Ur. 214. Bbonne ments-Bcdingungcn; JttonncmentS- Preis prSnumerando» Pierieljährl. Z,Z0 Mk., monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 23 Pfg. frei ms Haus. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Psa. Post- Wonnement: I,t0 Mark pro Monat. EingeKagen m die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CrfchclDt Sgiich i»tll«k Glcntaat. Berliner Volksblnkt. Die InfertionS'Gebflbr beträgt für die scchsgespaltene Kolons zeilc oder deren Raum EO Pfg., für politische und gewerlschaftliche PercinS« und Pcrsammlungs-Anzeigcn M Pfg. „Uteine?n-«lgcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weiicre Wort to Pfg. Stellengesuche und Schlas- stellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müsset» bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnet. Telegramm-Adresse: „SMialdtraoIirat Rwlln". Zentralorgan der fozlaldemokrati leben parte! Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Freitag, den 13. September 1907. Expedition: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Hei' fiMMirbel. Paris, 10. September.(Eig. 93er.) Unter der Regierung des Georges Clemenceau, des einstigen unbarmherzigen Kritikers und Verfolgers aller kolonialen Eroberungspolitik, ist die dritte Republik in das sinnloseste, aussichtsloseste und gefährlichste Abenteuer geraten, in eine Situation, aus der jeder Weg, den sie einschlagen mag zu größerem Unheil zu führen scheint. Dem kläglichen Mist lingen auf dem ganzen Gebiet der inneren Politik gesellt sich nun das furchtbarste Verschulden auf dem der äußeren zu. Der Mann, der sich einer gcängstigten Bourgeoisie als rettender Diktator angeboten hat, zeigt sich als hilfloser Dilettant, der die Kraft einer in einen harten Konkurrenz» kämpf gedrängten, in hohem Maße auf Schonung ihrer Energien angewiesenen Nation in einer Unternehmung ohne Gewinn und Ruhm vergeudet. Sicherlich ist die jetzige Lage nicht einzig die Schuld des heute herrschenden Mannes. Seit der Zeit, da I a u r v s zum erstenmal dem französischen Volke die Umtriebe der kapitalistisch-militaristischen Clique enthüllte, deren Pläne durch das Heuchlerwort von der„friedlichen Durchdringung" Marokkos verschleiert waren, haben die verschiedenen fran» zösischen Regierungen in ihrer Abhängigkeit von den groß» kapitalistischen Gruppen und von dcrpatriotischenPhraseologieder Kapitalisteupresse eine zweideutige Politik betrieben, deren Kurzsichtigkeit und Hoffnungslosigkeit der Nation nur darum entgehen konnte, weil die Unfähigkeit der deutschen Diplomatie der der französischen einen Rückhalt im verletzten nationalen Stolz gegeben hatte. Auch der Pakt von Algeciras, den Clemenceau übernommen hat, war sicher kein angenehmes Erbe. Frankreich erschien da, in Begleitung von Spanien, zu einer undankbaren, in ihrer Wirksamkeit von tausend Zufällen bedrohten Polizeifunktion verurteilt. Aber die Ereignisse in Marokko hätten Clemenceau die beste Gelegenheit gegeben, die in die Hülle eines papierenen Vorrechts eingewickelte Last loszuwerden. Denn sie hoben alle Voraussetzungen auf, worunter das inter» nationale Abkommen getroffen worden war. Dieses rechnete init einer tatsächlichen RegierungSmacht des Sultans, die durch die Vertragsmächte noch versichert werden sollte und mit einer Stimmung der Bevölkerung, die zur völligen Be» ruhigung des Landes beschränkte Polizeimaßrcgeln hinreichend erscheinen ließ. Aber ganz Marokko ist heute in völliger An» archie, der Prätendent gewinnt anscheinend immer mehr Anhänger und daneben taucht inimer wieder der sagenhafte Raisuli auf. Mit einer Hafenpolizei wäre da nicht das geringste geleistet, auch wenn überhaupt noch zuverlässige ein- geborene Mannschaften zu eiuein Dienst unter europäischen Führern zu gewinnen wären. Aber heute ist es nicht nur der ein- gewurzclte Fremdenhaß und nicht der wilde Rüubcrtrieb einzelner, gegen den die europäisch organisierte Polizei Schutz zu bieten hätte, sondern die zu wild lodernder Glut entfesselte nationale und religiöse Leidenschaft. Wenn in Paris ein fremder Staatsangehöriger etwa auf einer Promenade an der Umwallung die zu erwartende Bekannt- schaff mit den Revolvern und Messern der„Apachen" macht, wird kein Mensch daran denken, von derRePublik eine übereinematerielle Entschädigung hinausgehende Genugtuung zu verlangen. Von schwachen Barbareustaaten, die kaum die ersten Ansätze einer Vcrwalffingsorganisation haben, fordert die moralische Strenge kapitalistischer Kulturstaaten eine unbedingte Ver- antlvortung und ist flink bereit, sie erbarmungslos geltend zu niachen, wie die wilde Schießerei von Casablanca ge- zeigt bat. Mag aber das kapitalistische Geschäftsinteresse und der weltpolitische Ehrgeiz unter Umständen solcher Heuchelei be- dürfen, so führt in der französischen Marokkopolitik jeder Schritt auf diesem Wege dem Mißerfolge und der gefähr- lichsten Kompromittieruug alten Besitzes näher. Die Clemenceausche Politik ist mit einer unfehlbaren Un- geschicklichkeit darauf aus, den unzweifelhaften Erfolg von Algeciras in eine unheilvolle Blamage zu verwandeln. Die internationale Konferenz hatte die hochfahrende Sen- sationssucht der deutschen Marokkopolitik mit einer deutlichen Bloßstellung beantwortet Aber sie schloß doch neue Kolonial- eroberungen Frankreichs in Nordafrika aus. Tatsächlich handelte sie damit im nationalen Interesse Frankreichs, das neuen Landgewinn infolge der geringen Regsamkeit des fran- zösischen industriellen Kapitals überflüssig und durch Bindung starker militärischer Kräfte sogar gefährlich macht. Sie fügte eine internationale Bürgschaft zum Urteil der großen Massen der französischen Nation, das den Gedanken einer Eroberungs- Politik auf das entschiedenste verwirst. Die einzelnen Be- stimmungen der Konferenz von Algeciras sind sicher durch die jüngsten Ereignisse über den Haufen geworfen worden. Aber die Grundidee, die sie aussprechen, hat nach wie vor Geltung in der allgemeinen Meinung Europas und der Ueberzengung der französischen Volksmassen: die Aufrechterhaltung von Marokkos Unabhängigkeit. In demselben Augenblick, wo die Regierung ein zwei- deutiges Verhalten in diesem Puntte gezeigt hat,' ist sie zum nationalen Interesse Frankreichs in Widerspruch geraten und hat zugleich die deutsche Diplomatie, die diesen Erfolg gar nicht verdiente, in die günstige Situation eines umworbenen Gönners gebracht. Deutschland kann seine Friedfertigkeit demonstrieren, in- dem es die Regierung Clemenceau sich immer mehr in dem marokka- nischen Abenteuer verstricken läßt. Es erlaubt die Umwände- lung der eingeborenen Polizei in eine von Europäern an- geworbene, es läßt auch die Verwendung französischer Truppen zu umfassenden, über die Häfen hinausgreifendcn, unverhüllt kriegerischen Aktionen in großem Stil unwidersprochen. Indem die deutsche Regierung aber zugleich den notwendigen„provi- sorischen" Charakter dieser Maßnahmen unterschreibt und sich hierbei auf den Geist des Paktes von Algeciras beruft, Prä- sentiert sie sich auf billige Art als rücksichtsvoller Anwalt all- gemeiner Interessen. Wenn aber der militärischen Intervention Frankreichs in Marokko Grenzen gesetzt scheinen, ivozu dann die ganze so kosU spielige und die Leidenschaften der Nordafrikaner so auf- regende Aktion? Steckt hinter ihr nur die Spekulation einer Gruppe von Finanzkapitalisten, die für eine große. vom ressourcenarmen Land nicht aufzubringende Kriegsentschädigung Ausbeutungsmonopole als Pfand erhoffen und so das im Abkommen von Algeciras anerkannte Prinzip der offenen Tür und des freien Wettbewerbes zu durchbrechen trachten? Oder ist es heute schon die Angst vor der Rückwirkung eines— zweifellos jetzt zu spät kommenden— Zurückweichens auf die islamitische Bevölkerung von Algerien, deren Treue trotz der reichlichen periodischen Ergießungen von Ordenslcgions- bändchen am Ende doch nicht ganz zuverlässig ist? Wie beurteilt der leitende Minister die Lage, was hat er vor? Herr Clemenceau, der berühmte De- mokrat, äußert sich nur in vieldeutigen Interviews. Der Vertretung der souveränen Nation, dem Parla- ment, will er nicht Rede und Antwort stehen. Es ist ein Skandal sondergleichen, ein schreiender Beweis für den poli- tischen Bankrott der französischen Bürgerklasse, daß sie Herrn Clemenceau das Recht über Krieg und Frieden in die Hand gegeben hat. Auf Jaurvs Appell zur Einberufung der Kanuncrn hat die Regicrungspresse, zu der der großkapitalistische„Tcmps" wie die radikalsozialistischen Kläffer voni Schlage der„Aktion" gehören, mit gemeinen Beschimpfungen und mit der bequemen Anklage des„AntiPatriotismus" geantwortet. Wohl gibt es auch einzelne bürgerliche Blätter, die teils aus parteipolitischem Gegensatz, teils in der Vertretung Wirt- schaftlicher Gruppcninteressen das Verlangen nach Einberufung der Kammern unterstützen. Aber einen organisierten Wider- stand gegen den Clemenceauschen Absolutismus vermag nur die sozialisüsch gesinnte Arbeiterklasse zu erwecken. Die sozialistische Partei wird die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, der Nation das wahre Wesen des proletarischen Antimilitarismus klarzumachen. Sie ist heute in der günstigen Situation, daß auch dem blödesten Verstand nicht glaubhaft gc- macht werden kann, daß sie, in dem sie einen blutigen, kostspieligen und ungerechtfertigten Krieg bekämpft, den Interessen Deutschlands diene. Sie dürfte und könnte ihre Haltung auch nicht ändern, selbst wenn die deutsche Regierung auf ein Tauschgeschäft eingehen und Frankreich gegen eine Entschädigung auf anderem Gebiet Marokko trotz des inter- nationalen Paktes von Algeciras preisgeben wollte. Der französische Sozialismus ist jetzt in der Lage, zu belvcisen, daß die Beschlüsse und die Macht der Internationale nicht Schall und Rauch sind. Ein paar Wochen erst sind seit dem Kongreß von Stuttgart verflossen und unsere französischen Genossen sind mit aller Energie daran, zwei seiner Entschließungen, der nachdrücklichen Bekämpfung aller Kriegs- Politik und der Verurteilung der kapitalistischen Kolonial- räuberei, Geltung zu verschaffen. Als erstes Korps der Inter- nationale stehen sie im Feuer. Das ganze Heer der Arbeiter- klaffe nimmt, zu gleichem Kampf entschlossen, mit leideuschaft- sicher Spannung an dem ihren teil. #• Bom Tage ist zu melden, daß das französische Expeditionskorps vor Casablanca die Offensive ergriffen, das Lager der Marokkaner angegriffen und eine furchtbare Metzelei unter den Ueb errumpelten angerichtet hat. Den Franzose» kostete die glorreiche Aktion einen Toten und zehn Berwundete. Die Regiermig läßt erklären, daß sie den Auftrag zum Ergreifen der Offensive gegeben hat. Die Einzel- Nachrichten lauten: Paris, 12. September. Die„Agence Havas" meldet aus Casa- blanca vom 1l. September: General Drude kündigte gestern abend 6 Uhr seine Absicht an, Taddert anzugreifen. Heute früh 6 Uhr brach die erste Kolonne auf und erreichte um 7 Uhr das Gehöft Alvarez. Hier überraschte sie die marokkanischen Vor- Posten und machte sie nieder, bevor sie Alarm schlagen konnten. Die zweite Kolonne mit General Drude und dem Stabe brach um 7 Uhr bei dichtem Nebel auf und vereinigte sich mit der ersten, worauf beide in einem gleichbleibenden Abstand den Marsch fortsetzten. Um 8 Uhr wurde Halt gemacht. Die Artillerie eröffnete ein heftiges Feuer auf das Lager, in dem sie große Verwüstungen anrichtete. Die Infanterie nahm den Marsch gegen die marokkanischen Abteilungen, die von allen Seiten Zuzug erhielten, auf und warf sie von Hügelkette zu Hügelkette zurück. Die Artillerie nahm bald eine Stellung ein, die das ganze Feld beherrschte, und feuerte ununterbrochen bis Mittag, so daß das Lager und seine Umgebung unhaltbar wurden. Die Infanterie rückte in Taddert um 9 Uhr vormittags ein. Die Artillerie vernichtete lange Züge von Feinden, die wertvolle Gegenstände mit sich führten. Die Truppen bezogen um 3 Uhr nachmittags wieder das Lager, nachdem sie unausgesetzt die Herren des Geländes gewesen waren. London, 12. September. Wie dem Reuterschen Bureau aus Casablanca von gestern gemeldet tvirdt marschierten die Franzosen um 6 Uhr morgens in zwei Karrees, jedes zu sechs Kompagnien, mit zwei Batterien Feldartillerie, vier GebirgS- geschützen, zwei Mitrailleusen und der gesamten Kavallerie unter dem Kommando des Generals Drude ab. Nach einigen Zusammen» stößen mit den Arabern, welche nur in geringer Starke auftraten, bewegten sich die Franzosen unauflialtsam, jeden Widerstand mit dem Bajonett aus dem Wege räumend, gegen Taddert vor, bis ihnen der Ort in Sicht kam. Nach kurzer Beschießung der arabischen Zelte wurde die Infanterie gegen das Lager vorgeschickt. Der Feind floh unter Zurücklassung der Gefallenen. D a S Lager ivurde vollständig verbranxit. Die Ftair» zosen kehrten mit geringen Verlusten nach Casablanca zurück. Casablanca, 12 September. Bei dem gestrigen Vorstoße gegen Taddert machte sich General Drude den herrschenden Nebel sowie die Vorteile, die das Gelände bot, zunutze, um das Lager zu überraschen. Der Feind wurde zerstreut und auf der Flucht fortgesetzt von den Geschützen sotoie von dem Kreuzer„Gloire", der sehr wirksam eingriff, beschossen. Die französischen Verluste be» tragen einen Toten und zehn Verwundete. Paris, 11. September. Eine Note der„Agence HavaS" be» sagt: Mehrere Blätter haben Telegramme veröffentlicht, in denen behauptet wird, General Drude habe den Befehl erhalten, sich in der Defensive zu verhalten. Wir können erklären, daß diese Meldungen unrichtig sind. Die Regierung hat im Gegenteil den General Drude angewiesen, die Offenjive zu ergreifen, ohne ihm jedoch hierzu bestimmte Vorschriften zu erteilen. Köln, 11. September. Die„Kölnische Zeitung" meldet auS Tanger unter dem heutigen Datum: Der französische Konsular» agent in Marrakesch brachte für die französische und spanische Regierung Briefe Mulay Hafids hierher, die von den be. treffenden Lcgationen angenommen wurden. Mulay Hafid schreibt darin die Vorgänge in Casablanca einer Verkettung ungünstiger Umstände zu und spricht die Hoffnung aus, daß es ihm gelingen werde, selbst die Ordnung wiederherzustellen, so daß kein Grund zur Unzufriedenheit mehr vorhanden sein werde. Aoför der Staat heln Geld hat! Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß es die Pflicht des Staates sei, der Gcnickstarrc-Epidcmie, die in Köln und im Ruhrrevier noch immer heftig grassiert und mit Anbruch dcö Winters erst recht um sich greifen dürfte, durch en ergisch st e hhgie» nische Maßnahmen entgegenzutreten. Dazu gehörte, daß man die gesunden Kokkenträger, die aber die eigentlichen Verbreiter der unheimlichen Seuche sind, isolierte und be» handelte. Die Krankenkassen wollen dafür die Kosten nicht aufbringen— also müßte der Etimt eingreisen, der nicht nur für den Unterhalt der Isolierten aufzukommen hätte, sondern auch deren Lohnaussall zu decken hätte. Die Genickstarre bildete auch den HauptberatungSgegen» stand der zurzeit in V r e nr e n tagenden 3 2. Haupt» Versammlung des Deutschen Vereins für offen t» liche Gesundheitspflege. Der dem preußischen Kultus Ministerium beigeordnete Geh. Ob.-Med.-Rat Kirch» ner erklärte: „Nun ist in gewissen Kreisen, so bor allem im Industrie» gebiet, der Wunsch hervorgetreten, in Ansehung der Bedeutung der Kokkenträger diese abzusondern, und man hat geglaubt, der Epideniie ans diese Weise Herr zu werden. DaS Gesetz schreibt aber vor, daß dann zumindest der entgangene Arbeits- lohn ersetzt wird. Im Industriegebiet hat man nun auch die dasiir notwendigen Mittel flüssig zu machen ver» sucht. Die Erfahrungen waren aber nicht sehr er- m n t i g e n d. Man muß nämlich nicht nur die Kranken, sonder» auch die Krankheitsverdächligen isolieren, und was daS heißt, wissen ivir alle. Die Ausgaben für die Allgemeinheit würden ganz außerordentlich große werden." An der lumpigen Geldfrage soll also die einzig wirksame Bekämpfung der unheimlichen Seuche scheitern I Professor Dr. EriSmann-Zürich meinte denn auch, daß man ohne solche Isolierungen g es u» d e r Kokkenträger nicht aus- komme. In der Schlveiz greife man denn auch zu solchen Maß» nahmen. Allerdings müsse auch der A r b e i t S l 0 h n ersetzt werden. DaS geschehe auch— in der S ch w e i z I Der Referent Geh. Rat Flügge jedoch entgegnete, daß die freie Schweiz Mittel und Wege zur rigorose st en Isolation ihrer Scuchenverdächtigen habe. Der preußische Landtag stehe demgegenüber aus dem Standpunkt: Nicht allziivicl Freiheitsbeschränkungen, sonder« lieber rtniaS mehr Krank- hciten! fHeiterkeit und Bewegung.) Soweit die Be» völkerung sich die Absperrungen gefallen lasse, sollte man wirklich nach Schweizer Muster verfahren.(Beifall.) Aber dabei sei auch zu berücksichtigen, daß in Oberschlesien allein 3000 Genickstarrekranke vorhanden waren, so daß man zirka 3lZ lXX) Menschen zu isolieren gehabt haben würde. Geh. Rat Flügge steht also im Prinzip auf dem Standpunkte der„freien" Schiociz. Mit beißender Ironie meinte er jedoch, daß man in Preußen lieber etwas mehr Krank- heilen in den Kauf nehme, um nur ja nicht— wer lacht da?I— allzuviel„Freiheitsbeschränkungen" vornehmen zu müssen. Die verständnisvolle Heiterkeit und Bewegung unterstrich diesen Galgenhumor I Und in der Tat: nicht an der„Freiheitsbeschränkung" scheitert unsere Hygiene, sondern am Mangel an Geld! Selbst gesetzt, 30 000 Personen wären auf einige Wochen zu isolieren gewesen, was aber keineswegs der Fall gewesen wäre, wenn man rechtzeitig vor der Ausbreitung der Seuche infolge des Schlendrians unseres„aller Welt voran" gehenden PrcüßenS die Verhütungsmatzregeln ergriffen hätte, w a S wäre der finanzielle Effekt gewesen? Eine Ausgabe von höchstens 3. 4 Millionen Mark I Wahrscheinlich aber hätte in den Anfangsstadien der Seuche eine Halde oder eine Million genügt! Aber so viel Geld hat Pronßcn für hygienische Maßnahmen nicht übrig. Lieber lanft eS für 350 Millionen die polnischen .Kaninchen" oder— zu Wucherpreise»!— die deutschen Junker auS l Die Genickstarre ist ja vornehmlich eine Proletaricrkrnnkhcit, gegen die Luft, Licht und gute Ernährung immunisieren. Deshalb hat man kein Geld für ihre Bekämpfung übrig. Was kommt'S denn auf ein paar tausend Proleten an! Sthniimligzinzche für den Vahlrechtt- verrat. Die freisinnig- volksparteiliche Presse bereitet emsig ihre Leser auf den W a h l r e ch t s v e r r a t und B l o ck s ch a ch e r vor, dem in den nächsten Tagen der Parteitag der Freisinnigen Volkspartei seine offizielle Sanktion geben soll. Alle Proteste ans freisinnigen Handwerker- und Arbeitcrkreisen gegen diesen verräterischen Blockhandel sind anscheinend vergebens gclvcsen, alle Nesolntionen freisinniger Ortsgruppen ivcrdcn in den Papierkorb wandern, wenn sich nicht noch im letzten Augen- blick die durch den Wahlrechtsverrat auch in Zukunft ent- rechteten Wählermassen zur Aktion aufraffen l Mundspitzen hilft da nicht, es muß gepfiffen werden. Die„V o s s i s ch e Zeitung" verteidigt ganz offen den Kuhhandel. Sie versucht durch allerlei kindliche Ausflüchte diese Verhökerung der Volksrcchte zu beschönigen. So meint sie, auch die Sozialdemokratie befolge ja nicht in allen Fällen die Parole:„Alles oder nichts". So habe sie für die Herabsetzung der Gctreidezölle gestinnnt, so werde sie eventuell auch für eine Verkürzung der Militärdicnstzeit stimmen, ohne damit ihre letzten Forderungen der Beseitigung der Lebens- mittelzölle und der Volkswehr preiszugeben und„klapperbeinig an ihren Grundsätzen Verrat z« üben". Diese Vergleiche hinken denn doch gar zu sehr. Zunächst handelt es sich bei dem Freisinn um die Blockpolitik Nicht weil bei einem ernstlichen Kampf um daS Reichstags- ivahlrecht jeder Erfolg ausgeschlossen wäre, will ja der Feisinn das Reichstagswahlrecht schnöde preisgeben, sondern um sich nicht die Gunst der Agrarier und deS agrarischen Kanzlers zu verscherzen I Das ist der springende Punkt! Und es ist nichts als freisinniges Verlegenheitsgerede, daß dann, wenn es der Freisinn auf einen Bruch mit dem Block ankommen lasse, die Chancen der Wahlrechtsreform sich verschlechterten. Gerade daö Gegenteil ist der Fall! Sobald der Freisinn energisch in den Kampf um das Reichstagswahlrecht einträte, würde auch das Zentrum inklusive der Polen hinter dem Freisinn nicht zurückstehen können I Und da Freisinnige, Zentrum und Sozialdemokratie zusammen die Masse deS Volkes hinter sich haben, wäre die Negierung bei einem solchen Kampf schachmatt gesetzt, sie m ü ß t e bald genug kapitulieren und das Reichstags- Wahlrecht bewilligen! Das ist so klar, daß eine Widerlegung dieser Tatsache gar nicht möglich ist! Umgekehrt aber ermöglicht der Freisinnsschacher auch dem Z e n t r u m den Wahlrechtsverrat! Außerdem war es aber gerade ein freisinniger Parla- mentarier, Herr A l b e r t T r a e g e r, der überzeugend nach- wies, daß in Sachen des preußischen Wahlrechts nur die Losung„Alles oder nichts" die einzig richtige sei, da ein Etwas weniger als nichts sei: nämlich die Sicherung und Verlängerung der KlnssenwahlrcchtSschniach in Preußen l Denn daß dem angeblichen„ersten Schritt" der Flickreform k la Sachsen in absehbarer Zeit ein weiterer Schritt folgen werde, sei ganz ausgeschlossen. Jeder ernsthafte und ehrliche Anhänger des Reichstagswahl- rechts niüßte es daher ablehnen, dem in allen Fugen krachenden Dreiklassenwahlrecht durch die Flickreform neue Stütz- b a l k e n unterzuschieben! Darüber ist denn auch unter den von dem„reformierten" wie alten Klassenwahlrecht entrechteten Schichten innerhalb des Freisinns selbst nicht der niindeste Streit. Aber die „Freisinnsdiplomaten", die„Staatsmänner", die nur die Interessen der Börse und der G r o ß k a n f m a n n s ch a f t vertreten und vom Reichstagswahlrecht gar nichts wissen wollen, weil es die Interessen der iiichtbcsitienden Klassen fördern würde. haben nun einmal das Heft in d e r Partei in der Hand und verschachern schamlos die Rechte des Volkes I Auch die„ F r e i s i n n i g e Z t g." tiertritt die gleiche Ansicht wie die„Boss. Ztg. Sie erkärt rund heraus: „DieFreisiniiige BolkSpartei hat sich mit der veränderten Lage(der Blockpolitik Ij abgrfunden; sie ist bereit, ihr Rechnung zn tragen." Das heißt: die Freisinnige Volkspartei will nicht gegen die Konservativen, sondern m i t den Konseivativen die„Wahl- reform" machen. Damit ist diese Sorte von Wnhlrcform hinlänglich charakterisiert! Werden sich das die freisinnigen Arbeiter und Handwerker gefallen lassen? Werden sie selbst mit die Rnten binden helfen, mit denen die Junker und Börsianer sie zu züchtigen gedenken? Der 13. September wird es zeigen! Die„Voss. Ztg." ist der frohen Hoffnung, daß sich die freisiningen Arbeiter und Kleinhandwerker auch diesen Verrat ihrer„Führer" gefallen lassen werden. Sie schreibt: „Der„Vorwärts" eifert denn auch mit ungeschwächten Kräften gegen den„schmachvollen Blockschachcc' und verfehlt nicht, die Wähler zu ermahnen, daß sie in der sceisiniiigen„Monster- Versammlung" im ZirkuS Busch den Führern nachdrücklich.den Standpunkt klar machen".„Der 15. September wird für die demokratischen Elemente des Freisinns die Generalprobe sein." Wir glauben gern, daß es dem„Vorwärts" angenehm wäre, wenn es bei der Versammlung, die während deS Parteitages der Freisinnigen Vollspartei veranstaltet wird, zu recht leide nschnft- lichen Sluseinandersctznngon oder auch zn gelindem Skandal käme. Aber wir hoffen, daß die srelsinnigcn Wähler kaltes Blut genug bewahren werden, um zu erkennen, daß die Gegensätze innerhalb der bürgerlichen Linken in der Wahlrechtsfrage um so eher verschwinden, je ruhiger man sich ihrer Prüfung unterzieht." Wir sind nicht der Vormund der Hirsch- Dunckerschen. Wir stellen einfach— wie das ja von wahrhaft freisinnigen Politikern und Wählern selbst geschehen ist— die Frage: Wahlrechtskampf oder WahlrechtSoerrat? Versagen die Hirsch- Dunckerschen— umso schlimmer für sie und den ganzen Freisinn! Wie schrieb doch der Hirsch-Dunckersche Ar- bester jüngst in der„VolkS-Zeitung"? „Es scheint so, als wollten dies? Herren die Arbeiter, die noch nicht sozialdemokratisch sind, mit Gewalt vor den Kopf stoßen«ich von ihren Rockschößen abschnttcl».,., Spielt nicht mit llnseren berechtigten Forderungen, als ob wir nichts be- deuten. Es könnte dem Freisinn einen argen Stoß versetze», wie er ihn noch»ic erlebt hat."... poUtiSebe(lebsrlicbt. Berlin, den 12. September 1907. Richtet nicht, auf das Ihr nicht gerichtet werdet! Zu den lebhaftesten Verteidigern unserer kapitalistischen Ausbeutergesellschaft und den eifrigsten Mahnern zur B e- scheide nheit, Fleiß, Sparsamkeit gehören— die wenigen Ausnahmen bestätigen nur die Regel— die pro« te st antischen Pfarrer, hinter denen allerdings die katholischen Geistlichen hierin in keiner Weise zurückstehen. Das Eisern gegen die„Begehrlichkeit" der— Arbeiter bildet sogar eine Spezialität der Pfarrer. Und wenn der Eifer der Herren Pfarrer, die Sozialdemokratie in Volks- Versammlungen zu vernichten, im Laufe der Zeit nierklich nachgelassen hat, so vielfach nur deshalb, weil die geistlichen Herren dabei die betrübsame Erfahrung machen mußten, daß sie für ihre soziale Weisheit häufig sehr wenig gläubige Zu- Hörer fanden. Wie wenig Ursache die Pfarrer haben, dem Proletariat Bescheidenheit und Enthaltsamkeit zu predigen, beweisen ihre gar nicht idealen, cntsagnngsfreudigen, im Gegenteil sehr materiellen Forderungen, die sie auf dem zurzeit in Hannover tagenden, stark besuchten Pfarrertage diskutieren. Dort wurde eine Resolution angenommen, in der unter Betonung der Notwendigkeit einer Annäherung des Gehalts der Geistlichen an das Gehalt der Oberlehrer eine Gehaltsskala von mindestens 2799 bis 6999 M. nach 21jährigcr Dienstzeit mit dreijähriger Steigerimg als zn erreichende M i n d e st s k a l a, und im Falle der Aufhebung der Kommunal- st c u c r f r e i h c i t eine entsprechende weitere Erhöhung des Gehalts für notwendig erklärt wurde. Wir nehmen den Herren Geistlichen ihre an übergroßer Entsagmigssähigkeit keineswegs kränkelnden Gehaltsfordcrnngen an sich durchaus nicht Übel. Nur sollten die Herren künftig auch die Forderungen des Proletariats etwas objektiver und verständnisvoller beurteilen. Zugleich möchten wir freilich den Herren zu bedenken geben, ob sie nicht alle Ursache hätten, auch ihrerseits auf die staatliche Subventionierung zu verzichten und eine Trennung von Staat und Kirche anzustreben. Denn gerade die Geistlichkeit hätte alle Ursache, sich ihr Gehalt nur von denjenigen zahlen zu lassen, die auch wirklich der Geistlichen zu bedürfen glauben! Vorläufig freilich scheinen die Herren Pfarrer noch weit von diesem Standpunkte entfernt zu sein. Das beweist ihre Stellungnahme zur Frage der geistlichen Schulaus- ficht. � Die Herren wollen die Bevorinundung der Schule durch die Kirche nicht preisgeben. Es wurden deshalb aus ihrer Mitte folgende Forderungen gestellt: „Für den Fall der Einführung der fachmännischen Kreisschulaufsicht und des Fortfalls der technischen Ortsschul- aufsicht werden folgende Forderungen gestellt: 1. daß das ver- f a s s u n g S m ä ß i g e A u f s i ch t S r e ch t der Kirche über den R eligio ii S Unterricht gleichzeitig gesetzlich geregelt werde; 2. daß in den Bezirken, in denen jeyt die Kreiöschulanfsicht im Nebenamte geübt wird, bei Erledigung der Stellen und bei Neugründung von KreiSi'chnlinspeklionen in erster Linie Geistliche, die ihre Befähigung zur fach- mämiischen Schulanfsicht durch die vorgeschriebene Prüfung nach- gewiesen haben, als Kr e is sch ul insp e kto re n angestellt werden." Die Anträge riefen eine längere Aussprache hervor. Schließlich wurde ans Antrag des Pfarrers und Kreis- schulinspektorS Wetzet(Sandow) ein Antrag angenommen, der die B e s ch l n tz s a s s u n g der Anträge bei der Wichtigkeit der Sache und bei der Unmöglichkeit, sie diesmal ruhig und gründlich zu besprechen, ans die Versammlung des nächsten Jahres verschob._ Was ist Kolonialpolitik t Wenn wir Sozialdemokraten behaupten, die Kolonialpolitik sei letzten Endes nichts anderes als niasseiihafte Bcrcichcrimg einer gewissen Klasse von Kapitalisten aus Kosten des gesamten Voltes. dann schreien alle„Staatserhaltendcn" Gewalt über solche „Herabsetzung des Vaterlandes". Da ist es recht nett, daß auch einmal in einem ganz unverdächligen Blatt, nämlich ini Scherlschen„Tag" eine ebenso treffende Zeichnung der Kolonial« Politik sich findet. Ein gewisser Karl Eugen Schmidt aus Paris witzelt in der letzten Nummer des„Tag" über JanrsS, der sich von den radikal-bürgcrlichen Parteien Frankreichs habe für ihre Politik benutzen lassen und nun verwundert sei. daß sie ihn von sich 'toßen, nachdem er als Mohr seine Schuldigkeit getan. Dabei urteilt Schmidt wie folgt Über die wahren Beweggründe der Kolonialpolitik: „Er(JaurdS) ist nämlich gegen die Marolkospekulation, will von einem Eroberungskriege nichts wissen und verlangt einen neuen internationalen Kongreß zur Regelung der marokkanischen Frage. Solches zu verlangen in einem Augenblick, wo die Spekulanten gerade im höchsten Entzücken schwelgen, sintemalen sie den armen Jacques Bonhomme (ironische Bezeichnung deS französischen Volkes, etwa so wie„Deutscher Michel") glücklich in den Engpaß ge- bracht haben, worin er nolens volsns weiter marschieren muß, ist ein Verbrechen gegen die Nation. daS die Spekulanten nicht ungerügt lasten dürfen. JanrsS. der einst so ein Stück Heiland für sie war, ist jetzt eher ein Stück JudaS, ein Verräter von der allcrverächtlichsten und niederträchtigsten Sorte. Er kann sich freuen, daß es keine Bastille mehr gibt: die Machthaber der driltenRepublik hätten ihn sonst schon lange eingelocht. Und meiner Treu, recht hätten sie. Denn man mag sage», was man will: schöne Reden sind löblich, aber die Hand schützend über einen G-ldkasten halten, den ich eben stehlen will, das kann ich mir nimmermehr gefallen lasten. ES ist ein schönes Zeugnis sür die Ehrlichkeit und für die Naivität des französischen Sozialisten» führcrS, daß er tatsächlich wie vom Himmel gefallen dasteht vor der Wut der praktischen G e s ch ä f t S p o l i t i k e r, die ihn früher mit Lavendelöl einsalbten. Er ist eben wirklich ein ehr- licher Enthusiast und wundert sich, daß die andere» weiter nicht? sind als— sagen wir Geschäftsleute." Abgesehen von der schiefen Zeichnung der Persönlichkeit des Genosten JanröS, der durchaus nicht so naiv ist, sich über die Wut der Spekulanten zu wundern, können wir diesen Ausführungen rückhaltlos beipflichten. Man sieht, die bürgerliche Presse kennt daS wahre Wesen der Kolonialpolitik ganz gut— wenn sie gerade will. Zur LaudtagSwahl in Sachse». Dresden, 12. September.(Eig. Bcr.) Die am Mittwoch vollzogene Urwahl der dritten Wählerklasse laßt sich zwar noch nicht übersehen, weil die Resultate noch immer unvollstänoig sind; eS läßt sich aber im all- gemeinen doch erkennen, daß ein Fortschritt zu verzeichnen ist. In Pen Wahllreiscn, in denen sich Sozialdemokraten ernsthafter beteiligten, ist ein Anwachsen de'r Wahlbeteiligung und eine Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen eingetreten. Die Landtagswahlen rmtcr dem eleu- dcstcn aller Wahlsysteme konnten ein Bild von der Stärke der sozialdemokratischen Partei geben, denn viele Wähler konnten sich- nicht entschließen, Zeit und Lohn zu opfern, um nur mit den: Stimmzettel gegen die herrschenden Zustände und die Wahlcnt- rechtung zu protestieren. Wir hatten daher in Sachsen von jeher mit einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung in der dritten Klasse zu rechnen. Wenn es von Jahr zn Jahr etwas bester geworden ist, so ist das ein Beweis, daß die Wählermassen in größerem Maße die Parteiparole, mit dem Stimmzettel zu protestieren, beherzigt und die Gleichgültigkeit und Lauheit abgeschüttelt haben.» Ein Erfolg war bei den diesmaligen Wahlen so gut wie ganz ausgeschlossen.'Ein solcher ist, wie die Erfahrung gelehrt hat, nur in den Wahlkreisen denkbar, wo mehr als 59 Proz. der Arbeiter- schaft der zweiten Wählerklasse zugeteilt sind. Das ist aber nur in zwei Wahlkreisen Sachsens der Fall, von denen diesmal keiner mit zur Wayl steht. Die völlige Aussichtslosigkeit wird bei jeder Wahl lähmend wirken, so nachdrücklich auch hervorgehoben werden mag, daß die Abgabe des sozialdemokratischen Stimmzettels eine Protestkundgebung ist. Um so mehr muß es als ein Erfolg der Sozialdemokratie gewürdigt werden, daß besonders in den großen Städten eine starke Zunahme der sozialdemokra- tischen Stimmen zu verzeichnen gewesen ist. So stieg in Dresden II die sozialdemokratische Stimmenzahl von 3939 aus 4599 und die Wahlbeteiligung von 31 auf 46 Proz. Noch stärker war der Stimmenzuwachs im dritten Dresdener Bezirk, doch lassen sich hier wegen Veränderung der Wahlkrciscinteilung richtige Vergleiche nicht ziehen. Die Wahlbeteiligung stieg von 39 ans 69 Proz. Leider läßt sich nicht allenthalben die glatte Wahl der sozial- demokratischen Wahlmännerkandidaten in der dritten Klasse kon- statieren.' Es sind eben eine Anzahl Bezirke so ungünstig zu- sammengcsetzt, daß Hofbcamte und ähnliche Personen auch die untere Klasse beherrschen. Aber besser ist eS auch in dieser Be- ziehnng geworden. Während bei der letzten Wahl die Gegner in den beiden Wahlkreisen 12 Wahlmänner an sich brachten, haben sie diesmal nur in 5 Bezirken Stichwahlen erreicht, die wohl alle zu unseren Gunsten aussallen werden. In den beiden Dresdener Kreisen haben die Gegner nicht einen Wahlmann in der dritten Klasse durchgebracht. Dagegen ist im ersten Dresdener Kreise. Ivo eine Ersatzwahl sür den Nationalliberalen Schulze stattfinden muß. weshalb sich in einigen Bezirken Ersatzwahlen nötig machten. infolge einer sehr flauen Beteiligung der Arbeiter bei diesen einzelnen Ersatzwahlen leider ein Zurückgehen der sozialdcmo- kratischcn Wahlmänner zu beobachten gewesen. Doch ist das eine Ausnahme, die sich aus den besonderen Verhältnissen bei der Nachwahl erklärt. Am Donnerstag wird die zweite Klasse wählen. ES ist nur in einzelnen Bezirken einiger Wahlkreise auf ein Durchdringen der sozialdemokratischen Wahlmänner zu rechnen. Die Urwahlcn der ersten Klasse werden sicher das Uebergewicht der bürgerlichen Parteien in allen Kreisen ohne Ausnahme sicherstellen und so von neuem bekunden, daß in Sachsen zurzeit die Herrschaft des Geld- sackcs allein entscheidend für die Zusammensetzung der zweiten Kammer ist. DaS Wahlresultat sür die drei Dresdener Wahlkreise lautet? Im zweiten und dritten Kreise wurden nur sozialdemo» kratische Wahlmänner gewählt(78 bezw. 83). Im ersten Kreise wurden 22 nationalliberale und 4 sozialdemokratische Wahlmänner gewählt. � � Die Wahlen der zweiten Wählerklaste. Leipzig, 12. September.(Privatdcpcsche des„Vorwärts".) JmWahlkreiseLeipzig II erzielten dieSozialdiemokraten 135, die Nationalliberalen 1994 Stimmen. Im Kreise IV haben die Sozialdemokraten 391, die National- liberalen 1599 Stimmen erhalten. Die Wahlmänner sielen alle den Nationallibcralen zu. Die Wähler sind vornehmlich Mittelständler. Lehrer, Beamte, Rentiers, nur wenige Arbeiter. Das Resultat ist so, wie zu erwarten war. Der Kriegsstratege des Reichslügenvcrbandes. Herr Generalleutnant von Liebcrt, die oberste Leuchte des RcichSverlcumdungsverbandes, hat Pech. Schon seine burschikosen Aeußerungen über die Disziplinargerichtshöfc, die über den Fall PeterS zu befinden hatten, haben nicht nur in liberalen, sondern selbst in konservativen Blättern Anstoß erregt und recht deutlich wurde dem einst unter höchst sonderbaren Umständen zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika avanziertcn großen Kriegs- strategen zu verstehen gegeben, daß er nicht die in Ostafrika er- wordenen Umgangsformen auf die heimischen deutschen Gefilde übertragen möge. Doch die wohlgemeinten Ermahnungen haben wenig genützt: denn in einer Auslassung über das geplante Ent» cignungsgcsctz für die Ostmarkcn hat er offen den bekannten Grundsatz proklamiert:„Macht geht vor Recht." Diese Un- Vorsichtigkeit ist den Konservativen recht unangenehm. Selbst die dem Generalleutnant von Liebcrt seelenverwandte„Deutsche Tageszeitung" findet die Acutzerung nicht„sonderlich ge- schickt" und die„Kreuzzeitung" schreibt sogar: „Herr von Liebert hat vor kurzem erst allzustarke AuS- drücke zurücknehmen müssen. Auch diese» Wort, wenn eS wirklich gefallen ist, kann nicht auftecht erhalten werden. Bekannt ist, daß sich Bismarck, der doch wahrlich von sentimentaler Schwäche frei war, einmal energisch gegen den Vorwurf ver- wahrt hat, solche Grundsätze in der Politik zu vertreten. Auch heute kann i» Preußen niemand in verantwortlicher Stellung daran denken, die Polen rechtlos zu machen. Die Bestimmungen des Ansiedelungsgesetzes machen rechtlich keinen Unterschied zwischen polnischen und deutschen Bewohnern der preußischen Provinzen; und auch tatsächlich ist die Bestimmung, daß bei der Ansiedelung ein vom Regierungspräsidenten auszustellendes Unbedenklichkeitszeugnis beizubringen ist, gleichmäßig auf Bc- Werber deutscher und polnischer Nationalität angewandt worden. Ebensowenig kann ein künftiges Gesetz einen Unterschied machen unter den preußischen Untertanen verschiedener Nationalität.... Man kann nicht bestimmt genug dagegen Einspruch erheben, daß die angebliche Aeußerung des Herrn v. Liebert von irgendeiner politischen Partei außer der re- volutionärcn als Grundsatz anerkannt werde. Die preußische Regierung täte vielleicht auch wohl daran, die Sache nicht zu ignorieren, da an Herrn v. Liebert der Sylvester- Ii rief des Reichskanzlers gerichtet war und der Adressat dadurch den Nimbus einer Vertrauensperson deS Reichskanzlers erhalten hat." Im Grunde genommen hat der Konservatismus immer nach dem von der Kapazität des ReichSlügenverbandeS verkündeten Prinzip gehandelt, wenn er ihn auch nicht öffentlich zu vertreten wagte. Auch die Ausführungen über die Gleichheit des Rechts für die Untertanen preußischer und polnischer Nationalität sind nichts als elende Rabulistik. Gerade weil aber die konservativen Politiker stets diesen Grundsatz befolgt haben, ist ihnen seine offene Prolla- mierung durch einen der Ihrigen um so peinlicher. Interessant ist übrigens, daß das agrarkonscrvative Blatt die Gelegenheit benutzt, zugleich einen Hieb gegen den Fürsten Bülow zu führen, indem sie ihn daran erinnert, daß er sich mit feiner.! Geschmack bei seiner Reichstagswahlmache den Generalissimus des RcichSverbandeS zum Vertrauten erkor. Vielleicht wollte sie damit sagen:„Verwandte Seelen finden sich!" Die„Freifinnige Zeitung» kailN sich immer noch nicht beruhigen darüber, daß in dem Bericht deS Partcivorstandcs an den Essener Parteitag das schmähliche Verhalten deS Freisinns bei den Reichstagswahlen gebührend gc- brandmarkt worden ist. Nach einigen nebensächlichen Einwendungen gegen den Bericht behauptet sie nun, daß bei der Aufstellung der „S ü n d e n l i st e des Freisinns", die schon früher Gegen- stand lebhafter Auseinandersetzungen war,„in Wahrheit ganz willkürliche Zahlen gesetzt seien". Allerdings handelt es sich bei der Aufstellung der Wahlkreise, die der Freisinn durch Verzicht auf eigene Kandidaten den Parteien der Rechten aüZ- geliefert hat, nicht nur um die am Lb. Januar, sondern auch um die bei den Stichwahlen abgegebenen Stimmen, während bei der für Cannstatt angegebenen Stimmcnzahl ein Druckfehler unter- laufen ist; es mutz dort 318L statt L182 heißen. Dadurch wird aber an der Beweiskraft der Aufstellung durchaus nichts geändert. Der im 3. braunschweigischen Wahlkreis gewählte b. Damm und die für ihn abgegebenen Stimmen werden nach der amtlichen Statistik der„Wirtschaftlichen Vereinigung" zugerechnet. Damm ist daher im Einklang mit der Praxis der„Freisinnigen Zeitung" den Antisemiten zugezählt worden. In P i r n a sind am Lb. Januar von den 1333 freisinnigen Stimmen im Jahre 1333 allerdings auch noch 67 Stimmen für Kopsch abgegeben worden, während die übrigen freisinnigen Stimmen auf den Antisemiten übergingen, mit deren Hülfe er siegte. Oder will die„Freisinnige" etwa behaupten, daß der Rückgang der freisinnigen Stimmen in Pirna um mehr als 3S Proz. der natürlichen Entwickelung entspräche? Bezeichnend für das VerlcgenheitSgcstammel über die„Ober- flächlichkeit" und„Unbrauchbarkeit" des Vorstandsberichts ist der Einwand,„daß in Württemberg die Freisinnigen weder 1333 noch 1337 eigene Kandidaten aufgestellt haben". Selbstverständlich handelt es sich hier um die süddeutsche V o l k s p a r t e i, die eine der drei Parteien des Freisinns bildet, die seit der Frank- furter Vereinbarung miteinander in sehr enger Beziehung stehen. Der Freisinn mag sich drehen und wenden wie er will, den bei den Reichstagswahlen verübten Volksverrat vermag er nicht von sich abzuwaschen!— Der Nürnberger Peters-Prozeft. Die„Fränkische Tagespost" meldet: Vor einiger Zeit waren bürgerliche Blätter in der Lage mitzuteilen, daß der Termin im Prozeß gegen den Genossen Dr. Weill auf 8. Oktober anberaumt sei. Wir haben sofort darauf aufmerksam gemacht, daß die Sache höchst auffällig sei, da die Frist zur Erklärungsnbgabe bis 13. September laufe und eine Eröffnung deS Hauptverfahrens daher noch gar nicht stattgefunden haben könne. Am S. September benannte Rechtsanwalt Dr. Sützheim die Zeugen des Beklagten, lind bereits einen Tag darauf gingen die Ladungen hinan» zum Termin, zwar nicht vom 8.. aber vom 6. Okiober. Da der Amtsrichter, dem die Beleidigungssachen übertragen sind, zur Zeit sich in Urlaub befindet und die Frist zur Er- klärnugSabgabe noch bis 13. September lief, so wird die Geschichte immer rätselhafter. Es wird ivohl notwendig werden, zur Klärung des Sachverhaltes den betreffenden Richter als Zeugen zu laden. Beleidigungsklage gegen den Breslauer Polizeipräsidenten. Wie wir seinerzeit berichteten, hatte der Breslauer Polizei- Präsident am 1. Mai 1336, II Tage nach dem Blutbade aus dem Stricgaucr Platze, bei der Staatsanwalt- s ch a f t einen von Unrichtigkeiten strotzenden Bericht gegen den Genossen Albert von der„Volkswacht" eingereicht. In diesem Bericht wurde u. a. behauptet, daß die Urheber der Arbeiterun ruhen die sozialdemokratischen Agitatoren seien, daß ferner die sozialdemokratischen Redakteure der„Volkswacht"„systematische Verhetzung der Massen" betrieben und über die Vorgänge vom blutigen 13. April„erlogene Berichte und aufreizende Artikel" gebracht, die„alles in den Schatten gestellt" hätten. was bisher„auf diesem Gebiete beobachtet" worden sei! Daun hieh es mit Bezug auf den Genossen Albert in diesem Schriftstück folgendermaßen: „Diesen schamlosen Acutzerungen der Presse reiht sich würdig an die in dem anliegenden Bericht wiedergegebene Rede des Redakteurs Albert, in welcher von Bewahrung der Ruhe abgemahnt und ausdrücklich auf die Gewalttat en der Jahre 1848/1813 und die Ver- brechen der russischen Revolution, die noch frisch im Gedächtnis stehen, als nachzuahmende Vorgänge hin- gewiesen wird. Wenn gegen derartige Agitatoren nicht mit der vollen Strenge des Strafgesetzes eingeschritten wird, dürften sich alsbald, speziell hier in Breslau, Zustände etab- lieren, deren die Polizeibehörde kaum noch Herr werden könnte." Auf Grund dieses Berichts wurde wenige Stunden später Genofsc Albert wegen angeblicher„Aufreizung zu Gewalttätig- keitcn", begangen in seiner Mairedc, verhaftet und mehrere Tage in Untersuchungshaft gehalten. Breslauer Richter und das Reichsgericht haben wiederholt festgestellt, daß die Behauptungen des Polizeipräsidenten falsch waren. Genosse Albert wurde bekanntlich freigesprochen. Vor Gericht wurde, sogar von dem Ueberwachenden jener Vcrsamm- lung, festgestellt, daß Albert nicht aufgereizt oder gar zu Ge- Walttätigkeiten angereizt hat. Gerichtlich wurde festgestellt, daß Albert nicht„von Bewahrung der?iuhe direkt abgemahnt" und nicht Verbrechen als nachahmenswert bezeichnet hat. Trotz alledem hat der Polizeipräsident, der so oft wegen scharfer Kritik einer Schutzmannshandlung Strafantrag stellt, die Unwahrheiten seines Berichts noch nicht zurückgenommen. Nun- mehr wird Genosse Albert Beleidigungsklage gegen den Polizei- Präsidenten stellen. Zum Sühnctermin erschien der Polizei- Präsident nicht. Ob Kompetenzkonflikt erhoben werden und dann das gerichtliche Verfahren gehemmt werden wird, bleibt abzu- warten. Ultramontaner Gcisteskampf. Bei der letzten ReichstagSwahl hatte das sozialdemokratische Wahlkomitee des Münsterschcn Wahlkreises Borken-Rcckling- Hausen auch zwei Genossen als Stimmzettclvertciler nach dem Oertchen Rhade entsandt. Kaum hatten die beiden Stimm- zettelverteiler am Wahllokale Stellung genommen, als biedere Zentrumsleute auf sie zueilten und ihnen die Stimm- z e t t e l abnahmen, die sie zerrissen und in den Kot traten. Den beiden Genossen blieb, als die fromme Bande dazu überging, handgreiflich zu werden, nichts übrig, als sich zu entfernen und so wenigstens ihre heilen Knochen zu retten. Man schickte eine Ablösung mit neuen Stimmzetteln hin, ihr wurde noch übler mitgespielt. Zunächst wurden auch diesen Ge- nassen die Stimmzettel abgenommen, die man ebenfalls zerriß und in den Dreck stampfte, dazu gah es höhnische Bemerkungen und Rippen st öße. Der Ortsvorsteher, der zugleich Wahlvorsteher war, feuerte einen Bewohner des Ortes mit Zurufen zum Angriff auf die beiden Stimmzettelverteiler an; der Bc- treffende. Lammers mit Namen, rannte auf den Genossen Boden los und schlug ihn mit seinem Stock blindlings über den Kopf; das gab den frommen Banditen, die umher- standen, Mut; mit Schlägen und Stößen stürzten sie sich auf die beiden Genossen und vertrieben sie vom Schulhof. Der Pfarrer, der in diesem Augenblicke gerade hinzu- kam, gab den Mißhandelten den Rat, den Ort zu verlassen; er führte sie aus dem Kreise der Raufbolde lffiiaus, sodaß sie ohne weitere Mißhandlung sich in Sicherheit bringen konnten. Ihren Wunsch, ihnen die Naiüen einiger der Banditen anzugeben, fand sich Hochwürdcn zu erfüllen nicht veranlaßt. So konnte außer dem Lammers nur noch ein Mitschuldiger ermittelt werden. In Dorsten wurde dieser Tage die Heldentat der Schwarzen vor dem Schöffengericht verhandelt. Lammers, der die Mißhandlung des Genossen Boden zugestehen mußte, wurde zu— fünfzehn Mark Geldstrafe(!) oder drei Tagen Gefängnis verurteilt; der Mitangeklagte wurde freigesprochen, da ihm nicht nach- gewiesen werden konnte, daß er sich an der Mißhandlung beteiligt hatte. Der Vorfall, der die Ultramantanen wieder einmal in ihrer ganzen Glorie als„Gcisteskämpfer" zeigt, ist ebenso inter- cssant wie das Urteil, das in der Geringfügigkeit der Strafe lehr- reiche Vergleiche zuläßt mit Urteilen gegen ausständige Arbeiter, die einem Arbeitswilligen auf die zarten HiUmerauaen getreten haben._ Ein polizeilicher Mifigriff. Auch wir berichtete» seinerzeit über einen polizeilichen Mißgriff, der sich im Oktober v. I. in Wiesbaden ereignete. Ein dort seit geraumer Zeit lebender Schriftsteller Karl Böttcher wurde eines Nachts auf dem Heiinwege von einem Schutzmann angehalten, nach seiner Legitimation gefragt und trotz Vorzeigung seines Reisepasses zur Polizeiwache gebracht, unter ü b e l st e r Behandlung und sogar unter Anwendung einer Handfessel— all das, ohne daß der so Be- handelte irgend etwas begangen hätte, lediglich wegen der durch nichts begründeten Mutmaßung, daß er an einem Vorgarten eine Störung verursacht habe. Dem Opfer der Polizeigewalt ist nun nicht etwa eine Genugtuung zuteil geworden— auch seine gegen den Schutzmann gerichtete Strafanzeige fand beim Staatsanwalt wenig Gegenliebe—, sondern zu allem übrigen wurde vom Schutzmann gegen ihn noch ein S t r a f a n t r a g ge- stellt, unter der Beschuldigung der verschiedensten Straf- taten gegen diesen Vertreter der heiligen Herniandad, als da sind Widerstand gegen die Staatsgewalt, tätlicher Angriff usw., Hausfriedensbruch, weil er die Polizei- wache nicht sogleich verlassen hatte, und schließlich Beleidigung, weil er es gewagt hatte, in der„Frankfurter Zeitung" den Tat- bestand klarzulegen. Zu einem Teil hatte inzwischen schon der Staatsanwalt auf Grund der Erhebungen die Anklagepunkte fallen lassen müssen. Das Wiesbadener Landgericht hat nunmehr aber in allen Punkten den Augeklagten außer Verfolgung gesetzt. Herr Böttcher schreibt nun darüber in der„Frkf. Ztg.": Gegen elf Monate hat die Sache bei den verschiedensten Instanzen geschwebt, bis mir endlich heute— nach einem neuer- lichcn Ermittelungsverfahren— der Beschluß des Land- g e r i ch t s zugeht: Ich bin außer Verfolgung gesetzt und die Schutz mannsanzeigen sind in allen Punkten— abgewiesen. Wenn ich auch, meiner Ucberzeugung nach, in der öffentlichen Gerichtsverhandlung der Sache, bei der elementarsten Rechtspflege hätte freigesprochen werden müssen und beinahe bedaure, daß ich nun nicht als„Angeklagter" fungieren kann— der Beschluß des Wiesbadener Landgerichts verpflichtet mich zu einer artigen Verbeugung. Nun folgt der Tragödie zweiter Teil: die Wieder- aufnahm« meiner Klage gegen den Schutzmann wegen der an mir verübten, oben erwähnten Handlungen. Und die Beleuchtung der damit in Verbindung stehenden eigenartigen Erscheinungen, welche unser Polizeisystem charakterisieren. Denn— um mit der Feierlichkeit eines Bibelspruches zu schließen— so etwas ist in unserem modernen Staatsleben für die Polizei Herrlichkeit„nützlich zur Lehre, zur Strafe, zur Besser» ug, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit". Wiesbaden, 3. September 1337, Abeggstr. 2. Karl Böttcher. Die„Frkf. Ztg." bemerkt hierzu mit Recht: „Wie steht es nun mit dem Disziplinarverfahren gegen den Schutzmann? Der Wiesbadener Polizeipräsident hatte nur erklärt, daß er es vom Ergebnis der gerichtlichen Unter- suchung abhängig machen müsse, ob er Veranlassnng habe, gegen den Schutzmann disziplinarisch vorzugehen. Wird ihm jetzt die zitierte Gerichtsentscheidung diese Ver- anlassung bieten?"—_ Wie man Freiherr wird! In Nr. 626 von diesem Jahre brachte das führende Blatt der nationallibcralen Partei, die„Köln. Z t g.". folgende Anzeige: „Aristokraten, Großindustrielle» soder Sohn), der auf Nobili- t i e r u n g Wert legt, ist Gelegenheit geboten, durch Beteiligung von 733 333 M. an Gründung einer national- liberalen Zeitung in deutschem Vimdeöftaate, der selbst mit 3(X)lW)0 M. beteiligt, den Freiher rntitel zu er lv erben. Ernstl. Reflektanten erfahre»... usw." Der„Pfälzer Bote" in Heidelberg behauptet nun, daß mit dieser Zeitung die„M ü n ch e n e r A l l g e m. Z t g." gemeint gewesen sei. Auch ein hübscher Beitrag zur Korruption der Presse, der bürger- lichen Parteien und des OrdnungSstaates überhaupt I— Australien. Die Wahlen znm Staatsparlament fanden am Dienstag in Neu- SüdwaleS statt. Die Arbeiterpartei erhielt, soweit Siesultate bis jetzt bekannt geworden sind, 23 Mandate; sie hätte damit 4 Sitze, die bisher die Liberalen imie hatten, gewonnen. Diese vier Sitze sind in Orten mit starker Jndustriebevölkerung erfochten. Die bisherige Regierimg erhielt eine genügende Majorität, um im Amte bleiben zu können. Alle Minister wurden wiedergewählt. Aufsehen erregte die starke Beteiligung der Frauen und das lebhafte Interesse, welches sie für die Wahlen bekundeten. Sie russische Revolution. Die Stimrnnng in de» Arbcitcrkreise». Dem„Rufs. Bulletin" wird aus Petersburg geschrieben: Vor einigen Tagen fand eine Sitzung des Zentralkomitees der sozialdemokratischen Partei statt, auf welcher einige Mitglieder des Zentralkomitees, welche die Provinz bereist hatten, über die Stimmung der Arbeiterschaft und die Lage der Parteiorganisationen in der Provinz Bericht erstatteten. Es erwies sich, daß die„Nieder- geschlagenhcit und Apathie der Bevölkerung", von der die Zeitungen in eincmfort sprechen, ungemein aufgebauscht wird. Es wurde konstatiert, daß die Lage in der Provinz, insbesondere im Süden, in dieser Beziehung bedeutend besser ist als in den Hauptstädten, wo die administrative Willkür und die Repressalien gegenwärtig alles früher Dagewesene in den Schatten stellen. Obwohl sich auch die Provinz über Mangel an Repressalien nicht beklagen kann und in mancher Beziehung(Presse, Legalisation der Gewerkschaften usw.) bei weitem schlimmer daran ist als z. B. in Petersburg, so stößt die Bewegung in der Provinz gegenwärtig dennoch nicht auf so viel Schwierigkeiten wie in den Hauptstädten. Es darf hierbei nicht außer acht gelassen werden, daß bei der Arbeiterschaft Peters- burgs und Moskaus, die während der letzten RcvolutionSjahre im ökonomischen und insbesondere im politischen Kampf der Arbeiter- schaft im ganzen Lande voranging, naturgemäß eine stärkere Ucber- müdung eintreten mußte. Hierzu kommen noch Gründe rein parteilichen Charakters, die die Entlvickelung der Bewegung in des Hauptstädten in negativem Sinne beeinflußten. Alle Berichterstatter konstatierten einmütig, daß sich unter dem Einfluß der herannahenden Wahlkampagne allerorts eine stärkere Belebung, ein gewisser Aufschwung bemerkbar mache. Unter dem Einfluß des Konferenzbcschlusses, an den Wahlen teilzunehmen, und der diesbezüglichen Agitation der Parteimitglieder, macht die bis- her so verbreitete Boykottrichtung immer mehr der entgegengesetzten Richtung Platz, und gleichzeitig tritt an die Stelle der Passivität und Apathie unter den Arbeitern Aktivität und Belebung. Dieser Umschwung in der Stimmung der Arbeiter tritt sogar schon während der wenigen Wochen, die seit der allrussischen Partei- lonfercnz verflossen sind, offen zutage. Es verdient Beachtung, daß sogar unter den Moskauer Arbeitern, die ja durch den Wahlrcchtsraub Stolypins ihr Wahl- recht fast vollkommen eingebüßt haben, ein solcher Umschwung zu verzeichnen ist. Soeben aus Moskau eingetroffene Genossen wider- legen kategorisch die jüngst von der liberalen Presse gebrachte Nach- richt, daß die Moskauer Arbeiter sich auf großen Versammlungen einstimmig für den Wahlbohkott ausgesprochen und einige an- wescnde Mitglieder des Zentralkomitees veranlaßt hätten, die Durchsicht des Konferenzbeschlusses bezüglich der Wahlbeteiligung im Zentralkomitee anzuregen. Diese Nachricht ist von Anfang bis zu Ende erlogen. Es wird in letzter Zeit im Gegenteil konstatiert, daß die Arbeiter, die vom Wahlrechtsraub nicht betroffen sind, sich als Wohnungsmieter in die Wählerlisten eintragen lassen. Dementi. Der Hülfsverein der deutschen Juden erhält folgendes Tele- gramm: Kischincw, 12. September. Die in den Zeitungen verbreiteten Nachrichten über einen Pogrom in Kischincw bestätigen sich er- freulicherweise nicht. '.' Petersburg, 12. September.(Meldung der Petersburger Tele- araphen- Agentur.) Die falsche Meldung über den Pogrom in Kischinew rst offenbar dadurch veranlaßt worden, daß vor dem dortigen Bezirksgericht gegenwärtig der Prozeß über den im Jahre 1332 im Flecken Kalarasch stattgefundenen Pogrom verhandelt lvird. Sie Nergarbeiterbeivegung In der (ilederianntz. Senftenberg, 12. September. Endlich haben die Unternehmer aus die Vorwürfe, die ihnen selbst aus bürgerlichen Kreisen zuteil geworden sind, eine Antwort gefunden. Und was für eine! Die..Lausitzer Zeitung, Tageblatt für die Lausitzer Berg- und Hüttenindustrie", bringt an leitender Stelle unter dem Motto:„K o h l e n st r e i k in Sicht?" die Zuschrift des Vereins der Niederlausitzer Kohlenwcrkc. Zunächst beschäftigt sich das Organ mit einem überaus heftigen Angriff— die Unternehmer bezeichnen ihn selbst als solchen— der„Arbeits» marktkorrespondcnz" von Prof. Dr. Jastrow gegen die Nieder» lausitzer Werksverwaltungen. Dr. Jastrow schilderte die Lage haar» genau richtig so: „Schon vor Jahren wurde ziemlich deutlich für die Arbeit« geber darauf hingewiesen, daß die Arbeitsverhältnisse im Braun» kohlenbergbau der Nicderlausitz sehr viel zu wünschen übrig ließen. Es war eine durchaus falsche Politik, die Dinge ihren Gang gehen zu lassen, ohne daran zu denken, daß angesichts der niedrigen Löhne über kurz oder lang ein ernster Konflikt unausbleiblich sein müsse. Das niedrige Lohnniveau hatte allerdings zur Folge, daß in keinem Braunkohlenrevier Deutschlands die Ge- stehungskosten so tief standen wie im Braun» kohlenbergbau der Provinz Brandenburg. Aus dieser Feststellung allein ergab sich aber schon die Notwendigkeit, der Bewegung der Löhne größere Aufmerksamkeit zu schenken, als dies durch die Werksverwaltungen geschehen ist. Wenn darauf hingewiesen wird, daß in den letzten Jahren die Löhne um 18 Proz. gestiegen seien, so Hilst dies nicht darüber hinweg, daß im Vergleich zu den Löhnen in anderen Gebieten des Braun- kohlenbcrgbaus die Löhne in der Provinz Brandenburg und hier wieder im Niederlausitzer Revier an sich v i e l zu niedrig standen und stehen. Die Werksverwaltungcn haben nur eine Entschuldigung für ihr geringes Interesse, das sie der Besserung der Arbeiter- Verhältnisse schenkten, nämlich den Hinweis auf die eigenartige Verfassung des Arbeitsmarktes in ihrem Bezirk. Die Berg- arbeitcr blieben nie sehr lange auf ihren Arbeitsstellen, sondern wanderten im Hinblick auf die niedrigen Löhne sehr bald westwärts ab. Die Folge war aber nicht etwa Arbeitermangel auf den Gruben, sondern ein äußerst starker Zufluß überaus anspruchsloser und billig st er Arbeitskräfte aus dem Osten, aber auch aus Brandenburg selbst, aus dem landwirtschaftlichen Teile der Mark, Schlesiens und Posens kamen haufenweise die Arbeiter, um Gruben- oder Fabrikarbeit zu verrichten. Daneben werden aber auch noch Polen in großer Zahl angeworben, so daß vor einigen Jahren die Polen in einer Reihe von Bezirken das deutsche Element zurückgedrängt hatten. Auf dieser eigenartigen Gestaltung des Arbeitermangels be- ruhte die Möglichkeit, das Lohnniveau fortgesetzt so niedrig wie möglich zu halten, bis jetzt endlich unter der Arbeiterschaft daS Maß der Unzufriedenheit übergelaufen ist. Sie haben den Werken ihre Bedingungen eingereicht, aber noch nicht einmal eine Antwort erhalten. Vermutlich rechnen die Werksverwal« tungen damit, daß bei der besonderen Zusammensetzung der Arbeiterschaft ein geschlossenes Vorgehen der Arbeitcr nicht zu erzielen sei, daß außerdem der Zuzug fremder Arbeitskräfte sie vor größeren Verlegenheiten bewahre. So wie die Dinge liegen, handelt es sich um einen Konflikt. der durch die abwehrende Haltung der Werksverwaltungen und ihre Gleichgültigkeit gegen die berechtigten Ansprüche der Ar- beitcrschaft notwendig geworden ist. Wenn gesagt wii*\ daß bisher eine ersprießliche Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in der Niederlausitz beständen habe, so kann das Zusammenarbeiten nur darin gefunden werden, daß die Arbeiter sich stillschweigend in Verhältnisse gefügt haben, gegen die sie wegen des fluktuierenden Charakters der Arbeiter- bevölkcrung, wegen der mangelhaften Organisation und wegen der ziemlichen Uneinigkeit nichts ausrichten konnten. Aus diesem passiven Verhalten der Arbeiterschaft kann aber keineswegs ge- schlössen werden, daß sie ihre Lage nicht als unbefriedigend schon längst empfunden hätten." Die hier wiedergcgebeuen Stellen aus der„Arbeitömarkt- korrcspondenz" treffen den Nagel aus den Kopf. Der Artikel lvar der Unternehmerorganisation zur Nückäußerung zugestellt worden und der Vorstand des die Gesamtheit der Werksverwaltungen der Niederlausitz darstellenden Vereins antwortet nun u. a. darauf folgendes: „ES ist richtig, daß schon seit vielen Jahren von der sozial- demokratischen Presse fortlaufend auf die angeblich un- befriedigenden Arbeitsverhältnisse im Niederlausitzer Braun- kohlenbergbau hingewiesen wird. In erster Sicihe werden un- unterbrochen die zu niedrigen Löhne aller Berg- und Fabrik- arbciter hervorgehoben, und man scheut sich nicht, zur Be- griindung der Forderungen in der Regel die wirklichen Verhält- nisse zu entstellen.... Es kann behauptet und bewiesen lverdcn. daß die Wcrksverwaltungen den Lohnverhältnissen stets die größte Aufmerksamkeit geschenkt haben.... Wie die Tatsachen beweisen, haben fast alle Werke der Niederlausitz ihre Fürsorge fut die Arbeiterschaft durch Schaffung geräumiger und gesunder Wohnungen und durch ander- weite Wohlfahrtseinrichtungen bewiesen, und hat man mit der Besserung der Marktlage freiwillig(?) die Lohnverhältnisse im Laufe der letzten Jahre aufgebessert, so datz sie heute eine durchaus befriedigende und a n gemessene Höhe erreicht haben." Es ist ein Skandal, in welcher Weise der Verein die Oeffent- lichkcit anzulügen sich erdreistet. Da sollen fast alle Werke durch Schaffung geräumiger und gesunder Wohnungen ihre Fürsorge für die Arbeiterschaft bekundet haben. Dabei ist es gerichtsnotorisch, dast die Zustände in den Arbciterkasernen der Gruben ein Hohn auf die Menschlichkeit, eine kulturwidrige Un- gcheuerlichkeit sind! Siebzehn Tage lang ist im März und April vorigen Jahres an Gerichts stelle gegen den Bezirksleitcr Gärtner vom Berg- arbeiterverband verhandelt worden. Dinge, die man im Herzen Deutschlands, vor den Toren von des Reiches Hauptstadt niemals für möglich gehalten hätte, sind dort zur In den nächsten Tagen werden wir die Zustände an der Hand tatsachlichen Materials beleuchten. Dann sollen Löhne von 120 bis 160, ja solche von 1?0 M. und darüber monatlich verdient worden sein. Nach den amtlichen Angaben betrugen die Löhne für unterirdisch beschäftigte eigentliche Bergarbeiter(Häuer und Schlepper«m 1903 3.00 M. 3,31„ 4,11„ 1906 2,78 M. 3,47.. 3,76„ Bergrevier Frankfurt a. O. Ost-Kottbus ,, Wcst-Kottbus Es liegt System darin, einzelnen Leuten besonders günstige Arbeit zu geben, sie dann noch täglich IMs Schichten und regelmäßig Sonntags zu beschäftigen und sie dann der Ocffentlichkeit als ..Paradcpferde" vorführen zu können. „Gewiß ist von der sozialdemokratischen Partei versucht worden, bei auf einzelnen Braunkohlenwerken hervorgerufenen Arbeitseinstellungen Arbeiter nach dem Westen abzuschieben. Doch konnte in jedem Falle festgestellt werden, daß die ab- geschobenen sehr bald wieder zurückkanien, da die Arbeitsbedingungen in der Nicdcrlausitz von ihnen als günstiger erkannt wurden. Infolge der überaus starken Eni- Wickelung der Niederlausitzcr Braunkohlenindustric im letzten Jahrzehnt reichten die einheimischen Arbeitskräfte nicht entfernt zur Bewältigung der Arbeitsleistungen aus, und nur aus diesem Grunde mußten neue Arbeitskräfte aus dem Osten heran- gezogen werden, schon um nicht die Landwirtschaft des Bezirkes von den erforderlichen Arbeits- kräften zu entblößen. Unrichtig ist aber die Be- hauptung, daß das Polentum das deutsche Element zurückgedrängt habe, denn das letztere überwiegt noch immer derartig, daß von einer Gefährdung des Deutschtums nicht gesprochen werden kann." Die sozialdemokratische Partei soll Arbeiter nach dem Westen abzuschieben versucht haben?! Das ist ein so offenbarer Unsinn, daß eine Widerlegung sich erübrigt, köstlich ist's, wenn die Unter- nchmcr behaupten,„Abgeschobene" seien bald wieder zurück- gekommen,„da die Arbeitsbedingungen in der Nicdcrlausitz von ihnen als günstiger erkannt wurden". Noch gelungener nimmt sich der PassuL von der Rücksichtnahme auf die Landwirtschaft des Bezirkes aus dem Munde von Leuten, denen jedwede A'rt von Rücksichtnahme ein unbekannter Begriff ist. In Wahrheit haben die Werksverwaltungcn auf der Suche nach Arbeitskräften wahllos alles angeworben, was ihnen vor die Hand gekommen ist. Die kulturell tiefstehendsten Elemente Galiziens und Kroatiens waren ihnen als Ausbeutungsobjekte gut genug. Die landwirtschaftlichen Arbeiter des Bezirks hüten sich, Gesundheit und Knochen in den Schindergrubcn der Niederlausitz für ein Butterbrot zu lassen. Tie Unternehmer spielen deshalb die Rolle des Fuchses, dem die Trauben zu sauer— pardon— der die Landwirtschaft nicht von Arbeits- iraften entblößen wollte! „... Es ist richtig, daß die sozialdemokratische Bezirks-, orgamsation im Laufe der letzten Monate eine sehr rührige Agitation einleitete und daß die Mitglieder deö Bergarbeiter- Verbandes die bekannten unerfüllbaren For- Gerlingen gestellt haben. Wenn die Forderungen unbcam- toortet blieben, so ist dies ganz selbstverständlich, da die ein- zclncn Werkslcitungen nach der bcrggesetzlichen Einführung der Arbeitcrausschüsse lediglich mit diesen zu verhandeln haben und namentlich angesichts der geringen Mitgliederzahl weder in der Lage sind, den Bergarbeiterverband, noch etwa von dessen Mitgliedern gewählte Koliimissionen als berechtigte Per- trcter der Niederlausitzer Bcrgarbcitcrschaft anzuerkennen. Tie angestrebte Verkürzung der Arbeitszeit ist zurzeit mit Rücksicht auf den bestehenden, überaus empfindlichen A r b e i t e r m a n g c I sowie auf die eigenartigen Fördcrverhält- nissc in der N iederlausitz absolut undurchführbar und die weiter geforderte Lohnerhöh un g von 15 Proz. aus den oben angeführten Gründen unberechtigt. Tie weiteren. Forderungen sind auf den meisten Braunkohlenwerkcn bereits erfüllt." Also die sozialdemokratische Bezirksorganisation hat eine Agitation eingeleitet und die Mitglieder des Bergarbeitervcrbandes haben die„bekannten unerfüllbaren Forderungen" gestellt. Wer lacht da?! Bequem, billig, aber ein echt demagogischer Kapitalistentrick ist es, sich auf den„gesetzlichen Boden der Arbeiter- ausschüsse" stellen zu wollen. Es erlvcist sich bei jeder Gelegenheit, daß die vom preußischen Gcldsacksparlament den Arbeitern als schillerndes Etwas zugeworfenen Arbeiterausschüsse Dekorations- stücke sind und als Aushängeschild dienen müssen, um allen For- dcrungeu und Verhandlungen aus dem Wege gehen zu können. Die?lrbeiterauSschüsse sind Marionetten in den Händen der Unternehmer! Tun sie ihre Pflicht, fliegen sie. Sie sind u. a. gepriesen worden als vorzügliche Ein- richtung zur Regelung von Lohnfragcn. Der Vorstand des Ober- schlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins erließ aber an die Verwaltungen der Kohlen- und Erzgruben folgendes Geheim- zirkulär: „... Neuere Vorkommnisse lassen es als zweckmäßig er- scheinen, die prinzipielle Abmachung zwischen den Gruben- und Hüttcnvcrwaltungen noch nach der Richtung hin zu ergänzen, daß auch in den Arbeiterausschüssen, wie solche auf Grund der letzten Berggesetznovelle für die einzelnen Gruben gewählt wurden. keinerlei zu weitgehende oder gar bindende Versprechungen hinsichtlich etwaiger Lohn- erhöhungen erfolgen. Unser Vorstand hat demgemäß... beschlossen, daß, wenn in den Sitzungen dieser Ausschüsse auch Lohnfragen zur Erörterung gelangen sollten, die in Frage stehenden Herren Vertreter... ihrerseits niemals irgendwelche Zusage genereller Natur inbczug auf Lohnerhöhungen abgebe n." Wie Figura zeigt, spielen die Unternehmer Fangeball mit den Ausschüssen und Komödie der Ocffentlichkeit gegenüber. Vor letzterer wird pathetisch erklärt, daß man sich über Lohnfragen mit den„gesetzlich zuständigen" Arbeiterausschüssen einigen müsse, und geheim erfolgen Erlasse, denen zufolge sich„die Herren Ver» tretcr" auf nichts einlassen sollen, bor allem keine bindenden Versprechungen abgeben dürfen. Ist das nicht ein unwürdiges Gaukelspiel? Dann wird von den sozialdemokratisch organisierten Mit- gliedern des Bcrgarbeiterverbandcs als von„Elementen" ge- sprachen usw. Demgegenüber steht fest, daß diese„Elemente" an- crkanntermaßen die besten Arbeiter, die Kcrntruppe im Nieder- lausitzer Braunkohlenbergbau sind. EevverKscKaftlicKey. „Christliche" Taktik. In Rheine, einein der schlvärzesten Nester des Münster- landes, waren freiorganisicrte Holzarbeiter tätig, denen es gelang, eine Zahlstelle des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes ins Leben zu rufen. Darob große Wut bei den in Rheine dominierenden„christlich" organisierten Holzarbeitern, die in dein Maße stieg, als die Freien aus den Reihen der Christen Mitglieder gewannen. Unter anderen meldete am 26. August einer der Uebergetretenen dem christlichen Kassierer von Rheine seinen Austritt aus der christlichen Organisation. Jetzt erhielt derselbe einen Brief folgenden Inhalts: Aus Dein Schreiben fom 26. August zurückzukommen, theile ich Dir mit daß Deine Abmeldung nicht früher an- genommen loird bis daß Du die Streik unter- stützniig die D u während des Streiks erhalten ha st zurückerstattest; Andernfalls Klage gegen Dich erhoben lvird und Du in Folgedessen Un- angenehmlichkeiten davon hast. Bedenke ivohl was Du machst Du muß wissen, weil Du ein Auslander bist datz so Ivie Du es mach st hier in Deutschland nicht durchkömmst denn wir haben hier in Deutsch- land Sozialdemokraten genug und wenn sich Aus- landcr daran beteiligen so bekommen sie direkt Landcsverweis. Ich»verde Deine Karte behalten und sie der Polizei überliefern. Mit Gruß Der Bekannte. Zweierlei an diesem klassischen Schreiben ist echt christlich: die offene Drohung mit der Denunziation und die Feigheit, die den„Christen" abhielt, den Brief mit seineni Namen zu unterzeichnen. Im übrigen spricht das Schreiben für sich selbst. Und mit solchem Gesindel muß man sich herum- schlagen!_ Berlin und dingegend. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Fischer, Schöne- berg, Mühleustraße 8, befinden sich die Dreher, Werkzeugmacher usw. im Ausstand. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Mctallarbeiter-Verband. Die Ortsvcrwaltung. Deutckebes Reieh. Die Senftenberger Kohlenwerke Wilh. Werhahn senden uns folgende Zuschrift: In Ihrer werten Zeitung Nr. 205 vom 3. d. M. bringen Sic unter dem Titel„Gewerkschaftliches" einen Bericht über eine in Senftcnbcrg stattgehabte Versammlung. Die Referenten in dieser Versammlung, speziell der Redner, der den Bericht über unser Wert„Elisabethglück" erstattete, haben es mit der Wahrheit nicht genau genommen. Ich teile Ihnen als Leiter und Repräsentant dieses Werkes mit: 1. Daß weder mir noch der Werksverwaltung irgend welche Forderungen der Arbeiter vom Ausschuß derselben noch von irgend einem Verbände zugegangen sind. Ich konnte also, da keine Anfrage vorlag, auch keine Antwort erteilen. 2. Es ist richtig, daß den Arbeitern, die nicht in Werks- Wohnungen untergebracht werden können, fünf Mark monatliche Mietscntschädigung zugesagt sind. Unwahr ist, daß diese Mietsentschädigung nicht gezahlt ist. 3. Es ist unwahr, daß Marken von den Wagen weggenommen sind, um die Arbeiter um den Lohn zu prellen. Es ist auch kein einziger Arbeiter wegen Nichtfüllung der Wagen bestraft. 4. Unwahr ist, datz für 80 Pf. pro Schicht Arbeiter beim Brikcttverladen beschäftigt sind. Unwahr ist auch, daß die Meister geschlagen haben, und ebenso univahr ist das, daß Wagen- und Bahnmatcrial sich in schlechtem Zustande befindet. Der Redner, der den in. Ihrer werten Zeitung wiedergegebenen Bericht erstattete, hat also in allem, was er vorgetragen, grobe Unwahrheiten gesagt. Ich stelle ergebenst anHeim, im Interesse der Gerechtigkeit dies in Ihrer werten Zeitung bekannt zu geben. Hochachtungsvoll Carl Albert Schultz, Repräsentant und Direktor der Grube„Elisabethglück". Herr Direktor Schultz ist sehr unvorsichtig. Nur unserer Loyalität verdankt er die Aufnahme einer Zuschrift, die in ihrer beleidigenden Form durchaus gegen den Berichtigungsparagraphen des Preßgesehes verstößt. W i r wollen nicht die Gegenbehauptung aufstellen, der Herr Direktor habe es mit der Wahrheit nicht genau genommen. Aber wer so schlecht, wie offenbar der Herr Direktor, über die Verhältnisse unterrichtet zu sein scheint, sollte auch anderen die Möglichkeit des Irrtums zugestehen, nicht ihnen in so über- hebender Weise, wie das hier geschieht,„grobe Unwahrheit" vor- werfen. Herr Direktor Schultz kann doch nur sagen, daß ihm alle diese Sachen nicht bekannt; nicht aber, daß sie unwahr ind. Um nur eins festzustellen: Er behauptet, datz weder ihm, noch der Verwaltung Forderungen der Arbeiter zugegangen seien. Die „Lausitzer Zeitung", Tageblatt für Lausitzcr Berg- und Hütten- Industrie, das Unternehmer- Organ im Strcikrevier, stellt nicht nur fest, daß den Werksleitungcn solche Forderungen zu- gegangen sind, sondern erklärt auch, daß die Werkslcitungen diese Forderungen absichtlich nicht beantworteten, weil sie den Ver- band und die Kommissionen der Arbeiter„nicht als berechtigte Ver- trcter der Niederlausitzer Bergarbciterschaft anerkennen". Es hat also eine Vereinbarung zwischen den Gruben darüber statt- gefunden, wie auch aus der Einheitlichkeit der Nichtbcant- wortung hervorgeht. Wenn Herr Direktor Schultz selbst davon nicht unterrichtet ist, wie viel weniger natürlich von Mißständen in seiner Grube, welche seine Beamten keine Veranlassung nehmen werden, ihm besonders auf die Nase zu binden. Den Arbeitern ind natürlich diese Mißstände unangenehm bekannt und wir mrchtcn, daß unser Berichterstatter keine Veranlassung nehmen wird, wegen der Unkenntnis des Herrn Direktors über dieselben ihr Nichtvorhandensein zuzugeben. Ter Streit in den Filzfabrikcn von Jnlius-FeinS Söhne, Hermann Müller und Paul Otto zu Hartha i. S. dauert un- verändert fort. Alle bis jetzt unternommenen EinigungSverhand» lnngen sind gescheitert. Eine an Zahl kleine, aber übermütige Unter- nehmergruppe, wie ivir sie in den Harthaer Industriellen vor uns haben, will keinen Frieden, sondern bedingungslose Unterwerfung. Die Fabrikanten haben den Arbeitern einen Kampf auf Siegen oder Unterliegen aufgezwungen. Wird Zuzug streng fernge- halten, dann unterliegen nicht die Arbeiter, son- dern das Kapital. Die Tischler und Maschinenarveiter zu Neu-Isenburg befinden lich in einer Lohnbewegung. Die Arbeitgeber lehnen jede Ver- Handlung ab. In auswärtigen Zeitungen, namcnllich in Thüringen. uchen sie Arbeitslräfte. Es wird um strenge Fernhaltung des Zuzuges gebeten. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Neu-Isenburg. füusUnd. Der Kampf der Nntwerpener Dockarbeiter. Antwerpen, 11. September.(Eig. Ver.) Ueber den letzten auf die Lösung des Konfliktes zielenden Vor- chkag liegt eine Entscheidung noch nicht vor— weder von feiten der Streikenden, noch von der Unternchinervereinigung. Zu er- ganzen ist die gestrige Mitteilung über den neuen Vorschlag noch dahin, daß nach ihm de» Verladern eine Lohnerhöhung von 50 Cts. 1 bewilligt werden würde(statt deS ursprünglich geforderten 1 Fr.), doch müßten sie sich verpflichten, innerhalb eines Jahres weder eine Lohnerhöhung noch den Achtstundentag zu fordern. Trotzdem diese Bedingungen den Streikenden genug ge» ringe Zugeständnisse machen und ihnen mehr Opfer der Eni- sagnng auferlegen, sieht man dennoch mit großer Skepsis der Entscheidung der Unternehmer entgegen. Obwohl nachgerade die Ilnnachgibigkeit der Unternehmer von jedem Standpunkt aus unbegreiflich wird. Worauf wartet man? Daß die Streikenden ausharren und noch lange ausharren können, hören die Herren selbst aus der ihr ergebenen Presse heraus. Heute schreibt die„ E l v i l e beige" unter dem Subtitel„Man streikt mehr als je zuvor"(woraus man sehen kann, was für verlogene Berichte offiziell hinaustelegraphiert werden...), datz die Hoffnung der Unternehmer, die vor drei Tagen schon von Arbeits» aufnähme sprachen, gescheitert ist. Was bedeuten 100 oder 200 Docker, die arbeiten können, gegenüber der Gesamtsumme der 20 000 Feiernden? Und weiter weist das Blatt— ein sehr wackeres kapitalistisches nebenbei— auf den Umstand hin, daß die Unter- nchmer wohl immer von den paar Hundert Neuangekommenen Streikbrechern Meldung machen, aber übergehen, datz eine beträchtliche Zahl der alten Streik» brecher den Hafen verläßt. Am Sonntag allein hätten 300„Gelbe" Antwerpen verlassen. Heute werden wieder nur zirka 3000 arbeitende Streikbrecher ge- meldet und wieder haben über 100 Deutsch e die Arbeit ver- weigert. Dabei mußten die Herren oft aus eigenem die„Gelben" von der Arbeit wegschicken, weil sie zu ungeschickt arbeiteten und Waren ruinierten! Das verleumderische und aufhetzerische Manifest der Unter- nehmer hat die Antwerpener Sozialdemokratie gleichfalls mit einem Manifest beantwortet, in dem gegen die brutale Aussperrung einer Handvoll reicher Reeder protestiert wird. Es wird darin mit Recht auf die Lächerlichkeit des Unternehmerarguments verwiesen, als ob die Prosperität eines mächtigen Hafens vom Elend und dem Hunger seiner Arbeiter abhinge und die Ant- werpener Hafenherren sozusagen mit ihrem gewissenlosen Eigensinn nur die Rettung des Hafens bezweckten! Das Manifest weist auch die dumme Unterstellung der„politischen Motive" zurück— das Syndikat der Docker sei eine wohl der Partei angeschlossene Orga- nisation, das aber in voller Unabhängigkeit seine rein ökonomischen Zwecke verfolge. Die vor kurzen: in Streik getretenen Kohlenarbeiter, die aber nicht in Dien st en von Mitgliedern der Unter» nehm erVereinigung stehen, haben eine Lohnerhöhung von 1 Fr. per Tag erhalten und die Arbeit wieder aufgenommen. Ueberall regiert eher Vernunft und Einsehen, als bei den hart« gesottenen Sündern der„Federation maritime". Die bei den „Nations" bediensteten Packträger, deren Streik bisher ein Soli- daritätsstreik war, haben ebenfalls ihre Forderungen wegen Lohn« erhöhung gestellt._ Eingegangene Vrucklckriften. Neue Gesellschaft. Hest 11.(Herausgeber Dr. Heinrich Brau» uns Lily Braun.) Verlag Berlin NW. 6, Charitsstr. 3. Einzelheit 10 Pf. Juuggesellensteuer. Preis K0 Pf. Orania-Verlag w Oranienburg. Letzte JVaebnebten und Dcpclchcn, Wahlreformen. Wien, 12. September.(W. T. B.) Beim Ministerpräsidenten Freiherrn v. Beck erschien heute eine Abordnung des fozialdemo» kratifchcn ReichStagsverbandcs, um die Stellungnahme der Re» gierung zu der Reform des LandtagswahlrechteS kennen zu lernen. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung erkenne an, das- eine zeitgemäße Ausgestaltung des LandtagswahlrechteS not» wendig sei. Die besondere Aufgabe der Landtage als Verwaltungs- körper bedinge aber, datz auch auf die ökonomische Struktur der Be- völkerung, auf die Verhältnisse in der Stadt und auf dem Lande. auf gewisse Politische und soziale Momente in angemessener Weise Bedacht genommen werde. Insbesondere könne nicht von einer Berücksichtigung der Besteuerungsverhältnisse vollkommen abge- sehe» werden. Abgesehen von diesen Einschränkungen bekenne sich die Regierung vollständig zu dem Gedanken einer möglichsten Er- Weiterung des LandtagswahlrechteS und halte sich verpflichtet, alles aufzubieten, um den Abschluh eines allen matzgebenden Verhält- nissen gerecht werdenden Reformwcrkes zu ermöglichen. Be» treffend die Frage der Wahlreform für den böhmischen Landtag erklärte der Ministerpräsident, die Regierung sei bestrebt, durch eingehende Verhandlungen mit den Parteien die Aktion vorzu» bereiten, sie werde ihr Augenmerk darauf richten, die bevor- stehende Session für das Reformwerk möglichst nutzbar zu machen. Wenn es nicht gelinge, das Werk in dieser Session abzuschließen, dann werde die Regierung es als ihre Pflicht ansehen, im neuen Landtage vor allem der Erweiterung des Wahlrechtes zum Durch-« bruch zu verHelsen. Miuister auf Probe. Teheran, 12. September.(W. T. B.) Nach lebhafter Be» ratung faßte das Parlament den Beschlutz, dem Befehl des Schahs. welcher der Protcstdeputation und dem Präsidenten mitgeteilt worden war, Gehorsam zu leisten und dem neuen Kabinett eine Probezeit von 19— 15 Tagen zu gewähren, dann sollen die neuen Minister durch andere ersetzt werden, falls sie als ungeeignet befunden werden sollten._ Durchgegangener Eiscnbahnzug. Essen(Ruhr), 12. September.(B. H.) Der D-Zug Nr. 30 Vlissingcn— Oberhauscn. der 10 Uhr 37 Minuten in Oberhauscn eintreffen sollte, heute aber erst nach 11 Uhr ankam, durchfuhr infolge Bcrsagcnö der Bremse den Oberhausener Bahnhof und auf eine draußen wartende Schnellzuglokomotive auf, die den Zug weiterführen sollte. Der Führer der wartenden Maschine sah den Unfall voraus und gab Dampf, so daß der Anprall wesentlich vermindert wurde. Zwei Reisende und ein Postschaffner wurden verletzt. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. Zwei Durch- gangswagen mußten ausgewechselt werden. Tie„teuren" Arbeitswilligen. Zlntweepen, 12. September.(B. H.) Der Hafcnbund beschloß, keine deutschen Ersatzleute mehr einzustellen, da sie zu hohe Löhne fordern. In Arbeiterkreisen verlautet, die belgischen Reeder seien entschlossen, sich von den ausländischen Reedern abzusondern, was für die Arbeiter den Sieg ihrer Forderungen bedeuten würde. Der Arbeiterführer Chapclle teilte in einer Versammlung mit, daß der Abgeordnete Brouchcre in verschiedenen englischen Städten Vor- träge halten werde, um die englischen Arbeiter über die Lage in Antwerpen aufzuklären. Aehnliche Versammlungen sollen auch in Deutschland stattfinden._ Türkischer Kleinkrieg. Saloniki, 12. September.(B. H.) Türkische Truppen machten in Makricvo, Kasa Strumitza, eine in einem Hause versteckte acht- köpsige griechische Bande nieder. Ei» Gendarm ist gefallcn. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke/ Beclm. Druck u. Vorlag: BorwgrtsBnchdr. u.Pcrlagsansialt PaulSingerLcCo., Berlin LW. Hierzu LBeilggeitu.NntcrhallnngSblatt 24.id)W 1. Killlge ilts LgMlllts" Ktrlilttl Wllisdllltt. Ein vorichisg. Zur Debatte über das Nachrichtenbureau. Ein Nachrichtenbureau für die Parteipresse ist eine sehr wünschenS- werte Sache. Aber so notwendig ist es nichl, dah der bevorstehende Parteitag über alle MeinungSverschiedenheüen hinweg unbedingt die Schaffung des Bureaus beschließen müßle. Das Wachstum und die Bedeutung einer Zeitung hängen nicht in erster Linie von der Schnelligleit der Nachrichtenübermittelung ab; wichtigere Faktoren sind die von der Zeitung vertretenen Grund- sähe und die Regsamkeit des hinter ihr stehenden Leserkreises. Die sozialdemokratischen Zeitungen sind in den letzten Jahren, obwohl wir bis zur Stunde noch kein Nachrichtenbureau haben, in einer geradezu staunenswerten Weise gewachsen, fie haben fast alle einen Abonnentenzuwachs zu verzeichnen, der nicht in erster Linie aus die wachsende Güte der Zeitungen, sondern vielmehr ans die erfreuliche Selbstbesinnung der Partei und den damit zusammenhängenden talbereiten Arbeitseifer der Parteigenossen zurückzuführen ist. Damit soll aber kein Wort gegen die Nützlichkeit eines Nach- richtenbureaus oder irgendwelcher sonstigen technischen und redaktio- nellen Neuerungen gesagt sein. Ich bin im Gegenteil ein rückhalt- loser Freund aller als notwendig oder wünschenswert erkannten Neuerungen, aber sie dürfen nicht vor der Zeit, vor einer gründ- lichen Erörterung und Prüfung aller in Betracht kommenden Um- slände, gleichsam gewaltsam herbeigeführt werden. Soweit ich die gegenwärtige Situation überschauen kann, würde das Nachrichten- bureau wie ein unreifer Apfel vom Baume geschlagen werden, wenn czt Essener Parteitag seine Gründung nach einer voraussichtlich heftigen Debatte schließlich kurzerhand beschließen würde. Die jetzige Sachlage braucht nicht erst des langen und breiten erörtert zu werden. Neben dem monströsen Entwurf der fünf Re- dakteure steht der kurze, nüchterne Entwurf des Parteivorstandes, die beide, von einigen Berührungspunkten abgesehen, viele Gegensätze aufweisen. Als dritter im Bunde wird noch der Entwurf hinzu- kommen, der als das Ergebnis der Debatten auf der General- Versammlung des Vereins Arbeiterpresse zustande kommt. Die wichtigste Streitfrage ist die, ob das Bureau sich ledig- lich auf Tatsachenübermittelung beschränken oder ob'es auch kritische Entrefilets versenden oder ob es gar in die„Unter- gründe" der politischen Strömungen hineinleuchten soll, um auf diese Weise ganz„hohe" Politik zu treiben. Ich persönlich bin ein Gegner dieser letzteren Art politischer Hoch- und Untergrundbahn und glaube, daß das Nachrichtenbureau auch seine Funktionen erfüllen kann, selbst wenn es auf die Jagd auf Seeschlangen in den„Unter- strömungen" der Politik von vornherein verzichtet. Dagegen kann ich den Vorschlägen nicht zustimmen, die das Bureau' auf die kurze Uebermittelung nackter Tatsachen beschränken und von jeglicher kritischen Färbung der Nachrichten absehen wollen. Das wäre den Aufwand eines besonderen Bureaus nicht wert, da die wichtigsten Tatsachenmeldungen auch in den Briefen und Tele- phonaten der bürgerlichen Preßbureaus enthalten sind. Man braucht auch nicht spaltenlange Auszüge aus den bürgerlichen Blättern zu übermitteln. mit denen die Provinzredaktionen ohnehin nur wenig anzufangen wüßten, da sie aus dem Zusammenhang gerissen wären und ein schiefes Bild gäben. Viel wichtiger als der Inhalt der Berliner Morgenblätter ist für die meisten Provinzredaktionen der Inhalt der Berliner Abendblätter. DaS hat die Privatkorrespondenz des Genossen Stampfer ganz richtig erkannt. Sie enthält kritische Räsonnements, Leitartikel, Entrefilets und Notizen über Tatsachen- Meldungen, aber auch über kürzere und längere Artikel der maßgebenden Berliner Presse, die nachmittags und abends erscheint. Wohl kommen diese Blätter auch morgen? in die Provinzredaktionen. Aber alle bürgerlichen Berliner Blätter kann ein Provinzblatt nicht halten; außerdem kommen mit den bürgerlichen Blättern aus Berlin auch die bürger- lichen Blätter aus der eigenen und aus der nächsten größeren Stadt, dazu konimt die kleine bürgerliche Provinzpresse, daneben die Partei- presse, von der stets ein erheblicher Teil täglich gelesen werden muß; und endlich kommt auch eine mehr oder weniger umfangreiche Post, Originalartikel, Korrespondenzartikel, Depeschenbriefe und noch vieles andere mehr hinzu. Da bleibt den Redakteuren nicht viel Zeit zum genauen Durchlelen oder gar zum kritischen Verarbeiten der Berliner bürgerlichen Blätter, zumal mit der Vermehrung der Abonnenten auch fast durchweg und in wachsendem Maße die Notwendigkeit ver- banden ist. den Beginn des Druckes weiter nach vorn zu legen und dadurch wiederum die Arbeitszeit für die Redaktionen zu beschneiden. So kommt es, daß viele Redaktionen morgens nur drei bis vier Stunden Arbeitszeit haben. Wenn bei solcher Sachlage der Redakteur durch eine gute Partei- korrespondenz das wichtigste aus der Berliner Abendpresse kritisch verarbeitet zugestellt erhält, so ist ihm damit ein großer Dienst erwiesen. Für seine eigene Tätigkeit bleibt ihm dann noch Spielraum genug. Er kann die Korrespondenzen kürzen oder er« ganzen, er kann sie in Beziehung setzen zu Aeutzerungen der großen heimischen Morgenpresse, er kann auch ein eigenes Entrefilet schreiben, lveil er dem drängenden Metteur inzwischen aktuellen Stoff aus der Korrespondenz geben kann. Natürlich kann es nicht schaden, wenn das Berliner Nachrichtenbureall noch kurze telephonische Meldungen aus der Morgenpresse folgen läßt, die mit den vorliegenden brief- lichen Meldungen zusammen verarbeitet werden können. Ein Nachrichtenbureau, das in diesem Sinne„kritisch" arbeitet, wird keine inne-.-en Konflikte für die Partei heraufbeschwören, voraus- gesetzt, daß nicht ausgesucht Schriftsteller und Journalisten hinein- gesetzt werden, die ihre kritische Hauptaufgabe nicht im Zerpflücken gegnerischer Argumente und im schneidigen Angriff auf gegnerische Positionen sehen. Ja der Kritik unserer Gegner herrscht im allgemeinen keine bemerkenswerte Gegensätzlichkeit iil der Partei. Wenn es anders wäre, kämen wir aus den An- klagen gegen Parteiblätter gar nicht heraus. In Wirklichkeit liegt die Sache aber so, daß schlagkräftige Artikel gegen die Gegner übereinstimmend von Parteiblättern gebracht werden, die sich in Parteifragen oft befehden, und im gegenseitigen Nachdruck solcher Artikel machen die Parteiblätter nicht Halt vor ihren sonstigen Gegen- jätzen, die sie gelegentlich von einander trennen. Nun will ich aber gar nicht behaupten, daß meine vorstehend entwickelte Ansicht unbedingt richtig ist; ich will den Gegnern dieser Ansicht gern einränmen, daß auch ihre Einwände ein Recht haben, gehört und eventuell berücksichtigt zu werden. Worauf es mir an- kam, war der Nachweis, daß die Frage, ob Nachrichtenbureau oder nicht, noch lange nicht geklärt ist und auch bis zum Parteitage nicht mehr genügend geklärt werden kann; ich halte serner bei der Verworrenheit der Situation den Parteitag nicht für die geeignete Instanz, die über die Richtigkeit des einen oder anderen Vorschlags fach- gemäß entscheiden kann. Denn es spielen dabei rein technische Fragen, iiber die ein Laie aus einem heftig geführten Meinungsstreit schwerlich einen klaren Ueberblick und ein Urteil gewinnen kann, eine wichtige Rolle. Aus diesen Gründen— also um ein gutes Nachrichtenbureau, nicht aber eine überstürzte Gründung zustande zu bringen— halte ich es für das geratenste, wenn der Parteitag die ein- gegangenen und etwa noch eingehenden Ent- würfe'und Anträge dem Parteivorstande über- lveist mit den« Austrage, bis z u m n äch st en Partei- ta g eine n e ti e Vorlage auszuarbc ist en, die das Er- gebnis gemeinsamer Beratungen des Partei» vor st an des und einer einzuberufenden Preß- konferenz ist. Vielleicht schüttelt der eine oder der andere mit dem Kopf, wenn er das Wort Vreßkonferenz hört. Aber ich bin der Meinung, daß ein verfehlter Anlauf nicht auch zugleich die Zwecklosigkeit des An- laufs selbst beweist; ich will im Gegenteil eine Lanze dafür ein- legen, daß die Prcßkouferenzen eine feste Institution in der Partei werden. Wenn der Verein Arbeiterpresse anders wäre als er ist, und wenn er eine andere Entivickelung genommen hätte, so würden solche Preßkonferenzen überflüssig sein. Es ist an sich ein guter, gesunder Gedanke, daß die Vertreter einer so wichtigen Partei- angelegenheit, wie die Preffe es ist, von Zeit zu Zeit zusammenkommen. um ihre besonderen Berufsfragen zn be- sprechen, um die Presse durch Austausch von Erfahrungen noch schlagkräftiger zu machen, und um der Parteileitung, dem Vorstand und dem Parteitag als beratende Körperschaft in den wichtigen Fragen der Parteipresse zur Seite zu stehen. Der Verein. Arbeiterpresse kommt aber für eine solche wichtige und ehrenvolle Aufgabe nicht in Betracht. Der Verein hat sich ein Verdienst er- worden, das ihm hoch anzurechnen ist: die Gründung der Unterstützungsgenossenschast. Er hat auch durch seine Normal- bedingungen und Musterverträge die ärgsten Unzuträglich- leiten in der persönlichen Stellung der Redakteure und der übrigen Angestellten der Parteipresse beseitigt. Aber damit ist auch das Verdienst des Vereins erschöpft. Die Unterstützungs- genossenschast steht völlig auf eigenen Füßen und ist von der Existenz oder Nichtexistenz des Vereins Arbeiterpresse durchaus unabhängig. Der sonstige Einfluß des Vereins ist auf Null gesunken; bei wichtigen Fragen, die auch die Presse angingen, versagte er oder richtiger: mußte er versagen, und selbst bei einfachen Personenfragen vermag er keine Autorität auszuüben. Die Mitglieder des Vereins inter- essieren sich so wenig für ihn, daß viele von ihnen auf den Generalversammlungen nicht erscheinen, selbst wenn sie am Tagungsort anwesend sind. Von denjenigen, die noch erscheinen, läuft einer nach dem anderen fort, sobald die Versammlungen sich etwas in die Länge ziehen. Auf den Generalversammlungen selbst wird nichts Rechtes beschickt; der Verlauf der Debatten hängt davon ab, ob einer der Anwesenden zufällig über die eine oder andere wichtige oder unwichtige Sache etwas sagt oder nicht. Beschlüsse von Bedeutung werden nicht gefaßt. Und wenn sie gefaßt werden, so haben sie keine durchgreifende Kraft. Im Organ des Verein?, den„Mit- teilungen", meldet sich trotz stets wiederholter Aufforderung kaum jemals jemand zum Wort, der über wichtige Berufsfragen etwas zu sagen hat. und geschieht eS doch, so verhallt die Anregung ungehört. Der Verein heißt„Arbeiterpresse", aber der Inhalt entspricht nicht dem Namen. Ueber die Verschiedenartigkeit der im Verein enthaltenen Berufe belehrt die im letzten Jahresbericht enthaltene Statistik: Von diesen 729 Mitgliedern können nur die politischen Redakteure, die Berichterstatter und die freien Schriftsteller als zur politischen Arbeiterpresse im eigentlichen Sinne des Wortes gerechnet werden; das sind im ganzen 260. Nimint man die Gewerkschaftsredakteure noch hinzu, so find es 286. Wenn die Expedienten, obwohl ein großer Teil von ihnen bei der Art ihrer Arbeit ebenfalls als„Preß"- angehörige nicht in Betracht kommen kann, mitgerechnet werden, so sind eS immer erst 452, so daß 277, mehr als ein Drittel, eigentlich aber sogar über zwei Drittel der Mitglieder des Vereins Arbetterpresse mit der Arbeiterpresse wenig oder gar nichts außer als Leser zu tun haben. Nun muß man bedenken, daß die Zusammensetzung der Geueralversamm- lungen lediglich vom Zufall abhängt. Ob einzelne Gruppen, ob die Redakteure gar nicht oder wenig oder stark vertreten sind, ist von äußeren Zufällen, selbst von geographischen Umständen abhängig. Daß bei solcher Sachlage der Verein einen Faktor von irgend- welcher Bedeutung nicht darstellt und nicht darstellen kann, liegt klar zu Tage; daß er als sachverständiger Berater in Preßangelegen- heiten nicht respektiert wird, ist auch begreiflich. Ich bin aus allen diesen Gründen, da ich auch eine ausstchtS- reiche Reform nicht abzusehen vermag, zu der Ueberzeugung ge- kommen, daß der Verein Arbeiterpresse seine Schuldigkeit getan hat und jetzt ohne Schaden für die Partei gehen kann. Aber das, was der Verein Arbeiterpresse als eine private Ver- einigung innerhalb der Partei mit all ihren Unzuträglichkeiten nicht leisten konnte, das möchte ich von einer neuen Institution offiziellen Charakters geleistet sehen. Es fehlt dem Parteivorstand gegenwärsig an der nötigen festen, organischen Fühlung mit der Parteipresse. Bei der großen Be- deutung der Parteipresse, insbesondere auch für die vom Partei- vorstand unternommenen politischen Aktionen und die von ihm als Vertreter der Gesamtpartei eingenommene oder einzunehmende Stellung, ist eine dauernde und unmittelbare Fühlung des Partei- Vorstandes mit der Parteipresse aber dringend Vonnöten. Der Parteivorstand hat das Fehlen einer guten Verbindung und zu- gleich die Notwendigkeit einer sachverständigen Information dadurch anerkannt, daß er für eine besondere Preßangelegenheit im Frühjahr dieses Jahres die Preßkonferenz einberief. Dieser Versuch ist nicht befriedigend genug ausgefallen, einmal weil er neu und auch wohl nicht hinlänglich vorbereitet war. Bei einem erneuten Versuch müßte die Delegation vorher genau überlegt werden. Zur Teilnahme berufen sind von jeder Zeitung soder von mehreren zusammen) je ein Vertreter der Re- daktion, des Verlags und der Preßkommisfion. Von diesem Forum, das im Jahre ein- oder zweimal auf Berufung durch den Partei- vorstand zusammentritt, sind alle wichtigen Prcßangelegenheiten zu beraten, von der Schaffung einheitlicher Normen in der äußeren Stellung der Preßangestellten an bis zur Beratung bestimmter ein- heitlicher Preßaktionen gegen die Gegner. Es würde sich also um die Schaffung einer Art Kammer oder Synode für die Parteipresse handeln, die sowohl zum Sprachrohr für die Wünsche der einzelnen in der Parteipresse tätigen Genossen würde, als auch zu gleicher Zeit ein sachverständiger Berater in Preßangelegenheiten für den Partei- vorstand wäre. Andererseits liefe sie nicht, wie heute der Verein Arbeiterpresse, neben der Parteiorganisation her, sondern wäre ein natürliches Organ der Partei. Es ist lediglich eine Frage der Praxis, ob sich im Laufe der Zeit ein ähnliches Organ auch für die Fragen der Organisation und Agitation aus den Kreisen der Partei- sekretäre als notwendig erweist. Eine derartige Preßsynode wäre nach meiner Auffassung auch die geeignete Instanz, um die Frage des Nachrichtenbureaus vor- zuberaten, wie sie auch die geeignete Korporalion wäre, um den vom Parteivorstand für die besonderen Zwecke des Nachrichtenburcaus gewünschten ständigen fünfgliedrigen Preßbeirat zu wählen. Aber wenn auch die dauernde Beibehaltung der Preß- konferenz in Form einer Preßsynode noch nicht gleich in Aussicht genommen werden sollte— daß es dazu im Laufe der Zeit kommt, steht für mich ziemlich außer allem Zweifel— so wiederhole ich doch nochmals meinen Vorschlag, die dem jetzigen Parteitage vor- liegenden Anträge und Entwürfe zum Nachrichtenbureau dem Partei- vorstand zu übergeben, damit er sie gemeinsam»nit einer ein- zuberufenden Prcßkonferenz berät. Möge dann die Preßkonferenz eine Subkommission, gebildet aus Mitgliedern der Redaktionen, Expeditionen und Preßkommissionen, zur engeren Beratung und Ausarbeitung einer Vorlage an den Parteitag einsetzen, die einer späteren Preßkonferenz Bericht zu erstatten hat. Wir werden dann einen gründlich durchgearbeiteten und vor« bereiteten Entwurf erhalten, der die wichtige Frage des Nachrichten- bureaus zu größerer Zufriedenheit, als sie heule herrscht, regelt, und wir werden uns zugleich eine Debatte auf dem diesjährigen Partei- tag ersparen, die nach dem bisherigen Vorpostengeplänkel nich! gerade ein Glanzpunkt der Essener Tagung zu werden verspricht. _ Heinrich Schulz. veutichei' flmvaltstag. Die 18. ordentliche Jahresversammlung der Anwälte wurde am Mittwoch in ivkannheim im Rosengarten eröffnet. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Stellung- nähme zu der von dem Reichsjustizamt geplanten Aenderung der Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte und einer Aenderung der Gebührenordnung. In der Debatte standen sich zwei Richtungen gegenüber. Die nur bei Amtsgerichten zugelassenen Anwälte(sogenannte Amtsgerichts- anwälte) traten für eine Reform im Sinne der Vorschläge des Reichsjustizamts ein. Nach den von dieser Gruppe eingebrachten Anträgen soll die Zuständigkeit des Amtsgerichts von 300 aus 1200 M. erweitert, zunächst eine Reform des Amtsgerichtsverfahrens vorgenommen und dann erst eine Reform des gesamten Zivil- Prozeßverfahrens eingeleitet werden. Diesem insbesondere von dem Rechtsanwalt Dr. W a n n o w- Zoppot eingenommenen Standpunkt trat die übergroße Mehrheit der Anwälte entgegen. Der Anwaltstag stimmte gegen etwa 10 Stimmen von Amtsgerichtsanwälten den vom Rechtsanwalt Hacke nberg- Mannheim eingebrachten und begründeten Leitsätzen zu. Diese gehen dahin: 1. Eine Reform des Zivilprozesses, der Gerichtsverfassung, des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechts- anwälte kann nur einheitlich und gleichzeitig erfolgen. Die Neubearbeitung nur eines Teiles ist abzulehnen. 2. Bei der Reform des K o st e n w e s e n s(Gerichts- und Anwaltsgebühren) ist eine gerechtere Verteilung der Kosten anzustreben. Es ist eine Abstufung der Prozessenach dem Gegenstande derselben wünschenswert. Insbesondere sind für Klagen aus den Arbeitsverträgen, ebenso für das Versäumnisverfahren die Kosten zu mindern. Der Herabsetzung muß eine Erhöhung der Kosten in anderen streitigen Sachen entsprechen. Für Arrestprozesse, Klagen aus Schieds« gerichtsurteilen, für den Urkundenprozeß sind die vollen Gebühren angezeigt. 3. Bei der Reform des Verfahrens ist eine b e- sondere Ge st altung des amtsgerichtlichen Ver- f a h r e n s nach anderen Prinzipien als des landgerichtlichen inS- besondere unter Einführung des Offizial- und Jnquisitionsprinzips abzulehnen. Es ist ebenso eine Gestaltung des Prozesses, die nach dem Vorbilde der österreichischen Z.-P.-O. für alle Prozeß- formen den Parteibetrieb völlig ausschaltet und die Parteivorträge einschränkt, abzulehnen. Es ist eine B e- s ch l e u n i g u n g des Verfahrens anzustreben, die ohne Gefähr« dung der Gründlichkeit und Richtigkeit der Entscheidung erfolgt. 4. Bei der Reform der Gerichtsverfassung ist daS bisherige System der Kollegialgerichte beizubehalten. Eine Ersetzung desselben durch das System der Einzelrichter ist abzulehnen. Ebenso ist ein System des Zivilschöffengerichts(Kollegial- gerichks, das aus einem Juristen und zwei Laien besteht) als nicht durchführbar zu bezeichnen, auch nicht in der Weise, daß die Schöffen nur auf Antrag einer Partei neben den rechts- kundigen Einzelrichter treten. Dagegen ist zu befürworten, daß für bestimmte Prozeßarten ohne Rücksicht aus den Stteitivert das Gericht aus einem rechtskundigen Richter und zwei S ch ö f f e n bestehe. Dies insbesondere für den Arbeitsvertrag (einschließlich des Vertrages der Gewerbe- und Handlungsgehülfen) und für Ehesachen. Ebenso ist ein System, das die Zuständig- keit der Amtsgerichte lediglich nach dem Streitwerte erhöht, abzu- lehnen. Zu befürworten ist dagegen eine Ueberwcisung bestimmter hierzu geeigneter Sachen, insbesondere die Klagen aus dem Arbeitsverträge und aus Unterhaltsansprüchen. b. Bei der Reform der Rechtsanwaltsordnung und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte ist eine Regelung der- selben dahin notwendig, daß der Rechtsanwalt wirtschaftlich und sozial so gestellt wird, daß er seiner Aufgabe als Glied der Rechtspflege in juristischer und ethischer-Hinsicht entsprechen kann. ES ist eine Rebision der Gebührenordnung herbeizuführen, die durch Erhöhung der Sätze eine Verbesserung der Existenzbedingungen der Rechtsanwälte(unter Berücksichtigung des unter 2. niedergelegten Prinzips) er- möglicht. Es ist eine Beseitigung der gewerbs- mäßigen Vertretung der Parteien vor den Amts- aerichten durch Personen, die nicht Rechtsanwälte sind, an zu- st r e b e n. Es ist eine Zulassung aller innerhalb des Land- gerichtsbezirkS an einem Gericht desselben niedergelassenen Rechts- anwälte beim Landgericht zu beantragen. Es ist aus eine stärkere Uebernahme der Rechtsanwälte in die oberen Gerichte hinzu- wirken. Zur Beschlußfassung über die Einzelheiten, die diese Grundsätze verwirklichen sollen, soll der Vorstand nach Bekanntwerden des ab- geänderten Entwurfs des Reichsjustizamts einen außerordentlichen Änwaltstag einberufen. Das Ziel einer billigen, schnellen, volkstümlichen, gerechten Rechtsprechung wird am wenigsten auf dem von den Amtsgerichts- anwälten und dem Reichsjustizamt vorgeschlagenen Wege erreicht werden können. Die Grundzüge, denen die Mehrheit des Anwalts- tageS zugestimmt hat, sind zwar minder schlecht. Aber auch sie weichen der Aufgabe einer großzügigen Reform der gesamten Ge- richtsorgauisation aus. Insbesondere die U n e nt g e l t l i ch ke i t der Rechtspflege und die Rechtsprechung durch tvirklich un- abhängige, aus allen Teilen der Bevölkerung von dieser selb st gewählte Richter sind Forderungen, von denen die Beschlüsse des Anlvaltstages sich weit entfernen. Am dringlichsten ist die Reform deS Prozeßrechts auf dem gewaltigen Gebiete des Arbeitsvertrages und der Arbeiterversiche» rung. Einheitlichkeit und Heranziehung von Laien in der Be- rufungsinstanz in einer Weise, daß das Laienelement ausschlag« gehend ist, ist bei der Beratung der Zivilprozeßnovelle im Jahre 1893 als für Arbeitsverträge dringend und ausführbar bezeichnet. Damals wurden die sozialdemokratischen dahin zielenden Anträge in der ersten Lesung der Reichstagskommission angenommen. Leider sind sie dann durch Vertröstung auf die Zu- kunft zu Falle gebracht. Ein großer Teil der Arbeiterbevölkerung, insbesondere das Gesinde und ländliche Arbeiter, sind durch die gegen sie geltenden Erschwerungen der Beschreitung des Rechtsweges /, Uhr.) Theater an der Spree. Der Altteiibudiker. M-trop-l. Geschlossen. Slpollo. Sylvester Schösset. Spezialitäten. � Walhalla. Svczlaltläten. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig- Wag. Es lebe daS Nachtleben. Passage. Lona Nansen. Spezialiläten. Wintergarten. Anne Dancrey. Anns« Dirken». Spezialitäten. Prater. Spezialitäten. Kasino. Die wllde Jagd. Retchshalle». Steltiner Sänger. Carl Haperland. Spezialitäten. Ilrania. Daiideustrasie Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Stermvarte. giivalidenstr. ölivL. Sclilllei*- Sohllwr-Thealer 0.(Wall»er-Thealeri Freitag, abends 8 Uhr: Ein FalliNNCiiient. Schauspiel in 5 Auszügen von Björn stjerne Björnson. Sonnabend, abends 8 Uhr ver- Herr Senator. Sonntag, nachm. ä Uhrt Traumnla«. Sonntag, abends 8 Uhr: _ l>le Schmnicglei-._ Theater» Sohlller- Theater Charlottenburg. Freitag, a b e» d S 8 Uhr: i-itt� von IBcrUckilnxen. Schauspiel in 5 Auszügen von Wolsgang v. Goethe. Sonnabend, abend» 8 Uhr Rionna Vanna. Sonntag, nachm. 3 Uhr: GUtz von Itei'llGliiiifxen. Sonntag, abends 8 Uhr: Heimat. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Freitag, 13., 8 Uhr. Zum ersten Malet König Kichard der Dritte. Historisches Drama in 5 Akten von Shakespeare. Sonnabend und jolgende Tage: Die tanzenden Männchen. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Ueber kn Wassern. Sonnabend: Der Dieb. ÜliSBIi-Wks Neicheiibergerstr. 34. Zum ersten Male: Larmsii. Anfang 8, Uhr. Sonnabend: Turandot. Sonntag nachmittag: Turandot. AbendS: Carmen. Montag: Die beiden Reichenmüller. Kleines Thealer. Aissana 8 Ubr. Iii Sonnabend: Vaier und Sohn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Vater und Sohn. Theater des Westens. 8'Uhr: Die Inatiffe Witwe. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Preise: FrUbllngalnft. PassaBe-Ilieater. 8 Lona MnZsn. tI4 i "www 14 erstklassige Nummern. wnhlt*. mm Anfang 8 Uhr. Die Nibelungen. Sonnabend: Die Nibelungen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Jugend. Abends 8 Uhr: Winterschlaf. Lusteplelliaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. TfaakimdaSpw Käpeuickcrstrafle 68. Abend» 8 Uhr: Der Aktienbudiker. Bilder aus dem Volksleben m. Besang von D. K a l i s ch. lJojefine Dora, Heinz Gordon, Marie Grimm-EinödShoser.)_ Rixdorfer Theater Direktion; Julius Türk. Bergstrahe 147. Mittwoch, den 18. September 1997: ErUfl'nnngs.'Vorstollnnc: Emilia Galotti. Zentral-Theater. «uhr: IMePnppe. Operette tn 8 Akten und einem Vorspiel von Ordonneau und MugeS � ResisiMteter. Direktion: Richard Alexander. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akte» von Maurice Hennequin und Pierre Vebcr. Robert de Trtvelin: Rich. Alexander. Sonntag, den 15. September, nachm. 3 Uhr: Eine HochzeitSnacht. ERNIWROUTIIfAT Gr. Franksurlerstr. 132. Im Garten. Ans. 4'/, Uhr: Das glänzende September- Programm Sperrsitz 50 Pf. Cnlre« 30 P Im Theater abends 8'/, Uhr: Do» große Unbekannte. Sommerpretse. Sanssouci, ST H Dtreltion Wilhelm Reimer. Heute Freitag: Gastspiel der Berliner Bolksbühne: das bemooste Haupt. Studentenstück v. Bcnedix. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: HosfmannS Nord». Sänger, Tanz. Jed. Dienstag u. Freitag: Berliner Bolksbühne. Volkstümliche Preise.—» Urania. WiBseneohaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Gletseher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat Invalidenstr. 57—62: Sternwarle. TAgl. geöffnet von 71/,— U IT. obds. ZOOIOCISCHER GARTEN Täglich ab nachm. 4 Uhr: S Oroßca Militär-Doppel-Konzert.| Eintritt 1 Mit., von abends 1 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter| 10 Jahren die HäUte. Kastanlen.Allee 7/9. Täglich abends 7'/. Uhr: Der Tanzteufel. Außerdem: Speclalltiiten 1. Ransel. Konzert nnd Ball. Ansang 41/, Uhr. Trlanon-Thealer. FrSulein Josette- meine Frau. Ansang 8 Uhr. Berliner Illk-Trio. Felix Scheuer U RtrsliitiinU.I. Sonnabend, 14. September, abends VI, Uhr: Gala-Premiere. Für Berlin vollständig neues Programm. Jfeue Spezialitäten. Jim Schul- und Treiheits-Pferde. Sonntag, 15. September; Zwei Vorstelln Ilgen, nachm. 3'/, Uhr und abends 7'/, Uhr. Vorverkaus an der Zirkustasse von 10 Uhr vormittags ununterbrochen. Metropoi-Ttieate!' Bis inkl. Freitag, 13., geschlossen. Sonnalieiit!, den lUeptemlier: Zum 1. Male: Anne Dnncrey, Pariser Läng. The 8 EngliBh«Ii-In, Gesangs- und Tanztruppe. Die 4 Barowskys, Akrobaten, „Die Bauernjungen im Walde". Ee Roy Talma a. Bosco, Zauberkünstler. Agonst. komischer Jongleur. Veoixe B. Ueno Company, amerikanische Gzzentriks. Annie Dirkens. Olga Preobrnjensky, Prima Ballerina, u. M. Legat, Solotänzer v. d. kais. Hofoper in Petersburg. Papint», amerikan. Phantasie- urd Spiegeltänzerin. KeMIno Truppe, ,In Venedig'. The Harlleys, Springer. Der Biograph. Gr. Kevuo in 4 Akten(14 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Gio iettr i D. a.D. L a.D. 1! JösJseptii. Frilziissarj Fritzi SdieDke, L. Haskel etc. Dirigent: Kapellmeister M. Ml üse'/;' Palast-Theater. * Burgstrafte 24. Heute lLH Uhr. Eutree 50 Pf. Das glättzcitde Dragramm. Unier anderm: (er, Das Tollste vom Tolle». VltS S AK»R'IK«8 erstklalsige Akrobaten. Vit« ExzentrikS und 8 erstklassige Nummern. Vorverkaus von 11—1 Uhr. Kasino-Theater. Lothringerftr. 37. Täglich S Uhr: Die lliildc Zltlld. �Wn v' Ludwig Fulda. Vorher d. glänz. Erössnungs- Progr. Sonntag 4 Uhr: tleiral aui Probe. Variete'Theater WeindergSweg Iv/Lt), Stotenth.Tor. Ansang 8 Uhr.- DaS originelle Sept.-Programm. Auto Atlas, der Athlet hebt ein Antoniobii mit ««Ion Zähnen. Tunuel�on�er�THeat�bcsisi� iL � Jed ä u Ziehung am SO.Sept. 120000 Oewinne W MH JGMO Zwei Hauptgew zus. W. Mk. 20000 lOOOOii 5000 2000 2ä 1000 Lose i 60 Flg.. iflose 5 Mk. Porto and Li*t« 30 Plg. rontadet Gancrs'-Dablt Ferd. Schäfer, Binkgeschift, Düsseldorf. Aoeb xa beben in ftllan kenntlich f raeebten Verkaafaitellen. g-/z Uhr! Täglich: S'/, Uhr! DerlinG Wöte �eMion! 8vIvö8lkF Schäffer jr., der berühmte Universal-Künftler. Vorher, ab 8 Uhr: Das grofte SpezialttSten-Programm. !lZck. HsMeld-! VlRvttter. s57 Kommandantenstrafte Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Billetworvcrkaus 11—2 Uhr. iMdsmeVig-Vagi j Operette von Anton und Donat! Herrnscld. Musik von L. JtaL I Lzlelic ds5 Nachtleben h Zeparee-Affäre mit den Autoren 1 s Anton U. Donat Herrnscld In den j Hauptrollen. Sonntag 3 Uhr bei halben Preisen: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jaad mit Anton und Donat Herrnscld. W.Koacks Theater Strektiuii: Rod. Oitl, Snuiiiciillr. I« Wegen Reuoviertlng geschlossen Sonnabend, 14. Sept.: Eröffnung der Wintersaison: Gr. Extra-Borsiellg Die düdin vou loledo. Ehren- und Vorzugslarten gülttg t Nach d. Vorstell.: erSttmings-Psstball Heute Freitag, abends 8'/s Uhr, im Gcwcrkschaftshause, Engel-Ufcr 15: Lit-ung dei�Ortsverwaitung. W Einsetzer."�1 15. St�ptember, pünktlich um 10 Uhr. in den bekannten Lokalen statt. HoniiniBBionsBit�nng Montag, den 16. Sep abends 8 Uhr. bet� Brünner, Engcl-Nfcr 13.— Dazu sind die !8Dzisidemi!lirslizeii.Aiii?ereiD M leltov Kollegen der Firma B e h r e u d(«oftwich». besonders der Kollege Knrkonski, Rixdorf. Zielhenslr. 63, sowie die Kollegen der Firma E.Mittag geladen. 143/5 Die BranehenkonimiBBion. •••••••••••eeeeeeeeeeeeaaeeeeeeoeeeeeoftge uggenhagen Moritzpiatz. Inhaber Albert Böhme. Sonnabend: Eröffnnng der Winter-Saison. rsgiich: Die 7 Schwaben. vo�Är. Allabendlich; Sherlok Holmes von Treuen- brietzen mit dem urkomischen Bendix als Sherlok Holmes. 5967L» Anfang 8 Uhr. Sonnt. 4 u. SUhr. Entree 50 Pf. Familienbilletts 5 Stck. 2 M. Im unt. Konzertsaal tägl. Cr. Militär-Konzerte, Przywarski, Becker, Gtirisch, Ofleney, Neumann, Lüttich usw. Mitglied des Arbeiter Radfabrerb.„Solidarität". Sonnabend, den 14. September 1907: 8. Stiftungs=Fest in den Oesamträumen der 18/13* Neuen Welt« Hasenheide 108— 114. Kunst- und Reigenlahren. Aultreten des Berliner d-Trlo. Auftreten des Gesangvereins Jlehte" Bumorisflsches Reigenlahren. � Anfang 9 Uhr.—— Eintritt SO Pf. ♦ Einen amüsanten und unterhaltungsreiohen Abend versprechend, ladet freundlichst ein Das Festkomitee. ATD Die Mitglieder erhalten Billetts in den Abteilungsver- IxD. Sammlungen sowie in der Genossenschaft, Oderbergerstr.30. Reederei Kahnt& Hertzer Stralauer Brücke 1. Sonntag, den 15. September: Große Extra-Dampferfahrl zum Pilzesuchen 75 Pf..-' Abfahrt 10 Uhr vormittags. Fahrpreis hin und zurück Kinder die Hülste. Billetts im Vorverkaus beim Gastwirt Ülntnnnko, Stralauer Brücke 4, 60 Pf._ Achtnng! Das Stiftungsfest des G-sangvereW» „Freiheit Moabit" (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes) findet nicht am II. September, sondern NM Tdttttdhen�, bell 21 September, im Moabtter Gesellschaftshaus, Wiclcssirahe 24. statt. 2873b I. A.: Das Komitee. Verband der Sattler Ortsverwaltung Sevlin. Die nächsten Branchen-Versmiimlungen 157/13 finden an nachsolgendcn Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 25. September 1907. Treibriemeubranche: Montag, den 30. September 1907. Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 19. September 1907. Militärbranche: Sonnabend, den 14. September 1907. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, den 19. Sept. Wagenbranche: Donnerstag, den 19. September 1907. Eisenmöbel-«. Lederstuhlpolsterer: Donnerstag, d. 19. Sept. Sektion Charlottenbnrg: Montag, den 16. September 1907. Wir erwarten, daß diese Versammlungen von den Kollegen recht zahl- reich besucht werden._ Die Ortsverwaltung. m geil Zvrelgverein Berlin. Achtung! Kollegen! Achtung! Wir machen hierdurch nochmals auf den Beschluß der letzten Generalversammlung vom Freitag, den 6. September, aufmerksam, wonach rückständige Streik- und Mietsnnter- stützungsgelder nur noch bis Soiinabend, den 14. September, ausgezahlt werden. Die Ausstellung der Streiklegitiinations- karten erfolgt von jetzt an nicht mehr im Saal 2 des Gewerk- schastshauses, sondern im Berbandsbureau, Zimmer 29. 143/6 Die VcrbandSlcitung. Ucktung! Achtung! Zuschneider u. Zuschneiderinnen. SW Die nächste Sitzung findet am Freitag, den IS. d. Mts., abends 8'/z Uhr, bei T räsel, Neue Friedrichstr. Sa, statt. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Nebel. 2. Bericht über dl- Konferenz mit den Arbeitgebern. 3. Verschiedenes. igg/z B«r* Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, recht zahlreich und pünttlich zu erscheinen. Die Ortsvermaltung. Verband der Kafenarbeiier and verwandter Bernlfegcnosaen Deutschlands ———— Mitgliedschaft Berlin.————— Sonntag, den 15. d. M.» vormittags lO'/z Uhr, im KOnlgstadt-Kasino, HolzmarktstraBc 73: ]VIitgltcdcr»Versammlung. 19/10 TageS-Ordnung: 1. VerbandSangelegenhciten und Bericht des Delegierten der Gewerk- schaftskommission. 2. Neuwahl deS VergnügungSlomitees. 3. Verschiedenes und Ausnahme neuer Mitglieder,_ Der Vorstand. »» mMj Deutschlands. Sektion der Putzerträger. Sonntag, 15. September, vormittags iVL Uhr, in Obligos Festsälen, Schwedterstr. 23: Iflitglieder-Versammhmii. Sektion der Rohrer. Sonntag, den 15. September, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause (Saal 5). Engel-User 15:' Mitglieder- Versammlung. liruppe der Brunnenbauer u. Hülfsarbeiter. Sonntag, den 15. September, vormittag» 10 Uhr, bei I. Meyer, Oranienstr. 103; Mitglieder- V er sammlnng. BV* Tagesordnung wird in der Versammlung betannt gemacht.-MfL Sektion der Dachdecker- Hülfsarbeiter. Sonntag, den 15. September, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause (Saal 7). Engel-User 15:_ Zk Miiglieder-yersammlung. TageS-Ordnung: i. Bericht von der Vertretersitzung. 2. Regelung der MelSenlschädigung. SC Bei der Wichttgkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Dachdeacr-HAssarbetter notwendig. Die Dachdecker werden ersucht, ihre Hülssarbeiter aus diese Versammlung besonders aufmerksam zu machen. 47/13 Der IKweigvereinsvorstand. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburean: CharitistraBe 3. Hos HI. Amt 3, 1987. Sonntag, ben 15. September, vormittags 10 Uhr, in Fraukes Festsälen, Sebastianftr. SS: MgUeder-Versatntnhmg der Rohrleger und Helfer Serlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Die Bedeutung der gewerlschastlichen Arbeitsnachweis». Reserent: Kollege Wuschiok. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahlen zur Agitationskommission. 4. Verbandsangelegenheiten.— SC" Mitgliedsbuch legitimiert. Kollegen l Wir machen es Euch zur besonderen Pflicht, wegen der wichttgen Tagesordnung in dieser Versammlung recht zahlreich und pünkt- lich zu erscheinen!_ Sonntag, den 15. September, vorm. 10 Uhr, im Gcwcrkschaftshause, Engel-User 15. Saal I: Versammlung der Bauanschläger. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Ablauf unseres Lohsilariss. 2. Verbands- und Branchenangelcgenheiten. 3. Verschiedenes.—«ilglieilsbiich legitimiert. Sonntag, de» 15. September, vormittags 10 Uhr. im Lokale von Muster in Reinickendorf, Berlinerstr. 39: Morgensprache Rum��J.rt°°d Achtung! Achtung! Wegen der Quartalsabrechnung muffen alle Kollegen, welche zurzeit Erwerbslosenunterstützung beziehen, dieselbe in der Woche vom 22.-28. September d. J. abheben.— Auch müssen dann diejenigen Kollegen, welche über OuartalSschluft hinaus traut sind, bei der Abhebung der letzten Unterstützung ihre Mitglieds- 148/l2 bücher und Kontrollkarten abgeben. Die Ortsvcrwaltnng. Clfchlcr-Vcrcln(€. ff*. 89) Sonnabend, den 14. September 1907, abends L'/s Uhr: WU"' IfepsaraimBung."WW VcreinSangelegenhcitcn. Ausgabe der Billetts zum 36. StistuugSfcst, „Sanssouci", isoircc von Hoffmanns Norddeutschen Sängern, Konzert u. Ball. äs Hempait iiacl llriiie.3liS 199/6 Der Torstand. Hiermit den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser treues j Mitglied, der Maurer Ulbert Müller 1 durch Unglücksfall am 11. Sep- ( tcmbcr plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Sonntagnachmittag von der j Leichenhalle aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Ter Vorstand. Todes-�iikteig«. Am Dienstag, den 10. d. Mts.,! verstarb unsere treue Mitarbeiterin,> die ZeitungSträgerin Frau Anna Schade im Alter von 38 Jahren. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. d. M.. nach. mittags 4>/z Uhr, von der Leichen- balle des Gemeinde-Fricdboses Rixdors, am Mariendorser Weg. auS statt. 59S2L Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Parteispedition Rixdorf. Für die vielen Beweise herz, sicher Teilnahme und die überaus reichen Kranz- und Blumenspendcn bei der Beerdigung meines innig ge- siebten Mannes sage ich allen Vcr» wandten und Bekannten, insbesondere seinen Mitarbeitern der Firma Eikel- berg meinen innigsten Dank. Wwe. Ellsaheth Schärfchen _ geb. Minzaport. 2867b Danksagung. Für die vielen Beweise herzsicher Teilnahme und die zohlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines sieben, herzensguten Mannes Theodor Neumann sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, Kollegen und Kalle- ginnen sowie den Genoffen des sechsten Krelses meinen innigsten Dank. Die trauernde Witwe pmiline Neumann nebst Sohn. 2877b „Herlinep Arheiler- Railahrer-Ifereir Mitglied deS Arbeiter- Radsahrer-BundeS »Soltdaritäf. Touren Sonntag, den 15. September: Allgemeiner Katerbummel nach Pichelswerder(Freund). Start: 1 Uhr, die Abteilungen von ihren Starts._ Achtung! Bundesgenossen! Sonntag, de« 15. September, findet eine Ganansfahrt nach Kl. WMkllbtrg-Wörlitz statt; der allgemeine Gaustart ist in Treuenbrietzcn vormittags'/,7Uhr, sonstiger Treffpunkt Kl. Wittenberg (»Zum Ztzronprinz"). Darum auf znr GananSfahrt nach Kl. Wittenberg l Für diejenigen, welche die Bahn benutzen wollen, Sonntag früh 5'° Uhr Anhalter Bahnhos Abfahrt. Arbeiter- Badfahrerbund „Freiheit". Sonntag, 15. September: Gemeinsamer Start 12 Uhr mittags Danziger-, Greisswalderstraße-Ecke.. Um 3 Uhr: 2874S Korso durch Werneuchen. ES ist Pflicht jedes Mitgliedes, daran teilzunehmen. Die Kreisleitung. Fröbels Allerlei-Theater Schönh. Allee 148, Kastan.-Allce 97/99. Aeltestes Voltstheater Berlins, Heule sowie täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten u. a.: Karl Braun 7s suchen Verwandlungen Wendmis, Dcslion, Franconi usw.— Dazu um 8 Uhr: Else aus den Amorsälen. Volksstück in 3 Sitten von F. Schäfer. Im Riescnsaal: GroUcr Dali. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Pf. Am Sonnabend: Abschieds-Vorstell. für Karl Brau». keichLhallen- Thealer. Täglkd Britton als Ante im Familie»- bad Wannsce. Ans. Wochent. 8, SonnlagS 7 Uhr. Verantwortlicher Nedalteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlaaScinstalt Paul Singer Lc Co« Berlin LW. Nr. 214. 24. Jahrgang. 2. Keilm des Jotniiitts" KM» Jolblilirtl»*«. Partei-?Zngelegenkeiten. Achtung! Die Festzeitung „Von Genf bis Stuttgart" gelangt heute zum Versand. Die Bezirksführer finden die Blätter heute abend an den bekannten Stellen vor. Am Sonntag, den 15., von früh 8 Uhr an, findet die Unterschriftensammlung zur Petition für den Achtnhr- Ladenschluft gleichfalls von den bekannten Lokalen aus statt. Wir erwarten, daß die Genossen sich mit dem gewohnten Eifer an dieser Arbeit beteiligen._ Der Zentralvorstand. Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den 14. d. M., feiert in Lankwitz der Rauchklub„Havanna" im Lokal„Zur Linde", Hauptstraße, sein Stiftungsfest, am gleichen Tage veranstaltet der Verein„ L u st i g e Brüder" im Lokal von Aug. Stefani, Kaiser Wilhelmstraße, einen Rekruten-Abschiedsball. Wir weisen darauf hm, daß beide Lokale der Arbeiterschaft nicht zur Ver- fügung stehen, mithin sind alle dortigen Veranstaltungen seitens der Parteigenossen streng zu meiden. Am gleichen Tage veranstaltet der dortige Wahlverein in „Ebels Restaurant" ein aus Konzert, Theater und Tanz bestehendes Vergnügen, worauf wir auf Wunsch der betreffenden Genossen besonders hinweisen wollen, gleichzeitig machen wir die Besucher des Lutherkirchhofes auf„Ebels Restaurant" aufmerksam, das- selbe steht unS zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Rudow. Die nächste Mitgliederversammlung findet am Sonn- tag, den 15. d. M., nachmittags 3Vz Uhr bei Palm statt. Tages- ordnnng: 1. Berichterstattung von der VerbandSversammlung Groß- Berlins und der Kreisgeneralversammlung. 2. Vereinsangelegen- heiten. 3. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. Britz-Buckow. Am Sonntag, den 15. September 1907, nach- mittags'/a6 Uhr, findet im Lokal des Herrn R. Klein. Buckow, Chausseestraße 12, die Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die Pariser Kommune. Referent Genosse Mermuth. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Ersckeinen erwartet Der Vorstand. Wittenau. Die öffentliche Versammlung findet Sonnabend, den 14. September, abends 8>/z Uhr im Schulzeichcn Lokal, Hauptstraße statt. Genosse Ad. Stern ipricht über die wahre Gestalt des Christen� tumS. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Berliner JVaebriebten* Ein Kriminalschutzmann der— sich zu erkennen gibt. Aus der Tempelhofer Vorstadt haben wir über eine Hunde- geschichte zu berichten, die dort viel besprochen wird und besonders bei unseren Genossen aus dem zweiten Wahlkreis ein mehr als gewöhnliches Interesse beanspruchen darf. In der Arndt straße hatte ein Hund, der unter dem Schutz seiner Herrin einher trabte, vor dem Laden eines Zigarrenhändlers W. Halt gemacht, um nach ungenierter Hundeart just vor der Ladentür ein übel duftendes Andenken zu hinterlassen. Herr W. trat in die Tür, besah sich ärgerlich die Bescherung, verscheuchte das rücksichtslose Hundevieh und schimpfte in einem Anflug von Galgenhumor:„Du Sau, kannst Du nicht auf den Damm gehen!" Da kriegte er es aber mit der fürsorglichen Herrin zu tun, die ihn erregt darüber zur Rede stellte, daß er ihrem unschuldigen Tier zu nahe trete. Nachdem Herr W. der energischen Dame zu verstehen gegeben hatte, daß für solche unappetitlichen Geschäfte der Damm ein geeigneter Ort sei, trollte sie sich von bannen. Nicht lange darauf erschien in dem Laden ein Mann, der sich als den Gatten jener Frau bezeichnete und schlankweg die Behauptung aufstellte, W. habe die Frau eine„Sau" genannt. W. fragte ihn, was ihm denn einfalle; das Wort habe selbstverständlich nicht der Frau, sondern dem Hunde gegolten. Aber da richtete der andere sich auf und. erklärte:„Ich bin Kriminalbeamter." Und aus der Tasche zog er eine jener blechernen Marken, mit denen die Kriminal- Polizisten sich zu legitimieren pflegen, wenn sie eine amtliche Handlung vornehmen wollen. Eine amtliche Handlung war es nun allerdings nicht, was diesen Ehegatten, der sich samt seiner Frau beleidigt wähnte, in den Laden des Zigarrenhändlers geführt hatte. Deshalb ließ Herr W. sich auch nicht von dem Blech imponieren, sondern ersuchte den ungebetenen Gast, sich zu be- ruhigen und auch ihn in Ruhe zu lassen. Der angeblich beleidigte Gatte begriff, daß er hier nicht zu kommandieren hatte. Er ent- fernte sich mit der Drohung, W. werde bald merken, daß er es mit einem Kriminalbeamten zu tun habe. Hinterher rief er noch von der Straße aus dem Zigarrenhändler wütend zu, er werde es ihm schon besorgen. Warum wir diese Geschichte weitererzählen? Weil ihr Held, der aufgeregte Blechmarkenmann, der in dieser Hundeaffäre s i ch so geschwind als Kriminalschutzmann zu er- kennen gab, jener Kriminalschutzmann Palm ist, der im zweiten Wahlkreis sich in unseren Wahlverein als Mitglied unter dem falschen Namen Heise hatte aufnehmen lassen. Tort hatte er nach Kräften dafür zu sorgen gesucht, daß er nicht er- kannt würde, aber unseren Genossen ist es bald genug gelungen, ihn zu entlarven. Wir hören übrigens, daß dieser Palm alias Heise eben jetzt aus dem zweiten Wahlkreis in den sechsten Wahlkreis übersiedelt. Wer weiß, ob er nicht dort sich von neuem in einer Rolle versuchen wird, in der er seine Blech- marke in der Westentasche, wo sie am tiefsten ist, verstecken muß. Die Anschaffung von weiteren acht Schnerpflngen seitens der zu- ständigen Deputation ist beim Magistrat beantragt worden. Ein schon im Gebrauch befindlicher Schneepflug soll so ausgestattet werden, daß er gleichzeitig als Transportwagen dienen kann. Ferner wurden einige Verträge mit Lieferanten genehnngt. In der gestrigen Sitzung der Deputation für die städtischen Fach- und Fortbildungsschulen wurde unter dem Vorsitze des Stadtschul- rates Dr. Michaelis beschlossen, die 11. und 13. Wahlfortbildungs- schule auf dem Gesundbrunnen und Wedding mit einander zu ver- schmelzen. Auf den Vorschlag des Stadtschulrates Dr. Fischer wurde ferner beschlossen, für die 2. und 9. Fortbildungsschule für Mädchen eine K o ch s ch u l e auf dem Grundstücke Hussitenstr. 7 ein- zurichten. Ferner beschäftigte sich die Deputation u. a. noch mit der Errichtung einer Fahrschule. Es wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Materie vertraut, das Material prüfen und dann Vorschläge machen soll. Zum Stransberger Eisenbahnunglück wird berichtet, daß die �Nachforschungen nach dem Eisenbahnfrevler jetzt auch zur Ermittelung des jungen Mannes geführt haben, von dem eine Dame ein kleines Bild dem Schmiedemeister Haube übcrsandt hatte. Haube und seine Gesellen erkannten eine zcwisse Aehnlichkeit zwischen dem Bild und dem Schlüsselbestellcr. Es kam hinzu, daß der Mann Chauffeur gewesen war, und nach tiuem Unfall ein Bein etwas nachschleppte. Er war außerdem am Morgen nach dem Unfall sehr aufgeregt nach Hause gekommen hatte dann bis 4 Uhr nachmittags geschlafen, war darauf wieder weggegangen und in seine Wohnung nicht wieder zurückgekehrt. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß er nach Brandenburg gefahren war, und nahm ihn in der Nacht zu gestern vorläufig fest, als er nach Moabit heimkehrte. Beamte fuhren mit ihm nach Straus- berg und stellten ihn Haube, seinem Gesellen und den anderen Leuten gegenüber. Jetzt erkannten alle, daß er doch nicht der Schlüsselbesteller und der Mann ist, der in der Gegend wiederholt gesehen wurde. Der Verdächtigte konnte außerdem im Laufe des Nachmittags sein Alibi für die kritische Zeit einwandfrei nach- weisen. Er wurde daher wieder entlassen.— Aus Frankfurt a. O. sandte jemand einen graukarierten Anzug ein, ohne über die Umstände, unter denen er zu ihm gekommen war, etwas mit- zuteilen. Die Rekognoszenten aber bekunden, daß der mutmaßliche Täter, der Schlüsselbesteller, einen feinen karierten Anzug getragen habe.— Die meisten Anzeigen aus dem Publikum fußen darauf, daß die Leute, auf die sie die Aufmerksamkeit der Kriminalpolizei lenken, auf dem linken Fuß humpeln oder ihn stark nachschleppen. Der Schlüsselbesteller aber zog den einen Fuß— welchen können Haube und seine Leute nicht sagen— nur sehr wenig nach. Welch ungeheuer lange Arbeitszeit die SchlächtermamscllS haben, erhellt aus folgendem uns zugehenden Versammlungs bericht:„Die Ruhezeit der Schlächtcrmamsellt beschäftigte Mittwochabend eine Versammlung der Berliner Schlächtermeister, die die Freie Vereinigung selbständiger Schlächtermeister Berlins und der Umgegend nach Kubes Festsälcn, Alte Jakobstraße, einberufen hatte. Wie der Referent, Schlächter- mcister Reuter, ausführte, sind in letzter Zeit zahlreiche Anzeigen gegen Schlächtermeister erstattet worden, weil sie die gesetzlich vor- geschriebene elsstünmge Mindcstruhezeit für ihre Mamsells nicht innehielten, sondern die Läden von 3 bis 9 Uhr offen hielten. Der Referent führte dazu aus, die Eigenart des Schlächtergewerbes bringe es mit sich, daß der Laden schon um 6 Uhr geöffnet werden müßte. Die Stellung der Schlächtcrmamsells unterscheide sich auch wesentlich von der der Verkäuferinnen, denn die Mamsells hätten meistens im Hause des Meisters gute, freie Station und bezögen auch verhältnisnkaßig hohe Gehälter. Der Redner schlug vor, bei der Behörde dahin vorstellig zu werden, daß für die Mamsells eine Ausnahme von der Mindestruhezeit gemacht werde oder, falls dies abgelehnt wird, daß dann wenigstens die Mittagspause von 2 bis 4 Uhr angerechnet werde. In der freien Aus- spräche wurde von verschiedenen Rednern vorgeschlagen, man möge die Verkäuferinnen erst um 9 Uhr mit dem Dienst beginnen lassen, dann müßten die Meister eben früher aufstehen; wenn erst der Achtuhrladenschluß eingeführt sei, dann brauchte man die Geschäfte nur um 7 Uhr zu öffnen und die Verkäuferinnen hätten doch ihre Mindestruhezeit. Die Versammlung beauftragte den Vorstand der Freien Vereinigung, im Sinne der Vorschläge des Referenten bei den Behörden vorstellig zu werden." Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht näher auf das hier ausgesprochene Eigenlob eingehen, daß die Schlächtermeister ihren Mamsells„verhältnismäßig hohe Gehälter" zahlen. Dieser Begrifi ist ein sehr dehnbarer und Arbeitgeber werden immer erzählen, sie zahlen ihren Angestellten„verhältnismäßig hohe Löhne" und diese Löhne entsprächen auch nicht den geringsten Anforderungen. Für uns ist interessant, daß tatsächlich zugegeben wird, daß die Mindcstruhezeit nicht eingehalten und daß der Versuch unter- nommen wird, die Behörden für die Beseitigung dieser Mindest- ruhezeit unter gewissen Umgehungen zu interessieren. Hoffentlich haben diese Bestrebungen keinen Erfolg. Die Arbeitszeit der Fleisch- und Wurstverkäuscrinnen ist eine derart lange, daß man nur eine Verkürzung der Arbeitszeit dringend wünschen kann. Ein kleiner Schritt hierzu dürfte die jetzt wieder betriebene Agitation zur Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses sein. Ein Duell zwischen einem Studenten und einem Bank"- bcamten hat dieser Tage im Grunewald bei Schildhorn statt- gefunden. Beim ersten Kugelwechsel schon wurden beide kämpf- unfähig. Während der Bankbeamte nur einen Streifschuß davontrug, wurde der Student lebensgefährlich verletzt. Die Ursache zu dieser Schießerei soll der Streit um eine Dame sein.— Nun haben die Streithähne ihre Ehre reingewaschen! Wie gering doch manche Menschen ihr Leben einschätzen. Eine große Neberraschung wurde dieser Tage dem in der Oranienstraße wohnenden Kellerciarbeiter Naumann zuteil. N. hatte mit seiner Frau die Wohnung verlassen und die Aufsicht der- selben der Portierfrau übertragen, die sich zur VerWartung eines kleinen Kindes des N. in der Wohnung aufhielt. Plötzlich klopfte es an der N.schen Wohnung, und als die Portierfrau öffnete, be gehrte ein Gerichtsvollzieher Einlaß. Der Mann ließ sich auch keineswegs mit dem Hinweis auf die Abwesenheit der N.schen Ehe lcute abweisen und schritt ganz wohlgemut zu einer Pfändung. Er versiegelte ein Sofa und ein Wäschespind und entfernte sich nach Erledigung seiner Arbeit. Man kann sich das Erstaunen der N.schen Eheleute denken, als sie nach ihrer Rückkehr hörten und sahen. was vorgefallen. Erfreut wird jeder Wohnungsinhaber sein, der keinen Gerichtsvollzieher erwartet, weil er niemandem etwas schuldet. So war es auch hier. Naumann hatte keine Gläubiger, die ihn verklagt und die Ursache zur Pfändung hätten. Im Hause sprach sich die Sache herum und am anderen Tage stellte es sich heraus, daß der Gerichtsvollzieher an einer ganz falschen Stelle seine preußischen Adler angeklebt hatte. Die Sachen mutzten wieder srcigegcben werden. Der Pfändungsauftrag bezog sich auf einen Mann ähnlichen Namens, der im gleichen Hause wohnte. Der Gerichtsvollzieher— Wotzek ist sein Name— hätte die Pflicht gehabt, sich das Türschild genauer anzusehen und den Namen sorg- sältig zu vergleichen mit dem in dem Pfändungsbefehl enthaltenen. Hätte das der eifrige Mann getan, so brauchte er nicht ganz un- berechtigtcrweise in eine fremde Wohnung einzudringen und Lcute unnötigerweise in Aufregung zu versetzen. Im Stadtbahnzuge gestorben ist gestern nachmittag eine un- bekannte, etwa 7l)jährige Frau, die einen Nordringzug benutzte. Die alte Dame befand sich in einem Abteil dritter Klasse, als sie in der Nähe der Station Wedding plötzlich auf der Bank zusammen- brach. Bahnbeamte brachten die Erkrankte nach der Unfall- station VI in der Lindowerstraße, woselbst der anwesende Arzt nur den bereits infolge Herzschlages eingetretenen Tod feststellen konnte. Die Leiche wurde nach dem Schauhause übergeführt- Lehrer Wandle im Kampf gegen den Alkohol. In R i x d o r f haben die Mitteilungen, die von uns über Herrn Richard Wandle, den Lehrer an der 9. Gcmcindcschule in der Kaiser Friedrichstraße, am Sonntag veröffentlicht wurden, ein nicht geringes Aufsehen erregt. Wandle hatte über den tödlich verunglückten Kutscher Karl G e r l a ch sSchinkestraße 2), den Vater eines seiner Schüler, vor versammelter Klasse die Bemerkung gemacht, der werde wohl betrunken gewesen sein. Die Ent- rüstung über diese grobe Taktlosigkeit hat bei der Beerdigung des Herrn Gerlach, die am Sonntag stattfand, auf dem Friedhof unter den zahlreichen Leidtragenden in scharfen Worten ihren Ausdruck gefunden. � Herrn Wandle selber aber scheint noch immer das Ver- ständnis dafür zu fehlen, wie schwer er das Gebot der Pietät gegen die Eltern verletzt hat, das die Schule sonst den Kindern vorbält. Nachdem er von dem Artikel des„Vorwärts" Kenntnis erhalten hatte, äußerte er sich vor versammelter Klasse noch einmal über die Angelegenheit. Er versicherte, es sei schon oft vorgekommen, daß Kutscher in der Trunkenheit vom Wagen fielen und sich tot fuhren. Die Kinder habe er hierauf hinweisen wollen und, um ein Beispiel anzuführen, habe er über Gerlach gesagt, auch bei ihm werde es wohl so gewesen sein. Lehrer W. hat hiermit unsere Angaben bestätigt, und er hat obencin seine ungehörige Bemerkung in einer nur wenig abgeschwächten Form wiederholt. Man sieht: er begreift nicht, daß er als Beispiel nicht den Vater eines seiner Schüler nehmen durfte, am aller- wenigsten den eben verstorbenen, der seiner Familie durch einen jähen Tod entrissen worden war. Herr Gerlach ist nicht in der Trunkenheit zu Tode gekommen, und er war überhaupt nicht das, was man einen Trinker nennt. Aber selbst wenn er das gewesen wäre und durch Trunkenheit seinen Tod verschuldet hätte, so hätte der Lehrer sich jedes absprechenden Urteils hier» über enthalten müssen. Sogar die Aeußerung, daß schon oft Kutscher in der Trunkenheit sich tot gefahren hätten, war in diesem Augenblick eine Taktlosigkeit. Sie ist in ihrer allgemeinen Form nicht mal richtig, wenn auch viele Leute leider nur zu rasch bereit sind, einen tödlich verunglückten Kutscher der Trunkenheit zu bezichtigen. Auch Herr Wandte gehört zu diesen Leuten. AI? Frau Gerlach ihn im Schulhause aufsuchte und um Zurücknahme seiner sie kränkenden Aeußerung bat, gab er im Beisein seiner Schüler und auch ihres eigenen Sohnes ihr die grobe Antwort. solche Unfälle würden nicht vorkommen, wenn nicht die Kutscher so oft betrunken wären. Hinterher erklärte er vor versammelter Klasse noch, er werde sich übrigens mal bei einem früheren Arbeit- geber Gerlachs erkundigen. Wenn Herr Lehrer W. es für zulässig hält, in dieser drei st en Art das Privatleben von Eltern seiner Schüler zum Gegenstand seiner unberechtigten Kritik zu machen, so wird die Frage zu erwägen sein, ob nicht gegen ihn die Hülfe der ihm vorgesetzten Behörde angerufen werden soll. Zu seiner Verteidigung gegenüber dem„Vorwärts" hat W. den Kindern noch gesagt, er(der Herr Wandle) bekämpfe ja den A l k o h o l i s m u s, da müsse er auch in der Schule bor dem Alkohol warnen. Im übrigen habe, so fügte er hinzu, hierbei gerade der„Vorwärts" durch Veröffentlichung jenes Artikels ihm einen Dienst erwiesen. In dem Artikel war nämlich gesagt:„Will die Schule schon die Kinder auf die Gefahren des Alkohols auf- merksam machen, so darf sie der Anerkennung und des Dankes gewiß sein." Offenbar hat W. auf diesen Satz anspielen wollen. Er könnte sich aber auch den darauf folgenden Satz sä notsm nehmen, der so lautete:„Aber soll das geschehen auf Kosten der Pietät, die die Schule selber den Kindern predigt?" Daß Lehrer Wandle tatsächlich in der Schule den Alkohol bekämpft, wird uns auf das bestimmteste versichert. Interessieren wird das diejenigen unserer Leser, die nach Erscheinen unseres Artikels uns ihre Verwunderung darüber aussprachen, daß gerade von Herrn W. so sehr gegen den Alkohol geeifert werde. W. amtiert seit Jahrzehnten in Rixdorf und ist hier aus mancherlei Gründen zu einer stadtbekannten Persönlichkeit geworden, lieber ihn hat man uns Dinge erzählt, die freilich manchen in Verwunderung setzen könnten. Unsere Ermittelungen haben indes ergeben, daß es sich um Vorkommnisse aus einer schon etwas zurückliegenden Zeit handelt. Wir halten es für unsere Pflicht, Herrn Wandle auch noch d e n Dienst zu erweisen, daß wir hier öffentlich erklären: heute soll sein Verhältnis zum Alkohol ein anderes als früher sein. Herr W., der für seinen Kampf gegen den Alkohol nach Beispielen aus dem Leben sucht, wird uns für diesen Hinweis dankbar sein. Großfcuer in einer Möbelfabrik. In der Reichenbergcrstr. 197 kam in der letzten Nacht ein ge» waltiger Brand aus, der einen Schaden von über 199 999 M. ver» ursachte. Die Feuerwehr hatte stundenlang zu tun, um die Gewalt des Feuers zu brechen. In allen vier Etagen des Oucrgebäudes befindet sich die Möbelfirma von Appelt. Mittwochnacht gegen 12 Uhr wurde plötzlich Feuerlärm laut, da aus dem Dachgeschoß helle Flammen schlugen. Als die Feuerwehr auf den ersten Alarm hin mit dem achten Löschzuge anrückte, brannte schon das gesamte Dachgeschoß. in dem sich das Hauptlager von wertvollen importierten Hölzern sowie die Trockcnräume befanden. Die Wehr zog daher sofort Verstärkung heran und bald waren zwei volle Kompagnien zur Stelle. Auch Branddirektor Reichel war herbeigeeilt. Die Hauptaufgabe der Wehr bestand' darin, die bedrohten Nachbar- gcbäude zu schützen, lieber zwei mechanische Leitern, die Treppen- aufgänge und mehrere Strickleitern hinweg drangen die Lösch- Mannschaften mit insgesamt 14 Schlauchleitungen vor. Als man das Feuer im Dachstuhl gedämpft glaubte, brannte es plötzlich in allen unteren Etagen. Durch den Transmissionsschacht waren die Flammen nach unten bis in den Keller hineingeschlagen, wo die Tapczierwerkstätte der Firma liegt. Durch das umsichtige Vorgehen der Sappeure konnte die neue Gefahr aber bald beseitigt werden. Nur in der dritten Etage wurde noch größerer Schaden angerichtet._ Das königliche Polizeipräsidium teilt mit: Einen« Hehler sind folgende Gegenstände abgenommen und beschlagnahmt: Fünf Pelz- inuffen, fünf Pelzkragen, 16 blaue Knabeuwintermützen, zwei große Herrenwintermützen, ein schwarzes Damenbarett, zwei Bettvorleger aus Hasenfell, rot eingefaßt, ein braunes Tuchdamenjackett mit schw. Pelzkragen, ein schwarzer Damenumhang, ein IV« Meter langes, 59 Zentimeter breites Stück Stoff, auf welchem schwarze Federn genäht und noch nicht ganz fertig gestellt ist, vier kleine Kinder- Pelzkragen, vier Herrenzweiräder, zwei mit Marke Brennabor ohne Nlunmer. Rekognoszenten, welche vor dem 23. Juli d. I. bestohlen sind, wollen sich in den Vormittagsstunden auf Zimmer 36 des Polizeipräsidiums zur Besichtigung der Gegenstände einfinden. Straßensperrung. Die Kaiser Wilhelmstraße von der Münz- straße Ausschließlich Kreuzdamm) bis zur Dircksenstraße sausschließ- lich Kreuzdamm) wird behufs UmPflasterung vom 16. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- I�admcdten. Charlottenbnrg. Die Charlottenburger Stadtverordneten traten am Mittwoch zu ihrer ersten Sitzung nach den Ferien zusammen. Der Vorsteher teilte mit, daß der Bezirksausschutz die Wahlen der Herren Thieme, Lemm und P o l t e l(sämtlich liberal) für un» gültig erklärt und daß die Stadtvv. Dr. Proskauer sunpol.), Dörre sSoz.) und C o l I o m sfrs. Vg.) ihre Aemter nieder- gelegt haben. Da Genosse Dörre vom 4. Bezirk und Herr Collom vom 1. Bezirk der dritten Wählerabteilung gewählt war und ihre Riandate noch bis Ende 1999 bezw. 1911 liefen, sind also zwei wesitere Ersatzwahlen in der dritten Wähler» klasse nötig. Ks lind im aansen acht Ergän, züngS- vnv vier Ersaßwshlen erforderlich. Die umfangreiche Tagesordnung war in einer knappen Stunde erledigt. Kon den Vorlagen ist von allgemeinem Interesse nur die betreffend die Errichtung eines Ledigenheims. Bereits am 13. Jum 1Ö06 hatte die Versammlung einen Beschlud gefaßt, nach welchem die Stadt selbstschuldnerische Bürgschaft für das von der Volkshotel-Aktiengesellschaft aufzunehmende Baukapital bis zur Höhe von einer halben Million übernehmen sollte. Die Bürg� schaft für 300 000 M. ist bereits geleistet, die Bürgschaft für weitere 200 000 M. wurde am Mittwoch beschlossen. Das Geld gibt die Landesversicherungsanstalt Brandenburg. Das Ledigenheim wird voraussichtlich im Februar dem Betrieb übergeben. Den Einsprüchen gegen die Richtigkeit der Wählerliste gab die Versammlung meistens Folge. Nur Schlafburschen, Nicht- Preußen und Empfänger von Armenuntcrstützungen, die noch nicht zurückgezahlt sind, wurden in die Liste nicht aufgenommen. Unter den Einsprüchen, die zurückgewiesen werden mutzten, be- finden sich eine ganze Reihe solcher von Arbeitern, die es verab- säumt haben, sich rechtzeitig naturalisieren zu lassen oder die immer noch als Schlafburschen gemeldet sind. Nixdorf. Ueberfahren und schwer verletzt wurde Mittwoch nachmittag die achtjährige Tochter des Arbeiters Geisler, die mit anderen Kindern in der Mainzerstratze spielte. Die Kleine lief auf den Fahrdamm und geriet unter eine Droschke, deren Räder ihr über die Beine hinweggingen. Das Mädchen erlitt schwere Knochen- brüche und mutzte nach dem Krankenhaus übergeführt werden. Auf schreckliche Weise ist gestern der 59 Jahre alte Fleisch- bcschauer und Hausbesitzer Hermann Schweitzer, Prinz Handjery- stratze 09, ums Leben gekommen. Sch. war mit seinem Sohne auf einem Vergnügen gewesen und bei der Heimkehr trennten sich Vater und Sohn vor dem Wohnhause. Einige Zeit später fand Frau Sch. ihren Mann vor dem untersten Treppenabsatz liegend tot auf. Der Bedauernswerte hatte das Genick gebrochen. Wahr- scheinlich war er beim Hinaufsteigen nach der Wohnung von der Treppe abgerutscht und in die Tiefe gestürzt, wobei er sich einen Genickbruch zuzog. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Liebeögram soll den 43 Jahre alten Arbeiter Karl Föttcher, Richardplatz 14, in den Tod getrieben haben. F. hatte sich in ein um mehrere Jahre jüngeres Mädchen verliebt, das aber nichts von ihm wissen wollte. Hierüber verzweifelt, verübte F. Selbstmord. Als die betagte Mutter gestern von einem Ausgange heimkehrte, fand sie den Sohn erhängt auf; der Lebensmüde war bereits tot. Steglitz. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich am Mittwoch auf einem Neubau in der Herderstraße. Der dort beschäftigte Bauarbeiter Müller aus Teltow stürzte aus unbekannter Ursache beim Hinab- gehen auf der Leiter in der Höhe von sieben bis acht Sprossen so unglücklich auf die Erde, daß der Tod sofort eintrat. Zehlendorf Ein aufregender Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag in dem Hause Machnowerstr. 11. Dortselbst wohnt der Kaufmann Grünberg, in dessen Geschäft ein zirka 45— 50 Jahre alter Hausdiener beschäftigt war. Der Schlafraum des letzteren befand{ich in dem Mansardengeschotz des Hauses, und von hier aus stürzte er kopfüber auf die Stratze herab und schlug mit dem Gesicht auf das Mosaikpflaster auf. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod des in einer großen Blutlache liegenden Mannes konstatieren. Bei dieser Gelegenheit konnte man wieder einmal feststellen, daß die Polizei bei derartigen An- lässen nicht ganz so eifrig ist wie beispielsweise beim Fürstenhof- bcykott. Da war man erstens sehr schnell zur Stelle, wenn sich ein Posten in zu große Nähe des Fürstenhofes wagte; zweitens wußte man auch, wo man die ertappten Sünder in sicheres Ge- wahrsam brachte. Mit dem Toten schien man augenblicklich nicht zu wissen wohin. Wird doch mitgeteilt, daß der Polizeibeamte allen Ernstes den Vorschlag gemacht hat, den Toten in den Haus- flur zu schaffen und dort bis zuni Morgen liegen zu lassen. Die Bewohner des Hauses hätten jedoch dagegen protestiert, weshalb schließlich doch ein Wagen requiriert wurde, der den Toten weg- brachte. Ob Selbstmord vorliegt oder ob der Tote sich im Traum vom Fenster herabgestürzt hat, konnte nicht ermittelt werden. Eine Entgleisung zweier Wagen eines Güterzuges fand gestern morgen auf dem hiesigen Bahnhof auf den Gleisen der Pots- damer Bahn statt. Ein Wagen wurde dabei gänzlich umgeworfen, während der andere nur aus den Schienen sprang. Personen wurden nicht verletzt. Ober-Schönetveide. Gemcindcvcrtrctcrsilinng. Der Vertrag betreffend Erbauung eines Krankenhauses lag vor und wurde von der Ver- trctung gutgeheißen. Nach demselben verpflichtet sich die Verwal- tung des Elisabeth-Kinderhospitals, für die Gemeinden Ober- Schöneweide, Friedrichshagen und Friedrichs- f e l d e ein Krankenhaus für mindestens 80 Betten für Erwachsene und 20 für Kinder zu errichten. Die Verpflegungssätze sollen analog den Berlinern sein. Als Gegenleistung sind von den Ge- meinden 300 000 M. als unverzinsliches Darlchn zur Erwerbung des 12 Morgen großen Grundstücks aufzubringen. Hiervon trägt Ober-Tchöneweide die eine Hälfte und die beiden anderen Ge- meinden die andere. Das KrankenhauSgrundftück in Wr Wuhlheidc im Gutsbezirk Köpenicker Forst gelegen, wird zu Ober-Schöneweide eingemeindet.— Vom Kreisausschuß ist der Gemeinde zu den Kosten der Fortbildungsschule eine Aeihülfe von 450 M. gewährt worden. Die Vertretung bewilligte außeretatSmähig 500 M. zum Ankauf von Werken für die neueröffnete Eemeindebibliothek, welche sich eines starken Zuspruchs erfreut. Der Anschluß an den Verein für Volksbildung wurde gutgeheißen.— Für die Zwecke der Er- bauung cineS RcalghmnasiumS und Darlehn für das Krankenhaus beschloß die Vertretung die Aufnahme einer Anleihe von 500 000 Mark.— Die Mittel für elektrische Beleuchtung des Feuerwehr- grundstückes wurden bewilligt.— Anläßlich der Richtigsprechung der Jahresrechnungen pro 1905— 1906 wurden seitens der Rech- nungSkommission die Höhe der Kosten für Dienstreisen der Beamten beanstandet. Auch das Recht der einzelnen Kommissionen, solche Reisen zu verfügen, bestritt die Gemeindevertretung. Genosse Grunow wies darauf hin, wie bei Bewilligung von Armengeldern wegen der kleinsten Beträge gehandelt und gedrückt würde, und hier wird mit dein Gelde der Steuerzahler in solch unverantwort- licher Weise gewirtschaftet. Beschlossen wurde, ein neues Orts- statut in dieser Frage zu schaffen.— Ein Gesuch des Müllabfuhr- Unternehmers auf Erhöhung seiner Bezüge wurde zwecks näherer Ermittelung zurückgestellt. Köpenick. Ein Zopfabschneiber. In den östlichen Vororten treibt äugen- blicklich ein Zopfabschneider sein Unwesen. Der gefährliche Bursche hat es besonders auf 10— I4jährige Schulmädchen abgesehen. So verstand er eö vorgestern, in einem hiesigen Kinematographcn- theater einem 13jährigen Mädchen völlig unbemerkt das Haar ab- zuschneiden. Die starke Finsternis in dem Kincinatographen- theater kam ihm dabei zustatten. Besucherinnen der Kinemato- graphentheatcr mögen vor dem Zopfabschneider auf der Hut sein. Zeuthen. Zwecks Agitation hielt der Bezirk Zeuthen deS Wahlvereins Eichwalde am Dienstag eine Versammlung in dem neu zur Ver- fügung stehenden Lokal.Albrechtshof" ab. Ter Besuch derselben war seitens der Zcuthcner Arbeiterschaft ein ungeahnt guter. Etwa 70 Personen hatten sich eingefunden und spendeten den trefflichen Ausführungen des Genossen Kurt H e i n i g jüber „Wesen und Ziele der Arbeiterbewegung" lebhaften Beifall. In der Diskussion beleuchteten die Genossen Hoffmann und ZA alt er die bisherigen traurigen Verhältnisse des VrteS betreffs politischer Organisation.— Der Erfolg der Versanimlung zeigt sich in einer ganzen Reihe von Neuanmeldungcn zum Wahlverein. — Hoffentlich hält die Zeuthener Arbeiterschaft den errungenen Erfolg in bezug auf die Lokalfrage nicht nur fest, sondern er- weitert ihn. Dies kann geschehen, wenn jeder einzelne sich seiner Pflicht bewußt ist und noch strenger als bisher die gesperrten Lokale meidet.__ Hub der Frauenbewegung. Ei» Kursus für Kiuderfürsorge in Zürich. In der Stadt Zürich ist aus Männern und Frauen verschiedener Kreise ein Komitee ge- bildet worden, das im Januar 1903 einen scchSmonatlicheu Lehr- knrsils für Kindcrfürforge veranstalten will. Die Oberaufsicht sührt der kantonale Erziehungsrat, dem auch unser Genosse Regierungsrat Ernst angehört._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Montag, 10. September, S'/a Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandautensw. 72.„Die Bedeutung der Verkürzung der Arbeitszeit für die Frauen." Referent: GewerkschastSsekretär Link. Charlottenburg. Mittlvoch, 18. September, 81/3 Uhr, im BolkShanse, Rosinenstr. 3. Vortrag:»Lcbcnsgewohnheiten und Lebens- bedürfnisie deS WeibeS". Fricdrichshagen. Montag, 10. September, 8'/z Uhr. Restaurant Wilhelmsbad, Seeslr. 45. Vortrag. Ausgabe der Billetts zum Stiftungsfest._ Versammlungen. Die Missstände in dem„modernen" Betriebe der Allgemeinen ElektrizitätS-Gesellschaft(H. E. G.) wurden am Montag in einer in den Germaniasälen abgehaltenen Betriebsversammlung zur Sprache gebracht. Obgleich alle Tische aus dem geräumigen Saale entfernt und die Anwesenden dicht zu- sammengerückt waren, konnten doch nicht alle Besucher Raum finden. Hundertc mutzten nach der erfolgten polizeilichen Ab- sperrung wieder umkehren. Wie alle Großbetriebe möchte sich auch die A. E. G. nach außen hin das Gepränge einer Wohltäterin für die Arbeiter geben. Man prahlt damit, daß die Gründung einer PcnsionSkasse erwogen werde, man will sogar ein Sanatorium bauen, aber im Betriebe selbst schreien die Zustände zum Himmel. Ein Arbeiterausschutz existiert und auch eine„Gesundheits- und Wohlfahrtskommission", doch wird nach einem direktorialen„Geheimerlass" bei irgendwelchen Be- schwerden wohl Abhülfe versprochen, jedoch verboten, daS Ver- sprechen zu erfüllen. Der Referent S o k a l o w s k i konnte, obwohl er über zwei Stunden sprach, aus dem reichhaltigen Sünden- register der Betriebsleitung und ihrer Meister nur eine Blütenlese halten. In allen Abteilungen wird von den Arbeitern über das Zu- sammenpferchen möglichst vieler Maschinen auf den geringsten Raum, das Aufstapeln roher und fertiger Arbeiten, die Lohn- drückerei und das wütige Antreiben der Meister, deren Auftreten sehr oft allem Anstand Hohn spricht. Klage geführt. Zu verwundern ist dabei nicht, daß gerade in diesem Betriebe sich die Unglücksfälle immer mehr steigern. Die Beleuchtung und Ventilation spottet in den meisten Räumen jeder Beschreibung. In einem Raum, in dem der Meister Herzig residiert, herrscht im Sommer eine unglaubliche Hitze; ein kleiner Ventilator ist auf dem Pult des lReisters aufgestellt, damit dieser bei Beobachtung seiner Leute nicht zu sehr in Schweiß kommt. Im Galvanisierraum muhte der Fußboden mit Brettern ausgelegt werden, weil sonst die Arbeiter in den ausgetretenen Vertiefungen im Boden sich Arme und Beine brechen können. An dem einzigen Ausgang dieses Raumes liegt die Benzinkammer, die für die Arbeiter eine ständige Lebensgefahr bildet. Das Lager II, die sogen. Leichcnkammer, ein völlig dunkler Raum ohne Fenster, in dem bei Regenwetter stets Wasser steht, dient etwa 100 Arbeitern als Beschäftigungsort. Mit Licht muß vorsichtig und sparsam umgegangen werden, weil hier etwa 1000 Liter Benzin, 3000 Liter Spiritus, Lack und dergleichen aufbewahrt werden. Ein Notausgang ist nicht vorhanden. Bei diesen Ver- Hältnissen und der dumpf-modrigen Luft ist es gar kein Wunder, wenn 10 Proz. aller dort Beschäftigten krank sind. Auch der Raum, in dem die Akkumulatoren geladen werden, darf trotz der enormen Säureausdünstung nicht zu oft ventiliert werden, da der Herr Direktor sein Zimmer darüber hat und ihn das Summen ver Ventilatoren stört. Die meiste Ehre legt die A. E. G. jedoch mit ihrem Speiseraum ein. Es ist dies ein Keller, in dem neben dem Kessel für die Zentralheizung Koks und Kohlcnvorräte auf- gestapelt werden. Dicht am Kessel entlang geht das Abflußrohr von den Klosetts, an dem ein Kniestück ohne jeden Verschluß ist und von den Arbeitern mit einem Ziegelstein bedeckt werden mußte, da- mit die dem Rohr entsteigenden Düfte nicht zu arg den Raum ver- Pesten. Derartige Mißstände sind aus allen Abteilungen zu melden. Hinzu kommt noch eine unwürdige Behandlung der Arbeiter durch fast alle Vorgesetzte. Auch die„Stehkragenproletarier", jene Herren, die beim letzten Streik der Firma Rausreißerdienste leistetcn, haben das erfahren müssen- Sie hatten höflichst um gnädige Gewährung einer Aufbesserung ihrer dürftigen Bezüge petitioniert. Gewährt wurde sie ihnen nicht, aber vom Direktor Hirschberg wurden sie als„Ochsen" und„Esel" bezeichnet, so daß einige von den Herren den Mann wegen Beleidigung verklagten. Die Humanität der Firma wird dadurch beleuchtet, daß mehrere Fälle angeführt werden, wo Arbeitern, die fünf und zehn Jahre im Betriebe gearbeitet hatten, nach vierwöchiger Krankheit die Ent- lassung ins Haus geschickt wurde, um die BctricbSkasse nicht zu sehr zu belasten. Die Hülfeleistung bei Unfällen ist derart Mangel- Haft, daß auch hier dringend Abhülfe not tut.— Die von häufigen Beifallskundgebungen und MißfallcnSausdrücken gegen die Firma und ihre Antreiber unterbrochenen Ausführungen des Referenten endeten mit einem Appell an die Versammelten zum Anschluß an die Organisation, damit bei einmütigem Handeln endlich der Firma, die Millionen auS den Knochen ihrer Arbeiter herauswirtschaftet, die so oft schon versprochenen Verbesserungen der grauenvollen Mißstände abgetrotzt werden können.— Wegen vorgeschrittener Zeit wurde trotz noch vorliegendem reichhaltigen Material die imposante Versammlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Zentralverband der Maurer. Am Freitag fand in Kellers Saal eine Generalversammlung des ZweigvereinS Berlin statt. Zunächst teilte der zweite Vorsitzende Hanke mit, daß der erste Vorsitzende T h ö n s sein Amt niedergelegt hat und in Arbeit ge- treten ist. Die Ursache der Amtsniederlegung ist zurückzuführen auf Aeutzerungen in einer Versammlung am 22. April, durch welche sich Thöns als Vorsitzender verletzt fühlte. Er erklärte va- mals sogleich, daß er sein Amt niederlege, ließ sich aber bewegen, dasselbe noch bis nach Schluß der Lohnbewegung inne zu behalten. Da dieser Zeitpunkt nun gekommen ist, hat ThönS sein Amt jetzt niedergelegt und muß infolgedessen demnächst eine Neuwahl er- folgen. Ferner führte Hanke aus, es sind jetzt vier Wochen seit der Aufhebung des allgemeinen Streiks verflossen. Die bürger- liche Presse und die Unternehincrorgane sprachen von einer Nieder- läge der Arbeiter. Anfangs schien eS auch, als ob ein Teil der Maurer unter dem Eindruck solcher Redensarten sich von der Or- ganisation abwenden wollte. Es wird jetzt in den Zahlstellen eine rege Agitation betrieben, um die Mitglieder wieder zu gewinnen, welche Neigung hatten, sich zurückzuziehen. Diese Agitation hat auch Erfolg. Hierauf gab der Kassierer Wartcnbcrg die Abrechnung vom 2. Quartal. Der Bestand in den Kassen deS ZweigvereinS, der Zahlstellen und Sektionen betrug am Schluß des Quartals 287 003,08 M. Für die Lohnbewegung sind bis jetzt ausgegeben 723 433 M., davon entfallen 055 202 M. auf Streikunterstützung, 13 145 M. Fahrgelder an abgereiste Kollegen, 2991 M. durch poli- zeiliche Strafbefchle verhängte Geldstrafen, 3031 M. für Fern- halten der Zuzuges, 40 100 M. Mietszuschuß an Streikende, der Rest kommt auf einige kleinere Posten, Drucksachen, Porto usw. Die Abrechnung ist noch nicht abgeschlossen, da ein Teil der Unter- stützungsberechtigtcn die ihnen zustehenden Beträge noch nichts ab» gehoben haben.— Die Versammlung beschloß, daß die noch rückstän» digcn Unterstützungsbeträge bis spätestens den 14. September ein- gefordert sein müssen. Später geltend gemachte Ansprüche werden nicht mehr berücksichtigt. Die Zahl der Mitglieder des Zweigvereins betrug am Schlug des Quartals 12 349, und zwar 7134 Maurer, 2011 Putzer, 2554 Gips- und Zemcntarbeitcr. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Bericht- erstattung vom Verbandstage, die bis jetzt verschoben werden mußte, weil während des Streiks keine Zeit dazu war.— An den eingehenden Bericht der Delegierten schloß sich eine längere DiS- kussion, die erst nach Mitternacht endete. Achtung. Konsumenten! Heute abend findet Weinstraße 11 eine Versammlung statt, in der Genosse H e tz s ch ol d über„Warum müssen wir uns als Käufer organisieren?" sprechen wird. Um zahlreiches Erscheinen, speziell der Frauen, wird gebeten. Briefkasten cler Beclaktion. — RlotS 1G8<». Auskunft über Eiseiibahnfragcn und dergleichen erhalten Sie unentgelllich in den amtlichen AuslunstSstellen Alexander-Platz, Potsdamer Platz usw.—<£. R. 30. Der.Deutsche Tischlermeister-, Kaiser Wilhelmstraßc 4«.— E. B. 31. 1. Ja, Sie können aber bei Gericht klagen. 3. Ja. 3. Ja. 4. Ja. Klagen Sie bei Gericht auf Aushebung des Beschlusses d-s StadtauSschusseS.— R. S. 3S. Da, wie es scheint. Ihre Frau versicherungspflichtiges Mitglied der Kasse ist, so kann sie auf Er« stattung Nagen. Die Klage Ist bei der Gcwerbedeputation. Stralauer. straßc 1—3, gegen die Kasse zu richten.— R. L. St. Sie können ohne weiteres reisen.— F. G. SIL. Pi> na in Sachsen.— H. L. Leider wäre der Anspruch nicht durchzuführen. Versuchen Sie eine Rente von der BerusS« gcnossenschast zu erhallen, Sie würden damit durchdringen, wenn Sie un- zwciselhast beweisen, daß das Bruchleiden Folge eines Unfalles ist. berliner ivtarttpreise. Aus dem amlltchcn«ertchl der städtischen Biarithallen-Dircktion.(Großhandel.) Ochsenfleisch la 70—72 pr. 100 PId., IIa 64-69, nia 59-62, Bullenflcisch la 63—68, IIa 51—60, Kühe, fett 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 55—64, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch. Doppcllender 100-115, Masskälber la 75-85, IIa 66—73. Kälber ger. gen. 48-60, do. Holl. 50—55. dän. 0.00. Hammelsseiich Mastlämmer 80—82, Hammel la 74—78, IIa 68—73. imgttt. 0,00, Schase 54—66. Schivciiiefleiich 58—64. Redbock la per Psnnd 0,70—0.95, IIa 0,00. Rothirsch la pro Psd. 0,53-0.67, do. IIa 0,30. Damhirsch 0,53—0,58. Wildschweine 0,00. Frischlinge 0.00. Kaninchen per Stück 0,55—1,00. Wildenten per Stück 1,25—1,50. Krickenten per Stück 0,65—1,00. Rebhühner, junge große 1,10-1,30, Mitteln, kleine 0,50-1,00, alte 0,70-0,85. Hübncr, alle, per Stück 1.60-2,40, Na 1,00-1,40, do. junge 0,60-1,10. Tauben 0,30-0,50, italienische 0,00. Enle» per Stück 1,80—2,50, do. Hamburger per Stück 3,00. Gänse per Psund 0,50—0,65. do. per Stück 2,00—4,75, do. Hamburger per Psd. 0,73—0,80, do. Oder- brucher per Psd. 0,50—0,68. Poulcts per Stück 0,90—1,40. Poularden per Psuud 0,00. Hechte per lOO Psund 106-118, do matt 0,00. mittel 0,00, groß 0,00, do. groß und mittel 0,00. stauder, klein, malt 0,00, do. klein 0,00, dito mittel 0,00. Schleie. Nein 191-204, do. uns. 145—159. do. groß 0,00. Aale, groß 0,00, do. klein und mittel 88—90, do. mittel 0,00, do. uns. 0,00, do. groß-mittel 0,00, do. klein 76—82. Plötzen, matt 0,00, Noddow 0,00. Karpfen, 45er, stumpf 0,00, do. 80er, 0,00, do. 35er, 75—77, do. 50er, 0,00. Bünte Fische 61—77. Barle 0,00, klein 0,00. Karauschen 0,00, do. klein 0,00. Wcl« 0,00. Bleie 65-75. Barbe 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Amerikanischer Lachs la neuer, per lOO Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. INa 0,00. Seelachs 10—15, Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel Kiste t— 2, Hamb Stiege 4—6, halbe Kiste 2-3, pomm. la Schock 0,00, IIa 0,00.«ückliiige. Kieler per Wall 2-3, Strall. 2,00-3.00, Bornh. 0,00. Aale, grog per Psd. 1,10 bis 1.40. mittelgroß 0.80-1,10. klein 0,60-0.80. Heringe per Schock 5—9. Schellsiiche Kiste 3—4.00,>/, Kiste 1,50-2.00. Sardellen. 1902er per Anker 98. 1904 er 93, 1905er 98, l906cr 90—95. Schoitilche Bvlldcriiige IRK 0,00, large 40-44, füll. 38-40, med. 36-42, deutsche 87-44. Heringe, nene Matjes, ver'/, To. 60—120. Sardine», russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Fuß 1,20-1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen. Schocksaß 11, do. kleine 5—8, do. Riefen« 14. Krebse per Schock, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 3,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. unsort. 0,00. Eier, Land», unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,00. Butter per 100 Psd. la 118-122, IIa 108-117. lila 100—108. abinlleude 90-93. Saure Gurke», neue, Schock 4,00. Psessergurken 4.00. Kartossein ver 100 PId. Dabcrsche 2,60—3,00, weiße runde 2,50-2,76, blaue 0,00, Rosen- 2,00—2,25, Nieren« 3,00—3,75. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer» rcttich. Schock 5—10. Spinat per 100 Psund 12—15. Sellerie. per Schock 2,00-8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 3,50-4,00, do. Perl- 40,00-75,00. Cbalotten 50,00-60.00. Pettrsslie, grün. Schockbund 0,75—1.00. Kohlrabi Schock 1,00—1,50. Neilich. bayr., neuer Stück 0,07— 0,10, hiesiger Schock 2,50— 3,50. Mohrrüben, 100 Psund 3,00 bis 4.00. Karotten, hiesiac, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl ver Schock 4,00 bis 12,00. Rotlobl. schock 6-12. Weißkohl 4-8. Blumenkohl, hicssger 100 Stück 5—14. do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Snlck 6—14. Koblrübeir, Schock 4,00—6,00. Pclersilicnwurzel». Schockbund 3,00— 4,00. Scholen per 100 Psund 20—35. Psesscrlingc per 100 Psd. 4—8. Sleinpslze per 100 Psnnd 10—25. Radieschen per Schockbund 0,75—1.00. Salat per schock 1,00-2,00. Gur ken, Einmache-, Schock 10—25, do. böhm. schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 2,75—5,00, do.Rothciiburger 2—2,50. Bohnen, grüne, 100 Pfund 15—25. Wachsbohnen, per 100 Psund 15— 30. Tomaten per 100 Psund 10—20. Blaubeeren per 100 Psd. 10—18. JohaniilS- beeren per 100 Psimd 16—16. Preißelbecren per 100 Pfund 20—24, schwedische 25—28. Birnen, 100 Pfd., Tiroler 20—40, hiesige 3—10, Salandcr 20-24. Pfirsiche, Hits, per IQfl Psd. 10-25, ikal. in Kistchen zu 12 Slück 0,75 bis 1.50, do. in Körben la per 100 Psd. 20—30, do. IIa t» Körben per 100 Psd. 15—20. Aepsel, italienische, per 100 Psund 0,00, ring. 0,00, hiesige 6—13, Gravcnstciner la 16—25, do. IIa 10—20. Tiroler la 25-60, IIa 18-30, Hasenkvpse 10-15. Pflaumen, ikal. pr. 100 Psd. 0,00, Reineclauden 0,00, hiesige 3—9, ungarüche 5—13, Baden er, Früh», 0,00, serbische 9—14. Weintrauben, frauzöstsche, per 100 Psd. 10—18, italienische 14—19. AnannS I, per Pfd. 1—1,10, do. II 0,00. Zstronen, Meisina, 300 Stück 10,00-18,00, do. 360 Stück 10,00—16,00, do. 200 Stück. 10,00—14.00, do. 150 Stück 6,50 bis 9,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 14.00—20,00, grü» 0,00. Melonen, per 100 Psd. hiesige 0,00, ital. 10—12, stanz. 0,00, Holl. 6—15, fpanische 0,00, ungarische 10—12. Wittcrinigsübersicht vom IS. September 1907. Wetter- Prognose für Freitag, den Ist. September 1907. geilwcisc nebelig, sonst meist heiter und trocken, am Tage warm schwachen südöstlichen Winden. Berliner Wetterburea» hei WassrrstandS-Nachrichten Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnsserdurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen Frankfurt Warthe, Schrimm LandSberg Netze, Vordannn Elbe, Leitmeritz # Barby , Magdeburg Saale, Grochiitz ')-st bedeutet Wuchs,— Fall.-»") Unterpegel. g des Kaufhauses udolf Moses Ecke WeißenburgerstraBe u- Metzer Straße 41 am Sonnabend, den 14. September, vormittags 10 Uhr. Am Bröffnungs s Tage------------- n ! erhält der I. Käufer beim Einkauf von Mark 10 als Prämie 1 Nähmaschine(Wert ca. 100 Mark). der SO. Käufer ohne Rücksicht auf die Höhe des Einkaufs 2 kostbare Wandgemälde(Wert ca. 60 Mk.) der 100. Käufer 1 Regulator(Wert ca. 30 Mark). Ferner erhält jeder Käufer beim Einkauf von 3 Mk. an 1 Wandschrank, Holzschnitzerei von wunderbarer Ausführung, von 10 Mk. an 1 Karton, enthaltend'/» Dtzd. Taschentucher, Pa. Qualität. Außerdem auf sämtliche Artikel Nordenmarken. auch auf Teilzahlung. Wohnanaaolnrlohtuwn zu W. 166.00, 230 00, 308.00, 368.00 437.00, 640.00, 000.00,"26.00, 830.00 ate. b!> M. 3000.00. KloIdermohrSnkm to M. 36 00. 32.00, 38.00, 48.00, 04.00, 72.00 oto. Vortlko» to M. 40.00, 4700, 60.00, 78.00, 86.00 etc. Trumaau» to M. 38.00, 46.00, 61.00, 72.00, 96.00 etc. Sofma TO M. 38.00, 46.00, 60.00, 61.00, 72,00, 85.00 etc. BaMatallan, komplatt to M. 24.00, 33.00, 40.00, 48.00, 60.00, 04.00, 72.00 etc. Modorno Kuchan-Aua- xtattungon TO M. 68.00, 84.00, 102.00 etc. RlesenaoiwatiL Hör reelle llrlieit. L Schatz" Brunnenstr. 160 Eingang Awlamantraaße. Kolliers, Krawalien Hullen, schick garnierte OamenhQte. Baretts Herren-Mützen und Pelzkragen, Knaben- und Mädchen- Garnituren, FuBsficke, Jagdtaschen. Wagendecken, Pelzteppiche und Bett- »orleger. Hur eig. Fatirikal. GroBe Auewahl. Bestes Material. Kein Zwischenhändler. dahorFa- brikpreise. Gämtliche gangb. Pelzarten am Lager. 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Lnglizeken Unferriedt, einzeln und Im Zirkel, erteilt 3ü37L� Oörfrnd Swienty, SehSneberg, Sedanstrafte 67, IN. €rfatz für fleUch. Bei der anhaltenden Teuerung de? Rindfleisches wird dies In vielen Haushaltungen durch andere Nahrungsmittel ersetzt,-welche aber meist nicht den gleiche» Nährwert haben. ES muh darum immer wieder aus den bei leichter Verdaulichtelt hohen Nährwert der Seesische hingewiesen werden, welche die Haus- stauen viel mehr als bisher beachten sollte», bc> sonders auch, weil die Scesiiche viel billiger sind als daS Fleisch. Nach wlsscuschastllcher Feststellung enthält wegen Ihres hohen EiweijzgehalleS beispielsweise für 1 Mark Schellfisch, Kabeljau, Seelachs usw. drei- mal soviel N ä h r st o s s als für 1 Mark Rind- fleisch, woraus sich die wirlfchaftlichen Vorteile der See- ftlche deutlich ergeben. In dem Handel mit Seefischen ist nun eine weitere, sür die Hausfrauen beachtenswerte Neuerung eingetreten durch die von Herrn Johs. S k o r c z y t in, vergangenen Frühjahr begründeten Deutschen Nord-O st see- Fischhallen in Berlin. deren grohartigcS B e r s a n d g c s ch ä f t, nebst einer Filiale in der Badstr. 67, bis zur Eröffnung anderer VcrtausS- stellen sich in der Schönhauser LI 1 1 e e 144 be- sinket. Von dort aus werden S ü h w a s s e r- und Seefische sowie Räucherlachs und alle anderen Raucher< glfchatten und feine gtjchkonleroen nach allen Stadtteilen zu erstaunlich billigen Preist® versandt. Herr Storczhk hat in seinem bisherigen Wirkungskreise den Secsisch-Jmporl nach Berlin wcsent- lich gefördert und ist nu» als a l l e i n i g e r Besitzer der Dculschcii Nord- Ostsee- Fischhallen um so mehr in der Lage, seine Kundschast stets mit irischer Ware zu billigsten Preisen bedienen zu tönneu. 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