Nr. 213. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., möchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwets.. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Lage in Trland. London, 9. September.( Eig. Ber.) Donnerstag, den 12. September 1907. B Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. " Ei du Hallescher Löwentrok, Wie hat man dich gezähmet!" Eine unangenehme Parteipflicht. den in ihrem Kampfe gegen die Lords voll und ganz unter- Man darf sich durch den Hinweis auf das Ziel nicht stüßen; denn der Kampf gegen die Lords sei ein Stampf für irre machen lassen. Das Hauptatzent liegt auf der BeSomerule. merkung, daß die gegebenen Verhältnisse ausDie Unzufriedenheit Jrlands mit der parlamentarischen zu nu zen seien, um möglichst möglichst viele liberale Frattion wird von den Schinn Féinisten ausgenügt. Forderungen durchzusehen. Das heißt so viele, als Wir brachten vor einiger Zeit eine Notiz über diese neue Be- innerhalb des Blocks möglich sind. Und da Konservative Wenn auch die nach dem Auslande gelangenden Nachrichten wegung. Schinn Féin heißt:„ Wir selbst!" Diese und Regierung nicht für das Reichstagswahlrecht über die irische Lage übertrieben sind, so ist doch wohl Partei ist gegen die Beteiligung der Fren am parla- zu haben sind, will man das Ziel eben Biel" sein lassen und wahr, daß die irische Bevölkerung jezt unzufriedener und un- mentarischen Leben Großbritanniens. Sie verlangt, daß sich mit der von Bülow gebotenen Flickreform begnügen! ruhiger ist, als in den letzten vier Jahren. Irland ist ent- die irische Fraktion nach Irland zurückkommen solle, um Die Freisinnigen der Halleschen Torbezirke sind gleich den täuscht, denn seine Hoffnungen auf ein segensreiches Wirken dort einen Nationalrat zu bilden; die Fren sollen Hirsch- Dunckerschen anderer Meinung. Sie wollen der Bodenreform vom Jahre 1903 und auf die irenfreundliche irisch sprechen und die englische Sprache beiseite Sch a cher unter allen Umständen verworfen sehen. Haltung der liberalen Regierung haben sich nicht ganz realisiert. schieben; die jungen Leute Jrlands sollen nicht mehr in die Hoffentlich bringen sie diesen Standpunkt am nächsten Von den mannigfachen Ursachen, die zu dieser Enttäuschung englische Armee eintreten; jeder Fre soll ausschließlich Sonntag auch im Zirkus mit dem nötigen Nachdruck zur führten, seien hier die wichtigsten aufgezählt. irische Waren faufen, um die heimische Produktion zu Geltung. Sonst würde man die Heineschen Verse zitieren Die erste Ursache ist ziemlich kompliziert, da sie mit fördern; alles, was aus England tommt, soll boykottiert müſſen: dem allgemeinen Gange des Wirtschaftslebens verknüpft ist. werden. Die neue Partei. gibt ein Wochenblattt unter Das Landgesetz vom Jahre 1903 fieht bekanntlich den Auskauf dem Titel: Schinn Féin" heraus. Sie hat bereits eine der irischen Grundherren bor. Um diesen Auskauf vollziehen Anzahl von von Broschüren beröffentlicht, in denen die zu können, gab die britische Regierung irische Landpapiere Politik der Partei begründet wird. Ihr wirtschaftliches aus, die von den Grundherren in Zahlung zu nehmen sind. Evangelium ist Friedrich Lists Nationales System der Diese Papiere( Irish Land Stock) werden natürlich auf der politischen Defonomie", und ihre Hauptforderung ist deshalb: Börse gehandelt, und ihr Kurs hängt von der allgemeinen Schutz 3 o II und Prämien! Ferner soll Irland eine eigene finanziellen Bewegung ab. Nun ist folgendes zu beachten: Marine, eigene Bahnen, Banken, Börsen, Konsulate, Gericht Auf die Gefahr hin, von liebenswürdigen Parteigenossen Durch den merkwürdigen und teilweise unter starten und Beamte haben; die amerikanischen Fren, die jen wiederum der Parteirettung" bezichtigt zu werden, müssen wir uns Schwankungen erfolgten industriellen Aufschwung in feits des Atlantischen Ozeans reich wurden, sollen nach Jr- auch heute wieder der unangenehmen Pflicht unterziehen, nachden letzten zwei Jahren machte sich an den Börsen land zurückkehren und da die Industrien ausbauen, den Acker- drücklichst den Versuch zurückzuweisen, die Parteigrundsäge nach einer eine Geldknappheit bemerkbar, die zum Massenverkauf von bau heben, um so die Grundlage für einen starten, selb- Richtung hin zu revidieren, die sich etwa als eine nationalStaatspapieren führte. Die Inhaber dieser Papiere brauchten ständigen irischen Staat zu schaffen. Das politische Muster soziale bezeichnen ließe. Geld; sodann wollten sie es in Industrie Papieren an- Irlands solle- Ungarn sein. Ungarn sein. Was Kossuth und Deat Das Solinger Parteiblatt, das dem„ Vorwärts" vor einigen Tegen, da diese gewinnbringender sind als Staatspapiere. Der für Ungarn taten, sollen die irischen Führer Tagen bescheinigte, daß er Quatsch" schriebe, stellt unserem Binsfuß englischer Staatswerte ist gering, viel geringer für Frland tun. Um nun auch die irischen Arbeiter Artikel in der letzten Sonntagsnummer„ Nochmals Sozialdemokratie als die Dividende der Industriepapiere. Die Folge war, daß für die nationale Bewegung zu gewinnen, soll auch ein und Kolonialpolitik" das Beugnis aus, daß er sich leider wenig bon die Staatspapiere eine fallende Tendenz zeigten. Darunter ozialpolitisches Programm aufgestellt werden: Die dem unterscheide, was wir schon bisher in den Spalten des Vorlitten vielfach auch die irischen Landpapiere, die um etwa irischen Arbeiter müssen danach vor allem von den britischen wärts" gefunden haben." Das Spiel mit Worten" nehme„ seinen 15 Pfd. Sterl. fielen. Dieser Kurssturz hatte drei Wirkungen: Trade- Unionisten getrennt und dem nationalen Jdeale Frlands Fortgang". Besonders mißfallen hat unserer Solinger ZensurIn den ersten Jahren des Bodengefeßes wurde etwa die Hälfte zugeführt werden. Die Schinn- Féinisten sind sogar bereit, behörde die Stelle: des irischen Bodens von den Grundherren an die irischen auch Gewalt zu gebrauchen, aber erst, wenn sie die Farmer verkauft. Nun aber und dies ist die erste Macht dazu haben. Wirkung geriet der Auskauf ins Stocken, da die Grund- Die Lage in Irland ist demnach nichts weniger als herren sich weigern, die fallenden irischen Landpapiere in ruhig. Es wäre indes verfehlt, übertriebene Schlüsse aus ihr Zahlung zu nehmen. Zweitens: wo sie aber doch ver- zu ziehen. Die Unzufriedenheit Frlands ist nicht von heute faufen, berlangen sie einen höheren Preis, um sich gegen das oder gestern. Die Union hat die" Repealer"( die Bewegung Risiko eines weiteren Kursfalles zu decken. Drittens: der für den Widerruf der britisch- irischen Union) überlebt; sie hat Fonds, den die Regierung beim Erlaß des Bodengesetzes schuf, das Jahr 1848 und später die Fenier überlebt, und auch Sozialdemokratie zum heutigen Kapitalismus völlig einwandfrei um aus ihm die etwaigen Schädigungen der Grundherren zu decken, durch die Landliga ist die Union nicht erschüttert worden. wiedergegeben sei, entspricht dieser Satz doch durchaus dem, was ist infolge des Kursfalles erschöpft. Mit dieſem Fonds Aber es wurden den Engländern doch bedeutende Reformen wiedergegeben sei, entspricht dieser Satz doch durchaus dem, was wurden nämlich die fallenden Kurse ausgeglichen. Nun aber abgerungen. Und auch die neuen Bewegungen werden nicht Marx und Engels gelehrt haben, was in dem Erfurter will die Regierung, daß die irischen Steuerzahler einen Teil ganz ohne Erfolg sein. In den übervölferten Distrikten von Programm niedergelegt ist und was auch die Dresdener In den übervölkerten Distritten von Resolution mit denkbarster Schärfe ausspricht, also dem A B C des Risikos übernehmen, der früher durch den Fonds gedeckt West- Irland z. B. werden sicher wirtschaftliche Reformen des Sozialismus. Unsere Leser befinden sich aber gleichwohl im ABC durchgeführt werden. Indes zu Homerule ist noch ein Irrtum. Die betreffende Stelle des Vorwärts" ist auch nur weiter Schritt. " Quatsch". Man höre, welche Wirrnisse" das Solinger Parteiblatt darin entdeckt: wurde. Aus diesen Vorgängen fließt ein großer Teil der Unzufriedenheit Frlands, denn die irischen Bauern klagen, daß die Grundherren, wo sie überhaupt verkaufen wollen, zu hohe Freifinnige gegen die Klapperbeinigen. Preise verlangen, und die irischen Steuerzahler sträuben sich, jenen Teil des Risikos zu übernehmen, der früher aus dem Referbefonds gedeckt wurde. " Der Freisinnige Verein der Halleschen Torbezirke zu Berlin hielt am Montag eine öffentliche Versammlung ab. SchriftDie zweite Ursache zur Enttäuschung ist mehr lokaler fteller Franz Matthes sprach über Die BlocNatur. Sie liegt in den übervölferten Distritten im Westen politit". Er beleuchtete die Stellungnahme der einzelnen Irlands, wo die Fren so fleine Parzellen befizen, daß diese Parteien zu der Frage der Einführung des Reichstagsauch zu einer bescheidenen Existenz nicht ausreichen. In diesen wahlrechts auch für die Einzellandtage und kam zu dem Gegenden tamen in früheren Jahren viele Austreibungen vor. Schlusse, daß die Freisinnige Volkspartei Die entwölferten Barzellen wurden sodann von den Grundherren in Weideland verwandelt und Viehzüchtern überlassen. Solange nun die noch übrig gebliebenen irischen Barzellen- auf der Forderung um das allgemeine, gleiche, befizer Hoffnungen auf weitere Bachtungen hatten, verhielten geheime und direkte Wahlrecht für Preußen besie sich ruhig. Jetzt aber verbünden sie sich und verjagen das Vieh von den Weiden, wobei es zu Zusammenstößen mit den Viehzüchtern und zu Konflikten mit dem Geseze tommt. unter allen Umständen stehen müsse. Nachdem in der Diskussion Abg. Kreitling die Lage im Abgeordnetenhause erörtert hatte, wurde schließlich einstimmig folgende Resolution angenommen: " " 1 " Einer der Hauptvorzüge des wissenschaftlichen Sozialismus ist sein historisches Denken. Er betrachtet deshalb den Kapitalismus als das notwendige Durchgangsstadium zum Sozialismus. Gleichwohl bekämpft der Sozialismus prinzipiell den heutigen Kapitalismus, dessen Existenzberechtigung er verneint, dessen Umwandlung in die sozialistische Gesellschaftsordnung er mit allen Kräften anstrebt." Unsere Leser dürften finden, daß damit die Stellungnahme der „ Der wissenschaftliche Sozialismus betrachtet den Stapitalismus als notwendiges Durchgangsstadium, gleichwohl verneint er die Existenzberechtigung des heutigen Kapitalismus. Ein Musterbeispiel dafür, in welche Wirenisse man mit der theoretischen" und„ prinzipiellen"" Auftlärung" geraten kann! Bis ชน welchem Tage ist der Kapitalismus ein notwendiges Durchgangsstadium gewesen? Seit wann besitzt er teine Eristenzberechtigung mehr? Weshalb besaß er ursprünglich als notwendiges Durchgangsstadium" Eristenzberechtigung? Und weshalb besitzt er heute diese Existenzberechtigung nicht mehr? Was hat sich zwischen dem Sapitalismus, der ein notwendiges Durchgangsstadium war, und dem heutigen Kapitalismus, der feine Existenzberechtigung mehr besitzen soll, geändert? Das find Fragen, die jedem denkenden Leser bei der Lektüre der obigen Stelle aus dem Vorwärts" aufsteigen müssen. Der Vorwärts" beantwortet sie nicht. Also ist es, also sage ich euch!" Hat der gute Mann denn keine einzige unserer grundlegenden sozialistischen So fragt der Redakteur eines Parteiblattes! Schriften gelesen? n " Der Freifinnige Verein der Halleschen Torbezirke erklärt die Die dritte Ursache ist die schlechte Erfahrung mit Reform des preußischen Wahlrechts im Sinne des Eisenacher der liberalen Regierung. Mehrere Mitglieder des Ministeriums, so Sir Henry Campbell Bannerman, John Morley, Lloyd Programms für die wichtigste und dringendste Aufgabe der Gegenwart. Er ersucht daher den bevorstehenden Partei- Das Solinger Parteiblatt belehrt uns dann, daß der wissenGeorge, John Burns und Birrell sind Homeruler. Aber die tag der Freisinnigen Voltspartei, unsere Ab- fchaftliche Sozialismus, als dessen Interpret es sich danach fühlen übrigen Minister: Asquith, Sir Edward Grey und andere geordneten zu veranlassen, daß dieselben, ohne Rücksicht auf die muß, weder für die Gegenwart noch für die Zukunft die minderbekannte Mitglieder der Regierung sind gegen die Blockpolitik, die Einführung des gleichen, geheimen und Existenzberechtigung des Kapitalismus jemals bestritten habe. Selbständigkeit Irlands. Ist aber das Kabinett sich über eine direkten Wahlrechts auch für die Landtagswahlen von der Die Wissenschaft ist nicht so närrisch, die Existenzberechtigung von Maßregel nicht einig, so kann sie auch nicht in der Form Regierung verlangen." Dingen zu bestreiten, die da sind"(!!). Armer Mary und armer eines Gesezentwurfes im Parlamente eingebracht werden. Es Während so die Freisinnigen der Halleschen Zorbezirke Engels! Wie unwissenschaftlich" seid Ihr verfahren, als Ihr das ist auch fraglich, ob im Lande eine Mehrheit für Homerule bom Parteitag eine entschiedene prinzipielle freifinnige so vielfach mißverstandene Wort Hegels von der Vernünftig. vorhanden wäre. Die letzten Parlamentswahlen vom Januar Stellungnahme erwarten, selbst auf die Gefahr hin, daß der reit dessen, was sei, für- revolutionär erklärtet! Sagt 1906 wurden ja nicht auf Grund der Homerulefrage aus- famose Block dabei in die Brüche geht, sprach sich Herr doch Engels in seiner Abhandlung über„ Ludwig Feuerbach": gefochten. Dann ist auch noch das Haus der Lords da, und Müller- Sagan im freisinnigen Wahlverein für den dieses dürfte eine Homerulevorlage kaum durchlassen. Die sechsten Berliner Reichstagswahlkreis für den se uhhandel Regierung ist deshalb also nicht geneigt, eine derartige und Wahlrechtsberrat aus. Er sagte unter anderem: Vorlage einzubringen, die ihr eine Unmasse Zeit kosten würde, ohne Aussicht auf Erfolg zu haben. Die Fren aber sind enttäuscht, da sie nun doch einmal auf die Liberalen rechneten, um so mehr als diese sich zu den Verehrern Gladstones zählen und über eine starke Mehrheit im Unterhaus verfügen. Die Fren sind deshalb auch mit ihrer Frattion unzufrieden, und der parlamentarische Führer der Fren, Mr. John Redmond, hat jetzt große Mühe, die Partei zusammenzuhalten. Er ist der Ansicht, daß die parlamentarische Arbeit fortgesetzt werden müsse. Die Jren sollten so meint er eine starte Agitation zugunsten von Homerule in Großbritannien entfalten, um die nächsten Wahlen auf Grund diefe Frage auszufechten. Gleichzeitig sollten sie die Liberalen Wenn wir von der Reichsregierung fordern, daß sie liberale Wege wandle, so tun wir dies in der Ueberzeugung, daß nur auf diese Weise Deutschlands Zukunft sichergestellt werden fann. Was in bezug auf das Landtagswahlrecht zu fordern sei, sei im Eisenacher Programm niedergelegt. Das Ziel stehe fest, darüber fönne innerhalb der Freisimmigen Volkspartei feine Meinungsverschiedenheit bestehen. Auch über die Stellung zur Blocpolitit tönne fein gweifel herrschen: die gegebenen Verhätnisse feien auszunüßen, um möglichst biele liberale Forderungen durchzusetzen. werden, so sagte Redner, die Reichsregierung unterstützen, wo sie fich in freifinnigen Bahnen bewegt, wir werden aber oppositionell sein, wenn die Reichsregierung wieder reaktionäre Wege wandeln sollte. Bei allen anderen Forderungen lassen wir nicht das Parteiinteresse, sondern das Interesse der Allgemeinheit sprechen." Wir Nun ist aber die Wirklichkeit nach Hegel teines. wegs ein Attribut, das einer gegebenen gesell. schaftlichen oder politischen Sachlage unter allen Umständen und zu allen Zeiten zukommt. Im Gegenteil. Die römische Republik war wirklich, aber das römische Kaiserreich auch. Die französische Monarchie war so unwirklich geworden, das heißt so aller Notwendigkeit beraubt, so unvernünftig, daß sie vernichtet werden mußte durch die große Revolution, von der Hegel stets mit der höchsten Begeisterung spricht. Hier war also die Monarchie das Unwirkliche, die Revolution das wirkliche. Und so wird im Laufe der Entwickelung alles früher Wirtliche unwirt. lich, verliert seine Notwendigkeit, sein Eristenzrecht, feine Vernünftigteit; an die Stelle des abs, sterbenden Wirklichen tritt eine neue, lebensfähige Wirklichkeit friedlich, wenn das Alte verständig genug ist, ohne Sträuben mit Tode abzugehen, gewaltsam, wenn es sich gegen diese Notwendigkeit sperrt... Der Satz von der Vernünftigkeit alles Wirklichen Wft sich nach allen Regeln der Hegelschc» Denkmethode auf in den anderen: Alles, was besteht, ist wert, daß es zu Grunde geht.' Man sieht, sind wir gleich Wirrköpfe, so befinden wir uns doch ln diesem Falle in der nicht ganz zu verachtenden Gesellschaft von Leuten wie Hegel. Marx und Engels I Aber die theoretische Revision der Wissenichaft und des wissenschaftlichen Sozialismus, die das Solinger Parteiblatt unter nimmt, hat auch ihre verteufelt ernste praktische Seite. Sie setzt nämlich an die Stelle des klaren, zielbewußten, entschiedenen sozialistischen Klassenkampfes den verschwommenen Begriff eines sogenannten Klassenkampfes, der auch ohne die sozia- listische Theorie möglich wäre. Man höre: »WaS hat nun dieser wissenschaftliche Sozialismus mit der Arbeiterbewegung und speziel mit der sozialdemokratischen Politik zu tun? Nichts weiter, als daß er der kämpfenden Arbeiterklasse die wissenschaftlich begründete Hoffnung auf eine spätere Ueberwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung verleiht I Er erfüllt die sozialistisch geschulte Arbeiterklasse mit einer zuverlässigen Gewißheit, daß die sie bedrückende kapitalistische Gesellschaftsordnung einmal ein Ende nimmt. Das ist alles, und das ist sehr viel. Um politische Macht und um bessere Lebensbedingungen kämpfen müßte und würde die Arbeiterklasse auch ohne die große ZillunftShoffnung, die der wissenschaftliche Sozialismus ihr gibt. Auch wenn die Wissenschaft nicht zu der Annahme berechtigte, daß der Kapitalismus ein- mal überwunden würde, auch dann bliebe der Arbeiterklasse gar nichts anderes übrig, als sich innerhalb des K a p i- taliSmuS soviel Machte Lebensfreude und Sonnenschein wie nur inimer möglich zu erobern. Jeder Unterdrückte wehrt sich, so gut er kann, das braucht man gar nicht er st wissenschaftlich zu be- gründen und zu beweisen. Es ist einfach der Selbst« erhaltungstrieb und der Drang, sich durchzusetzen, der die Arbeiter in den Klassenkampf hineintreibt, ob n u n ni i t oder ohne wissenschaftlichen Sozialismus. Der wissenschaftliche Sozialismus gibt darüber hinaus die Zuversicht, daß dieser Kampf um besseres Brot, um ein reicheres Leben einmal mit einem natürlichen Ab st erben der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zusammentreffen(II) wird, und daß dann die Arbeiterklasse ohne die Heinmenden Fesseln des Privateigcnhnns an den Produktionsmitteln ihre Be- dürfniffe befriedigen kann.' Der Kapitalismus mich also nicht durch die äußerste Kraft» entfaltung des Proletariats grundsätzlich bekämpft und durch den s o z i a l i st i s ch e n Klassenkampf überwunden' werden, sondern da? Proletariat muß sich damit zufrieden geben, daß der Kapitalismus.einmal'»natürlich absterben' wird. Nicht der sozialistische Klassenkampf wird sein Totengräber sein, sondern er wird selbst einmal sanft und selig entschlafen. Für den proletarischen„Klassenkampf" selbst genügt die Tendenz„jedes Unterdrückten',»sich durchzusetzen', sl) ES ist unsäglich traurig, daß in einem Parteiblatt den Arbeitern derartige durch und durch unsozialdemokratische „Belehrungen' über»wissenschaftlichen Sozialismus' und„Klassen- kämpf' vorgetragen werden dürfen I llohlestvichei'. Daß eine Kohlenteuerung besteht, das spürt jeder Kohlen- konsument. Aber niemand will verantwortlich sein für die Teuerung. Grubenbesitzer, Großhändler, Kleinhändler, alle sind sie un- schuldig. Auch die Regierung wäscht ihre Hände in Unschuld. Ein Mitarbeiter der„Morgenpost' hat sich im Ministerium für Handel und Industrie über die Ursachen der Teuerung erleuchten lassen. Aus der Erklärung entnehmen wir folgendes: „Der Fiskus hat auf die Gestaltung der Kohlenpreise keinen Einfluß.... Der Anteil des Staates am Steinkohlenbergbau beträgt in Oberschlesien nur etwa 2S Proz. In Saarbrücken beherrscht er zwar die Lage, und hat dort nur die Konkurrenz der lothringischen und pfälzischen Gruben zu erleiden. Aber aus allen übrigen Gebieten ist er ganz ohnmächtig.... Eine Ermäßigung der Preise vonseiten des Fiskus wäre also nur«in Geschenk des Staates in die Taschen der Kohlen großhändler. Die Gründe der Kohlenpreissteigerung sind zunächst in den erhöhten Produktionskosten zu suchen. Das Produktionsmaterial ist im Preise gestiegen. Die Neuanlagen von Kohlengruben in Westfalen stellen sich auf über 20 Millionen Mark, bis sie über Haupt rentabel sind. Zu den erhöhten Preisen für die Produktions »nttel gesellen sich die Erhöhungen der Arbeitslöhne, womit nicht immer auch eine Erhöhung der Arbeitsleistung verbunden ist. Gerade über die Arbeitsleistungen werden vielfach Klagen gehört. Dazu kommt ein spürbarer Mangel an Arbeitskrästen. Das alles bedingt die Hochkonjunktur. Die Gruben hatten ja in den letzten Jahren bedeutende Heber schüsse zu verzeichnen. Aber sie sagen sich auch, daß die Zukunft ungewiß ist und daß die günstige Konjunktur deshalb auszunützen ist, Uebrigens übt das Syndikat bei Hochkonjunkturen einen mäßigenden Einfluß auf die Preislage aus. Die auf sich selbst gestellten Einzelwerke würden die Gunst des Augenblicks viel rücksichtsloser zu benutzen suchen. Wir hätten sicher bei der jetzigen Marktlage ohne das Syndikat eine größere Preissteigerung der Kohlen zu verzeichnen. Nach Lage der Dinge ist nicht an- zunehmen, daß die Kohlen billiger werden. Eine wesentliche Er Mäßigung der Kohlenpreise ist nicht denkbar.' In der»Erklärung' fehlt die wichtigste Erklärung für das Unvermögen des Fiskus, einen Druck auf die Preise auszuüben. Er kann seine Gewinnsucht noch weniger zähmen als das Privatkapital. Wo er das Monopol hat, geht er über die Syndikatspreise noch hinaus. Und die Entlohnung seiner Arbeiter hält sich unter den im Privatbergbau üblichen Lohnsätzen. Es verdient« z. B. ein Arbeiter im Jahre 1906 pro Schicht: im Oberbergamtsbezirk Dortmund t,37 M,, im Aachener Revier 4,41 M. und in den fiskalischen Saar- werken 8.88 M. Wie es mit der Preispolitik des Fiskus bestellt ist, wird der Regierung deutlich unter die Nase gerieben in einer von den Kohlenmognaten als Protest gegen weitere VerstaatlichungS> Pläne dem Abgeordnetenhause unterbreiteten Denkschrift. Darin heißt e»: Im Durchschnitt der dreizehn Jahre 1896 bis 1907 bezahlte der Staat dem Saarfiskus die Steinkohlen mit 12,44 M. um 2,49 M. hoher als dem rheinisch-westfälischen Privatbergbau; aber während der FiskuS sich für die Jahre 1896 bis 1900 mit einem Mehr von 1,79 M. begnügt hatte, steigerte er diesen Unterschied für die letzten sieben Jahre auf 8,08 M. Ja. der FiSkuS versteht die PluSniacherei. Geradezu unerhört ist eS aber, wenn unterstellt wird, daß höhere Löhne ohne ent- sprechende Leistungssteigerung in letzter Linie die Ursachen der fort- gesetzten Preisaufschläge seien. Dieselbe Melodie wie die Regierung pfeift in der»Morgenpost' ein Kohlengroßhändler. Er läßt sich wie folgt vernehmen: Es ist eine unberechtigte Annahme, im Publikum zu glauben, daß die an sich ja nur mäßige Steigerung der Kohlenpreise durch die Syndikate und Konventionen verursacht sei. Die Ursachen sind auf anderen Gebieten zu suchen. Die Konvention ist eine Vereinigung der Produzenten, Großhändler und Kleinhändler zur PreiSreguliernng der Kohlen, Diese Vereinigung war notwendig geworden, Bor ihr blühte der �ilde Handel, der auf der einen Seite in Unter- bletungen zwischen den Kleinhändlern stattfand, wodurch viele ruiniert wurden. In den letzten Jahren bor der Konvention war der Stand der Detailkohlenhändler in eine so schwierige Lage gekonimen, daß er kaum mehr existenzfähig war. Aus der anderen Seite aber war das Publikum großen willkürlichen Preisfestsetzungen ausgesetzt. Durch die Konvention wird beides verniiedcn. Die Kleinhändler verdienen etwa? mehr, aber sie müssen zu festen vorgeschriebenen Preisen verkaufen. Und diese Preise sind immer- hin so gestellt, daß der Verdienst des Händlers nur ein .beschränkter' genannt werden kann. Eben nur so viel als ihm notwendig zukommt. Dagegen ist das Publikum vor den will- kürlich hochgeschraubten Preisen unbedingt gesichert und der ganze Kohlenhandel vollzieht sich bei stabileren Preislagen. Die Gründe der etivas angezogenen Kohlenpreise liegen nicht auf dem Gebiete der Spekulation, sondern sind auf ganz natürliche Weise verursacht.... Dazu kommt die andere Tatsache, daß die Förderungsschwierig- leiten immer größer werden. Die Schächte müssen tiefer geführt werden. Weniger ertragreiche Gebiete müssen abgeräumt werden, um zu den ertragreicheren Feldern zu gelangen. Das alles er- fordert bei größerer Tiefe mehr Material und mehr Förderarbeit, Die Arbeitszeit endlich wurde verkürzt, die Arbeitslöhne in den letzten Jahren wiederholt und erst vor ganz kurzer Zeit ver- mehrt! Es war nicht anders möglich, als daß die Kohlenpreise anziehen mußten I Also die Konvention war notwendig, um die Unterbietungen zu verhindern. Sie ist«xistenzberechtigt, weil sie die Ueber- Vorteilung, die Preistreiberei verhindert I Mehr kann man nicht gut verlangen! Auch der Großhändler findet, daß die Ver- teuerung ganz natürlich ist— die Produktion ist teurer'geworden, Daß die Großhändler die Erweiterung der Spannung zwischen Ein- kaufs« und Verkaufspreisen mit den höheren Löhnen der Berg- arbeiter zu rechtfertigen suchen, zeigt eine staunenswerte Kühnheit— in der Vergewaltigung der Logik. Um zu zeigen, wie wenig be- rechtigt es ist, die Preissteigerungen auf das Steigen der Produktions- kosten zurückzuführen, geben wir einige Gcwinnzifferberechnungen, die den in der amtlichen Denkschrift über das rheinisch-westsälische Kohlensyndikat gemachten Angaben entnommen sind. Danach ergibt sich für die Gesamtheit der SyndikatSzechen Ueberschuß pro Tonne Förderung Arbeiter 1694 1896 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1,753 M. 2,073, 2.773„ 2.801. 3,432„ 8.134. 8.931„ 4,931„ 6,077, 4,097. 4,001, 4,308„ 482 M. 570, 793, 797„ 953, 872, 1033., 1234„ 1238, 1079» 1043» 1110» Demnach ist sowohl der Unternehmerprofit pro Tonne als auch pro Arbeiter ununterbrochen gewachsen. Wenn man trotz solcher Nachweise immer noch versucht, die Lohnerhöhungen als Ur- fache der Preiserhöhungen zu denunzieren, so zeugt das von böser Absicht. Daß auch für die letzten beiden Jahre die Tendenz der Ueberschußsteigerung nicht zum Stillstand gekommen ist, das darf man aus den Verrechnungspreisen schließen. Es sind dies die Preise, die das Syndikat an die Zechen zu zahlen hat. Die Denk- schrift macht darüber folgende Angaben:(Pro Tonne Mark) Fettkohlen' Gasflamm- bestmelierte Förderkohle Essekohlen gew. Nuß I 12,30 18.30 14,73 14,73 14,30 14,23 14,23 14,23 14,73 13,73 Magerkohlen Anthrazit Nuß I 16,00 17,00 18,00 19,00 18.30 18,30 18,80 18,30 18,30 19,60 Für das letzte Jahr kommen also besonders hohe Preise in Be wacht. Die Steigerung von 1906/07 auf 1907/03 stellt sich auf 3 bis annähernd 10 Prozent. Seit 1893/94 sind die Preise um 31. 47, 24 und 22 Prozent gestiegen. Welchen Erfolg das für die Kohlen Magnaten hat, haben wir oben bereits gezeigt. Ursache und Wirkung sollen den Konsumenten verheimlicht werden, deshalb müssen die Arbeiter als die Sündenböcke hingestellt werden, die durch ihre Begehrlichkeit die Preise in die Höhe weiden. Maroßko. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung' teilt mit, daß der Reichskanzler sich entschlossen hat, den durch das Boiw bardement von Casablanca geschädigten Deutschen„in Be� riicksichtigung der vorliegenden außergewöhnlichen Umstände, ausnahmsweise durch Gewährung eines Vorschusses zu Hülfe zu kommen". Er hat unter dem 10. d. Mts. angeordnet, daß aus der Reichskasse ein Vorschuß in Höhe von 250000 M. flüssig gemacht werde, vorbehaltlich der späteren Erstattung durch die dazu Verpflichteten und ebenso vorbehaltlich der nachträglichen Genehmigung durch den Reichstag. Die Nachrichten sind heute spärlich. Wir verzeichnen die folgenden: Paris, 11. September. Den Blättem wird aus Casablanca von gestern gemeldet: Für morgen wird ein neuer Angriff der Marokkaner erwartet. General Drude ist wiederhergestellt. Mit Hülse des Militär- ballons hat das Lager der Marokkaner beobachtet und es hat fest- gestellt werden können, daß der Feind neue Verstärkungen erhalte» hat. Auf Befehl Mnlay Hafids sind 7000 Mann, darunter 8000 Berittene von Marrakesch aufgebrochen, um sich den SchaujaS an- zuschließen. Paris, 11. September. Wie die»Agence HabaS" aus Tanger meldet, sind die Annäherungsversuche, die der Stanim der Medinnas zu unternehmen wünschte, infolge des hartnäckigen Widerstandes der im Innern des Landes wohnenden Stämme geicheitert. politifcbe(Jcberftcht Berlin, den 11. September 1907. Die Kolonialarmee. Als wir vor wenigen Wochen ausführten, daß die süd- westafrikanische Schutztruppe von 4000 Mann die so heiß- ersehnte Kolonialarmee darstelle, begegneten wir in freisinnigen und anderen Blättern lebhaftem Widerspruch. Daß hier aber in der Tat der Kern der Kolonialarmee geschaffen worden ist, beweisen folgende Auslassungen in kolonialfreund- liehen Blättern: „Zu den eingehendsten Erörterungen hat in den letzten Jahren in Rücksicht auf die Ausstände in Südwestafrila und in Lstafrika die Frage der Errichtung einer ständigen Kolonial- t r u p p e geführt. aus der die Schutzwuppen der einzelnen Kolonien bei plötzlich aufttetenden Unruhen ergänzt werden können. Aber alle Erwägungen führten zu dem gewünschten Ergebnisse nicht, weil von vornherein feststand, daß eine solche aus Europäern gebildete Truppe nur in Südwestafrila Ver- Wendung finden könnte, nicht aber in den anderen rein- tropischen Schutzgebieten Afrikas. Damit war eigentlich der Plan gefallen, doch hat man die Sache weiter erwogen und ist schließlich auf einen recht glücklichen Ausweg gekommen. Die Schutztruppe in Südwestafrika soll auf abseh- bare Zeit in einem Bestände von 4000 Mann bestehe» bleiben, von ihr sollen, wie erwähnt, zwei K omp a g nien aus Frei« willigen in den Häfen Swakopmund und L ü d e r i tz- bucht stets bereit gehalten werden, um bei entstehenden Unruhen in Kamerun dorthin abgesandt zu werden und dort den Küstenschutz zu übernehmen. Diese Truppe könnte dort nach etwa zehn Tagen eintreffen, eine außerordentlich kurze Zeit im Vergleich mit der Fahrt aus der Heimat. Auch ist die Truppe immer bereit, während sie in Deutschland erst gebildet werden müßte. Die Schutztruppe aus Eingeborenen in Kamerun kann dann in voller Stärke bei den Auf st än den im Innern auf- treten. So ist gleichsam der umgekehrte Fall eingetreten, die Schutztruppe in Südwestafrika erscheint als eine Kolonial- truppe wenigstens in bezug auf die w e st a f r i k a n i s ch e n Kolonien, wo sie in dringenden Fällen Hülfe leisten muß. Das ist eine glückliche Löiung, auch nach der finanziellen Seite hin. Scbon bei früheren Anfftänden in den Kolonien— so namentlich in Ost- afrika— hat sich der Küstenschutz durch europäische Truppen nolwendig gemacht. Man hat damals, um schnell einzugreifen, M a r i n e m a n n s ch a f t e n verwendet. Jetzt ist an der West- afrikanischen Küste dem Bedürfnisse in einer dauernden Weise genügt. Mit dem Bau von Eisenbahnen in den Schutzgebieten werden die Verbältnisse noch besser werden.' Die 4000 Mann in Südwest bilden also faktisch die Kolonialarmec, die man zum Teil auS Ostasien infolge des japanisch-russischcn Krieges und seiner politischen Ergebnisse zurückziehen in n ß t e. Zu den 4000 Mann Schutztruppe kommt in Südwest außerdem noch eine„Polizei- truppe", die allein stärker ist, als die ganze Schutztruppe vor dem südwestafrikanischen Kriege l Diese Schutztruppe in Südwestafrika soll für Kamerun, Togo, eventuell auch für Ostafrika, die Mannschaften liefern. In Kamerun glaubt man bei der raschen Ersatzinöglichkeit der Küstenmannschaften schneidiger imJnnern vorgehen zu können! So kosten uns die 4000 Mann in Südwest nicht nur 3v Millionen pro Jahr, sondern eventuell auch ungezählte Millionen für einen Krieg im Hintcrlande von Kamerun l Christlich-soziale Flottentreiber und Wahlrechts« Verräter! Auf dem christlichsozialen Parteitag in Elberfeld wurde— unter Zustimmung der Arbciterdelegterten, unter denen auch Herr Behrens vertrelen war, einstimmig eine Resolution zugunsten des schnelleren Ausbauö der Flotte angenommen! Während so die christlichsozialen.Arbeitervertrctcr' für du Panzerplatten« und Kanonenfabrikanten eintraten, begnügten sie sich in bezug auf die Wahlrcchtsfrage mit folgender von Behrens eingebrachten Resolutton: »Der christlichsoziale Parteitag begrüßt den Aufruf des »Nationalen Arbeiter-WahlanSschusses betr. die Aufstellung von Arbeitern für die kommenden LandtagSwahlen 1908 und ist bereit, die Bestrebungen des Ausschusses auch bei dieser Wahl zu unter- stützen und zu berücksichtigen. Der christlichsoziale Parteitag erklärt es ini Interesse der Gerechtigkeit liegend, daß der Arbeiter stand im preußischen Land- tag ebem falls genügend vertreten wird. Vom ReichStagsmahlrecht war mit keinem Worte die Rede! So sehen die christlichsozialen Sachwalter der BolkSrechte ans! Die LandtagSwahlen in Sachsen. Am Mittwoch haben in einem Drittel der LandtagSivahl- kreise des Königreichs Sachsen die Urwahlen der dritten Wählerklasse stattgefunden. Unsere sächsischen Genossen haben trotz der Gewißheit, daß unter dem Dreiklassenwahlsystem in der überwiegenden Mehrheit der Wahlkreise Mandatserfolge nicht zu erzielen sind, den Wahlkampf mit Eifer aufgenommen, um die Empfindung der Wahlrcchtsschmach unter den Entrechteten wach zu halten und zu vertiefen und um ihren lauten Protest durch den Stimmzettel, durch die Eroberung der dritten Klaffe und die Zählung der sozialdemokratischen Wähler zu verstärken. Ueber die Ergebniffe sind uns folgende Meldungen zu- gegangen: Leipzig, 11. September. (Privatdepesche des„Vorwärts'.) Im zweiten Leipziger Landtagswahlkreis wurden 2362 sozial- demokratische Stimmen abgegeben und 40 sozialdemokratische Wahl- männer gewählt. Die Nationalliberalen erzielten nur 1390 Stimmen und vier Wahlmänner. Im LaudtagswahlkreiS Leipzig IV wurden 5452 sozialdemokratische Stimmen abgegeben und alle 72 Wahlmämicrilumdate der dritten Klasse von der Sozialdemokratie erobert. Die National- liberalen erzielten nur 2149 Stimmen und erhielte» keine» Wahl- mann. Die Wahlbeteiligung betrug 60—80 Proz. der Wahlberechtigten Ein geistlicher Zentrumsagitaior vor Gericht. In dem Orte Gleuel im Landkreise Köln wurde kürzlich der Grundarbeiter Hansen von seinem eigenen Bruder erstochen. Der Getötete gehörte der gewerkschaftlichen Organi- sation an und diese gab ihm das letzte Geleit. Trotzdem der Täter weder politisch noch gewerkschaftlich organisiert war und nach seiner Haftentlassung fleißig die Kirche gesuchte, ver- suchte am Grabe dennoch der katholische Pfarrer Klein den Unglauben" und die„Religionslosigkeit" für die Tat ver- antwortlich zu machen und den Mord der Sozialdemo- kratie an die Rockschöße zu hängen. Unser Parteigenosse Dick, Mitglied des Gemeinderats in Gleuel, erhob sofort entschieden Einspruch gegen den Versuch des Pfarrers, und er sagte:„Was der Mann im schwarzen Talar geredet hat. war eine Unverschämtheit, eine elende Verleumdung!" Unser Kölner Parteiblatt, die., R h e i n i s ch e Z e i t u n g brachte zwei Artikel über diese Vorgänge, die von den Genosse»- Audree und Schiller verantwortlich gezeichnet waren. Gegen diese beiden sowie gegen den Genossen Dick stellte der Pfarrer Strafantrag wegen Beleidigung, und die Staats- anwaltschaft beeilte sich, dem Wunsche des geistlichen Zentrumsagitators, der die ganze Sache provoziert hat, Folge zu geben. Die Angelegenheit beschäftigte gestern die Kölner Strafkammer. Wenn ein Mensch keinen Grund und kein Recht hat. sich über etwaige ihm widerfahrene Beleidigungen zu beschweren, so ist es der Pfarrer Franz Klein, der jetzige Kläger, und wir gehen ganz bestimmt nicht fehl, wenn wir annehmen, daß er nachträglich die Stellung des StrasantrageS bitter bereut hat. Denn die Verhandlung hat ergeben, daß die in Gleuel viel- fach vorgekommenen Zwistigkeiten ganz allein auf das Konto des Pfarrers kommen, und daß dieser Herr im Kampfe mit dem politischen Gegner vor keinem Schinipfwort und vor keinem Mittel zurück- schreckt. Uebrigeus ist Pfarrer Klein selbst schon wegen einer schweren Beleidigung vorbestraft. Er hatte unseren Gleueler Vcrtrauensmaun. den alten, allgemein ge- achteten Genossen Schnitzler, ohne jeden Grund lediglich aus politischem Haß als„Lnmp" beschimpft. Das Kölner Schöffengericht hat- ihn dafür mit ganzen 30 M. bestraft. Ferner bekundete Genosse H a m b l o ch als Zeuge, daß Pfarrer Klein zu ihm gesagt hat:„Ihr habt keine Religion; solche Menschen sind schlechter als das Vieh! Eure „Rheinische Zeitung" ist ein schmutziges Schmier- blatt."— Und dieser Schimpfpriester wagt es, andere Leute Wegen Beleidigung zu verklagen I Aber es kommt noch schlimmer: Eine frühere sZeitungs- trägerin bekundete, sie sei Mutter von sechs Kindern; ihr Mann sei Fabrikarbeiter; und da habe sie das kleine Ein- kommen ein wenig erhöhen wollen durch das Austragen der '„Rheinischen Zeitung". Dafür habe Pfarrer Klein ihren Sohn in der Schule einen„Sozialen" genannt und zu ihr habe er gesagt, wenn sie das Austragen der sozialdemokratischen Zeitnng nicht einstelle, werde er ihre» Mann aus seiner lohnenden Beschäftigung bringen.— Der Vorsitzende forderte den Pfarrer auf, sich hierzu zu erklären. Der Pfarrer, der den Zeugeneid geleistet hatte, erwiderte, daß er stich der von den beiden Zeugen bc- kündeten Aeußerungen nicht erinnern könne. Er be- st ritt die Richtigkeit der Zeugenaussagen nicht! Der Staatsanwalt beantragte, obwohl sämtliche drei Angeklagten noch unbestraft sind, hohe Strafen: gegen Dick einen Mmmt(!) und gegen die Redakteure 100 und 200 M. Geldstrafe. Der strebsame Herr machte den Versuch, für sozialdemokratische Preßsünder die re- daktionelle Erbsünde einzuführen. Er meinte, die beiden angeklagten Redakteure seien zlvar noch unbestraft; aber die anderen(!) Redakteure der„Rheinischen Zeitung" seien so oft wegen Beleidigung bestraft, daß sich ein hohes Strafnmß rechtfertige. Der Verteidiger, Rechtsanwalt E. Schrammen, setzte den staatsanwaltlichen Versuch in das rechte Licht. Er beantragte die Freisprechung sämt- licher Angeklagten. da sie gegenüber dem Pfarrer, unter dessen Talar nur der politische Agitator gesteckt, und der den unsäglichen traurigen Vorivurs gemacht habe, den Angeklagten Dick als Genossen des Mörders zu ver- dächtigen, nur ihre berechtigten Interessen gewahrt hätten. Wenn man die tatsächlich vorgekommenen Dinge nicht mehr mit dem richtigen Namen nenijen dürfe, sei es um die Preß- freiheit traurig bestellt. DaS Gericht vcrurtellte das Gemeinderatsmitglied Dick und den Genossen Schiller zu je 50 M. Geldstrafe und sprach den Genossen Andrer frei._ D ernburgs„N c!»lgu'lgs"-Fcldzug erstreckt sich jetzt auch aus den Osten unseres Vaterlandes. Er so- wohl wie der Kriegs min ist er haben gegen den Genossen T r a b n l s k i. Ncichstagskandidat für G l e i w i tz- L u b I i n i tz, Strafantrag wegen Beleidigung der kaiserlichen Schutz- truppeuud des ostasiatischen Expeditionskorps ge- stellt. � Trabalski hatte während der Wahlbewegung in einigen Reden die deutschen Koloniolheldcn und ihre Grausamkeiten kritisiert und auf Grund des Berichtes oberschlesischer Polizisten, die als llcberwachcnde fungiert hatten, erhob die Staatsanwaltschaft auf Aittrag die Anklage gegen den Frevler. Den Einwand, daß T. seine Argumente wörtlich dem Handbuch von Schippe! entnommen, ließ man nicht gelten. Die Verteidigung beantragte daraufhin, dem W a h rh e i t s b e w eis e stattzugeben. Zu diesem Zwecke verlangte er die Vorlegung der Alten in den Disziplinarverfahren gegen Lei st, Schröder, Wehlau, Peters, Arenberg, Kannenberg und Besser, die Ver- nehmung Bebels und des früheren Gesandten v. Brandt in Berlin u. a., ferner die Vorlegung der Alten deS Kolouialamtes gegen den früheren Kommandeur der Schutztruppe in Kamerun. Hauptmann Kamptz. und Oberleutnant Trotha, die kommissarische Ver- nehmung von 61 in Tokio lebenden Augenzeugen von Greueltaten, Räubereien usw. Das Gericht in Gleilvitz, das sich Dienstag mit der Sache beschäftigte, beschloß, das Krieg?mi»isterium anzufragen, ob richtig ist, daß zur Zeit der Stellung des Straf- antroges und zur Zeit der Begehung der Beleidigung kein ehemalige« Mitglied des Expeditionskorps dem preußi- schcn Heeresverbande angehört hat.(Der Verteidiger will da- mit beweisen, daß der Minister zur Stellung des StrasantrageS nicht berechtigt war.) Ferner sollen 21 vom Angeklagten benannte Zeugen gehört und der Polizeikommissar K o r d a- Beuthen darüber vernommen werden, ob die Polizisten die in polnischer Sprache ge- haltene Rede Trabalskis richtig übersetzt haben. Der Prozeß wird also einen Riesenumfang annehmen. Wir werden darüber berichten. Die Sünden der Freisinnigen bei den letzte» Reichstags- wähle» in Eisenach. Man schreibt uns aus E i s e n a ch: Der Parteivorstand hat in seinem Jahresbericht Bezug ge- nommen auf die letzte RcichstagSwahl und den Verrat der Frei- sinnigen kurz gekennzeichnet, indem er schreibt:„Damit die Sünden- liste des Freisinn« nicht der Vergessenheit anheimfällt, soll sie hier aufgeführt werden".— Diese wenigen Worte haben die Redaktion der fceisiuiligen„Eisenacher Tagespost" so in Harnisch ge- bracht, daß sie darüber zwei Leitartikel verbricht. Sie schreibt unter anderem:„ES kann nicht unsere Aufgabe sein, in jedem einzelnen Fall zu untersuchen, ob die sozialdemokratischen Behauptungen richtig sind. Wir müssen aber auf Grund der näheren Kenntnis der Dinge die gesamte Beweisführung der sozialdemolratischen Partei als eine überaus oberflächliche und unzutreffende bezeichnen." Und an einer anderen Stelle heißt es:„Berücksichtigt man forner. daß bei der Stichwahl im Eisenacher Wahlkreise ein beträchtlicher Teil des Freisinns sich der Stimme enthalten hat, so ergibt sich, daß die Be- hauptung im offiziellen Bericht de? sozialdemolratischen Partei- Vorstandes, soweit sie sich auf den Wahlkreis Eisenach bezieht, jeder Grundlage entbehrt. Ist es mit den übrigen Behauptungen des sozialdemokratischen ParteivorstandeS bezüglich der„Sünden de« Freisinn«" ebenso bestellt, wie mit den Behauptungen über den Wahlkreis Eisenach. dann verdient der Bericht des sozialdemokratischen Parteivorstandes allerdings nicht als ein ernstes politische« Dokument angesehen zu werden." Die Sünden der Freisinnigen im allgemeinen übergehen wir. sie sind zur Genüge gekennzeichnet. Kur zu den AuSiasjnngen der „Eisenacher Tagespost" ein paar Worte, soweit der Eisenacher W a b l k x e i S w Frage kommt. Als am Stichwahltage bekannt wurde, daß der Antisemit Schack mit geringer Mehrheit gesiegt hatte, schrieb die»Tagespost" folgendes: „Wie das bei der Gemeinsamkeit des Marschieren« im ersten Wahlgange der Freisinnigen und Nationallibcralen begreiflich ist haben vielfach auf dem Lande freisinnige Wähler geglaubt, der Parole des gemeinsamen Kandidat e.n folgen zu müssen,— und daraus erklären sich manche Resultate ländlicher Orte." Der gemeinsame liberale Kandidat Dr. Winter-Magdeburg hatte die Parole ausgegeben, für den Antisemiten Schack sollten sciuc Wähler geschlossen eintreten. Trotzdem er vor Schack„jeden Respekt verloren habe", behauptete er doch, der libe- ralen Sache zu dienen, wenn seine Wähler für Schack einträten. Lassen wir die ländlichen Wähler beiseite und sehen wir uns kurz die Wahl in der Stadt E i s e n a ch an. Bei der Hauptwahl vereinigte der liberale Kandidat auf sich 2 5 90 Stimmen. Die Freisinnigen partizipieren an dieser Stimmen- zahl— ganz niedrig gerechnet— mit 1100. Bei der Hauptwahl erhielt der sozialdemokratische Kandidat Genosse Leber in der Stadt Eisenach 3019 Stimmen, bei der Stichwahl 3768. Also ein Mehr von 719 Stimmen. Davon hat die Sozialdemolratie aus ihren Reserven 100 bis 150 Ssimmcn sicher zu verzeichnen. Außerdem hat auch noch ein kleiner Teil„liberaler Wähler"— aus Abneigung gegen Schack— für Leber ge- stimmt. So daß im höchsten Falle 500 freisinnige Wähler der Stadt Eisenach für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmten. Die Mehrheit der freisinnigen Wähler stimmte entweder für Schack oder enthielt sich der Stimme. Und in den übrigen Orten war das Resultat kein anderes. Wie sich angesichts solcher Tatsachen die frei- sinnige„Eisenacher Tagespost" über den Bericht des sozialdemolrati- schen Parteivorstandes entrüsten kann, begreife wer will l— Morenga unterwirft sich! Nach telegraphischer Meldung des Gouverneurs von Südwestafrika befindet sich Morenga mit 12 Kaffern und 8 Gewehren in der G a m s i b- B u ch t und hat um Aufnahme in das BondelAwart-Ab- kommen gebeten. Der Gouverneur ließ Morenga daraufhin mitteilen, daß er bereit sei, die Unterwerfung an- zunehmen, falls Morenga die Waffen abliefere und friedlich im Lande zu leben verspreche. Tue er dieses, so werde er wegen seiner Straftaten nicht zur Verantwortung ge- zogen und die Möglichkeit zum Leben durch Viehhaltung halben. Die Verhandlungen sind noch nicht zum Abschlüsse gelangt. Das'wäre also das von uns ja vorausgesagte Ende des von unseren Kolonialphantasten so lächerlich aufgebauschten neuen„Einbruchs" Morengas. Hoffentlich wird aber nunmehr auch unverzüglich wieder mit der Rücksendung der zurückgehaltenen Truppen be- gönnen!—_ Ungarn. Die WahlrechtSdernoustratio». Wie wir gestern berichteten, sollen am 10. Oktober au» Anlaß der Eröffnung de« Parlaments im ganzen Lande Wahlrechtsdemon- strationen veranstaltet werden. Unser ungarisches Parteiblatt, die „Nüpszava", begründet den Beschluß der Parteileitung in einem Auf- ruf, in welchem sie auf die Taten der Koalitionsregierung hinweist, die darauf hinauslausen, das Volk dem Klerikalismus und dem Agrariertum auszuliefern. Im Lande herrscht eine allgemeine Teuerung; die Arbeiterschaft leidet an Unterernährung, die Arbeiter- Organisationen, die bessere Lebensbedingungen für die Arbeiterschaft erkämpfen wollen, werden von den Behörden aufgelöst; dagegen er« freuen sich die Organisationen der Arbeitgeber der Protektion der Regierung und Behörden. Im Aufruf der.NöpSzava" heißt e« weiter: „Am 10. Oktober tritt da« ungarische Parlament zusammen. Die Eröffnung soll im Zeichen de« allgemeinen und geheimen Wahl« rechts stehen. Da« Boll de« ganzen Lande« muß zeigen, daß es die landeSverheerende Herrschaft der Koalitton verurteilt und ver« abscheut und mit unverbrüchlicher Zähigkeit am allgemeinen und geheimen Wahlrecht festhält. Die herrschenden Klassen haben be» hauptet, daß das Volk nicht das allgemeine Wahlrecht fordert. Am 10. Oktober sollen sie sich davon überzeugen, daß das Volk de« ganzen Landes bereit ist, für diese Forderung in den Kampf zu treten; es ist unter keinen Umständen geneigt, sich das Wahlrecht unterschlagen zu lassen. Am 10. Oktober soll im ganzen Lande die Arbeit vollständig ruhen... Am 10. Oktober beginnt ein ent- schlossencr, rücksichtsloser, revolutionärer Kampf. Wir kämpfen für da« Programm der Regierung: für da«, wa« der König versprochen hat... Wir sordem die Einlösung dessen, worauf der König und die Koalition sich mit ihrem Worte festgelegt haben. Aus zum Kampf l Hoch die revolutionäre Sozialdemokratie!"— perfien. Gegen das neue Ministerium. Teheran, 11. September.(Meldung de« Reuterschen Bureaus.) ' Da« Parlament ist gegen die Zusammensetzung des neuen Ministeriums und hat eine P r o t e st d e p u t a t i o n an de» Schah geschickt. Jchtescham eS Saltaneh. der bis Ansang 1906 Gesandter m Berlin und seitdem Hauptbevollmächliater an der türkischen Grenze war, ist zun« Präsidenten de« Parlament» gewählt worden.— Hmeriha. Bon den„unwissenden Negern", die für die ihnen verliehene» politischen Rechte„noch immer nicht reif" seien, redet man im Süden der Vereinigten Staate» viel. Wie sehr und ivie gröblich aber die Pflicht vernachlässigt wird, die Neger heranzubilden und ihrer Un« wlssenheit durch besseren Schulunterricht zu steuern, zeigt ein Aus- weis der Unterrichlsbehörde von Süd'Kaxolina für das Jahr 1906. Danach bestanden im Staate 2671 Schulen für die Kinoer der Weißen, deren Zahl in den Listen auf 117 953 angegeben wurde. Für diese Schulen waren 8633 Lehrer aiiaestellt, und die IlnterrichtSkosten beliefen sich auf 1 538 565 Dollar. Die in den Schullisten geführten Kinder der Farbigen waren um etwa 21 000 zahlreicher, jedoch für sie war weit schlechter gesorgt, was schon daraus hervorgeht, daß für ihren Unterricht nur 260 000 Dollar ausgegeben wurden I Für S ch u l st e n e r u aber mußte die farbige Bevölkerung über 278 000 Dollar ausbringe». so daß sie für den Unterricht der iveißen Kinder sogar noch 18 000 Dollar niitbezahlen mußte I Ob ausreichende Schulgebäude vor- Händen sind, ob das Lehrennatcrial die entsprechende Ausbildung ge- nossen hat, ob der Schulbesuch regelmäßig ist, das alles ist Neben- fache, wenn eS sich um die Kinder der Farbigen handelt, über deren „geistige Unreife" man sich spater nicht genug entrüsten kann.-- Die russische Revolution. Die neue Pogrom-Aera. Dem„B. T." tvird telegraphiert: Petersburg, 10. September. In Odessa wurde«n der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag in der Nähe deS Bahnhofes vom Verbände der echt russischen Leute eine ganze fliehende jüdische Familie beraubt und barbarisch verprügelt. Die alte Mutter wurde erschlage», alle Mitglieder der Familie auf offener Straße gefoltert, bis sie das Bewußtsein verloren. Alle Gefolterten, außer der getöteten Greisin, mußten wegew der erlittenen Verletzungen in das Hospital gebracht werden. Die grausame Behandlung der Familie ist auf einen Racheakt zurückzuführen. Die„Rufs. Korr." meldet: Petersburg, 10. September. Das bekannte Kadettenblatt „Njctsch" wurde heute von der Zcnsurbehörde mit 300 Rubel Geldstrafe belegt wegen seines Berichtes über den Pogrom in Odessa, obgleich dieser Bericht völlig objektiv gehalten war. Diese Bestrafung ist charakteristisch für die Haltung der Behörden den Pogromanstiftern gegenüber. • In Kischinew fand nach übereinstimmenden Meldungen verschiedener Zeitungen auS Braila(Rumänien) ein fürchterlicher Po- grom statt, bei dem sich die löbliche» Behörden wieder einmal völlig passiv verhielten I Die„B. Z." bringt folgenden Drahtbericht über das Kischinelver Bludbad: Sine Bande von Hooligans griff daS jüdische Viertel an und plünderte alle Häuser und Geschäftsläden. Die Inden wurden von der Volksmenge schwer mißhandelt und ge- foltert. Besonder« die jüdischen Frauen wurde» mit großer Grausamkeit behandelt; viele wurden gepeitscht, vielen aber erging es noch schlimmer. Die Ruhestörer fanden auch ein Ver« gnügen daran. Kinder zu verletzen. Viele Jude» versuchte», sich mit Waffen zu verteidigen, wurden aber durch die Angreifer über- wältigt. Der angerichtete Schaden im Judenviertel ist sehr groß. Die Unruhen dauerten viele Stunden und dürften noch kein Ende gefunden haben. Bisher wurde festgestellt, daß acht Juden getötet worden sind. Die Zahl der Verletzten ist sehr groß, konnte aber noch nicht genau festgestellt werden. Bemerkenswert ist, daß die Behörden gänzlich passiv blieben und nicht den geringsten Versuch machten, die Unruhen zu unterdrücken. Viele Einwohner sind aus der Stadt geflüchtet, um Sicherheit in Rumänien zu suchen.— Durch diese Flüchtlinge sind dir Vor« gänge in Kischinew bekannt geworden. DaS„Bureau Herold" meldet über die Greuel von Kischinew: Kiew, 11. September. Nach Meldungen aus Kischinew soll dort am jüdischen Neujahrsfest ein Pogrom stattgefunden haben. In der Haralansjajastraße sollen sämtliche jüdischen Eieschäfle zer- stört und geplündert worden sein. Die Zahl der Verletzten sei sehr groß. Viele Personen flüchten auS Kischinew. • AuS Lodz meldet dem„B. T." ein Privattelegramm vom 10. d. M.„von entsetzlichen Mordtaten dortiger Banditen, die wieder einen Pogrom begonnen haben. Heute wurden 11 Personen, darunter vier Frauen, erschossen und vier Personen, darunter zwei Frauen, verletzt. Um Mitternacht dauerte die Schießerei noch fort." Die Kadetten nach dem Staatsstreich. In der letzten Nummer der kadettischen Wochenschrift„Wjestnik Narodni Swobodh" schreibt der bekannte Kadettenführer Nabolosf folgendes:. „Wenn an der Schwelle der ersten und der zweiten Duma Programme für legislative Arbeiten aufgestellt werden konnten, so lag diesen Plänen die Präsumption zugrunde, daß die Volks- Vertretung sowohl nach ihrer Idee wie nach der gegebenen Form ihrer Verwirklichung äußeren Einflüssen nicht zugänglich sei, und daß schon ein bestimmtes Juirdament exstiere, auf welchem man vorsichtig und folgerecht weiter bauen könne. Nach dem Ereignis vom 16. Juni ist für diese Präsumption kein Platz mehr vorhanden, und wir bewiesen nur, daß wir nichts gelernt und alles vergessen haben, wenn wir uns bei diesen Verhältnissen die frühere Aufgabe stellen würden, die sozialen und politischen Reformen, welche diesem oder jenem Parteiprogramm— im besonderen unserem eigenen— entspringen, auf legislativem Wege folgerichtig zu verwirklichen."— Die in diesen Tagen abgeschlossene Konferenz des Zentral- komitees der Kadettenpartei und der Delegierten der Provinztal- komitces hat gezeigt, daß die Kadetten bei aller Langsamkeit, mit der sich ihre„Aufklärung" vollzieht, dennoch bei den Linksparteien etwas gelernt und nicht alle Lehren in den Wind geschlagen haben, welche ihnen von den Schöpfern deS Staatsstreichs vom 16. Juni erteilt worden sind., Auf der Konferenz wurde nämlich beschlossen, sich mit einer Deklaration an das Land zu wenden, in welcher die Gtellungnahrn« der Partei zur gegebenen politischen Lage und zur Rolle der Oppo- sition in der dritten Duma dargelegt wird. In dieser Deklaration würde man vergeblich irgend welche Hinweise auf daS„Fundament" suchen,„auf welchem man vorsichtig und folgerecht wetterbauen könne." Der Akt vom 16. Juni so heißt es in der Deklaration — hat alle Hoffnung zunichte gemacht, daß in Rußland ruhige Arbeit zur Durchführung der notwendigen Reformen möglich sei! Mit anderen Worten— die„Präsumption" hat sich nicht bewährt. Mit dem Schwinden der kadettischen Illusionen ist auch das„Funda- ment" zusammengestürzt, das in den Köpfen der Kadetten daraus errichtet war. Nicht viel mehr als von diesem.Fundament" blieb von: früheren Heilmittel der Kadetten übrig:„der folgerichtigen Ver» wirklichung sozialer und politischer Reformen auf legislativem Wege". Jetzt will die Partei, falls sie in der Duma die Minorität bilden sollte, sich die Aufgabe stellen, die Pläne der Reaktion auf- zudecken, eine strenge Kontrolle des Budgets zu führen und die Gesctzesvorlagen der Regierung und der Parteien einer sachlichen Kritik zu unterwerfen. Nur in den„wichtigsten Fragen" des russischen Lebens(allgemeines Wahlrecht und Reform der lokalen Selbstverwaltung) sollen selbständige Gesetzesvorlagen eingebracht werden. Nabokoff. der Autor eine? der beiden Deklarationsentwürfe. welche von der Konferenz als Grundlage für die endgültige Fassung angenommen wurden, spricht im obenerwähnten Artikel von der„ungeheuren Bedeutung der Dumatribüne, vom Standpunkt her politischen Erziehung der Massen". Ein charakteristischer Umschwung! Dieselben Kadetten, die sich bisher in die stolze Toga der künftigen„Gesetzgeber" hüllten und nur die legislative Arbeit als einzig notwendig anerkannten, sprechen jetzt von der Bedeutung der Dumatribüne für die A g i- t a t i o n! Wie ganz anders war es vor der Einberufung der zweiten Duma, als die Kadetten die feierlich« Versicherung abgaben, daß von den Donnertönen„der Sprache der Gesetzesvorlagen* die Mauern von Jericho einstürzen würden I GewerkfcbaflUche**. Zentrum und Landarbeiter. Auf dem Würzburger Katholikentag hat sich Dr. Heim im sozialen Ausschuß für die Organisierung der Landarbeiter ins Zeug gelegt- Die„Rheinische V olksstimme". das zentrumsagrarische Blatt, das sonst mit allem Eifer gegen den Versuch, die Landarbeiter zu organisieren, loszieht, kann in diesem Falle, wo es sich um Dr. Heiin, den christlichen Bauernführer, handelt, nicht in der- selben Weise anstrumpfen, wie es das mit den christlichen» Gewerkschaftsführern zu tun pflegt. Das rheinische Bauern- blatt findet daher das Borgehen Dr. Heims begreiflich, weil seine Ausführungen„lediglich auf bayerische Verhältnisse zu� geschnitten" seien: „In Bayern stehen nämlich einer Koalition auch der Land arbeiler bereits heute keine gesetzlichen Hindernisse im Wege. Die Sozialdemokratie hat sich diesen von ihrem Standpunkte aus idealen Zustand auch bereits zunutze gemacht und in Ober bayern eine Organisation gegründet, die zurzeit 40 Personen zählt. Unter diesen Umständen gewinnt das Vorgehen Dr. Heims ein anderes Gesicht; er kann für Bayern schließlich nichts anderes tun, als den Sozialdemokraten zuvorkommen." Das Blatt bestätigt also, daß die ultramontanen Bestrebungen zur Organisierung der Landarbeiter nicht aus Liebe zu dem Landproletariat geschehen, sondern aus Furcht vor der Sozialdemokratie. In Preußen, dessen „herrliche" Gesetzgebung die„Gefahr" der gewerkschaftlichen Organisation den Landarbeiter durch die Sozialdemokratie noch hintanhält, ist ein Vorgehen im Sinne Dr. Heims nicht Vonnöten. Das zentrumsagrarische Blatt ersucht deshalb die „Allerweltsbeglücker in Preußen", das heißt die Herren Giesberts und Genossen. von ihrem herostratischen Beginnen endlich einmal die Finger zu lassen" und nicht durch Uebertragung des Koalitionsrechts aus die Landarbeiter„mit täppischer Hand die Dänime einzureißen, die Preußen vor der Möglichkeit einer Aktion der Sozialdemo k r a t i e Ivie in Bayern schützen", dann:„Eines schickt sich nicht für alle!" Herr Giesberts muß sich schließlich den Vergleich mit jenem Professor gefallen lassen, der mit seinen Schutz impfungsversuchen beinahe den deutschen Viehstand verseucht hätte. Seine Bestrebungen seien um so überflüssiger, als unsere Bauern, in der Rheinprovinz zunial, gute und tüchtige Arbeiter so gut behandelten, daß sie sie„am liebsten in Watte wickelten, wenn nur genug vorhanden wären Wenn das der Fall ist, dann versteht man umsoweniger den Widerstand, den die Zentrumsbauern der Verleihung des Koalitionsrechtes an die Landarbeiter entgegensetzen. Von Arbeitern, die in Watte gewickelt werden, haben die Bauern doch ganz sicher nichts zu fürchten. Das Verhalten der ultra montanen Agrarier bestätigt aber, was man schon durch die Erfahrung weiß, daß, gleichviel ob in Bayern oder im Rhein land, die Landarbeiter noch sehr viel zur Besserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu fordern haben, bis sie zu einem einigermaßen menschenwürdigen Dasein gelangt sind — wobei sie recht gern darauf verzichten, in Watte gewickelt zu werden._ Berlin und Qmgcg-end. Achtung, Bauhandwcrkcr! Die auf Bauten beschäftigten Marmor arbeiter müssen mit ArbeitsberechtigungS-Karten versehen sein. Diese Karten sind jede Woche abzustempeln. Wir bitten sämtliche Bauhandwerker, darauf achten zu wollen. Die Streikleitung. I. A.: W. Dohmann. Die Hausdiener der Warenhäuser, die im Deutschen Transportarbeiterverband organisiert sind, entfalten seit einiger Zeit eine rege Agitation zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Am Dienstag- abend hielten sie eine gutoesuchte Versammlung im Saale der „Neuen Philharmonie" ab, in der Bernhard referierte und einen Entwurf zu einem Tarifvertrage unterbreitete. Folgende wichtige Bestimmungen sind darin enthalten: Der Anfangslohn für jugendliche Arbeiter bis zu 16 Jahren wird wie folgt geregelt: Arbeiter im Alter von 14 Jahren erhalten 15 M. pro Woche 15 16 Der Anfangslohn für Personen im Alter von 17 bis 20 Jahren beträgt: für Arbeiter im Alter von 17 Jahren 20 a?k. pro Woche n„„„„16„ 21,„ ,, „„„„„ IL„ 23„ ,, ,, 20 24 n n„„ tt£iV-' //„„„ Hausdiener, Packer, Radfahrer, Schaffner, Portiers und Fahr- stuhlführer im Alter von 21 Jahren und darüber erhalten einen Ansangslohn von 27 M. pro Woche, steigend jährlich um 1.50 M. pro Woche, bis zum Höchstlohne von 36 M. pro Woche. Aushülssarbeiter erhalten einen täglichen Lohn von 5 M. In der Zeit vom 1. Dezember bis 31. Dezember jeden Jahres wird wegen der großen Anforderungen, die an die Arbeiter gestellt werden, ein Tagelohn von 6 M. gezahlt. Ueberstunden werden bis 11 Uhr abends mit 60 Pf. und nach 11 Uhr abends mit 75 Pf. pro Stunde vergütet. Sämtliche hier angeführten Lohnsätze erhalten für die zurzeit in obigem Betriebe tätigen Personen rückwirkende Kraft. Die Arbeitszeit beträgt für alle oben aufgeführten Personen O'/z Stunden. Ferner wird ein Soinnicrurlaub von drei bis 12 Arbeitstagen verlangt, unter Fortzahlung des Lohnes natürlich. Der neue Tarif soll mit dem 1. November in Kraft treten und auf 1 Jahr Geltung haben. Die Hausdiener wissen, daß sie mit großen Widerständen zu rechnen haben, aber sie hoffen, mit Hülfe ihrer Organisation zum Ziele zu kommen. Die folgende Resolution gelangte einstimmig zur Annahme: „Die heute versammelten Hausdiener, Packer, Fahrstuhl- führer usw. aus den Warenhäusern Berlins erklären sich mit dem vorgelegten Tarif einverstanden. Sie sind der Ansicht, daß die aufgestellten Forderungen nur dem entsprechen, was sie als not- wendig zum eigenen Leben und zum Wohl ihrer Familien erackiten. Trotz der Ausführungen in gegnerffchen Zeitungen, wie „Konfektionär" und„Arbeitgeber-Ztg.", die wohl als offiziöse Auslassungen der Warenhausbesitzer angesehen werden können, beauftragen die Versanimelten die Leitung ihrer Organisation, mit den Warenhausbesitzern in Unterhandlung zwecks Abschluß eines Tarifes einzutreten. Sie sind der Meinung, daß die Unter- nchmer es nicht auf einen Kampf sollten ankommen lasten, und sind ihrerseits gesonnen, zuerst nichts unversucht zu lasten, um den Frieden im Handelsgewerbe zu erhalten; sie sehen der weiteren Entwickelung der Dinge mit Ruhe entgegen." Bewegung der Etuiarbeiter. Die Etuiarbeiter und«arbeiterinnen versammelten sich am Dienstagabend in Frankes Feftsälen, Sebastianstraße. Brucks sprach über die gegenwärtige Tarifbewegung und die Organisation der Eluifabrikanten. Der bestehende Tarif, der zwei Jahre in Geltung war, ist von den Arbeitern und auch von den Fabrikanten gekündigt worden. Die letzteren beschlossen sogar noch eher als die Arbeiter, den Tarif nicht länger anzuerkennen. Nun war es die Aufgabe der Schlichtungskommisston, Verhandlungen aufzunehmen, unr einen neuen Tarif zu schaffen. Die Arbeiter sandten den Fabrikanten einen Vertragsentwurf zu, der wieder nur eine Dauer von zwei Jahren versieht. Nach langem Zögern kam eine Antwort, die eine Bedingung für die Eröffnung von Ver- Handlungen enthielt, es sollte ein neuer Vertrag überhaupt auf drei Jahre abgeschlossen werden. Diese Bedingung wurde nicht an- genommen und schließlich willigten die Unternehmer ein, daß die Schlichtungskominission in Tätigkeit trete. Vor dem 20. September werden die Verhandlungen aber jedenfalls nicht beginnen. Der neue Vertrag müßte am 1. Oktober in.Kraft treten. Die Arbeiter haben den Eindruck gewonnen, als möchten die Fabrikanten es auf einen Streik ankommen lasten. Der neugegründete Schutzverband der Fabrikanten hat die Preise der Waren erhöht und sichert den Mitgliedern eine gegenseitige Unterstützung in Streikfällen zu. Die Arbeiter nehmen eine abwartende Stellung ein; sie haben sehr mäßige Forderungen gestellt, die kaum einen Grund bilden dürften, es auf einen Kampf ankommen zu lassen, aber die Arbeiter sind bereit, dafür einzustehen, lvenn ihnen der Kampf aufgezwungen wird. In der Diskussion sprachen die Redner im Sinne des Referenten. Von einem dreijährigen Vertrag wollte niemand etwas wissen. Man war sich darin einig, daß man in Ruhe den Verlauf der Dinge abwarten könne._ Achtung, Fräser-, Hobel- und Schncidcmühlen-Kutscher. Bei der Firma W. Hildebrandt. Reichenbergerstraße 57. haben die Kutscher wegen Maßregelung eines ihrer Kollegen am Mittwochnnttag die Arbeit einmütig niedergelegt. Der gemaßregelte Kollege war bereits über 7 Jahre in dem Betriebe beschäftigt und soll nach Angabe des Herrn Hildebrandt das furchtbare Verbrechen begangen haben, seine Mit- kollegen stir die Erreichung höhere Löhne zu interessieren. Da Herr Hilde- brandt, wie offenkundig bekannt ist, fürchtet, daß er nach Inkrafttreten deS neuen Tarifvertrages seinen Kutschern einen höhereu Lohn zahlen mutz, so versucht er auf diesem Wege, nach und nach die organisierten Kutscher auS dem Betriebe zu entfernen. Die Kutscher Berlins werden deshalb gebeten, den Zuzug nach diesem Betriebe fernzuhalten. Deutscher TranSportarbeiterverband. OrtSvcrwaltung Berlin II. Achtung, Schuhmacher! Die Werkstatt von Wenzel, Charlotten� bürg, Kauerstr. 2, ist wegen schlechter Bezahlung und ungenügender Werkstatt gesperrt. Zentralverband der Schuhmacher. Zahlstelle Charlottenburg. Deutfcbes Reich. Zur Bergarbeiterbewcgung in der Niederlausitz. S e n f t e n b e r g, den 11. September. Untcrnehmcrlügeu. Als die Lohnbewegung im hiesigen Revier einsetzte, ging der Werkspresse aus dem Unternehmerlager ein Waschzettel zu, wonach die Löhne der Bergarbeiter im letzten Jahre um 18 Proz. gestiegen sein sollten und die Arbeiter von der Preissteigerung allein den Vorteil gehabt hätten. Wie nun die zuständigen Berginspektions- beamten des Reviers in dem amtlichen Jahresbericht angeben, gestalteten sich die Löhne folgendermaßen: Bergrevier West- Kottbus: Der durchschnittliche Reinverdien st hat für die Schicht betragen: 1906 M. 1905 M. 2. Bei den unterirdisch beschäftigten eigentlichen Berg- arbcitern............... Bei den sonstigen unter Tage beschäftigten Arbeitern 3. Bei den erwachsenen männlichen Arbeitern über Tage 4. Bei den jugendlichen männlichen Arbcitern über Tage 5. Bei den weiblichen Arbeitern überhaupt.... Für We st- KottbuS berichtet der Beamte: Die Löhne sind gegen daS Vorjahr bei der männlichen Arbeiterklasse gestiegen, bei der weiblichen Arbeiterklasse etwas gefallen, s!) Dann folgt diese Tabelle: 4.11 3,09 3,36 1,64 1,69 3,76 2,94 3,14 1,63 1,64 lrbeiterklassen Verdienter reiner Lohn pro 1905 3,31 2,79 3,07 1,70 1,67 Tag 1906 3,47 2,92 3,29 1.73 1.64 'pro Jahr 1905 1903 1009 1058 M. 860 892„ 939 1005„ 514 522„ 506 499. 1. Unterird. beschäft, eigentl, Bcrgarb. 2. Sonst, unterird. beschäftigt. Arbeiter 3. Erwachs, männl. Arbeiter über Tage 4. Jugendl. männl. Arbeiter über Tage 6. Weibliche Arbeiter überhaupt.. Ein einziger Blick auf die amtlichen Ziffern genügt zur Feststellung, daß die behauptete Lohnsteigerung von 18 Proz. eine Unwahrheit ist. Aber auch sonst zeigen die nackten Zahlen da? ganze Bergarbeiterclend der Niederlausitz. Der Durchschnittsverdienst im gesamten deutschen Bergbau betrug 1906 nach den Angaben der Knappschaftsberufsgenostenjchaften 1293,04 M. gegen 1189,07 M. in 1905. Im Braunkohlenbergbau allein betrugen die Durchschnitts- löhne 1906 1091,81 M. gegen 1041,80 im Jahre 1905. Im Oberbergamtsbezirk Halle, zu dem daS Lausitzer Revier gehört, wurden im Durchschnitt gezahlt 1035,22 M. pro Jahr und Kopf. Daraus ist ersichtlich, daß die Löhne im Bergrevier der Niederlausitz die niedrigsten sind, die es überhaupt— außer Schlesien— im Braunkohlenbergbau gibt. Dahingegen entfiel 1901 eine Förder- leistung von 11237 Hektoliter auf jeden Arbeiter, 1906 aber 16 313 Hektoliter. Also eine Steigerung der Leistung um 5000 Hektoliter I Die 82 Aktiengesellschaften des Bergbaues schütteten 1906 eine.Dnrchschnittsdividende von 11,05 Proz. ans gegen 8,68 im Jahre vorher. Und nun vergleiche man damit die Unternehmerangaben I Christliches. In einer am Sonntag in Bochum abgehaltenen Aeltesten- Versammlung des christlichen Gewerkvereins wurde der Zentrums- abgeordnete und frühere Vorsitzende des christlichen Gewerkvereins, August B r u st, aus den» Saale hinausgewiesen. Brust hatte in seiner Emscher-Lippe-Zeitung" in einem Artikel die christlichen Aeltesten aufgefordert, unbeschadet um das Geschrei der„roten Brüder" das Statut anzunehmen. Husland. Der Kampf der Antwerprner Dockarbeiter. Antwerpen, 10. September.(Eig. Ber.) Nachdem sich die Engländer so untauglich und„undankbar" er- wiesen— es liefen ihrer nämlich viele davon— versuchen die Unternehmer die besser angeschriebenen Deutschen als Streikbrecher zu gewinnen. Gestern kamen richtig nicht ganz— hundert Stück aus Hamburg an— natürlich wurden sie ausreichend bewacht zum Hafen gebracht. ES muß also doch Vernunft her, denn auch Militär und Gendarmerie haben die Unternehmerhoffnungen nicht erfüllt und weder die Streikenden wankelmütig gemacht, noch den Zustrom von Streikbrechern begünstigt. Was alle Vorstellungen der ver- mittelnden Personen, was Vernunft und Logik nicht zuwege gebracht, wird vielleich durch diese Tatsache— daß die Streikenden mutig ausharren und die Streikbrecher sich nur so spärlich ein- kellen— bewirken. Die Streikenden sind zu jeder Verständigung, die ihrer rechtlichen Forderung und ihrer Ehre nicht widerstreitet. bereit. Der„Peuple" teilt heute mit, daß Genosse C h a p e l l e verständigt wurde, daß vier Unternehmer mit ihm wegen der Bedingungen über die Arbeitsaufnahme bei ihnen verhandeln wollen. Ueberdies aber soll nach verschiedenen Mitteilungen(siehe die gestrigen Telegramme) eine Verständigung zwischen der Unternehmer- Vereinigung und den Streikenden in Aus- icht sein. die in nächster Zeit schon dem Streik ein Ende machen würde. Ein interessantes Interview mit einem Mitglied der Antwerpener Kommunalverwaltung, das zugleich eine angesehene Stellung in der kauf- män irischen Welt einnimmt, hatte gestern der Korrespondent der Brüsseler„Etoile belge". Seine heftige Verurteilung der Haltung der Unternehmervereinigung, feine Anerkennung der Berechtigtheit der Lohnforderung der Verladearbeiter soll schon darum verzeichnet werden, weil der Mann selbst dem Handel angehört, ein„Grotzkapitalist" ist und sich als An tis o zialist bekennt. Herr Devos weist aus die Auslagen hin, die den Ver- Frankreichs Vorgehen in Marokko. Paris, 11. September.(W. T. B.) Ministerpräsident Clemenceau bestätigte in einem Jnterwiew, daß General Drude nicht die Instruktion erhalte« habe, sich defensiv zu ver- halten, und fügte hinzu, eS seien Truppenverstärlungen nach Casa- blanea gerade zu dem Zwecke gesandt worden, um die Offensive zu ergreifen. Man wolle, daß sein Vorgehen schnell sei und in einem Umfange geschehe, der keinen Zweifel über den offensiven Charakter lasse._ Verschüttete Bergarbeiter. MonS, 11. September.(B. H.) In der Grube Rieu-du-Coeur sind zwei Arbeiter infolge eines Erdstoßes verschüttet und getötet worden, ihre Leichen sind bereits geborgen. Eisenbahnunglück. Brüssel, 11. September.(B. H.) Vergangene Nacht stieß am Bahnhofe von Morlanwelz ein Passagierzug mit einer Lokomotive zusammen. Mehrere Wagen wurden aus dem Gleise geworfen und teilweise stark boschädigt. 19 Personen wurden verwundet, darunter fünf schwer._ Sie wollen keine Streikbrecher sein! Antwerpen, 11. September.(W. T. B.) Zahlreiche von der Föderation maritime angeworbene deutsche Arbeiter sind heute nach Deutschland zurückgereist. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berli», /Krück».Verlag: Borivärts Buchdr. u. Berlagsanftalt Maul SingerLcCo., Berlin ZW. Hierzu 3 Beilagen«.UnterhaltungSblatt ladern dadurch erwachsen, daß sie nicht in Antwerpen selbst wohnen und 25 Centimes sür die Bahn zu zahlen haben; daß sie auch durch eine Reihe mit ihrer Arbeit zusammen- hängender Einrichtungen zu verschiedenen Auslagen gezwungen sind, ferner und hauptsächlich aber, daß sie nicht alle Tage Arbeit haben.„Sind also", sagt Herr Devos, 6 Frank„übertrieben"? Die Unternehmer- Vereinigung, sagt Herr Devos weiter, behauptet, im Namen deS Handels die Forderungen zurückweisen zu müssen. Aber sie hat kein derartiges Mandat und die Handelswelt würde sich für derartige Verteidiger, von denen sie um- gebracht wird, bedanken. Und Herr Devos behauptet, daß auf der Börse wie bei den Kausleuten, den großen und kleinen, dasselbe Urteil über die bornierte und gewissenlose „Haltung der„ITäderatioii maritime" herrscht!— Eine ganze Reihe solcher Meinungsäußerungen konnte man in bürgerlichen Blättern lesen, die sonst durchaus nicht Ar- beiterinteressen vertreten. Das hängt freilich auch damit zusammen, daß durch den Frevel der Hafenherren, die ja nebenbei „Fremdlinge" sind, die Interessen der ganzen Hafen« stadt in schwerste Mitleidenschaft gezogen sind. Wären die Arbeiter allein geschädigt, so hätten wohl auch in diesem Kampfe die Hafenkapitalisten wie die anderen sonst bei Streiks eine„borme presse".... Trotzdem von bevorstehender Lösung des Konflikts gesprochen wird, kommt aus verschiedenen Orten die Kunde, daß die Gendarmerie Bereitschaft hat und nötigenfalls nach Antwerpen ein« rücken wird. Sonntag kamen 125 Gendarmen aus Tervueren bei Brüssel, und aus Möns, Ath, Tournai usw. sollen Abteilungen ab- gehen. Die Streikenden geben übrigens zu diesen Maßregeln keinerlei Anlaß und genügen sich damit, die paar Hundert meist ungeschickten Arbeiter bei ihren Hantierungen, soweit eben die Möglichkeit zum Zuschauen gegeben ist, anzugucken. Außer dem einen der Brandlegung verdächtigten holländischen Diamantarbeiter ist nun noch ein zweiter Holländer unter demselben Verdachte verhaftet worden. Die Unterstützungen an den.Werker" fließen reichlich und die Verteilung der Unterstützungen ist aufs beste organisiert. Unter den eingegangenen Summen sei die Spende deS deutschen Dock- arbeiterverbandeS mit 5000 M. und des Verbandes der Transportarbeiter Deutschlands mit 2000 M. hervorgehoben. Von den vielen Gerüchten, durch die man die Streikenden „unpopulär" machen will, eines: der Bürgermeister soll von dm Streikenden„ausgepfiffen" worden fein. ES ist natürlich kein wahres Wort daran. � Antwerpen, 11, September. Die Liga der Diamantarvetter hat in der gestrigen Sitzung beschlossen, die bereit? angenommene Unter- stützung für die ausständigen Dockarbeiter vo» 2000 Frank auf 7000 Frank zu erhöhen. � Brüssel, 11. September.(Pridat-Depesche de«„vor- lvärts".) Die Streilbrecherzahl ist fast unverändert, weil immer neue kommen, aber frühere gehen. Der Streik dauert fort trat tendenziöser Meldungen. Letzte JNtechncbtcn und Depefcbea Die LandtagSwahlea in Sachsen. Chemnitz, 11. September.(Privatdepescha da» „Vorwärts".) Im zweiten städtifchm Wahlkreis bei 50 Proz. Beteiligung sämtliche 70 sozialdemokratische Wahlmänner gewählt. Durchschnittlich Stimmen: Sozialdemokraten 6900. National» liberale 2178. Konservative 608. Der Herr Direktor al» Erpresser. Essen a. R., 11. September.(Privatdepefche de».vorwärt»".) In der heutigen Sitzung der Strafkammer wurde der Direktor ber Schreibmaschinenwerke Smith Premier. Berlin, wegen versuchter Erpressung zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Blattern in Wien. Wien, 11. September.(W. T. B.) Ein neuer Fall von Blatternerkrankung ist heute abend zur Anzeige gebracht worden. Der Kampf ums Wahlrecht. Budapest, 11. September.(B. H.) Die Agitation für die aus den 10. Oktober geplante Arbeitseinstellung in ganz Ungam wird energisch betrieben. Am Montag soll eine Broschüre über daS all« gemeine Wahlrecht in einer Million Exemplaren erscheinen und an den nächsten Sonntagen im ganzen Lande etwa IVO BolkSmretingS abgehalten werden. Bisher haben sich die Städte TemeSvar, Klausen- bürg und Szegedin der Bewegung angeschlossen. Beendete Lohnbewegung. Aschaffenburg, 11. September.(W. T. B.) Die ausständigen Arbeiter, der hiesigen Konfektionsindustrie haben die Arbeit zn den früheren Bedingungen wieder aufgenommen; seitens der Ar- bcitgeber erfolgte die Aufhebung der Aussperrung der Arbeiter. Nr. 213. 24. IahtMg. 1. KeilM des Jotüiiirfü" Wim WsdlM Dolttlerstllg, 12. Ztptember 1907. Das llachrichtenbureau. Genosse S t o l t e n. einer der Verfasser des Privatentwurfs der fünf Redakteure, veröffentlicht im„Hamburger Echo" unter seinem Namen, also wohl für seine Person, einen langen Artikel, der sehr wenig über das Nachrichtenbureau selbst besagt, in dem aber immer wieder die Frage aufgeworfen wird:„Warum der Argwohn?" So sagt er: „Schon über den ersten Entwurf und dann auch über den Antrag des Parteivorstandes, der ja unseren Lesern bekannt ist, hat sich in einem Teile der Parteipresse nun eine lebhafte Debatte entsponnen. Das ist kein Fehler. Im Gegen- teil. Ueber die Einzelheiten der Ausgestaltung eines solchen Prestbureaus kann man sehr wohl verschiedener Meinung sein, ja selbst darüber, ob sich überhaupt die Errichtung eines solchen empfiehlt oder nicht. An sich läßt sich darüber streiten. Aber diese Frage war auf der Redakteurkonferenz entschieden, auf der sich kein Widerspruch gegen die Schaffung des Bureaus zeigte. Es kann erfreulicherweise auch konstatiert werden, daß die ganze Diskussion über diese Frage wie die Verhandlungen der Redakteur- konferenz überhaupt in sehr ruhiger sachlicher Weise geführt wurden, daß sie alle Anklänge an frühere unangenehme Debatten vermissen ließen. Das gleiche läßt sich leider von den neuerlichen Debatten in der Presse nicht sagen. Durch diese Debatten geht wieder der alte Gel st des Mißtrauens und Argwohns der „beiden Richtungen" innerhalb der Partei, der Verdacht Partei- verderberi scher Absichten auf der einen oder anderen Seite und es ist besonders sehr scharf dagegen protestiert worden (im„Vorwärts"), das Nachrichteninstitut„dem Revisionismus auszuliefern". Die Vermutung, daß diese Absicht bestehe, und zwar vor allem bei den Urhebern des ersten Entwurfes, hat der „Vorwärts" aus einer allerdings nicht sonderlich geschickten und taktvollen Auslassung des„Bochum erVolksblatt" geschöpft, das sich, aus dem entgegengesetzten Mißtrauen heraus, dagegen verwahrte, daß das Bureau„zum Prüfstein der guten Gesinnung werden sollte, wenn aus der Bureauftage eine neue„Vorwärts"- Frage würde". Unter solch gegenseitiger Beargwöhnung der Parteigenossen kann weder ein richtiges Urteil über die Sache selbst gewonnen werden noch das Nachrichtenbureau so wirksam werden, wie es im Jntereffe unserer kleinen Parteipresse zu wünschen wäre." Genoffe Stalten findet es auch unrichtig, wenn Bebel aus jener Stelle des Fünfer-Entwurfs, wo die Forderung erhoben wurde, „keineswegs etwa trockene Tatsachenangaben' zu vermitteln, sondern die Mitteilungen auch zu„färben" usw., die Meinung ausspricht, daß es bei einem solchen Nachrichtendienst nicht ohne Beeinflussung der Parteipresse in der einen oder anderen Richtung abgehen werde. Zu einem solchen Urteil, meint Stalten, könne man nur kommen,„wenn sich der Verdacht gegen die Partei- genössische Ehrlichkeit tief eingesressen habe". Genosse Stalten irrt selbst. Wenn jemand wie Bebel einfach logische Folgerungen zieht, so ist er deshalb kein„Ge- spensterseher", sondern im Gegenteil ein durchaus sachlich erwägender Beurteiler. Die Ehrlichkeit der Genossen steht für uns außer Frage. Allein gerade ein je ehrlicherer Parteigenosse jemand ist, desto selbstverständlicher wird es für ihn sein, seine innerste und ehrlichste Ueberzeugung auch literarisch zu vertreten. Und wenn Genosse Stalten fragt„Muß die Färbung nun„revisionistisch oder„historisch-ökonomisch" sein, die Tatsachen und Vorgänge... sollen... unter sozialdemokratischem Gesichts- Winkel gebracht... werden", so übersieht Genosse Stalten ganz das nun einmal vorhandene Faktum, daß verschiedene Richtungen eben existieren und daß jede von sich die Ueberzeugung hegt, schlechthin den sozialdemokratischen Standpunkt zu vertreten I Daß eS übrigens sehr viel leichter ist, anderen Moral zu predigen, ihnen zu empfehlen, sich alles Argwohns zu entschlagen. als selbst ohne jeden Argwohn zu urteilen, dafür ist gerade Genosse Stalten selb st ein klassisches Beispiel. Schreibt er doch: „Aber ein erhebliches Bedenken ist geltend zu machen gegen die Ernennung der Mitglieder des Beirats durch die Parteileitung. Diese würde eS ja damit völlig in der Hand haben, fich gerade ihr gefallende Redakteure als Beiräte auszusuchen und dadurch den Beirat als selbständig mitwirkende Vertretung der Redakteure unwirksam zu machen. Wir hegen nicht die Befürchtung, daß der Partei- vorstand so einseitig handeln werde; aber bei den Besorgnissen, die gegenüber den Vorschlägen des ersten Entwurfs in entgegen- gesetzter Richtung aufgetaucht sind, muß man damit rechnen, daß dasselbe Mißtrauen dem Parteivorstande entgegengebracht werden würde. Deshalb ist es wünschenswert, falls der Beirat uach dem Antrage des Parteivorstandes beschlossen wird, für sie Auswahl. einer Mitglieder eine andere Form zu finden." Uns selbst wäre eS gleichgültig, ob der Beirat vom Partei- vorstand oder vom Parteitag selbst gewählt würde, wenn wir nicht glaubten, daß die Auswahl durch den Parteivorstand selbst die Garantie möglichster Objektivität böte. Genosse Stötten jedoch hält eS für notwendig, daß gerade den Bedenken gegen die Objektivität deS Parteivorstandes Rechnung getragen werden müsse. Aller Argwohn ist also vom Uebel, nur nicht der gegen den Parteivorst and! ES fällt uns gar nicht ein, nun unsererseits dem Genossen Stötten den fteundlichen Vorwurf der„Gespensterseherei" zurück« geben zu wollen. Nur das eine möchten wir daraus folgern: man sollte sich überhaupt vor moralischer Splitterrichterei hüten und die Dinge so nehinen, wie sie nun einmal liegen. ES handelt sich ein- fach um die Frage: welche Aufgaben kann das Nachrichten- bureau erfüllen, ohne daß innere Reibungen und eine schädliche Beeinflussung der Gesamtpresse— komme sie von welcher Seite immer— zu befürchten wäre. Darüber mehr in einem Schlußartikel.~ 7. Sliandinavif(i)er Meittrhongreß. Krixiania, den 9. September. Gestern und vorgestern konnte der Kongreß die Resultate der Kommissionsverhandlungen beraten. Zunächst kam der KommissionS- cnkwurf zu einer Resolution in der Frage des Genossen« schaftswesens. Die Mehrheit der Kommission beantragte eine Resolution, die in ihrer Einleitung die Kooperation als die Grundlage künftiger Sozialisierung der Gesellschaft bezeichnete. Gegen diese weitgehende Fassung wandte sich die Minderheit mit aller Entschiedenheit, und auf dem Kongreß selbst wurde von ver- schicdenen Seiten, besonder? von den Dänen, gegen die Mehrheits- resolution Front gemacht. Man einigte sich schließlich auf die etwas veränderte Resolution der Minderheit, die das Genossen- lchaftsjoefen als ein wichtiges Hülfsmittel iyi Befreiungskämpfe des Proletariats bezeichnet. Im zweiten Absatz wird dann er- klärt:„Neben der Entwickclung der Arbeiterklasse, die von den politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Sozialdemo- krntie geschaffen wird, wirken die von den Arbeitern auf dem Ge- biete der Produktion und der Distribution errichteten genossen- schaftlichen Unternehmungen als ein Mittel, der Arbeiterklasse Einsicht in die Leitung der Produktion und der Distribution zu gewähren und ihre Fähigkeiten, diese Funktionen zu übernehmen, zu entwickeln." Aus diesen Gründen wird den Arbeitern empfohlen, sich den Genossenschaften anzuschließen und ihre Waren- einkaufe in diesen zu machen. In der Frage der Gesindegesetzgebung nahm der Kongreß eine Erklärung an, die zu einer kräftigen Agitation zwecks Organisation der Landarbeiter und Dienstboten auffordert und desgleichen die parlamentarische Aktion zur Beseitigung der Ge- sindegcsctze in Aussicht stellt.— Zwecks Sammlung statistischen Materials bezw. dessen Bearbeitung wird in einem Beschlutz des Kongresses den politischen und gewerkschaftlichen Landcszentralen in den drei skandinavischen Ländern anheimgegeben, ein gemein sameS statistisches Bureau zu errichten, bezw. baldmöglichst einen dementsprcchendcn Vorschlag durch eine gemeinsame Kom- Mission auszuarbeiten und den betreffenden Organisationen zuzw stellen.— Bezüglich der gegenseitigen Unter st ützung in größeren Kämpfen wurde beschlossen, eine solche obligatorische zwischen den Landesorganisationen der Gewerkschaften als un tunlich abzulehnen. Diesbezügliche Verträge zwischen den ein- zelncn Gewerkschaften können abgeschlossen werden, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß die betreffenden Organisationen ihre Verpflichtungen gegenüber den LandcSorganisationcn er füllen. Eine weitere Erklärung des Kongresses richtet sich gegen jegliche Versuche, die gewerkschaftlichen Landcsorganisationen auf' zulöscn oder zu zersplittern. Die Organisationen, die heute noch außerhalb der LandcSzcntrale stehen, werden zum Anschluß auf gefordert und zwar mit Bezugnahme auf die internationalen Kongresse:„Die internationalen sozialistischen Kongresse haben mit Erfolg für die politische Einheit in Ländern, wo mehr als eine sozialistische Partei bestand, gewirkt. Aber die Gewerkschofts bewcgung ist �ln unentbehrliches Glied im Klassenkampfe; auch hier muß vollständige Einheit geschaffen werden, damit sie ihre Aufgaben erfüllen kann." Eine Resolution betrifft die Frage der Arbeitslosigkeit. Sie fordert die Bereitstellung von staatlichen und kommunalen Mitteln zur Abwendung der Folgen der Arbeitslosigkeit und daß als Träger dieser Arbeitslosenversicherung die Gewerkschaften zu fungieren haben.— In einer Resolution über die Sclbsthülfe- institutionen der Arbeiter fordert der Kongreß von Staat und Kommune, diesen Institutionen der Arbeiter eine entsprechende Unterstützung zuteil werden zu lassen durch Bereitstellung von Mitteln an die Krankenkassen, Sterbckasscn usw. der Arbeiter.— Eine weitere Resolution fordert von den sozialdemokratischen Parlamentsfraktionen der skandinavischen Länder die Einbringung von GesetzcSvorlagen auf Einführung des achtstündigen Arbeits' tages, und daß Staat und Kommune in erster Linie den Acht' stundentag einführen müssen. Zur Demonstration für die Ver- kürzung der Arbeitszeit auf 8 Stunden ist die A r b e i t s r u h e am l. Mai möglichst durchzuftihren.— In der Frage Industrie' oder Berufsorganisationen beschloß der Kongreß, die Konzentration der gewerkschaftlichen Kräfte den Arbeitern zur Pflicht zu machen in dem Maße, wie es die industrielle EntWickelung und auch die EntWickelung der Arbeitgcberorganisationen dies erheischen.— Gegen die Einführung obligatorischer gesetzlicher Schieds- gerichte zur Entscheidung in Arbeitskonflikten wandte sich der Kongreß in einer Resolution, die Schiedsgerichte zur Entscheidung in Zwistigkeitcn über die Auslegung eingegangener Tarifverträge fordert, sie aber für die Arbeitskonflikte selbst strikte ablehnt. Den Höhepunkt des Kongresses bildete die Verhandlung über den Militarismus. Brantings Referat war eine rhetorische Glanzleistung, die gleichzeitig den realen Verhältnissen der skandinavischen Länder gerecht wurde. Punterwold sprach für die norwegische Delegation in einer gut durchdachten Rede. Und der parlamentarische Führer der Dänen, Borgbjerg, geißelte, von stürmischen Beifallskundgebungen des Kongresses unterbrochen, die Heuchelei der herrschenden Klassen, die die Vater- landsliebe mit der Frage der unsinnigsten militärischen Rüstungen in Verbindung bringen.„Weshalb," frug er.„sollten wir dänische Sozialdemokraten nicht unser kleines, meerumspülteS Dänemark mit seiner hohen Kultur, seinem intelligenten Volke, seiner Naturpoesie und seinen fruchtbaren Aeckern, seinen Buchenwäldern lieben? Und weshalb sollten die schwedischen Genossen nicht ihr großes Land mit seinen großen Erinnerungen, seinen großen Naturreichtümern lieben? Oder die Finnländer ihr Land der tausend Seen? Oder die Norweger ihre Fjelde und Fjorden, ihr Land, das die größte Demokratie trotz des nationalen Königtums, das nur eine Farce ist, gewährt. Nun, die Vaterlandsliebe hat mit dem Militarismus nichts gemein. Wir lieben unser Land, ohne die Völker anderer Länder zu hassen, denen wir so viel in kultureller Beziehung verdanken. Der Militarismus wird an dem Tage beseitigt sein, an dem die großen Arbeitermassen erklären, wir wollen unsere Brüder anderer Länder nicht morden." Die vom Kongreß einstimmig angenommene Resolution geht von dem Standpuntte der Stuttgarter Resolution aus; sie betont besonders die Notwendigkeit einer starken Sozialdemokratie zur Verhinderung der Kriege, die gegenwärtig in dem Kapitalismus ihre Wurzel baben. Der Kongreß fordert die schiedsgerichtliche Erledigung aller internationalen Streitfragen und verpflichtet die sozialdemo- kratischen Parlamentsvertreter Skandinaviens, auf ihre Re- gierungen dementsprechend einzuwirken. Ferner fordert der Kon. greß eine unausgesetzte Agitation unter der Jugend, um diese darüber aufzuklären, daß sie auch im Waffenrock Bürger ist und daß sie die Klasse nicht vergessen darf, in die sie nach Beendigung der militärischen Dienstzeit wieder zurückkehrt. Der Kongreß fordert von der Sozialdemokratie in allen skandinavischen Ländern eine unausgesetzte Arbeit zwecks Zurückdrängens des Militarismus und für den Schutz der Menschenwürde der Wehrpflichtigen, für Begrenzung und Herabsetzung der Militärausgaben mit Abrüstung und internationaler Rechtsordnung als Ziel, und zuerst und zuletzt eine unausgesetzte Arbeit für die Erziehung des arbeitenden Volkes und der Jugend im Sinne internationaler Bruderliebe, da der Geist des Sozialismus die Grundlage einer höheren Zivilisation ist, die von der Arbeiterklasse in die Tat umzusetzen ist. Damit waren die Arbeiten de» Kongresses erledigt. Nach Schlußreden der Vorsitzenden und deS Genossen Legten für die ausländischen Gäste wurde der Kongreß am 8. September, abends. mit brausenden HochS auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. Die Delegierten singen stehend mehrere skandinavische Arbeiterlieder. Unter den begeisternden Klängen des Sozialisten- morsches entleert sich langsam der Saal. Der nächste Kongreß findet 1911 in Gothenburg statt. Noch eine Entgegnung. Genosse David setzt meiner Kritik seines Verhaltens bei der Abstimmung über die Kolonialdebatte eine Erwiderung entgegen, in der er zu folgendem Resultat kommt: „Wenn jetzt KautSky jene Vorgänge in tendenziös-ent- st eilender Weise nachträglich breittritt, so ist daS der einzige „Skandal" bei der ganzen Sache. Er muß wohl selbst die Schwäche seines naiv-doktrinären Standpunktes in der Kolonialftage empfinden, daß er auf diese Weise versucht, seine sachlichen Gegner persönlich zu diskreditteren und dadurch die Diskussion auf das Niveau des persön- lichen Zankes herabzuzerren." Mit anderen Worten, David kann die Vorgänge nicht in Abrede stellen, die ich kritisierte, er will sie bloß anders aufgefaßt wissen und beklagt sich daher über„tendenziös entstellende Weise". Wir dürfen hinfort nicht mehr annehmen, David habe sein„Nein" der deutschen Delegation zugerufen, weil er hoffte, dadurch ihre Ab- stimmung zu beeinflussen, sonder» sollen glauben, er habe das bloß getan, un, sich der deutschen Delegation„verständlich zu machen". Das mag glauben, wer will; wenn aber David weiter meint, ich hätte zur Kolonialfrage sachlich nichts mehr zu sagen und ver- berge nun meine„naiv-doktrinäre Schwäche" hinter persönlichem Zank, so dürfte er Vinnen kurzem durch eine Arbeit, die ich unter der Feder habe, aus diesem süßen Wahne gerissen werden. _ K. Kaut Sitz. Hud der Partei. Zur Frage der Maifeier resp. zur Frage der Kostendeckung für die Opfer allenfalsiger Mai» feieraussperrungen nahm eine P a r t e i v e r s a m m l n n g in Nürnberg neuerdings Stellung. Kürzlich wurde anläßlich der Delcaiertenwahl zum Essener Parteitag mit knapper Mehrheit be- schlössen, an den Parteitag den Antrag zu stellen, die Frage in der Weise zu regeln, daß Partei und Gewerkschaften die Kosten gemein- sam tragen sollen. Auf diesen Antrag kam in der Versammlung, die den Bericht vom Internationalen Kongreß entgegennahm, in der Diskussion Genosse Kurt EiSner zurück, indem er an die Ver- sammlung die Bitte stellte, jenen Antrag zu widerrufen. Er be- gründete dies damit, daß derartige Anträge sehr gefährlich seien. Er wundert sich, daß die Maifeierfrage überhaupt zu einer Frage der Kostendeckung gemacht werden solle. Derartige Dinge sollte man nicht in Beschlüssen festlegen, sondern unter der Hand regeln; die Frage der Kostendeckung dürfe nicht zum Ausgangspunkt der DiL- kussion über das Für und Wider gen, acht werden.' In der Maifeier habe der politische Kampf Gelegenheit, einmal demonstrativ tätig zu sein, etwas wie eine Aktion zu entwickeln. Man könne sich wohl den Standpunkt denken: Lohnt sich die Maifeier und ist sie die Opfer wert, die sie erfordert?— und wenn die Gewerkschaftler auf diesem Standpunkt stehen, so sollten sie sagen: Wir wollen die Mai- feier beseitigen. Das wäre wenigstens ein Standpunkt, den man noch verstehen kann. Die Bestrebungen, die Kosten zwischen Partei und Gewerkschaften zu teilen, hätten den Zweck, die Maifeier von hinten herum zu beseitigen. Es sei schon unbillig, zu verlangen, daß 290 ovo politisch Organisierte zur Hälfte die Kosten für zwei Millionen Gewerkschaftler tragen sollen, aber die Parteikasse sei auch ihrer ganzen Natur nach nicht für derartige Ausgaben eingerichtet. Wenn man so laut und offiziell die Maifeier zu einer Frage der Kostendeckung macht, so sei das geradezu eine Provokation an die Unternehmer, bei der nächsten Gelegenheit eine Aussperrung so ergiebig zu machen, daß die Parteikasse gesprengt werden könnte. Man solle doch die Unternehmer nicht reizen: hier ist unser wunder Punkt, greift den Parteivorstand bei seinem fiskalischen Herzen an l In Berlin habe eine MaiauSsperrung in einem einzigen Betriebe 80 Ovo M. gekostet, und Redner ist der An- ficht, daß der heurige Maiaufruf des Vorstandes durch diesen Fall be- einflußt worden ist. Wenn dann solche Beschlüsse gefaßt werden, würde man noch ganz andere Maiaufrufe erleben. Die Parteikasse könne solche Eventualitäten gar nicht tragen. Derartige Anträge wären der Tod der Maifeier und sollen eS auch sein. Man könne nun für und gegen die Maifeier agitteren, sie aber nicht abhängig machen von dem guten Willen der Unternehmer, die nur zu drohen brauchen, um die Maifeier zu beeinflussen. Er möchte der Maifeier jedes andere Ende wünschen, als das Begräbnis durch den Kassen- standpunkt von Partei und Gewerkschasteii. Wenn man die Maifeier zu vertiefen und zu erweitern suche, werde sie sich ihre Existenz- berechtigung erkämpfen wie in anderen Ländern, nur daS Zögern und Zagen bringe sie schließlich um allen Kredit. Die Versammlung nahm gegen einige Stimmen eine vom Redner vorgeschlagene Resolution an, m der sie erttärt, daß sie sich mit dem von der deutschen Delegation in Stuttgart gefaßten Beschluß zur Maifeier nicht einverstanden erklärt und den Essener Parteitag auffordert, ihm seine Zustimmung nicht zu geben. Die Versamnilung hebt ihren früher beschlossenen Antrag an den Parteitag(gemeinsame Kostentragung) a u f und spricht die Meinung aus, daß hierüber keine bestimmt geregelte Verein- barung zu treffen fei, sondern daß sich hierüber Parteivorstand und Generalkommission von Fall zu Fall zu verständigen haben. Unter keinen Umständen dürfe die Maifeier durch die Regelung der Kosten« ftage irgendwie beeinträchtigt werden. Zum Essener Parteitag. Vom Wahttreis Jena wurde durch Urabstimmung der Genossi Leutert« Apolda delegiert._ Die Berichterstattung über den Internationalen Kongreß. In Köln führte in einer Versammlung deS Sozialdemokra» tischen Vereins der Genosse Bernhrrd Müller als zweiter Bericht- erstatter zur Kolonialfrage aus:„In der Kolonialkommission standen sich zwei grundsätzliche Meinungen gegenüber. Die eine lehnte streng jede Kolonialpolitik ab, weil diese ein Anhängsel der kapitalistischen Wirtschaftsweise sei. Die Vertreter der anderen Meinung, die ihre Ansicht in der bekannten Mehrheitsresolution festlegten, forderten die Anerkennung der Kolonialpolitik, falls sie in einem unseren Forderungen mehr entsprechenden Sinne be- trieben würde. Der Holländer van Kol, der Wortführer dieser Gruppe, der allen Ernstes von den Vorteilen der Kolonialpolitik für die Arbeiterschaft sprach, wurde von den Deutschen Dr. David und Bernstein nachdrücklichst unterstützt. Nur mit vieler Mühe gelang es der Minderheit der deutschen Delegation, dieser Reso- lution die gefährlichsten Zähne auszubrechen, indem durch eine redaktionelle Äenderung, vorgenommen durch die Genossen Wurm und David, der unannehmbare Anfang der Resolution gestrichen wurde. Jetzt fand diese veränderte Resolution bei der deutschen Delegation eine große Mehrheit. Die streng ablehnende Gruppe unter Führung von Ledebour blieb in der Minderheit. Bei der Abstimmung im Plenum gab es insofern große Ueberraschungen, als hier die Resolution der Minderheit eine Mehrheit fand und angenommen wurde. Die Art und Weise, wie bei dieser Gelegen- heit Dr. David versucht habe, die Mehrheitsresolution zur An- nähme zu bringen, sei nicht fair gewesen." Eine Debatte fand nicht statt. In Dresden entspann sich in der Versammlung deS vierten sächsischen KreiseS(Dresden-Ncustadt) nach dem Bericht deS Ge- nassen Kühn, der rein referierend war, eine lebhafte Debatte. Wir entnehmen dem Bericht der„Sächsischen Arbeiterzeitung" folgende Stellen. Genosse Dr. D u n ck e r:„... Er habe mit Erstaunen die Ausführungen von van Kol, David und Bernstein gelesen, wir Sozialisten müßten uns mit dem Gedanken auch vertraut machen, mit Waffengewalt in die Kolonien einzurücken..Diese AuSfüh- rungen schlügen allen bisherigen Gepflogenheiten in der Stellung- nähme der deutschen Sozialdemokratie zur Kolouialfrage ins Ge- ficht. Er frage, wie fei es gekommen, daß das Amendement Levebonr-Kautsky im Plenum nicht angenommen worden ist? Warum hat Deutschland im Plenum in der Kolonialfrage seine ganzen Stimmen geschlossen für die Mehrheitsresolution in die Wagschale geworfen? Obwohl nun glücklicherweise die alte Taktik der deutschen Sozialdemokratie durch Annahme der Minderheits- resolution auf dem Kongreß festgelegt worden sei, schreibe die „Sächsische Arbeiterzeitung"(der Artikel stamme wohl vom Ge-" nassen Dr. Gradnauer):„Es gehört keine Prophetengabe dazu, urvj vorauszusehen, daß in dem Stuttgarter Beschluß bereits seine baldige Wftderaufhebuna lessnt. Dürch eine Art Zufalls- abstimnmng Kurve zwar mit kleiner Mehrheit die Minderheits- resolution der Kommission vom Plenum beschlossen, die Mehrheus- resolution abgelehnt— die Deutschen stimmten bei der Gesamt abstimmung eigentlich gegen ihren eigenen Beschluß—. aber die Tendenz war unverkennbar: auf die Kolonialpolitik zivilisatorisch einzuwirken und sich nicht mit der starren Negation zu begnügen." Die Seelenverwandtschaft mit der„Fränkischen Tagespost" trete, weil sie wortwörtlich dasselbe schreibe, unverkennbar zutage. lsZuruf: Pressebureau!) Dazu trete, daß die„Sozialisti- schen Monatshefte" das Ergebnis des Internationalen Kongresses darstellen als eine Kräftigunig des reformistischen G e d a n k e,n S, der von der deutschen Partei getragen wurde. Man wolle„positive", sozialistische Kolonialpolitik treiben. Nun ist aber schon immer und mit Siecht„positiv" gearbeitet worden. freilich mit grundsätzlicher Ablehnung der Kolonialpolitik. Die deutsche Partei versetze sich daher eine kräftige Ohrfeige, wenn sie ihre bisherige Stellung zur Kolonialpolitik im Sinne Bernsteins und anderer revidiere.. Genosse Kühn:.. Er habe für die Mehrheitsresolution gestimmt. Von einer Konzession an den Revisionismus könne keine Rede sein, er weise für seine Person die Ansichten Dunckers in dieser Beziehung weit von sich..." Genosse B u ck:. Er könne den gefaßten Beschluß in der Kolonialfrage nicht begrüßen, welcher die positive Tätigkeit auf dem Gebiete der Kolonialpolitik ausschließe. Cr weist auf das Ben spiel Amerikas hin und erklärt, er stehe im Punkte Koloniab Politik auf dem Standpunkt Bebels, der im Reichstage erklärt hat: „Es ist ein großer Unterschied, wie Kolonialpolitik getrieben wird Kommen die Vertreter kolonisierender Länder zu fremden Ländern als Befreier und Bildner, um ihnen die Errungenschaften der Zivilisation und Kultur zu bringen, um sie zu kultivierten Menschen zu erziehen, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonialpolitik im weitesten Maße zu unterstützen bereit wären." Kommen wir zu den Eingeborenen nicht als Unterdrücker und Ausbeuter, erfüllen wir eine Pflicht der Mensch lichkeit. Wir sind auf die Schätze, die in den Kolonien auf gespeichert sind, und den Eingeborenen unter Umständen gar nichts nützen können, angewiesen und es liege in der sozialistischen An- schauung, wenn wir erklärten, die Schätze sind nicht Eigentum der Eingeborenen, sondern gehören den Menschen der ganzen Welt." Genosse Sindermann:„... Die Annahme der Minder- heitSresolution in der Kolonialfrage durch die deutsche Vertretung in der Kolonialkommission wäre ein Schlag ins Gesicht gegen die Tätigkeit der Reichstagsfraktion gewesen. In allen Flugblättern bei der ReichStagswahl sei gesagt worden, daß wir nicht prinzipiell jede Kolonialpolitik verwerfen. Wie könne man da aus der Mehr- HeitSresolution Konzessionen an die Revisionisten herauslesen. Die deutsche Delegation habe mit Annahme der Mehrheitsresolution nichts getan, was die Prinzipien unserer Partei erschüttere. Alle vom Genossen Duncker heute gemachten Ausführungen in bezug auf Kolonialpolitik fallen in sich zusammen...." Genosse W i r t h glaubt feststellen zu müssen, daß die Genossen Duncker und Pohle mit ihren Ansichten im 4. Kreife nicht allein stehen, sondern daß die Mehrzahl der Genossen auf ihrer Seite ist. Er kann nicht verstehen, wie man sich auf den Standpunkt stellen kann, daß wir Kolonialpolitik treiben müssen, wie es die Genossen David, Calwer und Bernstein empfahlen. Eküe Abstimmung fand nicht statt. Zur Red« des Genossen Bernstein in Breslau über den Int er- nationalenKongreß schreibt das. Offenbacher Abend- blatt": „In den Schlußsätzen(über das Verhältnis Indiens zu Eng- land) verbirgt sich das Zugeständnis, daß wohl der Kolonial- kapitaliSmuS gewaltige Reichtümer aus Kolonien errafft, daß aber für den kolonisierenden Staat kein Vorteil herausschaut: seine Volks- massen müssen zahlen und bluten, den Gewinn schluckt das Kapital. Wir wollten indes nur auf die schleunigst in die bürgerliche Presse tund natürlich frisiert) übergegangene Bemerkung über„Schaukünste" hinweisen. Der gute Ede scheint wirklich den Kongreß zur Dürre einer vertrockneten Gelehrtennatur verurteilen zu wollen. Alles soll in Spintisieren aufgelöst und das Ganze auf eine mathematische Gleichung gebracht werden. Ede, das geht nicht. DaS würde außer Bernstein und allenfalls noch Kautskh kein Mensch aushalten. Was Dadabai Naorodjo über Indien gesagt, hatte Hand und Fuß— also ist er doch ein Kenner Indiens. Und er kannte nicht bloß Land und Volk, sondern fühlte mit dem indischen Volk. Also konnte er wohl als Indiens Dolmetsch sprechen. Und wenn die.Prinzessin" wirklich etwas gesagt hat, was auf die Bäume stieg, so muß man halt den Ueberschwang des Moments in den Kauf nehmen. Dafür, daß nicht etwa Schwärmer dem Kongreß den Stempel aufdrücken, ist ja gesorgt. Von.Schaukünsten" auf Sozialistenkongressen kann doch wahrhaftig keine Rede sein, eher geht es da zu geschäftsmäßig nüchtern, zu kritisch her. Man halte irgend eine bürgerliche Ver- anstaltung dagegen, oder gar einen Katholikentag: was wird da in Regiekünsten geleistet. Was Bernstein rügt, war nicht einmal Schaustellung— denn dazu gehört besondere Vorbereitung und Inszenierung. Aber selbst wenn es das wäre, muß man schon ein rechter Pedant sein, um daran Anstoß zu nehmen. Lassen wir doch auch der Begeisterungsfreude ihr Recht." Der ArbeitcrbildungSauSschuß Elberfeld-Barmen veranstaltet an Sonntagen Volksspiele auf einer Wiese. Geräte und Spiel- Utensilien werden von den Turnern zur Verfügung gestellt; die Spiele selbst werden in Gruppen, die nach Altersstufen und Geschlechtern getrennt sind, vorgenommen. Unsere Toten. In Lüttich(Belgien) starb der Genosse Joseph Mettnich, der Abgeordnete des Wahlkreises Lüttich, ein ehe- maliger Bergarbeiter, der sich um die Partei- und Bergarbeiter- bewegung seines Reviers große Verdienste erworben hat. Der .Peuple" widmet ihm einen ehrenden Nachruf und erscheint mit Trauerrand. In Marienwalde(Wahlkreis ArnSwalde-Friede- Berg) starb am 5. September der alte Parteiveteran Glasermeister Theodor Krüger. Er hat bereits unter dem Ausnahmegesetz für die Partei gewirkt und in manchen schweren Zeiten das Banner der Partei hochgehalten. Einer von den vielen, die im Stillen emsig den Gedanken des Sozialismus verbreitet haben. Verfolgungen der Sozialdemokratie in Fiimland. Die Erstarkung der Arbeiterbewegung in Finnland veranlaßt die finnländische Bourgeoisie, ihre„Freiheitsliebe" an den Nagel zu hängen. Parallel mit der versöhnlichen Tendenz zum.Doppel- adler, der das herrliche Finnland zerreißt", wächst in den bürger- lichen Kreisen die UnVersöhnlichkeit in bezug auf die Sozial- demokratie. Bor kurzem sah sich die finnländische Sozialdemokratie genötigt, eine Reihe Protestmeetings zu organisieren, weil die Abficht vor- handen war, den sozialdemokratischen Eisenbahnerverband, der 7000 Mitglieder zählt, administrativ zu schließen. Parallel mit dem feind- seligen Verhalten gegen die aktiven Gewerkschaften wachsen die Ver- folgungen der sozialdemokratischen Presse. Wie die Zeitung„Tyo" benchtet, wurden im August allein folgenden sozialistischen Zeitungen Strafen auferlegt:.Wapaus"— 400 M. und 150 M. Gerichts» gebühren,„Eteenpäin"— 430 M.,„Sozialisti"— 250 M. und 140 M. Gebühren,.Arbetaren"— drei Monate Gefängnishast dem Redakteur und 50 M. Gebühren,.Sorrewn Woima"— zwei Monate und zehn Tage Gefängnis dem Redakteur und 350 M. Ge- Bühren, und endlich«Tyo"— 200 M. und 100 M. Gebühren. Im Sangen im Laufe eines Monats: fünf Monate zehn Tage Gefängnis- aft, 1280 M. Strafe und 7S0 M. Gerichtsgebühren I Hub Induftne und Handel DaS teure Baterland. Aus den im dritten Heft der Vierteljahresheste zur Statistik des I Deutschen Reiches(1007) zusammengestellten Preisen für Getreide! I und Vieh an verschiedenen in- und ausländischen Märkten im zweiten ' Quartal geben wir folgende Ueberficht: Roggen Weizen 1000 kg Mark Berkin... Breslau... Mannheim.. Wien.... Budapest.. Odessa... Riga.... Paris.... Antwerpen.. Amsterdam.. London... Liverpool.. Chicago... New Jork.. Buenos-Aires. 1900 147,7 142,8 159,5 128,6 112,6 99,2 101,9 119,7 1907 192,8 173,4 196,1 138,3 126,4 130,5 156,2 156,8 124,3 146,9 1900 152,7 135,4 177,1 152,0 129,2 115,9 120,0 164,5 134,0 125,6 127,9 130,1 106,8 116,2 96,3 1907 201,1 191,2 210,7 176,1 156,5 137,8 146,6 198,0 148,3 157,0 147,5 151,6 135,2 148,4 130,8 In 1907 Zunahme gegen 1900 in Prozent Roggen Weizen ZO.S 31,6 21,4 22,9 7.5 12,2 41,6 53,2 30,9 18,1 41,2 1,89 15,8 21,1 18,9 22,1 20,3 6,9 25,8 15,3 16,5 26,5 27,7 35,8 gegen 1900+ in 1906 1907 Deutschland hat unbestritten den Vorrang. Nur in Riga, Odessa und Paris haben die Roggenpreise, infolge der dort herrschende» besonderen Umstände, noch schärfer angezogen als in Deutschland. Budapest, Wien und Amsterdam bleiben erheblich hinter den deutschen Preisavancen zurück. In der Preissteigerung für Weizen kommen nur die Märkte von Buenos Aires, New Jork, Chicago und Amster- dam den deutschen ziemlich nahe, im übrigen sind wir weit voraus. Nicht minder erfolgreich war die deutsche Schweinepolitik. Es werden für das 2. Quartal der Jahre 1990, 1906 und 1907 die nachfolgenden Durchschnittspreise ausgewiesen: Schweine I. Qualität 1900 1906 1907 für 1 Doppelzentner Mark in Prozent Berlin... 90.0 129,3 101,7 48,7 11,9 Danzig... 69.3 95,7 75,0 33,2 8.2 Magdeburg. 94,3 133,1 104.0 40,4 9.7 Köln.... 97,7 139,7 108,1 42,9 10,6 Frankfurt.. 100,6 144,4 112,3 43,5 11,6 Dresden.. 97,1 140,8 106,9 45,0 8.9 Leipzig... 97,9 135,0 106,7 37.9 8.9 Chemnitz.. 96,5 131.8 104,0 36,5 7,7 München.. 129,3 143,7 111,3 11,1— 13,9 Mannheim.. 101,5 143,0 112,0 40,9 11,3 Wien.... 79,4 95,0 105,5 19,6 32,3 Budapest.. 88,3 103,0 119,3 22,3 29,0 Paris... 120,6 135,3 156,7 12,6 29,9 Rotterdam.. 68,6 83,7 79,3 22,0 15,6 Kopenhagen. 90,3 105,3 97,8 16,0 7.7 Die Preise verstehen sich für folgende Abwägungen: Danzig Lebendgewicht ohne Tara, die übrigen deutschen Märkte Lebendgewicht mit Tara oder Schlachtgewicht, Wien Lebendgewicht, Budapest Rein- gewicht, Paris Fleischgewicht, Kopenhagen Schlachtgewicht, Rotterdam Schlachtgewicht. München hat absolut die höchsten Preise, nimmt aber bezüglich der Preisveränderung seit 1900 die günstigste Stelle ein. Sonst eilte Deutschland im Jahre 1906 mit seinen Preisausschlägen allen anderen Plätzen weit voraus. Im laufenden Jahre ist eine Ver- änderung eingetreten. Die Märkte Paris, Budapest und Wien haben gegenüber 1900 ungünstigere Preise als Deutschland. Während die Schweinepreise von ihrem Höchststande im Jahre 1906 wieder zurückgegangen sind, haben die Preise für Ochsen und Kühe noch weiter angezogen. Es kosteten im zweiten Vierteljahr: Ochsen I. Qualität 1 Doppelzentner Mark 1907 Zunahme Berlin. Schlachtgewicht. München„. Wien, Lebendgewicht.. Budapest... Paris, Fleischgewicht.. Rotterdam„.. Kopenhagen„.. Mit Ausnahme von Budapest prunkt Deutschland mit den kräftigsten Steigerungen. Während München bei Schweinen die günstigste PreiSentwickelung hat, nimmt es bezüglich der Ochsen- preise hinter Budapest den unvorteilhaftesten Platz ein. Die Vieh- und Fleischpreise sind ein nettes Pendant zu den krampfhaften Versuchen, für die Arbeiterschaft einen bemerkenswerten sozialen Ausstieg nachzuweisen. Es fehlt jetzt nur noch der Nach- weis, daß Deutschland viel günstigere Preisverhältnisse hätte, wenn die Zolle noch höher geschraubt und die Grenzen noch fester gegen Einfuhr verschlossen worden wären. Vom Sicgerländer Eisenmarkt berichtet die„Rh. Wests. Ztg." (Nr. 903):„Die Marktstimmung ist eine recht ruhige, die Käufer neigen sowohl im Inland wie im Ausland zur Zurückhaltung und für letztes Quartal stehen noch größere Posten aus, so daß das Syndikat noch nicht in der Lage war, die entsprechenden Zu- Weisungen an seine Mitglieder zu machen. Die Hochofenwerke sind indessen noch genügend mit Aufträgen versehen und bis gegen Ende des Jahres in ihrer Beschäftigung einigermaßen sichergestellt. . Tic abhängige Industrie, die reinen Walzwerke des Sieger- landes, befinden sich bereits in einer recht mißlichen Lage, es fehlt die Arbeit und man muß stellenweise einschränken. Die Sorge für die ausfuhrlose Zukunft zeitigt allerlei Pläne, die sich nur zum Leidwesen der Beteiligten nicht verwirklichen lassen, da sich der aufopfernde, uneigennützige Freund nicht finden läßt, der eine Aus- fuhrvergiitung auf seine Schultern nimmt. Wir denken dabei an einen Plan, den ein leistungsfähiges Hochofenwerk eingefädelt, aber anscheinend wieder fallen gelassen hat, da ihm die von den Schwarzblechwcrken zugedachten Pflichten zu groß und die Rechte zu klein erschienen. Die Walzwerke können sich nur schwer an den Gedanken gewöhnen, daß ihre Forderung jedes Rechtsanspruchs bar ist und auch der wirtschaftlich Stärkere sich nur dann zu Zu- aeständnissen herbeiläßt, wenn er sich ebenfalls einen Vorteil dabei herausrechnen kann. Die Gefühlsmomente bleiben im Wirtschaft- lichen Wettbewerb vollständig außer Betracht. Solange die Walz- werke kein Aeguivalent in die Wagschale zu werfen haben, werden sie vor verschlossenen Türen um eine Ausfuhrvergütung anklopfen. Und sie haben keins außer dem eines beschränkten Verbrauchs. DaS ist hart für sie, aber bittere Wahrheit und wir wagen sie wiederholt auszusprechen, selbst auf die Gefahr hin, uns erneuten Angriffen deshalb auszusetzen. Die Anschauungen bei den gewährenden Roh- stoffverbänden haben sich geändert, das ist nicht mehr abzustreiten, einflußreiche Pers»nen sind gegangen, andere gekommen, wieder andere sind zu Einfluß gelangt, deren wirtschaftliche Betäftgung nach einer anderen Richtung gravitiert. Unter der erstarkten groß- industriellen Privatwirtschaft, die mehr und mehr das Rückgrat unserer nationalen Volkswirtschaft wird, muß sich aber schließlich auch ein modus vivendi ohne Ausfuhrvergütung für schwächere, aber lebensfähige Gebilde finden lassen. Tiefen modus zu finden, muß eben Aufgabe der nächsten Zukunft sein." Die Fleischtenerung im Jahre 1906 wird amtlich Bestätigt und beleuchtet im Verwaltungsbericht des Leipziger Vieh- und Schlacht- hofeS. Darin wird gesagt: Mehr noch als im Jahre 1905 wurde im Berichtsjahre der Verkehr durch die herrschende Vieh not be- einträchtigt. Die Viehzufuhr wie die Zahl der Schlachtungen blieb nicht unwesentlich hinter der der letzten Jahre zurück. Der Ausfall an Vieh betrug 1905 10 278 Stück, im Jahre 1906 aber 14 522 Stück. Die Gesamtzahl der Schlachtungen betrug 1904: 338 467 Stück. 1905: 329 829 Stück gegen 319 537 Stück im Jahre 1906. Pro Kopf der Bevölkerung betrug der Fleischverbrauch l 1904: 67,86 Kilogramm, 1905: 62,60 Kilogramm imd 1906: 61.93 Kilo- gramm, gleich einer Abnahme von 8,74 Proz. pro Kopf seit 1904 oder im Durchschnitt für eine Familie von vier Köpfen ein Minderverbrauch von 47 Pfund im Jahre. Der DurckschnittseinkaufSpreis für Schweine zum Beispiel betrug pro 100 Pfund im Jahre 1904: 50 M., im Jahre 1905: 65 M. und im Jahre 1906: 69 M. Aber auch bei allen anderen Fleischsorten hat das Jahr 1906 die höchsten Preise. Sieben Millionen Mark wurden im Jahre 1906 mehr als im Jahre 1904 gezahlt, während gleichzeitig die Zahl der verkauften Tiere um 18000 zurüch gegangen ist. DaS Betriebscrgcbnis der Simplonbahn über das erste Jahr, bis 1. Juni 1906 reichend, liegt jetzt vor. Der Güterverkehr von der Schweiz nach Italien belief sich auf 27 400 Tonnen, der von Italien nach der Schweiz auf 29 400 Tonnen, insgesamt also 56 800 Tonnen. Der Durchgangsverkehr von Frankreich nach Italien und umgekehrt, der aber noch sehr schwach ist, ist darin enthalten; etwa 50000 Tonnen entfallen auf den schweizerisch- italienischen Verkehr. Die Zahl der beförderten Personen wird auf 430 000 ge- schätzt. Pro Kilometer sind nach den mittleren Tarifsätzen der Schweizer Bundesbahnen, unter Verücksichtigung des ftir die Tunnel- strecke geltenden Zuschlages berechnet, 32 500 Frank vereinnahmt worden. Bekanntlich ist der Tunnel bislang nur eingleisig aus- gebaut. Es ist aber vorgesehen, ihn zweigleisig auszubauen, wenn nämlich die Kilometereinnahme 50 000 Frank erreicht hat. Es ist also noch einiger Spielraum vorhanden. Trotzdem hat der schweizerische Bundesrat beschlossen, den zweiten Tunnel demnächst schon auszubauen._ SozialeB. WohlfahrtSeinrichtungen. Vor kurzem entschied das Gewerbegericht zu Friemersheim(ver- gleiche den Artikel Wohlfahrtseinrichtungen in Nr. 207 des.Vor- wärtS") mit Recht dahin, daß ß 15 des Kassenstatuts der Krupp- schen PensionSkaste gegen die guten Sitten verstößt, da er besagt, mit dem Ausscheiden des Arbeiters aus dem Dienst der Firma Krupp erlöschen alle Ansprüche des Arbeiters und seiner Hinter- bliebenen an die Pensionskasse. Anders hat am Dienstag das Gewerbegericht zu Essen entschieden. ES klagten fünf ehemals Kruppsche Arbeiter auf Zurückerstattung der ihnen einbehaltenen Pensionskassenbeiträge und Eintrittsgelder, die sie bis zu ihrem Austritt bei der Firma Krupp hatten zahlen müssen. In der Verhandlung wurde dargetan, daß kaum ein Drittel aller Mitglieder in den Nutzen der Pensionskasse kommen. DaS Gewerbegericht erkannte auf K l a g e a b w e i s u n g mit der Begründung: In dem Verhalten der Firma Krupp ist ein Verstoß gegen die guten Sitten nicht zu finden. Die Bestimmung des§ 15 des Kassenstatuts, welche besagt, daß mit dem Ausscheiden des Mit« gliedeS aus dem Dienst der Firma Krupp alle Ansprüche desselben und seiner Hinterbliebenen an die PensionSkasse erlöschen, hängt mit der Lebensfähigkeit der PensionSkasse zusammen, ans der daS gesamte Versicherungswesen sich aufzubauen habe. Das gehe auch daraus hervor, daß eine einzige Jahrcspension den Betrag der gesamten eingezahlten Beiträge eines Mitgliedes bis zur PensionS- berechtigung bei weitem überschreite. Eine Härte und Un» billigkeit sei in dieser Bestimmung zwar ent- halten, das bedeute aber noch keinen Verstoß gegen die gnten Sitten. Auch der Zwang der Zugehörigkeit aller Fabrikangehörigen zur Pensionskasse- sei noch kein Verstoß gegen die guten Sitten. Die seitens der Klagesteller erfolgte Bemängelung der U n« Möglichkeit der Weiterversicherung der Arbeiter in der PensionSkasse beim Ausscheiden aus dem Dienste der Firma Krupp sei aus praktischen Gründen wertlos, da erfahrungsgemäß die Selbstversicherung wenig Beachtung finde! Auch hieraus lasse sich ein Verstoß gegen die guten Sitten nicht herleiten. Gegen dieses Urteil haben zwei Kläger, deren Forderung den Betrag von 100 M. übersteigt, Berufung eingelegt. Wir haben bei der Besprechung des Friemersheimer Urteils dargelegt, wie gerecht- fertigt die Auffassung der Kläger ist. Wenn ein Unternehmer, wie .hier Krupp, seine wirtschaftliche Stellung dazu benutzt, um die für ihn arbeitenden Arbeiter zu zwingen, einer Kasse beizutreten, so ist daS ein Mißbrauch, ein Verstoß gegen die guten Silten selbst dann, wenn die Arbeiter, entgegen der Kruppschen Einrichtung, ein mit ihrer Zustimmung verlierbares Recht auf eventuellen Genuß der„Wohlfahrtseinrichtung" hätten. So urteilt z. B. von den Kommentatoren zur Gewerbeordnung auch Schicker(Anm. 25 zu § 134b). Kassen in der Art der Kruppschen PcnsionSkassen sind keine „WohlfahrtSeinrichtungen zum Besten der Arbeiter," sondern Wohl- fahrtSeinrichtungen zum Besten der Firma Krupp. Die Arbeiter werden durch den Zwang zum Kaffenbcitritt(ohne ein Recht gegen die Kasse zu haben). und durch die Statuten gezwungen, i h r Eigentum zu Gunsten der Firma Krupp zu verwenden. Diese spart die Pensionen, die sie selbst den von ihr beschäftigten Arbeitern zu geben hätte: diese sind von den Arbeitern zu zahlen. DaS ist nicht nur eine„Härte und Unbilligkeit", sondern eine widerrechtliche Vorenthaltung des Lohnes, ein gegen I 134b der Gewerbeordnung, die ZK 133 und 394 des B. G.-B. liegender Ver- stoß gegen die guten Sitten, der„zum Himmel schreit."„Dem Arbeiter den ihm gebührenden Verdienst vorenthalten, ist eine Sünde, die zum Himmel schreit", heißt es in der Enzyklika vom 17. Mai 1891.„Der Lohn der Arbeiter, den Ihr unterschlagen", sagt St. Jakobi, Kap. 5 VerS 4„schreit zu Gott und ihre Stimmen dringen zum Herrn Sebaoth". Die mit ihren Ansprüchen zu Unrecht abgewiesenen Arbeiter haben nach dem Gesetz nicht an den„Herrn Sebaoth", sondern an die Herren des Essener Land- gerichtS appellieren müssen. Warten wir es ab, ob das Landgericht die Rechte der Arbeiter anerkennen und konstruieren wird: Darin liegt ja die„Wohlfahrt" der Kruppschen ZwangS-Pensionskasse, daß sie die um ihren Lohn erleichterten Arbeiter zwingt, zum Himme' zu schreien._ Ein Streikleiter vertritt berechtigte Interessen. Dieser selbstverständliche Satz ist dieser Tage vom Gericht und der Amtsanwaltschaft in O f f e n b a ch a. M. anerkannt. Der Gauleiter der Transportarbeiter Genosse R. Habicht stand am 6. September vor dem dortigen Schössengericht wegen Schutz- mannsbeleidigung. unter Anklage. Bei dem Streik der Baukutscher versammelten sich die Streikenden vor dem Gehöfte der Firma Ermold, wahrscheinlich um die Arbeitswilligen zum Mitstreiken zu veranlassen. Ein Schutzmann in Mllye forderte die Streikenden in sehr erregtem Tone aus, fortzugehen. In diesem Moment kam H. dazu und stellte �fich als Streikleiter vor. Der Schutzmann wies auch diesen weg; dies verbat sich H., da er um Ordnung zu halten da sein müsse. Hierbei soll H. den Schutzmann beleidigt haben, was er entschieden in Abrede stellte. Er habe dem Schutzmann nur be- hülflich sein wollen, da die Streikenden auf ihn(H.) mehr hörten als auf den schneidigen Schutzmann. H. forderte nunmehr auf, fortzugehen. Die Aufforderung wurde sofort befolgt. Nach längerer Beweisaufnahme nahm der A m t s a n w a l t zu einem längeren Plaidoyer das Wort. Wenn der Angeklagte H. um Ordnung zu stiften kam, und das fei ihm nicht widerlegt worden, so handelte er als Streikleiter in Wahrung berechtigter Interessen. Selbst wenn dabei eine Be- leidigung gefallen' sei, so müsse dem Angeklagten die Absicht. den Schutzmann beleidigen zu wollen, nachgewiesen werden. Dieser Nachweis sei bisher nicht in genügendem Maße erbracht. Er be- antrage daher keine Strafe, sondern fordere eine prinzipielle Ent- scheidung von dem Gericht. Das Gericht fällte daraufhin den Freispruch, weil ein Streikleiter, ob gewählter oder fest angestellter Vertreter, die Interessen seiner Mtglieder wahrzunehmen habe. Dies sei in dem vorliegenden Falle geschehen. Bei Wahrnehmung berechtigter Interessen gehört zum Delikt der Beleidigung auch die Absicht der Beleidigung; diese habe aber bei dem Angeklagten den Umständen nach nicht vorgelegen. Es mußte demnach Frei- sprechung erfolgen. Ein gerechtes Urteil für die Streikleiter, als Vertrauensleute der Arbeiter. Heimarbeit-AuSstellung zu Frankfurt a. M. In den letzten Sitzungen des wissenschaftlichen und hygienischen Ausschusses der Heimarbeit- Ausstellung, die im kommenden Jahre in Frankfurt a. M. stattfinden soll, wurde die Verteilung eines be- sonderen hygienischen Fragebogens beschlossen. Bei der Abfassung des Fragebogens ging man von dem Gedanken aus, daß die neue, besondere Untersuchung sich nicht auf die gesamten gesundheitlichen Verhältnisse der Heimarbeiter, sondern nur auf die hygienische Seite der Heimarbeit als solche erstrecken solle. Es ist also eine gewerbe- hygienische Studie beabsichtigt. Demgemäß beziehen sich die Hauptfragen auf den Arbeitsraum, seine Größe und Helligkeit, seine Mitbenutzung als Koch-, Wohn- oder Schlaf- räum, auf die Sonntags- oder Nachtarbeit, die Kinderarbeit, den Einfluß der Heimarbeit auf den Gesundheitszustand, auf den Verlauf der Schwangerschaft und die Stillfähigkeit der Heimarbeite- rinnen. Diese für den Gewerbehygieniker, den Sozialpolitiker und die Nation hochwichtigen Erhebungen erfordern eine mühevolle und zeitraubende Arbeit. Bei dem Umfang der Erhebungen wäre eS der Geschäftsleitung der Heimarbeit-Ausstellung sehr erwünscht, wenn sich zum Besuche der Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen noch frei- willige Hilfskräfte, insbesondere Damen, bei der Geschäftsleitung in der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, Frankfurt a. M., Zordanstraße 17/21 zur Verfügung stellen wollten. Berichts- Zeitung« Ein Heiratsvermittler auf der Anklagebank. Der wegen Heiratsannoncenschwindel vom Rixdorfer Schöffen- gericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilte.Privatdetektiv' Ernst Rodrian, in dessen Viertelmillion-Heiratsnetz über 1800 Dumme gesangen wurden(Vergl.„Vorwärts' vom 7. d. M.) richtet eine längere Zuschrift an uns, die uns einige heitere Minuten verschaffte. Der Herr bestreitet in einem Atemzuge.jemals das Geschäft eines Heiratsvermittlers betrieben zu haben', um im nächsten uns zu der- sichern, daß er vor dem Berufungsgericht, da? er an- gerufen hat, so massenhafte.Belege über reiche Damen, sowie AnerkennungS- und Dankschreiben' vorlegen werde, daß daS Gericht den Annoncenmann als brave Stütze der heiligen Gesellschaftsordnung anerkennen und freisprechen werde. Vielleicht irrt sich der Herr! Bei der Belegenheit möchten wir zur Tharaiteristik bürgerlicher Zeitungen feststellen, daß, soweit wir eS haben verfolgen können, u. a. folgende Zeitungen das hahnebllchene Betrugsinserat, aber keine Zeile über die Verurteilung ihres In- serenten gebracht haben: .Potsdamer Tageszeitung',.Münchener Allgemeine Zeitung',.Berliner Fremdenblatt',.Leipziger Neueste Nachrichten',.Dresdener Neueste Nachrichten',„GreifSwalder Zeitung',.MagdeburgischeZeitung',.RostockerZeitung", „Berlinische Zeitung'(Vossische). Grober Unfug. Weiß man nicht, weshalb man einen Schuldlosen strafen kann, so hängt man ihm.groben Unfug' an. DaS lehrte von neuem eine Anklage, die am Dienstag vor dem Schöffengericht zur Verhandlung gelangte. Am 24. Juni ct., abends gegen 11 Uhr, begegneten dem Bau- arbeiter Karl Philipp in der Nähe des Bahnhofs Friedrich- fwaße der Student der Theologie Johannes Zwick und der Buchhalter Theodor Jacob, welche der„Bahn- hofsmisfion' stch gewidmet haben und vom genannten Bahnhos zwei Arbeiter auS Thorn, sogenannte MissionSschützlinge. ab- geholt batten. Philipp sagte zu den beiden Arbeitern:.Gehen Sie nicht mul'— und ging dann ruhig weiter. Einer der Missionare lief nun zu einem Schutzmann und verlangte die Ver- Haftung Philipps, welche auch prompt erfolgte. Die weitere folge war ein polizeiliches Strafmandat über 0 Mark, weil durch die Worte:„Gehen Sie nicht mit'— das Publikum beunruhigt und belästigt worden, also— grober Unfug verübt worden sei. Gegen dieses Strafmandat wurde Einspruch erhoben. In der Verhandlung sagten die beiden als Zeugen vernoinmenen Bahnhofsmissionare aus, daß die Worte:.Gehen Sie nicht mit', wenn auch in ruhiger,.so doch schnoddriger Weise' gefallen seien. Gehört habe sie sonst niemand, als sie und ihre Schützlinge. Der Angeklagte sei auch ganz ruhig, ohne auf eine Wirkung seiner Worte zu warten, weiter gegangen. Trotz dieser Aussage beantragte der Amtsanwalt Aufrecht- erhaltung der Strafe. Rechtsanwalt Roth geißelte in derben Worten die Eni- stehung und den strafrechtlichen Verlauf der ganzen Angelegenheit. Wenn überhaupt im vorliegenden Fall grober Unfug verübt worden sei, so habe sich zweifellos nicht der Angeklagte desselben schuldig gemacht. Das G e r i ch t�schloßlfich den Ausführungen des Verteidigers an und erkannte auf kostenlose Freisprechung. Bedauerlich ist es, daß den Missionsleuten, die zwei Arbeiter vor der Aufklärung über den wirNichen Zusammenhang der Dinge durch wissenskundige Arbeiter retten zu müssen glaubten und m diesem Drange die Nächstenliebe durch Rufe nach Polizei und Staats- anwalt betätigten, nicht die Kosten des Verfahrens auferlegt werden konnten. Rechtsirrtümlich wäre eine Anklage gegen sie wegen intellektueller Freiheitsberaubung keineswegs. Wird die Straf- gewalt des Staates gegen den theologischen Studenten und missions- lustigen Buchhalter mobil gemacht werden oder heißt es im Straf- kodex: es sind keine Arbefter— Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was fie tun?_ Sind Richter— Rächer der Interessen der herrschenden Klasse? „Laßt jede Hoffnung hinter Euch...' An diese Worte des großen Florentiners wird auch in Hamburg erinnert, wer eindriug- lichster Einladung folgend, vor dem Schöffengericht II in Hamburg als.Streiksünder' auf der Anklagebank Platz nimmt.„Dieses Gericht steht auf dem Standpunkte, daß Milde nicht am Platze ist, daß Arbeitswillige nachhaltig geschützt werden müssen,' pflegt der Amts- richter Freiherr v. Lößl dort seine Urteile begründend zu erklären. In einer schriftlichen Urteilsbegründung, die uns jetzt vorliegt, hat er noch näher ausgeführt, was nach seiner Aussassung zu den Auf- gaben des Gerichts gehört. Wir hängen zu Nutz und Frommen derer, die da meinen, der Richter könne oberhalb der Parteien, jenseits von gut und böse stehen und das Schwert der Gerechtigkeit anders handhaben als als Instrument der Klassenjustiz im einseitigen Interesse der herrschenden Klasse, die wissenschaftliche Arbeit des Hamburger Freiherrn nachstehend etwas tiefer. Während des Streiks der Seeleute soll der Heizer H. einem Effektentransporteur D., der für einen arbeitswilligen Matrosen einen Koffer an Bord brachte, von hinten einen Faustschlag aufs Auge versetzt haben, wofür das Forum des Amtsrichters von L. ihm wegen hinterlistigen Ueberfalles zwei Monate Gefängnis zudiktierte. Zwar bestritt der Angeklagte entschieden, sich in der gedachten Richtung vergangen zu haben, da er sich in einem größeren Trupp von Seeleuten befunden habe, aus dem heraus der Schlag geführt sein könne. Aber das Gericht folgte den Angaben des Zeugen D., der sich nicht geirrt haben will— als ob jemand, der sich irrt, wissen könnte, daß er sich irrt. Nachdcin in der Begründung ausgeführt, daß die Körper- Verletzung sich als ein„hinterlistiger Ueberfall' qualifiziere, für den inildernde Umstände nicht am Platze seien, heißt eS in der Begründung weiter: .... Ferner aber waren auch die Umstände, unter denen die in Frage stehende Körperverletzung begangen wurde, nicht danach an- getan, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen. Der Angeklagte gehörte zu den st reitenden Seeleuten, die nicht nur darauf' ausgingen, die arbeitsivilligen See- leute an der Arbeit zu hindern, sondern auch, wie gerade dieser Fall zeigt, gegen Fleute vorgingen, die an sich mit dem Streik nichts zu tun hatten und wie D. lediglich Seeeffekten von und nach den Schiffen brachten. Es ist auch eine„gerichtsnotorische Tab fache'(„gerichtsnotorische Tatsache' ersetzt in schlechten Urteilsgründen den Beweis der Wahrheit für unrichtige Behauptungen in derselben Weise wie die berühmten Wörtlein.zweifellos',„unzweifelhaft „bekanntlich' u. dergl.), wie sehr die Arbeitswilligen unter den Streikenden zu leiden haben, und gerade dieses Gericht weiß aus seiner eigenen Praxis, wie oft es ernstlich wollenden Menschen durch die Streikenden unmöglich gemacht wird, eine Arbeit im Hafen zu übernehmen. Wenn daS Gericht Obdachlosen, die ihm vorgeführt wurden, empfahl, sich Arbeit als Schauermann, Seemann oder dergleichen zu suchen, so wurde in der Regel von ihnen entgegengehalten, ob es dem E' richt denn nicht bekannt sei, daß den Arbeitswilligen in der Streik- zeit alle Knochen im Leibe kaput geschlagen würden. Wenn aber der von den Streikenden ausgehende Schrecken derart ist, daß kaum noch ein Arbeitswilliger sich getraut, in der Streikgegend Arbeit zu übernehmen, dann ist eS vornehmlich Aufgabe des Gerichts. soweites in dessen Macht steht, f ü r d en S ch u tz d e r Arbeitswilligen gegen die Streikenden zu sorgen. und das kann das Gericht nur dadurch, daß es in den wenigen Fällen, die von der Ausschreitung Streikender zu seiner Kenntnis gelangen, die wirklich Ge- faßten zur Abschreckung in eine exemplarische Strafe nimmt. Das Gericht glaubte daher nicht fehlzugreifen, wenn eS gegen den Angeklagten unter Versagung mildernder Um- stände die Mindeststrafe, die der Z 22ga des Strafgesetzbuchs wegen gefährlicher Körperverletzung androht, in Anwendung treten ließ." Das selbstherrliche Gefühl, das aus diesem Urteil spricht, steht in schreiendstem Widerspruch zu der Rechtsforderung, ohne An- sehen der Person lediglich nach Maßgabe der erwiesenen Handlung ein Urteil zu fällen. Der Richter hat nach seiner besten Ueberzeugung geurteilt. Gerade weil diese seine Ueberzeugung die reale Wirklichkeit ihm mit Scheuklappen versperrt und die Welt nur von der Anschauungswelt des Unternehmertums aus erkennen läßt, ist es eine dringende Forderung der Gerechtigkeit, an Stelle gelehrter Richter Richter urteilen zu lassen, die von und aus allen Teilen der Bevölkerung gewählt find._ Ein Streit um Fische. Ein Streit zwischen der Fischerinnung zu Kietz- B e e S k o w und zwei Berliner Fischern ist dieser Tage vom Reichsgericht als letzter Instanz zugunsten der Innung ent- schieden. Zwischen der Fischerinnung zu Kietz-BeeSkow und zwei Berliner Fischermeistern, dem Fischermeister Streichhan und dem Obermeister der Berliner Fischerinnung, Tiedecke, war im Jahre ISOS ein Vertrag abgelaufen, nach welchem die Fischer- innung zu Kietz-Bceskow alle Fische, die von ihren Mitgliedern auf der Spree von Schadow bis Fürstenwalde und in den dazwischen liegenden Seen gefangen wurden, den genannten Bcr- liner Fischermeistern zu bestimmten Preisen zu liefern hatte. Nach den Behauptungen der Berliner Fischer soll der Vertrag bis zum 1. Juli 1906 einfach verlängert worden sein und soll man auf der Grundlage verhandelt haben, daß vom 1. Juli 1000 an als weitere Verlängerung die ganze Zeit gedacht sei, die die Fischercipacht der Fischcrinnung laufe, und zwar vom 1. Juli 1906 bis 1. Juli 1912. Unstreitig hatte nun am 7. Januar 1906 der O b e r m e i st e r der Fischerinnung zu Kietz-Beeskow an die beiden Berliner Fischer einen nur von ihm unterzeichneten, aber mit der Ueberschrift „Fischerinnung zu Kietz-Beeskow" versehenen Brief geschrieben, in welchem er mitteilte, daß die Kollegen mit den Berliner Fischern in geschäftlichem Verkehr zu bleiben gedenken. Dieser Mitteilung fügte er die Preisangaben bestehender Kontraktbcdingungen an, worüber die Empfänger bis 14. Januar 1906 Bescheid geben sollten. Schon am 10. Januar 1906 widerrief der Ohermcister dieses Schreiben, ohne daß von den Empfängern eine Antwort ein- gelaufen war. Am selben Tage aber lief von den Berliner Fischern noch das Anwortschreiben ein, in dem sie die Annahme der angegebenen Preise erklärten. Während die Berliner Fischer nun behaupten, daß das Schreiben des Obermeisters und Vorsitzenden des Vorstandes der Innung zu Kietz-Beeskow den einzigen noch streitigen Punkt zum Abschluß des gedachten Vertrags betroffen hätte und der Vertrag mit der Annahme des Vorschlages durch die briefliche Erklärung vom 10. Januar zu stände gekommen sei, bestreitet dies die genannte Fischerinnung, da ein Jnnungsbeschluß. wie ihn die Berliner Fischer behaupten, nicht gefaßt und auch ihrem Ober- meister vom Vorstand keine Vollmacht und kein Austrag erteilt worden sei. Sodann benef sich die Innung noch darauf, daß es dem Schreiben ihres Vorsitzenden an der nach§ 30 der Statuten geforderten zweiten Unterschrift fehle. Daraufhin klagten die beiden Berliner Fischcrmeistcr gegen die Fischerinnung zu Kietz-BeeSkow mit dem Verlangen, daß die Beklagte sämtliche Fische, welche in der Zeit vom 1. Januar 1906 bis 1. Juli 1912 auf der bereits beschriebenen Strecke gefangen werden, zu den als vereinbart angenommenen Preis zu liefern habe, mit Ausnahme der zum Kleinhandel für den Bedarf der Stadt Beeskow und Umgegend erforderlichen Menge. Das Landgericht Frankfurt a. O. erkannte auf Ab- Weifung der Klage. Im selben Sinne entschied auf die Be- rufung der Kläger das Kammergcricht zu Berlin. Auch die gegen das Berufungsurteil eingelegte Revision der Kläger hatte keinen Erfolg und lourde vom Reichsgericht zurückgewiesen. Das Reichsgericht geht davon auS, daß die statutarisch erforderliche zweite Unterschrift fehle und dem Obermeister auch in keiner Weise' Vollmacht erteilt worden sei._ Blumen und Blumcnausstellungen bildeten den Ausgangspunkt für einen mit großer Erbitterung ge» führten BeleidigungSprozch zwischen dem Inhaber der bekannten Blumenhandlung Adolf K o s ch e l zu Charlottenburg und dem Vorsitzenden des„Vereins der Berliner Blumengeschäftsinhabcr', Kunstgärtner N i z r i n. Seit längerer Zeit besteht zwischen den Inhabern der Berliner Blnmcnhandlungen und der Firma Koschel eine Gegnerschaft, die insbesondere an die von der Firma Koschel von Zeit zu Zeit veranstalteten Ausstellungen anknüpft. Die bestehenden Gegensätze erfuhren eine Verschärfung, als der Verein der Blumengeschäftsinhabcr in diesem Frühjahr die große Binde- kunstausftellung im LandcSausstellungspalast veranstaltete. Wenige Tage vor Eröffnung dieser seit Jahresfrist angekündigten Ausstellung wurde nämlich in de neuen?lus- stellungshalle am Zoologischen Garten eine„Allgemeine Gartenbau- ausstellung in Berlin" eröffnet, für die die Firma Koschel die Räume gemietet hatte, deren Kosten sie auch selbst bestritt, während sie andererseits selbst ungefähr drei Viertel des Ausstellungs» raumes mit ihren eigenen Produkten und Waren besetzte. Da die vereinigten Berliner Blumenhandlungen sich seinerzeit erfolglos um die Hergabe der neuen Ausstellungshalle beworben hatten, richteten sie durch ihren Vorsitzenden unter anderem eine Eingabe an den Fürsten Hatzfeld als den Präsidenten des Beirats der Ausstellungshalle, in der sie gegen die Hergabe des Ausstellungs- gebäudes an die Firma Koschel protestierten. Gleichzeitig war auf den statutenmäßig idealen Zweck der Ausstellungshalle mit dem Be- merken hingewiesen, daß es eben deshalb nicht angehe, die Räume „einer einzelnen Firma zum unlauteren Wettbewerbe zur Verfügung zu stellen". Der Privatkläger fühlte sich durch den Vorwurf des unlauteren Wettbewerbes beleidigt und erzielte beim Schöffengericht die Bestrafung des Vcrcinsvorsitzendcn Nizrin zu 56 M. Geldstrafe. In der Berufungsinstanz vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I hielt der Angeklagte den Vor- wurf des unlauteren Wettbewerbes gegen die Firma Koschel auf- recht.— Das Berufungsgericht erkannte auf Frei- sprechung, da dem Angeklagten jedenfalls der Schutz des 8 193 des Strafgesetzbuchs zur Seite stehe. Dem Angeklagten sei zu glauben, daß er, wie die Mitglieder seines Vereins, davon über» zeugt gewesen sei, die Bezeichnung der Ausstellung als eine„All- gemeine Gartenbauausstellung" stelle eine Irreführung zum Nach- teile der Berufsgcnossen dar. Wenn er dieser persönlichen lieber- zeugung in seiner Eingabe an den Fürsten Hatzseld Ausdruck gab, so hat er lediglich in Wahrnehmung der berechtigten Interessen seiner Berufsgcnossen gehandelt. Ein fideleS Gefängnis. Vor dem Schöffengericht in Köln standen 12 Personen, weil sie als Insassen des königlichen Ge- fängnisses zu Köln oder als deren Angehörige eine Reihe von Be- amten bestochen haben sollen. Sämtliche Angeklagte wurden frei- gesprochen, da das Gericht annahm, daß nicht die Angeklagten an die Wärter, sonden die Gefängnisbeamten an die Ge- fangenen und deren Familienangehörige herangetreten seien, um ihnen die Versorgung mit Lebens- und Genußmitteln und der- gleichen anzubieten. Die lange Verhandlung entrollte eine Reihe geradezu unglaublicher Vorkommnisse: Wenn ein elegant ge- kleideter Häftling eingeliefert wurde, mußte sich der Kehr- mann mit diesem, auf Geheiß der Aufseher, in Verbindung setzen, um seine Verhältnisse auszukundschaften. ES begann dann ein reger Verkehr von Briefen, Lebensmitteln usw. zwischen dem Häftling und dessen Angehörigen, woraus die Be- amten große Vorteile zogen. Die Aufseher überboten sich, wie ein Angeklagter sagt, geradezu. Ein Angeklagter hat einem Aufseher 50 Mark für j einen Schwager gegeben, er hat aber nur 10 Mark abgeliefert. Zu einem Mädchen ging ein Ausseher in die Wohnung, um für dessen Liebsten, der im Gefängnis saß, etivas zu holen. Er ließ sich immer Geld geben, denn er wollte die Sachen„selber kaufen". Eine Zeugin bekundet, daß ein Aufseher die für ihren Mann bestimmten Sachen selbst verzehrt habe. Ein Zeuge be- kündet: Ich war 10 Monate im Gefängnis. Ich habe für die Aufseher Wachtdienst getan, während s i e in meiner Zeljle lagen und schliefen. Dafür habe ich Wurst, Butter und dergleichen bekommen. Einmal, als ich im Uniformrock mit Uhr und Laterne einherging, hat mich der Ober- aufseher erwischt. Ein Angeklagter erklärt, daß Sachen, wie Kognak, Wurst und Butter von den Aufschern meistens nicht an die Gefangenen abgegeben worden seien. Viele Gefangene standen mit den Aufsehern auf„Du" und„Du'.— DaS Gericht sprach die Angeklagten frei. Die schuldigen Beamten sind bereits zu erheblichen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Sie erklärten damals, daß sie durch ihr geringes Gehalt zu den Durchstechereien gekommen seien.__ WasserstandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz » Barby . Magdeburg Saale, Grochlitz am 10.9. cm 342 170 144 123 94 48 27 —28 107 109 78 feit 9. 9. cm1) -25 + 2 -15 +27 + 2 + 4 + 6 — 2 — 8 + 2 + 1 — 9 Wasserstand Havel, Spandau , Rathenow') Spree, Spremberg , Beeskow Weser, Münden , Minden Rh et». Waldshut . Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 10. 9. cm 112 149 90 183 -91 4 188 178 20 seit 9.9. cm') — 1 + 10 — 1 0 -M — 8 — 6 -22 ")+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Untorpegel. O. Wahlkreis. Tonntag. den 22. September, abends 6 Uhr, im Kolberger Salon(B. Raabe), Koibergerstraße 23: Geffentliche Versammlung für Männer nnd Frauen. � TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen V. Wermnth über:„Die Pariser Kommune«. 2. Dislussion. 266)4* Nach der Bersammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein IM« Abtoilnngsfülirer. KMImbllliii im(tösiftt AnWIM Filiale Berlin. Am Freitag, de« 18. September»»»7, abends«'/, Uhr, in Kellers FestslNe«(Inhaber Freyer), Koppenstraß« 29: HOT Mitglieder- Versammlung. TBK TageS-Ordnung: 1. Bericht der Lohnlommisfion. 2. Verschiedenes. «In Anbetracht der sehr wichtigen Tagesordnung ist eS unbedingt notwendig, daß jeder Kollege in mlung erscheint.. 200(16 Anfang präzise.»er«orstand. va» Barean wird am Freitag am 6 Uhr gesehlosaen. A.WERTHEIM KONSERVEN Stangen- Spargel extra stark Dose 1.50,% Dose 80 Pf. Stangen- Spargel II Dose 1.10, 1, Dose 60 Pf. Stangen- Spargel III Dose 90, Riesen- Bruchspargel Dose 50 Pf. Dose 1.35,% Dose 78 Pf. Bruchspargel extra stark Bruchspargel| Dose 1.20,% Dose 65 Pf. Dose 90, % Dose 50 Pf. Bruchspargel II ½ Dose 70, Bruchspargel ohne Köpfe Dose 60, Dose 40 Pf. Dose 85 Pt. Abschnittspargel Dose 38,% Dose 24 Pf. Kaiserschoten extra fein Kaiserschoten extra fein Gemischtes Gemüse, Dose! 1.25 Gemischtes Gemüse II Dose 65, Dose 38 Pf. Gemischtes Gemüse Gebrannter Kaffee Mischung I Mischung Il Pfund 83Pf. Pfund 95 Pf. Mischung III Pfund 1.10 Dose 1.25,% Dose 68 Pf. Dose 1.10,% Dose 60 Pf. Junge Schoten| Dose 80, Dose 45 Pf. Junge Schoten II Dose 52, Junge Schoten III Junge Schoten IV Petit pois extra fein Dose 32 Pf. Dose 48 Pf. 1 Dose 38 Pf. Dose 45,%, Dose 28 Pf. Schoten mit Karotten Dose 60, Dose 35 Pf. Karotten in Würfeln Dose 30 Pf Kohlrabi Teltower Rübchen Dose 68, Mischung IV Pfund 1.35 Dose 25 Pf. Mischung V Pfund 1.50 Dose 40 Pf. Mischung VI Dose 1.50, 1, Dose 80 Pf. Leipziger Allerlei extra Mischung Dose 1.40, Dose 75 Pf. Pfefferlinge Dose 45 Pf. Morcheln Dose 1.30, Dose 70 Pf. Morcheln II, Dose 1.10,%, Dose 60 Pf. Spinat 1 Mischung VII Pfund 1.70 Pfund 1.90 Dose 40 Pf. 11 I Stangen- Spargel| Dose 1.25,% Dose 68 Pf. Kassel, Rippespeer Pfund 85 Pf. Stachelbeeren ½ Glas 80 pr. Heidelbeeren in Zucker, Glas 25 Pf. Kirschen Glas 40 Pf. ohne Steine, in Zucker Landleberwurst Pfund 90 Pf. Zwiebelleberwurst Pfund 50 Pf. Gemischte Marmelade in Eimern ca. 5 Pfd. 1.20, ca. 10 Prd. 2.25 Rheinisch Kraut Dose ca. 1 Pfd, 45, Dose ca. 2 Pra, 85 Pt. Saure Kirschen ohne Steine Dose 95,% Dose 53 Pf. Saure Kirschen mit Steinen 1 Dose 65, Dose 38 Pf. naturell Erdbeeren Dose 90, 1, Dose 50 Pf. Himbeeren, Dose 1.25, Dose 68 Pf. Aprikosen halbe Frucht Dose 1.20, Dose 65 Pf. Johannisbeeren Dose 68,%, Dose 40 Pf. Französ.Ölsardinen Marke Amieux frères Stachelbeeren Dose 65,% Dose 38 Pf. Heidelbeeren, Dose 58, 1, Dose 35 PL. Rote Rüben, Dose 35,%, Dose 28 Pf. Dunstfrüchte. Stachelbeeren Johannisbeeren Ölsardinen Spezialmarke, Ölsardinen Glas 55 Pr ½ Glas 55 Pf. Dose 70 PL. kleine Dose 30 Pf. Deutsch Mixed- Pickles Bratheringe Dose 47 Pf. Heringe in Aspic Dose 40 Pf. Aal in Gelee Dose 80 Pf. Sardinen u. Anchovis Glas 25 Pf. Glas 65, 1, Glas 40 Pf. Echte Znaimer Gurken Glas 1.20 Deutsche Cornichons Dose 95 Pl. inTomaten. Dose 1 Mk., Dose 1.65, Dose 70 Pf. Marke Arsen Saupiquet Dose 70 Pf., Dose 1.20MK. Marke Chancerelles Glas 65,%, Glas 38 Pf. Deutsche Piccalilli Glas 65,%, Glas 40 Pl. Lachs- Koteletts, D. 1.50 Dose 1 Mk. KOLONIALWAREN Rangoon- Reis Bassein- Reis Pfd. 17 Pf. Italienische Makkaroni 20 PL. 99 24 PL " Patna- Reis Java- Reis Pld, 25, 80, 88 Pf. Deutsche Makkaroni stark und fein, leicht gefärbt Paket 1 Pfd. 84 Pf. Hafermehl in Paketen ca. 1 Pfd. 42, ca. 1, Pfd. 22 Pf. Grünkernmehl in Paketen ca. 1 Pfd. 65, ca. 1, Pfd, 85 Pf. Reismehl in Paketen ca. 1 Pid. 42, ca,%, Pfd. 22 Pr Moselwein 1905 Oberbilliger Paket 1 Pfd. stark und fein stark und fein, leicht gefärbt 40 Pf. Eier- Makkaroni Paket 1 Pfd. 60 PL Extra Eier- Handschnitt- Nudeln Paket 1 Pfd. 80 Pf. Prima Handschnitt- Nudeln Paket 1 Pfd. 42 Pf. in Paketen Tapioka- Naturell ca. 1, Pfd, 45 Pf. Suppentafeln: Kartoffel, Reis, Grünkern, Erbsen, gelb u.grün, Linsen, Tapioca- Julienne, Reis- Julienne, Bohnen, Gersten, Gries, Körbel, Hafergrütze, Hausmacher, Sago, Rumford, 15 Pf. Julienne- Bouillon à Tafel Extra Eierfaden- Nudeln Paket 1 Pid. 80 PL. Prima Faden- Nudeln Pid. 42 PL. Paket Extra Eierbandnudeln Pfd. 80 Pf. Prima Bandnudeln Paket 1 Prd, 42 Pr Suppentafeln: Paket Tapioka- Bouillon, Mocturtle, Krebs, Curry, Frühling, Pilz, Ochsenschweif, Königin, Tomaten, Wildpret' Tat 24 Pf. Erbswurst Wurst ca. 1, Pfd. 28 Pf. mit Speck, Schinken, Schweinsohren und ohne Einlage. WEIN Rhein- und Pfalzwein Pfund 50 Pf. Rotwurst Pfund Mettwurst Pfund 90 Pf. Delikatesschinken Pfund 1.20 Mk. Zervelatwurst 1.25 In Rinddarm Salamiwurst Prd. 1.25 in Rinddarm Gänsebrust Pfd. 1.50 ( Spickgans) Junge Gänse Pfund 70 Pf. Bordeauxwein FI. 80 Pf. 1903 Alsheimer 1/ FL. 70 Pf. 1902 Montferrand Pl. 90 Pt. 1904 Sennheimer 1 Mk. 99 1903 Dienheimer 1904 Zeltinger 1.20 19 1904 1904 Valwigsberger 1.35 30 1904 Bretzenheimer Laubenheimer 99 80 Pt. 90 Pf. 1900er Chât. Fronsac 99 1 MK. 1902 Cru Ferriêre Margeaux Médoc 1 Mk. 09 1 Mk. 1904 Dhroner 1.40 " 1901 Niersteiner 1.10 1902er Chât. Angludet 19 1904 Piesporter 1.50 99 1904 Trabener 1.60 99 1903 Zeltinger Fuder 26 1.60 99 1904 1904er Rüdesheimer 1904 Hallgartner Deidesheimer 1.20 1902er Chât. Talbot d'Aux Cantenac Margaux 1.10 23 1.20 " 99 1.30 1900er Chât. de Parempuyre 1.25 " " 1.40 1900 Grand Poujeaux 1.40 29 Kreszenz Königl. Gymnasium Trier' 99 1904 Brauneberger 1.80 1903 Binger Rochusberg 1.40 1898er Chât. Lanessan Cussac 1.60 " 99 " 1904 Rübertsberger 2 Mk. 1903er Rauenthaler 1.60 " 1904 Enkircher Steffansberg " 2 Mk. 1903 Rüdesheimer Rottland 1.70 " 1903 Chât. Latour and 1900 Chât. Branaire Ducra grand 1.80 8 Vin 1903er Scharzhofberger Fuder 15 2 Mk. 1893er Ockenheimer Hölle 2.40 93 2 Mk. 0 Kreszenz Egon Müller Unsere Geschäftshäuser werden um 29 Uhr geöffnet. Rand gesetzl. geschützt. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlin, Drud u.Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Dr. 213. 24. Jahrgang. 2. Keilllge des Jonviirtg" Kerliner NslkdlM. Patteigenolsen, erwerbt die preußikbe Staatsangehörigkeit. Wer bei den Wahlen zum preußischen Landtag oder bei Kommunalwahlen in preußischen Städten und Gemeinden das Wahlrecht ausüben will, muß zunächst in Preußen staats- angehörig sein. Deshalb ist es Pflicht eines jeden in Preußen wohnenden Parteigenossen, der die Staatsangehörig- keit und folglich auch das Wahlrecht in Preußen nicht besitzt, diese zu erwerben. In Groß-Berlin wohnen eine Menge sozialdemo- kratisch gesinnter Bayern, Sachsen, Mecklenburger, Hamburger, Elsässer, Hessen usw., die deshalb bei den Landtags-, Stadt- verordneten- oder Gemeinderatswahlen ihr Wahlrecht nicht ausüben können, weil sie es bisher versäumt haben, die Staatsangehörigkeit in Preußen zu erwerben. Wer in Preußen staatsangehörig wird, verliert dadurch nicht die Staats- angehörigkeit für seinen Heimatsstaat; vielmehr kann jeder deutsche Reichsangehörige gleichzeitig in mehreren, sogar in allen deutschen Bundesstaaten staatsangehörig sein und bleiben. Um Nicht- Preußen bei der Erwerbung der Staats- angehörigkeit behülflich zu sein und Auskunft zu erteilen, damit sie bei kommenden Wahlen als Steuerzahler auch ihr Wahlrecht ausüben können, haben sich für den sechsten Wahl- freis folgende Genossen bereit erklärt: Pinner. Tresckowstr. 36. Wilh. Klonst, Schönhauser Allee 156� Dobrohlaw, Schliemannstr. 39. Rich. Hcnschel, Wollinerstr. 51 H. Paul Tölz, Ruppinerstr. 11 HI. Seyse, Boyenstr, 19. ustav Achilles. Wiclefstr. 24. Gustav Menz, Wilhelmshavenerstr. 61. Albert Werth. Wiclefstr. 38. Georg Pieleke, Waldstr. 8. Herm. Gumz, Prinz Eugenstr. 25. Paul Fritsch. Drontheimerstr. 4. Hermann Rieh. Fehmarnstr. 7. Fritz Trapp, Stettinerstr. 10. Partei-?Zngelegenkeiten. Teltow. Sonntag, den 15. September, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokale des Herrn Preutz, Deutsches Wirtshaus, eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer statt. Tagesordnung: Verichterstattung von der Franenkonferenz und vom Internationalen Kongreß zu Stuttgart. Referentin: Frau Thiel-Tempelhof. Diskussion lind Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet die Ver- trauensperson._ Berliner JVacbricbten» Zum Achtuhr-Ladenschlutz. Die Unterschriftensammlung für Einführung des Achtuhr- Ladenschlusses erstreckt sich außer auf die Städte Berlin, Char- lottenbura, Schöneberg und Rixdorf auch auf die Stadt Deutsch-Wilmersdorf, die gleichfalls zum Landespolizeibezirk Berlin gehört, und es ist deshalb dringend wünschenswert. daß die Parteigenossen auch dieses Ortes den Bestrebungen der Handlungsgehülfen auf Herbeiführung des Achtuhr-Ladew schlusses ihre Unterstützung leihen. Eine neue Anwendung der WertznwachSsteuer bringt Ingenieur P l a tz m a n n- Dresden in einem für die „Zeitung des Ver. D. Eisenbahn-Verw." verfaßten Aufsatz über „Bauweise und Wirtschaftlichkeit städtischer Schnell- bahnen" in Vorschlag. Er kommt zu dem Resultat, daß künstig städtische Schnellbahnen überwiegend als Unter- grundbahnen zur Ausführung kommen worden. Durch die Fahrgeldeinnahme würden diese freilich selten eine aus- reichende Verzinsung des Anlagekapitals ergeben; man müsse daher Beiträge von denjenigen Personen erheben, die von dem Bahnuntcrnehmen den meisten Nutzen haben. Dies seien keineswegs die Fahrgäste, sondern die Grundbesitzer in den von der Bahn berührten Stadtteilen. Die Er- bauung einer Stadtbahn bewirke eine sehr wesent- liche Wertsteigerung der Grundstücke, sowohl in den äußeren, wie auch in den inneren an ihr gelegenen Bezirken, und es bestehe daher gar keine Veranlassung, mit dieser Plötz lich eintretenden erheblichen Steigerung des Bodenwertes den betreffenden Grundbesitzern ein völlig unverdientes Geschenk zu niachen, vielmehr sollten diese in eptsprechendem Maße zur Tilgung und Verzinsung der Baukosten herangezogen werden. In der vollkommensten Weise könne dies geschehen, wenn die an der städtischen Bahn go legenen Gemeinden die W e r t z u w a ch s st e u e r für das gesamte Stadtgebiet einführen würden. Durch diese Steuer würden gerade die Eigentümer am stärksten betroffen, deren Grundstücke die beträchtliche Wertsteigerung, zum Beispiel durch Anlage einer Haltestelle in ihrer Nähe, erfahren, und es würden gerechterweisc auch gleichzeitig die Eigentünier nach den- selben Grundsätzen besteuert, deren Gelände durch andere öffentliche Bauten einen unverdienten Wertzuwachs erlangt. Da es sehr wohl möglich sei. bei dieser Steuer, die sich in einigen Städten schon glänzend bewährt habe, hohe Sätze zur Anwendung zu bringen, so könnten dadurch die Mittel beschafft werden, um die hohen Anlagekosten eines städtischen Schnellbahnnetzes zu tilgen bezw. im Verein mit den Verkehrseinnahmen bei niedrigen Fahr- preisen ausreichend zu verzinsen. Allerdings werde in der Regel die Stadt selb st Eigentü m e ri n der Schnellbahnen sein müssen; aber nur mit Hülfe der Wertzuwachssteuer könnten in unseren Großstädten gut durch- gebildete Stadtbahnnetze geschaffen werden. Das Bibliothekswesen der Stadt Berlin hat auch im Verwaltungsjahr 1906/07, über das jetzt das Bibliothekskuratorium den Jahresbericht erstattet hat, weitere Fortschritte gemacht. Die Stadtbibliothek ist noch unfertig, sie vermehrte aber ihren Bücherbestand wieder um reichlich 10000 Bände, sodaß sie am Schluß des Verwaltungs- jahres 80940 Bände hatte. Die 28 Volksbibliotheken hatten zu demselben Zeitpunkt 177 616 Bände. Sie liehen im letzten Jahr 1 419 688 Bände aus, das sind wieder 75 609 Bände mehr als im vorhergehenden Jahr. Wie sehr eS in neuerer Zeit den Volksbibliotheken gelungen ist, sich die Gunst der Bevölkerung zurück- zuerobern, das zeigt ein Vergleich zwischen den Verwaltungsjahren 1906/07 und 1896/97. Das Jahr 1896/97, in dem übrigens erst 27 Volksbibliotheken bestanden, schloß ab mit einem Bücherbestand von 98 526 Bänden, und im Laufe jenes Jahres waren nur 543 580 Bände aus- geliehen worden. In 1906/07 wurde durchschnittlich jeder Band achtmal ausgeliehen, in 1896/97 kamen durchschnittlich auf jeden Band nur 5—6 Ausleihungen. Gehen wir noch weiter bis in den Anfang der 90er Jahre zurück, so sehen wir, daß damals durchschnittlich jeder Band sogar nur dreimal ausgeliehen wurde. Damals mochte eben kein Mensch mehr die alten Schmöker lesen, die in den Volksbibliotheken moderten. Erst die Reform der Volksbibliotheken, die völlige Erneuerung des Bücherbestandes und die Erleichterung der Be- Nutzung, führten einen neuen Aufschwung herbei. Zu den Mitteln, durch die die Aufmerksamkeit der nach Weiterbildung verlangenden Bevölkerungsschichten wieder auf die Volksbibliotheken gelenkt wurden, gehören auch die L e s e h a l l e n, die ihnen an- gegliedert worden sind. Im Jahre 1906/07, dem zehnten seit Eröffnung der Lesehalle Ztr. 1, wurden sie auf 12 vermehrt. Sie haben einen Bücherbestand von zusammen 8384 Bänden. Besucht wurden sie von 146469 Personen, 5023 mehr als im vorhergehenden Jahre._ Verlegung von 20 Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn muß wegen Auswechselung der gesamten Kreuzungsanlage an der Ecke der Spandauer- und Königstraße nicht weniger als 20 ihrer Linien verlegen. Schon von heute an gehen die Linien 16 Moabit— Küstriner Platz und 19 Moabit— Schlesisches Tor vom Hackcschen Markt durch die Rosenthaler, Neue Schönhauser, Münz-, Alexanderstraße und zurück. In den Nächten vom 13. zum 14., 16. zum 17., 17. zum 18. und 19. zum 20. September werden ferner von II Uhr abends an bis zum Schluß des Betriebes die Linien 17. 58. 59, 60. 61, 62. 63, 64, 65, 66. 67, 69. 70. 71. 72. 73, 74 und 81 umgeleitet. Die Linien 58, 59, 62, 64, 65, 66, 67, 69, 70, 71, 72, 74 gehen vom Molkenmarkt durch die Stralauer-, Jüden-, Königstraße und umgekehrt. Die Linien 17, 60, 61, 63. 73, 81 gehen vom Schloßplatz durch die Breitestraße, Köllnischen Fisch- markt, Mühlendamm, Molkenmarkt, Stralauer«, Jüden-, Konig- straße und umgekehrt. Zum Strausberger Eisenbahnunglück teilt Eisenbahndirektions- Präsident Krüger-Bromberg der„Ostdeutschen Rundschau" mit, daß die Darstellung des Fabrikbesitzers Leinbrock-Kopitz, das Unglück sei auf leichtfertige Gteisausbcsserungen zurückzuführen, ganz un- zutreffend sei. Das Gleis habe schon sechs Wochen vor dem Unfall neuen schweren Oberbau erhalten und sei seitdem einwandfrei befahren worden. Die Schienen wären unter sich und mit den Schwellen vorschriftsmäßig verbunden gewesen. Die losen Laschen hätten von dem alten Oberbau hergerührt. Bon der Sozialdemokratie gelernt haben die Leute Stöckerscher Observanz. Um für ihr an Abonnentenschwund leidendes Organ, „Das Reich", Propaganda zu machen, wollen sie eine Mafien- Verteilung am 15. September vornehmen. Als günstigen Boden für die Verbreitung haben sich die Stöckerfreunde den Beamten- Stadtteil Moabit ausgesucht. Diese Mafienverteilung soll durch freiwillige Hülfskräfte erfolgen. In einem Aufruf heißt es: „Wer sich meldet, verpflichtet sich, ohne Entschädi- g u n g am 15. September in den genannten Frühstunden„Das Reich" in den übertragenen Häusern zu verteilen und während der darauffolgenden 10 Tage in denselben Häusern wegen Abonnements anzufragen. Auch suchen wir jugendliche Helfer, die nur am Sonntagmorgen verteilen, ohne später anzufragen. Der vorhandene Rest der Nummern kann zum Schluß mit genommen werden, damit er im Bekanntenkreise verteilt werde. Insbesondere bitten wir unsere Freunde aus den Evangelischen Arbeitervereinen, Gewerkschaften, christlich-sozialen und deutsch- sozialen Partei, Parochial- und Jünglingsvereinen um Mithülfe. ES ist eine mühsame Arbeit, zu der wir aufrufen. Aber unsere Gegner haben sie fertiggebracht. Wir appellieren an die opferfreudige Hülfe unserer Leser! Freiwillige vor!" Ob sich allzuviele Helfer einfinden werden, die freiwillig und ohne Entschädigung die Agitationsarbeit tun, ist sehr fraglich. Zu einer solchen Opferwilligkeit gehören Leute, die Ideale haben. Diese sind aber in den Reihen der Gegner sehr dünn gesät, während in unseren Reihen die Genossen zahlreich zur Stelle sind, wenn es gilt, für die Partei und deren Ziele Propaganda zu machen. Dafür ist auch die sozialdemokratische Partei die einzige, die noch Ideale hat. Im Obdach gestorben. Am 30. August d. I., früh gegen 6 Uhr. so meldet der Polizeipräsident, wurde im städtischen Obdach, Fröbelstr. 15, ein unbekannter, dem Arbeiterstande an- gehörender, etlva 60 Jahre alter Mann auf seiner Pritsche t o t a u f g e f u n d e n. In den Taschen wurde ein Entlafiungs- schein aus dem Gefängnis Tegel auf den Namen: Schreiber Emil Koch, 2. 2. 46, Berlin geboren lautend ausgefunden. Bis jetzt konnte aber noch nicht bestimmt festgestellt werden, ob es sich tat- sächlich um den erwähnten Koch handelt. Der Tote ist 1,77 Meter groß, hat etwas meliertes dunkles Haar, graubraunen Vollbart and ist von kräftiger Gestalt. Er war bekleidet mit einem dunkelbraunen Jackett, schwarzer Weste, dunkelgrauer Hose, schwarzen hohen Schnallenschuhen, grauen Strümpfen, blau-, weiß- und rotgestreiftem Barchcnthemd und schwarzem, steifen Filzhut. Personen, welche über die Persönlichkeit des Toten Auskunft geben können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 7657. IV. 21. 07 mitzuteilen. Dienstfreie Zeit der Straßenbahner. Die Angestellten im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn haben zum Teil unter recht unwürdigen Berhältnifien ihren Dienst zu verrichten. Der Gesellschaft ist eS nicht genug, daß ihre Arbeiter- sklaven ihr ihre Arbeitskraft verkaufen, sondern sie scheint zu glauben, daß sie mit der Beschäftigung auch den Anspruch erworben habe, über das Tun und Treiben ihrer Angestellten auch außerhalb des Dienstes und über die Gesinnung wachen und gebieten zu können. Zu diesem Zwecke ist ein richtiges Spionennctz geschaffen. Ein zahl- reiches Denunziantengesindel ist ständig an der Arbeit, Gesinnungs- schnüffelet und Spionenriecherei zu treiben und der Di- rektion die„Störenfriede" anzugeben, natürlich unter Hin- blick auf eine entsprechende Belohnung oder Beförderung. Und zur Schande sei es gesagt, es gibt Hundeseelen genug. die sich zu diesen Verräterdiensten finden: anstatt sich ihren Kollegen anzuschließen und mit ihnen gemeinsam den Kampf für bessere Arbeits- und Lohnbedingungen zu führen. Die Folgen dieser elenden Angeberei sind, wie wir vor einiger Zeit mitteilten, zahlreiche Entlassungen gewesen. Einstellungen sind aber, soweit uns bekannt, so aut wie gar nicht erfolgt. Es ist deshalb gar kein Wunder, wenn ständig Klagen laut werden, daß viele Angestellte nicht in den Genuß ihres dienstfreien TageS kommen. Wie schlimm das ist, davon konnten wir uns erst dieser Tage durch Einsichtnahme in das Dienstbuch eineS StraßenbahnschaffnerS überzeugen. Aus diesem Buche ging hervor, daß der Fahrer vom 1. Juli bis 2. September, also in neun Wochen, nur drei freie Tage erhalten hatte, der letzte freie Tag wurde dem Mann nach 21 Tage» ununterbrochenen Dienstes gewährt. Nach den geltenden Bestimmungen soll alle Woche ein freier Tag gewährt werden, was aber durchaus nicht eingehalten wird. Wie wir hören, scheint auch vorläufig gar keine Aussicht zu bestehen, daß diese unerhörten Zustände eine Aenderung erfahren. Die Große Berliner stellt mit Vorliebe Leute ein, die direkt vom Militär entlassen werden, natürlich nur zu dem Zweck, um sich nach oben in„gute Erinnerung" zu bringen. Ehe dieses Personal aber ausgebildet ist, können Mo- nate vergehen. Inzwischen mögen Fahrer und Publikum sehen, wie sie sich mit den gegenwärtigen Zuständen abfinden. Denn auch das Publikum befindet sich in einer gewissen Gefahr, wenn die Führung der Straßenbahnwagen mit Angestellten besetzt ist, die keine Zeit und Gelegenheit erhalten, ihre ohnehin sehr in Anspruch genommenen Nerven an einem freien Tage zu stärken und zu kräftigen. Die Große Berliner hat also durch die Anwendung der Hunger« peitsche auf ihr nickit genehme Elemente, eine Anzahl im Betriebe beschäftigter Angestellten der dienstfreien Tage beraubt und dadurch das fahrende Publikum den schlinunsten Umallgefahren durch über- arbeitetes Personal ausgesetzt. Ob sich derartiges wohl eine ander« Verkehrsgesellschaft herausnehmen dürfte, die weniger„gute Freunde' an bestimmten Stellen hätte?_ Aus dem Straßenverkehr. Ein folgenschwerer Zusammenstoß im Straßenbahnbetriebe fand gestern nachmittag in der Jnvalidenstraße statt. In der Nähe des Lehrter Bahnhofes stieß ein Rollwagen mit dem Straßcnbahnlvagen Nr. 2391 der Linie 19 mit solcher Gewalt zusaininen, daß der Kutscher des Fuhrwerks vom Bock geschleudert und das Pferd auf der Stelle gelötet wurde. Der Kutscher, der 27jährige Robert Schiebner, Sicmensstr. 13 wohnhast, hatte sich bei dem Aufschlagen aus das Straßenpflaster am Nasenbein und an der Schulter schwere Verletzungen zugezogen. Er erhielt die ersten Notverbände auf der Unfallstation.— Von einem Postwagen überrannt wurde gestern der Dreiradfahrer Paul Hoffmann aus der Brunnenstr. 25. H. wollte mit seinem Dreirad von der Kronenstraße in die Friedrichstraße einbiegen, als aus entgegen- gesetzter Richtung ein Postwagen in großer Schnelligkeit heranfnhr. Das Rad mitsamt dem Fahrer wurde durch das„gelbe Gespenst" förmlich überrannt. H. mußte schwerverletzt vom Platze getragen werden. Er fand in der Eharits Auf« nähme, wo an seinem Aufkommen gezweifelt lvird.— Gestern früh 70� Uhr fuhr ein Straßenbahnwagen die Linie 29 in mäßiger Geschwindigkeit die Brückenstraße entlang, als ein junger Mann den Straßendamm überschreiten wollte. Er beachtete die mehrmaligen Warnrufe des Straßenbahuführers nicht, und wurde von dem Wagen umgeworfen und zur Seite geschleudert, wo er mit einer Kopfwunde liegen blieb.— F» der Oranienburgerslraße wurde der 38 jährige Töpfermeister Heinrich Thiele aus der Ackerstraße von einem sehr scharf fahrenden Privatautomobil, dessen Warnungs- signale er überhört hatte, erfaßt und überfahren. Die Räder gingen dem Th. über den Kopf und richtete» ihn schwer zu. Im bewußt- losen Zustande wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Unter dem Verdacht, die Kindermorde in Berlin verübt zu haben, so wird aus Gnesen drahtlich gemeldet, wurde kürzlich der Schlächter Kopski aus Hohensalza in einem Berliner Bierkeller verhaftet und zur Beobachtung seines Geisteszustandes nach der Irrenanstalt Dziekauka bei Gnesen gebracht. KopSli ist, nachdem er schon früher wiederholt vergebens Ansbrüche versucht hatte, jetzt aus der Anstalt entflohen. Der Entwichene trägt die Anstaltskleider. Ein Liebesdrama auf der Eisenbahn hat sich gestern nacht bei Eintreffen des letzten Vorortzuges in Oranienburg ereignet. Bahnbeamte fanden hier in einem Coupe zweiter Klasse den 26 Jahre alten Buchhalter Siegfried Rgssow aus der Demminer- straße 33 zu Berlin mit durchschossener Brust leblos auf. In der anderen Ecke des Coupes saß schluchzend mit dem geladenen Re. volver in der Hand ein Mädchen, das später als die 24jährige Martha K., ebenfalls aus Berlin, festgestellt wurde. Der schwer Verletzte wurde sofort dem Oranienburger Krankenhause zu- geführt. Hier konnte jedoch nur der bereits eingetretene Tod fest- gestellt werden. Bei der Vernehmung gab die K. an, daß beide die Absicht gehabt hatten, sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Sie wollten zuerst in den Fluten des Wannsees den Tod suchen, hätten dann aber den Plan geändert und sich entschlossen, nach Hermsdorf zu fahren, um sich hier im Walde zu erschießen. Unterwegs seien beide eingeschlafen und erst kurz vor Oranienburg erwacht. Nun habe R. zum Revolver gegriffen und eine Kugel auf sich ab- gefeuert. Er brach sofort zusammen. Das Mädchen will nun ihrem Geliebten den Revolver aus der Hand genommen haben, uni auch sich zu erschießen; aber die Waffe versagte. Da die Polizei ihren Angaben zunächst keinen Glauben schenkte, wurde die K. zunächst in Haft genommen, weil der Verdacht vorlag, daß die K. aus Eifersucht ihren Geliebten erschossen hätte. Die Obduktion hatte jedoch ergeben, daß R. sich selbst erschossen haben muß Martha K. wurde daher wieder auf freien Fuß gesetzt.. Vom Risiko des Arbeiters. Bei der Arbeit seinen Tod gefunden hat gestern der Gerüstbauer Oskar Noack, Franseckistraße 44 wohnhaft. Der Genannte war bannt beschäftigt, ein am Hauptportal des Görlitzer Bahnhofes angebrachtes Gerüst zu entfernen. Dabei stürzte er ab und fiel so unglücklich, daß der Tod auf der Stelle eintrat.— Ein Unfall, der leicht die verhängnisvollsten Folgen nach sich ziehen konnte, hat sich gestern in einem Hanse der Gabriel Maxstraße ereignet. In der Wohnung der Familie Träger in der ersten Etage sollte der Fußboden in der Küche repariert werden. Kaum hatten die Arbeiter einige Dielen entfernt, so stürzte die Decke unter lautem Krachen ein. Zum Glück konnten sich die Arbeiter noch in Sicherheit bringen. Auch in dem unter der Küche belegenen Wohnraum befand sich glücklicherweise in dem Augenblick des Einsturzes niemand. Die T.sche Wohnung ist vorläufig polizeilich gesperrt worden._ Zirkus Albert Schumann trifft heute, Donnerstag, von Scheveningen kommend, in Bcklin ein. Am Sonnabend, dev 14. d. M., findet die Galapremiere statt. Vermißt. Seit dem 1. Juni wird Frau Rosa Gesch geb. Fried- länder vermißt. Die Verschwundene ist ungefähr 1,60 Meter groß, hagerer Statur, von blasser Gesichtsfarbe, hat schwarzes Haar und war beim Fortgang mit grauem Rock, weißer Hemdenbluse und kleinem englischen weißen Strohhut bekleidet. Etwaige Nach- richten erbittet der Ehemann Max Gesch, Buckowcrstr. 14. Auch nimmt das Polizeipräsidium(Zimmer 249) Meldung entgegen. 1600 Mark unterschlagen hat der vor einigen Tagen unter dem Namen Thiemann in dem Meißnerschen Baugeschäft in der Monumentenstr. 13 aushülfSweise angestellte Buchhalter. Th! eignete sich in Abwesenheit seines Chefs das Scheckbuch an. letzte ouf ein Scheckformular den Namen seines Chefs, hob darauf bei einer Banl ILM Mark ab und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Im Bernhard Rosc-Theater findet am Freitag, den 13. Sep- tember, abends 8sh Uhr, die Erstausführung von„Der Held des Tages" von Kurt Natull statt. � j Feuerwehrbcricht. Gestern früh um 8?s. Uhr wurde die Feuerwehr wegen eines grohcn Dachstuhlbrandes nach der Lands- berger Allee 132/133 alarmiert. Als die Feuerwehr unter Leitung dcS Brandmeisters Runge an der Brandstelle ankam, stand der Dachstuhl schon in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an Stroh, Hausrat usw. reiche Nahrung gefunden und gefährdeten das Nachbarhaus. Mit drei Schlauchleitungen mutzte die erste Kompagnie längere Zeit kräftig Wasser geben, um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Wegen eines Wasserrohr- bruches vor dem Hause Reinickendorferstr. SZ wurde der 16. Zug alarmiert. Beamte der städtischen Wasserwerke setzten Schieber ein, wodurch die Unfallstelle abgesperrt wurde. Zweimal wurde die Feuerwehr nach der Potsdamerstratze gerufen. Zuerst brannten Benzin, Tapeten u. a. in dem Laden Potsdamerstr. 26 und später Nr. 76a Bodenvcrschläge mit Inhalt, der Futzbodcn, Balken usw. Der 12. Zug hatte hier längere Zeit mit der Löschung zu tun. Ein Balkenbrand beschäftigte den 19. Zug in der Behrenstr. 49. Grober Unfug lag einer Feuermeldung aus der Swinemünder Straße 126 zugrunde. Gardinen, Möbel usw. brannten in der Junkerstr. 14, Lettestr. 4 und anderen Stellen. In der Katzbach- stratze 22 wurde ein Sauerstoffapparat mit Erfolg benutzt. Im Zoologischen Garten ist kürzlich ein Paar Königs- Paradiesvögel eingetroffen, das in einem Glaskäfig auf der Papageienseite des neuen Vogelhauses untergebracht ist Diese Bewohner Neu-Guineas haben kaum die Größe einer Drossel und gehören zu den seltensten und kostbarsten Mitgliedern der Sing- Vogelsammlung. Das K)bcrseits tief kirschrote, unten seidenwcitze Männchen besitzt in seinen eigenartigen, urahtähnlichen, nur an der Spitze mit einer eingerollten breiten, grünschillernden Fahne aus- gestatteten mittleren Schwanzfedern einen so auffallenden Schmuck, daß man dieser Vogelgattung den Namen„Schnirkelschwanz" bei- legte. Das Weibchen trägt ein unscheinbares, oben braunes, unten weißlich geflecktes Federkleid. Die Gruppe der Paradiesvögel ist den Pirolen verwandt und nährt sich wie diese von Insekten und Früchten. Das Berliner Aquarium hat seinen Schlangenbestand wieder um zwei Arten vermehrt. Von diesen konnte die eine hier über- Haupt noch nicht gezeigt werden und bedeutet somit eine doppelt wertvolle Bereicherung der Reptiliensammlung. Diese Spezies gehört zur Familie der Stummelfützer, die tn der Hauptsache die Riesenschlangen zu den ihrigen zählt, und als ein Mitglied dieser über die alte und die neue Welt verteilten Gruppe ist denn auch die zum ersten Male hier erscheinende Boa von den Antillen— die beiden eingeführten Exemplare kamen von Kuba— anzusprechen. Sie darf sich zwar in der Größe nicht mit der eigentlichen Boa oder Abgottschlangc aus Südamerika, die 6 Meter und darüber lang wird und im Aquarium durch ein prächtiges Stück vertreten ist, messen, da ihre Länge kaum einmal drei Meter übersteigt, dafür aber zeichnet sie sich durch einen auffallend schlanken Leib und Schwanzteil und durch große Kletterfcrtigkeit aus, so daß sie den Namen„Schlankboa" wohl verdient. Diese Vertreterin der Gattung ■Homalochilus führt vorwiegend ein Nachtleben und verzehrt Ratten und ähnliche kleine Säuger und Geflügel. Vorort- JHadmebten. Aus einem Rrttungshaus für Kinder. In Erziehungsanstalten gelten Prügel noch immer als ein wichtiges und wirksames Mittel, den Nachwuchs zu folgsamen Staatsbürgern hinaufzuentwickeln. Geprügelt wird auch in dem sogenannten„Rettungshaus" zu Neuendorf bei Beeskow, das von einem Hausvater Riemer geleitet wird. Mit den Zuständen, die dort herrschen, hat kürzlich die Staatsanwalt- schaft zu Frankfurt a. O. sich zu beschäftigen gehabt. Ein neunjähriger Junge namens K. aus Grünau, den man jenem Rettungshaus anvertraut hatte, war bei Gelegenheit seines Ferienurlaubes so zerhauen nach Hause zurückgekehrt, daß die Mutter erschrak, als sie an seinem Körper die Spuren bemerkte. Da sie sich erzählen lassen mußte, daß der Hausvater seine „rettungsbcdürftigen" Schützlinge zu prügeln pflege und diese Erziehungsmethode auch gegen ihren Jungen mit Eifer angewandt habe, so setzte sie die Prügelspurcn dem Herrn Riemer auf» Konto. Der Junge erschien ihr auch körperlich heruntergekommen oder wenigstens in der Entwickelung zurückgeblieben. Die Mutter hielt es für nötig, den Jungen zunächst mal von einem Arzt be- sichtigen zu lassen, und dieser stellte ihr dann das folgende Attest aus: „Die vorgenommene Besichtigung der äußeren Körperober- fläche des Jungen ergibt eine größere Zahl(über ein Dutzend) haselnußgroßer und pflaumengroßer blauer Flecke im Gesicht, an den Unterschenkeln, den Armen, dem Gesäß. Der Junge besitzt überhaupt kein Fettpolster, die Muskulatur ist höchst dürftig. Lunge, Herz. Verdauung find gesund. Deshalb wird man diesen desolaten Körperzustand wohl auf mangelhafte Er- nährung beziehen müssen, um so mehr, als die Mutter angibt, „er sei kaum satt zu bekommen". Die„blauen Flecke" sind Spuren der Einwirkung äußerer Gewalt. Da ein Teil von ihnen streifenförmig verläuft(Unterschenkel), so wird man sie mit Wahrscheinlichkeit als MitzhandlungS» bezw. Zück)- tigungsspuren deuten können." Auf Grund dieses Attestes wurde nunmehr bei der zuständigen Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. O. Anzeige er- st a t t e t. Das Ermittelungsverfahrcn. das die Staatsanwaltsck>aft hiernach einleiten mußte, um den Ursprung der„Mißhandlungs- bezw. Züchtigungsspuren" festzustellen, richtete sich gegen den HauS- Vater sowie gegen seine Gehülfen. Auf wen sonst hätte sich denn der Verdacht lenken sollen, nachdem der Arzt bescheinigt hatte, daß z. B. auch auf dem Gesäß„Spuren der Einwirkung äußerer Ge- walt" vorgefunden worden waren. Das Ergebnis der Ermittelungen ist nun kürzlich der Mutter mitgeteilt worden. Die Antwort der Staatsanwaltschaft lautet: „Auf die Anzeige vom 23. Juli 1997: Sie gibt mir zum strafrechtlichen Einschreiten keine Veranlassung. Nach den Er- Mittelungen ist Ihr Sohn nicht von dem Hausvater oder dessen Gehülfen, sondern von anderen Knaben der Anstalt verhauen worden. Veranlassung dazu hat er selbst durch sein Verhalten den Knaben gegenüber gegeben." Also die Erzieher, die für die Anstalt verantwortlich sind, gehen rein und makellos aus der Untersuchung hervor. Nicht der Hausvater ists, der den Jungen„verhauen" hat, und auch nicht sein Gehülfe— sondern„andere Knaben der An- st a I t". Nach dem Wortlaut des Schreibens der Staatsanwaltschaft muß man sogar annehmen, die Staatsanwaltschaft sei zu der Meinung gelangt, daß der HauSvater bezw. sein Gchülfe den Jungen überhaupt niemals geprügelt haben. Wie aber war es möglich, daß die„anderen Knaben der Anstalt" den Jungen so zurichten konnten? Wo war der Hausvater und wo sein Gehülfe, als die„anderen" ihm gegenüber sich als Erzieher versuchten? Das muß ja eine merkwürdige Anstalt sein, dieses„Netiungs- HauS". Auch die Frage bedarf noch der Beantwortung, ob die Er» vährung des Jungen tatsächlich, wie der Arzt es annimmt, „mangelhaft" gewesen ist, oder woraus sonst jener Körper- zustand, den das Attest als„desolat" bezeichnet, erklärt werden muß. ES konnte nicht Sache der Staatsanwaltschaft sein, auch hier- nach zu forschen. Aber die zuständige Aufsichtsbehörde sollte eS für ihre Pflicht halten, das zu tun. In den halbjährlichen Er- ziehungsbcrichten der Anstalt, die dem Vormund zugegangen sind, wird das Gewicht des Jungen für Juli 1996 auf 42 Pfund und für Januar 1997 auf 46 Pfund angegeben. Im Juli 1997 aber ließ die Mutter den zu ihr zurückgekehrten Jungen privatim wiegen; der Arzt, dem sie ihn zur Untersuchung zuführte, riet ihr das. Das Ergebnis der Gewichtsfeststellung wurde ihr jetzt auf knapp 42 Pfund angegeben. Der Vormund, der samt dem Wvisenrat die Ueberweisung des Jungen an das RettungshauS gutgeheißen hat, weiß zur Ent- schuldigung der Anstalt nichts andere» anzuführen, als daß der Junge sehr ungezogen gewesen sei. In der Tat urteilen die Erziehungsberichte über ihn in den schärfsten Ausdrücken: er wird darin das eine Mal als niederträchtig, das andere Mal alS tückisch bezeichnet. Man fragt sich erstaunt, ob die deutsche Sprache keine anderen Ausdrücke besitzt zur Charakterisierung eines neunjährigen Jungen, der zu dummen Streichen aufgelegt ist. Dieser Junge war übrigens nicht etwa durch Gerichtsbeschluß, sondern lediglich privatim dem Rettungshaus überwiesen worden, weil die Familie, in der seine Mutter ihn untergebracht hatte, nicht mit ihm hatte fertig werden können. Die Familie hat ihn jetzt aufs neue in Pflege genommen, sie scheint ihn also doch nicht für so überaus schlecht zu halten, wie das RettungshauS ihn geschildert hat. Lichtenberg. Schwer verunglückt ist gestern das achtjährige Kind der Hcdrichschen Eheleute, Wilhelmstr. 67 wohnhaft. Während das Kind spielte, ge- rieten plötzlich die dort aufgestapelten Gasröhren ins Rollen und verletzten das Kind schwer. Wie mitgeteilt wird, hat eS eine schwere Bauchverletzung und einen Beinbruch davon getragen. Trcptow-Baumschulcnweg. Unser bester Agitator ist immer noch die preußische Polizei. DaS konnte man am Dienstagabend wieder bei der Auflösung der nach der Rennbahn einberufenen Mitgliederversammlung wahr- nehmen. Weil dem Verlangen deS überwachöndcn Beamten, die anwesenden Frauen auS dem Saale zu weisen, nicht Folge geleistet wurde, löste er kurzerband die Versammlung auf, trotzdem die Frauen durch eine starke Leine von den übrigen VersammlungS- besuchern getrennt waren. Unter begreiflicher Erregung, die sich in lauten Pfuirufen Luft machte, verließen die VersammlungS- besucher den Saal, um sich in dem neben demselben gelegenen BereinSzimmer bei einem Glase Bier zu treffen. Doch auch hier sollte eS ohne polizeiliches Eingreifen und Ueberwachen nicht ab- gehen. Seitens der Herren Landgendarmcn wurde die Offen- Haltung der zum Saal führenden Tür verlangt, damit sie von dort aus den preußischen Staat vor dem Untergange bewahren konnten. Dagegen wurde natürlich heftig protestiert; da aber der Herr Gendarm mit Schließung des ganzen Lokals drohte, mußte man sich fügen.„Oeffentliche Angelegenheiten" durften hier nicht erörtert werden, desto mehr kam der Gesang zu seinem Rechte. Doch schien den beiden GcsctzcSwächtern die Auswahl der Lieder nicht recht zu behagen. Bei jedesmaligem Absingen deS LiedchcnS:„Weißt du wieviel Sternlein blinken..." erschienen sie im Zimmer und notierten einige der Sänger. Erst nachdem die Polizeistunde ziem- lich nahe gerückt, trennte man sich mit dem Bewußtsein, einen recht vergnügten Abend verlebt zu haben. Auch war man sich darüber einig, daß diese so gemütlich verlaufene„Versammlung" mehr für unsere Ideen Propaganda gemacht, als mancher Landgendarm sich träumen läßt. Die demnächst stattfindende Volksversammlung wird sich wieder mal eingehend mit dieser an die Zeiten des Schand- gesetzes erinnernden Polizcipraxis zu beschäftigen haben. Erkner. Die Freie Turnerschaft Erkner feiert am Sonnabendabend 8>/, Uhr in Degebrodts GesellschaftShauS ihr erstes Sommer- vergnügen. Es wird erwartet, daß die Genossen für den Besuch deS Vergnügens etwas Sorge tragen helfen. Mariendorf. Ueber die wahre Gestalt de? Christentums referierte in einer bei Purschke stattgehabten Volksversammlung Genosse Adolf Stern. Den lehrreichen Vortrag nahm die Versammlung mit reichem Beifall entgegen. Genosse Koninick forderte in der Diskussion die Anwesen- den auf, aus der Landeskirche auszuscheiden. Alsdann berichtete Genosse Sucker über den Stand der zu gründenden Filiale der ArbciterbildungSschule. Wie er mitteilte, hat sich die ersorderlichc Anzahl Teilnehmer eintragen lassen. An der Schule sind die Ort- schaften Tempelhof, Martendorf und Marienfelde beteiligt. Genosse Hannemann kritisierte alsdann die Zustände auf dem Schulhaus- neubau. Die Firma habe bekanntlich auf dem Submissionswege mit dem billigsten Angebot den Zuschlag erhalten. Sie übe die Praxis, Arbeiter am Ort zu maßregeln und aus anderen Orten ihr genehme Elemente heranzuziehen. Die Polizei leiste der Firma in diesem Bestreben bereitwillige Dienste. Der Gemeindevertrcter Genosse Reichhardt ging des näheren auf diese Ausführungen ein und ersuchte zum Schluß die Versammelten, dafür Sorge zu tragen, daß bei den kommenden Gemeindewablen im nächsten Frühjahr noch zwei Vertreter der Sozialdemokratie in? Dorfparlamnt gwählt werden. Desgleichen forderte er die NichtPreußen auf, sich in den preußischen Staatsverband aufnehmen zu lassen. Formulare hierzu seien vom Wahlverein zu haben. Der Nrbeitergesangvcrein Mariendarf veranstaltet am Sonn- abend, den 14. d. M.. sein erstes Stiftungsfest im.Alten ASkanier". Da sich genannter Verein der hiesigen Arbeiterschaft stets bereit- willigst zur Verfügung stellt und auch daS Programm an diesem Abend ein reichhaltige» ist. so wird auf«inen zahlreichen Besuch gerechnet. Adlershof. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich mit der Gründung eines EteuerauSglcichfondS. Der vorläufige Abschluß für daS Stcuerjahr 1996 ergibt einen Ucberschuß von 29 382 M., welcher nach Ansicht dcS Gemeindevorstehers zur Gründung deS AuSgleichsfondS benutzt werden sollte, um auch in denjenigen Jahren, wo die Jsteinnahme das Soll nicht erreicht, ohne Erhöhung dcS Steuersatzes auskommen zu können. Zur weiteren Begründung wurde mitgeteilt, daß die für daS jetzige Steuerjahr eingesetzte Umsatzsteuer von 29 999 M. einen ganz bedeutenden Fehlbetrag ausweisen wird, da in den ersten 4 Monaten nur 2787,59 M. der» einnahmt und größere Grundstücksumsätze nicht zu erwarten sind. Die Angelegenheit wurde bis zum Januar 1998 vertagt, bis ein endgültiger Abschluß der vorjährigne JahrcSrcchnung vorliegt. Auf Erbieten des KreisauSschusscS, bei Erwerb von Grundbesitz seitens der Gemeinde dieselbe von der Kreisumsatzsteuer zu befreien, wenn die Gemeinde dasselbe gegenüber dem Kreise übe, wurde ein entsprechender Antrag angenommen. Ein Beschluß über Anstellung cineS Aufsehers für die Straßenreinigung und Kanalisation wurde bis zu einer späteren Sitzung vertagt, in welcher auch über die Anstellung eines mittleren Baubcamten verhandelt werden soll. Beschlossen wurde, vor dem Grundstück der 1. Gemeindeschule in der Bismarckstraße ein eisernes Frontgitter zu errichten, dessen Ausführung dem Bauunternehmer Pförtner als Mindestfordernden zum Preise von 4517 M. übertragen wurde. Auch wurde die Regenentwässerung desselben Grundstückes beschlossen. Für AuS» führung beider Baulichkeiten soll eine Anleihe von 6999 M. auf- genommen werden. Desgleichen wurde beschlossen die Aufnahme einer Anleihe von 3999 M. zur Bestreitung der Kosten einer Klosett» cnlage in der Gemeinde-Zufluchtsanstalt und einer Anleihe von 26 999 M. zur Bestreitung der Kosten und dcS Erwerbe? des Groß- mannschen Grundstücks an der Roonstraße. Ein Antrag der Fttma Gebr. AvenariuS auf Anschluß ihr» Weinkeller«) an die OrtS- kanalifation wurde vertagt und sollen noch weitere Auskünfte von der Firma über das abzuführenve Quantum, Bezug des Wassers und eventl. besondere Gebührenbeteiligung eingeholt werden. Wegen Abtretung von Straßenland vor dem Grundstück Bismarckstr. 46» wurde gegen den Eigentümer A. Colberg die Klage beschlossen. Unter Geschäftlichem wurde seitens des Genossen Hildebrandt Be- schwerde erhoben wegen zu rigoroser Handhabung der Friedhofs- ordnung gegenüber der ärmeren Bevölkerungsschicht, welche nicht immer in der Lage ist, die Gebübren für die Leichcnträger ent- richten zu können, sondern diese Dienste von Freunden und Be- kannten unentgeltlich verrichten lassen wollen. Seitens des Ge- meindcvorftehers wurde die Erklärung abgegeben, daß der Friedhofs- ausschuß sich mit dieser Angelegenheit schon beschäftigt habe und in nächster Sitzung Mitteilung machen würde. Des weiteren gab auch das Gesuch des hiesigen Arbeiter-Turnvercins um Ueberlassung der Gcmeindeturnhalle zu einem Schauturnen am 8. September dem Genossen Hildebrandt Veranlassung, das Schreiben und die Handlungsweise der Schuldeputation zu kritisieren. Die Ablehnung war erfolgt ohne Angabe von Gründen. Genosse Hildebrandt ver- langte, daß dieselben nunmehr tn öffentlicher Sitzung bekannt gegeben werden. Dem konnte oder wollte der Gemeindevorsteher nicht nachkommen, da der Schöffe Bach, welcher in Vertretung des Gemeindevorstehers den Bescheid erteilt hatte, nicht anwesend war. Der Gemeindevertreter Dr. Franke, Mitglied der Schuldeputation, gab die Erklärung ab, wenn er in der Sitzung genannter Depu- tation anwesend gewesen wäre, würde er für Ueberlassung der Turnhalle gestimmt haben. Die nächste Gemeindevertretersitzung wird sich auch mit dieser Angelegenheit nochmals beschäftigen müssen. Bekanntgegeben wurde von dem Gemeindevorsteher das Ergebnis der letzten Berufszählung. Bei derselben wurden 2342 Haushaltungen, 4967 männliche und 4859 weibliche Einwohner er- mittelt. Demnach hat der Ort jetzt 9826 Einwohner. Weistensee. In der am Montag, den 9. September er., stattgefundenen Wahlvereinsversammlung erstatiete Genosse Taubmann an Stelle des verhinderten Genossen Frciwaldt-Pankow den Bericht vom Internationalen Kongreß zu Stuttgart. Er gab ein Bild der in Stuttgart geleisteten Arbeiten und Verhandlungen. Auch dem so imposanten Meeting, welche? im Prcußenlande nicht möglich ge- Wesen wäre, tat er Erwähnung. Hieran schloß sich eine eingehende Diskuision. Folgende vom Genossen Frahm eingebrachte Reso- lution fand einstimmige Annahme: �. „Die heutige Versammlung nimmt den Bericht vom Jnter« nationalen Kongreß zu Stuttgart entgegen und erklärt hiermit ihr Einverständnis mit den Beschlüssen des Kongresses, namentlich aber mit der Annahme der Mindcrheitsresolution bezüglich der Kolonial- frage."' Unler Vereinsangelegenheitcn macht« Genosse Pcuckert dann noch auf die Pctitionslisten des Zcntralvcrbnndcs der Handlungs- gehülfen und-Gehülfinnen bezüglich des 8 Uhr-Ladenschlusses auf- merksam. Desgleichen Genosse Content bezüglich der demnächst stattfindenden Delegiertenwahlen zur hiesigen Ortskrankenkasse. Nieder-Schönhausen. In der letzten Gemeindevertretersitzung konnte der Bürger- meister die erfreuliche Mitteilung machen, daß der Ucberschuß aus dem Rechnungsjahr 1996 größer ist, als er zuvor geschätzt wurde; derselbe beträgt 59 999 M. Die Einwohnerzahl des Ortes betrug am 31. August 11 967; seit der letzten Volkszählung vor drei Jahren hat sie sich um 3999 vermehrt. In der Klagcsache, welche der alte Haus- und Grundbesitzerverein wegen Ungültigkeitserklärung der letzten Gemeindevertreterwahlen angestrengt hat, wird demnächst die Verhandlung stattfinden; als Vertreter für die Gemeinde wurde Bürgermeister Abraham ernannt. Die Gebäudcsteuer soll für 1919 neu veranlagt werden. Den Anschluß des Wilhclmsruher Ortsteil an die Kanalisation befürwortete der Bürger- meister warm, zugleich machte er auf die Gefahren aufmerksam, die beim Fehlen einer Kanalisation eintreten. Die Anlieger haben ich bereit erklärt, 28 779 M. zu den Unkosten zu zahlen. Die' Ge- amtkosten betragen 69 999 M. Nach längerer Debatte wurde be- chlossen, die Kanalisation nock> in diesem Jahre zu erbauen, vor- ausgesetzt, daß die Rcdkrimg die Erlaubnis zur Durchlegung des Rohres durch Straße 7 gibt, die noch nicht Gemeindecigentum ist. Der Regierung zu Potsdam wird die Gcnchiniaung zum Ausbau der Germanenstraße mit der Bedingung erteilt, daß die Straße bis zum 1. Juli 1998 fertiggestellt ist, ferner müssen die Kosten für die Verlegung der Wasserleitungsrohre auf 5 Jahre verzinst werden. Der Betrag von 89 Mk. für 5 bronzene und 5 silberne Medaillen zur Stiftung eines Ehrenpreises anläßlich der Ausstellung für Gewerbe. Handel, Industrie und Gartenerzeugnisse für die nörd- lichen Vororte wurde bewilligt. Betreffs deS Anschlusses der Gemeinde an den Vcrkc�rsverband Berlin soll die Straßcnbahnkommission die nötigen Schritte unter- lähmen. Zu der Angelegenheit des Vertrage» mit der Großen Berliner Straßenbahn teilte der Bürgermeister mit, daß im Juli beschlossen worden sei, den Vertrag abzuschließen. Die� Berliner dletlrische Straßenbahn hat mitgeteilt, daß sie erst am 19. September eine bestimmte Antwort erteilen könne, sollte bis dahin keine Ant- wort eingehen, so wird von der Gemeinde die Feststellungsklage eingereicht. Die Kommission, die sich mit der Eingemeindung von Schönholz und deS GutSbezirkS Nieder-Scbönhausen zu be- schäftigen hatte, konnte einen nennenswerten Erfolg nicht mitteilen, da sich viele Schivierigkeiten in den Weg gestellt haben. Hierauf fand«ine nichtösfentliche Sitzung statt. Bernau. Ein Unglücksfall, welcher leicht hätte schwerere Folgen nach sich ziehen können, ereignete sich am Dienstagnachmittag ans dem Ge- lände der Dümpfziegelei von Hellwig bei dem benachbarle» Lade- bürg. Mehrere Kolonnen Ziegeleiarbciter waren damit beschäftigt, au» einem Schacht Ton zur Verarbeitung von Mauersteinen usw. herauszuschaffen. Man hatte gerade einen großen Block Ton heraus« genommen, als plötzlich die ichwcre Mergelschicht, welche sich über oer Tonschicht befindet, mit großer Gewalt einstürzte und den 79 Jahre alten Zicgeleiarbeiter Wilhelm Mäß aus Ladeburg unter sich begrub. Einige Arbeitskollegen, welche ebenfalls unten arbeiteten, machten sich sofort an die Rettung des Verunglückten und ihren vereinten Kräften gelang es, den Aermsten von den Erbmassen zu befreien. Dem Verunglückten waren jedoch beide Beine gebrochen. Dersoforl herbeigerufene Arzt Dr. MünstenNann auS Bernau leistete dem Bedancruswertcn die erste Hülfe. Arbeiter erzählen, daß schon jähre- lang in solch gefährlicher Lage gearbeitet wird, obwohl die Unfall» verbütungsvorichrist lautet, daß immer nur halbe, nicht ganze Ton« blöcke unter der Mergelschicht herausgenommen Werden sollen, um das Einstürzen der ersteren zu verhüten. Hermsdorf i. M. Zu einer Interessen frage scheint sich die hiesige Bahnhofs« Verlegung auszuwachse». Wie es den Anschein hat,.ist die seit einem Jahr hier bestehende Terraingesellschast eifrig bemüht, den Bahnhos. dessen Umbau notwendig geworden, mehr in die Nähe ihrer weite» TerrainS bezw. ihrer dortselbst angelegten Straßenzüge, in diesem Fall mehr nördlich nach der Glienicker- und Stolper Seite hinzubekommen. In der gegen diesen Plan einberufenen Bcrsamm- lung wurde hervorgehoben, daß die Gesellschaft der Bahnverwaltung bercilS den nötigen Grund und Boden unentgeltlich sowie einen Barzuschuß von 75 999 Mark geboten haben soll, und daß die Bahn- Verwaltung mehr als geneigt sei, dies Angebot anzunehmen, trotz des Wideripruchs der großen Mehrzahl der Bewohner, die durch die Verlegung eine erhebliche Schädigung befürchte». Es wurde weiter gesagt, daß viele Spekulanten mit Rucksicht auf die Verlegung bereits bedeutende TerrainS nach der in Frage kommenden Glienicker Seite zu ausgekauft hätten, um möglichst viel Nutzen zu ziehen. Ob die Bahnverwaltung die Wünsche der Gesellschaft berück- lichtigen wird, steht noch nicht fest, jedenfalls würde das von der Terraingesellschast gemachte Angebot nur auf Kosten der Mieter ge» lchehen, wozu noch käme, daß die BerkehrSverbindung für vtele Arbeiter und Geschäftsleute eine umständlichere sein würde. 9 Aus der Frauenbewegung. Genoffinnen! blieben. Es wird befürchtet, daß die Ladung ausgebootet werden muß, um den Dampfer von der Sandbank loszubekommen. Die Cholera in Rußland. Aus Nishnj Nowgorod werden acht, aus Smolenst vier und aus dem Gouvernement Jaroslaw dreißig neue Cholerafälle gemeldet. Als eines der erfolgreichsten Bildungsmittel, für die nur mangelhaft mit Kenntnissen ausgestatteten Proletarierinnen haben sich die seit Jahren bestehenden Lese- und Diskutierabende erwiesen.- Eine Feuersbrunst zerstörte gestern eine große Fabrit und zwei Diskutierabende sind ja längst nichts Neues mehr; die bürgerlichen Warendepots in Armentieres. Die Feuerwehr aus Lille traf mittelst Frauen haben solche weit früher eingeführt als wir. Dort beschränkt Spezialzuges dort ein. Der Schaden ist bedeutend. Aus Bemliamst wird nach Irkutsk gemeldet, daß eine große man sich in der Hauptsache jedoch auf Redeübungen, ein tiefes Eingehen in irgend welche Materie ist wohl selten Zweck und Ziel. Feuersbrunst 84 Bauernwohnungen zerstörte und ebenso große Vorräte an Gerste vernichtet hat. Anders ist es bei den von den Genoffinnen veranstalteten Stursen. 200 000 Rubel veranschlagt. Der Schaden wird auf über Hier beschäftigt man sich mit nationalökonomischen und anderen wissenschaftlichen Problemen. Wenn auch bei uns nach Möglichkeit meldet: Das Militär- Luftschiff stieg, nachdem eine kleine Reparatur Das englische Motor- Luftschiff. Aus Aldershot wird gedas Formale berücksichtigt wird, vornehmlich kommt es uns jedoch an der Maschine vorgenommen worden war, nachmittags auf und darauf an, das Wissen zu vertiefen, selbständiges Denken zu fördern. beschrieb einen Kreis von etwa 3 Meilen Umfang in einer Höhe Und der bisher erzielte Erfolg, so biel Wünsche er auch noch offen von einer halben Meile. Der Ballon besitzt nur für drei Mann läßt, ist trotzdem befriedigend. In fleinen Birkeln von höchstens Befagung Tragfähigkeit. 30 Personen kommen die Genoffinnen an einem bestimmten Abend jede zweite Woche gewöhnlich einmal zusammen. Hier im fleinen Kreise vom gleichen Wissensdrange beseelter Frauen fallen Gestern mitternacht stieß das Automobil des in Florenz bald die Fesseln der bekannten Befangenheit. Jede Teilnehmerin wohnenden Fürsten Wiviejschi aus Wien, welches mit einer Gemuß in der Reihefolge einen kurzen Abschnitt aus irgend einem schwindigkeit von 40 Kilometern fuhr, bei dem Versuch, einem Werk vorlesen und alle bemühen sich, das Gelesene nach ihrer Auf- Wagen auszuweichen, in Ferli gegen einen Pfeiler und überschlug sich. Wiwiejschi und der Mechaniker wurden getötet, der Chauffeur fassung mündlich meist auf Befragen der Leiterin wieder und ein Mitfahrer verwundet, ein anderer Mitfahrer blieb un zugeben. So ist jede Teilnehmerin aktiv tätig, jede findet Gelegen- verlegt. heit ihr Denken zu schärfen und ihre Gedanken in Worte zu fleiden. Selbsterlebtes, in die besprochene Frage hineingreifendes, dient Der Tod in den Flammen. In Billichsdorf bei Wien wütete häufig zum Verständnis und zur Erläuterung der wissenschaftlichen gestern abend eine furchtbare Feuersbrunst, bei der zwei Kinder im Theorien. So erfolgt eine Schulung aller durch alle. Mit Alter von fünf und sechs Jahren den Tod in den Flammen fanden. ibelchem Eifer die Genoffinnen bei der Sache find, zeigt die regelmäßige Anteilnahme an den Kursen. Die durch Berufs- und Hausarbeit so mannigfach beschäftigten Proletarierinnen versäumen felten, und, wenn es mal nicht anders geht, ungern einen dieser Abende. Durch die Leseabende ist schon manche Genoffin zur Agitatorin, zur Verbreiterin unserer Jdeen herangebildet worden. Manche, die anfangs vor Schüchternheit selbst in Kleinsten Kreisen nicht den Mund aufzutun wagte, ist jetzt, durch Uebung mutig gemacht, durch Wiffent bereichert, in der Lage, an jeder Diskussion fich zu beteiligen. So bringen diese Lehrkurse nicht nur den Teilnehmerinnen selbst Nußen, das Erlernte wird auf andere übertragen und wirbt neue Anhänger für unsere Lehren und Ideen. Automobilunfall. Briefkaften der Redaktion. D. K. 1. und 2. Nein. von der Arbeit stattfindet, wird nicht als Betriebsunfall gerechnet. Gin Antrag der Sozialdemokraten, der entgegenstehende Entscheidung verlangte, ist abgelehnt. N. N. 25. Fragen Sie einen Arzt. D. N. Rein. Gens. 1. Nein. 2. Wenn der Raum als Friseurladen vermietet ist, so muß alles dafür geliefert werden, um ihn als solchen brauchbar zu machen. 5. 23. 50. 1. Die Säkr sind sehr verschieden. 2. Ja. 3. Ja. 4. Das Gericht verpflichtet den Vormund. 5. Sie müßten sich an das Gericht wenden. S. 45. Da Ihre Frau aus der Kirche noch nicht ausgetreten it, so ist die Steueraufforderung gerechtfertigt. Wegen der Steuer fann gepfändet werden, und zwar nach der herrschenden Ansicht in das Vermögen und den Lohn des Mannes. mit der Einklagung der Darlehnsforderung beim Landgericht beauftragen. Ww. S. 10. 1. Sie müßten einen Anwalt 2. Das ist nicht notwendig, aber zweckmäßig. 2. 100. Der Antrag auf Bewilligung der Invalidenrente ist beim Magistrat, Abteilung Invaliden versicherung, am Köllnischen Park, schriftlich oder zu Protokoll geltend zu machen. 7. W. 27. 1. Nein. 2. Uns nicht erinnerlich. 3. 30. 1. Ja, es bleibt der Liebhabervert. 2. Wenden Ste fich an das KunstgewerbeOberpräsidenten, einzureichen bei dem Bolizeipräsidenten, innerhalb 14 Tagen Museum, Prinz Albrechtstraße. E. B. 1. und 2. Beschwerde an den und sodann lage beim Oberverwaltungsgericht ist zulässig. 3. Das wäre zwecklos. Treff 18. Wenden Sie sich an die Auskunftsstelle für ethische Stultur, Unter den Linden 16, Quergebäude 4 Treppen. Hermann. 1. Leider ja. 2. Die unentbehrlichen Sachen müssen gelassen werden. Was unentbehrlich ist, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Die Reiseförbe werden dahin zu rechnen sein. Beantragen Sie bei der Steuerdeputation Aufschub der Zwangsvollstreckung bis zur Entscheidung über die Reklamation. .. 1. Ja, aber die Frau würde mit Aussicht auf Erfolg Widerspruchs. lage erheben können. Markthallen- Direttion.( Großhandel.) Dchfenfleisch Ia 70-72 pr. 100 ẞid., Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen IIa 64-69, IIIa 59-62, Bullenfleisch Ia 63-68, IIa 51-60, Stübe, fett 50-58, bo. mager 40-48, Fresser 54-62, Bullen, dän. 55-64, do. holl. 0,00. Stalbfleisch, Doppellender 100-115, Mastfälber Ia 75-85, IIa 66-73, Kälber ger. gen. 48-60, do. hol. 50-55, dän. 0,00. Hammelfleisch Maftlämmer 80-82, Sammel fa 74-78, IIa 68-73, ungar. 0,00, Schafe 0,55. Rothirsch Ia pro Bfb. 0,40-0,37, do. Ila 0,00. Dambirsch 0,45-0,59. 54-66. Schweineflella 66. Stebbod Ia ber Bune Wildschweine 0,45. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stud 0,55-1,00. Wildenten per Stück 1,25-1,50. Stridenten per Stüd 0,00. Rebhühner, junge große 1,10--1,30, mittel ut. fleine 0,50-1,00, alte 0,70-0,85. Hübner, alte, per Stud 1,50-2,60, IIa 1,00-1,30, bo. junge 0,60-1,35. Enten italienische 0,00. Die juristische Sprechstunde findet Friedrichstr. 16, Aufgang 4, Tauben 0,30-0,54, per Stück 1,75-2,10, eine Treppe( Sandelsstätte Bellealliance, Durchgang auch Lindenstr. 101), do. Hamburger per Stüd 2,40-3,00. Gänse per Pfund 0,50-0,65, do. wochentäglich von 7 bis 9 1hr abends statt. Geöffnet 7 1hr. per Stud 2,00-3,75, bo. Hamburger per fb. 0,00, bo. Ober. Buchstabe und eine Bahl als werkzeichen betzufügen. Briefliche Antwort per Pfund 0,00. Hechte per 100 Blund 114-124, do. matt 105, mittel 0,00, Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ist ein brucher per Pfd. 0,50-0,62. Boulets per Stud 0,90-1,40. Boularden wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. groß 79-96, do. groß und mittel 118. 8ander, flein, matt 0,00, do.tlein 0,00, S. 30. Legen Sie Ihren Fall dar, dann wollen wir Ihnen Antwort dito mittel 0,00. Schleie, flein 0,00, do. unsortiert 153, bo. groß geben. So allgemein gestellt, fann Ihre Frage nicht beantwortet werden. 136. Male, groß 0,00, bo. flein und mittel 90, bo. mittel 99-101, forderungen an Genossen eines Bezirks erfolgen gewöhnlich mündlich Roddow 0,00. R., Pankow und K., 2ilmersdorf. Mitteilungen und Auf- do. unf. 88, do. groß- mittel 0,00, do. Klein 0,00. Plösen, matt_51, oder schriftlich, nicht aber durch den Vorwärts". Das Gleiche dürfte für 77-83, bo. 50er, 75. Starpfen, 45er, stumpf 0,00, do. 80er, 0,00, do. 35er, Bunte Fische 57-91. Barfe 85, bo. flein 0,00. einige Orte gelten, die Einladungen zur Vorstandssitung des Wahlvereins Karauschen 0,00, do. flein 0,00. Wels 0,00. Bleifische 0,00. Barbe 0,00. Auch in schriftlichen Aufsägen wird das Gelernte wiedergegeben. nicht ohne Aussicht auf Erfolg. Die Beleidigungsflage muß innerhalb drei 110-130, bo. Ila neuer 90-100, bo. Ila 0,00. Seelachs 10-15, uns zur Veröffentlichung zusenden. S. A. J. B. Eine Klage wäre Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuter, per 100 ẞfd. Manches Talent, das im Dunkeln verborgen war, wurde hier ans Monaten nach der Kenntnis von der Beleidigung angestellt werden. Wohnen Flundern, Stieler, Stiege Ia 2-6, mittel ber Seifte 2, Hamb. Stiege 4-6, Licht gezogen. Diese Tatsache beweist von neuem, wie mancher beide Parteien in derselben Gemeinde, so muß der Beleidigungsklage ein halbe Stifte 2-3, bomm. Ia Schod 0,00, IIa 0,00. Büdlinge, Stieler per regsame Geift im Kampfe ums tägliche Brot verkümmert, versiegt. Sühneversuch beim Schiedsmann vorausgehen. Zwei Wettende, Wall 2-3, Strall. 2,00-3,00, Bornh. 0,00. Aale, groß per Bib. 1,10 Das ewige Einerlei der täglichen Berufsarbeit stumpft den Geist ab. Staiser zu richten sein, wenn Sie ein solches machen wollen. 3, 6. 83. Das Gnadengesuch würde an den bis 1,40, mittelgroß 0,80-1,10, flein 0,60-0,80. Heringe per Schock 5-9. A. 23. 10. Schellfische Stifte 8-4,00, 1, Stifte 1,50-2,00. Sardellen, 1902er per Anter Der größte Wert und der Hauptzweck unserer Lefeabende ist, Ihre Anfragen sind ohne Kenntnis des Sachverhalts nicht zu 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90-95. Schottische Vollberinge daß Genoffinnen zu wahren Sozialistinnen erzogen werden. Die beantworten. Wiederholen Sie die Anfrage unter genauer Dar 1905 0,00, large 40-44, full. 38-40, med. 36-42, beutsche 37-44. Zahl der Teilnehmerinnen an den Leseabenden wird größer von Jahr legung der Testamentsbestimmungen und der Familienverhältnisse. Heringe, neue Matjes, per To. 50-120. Sardinen, ruff., Faß Waldelse 27. Nur den Ehegatten und den Kindern sowie den Eltern 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1,40, do. Büchse( 4 Liter) 1,40-1,70. zu Jahr, ein Zeichen, daß in Frauenkreisen der Sinn für ernste Be- steht ein Pflichtteilsrecht zu. Ihre Mutter würde also das Testament, in Reunaugen, Schodfag 11, do. fleine 5-6, do. Riesen 14. Streble tätigung mehr und mehr zu wachsen scheint. welchem sie nicht bedacht ist, nicht anfechten fönnen. M. B. 48. Eine per Schod, große 18,50-21,50, do. mittelgroße 10-12, bo. fleine 0,00, Auszahlung der Unfallrente durch eine Abstandssumme ist unzulänglich, weil do. unfortiert 8,50-6,50, Galizier, groß 0,00, bo. unfort. 1,40-2,10. Eier, es sich um eine Rente von mehr als 15 Proz. handelt. Fragen über Auswanderung werden Ihnen am sachgemäßesten in der amt 100 fb. Ia 118--122, Ils 108-117. IIIa 100-108, abfallende 90-95. Streithengst. Land-, unsortiert per Schod 3,60-3,80, bo. große 4,00. Butter per lichen Auskunftsstelle, Schellingstraße 4, beantwortet. P. 19. Uns nicht Saure Gurten, neue, Schod 4,00. Pfeffergurten 4,00. Kartoffeln bekannt. 2. K. 57. Soweit ersichtlich, haftet die beschlagnahmte Summe per 100 Bid. Dabersche 3,00-3,50, weiße runde 2,50-2,75, blaue 0,00, für die Alimentenforderung Ihrer früheren Frau. Vereinbaren Sie mit Rofen 2,00-2,25, Nieren- 3,00-3,75. Borree, Schod 0,50-1,00. Meer stellt werden kann. Der Befchlagnahmebeschluß muß ergeben, für welche per derselben, in welcher Weise die Alimentenforderung etwa anders sicher ge- rettich, Schock 5-10. Spinat per 100 Pfund 12-15. Sellerie, Schod 2,00-8,00. Zwiebeln per 100 ẞfb. 8,50-4,00, Forderung das Kapital haften soll. B. K. 18. Soweit ersichtlich, würde bo. Berl 40,00-75,00. Chalotten 50,00-60,00. Petersilie, grün, Shre Mutter nur durch einen Antrag beim Landrat etwas erreichen können. Schockbund 0,75-1,00. Stohlrabi Schod 1,00-1,50. Rettich, bayr., neuer felbstverständlich einen Taufschein nicht einzureichen. Einschulung 1907. Da das Kind nicht getauft ist, brauchen Sie Stid 0,07-0,10, do, biefiger Schock 3-4. Mohrrüben, per 100 Pfund 3,00 bis M. 01. Wenden 4,00. Karotten, hiesige, Schodbund 2,00-3,00. Wirsingtobl per Schod 4,00 Sie sich an das Vormundschaftsgericht mit dem Antrage, den Vergleich zu bis 12,00. Rottobl, Schod 6-12. Weißtoh! 4-8. Blumenkohl, hiesiger bestätigen. Der Stonkursverwalter wird dann wohl seine Forderung fallen 100 Stück 5-14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stüď laffen. K. S. 2. 1. und 3. Nach dem Tode der Mutter tönnen Sie 6-16. Stohlrüben, Schod 4,00-7,00. Petersilientourzeln, Schockbund Ihr Erbteil verlangen. 2. Eine im Testament ausgesprochene Enterbung ist 3,00-4,00. Schoten per 100 Pfund 20-35. Pfefferlinge per 100 Bfb. 4-8. nicht gültig, wenn kein Enterbungsgrund vorlag. G. O. 100. 1. bis 3. Steinpilze per 100. Pfund 10-30. Radieschen per Schodbund 0,75-1,00. Ja. Die neue Fassung des§ 23 des Einkommensteuergesetzes haben wir in Salat per Schock 1,00-2,00. Gurten, Einmaches, Schod 10-25, 6o. böhm. der 2. Beilage bom 14. Mai mitgeteilt. J. S.$. 79. Leider würde Schock 0,00, do. Liegniger Schod 2,75-5,00, bo. Rothenburger 2-2,50. Bohnen, eine Klage wenig Aussicht auf Erfolg haben. Es müßte nachgewiefen grüne, 100 fund 12-25. Wachsbohnen, per 100 Pfund 15-30. Tomaten werden, daß die Operation wider den ausdrücklichen Willen Ihrer Frau und per 100 Pfund 8-15. Blaubeeren per 100 fb. 10-16. Johannisunter außer Achtlassung der Regeln der Heilkunst vorgenommen ist. G. 2. 100. beeren per 100 Bfund 15-20 Preißelbeeren ber 100 Pfund 20-24, In Ihrem Falle würde die Kaution nur für solchen schwedische 26-28. Stirschen, fauere, per 100 Bfb. 8-10. Birnen, ital., Schaden haften, der durch Ihr Verschuldön entstanden tit. 3. 10. Rein. 100 Pfund 0,00, Tiroler 20-40, biefige 8-10, Salander 20-24. E. G. 18. Lehnen Sie die Zahlung ab. Eine Verurteilung ist immer Pfirsiche, htefige per 100 pfb. 10-15, ital. in Stiftchen zu 12 Stüd 0,75 bin möglich, wenn in dem von Ihnen unterschriebenen Vertrage steht, daß bts 1,50, do. in Storben Ia per 100 Bfb. 20-30, bo. Ila in störben unter allen Umständen die Nate gezahlt werden sollte. 20. 3. Sie per 100 fb. 15-20. Alepfel, italienische, per 100 Pfund 0,00, ung. 0,00, tönnten eventuell, wenn gütliche Einigung nicht möglich ist, sich an das biefige 5-13, Grabensteiner Ia 15-25, bo. IIa 10-20. Tiroler Ia Vormundschaftsgericht wenden. G. K. 814. Der Entschädigungsanspruch 25-50, IIa 18-30, afentöpfe 10-12. Pflaumen, ital. pr. 100 ẞfd. 0,00, des Arbeiters verjährt in zwei Jahren.(§ 196, Biffer 9.) A. S. 26. Reineclauden 0,00, blefige 6-9, ungarische 6-13, Babener, Früh, Benden Sie sich an die Offenbacher Staffe für Frauen und Mädchen, 0,00, ferbische 12-14. Weintrauben, franzöfifche, per 100 fb. 16-18, wöchentlich zu zahlen haben, ist, falls nichts anderes vereinbart ist, bis Messina, 300 Stüd 10,00-18,00, bo. 360 Stid 10,00-16,00, bo. 200 Stild, Prinzenstraße 66 bei Hinz. Streitfrage 110. Schlafburschen, die italienische 15-20. Ananas I, per fb. 1-1,10, bo. II 0,00. 8itronen, spätestens am nächsten Werktage der Woche zum Schluß der Woche zu 10,00-14,00, bo. 150 Stüd 6,50 bis 9,00. Bananen, gelb, per 100 fb. tündigen. Ebenso steht es mit dem Kündigungsrecht der Schlafburschen 18,00-20,00, grün 0,00. Melonen, per 100 fb. biefige 0,00, ital. 10-15, selbst. M. J. 84 699. Ein Unfall, der auf dem Wege zur Arbeit oder franz. 0,00, boll. 5-15, fpantsche 0,00, ungarische 10-12. Neue Teilnehmerinnen werden auch in diesem Jahre gern gejehen. Zutritt zu den Kursen hat jede Genoffin, die Intereffe für Weiterbildung hat. Die Vertrauenspersonen der Genossinnen, Frau Wengels, Warschauerstr. 20; Frau Beipert, Marienburgerstraße 22 II; Frau Wulff, Kirchstr. 5; Frau Panzeram, Pappelallee 76 1; Frau Matschte, Wolgasterstr. 8 I; Frau Hoppe, Bandel straße 40 II, nehmen Meldungen entgegen. Auch im Bureau der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands, Lindenstr. 3, erster Hof, Eingang II, 4 Treppen werden Anmeldungen entgegengenommen. Leseabende finden in verschiedenen Stadtgegenden statt, so daß niemand weite Wege zurüdzulegen hat. Vermischtes.> 1db113 Ein Cholerafall in Oberschlesien. Aus Königshütte meldet ein Telegramm:„ Der in der Hummereistraße zu Königshütte wohnende Eisenbahnarbeiter Reint ist gestern unter choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben. Die amtliche Feststellung der Todesursache steht noch aus. Alle sanitären Maßnahmen, die Ueberführung der Leiche nach dem Totenhause des städtischen Krankenhauses und die Desinfektion der Wohnung gelangten zur Ausführung. Ein deutscher Dampfer geftrandet. Lloyds Agentur meldet aus Guayaquil, daß der in Hamburg beheimatete deutsche Dampfer Setos", der von Genua nach San Francisco unterwegs ist, beim Verlassen des Hafens festgelaufen ist. Gefahr ist nicht vorhanden. Die Versuche, das Schiff freizubekommen, sind bisher erfolglos geKaufhaus Max Mannheim H 101891T- n/ a Frankfurter Allee 109-110 on Sonnabend, den 14., Schluss des G. m. b. H. Inventur- Ausverkaufs lindisileda #legA machen nochmals. In allen Abteilungen sind die meisten Artikel enorm herabgesetzt. nur noch dass die noch im Umlauf befindlichen Rabattmarken bis zum 1. Oktober cr. eingelöst werden. 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Tägl. geöffnet von 7-11 U. abds. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend, abends 8 Uhr: n den„ Germania- Prachtsälen"( Weiker Saal), Chauffe eft r. 110. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Die Meisterfinger von Nürnberg.( Anfang 7 ühr.) Kgl. Schauspielhaus. Die Rabenſteinerin. Deutsches. Minna von Barnhelm. Kammerspiele: Frühlings Erwachen.( Anfang 8 Uhr.) Anjang 8 Uhr. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lessing. Kollege Crampton. Schiller ( aluer- Theater.) Ein Fallissement. Schiller Charlottenburg. Perri chons Reise. # Friedrich Wilhelmstädt. Schaus spielhaus. Winterschlaf. Neues Schauspielhaus. Das Glas Wasser. Neues. Der Dieb. Z DOLOCISCHER CARTEN Täglich ab nachm. 4 Uhr: Großes Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Der Herr Senator. Monna Vanna. Freie Volksbühne Sonntag, den 15. September, nachm. 3 Uhr: Neues Schauspielhaus. 4./5. Abteilung. Berliner Theater. 15./16. Abteilung. Luisen- Theater Fuhrmann Henschel Freiwild Reichenbergerstr. 34. Anfang 8 Uhr. Romische Oper. Berther.( Unjang Die beiden Reichenmüller. 72 Uhr.) Westen. Die lustige Witte. Lustspielhaus. Husarenfieber. Zentral. Die Puppe. Kleines. Vater und Sohn. Residenz. gaben Sie nichts zu ber. zollen? Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Thalia. Ihr Sechs- Uhr- Dnkel. Freitag zum ersten Male: Carmen. Schauspiel mit Gesang. Sonnabend: Turandot. Sonntag nachmittag: Turandot. Abends: Carmen. Montag: Die beiden Reichenmüller. Metropol- Theater Luisen. Die beiden Reichenmüller. Bis inkl. Freitag, 13., geschlossen. Bernhard Rose. Der große Un bekannte. Anfang 8 Uhr. Theater an der Spree. Der Aktienbudiker. Metropol. Geschlossen. Apollo. Sylvester Schäffer. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld. Madame Big Wag. Es lebe das Nachtleben. Baffage. Lona Nansen. Spezialitäten. Wintergarten. Anne Dancrey. Annie Dirkens. Spezialitäten. Prater. Der Tanzteufel. Kasino. Die wilde Jagd. Reichshallen. Stettiner Sänger. Carl Haberland. Spezialitäten. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von der Zugspite zum Wazmann. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57/62. Ferdinand Bonns Anfang 8 Uhr. Sonnabend, den 14. September: Zum 1. Male: Schauspiel in 5 Aufzügen von Schauspiel in 3 Akten von Gerhart Hauptmann. Artur Schnitzler. Voraussichtlich: III. Serie. Friedrich Hebbels Judith. Tragödie in fünf Aufzügen. 24. Kunst- Abend im Rathaus am Freitag, 25. Oktober Ludwig Thoma. 229/17 Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Das muß man seh'n!!*******@ 40000000 Gr. Revue in 4 Akten( 14 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Guido Thielscher a. D. B. Darmanda. D. E.Withney a. D. Henry Bender. J. Giampietro Jos. Josephi. Fritzi Massary Berliner Theater. Fritzi Schenke, L. Haskel te Die tanzenden Männchen Dirigent: Kapellmeister M. Roth. Anfang präzise 128 Uhr. Freitag: Richard III. Sonnabend: Die tanzenden Männchen. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Der Dieb. Freitag: Ueber den Wassern. Kleines Theater. Bum 55. Male: Vater und Sohn. Freitag: Die Stimme der Unmündigen. Sonnabend: Vater und Sohn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Vater und Sohn. Theater des Westens. 8 Uhr: Die Instige Witwe. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: Frühlingsluft. WINE BARTEN Anne Dancrey, Pariser Säng. The 8 English Girls, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Barowskys, Akrobaten, Die Bauernjungen im Walde". Le Roy Talma u. Bosco, Zauberkünstler. Agoust, komischer Jongleur. George B. Reno Company, amerikanische Exzentriks. Annie Dirkens. Olga Preobrajensky, Prima Ballerina, u. M. Legat, Solotänzer Papinta, amerikan. Phantasieund Spiegeltänzerin. Kellino Truppe ,, In Venedig. v. d. kais. Hofoper in Petersburg: Lustspielhaus. The Hartleys, Springer. Der Biegraph. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. Schauspielhaus FriedrichWilhelmst. Anfang 8 Uhr. Winterschlaf. Freitag: Die Nibelungen. Sonnabend: Die Nibelungen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Jugend. Abends 8 Uhr: Winterschlaf. 8 Uhr Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. 8 Uhr DERNHARD ROSE THEATED Br. Frankfurterstr. 132. Im Garten, Anf. 4, Uhr: Das glänzende September Programm Sperrfiz 50 Pf. Entree 30 Pf. Im Theater abends 8%, Uhr: Der große Unbekannte. Sommerpreise. Knorr's Hafermehl Bestes Rohmaterial und sorg. fältige Fabrikation bedingen die wertvollen Eigenschaften von Knorr's Hafermehl als leichtver daulichste, nahrhafte und Durchfal vorbeugende Kindernahrung. Zirkus Albert Schumann. Saison 1907/08. Sonnabend, 14. September, abends 7%, Uhr: 66/ 2* Gala- Premiere. Für Berlin vollständig nenes Programm. Neue Spezialitäten. Neue Schul- und Freiheits- Dressuren. Alles Nähere Tagesplakate. Nähre mit Knorr. pollo apollo Theater 9½ Uhr! Täglich: 9%, Uhr! Berlins größte Sensation: Gebr. Herrnfeld- Sylvester Schäffer jr., Theater. Haben Sie nichts zu verzellen? 57 Sommandantenstraße Nr. 57. Schwank in 3 Alten bon Maurice Hennequin und Pierre Beber. Robert de Trivelin: Rich. Merander. Sonntag, den 15. September, nachm. 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Zentral- Theater. der berühmte Universal- Künstler. Borher, ab 8 Uhr: Das große Spezialitäten- Programm. Kottbuser 57 Stommandantenstraße Nr. 57. Sanssouci, Straße 6. Anfang 8 Uhr. Billettvorverkauf 11-2 Uhr. Madame Wig- Way Operette von Anton und Donat Herrnfeld. Musik von 2. Ital. 8 Uhr: Die Puppe. Es lebe das Nachtleben! Operette in 3 Alten und einem Vorspiel von Drdonneau und Muges. Theater an der Spree Köpenickerstraße 68. Abends 8 Uhr: Der Aktienbudiker. Bilder aus dem Voltsleben m. Gesang von D. Kalisch. ( Josefine Dora, Heinz Gordon, Marie Grimm- Einödshofer.) Rixdorfer Theater Direktion: Julius Türt Bergstraße 147. Mittwoch, den 18. September 1907: Eröffnungs- Vorstellung: Emilia Galotti. Separee- Affäre mit den Autoren Anton u. Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Sonntag 3 Uhr bei halben Preisen: Ein verrücktes Hotel Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herrnfeld. und Walhalla Variete Theater Weinbergsweg 19/20, Rojenth. Zor. Anfang 8 Uhr. Das originelle Sept.- Programm. Auto Atlas, der Athlet hebt ein Automobil mit den Zähnen. Tunnel: Konzert f. Theaterbef. frei. & Direktion Wilhelm Reimer. Heute sowie jeden Sonntag und Montag: Palast- Theater. Burgstraße 24. Heute Uhr. Entree 50 Pf. Das glade Programm. Tages Drdnung: 1. Geschäfts- und Rechenschaftsbericht. 2. Bericht des Berbandsrevisors. 3. Dechargeerteilung für den Borstand. 4. Genehmigung des Gewinnserteilungsplans. 5. Ergänzungswahl für den Vorstand.*) 6. Aussichtsrat.**) 7. Babl von fünf Ersatpersonen für den Aufsichtsrat. 8. Genehmigung zur Errichtung vou Verkaufsstellen. 9. Anträge, die nach§ 7a des Statuts eingegangen sind. Eventuelle Anträge bitten wir bis zum 17. September an unser Kontor, Willdenowstr. 30, einzusenden. Bu zahlreichem Besuch der Generalversammlung laden wir unsere ver ehrten Mitglieder hiermit höflichst ein. Der Aufsichtsrat. C. Mücke. Der Vorstand. Max Menzel. Tuzauer. NB. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet, da der Saal nur bis 5 Uhr frei ist! *) Es scheidet aus der Genoffe Tukaner. **) Es scheiden aus die Genossen Bergemann, Beyer, Fritz, Reiche, Beschmann und wegen Krankheit ferner die Genossen Montag und Schierių. 145/10 Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands.( Zahlstelle Berlin.) Bezirksversammlungen: Bezirk 1. Nächste Versammlung am Donnerstag, den 12. September, nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Fortanier, Tegelerstr. 56. Bezirk 2. Nächste Versammlung am Freitag, den 13. September, beim Kollegen Obiglo, Schwedterstr. 23/24. Bezirk 3. Nächste Versammlung am Freitag, den 13. September, nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen N. Beckmann, Samariterſtr. 11. Bezirk 4. Nächste Bersammlung am Donnerstag, den 12. September, nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Merkowski, Andreasstr. 26. Bezirk 5. Nächste Bersammlung am Freitag, den 13. September, nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Julius Meyer, Oranienstr. 103. Bezirk 6. Nächste Versammlung beim Kollegen August Hahn, Stralauerstr. 48. Die Ortsverwaltung. 70/16 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Möbelpolierer. 94/ 4* Donnerstag, den 12. September 1907, abends 8 Uhr, im Lokal von Anton Boeker, Weberstraße 17: Außerordentliche Branchenverfammlung der Möbel- u. Stuhlpolierer fowie Beizer. Zages Ordnung: 1. Beschlußfaffung über den Antrag der Branchenleitung, betreffend die zweimalige Bermittelung auf dem paritätischen Nachweis. 2. Verbands. und Branchenangelegenheiten. NB. Die Kollegen werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Branchenleitung. Das glänzende Programm. Tischler- Verein( E. H. 89) Unter anderm: Das schwimmende Theater. Das Tollfte vom Tollen. The 5 Marnos erstilaffige Afrobaten. Sonnabend, den 14. September 1907, abends 8%, Uhr: Versammlung. Bereinsangelegenheiten. Ausgabe der Billetts zum 36. Stiftungsfest, „ Sanssouci", Soiree von Hoffmanns Norddeutschen Sängern, Konzert u. Ball. Sonntag, den The Newports Herrenpartie nach Grünheide. Erzentrils und 8 erstklassige Nummern. Borverkauf von 11-1 Uhr. 15. September: 199/6 Achtung! Abfahrt früh 7, Uhr bom Schlesischen Bahnhof bis Erfner. Der Vorstand. Achtung! Fröbels Allerlei- Theater reitag, den 13. September, abends 8 Uhr, bei Feindt, Weinstr. 11. Schönh. Allee 148, Kaftan. Allee 97/99. Aelteftes Boltstheater Berlins. Heute fowie täglich: Oeffentliche Volksversammlung. Konsert, Theater, Spezialitäten .a.: Karl Braun 45 fachen 145/9 in feinen Verwandlungen Wendinis, Deslion, Franconi usw. Dazu um 8 Uhr: Zages Drdnung: 1. Bortrag des Genossen Hetzschold:„ Warum müssen Elfe aus den Amorfäten. wir uns als Käufer organisieren?" 2. Distusfion. Bolksstüd in 3 Aften von F. Schäfer. Bahlreiches Erscheinen der Genossen und Genoffinnen, hauptsächlich des Im Riefensaal: Großer Ball. Arbeiterfrauen erwartet Anfang 4%, Uhr. Entree 30 Bf. Am Sonnabend: Abschieds- Borstell. für Karl Braun. Trianon- Theater. Fräulein Josette- meine Frau. Anfang 8 Uhr. uggenhagen Dr. Simmel B Morikplay. Spezial- Arzt Inhaber: Albert Böhme. für Haut- und Harnleiden. Sonnabend: dicht am Die Propaganda- Kommission. Extra- Unterstützungskaffe für Buchbinder und verw. Gewerbe zu Berlin. Sonntag, den 15. September, vorm. präz. 10 Uhr, Melchiorstr. 15: Ordentl. General- Versammlung Tagesordnung: 28525 1. Berlesung der Protokolle. 2. BeEröffnung d. Wintersaison. Prinzenstr. 41, Moritzplatz, schlußlaffung über die Entschädigung Täglich: Hoffmanns Nordd. Sänger Die 7 Schwaben u. Tanzkränzchen. Jungfernliebe. Sonnt. Beg. 5, wochent. 81. Morgen: Gastspiel der Berliner Volfsbühne: Das bemoofte Haupt. Studentenstück von R. Benedig. Volkstümliche Preise. moderne Voltssänger. Allabendlich zum Schluß: Sherlock Holmes von Treuenbrieken mit bem urkomischen Bendix als Sherlod Holmes. Anfang 8 Uhr, Sonntags 4 u. 8 Uhr. Familienbilletts 5 Stück 2 Mt. Passage- Theater. Achtung! Lona Nansen. 14 erstklassige Nummern. 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4. für den Vorstand und den Rendanten. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. Möbelfabrik Julius Apelt 6 Adalbert- Straße 6 Hochbahnhof Kottbuser Tor ( früher: Stalizer- Straße 6). Putzer. 4. Berschiedene Stassenangelegenheiten. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92. Achtung! Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Hierdurch geben wir bekannt, daß die nächste und letzte Auszahlung der Miets- sowie Streit unterstützung am Sonnabend, den 14. September, Sophienstraße 6 ( Restaurant Münzer) erfolgt. Alle etwaigen Forderungen sind bis dahin abzuheben. Quittungen werden nur von den betreffenden Kontrollleitern in den Kontrollmeldestellen am Freitag, den 13. Sep134/17 tember, bis 7 Uhr abends ausgestellt. Außerdem weisen wir nochmals auf die Legitimationskarten hin, welche an diejenigen Kollegen, die bis 31. August 1907 ihren Verpflichtungen nachgekommen sind, im Bureau verabfolgt werden. Der Vorstand. J. A.: E. Schulze. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 213. 24. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bonerstag, 12. September 1907. Staatsgefährliche Lieder. zureißen und die Proletarier in den Himmel zu heben. Hier ist nur zu untersuchen, ob der Angeklagte verschiedene Klassen der Be völkerung in einer den Frieden gefährdenden Weise zu Gewalttätigkeiten gegeneinander aufgereizt hat. Den Beweis Unter dem Titel:„ Lieder für die arbeitende antrag des Verteidigers lehnte das Gericht ab, weil Jugend" hat die Vereinigung der freien Jugendorganisationen als wahr unterstellt wurde, daß die Lieder bisher straflos Deutschlands ein Büchlein herausgegeben, welches eine Sammlung verbreitet worden Find. von 50 Liedern enthält. Außer einer großen Anzahl von Liedern, die jeder Tendenz entbehren, finden sich in der Sammlung auch folche Dichtungen, die, von proletarischen Dichtern verfaßt, proletarische Empfindungen zum Ausdruck bringen und den Geist der modernen Arbeiterbewegung atmen. Auch diese ausgesprochen proletarischen Lieder sind in verschiedenen anderen Liederbüchern zu finden, die seit Jahren verbreitet sind, ohne daß je irgend ein Gericht Anlaß genommen hätte, die Verbreitung der betreffenden Lieder als strafbar zu erklären. Troßdem veranlaßten die Lieder für die arbeitende Jugend" Polizei und Staatsanwaltschaft zum Einschreiten. Das Büchlein wurde mit Beschlag belegt und der als Herausgeber und Verleger zeichnende Genosse Mar Peters unter Antlage gestellt. Er soll durch die Verbreitung des Liederbuches verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten gegeneinander aufgereizt haben. Dieser juristischen Auslegung gegenüber ist schlechterdings unverständlich, weshalb die vermeintlich objektive Anklagebehörde nicht schleunigst gegen unsere Klassiker, Goethe und Schiller in erster Linie, und gegen des Kommersbuches patriotische Lieder, so: ERD Der Gott, der Eisen wachsen ließ. Der wollte teine Knechte!" Bes Der Staatsanwalt machte nicht den geringsten Versuch, den§ 130 des Strafgesebbuchs mobil macht. Das Kommersbuch nachzuweisen, an welchen Stellen oder in welchen Worten der unter ist ja gerade für junge Leute der herrschenden Klasse zestimmt, Anklage stehenden Lieder eine Aufreizung zu Gewalttätigkeiten die in der Tat erst arbeiten lernen follen. Das Gericht verenthalten sein soll. Ohne ein Wort der Begründung beantragte wechselt diese jungen Leute der bejizenden Klasse mit den Arbeitern, der Staatsanwalt, den Angeklagten mit 100 m. zu bestrafen mit der arbeitenden Jugend", die durch die Notwendigkeit und das Liederbuch einzuziehen. des Kampfes ums Dasein ein gutes Jahrzehnt vor der Zeit bereits Rechtsanwalt Dr. Heinemann führte unter anderem aus: arbeitet, in der die Söhne der herrschenden Klasse im besten Da die Lieder seit Jahren straflos verbreitet worden sind, ist an- Fall erst arbeiten lernen. Durchaus originell, darum aber nicht zunehmen, daß sich der Angeklagte nicht bewußt war, er tönne minder irrig ist die Auffassung des Gerichts, daß Lieder ein Lehrburch Abdruck der Lieder eine Aufreizung zu Gewalttätigkeiten be- mittel für die arbeitende Jugend im Sinne des Gesetzes sein könnten gehen. Aber auch objektiv erfüllen die unter Anklage stehenden oder gar sollten. Die Richter haben verurteilt, sie haben die Macht dazu Lieder nicht den Tatbestand der Aufreizung. Es sei hier nicht zu und sind dabei ihrer Ueberzeugung gefolgt. Recht ist ja Macht. Aber beurteilen, ob die Lieder für die Jugend geeignet seien oder nicht, das Rechtsgefühl der Richter stimmt nicht mit dem der arbeitenden ebenso wenig tomme es darauf an, ob der Angeklagte die Lieder Klasse überein: von deren Standpunkt aus ist das Urteil, so sehr für die Jugend geeignet hielt. Selbst wenn er sie nicht für geeignet es der Ueberzeugung der Richter entspricht, mit dem Interesse der Fünf Lieder find es, welchen die Staatsanwaltschaft eine ber- gehalten hätte, so würde er sich durch die Verbreitung noch nicht Gesamtheit unvereinbar. In Wahrheit ist die herrschende Klasse, schiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten aufreizende strafbar machen. Es ist auch nicht strafbar, wenn der Angeklagte als deren Organe Gericht und Staatsanwalt funktionieren, und Birtung beimißt. Die Lieder tragen in dem Büchlein die Rieder verbreitet, die er für die Jugend geeignet hält, obwohl sie nicht der Angeklagte durch den Prozeß verurteilt. Der Vers: Nummern 9, 11, 12, 29 und 40. Es find durchweg alte liebe Be- andere, die einer anderen Klasse angehören und deshalb auf einem fannte: Nr. 9: Die Arbeitsmänner", berfaßt von anderen Standpunkt stehen, nicht für geeignet halten. Hier ist nur Ihr habt die Macht in Händen Joh. Most. Dies Lied wird gesungen nach der Melodie: Bu zu untersuchen, ob der Angeklagte zu Gewalttätigkeiten angereizt longWenn Ihr nur einig seid! Mantua in Banden" und beginnt mit den Worten: Werschafft hat. Das aber ist nicht der Fall. Kein einziges der unter An- bleibt trok seiner Konfistation wahr. Die Nubanwendung dieses das Gold zu Tage?". Nr. 11: Gesang der Jungen", flage stehenden Lieder reizt zu Gewalttätigkeiten an. Selbst wenn Verses, die Agitations- und Organisationsnotwendigkeit, wird Herz bon Otto Krille, beginnend:„ Wir sind der junge Staat, man in die dichterische Ausdrucksweise etwas hineinlegen wollte, und Nerven aller Proletarier, auch der jugendlichen, schneller durch erzeugt bom Proletariermeibe." Nr. 12: Ruf" was nicht damit gesagt ist, könnte man allenfalls nur in dem letzten glühen, als dem Strafgesetzbuch und seinen berufenen Auslegern gedichtet von Karl Ried, beginnt mit den Worten:" Wir treten Verse des Mostschen Liedes eine Aufreizung finden. Da heißt es: die Wahrheit flar wird, daß wahre Ideen sich nicht durch Geldzusammen und schwören zur Stund". Nr. 29: hr habt die Macht in Händen, wenn Ihr nur einig seid! Drum und Gefängnisstrafen, rauchfreies Pulver oder Scheiterhaufen Jugendliche auf der Reis", bon May Regel. Nr. 40: haltet fest zusammen! Dann seid Ihr bald befreit. Drängt töten lassen, die gegen Kinder der Muse errichtet werden. " 3wietracht soll uns nie entzwein, Lüge niemals Sturmschritt vorwärta, in den Streit, wenn auch der Fein strebungen, die der Angeklagte verfocht und versicht, wurzeln in affe sein." Sartätschen speit! Dann siegt Ihr, Arbeitsmänner, das Prole- der ökonomischen und historischen Entwickelung und sind deshalb Am Mittwoch wurde die Anklage gegen Peters bor tariat!" Wer den Dichterworten einen Sinn unter unsterblich. Ihre Verwirklichung wird durch Narben, die Staatsder 7. Straftammer am Landgericht I berhandelt. Iegt, den sie gar nicht haben, der könnte vielleicht, weil anwaltschaft und Gericht ihren Verfechtern auf dem ungleichen Se zeigte sich auch bei dieser Verhandlung wieder, was wir so oft von Kartätschen speien die Rede ist, an Gewalttätigkeiten denken. Fechtboden bürgerlicher Rechtsprechung zufügt, nicht ge= zu beobachten Gelegenheit haben, daß Richter, troß des auf- Aber es werde ja nicht die Arbeiterklasse aufgefordert, Kartätschen hindert. Die Verfolgungen sind geeignet, Tausende über richtigsten Bemühens, objektiv zu sein, in den Anschauungen und zu speien, sondern es werde den Arbeitern gesagt, selbst wenn den Zusammenhang der Dinge aufzuklären und den Sieg Vorurteilen der bürgerlichen Klasse derart befangen sind, daß es eure Gegner mit Kartätschen gegen euch vorgehen, werdet ihr doch der Ideen zu beschleunigen, die man vergeblich, entgegen ihnen schwer, wenn nicht unmöglich wird, solche Fälle wirklich fiegen. Also nichts weiter als die feste Zuversicht in den Sieg jedem Naturgesek, durch Kenüttel und Büttel, durch Strafverfahren objektiv zu beurteilen, wo es sich um Angelegenheiten der Arbeiter- der Bestrebungen der Arbeiterklasse. Keine Aufreizung zu Ge- und Strafe zu töten hofft. In diesem Sinne arbeiten die Verbewegung handelt, die den Richtern infolge der Gerichtsorganisation walttätigkeiten. Selbst nicht in den Worten, die ihrer Form nach folger unserer Bestrebungen im letzten Grunde, freilich sehr gegen sowie der sozialen und politischen Stellung der Richter etwas vielleicht Anlaß geben könnten, ihnen einen Sinn unterzulegen, ihren Willen, für uns. Fremdes find. Gleich bei Beginn der Verhandlung äußerte der der bei unbefangener Betrachtung nicht darin zu finden ist. Der Borsigende Landgerichtsdirektor Wilte seine Verwun Verteidiger beantragte die Freisprechung des Angeklagten. derung darüber, daß Peters als neunzehnjähriger Mensch" Das Gericht tam nach längerer Beratung zu dem Urteil, Vorsitzender der Jugendorganisation ist. Nachdem der Vorsitzende daß das Mostsche Lied" Die Arbeitsmänner"( Nr. 9 des Buches), des Gerichts die unter Anklage stehenden Lieder berlesen hatte, und zwar der letzte Vers: Ihr habt die Macht in Händen" usw. jagte er zum Angeklagten: einen Sie, solche Lieder find für eine Aufreizung zu Gewalttätigteiten enthalte, bebie Jugend? Die jungen Leute sollen doch zur Arbeit erzogen fonders mit Rücksicht darauf, daß das Liederbuch für die arbeitende werden. Durch solche Lieder sollen sie Lust zur Arbeit bekommen?" Jugend bestimmt ist, die arbeiten lernen soll, durch solche Lieder Als der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. eine aber aufgereizt werde. In den anderen vier unter Anklage stehen- Swotnemde. 771 23 1 beiter mann Beweis darüber zu erheben beantragte, daß die unter An- den Liedern konnte das Gericht teine Aufreizung finden. Wenn Hamburg 772660 1Dunst tlage stehenden Lieder seit Jahren unter den Augen der Polizei auch einzelne Stellen dieser Lieder aufreizend scheinen tönnten, so Berlin 771 Still traflos verbreitet worden sind, sagte der Staatsanwalt: laffe sich doch nicht verkennen, daß die Lieder einen idealen Hinter- Franff.a.M. 769 NND 4 molten! 13 Aberdeen Darauf tomme es gar nicht an. Nur der Inhalt der grund haben. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer München 769D 4 wolfig 10 Paris Bieder sei maßgebend für die Straftat. In diesen Liedern würden Geldstrafe von 50 Mart und erkannte auf Einziehung des 771 Still wollent 11 die Besitzenden heruntergezogen, die Proletarier aber in den Himmel Biebes Nr. 9. Wetter Prognose für Donnerstag, den 12. September 1907. gehoben. Darauf Rechtsanwalt Dr. Heinemann: Das darf Troden und vorwiegend heiter, etwas wärmer bei schwachen südöst der Angeklagte. Es ist nicht strafbar, die Besitzenden herunterlichen Winden. Berliner Wetterbureau. S Stationen Wien Witterungsübersicht vom 11. September 1907. Barometer. fland mm Bind. richting Bindstarte Better Zemp. n. G. Kh #Stationen Barometer. fland mm Bind. richtung Bindstarle 12 Haparanda 765 N 10 Petersburg 760 WNW wolfen! 11 Scilly Better Temp. n. C. 16° C.. 2wolfen! 4 2 Negen 12 766 DSD 3 wolfig 16 767 S 1 wolfen! 13 767 NND 2 tollig 12 Sozialdemokratischer Wahlverein des VI. Kreises( 6. Abteilung). Sonnabend, den 14. September 1907 Kunst- Abend im großen Saale der Germania- Säle Chausseestraße 110. MITWIRKENDE: Sinfonie- Orchester( Dirig.| Die beliebte Brettldiva Marg. Herr Gustav Vogel) Son Dee Walkofte Walkotte Solist: Herr Dir. Alexander Rezitator: Herr Emil Walkotte Gesangy. Nordwacht( M. d. A.-S.-B.) Altmann Anfang 8% Uhr. Preis des Billetts 50 Pf. Die Saaltüren bleiben während der Aufführungen geschlossen. Das Rauchen ist bis zum Schluß der Aufführungen im Saale nicht gestattet. Nach der Vorstellung: Tanz. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Halbe AusnahmeWir bitten die Genossen, sich vorher mit Billetts zu versehen, da an der Kontrolle ein Billettverkauf nicht stattfindet. 266/ 2* Um zahlreiche Beteiligung ersucht Preise! Das Komitee. unter Leitung von Kunst- Abend Margar. Walkotte am Sonntag, 15. September, Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. der 12jähr. Violinvirtuos, Als Gast: Kun Arpad, Beethoven- Sinfonie usw. Mitwirkende: Kun Arpad, der 12jähr. Violinvirtuos a. G.; Vortragskünstlerin; Magarethe Walkotte, Elsa Thiele, Koloratursängerin; Otto Wiemer, Rezitator und DialektHumorist; Bernhard Nietzsche, am Flügel. 296/ 4* Entree 60 Pt., Abendkasse 75. Anfang 28 Uhr. Anschließend Tanz. Vorverkauf: Zigarrenhandlung Horsch, Engel- Ufer 15. Reichshallen- Theater. Täglich: Arbeiter- Wochen- Commission a) 2 Pfd. Ia. Kochzucker à 9 Pfg..... M. 0.18 b) 1 Pfd. Ia. Würfelzucker. c) 2 Pfd. Ia. Tafelsalz à 5 Pfg. . M. 0.13 M. 0.10 d) 10 Schachteln Schweden Ia. M. 0.05 e) 1 Pfd. Ia. Tafel- Rang.- Reis M. 0.10 f) 1 Pfd. Ia. Kaiser- Auszug- Mehl .. M. 0.15 g) 2 Wassergläser Ia. Tafelmostrich i. Sa. ca. 1 Pfd. Inhalt, oder/ Pfd. mag. Speck M. 0.44 h) 2 Pfd. extrafeine Tafel- Butter. i) oder 1 Pfd. Ia. Bratenschmalz I großes Brot.... k) 1 Pfd. Ia. Eierschnittnudeln M. 0.65 M. 0.45 M. 0.38 1) 1 Pfd. gebr. Kaffee D. W. E. V. 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Mts., verstarb an Herzschwäche meine liebe Frau, unsere gute Mutter Anna Schade geb. Jeserich.[ 28636 Dies zeigen tiefbetrübt an Ernst Schade und Sinder. Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. 5. Mts., nachmittags 42 Uhr, von der Leichenhalle des Nigdorfer Gemeinde Friedhofs, Mariendorfer Weg, aus statt. Deutscher " fchriftlich festgestellt werden foll. 276/7 Transportarbeiter- Verband. II. Am Mittwoch, den 25. Sep tember d. J., nachmittags von 71/2 bis 9 Uhr, findet dann in dem vorbes nannten Restaurant von Purschke die Wahl von 30 Delegierten der Arbeitgeber statt. Eine Vorversammlung zur Aufstellung der Kandidaten für diese wird hierdurch für die Arbeitgeber für den 18. d. Mts., nachmittags 72 Uhr nach dort einberufen. Die Wahlberechtigung regelt sich für beide Teile nach§ 49 des Statutes, als Legitimation gelten die Quittungsbücher und ersuchen wir die Herren Arbeitgeber ergebenst, diese den Mitgliedern für die Wahl am 23. September gütig st aushändigen zu wollen. Mariendorf, den 7. September 1907. Der Vorstand. rbeitgeber erg e P. Saedler, F. Fischer, Schriftführer. Vorsitzender. Betten Wäsche 50% billiger als im Laden kaufen Sie verfallene Pfänder in der Pfandleihe BeusselStrasse 23. Uhren 1 Treppe. Ketten Ortsverwaltung Berlin II. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, Frau Anna Schade am 10. September im Alter von 38 Jahren an Herzschwäche verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. d. M., nachmittags 4, Uhr, von der Leichen balle des Gemeinde Friedhofes Rigdorf, am Mariendorfer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 75/6 Die Ortsverwaltung II. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und die überaus reichen Blumenspenden bei der Beerdigung meiner inniggeliebten Frau und herzensguten Mutter sage ich allen Berwandten und Bekannten, ins besondere den Kollegen der Firma Lazz sowie den Mitgliedern des Gefangvereins Berliner Männerchor" meinen innigften Dant. 28615 Granel, Reuterstr. 11. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie die reichen KranzSpenden bei der Beerdigung unserer lieben Mutter Luise Lutz geb. Gesche, sprechen wir unseren innigften Dant aus. [ 59742 Die Kinder. Von der Reise zurück Dr. J. Hirschfeld, Petersburgerstr. 83. 66/20 Kleine Anzeigen Möbelkäufe find vorteilhaft im +82 Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 9. d. m. verstarb unser Mitglied, der Schankwirt Ernst Finke Dudenarderstr. 34. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag nachmittags 4 Uhr von der Halle des neuen NazarethFriedhofes in Reinickendorf- West, Berlinerstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 266/7 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin II. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Hausdiener Hans Geske am Montag, den 9. d. M., ver storben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz- Kirchhofes. Mariendorf, Feldstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 75/5 Die Ortsverwaltung II. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe, unvergeßliche Frau Ernestine Wagner geb. Hildebrandt, am Dienstag, den 10. September 1907, nach schwerem Leiden ent schlafen ist. [ 59732 Der trauernde Gatte. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr, bom Trauerhause, Schulstr. 106, aus nach dem Städtischen Friedhof, Müller- und Seestraßen- Ecke, statt. ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Hofwohnung, Stube und Küche, Ruheplatstraße 16. Grundierer, tüchtigen, verlangen + 150* C. Ruthenberg Nachfolger, Berlinbillig Bödiferstraße 2. Hofwohnung, große Stube, Küche Weißensee, Langhansstraße 126. 26895* Gürtlerlehrling, gewissenhafte Vorderwohnungen, schön, groß, Ausbildung. Gründer, Mariannen 27476* 2 Stuben, Küche, Bad, zum 1. 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