Kr. 225. HfcwnemenlS'Bdlntnnflfn: RIoratfmnüS- PreiZ pränumerando» Lierteljihrl. z�o awnatl. l.10 UV., wSchentüch 28 Pf», frei in# Hau#. Einzeln» Sturanet 6 Pf». SonmagZ« mnran« mit illusrricner©auntaa#» Beils»»»Die Neue»e!t" 10 Pf». Post- ildoimement: l.lo Mari pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung#. BretSIiste. Unter ttreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Unaam 2 Mari, für da# üdrige Uusland 3 Morl pro Monat. Poftabonnemem# nehmen an: Belgien, DSnemarl, boHond Ilakien. Luxemdurg. Portugal, "' iien. Schweden und die Schweig. 24. Jahrg. Crtchtint tZgNch iittr Oltotagi. Verllnev VolKsblatk. Die TnferfloiK'Gcbflbr Beträgt für die lechkgespaliene Kolone� zeile oder deren Raum b0 P-g., für politische und gewerkschaftliche Verein#- und DcrsammIimgs.Anzeigen Ü0 Pfg. „llielne Vlniesgen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Ptg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Unzeigen das erste Wort 10 Pfg» jede# weitere Dort 5 Pfg. Worte über 10 Luchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuimncr müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeoition ist bi# 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Ndreste: nSsdlZlüemslstit sterl!»". Zcntralorgan der tozialdemohrati fchen Partei Deutfd�lands. Rcdahtion: SDgence Havas' wird aus Rabat vom 21. d. M. gemeldet: Der Sultan traf am 2t. d. Mts. nach- mittags in Rabat ein; seine Eskorte wird auf 20 000 Personen ge- schätzt. Sultan Adbul Ans bat seine Freude über den glücklichen Ausgang seiner Reise und über den Empfang, den ihn, die Stämme bereiteten, ausgesprochen. fariS, 25. September. Mohannned Tazi, der sich im Auftrage ultans Abdul AsiS zwecks finanzieller Unterhano- l 0 n g e n nach Paris begibt, wird morgen in Marseille erwartet; er wird außerdem noch nach London gehen. Es handelt sich um die Aufnahme einer Anleihe für den Sultan; als Sicherheit werden Juwelen und andere Kostbarkeiten aus dem Palaste in FeS im Ge- samtbetrage von fünfzehn Millionen Frank geboten. DearntengehAter and Steaerfchran&e. Der Entwurf einer Regelung der Beamtengehälter in Preußen ist in seinen Grundzügen fertiggestellt. Nachdem die einzelnen Reffortö ihre Meinungen und Ratschläge dem Finanzminister unter» breitet haben, ist das Finanzministerium damit jetzt beschäftigt, die Forderungen der Beamtenwelt zu untersuchen. Wenn möglich, soll die Prüfung vor Ende Oktober beendet sein, so daß ipt November die Vorlage dem Staatsministerium zugchen kann. Uebcr den Inhalt des Entwurfs wird offiziös berichtet: Die Vorlage wirb Verbesserungen für alle Beamten bringen, die in letzter Zeit keine Berücksichtigung gefunden habe» ferner wird für sämtliche Veamtenkategorien eine Vereins f a ch u n g der mannigfaltigen Gehaltsstufen eintreten, so das; durch diese Atagregel mit einem Schlage alle Beamten auf dem Wege zur höchsten Gehaltsstufe eine Verbesserung erfahren und die Wartezeit bis zur nächsten Stufe abgekürzt wird. Tie Gehaltsstufen für alle Verwaltungen über einen Kamm zu scheren, geht freilich nicht an, da die Anforderungen, die die ein- zelnen Verwaltungen an ihre Beamten stellen, zu mannigfaltig sind. Die Verwaltungen aber, die ungefähr gleiche Anforderungen stellen, werden auch gleiche Gehaltsstiegen erhalten, sodaf; es den Beamten künftig auch leichter gemacht ist, von einer Verwaltung in die andere überzugchen.... Die Unterbcaniten sollen, mit Ausnahme derjenigen die 1907 aufgebessert sind, durchweg eine Gehaltserhöhung er halten, indem die Mindestgehälter höher a n g e s e tz werden, und dadurch auch die Stufen sich schneller folgen und eine Erhöhung des Gehalts bringen. Eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses fällt hier fort, da der 1996 bewilligte Zuschuß als ausreichend betrachtet wird. In welcher Weise die Mindestgehälter für die einzelnen Verwaltungen aufzubessern sind, ist noch Gegenstand der Beratungen. Für die mittleren und oberen Beamten tritt eine Aufbesserung im Anschluß an die bisherigen Gehaltssätze nicht ein, sondern die Aufbesserung wird im Anschluß an den Wohnungsgeldzuschuß bewirkt, der gemäß dem Servistarif er- höht wird.... Bei den oberen Beamten wird, abgesehen von der Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses noch ein anderer Punkt verhandelt nämlich die Gleichstellung der höheren Beamten der Lokalverwal. tungen mit den Aichtern. Dies sind Oberlehrer, Landräte, Bau- inspektoren, Oberförster, Jnspektionsvorftände der Eisenbahnen, Bcrgrevierbeamte und Kreisschulinspektoren. Bekanntlich ist den Richtern kürzlich eine Gehaltszulage von 609 M. gewährt worden und es entsteht die Frage: Soll obengenannten Beamten die gleich« Zulage gewährt werden? Ueber diese Frage wird gegen wärtig zwischen den beteiligten Ressorts verhandelt. Es hat den Anschein, daß auf die 999 Mark-Erhöhung eingegangen, dagegen eine Gleichstellung zwischen Oberlehrer und Richter abgelehnt wird, weil dadurch die Oberlehrer eine Zulage von 1299 M. er- halten würden.... Die Deckungskosten werden auf 199 bis 119 Millionen Mark geschätzt. Es ist ausgeschlossen, daß diese Summe aus Etatsinitteln aufgebracht werden kann. Man wird daher, auch wenn der nächste Etat sich sehr günstig stellen sollte, mit neuen Steuern rechnen müssen, vielleicht sogar mit einer erheblichen Steigerung der Einkommensteuer. Sobald diese Frage die Rcssortbehandlung im Finanzministerium durchlaufen haben wird, werden wir näheres darüber berichten können. � Nach diesen Mitteilungen werden bei der sogen. Regulierung die Unterbeamten am s ch l e ch t e st e n. die höheren Beamten am besten wegkommen. Der Wohnungsgeldzuschuß der Unterbeamten wird nicht erhöht, und ebensowenig erhalten die älteren Beamten eine direkte Gehaltszulage. Die Gehaltsverbesscrung besteht lediglich darin, daß die unteren Gehaltsstufen etwas höher angesetzt werden und auf diese die höheren Stufen schneller folgen. Dagegen er. halten die höheren Beamten weitere Wohnungsgeldzuschüsse und außerdem erlangen verschiedene der oberen Beamtenkategorien in- sofern eine wesentliche Erhöhung ihres Gehalts, als sie mit den Richtern gleichgestellt werden. Wenig erfreut werden die preußischen Steuerzahler sein, daß die durch die Gehaltsaufbesserung entstehenden Kosten durch neue Steuern, und zwar in erster Reihe durch eine erhebliche Steigerung der Einkommensteuer aufgebracht werden sollen. Was das bedeutet, wird sofort klar, wenn man sich die preußische Ein- kommensteuer und ihre Erträge näher ansieht. Rechnet man, daß von den zur Deckung erforderlichen 119 Millionen Mark nur 75 Millionen Mark durch eine Erhöhung der Einkommensteuer aufgebracht werden sollen, so bedeutet das noch immer eine Steigerung der bisherigen Steuerbeträge um mehr«18 85 Proz., denn höher als auf 999 Millionen Mark wird sich selbst nach der stärkeren Heranziehung der Arbeitereinkommcn durch die Novelle von 1999 der Steuerertrag für das Etatsjahr 1998 kaum stellen. Personen, die z. B. bisher 49 H. Staats- einkommensteuer zahlten, würden also künftig 59 M. entrichten müssen. Aber bei dieser Mehrzahlung dürfte es nicht sein Bewenden haben, denn die kommunalen Körperschaften, die bisher ihre lokale Einkommensteuer in der Form erhoben, daß sie einen bestimmten Prozentsatz auf die StaatSstcuer aufschlugen, werden schwerlich diesen Prozentsatz nach der Erhöhung der staatlichen Einkommen- steuer herabsetzen. Erhoben sie bisher 199 Proz. Zuschlag zur StaatSsteuer, so werden sie auch weiterhin 199 Proz. erheben. Der oben angeführte Steuerzahler hat also nicht nur 19 M. Staats- steuern mehr zu zahlen als bisher, sondern obendrein er- höht sich für ihn auch noch die lokale Einkommen- steuer um 19 M. Die Erhöhung der Bcamtengehälter, durch die überdies, wie wir oben gezeigt haben, die höhere Bcamtenkatcgorien einseitig be- vorzugt werden, kommt demnach den preußischen Steuerzahlern recht teuer zu stehen. ES ist sehr leicht für die Regierung, sich generös zu zeigen— wenn Andere die Kosten tragen! freiiMger täufchungsveriucl)! Die„Freisinnige Zeitung" stellt sich noch dümmer und unwissender. alL sie in Wirklichkeit ist. Wir hatten dieser Tage geschrieben, daß die Regierung dem Frei- sinn zur Belohnung für seine Blockhelfersdtcnste auf dem Gebiete des Brot- und Flcischwuchers. der Marine- und Kolonialpoliti! eine„Wahlreform" zugestehen wolle, die nur ein neues Klassenlvahlrccht darstelle. Die Bourgeoisie »verde dabei den Agrariern gegenüber ctlvaS besser fahren, die 65 Proz. Nichtbesitzender dagegen würden auch unter dem neuen Wahlunrecht� zu dauernder Einfluß- l o s i g k e i t verdammt sein. Dazu macht nun die„Freis. Ztg." die witzig sein sollende Bemerkung, daß im„Vorwärts" wohl ein„Märchenerzähler" sein Spiel treibe. Wie könne sonst der„VortvärtS" etwas von dem Inhalt der preußischen Wahlrcchtsvorlage wissen! Nun ist es allerdings richtig, daß kein Redakteur des „Vorwärts" an der Wallfahrt nach Norderney beteiligt ge- Wesen ist. Soweit diese„Ehre" Vertretern der Presse zuteil geworden ist, beschränkte sie sich auf Herrn O e r t e l von dem Agrarierorgan und Herrn Artur Fitger von der»vadel- strümpflerischen ,. W e s e r- Z e i t u n g Trotzdem bedarf es nicht einmal einiger KombinationSgabe, um zu Ivisien, wie die Zangengeburt der agrarisch- antisemitisch- börseanischcu Paarung aussehen wird. Hat doch bereits am 11. August die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" darüber das Nötige gesagt. In diesem auch von der„ Frankfurter Z eit un g" als offiziös anerkannten Artikel war klipp und klar aus- gesprochen, daß das Reichstagswahlrecht doch nur ein„linksliberales Dogma" sei. Gerade Herr v. B e t h m a n n- H o l l w e g, der sich mit der Frage der „Modernisierung" des preußischen Wahlrechts beschäftige habe seinerzeit ausdrücklich betont. daß das all. gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht selbst im Reiche ein„Gefühl bitterer Unlust" auszulösen geeignet sei. Preußen bedürfe keines Wahlrechts,„das alles gleich macht",„sondern ein solches, das den einzelneu zritppen nach oben weist". a h n u n g war dann von bezeichnet worden, Als dem und ganze beherzigenswerte offiziösen Blatte eine Aeußerung der„Post" die dem Freisinn nahelegte: „Wenn die Liberalen die direkte Wahl und eine stärkere Berücksichtigung der Person des Staatsbürgers erreichen wolle» werden sie andererseits wohl bereit sein müssen, nicht nur der Abstufung des Wahlrechts nach Bildung, Besitz und Alter, sondern auch einer stärkere» Berücksichtigung des ländlichen Griindbcsitzes zuzustimmen." Hier haben»vir also alles, was der„Vorwärts" be hauptete! Und trotzdem die abgeschmackte Anrempelung des „Vorwärts" I Und haben nicht obendrein die freisinnigen Volkstribunen auf dem Parteitag der Freisinnigen Volks Partei— und zwar nach den zwischen Vülow und ihnen gepflogenen Verhandlungen in Norderney!— rund heraus erklärt, daß man sich auch mit einer Abschlagszahlung in Sachen des Wahlrechts zufrieden geben müsse?! Welchen Sinn hat da noch der plumpe AbleugnungS versuch der„Freisinnigen Zeitung"? Möglich, daß Bülow den freisinnigen Wallfahrern noch kein fertiges Programm vorgelegt, sondern die braven Kuhhändlcr mit schönen Reden eingeseift hat. Aber was der Freisinn zu er warten hat, wieweit er dem Wahlschacher zuzustimmen bereit ist, das iveiß man trotzdem doch ganz genau in der Redaktion der„Freis. Ztg." Wenn freilich das Blatt eine Erklärung darüber abgeben»vill, welchen Konzessionen an die Agrarier und den G e l d s a ck seine Partei nicht zustimmen wird, so mag es doch gefälligst mit der Sprache heraus rücken! Geschieht das nicht, so handelt es sich bei seinen törichten Witzeleien nur um einen plumpen Täuschungsver such!_ poUtilcbc deberlicbt Berlin, den 25. September 1907. Freisinnige Korrnptionshehler. Wir haben bereits das„Verl. Tageblatt" wegen feiner kolonialen Korruptionshehlcrci in Sachen Geo Schmidt gebührend angenagelt. Heute gesellt sich dem Mosseblatt als Genosse der Hehlerei die„Voss. Z t g." Das freisinnig-vollsparteiliche Blatt tut zwar so, als wolle eS für Geo Schmidt keine Lanze brechen. Dann aber fällt es wütend über Herrn Roeren und die Mission in Togo her..Wer", so fragt die trotz ihres kanonischen Alters gar nicht ehrbare Tante,.hat die Missionare zu Zionswächtern der Moral bestellt?" Das soll doch»vohl heißen, daß die Herren Missionare nicht nur mit Herrn Geo Schmidt Sekt trinken, sondern auch zu der Haremswirtschaft des G e o S ch m i d t und Dr. Kersting beide Augen hätten zudrücken sollen I Auch zu dem Institut des von Geo Schmidt geschaffenen ambulanten HaremS! Nicht minder hätten die Missionare die Massenprügeleien deS Geo Schmidt, die Auspeitschung ganzer Miffto n�i ch u l e n inklusive deS Lehrers ruhig mit ansehen sollen I Sie hätten überhaupt den Sekt- und Weiberfreund Geo Schmidt und seine Genossen nach Herzenslust schalten und walten lassen sollen! Welche Verruchtheit der Missionare, daß sie»von der Kanzel herab" den mißhandelten Eingeborenen erklärten:„Die Tore stehen Euch offen, kommt nur zu unS.".Was Wunder", entrüstete sich die Tante Voß,.daß alle Angebereien bei der Mission zusammenflössen, wie der Unflat in der oloooo maxima." Also wenn die Missionare wirklich ausnahmsweise das tun, was eigentlich stets ihre» Amtes lväre, sich der mißhandelten Eingeborenen an- zunehmen, so»vird vom Freisinn über sie der Stab gebrochen! Das schönste aber ist, daß die„Boss. Z t g." die in Togo in Sachen Geo Schmidt gefällten Gerichtsurteile gegen Herrn Roeren ausspielt. Wir brauchen demgegenüber nur eine Stelle der Köln. B o l k s z t g." zu zitieren: „Ein dritter Fall wirft ein Schlaglicht auf die Rechts pflege in den Kolonien. Gegen den Angeklagten Schmidt war die Anzeige wegen Sittlichkeitsverbrechens an der jugendliwen Adjaro erstattet worden. In seiner Eigen- schast als Bezirksleiter vernimmt darauf derselbe Schmidt die Adjaro, deren Schwester, Bruder nsw., welche früher die Aussage der Adjaro gegen Schmidt bestätigten, und wie es bei der Einschüchterung der Eingeborenen kaum anders zu erwarte» war, nahmen dieselben, wenigstens zum Teil, ihre Aussage zurück. Ju dem später in diesem Falle ergangenen Erkenntnis wird nun— und das ist das Uu- glaubltchste— diese von Schmidt vorgenommene V e r« n e h m u n g als ein Zeugeiweniehmuiigsprotokoll für Schmidt ver- wertet, indein man daraus Widersprüche i» den Aussagen der Adjao, deren Schwester usw. herleitet!" Die Schwärmerei für den preußischen Richterstand ist ja eine alte Spezialität des Freisinns. Nun ist auch noch die Begeisterung für die koloniale Rechtspflege dazu gekommen!— Der Rist im badischen Block. Aus Baden wird uns geschrieben: Die Differenzen zwischen Ratio nattiberalen und Freisinn, die— wie ich dem„Vorwärts" vor einigen Wochen mitteilte— wegen der Kandidatur für die L a n d t a g S e r f a tz- wähl in Lörrach-Land entstanden find, konnten nicht etwa. wie die Basfermaimschen hofften, in Güte beigelegt werden, sondern haben, sich neuerdings noch verschärft. Wie erinnerlich, setzte der Freisinn, der den KreiS früher schon einmal besessen hatte, der Wiederaufstellung deS durch Beförderung im Staatsdienst zur Neuwahl gezionngenen Mannheimer Landgerichts- direktorS O b k i r ch e r heftigen Widerstand entgegen. Freisinnige Blätter gingen sogar so weit, Herrn Obkircher einen dem Kreis „aufoktroyierten Beamtenkandidatcn" zu nennen, der die Interessen seiner Wähler aufs schlimmste vernachlässigt habe. Trotz alledem suchten die örtlichen Parteiführer hinter den Kulissen eine Einigung herzustellen und eS gelang ihnen auch, auf einer gemeinsamen Konferenz am vorletzten Sonntag dahin einig zu werden, daß „sdiesmal noch" Herr Obkircher aufgestellt, bei den allgemeinen Wahlen im Herbst 1999 aber d«rch einen vom Freisinn vorzuschlagenden Kandidaten ersetzt werden solle. Leute, die noch etwas auf politische Ehre geben, sagten sich sofort, daß dieser Pakt für Herrn Obkircher sowohlwie für die national- liberaleParteileitung de? Lande? unannehmbar sein müsse, und in der Tat hat mm auch die am letzten Sonntag, den 22. September, in Karlsruhe stattgehabte Sitzung des Engeren Die melden, Ausschusses der nationalliberalen Partei die Be- dingungen der Lörracher Konferenz abgelehnt. Das offizielle Parteiorgan der Bassermänner, die„Bad. Landesztg.", bezeichnet sie sehr richtig als„entehrend" und„eines Abgeordneten unwürdig"; einem Manne wie Obkircher zumuten, für den Rest der Wahlperiode ein Mandat anzunehmen, von dem man ihm heute schon sage, daß er es nicht wieder anstreben dürfe, das sei politische U n in o r a l. lieber die Angelegenheit»verde.noch ausführlicher, vielleicht auch sehr deutlich zu reden sein". Die Situation im Kreise Lörrach-Land ist jetzt verworrener als je, obwohl die Wahl schon in drei Wochen stattfinden soll. ES ist unter dicsei» Umständen nicht ausgeschlossen, daß sie Ueberraschungen bringt, und daß keiner der beiden streitenden Blockbrüder das Mandat erhält._ Teruburgs Kolonial-Tpritztour wird auch vereinzelt in liberalen Blättern ihrem tvirklichen Werte gemäß gclviirdigt. So läßt sich die„Augsburg er Abendzeitung" aus Ostafrika von einem journalistischen Be- gleitcr Demburgs, Zimmermann, neuerdings(Nr. 263) folgendes berichten: „Exzellenz Dernburg war in fliegender Hast nach dem Scengebiet gegangen, um angeblich den Marsch quer durch die Kolonien anzutreten; ich hatte ans sehr triftigen Gründen nicht teilgenommen. Einmal hatte ich den Busch, der immer genau derselbe ist. zwischen Tabora und Dar es Salam, durch meine Reise nach dem Mugurugebirge bereits kennen gelernt, und es erschien völlig ausgeschlossen, daß aus einer H e tz t o n r durch das Land sich Neues bieten würde; zum anderen erschienen die h o h e n K o st e n für die 55— 69tägige Tour in gar keinem Verhältnis zu der geringen literarischen Ausbeute. Demi was herauskommt, wenn man in wenigen Wochen von einen, riesigen Gebiete wie Deutsch-Ostafrika soviel als möglich sehen will, haben die A b g e o r d n e t c n r e i s e n gezeigt. Wer schnell reist und sich nicht Zeit gönnt, seine Ei nd rii cke zu ordnen und zu sammeln, wird nie zu einem eigenen sicheren Urteil kommen." Trotzdem wird der Börsen- Liberalismus den Dernburg- Rathenauschen Vahnprojekten in Heller Begeisterung entgegenkommen. Macht doch die Börse, machen doch die Schicnenlieferante» ihr Geschäft!-»_ Briifseler Zuckerkonvcntion. „Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz" weiß zu daß das Zllsatzabkoiiimeit zur Brüsseler Zuckerlonvention vom 5. März 1992, durch das die Brüsseler Konvention vom 1. September 1999 ab auf weitere 5 Jahre verlängert werde» soll, zwar, wie bereits»ffiziös gemeldet worden ist, von den Regierungen der sämtlichen beteiligren Staaten unterzeichnet worden ist, daß aber die deutsche Regierung mit der Unterzeichnung gleichzeitig die aus- drückliche Erklärung abgegeben hat, daß sie sich die Entschließung über die Ratistkation vorbehält, sofern nicht Rußland unter an- nehmbaren Bedingungen der Konvention beitritt. Bekanntlich zahlt Rußland seinen Zuckerproduzenten noch immer Ausfuhrprämien, während diese in den Staaten, die sich der Brüsseler Konvention angeschlossen haben, abgeschafft sind. Ruß- land hat zwar bereits einige Vorschläge für seinen Beitritt zur Konvention gemacht, doch wurden die als nicht annehmbar zurückgewiesen.—_ Deutsche Schande! Breslau, 23. Sept.(Privatdepesche deS„Vortvärts"). Der Russe Joseph Zabrze.wski wurde von der Polizei zu Königshütte entgegen richterlichen Beschlusses au Rußland anSgeliesert, von wo er wegen politischer Vergehen verfolgt wurde. Die Dienstbeflissenheit deutscher Polizei gegenüber dem russi- scheu Blutregiment macht also selbst vor entgegenstehenden Gc- richtsbeschlüsscn nicht Halt! Die innere Seclenverwandtschast zwischen russischer und borussischer Reaktion setzt sich eben immer wieder durch! Das deutsche Volk muß solche Schmach dulden so lange es nicht die preußische Junkerherrschaft bricht.—_ Gegen den Lebensmittelwucher. Am Dienstagabend fanden in Hamburg, Altona und Wandsbeck 29 starkbesuchte Volksversammlungen statt, die gegen die Aus- Wucherung des Volkes durch die„Edelsten" der Nation und das syndizierte Kapital sotvie durch die unselige Zoll- und Wirtschafts- Politik des Reiche? Protest erhoben und von Staat und Gesetz- gebung die Beseitigung der Ursachen der allgemeinen Teuerung verlangten. In einer überall zur Annahme gelangten Resolution wird die Erweiterung und Sicherung des Koalitionsrechtes der Arbeiter, die Beseitigung der die Lebenshaltung des Volkes ver- tcuernden Zölle, Grenzsperren, Einfuhrverbote und Einfuhr- erschwcrungen und eine wirksame Gesetzgebung gegen daS Unwesen der Syndikate und Kartelle gefordert.— frankrcich. Im neuen Hafen. Paris, 24. September.(Eig. Ber.) Die nächste Zukunft Frankreichs gehört dem anti- ozialistischen Block. Darüber ist kein Zweifel mehr möglich. Die wohlorganisierte Lügen- und Verleumdungskampagne. die nach den Kongressen von Nancy und Stutt- zart eingesetzt hat, tvar mehr als eine HundstagSsensation ?er Bourgeolspresse. Der aufgewirbelte schmutzige Staub gab den Borhang her, hinter dem sich die radikale Demokratie prostituierte. DaS Geschäft ist heute perfekt. Die radikale Partei wird künftig ihren Anschluß rechts suchen bei den „Gemäßigten", die die politischen Vertreter des in Frankreich durchaus reaktionären Großkapitals sind. DaS bedeutet für die älißcre Politik die Unterstützung der kolonialen Piraterie. ür die innere die Sistierung der ivirtschaftlichen und finanziellen Reform und die gegen das Proletariat gerichtete unbarm- herzige Klassendittatur. Dem großen Bann gegen die Sozialisten hat auch der olle ehrliche P e l l e t a n zugestimmt, was bei seiner guten Witterung für die Ltiftströmungen der Demagogie ein starker Beweis für die gründliche Wandlung des Kleinbürgertums ist. Bon den bekannten radikalen Führern wehrt sich nur der red- liche Ideologe B utsso n gegen den neuen Block und er wird darum heute vom„Temps" auch kräftig gescholten. Das Kapitalistenblatt hält ihm als Muster den Beschluß der ver- einigten radikalen und radikalsozialen Komitees des Seine- Departements vor: Dem bevorstehenden Parteitag eine Resolution vorzuschlagen, die den radikalen Kandidaten ver- bietet, im zweiten Wahlgang zugunsten von Kandidaten zurückzutreten, die nicht schon vor der ersten eine Erklärung .egen den Generalstreik und die Insurrektion un Kriegsfall abgegeben haben! Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Resolution angenommen werden wird.— Da natür- lich auch die Sozialisten, die auf dem Parteitag in Nancy gegen die Resolution Jaurös- Baillant gestimmt haben, den Parteibeschluß nicht öffentlich verleugnen werden, um damit bürgerliche Stimmen zu erkaufen, so ist durch diesen Vorschlag das Verbot der Unterstützung sozialistischer Kandidaten festgelegt I Die Schlvindolphrase von der „republikanischen Solidarität", die noch im letzten Wahlkampf eine beträchtliche Rolle spielte, ist damit abgetan, und dem ist gut so. Die offene Begünstigung der reaktionären Kandidaten gegen die sozialistischen wird den imnier noch sehr zahlreichen Arbeitern die Augen öffnen, die gutgläubig für die Radikalen gestimmt hatten, weil diese ja auch ein sozialistisches„Endziel" im Programm stehen haben, und weil sie in der Agitation den Gegensatz zwischen Bourgeoisradikalismus und Sozia- lismns zu einem bloßen Unterschied der Nuance abzu- schwächen bemüht waren. Die neueste Schwenkung der Radikalen macht B r i a n d zum unbestrittenen Herrn der Situation. Sie haben ihm nichts mehr vorzuwerfen, und das gibt ihm beinahe ein gutes Gewissen. Die staatsmännisch-konservative Phrase fließt nun schon ganz glatt von seinen Lippen. Bei der Einweihung des neuen Hafens von Saint-Nazaire hat er u. gesagt:„Fortschritt bedeutet nicht Unordnung und Anarchie".— Die„parla- mentarischen" Sozialisten nannte er„Sozialisten, die nicht die elende Politik des„Alles oder nichts" haben, die ein Ideal haben und es auf dem Wege des Fortschritts anstreben, die Reformen verwirklichen wollen, soweit sie möglich sind und den Wünschen des Landes und seinen finanziellen Kräften entsprechen."— Ter„Temps" beglückwünscht Briand zu seinem politischen Programm. In der Tat, das Programm könnte von den Aushältcrn dieses Blattes aufgesetzt sein, die ja auch allezeit für die„möglichen" Reformen waren. Herr Briand hat allerdings der Charakteristik„seiner" Sozialisten folgende Sätze an- gehängt:„Andere Sozialisten als diese habe ich nicht gekannt. Sic waren es, in deren Mitte ich persönlich gelebt habe". Für den Geburtshelfer des generalstreiklerischen Syndikalismus ist diese Behauptung immerhin kühn. Aber wie gern vergißt nian bei der Einfahrt in den Hafen die Fährlichkeiten und Stürme der Fahrt I—_ Die Kammer wird am 22. Oktober zusammentreten.—• Belgien. Die Kongowirrnis. Brüssel, 24. September. Die parlamentarische Kongokommission hat heute über die AcnderungSvorschläge der belgischen Regierung zum Entwurf des Kolonialgesetzes beraten. Die Konrnnssion be> schlotz, bei der Kongoregierung anzufragen, welche Tragweite der Erlaß des KonigSsouverainö vom 20. Juli, durch welchen er einen Teil des KongoftaateS als Krongut zurückstellt, für den belgischen Staat habe.— Die Kommission ist der Ansicht, daß die gesetzgeberische Gewalt an den König lediglich delegiert werden solle, das Parlament solle dann immer noch Gesetze schaffen können, die von den Staatsgrundgesetzen abweichen. Die Worte„Juristische Person der Kolonie, getrennt vom belgischen Staat", schließen— nach Ansicht der Kommission— die finanzielle Autonomie der Krone in sich. Belgien hafte nicht für die eventuellen Schulden des Kongo- staates gegenüber den Gläubigern. London, 23. September. Der Sekretär der Kongo« Reform- Association, Morel, hielt gestern in Liverpool eine Rede, worin er in heftigen Worten den Kongostaat angriff. Nach einein Ausfall gegen König Leopold erklärte der Redner, die Verwaltung des KongostaateS verschlechtere sich täglich, anstatt sich zu verbessern. Die Versammlung nahm eine Tagesordnung an: sie hege die Hoff» nung zur englischen Regierung, daß diese ihr« Zustimmung zu jedem AnncklionSvorschlag verweigere, der nicht die Rechte der Eingeborenen wieder herstellt. Die Versammlung drückte ihre Ansicht dahin aus, daß die englische Regierung sich weigern werde, die Gesetzlichkeit der jüngsten Maßnahmen der Kongobchörden anzuerkennen, durch welche ein Teil der königlichen Domäne in Privateigentum umgewandelt worden ist. Bottanci. Kolonialpolitik. Haag, 2?. September. Ein amtliches Telegramm be- stätlgt die Meldung des„Nieuwe Rotterdamschen Courant" aus Batavia vom 20. d. M., wonach das niederländische Expeditionskorps auf der Insel Flores ernsthaften Widerstand fand und dem Feinde einen Berlust von 114 Toten beibrachte. DaS Telegramm fügt hinzu, daß die Niederländer vier leicht Verwundete hatten. Die Zahl der Verwundeten auf Seite des„Feindes" ist schamhaft verschwiegen. Sollte sie so groß sein, daß man sich scheut, sie ini amtlichen Telegramm zu nennen? Oder ist— nach bertihmtem Muster— alles niedergemetzelt und „Pardon nicht gegeben" worden?— Portugal. Die politische Lage. AuS Lissabon wird gemeldet: Trotz der äußerlichen Ruhe, welche in Lissabon herrscht, wird die politische Lage täglich unhaltbarer. Da« Erscheinen des republikanischen Blatte»„El PaiS' ist für drei Monate untersagt worden. Der Vorsitzende des Senats erklärte öffentlich, daß die Monarchie wieder vcrfassungSgemäß werden müsse, wenn nicht ihre Anhänger von ihr abfallen sollen. Die Führer der politischen Parteien werden dem Empfange gelegentlich der Rückkehr des Thronfolgers nicht beiwohnen. Gerüchtweise verlautet, daß eine politische Amnestie vorbereitet wird und daß sowohl administrative als auch Wahl- reformen eingeführt werden._ Die russische Revolution. Die ersten Wahlen. Der„Russ. Korr." wird au» Petersburg geschrieben: Alle Zeitungen widmen dem Ausfall der ersten Wahlen längere Artikel. Sie erkennen im allgemeinen an, daß man noch keine be- stimmten Schlußfolgerungen ziehen kann. Die Zeitung„Russtj" konstatiert nur die Niederlage deö Verbandes des russischen Volkes. Von 224 von den Arbeitern des ganzen Moskauer Gouvernements gewählten Wahlmännern ist nur einer Mitglied des Verbandes des russischen Volkes! Man wird sagen: „DaS sind nur die Arbeiter! Die Arbeiter sind ja die un- bedeutendsten Stützen des Verbandes. Die Bauernwahlen werden andere Resultate ergeben." Hier sind aber auch die Resultate der Bauernwahlen: Von 336 Wahlmännern von allen Dorfgemeinden des ganzen Moskauer GouvernemmtS sind nur zwei Mitglieder deS Verbandes des russischen Volkes I! Die Wirklichkeit hat also die Berbändler, welche laut lügend von„Millionen" schrieen, die den Spuren der Charlatane Gringmut. Dubrowin und Pnrischkeivitsch folgen, schnell Lügen gestraft. Diese„Führer" haben Moskau zum Zentrum der Agitation der schwarzen Hundertschaften gemacht! Und welche Ant- wort hat die Bauern- und Arbeiterbevölkerung diesen skrupellosen Volksanführern zuteil werden lassen? Unter 360 Wahlmännern sind nur drei Mitglieder des Verbandes des russischen Volkes. „Towarischtsch" stellt die Frage weiter:„Die Wahlen haben begonnen, und die„Reaktion", welche die offiziösen und halboffiziösen Zeitungen mit solchem Eifer ausposaunten, hat bis jetzt keinerlei Erfolg erzielt. Die„Gemäßigten", welche jetzt als gewählt in den Berichten der St. Petersburger Telcgraphen-Agentur figurieren, anstatt der M o n a r ch i st e n bei den vorigen Wahlen, versprechen den„Hoflrcisen" nichts Angenehmes. In den gut informierten Organen dieser Kreise ist wenigstens keine Begeisterung zu konstatieren. Von den Wahlen wird in ihren Leitartikeln gar keine Notiz ge- noMmen. Sie tun, als ob nichts im Lande geschehe."— Die Ratten verlasse» das Schiff. Petersburg, 25. September. Ter in der Schlvciz weilende russische Finanzminister Kokolvzelv teilte seiner Familie in Petersburg mit, daß er wegen seiner„erschütterten Gesund- heit" sich vom Amte zurückzuziehen gedenke.— Hus der parteu Tie Parteischule wird ihren zweiten Kursus am nächsten Dienstag, den 1. Oktober, beginnen. Kurz vor dem Beginn des Kursus hat sich eine Aenderung im Lehrplan notwendig gemacht, da, wie im Leitartikel näher ausgeführt ist, zwei Lehrern die weitere Tätigkeit an der Parteischule unmöglich gemacht worden ist. So- fern die Polizei mit diesem Streiche die Parteischule treffen und wohl gar gefährden wollte, ist die Aktion völlig mißglückt, da an Stelle der beiden bisherigen Lehrer Hilferding und Pannekoek die Genossen C u n o w und Dr. D u n ck e r und die Genossin Dr. Rosa Luxemburg in das Lehrerkollegium der Partei- schule eintreten werden. Der Lehrplan wird sich nunmehr wie folgt gestalten: Nationalökonomie und Wirtschafts geschichte. Lehrer: Genossin Dr. Rosa Luxemburg. Geschichte der gesellschaftlichen EntWicke- l u n g. Lehrer: Genosse Heinrich C u n o w. Deutsche Geschichte seit dem Mittelalter. Lehrer: Genosse Dr. Franz Mehring. Geschichte des Sozialismus. Lehrer: Genosse Dr. Hermann Duncker. Arb etterre ch t, soziale Gesetzgebung, Ge- sinderecht. Verfassung. Lehrer: Genosse Arthur Stadthagen. Strafrecht, Strafprozeß, Strafvollzug. Lehrer: Genosse Dr. Hugo Heinemann. Bürgerliches Recht. Lehrer: Genosse Dr. Kurt R o s e n f e l d. Kommunalpolitik. Lehrer: Genoffe Simon Katzen st ein. Mündlicher und schriftlicher Gedanken- auSdruck, Zeitungstechnik. Lehrer: Genosse Heinrich Schulz._ SchiedSgcrichtsurteil. Am Mittwoch, den LS. September, tagte in Berlin ein SchicbZ- geeicht in Sachen Dr. R. Friedeberg. Dieses Schiedsgericht hat folgenden Spruch gefällt: Der dritte Berliner ReichStagSwahllreis hat auf Grund der Erllärung, die Dr. R. F r i e d e b e r g in der Versammlung vom 17. Oktober 1606 abgab, und im„Vorwärts" vom 10. Oktober wiederholte, den Antrag auf dessen Ausschluß auS der Partei ge- stellt. In dieser Erklärung sagt Friedeberg: „Dann habe ich zu erklären, daß ich nach wie vor auf dem Boden deS von mir bisher vertretenen Anarcho- fozialiSmuS stehe, daß ich demzufolge Veriverfe den Parka« nientarismuS und den politischen Massenstreik, der ja innerhalb deS heutigen KlassenstaatcS und innerhalb des bürger- lichen ParlanientariönuiS dem Proletariat parlanientarische Rechte sichern soll. Daß ich dagegen»ach wie vor eintrete für die Pro- paganda der Gesetzlosigkeit, der Religionslosigkeit, der Vaterlands- lostgkcit und des Antimilitarismus. Daß ich nach wie vor ein- trete für die direkte Aktion und den anarchosozialistiscke» General- streik, der unter Verweigerung der Arbeitskraft des Proletariats als lilasie die Zertrümmerung der kapitalistischen Ordnung und die Beseitigung deS KlassenftaateS zum Endzweck hat." DaS Schiedsgericht, bestehend au« den unterzetchneten Genossen, hat auf Grund dieser Erklärung die Ueberzeugung erlangt, daß der ÄnarchosozialiSmuS, wie ihn R. Friedeberg auseinandersetzt, uuver- cinbar ist mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie. Unser Programm erklärt, der Kanipf der Arbeiterllasse sei ein politischer Kanipf, ein Kampf zunächst um politische Rechte und dann um politische Macht. Diesen Kampf verwirft der ÄnarchosozialiSmuS, denn er erklärt sich gegen den Parlamentarismus, d. h. gegen ein unter den gegebenen Verhältnissen unentbehrliches Mittel deS poli- tischen Kampfe». Er verwirft den politischen Massenstreik, weil er gedacht sei als ein Mittel, dem Proletariat parlamentarische Rechte zu sichern! und er predigt die Propaganda der Gesetzlosigkeit, wäh- rend die Sozialdemokratie die gesetzgebende Maschinerie erobern will, um die Gesetz» im Interesse des Proletariats zu ändern. Die Grundsätze deS ÄnarchosozialiSmuS sind tatsächlich Grund- sähe des Anarchismus. Die Anarchisten haben sich dementsprechend auch eigene Organisationen geschaffen, die nicht mir von denen der Sozialdemokratie geschieden sind, sondern ihnen auch unversöhnlich feindlich gegenüberstehen. Wenn R. Friedeberg diese Grundsätze zu den seinen macht, hat er sich damit ohne weiteres außerhalb des Rahmen» der Sozial- demokratte gestellt. So sehr da» Schiedsgericht seine Verdienste um das Proletariat und seine persönliche Ehrenhaftigkeit anerkennt und so sehr es bedauert, das verbindende Band mit ihm zerschneiden zu müssen, so muß es doch erklären, daß Friedebcrg durch diese Er- klärung aufgehört hat. Sozialdemokrat zu fem und nicht mehr als zur Partei gehörig betrachtet werde» kann. Berlin, 23. September 1907. H. Borgmann. Karl Gchrmann, Karl Kantsky, Otto Kräker, C. Legien, Wilhelm MöbuS, Artur Stadthagen. SkrupulSse Redaktionsführung. Dem Stettiner„Bolksboten" ist unser Bericht über die beiden Versammlungen in Stettin und Grabow, in denen über den Stuttgarter Kongreß diskutiert wurde, auf die Nerven gefallen. Wir sollen„skrupellos" gehandelt haben. als wir behaupteten, daß Genosse Kuntze unser Leipziger Parteiblatt als„Leipziger Pflanze" bezeichnete. Der„Bolksbote" ist so slupulös, diese Mitteilung eine„unwahre Unterstellung" zu nennen. Nun haben wir in unserer letzten Somiabendnummcr, in der wir über jene beiden Versammlungen berichteten, ausdrücklich hervorgehoben, daß wir den„DolkSboten" selber als Quelle benutzten. Und eben nach dieser Quelle konnte gar kein Zweifel darüber obwalten, daß Genosse Kuntze die„Leipziger Volkszeitung" als„Leipziger Pflanze" bezeichnet«. Wenn der„Volksbote" an seiner eiaenen Darstellung setzt herumdentelt und die Behauptung aufstellt, Kuntze habe mit dem Ausdruck„Leipziger Pflanze" die Schlagworte „Radikalismus" und„Revisionismus" treffen wollen, so mag das ja wohl den Ausführungen entsprechen, die Genosse Kuntze in der Stcttincr Versammlung gemacht hat. Nur schade, daß der„Volts- böte" gerade über de» Passus von der„Leipziger Pflanze" so„klar" referierte, daß nur d i e Deutung möglich ist, die wir der Stelle gegeben haben. Wenn der„Volksbote" einen schlechten Versamm- lungsbericht bringt, so muß cr natürlich auch die Konsequenzen tragen. Hätte unser Stettiner Blatt sich übrigens ein wenig sicherer gefühlt, so würde es wohl den von ihm nachträglich so künstlich interpretierten Passuö einfach wörtlich zitiert haben — was ja schließlich noch nachgeholt werden könnte. Wir schrieben ferner, Genösse Ouessel scheine recht unklar ge- sprochcn zu haben; denn ein Diskussionsredner erklärte, er sei nicht einmal daraus klug geworden, ob Ouessel für oder gegen die Einwanderung von Kulis sei. Daraus macht der„Voltsbote", wir hätten einfach behauptet, der betreffende Diskussionsredner habe gesagt: cr habe den Genossen Ouessel nicht verstanden!!— Es geht doch nichts üver eine„skrupulöse" Redaktionsführung. Die„Drohung", daß Genosse Ouessel sich mit uns noch„aus- cinaudersetzen" werde, schreckt uns nicht. Vielleicht holt Genosse Ouessel dabei nach, was er— immer wieder nach jenem Bericht des „Vollsboten"— aus die Frage des zuletzt erwähnten Diskussions- redncrs in der Grabower Versammlung zu erwidern unter- lassen hat. Herr Buchbinder Paul Iah» sendet unS unter Bezug auf den Bericht über den Essener Parteitag, soweit es seine Angelegenheit betrifft, eine Richtigstellung, aus der wir entnehmen, daß Jahn 1001 nicht aus der Partei, sondern aus dem Wahlverein des Wahlkreises Verlin III ausgeschlossen wurde, was nach dem damaligen Organisationsstatut dem Ausschluß ans der Partei nicht gleichkam. In- zwischen ist das Statut abgeändert worden. Die Zugehörigkeit zur Partei erfordert jetzt die Zugehörigkeit zur Organssation des Wahlkreises. Da nun die für Jahn zuständige Wahlkreisorganisation seine Aufnahme ablehnt, so ist Jahn jetzt tatsächlich nicht Mitglied der sozialdemokratischen Partei. polireiUcbes, Oeriebtitebes ukw. Eine erfreuliche Folge deS Falles Wicky. Augenblicklich verbüßt der Kollege WickyZ, der Genosse Martin von der M ii I h a u s e r „Vollszeitung" eine zweimonatliche Gefängnisstrafe wegen angeblicher Beleidigung eine» katholischen Geistlichen. Martin werden von der Gefängnisverwaltung allerlei bisher nicht zugestandene Erleichterungen seiner Haft gewährt. Nicht nur Sellsstbeschäftigung und Selbstbeköstigung wurden ihm bewilligt. cr kann auch Besuche der Parteigenossen enipfangen, so oft er nur will. Und dieser Tage beurlaubte die Mülhausener Ge- fängnisverwaltung den Genossen Martin, der Mitglied des Gemeinde- ratS von Mülhausen ist, zu einer Sitzung dieser Körper- schaftl Das ist seit Menschengedenken in Deutschland einem sozial- demokratischen Preßsünder noch nicht passiert und wäre vielleicht auch jetzt im Reichslande nicht passiert, wenn nicht die beiden Fälle Wicky vorhergegangen wären. Möchte die vernünftige Praxis der Mülhauscr GefänginSleitung Nachfolge im Reiche finden. Strafkonto der Presse. Verworfen wurde vom Reichsgericht die Revision des Genossen Theodor Müller von der„Volks- wacht" zu Breslau gegen ein Urteil des Landgerichts Breslau vom 6. April, das ihn wegen Beleidigung eine» Staatsanwalts mit drei Wochen Gefängnis belegte. Ein„gewöhnlicher Hetzartikel" ist nach Ansicht des Landgerichts Chemnitz eine Notiz der„ V o l k s st i n, m e" zu Chemnitz gewesen, wegen dessen der Genosse M. Müller vom Schöffengericht zu 230 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Die Notiz rügte da« Verhalten zweier Gendarmen, die den Parteisekretär Gc- Nossen Jungntckel fälschlich der Abhaltung einer nicht angemeldeten Versammlung bezichtigt und ihre Erkundigungen bei den Teil- nehmen: der Besprechung auf den Arbeits st ätten eingezogen hatten! Da» Gericht sah nicht ein, daß solche Art eine Ungehörig- keit sei und verwarf die Berustmg des„Hetzartikel"-Schreibers. Das Gefängnis verlassen hat Genosse Hugo Schotte von der „Volkszeitung" zu Düsseldorf. Fünf Monate hat er aus der»Ulmerhöhe' wegen seiner Preßverbrechen zubringen müssen. 6ewcrfercbaftUchc9. Unternehmersozialpolitik. Ein günstiger Wind weht uns einen Brief eines Metall- warenfabrikanten an einen Unternchmcrkollegen zu, in dem derselbe mitteilt, daß er seine sozialpolitische Ader erkannt hat. DaS Warum sagt der Brief, der folgenden Wort- laut hat: Lieber N. N. Antwortlich Ihre» Geehrten bemerk« ich. daß seit kurzem bei mir die neunstündige Arbeitszeit eingeführt ist. Ich habe dieses aus freicu Stücken getan, da wir mit einer zehn« stündigen Arbeitszeit nicht mehr durchkommen. Es wird bei mir von 7—12 und von l'/g— 6 Uhr gearbeitet. Vor- und nachmittag'/« stündige Pause. Der Lohissatz ist bei mir 24—30 M. Alle Arbeiter sind bei vierzehntägiger Kündigung ans Stundenlohn, doch wird nur die tatsächlich geleistete Arbeitszeit bezahlt. Sonnabend gleich den anderen Tagen. Von einer englischen Arbeitszeit kann nicht die Rede sein. da die Leute bei dem mangelhaften Friihstück zu schnell schlapp werden. Auch haben sie dann abends zu viel Zeit um Geld auszugeben und können wir dann nicht genug Lohn zahlen. Indem ich hoffe, daß Ihnen diese Auskunft genügt, zeichne mit freundlichem Gruß Ihr Der sreimdliche Briefschreiber spricht hier ehrlicherweise daL aus, was alle einsichtigen Arbeiter längst erkannt haben: das Unternehmertum führt Verbesserungen ein, wenn es nicht anders kann! Er erkennt aber auch an, daß die Lohnsklaven etwaL mehr wie mangelhaft genährt werden müssen, weil sie sonst „schlapp" werden und dadurch der Profit leidet. Selbstverständlich darf auch die jedem Unternehmer an- geborene Angst vor der freien Zeit der Arbeiter nicht ver- schwiegen werden, weil die Arbeiter dadurch zu GcldnnSgaben verleitet werden und sie eventuell dazu kommen, bei ge- steigerten Bedürfnissen Lohnzulagcn zn verlangen und so den EntbehrungSlohn des Fabrikpascha kurzen. Man sieht, die Raben sehen alle schwarz anS, und ginge eS nach diesem„sozialpolitisch einsichtigen" Unternehmer, die Arbeiter ivürden so lange ausgepowert, bis sie erschöpft von der Arbeitszeit ins Bett taumeln, um nicht Zeit zu aelvinucn. sich über ihr Elend klar zu werden. Verlln und Umgegend. Geht nicht nach Senftenberg! Von Berlin und Umgegend werden ganze Kolonnen Ar- beitswillige nach Senftenberg signalisiert. Auch die An- kommenden sind fast sänitlich aus der Mark Brandenburg und in Verlin geworben. ES befinden sich dort in den bekannten Werbeburcaus der Unternehmer Beamte aus dem hiesigen Revier, die Leute zu den glänzendsten Bedingungen anlocken. Also Vorst chtl Die Arbeiterschaft von Groß-Berlin wird gebeten, ein wachsames Auge darauf zu haben und Leute, die Willens oder geworben sind, vor der Abreise ins Streikgebiet zu warnen. Meldungen erbitten sofort telegraphisch an Be- zirksleiter W e i k a r t. Senftenberg. Auslagen werden der- gütet. Alle Gewerkschaften werden hierauf aufmerksam gemacht. _ Die Lohnkommission. Abgewiesen! In der Sache Böhin gegen den Schneiderverband hat der An- tvalt des Klägers den Antrag gestellt, gegen den„Vorwärts" eine Strafe von 1000 M. festzusetzen, weil er nach Erlaß der einstweiligen Verfügung noch Boykottinserate veröffentlicht habe. Ferner war be- antragt, vom„Vorwärts" eine Sicherheitsleistung in Höhe von 10 000 M. einzufordern. Da? Landgericht hat diesen Antrag kosten- pflichtig abgewiesen und dem Kläger aufgegeben, binnen einer Woche die Hauptklage zu erheben. veutfcbes Reich. Der Bergarbeiterstreik in der Nicderlaufitz. Senftenberg, 24. September. .Vor allem aber sind sämtliche Werke schon lange mit dem Bau von Arbeiterhäusern vorgegangen. Wir haben unö von deren Zustände durch Besuche zahlreicher Wohnungen auf den verschiedensten Werken persönlich überzeugt. ES waren dreizimmerige, lustige Wohnungen, die von den Arbeitern meist in musterhafter Ordnung gehalten wurden.... ES war eine Lust, die Sauberkeit und Be haglichkeit in vielen dieser Wohnungen zu sehen. Die Werke mußten ja, bei dem großen Arbeitermangel in den einsam gelegenen Werken. notgedrungen zur Arbeitersürsorge greifen. Ein Werk treibt da das yndere, ebenso in den Lohnsragen. Diese Wohnungen werden dem Arbeiter zwischen 3 und 8 M. monatlich von den Werken be rechnet, damit die Arbeiter, die in den oft viermal so teuren Privatwohnungen Hausen, nicht über Gebühr benachteiligt werden." So wurde an die«Frankfurter Oder-Zeitnng" berichtet und die deutsche Werkspresse beeilte sich, den Artikel nachzudrucken. Wohnen heißt Lebenl Wer sich unterrichten will über da? soziale Milieu, in dem sich gewisse Teile der Bevölkerung be wegen, der suche sie auf in ihren Wohnungen, beobachte sie in der Häuslichkeit, im Kreise ihrer Angehörigen, prüfe ihre nächste lim gebung. Er wird durch das Eindringen in die internen Verhältnisse des privaten Lebens die Grundlage finden für die Beurteilung der sozialen Lage des betreffende« Standes. Auch der Korrespondent für die Organe der Werksberwaltungen prüfte die Verhältniffe. Seine Erfahrungen drückte er in den oben wiedergcgebenen Sätzen aus. Wenige Tage darauf hatten auch wir Gelegenheit, uns um- zuschauen. Und zwar werden wir unS nicht in allgemeinen Be. trachtungen über die Sauberkeit und Behaglichkeit der Wohnungen ergehen, sondern wir werden das gewonnene Material kurz und trocken der Oeffentlichkeit unterbreiten. Sie soll Richter sein. Der Weg führte uns nach C l e t t w i tz und Z s ch i p k a u; beides Stationen der Bahn Senftenberg— Finsterwalde. In Clettwitz ist der Gruben- und Ziegeleibesitzcr Fielitz der„Herr". Er hat den Ort mit elektrischer Kraft versorgt, Anschlüsse haben fast alle Geschäftsleute. Nur haben diese hinterher eingesehen, daß die „Wohltat" ihnen zu teuer gekommen war und noch kommt. Sogar in den Vorräumen der Arbeiterwohnhänser brannten Glühlampen. Es standen da 17 Häuser mit je 2 Parterre und 2 Dachwohnungen; zusammen 88 Wohnungen. Vor jedem Hause war eine Art Vor« garten, der aber meist öde und tot dalag. Zum Parterre führt der Weg hinten hinein, in die Dachwohnung kommt man von vorn. Unvermittelt treten wir aus dem Freien sofort in die unterste Küche; keinerlei Vorraum schützt vor Wind, Wetter und Schmutz. DieKiiche ist gepflastert, Stube und Kammer gedielt, die Räume sind aus- reichend, auch Stallungen sind vorhanden und Feld bekommen die Leute vom„Herrn". Sie sind deshalb auch nicht mit in den Streik getreten. Wir stapfen durch den vorderen Eingang die Treppe hoch. Rechts und links je eine Wohnung. Die Wohnstube hat gerade Wände, ist 2,25 Meter hoch und hat zwei Fenster. Küchen fehlen, dafür sind Kammern da. Sie liegen direkt unter dem Dach, am Boden sind sie zirka 1,70 Meter breit, oben noch 90 Zentimeter(alles mit dem Metermaß oberflächlich gemessen). Die„Fenster" befinden sich im Borraum und Kämmen, der Dachwohnungen zirka 10 Zenti- meter über dem Boden, sie sind zirka 35 Zentimeter hoch, 50 Zenti- meter breit. Der Eingang zu den Kainmern ist 55 Zentimeter breit; in etwa Manneshöhe zieht sich ein Strebebalken durch. Jeder- mann muß den Kopf gerade halten oder besser, er bückt sich, sonst stößt er sich an dem Holze Beulen in den Kopf. Eine Kannner diente als Schlafraum, eine als„Küche". We die Leute in diesen Räumen eS fertig brachten, die Betten zu machen, wird uns stets ein Rätsel bleiben. Zu je drei Häusern gehört eine Waschküche. Darum ist immer„Krieg". Es wird deshalb viel in den Wohnungen gewaschen imd zwar auf dem Vorräume, wo sich eine Art Herd befindet. Die Leute beklagten sich bitter, der Brodem von der Wäsche könne nicht hinaus, er ziehe überall umher, schlage sich an Wänden und Möbeln ab, alles wurde feucht. Durch den Augenschein fanden wir die Angaben bestätigt. Gegenwärtig baut der„Herr" Fielitz eine Reihe weiterer Werkswohnungen, deren Sims etwas höher kommt; wahrscheinlich wird's darin besser werden. Zwischen Clettwitz und Zschipkau liegt die Z s ch i e s ch e m ü h l e. Vor Jahren � haben die Nicderlausitzer Kohlcnwerke A.- G der Mühle das Wasser weggezogen. Die Gesellschaft mußte das Grundstück kaufen und machte ans dem Gebäude Wohnungen. Es sind drei niedrige Häuser, abseits vom Wege, schon äußerlich dem Verfall nahe. Dahinter ist Wald und ein Wafferfluter zieht sich dicht an den Gebäuden hin. Wir treten ein. Moderiger Geruch empfängt uns: alles ist feucht und dunkle Moderstellen an den Wänden. Im Winter werden diese Wände weiß. Millionen von Wassertröpfchen sind zu Eis erstarrt, das sich wie Schnee anfühlt und herrlich glitzert. Ein Fensterchen erhellt die Kaminer wenig; trotzden, eS Tag und Nacht offen steht, bleibt eS naß. Auch die Keller sind so naß, daß alles fault. Löcher am Boden, Löcher in den Wänden. Decken, Fensterrahmen, Holz- und Eiscnteile alles schwarz, verrostet und verfallen. Oben sind die Dachwohnungen auch naß. Die Stuben waren etwa 2 Meter hoch, die ganz schrägen Kammern am Fußboden ca. 1,50 Meter breit(Betten standen der Länge nach), oben schnitten Wand, Dach und Türe ab. das heißt es war überhaupt keine Breite mehr vorhanden. Die Bewohner dieser Hänser waren ausnahmslos Polen; kinderreiche Familien. Ein trockenes, öfteres Hüsteln hinter einer Türe heißt uns bange stehen bleiben. Als wir eintreten, steht in der aufs dürstigste„möblierten" Stube eine Frau im letzten Stadium der Schwangerschaft. Sie friert trotz des herrlichen warmen Wetters und versteht kein Deutsch. Durch Vermittelung der Nachbarin gewinnen wir Einblick in die Verhältnisse; das ganze HauS läuft zu- ffinmen. Alles beklagt sich, daß„nichts gemacht" würde. Zahllose Ratten sind unter den Dielen; sie haben alles unterwühlt, Kartoffeln und Eßwaren dürfen nirgends stehen bleiben. Die z e r- fressen die Wäsche und lassen des Nachts niemand Lerantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: schlafen. Einst warf der Wind auS der Wohnung des Arbeiters Andreas Sozipetzki das Fenster samt Fensterkreuz und die Lampe in den Hof. Der Arbeiter beschwerte sich und verlangte Ersatz für die Lampe.„Ja", meinte der Inspektor Graul gemütlich,„die lasten Sie sich von dem Winde bezahlen!" Im Frühjahr kam ein neuer Direktor. Er kam auf seinem Rund- gange auch nach der Zschicschemühle. Nachdem er sich die Wohnungen im Erdgeschoß angesehen hatte, meinte er erregt:„Aber da oben wohnt doch wohl niemand?!"„Ja gewiß, zwei Parteien I" war die Antwort. Der Herr stieg hinauf, kam wieder herab, atmete tief auf und seufzte:„Schauderhaft! » lieber die Situation wird uns vom 25. September aus Senftenberg geschrieben: Der Herr Otto Kliesch, Unternehmer für Tiefbohrungen in Luckau und Lieferant Arbeitswilliger, hat einen Kollegen gefunden. ES ist der Fuhrherr Albert Degen er inKönigs-Wnster- Hausen, Potsdamerstraße. Er hat dort sieben Mann, Ziegelei arbeiter, Dachdecker und Maurer, geworben, ihnen auf Grund des famosen Vertrages von Herrn Direktor Schulz aus ElisabethSglück Stundenlöhne von 60 und mehr Pfennigen versprochen, so daß die Leute sofort hierher gekommen sind. Weitere Transporte sollten folge». Von der Leitung sind die Betrogenen sofort abgeschoben worden. Die Situation hat sich verschärft. Auf dem Bahnhofe Senften berg werden die Wagen mit Arbeitswilligen auf Gütergleise ge schoben und auf den Griibenan schlußbahnen weiter transportiert oder auch mittels Wagen unter Bedeckung von Gendarmen auf die Gruben verschickt. Streikende werden auf dem Bahnhofe nicht mehr zugelassen. Wie die bürgerliche Presse zu melden weiß, ist die Zahl der Streilenden von 1434 auf 1413 gefallen. ES ist aber damit genau so, wie bei Streiks im Bergbau überhaupt: Die die Abkehr nehmenden Bergleute, also die Entlassenen, werden von den Werks- Verwaltungen nicht mehr als Streikende geführt. Auf die Art kann es kommen, daß Streikende überhaupt nicht mehr vorhanden sind. In Bockwitz üben Arbeitswillige schlinimsten Terrorismus; so ist ein Streikposten von den„nützliche» Elementen" jämmerlich zer schlagen worden. Anzeige ist bereits erstattet. »» » Wie'S gemacht wird I Der Direktor der„Millygrube" in Bock' Witz ist der gute Freund des katholischen Pfarrers in Mückenberg. Nachdem jener erfahren, daß die Polen am Sonntagnachmittag eine Verianmilung abhalten wollten, berichtete er den„Fall" sofort an seinen Freund nach Mückenberg und dieser mußte schleunigst um dieselbe Zeit in Bockwitz Gottesdienst abhalten! Die armen polnischen Arbeiter gingen also in die Kirche und der Gottesdienst zu Kapitalsnutzen dauerte so lange, bis die Zeit der Versammlung zu Ende war! Ja, ja, dem Volke muß die Religion erhalten bleiben I Die drohende Gencralaussperriing im Kieler Baugewerde, die, wie wir mitgeteilt, bereits für einige Arbeiterlategorien ihren Beginn genommen hatte, ist in letzter Stunde noch abgewendet worden. Die streikenden Hokzplatzarbeitcr und Kutscher, auf die die vereinigten Scharfmacher durch die Aussperrung einen Druck auszuüben ge- dachten, haben sich durch einen vor dem Gelverbegericht abgeschlossenen Tarifvertrag mit ihren Arbeitgebern geeinigt nnd� auch die ganz un- motiviert von den Bauunternehmern in den Konflikt einbezogenen Lohnbclvegungen der Stukkateure und Heiznngsmonteure sind, teilweise zum Vorteil der Arbeiter beendigt.' Der Tarifvertrag im Holzhandel wurde komischerweise nicht von Organisation zu Organi- fation, sondern zwischen der Organisation der Holzhändlcr einerseits und drei, bei Mitgliedern der Arbeitgeberorganisalion beschäftigten Arbeitern andererseits abgeschlossen. So wollte es der Unternehmer- dünkel der Holzhändler, die sich hartnäckig sträubten, die Organisation der Arbeiter anzuerkennen! Bei einem Tarifvertrag, der für beide Teile doch möglichst bindende Form haben soll, ist solcher Herren- standpunkt natürlich doppelt unverständig. Der christliche Fischzug in Bielefeld. Die von den Christlichen bedienten Preßorgane, insbesondere Zentrums- und Stöckerblätter, bringen als Antwort auf unsere Notiz von dem Treiben der Christlichen in Bielefeld einen Waschzettel der frommen zum Abdruck, in welchem versucht wird, die Werbungen des sogenannten Bezirksleiters des christlichen Verbandes als einen durchaus harmlosen Akt der ArbeitSvermittelung hinzustellen. Wir stellen demgegenüber noch einmal fest, daß Betriebe der Metallindustrie in Bielefeld zurzeit keine Ber- größerung erfahren, daß die Anzahl der vielen arbeitsloten Metallarbeiter am Orte im Gegenteil eine deutliche Sprache von der Geschäftsflaue redet, m der ich augenblicklich speziell die Fahrradindustrie befindet. Wir wieder- holen ferner, dich der in dem Zirkular angegebene Verdienst auch nicht annähernd den Tatsachen entspricht. Fünf von außer- halb herangelockte christliche Arbeiter haben des niedrigen Verdienstes wegen den Betrieb bereits wieder verlassen, andere wollten folgen, haben sich dann aber auf dringende Vorstellungen des Obermeisters bewegen lassen, an anderen Arbeitsplätzen noch einmal zu ver« 'uchen. den versprochenen Verdienst von 60—70 M. pro Lohnperiode zu erreichen. Wenn die Christlichen aber noch weitere Beweise haben wolle», daß sie lediglich deshalb angeworben werden, um der Firma RauS- reiherdienste zu leisten, dann könnten wir diese in Hülle und Fülle liesern. Plaudern die Werkmeister es doch offen aus, daß die Fabrikleituiig Arbeiter haben müsse, auf welche sie sich„verlassen" könne, wenn Uebersrunden usw. erforderlich würden. Und werden doch nur Leute eingestellt, die sich beim Bevollmächtigten der Christen, der ebenfalls im Betriebe der Firma Göricke untergebracht ist, als Mitglieder des christlichen Verbandes ausgewiesen haben. Wer angesichts dieser Tatsachen noch von anerkennenswerten Be- strebungen. Arbeitslosen Arbeit nachzuweisen, spricht, der fälscht die Wahrheit in der unverfrorensten Weise. Der Streik in der Blechwarensabrik Rothenfelde- Bielefeld dauert unverändert fort. Zuzug von Metallarbeitern aller Branchen ist strengstens fernzuhalten._ Achtung! Steinarbeiter. Sämtliche Arbeiter des Meißner Granitwerkes von Oswald Köhler sind schon die 13. Woche ausgesperrt, weil sie fich nicht ohne weiteres einem neu eingeführten Kontroll- und Strafsystem unterwerfen wollten. Die ganze Bewegung ist aber numnihr zu einem Kampfe um das höchste Gut der Arbeiter, um das Koalitionsrecht ausgearter. Jeder Arbeiter, welcher in dem Eldorado des Herrn Köhler in Arbeit tritt, muß sich durch Ehre»- wort und Handschlag verpflichten, keiner freien Gewerkschaft an- zugehören. ES wird ihm dagegen freigestellt, einer sogenannte» „gelben" Gewerlschaft(Streilbrecherorganisation), welche unter dem Namen:„Freie Bereinigung deutscher Steinarbeiter" von den Raus- reitzern des Herrn Köhler gegründet wurde, beizutreten. Nach allen Teilen des In- und Auslandes hat nun Herr Köhler seine Agenten ausgeschickt, welche zum Teil unter falschen Vor- spiegelungen versuchen müssen, Arbeitswillige anzuwerben. Ja, so- gar in die K a s e r n e n hat er seine gelben„AufklärungSplakate" gelangen lassen, in der Hoffnung, daß die jetzt entlassenen Reservisten zum Verräter an ihren Klassengenoffen werden möchten. Arbeitsbrüder I Wir fordern Euch auf, folgt nicht den Ver- lockungen des Herrn Köhler. Werdet nicht zum Verräter an Euren Mitarbeitern I Gebt den gewiffenlosen Sgenten des Herrn Köhler die Antwort, die ihnen gebührt! Denn unser Kampf ist auch Euer Kainpf und unser Sieg ist auch Euer Sieg! Hoch die Solidarität d« Arbeiter I Kniv Krz— e, Richard Thieme, ----t-«.".-».«- d°- s-to,-«,»-.. Wieder eine gelbe Gründung. Seit dem letzten großen Kampf in der bayerischen Metallindustrie existiert bekanntlich im AugSburger Werk der Maschinenbau-Aktiengesellschaft Nürnberg und Vereinigte Maschinenfabriken Augsburg eine Gewerkschaft der Gelben, deren„Ruhm" schon öfters über die weißblauen Grenzpfähle hmansgedrnngen ist. DaS Nürnberger Werl blieb bisher von derartige» Bestrebungen verschont. Jetzt sind aber auch dort strebsame Leute aufgetaucht, die sich durch Gründung einer gelben Gewerkschaft bei der Direktion in empfehlende Erinnerung bringen wollen. Eine Anzahl Beamte, Werkmeister und— Arbeiter des Werks haben durch Karten zu einer Werknättenversammlnng ein- geladen und den Ersckiieneiien das Statut einer gelben Vereinigung fix und fertig vorgelegt. Das neue gelbe Vereinchen führt den Harm- losen Titel„Wohnungs- und Wohlfahrtsverein" und unter„Zweck des Vereins" findet man ausgezählt: Wirtschaftliche Borteile aller Art. in erster Linie Vermittelung billiger Wohnung, Bildung einer Genossenschaft aus Vereinsmitgliedcrn zum Zweck des Erwerbs und der Errichtung eigener Wohnhäuser, Ulsterstützung erkrankter und bedürftiger Mitglieder, Erwirkung der Gewährung von höherem Zins und besonderen Prämien für Spareinlagen, die die Mitglieder durch den Verein bei der Fabrik machen usw. Jede Politik ist ausgeschlossen. Soweit wäre die Sache noch ziemlich harmlos, aber bei den Bestimmungen über die Aufnahmefähigkeit kommt schon der gelbe Pferdeftltz zum Vor- schein. Zur Aufnahme sinte nämlich nur berechtigt großjährige, un- bescholtene, im Werl beschäftigte Personen, die nicht bereits eineijl anderen, die gleichen Zwecke verfolgenden Verein angehören. Wer also der Segnungen der neuen Gründung teilhaftig werden will, darf nicht einer Gewerkschaft, einer anveren Krankenkasse, dem Konsumverein usw. angehören. Die Mitglieder sind zu völliger Rechtlosigkeit verdammt. Sie haben in den Versammlungen Iveitcr nichts zu tun. als die Berichte der Vorstandschaft entgegenzunehmen, auf die Vereinsgeschäfte haben sie keinerlei Einfluß, alles besorgt die Vorstandschaft aus eigener Machtvollkommenheit. Fürwahr, eine nette Gründung l ES ist nur gut, daß sie nicht weit über den KreiS ihrer Bäter hinaus» wachsen wird, denn in Nürnberg ist kein Boden für derartige Sumpfpflanzen. Hafcnarbciterstreik in Antwerpen. Aus Antwerpen ivird vom 25. September gemeldet: Der Präsident der köstöration rnaritime hat auf Befragen erklärt, die Arbeiter könnten die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder auf» nehmen, irgend ein Zugeständnis werde ihnen von der �öckörstion marltims nicht gemacht, die Arbeiter würden vielmehr gezwungen werden, sich dem Willen der?öclvration rnaritims zu unterwerfen; die Führer der AuSstandSbelvegung würden nicht wieder eingestellt werden. Diese Erklärungen rufen im Hafcngebiet große Erregung hervor._ Hüttenarbeiterfireik In BervierS haben nach einer Meldung des„W. Man rechnet damit, daß auch in anderen Betrieben gestellt werdm wird. 1000 Hüttenarvetter in verVier» T. B." den Generalstreik erklärt. die Arbeit ein» Letzte JVadmcbten und Depcfcben« Acht Arbeiter t> erbrannt. Posen. 25. September.(B. H.) In Mertenheim(Ostpr.) brannte eine Baracke nieder, in der russische Arbeiter schliefen. Acht Personen sind tot, viele schwer verletzt. Man vermutet Brand- stiftung aus Rache, da die Russen mit den einheimischen Arbeitern in Unfrieden lebten. Es gärt unter den Bergarbeitern« Bochum, 25. September.(W. T. B.) Nachmittag» fand hier eine Sitzung der Siebenerkommission statt, in welcher beschlossen wurde, sich dem am 7. September gefaßten Beschluß der Aeltesten- kommission. der Mitglieder sämtlicher Bergarbeiterverbände an» gehören, anzuschließen. Wenn die Bergwerksbefitzer die Ber- schlechternug im neuen Knappschaftsstatut nicht beseitigen und in anderen Punkten den Bergarbeitern nicht entgegenkommen, soll daS Statut sowie der RückVersicherungsvertrag abgelehnt werden. Die Bergwerksvertreter«erden für die Folgen verantwortlich gemacht. Drei Arbeiter durch Seilbruch getötet« Altendorf a. d. Ruhr, 26. September.(W. T. B.) Auf der Zeche„Charlotte" riß heute«in Förderseil. Drei Arbeiter stürzten in die Tiefe? alle drei waren sofort tot. Freispruch im Essener Mordprozeh. Essen, 25. September.(W. T. B.) Da» Schwurgericht de» hiesigen Landgerichts sprach den Bureaubeamten Alfred Land von der Anklage de» Mordes und der versuchten Rotzucht gegen die englische Lehrerin Miß Madeleine Lake frei und legte die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auf. Der Angeklagte wurde sofort auS der Haft entlassen. Schiffsbrand im Hamburger Hafen. Hamburg, 25. September.ts„öotiüirts" Knlim Jlullislilatl. Nsmerstig, 26. Stplmlift 1907. Zu den Stadtoerordnctenwablen in Berlin, kann, j zu unterrichten, damit Sorge getragen werden �dcr Zustellung der Zeitung keine Unterbrechung eintritt. mi die für die erste Woche des Novembers bevorstehen, haben Westen, Südwesten und Süden der Stadt, im Gebiet des zweiten Reichstagswahlkreises, unsere Genossen mit den Rüstungen begonnen. Von den 16 Kommunalwahlbezirken dritter Abteilung, die diesmal eine Neuwahl vorzunehmen haben, liegen innerhalb des zweiten Reichstagswahlkreises d e r 4., d e r ö. u n d der ID. Kommunalwahlbezirk, der 4. in der Schöneberger Vorstadt, der 9. und der 19. in der Tempelhofer Vorstadt. Tie bisherigen Vertreter im Stadtparlament waren für den 4. Wahlbezirk der Freisinnige Kollokowsky(der sich„Sozial- Fortschrittler" nennt), für den 9. und den 19. Bezirk die Sozial» dcmokraten Genosse Alfred Bernstein und Genosse Zubeil. Was im Stadtparlament von Berlin der Freisinn versäumt hat und was dort die Sozialdemokratie bessern will, das wurde am Dienstag in zwei Volksversammlungen erörtert, die von den Genossen des zweiten Kreises veranstaltet worden waren. Vor den Wählern aus dem 4. Bezirk sprach im„Königshof" (Bülowstrahe) der Stadtverordnete Genosse Alfred Bern- st e i n, die Wähler aus dem 9. und dem 19. Bezirk hörten im „H o f j ä g e r"(Hasenheide) einen Vortrag des Stadtverordneten Genossen Gottfried Schulz. Beide Redner entwarfen von den kommunalen Zu» stände.» unserer Stadt ein Bild, das recht trübe war. Sie zeigten, daß der Stadtfreisinn wirklich sehr wenig An- laß hat, die Kommunalverwaltung Berlins gegen den Vorwurf der R ü ck st ä n d i g k e i t zu verwahren. Gross sind noch immer die Mängel in unserem Schulwesen, im Gesundheitswesen, in der Armenpflege. Die werktätige Bevölkerung ist für ihren Nachwuchs angewiesen auf Schulen, deren Frequenz leider noch weit davon entfernt ist,„normal" genannt werden zu können. Die Un- zulänglichkeit der Krankenhäuser war in den letzten Jahren so arg geworden, dass sie jetzt auch durch die Eröffnung eines neuen grossen Krankenhauses erst wenig gemildert worden ist und von den minderbemittelten Bewohnern Berlins noch immer bitter genug empfunden wird. Den Bedürftigen und Armen wird mit karger Hand kaum das Nötigste gewährt, damit sie ihr elend Leben weiterfristen können. Schwer lasten auf der gesamten Bevölkerung die Folgen jener Unterlassungssünden, durch die die EntWickelung unseres Verkehrswesens gehemmt und einer privaten Gesellschaft ein schier unerschütterliches Monopol geschaffen worden ist. Ihren eigenen Arbeitern gegenüber ist die Stadtgemeinde nichts weniger als„musterhaft", dank dem Widerstand, den der Freisinn aller Schattierungen(samt der„sozial-fortschrittlichen") den Anträgen auf Lohnbesserung entgegensetzt. Und doch, um wieviel weiter noch wären wir zurück, um wie» diel miserabler wären die kommunalen Zustände Berlins, wenn nicht die Sozialdemokratie Zutritt zum Stadtparlament gefunden hätte. Gewiss: noch herrscht dort der Freisinn, weil das Dreiklassensystem des Kommunalwahlrechtes ihm die Zweidrittel- Mehrheit sichert; noch geben dort Wünsche des HauSagrariertumS den Ausschlag, weil daS Privileg, das die Städteordnung den Hausbesitzern gewährt, ihnen im votaps die Hälfte aller Mandate reserviert. Aber deshalb ist die Tätigkeit der Sozialdemokratie doch nicht nutzlos geblieben. Auch eme Minderheit vermag zu Einfluss zu gelangen und manche ihrer Forderungen durchzusetzen. wenn sie unermüdlich mahnt und vorwärts drängt. In der Stadtverordnetenversammlung von Berlin hat die sozialdemokratische Fraktion sich diese Aufgabe gestellt und an ihrer Lösung mit wachsendem Erfolg gearbeitet. Darum hat das Vertrauen der werktätigen Bevölkerung auch bei den Kommunalwahlen in immer steigendem Masse sich der Sozialdemokratie zugewendet.. Eine Diskussion knüpfte sich nur an den Vortrag des Genossen Schulz; sie brachte unter anderem noch Ausführungen des Stadt- verordneten Genossen Ewald über die Wertzuwachssteuer, die der hausagrarifch-freisinnigen Stadtverordnetenmehrheit so überaus unbequem ist. Sodann wurde zur Aufstellung der Kandidaten geschritten. Die Organisation des zweiten Kreises empfahl für den 9. Bezirk den Genossen Bernstein, für den 19. Bezirk den Genossen Schulz und für den 4. Bezirk gleichfalls den Genossen B e r n st e i n. Der 9. Bezirk war. wie schon erwähnt, auch bisher durch Bernstein vertreten. Den 19. Bezirk vertrat bisher Genosse Zubeil; da aber dieser Bezirk diesmal einen Hausbesitzer wählen mass und Zubeil nicht Hausbesitzer ist, so tritt an seine Stelle Genosse Schulz, der bisher Stadtverordneter für den IL. Bezirk war und die erforderliche Hausbesitzerqualität hat. Das Vorrecht, das die Städteordnung den Hausbesitzern gibt, wird für die Sozialdemokratie bei den Kommunalwahlen zu einem lästigen Zwang. Aber die Schwierig- kcitcn, die uns hieraus erwachsen, sind bisher noch stets über- wunden worden. In beiden Versammlungen wurden die vor- geschlagenen Genossen einstimmig als Kandidaten aufgestellt. Im„Königshof" war auch der Name des Genossen Herzfeld ge- nannt worden, doch bat Herzfeld, von ihm abzusehen. Knapp sechs Wochen trennen uns noch von der Wahl. IN dieser kurzen Spanne Zeit wird jeder Genosse in treuer Arbeit und besonders durch Agitation von Mund zu Mund das Seinige dazu beitragen müssen, den Wahltag zu einem Ehren- tag für die Sozialdemokratie zu machen. Partei- �ngelegenbeiten. Zur Lokalliste! In Treptow steht uns nunmehr das Lokal von Kettlitz wieder zu allen Veranstaltungen zur Verfügung; das dortig«„Neue GesellschaftshauS". Chausseestr. 14, hat den Inhaber gewechselt und ist nach wie vor f r e i. Die Lokalkommisfion. Schöneberg. Achtung, Genossen! Am Freitag, den L7. d. M., abeiä'S 8 Uhr, findet eine Versammlung des sozialdemo- kratischcn Wahlvereins in Obsts Festsälen statt. Auf der Tages- ordnung steht: 1. Bericht vom Essener Parteitage. Referent: Genosse Max Gr unwald. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Parteigenossen! Diese Versammlung mnss gut besucht werden, um wichtige Mitteilungen entgegenzunehmen. Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Der Oktoberumzug steht vor der Tür. Da gibt es an so vielerlei zu denken; manches wird vergessen. Da möchten wir unsere Leser daran erinnern, den Zeitungsspediteur rechtzeitig von dem Umzug daß in Bei der Meldung ist darauf zu achten, daß die genaue Haus- �nummer angegeben und besonders vermerkt wird, wo die neue 'Wohnung liegt, ob im Vorderhaus, Ouergebäude oder Hinter- haus, und wieviel Treppen. Nur, wer rechtzeitig seinem Spediteur diese Meldung macht, kann darauf rechnen, daß er auch in der neuen Wohnung seine Zeitung zur gewohnten Zeit vorfindet. Die Mitglieder der Wahlvereine wollen nicht versäumen, eine gleiche Mitteilung ihrem Bezirksführer zu machen, damit auch in der polittfchcn Organisatton die Ueberweisung an den neuen Bezirk erfolgen kann und die Mitglieder nicht unnützer- weise monatelang in den Bezirksbüchern geführt werden müssen. » Die Speditton des„Vorwärts", Bezirk Nordost, Leo Zucht, Wird vom 1. Oktober ab von der Keibelstr. 42 nach der Jmmanuelkirdjstr. 13, Hof links parterre verlegt._ Die juristische Sprechstunde findet vom 1. Oktober nicht mehr Friednchstr. iß statt, sondern Lindenstt. 3, zweiter Hof, Eingang HI, 4 Treppen. SMT Fahrstuhl."WO Die Kritik des Baues des Birchow-KrankenhauseS auf der Hauptversammlung des Vereins für öffentliche GesundheitS- pflege durch den Hamburger Krankenhausdirektor Lenhartz kam in der letzten Sitzung der Baudeputation zur Sprache. Stadtbanrat Hoffmann legte dar, dass der von Herrn Lenhartz gezogene Ver- gleich zwischen den Baukosten der Hamburger Krankenhäuser und dem Buchow-Krankenhaus in allen Punkten hinke und von falschen Boraussetzungen ausgehe. Die Baupreise aus den Zeiten der Er- bauung des Allgemeinen Krankenhauses in Eggendorf— 1884—89 lassen sich mit denen unserer Zeit gar nicht vergleichen. Dann aber haben wir im Virchow-Kraukenhaus ein eigenes Wasserwerk mit einem zirka 56 Meter hohen Wasserturm, eigenes Elektrizitätswerk, eigene Kühlanlage und eine eigene Eisbereitungsanlage, die das Eis auch für alle anderen städtischen Krankenhäuser Berlins liefere. Von alledem ist in St. Georg nichts, nur Eggendorf hat für einen Teil der Gebäude ein Elektrizitätswerk. Auch das Operationshaus, BadehauS und pathologisch» anatomische Institut lassen sich in räumlicher Beziehung mit der Hamburger Anlage nicht vergleichen; dasselbe gilt für das Röntgen- hauS. An die KrankenpavillonS, an Behandlungsräume, Betriebs» räume u. dergl. seien im Virchow-Krankenhause von den Sachverständigen erheblich höhere Anforderungen gestellt worden als im Hamburger Krankenhause. Die Kosten des Virchow-Kranken- Hauses pro Bett entsprachen auch den neuen, hygienisch auf der Höhe stehenden Krankenhäusern. Die Kosten des Krankenhauses am Friedrichshain betrugen fchon vor 3ö Jahren 7S3S M. pro Bett. Herr Hoffmann verbreitete sich dann noch über zahlreiche Einzel- heilen und die Mitglieder der Deputation erkannten die Be- mängelungen des Herrn Lenhartz als durchaus unberechtigt an. Unter dem Vorsitz deS Stadtrats NamSlau fand am Mittwoch ewe Sitzung der städtischen Hochbaudeputation statt, in der u. a. Geh. Baurat Dr. Ludwig Hoffmann den Entwur' um Neubau einer Gemeinde-Doppelschule an der Pank st r. 11/13, Ecke der Wicsensttahe, die auf 664-999 M. ver- anschlagt ist, vorlegte. Ferner wurde der Entwurf für den Neubau der dritten städtischen Oberrealschule an der Pasteur- strasse 44/7 beraten. Dieser ebenfalls vom Geh. Baurat Hoffmann entworfene Bau ist mit 925 999 M. veranschlagt. Dann wurde der Entwurf zum Neubau eines Tuberkulose»hei in s auf dem Gelände des RummelSburger Waisenhauses, das mit 371 999 M. ver anschlagt ist, beraten. Hieran schloß sich die Beratung des Entwurfs für den Neubau eines StrassenreinigungS-DepotS und Wohngebäudes in der Artillerie st rasse 4(neben der Post), daS etwa 63 599 M. kosten soll. Weiter wurden die Entwürfe und Kostenanschtäg« für eine W a l d e r h o l u n g S st ä t t e für schwächliche schulpflichtige Kinder in Buch beraten. Der ebenfalls vom Städtbaurat L. Hoffmann entworfene Bau soll rund 399 999 M. kosten. Zum Schluß legte der Stadtbaurat dann noch den Eiitwurf für den Neubau einer Gemeindeschule in Moabit(Zwinglist rasse 24), die mit 438 999 M. ver- anschlagt ist, vor. Sämtliche Entwürfe fanden die Zustiminung der Deputatton._ Wieviel zu tun noch übrig ist! Die Uebersicht über die Klassenfrequenzen der Ge- m e i n d e s ch u l e n. die der Stadtverordneten-Versammlung in jedem Halbjahr vom Magistrat vorgelegt werden muß, ist nun endlich auch für dieses Sommerhalbjahr fertig geworden. Drei Wochen nach den Osterferien. am 1. Mai, wurden in den einzelnen Schulen die Klassenfrequenzen ermittelt; aber erst in der letzten Woche vor Schluß des Sommerhalbjahres, nach Verlauf von un- gefähr fünf Monaten, ist den Stadtverordneten die Frequenzvorlage zugegangen. Wir ersehen aus ihr, daß Berlin jetzt 283 Gemeinde- schulen mit 5929 Klassen hat, in denen am 1. Mai 228 362 Kinder saßen. Läßt man die 146 Ncbcnklasscn außer Betracht, die ja nur eine ganz geringe Frequenz haben dürfen und am 1. Mai mit 2339 Kindern besetzt waren, so ergibt sich für 4883 Klassen mit 226 923 Kindern die Durchschnittsfrequenz 46,29. Die Durchschnittsfrequenz stellte sich im letzten Winter auf 46,37 und im vorigen Sommer auf 46,87. Man sieht, dass die Vcrmindc- rung der Durchschnittsfrequenz, die seit einer Reihe von Jahren zu beobachten gewesen Ivar und auf die im Rathause vom Magistrat und von seinen freisinnigen Freunden auS der Stadtverordneten- Mehrheit so gern hingewiesen wurde, in neuester Zeit keine sehr grossen Fortschritte mehr gemacht hat. Es muß freilich immer wieder betont werden, dass dieser allgemeine Durchschnitt kein richtiges Bild von den tatsächlichen Verhältnissen geben kann. DaS zeigt sich schon, wenn man die besonderen Durchschnitte der ein- zelnen Klassenstufen betrachtet. In diesem Sommer stellt sich der Durchschnitt für erste Klassen auf 33,79, für zweite auf 36,74, für dritte auf 42,18, für vierte auf 45,39, für fünfte auf 49,36, für sechste auf 51,99, für siebente auf 51,97, für achte auf 51,99. Da ist für die untersten Stufen das Bild schon sehr viel weniger günstig. Anerkannt muss werden, daß in den letzten beiden Halbjahren die Frequenzverminderung besonders diesen untersten Stufen zugute gekommen ist, während in den obersten Stufen die Frequenz, die ja dort durchschnittlich viel geringer als in den untersten ist, zu- genommen hat. Betrachtet man aber die einzelnen Klassen, so er» kennt man bald, daß da immer noch sehr viel zu tutt übrig ist. Die Schuldeputation hat in neuerer Zeit die Höchst- frcquenzcn so festgesetzt: für die ersten bis vierten Klassen auf 59, für die fünften auf 55, für die sechsten bis achten auf 69. Diese Maxima werden aber noch in sehr vielen Fällen überschritten, wie wenn die Schuldepuiation ihre eigenen Bestimmungen missachtete. Diesmal haben wir wieder annähernd 299 Klassen jjex» ausgezählt, deren Frequenz über ihr zulässiges Maximum hinausgeht.(Mitgezählt sind die Nebenklassen, die mit mehr als 29 Kindern besetzt waren; für Nebenklassen gilt jetzt, wenn wir nicht irren, 29 als zulässiges Maximum.) Die Schuldeputation meint,„geringe Ueberschreitungen" seien„nicht immer zu vermeiden". Ist es aber eine„geringe" Ueberschreitung, wenn z. B. in vierten Klassen bis 56 Kinder statt 59 sitzen, in fünften bis 69 statt 55, in sechsten und siebenten bis 64 statt 69, in achten bis 65 statt 69? Wie wenn nicht schon die„Maximal- frequenzen" 59, 55, 69 mehr als genug wären! Herabsetzung der Klassenfrequenzen ist die eine Forderung, die von der sozialdemokratischen Stadtverordneten-Fraktion immer wieder für die Gemeindeschulcn aufgestellt wird. Die andere ist: Vermehrung der Schulhäuser. Wie gross in den letzten Jahren der Mangel an Schulhäusern geworden ist, das lehrt aufs neue diese Vorlage. 4978 Klassenräume werden benutzt, davon be- finden sich nicht weniger als 657 in gemieteten Wohn- Häusern, rund 199 mehr als im vorigen Sommer. Auch die Zahl der„f l i e g e n d e n" K l a s s e n. die überhaupt kein eigenes Klassenzimmer haben, sondern Unterkunft suchen müssen, wo gerade ein Zimmer leer steht(z. B. wegen Turnunterricht usw.), ist wieder im Steigen. Sie stellt sich jetzt schon wieder auf 51. Richtig ist, daß eS ausserdem noch 195 Klassenzimmer gibt, die nicht benutzt werden. Aber die liegen eben in Schulen, wo man sie nicht braucht. Der Freisinn weist gern auf diese leeren Zimmer hin, ebenso auf die „vielen leeren Plätze" in den benutzten Zimmern. Mit solchen Mätzchen läßt sich die Bevölkerung Berlins nicht hinwegtäuschen über die traurige Tatsache, da der Stadtfreisinn gegenüber der Gemeindeschule für die Herabsetzung der Frequenz wie für die Beschaffung von Schulräumen noch immer nicht genug tut. Im Monat Oktober findet im Kinderhause Blumenstr. 78 wöchentlich einmal unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege für unbemittelte Frauen und Mädchen statt. Meldungen bis zum Mittwoch, den 2. Oktober, täglich von 2—4 Uhr im Bureau, Blumen- strasse 78, vorn links parterre. Eine defekte Brücke— eine gute Einnahme für die AmtSkasse der Kolonie Grunewald. Ein Grunewaldbesucher schreibt uns: „Wenn man vom Bahnhof„Grunewald" kommend, den Weg am Hundekchlensee über die Chaussee den Weg weiter nach dem Grüne- waldsee geht, dann stößt man direkt auf eine im See befindliche Militärbadeanstalt: links von derselben führt eine hölzerne Brücke über den dort befindlichen Sumpf nach der anderen Seite de? Sees. Diese Brücke ist für Zivilpersonen verboten. DaS Verbot ist durch Warnungstafeln bekannt gemacht. Diese Brücke wird nun trotzdem von Tausenden benutzt und Hunderte, die zufällig von einem Hüter des Gesetzes getroffen werden, werden festgestellt und in Ordnungsstrafen genommen. Auch dem Schreiber dieser Zeilen erging es neulich ebenso. Der mich feswehmende Wachttneister antwortete auf meine Frage, warum diese Brücke gesperrt sei:„Wir können die Verantwortung nicht übernehmen, da die Brücke für den öffentlichen Berkehr nicht vor- schriftsmäßig ist!" DaS stimmt. Die Brücke weist Löcher auf so groß, daß ein Kind mit dem Fuße durchtreten kann, und die übrigen Bretter ünd sehr schlecht. Will man nur das Militär passieren lassen, dann soll man dieselbe mit einer Tür abschließen und nicht Tausende der Gefahr aussetzen, auf der Brücke zu verunglücken oder ein Straf- mandat zu erhalten. Wie stark diese verbotene Brücke benutzt wird, sah ich am letzten Sonntag. In einer halben Stunde passierten diese Brücke 289 Zivilpersonen, DaS ist ein Beweis, daß hier eine dem öffentlichen Verkehr entsprechende Brücke eine Not- wendigkeit ist, ES ist ja zu allem Geld vorhanden, warum also nicht für eine derartige Brücke. Es scheint mir, als wollte man mit derarttgen Fallen den Arbeitern den Grunewald verekeln," Auch wir haben uns kürzlich von dem miserablen Zustande der Brücke überzeugt; er bedarf unbedingt der Abhülfe, Mit dein Verbot der Betretung und mit Verhängen von Strafmandaten ist da nicht geholfen. ES ist dringend notwendig, eine vollkommene Neuherstellung vorzunehmen. Die Besuchszeiten der Igt. Museen für daS kommende Winter- Halbjahr sind wie folgt festgesetzt: An den Sonnlagen und am zweiten Weihnachtsfeiertage iverden alle kgl. Museen(das Alte, Neue, Pergamon-, Kaiser Friedrich- und Kunstgewerbe-Musenm, die Nationalgalerie sowie das Mnseuin für Völkerkunde) von 12 Uhr ab im Oktober und März bis 5, im November und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3 Uhr offengehalten. An den Wochen- tagen— mit Ausnahme der Viontage— sind das Alte, Neue, Pergamon- und Kunstgewerbe-Museum, sowie das Museum für Völker- künde von 19 bis 3 Uhr offen. Das Kaiser Fricdrich-Mnseum und die Nationalgalerie werden wochentäglich ebenfalls um 19 Uhr Pe- öffnet(ausgenommen das Kaiser Friedrich-Museum Montags, die Nationalgalerie Donnerstags, wo die Oeffimng erst um 1 Uhr statt- findet); die Schließung erfolgt aber wie an den Sonmagen, also im Oktober und März um 5 Uhr, iin November und Februar um 4 Uhr, im Dezember und Januar um 3 Uhr. Am ersten Weihnachtsfeiertage und am Neujahrötage bleiben die Museen geschlossen. Der Besuch der Königlichen Museen ist im allgemeinen unentgeltlich, nur im Kaiser Friedrich-Museum wird Montags 1 M., Dienstags und Mittwochs 59 Pf., in der Nattonalgalerie Donnerstags 1 M,, Freitags und Sonnabends 59 Pf. Eintrittsgeld erhoben. Aus einem Fahrstuhl im zweiten Stock auf den gepflasterten Hof gestürzt ist am Dienstag der Arbeiter Higen, der im Hause Köpc- nickerstraße 49/41 tätig war. Mit einem Tender der Fcncrwchr wurde der Verletzte nach dem Krankenhause Bethanien geschafft, wo schwere Verletzungen festgestellt wurden. Eine Verminderung der Almosenempfänger in Berlin, das ist das Ergebnis der Bemühungen, denen die Armenkommissionen sich unterzogen haben, um ein weiteres Anschwellen des Armenetats möglich st zu verhüten. Im Juni dieses Jahres wurden in der Armenpflege der Stadt nur noch 33 982 Per- sonen laufend, unterstützt, während im Juni vorigen Jahres die Zahl dieser Personen sich noch auf 33 679 gestellt hatte. Die„Besserung" ist noch nicht bedeutend, aber eS ist immerhin gelungen, die Zahl der ständigen Almosenempfänger innerhalb eines Jahres wenigstens um rund 699 herunterzudrücken. Und wenn die Armenkommissioncn, die das geschafft haben, in der immer„strengeren" Prüfung der Verhältnisse der Hülfesuchenden fortfahren, dann werden sie»»cher. lich sehr bald noch viel„schönere" Erfolge zu sehen kriegen. Sie müssen nur immer den Bittenden recht nachdrücklich zu Gemüte führen, dass eS ihnen— den Bittenden— noch lange nicht schlecht genug geht, um schon einer Armenhülfe zu bedürfen. DaS wirkt abschreckend und nimmt den Bedürftigen den Mut, sich dem ge» strengen Herrn Armenvorsteher mit Bitten um Unterstützung zu nahen. Uebrigens hat auch die Zahl der Pflegekinder, für die an die verwitweten Mütter eine laufende Unterstützung gezahlt wird, sich in der letzten Zeit vermindert. Im Juni vorigen JahreS waren es noch 11 547 gewesen, im Juni dieses Jahres waren eS nur noch 11262. Wahrscheinlich ist auch dieses Ergebnis nicht auf natürliche Weise zustande gekommen, sondern muss gleichfalls angesehen werden als eine Folge der Bemühungen, die Unter» stützungsauSgaben nicht„ins Ungemessene"(wie der Stadtfreisinn in sagen pflegt) wüchsen zu lassen.. Bereits im Etatsjahr 1S06 hat die Armenberwaltung um ölZ/, Kiste 2,00—2,60. Sardelle». 1902« per Anker 98. 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollbertnge 1905 0,00, large 40— 44, lull. 33— 40, med. 38— 42, deutsche 37— 44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1.70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, do. Niesen- 14. Krebse per Schock 13, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 3,10—3,20, do. unsortiert 4—4,50, Gallzier, groß 0,00, do. unsort. 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,40. Butter per 100 Psd. la 122—124, IIa 112-118, lila 100—108, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Pseffergurken 4,00. Kartoffeln per 100 Psd. Dabersche 2,75—3,00, weiße runde 2,25—3,00, blaue 0,00, Zioscn- 2,25— 2,50, Nieren- 0,00, Porree, Schock 0,60— 1,00. Meerrettich. Schock 5-12. Spinat per 100 Psund 15-18. Sellerie, per Schock 2,00-8,00. Zwiebeln per 100 Psd, 2,50-3.50. do. Perl- 40.00-60,00. Chaiotten 40.00—50.00. Peterfllie. grün. Schockbund 1,00-1,25. Koblrabi Schock 0,80-1,00. Rellich, bahr., neuer Stück 0.07—0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50, Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bis 3,00, Karotten, hiesige, Schockbund 2,00-3,00. Wirsingkohl per Schock 4.00 bis 10,00. Rotkohl, Schock 6—10. Weißkohl 2—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stuck 10-13. Rosenkohl, per 100 Psd. 25—30. Grünkohl 4-6. Kohlrüben, schock 3 00-6,00. Pelersilienwurzeln, Schockbund 3,00—4,00. Schoten per 100 Psd. 20-35. Schnittlauch 1,00-1,25. Psefferlinge per 100 Pfb. 8— 12. Steinpilze per 100 Psund 15—28. Radieschen per Schockbund 0,75— l,2i>. Salat per Schock 1,50—2,50. Gurken, Einmache-, Schock 10—25, do, böhm. Schock 0,00, do.Liegnitzer Schock 2,75—5,00, do. Rothenburger 2— 2.50. Bohnen, grüne 100 Pfund 12—30. Wachsbohnen, per 100 Psund 18—35. Tomaten per 100 Psund 8—12. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per tOO Psd. 10-12. Kürbis 3-5. Prcißelbeere» per 100 Pfb. 18-24, schwedische 27—28. Birnen. 100 Psd., Italiener 8—17, Tiroler 10—25, hiesige 0,00, Salander 0,00. Kochbirnen 4—8, Taselbirnen la 10-25, do. IIa 4-8. Pfirsiche, hics. per 100 Psd. 8—20, ital, tn Kistchen zu 12 Stück l, 50— 1,75, do. i» Körbe» la per lOOJlflfb. 18—26. do. IIa in Körben per tOO Psund 10—15. Aepsel, italienische, per 100 Pfund 7—10, hiesige 0,00, Gravenstcincr la 0.00. do. Ha 0,00. Tiroler la 20—45, Ha 16—30. Most-, hiesige, 3—4, Koch- 4—8, Tasel- la 15—23, do. IIa 7—12. Wallnüffe per Schock 1,50-2,50. Psiaumcn. pr. 100 Psd. hiesige 6-10, ungarische 0,00, Baden«, Früh-, 0,00, serbische 0,00. Weintrauben, ital., per 100 Psd. 13—20, sranzösische 17-20. türkische 18-18. Ananas I, per Psd 0,85, do. U 0,40. Zitronen, Mcsstna, 300 Stück 12,00—20,00, do. 360 Stück 12,00—16,00, do. 200 Stück, 12,00—16.00, do. 150 Stück 7,50 bis 9,00. Bananen, gelb, per 100 Pfd. 13.00—20.00, grün 0.00, Melonen. per 100 Psd. hiesige 2S-30, ital. 10-15, Holl. 0,00, Ipanische 5-8, ungarische 10—12._ WitterungSiiberstcht vom SS. Icptember 1907. StaNonen 0 S c 5 »-= Ii 8« Swtnemde Hamburg Berlin Frankl.aM. München Wien Wetter l 763 J 763 D 763 SO 762 SO 765 SSO 767 Still EtakXvt» L 8 1! Haparanda! 757 Still Petersburg 762 S Sctllb Aberdeen Part, 753 SSO 757 SSW 760 S «um — wölken! 1 bedeckt 4 bedeckt 1 wölke«! Iwolkenl »-! B& Ulli -0 8 15 9 1? Prognose für Donnerstag, de« 30. September 1907.. st meist heiler und trocken, am Tage warm bei mäßigen sü» lichen Winden, später zunehmende Bewölkimg. Berliner Wetterdurea«. Für de» Juvatl der Juierat« iitieniiiiimt die Redaktio» dem Publikum gegenüber teinerlei Berantwortuiig. Cbcatcr. Donnerstag, LS. September, Ansang 7'/, Uhr. Riiitigl. Opernhaus. Tonnhäuser. König!. Schauspielhaus. Die Rab enstein crtn. Deutsches. Prinz Friedrich von Homburg. Kamm erspiele. Liebelet,(iln. fang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. NeueS Schauspielhaus. DaS GIaS Wasser. Sdiilter 4». tWallll«. Theater.) Die Schmuggler. Schiller Ehariotteuburg. Das vierte Gebot. Friedrich> Withelmstädt. Schau- sptelhaus. Der blinde Passagier. Oerliner. Die tanzenden Mäimchcu. Lessiug. Der Bund der Jugend. Neues. Der Dieb. Kleines. Vater und Sohn. Zentral. Unsere blauen JungenS. Komische Oper. Werth«. Weste». Die lustige Witwe. L» ic ip telh»»S. Hularenfieber. Nefidenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Triano». Fräulein Joselte— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Luisen. Carmen. Bernhard Rose. Der Held deS Tage». Theater an der Spree. Der Altienbudiker. Meiropol. Das muß man seh'n. iitpotto. Sylvester Schäffer. Spe- zialitäte», Walhalla. Spezialitäten. Folieö Gaprice. Geteilte Liebe. Antiducllantcn. Bunter Teil. Easiuo. Die wilde Jagd. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig- Wag. Es lebe das Nachtleben. Pasiage. Lona Nansen. Spezialiläten. Wintergarten. Anne Dancrey. Anme DirkenS. Spezialitäten. MetchSballen. Stctiiner Sänger. Prater. Bühne und Welt, Itmiua. lk»»de»ile»hr tH/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternmarte. Jiivaltdenstr. 57/62. t'ei-»!!!!«»!)«! Konns Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Freitag: Die Jungfrau von Orleans. Somiab.: Die tanzende» Männchen. Heues Thealer. Ansang 8 Uhr. Der Dieb. Freitag: Jhavalrathe. Liebe. Sonnabend, Sonntag: Der Dieb. Gastspiel von Johanna Dhbwad au« Christiauia: Montag, llO./O.: Baumeister Solneß, Dienstag, 1,/lO,: Rosmersholm. Mittwoch, 2./10.: Nora. Donnerstag. 3./10.; Gespenster. rlKea1eimSaSika Köpcniiterstraste 68. Täglich 8 Uhr- Der Aktienbndiker. illt- Berliner Gesangsposse v. D.Kalilch. In Originaltoftümen nnd Deko- ratiouen der fünfjtger Jahre. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Oie Gletscher derllsc&sebirge imii die Eiszeit unserer Heimat. Invalidenstr. 67—62: Stornwarte. Tägl. geöffnet von 7'i,— 11 U. abds. ZOOlßCISCHER GARTEN § Täglich ab nachm. 4 Uhr: S Grolle«® ® Militär=> Konzert. • Eintritt 1 Mk., von abends # 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter| S 10 Jahren die Hälfte. Kleines Thealer. AbcndS 8 Uhr zum 65. Male: Vater und Lohn. Freitag: Ein idealer Gatte. Sonnabend: Vater und Sohn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Vater und söhn. Ikester lies Veslens. 8 Uhr:»io limtlge Witwe. Sonntag nachm. 3'/- Uhr halbe Preise: _ FrUhllnswtnft._ Friedrich- Wilhelmst. Ansang 8 Uhr. Der blinde Daflagirr. Freitag: Der blinde Passagier. Sonnabend: Die Nibelungen. Sonntag 3 Uhr: Jugend. 8 Uhr: Der blinde Passagier. Montag: Der blinde Passagi«. 8 Uhr ter.— Direktion: Richard Alexander. Haben Sie nichts zu verzollen? Schwank in 3 Akle» von Maurice yemiequin und Pierre Beb«. Robert de Trivclin: Rich, Alexander. Sonntag, den 29. September, nachmittags 3 Uhr: Der Schlafwagcnkoiitrollcur. Zentral-Tbealer. Abend» 8 Uhr: ünncrc blauen.fungens. Vaudcville in 3 Akten. Schiller Schiller-Theater 0. lWallncr-Theat«). Donnerstag, abendSSUHr: I>Ie SchmngBler. Komödie in 4 Akten v, Artur Dinier, Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Make: Hosinersholiu, Sonnabend, abends 8Uhr: Ilonna Vanna. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abendS8Uhr Das vierte Gebot. Lolksstück in vier Akten von Ludwig Anzengruber. Freitag, abends 8 Uhr: Heimat. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Herr Senator. Gesang-Verein Jorddealsche Schleife" (M. d. A.-S.-B.), Sonntag, SO. September 1007, in I-onls Keller« Fest- «Kien(Inhaber: Freyer), Koppenstr. 29: Gr. Vokal- n. Instrumental-Konzert unter Leitung des Ohormeisters Herrn H. Bosch, unter Mitwirkung des„Berliner Sinfonie-Orchesters" unter Leitung - des Kapellmeisters Herrn Maximilian Fischer.- Programm. Erster Teil. 1. Einzug der Gäste auf derWart- burg aus der Oper „Tannhäuser".... Wagner 2. Ouvertüre zur Oper „Martha"'.....». Flofew 3. Zag der Frauen aus „Lohengrin"..... Wagner *4. Gesang: a) Alpenrose..... Or. Leitner ) �"*" b) Spielmarmsfabrt J. Schwartz Zweiter Teil. 5. Ouvertüre„Wilhelm Teil".......... Rossini 6. a) Traumverloren.. v. Blon b) Loin du Bai... Gillet für Streichinstrumente *7. Gesang: Totonvolk Hegar 8. Große Fantasie aus „Traviata"...... Verdi Dritter Teil. 9. Ouvertüre„Die schöne Galathd....... v. SuppS 10. Oavatine für Oello Raff (Herr Fritz Große) *11. Gesang; Tantalus Zöllner 12. Ozardos„Der Geist des Wojewoden", GroBmann Vierter Teil. 13. Potpourri aus der Operette„Die Fledermaus"...... *14. Gesang: a) Abschied.... b) Nachtzauber.. 15, Im Uhrenladen, Humoreske..... 16. Abschied der Gladiatoren, Marsch. StranB Neumann Storch Orth Blankenburg Die mit einem ♦ bezeichneten Pieoen werden vom Veroin gesungen. - Während des Konzerts Rauchen verboten.- Von 6 Uhr ab im Neben-Saal, nach dem Konzert im gr. Saal; Eröffnung 5 Uhr. Entree 50 Pf. TüMV Herren, die daran toil- JmsIm nehmen, zahlen 50 Pf. nach. [2056] Anfang 6 Uhr. Programm an der Kasse gratis. Luisen-Tiieater Ansang 8 Uhr. Carmen. Freitag zum 1, Male: Mutlersegen. '-cnnabciid 4 Uhr: Kindervorstellung: Prinzessin von Marzipan. Abends: Die beiden Reichcnmüller. Sonntag nachm.: Carmen. Abends: Mutterscgen. Montag: Amerikaseppfl. Variete-Theater Weiubergoweg 19,20. Roicnly.Tor. - Anfang 8 Uhr.- Da» originelle Sept.>Proaramm. Auto Atlas, der Athlet bebt ein Automobil mit den Zähnen. Tunnel: Konzert f. Theaterbef. frei. Zirkus Scliiimann Heute Donnerstag, 28. September, abends präzise TU Uhr: Elite-Abend, Qalaprogramm. U. a.: Vierfache hohe Schule, geritten von den Damen Mlile lfeiiz, Dora Schümann und den Herren Lrnsf Renz, ß. Hess. Herr Ernnt Kchumann aus dem Vollblüter„Abtca*. Kmiftrrils-Oiilldliiit von IG Pferden, dressiert und vorgeführt von Dir. Albert 8c!>umenn. OCT" Tbc nonbur«,"VQ Sie piiäuomeiiaies üHltpure Tie weltberühmte George Bonliair-Truppe Jkariich- akrobatische Vorführungen. Außerdem die großartigen neuen Spezialitäten. —— XIII. Saison—— Zirkus Busch Heute abend präzise 7'/, Uhr: Gi». Gnln-Voetttellnngk. Möns. Cnroli, Fakirlünste. Herr» Willy Hanns Wuilderrlrfaiiten. Ferner: Herr E. Schumann mit de» neuesten Dressuren. Mlle. Ieodora, Schulreiterin. Le« Baatien, Akrobaten zu Pferde. Sonntag, den 29. September: 3 gr. Galn Vorstellunge». Nachm. 4 Uhr u. abends 7'/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr zahlen Kinder unter 10 Jahren aui allen Sitz- Plätzen halbe Preise. Luslispislliausu Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. Prater»Theater Kastanien-Allee 7—9. Bühne nnd Welt. Schauspiel in 4 Akten von P. Hankel. Ansang 3 Uhr. Freitag zum ersten Male: Die Logenbrüder. Theater des Zentrum. Sophien- Säle, Sophienstraße 17/13. Kis stiih um Milse V.Kren u. Lippschütz, Musik v. P.LIncke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. Khidelsel Theater Bürgersäle, Bergstraße Nr. 117. Direktion: I u l t u S T ü r k. Sonntag, den 29. September 1907, abends 7'/, Uhr: Lumpacivagabundos oder: DaS liederliche Kleeblatt. 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Um rege Beteiligung ersucht 199/8 Oer Vorstand. Allen Freunden und Bekannten l die traurige Nachricht, daß meine | liebe Frau Mathilde Schrot geb. peitsch am 23. d. M. nach langem schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Freitag. nachmittag 4>/z Uhr von derLeichcn« halle des Heiiand-Friedhoics aus statt. 20Sb Franz Schrot, Töpfer. Danksagung. Für die zahlreichen Kranzspenden und Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Klempner- Panl Schölt., sage ich allen Verwandte», Freunden sowie dem Deutschen Metallarbeiterverband und den Mitarbeitern der Firma Heinrich, Lützowstr. 6, meinen innigsten Dank. 200b Wwe. Kamllla Scholtz nebst Kindern, Falckensteinstr. 33. Danksagirne. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Stanz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verwandten und Genosten, insbesondere dem Ver- bände der Wäsche- und Krawatten- Arbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands sowie dem Gesangverew meinen besten Dank. 210b Max Schnl.e. Danksa gung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und die überaus reichen Blumenspenden bei der Beerdigung meiner inniggclicblen Tochter Alma sage ich allen Verwandten und Be- kannten, insbesondere den HüisS- arbeitern imd Hülssarbciiermncn der inna Sittenscid meinen innigsten >ank. 2t1b Frau Malsehos nebst Kindern. Weiter Liläungssedule Berlin Sonntag, den 29. September 1907, im großen Saale des Gewerkscbaftsbanses. Engel-Ufer 15: forlrag Herrn Dr. F. S. Ärehenholil: „Büdungsanstalten und Sternwarten in Amerika1' (mit zahlreichen Lichtbildern). EröSnung 7 Uhr. Beginn spätestens 8 Uhr. Eintritt 40 Pf. Garderobe frei gegen Vorzeigung des Billetts. Nach dem Vortrag: CiemütllclieM Beisammensein und Tanz.— Billetts sind bei Harsch, Engel-Ufer 15 und Gottfried Schulz. Kottbuser Tor, sowie am Eingange des Saales zu haben. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. 94/20 Donnerstag, den 26. September, bei Banschhe, Blumenstr. 38: V ersammlung aller in der Näh- u. Damenschreibtisch- brauche beschäftigten Kollegen. Tages. Ordnung: t. DervandZangelegenhelten. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. vle Kommission. tesiiH Freier Biet Freier Gast- u. Schankwirte Berlins u. Umg. Eingetragene Genossenschaft mit beschrinkter Haftpflicht. Donnerstag, den 3. Oktober 1907, nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Litfin, Berlin. Memelerstr. 67: =�= Außerordentliche== General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Verlesung deS Protokolls der letzten Generalversammlung. 2. Be. richt deS Vorstandes und AussichtsrateZ. 3. Verschiedenes. 145/14 Auch findet dort Ausnahme von Genossenschastern statt.»—» Der Vorstand. Hatthes. Kerfin. Steinarbeitei*! Berlin I Am Donnerstag, den 26. b. MtS., abendS 8 Uhr. findet im »Englischen Garten«, Alexanderftr. 27c. eine JWtglkder»Versammlung statt. TageS-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen.Johann Uafi über das Thema: »Wissen ist Macht«. 2. Gewerkschaftliches. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortaverwaltnng. Besonders dringend find die Kollegen der Firmen Scbllltn Zelt und Zeldler eingeladen. 181, st- Adituni! Steinarbeiter! Berlin II. Von Montag, den 36. September, ab befindet sich unser Strelkbarean Krausenstraße 18 und sind alle Zuschrifien usw. nach dorthin zu senden.(Tel. Amt I 3341.) 181/9 Die Streikleitung. I. A.: W. D o m a n n. Möbel Komplette Wohnnngs-Finrichtnngen in allen Stil- und Holzarten. Einzelne Möbel ais ErgänzungsstQeke. 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Dentseber Holzarbeiter-Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Klavierarbeiter Heinrich Oechler am 24. September verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. September, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle deS EmmauskirchhoseS mRix. dors, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 95/1 Die Ortsverwaltung. BciisidemcIssslizcherVsIdrtt des Nachruf. Am 18. d. M. verstarben unsere Mitglieder, der Schmied �nton Gepp Swinemünderstraße 121 und der Putzer Paul Kostmann Utrechterstraße 13. Ehre ihrem Andenken t 266/12 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaituugSsteUe Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger doset Usse am 24. September an Lungen- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. September, '* Uhr, den nachmittags 4 von der I Leichenballe des neuen MchaeiiS- KirchhoseS m Martendorf, aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß I unser Mitglied, der Klempner Itfcdard Röseler am 23. September an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Di, Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des ZionS-Zktrchhofes in Nieder-Schönhausen, ou�Attt. Rege Beteiligung erwartet 153/7 01« Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Be- kannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, nach überstandener Operation am 23. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung am 26. September, 1lß Uhr, vom Nazc in Reinilkendorj aus statt. i02L Die trauernden Hinterbliebenen Reiutiotd Busch und Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie Kranzspenden bei dem Begräbnis meines lieben Mannes Wilhelm Kasalko sage ich im Namen aller Angehörigen den Kollegen, Freunden und Be- kannten, sowie den Mitgliedern deS Wahlvcreins, insbesondere dem 25. und 26. Bezirk, speziell auch Herrn Paul Will, welcher sich meiner so herzlich angenommen, meinen herz. iichsten Dank. 1012 Witwe Harle Kasnlbe. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u> Verlagsanftolt Paul Singer& Co» Berlin SW. 1, 225. 24. wr«. Z. Dtilllgt dtS Lllmslüs" Ktllliltt Nülkslllllt!. Eue Induftne und f)andel Internationale Bohrgcscllschaft 500 Prozent Dividende. Pfleget die stolzesten Hoffnungen I könnten diejenigen sich sagen, die eintreten dursten in den Kreis der Aktionäre der Internationalen Bohrgesellschaft. Diese Gesellschaft ist ein typisches Beispiel dafür, wie man reich werden kann durch Arbeit— anderer. Im Jahre 1895 wurde die Internationale Bohrgesellschaft mit einem Kapital von 400 000 Mark gegründet. Sie bezweckt nach dem Gründungs- statut: Ausbeutung, Verwertung und Verkauf des Bohrverfahrens System Rakh und Erwerb und Ausnutzung anderer Bohrsysteme, Betrieb von eigenen oder erpachteten Gruben, Vornahme von Tief- bohrungen und von Geschäften aller Art, die mit diesen Gegenständen in Verbindung stehen. In der Hauptfache bestanden die lukrativen Geschäfte der Ge- sellschast im Berkauf der von ihr gemuteten Kohlenfelder. Sie ließ sich beim Verkauf des Volkseigentums gleich einen ordentlichen Vorschuß auf die späteren Gewinne der Kohlenverkäufer zahlen. Die sogenannte Bergbaufteiheit hat einzelnen Leuten Millionengewinne in den Schoß geworfen. Im Jahre 1905 verkaufte die Gesellschaft aus ihrem Besitzstände an Kohlenfeldern 647 249 760 Quadratmeter an eine zu diesem Zwecke von einigen Kohlenkönigen gegründete Gesellschaft— Rheinisch-westfälische Berg- wcrkS-Gesellschaft, Mülheim a. d. Ruhr.— Der Kaufpreis betrug 35 Millionen Mark. Selbst dann, wenn die Gesellschaft bisher noch keinen Pfennig Dividende verteilt haben würde, wären die Aktionäre mit diesem einen Geschäft reichlich entschädigt worden, denn der Verkaufspreis stellt den fünfunddreißigfachen Betrag des eingezahlten Kapitals dar. Das Aktienkapital wurde im Dezember 1896 auf eine halbe Million Mark erhöht. Durch Beschluß der Generalversammwng vom 24. No- vember 1900 ist eine weitere Erhöhung auf 1 Million Mark vor- genommen worden. Die neuen Aktien haben die alten Aktionäre zum Parikurse übernommen. Und diese alten Aktionäre sind der Schaaffhausensche Bankverein, der 800 Aktien a 1000 M. sein eigen nennt, und Herr Ingenieur Rakh, dem 200 Aktien eignen. Von einer unheilvollen Zersplitterung des Besitzes kann man da nicht reden. Und sicher nicht von kümmerlichem Gewinn und mangel- haftcr Entschädigung für das Unternehmerrisiko bei Ausnutzung de? VollSeigentumS. Die Gewinnverteilung erfolgt in folgender Weise: 6 Proz. an den Reservefonds, dann eventuell Dotation an die Spezialreserve, dann bis zu 6 Proz. an eine erste Dividende, vom Rest bis zu 40 Proz. erhält zunächst der Vorstand seine Tantieme, ferner 10 Proz. der AuffichiSrat nach Abzug von 6 Proz. Dividende, aber ohne Abzug der Vorstands- tantieme; der verbleibende Rest wird zu Gratifikationen und Super« dividcnde bezw. nach den Beschlüssen der Generalversammlung ver- wandt. Die Herren Regisseure lasten sich selbst auch was zukoinmen. Der Vorstand besteht aus 8 Personen: Ingenieur Raky, Direktor Kocpe, Buchhalter Vrumder, Betriebsleiter Schierhorn mid Wcickert, Geschäftsführer Levy. Markscheider Wachholder und Chemiker Dr. Fricke. Die Mühen als AufsichtSrat haben übernommen Bank- direktor Dr. W. Langen, OberregierungSrat a. D. H. Schröder, Geh. Bergrat E. Krabler, Fabrikbesitzer H. Röchling und Rechts« onwalt S. Mayer. Was die Aktionäre erhielten, zeigt die folgende Tabelle: Jahr 1896/96 1896/97 1897/98 1899/1900 1900/01. Dividende in Prozent . 0 . 6 . 20 . 25 . 30 . 30 Jahr 1901/02 1902/03 1903/04 1904/05 1905/06 1906/07 Dividende in Prozent .. 30 .. 75 .. 45 . 100 . 500 . 500 In den letzten drei Jahren find auf die eine Million Mark Kapital sechs Millionen Mark Dividenden— verdient worden. Mit diesen märchenhaften Dividenden hat die Gesellschaft sich aber nicht etwa erschöpft. Bei nur einer Million Aktienkapital hatte sie nach dem Geschäftsabschluß 1905/06 einen Wertbesitz an Geräten, Maschinen usw., Bohraulagen, Effekten von 21 340 000 M. Auf dem Passivkonto figurieren: Aktienkapital eine Million Mark, Ort». Reserve 100 000 M., Vorsichtsreserve 800 000 M., Dividenden- reserve 100 000, ErneuerungSkonto 250 000 M., Akzeptenkonto 8000 M., Gläubiger 4 510 616 M., Avalgläubiger 68 141 M., Gewinn- und Verlustkonto 21 340 020 M. Tatsächlich ist der Ver- kaufSwcrt der Anlagen bedeutend größer als der Buchwert. Es stehen z. B. zu Buche die Bohrkräne und Motore mit nur 10 M., Vohrrohre und Gestänge ebenfalls mit nur 10 M., Modelle mit nur 5 M., Bureauinventar mit nur 10 M. usw. Die Abschreibungen für das genannte Geschäftsjahr beliefen sich auf 3 834 851 M.<380 Proz. des Aktien- kapitalS) und auf neue Rechnung konnten noch 6 056 794 M. vor- getragen werden. Nach Gerüchten an der Börse soll der letztjährige Ueberschuß 13'/, Millionen Mark betragen. Außer den 5 Millionen Mark, die im Vorjahre an Dividenden verteilt wurden, gelangten zur Ausschüttung: an den AufsichtSrat 120 000 M. und an den Vor- stand 1 176 469 M. oder im Durchschnitt pro Kopf 147 000 M. Selbstverständlich bekommen die Hauptinatadore auch anständige Gehälter, so daß sie sich als Direktoren. Vorstandsmitglieder, Auf- sichtsräte und Aktionäre die Hände in Gold waschen. Die Glücklichen haben alle Veranlastung, diese Ordnung als die beste, erhaltungs- werte, gottgewollte zu verteidigen. Kohlenpreise. Am stärksten find die Kohlenpreise für rheinisch-westfälische Steinkohlen und zwar nach den Notierungen am Düsseldorfer Markte gestiegen. Im Juli der beiden Vergleichsjahre stellten sich die Preise für eine Tonne Steinkohlen an den wichtigste» Marktplätzen auf Mark: Breslau, Breslau. Dortmund, Düsteldorf, Esten. Kohle niederfchlesische Gas- oberschlesische. Puddel«..... Flamm», Fö Vr-., sfett.„., magere„., Gas-„., Flamm«„., GaS-„.. Fett-„., usw. 1900 17,60 11,20 9,00 10,88 10,25 9,75 12,75 10,00 12,75 11,50 1907 17,00 12,44 11,00 12,25 12,25 11,00 13,00 11,25 13,75 12,30 Saarbrücken, Sehr viel weniger ansteigend als die Preise deutscher Kohlen war die Tendenz für englische Kohlen am deutsche» Markte: die Preise für britische Kohlen stehen noch durchweg ganz beträchtlich unter denen des Jahres 1900; der Preisunterschied zwischen damals und jetzt beläuft sich hier sogar noch zumeist auf 12 M pro Tonne.! ES gibt trotzdem immer noch Leute, die die Preistreiberei des! Koblensyndilats als— mäßig bezeichnen. Der Stahlverdand pfeift. Der Vorsitzende der Rheinisch- Westfälischen Trägerhändler« Vereinigung hat nach der„K. VolkSztg." neuerdings wieder ein Schreiben an die Mitglieder der Vereinigung gerichtet, in dem gesagt wird, daß vier Firmen bisher unterlassen' hätten, die geforderten Mitteilungen an den Stahlwerksverband über Name, Menge und Verkaufspreise sämtlicher gelättgter Abschlüsse zu machen. Der Stahl- Werksverband habe insolgedessen an den Vorsitzenden der Rheinisch« Westfälischen Trägerhändler-Vereinigung geschrieben, diese solle, wenn die geforderten Aufstellungen von jenen vier Mitgliedern nicht bis zum 8. Oktober eingereicht würden, als aufgelöst zu be« trachten sein. Der Stahlverband hat der Regierung die Auskunft über eine Reihe Fragen verweigert. Was der Verband als Geschäftsgeheimnis betrachtet wisien will, darf nicht bekannt werden, aber er selbst respektiert Geschäftsgeheimnisse anderer nicht. Wer nicht den An- ordnungen des Verbandes sich fügen will, fliegt, wird boykottiert, ruiniert. Nach der Gewerbeordnung gibt es bei uns Gewerbe- freiheit, die Verbände und Syndikate haben diese Freiheit längst stranguliert._ Ein Alarmschuß. Die Einstellung der Betriebe planen nach der„Kölnischen Volks« zeitung" die Rheinisch-Westfälifchen Grob- und Feinblechwerke für eine näher zu vereinbarende Zeit. Dieserhalb findet am 30. d. M. eine Versammlung statt. Alle beteiligten Werke scheinen diesem Vor- gehen geneigt zu sein, weil die Preise im Jnlande bereits einen Verlust von 5 bis 10 M. die Tonne, im Auslände einen solchen von 17 bis 20 M. ergeben, während die Halbzeugpreise fest bleiben. Borläufig wird eS sich ja wohl nur um einen Alarmschuß handeln, aber früher oder später kommt das Ende der meisten reinen Werke doch. Wahrscheinlich geht für diejenigen, die jetzt schon den Anschluß suchen und finden, die Operation am wenigsten schmerzhast vorüber._ Zur Lage der Kohlen- und Eisenindustrie. In der AufsichtSratS- sitzung der Gclsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft stellte Herr Gcheimrat Kirdorf dem Eisen- und Kohlenmarkt ein günstiges Prognostikon. Nicht nur die Kohlenindustrie, sondem auch die Eisen« indujtrie erfreue sich hochbefriedigender Aussichten. Das wird die reinen Werke, die bereits ihren Bankerott ansagen, jedenfalls trösten._ Sozialem Eine Baugenossenschaft gegen die Wohnungsnot. Seit mehr als einem Jahre herrscht in Nürnberg eine sich ständig verschärfende Wohnungsnot, die zuletzt zu ganz unwürdigen Zuständen geführt hat. Die freisinnige Stadtverwaltung verschloß demgegenüber solange konsequent die Augen, bis sie durch die all- gemeine Empörung gezwungen wurde, zu der Frage endlich Stellung zu nehmen. In ihrem Bestreben, die Jntereffen der Hausagrarier nicht zu verletzen, glaubte sie ihre Schuldigkeit ge- tan zu haben, indem sie— die Armenwohnungen vermehrte, die Bauvorschriften zugunsten der Hausbesitzer verschlechterte und Nachlässe der Straßenherstellungskosten usw. für den Bau von Kleinwohnungen geivährte, die auf ein Haus einige huirdert Mark betragen und selbstverständlich weder zum Bau von kleinen Wohnungen anregen, noch geeignet sind, auf die Mietspreise ein- zuwirken. Da die Stadt nicht gewillt ist, eine wirksame Wohnungs- Politik in die Wege zu leiten, hat sich die Arbeiterschaft zur Selbst- hülfe entschlossen und in einer großen Volksversammlung den Be- schlutz gefaßt, eine Baugenossenschaft zu errichten, die an den Konsumverein angeschlossen werden soll. Als Muster für das zur Annahme gelangte Statut diente das Statut der Ham- burger Baugenossenschaft. Kasino-Theater. Lolhringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr: Pik roiliic Zlizd. �«ttcn v" Ludwig Fulda. Vorher d. glänz. Erössnungs- Progr. Sonnlag 4 Uhr: Nick Carter. ReiclisliaiieD- Theater. Täglich: Britton als Aute im Familienbad Wannsee. Ans. Wochent. 8, Sonntags 7 Uhr. Ssnssouoi, ÄT Direktion: Wllhslm klslmse. Heute sowie jeden Sonntag und Montag: ». Tnn�.IrrÄmekei- Unsere Einzige, Lustspiel. Sonnt. Beg.5. wochent. 8 U. Morgen Freitag S'l, Uhr: BclowS Opern-Gastspiel: _ Der Troubadour. Sonnabend: Benesiz siir Herrn A d o l s i: Große Extra-Zoirce, Tanz. «ggenlisgsn. Mtiplate. Ivtt. Albert Köllme. 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