schweren Strafen verurteilt worden, weil sie der; preutzisch-deutschen Rechtsprechung den Vorwurf der Klassen-, justiz gemacht hatten. Es verdient deshalb Beachtung, daß ein- berufener Kritiker aus bürgerlichen Kreisen in einer Vorurteils-. losen Betrachtung über diese Frage schließlich genau zu demselben! Urteil kommt, das unsererseits schon längst über den Charakter! der Justiz des Klassenstaates gefällt wurde. Zu den zahlreichen Acutzerungen, die im Laufe der letzten' Wochen in der weiteren Oeffentlichkeit über den F a l l H a u er» folgt sind, kam dieser Tage eine aus Karlsruher richterlichen Kreisen, die sich im wesentlichen mit der Haltung der Presse in dieser vielerörterten Affäre beschäftigte. LandgerichtSrat- Mainhard— so heißt der Richter— fällt darin über eine gewisse bürgerliche Sensationspresse, insonderheit die zu Mahlzeiten sich blockliberal gebärdende, sonst aber unter der Flagge der„Parteilosigkeit" segelnde„B a d i s ch e Presse" in Karlsruhe, ein äußerst absprechendes Urteil, während er„mit Genugtuung" konstatiert, daß die sozialdemokratischen Blätter des Landes ihre Kritik an den Erscheinungen des Prozesses Hau in Formen gehalten hätten,„wie sie für ernste Männer mit Verantwortungsgefühl gelten". Diese Aeußerung des Herrn Landgerichtsrats Mainhard veranlaßte im demokratischen Landesboten" eine Betrachtung, die wegen ihrer Offenheit und sozialen Einsicht, nicht zum mindesten aber wegen ihres ab- fälligen Urteils über die geistige Höhe unseres Richter st andcß allgemeines Aufsehen erregt., Der Verfasser— vermutlich ein Karlsruher Rechtsanwalt unh Führer der mit tzeg SLatitmUHfsslfH feej&te&cfl DMÄrstw m stellt Mächst fest, Last Kohl ein öolles Drittel Kr badischen Richter bisher kein anderes politisches Blatt las als das genannte geisteSarme Karlsruher Sensationsblatt, daß sie und ihre Familien also ihre regelmäßigen Informationen über alle Vor- kommnisse im öffentlichen Leben lediglich aus der sogenannten parteilosen Gcneralanzciger-Presse holten,— demselben Blatt, das während des Burenkriegcs dem ödesten Engländerhaß die wildesten Konzessionen gemacht, vor dem Auszug nach China den Grafen Waldersee mit Siegeslobhymnen überschüttet habe und mit byzantinischen Berichten über jeden Fürsteneinzug die Volks- secle zu vergiften pflege. Menschen, die regelmäßig die„Franks. Zeitung", den„Vorwärts", die„Köln. Zeitung" oder die„Germania" läsen, seien ganz andere als die, denen Blätter vom Schlage der „Bad. Presse" genügten. Dann fährt gegen den nationalliberalcn Landgerichtsrat Mainhard der demokratische Blockbruder im .Landesboten" wörtlich fort: .„Merkwürdig berührt unS in den Ausführungen dcS Landgerichtsrats Mainhard jener Satz in Gedankenstrichen, mit dem er voller Verwunderung konstatiert, daß die s o z a l d e m o- kratische Presse der Hauptstadt sich bei der Besprechung des Falles Hau korrekt benommen habe. Auch da tut sich ein Stück Weltanschauung auf. Voll Verwunderung glaubt er das konstatieren zu müssen, und diese Verwunderung tönnen wir uns nur dadurch erklären, daß er diese Presse nicht kennt und doch bisher glaubte, ein Urteil über sie zu haben. Das soll kein Vorwurf gegen ihn sein. Denn auch er ist ein Kind seines Milieus. Aber wir denken, wie wird es sein, wenn ein sozialdemokratischer Ar- beiter wegen eines Streikvergehens als An- geklagter vor ihm steht? Er wird nach bestem Wissen und Gewissen richten. Aber seine Anschauungen über SoziaO l i s m u s und Sozialdemokratie, die die Jungen all- mählich überwinden, müssen mit innerer Notwendigkeit sein U r t e, l beeinflussen. Ob er die Ethik des Streiks versteht? Ob er weiß, daß der Streikbrecher ein Mann minderer Ehre und der Streikende ein ehrlicher Kämpfer ist? Weiß er auch, daß eS einem badischen Beamten das Genick brechen kann, wenn er den„Voltsfrcund" liest, daß es noch vor wenigen Jahren gefährlich war, den„Badischen Landesboten" zu lesen, daß aber die Lektüre der sensationslüsternen, nach oben aber frommen „Bädischen Presse" gerne gesehen war?" Treffender und klarer ist kaum einmal in einem sozialdemo- Iratischen Blatte der Charakter unserer modernen Strafrechtspflege als Klassenjustiz gekennzeichnet worden, jener Justiz, die, ohne bewußt parteiisch zu sein, doch in politischen und sozialen Vorurteilen befangen ist und bei allen Entscheidungen, denen Tatbestände politischer oder sozialer Natur zugrunde liegen, sich lediglich von Anschauungen dcS eigenen gesellschaftlichen Milieus leiten läßt, weil eS ihren in diesem aufgewachsenen Repräsentanten nicht möglich ist, stch aus dem Denk- und GefühlSkreiS der eigenen Klasse herauszuheben und sich in denjenigen zu versehen, in dem der ihrer Rechtsprechung überantwortete Angeklagte sich bewegt. Am zwingendsten wirkt diese Logik bei der Anwendung auf daS wirtschaftliche Kampfmittel deS Streiks, besser gesagt: auf die Beurteilung der moralischen Qualitäten des Streikenden und des Streikbrechers, die in ihrer grellen Verschiedenheit den ganzen unüberbrückbaren Abgrund zwischen der Denk- und Gefühlswelt deS Proletariates und der der Bourgeoisie aufzeigt. Wie eingangs schon gesagt, sind daS für Leute, die im prole- karischen Klassenkampf stehen, gewiß keine neuen Wahrheiten; einen besonderen Wert erhalten sie erst dadurch, daß sie von einem Angehörigen der bürgerlichen Klasse ausgesprochen werden, und zudem von einem Manne, der durch langjährige enge Berührung mit unserer Nichterwelt über die darin maßgebenden Anschauungen aufs beste informiert ist. Man wird sich in unseren Kreisen das, was der bürgerliche Herr über den Charakte» unserer Justiz und über die moralische Wertung des Streikenden und des Streikbrechers zu sagen wußte� mexketl. Iflarohho. Friedensderhandlungen— Waffenstillstand— eS sind überraschende Nachrichten, die aus Casablanca kommen. Noch läßt sich nicht beurteilen, ob in der Tat eine für die Franzosen günstige Wendung eingetreten ist, oder ob etwa nur eine Kriegslist der Marokkaner hinter ihren Angeboten steckt. Zu diesen eigenartigen Meldungen kommt die andere, daß Mulay Hafid, der Gegensultan, französische Hülfe in Anspruch nimmt, um mit den Mächten zu verhandeln, sowie daß der Kommandant eines französischen Kriegsschiffes die Besorgung der Mulay Hafidschcn Briefe übernommen hat. Eine Handlung, die zweifellos eine Parteinahme der Franzosen zugunsten Mulay Hafids gegen seinen Bruder Abdul Aziz bedeutet. Die deutsche Regierung hat inzwischen ihre Antwort auf die Forderung der französischen Regierung gesandt, ihr zu ge- statten, entgegen der Akte von Algeciras französische Polizei- truppen in den Hafenstädten einzusetzen. Ucber den Inhalt dieser Antwort teilt die„Nordd. Allg. Ztg." nut: Die deutsche Regierung habe die Befugnis Frankreichs, sich für die Vorgänge von Casablanca Genugtuung zu verschaffen, anerkannt und be- absichtige nicht, der von Frankreich aus diesem Anlaß unter- nommenen und durch außergewöhnliche Umstände motivierten Aktion Schwierigkeien zu bereiten. Sie hoffe und wünsche jedoch, daß sich schwere Schädigungen der fremden Kaufleute, wie die in Casablanca erlittenen, nicht wiederholen möchten. Die deutsche Regierung mache deshalb darauf aufmerksam, daß mach Ansicht des deutschen Geschäftsträgers in Tanger die, in der Akte von Algeciras nicht vorgesehene Aufstellung fremder Polizeikorps unter den gegenwärtigen Verhältnissen einen Angriff der Bergstämme auf die Stadt und ernste Gefahr für Leben und Gut der Europäer hervorrufen könnte, zumal wenn jene Maßregel nicht unter dem Schutze militärisch unbedingt genügender Kräfte vollzogen würde. Die gleiche Gefahr dürfte auch in anderen Hafenorten bestehen.> Die Meldungen des Sonntags und Montags lauten? Madrid, 8. September. Ein Telegramm der„Correspondencia be Espano" besagt, daß drei Marokkaner dem General Drude im Namen der Kabylen anboten, die Waffen niederzulegen und um einen Waffen st ill st and von 48 Stunden baten. Zwei von den Unterhändlern blieben als Geiseln im französischen Lager. Paris, 7. September. Der in Casablanca am 6. Sev- tember abgeschlossene Waffenstillstand wird am Sonnabeno- mittag zu Ende gehen. Die Einstellung der Feindseligkeiten war durch das Eingreifen des Kaid Maisi, des Häuptlings des Choukla- Stammes, veranlaßt, der mit dem französischen Geschäftsträger die Grundzüge eines Einvernehmens festzusetzen wünschte. Der Scheik, der nicht genügenden Einfluß auf die Stämme zu haben schien, um seine Ansichten zur Geltung zu bringen, sollte heute früh eintreffen und wurde noch um 3 Uhr erwartet. Pari«, 8. September. Die„Agence HavaS" veröffentlicht folgende Note: Die Regierung hat ein Telegramm des Generals Drude erhalten, in dem dieser mitteilt, daß die Delegation vor- nehmer Marokkaner, die der Scheik El Maisi nach Casablanca führen sollte, nicht eingetroffen sei. Infolgedessen habe der General beschlossen, den El Maisi bewilligten Waffenstillstand bis heute abend auszudehnen. Die Operationen sollen morgen wieder besinnen, wen» die marokkanischen Abgesandten nickt im Laufe des Mends kommen, LtN sich zu unterwerfen. Das TekeMMm Drudcs teilt ferner mit, daß seit Eintreffen der Truppen jn Casablgnca 800 Marokkaner getötet worden seien- politifcbe CUberlicht. Berlin, den 9. September 1907. Die schmunzelnden Kriegstreiber. Ucber die Ergebnisse der Haager„Friedens- konferenz" schreibt das weiland Kruppsche Organ, die „Verl. Neuest. Nachr." schmunzelnd: „Von den altehrwürdigen Bäumen deS Haager Schloßparks fällt das Sommerlaub, und wer noch nicht allen Mut zu ernst- hafter Fragestellung verloren hat, frägt nach dem Ertrag der Haager FciedenSwochen. Sieht man von den wenigen wirk- lich'wertvollen Teilergebnissen der Konferenz ab—' in erster Linie wäre die Abänderung der Haager Konvention vom 29. Juli 1899 über die Pflege der Verivundeten im Seekriege dahin zu rechnen— so lassen sich die Arbeiten des Haager Kongresses wohl am besten als Beiträge zur Biisgeftaltung des KriegsrcchtcS charakterisieren. Nicht positive Eriedensarbeit wurde geleistet, sondern der Krieg und die riegführ Ung wurden zum Teil auf neue theoretische Formeln gebracht. Für die Praxis deS Krieges kommen Beschlüsse wie das Verbot des Bombardements von nichtbefestigten Städten und Dörfern ohne Kriegsvorräte, das Verbot von automatisch ex- plädierenden Kontaktminen, der Schutz der Rechte von Neutralen oder die Bildung von Prisengcrichten schwerlich in Betracht. Hier entscheidet die Gelegenheit und der Zwang des Augen- b l i ck s... Ueber die innere Wahrhaftigkeit feines(Englands) A b- r ü st u n g s v o r s ch l a g e s, der sich nach vielfältigem Sieb- verfahren am Ende in eine schattenhafte Resolution über die Notwendigkeit des„M a te r i a l s amm e l ns" auflöste, hat ja alle Welt längst den Stab gebrochen. Bliebe als diskutierbar höchstens der noch ausstehende Plenarbeschluss über das obligatorische Weltschiedsgericht. Aber auch in dieser Frage macht eine fatale Klansel, die kaum zu umgehen sein wird, jede praktische Wirksamkeit eines eventuellen Beschlusses illusorisch. Der Vertrag soll nämlich nicht für solche Fälle gelten, in denen nach Ansicht eines der be- teiligten Staaten seine Ehre oder seine vitalen Interessen in Frage kommen. Dieser Ehre und diesen vitalen Interessen wird man voraussichtlich jedesmal begegnen, wenn in Zukunft die Frage der Einsetzung eines Schieds- gerichtS akut werden sollte; denn es ist s e l b st v e r st ä n d l i ch, daß die Staaten in allen Fällen, wo ihnen der Weg des Krieges erwünscht wäre, von dieser angenehmen Klausel Gebrauch machen würden." Die internationalen Konfliktsschürer, Panzerplatten- Patrioten und Kanonenfabrikanten können sich in der Tat die Hände reiben I Der„Friedenskongreß" hat für sie wackere Arbeit geleistet l_ Karl Peters als Ethiker. Die vielfachen Ehrungen, die Herr Karl Peters nach seinein Münchener Prozeß von den Vertretern des echten Deutschtums und von sittsamen hysterischen Jungfrauen meist des gleichen Kalibers, wie die schönen Verehrerinnen HauS— erfahren hat, scheinen sein Selbstbewußtsein sehr gekräftigt zu haben. Während er es bisher nur als feine göttliche Mission betrachtete, Kolonien zu erobern und in das Innere Afrikas deutsche Kultur und deutsche Keuschheit zu tragen, fühlt er neuerdings den Beruf in sich, auch unser gesamtes öffentliches Leben zu versittlichen und auf die Höhen seiner eigenen reinen Moral zu heben. Jn den„Han, burger Nachr." leistet er sich eine gar wunderschöne Moralpredigt, in der eS heißt: „Die Sozialdemokratie, Vertreterin der weniger gebildeten Klassen unseres Volkes, will nicht beweisen; sie schimpft. Mich bezeichnet sie mit dem geschmackvollen Ausdruck„Hänge-PeterS" oder„Hänge-Karl". Meinen Freund Dr. Otto Arendt vcr- sucht sie abzustempeln als„Meineid-Otto", während doch erwiesen ist, daß. wenn in München ein falscher Eid ge- leistet ward, sicherlich nicht Arendt, sondern jemand sonst ihn geleistet hat. Nebenbei, auch ich habe beim Durchgehen meiner Akten vor einer Woche einige Dokumente gefunden, die Frau Geheimrat Kayser und ihre Hintermänner interessieren werden. Der K i st e n d i e b st a h l, der mich meiner Verteidigung vor Gericht 1896/97 wesentlich beraubte, ist nicht vollständig erfolg- reich gewesen. Ich werde in der Lage sein, einige Akten dem nächsten deutschen Gerichtshöfe, mit dem ich zu tun haben werde, vorzulegen. Wenn ich gegen sozialdemokratische Zeitungen jetzt gericht- lich vorgehe, so geschieht das in der Hoffnung, das deutsche Bürgertum veranlassen zu können, gegen den pöbelhaften Ton dieser Presse mit allgemeinen Gesetzen einzuschreiten. Wir müssen, wie wir die Preß- freiheit von den Briten übernehmen, so auch die Schntzmaßregeln für die Ehre des Einzelnen aus diesem Lande einführen. Das Eindringen des Proleiariats in die Politik darf am Ende nicht zur V e rp ö b e Iis i e r un g unseres gesamten öffentlichen Lebens führen." Peters als Ethiker— das hat gerade noch gefehlt. Wie wir hören, hat der Zirkus Busch einen Sohn Morengas als große „Attraktion" engagiert. Wir möchten ihm empfehlen, sich auch die Mitwirkung der„großen" Karl Peters zu sichern. Jn der Rolle des empfindsamen Moralpredigers würde er entschieden die Konkurrenz sämtlichen Klowns schlagen.—_ Nachklänge von der Reichstagswahk. Vom Schöffengericht zu Ibbenbüren(Westfalen) wurden vor einiger Zeit die Genossen T. und E. aus Rheine wegen HauS- ftiedenSbruchS zu je 10 Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie in Ibbenbüren am Tage der Reichstagswahl„trotz Aufforderung des Wahlvorstehers das Wahllokal nicht verlaffen" hatten. Der Vorgang war folgender: Im ersten Lokale diente eine Suppenterrine( I), im zweiten ein blechernes Kästchen als Wahlurne( I). Bei jeder Stimmabgabe. wurde der Deckel abgenommen und die KudertS aufeinander gestapelt. Als einige Wähler ihr Wahlrecht ausgeübt hatten, traten die Genoffen an den Wahlvorsteher, Kaufmann Jörgens, mit dem Bemerken heran, daß die Urne nicht den Vorschriften entspreche. Höflichst ersuchten fie um Abänderung. Sie kamen aber schön an. „Wie heißen Sie? Sind Sie in diesem Bezirk wahlberechtigt?'— daS war die Antwort, die den Genoffen zuteil wurde. Und als Genosse T. darauf erklärte, es sei nicht notwendig, daß er Wähler des Bezirkes sei, hieß eS:.Heran» aus dem Lokal l" T. ließ sich nicht verblüffen. Die Wahlhandlung fei, erwiderte er, eine öffentliche. Er habe daher daS Recht, auf Mißstände beziehungsweise Verstöße gegen daS Wahlrecht aufmerksam zu machen und ersuche, seinen Protest gegen die beanstandete Urne zu Protokoll zu nehmen. Das wurde brüsk abgelehnt.„Heraus aus dem Lokal I" schallte es ihm nochmals entgegen. Darauf verließen beide das Lokal. Alsbald erfolgte eine Anklage wegm Hausfriedensbruches. Sie endete, wie bereits bemerkt, mit der Verurteilung zu zehn Tagen Gefängnis! Natürlich legten die Genoffen gegen diese eigenartige„Sicherung deS Wahlgeheimnisses" durch das Schöffengericht in Ibbenbüren Berufung ein. Das Landgericht Münster hat nun daS Urteil aufgehoben Und die beiden Genossen freigesprochen unter Uebernahme derKostenauf die Staatskasse- Interessant ist die Be- grundung. Der Genosse T. habe, heißt eS, zwar seine„Befugnisse überschritten," als er entgegen dem Verbot des Wahlvorstehers im Lokal verweilte, aber: T. sei Reichstagskandidat ge- wesen, er befasse sich mit Politik. Demnach habe er sich Wohl über den Wahlakt informieren könn eu. Auch möge er der festen Ueberzeugung gewesen sein, daß er sich im Rechte befinde, wenn er der Ausforderung des Wahlvorstehers zun' Verlassen des Lokals nicht Folge leiste l Eine mehr als sonderbare Begründung.— Das gerettete„a. D." Oberst a. D. G ä d k e. berühmter wegen seiner Prozesse um das ,a. D.", als durch seine ostasiatischen Kriegsprophezeiungen, von denen keine in Erfüllung gegangen ist, hatte abermals vor dem Berliner Schöffengericht einen Strauß um seinen Titel„Oberst a. D." zu bestehen. Er erlebte jedoch die Genugtuung, abermals als Sieger aus diesem Streit hervorzugehen. Es gelang allerdings Herrn Gädke nicht, Herrn Dr. Romen, den bekannten Unsachverständigen für sozialdemokratische Meineide und derzeitigen„Geheimen Kriegsrat", durch seinen Protest aus dem Gerichtssaal zu entfernen. Herr Gädke forderte, daß dieser Herr, der ihn selbst in der„widerwärtigsten und a n i m o s e st e n W e i s e" in der Presse bekämpft habe, nicht als „amtliche Aufsichtsperson" der Verhandlung beiwohnen dürfe. Da jedoch der Staatsanwalt erklärte, daß Dr. Romen nicht als Aufsichtsperson, sondern„nur im Auftrage des Kriegsmimsters" der Verhandlung beiwohne, wurde Gädkes Protest uubeachtet ge- lassen. Besseren Erfolg hatte Herr Gädke in der Sache selbst. Er der- wahrte sich dagegen, daß man ihm seinen Titel„Oberst a. D." durch ein militärisches Ehrengericht aberkennen könne: Man habe ihn un- gerecht und ohne jeden Grund vor ein Ehrengericht ge- zogen und nichts gefunden, was auch nur nach dem Lot gemessen, ihm zur Unehre gereichen könnte. Und dieses Ehrengericht habe ihm seinen in langer Dienstzeit erworbenen Titel aberkannt, daS heißt eine Strafe ausgesprochen, die nur bei ganz schweren ehrenrührigen Handlungen angängig sei. Dem vor einiger Zeit wegen Betruges verurteilten Major Zander habe man seinen Majortitel nicht nehmen können, ebenso liefen Offiziere, die wegen Päderastie und anderen ehrenrührigen Dingen schleunig st ihren Abschied erhalten haben, ruhig mit ihrem Osjizierstitel herum, und im Gegensatz dazu wolle man ihm, der nie etwas Ehrenrühriges begangen, seinen Titel rauben! Nach der Verfassung können Strafen nur in Gemäßhcit deS Gesetzes erkannt werden. Ein Gesetz sei nicht da, es handle sich also um einen willkürlichen Akt. Auch die Krone sei nicht befugt, willkürlich Strafen zu verhängen. Die Strafe sei»»gesetzlich und die königliche Order, die ihm seincu Titel entzogen habe, widerspreche der Verfassung. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung. DaS Gericht ist, wie der Vorsitzende in längeren Ausführungen juristlicher Natur dar- legte, zu der Entscheidung gekommen, daß die königliche Verordnung ein A r m e eb es e h l ist, dem nur die zur Armee gehören- den Personen unterstehen. Für den Angeklagten, der aus daS Recht zum Tragen der Uniform verzichtet hat— und dieses Verzichtrecht steht außer Zweifel— sei d a S Ehrengericht nicht mehr zuständig, denn unter Militär- Personen, die der Kommandogewalt deS Oberbefehlshabers unterstehen, seien die Offiziere a. D. nicht zu verstehen. Damit entfalle die Möglichkeit, sie der Armeedisziplin zu unterstellen. Ein Akt aber, durch welchen NichtMilitärs der Titel entzogen wird, sei als Rc- gierungsakt zu betrachten, und ein solcher bedürfte nach Artikel der preußischen Verfassung der ministeriellen Gegen- zeichnung.— Der Gerichtshof habe daher auf Freisprechung erkannt und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt.— Der Hochverratsprozeh des Genossen Liebknecht. Die Ansehung des Verhandlungstermins ist nun- mehr erfolgt. Am 9. Oktober, vormittags 9 Uhr, soll sich Genosse Dr. K a r l Liebknecht vor dem Reichsgericht zu Leipzig ver- antworten. Dr. CurtiuS. der Präsident der evangelischen Kirche AugS- burger Konfession im Rcichsland, scheidet am 1. Oktober aus seinem Amte. Man hat ihn, seit er sich durch die Herausgabe der Hohen- loheschen Memoiren die Ungnade dcS Kaisers zugezogen hat, gesell- schaftlich derart geschnitten und verfchmt, daß er cS vorzieht, zu gehen. Der ganze Fall ist wieder ein neues Beispiel der Freiheit der Meinungsäußerung im Deutschen Reiche.— Freisinniger Marasmus. Man schreibt uns aus Königsberg: Der im Absterben begriffene ostpreußische Freisinn, der auch in Königsberg bei der letzten Hottentottenmahl mit Hülfe des zustande gekommenen reaktionären Blockkartells und der unter An- Wendung verwerflichster Mittel aufgescheuchten indifferenten Wählermassen noch einmal auf kur�e Zeit neues Leben und sogar das Mandat gewann, liegt nun wieder sehr schwer danieder, so daß an seinem Aufkommen selbst von seinen Freunden gezweifelt wird. Der große Herr Justizrat G h ß l i n g, Landtags- und Reichs. tagsabgeordneter, sollte oder wollte am letzten Montag in Königs- berg in einer vom Wahlverein der Freisinnigen Voltspartei ein- berufenen Versammlung, zu der auch die Mitglieder der anderen liberalen Parteien eingeladen waren, Bericht über die Reichstags- und LandtagSsession erstatten. Ferner sollte die große freisinnige Versammlung Stellung nehmen zum Parteitag in Berlin und zu den Anträgen für denselben. Auch sollten Delegierte gewühlt werden. Um 8 Uhr sollte die Versammlung beginnen, aber erst nach 9 Uhr hatten sich nach und nach zusammen einige b0 Herren der Freisinnigen Volkspartei, der Freisinnigen Vereinigung und der Nationalliberalcn Partei eingefunden, die rings um die leeren Stühle auf den Seitenbänken des SaaleS Platz nahmen. Der Herr Abgeordnete Güßling eröffnete, leitete und unterhielt die S eehrte Versammlung ein Stündchen mit seiner aalglatten, ge- hmeidigen, nichtssagenden Rede. Eine Diskussion kam nicht zu- stände. Entweder ivaren die Herten durch die salbungsvolle Rede des freisinnigen Helden derartig erschüttert, oder sie waren eingc- schläfert worden, daß sie nicht reden wollten. Denn bedeutsam genug für sämtliche Blockbrüder auch außerhalb Königsbergs muß doch die Rede gewesen sein. Brachte doch die„Hartungsche Zeitung" am anderen Tage in 6 langen Spalten der Welt Kunde von der großen Rede des freisinnigen Land- und ReichStagsabgeordnetcn, sowie der von ihm verlesenen nichtssagenden Anträge zum Partei- tag. Der Freisinn in Königsberg liegt nun wieder, einsam und verlassen von seinen Kampfgenossen, in den letzten Zügen. Aber sein'.abgeordneter, er lebt, als Walirzeichen einer, wenn auch nur kurzen, jedoch glanzvollen unvergeßlichen freisinnigen Machtperiode. Uuterfchleife bei der Gelsenkirchener Steuerkasse. Zu den Unterschlagungen der verhafteten Steuerrendanten LooS und Bock wird amtlich mitgeteilt, daß die Höhe der ver- untrcuten Gelder sich auf etwa 30 0 00 Mark belaufen wird. Die Unterschlagungen sind anscheinend gemeinsam verübt. Jetzt ist gegen einen weiteren städtischen Beamten. den Pollzersekretär Thiemann, der im vorigen Jahre Jagdgelder veruntreut haben soll, Anklage erHoven. Der Stadt- sekretZr Bin?, der gleichfalls im Verdacht steht. Unterschlagungen verübt zu haben, hat seinen Posten vor einigen Tagen freiwillig verlassen._ Zur Beurteilung der Majestätsbeleidigungen. Im �Schwäbischen Merkur", ein nationalliberal-konservativeS Blatt, wird folgende Reminiszenz aufgefrischt: „König l. Dekret, injuriöse Aeußerungen gegen die Allerhöchste Person betr. 6. 6, 16. Aug. 1L09: Da Seine Königl. Maj. auS Veranlassung eines Allerhöchst denselben vorgetragenen Specialfalles zu verordnen geruht haben, datz jeder, der sich öffentlich injuriöse Aeuhe- rungen über die Allerhöchste Person des Königs zu schulden kommen läßt, als sinnlos betrachtet und somit straflos gelassen werden, jedoch aber, um ihn für die Gesellschaft unschädlich zu machen, zur Bekleidung jedes öffentlichen Amtes unfähig erklärt sehn solle: So wird solches hiemit allgemein bekannt gemacht. vecretum, Stuttgart im Königl. Staaisministerium. den 16. Aug. 1369.— Ad Mand. Sacr. Reg. Maj. propr." Man wird in der heutigen Zeit, da die Seuche der Majestät?- keleidigungSprozesse grassiert, mit Interesse die Beurteilung öe- merken, die solchen Delikten im Jahre 1809 von einer„Majestät" zutxil wurde,_ «Ehrlose Handlungen." Zu dem Gegenstand, der, wie gestern erwähnt, die heuchlerische Entrüstung des Hammerstein- Blattes hervorgerufen hat, wrrd uns mitgeteilt, daß für die Entschließung der letzten Generalversammlung der Arbeiter- BildungSschule noch ein anderer als der im Ver« fammlungsberlcht erwähme Grundsatz entscheidend war. Der Antrag- steller führte begründend au», daß nicht nur der Begriff„ehrlose Handlungen" ein recht nnbeftirumter, je nach der persönlichen Auf- fassung und der Klassenzugehörigkeit verschiedener sei, sondern daß auch, wenn nun schon wirklich jemand unbestritten ehrlose Hand« lungen begangen sz. B. Gelder muerschlagen) habe, dies doch kein Grund sein dürfe, ihm die Mittel zur Bildung zu entziehen. Das sei die Handlungsweise des Klassenstaates. Wir Sozialdemokraten dagegen müßten einem„Gefallenen" erst Xcht die Mittel reichen, sich wieder aufzurichten und seine mangel- hafte Erziehung zu vervollkommen, damit er umsomehr Aussicht habe, sich fürderhin ehrlich durchs Leben schlagen zu können.— Markus Psliiger t. Man schreibt uns aus Baden: Am Sonnabend wurde in seiner Heimat Lörrach ein alter Nebolutionär aus der badischcn Freiheitsbewegung beerdigt, der frühere Landtagsabgcordnete und ReichSbote Markus Pflüger, vcv Posthalter und Hirschwirt von Lörrach. NamenS der sozial- demokratischen Parte, erwiesen ihm offiziell die letzte Ehre der Reichstagsabgeordnete Geck, der Landtagsabgeordnete Rösch und der Stadtrat Breitcnfeld. Auch Vertreter des Freisinns, der Demokratie und der Linksliberalen widmeten ihm kurze Nachrufe am Grabe. Mit dem 82 jährigen Nestor der badischen Demokraten entschwand eine markante Persönlichkeit des politischen Lebens. Als 84 jähriger Mann wurde Pflügcr im Jahre 1848 in den rcbolu- tionären Strudel gezogen. Die Bürgerwehr seiner Vaterstadt Lörrach erwählte ihn zum Hauptmann des ersten Fähnleins. Unter den Sttuvesckien Freischaren, die vom badischen General Hoffmann im April 1848 bei Staufen zurückgetrieben wurden, befand sich auch die Lürracher Wehr. Pflüger mußte flüchten, kehrte aber 1859 zurück, wurde später in den badischen Landtag und darauf 1874 auch in den Reichstag gewählt, wo er sich zuerst den National- liberalen anschloß, sich dann aber nach links schlua, bis er beb Eugen Richter anlangte. 1887 verlor er sein Markgräfliches Reichs- tagsmaüdat an Bassernmnn, erlangte dann aber 1890 mit sozial- demokratischer und klerikaler Unterstützung das Karlsruher Mandat, das er bis 1898 behauptete._ Morengas Anhang kapituliert. AuS Südwestofrita wird gemeldet: Von den Anhängern Morengas haben sich gester» 42 Männer, größtenteils Kriegs- leute, mit 97 Weibern und Kindern und 149 Stück Kleinvieh in Ukamas unterworfen. Sie werden in Warmbad interniert. Hoffentlich beginnt man nunmehr auch baldigst wieder mit der Einschiffung der Truppen-Rücktransporte I-- öcbwcfcs. Zwei Abstimmunge«.' Zürich, 8. September.(Eig. Der.) Die heutig« Abstimmung über dir neue Gemeindeordnung weist 18 217 Ja gegen S 923 Nein auf, die Vorlage ist also fast mit einer DreivtcrtelSmehrheit angenommen. Unsere sozialdemokratische Hochburg, der KrciS Außersihl, hat allein 8293 annehmende gegen nur 1279 verwerfende Stimmen aufgebracht, ein Beweis dafür, daß lie sozialdemokratische Arbeiterschaft in Massen aufmarschiert und für die Vorlage eingetreten ist. Die Bedeutung de» errungenen Siege» reicht weit über die mit ver neuen Gcmcindeordnung erreichten Errungenschaften hinaus. Die ZesUegung des NeunstundentageS und eines der Teuerung ungefähr entsprechenden Minin, allohnes für mehr als 2999 städtische Arbeiter wird zweifellos, wie die Gegner der Vorlage ahnten and befürchteten, für die Arbeiter zahlreicher anderer Branchen der Anstoß zu ähnlichen Vorstößen fein. In politischer Beziehung aber ergibt sich auS der Abstimmung die Ohnmacht der bisher führenden freisinnigen Partei und deren Ersetzung durch die sozialdemokratische. Jene hat selber ihre Obnmacht und Hülflosigkeit proklamiert, indem sie in einer für daS Gemeinwesen . fo hochwichtigen Frage sich ratloS jeder Parteiparole enthielt und die wirtschaftlichen Interessen gewisser reaktionärer Gruppen den Interessen und Rücksichten der Gesamtpartei hintansetzte. Die sozialdemokratische Partei dagegen ist von allem Anfang an entschlossen und geschlossen für die Gemeindereform eingetreten, um das, waS sie erreichen wollte, durchzusetzen. Mit der gleichen Entschlossen« und Geschlossenheit ist sie auf den Kampfplatz getreten und hat sie den endgültigen Sieg in dieser Frage an ihre Fahne gclnüpft. Sie hat sich als fähig erwiesen, mit Energie und Umsicht den Gang der künftigen Entwickelung der Stadt zu leiten. Sie ist in eine neue Stellung gerückt und die große Wählermasse hat sich mit aller Entschiedenheit für die von ihr gewählte Richt» Imie ausgesprochen. Die organisierte Arbeiterschaft Basels hatte bor einigen Monaten 3299 Unterschriften für ein Jnitiativbegehren. betreffend die Aufhebung des sogenannten Streik-, d. h. Antistreikparagraphen gesammelt, der als§ 164 dg» Polizeistrafgesetz ziert und folgenden . Wortlaut hat: „Wer andere durch Zwang, Drohung. Ehr« beleidigung oder Verrufserklärung bestinnnt oder zu bestimmen versucht, an Verabredungen zum BeHufe der Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen, besonders durch Ein- stellung der Arbeit oder Entlassung von Arbeitern, teilzunehmen, ebenso wer durch fold)e Mittel andere hindert oder zu hindern versucht, von solchen Verbindungen zurückzutreten, wird mit Hast bestraft." Der Paragraph stellt ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter dar, obwohl er sich formell auch gegen die Unternehmer richtet. Er wurde im Jahre 1872 geschaffen, und zwar als Ersatz für das bis dahin gültige Streikverbot, nach dem„Anstifter" bon Ar- beitseinstellungen mit Gefängnis bis zu 8 Tagen und mit Geld- Kiße bis SN 60 Frank bestraft nnb außerdem« sofern e» sich am „fremde Gesellest foFrt Arbelker' ssckstsselkS, Mi der Polizer astZ- gewiesen werden konnten. Die Arbeiter sprengten jedoch einfach das Streikverbot ditrch große Streiks, und so mußte es auch in aller Form aufgehoben werden. Der zitierte§ 164 ist der deutschen Gewerbeordnung ent- nommcn, aber er ist noch verschärft, indem er nicht ausdrücklich von körperlichem Zwang redet, also Kautschuck allerfeinster Qualität ist, den düe kapitalistischen Richter verständnisinnig Hand- haben, so daß in den letzten Jahren zirka 499 Arbeiter zu Gc- fängnisstrafen verurteilt wurden, weil das Gesetz Geldbußen nicht zuläßt. Der Paragraph wird zudem— wie gesagt— ausschließlich gegen Arbeiter angewandt und nicht auch gegen die Unter- nehmer, ist also ein perfides Ausnahmegesetz, das beseitigt werden muß. Der Z 164 sieht zu allem noch die A m t s k l a g e bor, d. h., daß der etwa„beleidigte" Streikbrecher nicht selbst klagen, ja nicht einmal beleidigt sein mutz, sondern die Behörde automatisch gegen den streikenden Arbeiter borgeht, der beleidigt haben soll. Und wer einmal wegen„Streikbrccherbeleidigung" in Basel vor den Richter zitiert wird, der darf von vornherein jede Hoffnung draußen lassen; denn hier wird nicht Recht gesprochen, sondern nur ver- urteilt; Freisprechungen wegen solcher Klagen sind seltene Aus- nahmen. Es ist somit in Basel bon Gesetzes wegen dem Streikbrecher eine ganz besondere Sorte von„Ehre", eine Art„Amts ehre" zuerkannt, die sonst sogar für die öffentlichen Beamten abgeschafft ist. Wenn ein Basler Rcgicrungsrat sich von jemand beleidigt fühlt, so muß er— wie jede Privatperson— klagen, fühlt sich aber ein Streikbrecher beleidigt, oder nimmt der tölpelhafteste Polizist auch nur eine Streikbrechcrbeleidigung an, so klagt der Staatsanwalt von Amts wegen. Das ist Korrumpierung der öffentlichen Moral, das ist Korruption der Gesetzgebung, der Be- Hörden und des Staates. Aber gerade diese Korruption, diese unglaubliche gesetzliche Privilegierung der verkommensten und moralisch tiefststehcnden Elemente im Staate betrachtet das gesamte Unternehmer- und Ausbeutertum als das unantastbare Palladium der besitzenden und herrschenden Klasse, und es stand daher in Basel am Sonntag säuberlich geschieden auf einer Seite das gesamte Bürgertum, auf der anderen die gesamte Arbeiterklasse, mit Ausnahme jener korrumpierten Proletarier, die als Streikbrecher und„Gelbe" den Ausbeutern„nützliche Elemente" sind. Leider ist es den Arbeiterfcinden noch einmal gelungen, den Angriff abzuschlagen: die Initiative wurde mit 7392 gegen 3969 Stimmen verworfen. In einer seiner nächsten Sitzungen wird sich nun der Große Rat mit der Milderung des Streik- Paragraphen zu befasien haben, und es steht außer Zweifel, daß der regierungsrätliche Vorschlag Annahme finden wird, nach welchem bei Uebertretung des Streikparagraphen statt nur auf Haft-, auch auf Geldstrafe erkannt werden kann.— Belgien. Berschacherung des KongostaateS« Brüssel, 8. September. Das Amtsblatt des KongostaatcS ver« öffmtlicht heute den Wortlaut eines Abkommens, welches zwischen Baron BaeyenS, Baron Goffinet, Notar Dubost, Herrn Frokel und der Krone getroffen worden ist und wonach sich die Kontrahenten verpflichten, innerhalb des Zeitraums von vier Monaten eine Ge- sellschaft mit beschränkter Haftung zu gründen, welche den Namen „Gesellschaft für Entwickelung des Gebietes des Beckens der Seen Leopolds II." führen wird. Der un- abhängige Kongostaat verleiht dieser Gesellschaft die statuarisch fest- gelegten Rechte und Privilegien zur Durchführung des Zweckes der Gesellschaft. Das Grundkapital der Gesellschaft ist auf 1999999 Frank festgesetzt. Die Gesellschaft wird verwaltet von einem aus 4 Mitglieder» bestehenden Verwaltungsrat. Die beiden Kommissare der Gesellschaft sind: Senator Sam. Wiener und Baron de Fierlant Dormer. Diese Gesellschaft bedeutet tatsächlich die Umgestaltung der viel an- gefochtenen Krondomäne in eine Privatgesellschaft m. b. H. Durch ihre Bildung sollen die Schwierigkeiten umgangen werden, welche anläßlich der Beratung der Frage der Uebernahme des Kongostaates durch Belgien zu gewärtigen standen. Die Meldung von der Gründung der Gesellschaft wird in Belgien großes Aufsehen erregen und Veranlassung zu lebhaften Rechts- debatten geben, bei denen dem skrupellosen Spekulanten auf dem belgischen Thron die allerhöchsten Ohren nicht gerade lieblich klingen dürften. Italien. Rom, S. September. Der Prozeß Nasi wird am 17. Oktober vor dem Senat als Staatsgerichtshof zur Verhandlung gelangen. Man glaubt, datz die Kammer, um Interpellationen zu vermeiden erst nach der Urteilsverkündigung einberufen werden wird. I�onvugen. Kommunale Gesundheitspsiege. 'Die Stadtverordneten von Kristiania haben beschlossen, an tuberkulöse Kranke eiserne Bettstellen mit Zubehör kostenlos aus- zuleihen, um so der Proletarierkrankheit und deren Anstcckungs- gefahr entgegenzuarbeiten. ES ist nämlich durch Untersuchungen festgestellt worden, daß in den Familien der Armen und Aermsten der Bevölkerung Kranke und Gesunde oft zu zweien und dreien in einem Bette zusammengepfercht liegen müssen, wodurch der An- stcckungSgefahr durch diese heimtückische Krankheit ganz besonders Vorschub geleistet wird. Korea. Tokio, 9. September.(B. H.) Der Aufruhr in Korea dauert fort. Telegraphenlinien und Eisenbahnlinien werden andauernd zerstört; Angriffe auf Japaner ereignen sich aller Orten. Bisher sind 17 Japaner ermordet worden, nachdem sie furchtbare Grausamkeiten haben erdulden müssen.— Pcrficti. Teheran, 9. September.(Meldung des Reute eschen Bureaus.) Das neue Ministerium wird aus acht verantwortlichen Ministern be- stehen. Es sind bisher ernannt für Inneres: Muschir eS Saltaneh; dieser soll, wie verlautet, die Geschäfte nur bis zur Ankunft Nizam eS SaltanchS auS Schiras ver» sehen. Aeußeres: Saab ed Danleh; Krieg: Musta ufi Mamalik; Finanzen: Kavam ed Dauleh; Justiz: Muschir el Mülk, bisher Ge« fandter in Petersburg; Oeffenlliche Arbeiten: Muhan dis Mamalik. Unterricht ist noch nicht besetzt; für diesen Posten werden Raser ei Mülk und Muchtascham es Saltaneh genannt. Ein Portefeuille für Maid el Mülk, den Bruder des ermorderten GroßvesierS Emin ed Dauleh, ist noch nicht bestimmt. Die russische Revolution. Die„Schwarzen". Odessa, 8. September.(„Nuss. Korr.") Die Mißhandlungen von Juden dauern, wenn auch nicht mehr in früherem Umfange, an. Man hört auch feitgescyt noch vereinzeltes Schießen; des NadstS ist die Unsicherheit noch außerordentlich groß. Die Börse ist geschlossen, die Kaufmannschaft mißtraut der jetzigen Verwaltung und tvaptet die Ankunft des neuen Stadthauptmanns Nowitzki ab. Der Verband des russischen Volkes ist kühner aks je, er fordert alle Juden auf, wenn sie der bevorstehenden fürchterlichen Ver- geltung entgehen»vollen, sich mit ihren Lehrern und Rabbinern in den Synagogen zu versammeln, öffentlich Buße zu tun, die jüdische Intelligenz zu verfluchen, die unerreichbaren Träume der Gleich- berechtignng aufzugeben und sich zu einem„Judenverband für Aufrechterhaltung der unbeschränkten Selb st« Herrschaft" zusammenzuschließen. Ge�erKseKaftlidie�. Meidet den Niederrhein? Man schreibt uns aus Duisburg: Im Industriegebiet am Niederrhein brodelt es zurzeit wieder einmal wie in einem Hexenkessel. Dutzende moderner Sklavenhändler gehen und konimen, sie handeln mit Menschen von Fleisch und Blut— 3 M. pro Kopf, die übliche Ver- mittelungsgebühr für Streikbrecher und Unglückliche, die absolut essen wollen. Vorwiegend sind es„Hände" für die Gruben, aus aller Herren Länder von gewissenlosen Agenten unter allerlei lügenhaften Versprechungen zusammengesucht, halbnackt und ohne einen Pfennig Geld, welche am Nieder- rhein zusammengetrieben werden. Sobald die Leute einsehen, daß sie übertölpelt sind bei der Anwerbung— und das ist meistens der Fall— macht sich bei ihnen das Bestreben geltend, wieder loszukommen. Das geht nun zwar nicht immer so schnell und nicht immer so nach Wunsch, indes der Trieb, der aufgezwungenen Herrschaft wieder zu entschlüpfen, ist doch recht stark. Und so ist denn nicht nur in den Gruben, sondern anch in den Hochofen- betrieben usw. ein fortwährender Wechsel zü beobachten, meistens natürlich mit demselben Erfolge. Dabei aber blüht das Geschäft der Händler. Wer am gewissenlosesten bei der Anwerbung verfährt,„verdient" am meisten. Es gibt Agenten, die aus den dunkelsten Gefilden Schlesiens, aus Oesterreich, Italien, Holland und, wenn sie könnten, auch vom Monde die„Hände" an sich locken, sie den niederrhetnischen Gruben- Magnaten ausliefern, aber auch mit derselben Skrupellosigkeit die eben nach den niederrhetnischen Gefilden Ausgelieferten nach Empfang der Prämie wieder anderen Kapitalisten in die Hände spielen— natürlich wieder um drei Mark pro Kopf. So hat sich denn ein ganzes Heer solcher Parasiten gebildet, die lediglich von diesem Menschenhandel leben. Und einem solchen elenden Schacher scheinen auch die annähernd 300 Berg- leute in Neumühl, mit ihren Familien etwa 800 Personen, zum Opfer gefallen zu sein, von denen in der Freitags- nummer des„Vorwärts" die Rede ist. Derselbe Agent Köhnen oder Kühne(ein Ein« ä u g i g e r), der die Bergleute für die mitteldeutschen Gruben angeworben haben wollte und sie dann auf dem Bahnhose Neumühl schmählich sitzen ließ— angeblich, weil die sächsischen Gruben das Fahrgeld nicht gesandt dieser selbige Agent hat einen großen Teil der Leute seinerzeit nach cche Neumühl hinbefördert. Die beiden Depeschen geben nun larheit darüber, daß der Agent gar nicht zur Anwerbung so vieler Leuie beauftragt war, und daß ihm ausdrücklich gesagt ist, daß jeder Bergmann sein Fahrgeld selb st zu zahlen hatte! Und trotzdem die Frivolität, Hunderte von Arbeitern mit ihren Familien zur Bahn zu be- stellen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen l Eine andere Lesart des Vorfalles, noch viel ungeheuer- licherer Natur, ist die, daß angeblich das Ganze ein geschickt eingefädeltes Manöver gewesen sei, darauf berechnet, den un- zufriedenen Bergleuten vor Augen zu führen, daß sie am Niederrhein, im Reiche des Herrn Thyssen und tutti guanti am besten aufgehoben seien. Eine von der„General- Anzeiger" presse so hübsch zum Abonnentenfang ge- eignete Reklame, nämlich eine öffentliche Samm- l u n g für die notleidenden Bergleute, an der sich so- wohl die Zeche Neumühl als auch das Thyssensche Werk „Deutscher Kaiser"— also gerade die beiden durch den Fort- zug der Bergleute geschädigten Gruben— sofort beteiligt haben, läßt zwar nach dieser Richtung hin allerlei Deutungen zu, doch erscheint uns ein so frivoles Spiel mit Hunderten von Arbeiterfamilien denn doch zu ungeheuerlich, als daß wir den Gedanken nach dieser Richtung Glauben beimessen könnten. Der angedeutete Verdacht, als ob man durch das Manöver die Bergleute den Streikbrecheragenten für Ant- w erp e n habe in die Arme treiben wollen, will uns deshalb nicht glaubhaft erscheinen, weil die Leute mit Kind und Kegel angerückt kamen. In Antwerpen kann nian Wohl Gesindel brauchen, unter das dann in dem allgemeinen Trubel auch einige Unglückliche geraten, aber keine Bergyianns- familien. Es bleibt deshalb als wahrscheinlichster Grund für das Vorkommnis die Gewissenlosigkeit der Händler und viel- leicht in letzter Linie die Schuld der Gruben, welche den Agenten zu der Anwerbung beordert hatten. Genau ist die Sache noch nicht geklärt. Für die Arbeiter allerorts aber ergibt sich daraus die Lehre, überall den modernen Sklavenhändlern die Türe zu weisen, auch dann, wenn scheinbar alles in Ordnung ist. Erkundige man sich in jedem einzelnen Falle bei den Partei- oder GewerkschaftSinstanzen. Am Niedcrrhein herrscht der brutalste Kapitalismus, das rücksichtsloseste Protzentum. Wer auf die fortwährenden Warnungen unserer niederrhetnischen Genossen nicht hört, mag sich über seiiiii Neinfall nicht be- klagen. Schlimm genug, daß die indifferenten Massen nicht anders als durch Erfahrungen am eigenen Leibe zu kurieren sind._ Berlin und Qnigegend« Achtung, Mitglieder de» Mewllardeltcr-VcrlandeS l Die am 8. d. M. vorgenommene Wahl von Revisoren hatte folgendes Ergebnis: Es sind abgegeben ö3S7 gültige Stimmen. Davon haben erhalten: Gutschmidt..... 4433 Stimmen. Dräger...... 4419„ Eraeve...... 4169„ Scharf...... 8831 Zippel...... 2970„ Die ersten vier find gewählt. _ Die OrtSberwaltung. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik in der Waffen- und Munitionsfabrik ist beendet. Die Abzüge sind vollständig zurückgezogen und die Arbeit ist Montag früh von allen Beteiligten wieder ausgenommen. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. veurkcbe» Beleb. Die Lergarbeitrr-Vcwcguilg in der Nlcdcrlansitz.» Senftenberg. 9. September.(Eig. Ber.) Zu den Werken, deren Belegschaften am Anfang voriger Woche die Kündigungen einreichten, sind noch eine Anzahl hinzugetreten. Dis Bewegung erstreckt stch sonach auf folgende Gruben »Marie I'..Reschkes Werl".„Hendels Werl". Grube„Berta „Waidmannsheil".„Schöppenthau u. Wolfs".„Elisabeth-Glück „Meurostolln",„Görlitzer Werke", Grube„Anna",„Krauses Werk „Treuberz".„Henriette",„Poley".„Elfriede", Grube„Albine „Friedrich Wilhelm",„Unser Fritz",„Ferdinand",.Lauchhammer" Die Belegschaften der„Stadtgrube' bei Senftenberg und der Fielitz Werke bei Blettwitz haben nur vereinzelt gekündigt. Die Metallarbeiter erklären, auf die Stellung besonderer Forderungen verzichten zu wollen und sich den Bergarbeitern in allen Stücken anzuschließen. Die Bewegung hat bereits auf das Werk der A.-G.„Lauchhammer" übergegriffen. Auf dem Werke sind beschäftigt resp. angestellt: 3 Vorstandsmitglieder der Gesellschaft als Direktoren, 3 Betriebsdirektoren, 3 Prokuristen, 305 Beamte. 3357 Arbeiter, zusammen 4271 Personen. Der Geschäftsbericht gibt die Totallohnsumme für 1906 auf 3 951 682,56 M. an. Die Durch schnittslöhne pro Kopf und Jahr der Arbeiter haben nur— ein« schließlich der Lehrlinge— betragen 998,65 Mark. Schon diese Angabe möge genügen, um darzutun, daß Grund zur Unzuftiedenheit massenhaft vorhanden ist. Die„Wohlfahrtseinrichtungen" und Werkswohnungen erweisen sich auch im Niederlausitzer Kohlenrevier als Mittel, die Arbeiterschaft in tiefster Abhängigkeit und schwerstem Druck zu er- halten. Kaum daß die Kündigungen ausgesprochen waren, prangten überall Anschläge und Bekanntmachungen, die sich auf die Kündigung. Lohnzahlung und auf die Wohnungsräumung bezogen. Wie dabei die Untemehmer mit Gesetz, Recht und Wahrheit umspringen, zeigt folgende Bekanntmachung: „Wer ohne Kündigung die Arbeit ordnungswidrig niederlegt, hat die ihm eingeräumte Wohnung binnen drei Tagen— von heute an gerechnet— bei Meidung sofortiger gerichtlicher Räu mungsklage zu verlassen; andernfalls wird für Nicht räumung der Wohnung gerichtlich Schadenersatz verlangt werden." Die Verwaltung fordert ferner von den Streikenden Ersatz des ihr aus der widerrechtlichen Arbeitsniederlegung entstandenen und noch entstehenden Kosten. Die Verwaltung wird von vorstehenden Forderungen keinen Gebrauch machen gegen diejenigen ihrer Ar beiter, welche am Montag wieder die Arbeit aufnehmen. „Die von dem Brbeiterausschuß gestellten Forderungen mutz die Verwaltung in Rücksicht aus die Verhältnisse zu ihrem Bedauern ablehnen." Diese„Verhältnisse" haben den Unternehmern stets steigende kolossale Gewinne mühelos in den Schoß geworfen; die„Verhält nisie" liegen augenblicklich so, daß die Werke trotz größter An spannung der Produktionsfähigkeit der Nachfrage nicht zu genügen vermögen, trotzdem„müssen" die Verwaltungen„in Rücksicht auf die Verhältnisse" die Forderungen der Bergleute ablehnen! Im Orte Drebkau prangen an Häusern und Toren Anschläge der Verwaltung, die zur Räumung der Werkswohnungen— oder zur Rückkehr zur Arbeit— auffordern. Es sieht aus, als wenn über das Dorf der Belagerungszustand verhängt sei.(Die Belegschaft der Drebkauer Grube trat nach Maßregelung des Vertrauensmannes sofort in den Ausstand.) Eine Sitzung der Unternehmer fand am Donnerstag in Senftenberg statt. Auf dem Rückwege davon verunglückte das Automobil des Direktors Schafhausen von den„Eintracht werken" auf der Chaussee am Kaunoer Berge. Die Insassen wurden herausgeschleudert, der Chauffeur, Schafhausen selbst und ein Berliner Rechtsanwalt namens Gebhard erlitten Verletzungen. während zwei andere Mitreisende mit dem Schreck davonkamen. In der Sitzung scheint eine Einigung der Unternehmer nicht erzielt worden zu sein. Laut Bekanntmachung arrangiert die Direktion selbst am heutigen Montag eine Belegschaftsversammlung, um über die gestellten Forderungen zu„beraten". Was dabei herauskommt ist klar: nämlich nichts. Das gesonderte Vorgehen einer einzelnen Gesellschaft läßt trotzdem darauf schließen, daß eS mit der Einige keit und Disziplin in der Unternehmerorganisation nicht weit her sein kann. Die polnische Berufsvereinigung zählt im Reviere nur etwa 350 bis 400 Mitglieder. Trotzdem glaubte die Leitung der„Auch'arbeiterorganisation extra eingeladen werden zu müssen. AIS das nicht geschah, wurde abgewiegelt. Die Polen kündigten ohne Rücksicht auf die Parole ihrer Führer die Arbeit und als die Leitung sah, daß ihnen möglicherweise die Schäfchen davonlaufen würden, schrieb der Gauleiter Regulski-Berlin an die Vertrauens leute, daß die Polen mit den„Verbändlern" Schulter an Schulter zu kämpfen hätten.— Wie lange? Wird die Zeit lehren. Im ganzen haben bis heute etwa 2000 Mann die Kündigung eingereicht. Gegenüber der Gesamtzahl der Arbeiter erscheint das gering. ES ist aber zu beachten, daß es sich hier— wie immer im Braunkohlenbergbau— um die bei der Kohlen- förderung beschäftigten, im besten Mannesalter stehenden, qualifizierten eigentlichen Bergleute handelt. Diese sind allein imstande, die Werke zum Stillstand und ihre Kameraden aus den Brikettfabriken zum Mitfeiern zu zwingen. Der— im ganzen objektive— Bericht der liberalen bürgerlichen Presse, wonach die Arbeiterschaft sich so lange stillschweigend in die Verhältnisse gefügt hat, weil sie wegen des fluktuierenden Charakters der Bevölkerung, wegen der mangelnden Organisation und wegen der ziemlichen Un- einigkeit nichts ausrichten konnte, entspricht insofern nicht den Tat- fachen, als die Organisation, der Bergarbeiterverband, dermaßen erstarkt ist. daß die Zersplitterung nichts mehr vermag, dann aber ist die Fluktuation— wenigstens der Zuzug— der überall bekannten miserablen Verhältnisse wegen, so gering geworden, daß ständig größter Arbeitermangel herrscht. Alles in allen, steht die Situation für die Bergleute überaus günstig. Durch ihr provokatorisches Verhalten bringen sich die Unternehmer selbst bei dem Bürgertum um den letzten Rest von Sympathie. Wenn sonach die Niederlegung der Arbeit ebenso ge« schloffen erfolgt, wie die Kündigungen, steht zu erwarten, daß die Bergprotzen dem bescheidenen Verlangen„ihrer" Lohnsklaven nach geringer Lohnerhöhung und* der Neunstundenschicht doch Rechnung werden tragen müssen._ Die sämtlichen Gürtler und Dreher der Messingwaren- fabrik A. Stiller in Driesen haben gestern die Arbeit niedergelegt. Es liegen die folgenden Ursachen zugrunde: Die Firma hatte im vorigen Jahre einen Tarifvertrag mit den Arbeitern vereinbart, der am 10. September abläuft. Dieser ist von feiten der Arbeiter rechtzeitig gekündigt worden, weil die überaus niedrigen Löhne und der Akkordverdienst mit der ständigen Steigerung der Lcbensmitelpreise und Mieten nicht in Einklang zu bringen sind. Es fanden nun Vorberatungen statt, um für einen neuen Tarif die nötigen Unterlagen zu gewinnen. Ein„Judas" unter den eigenen Kollegen machte dem Fabrikanten Mitteilung von den Vorkommniffen in der vorbereitenden Versammlung und die Folge war, daß zunächst ein Kollege und nach wenigen Tagen noch fünf andere ohne Angabe von Gründen entlassen wurden. Also 6 — von 24— gemaßregelt. Das konnten natürlich die Arbeiter nicht ruhig hinnehmen. Es fanden am Sonnabend Verhandlungen im Beisein des Bezirksleiters statt, welche jedoch zu keinem Rc- sultat führten. Der Chef der Firma— Herr Lange— erklärte einfach, er will seinen Betrieb verkleinern(!) und entläßt zunächst die Leute, die ihn am meisten ärgern! Es wurde nun ein Vermittelungsvorschlag gemacht. Die geforderten Lohn- erhöhungen sollten zurückgestellt, die Arbeitszeit(wenn nötig) verkürzt werden, aber die sechs Mann sollen weiter arbeiten. Aber auch darauf ging der Fabrikant nicht ein. Es ist also klar zu durchschauen, daß es sich für die Firma Stiller darum handelt, der Organisation eins auszuwischen, sie womöglich zu beseitigen. Diese sechs Mann waren die besten Kräfte, und es ist nun auch klar, daß sich der Herr Chef über sie am meisten„ärgert". Der Kampf ist für die Arbeiter ein leichter zu nennen, denn es ist nur ein Dreher— ein„Kranker"— und nicht ein einziger Gürtler im Betrieb geblieben, und alle Streikenden sind vollberechtigte Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Es wird aufs dringendste gebeten, den Zuzug nach Driesen fernzu- halten. Die Parteipresse wird um Abdruck ersucht. Den Metallarbeitern Königsbergs droht die Aussperrung. In der Uniongießerei zu Königsberg haben die Dreher der Schlosserei- und Maschinenabteilung Lohnforderungen gestellt, die bisher bei der Direktion des Etablissements keine Annahme gefunden haben. Die zuerst gestellten Forderungen waren sehr minimaler Natur. Verlangt wurden für Dreher und Werkzeugschlosser 45 Pf., für Maschinenarbeiter 40 Pf., für sämtliche übrigen Hülfsarbeiter 35 Pf. pro Stunde. Alle friedlichen Mittel schlugen bisher fehl, auch wurde seitens der Darektion eine Vermittelung des örtlichen Bevollmächtigten des Deutschen Metallarbeiterverbandes abgelehnt, und zwar mit der so üblichen aber verbrauchten Motivierung, die Direktion hätte bisher alle eingetretenen Differenzen mit den Ar- beitern resp. deren Kommissionen allein beigelegt. Die sonst von der Direktion gemachten Lohnvorschläge waren für die Arbeiter un- annehmbar und als die Arbeiter erklärten, bei ihren Forderungen stehen bleiben zu müssen, wurden sie mit der Aussperrung bedroht. Um dieser aus dem Wege zu gehen, beschlossen die Dreher in einer am Sonnabend im Felsenkrug abgehaltenen Versammlung, von ihren Gesamtforderungen 5 Pf. pro Stunde abzusetzen, so daß letzt verlangt werden: 40, 35 und 30 Pf. pro Stunde. Die Ver sammlung beschloß dann aber weiter, falls diese Lohnsätze auch noch keine Annahme bei der Direktion finden sollten, die Arbeit am Montag.den 9. d. M., einzustellen. Eine außerordentlich gut, besuchte Metallarbeiterversammlung nahm dann am Sonntag im Ludwigshof Kenntnis von den Beschlüssen der Dreher und billigte einstimmig deren Vorgehen. Die Uniongießerei kann nur vier Tage den Betrieb ohne Dreher aufrechterhalten. Bewilligt die Direktion die Forderungen der Dreher also nicht, kommt es zweifellos zur Aussperrung der übrigen Arbeiter. Das wäre dann eine neue Kraftprobe des Unternehmerverbandes der Metallindustrie Deutsche lands. Bei einer eventuellen Aussperrung der Metallarbeiter würden auch die Arbeiter der Steinfurtschen Waggonfabrik in Mib leidenschaft gezogen werden, da diese ebenfalls dem Unternehmer- verband angegliedert ist._ Zur Aussperrung der Getreibeträger in Königsberg. Die im Stauereibetriebe Königsbergs beschäftigten Schiffs- arbeiter hielten am Sonntag, den 8. September, im Ludwigshof eine Versammlung ab, um zu der noch immer bestehenden Aus, sperrung der Getreideträger Stellung zu nehmen. Zu dieser Ver sammlung war auch ein Mitglied des Hauptvorstandes nach Königs- berg gerufen worden, und da der erste Vorsitzende Genosse Döring behindert war, vertrat diesen Genosse Schakowski-Hamburg. Die Getreideträger verlangten, daß die Schifssarbeiter für sie in einen Solidaritätsstreik eintreten sollen, um die seit dem 2. Mai bestehende Aussperrung beendigen zu helfen. Ein diesbezüglicher Antrag wurde auch in der Versammlung eingebracht und von den Getreideträgern energisch vertreten. Genosse Schakowski erklärte, der Haupworstand könne zu dem geplanten Streik der Schifssarbeiter seine Ein, willigung nicht geben, da die Schifssarbeiter nach ihrer Aus- sperrung im Frühjahr einen Tarifvertrag mit den Reedern ab, geschlossen haben und es auch sonst so gut wie ausgeschlossen fei, durch Arbeitsniederlegung die Sache der Getreideträger günstig zu beeinflussen. Im gleichen Sinne sprachen der Lokalbeamte Genosse Werner, der Gauleiter Genosse Schikorr und der Delegierte des Königsberger Gewerkschaftskartells Genosse Seemann. Nach langer Debatte wurde der Antrag der Getreideträger, die Schifssarbeiter mögen den Streik proklamieren, in geheimer Abstimmung mit drei Viertel Majorität abgelehnt. Angenommen wurde hierauf eine Resolution, wodurch die Ortsverwaltung beauftragt wird, noch- mals mit den Reedern und Kaufleuten in Verbindung zu treten, um die Einstellung der Getreideträger in die Wege zu leiten und die Sperre aufzuheben. Die Gefahr etiles neuen drohenden Kampfes im Königsberger Hafen ist damit für den Augenblick ab- gewendet worden._ Der neue Lohntarif der Hamburger Schauerleute. Die diesjährige Aussperrung der Hamburger Schauerleute endete bekanntlich damit, daß die Reeder das schriftliche Ver- brechen abgaben, bis zum 1. Oktober 1907 mit den Arbeitnehmern über einen neuen Lohntarif verhandeln zu wollen. Diese Ver- Handlungen werden demnächst beginnen. Die Reeder haben einen Tarifentwurf ausgearbeitet, der als G r u n d p o s i t i o n einen Tagelohn von 4,80 M. vorsieht. Für die Entlöschung gewisser Ladungen sollen 60 bis 80 Pf. pro Tag extra bezahlt werden. Nacht-, Sonn- und F e i e r t a g s a r b e i t sowie durch- gearbeitete Pausen werden mit 1 M. pro Stunde vergütet. Die Tagschicht währt von morgens 6 bis abends 6 Uhr mit einer Frühstückspause von 8 bis 816 Uhr vormittags und einer Mittagspause von lü Stunden. Die Nachtschicht dauert von 9 bis 12 Uhr abends und von 12]6 bis 5% Uhr morgens, also acht Stunden, für die 8 M. bezahlt werden. In dringenden Fällen kann die Nachtarbeit bis 6(6 Uhr morgens ausgedehnt werden. Wenn ein Schiff fertig gemacht werden soll, sei es beim Löschen oder Laden, und die Arbeit kann voraussichtlich vor Mitter- nacht beendet werden, so braucht kein Schichtwechsel einzutreten. In diesem Falle bleiben die Tagarbeiter in Tätigkeit. Den zur Nachtschicht angenommenen Arbeitern wird ein Mindcstverdienst von 5 M. garantiert. Einen langen Raum nehmen die Bcstim- mungen über die Akkordlöhne ein. Die Arbeitszeit gilt von Stadt u Stadt. Bei Arbeiten aus der Untcrelbe wird freie B e- 1 ö st i tz u n g gewährt. Dieser Entwurf wird als Grundlage bei der Verhandlung dienen. Der Hafenbetriebsverein will berechtigte Wünsche berücksichtigen. Das wäre sehr zu wünschen. ?usl»nck. Der Kampf der Antwerpener Dockarbeiter. Antwerpen, 8. September.(Eig. Der.) Der Belagerungszustand macht Fortschritte: seit heute morgen ind auf Borschlag der Offiziere, die die Bewachung der Holzbassins mit zwei Bataillonen für ungenügend erklärten, die von der Stadt dahin führenden sechs Brücken mit Wachen besetzt worden und er Zugang zu diesen Bassins wird nur den Streikbrechern, die ihre Legitimation vorzu- weisen haben, gestattet. Die Holzbassins selbst find von Militär umzingelt. Soweit können ja nun die Unternehmer zu- rieben sein: der Hafen militärisch bewacht; die„PromenoirS" an der Scheide, wo sonst die Spaziergänger das wogende Leben auf den Schiffen beobachten konnten, mit Stricken für sogenannte„An- ammlungen" von über fünf Menschen verboten— die„Freiheit der Arbeit" wäre ja damit gewahrt. Die Sweikbrecher werden unter militärischem Schutz eskortiert, Militär wacht bei der Arbeit und die Sweikbrecher werden mit Schleppdampfern von und zur Arbeit befördert, damit sie das„unsichere" Land nicht bewcten brauchen. Indes, wotz alledem und obgleich die Strcikbrechersucher keine andere Qualifikation fordern als— starke Arme, wird nach nicht niehr als 37 Schiffen mit einer Zahl von nicht ganz 1300 fit* beitern gearbeitet."Aber selbst das Doppelte angenommen, wie den Tag vorher gemeldet wurde— von einem„Ersatz" der einheimischen Arbeiter sind die Herren noch weit entfernt— was auch offiziell ge- nieldet werden mag! Im übrigen braucht man nur einen B Ii ck auf d i e S ch e ld e zu w erfen, na ch den Bassins zu lugen, hier und da knirscht eine einsame Kette an einen» Kran und da und dort zwischen Bergen von Gcweidesäcken und vollgefüllten Schuppen regen sich armselig ein paar Hände zur Arbeit. Und seit einem Monat liest man immer dies elbenNamen der Schiffe.... Von allen Seiten richten sich übrigens Proteste und Verurteilungen gegen die Haltung der Unternehmerclique, die nun auf ihren Plakaten offen zugibt, daß sie ihre Kampftaktik nicht wegen des ökonomischen Moments festhält, sondern weil sie die Sozialisten unter- kriegen will, die die Herrschaft im Hafen an- streben. Diese faustdicke, dumme Lüge, daß die Sozialisten die „Herrschast anstreben", findet nur in der allerordinärsten Scharf- macherpresse Ausnahme und Verteidigung. Dagegen macht ein großer Teil der bürgerlichen Presse dagegen Front, daß ein paar vom Machtkitzel besessene Herren das Wirtschaftsleben einer ganzen großen Stadt unterbinden, Not und Sorge über Tausende verhängen, eine friedliche Stadt in ein offenes Feldlager verwandeln dürfen. Denn soweit sind sogar unsere sonst in den verschimmeltesten manchesterlichen Be« griffen befangenen bürgerlichen Blätter, daß sie den Standpunkt einnehmen: die Unternehmer müssen mit den Arbeitern unterhandeln. Sogar der erzklerikale„P a t r i o t e". der eS auch in diesem Kampf natürlich an Angriffen auf die„Führer" nicht fehlen läßt, findet die kräftigsten Worte der Abwehr gegen diese unerhörte anmaßende Kapitalistenclique, die nacheinander jeden auf ein Schiedsgericht hinzielenden Abschluß des Kon- flikts— die unzähligen Vorschläge des Bürgermeisters, des Präsidenten der Handelskammer, zuletzt des Arbeitsministers— rundweg abschlugen. Und überall wird die Frage auf- geworfen, ob der Fortgang der Betriebe eines ge- waldigen Hafens wie der Antwerpens von einigen gewissenlosen Starrköpfen abhängig gemacht werden dürfe. Bemerkenswert ist das Verhalten der Stauer, der sogenannten„StevedoreS", bei benei: die Verlader arbeiten und die betonen, daß sie zu einer Verständigung mit ihren Verladern bereit find.— Einer der bedeutendsten dieser„StevedoreS" Antwerpens äußert sich gegen den Korrespondenten des„Soir", der mit anerkennenswerter Anständigkeit über die Vorgänge berichtet, daß die Unternehmerve reinigung nur die sozio- listische Dockergewerkschaft„Willen is kunne n" brechen will.... Dies besagen auch, nur mtt ein bißchen anderen Worten, die Unternehmerplakate, die gegen die„Führer" losgehen. Auch bedeutende Gewerbevertreier stehen auf Seite der Streikenden und sprechen sich für das Schiedsgericht aus.— Gestern wurde gemeldet, daß auch zweihundert Unternehmer der Getreideverladung arbeiten lassen wollen. Nur die führende Clique will nicht— und da spricht man vom TerroriSmuS der Streikführerl Die Störungen im Wirtschaftsleben der Stadt find überall fühlbar— einigen Bettieben fehlen bereits die Kohlen. Gestern wurde ein an dem Streik gar nicht be- teiligter Bootsmann angeblich, weil er einen Wache haltenden Soldaten bedroht hatte, von diesem getötet. Der Getötete, der geschrien haben soll, daß er Revolverschüsfe los« feuern werde, war überhaupt unbewaffnet, was auch der Soldat im Verhör erklärte. Wie ein Soldat, der einer aus fünf Soldaten bestehenden Wachtabteilung zugehört und der sofort Succurs hatte, auf die Drohung eines Unbewaff- neten hin schießen konnte, wird das Verhör noch aufzuklären haben. Oder sind das die„strengen Vorschriften?" Dann darf sich die Bevölkerung ja auf erfreuliche Dinge gefaßt machen. Die Streikenden verhalten sich ruhig, und in den Versammlungen herrscht Begeisterung und Siegeszuversicht.— Die Unternehmer harren aus, um den Hafen vor der„Gewaltherrschaft des Sozialismus" zu bewahren. Die Sozialdemokratie beantwortet diese dumme Verleumdung mit einer Solidaritätserklärung an die Streikenden und fordert— bereits mit großem Er- folge— zur materiellen Unterstützu'ng der Docker auf. Durch Spenden und Anleihen ist bereits ein Fonds von 100 000 Fr. gesichert.„Für jede Million," erklärte Anseele in einem Meeting, die Steinmann und seine Clique votieren, werden wir 10000 Fr. geben, und wir werden sehen, wer länger aushält.... # Brüssel, 9. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Sonntag ist ruhig verlaufen. Gestern wurde die Gendarmerie um 400 Mann verstärkt. Für die Schiffe der Unternehmervereinigung arbeiten zirka 3000 Arbeitswillige. Heute wurde das Militär bis auf hundert Mann zurückgezogen. Antwerpen, 9. September. Der Soldat Roelen, der durch einen Schuß einen Schiffer getötet hatte, ist nach Untersuchung durch de» Militärausschuß wieder in Freiheit gesetzt worden. Letzte JVaebnebten und Dcpcfcbca Der Mordversuch gegen Graf KomarowSki. Wien, 9. September.(W. T. B.) In der Affäre KomarowSki hat heute auch die Frau Jarnowsla im Polizeiverhör gestanden. daß sie den Anschlag auf den Grafen KomarowSki im Verein mit dem Rechtsanwalt Prilukow ersonnen habe. Brandkatastrophe. Raab, 9. September. aufgaben des Nachrichtendienstes ausgesprochen und unsere im einzelnen dargelegten Bedenken zerstreut hätte I Bemerkenswert ist aber ferner, daß Genosse H. M. die Uebermittelung der bürgerlichen Pretzstimmen gleich der»Leipz. VolkSztg." für überflüssig hält l Diese Preßstimmen spielen aber in dem Entwurf der fünf Redakteure eine hervorragende Rolle. Scheiden sie aus, so würde damit der größte Teil dessen ausscheiden, was für den Nachrichtendienst überhaupt in Frage kommen könntet Man sieht an diesem Beispiele, wie notwendig eS ist, sich im speziellen mit den Aufgaben des Nachrichtenbureaus zu befassen, da sonst jede konkrete Grundlage einer Verständigung fehlt.— . Die.Mark. V o l k S st i m m e" brachte zwei Artikel. Der erste niit F. K. gezeichnete wendet sich dagegen, VaS Nachrichtenbureau zu einer Art Kampsobjekt zwischen„Revisionisten" und.Radikalen" zu inachen, wie das vom„Vorwärts" und der„Leipziger Volkszeitung' geschehen sei. Der Genosse vergißt dabei nur. daß die erste Anspielung auf diese Gegensätze von dem Bochumer.Volksblatt' gemacht wurde, das von den Kriterien „guter" oder„schlechter Gesinnung" sprach, die für die Besetzung der Redaktionsposten nicht in Frage kommen dürften. Wenn wir die„gute" und„schlechte" Gesinnung in Radikalismus und Revisionismus umtauften, so glauben wir die Sachlich- k e i t der Erörterungen dadurch eher gefördert als beeinträchtigt zu haben. Und wenn Genosse F. K. sagt, jeder Versuch, die Einrichtung des Bureaus von vornherein zu diskreditieren, indem man es so darstelle, als ob eS eine„revisionistische" Eimichtnng werden solle, sei in hohem Maße parteischädigend, so fühlen wir unS da- durch nicht im geringsten getroffen. Gerade der„Vorwärts" hat die in dem Entwurf der fünf Redakteure dem Bureau zu- gewiesenen Aufgaben einer ebenso eingehenden wie fach- l i ch e n Kritik unterzogen und eine Reihe dieser Aufgaben deshalb. bekämpft, weil sie die Partcipresse zu uniformieren und geistig zu verflachen geeignet sind. Mag man doch unsere Argumente"nnt Gründen statt mit allgemeinen Redensarten be- kämpfen! Auf die E i n z e I a u f g a b e n des NnchrichtenburcauS geht aber Genosse F. K. leider nicht ein. Er schreibt: „Der Parteivorstand sagt in seinem Entwurf nichts über die Art, wie das Bureau seine Aufgabe erfüllen solle.— Es soll demnach nur die Parteikorrespöndenz herausgeben, Gesetzes- und statistisches Material sammeln und Nachrichten an die Parteipresse vermitteln. Alles Nähere will der Parteivorstand augenscheinlich der Praxis überlassen. Jedenfalls soll die Korrespondenz des Bureaus keine„fertigen Artikel" und Kritiken liefern. Die Redakteure will der Partei- vorstand wählen und sich außerdem einen journalistischen Beirat von fünf Redakteuren selbst berufen. So sein Plan. Die Einzelheiten sind für die Parteigenossen vermutlich von untergeordneter Bedeutung. Wir sind auch der Ucberzengimg, daß die Parteigenossen, die sonst jede Arbeit für die Partei leisten, gar kein Bedürfnis danach empfinden werden, des langen und breiten Auscinandersetzimgen über den technischen Betrieb des Berichterstatterdieustes zu lesen oder zu pflegen. So wenig eS uns beikommen kann, über die Einzelheiten des Web- Prozesses in der Textilindustrie Ratschläge und Lehren zu geben, wenn wir nicht Fachleute sind, so wenig dürfte» die Genossen— von wenigen Ausnahmen abgesehen— das Bedürfnis empfinden, den vielen Parteiblättern in Deutsch- land ohne spezielle Kenntnis Ratschläge über die Ver- bcsserung des Nachrichtendienstes zu mache n." Der Parteivorstand und die übergroße Mehrheit der Partei sind da allerdings anderer Ansicht. Wenn der Parteitag über das Nachrichtenbureau beschließen soll, wird er doch wohl auch gewissenhaft genug sein, sich erst ein Urteil über daS Wesen des Bureaus zu bilden. Auch möchten wir gegen die Ansicht Ein- spruch erheben, als handele eS sich bei der Beurteilung über das, was der Parteipresse zum Heile der Partei frommt, um eine Art Geheimwissenschaft, die ein Laie gar nicht zu begreifen vermöge. Die„technischen" Preßangelegenheiten find wirklich nicht so kompliziert, daß sie nicht auch ein simpler Parteitagsdelegierter zu kapieren vermöchte. Das beweist ja gerade der Entwurf der fünf Redakteure, dessen Verständnis keineswegs vieljährige jmirnalistische Erfahrung boraussetzt. Sonst müßte ja auch der P a r l a m e n- t a r i S m u S ein technisches Mysterium, eine Geheimwissenschaft dar- stellen. Wie aber hier die Genossen ein Mitberatungsrecht für ganz selbstverständlich halten, so auch in Preßangelegenheiten I— Der zweite Artikel der„ M ä r ck. V o l k S st i m m e" ist vom Genossen O. M a h gezeichnet und bewegt sich in wesentlich anderen Bahnen. Er schreibt: „Nun ist vorgeschlagen worden, dem Uebelstande und den Unvollkommenheitcn, die unserer Parteipresse anhaften, durch Errichtung eines Preßbureaus abzuhelfen. Die Parteikorrespondenz erscheint ja schon, befriedigt aber nach keiner Richtung. Das Urteil, das bereits über die Parteikorrespondenz gefällt worden ist, die der Partei doch auch einen ganz hübschen Groschen Geld kostet, sollte die Partei ver- anlassen, auch mit der Errichtung eines Preß- b u r e a u S, wie eS die fünf Redakteure des Vereins Arbeiter- presse und der Parteivorstand planen, recht vorsichtig zu Werke zu gehen. Ich kann mir von der Einrichtung, wie sie der Partei- vorstand plant, auch nicht viel versprechen. Für ein bloßes Nachrichtenbureau wird die Einrichtung zu kostspielig und wenn auS ihm fertige Zeitungsware geliefert wird, so liegt die Gefahr nahe, daß unsere Presse verflacht und ihr lokales und individuelles Kolorit verliert, das ihr eine gut zusammengesetzte Redaktion zu geben vermag. Man mache den Versuch mit der Gründung eines Nach' richtenburcaus, dessen Wirksamkeit auch ins Ausland übergreifen müßte, erst in kleinem M a ß st a b e. Bewährt sich der Versuch. so kann sein Ausbau nach und nach erfolgen. ES kann sich meines ErachtenS auch nur um wichtige politische Nachrichten aus den Hauptorten der Bundesstaaten, die in Berlin zusammenlaufen, sowie um Notizen auS der Hochfinanz, der großen Wirtschaft- lichen Gruppen, Kartelle usw. handeln. Ueber wichttge Loh» kämpfe muß natürlich- auch Mitteilung gemacht werden.—- Selbst„im Werden begriffene Dinge" würde ich im Gegensatz zum„Vorwärts" noch recht gerne mitgeteilt sehen. Es ist nicht immer nötig, daß die bürgerliche Presse zuerst Lärm schlägt und wir dann unsere Betrachtungen über die„Dinge aus den Küchen der norddeutschen Diplomatie und Regierungskunst anstellen, iin Nachrichtenburean können selbstverständlich nur routi- nierte Genossen tätig sein, die mit sichcrem Blick sofort daS Nichtige vom Falschen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden vermögen. Alle Mittel, unsere Preßverhältnisse zu verbessern, werden aber nur unvollkommen bleiben, wenn eS nicht gelingt, in der Provinzpresse stärkere Besetzungen der Redaktionen zu erzielen. Es muß eine bessere Arbeitsteilung stattfinden, den Redakteuren muß Zeit zum Studium und zur eigenen Behandlung der Fragen bleiben, die„ihnen am besten liegen". Ganz richtig heißt es in dem diesbezüglichen Artikel im „Vorwärts": Man soll auch als Redakteur lehrend lernen. Der Parteitag gebe, wenn ihm das Prcßbureau eine zu gewagte Einrichtung erscheint, dem Parteivorstand die Mittel, um den Provinzzeitungen einige Zuschüsse zu denRe- daktionSetatS gewähren zu können. Unsere Presse, nament- lich die der Provinzorte, muß aktueller werden, muß es Hinsicht' lich der Anordnung des Stoffes und der Behandlung der schwebenden Tagesfragen mit der bürgerlichen Presse aufnehmen können. Nur keineSchablonc, sondern individuelle Betätigungsmöglichkeit für die Redakteure. Unsere Presse darf nicht pedantisch und schwerfällig daherkommen, nicht als Kompendium der modernen Sozialwissenschaften und profunder Gelehrsamkeit dem Durchschnittsleser entgegentreten, sondern als fröhlicher Bote einer neuen, werdenden Menschheit, der uns auf allen Gebieten des modernen Lebens trefflich unter richtet und täglich an der Hand konkreter Beispiele nachweist, daß das deutsche Volk zur festen politischen Arbeit erst erzogen werden muß. Aber mit dem Preßbureau— V o r s i ch t I" Genosse May stimmt uns also darin zu, daß die Sache einst- weilen noch nicht spruchreif und deshalb Vorsicht geboten ist. Auf seine positiven Anregungen werden wir später noch in all- gemeinerem Zusammenhange zurückkommen. DaS.Volksblatt für Anhalt" hält die Bedenken gegen das Bureau für unbegründet, ohne diese Bedenken einer Widerlegung zu würdigen. Dagegen schreibt daS Blatt: „Es gibt eine Abhängigkeit kleinerer Partei- blätter von den größten, die sehr gefährlich ist. Wer als Redakteur eines kleinen Parteiblattes gleichzeitig Korrespondent etwa für die„Leipziger V o l k s z e i t u n g" ist, von dem ist leicht zu vermuten, d a ß e r dafür auch ein Echo der„Leipziger Volks- zeitung" bildet, wenn die letztere in einer Parteifrage Stellung nimmt. Oder muß der Betreffende nicht andernfalls, falls er gegen die„Leipziger Volkszeitung" ernstlich Stellung nehmen sollte, damit rechnen, daß man auf seine zur Auffassung der «Leipziger Volkszeitung" gar nicht recht passende Mitarbeit ver- zichtet? Hier ist die Möglichkeit— wir sagen nur die Möglich- k ei t zu einer Wirkung des Großkapitals innerhalb unserer Partei- presse gegeben, die zu einer höchst schlimmen Korruption führen kann." Man sieht, diejenigen, die gern von„Gespensterseherei" anderer sprechen, sehen zuweilen selbst am hellen Tage Gespenster! Aber das Anhalter„Volksblatt" sollte doch auch eins bedenken: Wenn schon die für ein größeres Parteiblatt korrespon- dierenden Redakteure der Möglichkeit ausgesetzt sein sollen, in politische Abhängigkeit zu geraten, läge eine solche Gefahr etwa dann nicht vor, wenn dieselben Redakteure für das offizielle Zentral- Nachrichten bureau Korrespondenzen lieferten? *• Der Artikel des Genossen Bebel in Nr. 208 des„Vorwärts" eist- hält einige sinnstörende Druckfehler. Im 2. Absatz Zeile 3 muß es heißen„jener Verhandlungen" statt zweier Verhandlungen. In der 2. Spalte Absatz 4 Zeile 2 muß eS heißen, daß Männer, die ein Jahrzehnt und mehr, statt„noch". Die Farteipreile über den ilnternationaien fozIaliitiiGen Kongreß. Der Militarismus und die internationalen Konflikte. IV. „Bolksstimme"(Mannheim):") ..... Eine Agitation unter den Soldaten, wie sie Herve lvünfcht, brächte uns massenhafte Anklagen auf Hochverrat und er- forderte somit massenhafte Opfer, die zudem unnütz gebracht würden. Die bei der Bekämpfung des Militarismus einzuschlagende Taktik bestimmen nicht wir, unsere Gegner zwingen sie uns auf. Die Augen offen halten und die Köpfe der jungen Leute mit unfern Ideen erfüllen, noch che sie zum Militärdienst gezwungen werden, das ist unsere Hauptaufgabe im Kampf gegen den Militarismus. Die Erkenntnis von der Unmöglichkeit, die Soldaten für ein Ideal zu begeistern, die Möglichkeit, daß die Soldaten nach dem Warum des Krieges fragen, nimmt dem Militarismus die Wurzeln seiner Kraft.... Die Gewißheit, daß das Proletariat das Maximum seiner Kraft anwenden wird, um einen Krieg zu verhindern, bietet aller- dings noch keine Gewähr für den Frieden; denn es können die Machthaber zur richtigen Beurteilung unfähig sein, einen sieg- reichen Ausgang annehmen und können zum Kriege treiben, um ihre Position zu befestigen. In diesem Falle bedeutete die Kriegs- erklärung den passiven Widerstand wenigstens eines Teiles des Heeres, wenn nicht gar die Militärrevolte mit nachfolgender Revolution wie in Rußland. Schon allein die Tatsache, daß die Frage des Militarismus und des Krieges auf dem Weltkongreß des internationalen Proletariats in dem Sinne, wie geschehen, verhandelt und volle Einmütigkeit über die eventuell anzu- wendenden Mittel erzielt werden konnte, zeigt den Herrschenden mit Flammcnschrift, daß die Zeiten vorüber sind, wo für die Völker unter allen Umständen das Gladiatorenwort galt: „Ave Caesar, morituri te salutant!" „BolkSfreund"(Karlsruhe): .... Wie in so mancher anderen Frage steht auch in dieser der absoluten Uebereinstimmung hinsichtlich des Zieles, die Ver» schiedenartigkeit dcS K a m p f e s an sich in den verschiedenen Ländern entgegen. Man kann bei allen diesen Problemen nicht im voraus«in für alle Völker und Verhältnisse fest umgrenztes Aktionsprogramm aufstellen. Die historische Enttvickclung ist in den verschiedenen Ländern-nicht dieselbe und was in dem einen Lande von Nutzen sein kann, könnte in einem anderen Lande unbe- rechenbaren Schaden verursachen. Die vom Stuttgarter Kongreß über diese Frage beschlossene Resolution legt das Proletariat in seinen Aktionen gegen den Militarismus und gegen den Krieg nicht fest, es schließt aber auch keine bestimmte Altion aus. In ihr kommt der feste Wille des Proletariats zum Ausdruck, mit der ganzen ihm zur Verfügung stehenden Macht den Kampf gegen den Militarismus zu führen und Kriege soweit als überhaupt möglich zu verhindern. Der Friede läßt sich nur garantieren, wenn das Proletariat in allen Ländern die Macht besitzt, Kriege zu verhindern. Jedes Stück Macht, von welchem das Proletariat Besitz ergreift, bedeutet einen großen Schritt näher zum garantierten internationalen Völkerfrieden. Der Militarismus verliert an Macht in demselben Maße, in welchem das Proletariat solche gewinnt. Wir können den Kampf gegen den Militarismus nicht wie Herve gemeint hat, uniformieren, wohl aber in bewußten klaren Zusammenhang bringen. Und das hat der Stuttgarter internationale Sozialistenkongreß getan. Mehr konnte er in dieser Frage nicht tun." «Fränkische Tagespost"(Nürnberg): „Schon die Stimmung deS Saales zeigte am Sonn» abend früh, daß man die Einigung über die Resolution gegen den Krieg und gegen den Militarismus nicht als ein äußerliches Er» gebnis parlamentarischer Geschicklichkeit auffaßte, sondern als den «ieg derer, welche die äußer st e. tatkräftigste Entschlossen» heit zum Kampf für den Weltfrieden zu organisieren fordert. Hier war wirklich einmal echtester und fruchtbarster Radikalismus zu erleben. Die Strömung, die nach Widerstand mit allen Mitteln verlangte, hatte die zwar nicht Widerstrebenden, aber noch Zaudern- den schließlich mitgerissen. Die Einheit war weder durch einen faulen Kompromiß, noch durch die Unterwerfung wider besseres Wissen herbeigeführt worden, sondern lediglich durch die Gewalt der Sache selbst, zu der im Grunde sich alle bekannten, wenn auch manche gegen die Formen formelle Bedenken hatten. Diese lange Resolution war keine papierne Zusammenfassung verschiednartiger Wünsche, sondern die einheitliche Demonstration eines machtvollen Willens, hinter dem Millionen des Proletariat? aller Kulturländer stehen...." «Münchener Post": „... Vandervelde gab in meisterhafter Rede den Bericht der Kommission Die Taktik der deutschen Sozialdemokratie dem Mili- tariSmus gegenüber, in der Kommission von Bebel und Vollmar energisch und geschickt vertreten, fand in dem Berichte vollkommene Würdigung. Die französische Resolution wollte zur Verhinderung der völkermordenden Zukunstskricge eine Anzahl spezieller Mittel festgelegt wissen: Die Intervention, die öffentliche Aktion, den Generalstreik und die Insurrektion. Im Einklang mit der Haltung der deutschen Gesamtpartei lehnten die Vertreter Deutschlands eine Festlegung auf diese und ähnliche Mittel entschieden ab. Es schien zeitweife, als ob aus dieser Haltung eine Verständigung in der Kommission zu scheitern drohe. Dann gelang es aber, der Resolution eine Fassung zu geben, die den Verhältnissen der einzelnen Nationen Rechnung trug. Die Kommission begnügte sich aber klug damit, in der Resolution allgemein auszudrücken, daß die arbeitende Klasse jeder Nation im entscheidenden Augenblick das Maximum seiner Kräfte dem Mili- tarismuS und dem Krieg entgegenzusetzen hat und nach eigenem Ermessen die Mittel zu wählen und anzuwenden, die ihr die be- sonderen Verhältnisse vorschreiben und ermöglichen. Selbst der ungestüme Gustave Hdrve mußte sich überzeugen, daß den besonderen Verhältnissen der einzelnen Nationen Rechnung zu tragen ist. So wurde denn der Boden zu einer allgemeinen ") Ist in der Uebersicht der Preßstimmen zur Kolonial- Politik in Nr. 203 des„Vorwärts" durch einen Druckfehler in Volksstimme"(Aachen) verwandelt worden, Verständigung geebnet. Daß sie schließlich gelang, ist nicht zum wenigstens der besonnenen und ruhigen taktischen Haltung unserer Genossen Bebel und Wollmar zu danken." „Schwäbische Tagwacht": „Die Stuttgarter Militärresolution ist eine geschichtliche Ur- �kunde, sie zieht nicht nur die Summe sozialistischer Erkenntnis, sondern sie ist selbst ein Mittel, diese Erkenntnis in die Wirklich- keit überzuführen. Sie ist inhaltreicher, kräftiger und zielklarer geworden, als die Uerschiedenen Anregungen, auf denen sie beruht. In der gemeinsamen Verständigung lösten sich nicht nur die Gegen- sähe, sondern steigerte sich auch die Kraft dieses Gesetzes der Völker- Verbrüderung. In der Resolution, mit deren Annahme der Stuttgarter Kongreß sein Werk beschließen wird, vereinigen und durchdringen sich die Anträge Bebels, Vaillant-JaureS und der Russen. Und diese logische und sachliche Verschmelzung führte so wenig zu einer Verdünnung des antimilitaristischen Geistes, daß selbst Herve ihr zustimmen konnte."_ Hus der Partei. Ein sozialdemokratischer Kreistag, so berichtet man uns unterm 8. September aus Halle a. S., fand am Sonntag im„Volkspark" statt. Anwesend waren 70 Delegierte aus Stadt und Land des Saalekreises, sowie die Vertreter der Parteiinstitute. Trotz allen „Niederritts" wurde ein kräftiges Vorwärtsschreiten der Bewegung ' konstatiert. Das„Volksblatt", oaS bekanntlich von dem Auge des Gesetzes sehr scharf beobachtet wird, hat im letzten Jahre um rund 5000 Abonnenten zugenommen. Genosse K u n e r t- Berlin referierte unter Beifall über den Tagesordnungspunkt:„Was lehren uns die letzten ReichStagswahlen?" und kam zu dem Schluß, es liege kein Anlaß vor, wegen des Ausfalls der letzten Reichstagswahl den Mut sinken zu lassen oder gar das Programm beziehungsweise die Taktik zu ändern. Tue ein jeder seine Pflicht, dann habe man den Aus- gang der nächsten ReichstagSwahl nicht zu scheuen.— Der Monatsbeitrag für den sozialdemokratischen Verein wurde von 25 auf 30 Pf. erhöht.— Als Delegierte zum Parteitag in Essen wurden die Genossen Bezirkssekretär Drescher und K u n e r t- Berlin, zum Preußentage Genosse Parteisekretär Tabert gewählt. Ein wissenschaftliches Organ der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich, llnsere tschechische und polnische Bruderpartei besitzt schon seit Jahren ein wissenschaftliches Organ neben den Tages- und Wochenblättern. Die deutschen Sozialdemokraten Oesterreichs entbehrten bisher einer solchen Zeitschrift, die lvor allem der Be> sprechung der spezifisch österreichifchen Fragen dient, denen die im Deutschen Reiche erscheinenden Zeitschriften nur selten Raum ae- währen können. Unsere Genossen Otto Bauer, der Verfasser von„Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie", Adolf Braun, sozialpolitischer Redakteur der Wiener„Arbeiter-Zeitung. und Reichsralsabgeordneter Karl Renner, der unter den Pseudo- nymen Rudolf Springer und O- W. Patzer bekannte Schriftsteller, haben sich vereinigt, ein solches populär- wissenschaftliches Organ heraus zugeben. Es erscheint vom l. Oktober an unter dem Titel:„Der Kamps", Sozialdemokratische Monatsschrift. Ver lag und Verwaltung: G. Emmerling, Wien VI, Maria« Hilferstraße 89. DaS Blatt, das im Einvernehmen mit der Partei vertretimg und Gewerkschaftskommission herausgegeben wird und an dem alle in der Partei und Gewerkschaftsbewegung bewährten Vor känipfer der österreichischen Sozialdemokratie mitarbeiten werden, lvird die kämpfende Arbeiterklasse Oesterreichs auf all ihren Wegen begleiten und den Problemen des gewerkschaftlichen Kampfes und der genossenschaftlichen Organisation nicht weniger Anfmerksamkeit schenken als den großen Aufgaben des politischen und kulturellen Befreiungskampfes des Proletariats. Alle wirtschaftS- und sozialpolitischen Fragen, die Probleme der demokratischen Umgestaltung des Staates und der Regelung der nationalen Verhältnisse im Staate sowohl wie in den Organi sationen sollen von Sachkundigen besprochen werden. Eine Hcuipi aufgäbe des Blattes soll es sein, den in der Agitation tätigen, allen geistig mitstrebenden und aus ihre Weiterbildung bedachten Genossen oaS wissenschaftliche Material für den TageSkampf zu liefern. Die Zeitschrift erscheint zu Beginn jeden MonatS im Umfang von S8 Seiten und kostet per Nummer 50 Heller, per Jahrgang ö Kronen. polkieilicftes� Herlcfttlicdea ukw, Noch nicht ganz verpufft. Vor einigen Tagen haben wir nach öem. Volksblatt sürGotha" gemeldet, daß fünf Genossen im Herzogtum Gotha, gegen die auf Antrag des Staatssekretärs der Kolonien Dernburg seinerzeit eine Untersuchung wegen Be leidigung von Kolonialbeamten und Schutztruppler eröffnet war, die sie angeblich durch Reden bei der ReichstagSwahl begangen haben sollten, die Nachricht zuging, das Verfahren sei eingestellt. Die Untersuchung aber hatte sich auf weitere drei Genossen erstreckt. Diese, die Genossen Bock. Zentgraf und Keller, haben jetzt die Anklageschrift erhalten. Das„VolkSblatt" bemerkt dazu: „Wir sind sehr gespannt darauf, ob das hiesige Landgericht wirklich beschließen wird, das Hauptversahren wegen Wahlreden zu eröffnen, die jetzt neun Monate hinter unS liegen und wegen Wenßeningen, die, wenn sie überhaupt gefallen sind, nur hypothetisch •»braucht wurden und in ReichStagSbenchten, sowie in fast der ge- �»mten Presse, die bürgerliche eingeschlossen, unbeanstandet vor« gebracht wurden. Die ganze Anklage steht nach alledem ans sehr wackeligen Füßen und dürfte bei der öffentlichen Verhandlung in sich selbst zu- sammenfallen."_ Stipendiat des ReichSliigenvcrbandeS— 300 M. Geldstrafe. In Bernburg(Anhalt) fanden im März d. I. die Vertreter- wählen zur Ortskrankenkasse statt. Die ReichSverbandSpresse be- trachtete diese Wahl als eine willkonunene Fortsetzung der Jagd auf Rotwild vom 25. Januar. DaS allgemeine Niederreiten wurde in neuer Auflage betneben und in den Mitteln war man keineSivegS wählerisch. Eins eigens aus Lieblingen der Unternehmer zu diesem Zwecke gegründete gelbe Gewerkschaft sollte die bisherige Vertretung auS dem Sattel heben. In der Abwehr verbreitete das Kartell ein Flugblatt, in welchem der„Anhalter Kurier" als Preisfechter der Gelben, als Stipendiat des ReichslügenverbandeS bezeichnet wurde. Dadurch fühlten sich der Verleger sowie der Redakteur des genannten Blattes beleidigt und der Kassierer des hiesigen Kartells, Genosse Heil, welcher das Flugblatt verantwortlich gezeichnet hatte, wurde vor den Kadi geschleppt. Obwohl in einem zweiten Flugblatt wie auch vor Gericht ausgeführt wurde, daß mit dem Wort„Stipendiat" keineswegs der Empfang von Geldmitteln ausgedrückt werden sollte, sondern damit die Verwendung der„ReichsverbandS-Korrespondenz" gemeint sei, fühlten sich beide Kläger„schwer beleidigt" und Genosse Heil wurde zu 300 Mark Geldstrafe oder 100 Tage Gefängnis verurteilt. Bezeichnend für die Kläger ist, daß sie zugaben, diese„Reichs- verbauds-Korrespondenz" zu verwenden, wie auch, daß der„Anhalter Kurier" wenige Tage später dem Genossen PeuS vorwarf, er besäße eine chamäleonartige Gesinnung und würde seine Schreibweise »ach der Höhe der Bezahlung einrichten. Gewiß würdige Vertreter »er Libertgarde. Huq Industrie und Kandel. Nebenerzeugung im Bergwerksbetricbe. Welche Bedeutung die Erzeugung von Nebenprodukten im Berg- werksbetricbe erlangt hat, zeigen folgende Angaben des„Glückaus" über die Gewinnung von Ammoniak, Teer und Benzol im Ober« bergamtsbezirk Dortmund. Die Erzeugung von schwefelsaurem Ammoniak erhöhte sich im letzten Jahre von 98 990 Tonnen in 1906 auf 144 300 Tonnen, d. h. um mehr als 45 Proz. Da auf 1 Tonne Ammoniak im Durchschnitt 2>/z Tonnen Teer entfallen, wurden 1906 im Oberbergamtsbezirk Dortmund r. 360 000 Tonnen Teer erzeugt gegen r. 247 000 Tonnen im Vorjahre. Die Benzolgewinnung erhöhte sich von 19 800 Tonnen auf 26 400 Tonnen. Im Jahre 1899 wurden erst 45 761 Tonnen Ammoniak gewonnen, im Jahre 1904 rund 82 000 Tonnen. Die Teerproduktion erbrachte im Jahre 1904 158137 Tonnen, während die Benzolerzeugung dieses Jahres 16 104 Tonnen ergab. Biehpreise. Ein Vergleich der am letzten Viehmarkttage(7. d. M.) auf dem städttschen Viehhofe geforderten Preise mit den am gleichen Tage des Vorjahres gezahlten Preisen zeigt, daß mit Ausnahme der für Hammel, die Preise niedriger sind. Jedoch ergibt sich gegen den gleichen Markttag iin Jahre 1905 mit Ausnahme für Bullen und Schiveine ein Hinaufgehen der Preise. Die Durchschnittspreise waren am letzten Sonnabend für Ochsen 146,00 M.(1906— 153,00 und 1005— 137,00 M.) für 100 Kilogramm Schlachtgewicht, für Bullen 134,00 M.(1906— 152,00 M. und 1906— 135,00 M.), für Färsen und Kühe 127,00 M.(1906- 132,00 M. und 1905— 125,00), für Kälber 146,00 M.(1906— 161,00 M. und 1905— 143.00 M). für Hammel 161,00 M.(1906— 156,00 M. und 1905— 152,00 M.). für Schweine(100 Kilogramm Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara) 122,00 M.(1906— 138,00 und 1905— 134,00 M.). Der Kruppsche Staat. Die Zahl der auf den K r u p p s ch e n W e r k e n beschäftigten Personen betrug nach der Aufnahme vom 1. Januar d. I. einschließlich 5739 Beamten 64 351.(Am 1. April 1906 waren es einschließlich 5065 Beamten 62 553). Bon diesen 64 351 entfallen auf die Gußstahlfabrik Essen mit den Schieß- Plätzen 35 745(35 377), das Grusonwerk in Buckau 4768(4603), die Germaniawerft in Kiel 3510(3961), die Kohlenzechen 9302(8364). die Hüttenwerke bei Rheinhausen 5006(4226). das Stahlwerk Annen 881(870) und auf die Eifensteingruben 4638(3823.) Berstaatlichungspläne. Wie uns auS Chemnitz berichtet wird, hat das sächsische Finanzministerium mit der Direktion der Gußstahl- fabrik Döhlen bereits eingehende Berhandlunaen gepflogen zwecks Berstaatlichung des Werkes. Eine Basis für die Uebernahme- bedingungen soll bereits festgelegt sein, nur über die Frage, ob und unter welchen Bedingungen der Staat die Beamten in seinen Dienst übernimmt, ist noch keine Verständigung erzielt worden. DaS Werk hat im Geschäftsjahre 1905/06 für 7 815 747 M. Produkte abgesetzt. Es werden hauptsächlich Schienen für Vollbahnen, Rillenschienen, Grubenschienen, Stangen in Stahl, Schmiede- und Fassongutz, Stahl federn für Eisenbahnbedarf fabriziert. Das Unternehmen arbeitet mit 8 750000 M. Attienkapital und 2 250000 M. Anleihen. lieber die Folgen der Zollcrhöhungen im Wirtschaftsleben sagt der Bericht der Handelskammer zu Straßburg für das Jahr 1 folgendes: „Die Teuerung der Rohstoffe hat überall eine große Steigerung der Preise aller Lebensbedürfnisse zur Folge gehabt. In Deutschland ist diese Teuerung emp- findlich gesteigert worden durch die ain 1. März 1906 in Kraft getretenen Zollerhöhungen so wohlaufvieleRoh st offe wie vornehmlich auf Nahrungsmittel. Die Fleischprcisr find unter dem doppelten Einfluß der hohen Zölle und der Grrnzsprcrren weiter in die Höhe gegangen. Wenn die Brotpreise im Berichtsjahre noch nicht im gleichen Maße gestiegen sind, so war dies dem Umstände zuzuschreiben, daß die Getre, depreise auf dem Weltmarkt dank reicher Ernten noch niedrig blieben, und andererseits, daß im Hin- blick auf die Zollerhöhung noch vor dem Inkrafttreten große Vor> röte eingeführt worden waren.... Bisher sehr bedeutende Absatz� gebiete, die Schweiz und Oesterreich-Ungarn, sind für zahlreiche Produkte der elsässischen Industrie durch unerschwingliche Zölle vollständig verschlossen worden. Der Verlust wird sich beim Nach- lassen der guten Marktlage im Jnlande in erdrückender Weife fühlbar machen." DaS sind alles alte Wahrheiten, die von den Sozialdemokraten schon oft und besonders vor Annahme des Zolltarifs gesagt worden sind, daß eS eigentlich unnötig erscheinen könnte, sie besonders hervorzuheben. ES ist aber angebracht, Beobachtungen aus Fach- kreisen weiter zu verbreiten, weil„Prophezeiungen" der Sozial- demokraten bei den Regierenden und Besserwissern bekanntlich nicht beachtet werden. Für unausbleiblich erklärt es der Bericht, „daß bei diesem Stande der Lebensmittelpreise, der notwendiger- weise auch eine Verteuerung der übrigen Bedarfsartikel nach sich zog, in der Industrie eine allgemeine Erhöhung der Arbeitslöhne eintreten mußte— zum Teil nach schweren Lohnkämpfen." Die Handelskammer setzt sich mit dieser Anerkennung, daß eine Erhöhung der Löhne unausbleiblich war und eintreten mußte, in Widerspruch mit dem gewöhnlichen Standpunkt der Unternehmer, die die Forderungen der Arbeiter auf höhere Löhne meist für ungerechtfertigt erklären und die Arbeiter in die Lohn- kämpfe hineintreiben._ Getreidepreise. Noch im Januar dieses Jahre« standen Roggen und Weizen niedriger als im Jahre 1906. Der Februar war dann der erst» Monat, von dem ab das laufende Jahr höhere Preise zeigt als das Vorjahr. Viel rascher und erheblicher als der Preis des Weizens ist der Noggenpreis in die Höhe gegangen. Er stellte sich im Groß- Handel Berlin? per Tonne aus 171,93 im Februar 1907 gegen 163,76 im gleichen Monat 1906 und 140,85 im Februar 1905. Im März trat nochmals eine kleine Ermäßigung ein' von da ab geht der Preis unausgesetzt und im Mai sogar stürmisch in die Höhe. Der Tonnenpreis betrug für Roggen in den Monaten März April Mai Juni Juli Mark Mark Mark Mark Mark 1905..... 180,84 141,88 151,80 152,14 158,78 1906..... 161,07 162,66 161,54 157,52 155,86 1907..... 170,84 176,88 190,89 203,24 205,05 Im Juli stand also der Rogaenpreis um fast 30 Prozent höher alS im Juli 1906. Nicht ganz so stark, aber doch ebenfalls un- gewöhnlich kräftig ist der Weizenpreis und zwar ohne Unterbrechung von Januar ab gestiegen. Mit 179,83 Mark pro Tonne setzte im Großhandel Berlins der JanuarpreiS ein und stieg bis auf 208,74 Mari im Juli, während 1906 in der nämlichen Periode der Preis unter Schwankungen von 182,52 Mark auf 181,69 zurückgegangen war. Gegen 1906 beträgt die Julisteigerung rund 15 Prozent, also die Hälfte der Roggensteigerung. Soziales. Zum Kampf gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen. Zu dem unausgesetzten Kampf des Unternehmertums und der Behörden gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen liefert folgender Fall eine Illustration, den wir der Nr. 16 der„Volks- tümlichen Zeitschrift für praktische Arbeiterversicherung" ent- nehmen. In der gemeinsamen Ortskrankenkasse Koburg machte sich bis Anstellung eines Kassenkontrolleur�S notwendig. An der VorstandSfitzung haften trotz Einladung die Arbeitgeber nicht teilgenommen. Mit Krauß wurde ab 1. Juni auf ein Jahr mit dreimonatlicher Kündigungsfrist ein Anstellungsvertrag ab- geschlossen. Gegen die Anstellung protestierten die beiden Arbeit- geber G r e m p e l und B a l z e r. Sie begründeten den Protest wie folgt: Grempel hatte in der Generalversammlung aus- geführt,„der Kontrolleur solle von jeder politischen Partei loZ- gelöst und vollständig selbständig sein", B a l z e r hatte betont,»der Krankenkassenkontrolleur solle Bieder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer sein". Krauß sei aber Sozialdemokrat und sei bis zu seiner Wahl Arbeitnehmer gewesen. Der Koburger Magistrat als Aufsichtsbehörde verfügte darauf, den Krauß nicht anzustellen, fondern einen anderen Kontrolleur zu wählen. Die Ausführungen der Arbeitgeber faßte der Magistrat als Beschluß der Generalversammlung auf und erachtete sich, wiewohl das Krankenkassengesetz der Aussichtsbehörde kein Recht gibt, in die Art der Ausführung eines Beschlusses einzugreifen, dies vielmehr allein der Generalversammlung zu- steht, zu diesem Eingriff in die Selbstverwaltung für befugt. Der Gedanke scheint dem Magistrat gar nicht gekommen zu sein, daß selbst ein solcher Beschluß, wie sich ihn die Generalversammlung insinuiert und wie diese ihn nicht gefaßt hatte, so unsinnig und die Arbeiter beleidigend wäre, daß seine Ausführung unmöglich wäre. Der Vorstand der Kasse beschritt darauf den ihm durch § 45 Abs. 6 des Krankenversicherungsgesetzes eingeräumten ver- waltungSgerichtlichen Klageweg. Das Ministerium nahm an, es sei, da die Arbeitgeber be- haupten, die Generalversammlung hätte ihre Ausführungen zum Antrag erhoben, nicht klar, ob das Protokoll nicht irre und traf den minder salomonischen als kurzweiligen Bescheid: Das Ministerium könne zurzeit„keine Entscheidung treffen, sondern es habe dem Magistrat die Sache zur nochmaligen Ab- stimmung seitens der Generalversammlung übergeben: i«««?- halb vier Wochen soll dazu eine Generalversammlung einveruscn werden, anderenfalls würde der Magistrat sie einberufen, in welcher abgestimmt werden solle, o b es sich um einen Antrag oder bei.der Formulierung des Antrages oder nach der Ab- stimmung die Aeuherung des pp. Grempel zum Antrag er- hoben sei." Bislang glaubten wir, Schöppenstedt liegt nicht in Koburg. Wir scheinen uns geirrt zu haben, wenigstens soweit Ent- schließungen in Frage kommen, die über das Selbstverwaltungsrecht der Kassen ergehen sollen. Es wäre ja ein entsetzliches Unglück für Koburg, wenn als Kasscnkontrolleur ein simpler ehe- maliger Böttchergeselle, und gar noch einer mit sozialdemokra- tlscher Gesinnung und der Fähigkeit zur Ausübung des Kon- trolleurpostens eingestellt würde. Lehrermangel. Zum Lehrermangel in Preußen schreibt die„Korrespondenz des deutschen LehrervcreinS": „Auf keinem anderen Verwaltungsgebiete herrscht ein der- artiger Mangel an Arbeitskräften als auf dem Schulgebiete. Post, Eisenbahn, Steuer, Regierung, kommunale'Verwaltungen haben stets mehr Anwärter zur Verfügung als sie brauchen; ja, hier übersteigt oft das Angebot die Nachfrage in solchem Maße. daß in der letzten Zeit, um dem Andränge zu steuern, von der BildungSschraube Gebrauch gemacht werden mußte. Was diesen Ueberflutz an Bewerbern hervorgerufen hat, das deutet der Geh. Reg.-Rat Th. Voigt in seinem in Nr. 3 der Zeit- schrift„Vom Fels zum Meer" erschienenen Artikel:„Teuerung und Beamtcngehalt mit den Worten an:„Darin, daß der Beamte nicht genötigt fein soll, dem Geld nachzulaufen, daß er der Sorgen ums Dasein überhoben sein soll, beruhen der Glanz der Bcamtcnstellung und die Hauptursache des starken Zudranges zu ihr." Und in der Tat haben Staat und Gemeinden, Rc- aierung und Parlament stets rechtzeitig Vorsorge getroffen, daß dieser„Glanz" den Beamten erhalten blieb und so auch jeden: etwaigen Kandidatenmangel vorgebeugt. Wie steht'S aber mit diesem„Glanz" bei den VolkSschullehrern, von denen die vielen Tausende, die auf daS Mindesteinkommen gesetzt sind, jährlich 800 biS 2100 M. weniger als die VerwaltungS-, 500 bis 1720 M. weniger als die GerichtSsekretäre erhalten, mit denen sie sich hinsichtlich ihrer Vorbildung und ihrer Arbeit doch wohl ohne Ueberhebung vergleichen dürfen? DieS Mißverhältnis ist cS, was die denkenden, für das Wohl ihrer Kinder besorgten Familienväter entmutigt, ihren männlichen Nachwuchs dem Lehrerberuf zuzuführen. Für sie ist die Frage: WaS soll der Junge werden? ein einfaches Ncchcnexempel. Sie sagen sich mit vollem Recht: Die Ausbildungskosten für den Lehrerberuf sind trotz der namhaften Unterstützungen, die den angehenden Lehrern zuteil werden, nicht geringer als die für die mittlere Beamten- laufbahn, bei der es auch nicht an Unterstützungen fehlt. Hier wird den Beamten ein standesgemäßer Lebensunterhalt gewährt, während die Lehrer mit ihrem niedrigen Einkommen kaum den notdürftigsten Lebensunterhalt bestreiten können und deshalb gezwungen sind, auch nach ihrer Anstellung aus der Tasche ihres Vaters zu leben oder Jagd auf Nebeneinnahmen zu machen, die ihre Kräfte frühzeitig aufreiben. DaS Amt er- nährt hier nicht den Mann, und darum nehmen sie als»insichtige Berater ihrer Kinder Abstand, ihre Söhne Lehrer werden zu lassen. Wenn der Lehrerberuf in rechten Schwung kommen soll, wenn er so begehrenswert gemacht werden soll, daß die tüchtigsten Kräfte sich ihm zuwenden, so kann eS nur dadurch geschehen, daß bei der bevorstehenden Neuregelung der Lehrerbesoldung ganze Arbeit gemacht wird, daß hierbei die Grundsähe zur Richtschnur dienen, die für die Besoldung der mittleren Staats- beamten maßgebend sind. Hoffentlich gelingt e» dem neuen Kultusminister, auf diesem Gebiete etwas Durchgreifendes fchaffen. Dann, aber auch nur dann, wird es ihm möglich fem, den Lehrermangel bald zu beseitigen und das„agitatorische Schlagwort vom Lehrermangel' zum Verstummen zu bringen." Die Ausführungen des Organs des LehrervereinS sind durchaus zutreffend. Aber ist nicht der Lchrerstand selbst an den fchlechten Bcsoldungsverhältnissen und an der Tiefstellung der Lehrer nach sozialer und geistiger Richtung hin schuld? Hat er nicht in zu ganz überwiegendem Teil den konservativ-liberalen Block gestützt, der den Lehrer so tief wie denkbar ganz im Sinne der Siudtschen Auffassung oder seine» Nachfolgers achtet und die Aufgaben eine? PferdewarterS für sozial wichtiger hält alS die eines Bildners der Jugend des Volkes? KinberauSbeutnng auf dem Lande. Besonder» eindringlich weisen die Verhältnisse Ostelbien» auf die Notwendigkeit eines reichsgesetzlichen Verbotes der Be- schäftiaung von schulpflichtigen Kindern in land- und forstwirt» schastlichcn Betrieben hin. Die in diesem Sommer herrschende regnerische, die Erntearbeiten sehr erschwerende Witterung hat vielfach zu Anträgen an die Aufsichtsbehörden Veranlassung gegeben, daß die Sommerferien verlängert werden möchten. Diesen Anträgen ist auch meist unter der Bedingung stattgegeben worden, daß die Sommer, und Herbstferten nicht über sich» Wochen betragen dürften. Dagegen hat die A l l e n st e i n e r> Regierung die Ortsschulinspektoren ermächtigt,„in unmittelbarem Anschluß an die Sommerferien zur Hülfeleistung bei der Ernte, soweit ein dringendes Bedürfnis hervortritt, den über zehn Jahre alten Schulkindern ihrer Inspektion bis zu zehn Tagen Urlaub zu erteilen". Da in manchen Forsten die Nonnenraupe in bedrohlichem Maße aufgetreten ist, so werden die Schulkinder vielfach in die Wälder gcsandt, um diese schädlichen Insekten zu sammeln und zu töten. Die geistige und körperliche Ausbildung der Kinder leidet ungeheuer unter dem schädlichen Mißbrauch der kindlichen Arbeitskraft. Nicht selten weisen be- dauerliche Unglücksfälle darauf hin» daß Staat und Gesellschaft in diesem Punkte eine nicht langer aufzuschiebende Verpflichtung zu erfüllen haben. So kamen in letzter Zeit, wie wir der „Korrespondenz des deutschen LehrervereinS" entnehmen, zwei elfjährige Schüler in Ostpreußen umS Leben: der eine stürzte beim Ziegelfahren vom Wagen und geriet mit vem Kopfe unter ein Rad. der andere ertrank beim Pferdetränken in einem Teiche. Ferner erlitten zehn Kinder, die tagsüber auf einem wcstprcußlschen Gute mit Rüben ziehen beschäftigt waren und abends nach dem Städtchen Kulmsee gefahren wurden, dadurch, daß der Wagen umfiel, mehr oder weniger starke Verletzungen, wie Rippen-, Arm- und Beinbrüche; eine» der Kinder ist sogar gestorben. ES dürfte endlich«n der Zeit sein, nicht nur wie die erwähnte Korrespondenz fordert, das VerantwortlichteitS» gefühl derer, die Kinder in land- und forstwirtschaftlichen Be- trieben beschäftigen, durch gesetzliche Bestimmungen zu schärfen, sondern ein reichsgesetzlichcS Verbot der Beschäftigung von Kindern in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben zu erlassen. Als das iÄesetz betreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben vom 30. März tS03— eine kleine Abschlagszahlung auf die seit Jahr- zehnten von der Sozialdemokratie erhobene Forderung der Be- seitigung jeder Erwerbsarbeit von Kindern unter 14 Jahren— verabschiedet wurde, gelang es leider nicht, die entgeltliche Be. schäftiguna von Kindern im(Mindedienst und den land. und forst- wirtschaftlichen Betrieben durchzusetzen. Es gelangte nur folgende Resolution zur Annahme: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zum Zwecke von Er- Hebungen über den Umfang und di» Art der Lohnbeschäftigung von Kindern im Haushalt sAufwartung, Kinderpflege und der- gleichen) sowie in der Landwirtschaft und deren Nebenbetrieben, ihre Gründe, ihre Vorzüge und Gefahren, insbesondere für Gesundheit und Sittlichkeit, sowie wegen zweckmässiger Be- kämpfung dieser Gefahren mit den Landesregierungen in Ver- bindung zu treten und die Ergebnisse der borgenommenen Er. Hebungen dem Reichstage mitzuteilen." Die geforderte Denkschrift ist bislang dem Reichstage noch nicht zugegangen. Die Ausbeutung der Kinder in der Landwirt- schaft ist ausserordentlich weit verbreitet. Die Berufsstatistik von 18W zählte 214 954 erwerbstätige Kinder unter 14 J'ahren, darunter 135125 in der Landwirtschaft beschäftigte auf. Diese Zahlen bleiben hinter der Wirklichkeit weit zurück. Allein die Zahl der Hütekinder wurde schon vor Jahren von sachverständiger Seite auf gegen 100 OVO allein für Ostelbien geschätzt. Das leib- liche und geistige Wohl der Kinder fordert gebieterisch Abhülfe gegen die„nationale" Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft. Arbeiter als Schöffen. Die Elberfelder Behörde hat in diesem Jahre zum ersten Male den Versuch gemacht, Arbeiter als Schöffen zuzulassen. Der Versuch ist glänzend gelungen, denn es wurde den einzelnen Gewerkschaften empfohlen, dem Arbeiter- sckretär die Namen geeigneter Personen mitzuteilen, um dem Gericht eine Liste überreichen zu können. In einer Sitzung der Gewerkschaftskommission sprach man sich einstimmig dafür aus, dass auch fernerhin Arbeiter als Schöffen zugelassen werden sollten und dass auch bei den künftigen Auslosungen von Ge- schworenen Arbeiter berücksichtigt werden mögen. Letzteres ist allerdings bis jetzt noch nicht geschehen. �ericKts-TeiNing. Das ruhestörende Flugblatt. Wegen Verrichtung einer öffentlich bemerkbaren Arbeit am Sonntag war Genosse Rafalzyk zu Dortmund auf Grund der West- fälischen Verfrommungs-Äerordnung zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er am 30. Dezember 1906 Wahlflugblätter verbreitet hatte. Beim Gehen über die Strasse hatte er die Blätter über dem Arm. Tie Verteilung erfolgte in den Häusern. R. legte Revision ein und berief sich darauf, dass er gegen Entgelt die Verteilung vorgenommen habe. Nach§ 10 des prcussischen Prcssgesetzes in Verbindung mit tz 30 Abs. 2 des Reichspressgesetzes bedürfe man aber zur öffentlichen entgeltlichen Verteilung von Druck. schriften überhaupt keiner polizeilichen Erlaubnis. Auch stände ihm Z 43 Absatz 3 der Gewerbeordnung zur Seite, wonach eine Er- laubnis nicht erforderlich sei zur Verteilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzweckcn bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlaktes. Der Fericn-Strafscnat des Kammcrgcrichts unter Vorsitz des Scnatspräsidenten Koffka verwarf aber das Rechtsmittel mit folgender Begründung: Die Vorsckriften über die äussere Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage würden weder durch das Press- gesetz noch durch§ 43 Aos. 3 der Gewerbeordnung berührt. Im übrigen handele es sich hier, wie Angeklagter ja auch selber sage, um eine entgeltliche Dienstleistung. Das sei aber sicher eine Arbeit. Es sei auch eine öf,f entlich bemerkbare Arbeit gewesen, denn es habe jeder sehen können, wie Angeklagter die Blätter über die Strasse und in die Häuser hineingetragen habe. Vermischtes. Ha« vor dem Reichsgericht. Die Verhandlung über die Revision des zum Tode verurteilten Rechtsanwalts Hau wird, nach einer Meldung aus Leipzig, am 12. Oktober vor dem ersten Strafsenat des Reichsgerichts stattfinden. Eine grohe Fenersbrunst zerstörte Sonntagabend in ReimZ eine Kolonialwarenniederlage. Der Materialschaden beträgt 300 000 Frank. Sur de» Inhalt der Jujera»« bernimmt die Redaktion dein vnblikum acqeiinber keinerlei Beranlworrung. UKeater. Dienstag, 10. September. Anfang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Manon. Kgl. Schauspielhans. Die Raben- steinerin. Deutsches. Minna von varnhelm. Ansang 8 Uhr. Kammerspiele: Frühling» Er- wachen. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lesfing. Wenn wir Toten erwachen. Schtller O. lWnllner-Theoler.) Der Herr Senator. Schiller Eharlottenburg. Götz von Berllchingen. Friedrich- WilhclmstSdt. Schau- spielhaus. Winterschlaf. Neues Schauspielhaus. Die Hochzeitssnckel. Neues, kkeber den Wassern. Komische Oper. Tosca. Weste». Die lustige Witwe. LustlvielhanS. Husarenficber. Zentral. Orpheus in der Unterwelt. KleincS. Vater und Sohn. Residenz. Habe» Sie nichts zu ver- zollen k Xrianon. Fräulein Josett«— meine Frau. Thalia. Ihr Sech»- Uhr« Onkel. Luise». Die beiden Reichenmüller. Bernhard Rose. Der grosse Un- • öckannte. Ansang 8H, Uhr. Theater an der Spree. Der Aktlcnbudiker. Metropel. Der Tensel lacht dazu. Slnollo. Sylvester �chäfser. Epe- zinlitäte». Walhalla. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld. Madame WIg- Wag. ES lebe das Nachtleben. Passage. Lona Nansen. Svezialitäten. Wintergarte». Anne Daucrey. Nnnie DirkenS. Spezialitäte»». Brater. Der Tanztcuscl. Kasino. Die wilde Jagd. RcichShallc». SIelimer Sänger. Carl Haverland. Spezialitäten. Ilraiiiii. Ta»>>e»itr»s>r Abend» 8 Uhr; Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte, giivalidenltr. S7/S2. t'vrtlinantl Nonn» Berliner Theater. Abend» 8 Uhr- i I»M Km!» Mittwoch, Donnerstag: Die tan» zrnden Männchen._ Jleues Theater. m Ansang 8 Uhr. Ntber deii Wofhii. Morgen und solgende Tage: Heber den Wassern. Kleines Theater. Zum 56. Male: Vater und Sohn. * Ansang 8 Uhr. Mittwoch: Ein idealer Gatte. Ilieslei' öes Vesleas. 8 Uhr: vk« Inutiee Witwe. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preis«: _ FrOlillngHlnft. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Hnsarenfieber. Friedrlch- Wilhelmst. __ Zum ersten Male: W iiiterschlaf. Mittwoch: Die Nibelungen. Donnerstag: Winterschlas. Freitag: Die Nibelungen." Sonnabend: Die Nibelungen. Zentral-Theater. 8 Uhr: l>ie Puppe. Operette in 3 Akten und einem Vorspiel von Ordonneau und Muge». Urania. Wiasensohaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von derZiipitze zum Watzmann. Invalidenstr. 57— 62: Sternwarts. TSgl.j�eMfnet von T'/.—ll U. abds. ZOOlßCISCHER GARTEN Täglich ab nachm. 4 Uhr: Oroßca Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hüllte. 8 Uhr 8 Uhr Direktton: Riehard Alexander. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hcnncguin und Pierre Peber. Robert de Trivelin: SRich. Mexander. Sonntag, den IL. September, nachm. 3 Uhr: Eine HochzcilSnacht. Luisen-Theater r. Mittwoch: Gebildete Menschen. Donnerst.: Di« beiden Reichenmüller. Freitag zum ersten Male: Sannen. Schauspiel mit Gesang. Sonnabend: Turandot. Sonntag nachmittag: Turandot. Abend»: Carmen. �PiLcM.cmVL�Spies Köpe» ickerstrafte 68. Abend» 8 Uhr: Der Attienbudiker. vilder aus dem VoilSIeben m. Gesang von D. Kalis ib. (Josestne Tora, Heinz Gorvon, Marie Grimm-EwödShoser.) kMWMfM SdE. Fraulsurl erste. 132. Cm Garten. Ans. 41/, Uhr: DaS glänzende September> Programm Sperrsitz 50 Ps. Entree 30 Ps. Im Theater abends 8'/, Uhr: ver grolle Unbekannte. Sommerprcise._ Melropol-Theater Heute Dienstag, den 10. bis inkl. Freitag, den 131 September wegen Vorbereitung zu der neuen Revue Geschlossen. Sonnsbend, 14. September 1807; Zum 1. Male: Das miiS man sehen! Große humoristisch- satirische Jahres-Rovue in 4 Akten und 13 Tableaux von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Sohultz. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommaiidanteiistrasse Nr. 67. Ansang 8 Uhr. BNettvorverkaus 11—2 Uhr. DttrHcI»: Die SfoTltttt WsmeNgVzg Operetten-BurieSle von Anton u. Donat Herrnseld. Musik v. L. Jtal. Dazu di« Eeparee-Assäre Lzlede össZssektleden! mit den Autoren Anton u. Donat Herrnseld in den Hauptrollen. „Das Ued der Liebe" und da» „Anekdoten- Couplet" aus der Operetten- Burleske„Mab. WIg- Wag' sind im Theater sowie w allen Mustkalienhandlg. zu haben. Schlller- Schiller-Theator 0. sWallner-Theater). DtcnStag, abend» 8 Uhr: Dvi» Herr Senator. Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönthan u. Gustav Kadelburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Sclimngglcr. Donnerstag. abe n dS8Nhrl Ein Falllsaeiiicnti Tlieater. Schiller-Theater Charlottenliurg. Dienstag, abend« 8 Uhr: Guts von Derllchlngen. Schauspiel in 5 Auszügen von Wolsgang v. Goethe. Mittwoch, abends 8 Uhr: Derlcihon« Reise. Donnerstag, abendS8Uhr! Perlclions Heise. Charlottenburg. FS Volksbühne. S /, Uhr! Täglich:»>,. Uhr! Berlins größte Sensation: J*) der berühmte Uiiiversal-Künstler. Vorher, ab 8 Uhr: Da» grofte Speztalitäten-Programm. AnneDnncrey, Fariser Säng. The 8 Engllsn Girl«, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Unrorvskj-H, Akrobaten, „Die Bauernjungen im Walde". En Roy Taluin u. Uosco, Zauberkünstler. Agonst, komischer Jongleur. George R. Rcno Company, amerikanische Exzontriks. Annle Dlrken«. Olca Papinta, amorikan. Phantasie und SpiegeltSnzerin. Kelllno Trappe, ,In Venedig'. The Hartley«, Springer. Der Biograpti. Passage-Theater. Sotia Hansen. I 14 erstklassige Nummern. W.Koaoks Theater Dtrellwm Roh. Olli. Srmilienftr. 16. Wegen Renovieriing geschlossen! Sonnabend, 14. Sept.: Sröttnung der Wlnterfaison: Gr. Extra-Äorsiellg. vie Güttin von loleäo. Ehren- und VorzugSkarlen gültig I Nach d. Vorstell.: Eröffnunge-Festliall. Palast-Theater. * Burgstrafte 24. Heute'/-» Uhr. Entree 50 Pf. Aas gläutkiide Arograiiiiu. Umer anderm: Das scltnnme Her. DaS Tollst« vom Tollen. Tlie 5 Marnos erstllaisige Akrobaten. The Newports SxzenIAkS und 8 erstklassige Nummern. Vorverkaus von 11—1 Uhr. frSbels äfleflel-IkesleF SchSnh. Allee 148, Kastan.-Allee S7,S9. A-ltesteS PollStheater Berlin». VW- Heute, sowie täglich:-WW Konzert, Theater, Spezialitäten «... Karl Braun«sig Verwandlungen WendinlS, DeSllon, granconi ufw.— Dazu um 8 Uhr: Elfe aus den Amorsälen. BolkSslück in S Akten von F. Gchllscr. Im Riesensaal: Greller Rall. Ansang 41/, Uhr. Entree 80 Ps. Am Sonnabend: Abschicds-Vorstell. für Karl Braun Sonntag, den 48. September, nachmittag» 8 Uhr, im Schiller-Theater Charlottenburg; I. und II. Abteilung ■■ Theater-Vorstellung.>m» Zur Aufführung gelangt: GoethcS:„Götz von Berlichingen". NB. Die VereinSbettröge müssen spätestens bis zum Sonnabend, den 14. 9. bezahlt sein. 0er Vorstand. RixdorferTlieater Direktion: Julius Türk. Bcrgstrafte 447. Beginn der Saison am 13. Sept. 07. Rr« ffn n n g»» Voretell ang: Emilm Galotti _ von G. E. Lcssing._ IciiibevgSiueg lü/�O, Roienth. —— Ansang 8 Uhr.— Da» originelle Sept.Programm. Auto Atlas, der Athlet bebt ein Automobil mit »loa ILilbnen. �unnel�on�eri�Zhe� Bericr Praler-fliealer Kaftanlen-Allee 7/9, Täglich adendS 7'/. Uhr: Der Tanzteufel. Ausserdem: SpexlalltiUen 1. Range«. Konr.ert und Ball. Ansang 41/, Uhr. Kasino-Theater. Lothrlngerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Dik iliildt IaO. 4"««°» v" pulclg. Vorher d. glänz. Eröffnungs. Progr. Sonntag 4 Uhr: iieirat aut Probe. Triauon-Tliealer. Fräulein Josette- meiiie FraD. Ansang 8 Uhr. Reichslialien-Tliealer. Ans. Wochent. 8, Täglich! Britton als Ante im Familieit- bad Wannsee. onntagS 7 Uhr. TSNSS0U0S, TaeTe. Direktion Wilhelm Reimer. Heute DienStag: Gastspiel der Berliner Volksbühne: Entehrt. OsstzierSdrama In 5 Auszügen. Gastspiel des Herrn gerd. Schindler. Sonntag», Montags, Donnerstags: Mtens(foriii Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Beg. 5, wochent. 8 Uhr Jed. Dienstag«. Freitag: Berliner Volksbühne. Volks tümllche Preise. *?. ienische edarfsnrtlkel, Gummiwaren, lOOOe Änerk. V. Prof. u. Aerzt, empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp. Berlin 0., Holz- aiarktfltr.o9-70. GL. verlang, Sojaslofje Riesenauswahl aller Ouallläten. Wolle- Dnefaf Rocqnctts. Plüsch-BCilC. Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. EfflilLeto, o�anienstr. 158. Ziehung 17.-20. September arm Siebengebirgs- - Lotterie Insgesamt 1913(1 Geldgewinne-- Ji 430000 ElanptKewinBe Mk.: 10111100 50 3000 1 ganzes Lei 4 I Porto u. Liste 1 halse« Los 2| 30 4 extra. Lud. Müller& Co. Berlin C., Breitestr. 6 W» Telegr.-Adr.: Gliloksmiiller W» I Günstige Heilerfolge. 8 Aerzte. Direktor Alfred Bilz. 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Ties bewegt durch die überaus zahl- reiche Beteiligung bei der Beerdigung meiner zu früh dahingeschiedenen, unvergcssiichen Gattin Hse Fomfeist, a°b. Sloek ist es mir unmöglich, jedem einzelnen nieinen Dank auszusprechen, und sage ich hierdurch allen lieben Ver- wandten. Freunden und Bekannten, besonders den Kolleginnen und Kollegen des Verbände» der Buch- und Steindruckerei-HüffSarbeiter und Arbeiterinnen, sowie dessen Vorstand der Zahlstelle I, dem Personal der Firma Strauh, sowie auch meinen ivertcn Mitarbeitern der Prägeret Heymann u. Schmidt, dem Besitzer und den Bewohnern de» Hanse» Erl- strasse 8, sowie auch den Freunden vom Skaiklub, ganz besonder» dem Gesangverein„Solidarität-, der durch seine Anwesenheit einem stets ae- hegten Wunsche gerecht wurde, sür die herzliche Anteilnahme und M« herrlichen Kranzspenden den innlnstea Dank. 2835b Im Namen der Hinterbliebenen: Knill Fornfelst. 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Schatz sen. Gegründet tSSS. Brunnenstrasse 160, Eingang Anklamerstraste. 3BE W Die Beerdigung meiner am! 1 7. September verstorbenen im. I vergeßlichen Gattin, unserer lieben j | guten Mutter Alwine Hosse geb. Racsch findet am Dienstag, den tv. Sep- tember, nachmittags 4 Uhr, von| der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. 593721 Die trauernden Hinterbliebenen.! Jakob Rosse nebst Kindern. Nach schwerem Leiden verstarb > unsere langjährige Mitarbeiterin, I die Witwe loiise Lutz. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet heute ! nachmittag 5 Uhr von der Leichen- balle des Zeniral-Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Partcispcdition deS„Vorwärts" Lausitzer Platz. Allen Freunden hiernnt zur| Nachricht, daß meine liebe Frau IBlise Küßner am Sonntag nach langen Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch um 4 Uhr von der Leichenhalle des Marien-Kirchhofcs in der Prenzlauer Allee aus statt. 2837b Der trauernde Gatte Rvoi-x Küßner, Putzer. Danksagung. Für die überaus reiche Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer guten Mutter Kai-oHae Kingelmann sagen wir hiermit unseren besten Dank. Insbesondere dem Kraslturnvcrein .Brüderschaft 1», Sparverein„Nicht zu knapp", den Formern von Aichcle u. Bachmann, dem Personal und der Direktion der GenosfenschaftSbrauerei .Süd-Lst". 28226 Die trauernden Kinder. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Bruders, Schwagers und Onkels Lrnil Pochert sage ich alle» lieben Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen vom Verband der Bau-, Erd-, und gewerblichen Hülssarbeiter Bezirk Weißensee und Umgegend, so- wie der Freien Hülsskasse Zahlstelle Weißensce für die rege Beteiligung und schönen Kranzspenden meine» ttesgesühlien Dank. Die tiesbctrübte Witwe Johanna Pochert nebst Kindern. Deukckes Transportarbeiter-Verband. Ortsvorwaltung Berlin II. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, Frau jLnise Itutz am 6. September im Atter von I 52 Jahren an Leberkrebs ver-I starben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. d. M., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhofes, Friedrichsselde, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 7S/2 Die Drteverwsltung II. Am Sonntagvonnittag verschied nach schwerem Leiden mein erster Werkmeister und Geschäftsführer, Herr Theodor Neumann kurz vor Begehung seines 25jährigen Jubiläums. Er war in dieser langen Zeit stets ein Vorbild treuester Pflichterfüllung und betrauere ich in demselben einen treuen, nie rastenden Mitarbeiter, der mein ganzes Vertrauen besaß. Durch seinen geraden, selbstlosen und gerechten Charakter, seine stete Hülfsbereitschaft hatte er nicht nur meine, sondern auch die Hochachtung und Liebe aller seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und wird uns immer unvergeßlich bleiben. Ehre seinem Andenken! Berlin, 9. September 1907. Gcorc Wolff, in Firma Karton- u. Faltschachtelfabrik Max Wolff. Die Beerdigung findet Mittwoch'/,4 Uhr auf dem Elisabeth-Kirchhofe, Prinzen-Allee, statt. 2836b Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltungSstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbitter kricd Salomon gestorben tst. Ehre seinem Andenken! 94/5 Di« Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichttger Teilnahme bei der Beerdigung meines innig geliebten Mannes sage ich dem Wahlverein deS S. Kreises, dem TranSportarbeiterverband und den Kollegen der Kohlenarbeiter der Nordbahn meinen tiefgefühltesten Dank. . Helene Troge, Usedomstr. 9. 2827b Verein Derllner Hausdiener Mitgliedsohaft I des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes. Todes-Anzeleen. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Albert()uercle Bayrcuthersttaße verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Kaiser Wilhelm> Gedächtnis« Kirchhofes auS statt._ Ferner verstarb der Kollege Gustav Habermann Fruchtstraße. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am MittwochnachmMag 3>/, Uhr von der Leichenhalle deS St Andreas- Kirchhofes, Wilhelmsberg, aus statt. 75/3 Die Ortsverwaltnng I. vi». Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr.4UdicÄ 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß nach langem, schwerem Leiden am Sonntag, den 8. d. M., morgens 61/, Uhr, mein lieber Mann und Vater Kiistsv MUtze im 55. Lebensjahre verschieden ist. Um stilles Beileid bitten 2831b Rllno nutze. Oabar Rtttze. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Markgrasendamm 16 nach dem Friedhof in Stralau statt. ZlimIileiiiiid'Meb.Nzlilvei'eiii Stralau. Tode*- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Gemeinde- vertteter (justav Mütze am 8. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet amMitt- woch, nachmittags Punkt 3 Uhr, vom Trauerhause, Markgrasen- dämm Nr. 16, auS statt. 2832b Der Vorstand. Dedes- Anzeige. Am Sonntag, den 8. Sep- tember verstarb nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Vater, der Werkmeister Tdeolloi' Neumann im 40. Lebensjahre. Um stilles Beileid bittet Die trauernde Witwe Rnixllne \Tcnniann, geb. Rudolph nebst Sohn. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 11. d. M., nachmittags S'l, Uhr, von der Leichenhalle des Elisabcthkirchhoses, Prinzen-Allee, aus statt. Ml-Mliiiil der Haorer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Bezirk Nordosten. Am 7. September verstarb unser Mitglied Franz Gogolin im Alter von 47 Jahren an Brustfellentzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dientag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des katholischen Kirchhofes in Hohenschönhausen- Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung wünscht 143/1 Die Verbandsleitnng. Von der Reise zurück. 2824b I>r. med. LteTy, SwlnemUndcratr. ISO. TodeS-Anzeiae. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere Mutter, Tochter und Schwester Marie Hermann geb. Rupprecht am Sonnabend nach kurzem schweren Leiden entschlafen ist Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Dienstag- nachmittag'/,4 Uhr von der Halle des Zentral-FriedhoseS Friedrichs- selbe statt. 2829b Dr. Schünemann Spezial-Arzt für 54272* Bant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Frledrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10-a. 5—7. Sonnt. 10-12 Uhr. Am Sonntag, den 8. d. Mts., entschlief nach unsagbaren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bruder und Schwager, der Ver sicherungsbeamte früherer Zi- garrenmacher Karl Rebs im Alter von 50 Fahren. Die ttesttauernde Witwe Alma Rehs qjs Frau. Fritz BUller und Frau als Schwager und Schwester. Die Beerdigung findet am Mttwochnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Philipp Apostel- Kirchhofes aus nach dem stadtischen Friedhos, früher Charitö- Kirchhos statt. 2821b SozialdeinokraiiselierWahiyereiii des 6. Berliner Wahlkreises. Todea- Anzeige. Am 8. September verstarb unser Mitglied, der Verficherungsbeamte Kar! Rebs Hochstr. 28. 266/5 Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mitt- woch. den 11. d. M., nachmittags 4 Uhr, vonderHalledeS Philippus- Apostcl-Kirchhoses nach dem städtt- scheu Friedhofe in der Müller- straße. Ecke seesttaße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Veratand. Verband der Ireieu Gast- und Scbankvirte Deutschlands. Zahlstelle Stralau- Rummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege und Mit- begründer deS alten Berl. Vereins vustsv Mütze nach langem schwerem Leiden am 8. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause Markgrasendamm 16 nach dem Stralauer Friedhos statt. Sämtliche Mitglieder find ver- pflichtet, an der Beerdigung teil- zunehmen. 2833b Die Ortsverwaltung. 2. Ziehung 3. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 9. September 1907, vonnlttagi, Nur die Ocwinne Uber 144 Mark Bind den betreffenden Kümmern in Klammem beigefügt (Ohne Gewähr.)(Kachdruck verboten.) 117 319 79 COO 856»9 1 090 222 7 7 711 12 898 989 2033 69 100 99 235 307 423 773 821[800] 903 3067 254 72 383 8 9 698 012 4 021 50[800] 110 30 5[500j 70 474 596 913 5 365 433 81 503 845 6195 316 63[800] 633 930 49 7 063 261 843 470 591 94 8 149[ 800] 96 506 917 9014 20 86 103 26 272 843 96 670 93 721 819 937 10073 365 476 925 11161 815 63 553 93 616 64 T70 120(1 176 404 77 635 1 3130 94 220 756 57 825 950 71 14339 419 2 6 65 773 963 1 5535 95 749 52 1 6330 84 [300] 446 561 861 91 905 54[ 300] 85 1 7110 34 246 78 335 403 71 618 72 713 27 921 44 18055 89 158 80 303 420 4 7 590 854 936 33[300] 19 171 343 482 630 702[300] 2O100 223 323 57 601 852 2 1 044 422 27 979 22161 €6 221 49 411 531 374 960 2 3 097 1300] 339 425 635 758 989 24165 435 57 641 754 80 823 2 5034 75 192 387 429 935 2 6 240 433 571 832 2 7050 324 431 649 2 8030 197 422[ 300] 67 633 92 2 9011 130 53 263 812 70 518 7 6 876 996 30211 69 315 534 666 933 71 3 1 023 158 206 95 781 810 11 32059 236 322 460[300] 606 33 60 763 3 3 377 604 [1009] 35 3 4038 249 555 660 752[300] 836 68[300] 35074 131 59 209 560 93 602 797 36210 432 559 79 732 43 900 37109 16 47 7 4 744 969 3 8094 178 255 325[400] 419 500 649 310 40 65 39030 207 326 633 03 910 83 49 624 97 705 999 41102 656 027[300] 42016 III 204 334 412 530 750 996 4 3071 192 595 609 817 4 4012 143 411 92 571 96 725 54 814 2 4 4 5097 247 464 93 514 609 914 20 43546 73 65 4 776 90 989 47 156 395[400] 444 535 647 943 4 8041 125 92 232 91 306 30 96 558 634 53 787 849 99 909 49030 63 244 92 493 942[300] 50017 202 516 864 90 5 1 350 523 770 803 72 5 2011 232 4 3 810 96 5 3108 81 83 98 240 14 20 925 54123 60 497 627 96 935[400] 57 5 5013 319 522 60 724[300] 826 5 6179 290 492 776 94 856 921 57045 580 86 607 63 93 836 973 5 8 722 932 5 0 921 109 13 255 654 726 60039 60 147 243 54 91 327 433 81 797 61105 2S 229 94 302 41 66 512 42 4 7 99 756 890 902 27 6 2083 215 444 643 604 764 801 92 6 3151 57 347 623 743 75 6 4007 33 158 527 606 65 72 6 5 290 580 711 847 945 6 6 432 503 787[400] 904[300] 52 67113 242 82 492 518 633 89[300] 734 68341 782[300] 815 56 944 53 88 6 9046[300] 84 488 564 699 70023 244 38» 871 71185 384 473 634[1000] 714 876 931 72193 290 332 576[1000] 654 719 875 73014[300] 136 472 543[300] 93 7 4062 113 239 557 67[300] 714 90 75004[300] 140 215 724 7 6123 246[400] 570 803 57 59 910 13 7 7116 337 432 524 7 8155 413 62 560 79 95 622 718 £21 53 7 9023 283 443 550 632 92 778 822[ 400] 80051[300] 57 90 653 6 2 751 70 8 1 047 222 400 687 766 822 33 88 8 2039 75 185[400] 365 469 8 3053 265 300 77 576 622 27 917 77 84020[ 300] 423 550 840 45 8 5269 465 531 73[500] 821 8 6021 301 404 41 61 73 722 8 7067 [300] 331 53 462 886 973 98 8 8176 224 304 51 80279 411 [400] 678 00133 298 407 23 759 0 1 085 114 70 453 59 82 724 961 0 2 266 75 301 13 599 693 711 0 5094[5000] 164 215 84[300] 533 633 744 817 52 943 0 4(30 72 254 340 449 605 72 910 0 5021 460 564 688 837 5? 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Ziehung 3. Kl, 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom I. September 1907, nachmittag*. Nur die Gewinne Uber 144 Mark Bind den betreffenden Kümmern In Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbeten.). 310 553 641 787 949 1 274 368 89 859 2 231 442 529 895 936 74 3075 81 185[ 300] 498 811 966 4199 262 300 39 630 5191 373 426 70 86 596 644 952 70 6250 484 569 829 68 7191 290 358 85 93[300] 477[300] 577 657 783 847 8069 247 326 413 35[500] 956 0105 533 88 607 840 895 10070 156 63 404 82 552 833 924 42 11069 128 49 53 63 273 335 56 73 482 596 796 929 12278 93 358 72 658 814 13169 77[300] 388 459 542 76 660 775 826 1 4133 222 351 86 453 1 5033 116 85 262 74 841 66 442 519 663 10182 629 722 50 1 7044 46 117 223 320 625 895 1 8013 80 157 207 47 65 527 33 621[400] 38 757 998 1 0029 199 SSO[300] 590 747 56 807 27 903 20068 149 219 67 742 847 94[300] 942 21105 646 637 93 896 909 75 22183 343 412 49 65 23153 275 317 67 424 713 99 998 2 4210 40 67 493 745 833 992 2 5063 115 212 441 2 6063 335 485 730 838 73 2 7617 79 707 31 827 28016[300] 253 343[300] 93 686 933 2 0001 99 490 729 va öfi7 fWftl 3 0026 329 88 3 1 099 160 299 459 756 848 961 32144 226 50[5000] 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27 913 2 5 3118 74 SSO 434 46 67 58 77 93 98 595 619 707 818 930 2 5 4032 71 513 6t 85 750 74 803 43 53 5J [100] 64 2 5 5 428 506 624 29 007 2 5 0042 274 300 81 509 849[600] 2 5 7091 134 94 471 517 753 681[400] 258031 56 60 121 297 98 304[300] 412 30 63 768 2 5 0311 664 720 61 200100 246[300]«12 32 814 73 925 201008 172 284 487 645 990 2 6 2060 119 93>35 89 92 301 564 737 2 6 3011 413 60 85 507 815 49 963 2 6 4063 203 5 81 673 703 851 903 2 6 5092 149 424[ 300] 28 53 513 48 59 762 2 6 0157 61 384 527 747«73 975 2 6 7024 153 227 28 617 [400] 603 97 952 2 68189[500] 320 340«82 845 945«7 200(91«ri 2 7 0(39-05 49 963 27 1085 321 474 845[3000] 27210, 268 3(5 100 19 781 98 2 70156 103 5 71 645!51 55 859 78 933 27 4092 157 06 30- 21 8 5 593[ 300] 904 2 7 5019 144 321 475 550 614 805 2 7 0110 20« 20 319 45 1 577 675 982 2 7 7359 523 670 93 278062 77 86[300] 201 335 452 75 772 807 27 0024 125 385 461 545 49 639 28 0212 8- 371 89 595 98 912 281*03 17 597 925 74 282270«46 81« 283096[ 500] 184 332 505«62 28425? 384[ 400] 555 85 853 2 80 263 834 834 35 2 8 0000 51 19« 232«59 80 763 2 8 7242 310 71« 803 983 Berichtigung: In der Liste vom 7. lies 42 49(5[300] September vorm. Die Ziehung der 4. Klasse 217. KSnlgi. Prensa. Klassen-Lotterie findet statt am 8. und 9. Oktober Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwSrtI Buchdruckerei u. BerlogSansialt Paul Singer L- Co., Berlin SW- *• 2" 2i. z°w°!.. 2. Stilllge des„lötmiittö"§ti\\\\ti Jolblilutt.>».«mt«.m. Hm tmttwocl) findet für Berlin und Vororte der Zat)labend statt. Verband{ozlaldemobratikber Aahlvereine Berlins und llmgegend. Die- neue General- Versammlung zur Beratung der Aenderungen im Berbandsstatut wird auf Sonntag, den 37. Oktober festgesetzt. Der Entwurf des Zentralvorstandes wird laut Beschluß am Dienstag, den 10. September, im„Vorwärts" veröffentlicht, damit die Genossen, falls sie es für nötig erachten, nochmals am Zahlabend über das Statut diskutieren und ihre Wünsche den Kreisen bekannt geben. Eventuelle Abänderungsanträge sino von den Kreisen bis zum 1. Oktober an das Verbands- bureau zu stellen. Später einlaufende Anträge können dann in der Generalversammlung nicht diskutiert werden, da deren satzuiigsmäßizc Veröffentlichung im Mitteilungsblatte nicht mehr möglich wäre. Da in der vorigen Generalversammlung Anträge in so großer Anzahl eingebracht wurden, daß ein Sichten und Ein- ordnen fast unmöglich erscheint, außerdem viele derselben er- ledigt sind, da der Zentralvorstand sie in das jetzt beschlossene Statut aufgenommen hat, betrachtet der Vorstand alle alten Anträge als erledigt und bittet die Antragsteller, ihre Anträge eventuell bis zum 1. Oktober neu einzureichen. Die geplanten 6 nationalökonomischen Borträge der Ge- nossin Rosa Luxemburg finden statt in den„Germania-Sälen", Chansseestr. 110, früher 103, am Montag, den H. Oktober 1907 21. 28. 1907 1907 im„Deutschen Hof" Freitag, den 4. November 1907 11... 1907 18.., 1907 , Luckanerstr. 15, am 18. Oktober 1907 os; iqn7 l". November 1907 .. 8.„ 1907 „„ 15.„ 1907 ., 23. ,. 1907 Anfang stets Pünktlich 8 Uhr.— Der Preis für die auf olle 6 Vortrüge lautende Karte beträgt 60 Pf., doch berechtigt die Karte nur zum Eintritt in das bestimmte Lokal. Das Programm der Vorträge lautet: Einfiihrnng in die Nationalökonomie. 1. Was ist Nationalökonomie? 2. Die acsellschastliche Arbeit. 3. Der Austausch. 4. Die Lohnarbeit. 5. Die Herrschaft des Kapitals. 6. Tie Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaft. In der Zentralvorstandssitzung vom 6. September wurde einstimmig beschlossen, daß die Berliner Parteigenossen dem Verbände der Handlungsgehülfen und Transportarbeiter bei Sammlung der Unterschriften zur Petition für den Achtuhr- Lateufchluß Beihülse leisten. Auf dem Zahlabcnd sollen möglichst viel Parteigenossen bestimmt werden, welche die Unterschriften einsammeln. Eine Anleitung für die Bczirksführer und Material für die Helfer ist den Genossen zugegangen. Die Einsammlung der Unterschriften soll am Sonntag, den 13. September, von früh 8 Uhr an von den bekannten Bezirkslokalen auS er- folgen. Es kommen außer den sechs Berliner Kreise» noch die Orte Charlottcnburg, Schöncberg und Rixdorf bei der Unter- schriftensaimnlnng in Betracht. Wir ersuchen die Parteigenossen, sich niit dem gewohnten Interesse an allen Ver- anstaltungen zu beteiligen. Der Zentralvorstand. m Anträge zur Generalversammlung des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvercine Berlins und Umgegend 27. Oktober 1907. Vorschlag des BerbandsvorstandeS: § 1. Die sozialdemokratischen Wahlvereine der sechs Berliner Wahl« kreise und der beiden Borortlrrise Teltow-Bceökow und Nieder- Barnim bilden einen gemeinsamen Verband unter dem Namen: .Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Um- gegend." s 2. Aufgabe des Verbandes ist die Förderung aller gemeinsamen Parteiin'eressen der obigen acht Wahlkreise. Dahin gehören ins- besondere: a) Vorbereitung aller Wahlen und Aktionen, an denen die sozialdemokratische Parlei beteiligt ist. b) Veranstaltungen von Versammlungen und Herausgabe von Flugblättern, die gemeinsamen Zwecken dienen. c) Verwaltung und Verwendung der nach Z 1ö von den Kreis- wahlvereinen eingehenden Gelder.• d) Herausgabe eines Mitteilungsblattes. e> Beschaffung von Referenten. k> Verwaltung gemeinsamer Institutionen. g) Kontrolle des.Vorwärts" durch eine Preßkommission laut Parteistatut. 8 3. Mit der Leitung deS Verbandes wird ein auS 48 Mit- gliedern bestehender Verbandsvorstand betraut, der alljährlich zu wählen ist. Den 1. Vorsitzenden, 1. Schriftführer und 1. Kassierer wählt die Generalversammlung, die anderen 45 Mitglieder desselben werden von den Kreiswahlvercinen prozentual ihrer Mitgliederzahl gewählt. Jeder Kreiswahlverein mutz aber durch mindestens 4 Mitglieder in denisclben vertreten sein. Diese Wahlen bedürfen zur Gültigkeit der Bestätigung durch die Generalversammlung. I Zu den Aufgaben des Verbandsvorstandes gehören: aj Beschlußfassung über die Führung der laufenden Geschäfte. b) Festietzung der aus jeden Kreis entfallenden Anzahl der Ver- bandsvorttandsmitglieder und der Delegierten zu den General- Versammlungen nach Maßgabe des§ 12 Abs. 1. o) Einberufung der Generalversammlungen und Festsetzung der provisorischen Tagesordnung. d) Entscheidung über Boykotts. e) Beschlußfassung über die zur Agitation in der Probinz Brandenburg zu bewilligenden Gelder. k) Beschlußfassung über gemeinsame Agitation für die Organi- salion oder die Presse und Bewilligung der hierzu not- wendigen Gelder. g) Wahl der zur Ergänzung der einzelnen Kommissionen not- wendigen Mitglieder aus seiner Mitte. b) Verhandlungen mit anderen Körperschaften der Arbeiter- bewegung. Die Beichlüsse des Verbandsvorstandes sind bindend für die acht Wahlvereine. 8 4.. Zur Kontrolle der Kaffenführung deS Verbandsvorstandes sind alljährlich von der Generalversammlung fünf Revisoren zu wählen. 8 d. Zur leichteren Bewältigung der Geschäfte teilt sich der Verbands- vorstand in folgende vier Unterkommissionen: a) Aktionsausschuß, b) Preßkommission, c) Agitationskommission, d) Lokalkommission. In jede dieser Unterkomnnssionen entsendet jeder KreiS einen Vertreter ssiehe auch§ 3 Abs. 2), die fehlenden Mitglieder wählt der Borstand aus seiner Mitte hinzu. 8 S. Der Aktionsausschuß besteht aus 17 Mitgliedern: dem 1. und 2. Vorsitzenden, 1.. 2. Schriftführer. 1.„ 2. Kassierer, 8 Beisitzern, je einem Vertreter der Preß-, AgitationS- und Lokalkommission. Zu den Obliegenheiten des Aktionsausschusses gehört: a) Die Leitung der laufenden Geschäfte, soweit sie nicht der Beschlußfassung des BerbandsvorstandeS resp. der General- Versammlung unterstehen. d) Entgegennahme der Berichte der Preß-, AgitationS- und Lokal- kommission. .Jeder Kommission steht gegen einen sie betreffenden Beschluß des Aktionsausschusses die Berufung an den Verbandsvorstand zu. 8?. Die Funktionen der Preßkommission sind durch daS Parteistatut geregelt. Sie haben dieselben in möglichster Uebereinstimmung mit der Berliner Parteiorganisation zu erfüllen. 8». Die«gitationskommission leitet gemeinsam mit dem Zentral vorstand der Provinz Brandenburg die Agitation in der Provinz, stellt den Jahresetat hierfür aus und fungiert als Vermittelung zwischen dem Verbandsvorstand von Groß-Berlin und dem Zentral vorstand der Provinz Brandenburg. 8». Zu den Aufgaben der Lokalkommissson gehört: a) Beschaffung von Versammlungslokalen zu den von der Berliner Arbeiterschaft aufgestellten Bedingungen. d) Herausgabe der Lokalliste. 8 w. Die Vertteter der Kommissionen haben über die Stellungnahme des Aktionsausschusses zu ihren Nessortfragen ihren KomnussionS Mitgliedern zu berichten. 8 11. Die Mitglieder des BerbandsvorstandeS und speziell die der Unterkommissionen haben ihren Krcisorganisationen Bericht' zu erstatten sowie Auregungen derselben in ihren Körperschaften zu vertreten. Wichtige Angelegenheiten sind möglichst vorher den Kreisen zur Beratung zu unterbreiten. 8 12. Halbjährlich findet mindestens eine Generalversammlung statt. zu welcher jeder Kreiswahlverein prozentual seiner Mitglieoerzahl Delegierte zu entsenden hat. Maßgebend für die Delegation ist die Mitgliederzahl, welche sich auS den im vorhergehenden Jahre ein« gegangenen Mitgliederbeiträgen ergibt. Die Gesamtzahl der Dele- gierten beträgt 600. Die Zahl der Delegierten jeden Kreises muß mindestens 10 betragen. Sitz und Stimme haben in der Generalversammlung außer den Delegierten: die Mitglieder deS Verbandsvorstandes, die Revisoren, der Parteivorstand, die Abgeordneten resp. Kandidaten der acht Kreise, eine Vertretung der Redaktion deS.Vorwärts", 6 Vertreter der Berliner Stadtverordneten, 3 Gcmeindevertreter resp. Stadtverordnete von Teltow-Bceskow-Storkow-Charlottenburg und 2 Gemeindevertretcr resp. Stadtverordnete von Nieder-Barnim. Außerordentliche Generalversammlungen müssen einberufen werden durch Beschluß des Verbandsvorstandes oder auf Antrag von drei Kreiswahlvereinen. In diesem Falle können die im Statut vor- gesehenen Zeitbestimmungen für Einberufung oder Veröffentlichung außer Kraft treten. Die Tagesordnung der Generalversammlungen und die Anträge zu denselben müssen mindesten drei Wochen vorher im»Mitteilungsblatt' und im.Vorwärts" veöffentlicht werden. 8 13. Zu den Aufgaben der Generalversammlung gehören: a) Entgegennahme der Berichte des BerbandsvorstandeS und der Revisoren. b) Beschlußfassung über die der Generalversammlung überwiesenen Verwaltungsangelegenheiten. v) Beschlußfassung über Parteifragen und gemeinsame Agitation. d) Wahl des 1. Vorsitzenden, des 1. Kassierers, deS 1. Schriftführers und der 6 Revisoren. e) Bestätigung der von den Kreiswahlvercinen vorgeschlagenen Verbandsvorstandsmitglieder.<8 3 Absatz 2.) k) Anstellung und Festsetzung der AnstellungSverhältniffe von VerbaudSvorstandsmitgliedern. Die gefaßten Beschlüsse der Generalversammlung sind bindend für die acht Kreiswahlvereine. 8 14. Die Parteigeschäfte in den einzelnen Kreisen werden von den Kreiswahlvereinen selbständig geregelt. Jeder Kreiswahlverein ist in Bezirke einzuteilen. Die Art der Bezirkseinteilung ist den Wahlvereinen überlassen. Das in den Kreiswahlvercinen zu erhebende Eintrittsgeld beträgt 20 Pf., der monatliche Beitrag 30 Pf. Jeder Parteigenosse hat sich der Organisation seines Kreises anzuschließen; dauernde Tätigkeit in einem anderen Kreise, einzeln oder gruppenweise, ist auf Antrag deS betreffenden Kreiswahlvereins nur mit Genehmigung deS Verbandsvorstandes gestattet. 8 16. Mitgliedsbücher, Eintritts- und Beitragsmarken sind für alle Kreiswahlvereine einheitlich. Für jede vom Verbandskassierer ent- nommene Beittags- und Einttittsmarke sind von den Kreiswahl- vereinen 10 Pf. zu entrichten. Alle in den Kreisen vereinnahmten Gelder, die nicht zur Deckung eigener Ausgaben Verwendung' finden, sind an den Verbands- vorstand abzuliefern. 8 16. DaS Geschäftsjahr beginnt mit dem 1. Januar und endigt mit dem 31. Dezember. Nach Schluß eines jeden Geschäftsjahres ist vom Verbands« vorstand ein gedruckter Jahresbericht herauszugeben und muß der- selbe mindestens 14 Tage vor der stattfindenden Generalversammlung den einzelnen Kreiswahlvereinen zugestellt sein. 8 17. In dem vom VerbandSvorstand herausgegebenen.Mitteilung� blatt" hat derselbe alle wichtigen Vorgänge im Verband, Vorstand. in den Kommissionen und Kreiswahlvereinen zu berichten. Die Kreise sind verpflichtet, rechtzeitig zu jeder Nummer einen kurzen Bericht über die Tätigkeit der Wahlvereine an den 1. Schriftführer des Verbandes einzusenden, ebenso die Kommissionen. DaS»Mitteilungsblatt" ist sämtlichen Verbandsvorstands- Mitgliedern, ebenso den Vorstandsmitgliedern, Abteilungs- und Bezirkssührern der Kreiswahlvereine unentgeltlich zuzustellen. 8 18. Anträge auf Aenderung dieses Statuts find mindestens drei Wochen vor der Generalversammlung dem Verbandsvorstand einzu- reichen und bedürfen zu ihrer Annahme der Zustimmung von zwei Dritteln der auf der Generalversammlung Anwesenden, ebenso An- träge auf Auflösung des Verbandes. Diese letzteren können, aber nur in einer zu diesem Zweck einberufenen Generalversammlung ver- handelt werden. Alle anderen Anträge werden durch einfache Majorität ent- schieden._ parte!- Hngelegenbeiten* Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 16. September, findei ein Familienausflug nach Johannisthal sRestauraifi Senstleben) statt. Treffpunkt daselbst von 2 Uhr ab. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Der Vorstand. Achtung, fünfter Wahlkreis. Die Broschüre über die s o z i a l i Gliederung der Wählerschaft deS fünften KreifeS gelangt am nächsten Zahlabend, Mittwoch, den 11. September, zur Gratlsverteilung an alle Mit- glieder des WahlvereinS. Wirersuchen daher um pünkt- licheS Erscheinen. Der Vorstand. Stralau. Der Zahlabend des zweiten Bezirks findet bis auf weiteres im Lokal des Herrn Loeke(früher Rittwach), Alt-Stralau 6 statt, der des ersten Bezirks im Lokal von Schöps. Alt-Stralau 17. In beiden Zahlabenden wird die Abrechnung vom Volksfest gegeben. Die Genossen, welche am 1. Oktober aus Stralau verziehen, werden gebeten, ihre Adresse umgehend den Bezirksführern mitzuteilen, jodaß die Ueberweisung pünktlich erfolgen kann. Der Vorstand. Karlshorst! Parteigenossen! Der Zahlabcnd findet am Mittwoch, den 11. September, abends 8Vz Uhr, im Lokale von A. SabrowSky, TreSkowallee, Ecke Krausenstraße, statt. Die Parteigenossen werden ersucht, pünktlich und vollzählig zu er- scheinen. Der Vorstand. FricdrichShagen. Mittwoch, den 11. September, abends S'/z Uhr, in LercheS Bürgersäle, Rundteil: Volksversammlung. Tagesordnung: Bortrag des Reichstagsabgeordneten Robert Schmidt über:»Die Bedeutung des Internationalen Arbeiter- kongresses" und.Was hat uns der neue Reichstag gebracht und was haben wir von ihm zu erwarten?" Diskussion. Die Parteigenossen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen.— Der Zahlabend findet nächsten Freitag statt. Weißensee. Die auf den heutigen Dienstag angesagte Frauen- Versammlung deS Kreises Niederbarnim fällt wegen Erkrankung der Berichterstatterin auS. Die Kreisvertrauensperson. Bezirk WaidmannSlust. Den Genossen zur Nachricht, daß sämt« liche noch ausstehende Billetts vom Sommerfest am Mittwoch zum Zahlabend abgerechnet werden müssen, da sonst die Genossen in der Versammlung am Sonnabend in Wittenau bekanntgegeben iverden. Der Vorstand. Berliner IVadmcbten» Die soziale Gliederuug der Wählerschaft im fünften Berliner Reichstagswahlkreise. Der sozialdemokratische Verein für den fünften Berliner Reichstagswahlkreis hat eine sehr beachtenswerte stattsttsche Arbeit geleistet, deren Ergebnisse den Mitgliedern des Vereins in Form einer 20 Seiten starken Broschüre am nächsten Zahl- abend übergeben werden. Durch diese Statistik ist festgestellt, welchen sozialen Schichten die in den Listen für die Reichs- tagswahl 1907 verzeichneten Wähler angehören. Durch diese Feststellung, die sowohl für den ganzen Kreis als auch für jede der sieben Abteilungen des Vereins getroffen ist, sollen den tätigen Genossen Anhaltspunkte und Fingerzeige für die Agitation im Kreise gegeben werden. Die Ergebnisse der Stattstik sind ade» auch insofern von allgemeinem Interesse, als sie durch Fest- 'tellnng der sozialen Gliederung der Wählerschaft sowohl den Ausfall der Wahl als auch die Erfolge der Agitation der unsrigen wie der gegnerischen— erklären. Die Statistik des Vereins hat 34 542 eingeschriebene Wähler und 26 656 abgegebene Stinimen festgestellt. Das ist eine ganz geringe Abweid>ung von den amtlichen Feststellungen. Die Wahlbeteiligung betrug 77,17 Proz. der eingeschriebenen Wähler. Nur der sechste Wahlkreis wies eine geringere Be- teiligung, nämlich 71,50 Proz. auf. In den übrigen vier Berliner Kreisen war die Beteiligung stärker, nämlich 81,14 Proz. im ersten, 81,57 Proz. im zweiten. 84,76 Proz. im dritten, 81,41 Proz. im vierten Kreise. Daß die Beteiligung im fünften Wahlkreise trotz des äußerst lebhaften Wahlkampfes hinter der Beteiligung in den übrigen vier Kreisen zurückstand, wird aus der Struktur des fünften Kreises erklärt. Er umfaßt zum größten Teil Gebiete der inneren Stadt, darunter das Charitsviertel, wo viele Studenten wohnen, Leute, die wenig seßhaft und für Polittk wenig interessiert sind. Nur ein Te il des Kreises.* der sich zwischen der Greifswalderstraße und der Prenzlauer Allee bis zur Weichbildgrenze hinzieht und die I. Abteilung deS Vereins bildet, trägt vorwiegend proletarischen Charakter. Hier hat die Sozialdemokratie denn auch 67,27 Proz. aller abgegebenen Stimmen erhalten, während der Durchschnitt für den ganzen Kreis 55,92 Proz. beträgt. Um ein Bild von der sozialen Gruppierung der Wähler zu geben, unterscheidet die Statistik vier soziale Gruppen 1. bürgerliche Wähler(Kaufleute, Agenten. Geschäftsleute, Hand werksmetster, Lehrer, Studierte— das sind Aerzte, Apotheker� Rechtsanwälte usw.— Schankwirte, Fabrikanten und Rentiers 2. Beamten- Wähler(Staats- und städtische Beamte). 3.„Neue Mittelstands"-Wähler(kaufmännische Angestellte. Bureaubeamte, Techniker und Ingenieure). 4. Prolelarische Wähler(Handarbeiter, Arbeiter, Kutscher, Hausdiener, Portiers, Wächter, Wärter, Kellner und Musiker). Nach dieser Gruppierung wurde festgestellt, daß im ganzen Wahlkreise vor handen waren: Bürgerliche Wähler..,,, 0769-- 28,28 Proz. Beamten-Wähler...... 2884= 8,35, „Neue Mittelstands"-Wähler.. 3951 11,44, Proletarische Wähler.... 17938---- 51,93„ Von diesen vier Gruppen ist der„neue Mittelstand" die jcnige, welche sich im Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl am wenigsten an der Wahl beteiligt hat. 73,02 Proz. der Wähler dieser Gruppe übten ihr Wahlrecht aus. Dann folgt die Gruppe der bürgerlichen Wähler, welche sich mit 77,47 Proz. ihrer Angehörigen an der Wahl beteiligte. Von den pro> lctarischen Wählern gingen 77,74 Proz. zur Urne. Unter den Beamten aber stieg die Wahlbeteiligung auf 78,29 Proz Eine Sondcrung der bürgerlichen Wähler in drei Einzel gruppen ergibt, daß von 100 bürgerlichen Wählern 36,95 Käufleute, Agenten, Fabrikanten, Rentiers. 13,88 Studierte 49,17 Kleinhändler und Handwerker sind. Fast die Hälfte aller bürgerlichen Wähler gehören also zu den Kleinbürgern. — Ueber die Wahlbeteiligung dieser Einzelgruppen der bürger lichen Wähler hat die Statistik ergeben, daß sich die wähl' berechtigten Studenten sehr wenig an der Wahl beteiligt haben. Sie sind das am meisten fluktuierende Element und waren bei der Listenkontrolle ebenso wenig aufzufinden, wie unter den proletarischen Wählern die Kellner. Dagegen war die Wahlbeteiligung der seßhaften Studierten(Aerzte. Rechtsanwälte und so weiter) eine gute. Die Wahl beteiltgung der Kaufleute und so weiter bleibt um 2,13 Proz hinter der Beteiligung im ganzen Kreise zurück, während die Kleinhändler und Handwerksmeister die Gesamtbeteiligung um 4M Proz. übertreffen. Die starke Beteiligung der Klein- bürger zeigt, was wir bei der Wahl im ganzen Reiche gesehen haben, nämlich das Ausgebot der indifferenten Massen gegen die Sozialdemokratie. Die Gruppe der proletarischen Wähler ist ebenfalls in drei Sondergruppen geteilt. Die kleinste ist die der Kellner und Musiker, welche 8,13 Proz. der proletarischen Wähler um- faßt. Sie ist am wenigsten seßhaft und bildet hinsichtlich der Wahlbeteiligung die unzuverlässigste Gruppe.— Die zweite Gruppe bilden die Kutscher, Hausdiener, Portiers, Wärter, Wächter; proletarische Elemente, deren Mehrheit leider noch nicht zum Klassenbewußtsein erwacht ist. Diese Gruppe um faßt 16,15 Prozent aller proletarischen Wähler. Unter den Angehörigen dieser Gruppe haben die bürgerlichen Parteien ganz besonders scharf agitiert und sie durch persönliche Beeinflussung seitens des Arbeitgebers an die Urne gebracht. Daraus erklärt sich, daß in dieser Gruppe eine Wahlbeteiligung von 78.76 Prozent zu verzeichnen ist. Die dritte Gruppe der proletarischen Wähler bilden die Handarbeiter, die in der Wählerliste nach ihren Professionen oder unter dem Sammelnamen Arbeiter aufgeführt sind. Diese Gruppe stellt 75,72 Proz. aller proletarischen Wähler, 39,32 Proz. aller eingetragenen Wähler und hat 40,35 Proz. aller Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung der Gruppe „Handarbeiter" beträgt 79,18 Proz., steht also um 2,01 Proz. über dem Durchschnitt der Beteiligung im ganzen Kreise. Sie weist von allen Einzelgruppen sowohl der proletarischen wie der bürgerlichen Wähler die stärkste Wahlbeteiligung auf. Nur von der Einzelgruppe der Kleinhändler und Handwerks meister wird sie übertroffen, die mit 81,20 Proz., also 4,03 Proz. über dem Durchschnitt des Kreises steht. Diese Angabe zeigt, wie schon bemerkt, daß es der skrupeb losen Agitation unserer Gegner gelungen ist, das Kleinbürger' tum mit Angst vor der Sozialdemokratie zu erfüllen und für eine der bürgerlichen Parteien an die Urne zu bringen. Möge der statistische Nachweis für die tätigen Genossen des fünften Wahlkreises ein Ansporn sein, Ausklärung unter den Wählern zu verbreiten, damit es gelingt, die Proletarier, welche ja schon die zwar noch kleine Mehrheit der Wähler bilden, zu 100 Proz. an die Urne zu bringen. Dann gehört auch der fünfte Berliner Reichstagswahlkreis zu unserem sicheren Besitz. Der Hochbahnhof Warschauer Brücke, welcher seit einiger Zeit wegen Umbaues gesperrt ist, wird, wie wir hören, im Oktober d. I. wieder in Betrieb genommen werden. Die fortgesetzte Steigerung des Verkehrs auf der Hochbahn machte eine Verlängerung und Ver- breiterung der Bahnsteige notwendig. Zu gleicher Zeit wird auch der an die Endhaltestelle der Hochbahn östlich anschließende neue Wagcnschuppen dem Betriebe übergeben werden. Es ist dies eine stattliche Halle von 165 Meter Länge und 32 Meter Breite, die, mit acht Gleisen belegt, etwa den Größenverhältnissen des Bahnhofs „Friedrichstraße" entspricht. Der Neubau wird zur Aufnahme der Betriebsmittel der Erweiterungslinie der Hochbahn Potsdamer Platz— Spittelmarkt dienen; die lange Halle kann 100 Wagen aufnehmen, welche hier auch montiert werden sollen. Die städtische höhere Wcbeschule, so schreibt uns der Verband deutscher Textilarbeiter, veröffentlicht halbjährlich an den öffent- lichen Anschlagsäulen einen Lehrplan' zur Erlernung der Kurbel- stickerei; so auch wieder in diesen Tagen. Es sei deshalb auch diesmal darauf hingewiesen, daß die einst blühende Kurbelstickerei in den letzten Jahren so zurückgegangen ist, daß eS nur wenigen alten Stickern oder Stickerinnen möglich ist, den zum notwendigsten Lebensunterhalt nötigen Verdienst zu erwerben. In der jetzigen Saison ist wieder so wenig zu tun, daß in den meisten Betrieben nur halbe oder drei Viertel Tage gearbeitet wird. Dazu kommt, daß derjenige, welcher einen halbjährigen Kursus in der Städtischen höheren Webeschule durchmachen will, ein halbes Jahr von seinen Ersparnissen leben muß, da der Kursus keine anderweitige Be« schäftigung zuläßt. Aus diesen Gründen kann nicht genug davor gewarnt werden, solchen Kursus mitzumachen. Ueber die Lage in der Kurbelstickerci wird vom Branchenleiter Otto Köhler, Frieden- straße 33, in den Abendstunden oder im Bureau des Deutschen Textilarbeiterverbandes, Andreasstraße 61, II, von 9—-5 Uhr gern Auskunft erteilt. Gegen den Berkauf von Schulbüchern durch Lehrer wendet sich eine besondere Verfügung des Unterrichtsministers an die könig- lichen Regierungen. Es«st verboten, daß Lehrervereine, Witwen- lassen usw. aus dem Verkaufe von Schulbüchern, Heften und sonstigen Lehr- und Lernmitteln Gewinnanteile beziehen. Obgleich dieses Verbot wiederholt erneuert worden ist, kommen immer wieder der- artige Fälle zur amtlichen Kenntnis. Der Minister erklärt sich zwar für sehr geneigt anzuerkennen, daß die Zwecke der hierdurch geforderkeki SliftMgkü Im dllaMdliM eine Beisteuer wünschens wert erscheinen lassen, doch müsse er diesen Weg als unzulässig bezeichnen. In keinem Falle wäre es zu rechtfertigen, daß den Kindern oder deren Eltern für dergleichen Zwecke indirekte Steuern auferlegt werden. Die Regierungen sind deshalb veranlaßt worden. für die Abstellung des Verfahrens, wo es noch bestehen sollte, Sorge zu tragen. Selbstverständlich wäre es auch unstatthaft, daß Rci toren, Lehrer und Lehrerinnen aus dem Verkaufe von Büchern, Heften usw. irgendwelchen Gewinnanteil erhalten. „Schule und Familie." Ueber die Lehrerin Frl. Tokoß, die an der 106. Mädchen-Gemeindeschule in der Britzer- strasze amtiert, hatten wir in Nr. 202 vom 30. August eine Notiz veröffentlicht, die an den eigenartigen Erziehungsgrundsätzen dieser Dame Kritik übte. Frl. Tokoß schickt uns jetzt einen Brief, in dem sie unsere Mitteilungen b e st ä t i g t. Sie gibt zu, daß sie die Schülerin D. angewiesen hat, den Satz„Wegen meines verstockten Charakters mußte ich nachbleiben" abzuschreiben und ihn ihrem Pflegevater zur Unterschrift vorzulegen. Auch das bestreitet sie nicht, daß sie den Brief, mit dem die Pflege- mutier diesen Satz beantwortete, vor versammelter Klasse vor- gelesen hat. Als einzige Korrektur ist nachzrltragen, daß Fräulein Tokoß, wie sie in ihrem Brief sagt, dem Kind aufgegeben hat, den Satz einmal abzuschreiben. Jin„Vorwärts" war gesagt worden: zehnmal; doch ist das ja sehr nebensächlich. Wir hatten nur den >satz selber als unnötig schroff gerügt, aber keinerlei Gewicht auf die Zahl gelegt. Im übrigen bemüht sich Frl. T., ihr Verfahren zu recht- fertigen. Jenen Satz begründet sie damit, daß zwischen ihr und den Pflegeeltern vereinbart worden sei, sie solle ihnen über vorkommende Ungehörigkeiten schriftlich berichten. Die Verlesung des Briefes, die von der Pflegemutter als Verhöhnung empfunden wurde, wird von Fräul. T. in der folgenden wunderlichen Weise erklärt:„Am nächsten Tage erhielt ich von Frau D. einen Brief, dessen Schluß lautete:.„Es scheint, daß Sie einen Haß gegen mein Kind haben, da es für andere büßen muß."" Auf Grund dieses letzten Satzes las ich den Kindern den Brief vor, um von der Emma D. sogleich feststellen zu lassen, für welche Kinder sie büßen müsse." Unseres Erachtenö hätte Fräulein T. besser getan, nicht eine nochmalige Erörterung ihres wahrlich nicht einwandfteien Verhaltens zu veranlassen, sondern stille zu sein. Wir wollen die Diskussion schließen mit der Mit- teilung, daß infolge dieses Streites zwischen Schule und Familie, den ein zwiefacher Mißgriff der Lehrerin herbeigeführt und unnötig verschärft hat. die ohnedies leidende Frau D. von einer schweren Herzerftankung befallen worden ist. Aus Dalldorf entwichen sind wieder einmal zwei gemein- gefährliche Geisteskranke. Zw.ei schwere Automobilunfälle werden vom Sonntag gemeldet. Am Potsdamer Platz wurde der Arbeiter Albert Liesina, Hasen- Heide 55 wohnhaft, von einem Droschkenautomobil überfahren. Er hatte einem Straßenbahnwagen ausweichen wollen und war dabei gegen den Kraftwagen geraten. Er fiel unter die Räder, die ihm unglücklicherweise über die Brust hinweggingen� In bedenklichem '«stände fand der Verunglückte im Krankenhause Bethanien Auf- nähme.'— Ein zweiter schwerer Kraftwagenunfall ereignete sich in der Chauffeeftraße. In der Nähe der Jnvalidenstraße wuroe die' Ehefrau Henriette Schnitze, Ravonestraße 4 wohnhaft, von einem Privatautomobil umgerissen und über beide Beine hinwcggefahren. Schwerverletzt wurde sie dem städtischen Krankenhause zugeführt. Auf der Suche nach dem Kindrrmörder sowohl wie nach dem Mörder der Wirtschafterin Plath scheint die Polizei auf dem toten Punkt angekommen zu sein; wenigstens hört man nichts mehr von dem Stand der Sache. Daß die Polizei die Täter noch nicht er- mittelt hat, dürfte ohne weiteres anzunehmen sein, da sonst die Polizei selbst durch eine diesbezügliche Mitteilung das Publikum be ruhigt hätte. Von der fieberhaften Tätigkeit der Kriminalpolizei und den Ermittelungen im Anschluß an ein Kapitalverbrechen wird das Publikum sofort unterrichtet, wenn auch nicht durch die Polizei selbst, sondern durch eine von der Polizei unterrichtete, ein Monopol besitzende Korrespondenz, die die Zeitungen obendrein noch teuer genug bezahlen müssen und die nicht einmal alle Zeitungen für Geld erhalten._ Zum Strausberg» Eisenbahnunglück. Die amtliche Berichterstattung über das Eisenbahnunglück bei Strausberg hat sich nicht nur sehr lückenhaft und unvollständig, andern sogar als direkt falsch erwiesen. Die Eisenbahnverwaltung ivußte amtlich zu melden, daß nur acht Personen leichte Verletzungen davongetragen hätten, während das.Berliner Tageblatt" dieser Tage in der Lage war, die Namen von zwanzig Verletzten mit- zuteile««, darunter mehrere Bahnbeamte. Darunter befinden sich Personen, die sehr erheblichen Schaden erlitten haben. Wie unglaub- lich oberflächlich der amtliche Apparat arbeitete, dafür folgende Probe. In der amtlichen Liste der bei der Entgleisung Verwundeten war «lnter anderem lakonisch bemerkt: .Ferner meldete sich aus dem Schlesischen Bahnhofe eine Frau Anna Arnim als verletzt; sie konnte aber nicht angeben, welcher Art ihre Verletzungen wäre««." Der gutgläubige Leser muß nach dieser amtlichen Fassung an« nehmen, daß die Frau Arnim so lvenig verletzt war, daß sie nicht einmal selber wußte, was ihr eigentlich weh tue. In Wirklichkeit Ivar aber die Frau fast ununterbrochen besinnungslos, und deshalb konnte sie nicht angeben, welcher Art ihre Verletzungen waren. Ihr Gatte, der Kaufmann S. Arnim aus der Frankfurter Allee 102, teilt dem»Tageblatt" mit: .Meine Frau befand sich in dem Unglückszuge, Ich stand auf dem Schlesischen Bahnhof und erwartete sie mit Ungeduld. Der Zug sollte 10.40 Uhr eintreffe««, aber erst gegen l/,2 Uhr hiell es die Beamten aus dem Bahnhof für angezeigt, mich und noch andere Wartende darüber aufzuklären, daß der Schnell- i ug entgleist sei. Als dann später der Hülfszug eintraf, and ich«inter den Verletzten meine Frau besinnungslos und mit verbrannten Kleidern vor. Zur Feststellung des Tatbestandes wandte ich mich an einen Bahnbeamten, der mir aber zunächst keine Hülfe verschaffen konnte. Ich bat daher, das amtliche Telephon zur Benachrichtigung eines Arztes benutzen zu dürfen. Dies wurde mir jedoch verweigert mit dem Hinweise, d-iß außer halb des Bahnhofes private Telephone zur Verfugring ständen. Meine Frau befindet sich jetzt noch in ärztlicher Behandlung." Inzwischen sind einige andere Personen als der Tat verdächtig verhaftet worden, die Verhaftuugei« konnten aber nicht aufrecht' erhalten werden. Noch nicht erledigt ist ein Fingerzeig, den ein anonymer Brief geben will. Dieser ist an den' Schmiede meister Haube gelangt und rührt wahrsckeinlich von einer i lraueuhand her. Dem ausführlichen Schreiben lag ein i deines Bildchen bei, das einen jungen Mann in einem jranen Sonntagsanzug mit einer blatten Seglermiitze dar- tellt. Die Absenderin glaubt, daß dieser Maim den Schlüssel bestellt habe,. ui«d wollte nähere? mitteilen, iveun die RekognoSzenten ihre Meinung teilten und ihr das durch eine Zeitungsanzeige zu erkennen gäben. Man hat diese Anzeige erlasse««, von der Briesschreiberin aber trotzdem nichts mehr gehört. Der Brief ist auf dein Postamt 40 am Lehrter Bahnhos aufgegeben worden. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die starke Zweifel hegen, ob überhaupt ein Attentat vorliege und die Vermutung zum A«lS» druck bringen, daß vielleicht doch erne»Betriebsbummelei" vorliege. Gedruckte Gemeindewählerliste». Die Gemeindewählerliste von Charlottenburg hat in «iesem Jahre zum erstenmal in den Steuerzahlstellen, den Revierbnreaus der Gasanstalten, der Volksbibliothek««nd deren Nebenstelle zur Einsichtnahme ausgelegcn. Infolgedessen ist die Beteiligung eine sehr große gewesen, so daß nicht weniger als 136 Einsprüche erhoben wurden. Nach einem Gemeinde- beschluß ist in diesem Jahre zum erstenmal die Liste der Wähler, die Einspruch erhoben haben, gedruckt worden. Der Druck der Gemeindewählerliste und deren Auslegung in verschiedenen Stadtgegenden würde für die Stadt Berlin sehr nachahmenswert sein._ Bci ein» Bootsfahrt auf dem Wannsee ertrunken sind gestern früh zwei Menschen. Der in dem Restaurant.Schloß Wannsee" seit Anfang der Saison tätig gewesene 23jährige Küchenchef Willi Otto hatte Sonntag abend mit dem 21 Jahre alten Bootsdiener Paul Bremer aus Wannsee eine Ruderpartie zu Montag früh verabredet. Beide Männer trafen sich gestern morgen gegen Ve6 Uhr auf dem Gelände vor dem Bootshause des Klubs. Otto ivar dem Bootsdiener noch dabei behülflich. einen Dreisitzer aus dem Schuppen zu tragen und zur Tour klar zu machen. Das kleine Gefährt wurde bestiegen, und die Fahrt begann; der Küchenchef Otto saß am Steuer, während Brem» die Ruder führte. DaS Wetter war fclpf nebelig'und teilweise recht stürmisch, so daß in der Mitte des Wannsees Verhältnis« mäßig große Wellen mit kleinen weißen Schaumköpfchen sichtbar wurden. Die beiden Männer, die als geübte Schwimmer bekannt waren, ließen sich durch die Ungunst der Witterung nicht beirren, sondern fuhren mittey in den See hinein.— Kurze Zeit nach sechs Uhr sahen nun Passanten ein Boot, das um- gekippt war, dem Lande in nördlicher Richtung zu- treiben. Die näheren Ermittelungen ergaben die traurige Tat- fache, daß die beiden Ausflügler mit dem Boot gekentert und in den Fluten umgekommen waren. Die Versuche, die Leichen der beiden Verunglückten zu bergen, sind sofort aufgenommen worden. Erst in der vierten Nachmittagsstunde gelang es aber, Otto aus dem Wasser zu landen. Nach der Leiche seines Begleiters, des Bootsdieners Bremer, wurde bis zum späten Nachmittag ohne Erfolg gesucht. Otto war unverheiratet: der Bootsdiener Bremer, der in Wannsee mit seiner Familie wohnt, hinterläßt neben der Witwe zwei kleine Kinder. Unfall in ein» Druckerei. Gestern borinittag gegen 11'/« Uhr geriet die Ai«legerjn Mathilde Jänicke mit einem Arme in die Maschine der Druckerei der.Deutschen Tageszeitung", Dessauerstr. 6. Sie wurde mittels Droschke nach dem Elisabeth-Krankenhause ge- bracht, wo sie sich sofort einer Operation unterziehen mußte. Vermißt. Die wiederholt Wochen- und monatelang verschwunden gewesene Geisteskranke unv. Frida Kubbe, am 25. April 1876 in Berlin geboren, Uorkstr. 78 bei Mutter-wohnhast gelvesen, wird seit dem 5. August d. I. wiederum vermißt. Sie ist mittelgroß, hat dunkles Haar, blaue Augen, blasse Gesichtsfarbe und im Genick eine fünfiuarkstückgroße Narbe. Bei ihrem Fortgänge war sie bekleidet init schwarz und weiß kariertem Matinee, blauem Cheviotrock, blau und weißer Wirtschaftsschürze, gelben Hausschuhen und dunkelblauem Guminiinantel. Die Vermißte ist sehr«nusikalisch und sangeskundig. wird daher angenommen, daß sie, wie in früheren Fällen, ui«ter falschem Namen in einem Variöte-Theater oder Restaurant als Klavierspielerin oder Sängerin auftritt. Nachrichten über den Ver- bleib der Vennißten werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei, Alexanderstr. 3/6, 2 Tr. Z. 334, schriftlich oder mündlich zu 5634 IV. 23. 07 enlgegengenommen. Wem gehört der Knabe? Am 5. d. M. hat sich im 25. Polizeirevier ein Knabe angefunden. Da die Angehörigen des Knaben bisher nicht ermittelt werden konnten, so«st derselbe im städtischen Waisenhause untergebracht ivorden. Der Knabe ist augenscheinlich von außerhalb. Er gibt an, daß er Paul Kleina heißt. 5 Jahre alt ist und ain Seeweg wohnt. Bekleidet ist derselbe mit rot und weißgestreiftem Bluse«, anzuge, ,n«t Pumphose, schwarzen Strümpfen, ne»en sogenannten halben braunen Riemenschuhen und blauer Mütze. Personen, welche über die Her- kunft des Knaben irgendivelche Auskunft geben können, wollen sich im nächsten Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 322, zu Tagebuchnummer 6522 IV 20. 07 melden. Der wegen Hochstapeleien internierte Josef Czapek, der im Januar d. I. auf dem Transport von der Irrenanstalt Herzberge nach einem Sanatorium bei Prag unter Beihülfe seines Bruders entfloh, später aber in Wien wieder ergriffen wurde, ist neuerdings aus der Landesirrenanstalt in Prag entlvichei«. Beim Pilzesuchen vom Tode überrascht wurde die 60 Jahre alte Ehefrau des Restaurateurs Zingelmann aus der Ratiborstratze 23. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Manne einen Tampferausflug nach der Oberspree unternommen und in dem Forst aus Lieb- haberei Pilze gesucht. Vergeblich wartete der Mann auf die Rück- kehr seiner Frau, die tief in den Wald hineingegangen lyar. Bci einer Absuchung des Terrains fand man Frau Z. als Leiche auf. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben ein jähes Ende bereitet. Sonntagsbeute. Drei große EinbruchSdiebstählc sind in der vorgestrigen Nacht ausgeführt worden. Dem Schlächtermeister Köpping in der Allensteinerstraße 18 wurden durch Einbrecher für nicht weniger als 2000 M. Schinken gestohlen. Eine aus mehreren Mitgliedern bestehende Bande verschaffte sich durch gewaltsames Er- brechen der Türschlösser Zutritt zu den Lagerräumen, in denen die Schinken-" und Wursjvorräte aufgespeichert sind. Die rr-.ebe schleppten 100 Schinken in weißen Beuteln und etwa 4 Zentner Rollschinken davon. Auch unter den vorhandenen Wurstvorrätcn räumten sie tüchtig auf. Auf einem Fuhrwerk schleppten sie die schwere Beute unbehelligt davon.>— Für mehrere tausend Mark Herrengarderobe erbeutete eine andere Einbrecherbande, die in der gleichen Nacht tätig war. Die dreisten Burschen waren mit einem Gefährt vor dem Herrengarderobengeschäft von Schachmann in der Brunnenstraße 51 vorgesahren. Vom Hofe aus stiegen sie durch die Fenster in die Geschäftsräume, wo sie aus den Regalen die Garderobenstücke herausrissen. Tie wertvollsten Kleidungsstücke trugen sie nach dem Wagen und fuhren damit los.— Ein dritter schwerer Einbruchsdiebstahl ist in dem Damenkonsektionsgeschäft von Rosenberg an« Kottbuser Damm 93 verübt worden. Dort stahlen Einbrecher 600 Röcke sowie Knabenanzüge im Gesamtwerte voir «nehr als tausend Mark. Auch in diese«» Falle müssen sich die Täter zur Fortschaffung der schweren Beute eines Fuhrwerks be- dient haben. Das Befinden der am Donnerstagabend während der Ab. Wesenheit der Mutter in der Pankstratze aus dem Fenster gestürzten Tochter des Malers Rechenberg ist glücklicherweise ein gutes. Wie uns der Vater mittr.lt, ist der Unfall ohne erheblichen Schaden für das Kind abgegangen und befindet sich die Klein? augenblicklich wohl und munter in der elterlichen Wohnung. Die zweite Tochter habe sich gar nicht an das Fenster gcivagt. Beiin Bolksfest des zweiten Kreises in der Bockbrauerei sind gefunden worden: 1 Armband. 2 Kämme, 1 Paket Ansichtskarten; verloren wurde ein Trauring, gezeichnet IC Abzugeben resp. abzuholen beim Kassierer Gustav Schmidt, Bülowstraße 52. Verregnete Radrennen. Der.GroßePreiSvonEuropa", der am Sonntag in S t e g l i tz mit der Besetzung von Robl, Demke, Dickentmann, Guignard und Verbist ausgefahren werden sollte. fiel der Ungunst der Witterung zum Opfer. Trotz des heftigen Regens hatten sich � zahlreiche Zuschauer eingefunden, die urwer. richteter Sache umkehren mußten. Die Rennen sollen auf einen der nächsten Sonntage verschoben werden.— Auch in Treptow wurde die Abhaltung der olympischen Spiele ju Wasse� da im Jnnenraum sich große Tümpel gebildet hatten. Die Ver» anstaltung ist auf später verlegt worden. Orgelkonzert. Mittwoch, den 11. September. 7�6 Uhr abend». veranstaltet der königliche Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der St. Marienkirche da? nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Charlotte Kimpel(Sopran). Fräulein Emmy ReinerS(Alt). Herrn königlichen Kammermusiker Paul Treff(Cello). Die Orgel spielen Herr Heinrich Scholz und der Konzertgeber. Der Eintritt «st frei. FeuerwehrberiKt. In der letzten Nacht mußten gleichzeitig zwei Küchenbrände am Belle Allianceplatz 7-S und in der Zorndorfer- stratze 3 gelöscht werden. Dort waren Küchenmöbel, Auhboden, Balken usw. in Brand geraten. Ein Papierlager stand in der Kommandantenstraste 46 in Flammen. Der 17. Zug mußte mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben, um die Flammen an weiterer Ausdehnung zu verhindern. Der 7. Zug mußte nach der Boxhagenerstrahe 26 ausrücken, wo ein Schuhwarenladen brannte. Der b. Zug wurde nach der Schlesischenstraße 28 alarmiert. Dort war in der Pianofortefabrik von Schiemann u. Madsen Feuer aus- gekommen. Es gelang, den Brand durch sofortiges Wassergeben auf einen Fabrikraum zu beschränken. Ein Kellerbrand beschäftigte den 8. Zug in der Grünauerstraße 15. Holz und anderes brannte dort. Grober Unfug lag einer Feuermeldung aus der Rügener- strahe 7 zugrunde. Ferner hatte die Wehr in der Potsdamer- straße 67, Dunckerstrahe 16, am Schöneberger Ufer 16, Ber- lichingenstraße 1, Gubenerstraße 21a, Schönhauser Allee 156 und an anderen Stellen zu tun. Vorort- INadmcbten. Nixdorf. Ein Laben- und Wohnungsbrand, wobei eine Person durch Rauchvergiftung lebensgefährlich erkrankt ist, beschäftigte gestern die Rixdorfer Feuerwchr, In der sechsten Stunde beobachteten Passanten, daß aus der im Hause Prinz Handjerystratze 14 be- Icgcnen Partervewohnung des Kolonialwarenhändlers Julius Passanten, daß aus der im Hause Nowigk Rauchwolken herausdrangen. Man alarmierte die Feuer >>WMM�M>>WWW>W>WWW>>WDW�WW> schlagen der Fenster der Wohnung sich Eingang zu verschaffen. Aber auch die Zimmer waren bereits dicht verqualmt. Als einige Feuerwehrleute in das Schlafzimmer des N. vordrangen, vernahmen sie ein leises Stöhnen. Demselben nachgehend, fanden sie den In- haher des Geschäfts, einen Junggesellen, bewußtlos im Bette liegend vor. Sie brachten ihn sofort ins Freie und stellten mit Hülfe des Sauerstoffapparates Wiederbelebungsversuche mit ihm an. Die Rauchvergiftung war jedoch bereits so weit vorgeschritten, daß N. das Bewußtsein nicht wiedererlangte, �n höchst bedenklichem Zu- stände mutzte der Erkrankte in das städtische Krankenhaus ein- geliefert werden, Das entstandene Feuer wurde von der Wehr bald gelöscht. Schöneberg. Bon einem Straßenbahnwagen ber Linie 74 überfahren wurde vorgestern gegen Mittag ein 8jähriger Knabe in dem Augenblick, als er an der Ecke der Mühlen- und Hauptstraße den von Steglitz kommenden E-Wagen Nummer 69 verließ und von dem aus ent- gegengcsetzter Richtung kommenden Wagen der Linie 74 um- gerissen wurde. Er geriet unter das Schutzblech und hat neben nutzeren Wunden im Gesicht anscheinend schwere innere Ver- Atzungen erlitten. In besinnungslosem Zustande wurde er mit dem Wagen nach der Unfallstation gebracht. T.eglitz. Eine alarmierende Nachricht brachte am Sonnabend die„Steg- litzer Zeitung". Auf dem von der Klitz-, Berg- und Heesestraße begrenzten Terrain werden zurzeit die Ausschachtungsarbeiten für das neue Reichspostgebäude vorgenommen, dessen Nachbargebäude das Gymnasium ist. Da das Baugelände nach der Bergstraße ziemlich schräg abfällt, ist eine tiefe Ausschachtung erforderlich, die am Gymnasium fast 5 Meter unter Straßenniveau erreicht. Hierdurch soll nach der obigen Nachricht der erst im vorigen Jahr neu angebaute Flügel des Gymnasiums so schwer gefährdet sein, daß die betreffenden Klaffenräume von den Schülern verlassen weiden mußten. Schuld an diesem bedauerlichen Vorkommnis, beißt es in der Notiz weiter, soll die völlig ungenügende Funds- mentierung sowie die überhaupt zu leichte und ungenügende Bau- toeise dieses Flügels sein. Wieweit diese Nachricht auf Wahrheit beruht, müssen wir dem Lokalblatt überlassen. Wir konnten nur konstatieren, daß das Gebäude abgesteift ist. Im übrigen wollen war aber daran erinnern, daß vor einigen Jahren auch bei den« Neubau der Oberrealschule der Einsturz des Direktorwohnhauses infolge Bodensenkung drohte. Es scheint also doch, als ob bei unseren Kommunalbauten nicht immer mit besonderer Sachkenntnis gearbeitet würde. Auch jetzt geht uns wieder eine Nachricht zu, die geeignet ist, diese Vermutung zu bestätigen. In der Ring- shaße wird zurzeit die Turnhalle für die neue Gemeindeschule IV gebaut. Ein hierbei �beschäftigter Arbeiter erzählte in einem Re- staurant, daß die Fundamentierungsarbeiten zur Turnhalle derart unsachgemäß ausgeführt würden, daß es geradezu ein Skandal sei. Er äußerte die Absicht, die Sache dem Gemeindebauamt melden zu wollen. Ob dies geschehen ist, wissen wir nicht. Am gestrigen Montag ist mit den Maurerarbeiten begonnen worden. Wir möchten deshalb das Gemeindebauamt auf den in aller Oeffent- lichkeit von einem Arbeiter erhobenen schweren Porwurf aufmerk- sam machen, um eventl. die Gemeinde noch rechtzeitig vor späterem Schaden zu bewahren. Wie das Malheur mit dem Direktorwohn- bauS gezeigt hat, ist gerade auf diesem Baugrund eine erstklassige ftundamentierung die Hauptsache. Ob hierzu mit einigen Sack Zement vermischter Kies(wie der Arbeiter behauptet, ist nur solches Material benutzt worden) genügt, mögen Sachverständige entscheiden. Ober-Schöneweide. Unter dem schweren«erdacht, mit seiner 18jährigen Tochter Blutschande getrieben zu haben, ist gestern der frühere Gastwirt Ernst Hauptvogel aus der Nalepastratze 3 verhastet worden.'Der- selbe soll seine Tochter, die verlobt ist, schon längere Zeit gezwungen baben, ihm zu Willen zu sein. Die Unglückliche entzog sich den Nachstellungen des VaterS durch die Flucht. Sie wandte sich nach Köln. Der Vater folgte ihr jedoch dorthin und brachte sie wieder zurück. Nun erfuhr der Bräutigam des Zungen Mädchens von dem sträflichen Umgang zwischen seiner Braut und deren Vater. Er er- stattete Anzeige, worauf gestern die Verhaftung deS Wüstlings erfolgte. H. ist in das Untersuchungsgefängnis in Köpenick ein- geliefert worden. Hua der f rauenbewgung* Frauenwahlrecht. Tie Broschüre«Zur Frage deS Frauenwahlrechts" von Klara Zetkin ist in einer größeren Auslage von den Genossinnen in eigenen Vertrieb übernommen worden: Alle im FrauenbildungS ver' die halten kostet sie 56 Pf.' Zu haben ist die Broschüre im Bureau der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands, Lindenstr. 3. 1. Hof, Eingang II 4 Treppen; bei den Vertrauensversonen: Frau WengelS, Warschauerstr. 26; Frau Zeipert, Marienburgerstr. 2211; Frau Wulff, Kirchstr. 5; Frau Pänzeram. Pappelallee 76 1; Frau Matschke, Wolgaster. straße 81; Frau Hoppe, Bandelstr. 46 II. Für Niederbarnim: Frau Neumann, Weihensee, Königchaussee 46. Für Teltow» BeeSkow: Frau Thiel, Tempelhof, Friedrich Wilhelmstr. 17 sowie bei den Kassiererinnen deS Berliner Frauenvereins und den Kassiererinnen der freiwilligen Beiträge. Den Genossinnen kann diese Broschüre, ihreS reichen, tief« durchdachten Inhaltes wegen, dringend empfohlen werden. DaS Studium dieser Schrift führt tief hinein in die sozialistische Ge- dantenwelt. sie ist mehr als eine gelegentliche Agitationsschrift. sie«st ein theoretischer Abriß, der in klaren, von schneidender Log,k getragenen Darlegungen auS dem ideologischen Nebel oineingeleitet in den Lichtkreis des Sozialismus» Sozialismus und Frauen in Japan. Man schreibt uns: Die sozialistischen Klassiker des Westens erscheinekk, einer nach dem anderen, in japanischer Sprache.„Der Generalstreik" von Arnold Roller ist gerade veröffentlicht;„Das Kapital" von Marx und Kropatkins„Eroberung des Brotes" werden demnächst er- scheinen. Der Redakteur des sozialistischen Wochenblattes„Shak.n Shimbun", Ersatz der sozialistischen Tageszeitung„Heiinin Shimbun", welche van der Regierung unterdrückt wurde, fängt ebenfalls an. soziale Probleme zu veröffentlichen. Ganz besonders ist es die Frau, sagt Mr. Sakai, welche auf allen Gebieten der Industrie und Wissenschaft erstaunlichen Fort- schritt macht. Seit Beginn der industriellen EntWickelung werden Tausende junger Mädchen, die früher ausschließlich Modeartikel Japans fabrizierten, in den Fabriken beschäftigt und haben sich dadurch wirtschaftlich unabhängig gemacht. Früher gab es keine Mädchenschulen, heute jedoch eine große Zahl Frauen werden Lehrerinnen, Schriftsteller und Aerzte. In allen größeren Städten gibt es Frauenklubs.„Die Frau des 26. Jahrhunderts" ist ein treffliches Organ, das Uta Jmai, eine hervorragende Schrift- stellerin. redigiert. Deren Artikel werden häufig in der japanischen und amerikanischen Presse reproduziert. Uta Jmai spricht und schreibt fließend englisch; sie ist eine eifrige Sozialistin und macht riesige Propaganda unter den Frauen des Volkes. In Neuseeland wurde den Frauen neuerdings das Recht ein- geräumt, als Parlamentsmitglieder g e w ä h lt z u werden. Männer ins Parlament zu wählen, dies Recht besaßen die Frauen on seit dem Jahre 1833. Mit 37 gegen 26 Stimmen wurde das ahlgesetz zugunsten der Frauen geändert. Ein früheres Mitglied des Parlaments von Neuseeland, Herr Hugh H. Lusk, der sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten befindet, hielt unlängst vor einem Frauenrechtsverein eine Ansprache über das Frauen- stimmrecht in seiner Heimat. Er war daselbst ein begeisterter Vertreter der Frauen und hat viel dazu beigetragen, ihnen das Stimmrecht zu erringen, Herr Lusk sagte unter anderem:„Frauen sind jetzt bei uns in allen politischen Versammlungen zugegen. und ihr Einfluß hat das ganze politische Leben gehoben. Anfangs schien eS merkwürdig, bei einer Wahlversammlung die Hälfte der Bänke von Frauen eingenommen zu sehen. Aber die Männer haben sich bald daran gewöhnt und möchten jetzt nicht mehr allein Politik treiben. Als sie sahen, daß sie ihre Frauen und Töchter mit zu Vorträgen und politischen Versammlungen nehmen konnten, da begann ein neues Familienleben, ein Leben gemein- samer Interessen und Bestrebungen. Hier, in den Vereinigten Staaten, wäre die Einführung des Frauenstimmrechts noch viel notwendiger als sie bei uns war, denn die hiesige Politik bedarf noch weit mehr der Reform. In dieser Beziehung mag das kleine Neuseeland viesem großen Lande mit seinen 76 Millionen Ein» wphnern als leuchtendes Vorbild vorangehen." Versammlungen— Veranstaltungen. Charlottenvurg. Mittwach, den 18. September. 8?4 Uhr, im VolkshauS. Rosinenstr. 3. Vortrag:„Die LcbenLgewohnheiten und Lebensbedürfnisse des Weibes. Zehlendorf. Mittwoch, den 11. September, 8� Uhr, bei Mieck, Karlstraße. Vortrag:.Frauenwahlcecht". Steglitz. Donnerstag, den 12. September, 81h Uhr, im Restaurant Wahrendorf, Schloßstr. 117, Vortrag. Frau Wulff:„Kinder- arbeit und Kinderschutz". Wilmersdorf. Donnerstag, den 12. September. 81h Uhr. Luisen» park 112, Vortrag. Herr Riedel:„Verbrechen und Pro- stituierte". Wilhelmsruh. Donnerstag, den 12. September, 81h' Uhr, bei Barth._ Vermilcktes. Der Mürber im Frauenkleidern. In Sachen des Mordes an der Dora Rose in der Marktstraße zu Hannover sind jetzt neue Anhaltspunkte entdeckt worden, die vielleicht zur Ermittelung des Mörders führen könnten. Am Abend des Mordtages kam zum Wirt einer Fischkosthalle, die kaum 2 Minuten von der Mordstelle entfernt liegt, ein unbekannter, etwa 56 Jahre alter Mann und fragte den Wirt, ob er ein Paket vorübergehend niederlegen könne, was auch bewilligt wurde. Der Gast war ziemlich aufgeregt, ohne etwaS erklärt zu haben. Das zusammengeschnürte Paket ist bisher nicht abgeholt worden. Gelegentlich einer Aufräumung am Sonntagnachmittag fand man es wieder und öffnete es. Es ent- hielt blutbespritzte Frauenkleider. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Kleidungsstücke von einem Mann getragen worden sind. Man vermutet, daß der Mörder dieselben bei der Tat angehabt hatte, da angeblich ein Mann in Frauenkleidern zur Zeit der Mordtat in der Marktstraße gesehen worden war. Ein SittlichkritSvcrbrechen ist am Sonntag nachmittag in Rathenow an einem vierjährigen Mädchen, der Tochter des Kutschers Otto Lorenz verübt worden. Der Täter, der 22 jährige Schlosser Bruno Lüdicke, ein Onkel deS Kindes, lockte dasselbe an sich und nahm eS mit auf sein Fahrrad. Er fuhr damit nach einer ent- legenen Stelle und verging sich dort an dem Kinde in brutalster Weise. Der Wüstling ivurde noch an demselben Tage verhaftet. Pestverdächtige Ratten sind an Bord deS aus Santos in Ham- bürg eingetroffenen Dampfers Cordoba gefunden worden. DaS Schiff ist einer AuSgasung mit dem Rattentötungsapparat unter- zogen und die Weiterlöschung unter den üblichen Vorsichtsmaßregeln gestattet worden. Menschen sind nicht erkrankt. BahnunfSlle. Amtlich wird au» Altona gemeldet, daß der Kleinbahnzug 27 heute zwischen Heiligenhafen und Lütjenbrode(KreiS Oldenburg- Bahn) entgleist»st, Personen aber nicht verletzt sind. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Die Strecke ist inzwischen wieder frei. Die Untersuchung ist eingeleitet. Meldung aus Rutka(Ungarn). Nach einer sonenzug 14 mit einem Lanzuge zui führer deS Personenzuges die Gefahr großes Unglück verhütet. Trotzdem sind ein vier leicht verletzt. Drei Wagen des Lastzuges und vier Wagen des Personenzuges sind demoliert. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten, eine strenge Untersuchung ist eingeleitet. Bier stieß der Per» Da ber Lokomotiv- erkannte, wurde ein eisender schwer und Zusammenstoß zwischen Auto und Eisenbahnzug. Der Münchener Privatier Kritzener stteß Salzburger Meldung zufolge bei einem Eisenbahnübergange im Automobil mit einem Eisenbahnzuge zu- sammen. Kritzener wurde schwer verletzt und ist anderthalb Stunden nach dem Unfall seinen Verletzungen erlegen. Der Chauffeur blieb unverletzt, das Automobil ist vollständig zertrümmert. Feuer im„Kirntopp". Nach einer Meldung aus London ge» rieten gestern im Rathaus zu Newmarket bei kinematographischen Vorführungen Bretterverschläge, die sich am Ausgang befanden, in Brand. ES trat eine schreckliche Panik ein. Etwa dreihundert Personen wurden verletzt; mehrere wurden im Gedränge gegen die brennenden Bretterwände gepreßt und erlitten schwere Brand- wunden; eine Frau ist umgekommen. Geheimnisvoller Lrichenfund. In einem Gebüsch bei Cagneö, 16 Kilometer von Nizza, wurden die Leichen eines Mannes, einer Frau und eines Mädchens, alle drei mit Schußwunden aufgefunden. Ihre Identität ist noch nicht festgestellt. Der Augenschein zeigt, daß der Tod vor vier Tagen erfolgt sein muß. Wieder ein Absturz. Nach einer Meldung aus Benediktbeuren ist gestern mittag von der Benediktenwand dep Techniker Hugo Mayer abgestürzt und tot liegen geblieben» Singegangene DnrcKfcKrtften. Von ber„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da? 49. Heft des 25. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Zum Essener Parteitag.— Gesetzliche Maßnahmen gegen den Alkoholismus in der Schmelz. Bon Ernst Oborholzor(Zürich).— Detailhandel und Mittel- stands-Politik. Von Paul Lange(Hamburg).(SchlufU— Landflucht und Landarbeitermangel. Von H. Linde(Königsberg t. Pr.).— Der Kamps nm die Rente vor dem Reichsversichernngsamt. Von Odo.— Der heutige Stand der Genossenschastsbewegung in Rußland. Von Dr. Totomjanz (St. Petersburg).— Literarische Rundschau: Karl Vorländer, Kant, Schiller, Goethe. Günter Jacoby, Herders und Kants Aesthetik. Von E. M. Bibliothek wertvoller Memoire». 2. Band; Deutsches Bürgertum und deutscher Adel im sechzehnten Jahrhundert. Von LP. Dr. jur. I. Werthauer, Moabitinnen. Von Dr. Siegsrieda. Die.Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch« Handlungen, Postanstaltcu und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bü der Post nur pro Quartal abonniett werden. Yen; jedoch kann Das einzelne H Probenummern stehen jederzeit dieselbe bei der Post est kostet 25 Pf. zur Versüguug. „Süddeutscher Postillon.« Nr. 19 besaßt sich mit des großen Kindes Wahlrcchtstraum. Ans dem Bilde sehen wir nur den lieblichen Naumann und den großen, großen Agrarier, der init der Hundspeitsche die kuriose Wahiresorin verdirbt. Das zweite Großbiid, Im Absinth ist Wahrheit, be- schästigt sich mit unsern Nachbarn jenseits des Rheins. Das Beste ist de» iebhast-sarbige Papagei init versperrtem Schnabel im Schlußbild Der Arme kann von Strase sagen, Denn seine Sprache ist dahin. servätiven.— Bon Gustav Weber, Die letzten Stützen des Königs.(Ge> dicht.)— Eontemo, Miiitaria.— Kleine Opser.(Gedicht.)—- P und Sachsen.(Gedicht.)— SchmockS Klagelied. Jede Nummer des.Süddeutschen Postillon" kostet 10 P(. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Martthallen-Direktion.(Großhandel) Ochscnfletsch In 70—72 pr. 100 Psd., Ua 04—69, lila 59-62, Bullenfleisch la 63-68, IIa 51-60, Kühe, seit 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 65—64, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Dopp eilender 100—115, Mastkälber la 75—85, IIa 06—73, Kälber ger. gen. 48—60, do. Holl. 50—55, dä». 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 80—82, Hammel la 74—78, IIa 68—73, ungar. 0,00, Schase 54—66. Schweincfleych 60—66. Rehbock la per Pfund 0,65—0,95. IIa 0,50. Rothirsch la 0,40-0,56, do, II» 0,50. Damhirsch 0,50—0,58. Wildschweine 0,43. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,50—0,90. Wildenten per Stück 1—1,60. tkrickentcn per Stück 0,70. Rebhühner, junge große 1,10—1,40, mittel u. kleine 0,30—0,90, alte 0,70—0,85. Hühner, alte, per Stück 1.50-2,00, IIa 1,00—1,30, do, junge 0,45-1,15. Tauben 0,35-0,45, italienische 0,00. Enten per Stück 1,00-2,30, do. Haniburger per Stück 2,50—3,00. Gänse per Psund 0,60—0,66, do. per Stück 1,50—3,80, do. Hamburger per Psd. 0,00, do, Oder- brucher per Psd, 0,55—0,66. Poulets per Stück 0,90—1,30. Poularden per Psd. 0,00. Hechte per 100 Pfd. 115-132, do. matt 0,00, do. mittel 0,00, oo. matt und mittel 0,00. Zander, klein, matt 0,00, do. klein 90—94, dito mittel 0,00. Schleie, klein 200, do. niittel 0,00, do. unsort. 0,00 Aale, groß 0,00, do. klein»ind mittel 0.00, do, mittel 0,00, do. uns. 0,00, do. groß-mittei 101—102, do. klein 0,00. Plötzen, matt 0,00. Roddow 0,00. Karpfen, 70er— 90er, stumpf 0,00, do. 80er 0,00. Bleie 0,00. Bunte Fische 64. Barle 0,00, dito klein 0,00. Karauschen 96, do. klein 0,00. Wels 0,00. Blctfische 0,00. Barbe 0,00. Aland 70—73. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. Ma 0,00. Seelachs 10—15, Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel Ver Kiste 2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. 1» Schock 0,00, IIa 0,00. Bücklinge, Kieler per Wall 2-3, Strals. 2,50-3,00, Bornh. 0,00, Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellflschc Kiste 3-4.00,>/, Kiste 1.50-2,00, Sardellen. 1902er per Anker 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, fall. 38—40, med. 86—42, deutsche 87—44. Heringe, neue MatjeS, per To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 0,00, do, unsortiert 3,50—5, Gallzier groß 0,00. do, unsortiert 2,40. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,00. Butter per >00 Psd. la 117-120, IIa 108-117, III» 100-108, absallende 90-95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Psestergurkcn 4,00. Kartoffeln per 100 Psd. Dabersche 2,50—3,00, weiße runde 1,75—3,00, blaue 2,50—8,75, Rosen- 1,50—2,50, Nieren« 2,25—3,50. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer- rettich, Schock 5-15. Spinat per 100 Psund 10-12. Sellerie. per Schock 2,00-8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 8,00-6,00, do. Perl. 40,00—75,00. Chalotten 50,00-60.00. Peiersilie, grün. Schockbund 0,75—1,00. Kohlrabi Schock 1.00—1,50. Rettich, bahr., neuer Stück 0.07—0,10, do. hiesiger Schock 3— 4. Mohrrüben, per 100 Psund 3,00 bis 5,00. Karotten, hiesige, schockbund 2,00—8,00. Wlrsinakohl per Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 6—12. Weißkohl 4—10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14. do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 10—20. Kohlrüben, Schock 4,00—7,00. Petersillenwurzeln, Schockbund 3,00—4,00. Schoten per 100 Psund 25—35. Psefferlinge per 100 Psd. 5—8. Steinpilze per 100 Psund 20—30. Radieschen per Schockbund 0,50—1,25. Salat per Schock 1,00—2,00. Gurken, Einmache-, Schock 10—25, do. böhinische Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 2,75—5,00. Bohnen, grüne, 100 Pfund 10—25. Wachsbohnen, per 100 Psund 12—30. Tomaten per 100 Psund 8—15. Blaubeeren per 100 Psd. 10—20. Johannis. beeren per 100 Psund 7—16. Pretßelbeeren per 100 Psund 20—24, schwedische 22—27. Kirschen, sauere, per 100 Psd. 8—10. Birnen, ital., 100 Psund 0,00, Tiroler 22—40, hiesige 3—10, Salander 20—24. Psirsiche, hiesige per 100 Psd. 14-20, ital. in Kistche» zu 12 Stück 0,75 bis 1,50, do. in Körben!a per 100 Psd. 20—35, do. IIa in Körben Reineclauden 0,00, hiesige 8—12, ungarische 6—13, Badener, 0,00, serbisch 8—15. Weintrauben, französische, per 100 Psd. 16—23, italienische 16—25. Ananas I, per Psund 0,00, do. II 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 10,00-18,00, do. 860 Stück 10,00-16,00, do, 200 Stück. 10,00—14,00, do. 160 Stück 6,50 Bis 0,00. Bananen, gelb, per 100 Psd 18,00—20,00, grün 0,00. Melonen, per 100 Pfd. hiesige 0,00, ital. 0,00, stanz. 0,00, Holl. 0,00, spanische 0,00, ungarische 10—15. Witterungsübersicht vom v. September 1007. CUHmm L S |B SS II Lwtnemde. erlin Frankf.a.M München Wien 773 NW 774 NNW 773 Still 771 N 77 l NW 772 NNO Atttn 1 wolkig 2 bedeckt 0 Nebel 2 halb bd. 2 halb bd. 1, wolkig am Ü H 5j SlalUmn aranda 760N eterSburg 763 NW Sctlly Werdern Paris 770 D 775 SSW 772, NNO 2wolkenl 2 halb bd. 5 bedeckt Ibedeckt 2 wölken! Wetter- Prognose für Dienstag, de» 1«. September 10V7. Etwa« kühler,«norgcns und abends nebelig, sonst meist heiter und chst• trocken bei schwachen nordwestlichen Winden. Berttner ietterbureau. Wasserstands-Nachrichte« ber LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor • Krassen . Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Lettmeritz , Barbh , Magdeburg Saale, Grochlitz Wasserstand Havel, Spandau . Rathenow') Spree, Spremberg , Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, Waldshut . Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 8.9. cm 104 148 90 185 -80 9 194 180 30 seit 7. 9. cm1) — 8 0 0 - 1 + 2 —10 1 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpcgel. telegraphischer Meldung ist die obere Weichsel bei Cbwalo« w i c r von gester» bis heute um 128 om g r st i e g e n. Dienstag, den 10. September, abends 8'/, Uhr. im Gcwcrkschafts Hanfe, Engel-ttfer IS, Saal 3: V«r>sanHn,Iung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 11 Quartal. 2. Vortrag des Kollegen Ritter zur Verschmelzungsfrage zwischen Gewerkschasten und Krankenkassen. 3. 165/20 eines Bureauangestellten. 4. Kassenangelegcnheiten. Die OrtsTerwaltnng:. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. 94/4* Möbelpolierer. Donnerstag, den is. September 1007, abends 8 Uhr, im Lokal von Anton Boeker, Weberstrafte 17: flußerordentliclie IDrancftenveriaimnlung der IMel- u. Stuhlpolierer fowle Beizer. Tages-Ordnung: 1. Beschlubfassung über den Antrag der Branchenleitung, betreffend die zweimalige Vermittelung aus dem paritätischen Nachweis. 2. Verbands- und Branchenangelegenhciten. NB. Die Kollegen werden ersucht, Pünktlich und zahlreich zu erscheinen. MiigliolisducI, legitimiert. Die Branchenleitung. Soeben erschienen! Aafsehen erregendes, künstlerisch ausgestattetes Prachtwerk mit 80 wertvollen Illustrationen und mehreren Kunstbeilagen.— Preis| 2 Mark. Zu beziehen durch F. E. Bilz* Verlag, Dresden-Eadebeul und Leipzig, sowie durch alle Buchhandlungen. Der Vorsitzende des Vereins für Körperkultur, Dr. meda Jaerschky-Berlin schreibt:„Warmherzig und begeistert geschrieben, werden die„Goldnen LebensregeTn" Widerhall in den Herzen der Menschen finden.-— Prof. Relnh. Begas-Berlin: „Die Lehren und Anleitungen, welche Bilz'„Goldne Lebensregeln für Körperkultur und speziell für Nacktgymnastik geben, finden meinen vollsten Beifall" C3 ES E3 a es et c und FUialcnlagers: Gardinen, EtoreS, Tüllbettdecken 10 bis 20 Prozent Rabatt. E. WeihenbergS Teppiche haus. Große Franksurterstrabe 125.' Teppiche mit Farbenfehlcrn zum vollständigen Ausverkauf jetzt mit 10 Prozent Extrarabatt. Graste '.....'"" 270SZ� Frankfurterstraste 125. Tvtalausverkauf meines Engros- und Filialenlagers: Tuch- und Plüsch decken, Velvetine- und Plüschporfiercn in allen Preislagen durchweg mit 10 Prozent Extrarabatt. Groste Frank- surterstraste 125._ 270751+ Steppdecken, Fabrikmuster, Stück 3,25, 3,85, 4,85, 5,50, 5,50, 8,50 usw. E. Weistenbergs Teppichhaus, Große Franksurterstrabe 125._ 2708K+ Teppiche mitFarbensehIern Fabrik- Niederlage Groste Fraiikturleritrast« 9, parlerr« kein Laden. 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