Ur. 330. Hbonnemcnts-Rcdingungcn: viomiciiientS> Preis pränumercindo? BieNeljährl. Z.L0 Mt, monatl. 1,10 M!„ wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus, Eiiizcliic Nununcr 5 Pfg. Sonntags. nninnicr nnt illustrierter SoimtagS. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiiungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxeinburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 34. Jahrg. vlibeloi täglich iiill!» CIODtagt. Berliner Volksblnkk. Zcntralorgan der roztaldemohrati fchcn parte! Deutfcblands. Die InFerlions- Gebühr betrögt für die sech-gespaltenc Kolonel« zeile oder deren Raum 50 Pfg,. für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VcrsammlungS-Anzeigcn M Pfg. „Alelne Anreizen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellcngcfuchc und Schlaf- stellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 1K Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi- 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoziaUtmolirat Btrlin". Redahtton: SRI. 68, Lindcnstrasac 69 Fernsprecher: Sim. IV, Nr. 1983. Oer internationale Kongreß und die französische(Politik. 11. Im internationalen Schiedsgericht begrüßt Jaurss das wirksame Mittel gegen den Krieg: Lange Zeit hat der Sozialismus ihm mit Mißtrauen gegenübergestanden, und mit gutem Grunde. Wenn man das Schiedsgericht und die„Abrüstung" auf der Haager Konferenz vom Zaren hat vorschlagen hören ain Vorabend des Krieges gegen Japan, am Vorabend der Massakrierung der Arbeiter; wenn man sieht, wie die heute im Haag vereinigten Bevollmächtigten ihre Zeit anwenden, um zu keinem Ende zu kommen, während die Geschosse auf Casablanca herabhageln; wenn die amerikanische Flotte in den Stillen Ozean fährt, um Japan zu bedrohen— wenn die Arbeiter dies alles sehen, so haben sie wohl das Recht, für das internationale Schieds- gericht der Bourgeoisie keine ungemessene Begeisterung zu hegen. Und dennoch: Warum fühlen die Regierungen das Bedürfnis, der Welt alle drei Jahre diese Friedens- Vorstellung zu geben?— Wenn sie ein Spiel ist, so ist sie ein gefährliches Spiel für die Regierungen; denn sie machen den Völkern Lust, selbst auf die Szene zu steigen, um das Stück selbst, aber ernster zu spielen. Die ele> mentare Pflicht der Arbeiter aller Länder ist es, die Diplomaten und Regierungen beim Wort zu nehmen. Sobald eine Streitfrage auftaucht, werden wir den Regierungen sagen: Verständigt Euch durch Eure Diplomaten! Wenn diese zu keinem Ende kommen, dann geht vor Schiedsrichter, die Ihr selbst gewählt habt.' Wenn Ihr dies nicht wollt, dann seid Ihr eine Regierung von Verbrechern und Mördern, und die Pflicht der Proletarier ist es, s i ch gegen Euch zu erheben und die Gewehre, die Ihr ihnen in die Hand gegeben habt, zu ergreifen und zu behalten.... Durch diese Regel, durch diese Forderung des obligatorischen Schiedsgerichts, die die Internationale in Stuttgart formuliert hat. vereinfachen sich alle Fragen. Es ist nicht mehr nötig, den komplizierten Ereignissen, den Intrigen der Regierungen nachzuforschen, um zu ermitteln, welches die angreifende, welches die angegriffene Regierung ist. Der Angreifer, der Feind der Zivisation, der Feind des Proletariats wird diejenige Regierung sein, die das Schiedsgericht zurückweist I Und die Internationale sagt Euch, daß es das Recht und die Pflicht des Proletariats ist, seine Energie nicht im Dienste einer verbrecherischen Regierung zu vergeuden, sondern die von der Abenteuerregiernng gelieferten Waffen zu benutzen, nicht um die Arbeiter jenseits der Grenzen zu erschießen, sondern um die verbrecherische Regierung revolutionär nieder- zuschlagen. Diese Revolution wird nicht allein aus dem Herzen des empörten Proletariats entspringen, sondern aus dem Gewissen des ganzen Landes. Dies ist die Politik der Aktion, die die Resolution von Stuttgart unter verschiedenen, aber immer entschiedenen Formen verkündet. Jaurss spricht im folgenden über den Versuch der Gegner, die deutschen und die französischen Sozialisten in einen Gegensatz zu bringen: Man hat behauptet, daß >vir den entscheidenden Teil der Resolution von Nancy haben aufgeben müssen; dem ist nicht so. Aber es ist sehr wahr, daß die deutschen Sozialisten gegen ganz besondere Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die das Herrschaftssystem des Kaiserreichs schafft. Und wahr ist es, daß wir gemeinsam, in gutem Glauben die Form gesucht haben, die die Meinung des internationalen Sozialismus klar zum Aus- druck brachte und dabei unsere deutschen Genossen den gerichtlichen Verfolgungen am wenigsten aussetzt. Ich selbst habe die Methode vorgeschlagen, dasjenige, was die Re- solntion von Nancy in kategorischer Weise gefordert hatte, ins Historische zu übertragen. Dr. Adler und ich haben jeder einen Entwurf in diesem Sinne vorgebracht, und zwischen beiden war nur der Unterschied einer Nuance. Die meine winde mit 7 gegen S Stimmen von der Subkommission an- genommen. Also die Internationale ist aus der Periode des Tastens, aus der Periode des Chaos herausgetreten, sie erscheint jetzt als eine wirkende Kraft und als eine Lichtquelle. Es ist not- wendig, daß in der Internationale eine gegen- seitige Durchdringung eintrete, Ergänzung der Eigen- schaften und Kräfte der einzelnen Völker Platz greife. Unser Volk hat aus feiner Geschichte die Kraft eines revolutionären Elans erhalten. Kautsky schrieb in der„Neuen Zeit" daß es von nun an keine Hegemonie des deutschen Sozialismus mehr gibt, nicht weil der deutsche Sozialismus zurückgegangen, sondern weil der der anderen Länder vor- gestiegen ist. Und von nun an herrscht Gleichwertigkeit und Gleichheit der Kräfte und Fähigkeiten. So>vie w i r anderen ein wenig von unserem revolutionären Elan mit- teilen können, so ist'es unsere Pflicht, dem deutschen Sozia- lismus die mächtige Kraft der Organisation, der Erziehung. der Methode zu entlehnen, die seine Macht und Größe ist. Wenn wir beute die Beutevolitiker nicht bindern können, den Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. marokkanischen Raubzug auszuführen, wo anders liegt die Schuld als darin, daß hinter unserer parlamentarischen Kraft nur ein Embryo von proletarischer Kraft steht! Jaures zeigt dann die Unredlichkeit der Radikalen, die in dem Augenblick, wo der Sozialismus einen ernsten Vorstoß unternommen hat, um den Weltfrieden und die Unabhängigkeit der Nationen zu sichern— eine Forderung, die doch im alten radikalen Programm stand— die schmählichsten nationalistischen Beschimpfungen aufnehmen. Freilich, neben den Radikalen, die den lebendigen Sinn für das Ideal verloren haben und ihn auch bei uns nicht mehr verstehen, gibt es andere, die nur zu gut verstehen. Und das sind diejenigen, ivelche jetzt, nachdem die politischen Forderungen des radikalen Programms durchgeftihrt sind, seine sozialen Forderungen durchzuführen mit Rücksicht auf ihre gemischte Klientel Bedenken tragen. Das Programm gefällt ihnen gut, solange es Programm bleibt und sie suchen ein elegantes Mittel, es zu verwirklichen. Dies Mittel haben sie nun gefunden. Sie sagen: Ja, es wäre sehr gut, da man es aber nur mit Hülfe der Sozialisten verwirklichen kann und da die Sozialisten Rebellen, Revolutionäre und Vaterlandslose sind, können wir die Mitarbeit dieser bemakelten Menschen nicht annehmen. Aus„Patriotismus" also machen sich jene Leute daran, ihr Programm zu verraten. Ja, sie sind Deserteure auf ihre Weise; sie treiben Hervöismus in der Politik... Und ich weiß, Genossen, wie diese Komödie enden wird: Indem sie ihre Denunziationen und Anklagen verstärken, werden sie schließlich sich selbst und einem Teil ihres Anhanges Furcht machen, und zum Schluß iverden sie sich nur retten können, wenn sie sich den Konservativen und den offenen Reaktionären in die Arme werfen. „Ich bin kein Prahler, ich weiß wohl, daß wir sehr schweren Zeiten entgegengehen, daß sich eine radikal-kon- servative Koalitton gegen uns vorbereitet, die um so mehr reaktionär sein wird, als sie sich unter radikalen Redensarten und unter einer radikalen Regierung verbergen wird. Ich stehe auch nicht an, zu bekennen, daß uns diese Koalition um einen großen Teil der Mandate bringen könnte; aber was liegt daran! Ich verachte die parlamentarische Aktion sicher nicht, aber ich sage, daß unsere Partei ihre parlamentarische Aktions- fähigkeit genug bewiesen hat, um selbst zeitweilige Nieder- lagen ohne Schwächung zu ertragen. Die siegreiche Koalition aber wird an ihrem Siege verrecken. Denn die Radikalen werden ohnmächttg, werden die Gefangenen der schlimmsten Reaktionäre sein und ihre Ketten ivie Sträflinge hinter sich schleppen. Alles aber, was in der Demokratie redlich ist, alles, was noch in der radikalen An- Hängerschaft von heute Kraft hat, wird sich gegen sie wenden, und der Sozialismus wird als einzige Macht des Fortschritts, der Reformen und der friedlichen EntWickelung, zugleich aber auch als Macht der Revolution erscheinen, das allgemeine Stimmrecht selbst wird ihm bald die schönste Revanche und eine Wiederkehr im Triumph der- schaffen. Dante erzählt in einem Traum des„Neuen Lebens", daß er bis zum Wahnsinn gelitten habe, als er daran dachte, daß die ideale Schönheit der Beatrice sterben könnte. Aber die ideale Schönheit der sozialen Ge- rechtigkeit und der sozialen Revolution kann nicht untergehen; sie ist unsterblich wie die Arbeit, unzerstörbar wie das Ge- wissen, und ich grüße mit Euch, Soldaten der Internationale, die Thronbesteigung der sozialistischen Menschheit!" IRelchstagswahl-nachMänge. Essen, den 19. September.(Privatdepesche.) Die Debatte, die heute über das Referat Bebels eröffnet wurde, ergab eine erfteuliche Uebereinstimmung der Partei in der Ber« neinung der Frage, ob die Taktik wegen des Ausfalls der Reichstags- Wahlen geändert werden müsse. Die bekannte Kritik, die sogleich nach den Wahlen übereifrig geübt wurde. fand auf dem Parteitage kaum ein einziges leises Echo. Nicht so einig waren die Redner in bezug auf unsere Haltung zu den einzelnen bürgerlichen Parteien bei künftigen Wahlen. Die bitteren Erfahrungen der letzten Wahlkämpfe wurden laut. Der Varteitag schloß sich jedoch der Forderung Bebels an, der in seinem von Humor durchzogenen Schlußwort die Ablehnung aller Anträge empfahl, die die Stichwahltaktik festlegen wollten. Eine Partei dürfe, er- erklärte er, sich nicht von zornigen Stimmungen, nicht von Gefühls- bcwcgungen leiten lassen, sondern nur von nüchternen politischen Erwägungen. Kurz vor Schluß der Sitzung nahm Partcivorstandsniitglied Müller das Wort zum Bericht über die Tätigkeit der Kommission für das Preßbureau, deren Resolution jetzt vorliegt. Mit Schärfe betont er, daß das Bureau Waffen gegen die Gegner zu liefern habe und keine Meinnngsfabrik sein soll. Am Nachmittag fällt die Sitzung aus. Die Delegierten vcr- einigen sich zu einem Ausflug ins Ruhrtal. lilacht vor klecht. Herr Generalleutnant z. D. E. v. Liebert beginnt den konservativen„Staatsmännern" und Politikern fürchterlich zu werden. Mit genialer Verachtung der konventionellen Lügen seiner Gesinnungsgenossen rüffelt er die konservative Presse und im besonderen die„Kreuz-Zeitung" ab, daß sie feinen Wahlspruch:„Macht geht vor Recht" zu glossieren gewagt hat. Er meint, daß die Beschäftigung mit seinem Ausspruch„stark" auf eine Sauregurkenzeit hin- deute und zeigt vor den tiefgründigen Rechtsbedenken des ehemals Hammersteinschen Blattes eine derartige Respekt- losigkeit, daß er dessen Ausführungen als G e f a s e l bezeichnet. Vornehmlich scheint ihn der Hinweis der„Kreuz-Zeitung" verdrossen zu haben, daß Fürst Bülow ihn bei der letzten Reichstagswahl gewissermaßen dadurch als seinen Ver- trauensmann gekennzeichnet habe, daß er an ihn seinen de- rüchtigten Silvesterbrief richtete. In dem stolzen Bewußt- sein seiner Würde als Stratege des Reichsverbandes und preußischer Generalleutnant z. D. entgegnet er von oben herab dem Federvieh der„Kreuz-Zeitung": „Der llleichsverband gegen die Sozialdemokratie hatte für die Wahlen um eine Parole, eine Aeußerung der Regierung, ge- beten. Diese hat der Reichskanzler in dem bekannten Briefe an den Vorsitzenden des Reichsverbandes gegeben, der Verband Hai dementsprechend seine Schuldigkeit getan. Nach den Wahlen habe ich weder mündlich noch schriftlich Direktiven erhalten, bin nicht„nach Norderney geladen" und kann daher in keiner Weise ein besonderes Vertrauen von der genannten hohen Stelle in Anspruch nehmen. Der Reichs- verband arbeitet absolut selbständig, und ich bin völlig unabhängiger Politiker. Doch auf diese Abfertigung beschränkt Herr v. Liebert sich nicht; als gündlicher Mann geht er gleich aufs Ganze und beweist, daß er mit seinem Ausspruch recht hat. Zu- nächst liefert er den Beweis auf dem Gebiet der auswärtigen Politik Preußens. „Soll dieser Satz," fragt er,„etwa in der Wlkerentwicke« lung und in der Weltgeschichte nicht Geltung haben? Wodurch hat denn Friedrich der Große Schlesien er- worben, etwa anders als durch kriegerische Macht? Wodurch ist uns das Unglück zugefügt worden, daß wir jetzt vier Millionen Polen innerhalb der Reichsgrenzen beherbergen müssen? Durch die Macht der Teilungsmächte, durch die Ohnmacht Polens. Wo- durch ist die deutsche Frage endgültig entschieden? Durch die preußische Waffenmacht auf dem Schlachtfcldc von Stöniggrätz. Wie hat sich das Schicksal des jetzigen Reichslandcs gestaltet? .Solange das Deutsche Reich eine Macht war, gehörten jene Grenz- lande zu Deutschland. Als Frankreich zur politischen und mili- tärischcn Großmacht aufstieg, fiel Elsaß-Lothringen ihm zu. Und mit dem ersten machtvollen Auftreten des neuen Deutschen Reiches wurde die alte Grenze wiederhergestellt. Wo blieb das Recht in allen diesen Fälle»? Die Macht setzte sich durch." Also in allen diesen Fällen ist Macht vor Recht gegangen, das heißt, in allen diesen Fällen hat Preußen Unrecht gehabt, aber trotzdem das Recht gebeugt und dem Unrecht zum Triumph v e r h 0 l f e n! Wir finden an dieser Auffassung durchaus nichts auszusetzen; wir sind sogar ganz mit ihr einverstanden — ebenso einverstanden, wie mit. der Ansicht, daß die„Kreuz- Zeitung" oft„f a s e l t". Nur finden wir etwas seltsam, daß ein preußischer Generalleutnant z. D. diese Auffassung pertritt, und zwar im Gegensatz zu den preußischen tHof- historiographen, die sich bisher im Schweiße ihres Angesichts bemüht haben, zu beweisen, daß in all den genannten Fällen das Recht auf preußischer bezw. deutscher Seite war. Be» sonders interessant ist, daß der Herr Generalleutnant z. D. auch die Abtrennung Elsaß-Lothringen s von Frankreich als Unrecht betrachtet und überlegen fragt, wo in diesem Falle das Recht geblieben sei. Bon gleicher Vorzüglichkeit sind die Beweise des Herrn v. Liebert ans dem Gebiete der preußischen Polenpolitik. So erklärt er z. B.: „Wenn nun die Polen, die seit 135 Jahren innerhalb der Grenzen eines deutschen Staates wohnen und dessen Rechtsschutz, höhere Kultur, reichhaltige Bildungsmittel und zunehmenden Wohlstand genießen, sich geflissentlich abschließen, sich gegen den Gebrauch der deutschen Sprache sträuben und immer mehr einen Staat im Staate zu bilden trachten, so wird letzterer wohl zu Gegcnmaßrcgeln genötigt sein." Ferner: „Die Enteignung als Kampfmittel in der Ostmark hat schon Fürst Bismarck 1835 angeregt und für den Staat in Anspruch ge- nonunen, damit dieser„seine Sicherheit für die Zu>nft erkaufe und die Unruhe los werde." Er stellte das Versahren in Parallele mit dem Landerwerb zum Bau einer Festung und fragte:„Ist die Sicherheit nicht ein höherer Zweck als die Be- festigung eines einzelnen festen Platzes?" Wenn diese scharf eingreifende Maßregel nur für die am stärksten bedrohten Pro- vinzen Posen und Wcstpreußcn eingeführt und unter strengen Kautclen nur da, wo deutsche nationale Interessen gefährdet sind. angewendet wird, so darf behauptet werden, daß einerseits der Staat von seiner Machtbefugnis nur den notwendigen Gebrauch macht, audererscits ihm die Mittel zur Bekämpfung der polnischen Agitation alsdann zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu den heutigen Verhältnissen würde das Deutschtum alsdann der vor» rückende Teil werden." Wie weit diese Ansichten mit der Verfassung und dem gleichen Recht der preußischen Staatsbürger polnischer Nationalität übereinstimmen, wollen wir nicht untersuchen. Darüber mag sich Herr v. Lieber't mit der preüßijchen Re- giernug und den Gönnern des Reichsverbandes' aus- einandersetzen. Jedenfalls hat Herr v. Liebert recht, wenn er sich selbst für einen„völlig unabhängigen Politiker" erklärt; wenigstens haben wir noch keinen Generalleutnant z. D. gesunden, der in ähnlicher Vorurteils- loser Weise die preußische Politik seit Friedrich II. charakterisiert hätte. Herr v. Liebert sollte häusiger derartige schöne politisch- historische Artikel im„Tag" veröffentlichen. igSix werden vielleicht manches daraus brauchen können.---- Marokko. Spanisch-französische Differenzen. Paris, IS. September. Der„Eclair" versichert, daß zwischen Frankreich und Spanien sehr erhebliche Differenzen wegen der Besetzung Tangers bestehen, da Spanien unbedingt seme führende Stellung erhalten und behaupten wolle. Infolge dieser Meinungsverschiedenheiten habe sich auch die Entsendung der Polizei nach Tanger und den anderen marokkanischen Häfen ver- zögert. Mobilisierung des Mittelmeergeschwaders. Paris, IS. September. Marineminister Thomson ordnete an, daß die Arbeiten an sämtlichen Panzerschiffen des Mittel meergeschwaders nach Möglichkeit be- sch leunigt werden sollen; die Linienschiffe„Patrie", „Bouvet",„Souffren" und„Gaulois" sowie der Panzerkreuzer «Victor Hugo" sollen schon im Laufe des Oktobers dienstbereit sein. Fortschritte deS Gcgensultans. Tanger, 18. September. Der Gouverneur der Provinz S u s gab, wie gemeldet wird, seine Tochter Mulah Hafid zur Frau, wodurch eine enge Verbindung zwischen Mulay Hafid und der großen Südprovinz hergestellt wird. Mulay Hafid befestigt seine Macht im Süden und scheint das Ver- halten der Nordstämnre abwarten zu wollen. potttiscbe Cleberllcht. Berlin, den 19. September 1907. Die Wallfahrt nach Norderney. Nach den Kaempf, Schräder und P a h e r und anderen sind nunmehr auf Einladung des Reichskanzlers die Agrarier Dr. Nösicke, Wangenheim und O e r t e l nach Norderney gewallfahrtet. Der Freisinn hat seine Bc- dingungen gestellt, nunmehr sollen auch die Vertreter des nationalen Schweins ihren Segen zur Paarung von Agrarier- tum und Börse geben. Das kann für sie ja auch nicht schwer fallen, hat doch die freisinnige Visite in Norderney schon den Erfolg gehabt, daß der Parteitag der Freisinnigen Volkspartci über den Berliner Antrag, dem Brotwucher durch Suspendierung der Zölle entgegenzutreten. zur Tages- o r d n u n g übergegangen ist. Auch die demokratische Wahlreform ist preisgegeben worden; der Freisinn tvill sich mit einer F l i ck r e f o r m begnügen, die das Klassenwahlrecht konserviert! Trotzdem werden die Agrarier dem Fürsten Bülow zu verstehen geben, daß er ihnen„sonst was" könne, wenn er nicht noch weiteres Wasser in den Musbacher des„Libera- lismus" gieße I Und der Freisinn wird auch noch zu weiteren Konzessionen bereit sein, wenn nur der B ö r s e ein paar Er- lcichterungen verschafft werden!— Eine törichte Ausrede leistet sich die„Freisinnige Zeitung". Wir hatten dem Freisinn vorgeworfen, daß er seine Busch-P arade ä la Würzburg perfiderweise— durch Massenaufgebot von Einschläferungs- rcdnern und Abmachungen mit dem Lokalinhaber— so arrangiert hätte, daß die W ä h l e r selbst unmöglich zum Wort kommen konnten. Was sagt nun dagegen die„Freisinnige Zeitung"? Man höre: „Ganz lächerlich ist es, wenn der„Vorwärts" die Verän- staltcr der Versammlung deshalb angreift, weil sie sie erst um 12 Uhr beginnen und schon um enden ließen. Ganz abge- sehen davon, daß die Zeit von drei Stunden für den mit der Versammlung verbundenen Zweck ganz und gar ausreichte, waren die Veranstalter auch gezwungen, sich auf diese Stunden zu beschränken; einem Ansang vor 12 Uhr stand das Verbot der Polizei, einem Tagen nach 3 Uhr die ausdrück- liche Anordnung des Besitzers des Zirkus gegen- über. Wie unter diesen Umständen die Versammlung, selbst wenn man es gewollt hätte, verlängert werden konnte, darüber muß uns erst der„Vorwärts" aufklären." Unsere Aufklärung ist sehr einfach. Die Versammlungsein- berufer hätten erstens nicht neun Referenten vorschicken und durch sie die armen Besucher in Grund und Boden reden lassen, unt� zweitens kein solches Abkommen mit dem Be- sitzer treffen sollen? Denn da der ZirkuS Busch seine erste Vor- stellung erst heute, Dannerstag, gibt, hätte er doch leicht sein Lokal auch noch auf ein bis zwei Stunden hergeben können. Aber dem Freisinn war ja nichts willkommener, als die„ausdrück- liche Anordnung", um 3 Uhr Schluß eintreten zu lassen!— Klerikale und„nationale" Knltur. DaS ultramontane„Schroben hauser Wochenblatt" bringt zu einem Fest folgende Reliquien in empfehlende Er- imterung: 5. Eine große silberne Monstranz. Darin ist folgendes Heiligtum: Von dem wahren, rose n färben«» Blut, das unserem lieben Herrn Jesu Christo aus seiner heiligen Seite am Stamm des heiligen Kreuzes geronnen ist... 7.... von dem Erdreich, darauf die Jungfrau Maria den Heiligmacher Jesum geboren hat; von dem Steine, worauf unser Herr und Heiland gebetet hat; von einer Windel, darin Jesus, unser Herr, gelegen ist; vom hl. N eine diu S. der ein Graf von Tauern und mit den Stiftern unseres Gotteshauses verwandt gewesen ist, ein F i n g e r. auch eine Armröhre und sonst zwei Stücke von ihm. Ebenso von dem Haare der Maria Magdalena; auch ist in dieser Monstranz ein großes Stück von dem Rock der Mutter Gottes.... 17. Sankt Petrus' Bild. In diesem Bilde sind Heiligtümer: Erstens von dem hl. Petrus, Apostels, ein Zahn; ferner von seinem Leibe vier Stücke; von seiner Bahre ein Stück; von seinem Kreuze ein Stück und von dem hl. Papst Leo ein Stück.... 21.... Vom hl. ErHardt ein s ch ö n e s B e i n l e i n.... 24. Sankt Matthias Bild. Hierin ist Heiligtum: Bon dem Apostel Matthias zwei Stücke. Von dem brennenden Busch des Moses zwei Stücke. Die„Tägliche Rundschau" druckt dieses Dokument„aus dem dunkelsten Deutschland" hohnvoll ab. Gerade dies Blatt der „Gebildeten" hat freilich am wenigsten Anlaß dazu. Hat es doch erst vor einigen Tagen als Dokument patriotischer Be- geisterung den Brief eines übergeschnappten Backfisches ab- gedruckt, der in geradezu ekelhafter Weise den Byzantinismus un- freiwillig parodierte. Die Kronprinzenschwärmerei konnte nicht nur an Läppischkeit, sondern auch an süßlich sexueller Ueberhitzung mit dem Verwegensten konkurrieren, was je in sinnlich überreiztem Marienkult ein fieberkrankes Schwärmerhirn hervorgebracht hat! Anerkennenswerte Selbsterkenntnis. Die trotz aller Reklamekünste an zunehmendem Abonnenten- schwund kränkelnde„Staatsbürger-Zeitung" leistet sich in ihrer heuttgen Nummer folgende unfreiwillig-humoristische Abonnements- Einladung: Ich lese Ihr Blatt gerne. So schreiben unS vcrehrliche Leser und bemerken dazu: Ich lese es täglich im Lokal oder beim Nachbarn. Damit führen sich verschiedene Leute bei uns ein, wenn sie eine Aus- kunft oder dergleichen Gefälligkeit von uns haben wollen. Da wir höfliche Menschen sind, tun wir ihnen Bescheid, müssen aber künftig beifügen: Ihre Versicherung, daß Sie unser Blatt gerne und täglich lesen, nützt uns gar nichts. Abonnieren sollen Sie die Zeitung, denn nur Abonnenten haben das Recht, unsere Gefälligkeit in Anspruch zu nehmen. Ob Sie das Blatt immer bei anderen Leuten lesen, ist für uns nicht von Belang und kein Zeichen Ihres Wohlwollens für unsere Zeitung. Wenn Sie aber das Blatt abonnieren, brauchen Sie es gar nicht zu lesen und können doch darauf rechnen, daß wir stets bereit sind, Ihren Anliegen zu entsprechen. Mit aller Hochachtung ergcbenst „Staatsbürger-Zeitung". Also nur abonnieren sollen die„verehrlicheu Leser" die „Staatsbürger-Zeitung"; daran, daß ihre schriftstellerischen Leistungen auch gelesen werden, liegt der Redaktton„ g a r nichts". Wohl selten hat eine Redaktion den Wert ihrer geistigen Produkttonskraft richtiger eingeschätzt, als in diesem Falle das Antisemitenblatt. Nur meinen wir, wenn die Redaktton selbst ihre geistige Tättgkeit so richttg beurteilt, dann sollte sie doch diese einstellen und dafür sorgen, daß das von ihrem Verlag bedruckte Papier nicht in der Form einer Zeitung, sondern direkt seinem natürlichen Zwecke entgegen- geführt wird.— Eisenbahnerträge. Während der Juli den preußisch-hessischen StaatSeisenbahnen im Vergleich zum Julimonat des vorigen Jahres einen Einnahme- ausfall von VA Millionen Mark gebracht hat, lieferte der August dieses Jahres gegenüber dem Vorjahre eine Mehreinnahme von insgesamt 12, g Millionen Mark, wovon 4,2 Millionen Mark auf den Personenverkehr, 7,3 Millionen Mark auf den Güterverkehr und 1,4 Millionen Mark auf sonstige Einnahmen kommen. Wie von der„Nordd. Allgem. Ztg." hierzu ausgeführt wird, könnte die Mehreinnahme des August aus dem Personenverkehr für den Fernerstchenden angesichts der Mindereinnahmen im Juni und Juli überraschend fem, zumal darin ein Ausfall von etwa 0,7 Mit- lionen Mark enthalten ist, der sich rechnungsmäßig aus der Per- soncntarifreform ergibt. Es ist indes früher bereits auf die Ver« schiebungen hingewiesen worden, die sich zwischen den einzelnen Monaten durch den Fortfall der Rückfahrkarten er- geben. Der August bildet für einen großen Teil des Landes den Schluß der im Juni und Juli angetretenen Ferienreisen, die früher fast ausschließlich auf Rückfahrkarten(zusammenstellbare Rundreisehefte und dergl.) zurückgelegt wurden. Der Betrag für die Rückreise floß im Vorjahre noch den Monaten zu, in denen die Fahrkarten für die Hinfahrt gelöst waren, also dem Juni und Juli; in diesem Jahre dagegen gelangen sie erst im August in die Staats- kasse. Diesem entgehen dafür natürlich die Einnahmen für die Rückfahrt aus den Rückfahrkarten, die im Vorjahre im August ge- löst sind, und man würde für einen gewöhnlichen Monat wohl an- nehmen können, daß sich Zuwachs und Abgang annähernd aus- gleichen werden. Für den Monat August aber trifft das aus den angegebenen Gründen offensichtlich nicht zu. Die Wirkung dieser Verhältnisse ist anscheinend noch dadurch verschärft worden, daß im Vorjahre mit dem 1. August die Fahrkartensteuer zur Einführung gelangte, wegen deren manch» ihre Fahrkarten noch im Juli ge- kauft haben locrden, während in diesem Jahre umgekehrt viele durch das schlechte Wetter des Juni und Juli veranlaßt sein werden, ihre Erholungsreisen soweit wie möglich hinauszu- schieben.—_ Brutal ehrlich. Eine selten zu beobachtende Ehrlichkeit legte der Amtsvorsteher in Oswitz bei Breslau an den Tag. Er schickte dem Gastwirt Knabe, der nach langem Widerstreben seinen Saal auch den Arbeitern zur Verfügung gestellt hatte, folgepden offenherzigen Schreibebrief: Oswitz, den 17. September 1907. Amt Oswitz Nr. O. 1293. An Herrn Nestaurateur Knabe in Oswitz. Nachdem Sie Ihr Lokal zum offiziellen Parteilokal der revolutionärc» Partei hergegeben und feine Benutzung zu öffent- lichen sozialdemokratischen Versammlungen freigestellt haben, befürchte ich, daß durch den stärker werdenden Besuch Ihres Lokals seitens der Mitglieder der Sozialdemokratie es zu Rcibrrcir» und Unverträglichkeiten zwischen diesen und dem bis- herigen bürgerlichen Publikum Ihres Lokales kommen wird. wie solche sich erfahrungsgemäß(Ij am leichtesten bei Gelegenheit öffentlicher Tanzmusiken ereignen. Da somit eine Störung der öffentlichen Ruhe. Sicherheit und Ordnung zu befürchten ist, halte ich Ihr Lokal zur Abhaltung von öffentlichen Tanzvergnügen zur Zeil für nicht geeignet. Ich widerrufe daher die Ihnen für den laufenden Monat bereits erteilten Tanzcrl.nibnissc aus obigen Gründen und erkläre Ihnen, daß ich bis auf weiteres eine Er- laubnis zur Abhaltung von öffentliche» Lustbarkeiten in Ihrem Lokal nicht erteilen werde. Aus gleichem Grunde mache ich Sie darauf aufmerksam, daß Sie die gesetzliche Polizeistunde(10 Uhr abends) genau inne- zuhalten haben. Der Aintsvorstehcr. Dr. Guradze. Das Schreiben sticht wohltuend von denen anderer Behörden ab. Gewöhnlich werden ähnliche Gewaltmaßregeln mit allerlei faden- schemigen Gründen zu rechtfertigen versucht. Damit nur ja niemand im unklaren darüber blieb, daß die Maßnahme des Amtsvorstehers tatsächlich eine Gcwaltmaßnahme sei, postierte er den ganzen Tag zwei Gendarmen vor daS Lokal des Saalbesitzers. Erreichen wird der Mann voraussichtlich nichts. Da Oswitz ein sehr beliebter Ausflugsort, von Breslau nur dreiviertel Stunden ent- fernt und durch die Straßenbahn für 10 Pf. zu erreiche» ist, werden die Breslauer Arbeiter dem Wirt das Rückgrat steifen. Bestrafte Ordnungsrettcrei. Die preußische Justiz arbeitet langsam, aber sicher. Hatte da am 25. Januar d. I., dem Tage der Reichstagswahl, ein schlichter Arbeiter in der BrunSschen Gastwirtschaft in Eckerde, Kreis Linden, nachdem er zuvor den Eigentümer um Erlaubnis gefragt, auf einen Tisch neben den dort befindlichen bürgerlichen Stimmzetteln mehrere sozialdemokratische gelegt. Bald darauf tritt der Wahl- und Gemeindevorsteher Herr v. Heimburg aus dem Wahllokal in die Gaststube, ergreift voll nionarchischen Ingrimms die sozialdemokra- ttschen Stimmzettel, z e r r e i ß t sie und wirft sie in den Ofen mit den Worten:„So wird'S gemacht!" Der sozialdemokratische Wahllciter für den S. hannoverschen Wahlkreis, Genosse Stein, Limmer, erstattete wegen dieser heraus- fordernden Gesetzcsverletzung Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Hannover. Der Erste Slaatsanwalt lehnte indessen ein Einschreiten ab. DaS klassische Schreiben lautet: „Auf die Anzeige vom 21. März 1307 gegen den Gemeinde- Vorsteher v. Heimburg in Eckerde wegen Sachbeschädigung: Ich bin nicht in der Lage, die öffentliche Klage zu erheben, da nicht ersichtlich ist, daß Sie der Eigentümer der v. Heimburg zerrissenen Wahlzettel waren, oder daß Sie sonst zur Stellung des Sttafanttages berechtigt wären. Es kann daher unerörtert bleiben, welche rechtliche Bedeutung dem Umstände zuzumessen ist, daß die Wahlzettel zum all- gemeinen Gebrauch auf den Tisch der Brunsschen Gastwirtschaft in Eckerde gelegt wurden." Aus seine Beschwerde bei.der Oberstaatsanwaltschaft in Celle erhielt Genosse Stein unterm 11. Juni folgenden Bescheid: „Ich habe den Ersten Staatsanwalt in Hannover ersucht, weitere Ermittelungen zu veranstalten und Sie von neuem zu bescheiden, falls er wiederum zur Einstellung des Verfahrens ge- langen sollte. In Verttetung: (Name unleserlich.)" Unterm 27. Juli ftagte St. bei der Staatsanwaltschaft in Hannover an, wie weit die v. Heimburgsche Angelegenheit gediehen sei. Hierauf antwortete der Amtsanwalt in Wennigsen, daß er „gegen den Gemeindevorsteher v. Heimburg die öffentliche Klage wegen Sachbeschädigung erhoben und das Hauptverfahren bereits eröffnet habe". Dieser Tage fand nun bor dem dortigen Amtsgericht die Ver- Handlung statt. Der angeklagte Edle führte zu seiner Verteidigung aus, daß er von mehreren Gemeindemitgliedern gebeten worden sei, doch zu verhindern, daß so viele verhetzende sozialdemokrattsche Flugblätter an die Dorfbewohner verteilt würden; er habe sich infolgedessen in erregter Stimmung befunden und in dieser die Tat verübt. Der Amtsanwatt beanttagt 10 M. Geldstrafe als angemessene Sühne. DaS Urteil lautete auf fünf Mark Geldstrafe eventuell ein Tag Gefängnis. Be- gründend wurde ausgeführt, Herr v. Heimburg fei sich der Straf- barkeit feines Vorgehens sehr wohl bewußt gewesen. Weder als Gemeinde-, noch als Wahlvorsteher habe er zu der erfolgten Beseitigung der sozialdemokrptischeu Sttmmzettel ein Recht gehabt, durch ivelches Vorgehen er d i e Wähler, die den sozialdemokratischen Kandidaten wählen wollten, der Möglichkeit beraubte, in diesem Sinne ihr Wahl- recht auszuüben. Bekanntlich ist der Genosse Klübescheid aus Mücken- berg, der bürgerliche Stimmzettel beseitigt hatte, wegen der dabei gezeigten„niederen Gesinnung" vom Schöffengericht zu Elsterwerda zu drei Tagen Gefängnis verurteilt worden. Eine abermalige Ovambo-Katastrophe? Wie den„Verl. Neuest. Nachr." vom 17. September aus Lissabon gemeldet wird, verzeichnen die dortigen Zeitungen „Paiz" und„Noticias de LiSboa" das Gerücht, daß die unter dem Befehl des Gouverneurs von Huilla, Hauptmann Ro?adas, stehende Expedition im Ovambolande durch die Kuamatas zurückge- warfen sei. Die offiziellen Organe„Jornal da Noite" und „Diario Jllustrado" bleiben jedoch dabei, daß die in das Ovambo- land entsandte Expedition durchaus genügende Mannschaften und reichliche Munition und Verpflegung besitze, um das zu erreichen, was sie beabsichtige; das Ausbleiben von Nachrichten er- kläre sich aus der Unterbrechung der Telegraphen- l i n i e. Die Unruhe in der Bevölkerung läßt sich jedoch dadurch nicht beschwichtigen, zumal bereits vor 10 und vor 3 Jahren portugiesische Expeditionen durch die Kuamatas, den kriegerischsten und tüchtigsten Ovambostamm, zum Rückzug gezwungen wurden. Die Schwierigkeiten eines Ovambofeldzugcs, der diesmal doch von Portugal im größten Maßstabe unternommen worden ist, sollten Deutschland ein warnendes Beispiel sein!— ßolland. Die Thronrede. Amsterdam, 17. Sept.(Eig. Skr.) � Am heutigen Dienstag wurden die Generalstaaten mit einer von der Königin verlesenen Thronrede eröffnet, in der die Friedenskonferenz mit ein paar kühlen Worten abgetan wird. Der allgemeine Zustand des Landes sowie der Kolonien wird bc- fricdigend genannt, wobei selbstverständlich der durchaus nicht bc- friedigende Zustand der Arbeiterklasse einfach übersehen ist. Eilig dagegen hat es diese sich„sozialgcsinnt" nennende Regierung — gleich ihren Vorgängerinnen— mit der Erweiterung der Küstenverteidigung und der Verstärkung der Herrschaft über Indien, so dem Militarismus und dem Imperialismus im Interesse des Kapitalismus dienend und Millionen über Millionen auf Kosten deS Volkes vergeudend. Die lange zugesagten Gesetzentwürfe betr. Arbeitervcrsicherung und zur Vermeidung von» Schiffsunfällen sollen„bald" eingereicht werden, und die übrigen angekündigten Entwürfe, die Sozial- gesctzgebung betreffend, sollen„in ihrer Vorbereitung weit fort- geschritten" sein.— Das langsame Tempo der Regierungstätigkcit auf diesem Gebiete läßt also für die Arbeiterklasse im bevor- stehenden Sitzungsjahre wenig erhoffen. Von der von der Ar- beiterschaft einstimmig verlangten gesetzlichen Arbeitszeit» Verkürzung spricht die Thronrede überhaupt kein Wort. Aber, wie auch immer das weitere Verhalten der Regierung und ihr Eifer in bczug auf die Sozialgesetzgebung sein wird, Hauptsache für die Arbeiterklasse bleibt der Kampf um das unbeschränkte allgemeine Wahlrecht. Die Absichten der Regierung über dieses werden in der Thronrede in folgendem recht zweideutigen Satze erwähnt:„Anträge zur Herbeiführung von Veränderungen im 3. und 4. Abschnitt der Verfassung werden sie(die Kammer»/ „demnächst" erreichen." Anscheinend ist also innerhalb einiger Wochen oder Monate der Entwurf zur Verfassungsänderung zu erwarten.— Italien. Antiklerikale Volksdemonstration. Rom, 17. September.(Eig. Bcr.) Am 20. September, dem Tage des Falles der weltlichen Herr» schaft der Päpste, wird das italienische Proletariat sich in allen Städten und Dörfern der Halbinsel zu antttlerikalen Massen- kundgebungen zusammenfinden. Die sozialistische Partei und die Konföderation der Arbeit haben schon vor Woche» ihre Mtgliedcr aufgefordert, die Organisation der Demonstration in die Hand zu nehmen nnd sie veröffentlichen jetzt eine von den Borstäudcu beider Organisationen unterzeichnetes Manifest. Dieses Manifest, das in allen Orten angeschlagen und in Hunderttausenden von Exemplaren als Flugblatt verbreitet wird, wiederholt zunächst die bekannten praktischen Reformforderungen und fährt dann fort: „Arbeiter! Als unversöhnlicher Feind jedes wissenschaftlichen, politischen und sozialen Fortschritts ist der Priester Euer Feind. Die Gelehrten, die das Licht deS Gedankens in die Finsternis der Unwissenheit tragen wollten, sind von dem Priester verfolgt worden; die Männer, die gegen Tyrannei und Fremdherrschaft ausstanden, fanden den Priester stets im Bunde mit Tyrannen und Zwing- herren, und wenn heute die Arbeiter mit gekreuzten Armen oder mit der Waffe des Wahlrechts gegen Ausbeutung und Bedruckung ankämpfen, so finden sie den Priester im Bunde mit Ausbeutern und Bedrückern. Von den ursprünglichen Ideen deS Christentums lehrt die Priesterschaft den Arbeiter nur den Geist der Selbstverlengmmg und der Ergebung, um so die Armen im Joche der Herrschenden zu halten. Die Kirche hat die Gottheit in den Dienst der Uugercchtig- keit und des Privilegs gestellt, um Macht und Reichtum zu erobern; sie hat dem freie» Gedanken das D o g m a entgegengesetzt, hat die Inquisition geschaffen. Scheiterhaufen errichtet, gegen Andersdenkende gewütet. Aber weder Dogma, noch Jnquisttton, noch Schelterhaufen, noch die Fabel von„Lohn und Strafe im Jenseits' haben den Fortschritt der Menschheit aufhalten können. Arbeiterl Im Buche der Geschichte, das den hundertjährigen Kanipf verzeichnet zwischen Kirche und freien Gedanken, zwischen Stillstand und Revolution, hat Italien die ruhmvolle Seite des 20. September geschrieben. Aber das monarchische und bürgerliche Italien, das die Gewalt des Volkswillens nach Rom getrieben hatte. fühlte nach vollbrachter nationaler Einigung das Bedürfnis, dem Erwachen der Arbeiterklasse das Bündnis aller reaktionären Kräfte entgegenzustellen, und erbettelte Beistand von der einzig wirksam organisierten Macht der Reaktion: der Kirche. Und die Kirche blieb nicht taub gegenüber dem Schmerzensschrei des Kapitalismus und willigte in die Politik des friedlichen Nebeneinander, die dem Klerus die besten Früchte trägt. Geweckt durch das kühne Vordringen des KlerikaliSmuS, durch die schmachvolle Selbstpreisgabe der einst liberalen Bourgeoisie, durch die katholischen Streikbrecherdien st e und die Skandale, die die tiefe Korruption des klerikale« Milieus verrieten, ist jetzt das Volk zum Angriff gegen die klerikalen Machtstellungen geschritten. Nicht lärmende Proteste, nicht tätliches Vorgehen gegen die Beamten werden uns den Sieg geben. Der Kampf richte sich— unter dem Druck der proletarischen Organisationen und der parlamen- tarische» Aktion— gegen die Institutionen deS Klerus, gegen die Ursachen, aus denen die klerikale Macht quillt. Arbeiter! Ihr sollt die Vorhut im antiklerikalen Kampfe sein, ohne Euren Endzweck, die Beseitigung des Kapitalismus, aus dem Auge zu verlieren; wenn Ihr die Kirche entwaffnet, werdet Ihr den Kapitalismus schlvächen. Die Bresche der Lorta Pia hat die weltliche Herrschaft der Kirche gestürzt— wenn Ihr ihre ökonomische und politische Macht brecht, so legt ihr eine Bresche in die bürger- liche Gesellschaftsordnung, durch die Euere Forderungen einziehen werden. gez.: Der Vorstand der sozialistischen Partei. Der Ausschuß der Konföderation der Arbeit.' '.' Dies Manifest kommt gerade recht als Gegcnkundgebung sozu- sagen gegen die päpstliche Enzyklika wider die„Modernisten". Uebrigens hat die werte Regierung natürlich wieder große Vorkehrungen ge- troffen, um bei der Demonstration auch„auf dem Plan zu sein'.— Hus der Partei. Sp-rtSwSßige Klagcrei der Gelben. Die Gelben in Augs- bürg betreiben die Prozessiererei gegen unser Augsbnrger Partei- organ sportsmäßig; wenn nian sie nur schief anguckt, laufen sie zum Kadi. Neuerdings wurde der Redakteur Genosse Simon in Augs- bürg wiederum zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er am 25. März aus der„Leipziger Volkszeitung' eine Resolution der Leipziger Metallarbeiter gegen die dortigen Gelben abdruckte. Auch die„Fränkische Tagespost' in Nürnberg soll den Augsburger Gelben Genugtuung leisten; zwei interessante Prozesse stehen in Aussicht.— Preßsünder. In einer Volksversammlung, die am 8. Februar in Drüben bei Dresden tagte, soll Genosse Fleißner nach An- stcht der Behörde zum Boykott solcher Geschäftsleute aufgefordert haben, die bei der Reichstagswahl nationale Heldentaten ausgeführt hatten. Deshalb wurde Fl. mit 7b M. Geldstrafe„beglückt'. Die „ S ä ch fische Arbeiterzeitung' stellte unter HiniveiS auf den Aktenmhalt der Sache fest, daß in dem Protokoll über jene Versammlung gerade das Gegenteil von dem an die Behörde bc- richtet worden ist, was Genosse Fleißner ausgeführt hatte. Dadurch fühlt« sich der Referendar Siebert von der Amtshauptmannschafl Dresden-A., der Verfasser des Protokolls, beleidigt. Die Amts- hauptmannschaft stellte Strafantrag und das Schöffengericht Dresden verurteilte den verantwortlichen Redakteur. Genossen Grötzsch, eben- falls zu 75 M. Geldstrafe. Dadurch ist natürlich das Protokoll nicht bester geworden. Der seit 30 Jahren in Paris bestcheiide Deutsche Sozialdcmo- kratische Lrscklub hält seine regelmäßigen Versammlungen an jedem Sonnabend um 9 Uhr im großen Saale des Restaurant Senn, 9, rue de Valois(Palais-Eoyal) ab. Einem Vortrage aus politischem oder wissenschaftlichen! Gebiete folgt die Diskussion, an der jeder Anwesende sich beteiligen kann. Eine außerordentlich reichhaltige Bibliothek steht den Mitgliedern unentgeltlich zur Verfügung. Kurse der französischen Sprache für Anfänger und Fortgeschrittene werden abgehalten. Deutsche, österreichische, französische, schweizerische Parteiblatter liegen zur täglichen Benutzung in, Klublolale aus. Ge- sellige Veranstaltungen, Beiuche von Museen und anderen Sehens- Würdigkeiten werden unternommen. Einen Arbeitsnachweis besitzt der Klub nicht, jede sonstige Unterweisung wird den Zurcisenden in brüderlicher Weise geboten. Es ist jeden, nach Paris kommenden Genossen zu empfehlen, sich an den Deutschen Sozialdemokratischen Leseklnb zu wenden. Allabendlich ist ein Mitglied der Ordner- kommission anwesend. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. kommunales. Stadtvcrordnetcn-Vcrsammluug. 24. Sitzung vom Donnerstag, 19. September, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Dr. LangerhanS eröffnet die Verhandlungen nach 5� Uhr. Die Abteilungen haben 4 Ausschüsse, sowie eine Abordnung von 10 Mitgliedern in die gemischte Deputation zur Vorbereitung von Ersatzwahlen in den Berliner Vezirksaus- , schüfe gewählt. Dem Ausschuß für die Vorbereitung der Stadt- ratSwahlen gehören u. a. auch die Stadtvv. Borg mann, Bruns und Singer(Soz.) an. Zur Kenntnisnahme ist der Bericht über den Geschäfts- betrieb der Spartasse für April— Juni 1907 vorgelegt. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Bereits vor Monaten ist der Magi- strat aus der Mitte der Versammlung eindringlich darauf hinge- wiesen worden, wie außerordentlich die Verabschiedung des neuen SparkassenstatutS verzögert wird. Stadtrat Gehricke hat schon vor Monaten erklärt, das neue Statut sei bereits im vorigen Jahre im Entwurf festgestellt. Das Sparkassenkuratorium hat wohl auch die Beratung erledigt, aber die weitere Regelung dieser Angelegen- hcit wird vom Magistrat in unverantwortlicher Weise verschleppt. Wir wissen ja aus den Zeitungen, daß die Sparer neuerdings die Berliner Sparkasse boykottieren und sich anderen, moderneren Ein- richtungen in den Vororten zuwenden, für die die veralteten Bc- stimmuugen deS Berliner Statuts über den Zinsfuß usw. nicht mehr bestehen. An sich kann man dies den Sparern nicht übel nehmen; man muß aber im Interesse einer gedeihlichen Entwicke- lung unser«» städtischen Instituts diese Erscheinung sehr bedauern. Die me.ß�vcnde Instanz im Magistrat sollte doch endlich etwas mehr Dampf hinter diese bureaukratische Schwerfälligkeit mache»; es ist die allerhöchste Zeit dazu! Stadtrat Gehnde: Das neue Statut liegt dem Magistrat ge- druckt vor und wird morgen zur Beratung gelangen. Bei. den „hochmodernen' Sparkassen sind übrigens die Geldentnahmen iwch viel bedeutender als bei unS; trotz der großen Entnahmen haben wir bis beute alle Auszahlungen ohne Kündigung sofort geleistet. Stadtv. Cassel(A. L.): Immerhin ist die Verzögerung der Ed- ledigung sehr bedauerlich. Da wir heute den Herrn Kämmerer nicht hier haben, scheint mir ein weiteres Eingehen auf die Materie nicht zweckmäßig; der Bitte, daß nunmehr sehr baldigst die Vorlage an uns kommt, schließe ich mich aber an. Tie Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Von den Stadtvv. Fritz Schmidt. Iben. Mertens sA. L.). Tolksdorf. Voigt(Soz.) und Goldschmidt (R.&). ist folgender Antrag eingebracht worden: «Den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, betr. die erstellung eines Fußgänger st eiges über den ahnkörper des Görlitzer Bahnhofes im Züge der Liegnitzer- oder Glogaucrstraße zum Zwecke einer direkten Verbindung der Wiener- mit der G ö r l i tz a r st r a tz e und somit zur Erleichterung, des geschäftlichen Verkehrs für Fuß- gänger." Der Antragsteller Stadtv. Schmidt verweist darauf, daß das Bedürfnis für diese Ueberführung schon seit mindestens 20 Jahren und heute für mindestens 50 000 Menschen besteht. Die davon zu erwartende Hebung des Verkehrs werde eine reichliche Ver- zinsung des angelegten Kapitals bedeuten. Stadtbaurat Krause: Diese Frage hat die städtischen Behörden schon lange beschäftigt. Daß kein Resultat erzielt wurde, liegt daran, daß über die eventuelle Höherlegung des Görlitzer Bahnhofs keine Einigung zwischen den in Betracht kommenden Instanzen herbeigeführt werden konnte. Die 5 Millionen Kosten allein zu tragen, hat Berlin keine Veranlassung. Für die jetzt angeregte Fußgängerüberführung ein Projekt aufzustellen, bin ich gern bereit. Stadw. Tolksdorf(Soz.): Von Johannistal bis Berlin ist jetzt das ganze Planum der Görlitzer Bahn erhöht worden; aus- genommen ist bloß noch die Strecke vom Bahnhof bis zur Ver- indungSbahn; es muß ja wohl in Zukunft auch zur Höhcrlegung dieser Strecke kommen. Das unzweifelhaft Richtige und Zweck- mäßige, schon mit Rücksicht auf den Fahrverkehr wäre ja eine Unterführung. Jedenfalls stellen sich die Verhältnisse jetzt so sehr als ein allgemeines Verkehrshindernis dar, daß die Sache in Fluß Sebracht werden muß. Ich beantrage die Einsetzung eines Aus- Hüffes. i Stadtv. Goldschmibt(N. L.): Nach meinen Informationen auS dem Abgeordnetenhause besteht keine Aussicht für die Höher- legung deS Bahnhofs. Der EisenbahnfiskuS ist sehr hartleibig und hat kein Jntereffc, die Wünsche der Bürgerschaft in dieser Richtung zu befriedigen. Stadtv. Iben(A. L.): Der Görlitzer Bahnhof ist eine Anlage, die 16 Schulen von einander trennt und so in der Schuldeputation unsere Arbeiten ungemein erschwert. ES kommen dort 90—100 000 Seelen in Betracht. Mit AuSschußberatung würde nach meiner Meinung die Erledigung der Frage doch gefördert. Nachdem noch Stadtv. Groncwaldt(91.£.) auf ähnlich liegende älle im Norden Berlins hingewiesen, wird der Antrag einem usschuß überwiesen. Die„Neue Berliner Straßenbahnen Nordost-Aktiengesellschaft", in Hohenschönhausen ist Rechtsnachfolgerin oer„Kontinentalen Gesellschaft' für elektrische Unternehmungen" zu Nürnberg(früher Schuckertj, welche seinerzeit die elektrische Straßenbahn Berlin Maß mannstraße— Hohenschönhausen gebaut hat. Die Gesellschaft beantragt bei der Stadt die Genehmigung für die Verlängerung ihrer Linie von der Watzmann- durch die Elisabeth- bis zur K u r z e st r a ß e, um für ihre Jahr- gäste möglichst bis zum 9llexanderplatz Anschluß zu gewinnen. Vcrkchrsdeputation und Magistrat halten diese Wciterführung für durchaus wünschenswert und haben demgemäß einen Nachtrags- vertrag zum Vertrage von 1898 mit der Gesellschaft vereiichart. Der Nachtragsvcrtrag liegt nunmehr der Versammlung vor. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Wir begrüßen die Tendenz der Vorlage mit Freuden, beantragen aber AuSschußberatung, weil nach§- 3 deS NachtragsvcrtrageS„die Mitbenutzung nicht ein- geräumt zu werden braucht für Linien, welche sowohl die alten als auch die neue Strecke der Unternehmerin benutzen und damit eine unmittelbare Konkurrenz zu bereiten geeignet sind'. � Es müßte mindestens hier das Wort..ganz' eingeflochten werden, so daß wir mindestens in der Lage sind, später cvent. die Elisabeth- und die Landsbergerstratze biö zum Tor mitzubenutzen. Stadtrat Albcrti: Die Strecke in der Landsbergerstratze gehört der Großen Berliner Straßenbahn. Die Frage der Mitbenutzung ist bei dieser Gelegenheit ganz besonders gründlich geprüft und die Vorschrift im Nachtragsvertrag für ausreichend befunden worden. Stadtv. Hosfmann: Ich möchte doch nach den mit der„Großen' gemachten Erfahrungen bitten, einen Ausschuß zu beschließen; wir können gar nicht vorsichtig genug sein Und muffen auf aller- genaueste Redaktion dringen. Stadtv. Kreitling spricht für sofortige Annahme der Vor- läge. Stadtv. Hofsmann: Ich sehe keinen Grund dafür, weshalb man nicht wenigstens einfügen sollte:„auf die Landsbergerstratze findet diese Bestimmung keine Anwendung. Stadtrat 9llberti: Wir könnten ja bei der Uebersendung des Vertrages aussprechen, daß eine Konkurrenz in der Mitbenutzung dieser Straße nicht erblickt wird. Stadtv. H-ffmann zieht hiernach den Antrag auf Ausschuß- beratung zurück. Die Vorlage wird angeiwimnen, Die Erhaltung des Grunewaldes als BolkSerholungsstätte. Auf die' Gesamteingabe der Behörden der dem Grunewald benachbarten Gemeinden Berlin, Potsdam, Charlottenburg, Schöne» bcrg, Spandau, Wilmersdorf, Friedenau. Grunewald, Gr.-Lichtcr- feldc. Schmargendorf, Steglitz, Wannsce und Zchlcndorf, sowie des Tcltowcr Kreisausschuffes an den Kaiser: „Zur Beseitigung der in den Bürgerschaften wachgerufenen Befürchtungen allergnädigst dahin Entscheidung treffen zu wollen, daß jener schöne Wald auch fernerhin seinem ganzen Umfange nach dem Zwecke der Erholung der Bevölkerung Ber- linS und seiner Vororte erhalten bleibe", ist dem Magistrat vom Landwirlschaftsministcr der Bescheid zu- gegangen,„daß cS nicht in der 9lbsicht Er. Majestät des Kaisers und Königs liegt, die Veräußerung des Hauptbestandteiles des Grunewaldes als Baugelände zu genehmigen." Der Magistrat hat sich darauf beschränkt, die Eingabe und die Antwort darauf der Versammlung zur Kenntnis zu bringen; von den Stadtvv. Weyl u. Gen.(Soz.) ist der Antrag gestellt: „Den Magistrat zu ersuchen, gemeinsam mit den bennch- bartcn Gemeinden zur Erhaltung des Grunewaldes als Volks- crholungsstätte mit dem königlichen Forstsiskus schien- »igst in weitere Verhandlungen einzutreten." Stadtv. Rosenow(N. L.): Seit den Tagen des verflossenen Landwirtschaftsministers v. PodbiclSki ist es Sitte geworden,' den Städten die ihnen benachbarten Forsten und andere Anlagen,, die als Erholungsstätten notwendig sind, aus nackten fiskalischen Rück- sichten zu entziehen. Ich crinncre an ldie Schönholzer Haide, an den alten Botanischen Garten, an die AbHolzungen an der Ober» sprce. Nach den Verhandlungen im 9lbgeordnetcnhause.ist es klar, daß auch Teile des GruiiewaldcS der Spekulation übergeben werden sollen. Der Magistrat hat nun in der bekannten Jmiiicdiateingabe an den Kaiser den Befürchtungen der Bevölkerung Ausdruck gegeben und durch den Landwirtschaflöminister die Antwort erhallen, daß der„Hauptbestandteil" des Grunewaldes erhalten werden solle. Wir haben daher einen Antrag Caffel-Rosenow-Mommsen ei, ige- bracht, wonach der Magistrat rechtzeitig geeignete Schritte ergreifen soll, um den Grunewald auch in Zukunft als Volkspark zu erhalten. Nach den Erklärungen im Abgeordnetenhause hat ja auch niemand a» eine Veräußerung des ga'nzen Grunewaldes gedacht. Es ist Zeit, die Regierung wieder daran zu erinnern, daß Berlin opulent genug war, s. Z. dem Fiskus den großen sowie den kleinen Tier- garten, die der Stadt einst geschenkt waren, zu überlassen. Die Regierung unterstützt ja sonst alle Maßnahiiien zur Bekämpfung der Tuberkulose; hier hatte sie eine sehr gute Gelegenheit dazu. Unge- zählte Millionen können wir allerdings dem FiSkns nicht hingeben. Ich weiß nicht, welche Schritte der Magistrat tun soll; wir möchten seinen Maßnahmen nicht vorgreifen, wie cS der Antrag Weyl tut. der dem Magistrat Verhandlungen mit dem Forstfiskus speziell vorschreibt. Deshalb empfehle ich unseren weitergehenden Antrag. (Beifall.) Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Ich konstatiere zunächst, daß der Antrag Cassel-Rosenow-Mommsen als ein Kind unseres Antrages anzusehen ist. Daß der Antrag weitergeht als der unserige, ist richtig, da dem Magistrat keine Grenze vorgeschrieben ist. Ich wüßte allerdings nicht, welche andere Behörde noch für Verhandlungen in Betracht kommen sollte als der ForstfiSkuS. In unserer de- kannten Bescheidenheit ziehen wir aber unseren Antrag zurück, da es uns nur auf das Erreichen des Zieles ankommt. Wir hatten unseren Antrag gestellt, weil wir nach den Zeitungen annehmen konnten, daß der Mogistrat sich mit der Antwort deS Landwirt- schaftsministers beruhigen würde. Der Oberbürgermeister soll zu einem Mitarbeiter des„Berl. Tagebl." geäußert haben, daß wir Berliner mit diesem Bescheide ganz zufrieden sein könnten. (Redner verliest die von uns gestern nach dem„B. T." im Word- laut wicdergebene Auslassung.) Vorausgesetzt, daß diese Mitteilung mit den Tatsachen übereinstimmt, müssen wir gegen eine solche Auffassung energisch Verwahrung einlegen, und ich bedauere, daß in dieser Frage der Oberbürgernieister eine solche Vetrauensseligkeit und Bescheidenheit gezeigt hat. Nach den bösen Erfahrungen, die wir in der Behandlung Berlins durch die Äe- Hörden gemacht haben, sollten wir doch nicht immer nur durch Eni- sagungssähigkeit glänzen, denn dann kann man sich schließlich nicht wundern, daß der Stadt von jener Seite immer größere Lasten auferlegt werden. Der Fiskus hat die ver- dämmte Pflicht und Schuldigkeit, den Wald zu erhalten. Ich kann auch andere Ursachen als die niedrigste fiskalische Plusmacherei für die Absicht deS Fiskus nicht ermitteln. Die zukünftige Generation wird es kaum begreifen können, daß der sogenannte„Vater Stacu' nichts weiter für die BolkSgesundheit übrig gehabt hat, als diese Erholungsstätte für eine große Bevölkerung zu verschandeln und zu beseitigen. Aus dem dem Magistrat zugegangenen Bescheid könnte man übrigens auch herauslesen, daß der„Hauptbestandteil" deS großen Waldes als Park oder zu Restaurationszwccken ver- wendet werden"soll. Und was ist denn ein„Hauptbestandteil"? Schon unter der glorreichen Regierung deS Schweineministers von Podbielski ist ein �-rrlicher Teil des großen Waldes zu Spekr- lationszwecken veräu�t worden. Und auch damals haben die RcgierungSvertrcter erklärt, damit wäre der Hauptbestand- teil des großen Waldes nicht berührt. Die Antwort ist also außerordentlich dehnbar, und sich mit ihr zufrieden z» geben, verrät einen ungemeinen Grad von Bescheidenheit. Aus Verhandlungen mit anderen Behörden als dem Forstfiskus wird nichts herauskommen. Hofft man etwa auf den Landtag, dieses Produkt des DreiklasscnwahlunrechtS? Es wird nichts übrig bleiben, als mit dem Forstsiskus resp. mit dem Landwirtschaftsministerium in Verbindung zu treten. Dieses müßte zunächst Auskunft geben. welche Teile des Grunewaldes cS weiter noch veräußern will. Die Teile, welche uns für die Bevölkerung von Groß-Berlin als wesent- lich erscheinen, könnten durch Sicherung eines Vorkaufsrechtes er- halten werden; es könnte an Erbpacht und anderes gedacht werden. Jedenfalls aber muß die Sache im Interesse der werktätigen Be- völkerung, die keineko st spieligenBadereisen unter- nehmen kann und größtenteils in elenden Löchern Hausen muß, ernsthaft in kiie Hand gcnoinmen werden. Vorsteher Dr. Langerhans: Sie haben dem früheren Minister von Podbielski eine Bezeichnung gegeben, die völlig unpassend ist. Ich rufe Sie deswegen zur Ordnungl.(Unruhe und Zu- st i m m u n g.) Stadtv. Cassel: Der Antrag Rosenow-Mommsen-Cassel ist ge- stellt, um keinen Zweifel darüber zu lassen, daß wir alle geeigneten Schritte getan ivissen wollen, welche den Grunewald crhaltjen können; wir wollen aber dem Magistrat nicht unterstellen, daß er bisher nicht das Erforderliche getan hat, noch ihm eine bestimmte Richtschnur geben. Es scheint mir gar nicht zweckmäßig, gerade an den Forstsiskus sich zu wenden. Der Finanzminister Miquel hat vor langen Jahren einmal den Wert des Grunewaldes auf eifte Milliarde geschätzt. Es wird daher immer heißen: Was seid Ihr zu zahlen bereu? Auch unter den Parteien, die uns fernstehen, haben sich andererseits Stimmen für die Erhaltung des Grüne- Wäldes erhoben, so der konservative Abgeordnete von Pappenheim (Zuruf des Stadtv. Hoffmann: Blockbrndcr!— Heiterkeit.) Was hat das jetzt mit der Blockpolitik zu tun? Ich werde schon, wenn eS dazu Zeit ist, gern auf die Wahlrechtsfrage eingehen; aber hier haben wir diese politischen Fragen, die auch'Herr Dr. Weyl anschnitt, nicht zu entscheiden.(Zustimmung und Unruhe.) Der Oberbürgermeister soll den Satz bestätigt haben:„In der Äe- schränkung zeigt sich erst der Meister". Herr Dr. Weyl hat aber dieses Wort in seintr Bedeutung durch seine Argumentation nicht erschüttert: er hat auch unterlassen» anzuführen, was diesem Zitat unmittelbar vorhergeht, der Hinweis auf die„ungebundenen Geister", die nichts zustande bringen.(Heiterkeit und Beifall.) Oberbürgermeister Kirschner: Ich habe mit dem betreffenden Reporter nicht namenS deS Magistrats, sondern in einem persön» lichcn Gespräch auf dem Korridor des Rathauses mich ausgelassen. Ich habe gesagt, wir hätten alle Veranlassung, für die allerhöchste Entschließung dankbar zu sein, und für alle Zu- kunft sei nach meiner Meinung die Erhaltung des GrunewaloeS in seinen wesentlichen Bestandteilen gesichert.(Zustimmung.) Auf diesem Standpunkte stehe ich auch heute. Die Bemängelung des Dr. Weyl trifft daneben. Es wird durch die Antwort sicher gestellt, daß die Verwendung des Hauptbestandteils des Grunewalds zu Bauzwecken nicht genehmigt werden wird. Mir wäre ja auch lieber gewesen, wenn genau mit Zeichnungen und nach Hektaren angegeben wäre, welche Teile nicht verwendet werden sollen; aber daß einzelne kleine Teile vielleicht auch zu Bauzwecken einmal Verwendung finden können, dürfte in der Entwickelung ber Dinge liegen. Unsere Aufgabe wird cS sein, darauf zu achten, daß die allerhöchste Eni- schließung voll zur Ausführung kommt. Der Magistrat hat die Entwickelung des Grunewaldes mit aller Aufmerksamkeit verfolgt und stets die Interessen Berlins dabei wahrgenommen; daS wird er auch in Zukunft tun; der Aufforderung, es mit größerer Un- beschcidcnycit als bisher zu tun. kann ich nicht entsprechen. (Heiterkeit.)> Der Antrag Rosenow und Genossen wird hierauf ein. stimmig a n g e n o m m e n. Die Mitgliedschaft der Stadt Berlin bei dem Verein für Wasserversorgung und Abwässer» beseitigung soll auch über den 1. April 1907 hinaus mit dem ermäßigte» Jahresbeitrag von 3000 M. unter der Bedingung be- stehen bleiben, daß dem Berliner Vertreter wie bisher ein Sitz im Borstaiide eingeräumt wird. Ueber die Vorlage entspinnt sich eine kleine Debatte, in der Stadtv. Dr. Zadel(Soz.) die Notwendigkeit der Vorlage be- zweifelt und Einsetzung eines Ausschusses verlangt. DaS wird ab» gelehnt und die Vorlage angenommen. Im V i rch o w> K r a n ke nha u s e hat die Verlegung und Vergrößerung der � septischen Unterabteilung der Abteilung für Geburtshülfe stattgefunden. Zur Ausstattung mit Instrumenten sind noch für 1673 M. Neubeschaffungen erforderlich» die extraordinär verrechnet werden sollen. Stadtv. Runge(A. L,) bemängelt, daß die Kosten für diese schon im Februar erfolgte Einrichtung erst im September nachgefordert werden, und ersucht, in Zukunft solches zu vermeiden. Die Summe wird bewilligt. Die Kandelaber der städtischen Straßen- l a t e r n e n sollen zur Anbringung von kleinen Reklame. schildern(je zwei von 15 Zentimeter Höhe und 12 Zenrimeter Breite an jedem L'landelaber) an ein Konsortium(Altmann, Müller und Schelte) aus drei Jahre für jährlich 150 000, das dritte Jahr für 200 000 M. vermietet werden. Stadtv. Galland(A.L.) steht dem Antrag nicht iwreynend gegenüber, hat aber noch juristische und tatsächliche Bedenken und bean» tragt AuSschußberalung. Die Haftung der drei Kontrahenten sei nicht fest umschrieben und von der Genehmigung der Anbringung der Schilder durch die Polizei sei im Vertrage nicht die Rede. Auch müsse Vorsorge getroffen werden, daß nicht etwa ausschließlich die Warenhäuser zum Nachteil des. kleineren Gewerbestandcs bei dieser Reklame bevorzugt werden. Stadtv. Kreitling(N. L.) findet die Mitwirkung der Stadt bei dieser Art Reklame unbedenklich, ist aber mit Ausschußberatuttg einverstanden. Die Einsetzung eines Ausschusses wird beschlossen. Der Magistrat beabsichtigt, am Ufer des der Stadt gehörigen Schäfersces in Reinickendorf zur vorteilhafteren Aus- Nutzung des Sees und zum Zwecke nachdrücklicher Wahrnehmung der Berliner Interessen in öffentlich-rechtlichen Verhältnissen Ter- rain zu erwerben und will das ihm zustehende Vorkaufsrecht an dem Besitz des Gastwirts Brauns ausüben. Das fragliche Terrain ist mit 300 000 M. zu bezahlen. Die Versammlung stimmt ohne Debatte zu. Nach Erledigung einiger weiterer kleiner Vorlagen schliebt die öffentliche Sitzung gegen 8 Uhr. (ZewerK Pcbaft Ucbce« Seid klug wie die Schlangen! Seit einer Reihe von Jahren versucht der christlich-soziale Metallarbeiterverband in Bielefeld festen Fuß zu fassen. Obwohl es an hohen und höchsten Gönnern und Protektoren nicht fehlte, blieb jeder Versuch, durch ehrliche Agitation vor- zudringen, erfolglos. Jetzt wollen die frommen Stöckerleute auf dem nicht niehr ungewöhnlichem Wege des Arbeiter- Verrats ihr Heil versuchen. Sie haben mit der Fabrik- leitung der Fahrradfabrik von G o e r i ck e vereinbart, christ- lich organisierte Metallarbeiter aus allen anderen Bielefelder Fabriken und von außerhalb heranzuziehen, um— nach den Absichten der Fabrikleitung— für die Zukunft jede Aktion des Deutschen Metallarbeitcrverbandes, dem nahezu alle Ar- beiter des Betriebes angeschlossen sind, zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen. Da die Werbungen in Biele- feld selbst nicht den erwünschten Erfolg zeitigten, versuchen die Leute nun mittels folgenden Zirkulars nach echter Streik- brecheragentcnart unter allerlei Lockungen auswärtige Ar- beiter nach Bielefeld zu bringen. Die Frommen schwindeln also: Werter Kollege! Wegen Vergrößerung verschiedener Betriebe können- wir so- fort und für die nächsten Wochen etwa zweihundert Schlosser, Dreher, Schnittmacher. Klempner, Schleifer, Lackierer, sowie Metallarbeiter aller Art hier unterbringen. Gelernte Leute haben bisher alle 14 Tage 00— 70 M., ungelernte 55—-60 M. verdient. Wir bitten dringend, Kollegen unseres Verbandes nach Bielefeld zu senden und sich nur bei unserem Vorsitzenden, Kollegen Heinrich Wehmeier, Nordstr. 29, zu melden. Alles Weitere wird besorgt. Mit kollegialem Gruß Bielefeld, den 14. September 1907 W. Wallbaum, Bezirkslcitcr des christl. Metallarbeitervcrbandes. Gedruckt ist das Zirkular in der Bodelschwinghschen Druckerei. Zu seiner Kennzeichnung ist wohl nichts weiter hinzuzufügen, als daß weder Betriebe„sofort und für die nächsten Wochen" vergrößert werden, noch daß der angegebene Verdienst den Tatsachen auch nur annähernd entspricht. Man sieht, die frommen Christen sind zwar„klug wie die Schlangen", aber nicht„ohne Falsch, wie die Tauben". Lerlin und Qmgegend. Die Steinarbcitcr versammelten sich am Mittwochabend im Englischen Garten zu einer Besprechung über den Stand ihrer Lohn- bewegung. Der Referent Ohngemach zeigte, daß gute Fort- schritte gemacht worden seien. Im Laufe dieser Woche haben wieder einige Firmen bewilligt, sodaß die Forderungen zurzeit bei 17 Firmen anerkannt Ivorden sind. Gestreckt wird noch im ganzen bei 5 Firmen, die vor dem Streik zusammen 124 Mann beschäftigten. In den Streiklisten werden jetzt nur noch 80 Arbeiter geführt. woraus zu erkennen ist, daß ein großer Teck bei anderen Firmen Arbeit gefunden hat.— In der Diskussion wurde scharf verurteilt, daß in einzelnen Fällen Akkordlöhne angenommen wurden, da die Abschaffung aller Akkordarbeit als eine der ersten Forderungen gilt. Von der Firma Braun hieß eS, daß daselbst Strcikarbeiten für gesperrte Finnen hergestellt würden. Eine Kam- Mission wurde mit der Untersuchung der Angelegenheit beauftragt. W. Dohnmnn machte bekannt, daß der Streik der Steinarbciter in Düsseldorf beendet ist; wie weit die Düsseldorfer Kollegen mit ihrem Streik Erfolg hatten, war noch nicht bekannt geworden. Der Zentralverband hat ein Flugblatt herausgegeben, das in der Versanimlung verteilt wurde. Es richtet sich an alle in der Steinindustrie beschäftigten Arbeiter, die der Organisation noch fern stehen, und zeigt ihnen die Notwendigkeit, dem Verbände zu ihrem eigenen Schutze beizutreten. Nach statistischen Erhebungen ,m Jahre 1905 betrug das Durchschnittsalter der Steinmetze» Deutschlands 31 Jahre 2 Monate, für Granit- und Marmorarbeiter 31 Jahre 8 Moimte, für Schleifer 32 Jahre 11 Monate. für Steinbrecher 83 Jahre 4 Monate. 91,00 Proz. aller Steinarbeiter sterben an der Lungenschwindsucht oder Kehlkopfschwindsucht. Bei den Schleifern tritt Gickt und Rheumatismus häufig als Berufskrankheit auf, weil die Werlstätten gewöhnlich sehr naß sind. Die Steinbrecher haben zahlreiche Unfälle zu verzeichnen. Es bestehen Bestimmungen zum Schutze der Arbeiter und eS ist wichtig, daß dieselbe» befolgt werden. An die Durchführung dieser Bestimmungen ist aber nur da zu denken, wo eine starke Organisation darüber wacht. Darum allein schon ist es Pflicht eines jeden StcinarbeiterS, dem Verbände beizutreten, der zugleich für bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen sorgt. Achtung, Fräsekiitschcr! Die Differenzen bei der Firma Hildebrandt sind beigelegt. Nachdem am Montag früh auch die im Betriebe tätigen Maschineilarbeiier sich mit den streikenden Kutschern solidarisch erklärten und die Arbeit ebenfalls eingestellt hatten, ivodurch der Betrieb völlig still gelegt worden Ivar, willigte Herr H i l d e b r a n d t am Mittwoch mittag ein. mit einer Kommission zu verhandeln, wozu er vor- her nicht zu haben war. Herr Hildebrandt erklärte sich nunmehr bereit, die tariflich mit den Fräsereibesitzern vereinbarten Löhne auch für seine Kutscher ab 1. Oktober, wo der Tarif in Kraft treten soll, zahlen zu wollen. Daraufhin nahmen die beteiligten Arbeiter unter Zustimmung ihrer Organisationen von der Wieder- cinstellung ihres gemaßregelten Kollegen Abstand. Auch dieser ver- zichtete auf feine Wicdereinstellung. Die Arbeit wurde im vollen Umfange wieder aufgenommen. Deutscher Transportarbeiterverband. Verwaltung II. Achtung, Töpfer! Die Firma Johannes T w a r d y, Rummelsburg, Wllhlischstr. 1, ist seit Donnerstag, den 12. September gesperrt. Aus Zweckmäßig- keitsgründen haben wir von einer Veröffentlichung bisher Abstand genommen. In Betracht kommt der Bau Prenzlauer Allee, Ecke Jablonskestraße. Es handelt sich um Lohndiffercnzen. Leider haben sich schon wieder einige von den notorischen Arbeitswilligen gefunden und sind dort in Arbeit getreten. Unter anderen die berühmten A d o m e i t und O p p e l, ferner Töpfermeister Runge, welcher ebenfalls noch gesperrt ist, Witt aus Königsberg. Otto Scheffran aus Oranienburg und die drei Unterzeichner des Aufrufs zwecks Gründung eines neuen Töpfervereins Kart Groth, früher G r u s ch i n s k i, Max G e m o l l aus Stettin und Hermann Jost, welcher nebenbei noch als Klavierspieler und Tanzmaitre geht. Verantw. Redakteur: Hans Weber/ Berjin, Inseratenteil verantw..: Delirkcbes Reich. Der Bergarbcitcrstreik in der Nieder-Lausitz. S e n f t e n b e r g, 19. September.(Eig. Ber.) Der Ausstand gewinnt täglich an Ausdehnung. Im Laufe des gestrigen Tages haben sich die Fabrikarbeiter der Grube „Berta" bei Sauo angeschlossen, ebenso„Viktoria" und Anhalter Kohlcnwerk„Marie II" bei Rösche». Abends erhielten wir die telegraphische Nachricht, daß die„ M i l l y g r u b e" bei Bockwitz (zirka 400 Mann Belegschaft) die Arbeit niedergelegt habe. Nach der bürgerlichen Presse streikten am Dienstag 1300 Mann. Ihre Zahl ist jetzt bedeutend höher. Im einzelnen stellen sich nach Werksangaben die Ziffern wie folgt:„Niederlausitzer Kohlen- werke" 374,„Elisabethglück"-Senstenberg 147,„Treuherz"-Clattwitz 114,„Meurostolln"-Senstenberg III,„Friedrich Wilhelm"-Costcbrau 106,„Berta"-Sauo 64(find inzwischen die Fabrikarbeiter dazu gekommen),„Görlitz" 49,„Henckels Werke"-Senften- berg 44,„Merkur"- Drebkau 40,„Lauchhammcr" 40.„Ferdinand"- Zschornegosda 36,„Waidmannsheil"-Annahütte 30 und einige kleine Gruben mit geringeren Zahlen. Im Gang befinden sich noch die Werke der Gesellschaft„Ilse", der„Braunkohlen- und Brikettindustrie A.-G." und der Gesellschaft„Eintracht". Von den auf den Werken beschäftigten Leuten sind von je die Metallarbeiter am schlechtesten gestellt gewefen. Es handelt sich um Schlosser, Schmiede, Dreher usw., die in den Reparatur- Werkstätten beschäftigt sind. Die eigenarsige Stellung der Schlosser usw. auf den Werken bedingte, daß sie nur zum geringen Teil organisiert sind und daß sie von den höheren Löhnen in der Hochkonjunktur nichts abbekommen haben. Eine Ver- sammlung, in der sich der Bezirksleiter Zernicke-Berlin mit den Leuten aussprach, zeigte sich das ganze Elend: Löhne von 29 bis 35 Pf. pro Stunde— einige wenige Ausnahmen abgerechnet— kein Zuschlag für Ueberstunden und Sonntagsarbeit. Diese steht aber in höchster Blüte, weil nur so der Lohn auf die zum Leben notwendige Höhe gebracht werden kann. Die Beamten bevorzugen den und jenen, einige werden gelockt mit Vorarbeiter- und Aufseherstellen— so daß die innere Zerrissenheit in Verbindung mit einem gewissen Verufsstolz die Leute nicht zur Erkenntnis ihrer Klassenlage kommen ließ. Durch die Bewegung sind sie aufgerüttelt worden und wenn sie bis heute sich dem Streik noch nicht angeschlossen haben, so nur deshalb, weil man sie noch nicht zur Verrichtung von Streikarbeit mißbraucht hat. Es bedarf aber nur eines Funkens... Die Hüttenarbeiter in Oberschlesien. Breslau, 19. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Nach den Bergarbeitern sind nun auch die Hüttenarbeiter Ober- schlesiens in eine Lohnbewegung eingetreten. In Königshütte sind bereits Forderungen eingereicht. Die Direktion hat diese abgelehnt, obgleich die Fordernden katholische Facharbeiter sind. Buchbinder, Kartonnagenarbeitcr usw. Allenthalben regt es sich, und auch die sächsischen Erzgebirglcr fangen an, den Organi- fationsgedankcn zu erfassen. Innerhalb weniger Wochen stieg die Zahl der Organisierten ganz enorm, und die Zahlstelle Anna- berg-Buchholz des Deutschen Buchbinderverbandes erhöhte in kurzer Frist ihren Mitgliederbestand von kaum 100 auf weit über 500. Den Anstoß zu diesem Emporschnellen gab die dortselbst eingeleitete Lohnbewegung der Kartonnagen- und Kartonarbeiter, der Buchbinder und in Prägeanstalten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Nachdem ein Teil der dortigen Unternehmer die Organisation der Arbeitnehmer, den Deutschen Buchbinderverband, anerkannt hatten, war es den Besitzern der Prägcanstalten vor- behalten, der jung und kräftig emporgeschnellten Gewerkschaft Schwierigkeiten zu bereiten und deren Existenzberechtigung zu ver- neinen. Allerdings, die Prägeanstaltcnbesitzer verkörpern das Groß- kapital, und diese Tatsache erklärt wohl ihr Verhalten zur Genüge. Zertrümmerung der Organisation, das lvar und ist ihre Parole. Durch Matzregelungen der besten Kräfte derselben suchten sie dies zu erreichen, aber sie rechneten nicht mit der Tatsache, daß auch jung organisierte Arbeitnehmer treu und fest zur Organisation halten, wenn sie sehen, daß ihnen diese Hülfe bringt. Den Maß- regelungen, die bei der Firma G u t b e r l e t vorkamen, wurde dadurch Einhalt geboten, daß das Personal einmütig die Arbeit niederlegte, nachdem Verhandlungen zwecks Wicdereinstellung der Entlaffenen erfolglos geblieben waren. 78 Personen traten in den Ausstand. Just zur selben Zeit wurde von den Arbeitnehmern anderer Prägcanstalten verlangt, der Organisation den Rücken zu kehren. Vergebliche Mühe. Die Arbeiter blieben fest. Und als dann der Unternehmer K u n tz e den alten Trick anwandte und „seinen" Leuten erklärte, daß das Personal der anderen Betriebe fast sämtlich aus der Organisation ausgetreten sei, da wollte es das Schicksal, daß das Personal der Firma Gutberlet im gleichen Moment vor den Fabrikfcnstern vorbeizog, damit das Gegenteil demonstrierend. Der Ausstand wird voraussichtlich größere Kreise erfassen und ist es Pflicht der in Frage kommenden Branchen, durch Fernhaltung jeglichen Zuzuges die junge Kämpferschar in ihrem Vorgehen zu unterstützen. Im Ausstande befinden sich 78 Personen, in Kün- digung außerdem bis zur Stunde weitere 100. Schießende Stteilbrechcr. Ein Zigarrenhändler in Augsburg, dem ein Brauereibefitzer ein paar Mal einige Zigarren abkaufte, zeigte sich dafür dadurch dank- bar, daß er sich bei Ausbruch des dortigen Brauerstreiks als Streik- brecher verdingte. In einer Wirtschaft deshalb von einem Gaste zur Rede gestellt, stand der Streikbrecher auf, holte von Hause einen Revolver und machte, in die Wirtschaft zurückgekehrt, Anstalt zum Schießen. Er kam aber nicht dazu, denn der Wirt entriß ihm die Waffe und die Gäste prügelten den Kerl dann dermaßen durch, daß er lange Zeit nicht mehr wird schießen können. Wieder etwas Christliches. Das Zentrumsblatt in dem schwäbischen Städtchen Donau- Wörth brachte folgenden Artikel: „Wie ich soeben vernehme, soll in den nächsten Tagen hier eine sozialdemokratische Versammlung wegen des hiesigen Brauer st reiks stattfinden. Hoffentlich besinnt sich jeder Lokalbesitzer, daß er nicht mit beitrage>l wird, die systematische Verhetzung deS arbeitenden Standes zu unter st ützen. Möge auch die hiesige christlich-nationale Arbeiterschaft dieser Hetze sozialdemokratischer Radaubrüder ferne bleiben und nur auf friedlichem Wege die Verbesserung ihrer Lage erstreben." Der Pfaffe, der dies geschrieben, hatte nicht den Mut, seinen Namen unter diese Gemeinheit zu setzen, sondern er unterzeichnete mit„Ein christlicher Arbeiter". Huslancl. Warnimg für Goldleistenarbeiter! In der ganzen Goldleisten- industrie zu Schweden ist ein Konflikt allsgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Der Sekretär der intemationalen Union der Holzarbeiter. Der Kampf in Antwerpen. Antwerpen. 13. September.(Eig. Ber.) DaS Streikkomitee hat, wie natürlich vorauszuseheil war. den letzten Akt der Unversöhnlichkeit und die geflissentlichen Heran?- forderungen der Unternehmervereinigung mit dem Beschluß auf Fortsetzung des Streiks beantwortet. Die Stimmuna EJ. Glücke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanftglt�| unter den Streikenden ist umso gefesttgter als nicht nur die materiellen Unterstützungen fließen— heute lief die Summe von 45 000 Franken ein— sondern ihnen auch— natürlich nicht von der Federation maritime— wertvolle Zugeständnisse gen, acht ivurden. Unter tosendem Beifall gab in dem heutigen Meeting der Streikenden Genosse M i l i o bekannt, daß die große Getreidefirina Dreyfus mit den Arbeitern unter An- erkennung des Tarifs von 6 Frank und 9 Frank für die Sonntagsarbeit einen Kontrakt auf ein Jahr abgeschlossen hat und eine Reihe anderer Getreidegroßhändler mit der sozialistischen Docker- organisation ebenfalls auf Grund dieser Bedingungen verhandelt. Diese Unterhandlungen sind auf einen entsprechenden Ausschuß- beschlutz der Getreidebörse zurückzuführen.— Genosse Milio teilte auch die erfreuliche Botschaft mit, daß 2000 nichtorgani« sierte Docker ihren Beitritt bei der sozialistischen Dockerorganisation„Willen is Kunnen" ange- kündigt haben. Genosse Milio zeigte ferner an, daß De Broucköre die bereits gemeldete Reise nach England angetreten habe, um dort über den Antwerpener Kampf zu sprechen. Milio wird zu den gleichen Zwecken nach Verviers reisen. Die Arbeiter der„Nations" haben zum größten Teil die Arbeit aufgenommen, wodurch der Hafen ein etwas weniger totes Aussehen hat. Das alte Streikkontingent der Federation maritime ist nach wie vor unerschüttert, was schon daraus erhellt, daß auf den Schiffen der Untcrnehniervereinigung höchstens 4000 Mann arbeiten, welche ettvas höhere Ziffer infolge der zuletzt angekommenen eng- lischen Streikbrecher erreicht wurde.— Die Nachricht, daß Herr C o r t y sich nicht mehr an eventuellen Unterhandlungen beteiligt, ist recht wahrscheinlich. Er hat sich bei den Unternehmern zu„miß- liebig" gemacht und er hat begreiflicherweise auch den Appetit an der Sache verloren. Was die Negierung„tut", wird weise ver- schwiegen. Oder ist nichts zu verschweigen? Die italienische Landarbeiterorganisation im Jahre 1907. Rom, den 17. September.(Eig. Ber.) Gestützt auf eine offizielle Umfrage bei den Präfckten, Bürger- meistern und Arbeitskanimcrn veröffentlicht das soeben aus- gegebene Augustheft der Bulletins des Rcichs-Arbcitsamtcs eine Statistik der Landarbeiterorganisation Italiens im ersten Halb- jähr des laufenden Jahres. Die Statistik berichtet» daß von 1292 Verbänden mit 273698 Mitgliedern nur 25 mit 4824 Mitgliedern einen konfessionellen Charakter haben, während die anderen Kampforganisationcn zum Zweck wirtschaftlicher Verbesserung sind. Nur ein Drittel der in diesen Organisationen Organisierten ist an die Arbeitskammern der betreffenden Provinz angeschlossen, fast alle gehören aber dem nationalen Verband der italienischen Landarbeiter an. Was die Fortschritte betrifft, so sind die relativ größten von den bisher am meisten rückständigen Landschaften gemacht. An der Spitze der Bewegung steht noch immer die E m i l i a, die einen Zuwachs von über 25 000 Mitgliedern hat. Der P i e m o n r hat seine Organisiertenzahl verdoppelt, Toskana, Marke i- und L i g u r i e n haben ihren allerdings schwachen Bestand ver- dreifacht und vervierfacht, auch A p u I i e n hat durch Erhöhung seines Bestandes um ein Viertel tüchtige Fortschritte gemacht, während Umbrien, Latium und die B a s i l i k a t a leichte Rückschritte aufweisen, woran wohl die starke Auswanderung aus diesen Landschaften die Schuld trägt. Calabrien und Sardinien treten zum ersten Male in der Statistik auf. Die übrigen Regionen haben weder Fortschritte noch Rückschritte gc- macht. Die 270 000 Organisierten verteilen sich wie folgt auf die verschiedenen Landschaften: Emilia 113 705, Sizilien 43 787, A p u l i e n 36 767, Lombardei 24 190 und P i e m o n t 17 615. Es folgt dann eine große Pause: einen Organisierten- bestand von 7000 bis 3500 haben Venezie'n, Toskana, Umbrien» Marken, Lahium und Campanien; Calabrien hat 1394 Organisierte, die Abruzzen, Sar- dinien, Ligurien und die Basilikata haben weniger als 1000. Die Statistik zeigt, daß die italienischen Landarbeiter- organisationen an Fortschritten hinter denen der Industriearbeiter nicht zurückbleiben und Italien das Primat auf dem Gebiete der im Geiste des Klassenkampfes organisierten Landarbeiter bewahrt. Versammlungen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Damen- und Kinder« konfektiou hielten am Montagabend eine weitere AgitationZ- Versammlung in Raabes Festsälen, Kolbergersttaße, ab. Gertrud Hanna sprach über das Thema:„Was sollen die Arbeiter und Arbeiterinnen tun. um ihre Lage zu verbessern?" Der Besuch war etwas besser als in der ersten Versammlung im„Reichenberger Hof", und mit großer Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden den Ausführungen der Redncrin, die darin gipfelten, daß eine geschlossene Organisation der männlichen und weiblichen Arbeiter im Berufe dringend notwendig sei. wenn bessere Arbeitsbedingungen erzielt werden sollen. Die Rcdnerin forderte besonders die Arbeiterinnen auf. sich ihrem Verbände anzuschließen und auch zu versuchen, ihre Kolleginnen dafür zu gewinnen. Noch stehe leider ein großer Teil außerhalb der Organisation, und gerade diejenigen, denen eS am schlechtesten geht, sind am schwersten zu bewegen, die gemeinsamen Bestrebungen zu unterstützen. Es ist notwendig, daß für den Besuch der nächsten Versammlungen rege agitiert wird. eingegangene Oruckfckriften. Kultur und Fortschritt: Hest 112/15:.Gleichbeeechtiginig der Feuer. und Crdbcstattung." Von Dr. jur. H. Lrtloff. l M.— Heft 116:„Frauen al-Z Vormünder." Von Amtsrichter Dr. Thicsing. 25 Pj.—»'est 117 t „Die wirtschaltliche Nesorm der Ehe." Von Mona LischiicwSka. 2o Pf.— Hest 121:„ZentralhauShaltung." Von Rosika Schwimmer. 25 Pf.— Jean Panl-Worte.(„Erziehung.") Von Achim o. Winterscld 75 Ps. — I. I. Rousseau-Woree. Von Achim o. Winterleld 1,50 M.— Schopciihaucr-VSorte. Von Achim v. Wintefteld. 2 M.— Marie v. Schmid,.Mutterdienst". Zur Hebammenjrage. 40 Ps. Leipzig. Felix Dietrich. „Das letzte Gesetz der Kulturmenschheit--, eine seruelle Stndie von SeverscrenuS. Preis 1,25 M. Verlag: C. V. Engelhard u. Co. in Hannover. Kulturgeschichte des deutscheu Volkes von Otto Henne am Rhyn wird jetzt vom Historischen Verlag Baumgärtel in Berlin in einer BolkS. ausgäbe in 12 Licscrungcn a 1 M. herausgegeben. Licserung 1—3 er- schienen._ Letzte JVaebnebten und DepeFeben. Sie wollen keinen Frieden. Antwerpen, 19. Sept.(W. T. B.) Ein vom Arbeitsminister gemachter Vorschlag, den Streik durch ein Schiedsgericht auszu» tragen, wurde von der Föderation maritime zurückgewiesen. Die Pest. Petersburg, 19. September.(W. T. B.) In das Eisenbahn. hospjtal der Station Mandschurija der Sibirischen Eisenbahn ist ein'dreijähriges Mädchen mit sicheren Anzeichen von Bubonenpest eingeliefert worden._ Entführter Patrr. Saloniki» 19. September.(B. H.) Pater Luigi Balitsch, der Kustos der Antonskapelle in Prizredn wurde von albanesischxn Räubern entführt. Dieselben fordern ein hohes Lösegeld. )gul®inge.rLiEp.,BerljnLW. HirrzulBrilagcn u.NnterhaltnngSblatt it. 220. 24. i.iw i Keilllge des Jörn) arte" Kerliller iollislilatt. � 20 s--«» m?. Der Parteitag in Liien. (Telcgraphischer Bericht.) (Schluß der Mittwoch-Sitzung.) Tie letzten ReichStitgswahlen und die Politische Lage. Bebel(fortfahrend): Man will die fetten Pfründen haben, man will Schwiegersöhne tzaben. man will seine Töchter entsprechend versorgen.(Sehr gut!) Ach! Wie manche Frau eines Zentrumsmanns mag jetzt ihrem Ehemann unausgesetzt Gardinenpredigten halten.(Große Heiter- keit.) Und nun gar die Töchter! Wenn die auf die Bälle kommen und der Herr Leutnant sie schneidet, weil er nicht vergessen kann, saß ihr Vater jetzt von der Regierung geächtet ist.(Große Heiter- reit.) Ihr lacht darüber! Aber das wirkt in diesen Kreisen ganz kolossal! Und die große Zahl der katholischen Wähler begreift immer noch nicht, daß sie dieselben Interessen haben wie Ihr. Nicht umsonst hat bei den letzten Wahlen der hohe katholische Adel und die hohe Geistlichkeit gegen die Zentrumspolitik Front gemacht und alles aufgeboten, um die Gunst der Regierung wieder zu erlangen. (Sehr richtig!) So erklärt es sich ganz von selbst, daß das Zentrum danach trachtet, wieder in Regierungsgnaden aufgenommen zu werden. Man hat ja gerade den Führer des Zentrums, Herrn Spahn, damit geächtet, daß man ihn zum Reichsgerichtsrat machte, und dann schickte man ihn als Präsident des Oberlandes- gerichts nach Kiel. Ihn, den Führer des katholischen Zentrums, in ein rein protestantisches Land!(Hu! hu!) Das scheint Ihnen nichts zu bedeuten. Ja, wissen Sie denn, wer� in Kiel wohnt? Da wohnt der Ehef der deutschen Flotte. Prinz Heinrich, da wohjnt 'die ganze Admiralität. Herr Spahn mühte sich geradezu Watte in die Ohren stopfen, um nicht zu hören, was da über die Notwendig- keit einer Vergrößerung der Flotte gesprochen wird. Jetzt fallen ihm alle diese Lehren ein und da betont er die Notwendigkeit einer größeren Flotte. Nun kommen die Nationalliberalen und sagen: Wir müssen noch mehr bewilligen. Und da geht das Wettrennen los zwischen Zentrum und Blockparteien. Aber wenn die alte Re- gicrungsmehrheit mit Konservativen und Zentrum wieder her- gestellt werden sollte, dann könnte Fürst Bülow sein Köfferchrn packen und auf Reisen gehen.(Heiterkeit und Sehr gut!) Auf der anderen Seite kommen Fragen, wie eine Partei, wie die Liberalen, eine solche Selbstprostitution betreiben kann, wie ich sie geschildert habe. Sie muß doch aus alter Erfahrung wissen, daß, wenn sie mit den Konservativen aus einer gemeinsamen Schüssel ißt, die Konservativen den großen Lössel haben, so daß die Freisinnigen immer zu kurz kommen.(Sehr gut!) Es ist ein politisches Gesetz — das sollten auch wir uns merken—, wenn Parteien zusammenkommen, die nicht zusammengehören, so ist es immer die Linke, die dabei einbüßt, die dann die Opfer an ihrer Ueberzeugung bringen muß, nicht aber die Rechte. Die Rechte gibt nicht nach, die Herren sind selbständig. Ich habe Respekt vor den Junkern. Das sind Männer, die treten für ihre Ueberzeugung ein und erklären uilster Umständen der Regierung den Krieg. Die Minister können uns sonst was, sagte Herr von Diest-Daber und klopfte an eine gewisse Körperstelle.(Heiterkeit.) A la banne heure, die Leute lasse ich mir gefallen, die haben Rückgrat; aber die Liberalen nicht!(Sehr wahr!) Sie winseln vor allen Fürstenthronen und überbieten sich in Loyalität. Wenn der Kaiser darüber nicht gelacht hat, er muß zu Tränen gerührt sein.(Stürmische Heiterkeit.) Hätten die Liberalen ein wenig Geschichte im Kopf, dann müßten sie wissen. daß es jetzt gerade hundert Jahre sind, daß Friedrich Wilhelm III. genötigt wurde, liberalen Männern, die er innerlich Hatzte, die Regierung anzuvertrauen, hundert Jahre, daß der preußische Staat ohne Revolution Forderungen durchgesetzt bekam infolge seiner Niederlage. Es sind hundert Jahre her, da wurden die Stein, die Schön, die Hardenberg, die G n e i s e n a u und Scharnhorst in die Regierung berufen, der alte Staat von Grund auf umgekrempelt; da kam die liberale Aera ohne Kon- stitution, wie Preußen sie nie gehabt hat. Und die Todfeinde dieser liberalen Aera waren die Junker, gegen die dann 1848 das preußische Volk sich erheben mußte, um einigermaßen das wieder zu erobern, was man ihm nach 1806 wieder genommen hatte. Das sollte doch jeder liberale Mann in Preußen wissen. Das sollte tief in die Herzen eingeschrieben sein. Man mag so schlecht denken wie man will über die Ziegler, die Waldeck, die Hovej:- b e ck; aber heute würden sie sich über die jetzigen Liberalen im Grabe umdrehen, obwohl auch sie keineswegs Vertreter radikaler Forderungen waren. Und ist nicht der Kampf im Landtage fort- gesetzt gegen das Junkertum gerichtet gewesen bis auf den heutigen Tag? Was ist denn auf dem Gebiet der Schulpolitik geschehe�? Den Studt hat man weggeschickt, Holle hat man kommen lassen. Ein neuer Faden, aber die alte Nummer wird weiter ge- spönnen. Die konservative Kirche, die konservative Schule, sie sind die Züchtungsanstalten für die Verherrlichung der Hohenzollerschen Monarchie, und die müssen aufrechterhalten werden. Hier etwas hoffen, das können nur die Leute, von denen Z i e g l e r einmal sagte, sie haben das Denken verlernt. Freilich, die Erklärung ist da: die Liberalen haben alles Selbstvertrauen verloren, sie haben den Mut verloren, sie sind müde �zu kämpfen, sie haben ihren An- hang von Wahlperiode zu Wahlperiode schwinden sehen. Es sind 44 Jahre her, daß das preußische Abgeordnetenhaus unter dem noch heute bestehenden Wahlsystem bis auf 11 oder 13 Konservative liberal zusammengesetzt war. So hat damals die Bourgeoisie ge- wählt. Die Zahl der Liberalen ist kleiner und kleiner geworden. Jetzt sind es noch 29 Freisinnige, abgesehen von den Nationallibe- ralen, die iminer reaktionärer geworden sind. Die ganze preußische Bourgeoisie ist reaktionärer geworden, und je mehr wir wachsbn, desto größer ihre Angst, desto reaktionärer werden sie. Da hat man auf dem frcisinmgen Parteitag eine Resolution zugunsten des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts an- genommen, in d�r es heißt, die Fraktion solle„wie bisher" mit allem Nachdruck für die Verwirklichung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts eintreten. Ja, wer schreit denn da nicht vor Erstaunen laut auf! Das Volk könnte, wenn eS sich auf die Freisinnigen verlätzt, bis an den Sankt Nimmerleinstag warten, und es würde immer noch nicht das gleiche Wahlrecht haben.(Sehr gut!) Nein, diese Liberalen haben alles Streben, alle Liebe, alle Ächtung vor dem Volke verloren. Sie wollen mit dem Volke nichts zu tun haben, weil sie sonst Forderungen stellen müßten, die sie nicht vertreten möchten. Freilich, so ist es ja schon der alten Fortschrittspartei gegangen. Im nächsten Oktober werden es 44 Jahre, da schickte eine große Arbeiterversammlung in Leipzig F r i tz s ch e und V a h l t e i ch nach Berlin, um an Ort und Stelle mit den Führern der Fortschrittspartei zu verhandeln und zu hören, was für eine Antwort sie ihnen geben auf zwei Fragen; einmal auf die Frage nach einer Herabsetzung der Beitrittsgelder zum Nationalverein, so daß auch die Arbeiter eintreten könnten, und zweitens auf die Frage, wie sie zum allgemeinen Stimmrecht ständen. Und, verehrte Genossen, wie fiel die Antwort aus? Nach beiden Seiten verneinend! Da hieß eS(ich war ja damals an der ganzen Bewegung beteiligt, ich war eine Zeit lang selbst ein Kommissar): Was fällt Euch ein? Jetzt, wo wir mit Bismarck im schwersten Kampfe liegen, da sollten wir das allgemeine Wahl- recht fordern? Das wäre ja die größte Torheit. Die Kammer ist ja so oppositionell wie ihr es nur wünschen könnt. Wartet nur, Ihr werdet das Wahlrecht schon bekommen! Ach, wenn nicht Bismarck aus gewissen Gründen das Wahlrecht für den deutschen Reichstag hätte geben müssen, wir hätten es bis heute noch nicht!(Sehr gut!) Ich habe schon in Stuttgart gesagt: Ist es wahr, daß wir niedergeritten sind? Ich frage weiter: Ist das wahr, daß das steigt �at. daß& Wt dxx SpzigldWve kratie fertig werden kann? Ei! Dann gebt doch das allgemeine Stimmrecht zum Landtag! Aber das lassen sie schön bleiben, Man sucht mit allgemeinen Redensarten betrunken zu machen! Ich fürchte, daß der Wahlrechtskampf, den wir in Preußen her- vorrufen, den Herren gründlich zeigt, daß sie auch in bezug auf die eigenen Anhänger sich geirrt haben. Es ist von großer Wichtig- keit, unser Verhalten so einzurichten, daß wir in diesem Kamps auch die liberalen und katholischen Arbeiter auf unsere Seite bekommen und ihnen zeigen, daß sie von ihren Führern nichts zu erwarten haben. Auch das Zentrum ist nicht für das allgemeine gleiche, direkte und geheime Landtagswahlrecht zu haben; das haben die Erklärungen verschiedener Zcntrumsführcr bewiesen. Das Zentrum kennt keine Prinzipien, es kennt nur Zweckmäßig- keitsgründe. In Bayern und Baden ist es für das allgemeine Stimmrecht. Warum? Weil nur dadurch seine Herrschaft dort gesichert werden kann. In Württemberg, wo das allgemeine Stimmrecht besteht, sang der Führer des Zentrums, G r o e b e r, bei der BerfassungSreform ein anderes Lied. Da empfahl er die Wahl nach Berufsständen, um dem Bürgertum die Mehrheit zu sichern. Und wie stehen die Dinge in Preußen? Ach, sehr ein- fach. Das Zentrum hat auf Grund des Dreiklassenwahlsystems erlangt, was es erlangen kann. Das Verhalten des Zentrums zur Wahlrechtsfrage ist nicht ehrlich, aber ich halte es angesichts der Taktik, die das Zentrum einschlägt, doch für geboten, zu er- klären, daß vor einigen Monaten in der ersten Session des neuen Reichstags einer der konservativsten Leute im Zentrum, Frei- Herr von H e r t l i n g, eines Tages an uns herantrat und erklärte: „Ich will Ihnen hiermit sagen, daß ich ein entschiedener Anhänger des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes bin." Ich sagte, das würde mich sehr freuen, und ich würde nur wünschen, daß seine engeren Kasscngenossen denselben Standpunkt einnehmen, aber bisher haben wir davon in Preußen sehr wenig zu sehen und zu hören bekommen. Also es ist der Lebenszweck des Fürsten Bülow. der Kampf um seine Stellung: alles aufzubieten, daß er den Block erhalten kann, daß er ihn für seine Heeres- und Kolonialpolitik behält. Es werden für diese Zwecke in Zukunft ungeheure Mittel er- forderlich sein. Schon jetzt erklärt das Zentrum: Wir gehen auf keine Reichseinkommensteuer, aus keine Reichsvermögenssteuer ein, wir lassen uns nicht darauf ein, daß die Erbschaftssteuer so aus gebaut wird, daß auch die Kinder und die Aszendenten heran gezogen werden, wir sind für eine Wehrsteuer, die auch wieder zuerst die Armen drückt, die unglücklichen Krüppel oder die, die als überzählig ausgelost werden. Man denkt an die Besteuerung des Bieres, des Tabaks, an alles Mögliche, nur nicht daran, die- jenigen zu belasten, die in allererster Linie diese Politik vertreten Um so größer ist die Aufgabe, die wir zu erfüllen haben. Wir haben Tag und Nacht auf dem Posten zu sein, wir haben nach allen Richtungen hin zu arbeiten. Wie man nicht nur in Deutsch- land, sondern in der ganzen Welt den Ausfall der Wahlen an- sieht, das beweist das Telegramm, das der Kaiser von Oesterreich an den deutschen Kaiser schickte, das beweist das Telegramm König Eduards an seinen Neffen, das beweist die ganze bürgerliche Presse, die darüber gejubelt hat, daß durch die Wahlniederlage der deutschen Sozialdemokratie die internationale Sozial- demokratie getroffen sei. Sie haben sich zu früh gefreut! ES ist ein sonderbarer Widerspruch, wie ja überhaupt die ganze bürgev liche Welt sich in Widersprüchen bewegt, daß die Diplomaten im Haag zusammensitzen, daß die Fürsten und Minister sich gegen- seitig Besuche abstatten und daß trotz alledem die Situation so ge spannt ist, wie ich es mir kaum jemals vorstellen konnte. Die Rüstungen gehen weiter. Im Haag ist bisher nur leeres Stroh gedroschen worden; die Diplomaten wissen nicht, wie sie die Zeit totschlagen sollen.(Heiterkeit und Sehr gut!) An demselben Tage, wo König Eduard und Kaiser Wilhelm in Kassel zusammen- gekommen waren, um sich brüderlich zu umarmen, bestellt die eng fische Regierung drei neue Panzer vom Muster des„Dreadnought". Der französische Senat läßt neue größere Panzer bauen, die Waffen werden verbessert, als wenn morgen der Krieg in Europa losgehen würde, und dabei immerfort die öde Phrase trotz aller Rüstungen: Wir sind friedliebend, wir wollen keinen Krieg! Man motiviert die Rüstungen damit, daß man rüste, um den Frieden aufrechtzu erhalten. Allmählich gewinnt es den Anschein, als rüste man nur, um den Flotten- und Waffenfabrikanten aller Art fortgesetzt neue Beschäftigung zu geben und ihnen neue Millionen als Gewinn zuzuführen.(Lebhafte Zustimmung.) Daß dieser Zustand auf die Dauer nicht aufrechterhalten werden kann, brauche ich Ihnen nicht erst zu sagen. Dort, wo man im letzten Frühjahr wirklich den Frieden gestiftet zu haben glaubte. Ivo man alle Weltmächte unter einen Hut gebracht zu haben wähnte, in Marokko, da geht es auf einmal los. Meiner festen Ueberzeugung nach ist das pro- voziert durch das französische Kapital, durch die Interessenten, die dabei gewinnen würden. Merkwürdigerweise ist das gerade der Staat, auf den unsere Chauvinisten schon seit Jahren ihr Auge geworfen haben als geeigneten Stützpunkt für die deutsche Flotten- und Weltpolitik. Es versteht sich ganz von selbst, daß wir eine Politik, wie sie uns neuerdings Jaures in dieser Frage zumutet. unter keinen Umständen machen können.(Sehr richtig!) DaS hieße, den kleinen Finger reichen, damit man uns die beiden Hände nimmt.(Sehr richtig!) Da könnten wir uns eine schöne Suppe einbrocken. Nein, wir wollen wünschen, daß man in Berlin in dieser Frage anderer Meinung ist. Freilich sind unsere Freunde in Frankreich in einer ganz unangenehmen Situation, und ich ver- stehe es, daß sie uns beteiligen möchten, weil sie sagen: Geteilter Schmerz ist halber oder Viertclschmerz.(Heiterkeit.) Aber wenn erst einmal die Häsen von Marokko unter die verschiedenen Staaten aufgeteilt, dann beginnt nach kurzer Zeit das Zanken. Es ist ganz undenkbar, daß wir in dieser Beziehung auch nur das geringste nachgeben und auf eine Politik eingehen, wie sie unS da zugemutet wird.(Zustimmung.) Es stehen uns also große, schwere, aber auch erfolreiche Auf- gaben bevor. Wir haben ein Feld der Tätigkeit, wie wir es schöner, allerdings auch opferreicher, nicht wünschen können, aber ich bin fest überzeugt, daß mit der Opferwilligkeit, mit der Hingabe, mit der Begeisterung, mit der die Partei bisher gearbeitet hat, und feit Jahrzehnten von Schritt zu Schritt vorwärts marschiert ist, sie auch. heute diesen Weg marschieren wird, wenn wir alles das tun, was uns unsere Kräfte und Fähigkeiten zu tun befehlen. Wir sind das Kommende, uns gehört die Zukunft, unsere Arbeiten, unsere Anstrengungen, sie werden gelohnt werden durch den Sieg. An die Arbeit, Parteigenossen! Unser die Zukunft trotz alledem! (Stürmische, begeisterte Bravorufe und wiederholtes Hände- klatschen.), Die Diskussion wird auf Donnerstag 9 Uhr vertagt. Singer teilt mit, daß der aus Württemberg ausgewiesene eng- lische Genosse Queich dem Parteitag seine brüderlichen Grüße und Wünsche für erfolgreiches Arbeiten übersendet.(Lebhafter Beifall.) Schluß 7% Uhr. Essen, 18. September 1907. Die Kommission für das Presiburea« hat am Dienstag und Mittwochnachmittag getagt. Nach der er- schöpfenden Generaldebatte beschloß die Mehrheit, dem Parteitag die Errichtung des Bureaus vorzuschlagen, zwei Stimmen wurden für die Vertagung der Angelegenheit abgegeben, bis eine Redakteur- kouferenz die noch auseinandergehenden Ansichten über die Aufgabe des Bureaus mehr geklärt habe. In der Spezialdiskussion wurde der Entwurf der Parteileitung im wesentlichen genehmigt, im einzelnen präziser gefaßt und redaktionell verbkliert. Wichtig ist, daß es in dem Paragraphen über die Kostendeckung nicht mehr heißt, daß die beteiligte Partei» presse nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit zu den Kosten heran» gezogen werden soll. Die Beitragspflicht i st vielmehr auf die ganze Parteipresse ausgedehnt worden. Der Entwurf der Kommission lautet: Errichtung eines PressbureauS für die sozialdemokratische Partei-. tz 1. Die Partei errichtet ein Preßbureau in Berlin. tz 2. Aufgabe deS Bureaus ist: 1. Die"llebermittelung wichtiger Nachrichten und Mittet» lungcn politischer, sozialer und wirtschaftlicher Natur an die Parteipresse; 2. die Beschaffung gesetzgeberischen und statistischen Materials für die Parteipresse; 3. die Herausgabe der„Parteikorrespondenz". tz 3. Zur Erfüllung dieser Ausgabe wird ein Bericht« erstatter- und Mitarbeiterdienst eingerichtet. Ausgeschlossen von der Tätigkeit des Preßbureaus ist die Liefe» rung politischer Leitartikel, sowie die Behandlung parteitaktischer und parteithcoretischer Fragen. tz 4. Der Nachrichtendienst erfolgt telephonisch, telegraphisch und brieflich. tz S. Die Einrichtung des Bureaus, die Anstellung der Redakteure, der Berichterstatter und des Hülfspersonals obliegt dem Partcivorstand, welchem zu diesem Zwecke 5 Redakteure der Parteipresse als Beirat zur Seite stehen. Der Beirat hat in allen das Preßbureau betreffenden Ange- lcgenheiten beschließende Stimme. Ein Mitglied des Beirats kann nicht Angestellter des Bureaus sein. tz 8. So oft Angelegenheiten des Bureaus zur Beratung kommen sollen, hat der Parteivorstand die Mitglieder des Beirats rechtzeitig mit Angabe der Tagesordnung zu dieser Sitzung einzn» laden. In der Regel sollen diese Sitzungen alle drei Monate statt- finden. tz 7. Die in dem Bureau angestellten Redakteure haben daS Recht, zu jeder Sitzung einen ihrer Kollegen als Vertreter mit be» ratender Stimme zu senden. tz 8. Die Mitglieder des Beirats werden alljährlich durch die Parteileitung gewählt. tz 9. Die Einrichtungskosten des Preßburcaus werden von der Parteikasse getragen. Die lausenden Unterhaltungskosten des Nachrichten- und Mittcilungsdienstes sind mit Ausnahme der auf die„Parteikorrespondenz" entfallenden Kosten dermaßen aufzn. bringen, daß die Parteipresse nach Maßgabe ihrer Leistungsfähig. keit herangezogen wird. Parteiblättcr, die tclegraphischen und telephonischen Dienst beanspruchen, haben die Gebühren zu er» statten. Essen, den 18. September 1997. Für die Kommission des Parteitages: Herm. Müller, Vorsitzender. f Adolf Geck, Schriftführer. *** Vom Solinger Industriearbeiter-Verband ist an das Bureau des Parteitages folgende Zuschrift gerichtet worden: Solingen, den 18, Sept. 1007.| Werte Genossen! st In der Nachmittagssitzung vom 16. September hat der Dele- gierte Thabor nach den in diesem Punkte übereinstimmenden Be» richten der gesamten Presse von Solinger Lotalorganisationen gesprochen, die nicht anerkannt werden könnten. Außerdem hat Thabor die Befürchtung ausgesprochen, daß, wenn nicht General. kcmmission und Parteivorstand Remedur schaffen würden, der begrabene Solinger Parteistreit neu aufleben werde. Wir erwarten von dem Parteitage, daß derselbe seine Ein» willigung zur Aufnahme folgender Erklärung in das Protokoll gibt: 1. Mit dem Ausdruck„Solinger Lokalvereine" kann Thabor nur die Zentralverbände der in der Solinger Stahlwaren» industrie beschäftigten Personen gemeint haben. 2. Die sogenannte Solinger Stahlwarenindustrie erstreckt sich über den größten Teil des Belgischen Landes und nicht etwa bloß auf Solingen. 3. Jeder der von den verschiedenen Handwerkern unserer Industrie seit dem Jahre 1871 errichteten Fachvereine hat vom ersten Tage seines Bestehens an die Berufskollegen in allen Städsten und Dörfern des Verbreitungsbezirkes unserer Industrie nach einheitlichem Statut mit einheitlichem Beitrag unter einer Zentralleitung organisiert. 4. Wir behaupten daher, daß es in Solingen niemals Lokal- vereine gegeben hat, sondern von allem Anfang an nur Z e n t r a l. verbände. 6. Diese Behauptung haben wir im Mai 1907 mit dem nötigen Beweismaterial der Generalkommission mitgeteilt und den Anschluß des Jndustriearbeiterverbandes, in dem sich inzwischen die einzelnen Fachvereine verschmolzen hatten, an die General. kommission beantragt. 6. Die Generalkommission hat bis heute unsere Behauptung, daß es in Solingen nie Lokalvereine gegeben habe, n i ch t w i d e r- legt. Sie ist vielmehr sofort im Mai in Unterhandlungen wegen unseres Anschlusses eingetreten, hat aber diese Unterhandlungen bis jetzt nicht zu Ende führen können. 7. Der Delegierte Thabor war zwei Tage vor Beginn des Parteitages in unserem Bureau und hat sich hier über den Stand der Dinge informiert. Er hat bei uns die Erklärung abgegeben, dafür sorgen zu wollen, daß in Essen über die Solinger Gcwert» schaftsstreitigkeiten nicht gesprochen werde. Thabor hat aber da» Gegenteil von dem getan, was er laut seiner Erklärung tun wollte. 8. Für die Notwendigkeit und Existenzberechtigung unserer Organisation bürgt wohl allein schon die Tatsache, daß wir während der letzten 13 Wochen tausend Mitglieder gewonnen haben und daß unser Mitgliederstand von 3999 seit Beginn des Jahres auf 9499 gestiegen ist. 9. Die Kerntruppen des Jndustriearbeiterverbandes, die Tafel- messerschleifer, Scherenschleifer, Nasiermesserschleifer und andere haben seit Jahrzehnten 96 Proz. der Berufsangehörigen in der Gewerkschaft. Das beweist, daß der Kern der Solinger Arbeiter- bewcgung gut ist. 19. Es ist richtig, daß es in Solingen Mitglieder der Partei gibt, die bestrebt sind, eine Neuauflage des toten Streites herbei- zuführen. 11. Im Jndustriearbeitervcrband können diese aber unmöglich zu suchen sein, weil dieser unter seinen 9499 Mitgliedern Hunderte von Anhängern der beiden ehemaligen Richtungen hat. Würden wir es dulden, daß der Streit neu auflebe, so würde das die Selb st zerfleischung unseres jetzt so schön empo�ühenden Verbandes bedeuten. .>2. Der Jndustriearbeiterverband hat also im ureigensten Interesse darüber zu wachen, daß die Partei vor einem zweiten „Solingen" bewahrt bleibt. Daran und an dem gesunden Kern unserer Arbeitcrbeweguna wird jeder Versuch auf Neuanfachen des Parteistreites scheitern. -M•- Der Mannheimer Parteitag hat einem Vertreter der Lokal- organisationcn ohne Mandat das Wort erteilt. Von dem Ge- rechtigkeitsgcfühl der Delegierten in Essen erwarten wir, daß sie, nachdem sie es zugelassen haben, daß Thabor uns in schärfster Weise angreifen konnte, uns die Möglichkeit der Verteidigung nicht nehmen.» Die Aufnahme unserer Erklärung in das Protokoll ist um fo notwendiger« gls glich der Genosse Eberl wieder von Solinger Lokal vereinen gesprochen Ijat. Genosse Ebert konnte natürlich ebensowenig wie im vorigen Jahre der Genosse Molkenbuhr wissen, daß die nach Hunderten zählenden Orte unseres Jndustriebezirkcs niemals ihre eigenen Lokalvercine gehabt haben, daß unsere Mit- glieder von jeher in den Kreisen Solingen, Remscheid, Lennep, Mettmann und Elberfeld zerstreut umher wohnten, daß diese Kreise für unsere Kollegen ganz Deutschland bedeuten, weil außer- halb derselben jede Arbeitsgelegenheit aufhört und daß es sich daher bei den Solinger Gewerkschaften von allem Anfang an um klassische Z e n t r a l verbände gehandelt hat. Es ist aber höchste Zeit, daß einmal mit dem fast allgemein außerhalb Solingens verbreiteten Irrtum aufgeräumt oder abe» unsere Behauptung widerlegt wird. Mit Parteigruß gez. RobertBöhmer. Sie tuiiilche Revolution. Stolypins„Neutralität". Äahrend selbst den harmlosen„Kadetten" die Legalisierung ihrer Parteiorganisation verweigert wurde, ist jetzt— wie der „Russ. Korr." aus Petersburg berichtet wird— der»Verband zur aktiven Bekämpfung der Revolution" re- gistriert worden. Bekanntlich wurde den Kadetten als Grund der Verweigerung angegeben, daß sie die Mittel und Wege, durch welche die Kadetten die bestehende(I) konstitutionelle Staatsordnung aufrechterhalten wollen, in ihren Statuten nicht klar erläutert hätten. Die Statuten des„Verbandes zur aktiven Bekämpfung der Revolution" scheinen demgegenüber in ganz klaren Worten abgefaßt zu sein, und es bleibt nur die Frage, wozu die russische Regierung zu den Kriegs- und Feldgerichten greift, wenn sie die Ausübung ihrer„Beruhigungstätigkeit" den Händen der niedrigsten Klasse der schwarzen Hundert anvertraut. Der weiße Terror ist jetzt, trotzdem Stolypin behauptet, daß im Lande„vollkommene Ruhe" herrsche, von der Regierung auf Umwegen sanktioniert. In den von der Behörde genehmigten Statuten des neuen Verbandes heißt es:„Mitglieder des„Ver- bandes zur aktiven Bekämpfung der Revolution" können mit Aus- nähme von Juden alle russischen Bürger werden, welche anerkennen, daß in Rußland ein unbeschränkter Selbstherrscher(!) herrscht. Um die Jugend von revolutionären Ideen abzulenken, veranstaltet der Verband Uebungen im Turnen, Fechten und Schießen(I)." Die Ermordungen von Herzenstein und Jollos, die auf das Konto dieses Verbandes zu setzen sind, zeigen seine wirklichen Ziele sehr deutlich. Und ein solcher Verband wird von der»konstitutionellen",„neutralen" Regierung Stolypins legalisiert. Die Kampforganisatione» der„wahrhast russischen Leute". Die Ankunft und die erste Tätigkeit des neuen Stadthaupt- «tanns von Odessa, Nowizkij, dem der Minister Stolypin noch be- sondere Vorschriften und Instruktionen mit auf den Weg gegeben hat, übte auf den„Verband wahrhaft russischer Leute" auch nicht den geringsten Einfluß aus, umsoweniger, als trotz der entsetzlichen Greueltaten und Judenmetzeleien, die in Odessa ausgeführt wurden. nur einige unwesentliche Verhaftungen vorgenommen worden sind. Schon sind die wahrhaft russischen Leute wiederum Herren der Situation, und sie hausen in Odessa nach Belieben weiter. Recht erfolgreich in ihrem Vorgehen sind die berüchtigten b e- sonderen Kampforganisationen des„Verbandes wahrhaft russischer Leute". Diese Kampforganisationen werden in Petersburg formiert(zumeist kleine Gruppen von je zehn Mann, die sich vorwiegend aus Reservisten und den auf dem Kriegsschau- platze tätig gewesenen Soldaten rekrutieren) und von den Provinz. komitees des Verbandes derart verteilt, daß in jeder bereits be- stehenden Kampforganisation stets eine genügende Anzahl ge- eigneter Jnstruktoren und Leiter für den Fall einer aktiven Tätig. keit des„Verbandes wahrhaft russischer Leute" vorhanden sind. AlS Sammelpunkt für diese Kampforganisationen dient vorläufig ein großes, in der Schukowskajastraße zu Petersburg gemietetes HauS, in dem ein russischer Oberst die Formierung der Kampf- organisationen vornimmt. Dieser Oberst, der gleichzeitig den Titel„Kommandeur aller Kampforganisationen des Verbandes wahrhaft russischer Leute" trägt, hat mit seinen Gehülfcn jetzt Tag und Nacht zu tun, da der„Verband wahrhaft russischer Leute" jetzt verschiedentlich, in Odessa, Kiew usw., tüchtig bei der„Arbeit" ist. Die Zahl der Freiwilligen für diese Kampforganisationen wächst von Tag zu Tag, da ihnen viele Vergünstigungen, weit- gehende Zugeständnisse nebst einem Monatsgehalt von etwa 85 Rubeln zugesichert wird. Vorläufig haben die Frvwilligen dieser Kampforganisationen Privatwohnungen inne und erscheinen nur täglich in der Schukowskajastraße zur Entgegennahme der Anordnungen, beziehungsweise um sich truppweise nach der einen oder der anderen Stadt zu begeben. ES besteht aber die Absicht, besondere Kasetznen für diese Kampforganisationen zu er- richten! Wie man sieht, trifft der„Verband wahrhaft russischer Leute" alle Vorbereitungen, um jeden Augenblick zu Pogromen gegen Juden und sonstige„innere Feinde" gerüstet zu sein. Sie flilaten an der Blefthüfte fiord- amerikas. London, 17. September.(Eig. Ber.) In den westpazifischen Ländern ist der Haß gegen die asiafische Einwanderung zu einem mächtigen politischen Faktor geworden. Es bleibt sich dabei ganz gleich, ob die Länder zu den Vereinigten Staaten von Amerika oder zum britischen Reiche gehören; denn so- wohl in Kalifornien wie in Britisch-Kolumbia(Kanada) werden Chinesen, Japaner und Hindu nicht geduldet. In allen diesen amerikanisch-britischen Staaten kamen in letzter Zeit feind» liche Demonstrafionen gegen die asiatischen Einwanderer vor. Sehnlichen Erscheinungen begegnet man in allen englischsprechenden neugegründeten Gemeinwesen. Erscheinungen, die meines Erachtens teils ökonomisch en, teils nationalistischen Ursachen ent- springen. Die Herabdrückung der Löhne, die Senkung der Lebens- Haltung, die die asiatische Einwanderung zeitweilig nach sich ziehen kann, spielt dabei sicherlich eine bedeutende Rolle. Aber sie ist nicht die einzige Ursache. Denn wäre sie die einzige Ursache, so müßte sich der Haß auch gegen Syrier, Araber und die osteuropäische Einwanderung richten. Wirsehen aber.daß diese Einwanderung, wennsie auchgleichfalls Beschränkungen unterworfen ist, doch zu keinen Konflikten führt.— Die ökonomische Ursache kann also nicht die einzige sein. Die andere Ursache nun dürste wohl darin zu finden sein, daß staaten- gründende Nattonen, besonders aber englisch sprechende, einen starken Widerlvillen gegen Volkselemente haben, die nicht assimilierbar sind. Das Gefühl aber, daß Chinesen. Japaner und Hindu sich nicht assimilieren lassen, im Verein mit der Sorge, daß sie die Lebens- Haltung herabdrücken, führten zu den bedauerlichen Ausschreitungen und zu den engherzigen Einwanderungsgesetzen in Nordamerika, Australien und Südafrika. Indes, unsere Aufgabe ist hier nicht, die Ursachen dieser Er- scheinungen aufzudecken, sondern die Konflikte der asiattschen und nordamerikanischen Arbeiter an der westpazifischen Küste zu be- sprechen und ihre Wirkungen auf die äußere Politik der Vereinigten Staat« und des britischen Reiches zu berühren. Der Zeit nach ist zuerst Amerika zu behandeln, wo diese Konflikte bereits zu einer Verschiebung der Flotte nach dem Stillen Ozean geführt haben! Die Beschränkung und das Verbot der chinesischen Einwanderung kommen hier weniger in Betracht, da das chinesische Reich noch schwach ist und an eine Wiedervergeltung nicht denkt. Das nationale Gefühl ist dort erst im Entstehen begriffen, und es werden noch Jabre vergehen, ehe China zu einem positiven Faktor in der internattonalen Politik wird. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß die Washingtoner Verwaltung jetzt alles tut, um die chinesische Regierung für sich zu gewinnen und sie gegen Japan zu verhetzen.— Ebensowenig kommt die schlechte amerikanische Behandlung der Hindus, die britische Untertanen sind, in Betracht. Vor zwei Wochen wurden in Billingham an der westpazifischen Küste 600 ostindische Arbeiter von Amerikanern mißhandelt. Die britische Regierung wird nichts Ernstes dagegen unternehmen, da die Hindus sogar in britischen Kolonien, wie Natal und Transvaal, nicht als Bürger betrachtet und unter Ausnahme- gesetze gestellt werden. Das Hauptinteresse konzentriert sich auf die Japaner. Japan hat ein starkes nationales Gefühl. Es steht international auf gleichem Fuße mit allen„zivilisierten" Staaten. Es verlangt deshalb eine zivilisierte Behandlung für seine Bürger im Auslande. Es verlangt, daß seine inter- nationalen Verträge gewahrt werden. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben aber diesen Forderungen nicht gerecht werden können, da die Staaten an der westpazifischen Küste die Japaner ebenso behandeln wollen, wie sie die Chinesen und Hindu behandeln. Der Konflikt begann vor zwei Jahren in Kali- formen, also beim Abschluß des japanisch-russischen Krieges. Die Kalifornier verlangten den Ausschluß der Japaner aus den Ver- einigten Staaten. Die Agitatton wurde bis zum Herbst 1906 noch im Zügel gehalten, bis die Munizipalbehörden von San Francisco die japanischen Schüler aus den Unterrichtsanstalten für weiße Kinder ausschlössen und sie in die„Schule für Orientalen" verwiesen. Die japanische Regierung legte Protest ein und bezeichnete diese Maßregel als eine Verletzung der Vertrags- rechte, auf Grund welcher die Amerikaner in Japan und die Japaner in den Vereinigten Staaten Bewegungs- und Handelssteiheit ge- meßcn. In seiner Dezemberbotschast an den Kongreß nahm Präsi- dent Roosevelt bekanntlich Gelegenheit, eine Lobeshymne auf Japan anzustimmen und die Kalifornier zu einer zivilisierteren Behandlung der Japaner aufzufordern. Die Botschaft hat viel böses Blut an der westpazifischen Küste gemacht, und die Kalifornier setzten die Hetze gegen die Japaner fort. Die japanische Regierung bestand aber auf den Bertragsrechten und erklärte der Washingtoner Verwaltung:„Kalifornien geht uns gar nichts an. Wir kennen nur die Regierung der Vereinigten Staaten, die die Pflicht hat, ihre Verträge zu wahren."— Kalifornien berief sich indes auf feine souveränen Staatsrechte, in die die Regierung der Vereinigten Staaten nicht eingreifen dürfe: das Schulwesen sei Sache der einzelnen Staaten, aber nicht der Bundesregierung. In dieser Ver- legenheit berief Roosevelt die Vertreter der Munizipal- behörden San Franciscos zu einer Konferenz nach Washington. Das Resultat dieser Konferenz war: die Munizipalbehörde San FranciScoS gibt die antijapanische Schulpolitik auf; dafür aber soll das neue Einwanderungsgesetz die Einwanderung der japanischen Arbeiter verbieten, außer wenn sie mit einem japanischen Paß direkt nach den Vereinigten Staaten kommen.— Letztere Bedingung bedarf der näheren Erklärung: Die meisten japanischen Arbeiter, die nach den Vereinigten Staaten kamen, waren schon vorher in Hawaii als Zuckerarbeiter beschäftigt gewesen, wohin sie unter Kontrakt gingen und wohin die Reisekosten sehr niedrig waren, da die Japaner von den Unter- nehmern für die Zuckerkultur dorthin gebracht wurden. Diese Ein- fuhr von Arbeitern ist bekanntlich in den Vereinigten Staaten un- gesetzlich, aber die kapitalistischenJnteressenstehenja üb er dem Gesetz. Hatten dann die japanischen Arbeiter etwas Geld gespart, so fuhren sie von Hawaii nach den Vereinigten Staaten, wo sie keinen Be- schränkungen unterlvorfen werden konnten, da sie aus einem amerikanischen Gebiete(Hawaii) kamen.— Nach dem neuen Gesetze sollte auch diese Einwanderung unmöglich gemacht werden, da nur direkt aus Japan und mit Pässen versehene japanische Arbeiter nach den Vereinigten Staaten einwandern durften, und direkt kamen nur wenige. Die Washingtoner Verwaltung wandte sich mit diesem Plane nach Tokio, von wo sie aber in kurzen Worten eine katego- rische Ablehnung erhielt. Es war jene Ablehnung, die Roosevelt im Juni veranlaßte, den berühmten Befehl zu geben, die amerika- nische Flotte nach dem Stillen Ozean„auf Manöver" zu schicken! Trotz aller Friedensversicherungen haben sich die japanisch- amerikanischen Beziehungen nicht gebessert. Diplomatisch macht jetzt die amerikanische Regierung in Peking große Anstrengungen, den japanischen Einfluß zu verdrängen.(In Peking spielen sich jetzt zwischen Amerika und Japan ähnliche Intrigen ab, wie früher in Söul zwischen Rußland und Japan.) Auch in London ist die amerikanische Diplomatte nicht untätig. Die Anleihe, die Japan zum Zwecke des Ausbaues des mandschurischen Bahnnetzes auf dem Londoner Geldmarkte im Juli aufnehmen wollte, jist nicht zu stände gekommen. Die antijapanische Agitatton in Kalifornien hat jetzt auch nach Britisch-Columbia übergegriffen. Man sagt, daß die Agi- tation dort von Amerikanern geleitet wurde. Sie wäre aber sicherlich nicht erfolgreich gewesen, wenn unter den Ar- beitern Kanadas nicht eine antiasiatische Stimmung vorhanden gewesen wäre. Infolge der Agitatton kam es vor etwa zehn Tagen in Vancouver, dem Hafen Brittsch-ColumbiaS oder richttger dem wichtigsten pazifischen Hafen Kanadas, zu heftigen blutigen Zusammenstößen zwischen britischen und japanischen Arbeitern, wobei aber die Behörden die Japaner schützten und sie zur Selbstverteidigung ermunterten. Ebenso korrekt war die Haltung der kanadischen Regierung, die sofort dem Vertreter Japans ihr Bedauern über das Vorgefallene aussprach. Auf Grund des englisch-japanischen Vertrages vom Jahre 1894, dem Kanada zustimmte, hatten sich die Kontrahenten ja gegenseittg Bewegungs- und Handelsfreiheit tn ihren Ländern zugesichert. Die Konflikte in Vancouver kamen der kanadischen Regierung auch sonst sehr ungelegen, da sie jetzt gerade bemüht ist, die Handelsbeziehungen mit Japan und überhaupt mit dm ostjapanischen Häfen enger zu knüpfen. Fast gleichzeittg mit den Ereignissen in Vancouver kam eS in Billingham, auf dem benachbarten amerikanischen Gebiete. zu schlimmen Ausschreitungen der amerikanischen Arbeiter gegen 600 Hindu, die den Schutz der britischen Regierung anriefen und nach Britisch-Columbia flüchteten. Vorläufig hört man nichts von einem Eingreifen Englands zugunsten seiner indischen Untertanen. Die englischen Imperialisten schämen sich zwar, das wahre Wesen des Imperialismus aufdecken zu müssen und der Welt zu zeigen, daß es einzig und allein in der Ausbeutung schwacher Rassm be- steht, aber es wird nichts für die Unterdrückten geschehen. In unserer Gesellschaft gibt es eben nur ein einziges Verbrechen: Schwäche. Wer schwach ist, dem ist nicht zu helfen....«ber die Stellung Englands in Asien wird durch diese Ereignisse nicht verbessert werden. ßelchsverband, sächsische Hmtspresse und Vahlagltatlon. «cht Personen: Drucker, Verleger, Redakteure der sächsischen Amtspresse, nämlich vom Döbelner, Waldheimer, Nosscner und Roßweiner Amtsblatt» hatten Privatbeleidigungsklage gegen unseren Genossen Täte aus Hartha, den Vorsitzenden der Organi- sation des 19. sächsischen Reichtagswahlkreises, erhoben. Er soll sie durch ein Flugblatt, betitelt:„Die Verleumder der Sozialdemokratie", beleidigt haben. Thate, der als Ver- leger verantwortlich gemacht worden war, hatte in dem Flugblatt von den schmutzigen Mitteln des Reichslügenverbandes gegen die Sozialdemokratie gesprochen. Und seine Vergiftung des öffentlichen Lebens habe fast die ganze sogenannte„anständige" Presse mit- gemacht, vorneweg die Amtspresse.' Trotzdem habe diese Amtspresse, mit wenigen Ausnahmen, keine Entgegnung, Berichtigung, keine Inserate der angegriffenen und beschimpften Sozialdemokraten aufgenommen. Das Flugblatt demonstrierte diese Lügen 26 oculus und nahm sich dazu 8 bekannte Fälschungen vor: den Schwindel von den„zweibeinigen Tieren", die Abstimmung gegen die Arbeiter- Versicherungsgesetze, das angebliche Strickezerschneiden sozial- demokratischer Arbeiter an Baugerüsten in Ingolstadt und Mann- heim, die„Erpressung" von Partei- und Gcwerkschaftsbeiträgen durch die„Führer", damit die Angestellten und Redakteure gut leben können, daß Bebel auf dem Münchcner Parteitage vom bornierten Stand der Bauern und nicht der Agrarier gesprochen habe usw.... In der Verhandlung scheiterte zweimal ein Einigungsversuch, den der Vorsitzende angeregt hatte. Auf Befragen erklärte Thate: Die im Flugblatte geschilderte Tätigkeit von Reichsvcrband und Amtspresse habe ihn erregt. Am meisten aber das Alkoholflugblatt des Reichsverbandes, das nach einer bildlichen Darstellung des Alkoholverbrauches damit schließt, daß die Sozialdemokraten dieses belehrende Blatt aus guten Gründen nicht aushängen würden, denn was wäre die Sozialdemokratie ohne Wirtshaus und ohne Alkohol? Bei jeder Gelegenheit klären die Parteipresse sowie die Partei- und Gewerkschaftsagitatoren über d'ie unsere Bewegung hemmenden nachteiligen Wirkungen des Alkohols auf. Deshalb wäre diese Behauptung eine aus den Fingern gesogene Unwahr- heit. Vorsitzender: Wird behauptet, daß von der Amtspresse objektive Unwahrheiten oder Lügen verbreitet worden seien? Daß in der Presse objektive Unwahrheiten vorkommen können, ist doch sehr leicht möglich. Irren ist menschlich. Wenn aber vom Lügen und Verleumden gesprochen wird, dann ist das strafbar. Rechtsanwalt Harnisch- Chemnitz, Vertreter des Genossen Thate: Seit Jahren kehren diese Lügen wieder, trotzdem sie zum so und so dielten Male von der Sozialdemokratie als unwahr erwiesen sind. Darum fehlt dieser Behauptung der gute Glaube. Die Amtsblattredakteure brauchten nur einen Blick in das politische Tatsachenmaterial zu tun, um zu wissen, daß diese Behauptungen nicht wahr wären. Wir wollen den Wahrheitsbeweis antreten. Rechtsanw. Dr. Adler(Vertreter des Nebenklägers): Wir auch. Das Flugbltt des Reichsverbandes über den Alkohol bedauere ich lebhaft. Wenn so etwas Erbitte- rung und Empörung hervorruft, dann begreife ich das durchaus. Aber so wie hier, durfte sich die Erbitterung nicht zeigen. Nach längeren Auseinandersetzungen des Rechtsanwalts Harnisch meint der Vorsitzende: Ich bin überzeugt, daß das Flug- blatt der Amtsblattredakteure(diese hatten auf das vom Genossen Thate geantwortet) die Wahrung derechtiger Interessen in sich tragt. Rechtsanwalt Harnisch: Sollte das nicht auch im sozialdemo- kratischen Flugblatt der Fall sein?— Vors.: Ich bezweifle das! Beim zweiten Verglerchsversuch macht der Vorsitzende den geg- nerischen Anwalt aufmerksam, daß daS Thatesche Flugblatt doch in der Erregung nach dem-Wahlkampfe geschrieben sei. E s i st d 0 ch sonst nicht üblich, daß in solchen politischen Sachen das Gerichtsverfahren eingeleitet wird!>— Rechtsanwalt Harnisch stellt nunmehr eine Reihe von Beweisanträgen: Ein Fabrikant soll geladen werden, der be- zeugen soll, daß er in einem Telephongespräch sagte: Sa g e n S i e, daß morgen die russischen Studenten nach Dö- beln kommen. Am nächsten Tage st and ta t s ä ch l i ch in der Amtspresse: Die russischen Studenten seien als Wahlhülfe für die Sozialdemokratie angekommen, das sei ein Skandal. Dann müßte Bebel und Singer geladen werden, um sich über die gegen sie und andere Führer der Sozialdemokratie verbreiteten Lügen auszulassen. Minister von Hohenthal soll bezeugen, daß die Re- gierung die Amtspresse— die sie politisch beeinflusse— angewiesen habe, weißes Papier für die bürgerlichen Parteien zur Verfügung zu halten und daß die Amtsblätter im amtlichen Teil Empfehlungen für die„nationalen" Kandidaten zu bringen verpflichtet worden seien. Ueber die Lügen betreffend die„Erpressung" von Bei- trägen durch die Sozialdemokratie sollen die Abgeordneten Legien und Robert Schmidt vernommen werden. Nach überraschend kurzer Beratung wurden alle diese Beweis- antrüge abgelehnt, weil— man es nur mit dem Flugblatte Thates und nicht mit Dingen, die außerhalb dieses lägen, zu tun habe. In seinem Plaidoyer bezog sich Rechtsanwalt Dr. Adler auf — Posadowsky dafür, daß die Sozialdemokratie alle Versicherungsgesetze abgelehnt haben solle. Es stünden, meinte er. die Amts- blättcr seiner Klienten im Dienste keiner Partei, auch nicht im Dienste des RcichsverbandeS.— Rechtsanwalt Dr. Harnisch ging noch einmal im einzelnen die Tätigkeit des Reichsverbandes im Wahlkampfe durch. Die Regierung habe die Amtspresse dazu be- nutzt, um ihre politische Meinung inS Publikum zu lancieren. Er habe den Beweis für die Lügen und dafür angeboten, daß die Amtsblätter nicht nur im amtlichen Teil gegen die Sozialdemo- kratie gekämpft, sondern auch Flugblätter des Reichsverbandes verteilt haben. Das haben ja die Privatkläger auch zugegeben. Nach kurzer Beratung lautete das Urteil: Thate wird zv 199 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Privatkläger haben das Recht der Publikation in den genannten 4 Amtsblättern und der„Chem- nitzer Volksstimme". Die Privatklägcr hätten in gutem Glauben gehandelt, meint der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung. In der Widerklage Thates gegen einen der Widerklager. Seidel, wird Seidel freigesprochen. Zwar enthalte dessen Flugblatt gröbliche Wendungen, aber der Schutz des§ 193 stände Seidel zur Seite. Internationaler Bergarbeiterkongreß. Salzburg, 18. September.(Privattelegramm.): In seiner heutigen Sitzung trat der Bergarbeiterkongrcß in die Beratung der Frage der Versicherungsgesctze ein. Diesbezüglich verlangen die Delegierten aus Oesterreich und Deutschland, daß den Bergarbeitern im Wege der Gesetzgebung bei vorübergehender Ltrantheit oder dauernder Invalidität eine Rente gesichert werde, welche zur anständigen Lebensführung genügt, und daß gleichfalls eine Rente für die Hinterbliebenen verunglückter oder verstorbener Bergarbeiter gesetzlich festgelegt werde. Ein zweiter Antrag der Delegierten aus Frankreich und Belgien erklärt, daß für Unfälle in Bergwerken die Arbeitgeber verant- wortlich gemacht werden müssen. Jeder Arbeiter, dem ein Unfall zustößt, soll während der Dauer der Arbeitsunfähigkeit den vollen Arbeitslohn als Entschädigung erhalten, bei Unfällen mit tödlichem Ausgange sei den Witwen und Waisen, letzteren biS zur Er- reichung des 16. Lebensjahres, eine zur angemessenen Lebensführung genügende Entschädigung zu bezahlen. Bergarbeiterstreik in England und Holland. Einige englische Delegierte sind im Laufe des heutigen TagcS abgereist, weil nach heute eingelangten Nachrichten der Aus- bruch eines Bergarbeitcrstreiks in England unmittelbar bevorsteht. Noch bevor die Kündigungsfrist zu Ende geht, wollen die Gewerk- schaftsfiihrer zum Zwecke der Intervention an Ort und Stelle lein. Ebenso sind einige siolländischeDelegierteauf Grund erhaltener Instruktionen abgereist�ba der Ausstand der Berg- arbeiter in den Niederlanden stets an Ausdehnung ge- w i n n t. Wenn es nicht in kürzester Zeit gelingt, die Differenzen beizulegen, lverden in Bälde sämtliche Kohlengruben Hollands in den Streik einbegriffen sein. Es handelt sich dabei um 15 000 bis 20000 Bergleute. Christentum und Sozialdemokratie. Die Debatte über die Zulassung der nichtsozialdemokratischcn Organisationen zum Kongreh hatte heute ein Nachspiel von prinzipieller Bedeutung, wobei es zu Erklärungen der deutschen Abgeordneten über das Verhältnis der Sozialdemo- kratie zum Christentum kam. Der belgische Delegierte La blanche hatte nämlich im Verlaufe der Debatte die Aeutze- rung getan, die Frage der Zulassung der christlichen Gewerkschaften käme für ihn gar nicht in Betracht: denn wenn mir jemand sagt, er sei ein Christ, so ist er auch ein Feind der«ozialdemo- kratie. Die Vertreter der christlichen Gewerkschaften erklärten darauf- hin heute, daß sie diese Aeutzerung nicht ruhig hinnehmen könnten. Abg. H u e hatte bereits für seine Person die Erklärung abgegeben, dah nach seiner Ueberzeugung Christentum und Sozial- demokratie keineswegs in einem Gegensatz stehen. Abg. Sachse erklärte nun heute, dah er sich auch namens der Partei- genossen dieser Meinung anschlietze: Er müsse dies gegenüber dem belgischen Delegierten feststellen, der einen Gegensatz zwischen Christentum und Sozialdemokratie konstatieren wollte. Namens der christlichen Bergarbeiter Deutschlands überreichte Effert einen Protest, in dem betont wird, welch schwere Opfer die 77 000„Christlichen" für die Gewerkschaft gebracht haben. Er bedauere, dah religiöse und politische Streitigkeiten das Wirtschaft» liche Zusammenarbeiten unmöglich machen. Die Vertreter der christlichen Gewerkschaften sind der Ansicht, dah Erörterungen religiöser Natur nicht auf den Kongreh gehören. Sollten derartige Angriffe auf die religiöse Ueberzeugung noch ge- duldet werden, so werden die christlichen Delegierten an den Vcr- Handlungen nicht weiter teilnehmen. Der Vorsitzende Burcke(Amerika) erklärte, dah er den Protest dem internationalen Komitee zuweise. Die Tagesordnung. Die weiteren Verhandlungen er- streckten sich auf den Punkt„Wohlfahrtseinrichtungen für Berg- arbeiter". Namens der Oesterreicher referierte Brdla(Mähr.-Ostrau), der die Krankenversicherung behandelte. Die Verhältnisse sind der- art, dah die Bergarbeiter mit 35 Jahren invalid werden. Die Invalidenrente betrage 2 Kr. bis 2,60 Kr.: daher die vielen Berg- arbeiter, die als Krüppel die Drehorgel spielen mühten. Er hoffe auf eine Verbesserung durch dos Parlament. Der Vertreter Deutschlands behandelte die Reform- beSstirstigkeit der- K n a p p s ch a f t s k a s s e n. DaS Krankengeld sei 1.40 M. pro Tag. Der Belgier F a l o r y berichtete, dah in Belgien daS Kranken- geld gar nur 1 Frank betrage, der Franzose Bernier teilt mit, dah für Frankreich zwei Frank gelten, dah aber besonders das Vorgehen der Privatversicherungsanstalten Reformen dringend nötig mache. Der Engländer G l o w e r berichtet, dah England an Invaliden- entschädigung 3l4 bis 7 Kronen zahle, auch an Leute, die nicht Bergarbeiter sind. Dies ist eine Folge der guten Organisation. Hierauf wurde die vorgelegte Resolution angenommen. Ueber die Frage dcS Internationalen Streiks referiert sodann Bexaine, indem er den Antrag der Franzosen begründet, dahingehend, dah die Bergarbeiter der verschiedenen Länder ein gemeinsames Abkommen treffen sollten, um nötigen- falls einen internationalen Streik zu erklären. Pohl(Deutschland) erklärt, dah die Frage nicht vor die Oeffentlichkeit gehöre. Einige einschlägige Versuche seien infolge mißlicher Verhältnisse mißlungen. Solle eine derartige Aktion spruchreif werden, so brauche es monatelanger gründlicher Vorbereitungen und Erwägungen. Zum Schlüsse wurde auch die Resolution über die„Internationale Regelung der Kohlcnproduktion" angenommen. Sie der- langt, dah die Kohlenproduktion international durch die internationale Föderation der Bergarbeiter geregelt werde. ßomn kontra Geo Schmidt. Köln, den 19. September. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung läßt der Vorsitzende noch einmal den Zeugen, Kammergcrichtsrat W i l ck c zur Ergänzung seiner gestrigen Aussage erbitten.— Zeuge Wilcke: Ich habe gestern vergessen, über die Auskunft der Station Atak- p a m e über den Ruf der Fraucnkönigin Ssisagbe Mitteilung machen. Der jetzige Bezirksleiter berichtet über diese Frauen- königin, dah sie nicht übel beleumdet sei, dah sie unter den Eingeborenen angesehen und der Regierung unbedingt ergeben sei.— Ter Zeuge llneshagen bittet feststellen zu dürfen, dah nicht bloß Pater Müller, sondern auch Pater Pro- dus Aeutzerungcn gegen Schmidt zu ihm ge- macht hatte. Weiter hat der Abgeordnete Roeren im Reichs- tage ausgeführt: Meine Herren, der Mann ging noch weiter ,n seinem Paschagefühl. Er begnügte sich nicht mit einer schwarzen Konkubine, sondern legte sich einen ganzen— ich will lieber sagen eine ganze Schar von kleinen unerwachsenen schwarzen Mädchen zu. Er selbst hat weiter erklärt, er habe sich diese kleinen Mädchen ge- halten, damit er und seine Gäste sich bei Tisch an dem harmlosen Spiele der Kinder erfreuen können. Sein schwarzer Koch dagegen bekundet, dah die Kinder in dem Vorzimmer des Schmidt geschlafen und Schmidt dieselben abwechselnd zu sich ins Bett genommen habe. Wer nun recht hat, dieser Schmidt oder sein schwarzer Koch, will ich nicht entscheiden. Die Leute in Atakpame fassen die Sache ernster auf. Nach Landessitte steht auf den Mihbrauch solcher Kinder die Todesstrafe, jedenfalls herrschte auf der Station die größte Entrüstung. Die Sache kam aber erst ins Rollen, als dieser Schmidt noch die jugendliche Tochter eines zum Christentum übergetretenen Eingeborenen namens A b d j a o zu sich nahm. Einige Zeit darauf kam die Abdjao sehr leidend nach Sause und klagte, dah Schmidt sie geschlechtlich gebraucht habe. ie habe sich geweigert, Schmidt habe aber die Pferdepcitsche ge- nommen und sie geschlagen, dah sie Wunden bekommen habe. Der Koch Boko habe bekundet, er habe gesehen, wie die Abdjao von Schmidt mit der Peitsche geschlagen worden sei u n d bei ihm im Bett gelegen habe. Er wolle hinzufügen, dah die Narben von den Pferdepcitschenhicben noch jetzt zu sehen seien.— Vors.: Herr Schmidt, wollen Sie behaupten, dah die Angabe, Sie hätten die Abdjao, als sie noch nicht 14 Jahre alt war, unter Anwendung von Peitschenhieben gebraucht, unwahr sei?— Angekl.: Jawohl, ich behaupte: Mit dem vollen Bewußt- sein der Unwahrheit hat Herr Roeren das vorgetragen.— Vors.: Worauf begründen Sie das?— Angekl.: Herr Roeren beruft sich immer auf die Urteile. Gerade aus den Urteilen geht aber klar und positiv die U n w a h r h e i t der Behauptungen hervor.— Vors.: Es war gegen Sie ein Verfahren wegen Vergehens gegen % 176 Abs. 3 Str.-G.-B. eingeleitet worden und Sie sind frei- gesprochen worden?— Angekl.: Das ist richtig. Zuerst war zweimal ein Verfahren eröffnet und eingestellt worden, dann wurde auf Befehl des Gouverneurs Horn zum drittenmal ein Verfahren eröffnet, obwohl der Richter es für zwecklos hielt. Ich wurde freigesprochen und in glänzendster Weise gerechtfertigt. Dieses Urteil muhte Herr Roeren kennen. Später wurde gegen Pater Schmidt die Anklage wegen Beleidigung und Verleumdung erhoben. Er wurde nur wegen Beleidigung zu Ii Tagen Gefängnis verurteilt, das Gericht erkannte aber auch an. dah das Verfahren des Paters Schmidt stark an Verleumdung grenze. Nachher erfolgte die Berufung, in der Schmidt freigesprochen wurde. Auch dieses Urteil ist so klar, dah ich erstaunt bin, wie man die Stirn haben kann, derartiges vor- zutragen.— Abgeordneter Roeren: Ich habe auch die beiden Urteile objektiv vorgetragen und besprochen. Ich bin aber in der Lage, in diesem Punkte wie kaum in einem anderen den Wahrheitsbeweis anzutreten. Der Beklagte mag Punkt für Punkt angeben, was nicht richtig ist.— Rechtsanw. Bredereck: Die ganze Darstellung des Herrn Roeren steht im Widerspruch mit der Feststellung der Urteile, über die sich Herr Roeren einfach hinweggesetzt hat. Pater Schmidt gab in der Verhandlung zu, dah die Behauptung, dah die Abdjao unter 14 Jahre alt gewesen sei, nicht aufrecht erhalten werden könne.— Rechtsanwalt Schreiber bestreitet das.— Angekl. Schmidt: Dieser Vorfall datiert aus meinem ersten Dienstjahre. Ich hatte gleich mit ver Mission Streitigkeiten kleiner Art, sie suchte über mich Gewalt zu bekommen. Bald aber kam es zu kleinen Vcr- leulndungen gegen mich, manchmal auch zu recht großen. Die Mission verlangte, dah ich ihr Schüler zuweisen, daß ich den Fetisch verbieten und ihr Land zuweisen solle usw. Alles das konnte ich mit Rücksicht auf die Zukunft der Kolonie nicht tun. Während ich auf Urlaub war, begann die Aufhetzung des Kuko- wina. Bei meiner Rückkehr erkannte ich sofort, daß die Situation im Bezirk gefährdet war. Ich bat den Gouverneur Horn, eine Untersuchung einzuleiten, er lehnte es aber ab, wie er sagte, weil er keine Zeit habe. Er war dann aber drei Tage auf der Station, ohne etwas zu tun. Ich sandte sofort ein Schreiben an die Küste an den stellvertretenden Gouverneur Regierungsrat G r a e f e. Als Gouverneur Horn ab- reisen wollte, verweigerten die Träger den Dienst. Ich machte den Gouverneur darauf aufmerksam, dah diese Verweigerung die Folge der Hetze und Aufwiegelung der Mission sei. Ich ersuchte ihn noch- mals, eine Untersuchung einzuleiten, er reiste aber ab. Kurz darauf kam aus einem Nachbarbezirk der Bezirkshauptmann Dr. Kersting zu Besuch. Damals waren gerade einige Eingeborene zu mir ge- kommen und hatten gesagt:„Herr! Die Missionare verlangen fort- während, dah wir uns über Dich beschweren, sie hetzen uns auf. Um auch den Schein jeder Parteilic�eit zu vermeiden, ersuchte ich Dr. Kersting, die Leute zu vernehmen, was denn auch geschah. Dann sagten auch die Familienältesten aus. dah die Missionare fortwährend zu ihnen geschickt hätten, um sie aufzufordern, dah sie sich über mich beschweren. Ein Händler, der vorher mit den Missionaren verzankt war und den sie sogar Schweinehund genannt hatten, sagte aus. daß sich die Missionare auch an ihn gewandt hatten und überall Material gegen mich zusammensuchten. Das alles geschah, um das Verfahren gegen den Pater Schmidt auf- zuhalten, gegen den ich Anzeige wegen Verleumdung er- stattet hatte. Auf die Beschwerden gegen mich wurde sofort reagiert und eS wurden 18— 14 Leute vernommen, und die Vernehmung ergab, dah nichts gegen mich vorliege, weshalb auch das Versahren eingestellt wurde. Ich erstattete nun Anzeige gegen Pater Muller wegen wissentlich falscher An schul- d i g u n g, und nun wurde mir von Dr. G r a e f e, der inzwischen abgereist, Herr v. Rottberg zugewiesen. Er fetzte sofort den Pater in Untersuchung und stellte fest, dah er die Leute aufgehetzt hatte. Der Präfekt telephonierte an den Gouverneur Horn und es fand ein Telegrammwechsel mit dem Auswärtigen Amt statt. Herr Horn kam bald auf die Station, und ohne die Akten ge- sehen zu haben, und ohne die Verhältnisse zu kennen, setzte er den Pater in Freiheit und setzte den Richter ab. Auf meine Vor- stellungen sagteer: ES kommt nicht auf das Recht an, sondern auf die Rücksichtnahme auf die politischen Machtverhältnisse. Ddr Gouver. neur wollte mich bestimmen, die Anzeige zurückzunehmen. Er stellte mir eine Anstellung in Kamerun und«ine Ordens- auSzeichnung in Aussicht. Ich lehnte das ab, weil ich Auf- klärung haben wollte. Später erfolgte die Einleitung des Ber- fahrens gegen mich. Alle Schwarzen erklärten, dah man sie g e- z w u n g e n habe, gegenmichauszusagen. Die Schwarzen, welche gegen mich ausgesagt haben, waren alle schon von mirbeftraftworden. Es ist festgestellt worden, dah die Abdjao hypnotisiert worden ist. Pater Müller hat zugegeben, dah er hypnoti- s i e r e n könne. Ich habe ohne weiteres zugegeben, daß ich mit Mädchen verkehrt habe. Die Abdjao War aber, wie jeder sehen konnte, älter als 14 Jahre. Ich habe mit schwarzen Weibern verkehrt. wie es jeder andere getan hat und ohne es nachher zu verschweigen.— Der Vorsitzen de sagt, dah eS ihm ratsam er- scheine, die Oeffentlichkeit jetzt auszuschließen. Beklagter Schmidt: Ich bitte, daS nicht zu tun, ich habe die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen. Ich habe viele Mädchen auf ber Station gehabt nnd auch die Patres haben mit diesen Mädchen ge- schäkert.— N.-A. Schreiber: Ich bitte, dah der Angeklagte ge- fragt wird, ob er die Abdjao durch Peitschenhiebe gezwungen hat nnd ob er sie gebraucht hat, als sie n o ch n i ch t 14 Jahre alt war.— Schmidt: Nein.— R.-A.: Schreiber: Ob er sich einen Harem junger Mädchen gehalten hat. Schmidt: Ja.— R.-A. Bredereck: Ich bemerke noch, dah das Alter der Abdjao niemals in den Gerichts- a k t e n f e st g e st e l l t ist. Der Kläger hat sich auf die Gerichts- alten berufen. Nun handelt es sich aber nur um die Handakten des Rechtsanwalts Court. Es ist immer die Rede von Akten- Material. Ich stelle das fest, damit vor der Oeffentlichkeit nicht das Bild verschoben wird. Es handelt sich nur um irrelevante Momente. Damals, als die Abdjao zu Schmidt kam, war sie noch nicht 14 Jahre alt. Ich möchte den Ange- klagten fragen, ob er nicht mit den fünf auf der Station unter- gebrachten Mädchen verkehrt hat.— Bell. Schmidt: Ich habe in den sechs Jahren verschiedene W«iber gehabt, aber erst später mit ihnen verkehrt. Im ersten Dienstjahr habe ich von den Mädchen auf der Station nicht ein einziges berührt, auch nichtdieAbdjao.— R.-A. Schreiber: Ich protestiere gegeu die Vorwürfe, die dem Gouverneur Horn wegen der skandalösen Verhaftung der Missionare gemacht werden. Ich verweise auf den Bericht des Gouverneurs Horn, in dem es heißt:„Ich hatte mir ausdrücklich vorbehalten, die Angelegenheit der Abdjao selbst zu entscheiden. DaS Verfahren gegen die PaterS war ganz u n- gerechtfertigt. Deshalb habe ich auch Herrn v. Rottberg abberufen."— R.-A. Bredereck: Herr Roeren behauptet heute, nicht gesagt zu haben, Herr Schmidt habe die Abdjao auch schon gebraucht, als sie noch nicht 14 Jahre alt war. Er habe nur sagen wollen, dah Schmidt ein 14jähriges Mädchen zu sich auf die Station genommen habe. Jeder Mensch, der deutsch versteht, kann aus der Rede nur diese Auffassung gewinnen, dah Herrn Schmidt dieser Vorwurf gemacht werden soll. Dann sind wir aber auch bc- rechtigt zu sagen, dah Herr Roeren wider besseres Wissen gehandelt hat— Vors.: Herr Schmidt, haben Sie aus der Rede entnommen, dah Ihnen dieser Vorwurf gemacht werden soll?— Beklagter Schmidt: Etwas anderes konnte man doch gar nicht herauslesen. — Abg. Roeren: Bon dieser meiner Erklärung nehme ich kein Wort zurück.— Es werden dann die Urteile verlesen. Im Ber- fahren wegen Notzucht gegen Schmidt heißt eS: Die Abdjao fei mindestens 16 Jahre alt gewesen. Die Angabe, sie sei erst 12 Jahre alt gewesen, sei so ungeheuerlich angesichts der körperlichen Be- fchaffenheit des Mädchens, dah der Verdacht der bewußten falschen Angabe nahe liege. DaS zweite Urteil, durch das Pater Schmidt zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt wurde, stellt ebenfall« fest, dah die Abdjao etwa 16 Jahre alt gewesen sein dürfte, und daß k e i n e V e r- gewaltigung vorgelegen habe. Die Anzeige sei objektiv falsch gewesen, eS liegen aber auch gewichtige Gründe vor, dah die An- gaben auch subjektiv falsch gewesen seien. Der Angeklagte Pater Schmidt hätte wissen müssen, wie unzuderlässig die An» aben der Eingeborenen über das Alter seien. uch der Augenschein spräche gegen die Behauptung und an- gesichts der Schwere der Beleidigung sei auf eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen zu erkennen gewesen, die durch die erlittene Unter- suchungshaft als verbüßt zu gelten habe. Bei der Verlesung des dritten Urteils wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, da darin die Aussagen der Abdjao über die intimen Vor« oänge genau geschildert werden. Es wurde auf Freisprechung im Berufungsverfahren erkannt, weil dem Pater Schmidt der Schutz des§ 193 des St.-G.-B.(Wahrnehmung berechtigter Interessen» zugebilligt wurde.— Zeuge v. Rottberg: Die Abdjao war. als stjz sie kennen lernte, bereits über 14 Jahre alt. Das Mädchen zeigte vollständige Reife und machte einen sehr sinnlichen Eindruck. Sie machte auf mich nicht den Eindruck, als ob sie unberührt sei, sondern als ob sie schon öfter sich dem Liebesgenuh hingegeben habe. Dah der Beklagte mit ihr verkehrt hat, gab er ohne weiteres zu. Er bestritt aber, dah dies in der ersten D i e n st p e r i o d e ge- schehen sei. Die Abdjao verwickelte sich bezüglich der angegebenen Vergewaltigung in solche Widersprüche, daß ihr Zeugnis nicht als ausschlaggebend angesehen werden konnte. Ihr Körper wies Narben auf, aber diese konnten nicht von Pcitschenschlägen herrühren, sondern meiner Ansicht nach davon, dah das Mädchen vielleicht ein- mal sich auf einen brennenden Zweig gesetzt hatte. Das mag wohl unwahrscheinlich klingen, ist aber nicht unwahrschein- lich. Es hängt mit der Art zusammen, wie die Schwarzen das Feuer aufbewahren. Die Abdjao mag vielleicht als Kind das Unglück gehabt haben, dah sie sich auf einen glimmenden Zweig setzte. Der Regierungsarzt kam auch zu keiner bestimmten Beurteilung. Ich hatte die Ueberzeugung gewonnen, dah die Lage nachgerade schwierig geworden sei, weil man die Eingeborenen gegen Schmidt ein- genommen und aufgehetzt hatte. Ich gab Herrn Schmidt den Rat, daß er gegen die Beleidiger vorgehen solle.— Rechtsanw. Jäger: Hatten Sie den Eindruck, dah die schwarzen Zeugen von irgend- einer Seite beeinflußt worden waren?— Zeuge: Diese Ansicht schöpfte ich aus den widersprechendsten Zeugenaussagen. Sie ergab sich auch aus dem regen Verkehr, der zivischen dem Zeugen und der Mission stattgefunden hatte.— Rechtsanw. Jäger: AuZ den Briefen der Mission, die beschlagnahmt wurden, geht doch wohl hervor, dah die Leute aufgehetzt worden sind?— Zeuge v. Rottberg: Einge Briefe sind zum Auswärtigen Amt gelangt. Ich kann nur meinen Ausdruck aus dem Bericht wiederholen:„Man hat mit Bienenfleih Material gegen den Stationschef gesammelt." Rechtsanw. Schreiber: Pater Müller hat ja zugegeben, dah er Material gesammelt hat, dies ist aber erst geschehen, als gegen ihn die Anzeige erstattet wurde, und zwar tat er die? zu seiner Per- teidigung.— Zeuge v. Nottberg: Ich hatte den Eindruck, als ob von Anfang an systematisch gegen Herrn Schmidt Material ge- sammelt worden sei. Zeuge Regierungsrat Dr. Gräfe, jetzt Bezirksamtmann in Dar-eS-Salaam wird vernommen. Er hat generell die Genehmigung zur Aussage erhalten. Ihm sei von Schmidt eine Beschwerde über Müller zugegangen, weil ihm dieser vorgeworfen habe, dah auf seine Veranlassung Uebergriffe gegen die Eingeborenen vor- gekommen seien, und dah er weiter ein Mädchen verge- waltigt habe. Ich ersuchte den Präfekten Bücking, Herrn Schmidt Genugtuung zu geben. Ich ersah weiter, dah Dr. Kersting an der protokollarischen Vernehmung teilgenommen und dah er die Richtigkeit der Darstellung des Schmidt bekräftigt hatte.— Rechtsanwalt Bredereck: Sie sind ja wohl in Atakpame gewesen und hatten Auskunft über die Wirksamkeit des Herrn Schmidt zu geben?— Zeuge: Ich bin in Atakpame gewesen, als Herr Schmidt aitzf Urlaub war, aber ich konnte doch ein Bild von seiner Amts- tätigkeit erlangen. Beim Betreten des Bezirks fiel mir die zu- friedene, ruhige und vergnügte Haltung der Bevölkerung auf. Herr Schmidt machte den Eindruck eines auherordentlich fleißigen und energischen Beamten, der den Bezirk in guter Ordnung hielt.— Zeuge Oberleutnant Smend war zu jener Zeit auf der Station, als die Beschwerde der Mission über Schmidt einlief. Als Schmidt seinen Urlaub antrat, habe er, Zeuge, ihn begleitet. Auch einige junge Mädchen begleiteten Herrn Schmidt. Auch bei dieser Gelegenheit sei ein Geschlechtsverkehr unmöglich gewesen.— Rechtsanwalt Bredereck: Wie alt schätzten Sie damals die Abdjao?— Zeuge: Ueber das Alter war ich mir nicht klar. Sie stand auf der Nebergangsstufe zwischen Kind und Jungfrau.— Abg. Roeren: Wann ist daS etwa?— Zeuge: Im 13. bis 14. Lebensjahr.— Zeuge hatte in den Verhandlungen, denen er sämtlich beiwohnte, den Eindruck, dah die Abdjao nicht wahrhaftig war. Sie behauptete da, dah die erste Mihhandlung stattfand, als Zeuge auf einer nächtlichen Jagd abwesend und Schmidt allein auf der Station war. Er, Zeuge, sei aber niemals allein auf der Jagd gewesen und habe ohne Schmidt nie die Station verlassen. Dann seien ihre Angaben über die Narben widerspruchsvoll gewesen. Sie zeigte kleine, runde Narben, die von Peitschenhieben herrühren sollten, während der Arzt diese Narben auf Geschwüre zurückführte, wie sie bei Negern nicht selten sind.— Angeklagter Schmidt: Stellten Sie nicht fest, daß alle Zeugen, die gegen mich ausgesagt haben, von mir schon vorher be- straft waren?— Der Zeuge bestätigt das.— Angeklagter: Hatten Sie nicht den Eindruck, dah die Mission mit allen Mitteln darauf hinarbeitete, mich zu entfernen?— Zeuge: Jawohl, es wurde festgestellt, dah das Verfahren gegen Schmidt eingeleitet worden war. um ein anderes Verfahren aufzuhalten. Zeuge vcr- weist noch darauf, dah das Verhalten der Abdjao dagegen sprach. dah sie von Schmidt mißhandelt worden sei. Denn als Schmidt an der Küste von den Mädchen Abschied nahm, fingen alle an zu weinen, auch die Abdjao.(Heiterkeit.) Rechtsanw. Schreiber: Ist es richtig, dah Oberleutnant Swende gesagt hat. Herr Schmidt konnte die Abdjao nicht gebraucht haben, da er nachts immer mit seiner Frau zusammen war?— Zeuge: Ja. —- Rechtsanw. Schreiber: Mit seiner Frau? —- Zeuge: Jawohl?— Rechtsanw. Schreiber: Mit seiner Frau? Dann war er also verheiratet?— Zeuge: Ja. mit einer schwarzen Frau.(Stürmische Heiterkeit� Nach afrika- n i s ch e r Auffassung war er verheiratet. Rechtsaniv. Schreiber: Und nach kanonischem Recht ist eine solche Ehe unlöslich.(Hcttcr- keit.) Zeuge Oberlichter Mayer leitete die Berufungsverhaud- lung gegen Pater Schmitz. ES ivurdc festgestellt, dah Herr Schmidt vor seiner Abreise die Abdjao nicht gebraucht habe. Da« Gericht hatte keinen Zweifel, dah die Abdjao schon in der Zeit, als Herr Schmidt sie nach der Anschuldigung gebraucht hahen sollte, über 14 Jahre alt war.— Pater Müller: Was den Fall Abdjao an- betrifft, so kam der Großvater des Mädchens zu mir und b?» klagte sich, dah Schmidt das Mädchen wider ihren Willen festhalte und sich der Freiheitsberau- b u n g schuldig mache. Er sagte, Schmidt habe schon vor seiner Abreise die Abdjao gezwungen, sich ihm hinzu- geben. Die Abdjao habe nicht gewollt und erklärt, dah sie noch nicht entwickelt sei, dah die Totenfeier für ihren Vater noch nicht vorüber sei und daß sie noch nicht die Geschlechts- reife besitze. Rechtsanw. Bredercck: Sie wissen also nicht? aus eigener Wahrnehmung, sondern nur das. was die Schwarzen gesagt haben. Zeuge Müller: Herr Rechtsanwalt, bei einer solche» Sache kann doch niemand anwesend fein und der Sache znschen.-- Rechtsanw. Schreiber: Wie war denn die Be» urteilung deS Falle? AbdjaoS in der Bevölkerung? Zeuge Müller: Es herrschte große Erregung nicht nur bei den Weihen, sondern auch bei den Schwarzen. Es lvar nicht der erste Fall eines Verbrechens, der Schmidt zugeschrieben wurde. Ich kann noch zwei derartige Fälle nachweisen. � Rechtsanwalt Schreiber: Ist es in Togo üblich, dah man weibliche Bedienung hält?— Zeuge Müller: Herr Schmidt hatte mehrere Schwarze zur Bedienung. Ein solches Institut gab es weder Vorher noch nachdem in Togo. Allerdings Herr Dr. Kersting hatte auch ein ähnliches Institut eingerichtet, sonst. aber war es nirgends anzutreffen.— Abg. R o e r e n: Ich möchte noch feststellen bezüglich der Glaubwürdigkeit des Kochs Boko, daß man diesem Zeugen solange Glauben schenkte, als er zugunsten des Herrn Schmidt aussagte. Äls das nicht mehr der Fall war, wurde dieser Mann als unglaubwürdig bezeichnet.— Rechtsanwalt B r e d e r e ck: Haben Sie sich nicht auch von weiblichen Personen auf den Stationen bedienen lassen?— Pater Müller: Was will ich machen, wenn ich zu Gast bin. Ich bin nur hingegangen, wenn es meine Pflicht war oder wenn es die Etikette verlangte.— Rechtsanwalt Bredereck: Ist es nicht üblich, daß Kolonialbeamte eine schwarze Frau haben?— Zeuge Müller: Ja, fast alle.— Rechtsanwalt Bredereck legt eine Photographie vor. Darauf ist Pater Müller mit einem Sektkelch und auch Herr Schmidt mit einem Sektkelch abgebildet. Rundherum sind 5 oder K Mädchen und Knaben. sGroße Heiterkeit.)— Zeuge Müller: Was bedeutet denn das? — Rechtsanwalt Bredereck: Wenn man Anstoß nimmt an alldem, dann darf man doch auch nicht in Gegenwart von Mädchen Sekt trinken.— Zeuge Müller: Ich halte das Sekttrinken nicht für unanständig. Zeuge v. Rottberg: Ich frage, ob Herr Roeren ge- neigt ist, das, was er im Reichstag gesagt hat, hier vor der ganzen Oeffentlichkeit zu wiederholen.— Abg. Roeren: Wenn man wieder...— Zeuge v. R o t t b e r g(laut und bc- stimmt): Ich ersuche um eine Antwort: Ja oder nein? (Große Unruhe im Publikum.)— Abg. Roeren: Ich werde, wenn es der Herr Vorsitzende wünscht, den Passus wiederholen.— Rechtsanwalt Schreiber: Zweimal sogar.— Der Vorsitzende erklärt unter allgemeiner Unruhe, daß die Verhandlung für heute abgebrochen werde. Der Zeuge v. Rottberg ruft dem Abg. Roeren zu: Den Mut hat er also nicht! Unter groher Bewegung erklärt der Vorsitzende darauf die Verhandlung bis auf Freitag früh g Uhr vertagt. Man er- wartet, daß der Prozeß am Sonnabendabend beendet sein wird. Sie geiunäheitlicheo Verhältnisse in den Berliner Schleifereien. Das Ergebnis einer Statistik. Nachdem l90b Graf Posadowsky eine Regelung und Besserung der gesundheitlichen Verhältnisse in Schleifereien in Aussicht ge- stellt hatte(was zu einer Enquete und Herausgabe eines Schleifer- Merkblattes führte), veranstaltete die Berliner Agitationskommission der beteiligten Arbeiter für den Bezirk der Verwaltungsstelle Berlin des MetallarbeiterverbandeS eine Statistik über die Zustände. Auf ihre Veranlassung genehmigten der Hauptvorstand und der Beirar des Verbandes auch die Aufnahme einer solchen Statistik in allen Orten, wo Schleifer wesentlich in Betracht kommen. Diese Reichs. statistik der organisierten Arbeiter ist noch nicht abgeschlossen. Dagegen konnte Genosse Fritz Thurau über das Ergebnis der Ber- liner Statistik am Mittwoch in einer gutbesuchten Versammlung aller in Metall- und Feilenschleifereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, die in den„Musiker-Festsälen" tagte, Bericht er- statten. Aus den Darlegungen Thuraus sei folgendes hervorgehoben: Beantwortete Fragebogen liefen ein aus 110 Betrieben, wovon Lü an sich Hauptbetrieb und 38 Nebenbetrieb von Großbetrieben waren. Kollegen wurden darin insgesamt 1056 beschäftigt. Davon waren b32 über 18 Jahre, 76 unter 18 Jahre und 48 unter 16 Jahre alt. Die Frage nach der Lage des Betriebs und der Größe im Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten ist zwar nicht in all�n Fällen näher beantwortet. Es ergibt sich aber, daß verschiedene Schleifereien noch in Kellern sind. Fünf wurden als solche in den Antworten bezeichnet. Einer ist im Dachstuhl. Die anderen ver- teilen sich auf Seitenflügel und Quergebäude. Der Luftraum pro beschäftigten Arbeiter war in verschiedenen Betrieben mit 7, 716 und 9 Kubikmeter sehr gering. In den meisten Betrieben schwankte er zwischen 12 und 20 Kubikmeter. Es gibt Betriebe, wo die Schleifer nur durch Bretter mangelhaft von den anderen Arbeitern getrennt sind, so�datz auch diese den Staub, den größten Gesund- heitsfeind der Schleifer, einatmen müßten. Der Lichteintritt erfolgt fünfmal nur durch Oberlicht, S8mal regelrecht durch Fenster, in den anderen Fällen verschieden: durch Fenster und Reflektoren oder durch Fenster und künstliche Beleuchtung, weil die Fenster zu klein sind. Auf eine Frage nach den Mängeln der Belichtung wurde aus 74 Betrieben geantwortet, daß hinsichtlich des Eintritts des Tageslichts keine Mängel vor- lägen. In 36 wurden Mängel festgestellt. In neun Betrieben sind die Fenster so schlecht geputzt, haftet der Schleiferschmutz so dick daran, daß die Kollegen schon bei geringer Dunkelheit die GaS- flamme anzünden oder das elektrische Licht einschalten müssen. In neun weiteren Betrieben sperren vorgebaute Häuser das Licht des Tages zum Teil ab.— Die künstliche Beleuchtung hat meist mit der modernen Technik Schritt gehalten. 42 Betriebe hatten elek- irisches Licht, 45 Gasglühlicht. Sieben hatten indessen offene Gas- brenner, die dem Schleifer sehr hinderlich und schlecht für die Augen sind. Zwei Betriebe warteten sogar noch mit Petroleum- beleuchtung auf, nämlich Hirschhorn in der Köpenickerstratze und Wünfchebach in Reinickendorf. Die Lüftung erfolgte durch Fenster und Türsn in 88, durch Dachklappen in 6, durch Fenster und Ventilation in 11 Betrieben. Bei 4 fehlte die Antwort. Mängel der Lüftung fanden die Kollegen in 57 Betrieben. Aus 37 ist Zugluft als Mangel angegeben. Andere können die Fenster nicht öffnen, weil sie den Dunst von der Metallformerei, von der Brennerei usw. erhielten. In einem Fall verbietet der Hausbesitzer das Oeffnen(Leipzigerstraße). In zwei Schleifereien besteht der Fußboden aus Erdreich. Wünschebach-Reinickendorf ist dabei. Von 14 Nahschleifereien haben nur zwei ein ordentliches Gefälle nach den Schleifgruben; bei zweien ist es mangelhaft und bei 10 gänzlich verneint. Wünsche- bach ist wieder dabei. Manchmal bilden sich Pfützen im Betriebe. Die Kollegen müssen den Dunst einatmen, der daraus emporsteigt. Gereinigt wird der Arbeitsraum täglich in 83 Betrieben, einmal die Woche in 14 Betrieben, zweimal in 3 Betrieben, drei- mal in 3 Betrieben. Für 2 Betriebe heißt es: mangelhaft.„Wie est werden Wände und Decken geweißt oder mit Oelfarbenanstrich zersetzen?" Die meisten Kollegen konnten diese Frage nicht bc- antworten, weil es ihnen unbekannt war, so selten kommt es vor. In einem Betriebe ist seit 15 Jahren einmal geweißt worden, in einem anderen seit 5 Jahren, in fünf seit 4 Jahren, in drei seit einem Jahr, in weiteren drei„nach Bedarf". In sieben Betrieben wird regelmäßig alle Jahre, in fünf alle 2 Jahre, in einem alle S Jahre geweißt. In 77 Betrieben war die Feststellung unmöglich. Eine der wichtigsten Fragen ist die nach dem Vorhandensein von Staubabsaugevorrichtungen. Gemeint sind Ex» haustor mit Bogenleitung. Irgendwelche Vorrichtungen sind in 42 Betrieben, aber nur in 31 davon Exhaustor. Und von diesen 31 wirklich in Betracht kommenden Vorrichtungen können 11 nicht in Gebrauch genommen werden, weil sie entzwei sind, zum Teil der Exhaustor, zum Teil die Leitung. Von den 110 Betrieben hatten also nur 20 eine ordentliche, zufriedenstellende Staubabsauge- Vorrichtung. Kaum ein Fünftel der 110 Betriebe habe somit eine gute und zweckmäßige Ventilation. Aller Anlaß für ein Einschreiten der Gewerbeinspektion und des 5kaissrlichen Gesundheitsamts sei vorhanden. Von 14 Betrieben, in denen Steine benutzt werden, haben nur 2 eiserne Kästen als Schutzvorrichtungen gegen das Zerspringen der Steine. In den anderen zwölf Nah- schleifercien sind morsche Holzkästen vorhanden, die unzweckmäßig find und keinen Schutz gewähren. So ist ein Kollege vollständig invalide dadurch geworden, daß 1903 bei Semmler u. Bleh« b e r g ein Stein zersprang. Bei der Firma Mägdefrau in Pankow platzte 1906 ein Stein und ein Feilenschleifer büßte in Folge davon sein Leben ein. Auch darauf wurde noch nicht für genügende Schutzvorrichtungen gesorgt, denn erst wieder vor drei Wochen sind zwei Kollegen im selben Betriebe verletzt worden, wenn auch nicht so schlimm. Der Staubverbreitung beim Schärfen der Steine wird in 12 Betrieben durch Oeffnen der Fenster und Türen vorgebeugt; in 2 Betrieben durch Ventilation; hier müssen aber die Schleifer den größten Teil des Staubes einschlucken, weil die Ventilation nicht zieht Wasch-undAnkleideräume.die der Staubverbreitung nicht ausgesetzt und nach Geschlechtern getrennt sind, haben 32 Be- triebe. Somit stehe fest, daß der größte Teil der Berliner Metall- schleifercien keine genügenden Ankleideräume habe. Sechsmal ist Badegelegenheit vorhanden, in anderen Betrieben Waschbecken; in 78 Betrieben waschen sich die Kollegen meistens in Eimern. Verschiedentlich müssen die Kollegen das Wasser aus der Galvanoplastik nehmen. So sieht man, daß eine der Hauptforderungen in hygienischer Beziehung nicht erfüllt ist. In 107 von den 110 Betrieben werden Getränke und Speisen auf dem Arbeitsplatz eingenommen. In 19 ist ein S p e i s e r a u m vorhanden, der aus den verschiedensten Gründen in 12 Betrieben nicht von den Schleifern benutzt wird; in 7 zum Beispiel, weil es nach Meinung der Kollegen zu umständlich sei und bei seiner Be- Nutzung die Zeit nicht ausreichen würde, die man zur Verfügung habe. Bei Joseph in der Ritterstraße dürfen die Schleifer den Speiseraum nicht benutzen, weil sie„ihn schmutzig machten". Die Abortverhält'Nisse sind zum Teil auch recht schlecht. In der Deutschen Waffenfabrik, vormals L. Löwe, ist noch Tonnensystem, und der Zustand ist so, daß man Tierchen ver- schiedener Art mitschleppt, wenn man die Aborte benutzt. In 27 Bs- trieben sind die Aborte in teils mangelhaftem Zustande, teils un- sauber. Bei Krüger(Köpenick) sind 8 Klosetts für 300 Arbeiter! Gesundheitsschädlich finden die Kollegen 42 Betriebe, weil die ordnungsmäßige Ventilation fehlt, 3 Betriebe, weil die Brennerei nebenan ist, 4 Betriebe wegen der Nähe der Gießerei, 2 Betriebe, weil kein ordentliches Wasser zur Verfügung steht, 2 Betriebe wegen der Kleinheit usw.— Als Folgen der gesund- heitsschädlichen Einwirkung empfinden die Kollegen Brust- beschwerden in 21, Reißen in allen Gliedern in 7, Reißen in den Fingern in 2, Luftröhrenkatarrh in 4, Magen- und Darmkatarrh in 4, Lungenkrankheiten in 8 Betrieben, Nervenkrankheit in 1, Schleiferkrätze in 1, Bcnzinkrätze in 1, Augenkrankheiten in 1 Be- triebe. Die neunstündige Arbeitszeit ist dank der Organi- sation in den meisten Schleifercien durchgeführt. In 8 Betrieben variiert die Arbeitszeit zwischen 8'/, und 8% Stunden. Nur zwei haben noch die zehnstündig« Arbeitszeit. In 17 Betrieben wird in der Saison Ucberzeit gearbeitet.— Die allernötigsten Schutzvorrichtungen fehlen noch in manchen Schleifereien. Von einer Revidierung der Betriebe durch die ewerbeinspektio n wußten nur etwas die Kollegen in weniger als der Hälfte der in Betracht kommenden Bc- triebe.„Wann das letzte Mal?" Die Frage ergab folgendes: 1900 in einem Betriebe, 1902 in einem, 1903 in zwei, 1904 in einem. 1905 in sechs und 1906 in 36 Betrieben. Die größere Zahl in 1906 erklärt sich wohl daraus, daß die Revisionen zugleich der Enquete der Reichsregierung dienten. Interessant ist, daß in zwei Betrieben der Meister schon vorher mitteilte, daß morgen der Inspektor komme, und ausforderte, schön aufzuräumen und die Maschine zu putzen. So werde es gemacht. Fragestellungen des Gewerbe- inspektors an Arbeiter erfolgten in einzelnen Fällen. In anderen. wurden sie durch den begleitenden Meister oder Fabrikchef ver- hindert. Einige Kollegen schreiben, sie hätten, um nicht entlassen zu werden, wegen der Gegenwart des Meisters nicht i hre Be- schwerden vorgebracht. Direkt an die Gewerbeinspektion haben sich die Kollegen aus 4 Betrieben gewandt. In drei Fällen erfolgte Abhülfe.— Nachdem Redner die Statistik durchgegangen war schilderte er noch die besonders schlimmen Zustände bei einer An zahl Firmen, die er der in der Versammlung vertretenen Polizei durch Namhaftmachung liebevoll empfahl. Er legte dann noch dar. daß alle guten Ratschläge des SchlcifermerkblatreS nichts fruchten könnten, wenn nicht die entsprechenden Vorrichtungen geschaffen würden. Ferner betonte er. daß trotz der am 18. April auf sozialdemo kratische Veranlassung vom Reichstag angenommenen Resolution betreffend den Schleiferschutz noch keine ernstlichen Schritte zur Besserung geschehen seien. Die Organisationsleitung und auch die sozialistische Reichstagsfraktion werden ihre Pflicht tun. Wenn alles nichts nutze, die Regierung und Behörden in Bewegung zu setzen, dann bleibe noch die geschlossene Macht der organisierten Kollegenschaft im Deutschen Metallarbeiterverband. Ihn zu stärken, müsse sich jeder Kollege angelegen sein lassen(Lebhafter Beifall.) Nach einer Diskussion, welche das Referat bestätigte, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Bericht über die gesundheitlichen Verhältnisse in den Schleifereibetrieben. Da dieselben so überaus schlechte sind und durch die Resolution des Reichstages vom 18. April 1907 keinerlei Verbesserungen ein ?etreten sind, verpflichtet sich die Versammlung, mehr denn je ür den Ausbau ihrer Organisation Sorge zu tragen, um mit Hülfe derselben die Verhältnisse selbst besser gestalten zu können." Die Aaitationskomylission wurde durch Wücke und Lange er- gänzt. Ena Induftrie und ftondel. Wo sind die Wucherer? Anläßlich der Bewegung der Bergarbeiter im Niedeclausitzer Kohlenrevier wird in der Unternehmerpresse wiederum der dema gogische Borwurf erhoben, die Arbeiter hätten durch ihre fortgesetzten Lohnforderungen die Kohlenpreise in die Höhe getrieben. Solche Behauptungen sind entweder der Ausfluß unverzeihlicher Leicht fertigkeit oder gar der bewußten Bosheit. Speziell in der Braun- kohlenindustrie liegen die Verhältnisse so, daß den enonn gestiegenen Preisen sogar noch Lohnkürzungen gegenüberstehen. Die„Franks. Oder-Ztg." unternimmt nun den Versuch, die Werke von jeder Mitschuld an dem Kohlenwucher freizusprechen. Das Blatt schreibt: ...„Daß die Werke an der jetzigen abnormen Steigerung der Kohlenpreise durch einzelne Händler gar kein Interesse haben, geht u. a. auch aus der Tatsache hervor, daß die Ilse letzthin, als ein Händler ihr schrieb, er werde den Preis pro Zentner dem- nächst auf 1,50 M. erhöhen, ihm kategorisch antwortete: wenn er das täte, so würde ihm die Ilse künftig jede weitere Kohlen- lieferung verweigern." Daß einzelne Händler ganz gern die Situation ausnützen und noch über die KonventtonSpreife hinausgehen möchten, wird schon stimmen. Ebenso glaubwürdig ist, daß die Werke solchen Gelüsten nichtVorschub leisten wollen, denn waSjNÜtztihnenhöhercrHändlcrprofit? Wie nun aber liegen tatsächlich die Verhältnisse? Die Werke, und zwar die„Ilse" als treibender Faktor, haben mit den Groß- Händlern eine Konvention geschlossen. Diese Vereinigung schreibt die Verkaufspreise vor. Der Kleinhändler, der die festgesetzten Preise nicht einhält, muß Konventionalstrafe zahlen; ja. es wird ihm sogar jede Kohlenlieferung verweigert, wenn er gegen die Gesetze der Konvention verstößt. Diese Art Preisregulicrung haben die Werke eingerichtet, um ihrerseits bequem die Preise hinaufsctzen zu können. Unter solchen Umständen die Werke von der Mitschuld an dem Kohlenwucher entlasten zu wollen, ist weiter nichts als ein Versuch, die öffentliche Meinung irre zu führen. Tabakarbeiter-Genossenschaft. In der am 17. September in Hamburg stattgefundenen Generalversammlung gab der Geschäfts- führer v. Elm folgenden Bericht: Die Tabakarbeiter-Genossenschaft befindet sich in ständiger Auf- wärtsentwickelung; im ersten Halbjahr 1906 wurden an Waren ab- gesetzt für 317 304 M.. im ersten Halbjahr 1907 für 455 902 M. Das bedeutet eine Steigerung von 43,7 Proz. f n den alten Räumen der Fabrik in der Schäferstraße in urg wäre es ganz unmöglich gewesen, den sich ständig steigenden Ansprüchen genügen zu können; auch in dem neu er- mieteten großen fünfstöckigen Fabrikgebäude Paulinenallce 16. Hamburg, gestaltete sich anfänglich die Beftiedigung des sich plötzlich steigernden Absatzes ungemein schwierig. Die Steigerung trat in der Hauptsache ein bei den gangbarsten Sorten, so steigerte sich z. B. im ersten Halbjahr 1907 gegenüber dem ersten Halbjahr 1906 der Absatz der Produktion Nr. 104 von 1378 auf 2405 Mille, Nr. 105 Mexiko von 242 auf 384 Mille, Nr. 113 Nannerl von 246 auf 375 Mille, Nr. 121 Eifasson von 159 auf 290 Mille. Nr. 102 Consumo von 489 auf 742 Mille, Nr. 31/90 von 563 ans 966 Mille. Nr. 31/32 von 101 auf 132 Mille. Nr. 112 von 100 auf 182 Mille, Nr. 75 von 69 auf 85 Mille, Nr. 85 von 348 auf 931 Mille. Durch die Steigerung bei einzelnen Haupt« sorten war es notwendig, stäudig neues Arbeitsmaterial zu be- schaffen. Da die Fabriken in der Gesaintiudustrie voll beschäftigt waren, konnten die Lieferungen in kürzester Frist nicht beschafft werden. Dadurch kam auch die Auslieferung der Orders der Tabak- arbeiter-Genosscnschast inö Stocken und gab dies Veranlassung zu manchen berechtigten Beschwerden. Heute sind die Schwierigkeiten glücklich überwunden. Die Zahl der Arbeiter ist erheblich vermehrt worden; ivähend in der Hamburger Fabrik im Juni 1906 110 Ar- bester beschäftigt wurden, arbeiten dort jetzt 210 Personen. Außer« dem sind in der Frankenberger Fabrik 149, in der Hockenheiiner 113 Arbeiter tätig. Das sind im ganzen 472 Personen, welche von der Tabakarbeiter-Genossenschaft beschäftigt werden. In Hockenheim bei Mannheim in Baden hat die Tabakarbeiter« Genossenschaft ein großes Grundstück erworben, dieselbe ist dadurch in der Lage, die Zahl ihrer Arbeiter mit der Zeit verzehnfachen zu können. Die Pläne flir den Neubau einer zweiten Fabrik sini bereits fertiggestellt und wird mit demselben noch in diesem Jahre begonnen werden. Das Interesse der Konsumvereine an der Entwickclung der Tabakarbeiter-Genossenschaft ist erfreulicherweise in ständigem Wachsen begriffen; schon im Jahre 1906 betrug der Absatz an die Konsumvereine 60,6 Proz. vom Gesamtabsatz. Es ist jedoch keine Frage, daß trotz dieses guten Umsatzes eine ganze Reihe der Vereine erst den kleinsten Teil ihres Bedarfs bei der Tabakarbeiter» Genossenschaft decken. Der Geschäftsführer v. Elm gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es der Tabakarbeiter-Genossenschaft, welche so innig mit der ganzen Konsumvereinsbewegung verwachsen ist, mit der Zeit gelingt, den ganzen Absatz der Konsnmvereiste in Zigarren an sich zu ziehen. Die Steigerung der Tabakprcise war in diesem Jahre eine ganz enorme, trotzdem hat die Tabakarbeiter-Genossenschaft ihre Preise nur bei zwei Sorten um ein Geringes erhöht und liefert fort- gesetzt die bisherigen Qualitäten in derselben guten Zusammen- stellung weiter. Nach Entgegennahme des Geschäftsberichts wird die Vcr� sammlung, da eine Debatte nicht beliebt wird, geschlossen. Verringerung dcr Naphtaausbeute im Kaukasus. Der Streik de> Arbeiter im Naphtarayon des Kaukasus hat sich schon bei dct Naphtagelvinnung im August recht bemerkbar gemacht; so wurden in der zweiten Hälfte des August nur 17 Millionen Pud gelvonucn gegen 20 Millionen Pud vorher. Diese Reduktion in der Gewinnung des Naphtas hat denn auch eine enorme Steigerung der Preise für Naphta zur Folge gehabt. In Baku wurden 32 Kopeken pro Pud bezahlt. Die Frage der Verteuerung des Naphtas geht aber nicht nur die Naphtaindustriellen selbst an, sondern trifft hauptsächlich auch die verschiedensten Zweige der Industrie, die Naphta als Heizmaterial verwenden. Bei der Höhe der Preise haben die Konsumenten des Naphtas aber eine merkliche Zurückhaltung beim Verbrauch und Einkauf des Naphtas an den Tag gelegt und vieliach anderes Heizmaterial verwendet. So hat die Schiffahrts- Sesellschaft der Wolga schon längere Zeit mit Holz und Kohlen ge- eizt. Wenn die Naphtaindustriellen das für die Industrie so not« wendige Heizmaterial nicht bald zu den normalen Preisen abgeben, werden die Konsumenten imnier mehr gezwungen sein, allgemein Kohle zu heizen. Die tägliche Ausfuhr aus Baku schwankt zwischen 1,6 und 1,7 Millionen Pud. Auch die Preise für Petroleum sind bedeutend in die Höhe gegangen; so wird in Astrachan jetzt 1 Rubel und 20 bis 25 Kopeken pro Pud gezahlt. In der zweiten Hälfte des August wurden von Batum über 20 Millionen Pud Be- leuchtungsöl ausgeführt gegen 16 Millionen in derselben Zeit deS vorigen Jahres. Wasserstands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässcrkundc, mitgeteilt vom Berliner Wettcrburcau. Wasserstand M- m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterbnrg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor » Krassen Franksurt Warthe, Schrimm Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby Magdeburg Saale, Grochlitz Wasserstand Havel, Spandau . Rathenow') Spree, Sprcmbcrg , Bceskow Weser, Münden „ Minden Rhein, Waldshut , Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Inserate för die nächste Kummer Mutten spätestens bis 5 Uhr nachmittags des vorherigen Cagts in unterer 6xpeditl0n abgegeben werden. Größere Hnzeigen für die � Sonntags-ff uimncr,* erbitten dagegen fchon bis fmtag nachmittag 5 Clhr, da nur in diesem falle die Hufnahme garantiert werden kann. verantwortlicher Redakteur: Kens Weber. Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Ttz. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u. Verlaasanstalt Paul Singer Le Cfo, Berlik S-WT� Nr. 220. 24. Jahrgang. 2. ftilnjt Ks JotniMs" f nliiift MlksM Freitag. 20. Septmber 1907. Der Parteitag in eilen. (Telegraphischcr Bericht.) Essen, den 19. September. Vierter Verhandlungstag. Vormittagssitzung. Singer eröffnet die Sitzung um O1/« Uhr. In der Diskussion über die„Rcichstagswahlen und die politische Lage" erhält zunächst das Wort Baudert-Weimar: Die Begründung zum Antrag 19 hat gestern Bebel litis schon gegeben, wenn er auch nicht ausdrücklich zu den Anträgen Stellung genommen hat. Einzelne Parteigenossen haben in der Presse ge- meint, wir könnten nicht einen so allgemeinen Beschluh in dieser Richtung fassen. Das beweist mir, daß diese Genossen von Kuhhandelsgelüsten nicht frei sind. Die letzten Wahlen haben wieder einmal gezeigt, daß wir von dem Freisinn nichts mehr zu erwarten haben, es hat wieder die ganze reaktionäre Masse gegen uns gestanden. Die Zeiten, wo der Freisinn eine Oppositionspartei war, ist vorüber. Darum brauchen wir nicht mehr von Fall zu Fall zu entscheiden, sondern müssen eine reinliche Scheidung zwischen uns und den bürgerlichen Parteien vornehmen. (Bravo I) Katzenstein-Berlin: Die Stichwahlanträge sind ja nichts Neues und ich glaube, wir haben heute ebensowenig Ursache, für sie zu stimmen, wie früher. Wir stimmen doch nicht für die Freisinnigen um ihretwillen, sondern weil es im einzelnen Fall sich aus den Verhälwissen ergibt. Dag die Freisinnigen in neuerer Zeit immer mehr Anschluß nach rechts suchen, erklärt sich leicht aus der Tatsache, daß sie in 21 Kreisen gegen die Sozialdemokratie in Stichwahl stehen. Dagegen ist der Antrag Aachen durchaus gerechtfertigt. Es war nicht richtig, daß der Partei- vorstand ausdrücklich erklärte, wir dürsten unter keinen Umständen in der Stichwahl für einen Nationalliberalen stimmen. Die ganze Fassung war ja wohl darauf berechnet, daß man unter Umständen für das Zentrum stimmen konnte. Zentrum und Nationalliberale sind für uns gleich wert, jedenfalls haben wir z. B im Rheinland keinen Anlaß, die Nationalliberalen ganz besonders gegenüber dem Zentrum zurückzusetzen. Ganz falsch war es auch, daß wir einen Demokraten wie Blumenthal gegen einen Klerikalen durchfallen ließen.(Sehr wahrl) Mr dürfen uns in diesen Fragen nicht von Verärgerungen leiten lassen. Eine bedenlliche Erscheinung ist, daß wir in einzelnen ländlichen Kreisen einen Stimmenrückgang zu verzeichnen haben. Dazu Stellung zu nehmen, wird ja noch bei anderer Gelegenheit möglich sein. Vor allem sollten wir mehr Wert auf die Agitation unter dem neuen Mittelstand legen. Heute ist die Sozialdemokratie in Deutschland so ausschließlich eine Vertretung der industriellen Arbeiter wie in keinem anderen Lande. Das liegt zweifellos zum Teil an der Art unserer Agitatoren, die es auch verschuldet hat. daß wir«ine» Teil der bürgerlichen Ideologen verloren haben (Sehr richtig k) Ewald-Berlin: Den AuSführMtgen Bauderts habe ich nur wenig hinzuzufügen. E» ist gesagt worden, diese Anträge seien alt, aber nicht besser ge- worden. SS kommt doch aber auf die Situation an, in der wir uns befinden. Früher standen die Freisinnigen in der Opposition, jetzt find fie nicht» anderes als die Konservativen, unter Umständen könnte unS ew Konservativer lieber sein, weil er sich ehrlich als unser Gegner bekennt, während der Freisinnige volksfreundliche und freiheit- liche Phrasen macht. Es wird gesagt, man müsse einey Unterschied zwischen Freifinnigen und Freisinnigen machen. Leute wie T r a e g e rs, Schräder oder Barth sind ja ehrliche Parteileute, aber sie sind Prediger in der Wüste, und wenn sie in Versammlungen auch freiheitliche Anwandlungen haben, bei den Abstimmungen im Parlament müssen sie sich dem Parteizwang fügen. Ich habe die freifinnige Niederträchtigkeit oft am eigenen Leibe erfahren, ich habe sechsmal gegen Konservative in der Stichwahl gestanden, und die Freifinnigen haben meine Wahl jedesmal unmöglich gemacht. Es wird anderen ebenso gegangen sein, aber ich bin am meisten davon betroffen worden.(Heiterkeit.) Es ist vorgekommen, daß in einein Wahlkreise den Wählern konservative und freisinnige Stimmzettel zum Aussuchen vorgelegt wurden, und die Freisinnigen haben für den schwärzesten Reaktionär, Professor Kropatscheck, gestimmt. Man könnte ja nun sagen, daß wir mit unseren heutigen Beschlüssen die künstigen Parteitage nicht bevormunden sollen, daß jeder Parteitag Stellung zu den Stichwahlen nehmen müsse. Aber cS ist doch möglich, daß, wenn die Blockpolitik in die Brüche geht, schon im nächsten Frühjahr wieder der Reichstag aufgelöst wird. Des- halb müssen wir heute die vorliegenden Anträge annehmen, schon mit Rücksicht auf die Mitläufer, die wir zu Sozialdemokraten machen müssen, da fie sonst fragen werden: Wozu sollen wir noch für Euch stimmen, wenn Ihr es fertig bringt, für einen Freisinnigen zu stimmen?(Beifall.) Kräker- Berlin: Ich habe von jeher auf dem Standpunkt strikter Stimmenthaltung Lei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Kandidaten gestanden. Nach dem Verhalten des Freisinns bei der letzten Wahl haben wir gar keine Ursache, ihn anders zu behandeln als die Konservativen, ja, ich sage sogar: die Konservativen als offene Feinde sind mir lieber als die Freisinnigen, die die Volkssteihcit nur immer im Munde führen. Wir müssen bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien strikte Stimmenthaltung proklamieren. Wenn einzelne weiße Raben unter den Freisinnigen sind, so haben diese die Schuld genau so zu tragen wie die anderen, denn wenn sie nicht mit den anderen in einen Topf geworfen werden wollen, dann müßten sie eine Partei, die solche Schandtaten begeht, verlassen.(Beifall.) Sänger-Miinchen: Der Umstand, daß wir uns so oft in Kleinigkeiten verlieren, ist eine der selbstverschuldeten Ursachen der Wahlniederlage. Ich spreche offen von einer Niederlage, denn es ist nicht nur die Pflicht jedes Menschen, sondern auch der politischen Partei, die Wahrheit zu be- kennen. Auf weitere Ursachen will ich nicht eingehen, ich halte es mit unserem Jgnaz Auer, daß eS richtiger ist im politischen Leben über manche Dinge nicht zu reden und zu schreiben, sondern sie ein- fach zu tun. Und die Tätigkeit unserer Partei nach den Wahlen be- loeist ja, daß wir uns keiner Täuschung darüber hingeben, als seien lediglich nationale Gründe und Verleumdungen unserer Gegner schuld an der Niederlage. Diejenigen aber, die die Ehre haben an der Spitze der deutsche» Arbeiterpartei zu marschieren, sollten die jenige Selbstbeherrschung in allen Lagen zeigen, die wir früher gewohnt waren, sie sollten namentlich vorsichtig sein in Aeußerungen, die uns später in> Wahlkampf vorgehalten werden könnten. Wir Sozialdemokraten sind weder so töricht noch so stolz, daß wir nichts lernen wollen. Andererseits kommt nach meiner Ueberzeugung unserer Niederlage nur die Bedeutung einer Niederlage zu, wie sie naturgemäß jede große Kulturbewegung einmal erleidet. Die Resolution gegen die Freisinnigen bitte ich abzulehnen, denn eS ist geradezu eine Torheit, in einem Stadium der politischen Ver- ärgerung eine Taktik für fünf Jahre festzulegen.(Sehr richtig!) Sie erreichen damit nichts anderes, als daß sie im gegebenen Moment nicht gehalten'wird. Die politische Lage ist für uns durchaus nicht ungünstig. Zweifellos blickt die gesamte politische Welt Deutschlands mit besonderem Interesse aus' diesen Parteitag, auf dem wir uns nach der Enttäuschung dieses Frühjahrs zum ersten Male wieder aussprechen. Den ignoranten liberalen Kritikern aber, die glauben, daß die sozialdemokratische Partei keine Niederlage er- tragen könnte, denen antworte ich mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck, daß wir Sozialdemokraten nichts, gar nichts m der Welt fürchten. Wo ist ein Sozialdemokrat in Deutschland, dessen Siegeszuversicht für die Zukunft erschüttert wäre? In der 'Arbeiterklasse ruhen nach wie vor die Wurzeln unserer Kraft und mit dem Blick auf die deutschen Arbeiter balten wir uns den Kopf klar über alle Leidenschaften des Tages.(Beifall.) Eines sei dem deutschen Bürgertum gesagt: wenn die alte Generation des Sozialistengesetzes einmal nicht mehr sein wird, sie könne das Erbe ruhig in andere Hände geben, eS wird eine neue Generation kommen, die der alten gleicht.(Bravo!) Das mag das deutsche Bürgertum ein für allemal behalten, jetzt und für alle Zu- kunft! Wir bleiben Sozialdemokraten, wie wir Sozialdemokraten sind, wir kämpfen weiter, bis die Staatsherrschaft auf der Freiheit der deutschen Arbeiterklasse begründet ist, wir kämpfen weiter in alter Treue für Demokratie und Sozialismus bis ans Ende. (Beifall.) Freuzel-Stollberg: Im sächsischen Erzgebirge ist die Bevölkerung noch sehr rück- ständig: unsere Agitation kann dort nur von Mund zu Mund und durch Broschüren betrieben werden: Volksversammlungen werden uns dort unmöglich gemacht. Die Freisinnigen haben es um uns hundertmal verdient, daß wir sie nicht mehr unterstützen. Damit werden wir in unserer Gegend speziell noch am meisten Erfolge erzielen. Günther-Kottbus: Wir haben wohl alle nicht geglaubt, daß die Freisinnigen so weit nach rechts Anschluß suchen würden, wie es bei den letzten Wahlen geschehen ist. Selbst einem so reaktionären Manne wie von Dirksen hat der Freisinn Gefolgschaft geleistet. Wir wollen lieber an Mandaten verlieren, als einem solchen Freisinnigen noch Vertrauen schenken; das würde die Masse der Arbeiter nicht ver- stehen. Daher bitte ich Sie, dem Antrag 63 zuzustimmen. Z-rn-Fürth: Bei uns gehört der Vorstand der Freisinnigen Partei zum Reichslügenverband, wir hätten also allen Anlaß, den vorliegenden Anträgen zuzustimmen. Aber wir dürfen uns in dieser Richtung nicht festlegen, sonst könnten recht schlimme Folgen für uns daraus entstehen.(Sehr richtig I) Wir können wobl in die Lage kommen, in der Stichwahl für eiiren Freisinnigen zu stimmen, der sich gegen gewisse reaktionäre Gesetze erklärt. Ich bitte Sie daher, gegen die Anträge zu stimmen.(Bravo!) Drescher-Elberfeld: Der Wahlaustuf des Parteivorstandes, der uns aufforderte, lieber für das Zentrum als für Nationalliberale zu stimmen, ist unS sehr unbequem gewesen. In Elberfeld-Barmen hat daS Zentrum geschlossen gegen unS für den evangelischen Mucker gestimmt! Wenn hier am Niederrhein die Wahlen nicht nach dem Wunsche deS Zentrums ausgefallen sind, so haben wir das dem Kasseninstinkt der Bergarbeiter zu verdanken. Die christlichen Gewerkschaften haben mit aller Verve gegen uns gearbeitet, sie sind nach und nach zu einer selbständigen Sprengkolonne uns gegenüber geworden, während im Wahlkreise Bielefeld die katholischen Bauern für uns gestinimt haben. DaS Zentrum ist durch und durch reakionär, während der Liberalismus doch immerhin unsere Ivirtschaftliche Ent- Wickelung vorwärts schieben wird. Wenn uns einmal empfohlen wird, mit den bürgerlichen Parteien zusammenzugehen und nun ge- fordert wird, unter keinen llmständen nut bürgerliche» Parteien zu paktieren, so entspricht das so recht dem deutschen Volkscharaktcr: wir fallen aus einem Extrem ins andere. Ich bitte, die Anträge ab- zulehnen, die verlangen, daß bei Stichwahlen kein Liberaler unter- stützt werden solle. Sympathischer ist mir der Antrag Aachen, wo- nach wir gewissermaßen die mindestfordernden Parteien unterstützen sollen. Unter keinen Umständen darf unS aber mehr zugemutet werden, noch mit dem Zentrilm zusammenzugehen. Schmalfcld-Bremerhaven: dem Parteitag in Gotha im Jahre 1876 ist be- Bereits auf schlössen worden: _„Bei engeren Wahlen zum Reichstage. bei denen der sozialistische Kandidat ausgeschlossen ist, enthalten sich die Sozial- demokraten der Abstimmung, da alle anderen Parteien laut Pro- gramm uns gegenüber eine reaktionäre Masse bilden. In einzelnen speziellen Fällen jedoch, wo ein gegnerischer Kandidat in Frage steht, welcher wenigstens die politischen Forderungen der Partei und die in bczug auf den Schutz der Arbeiterklasse gegen die Kapitalmacht innerhalb der heutigen Gesellschaft ausgestellten Forderungen billigt, kann der Kandidat einer anderen Partei in engerer Wahl unterstützt werden, vorausgesetzt, daß die zur Leitung der Wahl seitens des Kongresses eingesetzte Behörde da- mit einverstanden ist." Was hat sich denn seit 1876 zugunsten der bürgerlichen Parteien geändert? Mit Recht hat mein Vorredner gesagt, daß wir nicht nur den Freisinnigen, sondern auch dem Zentrum wie überhaupt jeder bürgerlichen Partei die Unterstützung verweigern niüssen. Bebel hat ja gestern ausdrücklich erklärt, daß die Bourgeoisie reaktionärer geworden ist. Würden wir gewisse Mindestforderungen verlangen, so würden diese Forderungen von allen versprochen, aber nicht gehalten werden. Auf wirtschaftlichem Gebiete sind die Freisinnigen die ärgsten Scharfmacher. Während der Wahl haben sie hoch und heilig versichert, daß sie Freunde des KoalitionSrechtcS sind, aber kurz nachher haben ihre Führer geschrieben: LoS von den freien Gewerkschaften! Es ist nicht zu erwarten, daß die Freisinnigen auch nur in einer einzigen Frage Hand in Hand mit uns gehen. Wo sie daS Heft in den Fingern haben, in den Einzcllandtagen und den Kommunalvertretungen, da haben sie die Wahlgesetze in reaktionärem Sinne geändert. Nun wird gesagt, wir können unS nicht binden. Aber in gewissem Sinne haben wir uns doch schon 1876 gebunden. Wir müssen unter allen Umständen klipp und klar erklären, welche Stellung wir bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien einnehmen. Jetzt sagen sich die Freisinnigen: Wir können machen, was wir wollen, wir können jede freiheitliche Regung niedertrampeln; denn ihr müßt uns ja doch wählen! Durch die jetzige Taktik wird nur Verwirrung in unseren cigeuen Reihen angerichtet; wir dürfen nicht mehr die Freisinnigen sang- und klang- los als daS kleinere Uebel betrachten. Zu erwarten haben wir von ihnen nichts, in Militärfragen bewilligen sie den letzten Knopf, in Kolouialfragen den letzten Mann, und auch in Steuerfragen sind sie jetzt gezwungen, alles zu bewilligen. Seitdem die Freisinnigen zum Block übergegangen sind, seitdem sie sich der Reaktion in die Arme geworfen haben, können sie keine Opposition mehr treiben. Wenn es heißt, dem Volke einen Maulkorb unizu- legen, dann bin ich überzeugt, dann werden die Freisinnigen einige schöne Reden halten, aber innerlich werden sie vor Freude beinahe platzen, wenn Zivaugsgesetze gegen uns zustande kommen. Unter normalen Verhältnissen dürfen wir keine bürgerliche Partei unter- stützen. Sollten die Verhältnisse sich ändern, sollte der Jung- liberalismuS sich bessern,— ich glaube an diese Besserung nicht— dann wären wir immer noch zu einer anderen Stellungnahme in der Lage.(Die Redezeit ist abgelaufen.) Ich möchte dann nur noch wünschen, daß die Bebelsche Rede als Sonderabdruck erscheint, sie wird uns bei der Agitation gute Dienste leisten.(Beifall.) Leber- Jena: Ich bin mit dem Antrag Weimar nicht einverstanden. Ich hätte es verstehen können, wenn in der Erbitterung über die ReichstagSwahlcn ein solcher Beschlutz zustande kam.(Sehr richtig!) aber nach so langer Zeit mußte man sich über die Situation klar 'ein und erkennen, daß wir unS nicht auf fünf Jahre festlegen können. Wir Eisenacher Genossen, denen durch den Verrat der Frei- sinnigen, die für den Reaktionär Schack stimmten, das Mandat ver« lorcn ging, hätten alle Ursache, einen solchen Antrag zu stellen, aber wir halten eine solche Verärgerungstaktik nicht für richtig.— Genosse Bebel hat uns empfohlen, mehr mit den Christlichen und Hirsch-Dunckerschen Arbeitern zusammenzuarbeiten. Gewiß halten wir alle dies wohl für sehr wünschensivert, aber Genosse Bebel unterschätzt die Schwierigkeiten in-•»: Kleinarbeit. Heute finden wir fast in jeder Nummer der Gewerkschaftszeitimgen, zum Beispiel auch in der„Metallarbeiter-Zeitung", lange Artikel, die sich gegen die Christlichen und die Hirsch-Dunckerschen wenden. Ich habe mir immer gesagt: schade um die Druckerschwärze; man soll wohl die Führer dieser Organisationen kennzeichnen, aber den Mitgliedern klar machen, daß sie mit uns gemeinsam arbeiten müssen, und sie nicht vor den Kopf stoßen.(Sehr richtig!) Den Ausführungen Bebels über die Frauenbewegung kann man Wohl zustimmen. Leider widmen sich die Genossen noch viel zu wenig der Organisation der Frauen, die doch für uns sowohl in den Geiverkschaften wie in der Partei so außerordentlich wichtig ist. (Sehr richtig!) Laufenbcrg-Düsseldorf: Ich habe die Annahme des Antrages Düsseldorf zu empfehlen- wonach wir unsere Taktik bei den Stichwahlen den bürgerlichen Parteien gegenüber festzulegen haben. Ick möchte aber darauf hin- weisen, daß für die Stichwahlen die Pcrsonenfragen eine viel wichtigere Rolle spielen, als es nach meiner Auffassung notwendig ist, daß Ivir uns für die nächsten Stichwahlen die Hände binden. Der Parteivorstand hat in seinem Aufruf die Parteien aufgeführt, die unter keinen Umständen in den Stichwahlen zu unterstützen seien, er hat aber die freisinnigen Parteien und das Zentruni als solche bezeichnet, deren Kandidaten unsere Unterstützung finden könnten, wenn sie sich für die Erhaltung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts, sowie gegen jeden Versuch, das Koalitionsrecht zu beschränken und gegen jedes Ausnahmegesetz erklären. Diese Parteien aber unter- scheiden sich von den übrigen Parteien so gut wie gar nicht. Das Zentrum ist seit 1896 für alle reaktionären Maßnahmen im Reichstage eingetreten: ihm verdanken wir die Flottenpolitik, das ungeheure Anwachsen der Militärlastcn, die ungeheure Belastung des Polles durch die Wucherzölle und eine ganze Anzahl weiterer reaktionärer Maßnahmen. Eine derartige Partei hätte man nicht als solche ausführen dürfen, die wir unterstützen sollen. Die an die bürgerlichen Kandidaten zu stellenden Bedingungen für ihre Unter- stützung bei der Stichwahl sind viel zu minimal gewesen. Auch Konservative erklären, daß sie nicht gegen das allgemeine Wahlrecht seien und auch nicht gegen das Koalitionsrecht, daß sie auch Gegner von Ausnahmegesetzen seien. Aber wie kommt die Sache dann nachher? Wir sind dann doch immer die Betrogenen. Unverständlich ist es auch, daß lvir freisinnige Kandidaten unterstützen sollen. Wenn Bebel gestern meinte, daß im nächsten Jahre die Blockpolitik voraussichtlich mit dem Zentrum gemacht werden würde, so ist diese Anschauung bei uns am Niederrhein schon vor zwei Jahren hervorgetreten; die Mehrzahl der Delegierten auf unserem niedcrrheinischcn Parteitage hat damals der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß das Zentrum nach der Herrschaft strebt. In den süd- deutschen Wahlkreisen ist das Zentrum in der Stichwahl gegen unS vorgegangen, und das, was der Reichsverband in Szene gesetzt hat. hat daS Zentrum hier längst getan. Man ipricht von der sogenannten demokratischen Vergangenheit des Zentrums. Es ist ein Märchen, ein Humbng, geboren aus der politischen Situation der 70er Jahre heraus. Grundsätzlich ist daS tcntrum reaktionär und der natürliche Verbündete der Konservativen. >ie christlichen Arbeiter sind die Träger der Arbeitcrzcrsplitterung, und diese Zersplitterung wird vom Zentrum in klassischer Weise ans- genutzt. Das Zentrum ist die eigentliche Schutztruppe des Kapitals. Dann möchte ich mich noch gegen die Unkenrufe wenden, die von mancher Seite laut werden. Wir müssen endlich aufhören nnt dem Hinweise, daß dieses oder jenes in der Agitation ims schädigt. Gerade der Ausfall der Reichstagswahlen Hai uns eine entschiedene KampfcSstellung gegen die bürgerliche Gesellschaft demlich zur Pflicht gemacht und wir haben gegen diese den Krieg zu führen bis ausS Messer.(Beifall.) Kinkcl-Göppingen: Die württemvcrgifche Regierung hat genau so wie alle anderen Regierungeii alles gegen uns aufgeboten. War es da angebracht. ihr ein Vertrauensvotum zu erteilen, wie es die sozialdemokratische LandtagSfraltion getan hat? Der württembergische Etat gibt auch keine Veranlassung, ihm zuzustimmen, denn er enthält Mittel, die Ivir nicht bewilligen dürfen. Ich möchte den Parteitag fragen, ob die Verhältnisse in Württemberg so waren, wie sie der letzte Absatz der Lübecker Resolution im Auge hat. Molkcnbnhr: Ich möchte davon abraten, irgend einen Beschluß über unsere Stellungnahme zu etwaigen Stichwahlen zu fassen. Wir müssen unö immer nach der Situation richten. Es handelt sich bei der Stichwahl ja niemals darum, ob wir einen Freisinnigen wählen wollen, sondern daruni, daß wir einer bestimmten Strömung in der Gesetzgebung Geltung verschaffen wollen. Ich erinnere Sie an die Situation bei der Zollpolitik. Damals kam eS vor allem darauf an, die frei- händlerische Richtung möglichst zu stärken. Nun will ich gern zu» geben, daß, wen» solche Situationen wiederkommen, wie bei den letzten Wahle», wenn die Freisinnigen gerade die agrarische Richtung, die ihre Politik bekämpft, in der Weise zu stärken suche», wir gar kein Interesse mehr daran haben, sie zu unterstützen. Da ist eS schließlich gleich, ob die konservative Mehrheit aus einigen Leuten mehr oder weniger besteht: dann graben sich die Freisinnigen selbst ihr Grab. Ob solche Situationen vorliegen, können wir aber erst bei den Stich- Wahlen selbst beurteilen. Aber auch aus denselben Gründen glaube ich, haben auch unsere rheinischen Genossen gerade die letzte Wahl» Parole des Parteivorstaudes falsch verstanden und eine Stellung dazu eingenommen, die aus der Sache nicht zu rechtfertigen ist. Gewiß ist das Zentrum so reaktionäre wie nur irgend eine Partei. Trotzdem kann es aber hier und da Fragen geben, wo wir mit dem Zentrum zusammengehen, um Verschlechterungen zu ver» hindern. Gegen die Nationalliberalen haben wir ja immer Stellung genommen, weil sie früher das Sozialistengesetz unter» stützt uiid jede reaktionäre Politik in Militär-, Steuerfragen, sogar in agrarischen Fragen getrieben haben. Freilich, wird Laufeubcrg sagen, daS Zentrum auch. Aber loie stand es bei den diesmaligen Wahlen? Einmal doch so, daß Fürst B ü l o w ganz offenbar Front machte gegen jede Weiterbildung der Arbeiterpolitik. In seinem be» kannten Brief an L i e b e r t hatte er bereits gesagt, daß für die deutschen Arbeiter so gesorgt ist wie in keinem anderen Lande der Welt. Das war doch nichts anderes als die offene Parole, mit jeder Sozialpolitik soll Halt gemacht werden.(Sehr richtig!> Dieser Satz war es auch, der die Großfabrikanten bewog, nun B ü l o w kolossale Summen bei der Wahl zur Verfügung zu stellen. Sie be» zahlten damit dafür, daß keine weitere Arbeiterschutzgcsctzgebnng ge- macht wird.(Sehr richtig I) Um das unmöglich zu machen,»nißten wir eventuell mit dem Zentrum gehen, weil das Zentrum schließlich immer gezwungen ist. für die Industriearbeiter hier und da einige Vorteile herauszuschlagen, Ich kann es ja begreifen, wenn die mederrheini- chen Genossen ein wenig verärgert sind über den Wahlschacher, den das Zentrum in Düsseldorf und Elberfeld getrieben hat. Aber wir wähle» unsere Parole, wie gesagt, nicht zu dem Zwecke, um da« Zentrum oder den Freisinn zu unterstiitzen, sondern unsere Parole muß aus rein sachliche» Erwägungen gegeben sein, sie muß darauf Rücksicht nehmen, was>in der nächsten Zeit für Vorlagen kommen, und wenn wir mit Rücksicht aus solche Vorlagen unsere Richtuzig stärken können, so haben wir das unter allen Umständen zu tun. (Bravo 1) Schnkider-Straßburg i S.: Die Stellung der reichiWndischm Sozialdemokratie zur Stichwahl hat ja bekanntlich eine scharfe Kritik hervorgerufen. Wie war die Lage? Die politischen Verhältnisse im Rerchslande find ganz anders als im übrigen Deutschland, wir haben dort eigentlich nur drei Parteien, Sozialdemokratie, Zentrum und Liberale. Wir haben überall selbständige Kandidaten aufgestellt, wir bekämpften alle bnrger- liche Parteien, insbesondere den Block, der sich bei nns aus Liberalen und Demokraten zusammensetzte. Noch bevor der Stichtvahlaufruf des Parteivorstandes erschien. traten wir mit einer eigenen Wahlparole hervor. Wir verlangten. daß die Kandidaten, die wir unterstützen sollten, sich verpflichteten, ans folgende zehn Punkte: 1. Gegen jede weiteren Ausgaben für Kolonien-, 2. gegen jede weitere Verstärkung von Heer und Flotte; 3. für Abschaffung aller indirekten Steuern und Zolle auf notwendige Lebensmittel. Oeffirung der Grenzen für Schlachtvieh und Fleisch; 4. für progressiv steigende Reichs- Einkommen- und Vermögenssteuer; 5. für Er- Weiterung der Bolksrechte, insbesondere allgemeines, gleiches, direktes, geheinzes Wahlrecht für alle öffentlichen und gesetzgebenden Körper- schaften; 6. gegen Ausschaltung des Reichstages als gesetz- gebenden Faktor für Elsaß- Lothringen, solange das all- gemeine, gleiche, direkte, geheime Wahlrecht zum Landesausschuß nicht eingeführt ist; 7. Sicherstcllung des KoalitionSrcchts; 8. Ab- lehnung des Gesetzentwurfes über die sogenannte Rechtsfähigkeit der Berufsvereine; 3. Selbstverwaltung und Vereinheitlichung aller Arbeiterversicherungsgesetze; 10. gegen jedes wie immer geartete Ausnahmegesetz. Mit dieser Parole haben wir in der Parteipresse leinen Widerspruch erfahren, im Gegenteil, das.Hamburger Echo" hat uns sogar gelobt und geschrieben:.Das ist ungefähr das Aktionsprogramm der Sozialdemokratie für die nächste Zeit. Jin Grunde bedeuten die Bedingungen Wahlenthaltung der Sozial- demokratie angesichts dc-Z jämmerlichen Verhaltens des Liberalismus und der Denlokratie." Und nun konunt man hierher und wirft uns vor, daß wir den großen Demokraten B l u m e n t h a l in zwei Wahlkreisen haben fallen lassen. Für uns schied die Person Blumenthal als politischer Faktor vollkonunen aus, nachdem er sich mit �en Liberalen zum Block verbündet hatte; er war nicht mehr der Deinokrat, der er früher war. er ging als Mitglied der Blockparteien Hand in Hand mit der Regierung und hat sich die Unterstützung der Regierung und des Reichsverbandes gefallen lassen. (Hört, hört!) Dazu kam, daß Blumenlhal ebenso wenig wie der Zentrumskandidat sich für unsere Stichwahlparole erklärte. Da konnte es uns doch tvirklich gleichgültig sein ob ein schwarzer oder ein blauer RegiernngSfreund in den Reichstag einzieht. Die Parole der Wahlenthaltung, die wir ausgegeben haben, war in der damaligen Situation die einzig richtige. Dafür, daß wir uns auf eine be- stimmt« Taktik festlegen, möchte ich warnen. Katzensttin-Bcrlin: Die Ausführungen der Vorredner haben das bestätigt, was wir schon gewußt haben, und sie haben die Tatsache nicht entkräften können, daß wir durch unser Verhalten zu einer Verschiebung der bürgerlichen Parteien im Reichstage beigetragen haben, was ich für bedauerlich halte. L a u f e n b e r g hat richtig gesagt, daß unsere Haltung bei den Stichwahlen zum guten Teil auf Porsonenfragen zurückzuführen ist. Wenn er aber dann gewissermaßen meinte, daß wir noch ruppiger austreten müßten, to ist nach meiner Ansicht uns nicht damit gedient, wohl aber mit einem entschiedenen, grundsätzlichen Auftreten, mit radikalen Forderungen, die durchführbar, sind, und mit denen wir die uns noch sernttehenden Kreise der Proletarier heranziehen können. Ich sprach vorhin von bürgerlichen Idealisten. Wir haben eine Anzahl unsicherer Kantonisten, die mit der Sozialdemokratie liebäugeln und vielleicht auf der Börse herumlaufen, wenn sie eine Geburtstags- gratnlation von Bebel vorzeigen können usw. Daß wir an derartigen Leuten nichts verlieren, darüber sind wir einig. Aber im allgemeinen dürfen wir die Mitläufer nicht abstoßen, wir versuchen ja auch, bei den Wahlen ihre Stimmen zubekommen, es handelt sich vielfach um ehrliche Idealisten, die keine ausgeprägten Politiker sind. Die Konstellation, unter der wir in die Wahl eingetreten sind, war ungünstig. An Kreisen, die sich um die Münchener.Jugend" scharen und ähnliche verlieren wir nicht viel. Aber es hat eine Reihe von Mißständen und Jmponde- rabilien gegen unsgewirlt und wir haben bei deu letzten Wahlen auch zvohl eine Ouiltmig sür eine Reihe innerer Vorgänge erhalten, die wir alle bedauert haben. Es gibt kein schöneres Gefühl, als wenn wir begeistert dem Feinde entgegentreten können; eS hat aber damals Mpmente gegeben, in denen die Begeisterung gedämpft war und man nach außen hin Entschnldigungsgriinde lucheu mußte. Unsere österreichischen Genossen haben Erfolge erzielt. Ge- tpiß war die Konstellation ftir sie günstig, aber auch ihre Taktik war entsprechend. Die österreichische Partei kann auch in dieser Hinsicht vorbildlich für uns sein. Man folgt dort wohl einer guten und schöneil Taktik, die nicht vor der Straße, im Notfall nicht vor Blut zurückschreckt, aber vor schmutzigen und häßlichen Worten und vor dem Vruderkampfe. Mancher ist zu uns gekommen, nicht aus materiellen Gründen, sondern weil ihm unsere Partei die Partei der Freiheit, und Brüderlichkeit gewesen ist. Der Nachwuchs ans diesen Kreisen hat sich außerordentlich verringert. Da wirken soziale Grunde mit. Wir verlieren auch an ihnen nichts. Aber die ganze Stiimnuiig macht doch sehr viel aus, aus der man sich zu der Bewegung hingezogen fühlt. Die Freiheit im Innern hat manchmal recht bedenklich gefehlt, eS sind Gegensätze nicht bloß mit grundsätzlicher Schärfe, sondern mit persönlicher Ge- hässigkeit und mit dem Appell an die Existenzfrage ansgefochten worden, und es ist ein verflucht bitteres Gefühl, wenn man das mit an- sehen muß: wenn der etwas geschrieben hat, so wird es gelobt, und wenir der etlvas geschrieben hat, so wird eS heruntergerissen. Ich habe das neulich gesehen in dem Streit um das Nachrichten- lmrea». Wir müssen das schätzen, was aus ehrlicher Ueberzeugung gesagt wird. Wir dürfen kein Sykophantentnin aufkommen lassen, wie es sich in der Kirche breitmacht. Dem soll man ans Gründen de» guten Geschmacks und der Reinheit der Partei entgegentreten. Dann mögen die Gegner kommen, wie sie wollen. Wenn wir uns so ciiiig sind in der ganzen Grundgesinnung, vor allem in dem Be- lvußtsein, für ein großes Ziel- uns cinznsetze», dann können wir wohl gelegentliche Rückschläge erleiden, aber diese können unseren Sieges- zug nicht aufhalten, und so werden wir völkerbefreiend wirken. IBeifall.) Dr. AronS-Berlin: Ich möchte Sie bitten, die Anträge zur Stichwahltaktik, die hier vorliegen, abzulehnen. Es ist ja ganz außerordentlich schwer, auch nur für eine bestimmte Partei ein endgültiges Urteil abzugeben. Bebel hat unS gestern dargelegt, wie die Zeutruinspartei je nach der augenblicklichen Situation in den verschiedenen Ländern eine ganz verschiedene Stellung einnimmt, wie die Zentrumspartei in Bayern für die Wahlrechtsverbefferung in unserem Sinne ein- getreten ist, und wie dieselbe ZentrumSpartci in Württemberg für ein ständisches Wahlrecht einzutreten versucht hat. Zu unserer aller Freude ivahrscheinlich und mit Recht bemüht sich der„Vorwärts" augenblicklich, in Preußen die Freisinnigen und die Zentrumspartei scharf zu machen sür ein Borgehen in der Wahlrechtsfrage. Ja. was soll es denn dann, wenn wir gleichgültig beschließen, die Leute niögen tun, was sie wollen, untersliitzen wollen wir sie in keinem Fall. Es ist mit Recht hervorgehoben worden, daß in Preußen bei der schwierigen Situation dort ein Zusammenfassen aller Elemente, die zu einemKanipf gegen dasJunkertumzuhabeusind, stattfinden muß. und m demselben Augenblick bringt man uns Anträge: auf keinen Fall ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien. Von Kompromissen und Kuhhandel ist gar nicht die Rede, es handelt sich nur um die Frage: sollen wir nns unseren Wahlkampf erschweren oder er- leichiern? Wenn es einen Kampf und Streit gilt, so kann ich mir vornehme», von diesem oder jenem Mittel' keinen Gebrauch zu machen, aber wenn der Gegner schon vorher weiß, wovon ich leinen Gebrauch mache, so ist ihm ja der Kamps außerordentlich er- leichtert. Die Taktik muß in jedem Augenblicke erwogen werden, sie läßt sich nicht auf Parteitagen festlegen. Im besten Falle wird sich wohl für die Anträge ekne„überwältig«rf-e Minderheit', wie Gemoll gestern sagte, finden, ich bitte jedenfalls, sie abzulehnen. Ich möchte noch hinweisen auf einen anderen Punkt, den Bebel gestern berührt hat. Er sprach von der immer lvachsenden Konzentration des Kapitals gegenüber den Verbänden der Arbeiter und betoute die Notwendigkeit, daß auch innerhalb der Arbeiter- schaft die Gegensätze möglichst zurückgedrängt und die ge- meinsamen Interessen mehr propagiert würden. Ich be- dauere es, und ich glaube, ein grvßer Teil der Anwesenden bedauert es mit mir, daß ein Mann in unserer Mitte fehlt, der die von Bebel empfohlene Takttk gerade hier im Ruhr- revier mit großer Energie und mir großem Erfolge vertreten hat — ich meine den Genossen H u e- Bochum. Er ist durch die Teilnahme am internattonalen Bergarbeiterkongrctz verhindert, hier zu sein. Es wäre sehr wünschenswert gewesen, wenn er gerade gegen- über den Ausführungen L e b e r s inbezng auf die Schwierig- leiten einer solchen Taktik uns ein Bild hätte geben können davon, wie hier gearbeitet worden ist und welche Erfolge damit bereits erzielt worden sind. Ich hoffe, daß wir alle unseren Aufenthalt im Ruhrrevier benutzen, nun gerade diese Anregung, die »ns Bebel gegeben hat, weiter zu verfolgen und zu studieren. (Bravo I) Es ist ein Antrag eingegangen, das Referat Bebels zu drucken und zum Selbstkostenpreise zur Agitation abzugeben. Riekc-Araunschweig: Den trefflichen Ausführungen Bebels habe ich nur wenig hinzuzufügen. Zu leugnen ist nicht, daß das Resultat der letzlen Wahl deprimierend auf die Genossen eingewirkt hat, da früher sichere, langjährige Wahlkreise verloren gegangen sind. Zu diesen gehörte auch der Kreis I Braunschweig-Blankenburg. Hier haben wir mit keinen geschlossenen Parteien zu rechneu, sondern mit einein Urbrci aus Welsen, Freisinnigen und Nationalliberalen. Die Welsen, deren Hoffnung schon zweimal getäuscht wurde, ihren sogenannten angestammten Herzog aus den Thron zu bringen, kommen als Partei nicht in Betracht. Dein Neichslügenverband standen bei seiner Hetze nicht nur 474 Blätter vom bedeutenden Organ bis zum kleinsten Krcisblättchen zur Wer- fiigung, sondern auch die sich nun bildenden Mittelschichten von Staats-, Post-, Bahn-, Gcmeindebcamtcn und Lehrern, von denen früher ein großer Teil sich passiv verhielt oder sür den sozial- demokratischen Kandidaten stimmte. Von der Agitation in diesen Kreisen war wenig an der Oberfläche zu merken, daher war sie um so gefährlicher, wie auch das Heranholen anderer Nicht- Wähler. Mit dem Auto ging es von Haus zu Haus, selbst Leute wurden herangeschlcppt, bie eigentlich mit dem Leben schon abgeschlossen hatten. Dank dieser wüsten Agitation besonders unter den Lehrern fielen denn auch bei den folgenden Stadtverordneten- Wahlen drei unserer Mandate den Bürgerlichen in die Hände. Auch bei diesem Wahlkampfe wurden uns Schriften und Aussprüche als Knüppel zwischen die Beine geworfen: Ihr Calwer hat gesagt... Ihr Calwer hat geschrieben... Dagegen mußten wir kämpfen, Nebenbei: unsere Broschüren sind zu leuer: Auers Lebensbild von Bernstein, Bebel über die parlamentarische Tätigkeit müßten nicht 50 oder 60 Pf., sondern 10 Pf. kosten. Nun zu etwas anderem: Der dritte brauuschweigische Wahlkreis Gandersheim-Holzminden hielt am 4. August d. I. seine Kreiskonfcrcnz ab, wo auch die bisherige Kandidatur dcS Genossen C a l w e r auf der Tagesordnung stand. C a l w e r s Kandidatur wurde auf dieser Konferenz e i n st i m m i a abgelehnt. In der.Leipz. Volköztg." hat C a l w e r behauptet, es sei keinerlei Mißstimmung im Kreise gegen ihn vorhanden gewesen, die jetzige Situation sei erst seit der Anwesenheit A n l r i ck s als Parteisekretär in Braunschweig entstanden. Bürger- liche Blätter haben dann von einer Beeinflussung durch den Parteisekretär oder durch andere Partciinstanzen ge- schrieben. Ich erkläre hier ehrlich und offen, daß alle diese Bezichtigungen unwahr sind. Genosse C a l w e r hat durch sein Verhalten bei der letzten Wahl das Maß selbst zun, Ucberlaufen ge- bracht. Er hat durch seine Schriften vor und während der Wahl- bewegung den Gegnern Material zu unserer Bekäinpsimg geliefert. Seine Flugblätter, die jeder Welse oder Freisinnige unterschreiben konnte, weigerten sich die Genossen zu verbreiten. Ich verweise auf die Artikel tn den„Sozialistischen Monatsheften" über die Statistik des Dresdener Magistrats, sowie aus seine Behauptung, daß der deutsche Arbeiter trotz Zollerhöhung billigeres Brot esse als der englische. In einer Versammlung erklärte er, es sei unwahr, daß die jetzigen Wahlen Hnngerwahlen seien. Ein andermal wieder sagte er:.Ich kam, nicht begreifen, daß man mir die Säle abtreibt, ich bin doch ein so gemäßigter Sozialdemokrat". C a l w e r hatte durch seine laxe Agitation bereits früher im Wahlkreise große Mißstimmung gegen sich erregt. Doch jetzt wurde es den Geuosjen zu bunt, zumal C ä l lv e r in einer Versammlung in Hohlenberg, als ein Gegner die unverschämte Behauptung aufstellte, Bebel sei der blutdürstigste Mensch, ineinte:„Der August ist nun eiumal so durch seine lang- jährige Tätigkeit geworden". Dies ist der wirkliche Sachverhalt. (Hört! hört!) Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird abgelehnt. Schaaf-Haan: Die Stichwahlparole dcS ParteivorstandcS hat große Unzufriedenheit hervorgerufen. Das Verhalten Eickhoffs, der in unserem Kreise aufgestellt war, hat doch bewiesen, daß der Freist,»» zu der einen reaktionären Masse gehört; er ist da angelangt, wo die Konservativen stehen. Wir»niissen einmal reine Bahn schaffen und nicht immer Klngbeitsrücksichten walten lassen. Was gibt denn die Gewähr, daß die Freisinnigen das, was sie vor der Wahl versprachen, auch halten? Wissen wir denn, ob nicht die Blockparteien sich ent- zweien und der Reichstag wieder aufgelöst wird? Da gilt es, schon heute eine Parole aufzuslelleu. Wir dürfen bei Stichwahlen keine bürgerlichen Parteien uitterstützen, sondern uns sagen: Hier stehen wir, und dort steht die einzige reaktionäre Masse. Gieseii-Jserlohn: Die angebliche Niederlage der letzten Wahl wird uns ein Ansporn sein, noch besser und nitensiver zu agitieren und zu orgaui- sieren. Bei keiner Wahl sind von den Gegnern so viel Lugen gegen nns verbreitet worden und auf Grund dieser Lägen ist der Sieg den Gegnern zugefallen. Ich glaube, wir können ihnen mit Recht zurufen: Noch ein solcher Sieg und Ihr seid verloren I— Doch auch von uns sind Fehler gemacht worden und hier kaim ich nicht umhin, auch dem Genossen Bebel einmal ins Gewissen zu reden.(Heiterkeit.) Wir haben iin Programm den Satz:„Religion ist Privatsache". In der Agitation aber hält mau uns stets' den Ausspruch Bebels entgegen:.Wir erstreben auf religiösem Gebiete den Atheismus", und die Leute glauben Bebel mehr als dem Pro« grairnn.— Auf jeden Fall hat die Wahl«Iis bewiesen, daß wir nur die eine große reaktionäre Waffe gegeu uns haben. Ein enieuter Schlußantrag wird mit großer Mehrheit a n- genommen. Der Antrag 53 wird zugunsten deS Antrages 50 zurückgezogen. Das Schlußwort erhält Bebel: Ich bitte Sie, die sämtlichen zu diesem Punkte gestellten An- träge abzulehnen.(Sehr gut!) Ich füge hinzu, daß von allen Rednern, die Gründe für diese Anträge vorgebracht haben, nicht ein einziger mit einer Anschaining gekommen ist. die wir nicht schon früher gehört hätten. NeueS ist über diesen Punkt gar nichts gesagt worden. Ein großer Teil der Redner aber hat, wie mir scheint, allzusehr aus der persönlichen Erfahrung heraus und au» der Mißstimmung, die diese Erfahrung erzeugt hat, gesprochen. Nun gibt es ober in der Politik keinen größeren Fehler, als wenn man sich von Leidenschaft nnd Haß gegen eine Person oder gegen eine Partei leiten läßt.(Sehr richtig!) Da heißt es kalt und besonnen sein, genau abwägen und kühl urteilen. Es wäre der grüßte Fehler, wenn wir uns heute für die Zukunft, von der wir gar nicht wissen können, wie sie sich im einzelnen gestaltet, die Hände binden wollten. Am besten wirken in solchen Fällen immer Beispiele. Was beute beantragt worden ist, ist früher sogar einmal beschlossen worden. Dieselben Vorgänge, bi« zu den vorliegenden Anträgen geführt haben, haben wir auch im Jahre 1887 erlebt: dasselbe Verfahren aller bürgerlichen Parteien uns gegenüber, und die Erbitterung war so groß, daß, als wir im Oktober desselben Jahres in Schönwegen bei St. Gallen in der Schweiz— in Deutschland konnten wir nicht zusammenkommen— unseren Parteitag abhielten, der Antrag gestellt wurde, bei künftigen engeren Wahlen sich der Abstimmung zu enthalten, und zwar allen Parteien gegenüber, weil sie allesamt eine real- tionäre Masse wären. Dieser Antrag wurde damals mit erheb- licher Mehrheit angenommen. Dann kamen die Februarwahlen von 1890. Mittlerweile war die ganze politische Situation eine andere geworden, und da hat es der damalige Parteivorstand, dem auch ich angehörte, auf seine eigene Kappe genommen, im Wider- sprnch mit dem St. Gallener Partcitagsbeschluß. eine ganz andere Wahlparole zu proklamieren, und der Parteitag in Halle hat nachträglich mit großer Mehrheit diese Stichwahlparole akzeptiert, die dahin lautete, bei engeren Wahlen für die und die Kandidaten zu stimmen. Damals brachten wir einen Reichstag zusammen. der selM wenig anders war als der von 1887, dessen erste Handlung war, die Legislaturperiode von 3 aus 5 Jahre zu verlängern und den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei gewissen Gerichtsverhand- lungen zu beschließen. Es wäre eine Torheit, wollten wir uns heute festlegen. Kommt die Zeit, kommt die Stunde, dann werden wir erwägen, was wir zu tun haben, aber durch irgendwelche leidenschaftliche Erregungen lassen wir uns nicht bestimmen. Ganz besonder» hat es mich gefreut, daß unter den Rednern, die gegen die Anträge gesprochen haben, und zwar namens ihrer Lraant- satiunen, sich auch zwei bayerische Genossen befanden. Ich lege darauf besonderes Gewicht, weil noch vor einigen Tagen Herr Dr. Müller-Meiningen in der bekannten Zirkus Busch-Versamm- lung namentlich gegen unsere bayerischen Genossen losgedonnert bat. Herr Müller-Meiningen, der sich gern als einen geistreichen Menschen ausspicll, und der es auch zu sein glaubt, nachdem der Reichskanzler ihn einmal als solchen erklärt hat(Heiterkeit)— der schien sich am Sonntag zu sagen: Du bist hier im ZirkuS Busch(Heiterkeit), und Du mußt auch entsprechend reden; denn er hat in der Tat die Rolle eines politischen Clowns gespielt. (Heiterkeit.) Das ist nicht übertrieben. Lesen Sie nur einmal seine Rede. Man sollte es kaum glauben, daß ein ernsthafter Mann solche Rede hält.(Volkmar: Ter macht es das ganze Jahr so! Heiterkeit.) Dann hat also das Lokal keinen Einfluß gehabt.(Große Heiterkeit.) Eine mit plumperen Späßen gewürzte Rede als diese habe ich niemals gelesen.> eine Rede, so oberflächlich und ihrem Inhalte nach unwahr! Er hat in der Rede immer wieder die bayerischen Genossen be- schuldigt, als bestände ein Bündnis zwischen Zentriim und Sozial« deniolratie. Das hat niemals bestanden. sondern eS handelte sich um ein Zusammengehen bei den Wahlen. Dies Zusamuiengehen war eine Nolwendigkeil, das erkläre ich rund heraus. Ich war>n vielen Punkten mit den Bayern nicht einverstanden, aber ein Zusammen- gehen war notwendig, um ein Wahlgesetz zu bekommen.(Sehr richtig!) Nun, nachdem sie das Wahlgesetz haben, hört natürlich jede Beziehung auf, das haben unsere Redner und das haben auch die Redner des Zeutrums wiederholt erklärt. Also irgend welche Beziehungen bestehen nicht, ja für die Zukunft ist sogar viel eher ei» Bündnis zwischen blan und schwarz als zwischen rot und schwarz möglich.(Sehr richtig!) Herr Müller sollte sich also nur nichl in die Toga des llncntwcglen hüllen. WaS seine Partei auf diesem Gebiete geleistet hat, ist gerade genug.(Leb- haste Zustimmung.) WaS verschiedene Genossen uns hier geschildert haben, das kennen wir alle ganz genau, aber trotzdem hat der Parteivorstand seine Wahlparole ausgegeben, und da man hier und da Miene macht«, dagegen zu handeln, hat er alles aufgeboten. um die betreffenden Genossen zu bewegen, sich nach der Parole zu richten. Sie wisse» ia alle, daß wir uns die größte Mühe ssegcbeii habe», ans unsere wurttemvergischen Genossen einzuwirken, für Nau« mau» und Payer zu stimmen. Allerdings muß man zur Eutschillds» gung anführe», daß die schwäbischen Genossen damals in einer vcr« flucht schwierigen Situation waren. Kurz vorher waren die LaiidtaaZ« wähle» gewesen, es war ein Zusannnengehen zwischen unseren Genossen und der Volkspartei unter gewissen Umstände» vereinbart, ja uiss'ere Genossen haben sogar noch nach dem 7. Februar bei den Landtags- stichwahlen sür die VolkSpartciler gestimmt, um eine linksllberale Kammer zustande zu bringen. Die Bolkspartei. die sich bei den LandtagSwahlen uiisere Unterstützung gefallen ließ, trat Hann aus einmal bei der Rcichstagswahl in eiuex ganz entgegengesetzten Position auf und schloß ein Bündnis mit den Blockparteien. Daß das zur Erbitterung sühreu mußte, war klar. Speziell Kourad Haußmann, einer der Führer der Vollsparlei. stand in diesem Bündnis an der Spitze. Ich habe mich damals bereit erklärt, ebent. nach Stnttaart z» fahren und persönlich meine Auffassungen zu vertreten. Ich habe de» Genossen geschrieben: Macht in aller Welt nicht den Fehler, die Parole gegen Haußmann auszugeben! Ihr habt ein Recht, a»k Haußmann er« bitlert zu sein, er hat sich z» einem zweiten Eugen Richter entwickelt. (Sehr richtig!) Ich verstehe Eure Erbitterung, aber trytzdem Ivird Haußmann auf Grund seiner Parteistclliliig in einer ganzen Reihe von Fragen mit Euch zusniumeustimmen müsse»! Trotzdem ist die Parole gegen ihn ausgegeben worden, nnd da hat sich herausgestellt, was sich auch in vielen anderen Fällen heraus« gestellt hatte: ein ganz Teil der Wähler hat nicht pariert. Warum sollen wir uns durch verkehrt« Beschlüsse Niederlagen ans« setzen? Ich rate dringend, von einem derartigen Beschlüsse ab- zusehen. Ich komme z» einigen Ausführungen, die hier gemacht worden sind. Katzcnstein hat auch total niißverstanden, wenn er meinte, ich hätte ausgeführt, der neue Mittelstand müsse uns zufallen. Das habe ich nicht gesagt. Ich habe nur uachgelvieien, wie dieser neue Mittelstand sich immer mehr entwickelt in der Richtung der Proletari« sierung durch die ungeheuere Konkurrenz, die auf diesem Gebiete statttfiudet. Es ist notwendig, daß wir diese Entwickeluiig beobachten und anstreben, den Mittelstand zu gewinnen. Daß der Parteivorstalid diese Ansicht teilt, mag daraus hervorgehen, daß. als der Vorstand in diesem Frühjahr ein Programm ausstellte für die Herausgabe vo» Flugschriften uiid Broschüre», die zur Aufklärmig in bestimmten Kreisen dienen sollten, darunter sich auch solche be- fanden, die sich mit der Stellung der geistigen Arbeiter auch in der Industrie, der Techniker, Ingenieure usw. beschäftigen sollen. So viel ich weiß, hat sich bisher niemand gefunden, der eine solche Arbeit übernimmt. Wenn jemand glaubt, eine solche Arbeit übernehmen zu können, so bitte ich, sich zu melden. Aus den Ausführungen Katzensteins könnte der Vorwurf herausgelesen werden, daß tvir die sogenannten Jiitellektuellen aus der Partei hinauZweisen oder nicht tn ihr haben tvollen. Dagegen muß ich aufs allerentschiedenste Verwahrnng ein- legen. Es gibt leinen in der Partei, dein weniger der Borwurf ge« macht werden kann, daß er die Intelligenz nicht schätze, als mich. Ich habe früher ausgesprochen, daß die Gebildeten, die zu nnS kommen, vieles vor den Proletariern voraus haben. da sie eine höhere Schulbildung mitbringen und ein höhere» Wissen, mit einer Kenntnis der Dinge, die ein Proletarier sich nur schwer oder gar nicht erringen kann. Alis der anderen Seite haben diese Kreise auch einen großen Mangel, ihnen fehlt die Kcinitilis der Arbciterlag« und der Arbciterverhältniffe, eS fehlt ihnen das Klassenbeivuhtsein der Arbeiter, und wir haben leider die Er- fahrung gemacht, daß es vielen dieser Männer sehr schwer oder gar nicht möglich wurde, sich da hineinzuarbeiten. Wir haben Fälle ge- habt, in denen man dachte, man brauchte nur zu uns zu kommen, und Ehren und Stellungeii flögen einem in den Schoß. Diese Meinung dürfen wir nicht unterstützen. Aber die Leute, die zu nnS kommen »nd sich als tüchtige, brave und brauchbare Genoffen erweisen. iverden wir mit offen?« Armen aufnehmen. ES ist vom Fürsten Bülow wiederholt so dargestellt worden, als wenn wir die Aller- intelligentesten aus unsersn Reihen Verbannten. Ach, wenn es daraus ankommt, dann mag Bülow nur erst bei sich den Anfang machen. (Heiterkeit.) Von einer ganzen Reihe von Frage» versieht er unü gegenüber gar nichts.«S gibt Fragen, von denen er so gut wie gar nichts weiß.(Sehr richtig!) Mau 5at hingewiesen auf die Lehrer in Fransrcich und Belgien, die auf sozialdemokratischer Seite stehen. Ja, haben Sie denn gar keinen Begriff von der Stellung der Lehrer in Belgien und Frankreich.(Sehr richtig!) Was würde deutschen Lehrern Passieren, wenn sie offen zu unä komnien würden: Es gibt bei unS nur einen Staat. Hamburg, wo die Lehrer offen erklären können, daß sie zu uns gehören, in jedem anderen Staat würden sie dann einen Fußtritt erhalten. In dem großen Musterstaat Preußen ist es soweit gekommen, daß ein Turnlehrer, der sozialistische Gesinnung hat, nicht mehr Turnunterricht geben darf.(Hörtl hört!) Wahrhaftig, reaktionärer kann man doch nicht sein. Es komnit etwas anderes hinzu. In keinem Staate der Welt ist das Drillsystem so zu Hmise, wie in Preußen. Hinzu kommt die Art der Lehrerausbildung. Wenn der Lehrer in das Leben eintritt, so ist er auf einer großen Anzahl Gebiete noch dümmer, als er in da»- Seminar hineingekommen ist, und wenn er sich aus den Vorurteilen, die ihm jahrelang im Seminar eingebläut sind, herausarbeiten soll, so ist das eine ganz gewaltige Arbeit. Mir ist in Dutzenden von Malen von Lehrern geschrieben worden: Wir sind vollständig von Ihren Gedanken überzeugt, wir haben die Literatur gelesen, aber helfen sie uns zu einer unab- hängigen Stellung. Wenn die Vorgesetzten nur ahnen, daß wir sozialistische Schriften lesen, so sind wir verloren. In Oesterreich ist ein Lehrer Sozialdemokrat und sozialistischer Abgeordneter. Ist denn das bei uns in Deutschland möglich? Glaubt man, daß Professor Müller, wenn er Sozialdemokrat wäre, Bibliothekar der NeichStagSbibliothek sein könnte?(Heiterkeit.) Ich bitte, die ganz anderen Verhältnisse zu berücksichtigen, die in anderen Ländern vorliegen. Es ist vieles wo anders möglich, was bei uns noch nicht möglich ist. Wir arbeiten ja daran, daß auch bei uns möglich wird, was bisher nicht möglich war. Ich komme zum Genossen Leber. Er hat auf die Schwierig- leiten hingewiesen, die von mir gestern entwickelten Ansichten m bezug auf ein Zusammengehen der christlichen und liberalen Arbeiter mit den sozialdemokratischen, bei den gewerkschaftlichen und sonstigen Kämpfen in die Tat umzusetzen und er meinte, ich sei mir der ungeheuren Schwierigkeiten und namentlich der notwendigen Kleinarbeit nicht bewußt. Fch stehe ja nicht in dieser Agitation, es ist nur unmöglich, da eiiizugmfen, aber ich verfolge doch die Parteipresse und die Gewerkschaftspresse, und kenne alle die Klage», die aus den verschiedenartigen Organisationen so häufig ertönen über die Uebel, die aus diesen verschiedenen Organisationen erwachsen. Ich begreife auch, daß ein gewisses Matz von Verbitterung sich da herausgebildet hat. Aber es ist hier auch der Name Knäs genannt worden, der jetzt auf dem Internationalen Bergarbeiter-Kongreß in Salzburg tätig ist. Da sind doch die christlichen Bergarbeiter Deutschlands auch vertreten.(Zuruf: Sie wissen auch, warum!) Ja. das sollen die andern auch begreifen, daß sie mit uns zusammengehen müssen. Ich inute Ihnen nicht zu, mit den Führern des Zentrums und der Liberalen zusammenzugehen, wohl aber mit den liberalen Arbeitern und mit den Ä r b e i r e r n, die dem Zentrum an- gehören. Es müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht möglich wäre. Sie sind Fleisch von unserem Fleisch und Bein von unserem Bein, und man muß versuchen, ihnen in der geeigneten Weise beizubringen, daß es nicht anders geht, daß sie Sozialdemokraten werden müssen. Das geht nicht von heute auf morgen. Wenn ich einen Mann und eine Frau vor mir habe, die politisch vollständig indifferent sind, so kann ich sie viel leichter gewinnen, als wenn sie eine bestimmte politische Ucberzeugung schon gewonnen haben. Das macht mehr Arbeit. Wir müssen diese Leute aber als Irregeführte ansehen, nicht als Dumme, sie find nicht schlechter als unsere Genossen, sie sind von einem Kreise gewonnen worden, wo kluge Leute, sehr ge- ricbene Leute sich ihrer bemächtigt Häven, und sie sind da in Gedanken aufgezogen worden, die gegen ihre Interessen sind. Wenn ein Versuch mißglückt, mit diesen Arbeitern in Berührung zu kommen, dann wird ein zweiter und ein dritter Versuch gemacht. (Sehr richtig!) Dan» hat Genosse Laufenberg sich sehr un- zufrieden über den Parteivorstand geäußert und an der engeren Wahlparole allerlei auszusetzen gehabt. Er hat insbesondere ver- inißl, daß wir nicht unter den einzelnen ParWien, die unter keinen Umständen von der Sozialdemokratie Stimmen bekommen dürsten, auch das Zentrum angeführt haben. AuS dem EntwickelungSgange des Genossen Laufenberg und aus der Tatsache, daß er hier mit dem Zentrum ini Wahlkampf gestanden hat, begreife ich ja seine Haltung, aber er sollte auS dieser persönlichen Erfahrung nicht aus das allgemeine schließen.(Sehr richtig!) Wie war denn die Situation? Sozialdemokraten, Zentrum, Polen und Welsen waren bei der Wahl die verfemten Parteien. Da wäre eS doch eine große Taktlosigkeit und Ungeschicklichkeit gewesen, wenn Ivir eine Partei, die mit unS, wenn auch wider Willen, in die gleiche Kampflinie gedrängt war. vollkommen vor den Kopf geftoßen hätten. Die Entscheidung hat uns auch Recht gegeben. Wir hatten 8S Stichwahlen auszufcchten und sind in 14 siegreich geblieben; von diesen haben wir 12 den Zentrumsarbeitern zu verdanken, die ans unsere Seite traten, und zwar gerade auch in zwei rheinisch- westfälischen Wahlkreisen, Dortmund und Duisburg, da hätten wir also mit einer Wahlparole, wie Laufcnberg sie empfahl, uns recht gehörig in die Nesseln gesetzt. Man denke also doch etwas weiter und nicht bloß an die Verhältnisse in einem Bezirk. Wenn Laufenberg mit Recht daraus hingewiesen hat, daß das Zentrum bei der ganzen reaktionären Gesetzgebung der letzten 10. 15 Jahre beteiligt war, dann habe ich das gestern selbst betont, aber es muß doch auch konstatiert werden, daß das Zentrum nicht aus Herzens- bedürsnis, sondern aus Rücksicht aus seine Ar- beiterwäbler gezwungen Ivar. bei der Zuchthausvorlage auf unserer Seite zu känipfen. Welche Gefahren rm übrigen dös ganze Wesen des ZeutrumS für die kulturelle EntWickelung mit sich bringen, wissen wir ja alle, also Vorsicht braucht man uns da. nicht zu empfehle». Genosse Laufcnberg hat uns dann lveiter empfohlen, im Reichstag und sonst ruppiger zu werden. Diese Empfehlung ist nicht neu, sie wird uns zum dritten Male gegeben, aber weil sie dreimal wiederholt wurde, ist sie deswegen nicht ver- njiufliger geworden.(Sehr gut!) Zum ersten Male wurde sie uns aus dem St. Gallener Parteitag durch unseren Pfalzgrafen gegeben. (Große Heiterkeit. Ehr hart: Da war sie aber auch notwendig! (Erneute Heiterkeit.) Was Du sagst, ist immer notwendig,(Heiterkeit.) ob es richtig ist. ist eine andere Frage. Wir haben damals von Herzen darüber gelacht, aber befolgt haben wir die Parole nicht. (Ehrhart: Doch!) Du hast sie ja später im bayerischen Landtag selbst nicht befolgt.(Ehrhart: Da war sie nicht mehr zeitgemäß!— Heiterkeit.) Nun ja, wir wissen ja, daß Du ein gescheiter Kerl bist, der sich den Umständen anpaßt.(Erneute Heiterkeit.) DaS zweite Mal kam die Empfehlung von dem Genossen Stadthagen, glaube ich.(Zuruf: So! Freiwaldt-Pankow.) Run da wurde weniger ge- lacht, aber befolgt haben wir sie auch nicht. Hellte ist sie nun zum drittenmal von Laufenberg gegeben. da hat nie- wand mehr gelacht, aber er hat auch keinen Beifall bekommen. DaS beweist am besten, daß wir eben mit den Jahren allesamt gescheiter werden.(Heiterkeit und Sehr gut!) Also das Rezept ist leicht gegeben, aber es z» befolgen, lehnen wir ab. Wenn wir recht ruppig wären, dann kämen wir ja zuletzt auf die Stufe deö ReichslügenverbandeS, auf die Kampsmethode unserer Gegner.(Sehr richtig I) Dafür danken wir. Wen» wir un« über etwas beschweren, so wollen wir eS nicht selbst nachmachen. (Lebhafte Zustimmung.) Je ruppiger die Gegner werden, desto anständiger zu sein wollen wir nnS bemühen. wir werden in letzter Linie dabei doch die Sieger bleiben.(Erneute lebhafte Zustimmung.) Nicht das Schimpfen, nicht das Ruppigsein. nicht das Mitgrobheitcmlmsichtvcrfen entscheidet die Sache, sondern die Güte und Vortrefflichkeil der Grüude.(Sehr richtig I) Und ich behaupte, gegen unsere Gründe kann niemand ankäinpfen. Also diese Methode befolgen wir nickt. Der Genosse auS Iserlohn meinte dann, er wolle mir ein wenig tnK Gewissen x.eden, ZH gebe zu, baß es.npstvendig ist. (Heiterkeit.) Ich bin auch in der glücklichen Lage, ein Gewissen zu besitzen. Er hat Bezug genommen auf eine Rede von mir vom Jahre 1881 im Reichstag über den Atheismus, das werde den Ge- Nossen in der Agitation fortgesetzt vorgehalten. Ja. Parteigenossen. das ist richtig, aber da« zeigt einmal wieder, daß, trotzdem mittler- weile ganz andere Aeußerungen vorliegen, man da» Material nicht kennt, da es eine derartige Anklage widerlegt. Zunächst ist einer der klarsten Gründe dagegen, die ich dutzcndmal selbst auch in Zentrumswahlkreisen angeführt habe: Ich bin Atheist, und ich glaube wohl, auch das Recht zu haben, als Privatperson für den Atheismus Propaganda zu machen, für meine Ueberzeugung, daß die zukünftige Entivickelung auf dem Ge- biete dessen, was man Religion nennt, der Atheismus sein wird. Ich kann ja irren, aber es ist meine Ueberzeugung. Im übrigen haben wir stet? durch unsere Tätigkeit bewiesen, daß eS keine tolerantere Partei gibt, als uns Sozial- demokraten, die wir vollständige Meinungs- freiheit auch in religiösen Frage» vertreten. Das haben wir gerade dadurch auch bewiesen, daß wir das Jesuitengesetz vom ersten Tage bekämpft haben und mit zu seinem Sturze beigetragen haben. Wir haben uns da ganz anders gehalten wie die Ehristcn, die teilweise für da» Sozialistengesetz eingetreten sind. Wir sind immer für absolute religiöse Freiheit eingetreten. Ich weise auch daraus hin, daß meine Stellung zu dieser Frage sehr deutlich und prinzipiell im Münchener Partei- tagsprotokoll auf Seite 244 wiedergegeben ist. Bielleicht nimmt nunmehr die Partcikorrespondenz aus diese Stelle Bezug und bringt sie zum Abdruck für das Agitationsmaterial. In München war es der frühere Genosse Welker, der sich auf den Ausspruch Voltaires bezog:„Ocraser I'intöme!" d. h. Vernichten wir die Kirche, die infame! Darauf antwortete ich:.Das sollte eine schöne Sache werden, wenn ein solcher Wahlspruch der Wahlspruch der sozial- demokratischen Partei würde. Welker hat im Eingang seiner ersten Rede ausdrücklich erklärt, es sei notwendig, die Wider, spräche innerhalb der kirchlichen und religiösen An- schauungen darzulegen, d. h. mit anderen Worten— da« hat auch Bollmar ganz richtig hervorgehoben Welker verlaugt, wir sollten uns in eine Art Kulturkamps einlassen. Unsere Partei würde dabei vollständig ihren Charakter abstreiten und wir würden eine Art kirchliches Konzil werden. Daß das gegen den Wortlaut unseres Programms verstößt, das kann doch niemand zweifelhaft sein..Religion ist Privatsache."— Das steht nicht in unserem Programm, weil eS selbstverständlich ist. und zwar deshalb selbstverständlich, weil nirgends im Programm gesagt wird, daß wir nach der religiösen Ueberzeugung eines Parteigenossen fragen. Jeder mag glauben, was er will; er kann als Sozial- demokrat katholischer Christ, er kann Materialist und Atheist sein, das geht keinem Menschen innerhalb der Partei etwas an. Nur wenn er für seine religiöse Ueberzeugung als Sozial- demokrat Propaganda machen will treten wir ihm energisch entgegen, denn dann verletzt er den für uns selbstverständlichen Grundsatz:«Religion ist Privat» fach e."(Lebhafte Zustimmung.) Diese Stelle kommt in Euren Agitationsreden vor, und wenn Euch dann gesagt wird, aber Bebe l hat doch damals das und das gesagt, dann erwidert: Aber was hat er 1002 gesagt? Da ist er soviel älter und soviel gescheiter geworden.(Große Heiterkeit.) Im übrigen bitte ich Euch, alles abzulehnen, was der Partei zum Schaden gereicht, und dazu gehören die zu diesem Punkt der Tages- ordnung gestellten Anträge.(Großer Beifall.), Die Abstimmung ergibt die Ablehnung der Anträge 4g bis 55 und 80. i Ter Antrag, das Referat Bebel zu drucken und zu ver» breiten, wird angenommen. Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Singer schlägt vor, mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit nicht in die Beratung der Alkoholfrage einzutreten, sondern den Bericht der Kommission über das Nachrichtenbureau entgegenzu- nehmen. Thiele-Halle widerspricht diesem Borschlag. Es würde da» durch, daß wir in letzter Minute in einen so wichtigen Punkt ejn- treten, eine eingehende Debatte nicht mehr möglich sein. Ich würde vorschlagen, für heute Schluß zu machen. Singer: Die sogenannte letzte Minute, von der der Vorredner spricht, umfaßt Stunden.(Heiterkeit.) Wir können doch, wenn wir heute das Referat entgegennehmen, immer noch morgen die Verhandlungen darüber fortsetzen. ES liegt kein Anlaß vor, mit der Zeit des Parteitages so verschwenderisch umzugehen. ,(All- seitige Zustimmung.) Der Vorschlag von Singer wird angenommen. NamenS der Kommission referiert Parteisekretär Müller» Berlin: Die Kommission hat zunächst eine Gcneraldiskussion vor- genommen, die die ganze erste Sitzung in Anspruch nahm. ES wurden all« Punkte gründlich erörtert, die ich in meinem Referat vorgetragen habe und ebenso würbe alles, was in der Prehpolemik gesagt ist, besprochen. Man war sich in der Kommission vollständig darüber einig, daß alle Mittel angewandt werden müssen, um unserer Parteipresse eine bessere Ausnutzung der technischen Ein- richtungen zu ermöglichen, um sie so konkurrenzfähig zu machen, wie es unter den gegebenen Verhältnissen möglich ist. Insbesondere war man sich darüber einig, daß der Nachrichtendienst, soweit politische, wirtschaftliche und soziale Nachrichten in Frage kommen, besser als bisher ausgenutzt werden kann. Es wurden auch die Gründe erörtert, die unsere Presse weniger konkurrenzfähig er, scheinen lassen; es wurde darauf hingewiesen, daß der Parteipresse zum großen Teil der nötige Nedaktionsjtab mangelt I Ich habe das schon neulich ausgeführt, möchte es aber heute ausdrücklich noch einmal betonen, damit nicht etwa der Eindruck entsteht, als ob nach Einrichtung des Nachrichtenbureaus überschüssige Kräfte in den Redaktionen vorhanden sind. Davon kann gar keine Rede sein, das Nnchrichtenbureau ist nur ein Hülfsmittel für die Presse. Es ist in der Kommission auch die Frage erwogen, ob die ganze Bor- läge nicht noch Zeit hätte. Zu meiner großen Freude kann ich kon- statieren, daß man mit allen gegen 2 Stimmen der Meinung war. daß bereits auf diesem Parteitag etwas geschaffen werden muß. Rtan war ferner der Ansicht, daß man nicht irgend etwas im An- schluß an den„Vorwärts", kein Flickwerk, sondern etwa« O r d e n t- l i ch e s schaffen müsse. Es wurde besonders darauf hingewiesen, daß andere politische Parteien sich schon längst solche Institute ge» schaffen haben und daß auch das ein Grund sei. schon jetzt ohne Auf- schub mit der Errichtung des Bureaus vorzugehen. Ich komme nun zu den Einzelheiten des Statuts. Als Namen haben wir„Preßbureau" gewählt. Tics Wort hat ja viel- leicht, seitdem es im Zusauimenhang mit der Wilhelmstraße und dem Alexanderplatz gebraucht wird, einen wenig guten Klang(Sehr richtig I), aber wir haben daraus keine Rücksicht zu nehmen; das Wort ist jedenfalls treffender, als das Wort„Nachrichtenburcau". 8 2 setzt d»e Ausgaben des Bureaus fest. Statt Erlangung wichtiger Nachrichten haben wir gesagt: U eb e rm i t t e l u n g. In dem Wort„Erlangung" glaubte man ja, liege alles mögliche, was tat- sächlich gar nicht darin liegen sollte. ES ist doch sclbjtverständ- lich, daß man Nachrichten, die man übermitteln will, vorher erlangt haben muß, aber um auch hier den Widerstand zu brechen, haben wir unS mit dem„Uebermittelung einver- standen erklärt. Ebenso haben wir im zweiten Absatz statt„Tamm- lung" gesagt„Beschaffung*. Es wurde eingewendet, daß daS Wort„Sammlung" einen gewissen archivalischen Klang hat, während ti sich doch für uns um die Bearbeitung aktuellen statlsti- scheu und gesetzgeberischen Materials handelt. In den Worten„an die Parteiprcsse" und„für die Parteipresse" kommt zum Ausdruck, daß das Institut ein obligatorisches ist und daß haS Material der g e s a m t e n Presse zuzugehen hat. Demut ist keineswegs ein Benutzungszwang für die einzelnen Parteiblätter ausge- sprachen; sie haben die Freiheit, das Material zu benutzen. waS st« für notwendig halten. Auch die Blätter, die leinen telephonischen Wld txlegraphijchen ZMjt beMpruchcn, Mea dgS Mgterigl er- halten, damit sie kontrollieren können, WaS das Bureau überhaupt für die Parteipresse leistet. Ganz selbstverständlich muh sowohl ein Vormittag?- wie ein Nachmittagsdieust eingerichtet werden, weil die Bedürfnisse unserer Parteiblätter zu oerschieden sind. Der erste Satz des 8 3 wurde für überflüssig gehalten, wir haben ihn aber hineingeschriebcn, damit zum Ausdruck kommt, daß tatsächlich etwas Neues geschaffen werden soll. Es sollen nicht etwa nur Ber- liner Nachrichten übermittelt werden, sondern es soll überhaupt ein Nachrichtendienst eingerichtet werden. Es ist lveiter gesagt, daß die Lieferung politischer Leitartikel und die Behandlung parteitaktischer und parteitheoretischer Fragen von der Tätigkeit des Bureaus ausgeschlossen ist. Damit ist ganz deutlich ausgedrückt, daß das Bureau keine offizielle Meinungs» fabrik sei, daß das Material nicht zu Artikeln verarbeitet werden, mit anderen Worten, daß alles getan werden soll, um die Schaffung einer Normalprosse für die Partei zu verhindern. Die Selbständig» keit der Redaktionen soll so viel wie möglich gewahrt und der Presse nur das Rohmaterial übermittelt werden. Ein Mißbrauch des Bureaus ist nach der von uns gefundenen Fassung ausgeschlossen, das Burea» soll eine Waffe sein im Kampfe gegen unsere Gegner, aber zu inneren Parteifragen hat es keine Stellung zu nehmen. In erster Linie sollen tatsachliche Nachrichten übermittelt werden. >— Es ist bezweifelt, daß man solch tatsächliches Material über- Haupt ohne jode Färbung zusammenstellen kann. Ich habe bereits am Montag gesagt, daß es sich nicht daraum handeln kann, nur ganz rohe nackte Talsachen zu übermitteln. Vielleicht ist eS am richtigsten, daß wir das Wort„Färbung" in diesem Zusammenhang vermeiden, daß wir zwar zugeben, daß daS Material ausgesucht und gesichtet werden muß nach sozialdemokratischen Grundsätzen, 'daß aber kein gefärbtes, sondern nur mont«ertes Material der Presse zugeben soll. Im übrigen wird ja auch durch die Kritik, die gegenüber dem Bureau täglich einsetzen wird, verhütet werden, daß irgend welcher Mißbrauch, selbst wenn er versucht werden sollte, getrieben werden könnte. Von der ursprünglichen Absicht, auch im A u s l a n d e einen Berichterstatterdienst einzurichten, haben wir Abstand genommen; wir halten es für notwendig, zunächst einmal einen gut funltio- liierenden Nachrichtendienst über ganz Deutschland zu be» kommen; später können wir dann auch an ausländische Bericht» erstattungen denken.— Die§§ 4 und B sind nur redaktionell geändert. Es wurden Bedenken dagegen erhoben, ob es genügt, wenn der Beirat aus 5 Redakteuren besteht. Wir haben uns ent- schloyen, eS bei der Zahl von 5 zu lassen; wir glauben, daß es auch dann möglich sein wird, sowohl die größere als auch die mittlere und die kleine Presse zu berücksichtigen. Der Parteivorstand hat ja immer noch das Recht, weitere Genossen mit beratender Stimme hinzuzuziehen. Außerdem werden selbstverständlich auch in Zukunft solche Redakteurkonfcrenzen stattfinden, ww die vom 9, und 10. März, die für die Partei ein fruchtbares Ergebnis gczeifigt hat. Wir glauben, daß die Einrichtung des Bureaus es notwe-wig macht, öfter solche Konferenzen einzuberufen. Wir sind andererseits aber auch der Meinung, daß es« nicht angängig ist, oies im Statut des Prehbureaus zum Ausdruck zu bringen. Denn solche Redakteur- konferenzcn haben sich ja noch mit anderen Fragen zu befassen als speziell mit Angelegenheiten des Preßbureaus. 8 6 ist unverändert geblieben. Den urjprünglichen§ 7 haben wir als überflüssig ge- strichen. Bei der Beratung von§ 8 hat«in Teil derer, die schvn früher diesen Standpunkt vertreten hgben, sich wieder dafür au?» gesprochen, daß der Beirat von den Redakteuren selbst gewählt werden soll. Die Mehrheit der Kommission hat sich dem nicht an- geschlossen. Es ist nicht so leicht, aus den Redatteuren heraus einen solchen Beirat zu wähle». Es könnte ja eine Urabstimmung vorgenommen werden. Aber die gibt doch nicht die Gewähr, daß wir dann diejenigen Genossen in den Beirat bekommen, die wir für notwendig halten. Dazu kommt, daß eine Organisation der Re- datteure, die die Wahl vornehmen könnten, ja gar nicht vor- Händen ist. Darüber, ob der Beirat vom Parteitag gewählt werden könnte, ließe sich ja reden; aber die Mehrheit der Kommission hielt es für das Zweckmäßigste, wenn er vom Partoivorstand gewählt wird. Der 8 8 ist mit 12 gegen 3 Stimmen angenommen worden.—§ 9 regelt die Kostenfrage. Eö heißt da, daß die Partcipreffe„nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkect" herangezogen wird. Man hat gesagt, daß dieser Begriff ecwas vieldeutig ist, aber die Kommission hat sich in ihrer Mehrheit auf den Standpunkt gestellt, diese Worte stehen zu lassen. Sie war der Ueberzeugung, daß die Finanzierung des In» ftitutS gar nicht so schwer ist. Unter den selbständigen Blättern der Partei befinden sich mindestens 25, die heute schon in der Lage sind, einen wesentlichen Beitrag zu den Kosten des zukünftigen Bu- reaus zu leisten, und unter den anderen gibt es noch eine große Zahl, die sich mic kleineren Beiträgen beteiligen können. Wenn einmal der Parteitag als höchste Instanz der Partei die Einrich- tung eineS Bureaus beschlossen hat, dann werden wir über die Frage der künftigen Finanzierung leicht hinwcgkoniincn. Neu ist der erste Satz, wonach die Kosten der ersten Einrichtung von der Parteikasse getragen werden solle». Tie laufenden Kosten werden selbstverständlich unter Zuhülfenahiue der Zentralkosse nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit verteilt. Das Wort„Beteiligte" vor Parceiprcsse haben wir gestrichen in Konsequenz des Beschlusses. wonach das Institut obligatorisch sein soll. Einig war man sich darüber, daß es nicht angeht, auch die Kosten für Telegramme und Telephon auf die Parteiprcsse nach Maßgabe ihrer Leistungsfähig- keit zu repartieren, sondern daß die Parteiblätier. die diesen Dienst beanspruchen, die Gebühren selbst zu erstatten haben. Also das Nachrichtenbureau soll ein Institut sein, das uns Waffen im Kampfe gegen unsere Gegner liefert. Darüber war die Kommission sich einig, und sie war sich auch darüber einig, daß ge- rade in den Tagesfragen der Politik, die unseren Gegnern gegen- Über eine Nolle spielen, die Parteigenossen fast durchweg einer Mci- nung sind. Wenn das aber der Fall ist, dann liegen Bedenken gegen da? Bureau, bis zu dessen Inkrafttreten ja noch monatelange Vor- arbeiten nötig sind, nicht vor. Das Statut ist in der Kommission in der Gesamtabstimmung mit 14 gegen 1 Stimme angenommen, und ich kann nur wünschen, daß auch der Parteitag in seiner über» großen Mehrheit ihm die Zustimmung gibt und auf diese Weise afür sorgt, daß unsere Presse, unsere schärfste und beste Waffe, so ausgestalcet wird, daß sie den bürgerlichen Blättern gegenüber noch viel mehr leisten kann, als es heute der Fall ist.(Bei fast.) Die Debatte über den Bericht wird auf Freitag vertagt. Zu einer Mitteilung für die Kontrollkommission erhält daS Wort Koben: Die Kontrollkommission hatte sich heute noch mit einer Angelegenheit zu beschäftigen. Gegen den Genossen Dölle in Zeitz war die Anklage des unhöflichen Benehmens und Handelns gegen Parteigenossen erhoben. Es tagte ein Schiedsgericht, das ihm eine scharfe Rüge erteilte, aber von einem Ausschluß aus der Partei abgesehen hat. Hiergegen wandte sich der sozialdemokratische Ber» ein in Zeitz. Die Kontrollkommission hat nach eingehender Prüfung die Berufung gegen das Urteil des Schiedsgerichts ver» worfen. gleichzeitig aber ausgesprochen, daß sie gleich dem SchiedS. gericht das Verhalten des Genossen Dölle aufs schärffte verurteilt, den festgestellten Tatbestand aber nicht als hinreichend zum AuS- schluß aus der Partei erachtet. Die Sitzung wird um 1 Uhr geschlossen, Die Nochmittagssitzung fällt aus. Soziales« Das„gesundeste" Land. Kürzlich ging durch die Parteipresse eine Notiz, in welcher auf Grund einiger Zahlen über die Sterblichkeit behauptet wurde, daß in allen Kulturländern in den letzten Jahrzehnten eine Abnahme der Sterberat« stattgefunden habe. So starben z. B. im Durch»" schnitt der Jahre 1881/85 von je 1000 Einwohnern des Deutschen Reiches 25� im Durchschnitt der Jahre 1901/05 gber nur Danach habe eine Abnahme der Sterblichkeit um 22,9 Proz. statt gefunden.— Wenn jncm'ä so hört, möcht's leidlich scheinen. Aber & gehört nicht allzuviel Logik dazu, einzusehen, daß die oben er wähnte Behauptung falsch ist. Das erkennt man ohne weiteres, wenn man sick vergegenwärtigt, welche Faktoren denn eigent lich für den Bestand einer Bevölkerung in Betracht kommen. Die Zahl der vorhandenen Personen in einem begrenzten Gebiete wird beeinflußt von drei solchen Faktoren, von der Zahl der Geburten� der Zahl der Sterbcsälle und von der Größe der Ein- und Au& Wanderung. Bringt man einen von diesen Faktoren mit der Ge samtzahl in Beziehung, so muß man auch die anderen Faktoren berücksichtigen. Hiergegen wird in der unverantwortlichsten Weise gesündigt. Behalten wir unser obiges Beispiel bei, so kann z. B. der scheinbare Rückgang der Sterblichkeit verursacht sein durch ein Anwachsen der Geburtenziffer. Ist 1991/95 die Geburtenziffer verhältnismäßig höher gewesen, so wird der Gesamtbestand der Bevölkerung in Deutschland während dieser Zeit ein ganz anders gearteter als in der früheren Periode, weil er in bezug auf die Lebensalter der Einzelpersonen ganz anders zusammengesetzt ist. Hat gar die Erhöhung der Geburtenziffer in der Zwischenzeit zwischen den beiden Perioden angehalten, so tritt das noch schärfer hervor. Dann setzt sich die Bevölkerung in der zweiten Periode in viel höherem Maße aus jüngeren Personen zusammen als früher. Jüngere Personen sterben aber nicht so leicht wie alte so daß also die Sterberate verhältnismäßig hinabgedrückt wird In Wirklichkeit ist das aber nicht hervorgerufen dadurch, daß weniger Menschen sterben und mehr älter werden, sondern die Minderung der Sterberate beruht ganz und gar auf der erhöhten Geburtenzahl, ist also in diesem nur als Beispiel aufzufassenden Falle rein rechnerisch! Der ganze Vorgang kann sich aber auch noch anders abspielen. Ist z. B. die Geburtenziffer in der zweiten Periode größer als in der ersten, dann sind in dieser Periode sehr viel kleine Kinder in den ersten Lebensjahren vorhanden. Nun ist das Leben der Säuglinge bekanntlich besonders leicht gefährdet. Wird also durch irgendwelchen Umstand, z. B. einen besonders warmen Sommer, die Säuglingssterblichkeit stark erhöht, so kann es kommen, daß trotz der erhöhten Geburtenzahl doch mehr Personen sterben als in der ersten Periode. Man ersieht also, daß sowohl der eine wie der andere Fall eintreten kann, daß man also aus einer Verhältnis- mäßig erhöhten Sterbeziffer noch lange nicht auf einen Rückgang der Sterblichkeit schließen darf, ebensowenig wie man das um gekehrte tun darf. In gleicher Weise kann man zeigen, welchen Einfluß die Wanderungen auf die Sterblichkeitsverhältuisse ausüben. Die Statistik der Wanderungen zeigt stets, daß es vornehmlich die kräftigeren Elemente, die Personen in den vollkräftigen Jahren sind, die an den Wanderungen beteiligt sind. Das ist ja auch ganz erklärlich. Ein alter Mann wird sich nicht leicht entschließen, sich auf seine alten Tage noch eine neue Heimat zu suchen; der Entschluß, alle die Widerstände der Wanderung zu überwinden, wird den jüngeren und kräftigeren Personen leichter fallen. Alte Personen werden meist nur im Familienverbande auswandern. Ein Land nun, welches starke Auswanderung zeigt, verliert mithin gerade viele Elemente seiner Bevölkerung, die im vollkräftigen Alter stehen, während die alten Personen zurückbleiben. Die alten Personen sterben natürlich viel leichter als die jüngeren, mithin wird die Sterberate der zurückbleibenden Bevölkerung erhöht werden, es werden von 1999 der zurückgebliebenen Personen viel mehr sterben als gestorben wären, wenn nicht so viele kräftige Personen wcggewandert wären. In Wirklichkeit braucht aber der Gesamtbcvölkerung des durch Wanderung verlierenden Landes durchaus nicht eine besonders hohe Sterblichkeit innezuwohnenl Besehen wir die andere Seite, nämlich das Land, das durch Wanderungen vornehmlich gewinnt. Solch Land erhält andauernd einen starken Zuschuß von Personen im vollkräftigen Lebensalter; bei ihm sind stets verhältnismäßig wenig sehr alte Personen vor- Händen und meist auch verhältnismäßig wenig Kinder, immer weniger, als der Bevölkerung dieses Landes zukäme, wenn sie allein durch sich wüchse, also weder Ein- noch Auswanderung zeigtck. Die geringere Zahl der alten Leute bewirkt also schon ein Hinab- gehen der Sterblichkeit, die geringere Zahl der Sauglinge bewirkt ein gleiches, so daß aus diesem doppelten Grunde die Sterblichkeit geringer sein wird, obwohl sie es vielleicht aus anderen Gründen wieder nicht zu sein braucht. Die Sterblichkeit kann also schwanken durch die verschieden. artigsten Umstände. Wir haben bisher von den Einzelfaktoren immer nur je einen berücksichtigt uäd fanden, daß sich schon aus den einfachen Zahlen der Sterberate nicht erschließen läßt, ob die Sterblichkeit eines Landes tatsächlich gestiegen oder gefallen ist. Wie wird es nun erst, wenn beide Ursachen zusammenwirken, wie das doch immer der Fall ist, wenn auch der eine hier mehr bevor- zugt wird wie dortk Es ist daher gänzlich unwissenschaftlich und praktisch untunlich, mit solchen Zahlen zu operieren; man sollte endlich etwas gewissenhafter mit statistischen Zahlen umgehen, namentlich bei uns in der Parteipresse. Zwar ist die bürgerliche Presse durchschnittlich nicht imstande, solche Mängel zu entdecken, aber das genügt für uns nicht. Wir müssen unter allen Umständen mit unseren Waffen tadellos dastehen. Man wirb nun fragen, wie es besser zu machen sei. Darauf muß hier leider die wenig tröstliche Antwort gegeben werden, daß bei uns das notwendige Material nicht in der Weise bereitgestellt ist, wie es für solche Zwecke nötig ist. Die Zahlen müssen nämlich durch sachkundige Behandlung erst zurechtgemacht werden, wenn man einwandfreie Schlüsse in bezug auf die Sterblichkeit der Bc- völkerung aus ihnen ziehen will. Das geschieht durch die Auf« stellung von Sterbetafeln, wie solche von Prof. Vueckh, dem frühereu Direktor des Statistischen Amts der Stadt Berlin aufgemacht worden sind, und nach ihm von Prof. Rahts für Charlottenburg. Für das ganze Reich hat der erste Direktor des Kaiserlichen Sta- tistischen Amts, Prof. Karl Becker, für die Jahre 1871/1889 eine solche Sterbetafel hergestellt; seit seinem Weggange aber hat dieses Amt keinen sachverständigen Beamten dafür mehr gehabt. Der kürzlich zum Leiter der Reichsbeöölkerungsstatistik berufene Prof. Rahts soll nun eine neue Sterbetafel bearbeiten. Hoffentlich ge- schieht das in recht kurzer Zeit, denn das Bedürfnis ist darauf schon feit Jahrzehnten vorhanden. Müssen doch jetzt die deutschen Ver- sicherungsaesellschaften zu ausländischen Sterbetafeln greifen, um für ihre Zwecke zahlenmäßige Unterlagen zu gewinnen. Anhalts- punkte für die Beurteilung der Sterblichkeitsverhältnisse ohne Sterbetafel bieten eine unsichere Basis. In der eingangs erwähnten Notiz wird als das„gesundeste Land" Neuseeland hingestellt, weil dort die Zahl der von je 1999 Einwohnern gestorbenen Personen nur 9,9 beträgt, während daS eine Mittelstellung einnehmende Deutschland 19,9 aufweist und in Ungarn 29,2 von je 1999 Einwohnern sterben. Schlagen wir in dem offiziellen Statistischen Jahrbuche 1996 für Neuseeland nach, so finden wir, daß am 31. Dezember 1995 dort eine Bevölkerung von 832 462 Personen vorhanden war, die im Jahre 1995 um 24 923 Personen, also um 2,91 Proz. gewachsen ist. Dieser Zu- wachs wurde herbeigeführt durch den Geburtenüberschuß, d. i. die überwiegende Zahl der Geburten über die Sterbefälle, und durch den Ucberschuß der Einwanderung über die Auswanderung. Ersterer betrug 15 621 Personen, letzterer 9392. Die Bevölkerung wächst also zu fast zwei Fünfteln durch Einwanderung. Dadurch wird nach unseren Darlegungen die Sterberate stark herabgedrückt, fodaß die Sterblichkeit in Neuseeland außerordentlich gering zu sein scheint. Einen Schluß auf die gesundheitlichen Verhältnisse dieses Landes läßt sich daraus natürlich nicht ziehen. Das tut jene Notiz aber doch, inoem es dort heißt:„Ein in diesem Lande Ge- borener hat die Aussicht, doppelt so alt wie ein Bewohner Deutsch- landS und fast dreimal so alt wie ein solcher des scbönen Ungar- landes zu werden. Neuseeland kann also als das gesundeste Land betrachtet werden, wovon alle, die ihr Leben sehr lieb haben, Kenntnis nehmen sollten." In Deutschland pflegen wir bei jeder Volkszählung an ein halbe? Hundert Hundertjähriger festzustellen. Diese sollten also nach Neuseeland gehen, denn dort würden sie nach jener Notiz mindestens 399 Jahre alt. und ein gewöhnlicher Sechzigjähriger bei uns, deren wir bei jeder Volkszählung mehrere Hunderttausende zählen, würde dort schon das stattliche Alter von zirk« 299 Jahre errreichen, und zwar sichert... Wem gehört daS Geld? Wenn sich Prinzipal und Filialleiter wegen NichtstimmenS der Kasse streiten, so geschieht das in den weitaus meisten Fällen, weil ein Manko vorhanden ist. Gestern ereignete sich aber der seltene Fall vor der vierten Kammer des K a u f m a n n s g e r i ch t s. daß wegen eines Kassenüberschusses von 461 M. ein Rechtsstreit entbrannte. Der Schuhwarenhändler Franz PodSzubski unterhielt in Brandenburg a. H. eine Filiale, der die Filialleiterin Emma St. vorstand. Am 1. Juli d. II sollte die Filiale aufgelöst werden. und es wurde zu diesem Zwecke zwischen dem Chef und der Filial- leiterin gemeinsam der Kassenbestand festgestellt. Hierbei ergab sich die überraschende Tatsache, daß 461 M. mehr in der Kasse waren, als nach den Büchern hätte vorhanden sein müssen. Nach diesem Resultate trat sofort jeder mit der Behauptung hervor, das Geld gehöre ihm. und da man sich nicht einigen wollte, verklagte die Filialleiterin den Schuhwarenhändler au' Herauszahlling der 461 M. Sie erklärte in der gestrigen Ver Handlung das Kassenplus damit, daß sie wegen der häufigen Wechseleien ihr eigenes Geld mit dem Gelde der Gcschäftskasse babe vermengen müssen und sie führt auch dafür die beiden Ver- käuferinnen als Zeuginnen an. Der Prinzipal dagegen be� hauptet, er habe wiederholt mehr Ware der Klägerin geschickt, als er ihr auf Rechnung setzte, nur um ihre Ehrlichkeit zu prüfen. Diese Mehrsendungen hätten sich bis auf die über- schüssige Summe angehäuft, so daß das Geld ihm und n i ch t der Klägerin gehöre. Der Vorsitzende riet dem Beklagten, den Streit durch einen Ver- leich aus der Welt zu schaffen. Seine Darlegungen hätten in- öfern wenig Wahrscheinlichkeit für sich, als die Klägerin. wenn sie hätte unehrlich sein wollen, das Geld hätte längst aus der Kasse entfernen können. Da aber seitens deS Beklagten eine Einigung abgelehnt wurde, so kam das Gericht zur Abweisung der Klägerin wegen sachlicher Un Zuständigkeit des Kauf- mannögerichts. Der Anspruch der Klägerin entspringe nicht auS dem Dienstverhältnis, sie müsse somit ihre Klage beim Landgericht anhängig machen. Heimarbeiterin oder Hausindustrielle? Die Krankenversicherungspflicht ist in Halle a. S. gemäß Z 2 Absatz 4 des Krankenversichcrungsgesetzes auf die Haus- Industrie ausgedehnt, indem ein entsprechendes Ortsstatut erlassen wurde. Das Ortsstatut bestimmt unter anderem, daß die durch Z 49 des Gesetzes sonst den Arbeitgebern zukommende Pflicht zur An- und Abmeldung bei der Krankenkasse von den versicherungs- Pflichtigen selbständigen Hausgewerbetreibenden s e l b st zu bewirken sei und nicht von den Gewerbetreibenden, in deren Austrage und für deren Rechnung sie mit der Herstellung oder Bearbeitung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt würden. In dem Strafversahren gegen Strumpf, den Inhaber einer Kunstblumenfabrik zu Halle a. S., stand nun die Frage zur Entscheidung, ob diese Bestimmung gültig wäre und worin sich eine Hausgewerbetreibende im Sinne des Ortsstatuts beziehungsweise deS 8 2 des Gesetzes von einer Heimarbeiterin unterscheide. Ihm wurde nämlich vor- geworfen, eine Heimarbeiterin, zu deren Anmeldung er ver pflichtet gewesen wäre, nicht zur Krankenkasse angemeldet zu haben. Er dagegen erNärte die betreffende Frau für eine selbständige HauS« gewerbetreibende, die sich nach dem Ortsstatut selbst hätte bei der Kasse anmelden müssen. Es wurde gerichtlich festgestellt, daß die Frau in ihrer eigenen Behausung für Strumpf Papiermanschetten anfertigte, wozu sie das Material von ihm erhielt. Sie arbeitete nach ihrer Bekundung nur, wenn es ihr Haushalt gestattete. Manchmal zog sie ihre Kinder mit zur Arbeit heran. An eine bestimmte Lieferzeit war sie nicht ge- bunden. Für andere Firmen arbeitete sie nicht. DaS Landgericht Halle als zweite Instanz sprach den Angeklagten Strumpf frei und führte aus: Die Versichcrungspflicht der Haus industriellen gemäß 8 2 Nr. 4 des Gesetzes sei nur nach dem Orts stawt und seinen Vorschriften zu beurteilen. So sei auch die An meldebestimmung des Ortsstatuts maßgebend, Die Verpflichtung des Angeklagten zur Anmeldung der Frau müsse verneint werden. Auf Grund der obigen tatsächlichen Feststellungen könne die Frau nicht als Heimarbeiterin angesehen werden. Sie sei viel- mehr eine selbständige Hausindustrielle, der es nach dem Ortsstatut oblag, fich selbst anzumelden. Der Fabrikant Strunipf 'ei deshalb fteizusprechen. Die Staatsanwaltschaft legte hiergegen Revision ein und der Vertreter der Oberstaatsanwaltschaft am Kammergericht schloß sich dem Rechtsmittel an: Es ftappiere, meinte er, daß die Frau als elbständige Gewerbetreibende angesehen worden sei. Die Tatsachen lägen doch hier so, daß sie nach dem allgemeinen Sprachgebrauch als Heimarbeiterin anzusehen wäre. Die Sache habe größere Bedeutung. In der Stadt Halle beständen allein 49 verschiedene Krankenkassen. Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision der Staatsanwaltschaft und erklärte die Freisprechung für gerechtfertigt. In der Begründung wurde gesagt: Die Unterscheidung zwischen einer selbständigen Hausgewerbetreibenden und einer Heimarbeiterin sei chwierig und die Entscheidung der Frage liege im Einzel- 'alle hauptsächlich auf tatsächlichem Gebiete. Eine ganze Reihe tatsächlicher Momente kämen in Betracht. In erster Linie piele eine Rolle das Moment der persönlichen Abhängig- keit. Als Heimarbeiterin werde eine im eigenen Heim tätige Arbeiterin anzusehen sein, wenn seitens des Austraggebers eine intensivere Kontrolle stattfinde, namentlich über die Ausführung der Arbeit und über die Zeit der Ablieferung usw. Wenn z. B. be- timmte Liefertermine innegehalten werden müßten und der Austrag- geber darauf sehe, daß regelrecht für ihn gearbeitet werde.— Da- gegen handle es um eine selbständige Hausgewerbetreibende, wenn eine solche persönliche Abhängigkeit fehle.— Im vorliegenden Falle habe nun daS Landgericht festgestellt, daß die Frau die Arbeil nur machte, wenn eS der Haushalt erlaubte, und daß sie keiner Kontrolle über Ausführung und Ablieferung unterlag, obgleich sie nur für die eine Firma tätig war. Es sei kein Rechtsirrtum, wenn das Landgericht sie als selbständige Hausgewerbe- treibende ansah. zuhelfen, zu Madame lief sie um Rat und Aufklärung über dieZ oder jenes zu erhalten und geriet der ehemalige Dienstbote in Not, so war die Herrschaft auch jetzt noch gern mit Rat und Tat zur Hand.— Heute....?? Früher wurde dem Kinde von der Mutter Respekt vor der Erzieherin gepredigt. Jetzt fragt mau den Zögling, wie er mit seiner Gouvernante zufrieden sei. Das Fräulein sitzt wohl am Tisch, aber die Hausfrau hält es unter ihrer Würde, mit der„Person"(die ihr an Herkunft gleich, an Kenntnissen sehr häufig überlegen ist) ein freundliches Wort zu wechseln. Sie unterhält sich mit ihrem Mann und ihren Kindern. Stumm und gepeinigt von der Situation würgt das Fräulein das Essen hinunter. Es wird ihr zugemutet, stundenlang bei bitterer Winterkälte und im strömenden Regen mit den Kindern auf den Straßen herumzuwaten, sehr zum Schaden ihrer Garderobe und ihrer Gesundheit, weil die Gnädige frische Luft für ihre Kinder unter allen Umständen für geboten hält. Erkranken die Kinder hiernach, so geht es ja nur um die Nachtruhe des Fräuleins und die kleine Unpäßlichkeit verschwindet wohl bald wieder. Die Dame setzt sich ganz ungeniert an den gedeckten Tisch, auf den Platz der Erzieherin, vor deren gefüllten Suppenteller und sieht ihren Kinderchen rechts und links mit Behagen beim Speisen zu. Daß das Essen des Fräuleins kalt wird, ehe sie sich wieder erhebt, ist nicht von Belang. Sind die Kinder faul und frech, fehlt Mama hierfür absolut jedes Wahrnehmungsvermögen, riskiert die Er- zieherin aber einmal ein energisches Wort, so ist Mama sofort kampfbereit zum Schutz ihrer Küchlein. Tritt sie früh in daS Zimmer, in welchem das Fräulein mit der Morgentoilette der Kinder beschäftigt ist, so begrüßt sie freudig ihre Lieblinge und überhört den Gruß der Gouvernante; denn daß, wer ins Zimmer tritt, zuerst grüßt, das sind veraltete Ansichten von Anno Toback, aus dem unmodern gewordenen Buche von„Knigges Umgang mit Menschen". Heute dankt man nicht einmal mehr auf den Gruß der Untergebenen. Das ist don ton! Wer aber so die elemcn- tarsten Regeln des Anstandcs verletzt, dem spreche ich das Recht ab, schriftlich oder mündlich über seine Nebenmenschcn zu urteilen. Wollte die Hausfrau von einst ein Fräulein oder ein Dienst- mädchen engagieren, dann schrieb sie wohl in Beantwortung eines Inserates klipp und klar, welche Leistungen sie beanspruche, welches Gehalt sie bewillige, wann der Dienstantritt ihr genehm wäre und wann sie behufs Rücksprache zu Hause anzutreffen sei! Heute er- hält jeder Stellensuchende auf seine Annonce nur den lakonischen Satz:„Stellen Sie sich bei mir vor." Er reist nach dem Grüne- wald, er fährt nach Steglitz und nach Halensee, um zu erfahren, daß seine Leistungen den Ansprüchen nicht genügen, daß der Termin des Antritts noch himmelweit hinausliege, daß man das Gehalt nicht zahlen will, welches er beansprucht. Oder man ist gar nicht zu Hause. Niemand vergütet dem Arbeitsuchenden, der heute mehr wie je seine Groschen zusammenhalten muß, die Kosten der Fahrt und seine unnütz verschwendete Zeit. Engagiert die Dame unserer Zeit, so geniert sie sich nicht, das Mädchen, das sie in ihre Dienste locken will, in ein Lügengewebe zu verwickeln, indem sie ihr den größten Teil der sie erwartenden Arbeit verschweigt.„Wenn ich sie mal erst da habe," denkt sie in ihrem Sinn, und es kommt ihr nicht der Gedanke, daß eine solche Handlungsweise nichts mit Ehrenhaftigkeit gemein hat, daß der freie Mensch Herr seiner Ent- schließung über das Maß von Arbeit sein will, welches er annimmt, und daß das neue Mädchen, welches einen leichten Dienst an- genommen zu haben glaubt, sich nun mit Erbitterung belogen und überbürdet sieht. Es würde gar nichts schaden, wenn die Gesetz- gebung es den sogenannten„Herrschaften" einmal klar machte, daß ein Mensch, wie immer die Verhältnisse seines Portemonnaies auch beschaffen sein mögen, kein Spielball für den anderen ist. Tic deutsche Hausfrau muß bedenken lernen, daß andere nicht gerade nur ihretwegen auf die Welt gekommen sind. Ihre spitze Zunge und ihre spitze Feder hat die weiblichen Gehülsinnen zum großen Teil aus dem wirtschaftlichen Feld der Tätigkeit hinaus und in das- jenige der Industrie hineingetrieben, von wo sich keine mehr nach ihrem schneidigen Regiment zurücksehnt. Wozu nun das Nachtrag- liche Lamento und Gezeter, daß die Industrie die Hausfrau be- raube, daß der Fonds, aus dem die Erstere schöpft, eigentlich für die Letztere da sei usw.? Jeder Mensch ist in erster Linie für sich selber da.„Meine Arbeit ist Deines Geldes wert und meine Höf- lichkeit der Deinen." Mich dünkt, unsere Hausfrauen werden bald keine Gelegenheit mehr haben, Püffe auszuteilen, schlechtes Essen zu geben und eine Sache, die bei Wertheim 2 M. gekostet hat, der unvorsichtigen Jette mit 8 M. in Lohnabzug bringen.... Sind denn das überhaupt Damen? höre ich fragen. Ja, wir haben leider nur allzu viel„Damen", die in Wirklichkeit gar keine Damen sind und manches Mädchen, das unter anderen Verhältnissen ehren» hast geblieben wäre, ergibt sich der Prostitution, um durch die Macht des Geldes eine Dame unter den Damen zu sein.... Also fort mit den ungesunden Zuständen unseres Jahrhunderts. weg mit dem Gesindebuch, den Zeugnissen, den Referenzen und anderem Humbug. Sehe jeder selbst, wie er mit der Hülfskraft, die er für sein Haus benötigt, fertig wird. Es kommt nicht darauf an, wer man ist, sondern wo man ist. Fort mit den Gesinde- Vermietern, die ihre Vakanzen aus der Zeitung nehmen und nichts so gut, als das„Schröpfen" verstehen.). Z Bersammlungen— Veranstaltungen. Weißensee. Montag, den 23. September. 8>/z Uhr. im Lokale deS Herrn Roßkopf, Königs- Chaussee 38: Vortrag. Herr Eichlcr: „Moderne Weltanschauung". Versammlungen. Hus äer frauenben>egung. Zum Thema„Dienstbotennot". II. Früher hielt sich, wer mit einem luxuriösen Haushalt impo- nieren wollte, auch die entsprechenden Arbeitskräfte dazu. Heute macht man mit der zum Dienstboten herabgewürdigten Erzieherin und einem schwächlichen Schulmädchen 17 Zimmer rein und schimpft weidlich, wenn nicht gleich alles klappt. Früher saßen die Dienst- boten am Feierabend und arbeiteten für sich, schrieben oder lasen. Heute sieht man sie bis in die sinkende Nacht am Waschtrog stehen. Die Hausfrau von ehedem stand nicht am Spiegel, sondern arbeitete und wußte daher Arbeit zu schätzen und mit Klugheit einzuteilen und anzuordnen. Sie behielt ihr Mädchen jahrelang in ihren Diensten, teilte mit ihm jeden Leckerbissen und setzte ihren Stolz darein, nicht beredet zu werden. Sie war wohlwollend und freute sich, wenn sich für das Mädchen eine gute Gelegenheit zur Heirat bot. Oft stiftete sie selbst Ehen zwischen ihren männlichen und weiblichen Dienstboten, stattete das Mädchen aus und der freund- liche Verkehr hörte auch mit dessen Austreten aus dem Dienst« Verhältnis nicht auf. Noch immer verband Liebe und Anhäng- lichkeit die junge Frau mit ihrer früheren Dienstherrin. Stets war sie bereit. Madame gelegentlich mit ihrer Arbeitskraft aus- Die Rohrleger und Helfer, welche im Deutschen Metallarbeiter- verband organisiert sind, hielten ain Sonntag eine Mitglieder- Versammlung ab. W u s ch i ck sprach über:„Die Bedeutung der ge- werkschastlichen Arbeitsnachweise". Nach eingehender Erörterung der allgemeinen Gesichtspunkte kam der Redner auf den Arbeitsnachweis des Metallarbeiterverbandes zu sprechen. Wenn dieser Arbeits- Nachweis vor Jahren eine sehr geringe Bedeutung hatte, so habe er iich seitdem doch sehr gut entwickelt und eine wesentliche Bedeutung erlangt. Im Jahre 1999 wurden nur 989 Stellen besetzt. Dam: aber in den folgenden Jahren 1197, 1899, 4152, 7965, 9114 und 19 534 im Jahre 1996. In Zeiten guter Konjunktur»verde der Arbeitsnachweis des Verbandes sogar von bekannten Firmen der Kühnemännerorganisation benutzt. Der Arbeitsnachweis könnte noch eine viel größere Ausdehnung erfahren, wenn die Kollegen das Um- schauen unterlassen würden, so daß die Unternehmer genötigt wären, sich an den Arbeitsnachweis zu wenden.— Nach Beendigung des Vortrages nahm die Versammlung eine Ersatzwahl zur AgitationS- konunission vor. Gewählt wurden Schultz, Scharge und Gdanitz. Briefkasten der Redaktion. C. ft. 70. Setzen Sie eine Frist zur Beseitigung der Mängel, drohen Sie an, daß Sie nach sruchilosem Ablauf dieser Frist die Beseitigung aus Kosten der Firma vornehmen lassen würden, und fuhren Sie die Drohung aus.— E. K. 000. 1. Der Termin ist abzuwarten. 2. und 3.: Ja. 4. Ja: eS ist das daS geratenste, Sie beantragen dann im Termin, die Sache für erledigt zu erkenne». 5. Ja.— A. N. 85. Wenden Sie sich unter Darlegung deS Sachverhalts mit einem Antrag an das Amtsgericht.— W. 2. Der Vater hastet für diese Schulden seines Sohnes nicht.— O. 2. 47. ES ist eine Beschwerde an die Zlrmendirektion und an den StadtauSschuß zulässig.— H. T. 27. Es giebt nur für den einen Fall Ihres TodeS Sterbegeld.— 91. K. 670. Sie find zur Zahlung ver- pflichtet.— P.». 100. 1. Ja. 2. Etwa 100 M.— Sch. 28. Das Mädchen bedarf bis zur erreichten Volljährigkeit(21 Jahre) der Ge- uehmigung des Vaters zur Heirat.— L.<9. 15. Wenden Sie sich an den Vorstand Ihres WahlvcreinS: derselbe gibt Ihnen die crsorderlichcn For- mulare und AuSlünstc.— W. K. 500. Lassen Sie sich vom Gericht ein vollstreckbares Urteil geben und beauftragen Sie einen Gerichtsvollzieher mit der Beitreibung gegen die Firma.— 2t. 7. 1. Ja. 2. Der Austritt ist erst beim Amtsgericht schriftlich anzumelden, sodann innerhalb deS 29. und 42. Tages beim Amtsgericht zu Protokoll zu erklären. Z. 2parrstr. 2». Die Marienkirche befindet fich auf dem Neuen Markt. Verantwortlicher Redaktenr: Hanö'Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw,:Th.Gl»ckr, Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsaiistglt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hr. 220. 24. Jahrgang. 3. WIM te.Amiick" Ittliiin MM Freitag, 20. September 1007. Eine fcbwere BrandkataltroplK tvie fie in der Berliner Brandchronik seit Jahren nicht zu verzeichnen war, hat sich gestern abend in der Lehrterstr. 38 abgespielt. Dort wurden bei einem Wohnungsbrande 15 Personen von der Feuerwehr gerettet. Eine Anzahl von ihnen hat jedoch schwere Verletzungen davongetragen; eine noch nicht rekognoszierte Frau und ein kleines Kind habe» bei dem Brande ihren Tod gefunden. Der Schauplatz des Brandes war ein vierstöckiges Ouergebäude, das mit seiner Rückseite hart an die Hau, burger Bahn stötzt. In jeder Etage befinden sich vier kleine, nur aus Stube und Küche bestehende Wohnungen. Das Feuer kam im ersten Stock in der Wohnung einer Frau Wilke aus. Die Frau war gegen fünf Uhr aus- gegangen und hatte ihre vier Kinder eingeschlossen. Das jüngste lag im Kinderwagen in der Küche, während die drei anderen Kinder in der Stube im Bette schliefen. Wahrscheinlich sind sie dann er- wacht und haben mit Streichhölzern gespielt und dadurch den Brand verursacht. Die Gefahr ist nicht rechtzeitig bemerkt worden, denn als plötzlich gegen 5Vz Uhr der Ruf„Feuer" laut wurde, schlugen schon Stichflammen aus den Fenstern heraus. Die erschreckten Bewohner suchten das Freie zu gewinnen, sobald sie aber die WohnungStüren öffneten, schlugen ihnen Stichflammen entgegen In ihrer Angst schlössen sie die Türen wieder und warteten in groszer Erregung auf das Eintreffen der Feuerwehr. Als Brandmeister Hammer mit demLöschzuge aus derTurmstratze zuerst anrückte, war dieSituation ungemein bedrohlich. An- den Fensterkreuzen hingen schon Personen, die sich aus den oberen Stockwerken herab- stürzen wollten.„Nicht springen I" hieß es und in Hast wurde das Sprungtuch ausgebreitet. Ein Frau im vierten Stock warf im nach st en Augenblick ihr Kind her unter und sprang unmittelbar darauf selb st ins Sprungtuch. Innerhalb einiger Minuten sprangen eben falls ein Mann, ein junges Mädchen und noch eine zweite Frau hinab. Auf Hakenleitern waren unterdes Feuerwehr leute nach den oberen Stockwerken vorgedrungen. In der W i I k e s ch e n Wohnung wurde das jüngste Kind tot in der Küche vorgefunden, während die drei älteren noch lebend aber sehr erschöpft ins Freie geschafft werden konnten. Während auf dieser Seite das RertungSwerk noch nicht vollständig vollendet war, ertönten laute Hülfeschreie auS den Fenstern der Hinterseite. Brandmeister Hammer eilte mit Mannschaften dorthin und sah zu seinem Entsetzen, daß dort ebenfalls verschiedene Personen sich aus den Fenstern stürzen wollten. Mit Hülfe deS Sprungtuches rettete auch hier die Feuerwehr mehrere Personen. Bahnbeamte beteiligten sich an der Rettung dadurch, daß sie von einem Bahn- wagen einige Plane holten und diese als Sprungtuch ausbreiteten Sie fingen auch glücklich ein 13jähriges Mädchen auf. Als jedoch dessen Mutter ebenfalls nachsprang, zerriß das Tuch, und die Frau fiel hart auf den Boden und zog sich s ch w e r e innere Verletzungen zu. Dieses alles hatte sich in wenigen Minuten abgespielt. ES war die Meldung«Menschenleben in Gefahr!" gegeben worden, worauf ein großes Löschaufgebot heranrückte. Auch Branddirektor Reichel war erschienen. ES herrschte unter den Hausbewohnern eine derartige Verwirrung, daß sich anfangs gar nicht feststellen ließ, welche Per- fönen gerettet feien und ob sich noch etwa Leichen in den einzelnen Stockwerken befänden. Erst nachdem die voll- ständige Ablöschung erfolgt und das ganze HauS abgesucht war, hatte man die Gewißheit, daß Personen weiter nicht verbrannt waren. Der Verband für erste Hülfe war mit mehreren Wagen zur Stelle und schaffte die Verunglückten nach dem Moabiter Krankenhause und nach dem Augufta-Hospital. In das letztere kamen: 1. Frau v. RodzinSki, die einen Wirbelsäulenbruch und schwere Brandwunden davongetragen hatte. 2. Frau Dornbusch, Brandwunden zweiten Grades und innere Verletzungen. S. eine noch nicht ermittelte Frau. die inzwischen verstorben ist. 4. der vierjährige Sohn der Frau v. Rodzinski fscbwere Brandwunden). Im Moabiter Kranken hause fanden Aufnahme: 1. Marie Roßhaar, 12 Jahre �Rauchvergiftung); 2. ihre 20jährige Schwester Anna; 9. Georg Bessin sRückenverletzung); 4. der Oberfeuermann Lange, der eine starke Rauchvergiftung davongetragen hatte. Als die Feuerwehr längst abgerückt war, standen noch bis spät in die Nacht hinein in der sonst so stillen Lehrterstratze Menschen in Gruppen zusammen, um sich von dem Unglück und den sich dabei abgespielten Szenen zu unterhalten. Nach dem, was Augen- zeugen berichten, muß die Situation für die dort wohnenden Personen geradezu grauenhaft gewesen sein. Männer standen auf dem Hofe vor den leeren ausgebrannten Wohnungen. während die anderen Familienmitglieder sich zerstreut hatten oder an Brandwunden im Krankenhaus lagen. Herzzerreißend war der Jammer der armen Leute, die nicht nur ihre Habe verloren hatten, sondern auch über das Schicksal ihrer Angehörigen in Ungewiß- heit schwebten. Einige wußten weder wo sich ihre Frauen oder Kinder befanden noch ob sie am Leben waren. Niemand konnte Auskunst geben wie da« Feuer entstanden war. Die einen meinten durch eine SpirituSexplosion, die anderen durch das Spieleu der Kinder mit Streichhölzern und wieder andere sagten durch Unvorsichtigkeit beim Kochen. Die Brandstelle machte gestern abend infolge dieser Szenen einen noch düsteren Eindruck als dies sonst zu sein pflegt. Die Treppen, Türen, Pfosten, Fußböden, Decken, Wände waren alle schwarz verkohlt oder hoch mit dem Putz der Wände bedeckt, der sich infolge der kolossalen Hitze losgelöst hatte. Alles andere, wie die Möbel, Einrichtungen waren fast total verbrannt, so daß nur noch die leeren Wände übrig geblieben waren. Ein Teil der vom Brande Betroffenen soll angeblich nichts versichert haben. Unter den Abgebrannten befinden sich Eisen- bahn- und Magistratsarbeiter, Eisenbahnbeamte usw., die so wie so nicht mit Glücksgütern gesegnet sind und nun vor dem Ruin stehen. lDericht über den Essener Parteitag erstattet Jwird. Näheres durch gemeinsame Annonce am Mittwoch und l Freitag nächster Woche. Das Verbandsbureau. 1 Zur Lokalliste. Am Sonntag, den 22. d. M., veranstaltet der Männergesangverein„Schildhorn" in der„P h i l h a r m o n i c", Bernburgerftraße 22/23, ein Konzert. Da man eifrig bemüht ist, Billetts hierzu in Arbeiterkreisen umzusetzen, so ersuchen wir, dem entschieden entgegenzutreten und verweisen auf den seinerzeit von den Parteigenossen Groß-Berlins gefaßten Beschlutz, wonach die „Philharmonie" auch für den persönlichen Verkehr als gesperrt gilt. Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. Die geplante Handzettelverteilung in der 4. und ö. Abteilung findet nicht statt. Am Dienstag, den 24. September, findet in der Brauerei König st adt, Schönhauser Allee 10, eine Volksversammlung statt, zu welcher die Genossen der 1., 2. und 3. Abteilung von den bekannten Stellen aus die Handzettelverteilung vorzunehmen haben. Der Vorstand. FriedrichShagen. Sonnabend, den 21. September, abends g Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad, Seestratze 45: Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Die Sage vom Paradies". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten.— Die Genossen, die noch im Besitze von Parteitags-Sammellisten sind, haben dieselben in der Versammlung abzugeben. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet Der Vorstand. Neuenhagen, Fredersdorf, Petershagen, Brnchmühle und EggerS- dorf. Am Sonntag, den 22. d. M., findet eine Handzettclverbrcitung statt und werden die Genossen ersucht, sich bei den betreffenden Be zirksführern früh 8 Uhr zur Verfügung zu stellen. Oranienburg. Sonntag, den 22. September, nachmittags 3 Uhr, findet bei Braun, Kürfürftenftraße, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung stehr unter anderem „Die kommenden Stadtverordnetenwahlen event. Nominierung der Kandidaten". Da uns nur wenige Wochen von den Stadt verordnetenwahlen trennen, werden die Genossen ersucht, vollzählig in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Spandau. Die Genossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag früh 7 Uhr von den bekannten Lokalen aus Flugblattverbreitung stattfindet. Es ist Pflicht eines jeden, sich an dieser wichtigen Arbeit zu beteiligen. Der Vorstand. Partei- Angelegenheiten. Achtung! Die unterschriebenen Abstimmungskarten zum Achtuhr-Laden-schlutz bitten wir, soweit dies noch nicht geschehen, s ch l e u n i g st an die Bezirks- resp. Abteilungs- führcr und von diesen an die betreffenden Kreise zurück- zulicfern. Am Freitag, den 27. September, finden in den Berliner Äreisen die Versammlungen statt, in welchen der Berliner JVaebnehten. Bescheidenheit ist eine Zier— des Freisinns. Nun hat auch die Stadtverordneten-Ver sammlung sich geäußert, wie sie über die Frage der Erhaltung des Grunewaldes denkt. Das Er gebnis der gestrigen Sitzung war: wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Hoffen wir also mit Herrn Kirschner, dem Oberbürgermeister: der Grunewald wird uns erhalten bleiben, zwar nicht der ganze, aber doch sein„Hauptbestand teil". Den Gemeinden Berlin, Charlottcnburg, Schöneberg, Wilmersdorf usw. usw. war auf ihre an den Kaiser gerichtete Petition diese Antwort gegeben worden. Der Magistrat hatte sie den Stadtverordneten zur Kenntnisnahme vor gelegt: dazu hatte die sozialdemokratische Fraktion den von uns bereits mitgeteilten Antrag gestellt, außerdem aber war in letzter Stunde auch von den freisinnigen Fraktionen noch ein Antrag eingebracht worden, den unser Genosse Wehl gestern mit Recht als ein Kind des sozialdemokratischen An- träges bezeichnete. Weyl wandte sich gegen die Vertrauens� selige Bescheidenheit, die in der Grunewaldfrage von Herrn Kirschner bekundet worden ist. Gestern zeigte sich's aber, daß auch die Wortführer der freisinnigen Stadtverordneten Mehrheit, Herr Cassel samt Herrn R o s e n o w, einem hoffnungsfreudigen Optimismus huldigen. Herr K i r s ch n e r, der das letzte Wort behielt, erklärte ausdrücklich, er habe nicht die Absicht, in seinen Bemühungen um die Erhaltung des Grunewaldes weniger bescheiden als bisher zu sein. Er fügte hinzu, hierin wolle er mit dem sozialdemokratischen Redner nicht konkurrieren. Das sollte eine kleine Bosheit sein, die sich gegen die Person des Gegners richten sollte. Der Herr Oberbürgermeister merkte nicht, wie treffend er damit sich selber und seine Freunde aus der freisinnigen Stadb vcrordneten-Mehrheit ironisierte. Angenommen wurde schließlich der freisinnige Antrag. Er ist allgemeiner gehalten als der sozialdemokratische, der von unseren Genossen vor der Abstiinniung zurückgezogen wurde, weil ohnedies über den Antrag des Freisinns zuerst abgestimmt werden mußte und feine Annahme sicher war. Für ihn stimmte selbst- verständlich auch die sozialdemokratische Fraktion. Beachtung verdient übrigens noch ein Zwischenfall, der auf die Rede unseres Genossen Weyl folgte. Weyl hate den wald- verwüstenden Podbiclski, den verflossenen Landwirtschafts- minister, scherzhaft als einen„Schweineminister" bezeichnet. Der Vorsteher, Herr Langerhans, wies das als„völlig un- passend" zurück und rief unseren Redner zur Ordnung. Wir leben in der Zeit der freisinnig-konservativen Paarung: da will in der Stadtverordneten-Vcrsammlung von Berlin kein freisinniges Ohr durch Vcrulkung eines Ministers be- leidigt werden._ Zum Achtuhr-Ladeilschluß. Die Notwendigkeit der Einführung eines Achtuhr-Ladcn- schlusses für den Landespolizeibezirk Berlin scheint sich immer mehr durchzuringen. Immer größere Kreise von Laden- inhabern kommen nach und nach zu der Ueberzeugung. daß der Achtuhr-Ladenschluß auch in ihrem eigenen Interesse liegt. Sie erkennen immer klarer, daß die Argumente der Gegner dieser Maßnahme Schein argumente sind. Mit dem Märchen von der„Geschäftsschädigung" haben kurzsichttge Kleinkrämer die im Interesse der Ladeninhaber wie im Interesse der Angestellten liegende Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses bekämpft; eine nähere Begründung für diese Behauptung ist man aber schuldig geblieben. Gewiß hat speziell der kleine Ladeninhabcr sehr um seine Existenz zu kämpfen; das liegt aber im wesentlichen an der Konkurrenz, die auf dem Gebiete des Warcnverschleißes herrscht. Der frühere Ladenschluß, der doch alle gleichmäßig trifft. ändert an dieser Tatsache nichts, schafft sie nicht aus der Welt. Die Hauptsache ist, daß die Massen kaufkräftig, konsumfähig sind, dann werden die Inhaber von Ladengeschäften vermehrten Absatz haben, und zwar in der Zeit, in der die Geschäfte offen sind. Durch einen früheren, allgemeinen Ladenschluß geht keinem Ladeninhaber etwas verloren: im Gegenteil, er gewinnt, und zwar nach den der- schiedensten Richtungen hin, nicht zuletzt dadurch, daß er für sich und die Seinen eine freie Stunde bekommt. Das sind keine leeren Prophezeiungen, sondern Erfahrungen, die sich ergeben haben in den Städten, die schon längst den Achtuhr- Ladenschlutz haben. Natürlich liegt ein früherer Ladenschluß nicht zuletzt im Interesse der Angestellten. Viele Tausende, die in Laden- geschäften 12 und 13 Stunden hinter dem Ladentisch stehen müssen, werden es freudig begrüßen, wenn ihre lange Arbeits- zeit eine Stunde Kürzung erfahren kann und sie in die Lage bringen, auch an sich selbst zu denken, sich zu erholen und sich zu bilden. Wie uns mitgeteilt wird, hat die Abstimmung über die Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses, soweit Berichte aus einzelnen Bezirken vorliegen, ein günstiges Resultat ergeben. Namentlich sind aus den Außenbezirken erfreuliche Resultats eingelaufen. An den Genossen liegt es nun, die Einsammlung der Karten gewissenhaft auszuführen. Die Zweidrittelmehrheit, die für die Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses erforder- lich ist, mutz errungen werden. Im Interesse der guten Sache ist es erforderlich, keinen Geschäftsinhaber zu übersehen. Auf jede Stimme kommt es an. Die nachträglich eingesammelten Karten müssen um- gehend an den bekannten Stellen abgegeben werden. Gut genug für Aschenbrödel VolkSschnle! Der Mangel an Schulhäuscrn wird in Berlin immer schlimmer. In den älteren Stadtteilen müssen Gemeinde- schulen für„überflüssig" erklärt und kurzerhand aufgelöst werden, weil die dann frei werdenden Schulhäuser an neu eröffnete höhere Lehranstalten oder an Pslichtfortbildungs- schulen überwiesen werden sollen. In den jüngeren Stadt- teilen aber, wo die Bebauung noch nicht abgeschlossen ist und die Bevölkerungszahl noch zuninimt, müssen die neu zu er- öffnenden Gemeindeschulen sich in gemietete Wohnhäuser hineinpressen lassen, weil nicht beizeiten für die Beschaffung eigener Schulhäuser gesorgt worden ist. Wieder werden zum Oktober dieses Jahres in den Außen- bezirken der Stadt drei neue Gemeindeschulen er- öffnet, für die keine eigenen Schulhäuser bereit stehen. Alle drei werden„bis auf weiteres" in Wohnhäusern untergebracht, die gemietet worden sind und notdürftig für Schulzwecke hergerichtet werden: eine Schule im Hause CotHeniusstraße 4a/5, eine Schule im Hause Schön- hauser Allee 108, eine Schule ini Hause Tegelersiraße 21. Schon im letzten Winter war die Gesamtzahl der Klassen, die mit Mieträumen vorlicb nehmen mußten, weit über die 600 hinausgegangen; im kommendeu Winter wird nun wohl die 700 bald erreicht sein. In der Stadtverordnetenversammluiig ist die sozialdemokratische Fraktion nicht müde geworden, immer wieder diese skandalösen Zustände zur Sprache zu bringen und Abhülfe zu fordern. Auch im„Vorwärts" ist oft genug gezeigt worden, wie sehr die Schule für den Nachwuchs der werk- tätigen Bevölkerung unter dem Mangel an Schulhäusern zu leiden hat. In der Schulverwaltung unserer Stadt fällt es keinem Menschen ein, sich rechtzeitig darum zu kümmern, wo neue Schulen nötig werden könnten und neue Schulhäuser errichtet werden müssen. Aber der Kom- munalfreisinn kommt in der Stadtverordnetenversammlung wie in seinen Preßorganen immer wieder mit der lächerlichen Ausrede, die Schulverwaltun� könne nicht sicher voraus- sehen, in welchem Stadtteil die Bevölkerung in der nächsten Zeit zunehmen werde. Ein lehrreiches Beispiel, auf das wir schon mehrfach hin- gewiesen haben, ist der Schulhausmangel in dem nördlichen Teil der Schönhauser Vorstadt. Jeder, der offene Augen hatte, konnte bereits vor Jahren wissen, welche EntWickelung dieser Stadtteil nehmen würde. Aber in der Schul- Verwaltung wußten sie's nicht— so wird wenigstens be- hauptct— und sie ließen es dahin kommen, daß in der Schönhauser Vorstadt jetzt bereits fünf Mietsschulen bestehen, in denen rund 4300 Kinder sitzen. Doch hiermit ist es noch nicht genug. Zum Oktober muß dort noch eine neue Schule, wie oben angegeben, in einem Mietshause untergebracht werden, im Hause Schönhauser Allee 108, in dem ohnedies schon eine ältere Gemeindeschule haust. Wir müssen fürchten, daß auch diese neueste Schule noch nicht die letzte ist, die da draußen in eine Mietskaserne hineingepfercht wird. Wie diese Zustände überhaupt möglich sind? Ei, eS handelt sich ja nur um die V o l k s s ch u l e, um das arme Aschenbrödel, für das dem Berliner Stadtfreisinn das Schlechteste noch gut genug ist. Ueber die Ausschmückung der Berliner Plätze wird der„Vossischen Zeitung" geschrieben:„DaS kürzlich seitens der Stadt erlassene Preisausschreiben für die Ausschmückung des Pappelplatzes, der bekanntlich die Form eines spitzwinkligen Drei» ecks hat, wendet von neuem die Aufmerksamkeit der Tatsache zu, daß die weitaus meisten unserer öffentlichen Plätze, obwohl sie mehr oder minder hübschen gärtnerischen Schmuck zeigen, in dieser Beziehung sehr ver besserungsfähig sind. Noch vor drei und zwei Jahrzehnten waren die Berliner Plätze in ihrer Mehr» zahl kahle, schlecht gepflasterte Flächen, die den inzwischen ein. gegangenen Wochenmärkten dienten oder brach lagen. Seitdem ist viel zu ihrer Verschönerung getan worden. Sie wurden zum größten Teil den modernen Kirchenbauten dienstbar gemacht, und damit ging die gärtnerische Ausschmückung durch Anlage von Rasen- flächen, Baum- und Strauchanpflanzungen Hand in Hand. Auch die vielen kleinen Plätze, die für eine Kirche keinen Raum bieten cder sich dazu überhaupt nicht eignen, wurden durchweg vom Gärtner grün zurechtgestutzt. Aber gerade weil es in diesem gärtnerischen Schmuck stark bei der Schablone geblieben ist, findet ausgeprägter Schönheitssinn keine volle Befriedigung. Der grüne Rasen allein macht es nicht. Den meisten oder doch sehr vielen Berliner Plätzen fehlt die mit einfachsten Mitteln arbeitende. schöpferische Hand des Künstlers. Weil man diesen Mangel auch bei der städtischen Parkdeputation immer mehr empfindet, ist das erwähnte Preisausschreiben, dem hoffentlich noch recht viele folgen werden, erlassen worden. In erster Linie muß bei jedem Platze die Verkehrssrage gelöst werden. Das heißt, die praktische Seite des Verkehrs darf nicht zurückgesetzt werden vor der gärtnerischen Gesamtwirlung. Weil beispielsweise der Wilhelmsplatz in seiner früheren, jetzt durch den Bau der Untergrundbahn zerstörten Gestalt das umgekehrte Prinzip befolgte, wollte er den Berlinern niemals recht gefallen. Der gerade Weg ist noch immer nach altem Wort der beste. ES verträgt sich also auch nicht mit unseren Verkehrs- interessen, den großen Plätzen einen solchen Grundriß zu gehen» ba& man im Zickzack gehen oder Bogen beschreiben muß. Reue Plätze, in die von allen Himmelsrichtungen Straßenzüge hinein- führen, werden daher erfreulicherweise fast immer mit zwei großen Diagonalwegen angelegt. In diese von den Diagonalen oder sonst- wie mathematisch genau abgeteilten, symmetrischen Einzelflächen eine größere Anzahl von Blumenbeeten zu verteilen, darf dann unserer so weit vorgeschrittenen Gartenbautechnik keine Schwierig- leiten machen. Doch den Plätzen fehlt außer Blumen noch anderer belebender Schmuck. Von Denkmälern wollen wir nicht reden. Davon bat die Reichshauptstadt nachgerade genug. Warum aber nützt nmn nicht die Plätze durch Anlage von Wasserkünsten mehr aus? In der ganzen großen Zweimillionenstadt sind an nicht mehr als höchstens vierzig Stellen sogenannte„springende Wasser", meist in Form von Springbrunnen, vorhanden. Gerade solche Wasser- künste zieren doch ungemein, bringen in den gärtnerischen Schmuck erquickende Frische und pulsierendes Leben. Lustgarten und Tönhoffplatz beispielsweise erzielen ihre starke Schönhcitswirkung gerade durch die Springbrunnen schon aus der Ferne und auf den ersten Blick. Die größte Anziehungskraft des Viktoriaparkes ist sein weit über Berlin hinaus berühmt gewordener Wasserfall. So werden auch selbst kleinere Plätze, die irgendeine Wasserkunst auf- zuweisen haben, besonders gern besucht. Man sieht an diesen Bei- 'spielen, daß zur Verschönerung der Berliner Plätze noch viel geschehen kann, und zwar mit Mitteln, die verhältnismäßig wenig Kosten erfordern."_ Unter polizeilicher Bewachung befindet sich seit einiger Zeit das Haus Elsasser st raße 39. Bei Tage wie bei Nacht sieht vor diesem Hause auf dem Bürger« steig neben dem Flureingang ein Schutzmannsposten, der bereit ist, jede das Haus betretende Person zu fragen, ob sie hineingehört. Oft sind's sogar zwei Schutzmannsposten, die vor der Haustür uinherstehen und sich durch ihre Fragen lästig machen. Man sagt, diese wunderliche Kontrolle werde deshalb ausgeübt, weil im Hause Elsasserstraße 29 Prostituierte ihr Quartier aufgeschlagen haben. Vermutlich hat irgend ein Hausbewohner Anstoß genommen an den Besuchern, die zu den Prostituierten gingen oder von ihnen mitgebracht wurden, und nun will wohl die Polizei durch Zurückweisung solcher Besucher die Prostituierten zum Auszug nötigen. Ob das Verfahren Erfolg verspricht und ob eS überhaupt zulässig ist, das wollen wir hier nicht erörtern. Wir sind aber gebeten worden, öffentlich darauf hinzuweisen, baß Leute, die sich den Teufel'waS um die Prostituierten scheren— teils Per- sonen, die gleichfalls in diesem Hause wohnen, teils solche, die darin zu tun hatten— durch die polizeiliche Fragerei sich schwer belästigt gefühlt haben. Das Grundstück Elsasserstr. 39 ist von beträchtlicher Größe, und in dem Hause wohnen zahlreiche Miets- Parteien, von denen viele noch an Chambregarnisten usw. vermietet haben; außerdem befindet sich auf dem Grundstück auch eine Bade- anstatt. Für Schutzleute, die vor einem Hause mit so lebhaftem Ver- kehr aufgestellt werden und den Auftrag erhalten, die hineingehenden Personen zu observieren, ist eS geradezu unmöglich, jeden Mißgriff zu vermeiden. Da Will z. B. ein Mann in das Haus hinein, um die Badeanstalt zu benutzen: er erscheint verdächtig, wird angehalten und muß sich darüber verhören lassen, was er hier sucht. Da kehrt arglos ein Ehepaar heim, das in dem Hause Wohnung hat: wieder regt sich sofort im Schutzmannsherzen das Mißtrauen, dem Paar wird der Weg verstellt und Mann und Frau werden ausgefragt, ob sie beide hier wohnen. ES hört doch wirklich alles auf, wenn man sich derartiges bieten lassen muß! Schlimmer kann auch d i e Belästigung nicht sein, die etwa den Hausbewohnem von den Prostituirten nebst Besuchern bereitet wird. Der„Poltzeischutz", der dem Hause Elsasserstr. 39 zu teil wird, ist ja schon mehr ein B e- lagerungSzustand. Man sieht übrigens, zu welchen Mitteln die Polizei als Sittenwächterin greifen muß, weil sie der im Gegen- Wartsstaat unlösbaren Aufgabe, die Prostitution einzudämmen, gänzlich hülflos gegenübersteht._ Bon einem Eisenbahazuge getötet wurde vorgestern nachmittag auf der Schlesischen Bahn zwischen Berkenbrück und Briefen ein etwa bvjähriger unbekannter Mann, der sich vermutlich in selbstmörderischer Absicht auf die Schienen geworfen hatte. Der Lokomotivführer deS um%4 Uhr auf dem Schlesischen Bahnhofe fälligen Personenzuges von Frankfurt a. O. bemerkte unmittelbar hinter der Station Berkenbrück einen auf den Schienen liegenden Mann und gab daraufhin sofort Gegen dampf. ES gelang ihm aber nicht mehr, den Zug zum Stehen zu bringen, und so rollte die Maschine und ein Teil des Zuges über den Körper de» Unbekannten hinweg, dem der Kopf und beide Beine buchstäblich abgeschnitten wurden. Die Persönlichkeit des Toten konnte nicht festgestellt werden. Ei« schrecklicher Unglücksfall, der die Vernichtung eines blühenden Menschenlebens zur Folge hatte, ereignete sich gestern morgen gegen 6 Uhr in dem Hause Landsbergerstr. 98, Ecke der Waßmannstraße. Zur genannten Zeit wurden die Bewohner des Hauses durch einen lauten Aufschrei und gleich darauf folgendes Aufschlagen eines schweren Körper» auf den asphaltierten Hausflur alarmiert. Hinauscilende fanden auf dem Fußboden neben dem Xreppenaufstieg den zerschmetterten. Körper eines zehnjährigen Knaben, der vermutlich aus der dritten Etage über das Geländer hinweg in die Tiefe gestürzt war. Der Junge wurde als der Zeitungsausträger Karl Schmidt, der bei seinem Stiefvater, dem Arbeiter Bäk, Waßmannstr. 23, wohnte, erkannt. Der Knabe hatte vermutlich versucht, auf dem Treppengeländer hinabzurutschen. verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte jählings in die Tiefe. Ein in demselben Hause wohnender sofort hinzugerufener Arzt konnte nur den durch Schädelbruch eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause übergeführt. Selbstmord wegen Versagnng der Armenhülfe? Eine Frau Braun, die im Hause A ck e r st r. 3 wohnt, hat am Mittwoch ihrem Leben ein Ende zu machen gesucht, indem sie Gift nahm. Sie wurde, noch lebend, nach dem Krankenhause geschafft. Uns wurde dieser Selbstmordversuch gemeldet mit dem Zusatz, die Lebensmüde sei i n N o t g e w e s e n und habe vergeblich sich bemüht. eine Armenunterstützung zu erhalten. Daraufhin ver« suchten wir uns zunächst mal mit dem Vorsteher der zuständigen Armen kommission in Verbindung zu setzen, um zu ermitteln, was an diesem Gerücht Wahres sei. Der Herr Annenvorsteher— er heißt Meißner, ist Besitzer einer Essig- und Mostrichfabrik und wohnt « ck e r st r. 146— wurde am Donnerstag in den Vormittagstunden nicht angetroffen, doch wurde die Auskunft gegeben, daß er nach mittags von 2 Uhr bis nach 4 Uhr zu sprechen sein werde. Unser Vertreter hatte im voraus mitgeteilt, es handle sich um eine Anfrage wegen angeblicher Verweigerung einer Armenunterstützung. Er wiederholte am Nachmittag um 4 Uhr seinen Besuch, doch der Herr Vorsteher war bereit» auf und davon— und hatte nichts hinter- lassen. Hiernach Müssen wir uns damit begnügen, das oben erwähnte Gerücht lediglich wiederzugebeu. Daß es in der Bevölkerung ohne weitere» geglaubt wird, das ist zu begreifen angesichts der Er« fahrungen, die in Berlin leider schon so mancher Hülfesuchende mit Armenvorstehern gemacht hat. Beim FestgotteSdicnst verunglückt. Im Etablissement Schweizer- garten(am Köntgstor) wurde gestern aus Anlaß des jüdischen BersöhnungStageS ein stark besuchter Festgottesdienst abgehalten. Kit Kinder der Beterinnen hielten sich größtenteils im Garten des Lokals auf: am Nachmittag machte sich eine Anzahl Knaben an einer in einem Winkel deS Gartens stehenden Bohrmaschine zu schaffen dabei wurden dem 7jährigen Willy W. von einem älteren Knaben durch Unvorsichtigkeit drei Finger der rechten Hand glatt abge quetscht. Die aus dem Bcetsaal herbeigeholte Mutter des Kindes fiel bei dem Anblick des Verunglückten in Ohnmacht. Im nahen Krankenhaus erhielt der Kleine den ersten Verband. Tie Kindesleiche am Friedhofszaun. Auf dem Charitefriedho ist gestern die Leiche eines mehrere Tage alter» Mädchens gefunden worden. Sie lag in unmittelbarer Nähe des Zaunes und es wird vermutet, daß die Mutter das Kind von der Straße über das> länder hinweggeworsen hat. Eingehüllt war der tote Körper in einen braunen Pappkarton. Die Leiche wurde zur Obduktion nach dem Schauhaus gebracht. Durch Sturz aus dem Fenster fand der 2jährige Sohn des in der Schillerstr. 81 wohnenden Drahtarbeiters Hufenbach seinen Tod. Der Kleine, der sich für kurze Zeit allein in dem im zweiten Stock des Seitenflügels belegenen Wohnung befand, hatte das Fensterbrett erstiegen und war kopfüber aus den Hos hinabgestürzt. Der Tod des Kindes trat auf der Stelle ein. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Auf unerklärliche Weise verschwunden ist am Sonnabendabend die 29 Jahre alte Frida Bottner, die bei ihrem Bruder in der Thomasiusstr. 19 wohnte. Sie ging mit nur 2ö Pf. in der Tasche aus der Wohnung, um etwas einzuholen und ist seitdem nicht wieder zurückgekehrt. Die Anverwandten der Verschwundenen können sich nicht enträtseln, was mit ihr geschehen ist. Die Vermißte war beim Verlassen der Wohnung ohne Hut und trug Halbschuhe. Sie ist von mittlerer Statur, hat schwarze? Haar und dunkle Augen. Personen, die etwaige Angaben über den Verbleib der Verschwundenen machen können, werden gebeten, dies bei ihrem Bruder, Thomafius- straße 19, zu melden. Radrennen zu Steglitz. Mittwoch, den 13. Septem- ber Match Robl-Verbist. Die Niederlage, die R o b l ge- legentlich des Dreier-Wettkampfes Guignard-Robl-Vcrbist am 9. September in Steglitz durch den Belgier erlitten hatte, war die Veranlassung, daß der Münchencr, der sein damaliges Unterliegen einem ihm schon anfangs beim Rennen zugestoßenen Satteldefekt schuld gegeben hatte, seinen Gegner zu einer neuerlichen Begegnung herausforderte. Verbist war bereit, den Kampf aufzunehmen, und so trafen sich denn beide am Mittwochabend von neuem in Steglitz, um in zwei Läufen über 30 Kilometer ihre Kräfte zu messen. Leider war der Belgier am Dienstag bei den Rennen in Leipzig zu Fall gekommen, und wenn er sich auch nicht ernstlich verletzt hatte, so war er durch die erlittenen Hautabschürfungen an den Armen behindert, gegen Robl, der am Sonntag in Köln wieder siegreich gewesen war, im Vollbesitz seiner Kräfte zu kämpfen, denn er erschien mit verbundenen Armen im Rennen. Robl siegte in beiden Läufen; im ersten leistete Verbist bis zum 27. Kilometer hartnäckigen Widerstand, dann wurde er überholt und büßte bis zum nahen Schluß noch eine Runde ein; er endete weiten Lauf, der der ein, !0 Kilometer ging, verlor 1300 Meter hinter seinem Gegner. Im brechenden Dunkelheit wegen nur über Verbist schon nach dem 5. Kilometer die erste Runde, und ver- teidigte sich dann nicht mehr, so daß sein Verlust gegen Robl über drei Runden(1580 Meter) betrug. Im wissenschaftlichen Theater ber Urania finden die letzten Wiederholungen der Vorträge„Im Lande der Mitternachtssonne"' (Freitag) und„Von der Zugspitze zum Watzmann"(Sonnabend) und„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat" (Sonntag) statt. In der nächsten Woche gelangt der mit zahl- reichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Vor- trag„Ueber den Brenner nach Venedig" von Direktor Franz Goerke zum ersten Male zur Darstellung. Wegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde gestem der siebente Löschzug nach der Rigaerstr. 79 gerufen. Brandmeister Runge ließ mit mehreren Schlauchleitungen von Dampfsprttzen tüchtig Wasser geben, wodurch es gelang, die Flammen auf den Dachstuhl deS Hauses zu beschränken. Vorort- J�aebnebten* Ein kurioseS Vorkommnis. Daß Behörden nicht immer in gewünschter Schnelligkeit ar betten, ist schon des öfteren nachgewiesen worden. Heute wollen wir von einem Fall Mitteilung machen, der unseren Bureau- kratismus in einem gerade nicht lobenswerten Lichte erscheinen läßt. Der Sachverhalt ist folgender: Am 23. März d. I. wurde die durch Altersschwäche geistig er- krankte Mutter des Tischlers H., in Friedenau wohnhaft, von Dall- dorf, wo sie seit Ende vorigen Jahres interniert war, nach der Brandenburgischen Jdiotenanstalt zu Lübben übergeführt. H. erhielt deshalb von der Armendirektion Schöneberg, dem UnterstützungS- Wohnsitz seiner Mutter, am 10. April eine Vorladung, zwecks Lieferung von Sommer- und Winterkleidern nach Lübben. Da dies mit einer bedeutenden Geldausgabe verknüpft war, so konnte H. die Kleider nicht gleich beschaffen. Er erhielt deshalb am 17. April eine nochmalige Aufforderung, in welcher darauf bin- gewiesen wurde, daß, wenn H. die Sachen nicht umgehend schicke, dieselben auf seine Kosten angeschafft und ihm dadurch nur höhere Kosten entstehen würden. H. schickte denn auch die Sachen ab, die- selben sind am 23. April in die Hände der Anstalt gelangt. Am 18. Mai erhielt H. plötzlich die Aufforderung, auf der Fricdenauer Polizeiwache zu erscheinen. Dort angelangt, wurde ihm erklärt, daß er die Beerdigungskosten für seine am 1. April inLübben verstorbene Mutter zu bezahlen habe. H. war na- türlich sehr erstaunt, zumal er von dem Tode seiner Mutter noch gar nichts wußte und außerdem er ja auch drei Wochen nach dem Todestage noch Sachen nach Lübben geschickt hatte, die auch von der Anstaltsverwaltung, trotzdem die Mutter lange begraben fem muhte, angenommen wurden. Unter diesen Umständen weigerte sich H. selbstverständlich, die Beerdigungskosten zu bezahlen. Am 1. Juni erhielt er von dem Vorsteher der Anstalt ein Schreiben, worin zunächst mitgeteilt wird, daß die Todesursache der Mutter Alters- schwäche war. Im Anschluß hieran wird betont, daß, da weder die Adresse des H. noch eines anderen Angehörigen der Verstorbenen an dercm Todestage der Anstalt bekannt war, er, der Vorsteher, die Polizeidirektion Schöneberg von dem Ableben unterrichtet und dieselbe gebeten habe, den etwa in Schöneberg bekannten An- gehörigen Nachricht von dem Todesfall zu geben. Die Polizei- direktion Schöneberg habe jedoch erst aus dem Melderegister fest- gestellt, daß H. bereits im Jahre 1903 nach Friedenau abgemeldet worden sei. Nachdem diese sich mit dem Friedenauer Amtsvorsteher in Verbindung gesetzt, habe erst seine Wohnung festgestellt werden können. Aus dem Umstand, daß die Adresse des H. erst am 18. April zur Kenntnis der Anstaltsleitung gelangt ist, erklärt denn auch der Vorsteher, daß er H. nicht von dem Tode der Mutter unterrichten konnte. Am Schlüsse des Schreibens teilt der Vorsteher H. mit, daß, wenn er die 36 M. betragenden Beerdigungskosten entrichte. die von der Mutter hinterlassenen Sachen zurückerhalte. Soweit der Sachverhalt. Wir können es schließlich verstehen, wenn H. in einem längeren Schreiben an die Anstaltsverwaltung seine Ver- wunderung aussprach und Fragen der verschiedensten Art stellte. Indes scheint uns, als träfe weniger die Leitung der Anstalt, als vielmehr die Schöneberger Polizeibehörde die Hauptschuld, daß H. 'o verspätet von dem Tode seiner Mutter Kenntnis erhielt, wenn- gleich wir es nicht verstehen können, daß die Anstalt drei volle Wochen nach dem Tode der Frau die Sachen noch annahm. H. wohnt bereits 4 Jahre in Friedenau, und wenn eS der Armen- direktion möglich war, sich mit H. in so kurzer Zeit in Verbindung zu setzen, so dürfte es der Polizeibehörde nicht unmöglich sein, das gleiche zu tun. Aber auch die Sachen hätten, wenn die AnstaltS- leitung sich mit der Schöneberger Armendirektion in Verbindung gesetzt hätte>— und dgs mußte sie ja schließlich, da sie von dem Verlangen, die Sachen zu bekommen, selbst nach dem Tode nichk Abstand genommen hatte— nicht hingeschickt werden brauchen. Es ist somit ein Vorkommnis der kuriosesten Art zustande gekommen. Außer den Beerdigungskosten ist H. bereits zweimal die Auf« forderung zugegangen, 113 M. Verpflegungskosten zu zahlen. H. weigert sich, dieser Aufforderung nachzukommen, so lange ihn die Behörde im Unklaren läßt, wie es kam, daß er erst nach48Tagen Nachricht von dem Tode seiner Mutter erhielt. Die Behörden werden, dessen sind wir gewiß, nicht verlegen sein, eine Erklärung zu finden und H. wird die Summe bezahlen müssen, selbst wenn ihn die behördliche Beweisführung nicht befriedigt. Rixdorf. Grabschändcr haben auf dem St. Michaelskirchhof in der Her- mannstraße in der letzten Nacht einen dreisten Diebstahl ausgeführt. Auf einem der Grabhügel, dicht neben der Friedhofskapelle, war eine Bronzefigur, einen etwa einen Meter hohen Engel darstellend, angebracht. Einbrecher haben nun in der Nacht diese Figur vom Grabe heruntergerissen und gestohlen. Ihren Weg hatten die Friedhofsschänder über den Zaun genommen. Wilmersdorf. Das zweite Stiftungsfest begeht am morgigen Sonnabend, den 21. September, im„Luisenpark", Wilhelmsaue 112, der hiesige Frauen- und Mädchenbildungsverein. Dieses Fest ist, wie aus dem Programm ersichtlich, zu einem Kunstabend vorbereitet. Es soll den Festteilnehmern der beliebte in Arbeiterkreisen leider immer noch nicht genügend bekannte Dichter Heinrich Heine näher veranschaulicht werden. Erfreulicherweise ist es gelungen, nur hervorragende Künstler für diesen Abend zu gewinnen. Gesang: Frl. Völkerling; Rezitatton: Fr. Johanna Meyer; am Flügel: Herr Leo Kestenberg. Die einleitenden Worte hat Frau Lily Braun übernommen, in denen das Leben und Wirken des Dichters geschildert wird.— Der Eintrittspreis für diesen Heine-Abend beträgt nur 40 Pf. Um jede Störung zu vermeiden, wird böflichst gebeten, Kinder unter zehn Jahren nicht mitzubringen. Der Beginn ist Punkt neun Uhr festgesetzt. Bon 11 Uhr ab findet dann Festball statt. Aus diesem Arrangement ist zu ersehen, daß alles auf das sorgfälttgste vorbereitet ist, um der Wilmersdorfer Arbeiterschaft einen wirklich seltenen genußreichen Abend zu verschaffen. Es ist daher zu er- warten, daß die aufgewandte Mühe und Zeit durch einen recht zahl-- reichen Besuch belohnt wird. Schönederg. Der ärztliche Dienst im hiesigen Krankcnhause wird durch einen Vorfall in ein eigentümliches Licht gerückt. Es handelt sich um den Hausdiener Georg Stahn, dessen Eltern in Berlin, Metzerstr. 31, wohnen. Der etwa 16 Jahre alte Sohn nahm vor mehreren Wochen bei der Firma Klein die Stelle als Hausdiener an. Am 30. August erkrankte er an einem langjährigen Ohrenleiden und wurde dem Krankenhause überwiesen. Am 6. September wurde den Eltern die Mitteilung, daß ihr Sohn im Schöneberger Krankenhause verstorben sei. Die Eltern waren über diese Nachricht untröstlich. Als die Mutter sich in dem Krankenhause nach der Todesursache ihres Sohnes erkundigte, wurde ihr mitgeteilt, daß er wegen de? Ohrenleidens zweimal operiert worden sei. Nun sind die Eltern aber von der Absicht der Aerzte, ihren Sohn zu operieren, nicht unterrichtet worden, über welche Unterlassung sich die Eltern nicht hinwegsetzen können. Es hätten, wenn die Operation nicht ganz dringend gewesen sei, die Eltern doch erst befragt werden müssen, ob sie die Erlaubnis geben, einen operativen Eingriff bei ihrem unmündigen Sohne vornehmen zu lassen. Da ihr Sohn schon jahrelang an diesem Leiden krankt und dasselbe auch wieder auf geraume Zeit sich besserte, sind die Eltern der Meinung, daß besondere Eile in dieseni Falle nicht vorhanden war. Schoii aus dem Umstände, daß ihr Sohn 6 Tage im Krankenhause gelegen hat, glaubten sie, daß ihre Erlaubnis für die Operation eingeholt werden konnte. Nach dieser Schilderung sinden wir eS allerdings unbegrcif- lich, wie mau, die Eltern vollständig außer acht lassend, so eigen- mächtig handeln konnte. Wohl jeder begreift deshalb den Schmerz der Eltern, wenn diesen keine Gelegenheit geboten wird, weder über ihres Sohnes Schicksal.zu entscheioen, noch ihn im Krankcnhause noch einmal lebend sehen zu können. Britz-Buckow. In der Buckower WahlvcrclnSvcrsammlung hielt am Sonntag Genosse Mermuth einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vor- trag über:„Die Pariser Kommune". Redner gab ein lebhaftes Bild der Pariser Vorgänge und zeigte das Lügengewebe unserer herrschenden Klasse gegen die Kominunekämpfer. Nachdem er die politische Bedeutung der Pariser Kommune dargelegt, forderte er zu unablässiger Werbearbeit für die sozialistischen Ideen auf. Ueber:„Die preußische Verfassung" referierte Genosse Max Kiesel in der Mitgliederversaiimiluilg des Wahlvereins zu Britz. Der Referent gab zunächst eine geschichtliche Würdigung der preußischen Berfaffung und die Kämpfe um dieselbe, um alsdann den Wider- 'pruch zu kennzeichnen, der zwischen dem Dreiklassenwahlrccht und dem Zeitalter des KapitaliSiiniS vorhanden ist. Auf den gegen- wältigen Wahlrechtskampf hinweisend, forderte Redner auf. alles aufzubieten, um das Wahlunrecht durch ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes LandtagSwahlrecht zu ersetzen.— In der Diskussion forderte Genosse Raatz die Ausländer auf, sich in den preußischen StaatSverband aufnehmen zu lassen. Lichtenberg. Achtung! Dclegiertenwahlen zur OrtSkrankenkasse. Wir machen auf die Delcgiertenlvahlen zur hiesigen Ortslrankenkaffe aus- merksam. Die 1. Wahlabteilung, umfassend die Betriebe östlich der Gürtel« traße, der Dorfftraße und deö Weißenseer WegeS, ausschließlich der drei genannten Straßen, sowie die Kassenmitglieder, die in Wilhelmsberg beschäftigt sind, wählt am Donnerstag, den 19. Sep- tember 1907, abends S— 8 Uhr, im Lokal von Gebrüder Arnhold, Frankfurter Chaussee 5, die 2. Wahlabteilung, umfassend die Ae- triebe in der Gürtelstraße, der Dorfftraße und deS Weißenseer Weges, sowie den Ortsteil westlich dieses Straßenzuges wählt am Freitag, den 20. September 1907, abends ö— 8 Uhr, in demselben Lolal. Die Kassenmitglieder, die ihre Beiträge selbst zahlen(freiwillige Mitglieder) wählen in der Abteilung, in der ihre Wohmmg belegen ist. Lasse sich jeder sein Mitgliedsbuch oder seine Karte aushändigen. Die Gewerkschaftskommission. tlöpemck. Ein Ueterfall mif ein jinigeS Mädchen ist vorgestern nachmittag im Kietzer Forst bei Köpenick von zwei Attentätern verübt worden. Die IS jährige Maria Bausenrr, die in dem„Berliner Bazar" in Köpenick als Lehrmädchen angestellt ist. hatte den Austrag erhalten, ein Paket Gläser nach dem„Strandschloß" am Müggelsee zu tragen. Sie mußte auf ihrem Wege den Kietzer Forst passieren. Als sie etwa die Mitte des Waldes erreicht hatte, kamen zwei unbekannte Männer auf sie zu und fielen über sie her. Sie schlugen sie zu Boden und während der eine der gefährlichen Burschen dem Opfer die Hände über dem Rücken zusammenhielt, kniete der andere auf ihm. Wären auf die Hülferufe der Uebersalleuen nicht einige Spaziergänger hinzugeeilt, so hätten die Täter ihr Verbrechen ungestört ausführen können. Ob sie es auf eine Beraubung der B. oder auf ein Sitt- lichkeitsattentat abgesehen hatten, war nicht festzustellen. Beim Herannahen von Personen ließen sie von dem Mädchen ab und er» griffen die Flucht. Eine sofortige Verfolgung der Strolche führte zu keinem Resultat. Französisch-Buchholz. Ein Aiilomobilunsall, wobei der Fahrer getötet, zwei Personen und zwei Pferde verletzt wurden, ereignete sich am Montagabend au dem KreuzungSpnnN der Bcihnstratze, RoseMaler Chaussee und Berlinerstrade. Gegen �IV Uhr kam das Lurus-Auto Nr. 4499 von Schönerlinde in schnellem Tempo herangesaust und wollte an ge- nannter Stelle den Wagen des Eigentümers Blankenburg, Schönerlinderstraße 3, ausweichen. Die Chaussee wird an jener Stelle ge- pflastert, weshalb Pflastersteine umherliegen. Hinzu kommt, daß eine ausreichende Beleuchtung nicht vorhanden ist, nur an einer Stelle hängt ein rotes Lämpchen..Diesem Umstand wird es zugeschrieben, daß. als das Auto an jene Stelle kam, es gegen das eiserne Gitter eines Vorgartens airprallte. Hierdurch wurde das Steuerrad des Autos abgebrochen und daslSteuerrohr drückte sich in den Brustkasten des Fahrers Willi Schwanke aus Berlin, so daß der Tod'kurze Zeit darauf eintrat. Der berufs- mäßige Fahrer Gustav Peters und Frau Huselitz, Schonenschestratze, erlitten nur leichte Verletzungen. Auch die Pferde ivurden beinr Vorbeifahren verletzt, da die Lampe des Wagens unsichtbar wurde. Mit Recht wird in der Mitteilung betont, daß, wenn eine bessere Straßenbeleuchtung vorhanden wäre, das Unglück vielleicht hätte vermieden werden können. Hoffentlich mahnt dieser bedauerliche Lorfall die Gemeindevertretung diesen Mißstand zu beseitigen. Nowawes. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich gestern vormittag in einer Eisenkonstruktionöfabrik. Der 20jährige Kranführer Bücker war mit noch einem Arbeiter damit beschäftigt, einen 30 Zentner schweren Feuerbuchsmantel hochzuziehen. Der Körper fiel plötzlich herunter und traf den untenstehenden Arbeiter. Auf dem Wege nach dem St. Joseph- Krankenhause, wohin der Schwerverletzte gebracht werden sollte, verstarb er bereits. Berichts-Rettung. Gleiches Recht. Bor dem Schöffengericht in Rixdorf hatte sich zunächst der noch nicht vorbestrafte Arbeiter W. Hädike wegen Betruges zu ver» antworten. H. hatte in einer Restauration für Abendbrot eine Zeche von 1,10 M. gemacht. Er konnte aber nicht zahlen. Die gegen ihn erstattete Anzeige hatte zur Folge, daß er in Untersuchungshaft ge nommen wurde. Diese dauerte 12 Tage. Dann verurteilte ihn das Gericht zu zwei Tagen Gefängnis, die aber nicht als durch die Unter iuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Also 14 Tage Freiheitsberaubung wegen einmaligen Sattessens. Nach H. nahm auf der Anklagebank der Schlächtermeister C. Lauke Platz. L. hat nach der Anklage am 23. November 1900 dem Schlächtermeister Karl Müller in Baumschulcnweg ein ganzes Rinderviertel abgeschwindelt, indem er vorgab, es für den Schlächtermeister Radeboldt besorgen zu wollen, während er es tätsächlich nach seiner Behausung schaffte, um eS für seine Zwecke zu verwerten. Der Betrogene ist um 97 M. geschädigt. Den schon wegen Eigentumsvergehen wiederholt erheblich vorbe st rasten Angeklagten Schlächtermeister verurteilte das Rixdorfer Schöffengericht zu der in Anbetracht des hohen Schadens ganz unerheblichen Geldstrafe von 20 Mark._ Du machst ja Streikarbeit. Wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbeordnung und groben Unfugs wurde kürzlich vor dem Amtsgericht Berltn-Mitte gegen den Rohrleger Karl Rißmann verhandelt. Dieser ging zur Zeit der Maureraussperrung an dem Bau Dircksenstr. 21 vorüber und bemerkte dort, daß«in Mann in blauem Arbeitsanzüge, den er für einen Rohrleger hielt, der aber Dachdecker war, Maurerarbeiten ver- richtete. Er rief diesem zu:.Du Rohrleger, Du machst ja Streik- arbeit," und er soll nach der Anklage und nach den Bekundungen deS Arbeitswilligen dazugesetzt haben:»Du Schuft, Du Streik- brecher," und zwar so lärmend, daß dadurch ein großer Auflauf entstand. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, legte dar: Der Angeklagte müsse von der Anklage aus§ 158 der Gewerbeordnung selbst dann freigesprochen werden, wenn die Aussagen des Belastungszeugen als wahr angesehen würden. Denn keinesfalls habe der Angeklagte den Arbeitswilligen bewegen wollen, an einer Abrede zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingungen teilzunehmen. Der Angeklagte habe den Zeugen für einen Rohrleger gehalten und ihn deshalb nicht etwa verleiten ivollen, an den ÄbredeN der Maurer teilzunehmen, sondern habe ihn nur veranlassen wollen, sich den: Spruche des EinigungSamtS des GewerbegerichtS, tvelcheS gewisse Maurerarbeiten als Streikarbeiten anerkannt habe, zu fügen und solche Arbeit nicht zu verrichten. Dieser Schiedsspruch des GewerbegerichtS sei keine Abrede zur Er- langung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Dies sei nicht einmal die Abrede der Rohrleger, keine Maurerarbeit zu verrichten. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an und erkannte auf Freisprechung von der Anklage auS Z 158 der Gewerbeordnung, verurteilte aber den Angeklagten wegen groben Unfugs zu 3 M a r k Geldstrafe._ Verzicht auf jeden weiteren Bersichrrungsanstmich gegen Quittung. Der Landwirt und Dreschmaschinenbesitzer R. in Worringen war bei der Oberrheinischen VersicherugSgesell- schaft in Mannheim gegen Unfall versichert und erlitt am 21. Juli 1904 einen Nadfahrunfall. Als er am 2. September 1904 von dem Generalagenten der Versicherungsgesellschaft 112,50 M. erhielt, stellte er darüber eine Quittung aus, laut welcher er auf jeden weiteren Anspruch aus diesem Unfall ver- z i ch t e t e. Später klagte R. gegen die Oberrheinische Bersicherungs- gesellschaft auf Zahlung weiterer 535 M. und lebenslänglicher Rente, da sich nachträglich eine Entzündung des Schleimbeutels der Knie- scheide eingestellt habe, die mit dem Unfall in ursächlichem Zu- sammenhang stehe. Nachdem das Landgericht den Kläger abgewiesen, machte dieser geltend, daß er durch a r g l i st i g e Täuschung zur Ausstellung der Quittung veranlaßt worden sei und den Inhalt gar nicht ge« lesen habe;' auch liege ein Irrtum vor, da beide Teile davon ausgegangen seien, daß der Fall ausgeheilt sei. Sodann komme in Betracht, daß jetzt überhaupt ein u e u e r Unfall vorliege und nur von dem ersten eine Disposiiin zu dem jetzigen Leiden zurück- geblieben sei. Nach der Beweisaufnahme über das betrügerische Verhalten des Generalagenten wies das Oberlandesgericht Köln die Berufung des Klägers zurück, da eine Arglist nicht erwiesen sei, eine Anfechtung wegen Irrtums aber unverzüglich hätte erfolgen müssen; was den Einwand des neuen Unfalles anlange, so liege eine unzulässige Klagevcrändcrung vor. Die vom Kläger gegen das oberlandesgerichtliche Urteil ein- gelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom siebenten Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. In den Gründen heißt es unter anderem:„Nach ß 410 Zivilprozeßordnung begründeten Privaturkunden, sofern sie von den Ausstellern unterschrieben sind, vollen Beweis dafür, daß die in denselben abgegebenen Er- llärungen von den Ausstellern abgegeben sind. Räch dem klar er- sichtlichen Zweck des Gesetzes kann durch den Nachweis, daß der Aussteller der Urkunde von dem Inhalt der Urkunde Kenntnis nicht genommen habe, ein Gegenbeweis nicht erbracht werden. Die Handlung der Unterzeichnung stellt sich als Schaffen der Urkunde in ihrem vorhandenen äußeren Bestände dar, wie diese auch lauten mag, und der diese Handlimg tragende Wille lvird durch bloße mangelnde Kenntnis deS Unterzeichners von dem Wortlaut der Urkunde nicht beseitigt. Nur sofern der Unterzeichner sich auf Betrug und Irrtum oder ähnliche Willensmängel berufen kann, steht ihm frei, die materielle Wirksamkeit der abgegebenen Willenserklärung anzufechten.... Aber auch eine Verletzung materiellen Rechts liegt nicht bor. Es handelt sich vorliegend gar nicht»im ein nach§ 812 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches znriickforderbares abstraktes Anerkenntnis des Nichtbestehens einer Schuld, vielmehr ist nach Ver- werfung der klägerischen Anfechtung davon auszugchen, daß die Absicht beider Teile dahin ging, daß Kläger gegen Zahlung des ermittelten Entschädignngsbetrages sich für völlig befriedigt wegen aller Ansprüche aus diesem Unfall erklärte. Beklagte hat diese Erklärung nicht ohne rechtlichen Gnmd verlangt. Noch weniger hat der Bcrufllngsrichter den Z 138 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs durch Nichtanwendung verletzt, denn Kläger hat es in dieser Richtnng an jeder Darlegung fehlen lassen, daß die Voraussetzungen dieses Paragraphen gegeben seien."_ Für ungültig erklärte das Kammergericht eine Polizeiverordnung, durch die in Krefeld verboten ist, mechanische Musikinstrumente in der Zeit von 10 Uhr abends bis 10 Uhr morgens und von 1 bis 4 Uhr nachmirtags in Wirtschaften spielen zu lassen. Diese Verordnung richte sich lediglich gegen den Lärm. Die Frage des ruhestörenden Lärms werde aber erschöpfend durch das Rcichsstrafgesetzbnch geregelt, so daß kein Raum sei für eine dasselbe Gebiet betreffende Polizeiverordnung. Der Angeklagte Sonderbier, der die. Polizei- Verordnung übertreten haben sollte, wurde freigesprochen. Versammlungen. Die Verwaltungsstelle Berlin des MetallarbeiterverbandeS hielt am Mittwoch in der„Kronenbrauerei" eine Bezirksversammlung für Moabit ab, in der der Internationale Metallarbeiterkongreß sowie der Sozialistenkongreß in Stuttgart auf der Tagesordnung standen. Der große Saal war voll besetzt und der Referent Cohen konnte denn auch mit Recht hervorheben, daß das Interesse für die internationalen Beziehungen und Verbindungen, wie in anderen Berufen, so auch bei den deutschen Metallarbeitern stark gewachsen ist. Der Redner wies in seinem Bericht über den Metallarbeiter- kongreß unter anderem auf die außerordentlich günstige Ent- Wickelung und große Kampffähigkeit der dänischen, wie der schwe- dischen und norwegischen Verbände hin, sprach dagegen sein Bc- dauern über die Schwäche und Zerfahrenheit der französischen Or- ganisationen aus und wandte sich entschieden gegen das Spielen mit der GencralstreikSidee, wie gegen die„direkte Aktion" und die Sabotage, die in jenen Organisationen zum Schaden einer gesunden EntWickelung mehr oder minder stark propagiert werden. Ebenso wies der Redner darauf hin, wie töricht es ist, wenn französische Gewerkschaften die Arbeiter von der Betätigung auf politischem Gebiet zurückhalten, die politischen Führer der Arbeiterklaffe ver- dächtigen und verhöhnen. Daß es, infolge der ablehnenden Haltung der Engländer und Franzosen, nicht möglich war, einen Beitragssatz zum internationalen Bund einzuführen, der eine wirksamere inter- nationale Unterstützung bei großen Kämpfen möglich macht, be- dauerte der Redner ebenfalls, hob jedoch auch im allgemeinen die erfreulichen Resultate des Kongresses hervor und sprach schließlich die Erwartung aus, daß der nächste Internationale Kongreß auf mindestens eine Million dem Bund angeschlossener Metallarbeiter werde blicken können.— Der Vortrag fand allgemeinen Beifall. Sodann berichtete Cohen über den Internationalen Sozialistenkongreß. Der Redner bemerkte im allgemeinen, daß dieses internationale Arbeiterparlamcnt Talent und Fähigkeit genug bewiesen habe, um alle die zur Verhandlung gestellten schwierigen Fragen gründlich zu diskutieren. Die Frage der Ein- und Auswanderung sei als endgültig gelöst nicht anzusehen. In diesem, wie in anderen Punkten habe man gerade durch die Ver- Handlungen erkennen können, daß ein gründliches Studium der Dinge notwendig sei. Zur Frage der Kolonialpolitit sagte der Redner unter Hinweis auf seine jüngst in der Parteiversammlung getanen Aeutzerungen, daß er sich wohl eine Kolonialpolitik im Sinne der Kultur und des Sozialismus denken könne. Gegen eine solche könne nichts eingewandt werden. Müsse man doch dafür sorgen, daß der Sozialismus die ganze Welt durchdringt. Ent« schieden zu bekämpfen und zu verwerfen sei dagegen die Kolonial- Politik der Reichsregierung und der herrschenden Klassen.— Diese Aeutzerungen gaben Veranlassung zu einer Diskussion, in der Gräber bemerkte, daß gegen eine Kulturpolitik, wie sie der Re« ferent offenbar im Auge habe, allerdings nichts einzuwenden sei, wer jedoch eine solche Politik wolle, hätte nicht für die Mehrheits- resolution der Kommission stimmen können. Die Resolution Lede« bour-Wurm sei entsprechend klar gefaßt gewesen; sie habe das Richtige getroffen.— In ahülichem Sinne äußerte sich Wilhelm E i s n e r, der die am Mittwoch im„Vorwärts" abgedruckten Aus- Führungen des Genossen Haase-Königsberg vorlas, und ebenso der Bezirksleiter Warner, der erklärte, daß jede Kolonialpolitik zu verwerfen fei, solange die kapitalistische Gesellschaft bestehe, für die es sich ja doch nicht um Kultkir-, sondern um Raub- und Aus. beutungspolitik handele.— Nachdem Cohen nochmals seine Auf. fassung über Kolonialpolitik klargelegt hatte, wurde die Versamm. lung mit Hochrufen auf die internationale Arbeiterbewegung ge- schloffen. Mit den Beschlüssen des Arbeitgeberschutzvcrtmndes in der Holz» industrie beschäftigte sich am Mittwoch die Vertrauensmänner- Versammlung des HolzarbciterverbandeS. Der Referent Glocke besprach die Verhandlungen der Generalversammlung deS Arbeit- geberschutzverbandeS und des Tischlertagcs, soweit sie für die Ar- beiter Interesse haben. Insbesondere gedachterer der Stellung, welche die Arbeitgeber zum Abschluß von Verträgen mit den Ar- beitern einnehmen. Die Absicht der Unternehmer gehe dahin, mit den organisierten Arbeitern möglichst in allen Orten Deutschlands Verträge abzuschließen. Die Unternehmer wollen hierbei alle Arbeiterorganisationen als gleichberechtigt behandeln. Dem könne der Holzarbciterverband nicht zustimmen. Der Hirsch-Dunckersche Gewcrkverein habe sich bei dem großen Kampf in Berlin auf die Seite der Unternehmer gestellt, und diese mit Streikbrechern ver- sorgt. Aus diesem Grunde könne der Holzarbeitervcrband den Ge- werkverein nicht als eine gleichberechtigte Organisation ansehen und sich in ein gemeinsames Vertragsverhältnis mit demselben einlassen. Auch die christliche Organisation habe sich so verhalten, daß sie nicht als gleichberechtigt angesehen werden könne. Die Frage des Vertragsabschlusses sei von aktueller Bedeutung, denn im nächsten Frühjahr laufen in 22 Städten die bestehenden Ver- träge ab und nach der bekannten Absicht der Unternehmer soll die Dauer der Verträge bei Neuabschluß so festgesetzt werden, daß alle Verträge in ganz Deutschland an ein und demselben Termin enden. Wenn das erreicht würde, so wäre jedesmal die Kündigung eines einzigen Vertrages durch die Arbeiter ein Anlaß für die Unter- nehmer, alle Verträge zu kündigen und dadurch einen Kampf über ganz Deutschland heraufzubeschwören. Das sei ein Zustand, der nicht im Interesse der Arbeiter liege, diese müßten sich deshalb gegen den gleichzeitigen Ablauf aller Verträge erklären und bestrebt sein, bei den neuabzuschließcnden Verträgen die seitherige Gültig. keitSdaucr beizubehalten. Diesen Standpunkt müsse der Vorstand des Holzarbeitcrverbandes einnehmen, wenn er mit den Unter. nehmern über den neuen Abschluß von Verträgen verhandelt. Auch auf eine Verkürzung der Arbeitszeit müsse hingewirkt werden. Wenn die Unternehmer Ruhe im Gewerbe haben wollen, dann müßten sie den Holzarbeiterverband als gleichberechtigten Faktor beim Abschluß von Verträgen anerkennen und seine Wünsche bc- rücksichtigen. Nach einer gründlichen Diskussion, die in den angeführten Punkten mit dem Referenten übereinstimmte, wurde folgende Re- solutwn angenommen: Die Versammlung nimmt Kenntnis von den Verhandlungen und Beschlüssen des 24. Tischlertages sowie der Generalversamm- lung des Arbeitgebcrschutzverbandes in Hildesheim. Sie verwahrt sich mit aller Entschiedenheit gegen die Behauptung des Herrn Siebel:„Die Berliner Leitung des Holzarbeiterverbandcs hätte den letzten großen Kampf heraufbeschworen."— Der Kampf wurde von den Unternehmern durch die Aussperrung provoziert.— Zu bczug aus die Bertzgudlumen, die in nächster Zeit Mischen dem Vorstund deS HolzarbeiterberkandeS und dem Vorstand des Arbeit, gcberschutzverbandes stattfinden, ist die Versammlung der Ansicht, daß dieselben nur geführt werden dürfen unter Ausschluß jeder anderen Organisation, insbesondere des Hirsch-Dunckerschen Ge» Werkvereins, da sich derselbe in letzter Zeit als Streikbrecher- organisation gezeigt hat.— Ferner steht die Versammlung auf dem Standpunkt, daß bei Abschluß von Verträgen ein einheitlicher Ablaufstermin nicht zu empfehlen ist. Zlllgemeine Kranken- und Stcrbekasse der Metallarbeiter iE. H. 29, Hamburg, Filiale 6.) Sonnabend, den Lt. September, abends 8'/,4ihr. bei Ertclt, Gielmstr, 7, Ecke Graunstraße: Versammlung.— Filiale Rummeisburg, Sonnabend, den 2t. September, abends 8'/, Uhr, bei Gustav Tempel, Sllt-Boxhagen Nr. 56: Mitgliederversammlung. Zentralverband der Maurer(Zahlstelle Charlottenburg). Freitag, den 20. September, abends S'/j Uhr, im Vollshause, Rosinenstr. 3: Mit» gliederversammlung._ ßnefhaften der Redaktion. Tie juristische Evrcchstnnde findet Friedlichst r. Ist, Rnfgana 4« eine Treppe(Handelsstatte Belleallianre, Turchgang auch Ltndenstr. 101)» wochcniäalich vo» T1/» bis tt'/> Udr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Eomi-ibcuvo beginnt die Tprechsiinide»IN ii Uhr. Jeder Anfrage-st ei» Buchstabe und eine Zahl als!0t-rk»eichen beizufügen. Briefliche Antwort wird»ich« erteilt. Eilige Fragen trage man»I der Sprechstunde bor. W. W. 100. Nach der herrschenden Ansicht ist leider die Kasse im Recht. Versuchen Sie es mit einem Antrage an die Versicherungsanstalt lKöviiischcr Park), zwecks Verhütung einer ErwerbSunsähigleit das Gebiß zu gewähren.— Z. 84. Die Firma wäre im Recht.— Kriegsschatz. Nein.— P. B. 01. Sie sollten schleunigst den Antrag aus Zubilligung einer Rente schon deshalb stellen, weil spater Verschlechterungen des Zu- standeS eintrete» könnten.— F. P., Karlöhorst. 1. Ja. 2. bis 5. Nein. — W. K. 80. 1. Die Ablegung des Staatsexamens zieht den Doktor- titcl nicht nach sich. Der Doltortitcl wird durch Ablegung cineS einige hundert Mari kostenden besonderen leichteren Examens erivorben. 2. Nein, man nennt die Betreffenden Baucrnsch Wäger.— E. S. 100. 1. u. 2. Ja. — 4 Wettende. Der Arbeitgeber, der Krankenkassenbeiträge von Ar- beitern eingezogen, aber nicht an die Kaffe abgelicsert hat, ist zur nach- träglichcn Äblieserung an die Kasse verpflichtet und ist außerdem strasbar. — Neye. 1. Nein, 2. In.— 4. E. Wegen der Lohnverhältnisse im Auslände wenden Sie sich an die betr. Geiverkschast, Auskunst über die Verhältnisse im Auslände im übrigen erhalten Sie am besten in der amt- tichcn Auskunstsstellc Sch-llmgslr, 4.- A. R. 47. Ja.- W. W. 80. Die gesetzliche Wartezeit sür die Wiederverhetratung der Witwe beträgt 10 Monate, Aus Antrag kann Dispens erteilt werden. Der Antrag ist an das Amtsgericht zu richten. ES ist zweckmäßig das Alteft cineS Arztes oder einer Hebamme darüber beizufügen, daß Schwangerichajt nicht vorliegt.— H. F. 77. Eine Abfindung ist zulässig, die Höhe hängt von gegenseitiger Vereinbarung und Zustimmung des Schiedsgerichts ab,— 408 Ecke. 1. und 2. Nein. Der alte Vertrag läust auch für den Fall eines neuen Eigentümers weiter, Ist aber das HauS in Subhastation verkauft, so kann der neue Wirt vorzeitig kündigen, d. h. wenn er im 3, Quartal das Hau» erstanden bat, bis am 3. Ottober zum 3t. Dezember einen langer laufenden Vertrag kündigen,— Kl. 3. 1. Nein, 2, Ja,— S. 7. Nein. — B. P. 78. 1, Sie könnten aus Auseinandersetzung, vielleicht auch aus Zahlung auS dem Schuldschein klagen. 2. In. 3. Bis um 12 Uhr mittags müßte geräumt sein.— C. O. 8. 1. Wenn Sie nicht erscheine», werden Sie durch VcrsäummSurteil verurteilt, 2. und 3. Nein.— P. 00. 1. Der Sahneversuch beim Schiedsmann muß der Klage vorangehen, 2. Das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Betreffende wohnt, und das Amtsgericht, in dessen Bezirk die Beleidigung fiel, ist zuständig. AIS Vorschuß werden lO M. vom Gericht gesordcrt. 3. Nur, sosern der Verurteilte zahIungSsähIg ist. 4. Nein. 5. und 6. Ja.— W. A. 100. Der Beamte Handell seiner Instruktion gemäß. Vielleicht erreichen Sie durch eine Eingabe an die Steuerdepiitation Ausschub.— H. H. 30. Der Antrag ist an den Magistrat, Abteilung sür Invalidenversicherung, Köllnischer Park, zu richten.— E. K. 18. Ihre Klage auf Zahlulkg hätte Aussicht aus Erfolg,— H. O. Etwa 27 M.— H. B. 83. 1. Ja, aber die Herrschast hat sür die Dauer von sechs Wochen sür Kur und Verpflegung zu sorgen. 2, Teilen Sie mit, daß Sie Ersatz sür Kur und Verpflegung verlangen. — W. I. Wenn Sie bereits im Jahre t899 volljährig waren: ja,— E. K. 38. 1. Die Kasse ist leider im Recht. 2. Hat Ihre Mulier kein Testament gemacht, so wird sie von Ihnen zu von Ihrem Vater zu'/« beerbt,— P. Tch. Sie müssen durch eine Klage gegen die Eltern(beim Amtsgericht oder Landgericht) den Bescheid des StadtanSschusses zur Aus- Hebung bringen.— P. K. 100. Derartige Vorkommnisse registrieren wir nicht.— A. H. 10. Berlin, Leipzigerstr. 125.— E. H. 30. Lese» Sie etwa Gottsried Keller, Fontane, C. F. Meyer, Maupassaut.— A. K.. Rix- dorf. 1. So oft« will. 2. Das schwere Unwetter in Berlin war am 14. April 1902.__________ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Dircktton.(Großhandel.) Ochsenfleisch I» 63—70 pr. tOO Pfd., IIa 62-67, Ula 57-60, Bullcnflcisch la 61-66, IIa 49-58, Kühe, seit 48—56, do. mager 38—46, Fresser 62—60, Bullen, dän, 53—62, do, Holl. 0,00. Kalbfleisch. Doppcllcnder 100-115, Mastkülber la 75-85, IIa 66—73, Kälber gcr, gen. 48—60, do. Holl. 0,00, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 78—80, Hammel la 72—76, IIa 66—71, Ungar, 0,00, Schafe 54—66. Schweinefleisch 55—61. Rebbock la ver Pfund 0,75—1,10. IIa 0,60. Rothirsch la per Pfd. 0,57-0,62, do. IIa 0,00. Damhirsch 0,52. Wildschweine 0,43—0,46. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,50—0,95, Wildenten per Stück 1,25—1,50, Krickenten per Stück 0,00, Rebhühner. junge große 1,10—1,40, mittel u. kleine 0,30—1,00, alte 0,75—0,90. Hühner, alte, per Stück 1,60—2,50, na 1,00— 1,50, do. junge 0,45— 1,60. Tauben 0,30-0,50, italienische 0,00. Enten per Stück 1,25-2,25, do, Hamburger per Stück 2,50—3,00, Gänse per Pfund 0,50—0,63, do. per Stück 1.50—3,50, do. Hamburger per Pfd. 0,00, do. Oder- brucher per Psd. 0,40—0,83. Poulets per Stück 0,50—1,25. Poularden per Psd. 0,00. Hechte per 100 Psd. 104—116, do. matt 97—103, klein 0,00, groß 0,00, do. groß und mittel 95. Zander 0,00 do. klein 0,00, dito mittel 0,00, Schleie, Nein 191—196, do. unsort. 133—145, do. mittel 126—145. Aale, groß 0,00, do. Nein und mittel 96—99, do. mittel 106—110, do. unsorttcrt 0,00, do. groß-mittei 0,00, do. klein 74—79. Plötzen 0,00. Roddow 0,00. Karpfen 0,00, do. 35er 0,00, do, 40— 50er 67—72, 50— 60er 66-70. Bunte Fische 52-76. Bars« 0,00 klein 0,00, Karauschen 80—91, Wels 0.00. Bleie 66—70. Barbe 0,00. Aland 79. Quappen 0,00. Raap 0,00. Amerit. Lachs la neuer, per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. ITIa 0,00. Seelachs 10—20, Flundern, Kieler, Sttege la 2—6, mittel Kiste 1—2, Hamb. Sttege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9, IIa 2—4. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3,7 Etrals. 2,00—3,00, Bonih. 0,00, Aale, gro» per Psd, 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3—4,00, Kiste 1,50—2,00. Sardellen. 1902er per Anter 98, 1904er 98, 1905« 98, 1906« 90—95. Schottisch« Vollhering« 1905 0,00, large 40— 44, füll. 38— 40, med. 86— 42, deutsche 37—44 Heringe, neue MatjcS, ver To, 60—120. Sardinen, russ., Faß 1.50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schockjaß 11, do. tieine 6—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock, groß« 0,00, do, mittelgroße 11—13, do, kleine 2,60—3,00, do, unsortteri 4—6,50, Galizier, groß 0,00, oo. unsort. 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,30, do. große 4,00. Butter per tOO Psd. la 122—124, Da 112-118, Illa 100—108, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Pscssergurken 4,00. Kartoffeln per 100 Psd. Daberjche 2,75—3,00, weiße runde 2,50—3,00, blaue 0,00, Rosen- 2,25—2,50, Nieren» 0,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—12. Spinat per 100 Psund 12—15. Sellerie, per Schock 2,00—8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 8,00— 2,50, do. Perl. 40,00-60,00, Thalotten 40,00—50,00. Petersilie. grün, Schockbund 1,00—1,25, Kohlrabi Schock 1,00—1,25. Rettich, bahr., neuer Stück 0,07—0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bi» 3,00, Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00, Wirfingkohl per Schock 4,00 bis 10,00, Rotkohl,«chock 6—10, Weißkohl 4—8. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5— 14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 7—15, Rosenkohl, per 100 Psd. 30—35. Kohlrüben. Schock 4,00—6,00. Petcrsillenwiirzelu, Schockbund 3,00—4,00. Schoten per 100 Psund 20—34 Schntltlauch 1,00—1,25. Plefferling« per 100 Psd. 8—10. Steinpilze per 100 Psund 15—25. Radieschen per Schockbund 1—1,25. Salat per schock 1,00—2,00. Gurken, Einmache-, Schock 10—25, do. böhm. Schock 0,00, do. Liegnitz« schock 2,75— 5,00, do. Rothenburger 2—2,50. Bohnen, grüne, 100 Pfund 15—20. Wachsbohnen, p« 100 Psund 20—30. Tomaten per tOO Psund 12—15. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Räbchen, Beelitzer, per 100 Psd. 10—12. Prcißelbecren per 100 Psd. 20-24, schwedische 24—26. Birnen, 100 Psd,, Tiroler 20—40, hiesige 5—15, Salandcr 10—20, Pfirsiche, hies. per 100 Psd. 8—20, ital. in Kiftchen zu 12 Stück 1,50 bis 1,75, do. in Körben la per 100 Psd. 18—21, do. IIa in Körben per 100 Psund 10-15. Aepsel, italienische, per 100 Psund 8-10, hiesige 5—13, Gravensteiner la 15—25, do. IIa 10—20. Tiroler la 25-45, IIa 18-30, Hasenkopse 7—13. Pflaumen, ital, pr. 100 Psd. 0.00, Reineclauden 0,00, hiesige 6—10, ungarische 5—12, Badener, Früh-, 0,00, serbische 6—10. Weintrauben, italienische, per 100 Psd. 14,50—25, srauzösische 20—22. AnanaS I, per Pfd. 0,85—1,00, do, II 0,00. Zitronen, Meiiina, 300 Stück 14,00-20,00, do, 380 Stück 12,00—18,00, do. 200 Stück, 12,00—16,00, do. 150 Stück 9,00—10,00. Bananen, gew. per 100 Psd. 18,00—20,00, grün 0.00. Melonen, per 100 Pfd. hiesige 25—30, ital. 10—15, Holl. 0,00, spanische 0,00, ungarische 10-12,. Kür de» Jnlialr der Jnjerate filier» imtlit die Nednttio» dem Publikui» aeae»über keinerlei Vcriniiiuortung. Hbearer. Freitag, 20. September. Ansang 7'/, Uhr. Künigl. Opernhaus. Salome.[An sang 8 Uhr.] Königl. Schauspielhaus. Prinz Friedrich eon Homburg. Tenrichcs. Robert und Bertram. Kainmerjpiele: Frühlings Er. wachen. Slniang 8 Uhr. Berliner. Die Jungsrau von Or leans. Lcssing. Die Stützen der Gesell. Ichast. Schiller O.'Wallner. Thealer.) Die Schmuggler. Schiller Charlotteuburg. C von Berlichingen. Friedrich< Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Winterschlaf. Neues Schauspielhaus. DaS GlaS Wasser. Neues. Jhavatrathe. Liebe. Komische Oper. Werther Westen. Die lustige Witwe. Lnsliptelhans. Husarenfieber. Zentral. Geschlossen. kleines. Vater und Sohn. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Trianon. Fräulew Josette— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Luisen. Amerikaseppel. Bernhard Rose. Der Held des Tages. Theater an der Spree. Der Allicnbudiker. Wtetropol. Das mufi man seh'n. SIpollo. Sylvester Schösset. Spc. zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Casino. Die wilde Jagd. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig. Wag. ES lebe das Nachtleben. Passage. Lona Nansen. Spezialitäten. Wiutergarte». Anne Dancrey Annie DirkenS. Spezialitäten. Prater. Spezialitäten. Retchshallcn. Steltiner Sänger. Carl Haverland. Spezialitäten. Ilnuii«. Taiilienstrasjc Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Jnvalidenftr. K7/e2. Zl'ei'ttiiiantt ttunn» öerlinerftiester. Ansang 8 Uhr. Die Jiigii M Orleis. Sonnab. Sonntag: Die tanzenden Männl Die tanzenden Männl Neues Idester. Ansang 8 Uhr. Ihavatratlie. Hieraus: lilebe. Sonnabend und Sonntag: Jhava» trathc. Hieraus: Liebe._ Kleines Theater. Zum 60. Male: Bater und Sohn. Ansang 3 Uhr. Sonnabend: Vater und Sohn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Vater und Sohn. Thealer"des_Westens. 8 Uhr: Die lustige Witwe. Sonntag nachm. 31/4 Uhr halbe Preise: F r Ii h 1 1 ngsin ft. Friedrich- Wilhelmst. Abends 8 Uhr: Winterschlaf. Sonnabend: Winterschlaf. Sonntag 3 Uhr: Jugend. 8 Uhr: Die Nibelungen. Montag: Winterschlaf._ Urania. WissenschaftUches Theater. Abends 8 Uhr: im lantle der liieiMtiissoie. Invalidenstr. 57— 62: Sternwarte. Tägl. geöffnet von 7'/;— 11 17. abds. OIUOCISCHER GARTEN I Täglich ab nachm. 4 Uhr: Großes ' Militär- Konzert. Eintritt 1 Mk., von abends ' 6 IThr ab 50 Pf., Kinder unter 10.fahren die Hälfte, Zentral-Theater. Heute geschlossen.— Morgen: Unsere blauen Jungens. Rixdorfer Theater Bürgerflile, Bergstrafie Nr. 147 Direltton: Julius Türk. Sonntag, den 22. September 1907: Maria Stuart. Ein Trauerspiel in 5 Akten v. Schiller. _ Anfang 7'/, Uhr._ Hetropol-Theater Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Httsarenfieber. 8Uhr 8 Uhr Direktion: Richard Alexander. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hcnnequin und Pierre Veber. Robert de Trwelin: Nich. Alexander. Sonntag, den 22. September, nachm. 8 Uhr: Eine Hochzcitsnacht. Luisen-Tlieater Reichenbergerstr. 34. Zum ersten Male: UmenMeppel. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Gebildete Menschen. Sonntag nachmittag: Don Carlos. Abends: Carmen. Montag: Die beiden Ncichenmüllcr. fJScalaxMi&tSpzee Kspenickerstrasse 68. Täglich 8 Uhr: Der Attienbudiker. Alt-Berlincr Gesangsposse v. D.Kalisch. Mit Josesine Dora und Heinz Gordon. Sonntag 3 Uhr: Der Goldonkel. Zum 1. Male: Gr. Kevue in 4 Akten(14 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. iettr a. D. a.D. a.D. Fritzi Schenke, L nasnei etc. Dirigent: Kapellmeister M. Roth. Anfang präzise 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. 9'/, Uhr! Täglich: 9'/, Uhr! Berlins gröhte Sensation: Lxlvester 8cliSkker jr. der bertihmte Unibersal-Kiinstler. Vorher ab 8 Uhr: Das kolossale Programm. Sonntag, 22. Sept., 3'/. Uhr: Erste Nachm.-Vorstell. mit Svlo. Schäfier. 8clKlllcr-Thcater. Schllter- Theater 0.(Walln er-Tb eater). Freitag, abends 8 Uhr: vi« 8«I»i»iiggI«»-. Komödie in 4 Alten v. Artur Dinier. Sonnabend, abends 8 Uhr: Honna Tanna. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trannmlns. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Herr Senator. Schiller-Theater Charlotienburg. Freitag, abends 8 Ubr: Oötr von Berlichingen. Schauspiel in fünf Auszügen von Johann Wolfgang v. Goethe. Sonnabend, abends 8Uhr: Der Herr Senator. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Donna Tanna. Sonntag, abendS8Uhr: GOtae von Berlichingen. PT XIII. Raison."Wg Zirkus Busch Bahnhof Bßrae. Freitag, den 20. September, abends 7*1, Uhr: Wiederholung des ßala-?rogranuns der Eröffuungs-Yorstelluug. 2 Sonntag, den SS. September: Große Qala=Vorstellungen n a ale tMiMana d llkn«»»»»I*711 f I L._ nachmittags 4 Uhr und abends?>/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr zahlen Kinder unter 10 Jahren allen Sitzplätzen halbe Preise. auf Zirkus Schumann Heute Freitag, den 20. September, abends präzise VI, Uhr: Extra-Gala-Torstcllnng. U. a.: Vierfache hohe Schule, ge- ritten von den Damen Matbillle Renz, Dora Schumann H�ren" E�St Ml, C. HfiSS. Herr Ernst Schumann aus dem Vollblüter.Adrea". Kollkeren�'yusllrille von 16 Pferden, dressiert und vor- geführt von Dir. Alb. Schumann. The monbar» die pbänomeoaien LDit-Voltlgeiire. Die weltberühmte George Bonhalr-Truppe ikarisch-alrobatische V orsührungen. Autzerdem die großartigen neuen Spezialitäten. Sonntag 2 Vorstell., nachm. 3>/, u. abends VI, Uhr. Nachm. 1 Kind frei. iftNimOSETftMT (8t. Frankfnrterftr. 132. Im Theater, Ans. 8 Uhr: Der Held des Tages. Von Kurt Matull. Im Garten nur bei günst. Witterung Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. _ Ansang 5 Uhr. Passage-Theater. Sona i Jfattsen. 14 erstklassige Nummern. W.KoacUs Theater Direltwn: Roh. Olli. Vrnnnenitr. le. Große Extra-Vorstellung I Zum ersten Male: Die Rastelbinder. Volksstück mit Gesang von Kaiser. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Sonnabend: Geschlossen! ♦t/imin iL Vapiele•Theater Wcinbcrgswcg 19/20, Rosenty. Tor. — Ansang 8 Uhr.— Das originelle Sept.-Programm. Auto Atlas, der Athlet hebt ein Automobil mit den Ztthnen. TunneUKon�erN. Theaterbes. frei. Gebr. Herrnfeld- Tlieater. 57 Kommandantenstrasie Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Voroerkaus 11—2. Das höchste Interesse der gegenwärtigen Thcatersaison erregt Madame\Vi?-Wax Operett.-VurleSfe von A. und D. Herrnseld, Musik von L. Jtal, und 85 lebe dgZMhtlehku! Scparce-Afi. v. A. u. D. Herrnseld. Beide Stüde mit den Autoren in den Hauptrollen. Sounabcud, 21. September: Doppel-Jubiläum. Zum 50. Male: Madame Wig-Wag. Z. 75. M.: Es lebe das Nachtleben! Sonntag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel u. Hayfisch geht zur Jagd mit A. u. D. Herrnseld. Tbeejes Folies Gaprice Linienstr. 132, Ecke Friedrichstrafie. Premiere Sonnabend, den 21. September. Geteilte Liebe. Die Antiduellante«. Bunter Teil. Hauptdarsteller: Mortons, Fleischmann, tZrllneoker. Vorverkauf an der Theaterlasse 10-3 und bei Wertheim. prater-Tkeater Kastanien-Allee 7—9. Täglich: Bühne und Welt. Schauspiel von Paul Hankel. Ansang 8 Uhr. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Die wildt Jagd. Ä" Ludwig Fulda. Vorher d. glänz. EröfinungS- Progr. Sonntag 4 Uhr: Heirat aut Probe. Palast-Theater. Burgstraste 24. Heute'/zS Uhr. Entree 59 Pf. Das glänztndt Programm. Unter andern: Das ttiinnde Ihealer das Tollste dorn Tolle«. The 5 Marnos erstklassige Akrobaten. The Newports Exzentrits und 8 erstklassige Nummern. Voroerkaus von ll— 1 Uhr. Trtoiilm-TheAter. FrlülBiß Josette- meine Frau. Ansang 8 Uhr. Reichshailen- Theater. Täglich: Britton als Ante im Familien- bad Wannsee. Ans. Wochent. 8. Sonntags 7 Uhr. Kreist au! den besten Monatsanzüge... v. 9,50 SN. Abonnementsanzüge.. 13,00, Pfandlethanzüge.., 11,00. Partieanzüge..... 12,00. Gehrodanzüge.... 14,50. Anzüge, Ersah f. Mast„20,50, Paletots...... 9,50. Hosen 2,00. Joppen«».».«. 5,00. Moldauer prlnzetlstraße 64, im Laden. — Strasienbalin-Vergutung. Sonntag, den 22. September 1907, nachmittags 23/4 Uhr, Qröpiers„Bürgersälen", Bergstraße 147: I. Eilra-Theater-Yorstellung vom Rixdorfer Theater: Emilia Galotti. Ein Iraaerspiel in fünf Aufzügen von Eph. Lessing. Regie: Julius Türk. inklusive Garderobe sind noch in der Parteispedition, Xcckar- u Ordlipr�if/Iino" den SO. Sep- Uruner-OllAUng. tember, abends 8 Uhr, bei Thiel, Bergstraße 150/151. 235/17 Der Torstand. Sanssouci, �rv. Direktion: Wilhelm Reimer. Heute Freitag: Gastspiel der Berliner Volksbühne: ! Maria Magdalena. Trauersp.in5Ausz. v. Hebbel I. Sonnt.. Moni, Donnerst.: Hoffmanns > Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Beg. 5, wochent. 8 Uhr. Jeden Dienstag«.Freitag: Bert. Volksb. Vollst. Preise. Buggenhaoen, Inhaber: Albert g Moritz platz. Böhme. Täglich: Die 7 Schwabe» moderne Vollssänger. Slartin Bendlx als Sherlock Holmes von Treuenbrietzen. Im unter. Saal tägl: MilUärkonzorl Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf.[270» sröfst«.' Spezialgeschäft Bettfedern für Erste Bettiederntab. m. elekt Betriebe Gustav Lustig | BERLIN S. Prinzenetr. 46 vrriendet geg. 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Mitwirkende: (60 Künstler). Kapellmeietor 93/10* Herr Opernsänger TIctor Benders(Bariton). Herr Konzertmeister Bruno Schulz(Violine). Relgentahrcn. Klnematograph. Während des Konzertes im hinteren Saale: Tanz. KaonhzedrtT Gr. Ball. Tanz frei. Billett 50 Pf. Billetts sind auf allen Zahlstellen, im Bureau und folgenden Lokalen ständig tu. haben: Osten: Lorenz, Koppenstr. 28: Südosten: Mühle, Mariannenstr. 41; Süden: Grumbach, Schönleinstr. 6; Erbe, vis-a-vis der Neuen Welt; Elsdorf: Schmidt, Berliners tr. 14. Regen Besuch erwartet Das Uomitee. Achtung! JKexiko St. Undre schwarz-grau, sein im Brand, per Pfd. M. 3.60. Sumatra lebhaft, reine Farben, per Pfd. M. 6. 6.50. 7,50. »Wbmgöi ttolikgdsIt-llZlis. Filiale: Berlin N., Brunncnstr. 190. Erpedititin des Normrts Lerlin SM. 58 Lindcustrastc K9, Laden. Wir empfehlen: 224/8* Klüt uncl Eisen Krieg und Kriegertum in alter und neuer Zeit von Hugo Schulz. 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Modorno Küchon-Aum- alaftungon bu U. 68.00, 84.00, 102,00 eto. BieieoauswaliL Dm reelle W.{ fi. Schatz5 Brunnenstr. 160 Slssaag AatlkJBentraise. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer&<£o* Berlin SW. Hr. 220. 24. 4. KilU des JotiiÄtls" Keelim PMIttt. Freitag, 20. Septelnber 1907. Vermilektes. Ein Morder dingfest gemacht. In Rathenow, wo kürzlich der Morder Holz verhaftet werden konnte, ist es gelungen, einen zweiten Mordbuben, den 26jährigen Knecht Otto Thierschnmnn festzunehmen. Dieser hat am Freitag, den 14. d. M., den Bauern Wilhelm Schulze in Bindefeld aus Rache mit dem Messer erstochen. Der Täter hatte die Flucht ergriffen und am vergangenen Sonntag im Rathenower Krankenhause wegen seiner wunden Füste Aufnahme gefunden. Bei seiner Vernehmung gab er schließlich zu, der Gesuchte zu sein und legte dann ein Geständnis ab. Thierschmann, der noch mehr auf dem Kerbholz hat, wurde hinter Schloß und Riegel gebracht. IV Häuser eingeäschert. Wie aus E i s e n a ch berichtet wird, suchte gestern ein schweres Brandunglück das Rhöndorf Völkers- hausen heim, IV Häuser brannten ab. Eine Liebestragödie. Nach einer Meldung aus R o st o ck wurden in einem Hotel in Arendsee ein Oberprimaner und ein achtzehn- jähriges Mädchen aus Hamburg erschoffen aufgefunden. Aus dem Zuchthause entflohen. Nach einer Meldung aus Marienwerder sind gestern abend aus der Strafanstalt in Mewe vier Zuchthäusler entsprungen, von denen einer zu lebens- ländlichem Zuchthaus verurteilt war. Die Flüchtlinge haben wahr- scheinlich die Richtung nach Danzig eingeschlagen. Abgestürzt. Münchener Meldung zufolge stürzte gestern früh der Student Ernst Buchner aus München, der in Begleitung von vier anderen Herren einen Aufstieg zur Dreitorspitze unternommen hatte, infolge AuSbrechenS eines Sandblocks 160 Meter tief ab und blieb sofort tot. An der Tollwut gestorben. In Brüssel wurde bor etwa vier Wochen ein städtischer Beamter zusammen mit drei anderen Per- sonen von einem tollen Hunde gebissen. Obgleich er sofort nach dem Pasteurschen Verfahren behandelt wurde, ist er gestern unter furcht- baren Schmerzen an der Tollwut gestorben. Der Vorfall erregt dort großes Auffehen. Im Manövergcländr ertrunken. Im Zernoksee ist der in Mühl- beck bei Schwiebus einquartiert gewesene Füsilier Ernst Vesser von der zwölftel? Kompagnie des Kafter Franz-GardegrenadierrcgimentS Nr. 2 ertrunken. Der Verunglückte, der aus Schmalkalden stammt, war mit einigen Kameraden trotz strengen Verbots baden gegangen und ist dabei anscheinend vom Schlage gerührt worden. Seine Leiche wurde alsbald geborgen.— Zwei Kanoniere des Feldartillerie- LehrschießschulregimentS in Jüterbog, die in Neudörfel in der Neu- mark in Quartier lagen, wollten im Gastsee baden, wobei sie sich zu weit hinauswagten. Hierbei ertrank der eine, dessen Entlassung nach dem Manöver bevorstand, während der andere gerettet werden konnte. Bei dem Sttaßenbahminfall in Neunkirchen, über den wir gestern berichteten, sind nach weiteren Meldungen von dort nur eine Frau und ein Knabe getötet worden; zwei Personen wurden schwer, drei leichter verletzt. 3VV Chinesen ertrunken. AuS New Jork wird gemeldet: In Seattle geht das Gerücht, bei eiuem Schiffbruch in der Bristolbay (Alaska) seien 600 Chinesen ertrunken. Amerikanische Moralmucken. Anfang September ist für den Staat New Uork ein Gesetz gegen Ehebrecher in Kraft getreten. Da« nach sollen alle Ehebrecher, männlichen und weiblichen Geschlechts, bis zu sechs Monaten Gefängnis und 220 Dollar Geldstrafe verurteilt iverden— Notabene, wenn ihr Sündenfall ans Tageslicht kommt. Nun gibt es aber in New Jork nach dem Gesetz nur einen Grund zur Scheidung, nämlich Ehebruch. Die„New Dorker Volkszeitmig* nennt das neue Gesetz einen„verbrecherischen Unsinn", dem»der- muckerten Sinn einiger„christlichen' Fanatiker entsprungen."— Witterungsübersicht vom IS. September 1907. StaNoneu §2 c 5 i= Jwtnemde 770© 772©NW 772 W 774 WNW 773 NO 773 NW »tU« 2 bedeckt 3 wolkig 2 bedeckt 3 heiter 3 Nebel 2bedeckt » II E» Mi 14 12 13 8 5 9 Etattenen t i e| O•£ o S ra— n 3 i« aparanda! 761 Still etersburg 758NW Scillh ilberdeen Pari« 772 O 772 NW 763 N T? weller wolkig 2wolkenl 2 halb bd. 1, wölken! 4 bedeckt » wst c r» »e g J HJ5j 2 4 14 0 21 Franff.a.M, München Wien Wetter. Prognose für Freitag, den SV. September 15)07. Vorherrschend wolkig oder nebelig, ein wenig wärmer bei mäßigen West- lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Sozialdeniokrat. WahlvereiD für den 4. Berliner ReiehstagsvaMkreis (Frankfurter Viertel). (Bezirk 304.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Zigarrenmacher tteinrick Hanke gestorben ist. 263/4 Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. M., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Zenttal-FriedhofeS In Friedrichsseide aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Berlins duiI Dmgegeni). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Heinrich Hanke auS Klub„Ohne Zwang" am 18. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke« i Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 21. September, nach- mittags b Uhr, von der Leichen- hall» de» Zentral- FriedhoseS w Friedttchsselde auS statt. 3/14 vv» Toratand. Rallchklllb„OhlleZwllng" Am 18. d. MtS. verstarb nach langem Leiden unser tteueS Mit- glied t33 Heinrick Hanke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. MtS., nach- mittags S Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- FriedhoseS, FriedttchSfelde auS statt. vor Toratand. Döiilsciiös Metallarbeiter-Verband Verwallungsstelle Berlin. Todes=Anzeige. Den Kollegen zur Nachttcht, daß unser Mitglied, der Stellmacher »losepk Krump am 16. d. M. gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 20. d.M., vormittags 9 Uhr, vom Trauerhause, Witt- stockerstt. 8, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Nachruf! Den Kollegen zur Nachttcht, daß unser Mitglied, der Schlosser kndwix Siems am 12. b. M. an Rheumatismus verstorben ist Ehre seinem Andenken! 148/19 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Nachruf. Am 13. September verstarb der Kollege, Tischler 94/13 Johann SSaihs. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Dodes-Anzeige. Am Dientag, den 17. d. M., verstarb an plötzlicher Herzlähmung der Kollege (Zustav Gollmert (Bezirk Süd-Osl) im Alt« von 57 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 20. September, nach« mittags 41/, Uhr, von der Leichen- halle des Hetligkreuz- KirchhoseS aus statt. 200/17 Der Borstand. Am Mittwoch, den 18. d. M., entschlief nach schiverem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Hnriiie Bartelt geb. Schwanz im 53. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. September, nachmittags 4'/. Uhr, aus dem Neuen RirdofterFrledhos, Matten- dorscr Weg, vom Trauerhause, aus statt. Um stilles Belleid bitten Gnntav Bartelt n. Kindern, _ Nogatstr. 31._ Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und überaus reichen Blumenspenden bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes und Bruders Barl sagen wir allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie der Direktion, den Meistern, Kollegen und Kolleginnen der Deut- schen Telephonwerke und den Sängern am Grabe unseren herzlichsten Dank, besonders allen denjenigen, die ihm und uns bei dem Unglück hülsrcich unterstützt haben. 66b k�milie Paulisch. AI!g.Kranktu-u.Sterbthasst der Metallarbeiter. Filiale HTlldan. Kreis Teltow. Sonntag, den 22. September 1907, nachmittags 3 Uhr: in Anwesenheit der Mitglieder der Fraueiisterbekasse im Lokale von Otto Schumann (.Wildauer Hos-). Zahlreiches Erscheinen erwünscht. 153/10 Die Verwaltung. Orts-Krankenkaffe sür Ober- Schöneweide. Gemäß 6 49 a deS KastenstatutS findet am?)tittwoch, den Lii. Sep- tember 1007 eine Ergänzung� wähl der Vertreter der Arbeitt geber und Arbeitnehmer im Restaurant Kaufholt, Wilhelminen- hosstraße 18, statt. Die Vertreter der Arbeitgeber werden von diesen in ungeteilter Wahlversammlung von 3—5 Uhr nachmittags gewählt. Zu wählen find 2 Vertreter. Die Wahl der Vertreter der Arbeit- nchmer findet von 5'/,— 7'/, Uhr nachmittags statt. Zu wählen sind 26 Vcttrcler. Wahlberechtigt und wählbar ist jedes großjähttge und sich im Besitze «er Ehrenrechte besindliche Mitglied. Die Wahl geschieht mittels Stimm- zettel und sind soviel Namen aus- zuschreiben, als Vertreter zu wählen sind. Zulässig sind nur Stimmzettel aus weißem Papier. Als Legitimation ist daS Kassenbuch mitzubttngcn und bei der Wahl ab- zugeben. 276/9 Ober-Schönelvcide, d. 16. Sept. 1907. Der Vorstand. C. Liesegang, Vorsitzender: ... „Berliner irbeiter- UMrer-Verein" Mitglied des Arbeiter» Radsahrer-Bundet .Solidarität". Tour«!» Sonntag', 22. September. 1. Abt. 71/. Uhr: Finlenkrug. l'/i Uhr: Saatwmlel. Statt: Bülow straße 58, 2. Abt. 6 Uhr: Baruth. 1 Uhr: Dabendors. Statt: Fontane-Prome. nade 15. 3. Abt. 6'/, Uhr: Buckow(Schweizer- hausl. 1 Uhr: RauchsangSwerder. Start: Marianncnplatz. 4. Abt. 1'/, Uhr: Wilhelmsruh Misch). Start: Küstttner Platz. 5. Abt. 6 Uhr: Scharmützelsee. 1 Uhr: KI.-Tchönebeck. Starb. Elvsium. 6. Abt. 7 Uhr: Kol. Edem. 2 Uhr: WithelmSrnh. Start: Genossenschast, Oderbergcrstraße 30. 7. Abt. 12 Uhr: Wandlitz(RadlerS. lust). Start: Grcnzstt. 2t. 8. Abt. 8 Uhr: Potsdam(Viktoria. gattcn). 1'/, Uhr: Spandau(Köpnick). Start: Rostockcrstr. 17. 9. Abt. 12-/, Uhr: Eichwalde. Statt: Schillingstr. 22. Arbetter-Radfavrer-Beret« .Frohes Ziel-, Wilhelmsruh. Sonntag, den 22. September 1907: «. Stiftunasfest verbunden mit Kottofahtt in Otto Pätschs Waldrestaurant. Ansang des Korsos um 3 Uhr vom Vereins. lokal. Vtktottastt. 7. 13/17 VvHumß eines Sil H. Roden gang, lbnsch, Schristsührer. Zum Zwecke der ErbauSeinandcr. setzung soll daS zu Göttingen an der Neustadt unter Nr. 29 unwett des hiesigen BahnhoseS belegene Grund stück, aus welchem seit etwa 3t Jahren Gast-, Logier, und Speisewirt- schnft mit deui besten Ersolge de- ttteben ist, mit vollständigem In- ventar unter den im Termine bekannt zu machenden»Bedingungen öffentlich meistbietend verkauft werden. DaSsewe besteht aus einem an der Straße liegenden Wohnhause uon 18 Meter Front, einem großen massiven Saal, enthält mehrere ge« räumige Kncipzimmer, 10 Zimmer zum Logieren, außerdem ist zum Betttebe der Sommerwittschast ein Gatten neben dem Hause, serner eine Doppelkegcwahn vorhanden. DaS Grundstück ist l0 Ar 60 Quadratmeter und ausreichend groß, um die Wirtschaftsräume unter Berücksichtiglmg der hier maßgebenden Bauordnung im BedarsSsalle zu er- weitern. Wegen deS Umfange» deS Geschäst» wird bemerkt, daß in den letzten Jahren der Fremdenverkehr ein ziemlich starker war und die Witt- schastsräume von mehreren Vereinen und Verbänden zur Abhaltung von Versammlungen und Vergnügungen benutzt sind. Der nachweisbare jährliche Umsatz hat, abgesehen von Likören und Weinen, 400 Hektoliter Bier und 50 Hektoliter Branntwein betragen. Zweiter und letzter Verkaus findet an Ort und Stelle am Montag, den 23. September d. i., nachmittags 4 Uhr, statt, zu welchem Kausliebhaber ein- geladen werden. Zu jeder gewünschten Auskunft bin ich bereit. Bemerkt wird, daß eventuell der Zuschlag nach dem Termine sofort erteilt ivird. Bisheriges Gebot: 120 000 M. Odttingen, den 17. September 1907. Gustav Bldge, Beeidigter Auktionator, 205/15 JohannlSstr. 29. Hühner, Enten, Tauben, Junghllhner empfiehlt reell und billigst F. Wegner, Berlin, Mattannenst. 34.* Sehluß-llusuerkanj wegen örazug nach der I. Ltage. Die noch vorhandenen Bestände in Teppichen, Portieren, Gardinen, Stores, Steppdecken, echten Perser, Tischdecken, Läuferstoffen, Diwandecken und Fellen werden nur noch kurze Zeit ca. 40% billiger verkauft. B.Hurwitz vls-a-vis dem Natlonal-Denkmal. Rotes Schloß An der Stechbahn 1/2. Ich kaufe nur noch ""•JSSZ,«oWperie „Marke Kaminfegeru mit den prächtigen Geschenken w jedem Paket, spttcht Anna zur Matte, der- lange diese Marke auch, und Du wirst sicher nichts anderes mehr lausen. In den meisten Geschäften a 15 Psg. zu haben. Vorsicht beim Einkauft Man achte aus den gcs. gesch. Namen„Goldperle" und den Kaminseger! Fabrikant: Karl Gentner, Göppingen. Alleinverkauf lür Berlin und Umgegend: Andreas Caspar, Berlin SO., Josephstr. II. Orts-Kraukenkaffe der 276/10 Kürschner und verwandte» Gewerbe zu Berlin. Die von der Generalversammlung am l0. Juni 1907 beschlossene IV. Ab- Sndcrung zum revidierten Statut ist seitens des BezirksailsschusseS an: 3. August 1907 genehmigt und ttttt am Montag, den 30. September 1907, in Kraft. Laut dieser Abänderung befragen vom 30. September 1907 an die Eintrittsgelder für männliche und weibliche erwachsene Mitglieder 1,50 M. und sür männliche und jugendliche n und fiii Mitglieder unter 16 Jahren und sür -'"ige 0,75 M. wöchentlichen Beiträge betragen von genanntem Tage an: 1. Für erwachsene männliche Mitglieder ausschließlich der Lehrlinge 0,72 M, Für erwachsene weibliche Mit- glicber....... 0,48 M. 3. Für männliche Mitglieder unter 16 Jahren u. sür Lehrlinge 0,33 M. 4. Für weibliche Mitglieder unter 16 Jahren...... 0,24 M. Die Abänderung wird den Mit- lliedern gemäß den Bestimmungen icS§ 67 des Statuts eingehändigt, Der Borstand. B. lSahler, 2. Vorsitzender. _ Honst 1,60, Leseksrton 16 Nr. 8 M. Deb. 20000 Bd. stets TorrltlK, Kstg.SOFt 1. M. 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Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. lür das Inland, Mk. 2,26 bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die Broschüren portolrel vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in WUrzburg versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. _ Man verlange ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Kratz echter Küsten- u. Schnupfen«Jfeil 1 1 1 Falls M sendung von Matten � Fritz Kr ats, Berl (WuIslSkräutersaft) ist vorzüglich und bewährt gegen Heiserkeit Husten, Schnupfen, Influenza, Katharrfieber, Schleimfieber Nasenpolypen usw. Originalfl in Ihrer icmals lose, sondern nur in m. plombierten a 1.75,'/. FI- 100, Prob- 50 Pf...... Drogerie noch nicht vorhanden, gegen Ein- (Porto extra) durch Drogerie 38L" lin N., Reinlckendorfenir. 1 19, Femspr.ll, 26311 ttr Hb Heute Freitag, abends 8'/z Uhr, im Gewerlschaftshause, Engel-Ufer 15: Sifewiig den Ortsverwaltung. Branche der Ver�older. Montag, den 23. September er., abends präzise 8 Uhr, in der Albambra, Wallnertheaterstr. 15: Branchen-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genosse» 3. Hlldcbrand über:„Sozialpolitik�. Diskusston. 3. Ersatzwahl zur Branchenkommisston. 4. Verschiedenes. IM- Am Eingang werden die Mitgliedsbücher abgestempelt. Igt® Es erwartet zahlreichen Besuch Die Branchenleitnng. *.vis! Die diesjährige Matinee findet am Zomltllg, dkv 13. Olitober cr., mittags 12 Uhr, in der �IKambra statt. Ausgesührt von tioitmann» tioeäilgulzoiion SSngsrn. Direktion: F. Fanther. BtllettS a 30 Pf. find bei den Vertrauensleuten sowie im Bureau, Engel-User 15 I, Zimmer 10, zu haben. D. O. is Zur Beachtung! Wegen des StistungssesteS werden am nächsten Sonnabend die Beiträge M allen Zahlstellen VON 7— 9 UfsT entgegengenommen. 94/12■_ I. 81.: Die Oftg-yerwaltnng. Zweisverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe. Zementierer. Sonntag, den 22.Septemb., vorm. 10Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15(Saal H): MtgUeüer-Verssmmwng. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. �>»» Zahlreiches Erscheinen aller Kollegen erwartet 143/8_ Per Grappenvoratand. Mlüä! Fiiillsminbrdlicht! Müü Sonntag, den SS. September, vorm. 10 Uhr, im Köpenickerstr. 137: .Fürftenhof« Branchen-Bersammlung sämtlicher in de« Luxuspapierfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Ersatzwahl für den Vertrauens- mann der Prester. 3. Verschiedenes. 24/1S Um den Kollegen, welche in verschiedenen Schichten arbeiten. Gelegen» heit zu geben, sich zahlreich an der Versammlung beteiligen zu können, haben wir einen Sonntag gewählt und ersuchen recht dringend um zahl- reichen Besuch. Die Branchenleltang. ttr War Arbeitsnachweis: Hos L Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: CharitSstraße 3. Hos m Amt 3, 1987. Sonntag, SS. September 1907, vormittags 10 Uhr: Branchen-Versammlung aller in der Metall- u. Eisenindustrie beschäftigten Hobler, Bohrer, Stoßer u. Fräser im„Königstadt-Kasino", H olzmarktstr.72, Ecke Alexanderstraße. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Stern über:„Der Ursprung der Religion". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenheiten und Verschiedenes. Um recht regen Besuch wird gebeten. Sonntag, SS. September 1907, vormittags 10 Uhr: Branchen-Versammlung aller i. d.Emaillebranche beschäst. Arbeiter».Arbeiterinnen im„Gewerkschaftshaus", Engel-Ufer 15, Saal 5. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Feller über:.Klassenkamps". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Aeblnns! Achtung S müssen alle Kollegen, welche Wegen der Quartalsabrechnung zurzeit ErwerbslosenunterftüNung beziehen, dieselbe ii>"der Woche vom SS. bis 88. September d. I. abheben.— Auch müssen bau» diejenigen Kollegen, welche über Quartalsschluft hinaus krank sind, bei der Abhebung der letzten Unterstützung ihre Mitglieds- bücher und Kontrollkarten abgebe». Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß in der Cbarltäftr. 3, Zigarrengeschäst von iioeevb, eine Zahlstelle errichtet ist. Die Zahlstelle 76 ist von der Brand enburgstr. Nr. 18 nach Nr. 54 bei Nieepodrianx verlegt worden. 148/20 Die Ortaverwallnng. Zentralverband der Dachdecker. Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 22. September, vorm. 10 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: MW" Versammlung."WD Tagesordnung: 57/4 1. Abrechnung von der Lohnbewegung. 2. Wie stellen wir uns zur Verschmelzung mit dem Maurerverband f 3. Verbandsangelegenheiten. Pflicht jedes Kollegen ist eS. zu erscheinen. Der Borstand. Aciitüng! Fliesenleger. NN Freitag, de« 80. September 1007, abends 8 Uhr, im Saal 7 des„Gewerkschaftshauses-, Engel-User Nr. 15: Nttsllmmllliig der Sektion der Fliesenleger des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Tagesordnung: 1. Bericht über unsere Lohnbewegung. 2. Gewerk. schastlicheS. 3. Verschiedenes. Ii Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Borstand. Zealral-Krankenkasse der Maurer „Grundstein znr IGlnlgkelt."— Verwaltungtstelle Berlin. Sonntag, 88. September, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause: Außerordentliclie Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Wahl der HülsSkassterer. 2. Vortrag deS Herrn Dr. Bloeh. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.——— 149/15 Die örtliche Berwaltung. JnÄustrie-Fsst- 8As tWAk SeuidstraSe 20. X Ind. 31ax Wendt. Empfehle den geehrten Vereinen und Gesellschaften mewe 150, 250 und 1000 Personen sassenden Festsäle zur Abhaltung von Vereinssesllichleiten, Versammlungen, Hochzeiten usw. zu den kulantesten Bedingungen. 59052' Fernsprecher Amt I 1722. Max Wendt. Nur für Herren welche Wert auf elegante Garderoben legen, bietet sich Gelegenheit, sich in dem Kaufhaus für Monats» garderoben. 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