Ur.SS4. Bbonntments-Btdlnganatn; RSonntmnttS> Preis prSnumerando t Bierteljührl. 330 SKI., monatl. 1,10 SSL, wöchenllich 28 Pfg. frei inZ Haus, Einzelne Nummer S Pfg. konntagS- nummer mit illuitrierier Sonntags- Beilage.Die Neue WeU* 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnemenis nehmen an: Belgien. DSnemarf, ,olland. Italien. Luxemburg. Portugal. tien. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CkldxlBt tJgilch Hfier OloDtaat. Vevlinev Volkesblskk. Zentralorgan der rozialdcmokratifcben Partei Deutfchlands. Die Tnltrflons* Gebühr Betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum bv Pfg,. für politische und gewerlfchaftliche Vereins- und BcrsammIungS.Anzcigen 30 Pfg. „Ateine Anreigen", das erste(fett- Sedrnckte) Wort 20 Pfg,, jede» weitere Zort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes wettere Wort S Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen Bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »hgcgeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abend» geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozlaliemohrat Berlin". Redaktion: SM. 68. Llndenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 25. September 1907. Expedition: SM. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. An die Arbeit! Mit dem t. Oktober beginnt ein neues Quartal des „Vorwärts" und zugleich eine neue parlamentarische Arbeitsperiode, ein neuer Abschnitt der Blockpolitik, die im nächsten Winter die erste wirkliche Probe ihrer Leistungsfähigkeit zu bestehen haben wird. Alle unsere bisherigen Leser, die sich den lMgcstSrten Fortbezug deS.Vor wärtS' sichern wollen, besonders alle, die unser Blatt durch die Post beziehen, fordern wir auf, ohne Verzug ihr Abonnement zu erneuern und gleichzeitig im Kreise ihrer Freunde und Gesinnungsgenossen. im Bureau wie in der Fabrik und Werkstatt, neue Abonnenten für den„Vorwärts" zu werben. Jeder neue Leser bedeutet eine Vermehrung der sozialistischen KampfeSreihen. Die nächste Zukunft ist eine Zeit wichtiger politischer Eni- scheiduuge«. In den kommenden Monaten wird die Antwort au die Frage fallen, wohin der Blockkurs führt, welche Fäden au Norderney in den Konserenzen des Reichskanzlers mit süddeutschen Demokraten, Freisinnigen, Nationalliberalen, Konservativen und reaktionären Antisemiten gesponnen sind— und wie weit die liberalen Parteien, um für ihre kapitalistischen Anhänger wirtschaftliche Vorteile, wie z. B. die Börseugesetzreform, neue Kolonialbahn- und Flottenbauten zu erlangen, in dem Verrat der Volksrechte zu gehen gedenken. Weit mehr noch als in den letzten Jahren sieht sich diesmal die Wintersession deS Reichs- und preußischen Landtages vor tief in das politische Leben einschneidende Fragen gestellt. Trotz aller offiziösen Ableugnungen kann als ziem- lich sicher gelten, daß sich der Reichstag mit einer neuen Reichs finauzrefor«» mit neuen Steuervorschlägen, Kolomalforderungen und Flotteubauten, ferner mit der Börsengesetzreform und dem Reichs- Vereinsgesetz, wahrscheinlich auch mit einer neuen Gesetzesvorlage bezüglich der Rechtösähigkeit der Berufsveretne und der Regelung der Kraukenkassenverhältnifse zu beschästigen haben wird; während es andererseits als nicht ausgeschlosien erscheint, daß im preußischen Abgeordnetenhause der Streit um die P 0 l e n p 0 l i t i k entbrennt, Besonders aber wird im nahenden Winter die Vorbereitung der Parteien zu den preußischen Landtagswahlen, und vor allem die wichtigste Frage unserer politischen Gegenwart: die Frage der preußischen Wahlrechtsreform die Oeffentlichkeit beschäftigen. ES gilt, der vom preußischen Landtag ausgeschlossenen, ent rechteten Arbeiterschaft den Zutritt zum preußischen Parlament, das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Landtagswahlrecht zu erringen: ein Recht, das sich bereits ihre Borfahren vor zwei Menschenaltern zum guten Teil aus den Barrikaden mit ihrem Blut erkämpft hatten. daS aber durch die Feigheit und RechnungSträgerei -er Bourgeoisie wieder verloren gegangen ist. In diesem Kampfe deS Volkes um sein Recht und seine Wohl- fahrt ist, wie erneut die letzte ReichStagSwahl erwiesen hat, die sozialdemokratische Presse die wuchttgste, schärfste Waffe. Der „Vorwärts" wird. wie bisher. auch ferner bemüht sein, in diesem Kampfe seine Pflicht zu tun: die Ar- beiterschast anzufeuern, ihr geistige Munition zu liefern, über die Stellung der Gegner, ihre Schachzüge und Aus- flöchte zu informieren und die Schwäche ihrer Argumentation zu enthüllen. Wir kämpfen für die Ehre der Arbeit gegen den SapitaliS- >n«S, für VolkSrecht gegen das Vorrecht des Geldbeutels and deS Standes, für die Volkswohlfahrt gegen die Profit- sucht der kapitalistischen Schichten; und in diesem Kamps für )ie Interessen aller derer, die im Dienste des Kapitalismus ächzen, ft jeder, der nicht zu den Bevorrechteten gehört, mag er sich als leistiger Proletarier im Burean und Kontor oder am Schraubstock tir Weib und Kind plagen,«in Verräter an seinem eigenen Interesse, venn er nicht die Arbeiterpresse mit aller Kraft unterstützt. Darum. jhr Entrechteten, werbt neue Abonnenten, neue Leser für den Da; Proletariat und die Kolonialpolitllt. n. „Vorwärts"! ES zeugt von Oberflächlichkeit, zu folgern, daß wir, wenn wir die Koloinalpolitik grundsätzlich'bekämpfen, die Kolonien ignorieren müssen; nicht minder falsch ist ihr direkter Gegensatz, der verlangt, daß wir die Koloinalpolitik grund- sätzlich anerkennen sollen, um in den Kolonien Reformarbeit zu leisten. Wir können keine Taktik gebrauchen, die vor jeder kapitalistischen Wirklichkeit sich gläubig bekreuzigt und„hebe Dich. Satanas I" murmelt, aber auch jene andere nicht, die, um die besonders brutalen Formen der Hinrichtung, wie das Ver brennen oder Vierteilen, zu bekämpfen, die Anerkennung der Todesstrafe uns zumutet, die gleich in den Fluß springt. wenn es gilt, ein Glas Wasser zu schöpfen. Die grundsätzliche Ablehnung der Kolonialpolitik hindert uns durchaus nicht, zu den einzelnen Vorgängen in den Kolonien Stellung zu nehmen. Da ist zunächst die Frage des kolonialen Militarismus Die kolonialen Aufstände sind eine unvermeidliche Folge der kapitalistischen Kolonialpolitik. Die Kriege zwischen den kolo nisierendcn Staaten sind keineswegs unvermeidlich, aber sie ergeben sich mit zwingender Notwendigkeit aus der Politik. welche die Kapitalisteuklasse Dank ihrer herrschenden Stellung in den Staaten führt. Diese enorme Gefahr der Aufstände und Kriege zwingt uns vor allem, die koloniale Politik der Regierungen mit scharfem Auge zu verfolgen. Wo sich die Möglichkeit darbietet, Konfliktsstoff zu beseitigen, können wir nicht umhin, wirksam einzugreifen. Darum müssen wir fiir die Politik der„offenen Tür" eintreten gegenüber dem Imperialismus. Die Menschenschinderei, die das Kapital in den Kolonien treibt, braucht nicht bis zu bestialischen Greueln sich aus uwachsen. Der„Tropenkoller" wie auch die koloniale orruption sind nur eine Folge davon, daß das ausbeuterische Kapital in den Kolonien schrankenlos schaltet und waltet. Darum muß man ihm eben Schranken auferlegen. Noch wichtiger ist. daß die Kolonien eine EntWickelung durchmachen und daß diese EntWickelung sie zur wirtschaftlichen und polittschen Selbständigkeit führt. Das kolonisierende Kapital wirft sich diesem geschichtlichen Prozeß entgegen und versucht, ihn mit militärischer Gewalt zurückzuhalten. Die Arbeiter haben aber deshalb ein entgegengesetztes Interesse, weil sie ja diese Kämpfe mit ihren Knochen und auS ihrem Beutel zu bezahlen haben. Wir finden demnach, daß, neben einem prinzipiellen Kampf gegen die Kolonialpolitik, das Proletariat allen Grund hat, die kolonialen Erobenmgszüge im besonderen zu bekämpfen und die Besttebungen der Kolonien zu fördern, sich Selb ständigkeit zu erringen. Das ist auch der beste Weg, sich von den Kolonien freizumachen. Aus alledem ergibt sich ferner. daß es uns keineswegs irrelevant sein kann, ob in den Kolonien ein burcaukrattsches oder ein demokratisches Regime herrscht. Daß wir das koloniale Budget ablehnen müssen, liegt auf der Hand. So lange wir aber die polittsche Macht noch nicht haben, kommt es, wie auch das allgemeine Staats budget, doch zustande und stellt uns finanzieller und wirtschaftlicher Fragen, einzelnen Stellung nehmen müssen, die Fragen der Eisenbahnen, der der Ansiedelungen. Es handelt sich um Plünderung: uin die Ausraubung des kolonialen Gebiets nebst der eingeborenen Bevölkerung und um die Plünderung der Staatskasse des kolonisierenden Landes. Soll man nun über beides ein Häuflein kapitalistischer Abenteuerer nach ihrer Willtür disponieren lassen? Wohin das führt, zeigen die deuffchen Kolonien, in denen mit einem Federstrich etliche Kolonialgcscllschaftcn in den Besitz enormer Landgebiete gesetzt wurden, zu deren Schutz die deutschen Armeen und Panzer- flotten dienen, zu deren wirtschaftlicher Erschließung mit dem Gelde des Staates Eisenbahnen gebaut werden. Ein anderes Beispiel ist der Kongostaat, mit dem König Leopold II. Belgien „beglückt" hat, um die gewaltigen Kronländercien, die er sich dort geschaffen hatte, zu schützen. Also gilt es. auch hier ein- zugreifen. Eine bindende Regel läßt sich da. wo es so sehr auf die jeweiligen rechnerischen Unterlagen und Ergebnisse an- kommt, kaum aufstellen. Man niuß jeden einzelnen Fall besonders prüfen. Im allgemeinen wird man sich aber wohl danach richten können, daß dort, wo es sich um staatliche Konzessionen oder Subventtonen handelt, es besser ist, von vornherein Staatseigentum zu schaffen. Es kommen ferner Rechtsstagen der Eingeborenen und der Ansiedler in Betracht. Man kann sie nicht damit abtun, daß wir die Kolonien nicht haben wollen, sintemalen die Kolonien nun einmal doch da sind. Doch fällt eS gar nicht schwer, auf diese und andere Probleme der kolonialen Praxis ans der Klassenstellung des Proletariats eine Antwort zu gewinnen. Das Kapital geht darauf hinaus, sich in den Kolonien eine wirtschaftliche und polittsche Machtstellung zu schaffen, wie es sie in den zivilisierten Ländern nicht mehr haben kann. Gelingt ihm das. so wird es seine gesteigerte Macht auch dem Proletariat in den loloni- vor eine Menge zu denen wir im Es erheben sich Minenkonzessionen. eine doppelte Aus sierenden Ländern zu fühlen geben. Es wird Industrien verpflanzen, die Löhne drücken, Streikbrecher importieren. Und auch die alten herrschenden Gewalten, die in Europa ihre Macht bedroht sehen, sehnen sich nach Afrika. Die Kolonial- Politik ist der Lieblingssport der Fürsten. Leopold H. hat ihnen mit der Erttchtung eines absoluttstischen Staates am Kongo den Weg gezeigt. Demgegenüber genügt dem Pro- letariat seine grundsätzliche Ablehnung der Kolonialpolitik allein ebensowenig, wie seine grundsätzliche Ablehnung der kapita- listischen Ausbeutung, sondern es muß zugleich seinen Klassen- kämpf auch auf die Kolonien überstagen und dort dieselben Rechtsnormen, denselben Arbciterschutz, denselben Wirtschaft- lichen Widerstand zu erzeugen verstehen, wie in den ent- wickelten Industriestaaten. Darum ist auch in den Kolonien die Solidarität mit den Ausgebeuteten und die Wahrnehmung ihrer Interessen die Hauptaufgabe der proletarischen Politik. llnbegrenzte entwickelungsfähigfccit- große Aufgaben. Wilhelm U. hat am Montag in Memel eine Rede gehalten. die zwar wiederum vom Geiste einer gewissen religiösen Mystik gettagen war, die aber nichts von jenem Zuge der Resignation aufwies, der das Charakteristikum der letzten Kaiserreden bildete. Wilhelm II. sagte unter anderem in Memel: „Die kräftigen, überraschenden und fast unverständlichen schnellen Fortschritte unseres neu geeinten Vaterlandes auf allen Gebieten, die erstaunliche EntWickelung in unserem Handel und Verkehr, die großartige» Er- findungen auf dem Gebiete der Wissenschast und der Technik sind eine Folge der Wiedervereinigung der deutschen Stämme zum genieinsamen vaterlande. Sollen wir nun im Stolz, um nicht zu sagen, im Uebermut über diese unbegrenzte EntwickelungSfähigkeit unseres Volkes anfangen, den Urquell der Stärke zu vergessen? Ich meine, nein! Je mehr wir in der Lage sind, eine hervor- ragende Stelle auf allen Gebieten in der Welt zu erringen, um so mehr soll unser Volk in allen seinen Ständen und Gewerben sich daran erinnern, daß auch hiettn das Walten der gött» lichen Vorsehung zu erkennen ist. Wenn unser Herrgott unserem Volke nicht noch große Aufgaben ge st eilt hätte, dann würde er ihm auch nicht so Herr- liche Fähigkeiten verliehen haben. Wir wollen also im Hinblick auf die EntWickelung unseres Volkes zum Himmel emporblicken, dankbar für die Gnade, die er uns erweist, indem er uns für gut hält, seine fürsorgenden Zeichen uns zuteil werden zu lassen. Wir wollen aus alledem lernen, daß auch heute, in einer hohen Blütezeit, wir an den alten Quellen festzuhalten haben. Auch heute gilt es wie vor hundert Jahren: Erst den Blick nach oben emporzuttchten in dem Ver- stehen, daß alles, was uns blüht und was uns gelingt, durch Fügung von oben erwirft ist. Und so wollen wir im Erkennen der göttlichen Fügung entschlossen wirken, so lange es Tag ist. Dann kann jeder an seine Beschäftigung gehen, der Gelehrte an seine Bücher, der Schmied an seinen Amboß, der Bauer an seinen Pflug, der Soldat an sein Schwert, und sein Gewerbe so treiben und so führen, wie es einem braven Christen und Deutschen ziemt. Dann werden wir Männer der Tat sein. ein entschlossenes Volk, den Blick nach oben gerichtet vor- wärtS sttebend, mit dem Bewußtsein, daß eine große Pflicht und Aufgabe uns zugeteilt ist." Die ersten Sätze, in denen von her»unbegrenzten Ent- Wickelungsfähigkeit" der Nation die Rede ist, atmen beinahe Dernburgischen Optimismus. Der kaiserliche HymnnS auf die»erstaunliche EntWickelung" von Handel und Verkehr erinnert an die Dernburgische Rede, in der dieser den schwindelnden Fort- schritt Deutschlands durch die Tatsache festzustellen versuchte, daß der N a t i 0 n a l r e i ch t u m sich seit zwanzig Jahren um 30 Milliarden vermehrt habe. Was wir da- malS Herrn Dernburg gegenüber feststellten, müssen wir auch heute wiederholen. Der fast unverständlich»rasche Fortschritt" ist nicht in dem notwendigen Maße der Masse deS Volkes zugute gekommen! Wohl hat sich der Reichtum der Besitzenden vermehrt, aber die Masse deS Volke» befindet sich nach wie vor in t r a u r i g st e r L a g e. Im Jahre t8V2 gehörten der Gruppe preußischer Zensiten, die mehr als 100 000 M. Einkommen versteuerten, 1659 Zensiten an; im Jahre 1906 dagegen 3173 Zensiten. DaS Einkommen dieser kleinen Gruppe war von 332 Millionen auf 791 Millionen angewachsen. DaS Durchschnittseinkommen von 230 000 M. auf 249 000 M. gestiegen! Demgegenüber war daS Durchschnittseinkommen der Steuer- gruppe mit 900—3000 M. Einkommen von 1378 auf 1329 M. gesunken! Die„unbegrenzte EntwickelungSfähigkeit' deS Einkommens ist also fiir die auf der Spitze der Pyramide Stehenden erwiesen. Die die Basis der Pyramide bildenden Massen dagegen befinden ich noch immer in der äußersten Bedürftigkeit. Mehr als 20 Millionen der 37 Millionen der preußischen Bevölkerung tehen noch unterhalb der Steuergrenze, besitzen— trotz der ungeheuer gestiegenen Preise für die wichtigsten Lebens- und Konsumarttkel I— weniger als 900 M. Einkommen; weitere 9 Millionen weniger als 1500 M. Einkommen! Wilhelm II. sprach dann weiter von den»großen Auf- gaben", die dem deutschen Volke nach dem„Walten der göttlichen Vorsehung' noch gestellt seien. Wir sehen davon ab, die»göttliche Vorsehung" irgendwie zu deuten. Was man immer unter diesem etwas mystischen Begriff verstehen mag: das geschichtliche Walten BcWent sich auf alle Fälle der m e n s ch I i ch e n Einsicht und des menschlichen Willens als seines Vehikels. Und da sind aller- ding? auch wir der Ansicht, dasi sich das deutsche Volk erst vor seine „großen Aufgaben" gestellt sieht. Zum Beispiel vor die Aufgabe, sich erst einmal sein fundamentalstes Viirg errecht, da? all- genreine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu erringen! Nicht in kolonialen Heldentaten höchst zweifelhafter Art, nicht in internationalen„weltpolitischen" Liivalitäten bestehen die„großen Aufgaben" des deutschen Volkes, sondern vor allein in der Erringung dcS gleichen Bürgerrechts für alle! In diesem Sinne wird hoffentlich das Proletariat, werden hoffentlich alle entrechteten Schichten dieser sieben Achtel der Station„Männer der Tat" und«ein entschlossenes Volt" sein!_ Biock' Hengste! Der Block hat doch Angst I ES ist ja eine schone Sache für die Kouservativeu, sich ihre Herrschaft zu sichern durch„Zugeständnisse" an die Börse, Zugeständnisse, die sie heimlich längst ersehnen, seitdem die sprunghafte Steigerung der Grundrente durch die Wuckerzölle unsere Junker in den Stand gesetzt hat, ihre Ueberschüsse in den feinen„Papierchcn" anzulegen. Der Neid auf die Börse weicht sehr rasch der Lust, an den Börsengewinnen Anteil zu nehmen. Und der Freisinn ist ja wirklich so billig! Für die eine Börsenreform alle Prinzipien! Aber eine Sorge quält die Herren. Was lvird ans ihrer Demagogie? Wir reden nicht von der des Freisinns. Seit dem"schmählichen Umfall der Volkspartci, die ans cineni Kampf um das gleiche Wahlrecht eine Hetze gegen die Sozialdemokratie zu machen sucht, ist es mit der Freisinnödeniagogie zu Ende. Das ist ein Versuch mit untauglichen Mitteln und die Herren F i s ch b e ck, Wiemer und Müller werden mit ihren Reden keinen Arbeiter, keinen, dem es um die demokratische Entwickclung Deutschlands ernst ist, hinter dem Ofen hervorlocken. Diese Kultur- und FrciheitS- kämpfer, die sich mit der finstersten, gefährlichsten und mächtigsten Nieaktion, mit dem preußischen Junkertum, verbunden haben, denen wird kein Mensch mehr ihre Tiraden glauben. Es ist die Un- f ä h i g k e i t der Herren, die sie die Konkurrenz mit der Sozial« demokratie fürchten läßt und sie bewogen hat, die eigenen Interessen de? Bürgertums an die Junker und den RegierungSabsolutismuS zu verraten. Aber auch die Demagogie des Junkertums und seiner miitelständlerischen, antisemitischen und zünftlerischcn Mietlinge ist in Gefahr! Da haben sie den kleinen Leuten immer eingeredet, sie allein seien imstande, sie gegen die„Auswüchse" des Kapitalismus zu schützen, gegen das Großkapital, das sie erdrückt, gegen den„Giftbaum", die Börse, vor allem, die sie beschwindele und enteigne und die sauer ersparten Groschen, die feucht iahrelanger Mühen, in die Taschen einiger„jüdischer" Iroßspekulanten leite. Die sichersten Stützen aber der Börse seien der Freisinn und natürlich die Sozialdemokratie, der Inbegriff alles Bösen. Jetzt sitzen diese ehrenlverten Herren mit dem Freisinn im Block und deffen erste Großtat soll die„Befreiung" 'der Börse aus den„Fesseln einer ungerechten Gesetzgebung" sein. Man sieht, ein schlimmer Fall für die Demagogen. Aber sie trösteten sich: Die Sozialdemokratie müsse ja für die Börsenreform stimmen; Ivir Konservativen aber kommandieren einem Teile unserer Leute dagegen zu stimmen; dadurch gefährden wir nicht die Börse und den Block, können aber doch vielen unserer leichtgläubigen Wähler einreden, die Sozialdemokratie ist die Verbündete de? Börseukapitals. Die Börse ist gerettet, aber die Demagogie auch! So ist es kein Wunder, daß unser letzter Artikel, der den Zu- sammenhang zwischen Börse, Kolonialpolitik und Block aufzeigte, den Herren einen gewissen Schrecken eingejagt hat. Wenn die Sozial- demokratie, über deren Prinzipientreue sie sonst als Dogmen- sanatismuS, Verrantheit, Erstarrung nicht genug schimpfen und höhnen können, wirklich am Ende sich zu dem sauberen Spiel nicht hergeben wollte— was wird dann aus ihrer Demagogie, aus dem Ver- IcumdungSfeldzug, den ihr Lügenverband schon jetzt vorbereitet? Die Leute haben über uns so lange gelogen, daß sie zuletzt fast in Gefahr geraten, an ihre Lügen zu glauben. Die Sozialdemokratie hat ihre Stellung zur Börse durchaus nicht geändert, wie die „Leipz. Ztg." in ihrer Angst um die künftigen Wahllügen jammert. Friedrich Engels hat einmal gemeint, bei der Börse wisse man nie, wo das Geschäft aufhört und der Schwindel ansängt. Was wir gesagt haben, ist nur dies, daß dieser Schwindel nur eine Teil- erscheinung der kapitalistischen Gesellschaft ist, nur ein Mittel neben vielen anderen der Expropriation der Kleinen durch die Großen. Wir haben gegen die Börsengesetzgebung gestimmt, weil wir auch diese Art Börsen schwinde! nicht mitmachen wollen, die meint, durch stets aufs neue zerrissene Spinnfäden des Gesetzes Schäden. die nun einmal von der kapitalistischen Gesellschaft und ihrem Erzeugnis, der Börse, unzertrennlich sind, verhindern zu können. Wir treiben keine Demagogie und haben es nicht nötig, weil wir nicht die Volksmassen über ihre wahren Interessen täuschen m ü s s e n wie die herrschenden Klassen, fondern im Gegenteil sie diese erkennen lassen wollen. Aber ebensowenig haben wir geleugnet, daß einzelne Bestimmungen der Börsengesetzgebung ganz nützlich für diejenigen wirken können, die nun einmal nicht alle werden, für die Dummen, die den Lockrufen folgen, um früher oder später die Opfer ihrer Dummheit zu iverden. Wenn das neue Gesetz Bestimmungen enthalten sollte, die den Börsenschwindel begünstigen und den Kreis, ans denen die Opfer geholt werden, erheblich ausdehnen, dann werden sich die Herren schon selbst bemühen müssen. Die Gefahr ist ja übrigens nicht so groß; für die eine Wahllüge, die ihnen entgeht, wird ihre Lügenorganisation schon zehn andere aus- hecken I An der Börsenreform hängt absolut kein proletarisches Jntereffe, wir stehen dem Produkt des Blocks kühl und wachsam gegenüber. Chinesen und Japaner in Kanada. London, 20. September.(Eig. Ber.) Die„Times" von heute enthält nähere Angaben über den Konflikt zwischen den asiatischen und kanadischen Arbeitern. Die Zahl der Chinesen in Kanada beträgt ungefähr 17 000. Von diesen 17 000 Chinesen sind aber 14 376 in Britisch-Columbia. In den Jahren 1884 und 1900 wurden auf Veranlassung der Arbeiter Kommissionen eingesetzt, um die chinesische Einwanderung zu unter- suchen. Man belegte die Chinesen zuerst mit einer Kopfsteuer von 10 Pfund Sterling; als diese Steuer sich unwirksam zeigte, die Einwanderung zu hemmen, wurde sie auf 2 0 Pfund Sterling er- höht! Indes auch diese Steuer war wirkungslos, und sie wurde des- halb auf 100 Pfund erhöht! Das Resultat aber war immer das- selbe: die Chinesen kamen und zahlten die Steuer. Was die Japaner betrifft, so wurde bis zum Jahre 1898 keine besondere Statistik über sie aufgenommen. Erst im Juli 1896 begann die Registrierung. Von diesem Datum an bis zum Jahre 1901 wanderten 14 000 Japaner in Britisch-Columbia ein. Im Jahre 1902 wurde eine Kommission eingesetzt, um auch die japantsch« Einwanderung zu untersuchen. Sie berichtete: „Die japanischen Arbeiter unterscheiden sich von den chinesischen Arbeitern durch manche Eigenschaften. Der japanische Arbeiter ist unabhängiger, energischer, sowie fähig und willig, sich den neuen Verhältnissen anzupassen, wenigsten? was das äußere Benehmen be- trifft. Er ergreift jede Gelegenheit, englisch zu lernen und macht dies oft zu einer Bedingung des Arbeitsvertrages.... Das Volk von Britisch-Columbia ist einstimmig der Ansicht, daß die Japaner nicht assimilierbar sind, und obwohl sie in manchen Be- ziehuugen nicht s o lästig werden wie die Chinesen, da jene unsere Gelvohnheitcn und Sitten eher annehmen und einen größeren Teil ihrer Löhne in unserem Lande verzehren, so sind sie doch in allem,. luns eine permanente Niederlassung betrifft, ebenso gefährlich wie die Chinesen,— ja, noch gefährlicher, da sie unabhängiger, energischer und wagemutiger sind als die Chinesen." Ter Artikelschreiber gibt noch zlvei Ansichten über diese Frage, eine von einem Unternehmer, die andere von einem Arbeiterführer. Der Unternehmer erklärte: c „Tie Bergarbeiterorganisation von Britisch-Columbia wird von der Western Federation of Miners beherrscht, die ihren Sitz in den Vereinigten Staaten hat. Diese Organisationen beherrschen zu einem großen Teile die Situation, soweit es sich um Arbeitsverhält- nissc handelt, und sie sind gegen die Einwanderung von Orientalen. Dieselben Leute, die gegen die Orientalen sind, möchten überhaupt jede Arbeitereinwanderung verhindern. Und ohne eine starke Einwanderung ist keine Hoffnung auf die EntWickelung des Landes vorhanden. Was die Chinesen betrifft, so sind eS ihre Tugenden, die sie unseren Ar- beitern lästig machen. Die Chinesen sind nüchterne, fleißige und arbcitssame Leute. Was die Japaner betrifft, so werden sie früher oder später massenweise einwandern. Innerhalb fünfzehn Jahren werden die Japaner darauf bestehen, auf gleichem Fuße mit den Weißen der nordamcrikanischen Westküste behandelt zu werden." Demgegenüber erklärte ein Arbeiterführer: „Wir sind hier seit 16 oder 18 Jahren, und wir finden, daß von einem Arbeitermangel keine Rede sein kann. Die Kapitalisten wollen nur billige Arbeiter, wobei es sich ihnen gleich bleibt, ob die billigen Arbeiter aus China, Japan oder England kommen. Unser Land ist bereits das Eigentum großer Aktiengesellschaften, und ihnen fehlen nur noch billige Arbeiter, um sie auszubeuten. Britisch- Columbia ist aber ein Land für weiße Arbeiter, und trir sind entschlossen, es zu einem Lande der Arbeiter zu machen. Die Ar- beitcr müssen die Zügel der Regierung übernehmen und die politische Macht dazu benutzen, die Schätze des Landes im Interesse der Ar- beitcr auszubeuten. Das ist unser Ziel. Man mag es Sozialis- mus oder sonst etwas nennen. Das Land entwickelt sich schnell genug." Der Artikclschreiber fügt hinzu, daß die Agitation gegen die Chinesen und Japaner von allen kanadischen Arbeitern gebilligt wird...- ». Ottawa, den 22. September. In Bcamtwortung einer von dem kanadischen Trabes Labour-Kongreß zu WinniPeg angenommenen Resolution, welche die Einwanderung der Japaner als schädlich für die Interessen Kanadas bezeichnet und die Abschaffung des Vertrages mit Japan verlangt, erklärte der Premierminister Sir Wilfried Laurier, der Vertrag habe sich als überaus vorteilhaft für den Handel Kanadas mit Japan erwiesen. Er bezweifle auch, daß die Vorfälle in Vancouver der japanischen Einwanderung zu- zuschreiben seiem Die Regierung müsse, bevor sie durch übereilte? Vorgehen sich bloßstelle, sorgfältig die Ursachen untersuchen, welche in jüngster Zeit eine stärkere Einwanderung von Asiaten als früher veranlaßt haben. London, 24. September. Wie aus Ottawa gemeldet wird, werden die von den Japanern und Chinesen wegen der jüngsten Unruhen in Vancouver geforderten Entschädigungen von der kanadischen Regierung unverzüglich geregelt iverden. Die japanischen Ansprüche belaufen sich auf 1700 Pfund Sterling.—_ Marokko. Dem prächtigen Aufruf der französischen und spanischen Sozialdemokratie, den wir gestern tclegraphisch gemeldet haben, werden bald die Taten folgen. Die Aktion unserer Bruderparteicn ist das unmittelbare Ergebnis der Stuttgarter Tagung und zeigt, wie die dort gefaßten Beschlüsse sofort in Wirklichkeit umgesetzt werden. Den bürgerlichen Parteien und Regierungen wird dadurch klar gemacht, daß der imperialistischen Abenteurerpolitik des Mnanzkapitals die einmütige, entschlossene Gegenwehr der proletarischen Internationale auf dem Fuße folgt. Die Aktion unserer Bruderparteien, die das deutsche Proletariat aufs wärmste be- grüßt, entschlossen, sobald es die Ereignisse fordern sollten, sie tatkräftig zu unter- st ü tz e n, ist eine Gewähr dafür, daß das Proletariat alle Konflikte, die aus der Kolonialpolitik des Kapitalismus not- wendig erwachsen, anfmerksäm verfolgt und alles daran setzen wird, deren friedensgefährdenden Aus- bruch zu verhindern. Dem Aufruf der„Humanito" folgt heute ein Artikel von Jaurös, der die internationale Bcrzichtleistung auf alle kolonialen Abenteuer in Marokko fordert. Jaurös befindet sich damit in vollster Uebereinstimmung mit dem Standpunkt der deutschen Sozialdemokratie. Die wichtigsten Stellen des Artikels geben wir in nachstehendem Telegramm: Paris, 24. September. sPrivatdepesche dcS„Vorwärts".) I a u r ö S warnt in der.Humanits" vor ClemenceauS Offensivpolitik, die den ganzen Haß der Marokkaner auf Frankreick lenke und die Mißstimmung der Spanier hervorrufe. Es ist hohe Zeit, Halt zu machen und auf den Akt von AlgeciraS zurückzu- kommen. Hierzu ist, wenn man llnzukörnmlichkeiten darin sieht, keine neue Konferenz nötig. Frankreich muß nur konstatieren, daß eine frauko-spanischc Polizei unter der Autorität des Sultans nicht organisiert werden kann und der Schutz der Ausländer allen interessierten Mächten obliegt. Ich verstehe sehr gut, daß Bebel einer internationalen Aktion widerstrebt, die dem deutschen Reichskanzler die Gelegenheit gäbe, die Karten zu verwirren und den deutschen Kolonialpolitikern den Anlaß, einen Teil Marokkos zu forden?. Aber es handelt sich nicht danim. Marokko international zu erobern, sondern auf seine Eroberung international zu verzichten. Die gestrige Meldung von der Unterwerfung dreier im Südosten von Casablanca wohnender Stämme bedeutet keineswegs die Einstellung der Feindseligkeiten. Im Gegen- teil, der Angriffskrieg gegen die übrigen Stämme wird jetzt noch kräftiger als bisher betrieben werden. Größere Expedi- tionen von mehr als eintägiger Dauer sollen unternommen werden. Die Verpflichtung, die drei unterworfenen Stämme vor Angriffen der in Feindseligkeit verharrenden zu schützen, bietet den Franzosen neue Vorwände für Offensivbewegungen. Die friedliche Durchdringung mache so immer weitere Fort- schritte. Dagegen will Frankreich angeblich zurzeit keine Polizei- truppe in die Häfen des Landes werfen. Mulay Hafid laviert und die Franzosen scheinen ihm nicht recht zu trauen: es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie den Sultan Abdul Aziz zu ihrem Werkzeug machen wollen. In der französischen Presse verstärken sich jene Stimmen, die einen neuen Marokkovertrag fordern, der Frankreich mehr Freiheit läßt, als der zurzeit bestehende- Die Meldungen des Tages lauten: Paris, 24. September. Wie der„Matin" berichtet, wird General Drude den Angriffskrieg gegen die unbotmäßigen Stämme tat- kräftig fortsetzen; er sei wegen der weiten Entfernung des Wohn- sitzeS der Stämme ermächtigt worden, Expeditionen auch über die Dauer eines Tages hinaus zu unter- nehmen. Wie„Le Journal" aus Casablanca meldet, hätten sich die Stämme mit ihrer Entwaffnung erst einverstanden erklärt, nachdem ihnen der Sckutz Frankreichs gegen die Angriffe der auf- rührerischen Stämme versprochen worden war. Tanger, 23. September.(Meldung der„Agence HavaS".) Die Unterwerfung der im Südosten von Casablanca wohnenden Stämme der llladsejan, Scnatn und Syaida wird zur Folge haben. daß der linke Flügel der Truppen General Drudes frei wird, und wird ihm die Möglichkeit geben, sich der unterworfenen Stämme zu bedienen, unr auf diejenigen, welche sich noch nicht unterworfen haben, einen Druck auszuüben. London, 24. September. Nach der Meldung eines Morgen- blaties aus Casablanea hätte ein Europäer aus Mazagan berichtet, daß Mulay Hafid am 19. September Mulay Raschid mit 6000 Mann und fünfzig Krupp-Geschützen nach dem Schaujadistrikt entsandt habe, um die Schaujas zurückzuhalten und sie zu überreden, ihre Kräfte gegen den Sultan Abdul Aziz aufzusparen. Wenn dies jedoch un- möglich sei, so solle Mulay Raschid sich mit ihnen gegen die Franzosen vereinen. Diese anscheinend authentische Meldung dürfte das Rätsel der Bestimmung der von Mnlay Hafid entsandten Truppen lösen.(„Verl. Tagebl.") Madrid, 24. September. Der Führer der spanischen sozia- listischen Partei JglesiaS begibt sich am 6. Oktober nach Paris. um dort deil angekündigten Vortrag gegen daS marokkanische Sben- teuer zu halten._ poUtifcbe Gebcrficbt. Berlin, den 21. September 1907, Dernburg in Usambara. Demburg ist nunmehr von seinem„Wüstenbummel" nach T a n g a zurückgekehrt, um sogleich, wie das offiziöse Depeschen- bnreau meldet, eine Fahrt über die Gesamtstrccke der Usambarabahn zu unternehmen, an die sich in den nächsten Tagen ein Besuch der Pflanzungen anschließen soll. Die Korrespondenz Wolff versichert, daß man sich in den Kreisen der Ansiedler von Usambara und am Kilimandscharo von Dernburgs Besuche nun doch noch recht viel ver- spreche. Ein Bahnbau bis zum Kilimandscharo sei notwendig. Als Ersatz für eine Bahn ivolle die Regierung eine große Fahrstraße nach dem Gebirge bauen, allein dies Projekt sei aussichtslos, weil das Gebiet zwischen Mombo, der jetzigen Endstation der Usambara-Bahn, und dem Gebirge durch Fieber und Tsetsc-Plage für Karawanenzüge ungeeignet sei. Man hoffe, daß die Regierung sich doch noch für den Bahnbau entscheide. Nach der„Köln. Ztg." soll ja zum mindesten eine Vorlage über eine weitere Teilstrecke der Usambara- Bahn zu erwarten sein. Das ist sehr wohl möglich. Und die Teilstrecke wäre nur der erste Schritt zur Verlängerung bis zum K i l i- m a n d s ch a r o. Daneben wird aber sicher auch der Bau der oft afrikanischen Zentralbahn von Dernburg eifriger betrieben werden. Man wird eben zwei Bahnen bauen und damit, wie in Deutschland selbst, auch in Ostafrika die Interessen der Kolonial- Agrarier nlit denen der Börse ver o-i»igen!— Die rote Woche und der blaue Sonntag in Essen. Für den diesjährigen Parteitag hatten die Genossen in Essen die dorttge Siadtverwaliung um Ueberlassung des städtischen Saal- baueS gebeten. DaS Gesuch ist abschlägig beschieden worden. Der Parteitag der weitaus größten deutschen Partei mußte fernab vom Mittelpunkte der Stadt tagen. Beim Katholikentage im vorigen Jahr war eS anders: den Zentrumsleuten stand nicht nur der städtische Saalbau, sondern auch jedes andere Lokal der Stadt zur Verfügung; sie durften ihren Arbeiterfcstzug, ihre Wallfahrt und ihre Studentenumzüge durch die Straßen führen. DaS Zentrum lvar, unter freundlichem Willkomm seitens der städtischen Behörden, während der schwarzen Woche Herr in der Stadt Essen. Und auch am Sonntag nach der roten Woche gabS Leben und Lärm in den Straßen und Lokalen der Kanonenstadt. Der Essener evangelische Arbeiterverein beging daS Fest seines 25jährigen Bestehens; er hatte die Vereine aus der Umgegend zu sich eingeladen; ein Umzug mit 20 000 Teilnehmern, 100 Fahnen und 20 Musikkapellen fand statt; auf dem Burgplatz gab's Konzert, Posaunenchöre, Massen« gesänge und Ansprachen, ani Abend Festversammlungen im städtischen Saalbau, im Kriegerheim und im evangelischen VereinShanS. Der evangelische Arbeiterverein machte an diesem einen Tage zehnmal mehr von sich höre» und sehen als der sozialdemokratische Parteitag die ganze Woche; ihm stand die ganze Stadt mit ihren Plätzen, Straßen und Lokalen znr Verfügung, während die Abgesandten der größten deritschen Partei sich auf einen notdürftigen Unterschlupf in einem abgelegenen Vorort beschränkt sahen. Diese unterschiedliche Behandlung hat ihre Gründe. Der Ober- bürgermcister von Essen, Geheimrat Holle, der die Arbeitervereinler nach dem Umzüge begrüßte, als.Vertreter der Heimat diese? trefflichen Vereins", meinte in seiner Ansprache: „Welchen Kontrast erblicken wir heute im Vergleich zur vorigen Woche, wo der Kongreß der Vaterlandslosigkeit und Friedlos igkeit(!) hier tagte, auf dem man wieder bemüht war, dem Volke den Seelenfrieden zu rauben. Wer sich ein unbefangenes Urteil im Strome der Zeit bewahrt hat, der weiß und findet dies gerade in den öden und uninter- essanten Verhandlungen der letzten Woche bestätigt, daß die Um- sturzwogen nimmernrehr den Felsen untergraben werden, aus dem Thron und Altar aufgebaut find. Welch anderes Bild tritt uns hier entgegen bei der Jubelfeier des Vereins, der f e i n M o t t o dem Evangelium entlehnt hat. Nicht die Gleichheit macht den Menschen glücklich, sondern die Zufriedenheit und lernen wir nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da. Möge der Verein noch viele Jahre seinen Mitgliedern Glück und Zufriedenheit bringen und ihm noch lange Gelegen- heit zur Pflege seiner vaterländischen und reli» g i ö s e n Ideale gegeben sein. Möge er weiter blühen und ge- deihen in dem bewährten Grundsätze:.Fürchtet Gott, ehret den König, habet die Brüder lieb." Oberbürgermeister Holle hat, als er so sprach, wohl nicht daran gedacht, daß die Sozialdemokratie bei der letzten ReichZtagSwahl rund 20 000 Wähler, das ist ein Drittel aller abgegebenen Sttmmen, aufgebracht hat. die wohl ausschließlich aus Lrbeiterkreisen stammen und deshalb hauptsächlich beteiligt sind an der Größe und Blüte EsscnS. Da die sozialdcmolratischen Wähler durch ihre Steuern auch zur Erhaltung der Stadt und zur Besoldung der städtischen Beamten beitragen, so hätte Herr Holle, der mit zu diesen Beamten zählt, allen Grund, die Bürger ohne Rücksicht auf ihren Glauben und ihre Partei mit gleichem Maße zu messen und nicht dem einen Teil schnöde vorzuenthalten, was er dem andern gewährt. Der evangelische Arbeiterverein in Esten zählt 1600 Mitglieder, ihm wird zu seinem Feste die ganze Stadt zur Verfügung gestellt; den Vertretern einer nach Millionen zählenden Partei weist Herr Holle die Tür. Glaubt er dadurch dem«Seelenfrieden' im Volle und der«Zuftiedenheit* zu dienen? Da wird er sich irren. Herr Holle hat sich als williges Werkzeug der preußischen Willkürherrschaft er- wiesen und er kann überzeugt sein, daß sein Verhalten uur das eine bewirkt hat: uns anzuspornen in dem Kampfe gegen das preußische Wahlrecht. Insofern hat es sein Gutes, daß er glaubte, der roten Woche den blauen Sonntag als Trumpf aufsetzen zu können. Verschleppen! Die«Deutsche Tagesztg/' wiederholt ihre Mitteilung, daß in der kommenden Landtagssession von einer Ausdehnung des Wahlrechts keine Rede sein könne. Sie beruft sich dabei auf die„Verl. Polit. Nachr.". daß eine weitergehende Acnderung in der laufenden Legislaturperiode nicht beabsichtigt sei. Das Blatt meint höhnisch, die«Herren Stürmer und Dränger mögen und müssen sich damit abfinden, daß die Wahlrechtsänderung den Landtag in seiner nächsten Tagung nicht beschäftigen wird." Uns scheinen die Nachrichten beider Blätter nicht ganz in Uebcreinstimmung. Dies ist übrigens für uns nicht sehr wichtig. Ob gar keine oder keine „weitgehende" Reform für den nächsten Legislaturabschnitt geplant ist. die wirklichen Stürmer und Dränger werden sich nicht abhalten lassen, die Agitation für das gleiche Recht energisch zu führen. Wir glauben schon, daß es dem Block am liebsten wäre, die Reform nicht nur für die n ä ch st e Tagung zu verschieben. Aber die Herren mögen sich nicht täuschen. Was immer in den Räumen des Geldsackparlaments, von dem 83 Proz. des preußischen Volkes ausgeschlossen sind, verhandelt werden mag, auf die Tagesordnung der Volkspolitik wird nur ein Gegenstand gesetzt werden: Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht!_ Die Blockbrüder. Die konservative„S chle fische Morgenzeitung" schreibt dm Freisinnigen, die sich ebenso wie ihre Blockbrüder so gern in der Rolle des Anstandslehrers gefallen, folgendes ins Stammbuch: „Daß wir diese Blockpolitik nicht gern sehen, daraus haben wir nie ein Hehl gemacht. Das kann man uns schlefischen Kon- servativen auch nicht verdenken. Wir leben seit Jahr- ?ehnten mit dem Fortschritt, späteren Freisinn, noch päteren Freisinnigen Volkspartei in bitterer Fehde. Daß diese Kämpfe der Konservativen mit dem Liberalismus bei uns erbitterter sind als anderwärts, mag seinen Grund zumeist wohl darin haben, daß im Osten des Reiches das jüdische Element politisch stark hervortritt und in den linksstehenden Parteigruppen, besonders im Freisinn, die wort- und federführende Leitung hat. Anders ist es uns wenigSstens nicht verständlich, mit welcher Gc< hässigkcit, Heye, Verdrehung und direkter Lüge seitens des Freisinns in manchen schlefischen Wahlkreisen die politischen Kämpfe geführt werden. Wenn wir uns nun denken sollen, daß unsere Ab- geordneten im Reichstage und wohl gar auch im Landtage Hand m Hand mit Leuten wie Hermes, Kopsch, Müller- Sagan Politik treiben sollen, mit Männern, die auch noch ini letzten Wahl- kämpfe zum mindesten diese elende Kampfrswrise geduldet und durch Stillschweigen gutgeheißen haben, dann erscheint uns die Blockpolitik als eine geradezu unnatürliche. Denken wir dann noch an die grundsätzlichen Gegensätze au wirtschaftlichem und ideellem Gebiet, so werden nicht bloß die Zweifel an dem Zusammenhalt der Blockparteien auch nur für einige kurze Spannen parlamentarischer Arbeiten sehr be- rechtigt erscheinen, sondern auch die Bedenken an dessen innerer Durchführung.... „Der Kampf um seine politische Existenz, das letzte Ringen um sein Leben... Was seit Jahrzehnten nicht der Fall: Man brauchte ihn. Das Glück war ihm hold: Hier ließ sich der sterbende Körper mit Hülfe der Regierung neu beleben. Mau griff zu, und Bülow erwies sich dankbar. Heute steht der Freisinn als Vaterlandsretter in nächster Nähe der Ministersessel und sonnt unter der Wärme von oben seine steifgewordenen Glieder." Die Freisinnigen werden nicht versäumen, die Vorwürfe als Verleumdung und boshafte Unterstellung zurückzuweisen, aber wie bisher werden sie auch in Zukunft in holder Eintracht mit ihrem Blockschimpfbruder der Sozialdemokratie unnoble Kampfesweise und Maugel an gutem Ton vorwerfen. Wir glauben, daß die Schimpfftohen als ehrliche Brüder sich gegenseitig die Wahrheit sagen— da liegt es nahe, daß sie im Kampfe gegen den gemeinschaftlichen Gegner erst recht die .Tugenden" üben, die sie sich wechselseitig attestieren!— Freisinnige Unterströmungen. Auf der Tagung des Westdeutschen Verbandes liberaler Vereine am 22. September in Marburg wurde nach einem Referat des BerbandssekretärS Ruschke-Marburg über die Reform des preußische» Wahlrechts folgende Resolution ein- stimmig angenommen: «Die Mitgliederversammlung deS Westdeutschen Verbandes erklärt ihr volles Einverständnis damit, daß die von den drei linksliberalen Parteien geforderte Ersetzung des preußischen Drei- klasseuwahlrechts durch daS Reichstags w ahlrecht jetztmit besonderem Nachdruck propagiert werden muß. Sie spricht den liberalen Führern Haußmann, Hormann, Nau- mann, Payer und Träger für ihre entschiedene Stellung- nähme in dieler Angelegenheit Dank und Anerkennung aus und erivartet, daß die liuksliberale Fraktionsgemeinschast im Reichs- und Landtage sofort nach Zusammen- tritt dieser Parlamente entsprechende Anträge ein- bringen wird. Zur Unterstützung dieser parlamentarischen Aktion werden die Bereine des Verbandes aufgefordert, überall Kundgebungen der Landtag« Wähler zu ver- anst alten.für Einführurg deS ReichstagswahlrechtS zum preußischen Landtage noch in der kommenden Session. Den einzelnen Vereinen bleibt es überlassen, mit anderen Parteien, die auf dem Boden der Forderung deS ReichstagswahlrechtS stehen, gemeinsam vorzugehen." Diese Resolution beweist immerhin einigen guten Willen, ob- wohl der Dank an Herrn Naumann etwas unzeitgemäß ist, da dieser Herr ja inzwiichen wieder völlig zusammengeknickt ist. Die Sozialdemokratie wird diese Untelströmungen, ohne ihre Bedeutung zu überschätzen, dazu benutzen können, um auch frei- sinnige Kreiie über den schmachvollen Wahlrechtsverrat ihrer Führer aufzuklären.—_ Die„Germania" gegen die Jugendorganisaiion. Unsere Leser kennen die durch ihren reaktionären Inhalt wie durch den uM-rofsiziersmäßigen Ton gleich hervorragende Stilübung des Lanbrats Stuben rauch, mit der er die Beschwerde des «Verbandes der jugendlichen Arbeiter" abwies. Diese Antwort findet nun den begeisterten Beifall der—«Germania". Sie nennt den Kampf der Behörden gegen den Verband fälschlich einen «Kampf der sozialdemokratischen Jugendorganisationen gegen die � Behörden! und hofft, daß die«erregten Stifte", wie das christliche Blatt geschmackvoll die schwer arbeitenden, ausgebeuteten Kinder des Proletariats nennt, von dem Minister, an den sie sich wenden wollen, «in derselben wohlwollenden Weise an die staatsbürgerliche Ein- richtung der Fortbildungsschulbank erinnert" werden. Ja. ist denn das Zentrum noch nicht reaktionär genug, um m den Blockbund als Dritter aufgenommen zu werden? Der Erfolg einer Rede. Großes Aufsehen erregten im Dezember 190ö die Ausführungen des Geschäftsführers des Staats- und Gemeindearbeiter-Verbandes, Genosse» Schönberg, in einer von diesem Verbände ein- berufenen Versammlung über Vorgänge im Staats- kranken hause zuHan, burg-Eppendorf. Er behauptete, es seien nicht allem widerrechtlich Sektionen von Leichen vor- genommen worden, sondern es werde auch ein umfangreicher Handel mit Leichen und Leichenteilen nach auswärts betrieben. Diese„Leichen- schacherrede", wie sie allgemein genannt wurde, führte, wie das so deS Landes Brauch ist, nicht etwa zur Erhebung einer Anklage gegen die Beschuldigten, sondern Genosse Schönberg muhte"aus der Anklagebank Platz nehmen, um seine Anschuldigungen zu beweisen. Er wurde freigesprochen, weil der Wahrheitsbeweis als erbracht galt. Dieser Prozeß hatte zur Folge, daß ein parlamentarischer Ausschuß eingesetzt, dem die Prüfung der Frage überwiesen wurde, in welcherWeise Vorkommnisse, wiesie durch den Prozeß gegen Schönberg festgestellt sind, in den staatlichen Krankenhäusern vermieden werden können. Ferner sollte der Ausschuß die Frage prüfen, wie es ermöglicht werden kann, daß bei Interpellationen in der Bürgerschaft über Verhältnisse in den Verwaltungen einwandfreie und verantwortliche Auskunft erteilt werde. Das Ergebnis dieser Prüfung hat der Ausschuß in folgendem Antrage niedergelegt, der denmächst daS Parlament beschäftigen wird: „Die Bürgerschaft ersucht den Senat um Vorlage eines Gesetzes, in welchem 1. die Sektionen von den in den städtischen Kranken- Häusern verstorbenen Personen in der bisher praktisch geübten Form eine gesetzliche Grundlage erhalten, 2. Bestimmungen über die Ver- sendung von Leidjen und Leichenteilen getroffen werden." Hoffentlich wird die Lex Schönberg ihren Zweck erfüllen.— Clngarn. Der Massenstreik am 10. Oktober. Budapest, 22. September. Die Agitation fiir den Massenstreik am 10. Oktober, dem Tage der Parlamentseröffnung, als Kundgebung für das all- gemeine, geheime Wahlrecht wird im ganzen Lande eifrigst weiter betrieben. Fast sämtliche Organisationen haben sich bereits für die Arbeitsruhe entschieden, und bisher hat die Arbeiterschaft in 34 Städten und Gemeinden ihre Teilnahme am Massenstreik beschlußweise ausgesprochen. Heute finden in 27, am nächsten Sonntag in 43, am 6. Oktober in 23 Städten und Gemeinden Volksversammlungen statt, die sich mit den Wahlrechtsdemoitstrationen am 10. Oktober befassen.— finnland. Die finnische Polizei. HclstngforS, 21. September.(Eig. Bcr.) Infolge einer Interpellation unserer Genossen wurde die Polizeifrage vor der Volksvertretung in einer über 12 Stunden dauernden Sitzung diskutiert. Kaum hatten die jetzigen Re- gierungsmänner im Novembersturm des Jahres 1905 die Gewalt an sich gebracht, so begannen sie auch schon, die damals demokratische Polizei umzugestalten und zu vermehren. Im Frühjahr 1996 liefen nämlich von fast allen städtischen Gemeinden, wie auf Be- stellung, beim Senat Berichte ein, in denen um Vermehrung der Polizei ersucht wurde. Die Berichte waren von den Gouverneuren beglaubigt, die überdies die Polizewerstärkungsgesuche unter- stützten. Der Polizeimeister von Kotka begründete sein Ge- such damit, daß in Kotka verhältnismäßig viele Arbeiter wohnen, so daß die Ruhe der anderen Bcvölkerungsklasscn un- bedingt eine Vermehrung der Polizei erfordere!! So im Frühjahr. Im Herbst ersuchte derselbe Polizeimeister, nachdem sein Frühjahrsgesuch genehmigt war, abermals um eine Verstärkung! Jetzt begründete er seinen Antrag mit den häufigen Streiks der Arbeiter! Der Senat fand«nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage", daß die Polizei von Kotka wiederum ver- stärkt werden müsse. In Helsingfors wurde im Sommer 1996 eine Polizei- schule eingerichtet. Diese erhielt vom Senat eine Unterstützung von 12 999 M. Die damaligen Konstabler— in den Novcmber- tagen aus den Reihen der Arbeiter nach sorgfältiger Auswahl an- geworben— sollten in jener Schule zu gewissenlosen Drauf- gängern„erzogen" werden, damit sie auf den leisesten Wink gegen die klassenbewußten Arbeiter losgelassen werden könnten. Dieser Polizeidrill war den Konstablcrn zuwider, und durch einen ein- tägigen Streik versuchten sie, ihren verhaßten„Lehrer", den Leutnant S ch a u m a n n, los zu werden. Das gelang ihnen nicht. Die„Schuldigen" wurden von dem neuen Polizeimeister von Berg entlassen, nachher auch die Unschuldigen, d. h. solche, die sich als Anhänger der Arbeiterpartei bekannt gemacht hatten und daher den Gewalthabern„unzuverlässig" waren. In derselben Zeit fanden viele rätselhafte Verbrechen, Dieb- stähle an Waffen und Dynamit, Brandstiftungen und Explosionen statt, welche sorgfältig registriert und der Arbeiterbewegung aufs Konto geschrieben wurden. Viele dieser Taten sind Nachweis- l i ch von denselben sogenannten„A k t i v i st e n" verübt worden, die unter Bobrikoff den aktiven Kampf gegen die Unterdrückung organisiert hatten, während bei anderen die Provokateure der Polizei die Führerrolle spielten. Diese Vorkommnisse nun wurden als Grund für die weitere Vermehrung der Polizei ins Treffen geführt. Mit Leichtigkeit ward in St. Petersburg die Ge- nehmigung erlangt, die Polizei im ganzen Lande„stark", in HelsingforS gar von zirka 399 Mann auf über 999 zu ver. mehren, die alle mit Säbel und Browningpistole bewaffnet sind. Einige hundert Mann bilden die Reitergarde der Helsingforser Polizei. Die regelmäßigen JahresauSgaben der Polizei von HelsingforS sind infolge dieser Vermehrung auf 3 896 568 M. angewachsen und machen pro Kopf der Einwohner— Kinder mitgerechnet— 17,69 M. aus! Bei der Anwerbung neuer Konttabler und Polizeikommissare wird jetzt hauptsächlich darauf Gewicht gelegt, daß sie Gegner der Sozialdemokratie und der modernen Ar- beiterbewcgung seien.... Als Bobrikoff seinerzeit allerlei unehrliche Elemente in die finnische Polizei aufnahm, protestierte das ganze Volk, und die Konstitutionalistcn nicht zuletzt, dagegen, daß das Volk durch solche Polizei demoralisiert und außerdem das Geld geradezu verschleudert werde. In der Novemberrevolution war es daher eine der ersten Aufgaben, die Polizei zu säubern. Das gelang, und Finnland erfreute sich über sechs Monate einer demo- kratischen Polizei. Die Konstitutionalistcn beeilten sich aber nur zu sehr, ihre Proteste zu vergessen und bezüglich der Polizei bald wieder genau nach der Methode Bobrikoff vorzugehen. Die also demoralisierte Polizei hat in vielen Fällen das Publikum, natürlich Arbeiter, in ganz unerhörter Weise an- gegriffen. Ein solcher Fall ereignete sich erst wieder im Juni d. I. in Helsingfors, wo vier sozialdemokratische Volksvertreter nur mit Not einer Durchpeitschung entgingen! Dieser Fall diente als Grundlage für die Interpellation, bei der dann gleich die ganze Polizeifrage aufgerollt wurde» Der Senator LiliuS begründete die Vermehrung der Polizei» gewalt genau wie seinerzeit Bobrikoff. Er trug eine lange Reihe Verbrechen vor, welche alle beweisen sollten, daß die Vermehrung der Polizei eine„unerläßliche Notwendigkeit" gewesen sei.— Hatte der Senator gezeigt,„daß der Senat zur Herstellung der Ordnung im Lande über genügende Polizeigewalt verfügen müßte", so versuchte der Jungfinne Castren zu beweisen, daß die bedeutendsten jener Verbrechen auf die organisierte Arbeiter- bewegung, auf die sozialdemokratische Parter zurückzuführen seien! Zwei Stunden lang las der redegewandte Advokat Zitate aus der sozialdemokratischen Presse vor, die zeigen sollten, daß die Sozial- demokratie die Arbeiter planmäßig zu anarchischen Taten aufzureizen suche. Viele dieser Zitate wurden indessen von sozialdemokratischer Seite sofort als gemeine Fälschungen entlarvt. Genosse Walpas wies nach, daß von keiner anderen Partei der Anarchismus, den die Zustände großgezogen und der von der Bourgeoisie unter Bobrikoff geeignete Nahrung erhalten habe, so bekämpft worden sei, wie von der Sozialdemokratie. Gerade die Bourgeoisie verherrliche diejenigen anarchistischen Taten, die von ihren Angehörigen in Gestalt von politischen Morden begangen werden; gerade sie gebe damit dem Volke ein Beispiel dafür, daß Morde bisweilen Me rechtfertigt sein könnten. Die Sozialdemokratie habe für die Herstellung der Ordnung ge- arbeitet, indem sie dafür eintrat, daß das Volk das allgemeine Stimmrecht erhalte, damit es zur Verbesserung seiner Lage die Hand anlegen kann, was die sicherste Bürgschaft für die Herstellung der Ordnung sei. Die Regierung dagegen wandelt ganz andere Wege: Anstatt die Rechte des Volkes zu vermehren, vermehrt sie die Polizei, um das Volk in der Unterdrückung zu erhalten. Das allgemeine Stimmrecht ist noch nicht auf die Gemeindewahlen ausgedehnt, die Regierung hat in dieser Frage noch nichts getan. Aber sie sorgt dafür, daß sie eine möglichst arbeiterfeindliche Polizei zur Verfügung hat. Die Genossen Nuorteva, Walavaara, Hämäläinen, af Ursin. Tainio, Sirola, Genossin P ä r s s i n e n und andere wiesen nach, wie die Begründungen der bürgerlichen Redner eitel Dunst waren, und die einzige Ursache der Vermehrung der Polizei und der Ausbildung der Helsingforser Mannschaft zu einer Armeeabteilung einzig darin zu suchen ist, daß der Senat die Ar- beiterbewcgung unterdrücken will. Während der Senat der Alt» fenomanen unter Bobrikoff der Ausbreitung der Gewerkschaften mit allen Kräften entgegenwirkte, tut der Senat der Kon» st itutiona listen dasselbe auf eine andere Art: die ver. stärkte Polizei wird vor allen Dingen als Sicherheitswache für die Streikbrecher benutzt. Die Verteidiger der Polizei betonten, daß schon da? Auflesen Betrunkener von den Straßen eine Verstärkung der Polizei erforderlich gemacht habe.— Darauf wurde ihnen er» widert, daß die Regierung durch die Einführung des ge- forderten Alkoholverbotsgesetzes diese Arbeit hätte unnötig machen können. Aber der Senat habe ja ein Projekt ausgearbeitet, welches dem allgemeinen Verlangen nach dem VerbotLgesctze schnurstracks entgegengesetzt sei. Genosse Turkia, der Parteisekretär, erläuterte mit be» sonderem Geschick, wie die AufklärungSversuche bezüglich einiger von den Bürgerlichen besonders betonter Verbrechen in recht rätsel- hafter Weise einfach eingestellt worden seien, so z. B. die Unter» suchung wegen Sprengung einer Eiscnbahnbcücke, jenes Ver- brechcns, bei dem man am Tatorte ein Taschentuch mit dem Namenszeichen des örtlichen Polizisten gefunden hatte! Alles vergebens— die Suometarianer, die Alt» fenomanen, die sonst die jetzige Regierung wegen der über- mäßigen Polizeiverstärkungen anzuklagen pflegten und durch Scheinvolkstümlichkeit die Massen an sich zu locken suchten, zeigten jetzt ihre bürgerliche Blässe, indem sie die Re- gierungsmaßnahmcn sanktionierten: die bürgerlichen Abgeordneten stimmten geschlossen für die einfache Tagesordnung, während die Sozialdemokraten Kommissionsberatung gefordert hatten. Auf jeden Fall ist es unseren Genossen gelungen, dem Volke zu zeigen, daß die bürgerlichen Parteien für die Interessen der oberen Klassen geschlossen eintreten und daß ihre augebliche Volksfreundlichkeit leerer Schall ist. Ueber Finnlands Grenzen hinaus aber sind diese Vorgänge von Wichtigkeit, weil sie zeigen, auf welchem Umwege ein Klassen» staat, dem kein Militär zur Verfügung steht, sich ein Heer gegen den.inneren Feind" zu schaffen weiß.— Hu9 der Partei. BildungSarbeit. Der sozialdemokratische Verein für den 12. sächsischen Reichs- tagswnhlkrcis j L e i p z i g- S t a d t) hat am 17. September mit der Abwickelung eines umfassenden Winterprogramms be- tonnen. Am ersten Abend sprach Genosse Pfarrer Eduard Nieder- Zresden über Sozialdemokratie und Kunst. Nach ihm werden im Winterhalbjahr sprechen: Genosse Dr. Georg Gradnauer« Dresden über: Die Klaffen in der modernen Gesellschaft. Genosse Heinrich Schulz- Berlin über: FichteS Reden an die deutsche Nation. Eine Jahrhuudert-Erinnerung. Genosse Dr. Paul L e n s ch- Leipzig über Sachsen vor 299 Jahren. jAugust der Starke.) Genosse Reichstagsabgeordneter Gustav Hoch- Hanau über: Sozialdemokratie und die Sozialpolitik. Genosse Julian B o r ch a r dt-Berliu über: Was ist und zu welchem Ende studiert man Weltgeschichte? Genosse Hermann Wendel- Leipzig über: 1348 bis 1371.--- Ein Stück deutsche Geschichte. Außerdem veranstaltet der Verein ein großes Gesangskonzert seiner beiden Sängerabteilungen, zwei Lichtbildervorträge deS Instituts Kosmos(Im Lande der Mitternachtssonne und Em AuS- flug in den Himmelsraum), einen Theaterabend der dramatischen Abteilung, zwei Theateraufführungen für schulpflichtige Kinder, am Weihnachtssest ein Instrumental- und Gesangskonzert und einen Rezitationsabend, auf dem Richard D e h m e l seine Gedichte vor- tragen wird._ Personalien. Genosse Ouessel ist aus der Redaktion deS Stettiner.Volksboten" ausgetreten, da er die Leitung des neugegründeten Darmstädter Parteiorgans über- nimmt. An seinem letzten WirkungSorte war er 4 Jahre tätig. In L e i p z i g ist der Genosse Motteler, der„rote Post» meister" der sozialistengesetzlichen Zeit, ReichstagSnbgeordneter für Zwickau von 1874/78 und fiir Leipzig-Stadt von 1903/97, ernstlich erkrankt. Ein Mandat für Genosse DaSzynSki. Die Wiener„Arbeiter» ? Leitung" berichtet: Genosse Thaddäus Reger, der im 5. schlefischen Wahlbezirk gewählt ist, hat, wie der„Raprzod" mit- teilt, fein Mandat zum Abgeordnetenhause nieder» gelegt. Genosse Reger, dessen wertvolle Arbeitskraft auch im Ab- geordnetenhause in der Budgetdebatte hervorgetreten ist. legt sein Mandat zurück, um die Möglichkeit zu schaffen, daß Gen o s s e Daszynski in den Reichsrat gewählt werde. Für die Selbstlosigkeit, die sich in der MandatSniederlegung ausspricht und die ein Beweis sozialdemokratischer Solidarität ist, ist Genosse Reger der Anerkennung und des Dankes aller Parteigenossen sicher. „VIHorol Social" sDie soziale Zukunft) heißt die bor einigen Tagen in I a s s y(Rumänien) erschienene erste Nummer einer Monatsschrift, welche von den Genossen Dr, Racovski, Abgeordneten Griaorivici(Czeniowife) und M. G. Binor herausgegeben wird. Diese Zeitschrift, schreibt die„Wiener Arbeiterzeitung", ist ein Be- weis des immer steigenden Erfolges der sozialdemokratischen Be- weaung bei den Rumänen sowohl in Rumänien als auch in der Bukowina, in Siebenbürgen und in Bessarabien. Wie es in der Einleitung heißt, bezweckt der„Vütorul Looial", der Bewegung eine wisienschaftliche Form zu geben. Die Zeitschrift wird den internationalen Ideen treu sein und wird diese Ideen überall dort verbreiten, wo rumänisch sprechende Arbeiter sich befinden. Auch hofft die Zeitschrift, unter den Intellektuellen Anhänger für die sozialdemokratischen Ideen zu gewinnen. Die sehr gelungene erste Nummer umfaßt 120 schön gedruckte Seiten und hat einen mannigfachen Inhalt. Nach der Einleitung über den Zweck der Zeiffchrift kommt ein Artikel des Genossen Joan S i o n über den Sozialismus in Rumänien, in dem seine Aufgaben auseinander gesetzt werden. Dr. Racovski veröffentlicht einen Artikel über die„Agrarftage". Ghelengieeanu bespricht die Agrarrevolten und ihre blutige Unterdrückung im Frühjahr. Abgeordneter Grigo- r o v i e i legt die Erfolge des Sozialismus in der Bukowina dar und M. G. B u j o r bespricht die sozialdemokratische Landeskonferenz in Galatz. Zwei Gedichte:„In meinem Lande" von I. M., und eine sehr schöne Rhapsodie über die Freiheitskämpfe in Rußland aus der Feder des begabten Dichters Barbu Lazareanu, eine Novelle des Genossen N e a g u und ein Aufsatz des Genossen Kiril:„Elf Tage auf dem„Potemkin", worin manche noch un- bekannte Einzelheiten aus dem Leben auf dem Meutererschiff erzählt werden, fanden in der ersten Nummer Platz. Der Band schließt mit einer reichhaltigen Chronik über die innere und äußere Politik, die gewerkschaftliche und sozialistische Bewegung. die Agrarfrage, die soziale Medizin und Hygiene, den AlloholismuS und die Schule uud Erziehung. Es ist zu hoffen, daß die Zeitschrift sich halten wird. Alle Zuschriften und Sendungen sind zu richten an I. S i o n, I a s s y, Str. Sf. Theodor Nr. 31. Rumänien. polfceUiches, OmchtUchea uftp. Verschiedene Ehre. Der Genoffe Krautze, Bezirksleiter der organisierten Bergarbeiter im Lugau-Oelsnitzer Revier, wurde wegen angeblicher Beleidigung des Bergdirektors Kneisel in Lugau vom Schöffengericht Stollberg zu einem Monat Ge- f ä n g n i s verurteilt. Der Direktor Kneisel hatte gegenüber dem Genossen Krauße den Ausdruck„Schmierfink" gebraucht. Dafür muß der Herr 15 Mark blechen. Strafkonto der Presse. Genosse Robert G r ö tz s ch von der „Sächsischen Arbeiterzeitung" zu Dresden wurde wegen Beleidigung eines Referendars zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt. Die„Arbeiterzeitung" hatte von einem amtlichen Bericht des Referendars über eine Versammlungsrede des Genoffen Fleißner geschrieben, er habe„gerade das Gegenteil von dem behauptet, was Fleißner in der Versammlung gesagt hat". Wegen des Ausdruckes„Klimbim- Verein" wurde Genoffe Müller vom„Sächsischen Volksblatt" zu Zwickau zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Der Ausdruck soll beleidigend für den Vorsitzenden des betreffenden RadfahrervereinS sein. GcwerkfchaftUchc� Die dümmsten Arbeiter kriegen die größte« Kartoffel«! Der ehrliche, aber dumme Esau deS alten Testaments ließ sich durch seinen listigen Bruder Jakob dazu verleiten, ihm die Rechte seiner Erstgeburt um den momentanen Vorteil eincS Linsengerichts abzutreten. In unserer modernen Zeit gibt eS Arbeiter, die ihr KoalilionSrecht um ein Kartoffelgeld an das Unternehmertum ver- kaufen. Aus dem Hottentottentaumel des verflossenen Winters gingen auch im oberfränkischen Jndustriebezirk verschiedene gelbe Arbeitervereine hervor. Hauptsächlich die Textilbarone beeilten sich, die Gelegenheit zu benutzen, um sich eine Schutztruppe gegen das immer mehr erwachende Klaffenbewußtsein der früher für die moderne Arbeiterbewegnng so schwer zugänglichen Textilarbeiter zu schaffen. Trotz des Druckes, der von den Fabrikanten und deren Trabanten auf die sehr abhängigen Arbeiter ausgeübt wird, will es mit diesen gelben Gründungen nicht vorwärts gehen, so daß man sich von Zeit zu Zeit veranlaßt sieht, zur Aus- frtschung der Mitgliederliste eine Aktion zu unternehmen. Auf ein neues Mittel ist eine große Spinnerei in Bay- reuth verfallen. Dort wurde am Mttwoch eine Bekanntmachung angeschlagen: wer dem gelben Verein beitritt, be- kommt Kartoffelgeld. Eine Anzahl Arbeiter ließen sich durch diesen Köder wirklich fangen. Am Donnerstag begann dann die Auszahlung des Kartoffelgeldes. Die Verheirateten erhielten 10. die Ledigen 5 M. Während der Auszahlung machten die Meister unter den übrigen Arbeitern für den gelbe» Verein Propaganda: jetzt sei gerade noch Zeit; wer Kartoffelgeld wolle, müsse sich sofort auftiehmen lassen. Zur Ehre der Arbeiter muß gesagt werden, daß die Zahl derer, die sich in solcher Weise entwürdigten, nicht sonder- lich groß war. Diese gelben Gründungen stehen unter der be- sonderen Obhut der oberfränkischen Liberalen, die stets in tönenden Worten behaupten, daß sie„energisch" für das Koalitionsrecht der Arbeiter eintteten. Wie man sieht, verstehen sie darunter das Recht, sich zum Schutze des Unternehmertums gegen die eigenen Klaffengenossen zu koalieren. Den Zaudernden wird durch Aus- Zahlung von„Kartoffelgeld" die Begeisterung für das liberale Koalitionsrecht beigebracht._ Berlin und Umgegend. Achtung. Metallarbeiter! Der Betrieb der Firma Moritz, Dülowstraße, ist für Jnstrumentenmacher gesperrt. Wir ersuchen. den Zuzug streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Straßenreiniger Berlins führten in einer öffentlichen Versammlung lebhafte Klage über die Nichteinberufung des Ar- beiterauSschusses. Derselbe hatte auf Beschluß der Kollegcnschast schon in der ersten Woche des Juli Anträge eingereicht. Dieselben verlangten unter anderem Wahrung des Koalitionsrechtcs und enthielten auch Beschwerden über die oft kasernenmäßigen Um- gangssormen verschiedener Vorgesetzter. Wenn nun die Direktion 10 Wochen verstreichen läßt, ohne eine Verhandlung herbeizu- führen, so wird, gewollt oder auch ungewollt, bei den untergeord- neten Beamten die Ansicht geweckt, daß man den Arbeitern un- gestraft alles bieten kann. Diese Verschleppungstaktik fällt um so mehr ins Gewicht, als auch schon im Frühjahr öS erst einer Beschwerde deS Arbeiterausschusses bei der Deputation bedurfte, um die Direktion zur Einberufung der beantragten Sitzung zu veranlassen. Daß es möglich ist, durch diese geübte Verschlcppungs- Politik die Wirksamkeit des Arbeiterausschuffes hindern zu können, kennzeichnet so recht den Wert dieser von der freisinnigen Stadt- Verwaltung vielgepriesenen Einrichlung. Dem könnte aber leicht ein Riegel vorgeschoben werden. Einmal müßten regelmäßige vierteljährliche Sitzungen festgelegt werden. Zum anderen wäre die Bestimmung zu erlassen, daß bei eingereichten Anträgen des Arbeiterausschuffes eine außerordentliche Sitzung spätestens inner- halb 14 Tage einberufen werden muß.— Die Versammelten beschlossen einstimmig, durch die Ortsverwaltung des Gemeinde- arbeiterverbandes bei der Deputation der Straßenreinigung Be- schwerde zu erheben und Abhülfe zu verlangen._ Lerantw. Redakteur? Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Die Zahl der streikenden Steinarbeiter ist wieder auf etwa 100 Mann gewachsen, da über eine Firma, die 15 Man» besckäftigt, neuerdings die Sperre verhängt werden mußte. Die Streikposten bei der Firma Kiefer Akliengesellschaft klagen über Belästigungen durch die Polizei, die sie an der Ausübung ihrer Pflichten zu hindern sucht. Der Streik wird mit Energie fortgesetzt; das Streikbureau befindet sich vom nächsten Montag ab Krausenstr. 18. Kündigung deS Tarifvertrages im Badcgewerbe. Der Verband der Bademeister und Bademeistcrinnen von Berlin hielt am Sonntag in den Sophien- Sälen eine außerordentliche Generalversanimlung ab. Zur Beratung stand die Kündigung des jetzt bestehenden Tarifverttages. Das Referat hatte der Vorsitzende Hirschberg übernommen. Die außerordentlich stark besuchte Versammlung beschloß einstinunig, den Vertrag zum 1. Oktober zu kündigen. Der Vorstand wurde ermächtigt, als Vorbedingung für den Abschluß eines neuen Tartfverttages die Abschaffung de§ Be- dienungsgcldwesens und die Gewährung eines auskönunlichen Lohnes zu fordern._ Achtung, Bauhandwerker! Die auf Bauten beschäftigten Mannor- arbeiter müssen mit Arbeitsbcrechtigungskarten versehen sein und müssen diese allwöchentlich abgestempelt sein. Wir bitten die Bau- Handwerker, darauf Obacht geben zu wollen. Zentralverbano der Steinarbeiter. Berlin H. Die Streikleitung. Deutfehes Reich. Unternehmer-Versprechungen. Seit Freitag sind in Stratzburg i. E. gegen 1000 Erdarbeiter und Bauhülfsarboiter ausgesperrt, nachdem die Arbeiter vorher auf einigen Bauten in den Streik getreten waren. Die Borge- schichte dieser Lohnbewegung zeigt wieder einmal so recht deutlich, was auf die Versprechungen der Unternehmer zu geben ist. In der vorjährigen Lohnbewegung, die ebenfalls zur Aus- sperrung der Arbeiter führte, erklärten die Unternehmer, die Forderung von 37 Pf. Stundenlohn— wie sonst üblich 10 Pf. weniger als der Lohn der Maurer und Zimmerer— nicht zahlen zu können, da sie mit weit geringeren Löhnen kalkuliert hätten. Man versprach aber, für spätere Zeiten die Forderung der Ä a u h ü l f s a r b e i t e r berücksichtigen zu wollen. Im Frühjahr dieses Jahres einigten sich die Unter- nehmer mit den Maurern und Zimmerern auf einen Stunden- lohn von 50 Pf. für 1907 und 53 Pf. für 1908. Den Bau- arbeitern, die für Hülfsarbeiter 45 Pf., für E r d- arbeiter 50 Pf. gefordert hatten, bot man nur 38 Pf. für 1907 und 40 Pf. für 1908 bezw. 42 Pf. und 43 Pf. A u f d a s Versprechen vom Vorjahre nahm man keinen Bezug, man hatte es„vergessen". Nach dem Vor- schlage der Unternehmer hätten die Bauarbeiter in diesem Jahre also 12 Pf., im nächsten Jahre gar 13 Pf. weniger als die Maurer erhalten und den Erdarbeitern wollte man im nächsten Jahre nur 1 Pf. zulegen, während die Maurer 3 Pf. Zulage erhalten. Nach einem weiteren vergeblichen Versuch der Arbeiter, für die beiden Kategorien der Bauarbeiter im Jahre 1908 einen Mehrlohn von je 1 Pf. zu erlangen, trat die vertragslose Zeit ein. Einige ein- sichtsvolle Unternehmer waren zwar gewillt, einige Pfennige Stundenlohn mehr zu zahlen, erklärten aber:„Wir dürfen nicht über die früheren Sätze hinaus bezahlen. die Innung duldet es nicht, denn sonst müssen wir 500 Mark Konventionalstrafe zahlen." Seit den Verbandlungen waren 5 Monate ins Land gegangen und eine im August aufgenommene Lohnstatistik ergab, daß der Durchschnitts- lohn nur noch 36� Pf. betrug, während er im März noch auf 37>ch Pf. stand. Am 5. September nun erneuerten die Arbeiter ihre Forderungen von 40 und 45 Pf. pro Stunde. Die Unter- nehmer machten bei den erneuten Verhandlungen nicht/ die min- besten Aussichten auf eine zum Lohn der Maurer im Verhältnis stehende Lohnerhöhung, sie suchten im Gegenteil die Angelegenheit zu verschleppen, worauf die Arbeiter mit der Sperre einiger Bauten antworteten, die nun zur Arbeiteraussperrung ge- führt hat. Bluoland. Der Kampf in Antwerpen. Antwerpen, 23. September.(Eig. Ber.) Die Unternehmer spekulieren auf eine Versandung des Streiks, weil jetzt ziemlich vollzählig die Arbeiter der„Nations" arbeiten und am Sonnabend eine Arbeitsaufnahme der Erz- und Kohlenverlader angekündigt wurde. Gestern nun haben die dem katholischen „Dokeverkersbond" angeschlossenen Hafenarbeiter— es wird die Gesamtzahl mit 1100 angegeben— die Erklärung abgegeben, sich heute zur Arbeit unter den alten Bedingungen zu melden, nachdem sie mit naivem Vertrauen ein Schreiben der Födöration beifällig zur Kenntnis genommen hatten, in dem ihnen ihren Wünschen im Schöße der berüchtigten„Union" natürlich— „größtmöglichst Berücksichtigung in Aussicht gestellt wurde. In den heute verteilten Aufrufen werden die katholischen Docker, die anfangs den Kampf im Einvernehmen mit der sozialistischen Docker- Organisation führten, heftig angegriffen. Der Aufruf führt weiter aus, daß die Sache der Streikenden davon abhängt, daß heute und morgen kein Arbeiter auf den Schiffen mit Holz und Getreide Verladearbeit leistet. DaS Antwcrpener Gericht hat in der Sache der Firma Dreyfus entschieden, daß kein Grund vorliege, wegen Be- einlrächtigung der Freiheit der Arbeit gegen die„Födöration" vor- zugchen. Der§ 310 besteht, was die belgische Sozialdemokratie aller- ding« schon von länger her weiß, also nur für die A r b e i t e r I— Daß die Arbeiter, die sich auf den Schiffen zur Arbeit melden, das Versprechen geben müssen, keine Prozente für den Streikfonds ab- zuliefcrn, wenn anders sie Arbeit bekommen wollen, ist natürlich auch keine Pression, die in den Augen der Unternehmer nach§ 310 strafbar ist. Und versteht sich, auch in den Augen der Gerichte. Hafenarbeiterstrrit zu Rotterdam. Amsterdam. 23. September.(Eig. Ber.) In einer am Sonntag zu Rotterdam abgehaltenen und von ungestihr 1000 Personen besncblen Versammlung von Hafenarbeitern wurde beschlossen, vorn Montagniorge» ab den ganzen Hafenbetrieb, soweit es Gelrerdeschrffe angebt. stillzulegen: auch diejenigen Schiffe, deren Deckladung Holz ist mit Getreide im Schiffsranm. Diesem Beschlüsse wurde heute morgen von den 2000 Getreide- Hafenarbeitern strikte Folge geleistet, so daß alle Sclirffe mit Getreide stillliege», bis auf 11. wovon 10. die als regelmäßige Streikbrecher furigiereiiden. von.Calariftraters" und 1 von der Schiffebemannung grlöicbt werden. Der vor einigen Tagen errichtete Verein der Scviffsreeder soll Streikbrecher aus England heranzuziehen beab- fichtigen. Aus der Provinz wurden bereits 20 Streikbrecher von den Unternehmern herangeholt._ Ein Erntestreik in Schweben. Auf 11 großen Gütern in der Landschaft Schonen befinden sich die Erntearbeiter im Streik, soweit sie nicht durch Jahreskontrakte gezwungen sind, bis zum 24. Oktober weiter zu arbeiten. Die fest angestellten Arbeiter haben zu diesem Datum ihre Stellungen ge- kündigt und werden sich dann den Streikenden anschließen, falls bis dahin nicht ein Tarifvertrag mit der Landarbeiterorganisation zustande kommt. Sich früher am Streik zu beteiligen, ist für diese Arbeiter nicht möglich, weil sie einer Gesindeordnung aus dem Jahre 1833 unterstehen, wonach sie mit polizeilicher Gewalt ge- zwunaen werden können, weiter zu arbeiten. Hinter den Streikenden steht der Schonenfche Landarbeitervcrband, der jetzt Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstalt l ungefähr 5000 Mitglieder zählt. Es besteht außerdem ein Mittel« schwedischer und ein Nordschwedischer Landarbeiterverband, die zu» fammen ebenfalls an 5000 Mitglieder haben, so daß jetzt bereits 10 000 Landarbeiter Schwedens organisiert sind. Die drei Ver- bände werden sich binnen kurzem zu einer einheitlichen Organisation verschmelzen. Den Gutsbesitzern ist der Streik um so un» angenehmer, als es in diesem regnerischen Jahre so wie so schwer hält, die Ernte rechtzeitig unter Dach zu bringen. Sie suchen sich zwar durch größere Einfuhr galizischer Arbeiter zu helfen, doch haben sie keineswegs hinreichend Ersatz für die Streikenden ge» ftinden. Schwarze Listen senden sie sowohl an die übrigen Land- Wirte wie an Industrielle, um es den Streikenden unmöglich zu machen, irgendwo anders Arbeit zu finden. Auch in der reak- tionären Presse Schwedens wird eine brutale Hetzerei gegen die Streikenden betrieben. Man wirft ihnen Tierquälerei vor, weil die Kühe nicht gemelkt würden; jedoch mit Unrecht, denn das Melken ist Sache der festangestellten Arbeiter und wird, solange ihre Kündigungsfrist nicht abgelaufen ist, nach wie vor besorgt. In den letzten Tagen sind nun Verhandlungen zwischen den Organisationen der Landwirte und der Landarbeiter Schonens angebahnt toorden, und auch der schwedische Landwirtschaftsminister hat sich bereit ge- funden, dabei mitzuwirken. Die Gutsbesitzer wollen jedoch vor» läufig von einem korporativen Arbeitsvertrage nichts wissen. Wahrscheinlich werden sie aber doch, wenn der zur Schlichtung von Arbeitsftreitigkeiten angestellte Staatsbeamte des Distrikts seinen Einfluß geltend macht, nachgeben müssen. Inzwischen ist auch aus einem großen Gut in der Nähe von Gäfle, also in Nordschweden, ein Landarbeiterstreik ausgebrochen. Hier, wie in Schonen, handelt es sich hauptsächlich um Lohn- crhöhungen. Die Streikbewegung der Landarbeiter Schwedens war noch in keinem Jahre so lebhaft und kraftvoll wie jetzt. Sie hatten aber auch noch nie eine so starke Organisation, die solche Kämpfe regelrecht durchzuführen vermag. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Bcrgardeitcrstrcik in Serbien. Belgrad, 20. September.(Eig. Ber.) Am 14. d. M. sind die Bergarbeiter in den Kohlengruben Vrska Cuka(an der bulgarischen Grenze) in den Ausstand ein- getreten, nachdem ihnen der Unternehmer ihren Tagelohn herab- gesetzt und die Arbeitszeit erhöht hatte. Die Polizei hat gleich „interveniert", indem sie den Gastwirten verboten hat, Lebens« mittel an die Arbeiter abzugeben. Heute hat die Bezirksbehörde noch ein Bataillon Infanterie gegen die Ausständigen abgeschickt. Eingegangene DnicKsdmften« Bericht über die erste internationale Konferenz der sozialistische« Jugendorganisationen. Preis 20 Ps. Verlag P. Singer. Stuttgart. Jahresbericht der Arbeiter-Union Zürich vom 1. Januar bis 3l. De» zember l906. 61 Seiten. Buchandlung des Grüllivcreins in Zürich. Berliner Wegweiser mit Pharus-Plan. Preis 25 Ps. PharuS Verlag. Berlin W. 9. Letzte JVachnchten und Depefchen, Zweierlei Recht. Essen, 24. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Stadtverwaltung hat für die Tagung des Kongresses für innere Mission den Teilnehmern den städtischen Saalbau unentgeltlich zur Verfügung gestellt, desgleichen das städtische Orchester. Den Teil» nehmern am Kollgresse wurden von der Stadt 2000 reich auS- gestattete illustrierte Führer durch Essen geliefert.— Als vor wenigen Tagen die Sozialdemokraten ihren Parteitag in Essen abhielten, war von einem derartigen Entgegenkommen der Stadt- Verwaltung nichts zu spüren. Handelte es sich doch da„nur" um Sozialdemokraten, die von vornherein minderen Rechts sind. Keine Klassenjustiz. Duisburg, 24. September.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die erste Strafkammer verurteilte heute den Redakteur Stephan Heise der„Niedcrrheinischen Arbeiterzeitung" wegen Beleidigung des Gerichtshofes zu 500 M. Geldstrafe. Die Beleidigung wurde in einem Artikel gesehen, in dem der Verfasser desselben ein Urteil kritisierte und einen das Urteil als Klasscnurteil charakterisierenden Ausdruck gebrauchte. Beendigung des Antwerpeuer Streiks. Alltlvcrpcn, 24. September.(Privatdepesche des„Vor- ivärts"). Heute nachmittag hat eine von über 4000 Dockern besuchte Generalversammlung die Wiederaufnahme der Arbeit für Tonucrötag beschlossen. Zutritt zu der Ver- fammlung hatten nur die Mitglieder der sozialistischen Tockerorganisation. Ter Arbeitsaufnahmebeschluß erfolgte unter tosendem Beifall einstimmig, nachdem ein Brief des Bürgermeisters Hcrtogs verlesen war, der den Dockern die bestimmteste Zusage gibt, daß sie bei sofortiger Arbeitsauf- nahlne in 14 Tagen eine» Miniinallohn von 5,50 Frank pro Tag erhalten und daß in 8 Tagen sämtliche freiiiden Arbeiter entlasse» werden. Weiter sollen die berüchtigten Arbeits- karten der Federation abgeschafft werden. Diese Bedingungen bedeuten einen vollen materiellen und moralischen Sieg der Docker. Die Versammelten nahmen die Reden der Strerkführer Chapelle, Wieme, Milio sowie des sozialistischen Senators E l b e r s und der Partei- sckretäre Bergmans und Tcmerman, die.sämtlich für Wicdrranfnahme der Arbeit sprachen, mit Jnbel auf. Der Versammlung wohnten die Sekretäre der belgischen Gewerk- schastszentralen bei. Die Haltung der Versammelten war vorzüglich. Unter Absingung soziolistischer Lieder wurde die einen imposanten Eindruck machende Versammlung geschlossen. Die Pest in San Francisco. San Francisco, 24. September.(W. T. B.) Bis jetzt sind hier 42 Fälle von Bubonenpest vorgekommen, von denen 24 tödlich ver. laufen sind. 25 der pestverdächtigen Personen sind unter Be- obachtung gestellt. DaS Spiele» mit Zündhölzern. München, 24. September.(B. H.) In Wositz bei Eger spielten Kinder in einer Scheune mit Zündhölzern wobei die Scheune niederbrannte, ebenso wurden 13 Wohnhäuser einaeäschert 23 Familien sind obdachlos und ihrer Habe beraubt. Krieg im Frieden. Belgrad, 24. September.(W. T. B.) Während einer Uebung der Belgrader Garnison in der Nähe des Dorfes ZelcSnik explodierte beim Laden eine« Geschützes eine Patrone, wodurch ein Korpvral schwer und zwei Artilleristen leicht verwundet worden sind. Neberschwemmung. Madrid, 24. September.(W. T. B.) AuS Malaga wird gemeldet, daß die Flüsse G u a d a l und M e d i n a über ihre Ufer getreten sind und den ganzen tiefergelegenen Teil der Stadt über- schwemmt haben. Es wurden bereits zwei Leichen aufgefunden. Man befürchtet, daß zahlreiche Personen ertrunken sink_ iaul SingerLcCo., Berlin ZW. Hierzu 3 Beilagen"«. UnterhaltungSblatt Nr. 224. 24. Jahrgang. 1. Irilop to Jatmiitls" Knlim JolbMnlt. Pittmifi, 25. Zeplmbn IM. Die Partelprefle über den Parteitag. „Bolsbote"(Stettin): „Prinzipielle Gegensätze sollten eigentlich innerhalb der deutschen Sozialdemokratie nicht bestehen über die beiden Fragen Militarismus und Kolonialpolitik, die diesmal in so auffälliger Jorm vor dem Parteitag erörtert wurden. Wir halten aber auch die Befürchtung solcher prinzipieller Differenzen für grundlos. Die deutsche Sozialdemokratie ist sich völlig einig in ihrer prinzipiellen und energischen Bekämpfung des Militarismus, der sich nach dem Willen seiner interessierten Lobredner nicht so sehr gegen den äußeren, als vielmehr gegen den inneren Feind, wider das arbeitende Volk, die klassenbewußte Arbeiterschaft richten soll. Tie erregte Auseinandersetzung über den Fall Noskc erscheint uns wenig angebracht. Auch uns haben manche Partien der Reichstags- rede des Genossen Noske nicht gefallen, aber deshalb glaubten wir doch nicht, daß damit eine Revision unserer militärpolitischen Haltung inszeniert werden sollte. Nun soll im Kriegsfalle die Haltung der Partei von der Frage, ob Angriffs, oder V e r- teidigungskrieg, abhängig gemacht werden. Wir halten einen solchen Standpunkt für falsch und die Fragestellung für irreführend, stimmen vielmehr hier dem Genossen Kautsky zu, der in solchen Fällen die Haltung des Proletariats durch die Interessen des proletarischen Befreiungs-. kämpf es bestimmt wissen will. Als bestes Mittel zur energi- schen Bekämpfung des völkcraussaugenden Militarismus erscheint uns immer noch die eifrigste Aufklärungsarbeit in den Arbeiter- massen. Haben wir nur erst die Köpfe dieser Massen, nun. so wird uns später das übrige auch nicht mehr so schwer fallen. Noch ein Wort zur K o l o n i a l d e b a t t e. Das erfreuliche Ergebnis ist: die Partei verharrt der kapitalistischen Kolonial- Politik gegenüber in scharfer Oppositions st eilung, was natürlich nicht ausschließt, daß sich wie bisher auch unsere Genossen im Reichstage für die Verbesserung der sozialen Lage der koloni- sierten Völkerschaften zu bemühen haben...." „Königsberger BolkS-Zeitung": „Genosse Bebel machte wieder den Unterschied zwischen Ver- IcidigungS. und Angriffskriegen; er meinte so ungefähr, wenn Deutschland zum Angriff gegen daS Ausland vorgehen würde, so würde das Herz der deutschen Arbeiterklaffe natürlich nicht für den Sieg der germanischen Eroberer schlagen; wenn aber unser Vaterland angegrisfen würde, so würden wir sogar, soweit wir nicht militärpflichtig sind, voll Begeisterung den Schießprügel er- greifen, um Deutschland zu verteidigen. Und auf den Einwand, daß die besitzenden Klassen sich immer als die Angegriffenen hin- stellen würden, meinte Bebel, an unserer Einsicht würde der Ver- such scheitern, einen Angriffskrieg in einen Verteidigungskrieg umzulügen. Wie leicht der Unterschied zu machen sei, gehe— so meinte Bebel— daraus hervor, daß zum Beispiel im oft- asiatischen Kriege unzweifelhaft Japan der Angreifer gewesen. Es kommt aber nicht darauf an. wer zuerst die diplomatischen Be- Ziehungen abbricht oder den ersten Schuß abfeuert. Wenn Japan als Angreifer Ruhlands gelten soll, so waren im Burenkriege die Engländer die Unglücklichen, die zur Verteidigung genötigt waren. Japan mußte jeden Tag fürchten, daß Rußland den Anfang macht. Es ist kein durchsichtiger bürgerlicher Schwindel, den sozialdemokratische Weisheit entschleiern kann, wenn beide Teile nach Ausbruch eines Krieges behaupteten, angegriffen zu sein; auch bei Schlägereien glauben zumeist beide Parteien in Notwehr gehandelt zu haben und die Gerichte sind ungerecht, wenn sie nur einem von beiden Teilen Glauben schenken.... Mit Genugtuung erfüllt uns daher die Annahme deS An- irageS, der uns die Agitation unter der Jugend zur Pflicht macht. Wir freuen unS. daß die von uns gebilligten Beschlüsse deS i n t e r- nattonolen Kongresses, also auch der über die K o l o n i a l f r a g e, die einstimmige Billigung deS Parteitages gefunden haben. Mit Genugtuung erfüllt eS uns, daß die von unS eingehend begründete Notwendigkeit eineS Nachrichten» b u r e a u s für unsere Parteipreffe vom Parteitag nicht verkannt worden ist. Die Annahme des Antrages Wurm zur Alkohol, frage entspricht unserem Standpunkt; gegen die Regelung. welche die Maifeierfrage gefunden hat, haben wir Ein- wände nicht zu erheben. Hoffentlich werden Parteivorstand und Generalkommission einen praktischen Weg zur Unterstützung der anläßlich der Maifeier Ausgesperrten ausfindig machen. Die prinzipiellen Bedenken gegen die Unterstützung halten wir für un- begründet; wir sehen darin keine Abschwäckmng der Maifeier. Im Gegenteil! Die Beteiligung an der Arbeitsruhe kann nur wachsen, wenn die Arbeiter wissen, daß der einzelne die Folgen einer etwaigen Maßregelung nicht allein zu tragen braucht." „Sächsische Arbeiterzeitung"(Dresden): »... Während in Stuttgart(!8g8) jene Periode begann, in der die Meinungsverschiedenheiten unter den Parteimitgliedern zu immer erregteren Auseinandersetzungen und zu schweren Schädi» gungen der Partei führten, welche Periode ihre extremste End Wickelung auf dem Parteitag in Dresden fand, erscheint nun auf dem Parteitag in Essen die Partei in dem Willen einig, daß Meinungsverschiedenheiten nimmermehr in Bruderzwist ausarten dürfen, daß ruhige Würdigung der Ansichten anderer und parteigenössische Toleranz die Vorbedingungen sind für die absolut notwendige Einigkeit der gegen eine Welt von Feinden kämpfenden Arbeiter- klaffe, für die zu erhaltende und zu stärkende Aktionskraft deö deutschen Proletariats. ... Die Frage des P r e tz b u r e a u S ist in größter Sachlich- keit zur Erledigung gelangt, so daß auch diejenigen— und es sind deren wohl nicht wenige—, die Bedenken gegen die Verstärkung deS zentralistischcn ParteiapparatcS haben, auf jede Erörterung im Plenum verzichten konnten. Dann hatten wir die größeren Auseinandersetzungen über die Militär-, Kriegs- und K o l o n i a l f r a g e. Es waren nur leichtere Plänkelgefechte. ES gab keine neuen Entscheidungen, Festlegungen oder gar Ver- dammniSbeschlüsse, eS gab aber auch keinen Anlaß zu fortdauernder Verbitterung, vielmehr konnte der eine vom anderen lernen, und jeder wird, obfchon diese Auseinandersetzungen nicht einmal sehr eingehende und systematische waren, Gewinn daraus schöpfen. Unser Urteil über diese Frage selbst haben wir sckon in den früheren Artikeln vom Parteitag ausgesprochen. Es genügt, nochmals zum Ausdruck zu bringen, daß der Parteitag, indem er einmütig die Bc- schlüsse des Stuttgarter Internationalen Kongresses billigte, d i e entschiedene Kampfes st eilung der Partei gegen alle Ungerechtigkeiten des Militarismus. gegen alle K r i e g s t r e i b e r e i e n und Völker- Verhetzungen, gegen alle K u l tu r w i d r i g k e i t e n der kapitalistischen Kolonialpolitik durchaus bekräftigt hat." „Tribüne"(Erfurt): »... DaS Prcßbureau ist zur Tatsache geworden, möge es e?ne gute Waffe zur Verbreitung vermehrter Aufklärung werden. Die„Militärfrage" ist im besten Sinne gelöst worden, indem durch die scharfe Debatte die Notwendigkeit für alle kräftig unter- sirichen wurde, den Kampf gegen den Militarismus in der ent- schiedensten. ober an den weithin sichtbaren Stellen der Partei auch in der klarsten und grundsätzlichsten Weise zu führen. Dem Mißbrauch mit dem nicht glücklichen Ausspruch vom„die Flinte auf den Buckel nehmen" ist damit ein•Stiegel vorgeschoben. Für das Proletariat können in der Kriegsfrage nur immer d i e wirklichen Interessen des Proletariats die einzig mögliche Richtschnur geben...» In der Kolonialfrage ist durch einstimmige Sanktion der Stuttgarter Resolution bis auf weiteres eine Situation geschaffen worden, die in ihrem Ergebnis wohl klar ist, deren Weg aber keine ungemischte Befriedigung gewähren kann. Gleichwohl hat hier der Parteitag das erhoffte Richtige getroffen. Ueber die Ergebnisse und Lehren der ReichstagSwahl ist so gehandelt worden, wie daS nicht anders denkbar war. Das „Niederreiten" kann nur den schärfsten Klassenkampf stärken, der, wie Bebel glücklich betonte, durch Erweiterung der Grenzen, durch taktvolle Heranziehung aller Schichten, die am Kapitalismus kein Interesse haben, noch umfassender zu machen ist." „BolkSblatt"(Halle): „Anläßlich deS von Singer erstatteten Berichtes über den internationalen Kongreß in Stuttgart lebte die Streitfrage wieder auf, ob von einer sozialdemokratischen Kolonialpolitik gesprochen werden dürfe oder nicht. David geriet mit Kautsky und Ledcbour hart aneinander; doch schon nach wenigen Stunden der Debatte hatte der Parteitag das Interesse an weiteren Auseinander» setzungen über diese Frage verloren, nachdem sich— was von vornherein selbstverständlich gewesen war— herausgestellt hatte, daß in der Verurteilung der kapitalistischen Raubpolitik in den Kolonien keinerlei Meinungsverschiedenheit bestand und gleiche Uebereinstimmung darüber herrschte, daß der Sozialismus bc- rufen sei, auch den Völkern in den Kolonien wirkliche Kultur zu bringen. Einige Heißsporne wollten zwar Bebel nicht recht geben, der gesagt hatte, das Ganze sei eigentlich nur ein Streit um Worte; aber der Parteitag ließ in seiner übergroßen Mehrheit keinen Zweifel aufkommen, daß er der gleichen Meinung sei." „BolkSblatt"(Bochum): „Der Parteitag ist zu unserer Freude harmonisch verlaufen. und die agitatorische Wirkung, die für unser Revier davon zu er- warten ist, wird nicht zu unterschätzen sein. Die Auseinander- setzungen über die Militär- und die Kolonialfrage waren zwar nicht ganz frei von unangenehmen Nebenerscheinungen, im großen und ganzen verliefen sie in angemessenen Formen. Der politische Ertrag der Verhandlungen hätte größer sein können. Die Ablehnung der Behandlung der Wahlrechtsfrage für die Einzelstaaten hatte von vornherein die Möglichkeit ahgeschnitten, die einzige brennende Frage der Gegenwart, die Frage des preu- ßischen WahlechtS, ausgiebig zu behandeln. Sie hätte sich aller- dings noch bei Besprechung der Reichstagswahlcn und der poli- tischen Situation behandeln lassen. Die preußische Wahlreform ist ein Bestandteil der Blockpolitik im Reiche, unmittelbar mit ihr verknüpft. Der Parteitag selbst hätte durch gründliche Bchand- lung der Frage gewonnen, und er hätte erheblich dazu beitragen können, die Erkenntnis von der Notwendigkeit und Dringlichkeit deS Kampfes ums preußische Wahlrecht gerade jetzt immer weiter auszubreiten und immer tiefer und fester in die Köpfe zu hämmern, Die deutschen, insbesondere die preußischen Arbeiter müssen er- kennen lernen, daß es für die Arbeiterklasse Deutschlands kein Heil gibt, bevor nicht die preußische Junkerherrschaft gestürzt ist; die Junkerherrschaft aber dokumentiert sich im preußischen Klaffen- und Herreuparlament."_ Fracft— Aasten rock! Ist schon die Medizin, die Lehre vom kranken Menschen, eine demokratische Wissenschaft— vor dem Tode sind wir alle gleich—. so kann man Hygiene und Demographie fast als sozialdemokratisch denunzieren. Oeffentliche Gesundheitspflege und Völkerstatistik haben eS vorzugsweise mit der Masse der Besitzlosen zu tun, sie lehren auf allen Blättern die Abhängigkeit deS Einzelnen von der Gesamt- heit, den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Gesundheit, zwischen Elend und Epidemien; sie wirken aufreizend und verhetzend, indem sie die Wohnungsmisere und die Sterbeziffern der Armen feststellen, die Abhängigkeit der Eheschließungen, der Geburten, der Slerbefälle von der Verteuerung der Lebensmittel zahlenmäßig be weisen; sie bereiten selbst den Boden vor für eine zukünftige, kollektivistische Gesellschaft, indem sie die hygienischen Forderungen feststellen, welche beim Zusammenleben von Menschenmassen unter gleichen Bedingungen, in den modernen Riesenstädten, in Häusern, Schulen, Arbeitsstätten usw. erfüllt werden müssen. Von Demokratie und sisif Sozialdemokratie ist nun freilich beim internationalen Kongreß für Hygiene und Demographie, der beute im Volkshause des Deutschen Reiches zusammentritt, nichts zu spüren. Für den Geist, welcher diese wissen- swastliche Tagung beseelt, läßt sich kaum ein besseres, bez ichnenderes Merkmal auffinden— ex ungue leonem")!— als die Sorgfalt bezüglich der den Mitgliedern, resp. Besuchern vorgeschriebenen— Kleidung. Frack oder Waffenrock— das ist seine Devise. Zur Eröffnung des Kongresses und der Hygieneausstellung am Montag heißt es: Anzug: Frack. Waffenrock; zum Empfang des Kongresses durch die Stadt im RathauS am Dienstag: Anzug- Frack. Waffenrock; zum Festmahl am Mittwoch nachmittag im LandeSauSstellungSpark: Anzug: Frack. Waffenrock; zur Festvorstelliing in den kgl. Theatern am Donnerstag Anzug: Frack, Waffenrock usw. Doch nein, für die beiden letzten Kongreßtage finden wir aus- drücklich iin Programm vermerkt: Anzug beliebig. Nunmehr dürfen auch diejenigen minderwertigen Elemente, die weder einen Waffen- rock noch Schwalbenschwänze aufzuweisen haben, an den verbleibenden festlichen Veranstaltungen teilnebmen. Kein Wunder daher, daß mich, als ich heute um die Mittagszeit, von der Praxis kommend, in meinem„beliebigen" Anzug und sogar ohne Zylinder daS ReichStagSgebäude betrat, der am Eingang postierte Beamte scharf musterte und fragte, ob ich Kongreßmitglied sei und diese Befragung mit Auge und Mund ein zweites und drittes Mal wiederholte, als ich mehrmals Portal lV zu passieren wagte. Man glaube nur nicht, daß diese Betonung des Kleiderzermoniells auf solchen Kongreßlagungen überall sonst gang und gäbe wäre. Als ich 1834 am X. internationalen Kongreß für Hygiene und Demographie in Budapest teilnahm, habe ich nichts davon gc- spürt, geschweige denn ausdrückliche Bestimmungen darüber wie hier in allen drei Kongreßsprachen im Programm gefunden. Nein, das ist eben Preußen. daS Land der Dreiklassenwahl. des Kastengeistes und Standesdünkels, in dem die„Kanaille" nichts zu sagen hat, in dem die gesellschaftliche Klassenscheidung sich selbst in den lokalen Verkehrsmitteln dokumentiert, in dem oie Minister in EskarpinS zu Hofe befohlen toerden; das Land, in dem auch„beim Zivil" der Mensch nichts, der Reserveoffizier alleS gilt, das Land, in dem ein Hochschullehrer ungestraft, selbst ohne Widerspruch zu finden, die Universitäten als die Leibgarde der Hohenzollern bezeichnen konnte. Dieser Geist der preußischen Subordination und Disziplin, der in Frack und Waffenrock eingeschnürten Wissenschast kennzeichnet die ganze Organisation des Kongresses. Wir zweifeln nicht, die Kongreß- lcitung wird mit Glanz die fürchterliche Aufgabe bewältigen, 4S00 Menschen— so viele Mitglieder aus aller Herren Länder sollen be- reit» eingezeichnet sein--- eine Woche fast ununterbrochen zu unter- halten und zu amüsieren. Ob aber die Wissenschast dabei zu ihrem Reckt kommen wird, ob die bei solchen Maffenaufgeboten längst zur Nebensache gewordene ernste Arbeit(„Zweck des Kongresses ist die wissenschaftliche und praktische Forderung der gesamte» hygienischen ") An der Kralle erkennst Du den Löwen, an kleinen Aeußer- lichkeitcn das Wesen. und demographischen Bestrebungen") durch all den offiziellen Klimbim mit seinem kostspieligen Prunk und Pomp, die Festreden und Festessen, die Empfänge und Ausflüge, die Konzerte und Theatervorstellungen, mit einem Wort: durch Frack und Waffen- rock nicht ganz erdrückt werden wird, das muß diese Woche zeigen. Die Konareßordnuna setzt für Referenten und Korreferenten höchstens je 20 Minuten fest, eine Zeit, die gerade ausreicht,� die bereits gedruckt vorliegenden Thesen zu erläutern, nicht irgend ein Thema wissenschaftlich zu behandeln— mein Referat in Budapest nahm nrehr als die doppelte Zeit in Anspruch. Und für die DiS- kussion stehen gar den Rednern 5,. sage und schreibe: fünf Minuten zur Verfügung, mehr als zweimal darf niemand bei demselben Gegenstand das Wort ergreifen. Echt preußische Freiheitl Ich fürchte, es dürften nicht niele den Mut haben, überhaupt anzufangen, immer in der Angst, nach fünf Minuten guillotiniert zu werden— und, wer weiß? Vielleicht steckt hiittcr diesem Artikel 10 diese geheime Absicht; wozu lange diskutteren und damit die pünktliche und vollständige„Erledigung" des Programms in Frage stellen! Und von echt preußischem Geiste zeugt auch Arttkel S, nach dem dem OrganisattonSkomitce ohne weiteres das Recht zusteht,„ihm nicht geeignet erscheinende Personen von der Mitglied- schaft auszuschließen"— also auch Leute ohne Frack und Waffenrock, Herren oder Damen, die sich zwar„wissenschaftlich oder praktisch mit der Hygiene und Demographie beschäftigt haben" und bereit sind, die 20 M. als Mitgliedsbeitrag abzuladen. aber deren Nase dem Komitee nicht gefällt. Als ich gegen 2 Uhr einen Blick in die Ausstellung werfen wollte, die programmmäßig um 1 Uhr durch den Kronprinzen er« öffnet werden sollte, wurde den zahlreichen Einlaß begehrenden Mitgliedern bedeutet, daß es noch mcht so weit wäre— jetzt kämen erst die hohen und höchsten Herrschaften und andere bevorzugte Mitglieder dran— die Uniformierten hatten den Vortritt. Ja, ja— Frack und Waffenrock I Arme Hygiene! Arme Demographie 1 Z. voll der Lukherrlchast der Stadt Berlin. Als vor kurzem Professor Wagner gegen die Berliner städtische Verwaltung auf dem Evangelisch-sozialcn Kongreß den sehr herben Vorwurf aussprach, die Berliner städtische Verwaltung sei sozial. politisch die rückständigste, konnte man zwar hervorheben, daß Professor Wagner und seine Freunde zur Erhebung dieses Tadels nicht gerade die Berufensten sind, weil die ihnen nahestehenden politischen Freunde in praktischer Sozialpolitik nichts weniger als Musterleiftungen aufweisen. Aber die Berechtigung des Vorwurfes mußte trotz des Entrüstungssturmes, den die liberale Press« durch- brauste, von jedem, der die städtische Verwaltung kennt, anerkannt werden. Unablässig hat die Sozialdemokratie die städtische Ver» waltung gemahnt und gedrängt, ihren sozialen Aufgaben gerecht zu werden. Und doch ist bis heute den in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeitern noch nicht einmal das gewährt, was in einer Reihe von Großbetrieben längst durchgeführt ist. Hierzu treten die wiederholten Versuche, die gewerkschaftliche Tätigkeit und Zu- geHörigkeit der Arbeiter offen und versteckt zu bekämpfen. Schon vor Jahren ist darauf hingewiesen worden, wie unleidlich die Verhältnisse auf den Gütern, die die städtische Verwaltung in Besitz hat, sich gestaltet haben. Die städtische Verwaltung nimmt hier eine Stellung zu den Arbeitern ein, die sich kaum von der eines östlichen Großgrundbesitzers unterscheidet, der die Arbeiter ganz seiner Willkür und Laune unterstellt wissen will. Die Ber- liner Gutsverwaltung zahlt auf ihren Rieselfeldern den Arbeitern noch immer so niedrige Löhne, daß einheimische Arbeiter nach einer Anstellung in städtischen Diensten nicht lüstern sind und für die städtischen Güter deshalb jaußländifche Arbeiter in Masse an- geworben und auf ihnen beschäftigt werden. Ein Fall aus der Praxis, der typisch dafür ist, welche soziale Fürsorge die Gutsverwaltung Berlin ihren Arbeitern angedeihcn läßt und der auch fernerhin einige interessante Schlaglichter auf die staatliche und sozialpolitische Fürsorge wirft, soll hier einer ein- gehenden Besprechung unterworfen werden. Der Arbeiter D., der auf dem Rieselgut Osdorf seit dem Jahre 1301 beschäftigt war, erlitt am 5. September 1904 einen schweren Unfall. D. war damit beschäftigt, die Ochsen eines Ge- spannes zu tränken, als eine? der Tiere unruhig wurde, stürzte und dabei den Arbeiter hinterrücks schwer gegen den Trog drückte. Im Krankenhaus, wo der Verletzte Aufnahme fand, wurde fest- gestellt, daß D. eine Quetschung des Brustkorbes, der unteren Brustseite, der Leber- und der Magengegend erlitten hatte. ES stellten sich Magenblutungcn ein, denen"später ein Magengeschwür folgte, eine Erkrankung, die eine erhebliche Entkräftung deS Mannes herbeiführte. Der Verletzte erhielt deshalb, nachdem er verschiedent- lich im Krankenhause Lichterfelde, im Krankenhause am Urban zu Berlin und schließlich bis zum 2g. Februar 1905 im Kranken- Hause zu Britz gewesen war, für eine kürzere Zeit die Vollrente und nach der Entlassung aus dem Krankenhause eine Rente von 80 Proz., die den JahreSbetrag von 108 M. ausmachte. Den vor« handenen Rest seiner Arbeitsfähigkeit zu verwenden war dem D. nicht möglich, denn von der Gutsverwaltung Osdorf erhielt er keine für ihn geeignete Beschäftigung. Der Herr Administrator hatte entdeckt, daß D.—„simuliert" und nicht arbeiten„will". und so erhielt er überhaupt keine Beschäftigung. Es befand sich der Verletzte in einem Zustand, der eine selbst leichte andauernde Arbeit unmöglich machte: die fortschreitende Entkräftigung bei dem schon früh gealterten und durch andere Leiden an seiner Wider- standskraft gebrochenen Mann hatte seine Arbeitsfähigkeit ganz aufgehoben. Schon eine flüchtige Beobachtung mutzte jedem be- stätigen, daß es sich hier um einen schwer leidenden Mann, aber nicht um einen Simulanten handelt, dem auch aus dem Unfall sicherlich ein höherer Rentenanspruch zustand, als 80 Proz. Trotz- dem kam die V.andenbnrgische landwirtschaftliche Berufsgenossen- fchaft schon am 24. Oktober 1905 zu dem Entschluß— dem Mann die Rente zu entziehen, weil er wieder vollständig gesund sei. Die ärztlichen Gutachten konstatierten zwar, daß daS Körpergewicht des ManneS von 128 auf 115 Pfund gesunken war, aber ein Unfall- leiden sei nicht vorhanden. Mit einem Schlage waren damit oem Mann und seiner ebenfalls in ihrer Arbeitsfähigkeit sehr ge- schwächten Frau vollständig die Subsistenzmittel entzogen. Die Armenverwaltnng, und zwar die Gemeindebehörde in Grotz-Lichter- felde— denn die Gutsvcrwaltung hat ihre Arbeiterwohnungen nicht in den Bezirk der Gutsverwaltungen, sondern nach berühmtem Muster ostpreutzischer Junker in eine anliegende Gemeinde gelegt— mußte nunmehr für den Mann eintreten und Armen- Unterstützung gewähren. Damit aber nicht genug, kam die Guts- Verwaltung und kündigte nunmehr dem kranken, erwerbsunfähigen Arbeiter die elende GutSwohnung und drohte, ihn aufs Strafen» Pflaster zu setzen, wenn er die Wohnung nicht räumt. In seiner Verzweiflung suchte nunmehr der Mann Rechtsschutz nach, der ihm von sachkundiger Hand zuteil wurde. Von dieser Stelle wurde zunächst indirekt die städtische Verwaltung gebeten, von ihrem Vorhaben Abstand zu nehmen und dem Mann zum mindesten diese dürftige Unterstützung zu belassen, da er doch immerhin in Diensten der Osdorfer Gutsverwaltung um den Rest einer Arbeitsfähigkeit gekommen war. Vorläufig gelang eß, das Vorhaben der Gutsvcrwaltung zu inhibieren. Bei einer näheren Prüfung der Unfallsache ergab sich, daß von der dürftigen Unfall. rente deS armen Verletzten die Betriebskrankenkasse der Stadt- gemeinde Berlin und die Armenvcrwaltung in Groß-Lichterfelde 91.75 M. eingefordert hatten. In dem Bescheid der BerukSaenossen- schaft war in Widerspruch mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht angegeben, wie groß der Anspruch der Kranlenkasse war und wie �die Arnrenverwaltung ihren Anspruch begründet hatte. Eine Nach- Prüfung war dem Vertreter des Verletzten nicht möglich. Dem Verletztem war einfach nur mitgeteilt, die Betreffenden verlangen diese Snmme. Die nach dem llnfallversichcrungSgesetz für die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter erforderliche Zustimmung für die Aiufrechnung der Rentenbeträge, die die Armenverwaltung und Krsmkenkasse forderten, wunde von der letzten überhaupt nicht eingeholt:.- Ferner stellte sich heraus, daß der Kassenarzt dem Ver- letzten, luachdem die Unterstützur gsperiode abgelaufen war, noch für 4,20 Nk. Milch verordnet hatte. Da der Verletzte keinen An- spruch mehr auf diese Leistung hatte, mußte er nachträglich die 4,20 M. aus eigenen Mitteln oef:reitcn; die Krankenkasse lehnte die Zahlung ab. Auf die Vorstellung seitens des Rechtsbeistandes an den Vorstand der Krankenkasle wurden sodann die 4,20 M. wieder zurückgezahlt. Ferner wurde an die Berufsgenossenschaft die Anfrage gerichtet, in welcher Weise die Rentenbeträge für die Krankenkasse und Armenverwaltung aufgerechnet wurden, da die Absicht bestehe, gegen die viel zu hohe Aufrechnung den Klageweg zu bestreiten. Die BcrufSgenossenschaft antwortete auf diese An- frage überhaupt nicht. Während dieser Zeit waren dir Verhältnisse der Eheleute so elend geworden, daß die Frau in ihrer Verzweiflung betteln ging. denn die Ausgabe für die Nahrung, die nur noch aus Kartoffeln und ein wenig Schmalz bestand, konnte nicht mehr bestritten werden. Und um den Jammer noch zu erhöhen, wurde die Frau vom Gendarmen beim Betteln abgefaßt. Anscheinend hatte aber die Polizeiverwaltung ein menschlicheres Empfinden als die Guts- Verwaltung. Sie ließ die Bettlerin nach einem strengen Verweis laufen. Wäre nicht in der weiteren Folge aus Privatmitteln Geld zur Verfügung gewesen, um die bitterste Not dieser Guts- arbeiter aus der Gutsherrschast Berlin zu lindern, so wäre sicherlich beiden Eheleuten nichts übrig geblieben» als bettelnd auf der Landstraße umherzuziehen. Trotzdem aber vertrat immer noch der Herr Administrator Forselius, der Gutsverwalter in Osdorf, die Meinung, D. sei ein auSgcfeimter Simulant und er bekomme nichts ohne seine Zu- stimmung. Selbst aber, wenn er nicht simuliere, könne er auf dem Gute keine Arbeit bekommen, weil das ein Stattgeben der Be- schwerde bedeute, unter dem das Prestige der Gutsverwaltung leiden würde. Liegt in dieser Anschauung ein Unterschied gegen die Hcrrenmoral der ostelbischen Junker gegen die landwirtschaft- lichen Arbeiter? Und diese sozialpolitisch rückständige Maßnahmen des Administrators ist voll der freisinnigen städtischen Verwaltung anzurechnen, denn sie geschehen keineswegs ohne Wissen der städtischen Verwaltung. Wiederholt sind sie in der Deputation für die Verwaltung der Nieselgüter besprochen und ist dort ver- fucht, auf gütlichem Wege eine Einkehr zu verständigen sozial- politischen Maßnahmen zu bewirken. Indes die Vorstellungen fanden in der städtischen Verwaltung keinen Anklang. Immer un. gestümer drängte der Herr Administrator Forselius auf die Räumung der Gutswohnung, um dem Nachfolger des D. die Wohn- stätte übergeben zu können. Bei der elenden Ernährung verschllimmerte sich natürlich der Zustand dcS invaliden Gutsarbeiters so, daß er eines Tages auf der Straße ohnmächtig zusammenbrach und die Polizei die Ueber- führung nach dem Krankenhanse in Potsdam anordnete. Nach. dem hier der Kranke wieder etwas zm Kräften gekommen war, entließ man ihn. Im Anschluß an Äesen Vorgang wurde nun- mehr an die BerufSgenosscnfchoft ein Amtrag auf Uebernabme eines neuen Heilverfahrens und Gewährung einer höheren Rente gestellt. Da die Berufsgenossenschaft dem Verletzten keinen genügenden Bescheid erteilte, wurde gegen das Verfahren Beschwerde beim ReichS-BersichcruiigSamt eingelegt. Diese Beschwerde hatte den Erfolg, daß die Berussgenossenschaft schließlich öS M., die dem Verletzten zuviel von seiner Rente abgezogen worden waren, zurück- zahlte. Mittlerweile zog sich aber durch die Beschwerde und auch durch das Verfahren vor dem Schiedsgericht, wo die Aufhebung der Rente angefochten war, die Angelegenheit außerordentlich in die Länge. Zum Unglück gelangte der Mann auf Weisung des Schieds- gerichts an einen Arzt zur Begutachtung, der unter dem Bann der Beschuldigung und Einbildung stand, der Arbeiter D. simuliere. Zu welcher unglaublichen Beurteilung unter Umständen sonst an- gesehene ärztliche Gutachter infolge der Idiosynkrasie gegen die Möglichkeit gelangen können, daß ein Unfallverletzter Arbeiter eine Unfall„rente" erhalte, mag folgendes illustrieren: Der Gutachter hatte behauptet, D. fei ein ziemlich kräftig gebauter Mann in gutem Eunährungszustande, die Muskulatur ist gut entwickelt. Von einer allgemeinen Schwäche des D. kann mit Rücksicht auf den guten Ernährungszustand und die Muskulatur nicht die Rede sein, deshalb kann D. keine Rente beanspruchen. Diese Beurteilung überstieg denn doch alles bisher in diesem Falle vorgekommene. ES genügte, um dem Mann im Schiedö- gerichtStermin die Arme und die Brustpartien entblößen zu lassen, um darzustellen, daß dieser Mann, der nach Angabe des Professors W. III Pfund wog, wie ein dürres Skelett erschien, an dem Muskulatur überhaupt kaum zu fühlen war, noch weniger von einem guten Ernährungszustände gesprochen werden konnte. Die Leichtfertigkeit dcS Urteils dieses ärztlichen Sachverständigen führte dazu, von einem Arzt, der den Arbeiter D. seit 14 Jahren kannte und ihn wiederholt behandelt hatte, ein eingehendes Gutachten ein- zufordern. Der ärztliche Sachverständige hatte den Patienten zur näheren eingehenden Untersuchung nach der königlichen Charile überwiesen und stellte nunmehr fest, daß der Zustand des D.. soweit der Unfall in Betracht kommt, eine Rente von 30 Proz. rechtfertigt. Demgemäß entschied das Schiedsgericht, nachdem vorher auf An- trag des Rechtsbeistandes von der LandeSversicherungsanstalt Brandenburg auf Grund eines ärztlichen Gutachtens anstandslos die Invalidenrente im Betrage von jährlich 17S,20 M. bewilligt war. Hiervon beansprucht wiederum die Armenverwaltung ihren Anteil für die geleistete Unterstützung, damit der Aermste nur nicht allzuhohe Rentenbeträge auf einmal in Besitz bekommt. Aber all das erschütterte die Ansicht deS Herrn Administrators vom Gut Osdorf nicht. Durch sein Vorgehen verfocht er weiter die Auffassung, die Gutsverwaltung Osdorf habe auf den Arbeiter keine RiuDcht zu nehmen. Auch die Brandenburgische landwirt- schaftliche BerüfSgenossenschaft beruhigte sich nicht mit der Eni- scheidung des Schiedsgerichts, Sie forderte vom Reichs- Ver- sicherungSamt eine Entscheidung in der Sache. Mittlerweile entstand eine neue Komplikation: die Berufs- genossenschaft teilte mit, daß sie die vom Schiedsgericht zu- gesprochene S0prozentige Rente nicht auszahlen kann, weil die LandeS-Dersicherungsanftalt Brandenburg Anspruch auf diese Rente erhebt, um sie gegen ihre Rentenbeträge aufzurechnen. Taraufhin mußte wiederum die Landes- Versicherungsaustalt belehrt werden, daß sie Ansprüche auf diese Rente von Gesetzes wegen nicht zu erheben habe. Es erfolgte dann auch sehr batd von der Landes-Versicherungsanstalt du Erklärung, daß sie solche Ansprüche nicht erhebe. Schließlich wird in der Rekursinstanz am 12. März 1007 der Rekurs der Berufsgenossenschaft zurückgewiesen, und nun endlich gelangt D. in den rechtmäßigen Besitz der 30 Proz. Rente, um die er vom 24. Oktober 1003 bis zum 12. März 1907 gestritten hatte. Aber die GutSberwaltung Osdorf scheint immer noch trotz aller gerichtlichen Entscheide, trotz des ärztlichen Sachverständigen, der den Mann durch Unfall um 30 Proz. in seiner Erwerbssähigkeit beeinträchtigt und durch andere Leiden die volle Invalidität für vorliegend erachtet, in dem in ihrem Betriebe arbeitsunfähig ge- wordenen Unglücklichen einen faulen raffinierten Simulanten zu sehen, der nicht Lust hat, etwas zu tun: er wird vom Gutshof heruntergewiesen. Da er nicht gutwillig die Gutswohnung ver- läßt, wird— die Exmissionsklage angestrengt. So erscheint denn eines Tages der Gerichtsvollzieher, muß aber abziehen, da D. trank zu Bett liegt, und er der Weisung der städtischen Guts- Verwaltung, ihren invaliden Arbeiter auf den Straßendamm zu setzen, nicht Folge leisten kann. Aber nach einigen Tagen gelingt es ihm, D. zu überraschen, als er einige Stunden auf ist. Im Handumdrehen sind die paar dürftigen HauSgeräte auf die Straße gesetzt. Auf's neue muß nun die Gemeindeverwaltung von Groß- Lichterfelde eingreifen und bietet dem Mann ein dürftiges Asyl. Da sie aber in D. natürlich keinen sehr angenehmen Gemeinde- angehörigen erblickt, so redet sie ihm zu, er möge nur in anderen nachbarlichen Gemeinden Unterkunft suchen. Auch nach der Richtung sind die junkerlich- preußischen Manieren bei der städtischen Verwaltung eingebürgert. Sie überträgt die Lasten der elend bezahlten GutSarbcitcr den nachbarlichen Gemeinden, die gegen den Gutsherrn machtlos sind, und diese wieder versuchen die Aermsten einer anderen freundnachbarlichen Gemeinde auf- zudrängen. Wenn der Arbeiter D. in seinem jahrelangen Streitverfahren ohne Rechtsbelehrung und Schutz gewesen wäre, wäre er längst mit seinen Ansprüchen abgewiesen, ohne daß ihm die nach unseren Versicherungseinrichiungen zustehende geringe Unterstützung zuteil wurde. Wenn sozialpolitisches Empfinden in der freisinnigen städtischen Verwaltung vorhanden wäre, dann würde nicht in einer Weise gegen den elenden, kranken, in ihren Diensten invalid gewordenen Arbeiter verfahren worden sein, wie es hier geschah. Pflicht einer humanen und sozialpolitisch empfindenden Ver- waltung wäre es gewesen, diesen Arbeiter gegen die unrecht- mäßige Vorenthaltung seiner Ansprüche zu schützen. Statt dessen wirft man diesen schwachen, kranken, der Arbeit unfähigen Arbeiter auf die Straße! Will man angesichts solcher Vorgänge, die mit Wissen und nach langer Beratung innerhalb der städtische» Verwaltung vorgekommen sind, noch die Behauptung aufstellen, daß in der freisinnigen Verwaltung sozialpolitische Anschauungrn betätigt werde»? Soziales. Berschlechterung des Bauarbeiterschutzed wird von den Unternehmern mit Macht betrieben, wenn die Ar- beitcrorganisationen nicht ständig auf der Wacht sind. In Bayeicn ist die frühere L an de s kommission für Bauarbeiterschutz aufgelöst, es bestehen nur noch Ortskommissionen! In der Bauarbeiterschutz- kommission für Nürnberg usw. wurde konstatiert, daß hierdurch die Arbeiten sehr erschwert sind und die Handhabe genommen ist, gegen eine Veschlechterung der bestehenden Schutzbcstimmungen mit Erfolg anzukämpfen. Die Unternehmer sind schon am Werke, die Vor- schriftcn zu durchlöchern, so wird z. B. mächtig daraus hingearbeitet. das Verbot des UeberhandmauernS wieder zu beseitigen. Die Kommission beschloß, von der Generalkommission für Bauarbeiter- schütz die Einberufung eines Kongresses für Bayern zu verlangen, der sich eingehend mit dem Stande der Bauarbeiterschutzgcsetzgcbung beschästigen soll. Sollte die Gcneralkommission diesem Ersuchen nicht stattgeben, so sei eS wenigstens notwendig, daß sie große Ver. sammlungen veranstaltet, um gegen die Verschlechterungen der Schutzvorschriften Stellung zu nehmen. Eine Subkomniission, be- stehend aus Vertretern des Hoch-, Tief- und Jnnenbaues, wurde beauftragt, eine ortspolizeiliche Vorschrift, wie sie schon in Augs- bürg und München besteht, auszuarbeiten und den Behörden als Antrag in Vorlage zu bringen. Zentrum und Landarbeiter. In der klerikal- agrarischen„Rheinischen Volks- stimme" wendet sich ein Mitarbeiter vom Lande gegen die Pläne Dr. Heims zur Organisierung der Land» arbeiter.„Nach Dr. Heim," so heißt es da,„sollen also die ländlichen Arbeiter genau so wie die industriellen Arbeiter in Ge- werkschaften organisiert werden. Die Tätigkeit der industriellen Arbeitergewerkschaften ist bekannt. Ihr Ruf lautet immer und überall: Mehr Lohn oderStreik!— mag die Gewerkschaft sich christlich oder rot nennen. Ob die höhere Lohnforderung aerechtfertigt ist oder nicht, kümmert die Gewerkschaftsleute wenig." Ein solcher Zustand wäre aber, da das Vieh gefüttert und die Ernte eingefahren werden müsse, der Ruin der Landwirtschaft; der länd- liche Arbeitgeber werde der Spielball seiner Arbeiter. Von dem Vorschlag Heims. Schiedsgerichte für ländliche Dienst- boten einzurichten, will das Blatt der rheinischen Zentrumsbaucrn ebenfalls nichts wissen. Ein solches Schiedsgericht fei überflüssig: „Der Bauer behandelt �jeden Dien st boten ohnehin s o sorgfältig wie ein roh es Ei, er liest ihm seine WünschesörmlichvondenAugenab. Wenn ein Dienst. böte also fem Schiedsgericht anruft, wird es regelmäßig wohl zu» gunsten des Dienstherrn entscheiden müssen; die Dienstboten werden darum von dem Anrufen des Schiedsgerichts bald Abstand nehmen." Auch der Hinweis auf die„rote Gefahr" schreckt den tapferen Zentrumsbauern nicht. Der verheiratete Landarbeiter, den man zum kleinen Besitzer machen möge, werde sich mit seinem Dienst- Herrn im Bauernverein organisieren und auf diese Weise genügend vor der Verfühning geschützt sein. Die unverheirateten Arbeiter sowie Knechte und Mägde würden„am besten mit anderen Jünglingen und Jungfrauen und mit den Söhnen und Töchtern des Dienstherrn in religiösen Kongregationen or» g a n i s i e r t, mit denen sie dann auch am Gottesdienst teilnehmen und zusammen auf der Kommunion- bank Inieen. Eine solche Organisation ist wahrlich auch im- stände, alle ihre Mitglieder über die rote Organisation aufzu- klären und sie davon zurückzuhalten." Endlich wendet sich der fromme ZcntrumSmann gegen die Anschauung, als ob die Organisation die Arbeiter dem Lande er- halten und wieder gewinnen könne. Dazu seien andere Mittel erforderlich und er schlägt deshalb vor: „1. Knaben und Mädchen dürfen biSgumvollendeten sechzehnten Lebensjahre nicht in industriellen Betrieben beschäftigt werden. 2. Die Kinder werden mit vollendetem dreizehnten Lebensjahre aus der Schule entlassen. 3. Die Kinder, die aus der Schule entlassen sind, werden drei oder vier Jahre lang angehalten, im Winter Fort- bildungS schulen zu besuchen, deren Unterricht den ländlichen und kleingetverblichen Verhält- nissen anzupassen ist." Auf diese Weise hofft der biedere Zentrumsbauer der Jugend die Groß- und Industriestadt genügend zu verekeln und er zweifelt nicht, daß im Z e n t r u m und auf der rechten Seite des Reichs- tages sich tzenug Männer finden, die zu solchen Aenderungen und Ergänzungen der Schul- und Sozialgesetze die Hand bieten; auch hat er das Vertrauen, daß seine Vorschläge auf dem nächsten Katholikentage als Anträge eingebracht werden. Diese Kundgebungen einer braven Zentrumsseele sind durch sich selber genügend gekennzeichnet als eine Probe der sattsam bekannten Anmaßung und' Arbeiterfeindlichkeit des Agrariertums, ob es nun im ultramontanen Gewände am Rhein oder im konser- vativen Gewände jenseits der Elbe haust. Kinderarbeiten in gewerblichen Betrieben. UnterrichtSminister Dr. Holle hat in einem an die Bezirksregierungen gerichteten Er- lasse darauf hingewiesen, daß die tätige Mitwir-bung der Schule bei der Ausführung des Reichsgesetzes vom 30. M ä r z 1003 überKinderarbeiten in gewerb- lichen Betrieben der wirksamen Durchführung dcS Gesetzes förderlich gewesen sei, und daß auf die Führung der Listen über die den Kindern ausgestellten Arbeitskarten streng gehalten wcrd m solle. Doch reichen nach den gemachten Erfahrungen diese Maß» regeln noch nicht aus, um die mißbräuchliche Ausnutzung der Kinder zu gewerblichen Zwecken ganz-zu beseitigen. Deshalb bat der Minister angeordnet, daß, zunächst versuchsweise, in den Volks» schulen ie eines Kreises der Regierungsbezirke allen Kindern bei Beginn deö neuen Schuljahres Fragebogen zum Ausfüllen durch hie Haushaltungevorstände mitgegeben werden. Diese Fragebogen sollen enthalte», ob das Kind in einem gewerblichen Betriebe oder sonst mit gewerblichen Ar» betten beschäftigt werde, ob es eine Arbeitskarte besitze, cb es etwa in dem Gewerbebetriebe des Vaters bezw. deS HauS- haltungsvorstandes oder mit Arbeiten für einen dritten, an deren Herstellung der V�er nicht beteiligt ist, beschäftigt werde, eventuell mit was für Arbeiten und während welcher Stunden eine Beschäftigung stattfindet. Ueber die nähere Gestaltung der Frag:- bogen sollen die Regierungen alsbald Vorschläge machen. Diese Fragebogen sollen von den Lehrern einge- s am m e l t werden, und sofern die Ausfüllung eines Formulars gar nicht oder nicht ordnungsmäßig erfolgt, oder wenn eS offensichtliche Unwahrheiten enthält, von den Lehrern mit Anmerkungcn versehen und ohne jede weitere Nachforschungen den Schulinspek- toren eingereicht werden, die sie den polizeilichen Organen zur weiteren Beo.. lassung überweisen. Für dieses versuchsweise ein- zurichtende Verfahren sollen vornehmlich solche Bezirke gewählt werden, in denen die gewerbliche Tätigkeit von Kindern in größerem Umfange stattfindet._ Im Reiche dcS Herr» Stöcker, dem frommen Siegerlande, droht die neuzeitliche Sitten- Verderbnis ihren verwüstenden Einzug zu halten. Das christlich- soziale Blatt„Das Volk" jammert über die Zunahme der A n i m i e r k n e i p e n in Siegen, wo lockere Mädchen die Gäste zum Trinken anhalten,„namentlich zum Weintrinkcn zu zweien im Separee", wo cS nicht selten vorkommt, daß die Animier- damen 30, 80, ja 100 Mark Trinkgelder pro Woche einheimsen. Es sei hohe Zeit, daß diese Angelegenheit einmal öffentlich be- handelt werde, damit die Polizei sehe, wie man in der Bürger- schaft, die noch auf Zucht und Ordnung halte, über diese Frage denke. «Im Interesse der Erhaltung gesunder Verhältnisse in unserer Stadt, im Interesse unserer Männer und Frauen, welch letztere schmerzliche Tränen vergießen würden. wenn sie wüßten, wo so mancher So h n und— leider muß es gesagt werden- Gatte die Abende bis spät in die Nachthinein zubringt, muß endlich die kategorische Forderung gestellt werden: Der Magistrat muß die Animier- kneipen beseitigen!" Das würde gewiß manchem Sohne und manchem Gatten der frommen Siegstadt unangenehm sein; ob aber durch die Aufhebung der Animierkneipen der Sittlichkeit im Reiche des Herrn Stöcker geholfen wäre, ist eine andere Frage. Sohn und Gatte, die sich mnüsicren wollen, würden dann, wie sie es bisher taten, wieder die lustigen Orte in Köln oder Tüsscloorf aufsuchen.. TaS kostet etwas mehr Geld, aber die Herren haben cS ja. Im übrigen darf man in Zukunft die frommen Eiferer aus der Gesellschaft des Herrn Stöcker, die so gerne über die Sittenverderbnis in der Reichs- Hauptstadt loSziehcn. auf die Dinge hinweisen, die sich im stillen, kleinen und frommen Siegen zutragen— wo cS keine Sozialdenm- kratcn, sondern nur christlichsoziale, nationallibcrale und gut ka- tholische Leute gibt._ Ein„Torado" für Landarbeiter scheint die königliche Domäne Helfenberg bei Dresden zu sein— will man die dortigen Verhältnisse nach den Ergebnissen einer Ver- Handlung vor dem Dresdener Schöffengericht beurteilen. Der Guts- Pächter und Gutsvorsteher v. Lippe hatte gegen einen seiner Dienst- knechte einen Strafbefchl über 20 M. erlassen, weil dieser„ohne ge- setzlichen" Grund vorzeitig seinen Dienst verlassen habe. Der Dicnslknecht glaubte sein plötzliches Verschwinden hinreichend recht- fertigen zu können und beantragte richterliche Entscheidung. Als Grund führte er schlechte Kost und unzureichende S ch l a f r ä u m e an. Das„Gesinde" mußte im Winter im O ch s e n st a l l schlafen. Das SommcrlogiS bestand in einem Ab- teil des in der Scheune befindlichen Heubodens. Nach den Be- kunbungen eines als Zeugen vernommenen DienstknechteS gab es einmal für das„Gesinde" Schinken— die Maden liefen aber damals auf dem Tisch herum. Ferner sollen die Bratkartoffeln versalzen und die Graupen sauer gewesen sein. Trotzdem wurde der S t r a f b e s e h l des Dienstherrn vom Gericht bestätigt. weil das„Gesinde" nach der famosen Gesindcordnung nur dann bei Vorenthaltung von Lohn oder Kost das Dienstverhältnis lösen kann, wenn es vorher die Hülfe der Polizeibehörde in Anspruch genommen hat und der Dienstherr von dieser an seine Verpflichtungen er- innert worden ist. Wird auch das Landgericht zu einer Frei- sprechung kommen, so ist doch die ausgesprochene Verurteilung über- aus bezeichnend für die rcchtlichenLZerhältnissc des Gesindes. FortbildungSuuterricht Und auswärtige Beschäftigung. Der Landmesser und Kulturingenieur Tosch zu Danzig hatte ohne Genehmigung des Kuratoriums der Fortbildungsschule seinen Lehrling wegen der Beschäftigung auf dem Lande längere Zeit nicht am Fortbildungsunterricht teilnehmen lassen. Er wurde des. halb vom Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Auf seine Revision hob jedoch das K a m m e r g e r i ch t d i e S Urteil auf und verwies die Sache mit folgender Begründung an das Landgericht zurück: Tie Hauptsache für die Lehrlinge sei ihre Auö- vildung in dem Gewerbe, das sie erlernen sollen. Die Fort- bildungSschule könne nur sekundär wirken. ES frage sich deshalb, ob nach Lage deS Berufs die Beschäftigung des Lehrlings außer- halb TanzigS zum Zwecke seiner Ausbildung notwendig gewesen sei. War das der Fall, so brauchte Angeklagter ihn in dieser Zeit nicht in die Fortbildungsschule schicken, beziehungSwiese ihn nicht der auswärtigen Tätigkeit entziehen, bloß damit er in die ForibildungS- schule gehen könne. Dann brauchte er aber auch nicht die Erlaubnis deS Kuratoriums, die daZ OrtSstatut für das längere Fernbleiben von den Unterrichtsstunden verlangt, denn das Schulkuratorium sei ja nicht in der Lage, darüber zu entscheiden, ob die Beschäfti- gung außerhalb des BctriebSsitzeS zwecks beruflicher Ausbildung des Lehrlings notwendig sei. Das Landgericht müsse nunmehr die er- forderlichen Nachprüfungen vornehmen. für die streikenden und ausgesperrten Caßakarbeiter gingen ferner bei der Berliner GewerkschaftSkom- inijsion ein: Sozialdeniolral. Wahlverci» RmninelSVurg IM.—- Möbclsadrik„Phö- nix' 40,—. Glasjchlciser b. Snluniouis 3,213- Bier 00 v. b. Möbelpoliereen bei Naschig Saal II>5,—. wcchicrlasse Gießerei tzartniann. Köpenickersle. l0.—. Genossen d- 183- Tladtbczirks 10,—. Verband b. Tapezierer. Orts- vereln Berlin 2M,—. Kraiizübcrschuß St. E-G. Abt. Meister Lange 10,25. Verband b. Steinseder, Orlsvcrw Berlin 200,—. Verband b. Mühlenarb. OrtSverw. Berlin, Listen 3175, 2477,. 2179 37,05. Vom Transportarbeiter. verband, Veno. I(Verein Berliner Hausdiener), Listen 411 12.45; 4l2 13,05: 418 47,35: 422 13.80: 433 11.50: 434 t4,85; 438 7,55; 439 16.30; 441 4,25; 442 5,10; 444 5,50; 446 9,70;(In Summa 167,30). List- 2580, Zcmlin, Gas u. Wasser 7.85. Liste 2507. F. NUschke 3,25. Liste 259h, HcnuS u. Sohn, Slichlsabril 11.15. Liste 2500, Deulschc Telephonwerke, Zaal l 12.30. Liste 2600 2,70. List- 2601, N.K-ßn-r 3,40. Liste 168. Littaucr u.Boysen 7,55. Liste 185, Moritz«.Kummer, 13,—. Lille 231 stNilcS-WcrkeS, 55. Kabel, unk Oberspree, Liste 2312 Abi. W. Z. 12,90; Liste 2313 Abi. Siesert 16,75; Liste 2314 M. W. Dreher 6,30; List- 2315 M. W. R. 8,75.— Auto- Ober-Schöneiveide. Listen 2261 30.60; 2262 18.-; 2283 9,70; 965 7,60; 966 7,90.— Liste 2307 durch Rodenbusch 11,60. Liste 2306 Aktumnlalorcm werk 10,40. Verband der Buch- u. Streindruckhülssarb., Zahlstelle l(Hütss- arbeiterinnen) aus Listen 1845, 2164. 2179, 2183 26,15,— Durch d. Verband der Wäschearb. gcs. aus Listen 2603 Wols u. Glaserfeld 21.50; 2604 Wolsradt u. Wols. Plätterei 4,90; 2605 Müller u. Snßmann, Plätteret 1,75; 2608 Wagner, Wäschcsabrit 4,55; 2809 Grünbaum, Wäschesabrik 2,50; 2610 SIernbcrg, Wäschesabrik 10,95; 26! 1 Karge, Wäschcsab.it 4,45; 2612 Behrendt. Plälterei 4,90; 2613 o. Laut, Plätterei 15,35; 2615 Gebr. Borchardl, Gäschesabrll 4,60; 2617 Blumenau u. Sohn, Wäschesabrik 7.75; 2618 Golhschein. Wäschesabrik 7.30; 2619 Kakoby. Wäschesabrik 5.80; 2620 Blumenau u. Sohn, Wäschesabrik 5,60; 2614 v. Lank» Wäschesabrik 8,50; 2616 Buchholz u. Co., Wäschesabrik 4,30.— — Von den Kollegen der A.-S.-G., Ackerstraße. aus soigende Listen: 1788 Sauer 12,25; 1789 Schapom 24,95; 1790 Rnchow 11,20; 1701 Lehmann 10,80; 1702 Engel 15.30; 1793 Henskh 16,30; 1794 Liste 11,40; 1795 Schröder 7,20; 1798 Wiiillcr 9,30; 1797 Winkler 9,80; 1798 Schlicßke 8,55; 1799 Schulz 8,40; 1800 Kuhrock 2,50; 1601 Eiigclmaun 1,40; 1802 Kirsten 9,10; 1803 Weiducr 6,20; 1804 Weidner 5,40; 1805 Hausocrloaltung 11,60; 1806 Küppe 7,15; 1807 Wals 14.05; 1308«erger 14,00; 1809 Hibo 15,90; 1810 Hinkeldey 7,40; 18U Wall 16,60; 1812 Itenzcl 4,65; 1813 Lenz 6,10; I8t4 Schuster Mtzke«.45; ISIS Hauflg 7,40; l8IS Picht 5,25; 1817 Schmidt 7,95; 1818 Schilling 12,70; 1822 A. g. II. 17,85; 1823 A. g. II. 30,—; 1824 A. g. n. 10,—; 1828 A. g. II. 5,—; 1828 Heinze 15,40; 1829 ■"" Ii; 1830 r■'-|"--------- Lruntow 8,70; Grundmann 12.10; 1831 Lang- 20,15; 1832 Schneider 4,50; 1833 Müller I. 20,15; 1834 Müller II. 11.95; 1835 Hcrtzig 14,10; 1836 Jordan 5,90; 1837 Schulze 7,25.(Iii Smnma 504,33 Di.)— Verband der Lithographen und steindrucker, Ortsverwalwngen Berlin, erste Rate auf Listen 450,—. Kollegen bei Eggebrecht 6,—. Werkstatt bei Ostcrmann, Weibensee 5,—. Unterkommisjion Köpenick 28.30. Zentralverband der Lederarbeiter(Wcistgerber) 50,—. Gewerkschastskartcll Elbing 50,—. GewerkfchaftZtartell RowatveZ: Schuhmacher 18,95, Zimmerer 12,45, Maschinisten und Heizer 8,90, Holzarbeiter 20,—(in Summa 58,30). Lokal-Union der Glasarbeiter in Toluka-Mexiko 200,—. Geburtstagseier bei Müller ges. d. Kühl 2,25. Verband der gormcnstccher! Listen 2587, 2588, 2589, 2590, 2591, 2592, 2593 52,40.— Verband der griseure- Listen 1082. 1083 16,35.— Arbeiter und Arbeiterinnen bei C. P. Görz, gricdenau, Listen 126 80,80; 127 11,—; 128 14,15; 129 44,50; 130 31,20; 131 2,40; 132 6,—; 133 24,50; 134 15,95; 135 11,95; 136 10,05; 137 9,—(in Summa 211,50). Von den Arbeitern der deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, Listen 2727 22,35; 2728 Walter 14,15; 2729 Nister 16,75; 2731 Heinemann 13,05 Mbrlch 24,35; 2733 Dillow u. Moritz 24,75; 2734 Neubauer U. Fetzfow 12,— i 2735 vcnnig 24,80; 2736 Henke 18,40(in Summa 170,60). Sechscrlasfe det Knorrbrcmle 20,—. In Summa 2937,45 M., bereits quittiert 10 924,13 M.: wSgefamr 13 861,58 M.'° Weitere Beiträge werden entgegengenommen. Gelder, welche mittels Post eingesandt werden, sind zu richten an: A. K v r st e n, SO. 16, E n g c l- U f e r 15, I. Der Ausschuß der Berliner Gcwerlschaftskommission. Für de» Jiivalt der Inierare übernimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Zhcatcr. Mittwoch, 25. September. Ansang VI, Uhr. kkönigl. Opernhaus. Fra Dtavolo. Königl. Schauspielhaus. Viel Lärm um Nichts. Deutsches. Das- Wintermärchen. Kammer spiele, gräulein Julie. Die Neuvermählten.(Anfang 8 Uhr.) Anfang S Uhr. Neues Schauspielhans. RaffleS. SmiIIer O. iWollner-Tpraler.) Der Herr Senator. Schiller Charlottenburg. Das vierte Gebot. Friedrich- Wilhelmftädt. Schau- fpielhaus. Der blinde Passagier. Berliner. Die tanzenden Männchen. Lesfing. Das Blumcnboot. Neues. Jhavalrathe. Liebe. Kleines. Vater und Sohn. Zentral. Unsere blauen JungenS. Komische Oper. Carmen. Westen. Die lustige Witwe. Luit ipielbanS. Husarenfieber. Residenz. Haben Sie nichts zu der- zollen? Xrinno». gräulein Josette— meine grau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Luisen. Gebildete Menschen. Bernhard Rose. Zar und Zimmer- mann. Theater an»er Spree« Der Altienbudiker. Metropol. DaS mutz man seh'n. Slpollo. Sylvester Schäfser. Spe- zialitäten. Walhalla. Svezialitäten. Folies Caprice. Geteilte Liebe. Aniiduellanten. Bunter Teill Casino. Die wilde Jagd. Gebr. Hcrrnfeld. Madame WIg- Wag. Es lebe das Nachtleben. Bassage. Lona Nansen. Spezialitäten. Wintergarten. Anne Dancrey. Annie Dirkens. Spezialitäten. Reichshallen. Siettiner Sänger. Prater. Bühne und Welt. Carl Haverland. Spezialitäten. llruni». Tiiuvrnitriihe IM/4!». Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sternmnrtc, Juvaiidenstr. 67/62. Ferdinanil lionna Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Donnerst.: Die tanzenden Männchen. greitag: Die Jungsrau von Orleans. Heues Thealer. Ansang 8 Uhr. Ihavatratlie. Hieraus: Ie. Donnerstag: Der Dieb. greitag: Jhavatrathe. Liebe. Uleines Theater. Abends 8 Uhr zum 64. Male: Vater und Sohn. Donnerstag: Vater und Sohn. greitag: Ein idealer Gatte. Sonnabend: Vater und Sohn. Tlieater des Wesiens. 8 Uhr: Die liiKtlge Witwe. Sonntag nachm. 3>lt Uhr halbe Preise: _ Frahlliigsluft. Friedrich- Wilhelmst. Zum ersten Maie: Der blinde Passagier. Luftsplel in drei Akten von Oskar vwmenihal und Gtlstao Kndelburg. Ansang 8 Uhr. Donnerstag- Der blinde Paffagier. Freitag: Der blinde Passagier. Lustspieihaus. Täglich 8 Uhr; Husareufieber. — iiesiueBi-iiiijäiijr. � Direktion: R'-hard Alexander. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequin und Pierre Beber. Robert de Tripelin: RIch. Alexander. , Sonntag, den 29. September, nachmittags 3 Uhr: Der Schlasm a gen ko utrollenr. Vskiele-sliegter Wetiibergsweg 19/20, Rolenlh.Tor. —- Ansang 8 Uhr.— Das originelle Sept.-Programm. Auto Slttas, der Athlet hebt ein Automobil mit den Zühnon. Tunnel: Konzert s.Theaterbes. frei. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Pßo der Zugspitze zum Watzmann. Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Tagt, geöffnet von VI,— 11 U. abds. Täglich ab nachm. 4[ihr: Große» Militär- Konzert, j Eintritt 1 Mk., von abends 1 | 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter' 10 Jahren die Hälfte., Zentral-Theater. Abends 8 Uhr: Unsere blauen Jiing;en». Vaudeville in 3 Akten. Luisen-Theater Anfang 8 Uhr. Gebildete Menschen. Donnerstag: Carmen. greitag zum t. Maie: Muttersegen. Sonnabend 4 Uhr: Kindervorstellung: Prinzessin von Marzipan. Abends: Die beiden Rcichenmüller. Sonntag nachm.: Carmen. Weuds: Muttersegen. Montag: Amcrikasepp'k._ cJficakzm$aSpv'£ Köpeuickerstraffe 68. Täqlich 8 Uhr: Der Aktienbudiker. Alt-Berliner GesangSposse V.D. Kaiisch. In Originalkostüine!, und Deko- rationen der fünfziger Jahre. Rixdorfer Theater Bürgersiile, Bergstraße Nr. 147. Direktton:JuliusTürk. Mittwoch, den 25. September 1307, abends 8 Ubr: Die Kreuze! schreiber. Bauernkomödie mit Gesang in drei _ Akten von Anzengruber. Metropol-Thealer Zum 12. Male: Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaonder. In Szene gesetzt von Direktor Richard Sonultz. lal !r a. D. liVal Fritzi Schenke, L. Baske! olo. Dirigent: Kapellmeister M. Roth. iufang präzise 8 Ubr. Rauchen überall gestattet. Ab 8 Uhr: DaS kolossale Programm 1 9'/, Uhr: Sek weltberinite Onlversalkünster. Passage-Thealer. Sona Kansetu 14 erstklassige Nummern. NMVWklilM Gr. grantturlerstr. 132. Heute: 2. Gaftspieiabeud d. Openi- Ensemvlcs(Dir. Beiow): Xar und SSinunerniunn. Anfang 8 Uhr.— Wochcntagspreise. Donnerstag: Der Heid des Tages. Olei'-TZRSstSr. Schiller-Theater 0.(Walluer-Tbcater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Her Herr Senator. Lustspiel in 3 Auszügen von granz v. Schönthan u. Gustav Kadelburg. Donnerstag. abendsLUHr: Die Schninggrler. Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: kko«mer»holm. ZiTkue Schumann Heute Mittwoch, den 25. September, abends präzise VI, Uhr: Grande Soiree equestre. Elite-Programm, u. o.: Die nknen Originatdressnreu des Air. Alb. Zchmimmi. Fünf Olracs, komische Akrobaten. Die phhnomenaien Lnkt-snitigenre DV" Dhe iConhar». Herr Urneit Kchnmann auf dem Vollblüter„Adrea". Mathilde Renz, Dora Schumann, Ernst Renz, C.Hess, vierfache hohe Schule. Die weltberühmte George fionhair-Truppe sensationelle neue atrobatisch-ikarische Vorführungen. gerner die neuen Spezialitäten. Sodiller-Viioaier Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: D»« vierte Gebot. Dolksslück in vier Akten von Ludwig Anzengruber. Donnerstag, abellds8Uhr: D»» vierte Gebot. greitag, abends 8 Uhr: Heimat. —» XIII. SniNon Zirkus lluscli| Heute abend präzise V/, Uhr: Große Vorstellung. ins.Ml.FätirMHSte Herrn Willy Manns Vuiiderelefanteü. Herr C Schumann, Nendressuren. Clown Cavnllini als Stier- 1 kämpfe». Ijes. Bastren, Akrobaten zu Pferde. »bei BUrgesllche Wohnungs- Elnrichiungen ===== eventuell auch auf Teilzahlung■ Paul Burow's Möbel-Fabrik Berlin SW.. lilndcnstraBe 105. 4CS2L»! W.Koacks Theater DIretliuu:«od. Olli. Brniinemlr. 10. Die Rastelbiiider. Volksstück mit Gesang von Kaiser. Slnsang 8 Uhr. Entree Lv Ps. Ehren- und Vorzugstarten gültig! Sonnabend: Zertretenes Glück. Nach dem Roman d.„Berl.MorgenP.". mit-Ann« Dancrey, Olga Preobrajensky, Le Boy, Talma und Bosco und anderen Glanznummern. Palast-Theater. � Burgstraste 34. Heute 8 Uhr. Entree 50 Pf. Das sehwitnmenile Theater. ]>Ie 5 Marnos The linnais und zehn erstklassige Nummern. ysrcknen kauft man am billigsten nur direkt in dem seit 40 Jahren bestehenden Gardinen- Spezialgeschäft von* Bruno Cilither, Qrmsr Weg 80, C;. iGehr. Herrnfsld- Theater. j 57 Kommaudanlenstratze Nr. 57. j Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2. Die erfolgreichste» Lach- Komödien :: seit 17 Jahren:: XatameM-Vas Operetten-Burleske, Musik von L. Jtal. LZlsde das KaeMebenl Sepapee-Affäre in 2 Akten. Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd niit Anton und Donat Herrnseld. fbsÄer rolies Gaprles lllnivastr. 132, Leke friollriodstralls. Täglich 8 Uhr abends: Geteilte Liebe. Die Autidacllaitten. Bunter Teil. Mertens, Fleischmann, Grilnecker in den Hauptrollen. Vorverk. Theater- kasfe 10— 2 und bei Wertheim. "trlanon-TheateK Frinleiu Josette- meine Frau. _ Ansang 8 Uhr._ Prater«Theater Kastanien-Allee 7—9. Bühne und Welt. Schauspiel In 4 Alten von P. Hanke!. Ansang 8 Uhr. Morgen u. folg. Tage: Bühne u. Welt. Theater des Zentrum, Sophien« Säte, Sophienstratze 17/18. Sis stiih um Fünft v.Kren n. Lippschütz, Musil u. P. Lincke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. kelelrskallell-slrealer. Täglich- Britten als Ante im Familien- bad Wannsee. Sonntags 7 Uhr. Auf. Wochent. 8. mm ■:- M#■ Mö Sanssouci, schützt Sie vor jeder Uebervorteilung, indem jedes Stück bei mir ausgezeichnet ist und der Käufer sich selbst davon überzeugen kann, was der betr. Gegenstand kostet Ferner habe ich die Neueinrichtung gotroSen, daß ich meinen Kunden, die ihre vereinbarten Teilzahlungen selbst und regelmäßig in mein Kontor bringen vor Abschluß ihrer Schuld 10"/, vergüte, und hat daher niemand mehr nötig, gegen Bar zu kaufen, da er auf Kasino-Theater. Lothringerftr. 37. Täglich 8 Uhr: Die milk Ingd. ilifti« v" Ludwig Fulda. Vorher d. glänz. EröffnunaS- Pregr. Sonntag 4 Uhr: Nick Carter. Ketlduser Strafle 6. Direltion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: DMiiiisDlii'dll.�vge!' u. Tiiiiiiltril»sr.clicii. Sonnt. Lea. 5, wochent. 8U. Morgen: Gr.EliteSoiree.Tauz. greit.: BeiowS Operngastsp. Sonnabend: Benefiz silr Herrn A d o l s i: Graste Cxtra-Soiree. Tanz. «ggenhggev. Korikplsta. Ind. Albert Bödme. Täglich; Teilzahlung eben so billig wie gegen Bar kauft. Zum Umzüge habe ich Einrichtungen wie folgt zusammengestellt: 1 Zimmer, Anzahlung 10 M., Abzahlung I M. pro Woche 2 Zimmer, Anzahlung 20 M<, Abzahlung 2 M. pro Woche *2 Zimmer, Anzahlung 30 M., Abzahlung 3 M. pro Woche 3 Zimmer, Anzahlung 40 M., Abzahlung 4 M. pro Woche Größere Einrichtungen sowie einzelne Ergänzungsstüoke je nach Vereinbarung, letztere schon mit einer Teilzahlung von I Mark wSchentlich an Wer bei mir einen Kaufversucb gemacht hat, der empfiehlt mich weiter. S. Gottlieb Rosenthaler Straße 54 1 Ecke Gormannstraße. 82L« moderne Volk» Länger. Martin Beudlx als Sherloek Holmes aus Treuentarietsea. slÄ'h;} Militär-Konzert Anfang 8 Uhr. 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Beratung von eventuellen Anträgen zum Berbandsstatut. 4. Verschiedenes. . Kreis Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Provinzialkonferenz. 2. Bericht vom Essener Parteitag. 3. Partei- und Verbandsangelegenheiten. IV. Kreis Kellers Festsäle, Koppenstraße 29. TageS-Ordnung: t. Beratung der Anträge zum Berbandsstatut. 2. Bericht von der Branden- burger Provinzialkouserenz. 3. Bericht vom Essener Parteitag. 4. Parteiangelegcnheiten. II. Kreis Altes Schühenhaus, Linienstraße 5. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom Parteitag in Essen. 2. Bericht von der Brandenburger Provinzialkonferenz. 3. Das Berbandsstatut. 4. Partei- und Vereinsangelcgenheiten. VI. Kreis Germania- Prachtsäle, Chausseestraße 110. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Essener Parteitag. 2. Bericht von der Provinzialkonferenz. 3. Beschlnstfassung über das Berbandsstatut. 4. Verschiedenes. Kieiler-ilairnikn Rummelsburg bei Wim Weigel, Türrslhüiidlstrnßt. TageS-Ordnung: l. Berichterstattung vom Essener Parteitag. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Kreis-Generalversammlung(Anträge). 4. Vereinsangelegenheiten. p||r Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwarten_ Die Vorstände. SpandämT" Allgem. Orts-ßrandknkasse. Deutscher Holzarbeiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. 94/19 Achtung! Polierer! Die Arbeitsvermittelung fiir Polierer und Beizer im paritätischen Arbeitsnachweis erfolgt von 8 biS tv Uhr vormittags und von L'/z biS 3>/, Uhr nachmittags. Die Arbeitslosenkartrn werden jedoch nur einuial täglich und zwar vormittags abgestempelt. nie Branehenhemmlsslen. Well- u. Jahriktischler und Drechsler! Tonnerstag, den 26. September, abends 8'/, Uhr: Dranchen Nvrsammlung bei Schmidt, Gartenstr. 6. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen ll. I-eopolä über:„Unsere Kämpf« und unsere Taktik in der Zukunft«. 2. Verbands- und Branchenangelegen. hetten. 3. Verschiedenes._ Donnerstag, den 26. September 1907, abend? 8'/, Uhr, im Rosen. thalrr Hof, Rosenthalerstrafte 11—12: Amchcnmliiiniiiliiiig her Äkllinchcr. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Redakteurs Genossen WIN OUwell über:„Preußische Zustände«. 2. DiSkusfion. 3. Branchenangelegenheitcn. 4. Verschiedenes. Die Branchenkommission. Zweig"verein Berlin. Donnerstag» den 26. September 1907, abends 8'/, Uhr, im„GewerkschaftshauS", Engel-Ufer IS, Saal 4: General-Versammlung aller zum Zmetguerein gehörigen Bezirke und Zahlstellen der Sektionen der Maurer, der Putzer, der(iips- und Zementbranche sowie der Fliesenleger. TageS-Ordnung: 1. Situationsbericht. 2. DiSkusfion über die vorgcschlagenm Kandidaten zum ersten Vorfitzmden deS ZwelgderetnS. 3. Verschiedenes. vop' Mitgliedsbuch und StretNegitimation legitimiert.«MG _ Vollzählige? Erscheinen erwartet_ 143/11«_ Die Terbandsleltnws._ Achtung! i Achtung! Santischler Bezirk 41 Donnerstag, den 26. September, abends 7 Uhr: HF* Versammlung bei Hilbrodt, Müllerstrahe 7. Tag eS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Reiche. 2. Diskusston. 3. Verband? angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, zu dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Die Bezirkskommisston. DonnerStag, de« 26. September, bei Unnsehkc, Blumenstr. S8: Versammlung: aller in der Näh- u. Damenschreibtisch- brauche beschäftigten Kollegen. TagcS»Or>>nung: 1. verdandSangelegenheiten. 2. Branchcnangelegenhclten. 3. Verschiedenes. _ Die Kommission, Stukkateure! DonnerStag, den 26., vormittags 11 Uhr, bei Meier, Scbaslianstr. 39: Oeffentliehe Versammlung der arbeitslosen Kollegen. Tagesordnung: Die gegenwärtige Kerufslage. Die TeUnahme aller erwerbslosen Kollegen ist dringend nötig. 175/2______ Der Einberufer. Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw. Donnerstag, den Ätt. September, abends 8Vl Uhr, im„Neuen Klubhause", Kommandantenstr. 72 Oeflentl. Versammlung:. TageS-Ordnung: i. Aericht der Tarifkommishon von den U�rhandlnngen mit den Arbeitgebern. 2. Diskussion. 279/1 Alle Fliesenleger und HülfSarbeitrr, welche sich als solche legitimieren können, haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Tarllkommission. I. A.: H. Put t I i tz. Am Donverstag, d. 6. Oktober. abends 8'/. Uhr, findet tm Hotel „Noter Adler«, eine iliüMltxlül.lleMckei'ZZWluiig statt. Tagesordnung! 1. Stawlenäiiderung(u, a. Um- gestallung der BeitragSctnztehung). 2. Verschiedenes. Der Borstand. 276/12 Wolf, Vorsitzender._ Bekanntmachung. Am Sonnabend, den 28. Sep. tember er., wird die diesieitlge Krankenkaffe von Braiivsbcrger» straste Zl. nach der Allcnsteiner- straste SS vorn S Treppen, verlegt. 27(5/11 Am UmzugStage bleibt die Kaste geschlosten. verlln, den 23. September 1997. Der Vorstand der Ortskranken» kraste der Dabaksabrikarbctter. Kekiung 1 Der Tischler Anton Poshornik aus Dotrezek bei Lttompschel wolle wegen Erbschaftsangelegenheiten seine Adresse an Herrn Joh Krlvnn in Lissa a. Elbe(Böhmen) einsenden. 18 tb Psund» Kolli frisch gcsalz. Schwcincstückeufleisch nur M. 3.60, 25 Pj. M. 8.80 ab hier. Psund holst. Holländer Käse, schnitt, u. säst.. M. 3.20, 85 Psd. M. 11.50., vers. unter Nachn. 11. Krogmann, Nortorf 43.* 10 9 Zentralverband Schmiede Zahlstelle Berlin. — Bureau: Straiauerstr. 48. Telephon: Amt I, 7779.—— Donnerstag, den 26. September, abends 8'/- Uhr: Große öffentl-Nerjammlung der bei den Jnnungsmeistern Berlins«nd Umgegend beschäfttgten Schmiede tu DrHsels Festsälen, Reue Friedrichftr. 35. TageS-Ordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zur GesellenauSschustwahl. 2. Stellungnahme zu dem Boykott der Jnnuugsherbrrge«nd Arbeitsnachweis. Kollegen! Wie aus der vorstehenden TageS-Ordnung ersichtlich stt, werden in dieser Versammlung außerordentlich wichtige Angelegenheiten er« lcdigt: wir ersuchen deshalb unsere Kollegen, sür einen guten Besuch Sorge zu tragen. Kein JnnungSgcsellc darf jehlen. Mir Krug 176/13 Die OrtsverTvnltnnx. I. A.: W. Siering. Steinarbeiter i Berlin 1. Am DonnerStag, den 26. d. Mts.. abendS 8 Uhr. findet im „Engtischen Garten«, Alcxauderstr. 27o, eine fflitglicdcr- Vcrfammlung statt. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen.lohonn HaB über das Thema: „Wisten ist Macht«. 2. Gewerkschastttches. Zahlreichen Besuch erwartet Hie Ortsverrrnltnng-. VW Besonder» dringend find die Kollegen der Firmen Sehllllnp- und Zeldler eingeladen. 181/7« Wenn der deutNche Handel nicht zngrnnde ffehen will, dann mnB er sich selbst helTen, er mnB sich von den Bttrsenspcknlanten and von den Handels- und B6rscnzeitan|;en, die ihn in die Irre rubren, lossagen, er muß die Broschttre Proestler beachten. Das Wlrtschaftsbild der Gecenwart«ad der Knbaan ist zu beziehen durch alle Buchbandlunfen(Kommtssionär: Otto Webe* Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.— Teil- und Volks� ausgäbe, 60 Pfg. Gegen Einsendung von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg. für das Inland, Mk. 3.20 bezw. JO Pfg. für das Ausland, werden die Broschüre« portofrei vom Verfasser Kaufmann Michael Proestler in Würsburg vtr» sandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. _____ Man verlange ebendaselbst Flugschriften and Prospektes Tb. Glockc, Berlin. Druck u. Verlaa: Vorwärts Buchdrucker« u. Verlaasanstalt Vau! Singer& Co. Berlin SW. Nr. 224. 24. Jahrgang. 2. Atilllgt des Lllmiilts" Ktrliiler Nsldsllllltt. w«?. parte!- Hngelegetibeitem Achtung! Nieder-Barnim. Die am Sonnabend, den 23. d. M., anberaumte Generalversammlung findet nicht im Restaurant Bellevue, sondern im Restaurant Gorgas, Rummelsburg. Neue Prinz Albert st r. 70. statt. Alt-Glienicke. Am Donnerstag, den 26. d. M., abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Haberecht, Friedrichstrafie, eine öffentliche Gemeindewählerversammlung statt. Die Genossen werden ersucht, für guten Besuch derselben Sorge zu tragen. Auch wird den Genosien zur Pflicht gemacht, dafi fie sich an der am Sonnabend, den 28. d. M., stattfindenden Gemeindevertreterwahl zu beteiligen haben. Rcinickcndorf-West. Am Donnerstag, den 26. September, abends 8V2 Uhr, findet im Lokal„Waldschlößchen", Inhaber I. Gördes, Waldstraße Ecke Eichbornstraße, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Adolf Stern:„Die christliche Kirche und das Ideal der christlichen Bruderliebe". 2. Die Kirchensteuer und wie erwehren wir uns derselben. 3. Diskussion. Da zu dieser Versammlung der Herr Pastor Herbergsmeier besonders eingeladen ist, ersuchen wir im besonderen die Hausfrauen um zahl- reichen Besuch. Der Vorstand des Wahlverems. berliner JVacbricbten. Die juristische Sprechstunde findet vom 1. Ottober«icht mehr Friedrichstr. 16 statt, sondern Lindenstr. 3, I. Hof rechts IV. ZM- Fahrstuhl."M» Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten. Versammlung am Donnerstag, den 26. September d. I., nachmittags 5 Uhr: Berichterstattung über die Vorlagen betreffend die gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerliste erhobenen Einsprüche und die Wertzuwachs- stcucr(§ 7, Absatz 2 und folgende der Steuerordnung II.).— Vor- lagen betreffend die Frequenz in den Gemeindeschulen am 1. Mai 1967,— den Verkauf des zum Vermögen des Silberfchen Fonds gehörigen Grundstücks der Stadtgemeinde Alexanderstr. 61 /Am Königsgraben 16,— die Bewilligung der Geldmittel zur Zahlung der Vergütung an englische und französische Lehramtsassistenten,— die nachträgliche Bewilligung von Mitteln zur Herstellung des KanalisationsanschlusieS des GasthausgrundstückeS in Treptow,— die Abänderung der Voraartenfluchtlinie vor dem Grundstücke Kur- fürstcndamm 264/Lützowufer 34/86 und den Erwerb einer Vorgarten- fläche dieses Grundstücks im Enteignungsverfahren— und den Er- wcrb dcS Grundstücks Müllerftr. 144. Stipendien für Handwerksgesellen usw. AuS„Emil Zeitlers Fachschulenstiftung", die von der städtischen Stistungsdeputation ver- waltet wird, sind für das Winterhalbjahr 1967—08 Stipendien von je 26 M. monatlich an begabte, fleißige und bedürftige junge Hand- werker. die ihre Lehrzeit mit Erfolg zurückgelegt haben, auch an junge Künstler, welche zu ihrer weiteren Ausbildung im Kunst- Handwerk noch eine Fachschule besuchen wollen, zu vergeben. Meldungen sind an das städtische Stiftungsbureau, Poststr. 16, 2 Treppen, zu richten. Die Bewerber haben in den Gesuchen kurze Angaben über ihre Familien« und Vennögensverhältnisse zu machen und ferner ein Zeugnis über die genossene Schulbildung sowie ein Zeugnis ihrer Lehrmeister oder der Direktoren der von ihnen be- suchten Handwerker- oder Fachschulen oder der Werkmeister der Fabriken bczw. Werkstätten, in denen sie arbeiten, über Fleiß und Begabung beizubringen. Neuer Hochbahnfahrplan. Einen neuen Fahrplan bringt die elektrische Hoch- und Untergrundbahn mit der Eröffnung der Halte- stelle unter dem Leipziger Platz zur Einführung. Der neue Fahr- plan unterscheidet sich nicht wesentlich von dem jetzigen. An die Stelle des Potsdamer Platze« tritt überall die Bezeichnung Leipziger Platz. Die Folge der einzelnen Züge und die Fahrzeiten bleiben im wesentlichen unverändert. Auch die Betriebsweise erfährt keine Aendcrung. Morgens und abends werden nach wie vor umnittelbar Züge zwischen der Ost- und Weststrecke geführt. Bei dem geringen Verkehr am Mittag und am späten Abend laufen alle Züge der ganzen Bahn über den Leipziger Platz. Bekanntlich kann man die iieue Haltestelle nach wie vor auch von dem bisherigen Ausgang in der Königgrätzerstraße erreichen, indem ein Gang von dieser Straße unter dein Neubau nach der Haltestelle unter dem Leipziger Platz führt. Die Eröffnung der Haltestelle dürste unmittelbar nach deren landespolizeilichen Abnahme stattfinden. Die wichtige Frage, ob die Stadt Berlin berechtigt ist, von den Anliegern der Schönhauser Allee, die auf zirka 366 660 M. be rechneten Anliegerbeiträge für die Regulierung der Strecke zwischen Danziger- und Eberswalderstraße und der Ringbahn einzuziehen, ist nunmehr auch höch st richterlich zugunsten der Stadtgemeinde entschieden worden. Zwischen dem ForstfiSknS und dem Magistrat von Berlin schweben Verhandlungen wegen des Verkaufs der Wuhlheide an der Oberspree bei Karlshorst. Der Magistrat will dort ein drittes Wasserwerk an- legen. Er hat bereits einen Teil der Wuhlheide gegenüber dem Eier Häuschen für den Bau einer Gasanstalt angekauft und war über den Äw kauf eines Teiles der angrenzenden Wuhlheide in Größe von fünf- zehn Hektar zum Preise von 1'/» Millionen Mark mit dem Forst- fiökus einig geworden. Nunmehr sind, so wird berichtet, aus Ver langen des zuständigen Ministers neue Verhandlungen wegen Ver- kauf« der ganzen Wuhlheide eingeleitet. Der Preis, der für das Gelände verlangt wird, beträgt nicht ganz 40 Millionen Mark. Wir nehmen von der Meldung, soweit fie sich auf den Ankauf der ganzen Wuhlheide bezieht, mit allem Vorbehalt Noftz. Zwei Arbeiterkinder verbrannt. Ein schreckliches Unglück hat sich gestern mittag im Hause Lübcckerstraße 39 ereignet. Im Keller dieses Hauses wohnt die Arbeiterfamilie Menzfeld. Frau Menzfeld mußte die Wohnung auf einige Zeit verlassen, um ihrem Mann Effcn zu tragen, während dessen fie ihre Kinder bis zu ihrer Rückkehr sich selbst überlassen mußte. Während der Abwesenheit der Mutter haben nun die Kinder sich Streichhölzer zu verschaffen gewußt und damit gespielt. Dabei fingen die Kleider Fener. Im Nu standen auch Gardinen und andere Gegenstände in Flammen. Ein Hausbewohner drang in die Wohnung ein und suchte den Kindern Hülfe zu bringen. Diese hatten aber so schwere Brandwunden erlitten, daß beide aus dem Wege nach dem Krankenhause starben. Das bedauernswerte Vorkommnis zeigt aufs neue, welchen schweren Gefahren gerade die Arbeiterkinder ausgesetzt sind. Der Vater muß von ftüh bis spät schaffen und die Mutler muß sehen, wie auch sie infolge der miserablen wirtschaftlichen Verhältnisse für den Haushalt etlvaS beittagen kann. So kommt es. daß sich die Kinder oft selbst überlassen sind; die größeren müssen die kleineren beaufsichtigen, und da geschieht es sehr leicht, daß die Kinder Schaden leiden— sei eS auf der Straße, daß sie in die Gefahr des Ueber- fahrenwerdens kommen, sei eS, daß sie in der Wohnung Unheil an- richten. Dann aber kommen die„besseren" Kreise und reden von „Vernachlässigung der Arbeiterkinder". Sie haben es sehr leicht; die Bourgeoisie bekümmert sich um ihre Kinder am allerwenigsten. Die Gouvernante und das Dienstmädchen müssen ihr die Erziehung und die Beaufsichttgung abnehmen. dingS nicht._ Das können Arbeiter aller- Plötzlich verstorben ist der Leiter der 131. und 179. Gemeinde- Doppelschule, Tempelhofer Ufer 7, Rektor Hinz. Als der 64 Jahre alte Herr sich gestern mittag nach Beendigung des Unterrichts nach seiner Wohnung begab, brach er plötzlich besinnungslos zusammen. Der sofort von der Unfallstation I am Tempelhofer Ufer hinzu- gezogene Arzt Dr. Langerhans vermochte nur den infolge Herz- schlages eingetretenen Tod des Schulleiters festzustellen. Die Unglückstreppe am Bahnhof Gesundbrunnen hat gestern morgen schon wieder ein Opfer gefordert. Der 67 Jahre alte Klempner Wilhelm Dörr, Gropiusstr. 6 wohnhaft, hatte am Bahnhof Gesundbruimen den Zng verlassen und als er die Treppe nach dem Aufgang zur Brunnenstraße hinaufstieg, blieb er mit den Stiefeln an dem Eisenbelag hängen und stürzte ab. In bewußtlosem Zu- stände wurde der Verunglückte nach dem Lazarus-Krankenhause ge- bracht. Er hatte schwere Zersplitterungen des Nasenbeins und des Sttrnbeins erlitten. Anscheinend hatte er auch innere Verletzungen davongetragen. Es ist dies nun in kurzer Zeit der dritte schwere Unfall, der sich auf der verhängnisvollen Treppe ereignet hat. Auch früher konnten wir öfter über Unfälle berichten, die sich auf der Unglückstreppe zugettagen hatten. Zum Krüppel gefahren wurde gestern abend gegen 7 Uhr der 16 Jahre alte Realschüler Kurt Schmidt, bei seinen Eltern, Stettiner- straße 46/41 wohnhast. Der Knabe versuchte in der Bellermann- straße. Ecke Stettinerstraße, die Vorderplattform eines in der Fahrt befindlichen Motorwagens der Straßenbahnlinie Mittelstraße— Pankow zu besteigen/ verfehlte jedoch das Trittbrett und fiel so un- glücklich zu Boden, daß er mit dem rechten Bein unter die Räder de? schweren Waggons geriet. Beide Achsen gingen dem Unglück- lichen der Länge nach über das Bein hinweg, das total zerfleischt wurde. Der Schwerverletzte wurde zunächst nach der Unfall- station XVII in der Badstraße gebracht und von dort nach dem Lazarus-Krankenhause übergeführt, wo das Bein, dessen Knochen teil- werfe zermalmt waren, sofort amputiert werden mußte. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag vor dem Hause PotSdamerstt. 118 c. Der in der Stendalerstr. 21 wohn- hafte Kaufmann Ernst Beyer fuhr auf einem Zweirade die Pols- damerstraße entlang und wollte an der genannten Stelle einem Omnibus ausweichen. Hierbei geriet B. auf die Straßenbahnschienen, glitt mit dem Rade aus und stürzte gegen einen entgegenkommenden Straßenbahnwagen der Linie 67. Beyer erlitt eine Gehirnerschütterung, Kopfverletzung und Ouettchung der Oberschenkel. Er wurde nach dem Elisabeth-Krankenhause übergeführt. Die Unfehlbarkeit des Schutzmann? hat dieser Tage vor dem Schöffengericht zu Charlottenburg einen starken Stoß erhalten. Ein Droschkenführer E. war von dem Schutz- mann Hake notiert und angezeigt worden, weil er am 12. Mai, nachmittags 3 Uhr, mit seiner Kraftdroschke die Bismarckstraße im übermäßig schnellen Tempo entlang gefahren sei. Der Droschken- führer war sich keiner Straftat bewußt und legte gegen den auf 36 Mark lautenden Strafbefehl des Charlottenburger Polizei- Präsidenten Widerspruch ein. Der Schutzmann als Ze»lge beschwört, daß E. tatsächlich sich der Verfehlung schuldig gemacht habe. E. bringt zwei einwandsfteie Zeugen herbei, zwei Bahnunterhalts- arbeiter, die den Nachweis liefern, daß er um die betreffende Zeit mit seiner Kraftdroschke in Wannsee war und, während er an dem geschlossenen Bahnübergang wartete, sich mit ihnen in ein Gespräch eingelassen habe. Der Schutzmann bleibt bei seiner bestimmten Be- kundung, aber selbst dem Amtsanwalt kommen diesmal Zweifel an der Unfehlbarkeit der Schutzmannsaussagen, er beantragt auf Grund der einwandsfteien Aussagen der Bahnarbeiter Freisprechung, aus die auch das Gericht erkannte:„der Schutzmann könne sich doch irren". Was wäre einem Arbeiter passiert, der eine derartige falsche Aussage vor Gericht gemacht hätte? Hätte man ihn überhaupt vom Gericht nach Hause gehen lassen? Die Schreckenstat einer jugendlichen Selbstmörderin rief gestern nachmittag in der Prinz Eugenstraße großes Auffehen hervor. In einem Anfall von plötzlich ausbrechendem Wahnsinn stürzte sich die 16 Jahre alte Schneiderin Martha Hofmann, Prinz Eugenstr. 16 aus der in der dritten Etage belegenen elterlichen Wohnung auf den Hof hinab. Das junge Mädchen war trotz ihrer Jugend schon stark nervös und etwas schwachsinnig. Die Eltern be fürchteten, daß sich die Tochter einmal zu einer unseligen Tat hinreißen lassen werde. Gestern nachmittag sollte dies eintreten. Während die Mutter im Zimmer anwesend war, sprang die H. blitz- schnell aus das Fensterbrett und ehe die entsetzte Frau hinzuspringen konnte, hatte sich die Unglückliche in die Tiefe hinabgestürzt. Mit zerschmetterten Gliedern blieb sie auf dem Hofe liegen. Sie hatte sich Arm- und Beinbrüche, einen Bruch des Kreuzes und schwere innere Verletzungen zugezogen. In völlig hoffnungslosem Zustande wurde sie in das Virchow-Krankenhaus eingeliefert. Die Gerüchte, wonach das junge Mädchen wegen unglücklicher Liebe oder gar wegen Furcht vor Strafe aus dem Fenster gesprimgen sei, sind erfunden. Ein Berliner Magistratsrat in den Alpen veninglückt. Wie aus Wien gemeldet wird, erlitt Magistratsrat Dr. Heinrich Meyer aus Berlin, Landgrafenstr. 11 wohnhaft, gestern bei der Fahrt nach Campiglio einen Unfall, wobei sein Automobil zertrümmert und er und seine Frau aus dem Wagen geschleudert wurden. Magistratsrat Dr. Meyer erlitt einen Armbruch und ebenso wie seine Gattin Haut- abschürfungen. Der Chauffeur blieb unverletzt. Mit Hinterlassung einer großen Schuldenlast ist der Inhaber eines Versicherungsbureaus Jan Burdajewicz aus der Markgrafenstraße 91 verschwunden. Die Schulden BurdajewiczS werden auf 46 666 bis 66 666 M angegeben. Der Verschivundene lebte aus großem Fuße. Er soll sich einen Auslandspaß nach London ver- schafft haben. Sein Versicherungsbureau ist geschlossen. In der Poliklinik Karlstr. 26a findet nach den Ferien wieder von 11— 12 Uhr Sprechstunde für unbemittelte Magen» und Darmkranke statt. Theater des Zentrum nennt sich ein Untenrehmen, das sich unter der Direktion des Herrn Max Höpfner in der Sophienstraße 13 auf- gelan hat. Es will ein Volks-Tbeater sein und es sind deshalb kleine Preise m Höhe von 66—76 Pfennige vorgesehen. Am Montag fand die Eröffimngsvorslellung statt. Zur Ausführung gelangte das Repertoirstück des Thalia- Theaters:„Bis früh um fünf." Der Oberregisieur Adolf Behle gastierte mit seinem Ensemble und be- mühte sich nach Kräften, seiner Aufgabe gerecht zu werden. Herr Behle selbst gab eine» ganz guten Zollinspektor ab. Die Vorstellungen sollen vorläufig stattfinden am Montag, Freitag und am Sonntag nachmittag. Zu Freilag ist„Der Veilchenfresser" von Moser vor- gesehen, während am Sonntag nachmittag.-Bis früh um fünf" wiederholt wird. Im FolieZ Cnprice, dem Budapester Possen-Theater in der Linien- straße, sind nach dem Auszug des Figaro-Theaters wieder die alten Kobolde eingezogen. Scherz und tollste Laune treiben wieder ihr Wesen. Mertens, Fleischmann und Grünecker sind wieder da und ergötzen das Publikum durch ihre übermütigen Spähe und Kalauer. Im Luiscn-Thcater gelangt am Freitag, den 27. September, zum erstenmal„ M n t t e r s e g e n", Volksstück mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von W. Friedrich, zur Aufführung. Die Feuerwehr hatte in der letzten Nacht an verschiedenen Stellen zu hm. Um Mitternacht mußte in der Dresdenerstr. 116 ein Schal- deckenbrand gelöscht werden. Um 1 Uhr nachts stand in der Levetzowstr. 9 eine Baubude in Flammen. Der 16. Zug mußte längere Zeit Wasser geben, um den Brand zu löschen. Nachts um 4 Uhr brannten in der Thornerstr. 1 Mobilien und Immobilien. Am Luisenufer 8 war ftüh um 6 Uhr in einer Schlafstube Feuer ausgekommen. Gleichzeitig brannten in der Luisenstr. 18 in einer Waschküche Schaldecken usw. Ferner mußte ein Wohnungsbrand in der Richthofenstr. 3 gelöscht werden. In der Hindersinstr. 6 wurden Lumpen. Papier usw. ein Raub der Flammen, und in der Lands- bergerstraße 3 stand der Dachboden mit der Balkenlage, den Fuß- böden usw. in Flammen. Vorort- J�admcbtem In dem Charlottenburger Stadtverordnetenwahlkampf wird von liberaler Seite geflissentlich die Nachricht verbreitet, als hätten die Sozialdemokraten und die„Unpolitischen" irgend eine Verabredung zur gemeinsamen Bekämpfung der liberalen Fraktion getroffen. Vor einigen Tagen erflärte ein Mitglied der liberalen Fraktton in einer Versammlung, sowohl die Unpolitischen wie die Sozialdemokraten seien bemüht, sich in: Wahlkampfe gegenseitig zu schonen, sie würden geeint durch das Bestreben, die Macht der Liberalen zu verringern. Und im Wahlauftuf der Liberalen heißt es, namentlich müsse der Agitation der Gegner von rechts und links, die, sich gegenseitig sch 0 n e n d, eifrig bemüht sind, über das Tun und Wollen der Liberalen falsche Nachrichten auszustreuen, in Wort und Schrift entgegen getreten werden.„Diese AufklärungS- arbeit wird mit besonderem Eifer in der dritten Wähler- abteilung zu leisten sein, da dort die Sozialdemokratie, unterstützt durch die wohlwollende Neutralität der Unpolitischen, sicherlich kein Mittel unversucht lassen wird, um die ihr bei den vorigen Wahlen von den Liberalen beigebrachte Niederlage wieder wett zu machen." Man ist ja im Wahlkampfe an recht unsinnige Behauptungen allmählich gewöhnt worden, aber so sinnloses Zeug, ivie die Liberalen diesmal verzapfen, hätten wir von ihnen doch nicht erwartet. Die angebliche Niederlage, die die Sozialdemokratie vor zwei Jahren erlitten hat, besteht in einem Stinmienzuwachs um einige Tausend und in einer Vermehrung der Zahl ihrer Sitze von 12 aus 13. Und das ftotz des Bündnisses, das damals die Liberalen mit den Unpolitischen geschlossen hatten I Diese beiden Parteien, die sich jetzt scheinbar so heftig befehden, hatten in der dritten Klasse überall gemeinsame Kandidaten gegen die Sozialdemokratie auf- gestellt. Erst später ist das Bündnis in die Brüche gegangen, als sich bei der Verteilung der Beute Differenzen ergaben. Geradezu lächerlich ist es, wenn der Liberalismus sich rühmt, daß er diesmal allein da stehe und auf feine eigene Kraft angewiesen sei. Nein, nicht auf die eigene Kraft, sondern auf das Dreiklassen- Wahlsystem baut er seine Hoffnungen auf. Von irgend einer Verabredung der Sozialdemokratie mit den Unpolitischen ist natür- lich keine Rede, die Sozialdemokraten führen den Kampf gegen die Unpolitischen genau so wie gegen die Liberalen, sie schonen weder die einen noch die andern. Und wer die kommunalpolitischen Verhält- nisse CharlottenburgS auch nur oberflächlich kennt, der weiß auch ganz genau, daß bei den Stichwahlen die beiden feindlichen Parteien doch wieder gemeinsam gegen die Sozialdemokratie zu Felde ziehen. DaS ganze Bestreben der Liberalen ist darauf gerichtet, die absolute Herrschast im Stadtparlament zu erlangen, nicht etwa um dort liberalen Anschauungen zum Durchbruch zu verhelfen— ach nein, die haben diese Herren längst preisgegeben— sondern aus Gründen persönlicher Art. Die Herrschaft der Liberalen wäre ein Unglück für die Stadt; Charlottenburg würde dann in sehr kurzer Zeit in bezug auf sozialpolitische Einrichtungen, in denen es früher als Vorbild für andere Gemeinden galt, an letzter Stelle marschieren. Nixdorf. Dem Lehe« Rich-rd Wandte ins Stammbuch. In einer ö f f e n t- lichen Bersammt�nz die zum Sonntag vom Deutschen TranSportarbeiter-Verbande nach dem Lokal von Thiel einberufen worden tvar, wurde die Affäre Wandle zur Sprache ge- bracht. Das Verholten des Herrn Wandle, der an der 9. Gemeinde- schule in der Kaiser Friedrichstraße amtiert, ist im„Vorwärts" mehr- fach gekennzeichnet worden. Auch in der Versammlung wurde es aufs schärfste verurteilt. Von Personen, die den Lehrer Richard Wandle genauer kennen, wurden einige Reminiszenzen aus seiner noch nicht alkoholfreien Lebensperiode zum Besten gegeben. Wandle ist bereits seit Jahrzehnten Lehrer in Rixdorf; er ist daher speziell seinen früheren Schülern, von denen jetzt viele längst Familien« väter sind. sehr wohl bekannt. In der Versammlung wurde auf das bestiininteste versichert, daß der Jugendbildner Wandle, der heute einen in seinem Beruf tödlich verunglückten Kutscher ohne weiteres als ein Opfer des Trunkes hinstellen will, früher selber an öffentlichen Orten im Zustande reichlicher Alkoholisierung gesehen worden sei. Einer seiner ehemaligen Schüler trug aus dem Anfang der 86er Jahre eine Erinnerung vor, die den Herrn Wandle noch von einer anderen Seite zeigt. Damals passierte eS diesem Schüler — einem Sohn des Genossen Franke, der unier dem Schandgesetz gegen die Sozialdemokratie die Heimat hatte verlassen müssen— daß er eines Tages von Herrn Wandle gefragt wurde, wo denn fem Vater stecke. Als Wandle hörte, daß der Vater ausgewiesen worden sei. tat er vor versammelter Klasse die Aeußerung, der sei wohl jetzt in Paris und lenre dort Bomben werfen. Zu der neuesten Erziehettat des Herrn W., durch die er jetzt den weitesten Kreisen bekannt geworden ist, beschloß die Versammlung einstimmig folgende Resolution:„Die Versammlung nimmt mit Entrüstung KemnniS von dem taktlosen Verhalten des Lehrers Wandle, welcher vor ver- sammelter Klasse über den Vater eiues seiner Schüler, den durch Unfall aus dem Leben geschiedenen Kollegen Gerlach, die un- qualifizierbare Redensart gebrauchte: Der wird wohl be- trunken gewesen sein. Gegen diese haltlose Verdächtigung protestieren die Anwesenden auf das energischste, umsoinchr als durch derartige Reden der an und für fich schon schivere Beruf der Kutscher verunglimpft wird. Auch werden dadurch die Beziehungen zwischen Schule und Haus schwer geschädigt." Schonederg. Die letzte Sitzung der Stadtverordnetenversammlung brachte lebhafte Auseinandersetzungen, die der Agitation zu den bevor- stehenden Stadtverordnctenwahlcn dienen sollten. Den Anlaß hier- zu gab ein Antrag der liberalen Fraktion, nach welchem der Magistrat ersucht werden sollte, die Zahl derjenigen Schöneberger Hausbesitzer feststellen zu lassen, die das passive Wahlrecht für die Hausbesitzer- Mandate besitzen. Stadtv. Dr. Voßberg slib.) wies in feiner Begründung auf einen gleichen Beschluß der Berliner Stadt- verordnerenversammlung hin. Eine derartige Feststellung sei notwendig, um die Ungerechtigkeit und Uebcrlcbtheit des Haus« besitzcrprivilegs zu zeigen. Die Regierung müsse darauf auf- merksam gemacht werden, daß die gesetzlichen Grundlagen der» Städteordnung im Widerspruch mit den jetzigen Bevölkerungsver- hältuissen stehen. Stadtv. Richard Schneider(Hausbesitzer- fraftion) pellte im Namen seiner Freunde gleich einen weiteren Antrag, in tcm vom Magistrat verlangt wird, die Summe der- jenige» Steuern anzugeben, die von den HauS- und Grund- Besitzern bezahlt werden. Stadtv. H e p n e r ist für Annahme des ersten Antrages nur zu haben, wenn auch der zweite Antrag Zu- stimmung findet. Durch den zweiten Antrag wird sich zeigen, dast die Hausbesitzer im Stadtparlament noch gar nicht genügend ver- treten seien. Schon aus dem Etat fei zu ersehen, datz mindestens KV Proz. der gesamten Steuern von den Haus- und Grund- besitzern getragen werden. Nirgends sei das Hausbesitzerprivilcg berechtigter als in Schöneberg. Stadtv. K ü t e r(Soz.) erklärt. daß die sozialdemokratische Fraktion beiden Anträgen zustimmen werde. Besser wäre es allerdings gewesen, die Mehrheit hätte seinerzeit dem sozialdemokratischen Antrage, in welchem die Auf- Hebung des Hausbesitzerprivilegs in den Kommunen gefordert wurde, zugestimmt. Im übrigen befänden sich die Herren Gegner und Freunde doch in einem Irrtum. Woher nehmen denn die Haus- besitzer das Geld zur Zahlung der Abgaben und Steuern? Es feien lediglich die Mieter, die auch diese Abgaben und Steuern zu tragen haben. Die ganzen städtischen Einrichtungen und An- lagen trügen doch erst dazu bei, den Wert der Grundstücke und Häuser zu heben. Es fei die höchste Zeit, daß ein Wahlrecht ge- schaffen werde, das der Allgemeinheit Rechnung trägt. Stadtv. Kunze(HauSbesttzerfraktion) trat für die Rechte der Hausbesitzer ein. Man könne die Rechte nur nach den Pflichten verteilen. Die Hausbesitzer seien an ihr Haus gebunden, während die Mieter ziehen könnten, wohin sie wollten. Er empfahl den Sozialdemo- traten, die Häuser zu kaufen und dazu die Streikkassen zu benutzen. Stadtv. Rheinbacher(lib.) trat für den ersteren Antrag ein. Die Hausbesitzer hätten ja gar keine Veranlassung, ihr Geld in Häusern anzulegen, sie tun dies doch nur, um einen Gewinn herauszuschlagen. Redner empfahl, gegebenenfalls auch über 100 Proz. Zuschlag zur Einkomniensteuer hinauszugehen. Der Kämmerer erklärte darauf, daß Schöncberg in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen habe, über Ivo Proz. hinauszugehen und empfahl, die Debatte über diesen Punkt abzubrechen, da das der Stadt Schönebcrg nur nachteilig fein könne. Die weitere Debatte führte dann zu erregten Auseinander- setzungen zwischen den bürgerlichen Parteien, die zum großen Teil auf das persönliche Gebiet hinübergingen. Den Liberalen wurde der Vorwurf gemacht, daß sie sozialdemokratisch gesinnt wären, wogegen sich dre Liberalen ganz energisch wahrten und den Be- weis zu erbringen suchten, daß dies nicht der Fall fei. Sie gaben die feierliche Erklärung ab, daß sie sich nur nach der Gesinnung ihres Führers, des Justizrats Rheinbacher., richten, und der könne doch sicherlich nicht in dem Verdacht stehen, sozialdemokratisch zu sein. Die beiden Anträge wurden schließlich einstimmig angenommen. Die Mittel st andsvereinigung, Ortsgruppe Schöne- vcrg, petitionierte um eine Besteuerung des Umsatzes der hiesigen Warenhäuser. Der Ausschuß empfahl, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen, da eine derartige Be- steucrung gesetzlich unzulässig scu Die Versammlung beschloß demgemäß. Eine weitere Petition dieser Vereinigung verlangt die Be- steuerung von Filialen. Der Ausschuß hält diese Steuer nicht für empfehlenswert, da die Veranlagung zur Gewerbesteuer stets nach einheitlichen Grundsätzen erfolgen muß, so daß schon aus diesem Grunde die Einführung der Besteuerung der Filialen äußerst schwierig wird. Die«tadtvv. Kunze und Val. Fröh- I i ch befürworteten die Einführung dieser Steuer, während von sozialdemokratischer Seite die Ablehnung derselben empfohlen wurde. ES wurde beschlossen, auch über diese Petition zur Tages- ordnung überzugehen. Die hiesigen Brauereien petitionieren um Abstandnahme von der Einführung der kommunalen B i e r st e u e r. Da die Ein- führung einer Biersteuer von den städtischen Körperschaften zur- zeit nicht geplant ist, wurde beschlossen, über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen. Gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerliste ist in 25 Fällen Einspruch erhoben worden. S Einsprüche wurden als begründet angesehen und die übrigen als unbegründet zurück- gewiesen. Die zurückgewiesenen Einsprüche waren fast durchweg von Personen erhoben worden, die nicht die preußische StaatSange- Hörigkeit besitzen oder schon seit längerer Zeit aus Schöneberg ver- zogen sind. DaS Famlliendrama in der Gustav Freytagstraße, wo. wie wir gestern berichteten, die Frau de» RestaurateurS Tiey sich und ihre beiden Söhne mit Lysol vergiftete, hat nun auch noch ein drittes Opfer gefordert. Gestern mtltag ist Frau T. den Wirkungen des Giftes im Aiiguste Viktoria« Krankenhause erlegen. Ihre beiden Kinder waren bekanntlich bald nach der Tat gestorben. Alle drei Leichen sind beschlagnahmt worden, und nach der Freigabe, die im Laufe dieser Woche erfolgen dürfte, werden Mutter und Kinder gemeinsam auf dem Schöneberger Friedhof beerdigt werden. Tempelhof. Ncber den modernen Sozialismus referierte in der letzten Mit- gllederverfammlung Genosse Mermuth. Nach dem beifällig auf- genommenen Vortrag gab der Vorsitzende, Genosse Thiel bekannt, daß sich bereits über 100 Genossen für die Gründung einer Filiale der ArdeiterbildlingSschiile für Tempelhof-Mariendorf und Marien- felde gemeldet haben. Somit sei die zur Gründung notwendige Mitgliederzahl erreicht. Der Kursus beginnt am Montag, den H. Oktober, abends 8 Uhr, im Restaurant„Wilhelmsgarten* Tempelhof, B e r l i n e r st r. S. Im ersten Kursus wird National- ölonomie gelehrt. Vortragender- JulianBorchardt. Wannsee. Der AutomobilomnibuSverkehr in Wannsee, den eine Stcttiner Firma mit Unterstützung der kommunalen Körperschaften eingerichtet hatte, hat sich nicht rentiert und ist deshalb eingestellt worden. Der Omnibus wird nach Stettin zurücklrauSportiert; an Stelle des Motorbetriebes soll Pferdebetrieb eingeführt werden. Treptow-Baumschnlenweg. Aus der Gemeindevertretung. Zu der am 3. und 4. Oktober in Hannover stattfindenden Versammlung, welche sich mit dem Fort- bildungSschulwesen befassen soll, ivurde dem Gemeindevorstand an« heimgegeben, ein oder zwei Vertreter zu deligieren.— Von dem vor längerer Zeit der Gemeinde hinterlassenen Vermächtnis des Rentiers Pöhlia von 25 000 M. wurde einem Verwandten desselben eine jährliche Rente von 200 M. auf Lebenszeit bewilligt.— Einem Abkommen über die gegenseitige Befreiung von der Umsatzsteuer mit dem Kreise Teltow, rückwirkend bis t. April d. I., wurde zugestimmt.— Die Unterhaltung der Treptower Chaussee, welche bisher Berlin hatte, ist am 1. August von der Gemeinde übernommen worden.— Der bereits vor drei Jahren beschlossene Vertrag, die Verlängerung der Untergrundbahn bis Schöneweide durch die Reue Krua-Allee mit einer Abzweigung durch die Baumschulenstraße bis Kanner Chaussee betreffend, ist in allen Teilen perfekt geworden, es bedarf der Bau nur noch der landespolizeilichen Genehmigung. Die Ge- fellschaft beabsichtigt noch in diesem Jahre mit der Schienenlegung in der Bauinschuleiistraße zu beginnen. Die Verhandlungen des Gemeindevorstandes über die Abtretung der Vorgärten in der Baum- schnlenstraße stößt bei knapp einem Drittel der Grundbesitzer auf Schwierigkeiten. Es genügt den Herren nicht, daß die Grundstücke durch die besseren BerkehrSverhältnisie im Preise steigen, sondern «S soll noch da» Vorgartenland von der Gemeinde teuer bezahlt oder die Vflasterkosten zu einem großen Teile übernommen werden. Hierdurch kann die Regulierung auf längere Zeit hinaus- geschoben werden. Beschlossen wurde, den Damm auf 12 Meter zu verbreitern, wodurch die beiden inneren Baumreihen fallen und für die Bürgersteige je 7 Meter übrig bleiben. Außerdem soll auf jeder Seite zwischen Baumreibe und Bordschwelle ein Radfahrerweg von 1.30 Meter angelegt werden.— Die Beteiligimg an der Einführung einer Revision der Gemeindekassen durch Provinzialbeamte wurde beschlossen. Hierbei wird die Tätigkeit der von der Vertretung ge- Wählten Revisionskommission nicht veeinträchtigt. Die Genosse« in Treptow-Baumschulenweg können es gegen- wältig der Polizei nicht recht machen. Auch in der letzten Mit- gliedervcrsammlung des Wahlvcrcins hatte der überwachende Be- amte etwas auszusetzen. Trotzdem die Frauen von den Männern getrennt loaren, genügte dies nicht i sie mußten sich auf Anordnung des Beamten aus der Bühne plazieren. Hierauf erstattete Genosse Pagcls den Bericht vom Internationalen Kongreß. Redner schloß seine zweistündigen Ausführungen mit der Aufforderung an die Versammelten, für die Durchführung der in Stuttgart gefaßten Beschlüsse mit Sorge tragen zu helfen.— In der Diskussion sprach nur Genosse P r e u ß im Sinne des Referenten. Zum zweiten Punkt kritisiert der Vorsitzende Genosse P 0 s s e I t das Verhalten der Gendarmen in der letzten Versammlung. Er kennzeichnete in markigen Worten die„rege Tätigkeit" der Polizei- organe der Arbeiterschaft gegenüber. Pflicht der Genossen sei es aber, durch Massenbesuch unserer Versammlungen der Polizei zu beweisen, daß alle Maßnahmen gegen uns abprallen, ja in das Gegenteil umschlagen und wir trotzdem vorwärts märschieren. Genosse Karow wandte sich ebenfalls scharf gegen das jetzt herrschende Auflösungsfiebcr, und meint, man fühle sich ordentlich in die selige Zeit des Sozialistengesetzes versetzt. Auch Genosse S ch i e f k e unterzog das Vorgehen der Polizei einer scharfen Kritik. Genosse P a g e l s glossierte dann in längeren Aus- sührungen die Handhabung der Gesetze durch die Gesetzes Wächter. Was in Berlin und anderen Orten dem schneidigsten Polizei- leutnant genügt, genügt in Treptow nicht; die Verfügungen des Ministers des Innern haben hier anscheinend keine Gültigkeit. Nachdem die Genossen Stock, Wicht und H e n s e l sich eben- falls energisch gegen die behördlichen Maßnahmen wendeten, ge- langte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Die heutige Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins spricht ihre Entrüstung aus über die polizeiliche Auflösung der letzten Versammlung, die aus dem Grunde er- folgt ist, weil Frauen anwesend waren, und legt gegen diese unberechtigte Maßnahme entschieden Protest ein. Die Anwesen- hcit der Frauen in unseren Versammlungen hat seine Bercchti- gung durch die in dieser Sache erfolgte Verfügung des Ministers des Innern, und da der Vorstand alles getan, das erforderliche Segment herzustellen, hält die Versammlung das Vorgeben der Polizei für ungesetzlich und ersucht den Vorstand, dahin zu wirken, daß derartige polizeiliche Handlungen, die jedes Ver- sammlungsrecht aufheben, für die Zukunft nicht mehr platz- greifen." Bei der Abstimmung ereignete sich noch ein heiterer Zwischen- fall. Der Ueberwachende bemerkte, daß eine Frau den Kellner winkte, gerade in dem Augenblick, als die Abstimmung der Rc- solution vorgenommen wurde. Er sprang auf und forderte, daß die anwesenden Frauen sich nicht„an der Versammlung beteiligen dürfen." Genosse P 0 s s e l t machte dann noch einige Mitteilungen. Darauf erfolgte Schluß der imposanten Versammlung. Köpenick. Angehörige der vor vierzehn Tagen ertninkenen Hertha Richmann bitten uns mitzuteilen, daß die Ertrunkene mit ihrer Freundin den Kahn von Schlickert betreten hatte, weil sich Bekannte auf demselben befanden. Beim Einspringen in den kleinen Kahn zum Ueberseyen sei derselbe umgekippt und die R. ertrnnkcn, während sich der Schisser noch retten konnte. Die Mitteilung, daß die R. eine Prostituierte gewesen sei, entspreche nicht den Tatsachen. Nieder-Schönhansen. Aus der Gemeindevertretung. Die Einweihung deS neuen Schul» hauseS in der Blankenburgerftraße findet am 7. Oktober statt. Da die Aula noch nicht fertiggestellt ist, so steht nur ein kleiner Raum fiir die Feier zur Verfügung. Bon dem Bürgermeister Kühr in Pankow ist ein Schreiben eingelaufen, in welchem angeregt wird, bei dem Fernsprechamt Panlow einen Nachtdienst mit Berlin einzuführen, doch ist eine Garantieleistung von 1500 M. erforderlich, die aber noch nicht ganz aufgebracht sind. Es sollen die Interessenten der Nieder-Schönhauseuer Eürwohnerschaft an der telephonischen Nacht- Verbindung mit Berlin dem Bürgermeister Abraham Mitteilung machen. Da der Schöffe Rathenow fem Anit als Waisenrat niedergelegt hat, wurde an dessen Stelle Telegraphensekretär a. D. Rost gewähll, Zu den Kosten der Amtsverwaltung fiir das Jahr 1907 sollen 14000 Mark nachbewilligt werden. Diese EtatSiiberschreitung ist. wie der Bürgermeister ausführte, dadurch entstanden, daß wlder Erwarten die Gebühren für Neubauten geringer ausgefallen sind, des weiteren ist eine Reihe neuer Bauten neu eingestellt und die Polizeiwache eingerichtet worden, und zuletzt ist der Etat der Amtsverwaltimg später fertig geworden als der der Gemeinde; es sei deshalb da- malS nicht vorauszusehen gewesen, daß der Etat höher werden würde. In der hierauf folgenden Diskussion drückte der Gemeindevertreter Kuhlmann seine Verwunderung darüber aus, daß jetzt 14 000 Mark nachbewilligt werden sollen. Auf den Kopf der Bevölkerung komme somit eine Steuer von 1,20 Mark, das sei eine zu starke Be- lastung. Durch die Anstellung der vielen Polizcibcamtcn sehe es so aus, als ob hinter jedem Einwohner ein Polizist stehen muß. Wenn schon die Gemeinde für die AmtSverwaltung bezahlen soll, so müsse sie auch darüber bestimmen können, ob die Ausgaben nötig sind oder nicht, er bittet die Bewilligung des Betrages abzulehnen. Nach längerer Debatte wurde die geforderte Nachbewilligung ab- gelehnt. Die Beschlußfassung in der Angelegenheit des Vertrages mit ver Großen Berliner Siragenbahn wurde von der Tagesordnung abgesetzt und in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. Schon deS öfteren wurde dieser Plinkt in geheimer Sitzung beraten, als ob die Einwohnerschaft nicht ebenfalls ein Interesse voran hätte, die An- sichten der Gemeindevertreter über diesen Punkt kennen zu lernen. Waidmannslust. Unter großer Beteiligung der Genossen von WaidmannSlnst und Umgegend fand am Sonntag ein gcmeinschafllicher Besuch am Grabe deS vor Jahresfrist in Hohen-Neuendorf erschossenen Geiiosse» Herr- mann statt. Allgemein wurde der Entriistimg Ausdruck gegeben. daß diese Tat bisher noch nicht die gebührende Sühne gefunden hat. Gerickts-Leitung. Bauernfängerei. Der Redakteur E r n st S ch a ch t der„Deutscheu Tageszeitung" hatte sich gestern in der Berufungsinstanz gegen eine Privat- beleidigungsklage des„Direktors des GcncralfundburcauS" Otto R c ck e n t i n vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I zu ver- antworten. Eine ganze Anzahl von Beschwerden über die Geschäfts. Handhabung in dem Geiuralfundburcau hatten einen m Nr. 58} der„Deutschen Tageszeitung" vom 14. Dezember 1906 erschienenen Artikel gezeitigt, der sich niit dem Institut des Privatklägcrs und der Person des letzteren beschäftigte. Der Artikel schildert in humoristischer, ironischer Form die Erlebnisse, die zwei Herren aus dem Generalfundbureau gemacht haben, als sie sich wegen eines von einer Dame verlorenen Medaillons dorthin gewandt hatten Es wird in dem Artikel an einem drastischen Beispiel nachzuweisen gesucht, daß die Leute, die durch eine Zuschrift des Privatklägcrs nach dem Gcneralfundbureau, Charlottenftrahe 96, bestellt werden in dem Irrtum versetzt werden, daß sie die von ihnen verlorene Sache dort in Empfang nehmen können, während daS punctum saliens die Zahlung einer Gebühr sei, für welche man die Ver- sicherung erhalte, daß sich das Bureau um die Wiedererlangung der Sache bemühen werde und zwar durch Einsichtnahme in eine vom Bureau geführte Fundliste und durch Aufnahme der Vcrlustmeldung in dem vom Bureau veröffentlichten Berliner Verlustanzeiger, der täglich an eine Anzahl von Anschlagsäulen angeklebt wird. In dem im Artikel behandelten Falle war den beiden Herren, welche Protest gegen die Geschäftspraktiken des Herrn Reckentin erhoben hatten, schließlich in aller Form die Tür zewiesen worden. Sie sind dann zur Polizei gegangen und haben dort erfahren, daß die Polizei mit diesen Leuten einen ewigen Aeraer habe, ibncn aber nichts anhaben könne. Der Artikel schließt mit dem Satze:„Und die Polizei ist dieser Bauernfängerei gegenüber machtlos? Das verstehe, wer will!" Wegen dieses Aus- druckeZ ist die Privatklage angestrengt worden. Nach den. Fest- stcllungen deS Schöffengerichts liest der Privatklägcr die in Berlin erscheinenden Zeitungen, schneidet die darin enthaltenen Verlust- anzeigen aus und klebt sie in ein Buch, in welchem auch alle Gegenstände vermerkt werden, die von den Polizeibehörden Berlins und der Vororte als gefunden gemeldet werden. Auf Grund der Verlustanzeigen schickt er dann eine an den Verlierer adressierte Karte, worin es heißt:„Wir empfehlen Ihnen Nachfrage bei den« Gcneralfundbureau, Charlottenstraße 96. Diese Karte ist bei der Nachfrage vorzulegen." Die Leute, die dann dort erscheinen und in der irrigen Vorstellung leben, daß sich die vctlorcne Sache in natura auf dem Bureau befindet, ftihlen sich vielfach durch die ihnen zu allererst abgenommene Gebühr geschädigt.— Das Schöffengericht war zu der Ucberzeugung gelangt, daß der Privat- klüger Irrtümer, in denen sich die seine Hülfe in Anspruch nehmen- den Personen befanden, zur Erlangung pekuniären Gewinnes be- nutzt und daß dieser Irrtum auf sein Geschäftsgebaren zurück- zuführen sei. Schon die Form der Karte, in welcher er den Perlierenden seine Dienste anbiete, müsse diesen Irrtum vor- bereiten, und daß die Karte diesen Irrtum in der Tat vielfach erregt hat, konnte dem Privatkläger aus den vielfachen gegen ihn erstatteten Anzeigen nicht entgangen sein. Das Geschäft des Privatklägers beruhe demnach nicht auf einwandfreier, den Grund- sätzcn von Treu und Glauben entsprechender Grundlage. Wenn der Artikel den Mißbrauch des Vertrauens der Verlierenden mit dem Worte„Bauernfängerei" bezeichne, so sei der Ausdruck scharf, aber durchaus korrekt für dieses Verhalten. Das Schöffengericht erkannte deshalb auf Freisprechung des Angeklagten. Im gestrigen Termin vor der Strafkammer hatte der Beklagte abermals den Wahrheitsbeweis angetreten, so daß eine mehrstündige Zeugenvernehmung nötig wurde. Der Privatkläger und sein Rechtöbeistand Justizrat Reiche legten eine Anzahl von Dankschreiben solcher Verlierer vor, die durch die Bemühungen deS Generalfundbureaus wieder in den Besitz ihres Eigentums ge- kommen sind. In keinem der erörterten Fälle sei dem Privatklägcr der Vorwurf unlauteren und gegen Treu und Glauben verstoßenden Geschäftsgebarens zu machen.— Rechtsanwalt Schröder beantragte die Verwerfung der Berufung, da die Beweisaufnahme gezeigt habe, daß das Schöffengericht das Generalfundburcau durch. aus richtig charakterisiert habe.— Das Berufungsgericht erkannte auf Verwerfung der Berufung und legte dem Privatkläger die Kosten auf. ES handle sich in der Privatklage nur um den Ausdruck„Bauernfängerei". DaS Gericht sei den Ausführungen de» Vorderrichters gefolgt und habe angenommen, daß dieser Vorwurf nicht unbegründet ist, denn der Privatkläger habe durch seine Karten den Irrtum erweckt, als ob sein Bureau in den Besitz der verlorenen Sachen wäre, oder doch wüßte, wo die Sachen sich befinden. Er habe diesen Irrtum vorsätzlich ausgebeutet und es sei nicht unzutreffend, dies als Bauernfängerei zu bezeichnen. Ein seltener Fall, in dem ein Gericht vcrständigerweise dem Humbug der„formalen" Beleidigung nicht gefolgt ist. Zur SluSlegung deS 8 43 Absatz Z der Gewerbcordnnng. (Ein Nachspiel zur Reichstags wahlbewegun g.)' Nach§ 43 Absatz 3 der Gewerbeordnung ist eine polizeilich« Erlaubnis nicht erforderlich zur Verteilung von Stimmzetteln und Druckschriften �u Wahlzwecken bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlaktes. In dieser Zeit hatte nun bei den letzten Reichstagswahlcn der Kolporcur Vittor im Auftrage deS sozialdemokratischen Parteisekretärs Spring auf der Straße in Beuthcn Einladungen zu einer öffentlichen Ver- sammlung für Männer und Frauen verteilt, wo Emma Ihrer über die„Frauen und die ReichStagswahlen" sprach. Das Landgericht Beuthen in O.-Schl. verurteilte ihn gleichwohl auf Grund der noch geltenden KZ 10 und 41 des alten preußischen Preßgesetzcs zu einer Geldstrafe, weil er auf öffentlickicn Straßen ohne polizeiliche Erlaubnis Druckschriften verteilt habe. Ter§ 43 Abs. 3 der Gewerbeordnung sei hier nicht anwendbar. ES müsse sich nach der zitierten Bestimmung deS 8 43 um die gerade vorliegende konkrete Wahl handeln. Das sei aber hier nicht der Fall ge- wesen. Denn es wäre das Verhältnis der Frau zur Stimmrechts- frage erörtert worden. Nicht zu Zwecken 5er Wahl, sondern nur aus Anlaß der Wahl sei die Druckschrift verteilt und die Ver- sammlung einberufen worden. Nur aus Zwcckmähigkeitsgründen sei die Versammlung in die Wahlzeit verlegt worden. Sie hätte auch zu anderen Zeiten abgehalten werden können. Angeklagter legte Revision ein und betonte, eS sei gerade be- zweckt gewesen, zu veranlassen, daß die Frauen ihre Männer bccin- flusscn sollten, gerade an dieser Wahl teilzunehmen. Das Kamniergcricht erachtete in Ucbcreinstimmung mit dem Landgericht den§ 43 Alssatz 3 der Gewerbeordnung nicht für an- wcndbar, weil die Druckschrist nicht zu Zwecken dieser bestiinniten Wahl verteilt sei. Aber auch 8 10 des preußischen Prcßgcsetzcs wäre nicht anwendbar, da er sich nur auf das nncntgeltliche Ver- teilen beziehe, Viktor aber gegen ein Entgelt verteilt habe. DeS- halb wurde das Urteil des Landgericht aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückverwiesen. Diese miisse prüfen, ob nicht gegen Viktor, der ja Kolporteur sei,§ 43 Absatz 1 der Gewerbe- ordnung zur Anwendung komme, der die gewerbsmäßige Ver- teilung von Druckschriften von einer Erlaubnis abhängig mache. Dann müsse ferner festgestellt werden, ob der Angeklagte wußte, daß es sich bei der Druckschrift um ein Objekt handelte, welches sich nicht auf die Rcichstagswahl 1907 bezog. Die Praxis, alle zur Freiheit von Polizeiwillkür gegebenen Gesetze einengend zu interpretieren, ist auck ein Zeichen der reaktionären Hcrrschast der„Blockpolitik� Zur Einengung deS vereinsrcchtS. Bobowsky, Musilak und Genossen alS Vorsteher eines polnischen Turnvereins zu Lissa sollten den 8 � des VcreinSgcsetzeS durch Nichtabmeldung ausgetretener Mitglieder übertreten habxn. Sie beriefen sich demgegenüber auf 8 9 deS VereinSstaiutS. wonach der Austritt beim Vorstand schriftlich anzuzeigen sei. Die drei Mit- glicdcr, um die es sich handele, hätten nur mündlich imd nur dem ersten Vorsitzenden mitgeteilt, daß sie aus dem Socol austräten. — Das Landgericht verurteilte zedoch die Angeklagten, weil sie binnen drei Tagen nach jener mündlichen Erklärung der drei Mitglieder diese nicht gemäß 8 2 de? VcreinSgesetzcS bei der Polizei abgemeldet hätten. Nach 8 28 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs genüge für Willenserklärungen gegenüber dem Verein die Mitteilung an ein Vorstandsmitglied. Das Kammergericht alS NcvisionSiiistanz beließ eS bei der Verurteilung. Es führte aus: Allerdings treffe hier 8 28 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht zu. da er sich nur auf rechtsfähige Vereine beziehe Tie Verurteilung auf Grund der 88~ und 13 deS VcreinsaesetzcS sei aber berechtigt. Im 8 5 deS Statuts heiße es, daß aufhöre Mitglied zu sein, wer aus dem Verein austrete. Tatsächlich seien nun aber die drei Leute ausgetreten und durch ihre Mitteilung habe der Vorstand davon erfahren. Der tatsächliche Austritt und die Kenntnisnalune davon seien aber maßgebend. Binnen drei Tagen hätte für Abmeldung der Mitglieder bei der Polizei gesorgt werden müssen. Durch die statutarische Vorschrift, daß der Austritt dem Vorstand schriftlich angezeigt werden müsse. werde das öffentliche VercinSrccht nicht berührt. Tie Ansicht deS KammergcrichtS, daß die statutarische Vor» schrift unerheblich sei, ist durch keinerlei gesetzliche Bestimmungen gerechtfertigt. Sie verstößt im Gegenteil gegen die auch für „politische" Vereine gültigen Bestimmungen des bürgerliche» und Öffentlichen Rechts, der Angeklagte ist mithin zu Unrecht wegen der unerklärlichen Rechtsirrtümer des Kanimcrgcrichts bestraft— eine nicht ganz neue Frucht neudcutscher GerlnanisierungSpolitik, die die Nichtigkeit des General v. Liebertschen Grundsatzes„Macht geht vor Recht" für unsere Rechtsverhältnisse zu illustrieren ge« eianet ist. Notlage eines DienstkilechtS. Vor dem Reichsgericht gelangte am Montag eine Sache zur Verhandlung, die auf die tieftraurige Lage der Landarbeitersammen- künfte mit Tanz statt; 3. besteht eine Krankenunterstützungskasse und 4. wird jedem Mitglied« ko st en loser Rechtsschutz und Auskunft in allen beruflichen Angelegenheiten erteilt. Auch die Monatsschrift des Vereins wird unentgeltlich zugestellt. Der Vereinsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; der Kranken« untcrstützuitgsbeitrag pro Jahr 1 M. Mitgliederanmeldungen können erfolgen in den Versammlungen und bei den Mitgliedern: Frl. Amalie Arndt. Neue Winterfeldtstr. 32 bei Martini; Frau S te i n k o p f. Schwedterstr. 34; Frl. Anna Förster, PallaSstr. 10 bei Snßmann. A»tskunftsstelle des Vereins bei der Vorsitzenden Frl. Ida Baar, Wilmersdorf, Kaiserplatz 17. Sprechstunden Montagsabend von 7 bis S Uhr. Genossen und Genossinnen! Gedenkt der Notwendigkeit der Dienstbolen-Organisation I_ Körperliche Entwickclinig und materielle Verhältnisse. London, 23. September. DaS Unterrichtsdepartement Schott- Zands veröffentlichte einen intcrcffaiiten Bericht über die körperliche EntWickelung der Schulkinder in Glasgow. Es wurden 72 857 Schul- linder— 36 883 Knaben, 35 974 Mädchen— gewogen und gemessen. Davon lebten 8 Proz. der Kinder in Wohnungen, die nur aus einem Zinimer bestanden, 53 Proz. in Wohnungen von zwei Zimmern, 24 Proz. in Wohnungen von drei Zimmer», 10 Proz. in Wohnungen von mehr als drei Zimmen». Das Resultat der Messungen war, daß die Kinder, die aus engen Wohnungen kamen, sowohl an Ge- wicht wie an Höhe den Kindern ans geräumigen Wohnungen nachstanden. Die Zahl der gemessenen Kinder ist so bedeutend und die Ergebnisse sind � so gleichmäßig, daß daraus der Schluß gezogen werden darf, die körperliche Enttvickelnng der Kinder hänge hanpt- sächlich von den materiellen Verhältnissen ab. Versammlungen. Ein Ruhetag für die Bäcker? Am Dienstagnachmittag tagte in Kellers Saal eine stark be- sachte Versammlung der Bäckergesellen, welche sich mit der Forderung der gesetzlichen Einführung eines freien Tages in jeder Woche beschäftigte.— Der Referent Schneider verwies darauf, daß die Bäckergesellen schon vor zwei Jahren um Durchführung dieser Forderung an den Bundesrat petitioniert hatten. Der Bundesrat hat diese Petition gar nicht beantwortet. Gleichzeitig hatte damals der Germania-JnnungSvcrband gegen die Gewährung eines Ruhetages petitioniert mit der Begründung, die Durchführung des Ruhetages würde daS Bäckergcwerbe ruinieren. Nun hat der diesjährige Berliner Streik einem großen Teil der Bäckergesellen den geforderten Ruhetag gebracht, ohne daß auch nur einer der betreffenden Bäckermeister dadurch geschädigt. geschweige denn ruiniert worden wäre. In Hamburg ist der Ruhetag durch Vertrag mit der Innung auf der ganzen Linie durchgeführt, auch da hat man>»ur günstige Erfahrungen damit gemacht. Es scheint ja, daß der Bundesrat der Forderung des Ruhetages nicht mehr unbedingt ablehnend gegenüber steht, wenig stens werden zurzeit Erhebungen über die Wirkung der Einführung eines Ruhetages angestellt. Der Ausschuß des Berliner Getverbe- gerichts hat ein der Forderung günstiges Gutachten abgegeben. Die Einführung des Ruhetages würde eine Wohltat nicht nur für die Gesellen, sondern auch für die Meister sein. Wenn nun auch die Aussichten auf den gesetzlichen Ruhetag günstiger sind wie vor zwei Jahren, so darf man doch nicht allzu große Hoffnungen ans die Reichsregierung setzen, denn wie immer, so sind ja auch diesmal wieder reaktionäre Mächte am Werke, um die begründete Forderung der Bäckerciarbeiter zu hintertreiben. Andererseits sind aber die Bäckerciarbeiter fest entschlossen, den wöchentlichen Ruhetag mit allen gesetzlichen Mitteln zu erkämpfen, falls sie ihn nicht durch Verordnung des Bundesrats bekommen sollten. Nach einer kurzen Diskussion, an der auch der Verbands- Vorsitzende Allmann-Hamburg teilnahm, erklärte sich die Ver- sammlung einverstanden mit der Absendung einer Petition an den Bundesrat, welche die gesetzliche Einführung einer ununter- brochenen 36 stündigen Ruhezeit in jeder Woche fordert.— Ferner wurde folgende Resolution angenommen: Die öffentliche Versammlung der Bäcker und Kynditoren nimmt mit Befriedigung Kenntnis davon, daß nun endlich von feiten der Reichsregierung Anstalten zur gesetzlichen Einführung eines wöchentlichen Ruhetages für alle Arbeiter und Arbeiterinnen im Bäcker- und Konditoreigewerbe gemacht weden. Die Versammelten halten eine rcchtbaldige gesetzliche Fest- legung der sechstägigen Arbeitswoche für die in Frage kommenden Arbeiter nicht allein im Interesse ihrer selbst, sondern auch im Interesse des gesamten Gewerbes für dringend notwendig, da nur hierdurch dem Bäckergewerbe sehr aufreibende wirtschaftliche Kämpfe um Durchführung dieser Forderung erspart werden. Die Versammelten halten es nämlich nach wie'vor für ihre heiligste Aufgabe, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchführung einer 36 stündigen wöchentlichen Ruhezeit für alle Hülfskräfte im Bäckergewerbe zu wirken, und zwar solange, bis diese ihre Forderung auf gesetzlicher Basis in be- friedigender Weise geregelt ist. Die Versammelten gestatten sich nun im Anschlüsse an ihre bereits im Herbst 1004 an den Hohen Bundesrat eingereichte Petition bezüglich der Ruhezeit für alle Hülfskräfte im Bäcker- und Konditoreigewerbe nochmals ihren Standpunkt in dieser Frage klarzulegen. Die Versammelten halten 1. an der Forderung einer wöchentlich mindestens 36 Stunden (ununterbrochen) betragenden Ruhezeit für alle Gesellen und Lehrlinge, sowie für alle Hülfsarbeiter und-Arbeiterinnen im Bäcker- und Konditorengewerbe unbedingt fest; 2. erwarten sie, daß im Falle einer gesetzlichen Festsetzung eines der obigen Forderung entsprechenden Ersatzruhetages den- jenigen Arbeitern und Arbeiterinnen, die sich bereits im Genutze der mindestens 36 Stunden betragenden Sonn» und Feiertags ruhen befinden, eine Garantie hierfür gegeben wird, und daß 3. alle diejenigen Regierungs- und behördlichen Verord- nungen, welche die Arbeitsruhe an den hohen Festtagen Ostern. Pfingsten und Weihnachten bestimmen, durch eine Verordnung über den wöchentlichen Ruhetag nicht beseitigt werden, sondern in Kraft bleiben._ Lese- und Diskutierklub»Südost«. Heilte abend 8'/, Uhr bei Tolksdors, Görlitzcrstt. 58: Vortrag. Gäste willkommen. Soztaldeinokratischer Lese- und DIskntierklub»Heine«» Heute abend 8'/i Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergstr. 8. VermilcKteB. Eisenbahnunfälle. Vorgestern abend um 8 Uhr 40 Minuten stieß der Personen- zug 388, Lauda— Heidelberg, auf der Station Bingenberg in- folge falscher Wcichcnstellung mit einem Güterzug, den er über- holen wollte, zusammen. Der Materialschaden ist erheblich. Von den Reisenden wurden nur zwei unerheblich verletzt. Nach einer Meldung aus L i l l e ist gestern Nacht«1» Personenzug, der nach Hazebruch unterwegs war, entgleist. Die Lokomotive und der Tender stürzten um. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden getötet. Die Zahl der verletzten Passagiere ist noch nicht fest- gestellt._ Schnee und Frost. Wie aus Friedrichsroda gemeldet wird, ist im Thüringer Walde in der gestrigen Nacht ziemlich empfindliche Kälte ein- getreten. Die Temperatur sank auf den Höhen auf 5 Grad, in den Tälern auf 3 bis 4 Grad unter Null. Die Täler und Höhen waren gestern von dickem Reif bedeckt. Einem Telegramm aus Petersburg zufolge wird auch aus verschiedenen Gegenden Rußlands Schneefall und Frost gemeldet._ Ozeanrennen. Wie die„Köln. Ztg." aus New Dork meldet, hat nach einer drahtlosen Depesche des Kapitäns des Lloyddampfers „Kaiser Wilhelm II." der Dampfer Montag 14 Stunden lang über 24 Knoten gemacht, und hätte das Schiff, wenn nicht Nebel ein- getreten wären, einen neuen Rekord für die Fahrt von Cherbourg nach New Dork aufgestellt. Die„Lusitania" hat auf der Rückreise bis jetzt durchschnittlich 22 Knoten gemacht. Ein blinder Maler. In Budapest ist der bekannte Maler Adolf Sülzer plötzlich hoffnungslos auf beiden Augen erblindet. DaS Perlenhalsband. Dem Mailänder„Corriere della Sera" zufolge ist Baron Ledi, der sich zurzeit in seiner Villa Esthe be- findet, das Opfer eines bedeutenden Diebstahls geworden. Un- bekannte Täter, von denen bisher keine Spur entdeckt werden konnte, stahlen ein Perlenhalsband im Werte von 70 000 Lire. Feuer an Bord. Auf dem Dampfer„MadawaLka" aus Gal- vcston in TcxaS, der eine Ladung von 0700 Ballen Baumwolle hatte, ist Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr konnte des Brandes noch nicht völlig Herr werden; der Schaden ist kaum übersehbar. Ein furchtbarer Sturm wütete gestern in Lissabon. Durch heftige Rcgeirgüssc wurde ein Teil der Stadt unter Wasser gesetzt, so daß die Straßenbahn den Betrieb einstellen mußte. In der Umgebung der Stadt sind mehrere Häuser eingestürzt. Der an- gerichtete Schaden ist bedeutend. � Durch eine Feuersbrunst vollständig eingeäschert wurde in der icstrigen Nacht eine chemische Fabrik in London. Der Schaden »eläuft sich auf mehrere Millionen Frank. CinAegangene DrucKfcKrifteti. Nene Gclcllschaft. Heft 13.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Lilh Braun.) Verlag Berlin NW. 6, Charitsstr. 3. Einzeihesl 10 Pf. Moabitriuin Szenen aus der Großstadt- StrasrechtSpflege von Dr. jur. I. Wcrihauer. Bd. 31. Großsladtdokumente. 1 W. Verlag H. Seemann 5!chflg. verlin NW 87. Berliner Marktpreise. Ans dem amlllchen Berich! der stSMIlchen Marklhallen-Direktion. lGrohdandel.) Ochsenflelsch la 70-72 pr. 100 Psd.. IIa Si 69. ITIr 59-62, Bullenflessch la 63-68, IIa 51-60, Kühe, fett 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 55—63, do. Holl. 0,00. Kalbsteiich, Doppellcnder 100—115, Mastkälber la 75—85, IT» 66—73, Kälber ger. gen, 48—60, do. Holl. 48—54, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 78—30, Hammel la 72-76. IIa 66— 71, ungar, 0,00, Schase 54—66, Slbnieiiieflciich 57-63 Rehbock la per Psund 0,70—1,05, IIa 0,60, Rothirsch la per Psd. 0,45-0,63, do. IIa 0,00. Damhirsch 0.50 bis 0,65, Wildiliimeiiie 0,00. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,50—1,00. Wildenlen per Stück 0,70—1,50. Kttckenten per Stück 0,50—0,60, Rebhühner, junge große 1,10—1,40, Mitteln, kleine 0,50—1,00, alte 0,75—0,38. Fasanen- Hähne 2,30—4,00. Fasaiicnbenncn 2,00—2,50. Krammetsvögel 0,55, Hubner, alle, per Stück 1,50—2,75. IIa 1,10—1,40, do, junge 0,50—1,25. Tauben 0,25—0,50, italienische 0,00. Enten per Stück 1,50, dito Haniburgcr per Stuck 1,60— 3,00, Gänse per Psund 0,55—0,65, do. per Stück 2.00—4,60, do. Hamburger per Psd, 0,75, do, Oder- brucher per Psd. 0,55—0,63, PoulctS per Stück 0,80—1,25, Poularden per Pfd. 0,00, Hechle per 100 Psd, 100-105. do, matt 92-97, klein 0,00, groß 0,00, do, groß Und mittel ist. Zander 0,00, do. Nein 0,00, dlio mittel 0,00, Schleie, groß 0,00, klein 170—181, do, unsort. 130—144, do, mittel 125— 133.«ale, groß 103—108, do. Nein und mittel 80—88, do. mittel 108. do, unsortiert 0,00, do, groß-mittel 0,00,. do. Nein 0,00. Plötzen 0,00. Roddow 0,00. Karpsen 0,00, do, 3öer 0,00, do. 40— 50er, 0,00, 50— 60er 71,-76. Bunte Fische 70. Baffe 0,00, do. Nein 0,00. Karauschen matt 88. Wels 0,00. Bleie 0,00. Barbe 69. Aland 0,00. Quappen 0,00. Raap 0,00. Amerik. Lachs la neun, per 100 Psd. 110-130, do, IIa neuer 90-100, do. lila 0,00, Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Stifte 2—3, pomm, la Schock 9,00, IIa 2—4. Bücklinge, Stielet per Wall 2,00, Strali. 2—3.50, Bornh, 0D0. Aale, groz per Psd. 1,10 bis 1,40. mittelgroß 0,80—1,10. Nein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5— S. Schellsilche Kiste 3-4,00, Kiste 2,00-2,50. Sardellen, l 902er per Anker 98, 1904er 98, 1905er 98. 1906« 90-95. Schottische Bollbering« 1905 0,00, large 40—44, füll 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjcS, per To, 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50-1,60, Bratheringe Faß 1,20-1,40, do, Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schockjaß 11, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 0,00, do, unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. unsort. 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,00, Butte» per >00 Psd, l- 122-124, IIa 112-118, Ula 100-108, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Psessergurken 4.00, Kartoffeln per 100 Pid. Dabersche 2,75—3,00, weiße runde 2,25—3,25, blatte 0,00, Rosen- 2,25—2,50, Nieren» 0,00. Porree, Schock 0,50->-l,00. Meerrettich, Schock 5—12, Spinat per 100 Psund 12—15, Sellerie, per Schock 2,00—8,00. Zwiebeln• per 100 Psd, 3,00— 4,00, do. Perl- 40,00—60,00. Chalotten 40,00—50,00. Pelersilie, grün, Schockbund 1,00—1,25. Koblrabi Schock 0,80—1,00. Rettich, bayr, neuer Stück 0,07—0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50, Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bis 3,00, Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00, Wirsingkohl per Schock 4,00 bis 10,00. Rotkohl, Schock 6—10, Weißkohl 2—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 10-18, Rosenkohl, per 100 Psd, 25-30, Kohlrüben. Schock 4,00-6,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 3,00—4,00. Scholen per 100 Psund 20—35. Schnittlauch 1,00—1,25. Plesserlinge per 100 Psd. 6—12. Steinpilze per 100 Psund 15—25. Radieschen per schockbund 0,75—1,25. Salat per schock 1,00-2.00, Gurken, Einmache-, Schock 10—25, do. Böhm. Schock 0,00, do, Lieguitzer Schock 2,75— 5,00, do.Rolhenburger 2— 2,50. Bohnen. grüne, 100 Psund 10—20. Wachsbohnen, per 100 Psund 15—30. Tomaten per 100 Psund 8—12. Role Rüben, per 100 Pfund 2,50—3,00. Räbchen, Beelitzer, per 100 Psd. 10—12. Kürbis 3—4. Pretßelbeerm per IM Psd, 18-24, schwedische 25-28. Birnen. IM Psd., Jlalwner 8—15. Tiroler 10— 26, hiesige ODO. Salander 0,00. Kochbirnen 4—8. Aaselbirnen 1» 10-25, do. IIa 4-8. Pfirsiche, hies. per 100 Psd, 8-20, ital. in Kistchen zu 12 Stück 1,50—1,75, do. in Störbcn la per IM Pfd. 18—26, do. Ha in Körben per IM Psund 10—15. Aepsel, italienische, per IM Psund 7—10, hiesige 0,00, Gravensteiner la 0.00, do. IIa 0,00. Tiroler la 20— 45, II« 16-30, Most-, hiesige, 3-4, Koch. 4-8. Tafel- la 15-23, do. Ha 7-12. Pflaumen, ital pr. 100 Psd. 0,00, Reineclauden 0,00, hiesige 5—10, ungarische 0,00, Bad euer. Früh-, 0,00, serbische 0,00. Weintrauben, italienische, per IM Psd. 14—25, sraiizösische 17—20. Ananas I, per Psd. 0,85, do, II 0,40. Zitronen, Messina. 300 Stück 12.00-20,00, do. 360 Stück 12,00-16,00, do. 200 Stück, 12,00-16,00, do. 150 Stück 7,50 bis 9,00. Banane», gew, per IM Psd, 18,00—20,00, grün 0,00. Melonen, per 100 Psd. hiesige 25-30, ital. 10-15, Holl. 0,00, spanische 5-8, ungarische 10—12._ Wittcrungsiiberstcht vom 24. September 1907. Wetter- Prognose für Mittwoch, den LS. September 1007. Zeitweise nebeng, sonst meist heiter und trocken, nachts kühl, um Wittatz ziemlich warm bei schwachen südlichen Winden. Berliner Wetterburean. Wasserstands-Nachrichten der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Strossen . Frankfurt Warthe, Schrinim , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Barby . Magdeburg Saale, Grochlltz »)+ bedeutet Wuchs,— Fall;—•) vnterpegel. mm Inserate fflr die nächste Kummer motten spätestens dl» 5 Ctof nachmittags des vorherigen Cagcs In unserer 6xped{t{on abgegeben werden. Größere Hnzdgen für die % Sonntags-ftifinimr erbitten dagegen schon bis fteltag nachmittag 5 Öhr, da nur in diesem falle die Huf nähme garantiert werden kann. Unserem iverten Genossen HUNvi- nebst Frau zur Hochzeit ritt dreimal donnerndes Hoch: »1« S«no»3»n des 540a. Bezirks, 1836 JuliuS, laß giehen l SoziaidenokratiseherWatiivereiD für den 4JeriinerReichstaj}s-WaliIl[reIs. tGörijber Aiertrl.) Stadtbezirk 111. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daz unser Genosse, o Schlosser Robert Nürnberg, Grünauerstr. 9, gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. d. M. nach' mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle deS EmmauS-Kirchhoses in RIxdors, Hermannsti ahe, auS statt llm zahlreiche Beteiltgung ersucht Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, un>er guter Vater und Großvater, der Schlosser Robert Nürnberg nach kurzem Leiden am 23. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- KirchhoseS aus statt. 92Ü Die trauernden Hinterbliebenen. Emma Nürnberg. Familien Kunze und Nürnberg. Allen Kollegen hiermit zur Nach. richt, daß am 22. d. M. unser lieber Kollege und altes Verbands- Mitglied, der Schriftsetzer V�Mielm l(sppicdt nach langem schweren Leiden sanst entschlasen ist Ein ehrendes Andenken wird ihm stets bewahren Das Personal der Berliner Buch, und Zeitangsdrockerel „Union". Iahttärztliche Klinik 106' Deutscher MetaNarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tod es- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlofier Robert Nürnberg gestorben ist Ehre seiuem Andenken: Die Beerdigimg findet am Donnerstag, den 26. September. nachmittags BUHr, von der Leichen. Halle des EmmauS-KirchhoseS in Rixdo�, Hcrmannstraße, aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Kurt Kricbddort am 23. d. M. an Lungenleiden gestorben ist 153/14 Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am X Eed achmitiag ruse Hock SM/, Uhr, vom Trauer. na> haus allen Pauis-Kstchhof, Eeestraße, statt. Rege Beteiligung erwartet vi« Ortsverwaliung, Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Am Montag, den 23. d. M., verstarb plötzlich der Kollege Ulbert Zwerg (Bezirk Gesundbrunnen) im Alter von 45 Jahren. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Elisabeth-Kirch. hoseS, Prinzen-Mce, aus statt. 200/18 Der Borstand. Zahnziehen unentgeltl. Bei künstl. Zähnen, spez. Kronen, u. Drücken-Plombcn 2c. werden nur die Auslagen berechnet. 87C+ Geöffnet 9—6, Sonntags 9—12 Uhr. XaeliraF: Allen Kollegen zur Na daß unser Kollege, der Drewer Max Kochmann am 21. d. TO, durch Straßen- unsall verstorben ist Er war uns stets«in guter, zuverlässiger Kolleg« und be. dauern wir aus das Ausrichtigste sein Dahinscheiden. Wir werden lein Andenken stets in Ehren halten. Die Kollegen der Ipezial- Nähmaschiuenfabrik J. Gntmann. 185b ttr Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3. 1239. Berwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: CharitSstraSe 3. Hos III Amt 3, 1937. Dr. Schtinemann Sp-zial.Arzt sür 54272« Bant and Harnleiden, Fraaonkrankhcltcn. Frledrichstr. 203, Ecke Schützeustt 10—8, 6—7, Sonnt. 10—18 Uhr. f Haben Sie Stoff? I Ick JertiW davon A nzug od. Paletot 1 nach Mass, schick, dooerh. Zutaten, i von 20 Mark an. Moritz Laband, V A'rue Prernen adsV, IL(Sldtb. Börse). J Zentraiverband der Glaser. Zahlstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den TOitgliedem zur Nachricht, daß der Kollege Riebarü Mendisch am 21. September gestorben ist Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. TO., nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle deS Thomas-Kirchhoss in Rixdors, Hermannstraße, aus statt. 73i8_ Der Borftaud. Allgemeine Ilmllen- und Sterbe- Irassedervi'eehslei'veiitsehiznds. E. H. 86. Verwalt. Berlin B. Nachruf! Am 21. September verstarb unser Mitglied Ksrl Preuß. Ehre seinem»»denken k Dollnerstag, brn 20. Stpiember, abenbs S1� Ifljr, im Restaurant fiirk6DWäidCb6D,St8gIi(Z, Schützenstraßc: IW" Allgemeine"WD Utetailarbeiter-Versamtnlung. TageS-O)/dnung: 153/6 1. Vortrag über:„Die Gewerkschaftsbewegung vor und nach dem Sozialistengesetz." Referent: Kollege Wuek«. 2. Diskussion. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Ehrenpflicht aller Kollegen und Kolleginnen, in der Versammlung zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Achtang;: Achtang-: Wegen der L.uartalSabrechnung müssen alle Kollegen, welche znrzeit Erwerbslosenunterftütznng beziehen, dieselbe in der Woche vom 82. bis 28. September d. I. abheben.— Auch müssen dann diejenigen Kollege», welche Über Quartalöschluf« hinaus krank find, bei der Abhebung der letzten Unterstützung ihre Mitglieds- bücher nnd Kontrollkarten abgeben. Die Oi-t»vei-«-aItnns. Meiter-Südungsschule Berlin Sonntag, den 29. September 1907, im groben Saale des aewerkscbaftshauses, Engel-Ufer 15: Vortrag Herrn Dr. F.S. irchenhold: „Bildungsanstalten und Sternwarten in Amerika" (mit zahlreichen Lichtbildern). Eröffnung 7 Uhr. Beginn spStestens 8 Uhr. Eintritt 40 Pf. Garderobe frei gegen Vorzeigung des Billetts. Nach dem Vortragt tieniUtllches BelsanimenHOin und Tanz.— Billetts sind bei Kersch, Engel-Ufer 15 und Gottfried Schulz, KottbuserTor, sowie _ am Eingange des Saales zu haben._ Achtung! KmmiaMtr! Achtung! Am DonnerStag, de» 20. September, abends 8 Uhr, findet Im Gewerkschaftshause, Engel-User 15, Saal 10, eine 1W Versammlung'HW aller itt den Brauereien beschäftigten Maler und Anstreicher statt. TageS-Ordnung: 125/20' „Der Tarifvertrag in de» Brauereien und unsere Stellung dazu". Die Brauereiarbeiter werden ersucht, die Maler und Anstreicher in den Betrieben aus diese Versammlung ausmcrksam zu machen. _ Di« Ortsverwaltung des Verbandes der Maler usw. S~_ billigst direkt in Fabrik' 78. WaINtr. 72. wo auch alte Steppdecken ausgearbcilct werden. Bernhard Ttrohniandel, Berlin 8 14. Jllustr. Katalog gratis. Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr.4Ud«iz, 10— 2, 6— 7. Sonntags 10— 12, 2—4. teppdecken der Fork, Kretzschmar&€® Vereinigte Tischler- und Tapezierer-Meister. BERLIN, An der Jannowitz« Brücke 3—4. Deutsehlands größtes Möbelkauftas" Verlangen Sie nnser grelles Musterbuch ü. mit über 1000 Abbildungen frei und umsenst. Hoderne Wohnzimmer-Einrichtung. 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Jahrgang. 3. Ktil«l>e ilcs.AwSrls- Kerlim WsdlÄ. Mittlooch, 23. September M7. Euq Induftnc und f>andcL Deutsche» Halbzeug im Auslände. In dem Bericht über die «n 19. September stattgefundene Hauptversammlung deS Stahl- Verbandes heißt es u. a.: .. Wir beachten daher für die Ausfuhr die bisherig« Zurückhaltung und können die englischen Preßberichte, die von starkem Angebot deutschen Halbzeugs sprechen, nur für absolut un- zutreffend erklären." Wenn der Stahlverband Eindruck machen will mit feinem Dementi, dann sollte er dieses ziffernmäßig belegen, wenigstens insoweit, als die bereits getätigte Ausfuhr in Betracht kommt. Warum veröffentlicht er nicht die Vergleichszahlen der letzten Jahre? In der englischen Presse hat das Dementi keine Beachtung gefunden; eS wird weiter behauptet, es würden dort nmfanareiche Mengen deutschen Halbzeuges angeboten und zwar zu wesentlich niedrigeren Preisen, als die englischen Werke fordern. Das Fachblatt„Jronmonger" schreibt unter dem 21. d. MtS. über den Birminghamer Markt:.ES war in der Berichtswoche ein be- trächtliche« Angebot von kontinentalem Halbzeug am Markte und es Mtt festzustellen, daß nicht nur deutsches, sondern auch französisches und belgische? Erzeugnis am Markte war, und zwar zu einem Preise von ö Pfd. Sterl. 10 Schilling pro Tonne für Platinen, ein Pr-iö, der fast 10 Schilling unter demjenigen für britisches Produkt liegt". Die vraonkohlengruie« i» der Provinz Posen. Die Erschließung der im Kreise Kosten gemuteten Braunkohlenfclder, die ein Gesamt- areal von über 2S 000 Morgen umfassen, wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Gewerkschaft,.Adelheid" in Gotha, in deren Besitz die Mutungen übergegangen sind, hält mit ihren Kuxteil- Hadem in dm nächsten Tagen eine Generalversammlung in Posen ab. in der über die Anlage zweier Schächte und zweier Brikett- fabriken Beschluß gefaßt werden soll. Um die AbteufungSarbeiten bezw. das Niederbringen der Förderschächte zu beschlmnigen sind be« reitS mit etwa S00 Bergarbeitern aus Westfalen Arbeitsverträge ab- geschloffen worden. Man glaubt, die Schächte im Verlaufe von fünf Monaten so weit niedergebracht zu haben, daß mit der Kohlen- gewinnung und dem Vertrieb derselben begonnen werden kann. Die Vollendung der Brikettfabriken erfordert einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren. Ausstellung von BeleuchrungSapparatm. In der Zell von Anfang Dezember 1907 bis Februar 1908 veranstaltet die kaiserlich russische Technische Gesellschaft in ihren Räumen zu St. Petersburg eine .Internationale Ausstellung moderner Be- leuchtungS- und Wärmeapparate", die ein möglichst vollkommenes Bild des gegenwärtigen Stande? der Technik auf diese,» Spezialgebiete geben. Kennwisse hierüber verbreiten und KergleichSmoalichkeiten für den Wert der verschiedenen Systeme bielm soll. Gemäß den natürlichen HülfSquellen deS Landes wird nach wie bor in erster Linie mit Petroleum- und Spiritus- belenchtung in ihren zeitgemäßen Vervollkommnungen zu rechnen sein, darüber hinaus soll, aber speziell gerade auch die modeme Beleuchtung von Gas und Elektrizität, die in den größeren Städten und in wohl- habmderen Kreisen Rußlands immer weiter« Verbreitung findet, berücksichtigt werden. Auch für Oefen und sonstige Heizungsanlagen dürsten sich auf dieser Ausstellung gute Beziehungen anwüpfen laffen Im Einvernehmen mit dem Deutsch-Russifchen Verein emp- fiehit deshalb die„Ständige Ausstellungskommission für die deutsche Industrie" diese Veranstalttmg der Beachwng der heimischen Fach- wdirstrien. Anmeldungen sind tunlichst bis zum 14. Ottober d. I. an die Kaiserlich Russische Technische Gesellschaft, St. Petersburg, Pantelaimonskaja 2, zu richten oder an die Kaiserlich Russische Finanz« und HandelS-Agenwr, Berlin, Oberwallstr. 20 a. Preiserhöhung. Di« vereinigten sächsischen Wäschefabrikanten beschlossen, die Preise sofort, je nach Beschaffenheit, für ihre Fabri- kate um S bis 6 Proz. zu erhöhen. Rückgang de» amerikanischen FleischexportS. Wohl infolge der Enthüllungen über skandalöse Zustände in amerikanischen Schlacht- Häusern ist der Export bei emer Reihe von Produkten wesentltch zurückgegangen. Für die mit Juli beendete flebenmonatsiche Periode dieses und letzten Jahres lauten die Einzelziffern: 1907 1906 Dollar Dollar Rindfleisch, präpariert...... 907 530 2 840 476 Rindfleisch, frisch........ 16 995 818 14 243 471 Rindfleisch, gesalzen oder gepökelt. 1780 737 2 702 452 Rindfleisch, sonstiges zubereitetes.. 87 458 13 523 Talg......•...... 4 576 515 2 931 113 Speck............ 18 569 480 23 554 018 Schinken.......... 14 685 454 11866 394 Schweinefleisch, präpariert.... 182 100 436 472 Schweinefleisch, frisch...... 796 949 790 909 Schweinefleisch, gesalzen oder gepökelt 9 652 376 7 231 968 Schmalz.. �......... 35 687 229 35 274 769 Mischfett.......... 3 962 010 2 585 498 Lammfleisch......... 62 236 32 523 Oleoöl........... 16 994 283 10 645 186 Oleomargarine........ 216 335 605073 Geflügel und Wild....... 992059 1'305 296 Würste und Wurstfleisch..... 578 267 588 063 Wursthäute.......... 1 890 173 1 373 268 Insgesamt 119 708 479 121 178 563 Bon der sibirischen Eisenbahn. Die Verbindung Wladiwostoks mit der TranSbaikal-Eisenbahn auf sibirischem Boden wird durch die Amurlinie als Endstrecke der sibirischen Bahn geplant, die nach Ab- schluß der jetzt im Gange befindlichen Vorarbeiten in l'U bis 2 Jahren in Angriff genommen werden soll. Damit greift Rußland auf die ursprünglich beabsichtigte Strecke zurück, von der eS nach Erwerbung der Pachtbesitzungen in der Mandschurei(Port Arthur und Dalnys abgegangen war. Der russisch-japanische Krieg vereitelte die mandschurische Endstrecke der sibirischen Bahn. Die jetzt in Aus- ficht genommene Linie folgt nach einer Mitteilung des.Zentral- blatteS der Bauverwalwng" den Flußläufen des Schilka und des Amur. Der erste Teil von Stretensk, dem Endpunkte der Trans- baikal-Eisenbahn, bis zur Verbindungsstelle des Schilka und des Argun zum Amur wird große Bauschwierigkeiten bereiten, weil die Bahn gebirgiges Gelände durchqueren muß, wobei größere Kunstbauten erforderlich werden. Auf der weiteren Strecke im Amurtal siegen zwar die Geländeverhältniffe im allgemeinen günstiger, doch werden durch die Brücken über die Flusse Amur, Scja und Bureja größere Kosten entstehen. Bei Chabarowsk ist der Anschluß an die Usiuri- Eisenbahn geplant. Zweiglinien sind vorgesehen nach BlagowetschcnSk(145(7 Kilometer) und Paschkowo(107 Kilometer). Die schwierigere Strecke im Schilkatal wird von der Regierung ge- baut werden, während der Ausbau der Amurbahn einer Amen- gesellschast überlassen wird, welcher die Regierung eine Gewähr für Verzinsung und Tilgung der Bausumme und Ersatz etwaiger Fehl- betrage während der ersten Betriebsjahre leistet. Mehr nicht? muß man da fragen I Die gesamten Baukosten werden auf 291,6 Millionen Mark geschätzt, wovon 267,8 Millionen Mark auf die Hauptstrecke entfallen; das entspricht 184 600 M. pro Kilometer. Besonders hübsch nimmt sich die.. ,6 Million an der Summe für die Bau- strecke auS; sie macht einen so rührend vertrauenerweckenden Ein- druck, besonders wenn man weiß, daß solche Voranschläge nament- sich in Rußland schon in den Zehnern nicht mehr zu sttmmen pflegen. ES ist natürlich wie immer Vorsorge getroffen, daß keine Durch- stechereien seitens einzelner Beamter vorkommen, wodurch die StaatSkaffe vielleicht um Tausende von Rubeln geschädigt werden köwste. Der englische Arbeitsmarkt. Nach der.Labour Gazette' war die Arbeitsgelegenheit im August etwas schwächer als im vorher- gegangenen Monat. In den 273 Gewerkschaftsverbänden, die dem ArbeitSamte Berichte einsandten, gab es 4 Prozent Arbeitslose gegen 3.7 Prozent im Juli 1907 und 3,8 Prozent im August 1906. Jedoch stiegen die Löhne um 48 000 Pfund Sterling die Woche. Von der Lohnerhöhung profitterten am meisten die Bergleute. An Streiks waren im ganzen 13912 Arbeiter beteiligt. Lrttfkaltai der Redaktion. Die jurlftlfcbe feprechltunde findet vom 1. Oktober nicht mehr Friedrtchstr. 16, sondern ta Ltndenftr. Nr. 3, ersten Hof rechts IT OV Fahrstuhl-MG wochentäglich von 7'/, bis 9'/, Uhr abends statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonn- abends begtmit dt« Sprechstunde um o Uhr. Jeder Ansra», ist ein Buchstabe und ewe Zahl als Merkzeichen anzulügen. Briefliche Antwort wird nicht- erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W. M. 10. 1. Nein. 2, Ja, falls die Betreffende nur für einen Arbeitgeber arbeitet.— W. K. 38.— Richten Sie den Antrag an die Vcrficherungsanstalt(Köllnischer Pary. Die VcrficherungSanstalt ist be- rechtigt, aber nicht verpflichtet dem Antrag stattzugeben.— W. B. 4«.. P. G.. G. T. 34. Ja.— K. L.>00. Falls nicht etwa der unS un- bekamite Wortlaut Ihre? Vertrages Gegenteiliges bestimmt: ja.— Recht I. Ist die Klage noch nicht angestellt, so ist sie bei dem Gericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt, anzustellen. Ist die Forderung bereits ausgeklagt, ist der Antrag aus Beschlagnahme an dasselbe Gericht, das Er- suchen um Zwangsvollstreckung an den Gerichtsvollzieher zu richten.— Gvllnowstr. 25. Suchen Sie eine Herabsetzung der Gebühren im Ver- giclchswege zu erzielen. Für den Fall der Klage hätte eine Herabsetzung der Forderung aus die Hälste Aussicht aus Erfolg. Die Kosten baben Sie zu tragen.— A. 10. Sie, aber nicht Ihre Frau, sind zur Zahlung ver- f ichtei.— Schulz-Herzfelde. Legen Sie gegen den Kostenbeschluß Be- werde ein. Die Möglichkeit Ncgt aber vor, daß die ausgestellte, uns in, ortlaut nicht bekannte Forderung dem Gesetz entspricht.— R. 27. t. Der Betreffende hat unrecht. 2. Nichts. 3. Nicht zu ermitteln. 4. Darunter versteht jeder etwas anderes.— P. P. 0. Liegt kein Testament vor, so erben die Kinder'/., die Frau'I, des Nachlasses. DaS Schriststück sollte die Witwe im Wege der Klage wegen Irrtums anfechten. — M 39. 1. Ja: aus Antrag erhält jeder Interessent eine Abschrist. 2. Nicht die Angabe des Verstorbenen, sondern die wirtliche Nachlasimaffe ist sür die Berechnung des Pflichtteils maßgebend. 3. Die Erben haben ihre Forderung geltend zu machen. 4. Eine Einwerfungspflicht ist möglich. — Frau W. B. So lange sie und Ihr Mann nicht aus der Landes- Arche ausgetreten sind, müssen Sie Kirchensteuern zahlen. Gewiß mag das Ihnen nach Ihren Schilderungen schwer fallen, allein da srägt die Kirche nicht nach, die hat einen großen Magen.— W. 50. Sie müssen leider zahlen ßrieffeaften der Expedition. Patienten in Beelitz. Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen unS wegen der Uebcrwctsung von Freiexemplaren fosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. EImMäW Nim Berlin O. Frankfurter Allee 109-110 Q. rn. b. H. 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