Kr. 316. flbonncmcnfS'Bcdingungcn: BBonncmcnlä- Preis prinumrrando? LierteljShrl. Z.Z0 Mk., monatl. 1.10 Ml, wöchentlich LS Pfq. frei WS HauS, Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Nimimer mit illustrierter Sonniags- Beilage.Die Neue Welt'>0 Psg, Post- klbonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZciwngS- Preisliste. Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CrfdiclDt täglich außer DIODtagt. Vevlinev Volksbwtt. Die InlertionS'Gebabr icirägt für die sechSgespaltene Kolonel- zcilc oder deren Raum bo Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersamniIungZ-Luzeigen 30 Psg. „Ktesne Hnnigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Psg., jedes wettere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhrnachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegrainm- Adresse: »Zsulillilemslsrat Serl!»". Zentralorgan der Ibzialdcmokrati f eben Partei Deutfchlanda. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der Parteitag. Wenige Wochen nach der Tagung des internationalen Vroletariats zu Stuttgart ruft der Parteitag zu Essen die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie aufs neue zu wichtiger Parteiarbeit. Die Tagesordnung läßt die Fülle dieser Arbeit nicht ganz erkennen. So steckt z. B. in dem ersten Punkt. Geschäfts- bcricht des Vorstandes, der Antrag auf Errichtung eines Preßburcaus, dessen Beratung einen nicht un erheblichen Teil der Verhandlungen beanspruchen dürfte. Wenigstens ist eine eingehende Auseinandersetzung lebhaft zu wünschen. Es wäre durchaus falsch, diese Materie als eine Sache zu betrachten, die nur die Parteijournalisten angeht. Sie ist vielmehr eine wichtige Partciangelcgcnheit und jeder Delegierte muß sich bewußt sein, daß die Ent- scheidung, an der er mitzuwirken hat, große Konsequenzen für die Partei haben kann. Die bessere Ausgestaltung der Partcipresse ist ein Ziel, in dem alle Parteigenossen einig sind und wofür von der Partei gar nicht genug getan werden kann. Meinungsverschiedenheit aber herrscht darüber, ob ein ?!achrichtenbureau in der Form, wie der Entwurf der Parteileitung Vorsicht. ein brauchbares Mittel zur Er reichung dieses Zieles ist, ob nicht die Vorteile, die der Partcipresse daraus erwachsen können, durch Nachteile wieder mehr als»vett gemacht tvcrdcn dürften. Unter den Anträgen zur Agitation, die beim Vorstands bericht erledigt werden, treten mehrfach solche auf, die leb haftcre Tätigkeit der Partei und neue Formen der schriftlichen Agitation unter den Landarbeitern fordern. Die Häufung dieser Anträge weist auf ein allgemeiner empfundenes Bedürfnis hin. Deshalb wird es sich empfehlen, den Anträgen Folge zu geben, die eine gründliche Erörterung der Land arbeiterfrage auf dem Parteitag von 1908 fordern. Eine ganze Reihe von Wahlkreisen fordert vom Parteitag. daß er einen entgültigen Beschluß über die Stellung der Partei zu den lokalistischen Gewerkschaften fasse. Ein Antrag aus dem 5. sächsischen Wahlkreis(Dresden Altstadt) fordert sogar direkt den Ausschluß der Lokalisten, die den Anschluß an die Zcntralvcrbände verweigern. Die Stimmung, aus der solche Forderungen hervorgingen, ist bc- greiflich. Aber nach solchen zornigen Stimmungen über die Unannehmlichkeiten, die der Weiterbestand der lokalistischen Organisationen der Gcwerkschafts- und Parteibewegung be� reitet, darf die Frage nicht entschieden werden. Die Unter Handlungen des Partcivorstandes mit verschiedenen lokalistischen Organisationen, die ihren Anschluß an dieZcntralverbände herbei führen sollen, sind noch nicht beendet. Es hieße daher geradezu das Spiel des Anarchosozialismus und des Anarchismus spielen, die in den lokalistischen Organisationen ein Rekrutierungsgebiet zur Auffüllung ihrer dünnen Reihen suchen, wenn der Parteitag durch einen Beschluß, der den Anschluß der Lokalisten an die Zentralverbände mit einer AuSschlußdrohung sofort zu er 1 zwingen suchte, das Resultat der Einigungsverhandlungen ge �fährden würde. Daß diese Verhandlungen noch nicht beendet I sind, liegt nicht am mangelnden guten Willen oder Versäum- uissen der Beteiligten, sondern einerseits an der Schwierigkeit der Materie und andererseits an den unerwarteten politischen Ereignissen, die der Dezember 1906 brachte. Als neuer Verhandlungspnnkt auf dem Parteitage er- scheinen unterm Vorstandsbericht„Parteischule und Bildungsausschutz" Was der gedruckte Bcricht über diese beiden Institute mitgeteilt hat, das berechtigt zu der freudigen Anerkennung, daß sie in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon gute Arbeit geleistet haben und zu der Hoff- nung, daß sie ihre Leistungen in der Zuknuft noch erheblich steigern werden. Daß beide Institutionen einem lebhaften Bedürfnis entsprochen haben, darüber besteht wohl in der deutschen Sozialdemokratie ebenso wenig ein Zweifel wie sie im großen und ganzen einig sein wird in der Ueberzeugung, daß die dafür aufgewendeten Mittel gut angelegt sind und reichliche Zinsen tragen werden. Gewiß sind die Bildungseinrichtungen noch nicht vollkommen— daß aber jene Anträge, die die Aufhebung der Partei- schule fordern, größeres Echo auf dem Parteitage finden könnten, das halten wir für völlig ausgeschlossen. Der Bericht über den Internationalen Kongreß wird aller Voraussicht nach eine Debatte über die Kolonialpolitik auslösen, die lebhafte Aus- einandersetzungen bringen muß. Das ist kein Schade für die Partei, wobei wir allerdings voraussetzen, daß diese De- batten frei bleiben von persönlichen Angriffen und unschönen Unterstellungen, wie sie gegen den„Vorwärts" in diesen Tagen wegen seiner Haltung zu dem Stuttgarter Beschluß erhoben worden sind. Jedenfalls wird die Verhandlung das gute haben, zu zeigen, wie die Mehrheit der deutschen Sozial- demokratie zur Entscheidung des Internationalen Kongresses steht. Eine erschöpfende Diskussion der Frage der Kolonialpolitik ist allerdings auSgeschloffen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich das Bedürfnis herausstellen, sie auf einem der nächsten Parteitage eingehend zu behandeln. Die Lösung eines schwierigen Problems liegt dem Partei tage diesmal bei dem Tagesordnungspunkt Maifeier ob. Die Verständigung in der deutschen Delegation zum Internationalen Kongreß über die Verteilung der Unterstützungspflicht für die Maifeieropfer ans Partei und Gewerkschaften hat lediglich das Prinzip dieser Verteilung festgesetzt. In Essen gilt es nun, die Quote für den Ausgleich zu finden. Das wird nicht leicht sein. Natürlich kann nicht an eine schematische Halbierung gedacht werden; sie würde die Parteikasse im Verhältnis zu den Kassen der Gewerkschaften unverhältnismäßig belasten. In Nürnberg ist unter den Genossen die Befürchtung aufgetaucht, daß die Ver pflichtung der Partei zur Unterstützung des Begräbnis der Arbeitsruhe sein werde. Wir meinen, daß das zu schwarz gc sehen ist, vorausgesetzt, daß eine gerechte Verteilung der Pflichten zu Essen gelingt. Sicherlich ließe sich durch eine Steuer der am 1. Mai Arbeitenden das Risiko der Parteikasse erheblich ver- mindern. Daß aber, wie die„Fränkische Tagespost" gemeint hat, ene»'. Im Herzen der deutschen Großindustrie, im schwarzen Essen, in der Kanonenstadt, hält die Sozialdemokratie Deutschlands ihren diesjährigen Parteitag ab. Viele, wenn nicht die meisten Delegierten werden aus Essen und seiner industriellen Umgebung ganz neue Ein- drücke mit nach Hause nehmen. Hier finden sie das anschaulichste Bild der modernen Großindustrie: Riesenwerke, ungeheure Massen von Fabrik- und Zechensklaven; hier drängt sich ihnen das Bewußt- sein auf von der ungeheuren Macht des industriellen Kapitals. Der Berliner findet nicht daS gewohnte Bild hochaufstrebender Föhren, der Mann von der Waterkant nicht einen Wald von Masten, und doch nimmt schon von ferne ein Wald das Auge gesangen: ein Wald hoher Schorn- steine. Aus Hunderten emporstrebender Fabrikschlote entweicht Kohlendunst, in den sich der braun-gelbe Onalm aus unzähligen Schmelzösen mischt. Und über der ganzen Gegend lagert fast ständig eine undefinierbare Dunstwolke, als wollte sie der Sonne verwehren, die Oual der Menschen zu erschauen, die sich dort unten ununterbrochen mühen und plagen. Ringsum eingeschlossen ist die Fabrikstadt nicht von lachenden Fluren und grüßenden Wipfeln wogender Wälder, sondern von Zechenschächten, schwarzen Stein- Halden und rauchenden Aschenbergen. Die revolutionären Umwälzungen, die das Industriekapital hier hervorgerufen hat, prägen sich schon in der EntWickelung EssenS aus. �»1 Jahre 1816 zählte Essen 4721 Einwohner, heute annähernd'/«Million. Und in ähnlichem Verhältnis sind die angrenzenden Städte und Ortschaften gewachsen. Noch vor wenigen Jahrzehnten sah man hier lveitgestreckte Ackerflächen, grüne Weiden und Wälder, heute erblickt man überall Kohlengruben. Eisenwerke, Arbeiterkolonien: moderne Gefängnisse, in die der Fabrikfeudalismus seine Lohnhörigen ein- sperrt. Sie setzen sich zusammen aus einem bunten Gemisch der verschiedensten Nationalitäten. Zu Zchntausenden holte daS Kapital Polen, Ungarn. Oestcrreichcr, Italiener, Holländer usw. heran und würfelte sie zu einer grauen Masse zusammen. Für das Gewinn heischende Kapital sind es nicht Menschen, nur Träger von Arbeits- kraft: es nimmt sie. wo Ne zu finden find, ie billiger desto besser! Räumlich ist Essen eine kleine Stadt. Vor Eingemeindung eines großen Vorortes(Ullendorf) umfaßte die Stadt eine Fläche von 966 Hektar. Zwischen den Fabriken und Zechen eingeschoben, hatte Essen im Jahre 1900 9795 bebaute Grundstücke mit 37 146 Woh- nnngcn und 126 997 Räumen, in denen 132 179 Menschen hausten. In der alten Stadt wurden 6086 bebaute Grundstücke gezählt, die einschließlich der Hofräume und HauSgärten eine Fläche von rund 403,27 Hektar bedeckten. Auf dieser Fläche lebten in 24 033 Woh- nungen 118 895 Menschen. Im Durchschnitt entfielen auf jeden Wohnraum 1'/, Personen. Im Kern der alten Stadt findet man fast durchweg nur schmale, krumme Straßen. Die kurze Hauptgeschäftsstraße ist so eng, daß der Bürgersteig meist nicht viel breiter ist als ein Bordstein. Zwei Wagen können kaum aneineinder vorbeifahren. Die Verlängerung dieser Straße durchschneidet die Kruppsche Riesenfabrik. Wer diese Straße hinabwandert, sieht linker Hand, vor Eintritt in das Fabrik- tcrrain ein Kruppdenkmal. In großen Lettern liest man da den Sinnspruch:„Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl scinl" Angeblich Krupps«goldener LebenSgrundsatz". Die Krupps sind trotzdem reich, sehr reich geworden. Schon am Tage, mehr aber noch an dunklen Abenden, wird der Fremde von ganz Neuem, Eigenartigem, in der Gesamtwirkung freilich mehr Bedrückendem als Erhebendem gefangen genommen. Aus den Feueressen schlagen weithin leuchtende, einen glutroten Schein verbreitende, mächtige Flammenbündel empor. Unzählige umherstiebende feurige Stenichen bieten dem Auge einen ungewohnten prächtigen Anblick. Aber die Nase wird beleidigt durch Schwefeldünste, die die ausgesioßenen Feuergarbc» mit sich llhren. Dazu das ohrenbetäubende Geräusch der stampfenden, auchenden Maschinen, daS Rattern taufender Räder, das Pochen und Dröhnen der Dampfhämmer, daS Pusten und Stöhnen der Schmiede- pressen, das Schnurren der Walzen, das Zischen glühenden EisenS, daS Pfeifen der Lokomotiven: ein unbeschreibliches Getöse. Man könnte glauben, eine Welt von Dämonen treibe hier ihr Unwesen. Und geht man hinaus zu den Zechen, in die Nähe der Koksöfen, so ist es, als würde man von taufenden feuriger Augen angeglotzt. Ein anderes Bild am Tage: ein Masscnschauspiell ES ist Mittags- pause oder Schichtwechsel. Die Zechen- und Fabriktore öffnen sich. Hinaus quillt ein bastender, kribbelnder Haufen von Mensch««. Wie die Unterstützung der Maifeierausgesperrtcn den ideellen Wert der Maifeier zerstören tverde, indem sie der Beteiligung an der Arbeitsruhe die Rolle einer persönlichen Tat, einer persönlichen Opferbcreitschaft nimmt, das befürchten wir noch viel weniger. Denn persönliche Opferbereitschaft wird auch dann noch von dem Maifeiernden gefordert, wenn ihm eine Unterstützung zugesichert ist. Diese Unterstützung ivird nie die Höhe des entgangenen Arbeitsverdienstes erreichen können und wird jedenfalls auch nicht vom ersten Tage der Aussperrung an gezahlt werden. Bei dem Punkte„Die Reichstagswahlen und die politische Lage" wird es sich darum handeln. die Erfahrungen der letzten Wahlen zu werten und auf die heutige politische Lage anzuwenden. Es ist vor- auszusehen, daß darüber die Meinungen auseinander gehen werden. Indessen sind alle Richtungen der Partei einig in der Erkenntnis, daß die Rüstung, die Organi- sation der Partei und ihre Presse verbessert werden niuß und von dem lobenswerten Eifer, den die Genossen in dieser Hinsicht entfaltet haben, legt der Bcricht des Partcivorstandes erfreuliches Zeugnis ab. Daß aber die Lehren dieser Wahlen eine Revidierung unserer Taktik im Sinne einer Abkehrung von der Resolution de? Dresdener Parteitages verlangten, eine solche Forderung wird jedenfalls auf dem Parteitage keinen größeren Anklang finden, als sie in den an die Wahlen anschließenden Preß- und Versammlungs- dcbatten gefunden hat. Den Reigen beschließt die A l k 0 h 0 l f r a g e. Die deutsche Sozialdemokratie ist sich ihrer Pflicht, der Alkoholpcst ent- gegcnzuwirkcn, stets bewußt gewesen, wenn sie sich auch bis- her mehr auf die mittelbare erzieherische Wirkung der all- gemeinen Parteiarbeit verlassen und deswegen eine direkte Aktion gegen den Alkoholismus für unnötig gehalten hat. Ob sie in dieser Hinsicht bisher auf dem rechten Wege war, darüber soll die Behandlung der Frage auf dem Parteitage Klärung bringen. Auf alle Fälle wird die Debatte die Gc- nassen veranlassen, der Materie mehr Aufmerksamkeit zu schenken, womit sowohl die Befürworter der Mäßigkeit wie die Abstinenten zufrieden sein werden. So harrt ein reicher Arbeitsstoff der Delegierten. Wir grüßen die Erwählten der Partei und wünschen ihren Mühen reichen Ertrag. Mögen bei aller sachlichen Schärfe der Dcbatten die Verhandliingen erfüllt sein von dem Geist echter Brüderlichkeit, dem lebendigen Gefühl der unzerreißbaren Zusammengehörig- keit aller Proletarier, dem festen Willen, der großen Sache der Partei und nur der Sache zu dienen. Dann wird der Partei- tag zu Essen, der erste auf roter Erde, wo der deutsche Kapitalismus seine riesigsten Hochburgen errichtet, seine mächtigsten Jndustrickönige gezeugt und die gewaltigste Bkasse von Proletariern zusammengeführt hat, ein ragender Mark- stein sein auf dem Marsche des Proletariats zum Ziele seines Befreiungskampfes, eine Tagung, die sich würdig dem intcr- nationalen Parlament des Proletariats zu Stuttgart anreiht. eine endlose, eilig sich fortschiebende schwarze Schlange treibt die vieltausendköpfige Menge dahin, dem Heime zu l Nach kurzer Zeit reißt das Menschen verspeisende Ungeheuer seinen Schlund wieder auf und verschlingt in unersättlicher Gier den unabsehbaren Zug zurückströmender Arbeitstiere. Wenn der Rachen des Ungetüms sich wieder geschlossen hat, sind die vielen Tausende gefangen. Die Oefen, Hämmer, Walzen machen sich dann ihre Gefängniswärter, die Hände, Anne, Beine, den ganzen Menschen dienstwillig, unter- würfig. Vom Morgen bis zu Mittag, von Mittag bis zu Abend! Und auch für die Nacht. Wenn abends die Tore sich öffnen, um die abgcrackertcn, für das.Meinwohl" ausgenutzten Müden auszuspeien, dann verschlingt der noch immer hungrige Schlund gleich wieder neue Scharen Mchrwertschaffcr, die er gefangen hält bis zum andern Morgen— bis zur Beendigung des„TagelverkS" der Nachtschichter. Das Verlangen des Menschcnfleisch verzehrenden Molochs Kapital wird nie gestillt. Und als schlimmstes fürchten die Sklaven, die Sklaverei zu verlieren, hinausgestoßen zu werden. Die drohende Hungerpeitsche zwingt sie zu Dicnslwilligkeit und Gehorsam ohne Murren I Nur wenige Herrscher gibt es in diesem Reiche, darunter eine 20jährige Dame, die Besitzerin des KanonenwerkeS. Sie ist die Mächtigste der Mächtigen. Nicht gestützt auf das Verdienst er- folgrcichcr Mitarbeit, lediglich begnadet von der Gunst der Bc- sitzerin, die auch weiter nichts geleistet hat, als die Tochter ihres Vaters zu sein, übt nun ein dem Werk bis vor kurzem ganz Fremder die Regierung aus. Ucbcr 60 000 Lohnfrondcr beherrscht Herr Krupp von Bohlen-Halbach. Und die 60000 müssen sich mühsam Plagen Tag für Tag, nur depi Dienste der Firma leben. Ihre Arbeitskraft, ihre Gesundheit gehört dem Werk. Jeder von ihnen, ob groß oder klein, ob jung oder alt, ob Lehrling, ob Geselle, mußte im Durchschnitt im letzten Jahre 550 M. U e b e r- s ch u ß für die Firma erarbeiten. Der Zweck der Arbeit soll eben— Krupps Wohl sein! » Und hier in diesem Reiche hat die wirtschaftliche Despotie in holder Eintracht sich mit GeistcSknebclung zu erfolgreicher, Ve- hcrrschung der Proletarier zusammengefunden. Essen ist eine schwarze Stadt in zwiefacher Beziehung; schwarz als Fabrik, und Kohlenstadt, schsoarz als Domäne des ultra, Ooter dem„ftaniierprobten BanDer" gegen die vsikz.'echte! Von bcu hinter verschlossenen Tür«! n stattfindenden Verhandlungen deS Parteitag?>Z der Fr e i s i n m i g c n V o l kS- Partei sind für die Polnisch interessierte Öffentlichkeit nur die Verhandlungen über die l�lockpolitik-dou Ziedcntnng. Sie sind der springende Punkt der ganzen Debatten. Denn von ihnen hängt die �isilinignahme des Freisinns zu der gegenwärtig wichtigsten Fragie der ganzen inneren Politik. zur preußischen Wahlrcchtssragc ab. Alles andere ist nur die Verbrämung der Freisinnspoütik. In einer minder gespannten Situation Mürden freilich auch andere Momente de?.- Verhandlungen eingehendste Würdigung verdienen. So die m e hr alseigenartige Stellung des Freisinns zur agrarische» Politik! Bei der Beratung über- die Verkehrs- und Handelspolitik war von Berlin der Antrag auf Suspendiernng der Zölle auf Getreide und Futtermittel eingebracht Warden. Eine Arezahl Dele- giertet unterstützte diesen Antrag. ES gehe nicht länger an, „daß eine Handvoll Grostgrnndbesrtzer daS Volk belasteten durch die Zollpolitik". Eine Forderung, die angesichts der gerade gegenwärtig so kras; in Erscheinung tretende u Folgen des Brot- and Fleisch- Wuchers ihre unanfechtbare Berechtigung hatte! Aber was geschaht Ein..freisinniger" Gutsbesttzer ans Ouerfnrt erklärte, das; nicht die paar Grundbesitzer dir Landwirtschast ans machten, sondern die Bauern,„die durch Getreidebau das Volk ernährt eZn". Damit war also namens der frei- sinnigen„Bauern"— wie viele Hektar der Ouerftirter Guts- bescher als„Bauer" sein eigen nennt, wird nicht verraten!— Protest gegen den Berliner Antrag auf Bekämpfung des Brotwuchers erhoben! Und die offiziellen Parteiführer kapitulierten vor den frei- sinnigen Agrarier»! Ter Abg. Wienier. einer der biegsamsten lvantschuk- und„Hampelmänner" deS Freisinns, hielt eine langatmige Rede über die„prinzipiell" antiagrarische Politik deS Fircisinns, die dann damit auslief, daß durw eine Erörterung do-r Agrarpolitik. d. h. der brennendste» Magensrage deS BoiikeS, die Tagesordnung des Parteitages„allzusehr b e l a st e t" worden sei. daß man sie deshalb nicht berücksichtigt habe und auch in derDebatte nicht berücl sichtigen möge! Infolge der abgeschlossenen Handelsverträge scheide diese Frage des agrarischen Leben 3 mittelwuchcrS ohnehin aus der öffentlichen Debatte aus! Die Berliner möchten also ihre Anträge, die die freisinnigen Agrarier kopfscheu machen könnten, zurückziehen! Und die Berliner taten Herrn Wiemer nnd de» freisinnigen Brotwncherern tatsiichlich diese» Gefallen? Und das trotz des FleischwucherS, des BrottvncherS, der enormen Preise der Kartoffeln, Kohlen usw. Berlin W. merkt ja davon freilich nicht viel und— die„konservativ- liberale Paarung" wstd auch ans diesem Gebiete nicht gefährdet! Zur„Paarungspolitik" selbst und zur WahlrcchtSftage sagte dann der„diplomatische" Herr Wiemer sein Spruch- lein in Gestalt eines offiziellen Referates auf. Er gab eingangs die famose Losung aus, daß man gut tue,„nicht zu reden, sondern zn handeln." Das soll heißen: in der Wahlrechtsfrage gelte es nicht Fansaren zu blasen, sondern zn kuhhandeln? Fürst Bülow habe in seinem Silvrsterbrief(an Herrn L i e b e r t» den Rcichslügenverbands- Generalissimus) den Freisinn zum Mittaten aufgefordert. Folglich müsse der Frei- sinn mittun! Gegen die entschiedenen Freisinnigen wandte er sich mit den Worten: „Die Freunde in Iserlohn sind nnS den Beweis schuldig geblieben, daß unsere Haltung angekränkelt ist von der konservativ-liberale n Paarung, und sie müssen ihn schuldig bleiben. Wir haben in keiner Weise die liberalen Grund- sätze verletzt. Wenn jetzt erklärt wird, daß dag Steuer des Staates einige Grade nach linls gedreht werden soll, dann müssen wir mitarbeiten im Sinne des Wortes PaherS:.nicht aus persönlichen, sondern aus sachlichen Gründen sind wir verpflichtet, die liberale Politik des Reichskanzlers zu unterstütze», sonst würden wir den größten Fehler begehen."(Beifall.) Redner wendet sich sodann gegen An- griffe des„Berliner Tageblatts" auf die Blockpolitik. Zurzeit schweben Verhandlungen und ich kann nur eins sagen, daß die montanen KlerikalißmuS. Essen hat nicht nur den bisher gewaltigsten kontinentalen Großbetrieb, das weltberühm- teste Kanonenwerk hervorgebracht, hier stand auch die Wiege der die Arbeiterschaft verhetzenden klerikalen Demagogie. Tie christlich-soziale Arbeiterbewegung erhielt von hier ihren An- stoß, in Essen erblickte die christliche Gewerkschafts- bewegung das Licht der Welt; der ultramontane Reichs- verband hat im schwarzen Essen, wie überhaupt im rheinisch-west- fälischen Industriegebiet, seine besten Truppen. Von Essen aus entfalteten die Richter Triefen, Kaplan Saas, Dr. Burg, alles Diener der allein seligmachenden Kirche, ihre die Arbeiterschaft zersplitternde„christliche" Tätigkeit. Mit dem Ruf zum Kampfe gegen„Liberalismus und Un- glauben" trat der KlerilaliSmus zunächst auf den Plan. Damit sing man die Arbeiter ein. Für diese waren Liberalismus und Kapitalismus identische Begriffe. Der Kaplan donnerte los gegen den Liberalismus, der Arbeiter hörte: Wider das gottlose Kapital! WaS das bedeuten will, sagen wenige Zahlen. Essen, früher ganz schwarz, war noch im Jahre 1880 zu drei Vierteln von Katholiken bevölkert. Sie stellten vorwiegend die industriellen Arbeiterscharen, das Kapital war fast ausschließlich m Händen liberaler Unternehmer. Die katholischen Kaplänc waren schlaue Leute, sie kannten die Wirkung der Kampfansage an den Liberalismus. Für den vom Kapital bedrückten Arbeiter war der Rufer im Streite gegen den Unglauben auch der Wahrnehmer ihrer Klasseninteressen. Blind, arglos folgten die Arbeiter dcm schwarzen Banner. Die Kaplöne kommandierten die Wahlschlachtcn, übten auf daS ganze öffentliche Leben einen niaßgebenden Einfluß aus. Die siegenden Truppen waren geschlagen! Denn nicht um die Klasseninteressen der Arbeiter zu vertreten, führte die geschorene Demagogie die Massen in die Schlacht; die Gutgläubigkeit der ausgebeuteten Proletarier diente nur als Schemel klerikaler Herr» schaft. Sie wurde ein Schutzgraben für daS Kapital. In die Arbeiterschaft trug man den Zankapfel kon- fessioneller Gegensätze hinein. Das riß die Proletarier als Klaffe auseinander, ließ sie in blindem ReligionSeifer und Konfession-- haß sich gegenseitig als Feinde betrachten und bekämpfen, sie lernten das gegenseitige konfessionelle Zerfleischen als gottgefälliges Werl 1 Freisinnige Volkspartei über den Gang der Dinge unterrichtet ist und zweifellos be st cht bei derReichSregierung das ernstliche B e st r e b e n, den liberalen An- s ch a u n n g c n in ö g l i ch st entgegenzukommen.(Beifall. Wir wollen kein Opfer unserer Ueberzengung bringen, das mute» wir auch den anderen Blockparteien nicht zn. Wir packen unser stürm- erprobtes Banner nicht ein." Der Freisinn verläßt sich also cuif die Regierung. Sie lvird schon die„mittlere Linie" für den Wahlrechtsschacher finden! Der Freisinn packt sein„st u r m e r p r o b t e s"( T Banner nicht ein" sondern er trägt es stolz voran! Nicht im Kampfe gegen die agrarische Bolksanöbentuiig, nicht im Kampfe gegen Brot-, Fleisch- und Kohlenwuche'r, sondern im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, die einzige Partei, die den SV Prozent dcS Volkes, die durch das alte wie durch jedes neue Klassen Wahl recht schnöde eut- rechtet sind, daS allgemeine gleiche direkte und geheime Wahl- recht erkämpfen will!_ lüarofcKo. Am Donnerstag unternahmen die französischen Truppen in Casablanca einen Angriff auf ein marokkanisches Lager. Die Marokkaner wurden überrascht, das Lager wurde in Brand ge- schössen nnd die Maschinengewehre arbeiteten nnt Vehemenz unter den Flüchtenden. Als dann freilich die französische» Truppen den Rückmarsch antraten, wurden sie— ein Beweis für die strategische Nutzlosigkeit dieses kolonialen Blutbades— von den alarmierten Marokkanern wieder heftig angegriffen, wobei die Franzosen e l Tote verloren. Sie hatten an diesem glorreichen Tage also schwerere Verluste als zuvor! Wie die französische Soldateska bei dem Ueberfall auf die. lleverraschten hauste, beweise» folgende Meldungen des, D a i l t> Telegraph": „Die Maschinengewehre brachen in ein wütendes Fener aus, genau in dem Augenblicke, als die M a u r e n entdeckten, daß sie überrascht worden waren. Es war zn spät. Es war unmöglich für sie, aus dem Fencrkreise zu entkommen. Einige, aber nur sehr wenige leisteten einigen Wider- st a n d, wurden jedoch bald überwältigt.. Eine kleine Anzahl konnte cnttomnicn. aber die große Mehrzahl blieb au dem Lagergrund, über den die Goumiers schnell, dahin- streiften, um das Gemetzel zn beenden.... Das Lager soll etwa 500 Zelte enthalten haben, aber diese Zelte waren meist sehr erbärmlicher Art. Die Mauren rannten, tvahn- sinnig vor Schrecken, zwischen den Flammen umher, ohne zu wissen, wo s i e vor dem alles verzehrenden Feuer Rettung finden sollten. Der Mittelpunkt des Kampfes war das Heiligt ttm deS Ulad Hadu-StammeS, dessen drei Kuppeln zerstört ivurdcn. Einige Mauren, die ge- glaubt hatten, daß die Heiligkeit des Gebäudes ihnen Schutz gewähren werde, kamen unter den Ruinen um." So sieht die Kolonialpolitik der„Kulturstaaten" ans l Wie wenig dieses Blutbad genützt, geht nicht nur aus der Tat- fache hervor, daß die Ueberraschten schleimigst wieder zum A n g r i f übergingen, sondern auch daraus, daß die Franzosen noch zwei weitere Lager in der Nähe CasablaneaS in ähnlicher Weise an- greifen wollen. Ob ihnen aber die Ueberraschnng glücken lvird? Neue Verstärktliigc»! Aus Paris wird vom 14. September gemeldet: Die ger- störung des Lagers von Taddert scheint die Wirren keineswegs beendet zu habe». In den französischen osftziellen Kreisen in Tanger hält man noch mehrere solcher Vorstöße für notwendig, um die Stämme zur Unterwerfung zn zwingen. Wie der„Temps" nntteili, erwägt man darum auch die Frage weiterer Verstärkungen. General Drude müßte in der Lage sein, sich der Kasbhar von MedianS zu bemächtigen und bis Dar-Bur-Rechid vorzudringen. Letzteres ist der Knotenpunk: aller wichtigen Straßen und beherrscht damit das ganze Gebiet der rebellischen Stämme. Der Ort liegt jedoch 86 Kilometer von Casnblanea entfernt und es fragt sich, ob General Drude sich mit seiner jetzigen Truppenzahl so lveit ins Innere wagen darf. Selbst wenn General Drude 36 Kilometer ins Innere Vordringen könnte, so würde durch einen solchen kleinen Spaziergang der Wider- stand der Eingeborenen nicht gebrochen werden. Marokko wird— selbst bei einer gemeinsamen Aktion der Mächte— schwerlich leichter zu„verschlucken" sein wie Algier. Und Algier hat j a h r z e h n t e- lang den erbittertsten Widerstand geleistet und Milliarden an Kriegsaufwand erfordertl betrachten. Solche Stimmung ließ proletarisches SolidaritätS. gefühl nicht erstarken. DaS Kapital konnte zustieden sein. Der vom Klerikalismus entfesselte Konfessionalismus besorgte seine Geschäfte. Wie weit die Mißhandlung des christlichen Lehrsatzes von der Nächstenliebe ging, dafür ein charakteristisches Beispiel: Ein reicher, frommer Essener Jude war gestorben. In seinem Testament hatte er bestimmt, daß aus den Zinsen eines Kapitals alljährlich zum christlichen Friedensfest den Waisenkindern aller Religionsbekenntnisse beschert werden sollte. Der katholische Kirchenvorstand schloß die katholischen Waisenkinder von der An- teilnähme an der Bescherung aus. Sie durften nicht durch Be- rührung mit Protestanten» und Judcnkindern ihr Seelenheil ge- fährden, nicht erfahren, daß es eine praktische, nicht katho- l i s ch c Nächstenliebe gibt. Das hätte sie auf ketzerische Gedanken bringen können. Darum wurden sie hinweggestoßen von der Feier deS Friedens, der Kinderfreude. Auch ein äußeres Wahrzeichen konfessioneller Unduldsamkeit sei erwähnt. Wenn die Delegierten, vom Bahnhof kommend, die Stadt betreten, sehen sie nach einigen Hundert Schritten die alte reiche M ü n st e r k i r ch c. Es ist ein altes Baudenkmal und hat zwei Chöre. Der vordere wurde seinerzeit den Altkatholiken, natürlich gegen den Willen der römischen Katholiken, zur Benutzung überwiesen. Nun sieht der Passant das Gebäude durch zwei schmutzige Tafeln verunziert. Nach der Straße zu über dem Portal hängen sie. Die eine trägt folgende Inschrift: „In dieser Kirche wird römisch-katholischer Gottesdienst nicht abgehalten!" Die andere Tafel verkündet, daß in„dieser Kirche altkatho- tischer Gottesdienst" stattfindet. Mag der Herrgott sich freuen! Die frommen Schäflein sind vor der Gefahr bewahrt, durch recht- gläubiges Beten in einer nicht zuständigen Kirche den allgütigcn, allwissenden Vater im Himmel zu kränken? *» � Das durch die Uebcrmacht des Kapitals bei den Arbeitern her- vorgerufene Ohnmachtsgcfühl in Verbindung mit dem von den Klerikalen gezüchteten fanatischen Konfessionshaß gab einen schlechten Boden ab für den sozialistischen Samen. Und wenn trotz aller Widerwärtigkeiten Spuren aufsprießender Saat sich zeigten, dann sprang die Polizei dem Kapitalismus und KlerikaliSmuS als rettender Engel bei. Die holde Dreieinigkeit: Kapital, Geist- Spanien druckt sich. Madrid, 14. September.(W. T. B.)„Epocci* schreibt, es handele sich in M a r o k k o um zwei von einander getrennte Aktionen, nämlich einmal um eine V e r- g e l t u n g S m a ß r e g c l, die nur Frankreich angehe, und ferner um die Einrichtung der Polizei, die Frank- reich und Spanien vereint obliege. Spanien werde sich bei seiner Intervention nur auf die letztere beschränken. politilebe Qcberücht. Verlin. den 14. September 1907. „Hochanständige" Zeitiingsmachc. Die Berichterstattung über große Kongresse, Generalversamm- luuge» und SensatioiiSprozcsse ist zu einem einträglichen Geschäft für die Zeitungskorrespondeuz- Bureaus geworden; und es ist des- halb begreiflich, daß diese, um die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen, oft zu den niedrigsten Mitteln greifen, sich die Gunst der großen zahlungSsähigen Blätter zu sichern. So versendet bei- fpielSweise das Bureau S ch w e d e r u. Hertzsch, desien Berichte auch zuweilen von der sozialdemokratischen Presse benutzt werden, einen Vorbericht ftlr unseren Essener Partei- tag, der nicht nur allerlei Unrichtigkeiten enthält— unter anderem wird erzählt, der katholische Arbeiterführer GicSberts hätte dadurch in Essen„Bresche in die rote Phalanx" gelegt, daß er diesen ReichstagSwahlkreis dem bisherigen sozialdemokratischen Abgeordneten entrissen hätte—, sondern sich auch die albernsten Witze nach dem Muster der„Post" und der„Deutschen TageSztg." über die sozialdemokratische Partei und ihre Führer leistet, lieber Singers Bericht vom Internationalen Kongreß zu Stuttgart heißt es zum Beispiel: Beim Bericht Singers vom Internationalen Kongreß wird der„Fall Quelcd" wohl Anlaß zu einigen Liebenswürdig- leiten au die Adresse der württembergischen Regierung geben. Ob aber bei dieser Gelegenheit auch die Etatbeivilligmig seitens der Genossen im ivürttcmbcrgischen Landtage zur Sprache gelaugi, dürfte noch etwas zweifelhaft sein. Ohne Not wird man diesmal niemanden„vor den Bauch stoßen", selbst die. Revisionisten" nicht, die sich wenige Tag« vor der Essener Zusammenkunft wieder in der„Neuen Gesellschaft" Heinrich BraueS(soll Brauns heißen) und in de»„Soziatistischen Mouatshesten" durch kecke Husarenritte bemerkbar gemacht haben. Vielleicht daß, um den ewigen Blut- dürft gewisser„Radikaler" zn genügen, CulwerS(soll CalwerS heißen) schuldiges Haupt fälli, wobei eS interessant sein wird, zu erfahren, ob Rosa die„Salome" spielen und mit dem„Tanz der sieben Schleier" HerodiaS. Singers Herz bezaubern wird zum Leidwesen S t a d t h a g e n s, der hoffentlich im Interesse seiner noch zu haltenden Reden nicht dem römischen Hauptinaim nacheifern und sich aus Liebesgram in das Schwert stürzen wird. llnd über die Errichtung eines sozialdemokratischen Nachrichten- bureauS heißt eS mit der gleichen durch kein überflüssiges Wissen angekränkelten Unverschämtheit: „Ein ganz besonderes Kapitel dcS diesjährigen Parteitages ist dann noch die Schaffung der Partei-Kvrrespon de nz, durch welche der sozialdemokratischen Presse eine gesiuiningStüchlige Nachrichtenquelle erschlossen werden soll. Das Heulen der die neue Futterkrippe hungrig umringenden meist revisiouistischeii Parteiiiteratcu hat die„Genossen" vorzeitig nervös gemacht imd ihnen gezeigt, welche Last sie sich mit diesem neue» Jnstilgt aufbürden werden. Trotzdem will man los von dem bisherigen„ossizielleu" Bureau der Partei, in dem anarchistische, revisionistische und sonstige„unsichere Kontonisten" mitarbeiten und der Partei oft genug Ilngelcgcnheltcn bereitet haben. Man kann gespannt sein. waS dabei herauskommt, wenn die ganze Sache nicht etwa hinter verschlossenen Türen der- handelt werden sollte. Seit Stuttgart kann»mm ans alles ge- faßt sein." DaS Bureau Schweder und Kertzsch kennt seine Pappenheimer. ES weiß, daß es sich durch diese Albernheiten die Gunst der so- genannten„anständigen" Presse von der Onalität der„Post" sichert und willige Aufnahme seiner ParteitagSberichte findet. Wirklich sollte es uns gar nicht wundern, wenn wir mögen in einem halben oder auch ganzen Dutzend„hochanständiger" konservativer, national- liberaler und freistuniger Blätter diesen Vorbericht abgedruckt fänden— natürlich mit allen Unrichtigkeiten und Druckfehlern.__ Ein- wackelnder Reaktionsturm. Zu dem Ausfall derLaiidtags Wahlen in Sachsen wird uns geschrieben: Nachdem das entrechtete sächsische Volk in der dritten Wähler- klaffe gegen die herrschende Reaktion durch Abgabe sozialdemokrati- scher Stimmzettel protestiert hat. haben die Wahlen der ersten und lichkeit und Polizei kämpfte mit den Waffen der Verhetzung, Ver- leumdung, wirtschaftlichen Vernichtung der Einzelnen, Denun» ziation, Einschüchterung der Saalbesitzer, Lokalablreiberei. Und so kämpft man heute noch. Trotzdem: die Arbeiter- bewegung konnte wohl gehemmt, aber nicht aufgehalten werden. Mit einer UnVerdrossenheit, die nur das Bewußtsein deS endlichen Sieges des Sozialismus auslösen kann, kämpfte ein kleines Häuflein Ueberzeugter unentwegt für die Sache des Proletariats. Nicht ließen sie sich durch Mißerfolge abschrecken, nicht sich durch Ver- folgungen einschüchtern. Und dräute der Winter der Reaktion noch so sehr, der sozialistische Frühling mußte doch kommen! Und er kam! Noch vor einem Jahrzehnt mußten die Verachteten, die sich offen zum Sozialismus bekannten, sich in irgend einer kleinen Kneipe zu ihren Beratungen zusammenfinden. Einige, die zu sehr den kapitalistisch-klerikalen Terrorismus zu fürchten hatten, schlichen sich verstohlen hin. DaS von Dortmund bezogene Partei. organ hatte in dem Riesenkreise kaum 100 Abonnenten, der Sozial» demokratische Verein nur ein paar Dutzend Mitglieder; die Gewerk- chastcn waren ohnmächtig, bedeutungslos. Bei der Reichstagswahl im Jahre 1887 entfielen auf den Kandidaten der Sozialdemokratie nur IVi Proz. der abgegebenen Stimmen, b2 Proz. der Wähler hatten sich um das ZcntrumSbanner geschart. Bei der nächsten Wahl fielen uns 10 Proz. der Stimmen zu, dem Zentrum 62 Proz.; im Jahre 1803 stimmten 13 Proz. der Wähler für unseren Kan- didaten; fünf Jahre später aber wieder nur 7 Proz. Dann be- gann eine neue Epoche: der nächste Sturm der roten Avantgarde hatte schon einen Wahlerfolg: ein Gegner, der National- libcralismus, flog aus dem Sattel. Mit 28 Proz. der ab- gegebenen Stimmen marschierte die Sozialdemokratie an zweiter Stelle. Und weiter ging der SicgeSzug. Bei der Wahl im Jahre 1005 kämpften 35 Proz. der Wähler unter der roten Flagge. Schon zum zweiten Male mußte das sieggewohnte Zentrum gegen die Sozialdemokratie das Mandat verteidigen. Infolge stärkerer Wahl- betciligung ging bei den Hottcntottenwahlen unser prozentualer Anteil etwas zurück, die Zahl der sozialistischen Stimmen jedoch 'chncllte von 22 773 auf 29 378 hinauf. In der Stichwahl siegte das Zentrum mit einer Majorität von 8000 Stimmen. Die Sozialdemokratie hat die Gräben und Wälle schon ge- nommen, sie steht jetzt direkt vor dem Jestungstore l Noch ein starker, kräftiger, zielsicherer Stoß, es fliegt auf: mit wehenden zweiten Klasse zwar wieder bestätigt, was bei dem elenden Dreillasscnwahlrccht zu erwarten war. aber doch einige U e b e r r a s ch u n g e n und Berschiebungen gebracht, die für die weitere politische Sntwickelung der Dinge in Sachsen von ciniger Bedeutung sein werden. Bor allein hat sich wieder ergeben, das; trotz der groben Zahl sozialdemokratischer Stimme» kein sozial- demokratischer Vertreter in den Landtag einzieht und da« Werktätige Volk Sachsens also wieder ohne Vertretung aus denr Wahlkampf hervorgehen wird. Das haben wir vorgestern bereits vorausgesagt. Dagegen haben die Wahlen in den beiden ersten Klassen zugleich einen beachtenswerten Ruck nach links im sächsischen Bürgertum ergeben. Die schlimmste WahlrechtSfeinde in Sachsen, die Konservativen, haben einpfin bliche Verluste zu ver- zeichnen. Sic werden fünf oder sechs Mandate an die National- liberalen verlieren, während diese in zwei Kreisen von den Frei- sinnigen bedrängt werden, doch besteht wenig Aussicht auf Ver- stärkung des freisinnigen Besitzstandes. Das konservative Ueber- gewicht jedoch, das bisher mit St von 82 Abgeordneten in der Zweiten Kammer dcS sächsischen Landtages ein ganz beträchtliche? war, wird nun auf 48 oder 40 Vertreter zusammenschrumpfen. Damit ist freilich die konservative Vorherrschaft noch nicht beseitigt, aber eS muh der Verlust auf die Konservativen deprimierender wirken, als das ziffernmäßig zum Ausdruck kommt. Ist ihre Mehrheit auch noch nicht beseitigt, so ist doch ihre Macht stellung bedeutend erschüttert tvorden. Vor allen, muß die Erwägung vom größten moralischen und politischen Ge wicht sein, daß die Konservativen die Erhaltung ihrer Mehrheit nur dem Um st an de zu danken haben daß bei der diesmaligen Landtags tvahl nur eine Drittelerneuerung der Kammer stattfand Eine vollständige Neuwahl der Zweiten Kam n, e des Landtages würde sicher eine Beseitigung de konservative» Mehrheit herbeigeführt habeu. Vornehmlich aber wird dadurch die Stellung des Grafen H o h c n t h a l zu der herrschenden konservativen Klique eine ganz andere, eine weit gesicherte. Mit diesen, sind bekanntlich die Konservativen in Differenzen geraten, weil sie nichts von den, Hohcnthalschen Wahlgesctzcntwurs wissen wollen, von den, sie eine Einbuße ihrer Machtstellung befürchten. Vor allem wollen die Konservativen auf der jetzigen rückständigen Wahlkreiseinteilung bestehe», die die agrarischen Distrikte in un- erhörter Weise bevorzugt. Es geht ihnen überhaupt, man sollte es nicht für möglich halten, der Hohenthalsche WahlrechtSwechselbalg noch zu weit. Die Konservativen um Opitz wollen daS Volk noch ärger entrechten, als es Graf Hohenthal plant. Vor allem wollen sie ihre Machtstellung erhalten und deshalb jede Wahlrechtsreform hintertreiben. Graf Hohenthal hat sich aber so für die Wahlrechtsreform festgelegt, daß er nicht mehr zurück kann. Er hat deshalb schon den Konservativen die Zähne gezeigt, die darauf ein Pronmiziamento gegen seine Wahlrechtövorlage los- gelassen haben. Es schien zu einem heftigen Kampfe zivischen Herrn v. Hohenthal und der Opitz-Mchnertschen Gefolgschaft zu komme» die nichrfach gezeigt hat, daß sie ein Feind auch des bescheidensten Fortschrittes ist. ES ist bekannt, daß Graf Hohenthal schon eine Auflösung des Landtages in Aussicht gestellt haben soll, wenn er anders nicht zun, Ziele kommen kann. In diesem Streite um die Form de« Wahlunrechts hat jetzt Herr v. Hohenthal durch den Wahlansfall bedeutend gewonnen. Er kann jetzt mit Sicherheit darauf rechnen, daß eine Lan dtagSauflösung die konservative Mehr- heit zersprengen ivürde. Und dies verleiht Herrn v. Hohenthal ein großes Uebergewicht in dem kommenden Streit um die Wahlrechtsreform. Die Konservative» werden klein beigeben nlüssen, denn sie riskieren i», anderen Falle ihre ganze doniinicrende Stellung. Das wird Herr v. Hohenthal gebührend einzuschätzen wissen. DaS sächsische Volk wird aber unter solchen Umständen mehr als früher dainit zu rechnen haben, mit einem Wahlnnrecht nach Hohcnthalschcm Muster abgefunden zu werden, wenn eS nicht aber malS durch wuchtige Kundgebungen in den Gang des Wahlrechts' schacherS entscheidend eingreift. Noch eins aber ist geeignet, die Machtstellung der Konservativen in, sächsische» Landtage moralisch zu erschüttern. ES ergibt nämlich eine Uebersicht über die konservativen Verluste, daß sie fast allen ihre» Anhang in den Städten und den in- dustriell durchsetzten ländliche» Kreisen verloren haben. Nur in den rein agrarischen Kreise» haben sie ihren Besitzstand erhalten, der dort auch gar nicht angegriffen worden ist. Dadurch werden die sächsischen Konservativen mehr„och olö bis jetzt eine agrarische E l i g u e. Bis jetzt konnten Opitz und Mehnert noch auf eine erheb- liche Gefolgschaft unter Industriellen und Gewerbetreibenden hin Fahnen zieht die Sozialdemolratic ein, in eine der festesten kapitalistisch-klerikal verteidigten Hochburgen! Wie die politische, so wuchs auch die gewcrkschaft- liche Bewegung. Vor 0 Jahren wurde mit Hülfe dcS Gcwerk schaftökartellS ein zunächst wöchentlich erscheinendes Lokalblatt ge gründet. Der Redakteur, der zugleich als Expedient, Packer und nebenbei auch gelegentlich als ZcitungSbote fungierte, daneben den Schriftcnvcrtrieb besorgte, war der erste Angestellte in der Essener Arbeiterbewegung, die dafür 20 M. pro Woche aufbringen mußte. Als zwei Jahre später ein Pult für 20 M. gekauft wurde, glaubten einzelne Genossen, das fei unverzeihliche Verschwendung. Heute kann die Essener Gewerkschaftsbewegung schon auf eine Reihe Erfolge zurückblicken. Mit den, Unternehmertum in, Bau- gewerbe konnte man erfolgreich die Kräfte messen, die Christ- l i ch c n. die das Getoerbegcricht als ihre uneinnehmbare Domäne betrachteten, wurden hinausgeworfen. Da waren sie auf einmal Freunde des Proportionalsystcmö, und die kapitalistischen Vertreter im Stadtparlainent wußten, was sie dem Unternehmer- tum schuldig waren. Vorher war die von den freien Gewcrk- schaften beantragte Proporzwahl abgelehnt worden; nach dem HinauSwurf des schwarz-blauen MischniaschS kam sie sofort zur Ein- führung! Auch bei einer Reihe anderer Wahlen schnitten die freien Gewerkschaften günstig ab. Sie unterhalten jetzt ein eigenes Sekretariat, und die meisten Verbände haben Ortsbeamte. Auch der sozialdemokratische Verein, der nun zirka 3000 Mitglieder zählt, hat längst einen VcrwaltungSbeamte» und einen.Geschäftsführer in der von ihr unterhaltenen Buchhandlung. Das vor 3 Jahren gegründete Lokalblatt inußte manche Wandlungei, durchmachen; wenn nicht technische Echlvierigkeiten es vereiteln, wird zur Be- grüßung dcS Parteitages die erste Nummer des in eigener Druckerei hergestellten, täglich erscheinenden Organs heraus- kommen. Mit berechtigter Genugtuung begrüßen es die Essener Genossen, daß diesmal der Parteitag in Essen tagt. Sie hoffen, und wir mit ihnen: Der Tagung des roten Parlameuts in der klerikalen Hochburg Essen, im Reiche der Kanonenfirma Krupp, niöge bei der nächsten Wahl der Einzug der siegenden Sozialdemokratie folgen! iveisen. Nun ist diese fast bedeutungslos geworden. Die sächsischen Konservativen sind somit aus dem besten Wege, zu einer rein agrarischen Interessengruppe zusammenzuschmelzei,. Und das kann in einen, industriellen Staate wie Sachsen nicht bedeutungslos bleiben. Man sieht auS alledem, daß die konservative Herrschaft in Sachsen auf schwachen Füßen steht und daß sie durch die diesmalige» Landtagsivahlen trotz des DreiklasseulvahlrcchtS stark erschüttert worden ist. Für daS Volk ist freilich durch daS Erstarken der'National- liberalen nichts gewonnen; für die Dauer wird die Verschiebung auf Kosten der Konservativen im sächsischen Landtage nicht von erheblichem Einfluß sein. Gegenwärtig aber, besonders bei der Entscheidung über die Form des Wahl,,,, rechts, ist die Schwächung der Clique um Mehnert und Opitz immerhin beachtenswert. Da die Konservativen einen Kampf init der Regierung um die agrarischen Sonderinteressen bei der Wahlrechtsreform nicht mehr riskieren können, wird ans dem Kampfe um die Form des neuen Wahlunrcchts jedenfalls ein Wahlrechts schacher werden, und dabei wird das Volk sicher auch nicht besser fahren._ England und Pretchen. DaS arbeitsstatistische Amt des britischen Handelsministeriums stellt umfangreiche Erhebungen über die Lebenshaltung der Arbeiter in den Groß- und Industriestädten Englands, Deutschlands und Frankreichs an. Diese Erhebungen sind bereits seit zwei Jahren im Gange. Am Dienstag sprach nun auf dem A r b e i t e r s e k r e t a r i a t in Solingen, wie das dortige Parteiblatt berichtet, Herr D a w s o n, Beamter des b riti s ch e>, Han d c l s», i n ist e riu mö. vor. der im Dienste der erwähnten Erhebungen tätig ist,„nd er- suchte daS Arbcitersekretariat, ihn bei seiner Arbeit zu unterstütze» Bcmerkcnslvcrt ist noch ein Ausspruch des Herrn Dalvson, den er bei dieser Gelegenheit auf den, Solinger Arbcitersekretariat tat, daß nämlich die Arbeit den Arbeitern erst dann Freude machen werde, wenn sie freiwillig ausgeübt werden könne Englische Ministerialbeamte scheinen demnach wesentlich andere Anschauungen als ihre preußischen Kollegen zu haben— nicht nur über die Bedeutung der Arbcitersekrctariate der freien Gewerb schaften, sondern auch über das Wesen und die Zukunft der Arbeit.— Die Ovambo-Frage. Wir haben unlängst nachgewiesen, welche Stimmung in ein flußreichen kolonialen Kreisen dafür besteht, die Ovambo-Frage für Slidwcstaftika demnächst aufzurollen. Das S ch e r l- B l a t t machte nachdrücklichst Stiinmung dafür, daß Deutschland init Portugal gemeinsam gegen d i Ovambo vorgehe. Die portugiesische Expedition ist aber bereits im Gange, wie folgende Mitteilungen der.Berliner Neuesten Nachr." beweisen: «Unsere in der Mittwoch-AbendauSgabe ausgesprochene Vev mntung, daß der O v a>„ b o st a m n, der K u a», a t a s die Vex bindung zivischen den, neuen portugiesischen Posten Ancongo und de», Kuncne erschwert oder unterbrochen hat, findet ihre Bestätigung in neueren, in Lissabon ein getroffen en ofsiziellen Telegrammen aus An g ola. Darauf ist die telegraphiiche Verbindung zwischen dem Kommandanten der Expedition, Royadas, und de», Sitze des Gouvcrnenients im Shella-Gebirge bereits an, 4. d. unterbrochen gewesen, so daß neuere Nachrichten durch Boten übermittelt werden»lnßten. Der Posten Ancongo, dessen Bnu an, 20. Augn't nach dem Gefechte bei Mussilo(27. August) begonnen wurde. ist am 4. September fertig gestellt, doch hat ein weitere Vormarsch nach de», Häuptlin ggsige de Kuanatas noch nicht stattfinde» können, da der P o st e n Ancongo fortwährenden Angriffen de Ovambo ausgesetzt ist, wovon ein am 5. September uiiternoinmener Angriff z w e i Stunden dauerte. Infolge dieser Ovambomignffc hatten die Portugiesen eine Einbuße in Acongo von 19 toten und 53 verivinidetc» weißen Soldaten(b e Mussiko bereits 10 tote und 20 verwundete) und von 4 toten und 39 vcrwnndctei, schwarze» Soldaten(b e Mussiko bereit« 3 tote u ir d 10 v e r w u n d e t e). ein Beweis von der Hartnäckigkeit der Angriffe der Kuamatas, denen sich wahrscheinlich auch wieder, wie im letzten Februar, u a n, b i S angeschlossen habe»." Der portugiesische Ovambo-Feldzng ist also bereits mit aller Schärfe entbrannt. Mit einer Schärfe, die unseren Ovambo- Kriegshetzern alle Lust zu einen, Ovainbo-Fcldzug verleiden sollte I Haben doch die portugiesischen Truppen in nur zwei Gefechte» bereits äußerst schwere Verluste erlitten: 39 Tote und 149 Bcr- mundete. Dabei handelt es sich bis jetzt erst um die ersten Plänkeleien, da ja die entscheidenden Gefechte„och bevor st ehen! Die deutsche Oeffentlichkcit hat also alle Ursache, alle Aktioiie» der deutschen Regierung anfmerksan, zu überwachen I Vor allen Dingen ist die sofortige Zurückbcriifung derjenigen dentschen Truppen zu verlangen, die der Morcnga-Affäre lvegcn dort über die Zeit zurückbehalte» worden sind l—_ Qngarn. Vom Massenstreik. Die Anki'iiidiglliig der sozialdeinokratischen Partei Ungarns, den Kampf um das allgemeine, geheime Wahlrecht energischer als je wieder aufzunehmen und mit dem Probe- Massenstreik am 19. Oktober einzuleiten, kommt der Ne gierung höchst iiiigelegen. Tie Koalitionsblättcr wissen zu melden, daß sich der Ministerrat mit der Angelegenheit befaßte und den Justizmiuister ermächtigte,„die g e eigneten Mittel" anzuwenden, den Frieden und die Ruhe des Landes„gegen die nunmehr einen revolutionären Charakter annehmende Bewegung" zu wahren, was wohl heißen soll, den Kämpfern für das allgemeine Wahlrecht einen„Denkzettel zu erteilen". Das wäre also eine Aufforderung zur Verfolgung und Unterdrückung aller Kundgebungen. Der Justizmimster soll die Staatsanwälte gegen die Sozialdemokraten loslassen, deren Blätter, Flug- 'chriften und Versammluiigsaufrufe konfiszieren, Bersamm- ungsredner unter Anklage stellen lassen usw. Welche Gewalttätigkeiten der Minister des Innern durch die Verwaltungsbehörden planen mag, ist unschwer zu er- raten. An der cutschlossenen, wohldisziplinierten Haltung Oer organisierten Arbeiterschaft Ungarns aber werden diese „präventiven" Maßregeln voraussichtlich wirkungslos ab- .wallen. Uebrigens fühlt das arbeitende Volk Ungarns, daß )ie Stunde gekommen ist, wo es gilt, auch vor Opfern nicht zurückzuschrecken, und nachstehende Mahnung in der letzten Nummer der„tltepszava" wird wohl begriffen werden. „Hier vernichtet uns der langsame Hungertod, oder wir müssen auswandern oder— eS muß gründlicher Wandel un, jeden Preis geschaffen werden. Für die BolkSfreihcit ist auch das Blut kein zu hoher Preis, wenn sie um Geringeres nicht zu erwerben ist. Wenn wir unser Leben und unsere geraden Glieder für die fetten Profite der Millionäre aufs Spiel setzen, wenn unsere Brüder zwischen den knirschenden Rädern der Maschine», in der finsteren Tiefe der Schachte zu Hunderten zugrunde gehen, zu Tausenden bettelnde Krüppel werden: wäre cZ eine solche Unmöglichkeit, an einem Tage auch für unsere Freiheit jeder Gefahr trotzig ins Auge zu sehen?" Die Agitation für den 19. Oktober wird mit fieberhaftem Eifer betrieben, und keinerlei Einschüchterungsversuche dürften dagegen auskonimcn. Australien. Die Wahlen ln Ncu-SüdmalcS haben den Liberalen 54 und der Arbeiterpartei 36 Sitze im Staatsparlament gebracht. Unter den 36 Mitgliedern der Arbeiterpartei sind einige„Unabhängige", die in wichtigen Fragen mit der Partei gehen, aber nicht okfiziell als zugehörig betrachtet werden. GemrkIckaMcbeq. Scharfmacherkollcr. Eine allgemeine Aussperrung im Bau« gewerbe hat in diesen Tagen in Kiel ihren Anfang ge- nomine». Dort stehen seit einigen Wochen die Arbeiter und Kutscher der Holzhandlungen, zirka 239 Mann, im Streik. Da es den Holzhändlern nicht gelang, die um eine tariflich festzulegende Verbejserung ihrer Lebenshaltung und um menschenwürdige Arbeitsbedingungen kämpfenden Arbeiter nnverrichteter Sache ms Joch zurückzuzwingen, nahm sich die Kieler Scharfmacherorganisation, der Arbeitgeberverband, seiner bockbeinigen Profitgenossen an. Diese wurden ver» anlaßt, ihre Holzplätze zu schließen und den im Arbeitgeber- verband organisterten Unternehmern des Baugewerbes wurde streng verbeten, von auswärts Material zu beziehen. Weiter wurden die Bauunternehmer verpflichtet, ihren Arbeitsnach- weis zu sperren und überhaupt keine Arbeiter mehr cinzu« stellen. In dem Maße, wie das Material stocke, sei die Arbeit an den Ballten abzubrechen und seien sämtliche an Bauten beschäftigten Arbeiterkategoricn, Maurer, Zimmerer, Bauhülfsarbeiter, Holzarbeiter, Metallarbeiter, Maler, Glaser usw. zu entlassen, bis zur allgemeinen Aussperrung im gesamten Baugewerbe. In der Generalversammlung des Kieler Arbeitgeber- Verbandes, rn der diese Maßregeln ausgeheckt wurden iind zu der aus allen Teilen der Provinz, sowie aus den Hansa- städten. Vertreter der Arbeitgeberorganisationen entsandt worden waren, empfahl den Unternehmern ihr Rechtsbeistand, Stadtverordneter Döring ans Kiel, den r ü ck s i ch t s» lose st en ivirtschaftlichen und gesellfchaft- l i ch e n Boykott aller derjenigen Kollegen, die diesen Be- schlüsscn zuwider handeln würden. Der aus Hamburg her- beigeeilte, in ganz Nordwestdelitschland bcril-— Hinte Ober- scharfmacher von R e i s w i tz, Sekretär des Arbeitgeberverbandes„Unterelbe" gab, wörtlich, den Rat, sich nicht um juristische Fragen und Gesetzespara- g r a p h c n zu kümmern, sondern schonungslos gegen alle die vorzugehen, die nicht mitmachen wollten. Lieber könne man schon Strafe bezahlen. Als typisches Schreckmittel, mit dem die Versammelten in ihre brutalen Beschlüsse hineingequetscht wurden, kehrte in den Dekla- mationen der Hetzer immerfort die schreckliche Perspektive wieder, wenn man den Holzhändlern nicht beistehe, müßten diese„am nächsten Morgen nach der Fährstraße(ins Ge- werkschastshouS) laufen und vor diesen 239 ungelernten Ar- heitern zu Kreuze kriechen." Ss kam die in den erwähnten Beschlüssen niedergelegte Kriegserklärung, die sich als ungeheuerliche, Wirt- fchaft liche Erpressung qualifiziert, zustande. Der tückische Streich ist umso schärfer zu brandmarken, als sämt- liche betroffenen Arbeiterkategorien Tarifabmachlingen be- sitzen, die zum Teil nach sehr schwierigen Verhandlungen und Kämpfen abgeschlossen worden waren und noch auf lange Zeit hinaus Gültigkeit hatten. Tausende von Arbeitern, die an der Streitigkeit der Holzplatzarbeiter vollständig unbctei- ligt und ohne jeden Einfluß auf deren Entschlüsse sind, sollen um dieser paar Hunderte Streikender willen, die zum größten Teil schon abgereist sind, brotlos gemacht werden! Aber der Scharfmacherkoller der Unternehmer hatte mit diesem Gewaltstreich noch nicht seine Höhe erreicht. Die strei- kenden Holzplatzarbciter zeigten das größte Entgegenkommen, um ihren Klassengenossen die schwere Schädigung zu ersparen. Sie riefen das Gcwerbegcricht als Einigungsamt an. die Unternehmer wiesen dessen Eingreifen schroff zurück. Dann gelang eS den Leitern der bedrohten Organisationen, mit Zurücksetzung aller.berechtigten Empörung über den Ver- tragsbruch der Unternehmer, eine aus dem Vorstand dcS Ar- beitgeberverbandes und den Gcwerkschaftsvorständcn zu- sc.mmengesetzte„Schlichtungskommission" zustande zu bringen, in der die Streikenden und die Holzhändler nicht vertreten waren. Die Kommission tagte nahezu die ganze Woche hindurch, in langwierigen Verhandlungen wurden die Forderungen der Holzplatzarbciter mit deren Einverständnis im Interesse des sozialen Friedens nahezu vollständig zurück- gezogen, und schon glaubte man, am Mittwochabend, un- mittelbar vor der Einigung zu stehen, da erschienen am Donnerstag in der Konferenz die Häuptlinge der Scharf- macher und erklärten zur grenzenlosen Verblüffung der Ar- bcitervcrtreter, alles, was bis jetzt abgemacht worden, werde vom Arbeitgcberverband zurückgezogen, wenn nicht auch von den Lohnbewegungen der Stukkateure und H eiz u n g s m o n t e u r e Ab- tand genommen würde. Mit keiner Silbe war bis dahin von den Stukkateuren und Monteuren, die vor einiger Zeit be- chlossen hatten, Lohnforderungen zu stellen, die Rede ge- Wesen! Damit war unzweideutig festgestellt, daß die Unter- nehmer um jeden Preis den Krieg wollen, und die Ver- Handlungen wurden sofort abgebrochen. Ter geheime Zweck dieses ruchlosen Treibens ist eben der: die großen Unternehmer wollen die gänzlich verfahrene Konjunktur im Baugewerbe, die durch ihr planloses Speku- lationsbaucn herbeigeführt worden, auf Kosten der Arbeiter „sanieren", und wenn dabei noch eine Tezimicrung in ihren eigenen Reihen, durch Beseitigung der minder kapital- kräftigen Firmen, herbeigeführt wird, so ist ihnen das gerade recht.— Die Sperre ist bereits„flott" im Gange. Am Freitag- mittag waren schon 281 Maurer ausgesperrt; vorher abge- reist waren zirka 259. Von den Zimmerern wurden bis dahin zirka 29 entlassen, während 159 in den letzten Tagen den Ort verlassen haben._ Der Oertin und QnigegencL Lohnben-egung der Töpfer. Zeniralverband der Töpfer hielt am Freitagabend eine Mitgliederversammlung in Freycrs Fcstsälen, Koppe, istraße,"ab. Segawe erstattete ven Bericht der Lohnkommission. Die erste Sitzung der Kommission fand am 5. August statt, aber mit den Verhandlungen konnte erst am 10. August begonnen werden, weil dann erst die Vertretung der Unternehmer erschien. Der Obmann der ArbeltgeVerkommission bestritt, daß die Meldungen der Presse, die Meister wollten Lg Proz. von dem bisher gezahlten Tarif ab- ziehen, richtig seien. Es handele sich nur um eine„Vereinfachung" des Tarifs. Bei den Vorschlägen, die die Vertreter der Arbeit- gcber nun den Gesellen machten, zeigte es sich, daß diese geplante „Vereinfachung" durchweg eine Verschlechterung des Tarifs bedeute. In einigen Fällen ist sogar eine Reduktion von 30—40 Proz. be- absichtigt; auch wird verlangt, daß jedem Gesellen„gestattet" sein soll, am t. Mai zu arbeiten; ferner sollen die Gesellen sich nicht weigern dürfen, mit unorganisierten Trägern zusammenzuarbeiten. Die Kommission der Arbeitnehmer beschäftigte sich in drei Sihungen mit den Vorschlägen der Unternehmer und formulierte die Wünsche der Gesellen durch Aufstellung einer längeren Preis- liste. Am 4. September fand wieder eine gemeinsame Sitzung statt, ohne daß ein Resultat erzielt wurde. Am 1. Ottober ist der alte Tarif, den die Unternehmer gekündigt haben, abgelaufen. Die Versammlung erklärte in einer Resolution sich mit der Haltung ihrer Konimission und den gemachten Vorschlägen über die zu zahlenden Preise einverstanden und sprach sich entschieden gegen jede Reduktion der alten Preise aus. Man erstrebt eine Ver- besserung und nicht eine Verschlechterung der Verhältnisse. Einige Angelegenheiten über verhängte Sperren kamen noch zur Sprache und es wurde besonders vor der Firma Twardy gewarnt._ Achtung, Klavierarbeiter! Die Firma Gebrüder Niendorf in Luckenwalde sucht in Berlin Arbeitskräfte. Wir machen darauf aufmerksam, daß zurzeit in dem Betriebe dieser Firma Differenzen schweben. Es ist deshalb den Kollegen dringend zu raten, sich erst auf dem Bureau des Holzarbeiterverbandes über die Verhältnisse bei Gebrüder Niendorf zu erkundigen, ehe sie dort in Arbeit treten. Die Branchenleituny der Klavierarbeiter. Die Diktatur der Bäckerinnungen, die ganz besonders krah in den Zwangsinnungen in Erscheinung tritt, hat sich bereits der- art verhaßt zu machen gewußt, daß nunmehr die eigenen Jnnungsmitglieder dagegen zu rebellieren beginnen. Vor uns liegt folgende Einladung: An die Herren Bäckermeister von Rixdorf! Werter Herr Kollege! Die Rixdorfer Zwangsinnung, der viele von uns nur ge- zwungen angehören, plant, nach den letzten Klagen und Strafen, mit denen sie die eigenen Handwerkskollegen belästigte und schädigte, jetzt wieder einen neuen hinterhältigen Gewaltstreich. Es sollen alle Kollegen, die ihre Arbeitskräfte nicht im JnnungS-Arbeitsnachwcis bestellen, m Strafe von 20 M. ge- nominell werden. Wir haben uns aber durch Ehrenwort und Tarif verpflichtet, den paritätischen Arbeitsnachweis zu benutzen. Die Innung will den Kampf, der uns schon genug Sorge und Nachteile gebracht, von neuem entfachen. Wir wollen aber endlich Frieden, nicht noch mehr Haß und Zwietracht zwischen uns und unseren Kunden und der Ge- sellenschaft. Die Innung will uns wieder den Gerichtsvollzieher inS Haus schicken, will uns wieder von neuem schädigen und mit Klagen und Strafen belästigen. Dagegen gilt es von allen, die Frieden wollen, in der schärfsten Weise zu protestieren. Erscheint daher alle in der Jnnungsversammlung am lö. September, abends 6 Uhr, bei Gröpler, Bergstr. 147, um gegen diese neue Vergewaltigung entschieden Stellung zu nehmen! Mit kollegialischcm Gruß! Heinrich Hülmer, Hcrtoastratze, Oswald Schensch, Bergstr. 84, Johannes Tybowsti, Knesebeckstr. 140. Bekanntlich hatten die zu einem Kartell vereinigten Bäcker- tnnungen im vorigen Jahre mit der Gesellenorganisation das Ab- kommen getroffen, daß für Berlin und seine Vororte ein gemein- samer Zentralarbeitsnachweis eingerichtet werden sollte, in welchem Gesellen und Meister gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben. Als man aber zur Ausführung jenes Abkommens schreiten wollte, verlangten die Jnnungsvorstände alle Rechte für sich allein und wollten die Gesellen von der Verwaltung dieses neuen Arbeitsnachweises fast ganz ausschließen. Dieses Verlangen der Jnnungsvorstände war neben einer ganzen Anzahl anderer Wortbrüche schuld, daß es im Bäckergewerbe in diesem Jahre zum Lohnkampf gekommen ist, in dessen Verlauf fast die Hälfte der Bäckermeister— in Rixdorf sogar über%— sich durch Ehrenwort und Vertrag verpflichteten, nur den paritätischen Arbeitsnachweis zu benutzen. Das Jnnungskartell hat nun aber den Zentralarbeitsnachweis gegen den Willen der Gesellen und Gesellenausschüsse eingerichtet; allerdings nach dem Muster des Arbeitsnachweises der Germania. Innung, in dem der bekannte Arbcitsvermittler Vogel seine Herrschaft ausübt. Nun möchten die Jnnungsvorstände diesen ihren in jeder Weise reaktionären Plan verwirklichen und den paritätischen Arbeitsnachweis mit allen Mitteln verdrängen. Daß sie dabei wiederum, wie bei der Lohnbewegung, vor den skrupellosesten Zwangsmitteln nicht zurückschrecken, darf man nach den früheren Er- fahrungen kaum bezweifeln. Die Vorstände der Zwangsinnungen haben es schon meisterlich verstanden, ihren Jnnungsmitgliedern den Segen dieser Art Handwerksretterei einzubläuen, daß es nur zu begreiflich ist, wenn die also Geretteten nun sich zu widersetzen beginnen. Es wird dies gber auch um so dringender notwendig sein, als ja die beiden großen Berliner Innungen aus dem besten Wege sind, ebenfalls den Segen der Zwangsinnungen in Anspruch zu nehmen, um auf ihre Mitglieder denselben brutalen Druck aus- üben zu können, wie ihre Schwesterinnung in Rixdorf. Mögen die Meister, die nun durch die fortgesetzten Schikanierungen des Rix. dorfcr Bäckerinnungsvorstandes fast zur Äerzweiflung getrieben sind, sich endlich zum Widerstand aufraffen, auch Mut und Rückgrat genug besitzen, um die Herrschergelüste dieser Jnnungsgewaltigen mit aller Entschiedenheit und für immer abzuwehren und ihnen vor allen Dingen klar zu machen, daß es viel mehr im Interesse des Gewerbes liegt, das den Gesellen gegebene Wort auch ehrlich zu halten und dadurch den Streik und Boykott zu vermeiden, statt diejenigen zu schikanieren, die den elenden Jnnungswortbruch nicht mitmachen wollten. Oeutlckes Reich. Vom Streik der Hamburg-Altonaer Elektriker. Obwohl die Arbeitgeber in der Anwendung ihrer Mittel durchaus nicht wählerisch sind, ist der so oft avisierte Zuzug von Monteuren und Hülfsmonteuren immer noch nicht eingetroffen. Müde der ewigen Versprechungen, in den„nächsten Tagen" Ar- beitskräfte in Hülle und Fülle zur Verfügung zu haben, sind in dieser Woche viele Arbeitgeber„abgesprungen" und haben sich mit ihren Leuten verständigt. An der Lohnbewegung waren ur- sprünglich 580 Mann beteiligt. Davon arbeiten zu den neuen Bedingungen in 03 Betrieben 200 Arbeiter, während noch 270 ausständig sind; der Rest ist abgereist bezw. in anderen Orten in Arbeit getreten._ Aus dem Reiche des Freiherr» v. Heyl. Der Zentralverband der Lederarbeiter und Arbeiterinnen Deutsch- lands verbreitet zurzeit in allen Gauen ein Flugblatt, das die deutschen Lederarbeiter über die Einführmig der Krankenunterstützung im genannten Verbände aufklären soll. Als nun kürzlich in Worms fünf Personen den auS den verschiedenen Fabriktoren der Heylschen Lederwerke hcrausströmendcn Lederarbeitern daS Flugblatt zu- stellten, hatte ein Beamter der Heylschen Werke nichts Eiligeres zu tun. als einen Schutzmann telcphonifch herbeizurufen und den einen Flugblattverteilcr notieren zu lassen. Dem Uebeltäter ist nun- mehr ein Strafmandat über 6 M. und 1,20 M. Kostenbetrag zugegangen. Der Schutzmann war auch sehr begierig zu wissen. ob noch mehr solcher Flugblätter verbreitet würden. Seine Wißbegierde wurde aber nicht befriedigt.— Auch dieses Vor» kommnis wird ja Herrn v. Heyl nicht hindern, auf der Berantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Inseratenteil verantlv.: Reichstagstribüne für das Koalitionsrecht und andere schöne Dinge — in der Theorie— einzutreten. Die Wormser Lederarbeiter aber sollten ans diesem Vorkommnis von neuem die Lehre ziehen, daß zwischen den schönen Reden ihres Chefs und der Praxis ein klaffender Widerspruch ist. Es dürfte ihren Interessen am meisten entsprechen, wenn sie dem Rufe des Lcderarbeiterverbandes, sich zu organisieren, Folge leisten würden._ Achtung, Müller! Wvgen Lohndifferenzen sind die Mühlen- arbeiter bei der Firma Wilhelm Festner, G. m. b. H., in K n a u t- Kleeberg in den Streik getreten. Diese Firma liefert viel an Konsumvereine, worauf zu achten ist. Christentum. Der christliche Agitator Funke aus München, der in einer Stadt der bayerischen Lberpfalz über„Die Vorteile der christlichen gegenüber den freien Gewerkschaften" referierte, zählte unter an- deren„Vorteilen" der christlichen Gewerkschaften auch folgenden auf:„Wir werden nach dem Tode im Himmel frohlocken über jene, wenn sie in der Hölle schmachten." Wenn die braven Christen sich so sehr darauf freuen, im Jenseits die verhaßten Freien im Höllenfeuer schmoren zu sehen, so will uns das doch wenig christlich �erscheinen._ Mit sozialistischen Arbeitervertretern wird niemals verhandelt. Die deutschen Spielwarenfabrikanten hatten dieser Tage eine Versammlung, in welcher eine Vereinigung über ganz Deutschland angebahnt werden sollte. Der Zweck des Verbandes soll nach den Ausführungen des Unternehmers PH. Samhanimer von Sonneberg der sein,„ungerechtfertigten Forderungen der Arbeiter entschieden entgegenzutreten". Ferner bemerkte der Herr Samhammer, der Verband werde„mit soziali- stischen Arbeitervertretern niemals verhandeln". In Solingen stehen seit dem 21. März die Arbeiter der Firma Gottlieb Hammcsfahr im Kampf, zum Teil im Streik, zum anderen Teil als Ausgesperrte. In den letzten Tagen wird nun erneut versucht, von auswärts unter Vorspiegelung falscher Tat- fachen Ersatz heranzuholen. Demgegenüber verweisen wir darauf, daß in der Spezialindustrie(in diesem Falle Herstellung von Schneidwaren) fremde Leute nur Fiasko machen. Hammcsfahr bietet den Leuten nicht mehr wie 3,50 M. Tagelohn. Dann sollen die Leute Akkord aufnehmen, bei dem kaum Einheimische und ein- gearbeitete Leute etwas verdienen können. Der Kampf hat sich inzwischen noch verschärft. Die von Hammes- fahr beschäftigten Heimarbeiter, die an der Fertigproduktion tätig sind, haben zum übergroßen Teil auch die Arbeit niedergelegt. Trotz aller verzweifelten Anstrengungen der Firma wird den Ar- bcitern der Sieg gehören, wenn der Zuzug ferngehalten wird. Von den bei der Firma ausgetretenen Arbeitern ist bis jetzt noch nicht einer arbeitswillig geworden. Auch von den Heimarbeitern haben wir nicht viel Streikbrecher zu erwarten, da die Organisation in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hat. Wir ersuchen deshalb, bis auf weiteres Zuzug von Arbeitern aller Art von Solingen fernzuhalten, ganz besonders aber von der Firma Gottlieb Hammcsfahr in Foche bei Solingen. Die Ortsverwaltung Solingen des Deutschen Metallarbeiterverbandes. DaS Hülfspcrsonal der Buch- und Steinbruckereien von N ü r n- berg-Fürth betreibt seit März eine Tarifbewegung, aber bis jetzt ist die Sache noch nicht erledigt. Die meisten Druckereien zahlen zwar schon seit 1. Juli tarifmäßige Löhne, aber der Tarif ist noch nicht anerkannt, weil gerade die einflußreichsten Unternehmer in der Prinzipalvereinigung dagegen arbeiten. Hauptgegner sind die beiden größten Druckereien, die des freisinnigen„Fränk. Kurier" und die des unparteiischen„Generalanzeiger". Diese zahlen auch geringere Löhne. Die Geduld des Personals ist jetzt erschöpft. In einer Versammlung wurde beschlossen, mit der Unternehmer- Vereinigung nochmals Verhandlungen zu pflegen, wird dann aber- mals keine bindende Zusage erreicht, so soll betriebsweise vor- gegangen werden._ HusUnd* Der Kampf in Antwerpen. Antwerpen, 13. September.(Eig. Bcr.) AlleS— natürlich mit Ausnahme der in ihrer bösen„Konse- quenz" verharrenden Unternehmervereinigung— setzt sich in Be- wegung, dem verhängnisvollen Zustand ein Ende zu bereiten. Das von der Handelskammer angeheftete an die Streikenden gerichtete Manifest zeigt wohl guten Willen, aber doch nicht die richtige Einsicht in die Dinge. Alles was in dieser Proklamation gesagt wird, gehört an die Adresse der— Unternehmer. Das Manifest verlangt von den Streikenden, daß sie mit Rücksicht auf das Unheil, das die Unterbrechung der Hafen- arbeit über daS Land gebracht, und mit Rücksicht auf die eigenen Entbehrungen, an die Arbeit gehen sollen. Das Manifest, das in einem überaus anständigen Ton gehalten ist— es betont auch ausdrücklich, daß von den Arbeitern durchaus nicht etwa der Ver- zicht ihrer Forderungen verlangt wird— nimmt nämlich auf das Wichtigste nicht Bedacht: daß nämlich die sogenannten Streikenden keine Streikenden, sondern Ausgesperrte sind. Gestreikt haben bloß die Holz- und Getreideverlader für ihren Frank, der ihnen weggenommen wurde, nachdem sie sich ihn kurz vorher erkämpft hatten. All die anderen Tausende, die arbeiten wollen, die nicht einmal Forderungen gestellt haben, sind Aus- gesperrte! ES ist also ein zwar sehr gut gemeinter, aber vollständig deplacierter Appell an die Großmut und Vernunft der Arbeiter. Psychologisch ist es ja immerhin interessant zu sehen, daß die Herren von der Handelskammer den Arbeitern mehr Verständnis für die durch den Streik verur- sachten Störungen des Wirtschaftslebens zu- muten als den Hafenherren, die nichts von dem ganzen Unheil sehen, weil s i e mit ihren Millionen „aushalten" können.— Das Manifest richtet sich also an die falsche Adresse, waS daS Streikkomitee auch in einem Gegenmanifest kundtun wird.— Indes schwirrt es immer wieder von neuen Vorschlägen, Zusammenkünften usw. durch die Luft— Genosse C h a p e I l e hatte Beratungen mit dem Bürger- meister HertogS, andererseits hat sich der Arbeitsminister bequemt, einen Schritt zu tun, um eventuell durch Eingreifen des Industrie- rates einen AuSweg zu schaffen. Der Präsident Strauß soll zur Vermittlung geneigt sein— aber sind es schon die Herren Unter- nehmer? Unterdes revoltiert der ungeheure Verluste erleidende Handel immer mehr, denn in der Tat bedeutet die Unterbrechung des Hafenbetriebes für viele den Ruin; Millionen repräsentierende Waren liegen seit Wochen im Hafen, ohne daß die Aufträge aus- geführt werden können, wodurch den Händlern enorme Verluste erwachen, die freilich Lurch Preissteigerungen zum Teil wieder hereingebracht werden. Manche Waren, wie der Mais, können dabei durch die lange Lagerung vollständig ihren Wert verlieren. Von den Preiserhöhungen und den Börsenschwierigkeiten gar nicht zu reden. Wieder ist ein neue? Manöver zu verzeichnen, das ins Werk gesetzt wurde, um die Streikenden uneinig zu machen. Ein natür- lich anonymes Plakat— zu Hunderten im Hafen angeschlagen— fordert unter dem Titel:„Wir sind verraten!" die Docker zur Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanßalt Arbeit auf, weil bei den Geldberteilungen unredlich verfahren werde. Diese blödsinnige Verleumdung soll natürlich auch die Streikführer um das Vertrauen bei der Masse bringen. Zu- fällig hat auch der Name des Druckers die Herkunft dieses Plakats verraten; aber auch sonst wäre es nicht schwer gewesen, darauf zu kommen, daß die angeblichen„Docker", die das Plakat unterfertigten, in der— Fcderation maritime sitzen. Mit solch einem dummen Witz will man 15 000 Menschen zur Arbeit locken! Die Verleumdung ist aber auch schon darum zu dumm, weil in Flandern die Kontrolle über Streikverrechnungen stets nachher von einer aus Sozialisten, Liberalen und Katholiken gebildeten Kommission geübt wird. In den nächsten Tagen wird Genosse De Brouckere al? Delegierter der belgischen Partei in England und Genosse M i l i o in Deutschland in Versammlungen über den Ant- werpener Kampf berichten, wobei natürlich die Streikbrechcrfrage vor allem beleuchtet werden wird.— Morgen werden die Metall- arbeitcr beraten, ob sie eventuell in einen Solidaritätsstreik treten werden.— Eine Reihe von Dampfern ist wieder nach England, um Streikbrecher zu holen— man will wissen, daß morgen die immer um 3000 lavierende Streikbrecherzahl sich auf 5000 belaufen werde. Und wenn es selbst 5000 würden— der reguläre Hafen- betricb verbraucht mehr als 15 000 geübte Arbeiter und seit einem Monat gab es nicht einen einzigen rechtschaffenen Arbeitstag.... Letzte Naebnebters und Depcfcbca Streik in der Berliner„Morgenpost". Das gesamte Buchdruckereihülfspersonal der Firma U l l st e i n in der Kochstr. 23— 25 hat gestern abend 14II Uhr die Arbeit niedergelegt. Die im Buchdruckcreihülfsarbeiter- verband Organisierten hatten mit der Firma einen Tarif- vertrag abgeschlossen, gegen den nach Ansicht der Arbeiter die Firma verstoßen hat, indem sie den Arbeitern Arbeiten auf- bürdete, die bei Abschluß des Vertrages nicht vorgesehen waren. Seit einigen Tagen fanden mit der Geschäftsleitung Verhandlungen statt, die jedoch zu keinem Resultat führten. Die Ausständigen haben entgegen dem Wunsche ihrer Organi- sation auf eigene Verantwortung die Arbeit niedergelegt. Durch die Arbeitsniederlegung ist das Erscheinen der „Morgenpost" in Frage gestellt. Wie wir hören, beabsichtigt die Firma, den Abonnenten in einem Flugblatte vom Nicht- erscheinen der Zeitung Kenntnis zu geben. Koloniale Kriegshetze. Essen, 14. September.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Die ,. R h e i n i s ch- W e st f ä l i s ch e Zeitung", das Organ der Kanonen- und Panzerplatten-Prozentpatriotcn, benutzt die Meldung vom Vormarsch der französischen Kolonne von Udscha in das Innere von Marokko, um die deutsche Regierung zu einem kriegerischen Vorgehen gegen Marokko anzuspornen. Das Vlatt nieint, es wäre ein kläglicher Rückzug der deutschen Regierung, wenn sie Frankreich in Marokko frei schalten lasse. Wünschenswert sei eine Protestnote, der durch Entsendung einiger Kriegsschiffe in die Häfen der marokkanischen Westküste ein entsprechender Nachdruck zu geben sei.(Wie viel Prozent würden an dieser„Aktion" die Hintermänner der„Rh.-W. Ztg." verdienen?)_ Betrogene Arbeitswillige. Essen(Ruhr), 14. September.(B. H.) Hafenarbeiter, die gestern aus Antwerpen zurückkamen, rotteten sich vor dem hiesigen Kriegerhcim, in dem sich die Agenten befanden, welche die Arbeiter für Antwerpen angeworben hatten, zusammen, weil ihnen angeblich in Antwerpen ihr Arbeitslohn vorenthalten wurde. Die Agenten flüchteten durch eine Hintertür. Der Tninnlt auf der Straße verstärkte sich immer mehr, bis' schließlich ein größeres Polizeiaufgebot die Leute zerstreute. In den Schacht gestürzt. Gclscnkirchen, 14. September.(Privatdepesche de?„Vorwärts".) Auf der Zeche„Hannibal 2" ist der 50 Jahre alte Betriebsführer Pasing beim Revidieren des Schachtes in den Schacht gestürzt. Der bei dem Unfall tödlich Verletzte hinterläßt eine Familie mit drei Kindern. Durchgegangene Lokomotive. Frankfurt a. M., 14. September.(B. H.) In Bockenheim fuhr heute früh eine schwere Güterzuglokomotive beim Rangieren Über den Prellbock hinaus auf die Rödclhcimcr Chaussee, wo sie in einen Kanal einbrach. � Das Hauptglcis nach Gießen war bis Mittag gesperrt. Der Schaden an der Lokomotive ist ziemlich er- heblich. Personen wurden nicht verletzt. Vom Streik der Docker. Brüssel, 14. September.(Privatdcpeschc des„Vorwärts".) Die Federation maritime hat den letzten(fünften) Vorschlag auf Streik- beendigung abgelehnt. Danach hätten die Verlader die Arbeit zu einem Tagelohn von 5,50 Franks aufgenommen und sich ver- pflichtet, binnen Jahresfrist keine neuen Forderungen zu stellen. Die Streikenden hatten den Vorschlag genehmigt und ist unter den Ausständigen wegen der Ablehnung des Vcrmittelungsvorschlages durch die Unternehmer große Erbitterung hervorgerufen worden. Die Streikenden berieten mit dem Handelskammcrpräsidenten, der an einer neuen Untcrnchmerberatung teilnahm. Durch die bereits gemeldete Proklamation der Handelskammer ist keine Wandlung des Streiks eingetreten. Die Gentcr Docker haben eine laufende Unterstützung während des Streikes beschlossen. In einer großen Versammlung der Streikenden forderte C h a v e l l e zum Aus- harren auf. Schweres Unwetter. Paris, 14. September.(V. H.) Aus Valence wird berichtet: Das gestrige Gelvitter war so heftig, daß ei» Eisenbahnzug vom Sturm zur Entgleisung gebracht wurde. Bon einem anderen Eisenbahn- zuge fehlt bis heute noch jede Nachricht, und es ist unmöglich, Hülfe zu schicke», da sämtliche Flüsse über die Ufer getreten sind. Der Schaden ist sehr bedeutend._ Antimilitaristen-Prozch. Pari?, 14. September.(W. T. B.) Sieben AntimiNtaristen sind zu Strafen von 15 Monaten bis zn drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie die Soldaten durch Maucranschläge zum Aufruhr aufgefordert haben. Kohlcngasexplosion. Kronstadt, 14. September.(W. T. B.) Im Handelshasen fand bei dem Ausladen des holländischen Dampfers„Kallisto" eine KohlengaScxplosion statt. Vier Arbeiter erhielten schwere Brand, wunden und wurden in das Marinehospital gebracht. Sgaul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilage«, ■3 Zum Ha$t(l)lußverfa])ren der Gewerhfcßaften. Es wird unS geschrieben: In der Resolution des Stuttgarter internationalen Kongresses, die sich mit der politischen Partei und den Gewerkschaften besaht, heißt eS: „Der Kampf des Proletariats wird sich um so erfolgreicher und günstiger gestalten, je inniger die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Parteiorganisationen sind." Aus dieser Erkenntnis erwachsen auch der deutschen klassen» bewußten Arbeiterschaft noch Aufgaben, um die Reibungsflächen zwischen Partei und Gewerkschaften zu verringern resp. ganz zu beseitigen. Dabei sind freilich einige Schwierigkeiten zu über- winden. Wir sehen ganz ab von dem bei uns historisch gewordenen getrennten Aufbau der Gewerkschafts- und Parteibewegnng. Diese zwei Festungen des Proletariats lassen sich nicht einfach ineinander- schieben. Die für das Verhältnis von Partei und Gewerkschaft gebräuchlich gewordene Charakterisierung als„einander gleich- berechtigte Faktoren" kann auch zu Mißverständnissen über die gegen- seitigen Beziehungen führen, da sich keineswegs der gleiche Pflichten- kreis für Partei- und Gewerkschaftsmitglied ziehen läßt. Die gewerkschaftliche Neutralität, insofern sie den Fortfall jeglicher politischen und religiösen Verpflichtung seitens des Gewerkschafts- ankömmlings bedeutet, ist vom rechten und linken Flügel in der Partei stets anerkannt und gutgeheißen worden. Die GeWerk- schaften müssen naturnotwendig insofern weniger exklusiv sein als die Partei. Vom Parteigenossen wird die gewerkschaftliche Betätigung ohne weiteres gefordert, sie resultiert für ihn aus dem Programm und seiner reiferen Erkenntnis. Er würde sich eines groben Verstoßes gegen die parteigenossenschaftlichen Grundsätze schuldig machen, wollte er die gewerkschaftliche Organisation ignorieren. Der gewerkschaftlich Organisierte dagegen soll erst durch langwierige, geschickte Erziehungsarbeit für die politische Partei gewonnen werden. Einen Zwang zur politischen Mitarbeit kann die wirtschaftliche Organisation nicht aussprechen. Je mehr sich die Zusammengehörigkeit von Partei und Gc- werkschaft im Bewußtsein der Parteigenossenschaft festsetzt, je strenger die Partei gewerkschaftliche Unterlassungssünden ihrer Mit- glicder verurteilt, um so notwendiger werden gewisse Regelungen. Die Gewerkschaften können sich nicht als grundsätzlich autonom be- trachten, sie müssen ihr Verhalten in seiner Rückwirkung auf die gesamte Arbeiterbewegung, auf die Partei, werten. Aus diesen Gedanken heraus ist dem Parteitage in Essen folgender Antrag unterbreitet worden: „In Erwägung, daß der Ausschluß au? einer Gewerkschaft dem davon Betroffenen das Brandmal der Ehrlosigkeit aufdrückt, in weiterer Erwägung, daß die Partei eine derartige Brand- markung eines ihrer Mitglieder auf die Dauer nicht ignorieren kann, beantragen die Parteigenossen des 4. sächsischen Reichstags- Wahlkreises: daß der Partcivorstand mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands eine für die Gewerkschaften einheit» liche Regelung der Ausschlußgründe und des AusschlußvcrfahrenS vereinbart. Als letzte Instanz in Ausschlußsachcn, bei denen ein Parteimitglied in Frage kommt, hat auf Verlangen des Aus- zuschließenden, das an die Gencralkommission der betreffenden Gewerkschaft zu richten ist, ein Schiedsgericht zu fungieren, das aus Mitgliedern der Gewerkschaft besteht, die zur Hälfte von dem Auszuschließenden, zur anderen Hälfte vom Gewerkschafts- vorstände zu bestimmen sind. Als unparteiischer Vorsitzender fungiert ein Beauftragter des Parteivorstandes, der nicht der betreffenden Gewerkschaft angehört. So lange das Ausschluß- verfahren nicht seinen endgültigen Abschluß gefunden hat und soweit eS sich nicht um Streikbruch, Veruntreuung oder Zahlungs- Verweigerung handelt, ist der Auszuschließende noch im Besitze seiner Rechte und Pflichten zu belassen." Der Ausschluß aus einer Gewerkschaft ist das moralische Todesurteil des davon Betroffenen. Gerade weil den Arbeiter- organisationen keine anderen Zuchtmittel zu Gebote stehen, darf auch dem Ausschluß nichts von seiner infamierenden Wirkung ge- nommen werden. Im Gegenteil I Dann aber muß andererseits Sicherheit dafür geboten werden, daß diese EhrloSmachung nur nach genauester Prüfung der Tatsachen und nur bei wirklichen „Kapitalverbrechen" angewandt wird. Es führt zu unhaltbaren Zuständen, wenn gewissermaßen zwei verschiedene Strafgesetzbücher und Ehrbegriffe die politische und gewerkschaftliche Arbeiterschaft beherrschen und trennen. Sieht sich die Parteigenossenschaft eines Ortes plötzlich vor den Ausschluß eines ihrer Mitglieder aus der Gewerkschaft gestellt, ohne daß in den Augen der Parteigenossen dem Betreffenden wirklich ein Kapitalverbrechen, eine ehrlose Handlung nachgewiesen worden ist, so kann die Partei gar nicht anders, als den Ausschluß ignorieren. Damit wird aber einerseits die abschreckende Wirkung eines Ausschlusses abgestumpft, und andererseits eine Fülle von lokalen Anzapfungen und Streitigkeiten heraufbeschworen, die das Parteileben vergiften. Sieht man die Gewerkschaftsstatuten auf die Regelung dcS Ausschlusses hin durch— es find 40 Statuten verglichen worden—> so begegnet man einem bunten Vielerlei von Ausschlußgründen. Den Ausschluß wegen Beitragsrückstand— er wird in einigen Statuten als„Streichen aus der Mitgliederliste" vom formellen Ausschluß unterschieden— lassen wir beiseite und bemerken nur, daß die Gnadenfristen bei Beitragsrückständen bei den verschiedenen Organisationen zwischen 4 Wochen und 13 Wochen differieren. Als weiterer Ausschlußgrund werden dann zumeist aufgezählt: Handlungen, die den Verband schädigen oder den Jnteresfen des Verbandes entgegenwirken. Einige Statuten sprechen von„wissentlicher" Verbands- schädigung. Mehrfach wird besonders aufgezählt: Streikbruch, betrügerische Erschleichung von Unter st ützungen und Veruntreuung von Verbandseigentum. Bei Buchbindern und im Sencfelder Bund ist die Ausschlußstrafe sogar schon auf falsche Angaben im Aufnahmeformular gestellt. Neben der„Verbandsschädigung" heben eine Reihe von Etatuten noch das Delikt einer Schädigung der Mit- glieder hervor; so erfolgt Ausschluß aus dem Verbände der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter, wenn„ein Mitglied sich grober Schädigung des Verbandes oder der Arbeiterinteressen seiner Mit- glieder" schuldig gemacht hat". Bei den Böttchern und Konditoren wird die Schädigung der„gewerblichen Interessen der Mitglieder" aufgeführt. Eine weitere Kategorie von AuSschlußgründcn umfaßt den Ungehorsam»cgenüber Verwaltungsanordnungen,„soweit solche durch das Statut begründet sind". Bei Holzarbeitern, Maschinisten und anderen rechtfertigt erst„beharrliche" oder„wiederholte" Weigerung den Ausschluß. Schließlich gelten auch„Verbrechen und Vergehen, denen eine gemeine Gesinnung zugrunde liegt"(Hutarbeiter-, Buchdrucker- Statut),„entehrende Handlungen"(Gemeindearbcitervcrband), „unmoralischer Lebenswandel"(Porzellanarbeiter) als Ausschluß- grund. Neben derartigen Ausschlußbestimmungen finden sich andere, die einiges Kopfschütteln erregen dürften. Zum Beispiel heißt cd im Statut des Deutschen TabakarbeitervcrbandcS§ lük:„Der Verlust der Mitgliedschaft tritt ein, wenn gegen ein und dasselbe Mitglied wegen ungebührlichen Betragens dreimal be- rcchtigte Beschwerde beim Vorstände eingereicht wurde." Im Statut der Zimmerer ist ein Ausschluß auf unbestimmte Zeit vor- gesehen,„wenn Mitglieder fortgesetzt die Tätigkeit der Zahlstelle Stören", Der§ 19 des Statuts des Metallarbeiterverbandes verbietet das Austragen persönlicher Streitigkeiten in den Mitgliedevber- sammlungen,„ganz gleichgültig, ob es sich um Mitglieder handelt, die ein besoldetes oder Ehrenamt im Verband bekleiden oder nicht". Wer gegen diese Bestimmungen verstößt, kann nach wiederholter Verwarnung auf bestimmte Zeit vonden Mitglieder- Versammlungen ausgeschlossen werden. Erweist sich auch diese Maßregel als ungenügend, kann Ausschließung aus dem Verbände erfolgen. Bei einer subjektiven Ge- schäftsführung kann mit Hülfe dieses Paragraphen jeder noch so berechtigte Angriff gegen Verwaltungsbcamte als eine„perfön- liche" Streitigkeit erklärt werden. Alles in allem genommen zeigen die Paragraphen der Gc- Werkschaftsstatuten, die sich mit dem Ausschlüsse befassen, kein ein- heitliches Bild, und wollte man nach dem Wortlaut gehen, so hätten Mitglieder in der einen Gewerkschaft einen viel größeren Spielraum der Straflosigkeit als in der anderen Gewerkschaft. Es liegt somit ebenso im Interesse der Einheitlichkeit der deutschen Gewerkschaftsbewegung wie im Interesse des gedeihlichen Ver- hältnisscs von Partei und Gewerkschaft, eine„einheitliche Regelung der Ausschlußgründe" für alle Gewerkschaften zu treffen. Man könnte dabei u. E. von einer Detailaufzählung absehen, eine all- gemeine Fassung wie„ehrloses, unsolkdarisches, Verbands- schädigendes Verhalten" könnte genügen, wenn nur ein gleich- mäßiges Beschwerde- und Berufungsverfahren gegen schikanöse Auslegung schützt. Die Regelung des Ausschlußverfahrens selbst ist daher die bedeutsamste Aufgabe. Die meisten Gewerkschaftsstatuten stellen folgenden Instanzenweg auf: gegen den vom Vorstande auf Antrag der lokalen Verwaltung oder lokalen Mitgliedschaft ausgesprochenen Ausschluß steht dem davon Betroffenen Beschwerde an den Aus- schütz und die Generalversammlung zu. Sehr verschieden sind wieder die Fristen für die Beschwerdeeinlegung, sie wechseln von 8 Tagen bis zu L Jahren. Ebenso buntscheckig sind die Be- stimmungen über Wiederaufnahme eines Ausgeschlossenen. Der Antrag der sächsischen Genossen verlangt als letzte Instanz, gewissermaßen als parteigenössisches Reichsgericht, ein Schicds- gericht, das zur Hälfte vom Auszuschließenden, zur anderen Hälfte vom Gewerkschaftsvorstande zu bestimmen ist. Ein ähnlich ge- bildetes Schiedsgericht sieht z. B. das Statut der Bildhauer vor. Auf den ersten Blick möchte es beftemdend erscheinen, daß der vorliegende Antrag dem Parteivorstande die Funktion des Vor- sitzenden zuweist. Aber ist eS fo unerhört, daß gerade bei Schieds- gerichten ein unparteiischer Leiter„aus der Fremde" geholt wird? Wir denken nicht nur an völkerrechtliche Schiedsgerichte, wo man den Papst, den deutschen Kaiser herbeigerufen hat; alle sozial- politifchen Gerichte(die Gerichte der Arbeiterversicherung, Ge- werbe- und Kaufmannsgerichte) unterscheiden zwischen Beisitzern aus den Streitparteien im weitesten Sinne des Wortes und dem unparteiischen behördlichen Vorsitzenden. Dadurch, daß so das Verfahren einheitlich geregelt und der Streitstoff schließlich dem Parteivorstande vorgelegt wird, ist dieser mit der Materie vertraut, und der Entscheid kann dann auch ohne Gefahr für die Parteigenossenschaft bindend werden. Damit wäre ein gut Teil der„Unstimmigkeiten" zwischen Partei- und Gewerkschaftsgenossen beseitigt. Und wer an einem Orte gelebt hat, wo ein in der politischen Bewegung reges und tüchtiges Mitglied mit dem Makel des Ausschlusses aus seiner Gewerkschaft behaftet ist, wird verstehen, daß der Wunsch lebendig ist, die Regelung des Ausschlußverfahrens— vollziehe sie sich in den vorgefchlagenen Bahnen oder finde man bessere Wege— möchte nicht auf die lange Bank rein theoretischer Erwägungen abgeschoben werden. 14. D. Die russische Revolution. Der Regierungsbericht über die Ereignisse in Odessa. Der„Russ. Korresp." wird aus Petersburg geschrieben: Amtlich wird über die Ereignisse in Odessa mitgeteilt: „Am 18. August explodierte eine Bombe, wobei Leutnant Kasaroff getötet wurde und einige Schutzleute mit Verwun- düngen davonkamen. Am selben Tage wurden auf verräterische Weife zwei Schutzleute und ein Gehülfe des Polizeikommissars getötet. Diese Umstände und die Nachricht von der Ermordung des von allen verehrten ehemaligen Gcneralgouverneurs von Odessa, General Karangosoff, im Kaukasus, riefen eine große Erregung unter der russischen Bevölkerung von Odessa hervor, die sich in einer großen Anzahl von Gewalttaten äußerte, die hauptsächlich gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet waren. Am selben Tage wurde abends ein Jude getötet und drei verletzt. Am 19. August fanden in verschiedenen Stadtteilen Zusammen- stöße statt, wobei neun Juden verwundet wurden, von denen einer starb. Außerdem trugen 17 Personen leichtere Ver- letzungen davon. Am 20. August wurden zwei Personen durch Feuer schwer, neun wurden leicht verletzt. Am 21. August wurden zwei verletzt. Llm 22. August wurde bei eiuem Ueberfall von bewaffneten Anarchisten auf die Polizei und eine Gruppe von Mitgliedern des„Verbandes des russischen Volkes" eine Person verletzt, eine andere erlitt eine Brandwunde. In diesem Falle wurde der Jude Feigermann und der Russe Baranoff an- gehalten und dem Kriegsgericht übergeben. Am 23. August wurden drei Perfonen leicht verletzt. Am 24. August wurde der Schüler Zesfarski verhaftet, weil er auf den„Verbündler" Satschessotschni geschossen hatte. Zur Einstellung der beschriebenen Unruhen wurden von den örtlichen Behörden energische Maßregeln(?) getroffen." Der Bericht zählt dann diese famosen Maßregeln auf, erwähnt großtuerisch das Verbot von zwei patriotischen Zeitungen, die Artikel aufrührerischen Charakters abgedruckt hatten und fährt fort: „Während der angegebenen Tage sind 22 Mitglieder des „Verbandes des russischen Volkes" verhaftet worden. Es sind aber Anhaltspunkte dafür da, daß einige Verhaftete, die sich als „Verbändler" ausgegeben haben, überhaupt nicht zum„Verbände des russischen Volkes" gehören." Dieser offizielle Rcgierungsbericht ist, trotz seiner Ober- flächlichkeit und Zweideutigkeit, ein schweres Anklagedokumcnt gegen die Behörden von Odessa. Es wird darin von der natür- lichen Erregung der Bevölkerung gesprochen, die durch die Nach- richten von der Ermordung Karangosoffs entstanden sein soll. Nun erfolgte aber der„Zorncsausbruch" der Odessaer Bevölke- rung alias des„Verbandes des russischen Volkes",— denn tatsächlich wurden nach dem Regierungsberichte selbst nur„Ver- bändler" verhaftet— erst eine geraume Zeit nach der Er- mordung des traurig-berühniten Generals Karangosoff!— Es ist also befremdend, daß ein so sckMrffinniger Pshchologe, wie der General Kaulbars, der das Barometer der öffentlichen Stimmung so gut zu lesen verstand, vorher keine Maßregeln zur Verhütung des„Zornesausbruches" des„Verbandes des russischen Volkes" traf.— Hier gesteht also der Megierungsbericht, der wohl von KaulbarS selbst verfaßt ist, indirekt zu, daß die örtlichen Be- Hörden es nicht für nötig hielten, dem„Zornesausbruch" der„Be- völkerung" vorzubeugen.— Auffallend ist an dem Bericht, daß die Zentralregierung, auf die allein die Verantwortung für diese Veröffentlichung fällt, trotz der handgreiflichen Beweise den „Verband des russischen Volkes" reinzuwaschen bestrebt ist.�„Es sind aber Anhaltspunkte dafür da, daß einige Verhaftete, die sich als„Verbändler" ausgegeben haben, überhaupt nicht zum„Ver- bände des russischen Volkes" gehören."— Bleibt also die Frage offen, welchen Grund hatten denn die Verhafteten, sich als„Ver- bändlcr" auszugeben, wenn sie nicht von dem Vater des„Ver- bandes des russischen Volkes", General KaulbarS, mildernde Um« stände erwartet hätten? General Kaulbars hat sich durch seinen eigenen Bericht schwer belastet. Er hat nichts getan, um die Un- ruhen zu verhindern. Der Wert solcher Regierungsberichte ist gleich Null. Sit widersprechen sich meist selbst und haben nur den einen Zweck. die schuldigen Behörden reinzuwaschen. Diesen aber geben sie klar zu erkennen, daß sie unaestraft in ihrem Treiben fort- fahren können. Die ZwanzipillioDen-lililitäriteuer. Helsingfors, 11. September.(Eig. Ber.) In einer langen Sitzung, die bis tief in die Nacht dauert?» beriet gestern die finnische Volksvertretung über die wichtige Frage der Militärsteuer. Die zarische Regierung an der Newa braucht nichts notwendiger als Geld, und der finnische Senat, mit dem von Bobrikoff des Landes verwiesenen Senator Machelin an der Spitze, ist gern bereit, die Millionen weiter zu zahlen, ja er sieht diese Millionensteuer als eine Garantie für seine Regierung an. Es besteht darüber gar kein Zweifel, daß Finnland immer tiefer der Reaktion entgegentreibt. Seit mehr als einem Jahre häufen sich die Beweise dafür täglich. Die sogenannten„Konstitu- tionalisten", d. h. die S v e o m a n e n und die I u n g f i n n e n, die ehemals der Regierungspartei gar nicht genug opponieren konnten, haben alles„vergessen" und versuchen es der Kosaken- regierung in Punkts Reaktion noch zuvorzutun. Daher konnten die Vertreter dieser Parteien gestern in ihren Reden die Zukunft Finnlands nicht dunkel genug ausmalen für den Fall, daß die Volksvertretung die Millionen etwa nicht bewilligen wollte: Die Auflösung der Volksvertretung würde die unausbleibliche Folge sein und Rußland würde Finnland mit einer Gewaltherrschaft überziehen, welche die Bobrikoffs noch in den Schatten stellte. Die Bewilligung der 20 Millionen bedeutet also gleichsam eine verhältnismäßig geringe Summe zur Siche- rung einer ruhigen EntWickelung Finnlands.— Einer bürgerlichen Frau, der Abgeordneten Neovius, blieb es vorbehalten, diese Ein- schüchterungsmcthode zu geißeln, und sie sagte, daß es doch Männern nicht ziemen sollte, auf ihre Kollegen dadurch ein- wirken zu wollen, daß sie ihnen in den dunkelsten Farben aus- malten, wie die Reaktion im Lande sich breit machen würde, falls man die 20 Millionen nicht bewillige. Die Volksvertretung wäre nicht der Ort,, wo man mit Mitteln, die in die Kinder- stube rückständiger Mütter gehören, operierte!! Zu Anfang der Beratung gab übrigens der Vizepräsident deS Senats— der Präsident ist der Generalgouverneur— Senator Mechelin einige Erklärungen darüber ab, welche Schritte der Senat in der Militärfrage getan und— verschwand.<.. Die Stühle der Senatoren blieben leer, wie immer. Es hat wirklich bald den Anschein, wie eine Zeitung der Regierungspartei sich kürzlich ausdrückte: Die Volksvertretung sei ja eigentlich eine Spielerei! Hauptsache ist eine starke Regierung, das bedeutet: ein möglichst eigenmächtiger Senat!— Geht es also nach dem Sinne der Konstitutionalisten, so ist Finnland von einer wirklich parlamentarischen Verwaltung noch sehr fern. Die sozialdemokratische Fraktion hatte sich vorge- nommen, hauptsächlich in der dritten Lesung der Vorlage in die Diskussion einzugreifen, nachdem die bürgerlichen Parteien einander die Haare gerupft und den Weg gefunden, sich der Regierung zu Willen zu zeigen. Aber es traten nun doch mehrere Genossen auf, um zu zeigen, wie widersinnig das Schein- gezänke der bürgerlichen Parteien ist, da sie doch alle ent- schlössen sind, die Millionen zu be w i 1 1 i g e n! Mit beißender Ironie bewies Genosse S i r o l a den Konstitutionalisten S y b e r g- s o n und R e n n v a l, wie ohnmächtig sie doch seien', wenn sie die„Ruhe" Finnlands durch die Bewilligung der Millionen er- kaufen zu können glaubten. Als Genosse Saniert Nuorteva spät in der Nacht sich zum Worte nicldete und den Standpunkt der Fraktion klar aus- drückte, herrschte im Saale eine furchtsame Stille, und der Prä- sident der Volksvertretung hielt seinen Ordnungshammer(das Präsidium regiert hier nicht mittelst Glocke, sondern mit einem hölzernen Hammer) krampchaft umklammert, damit er die Rede „rechtzeitig" unterbrechen konnte. Doch es kam dazu nicht, viel- leicht, weil der Präsident selber ein bitterer Gegner der St. Peters- burgcr Regierung ist. Da er aber einmal geschworen hat, die Rechte des Großfürsten za wahren, mußte er nun doch auf- passen, daß Genosse Nuorteva in den„zulässigen" Grenzen verblieb. Nuorteva sagte ettoa folgendes: Ich will weniger die rechtliche als die faktische Seite dei Frage berühren. Tatsache ist, daß wir unsere Freiheit— wenn wir den gegenwärtigen Zustand noch so nennen können— nicht der Gnadensonne der zarischcn Regierung, sondern der russi- schen Freiheitsbewegung zu verdanken haben. Das Geld, welches wir jetzt bewilligen sollen, würde der russischen Regierung die Möglichkeit vergrößern, gegen den Freiheitskampf in Rußland noch fürchterlichere Mittel zu gebrauchen. Wir wären höchst undankbar gegen diese Helden, die ihr Blut für das höchste Gut der Nationen Rußlands verspritzt haben, und wir würden sie verraten, wenn wir die Mittel der zarischcn Regierung durch unsere Bewilligung vergrößern wollten. Es ist daher ganz s e l b st- verständlich, daß w i r das nicht tun werden. Die Konstitu- tionalisten, die ehemals sehr kampfbereit waren, sind jetzt ängstlich: sie haben die Regierung zu verlieren! Sie fürchten die Reaktion, aber wir stecken schon tief darin, und die Regierung der Konsti- tutionalisten führt uns täglich tiefer hinein..... Kommt es zur Auflösung der Volksvertretung, so wollen wir sie mit 20 Millionen nicht zu erretten suchen, es wäre auch ganz"er- geblich, da die heutige Vorlage gai! nicht der einzige Punkr von unseren Beschließungen ist, der den Gewalthabern an der Newa nicht gefällt...... Unsere Lage ist jetzt weit weniger hoffnungs- los als während der Bobrikoffschen Aera. Damals suchten die Konstitutionalisten daL Volk zum Kampfe zu erwecken, weil dir Gewalthaber Grundgesetze verletzt hatten, die dem Volke zum großen Teil unbekannt waren. Das Volk konnte sich also für Sachen, die ihm unbekannt waren, nicht begeistern. Heute ist das Volk bereits viel aufgeklärter in politischen Dingen, es hat schon eine bedeutende politische Tat hinter sich, die von Erfolg gekrönt wurde und die zu ähnlichem anspornt. Und die Forderung von 20 Millionen ist klar und allen deutlich. Diese Millionen sollen aus den Mitteln des finnischen Volkes entnommen werden. Das versteht der schlichteste Mann aus dem Volke. Wir können also ganz gewiß sein, daß das Volk mit uns ist, wenn wir Nein sagen. Jeder weiß, daß das Volk auch heute mit weit größerem Interesse auf seine Vertretung sieht und sehr unzufrieden mit seinen Ver» tretern sein würde, wenn hier die Erwartungen des Volkes ver- raten würden,..,, Die Bürgerlichen sagten dem Genossen Nuorteöa nach seiner Rede„privatim", daß sie ja ebenso dächten, aber es ginge doch nicht an, das öffentlich auszusprechen!„Was würden die Feinde Finnlands in der russischen Presse sagen?"—- * Die zweite Lesung konnte noch keine Entscheidung bringen, und die Vorlage wurde an einen Ausschuß verwiesen. Unsere Genossen glauben jedoch, daß sie fallen wird; denn die Sozial- demokraten(80) und der Bund der Kleinbauern(II) werden ja wohl geschlossen dagegen stimmen, und sie dürften dabei einige radikalere Bürger auf ihrer Seite haben. Hus der Partei. Zum Parteitag. Die Generalversammlung des Wahlvercins Fürth-Erlangen-Hersbruck-Lauf hatte bekanntlich auf An-trag des Genossen Mörsberger an den Parteitag den Antrag gestellt:„Der Parteitag möge beschließen, daß in Zukunft bei Abstimmungen über Sozialgesetze, auch wenn sie unsere Forderungen nicht voll er- füllen, die Fraktion ihre Zustimmung gibt."— In der Versamm- lung des Ortsvereins Fürth beantragte nun Genosse S e g i tz, den Delegierten zu beauftragen, auf dem Parteitage gegen diesen Antrag zu stimmen, falls er nicht zurückgezogen werde. Der Antrag sei prinzipiell und taktisch verfehlt. Er käme einer Aufforderung gleich, von unseren Anträgen in den Parlamenten möglichst wenig zu genehmigen, weil ja unsere Abgeordneten unter allen Umständen für die Gesetze stimmen müßten! Der Antrag wurde schließlich vom Antragsteller zurückgezogen.— Sozialdemokratische Kandidaten in Kroatien. Zum erstenmal werden die Sozialdemokraten Kroatiens in den Wahlkampf treten. Doch nicht nur im Kampfe für die Landtags- Mandate wollen sie ihre Kräfte versuchen, auch in den Gemeinde- Vertretungen wird der Kampf versucht werden. So werden bei den Gemeinderatswahlcn der slavonischen Hauptstadt E s s e g die Sozialdemokraten diesmal im dritten Wahlkörpcr ihre eigenen Kandidaten aufstellen. Die Aussichten sind sehr günstig. Der Wahlaufruf der Esseger Genossen wendet sich auch an die Klein- mcister und Kleinbesitzer. Die Wahl findet Ende September statt. poliLeilicKes, Ocrichtlichea ufw. Als festgestellt und erwiesen angenommen hat das Landgericht Halle a. S. wieder einmal einen„Aufzug", den die Genossen von Schkeuditz und Umgegend am 1. Mai veranstaltet haben sollen. Nach der Morgcnversammlung am 1. Mai in Wehlitz amüsierte man sich bei Gesang und Konzert, und am Nachmittage wollte eine Gruppe einen Spaziergang nach einem Nachbardorfs unternehmen. Als aber auf der Landstraße zwei Musiker dazu„einen aufspielen" wollten, kam ein Gendarm hinzu und verbot den„Aufzug". Der Mann des Gesetzes ließ sich aber schließlich belehren und erklärte dem Genossen Arthur Wenzel, man könne schon„ein bißchen" Musik machen, die Spieler müßten aber zehn Minuten vor dem Dorfe aufhören. Die Spaziergänger setzten nun ihren Weg ungeniert fort, bis drei weitere Gendarmen angekeucht kamen. Die„Staatsrettung" setzte ein mit Feststellung der Personalien der Spaziergänger; es hagelte 28 Strafmandate ä 5 M.; das Schkeuditzer Schöffengericht fand„nur" II Teilnehmer„schuldig" und sprach die übrigen frei. Der Amtsanwalt wollte aber nach dem Grundsätze:„Gleiches Recht für alle" auch noch die 17 Frei- gesprochenen bestraft wissen und legte deshalb Berufung bei der Strafkammer ein; denn alle Teilnehmer hätten„bewußt zu- sammengewirk t". Das Berufungsgericht kam dem Wunsche nach und verurteilte alle, da festgestellt sei, daß sich„eine v e r- einte Menschenmenge belouht zusanrmengetan" und die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt habe.-- Hus Industrie und Kandel. Finanzpolitik der großen Reedereien. Die Hamburg-Amerika-Linie, der Norddeutsche Lloyd und die drei nächstgrößten Hamburger Reedereien, die Deutsche Dampfschiff- fahrts-Gesellschaft„Kosmos", die Hamburg-Südameritanische Dampf- fchiffahrts- Gesellschaft und die Deutsch- Australische Dampfschiffs- Gesellschaft haben in den Jahren 1001 bis 190S für Neubauten von Schiffen(einschließlich Anzahlungen auf Neubauten) nicht weniger als rund 353 Millionen Mark aufgewandt und davon 220 Millionen aus Abschreibungen und Neservestelluugen und 62 Millionen aus dem Berkauf von Schiffen und der Entschädigung für verlorene Schiffe, zusammen also aus diesen Quellen 282 Millionen Mark bestritten. In derselben Zeit vermehrte sich ihr Aktienkapital und ihre Obli- gationsschuld um die im Vergleich dazu geringe Summe von nur 67 Millionen Mark, unter Berücksichtigung der in derselben Zeit er« folgten Tilgung von Obligationen. Was speziell die beiden großen Reedereien angeht, so stellen sich bei ihnen die Ziffern für denselben Zeitraum folgendermaßen: Hamb.-Amerika-Linie Nordd. Lloyd Millioneil Mk. Millionen Mk. Abschreibungen u. Reservcstellungen 91- 90 Kapitalvermehrung...... 8i 81 Erlös aus verkauften Schiffen und Entschädigung für verlorene.._ 31_ 19_ zusammen.. 162 110 Neubauten......... 151 130 Die Differenz zwischen der Summe de? aufgewandten Kapitals und der Summe der Neubauten erklärt sich daraus, daß die beiden Gesellfchaften in den letzten Jahren größere Beträge in Anlagen und Beteiligungen(die Hamburg-Amerika-Linie namentlich in Grundbesitz s» Hamburg und an anderen Orten) festgelegt haben. Gegen SchiffahrtSabgaben. In der„Zeitschrift für Agrarpolitik", dem Organ dcS Deutschen Landwirtschnstsrats, veröffentlicht dessen Generalsekretär Herr Universitätsprofessor Dr. Dade eine längere Abhandlung zur Frage der Schiffahrtsabgaben, die in seinem staatSwissenschaftlichen Seminar ein Herr cand. jur. Ohse-Bcrlin ausgearbeitet hat und die, wie Ivir der„Korrespondenz gegen SchiffahrtSabgaben" entnehmen, unter sorgfältiger Benutzung alles einschlägigen Materials zu recht inter- essauten Ergebnissen kommt. Der Verfasser behandelt zunächst die Berechtigung der Schiffahrtsabgaben unter historischem Gesichtspunkt und die gegenwärtige Rechtslage und kommt dabei zu dem Schluß, daß ihre Einführung nach dein gegenwärtigen Wortlaut der Ver- fasiung unmöglich und die Abänderung derselben, bezw. der für die Frage mit in Betracht kommenden Staatsverträge, auf Schwierigkeiten stoße. Dann aber geht er ausführlich auf„die wirtschaftliche Seite der Frage" ein und dieser Abschnitt interesiert uns ins- besondere. Herr Ohse bestätigt zunächst in vollem Umfange die Tatsache, daß die Stromregnlierungsarbeiten in sehr erheblichem Umfange auch ohne Rücksicht auf die Interessen der Schiffahrt vorgenommen -verden müßten, wegen der schweren Schäden, welche die andern- falls eintretende Versandung und Versumpfung der Borflutrinne füa die Anlieger, d. h. für die Landwirtschaft, mit sich bringen müsse. Die Vorteile der Schiffahrt aus der Abgabenfreiheit würden bei niedrigen Abgaben bestehen bleiben, bei hohen dagegen, welche wirklich die Kosten decken, würden die Schiffahrttreibcnden je nach- dem entweder verarmen oder die Kosten abzuwälzen wissen. Elfteres sei eine schwere 5lalamität, letzteres aber ivürde auf die Landwirtschaft selbft zurückfallen. Wie sehr diese zunehmend siir ihre Produkte den Wassertransport benutzt� zeigte eine Betrachtung der Getreideeinfuhr nach Berlin. Für diese ist von 187ö/6 bis 1896/8 der Transport per Schiff gestiegen von 27,6 auf 66,7 Proz., per Eisenbahn gesunken von 72,5 ans 33,3 Proz. I „Die Erklärung, daß die Abgabefreiheit auf den Wasserstraßen die Schutzzölle illusorisch mache, trisst wohl nicht zu, im Gegen- teil würde wohl die einheimische Landwirtschaft eine Abgaben- belastung zuerst schwer empfinden. Die Schiffahrt hat kein Interesse daran, mit zu geringem Gewinn, ja evenr. mit Verlust zu befördern und müßte die Frachtsätze erhöhen, so daß Eisen- bahn- und Schiffbeförderung sich gleichkämen. Die Landwirtschaft müßte infolgedessen ihre Preise erhöhen und könnte dadurch auch nicht dem ausländischen Getreide konkurrierend entgegentreten, zumal da die einheimische Landwirtschaft im Verhältnis zur aus- ländischen weniger gute Wasserstraßen zur Verfügung hat. Ist doch jetzt sogar ein bedeutender Preisunterschied zwifchen Posen- Weftpreußen einerseits und Hamburg-Köln andererfeits vor- handeil." Zum Schluß erörtert der Verfasser die finanzielle Bedeutung der Abgaben und kommt auch hier zu negativem Resultat. Ohse fragt: „Und was bei den Chausseen nicht möglich war, soll es bei den Wasserstraßen sein, die noch weniger Verkehr und noch mehr Kosten aufzuweisen haben? Wenn auch die Abgaben für die Be- Nutzung besonderer Anstalten deren Jilstandhaltüngskoften aufzubringen vermögen, so ist das bei Abgaben für die Benutzung des Wasserweges allein schon durch die damit verbundenen ErhebungS- kosten großenteils illusorisch gemacht." Nun werden die Junker wohl einlenken und sich aus— nationalen und aus Gründen der Volkswohlfahrt gegen die Schiffahrts- abgaben erklären._ Eine Berichtigung Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Landrat als Vorsitzender des KrcisausschusseS, B. III. 11038/07. Kattowitz, den 11. September 1907. Mit Bezug auf den in Nr. 206 des„Vorwärts" vom 4. Sep- tember 1907 veröffentlichten Artikel„Ländliche und städtische Sparkassen" veranlasse ich die Redaktion unter Hinweis auf Z 11 des Preßgesetzes, in die nächste Nummer des„Vorwärts" folgende Berichtigung aufzunehmen: 1. Es ist nicht wahr, daß die städtische Sparkasse in Kattowitz bei einem Zinssatze von 3 Proz. festhalten muß. Der Stadt ist es vielmehr unhenonlmen, den Zinssatz von 3 Proz., an den sie weder durch gesetzliche oder statutarische Be- stimmungen noch durch Anordnungen der Aufsichtsbehörde gebunden ist, jederzeit auf 3:& Proz. zu erhöhen. Im Interesse der kleinen Sparer wäre eine derartige Zinserhöhung sogar erwünscht. 2. Ferner ist unwahr, daß die Kreissparkasse 93 Proz. ihrer Bestände in Hypotheken angelegt hat. Tatsächlich beträgt der Effcktenbcstand der Kreissparkasse 23'/.» Proz. der Einlagen, während die städtische Sparkasse nach ihrem letzten Abschluß nur einen Effektcnbestand von 22'/.- Proz. der Einlagen hat. Die Kreissparkasse ist also liquider als die städtische Sparkasse. Die aus den diesen Tatsachen widersprechenden Ausführungen des erwähnten Artikels gezogenen Schlußfolgerungen sind hiernach falsch. Name unleserlich. Wir bemerken zu dieser Berichtigung, daß wir die in unserem Artikel in Nr. 206 vom 4. September„Ländliche und städtische Sparkassen" über die ungleichmäßige Behandlung der Kattowitzer Sparkassen gemachten Angaben der in Hannover erscheinenden volkswirtschaftlichen Zeitschrist„Diie Sparkasse", Nr. 602 voin 1. April er., Seite 183, entnommen haben, welche von der „Sparkasse" bisher nicht widerrufen sind, die auch ergibt, daß der erste Bürgermeister Pohlmann in Kattowitz das Verhältnis der beiden in Kattowitz bestehenden Sparkassen in der letzten Stadt- verordnetensitzung erörtert und dabei die von uns wicdergcgebenen Mitteilungen gemacht habe. Hiernach habe er dabei ausdrücklich gesagt, daß der Kreis-Sparkasse der Stadt-Sparkasse gegenüber seitens der Auffichtsbehürde gewisse Erleichterungen gewährt werden, so daß die Kreis-Sparkasse mit Proz. verzinsen kann, während die Stadt an einem Zinsfuß von 3 Proz. festhalten müsse.„Der Oberpräsident schreibe der Stadt nämlich vor, daß nur höchstens zwei Drittel der Einlagen zu Hypotheken ausge- liehen werden dürfen. Der Kreis hingegen sei von dieser Be- schränkung befreit. Es liege offenbar eine Unbilligkeit darin, wenn an einem Orte zwei Kassen unter verschiedenen Bedingungen existierten. Den Grund der Benachteiligung könne man absolut nicht begreifen. Unter solchen Bedingungen könne die Sparkasse den Zweck nicht erfüllen, der Allgemeinheit zu dienen. Er, Redner, hoffe, den Oberpräsidenten von seinem Standpunkt abbringen zu können. Wenn nicht, dann müsse man in voller Oeffentlichkeit energisch Stellung zu der verschiedenartigen Behandlung nehmen. Kaufmann Guttmann stellte den Antrag, den Magistrat zu energischen Maßnahmen zu veranlassen. Ihm sei bekannt, daß die Kreis-Sparkasse 93 Proz. der Einlagen zu Hypotheken verwende. Die Behandlung der Stadt- Sparkasse bedeute eine Ungerechtigkeit, wie sie krasser nicht gedacht werden könne. Der Antrag Guttmann wurde einstimmig an- genommen." Soweit die bisher nicht widerrufenen Angaben der „Sparkasse" vom 1. April er. Wenn es jetzt der Stadt-Sparkasse in Kattowitz ebenfalls unbenommen ist, den Zinsfuß von 3 Proz. auf SVi Proz. zu erhöhen, und wenn der Effektcnbestand beider Kassen inzwischen eine ziemlich gleiche Höhe erhalten hat, so ist das ja nur gerecht. Die Behauptung des Herrn Landrats aber, daß durch einen größeren Bestand an Reichs- und Staatspapieren die „Liquidität" der Sparkasse erhöht werde, wird in ihrer Faden- scheinigkeit schon dadurch gekennzeichnet, daß die Sparkassen bei Rückforderungen nur selten von der in ihren Statuten vor- gesehenen Kündigungsfrist Gebrauch machen, die aber eventuell ihre Liquidität besser schützt, als der schnelle Verkauf ihrer Reichs- und Staatspapiere, der, wenn nötig, dann sicher nur unter schweren Verlusten zu bewerkstelligen wäre. Soziales. Die Knappschasts-Berufsgenosscnschast im Jahre 1906. Der soeben für das Geschäftsjahr 1906 herausgegebene Ve- richt muß wieder die traurige Tatsache feststellen, daß die Berg- leute im Kampfe ums Dasei», im Niilgen um daS tägliche Brot, dem Grubenkapital, der Profitgier der„Bergwerksherren" ganz erhebliche Opfer an Leben und Gesundheit bringen mußten. Im Berichtsjahr waren in allen acht Sektionen der Bcrussgcnossen- schaft 689 248 Personen gegen 647 453 im Jahre 1905 versichert. An Löhnen wurden 891 222 054 M. gegen 769 872 683 M. im Jahre 1905 gezahlt. Das ist auf einen Versicherten im Berichtsjahr 1293,04 M. Lohn. Bei allen acht Sektionen wurden insgesamt 87 892 Unfälle gemeldet. Auf 1000 versicherte Personen kamen 127,52 Unfälle. Nach den einzelnen Wochentagen berechnet, weist der Sonnabend mit 14 974 Unfällen die höchste Ziffer auf. In den Vorjahren hatte der Dienstag die höchste Unfallziffer aufzu- weisen. Die Ursachen hierfür wurden von der Berufsgenossen- schaft just in dem„Blaumachen" am Montag erblickt. Worin dann die Ursachen für die hohe Uufallziffer am Sonnabend zu suchen sind, darüber läßt sich der Berichterstatter nicht aus. Von den gemeldeten Unfällen waren 10 827 cntschädigungs- pflichtig gegen 10 066 im Vorjahr. Oder auf 1000 versicherte Personen kamen 15,71 entschädigungspflichtige Unfälle. Die Zahl der mit tödlichem Ausgang erfolgten Unfälle betrug 1211 gegen 1235 im Vorjahr. Die Zahl der dauernd völlig erwerbsunfähig Verletzten, beträgt 61. Die Zahl der gemeldeten und der ent- schädigungöpflichtigen Unfälle hat im Jahre 1906 wieder ganz erheblich zugenommen, die mit tödlichem Ausgang erfolgten Un- fälle weise» eine geringe Abnahme auf. Massenunsällc, d. h. solche, bei denen 10 oder mehr Personen einen Unfall erlitten, haben fünf stattgesunden. Auf der Zeche Trier, Schacht„Baldur" bei Holstcrhusen, 10; auf der Zeche „Karl Friedrich und Erbstolln" 23; auf der Zeche„General und Erbftolln" bei Weitmar 13; auf der„Friedensgrube" bei Friedens- Hütte 20 und auf der konsolidierten„Hcinitzgrube" bei Beuthen 12, insgesamt wurden hierbei 178 Personen verletzt. Interessant ist die Ursache der Unfälle. Durch die Gefährlichkeit des Betriebes wurden 69,31 Proz., durch Mängel des Betriebes im besonderen 0,78 Proz., durch die Schuld der Mitarbeiter 3,24 Proz. und durch die Schuld des Verletzten selbst 26,67 Proz. aller Unfälle über- Haupt veranlaßt. Die Summe der gezahlten Rentenentschädi- gungcn beträgt 19 215 970,37 M. Für das Heilverfahren innerhalb der ersten dreizehn Wochen wurden 208 439,65 M. aufgewendet. Für Ucberwachung der Betriebe wurden bei der Sektion IV 6405,86 M. und bei der Sektion VI nur 289,42 M. ausgegeben, während die anderen Sektionen überhaupt nicht einen Pfennig dafür ausgegeben haben. Für Erlaß von Unsallverhütungsvorschriften gaben die Sektion II ganze 21 M., die Sektion III 282,05 M., die Sektion IV 1801 M. und die Sektion V auch nur 75 M. aus. Die Fürsorge der Knapp- schafts-Bcrufsgenossenschaft für den Schutz von Leben und Gesund- heit der Arbeiter wird am treffendsten dadurch illustriert, daß dieselbe für den Schutz der Arbeiter im Berichtsjahr 8876,70 M. oder pro Kopf der Versicherten Ihi Pfennig ausgegeben hat. Da- gegen bezogen etwa ein Dutzend Genossenschasts-Vorstandsmit- glieder für ihre ehrenamtliche Tätigkeit an Tagegelder, Ver- gütungen, Reisekosten usw. die bescheidene Kleinigkeit von 12 562,96 M. Demnach nimmt es nicht wunder, daß bei der Sektion II, die 227 Betriebe mit 279 709 Versicherten zählt und nicht einen Pfennig für die Ueberwachung der Betriebe zahlte, allein 44 267 gemeldete und nur 5122 entschädigungs- Pflichtige Unfälle zu verzeichnen waren. Und ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Sektion VI Oberschlesien), bei 105 Betrieben mit 103 432 Versicherten zählte dieselbe 10 III gemeldete und 2026 entschädigungspflichtige Unfälle. Die soziale Fürsorge der Knappschafts-Berufsgenossenschaft erfährt indessen eine weitere Beleuchtung durch die Festsetzung der Renten. Aus dem Vorjahre und 1906 waren insgescunt 8949 Bescheide erteilt. Hiervon wurden bei den Schiedsgerichten überhaupt erledigt 7113. Davon durch Zurücknahme 221, durch Anerkennung(zugunsten der Verletzten) 361, durch Zurückweisung (zuungunsten der Verletzten) 5419, durch teilweise Anerkennung (zugunsten der Verletzten) 954. Mithin mußte erst in 1315 Fällen Verurteilung der Gruben- Magnaten durch die Schiedsgerichte erfolgen, ehe die zu Krüppeln gewordenen Bergarbeiter zu ihrem Rechte gelangten. Gegen die Entscheidung an das Schiedsgericht hatte die Berufsgenossenschaft in 156 Fällen Rekurs beim Reichsversicherungsamt eingelegt, hiervon wurden 75 zugunsten derselben und 85 zugunsten der Bcr- lebten entschieden. Die Berglohnsklaven bringen also im Kampf umS tägliche Brot den Grubenbaronen unerhört hohe Opfer an Menschenleben und Gesundheit und überdies müssen sie um ihr bißchen Recht aus der„sozialen Fürsorge" noch in den Rechtsinstanzen hart ringen. Trotz der vorstehend wiedergebenen Tatsachen finden sich immer noch Leute, welche die Unfallversicherung bis über den grünen Klee loben. Gerichts-Leitung. Ist die Unfehlbarhcit beS Schutzmannes gerichtsnotorisch? Wer am Sonnabend der Sitzung des Charlottenburger Schöffengerichts als unbefangener Zuhörer beiwohnte, der mutzte den Eindruck gewinnen: Vor diesem Gericht gilt der Schutzmann als unfehlbar. Wenn hier ein Polizeibeamter eine Aussage abgegeben hat, so hält das Gericht den Sachverhalt für „hinreichend-geklärt" und eine weitere Beweisaufnahme für über- flüssig. Nach dem, was wir am Sonnabend vor dem Charlotten- burger Schöffengericht gesehen und gehört haben, würde es nicht unzutreffend sein, wenn über dem Eingang zum Gerichtssaale die Inschrift angebracht wäre:„Ihr, die Ihr hier eintretet und einen Schutzmann als Belastungszeugen habt, laßt alle Hoffnung draußen."— Einige Fälle mögen zur Illustration dieser Ansicht dienen. Ein Polizeiwachtmeister und ein Straßcnbahnkontrolleur be- künden, ein Droschkenkutscher sei an einer Haltestelle der Straßen- bahn im Grunewald in schnellem Tempo in das Gedränge der ein- uno aussteigenden Straßenbahnfahrgäste gefahren und habe diese dadurch gefährdet. Der angeklagte Droschkenkutscher behauptet, die beiden Zeugen hätten den Tatbestand nicht richtig dargestellt, er beruft sich auf das Zeugnis zweier Personen, die ebenfalls als Zeugen geladen sind und bekunden sollen, daß er langsam und vorsichtig die betreffende Stelle passiert habe. Unter diesen Zeugen befindet sich die Dame, welche die Droschke des Angeklagten zu der fraglichen Zeit benutzte und sich selbst als Zeugin angeboten hat. Dem Autrage des Angeklagten, diese Zeugin zu vernehmen, begegnet der Vorsitzende Richter mit der Bemerkung:„Ach was, Ihr Fahrgast wird sich gerade dafür interessieren, wie Sie gefahren sind." Als der Angeklagte meinte, nachdem das Gericht die Belastungszeugen gehört habe, müsse es doch auch die Entlastungszeugen vernehmen, da herrschte ihn der Vorsitzende in scharfem Tone an:„Es gibt keine Belastungs- und Entlastungszeugen, jeder Zeuge hat nur zu bekunden, was er weiß!"— Das Gericht lehnte den Beweisantrag des Angeklagten ab, da„die Sachlage hinreichend geklärt" sei und verurteilte den Angeklagten. Ein anderer Fall: Ein Gendarm hat angezeigt, daß der Führer des Kraftwagens Nummer soundso an einem bestimmten Tage zu einer bestimmten Stunde in Grunewald mit vorschriftswidriger Schnelligkeit gefahren sei. Der Gendarm bestätigt diese Angabe vor Gericht. Augenscheinlich hält der Richter hierdurch„die Sach- läge für hinreichend geklärt" und ist schon im Begriff, die Beweis- aufnähme zu schließen, da erbietet sich der Angeklagte, durch das Zeugnis eines Fabrikbesitzers nachzuweisen, daß weder er, noch der Kraftwagen mit der angegebenen Nummer zu der fraglichen Zeit in Grunewald war, sondern in der Fabrik des benannten Zeugen, wo er, der Angeklagte, einen Gleitschutz für den Wagen abholte.— Ter Vorsitzende Richter schien es als eine Störung des juristischen Betriebes zu empfinden, daß hier einmal bewiesen werden sollte, daß ein Gendarm keineswegs unfehlbar, sondern wie jeder andere Sterbliche dem Irrtum unterworfen sei. Der Borsitzende machte allerlei Einwendungen gegen den Beweisantrag des Angeklagten. Der Fabrikant werde doch nicht angeben können, daß der Angeklagte vor Monaten zu einer bestimmten Zeit in der Fabrik gewesen sei. Erst als der Angeklagte bemerkte, er habe ja eine Empfangsbescheinigung in der Fabrik unterschrieben, das werde sich doch aus den Geschäftsbüchern der Fabrik feststellen lassen, konnte das Gericht nicht umhin, dem Antrage des Angeklagten stattzugeben und den Fabrikanten zum nächsten Termin zu laden. — Wäre dieser Angeklagte in der Vertretung seiner Rechte so un- beholfen gewesen, wie die meisten Leute vor Gericht zu sein pflegen, dann wäre er, nachdem der Gendarm durch seine Aussage„die Sachlage hinreichend geklärt" hatte, sicher verurteilt worden. In einem dritten Falle war ein Streikposten beschuldigt, der Aufforderung eines Schutzmannes, den Platz am Eingang des Bahnhofs Charlottenburg zu verlassen, nicht Folge geleistet zu haben. Drastischer wie in den anderen Fällen wurde in diesem Falle die Ansicht bestätigt, daß vor dem Charlottenburger Schöffengericht der Schutzmann als unfehlbar gilt.— Ein als Zcuae vernommener Schutzmann sagte aus, fünfzehn Streikposten hätten zur fraglichen Zeit am Bahnhof gestanden, er habe sie aufgefordert, sich zu ent- fernen, sie seien auch gegangen, nur der Augeklagte sei allein zurückgeblieben und habe den Eingang zum Bahnhofe gesperrt, in- dem er vor demselben hin und her ging.— Der Angeklagte bezeichnet diese Angabe als irrig. Er behauptet, er habe sich ebenfalls vom Eingange des Bahnhofs entfernt, der Schutzmann sei ihm nachgekommen und habe ihn sistiert. Ein vom Gericht geladener Zeuge soll die Richtigkeit dieser Behauptung bekunden. Man sollte nun meinen, es sei selbstverständlich, daß das Gericht diesen Zeugen hört, um sich auf Grund der beiderseitigen Aussagen ein eigenes Urteil zu bilden. Aber weit gefehlt. Da?. Gericht hält die Aussage des Schutzmannes für völlig ausreichend, um„die Sachlage hin- reichend zu klären", es lehnt den Beweisantrag des Angeklagten ab und verurteilt ihn zu 20 M., während der Strafbefehl nur auf 10 M. gelautet hatte. Das scheint übrigens auch eine übliche Praxis des Charlotten burger Schöffengerichts zu sein, dah es nicht nur die Ucbertretung, sondern auch den nach Meinung des Gerichts unbegründeten Ein- spruch gegen einen Strafbcfehl noch extra bestraft. DZenigstens haben wir öfter als einmal gehört, daß nicht nur der Amtsanwalt eine höhere als im Strafbefehl ausgesprochene Strafe damit bc- gründete, daß die Berufung des Angeklagten unbegründet sei, sondern auch der Vorsitzende Richter gab in der Urteilsbegründung mehrmals an, dah nicht nur die Schwere der Uebertretung, sondern auch die unbegründete Berufung des Angeklagten ein höheres Strafmaß rechtfertige. Wie verträgt sich das mit der Auffassung vom Rechtsstaat, in dem wir doch leben sollen, wenn eö dem Staatsbürger als strafbare Handlung angerechnet wird, daß er gegen einen polizeilichen Straf- bcfchl— selbst wenn derselbe gerechtfertigt sein sollte— die Entscheidung des Gerichts anruft? Und wie verträgt es sich mit dem Recht der Verteidigung des Angeklagten, wenn die Zeugenaussagen von Polizeibeamten als unfehlbar angesehen werden und jeder Versuch, dieselben als irrig anzufechten, kurzerhand zurückgewiesen wird?__ Für Radfahrer. Nach den Oberpräsidialverordnungen über den Nadfahrverkehr muh bekanntlich das Fahrrad während der Dunkelheit beleuchtet sein. Diese Vorschrift sollte der Angeklagte Kubitza aus Pietz übertreten haben, indem er ein unbeleuchtetes Fahrrad schob. Das Urteil der zweiten Instanz, durch das ihm eine Geldstrafe auferlegt war, wurde jedoch vom Kammergericht aufgehoben. K. wurde freigesprochen. Das Gericht nahm an, dah solche Verordnungen sich nur auf Fahrräder bezögen, die als Fahrräder benutzt Ivürden, indem jemand darauf fahre. Da der Angeklagte cs geschoben habe, hätte es nicht beleuchtet sein brauchen, woraus seine Freisprechung folgte. Versammlungen. Tie MSbelpolierer beschäftigten sich am Donnerstag in ihrer Branchenversammlung mit der Frage, ob für sie auf dem pari- iätischen Arbeitsnachweis statt der bisher einmaligen eine täglich zweimalige Arbeitsvermittelung stattfinden soll. Die Branchen- lcitung hatte den Vorschlag gemacht, die zweimalige Vermittelung lvnr- und nachmittags) einzuführen, um den Arbeitslosen die Möglichkeit zu geben, möglichst bald wieder in Arbeit zu kommen. Durch die Neuerung soll ermöglicht werden, das; Stellen, die am Vormittag ausgegeben, aus irgendwelchen Gründen aber nicht angetreten wurden, am Nachmittag noch anderweitig besetzt werden können, so dah das Arbeitsuchen unter der Hand und durch die Zeitung dadurch eingeschränkt wird. Für die Nachmittagsvermitte- lung schlug die Branchenleitung die Zeit von S'A bis 3M>. Uhr vor. Nach eingehender Debatte stimmte die Versammlung dem Vorschlage der Branchenlcitung zu. Deutscher Arbeiter-Abstinentenbund. EMsgmvpe Berlin. Mitt- woch, den 18. Jevtember, abends 8'/, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Versammlung. Allgemeine Kranke»- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. tz. 29.) Heute vormittag 10 Uhr, bei Schirm, Badstr. Ig! Mitglieder- Versammlung. Freie Gemeinde, Spandan. Sonntag, den 15. d. M., nachmittags 5 Uhr, bei Fcuerbecrd. Kurstrasje: Vortrag. Achtung! Fleiichergeselle». Miltivoch, den 18. September, abends 9 Uhr, findet im Musikerheim, Knilcr Wilhelmftr. 18m, eine öffentliche Versammlung stalt. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher FIcischergcsellen. Tee Verband der Schneider»nd Schneiderinnen hält sür die in in der Damen- und Kindcrlonsellion beschäsligten Arbeiter und Arbeite- rinnen am Montag, den 16.«eptember, abends 8'/, Uhr, in Raubes Fest- sälcn, Koibergerslr. 23, eine öffentliche VcFainmluiig ab. Reserentiu: Frau Thiede._ "VcrmircbtCQ. Der verunglückte Nordpolflug WellmannS. Wie wir gestern kurz berichteten, ist der am S. September unternommene Versuch Wellmanns, mit dem Ballon den Nordpol zu erreichen, gescheitert. Diesem Versuch sind, wie nun gemeldet wird, bereits in der Zeit vom 20. August bis 1. September mehrere vergebliche Aufstiegversuche vorangegangen, die aber durch Sturm und Schnee gehindert wurden. Am 2. September herrschte, nach- dem die Konipasse reguliert worden waren, ein schwacher Nordwest- wind. Trotzdem wurde beschlossen aufzusteigen. Die Schleppseile wurden am„Expreß" festgemacht und nun ging es zum Virgo- Hafen hinaus, vorbei an der Leicheninsel und der Holländernäs, wo der Dampfer„Frithjof" lag. Der„Expreß" schlug den Kurs nach Nordosten ein, der Dampfer„Frithjof" folgte. Nach einiger Zeit wurde der Motor des Ballons in Gang gesetzt; der Ballon ge- horchte, wie man vom Dampfer wahrnehmen konnte, dem Steuer, und der„Expreß" mutzte mit Volldampf dem davonziehenden Lust- schiff nacheilen. Bald änderte der Ballon seine Richtung und nahm Kurs auf die Foulinsel. Hier entging er nur mit Mühe einem Anprall an die Berge, setzte dann südöstlich seine Fahrt fort, beschrieb dreimal einen Zirkel und signalisierte dann:„Der „Expreß" soll Schlepptau wiedernehmen", indem er versuchte, in der Richtung nach dem Dampfer zu steuern. Dies mißlang, der Ballon schwenkte noch einmal nach Südost und verschwand dann im Schneetreiben nach der Foulbai zu. Der„Expreß" folgte, fand aber in der Luft keine Spur vom Luftschiff vor. Bei der Rückkehr entdeckte man den Ballon auf einem Gletscher liegend. Wellmann hatte, im Zweifel darüber, ob es möglich sein werde, über die Berge zu komnien, die Ankertaue ausgeworfen, die in einer Gletscherspalte faßten, und landete ohne Unfall. Vom „Expreß" wurde sofort die Rettungsaktion unternommen, es dauerte Ith Stunden bis die Landungsstelle zu erreichen war, wo man Wellmann, Vaniman und Riesenberg unbeschädigt vorfand. Eine Menge tiefer Risse im Gletscher machte die Rettung sehr schwierig. Der Ballon wurde zuni Transport an Bord in vier stücke geteilt. Auch die Gondel wurde zerlegt. Das Rettungswerk dauerte zwei Tage. Am Abend des 4. September kehrte der „Frithjof" nach Virgohafen zurück, von wo am Sonntagabend die Abreise Wellmans nach TromSö erfolgte, nachdem eine Wache bei der Ballonhalle zurückgelassen war.— Major Herfey schiffte sich auf einer Fischerjacht ein, er ist noch nicht in Norwegen ein» getroffen. Der kühne Amerikaner befindet sich trotz des Mißlingens seines Unternehmens in bester Stimmung. Wie verlautet, will er im nächsten Jahre seine Versuche fortsetzen. Bezahlte Mutterschaft. Die Gräfin Montignoso, die ehemalige sächsische Kronprinzessin, trägt sich, wie verschiedentlich berichtet wird, mit dem Gedanken, wieder zw heiraten. Diesen Mitteilungen schenkt man natürlich, Dresdener Meldung zufolge, auch am lächsischen Hofe Aufmerksamkeit. Man ivird jedoch ruhig abwarten, was geschieht. Die Mit- tcilung. daß von Dresden auS ein Regiennigsbeamter nach Florenz gefahren sei, um die Prinzessin Pia Monika, das Töchterchen. abzu- holen, wird deineinierr. Verheiratet sich die Gräfin, so wird ihr das Töchterchen allerdings abgenommen, die Apanage von 30 000 Marl wird ihr jedoch voräussicktlich vom säckisischen Hofe auch nack, einer Verheiratung gezahlt werden mit Rücksicht darauf, daß sie die Mutter der königlichen Kinder ist._ Ter tägliche Elsenvahnnnfall. Wie ans Herborn berichtet Ivird, entgleisten auf der Station Schönbach drei Wagen eines Güter« znges beim Rangieren. Zwei Wagen stiirzlen um. ein Wagen wurde demoliert. Personen wurden nicht verletzt. Ein Bremser rettete sich durch Abspringen. Der Berkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der TyphuS. Das„KönigShütter Tageblatt" meldet an! Antonienhnlle: Gestern sind sieben neue Typhusfälle zur Anzeige gekommen. Die Gesamtzahl der Erkrankungen beträgt nunmehr öS Gestern trat der erste Todesfall ein. Ehedrania. Ans Zwickau i. S. wird gemeldet: Infolge ehe« licher Differenzen feuerte der Tifchlergehülfe Fugmann in bei Nachbarschaft Mordau zwei Schüsse auf seine Frau und Schloieger« mntter ab, verlebte beide schwer»nd erschoß sich dann selbst. MllWglÄd.Mvrä! Mixdorf. Todcs-Anzelge. Den Parteigenossen zur Nach- richt, dah unser Mitglied, derj Metalldrcher Julius Kollok (1. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montagnachmittag 5'/, Uhr von l der Leichenhalle dcS neuen Jakobi- Kirchhofe! ilatt. cS(Hermamistrahe) Am 10. d. M. verstarb plohlich mein licberMann und guter Vater, der Kupserschmied Wilhelm Koch. Beerdigung am 15. September, nachmittags 4 Uhr, tn Wilhelms- berg, Markus-Kirchhos. 18L Iiis Irsvornilon Hinterbliebenen. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. TotlcH-Auzclsc. Den Kollegen zur Nachricht, dah j unser Mitglied, der Dreher Julius Koloff am 12. d. M. an Kehlkopfkrebs gestorben ist. Ehre seinem NnbenkenZ Die Beerdigung findet am Montag, den 16. September, nach- mittags ö'/z Uhr, von der Leichen- halle des Jakob!- KirchhojeS in Rixdorf, Herniannstrafie, ans statt. Rege Beteiligung erwartet 148/14 vie Ortsverwaltung. Verband der freien Gast- u. Schankwirte Deutschlands Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Kenntnis, dah die rrau des Kollegen Thicdke, Hagclbcrgerstr. 23, nach schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 15. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen-. balle des Christus-Kirchhofes in j Mariendorf, Lichtenrader Chaussee, i ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 70/17 Bio Ortsverwaitting. T odes= Anzeige. " Allen Genossen und Bekannten »itr Nachricht, dah meine liebe Frau �ruiÄ Dechau am Freitag, den 13. September, nachmittags 4 Uhx, nach langem schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 16. September, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gcmeindc-Fried- hoses am Maricndorser Weg auS statt. Dies zeigt llesbctrübt an lüi-n.t Dcclian. iMr Her- Bill Berlins nnd linigepd. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Mitglied .Albert Müller aus Klub„Habana II" am 11. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Sonntag. den 15. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle in Teltow statt.. 3/13 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung memer tieben Frau trnestine Wagner sage ich allen Bekannte» und Ver- wandten, den Kollegen der?.>!alcr- Werkstatt Köhn, dem 724. Bezirk des 6. Berliner RcichStagswahlkresseS, sowie dem Laubenvcrein„Nordwachi" meinen innigsten Dank. 17L 0er Irauerntie Galle Arnand Wagner. Ich habe AuguHtsttralte 03(Ecke Oronienburgerstraße) Poliklinik für Beinkranke eröffnet. Sprechzeit täglich 5—6. Für größere Verbände 0,50 resp. 1,00 M. an Material zu entrichten. I>r. W. Fackelniaun. sind 286/2 Kegelbahn, VereinSzimmer zu vergeben Canlianstr. 21(Gieimstr. Sk). Ihre als vorzüglich bekannten O- u a l i t ä t s-Zigarre» empfiehlt die 5631L- Tabakarbeiter- Genossenschaft, Hamburg. Fabrillagcr und Vertretung für Berlin und Umgegend- Udo Slangenberg, Kerlin SO., Köpenickrlflr. 20a. Verkaufsstellen: Berlin, Köpenick usw., Hamburg, Stettin, Köln usw. 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In dem gegenwärtigen Kampfe hat die Kapitalisten- klasse recht kläglich abgeschnitten. Von vornherein im Unrecht, selbst vom Bürgertum scharf getadelt, haben die vereinigten Unternehmer ihre Position dadurch zu retten versucht, daß sie die Bewegung den Behörden und Spießern als direkt„sozialdemokratische Mache" denunzierten. Auf die Abwehr gegen Prof. Dr. I a st r o w ist ein zweiter Artikel in der„Lausitzer Zeitung", dem Tageblatt für die Lausitzcr Berg- und Hüttenindustrie, gefolgt: der„Original- Wochenbericht" aus der Bergkohlcnindustrie, der inhaltlich voll- ständig der Bewegung gewidmet ist. Es heißt darin unter anderem: „Man gebe sich nur keiner Täuschung hin, als ob die Gruben auf den ihnen aufgedrungenen Kampf hin nun einfach be- willigen ivürden. Nicht umsonst haben die Werke sich seit einigen Monaten zu einem Schutzverbande zusammengeschlossen und es herrscht auch keineswegs Uneinigkeit, wie falsch verbreitet wird. Der Kampf ist lediglich eine Machtprobe des sozialdemokratischen Verbandes und von diesem Gesichtspunkte aus können die angegriffenen Werke nicht anders, als mit der Außerdeträebsetzung der- jenigcn Gruben zu antworten, die am meisten b c- droht werden." Wenn anders die Ausführungen einen Sinn haben sollen. kann mit der„Außerbetriebsetzung der am meisten bedrohten Gruben" nur die Aussperrung gemeint sein. Eine solche würde in den Kreisen der noch rückständigen Arbeiter aus den Brikcttfabriken Wunder bewirken. Einen größeren Gefallen könnten die Herren der Bewegung wirklich nicht tun, als aus- zusperren. Dadurch würde die Bewegung erst den Charakter eines echten, rechten Klassenkampfes erhalten. Weiter bespricht der Artikel die Forderung der ISprozentigen Lohn- crhöhung vom vorigen Jahre, tut aber so, als sei das wieder „sozialdemokratische Mache" gewesen, die sich nur auf das Lausitzer Revier bezogen habe. Jedes Kind weiß indessen, daß die Forde- rung von der Siebcner-Kommission im Auftrage der Bergarbeiter aller Richtungen und für ganz Deutschland gestellt war. Wieder sollen inzwischen eingetretene Lohnerhöhungen 15 Proz. übersteigen, die amtlichen Veröffentlichungen werden an- gezogen, die aber— leider— erbärmliche Löhne nachweisen. Aber weiter: „N u n m c h r erhebt der Verband als Hauptforderung die neunstündige Arbeitszeit. Die Forderung kann aber gegenwärtig, da es in der Hauptsache sich um Tagebauarbeiten handelt, nicht bewilligt werden. Der Streik ist also am Montag unvermeidlich und darum wird» auch dieser Streik, als der erste größte im Lau- sitzer Bergbau, von lehrreicher Bedeutung sein." Durch das„Nunmehr" wollen die Herren glauben machen, als sei ihnen die Forderung der Neunstundenschicht überraschend gekommen. Die Wahrheit ist die, daß die Forderung bereits im Jahre 1300 gestellt worden ist. Als Termin zur Einführung war der 1. I a n u a r 19 0 7 bestimmt worden. Ucber sechs Jahre haben die Unternehmer Zeit gehabt, der Frage näher zu treten, inzwischen war der große Streik der Braunkohlengräber Mitteldeutschlands; die dortigen Industriellen bewilligten die Neunstundenschicht, weil sie sich überzeugen mutzten, daß die kulturelle EntWickelung die Erfüllung der Forderung gebieterisch heischte. Jetzt wollen die Niederlausitzer Werksbesitzcr nicht bewilligen können wegen der Tagebauarbeiten. Wer lacht da?! Die interessantesten Ausführungen beziehen sich aber auf die sozialen Zustände des Reviers. Und hier tun die Herren ein- mal recht verständig. Hören wir also: „Nun, eine Besserung in der Lebensführung der gesamten Bcrgarbeiterschaft wollen nicht nur wir, denn das ist bisher immer unsere Aufgabe gewesen, sondern auch die Werksverwaltungen, denn gerade sie haben ein Interesse daran, einen Arbeiter st am m zu haben, der in sozialer Beziehung einen aus- kömmlichen, als auch, einen sittlich gereift höheren Standpunkt einnimmt... Und doch gibt es 2. SeilU des Joraiitts" Kerlim ftllioliliitt. Zonntilg, 15. September 1967. genug für die Hebung des Volkes zu tun, wenn man bedenkt, daß in der Provinz Brandenburg der Kreis K a l a u, d. h. das dortige Kohlenrevier, die m e i st e n Fälle der Körperverletzung aufweist, nämlich 39,6 Prozent, und der Alkoholteufel eine große Rolle dabei spielt." Die Herren heucheln da Interesse für einen„sittlich gereiften höheren Standpunkt" der Arbeiter. Dabei haben sie trotz glänzend- ster Geschäftslage miserable Löhne gezahlt. Die sonstigen Zu- stände waren derartig, daß einheimische Arbeiter abwanderten, selbst Polen und Galizicr hielten nicht aus; die Fluktuation war eine ungeheure und von einem„Arbeiterstamm", der einen„sittlich gereift, höheren Standpunkt" einnahm, konnte keine Rede sein. Gerade der Hinweis auf die Kriminalität für Roheitsvcrbrechen. Messerstechereien usw. beweist den Tiefstand der Bevölkerung. Dieses Milieu ist aber dem Profithungcr der Unternehmer, ihrer absoluten Vcrständnislosigkeit den Bedürfnissen des Volkes gegenüber zuzu- schreiben. Je länger die Arbeitszeit, je geringer die Löhne, je größer der Druck und Drill, desto größer die Kriminalitätsziffer! Freilich spielt auch der Alkoholteufcl dabei eine große Rolle. Aber haben Behörden und Unternehmer etwas dagegen getan? Nein; sie haben die Erziehung und sittliche Aufklärung den Vertretern der Gewerkschaften überlassen, haben durch unerhörten Druck, Maßregelungen, Verfolgungen, Saalabtreiberei usw. diese Auf- klärung gehindert, den besten Agitator des Reviers in dieser Be- ziehung 6 Monate der Freiheit beraubt, obgleich diesem selbst an Gerichtsstclle öffentlich dip Anerkennung für seine Mahnung zu Mäßigkeit und Ordnung ausgesprochen wurde. Werksvcrwaltungen hingegen haben den Schnapsteufel ge- fördert. Auf Grube„Mathilde" versprach der Steiger den Ar- beitern am Silvesterabend eine Tonne Bier, wenn sie ein gewisses Ouantum Kohle fördern und die Nacht aushalten würden. Am Neujahrstage früh torkelten die Aermsten, die das gespendete Bier bei todmüdem Körper in den leeren Magen geschüttet hatten, auf den Straßen herum.— Ein anderer Obersteiger gab an seinem Geburtstage„seinen" Leuten 2 Liter Schnaps zum Ver- saufen! Der Beispiele sind zu viele, es ist unmöglich, sie alle anzuführen. Die letzte Woche vor dem Streik hat man unerhörtesten Terra- rismus geübt, die Leute wieder ins Joch zurückzutreiben. Nllcnt- halben prangten die Anschläge, die die Exmission der Werks- Wohnungen für den 20. September ankündigen. Auf„Trcuherz"- und„Polcy"-Werken wurde die Belegschaft ins Kontor gerufen und unter Hinweis auf die Werkswohnungen ihnen die Zurück- nähme der Kündigungen nahegelegt. Auf„Polch" gab man außer- dem den 3„Rädelsführern" sofort die Papiere. Weiter wurde von besonders eifrigen Beamten der Akkordlohn den in Kündigung stehenden Leuten gekürzt. Auf„Meurostollen" verdiente ein Arbeiter vom 24. August bis 4. September in 5,4 Schichten 12,24 M. Lohn. Ab Knappschaftskasse 2,90 M. und„Pfennigkasse" 4 Pf., blieben zu zahlen ganze 9,30 M. pro Woche. Ein Fall mag noch angeführt werden, der die Zustände im Niederlausitzer Kohlenrevier aus- gezeichnet illustriert: Am Donnerstagmittag brachte die Schwester des 16 jährigen polnischen Brikcttabnehmer ihrem Bruder Essen. Sie steckte dabei ein paar Briketts in ihr Körbchen. Der Brikettmcister Vo i g t sah das und schalt dafür den Arbeiter. Der fühlte sich unschuldig und sprach die Kündigung aus. Der Brikettmeister wollte das nicht gelten lassen, und hieß den Mann ins Kontor kommen. Nach- dem sich die Türe hinter beiden geschlossen, soll der Brikettmeister den Arbeiter nach dessen Behauptungen gemißhandelt haben. Die Angehörigen erkundigten sich erst im Bureau des Bergarbeiter- Verbandes, weil sie nicht wußten, was dagegen zu machen sei. Daß in den Fabriken um Senftenberg geprügelt wird nach Noten, ist gerichtsnotorisch.— Der Streik ist nicht mehr zu umgehen. Für das Revier sind 5 Streikbureaus— außer der Zentrale in Senftenberg— eingerichtet, gegenwärtig beschäftigt sich ein Flugblatt mit der Situa- tion und am Dienstag finden allerorts Versammlungen statt, in denen eine Ucbersicht über die Lage gegeben wird. Die Polen haben sich endgültig der Bewegung angeschlossen. Sie sollen auch unterstützt werden, wie die Mitglieder des Bergarbciterverbandes. Eine Versammlung der Metallarbeiter, in welcher Bczirksleiter Zc r n i ck e- Berlin referierte, nahm folgende Resolution an: „Die heutige am 13. September 1907 in der Totzigmühle bei Senftenberg tagende gut besuchte Metallarbeiterversamni- lang spricht den kämpfenden Bergarbeitern ihre volle Sympathie ans. Die Versammelten verpflichten sich, unter keinen Um- ständen irgendwelche Arbeit der Streikenden zu verrichten. Die Versammelten sind der Ansicht, von einem Beschluß, auf allen Gruben die Kündigung einzureichen, aus taktischen Gründen Abstand nehmen zu müssen, verpflichten sich aber, in allen Gruben, in denen die Unterstützung der Metallarbeiter seitens der Streikleitung verlangt wird, dem Ruf der Organisation Folge zu leisten." In letzter Nacht ist auf den Werken folgendes angeschlagen worden: „An die Belegschaft! Von einem Teil der Belegschaft ist bedauerlicherweise ohne weitere Begründung die Kündigung eingereicht worden, deren Frist nunmehr abläuft. Obgleich diese Mitglieder der Beleg- schaft weder Wünsche geäußert noch sie durch den gesetzlich ein- geführten Arbciterausschuß zur Kenntnis der Verwaltung ge- bracht haben und somit an sich für die Verwaltung kein Grund vorliegt, sich an diese Mitglieder der Belegschaft zu wenden, so unternimmt es die Verwaltung dennoch, im wohlmeinenden Interesse für die Belegschaft denjenigen Mitgliedern, welche ge- kündigt haben, die Zurücknahme der Kündigung zu empfehlen. Seitens einiger der Verwaltung unbekannter Personen sind bor längerer Zeit in ungewöhnlicher Weise schrift- liche Forderungen gestellt worden, die zum Teil längst Erfüllung gefunden haben. Eine Verkürzung der Arbeitszeit ist bei der Eigenart des Niederlausitzer Bergbaues in Verbindung mit der Produktions- Möglichkeit der Fabrikanlagen ausgeschlossen. Die Löhne sind, wie der Belegschaft ja sehr wohl bekannt sein wird, entsprechend der Erhöhung de? Verkaufspreises seit dem 1. April d. I. abermals erhöht worden und haben inner- halb zweier Jahre eine Erhöhung von rund 18 Proz. erfahren. (Erst erklärten die Herren feierlich, innerhalb eines Jahres wären die 18 Proz. Lohnerhöhung erfolgt.) Da die Briketts bekanntlich immer auf Jahresschluß ver- kauft werden, ist eine Erhöhung der Löhne zu dem heutigen Zeitpunkt« undurchführbar. Bei gutbleibender allgemeiner Marktlage wird aber der Arbeiterschaft wie bisher der c n t. sprechende Anteil des Mehrerlöses ganz von selbst im vollen Maße zufallen. Wir möchten daher den Mitgliedern der Belegschaft, welche gekündigt haben, in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse und im Hinblick auf ihre Familien dringend raten, die Arbeit fortzusetzen, da eine von unverantwortlichen Agitatoren an- gezettelte Machtprobe, an welcher— wie ivohl bekannt ist— der größte Teil der Belegschaft nur widerwillig und unter Zwang teilnehmen würde, zu unabsehbarem Unheil für die Beteiligten führen muh. 14. September 1907. _ l Die Verwaltung." Vermischtes. Bei der Arbeit in den Strom gestürzt. Ueber einen schweren Unglücksfall wird aus S i m b a ch berichtet: Bei AuSbesserungs- arbeiten an der Eisenbahnbrücke über den Inn ist vorgestern ein Gerüst mit Arbeitern in den Strom gestürzt. Drei Arbeiter sind ertrunken, einer konnte sich retten. Aufsehen verursacht der Selbstmord des HofopernsängcrS Hans Giesten aus Dresden, der das Opfer einer Erprcsscrbande geworden ist. Der Künstler weilte seit einigen Tagen in Berlin und fuhr vorgestern mittag nach Dresden zurück. Bei der Ankunft des Zuges in der sächsischen Hauptstadt wurde G. in einem Abteil erster Klasse mit einer Schußwunde im Kopfe tot aufgefunden. Die Ver- anlassung zu der traurigen Tat gaben, wie berichtet wird, Neigungen, die der 39 jährige Mann hegte und die gegen den§ 175 des Strafgesetzbuches verstießen. Gießen hatte infolgedessen seit Jahren unter den Verfolgungen von Personen zu leiden, die von der Tatsache Kenntnis hatten und den Künstler durch fortgesetzte Drohungen belästigten. Hierdurch und in der Befürchtung, daß durch das Bekanntwerden seiner Neigungen sein künstlerischer Ruf gefährdet werden könnte, wurde der Sänger zu dem verzweifelten Schritt getrieben._ Wasserstattds-Nachrichtcn ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') llnterpegel. Bninnen- Str. 17-18 E. Qreifenhagen Mifolger Veteranen- Strasse 1-2 Montag, Dienstag, Mittwoch: zu besonders billigen Preisen. Kleiderstoffe Hochmod. Herbst-Neuheiten"lbCk Cai03�n°ar'1 2 4s5trejfg3 1. 45 Costüm-Stoffe im engl. Geschmack Kater i.ss, 1,45 0.95 Hochelegante Blusenstoffe nur Neuheiten Meter 1 45 1,25 0.95 Seiden- T uch hochmoderner Kleiderstoff... Meter 3,75 2,95 1.75 Hauskleiderstoffe Torzügl. erprobte Qualitäten Meter 1,25 0,85 Glatte reinwollene Stoffe. Mut, MM Küp, Crepe m � Seidenstoffe Hell- u. dunkelfarbige Chin6s.... 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Schiller O. tWallner-Thealer.) Die Schmuggler. Nachmittags 3 Uhr: TraumuIuS. Montag: Monna Vanna. Schiller Charlotteubnrg. Heimat. Nachmittags 3 Uhr: Götz von Ber- lichmgcn. Montag: Der Herr Senator. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Winterschlaf. Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Montag: Die Nibelungen. Neues Schauspielhaus. DaS GlaS Wasser. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues. Der Dieb. Montag: Dieselbe Borstellung. Komische Oper. Werther. Nachmittags 3 Uhr: Carmen. Montag: HoffmannS Erzählungen. Westen. Die lusttge Witwe. Nachmittags 3 Uhr: FrühlingSlust. Montag: Die lustige Witwe. Lnstspielbaiis. Husarenfieber. Nachm. 3 Uhr: Unsere Käte. Montag: Husarensieber. Zentral. Die Geisha. Nachmittags 3 Uhr: Di« Montag: Orpheus in der weit. Kleines. Vater nnd Sohn. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Die Sttmme der lln« mündigen. Residenz. Haben Sie nichts zu der- zollen? Nachm. 3 Uhr: Eine HochzeitSnacht. Montag: Haben Sie nichts zu ver- zollen? Xrianon. Fräulein Josctte— meine Frau. Nachmittags 3 Uhr: Madam« X. Montag: Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Nachmittags 3'/,Uhr: Staatsanwalt Alexander. Montag: Ihr SechS-Uhr-Onlel. Luisen. Carmen. Nachm. 3 Uhr: Turandot. Montag: Die beiden Reichcnmüller. Bernhard Rose. Der Held des Tages. Nachmittags 3 Uhr: Der große Unbclannte. Montag: Der Held deZ TageS, Theater an der Spree. Der Altienbudiker. Nachmittags 3 Uhr: Der Gold onlel. Montag: Der Aktienbudiler. Metrovol. Das muß man seh'n. (Anfang 7-/2 Uhr.) Montag: Dieselbe Vorstellung. Ansang 8 Uhr. «Polio. Sylvester Schäffer. Spe- zsalitätcn. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig- Wag. Es lebe das Nachtleben. Nachm. 3 Uhr: Ein verrücktes Vorher: Hayfisch geht zur Montag: Madame Wig-Wag. lebe oaS Nachtleben. Passage. Lona Nansen. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Anne Dancrey. Annie DirkenS. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Prater. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kasino. Die wilde Jagd. Nachmittags 4 Uhr: Heirat aus Probe. Montag: Die wilde Jagd. Netchshallen. Stetttner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Haverland. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. tlrania. Taiibenstrnfie 48/40. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag: Die Gletscher ber Hoch- gcbirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternwarte» Jnvalidenstr. S7/SS. Ferdinand Bonns Berliner Theater Ansang 8 Uhr. Montag: Richard III. Dienstag bis Donnerstag: Die tanzenden Männchen._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Der Dieb. Nieines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. NbendS 8 Uhr zum S7. Male: Vater und Sohn. Mont.: Die Stimme der Unmündigen. Dienstag: Vater und Sohn. Mittwoch: Vater und Sohn, Montag: Der Dieb. Dienstag: Der Dieb. kriedricll- Wilhelrnst. Nachmittags 3 Uhr: duz/end. Abends 8 Uhr: Winterschlaf. Montag: Die Nibelungen. Dienstag: Winterschlaf. Mittwoch: Winterschlaf._ Theater des Westens. 8 Uhr: Die lästige Witwe. Sonntag nachm. 3'/, Uhr halbe Preise! FrUhllngsInft. Zentral-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Die Puppe. Abends 8 Uhr: Die Geisha. Mtmosa: Mia Werber. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 34. Nachmittags: Turandot. Abends: Carmen. Montag: Die beiden Reichenmüller. Dienstag: Carmen. Mittwoch: Tu- randot. Donnerstag: Beiden Neichen- müller. Freitag: Zum 1. Mal: Ame- rikaseppel. Sonnabend: Gebildete Menschen. Sonntagnachmittag: Don Carlos. Abends: Amerikaseppel. Montag: Beiden Reichenmüller. 1er. ä iffilS Direktion: Richard Alexander. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequtn und Pierre Veber. Robert de Trivelin: Rich. Alexander. Sonntag, den 22. September, nachm. 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. I-usispielhaus. Nachm. 3 Uhr: Die von Hochsattel. IPuhr? Husarensieber. Trianon-Theater. Fräiiiein Josette- meine Frau. Ansang 8 Uhr. Schiller- Schiller-Thealer o.sWallner-Thealer). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Tramtmliis. Schauspiel in 5 Akten von Arno Holz und Oskar Jerschke. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Sclinmgjflep. Komödie in 4 Akten v. Ärtur Dwter. Montag, abends 8 Uhr: Monna Yanna. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Herr Senator. Theater. Schiller-Theater CharlotienbUrg. Sonntag, nach m. 3 U b r: 65 Friedrichstr. 165 um das STeneste zu sehen— den Rechtsanwalt Hau'vae und andere Sehenswürdigkeiten. 9'it Uhr:«'/, Uhr: Berlins größte Sensation; Sylvester Schäffer jr., der berühmte Universal-Künstler. Ab 8 Uhr: Das kolossale Programm. und da» kl Passaoe-Theafer. Heute zwei Vorstellungen. Nachm. 3-7(ermäßigte Preise). Abends 8—11 Uhr. Sotia Hansen. Variete-Theafer WeiiibergSweg 19/20, Ro/enth.Tor. —— Anfang 8 Uhr.— DaS originelle Sept.-Programm. Auto Atlas, der Athlet hebt«In Aptomohll mit den Kähnen. �umwLKon�er�flTHeaterbes�sre� uggenhagen Meritzpiaiz. Inhaber Albert BOhme. KM" Efcünung der Vinter-Saison. ragiich: Die 7 Schwaben. 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Anfang 3 Uhr» Bei ungünstiger Witteruna Schutz für 0000 Personen. 3orussiS'?estsAe�K°�?Ä5 _ Jeden Sonntag u. Tonnerstag: Großer Ball. Bier Säle 100 bis 800 Personen sür Vereine, Hochzeiten, Versammlungen unter kulaniestcn Bedingungen.» Taxlicli Musikerbörse 3 Vereinszimmer Amt HI, 2674. einige Tage frei* Dlttwoch nnd Sonntag Tanzstnnde.**? Berlin 0. 93. Markgrafendamm 34. Markffrafensäle Telephon: Inhaber: Hermann Scholtz. 7' Jeden Sonntag: 55«lll bei freiem Entree. Säle von 100 bis 1000 Personen sür Vereine, Hochzeiten usw. unter kulantesten Bedingungen einige Sonnabende noch zu vergeben. Vereins- zimmer bis 100 Personen fassend. 2 koms. Kegelbahnen n. einige Tage frei. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Invalidenstr. 57— 62: Sternwarle. Tägl geöffnet von 71/,— 11 U. abds. OB« Cf SEHER ® Heute flfä R9 Kinder§ Sonntag ktzl» ri unt.lOJahr. 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Sonnabend, den 21. September: Anfang 8'/z Uhr. 14. Stiftung:s>Pest in den Gesamträumen der Neuen Welt, Hasenheide 108—114. Oroßes Symplionie- Konzert »usgeführt vom Berliner SyniphoHle-Orchcstcr(60 Künstler). Kapellmeister Herr ülaxlmlllan Fischer. 93/10* Herr Opernsänger Victor Donders(Bariton). Miiwirzenae. Herr Konzertmeister gu-imo Scholz(Violine). Bclgentahren. Klnemntograph. Während des Konzertes im hinteren Saale: Tanz, Sert? Gp. Ball. Tanz fp@i. Billett 50 Pf. Billetts sind anf allen Zahlstellen, im Bureau und folgenden Lokalen ständig zn haben: Osten: Lorenz, Koppens tr. 28; Südosten: Mühle, Mariannenstr. 41; Süden: Grumbach, Sohönloinstr. 6; Erbe, vis-a-vis der Neuen Welt; Rixdorf: Schmidt, Berlinerstr. 14. Hegen Besuch erwartet Bas Komitee. Schwarzer Friedrichsberg Udler Stadtbahnetation Frankf. Allee. Frankfurter Chans.ee S (früher ISO). Intl.: Gebr. Unihold. fernscr. Friedrichsheru No. 8. 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Entree 80 Pf. An den Wochentagen ist der Saal an Vereine au vergeben. «ijSÄBi Mb*.) I Union-Festsäle Greifswalderstr. SÄÄ am KönigStor. 2675* Jeden Sonntag: €ri*oß«i.' Ball. Anfang 6 Uhr. Eintritt frei. Empfehle meine eleganten Hochzettöfäle, Beretnszimmer ttegelbahnen. Carl Berndt. Mnr's Blieplen Ober-Schönewelde o. d. Oberspree. Jnh.: Alh. Moerncr (Neues KonzerthauS). 53912*} Heute: Exfra-Reunlon (Leitung: Tanzlehrer Sachs). Für Vereine und Gewerk. fchaften im Sommer noch Sonn- abende zu vergeben. Bebingnnge» in bekannter kulanter Weife. Härhiseher Hol. Admlralstr. snb.:OttoGraßbo 18c lOff. Empfehle mein Lolal zu Versammlungen und Festlichkeiten. Der fleine Saal ist an einigen Sonnabenden und Sonntagen, der grosse Saal noch am Sonnabend, den 2. November, frei.— Jeden Sonntag: Großer Ball. Anfang 4 Uhr. 56592* Im mo amufkren wir uns? Krug zum grünen Kranze 50222* Ober-Schöneweide, Waldstraße 7t. Küche nnd Keller vorzüglich.: Ernst HCilich. « tt zu Berlin. ((Singciragent Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht� Bilanz am 31. Iffürz 11)07. 145/12 Aktiva. SB!. GrundstückS-Konto.,, 265 515,83 Debttoren-Konto... 504,80 Jnvenlar-Konto... 1 253,33 Vau-Konto 1..... 67 173,16 Bau-Konto II.... 1 110,50 Wasserwerk-Konto,.. 14 840,13 Straßenbau-Konto... 17 912,18 TilgungSfondS-Konto.. 354,— KauttonS-Konto.... 1 250,— Bankguthaben-Konto.. 13 563,55 Kassa-Konto..... 1 398,11 Gewinn- u. Verlust-Konto (Verlust).....■ 382,72 Passiva. SD!. GefchäflSanteil-Konto.. 22 219,— Pflichtfpareinlage-Konto, 69 925,88 SparfondS-Konlo... 46 331,78 Darlehensfchulden- Konto 20 454,48 Hypothelenichulden- Konto I.. 158 638,— , Konto n.. 47 000,— , Konto IH. 14 000,— . Zinf.-Konto I 1 454,12 Schuldverschreibungen- Konto(Serie I)... 4910,— Co:won-Konto.... 196,40 NefervefondS-Konto.. 130,75 385 258,41 Gewinn, und Verlustrechuuug. 385 258.41 ■ag vor 31. Mär, 1906.... Abschreibung aus Inventar» Konto, 5°/„ V.M.1319, 35— Abschreib, aus Bau-Konto I, 1 0/0 von M, 67 851,68= Zinsen f. Pflicht« spareinlagen. M. 1333, 2k Zinsen sürSpar- sonds.... 1303,83 Zinsen für Dar« lehenschulden, 870,23 Hypotheken-Schuld.-Zinse» (1. und 2. Hypothek).. Zinsen f. Schuldverschrewg. hau-Zunkost.(Geh. Konto I) Gefchästsunkosten.... M. 702,92 65,97 678,52 4 007,33 2 195,- 59,26 670,86 8 725,50 12 105,36 Zlnsenewnahmen... Pachtelnnahmen.... Extrabeilräge u. EwtrittS- g eider....... Hauserträge(Gebäude- Konto I)...... Zinsen deS eigenen Gut- Habens am Grundstück. Verlust....... M. 850,12 1 246,25 2 094.95 8 705,35 4 325,97 382,72 25 680 M. Haftsumme. Dieselbe betrug am 31. Mär, 1906... verringerte sich im Laufe deS KeschästSjahreS um 3 312. beträgt mithin am 31. Mär, 1907... 22 368 M. Geschäftsguthaben. Dasselbe belrug am 31. März 1906... 24 106 M. verringerte sich im Laufe des GeschästsjahreS:m: 1 887, Beträgt mithin am 31. März 1907... 22 219 S!. 12 105,36 Mitgliederbewegung. Am 31. März 1906.. 1070 Gen. Eingetreten bis 31. März 1907... 36, 1106 Gen. AuSgefch. am81.MSrz l907 durch Kündig. 167 Gen. durch Tod. 4, d.Uebertragung 3. 174 Mithin am 31. März 190? 932 Gen. ZD (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht). Oer Aufsichtsrat: Die Revisionskommission: Oer Vorstand; Paul Schisske, Vorsitzender. A. Langer, O. Oppenborn, Vorsitzend. Fr. Zimmermann, O.Herzog. G. Dorn er, P. Müller. Die Geschäftsstelle befindet fich SO. 26, Kottbuser Ufer 44, H. r. l. und ist geöffnet: 8—10 vorm. und 4Vr-7Va nach«. '■■•sam■'........»•■.■- A- Man bittet genau auf die Schutzmarke zu achten. Man bittet genau auf die Schutzmarko zu achten. Eingetragene Schutzmarke. [las muB man sehn! Neueste Revue des Berliner Metropol-Theaters. Premiere am 14. September 1907 Sämtliche Schlager in Homophon-Records Bereits heute fiberall erlifiltlieh! „Caruso im Zoologischen Garten" D 1789„Tont Berlin"(Die Leute vom Kur- 1808 fürstendaram) 1. Vers 1790„Tout Berlin"(Die Leute vom Kur- D 1793 fÜTStehdamm) 2. Vers D 1791„Tout Berlin"(Die Leute vom Kur- 1794 fürstendamm) 3. Vers 1807„Caruso im Zoologischen Garten" D 1795 1. und 2. Vers D 1803„Carl der Große" Couplet mit 1796 Orchesterbegleitung, 1. und 2. Vers 1804„Carl der Große" Couplet mit D 1799 Orohesterbegleitung, 3. uik' l. Vers D 1805„Carl der Große" Couplet mit 1811 Orchesterbegleitung, 5. und 6. Vers 1806„A. E. G." Couplet mit Orchester- D 1809 begloitung 1810 D. 956„Märchen und Träume", Orchester D. 1812 957„Metropolinchen" Piston-Solo mit Orchesterbegleitung 1800 D. 1792„Metropolinchen" Couplet mit Orohesterbegleitung Sämtliche Aufnahmen sind von erstklassigen KDnetlern mit OrchesterbeBleitung gesungen. Homophon-Companj G. m. b. H.'■ Couplet m. Orchesterbglt. 1. u. 3. V. „Onkel Eduard" Duett m. Orohesterbegleitung, 1. und 2. Vers „Onkel Eduard" Duett m. Orchestor- bogleitung. 3. und 4. Vers „Kindorduett" mit Orchesterbogleitg., t. und 2. Vers „Kinderduott" mit Orohestcrbegleitg., 3. nnd 4. Vers „Bummel- Compagnon" Duett mit Orchesterbegleitung, 1. und 2. Vers „Märchen und Träume" Lied mit Orchesterbegleitung, 1. und 2. Vors „Pfeifduett" m. Orchesterbglt., 1. Vers „Pfeifduett" m. Orchesterbglt., 2. Vers „Märchen und Träume" Lied mit Orohesterbegleitung, 1. und 3. Vers „Bummel- Compagnon" Duett mit Orohesterbegleitung, 1. und 3. Vors usw. usw. Kloster- Straße 5/6. Muster an ledermaun franko! Das seidene Brautkleid und Seide jeder Art wirklich reell und billig einzukaufen, bietet zweifellos derjetzt im Seiden-Engros-Hnuse Hermann Herzog stattfindende billige Ausnahme-Verkauf. Braut- und Hoohzeits-Seiden sowie Seiden für Hoben, Blusen, Jnpons etc. 1.00, 1.25, 1.50, 2.25 bis zu den besten Qualitäten. Keinscidene sohw. 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Tonerde, Kieseljäure). Der»Berliner Stahlbrunnen� ist besonders allen denjenigen Leidenden zu empfehlen, welche» eS nicht möglich ist. eine Kur im Badeorte au der OneUe vorznnchine». Der„Berliner EtaHIdrunnen" ist so präpariert, bah er auf die weitesten Entsernungen versandt werde» lann, ohne dem Verderben zu unterliegen oder an Wirkung zu verlieren. Tie vielseitig günstige Wirkung deS„Kerlin er Atahibrunnen" beruht darauf, dast derselbe besten Appetit erzeugt, de» Stoffwechsel, die Berdauunq und den Stuhlgang fördert, die Verwertung der Speisen Verbeffert, mit seinem reichen Eisengehalte die Blntbtldung mehrt, daö Blut selbst verbessert, und dieses bei seiner steten Zirkulation den lrtdrnden Organen gesunde Zufuhr bringt» wodurch dieselben, allmählich regeneriert, gesund werden. Au» diesem Grunde bewährt sich derselbe seit über L0 Jahre» ganz besonder» gegen KlutarMUt. Alelchsucht, UerveillndeN aller Art. Schwache, Kopfschmer?, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Magen-, Keber-, GaUensiein-, Nieren-, Darm- u Slascnleiden selbst allerschwerst« Art, Abmagerung. Hals-, Kelil- Kopf- tu Kuftrohren-Nerschleimung, Rheumatismus, Gicht, Ischias, Skrofelu. DrusenanfchweUnngeu, leichten Lunaenkatarrh. Atembeschwerden(Asthma). Schlaflosigkeit, Zähmungen. Ruckenmarksleiden. unreines Klüt. Flechten. Fettleibigkeit. Herzverfettung, Sterilität. Unterleibsleiden aUer Art, Leiden der Wechseljahre, Sysierie, Epilepsie» Menstrnationsstörung, Hchwachezustände, Verkalkung des Dlutes, Zuckerkrankheit. Die Trinklur kann jederzeit, auch im Winter, ohne verufsstörung. ohne strenge Diät und ohne besondere Brunnenpromenade vorgenommen werden. PreiS für Berlin: Füllung von S0 Ft. M. 10 Drän, tabonnementsweise). Fortsehnug tm Auschlnh M 8. Für zwei Vertonen tn einer Familie 60 Fl. M. 18. Fortsetzung im Anschluß M. 15. Zustellung der Flaschen einzeln stets frisch präpariert srei Hau», volle Flasche hin, leere zurück. Nach den Vororten(Groß-Berlin) liesere zu demselben Preise frei Hau» gleich LO Kl. zuzüglich 10 Ps. Pfand pro Flasche. Nach auswärts: stiste mit 30 Flaschen frei zur Bahn M. IS. 2 Kisten zugleich M. 28 gegen Einsendung oder Nachnahme de» Betrages. Bei Fortsetzung im Anschlnh 1 Kiste M. IS. Kiste und Flaschen, frankiert zurückgesandt, werden mit M. 4L angenommen. A. W. Miueralhruimenfabrik, Kerl Im WW., Marienstr. 30. AnaJjbe: Natriumchlorid 1.202, NatriumsuICat 2.920, Kaliumsullat 0.172, Magoeslumsulfat 1.160, Maugansulfal 0.14, Eisencarbonat 2.197 io 10,000 Teilen. Atteste und Dankschreiben. Sehr geehrter Herr tttundlerl Nebcr den bisherigen Erfolg der 5h, t folgendes: Ich bin«ehr rafrloden. Das crfle. loa 5(Ich elnstellte, war ein krafHaer Appetit, Kam ich fonf! aus dem Dienst, vermochle ich taum Infolge der Ad» fpannnng zu igen. Jetzt habe ich einen wahren Heilchunger Früher Uta Joh »tetB an kalten Händen nnd Füssen; Jetzt sind Hände und Füeae warm, und die EmpfindNobkett g'egon Wltternngraelafifisio bat aehr nachsolasaen. Dazu erfreue tch mich jetzt auch einer besseren selstlxen Frieob«. einer aUUemotnen Kräftlgnng und eines besseren Anaeebens. Magenbeschwerden habe ich durch den Brunnen nh'....... werde g-ut geregelt. So kann ich mit apreebnngen haben sieb erlftllt genommen, den Brunnen weiter zu empfehlen. Mich Ihnen bestens empfehlend, zeichne Ihr erg. Echonebera. den 30. Juni 1807, Otto Setffert, Lehr«. Eeßierstrabe IS. Derselbe Herr Ichreibt ans die Bitte um Erlaubnis dazu, am 2. Just 180?: Sehr geehrter Herr! Ich gestatte Ihnen gern, meinen fiurberlcht«n»eriffentlichen: denn das darin Oesagte sind Tatsachen. HochachUingsoost - O.»cltTert, Geehrter Herr Kumbier! Delle Ihnen mir. Hab ich den Kasten mtt Flaschen durch den Spediteur ssrbhltch Nächst, sende Zu gleicher Zeit sage ich auch meinen verbindlichsten Dank für die schnelle Lieferung. Ihr Ernnnen Ist mir bei meinem Magenleiden sehr gnt bekommen; der erste Kasten hatte mlota sofaoa vollständig hergestellt, so da» loh deo zweiten nur noch cur | KräUlgimg meiner Oestmdheit nahm. Hochachtungsvoll � M»pin«Bii Peter. «icderschSncweide, Berliner Str. SS. IL 24. Junt 1907. Werter Herr Kumbier I Bitte Sie hkslichK. die 90 leeren Flaschen abholen zu lasse«. Ur» Stabl- hrnunen bat mir tär Blasonttatarrb sehr gute Dienste getan, wo- I ftLr leb bestens danke. Hochachtungsvoll Berlin e..rctra.ar. 13. Carl Thiele. den 22. ilugust 1907. Sehr geehrter Herr Kumbier I Sc drängt mich. Ihnen mtrznt dah mir Ihr..Berliner Btahl- bnunon", von dem ich 00 Zh gctru..I habe, ausg-zolobnete Dienste geielstot bat. lob bin jetzt 64 Jabro alt nod leide sobon 30 Jahre an einem btzaen Broncblalkatanb,-n dcsi.en Hell(ins lob alle Jahre In ver» aobledonen Bädern Hogar 7 Winter in Man Romn In Italien war. Dies hat sa immer eiwaS g-hoisen: tch wurde dann Öfter schwer krank und bekam immer aebr schwor I.nft, wovon tch mich sehr schwer erhotte. Im Herbst 1803 bekam Ich nun ein sobweres Astbma. so dah ich. wenn ich mich nur bückte, keine Entt bekommen konnte. Da hörte tch 0011 Ihrem Stablbrannen und dcschlob, damit einen Berinch zu machen. Job kann Ihnen nun nicht gecag daakon für die Wirkung desselben, denn mein Asthma Ist gänzlich gehoben, und leb fühl« mich nm 10 Jabro Jünger. Augenblicklich etwas erlättei, da tch beim(sehen sehr leicht schwitze, habe ich Schnupfen und wieder Husten, aber merkwürdig izt, dsss lob dabei gar keine Atembeschwerden und Angst bekomme, woran lob sonst so tnrohtbar zn leiden hatte, diesmal gar nicht, nnd der Sobnupfon verliert sieh bereits wieder. Ich kann daher Ihren Stahlbrunnen allen ähnlich leidenden Menschen nur aus» Wärmste empfehlen I mleb hat derselbe wieder Jung gemacht. Zugleich bitte Wieder um eine Sendung. Mit vielem Dank und hochachtnngSvollcm Änih Ihr Schlachte»!», Billortaslr. 71, b. l. 2. 06. W. Alex, Reittier n. Sigeutüm« Sehr geehrter Herr Kumbier! Ich kann cS»tchi nmerlatsen, Ihnen für die Wirkung Ihre»„Berliner etablbrnnnen" meinen wärmsten Dank auszusprechen, denn derselbe hat gegen mein Leiden wahrbatt Wunder getan Ich war bis zu meinem 40. Lcbensja dieser Zelt fing loh an zu kränkeln, loh 100 Pfand au Körpergewicht ab und muhte den Arzt zu Rate ziehen, welcher Dann, aallenstelnkoIUt mtt OaUenolasenentzündong feststellte. Trotz der ärztlichen Behandlung traten meine Schmerzen immer heftiger auf, es stellte sich noch Eeberanscbwollong nnd Leid- snoht in erhöhtem Masvn ein. so dsss allo Aerzts, dio mich de- handelten, zn einer Operation rieten, da diese der einzige Ausweg zu meinerWlederherstellnng sol. Ich weigerte mich aber, mich einer toichen zu unlerwersen, da mir die Sewtbheit war, das» Ich bei meinem Sehwächesnstand eine solche nicht uberstehen würde. Durch Zufall Hörte tch da von Ihre»! Sladlbrunnen und besten gfln- stlgor Wirkung anch bei Oallenstolnlelden. und tch beschlvb sogleich. auch dies Mittel anzuwenden, da alle anderen sehlschlugen. Nach de» ersten Flaschen jedoch zeigte sich wenig Hoffnung, mein Zustand wurde so bedenlitch. das: ich jede Stunde meine letzte nennen konnte. Auf Ihr Anraten, den Stahlbrnnnen dennoch in kleinen Portionen weiter zn trinken, ohne andere bltttol zn nehmen, stellte sich denn bald günstiger Ertolg ein, der nach der 9. I'lasohe zusehends bemerkbar wurde. Oer Appetit regte sich, die Schmerzen Hessen nach, nnd nach etwa awoohon fühlte loh mich so kräftig, das» loh das Bett für einige Standen des Tages verlassen konnte. Von Tag zu Tag machte ich dann hewandernngswfirdlge Fort schritte, so dsss alle meine Bekannten nnd Verwandton in Staunen versetzt worden über meine weitere sohnello Qenosnng. Diese dobe ich nur Ihrem StaMbrnnaea zu verdanken und kann denselben allen Leldenden nur ansS wärmste und ansrichiigste empfehlen. Ich werde jetzt 50 Jahre und werde nicht unierlasten. die Brunnenkur mit dem Stahlbrunntn zu iviederholen. �ch zeichne mit vielem Dank und Hochachtung Berlin, Oudenard« Str. 18, den 8. 2. 06. Frau Helsa. aeehrler Herr Kumbier! ich Ihne «ehr Hiermit bezeuge kch Ihnen der Wahrheit gemäß, daß der von Ihnen präpariene Stahibrunnen mich Im Sommer v. J., als loh an aehwerem Oelonkrhenmatlemns damlederlag nnd bereits alle Holtnosg auf Heilung und Besserung anlgogcben hatte, In wnnder- barer Welse nnd verhältnismässig schnell von meinen Leiden betreit nnd gesund gemacht hat. Nach Verbrauch von 15 Fl. merkte ich schon, wie mein Zustand stch besterle, UNd nach SO Fl. war Ich vollständig gehellt. Mi: bestem Dank für diese schöne Wirkung zeichne ich H ochachiunaSvoll ring, Schuhwaiengesch. 40. Lebensjahre gesund und lebensfroh! nach nahm In einem Jahre etwa Berlin, Fllrst-nstr. 22, d. 15.1.06. Wally Maring, Sehr geehrter Herr Kumbier! S« erfüllt mich mit großer Freude. Ihnen mltteUen zu können, daß Ich durch Ihren Stahlbrnnnen von meinem Leiden befreit bin. Ich litt seit 5 Jahren an Koplsohmerzen, Ucbwlsdel nnd Sohlaflosigkalt. SS Ist öfter vorgekommen, dass Ich 14 Tage lang weder des Naobta noch am Tage geschlafen habe, seit 3 Jahren konnte loh nicht mehr mit der Elsenbahn oder Strassesbabn lehren. Nachdem ich nun 00 Fh von Ihrem Stahibrunnen gctrunlen habe, bin loh gans gesund und kann auch wieder mit der Bahn fahren. Wie groß meine Freude darüber ist. daß Ich durch den Brunnen so gesund geworden bin. können Sie stch gar nicht denken. Mit sreundlichem Crnß Frau Fuhrherr Scbapenberg. vielnlckendorf, Wlikestr. 6, d. 13. 2. 06. Sehr geehrter Herr Kumbieri Ich bezeuge hiermit der Wahrheit gemäß, daß Ihr„Bertluer Stablbrannen" bei meinem schweren Gsllenstetnlelden verbunden mit Ver- danangsbesohwordon and unerträgllober Kopfkolik wahrhaft überraschende Erfolge hervorgebracht hat. Vor etwa zwei Jahren erkrankte ich an Oallenstelnkollk derart, daß ich zelttveise täglich mehrere Male mit den gräaaUehaten Sehmerzen verbandeae Anfälle bekam. Meine Farbe war erdfahl, mit dunklem Schatten unter den Augen. Dazu hatte ich zugleich noch mir einem Daterlelbelelden zu kämpfen. Appetit und Stuhlgang fehlton ganz. Die Behandlung eines Arztes brachte mir keine Hille. Da las ich eines Dage« die Dankschreiben anderer LeidenSgesährien iiber die gute Wirkung Ihres„Berliner Stahlbrnnnen" bei Oalienatolnlelden und nniernahm sofort eine Kur mit demselben. Schon nach der 23. Flasche kennte Ich wieder essen, gnt verdauen, der Stnblgaug regelte sieb, loh kam wieder zn Kräften, die Kopfkoilk Ueno naoh- die krampfartigen Oallenatelnanfälle worden seltener, nnd nach etwa 6 UonatoabUeben dieselben gans fort. Mein Anasehen wurde ein gnles, und loh fühle mich seitdem ganz wohl. Iah habe bis honte keine Anfälle mehr gehabt. Nach diesem Erfolge kann ich Ihren Stahlbrunnen allen ähnlich Leidenden nur empfehlen mit der Hoffnung, daß derselbe noch vielen leidenden Menschen zur Wiederherstellung ihrer«eiundheit verhelfen möge. Für die wunderbar« Wirkung Ihres Stahlbrunnens bei meinem schweren Leiden Ihnen meinen besten Tank aussprechend, empfehle ich Ihnen, dieses Dankschreiben zu veröstentlichen zum Wöhle der leidenden Menschheit Hochachtungsvoll Frau guhrherr L, Bröoksr. Berlin, Shausteestr. 2», den 2. 1. 06. Sehr geehrter Herr Kumbieri Neb er die Kur, welche meine Frau mir Ihrem„Berlin«» Stahlbnuaen" vorgenommen hat. kann ich Ihnen nur lobendes mitteilen. Meine Frau. Mitte der 40cr. litt über 3 Jahre an einem tberauB sohweroa Magen-, Darm-, Leber- und Gallone teinlelden, war dabei in hohem Grade blutarm nnd fühlte Bloh stets nngemeln matt. Fast andanernd hatte sie einen brennenden, bobrenden, drückenden Schmerz im Magon bis zum Bücken durch. Sie marsehr leicht erregbar, nnd bei dem geringsten Aerger hatte sie des Gefühl des Vollselns mit hässllchein Antstossen. Last am Leben hatta sie vollständig verloren nnd war einem Skelett ähnlich bornnterge- kommen. da sie von Speisen fast nichts mehr bei Bloh behielt, sondern besonders bei Kolikanfällon galliges Erbrechen hatte. In dieser Zeit der schwere» Krankheit Hörle ich von Ihrem„Berliner Stahibrunnen", der so gute Dienste leisten sollii. und riet meiner Frau, doch eine Kur damit zu versuchen. Sic wollte aber nicht» davon misten und metnle, ihr Heise doch nicht» mehr.— Jetzt Ist sie asderer Meinung, denn sie hat durch Ihren Stahlbrnnnen Ihre Gesundheit wieder erlangt, das Leiden ist beseitigt, sie hat wieder Flelsob am Körper, eine gesunde Oealohtslarbe nnd bat auch Ihre Lebenslnat wieder er langt. Auch siele Bekannte, die nur unsere SmpscHInna den Stahibrunnen getrunken bei ähnlichen Leiden, haben ebenfalls aulen Erfolg erzielt und stnd darüber erfrenl, wie wir telbst. die wir den Stahibrunnen empfohlen hauen.— Ihrem Rate solgend. wird meine Frau die Kur alle 2 Jahre wiederholen. Mit vielem Dank hochachtungsvoll und ergebend Ferdinand Qonnrloh, Rohrleger der Städtischen Markthallen. Berlin,«ndreasslr. 56, den 20. 2. 06. Sehr geehrter Herr Kumbieri De» überaus grosse Erfolg, die wunderbare Wirkung Ihres Stahidronnena bei mir und meinen Mädchen veranlasten mich, Ihnen nähere» über den merkwürdigen Erfolg mltzuicilen. Mein Mädchen, Marie Franz. 16 Jahre alt, ist seit 3 Jahren bei mir und war bis Scptbr. v. I. ein toter Meneoh. Vordannng war überhaupt nicht vorhanden, drei Abführmittel wirkten oft nicht, bis Erbrechen eintrat. Appstltloslgkeit. Müdigkeit, Schlatsnobt, Kopfschmcnen, Büokene ohmerzen waren an der Tagesordnung. Der Blntlauf trat meist alle 8—10 Wochen olu oder versagte ganz, so dass sls In folgedossea so stark goa oh wollene Füsse hatte, daes es vor 1 1 3 Jahren Anfaehen Im Krankenbena erregt hatte. 81e konnte vor Sehmerzen Ott nicht gehen und stehen. Meine Schwester, mit der ich Im Sommer auf der Meise zusammentraf, empfahl mir aus meine»lagen Ihren Slahibrnnnen. den sie selbst vor zwölf rdgien Erfolg| sreude tönnen wir mitteilen, welch groeeen Erfolg anch wir nach Verbranoh von 60 Fl. zn verzeichnen haben. Bei Jahren mit dem gr Mädchens größler Freude können getrunken Hab— Zu meiner und meine» wir mitteilen, weleh groeaen Erioli meinem Mädchen sind alle Leiden verschwanden, die Füsse sind ganz normal, sämtliche Schmerzen haben eich verloren, der Blut lauf, vollständig geregelt, Ist schon zweimal anf den Tag eingetreten, Verdannng vorzüglich, das Mädchen wie aeugeboren, überglfioiilloh Ich selbst bin ja sonst leidlich gesund, die Verdannng stechte aber sehr, und loh war über Jode Kleinigkeit sehr erregt. Auch Halle Ich alle Monate mit UnanneHmilchleilen zu rechnen, die wohl mit meinem Alter (43 I.) zusammenhingen. Nach(Lebrauch Ihre» StahibrunnenS fühle loh mich sehr wohl, elsstlscb, meine Nerven sind ruhig. Verdauung sehr gut. nnd loh habe auch In besng anf die monstllohen Unsn nehmUohkelten eine glänzende Begelmäamtgkolt erzielt.— Um den Erfolg noch mcftt zu befestigen Haben wir beschiosten. die Kht noch fortzusetzen und bitte ich Sie. un» noch 2 Kiste»» 30 Fl. zn übersenden. Nächst«oft danken wir Ihnen, geehrter Herr Kumbier. für die wunderbare Wirkung Ihre» Stahl. brunnenS und lönoeu wir allen Leidenden den«-brauch desselben nrw empfehlen. Hochachtungsvoll Frau Dtreltor Clara WlateB Frankfurt am Main, Dpncnftr. 7, den 8. 2. Oö. Sehr geehrter Herr Kumbieri Nachdem Ich seit mehreren Jahren von Ihnen größer, Quantttöte« de» Berliner Stahibrunnen bezogen, wird e» für Sie vielleicht interessant sein, etwa» über die Wirsnng dcöselben zu hören. Fllr den günstigen Erfolg In unserer Familie spricht wohl der häustge Bezug, so daß e» eigentlich überflüssig ist, dem Brunnen hier noch ein Lob zu stngen. Dennoch will tch Ihnen aber sagen, daß un» die Kur. die wir jährlich zweimal, im Frühjahr und Herbst, ausführen, anaserordentlloh befiriedlgt hat. Besonders erwies sioh bei den Kindern die Wirkung als sshr günstig, und kann tch namentlich bei emcm besonders zurück gebliebenen eine wesentlich bessere Entwicklung konetatleren. Ich begann bei diesem eigenilich mit schwerem Herzen die Knr. well Ich fürchtete, daß der Brunnen dem Kinde, dezsen Magen nur ganz leichte nnd wenig Speise annahm und vor allem kotae Medikamente vertrag, von Nachteil sein könne.— Der Oebrsnch sollte mich aber eines Bossern belehren, denn schon naoh wenigen Tagen selgto sieb bei dem Kleinen ein Appetit, wie loh Ihn vorher nooh nie bot ihm kennen gelernt hatte, auch sagte ihm der IScnnß de» Brunnen» zu. SS scheint, seit da» Kind den Brunnen trinkt, ein Umschwung tm Körper eingetreten zn eeln, denn das Befinden. weichet früher viel zn wünsohen übrig Uese, Ist jetzt andauernd gnt. Ein anderer Siähriger Knabe, der sonst zwar gesund ist. Irin» auch jede»- mal mit, und ich finde, daß jedesmal danach die Oealohtsfärbe viel frieohor und der Appetit reger wird. Ich jage mir. dnaa man dadurch Krankheiten, die Bloh bei Kindern oft armut nsw. einstellen, vorbongt. Auch bei unserem Dienstmädchen, da» hochgradig hlelchafiohtlg war, hat stch der Stahibrunnen anaaerordentllch bewährt. Ebenso hört» ich von Bekannten, denen tch ihn empfohlen hatte, gute Erfolge. _ Mtt Hochachtung Frau Clara Hübner, Flschzüchlerft- � Frankfurt a. D, Ferdlnaudstr. lt. d. 13 2. 06. Sehr geehrter Herr Kumbier I oße:'"' : als Skrofeln, Blnt- Zu meiner großen Freude kann ich Ihnen mstteiien. daß der sen Ihnen bezogen« Stahldrunnen stch bei mir so vorzüglleh bewährt hat, daß Ich nicht Unterlasten kann. Ihnen dafür meinen liefgefühilen Dank auszusprechen. Vor 5 Jahren stellte stch bei mir«in Magenleiden ein, da» von heftigen Kopfsohmerzon, Debelfcelt nnd häutigen Schwlndelaniällea begleitet war, nnd bei dem loh mich nnondiloh elend fühlte, zumal auch meine Nerven dabei sehr geschwächt waren. Der Appetit war sehr gering, nnd loh konnte nnr ganz leichte Speisen vertragen. IM Juli besuchte mich dann Frau Hübner an» Frankfurt a. C, die mir Ihren Stahlbmnnen empfahl, der in Ihrer Familie bei allen, die Ihn getrunken, so gute Wirkung gebracht Ich bestell!« 30 Fi. und merkte schon naoh oiner Woche Bozsernng. Nach Verbranch derselben waren alle krankhaften Eraohelnnngen beseitigt, doch erbot lch mir weitere 30 FL um die Besundheil noch mehr zu festigen, und hin jetzt von meinem Leiden vollständig befreit, mein Befinden tat ein vorr.figUohes, Neulich Hatte ich CelegenHeit. mit dem Arzte insammenzu» treffen, der mich vor einem Jahre dehandelle. Dieser drückte seine Ver- wnndemng über mein verändertes Aussehen ans nnd fragte mich, was loh gegen mein Leiden angewandt habe. Anch meint Bekannten, welche mich feil längerer Zeit nicht gesehen hatten, stnd erstaunt und sagen loh sehe um 10 Jahre Jünger aus. Nochmals herzlichen Dan! sagend, zeichne vzonken(Ostpreußen), den 3l. 1. 06.' f rou Qcoooorta Sehr geehrter Herr Kumbieri Neber den Erfolg Ihre» geschätzten„Berliner Stahldrunnen« Bei meinem Leiden, da» von vielen«erzlen alS Nenrasthesie erklärt wird die eine Folge von Magen-, Nerven- und Nierenleiden sei, kann ich Ihnen zn meiner Freude mitteilen, daß ich mich nach dem Gebrauch von öftrem Stahlorunnon, den loh allerdings 6 Monate getrunken, sehr wohl fühle. Zur Befestigung de» guten Bestnden« gedenke ich die Kur noch zu »on. Ihr dankbarer wlrderholen. Conrad BOttnsr. Weißensee-Berlln. LanghanSstr. 49, den 5. 13. 05. «ehr geehrter Herr Kumbier! Gelt Vier Jahren litt meine Frau an Magonsohmerzen, Blut arnint, Gallen- nnd Nierenleiden, verbanden mit einem Nervenleiden, da» ihr die«esergnng der Wirtschaft fast unmöglich macht« Der Arzt verotdneie, tüchttg zu esten, deeh fohlte dazu der AppoUt gan*. Nachdem meine Frau Jbren Stahlbrunnen einige Zelt getrunken, stellte aleh Appetit ein; nach 30 Fl, war sie bedeutend besser nnd naoh Verbranoh von 60 Fi. ist sie gesund, und werden wir nicht unierlasten. Ihren Stahl- brunnen weller zu empfehlen. Indem ich Hhnea für die schöne Wirrung meinen herzlichsten Dank auS. spreche, zeichne lch Hochachtungsvoll Brandenburg a. H. den 14 3 00. Hermann Qraau, gärbermeist«, Hingrwirjfii{ei noch darauf, daß der„Berliner Stahlbrnnnen- sich bejondöl« auch bei Stierenletdeu und«uugenleiden 8 cum im. Viele weitere Originaldankschreibe» aus neuerer und neuester Zeit liegen zur Einsicht bereit. Fabrik Rndolf Bartseh Oranienstr. 73. Gegr. 1889 Brautleute, achtet auf meine Firma! Möboltauf ist Vertrauenssache.'lausende meiner Kunden bekommen haben. Versäumen Sie also nicht, mein Lager in Jede Einrichtung ist fertig aufgestellt inaiiag. Salon, eleii. Speisezimmer öto. ScWafziBner, KlieliB moilero Mk. 1500.— sondern auch reelle Möbel Kaufzwang ausgeßchlossen. Wohn- und Speisezimmer eßnLSciilafziMP, We mcilerii ' Mk. 930.— Gutes Wohnzimmer Schlafzimmer und Küche Mk. 653.— TeilzaWunfir ovenlncll ffcstattcf. Große Posten gebranchtor Möbel billig _ Geöffnet Wochentags von 8—0 Uhr. Sonntags von 8—10 und 12—2 ühr. 5810L* 'Berantwortlichev Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.VWTlv�AerlinTÄruck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlägsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. itm zumm 3. DtilGe des LöMlirts" Kerliller KIKsIllM. l�itcrarifd�e Run4fd)au. HatriottSmuS und Sozialdemokratie von Karl Kautskh. Leipzig 1907. Verlag der Leipziger Buckidruckerei Aktiengesellschaft. Das Schriftchen enthält drei ursprünglich in der.Leipziger Volkszeitung" erschienene Artikel. Kautsky untersucht hierin das Wesen und die Gegensätzlichkeit des proletarischen und des bürger- lichen Patriotismus. Der erstere berührt sich wohl in einzelnen Punkten mit dem des Kleinbürgertums, der Handwerker und Bauern; so hat das Proletariat mit diesen Schichten das Streben, von eigener Arbeit und nicht von Ausbeutung zu leben, und damit den Verzicht auf Eroberungspolitik gemein; doch treten zwischen dem Patriotismus des Kleinbürgertums und des Proletariats bereits gewichtige linier- schiede zutage. Hängen jene an der Kleinbctnebssorm, so drängt das Proletariat zu größtmöglicher Produktivität der Arbeit und damit zum Großbetrieb. Die höchste Arbeitsproduktivität aber führt not- wendig über den nationalen Staat«inaus; sie ist nur erreichbar bei vollster Verkehrsfreiheit, beim yuiQmmcntvirten aller Völker der Welt. Daher die internationale Solidarität des Proletariats; sie ist das wesentliche Kennzetchen seines Patriotismus, durch das dieser sich vom Patriotismus ieder anderen Klasse unterscheidet. Vermöge der internationalen Solidarität steht dem Arbeiter der Klassen- genösse ftemder Zunge näher als die Klassengegner aus der eigenen Nation. Ist trotz einzelner Berührungspunkte der proletarische vom klein- bürgerlichen Patriotismus grundverschieden, so steht er zum Patriotismus deS Kapitals noch in weit schrofferem Gegensatz. Die Ausbeutung ist nur eines der Mittel, wodurch das Kapital den Profit steigert. Je mehr es nach dieser Richtung durch den Klassen- kämpf der Arveiter beschränkt wird, um so energischer wirft es sich auf die zweite Möglichkeit, den Mehrwert zu steigern: die Er- höhung der Produktivität der Arbeit. Beide Arten der Profit- bildung erzeugen den Klaffenkamps zwischen Kapital und Arbeit. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität aber ruft vorzugsweise die Gegensätze innerhalb der besitzenden Klassen hervor, einmal den Gegensatz zwischen fortgeschrittenen und rück- ständigen Betriebsformen, sodann den zwischen den Kapitalisten- klaffen der verschiedenen Länder. Die Kämpfe zwischen den nationalen Kapitalistengruppen spielen sich ab um die Absatzgebiete. den Weltmarkt, und mit steigender Produktivität der Arbeit und da- durch bedingtem steigendem Ausdehnungsdrang erleiden sie not- wendig eine fortgesetzte Verschärfung. Damit aber wachsen Kriegstechnik und Größe der Heere zum Schaden der Kultur. der Produktion, der Sozialpolitik, des Proletariats, deffen Söhne immer schwerer unter der Militärlast leiden. Der Patriotismus der Bourgeoisie siegelt die Bewegungsgesetze des Kapitals wieder, ist em AuSwuck seine? ProfithunaerS. Der proletarische Patriotismus kann tun ihm nichts gemein haben; er muß zu ihm in dem gleichen unversöhnlichen Gegensatz stehen, der den Klassenkamps zwischen Kapital und Arbeit beherrscht. Nachdem Kautsky so den Gegensatz deS Wesens untersucht, geht er über zum Gegensatz der Erscheinung. Wohl gibt eS Situationen, in denen proletarischer und bürgerlicher Patriotismus zu gemein- samem Wirken zusammenfließen können. So bei Herbeiführung und Behauptung nationaler Selbständigkeit und Unabhängigkeit, bei lleberwindung innerer Zersplitterung' zwecks Schaffung eines einheit- lichen Wirtschaftsgebietes. Bevorzugt das Proletariat, um das letzte Ziel zu erreichen, die Revolution, so bedient sich die Bourgeoisie lieber des auswärtigen Krieges und der Unterstützung einer herrschenden Klasse oder Dynastie. Je mehr aber die Macht des Proletariats wächst, umsomehr verschwinden die nationalen Käinpfe als die Ursache von Revolutionen, und nationale Probleme können dann nur noch mit und durch den Sieg des Proletariats gelöst werden. Auch der zweite Grund, der ehedem Proletariat und Bourgeoisie vereinigte, hat zu wirken aufgehört: die Verteidigung der Demokratie gegen den Absolutismus. Das Proletariat hat von jeher die Pflicht anerkannt, die fortgeschrittene Staatsform gegen Angriffe rückständiger Nationen zu verteidigen. So handelte das französische Proletariat 1870 im Kampfe für die Republik, so würde das deutsche Proletariat gehandelt haben gegenüber der russischen Despotie. Indessen trennen sich auch hier die Mittel und Wege. Die Bourgeoisie fördert das stehende Heerwesen, die Bewaffnung eines Vollsteiles und seine Abtrennung vom Volk. Das Proletariat fordert die Miliz, die Bewaffnung des ganzen Volkes. Die aus Gründen der inneren Politik erwachsenden Gegensätze der herrschen- den Klassen nehmen jedoch ständig ab, und so wird es immer un- wahrscheinlicher, daß noih jemals bürgerlicher und proletarischer Patriotismus sich vereinigen in der Abwehr gegen äußere An- griffe. Um so schärfer macht sich der Gegensatz beider bemerkbar. Sein Anwachsen entspringt dem Ausdehnnngsbedürfnis auf dem Welt« markt. Die proletarische Verkehrsfreiheit, die nicht mit dem Manchester- lichen Freihandel zu verwechseln ist, würde eine Steigerung der Produktivität der Arbeit zuwege bringen zugunsten des Wohl- standcs der Massen. Da jedoch die Kapitalisten das letztere nicht wollen, so wollen sie auch nichts wissen von dieser Verkehrsfreiheit. Nachdem sie sich die Massen als Produzenten und Konsumenten dienstbar gemacht, unterjochen sie dieselben mittels der Zollpolitik als Steuerzahler. Diese Art der Staatshülfe hat für die Kapitalisten den weiteren Vorteil, Profit und Grundrente künstlich zu erhöhen. Ferner nehmen sie den Staat in Anspruch, um ihnen überseeische Ausbeutungsgebiete erobern zu helfen, wodurch sich die Kriegsgefahr naturgemäß noch weiter steigert. Die ungeschickte Politik Deutschlands hat zwar die herrschende Spannung verschärft. Aber die allgemeine Ursache derselben ist doch in dem gleichen Profithunger der Kapitalistenklassen der verschiedenen Länder zu suchen. Dieser Lage kann nur durch eine internationale Aktion entgegengetreten werden. Die positive Be- kämpfung des Militarismus ist Sache der Sozialdemokratie und sie allein unterzieht sich dieser Aufgabe ernst und entschieden. Aber die internationale Aktion des Proletariats kann nur in der Form natio- naler Aktionen geführt werden, die sich bei allen größeren Kulturvölkern /z Uhr, in den„Germania-Prachtsälen", Chansseestrasie 110: WM" Große außerordentliche"MI as Mitglieder«Versammlung.= Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahlen zum VerbandSausschuß und zur Bcschwerdekommisfion. 2. Antrag der Verwaltung wegen der Treptower Sternwatte. 3. Ist die Getticrkschaftsbewcgnng eine Lebensfrage fnr die Arbeiter? Resercnt: Kollege Fritz Soegert, Gauletter zu Düsseldors. 4. Diskussion und Verschiedenes. Z» dieser Bersammlnng haben auch Richtmitglieder, fotvie Kollegen, welche Mitglieder anderer Organisationen sind, Zutritt, n»d sind dieselben hiermit freundlichst eingeladen. igy Die Versammlung findet mit Kranen statt.-QKi Kollegen I Wir erwarten zu dieser Versammlung das Erscheinen der gesamten Schmiede Berlins und der Vororte. Jedes Mitglied ist verpflichtet, für einen guten Besuch der Versammlung zn sorgen. 176/17_ Häc Ortsvcrwaltung. F. A.: W. Siering. C. 2, Stralauerstr. 48. Besfaurant iftserksehalts- � haus.\ - Engel-Ufep15.= tfienia 75 Pf. Heute Sonntag:. Schotensuppe. LachSsorclle mit Champignonsauceodet Spinat mit Kviclette. Gespicktes Rlnderiilet oder Schweins- kculc mit Sahnensauee. Kompott oder Salat. X Keicbtisltige 4benäligrte. X Wochentäglich: Grosser bürgerlicher Mittagstisch c™, 60 pi. Um zahlreichen Besuch bittet all- Genossen I�leli. �ugustlu. ulius Jfäeycr Restaurant, ßranienstf. 103 Jeden Sonntag: Gemüt). Beisammensein und Tanz. 1 Reste & zur Damenmantel-Konfeklion und| et Kindergarderobe. � rntterseiden u. Besaizartikel. Forlige Damen-Jacketts, Capes. � Kostflmröcke. 8ü* i » Reste zu ganzen Kostümen, farbig I - u. schwarz. LlstsCsIegenkeilskauk. f Wichtig für Schneiderinnen ~ und Damenschneider. i Panl Karle. M(1 Min. v. d. Hoch bahnst. Schl.Tor.) s V«« SIeuIIt-crstr.«7. i ■ vC* r'"'' f » II winüi! Kerren-Ka�schaeiderl A«-»«! Mittwoch, den 18 September 1367, abends S'/2 Uhr, im Gewerkschaftöhanse, Engel-User 15: Oeffentliclie ¥ersaiimiln]ig. Tage Sordnttn g: „Tariftreue und Friedensliebe der Arbeitgeber." Reserent: Kollege Kunze. Angesichts der Maßnahmen, welche zurzeit von den Arbeitgebern vor- bereitet werden, ist es Pflicht jedes Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einberufer. Achtung! Achtung! Damen- und Kinderkonfektion! Montag, den 16. September, abends 8'/, Uhr, in Staabeö Festsälen, Kolbcrgerstr. 23: Oetfentliehe Versaminliing. Tagesordnung: „Was haben die Konfektionsarbcitcr und-Arbeiterinnen zn tun, nm ihre Lage zu verbessern? Reserentin: Frau Thiede. Pflicht cincS jeden Kollegen und einer jeden Kollegin in der Konfektion ---- �etr Zentralverband Maschinisten»nd Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Sonntag, den 15. September, nachmittags 4 Uhr, bei Bcrcht, Ritterstraße 75: VcrftutimUmg. Tagcs-Ordnung: Vortrag tcä Genoffen Rehbein über: Die kulturelle Bedeutung der Gewerkschastsbcwegung. Diskussion und Verschiedenes. 151/1 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Achtung! Bitte Ausschneiden! Acbtungi Parteigenossen, Vereine und Gewerkschaften. ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. 166/4 Der Einberufer. Verein für f rawen m. pädchen der Erbeitcrktassc. Montag, 16. September, abends 8>/z Uhr, in,„Neuen Klilbhause", Kommandanten st r. 72: 55/19 AieKkdeutiW dtrUerkürgulg derArlikitsstit f.dieFrlUle« Resercnt: GewerlschastSsetretär Uliile. Gäste willkommen. Her Verstund. Ui Zahlstelle Berlin. Bureau: Wastmannstraste Nr. 32a, Hof parterre. Montag, den 16. September, abends 8'/, Uhr, im Lokal Englischer Garten, Alexanderstrabe 27o Versammlung für die Arbeiter der Schoßbranche. TageS-Ordnung: 1. Vortrag:„Preußische Znuäudr". Reserent: Redakteur Genosse Diiwcll. 2. Diskussion. 3. Krankenkassenangelegenheit. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Ortöverwaltuug. j16g/19 lauilaivashaud dar üviliuusülas Dautschlauds. === Ortsverwaltung Berlin.=== Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 138. Restaur. Wilke. Tel. Amt III, Nr. 8325. - Geschäftszeit von 10'/,-! Uhr. � Dienstag, den 17. September, vormitt. 11 Uhr, bei Wilke, Brnnnenstraße 188: EOT" AnOcrord entliehe"WU Mglisäsr- Vsrssmmwns. T s g es- O rd nnng:. Aufnahme neuer Milglleder. Beratung des Reglements zum Zentral- Arbeitsnachweis. Verschiedene». Ettchelnen eineS jeden Mitgliedes unbedingt notwendig. 50/7 Der Vorstand. hierdurch zur KennttilS, daß die Tanzlehrer �"äild......'''---—■ ,-„. 296/15 Otto Wildauer, beschästigt im Lokale Keller, Koppenstr. 20, Heinrich Köhler,•», Lorclcy, Nicdcrschönewelde, Kranz Krüger,»». Stechcrt, Spichcrnsäle, Richard Loch,..„ Kranz, Prachtiälc des Osten« nicht mehr Niitglieder unseres Verbandes sind, da sür Sie cS nicht mehr zettgemäst ist, als Tanzlehrer einer Organisation anzugehören, die aus dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht. Wir ersuchen nun deshalb bei Festlichkeiten uns diesbezügliche Bestellungen an unsere Geschäftsstelle» gelangen zu lassen: GewerkschaftshauS, Engcl-Uscr 15. Am 4, 4407. Restanrant Pavel» Große Franksurterstr. 99. Amt 7, 8028. Richard Heinrich, Wrangelstr. 107. Amt 4, 10381. Der Vorstand des Tanzlehrerverbandes„Solidarität" Berlins und Umgegend. EZrlklarnnA. Erkläre hiermit im Einverständnis mit dem Kontrolleur des Bäcker- Verbandes, daß ich mich nur von meinem Temperament fortreißen ließ und ein« cigcinliche Zurückziehung der bewiligten Forderungen von mir nicht beabsichtigt war. Nochmals erkläre ich, daß die Differenzen jetzt völlig gc- regelt lind. 29286 C. Dehme!, Bäckermeister, Stalitzerstr. 63. an 41® Misites von fi9@0 W. Kabinetts. 4,80 RH., W 360 in gntcr Ansführnug liefert Photograph. 1. Geschäft: PauUStraße 26, 275/3« 2.„ Dresdener Straße 138, 3. M FriedrichaSfraße 91/92, 4.„ Charlottenburg, Nehringstr. 1. Spezlalll: ßromsilker-Vergröpemiig bis JSeljcnsgröjle. crhiilt Jeder llcstoller eine Somi-Euiaillc- llas«a 61® airochc oder Vadcl, also ganz umsonst t Goilffnct von morgens 8 IJhr bis abends O Uhr. Sonn- and Festtage den ganzen Tag geöffnet. Teilzahlung!! wöchentlich I Mk. Herren-, Daineuilhrcn. Negnlateure, Freischwinger. Wecker, Keilen, Broschen, Obringc, Spez. 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Essen ist eine Zentrale der deutschen Gronindustrie. Essen ist berühmt als Ltanonenstadt, dort domiziliert auch eine Reihe Kohlenzechen. Hier ist auch der Sitz der mächtigsten Unlernehinerorganisation. Von hier aus dirigiert das Rheinisch- Wcstsälische Kohlensyndikat die Verhältnisse aus dem Kohlen« und Koksmarkt. Daneben besitzen die Kvhleit- Barone in dem ebenfalls in Esten domizilierenden»Verein für die Bergbaulichen Interessen' eine Organisation, durch die sie einen nicht zu unterschätzenden sozialen und politischen Einfluß ausüben. Im Handelskammcrbezirk Essen wurden im Jahre 190i gezählt: 29 Hochofenbetriebe, Eisen-, Stahl« und Walzwerke mit 6980 Ar- beitern, 116 Betriebe der Industrie der Steine und Erden mit 3284 Beschäftigten, 85 Metallverarbeitungsanlagcn. die 6724 Arbeiter beschäftigten, 167 Werke, in denen Maschinen, Werkzeuge, Instrumente und Apparate hergestellt und 13 822 Arbeiter be- schäftigt wurden, 22 Anlagen der chemischen Industrie beschäftigten 624 Arbeiter, in 16 Anlagen für forstwirtschaftliche Produkte. Oele, Fette, Farben usw. waren 961 Personen beschäftigt, in 20 Fabriken der Textilindustrie waren 1462 Arbeiter tätig, 6 Werke deyPapier- und Lederindustrie beschäftigten 152 Personen, diel Holz- und Schniystoff- industrie war mit 77 Anlagen und 1608 Beschäftigten vertreten, 15 baugewerbliche Betriebe zählten 1337 Arbeiter. 1855 Personen waren in 338 Betrieben der Nahrungs- und Genußmittel- industrie beschäftigt, in 319 Betrieben für Bekleidung_ und Reinigung wurden 1390 Beschäftigte gezählt, in 83 Betrieben des graphischen Gewerbes waren 1019 Arbeiter tätig, ein nicht näher bezeichneter Betrieb arbeitete mit 948 Personen, und 30 Bergbau- betriebe hatten eine Belegschaft von 43 070 Mann. Insgesamt waren im Handelskammerbezirk in 1217 Betrieben 87 242 Personen be« schäftigt. Hiervon waren 2313 männliche jugendliche und 3535 weibliche Personen. Auf den Stadtkreis Essen entfielen von der Ge- samtzahl 1193 Betriebe mit 53 965 beschäftigten Personen. Essen zählte 195 276 Einwohner, so daß jeder vierte Einwohner industriell tätig war. Ein großer Teil der aufgeführten Betriebe ist in dem Kruppschen Werk vereinigt. Auf der Gußstahlfabrik in Essen waren allein 30 000 Personen beschäftigt, während die Gesamtzahl der Kruppschen Untertanen sich aus 55 816 stellte. Zurzeit beschäftigt Krupp auf seinen diversen Anlagen über 60 000 Personen. Auf der Gußstahlfabrik waren im Jahre 1904 in den etwa 60 Betrieben in Tätigkeit: zirka 5700 Werkzeug- und Arbeitsmaschinen, 22 Walzcnstraßen, 153 Dampfhämmer von 100 biS 50000 Kilogramm Fallgewicht mit zusammen 250 223 Kilogramm Fallgewicht. 66 hydraulische Pressen, darunter 2 Biegepresien zu 7000 Tonnen, 1 Schmiedepresse zu 5000 Tonnen und eine zu 2000 Tonnen Druckkraft, 373 Dampfkessel, 514 Dampfmaschinen von 2 bis 3500 Pferdekräften mit zusammen 44 III Pferde- kräften, 669 Elektromotoren von zusammen 8219 Pferdelrästen, 608 Krane von 400 bis 150 000 Kilogramm Tragfähigkeit mit zu- Hammen 6 512 900 Kilogramm Tragfähigkeit. In den umliegenden Städten und Orten ist der Bergbau stärker vertreten. Sonst findet man im ganzen Industriegebiet überall ähn- liche Verhältnisse wie in Esten. Unter rhcinisch-westfälisches In« dustriegebiet wird gewöhnlich der zwischen Dortmund-Duisburg be» legene von den beiden Flüsten Ruhr und Lippe be- grenzte Landstrich verstanden. Dieses Gebiet hat das dichteste Eisenbahnnetz, hier findet man eine Unzahl von Fabriken und Zechen. Dieser ganze Komplex von Gemeinden, Klein- und Großstädten, den man mit dem Schnellzuge in einer Stunde durchfährt, ist eigentlich nur eine einzige große Fabrikstadt. Die schnellste Entwickelung des gewaltigen Produktivapparatcs datiert aus den letzten Jahrzehnten. Im Jahre 1792 wurden aus den 154 Kohlengruben des Obcrbergamtsbezirks Dortmund von 1357 Mann Belegschaft 176676 Tonnen Kohlen gefördert. Fast 100 Jahre später. im Jahre 1880, wurden 202Gruben gezählt mit 80 152 Mann Belegschaft. die eine Förderung von 22 495 204 Tonnen Kohlen erzielten. Von 1830 bis 1900 ging dann die EntWickelung mit Sturmschritten vorwärts. Im Jahre 1900 war die Anzahl der Werke auf 167 gesunken, dagegen die Belegschaft seit 1880 um 200 Proz. auf 226,902 Mann gestiegen, in derselben Zeit wuchs die Förderung auf 59 613 900. Dieses Tempo der Produktionssteigerung wurde in den letzten sechs Jahren noch weit überholt. 1906 hatte sich die Zahl der Werke wieder auf 175 vermehrt, die Förderung stieg auf 76 811 054 Tonnen, die Belegschaftsstärke war auf 278 719 Mann angewachsen. Gleichzeitig war die Erzeugung von Koks von rund 8\L Millionen Tonnen auf 15'/z Millionen gestiegen, und die Briketlfabriken, die 1900 erst 777 950 Tonnen produzierten, werfen jetzt 1 213 363 Tonnen ans den Markt. Mocken- Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Margarete. Montag: Der fliegende Holländer. Dienstag: Die weiße Dante. Mittwoch: Fidcllo. Donnerstag: Die Euijührung aus dem Serail. Freitag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Samson und Dalila. Sonntag: Mignon. Montag: Loheugrin.(Ansang 7 Ulir.) Köuigl. Schauspielhaus. Sonntag: llricl Acosla. Montag: Die Nabensteincrin. Dienstag: Othello. Mittwoch: Die Rabensteinerin. Donnerstag: Hamlet. Freitag: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend; Die Nabensteinerui. Sonntag: Ein Fallissement. Montag: Die Rabensteinerin. Sicnes königl. Opern- Theater. Sonntag: Der Barbier von Sevilla.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Das Wiiitmnärchen. Dienstag: Prinz Friedrich von Homburg. Mittlvoch: Der Kausmann von Venedig. Donnerstag: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag: Robert und Bertram. Sott-abend und Sonnlag: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Minna von Barnhelm. Deutsches Theater tK a m m e r s p i e 1 e). Sonntag bis Dienstag: Frühlings Erwachen. Mittwoch: Die Neuvermählten. Fräulein Julie. Donnerstag: Liebelei. Freitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend und Sonntag: Liebelei. Montag: Frühlings Erwachen. Berliner Theater. Sonntag: Die tanzenden Männchen. Montag: König Richard III. Dienstag bis Sonntag: Die taiizenden Männchen. Montag: König Richard III. Lcssing-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Weber. Abends: Die Stützen der Gesellschaft. Montag: Wenn wir Toten erwache». Dienstag: Hedda Gabler. Mittwoch: Die Stützen der Gesellschast. Donnerstag: Kollege Crampton. Freitag: Die Stützen der Gesellschaft. Sonnabend und Sonntag: Der Bund der Jngend.(Ansang Uhr.) Montag: RoSmersholm. Neues Theater. Sonntag bis Mittwoch: Der Dieb. Donnerstag biS Montag: Jhavatralhe. Liebe. Neues Schauspielhaus. Sonntag und Montag: Das GlaS Wasser. Dienstag: Herthas Hochzeit. Mittwoch: Alt-Heidclberg.(Ansang 7'/, Uhr.) Donnerstag"und Freitag: DaS GlaS Wasser. Sonnabend: Alt-Heideiberg. (Ansang 7-/, Uhr.) Sonntag: Nafties. Montag: Herthas Hochzeit. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nachialyi. Abends: Datcr und Sohn. Montag: Die Stimme der Unmündigen. Dienstag und Mittwoch: Vater und Sohn. Donnerstag: Die Stimme der Unmündigen. Freitag: Vater und Sohn. Sonnabend: Die Stimme der Unmündigen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends: Vater und Sohn. Montag: Unbestimmt. Residenz-Theater. Allabendlich: Haben Sie nichts zu verzollen? Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Carmen. AbendS: Werther. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Werther. Mittwoch: HoffmannS Erzählungen. Donnerstag: Figaros Hochzeit Freitag: Wcrther. Sonnabend: Carmen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Carmen. Abends: Werther. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Theater des Westens. Sonnlagnachtiiittag 3 Uhr: Frühlingsluft. Allabendlich: Die lustige Witwe. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Frühtingsiust. Schiller- Ti-rnter Sonntagilachmitlag 3'/, Uhr; Traumulus. Abends: Die«chmugglcr. Montag: Monna Vanna. Dienstag: Der Herr Senalor. Mittwoch: Die Schmuggler. Donnerstag: Monna Vanna. Freitag: Die Schmuggler. Sonnäbend nachmittag 3 Uhr: TraumuluS. AbendS: Der Herr Senator. Schiller- Theater Ccharlotteuburg. Götz von Berlichingen. Abends: Heimat. Dienstag: Monna Vanna. Mittwoch: Götz von Berlichingen.'Donnerstag: Der Herr Senator. Freitag: Eiötz von Berlichingen. Sonnabend Der Herr Senator. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Monna Vanna. Abends: Götz von Bertichintjen. Montag: Götz von Berlichingen. Friedrich-WUhelinstadtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends: Winterschlaj. Montag: Die Nibelungen. Dienstag und Mittwoch: Winterschlaf. Donnerstag: Die Nibelungen. Freitag: Winierschlaf. Sonnabend: Der blinde Passagier. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Jugend. Abends und Montag: Der blinde Passagier. LuftspielhauS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Unsere Käte. Allabnidtich: Husarensieber. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die von Hochsaltcl. Abends und Montag: Husarensieber. Zcntral-Tveater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Puppe. Abends M"—Heus m der Unterwelt Dienstag: Die Geisha. nterwelt. Donnerstag und Freilag: Die Geisha. Sonnabend und Sonntag: Unsere blauen Jungens. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Puppe. AbendS und Montag: Unsere blauen JungcnS. Luise»- Theater. Sonniagnachniiltag 3 Uhr: Turandot. AbendS: Carmen. Monlag: Die beiden Rcichcnmüller. Dienstag: Carmen. Mittwoch: Turandot. Donnerstag: Die beiden Reichcnmüllcr. Freitag: Amerikaseppcl. Sonnabend: Gebildete Menschen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Don Carlos. AbendS: Amerikaseppel. Montag: Die beiden Reichcnmüllcr. Thalia-Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Staatsanwalt Alexander. Allabendlich: Ihr SechS-Uhr-Onkel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bis früh um Fünse. Montag: Ihr Sechs-Uhr-Onkel. Triauon-Theater. Allabendlich: Fräulein Josette— meine Frau. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Madame X. Metropol-Theater. Allabendlich: DaS muß man seh'n I ZIpvllo-Thcnter. Allabendlich: Sylvester Schässcr. Spezialitäten. Walhalla-Theater. Spezialitäten. Bernharv Rose< Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der große Unbekannte. Sonntagabend bis Dienstag: Der Heid des Tages. Mittivoch: Die Fledermaus. Donnerstag bis Sonnabend: Der Held des Tages. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Der große Uitbelaimte. Abends und Montag: Der Held des TagcS. Monna Vanna. Der Herr Senator. Sonntag Monlag; Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Montag: Der Herr senalor. Die Geisha. Montag: Orphe Mittwoch: Orpheus in der Uni Theater an der Spree. Allabendlich: Der Akiienbudiker. Gebr. Herrnfrld- Theater. Mabendlich: Madame Wig-Wag. Es lebe das Nachtleben. Figaro-Theater. Allabendlich: Paris. Die Klaue. Unterm Bett. Pajsage-Theater. Ailabendüch: Lona Nansen. Spezialitäten. Prater-Theater» Allabendlich: Der Tanzteusel. Spezialitälcn. </, To. 50—120. Sardinen, ruff., Faß 1,50—1.60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neiuiangen, Schocksaß II, do. kleine 5—6, do. Niesen« 14. Krebse per Schock, große 0,00, do. mittelgroße 9,50—12,50, do. kleine 2—3, do. unsortiert 4,00— 4,20, Galizier, groß 0,00, do. unsort. 0,00. Eier, Land,, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,00. Butter per 100 Psd. la 118-122, IIa 108-117, lila 100-108, absallende 90-95. Saure Gurken, neue,«chock 4,00. Pseffcrgurken 4,00. Kartoffeln ver 100 Pid. Daberschc 2,50—3,00, weiße runde 2,50—2,75, blaue 0,00, Rosen- 2,00—2,25, Nieren« 0,00. Porree, Schock 0,50— 1,00. Meerrettich, Schock 5—10. Spinal per 100 Psund 12—15. Sellerie, per Schock 2.00—8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 3,00—4,00, do. Perl- 40,00—75,00. Chaloiten 40,00—50.00. Petersilie, grün, Schockvund 0,75— 1,00. Kohlrabi Schock 1,00— 1,25. Rettich, bahr., neuer Stück 0.07— 0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50. Mohrrüben, 100 Psund 3,00 bis 3.50. Karotten, hiesige, Schvckbund 2,00—3,00. Wirsingkohl ver Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 6—12. Weißkohl 4— 8. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Ersurtcr 100 Stück 6—10. Kohlrüben, Schock 4,00—6,00. Pclersillenwnrzeln, Schockbund 3,00—4,00. Schoten per 100 Psund 10—35. Psesferlinge per 100 Psd. 6—8. Steinpilze per 100 Pfund 16—30. Radieschen per Schockbund 0,75—1,00. Salat per Schock 1,00—2.00. Gurken, Einmache-, Schock 10—25, do. böhm. Schock 0,00, do. Licgnitzer Schock 2,75—5,00, do. Rothenburger 2—2,50. Bohnen. grüne, 100 Psund 8—20. Wachsbohncn, per 100 Psund 15—30. Tomaten per 100 Psund 12—16. Rote Rüben, per 100 Pfund 2,50—3,0». Rübchen, Telt., per 100 Psund 11—12. Blaubeeren per 100 Psd. 10—16. Johannisbeeren per 100 Psund 10—16. Preißelbeeren per 100 Psund 20—24, schwedische 24—26. Birnen, 100 Psd., Tiroler 20—35, hiesige 5—15, Salandcr 12—24. Pfirsiche, hics. per 100 Psd. 10-20, ital. in Kistchen zu 12 Stück 0,75 bis 1,50, do. in Körben la per 100 Psd. 18—25, do. Ha in Körben per 100 Psd. 10—15. Aepsel, Italienische, per 100 Psund 0,00, ung. 0,00, hiesige 5—13, Gravensteiner la 15—25, do. IIa 10—20. Tiroler la 25—50. Ha 13—30, Hasenköpse 10—15. Pflaumen, ital. pr. 100 Psd. 0,00, Reineclauden 0,00, hiesige 4—7, ungarische 5—12, Badcner, Früh., 0,00, serbische 6—10. Weintrauben, sranzösische, per 100 Psd. 15—24, italienische 14—20. Ananas I, per Psd. 1—1,10, do. II 0,00. Zitronen, Mcsstna. 300 Stück 12,00—20,00, do. 360 Stück 12,00—18,00, do. 200 Stück. 12,00—16,00, do. 150 Stück 7,00—10,00. Bananen, gelb, per 100 Pfd. 14,00—20,00, grün 0,00. Melonen, per 100 Psd. hiesige 0,00, ital. 10— IS, stanz. 0,00, Holl. 5—15, spanische 0,00, ungarische 10—12. M in den nächsten Tagen und erfolgt weitere Bekanntmachung. M Direkt am Bahnhof Alexandcrplatz ICO]llg�Stl*dß6 33 Neben der Zcntral-IIarhthalle. rj iiw«, � *.■,•■••■ Gegründet 1825. Fr Berlin C., Alexanderplatz. sto-iiiiW WWW iiriiH- 1. WW P ipj Ol vom 17. September bis 12. Oktober. - GestlcHte Dekoration aus gutem Velour-Plüsch mit reicher Stickerei u. Applikation. Farben: bordeaux, grünoliv und blaugrau. FlflgelgrSBe 40X 300 Querbehang 40* 180 Q AA sonst M. 13,50, jetzt M. Diwan- Rückwand- Dekoration aus gutem Pilztuch in bordeaux, grünoliv oder blaugrau. Stickerei passend zu nebenstehender Fenster- Dekoration. 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Der Magistrat von Berlin hielt es für seine Pflicht, mit den benachbarten Gemeinden in ver- trauliche Beratungen darüber einzutreten, welche Schritte in Wahrnehmung der Interessen der Bürgerschaften der Reichshaupt- stadt und ihrer Vororte zur Begegnung solcher Absichten zu unter- nehmen seien. In einer vom Magistrat der Stadt Berlin auf den 4. April d. I. in das Berlinische Rathaus berufene Versammlung, an der Vertreter fast aller dem Grunewald benachbarten Gc- meindcn teilnahmen, wurde beschlossen, in einer Eingabe an den Kaiser der Beunruhigung über die zunehmende Veräußerung von Teilen des Grunewaldes Ausdruck zu geben und zu bitten, daß solche Verkäufe zu Spekulationszwcckcn nicht mehr stattfinden möchten. Diesem Beschüsse ist der Berliner Magistrat beigetreten, und ebenso die Magistrate von Charlottenburg, Potsdam, Schöne- bcrg, Spandau und Wilmersdorf sowie der Kreisausschuß für den Kreis Teltow und die Gemeindcvorstände von Friedenau, Grüne- Wald, Groß-Lichterfelde, Schmargendorf, Steglitz, Wannsce und Zchlendorf. Unter dem 1. Mai d. I. ist dann in Ausführung dieses Beschlusses �eine von den genannten Behörden gemeinsam unter- zeichnete Bitte an den Kaiser abgesandt, in der es unter anderem heißt:„Im preußischen Abgeordnetenhause haben im Laufe der gegenwärtigen Session Verhandlungen stattgefunden, die den dem königlichen Forstfiskus gehörigen Grunewald betreffen. Vom Regierungstische sind in der Kommission und im Plenum Acußc- rungcn gefallen, die so gedeutet worden sind, als beabsichtige die Staatsregicrung, Teile des Grunewaldes zu Bauzwecken zu ver- kaufen, um daraus Mittel für die Aufbcfferung von Ocdländercien in anderen Teilen der Monarchie zu gewinnen. Zwar ist später die Erklärung erfolgt, daß es sich nur darum handele„einige Teile vom Grunewald zu verkaufen, nicht ade: das Gros desselben anzugreife n", indes haben jene Verhandlungen in Verbindung mit allerlei sonstigen Gerüchten über neuerdings geplante Verkäufe von Teilen deS Waldgcbietes in der Ocffentlichkeit bereits die allergrößte Beunruhigung hervor- gerufen. Für die Bewohnerschaft Berlins und seiner Vororte hildet der Grunewald mit seinen Naturschönheiten jahraus, jahrein eine reiche Quelle der Erholung, und nicht zum wenigsten sind es die minderwohlhabenden Kreise der Bevölkerung, die in seiner herrlichen Natur Stärkung des Geistes und Körpers und Kräfti- gung zu neuer Arbeit finden. Das Schicksal dieses alten märkischen Forstes muß daher der lebendigsten Anteilnahme bei den vielen Hunderttausendcn unserer Bürgerschaften begegnen." Der Kaiser wird schließlich gebeten, dahin Entscheidung treffen zu wollen, daß jener schöne Wald auch fernerhin seinem ganzen Umfange nach dem Zwecke der Erholung der Bevölkerung Berlins und der Vororte erhalten bleibe. Auf diese Eingabe ist vom Landwirtschafts- Ministerium im Austrage des Kaisers der Bescheid ergangen, daß der Kaiser nicht die Absicht habe, die Verwüstung der Hauptbestand- teile des Grunewaldes als Baugelände zu genehmigen. Diese Antwort ist sehr mager. Sie schließt ein, daß doch mehr oder minder große Teile des Grunewaldes der Bauspekulation aus- geliefert werden, nur nicht die„Hauptbestandteile". Man will gütigst noch ein paar Reste stehen lassen, die zukünftigen Generationen Zeugnis ablegen sollen, daß der Staat es war, der als Waldvcrwüster der Volksgesundheit großen Schaden zu- gefügt hat._ Tic weitere» Ermittelungen zur Aufklärung des Eisenbahn- frcvels bei Strausberg haben dahin geführt, daß der Arbeiter Otto- Gabler aus Eharlottenburg von der Kriminalpolizei wieder auf freien Fuß gesetzt, der Schuhmacher Otto Leistner aus Strausberg dagegen unter dem dringenden Verdacht der Teilnahme an dem Verbrechen der Staatsanwaltschaft vorgeführt wurde. Gegen Gabler lag nichts Erhebliches mehr vor, nachdem die Gegenüber- stellung mit dem Straßenbahnschaffner ihn auch entlastet hatte. Die Ucberführung irgend eines Verdächtigen aber wird wohl nicht eher möglich sein, als man den Besteller deS Schlüssels festgestellt hat. Der Besteller ist, wie nach abermaliger Vernehmung aller Zeugen, die ihn gesehen haben,-»wch einmal mitgeteilt sei, ein Mann von 23 bis 2a Jahren, 1,68 ris 1,70 Meter groß und sehr schlank. Er hat blondes, halblanges und glattes Haar, einen kleinen blonden, nicht allzukräftigen Schnurrbart, der gestutzt war, ein langes hageres Gesicht von nicht sehr gesundem Aussehen, einen zienilich großen Mund und eine gebogene Nase, die dann nach der Spitze zu etwas dicker wird. Das Nachschleppen des linken Fußes ist kaum be- merkbar. Der Kritik des Baues des Birchow-KrankenhauseS vurch Professor Lcnhartz-Hamburg auf der Hauptversammlung des� Vereins für öffentliche Gesundheitspflege ist von den Ver- tretern Berlins entgegengetreten worden. In der Besprechung nahmen unter anderem Stadtbaninspektor Tictze, Geheimer Sanitätsrat Straßmann, Geheimer Regierungsrat Ohlmüller, der Verwaltungsdirektor des Rudolf Virchow-Krankenhauscs. das Wort, um unter dem lebhaften Beifall der Versammlung Widerspruch gegen die Vorwürfe zu erheben, die man gegen die Bauleitung und Verwaltung des Virchow-Krankenhauses gemacht hatte. Stadt- bauinspektor Tietze-Bcrlin fragte, ob da, wo man billigere Kranken- Häuser baue als in Berlin, auch die gleichen Leistungen vorhanden seien, ob man auch eigene Wasserwerke habe wie in Berlin, eigene Elektrizitätswerke, eigene Kühlanlagen usw., ob auch die Betten von derselben Güte seien und anderes mehr. Es sei unlogisch den Wert eines Krankenhauses nach den Kosten eines Bettes zu be- rechnen.— Geheimer Sanitätsrat Straßmann: Der Bau des Virchow-Krankenhauscs ist stets und überall in Ilebereinstimmung mit den ärztlichen Beratern ausgeführt worden. Wenn wir wieder einmal vor einer Epidemie stehen sollten, und fast scheint es so, als ob etwas in der Luft schwebte(Bewegung), dann ist es gut, lvcnn die Millionenstadt Berlin einige hundert Betten zur Ver- fügung hat.— Geheimer Regierungsrat Ohlmüller erklärt unter der Heiterkeit der Versanimlung, daß er den Referenten seinerzeit im Virchow-Krankenhausc umhergesührt habe, und daß er ihm zuerst den großen Rcpräsentationssaal gezeigt habe. Diesem gegenüber mußten die Pavillons freilich etwas eng erscheinen. Er hätte die Führung wohl besser so unternommen, daß er ihm erst die Pavillons zeigte und nachher den großen Saal, dann wäre vielleicht der Eindruck ein besserer gewesen.(Heiterkeit.) Wir sind auck der Meinung, daß Professor Lenhartz in seiner Kritik über das Ziel hinausgeschossen hat. Wir können uns der „Volks-Zeitung" nur anschließen, die da schreibt:„Wir sind glück- licherweise in Berlin über den Standpunkt hinweggekommen, der leider lange genug ausschlaggebend war, daß nämlich die Billig- keit bei allen Krankcnhausbauten den Ausschlag gab. Nicht darauf darf es ankommen, sondern Zweckmäßigkeit und die weitgehendste Anwendung aller Hcilfaktorcn müssen die ausschlaggebenden Momente fein. Dazu gehört auch eine freundliche Umgebung und die Möglichkeit, den Patienten den Aufenthalt in frischer Luft zu gestatten. Und gerade das ist beim Virchow-Kraukcnhause in geradezu idealer Weise erreicht worden. Diese Rücksichten, nicht die architektonischen, haben den Bau beherrscht. Und daß dieser Bau in geschmackvollen, schönen und freundlichen architektonischen Formen ausgeführt wurde, ist ebenfalls ein Vorzug, der den Kranken zugute kommt. Denn sie fühlen sich in ihrer aus freund- lichcn, niedrigen, weißen, grün berankten Häusern bestehenden Krankenstadt wohlcr als in großen Korridorbauten." Wandalen im Familicnbad Wannsce. Unter dieser Spitzmarke brachten wir in der letzten Nummer eine Notiz über die Zerstörung der Zelte im Familienbad Wannsee. Die Art und Weise, in der das Zcrstörungswerk erfolgt war, ließ darauf hindeuten, daß die Urheber in mutwilligen und diebischen Burschen zu suchen waren. Wie uns jedoch seitens einer Reihe von Zeltbesitzern mitgeteilt wird, sind die Zerstörungen und Fortschaffung der Zelte durch die— Zehlendorfer Polizei verursacht worden. Einer der Geschädigten, der Speisewirt Alfred K. aus Berlin, macht über das seltsame Einschreiten der Polizei folgende Dar- stellung: Als er am Donnerstag Morgen nach dem Waunsee- strand kam, mußte er die unangenehme Entdeckung machen, daß sein wertvolles Zelt vernichtet und die besten Teile davon gestohlen waren. Auch den anderen Badenden war in der gleichen Weise mit- gespielt worden. Am Tage stellte man wieder andere Zelte auf und in der Nacht zum Freitag legte sich K. in seinem Zelte auf die Lauer. Gegen 10 Uhr abends steckte plötzlich ein Mann den Kopf in das Zelt hinein und K., der in dem Glauben lvar, es sei einer der Täter, wollte den Eindringling mit einem kräftigen(Est""' wurf begrüßen. Als er in dem Manne jedoch einen Polizei- wachtnieister erkannte, ließ er davon ab. Der Beamte machte deni K. nun klar, daß er gekomnlen sei, die Zelte herunterzureißen. Tatsächlich waren mit dem Beamten ein Förster, mehrere Arbeitsburschen mit Aexten und ein Fuhrwerk erschienen. K. sagte dem Beamten direkt ins Gesicht, sein Vorgehen sei nichts anderes als Diebstahl, und er schrecke nicht vor dem Aeußersten zurück, wenn man ihm sein Eigentum widerrechtlich wegnehme. Der Beamte zog eS schließlich vor, nach den anderen unbewachten Zelten zu gehen. Bon fern vernahm bald darauf K. Axtschläge, und das Zerstörungswerk war wieder im vollen Gange. Nach getauer Arbeit entfernte sich der Beamte mit seinen Begleitern und dem Fuhrwerk. Als morgens die Badenden nach�ihren erst am Tage vorher errichteten Zelten suchten, waren sie wieder verschwunden oder zerstört. Bisher hat noch keiner der Geschädigten von irgend einer Seite eine Aufforderung erhalten, sein Zelt wieder abzuholen. Auch vorher war den Besitzern nichts davon gesagt worden, ihre Zelte loährcud der Nacht vom Strande zu entfernen. Einige der Geschädigten wollen gegen die Polizeibehörde klagbar vorgehen, da ihnen ihr Eigentum widerrechtlich zerstört bezw. forigenominen worden ist. Von einigen Zelten sind die wertvolleren Bestandteile mitgenommen, die anderen zerrissen an Ort und Stelle gelassen worden. Was den Beamten z». seinem eigenartigen Vorgehen veranlaßt hat, bedarf noch der Aufklärung. Bemerkt sei noch, daß das Badeterrain Zehlendorfer Gebiet ist._ Ein schwerer Straßeubahnuufall hat sich gestern in der Ritter- swaße zugetragen. Die 40 Jahre alte Arbeiterin Minna Kiel, Pannierstr. 14 wohnhaft, hatte den Straßenbahnwagen Nr. 1369 der Linie Rixdorf— Dönhoffplay benutzt. An der Halteftelle an der Ecke der Prinzen- und Nilterstrnße tpraug sie vom Vorderperron ab, lvährcnd sich der Wagen noch in der Fahrt befand. Die Unvorsichtige kam zu Fall und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu. In bewußtlosem Zustande wurde sie in das Krankenhaus am Urban eingeliefert. Arbeiter-BildungSschnle Berlin. Heute, Sonntag, den 15. Sep- tembcr: Familienausflug nach Treptow. Treffpunkt von nachmittags V-S Uhr ab Ronnenbergs Restaurant„Zum Park- schloß", Köpcnicker Landstraße 254, Ecke Parkstraßc, in der Nähe der Endhaltestelle der Straßenbahn gelegen. Rege Beteiligung er- wartet das Komitee. Bernhard Nese-Thcatcr. Die Tetektivstücke wollen nicht ab- reißen. Weil„Der große Unbekannte" im Bernhard Rose-Theater über 100 Aufführungen erlebte, hält eS die Direktion für gebotgn, einstweilen auf diesem Gebiet länger zu verweilen. Der Verfasser der obigen Komödie— Kurt Matull— hat sich hingesetzt und eine Art Fortsetzung geschrieben, die am Freitag unter dem Titel„Der .Held des TageS" zum ersten Male zur Aufführung gelangte. Der Held des Tages ist niemand anders als„der große Unbekannte" Lord Lister genannt Rafflcs, der aus Sport sich dem Verbrechen in die Arme geworfen hat. Er hat es auf Juwelen abgesehen; je gewagter, je gefährlicher seine Streiffahrten sind, desto besser ist es. Die Spürertätigkeit ist diesmal zur Abwechselung in die Hände einer Dame gelegt. Immer, wenn ihm die Spürcr auf den Fersen sind, gelingt es Lister, der sich in der Rolle eines Prinzen und in der eines Polizcikapitäns gefällt, denselben im entscheidenden Momente ein Schnippckien zu schlagen. Zum Schluß läßt sich der Verfasser die Möglichkeit offen, noch einige Fortsetzungen zu schreiben. Ob er dazu kommt, ist freilich fraglich. Das Interesse für Dctektivstücke dürfte besonders nach dieser Fortsetzung bald er- schöpft sein. Die Darsteller gaben sich Mühe, dem Stoff etwas Leben einzuhauchen, es wollte ihnen aber nicht recht gelingen. Im Luisentheater wurde am Freitag zum ersten Male „Carmen", Schauspiel mit Gesang und Tanz in 4 Akten, gegeben. Trotzdem der Text von Braun zu einem Opercttenlibretto zurecht- gestutzt ist, fand der Stoff ein dankbares Publikum. Das HauS war ziemlich ausverkauft. Der Hauptantcil an dem Erfolg der Vorstellung fiel dem Regisseur Herrn Albert Blumenreich zu, der Vorzügliches leistete. In der Titelrolle suchte Fräulein Gustel Sieger unter Aufwendung aller ihr zu Gebote stehenden Mittel ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Nicht unerwähnt lassen wollen wir die Leistungen der Frau Elise Hüftel, die als Zigeuncrmuttcr und alte Hexe ihr möglichstes tat. Bei dem Ballett tat sich be- sonders die Solotänzerin Milani hervor. Im großen und ganzen bot die Vorstellung ein abwcchselungs- und farbenreiches Bild. Das Prater-Thcater eröffnet am Montag, den 16. d. M., seine Spielsaison mit der Erstaufsiihrung der Novität:„Bühne und Welt" von Paul Hankel. Arbeiter-Samaritcrkolonnc. Montagabend bei Dase, Brunnen- straße 154, ordentliche Mitgliederversammlung. Mitteilungen des Vorsitzcndcä und Kassierer?, Bericht der Kommission, Wahl deß zweiten Schriftführers und Verschiedenes. Nur Mitgliedsbuch legi- timiert. Tie Versammlung wird pünktlich 0 Uhr eröffnet. Der neue Kursus beginnt in allen Abteilungen Anfaüg Oktober. Lchrpläne können durch E. Stein, Eharlottenburg, Kaiser Fricdrichstr. 40, bezogen werden. Feucrwchrbericht. In der Nacht zum Sonnabend kam ein sehr gefährlicher Brand in einer Holzbcarbeitungsfabrik in der Schön- hauser Allee 161a zum Ausbruch. Um Mitternacht brannten dort Hölzer usw. Die Flammen gefährdeten die übrigen Betriebe. Dem 3. Zuge gelang es, durch kräftiges Wassergeben den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Der 19. Zug hatte in der Fricdrichstr. 190 zu tun, wo in einem photographischen Atelier Feuer ausgekommen war. Gleichzeitig mußte in der Höchstcstr. 12 ein Brand gelöscht werden. Wäsche brannte dort. In der Wicncrstr. 50 war abends in einer Schallplattenfabrik Feuer entstanden. Papier, Schall- Vlatten usw. brannten hier. Durch Enrzündung von Watte kam üi der Kastanien-Allee 05/96 Feuer aus. und durch Entflammung von Schwefel in der Auguststr. 87. Längere Zeit hatte die Feuer- wehr in der Neustädtischcn Kirchstr. 3 zu tun. Dort stand ein Keller in Flammen. Wegen der großen Pcraualmung muhte die Wehr beim Löschen einen Rauchschutzapparat benutzen. Hausrat. Papier u. a. wurden dort ein Raub der Flammen. Ferner hatte die Wehr in der Landsbcrgerstr. 110, Dragonerstr. 5, Schmidt- straße 2a, Beuthstr. 20. Jakobstr. 24(Jakobshof), Schwcdtcrstr. 34 und an anderen Stellen zu tun, wo Kisten, Säcke, Gardinicn, Papier usw. in Brand geraten waren. Grober Unfug lag einer Feuermcldung aus der Triststraße zugrunde. Vorort- Nixdorf. Für den modernen Grohstadtbewohncr, insbesondere für den Arbeiter ist eine der wichtigsten Fragen die des Verkehrswesens. Immer mehr macht sich in Groß-Berlin die Tendenz geltend, die inneren Stadtviertel aus Wohngcgenden in Geschäfts- und Judustricgcgenden zu verwandeln. Immer weiter hinaus wird die Bcvölleruug gedrängt; immer länger werden die Wege von der Wohnung zur Arbeitsstelle, immer schwieriger wird die Beförderung aus der Peripherie in die City. Die Sozialdemokratie widmet des- halb in den Kommunen ihre Hauptaufmerksamkeit dem Verkehrs- wescn und hat auch schon manche Besserung erzielt. Tie Arbeiter- schaft Rixdorfs hat nun in der Erkenntnis, welches Interesse die Arbeiter und auch die übrige gesamte Bürgerschaft Rixdorfs an der Verbesserung des Verkehrswesens von Groß-Berlin hat, zum Dienstag, deirl?. September, eine Volksversammlung in den großen Saal der„Neuen Welt" in der Haseuhcide einberufen, zu der auch Magistrat und Stadtverordnete von Nixdorf eingeladen sind. In dieser Versammlung wird der Ingenieur Grempe einen Lichtbildervortrag über modernes Verkehrswesen halten und der Stadtverordnete Dr. Silberstcin seine Erfahrungen mitteilen, die er in mehrjähriger Tätigkeit in der Vcrkehrsdeputation über das Verkehrswesen Groß-Bcrlins und insonderheit über die Art, wie die Große Berliner Straßenbahn die Verkehrsinteressen der Gemeinden wahrnimmt, gesammelt hat. Bei dem großen Interesse, das die Bevölkerung an dieser Frage hat, ist ein Massen- besuch der Versammlung sehr wünschenswert, um den Verkehrs- gescllschaften Groß-BcrlinS vor Augen zu führen, wie wenig die Bevölkerung Rixdorfs und Groß-Berlins mit dem bisherigen Ver- kehr zufrieden ist. Eine auch von Frauen gut besuchte Bolksvcrsammlung beschäftigte sich am Dienstag mit der GsnosicnschaftSbewegung._ Genosse G ö h r e als Referent gab ein großzügiges Bild der genosienschaft- lichen Entlvickelung von den Schulze-Dclitzschen Anfängen bis zu der gegenwärtigen, dem Gedanken der modernen Arbeiterbewegung cnt- sprechende» Form. Er zeigte weiter die Vorteile, die der genossen- schaftliche Konsum der Bevölkerung bieten könne. Die Ausführungen des Redners gipfelten in dem Wunsche, daß die Arbeiterstadt Nixdorf bald eine kräflige genossenschaftliche Bewegung aufweisen möge, die dann für Groß-Berlin als leuchtendes Vorbild dienen könne. Nach- dem im Sinne des Referenten eine Diskussion stattgefunden, gc- langte zum Schluß eine Resolution zur einstimmigen Annahme, in der sich die Versammelten zum Eintritt in die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend verpflichten. � Der Versammlung wurde davon Kenntnis gegeben, daß die Eröffnung der neuen Verkaufs- stelle in Rixdorf, Herrfurthstr. 6, Ecke Weisestraße, am Sonnabend, den 14. September, erfolgt, und die neugewonnenen Mitglieder aus- gefordert, als rege Käufer ihren gcnojseuschastlichen Verpflichtungen nachzukommen. Ein schwerer AutomobilunfaN hat sich gestern nachmittag in der Mainzerstraße ereignet. Auf dem Bürgersleige hatten mehrere Kinder gespielt. Eines der Mädchen, die achtjährige Tochter des Arbeiters Gcisler aus der Mainzerstraße 16, tief dabei auf den Fahrdamm und geriet an ein vorübcrkommoiides Droschlenautoinobil. Die Kleine wurde umgerissen und die Räder gingen ihr über beide Beine hinweg. Sie erlitt schwere Kuochenbriichc und fand im städti« scheu Kraiikenhause Aufnahme. Chnrlottenburg. Die Charlottenburger Gewerkschaftskonimission erledigte in ihrer am 12. d. M. im„Volkshause" abgehaltenen Sitzung im Ver, ein mit den Vorständen der einzelnen Gewerkschaften zuerst eine Agitationsangclegenheit, die Charlottenburger freie Jugend- organisation betreffend. Das Vcreinsmitglicd Schiller erläuterte in formvoller Rede die Ziele der freien Jugendorganisation, den gegenwärtigen Stand derselben und ersuchte, für diese Bewegung mehr Propaganda in den verschiedenen Gewerkschaften zu machen. Ein Antrag auf finanzielle Unterstützung wurde dem Ausschuß überwiesen. Die demnächst kommenden Wahlen war der nächste Tages- ordnungSpunlt, über den der Obmann Genosse Flemming sprach. Er führte aus, daß kurz hintereinander sich für die Arbeiterschaft Charlottcnburgö vier wichtige Wahlen abspielen, und zwar die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung, die der Delegierten zur Allgemeinen Ortskrankenkasse, dann die zum Kaufmannsgericht und zuletzt die zum Gewcrbcgericht. Es sei dringend geboten, diese Wahlen zu einem für uns befriedigenden Resultat zu bringen, daher sei eine intensive Wahlarbeit notwendig. Da auch alle Anwesenden die Ansicht des Genossen Flemming teilten, erübrigte sich eine wesentliche Diskussion. Genosse Flemming gab nunmehr, da der gedruckte Bericht vom städtischen Arbeitsnachweis erschienen, einiges Zahlenmaterial zum besten und ging noch, da die Deputation zum städtischen Arbeits- Nachweis auch die Funktion einer sozialen Kommission erfüllt, auf die Arbcitslosenzählungen ein, die das Statistische Amt in der letzten Zeit selbst vorgenommen, indem es in dreißig Häusern der Potsdamer-, Wall- und Pestalozzistraße Stichproben vornahm. Die Debatte drehte sich daher um den Zweck und Nutzen derartiger Zählungen. Genosse Huxol bedauerte, daß die Arbeiterschaft Char- lottenburgs an den früher von ihr selbst vorgenommenen Zählungen in der letzten Zeit kein Interesse mehr fand, denn die Zählungen seien doch notwendig, sonst fehlt dem Magistrat, wenn eine Krisis herannaht, die nötige Unterlage. Auch Genosse Stahlberg drückte sich im selben Sinne aus. Die Genossen Gebert und Lau waren der entgegengesetzten Meinung und versprechen sich keine Hoffnung von der Hülfe des Magistrats. Eine Angelegenheit betreffend die unclitgektliche Ucberlassung der Dekorationen zur Ausschmückung bei Festlichkeiten der Gcwcrk- schaftcn von feiten des Wahlvcrcins wurde dem Ausschuß zur weiteren Erledigung überwiesen. Unentschuldigt fehlten die Bäcker und Buchbinder. / Wilmersdorf. Die Liste der stimmfähigen Biirger liegt heute in der Zeit don g— 12 Uhr zum letzten Male bei der Steuerbehörde. Lauenburger- straste 19, zur Einsicht aus. Versäume niemand die Einsicht in die Äste. Wer nicht in der Liste steht, geht bei lünftigen Stadtverordneten- ivahlen seines Wahlrechts verlustig. Köpenick. Aus der Haft entlassen ist der Bootsmann Kupsch, der beschuldigt tvar, einem Mädchen, das er auf seiner Zille nach Köpenick mit- sührte, beim Tode des Ertrinkens keine Hülfe geleistet zu haben. lieber den Vorgang haben die polizeilichen Ermittelungen der Köpenicker Kriminalbehörde jetzt völlige Klarheit geschaffen. Das Mädchen heißt nicht, wie eS angab, Otto, sondern eS handelt sich um die Prostituierte Berta Nichmann auS Berlin. Beim Absteigen von der Zille in einen kleinen Kahn stürzte sie ins Wasser und ertrank. Die Informationen an Ort und Stelle haben ergeben, daß Kupsch nicht mehr in der Lage war, dem Mädchen Hülfe zu bringen, weil er erst nach dessen Untergang ans Deck erschien. Storkow. Welche Schwierigkeiten sich in der dunkelsten Ecke des Kreises Teltow noch unseren Genossen in ihrer Agitation entgegen- stellen, hatten die Genossen vom Arbeiterradfahrerbund vor einiger Zeit besonders zu erfahren. Sie hatten sich erlaubt, am diesigen Ort eine öffentliche Versammlung einzuberufen, ein Beginnen, das der Polizei natürlich als eine Dreistigkeit erschien. Der Saal wurde sofort untersucht und ausgemcssen, ob er auch den Vorschriften entsprach; doch das schizn der Fall zu sein. Jetzt galt es, ein anderes Mittel ausfindig zu machen, um das Statt- finden der öffentlichen Versammlung zu hintertreiben. Es wurde zu dem von unseren Gegnern allenthalben beliebten Mittel ge- griffen, nänttich der Wirt eingeschüchtert und ihm von der Polizei erklärt, daß er die Versammlung wohl abhalten lassen könne, aber dann würde ihm die Polizeistunde auf 19 Uhr herabgesetzt und außerdem die Abhaltung eines Tanzvergnügens versagt. Zu- nächst ließ sich der Wirt einschüchtern und sagte die Versammlung ab. Als ihm aber die Abhaltung des Tanzvergnügens noch ver- locigcrt wurde, erklärte er sich bereit, die Versammlung doch statt- finden zu lassen. Es hatten sich denn auch schon früh 10 Uhr eine große Anzahl Radfahrer eingefunden, um an der Versamm- lang nachmittags um 3 Uhr teilzunehmen. Doch als unsere Pioniere in der Zwischenzeit noch eine kleine Agitationstour aufs Land unternahmen, bearbeitete die inzwischen verstärkte Polizei erneut den Wirt und nun geschah, was man nicht erwartet hatte: Der Wirt verschwand mit eineinmal und der Gendarm trat in seine.Rechte". Die kurz vor Beginn der angesetzten Versammlung zurückkehrenden Radfahrer wurden plötzlich mit Musik empfangen, loch es war keine Begrüßung, sondern Tanzmusik. Was vorher noch verboten war, würde jetzt erlaubt; sogar während der Kirch- zeit. Der Zweck, unsere Genossen durch diesen Streich zu ver- treiben, ist natürlich nicht erreicht worden. Im Gegenteil: sie wissen von einem recht guten Erfolg zu berichten, der sicherlich nicht in dem Maße zu verzeichnen gewesen wäre, wenn die Hülfe der Polizei gefehlt hätte. Nicht lange wird es dauern, so ist auch in dieser dunklen Ecke des Kreises Bresche geschlagen und, wie überall, so wird sich auch hier, den Gegnern zum Trotz, unsere Bc- ivcgung entwickeln. Oranienburg. Einquartierung und Militärbohkott. Ucber einen kuriosen Fall wird uns aus Oranienburg berichtet. Der Vorsitzende des Wahl- Vereins, Genosse Schumann, Besitzer des Lokals Waldhaus Sand- hausen, ist, loie sich das von selbst versteht, bei der Behörde bekannt. Uebcr sein Lokal ist denn auch der Militärboykott verhängt. Trotz- dem bekam der Genosse am vorigen Dienstag und Mittwoch drei Mann vom 48. Regiment zur Einquartierung überwiesen. Selbst- verständlich ließ er den Leuten die beste Pflege angedcihen. Doch am gleichen Tage, an welchem die Soldaten in Oranienburg ein- rückten, wurde ihnen bekannt gegeben, daß sie unter keinen Um- ständen das Schumannsche Lokal zu betreten hätten. Es wurde also für alle bis auf die drei ihm zur Einquartierung überwiesenen Soldaten der Boykott rückhaltlos aufrecht erhalten. An diesem Vorkommnis mag man ermessen, zu welchem Widersinn der Militär- boykott führen kann. Konsequent hätte doch die Behörde gehandelt, wenn sie den Genossen Schumann auch von der Einquartierung verschont hätte. ßncfhaftcn der Redaktion. $1« fttrlflifific Eprcchstmid« findet F r i e» r i ch st r. in, Zlnfqanq 4, eine Trcdvc»dclsstattc BcNcalliance. Tuechffniili nuil> Lindcilstr. lOl), Ivocheiiiaglich von«>/, bis O'/t Uhr nb-iids statt. tScüffuct? Uhr. Eoiinabcnds bcaiilnt die Lvrechstniide»m«! Uhr. Jeder Sliifra«»>i» ei» Ättchftabc und eine Kahl als ivlerkzeiifie» deizufiiac». briefliche Alltlvort wird»ich« erteilt. Eilige fragen trage»in» in der Eprcchstuude vor. G. G. 35. Wenn Sie den Verlrag unterschrieben haben, ist er leider gültig.— O. W. 8Z. Die sür daS betreffende Handwerk erlassenen Vor- schristen erhalten Sie ans Ansuchen von der Handwerkskammer.— Invalide 350. Strasbarkcit liegt nicht vor.— F. K. 181. Ihre Annahme trifft zu: der Vertrag ist wegen Minderjährigkeit des Mädchens ungültig, daS Angeld ist zurückzuzahlen.— E. 25. 25.'Ja.— 31.<2. 5. i. Die Konzession kann verweigert werden, lassen Sie es daraus ankommen. 2. Ja. — E. S. 00. Nach beiden Arten wird gespielt.— M. K. 100. Ja. 3l. 13. 1. Die Möglichkeit einer Scheidung liegt vor. 2. Nein.— R. 3. 9. 1. Ja, Sic müssen aber den früheren Zustand wieder herstellen. 2. Wenn der Verwalter die Vollmacht hat oder der Wirt den Bertrag i» irgend einer Weise genehmigt, ja, 3. Ja.— C. S. 100. 1. Ja. 2. Nein. 3. Sie hasten sür die Dauer dcS Vertrages. 4. Nein. —g. 2. Nein.— E. K. 100k. Ja.— Str. N. 12. Sie können bei dem Amtsgericht Entmündigung Wege« Trunksucht beantragen und dann die Ueberführmtg in eine Heilanstalt durchsetzen.— G. Z. 59. 1. bis 3.: Sie können das Kapilal und 4 Proz. Zinsen sür die letzten vier Jahr« verlangen. 4. Setzen Sie eine angemessene Frist.— W. R. 39. Ja.— 31. S. 14. 7. Kürassier- und 1k. Ulanenrcgiment. — Frau Müller. 1. Der Vertrag ist ungültig, Ihr Sohn soll der Firma das mitteilen. 2. Sie können sich direkt an daS Gericht wenden.— O. 12. Sie mühten unter allen Umständen den Termin wahrnehmen, sonst werden Sic verurteilt. Zahlen Sic vor dem Termin den Rest, legen Sie im Termin dar,�daiz die Miete stets ohne Einwendungen später gezahll ist, und beantragen sie Abweisung.— 31. BS. 95. ES wird überhaupt schwerlich Klage erhoben werden. Warten Sie die EntWickelung ab.— P. O. 91. 7. 1, In, von Ihren Eltern. 2. Wenn die Eltern die Klage zurücknehmen, ohne eine Vereinbarung zu treffen, so müssen sie die.Kosten zablcn. Die Eltern können erklären, dag durch die von Ihnen gegebene Schilderung die Hauptsache erledigt ist und sie nur bcantragen. dem Be- klagten die Kosten anszucrlcgen.— 3l. F. 4. Es könnte mit Aussicht aus Ersolg aus Herausgabe des Betts bei Gericht geklagt werden.— L. 39. 101. Machen Sie den von Ihnen vorgetragenen Sachocrhalt glaubhast(durch eidesstattliche Versicherung) und beantragen beim Gericht, Jhnru zu gestalten, mit dem Kinde und getrennt von dem Ehemann zu leben.— Hinze. Solche Bestimmung wäre leider gnliig.— P. 90. Ja. — Falkenhage». 1. und 2. Ja.— St. 74. Ja. Wer im Jahre 1907 aus der Kirche austritt, hat vom 31. Dezember 1908 ab Kirchenslcncrn nicht mehr zu zahlen.— Knbitin. Der Mieter würde mit dem Anspruch nicht durchdringen. Er hätte nur ans Reparatur klagen können.— Z. 5. Wir können Ihnen nur den Rat erteilen, sich an die Stisiungsdcpntation zu wenden.— O. R. 500. Das ist nicht zulässig.— S. 103. 1. Die Betreffenden sollen vollen Unterhalt, also etwa 2ö M. monatlich verlangen. 2. Wird eine AbfindungSsumnie gezahlt, so ist der Vergleich nur güitig, wenn das VormundschastSgericht ihn genehmigt. 3. War die Betreffende verlobt und unbescholten, so kann sie eine Entschädigungssumme ausierdcni verlangen. Etwa 1000 M. würden ihr wohl zugebilligt werden.— D«£>. 26. L Ja. 2. Nein.— L. 45. Besten Dank, wird verwendet. Wittcrungsüberstcht vom 14. September 1907. Statt»» ui Swtncmdr. Hainburg Berlin Franks.a.M. München Sien v e b s- | Seltei 763 SSO 762 WSW 763 SO 764 SW 765 SW 765 Still 3 ivolkcnl 2wolkcnl Lwolkcnl 1 bedeckt 5 wolkig swollcnl H Z- SlalUnen v s s S B 5 Bell« Hicharnnba; 758 30 Petersburg 765 W Scillh Merdeen Pari! 768 NW 762 SW 765 Still i Sbalbbd. 1 bedeckt 2 wollig 1 heiter ibedeckt »s - 1, 9* = i» H 5: 11 12 15 8 12 Wetter- Prognose für Sonntag, den 15. September 1007. 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