Ztr. 230. Bb«nnem«nt$'BedIngungen: «konnemmtZ. PreiZ pränumerando; Vierteljährl. ZL0 SKf., monaü. 1,10 Tit., wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauZ. Einzelne Nummer K Pfg. EonntagS- nummer mit illustrierter SonntagZ. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn S Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. PostabonnemewS nehmen an: Belgien. Dänemark, zlland, Italien, Luxemburg, Portugal, Snien. Schweden und die Schweiz. 24. Iahrg« Mdidat lZg»» aaStr Biontaw. Vevlinev Volksblnlt. Die InlerflonS'Gebaisr beträgt für die fechSgefpallene Kolonel- zcile oder deren Raum 80 Pfg. für politische und gewerkschaftliche Bereins- und Bersammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „AUW« Hni«(g«n", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über IS. Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags w der Expedition abgegeben werten. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm- Adresse: „SMialdcmoKrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokrattrchen parte! Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 2. Oktober 1007. Expedition: SM. 68» Lindenstraeee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Cin Jubiläum. Der internationale wissenschaftliche Sozialismus, soweit et auf der Marxschen Lehre beruht, feiert heute ein wichtiges Pressejubiläum: die wissenschaftliche Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie, d i e„Neue Zeit", vollendet das fünfundzwanzig st e Jahr ihres Wirkens im Dien st e des sozialistischen Proletariats— unter derselben redaktionellen Leitung, unter der sie Anfang Oktober 1882 als Monatsschrift ins Leben trat. Kaum hatte nach den ersten verwirrenden Schlägen des Sozialistengesetzes die Periode der Sammlung und des neuen Aufmarsches begonnen, als sich auch in der deutschen Sozial- demokratie erneut das Bedürfnis nach einer theoretischen, die politischen Anschauungen klärenden und vertiefenden Zeit- schrift einstellte. In dem Züricher„Sozialdemokrat" hatte sich die Partei, nachdem ihre Zeitungspresse bis auf einige färb- lose Blättchen dem Ausnahmegesetz zum Opfer gefallen war, ein neues Organ für den Kampf gegen die über Deutschland hereingebrochene Reaktion geschaffen, das bereits bei der Reichstagswahl im Herbst 1881 wertvolle Dienste geleistet hatte; aber für die so nötige Entwirrung der sich allerorts ungestüm aufdrängenden sozialtheoretischen Fragen konnte der „Sozialdemokrat" umso weniger leisten, je mehr ihn die Ent- Wickelung der polittschen Verhältnisse in Deutschland zwang, den dortigen Polizeipraktiken und der mit dieser Hand in Hand gehenden offiziellen Sozialdemagogie entgegenzutreten. Ohne- hin war das Wachstum der sozialdemokratischen Bewegung und damit auch ihre politische Bedeutung und ihre Praxis der Theorie allzuweit vorausgeeilt. Nach der Beendigung des deutsch- französischen Krieges war die deutsche Sozialdemokratie mit Riesenschritten vorwärts gestürmt. Bei der Reichstagswahl im Jahre 1874 hatten die Lassalleaner 180 319, die Eisenacher 171 331 Stimmen erhalten, im Jahre 1877, nach der Einigung beider Parteien auf dem Gothaer Kongreß, stieg die Gesamt zahl auf 493 447 Stimmen, fast den zehnten Teil aller im neuen Deutschen Reiche abgegebenen Wahlstimmen. Die im nächsten Jahre unter dem Einfluß des Hödelschen und Nobilingschen Atten tats vollzogene Reichstagswahl brachte zwar einen Verlust von mehr als 5L 000 Stimmen, und die erste Reichstagswahl unter dem Sozialistengesetze, am 27. Oktober 1881, zeigte einen weiteren Abfall von über 125000 Stimmen; aber die 311961 Stimmen, die auf sozialdemokratische Kandidaten fielen, waren nach der Vernichtung fast sämtlicher Organisationen und der gesamten Parteipresse unter einem enormen Druck des Re- gierungsapparatcs erlangt— einem Druck, wie ihn keine andere Partei ausgehalten hätte. Und zugleich mit diesem Anwachsen der für die Sozial- demokratie abgegebenen Wahlstimmen wuchs in den letzten Jahren vor dem Sozialistengesetz die Zahl der Vereine und der Parteiblätter. Auf dem Jahreskongreß für 1877 konnte Auer bereits berichten, daß die Partei, neben dem Zentral- organ, dem Leipziger„Vorwärts", 13 Tagesblätter und 28 weniger als sechsmal in der Woche erscheinende Blätter besaß. Mächtig wuchs die Partei in die Breite, ein Arbeiter- bataillon reihte sich an das andere; doch dieser Ausdehnung entsprach nicht die theoretische Vertiefung. Der tägliche Kampf, die unaufhörliche, mit Hochdruck bc- triebcne Agitationsarbeit nahm alle. Zeit, alle Fähigkeiten in Anspruch. Für das gründliche Studium der auftauchenden Fragen blieb keine Muße. Die Folgen zeigten sich bald: die Jahre vor dem Sozialistengesetz waren eine Zeit mächtigster Aufrüttelung der Massen, aber zugleich eine Zeit der größten theoretischen Unklarheit. Den Beweis dafür liefert die da- malige Parteipresse. Allerlei sich gegenseitig widersprechende, unabgeklärte rechtssozialistische, staatsphilosophische. darwinistisch- evolutionistische, sozialethische und rationalistische Anschauungen wogten wild durcheinander. Nichts zeigt besser die da- malige theoretische Verwirrung, als die Tatsache, daß, als Friedrich Engels 1877 im Leipziger„Vorwärts" jene gegen den Professor Eugen Dühring gerichtete Artikelserie begann, die später in der Buchausgabe unter dem Titel„Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissen- schuft" eine der wertvollsten Aufklärungsschriften des inter- nationalen Sozialismus geworden ist, die in diesen Aufsätzen hervortretende dialettisch-historische Betrachtungs- und Denk- weise nur von sehr wenigen verstanden wurde. Ucbcrall erhob sich Widerspruch gegen Engels Kritik; nicht nur von feiten der jungen Akademiker und Studenten, die sich vielfach zur Partei rechneten, wenn sie ihr auch offiziell nicht angehörten, sondern auch von alten Parteiführern, so zum Beispiel von Vahlteich und Most, der damals die Berliner„Freie Presse" redigierte. Schon vor dem Erlaß des Sozialistengesetzes hatte zwar unsere Partei eine wissenschaftliche Revue besessen: die von Karl Höchberg im Oktober 1877 begründete Berliner Halbmonatsschrift„Die Zukunft"; aber zu theoretischer Klärung der sich unter der Aufschrift„Sozialismus" zusammen- findenden ganz verschiedenartigen sozialen Theorien hatte sie recht wenig beigetragen, war sie doch selbst nichts als eine Widerspiegelung, ein konzentrierter Reflex des theoretischen Durcheinander, das sich in der damaligen Partciprcsse gellend machte. Von der Idee einer sich mit innerer Notwendigkeit vollziehenden gesellschaftlichen EntWickelung, von materialistischer Geschichtsauffassung, von Klassenkampf und von einer histori- scheu Bedingtheit der kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse findet sich in den Heften der„Zukunft" äußerst wenig— eigentlich nichts. Höchberg war der reinste Ideologe, ein noch größerer als seine liberalen Gegner. Der Sozialismus hätte, so meinte er, nicht bei seinen Forderungen, Zweck- und Ziel- setzung von den gegebenen tatsächlichen Zuständen auszugehen, sondern„nur" von der Idee. Die„einzige schöpferische Quelle des sozialpolitischen Ideals" sei lediglich das„autonome Bewußtsein mit seinem Be- griff vom Sein sollenden". Infolge des Sozialistengesetzes sah sich die„Zukunft" genötigt, im November 1878 ihr Erscheinen einzustellen. An ihre Stelle trat das von Karl Höchberg und C. A. Schramm unter Mitwirkung von Eduard B e r n st e i n redigierte„Jahrbuch für Sozial- Wissenschaft" und dann die von I. H. W. Dietz in Stuttgart verlegten„staatswissenschaftlichen Ab- Handlungen", die jedoch ebenfalls bald ihr Erscheinen einstellten. So lagen die Verhältnisse, als im Herbst 1882 Genoffc Karl Kautsky, nachdem er sich mit Bebel, Liebknecht und Dietz verständigt hatte, unter Mitwirkung des Genossen Heinrich Braun zur Herausgabe einer neuen Monatsschrift, der„Neuen Zeit", schritt. Anfang Oktober 1882 erschien die erste Nummer mit einem von Wilhelm Liebknecht ver- faßten Programmartikel, in welchem als Aufgabe der neuen Monatsschrift die Verbreitung von Erkenntnis bezeichnet wurde: Erkenntnis des eigenen Wesens wie der Natur von Staat und Gesellschaft. Von vornherein stellte sich die neue Zeitschrift auf den Boden der marxistischen Weltanschauung, wenn sie auch zu- nächst noch nicht immer scharf die Grenzscheide zwischen dieser und anderen Auffassungen zog; doch schon in den folgenden Jahrgängen kommt immer schärfer die Marxsche Theoretik zur Geltung, besonders nachdem Kautsky 1884 nach London über- gesiedelt war und von dort aus, in stetem Verkehr mft Friedrich Engels, die„Neue Zeit" redigierte. Die Redaktion nahm keineswegs nur streng marxistische Artikel auf, noch beschränkte sie den Umfang des Gebietes ihrer Diskussion auf Probleme der Marxschen Lehre. Sie hatte versprochen, die„Neue Zeit" solle eine Revue des gesamten geistigen und öffentlichen Lebens sein und dieses Versprechen suchte sie, soweit es die Zeit Verhältnisse gestatteten, einzulösen. Neben volkswirtschaftlichen, sozialtheoretischen, sozialgeschichtlichen Abhandlungen finden wir in den nächsten Jahrgängen literarhistorische, ethnologische, geo graphische, gewerbehygienische, statistische, naturwissenschaftliche Artikel usw. Aber die Grundtendenz der„Neuen Zeit" war „m a r x i st i s ch", und wo sozialistische Anschauungen auf tauchten, die zu der Marxschen Theorie in mehr oder minder scharfem Gegensatz standen, da suchte sich die Redaktion kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen. Das trug ihr bald von feiten der Kritisierten den Vorwurf ein, den seit jeher alle Blätter, die eine bestimmte konsequente Politik verfolgten oder be stimmte wissenschaftliche Anschauungen vertraten, sich haben gefallen lassen müssen: den Vorwurf der Einseitigkeit, des Doktrinarismus und Dogmatismus, der wissenschaftlichen „I n t 0 l e r a n z". Doch Kautsky ließ sich durch diese Vorwürfe nicht imponieren. Richtig erkannte er, daß die Stärke einer von allen Seiten bekämpften Armee nicht nur in ihrer Massigkeit besteht, sondern nicht minder in der Einheit- lichkeit ihrer Anschauungen, in der Ge- schlossenheit ihrer Gliederung, und daß diese Einheitlichkeit, diese Widerstandsfähigkeit gegen feindliche Attacken nicht dadurch erreicht wird, daß man allerlei einander widerswebende und einander ausschließende Auffassungen wild nebenemander aufwuchern läßt, sondern indem man die Be- griffe präzisiert und die verschiedenen sozialistischen Richtungen scharf auseinanderhält. Und der Erfolg des Strebens der Redaktion blieb nicht aus. Allerdings, in die breite Masse unserer Parteigenossen drangen zunächst die theoretischen Artikel der„Neuen Zeit" nicht, und werden sie auch nie dringen; denn bei allen der- artigen Artikeln muß notwendig der Verfasser beim Leser schon eine nähere Kenntnis der behandelten Materie voraussetzen. Um so nachhaltiger war die Wirkung auf die Redakteure und Schriftsteller der Partei, auf die parlamentarischen Führer, die intelligenteren Agitatoren. Gar manchem, der heute an leitender Stelle steht, hat erst die„Neue Zeit" die Einsicht in die gesellschaftlichen Zusammenhänge, in die marxistische Ge- dankenwelt erschlossen. Und von dieser engeren Schar drangen wieder die Marxschen Anschauungen. Tropfen um Tropfen, durch die Parteipresse in die breite Masse. Man braucht nur unsere-Presse vor dem Sozialistengesetz mit der gegen Ende dieses Gesetzes und der nach dessen Aufhebung zu vergleichen. um zu erkennen, wie nach und nach die in der„Neuen Zeit" verfochtenen Theorien immer stärkeren Widerhall in unseren Tagesblättern fanden. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes wurde die„Neue Zeit" in eine Wochenschrift umgewandelt. Zugleich vermehrte sich die Zahl ihrer ständigen Mitarbeiter. Genosse Eduard B e r n st e i n, der durch das Eingehen des s, Sozialdemokrat" frei wurde, wurde ständiger Mitarbeiter, ebenso Genosse Max S ch i p p e l, denen sich bald Genosse Franz Mehring hinzugesellte. Er wurde Beniiner Korrespondent und unter- nahm es, jede Woche einen sogenannten Spitzsnartikel zu schreiben, in dem er die wichtigsten politiickien Ereianiffe der Woche Revue passieren ließ: eine Bereicherung ihres Inhalts, durch die die„Neue Zeit" an Aktualität und politischen Ein- fluß gewann. Durch das baldige Wiederausscheiden Schippels aus dem Kreise der ständigen Mitarbeiter, ferner durch den Tod unseres Altmeisters Friedrich Engels, durch den dem Genossen Kautsky ein großer Teil der früher von Engels geführten inter- nationalen Korrespondenz zufiel, wurde die Arbeitslast der Redaktion beträchtlich vermehrst. Dennoch blieb zunächst Kautsky noch alleiniger Redakteur, bis durch die Herausgabe mehrerer neuer Schriften und durch die Polemik gegen den wiedererwachenden„Revisionismus" Kautsky seine Zeit der- artig in Anspruch genommen fand, daß er die Redaktions- geschäfte nicht mehr zu bewältigen vermochte. So trat denn im Mai 1899 Genosse Heinrich Cunow als zweiter Redakteur in die Redaktion eintrat. In seiner Vorrede zu dem vor zwei Jahren erschienenen Generalregister der„Neuen Zeit" schreibt Kautsky: „Aus der einen Seite wuchsen nun, da Bernstein aus einem Helfer ein Gegner geworden war, meine Arbeiten an, daß ich sie allein nicht mehr bewältigen konnte. Nachdem ich sechzehn Jahre lang die„Neue Zeit" allein redigiert, wurde jetzt die Einstellung eineS zweiten Redakteurs notwendig. Ein langjähriger Mitarbeiter, der als theoretischer Oekonom und noch mehr als Ethnologe ge- schätzte Genosse H. Cunow, wurde zuerst als solcher gewonnen, 1899. Da man jedoch vielfach fand, was der„Neuen Zeit' not tue, sei nicht ein zweiter Theoretiker, sondern ein Praktiker, der die praktische Arbeiterbewegung mehr zur Geltung kommen lasse, schied Freund Cunow Im besten Einvernehmen mit uns aus der Redaktion der„Neuen Zeit'... Cunows Posten übernahm Genosse E. Wurm. Es ist also ein im ganzen ziemlich einfacher Lebensweg, auf den heute an ihrem Jubiläumstage die„Neue Zeit" und ihr leitender Redakteur zurückblickt— aber ein Weg voller Arbeit und voller Erfolge. Wenn heute in der deutschen sozialdemokratischen Partei die marxistische Auffassung vorherrscht, wenn weit über die Grenzen Deutsch- lands hinaus, in Oesterreich, in Rußland, in Frankreich, in England, in Holland, in Belgien, ja selbst jenseits des Atlantischen Ozeans der Marxismus mehr und mehr an Boden gewinnt, so ist das nicht zum wenigsten ein Werk der „Neuen Zeit". Wird einst die Geschichte der internationalen sozialistischen Bewegung geschrieben, dann wird in dieser Geschichte die„Neue Zeit" einen hervorragenden Platz ein- nehmen. Wir vermögen heute am Jubiläumstage unserem Bruder- blatt und seiner Redaktion nichts besseres zu wünschen, als daß seine Erfolge sich stetig mehren, daß es in immer weitere Parteikreise dringt und seine Arbeit als Revolutionierer der Köpfe mit gleicher Unermüdlichkcit fortsetzt. Der Streit der Christen. In Essen hat in voriger Woche der Kongreß für innere Mission stattgefunden. Der letzte Tag war der Frage gewidmet: Welche Aufgaben erwachsen der inneren Mission aus der gegen- wältigen Entlvickelung der Arbeiterbe- w e g u n g? Zu dem Thema. redete zunächst Pfarrer M a h l i n g(Frankfurt a. M.) Er glaubte eine politische Zurück- drängung der sozialdemokratischen Partei bei der letzten Rcichstagswahl auf Grund des gemeinsam gegen sie er- folgenden Zusammenschlusses anderer Parteien feststellen zu können, andererseits aber sei die„sozialdemokratische Partei nach außen hin immer noch ein einheitlich ge- schlossenes Ganzes, da durch den bestimmenden Ein- fluß der Parteiführer, durch die von diesen für die Verwirk- lichung ihre Ideale erduldeten Leiden, durch eine außer- ordentlich fähige Organisation, durch st a r k e Opfer Willigkeit, durch reichlichen Geldaufwand zur Schaffung einer weitverzweigten Presse zusammen- gehalten wird und als Masse der Masse imponiert und s i e a n z i e h t." Es lasse sich nicht leugnen, daß die Arbeiter- be'wegung„im großen und ganzen noch heute unter dem Banne des Marxismus steht und überwiegend dem Banner der Sozialdemo- kratie folgt". Um so nötiger sei„ein stetiges Wachstum und ein siegreiches Vorandrängen derchristlich-nafionalen Arbeiter- bewegung". Indem der Redner diese empfahl, schloß er mit den Worten:„Wir meinen es treu, ehrlich und gut mit dem Arbeiterstand, so wahr uns Gott helfel" Der zweite Redner zu dem Thema war der stöckersche ans Dampf in allen Gassen, Reichstagsabgeordneter Franz ehrens. Seine sehr umfangreichen Ausführungen liefen auf eine Empfehlung der christiichnatioualen Arbeiterbewegung hinaus, die dem revolutionären Banner der Sozialdemokratie die schwarzweißrote Fahne mit dem Schlachtruf: Zum sozialen Frieden, für Kaiser, Reich und Christentum entgegenhalte. In der Diskussion ergab sich, daß die evangelischen Herren den christlichen Gewerkfchaften, die die Führung der christlichnationalen Arbeiterbewegung beanspruchen, durch- aus nicht hold sind. So sagte Superintendent S t e i n l c r (Posen):„Ich stehe den christlichen Gewerkvercinen kritifch gegenüber; es wird ihnen schwerer, die christlichen Grundsätze auftechtzuerhalten, als den evangelischen Arbeitervereinen; chrtstlichnational find in erster Linie die Evangelischen Arbeitervereine, bei ihnen ist das Christliche und das Nationale stärker ausgeprägt als in sämtlichen christlichen Gewerkschaften." Pastor Zille sscn- Verlin erklärt, dajz er seit fünf undzwanzig Iahren in der Arbeiterbewcgnng stehe; er kenne sie genau und könne die Ktj'gnl Bestrebnugcu nicht mitmache« „Mein christliches Gewissen verbietet mir, mich an Streiks und Aussperrungen zu beteiligen Das Vorbild Jesu ist für mich maßgebend, der niemals Unrecht mit Gewalt vergalt, der alles dem anheimstellt, der da recht richtet. Ich£mn deniznfolge keine Organisation befürworten, die den Streik aufnimmt. Pastor Rahlenbock- Köln:„Wir haben die evair gclische Arbeiterbewegung unterstützt, was aber jetzt an unS herantritt, ist anders geartet; wir können hier nicht unterstützen, daß Bürgerkriege entfacht werden und ein Stand gegen den anderen kämpft. Der Ursprung der christlichen Gewerkschaften liegt i nl U l t r a m o n t a n i s m u s und deshalb heißt es für die innere Mission auf der Hut sein. Und dann die Tonart in den christlichen Gewerkschaften! Man fordert auch für die Eisenbahner das 5loalitions recht und fängt auch in ländlichen Gebieten niit der Orga nisation an. Da könne« wir nicht mitmachen? Es ist eine ge fährliche Stunde. Haltet fest am lauteren Evangelium I" Pfarrer Weber(M.- Gladbach) wendet sich gegen die beiden Referenten, weil sie einseitig die Sache der christlichen Gewerkschaften betont haben.„Aber wir evangelischen Arbeiter vereine sind auch noch da;>v!r haben zuerst die Fahne der christlichnationalen Arbeiterbewegung aufgerollt, nicht die christlichen Geiverkvereine; wir haben auch ein viel sozialeres Programm, als die paar Sätze der christlichen Gewerkschaften. Ich nehme in Anspruch, daß wir für den christlichnationalcn Gedanken nicht bloß früher gekämpft, sondern auch Opfer erlitten haben." Auf den Standpunkt der Referenten stellten sich die Christlichsozialen Rippel(Hagen) und Rafflenbeul (Essen). In seinem Schlußwort erklärte Pastor M a h l i n g, er habe den Eindruck, daß in der interkonfessionellen Arbeiter� bcwegung eine von Gott gewollte Annäherung der Konfessionen im deutschen Volke sich vollziehe. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, Worin die Innere Mission erklärte, daß sie sich allen Ver suchen gegenüber, sie zu einer Stellungnahme in rein>v i r t s ch a f t l i ch e n Fragen und zu ein- scitiger Vertretung einer einzelnen Volks schicht zu drängen, ablehnend verhalte, im übrigen aber bereit sei, der Arbeiterschaft in der Pflege christlichnationaler Gesinnnilg zu dienen und ihr zur Gewinnung der geistigen Ausrüstung und beim Ausbau ihrer Wohlfahrtseinrichtungen bchülflich zu sein. Wie man sieht, stehen die evangelischen Pastoren der christlichen Gewerkschaftsbewegung nicht gerade günstig gegen über; sie halten ihre Schäfchen lieber in den evangelischen Arbeitervereinen zusammen, wo sie vor ultramontaner Ansteckung ebenso sicher sind wie vor sozialdemokratischer. In einigen Wochen tritt der zweite„christlichnationale Arbeiter Kongreß" zusammen, an dem sich die christlichen Gewerkschaften und die katholischen und evangelischen Arbeitervereine be teiligen. Wenn dort in hohen Tönen von der Macht und der Einigkeit der christlichnationalen Arbeiterschaft geredet wird, weiß man— nach der Essener Tagung der Inneren Mission—, was von dieser Einigkeit zu halten ist. IPraißiiche Reaktion in öfteireichifcher Beleuchtuno. Die„Wiener Arbeiterzeitung" bespricht die glor reiche„Aktion" unserer Polizei gegen die P a r t e i s ch u le in einem Leitartikel und kommt nach einer scharfen Charakterisierung der preußischen Reaktion,„die nur in den Formen verändert, im Geiste aber die gleiche ist wie im Vormärz" zu Ausführungen, die unseren preußischen StaatSlenkcrn zu denken geben müßten, wenn nicht der bleiche Sozialistenhaß ihnen das Denken über Angelegenheiten, bei denen die Stellung zur Sozialdemokratie mit in Frage kommt, unniöglich machen würde. Die„Wiener Arbeiterzeitung" schreibt nämlich u. a.: „... Diese Sache geht auch Oesterreich an, und es ist auch unser staatliches Recht, das von der preußischen Polizei hier mit Füßen getreten wird. Seit Jahrzehnten wird mit österreichischen Staatsbürgern in Preußen- Deutschland in einer Weise umgesprungen, die' nicht nur eine Schande für dieses Prenßen-Deutschland, sondern nicht minder eine blutige Verhöhnung unserer Rechte als benachbarter, befreundeter und verbündeter Staat ist.... Nun wird österreichischen Bürgern sogar die Ausübung ihres Berufes in Berlin verboten I Für die Bcrliuer Polizei mag eS erheblich scheinen. daß jene Schule eine sozialdemokratische Gründung ist und daß an ihr soziale Disziplinen gelehrt werden. Aber nach unseren bescheidenen österreichischen Begriffen ist eine Schule eine Schule, ein wissenschast licher Lehrer ein wissenschaftlicher Lehrer— und Gesinnung geht die Polizei nichts an! Der Lehrer Hilferding hat keine„Sozial- dcmokratie" vorgetragen, sondern deutsche Wirtschaftsgeschichte und Nationalökonomie, und wenn man ihm unter der Drohung der Ausweisung den Verzicht auf seine Lehrtätigkeit er- preßt, so ist ihm gegenüber der völkerrechtliche Grundsatz verletzt worden, der den fremden Staatsbürgern in ihrem Be- ruf die gleichen Bürgschaften sichert, die der andere Staat den eigenen zubilligt... Ob eS sich mit der preußischen Verfaflung verträgt, daß die preußische Regierung die Sozialdemokraten als Staatsbürger minderen Rechts behandelt, ist zu untersuchen nicht unsere Sache. Aber, daß in Oesterreich die Gleich- bercchtignng der Staatsbürger soweit durchgesetzt ist, daß es gleichgültig sein muß, welcher politische» Gefunnuig der Staatsbürger fei, dessen Recht durch de» fremden Staat verletzt wird, das ist keinem Zweifel ausgesetzt und wird insbesondere die Sozialdemokratie in Oesterreich einem Zweifel nicht aussetzen lassen. Die schnöde Behandlung der österreichischen Gelehrten durch die preußische Polizei, die Unterbindung seines Lehramtes gegen Recht und Sitte ist eine wahre Verletz ung unserer staat- l i ch e n Rechte und muß als solche auch von dem offiziellen Oesterreich energisch abgewiesen werden. Sie wird jedenfalls dem verantwortlichen Leiter der auswärtigen Politik zur Kenntnis gebracht werden, und an allen Orten, ins- besondere in der D e l e g a t i o n, eine ausreichende Beleuchtung erfahren. Die Herren in Berlin geben auf aus- wärtige Sympathien wenig, aber es wäre doch ver- niinftig, wenn sie einmal überlegen wollten, was solche sinn- losen Polizi st en st reiche der deutschen Politik ein- tragen. Sie haben jener Schule nichts anzutnn vennocht, und was sie erreicht haben, ist nicht mehr, als daß sie einen einzelnen Menschen in seiner Eniwickelung mit plumper Hand stören. Aber sie zwingen zu Beschwerden nnd Vorwürfen wider den Dreibund auch die Parteien in Oesterreich, die in dem Militär- bihidnis auch ein Friedensbündnis sahen und verteidigten; sie stärken die Vorstellung, daß die preußische Reaktion den Wunsch hat, auch nach außen zu wirke». Ob der erreichte Erfolg diese Folgen aufwiegt, könnte man in Berlin einmal auch prüfen. Aber gehässige und brutal-willkürliche Behandlung seiner Staatsbürger muß Oesterreick zurückweisen und wird es abzuwehren haben, denn man will ja nicht bloß in Marokko, sondern auch in Berli» zivilisiert behandelt werde»." So die„Wiener Arbeiterzeitung". Ein Gefühl bitterer Be- schämnng nnd heißen Zornes muß den deutschen Arbeiter ergreifen, wenn er da liest, daß in Oesterreich die Gleichberechtigung der Staatsbürger ohne Rücksicht auf ihre Gesinmmg erreicht ist. Je mehr das Ausland fortschreitet, um so erschreckender und empörender tritt der Abstand Prenßen-Deutschland von wahrer Kultur zu Tage. Preußen in der Welt hintenan l polltilcde dsberkidtf. Lerlin. den 1. Oktober 1907. Der Freisinn als Schutztruppe der Brot- und Fleischwucherer. In einem neuesten Artikel macht Herr Naumann folgendes interessante Geständnis: „Die Grundlage der B ü l o w s ch e n M a j o r i t ä t ist erstens ein Eintreten für die Militärfordernuge» der Regierung und zweitens ein Ruheulassen der Zollfragen bis ans weiteres. In beiden Dingen liegen wichtige nnd schwere Zugeständnisse des Liberalismus.... Die Konservativen gewiimen demnach im Block Biilows ohne alle besonderen An- st r e n g u n g e n eine größere Sicherung ihres Raubes vom Dezember 1902, während der Liberalismus eben dadurch einen Teil seines Programms einstweilen außer Betrieb setzt, was ihm von vielen seiner Wähler sehr verdacht wird. Man beachte beispielsweise, wie vorsichtig und gelinde auf den frei- sinnigen Parteitagen der letzten Zeit der Z o I l k a m p f geführt wurde!" Das ist genau dasselbe, was die Sozialdemokratie seit Wochen behauptet hat l Jetzt bestätigt der freisinnige Herr Naumann, daß die liberale Blockpolitik den Junkern ihren Zollraub sichert l Daß Herr Naumann trotzdem diese Blockpolitik verteidigt, macht sein Eingeständnis nur noch. wirksamer und pikanter!__ Wie sich ostafrikanische Kulturpioniere„erholen". Herr Kourad Alberti, einer der journalistischen Reise- begleiter Dernburgs, gibt folgendes niedliche Stimmungs- bild von der Art, wie sich deutsche Pflanzer in Ostafrika zu erholen pflegen: „Im„Deutschen Kaiser" in T a n g a ging's hoch her. Bon den Höhen Usambaras, aus den Steppen des Pangani waren mehrere Pflanzer zusammengekommen, die ihre Geschäfte nach Tonga führten: starke, bärtige Männer in ver- schossenem Khaki. Das war ein Begrüßen, Händeschütteln, Zu» trinken I Monatelang hatten diese Leute in der B e r l a s s e n h e i t ihrer Anlagen gesessen, die unverheirateten kaum ein weißes Gesicht gesehen, und jetzt unter ihresgleichen, mit den eben aus Europa gekommenen Hotelgästen beisammen sitzend, fühlten sie sich wie befreit, für einige Tage wenigstens von der Eintönigkeit ihrer Arbeit. Flasche auf Flasche ward entkorkt— gemeinsam ward getrunken, gespeist, ge sungen.... Die Gesichter wurden röter, die in den Bergen, im Busch zurückgehaltene Lebenskraft verlangt nach irgend welcher Betätigung. Man würfelt, man redet sich in die Hitze, man spielt Karten, man trinkt von neuem. Aber all dies ist noch nicht genng, die Nerven dieser riefen- starken Riänner, einmal erregt, verlangen euer- gischere Bewegung. Man tiitt zum Ringkampf an, man wirft sich hin und her. man wälzt sich am Boden. Die festen Möbel erregen die Aufmerksamkeit man probiert an ihnen die feit Wochen aufgespeicherte Kraft: lautes Schreien, übermütiges Lachen— und unter wildem Krachen stiegen die schweren Bombatzscssel, die Tische aus eisen hartem Mwnleholz in Trümmer. Der Wirt steht schmunzelnd dabei: er weiß, alles das ist nicht so bös gemeint und er wird reichlich ent« schädigt. Gläser und Teller, Flaschen und Töpfe folgen dem Hvlz und splittern in Atome, indes der ausgelassene Kreis bei jedem neuen Krach in grelles Geschrei ausbricht. So geht es die ganze Nacht durch, Zechen. Durcheinander- schreien, Ringkämpfe, Möbelvernichtung: die Negerboys stehen staunend im Hintergrund und reißen die Lippen auf." Solches Amüsement kostet natürlich ein hübsches Stück Geld. Aber die Herren haben's ja. Die Eingeborenen sind ihnen ja durch einen Regierungserlaß zu 99 tägiger Zwangs arbeit verpflichtet! Von der Behandlung dieser Zwangsarbeiter kann man sich bei so temperamentvollen Recken ja ungefähr eine Vorstellung machen!—_ „Post"- Töne. Die„Post* tobt in dem ihr eigenen Sauherdenton über unsere gestrige Feststellung, daß die von Wahrheitswidrigkeiten strotzende sogenannte„Zuschrift" an die„Post" über die Ermordung des ruflischen Revolutionärs Rohlau wortgetreu einige Tage vor ihrer Veröffentlichung durch die„Post" in den Blättern der baltischen Adelspartei gestanden hat. Die edle„Post" glaubt sich von dieser Festnagelung durch eine Flut liebenswürdiger Koscworte(„un- anständige KampfcSweise des RoerenblattcS".„Unverschämtheit" und dergleichen) loslösen zu komien. Vergebliches Bemühen, den„Post"- Schwindel ans der Welt zu lügen I Sie be- streitet unter Pöbeleien. daß die.Zuschrift" ein wort- g e t r e u e r A b d r u ck des in den Blättern der baltische» Adels- Partei enthaltenen Artikels ist, behauptet aber im selben Atemzuge, — daß ihr diese Blätter„nicht vorgelegen" haben. Diese neueste Leistung der„Post" war wirklich zum Beweise für die Nichtigkeit der v. Stummschen Behauptung über die ,Post"-Esel entbehrlich. Aber wir nehmen ihr die BeweiSdarbictung nicht übel. Wir forderten die„Post" auf, wenn sie andere Quellen für die von ihr versuchte Vertuschung der gräßlichen in Rußland verübte» Greueltaten hat, so solle sie damit herausrücken, das läßt sie hübsch bleiben I— Ein köstlicher.Hereinfall der Firma„Bildung und Besitz". Zum preußischen Geldsacksabgeordneten für den Wahlkreis Göttingen- Münden wurde vor einigen Tagen in der Ersatz- wähl der.nationalliberale" Landwirt und Landwirtebündler Heine gewühlt. Herr Heine hat sich aber auch in der Wahl- bcwegung als der würdigste Mandatar des geistreichen Dreiklasscn- Wahlrechts erwiesen. Er mußte sich nachsagen lassen, daß er seine in Münden gehaltene Programmrcde fast wortgetreu dem agra- rischcn Wahl-A-B-C„entlehnt"� habe. Auf diese Weise wollte er wahrscheinlich seinen offiziell-bündlcrischen Gegnern, die die Echt- heit seiner Bundestveue schnöde bezweifelten, überzeugen, daß er ogar ein Bündler ist, wie er nahezu wörtlich im agrarischen Lese- buch steht. Daß ihr Kandidat seine agrarischen Meinungen zu diesem Zwecke gleich auswendig lernte, scheint die bildungsstolzen Nationalliberalen doch verdrossen zu haben. In ihrer Verlegenheit griffen sie aber zu einem Auskunftsmittel, das womöglich noch ckwas dümmer war. Sie bersuchien zuerst die ganze Geschichte einfach w c g z u l ü g e n. Die nationalliberale„G ö t t i n g e r Zeitung" wagte zu behaupten, die Sache sei„schlankweg er- fundcn". Weil aber Lügen kurze Beine haben, rückten die Bündler Herrn Heine öffentlich mit dem dokumentarischen Beweis auf den Leib. Sie gaben folgende Parallelstellcn wieder. Rede Heines. „Seit den Tagen des klassische» Mlcrtums bis in die Gegenwart hat man imnier und überall den Staat für den besten gehalten, in dem die mittleren Existenzen und Vermögen am zahlreichsten ver- treten waren, die Kluft zwischen Reich nnd Arm also am geringsten erschien und das Aufsteigen aus Abhängigkeit zur wirtschaftlichen Selbsläiidigkeir am leichtesten vor sich ging.'Ich sehe in der Mittel- standsfrage hauptsächlich mit die soziale Frage und ich erblicke in der Agrarfrage, Handwerkcrfrage, Detnillistenfräge usw. nur ver- schiedene Seiten der einen großen Frage der Erhaltung und Stärkung unseres freien deutschen werktätigen Mittelstandes. Wenn auch über den Begriff„Mittelstand" keine Einigkeit herrscht, so darf mau zum Mittelstand im weitesten Sinne alle die Bevölkerungsklassen rechnen, die zwischen der Arbeiter- schaft einerseits und dem groß- kapitalistischen Unternehmertum andererseits sich befinden. Dazu wären auch sehr viele öffentliche und private Beamtenkategorieu, sowie Gewerbe- und Handels- angestellte zu rechnen, auch wohl die meisten sogenannten freien Berufe. Für den engeren Wortsinn kommt hier der. klassenbewußte werktätige Mittelstand in Stadt und Land in Betracht, also die Handwerker und Kleingewerbetreibeiiden, die Detail- listen(mittlere und kleinere Kauf- leute) und die Landwirte, Ich bin der Ansicht, daß ein kräftiger, gesunder, selbständiger Mittelstand vorhanden sein miitz. wenn Boll und Staat bestehen sollen. („Mündener Tageblatt" Nr. 18S). A. B. C.- B u ch. „Seit den Tagen der Antike (Aristoteles usw.) bis in unsere Gegenwart hat man immer und überall den Staat für den besten gehalten, in dem die mittleren Existenzen und Vermögen am zahlreichsten vertreten waren, die Kluft zwischen Reich und Arm also am geringsten erschien und das Aufsteigen aus den niedrigeren Volksschichten in die höheren, aus der Abhängigkeit zur Wirtschast- lickien Selbständigkeit Verhältnis- mäßig am leichtesten vor sich ging. ... Dem gegenüber erblicken wir gerade in der Mittelstands- frage„die soziale Frage" und sehen in der Agrarfrage, Hand- werkcrfrage, Detaillistenfrage usw. nur verschiedene Seilen der einen großen Frage der Erhaltimg und Stärkung unseres freien deutschen werltätigen Mittelstandes. Ueber den Begriff„Mittelstand" sind sich weder die Gelehrten noch die Parteien einig, selbst die Nächst- beteiligten nicht. Jedenfalls darf mau zum Mittelstand(im weiteren Sinne) alle die Bevölkerungsllasicn rechnen, die zwischen der Arbeiter- schaft einerseits und dem groß- kapitalistischen Unternehmertum andererseits. ... Dazu wären mithin auch sebr viele Beamtenkategorieu (öffentliche und private), sowie solche von technischen und Handels- angestellten zn rechnen und wohl die meisten sogenannten freien Berufe(Geistliche, Lehrer, Aerzte usw.) Hier kommt nur der Mittel- stand in engerem Wortsinn in Be- trackt, d. h. der klassenbewußte werktätige Mittelstand in Stadt und Land... mithin hauptsächlich die Landwirte, die Kleingewerbe- treibenden(Handwerker) und die Detaillistcn(mittleren und kleineren Kaufleute)... Wir sind aller- dingS der Ansicht, daß ein kräftiger nnd gesunder selbständiger Mittel- stand vorhanden sein und erhalten bleiben muß... (Kleines Wahl-A.-B.-C.-Buch dcS Bundes der Landwirte für 1007, Seite 128/129)." WaS sagte Herr Heine nun? Er sagte, er besitze das Wahl-A-B-C des Bundes der Landwirte gar nicht. Die Aehnlichkeit der Sätze komme daher, daß ihm als altem Bundesmitglied diese Gedanken längst geläufig gewesen seien. Mit Recht erklären die Bündler, daß er mit dieser Erklärung seine Sache bedeutend verschlimmert habe. Daß ein unselbständige!. Geist eine Anzahl fremder Sätze kopiert, ist nicht so schlimm wie eine solche unwahrhaftige Ableugnung. Herr Geo Schmidt und sein— Mcidchcnpensionat. Der Verteidiger Geo Schmidts, Rechtsanwalt Bredercck, ersucht uns um die Feststellung, daß die Stelle in dem Bericht über den Kölner Prozeß, wo Geo Schmidt auf die Frage, ob er sich einen Harem gehalten habe, mit Ja geantwortet haben soll, un- richtig sei. Da der Berfasser des Berichtes Herrn Brcdereck, wie wir aus einer beigefügten Abschrift eines Briefes ersehen, bestätigt, daß Schmidt die Frage verneint und nicht bejaht habe, so geben auch wir anstandslos unseren Lesern von dieser Berichtigung Kenntnis. Nur will es uns scheinen, als ob diese Berichtigung des Be- r i ch t s an den Tatsachen selbst recht wenig ändere. Pater Müller bekundete bekanntlich, daß ihm Leutnant R i e ck erzählt habe, überall, wohin er gekommen sei, habe sich ihm eine Frau oder ein Mädchen als„Frau" Schmidts vorgestellt. Ferner habe ihm K u k o w i n a gesagt, man tue g u t. die Mädchen vor Schmidt auf eine Farm zu bringen. Tatsache ist ferner, daß Schnndt sich eine Anzahl junger Mädchen gehalten und sie auch auf Reisen milgefiihrt hat. Zu diesen Mädchen gehörte auch die A b d j a o, und Schmidt selbst hat zugegeben, daß er mit ihr geschlechtlich verlehrt habe, freilich erst, nachdem sie das 14. Jahr überschritten hatte. Ferner fragte nach dem Bericht— und dieser Teil des Berichtes ist ja bisher nicht beanstandet worden, Rechtsanwalt Court den Geo Schmidt: „Ich möchte den Angeklagten fragen, ob er nicht mit den fünf auf der Station untergebrachten Mädchen verkehrt hat.— Bell. Schmidt: Ich habe in den sechs Jahren ver- schiedene Weiber gehabt, aber erst später init ihnen verkehrt. Im ersten Dienstjahr habe ich von Mädchen auf der Station nicht ein einziges berührt, auch nicht die A b d j a o." Also nach seiner eigenen Aussage hat Geo Schmidt mit ver- schiedenen dieser Mädchen geschlechtlich verkehrt, nur soll das nicht in dem ersten Jahre geschehen sein! Herr Geo Schmidt hat sich also nicht einen Harem gehalten, sondern ein Mädchenpensionat! � Die Regierung selbst muß diese Mädchenpeusionate trotzdem für nicht ganz einwandsfrei gehalten haben, den» sie hat ihre Ein- richtung inzwischen verboten!— dem Echt liberal. Wahlkreise Hagen-Schwelm wird uns ge- Aus schrieben: Bor den Stadtverordnetenwahlen werden den am Orte er- scheinenden Tageszeitungen die gedruckten Wählerlisten beigelegt. In diesem Jahre wandten sich unsere Parteigenossen an die Stadt, auch unserem Parteiorgan, der„Freien Presse", 2000 Exemplare für die Hagener Leser zur Verfügung zu stellen. Dies geschah. Als ihnen die Rechnung für die 2000 Stück über 110,64 M. zuging, stellten die Genossen an die Stadtverordnetenversammlung den Antrag, die Kosten aus dem Stadtsäckel zu bewilligen. In der Sitzung vom 30. September wurden die Kosten für die Herstellung der für die bürgerliche» Zeitungen beigelegten Listen bewilligt<21000 Stück— 1470,50 M.). Der Antrag der Sozialdemokraten wurde. nachdem er von ihrem einzigen Vertreter im Kollegium begründet wurde, mit 13 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Ein erstklassiger Ver- treter erklärte: Eine Zeitung, die nicht auf dem Boden unserer staatlichen Ordmmg steht, darf nicht unterstützt werden.(Der Ober- bürgcrmeister Enno war für den Antrag.) Die Wähler der dritten Abteilung werden anfangs November bei den Stadtverordneten- wählen die richtige Antwort geben.— Eine Bulow-Klage. Eine Berliner Korrespondenz meldet: Ein von dem bekannten Vorsitzenden der Gemeinschaft der„Eigenen", Schriftsteller Adolf Brand herausgegebenes Flugblatt hat zu polizeilichen Haus- fuchungen Veranlastung gegeben, die darauf deuten, das; ein Straf- verfahren wegen Beleidigung des Reichskanzlers F ü r st e n von B ii l o w im Gange ist. Das Flugblatt rrägt die Ucbcrschrift: .Fürst Bülow und die Abschaffung des§ 175" und enthält Hinweise auf die Stellung des Fürsten Bülow den Homosexuellen gegenüber, die diesen zu beleidigen geeignet sind. Der Reichskanzler soll des- halb bereits den Strafantrag gestellt haben. Am Montagabend V Uhr wurde nun bei dem bekannten„Reichsglöckner" Schriftsteller Joachim G e h l s e n in Charlottenburg im Auftrage der Staats- anwaltschaft eine Haussuchung zum Zwecke der Auffindung etwa vorhandener Brandichcr Manuskripte abgehalten. Solche wurden nicht vorgefunden und die Polizei begnügte sich mit der Mitnahme einiger belanglosen Manuskripte, die weder mit Herrn Brand, noch mit dem Fürsten v. Bülow etwas zu tun haben sollen, sowie mit der Mitnahme einiger Brandschen Flugschriften. Kurze Zeit vorher ist auch bei Adolf Brand in Wilhelmshagen(Mark) polizeiliche Haussuchung abgehalten worden, auch dort soll außer einer Anzahl Flugblätter nichts gefunden worden fein. -Eine unmenschliche Strafe. Das Kriegsgericht in RegenSvurg verurteilte einen armen Soldaten, der einem anderen 1 Mark ent- wendet hatte, zu der ungeheuren Strafe von 1 Jahr Gefängnis!— Bei der Verurteilung von Soldatenschindcrn hat man bisher eine solche Härte nicht bemerkt.—_ Zur Neblausbekämpfung. Die Bekämpfung der Reblaus schien lange Zeit ein unlösbares Problem zu sein, bis Versuche mit aus Amerika bezogenen Reben ergaben, daß diese gegen die Reblaus i m m u n sind und daß eine erfolgreiche Bekämpfung dcS Schädlings durch Aufpropfen einheimischer Rebsorten auf die sogenante Amerikanerrebe möglich sei. Die Regierung des Reichslandes hatte diese Möglichkeit der ReblauSbeknmpfung bald erkannt. Die preußische Regierung dagegen. allen Neuerungen abhold, ver- steifte sich aus die Herstellung eines mehrere Kilo- meter breiten S ch u tz g ü r t e l S in den Weingebietcn längs der lothringisch-.preußischen Grenze und glaubte, dadurch sei ein Uebergreifen der Reblaus auf gesunde Weingegenden unmöglich gemacht. In diesem Schntzgllrtel mußten nicht nur die verseuchten Herde sondern auch gesunde Weinbaugebiete vernichtet werden, womit eine gewaltige Schädigung des lothringischen Wein- baneS und der reichSländischen Finanzen verbunden war. Jetzt end- lich ist es der reichSländischen Regierung gelungen, die preußische Regierung von ihrer verkehrten Auffassung abzubringen. Amtlich wird bekannt gegeben, daß durch die Inspektionsreise des Staats- sekretärs v. B e t h m a n u- H o l l w e g, des� preußischen Landwirt- schastsmiiiisterS v. Arnim und des reichSländischen Unterstaats- sekretärs Zorn v. Bulach festgestellt wurde, daß die Er- richtung eines Schutzgürtels gegen die Rheinprovinz überflüssig sei. Man will nun Teile von Lothringen und der Rhcinprovinz zu einen, Schutzgebiet zusanuncnlegen, um dort in gegenseitige»! Einvernehmen der beiden Regierungen und im Einverständnis mit dem Reiche die Bekämpfungsarbeiten gegen die Reblaus vorzunehmen. Es soll das jeder Staat aus seinem Gebiete und durch seine eigenen Organe be- sorge». Die Vernichtungen beschränken sich auf verseuchte oder verdächtige Stöcke, eine Vernichtung gesunder Anlagen � wie die Herstellung des Schutzgürtels sie gefordert hätte ist nicht vorgesehen.—_ Windhuk wird Weltstadt. Das traurige südlvcstafrikanische Nest Windhuk soll Weltstadt tvcrdcn. Die dortige Polizeibehörde will es so und hat bereits das nötige dazu angeordnet: .Ein Verbot des Baues von Wellblech- Häusern ist in Windhuk erlassen worden. Die bestehenden W e l l b l e ch h ä u scr müssen bis zum 1. Oktober ab- gerissen sein. Unter der Bevölkerung hat das über- raschendc Verbot Befremden erregt, und der BezirkSvercin Windhuk hat sich in seiner August- Versammlung eingehend damit beschäftigt. AuS dem Schöße des Vereins wurde geltend gemacht, Windhuk brauche keine L u x u s st a d t zu sein. Zum Schluß wurde einstimmig die folgende Resolution angenommen: .Das kaiserliche Bezirksamt wird gebeten, Eigentümern in Wind- huk. die ihr Grundstück bereits nur einem massiven Hanse be« baut haben, die Vancrlaubnis zur Anlage von Wellblech- oder Holzgebäuden, die wirtschaftlichen Zwecken, wie Ställen, Provianträumen usiv. dienen nicht, wie es bereits in einzelnen Fällen geschehen, zu versagen." Wir wissen nicht, ob diese famose Anordnung mit Wffsen oder gar auf Veranlassung dcS neuen Gouverneurs S ch u ck in a n n er« lassen worden ist, obwohl solche Erlasse doch' unmöglich von subalternen Behörden ausgehen können. Herr Schuckmann' wetterte seinerzeit gegen das nächtliche Treiben auf der Fricdrichstraße in Berlin. Die Rcichshauptstadt war ihm zu sehr Weltstadt. Nun scheint ihn, Windhuk zu sehr Krähwinkel zu sein. Als Herr Schuck- »»ann noch Parlamentarier war, war ihm vou seiner Antipathie gegen Blech noch nichts anzumerken!_ Clngarti. Der 10. Oktober. Budapest, 1. Oktober. Dir Borbercitunge» für den am 10. Ok- toter geplanten Generalstreik zuguusten des nllgcmciueu Wahlrechts nehmen den größten Umfang a», da sich der Bewegung die Judustrlc- arbeiter, die Angehörigen der Lcbcnsmittclbranche»nd die Klcinknnf- lrnte des ganze» Landes anschließen. Dänemark. Tie dänische„Kulturpolitik" in Grönland. Schon seit einer Reihe von Jahren hat sich die dänische Presse. bor allem die sozialdemokratische, wiederholt mit den Zuständen in der dänischen Kolonie Grönland besaßt. Es war im Jahre Ivos, als ein dänischer Zimmermann, der drei Jahre lang im Dienste des„Königlich grönländischen Handels" tätig gewesen war, in„Social-Temokratcn" ausführlich die Schandwirtschaft schilderte, die sich unter der Herrschaft dieser Kapitalistengefellschaft entwickelt hat, die allein berechtigt ist, in Grönland Handel zu treiben. Be- trügerische Ausbeutung. Trunksucht, Mißhandlung und Vergiftung der Eingeborenen mit Alkohol, geschlechtliche Ausschweifungen der „Kulturträger", darauf liefen die Beschuldigungen hinaus. AuS den Schilderungen gewann man den Eindruck, daß der Tropenkoller eine Krankheit ist, die auch im eisigen Norden gedeiht. Da war z. B. ein grönländischer Lotse, Vater von acht Kindern; den füllte man immer von neuem mit Branntwein, wenn er es wagte, da- gegen zu protestieren, daß seine Ehefrau von den Beamten des Kryolithwcrkes in Jvigtut als Prostituierte mißbraucht wurde. Natürlich degenerierte die ganze Familie. Tie Veröffentlichungen in„Social-Demokratcn". Klagen der Grönländer, die MhliuS Erichsen von seiner Grönlandreise mit- brachte, und Verhandlungen in, dänischen Reichstag führten zu einigen administrativen Maßnahmen. Ein junger Geistlicher, der, statt den Grönländern ein leuchtendes Vorbild zu geben, sich so zu besaufen pflegte, daß man ihn auf einen Wagen laden mußte wie ein Stück Vieh, der daneben natürlich auch anderen AuS- schweifungen frönte, wurde zurückberufen und erhielt in Dänemark — eine Stelle als Seminarlchrcr. Einzelne andere Beamte wurden ebenfalls aus Grönland entfernt, aber im allgemeinen blieb alles beim alten. Im November vorigen Jahres ernannte die dänische Re. gierung eine Kommission, die besonders die Aufgabe hatte, die Verhältnisse der grönländischen Handelsgesellschaft zu untersuchen. Das Ergebnis der Untersuchung, die bereits im Mai dieses Jahres abgeschlossen war, wird bis jetzt geheim gehalten. Wie ein bürger- liches Blatt,„Berlingske Tidende", erfahren hat, soll das Kam- missionsgutachten eine scharfe Kritik der Leitung des«grönläu- dischcn Handels" enthalten. Bezeichnend für die Art, wie die Regierung die Untersuchung einleitete, ist, daß sie den Chef der grönländischen Handelsgesellschaft zum Vorsitzenden der Äom- Mission ernannte, die doch seine eigene Geschäftsführung zu prüfen hatte! Der dänische Staat hat von Grönland nichts als ein von Jahr zu Jahr steigendes Defizit; im Budgetjahr 1900—1901 waren es 00 000 Kronen, 1906— 1907 261 000 Kronen. Der„Handel" aber beutet die Grönländer, denen es verboten ist, auch die kleinste Kleinigkeit an andere Leute zu verkaufen und von anderen zu kaufen, in unverschämtester Weise aus. An den von Grönländern gekauften Bärenpelzen verdient die Monopolgesellschaft 560 bis 1233 Proz„ an Fuchspelze» 2200 bis 3800 Proz., an Flaumfedern 2700 Proz., und ihre Fische müssen die Grönländer ebenfalls zu Spottpreisen verkaufen, damit der„Handel" seine Wucherprozente einheimsen kann! Gleichzeitig zieht der„Handel" wucherischen Gewinn von Waren, die nach Grönland eingeführt werden: An Gerstcngraupen werden 244 Proz.„verdient", an Brot 128, an Weizenmehl 128. an Kandis 203, an Zucker 100 bis 166 Proz. Wie das privatkapitalistische Interesse über das Interesse des Staates gestellt wird, dafür zeugt die Tatsache daß das Aus- bcutungsrecht auf die Kupfer-, Asbest-, Blei- und Grafitlager in Westgrönland einem Großkaufmann auf 2 0 I q h r e gegen die geringe Abgabe von 10 Proz. des Nettogewinnes überlassen worden ist. Diesem Manne steht es frei, die 5tonzcssion an irgend welche anderen Leute zu übertragen. Neben dänischen bewerben sich jetzt englische Kapitalisten darum, und der Staat steht ruhig zu, wie ein Privatmann aus den unterirdischen Reichtümern der Kolonie Wucherprofite zieht. finnlanä. Zarenknechtschaft. HelsingforS» 1. Oktober. Die Finauzkommission, an die der finnische Landtag am 11. September die Vorlage über die Bewilligung von 20 Millionen Mark für die militärischen Bedürfnisse des russischen Reiches überwiesen hatte, hat sich für die Bewilligung aus- gesprochou.— Inäien. Die englische Kolonialschmach. Dem„Reutcrschen Bureau" wird aus Kalkutta geineldet: K e i r H a r d i e, das der Arbeiterpartei augehörige Mitglied des Unterhauses, der zurzeit das östliche Bengalen unter dem Bei- stände der Leiter der Eingeborenenbewegung bereist und überall von den Hindus mit großer Begeisterung aufgenommen wird, erklärte in niehreren Reden, er halte Indien für ebenso berechtigt zur Selb st Verwaltung toie Kanada, und er werde sein Bestes tun, um Indien zu einer Kolonie mit Selbstverwaltung zu macheu. Nach einem Telegramm, welches das„Berliner Tageblatt" von seinem Londoner Korrespondenten erhielt, soll sich Keir Hardie einem Interviewer gegenüber folgendermaßen geäußert haben: Er habe seit seiner Ankunft in Mhmensingh Tatsachen erfahren, die klar erwiesen, daß in diesem Distrikt Indiens VerwaltungS» Methoden üblich sind, die sich mit denen in Rußland deckten, und daß daselbst Grausamkeiten begangen würden, die, wenn sie in England bekannt würden, ebensolche Entrüstung hervorrufen würden, Ivie die der Türken in Armenien.— Hmcnfca. Der olle ehrliche Nooscvelt. New Jork, 1. Oktober. Präsident Noosevelt hielt bei der Ent- hüllung des Mac Kinley-Dcnkmals eine Rede, worin er allgemeine Betrachiungen über„ehrlich und unehrlich erworbenen Reich- tun," anstellte: Die ehrliche Arbeit auch der Kapitalisten sei zu schätzen. Ein Teil der südanierikauischcn Republiken habe daS unterlassen und sei deshalb in der Eutwickelung zurückgeblieben; die eS aber getan hätten, seien prächtig gediehen.— Sie niiiiiche Revolution. Die Unruh c« im Heere. Offiziös wird gemeldet: Petersburg, 30. September. In Verbindung mit dem gestern gemeldeten Vorfall im B r e st s ch e n Regiment in Sewastopol sind heute dort neun Bewaffnete, unter diesen der frühere Lent- nant der Kwangtungschen Festungsnrtillcrie, GrinSkh, verhaftet worden. Diese ganze Angelegenheit in Sewastopol hat höchst- wahrscheinlich das Gerücht über die angebliche Meuterei auf Schiffen der Schivarziueerflotte hervorgerufen. Daß die„angeblichen" Dinge in Wirklichkeit nicht so harmlos waren oder noch-sind, wie sie die Petersburger Tclegraphenagentur darzustellen sucht, geht daraus hervor, daß privatim allmählich bestimmtere Meldungen durchsickern, von denen wir beispielsweise das folgende Telegramm des„Tag" registrieren: Seivastopol, 1. Oktober, 1 Uhr 18 Min. nachm. Im Hafen ist die Nnhe tv i c d c r h e r g e st e l l t. Die Teilnehmer an der Meuterei wurden vor das Feldgerichtgestellt. Drei vom Brestrcgimcut wurden hingerichtet. Auf dem Panzer- schisfc„Ssinop" ist die Mannschaft ruhig. Die Stadt durchziehen P a t r o n i l l tz n. In den Hase» und den Bahnhof wird uiemand ohne Erlaubnis hiuciugclasscn.... Der Herr Landhatiptmann. In einem Amtsbezirke des Kreises Borseusk(Goubcruement Tschernigoff) sind die Wahlen der Baucriibevolluiächtigtcn infolge des „eigenartigen" Auftretens des LandhauptmannS nicht zustande gc- kommen. Als die Gemeiiideversammlung vollzählig war, erschien der Landhaiiptmaim Gerardi und hielt eine Ansprache, die darin gipfelte: Wer wählen will, mag wählen, wer nicht, möge sich entferneu.(!) Alle Anwesenden sprachen den Wunsch auS, an den Wahlen teil- zunehmen. Da ergriff der Landhauptmann die Wählerliste, zerriß sie vor aller Augen und enifernie sich unter den Protestrufen der empörten Wähler. Diese Handlungsweise dcS energischen Land- Hauptmanns wurde allem Anschein nach dadurch hervorgerufen, daß in allen benachbarten Amtsbezirken desselben KreiseS in über- wiegender Majorität„linksstehende" Bauerichevollmächligte gewählt worden waren._ Huö der parteu Eröffnung der Parteischule. Am gestrigen DonnerSIag vormittag wurde der zweite Kursus der Parteischule, für den die Zeit vom 1. Oktober 1907 bis zum 31. März IVOS vorgesehen ist, im Beisein deS Lehrerkollegiums und von Vertretern des Parteivorstandes, der Redaktionen des„Vorwärts" und der„Neuen Zeit" eröffnet. Genosse Bebel begrüßte die Teilnehmer am zweiten Kursus im Namen des ParteivorftandeS. Der Eingriff der Polizei in die Arbeit der Parteischule beweise, daß dieses neue Institut sich bereits die nötige Achtung bei unseren Gegnern erworben habe. Die neue» Parteischüler sollten cS sich zur Pflicht machen, durch fleißige Arbeit an sich selbst dixse Achtung noch zu erhöhen. So bedauerlich es sei. daß zwei berufene Lehrkräfte der Schule nunmehr entzogen seien, so könne dadurch doch der Fortgang der Schultätigkeit nicht aufgehalten werden. Die deutsche Sozialdemokratie verfüge in ausreichendem Maße über die wissenschaftlichen Kräfte, die die entstandenen Lücken sofort zu schließen in der Lage seien. Genosse Bebel schloß mit dem Wunsche an die Parteischüler, daß ihre Arbeit im Interesse der Ge- samtpartei von bestem Erfolge gekrönt sein möge. Im Namen des Lehrerkollegiums richtete Genosse Heinrich Schulz einige Worte der Begrüßung an die Parteischüler, wobei er zugleich den beiden aus dem Lehrerkollegium geschiedenen Ge- nosten Dank und Anerkennung für ihr pflichteifriges und erfolgreiches Wirken im ersten Kursus aussprach. So erfreulich die wohlwollende abwartende Haltung des Essener Parteitags gegenüber der Partei« schule gewesen sei, ebenso erfreulich sei der Grtmm der Gegner, dem sie in so plumper Weise Ausdruck gegeben hätten. Damit schloß der Slkt und die Arbeit trat in ihr Recht. Mögt sie eine recht erfolgreiche sein._ Parteiliteratur. Der österreichische Arbeiter-Notizkalender für 1908 ist soeben er« schienen. Der Inhalt steht diesmal im Zeichen des gigantischen sieg- reichen Wahlkampfes: einer ausführlichen zuverlässigen Wahlstatistik über ganz Oesterreich folgen Porträts und Biographien der 87 Ab» geordnetem„Aufgaben der Vertrauensmänner",„Unfallversicherung", „Rechte der Staatsbürger",„Gewerkschastsstatistisches" und eine Reihe kleinerer Notizen und wertvolles Material für jeden, besonders aber für den agitatorilch und organisatorisch tätigen Arbeiter. Tabellen. TageS- marken und Einschreibblätter fügen sich dem praktischen Inhalte gut an. Ein Bild Emil KralikS ist dem Kalender vorangcschickt. Der Kalender ist gegen Einsendung von 90 Heller in Marke» bei der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand, Wien VI, Gumpcndorfcr- straße 18, zu haben._ Gcmeiiidewahlsiegt in Bade». Man schreibt unS: Außer dem bereits erwähnten Siege unserer Genossen in Dürren bei Pforzheim sind vom Monat September noch folgende Resultate zu verzeichnen: In Rahrbach bei Heidelberg erfocht die sozialdemokratische Partei in der dritten Wählerklasse einen Sieg gegen die bürgerliche Rat- Hauspartei, die mit den unlautersten Mitteln ihre Position zu halten versucht hat. I» diesem Dorfe ist nun die ganze Vertretung der dritten Klasse sozialdemokratisch. Um nnS nicht aufkommen zu lassen, wurde die Wahlzeit auf vormittags 8—9 Uhr verlegt in der Er- Wartung, daß die auswärts wohnenden Genossen ihr Wahlrecht nicht gebrauchen. In Bammenthal, in einer Waldgemeinde des Heidelberger Amtes, wurden sämtliche neun Kandidaten der sozial- demokratischen Lifte.gewählt. Durch diese Lebenszeichen der„Nieder- gerittenen" aus den Dörfern des Odenwaldes ist die Zahl der lozialdemokratischen Gemeindevertreter des Heidelberger Kreises schov auf über hundert angewachsen. Personalien. Genosse Bruno Sommer, Arbeitersekretär in Bant, wird die Redaktion des„V o l k S b o t e n" zu S t e t t i u erst am 1. November übernehmen. Die„Justice" und Mr. Morlcy. London, 28. September. Das sozialdemokratische Wochenblatt Englands, die von Onelch redigierte„Justice", darf nicht mehr in Indien zirkulieren. Die aus Hyndmans Feder stammenden Artikel über die englische Mißwirtschaft in Indien wurden der britisch- indischen Regierung gefährlich. polueUiebes, Ocnchtiichco uftv. Ein Freisprnch. T-rgau, 1. Oktober. (Privatdepesche des„�Vorwärts".) Heute stand Genosse Redakteur Fritz Düvell-DreSden bot dem hiesigen Landgericht wegen Beleidigung südweftafrikaiiischcr Beamter, die er in einer Wahlrede im Liebenwerdaer Kreise be- gangen haben sollte. Der Staatsanwalt beantragte sechs Mo- n a t e Gefängnis— das Gericht erkannte auf F r e i s p r u ch. Strafkonto der Presse. Vor dem Schöffengericht in Offen bürg(Baden) fand, wie man uns von dort schreibt, der erste Preßprozeß gegen da« sozialdemokratische Wochenblatt „Volköblatt" statt. Als Kläger trat der katholische Kaplan Wintermantel- Gengenbach auf, einer der eifrigsten Agitatoren der Zentrumspartei in der dortigen Gegend, und Mitarbeiter der hetzerischen ZentrumSpresie. DaS Gericht, dessen Vorsitzender eben- falls ein Zentrumsangehöriger ist, mußte dem Genossen Peter H a b erer- Offenburg den Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuchs einräumen, verhängte aber, wie schon kurz gemeldet, eine Geld- strafe von vierzig Mark. Gegen dasselbe Parteiorgan schwebt noch eine Privatfinge wegen Beleidigung des Verlegers des dortigen ZentrumSorgan» „Offenbg. Ztg.", der sich dagegen wehrt, daß es als ei» Handel mit Menschenflcisch bezeichnet wurde, wenn im Inseratenteil eines christ« lichcn Blattes reiche, katholisckie Mädchen von uiiternehinungslusiigcn. unbemittelten Herren zum„Einheiraten in'S Geschäft" gesucht werde». Eine Erkläning für diese ungewöhnliche Anhäufung der P r e ß b e l e i d i g u n g S k l a g e n, die von„Nachfolgern Christi" ausgehen und gegen die sozialocinokratisckic Presse sick> richten, glaubt man darin z» finden, daß unsere bndische» Gerichtshöfe immer mehr mit Richter» besetzt Iverden, ivelche der Zentrnmsrichtnng an- gehören. Davon hofft die Geistlichkeit die—- Vernichtung der gegnerischen Presse. Der Redakteur der„Schwäbischen Volkszeitung' in Augsburg, Genosse Simon, wurde wegen Beleidigung des Prokuristen Pfeiffer von der Maschinenfabrik Augsburg, des geistigen Leiters der dortigen Gelben, zu 25 M. Geldstrafe verurteilt. SewerksekaftUcbe#). Christliche Streikwürger. Der Streik der christlichen Zicglcr in A ch d n h c i m im Elsaß ivurde vor einiger Zeit für beendet erklärt. Wie dies vor sich ging, verdient als„christliches" Charakteristikum iit weiteren Kreisen bekannt zu iverden. Schon in den letzten Wochen des Kampfes ließ sich die christliche Streikleitung wenig im Slrcikgebiet sehen. Als am Mittlvoch, den 11. September, die Unterstützung ausbezahlt werden sollte, war von der Streikleitung niemand zur Stelle, und erst nach- den, der Vorstand der Achenheimer Verbandsfiliale mehrere Male bei der Streikleitung in Straßburg angefragt batte, erhielt er die Antwort, daß am Sonnabend, den 14. Sep- tcmber, die Auszahlung erfolge. Nachdem die Unter- stiitzung an diesem Tage durch die„christlichen Führer" K u h n- Straßburg und W ei chSIer- München erfolgt war. erklärten diese kurzerhand ohne Beschluß einer Versammlung der Streikenden, daß der Streik aufgehoben(!) sei und keine Unter- st ü tz u n g m e h r g e z a h l t w e r d e. Daß diese Erklärung der christlichen Strcikleiter helle Empörung unter den Arbeitern wachrief, läßt sich denken. Sie kamen zum Teil noch am Abend in das A r b e i t e r s c k r c t a r i a t nach Straß- b ii r g, äußerten, sich dem freien Verband anschließen zu wollen und es wurde min mit ihrem Einverständnis auf Montag, den 16. September, eine Versammlung der Streikenden in Achenhcim anberaumt. Als diese Bewegung zu den Ohren der christlichen Streiklcitcr kam, bekamen es diese mit der Angst um ihre Mitglieder zu tun und sie fanden sich am Montag schon vor der Versammlung ein, um nun zu er- klären, daß für diejenigen, die als gcmaßregclt ans der Strecke bleiben, die Strcikimterstützinig weiter gezahlt würde. Nicht die Menschenpflicht gegenüber den Streikenden| Ortsverwaltung der Versammlung den Vorschlag, obwohl das ganze War es. die veranlagte, dag nun die Unterstützung weiter Verhalten der Arbeitgeber als ein Hohn auf die Forderungen an gezahlt wird, sondern nur die Furcht vor der freien"GeWerk schaft. Der ganze Vorgang aber zeigt wieder einmal die „christlichen Führer" im schönsten Lichte. Berlin und Umgegend. An der Tanfvewegung der Töpfer sind auch die Arbeiter, welche ihnen das Material zutragen, die Töpferträger, beteiligt. Ebenso wie die Töpfer wehren sich auch die Träger gegen eine Ver- schlechterung ihres Tarifes, den die Innung gekündigt, sich aber nicht in Verhandlungen wegen Abschlug eines neuen Tarifes mit der Organisation der Träger eingelassen hat. Am Montagabend hielten die im Verbände der Bauhülfsarbeiter organisierten Töpfer- träger eine stark besuchte Versammlung ab, die sich mit der Frage beschäftigte, welche Taktik die' Träger in der gegenwärtigen Situation einzuschlagen haben. Das Ergebnis der Debatte war die einstimmige Annahme der folgenden Resolution: In Erwägung, dag die Tovfer-Jnnung den bisherigen Lohn� tarif der Träger gekündigt hat; in weiterer Erwägung, daß die Innung einen Vertreter der Trager trotz Versprechens nicht ein- mal zu den Verhandlungen zwecks Abschluß eines neuen Tarifes herangezogen hat, spricht die Versammlung ihr tiefstes Bedauern und starke Entrüstung über die Maßnahmen der Innung aus Die Versammlung würde als Protest gegen diese Maßnahmen der Innung sofort den Generalstreik erklären, sie nimmt aber aus Vernunftsgründen hiervon Abstand und erklärt: Sollte bis Mittwochabend kein Tarif mit den Organisationen der Töpfer und der Träger abgeschlossen sein, so treten die Töpfer träger gemeinsam mit den Töpfern in den Generalstreik und werden diesen Kamps mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln führen, bis sie den Sieg errungen haben. Eine sehr stark besuchte Versammlung des Vereins der Töpfer befaßte sich am Dienstag vormittag in„Mendts Klub Haus" ebenfalls mit den Vorgängen im Beruf. Bekanntlich haben die Unternehmer den Gesellen einen neuen Tarif unterbreitet, der gegen den abgelaufenen bedeutende Verschlechterungen enthält und versuchen nun. durch� Aussperrung rcsp. Aussperrungsandrohung die Gesellen zur Annahme dieses Tarifes zu zwingen. Die Ver- sammelten waren einmütig der Ansicht, daß ein solche? Ansinnen energisch zurückgewiesen werden müsse, um so mehr, als die Wirt schaftliche Position der Kollegen und die Konjunktur im Bern, durchaus nicht dazu angetan seien, materielle Schädigungen über sich ergehen zu lassen. Die Versammlung beschloß: Alle im Verein organisierten Kollegen stellen mit dem heutigen Tage die Arbeit ein. Die Kollegen richten an ihre betr. Unternehmer das ED suchen, sich schriftlich zu verpflichten, den bis zum 30. September in Kraft gewesenen Tarif weiter zu bezahlen. Eine weitere Maß nahmen beschließende Versammlung, zu der auch Verbandskollegen Zutritt haben sollen, soll am Freitagvormittag stattfinden. Zum Schluß legte die Versammlung Verwahrung ein gegen den Voo Wurf, die Lokalisten hätten sich nicht genügend um die Bewegung gekümmert. Sie hatten nicht nur das getan, sondern auch über ihre Bereitwilligkeit, mit den Verbandskollcgen gemeinsam vor. zugehen, keinen Zweifel gelassen, wie die Berichte in der„Einigkeit" beweisen._ Die Tarifbewegung der Etniarbeiter wird sicher zu einem Kampf führen, falls die Arbeitgeber sich nicht binnen wenigen Tagen noch zu einem für die Arbeiter annehm baren Friedensschluß bereitfinden. Die öffentliche Versammlung der Etuiarbeiter und Arbeiterinnen, die am Montag in Frankes Festsälen stattfand, faßte formell den Beschluß, die Arbeit am nächsten Tage, also sofort nach Ablauf des alten Tarifvertrages. niederzulegen; doch stimmte eine starke Minderheit für den Vor schlag der Leitung, erst noch das Einigungsamt anzurufen, so daß man schließlich auf die Durchführung des Streikbeschlusses vor. läufig verzichtete. Uebrigens zeugte auch der ganze Verlauf der Versammlung dafür, daß die Geduld der Arbeiter und Arbeite. rinnen erschöpft ist. Sie haben ja auch den Unternehmern in der vierteljährigen Kündigungsfrist Zeit genug zur Ueberlegung und Verhandlung über die sehr bescheidenen Forderungen gelassen. Zu nächst gab der Obmann Brucks von der Tarifkommission Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern, die am Freitag unter Vorsitz des Gewerbcrichters Dr. Meyer stattgefunden haben, deren allzu mageres Ergebnis im„Vorwärts" am Sonnabend kurz mitgeteilt wurde. Die Verhandlungen selbst waren außerordentlich schwierig. In allen wenigen einschneidenden Punkten kamen die Arbeitnehmervcrtreter den Wünschen der Arbeitgeber entgegen, u. a. hinsichtlich der dreijährigen Vertragsdauer an Stelle der bis- her zweijährigen. Aber die Erwartung, daß die Arbeitgeber nun auch ihrerseits Entgegenkommen zeigen würden, wurde gründlich enttäuscht. Die Forderung der Arbeitszeitverkürzung von 9 auf 8% Stunden beantworteten sie mit dem Angebot einer halbstündigen Verkürzung der Aufenthaltszeit in den Betrieben durch entsprechende Verkürzung der Frühstücks- und Mittagspausen. An Stelle der Durchschnittslöhne Mindestlöhne für die Arbeiter fest. zusetzen, lehnten sie rundweg ab, obwohl sie, merkwürdig genug, für die Arbeiterinnen die geforderten Bedingungen bewilligten. Bei ruhiger Ueberlegung müßten die Arbeitgeber in ihrem eigenen Interesse für die Beseitigung der höchst unpraktischen Bestimmung über den Durchschnittslohn sein, die namentlich bei Neueinstellungen immer wieder zu Streitigkeiten führt, welche bei Festsetzung eines Mindestlohnes vermieden werden. Sie hätten auf den geforderten Mindestlohn von 52 Pf. um so leichter eingehen können, da �ine Ausnahmebestimmung für solche Arbeiter vorgeschlagen war, die nach dem Urteil der Schlichtungskommission für minderleistungs- fähig erachtet werden, und die sich eventuell mit 45 Pf. Mindestlohn begnügen sollten. Das Angebot der Arbeitgeber über die Lohn- zulage, 2% Proz. jährlich während der dreijährigen Vertragsdauer, was dreimal einen ganzen Pfennig ausmacht, ist im„Vorwärts" bereits berichtet worden. Sonderbar ist es auch, daß die Arbeit- geber die Bestimmung, daß in Betrieben, wo günstigere Arbeits- bcdingungen als die tariflichen vorhanden sind, sie bestehen bleiben müssen, ablehnten. Irgendwelche triftigen Gründe, warum sie diese bei Abschluß von Tarifverträgen doch allgemein übliche Bestimmung nicht haben wollten, konnten die Arbeitgeber selbstverständlich nicht anführen. Erwähnt sei noch, daß die Arbeitgeber auch die Be- stimmung über die Arbeitsruhe am 1. Mai nicht mehr im Tarif- vertrage haben wollten, und daß die Arbeitnehmervertreter sich dann damit begnügten, das Recht der Maifeier protokollarisch fest- zulegen. Nachdem somit in den wichtigsten Punkten keine Einigung erzielt wurde, machte der Vorsitzende Dr. Meyer den Vorschlag, den alten Vertrag vorläufig zu verlängern. Die Arbeitnehmervertreter erklärten aber, daß sie wohl zum Abschluß eines neuen Vertrages, jedoch nicht zur Verlängerung des alten autorisiert seien, was nach der Verzögerung der ganzen Tarifangelegenheit durch die Arbeit- geber ja auch selbstverständlich erscheinen mußte. Inzwischen ist es nun bei vier Firmen zum Abschluß von besonderen Tarifverträgen gekommen. Es sind dies die Firmen Priester u. Sohn, wo auch Kartonnagearbeiter und Arbeiterinnen tätig sind, für die die neuen Bedingungen gleichfalls gelten, Tinius, Berger und R e i ch p i e t s ch. Sie haben die Forderungen ganz oder mit ge- ringen Abänderungen bewilligt. Die Verträge sind mit der Be- dingung abgeschlossen, daß, wenn ein allgemeiner Tarifvertrag zustande kommt, dieser auch für jene Firmen gelten soll. Die vier Firmen beschäftigen fast ein Drittel der gesamten Etuiarbeiter Berlins. Daß sie sich mit den Arbeitnehmern geeinigt haben, mag wohl dazu beigetragen haben, daß sich die Arbeitgebervereinigung nun doch noch zu einem„weiteren Entgegenkommen" entschloß. Wie dem Obmann Brucks durch den Generalsekretär Nasse mit- geteilt wurde, will man die Lohnzulage für das erste Tarifjahr auf 4 Proz. festsetzen. Die Forderungen der Mindestlöhne, Arbeitszeit- Verkürzung, Feiertagsbezahlung werden nach wie vor abgelehnt. Der Referent machte nun namens der Tarifkommission und der zusehen ist, doch noch das letzte Mittel der friedlichen Einigung, die Anrufung des Einigungsamtes des Gewerbcgerichts, zu ver- suchen, und empfahl eine dementsprechende Resolution. In der Diskussion sprachen sich jedoch die meisten Redner ganz entschieden gegen eine weitere Verzögerung der Angelegenheit und für sofortige Arbeitsniederlegung aus, und obwohl die Mitglieder der Tarif- kommission sowie der Ortsvorsitzende K l a r des Buchbinderverbandes und das Verbandsvorstandsmitglied Härder für die vor- geschlagene Resolution eintraten, wurde diese von der Versamm- lung abgelehnt und statt dessen mit 54 gegen 40 Stimmen be- schlössen, am nächsten Tage die Arbeit nicht wieder aufzunehmen. Mit Rücksicht auf die starke Minderheit der Gegner der s o f o r- t i g e n Arbeitsniederlegung sowie mit Rücksicht darauf, daß sich ein großer Teil der Stimme enthalten hatte, ermahnte Klar die Ver- sammelten, von der Durchführung des Streikbeschlusses vorläufig Abstand zu nehmen. Damit erklärte sich die Versammlung denn auch einverstanden: ebenso mit dem Vorschlage, sofort das Einigungsamt anzurufen, wie es übrigens auch der nun ab- gelaufene Tarifvertrag vorschreibt. Sobald das Ergebnis dieses letzten Versuches zu friedlicher Einigung vorliegt, wird eine neue Versammlung zwecks Entscheidung über die weiteren Maßnahmen stattfinden._ Der deutsche Trimsportarbeitcrvcrband hat mit dem 1. Oktober einen günstigen Tarifvertrag für die Fräsereikutscher abgeschlossen, der bis zum 16. Januar 1910 Geltung haben soll. Schon seit Anfang August waren die Unter Handlungen im Gange, die sich in die Länge zogen, weil der Verein der Fräsereibesitzer erst mit dem Holzarbeiterverband Vereinbarungen in bezug auf die Maschinenarbeiter treffen mußte. In fünf Sitzungen in welchen der Vorstand des Vereins der Fräsereibesitzer, der Trans Portarbeiterverband und eine Lohnkommission der Arbeitnehmer ver- treten waren, wurde der Tarifvertrag für die Fräsereikutscher ver- einbart, der die folgenden hauptsächlichen Bestimmungen enthält: Der Anfangslohn für Kutscher, welche nachweislich schon in Fräsereien usw. beschäftigt waren und mit den vorkommenden Arbeiten vertraut sind, beträgt 28,60 M. pro Woche. Kutscher, welche noch nicht in der Branche tätig waren, erhalten einen Anfangslohn von 24,60 M. pro Woche. Dieser Lohn erhöht sich nach einer Beschäftigungsdauer von 3 Monaten auf 26,60 M.. nach iveiteren 3 Monaten auf 26,60 M. und nach weiteren 3 Monaten auf 23,60 M. pro Woche. Für das Füttern der Pferde am Sonntagnachmittag erhält der Kutscher eine Vergütung von 50 Pf. In Betrieben, wo mehrere Kutscher beschäftigt sind, soll diese Arbeit abwechselnd bewerkstelligt werden. Der Anfangslohn für jugendliche Arbeiter, Mtfahrer je. beträgt pro Woche bei einem Alter von 17 Jahren 17 M., 18 Jahren 13 M., 19 Jahren 19 M.. 20 Jahren 20 M.. 21 Jahren 21 M. Arbeiter, über 22 Jahr alt, erhalten einen Anfangslohn von 24 M. pro Woche. Bezüglich der Erhöhung dieser Löhne findet das zu 1 bei den Kutschern Gesagte auch bei den Hülfsarbeitern ent- sprechende Anwendung. Die Arbeitszeit der Kutscher beginnt des Morgens S resst ö'/a Uhr. Die Touren der Kutscher sind so zu regeln, daß die Beendigung der Arbeit des Abends zwischen 6 bis 7 Uhr erfolgen kann. Die Mittagspause für Kutscher richtet sich nach der Fabrik pause. Die tagliche Arbeitszeit für die Arbeiter regelt sich nach der für Maschinenarbeiter, mit der Maßgabe, daß diejenigen Arbeiter, welche das Aufräumen und Reinemachen der Werkstätten zu besorgen haben, gehalten sind, diese Arbeit bis 7 Uhr abends zu bewerkstelligen. Die Pausen regeln sich ebenfalls nach den Fabrikpausen. Ueberstunden werden den Arbeitern nach 7 Uhr abends mit einem Aufschlag von 10 Pf. pro Stunde vergütet. Zu Arbeiten, die nicht Sache des Kutschers sind, wie innere Be triebSarbeiten, Privatfuhren usw. darf dieser an Sonn- und Feier tagen nicht herangezogen werden bezw. muß diese Arbeit pro Stunde mit 76 Pf. vergütet werden; dasselbe gilt auch für eventuelle Leistung von Privatfuhren für den Arbeitgeber nach Feierabend. Die Verbesserung der Verhälttnsse in bezug auf den Lohn allein wird einleuchtend, wenn man bedenkt, daß der Durchschnittslohn rüher 26 M. betrug, während jetzt 23,60 M. als Minimallohn gelten.— In zwei Versammlungen nahmen die Arbeiter Stellung zu dem vorgelegten Vertrage und gaben ihre Zustimmung dazu. » Einen anderen Vertrag, der ein Jahr vom 1. Oktober ab Geltung haben soll, schloß der Deutsche Transportarbeiterverband mit der Firma Internationales Glas- und Gebäude« Reinigungsinstitut Alex Nelken, Berlin, ab. Auch hier wurde eme Lohnerhöhung erzielt. Achtung, FriseurgehÜlfen! Wegen Tarifbruch sind für Mitglieder gesperrt: Werner, Veteranenstr. 13/19 und G e n s, Gleimstr. 10. Verband der FriseurgehÜlfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. I. A.: Paul Liere. Oeutkches Reich. Die Lage in der Niederlaufitz. E e n f t e n b e r g, den 30. September.(Eig. Ber.) Ueber die Lage der Metallarbeiter im Reviere hatten wir. bt reits berichtet. Weil sie zum größten Teile unorganisiert waren und noch sind, ist es ihnen nicht möglich, eine Aufbesserung ihrer Lage zu erlangen. Auf der der Halleschen Pfännerschaft gehörigen Grube „Schöppenthau und Wolff" baten die Schlosser und Schmiede um Lohnerhöhung. Der Meister erkannte die Berechtigung der Forderung an und schickte die Leute zum Direktor. Dieser wollte die Löhne auch nicht selbständig aufbessern können und verwies an den General« direktor. Anderen TageS lief die Antwort ein. Sie lautete auf Kündigung der dreiWortführer. So behandelt man im Kohlenrevier der Niederlausitz gelernte Leute I Die am Sonntag nach„Neurostollen" unter Erregung des größten Aussehens transportierten Arbeitswilligen waren in Breslau ge- worden. Der vom Stellenvermittler Joseph Scholz dort'aus- gestellte Konttakt verspricht den Arbeitern 6 M. pro Tag Lohn und im Akkord 4—7 M. Der Schlußpassus lautet dahin, daß die Leute während der Dauer ihrer Beschäftigung keinem Verbände angehören dürfen. Mittels Exttazuges kamen heute morgen zirka 3 00 in Essen und Holland geworbene Arbeitswillige an. Ein Wagendes Zuges war voll von endarmenl Die Leute wurden wie die Schafe getrieben und ollen sie stellenweise mit blanker Waffe zusammengehalten worden sein. Zur Verstärkung sind weitere sechs Gendarmen ein- getroffen. Ebenso sollen noch Polizisten kommen. Die Bevölkerung des gesamten Reviers befindet sich in Auftegung; es ist zur Stunde noch nicht abzusehen, was daraus wird. Eine Privatdepesche meldet uns noch: Senftenberg, 1. Oktober. Beim Streikbrechertransport 'ind in Halle drei Mann schwer verunglückt. In Senften- berg waren alle Direktoren zum Empfang der Arbeitswilligen auf dem Bahnhofe versammelt. Das Bier wurde eimerweise getrunken und die Ankommenden wurden mit Wurst und Brötchen bewirtet. Trotzdem brachte der Transport den Unter- nehmem eine Enttäuschung. Die„Arbeitswilligen" nämlich— unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach hier gelockt— entpuppten sich als nicht Arbeitswillige und verweigerten die Aufnahme der Arbeit. Im Senstenberger Distrikt herrscht infolge der Vorkomm- nisse große Aufregung. I» der Aluminiumwarenfabrik von F. W. Müller u. Co. in Gößnitz haben am Montag die Klempner und Drücker die Arbeit wegen Lohndifferenzoy niedergelegt. Zuzug ist fernzu- halten.__ Die Meistersöhne. Der jüngste Bäckerstreik in Regensburg und Straubing hat den Bäckermeistern Bayerns Veranlassung gegeben, die Gründung von Streikbrechervereinen mit größtem Eifer zu betreiben. So werden jetzt in allen größeren Orten Vereine der Bäcker« meisters ö h n e gebildet, deren Aufgabe es sein soll, bei aus- brechenden Streiks der Bäckergehülfen als fliegende Streikbrecher- kolonnen aufzutreten._ Eine Tarifbewegung in den Lebkuchenfabrike» Nürnbergs, die schon längere Zeit schwebt, ist jetzt endlich auf ftiedlichem Wege zu Ende geführt worden. Die Unternehmer wehrten sich insbesondere mit der größten Hartnäckigkeit gegen eine Verkürzung der Arbeits- zeit, da aber die Arbeiter ebenfalls fest blieben, gaben die Fabri- kanten schließlicb auch in diesem Punkte nach. Der am 1. Oktober in Kraft tretende Tarif setzt die Arbeitszeit auf 67 Stunden pro Woche, den Mindestlohn für Konditoren auf 3,60 Mark, für Bäcker und sonstige Arbeiter auf 3,10 und für Arbeiterinnen auf 1,70 Mark pro Tag fest; ab 1. Januar 1903 werden die Mindestlöhne um je zehn Pfennig pro Tag erhöht. Alle ständigen Arbeiter erhalten sofort eine Lohnzulage von täglich 30 Pfennig, ab 1. Januar 1908 wird nochmals eine Zulage von 10 Pfennig gewährt. Die in Buch- und Steindruckereibetrieben beschäftigten HülfS- arbeiter und-Arbeiterinnen zu Königsberg sind in eine Lohn- bewegung eingetreten. Die Arbeiter fordern Tarifabschluß nach Art der bereits in vielen Städten Deutschlands bestehenden Ver- träge. Als Grundlage für die Königsberger Lohn- und Arbeits- bcdingungen haben die Verträge von Darmstadt und Magdeburg gedient. Die Tarifsätze werden in diesen Tagen allen Buch- und Steindruckprinzipalen zugehen auch wird an den Vorstand des Be- zirksvereins Ostpreußen im Deutschen Buchdruckerverein eine Ein- gäbe gerichtet werden mit dem Ersuchen, zum Abschluß eines Tarif- Vertrages hülfreiche Hand zu bieten. Die Arbeiter sind fast ohne Ausnahme im Zentralverband der Buchdruckereihülfsarbeiter or- ganisiert. Die Mitgliedschaft Königsberg wurde im Frühjahr dieses Jahres gegründet und geht zum erstenmal ins Feuer. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Uu stand. Die Lohndifferenzen in der Goldleistenindustrie in Schweden, über welche wir kurz berichteten, sind nach Mitteilung der Jnter- nationalen Union der Holzarbeiter nunmehr beigelegt und Sperre somit wieder aufgehoben. die Eue der frauenbenegung. Aus der politischen Frauenbewegung in Bayern. In Bayern findet in der Zeit von jetzt bis 14. Oktober eine umfassende Agitation statt, durch Abhaltung von Frauenprotest- Versammlungen, in denen die Forderung erhoben wird, den Frauen die politischen Rechte zu verleihen. Es soll an die bayerische Ab- geordnetenkammer der Anttag gerichtet werden, den Artikel 16 des bayerischen Vereinsgesetzes, der den Frauen die Teilnahme an politischen Vereinen verbietet, aufzuheben und allen weiblichen Personen von über 20 Jahren das Wahlrecht zu verleihen. Ein Streik in offiziöser Darstellung. Paisley(Schottland), 1. Oktober.(W. T. B.) In den hiesigen Zwirnfabriken verübten heute 400 weibliche Angestellte, welche mit der Entscheidung in der letzten Lohnbewegung unzufrieden waren, Ausschreitungen. Sie warfen die Fenster der Fabriken ein und zwangen die Arbeiterinnen, welche noch arbeiteten, sich ihnen anzu- schließen, wodurch ein vollständiger Stillstand der Arbeit eintrat. Die Polizei hatte außerordentliche Mühe, die Ausständigen auScin- andcrzubringcn. Die Direktoren haben die Fabriken geschlossen. 5090 Arbeiter feiern. Verantw. Redakteur: Haus Weber- Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdr. u. Verlagsanstalt Maul SingerLcEo.. Berlin 21V. Hierzu 2 Beilageu u. UnterhaltungSblatt Smgegangene vrucklckriften. Die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung. Herausgegeben von Eduard Bernstein. I. Teil: Vom Jahre 1848 bis zum Erlaß des Sozialistengesetzes 1873. Illustriert mit Bildern und Dokumenten auZ der Zeit. 17 Lieserungen a 30 Pf. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlins SW. 68. Berlin ist der Mittelpunkt des politischen Lebens geworden und so ist auch die Berliner Arbeiterbewegung eng verbunden mit der Arbeiter- bewegung des ganzen Deutschen Reiches. Was Bernstein in seinem Buche schildert, ist darum auch nicht nur Berliner Bewegung, sondern cS ist zugleich ein Kapitel der deutschen Ar- beiterbewegung überhaupt. Und darum verdient das Buch auch die Beach- tung der gesamten deutschen Arbciterllasse. Ein ftanzöslsches Sittenbild„Rosa und Ninettc« von Alphonse Daudet gelangt in den neuesten Hesten der illustricrien Romanbibliothek „In Freie» Stunden" zum Abdruck. Ferner enthält das Hest die Fort- setzung der historischen Erzählung„Die Pilger der Wildnis« von Joh. S ch e e r, sowie unlerhaltende und belehrende Artikel usw. Nene Gesellschaft. Hest 14.(Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Lüh Braun.) Verlag Berlin NW. 6, Charitästr. 3. Einzelheit 10 Pf. Bus einer deutschen Botschaft. Zehn sJahre deutsch. amerikanischer Diplomatie von BotschastSrat a. D. E. Witte. Brosch. 4 M., geb. SM. ' eilbildcr-Vcrlag, Leipzig, Oucrstr. 4 b.— F. Solomon. Die Deutschen arteiprogramme. Hest 1, geh. l,40 M. Heft 2, geh. 1,60.— Ernst Beniheim. Quellen zur Geschichte des JnvcstiturstrcitcS Hest 1, geh. 1,40 M., Hest 2 1,20(Ouellensammlung zur deutschen Geschichte.) Verlag: "" G. Teubner in Leipzig. Soziologie. Positive Lehre von den menschlichen Wechseldeziehimgen. 228 Seiten. Verlag F. A. Brockhaus in Leipzig. Geschäftsbericht der Konsumgenossenschast Berlin und Umgegend. 12 Seiten. Verlag Singer u. Co., Berlin£>W. 68. Wie werde ick, von meiner Neurasthenie befreit 7 Von Dir. Max Pfenning. Verlag Reform(P. Müller) Stuttgart. 1,80 M. Ter Mensch n»d die Erde. Die Eiitstehung, Gewinnung und Ber- Wertung der Schätze der Erde als Grundlagen der Kultur. Herausgegeben von H. Kramer. Lieferung 31—36. 120 Lieferungen a 60 Pf. Verlag: Bong u. Co., Berlin W. 57. Dr. S. Weinberg. Ueber den Einfluß der GeschlechtSfunktionen auf die weibliche Kriminalität. Juristisch pshchiattische Grenzstagen. VI. Bd. Heft 4. C. MarholdS Verlag in Halle a. S.(Preis 1 M.) Bilz. Goldene Lebensregeln. 26 Seiten. 2 M. Verlag! F. E. Bllz in Dresden._ Letzte JVachncbten und Dcpefcbea Das Wüten der Reaktion. Petersburg, I. Oktober.(W. T. B.) Das Militärgericht hat acht Arbeiter von der Narwfchen Flachsspinnerei wegen der Er- mordung des Fabrikdirekt«rs Ott- Prlzer zum Tode durch jde» Strang verurteilt._ AeetylengaS-ExPlosioa. Josefstadt, 1. Oktober.(B. H.) Im Hotel Otto fand eine Acethlen-Explosion statt, wobei der Hotelbesitzer und ein Hotelgast getötet wurden._ Wieder ein Weinstrecker! Landau, 1. Oktober.(B. H.) In der Strafsache gegen Isidor Michel aus Edesheim wegen Weinfälschung wurde heute mittag das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde zu drei Monaten Ge- fängnis und 2000 M. Geldstrafe eventuell weiteren 6 Monaten Ge- fängnis verurteilt. 64 000 Liter Wein wurden eingezogvn. Nr. 280. 24. Iahrgavg. 1. KilM ilrs Jotraiittü" Kerlim lolMIntt. WM-ch, 2. Stt-dek 1907. SPartcitag der deutichen Sozialdemokratie In Oeiterreicft. Wien, 30. September. Nachdem Brettschneider-Wien im Namen der Wiener Lokal- crganisation und Server im Namen der beiden Ottakringer Wahl- kreise die Delegierten herzlich willkommen geheimen, eröffnet Pernerstorfer. der den Vorsitz führt, die Verhandlung mit folgender Ansprache: Mit großer Freude und Genugtuung, mit einem gewiß nicht unberechtigtem Stolze kann die Sozialdemokratie Oesterreichs und nicht zuletzt die deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs heute zurück- blicken auf die vielen Fahre des Kampfes, die wir hinter uns haben. Es sind 40 Jahre her, daß die österreichische Sozialdemo- kratie besteht. Während der ganzen 40 Jahre ist der erste Punkt des politischen Programms der Partei die Erringung des qll- gemeinen Wahlrechts gewesen. Kämpfe zahllos, Kämpfe nicht ohne Opfer, haben wir in diesen 40 Jahren geführt. Es mußte unend- lieh viel geleistet werden, bevor das allgemeine Wahlrecht, diese erste und natürliche Vorbedingung des politischen Lebens, in Oester- reich geschaffen wurde. Wir wisien, daß verschiedene Umstände mitgewirkt haben, die gerade in diesem Zeitpunkt das allgemeine Wahlrecht erringen ließen. Aber ohne die Sozialdemokratie, ohne die unablässige Arbeit der Sozialdemokratie durch 40 Jahre würde das allgemeine Wahlrecht auch heute noch nicht errungen sein. (Lebhafte Zustimmung.) Wir wissen sehr genau, daß die Forde- rung der Partei zusammengefallen ist mit dem Interesse dieses fast im Sterben liegenden Staates. Aber wir nehmen das Haupt- verdienst an der Erreichung dieses Rechtes für uns in Anspruch. (Lebhafter Beifall.) Wir stehen nun vor einer neuen politischen Situation. Zu neuen Aufgaben lockt ein neuer Tag. Die öfter- reichische Sozialdemokratie wird auch fürderhin dieselben Wege tvandeln wie bisher. Sie ist geradezu dadurch gekennzeichnet, daß sie immer trefflich verstanden hat, das, was im hämischen Sinne positive Arbeit genannt wird, zu leisten, und dabei nicht aus den Augen zu lassen, daß wir eine prinzipielle Partei sind, daß das, was wir als unser Endziel betrachten, uns immer vor Augen steht, daß wir den Unterschied zwischen uns und allen bürgerlichen Par- teicn nie vergessen haben.(Lebhafter Beifall.) Die Hauptaufgabe dieses Parteitages wird es sein, der Partei eine neue Organisation zu geben, von der wir hoffen, daß sie die Grundlage für ein neues, festeres Gefüge unserer Partei sein wird. Auf diesem ersten Parteitag unter dem allgemeinen Wahlrecht wollen wir der Ge- nossen der anderen Nationen gedenken, die mit uns gemeinsam gekämpft und gesiegt haben. Wir danken allen Organisationen, besonders auch den Gewerkschaften, die uns die große Kraft, die uns die Grundlage unserer Organisation gegeben haben. Gewerk- schast und politische Partei werden immer eines Sinnes sein, un- löslich verbunden zu einem Körper, einig in dem Entschluß, vor- tvärts zu marschieren.(Lebhafter Beifall.)— Redner gedenkt dann der vielen verstorbenen Genossen, die als einfache Parteigenossen ihre Schuldigkeit getan haben, und der bekannten Genossen, deren Andenken ihren Tod überdauern wird, des un- vergeßlichen Josef Scheu, der der Partei die prächtigen Kampf- licder gegeben hat, vor allem das„Lied der Arbeit", Emil K r a l i k s, des Mitarbeiters der„Arbeiterzeitung", und auch Jgnaz Auers, eines der besten Männer in der deutschen Bruder- Partei. Gestern nachmittag ist wieder einer der ganz Alten vom p'ode ereilt worden. Julius M o t t e l e r, der in der Zeit ernster Verfolgung sich mit seiner ganzen Kraft für die Partei ein- gesetzt hat. Der Parteitag hat sich zu Ehren der Verstorbenen von den Plätzen erhoben. Pernerstorfer heißt dann die Gäste willkommen: Richard Fischer für die deutsche Sozialdemokratie, T« S z a r z, W e l t n e r und Großmann für die ungarische Sozialdemo- kratie, Fritz Adler für die deutsch-österreichische und ungarische Sozialdemokratie in der Schweiz, Dr. W i t t u k für die Ruthenen und K r i st a n für die Slovenen. Richard Fischer-Berlin (mit lebhaftem Beifall begrüßt) führt dann aus: Ich bin von der deutschen Parteileitung beauftragt, Ihnen die besten Grüße und Wünsche der deutschen Partei für das gute Gedeihen der Arbeiten Ihres Parteitages zu überbringen. Sie begehen Ihren Parteitag unter günstigen Auspizien nach einem Wahlsiege, so großartig und glänzend, wie ihn die Genossen selbst nicht vermutet, die Gegner selbst nicht gefürchtet haben. Wir Deutschen empfinden noch eine besondere Genugtuung bei Ihrem Erfolge. Er ist uns ein gewisser . Trost für den Mißerfolg, den wir selber erlitten haben, ein Miß- erfolg, dessen Ursache die Folge Ihres Sieges sein wird: der Zu- sammcnschlutz aller Gegner.(Zustimmung.) Sic haben durch Ihre Delegierte auf unseren Parteitagen immer mit zu weit ge- triebener Bescheidenheit erklärt, Sie hätten viel von uns zu lernen. (Zuruf: Haben wir auch!) Nun, dann können wir ja stolz sein auf unsere Schüler. Aber so wie die Dinge liegen, scheint es, daß es auch einmal umgekehrt kommen kann.(Heiterkeit.) In Ihrem großen Kampfe um das allgemeine Wahlrecht haben Sie die Technik dieses Kampfes gelernt. Wenn wir jetzt in Preußen diesen Kampf um das allgemeine Wahlrecht aufnehmen, bann ist vielleicht die Zeit für uns Deutsche gekommen, in dieser Technik des Kampfes von Ihnen zu lernen. Wir wissen mit Ihnen, daß mit dem allgemeinen Wahlrecht erst der Boden zu dem großen Kampfe geschaffen ist. daß die Schwierigkeiten damit nicht über- wunden sind, sondern neue größere sich Ihnen gegenüberstellen werden. Sie haben zu verteidigen, was Sie gewonnen haben, wir werden wiedererobern, was wir verloren haben.(Lebhafter Bei- fall.) Auf jeden Fall wissen wir aber, daß, sowie wir uns stets als Glieder einer gewissermaßen gemeinsamen Partei gefühlt haben, wir auch in Zukunft helfend und anfeuernd auf beiden Seiten in guten und schlechten Tagen zusammenstehen werden. (Lebhafter Beifall.) Im Namen der ungarländischen Sozialdemo- kratie spricht Teszarz: In der Ferne betrachtet man Ungarn als freiheitliches Land. Aber wir. die verdammt sind, in Ungarn zu leben, wissen andere Dinge von der ungarischen Freiheit zu erzählen. Das Volk ist unterdrückt, die Unabhängigkeitspartei, die sich in der liberalen Äera demokratische Allüren aab, ist reaktionär, die Heimtücke dieser Regierung, die uns vor drei Jahren das Wahlrecht versprochen hat, hat das Volk getäuscht und will das Wahlrecht eskamotieren. Nun ist gerade die Wahlrechtsbewegung in Ungarn im Gange. Am 10. Oktober, dem Eröffnungstage des ungarischen Parlaments, soll in Ungarn ein allgemeiner De mon st rations streik proklamiert werden. Schon 100 Städte haben sich dafür er- llärt. Die Staatsgewalt sucht die Bewegung zu unterdrücken. Aber nicht umsonst haben wir bei Euch in Oesterreich gelernt, und wir werden in Ungarn nicht eher Ruhe geben, als bis w>'- das allgemeine Wahlrecht haben.(Lebhafter Beifall.) Dr. Fritz Adler begrüßt den Parteitag namens der Landesorganisation der deutschen und ungarischen Sozialdemokratie in der Schweiz, der ältesten Organisation deutscher Zunge, die noch aus den 40er Jahren, aus den Zeiten Weitlings herrührt. Es sind 49 Organisa- tionen mit 3000 Mitgliedern. Eine besondere Organisation in der Schweiz ist notwendig, um die Schweizer Genossen in ihrer Agitation nicht zu hemmen, um die Genossen, die nach der Schweiz kommen, vor Enttäuschungen zu bewahren. Sie sehen in der Schweiz das Land der Freiheit und finden dann, daß der soziali- ftischen Bewegung jedes revolutionäre Temperament fehlt. Ka haben wir die größte Mühe, zu verhindern, daß sie den Anarchisten in die Hände fallen, die auch unter einem anderen Namen als Syndikalisten auftreten. Nachdem Dr. Wittnk namens der ruthenischen Sozial- demokratie und Kristan namens der slovenischen Sozialdemokratie den Parteitag begrüßt haben, und bc- sckilossen worden ist, den Gruß des 83jährigen Friedrich Leßncr telegraphisch zu erwidern, erstattet Skarct den Bericht der Parteileitung. Er gibt in großen Zügen ein Bild des Wahlrechtskampfes, hebt die Taktik Adlers im Wahlrechtsausschusse hervor, der sich mit weiser Mäßigung zurückgehalten und nie in den Vordergrund gedrängt habe, um die Bürgerlichen nicht kopfscheu zu machen, und der doch erreicht habe, was er erreichen wollte. Der Erfolg des Wahl- kampfes hat die Erwartungen übertroffen, er hätte aber noch un- gleich größer sein können, wenn wir organisatorisch und materiell besser gerüstet gewesen wären. Wir haben Niederlagen in Be° zirken erlitten, wo es nicht notwendig gewesen wäre. Und während in anderen Ländern die Mittel für einen solchen Kampf bereit- stehen, haben hei uns die einzelnen Wahlkreise so gut wie gar keine Mittel und die Mittel der Zentrale, aus der noch die anderen Exekutiven unterstützt werden müssen, sind viel zu gering. Neben der Ausgestaltung der Organisation muß das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden, die Einnahmen für die pö- litis che Partei zu erhöhen. Unser Erfolg darf kein Faulbett für uns werden, im Gegenteil, wir müssen das Augen- merk auf die Schäden richten, die sich gezeigt haben und auf ihre Beseitigung hinarbeiten.(Bravo!) Hierauf erstattet Dr. Ellenbogen den Kassenbericht, Dr. Tzech den Bericht der Kontrollkommission. Es folgt der Bericht der Fraktion des ReichSrats durch Rieger: Zwei Dinge mutz sich jede sozialdemokratische Frak- tion stets vor Augen halten: 1. daß sie eine streng proletarische Politik zu treiben hat, die darauf ausgeht, in den Parlamenten Konzessionen für die Arbeiterklasse zu erzielen und zweitens, daß sie bei der Betätigung und der Taktik dieser Opportunitätspolitit das große Endziel in ihrer Bewegung nicht aus den Augen lasse. Das Prinzip darf niemals taktischen Erwä- gungen geopfert werden. Die Fraktion glaubt, gegen dieses Programm nicht gefehlt zu haben. Redner geht dann die Tätigkeit der Fraktion im einzelnen durch und beleuchtet die Frak- tionen im gegenwärtigen Parlament. Unter dem heuchlerischen Vorwande einer neuen Koalition gegen die slavische Gefahr hat sich die deutsche freisinnige bürgerliche Partei unter den Schutz der Klerikalen und Christlichsozialen begeben. Auf deutscher Seite ist der Bund gegen die Sozialdemokratie perfekt. Auch den Polen- klub haben die Herren mit einbezogen, um so die Schutzwehr gegen die sozialdemokratische Hochflut zu verstärken. Die Angst vor dem roten Gespenst wirft alle alten Grundsätze über den Haufen. Diese Parteikonstellation, deren EntWickelung wir vorausgesehen haben, ist uns nur erwünscht, denn wir wollen klaren Boden für unseren Klassenkampf.(Bravo!) Richter(Bergstadt in Mähren) tadelt, daß die Fraktion für die Erhöhung der höheren Beamtengehälter gestimmt hat.— Dr. Adler: Seit unserem letzten Parteitag in Salzburg sind 3 Jahre verflossen. Diese 3 Jahre gehören zu den Erlebnissen, die Leuten, die in der Bewegung stehen, nur einmal passieren. Es war eine Zeit, nicht nur unvergeßlich, sondern auch der volle Ausdruck für die Fähig- keit und Leistungen, die die österreichische Arbeiterklasse auf- zubringen vermag. Wir haben niemals unsere anderen Aufgaben übersehen. Aber unsere Parteitaktik muß innerhalb und außerhalb des Parlaments ausschließlich von dem Gesichtspunkt der Er- oberung des Wahlrechts beurteilt werden. Wir haben in diesem Kampfe nie Ursache gehabt zu fürchten, daß wir, indem wir dem Proletariat kleinere oder größere Vorteile eroberten, indem wir ihm Schritt für Schritt den Weg bereiteten, uns dadurch vom Endziel entfernt hätten. Die österreichische Partei genießt heute im Auslande— das war in Stuttgart mit Händen zu greifen— vermehrtes Ansehen wegen der Erfolge, die sie davongetragen hat. Aber ich möchte Sic warnen, unsere eigene Tüchtigkeit nicht allzu hoch einzuschätzen. Glauben wir nicht, unsere Taktik sei so gut und unser Elan so groß, daß wir die vor uns liegenden Aufgaben ebenso schnell zu lösen imstande sein werden, wie wir die alten gelöst haben. Es ist mir etwas angst geworden, als die Deutschen so unsere Klugheit lobten.(Heiterkeit.) Ich finde, daß wir uns viel besser als Schüler denn als Lehrmeister ausnehmen(Leb- hafte Zustimmung.) Wir haben im Wahlkampf nicht nur Aus- dauer und Hingebung, sondern auch ein gut Teil unserer Partei- kraft verbraucht, die uns für unser inneres Wachstum schmerzlich abgeht. Von uns kann mancher lernen, das mag sein, aber wir selber haben noch viel zu lernen.(Lebhafte Zustimmung.) Inten- sive Arbeit im Innern tut uns not. So bald etwas Ruhe ist, müssen wir diese Arbeit aufnehmen.(Lebhafter Beifall.) Redner beantragt, die Parteileitung zu beauftragen, für eine Dokumenten- sammlung Vorkehrung zu treffen, um eine Geschichte der öfter- reichischen Sozialdemokratie iy einer diese Geschichte fördernden Weise vorzubereiten. Pernerstorfer und Seitz stellen gegen Richter fest, daß die Er- höhung der höheren Beamtengehälter mit einem Gesetz verknüpft war, das die Erhöhung aller Beamtengehälter brachte und nicht scheitern durfte.— Bernt- Wien bringt den„Besuch in der Hofburg" zur Sprache. Er bemängelt, daß der Fraktionsbericht über diese Tatsache ohne jede Bemerkung hinwegging. Mit diesem Besuch wären durchaus nicht alle Parteigenossen einverstanden. Besonders peinlich berührte es, als man am anderen Tage in den bürgerlichen Blättern, besonders in einem christlichsozialen, las, was für tiefe Verbeugungen unsere Abgeordneten vor den höchsten Personen gemacht hätten.(Wider- spruch.) Das hat die Arbeiter durchaus nicht sympathisch berührt. In Zukunft sollte dergleichen besser unterlassen werden. Wir wollen ja keine Vorschriften machen, aber Dank verdient diejenige Stelle, die dem Volk sein Recht jahrzehntelang vorenthalten hat, auf keinen Fall.(Teilweiser Beifall.)— Schuhmeier (bei seinem Erscheinen mit Heiterkeit begrüßt): Der„Gang zur Hofburg" ist nach sehr reiflicher Ueberlegung angetreten. Es handelte sich ja nicht um einen Besuch in der Hofburg, sondern um die Bekundung, daß auch der Sozialdemokratie das Recht zusteht, an dem ersten Akte der Eröffnung des Parlaments— und das ist die Thronrede— teilzunehmen. Ich verstehe ja die Gefühle der Parteigenossen, ich habe sie lange genug geteilt. Aber die Politik der Sozialdemokratie darf sich nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern nur vom Verstand. Ich weiß sehr wohl, weshalb Sie lachten, als ich als erster hier das Wort zu dieser Frage nahm. Ich gehörte ja immer zu denen, die kein Hehl aus ihrem Groll gegen das herrschende System machten. Aber schon in der Fraktion bin ich unbedingt für diesen Gang eingetreten, nicht weil ich so genuß- süchtig bin, in die Hofburg kommen zu wollen, oder weil ich so lebhaft wünsche, daß das Volk mich einmal im Zylinder sehe(Heiter- keit), sondern weil ich demonstrieren wollte.(Beifall.) Der„Gang in die Hofburg" war ein politisch kluger Schachzug unserer Fraktion. Noch immer gilt der Satz: Wer sich selbst entwertet, wird nie Wert besitzen, und wer sich selbst in den Schmollwinkel stellt, wird nie herausgeholt. Die Sozialdemokratie Oesterreichs ist jetzt so stark, daß ihr nicht nur die Tür der letzten Hütte offen steht, sondern daß auch die Tür der Hofburg vor ihr aufgemacht werden muß. (Bravo!) Der Thronrede beizuwohnen, war eine politische Not- wendigkcit, Wir haben eine Position errungen- Es geht nicht mehr an, daß wir uns bei einem Akte ausschließen, der gar nichts gefähr- liches für uns an sich hat. Wenn andere Zeiten kommen, dann werden wir wieder andere Sitten annehmen. Wenn ein anderer Mann an der Spitze steht, dann wäre es eine wirksame Demon- stration, wenn, es hieße, wir gehen nicht mehr hin. Aber so, wie die Dinge heute liegen, war der Schritt notwendig. War Ihnen der Kaiser von Oesterreich �als Bundesgenosse beim Wahlrechts- kämpf recht, dann brauchen Sie auch nicht zu fürchten, daß wir uns durch die Anwesenheit bei Hofe kompromittieren können. Der Kaiser kann uns nicht kompromittieren. und wir ihn auch nichtz (Lebhafter Beifall.) Hillebrand-Karlsbad bestreitet, daß im Lande Widerspruch gegen den sogenannten„Ganz nach der Hofburg" laut geworden sei. Austcrlitz-Wien billigt die Haltung der Fraktion vollständig. Gewiß ist es eint ungewöhnliche Erscheinung, daß Sozialdemokraten sich zur Thron- rede in die Hofburg begeben, aber sie gingen ja nicht aus Lust zum Schaugepränge hin. Wenn man in der Fraktion fragen würde, wer auf die Barrikaden und wer zu Hofe gehen wolle, dann würden sich sicher mehr Teilnehmer für die erste Partie finden.(Große Heiterkeit.) Die Handlung der Fraktion erklärt sich aus ihrer eigentümlichen Situation. Ohne daß eine formelle Koalition gegen sie geschlossen wäre, gibt es im Abgeordnetenhause keinen Ab- geordneten, der ihr nicht alles Unglück wünschte. Im Abgeordneten- hause herrscht die Politik der Einkreisung. Um die Sozialdemo- kratie soll ein Band gezogen werden, um sie aus dem parlamenta- rischen Leben auszuschalten. Wir dürfen uns aber nicht nullifi- zieren lassen, wir müssen an der Spitze aller Aktionen stehen. Da- mit hängt der„Gang zur Hofburg" zusammen. Es war eine symbolische Handlung, um zu bekunden, daß die Sozialdemokratie, wie immer ihre prinzipielle Ueberzeugung ist, und wie sie auch zur Regierung stehen mag, doch für die Regierung eine parla- mentarische Partei ist, die alle parlamentarischen Rechte in An- spruch nimmt, so wie sie gewillt ist, alle parlamentarischen Pflichten zu übernehmen. �(Lebhafter Beifall.) Arbeiten-Bielitz � meint, daß die einzelnen Stimmen, die heute gegen den Gang zur Hofburg laut wurden, nur der Wellenschlag aus Deutschland herüber waren- Dr. Adler: Was Bernt gesagt hat, hat zum Ausdruck gebracht, was wir alle empfunden haben, daß es nämlich eine gewisse Selbstüber- Windung getostet hat, unsere Stellung zu ändern. Warum sind wir früher nicht zur Thronrede gegangen? Wir wollten uns solange nicht beteiligen, als wir nicht Abgeordnete gleichen Rechtes waren. Wir hatten keinen Grund, die Demonstration gegen die Ver- gewaltigung fortzusetzen, weil der Grund zur Demonstration fort- gefallen war. Damit schließt die Debatte.« Nach einem Schlußwort de! Referenten wird ein Antrag, ein Handbuch für die Reichsrats- Wahlen herauszugeben, der Parteileitung überwiesen, ebenso ein Antrag Dr. Adler auf Vorbereitung zur Herstellung einer G e- schichte der österreichischen Sozialdemokratie. Der Fraktion wird vom Parteitag Dank und Vertrauen aus- gesprochen und dem Vorstand Decharge erteilt. (Telegraphischer Bericht.) 2. Verhandlungstag. Wien, den 1. Oktober: Die heutige Sitzung des Parteitages war ausschließlich detJ Beratungen des neuen Organisationsstatutes gewidmet. Dieser Entwurf, der von den Parteisekretären S k a r e t und W i n a r s k i ausgearbeitet ist, wurde von Skaret eingehend begründet: Die Wahlreform hat eine Aenderung des alten Statuts notwendig gemacht. Es soll eine neue Art von Kreisorganisation geschaffen werden, die nach Bedürfnis zwei Formen erhalten kann: die Orts-(Lokal-) Organisationen schließen sich zu Bezirksorganisationen zusammen, und die Bezirksorganisa- tionen gruppieren sich zu einer Kreisorganisation, die entweder genau dem Wahlbezirke entspricht oder aber ein territorial besser zusammenhängendes Gebiet zur Grundlage hat.<— Zur Kandidatenaufstellung für den Reichsrat, die von der Reichsparteiver- tretung in Uebereinstimmung mit den Wahlbezirken zu erfolgen hat, treten, wenn sich die Organisationen der Kreise nicht mit den Wahlkreisen decken, die Vertrauensmänner der den Wahlkreis bildenden Orte zu einer besonderen Konferenz zusammen.— Das System der Straßen- und Häuservertrauens- männer wird jetzt zum ersten Male auch im Statut angeordnet. Weibliche Vertrauenspersonen sind tunlichst an allen Orten im Einverständnis mit der Parteiorganisation des Ortes zu wählen.— Zum Parteitage können die Bezirks-, Kreis- und die aus den Kreisorganisationen gebildeten Landesorganisationen je einen oder je zwei Delegierte entsenden. In Agitationsbezirken, in denen eine Frauenorganisation besteht, können drei Delegierte entsendet werden, wenn ein Mandat einer Frau übertragen wird. Außerdem nehmen die 10 Mitglieder der Reichsparteivertretung, die deutschen Abgeordneten und je ein Delegierter eines jeden Partei- oder Gewerkschaftsblattes an dem Parteitage der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich teil. Die Mitglieder der Partei- Vertretungen haben aber bei den geschäftlichen, die Abgeordneten bei den parlamentarischen Angelegeuheiten nur eine beratende Stimme. Die 10 Mitglieder der Parteivertretung teilen sich in st, die den engeren Parteiausschuß bilden, und in die 8 Kontrolleure. Die Mitglieder der ersten Gruppe müsse/i in Wien wohnen, ebenso zwei der zweiten Gruppe. Diese können unmittelbar nach Ablauf ihres Mandates nicht wiedergewählt werden. Ein Reichsrats- abgeordneter kann zum Kontrolleur nicht gewählt werden. Die Reichsparteivertretung(engerer Ausschuß und Kontrolleure) tritt mindestens alle Vierteljahre zu einer Sitzung zusammen. Der Chefredakteur des Zcntralorgans, der„Arbeiterzeitung", hat in dieser Sitzung beratende Stimme. Es sind auch ständige Ver- treter zu wählen, die bei wichtigen, rasch zu erledigenden Fragen von der Reichsparteivertretung zu einer Reichskonferenz einzuberufen sind. Zu den wesentlichen Neuerungen des Partei- statuts gehört schließlich auch die Festsetzung des AusschließungS- Verfahrens, das allgemein nach dem Muster des deutschen Partei- statuts geregelt werden soll. Die Debatte» die sich an das Referat anschloß, war ausgedehnt und lebhaft. DaS große Interesse der Delegierten drückte sich in einer langen Reihe von Abänderungsanträg en aus, die im Laufe der Diskussion eingebracht wurden. Der ursprüngliche Entwurf hatte die alte Bestimmung, daß jeder Parteigenosse verpflichtet sei, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Diese Bestimmung war ge- strichen worden. Da aber Skaret erklärte, daß die Streichung nur erfolgt sei, weil diese Vorschrift eigentlich als selbstverständlich angesehen worden sei, ließ sich dieser Stein des Anstoßes rasch be- fettigen. Schwieriger gestaltete sich die Beratung der Formfragen der Organisation. Einige Redner meinten sogar� in Oesterreich sei es fast unmöglich, eine einheitliche Organisation zu schaffen. Die Verhältnisse in den verschiedenen Kronländern lägen zu ver- schieden. Andere traten dieser Auffassung wieder entgegen. Seeliger-Teplitz verlangte, daß die Organisationen mit den Wahlbezirken genau zusammenfallen müßten. Als Hauptmangel wurde empfunden, daß die Organisationen zu sehr den Charakter von Wahlorganisationen tragen. Zu einer legalen Parteimitgliedschaft habe man eS noch nicht gebracht. Die Mitgliedschaft stelle noch keinen geschlossenen Körper vor.— Dr. Adler verwies besonders auf Deutschland. Gerade in der Or- ganisationsfrage stehe Oesterreich weit hinter Deutschland zurück. Die inneren Parteiangelcgenheiten interessieren bei uns nicht sehr. Die Versammlungen zur Erledigung von Parteiangelegenheiten finden so gut wie gar nicht statt. Das mutz anders werden I Die Geldfrage hängt aufs innigste mit diesem Mangel zusammen. AuS einer zifferninätzig begrenzten Reichsparteisteuer wird nie genug Geld für die Zentralkajse herauskommen. Es muh gemacht werden wie in Teutschland. Die Organisationen, die Geld haben, müssen es an die Zentrale geben, die es wieder für die schwächeren Organi- sationen verwendet.— Genossin Popp-Wien tritt für einen An- trag des Frauenreichskomitees ein, der dahin geht, den Organi- sationen in den Bezirken auszutragen, datz dort, wo Frauen sich in erheblicher Anzahl an allen Parteiarbeiten beteiligen, als einer der beiden Delegierten zum Parteitag eine Genossin gewählt . werden solle. Sie bekämpft die betreffende Stelle des Entwurfs, daß Bezirke, in denen Frauenorganisationen bestehen, autzer den zwei männlichen Delegierten eine Genossin zu entsenden das Recht haben sollen. Die Frauen wollen ein solches Sonderrecht nicht, sondern verlangen nur ihren Leistungen entsprechend berücksichtigt zu werden. Auch die Vertreter der Jugendorganisationen be- teiligten sich an der Debatte. Sie hoben hervor, datz die Forderung dieser Jugendorganisationen besonders geboten sei, weil ja auch die Klerikalen sich der Jugend zu bemächtigen trachteten. Die Parteileitung brauche nicht zu befürchten, datz die Jugendorganisa- tionen beabsichtigten, irgendwelche antimilitaristischen Spielereien zu treiben, sie wollten nur die Kadetten der Sozialdemokratie sein. eine Rekrutenschule für die Gewerkschaften, um die jungen Arbeiter zum Klassenbewuhtsein zu erziehen. Schlietzlich wurde der Entwurf mit allen vorgelegten Ab- änderungsanträgen einer Kommission von 14 Mitgliedern über- Viesen. Die Weiterberatung wird sodann auf Mittwoch vertagt. verein fflr Sozialpolltill. Telegraphischer Bericht. «us der Tagesordnung stand da? Thema: Berfaffung und BcrwaltungSorganisation der Städte. Der Referent, das Herrenhausmitglied Geheimer Fustizrat Professor Dr. L o e n i n g- Halle verbreitet sich über die Per- faffung der preutzischen Städte unter Ausschlutz der süddeut- scheu Städteverfassung. Die kommunale Sozialpolitik. führte Redner nach einer Uebersicht über die Publikationen auf dem Gebiete der Städteverfassung aus, ist eine so umfassende und für unser Städtewesen ein so wichtiges Gebiet, datz seine Erfor- schung als eine der wesentlichsten Ausgaben des Vereins betrachtet werden mutz. Wie man auch den Begriff der Gemeinde wissen- schastlich definieren wolle, so könne doch kein Zweifel bestehen, datz die Gemeinde eine öffentlich rechtliche Korporation ist, die alle öffent- lichen Funktionen in sich aufnehmen mutz. Sie ist nicht nur ein rein wirtschaftlicher Verband, sondern hat in ihren Bereich zu ziehen alles, was die geistige EntWickelung ihrer An lste hörigen fördern kann. Die Stadtgemeinden sind die Organe der öffentlichen Gewalt, die den Zweck hat, die Aufgaben der Gerechtigkeit zu erfüllen. Die Aufgabe der Gemeinden ist es, in allen Kreisen der Bevölkerung diejenige Lebenshaltung zu sichern, die ihrem Anteil an der sozialen Arbeit entspricht. Zur Erreichung deS Zieles der Herstellung des sozialen Friedens und der Versöhnung der Klassen bedarf es aber der Mitarbeit des ganzen Volkes,«nsbesonders der Mitarbeit der Gebildeten. Der soziale Geist mutz die Gesamtheit erfüllen, damit die Schwierigkeiten und Widerstände beseitigt werden können, die sich zu allen Zeiten der Herstellung des sozialen Friedens ent- gegengestellt haben und zu allen Zeiten entgegenstellen werden. Eine freie Geweindeverfassung ist die Voraussetzung einer gesunden EntWickelung der kommunalen Sozialpolitik. Frei- lich nur eine Voraussetzung! Es bedarf dazu auch der G e s i n- nung der Bürgerschaft, einer Gesinnung, die bereit ist, Sonder- interessen dem Allgemeininteresse unterzuordnen. Allerdings wird das nur aus Grund einer freien Gemeindeverfassung möglich sein. Am 19. November 1908 feiern die preutzischen und mit ihnen die deutschen Städte da»' hundertjährige Bestehen der Städteord- nung deS Frhrn. v. Stein. Mit dieser Städteordnung be» gann für die deutschen Städte eine neue Geschichte. Der Geist, aus dem die Steinsche Städteordnung erlassen worden ist, gilt auch heute für die deutsche Städteordnung, wenn sie auch in einzelnen Punkten abweichen. Die Städteordnungen von 1853 haben manche Mängel der Städteordnung von 1808 verbessert und den sozial und wirtschaftlich veränderten Verhältnissen Rechnung getragen. Aber an die Stelle des allgemeinen und gleichen Wahl- recht? der Städteordnung von 1808 haben sie das Drei- klassen Wahlrecht gesetzt. Die Rechte der Bürgerschaft haben sie wesentlich zu gunsten der Magistrate beschränkt, das Auf. sichtsrecht des Staates gestärkt und dadurch die. freie Ent- saltung der Kräfte und die EntWickelung der Städte vielfach von dem Wohlwollen des jeweiligen Ministers abhängig gemacht. Waren die süddeutschen Städte lange Zeit hinter Preuhen zurück- geblieben, so haben sie jetzt Preutzen zum Teil weit überholt, zum Te,l sogar sehr weit. Wenn in Preutzen eine staatsmännisch weitschauende Reform der Städte. ordnung durchgeführt werden sollte— meiner Ansicht nach mutz das bald geschehen— so wird es Aufgabe des Ministers sein, eine Städteordnung zu schaffen, die den Geist der Steinschen Städte- ordnung und die freie Selb st Verwaltung der Städte wiederherstellt. Aber wir dürfen nicht ungerecht sein. Wenn auch der Städteordnung Mängel anhaften, so ist doch trotz des Dreiklassensystems, trotz der weitgehenden Beschränkung des Bürgerrechts, trotz mancher Bestimmungen, die bureaukrati- scher Engherzigkeit Tür und Tor öffnen, es das preutzische Städterecht gewesen, das den Städten Raum und Luft gelassen hat zu ihrem gewaltigen Aufschwünge. Nicht die Staats- regierung ist es, sondern der fteie selbstbewutzte Bürgersinn', der die Städte zu dieser Höhe gebracht hat. Die Verwaltung der preutzischen Städte braucht den Vergleich mit anderen deutschen Städten und auch mit dem Auslande nicht zu scheuen. Es darf nicht geleugnet werden, datz das Aufsichtsrecht, soweit es sich übersehen lätzt, im letzten Jahrzehnt vom Staate im grossen und ganzen nicht zu streng gehandhabt ist und datz man die EntWickelung der Städte nicht eingeengt hat.(!) Es ist mir aber auch bekannt, datz in einzelnen Fällen die Bureaukratie engherzigen Widerstand bezeigt und die Genehmigung für Matz- nahmen, die für die EntWickelung mancher Städte notwendig war, versagt hat. Es mutz aber gerechterweise auch anerkannt werden, datz in den meisten Städten das Dreiklassenwahlsystem nicht gehin- dert hat an der Erfüllung der sozialen Aufgaben. Längst ehe der Wert kommunaler Sozialpolitik bekannt war, hat Elberfeld eine grotzzügige mustergültige Armenpflege durchgeführt. Das Be- wutztsein, datz die Stadtgemeinden sittliche Pflichten zu erfüllen haben im Interesse der Gesamtheit, hat in den Städteverwaltungen Platz gegriffen.(!) Es ist da Bahn gebrochen worden und die Städte haben schon Gewaltige? geleistet, aber sie stehen immer erst am An- fang ihrer Aufgaben. Die Aufgaben, welche den Städten obliegen. um den sozialen Frieden zu erreichen, werden in den einzelnen Städten verschiedene sein. In allen Verwaltungszweigen der Stadt müssen die sozialen Aufgaben gepflegt werden. Damit eine Stadt aber diese Aufgabe erfüllen kann, bedarf sie nicht nur der Bewegungsfreiheit und Gesetze, sondern es muh auch ein sozialer Geist die Bürgerschaft beherrschen, kleinliche Interessen der ein- zelnen BerufSstänoe müssen zurückgedrängt werden. Das ist leider noch immer nicht überall der Fall. Zum grossen Teile mangelt eS der Bürgerschaft an dem Interesse an öffentlichen Angelegen- heften, soweit eS sich nicht um Fragen handelt, die den eigenen Geldbeutel berühren. Gerade die akademisch Gebildeten zeigen grotze Teilnahmslosigkeit und sind geneigt, sich Ehrenämtern zu ent- ziehen, besonders solchen, die eine aufopfernde entsagende Tätigkeit beanspruchen, ohne datz damit ein politischer Einflutz verknüpft ist. Hier zeigen Mittelstand, die kleinen Kaufleute und Handwerker weit grösseren Opfersinn als vielfach der Reiche und Gebildete. Eine Verständigung über allgemeine Mahregeln lvird aber nur möglich sein, wenn man sich aus der gemeinsamen Grundlage der Städteversassung einigt. Andererseits wird eine Verständigung über die Verfassung der Städte gar nicht möglich lein mit der Sozialdemokratie. Der sozialdemokra- tische MunizipalismuS. der die Gemeinde erobern will, ist der Feind jeder EntWickelung. Ich lehne eS ab. mich mit ihm auseinanderzusetzen. Nicht Umsturz, sondern Entwickclung der sittlichen Aufgaben zur Erzielung sozialer Gerechtig- keit, das ist das Ziel einer sozialen Gemeindepolitik! Darum ist es aber auch nicht ausgeschlossen, oah wir uns in einzelnen Fragen niit der Sozialdemokratie verstandigen können. Wir müssen sie heranziehen zur Mit- arbeit auf dem Gebiete der Kommunalpolitik. Es gibt kein besseres Mittel, der„Gefahr des Umsturzes zu begegnen, als die Gewöb- nung der sozialdemokratischen Mitglieder in den Gemeindekörpcr- schaften, mit den verachteten Mitgliedern der Bourgeoisie gemein- sam zum Wohle der arbeitenden Klassen zu arbeiten.(Lebhafte Zustimmung.) Es ist deshalb ebenso unklug wie ungerecht, die Sozialdemokratie von dieser Mitarbeit auszuschlietzen.(Lebhafter Beifall.) � Auf dag F r a u« n st i m m r e ch t, das jetzt von vielen Seiten stürmisch verlangt wird, brauche ich wohl nicht einzugehen, denn es ist nicht anzunehmen, datz in absehbarer Zeit die Frauen das Bürgerrecht in Preutzen erwerben werden. Deshalb aber können sie doch Ehrenämter in der Waisenpflege, Armenpflege. Wohmings- lnspektion usw. übernehmen. Die Städte können von der Tätigkeit der Frau auf diesem Gebiete grosse Vorteile erwarten. Nach dem bisherigen preutzischen Städterecht ist es allerdings nicht möglich. Frauen diese Ehrenämter zu übertragen; eine Aenderung ist daher dringend erforderlich. Allerdings sind die Frauen schon durch be- sondere Gesetze für die Armen- und Waiscnpslege zugelassen worden. Bisher wurde zwar nur in beschränktem Masse davon Gebrauch gc- macht, aber die bisherigen Erfahrungen sind sehr günstig. --'st auch die Frage, ob das Bürgerrecht allen Männern, die in den Gemeinden wohnen, zu gewähren ist. Nicht bloß die Sozialdemokratie, sondern auch die Deutsche Volkspartei und die Freisinnige Vereinigung fordern in ihrem Programm das Bürgerrecht für alle Reichstags- Wähler, die zu einer bestimmten Zeit in unseren Gemeinden an- sässig sind, und damit das allgemeine, gleiche und di- rekte Wahlrecht. Die preutzische Städteordnung von 1853 kommt dem ersten Teile dieser Forderung entgegen. Alle Staats- angehörige, die mindestens ein Einkommen von 880 M. versteuern, das 24. Lebensjahr erreicht haben und mindestens ein Jahr in der Gemeinde ansässig sind, können das Wahlrecht ausüben. Dieses ist ein allgemeines, aber nicht ein gleiches, sondern ein Drei- klassenw ahlrecht. Die sozialpolitische Gerechtigkeit erfor- dert eine Aenderung des Wahlrechts.(Lebhaste Zustim- mung.) So entschieden ich diese Forderung aufstelle, so entschieden spreche ich mich aber gegen das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht aus. wie es für den Reichstag be- steht.(Sehr richtig! und Zustimmung.) Ich bin jeder- zeit für die Erhaltung des Wayirechts zum Reichstag in der jetzigen Form eingetreten. Aber was für den Reichstag recht ist. ist„och nicht richtig für die Gemeinde. Dem Reichstag steht Bundesrat und der Kaiser mit allen Machtvollkommenheiten gegenüber, der Stadtverordnetenversammlung nur der von ihr gewählte und viel- fach von ihr abhängige Bürgermeister und Magistrat. Die Folge des R e i ch s t ag s w a h lr e ch t s für die Ge- meinde würde sein, datz wir unsere großen Städte der Sozialdemokratie übermittelten. datz in den Städten ein einseitiges Klassensystem zur Herrschaft kommen würde.(Sehr richtig!) Gerade das wollen wir nicht. Es ist aber falsch, zu sagen, datz Hannover, SchleSwig-Holstcin und Bayern ein fortgeschritteneres Wahlrecht haben als wir. Wohl ist dort das allgemeine Wahlreo r eingeführt, aber man hat den £?-V8 �5 sch a ft eingeengt. In den preutzischen Städten betrug die Zahl der Wahlberechtigten 15 und 18 Proz. der gesamten Einwohnerschaft, in Bayern meistens nur 3 bis 8 Proz.. in Fürth 11 Proz. Diese Beschränkung des Bürgerrechts auf einen kleinen Teil der Bürger ist durcbauS nicht richtig, und um diesen Preis möchte ich nicht die Beseitigung deS Dreiklassenwahlshstems fordern. Gegenüber dem fluktuierenden Arbeitcrstand müssen aber der Handwerkerstand. Industrie und Wissenschaft, welche einen grossen Teil der städtischen Lasten und Arbeiten aufbringen, und auch einen großen Teil der ehrenamtlichen Tätigkeit ausüben, einen gewissen Einflutz auf die städtischen Angelegenheiten erhalten. Daß die Vorschrift, datz mindestens die Hälfte der Mitglieder deS Ge- meindekörperS Hausbesitzer sind, veraltet ist, bedarf wohl keines Beweises. In den Großstädten sind die Häuser ein Handels- artikel geworden.(Sehr richtig!) Dadurch werden die Sonder- interessen der Hausbesitzer mehr berücksichtigt und die gerechte Ver- teilung der Lasten vielfach gehindert.(Hört! hört!) An Stelle der öffentlichen mutz die geheime Ab- stimmung treten. Wenn man immer mit sittlichem Pathos davon spricht, datz es des deutschen Bürgertums unwürdig fei, ge- Heime Abstimmung vorzunehmen, so mutz darauf hingewiesen werden: überall, wo die wohlhabenden Kreise unter sich eine Wahl vorzunehmen haben, findet die geheime Abstimmung statt. Während die Wahl zum preutzischen Abgeordnetenhaus öffentlich ist, ist die Wahl fi;r die Präsentation zum preutzischen Herrenhaus geheim.(Hört! hört!) Es ist doch merkwürdig, datz z. B. Heinrich v. Treitschke, der mit soviel sittlicher Entrüstung die geheime Ab- stimmung bekämpfte, nie Anstoß daran genommen hat, daß er selbst in den Körverschaften der Universität die geheime Abstimmung vornahm. Wer wollte es leugnen, datz in Preutzen und Deutsch. land ein Teil der Wähler sich in Abhängigkeit befindet, und daß sie unter Umständen gezwungen fein würden, sich für ihre Stimm- abgäbe zu veräntworten. sei eS vor dem Brotgeber, fei eS vor der sozialdemokratischen Partei.(Die Nachbetung der dümmsten Albernheiten gegen die Sozialdemokratie kennzeichnet die neuere »voraussetzungslose Wissenschaft" trefflich. D. Red.) Wer es als eine sittlich politische Pflicht der Wähler betrachtet, die Stimme unbeeinflußt abzugeben, mutz verlangen, datz an Stelle der offenen Abstimmung die geheime tritt.(Lebhafte Zustimmung.) Nur noch wenige Worte über das Verhältnis der Städte zum Staat und zur staatlichen Aufsicht! Um seiner selbst willen mutz der Staat den Gemeinden die Freiheit sichern. D i e Bureaukratie betrachtet vielfach mit ängstlichen Blicken die Bewegungsfreiheit der Städte. Jede Beschränkung der Staatsgewalt wird oftmals als Einbutze staatlicher Autorität betrachtet. Bei der Beratung des Schul- gesetzeS im preußischen Abgeordnetenhaus und Herrenhaus kam das von einzelnen Regierungskommissaren zum Ausdruck. Man sprach am Regierungsiisch von einer Entrechtung des Staates zu- gunsten der Gemeinden anläßlich der Anstellungsbefugnis der Lehrer. Die Bestätigung der Bürgermeister mutz dem Staat mit Recht zugebilligt werden. Der Staat kann hier eines gewissen Einflusses nicht entraten, da der Bürgermeister auch die Polizei- gewalt und andere Funktionen ausübt. Ueberflüssig und schädlich ist aber die Bestätigung für die übrigen Magistratsmitglieder und städtischen Aemter. Einen grossen Fortschritt bedeutet die Gesetz- gebung der 70er Jahre, welche die Disziplinargewalt über die Kommunalbeamten den Verwaltungsgerichten überträgt. Die Ge- nehmigung des Ortsstatuts ist notwendig. Der Staat mutz die Macht haben, die Stadt an der Ausführung rechtswidriger Be- schlüffe hindern und sie zur Erfüllung der obliegenden Pflichten zwingen zu können. Sichern diese Bestimmungen dem Staate das notwendige Matz der Aufsicht, so sind die preutzischen Städte doch in zwei Punkten in ihrer Selbstverwaltung durch Sondcrgesetze beschränkt und bureaukratischer Bevormundung ausgesetzt. Die eine Beschränkung betrifft die S ch u l v e r w a l t u n g: In ihr sind die Städte im weitesten Matze beschränkt worden. Die staat- lichen Vertreter gehen von der Ansicht aus, daß die Städte die Pflicht und das Recht haben, die Kosten für die Schule aufzu- bringen, daß aber die Verwaltung und Aufsicht Sache der Bureau- kratie und Geistlichkeit sei. Trotz kleinlicher Beschränkungen haben die Städte Opfer gebracht weit über das Matz der ihnen obliegenden Pflichten. Sie haben deshalb auch den Anspruch erworben, datz ihnen bei der Verwaltung und Aufsicht der Schulen der ihnen gebührende Einflutz gewährt wird. Bei dem Kommunalabgabengesetz von 1893 besteht für die grossen Städte die Gefahr, datz sie bevormundet werden. sobald sie genötigt sind, mehr als 100 Proz. Gemeindesteuern zu erheben. Es ist deshalb verständlich und gerechtfertigt, datz die Stadt Berlin alle Mittel anwendet, um eine Ueberschreitung dieser normalen Verhältnisse zu verhindern. Bei den vielfachen un- freundlichen Verhältnissen zwischen dem Staat und der Stadt Berlin, auf die ich hier nicht näher eingehen will, würde die Stadt einen zu grossen Teil ihres Einflusses einbüßen, wenn sie genötigt iväre, Jahr für Jahr ihren HaushaltSetat der Kontrolle des Ministers zu übergeben. Autzer Berlin sind aber fast alle grötzercn Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern dieser Kontrolle unter- worfen. Damit unterliegt die ganze Stadtverwaltung einer staatlichen Kontrolle. Redner hält eine Ab- änderung des Kommunalabgabengesetzes deshalb für notwendig. Er schließt: Mit der Städteordnung des Freiherrn von Stein begann ein neuer Aufschwung der Städte. Das Bürgertum w'-d an Tatkraft, Pflichttreue und Vaterlandsliebe von keinem anderen Stande übertroffen. Die Städte haben einen Wohlstand und äuhercn Glanz, aber auch innere Festigkeit und innere Ordnung erlangt, auf die sie stolz sein können und die das Ausland be- wunderü Immer mehr dringt in die städtische Bevölkerung das Bewußtsein ein, die sozialen Pflichten zu erfüllen. Die grosse Masse der Arbeiter, die durch ihr Zusammenströmen mit den Aufschwunz in den Städten veranlatzt haben, verlangen stürmisch die Gleich- berechtigung. Sie wollen den Anteil ihrer Arbeit an den geschaffenen Gütern. Diese Forderung der sozialen Gerechtigkeit zu erfüllen, mutz eine der wichtigsten und notwendigsten Auf- gaben deS Staates sein.(Stürmischer Beifall.) Der zweite Referent, Bürgermeister Professor Dr. Walz- Heidelberg, sprach besonders über die Verfassung der süddeutschen Städte. Redner gab zunächst eine kurze Uebersicht über die EntWickelung der süddeutschen Gemeindegesetz- gebung während des 19. Jahrhunderts, indem er besonders hervor- hob, wie langsam sich hier die Loslösung der Gemeinden von der staatlichen Bevormundung vollzogen und wie schwer man sich ins- besondere dazu entschlossen, die Städte als eine besondere Kategorie der Gemeinden mit einer ihrer Eigenart entsprechenden Ver- faffung auszustatten. Auch heute noch, fährt der Redner fort, ist in weitem Umfange noch die Anschauung herrschend, datz die Gc- meinden als unterste Staatsorgane grundsätzlich zu allen Aufgaben des Staates im Verwaltungswege mit herangezogen werden können, und auch bei der Verwaltung ihrer eigenen Angelegen- heiten unterliegen die süddeutschen Städte ganz wesentlichen Beschränkungen, zumal auf finan- zicllem Gebiete; beides Umstände, die der freien sozia- listischen Tätigkeit der Städte namhaften Eintrag zu bereiten gc- eignet sind. Andererseits besitzen aber die süddeutschen Städte. soweit es sich um die Bestellung ihrer Organe handelt, zum Teil eine viel grössere Freiheit und Unabhängig- keit wie diejenigen des Nordens. So ist in Württemberg das staatliche Recht zur Bestätigung des OrtSvorstehere ganz wesentlich eingeschränkt und in Baden bereits seit dem Jahre 1870 vollständig aufgehoben. Die Frage, ob die Vcrfassungscinrichtungen der süddeutscher Städte den Anforderungen, welche vom sozialpolitischen Stand- punkte aus an eine Gemeindeverfassung erhoben werden können, entsprechen, glaubt Redner unter Hinweis auf das, was diese Städte aus dem Gebiete der Sozialpolitik praktisch geleistet, im großen und ganzen bejahen zu sollen. Wolle man zu einer Reform des geltenden Rechtes schreiten, so sei eine Erleichterung der Städte von der Verpflichtung zur Erfüllung rein staatlicher Aufgaben und vor allem eine freiere Ausgestaltung des Finanzverwaltungsrechtes wohl angezeigt. Auch könnte die Beseitigung solcher Schranken empfohlen werden, welche, wie die Vorschrift zur Zahlung eines hohen Bürgereinkaufsgcldcs, die weniger Bemittelten von einer aktiven Teilnahme am Gemeindeleben vollständig auszuschließen geeignet seien. Einer gänzlichen Aufhebung des Systems der Klassenwahl, die in Baden von manchen Seiten be- gehrt wird, vermag er jedoch das Wort nicht zu reden. Er be- fürchtet als eine unausbleibliche Folge einer solchen Mahnahmc, die allein auf die Zahl der Stimmen abhebe und der stärkeren Beteiligung an den Lasten der Verwaltung keine entsprechend stärkere Vertretung gewähre, den Abzug der wertvollsten Elemente oder doch ein zunehmendes Fernbleiben von der aktiven Mitarbeit und im Zusammenhang damit ein stetig zunehmendes Hervortreten der staatlichen Aufsichtsgewalt. Für die Freunde einer wahren freiheitlichen Selbstverwaltung in der Tat kein erfreuliches Bild! Soll man im Angesicht einer solchen Zukunft nicht lieber an einer Einrichtung festhalten, welche so schöne Erfolge gerade auch auf dem Gebiete der Sozialpolitik gezeitigt hat, welche jetzt schon allen Be- tciligten eine Mitarbeit an der Gemeindeverwaltung gewährleistet und welche den Schutz der Minderbemittelten innerhalb des Kreises der autonomen Gemeinde selber zu finden sucht, in dem sozialen Empfinden der Bürgerschaft und in dem Pflichtgefühl ihrer un- abhängigen Vorsteher? Dann bleibt uns auch erhalten, was für das Gedeihen einer wahren Sozialpolitik unentbehrlich ist: eine freie, wirklich autonome Selbstverwaltung.(Lebhafter Beifall.) Der dritte Referent. Stadtrat Flesch- Frank- furt a. M. führt auS: Trotz der verschiedenen Mängel und der Verschiedenartigkeit der Städteverfassung haben die Städte doch manches Erfreuliche geschaffen, manches, zu dem der Staat sich noch nicht habe aufschwingen können. So erinnere er an die R e g u- lierung des Arbeitsmarktes, an die Vertretung der Minoritäten durch das Proportional-Wahlsystem, an die Reform des Arbeitsvertrages für städtische Arbeiter usw. Man olle nicht zu grosse Aengstlichkcit vor der Sozial- emokratie haben. Wenn man auf sozialem Gebiete in den Städten noch nicht genügend erreicht habe, so liege das vielfach au den mangelnden Mitteln. Es sei falsch, zu sagen, datz man auc- Schonung für die Millionäre die progressive Einkommensteuer nicht schärfer anziehe. Man müsse doch bedenken, datz die Städte Rück- sicht nehmen müssen auf den Wegzug und Zuzug. Die Städte z.B.. die besondere Wohltätigkeitseinrichtungen geschaffen haben, würden einen grossen Zuzug von auswärts zu erwarten haben, während die Vermögenden unter Umständen wegziehen.' Für die Städte be- stehe die grosse Gefahr darin, datz sie durch den Unterstützungs- Wohnsitz der Zuziehenden stark belastet werden. Man müsse sich deshalb gegen die neue Novelle, die eine Ver- kürzung der Frist für die Erwerbung des Unter- stützungswohnsitzes wolle, wenden. Wenn man das Reichstagswahlrecht für die Kommunen verlange, so gebe es manche Korrektivmatzregeln. So könne man etwa die Beschlüsse abhängig machen von mehrfachen Abstimmungen oder von einer Zweidrittel- Mehrheit wie bei den Gewerkschaften. Er gäbe dem Prof. Loenig zu, datz von den Behörden das Auffichts- und Bcstätigungsrecht relativ selten angewendet werde. Aber ebenso wahr sei es, daß wegen deS Aufsichtsrechte» manches unterbleibe seitens der Städte. Er verweise auch auf verschiedene persönliche Eingriffe von oben her, z. B. bezüglich der Feuerbestattung, der Verlängerung der Konzession der Stratzen- bahn über den Kopf der Stadt Berlin, bezüglich der Verweigerung der freien Verfügung der von de,, Städten gebauten Schulgebäude. Das seien alles Zu- stände, die uns in schlechten Ruf im Auslande gebracht haben. Wir hätten gar nicht zu wenig Selbstverwaltung, mehr als die Engländer, die uns darum beneiden würden, wenn nicht fort- während diese persönlichen in das Belieben der einzelnen gestellten Eingriffe wären. Der Grund liege in der mangelhaften Ausbildung unserer Verwaltungsbeamten. Gestern sei schon auf Oesterreich verwiesen worden, dessen Beamte besser ausgebildet seien. Oesterreich habe auch viel freiheitlichere und vernunftigere Verwaltungsgrundsätze. Redner erörtert dann noch, weshalb es an der Zeit fehle, viele soziale Mahregeln zu er- greifen; es seien nicht genügend Beamte da. Die Stadt müsse sich dadurch entlasten, dah sie einen Teil dieser sozialen Arbeiten der freien Vereinstätigkeit überlasse.(Beifall.) Außerordentliche Ceneralversaminlung des Deutschen Stuefelder-Sundes. (Verband der Lithographen, Steindrncker und verwandter BernfS- genossen.) München, 30. September 1307. Am 29. September und folgende Tage tagt in München eine auherordentliche Generalversammlung des Deutschen Scnefelder- bundes. Die 13. Generalversammlung des Bundes 1305 in Berlin hatte die Verschmelzung des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandte Berufe mit dem Sene- felderbund(damals nur Unterstützungsverein) beinahe ein- stimmig beschlossen. Der Verband löste sich auf. seine Aktiven und Passiven übernahm der Bund, die Verbandsmitglieder traten sämtlich dem Bunde bei. Ein verschwindend kleiner Teil der Bundesmitglieder fühlte sich durch die Verschmelzung beschwert. sie suchten daher ihre Zuflucht bei den Gerichten und erzielten, dah die Verschmelzung für unzulässig erklärt wurde. Un- zulässig sollte sie deshalb sein, weil eine Zweck- oder Versassungs- ändcrung des Vereins nur möglich sei, wenn sich sämtliche Mitglieder mit der Zweckänderung einverstanden erklären, was hier nicht der Fall war. Dah eine Verfassungsänderung durch die Verschmelzung geschaffen war. stand fest, da der Bund durch die Berliner Beschlüsse in eine Gewerkschaftsorganisation umgewandelt wurde. Für belanglos wurde von den Gerichten er- klärt, dah der Bund von 1873—1878 eine Gewerkschaft gewesen war. Durch das Urteil wurde der Bund aller gewerkschaftlichen Zwecke wieder entkleidet. Dem Urteile wurde allgemeine Rcchtswirksamkeit gegeben, es war daher nicht nur für die Kläger, sondern für die Gesamtheit der Mitglieder gültig. Da tatsächlich von dem Augenblick an. wo das Reichsgericht die von dem Bundesvorstand eingelegte Revision verworfen hatte, kein Gewerkschafts st atut mehr vorhanden war, da es ja für ungültig erklärt worden war, ist es bezeichnend für das Zusammengehörigkeitsgefühl der in Frage kommenden Berufe, dah trotz des Urteils keine Störung der gewerkschaftlichen Tätigkeit eintrat. Zu erwähnen wäre hier noch die Sperre der Ge- Werkschaftskasse im vorigen Jahre durch die Kläger, gerade zu der Zeit, als 3330— 4330 ihrer Kollegen durch das Untjer- nehmertum brutal aufs Pflaster geworfen wurden. Die General- Versammlung, die zu Ostern 1307 in Hannover stattfand, fahte einstimmig den Beschluh auf Trennung. Der Bund wurde lediglich wieder Unter st ützungsverein. der Verband der Lithographen und Steindrucker wurde neu- gegründet. In Hannover wurde schon beschlossen, die Liquidation des Bundes herbeizuführen, sobald von den obenerwähnten Klägern und ihren Anhängern neue Quertreiibe- reicn verübt werden. Diese liehen nicht lange auf sich warten. Ein neuer Unter st ützungsverein Senetelder wurde von dieser Seite gegründet, der mit einem Fuh schon im gelben Lager steht. Dieser und verschiedene andere Umstände veranlahten den Hauptvorstand, noch in diesem Jahre eine zweite Generalversammlung einzuberufen, die sich mit dem An- trage aus Liquidation des Deutschen Scnefelder- bundes zu befassen hat. Durch diese Mahnahme wird das graphische Gewerbe wieder eine Einheitsorganisation bekommen. Da die Hannoversche Generalversammlung schon tüchtig vorgearbeitet hat, wird die Münchener nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Der Senefelderbund, der in Würzburg 1873 das Licht der Welt erblickte, wird in München 1337 seine letzte Ruhestätte finden. Der Verband der Litho- graphen, Steindrucker und verwandte Berufe aber wird sich den modernen Gewerkschaften würdig an die Seite reihen, als ein Bollwerk gegen alle inneren und äusseren Feinde. » Der Geschäftsbericht über die sechsmonatliche Tätigkejt seit der Hannoverschen Generalversammlung liegt den Delegierten gedruckt vor. Aus dem Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, dah am Schluh des Quartals 235 Invaliden und 233 Witwen vor- Händen waren; die Invaliden und Witwen haben sich je um 3 ver- mehrt; krank waren 341 und arbeitslos 251 Mitglieder. Ter Kassenbericht in der Unterstützungskasie ergibt eine Ein- nähme von 113 333,83 M., der eine Ausgabe von 133 354,48 M. gegenübersteht, so dah hier ein Ueberschuh von 3376,32 M. vor- Händen ist. Tic allgemeine Unter st ützungSkasse steht trotz deS erhöhten Beitrags um 25 Pf. nicht günstig. Für die Kranken- und Sterbcunterstützung war ein Zuschuh von 22 533 M. nötig, so dah trotz der Mehreinnahme von 53 833 M. nur ctn Ueberschuh von 3376,32 M. zu verzeichnen ist. Daraus ist also zu ersehen, dah die Krankenkasse bei dem geringen Beitrag von 35 Pf. für die Folge nicht hätte weiter bestehen können, weshalb es zu begrühen war. dah die Generalversammlung in Hannover die Reise» und Arbeitslosenunterstützung der Kranken- und Sterbekasse einverleibt und in die allgemeine Unterstützungskasse umgewandelt hat. DaS Gcsamtvermögen der allgemeinen Unterstützungskasse beträgt am Schluh des Quartals 112 125,53 M., von welchem als Vorschuh 3123,25 M. in den Mitgliedschaften sich befinden. An sonstigen Ausgaben hatte der Senefelderbund 14 117,11 M. Da- runter befinden sich für die Generalversammlung in Hannover, Protokolle usw. 9235,83 M., für die Berichterstattung der General- Versammlung 1137,65 M.,«Graphische Presse" und„Rundschau" 3313,66 M. An den Geschäftsbericht der Kontrollkommission und des Hauptvorstandes knüpfte sich eine lebhafte Debatte, in der prin- zipielle Gesichtspunkte nicht zutage traten. Der Antrag, dem Hauptvorstand und der Kontrollkommission die Entlastung für die abgeschlossene Geschäftsperiode zu erteilen, wird einstimmig angenommen. Als nächster Punkt standen auf der Tagesordnung Dring- I i ch k e i t S a n t r ä g e des Hauptvorstandes und der Kontroll- kommission zum Statut. Zu§ 61, Absatz 2, wird beantragt, ihm folgende neue Fassung zu geben:«Das Vermögen des Bundes darf nur statutgemäh verwendet werden." 8 66, Absatz 4, soll folgenden Nachsatz erhalten:„Wenn bei der Liquidation die Mittel des Bundes nicht derartig sind, dah unbeschränkt Unter- ftützung gewährt werden kann, so kann die Generalversammlung beschlietzen, dah für nach der Liquidation eintretende Unter- stützungsfälle keine Unterstützung gewährt wird. Es werden dann lediglich die bis zum Tage der beginnenden Liquidation angemel- deten und als berechtigt anerkannten Fälle unterstützt. Verbleibt dann in der einen oder anderen Kasse ein Restbetrag, so ist dieser der Kasse, die noch lausende Unterstützungen gewährt, zu über- weisen." Ferner lag ein Antrag M ü l! e r- Berlin vor, der lautet:«Den Bezugsberechtigten kann nach erfolgter Liquidation das Recht auf Bezug der Unterstützung entzogen werden, wenn sie Handlungen begehen, die den AuSschluh eines Mitgliedes aus dem Bunde zur Folge haben würden. Der Ausschluss wird von der Liquidationskommission vollzogen. Als Berufungsinstanz gilt die Kontrollkommission." Dieser Antrag soll als neuer Absatz des ß 66 gelten. Die Dring.ichkcitSanträge und der Antrag Müller wurden ohne Debatte e i n st i ni m i g angenommen, ebenso ein weiterer neuer Absatz des 8 66 dahin lautend:„Diese Ab- onderungen treten sofort in Krast.- Deu nächsten Punkt der Tagesordnung bildete der Autraa des Hauptvorstandes und der Kontrollkommission auf Auflösung deS Deutschen SenefeldcrbundeS, welcher lautet:«Die Generalversammlung des Deutschen Sene- felderbundes in München wolle die Auflösung des Senefclder- vundes, der allgemeinen Unterstützungs- und der Invaliden- und Witwenkasje beschliehen. Die Liquioation soll am 1. Oktober 1337 in Kraft treten. Die bis dahin fällig gewesenen Beiträge sind noch zu leisten." Der Vorstand des Deutschen Senefelderbundcs, Hermann Müller, begründet den Antrag: Der Bund hat in den 34 Jahren seines Bestandes unzweifelhaft viel Gutes für seine Mitglieder getan. Wenn man einen solchen Verein auflöst, dann müssen wirklich zwingende Gründe vorliegen. Ein« kleine Schar Abtrünniger hat eS erreicht, dah das Gericht erklärte: Ihr dürft Euch nur in ganz bestimmten Formen und Bahnen bewegen. Von diesem Augenblick an war der Senefelderbund eine Fessel für die Arbeiterbewegung, die gesprengt werden muhte; denn durch das Urteil des Gerichts war der Senefelderbund dazu verurteilt, ledig- lich Unterstütznngsorganisation zu sein. Das gleichzeitige Bestehen des Senefelderbundcs als Unterstützungsorganisation und der Ge- Werkschaftsorganisation, die ebenfalls Unterstützungen gewährt, war unmöglich. Wenn wir aber darauf bedacht fein wollten, dah unsere Kollegen unter möglichst günstigen Bedingungen arbeiten, so brauchen wir eine Kampforganisation. Als solche kommt nach den Entscheidungen des Gerichts nur mehr der Verband der Litho- graphen usw. in Betracht, und daher beschloh die Vorstandschaft des SenefelderbundeS die Verschmelzung mit dem Verband durch den Ausbau des Bundes als Verband. ES ist ja dies an sich eine harmlose Sache, weil durch die Vereinbarungen mit dem Verband in Hannover dafür gesorgt wurde, dah unsere sämtlichen Karenz- zeiten angerechnet werden, dah sämtliche Unterstützungen weiter bezahlt werden vom Verband der Lithographen und Stcindrucker. wenn die Liquidation beendet ist. Der Antrag wurde nach kurzer, unwesentlicher Debatte in namentlicher Abstimmung ein st immig an» genommen. Nach Erledigung dieses Gegenstandes fand die Mandats- Prüfung statt. Es waren 63 Delegierte anwesend; ferner waren durch je einen Delegierten vertreten die österreichische und schweize- rische Bruderorganisation. Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildete der Dringlichkeitsantrag des Hauptvorstandes und' der Kontrollkommission folgenden Inhalts:«In Anbetrachk der Un- zulänglichkeit der Mittel des Deutschen SenefelderbundeS, den im Genüsse von Unterstützungen befindlichen Mitgliedern dauernden Bezug der Unterstützungen zu sichern, werden Unterstützungen nur noch für solche Fälle gewährt, die bis zum 33. September 1337 gemeldet und als berechtigt anerkannt sind; das Vermögen der allgemeinen Unterstützungskasse wirb in der Weise aufgebraucht, dah alle am 1. Oktober 1337 im UnterstützungSgenusse stehenden Kranken, Reisenden und Arbeitslosen bis zur strtutengemähen Aussteuerung unterstützt werden. Sollte dann-in Ueberschuh zurückbleiben, so fällt dieser der Invaliden- und Witwenkasse zu. Das Vermögen der Invaliden- und Witwenkasse wird derart ver- wendet, dah nur mehr die am 1. Oktober 1337 vorhandenen Invaliden und Witwen statutengemäh unterstützt werden." Vorstand Hermann Müller begründet diesen Antrag mit dem Hinweis, daß diese Art' der Liquidation mit Kassensperre das einzig richtige sei. Es sei zu erwarten, dah am Ende des Jahres nur mehr 5 Proz. der vorhandenen Kranken zu unterstützen seien. Dadurch würde in der Unterstützungskasse am Ende des Jahres ein Ueberschuh von ungefähr 64 333 M. vorhanden sein, der an sdie Jnvalidenkasse abzuführen ist; dadurch würde aber die Invaliden- lasse so erheblich gestärkt werden, dah die Dauer der Liquidation der Jnvalidenkasse AVi Jahre betragen würde. Dann ist es aber Sache des Verbandes, diese Gelder aus der Jnvalidenkasse in die Krankenkasse abzuführen. Darum empfehle ich, dem Antrage ohne weiteres zuzustimmen. Der Antrag wird hierauf nach kurzer Debatte ein- stimmigangenommen. Die Verwaltungsgeschäfte des in Liquidation befindlichen Deutschen SenefelderbundeS werden den derzeitigen drei geschäfts- führenden Hauptvorstandsmitgliedern, Vorsitzender Müller, Kassierer B r a l l und Sekretär Lange, übertragen. Hierauf beschlieht die Generalversammlung aus Antrag deS H. H o f m a n n, dem bisherigen Vorstand Müller für das Jahr 1337 eine Entschädigung von 153 M. zu gewähren. Der Vorstand des Senefelderbundcs, Hermann Müller, gab hierauf einen kurzen Ueberblick über die Eniwickelung des Bundes. Dieser wurde vor 33 Jahren gegründet, zwar nicht als der erste in seiner Art— es bestanden schon Hiisch-Dunckersche Gewerkvereine— aber der Bund stellte sich die Aufgabe, zu zen- tralisiercn. 1873 waren 545 Mitglieder in 14 Ortsvereinen organisiert. Im nämlichen Jahre wurde die Gründung einer Jnvalidenkasse beschlossen, 1874 wurde die Reiseunt.-rstützung eingeführt. Auf den Tagungen zu Leipzig und Dresden, 1376 und 1878, erfolgte die Schaffung einer Krankenkasse. In den folgenden Jahren verringerte sich die Anzahl der Mitglieder bis auf 137 mit einem GesamtvereinSvermögcn von 11 333 M.; die Schuld daran trug die Gesetzgebung unter dem Sozialistengesetz, nach dessen Aufhebung die Zahl der Mitglieder im Jahre 1881 auf 1226 ge- stiegen war. In diesem Jahre erfolgte die Gründung des Ver- bandes der Lithographen und verwandter Gewerbe. Im �ahre 1338 tauchte der VerschmelzungSgedanke der beiden Organisationen auf; die Verschmelzung wurde aber 1333 in Köln abgelehnt, und der Ausbau des Bundes zu einer Gewerkschaft im Sinne des Buch» druckerverbandcs beschlossen. Kurze Zeit darauf kam die Berliner Generalversammlung, auf der der Ausbau zur Gewerkschaft zur Tatsache wurde. Die Einigkeit im Bunde wurde aber gestört, in- dem auf Veranlassung einiger Abtrünniger die Gerichte beschlossen, dah der Senefelderbund nur als UntcrstützungSorganisation wirken dürfe gemäss seiner Statuten, und seine Gelder nicht als Kampfes- organisation verwenden dürfe. Bei dieser Sachlage war die Auf- lösung des Bundes eine beschlossene Tatsache. Der Bund hat in dem Zeitraum seines 34jährigen Bestehens rund 3(4 Millionon Mark für Unterstützungen hinausbczahlt; davon treffen ungefähr 1(4 Millionen auf die Blütezeit des Bundes, die Zeit, in der die Mitglieder lediglich durch ihr Solidaritätsgefühl zusammenhielten, dos ist die Zeit seit der Berliner Generalversammlung. ES wäre wünschenswert gewesen, dah der Bund so weiter hätte arbeiten dürfen, aber er durfte nicht, und so muhte der Weg gesucht werden, auf dem die Interessen der Mitglieder tunlichst zu wahren waren. das war die Auflösung.(Lebbafter Beifall.) Einer Anregung des Vorsitzenden H a h, eine Geschichte deS Bundes herauszugeben, versprach Müller Folge zu leisten. Hierauf entspann sich eine lebhafte Debatte über einen Brief, den M ö h r i n g l Berlin an die Generalversammlung geschrieben hatte, worin er sich darüber beschwert, dah gegen ihn ein Ausschluss- verfahren seitens des Verbandes der Lithographen eingeleitet worden ist. Der Brief wird aber nicht verlesen, nachdem sich nur eine kleine Minorität für die Verlesung ausgesprochen hatte. Vorsitzender H a h schloh hierauf die Generalversammlung mit folgender Ansprache: Wir haben heute eine Organisation zu Grabe getragen, welche stets für daS leibliche und geistige Wohl ihrer Mitglieder eintrat; wir haben aber mit dieser Grablegung des Senefelderbundcs gleichzeitig etwas Unangenehmes begraben, den Bruderkampf zwischen den beiden Organisationen, dem Bund und dem Verband der Lithographen. Die Beendigung dieses Bruderkampfes bedeutet einen wichtigen Markstein in der Ge- schichte unserer Organisation. In dem Deutschen Senefelderbund hat die Solidarität der Arbeiterschaft Deutschlands einen beispiel- losen Erfolg errungen; wir haben es erreicht, dah die Organisa- tionen unserer Berufe, die von den Arbeitgebern verlacht und verhöhnt worden sind, sich durch einen gewaltigen Kampf die Au- erkennung erwarben und als mächtiger Faktor in Betracht gezogen wurden. Wenn wir diese Organisation, die in einer Reihe von Kämpfen ganz bedeutende Vorteile für ihre Mitglieder und deren Kollegen gebracht hat, heute zu Grabe tragen, weil sich 471 Pro» testler nicht mit den Beschlüssen von mehr als 15 333 Kollegen zufrieden gaben, sondern die Gerichte des Klassenstaates anriefen, eines Staates von Klassen, die alle die Berechtigung der Organi- sationen in ihren Grundzügen nicht anerkennen, so geschieht es in vollem Kraftbewuhtsein. Wie die Arbeiterschaft seit dem Sozia- listengesetz gelernt hat, gesetzliche Mahnahmen gegen die Fort- entWickelung von Arbeiterorganisationen zu überwinden, so hat auch unsere Organisation gezeigt, dah sie den Standpunkt des Gerichtes überwunden hat, dah sie es versteht, dem Platz zu machen, was notwendig ist, um die materiellen und geistigen Interessen der Kollegen zu vertreten. Bei dieser Gelegenheit müssen wir auch der Münchcner Kollegen gedenken, die uns eine so schöne Stätte für die Begrabung des Deutschen Senefelderbundcs bereitet haben an der Grabstätte unseres Meisters, der gleich uns gekämpft und gerungen hat. Ich glaube, dah wir diese Generalversammlung nicht besser schließen können, als wenn wir der Solidarität der deutschen Arbeiterschaft gedenken, und auf dkese, die die Befreiung der Menschheit sich zum Ziel gefetzt hat, ein dreifaches Hoch aus- bringen, das begeisterten Widerhall fand. Hierauf schloh der Vorsitzende die Generalversammlung deS Deutschen SenefelderbundeS. Morgen, Montag, findet im gleichen Saale die Generalversammlung des Verbandes der Lithographen» Stcindrucker und verwandten Berufe statt. Am Denkmale Senefelders wurde ein Kranz niedergelegt, auf dessen roter Schleife stand:«Ihrem Altmeister A. Senefclder die 15. Generalversammlung des Deutschen SenefelderbundeS. 23. IX. 1337."__ Soziales. Fabrikanten- Herrentum. In der Militäreffekten- und Lacklederfabrik von F. W. G a m- m ersb a ch in Roisdorf bei B o nn wurde dieser Tage ein UkaS angeheftet, der an Beschimpfungen der Arbeiter kaum zu überbieten ist. Es heißt darin:«ES hat sich mit der Zeit eine Nach- lässigkeit und Unpnnktlichkeit beim Beginn der Arbeitszeit ein- geschlicken, die ich weiter nicht ungestraft lassen werde. Ich verweise auf die 8Z 9 und 13 der Arbeitsordnung. Es heißt da:„§ 3. Der Anfang der Arbeit wird durch zweimaliges Läuten angezeigt und muh(der Anfang also l) mit dem zweiten Zeichen beginnen." ES ist ein Zeichen der Ver- wahrlosung, tvenn nach 7 Uhr noch Arbeiter das Fabriktor passieren, meist rauchend und mit größter Ge- lassenheit. Es ist das ein Benehmen, welches so recht den Mangel jeglichen Pflicht- und Ehrgefühls bei den Betreffenden erkennen läßt, um so mehr, als eS meist immer dieselben sind, die sich derartiges zu' schulden kommen lassen. Gegen solche Elemente werde ich aufS n a ch d r ü ck l i ch st e den 8 13 der Arbeitsordnung in Anwendung bringen.§ 13: ES werden bestraft bis zur Hälfte eines durchschnittlichen Tagesarbeitsverdienstes: un- entschuldigtes Zuspätkommen und unentschuldigtes Ausbleiben von der Arbeit." Der gesetzwidrige llkas droht dann jedem, der nicht«Punk! 7 Uhr" morgens bei der Arbeit ist, bis zu einer Viertelstunde Ver« spätung 53 Pf., für größere Verspätungen mehr, für jcdcS vorher nicht entschuldigte Ausbleiben 1 M. Lohnabzug o».«Sollte damit bei einzelnen nichts zu erreichen sein, so werde ich von diesen Leuten eine Namcnslrste am Fabriktor aushängen."— Warum droht der Herr nur an, die Namen der Arbeiter, die sich einige Minuten seiner Ausbeutung entziehen, zur Strafe am Fabrik- tor auszuhängen, warum nicht gleich die Arbeiter selbst? Zum BcrftSndniS der Dirnstdotennot auf dem Laude. Ein 15 Jahre altes Mädchen war bei einem Gutsbesitzer in Kissing bei Augsburg in Stellung. DaS Kind war Ver Arbeit für 13 Stück Rindvieh und mehrere Pferde als allen..„e Magd nicht gewachsen. Um das b l e i ch s ü ch t i g e, schwächliche Kind vor dem körperlichen Ruin zu hewahren, nahm eS der Bater nach Ablauf einer 14tägigen Kündigungsfrist aus dem Dienst, ohne auf den längeren Dienstvertrag Rücksicht zu nehmen. Nach der Ans- legung, die das gegen Dienstboten geltende Ausnahmegesetz gefunden hat, dürfen diese da§ Dienstverhältnis jedoch erst verlassen, tvenn sie schon halb tot gerackert sind. Das kranke Kind wurde deshalb wegen„DienstentlaufcnS" bestraft. Eine solche GesetzeSauSlcgung widerspricht nicht minder dem Recht und der Pflicht des Vaters, auf daS leibliche und geistige Wohl feines Kindes Bedacht zu nehmen, wie dem allgemeinen Rechtsgefühl. Aber waS gilt da? Wohl eines KindeS, was die«Heiligkeit der Familie" gegenüber agrarischer Profitsucht? Eltern können ihre Kinder gegen die Folgen solcher Ausnahmegesetze nur durch Verträge schützen, in denen dein Kinde und ihnen daS Recht vorzeitigen VerlaffenS deS Dienstes ein- geräumt ist._ Wasserstandö-Nachrichte». der Landesanstalt für Kewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g ei, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Natibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , LaudSberg Netze, Bordamm Eibe, Leitmeritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz Wasserstand Havel, Spandru , Rathenow') Spree, Spremberg , BeeStoro Weser, Münden , Minden Rhein, WaldShut . Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrlheim Mosel, Trier am Z0.S. cm 104 147 120 167 -106 -21 118 93 34 seit 29. 9. om') + 6 0 - 11 0 — 2 — 4 + 10 >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Inserate � för die nächste Kummer motten Ipateftens bis 5 Ohf nachmittags des vorherigen Cages in unserer Sxpedltion abgegeben werden. Größere Hnzeigen för die % Sonntags-Rümmer& erbitten dagegen Tchon bis freitag nachmittag 5(Ihr» da nur in diesem falte die Hufnahme garantiert werden kann. 1 IrotnlntM im TU» WWM SvrlRi». Donnerstag, den S. Oktober, vormittags 10 Uhr: � MgUmlsr-Verssmmwng � bei Keller, jetzt Freyer, Koppenftr. SS Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommisfion. 2. Delegiertenwahlen zum Gautag. 200/20 W�T laut KeschluH der Versammlnug vom Sonntag, den 39. September, hat am Donnerstag, den 3. Oktober in ganz Berlin nnd Vororte die Arbeit zu ruhen, auch Privatarbeit nnd hat jeder � Kollege in der Versammlung zu erscheinen. .Jeder Kollege Ist verpflichtet sein Terbandsbach mitzubringen znr Anf- ■tellnng der Streiklisten. Der Borstand. Zentral'Yerbatul der Klaurer Deutschlands. Zweigverein Berlin.— Sektion der Gips- u. Zementbranche. Am Freitag, den 4, Oktober, abends 8 Uhr, finden für alle in der GipS" baiabranche beschäftigten Rabitzpntzer, Träger u. Rabihspanner zwei große Versammlungen statt TageS- Ordnung: „Unsere Aufgaben für die Zukunft". Referenten sind die Kollegen Wilh. Fritzscli und Otto Hanke. Die Versammlung für die Rabitzputzer und Träger findet im Gewerkschaftshaus, Eugel-Ufer 15, für die Rabitzspanner bei Jannaschk, Jnselstr. 10, statt. Kollegen! Wir erwarten vollzähliges und PünttllcheS Ericheinen.— Agitiert fiir einen guten Besuch dieser Versammlungen. s14Z/lSs Der SektionSvorftand. I. A.: Otto Kaese. Trianon-Theater. Fräulein Josette- meine Frau. 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Oktober 1907, abends 8'/, Uhr: Branchen- Versammlung im Enslischen Garten, Alexanderstr. 37c; Sämtliche in dieser Branche bcschäjtigten Kollegen haben in dieser Ver- sammlung zu erscheinen._ Die Kommission. *i!ii Zuschneider und Zuschneiderinnen! Die für Freitag, den 4. Oktober, angesetzte Versammlung fSÖU"' muß aussallen!'HW Dieselbe findet üm Fttiilijs, dt» 11. Oktober, iss/g abends 8'/, Uhr, bei liriUcl, Neue Friedrichstr. 35, statt. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Schlufiverhandlung mit den Arbeitgebern und unsere sernere Stellungnahme. Die Kollegen und Kolleginnen werden dringend ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Ferner werden die Vertrauensleute ersucht, recht zahlreich zu erscheinen._ Die Ortsverwaltung. Tanzlehrer-Verband „Solidarität" Berlins und Umgegend. Freitag, den 4. Oktober. im Lokale der„Germania-Branerei", Frankfurter Alle« 53: Woilliis-Ntrlllimliilig. Erscheinen aller Kollegen notwendig. Die Beerdigung der Frau unseres Kollegen rran- Schnitze findet am Mittwoch, den 2. Oktober, nachm. Vi, Uhr, von der Leichenhalle des neuen ThomaS-Kirchhoss aus statt. 2S7/8 Recht rege Beteiligung erwünscht. Der Borstand. I.A.: Richard Heinrich,«rangelstr. 107. SSSSL« Phänomen- Nach Egyptischer Art Zigarettenfabrik„NAMKORI (5 i Zentral-Verlianil der Maurer Deutseblanils. Sektion d. Gips- u. Zementbranche Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Wilhelm Thiede am 28. September 1907 nach langem Krankenlager verstorben Ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Ottober 1907, nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- hause, Friedrichsberg, Gürtelstr. 38, aus nach dem Gemeindc-Fried- hose am Krugstege in Lichtenberg statt. Um rege Beteiligung ersucht 143/14 ver Sektionsvarstand Deutscher Metallarbeiter-Verband! Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß! unser Mitglied, der Schrauben- dreher August Henkel am 28. September au Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute! Mittwoch, den 2. Ottober, nach-k mittags VI, Uhr, vom Trauer-! Hause, Koppenstraße 17, auS nach j dem Zonlraisriedhoje in Friedrichs- selde statt. Rege Beteiligung erwartet 163/13 Die Ortsverwaltung. Am 29. September, 8 Uhr srüh,] entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden meine innig- geliebte Frau Berta Scbullze g-b. Gau«. im 27. Lebensjahre. DieS zeigt ttesbctrübt cm Franz Schnitze Warschauerstr. 45. Die Beerdigung findet Mittwoch, t den 2. Ottobcr, nachm. VI, Uhr,( von der Leichenhalle deS neuen I Thomas- Kirchhofes, Hermann- 1 strafie, auS statt. 387b I Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß meine| liebe Frau, gute Mutter und Tochter Helene Hahn geb. Hermerschrnldt am Montag, den 30. September, nachmittags 3>/, Uhr, im 2S. Lebens- jähr« nach langen, schweren Leiden entschlafen ist. 203L DieS zeigen ttesbetrübt an Der trauernde Gatte nebst Eltern und Berwandten. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr. vom Trauerhause in PcterShagen (Ostbahn), Bruchmühlenstratze 23, aus statt. Dankfagung. die uns erwiesene reg« TeU- an der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten VatcrS sagen wir allen unseren besten Dank. Witwe /Harle Heister 293b nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Karl Werlitz sage allen Freunden und Bekannte» sowie dem Wahlvercin Rirdors Bc- zirk 12 meinen herzlichen Dank. 292b Hinna Werlitz. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41. Äta««, 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4. [Haben Sie Stoff? Ich jertige daton Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade*,!!.(Stdtb. Börse). G g ardinen- Spezialhans Emil Lefevre Berlin, Oranienstr. 158 Riesens Aus wähl! Gardinen, Portleren, Stores, Vitragen, Ttlll- Bcttdecken etc. Einzelne Fenster spottbillig! Prartl-IUlilia TiÄ.™ franko. »«Äitwortlicher Redakteur:'LanS Weber. Berlin. Für den«nferaten . Tb. Glocke. Berlin. Druck u.Berlaa:Vorwätt««uckdruderei u. BcrlaaSanitalt«anl Tanger ü- Co., Bcrlm LW. gt. m 24»w Z. Ktüllge heg JiiWölts" Dtlliller Illllislllllü. Zm Kommukswshlbewegung. Zu den Stadtderordnetenwahlcn im Süden und Südwesten haben dieser Tage der Grundbesitzerverein»Südwest und Süd" und der Hausbesitzerverein.Süd" in ihren kürzlich stattgefundenen Ver- sammlungen Stellung genommen. Aus den im»Grundeigentum" enthaltenen Protokollen über die Versammlungen erhellt, dast die Hausagrarier jener Bezirke ein Koinitee mit Herrn L i e b e n o w als Vorsitzenden gewählt haben, uin die Agitation in die Hand zu Nehmen. Auch an der Wahl in der dritten Abteilung will man sich lebhast beteiligen. Stadtverordneter Imberg trat für eine all- gemeine Teilnahme an den kommenden Stadtverordnetenwahlen ein; die Reichsiagswahlen hätten gezeigt, daß ein stischer Zug durch die Bürgerschaft gehe, diese ersteuliche Erscheinung möge sich auch in kommunalpolitischer Beziehung zeigen.»Helfen Sie uns", rief er in der Versammlung des Grundbesitzervercins„Südwest und Süd" aus,»die beiden Bezirke vor dem Halleschen Tor zurückerobern." In der Versammlung des HauSbesitzervercins„Süd" meinte der Stadtverordnete Herr Liebenow, der überall zu finden ist, nach dem Protokoll: „Es wird diesmal mit allen Mitteln darauf hinaus gearbeitet werden, die beiden Mandate der dritten Abteilung, die zurzeit von Dr. Bernstein und Zubeil bekleidet werden, der Sozialdemokratie zu emreisten; bei einigermaßen Zusammengeben der Bürgerschaft und bei eifriger Wahltätigkeit wird auch das nicht schwer fallen. Wie übrigens erzählt wird, soll für beide Mandate der dritten Abteilung der Magistrat die Wahl von Hausbesitzern vorgesehen haben. Auch das wird dazu beitragen müssen, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, sondern diesmal eistig auf der Wacht zu stehen, um diesen Herren Genossen einen Damm entgegenzusetzen. Zu einer gemeinsamen Vorberalung betreffs der einzuschlagenden Wege, ladet Herr Liebenow die Vor- stände der beiden Hausbesiyervereine und der drei Bezirksvereine zu einer Sitzung ein.— In der Diskussion(an der sich die Herren Gollop, Heinrich Schulz, Huff, Scholz usw. beteiligen) wird den An- sichten des Herrn Stadtverordnelen Liebenow in allen Puntten zu- gestimmt: man kann es bei tüchtiger Arbeit sehr wohl erreichen, die beiden Mandate der dritteu Klasse in unserer Gegend den Sozial- demokraten zu entreißen, wir müssen aber alle gemeinsam an einem Strange ziehen. Auf Antrag des Herrn Gollop und nach wärmster Befürwortung seitens des Herrn Scholz wird beschlossen, dem Vor- stand das Recht zu erteilen, nach seinem freien Erntessen für die Kosten zu den kommenden Stadtverordnetenwahlen einen Beitrag bis zu 200 M. aus der Vereinskasse zu bewilligen und zwar sollen die Kosten unter den fünf Vereineu nach Anzahl ihrer Mitglieder verteilt werden." Unsere Genosien ersehen hieraus, daß die Gegner niöbt untätig sind. Sie hoffen auf den„stifchen Zug", der feit den Reichstags- wählen durch die Bürgerschaft gehe und glauben als Blockbrüder große Erfolge erzielen zu können. Natürlich werden unsere Genoffen sich durch große Worte nicht imponieren lassen, allein es muß auch von unserer Seite rastlos und unermüdlich AgitationS- und Werbe- arbeit geleistet werden, damit alle Hoffnungen der Gegner, in der III. Abteilung Boden zu fassen, zu schänden gemacht werden. Partei- Angelegenheiten. Trepww-Vamnschuleitweg. Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr. finden wieder S öffentliche Versammlungen in den be- kannten Lokalen statt. Fortsetzung der Tagesordnung der Versamm- lungen vom Dienstag. Der Vorstand. Potsdam. Heute Mittwoch: Wahlvereinsversammlung bei Laden- thin, Kaiser Wilhelmstraße. Tagesordnung: Vorstandswahl. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. Zossen. Die Mitglieder des Wahlvereins werden auf den am heutigen Mittwochabend 8 Uhr im Lokale des Herrn Schimke statt- findenden Kunstabend, veranstaltet vom hiesigen Gewerkschaftskartell, hingewiesen. Hohcn-Neuendorf und Stolpe. Die Genoffen werden darauf aufmerksam gemacht, daß die zu Sonntag, den 6. Oktober festgesetzte Aussprache nicht an diesem, sondern am nächsten Sonntag, den 13. Oktober, früh 9 Uhr bei Bergemann in Stolpe stattfindet. _ Der Vorstand. Berliner JSacbrichten. Proletariers Umzug. Berlin steht in diesen Tagen wieder einmal im Zeichen des Umzuges. Allenthalben fahren polternd große und kleine Möbelwagen durch die Straßen. Auf dem Bürgersteig stehen Möbelstücke und häusliche Gebrauchsgegenstände in wirrem Durcheinander und„Zichleute" sind damit beschäftigt, diese kunstgerecht und sorgfältig im Innern der Wagen zu ver- stauen. Aus den Vorderhäusern, besonders in den wohl- hahendcren Gegenden, sieht man die kostbarsten Möbel, die prächtigsten Garnituren, die herrlichsten Kunstwerke den pro- fanen Blicken des Publikums ausgesetzt. Die lieben Nachbarn aber, die in der angenehmen Lage sind, nicht mit den Mühen und Beschwerden eines Umzuges belastet zu sein, lassen sich die willkommene Gelegenheit nicht entgehen, mit bewundc- rungswürdiger' Ausdauer die ausgestellten Gegenstände einer eingehenden Musterung und Kritik zu unterziehen. Trifft es sich dann noch, wie man das mitunter beobachten kann, daß der schreckliche Mann mit der ominösen schwarzen Mappe vergessen hat. an einem Möbelstück den blauen„Kuckuck" abzunehmen, dann steigert sich das Interesse der guten Leutchen bis zum höchsten Maße. Ganz anders aber, wie bei den Wohlsituierten, die nach einer telephonischen Rücksprache mit„ihrem" Spediteur alle weiteren Mühen und Arbeiten dem bestellten Personal und ihrer Dienerschaft überlassen und sich allenfalls der Mühe unterziehen, das Ganze zu üben achcn und zu beaufsichtigen, spielt sich der Umzug bei der ärmeren Bevölkerung ab. Gerade sie ist den Widerwärtigkeiten des Wohnungswechsels in erhöhtem Maße ausgesetzt. Nicht etwa aus angeborener UnseßHastigkeit, sondern aus den nur zu oft geschilderten Umständen heraus. Wer die Wohnungsverhältnisse der minder bemittelten Klassen nur einigermaßen kennt, wird es begreiflich fipden, wenn auch der Proletarier seine Habseligkeiten Packt, uin sein Glück im neuen Heim zu suchen. Da zeigt sich nun beim Umzug ein anderes Bild, als das oben geschilderte. Kein Möbelwagen von den Dimensionen einer Arche Noahs harrt, mit schweren Pferden bespannt und von dienstbaren Geistern umgeben, vor dem Hause. Dazu reichen die spärlichen Mittel nicht, auch würde sich sein ganzes Hab und Gut in der Ecke eines solchen Un- getüms bis zur Unsichtbarkeit„verkrümeln". Da wird irgend- wo bei irgcndwcm ein Handwagen geborgt oder der„Kohlen- srttze" mit dem niedrigen Federwagen und der unverdrossene, zottige Hund, der den stolzen Namen„Cäsar" führt, stellen sich gegen ein gewisses Entgelt zur Verfügung. Auch Ver- ivandte, Arbeitskollegen, Laubenfreunde und der unvermeid- liche Schlafbursche treten in Aktion, um das schwierige Unter- nehmen zu bewerkstelligen. Dies beruht auf Gegenseitigkeit und die Aermsten der Armen stehen sich in solchen Zeiten in erfreuender Weise zur Seite. Fällt der Sonntag günstig, so wird dieser ausgenutzt, andernfalls vollzieht sich der Umzug in den Abendstunden, wenn Vater von der Arbeit kommt. Zeit- Versäumnis ist Geld und muß vermieden werden. Oft ist ihnen die Dunkelheit gerade recht, besonders wenn die Sachen noch aus früheren Perioden stammen und der Zahn der Zeit nicht spurlos an ihnen vorübergegangen ist, oder wenn man die dünnen, brüchigen Möbel der Abzahlungsgeschäfte nicht gern den Blicken der Vorübergehenden preisgeben mag. Stehen sie erst wieder geordnet, so kann die sorgende Hand Mutterns durch geschickte Kniffe immer wieder die Schäden und Mängel einigermaßen verdecken. Leider harren der Umziehenden in der neuen Wohnung auch ivieder neue Mißlichkeiten und meist finden sich hier die- selben Mängel, denen man zu entfliehen glaubte. Hauswirte haben für arme Mieter wenig übrig, für die ist das Schlechteste immer noch gut genug. Und verfügt der Arbeiter noch über eine stattliche Kinderzahl, dann darf er vollends nicht mucksen. Nebenbei hemmt die wilde, zügellose Raubwirtschaft der Bau- spekulation jede gesunde Entlvickelung, weshalb es die heiligste Pflicht aller Proletarier ist, nicht nur bei politischen, sondern auch bei kommunalen Wahlen denjenigen Vertretern ihr Ver- trauen zu schenken, die es sich durch unermüdliche Tätigkeit im Dienste der ausgebeuteten Klassen und durch ihr weit- blickendes, soziales Verständnis vollauf erworben haben. Und nun„viel Glück im neuen Heim!" Zum Achtuhr-Ladenschluß. Etwaige noch ausstehende Abstimmungskarten für den Achtuhr-Ladenschluß wolle man umgehend an das Bureau des Zentralverbandes der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen, Neue K ö n i g st r. 36 abliefern. Die städtische Berkehrsdeputatio» verhandelte in ihrer gestrigen Sitzung über die von der Omnibus- gesellschaft beantragte Tariferhöhung. In umfangreichen Ziffern- mäßigen Darlegungen versucht die Gesellschaft nachzuweisen, daß sie den Fünfpfennig-Tarif nicht mehr austechterhalten könne, da die eigenen Kosten höher seien. Die Frequenz auf den Fünfpfennig- Strecken sei unausgesetzt und zwar bis auf hundert Millionen Personen gestiegen, während die der Zehnpfennig-Linien nach und nach auf dreizehn Millionen Personen heruntergegangen sei, welche allerdings in dem letzten Jahre eine Steigerung auf zirka zwanzig Millionen erfahren habe. Hierdurch sei nach und nach der Durchschnittsertrag pro beförderte� Person auf ö,8 Pf. gesunken, zu gleicher Zeit seien aber die Selbst- oder Betriebskosten pro Person unausgesetzt gewachsen, so daß dieselben zurzeit den Durchschnitts- ertrag, also S,8 Pfennig erreicht haben. Vor allen Dingen seien die Arbeitslöhne und Futtermittel, letztere allein um über sechshundert- tausend Mark gestiegen. Unabweisbar machten sich neue Gehalts- und Lohnerhöhungen geltend, so daß die Gesellschaft gezwungen sei, den Preis für die Fünfpfennig-Sttecke auf siebeneinhalb Pfennig zu erhöhen und tne Teilstrecken auf zirka ISSS Meter herabzusetzen oder den Betrieb ganz einzustellen. Abgesehen davon, daß an der Hand der gegebenen Unterlagen eine Nachprüfung der Ziffern nicht möglich war, konnte sich die Deputation ohnehin nicht entschließen, der beantragten Erhöhung die gewünschte Zusttmmüng zu erteilen, denn dieselbe würde für die Aktionäre eine 2v proz. Dividende ihres AkttenkapitalS bedeuten. Die Deputatton zeigte sich aber geneigt, auf eine Verkürzung der Fünf- pfennig-Streckcn einzugchen. Die enorme Steigerung des Verkehrs auf diesen Linien hat bewiesen, daß ein großes Bedürfnis für solche kurze billige Fahrten, namentlich in der inneren Stadt besteht! eine Verkürzung dieser Strecken würde die Erhöhung der Frequenz er- möglichen, ohne die Betriebskosten zu erhöhen, und damit die Rentabilität deS Unternehmens herbeiführen. Die Deputation beschloß daher, der Gesellschaft die Verkürzung der Fünfpfennig- Strecken auf 1S00 Meter zu genehmigen. Die Beratung des Entwurfs für den VerkehrSzweckverband wurde nach allgemeiner Besprechung zur Spezialberatung in nächster Sitzung zurückgestellt._ UnterstühungSfondS für Weier und Stuhlarbeiter. Aus der Johann Jakob Zeitlerstiftung, ivelche von der städtischen Stiftungs- deputattou verwaltet wird, sollen einmalige Unterstiitzungssummeu im Bettage von wenigstens 39 M. an solche Weber und Stuhl- arbeiter sd. h. Weber, Wirker, Naschmacher, Zeugmacher, Tuchmacher, Strumpf- und Seidenwirker), Meister und Gesellen vergeben werden, welche zwar der öffentlichen Armenpflege nicht anheimgefallen sind, aber sich in Geldverlegenheit, namentlich was die Zahlung der Wohnuugsmiete betrifft, befinden.— Bewerber müssen sich seit min- dcsteuS zwei Jahren in Berlin niedergelassen haben. In erster Linie sollen solche Bewerber berücksichtigt werden, welche mehr als vier Kinder unter II Jahren habe».— Gesuche mit Angaben über die Dauer des AnfenthaltS in Berlin und über die Zahl der am Leben befindlichen Kinder unter II Jahren sind baldigst an die städtische Stiftungsdeputation, C., Poststr. 16, 2 Treppen, zu richten. Der Ausschuß zur Borberatmig der Magistratsvorlage. für den Magistrat ein Automobil anzuschaffen, beschloß mit 13 gegen 2 Stimmen, der Versammlung die Annahme des Magistratsantrages zu empfehlen. Nach eingehender Debatte wurde dann mit 8 Sttmmen be- schloffen, den Magistrat zu ersuchen, den Mitgliedern des Magistrats und Stadtverordneten Fahrkarten für alle Straßenbahulinien zur Verfügung zu stellen._ Der MilitärfiSkus und das Aufmarschgelände. Der Militärfiskus will das mit einem Stacheldraht eingezäunte Ausmarschgelände am Viktoriapark der„Bebauung erschließen". Eine hiesige Korrespondenz weiß darüber folgendes zu berichten: »Zum Zwecke der baulichen Aufteilung des alten Ausinarsch- geländcs am Krenzberg ist von der Garnisonbauverwaltung ein Bebauungsplan aufgestellt worden, der. demnächst den städtischen Behörden der Reichshauptstadt zur Genehmigung unter- lireilet werden soll. Der Bebauungsplan sieht zwei das Gelände rechtwinklig durchschneidende Straßen vor, von denen die eine parallel mit der Katzbnchstraße läuft und die andere die östliche Verlängerung der von Schöneberg kommenden Monumenten- straße bildet, außerdem wird ein an der Westseite des Viktoriaparkes entlang gehender Straßenzug die'Dreibund- mit der Kreuzberg- straße verbinde». Das gesamte Gelände wird dadurch in vier große Baublöckc aufgeteilt. Unter den Anwohnern des Viktoriaparkes und in den kommuualpolitischen Vereinen vor dem Hallescheu Tore stößt dieier Plan der Militär- Verwaltung auf einen energischen Widerstand, und man hofft durch Petitionen an die städtischen Körperschaften und die anderen maßgebenden Behörden zu erzielen, daß das Aufmarsch» geläude zur Vergrößerung des Viktoriaparkes oder zur Anlage von Spielplätzen Verwendung findet, die niil gärtnerischen Aupflan- zungen versehen iverdcn können. Die ftüheren Versuche der Stadt Berlin, das Gelände für die Zwecke des Parkes zu gewinnen, waren stets vergeblich gewesen, da die Militärverwaltung alle darauf hinzielenden Anträge mit der Begründung ablehnte, daß das Gelände für die militärischen Zwecke nicht zu entbehren sei. Sollte die Stadt Berlin, um das Gelände vor der Bebauung zu retten, zu einem Ankaufe genöttgt sein, so wären hierzu bedeutende Summen erforderlich. Nicht zu übersehen ist auch der Umstand, daß durch eine Bebauung des Geländes der Viktoriapark ganz erheblich leiden würde." Daß die Stadt Berlin zu dem Plan des MilitärfiskuS nicht ohne weiteres Ja und Amen sagen wird, halten wir für selbst verständlich. Die Stadt hat erhebliche Mittel aufgeioendet, um d Vikloriapark zu dem zu machen, was er jetzt«st: zu einem' holungsplatz der Bewohner des Südwestens. Der Militärfi s weiß das, er weiß auch, daß das ihm gehörige Geläude ohne..ese Aufwendungen einen sehr geringen Wert hätte. Jetzt sucht der Fiskus aus der gegenwärtigen Situation Kapital zu schlagen. Die Hauptsache für ihn ist, rechi viel Geld aus seinem Sandhaufen her- aus zu holen; ob dabei der Bevölkerung Luft und Licht genommen wird, das geniert ihn in keiner Weise. Die Stadt Berlin ist dem Fiskus gegenüber leider immer sehr vertrauensselig, indem sie ihm bei jeder Gelegenheit ein großes Entgcgenkomnreu beweist. Wie unangebracht das ist, zeigt sich wieder an obigem Fall._ Mangel an nächtlicher Straßenbeleuchtung macht sich, wie man uns klagt, in der Morgenfrühe namentlich an denjenigen Stellen empfindlich bemerkbar, an wdlchen für die Zwecke der Untergrund- bahn gebaut wird. Pünktlich um I�h Uhr morgens erlischt beispiels- weise am Spittclmarkt das elektrische Licht, ohne Rücksicht auf die Helligkeit oder Dunkelheit der jetzigen Jahreszeit. Es wird auch hier offenbar nach jener Schablone verfahren, die uns den Spreng- wagen alljährlich genau nach dem Kalender beschert. In der fünften Morgenstunde ist es aber jetzt noch so erheblich dunkel, daß zu dieser Zeit jene durch umfangreiche Buddcleien aufgewühlten Verkehrs- punkte, die schon am hellen Tage schwer passierbar sind, ausreichend beleuchtet werden müssen. Die zahlreichen Personen, welche sich schon zu frühester Stunde an ihre Arbeitsstätte begeben, schweben in nicht zu unterschätzender Gefahr, wenn sie sich im Dunklen an allerlei Baumaterial vorbeischieben, zumal da auch der mit Brettern und Bohlen belegte oder aufgeweichte Boden nicht die sonstige Sicherheit des Pflasters bietet. Unter gewöhnlichen Verhältnissen kann man sich damit zuftieden geben, daß das elektrische Licht nicht bis in den hellen Tag hinein leuchtet. Wo aber in so ausgedehnter Weise gebuddelt und gebaut wird, mutz unbedingt Unfällen, die Passanten erleiden können, vorgebeugt werden. An jedem einfachen Bauzaun soll nachts eine Laterne brennen. Diese polizeiliche Vor- schrift ist für grotze unterirdische Baustellen ebensogut wie auf das städtische Beleuchtungswesen anwendbar. „Schnelle" ärztliche Hülfe. Welche Umstände und Lausereien ein Arbeiter hatte, um eine in der Hand steckende, abgebrochene Nadel entfernt.zu bekommen, er- hellt aus einer Schilderung, die uns ein Kürschner gibt. Der Sach- verhalt ist folgender: Am Sonnabend gegen Feierabend räumte der Kürschner G., Tilsiterstt. 13 wohnhaft, seinen Werkstubentisch auf. Dabei stach er sich eine Nadel, wie sie Kürschner gebrauchen, in die Hand; ein Stück brach ab und blieb zur Hälfte un Fleische sitzen. Um den Fremdkörper los zu werden, ging G. zu einem in der Nähe der Werkstatt wohnenden Arzt Dr. Lazarus in der Zossener- straße. Dieser riet, doch zu einem chirurgischen Arzt zu gehen und empfahl Herrn Dr. Wolffenstein in der Holzmarktstaße 61. Diesem Rat konnte G. erst am anderen Tage, am Sonntage, Folge leisten. Da stellte sich aber heraus, daß Dr. W. hier gar nicht wohne. Im Adreßbuch nachsehend, stellte G. fest, daß die Wohnung Dr. W.s Petersburgerstr. 51 sei. Also sofort nach dahin. Hier wurde geantwortet, W. sei in der Klinik, Markusstr. 1. Jetzt nach Markusstr. 1. Herr Dr. W. meinte, die Hand müsse mit Röntgen- strahlen untersucht werden. Dazu müsse G. aber erst einen Schein von der Kasse haben. Am Montag ging? zur Kasse und von hier mit dem Schein zu Dr. Settegast, Alexandrinen- straße 108. Von hier wurde G. nach der Klinik, Oranien- straße 67, geschickt. Nach Inaugenscheinnahme der Hand erfolgte hier der Bescheid, am Dienstag wiederzukommen, damit die Röntgenaufnahme gemacht werden könne. G. begab sich nun am Dienstag nach der Oranienstraße, wo die Röntgenaufnahme erfolgte; wurde aber zu Mittwoch wieder hinbestellt. Als G. an diesem Tage hinkam, bekam er die Platte eingehändigt mit der Anweisung, nach der Klinik des Dr. Wolffenstein, Markusstr. 1, zu gehen. Sofort also wieder nach dieser Stelle.>/z12 Uhr war G. da und um°/.1 Uhr kam er an die Reihe. Da erklärte Dr. W., jetzt sei es zu spät, G. solle am nächsten Tage wieder- kommen. Inzwischen war eine heftige Geschwulst eingetreten und G. verspürte erhebliche Schmerzen. Am DonnerstSg begab sich G. wieder nach der Markusstraße 1. Nachdem der Arzt sich die Hand angesehen, erfolgte endlich die Entfernung der abgebrochenen Nadel. Daß die Sache nicht unbedenklich war, geht wohl noch daraus her- vor, daß G. narkotisiert werden mußte. Vom Sonnabend bis Donnerstag mußte der Arbeiter von PontiuS zu Pilatus laufen, um endlich eine Nadel aus der Hand entfernt zu bekommen. ES geht wirklich nichts über„schnelle" ärztliche Hülfel Bei Ausübung feines Berufes ist am Montag der Dachdecker Zarbock, Dunckerstr. 26, vom Dach gefallen. Dabei brach er sich den linken Arm und mußte, nachdem er im Krankenhaus am Friedrichshain einen Verband erhalten,»ach seiner Wohnung gebracht werden. Der Frauenarzt Professor Dr. Koßmann ist an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich bei einer Operation zugezogen hatte, im Alter von 58 Jahren gestorben. Die Furcht vor dem schlechten Zeugnis. Seit mehreren Tagen ist die Schülerin Elftiede Conrad aus der elterlichen Wohnung Alte Jakobstt. 10 verschwunden. Anderen Kindern gegenüber hatte das Mädchen vor seinem Verschwinden geäußert, eS werde sich etwas an- tun, wenn es nicht versetzt«verde. Seit dem Tage, an dem die Schule geschlossen wurde, ist die C. Verschlvunden. Es wird be- fürchtet, daß sie ihre Aeußerung wahr gemacht hat. Bekleidet ist die Vermißte mit rotem Kleid und braunen Turnschuhen. Wegen eines größeren Dachstuhlbrandes wurde am Dienstag- nachmittag die Feuerwehr nach der Rigaerstr. 92 alarmiert. Der Dachstuhl des HauseS stand schon in grotzer Ausdehnung in Flammen. Um den Brand zu löschen, mußte der 7. Löschzug mehrere Schlauch- leituugen von Dampfspritzen über eine große mechanische Leiter vor- nehmen und kräftig Wasser geben. Der Dachstuhl mit einem Teil ger Bodenverschläge konnte nicht mehr gerettet werden. Die Eni- siehungsursache war nicht zu ermitteln. Vom Omnibus abgestürzt ist gestern vormittag der OmiribuS- kutscher Schmoll aus der Monuinentenstr. 10, der auf der Linie V sBülowsttatze— Stettiner Bahnhof) der Allgemeinen Berliner Omnibus- Gesellschaft bcdienstet ist. Als Sch. gegen 9 Uhr an der Endhalte- stelle am Stettiuer Bahnhof den Kutschersitz besteigen wollte, verlor er plötzlich das Gleichgewicht und stürzte rücklings auf den Fahrdamm hinab, wo er besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation IX in der Eichendorffstraße gebracht, woselbst bei ihm schwere Gehirnerschütterung und eine Schädelverletzung fest- gestellt ivurde. Von dort wurde Sch. nach dem Lazarus-Krankenhause übergeführt. Wegen Ausführung des großen Diebstahls in der Straußenfeder- fabrik von Ruhmann in der Beuthstraße, bei dem etwa für 10 000 Mc Straußenfedern erbeutet wurden, wurden von der Schöne- berger Kriminalpolizei der Schlosser Blöcke, der Kellner Otto Wieds- mann und der Werkmeister Fretz verhastet. Der Posten als„SUarTcnfrSulchi", der erst bor einigen Jahren für die gros;cn Postämter zur schnelleren Abwickelung des Schalter- Verkehrs geschaffen wurde, ist gegenwärtig wohl die am schlechtesten besoldete Stellung im gesamten reichshauptstädtischen Postwesen. Man will es gegenüber den kolossalen Einnahmen der deutschen Reichspostberwaltung kaum glauben, dah diese täglich bis zu acht Stunden in einein engen Holzkäfig eingesperrten„Beamtinnen" es bei täglichen Diäten im günstigsten Falle auf ein monatliches Höchstgehalt von ganzen 60 Mark bringen können. Dabei haben sie keine Pensionsberechtigung, beziehen auch keinen Wohnungs- zuschuß, müssen sich vielmehr noch die üblichen Abzüge gefallen lassen und können jederzeit auf die Straße gesetzt werden. In den Anstellungsbedingungen heißt es, daß das„Markenfräulein" über 16 Jahre alt sein und Familienanschluß haben soll. Was es mit letzterer Bestimmung auf sich hat, ist etwas schleierhaft. AIS ob nicht auch ein alleinstehendes Mädchen ehrenwert und ver- trauenswürdig sein kann! Der Familienanschluß macht doch noch lange nicht den Charakter aus. Allerdings ist im stillen höchst- wahrscheinlich der Anschluß an Postfamilien gemeint, denn die „Markenfräulcins" rekrutieren sich zumeist aus den Töchtern oder Witwen verstorbener Postbeamten. Damit werden auch die ge- ringen Diäten einigermaßen erklärlich, von denen sich nur dann halbwegs anständig leben läßt, wenn die Einnahmequelle noch anderweit fließt. Ausnehmend schwer ist die Beschäftigung ja nicht, auch nicht viel leichter als diejenige anderer Schalterbcamten, die das Doppelte und Dreifache an Gehalt beziehen. Neuerdings hat man sogar erkannt, daß die Markenfräuleins, ebenso wie die Fahr- kurtenverkäuferinnen bei der Eisenbahn, unter einer gewissen Ge- fahr der Beraubung stehen. Es sind nämlich letzthin ihre Holz- käsige derartig mit Schutzgittern versehen worden, daß dadurch „Uebergriffe" sehr erschwert werden. Bei dem neuen großen Post- amt an der Ecke der Linden- und Ritterstraße saß früher die Markenverkäuferin wie auf dem Präsentierteller. Unehrliche Burschen hätten hier leichte Arbeit gehabt. Gegenüber dieser per- fönlichen Gefährdung ist auch eine Gehaltsaufbesserung für die Damen, ob sie nun NebeneinnaHmen haben oder nicht, gm Platze. Seinen Bcrletzungen erlegen ist der Künstler Valerius, der, wie wir mitteilten, bei Aufspringen auf einen fahrenden Straßenbahn- wagen vom Trittbrett abgeglitten und mit dem rechten Fuß unter den Schutzrahmen des Anhängewagens geraten war. Ihm mußte im Lazarus-Krankenhause, wohin man den Schwerverletzten brachte, das Bein abgenommen werden. Gestern ist V. gestorben. Die gerichtSiirztliche Oeffnung der Leiche der Näherin Frieda Meding wurde gestern nachmittag von Prof. Straßmann und Ge- richtSarzt Dr. Hoffmann vorgenommen. Sie ergab als Todesursache Strangulation. Ob Mord oder Selbstmord vorliegt, konnten sie nicht feststellen. Der Bügler Hensel wird demnach dem Untersuchungs- lichter vorgeführt. Die Näherin befand fich infolge des Verkehrs mir Hensel in anderen Umständen, womit vielleicht der zwischen beiden vorgekommene Streit zusammenhängt. Der Kriminalpolzei in Hannover ist es gelimgen, einen lange gesuchten Einbrecher festzunehmen und dem Gerichtsgefängnis ein- znliefern. Es handelt sich um den vielfach, auch mit Fuchthaus vor- bestraften„Arbeiter" Franz Kirsch aus Berlin und seinen Schwager Wilke. Kirsch ist derselbe, der im Januar zum fünften Male aus der Irrenanstalt Herzberge entspnuigen ist. In seinem Besitze fand man eine geladene Browningpistole, über hundert Mark bares Geld und verschiedene Wertsachen. Kirsch verweigert über die Herkunft der Sachen jede Auskunft und scheint wieder den wilden Mann spielen zn wollen. Im Wintergarten tritt seit Sonnabend die indische Tänzerin Ruth St. Denis wieder auf. Die Eigenart ihrer Tanzkunst bildet gegenüber den übrige» Darstellungen einen lebhaften Kontrast. Wegen eines großen Seidendicbstahls, der kürzlich in der Ber- lincr Vlusenbetriebswerkstätte von M. Wasservogel in der Burgstraße 9 verübt wurde, sind der Handelsmann Paul Grallert und die Händler Adolf Dambock und Teil festgenommen worden. Die Einbrecher machten eine Beute von über 29 999 Mark. Die Art ihrer Arbeit ließ darauf schließen, daß Grallert seine Hand im Spiele gehabt hat. Es fiel weiter auf, daß Grallert, der erst vor einiger Zeit unter der Anklage eines großen Diebstahls am Spittel- markt gestanden und nicht gearbeitet hatte, am Tage nach dem Einbruch bei Wasservogel bei einem Schankwirt in der Kaiser Wilhelmstratze S99 Mark hinterlegte, viel mit Dambock verkehrte und mit diesem nach Strausberg fuhr, auch' dort mit„Damen", die zum Teil in jener Gegend in Sommerfrische wohnten, kostspielige Zechgelage veranstaltete. Eine Haussuchung bei diesen„Damen" förderte zwar nichts zutage, dagegen fand man bei Dambock in der Wohnung zu Lichtenberg für etwa 399 Mark Seide, die aus dem Einbruch bei Wasservogel herrührt. Die 699 Mark wollte Grallert schon im Dezember v. I. dem Schankwirt in Verwahrung gegeben haben. Die Kiminalpolizei fand aber einen Zettel, nach dem das erst am 25. d. M. geschehen ist„ einen Tag nach dem Einbruch. Die große Beute haben die Einbrecher, die dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurden, wahrscheinlich durch einen Hehler aus Berlin wegschaffen lassen._ Vorort- ftecbricbtern Treptolv-Baumschulenweg. „Die Polizeiwillkiir in Prcußen-Dcntschland" lautete das Thema, über das am Montag in neun, besonders von Frauen gut besuchten öffentlichen Versammlungen verhandelt wurde. Das Material zn diesem Thema war schon guf Grund der hiesigen Vorkommnisse in letzter Zeit so umfangreich geworden, daß dieser Punkt nicht er- schöpfend genug behandelt werden konnte. Hinzu kam. daß einzelne überwachende Beamte durch ihr Verhalten den BeratungSstoss wesent- lich vermehrten. In allen Versammlungen wurde daher der Wunsch laut, daß, um alle Uebergriffe der Polizei kennen zu lernen und gleichzeitig das Vereins, und Versaminlungsrecht durchzuberaten, in den nächsten vier Wochen vorläufig jeden Abend die öffentlichen Ver- sammlungen fortgesetzt werden sollen. Dieser Anregung soll sogar in noch größerem Maße nachgekommen werden. In einigen der Versainmlunaen wollten Beamte die Frauen wieder ausweisen, erst als sie auf die Ungesetzlichkeit dieses Ver- langenS aufmerksam gemacht wurden, ließen sie davon ab. Ferner soll vom Landrat den Beamten eine Verfügung zugegangen sein, wonach unter keinen Umständen zu dulden sei, daß über „Jugendorganisation" gesprochen werde.— Tatsächlich ist denn auch eine Versainmlung Geshalb aufgelöst worden.— Insofern dürfte allerdings der Beratungsstoff nicht bald erledigt werden. Mitgeteilt wird noch, daß bei der regen Inanspruchnahme der Polizeibcamten in Versammlungen den Spitzbuben und RowdhS nichts passieren konnte, da nirgenos ein Beamter zu sehen war. Köpenick. DaS Verfahren gegen den Zahnarzt Bernstein aus Köpenick, der beschuldigt war, sich an einer in der Narkose befindlichen Klientin schwer vergangen zu haben, ist nunmehr auf Grund eines von der Staatsanwaltschaft eingeforderten Gutachtens des Medizinalrats Dr. Pfleger eingestellt worden. Reinickendorf. Einen großen Tag begingen am Montag die hiesigen honetten Bürger und Bürgerinnen. Ihr Friedrich Wilke, seines Zeichens Bürgermeister und Amtsvorsteher von Reinickendorf, feierte unter der bekannten Anteilnahme der„ganzen" Bevölkerung des Ortes sein LSjähriges Jubiläum als Beamter der Gemeinde. Am Abend begannen die Feierlichkeiten mit verschiedenen Ver- anstaltungen, die der Arbeiterschaft bei ähnlichen Gelegenheiten nicht gestattet würden. Zunächst mit einer Versammlung unter freiem Hwnnel(bekanntlich im Umkreise von 5 Meilen von Berlin gesetzlich verboten), unter Teilnahme vieler bürgerlicher Vereine, vom konservative» und liberalen Wahlverein angefangen die ganze Stufenleiter herunter bis zum Skat-, Rauch- und Lottcricklub, darunter der freiwilligen Feuerwehr, dem Turnverein, dem Verein der Reinickendorfer Straßenbahner, Schwimmklubs usw. Daraus öffentlicher Umzug mit brennenden Fackeln, verbunden mit Störungen des öffentlichen Verkehrs, ruhestörcndcm Lärm(durch die vorausgehende Musikkapelle) und somit Erregung eines öffent- lichcn Aergcrnisscs(grober Unfug). Die Arbeiterschaft hat keinen Grund mitzufeiern. Ist schon das offizielle Amtsblatt nicht in der Lage, dem Jubilar viel Rühmliches nachsagen zu können— außer ein paar Sträßenrcgulicrungen, die seiner Initiative cnt- sprungen sein sollen, so können die Arbeiter noch weniger stolz auf ihn sein. Am 1. Oktober 1882 kam er zu der damals knapp 6999 Einwohner zählenden Gemeinde Reinickendorf als Amts- und Gcmeindesckrctär. Als es den damals amtierenden Ortsvorstchern immer weniger möglich wurde, sich in dem bureaukratischen Formel- kram zurecht zu finden, wählten ihn die Bauern zum Gemeinde- Vorsteher. Das immense Wachstum der Berliner Vororte hat auch ihn, gleich vielen anderen, emporgehoben, sodaß er heute als Bürger, meister des über 25 999 Seelen zählenden Dorfes eine geachtete Position einnimmt. Die Fähigkeit, lvcitausschauendc Kommunal- Politik zu betreiben, wird dem Jubilar nicht nachgerühmt. Wenn trotzdem sich in dem letzten Jahrzehnt vieles verbessert hat, wenn die Kanalisation eingeführt wurde, bessere Schulen gebaut wurden usw., geschah es unter dem Druck der Verhältnisse, die das Auf- streben eines solchen Ortes bedingen. Die den Gemeinden über- lassene Ausführung' der sozialpolitischen Gesetze des Reichs ließ viel zu wünschen übrig. Das Gewerbegcricht wurde nach vielem Zögern errichtet, ebenso das jetzt kürzlich errichtete Kaufmanns- gericht. Schon zu Anfang des Jahres 1995 hatte die Gemeinde die zur Errichtung benötigte Zahl von 29 999 Einwohnern erreicht, doch unterblieb die Errichtung, bis die Volkszählung im Dczcniber 1995„amtlich" das Vorhandensein einer 29 999 Einwohner zählen- den Gemeinde konstatierte und somit zur Errichtung des Kauf- mannsgerichts geschritten werden mußte. Und dann dauerte es noch 1% Jahre. Besonders unangenehm empfunden haben unsere Genossen des öfteren seine enge Auslegung der polizeilichen Bc- stimmungen und des preußischen Vereinsgesetzes. Die Programme für öffentliche Arbeitervergnügungen sind nicht selten von dem Amtsvorsteher einer Zensur unterzogen worden, sodaß sie für eine geschmackvolle Anwendung nicht mehr in Frage kommen konnten. Frisch in aller Erinnerung ist noch die im Sommer er- folgte Auflösung des Frauenbildungsvereins von Reinickendorf- West, die nach einer Beschwerde bei der vorgesetzten Behörde sofort aufgehoben wurde. Auch die aufstrebende Jugendbewegung hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Wenn, trotzdem unsere Bewegung sich kräftig entwickelt, so liegt das an den Verhältnissen, die zu ändern selbst Stärkeren als Friedrich Wilke nicht gelungen ist. Daß er versuchte, wenn auch zuweilen mit Widerwillen, den fortgesetzt herandrängenden Neuerungen als guter Verwaltungs- beamter gerecht zu werden, daß er zwar Bureaukrat, sich doch in vielen Beziehungen seinen praktischen Blick für die realen Tat- fachen bewahrte, dem allzu schneidigen Vordringen des Militär- anwärtcrtums im Verwaltungsdienst sich entgegenstemmte, und daß er so gar nicht stolz, sich nicht mit der Toga der gänzlichen Unfehl- barkeit und Unnahbarkeit umgibt, sei ihm zum Schluß als Verdienst angerechnet. Potsdam. Die lebte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich wiederum mit der elektrischen Straßenbahn. Der vom Stadtv. Friedländer eingereichte Antrag:„Die Stadtverordnetenversamm- lung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, mit ihr in einem gemischten Ausschuß die für den elektrischen Straßenbahnbetrieb erforderlichen Aenderungen, insbesondere Anordnung der Halte, stellen, Tariffestsetzung usw. zu beraten" bot dem Magistrat will- kommenen Anlaß, die in den wenigen Wochen seit der Einführung mitunter oft recht kleinlichen Klagen mit den Stadtverordneten in gemischter Kommission zu beraten. Hoffentlich unterzieht die Kommission das auf monatlich 89— 85 M. festgesetzte Anfangsgehalt des Fahrpersonals bei dieser Gelegenheit auch einer Revision.— Die Neuregelung der Bedingungen für die Vergebung städtischer Arbeiten— entsprechend den neuen staatlichen Bestimmungen— zeitigte eine lebhafte Debatte unter den in der Versammlung vertretenen Handwerksmeistern. Es solle» von jetzt an Arbeiten bis zu 3999 M. freihändig vergeben werden, doch soll der Magistrat fiir diese Arbeiten ein Preisverzeichnis aufstellen. Auch werden in Zukunft Arbeiten und Lieferungen, die verschiedene Handwerke umfassen, nicht wie bisher an einen Unternehmer, sondern einzeln vergeben. Natürlich ist man nicht so weit gegangen und hat Stadtverordnete und andere in der städtischen Verwaltung tätige Personen von Lieferungen ausgeschlossen.— Im Hause Heiligegeist. straße 15 wird dem Jünglingsverein ein Zimmer überlassen.(Vor kurzem hqtte man für einen Verein, der die Vermittelung von Dienstboten kostenfrei übernahm, keinen städtischen Raum übrig.) — Der Firma Krupp(Germaniawerft) wurde eine Konventional- strafe von 6219 M. für eine für das Elektrizitätswerk gelieferte Dampfmaschine erlassen, da der Stadt durch die verspätete Liefe- rung kein Schaden erwachsen sein soll.— Für 2 Frauen wurden die Kur- und Verpflegungskosten in einer Lungenheilanstalt be- willigt; abgelehnt wurde dagegen ein dritter Antrag, der eine Frau im vorgeschrittenen Stadium betraf. Diese Ivurde zur Be- Handlung dem städtischen Kranlenhause überwiesen. Die Wahl des Bürgermeisters Rodig aus Forst i. L. ist jetzt bestätigt. Der seitens verschiedener Stadtverordneten eingelegte Protest wegen„Wahlbeeinflussnng", ein gewiß seltener Fall bei einer Bürgcrmeisterwahl, ist seitens der Regierung nicht anerkannt worden. Die Einführung wird voraussichtlich schon in der nächsten Stadtverordnetenversammlung erfolgen, da der Posten bereits seit dem 1. Juli d. I.' unbesetzt ist. Huö Ittduftm und Kandel. Unstimmigkeiten auf dem Eiscnmarkt. Die Stahlwerke lassen der Oeffcntlichkeit bekannt geben, daß sie infolge des neuen Lieferungsvertrages mit der preußischen Staaisbahn bis Januar über ihre Leistungsfähigkeit hinaus beschäftigt seien. Der eigene Rohcisenverbraüch wachse dadurch so stark, daß manche Werke ihre Lieferungen an das Roheisen- shndikat bis gegen Mitte 1993 abgeineldet hätten und noch Roheisen hinznkaufen müßten. In Halbzeug feien die Werke ebenfalls reich- lich beschäftigt. Das ist ja für die Stahlwerke sehr erfreulich. Aber an der Freudanteilnahme ist den Werken nichts gelegen, ihre Mit- teilsamkeit, die sie sonst oft sehr vermissen lassen, hat nur den Zweck, das Beharren auf dem bisherigen Preisniveau zu recht- fertigen. Aber a»ch mit svnnenbclenchtctcn Stimmungsbildern lassen sich eklige Tatsachen nicht hinwegleugnen. Trotz der als günstig geschilderten Verhältnisse für die Stahlwerke wird, als direkte Folgen des Rückganges der englischen Roheisen- preise, das Roheisenshndikat für einzelne Sorten Gießereiroheisen und Haematit nach den östlichen Gebieten eine Preißerinäßigung eintreten lassen. Der bereits gemeldete Beschluß der Feinblech- Walzwerke, den Betrieb im Oktober vorläufig ans acht Tage ein- zustellen, ferner nach Abwickelimg der besteheilden Bezugs- und Lieferungsverpflichtungen den Betrieb gänzlich einzustellen, wenn die jetzige» ungünstigen Marklvcrhältnisse sich nicht bessern sollten, dürfte kaum vollständig zur Ausführung gelangen, denn der Stahlverband wird, wenn auch widerwillg, bc- züglich der Ausfnhrbergütung Konzessionen machen, lieber ungünstige Situation auf dem Eisenmarkl weiß die„Rh.-W.-Ztg." mancherlei zn berichten. Besonders das Geschäft in Stabeisen und Winkeleisen liege sehr danieder. Die Preise seien heute schon auf 127 M. und darunter gesunken. Die Händler hielten sowohl mit neuen Aufträgen als auch besonders mit Spezifikationen zurück. Weitere erhebliche Preisrückgänge könnten mit Sicherheit erwartet lverden. Wegen Arbeitsmangcl haben in den Kruppschen Betrieben bereits Arbeilerentlasfnngen stattgefunden. Der Auftragsbestand der großen Werke sei stärker zusammengeschrumpft, akS bielfach erwartet wurde, und erreichte heute kaum die Hälfte des vorjährigen Standes. Die Staatsbahnbestellungen können kaum eine durchgreifende Be- schäflignng herbeiführen. Das nnerfrenlichste sei der Umstand, daß, wenn'überhaupt, man nur gegen Preiölonipensationen mit älteren Abschlüssen kauft._ Preisschraube. Staunen muß man über die Ungeniertheit, mit der seitens der Kohlenmagnaten bescheidene Arbeiterforderungen abgelehnt und'die relativ geringfügigen Lohnerhöhungen als Ursache der Preissteige- rangen für Brennmaterialien denunziert werden. Um die Absurdität solcher Unterstellungen und die Nichtberechtigung der Haltung der Magnaten den Arbeitern gegenüber darzutun, ist nur notwendig, ans die Preissteigerungen zu verweisen. Angesichts des Streiks in der Nicdcrlausitz dürfte die Bewegung der Brannkohlenpreise ganz be- sonders interessieren. Wir machen darüber diese Zusammenstellung: Großhandelspreise Klcinverkaufspreise Höchstpreise Steige- Preise Steige«. pro Tonne rung pro 190 Stück rung in Mark inProz. in Mark inProz. 1996 1997 1996 1997 Berlin: Niedcrlaus. Salonbriketts 13.99 14.99 7.0 9.94 1,97 13,8 Tanzig: Braunkohlenbriketts la. 19,90 26,00 37,4 1,00 1,10 ,0.« Stettin: do. 14,99 16,99>4,3 9.99 1.21 34.4 Breslau: Niederlaus. Braunkohlen- brikettS la.... 15,50 18,60 19,3 1,00 1,15 15,0 Halle: Preßstcine für Hausbrand 12,00 14,50 20,8 1,49 1,69 14,3 Magdeburg: Böhl». Brannstnckkohle. 12,59 15,59 24,0——— Nußkohle... 11,00 13,50 22,7—_— Braunkohlenbriketts (Hausbrand).... 12,60 14,00 13,0 0,75 0,80 6,6 Jndnstriebriketts... 11,00 12,50 13,6——— Elberfeld: Braunkohlenbriketts.. 10,90 11,50 15,0 0,05 1,05 10,5 Barmen: do... 10,00 10,80 8,0——— Leipzig: do... 9.90 11,90 20,2 1,46 1,70 16.4 Lübeck: Nieder!, Braunkohlenbrik. 16.50 19,00 15,2——— Braunschw. do. 15,50 17,60 13,0——— Selbst der kühnste Werksstatistiker wird sich nicht an den Versuch heranwagen, nachweisen zu wollen, daß die Lohnerhöhungen auch nur entfernt an die hier aufgeführten Preissteigerungen heranreichen. Die Geschäftslage der deutschen elektrischen Industrie. Im Verlage von Georg Siemens hat der Verein zur Wahr- nehmung gemeinsamer Wirtschaftsinteressen der deutschen Elektro- technik seinen Bericht über das Geschäftsjahr 1906 herausgegeben. Aus demselben ist zu entnehmen, daß die gute Konjunktur hier stetig angehalten hat. Zu tiefgehenden Machtkämpfen zwischen Arbeiterschaft und Unternehmertum ist es nicht gekommen. Vor- übergehend sind die Preissteigerungen für Rohmaterialien von Bedeutung gewesen, als Nachwirkung haben dann gewisse Geschäfts- briefe mit dem PassuS angefangen:„Wir bedauern, Ihnen mit- teilen zu müssen, daß wegen der allgemeinen Steigerung der Roh- materialpreise wir zu den Verkaufspreisen unserer Fabrikate einen Teuerungszuschlag von 10 Pro. ansetzen müssen." Interessant ist in dein Bericht folgender Passus:„BcachtcnS- wert in der jüngsten Entwickelung ist, daß hier im Gegensatz zu anderen Industrien die kleineren Industrien nicht im geringsten durch die Grohfirmen in ihrer Existenz bedroht werden, daß sich diese vielmehr(es kommen etwa 300 kleinere Spezialfirmen in Betracht) sehr gut entwickeln." Gerade in der Elektroindustrie schreitet der Konzentrations- Prozeß ziemlich ungehindert vorwärts. Die gemeinsamen Bc- strebungen und Verhandlungen, aus Gründen weitblickender Wirt- schaftspolitik Normalien und Sicherheitsvorschriften auszuarbeiten, zeigen uns den vorherrschenden Einfluß der ganz großen Industrie- werke. In den entsprechenden Kommissionen sitzen die tüchtigsten Fachleute, aber es sind eben meist angestellte Ingenieure der großen Firmen. Den kleineren Werken fehlt es an den Mitteln, die Kommissionen mit hervorragend tüchtigen Vertretern zu beschicken. Erwähnenswert ist ferner, daß der Verwendung elektrischer Energie fortlaufend neue Gebiete eröffnet werden. Im Bergbau macht sich im verstärkten Maße der Verbrauch elektrischer Maschinen geltend, ebenso in Hüttenwerken. Hier stellt sich eine Verhältnis, mäßig billige Arbeitskraft, die Großgasinaschinc zur Verfügung. die mit Hüttengasen gespeist wird. Ebenso sind noch eine Menge Ortschaften in Deutschland vorhanden, in denen die Anlage von Elektrizitätswerken eine rationelle Verwendung verspricht."— Der Wert der elektrotechnischen deutschen Aussuhr betrug 1996 131,5 Millionen Mark, während die entsprechende Einfuhr ver- schwindend ist. Die gesteigerte Produktion brachte naturgemäß eine Vermehrung dex Arbeiterzahl mit sich und zwar durchschnitt. lich von 15 bis 29 Proz., so daß sich die Summe der Arbeiter und Angestellten auf über 199 999 stellt. Die Betriebskapitalien mußten durchgehend eine Verstärkung erfahren. Die für die Industrie in Betracht kommenden 32 Aktiengesellschaften vermehrten ihre Be- triebsmittel um rund 79 bis 75 Millionen Mark, so daß jetzt in der elektrotechnischen Fabrikation rund 719 Millionen Mark arbeiten gegenüber 625 Millionen Mark im vorhergehenden Jahre, rechnet man hierzu noch die in den Elektrizitätsanlagen, also in Elcktri» zitätswerken und elektrischen Bahnen investierenden Gelder hinzu, darf man annehmen, daß heute die gesamte deutsche Elektrotechnil rund 2,75 Milliarden Mark in Anspruch nimmt. Baummollflibriktil der Bereinigten Staaten van Amerika 1906/07. Die Leistungsfähigkeit der Baumwollfabriken in den Vereinigten Staaten von Amerika hat im Baumwolljahr 1906/97(bis 31. August) erheblich zugenommen. Während die Spindelzahl in erster Linie in den Südstaaten zunahin, zeigte sich auch in de» Nordstaaten eine lebhaste Weiterentwickelung des Spinnereibetriebes, Der Ersatz alter Ausrüstung durch neue Maschinerie wurde im Norden in ausge- debntein Maße durchgeführt und die Spindeln wurden um eine größere Zahl vermehrt als in den letzten Jahren. Im Süden wurden neue Fabriken eröffnet und alte erweitert, so daß auch hier die Vermehrung der Spindeln die der nächsten Vorjahre übertraf. Die Zahl der Spindeln in den Vereinigten Staaten erreichte 1996/97 und in den drei Vorjahren die folgende Höhe: 1996/97 1995/96 1904/95 1903/94 Nordstaaten zirka 16 299 999 15 699 900 15 325 090 15 250 000 Südstaaten.... 9 924 245 9 181 207 8 747 810 7 963 866 Zusammen 26 124 245 24 781 207 24 072 810 33 213 806 Öencbto- Zeitung Mißhelligkeiten in einer städtischen Schulkonimission lagen einer Anklage wegen Beleidigung zugrunde, die gestern die fievente Strafkammer des Landgerichts I längere Zeit beschäftigte. In der Schulkommission 114 E ist der Oberbahnassistent Klipps Vorsitzender, während der Buchhändler Otto Vieth als Mitglied in dieser Konimission tätig war. Zwischen ihm und dem Vor- sitzenden hatte sich ein gespanntes Verhältnis herausgebildet, da» zu persönlichen Reibereien führte und Herrn Klipps Veranlassung gab. Herrn Vieth zu den Sitzungen der Kommission überhaupt nicht mehr einzuladen.(?) Als V, trotzdem dort erschien, wurde er gewaltsam entfernt.(!) Er richtete nunmehr eine Beschwerde an den Magistrat. Dieser rektifizierte den Vorsitzenden. indem er ihm aus- Mimberfcbte, daß er nicht berechtigt sei, eigenmächtig ein Dtitglied der Kommission von den Sitzungen derselben mlSzuschließen, sondern nur das Recht habe, bei etwaigen Störnnge» der Sitzungen das Erforderliche zu veranlassen. Die Reibereien gingen aber weiter, und Herr Vieth blieb von selbst den Sitzungen fern. Er verfaßte deshalb ein Rundschreiben, welches er an die Mitglieder der Kommission, die Mitglieder der Schul- deputation und einige Stadtverordnete verschictle. Darin gab er eine Darstellung der Vorkommnisse in der_ Schul» kommission und seiner Mißhclligkeitcn mit dem Vorsitzenden. Gegen Vieth wurde wegen der in dem Schriftstück enthaltenen AuS- drücke öffentliche Anklage wegen Beleidigung erhoben. Das Schöffengericht halte f. Z. den Angellagten zil 7S Vkark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte legte hiergegen Berufung ein und suchte im gestrigen Termin dem Gericht darzulegen, daß die Tatsachen, die er in seinem Rundschreiben angeführt, der Wahrheit entsprächen und daß er berechtigt gewesen sei. die gebrauchten AuS- drücke gegen Herrn Klipps anzuwenden.— Nachdem der Angeklagte wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die beschimpfenden Aus- drücke zweifellos seine Verurteilung zur Folge haben müssen, zog er seine Berufung zurück. Es blelbt daher bei der im erste» Urteil ausgesprochenen Strafe._ In der Notwehr einen Schiffsoffizier erstochen hat am 7. August 1907 im Hamburger Hafen an Bord des österreichischen Dampfers„Eampania" der 18 jährige Matrose italienischer Zunge Antonio A n t i c, der dieser Tage vor dem Schwurgericht zu Hamburg stand, um sich wegen dieier Bluttat zu verantworten. Die Anklage lautete auf vorsätzliche Tötung ohne lieber- I c g u n g. Dem traurigen Vorgang liegt folgendes zugrunde: An dem genannten Tage wurden auf der„Eauipaiiia" widersprechende Befehle erteilt, worüber der Bootsmann Lazarus seiner Ver- ivunderung Ausdruck gab. Antic sagte:»Ich möchte ihm wohl ins Gciicht spucken". Diese Aeußerung bezog der in der Nähe stehende erste Ljstzier Ballic, der die Befehle erteilt, denA. aber nicht gesehen hatte, auf sich, weshalb er A. fragte, wen er damit gemeint habe. A. wich der Antwort mehrer« Male aus, worauf B., der nichl gut auf A. zu sprechen Ivar, den Matrosen zu Boden stieß, ihn wieder- holt ohrfeigte und dann beim Halse würgte, so daß der Gewürgte beinahe die Besinnung verlor. Als er etwas Luft be- kam, bat er den Offizier, er möchte von ihm ablassen, doch antwortete dieser:»In zwei Minuten b i st Du tot". Von neuem wurde A. gewürgt, der nun sein Scheidemesser zog und eS dem Offizier in die Brust stieß. Nach einigen Sekunden ließ der Offizier den A. los und stürzte mit den Worten:»Ich bin getötet", zu Boden und gab bald seinen Geist auf. Das Messer hatte das Herz in seiner ganzen Breite durchbohrt und außerdem die Lunge verletzt. Der Augeklagte gab an, e S h a b e i h m f e r n- gelegen, den Offizier zu töten, und er Habe sich des sehr starken und großen Nienschen nicht anders erwehren können. Diese Aussagen werden von Zeugen bestätigt, die den Offizier von A. losreißen wollten, als der Stich schon erfolgt war. Der Erstochene sei 1,80 Meter groß und sehr stark geweseu.. Der Staatsanwalt meinte aber. es lieg? kein Notwehrrecht vor, weil der An» geklagte durch seine schnöde Bemerkung den Angriff durch den Vorgesetzten verschuldet habe und er sich eines anderen Mittel» zur Abwehr hätte bedienen können. Der Angeklagte müffe wegen Totschlags unter Annahme mildernder Umstände verurteilt worden. Der Verteidiger führte demgegenüber aus, daß dieser Fall geradezu ein Musterbeispiel sei für die Konzedierung des Not- wehrrechteS. Welches Mittel sollte der schwächliche Angeklagte gegen den bünenhaften Schiffsoffizicr, der ihn kaltmachen wollte aistvenden? Die G e s ck w o r e n e n bejahten dennoch die auf Körper- Verletzung mit tötliäicm Ausgange gestellte Hülfsfrage unter Zu- billigung mildernder Un, stände. Antragsgemäß wird der Angeklagte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Ter.Wahrspriich" der Geschworenen ist ein Fehlspruch. Hier liegen alle Boraussetzungen für die Zubilligung des Notwehrrechts vor, auch wenn ein Exzeß desselben in Betracht käme, weil dann der Angeklagte in Furcht, Schrecken oder Bestürzung gehandelt hätte. Ter Offizier würgte ihn beim Halse, irachdem er ihn geohrfeigt und erklärt:»In zwei Minuten bist Du tot." Der Mann fühlt feine Sinne schwinden und greift in der Angst zu der einzigen Waffe, zum Messer, um den Angriff des athletisch gebauten Menschen ab- zuwehreu. Wäre Anklage erhoben, wenn der Offizier einen ihn be- drohenden, würgenden und schlagenden Matrosen in ähnlicher Weise sich ferngehalten hätte?_ Rrscreiidlir und Messerstecher im Alkoholrausch. Wegen gefährlicher Körperverletzung ist am 16. Mai vom Land- gericht Detmold der Referendar Dr. jur. Viktor Schütz aus Lage zu drei Monaten Gefängnis und einer an den Verletzten zu zahlenden Buße von 31.50 M. verurteilt worden. Er war durch das Assessorexanien gefallen� und war da« durch sowie durch Geldmangel in eine deprimierte Stimmung geraten. Am 17. November V. I. erhielt er wieder Geld und aus Freude hierüber trank er von 6 bis 10 Uhr abends 7 Glas Bier. drei Schnäpse und eine halbe Flasche Sekt. Ilm 10 Uhr kam der Inspektor H. in das Lokal, der aus Einladung des Angeklagten mit von dem Sekt trank. H. lehnte weiteres Trinken mit dem Bemerken ab. daß er noch in dieser Nacht eine Revision der Zuckerfabrik vor- iiebmen müsse. Beide gingen dam,»och i» ein anderes Lokal, wo Schütz, nachdem H. sich entfernt hatte,»och Sekt trank. Wohin e. dann gegangen ist. weiß er nicht. Um 12 Uhr erschien er plötzlich in der Zuckerfabrik, stellte sich als Obe».- inspettor und Ingenieur Dr. Schütz vor und kletterte im Maschitlenraun, empor, wo er sich auf die Ver- ichalung der Kanimräder setzte. Um Unglück zu verhüten, sucht« ihn der Maschinist H. herunterzuholen. Dies gelang end- lich, aber dreimal kam der aus dem Räume hinausgeführte Herr wieder herein. MS er wieder zur Tür hinausgeschoben wurde. st a ch e r d e n H. m i t e i n e in Messer in den linken Oberarm. Das Gericht hat anaeyonnnen, daß er zwar stark angetrunken, aber nicht nuzurechiiungssähig war, als er die Tat beging.— Auf die Revision des Angeklagten hob am Montag das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache au das Landgericht zurück. Das Protokoll über die kommissarische Vernehmung eines Zeugen war trotz des Widerspruchs des Angeklagten, der die Ladung des Zeugen verlangte, verlesen worden. Das Reichsgericht erblickte hierin eine gesetzwidrige Beschränkung der Verteidigung, da nicht nachgewiesen ist, daß der Augeklagte>o rechtzeitig zu der komniissnri- scheu Vernchntung geladen ist, daß er Zeil hatte, entweder selbst hinzureisen oder eiueil Vertreter hinzusenden. Auch materiell erregte das Urteil Bedenken, soweit die Widerlegung dcs Einwaiides aus ß 51 Str.-G.-B. iZurcehnungSuiifähigkeit wegen totaler Bezcchlheit) in Frage koinnit._ Vermischtes. Eisciibahiiiinfälle. Wie uns aus Duisburg telegraphiert wird, entgleiste gestern nach Verlassen der Station der v-Zug Köln— Hamburg. Hierbei stürzte ein Wagen um. Eine Person wurde getötet und eine Anzahl verletzt. Eine amtliche Meldung hierüber besagt: Heute vormittag 11 Uhr 13 Minuten entgleisten von dem v-Z»ge Nr. 93 infolge vorzeitiger Umstellung einer Weiche unter dem Zuge die beiden Schlußwagen— Köln 0391 und Altona 01613— der Wagen Altona 01613 wurde umgeworfen. Frau Demiighoff aus Hoffnungsthal wurde getötet. mehrere Reisende wurden leicht verletzt. Der aus San Franziska kommende Eilzug'ist gestern 130 Meilen westlich von St. Louis entgleist. Die Wagen gerieten in Flammen. Zahlreiche Passagiere sollen umgekonimm sein. Erhebliche Veruntreuungen hat der auf dem Lohnbureau der städtischen Hafenverwaltung zu Düsseldorf angestellte Assistent ivius höfer begangen. Anfänglich glaubte man, die verimtreiiten Summen seien unerheblich. Wie nun die»Köln. Volkszeitung" meldet, be laufen sich dieselben auf rund 4000 M. Seit Jahren hat MuShöfer die Lohnliften gefälscht, indem er die ursprünglichen Summen aus- löschte und höhere an deren Stelle setzte. Diese höheren Summen erhob er dann bei der Kasse des Hafenamtes. „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun?" Diese Worte hatte der Händler B. aus Wensebrock auf den Abschnitt einer Postanweisung geschrieben, mit dem er den Betrag einer Gerichts- kostenrechnung an die Gerichtskasse in Soltau einsandte. Durch die Bemerlung fühlten sich der Amtsrichter und andere Beamte, die in dem Prozeß gegen B. mitgewirkt hatten, beleidigt. Die Strafkammer verurteilte B. jetzt wegen Beleidigung zu 200 M. Geldstrafe.— Herr vergib ihnen! Eine folgenschwere Staubexplosion. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Brühl: Gestern abend 6>/z Uhr erfolgte in einer Brikett- fabrik dcs GruhlwerkeS eine heftige Staubexplosion, bei welcher sieben Personen, darunter der Betriebsinspektor und ein Ingenieur, schwer verletzt wurden und Brandwunden erlitten. Zwei sind bereits ihren Verletzungen erlegen. Ein Schifföbrnnd wiitct auf dem im Hafen von Barcelona ankernden österreichischen Dampfer»Baron Kemenh". Bisher ist es nicht gelungen, denselben zu löschen. Auf dem Meere„gelandet". In Paris trafen im Laufe der gestrigen Nacht Nachrichten von fünf vermißten Ballons ein. Am weitesten flog der Ballon»Nord", der 40 Kilometer von Ostende entfernt, von einem deutschen Dampfer über der Nordsee bemerkt wurde. Die Insassen des Korbes, Delobel und Lepeft, wurden aus dem Korbe an Bord des Dampfers gehoben; den Ballon überließ mau seinem Schicksal. Die Lage der auf dem Ballon„Le Nord" bestndlichen Luftschiffer war, nach einer Mel- dung aus Dover, eine sehr ernste. Stundenlang waren sie der Spiel- ball der Wellen. Der eine der Luftschiffer hatte sich von seinem Gefährten am Korbe festbinden lassen, während der andere sich an den Stricken festhielt. Wie gemeldet wird, soll 50 Kilometer von der Küste noch ein zweiter Ballon von einem Dampfer aufgefischt worden sein. Es steht noch nicht fest, ob die Insasse» dieses zweiten Ballons in Sicherheit gebracht werden konnten. Eine Fcuersbrust zerstörte nach Pariser Meldung die Fabrik- anlagen und Remisen der elektrischen Straßenbahn in Clermont- Ferrand. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Das englische Militär-Luftschiff. Das in Aldershot erbaute neue Militär-Lnftschiff„Nullt Secundus" machte gestern eine zweistündige Versuchsfahrt. Dabei wurden verschiedene Neuerungen erprobt. Der Ballon war mit zwei Leinwaudflügeln versehen, die entfaltet wurden, nachdem er die Ballonhalle verlassen hatte. Am Hinteren Ende trug er einen Leinwandschirm in Gestalt eines VogelschwanzeS. Durch diese Vorrichtungen sollte das Stampfen und da» Rollen des Ballons verhindert werden. Am Vorderteil waren zwei Aeroplane angebracht, um das Steigen und Fallen des Ballons zu erleichtern. Der Ballon fuhr bei leichter Brise bis in Höhe von Cambcrleh sGrafschaft Surrey) mit einer Geschwindigkeit von 20 cuglisiheu Meilen in der Stunde und kehrte mit derselben Geschwindigkeit zu seinem AuS- gangSpunkt zurück, wo vor der Landung noch einige Evolutionen in der Luft ausgeführt wurden. Das Landen vollzog sich glatt; nur wenige Zoll vom Erdboden wurde der Ballon zum Stehen ge- bracht und darauf durch Pioniere in die Halle zurückgeschleppt. Die neueste Zeppelinschc Luftschiffahrt. Am Montag hat Zeppelin eine volle neun Stunden dauernde UebimgSsahrt imternommen und bei dieser alle bisherigen Erfolge übertrumpft. Seine bisherigen am Vodensce vorgenommenen Versuche wurden in den Blättern als völlig geglückt bezeichnet. Ucber die neueste, die fünfte der Uebungs- fahrten, wird aus Friedrichs Hafen berichtet: Mit der gestern ausgeführten sünsten UcbuugSsahrt hat Zeppelin alle bis- herigen Erfolge in den Schatten gestellt. Volle neun Stunden, von morgens 11 bis abends 8 Uhr, dauerte die Fahrt. Den ersten Teil der Exkursion führte das Luftschiff landeinwärts über Alts- Hausen— Ravensburg— Tcttuaug auö und erreichte um 1 Ubr bei Lindau den Bodeusee, welcher mehrmals im Zickzack übersahrcn wurde, wieder. Abends 6 Uhr ersvlgte der Abstieg behufs Aus- setzuug zweier Passagiere, an deren Stelle Hauptmann Kehler und Major Hesse vom Großen Geucralstab einstiegen. Alsdann erfolgte noch eine weitere zweistündige Ucbungsfahrt bis in die sinkende Nacht. Die Bergung des Ballons in der elektrisch beleuchteten Neichsballonhalle ging glatt von statten. Sozialdeinokratischer Lese- und Diskntierklub„Heine". Heute abend 8'/, Uhr �ihnng bei Bolze, Nodenbergstr. 8.> Lese- und Diskutierkiub„Iiidost". Heute abend 8'/, Uhr bei TolkSdors. Görlitzerslr. 58: Porlrag. Zeutralverbaud der Handlniigsgehiilfen und Gehiilfiunen Deutschlands. Bezirk NO. Doniieislag, den 3. Oktober, abends 9 Uhr, bei DeuIjchiiuMn, Am Friedrichshain 6. Berliner Marktpreise. Ans dem amltychen vcrichl der stldtiichen Rarklbnlleii-Direltion.(Großhandel) Ochscniieilch la 68-70 or. lOOPib., Uli 02-67, mii 57- 60. BllNenfleisch la 62-67, IIa 50-59, Kühe, fett 50-58, do. mager 40-49, Fresser 54-62, Bulle», dän. 54-62, bo. Holl. 0,00. Kaldiieisch, Popp-lle»dcr 100-115, Masltätber la 75-85, IIa 66-72, Kälber ger. gen. 48-60, do. Holl. 43-54. dän. 0,00. Hamilielfleiich Mastläinmcr 74— 76, Hammel la 68— 72. IIa 62-67, ungar. 0,00, Schase 45—60. Schweiiicilcilch 57—63. Rchbock la per Bfimb 0,00—0,95. IIa 0,40—0,58. Rothirsch la der Pjd. 0,30—0,40, do, IIa 0,20-0,25. Damhirsch 0,35—0,45, Kildichwcnie0,35. Frischlinge 0,00, ttnninchcn per Stück 0,50—0,85. Wildenten per Stück 1,40—1,60. Krickenten per Stück 0,50— 0,70. Rebhühner, junge große 1,00—1,25, mittel u. kleine 0,50—0,90, alte 0.60—0,80. Fasanen- Hähne 1,75—3,50. Fasaneuhcnucn 2,00—2,50. Waldschiiepsen 2,50. Krainmcts- dögcl la 0,30—0,35. Hühner, alle, per Sick. 1,50—2,00, IIa 0,60—1,30, do. junge 0,40-0,80. Tauben 0,25-0,60, italienische 0,00. Enten per Stück 1,00—1,80, dito Hamburger per Stück 3,00.«Ännie per Pfund 0,45—0,60, do. per Stück 1,75—3,80, do. Hamburger per Psund 0,00, do. Oder- brucher per Psd. 0,40-0,58. Poulet» per Stück 0,80-1,20. Perlhühner per Stück 1,50. Hechte ver 100 Psd. 100-107, do. matt 92, do. klein 0,00, do. groß und mittel 0,00, do. mittel 106— 110. Zander 0,00, do. klein 0,00, dilo mittel 0,00. Schleie, groß 0.00, klein 0,00, do. unsortiert 126-132, do. mittel U6. Aale, groß 0,00, do. klein und mittel 110, do. mittel 101—110, do. unsortiert 0,00, do. groß°mittel 0,00, do. klein 69—71. Plötzen 0,00. Roddow 0,00. Karpfen 60cr 66-69. 30-40cr 67— 70, do. 80-100er 0,00, do. 50er 0,00. Bmtte Fische 41-7t.«arse 0,00, do. klein, matt 39. Karauschen 80. Wels 0,00. Bleie, matt 57—63. Barbe 0,00. Aland 66—71. Quappen 0,00. Raup 0,00. Slmeiif. Lachs la neuer, per 100 Psd. 110-130, bo. IIa neuer 90-100, do. lila 0,00. Seelachs 10-20, Flundern, Nieler, Stiege 1» 2—6. mittel Kisle 1—2. Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2-3, pomm. la Schock 9,00, IIa 2—4. Bücklinge, Stielet Per Wall 2—4, Strals. 1,50-2,00, Bornh. 0,00. AaleF'.grotz per Psd. 1,10 bis 1,40, mittelgroß 0.80-1,10, klein 0,60—0.30. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kitte 3-4,00,>/, Kiste 1,75-2,00. Sardellen. 1902er per Anker 98. 1904er 98. I90ber 98. tg06cr 90—95. Schottische Bollbering 1905 0,00, large 40-44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 87—44. Heringe, neue MatjcS, per•/, To. 50—120. Sardinen, infs.. Faß 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schockjaß 11, do. kleine 5—6, bo. Niesen» 14. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 8,00, do. kleine 0,00 do. unjoriiert 2,90— 3,30, Galizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,40. Butter per 100 Psd. la 122—124. IIa 112-118. Ula 100-108, abfallende 90-95. Saure Gurke», neue, Schock 4,00. Psessergurkeu 4.00. Kartoiseln per 100 Psd. Dabersche 2,75-3.75, weiße runde 2,75-3,00, blaue 0,00, Nosen» 2,25—2,50, mag. bon. 2,50—3,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—12. Spinat per 100 Psuud 10-18. Sellerie, per Schock 2,00-8,00. Zlviebeln per 100 Psd. 2,50-3,50, do. Perl- 40,00-100,00. Ehaiottcn 40,00-100,00. Petersilie, grün, Schockbund 1.00—1.25. Kohlrabi Schock 0,80-1,25. Rettich, bahr., neuer Stück 0,02-0,10, hiesiger Schock 2,50-3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bis 3,50. Karotten, hiesige. Schockbund 2,00—3,00. Wirsitlgkohl per Schock 4,00 bis 18,00. Noikohl, Schock 4—10. Weißkohl 2—2,50. Blutneiikohl, hiesiger 100 Stück 5-14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, ,do. Ersnrler 100 Stück 7—18.»tosenkohl, per 100 Psd. 20-30. Grünkohl 4-6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00. Peterjilicnwurzcln, Schockbund 3,00—4,00. Schoten per 100 Psd. 20—35. Schnittlauch 1,00—1,25. Psefieriinge per 100 Psd. 10—15. Steinpilze per 100 Psund 15—30. Radieschen per Schockbund 0,75-1,25. Salat per schock 1,25—2,50. Gurken. Einmache-, Schock 15—25, do. böhm. Schock 0,00, do. Liegnitzer Schock 2,75— 5,00, do. Rothciiburger 2— 2,50..Bohnen, grüne, 100 Psund 12—30. Wachsbohnen, per 100 Psund 18—35. ToMalen per 100 Psund 8—12. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen. Beelitzer, per 100 Psd. 5,00-12. Kürbi« 4-7. Preißelbeeren per 100 Psd. 18-24, schwedische 26-30. Birnen. 100 Psd., Italiener 3-17. Tiroler 15—30, hiesige 0,00, Kochblrnen 3—8, Taselbirne» 1» 10-20. do. II» 4—10. Witterungsübersicht Vom 1. Oktober 1007. WK n 5» e' S? SlatUnen S!- a a «— s B I S O« I Havaranda!767N Petersburg 768 Still Sctllh Slberdeen Parti 747 SO 753 SSO 755 SO »etlti I 2 bedeckt -Nebel 5 bedeckt 1 Nebel 1 Nebel C V tu na 4 ? 10 12 1» Wetter. Prognose für Mitttvoch, den 8. Oktober 1007. Mild und zeitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regensällen und mäßigen südöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Für»e» Inhalt der Inierat« übernimmt die ötcdnktio» dem Pudlitiim gegenüber keinerlei Berninmorniiig. Udeater. Mittwoch, den 2. Oktober. Ansang?>/, Uhr. Könlal. Opernhans. Die luftigen Weiber von Winds«. Königl. IchausPielhanS. Prinz Friedrich von Homburg. TenticheS. Ein Sominernachts» lraum. Kammerspiele. Frühlings Er- wachen.(Ansang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. NeueS Schauspielhaus..Da» GlaS „ Wasser. 0-11(11*. o.(Wallner-Theaier.) Der Herr Senator. Schiller tkharlottcnburg. Das vierte Gebot. Friedrich. Wilhelms, ädt. S»au- spielhaii». Der blinde Passagier. berliner. Der PastorSjohn. Lesfing. Die Stützen der Gesell- schast. Ncueö. Rorä._ Kleines. Vater und Sohn. Lorch lng. Undlne. .'(ei, trat. Unsere blauen Jungen».' ttomtsche Oper. Hossinainw Er zähliingen. Westen. Die lustige Witwe. Lust ipiel hanS. Husarcnsieber. Residenz. Haben Sie nichts zu ver- zollen? Driauoii. Fräulein Josette— meine Frau. Dhalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Luisen. Muttersegen. Bernhard giosc. Der Freischütz. Dheater an der Spree. Der ANienbudiker. Metrupol. DaS muß man seh'n. slpollo. Sylvester-techäffer. Spe zialiiälen. Walhalla. Spezialitäten. FolicS Eaprice. Geteilte Liebe. Aiiliducllanten. Bunter Teil. Easino. Die wilde Jagd. Gebr. Hcrrnfeld. Madame Wig- Wag. ES lebe das Nachtleben. Passage. Danny Gürtler. Spezia- litäten. Wintergarten. Ruth St. Denis. Spezialitäten. Reiciishalien. Sieiiiiier Sänger. Pratcr. Bühne und Welt. Carl Haverlaud. Spezialitäten. tleania. Danbenfirafie 4N/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Juvalldenstr. 57/62. IWe? des Westens. 8 Uhr: vi« Instiffe WItw©. Sonntag nachm. 31/, Uhr halbe Preise: FrUlitlngslnft. Fcrdiiinnd llonns Berliner Theater. Mittwoch, de» 2- Oktober: Der Pastorssohn. Ansang 8 Uhr. Donnerst.: Die tanzenden Männchen. Freitag: Der Widerspenstig. Zähmung. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Gastspiel von Johanne Dybwad ans Kriftiauta: k�Ol'Ä. Donnerstag: Gespenster. Kleines Theater. Abends 8 lshr zum 70. Male: Vater und Sohn. Donnerstag: Vater und Sohn. Freitag z. 1. Mase: Maria Magdalene. Bürgerliche» Trauerspiel in-3 Aus- zügen von Fr. Hebbel. ft.ustspivöSHSUS. Täglich 8 Uhr: Httsarenfieber. Frledricb-Wllbelmstädtlsches Schauspielhaus. Ansaug 8 Uhr. Der blinde Passagier. Donnerstag: Der blinde Passagier. Freitag: Der blmde Passagier. tet. üs «Uhr HPyj(l Direktion: Richard Alexander. Haben Sie nichts zu verzollen? Robert de Trivelin: Rich. Alexander. Sonnabend, den 5. Oktober: tinn-«len Papa. Sonntag, 6. Oktober, nachm. 3 Uhr: Der Prlnxsemahl.> Sanssouci, ÄT Direktion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: HolfnsH.Säiiser u. Tanakrünacheii. Sonnt. Beg. 5, wochent. 8 U. Morgen: Gr. Clite-Soiree, Danz. Freitag: Gastspiel der Berliner Bolksbühne. (Theater-Abend.) lentHü-Ttiekrter. Abends 8 Uhr: IJnaeve blnucn Jungcna. Vaudeville in 3 Akten. Rixdorfer Theater Bürgersäle, Bergstraße Nr. 117. Direktion: Julius Türk. Mittwoch, den 2. Oktober 1907: ei» Idealer Gatte. Lustspiel in 4 Akten von Oskar Wilde, Ansang 8 Uhr. EKNIfUtPliOSETtlUT Gr. Frankwrlerstr. 132. 3. Gasispiclabend b. Opcrn- EnsembleS(Dir. Bclow): _ Der Frclnchfitz. Ansang 8 Uhr.— Wochen tagSpreise. Donnerstag: Wilhelm Teil. ' 1.ortilN9'I»ie3ter Mittwoch, den 2. Oktober er.: IlnÄRIK«. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Lustige Weiber. Freitag: Martha. Sonnabend: Die Seiden Schützen. Käpeiiickcrfirafie 08. Rachmittags 3 Uhr: Der Goldonkel. Täglich 8 Uhr: Ker Aktienbudiker. Alt- Berliner GesangSposse v. D.Kakisch. In vriginaleostümen und Deko- ratio» cn der süufzi ger Jahre. Direktion: Rod. Olli. Briinneiiitr. 16. Zertretenes Glück. Schauspiel in 5 Akten nach dem gleich» namigcn Roman d.»Bert. Morgcnp.". Ansang 7 Uhr. Entree»0 P. Ehren- und VorzugSkarlcn gültig I Sonnabend z. I.Male: Die Schuld« Theater Folies Caprice Unienstr. 132, Ccke FrledrichstraBe. • Geteilte Liebe« Aiitidurkanten— Bunter Teil. _ Ansang 8 Uhr._ Theater des Zenlrnm. Sophien- Säle, Sophienstraße 17/18. Kis früh«lll Milse v. Kren u. Lippschütz, Musik v. P.Lincko Ansang S Uhr. Kleine Preise. Henriette de Serris, lebende Bilder. Lindsay, Peitsckenmanipulatur. Werner Alberti, kgl. Kammersänger. Grays ASendressur. Oer Biograph. Arlette Dorgero, Sängerin. De Biäre, Zauberkünstler. Empire comedy four, amerikanisches Gesangsquartett. Laris Loyal, Keitakt. Die vier Gordons, Akrobaten. Sonntag, den 6. Oktober, und folgende Sonntage, nach mittags 3 II h r: Populäre Konzerte von Johann Strauss aus Wien (50 Slann Orchester). Preise: 0,50 M., 1 M., 1,50 M. Ab 8 Uhr: Debüts der neuen Zpezialitäten! Um 9'/j Uhr: DaS Dagesgcsprnch BerlinS: L�vssisi 8cIiMs j ller MellderülVte lliiivei'MiiliZtie i. r'r Passage-Theater. Danny Gürtler der Künig derBohbme und das kolossale Oktober-Propmin. Prater« Theater Kastanlen-Alloe 7—9. Bühne und Welt. Schauspiel in 4 Alien von P. Hantel. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Die Logenbrüder. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenftrahe Nr. 67. Ansang 8 Uhr. Vorverlaus 11—2. Die erfolgreichste» La ch> K om ö die» :: seit 17 Jahren:: WatnoVig-Vsg Operetten-BurlcSle, Mufik von L. Jtal. LZiede l!s8 Mtlebenl Separee-Asfäre in 2 Alien. Beide Stücke mit de» Autoren Anton und Donat Herrnfeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herrnseld. r aiast-Theater Burgstrahe 24. Täglich 8 Uhr. Entree 20 Pf. Der brillante Ghtober-Spielplan. U. a.: Panla 1> avals Hunde-Dressur, Die 5 Rannnoneurs Damen-Ensemble. Ein glänzender Reinfall Posse. Weir.bergswsg 19 20, Hosenth. Tor. Das Sensalions-Propm Iß arabische Iß 10 Springer 10 Edi Blum, der beliebte ttomiker. Ansang 8 Uhr.—» Tunnel: Konzert s. Theaterbes. frei. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge nsw. Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelsteme, Nebelflecke. Meiropol-Theater Schiller-Theater. Schiller-Theater 0. tWallner-Tbeater). Mittwoch, abends 8 Uhr: vci» Hern» Senator. Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönihan u. Gustav Kadelburg. Donnerstag, oben dSLUHr: Rosmcrsholm. Freitag, abends 8 Uhr: vor Herr Senator. Schiller-Theater Chartottenburg. Mittw e ch, abends 8 Uhr: va« vierte Civhot. ffiolfäftücf in Vier Sitten von Ludwig Anzengruber. Donnerstag, abendz8llhr: Ronna Vanna. Freitag, abends 8 Uhr: va» vierte Gebot. Gr. Bevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Eichard Schultz. G. Thielscher a. D. F. Massary B. Darmand a.D. E.Withney a.D. Bender. Giampietro. Joseph!. Anfang präzise 8 Ohr. Bauchen überall gestattet. Sonntag, den 6. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. uggenhagen, Üfontzplatz. Tnh. Albert Böhme. Täglich; moderne Volks-Sänger. llartin Kencllx als Sherloek Holmet aus Treuenbrietzen. Im unteren\ i:/ Saal täglich Anfang 8 ühr. Entree SO Pf. XIII. Saison. Pirkas Bäsch| Mittwoch, den 2. Oktober 1907, präzise 7'/, Uhr: Große Vorstelinng. Auf der Hallig! Diesj. gr. Ausstatt.-Pantom. des Zirkus Busch in 4 Bildern.| Femer: Möns. Caroli, Pakir- künste. Herr W. Manns, Wunder- 1 elefanten. Große Kavallerie- Quadrille, geritten auf 16 Schulpferden. Herrn Ernst Schu-! mannt sämtliche Neudressaren 1 sowie das große Programm.| Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: DaS vollst, neue Oktober-Programm. Nur Ailrakitonen 1. Ranges. Die wilde Jagd. fStim v" Ludwig Fulda. Sonntag nachm. 4 Uhr: Rick Carter. ReieiKdaiieii'Tiiealöi'. Täglich i II Britton als Aule im Familien- bad Wannsee, Ans. Wochenl 8, Sonntags 7 Uhr. Zirkus Schumann Heute Mittwoch, den 2, Oktober, abends präzise 7'/, Uhr: Grands Soiree equesfre. Eliieprogr., u.a.: Die phänomenale George ßonliair-Truppe. Lies Slonbars, Luft- Volligcure. Herr lürnst Schamanit. Les 5 Olracs, lom. Akrobaten, und die großart. neuen Spezialitäten. Um 9'/» Uhr die diesjährige groste Wasserpantomime: Eine Fortsetzung der berühmtesten und populärsten Pantomime: Die lustigen Heidelberger. In Fest an! M Mar. Humorist. Bilder aus dem modernen Studcntenlebcn von Hosballettmeister A. Siems. Besonders hervorzuheben: Die Luftschwebebahn von Heidel- _ berg nach Berlin. fnissn-Tiisalar Retchenhergerstr. 34. Jtnttersegen. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Amerikasepp'l. Freitag: Muttersegen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Rinder- vorstell.: Prinzessin von Marzipan. Abends: Gebildete Menschen. Sonntag nachmittag: Don Carlo». Abends: Die beiden Reichenmüller. Montag: Carmen. 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Antwort: Well er die guten Ratschinge eines erfahrenen Kaufmannes nicht würdigt; well er den Inhalt der von der deutschen Presse absichtlich unterdrückten Broschüre Proestler:„Das tVIrt- ■chaftsbild der Gegenwart und der Zukanrt" nicht beachtet. Die Broschüre ist zu beziehen durch alle Buchbandlungen(Rommissionär: Otto Weber, Leipzig). Broschüre A, vollständige Ausgabe, Mk. 2.—, B. Teil- und Volksausgabe. 60 Pfg. Gegen Linsendung— keine Marken, sondern mit Postanweisung, nur 10 Pfg. Porto— von Mk. 2.10, bezw. 65 Pfg, für das Inland, Mk. 2.20, bezw. 70 Pfg. für das Ausland, werden die-Broschüren portofrei vom Herausgeber, Kaufmann Michael Proestler in Würzburg, versandt, wenn in Buchhandlungen nicht erhältlich. Man verlange, ebendaselbst Flugschriften und Prospekte. Brauerei F. Happoldt 5 Hasenh-lde 32-38. Berlin 2. 29. A. IV. 9115. Hasenheide 32-38 L.g Ihre vorzüglichen Spezial-Biere alS: K F. Happoldts Tip-Top Dach Ptaer Art rs F. 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Berlin SW, Nr. 230. 24. Jahrgang. 3. KtilW im Amiiits" Sftlinrt PoMliitt. ÜHm«, 2.«Hute(907. InternatlODale Zufammenhunft der Bauarbeiter in rurin. Äm 22. ttnb 23. September hat in Turin eine Zusammenkunft der Vertreter der italienischen Bauarbeitergewerkschaft stattgefunden, an der auch Vertreter von ausländischen Bauarbeiterorganisationen teilnahmen. Die Zusammenkunft, die ursprünglich in Mailand stattfinden sollte und aus äußeren Gründen nach Turin verlegt worden war, war von 31 Delegierten der italienischen Provinzial- abteilungen beschickt worden. Ferner nahmen an den Verhandlungen teil: Genosse Bömelburg als Vertreter der deutscheu Bauarbeiter. Genosse V a l ä r vom schweizer internationalen «rbeitersekretariat, Paglieri von der.Umanitaria* als Uebersetzer. Rigola als Sekretär der italienischen Konföderation der Arbeit und die Gebrüder Ouaglino als Sekretäre der italienischen Bauarbeitergewerkschaft. Der Zusammenkunft war ein statistischer Ueberblick über die EntWickelung der italienischen Bauarbeiter- geWerk schaft vorgelegt worden, aus der hervorgeht, daß diese Gewerkschaft in letzter Zeit nicht unbedeutende Fortschritte ge- macht hat. Am 31. Dezember 1304 zählte sie 379 Lokalabteilungen mit insgesamt 28 286 Organisierten. Im Laufe deS Jahres 1305 gingen 53 Abteilungen mit 3254 Organisierten verloren, während 64 neue Abteilungen mit 3436 Mitgliedern neu gewonnen wurden. Auch im folgenden Jahre büßte die Gewerkschaft' 68 Lokalabteilungen mit 2130 Mitgliedern ein und erivarb neu 85 Lokalabteilungen mit 3306 Organisierten. Der Kassenbestand stieg von 2006 Lire im Jahre 1364 auf 4369 im folgenden und 6356 im nächstfolgenden Jahre. Im Jahre 1967 haben die zahlreichen Agitationen, vor allem die Streiks von Turin, die Gewerkschaft zum Auferlegen von Extrabeiträgen und zum Schuldcnmachen gezwungen. Die Schulden belaufen sich heute auf über 37 666 Lire. Die Ausgaben für die Turiner Streiks im laufenden Jahre betrugen 86 666 Lire. Im Jahre 1967 gingen bis jetzt 42 Lokalabteilungen mit 2616 Mit« gliedern verloren, während 126 neue Abteilungen mit 16 589 Orga- nisierten dem Bestände der Gewerkschaft einverleibt wurden, der sich somit heute auf 47 225 Mitglieder und 475 Lokalabteilungen beläuft. Nach dem vom Genossen Ouaglino gegebenen Referat über den Stand der Organisasion beriet man über die E r h ö h u n g d'e r Beiträge. Nach langer Diskussion, an der auch die Genossen Bömelburg und Valär teilnahmen, wurde beschlossen, den Mitgliedern folgende Vorschläge zu unterbreiten, über die sie durch Urabstimmung zu entscheiden haben: Die Mitglieder, die über 3 Lire Tagelohn haben, zahlen 35 Eeniestnü im Monat, von 2 bis 2, US Lire 25 und unter 2 Ltre 26 Centifinn. lieber die Jnternatienale Zusammenkunst la Stuttgart und die Maßnahme zur Verwirklichung des„Kartellvertrag S', der die internationale Gegenseitigkeit der Reiseunterstützung festsetzt. referieren Bömelburg und Ouaglino. Der Kartellvertrag wird einstimmig angenommen. In Sachen des nächsten Landeskongresses der italienischen Bauarbeiter wird beschlossen, ihn erst im Jahre 1916 abzuhalten und dann den Gewerkschaftsbeitrag definitiv in der Höhe des Lohnes für eine halbe Arbeitsstunde festzusetzen, der nicht wöchentlich, sondern vierzigmal im Jahre erhoben werden soll. In der Frage der Organisierung der Auswanderer wird konstatiert, daß alle bisherigen Versuche, die Auswanderung zu regeln, sowohl die von der.Umanitaria" als die von der Mailänder Arbeitskammer unternommenen, gescheitert seien. Es wird auf An- regung Bömelburg? beschlossen. als Grundlage für die Dirigierung der Auswandererströme die Daten zu nehmen, die ein zirkulärer Fragebogen bei den Ortsabteilungen der deutschen Bau- arbeiicrgelverkichaft ergeben wird. Mit Dankesworten de» Genossen Vola Ichlietzt darauf die Zusammenkunft ihre Arbeiten. flestaurant iswerkschafts- » haus.* • Engel-Ufer 15.— Heute Mittwoch abend: Frische S;"' Wni-cf in bBSter Qualität. S042 R. AnguHttii. ZayuiirMche Klinik Stlltlillmncestr. 106'- Zahnziehen unentgeltl. Bei künftl..stöhnen, spez. Kronen- u. Brückeu-Ploiiwen-c. tucrocn nur die Auslagen berechnet. 87L� Geöffnet 3—6, Sonntags 9—12 Uhr. teppdecken billigst direkt in der Fabrik» 72. Wall«tr. 7«. wo auch alte Steppdecken ausgearbeitet werde». 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