Ur. 233. flbonnementS'Bedlngungen: BSonncincnt?> Preis pränunierando t LiertcljtibrI. 3,30 Mk., monatl. 1,10 Mr.. wöchentlich W Psg. frei ins Haus. Einzelne Nnninier ö Psg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Psg. Post- ilbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Däneinarf, tolland, Italien, Luxemburg. Portugal. umämen. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CridKiDt lsglich außer lilontags. Vevlinee Volksblakk. Die Infertions-Gebüftr tctrügt für die sechsgespaltene Kolone!« geile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzcigcn 30 Psg. „steine Knreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer Müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjl bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soxlaldrinolti-at Rcrlla", Zcntralorgan der fozialdcmokratifchen partei Dcutfchlands. Redaktion: SM. 68, Ltndcnatrasöe 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Kulturpolitik? L Wir haben Genossen Bernstein zur Begründung seiner Ansichten so weiten Spielraum gegeben, einmal, um ihm jede Möglichkeit zu nehmen, zu behaupten, wir wichen einer Dis kussion aus, zum anderen, um zu zeigen, auf welch schwäch- lichen Argumenten seine Auffassung beruht. Bernstein läßt zunächst sozialistische Kapazitäten zum der- meintlichen Belveis dafür aufmarschieren, daß die von ihm und David vertretene Bevormundungsthcorie gar nichts Un erhörtes sei, sondern daß auch L a s s a l l e und Engels das Recht der Bevormundung von Nationen und Rassen mit höherer Kultur über solche mit niederer Kultur anerkannt Härten. Zunächst Lassalle. Das von Bernstein wiedergegebene Zitat stammt aus Lassalles Schrift„Der italienische Krieg Diese Schrift erschien im Jahre 1859. Es handelte sich damals darum, ob Deutschland Oesterreich in dem Unabhängigkeits- kauipf Italiens gegen Italien beistehen solle. Die Frage wurde durch die Einmischung Napoleons III. kompliziert. Trotzdem stellte sich Lassalle damals gleich Marx und Engels auf den Standpunkt, daß die deutschen Interessen nicht die Erhaltung, sondern die Beseitigung der öfter reichischcu Fremdherrschaft in Italien geböten. In seiner Schrift betonte Lassalle, daß das Prinzip der Demokratie„seinen Boden undLebcnsqncllan dem Prinzip der freien Nationalitäten" liabe. Dies Prinzip erleide nur eine einzige Einschränkung. nämlich in dem Falle, daß Volkstrüminer aufhörten, sich zu entwickeln und in ihnen kein mit dem Kulturprozeß des Ganzen Schritt haltender Volksgeist mehr da sei, oder daß Völker mit früherer Kultur in ihrer Entwickelung hinter der Geschichte zuriickbliebcn. In diesem Falle hätten andere Nationen das Recht, Völker derselben Rasse zu assimilieren oder Völker anderer Rasse zu verdrängen. Mit diesem Recht habe die angelsächsische Rasse Amerika, Frank reich Algier, England Indien, hätten die Völker deutscher Abkunft von denen slawischer Zunge ihren Boden erobert.�������>I��W�PWW>W>>W>> Man sieht: der sonst gegen Buchstabenglauben und Dognicnfauatismus wetternde Genosse Bernstein wird auf numal Buchstabengläubiacr und Dogmcnfanatiker einer Auf-, nssung gegenüber. die Lassalle 1859 entwickelte und die zu zweifellos anfechtbarstem gehört, was Lassalle jemals geschrieben hat. Selbst Bernstein scheint keine Lust zu haben, öassallcs Theorie mit Haut und Haar zu schlucken. Er neint, über die Anwendung der Theorie auf bestimmte 5 ä 1 1 c könne man mit Recht streiten. Als ob nicht zcr Satz Lassallcs gerade aus solch' bestimmten Fällen ib strahiert sei. Bestreitet man die Einzelfälle, so fällt somit auch der ganze Lehrsatz. Wie will man bestimmen, ob ein Volk, eine Rasse hinter zcr Geschichte zurückgeblieben ist? Oder ob es für seine Barbarei lvenigstens die nach Lassalle ausreichende Ent chuldigung hat, daß diese Barbarei immerhin„ein lationalcs Element" sei, eine Entschuldigung. die Lassalle zum Beispiel für Rußland gelten läßt? Und ist sie ökonomische Kultur, der Grad der Entwickelung der Industrie, der Maßstab, oder vielleicht die g e i st i g e Kultur eines Volkes? Lassallc macht für Italien geltend, zaß es bis auf die neueste Zeit im Reiche der Literatur „eine Reihe der klassischsten Erzeugnisse in allen Gebieten des Geistes hervorgebracht" habe l Zudem bleiben die Nationen nicht inimer dieselben. Völker, die ehemals die Führung hatten, sinken von der Höhe ihrer Macht, ihrer Kultur herab. Aber sie können sich auch wieder heben, wie die Geschichte oft genug bewiesen hak Oder haben die geschichtlichen Tatsachen einfach als Beweis für das Recht auf Bevormundung zu gelten? Nun, diese Tatsachen beivcisen gerade, daß oft genug die Barbarei über die Kultur den Sieg davon- getragen hat. Sk> siegten die Germanen über die alte römische Kultur. So brachen die rückständigen Bergvölker Spaniens die überlegene maurische Kultur. Preußen eroberte die Suprematie in Deutschland. Vermöge seiner überlegenen Kultur? Nein, vermittelst seines überlegenen M i l i t a- r i s m u s I War aber dieser Militarismus die Folge der höheren Kultur? Mehring sagt darüber in seiner Lessing- legende: .Eins bedingt das andere als Ursache und Wirkung, denn wenn im Schatten der preußischen Militärdcspotic nur die Sklaverei gedeihen konnte, so konnte die preußische Militärdespotie doch auch nur in einem Teile von Deutschland entstehen, wo Bildung und Kultur. Wisienschast und Wohlstand bis auf die letzte Spur ver- schwunden war und die Masse der Bevölkerung in jahrhundertc- langer Sklaverei jeden selbständigen Willen verloren hatte." Aber selbst wenn das alles nicht wäre, selbst wenn in schichte zu machen haben I Man sieht, mit Lassalles Zitat und Theorie kann Bern- stein wirklich nicht das geringste anfangen. Der einzige Leit- satz, der für das moderne Proletariat gelten kann, ist der: Welche Stellungnahme zu internattonalcn Fragen, speziell zur Kolonialvolitik. bat das Proletariat auf Grund seiner 1 spezifisch proletarischen Interessen einzunehmen, welche Taktik gebieten ihm seine sozialistischen Be- jstrebungen? Noch weit weniger aber als Lassalles übrigens ganz bei- läufige Ausführungen aus dem Jahre 1859— es handelt sich da nur um eine gelegentliche Einstreuung in eine Erörterung praktischer Gegenwartspolittk l— besagen Engels Briefe an Bernstein. Was sagt denn Engels im Grunde? Er er- klärt, daß er die Existenz kleiner Naturvölkchen in Europa für einen Anachronismus halte. Er billigt keineswegs die kapi- ta listische Methode ihrer Assimilierung— unsere Polen und Dänenpolitik beweist ja die Brutalität und Sinnlosigkeit solcher Assimilierungsversuche— sondern er meint nur, auch der zur Herrschaft gelangte Sozialismus werde solche Ana chronismen beseitigen. Ganz zweifellos! Nur daß er sich dann grundverschiedener Mittel bedienen wird, Mittel, über die heute des langen und breiten zu diskutieren ebenso ein Streit um des Kaisers Bart wäre, wie der Streit um die sozialistische„Kolonialpolittk"! Engels warnt hier nur, und zwar mit vollem Recht, wie auch in seinem zweiten Briefe über die ägyptische Frage, vor einer romantischen Schwärmerei für solche Naturvölkchen und die nattonale Pascharaubwirtschaft. Von einer solchen Schwärmerei weiß sich aber niemand freier, als gerade die marxistische Sozial- demokratie. Sie hat zum Beispiel, als unsere Alldeutschen für die braven, patriarchalischen Buren schwärmten, aus- drücklich betont, daß diese Buren alles andere als Ideal- menschen seien, vielmehr Eingeborenenbedrücker, wie sie ärger kaum zu finden seien. Wenn die Sozialdcmokratte gleichwohl den Buren mehr Sympathien entgegenbrachte, als den Minen- interessenten, die den Krieg provoziert hatten, so geschah das nicht aus romantischer Schwärmerei für die Buren, sondern aus richtiger Einschätzung der treibenden Kräfte der englischen Eroberungspolitik heraus! Auch hat ja seinerzeit Kautsky dem Genossen Belfort-Bax, der sich für die patriarchalischen Zustände in Marokko geradezu enthusiasmierte, klar genug auseinandergesetzt, daß der wissenschaftliche Sozialis- mus mit Rousscauschcr Naturschwärmerei nicht das mindeste zu tun habe I Also Engels Auffassung. die auch den berechtigten Kern des Lassalleschen Gedankens ent- hält, ist durchaus die unsere. Nur fallen wir nicht gleich Eduard Bernstein in das entgegengesetzte Extrem, uns für die kapitalistische Kolonialpolittk zu begeistern und diese Kolonialpolitik der Gegenwart — denn die der Vergangenheit hat aus jeder ver- nünftigen Diskussion über die gegenwärtige Stellung- nähme der Sozialdemokratie zur Kolonialpolitik auszuscheiden — für ein notwendiges Mittel zu erklären, die all- gemeine Kultur zu fördern und damit die s 0 z i a- l i st i s ch e n Ziele zu verwirklichen! Für die Sozialdemokratte ist einzig das proletarische, das sozialistische Interesse entscheidend. Darüber mehr in einem Schlußartikel. Mein„Gesinnungswandel" in der Kolonialpolitik. Es tut mir leid, den kostbaren Raum unseres Zentralorgans durch eine persönliche Angelegenheit einengen zu müssen. Aber Bernstein hat eS einmal für nötig gehalten, die Berlvirrung, die in Stuttgart durch das Schlagwort der„sozialistischen Kolonialpoliti!" heraufbeschworen wurde, jetzt neben anderem noch dadurch zu ver- mehren, daß er mir im„Vorwärts" vorwirft, ich hätte vor zehn Jahren über die Kolonialpolitil ebenso gedacht, wie er heute denkt. DaS beweist er freilich nicht durch eine Acußernng von mir, sondern durch eine von ihm. Er schreibt in dem Artikel.Kulturrecht und Kolonialftage", II(4. Oktober): „Wenn ich mir nicht das Erstaunen allmählich ab- gewöhnt hätte, so hätte ich wohl erstaunt sein' dürfen, als Karl Kautsky in Stuttgart sich als.erstaunt" darüber be- zeichnete, daß ich die Unterwerfung der Wilden gutheiße. Ich habe das nämlich seinerzeit unter großem Beifall KautSkys in der—„NeuenZeit" auch schon getan. In der„Neuen Zeit" kann man cS— Jahrgang 1806/97, 1. Teil, Seite 109— lesen, daß die Erhebungen solcher Völkerschaften gegen die Kultur- Nationen uns kühl lassen, ja, gegebenenfalls sogar zu Gegnern haben würden, und:„Wir werden bestimmte Methoden der Unterwerfung von Wilden verurteilen und bekämpfen, aber nicht, daß man Wilde u n t e r iv i r f t und ihnen gegenüber das Recht der höheren Kultur geltend niacht." ES steht Kautsky frei, heute zu verfluchen, was er damals gesegnet hat. aber eS sind keine Ereignisse eingetreten, die mich veranlassen könnten, von jenem Satze auch nur ein Jota zurückzunehmen." Wo und wie ich diesen Satz„gesegnet" habe, davon erfahren wir nichts. Betrachtet Bernstein etwa die Tatsache seiner Bcröffent-' lichung in der„Neuen Zeit" auch schon als einen Akt der Zustim- mung? Als ob die„Neue Zeit" nicht ein Organ der Diskussion wäre, in dem jeder nur für sich, keiner im Namen der Redaktion pricht! Aber Bernstein weist ausdrücklich auf meinen„großen Beifall" hin. Wo habe ich den gezollt? In der Oeffentlichkeit nirgends. Die Aeußerung. auf die er sich bezieht, kann also nur eine private gewesen sein. ES ist etwas viel verlangt von mir, daß ich mich heute noch jeder vertraulichen Aeußerung erinnern soll, die ich vor mehr als zehn Jahren getan, aber ich stehe nicht an, zu erklären, daß. loie immer sie gelautet haben mag, sie nur durch ein grobes Miß- Verständnis zu einer Gutheißung kolonialer llntcrdrückung und Fremdherrschaft gedreht werden kann. Denn den Standpunkt in der Kolonialfrage, den ich heute vertrete, babe ick bereits 1833 in der Expedition: 8Cll. 68, Lindenstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. „Neuen Zeit" in meinen Artikeln über„Auswanderung und Kolonisation" festgelegt und nie seitdem geändert. Ich habe den« selben Standpunkt kurz nach dem oben zitierten Lernsteinschen Artikel in der„Neuen Zeit" verfochten in meiner Artikelserie über „Aeltere und neuere Kolonialpolitik" und„Kiautschau"(„Neue Zeit", Jahrg. 1897/98, L u. II. Band.) Der Artikel dagegen, aus dem das Bernsteinsche Zitat über da? Recht der«höheren Kultur" entnommen ist, handelt nicht von der Kolonialpolittk, sondern über„Die deutsche'Sozialdemokratte und die türkischen Wirren". Dem Standpunkt, den Bernstein dort der Türkei gegenüber entlvickelt, zolle ich heute noch vollen Bei- fall. Von unserer Haltung den Wilden gegenüber ist aber in dem Artikel von acht Seiten nur nebenbei auf ein paar Zeilen die Rede. In der Fußnote zu diesem Artikel bemerkte Bernstein: „Der vorstehende Aufsatz war nahezu vollendet, als mir die Nummer der„Sächsischen Arbeiterzeitung" mit den Artikeln des Fräulein Rosa Lüxemburg über die nationalen Kämpfe in der Türkei und die Sozialdemokratie zugingen. Es wird aus dem Nachfolgenden zu ersehen sein, wie sehr ich mit dem Grund- gedanken und den Schlußfolgerungen dieser vortrefflichen Arbeit einverstanden bin." In der türkischen Frage standen und stehen die Genossin Luxemburg, Bernstein und ich auf gleichem Boden. Dannt ist aber doch nicht gesagt, daß ich auf jedes Wort zu schwören habe, das Bernstein damals schrieb. Einen Artikel beurteilt man nach seinen„Grundgedanken und Schlußfolgerungen' und nicht nach einzelnen, beiläufigen Acußerungcn. Richtig ist, daß in diesen beiläufigen Acußerungen schon der revisionistische Bernstein von heute steckt; richtig, daß ich ihnen kein Gewicht beilegte, daß ich mich sogar hartnäckig dagegen sträubte, ihre Bedeutung anzuerkennen, als andere, wie die Genossen ParvuS, Plcchanoff, Luxemburg eS schon getan hatten; daß ich immer noch suchte, Bernsteins vieldeutige Aeußcrungen in einem Sinne aufznfaffen, der unserer so langjährigen gemeinsamen Wirk- samkeit entsprach, um dieses gemeinsame Wirken auch weiterhin noch durchführbar zu machen. Wohl möglich, daß ich darin gefehlt habe, indem ich aus Freundschaft für Bernstein seine Worte Hann- loser auslegte, als sie gemeint waren. Wenn meine engeren Ge- sinnungSgenossen mir darob einen Vorwurf machen, muß ich mir'S gefallen lassen. Bernstein aber ist der letzte, der nur daraus einen Strick drehen darf, indem er den Vorwurf des Gesinnungswechsels gegen mich erhebt, wo höchstens der übertriebener Toleranz und Freundschaftlichkeit erhoben werden darf. K. Kautsky. preiiimrige Bekenntnisse. Herr Theodor Barth, der letzte wirkliche Freisinnige von Bedeutung, ist abgesägt worden. Zwar ist er inzwischen von seiner Amerikafahrt wieder zurückgekehrt, aber ein politi- sches Betätigungsfeld rv».ntc er nur dann finden, wenn er alle seine Ketzereien abschwören und sich bedingungslos der Blockpolittk unterwerfen würde. Ja selbst im Falle seiner Unterwerfung wäre es noch fraglich, ob man ihn wieder in Gnaden annehmen würde, hat doch die über die Maßen kläg- liche Unterwerfung Naumanns nicht verhindern können, daß ihn Blätter seiner eigenen Partei noch nachträglich Spießruten laufen ließen I. Herr Barth ist kaltgestellt. Dafür macht sich Herr Pach nicke breit, ein Mann, der von einem National- liberalen gar nicht zu unterscheiden ist. Und just dieser Herr hat den Beruf in sich gefühlt, eine Broschüre„Liberalismus als Kulturpolitik" zu veröffentlichen. Aber gerade weil Herr Pachnicke an sich eine höchst gleichgültige Person und nur einer von den vielen „subalternen Geistern" des Freisinns ist, von denen zwölf aufs Dutzend gehen, spiegelt seine Schrift umso besser den Geist dieses Freisinns, der durch seinen Pakt mit dem oft- elbischen Junkertum den Liberalismus zu einem Kulturfaktor zu machen verspricht. Wir sagen„verspricht" und nicht „hofft", denn für so intelligent halten wir immerhin die Freisinnigen vom Schlage Pachnickes, daß sie an die Blockillusioncn selb st nicht glauben! Herr Pachnicke stellt zunächst den„Patriotismus" des Freisinns inL hellste Licht. Im Freisinn habe sich endlich die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß er in„nationalen Fragen" nicht versagen dürfe. Das sei gerade die„Sehnsucht der Besten, der Weitestblickenden" gewesen. Militär» fragen seien keine Parteifragen. Ziffern keine Prinzipien. Genau dasselbe haben die Junker ja seit Monaten der freisinnigen Presse erklärt, sobald sie liberale Forderungen zu erheben ivagte! Wenn der Freisinn durch Bewilligung aller Heeres-, Flotten- und Kolonialforderun gen nur die„Sehnsucht der Besten" im eigenen Lager erfüllt— wozu sollten dann Regierung und Konservative ihm dafür noch besondere Konzessionen machen? l Man sieht, wie genial Herr Pachnicke die Trümpfe des Frei» sinns aus der Hand gibt! Genau so macht es Herr Pachnicke in Sachen der Agrar» Politik. Erst stellt er fest, daß die Landwirtschaft bereits 1895 nur noch 37,5 Proz. der Bevölkerung umfaßte, um dann den Bauernstand als das Mark des Staates zu feiern und als den eigentlichen Viehzüchter hinzustellen. Da versteht eS sich natürlich von selbst, daß dem biederen„Freisinnigen" jcdcS Wort gegen den F l e i s ch>v u ch e r in der Kehle stecken bleibt und er nur noch einen schwächlichen platonischen Protest aeaen allzu hohe Getreidezölle erbebt. Äuck Vackmickes Schritt beweist, daß sich der Freisinn, wie mit der Flotten- und Tolonialpolitik, auch mit der Bülowschen Agrarpolitik völlig abgefunden hat l Ebenso charakteristisch für die Mauserung des Freisinns zum Nationalliberalismus sind Pachnickes Ausführungen über das Wahlrecht. Sagt doch Herr Pachnicke:„Daß die allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl das Bild der Vollkommenheit darbietet, behaupten auch ihre Anhänger nicht." Kein Wunder, daß die„Deutsche Tagesztg." solch„vernünftigen" Ansichten ihre lebhafte Anerkennung spendet I AlL Argument für das Reichstags- Wahlrecht macht dann Herr Pachnicke geltend,„daß es da ist". Auch das macht sich allerliebst im Munde eines„Frei- sinnigen", der das Reichstagswahlrccht für Preußen angeblich erobern will! Gleichwohl erklärt sich Herr Pachnicke, der das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht für die Kommunen für unbrauchbar er- klärt, gnädigst für dies Wahlrecht für Preußen. Es werde sich da schon„zwischen den Wählerschichten ein Ausgleich finden" lassen. Am besten könne den Mängeln dieses Systems begegnet werden,„daß die gebildeten Klassen(I) die Führung übernehmen". Also nicht die Gebildeten, Intelligenten aus allen Klassen, sondern die Herren„von Bildung und Besitz"! Da ist es nur ein Trost fiir diesen„Freisinnigen", daß es mit der Einführung des Reichstagswahlrechts für Preußen seiner Ansicht nach gute Wege hat. Denn Herr Pachnicke will bescheiden alles akzeptieren, was Bülow bieten mag. Denn der Freisinn „hat nicht die Macht, seinen Wunsch in die Wirk- lichkeit zu überfetzen. So sehr hält er den Fürsten Bülow nicht in der Hand, daß er ihm Art und Z e i t p u n k t der Reform vorschreiben könnte." Das ist die liberale„Kulturpolitik" des Herrn Pachnicke! Und Herr Pachnicke ist der typische Repräsentant des Freisinns! Wer auf diesen Freisinn noch eine Karte setzt, verdient unter Kuratel gestellt zu werden! IlstionsHibei'sIe! lüanöver. AnS Baden wird uns geschrieben: Die nationalliberale Patriotcnpresse, die mit Ausdrücken wie »Taktlosigkeit",„Mangel an Lebensart",„Treubruch" usw. eine wüste Hätz gegen unseren Parteigenossen Adolf Geck unternommen hatte, weil er in seiner Eigenschaft als zweiter Mzepräsident der Volks- kammer die Kondolenzdepeschen an den neuen Groß- herzog, die Grotzherzogin und die Groszherzogin-Witwe nicht mit- unterzeichnet hat, hat sich damit nicht übel in die Nesseln gesetzt. Es stellt sich jetzt heraus, daß AdolfGeck von derAb- fendung jener Telegramme überhaupt keine Kenntnis hatte, und daß er es aus rein verfassungs- rechtlichen Gründen ablehnte, sich als Mitglied des Kammer- Vorstandes an der Kundgebung zu beteiligen. Hier der Schrift- Wechsel mit dem Archivariat der Kammer, wie ihn die Mannheimer »Voltsstimme" am Donnerstag veröffentlichte: I. Archivariat. An den zweiten Vizepräsidenten der II. Kammer der Landstände vom Landtag 1905/06, Herrn Buchdruckereibesitzer Geck, Hochwohlgeboren in Offenburg. Nach den borliegenden Nachrichten über das Befinden Sr. königlichen Hoheit des Großherzogs muß leider damit gerechnet werden, daß das Schlinnnste in allernächster Zeit eintreten werde. Für diesen Fall setzt der Erste Präsident der Kammer vom Land- tag 1906/06, Herr Oberbürgermeister Dr. Wilckens, das Einverständnis der übrigen Herren Mitglieder des Kammervorstandes damit voraus, daß von seiner Seite im Namen des Gesamt- Vorstandes ein Beileidsschreiben an Seine Königl. Hoheit den Erb- großherzog und an Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin ge- richtet wird. Euer Hochwohlgeboren beehrt sich das Archivariat hiervon mit der Bitie ergebenst in Kenntnis zu setzen, etwaige Bedenken gegen die beabsichtigte Beileidskundgebung der Kammer oder die Form derselben gefälligst unverweilt dem Archivariat mitteilen zu wollen. Hochachtungsvoll A. Roth. IL Offenburg, 24. Sept. 07. Herrn Oberrechnungsrat A. Roth, Archivrat der II. Kammer Karlsruhe B. Hochgeehrter Herr! Für die freundliche Mitteilung Ihnen bestens dankend, möchte ich dieselbe dahin beantworten, daß mir eine Kundgebung im Namen des am 8. August 1906 geschlosseneu Landtages bezw. namens der II. Kammer verfassungsgeniäß unzulässig erscheint. Aus demselben Grunde halte ich auch eine solche namens eines Gesamtvorstandes der II. Kammer für nicht berechtigt. Hochachtungsvoll Adolf Geck, Mitglied der II. Kammer. III. v. Herrn Landtagsabgeordneten Adolf Geck Offenburg Telegramm aus Karlsruhe Baden W. 40/44 1907 den 28ren 9. um 11.40 M. Auf Veranlassung der Kammerpräsidenten vom letzten Landtag wurden die Herren Vorstandsmitglieder auS Anlaß des Ablebens des Großherzogs zu einer Sitzung auf heute nachmittag 6 Uhr mit der dringenden Bitte um vollzähliges Erscheinen hierher eingeladen. Archivariat der giveiten Kammer. Danach hatte das verfloffene Kammcrpräsidium also gar keine Befugnis, in der Angelegenheit irgend einen Schritt zu tun, es war vielmehr lediglich der Land ständische Ausschuß zuständig, von dem aus jedoch nichts unternommen wurde. Würde man sich auf den anderen Standpunkt stellen, so wäre dein, Zusammentreten des nächsten Landtages die Wahl eines Präsidiums überflüssig; das alte könnte vielmehr ohne weiteres seine Funktionen wieder übernehmen. Was übrigeUS die„höfischen Verpflichtungen" be- trifft, die unser Vertreter im Kammerpräffdium angeblich über- nommen haben soll, so steht fest, daß die von unserem FraktionS- Vertreter auf dem Landtage 1905/06 abgegebene Erklärung lautete: Geck werde alle ihm durch die Geschäftsordnung und die Verfassung auferlegten Pflichten erfüllen, im übrigen sei es selbstverständlich, daß er den darüber hinaus- gehenden Verkehr des Präsidiums mit dem Hose nicht durch Demonstrationen in taktloser Weise stören werde. Mt dieser Sachlage hatten sich die bürgerlichen Parteien ja auch bereits früher abgefunden, indem sie beispielsweise im Jahre 1902 anläßlich des SOjährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs Friedrich die Adresse an diesen außerhalb des Plenums in fast formloser Weise im Lesezimmer der Zweiten Kammer berieten, um die sozialistische Fraktion nicht in die Lage zu bringen, ihre prinzipielle Stellung dazu präzisieren zu müssen. Ebenso fehlte auch der„rote Vize", als sich da« Kammerpräsidium im Februar 1906, der Uebung geinäß, beim Landesfürsten vorstellte. Schon damals be- kündete der sozialistische Vertreter im Kammervorstand, daß er eS ablehne, sich zu RepräsentationSakten einzufinden, die setner Ueberzeugung zuwiderlaufen und zudem von der Geschäftsordnung des Hauses nicht von ihm verlangt werden können. Augenblicklich handelt eS sich für die Nationallibcralen darum. sich in die durch den Thronwechsel bedingte neue Situation zu finden. Sie möchten die weiche Traucrstimmung im Lande, die für eine der- artige Hätz empfänglich macht, in dem Sinne ausnützen, daß sie unter dem Deckmantel einer künstlich erzeugten Entrüstung sich den Konsequenzen des Großblockabkommens entziehen, das sie bei den letzten LandtagSwahlen, als ihnen daS Wasser am Halse stand, ein- gegangen sind. Die Herren vergessen ganz, daß sie ohne die Hülfe der Sozialdemokratie im Parlament total ohnmächtig find. politische Qcberfkbt. Berlin, den 4. Oktober 1907. Die Landtagswahl in Reuß j. L. Wie bereits telegraphisch gemeldet wurde, haben bei der am Montag, den 30. September, stattgefimdcnen Landtagswahl die Genossen Vetterlein und L e w e n im ersten Wahlgange gesiegt, während die Genossen Böttcher und Drechsler sich in der Stichwahl besinden. Genosse Vetterlein erhielt im 3. Kreise 1223, sein Gegenkandidat Sönitz 680 Stimmen. Noch bedeutungs- voller war der Sieg des Genossen Lewen im 4. Kreise. Bei der Wahl im Jahre 1904 erhielt Lewen in diesem 41 Gemeinden umfassenden, zumeist ländlichen Kreise 1419, der Gegenkandidat Dr. Wcisker 1127 Stimmen: diesmal Dr. Weisker nur 1200 Stimmen, während für Genossen Lewen 1800 Stimmen abgegeben wurden. Nicht ganz so guthaben unsere Genossen in den anderen Kreisen abgeschnitten. Im 1. Kreise unterlag unser Genosse Lüssig dem Oberbürgermeister Huhn. Lüssig erhielt 428 Stimmen, Huhn 716. Im 2. Kreise steht Genosse Böttcher■— der bei der Wahl 1904 im ersten Wahlgange siegte— in der Stichwahl mit dem Zeichenlehrer Kalb. Wenn Böttcher diesinal nicht gleich im ersten Wahlgange durchdrang, so ist dies darauf zurückzuführen, daß von dem Wahllreise einige Straßen abgezweigt wurden und da- durch Böttcher gegen 120 Stimmen verloren gingen. Der 5. Kreis, der vom Genossen Kahnt im Jahre 1904 infolge Uneinigkeit der Gegner in der Stichwahl mit knapper Majorität erobert wurde, ging diesmal, trotzdem wir unsere Stimmen von 484 auf 643 erhöhten, verloren. Im 6. Kreise steht der Genosse Arbeitersekretär Drechsler ebenfalls in der Stichwahl, und zwar ziemlich günstig.— Christlichnationaler Krach. Die Vorgänge auf der Essener Tagung der Inneren Mission, von denen wir berichtet haben, sind der Anlaß zu weiteren Auseinandersetzungen im christlichnationalen Lager geworden. Lizentiat Weber, der bereits in Essen sich gegen den Versuch wandte, den christlichen Gewerkschaften den Borrang vor den konfessionellen Arbeitervereinen zu erteilen, ergreift jetzt in der Presse das Wort zu einer erregten Erklärung. Er weist die Anschauung zurück, daß die christlichen Gewerkschaften im Gegensatz zu den Arbeitervereinen auS sich heraus, lediglich auf Betreiben der Arbeiter entstanden seien.«Das ist nicht wahr," schreibt Herr Weber,„ich habe zwei Gewerkvereine mit ge- gründet: Bei der Entstehung beider sder christlichen Gewerkschaften und der Arbeitervereine) haben Männer anderer Stände mit Rat und Taf mitgeholfen". Herr Weber will nichts davon wissen, daß die christlichen Gewerk- schasten zum Mittelpunkt der christlichnationalen Arbeiterbewegung gemacht werden und mit großem Eiser wendet er sich gegen einige radikal klingende Aeußerungen des ReichZtagSabgeordneten und christ- lichen Gewerkschaftsführers Schiffer, indem er schreibt: „Durch diese Aeußerungen wird der grundsätzliche Unterschied zwischen christlichen und freien Ge- werkschaften ebenso verwischt, wie durch die viel zu allgemein und bedingungslos gehaltene Aeußerung des Berg- arbeiterführerS Effert:„In wirtschaftlichen Fragen geht die christliche Organisation mit der sozialdemokratischen". Als auf- richnger Freund der christlichen Gewerkschafren warne ich vor derartigen Ueber treib«»gen, die weder mit der Bezeichnung„christlich" noch mit der Bezeichnung „national" im Einklang stehen." In einer weiteren Erklärung redet Weber von einem „Gegensatz zwischen der Gesinnung und der Ver- haltungsweise" mancher christlicher Gewertschaftöführcr, wie ihn auch der Handclsminister in ähnlicher Weise gerügt habe. Herr Delbrück, auf den Weber hier anspielt, hatte bekanntlich gesagt, daß sich das Verhalten der christlichen Gewerkschaften nicht immer vertrage mit dem Kaiserhoch, daS ihre Versammlungen zu eröffnen pflege. Da Herr Weber als Vorsitzender des GcsamtverbaudeS der evangelischen Arbeitervereine an dem christlichnationalen Rummel hervorragend beteiligt ist, so darf man auf den demnächst statt- findenden„Arbeiterkongreß", der die„Macht" und„Einigkeit" der nicht sozialdemokratischen Arbeiterschaft bekunden soll, gespannt sein. Steuerdruck und Plantagcufileite. Beim Empfang einer Abordnung von Pflanzern machte Staatssekretär D e r n b u r g in Sadani bemcrkensivcrte Aus- fuhrungen: Zur Regelung der Beziehungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern werde ein E i n g c b o r e n en-K o m m i s s a c für Usambara eingesetzt werden, ferner sei eine Reuorduung der Anwerbungen von Arbeitskrästen im Seen- gebiet m Aussicht genommen. Den, regellosen Treiben gewisser Agenten werde durcki Erhebung starker Lizenzen ein Riegel vorgeschoben werden. Eine stärkere B e l a st u n g der Eingeborenen mit Steuern sei nicht an- gängig, da diese schon jetzt den größten Teil der Steuer- einnahmen aufbrächten: auch würde eine Erhöhung des Steuer- drucks die Neigung zur Abwanderung über die e n g- lische Grenze verstärken. Im übrigen werde eine Linderung des Mangels an Arbeitskräften eintreten, wenn Arbeiter durch das Eingehen völlig unrentabler Kaffecplautagen in Usambara frei würden. Die Ausführungen über den auf den Eingeborenen lastenden Steuerdruck, der sich nicht mehr erhöhen lasse, sind ebenso interessant, wie der Hinweis auf die Unrcntabflität zahlreicher Kaffeeplantagen in Usambara I Zentrum und Arbeiter. In Krefeld erstattete der Landtagsabgeordnetc, Oberpostrat Dr. König, Bericht über die parlamentarische Tätigkeit. In seiner Rede erklärte sich Dr. König auch für die Uebertragung des Reichs- tagswahlrcchts auf Preußen. Er werde den Antrag bei der bevor- stehenden Tagung mit einbringen. In der Diskussion sprach der Be- zirksvorsitzende des christlichen Textilarbeiterverbandes, ein Herr Jakob Pesch, über die Berücksichtiguna der Arbeiterinteressen durch das Zentrum. Er wolle nicht verkennen, daß daZ Zentrum schon manches für die Arbeiter geleistet habe, aber das Tempo sei nicht flott genug. Daß es schneller werde, darauf müßten die Arbeiter selbst hinwirken. Sie mühten sich bemerkbar machen und nicht ruhen, bis man ihnen einige Dutzend Mandate in beiden Parlamenten über- lassen habe. Die Landwirte verlangen Vertretung in den land- wirtschaftlichen Kreisen; die Arbeiter müßten sie in industriellen Gebieten fordern. Pesch machte dann auf das Mißverhältnis zwischen den gesteigerten Löhnen und der Steigerung bei den Pro- duktenpreisen aufmerksam. Durch die Steigerung der Lebens- mittelpreise würden Lohnerhöhungen mehr als weit gemacht. Weiter forderte er für die Landarbeiter das freie Koalitionsrecht und be- merkte, diese Arbeiter dürften auch nicht, wenn es notwendig sei, während der Ernte vor einem Streik zurückschrecken. Diese Aus- führungen wurden von den anwesenden Arbeitern mit Jubel auf» genommen; nicht so freudig bewegt waren jedoch die Arrangeure der Versammlung. Sie gaben sich größte Mühe, den Anwesenden plan» sibcl zu machen, daß nicht mehr zu erreichen war und daß aucy Arbeitervertreter nicht mehr erreicht hätten. Pesch erwiderte ihnen, daß man im Landtag und im Reichstag mit dem Zentrum rechnen müsse und deshalb mehr erreicht werden könne. Die Verhältnisse der Landarbeiter seien durchweg miserabel. Er Hab- deshalb beabsichtigt, die Arbeiter selbst zu wirksamerer Förderung ihrer Interessen aufzufordern. Wie Verstöße gegen die militärische Disziplin geahndet werden. - Vor dem Kriegsgericht der 18. Division(Altona) hatte sich am Donnerstag der Musketier Georg Bäumler von der 12. Kam- pagnie des 84. Infanterieregiments zu Flensburg wegen Uu- gehorsams gegen einen Dienstbefehl, Widerstandes, Beleidigung und Angriffes gegen mehrere Vorgesetzte zu verantworten. Am Abend des 2. September d. I. biwakierte sein Truppenteil im Manövergeläude in der Nähe eines mecklenburgischen Dorfes. Da es sehr kühl war, brauten sich mehrere Soldaten am Loger- feuer einen steifen Grog, von dem der Angeklagte vier Becher trank. Der an so starke Getränke nicht gewöhnte B., ein Württembcrger, fühlte sich nun sehr stark und rempelte Kameraden an, die ihn durch Püffe zurückhielten. Der aus seinem Schlafe gestörte Hauptmann ließ den Betrunkenen in die Feuerwache abführen, damit er sich nicht unglücklich mache. Dort beschimpfte er zwei Unteroffiziere, bot ihnen Schläge an und sagte, mit dummen Augusten und Mecklenburger Bullen werde ein bayerischer Seppe! leicht fertig. Auch soll er die Unteroffiziere angefaßt haben. Dann fiel er zu Boden und schlief bis zum anderen Morgen. Obwohl er erklärte, er wisse von der ganzen Sache nichts, weil er total betrunken war, stellte man ihn vor das Kriegsgericht, wo er dieselbe Erklärung abgab. Der Antrag seines Verteidigers auf Ladung eines ärztlichen Sachverständigen lehnte das Gericht ab. Der Ankläger bezeichnet die Vergehen des Angeklagten als ganz besonders schlimme, weil sie geeignet seien, die militärische DiS- ziplin zu untergraben. Die Angctrunkenheit könne, weil selbst ver- schuldet, als strafmildernd nicht berücksichtigt werden. Der An« trag lautete auf nicht weniger als fünf Jahre und einen Monat Gefängnis.' Der Verteidiger beantragte Freisprechung wegen sinnloser Trunkenheit, eventuell eine ganz bedeutend geringere Strafe, weil die starke Trunkenheit als Milderuugsgrund berücksichtigt werden mllffc. Das Gericht erkannte aber auf das vcantrngte ruorme Strafmaß. Gegen das furchtbare Urteil ist Berufung eingelegt G. m. b. H. Die„Post" wird gedruckt und verlegt von einer„G. m. b. H.", einem Institut also, dessen Initialen der Treppenwitz der Berliner Börse die Deutung„Gesellschaft mit beschränktem Hirn" gegeben hat. Nun wollen wir damit gegen die ehrenwerten Gesellschafter der„Post" gewiß nichts gesagt haben, außer vielleicht, daß sie längst die Redaktion ihres Blattes einer Regeneration hätten unterziehen sollen, jene Redaktion, die schon der gute Herr von Stumm unter die Kategorie der lieben kleinen Grautiere, alias„Esel"» zu der- setzen die Jovialität hatte. Im allgemeinen ignoriert man die„Post"— und mit Recht', denn wen sollte es wohl gelüsten, sich mit einem Blatte dieses Schlages— außer im Falle äußersten Zwanges— zu befassen? „G. m. h. H.": Gesellschaft mit beschränktem Hirn. Was in diesem Zusammenhange heute von der Redaktion der„Post" zu sägen wäre, ist folgendes: Bei Behandlung des Falles Nohlau, jenes von den baltischen Gesinnungsgenossen der„Post"-Hurde feige ermordeten Mannes, sind wir unter anderem darauf zu sprechen gekommen, daß die „Post" eine alles ableugnende„Zuschrift" aus Livland vcröffcnilicht bat, von der wir nachweisen konnten, daß sie de facto nichts ist als der wortgetreue Abdruck eines Lügenragouts, das völlig gleich- lautend die Spalten der„Düna-Zeitung", des„Rigacr Tageblatt". der„Baltischen Tageszeitung" zierte. Die„Post" überhäuft uns nun mit einer Waggonladung Unflat, weil wir die Kühnheit hatten. jene„Zuschrift" eben als„Zuschrift" in Gänsefüßchen zu charakte- risiereri. Das edle Blatt, es merkt gar nicht, wie viel klüger es täte, gerade hiervon zu schweigen. Demonstriert es doch nur, wie „gut" die Leser der„Post" bedient werden, deren Redaktion sich Abschreibse! aus anderen Blättern als„Zuschriften", vielleicht gar noch als„eigene Berichte", als„Korrespondenzen" aus Riga, Kal- kutta oder Tokio aufschwatzen läßt!!-- Doch um dieser interessanten Feststellung willen hätten wir uns wahrhaftig noch lange nicht mit der.ppost" beschäftigt. Es liegt noch folgendes vor: . In demselben Artikel, in dem die„Post"-Redaltion so„klug" operiert, wird eme rührende Geschichte erzählt des Inhalts: der „Vorwärts" habe„vor kurzem" mehrere von einer armenischen Zeitung veröffentlichte, angeblich von russischen Ministern her- rührende„Dokumente" über den Tod des russischen Revolutionärs Tscherniak abgedruckt,„Dokumente". �aus denen hervorgehen soll,„daß die russische Regierung der Urheber der angeblichen Er- mordung des Tscherniak gewesen sei." In Jubeltönen triumphiert die„Post", daß jedes andere Blatt die Fälschung auf den ersten Blick entdeckt hätte, daß nur unsere „grenzenlose Vcrbohrtheit", unser„Mangel an gesundem Menschen- verstand" uns so blind machen konnte usw. usw. Nun haben wir aber die Tscherniak-„Dokumcnte", von denen die„Post" deliriert, niemals abgedruckt, sodaß die ganze Stilübunz des edlen BlättlcinS in sich zusammenbricht..., Elscilbnhngemrinschost. Eine in Rostock stattgefundcne Eisen- bahnkonferenz zwischen Preußen und Mecklenburg hat, wie daS„Bcr- lincr Tageblatt" meldet, die Bereitwilligkeit Mecklenburgs zu einen Anschluß an die prenßilch-hessische Eisenbahngemeiuschaft ergeben. lieber die beiderseitigen Bedingungen soll eine neue Konferenz Milte November stattfinden.__ Ternburg hat Pech! Vor der Dortmunder Straskammer kam am Donnerstag ein kleiner Kolonialprozeß zur Verhandlung als Nachspiel zur letzten NcichsiagSwahl. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Am 13. Januar 1907 fand in Frohlinde bei Dortmund eine Reichstags- wählcrversammlung statt, in welcher der Arbeitersekretär Arn S- wald-Bochum referierte. Genosse Aniswald soll in dieser Rede die Sckudtruvve beleidigt haben. Er hatte, auf die Kelchswgsrede tgeßeH vom 1. Dezember isos gestützt, von d«r angeblichen Ertränkung von S2 Kindern in den Nachtigall fällen durch den Leutnant Dominik und von dem Ausschneiden der Ge- schlechtsteile gefallener Eingeborenen gesprochen. Der Staatsanwalt beantragte als angemessene Sühne 100 M. Geldstrafe event. 20 Tage Gefängnis, während Herr Rechts« anwalt Frank-Dortmund, der Verleidiger des Angeklagten, in cinstündiger Rede die Freisprechung verlangte auf Grund des Z 196 (Wahrung berechtigter Interessen). �Das Gericht folgte im wesentlichen den Ausführungen des Verteidigers und sprach den Angeklagten frei, weil diesem als Reichstagswähler der Schutz des§ 193 zur Seite stehe.—_ Sechs Monate für einen Dnmmenjnngenstreich. Schwer büßen muh der Dragoner D. von der vierten Schwadron des 2. Garde-Dragoner-Regiments einen Dummenjungenstreich, den er sich in der Trunkenheit hat zu schulden kommen lassen. Vor einiger Zeit war daS Regiment in Altengrabow auf dem Schiehplatze zur Uebung gewesen. Auf dem Rückmärsche wurde in einem Dorfe für eine Nacht Quartier bezogen. Der Angeklagte D. suchte abends mit einem Kameraden im Orte einige Kneipen auf und in angetrunkenem ustande traten die Dragoner den Weg nach dem Quartier an. inler ihnen her kani der Unteroffizier L. von derselben Schwadron. In seinem Zustande rief er seinen Kameraden zu. er wolle den Unter- offizier bewerfen. Vergeblich versuchen die anderen Dragyuer, ihren Kameraden dazu zu bewegen, heimzugehen. D. rief:„Nein, ich bleibe. Ich muh erst dem Unteroffizier Dreck ins Gesicht schmeihen l" Wäh- rend sich die Kameraden entfernten, wartete D., bis der Vorgesetzte herankam und er warf ihm dann eine Hand voll Sand ins Gesicht. Die Folge davon war, dätz D. bald darauf verhaftet und ein Verfahren wegen tätlichen Anariffs(!) gegen ihnein- geleitet wurde. Das Kriegsgericht der Garde- Kavallc««- Division erkannte auch Im Sinne der Anklage und verurteilte den Dragoner zu dem niedrigsten Strafmah von einem Jahre Gefängnis. Hiergegen legte der Angeklagte Berufung ein. Das Obcr-Kriegs- gericht des Gardekorps hob gestern das Urteil auf und erkannte nicht wegen tätlichen Angriffs gegen einen Borgesetzten, sondern wegen grober Beleidigung eines solchen auf eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten.__ frankmcb. Antimilitaristen-Hatz. Paris, 4. Oktober. Gestern abend wurde die Be- schlagnahme der antimilitaristischen Nummer des Blattes „Voi'x du Peuple" auf allen Bahnhöfen verfügt. Gleichzeitig wurde die Verhaftung von AntiMilitaristen angeordnet. Italien. Ein beschlagnahmtes Kriegsschiff. Rom, 2. Oktober.(Eig. Ber.) Auf recht eigenartige Verwaltungszustäude läht die folgende Geschichte fchliehen, die dem„Avanti" aus Spezia berichtet wird: In den Wassern der dortigen Werst liegt ein ausrangierter Kreuzer, der„fD u i l i o" vor Anker. Die Werft hatte nun gestern einen seltenen Besuch: den des Gerichtsvollziehers I Die Kriegs- marineverwallung ist nämlich durch Gerichtsbeschluh verurteilt worden, einer Bank eine gröhere. Summe zu zahlen. Da nun der Gerichtsvollzieher kein Geld vorfand, legte er ohne weiteres Beschlag auf den ausrangierten Kreuzer, dessen Wert er auf 800 000 Lire veranschlagte.(Er hat 25 Millionen getostet I!> Als Hüter des gepfändeten Objekts wurde ein Zeugmeister bestellt, der sich, laut dem Gerichtsakt, ver- pflichtet,„das bezeichnete Schiff zu bewachen und es aus jede Auf- fordcrung des Gerichts vorzuzeigen."— Wird das herrliche Pfäiidungsobjekt binnen fünf Tagen nicht ausgelöst, so können wir es erleben, daß ein Schiff der italienischen Kriegsmarine e�elutorisch verkauft wird.... Snglancl. Keir Hardie in Indien. London, 2. Oktober,(Eig. Ber.) Seit dem Siege GraysonS in Colne Valley hat England feine Kaltblütigkeit verloren. Eine so tiefe Aenderung in der Haltung eines grohen Teiles einer starken Nation bürste selten vorgekommen sein. Es kann ja möglich sein, dah, wenn die nächsten Wahlen für die Arbeiter und Sozialisten nicht so günstig ausfallen, die Stimmung wieder ruhiger wird, aber vorläufig ist sie merkwürdig bewegt. Schuld daran sind viel» fach die von Pearson und Harmsworth geleiteten Pretzunter- uehmungen:„Standard",„Expreh".„Mail", die in einen wilden Patriotismus geraten, sobald sie eine Gelegenheit sehen, die Zirku- lation ihrer Blätter zu vcrgröhern. Diese Unternehmungen haben sich amerikanische Journalisten bestellt, die sich aufs SensationS- machen ausgezeichnet verstehen. Dagegen verhält sich die I i b e- r a l e Presse ruhiger, ohne indes gegen die amerikanischen Methoden zu protestieren. Diese ganz unangenehmen Erscheinungen zeigen sich bei jeder Gelegenheit, wo es sich um Ärbeiterpolitiker und Sozialisten handelt. Diesmal hat Keir Hardie es den gelben Patrioten an- getan. Er ist bekanntlich krank und mutzte auf ärztliches Anraten auf Reisen gehen, um sich den aufreibenden Agitationsarbeiten zu entziehen. Er besuchte Kanada und Japan und befindet sich gegen- wärtig in Bengalen(Indien), im Mittelpunkte der indischen Agita- tion für Suadeschi(heimische Produktion)� und Suaradsch (Selbstregierung). Die Führer dieser Bewegung ersuchten Keir Hardie, sich der indischen Sache im britischen linterhause anzu- nehmen, und sie arrangierten deshalb Versammlungen, in denen Hardie sprechen sollte. Nach telegraphischen Berichten, die hierher gelangen, soll er gejagt haben, datz die Lage in Ostbengalcn schlimmer sei als die in Rutzland. und datz England sich über die dort vorlommenden Grausamkeiten mehr entrüsten würde als über die armenischen Metzeleien in der Türlei, wenn es darüber nur besser unterrichtet wäre. Er sagte weiter, die Arbeitcrfraktion Würde dafür sorgen, datz Indien so behandelt würde wie Kanada. Die Hindubevölkerung, die im Grunde genommen loyal ist und nur eine freiere Verfassung wünscht, ist Keir Harbke ausser- ordentlich dankbar für seine Sympathie. Seine Reise dürch Ost- bengalen gestaltet sich zu einem Triumphzug,' worüber nun eben die"konservative Presse Londons in ganz ungemeffene zornige Aufwallungen gerät." Einige Blätter verlangen gar die Aus- Weisung Hardies aus Indien. Bei dieser Gelcgenheis sei noch bemerkt, daß die ganze Presse das Verbot der„Justice" in Indien totschweigt. »* * London, 4. Oktober. Das Rcutersche Bureau meldet aus Kalkutta von gestern: In der vergangenen Nacht kam ci hier zu ernstlichen Ruhe- stvrung-n. Eine Volksmenge, welche eine Versammlung abhielt, in der aufreizende Reden gehalten lourden, warf mit Steinen nach der Polizei, die den Pöbel zerstreute. Die Meijge sammelte sich aber von neuem. Eine Schar Hooligans vereinigte sich mit dem Pöbel, griff das Publikum an, plünderte die Läden und zer- trüminerte die Stratzenlampen. Ter Handel stockt völlig. Um Mitternacht wurde die Ruhe wiederhergestellt; bald darauf aber sammelte sich die Menge von neuem und warf wiederum mit Steinen nach der Polizei. ' Wie die radikale bengalische Zeitung«Bande Mataran' meldet, legten zahlreiche eingeborene Polizisten ihre Uniformen gb Md vereinigten sich mit den Ruhestörern. Vierzig Polizisten seien ver» letzt, von den Aufrührern aber infolge der Schnelligkeit derselben niemand verhaftet worden. London, 4. Oktober. Wie dem Rcutcrschen Bureau aus Kalkutta gemeldet wird, haben sich die gestrigen Ruhestörungen im Norden der Stadt wiederholt. Studenten und RowdieS erstiegen die Dächer der Häuser und bewarfen Strahenbahnwagen und Fuss- gänger mit Ziegelsteinen, wobei sie sich besonders die Europäer in den Wagen aussuchten. Viele Wagen sind beschädigt und ihre Führer verletzt worden. Die Eingeborenenpresse erhebt Vorwürfe gegen die Polizei wegen ihres Vorgehens bei dem Aufruhr und beschuldigt die Polizisten rücksichtsloser Grausamkeit, da sie eine allgemeine Plünderet und Greueltaten in den indischen Vierteln zugelassen hätten._ Hus der Partei. Die„internationale" dänische Sozialdemokratie. Ueberall liebt es die Bourgeoisie, die einheimischen Sozial- demokraten als die schlechtesten Kerle unter allen Sozialdemokraten der Welt hinzustellen und ihnen ihre ausländischen Geiiosseu als Muster, namentlich als Muster vaterländischer Gesinnung vorzu- halten. So machte es kürzlich in Dänemark der General Madien, der Kriegsminister des ersten„liberalen" Ministeriums Deuntzer. Er machte den dänischen„Sozialistenführern" ihre„vaterlandslose" Gesinnung zum Vorwurf, zitierte zum Beweise u. a. einige Aeutze- rungen, die Genosse B orgbjerg jüngst in einer Rede zu Ringsted getan hatte, und führte im Gegensatz dazu„die stallen landes- vcrteidigungsfreundlichen Aussprüche Bebels, Janrss', Millerands und anderer deutscher und französischer Sozialistenführcr" an.. Folkethingsmann Borgbjerg, der in jener Versammlung, wo Madseu diese Weisheit zum besten gab, nicht zugegen war. antwortet darauf in einem Offenen Briese im„Socialdemokraten". DaS merkwürdigste an der Geschichte ist nun, datz gerade die Worte, derentwegen Borgbjery als der besonders vaterlandslose Mensch hingestellt wurde, nicht von ihm selbst stammten, sondern Zitat aus einer Rede � a u r s S' auf dem Stuttgarter Kongreß waren, Worte, die der französische Ge- nosse dann in Paris vor einer von 6000 Menschen besuchten Versammlung unter begeistertem Beifall wiederholt hatte. Der von Madsen als patriotischer Musterknabe genannte Jaures mutz also wohl ebenso „antinational" und„vaterlandslos" gesinnt sein wie Borgbjerg, der nun seinen Gegner zu einer öffentlichen Diskussion über„Milita- rismus und Nationalität" einlud. Der tapfere Geueral lehnte die Einladung ab. Was übrigens die„Vaterlandslosigkeit" der dänischen Sozial- demokratie llietrifft, ist es bemcrleiiswert, datz ein deutscher bürger- lichcr Schriftsteller, Emil Helms, in seinem kürzlich erschienenen Buche:„Die sozialdemolratischc und gewerkschaftliche Bewegung in Dänemark" erklärt, datz der dänischen Sozialdemokratie in nationalen Dingen„kaum ein Vorwurf zu machen ist".„Anlinational. wie man es der deutschen wohl nachsagt", schreibt er weiter,„ist die dänische Sozialdemokratie nie gewesen, so sehr sie auch allen Chauvinismus, ja überhaupt allen politisch-militärischen Nationalismus vcrworfeit hat und ihren Natioualitätsbegriff auf die Kulturgemem- schaft gestellt hat."_ Fortschritte der badischeu Parteipresse. Seit dem 1. Oktober erscheint das Parteiorgan von Karlsruhe, der„Volksfreund", in neuem Gewände, handlicherem Format und vergrößertem Umfang. Er hat jetzt eine Auflage von 16 000 Exemplaren, fast dopppelt so viel als bei der Erweiterung am 1. Juli 1904. Möge er sich kräftig weiter entwickeln und recht bald das 20. Tausend erreichen. Gleichzeitig ist für Pforzheim die P f o r z h e i m e r „Freie Presse" als Kopsblatt des„Volksfreund" ins Leben getreten. Neue Parteisekrctariate. Das Parteisekretariat für Olden- b u r g u n d O st f r i e S l a n d ist am 1. Ollober erössnet worden. Das Bureau befindet sich in Bant, Peterstr. 20/22. Sekretär ist Genosse Adolf Schulz. Für Heidelberg soll ein Sekretariat am 1. November in Tätigkeit treten. Die Selretärstelle soll schleunigst ausgeschrieben werden. Die„entnagelte" Fahne. Ein Schildbürgerstückchen leistete sich der Magistrat der Stadt Groitzsch bei Leipzig. Die Freie Turnerschaft, die als„Männerturnverein' früher der deutschen Turnerschaft angehörte, feierte am 25. August ihr Stiftungsfest als Arbeiterturnverein. Natürlich wurde die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung eines Festzugcs, die früher bereitwilligst erteilt wurde, diesmal verweigert. Gleichzeitig ging dem Verein folgende Verfügung zu: „Die MitfAhmng der geänderten Fahne deZ vormaligen MännertunivereinS kann erfolgen, nachdem der den, vormaligen Männerturnverein von der Sladt Groitzsch gestiftete Fahnen nagel vom Stocke der Fahne entfernt und an die Stadt zurückgegeben worden ist." Unter unbändig« Heiterkeit wurde dann würdevoll und feierlich der magistratliche Nagel auS dem Fahncnschaft herausgezogen und der Sladtbehörde überreicht. Der Stadtrat hat nun leinen Nagel wieder. Das Loch in dieser Stange aber wird zum Andenken an diese Staatsaktion erhalten bleiben. Das Arbcitcrsckrctariat Erfurt wurde am Mittwoch eröffnet. Die Geschäfte ftihrt Genosse Schräder auS Hamburg. Ungetreuer Angestellter. Ein Annoncenakquisiteur der„Volks- stimme" in Chemnitz ist seit einiger Zeit vcrschlvunden. Er hat, wie sich darauf herausstellte, etwas über 4900 M. dem Verlag der „Volksstimme" unterschlagen. Die bedauerliche Affäre wurde jetzt in einer Parteiversammlung zu Chemnitz neben anderen Pretzangelegen- heiten erörtert. Da auch gegen die Geschäftsleitung Beschnldignngen erhoben worden sind, so legte der langjährige Geschäftsführer, Genosse Landgraf, ausführlich dar, datz der Leitung keine Schuld treffe. Die Versammlung setzte eine neuugliedrige Kommisston zur Untersuchung der Angelegenheit ein. Personalien. In die Redaktion der„ V o l k s st i m zn e" zu Chemnitz ist. Genosse Ludwig Bartels aus Leipzig etngeireten. Genosse Dr. August Müller, der aus der Liedaktion der „VolkSstünme" zu Magdeburg schied, hat die � Redaktion der „Konsumgenosseiischaftlicheu Rundschau", das Organ des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, übernommen. Genosse P r a g e r ist auS der Redaktion des.Offenbacher Abendblattes' in die.Rheinische Zeitung" zu Köln über- getreten._ Keir Hardie in Japu». DaS Zcntralorgan derGozialisten von Japan berichtet über eine interessante Unterhaltung zwischen Hardie, der auf seiner Reise auch Japan besuchte, und dem bekannten japanischen Staatsmann Grasen Okuma zu Tokio. Man kam ans den Sozialismus zu sprechen� dem Okuma„durchaus nicht feindlich gegenüberzustehen erklärte". Auf Hardies Frage, warum die Anhänger des Sozialismus gegen- wärtig von der Regierung so bitteren Verfolgungen ausgesetzt seien, antwortete Okuma, daß die Schuld auf beiden Seiten sei. Die Sozialisten seien zu hitzköpfig. Sie versuchten gleich das einzuführen, was sie in Büchern aus dem Westen lesen,»ud wirkten damit auf die Arbeiterschaft ein. Die Regierung aber nehme die ganze Sache zu ernst und fürchte die Ausbreitung von verderblich wirkenden Lehren; sie gewinne einen falschen Eindruck von der Agilalion. Sehr eiftig sprach sich Okuma für die Erweiterung des Wahlrechts aus. Grenzen will er in dieser Beziehung nur da ziehen, lv o eine gewisse Bildungsstufe noch nicht e r r c i ck, t ist. Wenn die Massen sich organisieren, um eine Reform des Wahlrechts durchzusetzen, müßte die Regierung nachgeben. Er selbst sei für die Reform eingetreten. Von den Genossen wurde Hardie in Jokohama und Tokio sehr herzlich aufgenommen, t polizctUdics, OmehtUcbw utV». Redaktcurfrcudcn. Der Genosse Arno Franke von der „Arbeiterzeitu n g" zu D o r t m u n d hat für 14 Tage das dortige Gefängnis bezogen, un, die Beleidigung eines Kaplans zu sühneil._ 0ewerhrcbaftUcbe� Allzu scharf macht schartig! Von seinem Geschick ereilt worden ist der Direktor Eldracher von der Firma Seidel u. Naumann in Dresden. Er hat zienftich plötzlich seinen Posten als Direktor verlassen oder verlassen müssen. Man geht nicht fehl, wenn man diesen überraschenden Abgang des Herrn Direktors, der vor verhältnismäßig kurzer Zeit von Berlin nach Elb- florenz kam, mit dem seitens der Firma vom Zaune ge- brochenen Machtkampf gegen die Organisation der Metall- arbeiter in Znsammenhang bringt. Er war nämlich die Seele der dort seit seinem Einzug eingerissenen Scharfmacherei. Wahrscheinlich haben sich die Kriegskosten dieses von ihm betriebenen Kampfes als zu hoch herausgestellt. Daß die Firma durch den Kampf schwere finanzielle und vor allein auch moralische Verluste im öffent- lichen Ansehen erlitten hat, ist außer jedem Zweifel. Allzuscharf macht schartig l Die Richtigkeit dieses Wortes muß auch Herr Eldracher an seiner Person erfahren. Die von ihm mit allen Mitteln bekämpfte Metallarbeiterorganisation blüht und gedeiht und der Herr Direktor verläßt das Kampf- feld besiegt. Wer will es den organisierten Metallarbeitern verdenken, lvenn in ihnen ein Gefühl der Befriedigt, ng aufsteigt über die Beseitigung dieses höchst bösen Feindes ihrer Organisation. Vielleicht haben die von diesem Manne beeinflußten In- habcr und Aktionäre der Firma eingesehen, daß sie schließ- lich doch die Leidtragenden der durch solche Scharfmachereien heraufbeschworenen Machtkämpfe sind. Sie kosten viel und die Firma verliert dabei ihre besten und eingerichtestcn Arbeiter und schließlich auch ihre Kundschaft. Geschieht ihnen recht l Auch die Organisation der Gelben, die sich während und nach dem Kampfe bei der Firma eingenistet hat, war wohl wesentlich sein Work. Hoffentlich sehen diese irregeleiteten Arbeiter nach dem Fall ihres Herrn und Meisters nun auch ein, daß sie einen Kampf gegen Windmühlenflügel kämpfen, wenn sie sich dem auch in ihrem Interesse liegenden Kampfe ihrer in den freien Gewerkschaften organisierten Klassengenossen ent- gegenstemmen. Hoffen wir das beste l Berlin und Umgegend» Der Streik der Töpfer. Die strenge Enthaltsamkeit von der Beschäftigung mit nassem Lehm scheint bei den Berliner Töpfermeistern diplomatische Be- fähigungen geweckt zu haben. Sie suchen an den Anschlagiäulen Töpfergehülfen. aber beileibe nicht zu reduzierten Akkordsätzen, sondern„nach dem alten Tarif" mit den— Abänderungen der Meister. Wie zart ausgedrückt I Nur fürchten wir, datz trotz der verblümten Sprache so wenig Töpfer auf die Verlock, mgen der Meister hineinfallen werden, datz diese notgedrungen selbst wieder zur Arbeit greifen müssen und dabei von dem PhaiitasicauSflug ins Gebiet der höheren Diplomatie auf reale» Boden zunickgeführt lverden. Wenn sie erst einmal schmerzhaft erfahren haben, daß jeder Tropfen Meisterschweiß trotz der neuen Währung auch jetzt noch einen- Taler kostet. werden die Herren Töpfermeister viel- leicht geneigt seist, auch den Gesellen den alten Tarif wieder zu- zuerkennen. Auch daS Publikum wird durch den Anschlag in Kenntnis gesetzt von dem„Generalstreik" der Töpfer, der infolge des„Scheiterns der Lohnverhandlungen" ausgebrochen sei. Daß die Meister selbst daran die Schuld tragen, wird natürlich nicht gesagt. Das Publikum solle sich gedulden, denn die Meister würden tun, was in ihren Kräften steht. Sie habest nämlich ein Streikbrechcrbureau in der Brücken« straße eingerichtet. Mit dem Streik beschäftigte sich am Freitagvormittag eine stark besuchte Vcrfamm» lung des Vereins der Töpfer Berlins. Der Vorsitzende Paul führte unter anderem ist.-» es sei ein Irrtum, wem, in einer Ver- sammlung des Zentralverbandes gesagt wurde, die Stellung des Vereins zur Tarifbewegung sei nicht bekannt. Der Redner betonte demgegenüber, daß der Verein von Anfang an bereit ge- wesen sei, jede Verschlechterung des seitherigen Tarifes entschieden zurückzuweisen. Demzufolge sei ja auch der Verein, wie er schon am Dienstag beschlossen, mit in den Generalstreik eingetreten und er werde im Streik verharren, bis die Unternehmer zur Vernunft kommen und von einer Verschlechterung des Tarifes absehen. Eine Umfrage bei den Arbeitgebern habe ergeben, datz auch diejenigen, welche die Weiterbezahlung des alten Tarifs zugesagt hatten, ihre Zusage zurückgezogen haben.— In der Diskussion wurde di» Bekannt», achniig erwähnt, welche der Arbeitgeberverband an den Anschlagsäulen veröffentlicht. Der Arbeitgeberverband sucht darin Strcilbrccher und ersucht die Einwohiierschaft Berlins, auf die gegenwärtige Lage Rücksicht � zu nehmen, da die Gehülfen nach ver- geblichen Lohnverhandlungen in den Generalstreik eingetreten seien. ES wurde demgegenüber betont, daß diese Darstellung der Arbeit- geber auf eine Irreführung deS Publikums berechnet sei. Der Wortlaut des Appells an die Einwohnerschaft lasse die Deutung zu, als ob die Gehülfen Lohnforderungen gestellt hätten, und weil diese nicht bewilligt wurden, den Streik begonnen hätten. Gegen- über dieser falschen Darstellung müsse immer wieder hervorgehoben werden, datz die Arbeitgeber erhebliche Abzüge an dem bisherigen Tarif machen wollen und der Generalstreik nur deshalb geführt werde, daß die Löhne nicht herabgesetzt und die Lebenslage der Ofensetzer nicht verschlechtert werde. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde von verschiedenen Seiten, auch von einem Mit- gliede des Zentralverbandes ein gemeinsames Zusammenarbeiten beider Organisationen befürwortet. Es wurde auch der Vorschlag gemacht, eine gemeinsame Lohukommission zu bilden, der jedoch keine allseitige Anerlennung fand.— Die Versammlung beschloß, im Generalstreik zu verharren, gegen die Irreführung durch den Säulenanschlag der Arbeitgeber Protest zu erheben und den Vorstand des Vereins zu beauftragen, sich mit der Verbandsleitung in Ver- bindung zu setzen, um die Streiktaktil in öffentlichen Versamm- lungen zu beschließen.— Angenommen wurde ein Vorschlag des Vorstandes, welcher besagt: Die Streikkontrolle beginnt am Sonnabend, den 5. Oktober, und wird täglich von 9—11 Uhr in den Zahlstellen ausgeübt._ Die Firma Kurz u. K». in der Reinlckendorferstratze 58 scheint sich des ganz besonderen Schutzes der lieben Polizei zu erfreuen. Es wurde einer der Streikposten, der das Bedürfnis hatte, einmal auszuspucken(zum Unglück gerade, als eine der„arbeitswilligen Damen" vorbeiging, von dem Schutzmann Achterberg angefahren: Wenn er noch mal auSsvucke, dann fliege vielleicht gleich sein Kopf bis über de» Damm. Eins der streileuden Mädchen, das ruhig da» stand, wurde vom Schutzmann in den Torweg gelchleppt, dort dem Herrn Kurz vorgestellt und dann angeschnarrt, das weitere werde sich schon finden. Als dann in der siebenten Abendstunde ein großer Auflauf entstand, eine Droschke mit Ware den Fabrikhof verließ— haben die Herren Fabrikanten etwa eine Nachttour eingerichtet?— nestelte der Schutzmann Nr. 2447 seinen Revolver los, fuchtelte da- mit herimi und drohte,„blaue Bohnen" zu verabfolgen, da das Zu- sammenstehen aus dem Bürgerfteige verboten sei. Nur der Be- sounenheit des Publikums ist es zu danken, daß der diensteifrige Beamte keine Gelegenheit zur Erprobung seiner Schießfertigkeit be- kam. Der Streik dauert unverändert fort. Der Verband der Bäcker und Konditoren verbreitete ein Flugblatt an die Kunden der Firma. Ein Konflikt im Warenhaus von Jandorf. Zwischen der Firma I a n d o r f und ihren Hausdienern ist es zu einem schwereren Konflikt gekomnien. An diesen, 1. Oktober lie der Tarif ab, den die Firma mit dem Verein Berliner Hausdiener abgeschlossen hatte, der jetzt dem Transportarbeiter-Verband als Sektion angegliedert ist. Der Transportarbeiter-Verband bemühte sich nun. für alle Waren- und Kaufhäuser einen gleichlautenden Tarif durchzusetzen. Dem vorgelegten Tarif des Verbandes setzte jedoch die Firma I a n d o r f u. Co. einen eigenen Tarifentwur entgegen, der neben geringeren materiellen Zugeständnissen folgenden für die Organisation unannehmbaren Passus enthält: „Diener usw., welche ihre Tätigkeit ohne voraufgegangene Kündigung und ohne gesetzlichen Grund plötzlich einstellen oder die Arbeit ohne gesetzlichen Grund verweigern, sind zur Zahlung einer sofort fälligen Konventionalstrafe von 101 M.(!) verpflichtet, für welche» Betrag die Orguiiisatio» für ihre betr. Mit glicdcr solidarisch haftbar ist. In derartigen Fällen ist die Firma an den Nachweis eines Schadens nicht gebunden." Wir haben die Festlegung einer derartigen Haftpflicht der Ge werkschaft durch Vertrag schon bei anderer Gelegenheit bekämpft. Die Gründe, welche gegen dieselbe sprechen, hier in Breite zu er- örtern, erübrigt sich. Die Leitung des Transportarbeiter-Verbandes sah die Unzulässigkeit einer solchen Bestimmung den» auch sofort ein und verwahrte sich gegen die Aufnahme derselben in den Bertrag. Zwar suchte die Firma dieselbe dem Verbände schmackhaft zu »rächen, indem sie meinte:„Es ist ein alter Grundsatz, daß der jenige, der gewillt ist, einen Vertrag getreulich zu halten, eine Konventionalstrafe nicht zu fürchten nötig hat." Sie bestritt auch die Möglichkeit einer Schädigung des Verbandes durch ihre Beamten. Aber sie entzog sich doch für alle Fälle zunächst einer sofortigen rechtskräftigen Einsprache, indem sie durch die Wahl der Summe von 101 M. das Gewerbegericht vertraglich zur Ohn macht verurteilen wollte. Als der Verband einen solchen Vertrag ablehnte, legten Jandorf u. Co. denselben ihren Leuten einzeln vor. Wer nicht unterschrieb, wurde zur Disposition ge st eilt. Und gleichzeitig versandte die Firma durch Rohrpost an alle Leute, die sich in ihre Listen wegen Arbeit eintragen ließen, Karten ungefähr des Inhalts: „Falls Sie auf Einstellung bei unserer Firma reflektieren, wollen Sie sich gefl. sofort bei unserer Inspektion melden." Der Transportarbeiter-Verband machte sofort alle Hausdiener. Schaffner, Portiers, Fahrstuhlführer, Motor- und Radfahrer Berlins durch Handzettel auf die Sachlage aufmerksam und berief zu gestern abend auch eine Versammlung der Angestellten des Warenhauses nach den Jndustrie-Festsälen ei». ES ist gar kein Zweifel, daß die Firma den Konflikt in wohl- berechneter Weise vom Zaune gebrochen hat. Einmal glaubt sie wohl, das Oktober-Umzugsgcschäft so gut wie herein zu haben, das Weihnachtsgeschäft noch in weiter Ferne. Des anderen rechnet sie offenbar auch mit Streikbrechern aus den Reihen der jetzt entlassenen Reservisten. ES liegt an der Berliner Arbeiterschaft, dieses schlaue Kialkül zuschanden zu machen I * D i e zahlreich besuchte Versammlung beschloß einstimmig und mit großer Begeisterung, die Arbeit sofort nieder- zulegen. Heut(Sonnabend) früh beginnt also der Streik als Ant- wort auf die brutale Entlassung von 164 Hausdienern und Packern. Seitens der im Metallarbciterverbande organisierten Chauffeure, sowie der Maschinisten und Heizer ist volle Solidarität zugesagt worden._ Der Bergarbeitcrstrcik in der Niederlaufitz. Senftenberg, 4. Oktober.(Eig. Ber.) Von dem heran« gelotsten Gesindel waren welche auf Grube„Volldampf" bei Drebkau geworben worden. Dort haben sie nach den Berichten der Ein- wohner wie die Vandalen gehaust. Die als Kaserne dienende Bude wurde arg mitgenommen, in der Werkskantine Geschirre und und Gläser zerbrochen. Tische und Stühle demoliert, alles verwüstet. Im Laufe des gestrigen Tages zogen sie ab. Es zirkuliert das unglaubliche Gerücht, die Kasse der Stadt Senftenberg habe die Be- trüge für die Abschiebung der Arbeitswilligen ausgelegt, allerdings, um die Rechnung später den Werken uizustellen. Abends wurde es wieder unruhig Auf dem Markte sah man gegen 7 Uhr, wie eine Herde ftmder ms der schmalen Mühlenstraße kamen. Ein städtischer Schutzmann.vollte sie zur Ruhe verweisen: sie liefen weg und lachten ihn aus! Auf dem Sims eines Schau- fensters der ain Markt beginnenden Bahnhofftraße sitzen 4 Kinder von 3 bis vielleicht 10 Jahren. Ein Polizeisergeant fordert sie ener- gischen Tones zum«Weitergehen" auf und fragt sie. ob sie nicht— die Bekanntmachung im„Senftenberger Anzeiger" gelesen hättest! Später kamen Leute mit Kind und Kegel nach der Stadt. Sie hatten so viel bunte Uniformen und„Reiter" noch nicht gesehen und freuten sich auf den„Rummel". Das militärische Schauspiel begann dann auch wieder, Attacken wurden geritten, gepfiffen, gejohlt, ver- folgt und verhaftet. Es fehlte aber der rechte innere Zusammenhang, das Warum und Wie? Wäre die Polizei am dritten Tage, wo keinerlei äußere Veranlassung zum„Einschreiten" mehr vorlag, zu Hause geblieben, iväre sie unsichtbar gewesen, die Neugierigen und radaulustigen Kinder und jungen Burschen wären enttäuscht abgezogen. Es ist eine unbedingte Notwendigkeit im Interesse deS Friedens unter der Bevölkerung, daß sofort die überflüssige Polizei zurückgezogen wird! Trotz des klaren Tatbestandes über den Ueberfall auf Direktor Junghann wagt es die ebenso feige als verlogene und durchaus arbeiterfeindliche Lokalpresse doch, den arbeitsscheuen Burschen den Streikenden an die Nockschöße zuhängen. Nach derDarstellung dieser Presse soll der Mann nachmittags 3 Uhr aus der Calauer Chaussee durch Streikende und Streikposten, welche durch einen Agitator auf ihn gehetzt lvorden seien, mit Messern übel zu- gerichtet worden sein. In Wahrheit sind die„Streikenden" Arbeitswillige gewesen, die auf der Landstraße herum- lungerten und von dem Direktor ihre Papiere haben wollten! Für 3 Uhr nachmittags waren durch das ganze Revier Streikversamm- lungen(siehe gestriger Bericht) angesetzt. Sämtliche Streikenden haben daran teilgenommen. Es ist demnach an sich schon eine direkte Unmöglichkeit, daß auch nur ein Streiken- der mit der Sache irgendwie inBerbindung ge- bracht werden darf. Sine gerichtliche Aufklärung ist dringend notwendig. Eine Bekanntmachung veS Rates von Senftenberg mahnt zur Ruhe, Läden und Wirtschaften, wo Schnaps geschänkt wird, haben um 8 Uhr zu schließe», öffentliche Lustbarkeiten und Tanzvergnügen sind bis auf weiteres untersagt. Die bis jetzt stattgefundencn, vor dem Amtsgericht für heute anberauniten Räumungsklagen endeten mit Vertagung bis Dienstag. Anscheinend rechnen die Unternehmer bis dahin mit einer Aenderung der Situatton. Deutlehes Reich. Lohnbewegungen in der Metallindustrie. In der neuesten Nummer der„Mctallarbeiter-Zeitung" wird eine Uebersicht der Lohnbewegungen veröffentlicht, die der Deutsche Me ta l l a r b e iter- V e r b and in der ersten Hälfte des Jahres 1907 durchgeführt hat. Die Zusammenstellung beweist wieder einmal die längst bekannte Tatsache, daß nur eine einheitliche große Organisation in der Lage ist, die Interessen ihrer Mitglieder zu fördern und die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu heben und zu festigen. Wir lassen die Zahlen rede». Der Deutsche Metall- arbetter-Verband hat im ersten Halbjahr dieses Jahres 524 Be- wegungen durchgeführt, von denen 3172 Betriebe mit 167 588 be- schäfliglen Arbeitern erfaßt lvorden sind. An den Bewegungen direkt beteiligt waren nicht weniger als 81 086 Personen, wovon 55 631 oder 68 Prozent im Deutschen Metallarbeiter-Verband organisiert waren. Der größere Teil der Belvegungen wurde auf friedlichem Wege erledigt, bei einem ziemlichen Prozentsatz gaben die Arbeiter jedoch ihren Forderungen durch einen Streik Nachdruck, während andererseits durch eine Reihe von Streiks Verschlechterungen im Arbeitsverhältnis, Lohnabzüge usw. abgewehrt werden mußten. Die Art und Zahl der Bewegungen sowie die Zahl der Beteiligten zeigt nachstehende Tabelle: Art der lewegungen Aiigriffstreiks.... Abwehrstreiks.... Aussperrungen... Angriffbeweg, ohne Arbeitseinstellung Abwehrbeweg. ohne Arbeitseinstellung Zusanunen Zahl der Bewe- guugcn 85 67 19 328 25 524 Bc- triebe 656 77 139 2275 25 3172 beschäft. Arbeiter 14 217 24 404 25107 93 464 10 896 ä3c, I Organisierten tcilialen�D.M.-stn ander. tcH'atEn jArbiVbd.j Organis. 8 883 6 882 16 275 46 630 2 396 6196 5 862 10 789 31 250 1534 167 588| 81 086| 5516 31 1189 558 2112 4289 390 8538 Wir müssen uns versagen, die Ursachen der Bewegungen sowie die Erfolge, die bei den verschiedenen Belvegungen erzielt worden sind, des näheren aufzuführen. Der G e s a m t e r f o l g der Pe- wegungen, soweit er ziffernmäßig zum Ausdruck gebracht werden kann, ist folgender: 22 626 Arbeiter erzielten eine Arbeitszeitverkürzung von 3,1 Wochenstunden, zusanimen 71277 Stunden pro Woche. 36 885 Arbeiter erhielten Lohnerhöhungen in durchschnittlicher Höhe von 1,50 M. pro Woche. Der wöchentliche Gesamtbetrag der Lohn- erhöhungen beträgt 55 344 M. Für 12 099 Arbeiter wurde ein Tarif- vertrag abgeschlossen oder erneuert. Für 14 318 Arbeiter wurde eine Regelung der Akkordarbeit erzielt. Für 2608 Arbeiter wurde die Beseisigung von Mißständen erreicht. 29 275 Arbeiter erhielten Pro- zente für Ueberstundcn und für 24 261 Arbeiter wurden sonstige Vorteile erzielt. Bei den Abwehrbewegungen wurde für 1598 Arbeiter eine Arbeitszeitverlängerung von durchschnittlich 3,4 Wochenstunden und eine Lohnverkiirzung für 756 Arbeiter von durchschnittlich 2,40 M. pro Woche abgewehrt. Insgesamt ivurdc eine Arbeitszeit- Verlängerung von 5475 Stunden und eine Lohnsiirzung von 1890 Mark pro Woche abgewehrt. Außerdem für 39 Arbeiter Maß- regelung, für 45 Arbeiter die nicht beliebte Akkordarbeit, für 952 Arbeiter schlechte Behandlung und für 1864 Arbeiter sonstige Ver- 'chlechterungeu. Die Erfolge fallen noch mehr ins Gewicht, lvcnn man beachtet, daß die erzielten Arbeitszeitverkürzungen, Lohnerhöhungen usw. von dem Tage des Jntrafttretens dauernd ihre Wirkung ausüben, während die Verschlechterungen sofort in Wegfall kommen. Auf ein Jahr berechnet ergibt sich für die Beteiligten eine Arbeitszeitverkürzung von 3 421 296 Stunden und eine Lohnerhöhung von 2 656 512 M. Hierzrk kommen die sonstigen Errungenschaften. Demgegenüber fallen die Kosten der Bewegungen nicht besonders ins Gewicht. Sie betrugen 1 034 384 M., von ivelchcr Summe 330 372 M. bei den Aussperrungen ausgegeben werden mußten, so daß für die Bewegungen nur 704 012 M. in Anrechnung gebracht lverden dürfen. Der Verlust an Arbeitsverdienst der Streikenden berechnet sich auf 1 206 459 M., das ist gleichfalls nicht einmal die Hälfte der Summe, die in einenr Jahre an Lohnerhöhung be- zahlt wird. Auf dem Gebiet des Tarifwesens sind gleichsfalls im ersten Halbjahr 1907 erfreuliche Fortschritte erzielt worden. Neu abgeschlossen wurden 66 Tarife, die 402 Betriebe mit 10 167 Arbeitern umfasse». Erneuert wurden 15 Tarife mit Gültigkeit für 546 Betriebe und 1932 Arbeiter. Die meisten(39) der neu abgeschlossenen Tarife ent- fallen auf dicjMaschinenindustrie, während die rein handwerksmäßigen Betriebe etwas in den Hintergrund treten. Alles in allem können die Metallarbeiter auf ihre Erfolge stolz sein, dies um so mehr, da die Widerstände, gegen die sie zu kämpfen hatten, sehr groß gewesen sind. Der Streik der Klempner und Installateure in Magdeburg ist nach einer Dauer von nahezu 23 Wochen beendet worden und zwar durch einen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern anerkannten Schiedsspruch des Einigungsamtes des Gewerbe- g e r i ch t s. Der Haupterfolg dsr Streikenden besteht darin, daß es zu dem Abschluß eines Tarifvertrages kam, dessen Kontrahenten der Arbeitgebcrverband und der Metallarbeiter- verband sind. Der Arbeitgeberverband sowohl als die Klempner- innung hatten von vornherein nicht nur die Forderungen der Streikenden, sondern jede Verhandlung überhaupt abgelehnt. Mit der Klempnerinnung, die an den Verhandlungen vor dem' Gewerbegericht nicht teilnahm, ist vereinbart worden, daß zum Frühjahr ein die Arbeiter befriedigender Vertrag abgeschlossen wird. Die m dem seinerzeit von den Gehülfen den Arbeitgebern unterbreiteten Tarifentwurs enthaltenen Forderungen sind zwar nicht in vollem Maße anerkannt worden, jedoch wurde eine Erhöhung der Löhne und vor allen Dingen eine Regelung der Arbeitszeit, die täglich höchstens 9'/z Stunden betragen darf, erreicht. Die Streikenden haben während des langen hartnäckigen Kampfes trotz der emsigen Versuche der Polizei, ihnen den Kampf nach Möglichkeit zu erschweren, eine ausgezeichnete Solidarität bekundet. Unter nahezu 300 Beteiligten fanden sich nur fünf Abtrünnige, die arbeits- willig wurden. Die EmaillierwcrkSarbeitcr zu Düsseldorf befinden sich in einer Lohnbewegung. Bei der Firma H i b y haben etwa 100 Mann, Klempner, Emaillearbeiter, Maler und Planierer, die Kündigung ein- gereicht. Der Zuzug ist bis auf weiteres streng fern zu halten. Die Ortsverwaltung des Deutschen MetallarbeiterverbandeS. HusUnd. 1350 Metallarbeiter ausgesperrt wurden plötzlich in Zürich am Dienstag nachmittag in der Maschinenfabrik Akt.-Ges. vorm. Escher. Wyß«. Sie., die in der Hauptsache der elektrotechnischen Gesellschaft vorm. Lahmeicr in Frankfurt a. M. gehört. Die Ursache zu der spontanen Aussperrung ist folgende: Seit zirka einem halben Jahre streiken in Zürich die Spenglergehülfen, die bis jetzt auch nur zum kleinsten Teile durch Streikbrecher ersetzt werden konnten. Die genannte Fabrik läßt einen Neubau erstellen, auf dem nun einige Streikbrecher erschienen, um die Spenglerarbeiten auszuführen. Die Metallarbeiter der Fabrik verlangten nun von der Fabrikkommission, daß sie bei der Direktion vorstellig werden und die Entfernung der Streikbrecher verlangen solle. Die Direktion lehnte aber ab, sie auch nur zu empfangen. Hierauf begaben sich einige Arbeiter auf den Bau, um durch gütliches Zureden die Arbeiter zum Verlassen zu bewegen, wa§ auch Erfolg hatte. Inzwischen waren auch andere Arbeiter aus der Fabrik hinausgegangen, was die Direktion ver- anlaßte, den Betrieb einzustellen und die Arbeiter auszusperren. Die„Herren im Hause" und Scharfmacher beabsichtigen offenbar eine„Machtprobe". Klus cler frauenbeivegunos. Liebe Emilie! Ich wollte Dir schon längst einmal schreiben, aber Du weißk ja. wie das so geht, bald hat man keine Zeit und bald keine Lust. Aber heute Hab ich mir fest vorgenommen. Dir mitzuteilen, wie es uns geht. Daß der Vater krank war, Hab ich Dir ja schon früher mitgeteilt. Jetzt geht es wieder etwas besser. Aber nun fängt die Mutter an zu husten und die Augen wollen auch nicht mehr. Wir haben schon Lieferungen zurückbekommen, weil sie nicht gut sieht wird auch die Arbeit nicht mehr so sauber wie ftüher. Der Meister hat gesagt, wenn es so weiter geht, bekommen wir überhaupt keine Arbeit mehr. Du kannst Dir denken, 40 Jahre arbeitet der Vater schon für die Leute und nun gleich so grob. Nun weint Mutter den ganzen Tag, davon werden die Augen noch schlechter. Der Vater ist ärgerlich und schimpft. Ich hab's nicht mehr mit ansehen können und Hab ich für die paar Groschen nicht mehr zu Hause arbeiten wollen. Vater und Mutter verdienen pro Woche zusammen kaum noch 9 Mark. Die beiden Kleinen bringen es noch nach der Schulzeit auf 3 Mark, das ist sehr viel von den Kindern. Sie arbeiten manche Nacht bis 11 oder 12 Uhr. Ich gehe schon die achte Woche in die Blechfabrik. Da bekomme ich 9 Mark die Woche. Das ist doch besser wie daheim. Aber dreckig ist die Arbeit und gefährlich. Die Gärtncrlisbeth, Du kennst sie wohl noch, die große, blonde, hat sick vorige Wocke 3 Finger ganz abgestanzt, sie stand neben mir. Ihre Mutter ist darüber ganz krank geworden. Dort geht's nun auch schlecht, 5 kleine Kinder und der alte Mann. Die Kinder arbeiten ja wohl tüchtig mit, aber es reicht doch nicht. Vorgestern haben die Sozialdemokraten hier eine Versammlung abgehalten. In allen Fabriken ist es den Leuten verboten worden, dahin zu gehen. Aber ich bin mit dem Vater doch da gewesen und viele andere auch. Manche hatten sich ja gefürchtet, aber der Saal war doch knüppeldick voll. Eine fremde Frau hat geredet. Der Martelsepp aus der Steingasse ist zu uns gekommen und hat auf den Vater eingeredet, er solle mitkommen in die Ver- sammlung, da werde er mal was hören. Du weißt ja, daß der Martelsepp zu den Sozialdemokraten gehört. Da hat die Mutter geweint und den Vater abhalten wollen, weil sie Angst hat, er bekommt keine Arbeit mehr. Aber er ist doch hingegangen und ich mit. Wir waren ja noch nie in einer Versammlung. Aber wie die Frau gesprochen hat, war alles ganz still. Was sie gesagt hat, stimmt ganz genau. Sie kennt unsere Löhne und Verhältnisse fo gut wie wir. Die hat uns unser Elend vor- gehalten, hat gesagt, daß wir für die Herren schaffen müssen für einen Hungerlohn, damit die reich werden. Du hättest mal sehen sollen, wie die Frauen alle geweint haben. Auch der Vater und ich haben geweint. Als die Rednerin fertig war, hat die Frau eines hiesigen Sozialdemokraten uns aufgefordert, jetzt sollen wir mal ruhig reden, wir brauchten uns nicht zu genieren. Erst wollte aber niemand recht heraus. Da hat sich der Vater nicht mehr halten können und hat sich mitten in den Saal gestellt und hat von der Leber weg gesprochen, daß ich mich gewundert Hab. Und alle haben sie gerufen, hast recht Christian, so ist es! Dann hat auch die alte Anncli gesprochen und gesagt, wie es ihr gegangen ist und auch ihrer Tochter. Du weißt doch, daß sie ein kleines Mädel hat von ihrem Chef und daß er jetzt nichts zahlen will, nun mutz sie noch Prozessen. Auch ein Werkführer, der Weber von Gründels, den wirst Du auch kennen, der schon ein paarmal Mädchen geschlagen hat» und schon bestraft worden ist deshalb, der wollte für die Fabrikanten eintreten. Dem haben sie aber heim« geleuchtet. Auch der Pastor und der Kaplan waren da. Die haben gesagt, alles was die fremde Frau gesagt habe, wär nicht wahr. Sie tät bloß in der Welt rumreisen und die Leute aufhetzen und ihnen das Geld aus den Taschen schwindeln. Die Fabritanten müßten auch arbeiten und hätten obendrein noch Sorgen. Die armen Leute sollten dankbar sein für die Arbeit und sollten mehr beten und nicht alles vertrinken. Hättest bloß mal dabei sein sollen, wie sie die beiden rausgebracht haben. Der Vater hat ausgespuckt vor ihnen und hat gesagt, sie sollten sich schämen noch mal sich in der Kirche sehen zu lassen. Ich habe immer solche Ehrfurcht vor den Pfarrern gehabt, aber jetzt ist es vorbei. Nachher hat die Frau noch mal gesprochen und hat gesagt, daß die Pfarrer meistens auf der Seite der Reichen stehen. Dann hat sie gesagt, wir wollen einen Verein gründen und zusammenhalten. Uebcrall wären schon solche Vereine. Wir waren natürlich gleich dabei. Die Dörtel ist Vorsitzende geworden, da hat sie ihr Chef gleich gestern hinausgeworfen. Wo sie hingekommen ist, kriegt sie keine Arbeit mehr. Da hat sie jetzt mit ihrer Schwester das Bügeln angefangen, nun bleibt sie Vorsitzende erst recht. Die Herren sind wütend, auch auf uns, aber es sind fast alle im Verein und alle können sie nicht rausschmeitzen. Jetzt will ich aber schließen, ich bin todmüde und mutz morgen wieder schwer schaffen. Wir grüßen Dich alle herzlich und wünschen Dir Gesundheit. Schreibe auch mal bald! _ Dein« Luise. eingegangene Druckfcbriften. „PlutuS". Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und (Herausgeber: G. Bernhard.) 40. Hest. Vierteljährlich vom Verlag: Berlin-Charlottenburg, Goethcstr. 69. Finanzwesen ö erlag 4 M. Letzte IVadmchtcn und Vepelcken. Wieder die Zeugniszwangsfolter. Straßdurg i. E., 4. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Redakteur Genosse Schneider von der„Freien Presse" wurde heute wegen Zeugnisvrrwrigernng in Zeugniszwangshaft genommen. Eisenbahnunglück. Königsberg i. Pr., 4. Oktober.(B. H.) In Szillen, auf der Strecke Tilsit— Jnsterburg, fuhr ein Güterzug infolge falscher Weichcnstellung in leere Wagen hinein. Bei der Entgleisung wurde ein Bahnwärter getötet, einem Bahnarbeiter wurde ein Arm ausgerissen. Der Materialschaden ist bedeutend. Mordversuch und Selbstmord. Augsburg» 4. Oktober.(B. H.) In der drei Stunden von hier entfernten Ortschaft Aichen gab der Taglöhner Georg Danner auf seine Geliebte Druckner, weil sie das Verhältnis lösen wollte, zwei Revolverschüsse ab und verletzte sie schwer. Darauf tötete er sich selbst durch einen Schuß in die Brust. Explosion auf einem Torpedoboot. Brüssel» 4. Oktober.(B. H.) Bei Vilvorde fand gestern abend eine Explosion auf einem Torpedoboot statt» dessen Mannschaft be- auftragt war, zwecks Erweiterung des Kanals von Villebroeck eine alte Brücke und Nebenbauten niederzulegen. Die Ursachen der Explosion sind noch nicht ermittelt. Ein Soldat wurde getötet, sechs Soldaten und ein Offizier verwundet. Lerantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlaaSanstakt«aulSingerLeCo., Berlin L>V. Hierzu 3 Beilagen u. NnterhaltungSblat» Nr. 233. 24. Jahrgang. 1. ßeilM Ks LmSrts" Kerlim WMM Zomxbmd, 5. Moder IM. I'srteitsg der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich. (Tetegraphischer Bericht.) 5. Berhandlungstag. Wien. 4. Okwber. Die heutige Vormittagssitzung war ausschließlich der Beratung und Erledigung des neuen Parteistatuts gewidmet. Die zur Vorberatung des Organisationsstatuts vom Parteitag eingesetzte Kommission hat den Entwurf der Reichsparteivertretung nach langer Beratung und nach Vornahme einiger Aenderungen gut- geheißen. Im ersten Absatz des Organisationsstatuts, der von der Parteiangehörigkeit handelt, ist in erster Linie die Bestimmung des alten Statuts aufrecht erhalten, daß es Pflicht der Parteiangehörigen ist, vor allem ihrer Berussorgani- sation anzugehören; die Mitglieder der Berufsorganisation hin- gegen werden verpflichtet, sich der politischen Organisation der Partei anzuschließen. Der zweite Abschnitt, der von der Gliederung der Partei- organisation handelt, hat zur Grundlage der Organisation überall den sozialdemokratischen Verein gemacht.— Es wird ein Monats- beitrug von mindestens 2l) Heller vorgeschrieben, außerdem Reichs- Parteibeitrag von 2 Heller pro Monat, der direkt an die Reichs- Parteivertretung abzuführen ist. Die sozialdemokratischen Vereine werden fernerhin verpflichtet, mindestens 10 Proz. ihrer Ein- nahmen an die Reichsparteivertretung abzuführen. Reu sind die Bestimmungen über die Frauenorganifation. Sie lauten: „An allen Orten, wo dies irgendwie möglich ist, sind im Einvernehmen mit der Lokalorganisation weibliche Vertrauens- Personen zu wählen, denen die Organisation des weiblichen Proletariats obliegt. Die Adressen dieser Vertrauenspersonen sind nicht nur dem Parteisekretariat, sondern auch dem Frauen- reichskomitee mitzuteilen, welches sie mit Rat und Tat zu unter- stützen hat." Auch über die Jugendorganisationen sind besondere Bestim- mungen getroffen: „Die Landesorganisationen sind verpflichtet, nach Kräften dafür zu sorgen, daß die Jugend der Arbeiterklasse im Geiste des Sozialismus erzogen und mit Klassenbewußtsein erfüllt werde. Ueberall, wo es die Verhältnisse zulassen, sollen zu diesem Zweck eigene Jugendorganisationen gegründet werden." Neu sind ferner die Bestimmungen über die Parteipresse. Sie lauten: „Die Parteipresse wird nur dann ein gutes und wirk- sames Agitations- und Kampfmittel sein und ihrer wichtigsten Aufgabe, die Arbeiter aufzuklären und zum Klassenbewußtsein zu erziehen, entsprechen können, wenn streng darauf geachtet wird, daß fremde, nicht parteigenössische Einflüsse ferngehalten werden, und wenn ebenso verhindert wird, daß sie Gegenstand der Privatspekulation werden. Gründungen von Parteiblättern können nur mit Zustim- mung der Kreis- und Landcsorganisationen erfolgen. In jenen Ländern, die keine Landcsorganisation besitzen, tritt an Stelle der Landes- die Reichsparteivertretung." Der Parteitag stimmte dem neuen Organisationsstatut ein- hellig zu. Hierauf wandte sich die Verhandlung dem letzten Punkte der Tagesordnung, der Frage der Lebensmittelteuerung zu. Referent Dr. Karpeles führte aus: Als wir vor drei Jahren uns in Salzburg mit der Lebens- Mittelteuerung beschäftigten, da war sie entstanden durch Preis- treibereien an der Börse. Heute ist die Situation viel ernster. Heute erleben wir nicht nur bei fast allen Lebensmitteln, sondern bei nahezu allen Waren eine so starke Preissteigerung, daß von einer direkten Entwertung des Geldes in Oesterreich ge- sprachen werden kann. Die AuSwucherung der Konsumenten und der Arbeiter durch die Preissteigerungen ist einfach unerträglich geworden.(Sehr wahr!) Die Arbeiter werden dadurch aller Erfolge wieder beraubt, die sie in den wirtschaftlichen Kämpfen der letzten Jahre erzielt haben. Vor drei Jahren waren die Agrarier ebenso beutelustig und rücksichtslos wie heute. Es müssen also jetzt ganz besondere Gründe dafür vorhanden sein, daß die Agrarier den Beutegelüsten ungehindert nachgehen können, die sie früher in s o hohem Maße und s o dauernd nicht befriedigen konnten. Andererseits wiesen die Jahre ISDS und 1906 eine geradezu glänzende Ernte auf. Das Jahr 1906 hatte die ergiebigste Ernte, die Oesterreich jemals gehabt hat, und dieser glänzende Ernteausfall trifft zusammen mit einer Hochkonjunktur der Industrie, wie sie Oestereich seit vielen Jahren nicht hatte. Die Weltkonjunktur ist günstig wie nie zuvor. Zum ersten Male nimmt Oesterreich daran teil. Die Industrie und Land- Wirtschaft haben in den letzten zwei Jahren Profite gemacht, die die höchsten Erwartungen übertroffen haben. Es ist bezeichnend, daß die Prager Eisenindustriegesellschaft jetzt 46 Proz. Dividende de- klarieren konnte. Ueberall übertrifft die Nachfrage das Angebot. Die österreichischen Fabriken haben den Auftrag zur Lieferung von Textilmaschinen nach England erhalten.(Hört! hört!) Dagegen mutz die österreichische Industrie englische Kohlen beziehen, weil es unmöglich ist, in Oesterreich überhaupt Kohlen zu erhalten! Dazu kommt die starke Volksvermehrung, die wir gehabt haben und die fortschreitende EntWickelung Oesterreichs vom Agrarstaat zum Industriestaat. Bei den Zollverträgen sind Agrarier und In- dustrielle einträchtig nebeneinander marschiert. Die Industriellen haben den Agrariern den Steigbügel gehalten. Alles hat zu- sammengewirkt, um die agrarischen und industriellen Produkte auf eine Preisbasis zu stellen, die geradezu unerhört ist. Nun hat diese günstige Konjunktur die Agrarier und Industriellen nicht un- vorbereitet getroffen. Die Industrie hat Kartelle aller Art ge- schaffen. Die Organisation von Industrie und Landwirtschaft ist so gut wie vollendet. Diese Organisationsbestrebungen werden von uns noch viel zu wenig beachtet und gewürdigt. Heute ist die österreichische Landwirtschaft bis auf die letzte Bauernhütte organi- siert. Bis zum letzten Dorfe hat man auf diesem Wege Kenntnis von den Vorgängen auf dem Weltmarkte erhalten, die größer ist als die Kenntnis der industriellen Arbeiterschaft über diese Dinge. Dazu kommt die EntWickelung des landwirtschaftlichen Genossen- schaftswesens. Wir haben jetzt schon 6000 landwirtschaftliche Ge- nosienschasten, die den Umsatz regulieren und eine wirksame Or- ganisation zur Verteuerung der Produkte bilden. Zu einer Zeit, wo die Industrie unter einer außerordentlichen Geldknappheit leidet, so daß erste Firmen ihr Geld hoch verzinsen müssen, können die landwirtschaftlichen Genossenschaften sich mit Hülfe der Raiff- eisenschen Kassen Betriebsmittel verschaffen, die sie nur mit 4 Proz. zu verzinsen haben! Ich kann nicht alle die Hunderte von Artikeln anführen, die teurer geworden sind. Ich führe nur an, daß z. B. vor einem Jahre der Zentner Mehl 24 Kronen kostete, während er heute 34 Kronen kostet.(Hört! hört!) Die Folge war, daß die Wiener Bäcker den Laib Brot jetzt rund ein Psund leichter liefern als früher. Die Milchpreise sind im Frühjahr dieses Jahres erhöht worden, der Spirituspreis ist von 32 Kronen auf 49 Kronen ge- stiegen. Die Fleischpreise sind sämtlich erhöht worden. Ueber die Grenze kommt kein Stück fremdes Vieh mehr nach Oesterreich. Der Leiter der landwirtschaftlichen Zentralstelle hat offen erklärt, daß sie die Viehpreise zu diktieren beabsichtigten, und diese Zentral- stelle erhält vom Staate 21 000 Kronen jährlich Subvention! Der Landwirtschaftsminister steht vollständig unter ihrer Fuchtel. Auf dem Gebiete der I n d u st r i e haben besonders die Kohlen- und Eisenherren eine unerhörte Preißsteigerung erzielt, Die Wirksamkeit des Eisenkartclls drückt sich darin aus, daß es die heimische Industrie mit rund 100 Millionen jährlich besteuert. Die Regierung, die berufen sein sollte, Konsumenten und Industrie zu schützen, paktiert mit den Agrariern, mit einer Handvoll feudaler Großgrundbesitzer. Im Handelsministerium wird nicht eine In- deistriepolitik geführt, sondern eine Politik, die die einzelnen In- vnstriellen auf Kosten der Gesamtheit bereichert.(Lebhafte Zu- stimmung.) Dazu tritt die Unterstützung der Agrarier durch die Gemeinden. Besonders Wien geht da allen voran. Der Bankerott der kommunalen Grotzschlächterei, der kommunalen Brauerei, der Bankerott der Anstalt, die die Stadt Wien mit Koks versorgen sollte, ist nicht so sehr auf Unfähigkeit, als vielmehr auf den bösen Willen der Christlich-Sozialen zurückzuführen, die die Interessen der Konsumenten den Interessen der Großgrund- besitzer verräterisch ausliefern.(Lebhafter Beifall.) Die Wiener Stadtverwaltung hat es verstanden, das Jnslebentreten unserer genossenschaftlichen Parteibäckerei um ein Jahr zu verzögern. Schließlich wirkt auch der Zwischenhandel verteuernd, ob die Preise der Produktion niedrig oder hoch sind. Auf dem Wege vom Produzenten zum Konsumenten wird durch den Zwischenhandel eine wesentliche Verteuerung der Lebensmittel be- wirkt. Nun wird behauptet, daß die Streiks der sozialdemokra- tischen Arbeiterschaft die Preiserhöhung bewirkt hätten. Eine ganze Anzahl Streiks sind in der Tat hervorgerufen durch die Preissteigerung der notwendigsten Lebensmittel. Eine Reihe von Kämpfen sind ja auch erfolgreich durchgeführt worden. Die Arbeiter haben einen bescheidenen, ja einen viel z u bescheidenen Anteil an dem Profit erlangt, der der Industrie zugefallen ist. Aber die Lohnerhöhung hat niemals in einem gerechten Verhältnis gestanden zu der Preiserhöhung seitens der Produzenten. Wenn es richtig wäre, daß die Warenpreise dort erhöht sind, wo die Ar- beitslöhne erhöht werden, müßte England die höchsten Warenpreise haben. Das gerade Gegenteil ist aber der Fall. Ja, man kann sogar sagen, je höher die Lohnsätze sind, desto billiger sind die Erzeugungskosten.(Lebhafte Zustimmung.) Industrie und Land- Wirtschaft sind ja darauf angewiesen, daß die Arbeiterklasse einen auskömmlichen Lohn hat und daß ihre Bedürfnisse steigen. Gegenüber dieser Situation hat der heutige Parteitag zu er- klären, daß das österreichische Proletariat gegen die Lebensmittel- Verteuerung energisch Front machen muß. Durch unsere Beschlüsse und Resolutionen werden allerdings weder der Zolltarif, noch die Handelsverträge, noch irgend eine Preiserhöhung sofort aus der Welt geschafft werden. Wir haben in der Tat kein anderes Mittel, als der Organisation der Produzenten die Organisation der Kon- sumenten gegenüberzustellen. Gegenüber der Tatsache, daß die Produzenten sich zusammenschließen und durch den Zusammenschluß die Preise erhöhen, können wir nichts anderes tun, als diesen die starke Macht der organisierten Konsumenten gegenüber stellen. Wir werden schärfer als bisher den Kampf gegen die Agrarier führen müssen. Wir müssen, so schwierig es auch ist, einmal den Bauern begreiflich machen, daß es keine Solidarität der agrarischen Interessen gibt, und daß der Bauer keinen größeren Feind hat als den Großgrundbesitzer.(Lebhafte Zustimmung.) Würde die Preiserhöhung der Bauernschaft nützen, so ließe sich ja darüber reden, aher sie dient ja nur dem Nutzen einiger Hunderl Großgrundbesitzer. Unsere gewerkschaftlichen Organisationen werden immer stärker. Allerdings zeigen sich schon Zeichen, daß die Hochkonjunktur abflaut. Dann wird sich eine schwierige Situation für die organi- sierten Arbeiter ergeben. Die Industrie wird sich an den Arbeiter- löhnen schadlos halten wollen. Wehe dann der Arbeitergruppe, die die Zeit zur Organisation verabsäumt hat!(Lebhaste Zustimmung.) Ich will nicht von der erzieherischen Bedeutung, von der politischen Bedeutung der Konsumvereine sprechen, aber es steht fest, daß der kleinste Konsumverein schon prcisregulierend wirkt. Dann müssen wir daran gehen, die lokalen Organisationen der Konsumvereine mehr als bisher zusammenzufassen zu einer Großeinkaufsgenossen- schaft, nicht um den Zwischenhandel zu treffen, sondern um direkt auf die Preisbildung einzuwirken. Noch ist die Großeinkaufs- gesellschaft in Oesterreich eine Zwergorganisation, doch was könnte sie leisten, wenn sie sich stützen könnte auf tausend gutgeleitete Konsumvereine! Die Konsumvereine allein haben fteilich auch noch nicht die Möglichkeit, den gesamten Konsum der Arbeiterklasse durch ihre Tätigkeit zu konzentrieren. Erst wenn wir den ge- waltigen Schritt zur Eigenproduktion gemacht haben, wird die Genossenschaftsbewegung die Wurzel des kapitalistischen Systems treffen. Von heute auf morgen läßt sich allerdings kein Erfolg erzielen. Aber nur durch die gleichzeitige Anwendung der poli- tischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisation können wir die Lebensmittelteuerung wirksam bekämpfen und so unserem letzten Ziele bedeutend näher kommen.(Lebhafter Beifall.) Der Referent schlägt folgende Resolution vor: „Die fortgesetzte Erhöhung der Preise fast sämtlicher Lebens- mittel- und Bedarfsartikel ist das Ergebnis der fortschreitenden Organisation des agrarischen und industriellen Kapitals. Unser Zoll- und Steuersystem, das ausschließlich im Dienste des Groß- grundbesitzes und der Großindustrie steht, hat die Bahn für die Schaffung dieser Organisation freigemacht, und die Regierung ist stets bereit, die Kapitalisten bei der schamlosen Ausbeutung der Konsumenten zu unterstützen. Indem der Parteitag diese Tatsachen feststellt, weist er zu- gleich die Behauptung zurück, daß die in den letzten Jahren geführten erfolgreichen Lohnkämpfe der industriellen Arheiter- schaft eine Erhöhung der Preise der Jndustrieprodukte notwendig gemacht hätten oder rechtfertigen könnten. Die Arbeiterschaft mutz die systematischen Angriffe auf ihre Lebenshaltung mit der größten Entschiedenheit zurückweisen und insbesondere den Kampf gegen das Agariertum, das die indu- strielle EntWickelung Oesterreichs bedroht, mit noch größerer Wucht als bisher führen. Aber auch der Kampf gegen die kartellierten Kohlen- und Eisenmagnaten, die nicht nur durch Verteuerung der Hausbrandkohle die Lebenshaltung der industriellen Arbeiter- schaft verschlechtern, sondern auch durch die Verteuerung der wichtigsten industriellen Roh- und Hülfsstoffe die Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte in Oesterreich hemmen» muß mit aller Energie geführt werden. Der Parteitag fordert darum zunächst die Verstaatlichung des Kohlenbergbaus und die Aufhebung der nur den Interessen des Eisenkartells dienenden Eisenzölle. Die Abwehr der Lcbcnsmittelteuerung kann nur in dem Mäße von Erfolg begleitet werden, in dem es gelingt, der Organisation der Produzenten eine starke Organisation der Konsumenten gegenüberzustellen und den wucherischen Zwischen- Handel zu beseitigen. Der Parteitag macht es deshalb allen Genossen zur Pflicht, überall dort, wo Konsumvereine bestehen, diesen beizutreten und ihre Pflichten als Mitglieder zu erfüllen, und'dprt, wo Konsum- vereine.nicht bestehen, die politische und gewerkschaftliche Organi- sation aber eine entsprechende Stärke erreicht hat, im Einver- ständnis mit diesen Organisationen Konsumvereine zu gründen. Der Parteitag erklärt, daß die Konsumvereine ihre Aufgabe nur dann erfüllen können, wenn sie im Geiste der modernen Arbeiterbewegung geleitet werden und ihre lokalen Interessen dem Interesse der Gesamtheit unterordnen. Der Parteitag empfiehlt endlich den Konsumvereinen und der Großeinkaufsgescllschaft, der EntWickelung der landwirtschaft- lichen Genossenschaften besondere Aufmerksamkeit zu schenken und den direkten Geschäftsverkehr mit diesen nach Möglichkeit zu pflegen." Hierauf wird das Resultat der Wahl in die Parteivertretungen verkündet. Die Wahlen sind fast durchgängig e i n st i m m i g erfolgt und haben folgendes Resultat ergeben.: In den Partei» v o r st a n d sind gewählt: Dr. Adler, Beer, Ellenbogen, Höger, Perncr st orfer, Adelheid Popp, Reumann, Skaret, Tomschick. In die Kontrollkommission sind gewählt: Schräm» m e l und Schuhmeier(Wien), Schäfer und Seliger (Böhmen), R e s e l(Steiermark), Dr. C e ch(Mähren), E l d c r s ch und Spielmann(Oberösterreich), E i ch(Kärnten), Preußler für Salzburg, Vorarlberg und Tirol. Es wird dann die Diskussion zu dem Referat über den Lebensmittelwucher eröffnet. Kruska-Wien weist auf die Notwendigkeit der Zentralisation der Konsumvereine hin und fordert für die Angestellten der Kon- sumvereine, daß sie anständig entlohnt und behandelt werden und eine anständige Arbeitszeit haben. Peter Silka- Wien wünscht, daß die Fraktion besonder? energisch gegen die Agrarier auftreten und den Lebensmittelwucher mit aller Macht bekämpfen möge. Insbesondere solle sie die Forde- rung nach der Freigabe der Grenzen zur Einfuhr billigen Fleisches erheben. Richter- Bergstadt wünscht, daß der Fraktionsverband für einen Dringlichkeitsantrag auf Aufhebung der Vieh- und Getreide- zölle eintreten möge. Gietel beantragt, in dem Passus über die Konsumvereine hinter den Worten:„eine entsprechende Stärke erreicht hat" ein- zuschieben:„und die sonstigen ökonomischen Bedingungen den sicheren Bestand der konsumgenossenschaftlichen Organisation ge- währleisten." Weiter werden in der Diskussion verschiedene Anregungen für den sozialdemokratischen Abgeordnetenverband gegeben. So wird verlangt, daß er zu geeigneter Zeit eine Aktion einleiten möge, durch welche die periodische Aufhebung der Getreide- einfuhrzölle und ein Ausfuhrverbot für Getreide, Korn und Weizenmehl erzielt werde. Eine weitere Anregung geht dahin, daß eine besondere Broschüre für die Kleinbauern gc- schrieben werden möge, in der hervorgehoben werden soll, daß die Interessen der Arbeiterschaft sich in den meisten Fällen mit denen der kleinbäuerlichen Bevölkerung decken, und daß die Kleinbauern von der Realisierung der Forderungen der Agrarier so gut wie keinen Nutzen haben, in vielen Fällen sogar geschädigt werden. Diese Broschüre soll von den Parteigenossen gratis unter den Klein- dauern verbreitet werden. Es sollte hier hervorgehoben werden, daß nicht die Streiks und die höheren Löhne der industriellen Ar- beiter an der Teuerung schuld sind. In seinem Schlußwort nimmt Dr. Karpeles die Anträge auf Erweiterung und Veränderung seiner Resolution auf und bittet, die übrigen Anregungen der Fraktion bezw. der Parteileitung zur Erwägung zu überweisen. Die Resolution Karpeles wird mit den kleinen Aenderungen einstimmig angenommen. Es wird beschlossen, den nächsten Parteitag in R e i ch e n b e r g in Böhmen abzuhalten. Damit sind die Arbeiten des Parteitags erledigt. Nach den Dankreden an das Präsidium und die Ottakringer Genossen läßt Genosse Pernerstorfer in seinem Schlußwort die arbeits- reiche Tagung noch einmal kurz Revue passieren. Er erklärt unter lebhaftem Beifall, daß Oesterreichs Arbeiterschaft sich mit ihrem ersten Siege nicht zufrieden geben, sondern nun erst das allgemeine Wahlrecht für die Landtage und die Kommunen zu erkämpfen suchen wird. Begeistert erheben sich die Delegierten zum Schluß und singen das Lied der Arbeit._ Hub IncUiftm und ftandel. 847 M. Reingewinn pro Arbeiter. Die Aktionäre des Gußstahlwerks Witten müssen sich für daS verflossene Geschäftsjahr wiederum mit einer Dividende von nur 20 Proz. begnügen. Sie erfreuen sich dazu aber der Genugtuung, daß sie für später noch etwas auf die hohe Kante liegen haben. Der letztjährige Ueberschuß stieg auf 2211 �79 M. gegen 2060203 M. im Vorjahre. Der ausgewiesene Reingewinn beträgt 1 541 247 M., oder gegen das Vorjahr 311 571 M. mehr. An Tantiemen werden verteilt 168 817 M-, pro Aussichtsrat rund 21000 M. und pro Kopf der beschäftigten Arbeiter zirka 90 M.! Das Aktienkapital der Ge- sellschast betrug seit Oktober 1899 4 Millionen Mark, im Oktober 1906 wurde es auf 5 Millionen Mark erhöht. Die diesjährige Dividende erfordert demnach 200 000 M. mehr als die vorjährige. Ueber Löhne und Gewinne der letzten drei Jahre machen wir diese Auf- stellung: Qrtflv-. r Jahres- Dividenden beschäftigten Durchschnitts- in Summa£5° 3.6.1... P-°,. m Ä. 1904/05... 1609 1171 13 520 000 323 1905/06... 1701 1242 20 800 000 470 1906/07... 1820? 20 1 000 000 54? Für das letzte Jahr liegen uns Angaben über Löhne und Arbeiterzahl noch nicht vor. Die für 1906/07 eingestellte Arbeiter« zahl beruht auf Schätzung. Im letzten Jahre stellt sich die pro Arbeiter herausgewirtschaftete Dividendensumme auf rund 550 M. oder auf über 40 Proz. der Lohnsumme. Aber in den Dividenden steckt nur ein Teil des wirtschaftlichen Mehrwertes. Dieser ist noch größer, als der Reingewinn, dieser aber ist schon ziemlich hoch. Es beträgt der 1905/06 1906/07 Mark Mark Reingewinn pro Ardeiter...... 723 847 Bei solchen Gewinnraten jammern die Unternehmer über soziale Lasten und die Begehrlichkeit der Arbeiter. Deutscher Kaiser. Die Gewerkschaft„Deutscher Kaiser", dem Herrn Thyssen ge» hörend, umfaßt eine der bedeutendsten Kohlengruben Deutschlands und dazu das leisttmgSfähigste Stahlwerk. Die Größe und LeistungS- fähigkeit der Anlagen lassen folgende Zahlen erkennen, die auch gleichzeitig die Steigerung der Leistung von 1905 aus 1906 illustrieren. Es betrug: Kohlengrube 1905 1906 die Belegschaft(Mann)....... 7 139 8 957 die Steinkohlenförderung in Mill. Tonnen 1,95 2,42 die Kokserzeugung in Tonnen.... 496 522 760 518 Hüttenwerk die Belegschaft(Mann)....... 7 542 7 828 die Rohcisenproduktion in Tonnen... 524 479 588 075 die Rohstahlerzeugung in Tonnen... 644 434 715 631 die Walzwerksproduktion in Tonnen.. 505 101 617 541 Pro Kopf der Arbeiter wurden gewonnen: Bergbau: 1905 1906 Kohlen.... 273 270 Tonnen Koks.... 69,5«4.9„ Hüttenwerk: Roheisen... 69,5 73,9„ Rohstahl... 85,4 91,4„ Walzprodutte.. 66,9 78,8„ Bei der Kohlenförderung ging die Leistung pro Kopf um ein Geringes zurück, dagegen zeigt die Kokserzeugung eine rapide Zunahme. Das Stahlwerk erbrachte in allen Abteilungen eine erhöhte Kopfquote. Da wird der Herr Thyssen die vielbeklagten Lohn« erhöhungen sehr drückend empfunden haben. Masscnknnvigttngen bei Kmpp. Unter der Spitzmarke„A r beitsmangelb ei Krupp" Meldet die„K. Volks-Ztg.": Man schreibt uns folgendes aus Düsseldorf, 2. Oktober 1907: Wie uns soeben aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat die A,-G. Friedr, Krupp in Essen beschlossen, demnächst etwa 3000 Ar heiter, die vorzugsweise in der Kanonenherstellung tätig find, wegen Ausbleibens einer erwarteten Lieferung zu entlaffen. Weiter wird dem Blatte gedrahtet: Bereits sind 800 Arbeitern gekündigt worden, davon 600 in der Lafettenwerkstätte. Es befinden sich darunter Leute, die zehn bis achtzehn Jahre bei Krupp beschäftigt waren. Auch in der Zündcrwerkpätte stehen Entlassungen bevor. Als Grund wird das Ausbleiben griechischer Lieferungen angesehen, die Frankreich er- halten hat._ Soziaice* Die deutschuationalen Handlungszehülfen für dl« Konkurrenzklausel. Wiederholt haben wir dargelegt, datz die Antisemiten im Reichs tage es verschuldet haben, datz ein Verbot der Konkurrenzklausel noch nicht erlassen ist. Sie waren es. die bei der Gelegenheit, wo ein völliges Verbot der Konkurrenzklausel durchzusetzen war sbei der Beratung über das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) gegen das Verbot stimmten. Antisemiten und deutschnationale HandlungSgehülfen haben trotzdem m Versammlungen, die auf Fang Dummer für die Deutschnationalen berechnet waren, sich als eifrigste Bekämpfer der Konkurrenzklausel hingestellt. Datz bedauerlicherweise Deutschnationale Befürworter der Konkurrenzklausel find, also eine Moral mit doppeltem Boden befolgen, ergibt die Stellung Deutschnationaler im Stratzburger KaufmannSgericht. Von dem KaufmannSgericht und von der Handels« kammer zu Stratzburg hatte das elfaß-lothringische Ministe rium Gutachten über eine Aendecung deS Z 74 des Handelsgesetz buches(sogen. Konkurrenzklausel) eingefordert. In der Sitzung vonr 16. September lehnte nun das Kaufmanns« g e r i ch t ein auf Verbot der Konkurrenzklausel abzielendes Gut achten ab und gab sein Votum dahin ab: datz die Konkurrenzklausel nur zulässig sein soll bei Gehülfen mit einem jährlichen Gehalte von 6000 M. und darüber, datz die Strafe nicht mehr als die Hälfte des JahreSgehalteS betragen solle, und datz sich die Klausel höchstens auf ein Jahr nach dem Austritt aus dem Geschäfte erstreckt und daß die Prinzipale einen event. Schaden, der durch Bruch der Klausel entsteht, nicht nachzuweisen brauchen. Wie kam solches Gutachten zustande? In der Einleitung zur Abstimmung bemerkte der Vorsitzende des Gerichts, das Ministerium sei sich zweifellos bewutzt, daß die Handelsange st eilten die Beseitigung der Klausel erstreben. Wenn aber trotzdem ein Gutachten verlangt wird, so könne man dem Ministe- rium doch nicht vor den Kopf stotzen durch ein Gut- achten, das die Streichung der Konkurrenzklausel verlangt; er schlage deshalb einen Kompromitz vor, den heute bestehenden§ 74 des H.-G.-B. nur in der vorgeschlagenen Form abzuändern. Die Kaufmannsgerichtsmitglieder des Zentralverbandes der HandlungSgehülfen und -Gehülst irnenDeutschlands verlangten ein auf völlige Beseitigung d er Ko n kurrenz klausel abzielendes Gutachten. Dieser Antrag müsse mit Nachdruck wiederholt werden, bevor über ihn eine Abstimmung überhaupt zugelassen würde. An ihr beteiligten sich 24 Gehülfen und 19 Prinzipale(eS fehlten 4 Gehülfen und 9 Prinzipale). Das Ergebnis war: ES stimmten für die völligeAbschaffung derKonkurenz« klausel 17 Gehülfen, dagegen 7 Gehülfen(1) und die 19 Prinzipale. Von den Gehülfen, die dagegen stimmten, waren 3 unorgani- siert, die anderen Mitglieder deS Deutschnativnalen Handlnngs- gehülfenverbaudcS. Dicft HandlungSgehülfen haben es also ver» schuldet, datz das Gutachten sich nicht für die völlige Abschaffung der Konkurrenzklausel ausspricht. Die Stratzburger Handelskammer will von einem Verbot der Konkurrenzklausel gleichfalls nichts wissen. Sie wünscht die Klausel für alle Angestellte mit einem Gehalt über 2000 M. bei- behalten wissen, der Betrag soll ein Jahreseinkommen nicht übersteigen, der Chef soll einen Schaden nicht nachzuweisen haben. Antisemiten und Freisinnige gehen also Arm in Arm mit dem Ersuchen um gesetzlichen Terrorismus gegen Arbeits- willige. Denn etwas anderes bedeutet die Sklavenklausel nicht, die dem Arbeiter— bei unverschämt wucherisch hoher Strafe— verbietet, seine Arbeitskrast nach Beendigung der Stellung nach bester Möglichkeit zu verwerten._ Die traurige soziale Lage der Ansichtskartenverkäufer wurde durch eine Verhandlung illustriert, die gestern vor der fünften Kammer des KaufmannSgerichts stattfand. Der Postkarten verkauf in den Nachtcafäs, Weinstuben, Restaurants, Bars usw. liegt meist in den Händen von Unternehmern, die häufig 20—30 junge Leute in die verschiedensten Stadtgegenden zum Verkauf der Ansichts karten schicken. Einer dieser Unternehmer ist der Händler F. Müller. R a u p a ch st r. 8, gegen welchen der Verkäufer Hermann R. auf Rückzahlung der geleisteten Kaution von 15 Mark klagbar wurde. N. wurde vom Beklagten auf acht Tage zur Probe engagiert. Von dem Erlös der verkauften Karten sollte er eine minimale Provision erhalten. Vier Tage lang war N. angestrengt tätig, sein ganzer Verdien st betrug aber während dieser Zeit 85 Pfennige. Da er sich für diesen Betrag nicht satt essen konnte, so bat er am fünften Tage seinem Chef, er möchte ihn von seiner Tätigkeit entbinden und ihm seine Kaution zurückzahlen. Der Beklagte lehnte diese Bitte jedoch rundweg ab, nicht eine Stunde wollte er ihm von den acht Tagen erlassen. Der Kläger erklärte sich darauf auch bereit, den nächsten Tag auf die Tour zu gehen, der Chef möge ihm von der Kaution wenigstens 50 Pf. geben, damit er sich etwas zu essen kaufen könne, auch das wurde abgelehnt. Als Grund der Einbehaltung der Kaution gab der Beklagte in der Verhandlung an, er hätte durch die Einstellung der Tätigkeit seitens des Klägers einen Schaden in mindestens gleicher Höhe ge habt, war aber auf Vorhalt deS Borsitzenden nicht in der Lage, den Schaden irgendwie zu fubstanziieren. Das Kauf mannsgericht verurteilte ihn zur Herauszahlung der ein« behaltenen 15 Mark. Der Beklagte zeigte sich über das Urteil der Kaufmannsrichter tief entrüstet. Zum Kampf für die Feuerbestattung. Die Hagener Polizeiverwaltung untersagte durch Polizei Verfügung die Benutzung deS von dem Verein für Feuerbestattung zu Hagen i. W. erbauten Krematoriums, da dadurch„die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung" gestört werden könnte. Hiergegen klagte der Verein beim Bezirksausschutz zu Arnsberg. Dieser gab der Klage statt und hob die Polizeiverfügung als gesetzwidrig auf. In den Gründen wird ausgeführt, datz eine Gefahr für das Publikum in der Anlage eines Krematoriums nicht zu erblicken sei, auch sei es nicht Aufgabe der Polizei, darüber zu wachen, datz die Menschen in ihren religiösen Gefühlen gestört werden könnten. Diese dem Gesetz entsprechende verständige Entscheidung wird voraussichtlich vom Oberverwaltungsgericht bestätigt werden, zumal die Frage, ob die Kirchhofsverwoltungen verpflichtet sind, die Reste der eingeäscherten Leichen aufzunehmen, vom Reichsgericht vor kurzem bejahend beantwortet ist._ Die interessierten Hausbesitzer. Der Stadt Altdamm in Pommern gehört ein 6000 Morgen _:r Wald. Die Stadt hat aber nicht allein das Nutzungsrecht. eben ihrem Nutzungsrecht besteht noch ein solches einer Reihe grundbesitzender Bürger. Ungefähr die Hälfte der Stadtverord- neten Altdamms gehören zu den katastrierten Forstberechtigten. Die Stadtkämmerei hat das Recht, aus der Stadtforst ihr Be- dürfnis an Bau-, Nutz- und Brennholz für den städtischen Haus- halt zu entnehmen. Und nächst der Stadt haben auch die lata- strierten Hausbesitzer ein Recht auf Entnahme von Bau-, Repa- raturholz usw.— Die Stadtverordnetenversammlung hatte nun beschlossen, datz das zum Bau eines städtischen Schlachthauses er» forderliche Holz nicht in Natura aus der Stadtforst zu entnehmen fei, und datz auch nicht sein Wert aus der Forstkasse der Stadt zu erstatten fe,. Bei der Beschlutzfassung wirkten mit dir frrftberech- tigten Stadtverordneten. Der Magistrat beanstandete den Boschlutz als gesetz- und rechts. widrig, namentlich wegen der Mitwirkung der forstberechtigten Stadtverordneten. Er berief sich auf die, auch in anderen Städte- Ordnungen enthaltene Bestimmung des Z 44 der Städteordnung für die sieben östlichen Provinzen Preuhens, wonach an VerHand» lungen über Rechte und Verpflichtungen der Stadtgemeinden der- jenige Teil nicht teilnehmen darf, dessen Interesse mit dem der Gemeinde im Widerspruch steht. Die Stadtverordnetenversammlung klagte gegen den Magistrat auf Aufhebung der Beanstandung. Der Bezirksausschuß zu Stettin wies jedoch die Klage ab und erklärte die Beanstandung des Beschlusses der Stadtverordneten für gerechtfertigt. Das Ober-Berwaltungsgericht in Berlin bestätigte am Dien?« tag dies Urteil. In der Begründung heitzt es: Der Beschlutz habe als gesetzwidrig beanstandet werden können. Er sei gesetzwidrig schon deshalb, weil Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung teilgenommen hätten, deren Privatinteressen in Widerspruch standen mit dem Gemcindeinteresse, nämlich die Stadtverordneten, die zum Holzbezuge berechtigt seien. Sie hätten nach den matz- gebenden Bestimmungen das Recht, von dem Holze der Stadtforst zu beziehen, was zur Verfügung stehe, nachdem die Stadt ihr Be- dürfnis gedeckt habe. Ihr Interesse sei also dahin gegangen, datz die Stadt(Kämmerei) möglichst wenig beziehe. Sie durften des- halb nicht mitstimmen. Die Beanstandung des Beschlusses sei wegen des Mitwirkens der Betreffenden beim beanstandeten Be- schlusse gerechtfertigt._ Witterungsübersicht vom 4. Oktober 1907, Station«, L S -S £ 2 -? Swwembe Hamburg «er Im anfl.a.SR üiiihen Wien Sri Mi 757 D 75« SSO 757 SO 757 SO 758 NW 758 Still »«Uer • s c• » II c(0 l wolkig L halb bb. 1 bedeckt 4 wolkig 3 Regen halb bd. Stationen iE *1 Havaranda 765 Still Petersburg 772 SO Scilly tlberdeen Baris 760 NNW 7K0WSW 756 SSW «euer jwoMg wolkenl 4 wollig l heiter 1 bedeckt C s» t- 7 2 13 4 9 Wetter. Prognose kür Donnerstag, den 5, Oktober 1907. Mild und zeilweise heiter, vielfach nebelig chei schwachen südwesllichm Winden; keine erheblichen Niederschläge. ßrUfkaftcn der Redaktion. Die surifttsche Sprechstunde stndet Lindcnftraste Str. 9, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen,«WM- Fahrstuhl~3BQ! wochentägltch von?'/, bis 0'/, llhr abends statt. Eröffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde NM 6 Uhr. Jeder Slufrag- ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Slntwort wird»ich« erteilt. Eilige Fragen«rage man in der Sprechstunde dor. M. Z. 77. Ihnen gegenüber ist die Mutter, dieser gegenüber der Erzeuger zur Zahlung verpflichtet.— St. Z. 20. 1. Ja. 2. Nein. Legen Sie Beschwerde beim Gericht ein.— P. W. 100. Sic könnten mit Aus- ficht aus Erfolg Klage aus Aufhebung deS Mictsvertrages anstellen.— M. B. 1. 1. Stralau, Tunnclstr. 17. 2. So viel uns belannt, ja. 3. Nein. — Wniischert. Nein.— M. 38. Wenn nicht etwa der Wortlaut deS Vertrages entgegensteht, mutz das Geld zurückgezahlt werden.— G. 32. i». 1. Das Zurückbehaltungsrecht steht dem Wirte zu. 2. Nein. 3. Wenn der Vertrag dem nicht entgegensteht, ja. 4. Rex ist der lateinische Name sür König.— W. Hochstr. 40. Ihre Mutter kann den Versuch machen, eine Eingabe an die Kaiser-Wilhelm-Stiftung in Berlin zu richten.— W. St. Ja Der betreffende§ 23 der Einkommersteuergesetznovelle ist w Nr. 227 unter.Soziales' abgedruckt. — W. C. 71. t. Ja. 2. Etwa 3 Mark. 3. Nein.— O. 14. 1. Nach dem Gesetz ja. 2. Es können mehrere Monate vergehen. 3. Der gesamte Nachlatz ist zu regeln. 4. Gütliche Vereinbarung ist das einsachste.— A. M. 13. 1. Nein. 2. Ja.— M» B. 20. Eine Klage beim Gewerbe» gericht hätte Aussicht aus Erfolg.— W. L. In solcher Aufforderung könnte eine Erpressung erblickt werden. Eine Strafanzeige ist zulässig, aber unzwcckmätzig.— Hoffnung A. T. 42. Leider liegt eine Unsalloer- sicherungspflicht in Ihrem Falle nicht vor. ES würde nur der volle Lohn bis zur Beendigung deS Dienstverhältnisse« geltend gemacht werden können. N. M. Sie können ohne weiteres klagen.— P. O. Wenden Sie sich an irgend ein grötzeres Lotteriegeschäst. Dott sehen Sie die Listen ein. — P. N. 1. Portosreie Zahlung ist erforderlich. 2. Stach dem Wortlaut der üblichen Mielsverträge ist die Miete portofrei abzuschicken.— M. Ja. — Mar 13. 1. Es wird dann die Hälfte der evangelischen Kirchensteuer erhoben. 2. Die Veranlagung entspricht dem Gesetz.— E. L. 13. 1. Wenn Gesundhcitsgefährdung vorliegt, nein. 2. Ja. 3. New.— A. S.» Boffestr. 10. Sie mützlen event. öffentliche Zustellung beantragen.— W. S.. Sorauerstrasie. Nein.— G. W. 100. Sie mutzten schleunigst Berujung an das Amlsgcrichl einlegen. Suchen Sie die Hülse des Arbeiter- sekrelattats nach.— P. M. 74. Nein.— O. I. 100. Bestimmte Tapen zibt es nicht. Beantragen Sie schiedsgerichtliche Entscheidung. Zwcckmätzig st es, der Hülse des Arbeitersekretariats sich zu bedienen.— Otto W. Waren Sie bei der Bestellung grotzjährig, so würde oorauSsichllich eine Klage gegen Sie zu Ihren Ungunsten entschieden werden, weil der Beweis des Bc- truges kaum zu führen ist.— Bibliothek. Die Adresse ist uns nicht bekannt.— E. F. 999. Wenn die Behauptang der Kasse zutrifft, so sind Sie im Unrecht. — I. R. Keineswegs ist eine neue Wählerliste auszustellen, die Grund- lagen der alten find gültig, auch wenn während der Auslegung ein Wahl- berechtigter stirbt.— Grande. 1. Lohnbcfchlagnahme kann nur ans den 1500 M. übersteigenden Jahrcslohn gelegt werden. 2. Nach zutreffender Ansicht find Sie zur Zahlung nicht verpflichtet. 3. Legen Sie gegen den Lohnbeschlagnahmebeschlutz Beschwerde ein und betonen Sie, datz eS un- zulässig ist, den 125 M. übersteigenden MonatSlohn mit Beschlag zu be- egcn. ES darf nur der 1500 M. übersteigende JahrcSIohn mit Beschlag be- legt werden.— R. G. 34. 1. Dem Betreffenden steht das Recht nicht zu, Sie könnten aber nur aus Herausgabe klagen. 2. Da Sie eine schristiiche Abmachung überhaupt nicht getroffen haben, wird eine Schadenersatzklage autzerordentlich schwierig. Um Ihres Rechtes nicht völlig verlustig zu gehen, ist es dringend notwendig, datz Sie sich schleunigst mit einem Anwalt in Verbindung setzen, um wenigstens event. noch das Patent sür Sie zu reiten Jeder Arbeiter, jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lederhose Hcrliule« tragen. Allcin-Vcrkaus. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Stteisen, auch emjurbia. Am Bund aus einem Stuck gearbeitet. Sehr jeste Kappnähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Grotze Flicken umsonst.� � Die Herkules« Hose SV „Edisoj," Monteur- Jackett, echtblau Köper oder Drell 2 M. 65 Monteur- Hose.Edison'. echtblau Köper oder Drell 2 M. 25 Manchester-Hosen.. 10,50, 3 M. 75 Gesütt. Z1!ailchest..Jackett 19,—, 10,50 Maler-Kittel... 3.—. 2,50, 2 M. 25 Mechaniker-Kittel(braun)3,—, 2 M. 50 Weitze Lederhosen..... 4,50, 3 M. 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Oktober, abends S1/., Uhr, im Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58 M den 48. Wahlbezirk. Tages-Ordnnng für alle sieben Versammlungen:_ Sr Die bevorstehenden Wahlen zum„Jtoten Hanse". 3SI Referenten sind die Genossen: IlieoSor rineller, VheoSor Crlaeli«, IZetck» Zlarl Qleblinvcl»t, �'illrelin?t»iu»k«el», vr. Emtumel Wurm. Z« zahlreichem Besuch ladet ein 2öS/17 l»vr Vorstni,«. Arbeitsnachtueis: Hos I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: cksrltsrlrseo Z. Hos III. Amt Z, 1987. Montag, den 7. Oktober 1S07. abends 8'/, Uhr, im Lokal Urania, Wrangelstratze 10111: Bezirks-Versammlung für die Süden-Bezirke<5, 7, 8, 0, 10). Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Internationalen Metallarbeitcr-Kongreß. Reserent Kollege Loli«». 2. Diskufsion. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Ehrenpflicht aller Kollegen und Kolleginnen, in der Versammlung zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Bibliothek der Süden-Bezirke befindet sich im Neftaurant I NB. tzröhltch, Muskauerstraße 1, und Zonnadeod abends von 5—8 Uhr. ist geöffnet Montag, Mittwoch, Montag, 7. Ottober 1907, abends 7 Uhr. im Gewerkschaftshanse, Engel-User 15, Saal 4: Vers am ml uns aller in den MelMgießereien beschäftigten Former und Kerufsgelloffen Tagcs-Ordnung: 1. Vortrag über:„Arbeiterschaft, Schule und Kirche'. Referent: Ge- nosse A. Stürmer. 2. Diskussion. 3. Verbands« und Branchen« angelegenheiten.... 153/18 Kollegen I Wir ersuchen Sie, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. f Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß solaende neue Zahlstellen errichtet find: A. Radke, Neue Iakobstr. 1—3. O. Kimmel, Sebastian- straße 13. E. Lehinan», �chlesischeslraße 32. I. Wcrwitz, GrÄnauer- straße 3. F. Nitschke. Reichenbergerslraße 86. P. Hoffman», Oppelner» straße 47.(r. Gomoll, 1'ichtcnberg, Friedrlchstraße 60. H. Lindner, Box- Hägen, Grünbcrgerstraße 10. H.«rüger, Schöneberg. Sachsendamm 54. Ortwvcrwaltnwg. 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Oktober, im Gewerkschaftshanse, Engei-Ufer 15 statt. 143/16 Kollegen! Wir erwarten vollzähliges und pünktliches Erscheinen.— Agitiert für einen gute« Besuch dieser Bersammlunge». It«r Sektlonavorstand. F. A.; Otto Haese. Hausdiener, Packer, Portiers, Motor- u. Radfahrer, Mrstnhlführer, Serufshollegen, Arbeiter Berlins! Die Firma A. Jandorf& Co. sowie Kaufhaus des Westens ES wird deshalb über die Firma Aa Jandorf& COa sowie KCUUf KiaUS de» Westens die Sperre verhängt. Wir erwarten von allen Bern A. Judort& Co., Belle-Alliancettr. m BrunnenstraBe. skollegen, daß keiner in solgenden Betrieben Arbeit annimmt: A. Jandort& Co., Gr. Frankfurterstr. j A. Jandorf& Co., Spittelmarkt. „ Luckenwalderstr.| n Kottbuserdamm. Kaufhaus des Westens, Wittenbergplatz. Kein organisierter Arbeiter darf länger in den bezeichneten Betrieben, in denen Gewalt vor Recht ergeht, das Koalitionsrecht in Gefahr ist, verbleiben. 75/18 Hoch die Solidarität! Hoch das Klassenbewusttsein! Die Ortsvcrwaltung Berlin I. Adlcrstr. 5. Die OrtSvcrwnltung Charlottenburg. ArdeiterWungZBeliule Lerlin Lonaadelltl, den 12, Oktbr., abends 9 Uhr, Im Gewerksehaftehaaee, Engel-Ufer 15(Saal 1): SP General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstande» und der Revisoren. die Stawtenänderung. 3. Neuwahl de» Vorstandes und zweier 4. Schulangelegenhellen und Verschiedenes. ————— Mitgliedsbuch legitimiert. üng über cvtsoren. 4/S Der T erstand. tstlf W Zahlstelle Berlin. Montag, den 7. Oktober, abends 8 Uhr, i«„Uösltner Bot", klöslinerstr. 8: Z eüirks- Versammlung für Meäcimg unä Gesundbrunnen. TageS« Ordnung: 1. Vortrag d«S Kollegen Barl Beiehe über:»Die gewerbliche Sterblichkeit innerhalb unseres Berufest 2. Diskussion. zu 3. Wahl der Beitragsammler für die Zahlstelle 14 und für Reinickendorf. 4. VerbandSangelegenhellen. 95/11 Die Kollegen werden ersucht, pünktlich und zahlreich mit ihren Frauen erscheinen. E. Weiland, Bremerstr. 46. s Pichelswerder. s Sonntag, den 6. Oktober: Wurst- u.Wellflelseh-Essen. ES ladet ergebenst«in Der alte Frennd. Zentralverband h Töpfer Deutschlands Filiale Berlin. Die Kollegen haben sich in folgenden Streikkontrollstellen zwecks Kontrolle zu melde«: i. Gewerksckattskaiis, Engel-Ufer 15, Saal 11. Telephon-«mt 4, sgs?. 2. Bergemann, Gerichtstraße 74.«mt a», 4807. s. Selke, Wilmersdorf, Brandenburgischestraße 100. Amt WUmersdorf. 1027. 4. Schuster, Spandau, Wrömännerstraße 12.«m« Spandau. 767. b. Schellhase, Steglitz, Ahornstraße 15a.«mt Steglih, 405.* «• Flick, Rixdorf, Hermannstraße 170.«mt Rtxdorf,»90. 7. Schüler, Köpenick, Müggelheimerstraße 50.«mt»spenis, 35«. a Lange, Friedrichsberg, Gürtelstraße 40.«mt 7, iossi. 9. Hube, Kopenhagenerstraße 74.«mt 3.»47«. == Koutrollstunden von 0 bis 5 Uhr.=== Jeder Kollege ist verpflichtet, sich jeden Tag zur Kontrolle zu melden und zum Streikpostenstehen zur Verfügung zu stellen; im Weigerungsfälle kann das Streikgeld entzogen werden. Gleichzeitig muß er den Anordnungen der Kontrolleure nachkommen. Es kann jeder die Kontrollstelle besuchen, welche für ihn am günstigsten liegt, muß jedoch dieselbe immer besuchen. Achtung, Banhandwerker!= Tie Töpfer Berlins haben am Donnerstag, den 3. Oktober, den Generalstreik für Berlin und Vororte beschlossen. Jeder beim Arbeiten angetroffene Töpfer ist als Arbeitswilliger zn betrachten. LA/t» Zentralstreikbureau: GewerkschaftShauS, Amt 4, 9897. DlC StreiHeitlMg. Unsere erprobten und ewährten Spiritus-Glühlicht- Brenner nebst Ersatz- u. Zubeliör-Teilen zu unseren Listenpreisen eind erhältlich bei 242L* W. Karl Haupt, Tauenzienstr. 14. P. Raddatz 4 Co., G. m. b. H. Leipzigerstr. 122/123. Emil Riedef, Potsdamerstr. 52. R.&Th.Viareck, Potsdamerti. 85. NW. A. Ähren», Alt-Moabit 77. 0. P. Neuendorf, PriedrichBtr. 130. sw. 0. P. Neuendorf, Blüchers tr. 12. H. Schollwer, Yorkstr. 49. c. Erich Floeky Nachf., Münzstr. 2. Martin QOIzow dt Co., 8eydelstr.26. Haitz dt Linke, Landsbfrs-erstr.OS. Dr. Hermann Lux, Alte Schdnhauserstr. 30. N. Reinh. Becker, InvaUdenstr. 164. Franz Strauch, Brunnenstr. 64. 8. Hermann Arnhold, Alexaudrinenstr. 110. Richard Hoppach, Kommandantenstr. 60. H. Kabermann, Prinzenstr. 26. SO. Wilh. Krusemark, Oranienstr. 205. Charlottenburg. Emil Rumor, Spandauerstr. 15. Fritz Schroeder, Schlüterstr. 59, Friedenau-Wilmersdorf. t Schmidt& Co., Hauffstr. 6. E. Soltans, Kaiser-Alloe 172. Oroß-Lichterfelde. Robert Seliger, Sternatr. 23. Reinickendorf-Ost. W. Malchin, Residenzstr. 115/116. Zentrale für Spiritusverwertung " G. m. b. H. -------- Ausstellungs- und Verkaufslokal;------ Friedrichstr. 96 BERLIN NW 7. gegenüber dem Zentral-Hotel Möbel zu staunend billigen Preisen auch auf 187L* == Teilzahlung.= Riesenauswahl. HL Landau Oranienslraße 193. F (Weste((.bedeutendste Schuhwaren• Fabrik Deutschlands. welche ausschliessllch'eiaene Geschäfte unterhält'. Mehr als 100 e�ene"*n � Städten des Deutschen Reiches befindliche Geschäfte. Davon in Berlin und Umgegend: C., RoseotbalerstraDe U. 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In Berlin kann man allemal, wenn Stadtverordneten- Wahlen bevorstehen, immer wieder das amüsante Schauspiel erleben, datz der Freisinn in seiner Wahlagitation den Kommunal- Wählern vorerzählt, die Soziademokratie könne nichts weiter als kritisieren, nörgeln, verneinen. Die Sozialdemokratie sei, so schwindeln zungenfertige Wortführer des Stadtfreisinns, u n- brauchbar zur praktischen Mitarbeit in der Kommunälverwaltung Berlins; sie wolle auch gar nichts von praktischer Mitarbeit wissen, es komme ihr nur darauf an, auch in der Kommunälverwaltung lediglich zu agitieren, zu wühlen, zu Hetzen. Das Stichwort zum Beginn dieses freisinnigen Schwindelschwatzes ist diesmal an einer Stelle gefallen, wo man sich eigentlich mit anderen Dingen als mit Agitation zu den Stadtverordnetenwahlen Berlins zu beschäftigen hatte. Der „Verein für Sozialpolitik" verhandelte in seiner diesjährigen Tagung unter anderem über die Verfassungs- und Verwaltungs- organisatwn der Städte, und in der Diskussion über dieses Thema gab auch der freisinnige Reichstagsabgeordnete F i s ch b c ck seine Weisheit zum besten. Herr Jischbeck, der ja außerdem noch Stadt- rat von Berlin ist, schimpfte dort, im Norden Deutschlands habe man die Erfahrung gemacht, daß sehr wenig von prak- tischer Mitarbeit der Sozialdemokratie zu sehen sei. Der uns zugegangene Sitzungsbericht, dem wir diese Aeuße- rung entnehmen, gibt nicht an, ob Herr Fischbcck auch hinzugefügt hat, in welchen Städten Norddeutschlands solche Erfahrung ge- macht worden sei. Das ist schlimm für den Herrn Stadtrat. Da e r seine Erfahrungen wohl n»r in Berlin gesammelt haben könnte, so bringt der Bericht ihn in den Verdacht, daß jene Aeußerung auch in er st erLinie aufBerlin gemünzt war. Hier- nach wird vielleicht mancher zu der Ansicht gelangen, daß Herr Fischbeck, der Stadtrat von Berlin, vor dem„Verein für Sozial- Politik" bewußt die Unwahrheit gesagt habe, und daß sein Wort über die praktische Mitarbeit der Sozialdemokraten, von der angeblich so sehr wenig zu sehen sei, nicht nur das Stichwort für den Beginn des erwähnten Schwindelschwatzes freisinniger Wahlagitation war, sondern auch das Signal dazu sein sollte. Wir wagen nicht zu bezweifeln, daß Herr Fischbeck sich beeilen wird, zur Wiederherstellung des uneingeschränkten Glaubens an seine Wahrhaftigkeit alsbald öffentlich zu erklären, er wisse aus eigener Erfahrung sehr wohl, daß in Berlin die Sozial- demokratie erfolgreich in der Gemeindever- waltung mitarbeitet. Da es aber doch möglich ist, daß besagter Herr Fischbcck von seinem Stadtratsposten aus wirklich von der praktischen Mitarbeit der Sozialdemokratie wenig oder nichts bemerkt hat, so möchten wir ihn auf etliche Dinge stoßen, die unter den Kommunalwählcrn dritter Abteilung, auch unter den noch freisinnigen, längst allgemein bekannt sind. Weiß er nichts von den andauernden Bemühungen der sozialdemokratischen Stadtverordnctcnfraktion, unser Gemeindeschulwcsen möglichst von all' jenen äußeren Mängeln, der KlasscnüberMung usw., zu befreien, die der Schule die Arbeit erschweren und ihren Erfolg beeinträchtigen? Hat er niemals davon gehört, daß unsere Genossen im Stadtparlament einen langjährigen Kampf gegen freisinnigen Unverstand führen mußten, che ihre Anregung, der Schuljugend auch ein klein wenig ärztlicher Fürsorge zu gewähren und neben den Lehrer den Arzt zu stelle», auf fruchtbaren Boden fiel? Das sind Tatsachen, die, wie gesagt, auch im freisinnigen Bürgertum allgemein bekannt sind. Bekannt ist auch der Anteil, den die Sozialdemokratie an der Ausgestaltung des Gesund- hcits Wesens unserer Stadt gehabt hat. Und sollen wir erst daran erinnern, daß die Säuglingsfürsorgc, die wir in den letzten Jahren bekommen haben, den Anregungen sozialdcmokra- tischcr Stadtverordneten zu danken ist? Es ist noch nicht so sehr lange her, daß Oberbürgermeister Kirschner in der Stadtver- ordnctcnvcrsammlung erklärte, er habe von den Sozialdemokraten „sehr schätzenswerte Anregungen erfahren" und könne dafür„nur dankbar sein". Der Herr Oberbürgermeister redet zwar bald so, bald anders, wie gerade seine wechselnde Laune es ihm eingibt. Aber hier hat er einmal ehrlich anerkannt, wie die Dinge liegen. Er selber wird z. B. auch bestätigen können, wie sehr es dem Einfluß unserer Genossen zu danken ist, daß in der Behandlung der Fragen des Verkehrswesens jetzt im Rathause andere Anschauungen Geltung haben als früher. Abneigung gegen praktische Mitarbeit der Sozialdemo- kratie in der Gemeindeverwaltung sehen wir lediglich bei dem Stadtfreisinn. Solche Mitarbeit ist ihm unbequem, weil sie ihn zu einer Steigerung der Fürsorge nötigt, die der werk- tätigen Bevölkerung zugute kommt. Es wäre ein leichtes, hierfür noch mehr Beispiele anzuführen. Unbequem und lästig ist aber den Führern des Stadtfreisinns solche Mitarbeit auch des- halb, weil sie ihnen für die Stadtvcrordnctcnwahlen schlecht in ihren Kram paßt und ihnen die Agitation erschwert Die Wählerschaft dritter Abteilung hat allmählich weit bis in die Kreise des Bürgertums hinein begriffen, daß in Berlin der kommunalen Mißwirtschaft des Liberalismus nur dann mit immer wachsendem Erfolge entgegen- gearbeitet werden kann, wenn im Rathause der Einfluß der Sozialdemokratie immer mehr gestärkt wird. Gegen diese Einsicht ist machtlos aller Schwindel, zu dem der Stadtfreisinn in der Wahlagitation seine Zuflucht nimmt. Partei- Angelegenheiten. Au die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg. Die neue Lokalliste liegt der heutigen Nummer des„Vor- wärtS" bei und empfehlen wir dieselbe wiederum der Arbeiterschaft dringend zur Beachtung. Jeder Arbeiter muß sich stets vor Augen führen, daß für eine fruchtbringende AgitationS- und OrganisationS- arbeit der Besitz freier Lokale die erste Vorbedingung ist. Um in unserem Lokalkampfe immer mehr Erfolge zu erzielen, ist eS notwendig, den Lokalbohkott. unsere wirksam st e Waffe, überall mit aller Schärfe durchzuführen. Alle Veranstaltungen der Vereine sind stets daraufhin zu kontrollieren. ob dieselben in einem der Arbeiterschaft auch zu Versammlungen zur Verfügung stehenden Lokale stattfinden; gerade dies bitten wir ganz besonders zu beachten. Es gibt keine Ortschaft, die bei einer nennenswerten Arbeiterbevölkerung nicht auch eine ganze Anzahl der verschiedensten Vereine aufzuweisen hat. die sich wiederum in ihrer Mehrheit nawraemäß aus Arbeitern zusammensetzen. Hier gilt es, fortwährend agitatorisch auf diese Vereine dahingehend einzu- wirken, daß dieselben zu ihren Veranstaltungen nur freie Lokale benutzen, oder aber die Benutzung eines Lokales davon abhängig machen, daß der betreffende Wirt seine Räume auch zu politischen und gewerkschaftlichen Versammlungen hergibt. Alle Billetts zu Veranstaltungen in gesperrten Lokalen sind stets entschieden zurückzuweisen. An die Arbeitervereine der größeren Städte richten wir wiederum die Aufforderung, sich bei ihren Ausflügen und Partien streng nach der Lokalliste zu richten, um dadurch unsere Genossen in den Provinz- orten in ihrem äußerst schwierigen und opferreichen Lokalkampfe wirksam zu unterstützen. Jeder muß dessen eingedenk sein, daß der Kampf um die Erringung von Versammltings- räunren ein Kampf unr das Versammlungsrecht ist, wo uns Säle zu Versammlungen zur Ver- fügung stehen; dort können wir unser Versa mm» lungsrecht erst wirklich ausnützen. Deshalb: Beachtet die Lokalliste! Des weiteren ersuchen wir die Vorstände und Komitees, bei allen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, daß das notwendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis des Ver- bandeS deutscher GastwirtSgehülfen bezogen wird.(Ortsverwaltung Berlin. Gr. Hamburgerstr. 18'1S. Tel. Amt m 1813.) Außerdem ist es' im eigenen Interesse der Vereine selbst dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel an- gefügt wird, wonach für den Fall, daß daS betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommissionsmitglieder an den Obmann der Lokalkommission zu richten, soweit Lokale Berlins und der Kreise Nieder- Barnim, Teltow- BeeSkolv und Potsdam- Osthavelland in Frage konimen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des„Vorwärts"; dies bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aende- rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Konunissionsmitgliedern bezogen toerden. _ Die Lokalkommission. Schonebcrg. Genossen und Genossinnen! Am Sonntag, den b. Oktober, findet im 1., 2., 5., 6., 8. und 10. Bezirk eine Flugblattverteilung statt. Es ist notwendig, daß keiner zu Haus bleibt. Ein jeder muß sich an dieser wichtigen Arbeit bc- teiligen. Der Vorstand. Friedenau. Sonntag, früh 8 Uhr, Flugblattverbrcitung von den Bczirkslokalen aus. Die Parteigenossen werden ersucht, voll- zählig zu erscheinen. Zugleich weisen wir heute schon auf die öffentliche Parteivcrsammlung am Dienstag, den 8. Oktober, hin. (Bericht vom Parteitag.) Der Vorstand. Zehlcndorf. Am Sonntag früh, �8 Uhr, findet von dem Lokal Benno Mickley, Potsdamerstr. 2b aus eine Handzettclvcrteilung statt. Die Genossen werden ersucht, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Stralau. Sonntag, den 0. d. M., findet im zweiten Bezirk eine Flugblattverbrcitung statt. Die Genossen werden ersucht, niorgens 8 Uhr pünktlich und zahlreich beim Genossen Schmidt. Markgrafendamm 16, zu erscheinen; gleichfalls sind am Sonntag die Parteitagslisten abzurechnen. Den Genossen sei hiermit schon zur Kenntnis gebracht, daß Montag, den 14. Oktober, abends 8M> Uhr, in den Markgrafcnsälcn, Markgrafendamm 34, eine Volksversammlung stattfindet. Rcichstagsabgeordneter Genosse Arthur Stadthagen spricht über:„Das preußische Wahl- unrecht." Es ist Pflicht eines jeden Genossen, für guten Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Die Zahlabcnde finden am zweiten und dritten Mittwoch jeden Monats in den bekannten Lokalen statt. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Am Sonntag, den 6. d. M., findet eine„Vorwärts"-Agitation statt. Es ist Pflicht der Genossen, sich zu derselben früh 0 Uhr in den Bezirkslokalen einzufinden. Auch werden die Handzettel für die am Dienstag, den 8. d. M., bei Wernicke(Rennbahn) stattfindende Agitationsversammlung' mit- verbreitet. Der Vorstand. Französisch-Buchholz. Die ordentliche Mitgliederversammlung de« Wahlvereins findet Mittwoch, den 9. Oktober, abends b'/z Uhr. bei Kähne, Berlinerstr. 39, statt. Tagesordnung i 1. Bericht von der KrciSgcneralversammIung. 2. Diskussion. 3. VereinSangclcgen- heiten, Anträge. 4. Verschiedenes.— Pflicht jedes Parteigenossen ist eS, pünktlich zu erscheinen. Die örtlichen Verhältnisse erfordern eine eingehende Diskussion. Der Vorstand. berliner JSachrichten* Die Gewerbcdeputation des Magistrats beschäftigte sich in ihrer Sitzung am Mittwoch mit einem Gesuch des Deutschnationalen Handlungsgehülfenverbandes um Aufhebung bezw. Einschränkung der Ausnahmetage, an denen Handlungsgchülfcn länger als bis 9 Uhr abends beschäftigt werden dürfen. Nach§ 139c der Gewerbeordnung ist den in offenen Verkaufs- stellen und den dazu gehörenden Kontoren und Lagerräumen be- schäftigten Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 10 Stunden zu gewähren. Der§ 1396 der Gewerbe- ordnung läßt jedoch zu, daß an jährlich höchstens 30 Tagen, die von der Ortspolizeibehörde zu bestimmen sind, die lOstündige Ruhezeit verkürzt werden kann. Der§ 139e der Gewerbeordnung setzt fest, daß offene Ver- kaufsstellen um 9 Uhr abends geschlossen werden müssen; er enthält aber ferner die Bestimmung, daß an höchstens 40 von der Orts- Polizeibehörde zu bestimmenden Tagen der Ladenschluß erst um 10 Uhr abends zu erfolgen braucht. In Berlin hat das Polizeipräsidium die Zahl der Ausnahme- tage, an denen die angeführten Bestimmungen, Ruhezeit und Neunuhr-Ladenschluß betreffend, außer Kraft gesetzt werden dürfen, auf jährlich lö festgesetzt.— Die Gewerbcdeputation des Magistrats hat sich vor längerer Zeit dem Polizeipräsidium gegenüber gut- achtlich dahin geäußert, daß eS genügt, nur 10 Ausnahmetage jährlich zuzulassen. Dieselbe Forderung enthält auch die Eingabe des oben genannten Gehülfenverbandes. Bei der Beratung dieses Gesuchs in der Gewerbedeputation versuchten mehrere Mitglieder derselben, den früher gefaßten Be- schluß wieder aufzuheben. Besonders der Referent Stadtrat Gericke. und Stadtrat Dr. Weigert bemühten sich, die Ablehnung der Forderung der Gehülfcn herbeizuführen. Auch Stadtverordneter Berger suchte nachzuweisen, daß ein dringendes Bedürfnis vorliege, an den 15 Ausnahmetagen festzuhalten. Stadtrat Maatz ersuchte, den einmal gefaßten Beschluß, wonach die Gewcrbedeputation 10 Ausnahmetage für ausreichend halte, aufrecht zu erhalten.� Die Stadtverordneten Deutsch und Borgmann sowie Bürgerdcputierter Tutzauer empfahlen dringend die Eingabe der Gehülfen als eine berechtigte Forderung anzuerkennen. Die Deputation beschloß hierguf, ihren früheren Beschluß qufrecht zu erhalten und dem Polizeipräsidium die Zulassung von nur 10 Aus- nahmetagen im Jahre zu empfehlen. Der Vorstand der Schmiedeinnung fordert von dem Gesellen- ausschuß, daß dieser seine Sitzungen in dem Gesellenhause der Innung abhalte. Hiergegen hat der Gcsellcnausschuß bei der Ge- werbedcputation Beschwerde erhoben. Stadtverordneter Basner suchte nachzuweisen, daß die Besckiwerde berechtigt und die Forde- rung des Jnnungsvorstandes zurückzuweisen sei. Leider wurde jedoch die Beschwerde der Gesellen mit geringer Mehrheit ab- gewiesen. Die Direktion der Urania hat in den letzten Tagen an die In- habcr größerer Betriebe Zirkulare verschickt, in tvelchem die Arbeit- pcber auf die Vorträge und Ausstellungssäle des wissenschaftlichen Instituts aufmerksam gemacht werden, und in denen darauf Hlin- gewiesen wird, daß sie beabsichtige, Sondervorstellungen zu be- deutend ermäßigten Preisen für die Angestellten hiesiger größerer Betriebe und deren Angehörige einzuführen. Die Direktion be- merkt in ihrem Anschreiben:„Wir sind überzeugt, daß gerade unsere Darbietungen geeignet sind, auf weite Kreise einen günstigen Einfluß auszuüben und dieselben von minderwertigen Darbietungen und Vergnügungen fernzuhalten." In dem Zirkular ist dieser Satz in gesperrter Schrift enthalten. Die Direktion muß also da- mit eine bestimmte Absicht verfolgen. Läßt sich auch an sich nicht viel dagegen sagen, so berührt es doch. Arbeitgebern gegenüber aus. gesprochen, etwas eigentümlich. Eigentümlich muß es auch be- rühren, daß die Direktion sich der Vermittelung der Arbeitgeber bedient. Der Direktion ist es doch bekannt, daß gerade die Organi- sationen der Arbeiter es waren, die seit Begründung des Unter- nchmens diesem die lebhafteste Sympathie und Förderung an- gedeihen ließen. Will die Direktion ihre Darbietungen weiten Kreisen zugänglich machen, so braucht sie sich nur an die Arbeiter- organisationcn selbst zu wenden, wie sie das früher immer tat. Das jetzige Verfahren der Direktion dürfte nicht geeignet sein, die Sympathien für das wissenschaftliche Institut zu erhöhen. Ein neuer Streich gegen das Sclbstvcrwaltungsrccht der Stadt- gemeinde ist von der Regierung geführt worden. Seit dem Jahre 1734, also seit 174 Jahren, hatte der Magistrat das Recht, bei de: Regelung des Kehrbezirkswesens und der Wahl der Bczirks-Schorn- steinfcgcrmeister ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Durch eine Ministcrialverordnung ist ihm dieses Recht entzogen worden. Eine Eingabe des Magistrats gegen diese Verordnung wurde ablehnend bcschiedcn. Dieser neue Streich zeugt von der zärtlichen Fürsorge. welche die Regierung der„Selbstverwaltung" der Kommune zuteil werden läßt.— Wahrlich, man bietet ihnen viel, den Vätern unserer großen Stadt. Aber, sie werden auch diese Pille, wie schon so viele vordem, ruhig schlucken.— Maulhalten und zahlen, ist die erste Bürger- Pflicht! Der Acht-Nhr-Ladenschluß wird— das scheint nicht mcht zweifelhaft— von der großen Mehrheit der Geschäftsleute als notwendig, wünschenswert und durchführbar angesehen. Wenn auch ein kleines Häuflein von Interessenten jetzt alle Hebel in Bewegung setzt, um die Einführung des Achtuhr-Ladcnschlusses zu hinter- treiben, so hat die von dieser Seite betriebene Agitation doch keinen Erfolg. Einen sprechenden Beweis für diese Ansicht lieferte eine Versammlung von Ladcninhabern, welche die Vereinigung der Ladeninhabcr am Donnerstag zum Zweck der Propaganda gegen den Achtuhr-Ladcnschluß nach dem Jndustriesaal in der Beuthstraße berufen hatte. Daß es eine dringende Notwendigkeit ist, die Ge- schäftsinhabcr in ihrem eigenen Interesse zu einem früheren Ge- schäftsschluß zu veranlassen, das bewies die Versamnilung schon durch den Zeitpunkt ihres Anfanges. Mit Rücksicht auf den Neun- uhr-Ladenschluß war der Beginn der Versammlung auf(410 Uhr angesetzt, sie wurde aber erst um 10 Uhr eröffnet. Wenn es also bei dem Neunuhr-Ladenschluß bleibt, so sind die Geschäftsinhaber gezwungen, Ivichtige gemeinsame Angelegenheiten zur Nachtzeit zu besprechen. Schon das ist ein Grund, der für einen früheren Laden- schluß spricht. Im übrigen zeigte der Verlauf der Versammlung, daß sich in den Kreisen der Landeninhaber kaum noch jemand für die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes, der sie bis 9 Uhr ans Geschäftslokal fesselt, interessiert. Wenn es wahr wäre, daß auch nur ein nennenswerter Teil der Geschäftsleute sich durch einen früheren Ladenschluß geschädigt fühlt, dann hätte die Versamm- lung, die inmitten der lebhaftesten Geschäftsgegend tagte und zu der die Ladeninhabcr V....'ch Flugblätter eingeladen waren, über- füllt sein müssen. Doch es waren nur— wie man durch ober- flächliche Zählung leicht feststellen konnte— gegen 70 Personen erschienen. Der Referent brachte keine Gründe gegen den Achtuhr- Ladenschluß vor, sondern er eiferte nur gegen die vom Zentral- verband der Handlungsgchülfcn vorgenommene Abstimmung, die er als einen politischen Gewaltakt bezeichnete, der nicht maßgebend sei. Nur eine von Schutzleuten vorgenommene Abstimmung erkenne der deutsche Kaufmann als maßgebend an.— Nach längerem Drucksen und mehrfacher Aufforderung fanden sich auch einige Diskussions- redner, die ihr Einverständnis mit dem Referenten bekundeten. Eine Resolution gegen den Achtuhr-Ladcnschluß wurde angenommen. Aber nicht einstimmig. Etwa 10 Personen stimmten dagegen. So haben sich also in einer Gegend, wo die Ladeninhabcr auS der nächsten Nachbarschaft des Vcrsammlyngslokals ausreichen würden, um den Saal zu füllen, etwa 50, allcrhöchstcns 60 Per- sonen gefunden, die einem Protest gegen die Einführung des Acht- uhr-Ladenschlusscs zustimmten. Damit ist treffend bewiesen, daß die große Mehrheit der Geschäftsleute für den Achtuhr-Ladcn- schluß ist. Zur Rcvolverschieherci des Lehrers Liebig in der Rignerstrasie wird berichtet, daß der Lehrer L. angibt, in der Notwehr gehandelt zu haben. Anders lauten die Angaben der Gegenseite. Die Dar- siellung, die die Bedrohten und Verletzten gaben, weicht von den Aussagen des Lehrers Liebig, der in der Notwehr gehandelt haben will, erheblich ab. Liebig, ein Mann von 39 Jahren, besitzt die Häuser Rigaer- straße 32, in dem er selbst wohnt, und 26, in dem seine Mutter. eine Witwe, die Verwaltung führt. In diesem Hause wohnt seit dem 1. April der 54 Jahre alte Arbeiter Albert Becker mit seiner Frau und drei Kindern. Frau Becker besorgt die Hausreinigung. Ihre Kinder sind nicht sehr artig und gaben oft Veranlassung zu Streit zwischen ihr und der Hausvcrwalterin. Dieses Verhältnis führte dahin, daß Liebig am 18. d. M. seinen zwölfjährigen Sohn mit einem Kündigungsbrief zu Becker schickte. B. erkannte aber diese Kündigung nicht an, da ihm ein„Rechtsbureau" in der Proskauerstraße sagte, die Kündigung hätte durch eingeschriebenen Brief erfolgen müssen. Trotzdem suchte B. nach einer neuen Pförtner- oder Hausreinigerstelle. Daß er keine neue Stellung fand, legte er angeblich ungünstigen Auskünften der Witwe Liebig zur Last. Als vorgestern nachmittag um 5?L Uhr Beefer zur Arbeit ging und seine Frau bei dem Schneidermeister Thom im Laden war, drang Liebig mit Gewalt in die verschlossene Wohnung ein, indem er eine Fensterscheibe zertrümmerte und dann das Fenster aufriegelte. Als er dann begann, Tische und Stühle zum Fenster hinaus auf den Hof zu stellen, kamen Frau Becker und Frau Thom hinzu, schlössen auf und verlangten, daß Liebig hinausgehe. Statt dieser Aufforderung nachzukommen, soll Liebig die beiden Frauen nach deren Aussage geschlagen haben. Er blieb dann in der Woh- nung, bis um 8(4 Uhr Becker von der Arbeit erschien. B. ging mit seiner Frau hinein und nahm Thom und dessen Frau als Zeugen mit. Die vier bekunden, daß Liebig sie mit einem Revolver in der rechten und einem Wasserleitungsschlüsscl in der linken Hand emptangen habe.„Fasse mich keiner an." soll er gerufen habe«. »ich bin bewaffnet!' Aus Furcht jedoch, trotzdem angegriffen zu werden, habe er zweimal geschossen und auch mit dem Schlüssel ge schlagen. Ein Schuh traf Becker oberhalb der Stirn am Schädel und verletzte ihn so erheblich, daß er später nach dem Krankenhaus' gebracht werden muhte. Thom erhielt durch einen Schlag mit dem Schlüssel eine Wunde an der linken Seite der Schädeldecke. Frau Thom, die ihm von hinten die Waffe entreitzen wollte, bih Liebig in den rechten Arm, ohne sie erheblich zu verletzen. Der zweite Schuh streifte drei Schlafburschen aus dem Hause, die neugierig vor der Tür standen, ganz leicht an der Hand, am Ellenbogen und an der Hüfte. Ter Lehrer bestreitet, die Frauen geschlagen zu haben, und behauptet seinerseits, er sei später in der Wohnung überfallen worden. Das stellen die anderen Zeugen ebenso ent schieden in Abrede. Die diechtihnge Ausstellung empfehlenswerter Jugenbschriftcn verbunden mit einer Ausstellung an Wandschmuck für Schule und Haus, findet am Sonntag, den 8. bis Sonntag, den Ib. Dezember, im Gcwerkschaftshause statt. Tie städtische Fortbildungsschule für schwachbegabte Jünglinge und junge Ällädcheu erfreute sich während des Sommers eines sehr regen Besuchs. Nahezu LlX) Schüler und Schülerinnen wurden in t> Jünglings- und 6 Mädchenkursen unterrichtet und zwar im Deutschen, Rechnen, Zeichnen und in der Handarbeit. Die Schule widmet sich solchen jungen Leuten, die sich infolge einer eigentüm lichen Veranlagung oder infolge schwerer Erkrankung nur ein ge ringercs Matz an Schulkenntnissen und Fertigkeiten aneignen konnten, und die in den bestehenden Fortbildungsschulen nicht die notwendige Ausbildung erfahren können. Jede Klasse vereinigt nur eine kleine Anzahl von Schülern in sich, so datz sich die Lehr- kräfte jedem einzelnen Schüler und jeder einzelnen Schülerin ein gehend widmen können. Die Schule stellt es sich auch zur besonderen Aufgabe, die Schüler und Schülerinnen auf Wunsch in passenden Arbeitsgelegenheiten unterzubringen. Am 7. Oktober beginnt das Winterhalbjahr. Der Unterricht für Jünglinge findet Montags und Donnerstags, der für junge Mädchen Dienstags und Freitag! von b— 8 Uhr statt. Der Besuch der Fortbildungsschule ist un- entgeltlich. Anmeldungen nimmt der Leiter der Schule an den genannten Schultagen von o— 6 Uhr im Schulgcbäude, Brunnen strahe 186, 2. Hof, Ouergebäude(Nähe des Rosenthaler Tors), ent' gegen. Verlegung von 22 Linien der Straßenbahn. Die Strahenbahn ist wegen Strahen- und Kanalisationsarbeiten genötigt, an ver- schicdenen Stellen von Groh-Berlin eine Reihe von Linien vom nächsten Montag, den 7. Oktober, an, abzulenken, wenn es sich auch ermöglichen läßt, die Umleitung auf die Nachtstunden zu beschränken, Infolge Erneuerung des östlichen Teiles der Kreuzungsanlage an der Leipziger-, Ecke Jerusalcmerstratze, werden in den Nächten vom 7. zum 8., vom 8. zum 3., vom 3. zum 16., vom 16. zum 11. und vom 11. zum 12. Oktober in der Zeit von 1 Uhr nachts bis 6 Uhr früh die Linien 6. 9. 38. 62. 64, 66. 71. 74. 73. 83. 84, 87 und 88 umgeleitet. 6 und 9 gehen von der Holzmarkt- durch die Stralauer- strahe, über den Molkcnmarkt, den Mühlendamm, die Breitestrahe, den Schlohplatz, die Werder- und Obcrwallstrahe, den Hausvogtcl Platz, die Jcrusalcmer- und Lcipzigerstrahe sowie umgekehrt. 38, 62, 64, 66, 71, 74 und 78 vom Köllnischen Fischmarkt durch die Breitestrahe, den Schlohplatz, die Werder- und Oberwallstrahe, den Hausvogteiplatz, Jerusalemerstratze und den Tönhoffplatz sowie um- gekehrt, 83, 84, 37 und 88 von der Köpenicker. durch die Brücken, strahe, Stralauer Brücke, Neue Friedrich-, Stralauerstrahe, Molkenmarkt, Mühlendamm, Köllnischer Fischmarkt, Brcitestratze, Schlohplatz, Werder-, Oberwallstrahe, Hausvogteiplatz, Jerusalemeo und Leipzigerstratze sowie umgekehrt. Wegen Auswechselung der gesamten Kreuzungsanlage in der Kastanienallee und am Zions- kirchplatz werden in den Nächten vom 7. zum 8., vom 14. zum 16., vom 16. zum 17., vom 21. zum 22., vom 23. zum 24, vom 25. zum 26., vom 28. zum 29. Oktober von 11 Uhr abends an die Linien 16, 36, 46, 51, 57, III und V umgeleitet. 51 und 57 gehen von der Kastanienallee durch die Schönhauser Allee, die Lothringer-, Brunnen- und Jnvalidenstrahe, 16 und V von der Jnvalidenstrahe durch die Brunnen- und Lothringerstrahe, die Schönhauser Allee bis zur Ecke der Stargarderstrahe: 36, 46 und III durch die Brunnen- bis zur Ramlerstrahe. In Friedrichsfelde gehen 69 und 76 nur bis zur Berlinerstrahe, Ecke Schlohstratze. Eine Verkehrsstörung wurde Donnerstag abend gegen 8 Uhr durch einen dreifachen Zusammen st oh an der Ecke Kur fürstcndamm und Dahlmannstrahe herbeigeführt. Ein Geschäfts' wagen der Mineralwasserfabrik Louisenquelle, Badstrahe 39, ver- suchte unmittelbar vor einem Strahcnbahnzug der Linie 79 die Gleise zu kreuzen, wurde von dem Kraftwagen ersaht und zur Seite geschleudert. Hierbei stietz der Lastwagen gegen ein in dem' selben Augenblick vorüberfahrendes Möbelfuhrwerk, an welchem die Seitenwand total zertrümmert wurde. An dem Geschäftswagen wurde der Kasten beschädigt und die aus Flaschen bestehende Ladung zersplittert. An dem Strahcnbahnwagen war die Vorderplattform eingedrückt. Infolge des Zusammenstohes waren der Fahrer des Strahenbahnwagens am Kopf und der Kutscher des Mineralwasser- Wagens, Robert Weig, durch Schnittwunden am rechten Arm leicht verletzt worden. Der Zusammenstoß hatte eine Betriebsstörung von zehn Minuten Dauer zur Folge. Schwerer Absturz in den Keller. Das Dienstmädchen Minna Krielitz, das bei einem Kaufmann ig der Chausseestratze 161 be- dicnstet ist, wollte gestern morgen nach dem Keller hinuntergehen. Beim Passieren der dunklen Kellertreppe trat sie fehl und stürzte ab. In bewußtlosem Zustande wurde sie später von Hausbewohnern aufgefunden. Sie hatte sich einen Schädelbruch zugezogen und wurde nach dem städtischen Krankenhaus gebracht. Bei der Arbeit seuieu Tod gefunden hat gestern ein braver Parteigenosse, der 41 Jahre alte Hausdiener Ernst Weber, An- klamcrstr. 19 wohnhaft. Genosse Weber war damit beschäftigt, in den Räumen der Kunstausstellung am Lehrter Bahnhos Stoffe herabzunehmen, die über dem Glasdach der Räume befestigt waren. Bei dieser Arbeit glitt er aus und stürzte kopfüber durch das Glasdach auf den mit Marmor belegten Fuhboden des Aus- stellungssaales.� Bei dem Sturz erlitt der Verunglückte einen komplizierten Schädelbruch. Bald nach seiner Ueberführung ins Krankenhaus verstarb Genosse Weber, der Frau und zwei Kinder hinterläßt. Erwähnen wollen wir noch, daß der Bruder des Ver- storbenen ebenfalls einen tragischen Tod erlitt, indem er bei der Bcerdigungsfcicr unseres verstorbenen Genossen Auer vom Herz-' schlage getroffen wurde. Die Beerdigung des verstorbenen Ge- nassen Ernst Weber wird durch Inserat bekannt gegeben. Ter Amtsvorstehcr der Kolonie Grunewald ersucht unS, mitzuteilen, daß die von uns kürzlich geschilderte defekte Brücke im Grunewald nicht zur Kolonie Grunewald, sondern zum Amts- und Gutsbezirk Grunewald-Forst gehöre. Wir kommen diesem Wunsche nach und bemerken, datz also die vielen Strafgelder in die Amts- taste des Bezirks Grunewald-Forst fliehen. Eine Ausstellung von Prüfungsarbeiten derjenigen jungen Tischler, welche zum Michaeli-Quartal ihre Lehrzeit beendet haben, veranstaltet die Berliner Tischler-Jnnung vom Montag, den 7. bis Mittwoch, den 9. Oktober. Die Innung ersucht uns, unsere Lese» auf diese Ausstellung hinzuweisen. Leider können wir diesmal den Wunsch der Jnsmng nicht vollinhaltlich erfüllen, da das Lokal, das in diesem Jahre als Ausstcllungslokal dient, für die Vcranstal- tungen der Arbeiterschaft nicht zu haben ist und infolgedessen von derselben gemieden wird. Im AuSstellungSgebäude des Instituts für GSrungSgcwerbe findet auch in diesem Jahre in der zweiten Oktoberwoche wieder eine SpezialauSsiellung für Brauereimaschinen, ver« bunden mit einer Gersten- und Hopfenausstellung sowie einer Aus« stellung schwerer Brauerpfcrde statt. Die Ausstellungen werden Sonnabend, den 5. d. Mls., eröffnet werden. Wasscrsgefahr nach der Linienstr. 231. Ferner hatte die Wehr in der Wichertstr. 153, Pankstr. 18. Königgrätzerstr. 117 und anderen Stellen zu tun._ Vorort- j�acbncbtem Groh-Lichterfelde. In der Wahlvcreinsversammlung für den Bezirk Osten er» stattete am Montag der Genosse St iefen hofer den Bericht vom Essener Parteitag. In der Diskussion nahm Genosse K a l i s k i das Wort. Der Auffassung des Referenten, datz auf dem Parteitag die Verhandlungen mit großer Sachlichkeit geführt wurden, könne er nur zustimmen. Dagegen bedürfe sein Bericht in einem Punkte der Richtigstellung. Der Autrag, die Landtags- Wahlen der Einzelstaaten auf die Tagesordnung zu bringen, stamme nicht vom Genossen E i s n e r, sondern von den Parteiorganisa- tionen in Nürnberg, Kiel und Breslau. Gewiß sei es tech- nisch schwierig, hinterher solche Anträge noch in die Tagesordnung einzufügen. Aber es lag doch die Möglichkeit vor, beim Punkt „Reichstagswahlen" die brennende Frage der preußischen Landtags- Wahlen mit cinzubeziehen. Die Worte Singers: Die Preußen- frage sei die politische Frage, seien durchaus zutreffend. Eine Demokratisierung im Reiche könne eben nur durch die Beseitigung des Dreitlassenwahlrechts in Preußen angebahnt werden. Dem wirtschaftlichen Schwergewicht in Preußen entspreche naturgemäß auch das politische. Seit Jahren werde die Frage des preußischen Wahlrechts unsererseits platonisch behandelt. Unterdessen seien die Reaktionäre aller Schattierungen an der Arbeit, eine so genannte„Reform" des Wahlrechts durchzuführen. So habe jüngst das„Berliner Tageblatt", das in diesem Punkte gut unter- richtet zu sein pflege, geschrieben: Die Reform sei in die Wege geleitet, aber noch nicht spruchreif. In der Tat sei aber schon so viel bekannt, daß bei dieser„Reform" nicht das allgemeine, gleiche direkte und geheime Wahlrecht in Frage komme, sondern datz das Plural-Wahlrecht, nach welchem denen„von Besitz und Bildung" eine entsprechend größere Anzahl von Stimmen zustehen würden, zur Einführung komme. Bei diesem sei aber an einen nennenswerten Einfluß der breiten Volksmassen im preußischen Landtag nicht zu denken. Komme dazu noch die Wahlpflicht, wie man in Aussicht nehme, dann könne die herrschende Klasse die große Zahl der Beamten an die Wahlurne bringen, und diese könnten dann eben infolge der öffentlichen Wahl nur den reaktiv' nären Kandidaten die Stimme geben. Es unterliege keinem Zweifel, daß die Freisinnigen in der Wahlrechtsfrage gekauft seien. Es berühre ihn eigenartig, wenn im„Vorwärts" von den Frei- sinnigen verlangt werde, sie sollten die Volksmassen in Ve wegung bringen, während von uns selbst in dieser Richtung über Haupt noch nichts getan worden sei. Es herrsche in dieser Be ziehung eine Schwerfälligkeit in Preußen, die sehr bedenklich sei, und an der durch den Umstand nichts geändert werde, daß der Preutzentag„schon" zum 21. November einberufen sei. Das alles erinnere doch zu sehr an die persiflierenden Worte Heines über den badischen Aufstand:„Die Revolution kann beginnen, aber es fehlen noch vier Bezirke." Der Parteitag hätte sich unbedingt mit der Sache befassen müssen; ein Rescrvatrecht Groß-Berlins gebe es in dieser Beziehung nicht. Hoffentlich werde der Preußcntag energisch eingreifen und endlich das entscheidende Wort sprechen. Genosse E i ch l e r schließt sich den mit lebhaftem Beifall auf genommenen Ausführungen des Vorredners an und ist im übrigen von den Verhandlungen und Beschlüssen des Parteitages befriedigt. Zu teilweise erregten Debatten fübrte der Berichs der Lokal Kommission, nach welchem ein Gesangverein, dem zum Teil organö sierte Arbeiter angehören, in einem gesperrten Lokal fein Ver' gnügen abhielt. Der Vorsitzende dieses Vereins, Genosse Wienccke, gab dies zu und versprach, daß ein solcher Verstoß gegen Partei- genössischc Pflichten nicht mehr vorkommen solle.� Die Vereinsversammlung nahm infolgedessen von weiteren Schritten Abstand. Rixdorf. Großes Aufsehen rief der Selbstmord eines Geisteskranken unter der Anwohnerschaft der Walterstraße hervor. Der 36 Jahre alte Schuhmacher Hermann Zimmermann, Walterstraße 28, stürzte sich in einem Anfall von Verfolgungswahnsinn aus dem Fenster seiner im dritten Stockwerk belegenen Wohnung heraus. Er schlug mit dem Gesicht auf das Straßcnpflaster auf und starb nach wenigen Minuten an den Folgen der schweren inneren Zerreißungen, die er sich bei dem Sturz zugezogen hatte. Feuerwehrbericht. In der vergangenen Nacht wurde die Feuer- wehr nach der Fürstenbergerstr. 3 gerufen, wo in einer Wohnung Feuer ausaelommen war. Gleichzeltig erfolgte ein Allarm wegen Charlottenbnrg. Vom Spiel iu den Tod? Vor dem Charlottenburger Amts- jericht wurde gestern nachmittag ein fünfjähriger Knabe von einem schwerbeladenen Rollwagen überfahren und sofort g e t ö t et. Der Kleine, ein Sohn des Plättereibesitzers K. aus der Holtzendorffftr. 1, pielte mit einigen Altersgenossen und lief dabei direkt in das Ge- ührt hinein. Trotzdem der Kutscher sofort die Pferde straff anzog. konnte er doch nicht mehr verhindern, daß die Vorderräder dem Kinde über die Brust gingen. Schöneberg. Zu dem Bersammlungsbericht des Wahlvereins sendet unS Genosse G o l l m i ck eine Richtigstellung, in welcher er bemerkt, dem Berichterstatter vom Essener Parteitag, Genossen Grunwald, in der Diskussion entgegenet zu haben, datz er der Flintcnrede des Genossen Noske eine Bedeutung zugelegt habe, die sie in Wirk- lichkeit nicht hat. Des weiteren hätten die Anhänger der Stutk- garter Minderheitsrcsolution in Essen keinen Grund gehabt, nach dem Referat Singers eine Debatte zu provozieren, da sie in der Kolonialkommission in Stuttgart Anträge auf Verbesserung oder Beseitigung der van Kölschen Resolution nicht gestellt hatten. Zur Lokalistcndebatte hpbe er überhaupt nicht gesprochen, nur habe er den beim Vorstandsbericht in Essen erwähnten Ausfchlußantrag gegen Herfurth erwähnt und betont, daß derartige Anträge schneller erledigt werden müßten. Steglitz. Die heilige Genoveva gestohlen und mitsamt der Hirschkuh wahrscheinlich eingeschmolzen— sollte man eine solche Frechheit wohl ür möglich halten? Leider ist es Tatsache! Seit einigen Tagen st dieser kostbarste Schmuck unseres„Märchenbrunnens", wie wir gestern bereits kurz meldeten, auf dem Schildhornplatze spurlos verschwunden. Der Polizcibericht meldet, datz man von den Dieben des„Kupferdruckbildnisses" noch nichts weiß. Sollte es den Be- mühungen der erst kürzlich um drei Mann vermehrten Polizei elingen, die Kupferplatte(die bisher wöhl jedermann für Eisen- lcch gehalten hat) wieder herbeizuschaffen, dann empfiehlt es sich vielleicht, der Sicherheit wegen, das wertvolle Kunstwerk irgendwo' im Rathause anzubringen. Am Brunnen wird es niemand ver- missen— der ist auch so noch„märchenhaft" genug. Eine Selbstmordepidemie scheint in Steglitz ausgebrochen zu ein. Den Anfang machte eine Privatiere H. Günnemann in der Düppelstraße. Sie ließ durch einen Tierarzt ihre beiden Hunde töten und machte einige Stunden später durch Gasvergiftung ihrem eigenen Leben ein Ende.— Ein junges Mädchen aus der Dresdener Straße in Berlin sprang in selbstmörderischer Absicht in den Pfuhl gegenüber dem Botanischen Garten. Ehe sie ihren Zweck erreichen konnte, wurde sie jedoch von einem Herrn wieder aufs Trockene gebracht.— Der Selbstmord eines Regierungssekretärs S., der sich laut Polizeibericht gestern in seiner Wohnung erschoß, bildet den Schluß des traurigen Reigens. Lichtenberg. Opfer seipes Berufes. Auf dem Güterbahnhof Lichtenberg. Friedrichsfelde wurde in der Nacht zum Freitag um 2 Uhr früh beim Rangieren der zwanzigjährige Bahnarbeiter Richard Hentze aus Lichtenberg, Atzpodienstraße 47, getötet. Er ist zwischen die Puffer geraten und tot gequetscht worden. Auch elu Erfolg? Die offiziösen Wahkmacher, der„Bürger« verein", haben nunmehr in einer Versammlung am 2. Oktober auch Stellung zur kommenden Stadtverordnetenwahl genommen. Ein „Wissender" hat mitgeteilt, daß die Kabinettsorder, die die Stadt» werdung Lichtenbergs für den 1. April 1363 ausspricht, noch im Monat Oktober an die Gemeindebehörde gelangen soll. Das Orts- blatt berichtet dann weiter:„Die Stadtwerdung und die Stadl- verordnetenwahlen wurden in einer„längeren",„anregenden" und „interessanten" Debatte behandelt! Da es sich hauptsächlich um taktische Fragen der Wahlen handelte. nehmen wir Ab st and, darüber zu berichten." Na, das war doch früher nicht! Warum denn so schüchtern? Jin irrigen hat auch dieselbe„Volkszeilung" noch immer nicht den Versuch gemacht, den Widerspruch aufzuklären, der sich ausdrückt in deni Bericht über die Verbindung des Lichtenberger Gastwirte- Vereins mir dem Grundbesitzerverein Lichtenberg-Ost und dem von uns veröffentlichten Schreiben deS Vorstandes dieses Gastwirteuerems, wonach letzterer bestreitet, an den Grundbesitzerverein ge« richtet zu haben die Bitte, laßt mich sein in Eurem Bimde(Grundbesitzer- und Beamtenverein) der Dritte. Wie wir hören, wollen die Gastwirte sich bemühen, in einer Versammlung die Sache zu klären. Eine große Neigung der Gast- wirte, sich an dein„Niederreiten" zu beteiligen, scheint nicht zu be- stehen. Mühlenbeck. Die in dem Versammlungsbericht erwähnten Ausgaben der Gemeinde für Pflasterkosten belaufen sich nicht wie angegeben auf 256 666 sondern auf 2 5 666 M. Potsdam. Beim Spielen von der Straßenbahn überfahren wurde vor- gestern gegenüber dem Stadtschloß in der siebenten Abendstunde die neunjährige Tochter Trude des Fahrradhändlers Hille aus der Scharrnstraße 1. Das Kind trug dank des guten Funktionierens der Schutzvorrichtung nur ungefährliche Verletzungen davon. Vermischtes. Die verhinderte Expcrimcntatorin. Hierüber schreibt die „Wiener Arbeiterzeitung": Den Uneonst, die schwindelhafte Phan- tastik, mit denen amerikanischer Humbug an die wichtigsten Pro- bleme der Wissenschaft herantritt, konnte der Kongreß für Htzgicne und Demographie an einem lustigen Beispiel loicder einmal studieren. Ter Wiener Arzt Dr. Jellinek und andere hielten Vor» rräge über die Gefährlichkeit des elektrischen Stromes und hatten dem Kongreß darüber viel Beachtenswertes mitzuteilen. Seinen Ausführungen wollte eine Dame aus Amerika entgegentreten, die die Behauptung in die Presse zu lancieren gewußt hatte, der elek» irische Strom könne überhaupt kein Menschenleben vernichten. Mit gut gespielter Sicherheit behauptete sie, jeden durch elektrische Ein- tvirkung„scheintot" gemachten Menschen durch andere elektrische Einwirkungen wieder zum Leben zurückrufen zu können. Da sich begreiflicherweise zu diesem Experiment niemand hergeben mochte« die Dame selbst aber experimentieren mußte, also nicht als Ver- suchsobjckt verwertet werden konnte, so erklärte sie sich bereit, den Beweis für die Richtigkeit ihrer Anschauung mit einem Kaninchen zu erbringen. Dazu sollte ihr Gelegenheit gegeben werden, und eines Nachmittags kamen die Kongreßteilnehmer in dem an» gewiesenen Zimmer zusammen. Aber leider war das Kaninchen nicht zur Stelle, so daß man unverrichtetcr Dinge wieder aus- cinandergehen mußte. Eine andere Zusammenkunft wurde ver- abredet; diesmal war leider der Monteur ausgeblieben, der die Starkströme regulieren sollte. Als auf vielseitiges Verlangen eine unwiderruflich letzte Vorstellung angesetzt worden war, bedauerte die junge Dame aus Amerika, im Augenblick ein Experiment nicht vornehmen zu können, weil sie sich zu einem— Rendezvous verabredet hätte! Sprach's und entfernte sich. Die zurückgebliebenen Teilnehmer raisonnierten laut und kräftig über diese Art, Wissen, schast zu betreiben. Als Argument gegen das Frauenstudium wird das wohl niemand verwerten. Liebe ist übrigens eine höchst ernste Sache, und das Rendezvous der Dame wird vielleicht nützlichere und angenehmere Folgen haben, als ihre �wissenschaftlichen Zu» sammenkünfte. Aber es ist doch ein starkes Stück, solch einen Bluff überhaupt nur zu versuchen. In Amerika hätte man ihr die Probe aufs Exempel vielleicht erspart, und die liebenswürdige junge Dame wäre eine Leuchte der Wissenschaft oder ein Stern deS Varietes, was in jenem glücklichen Lande mitunter zusammenfällt. Aber in Dentschland ist man trotz der amerikanischen Lerbrstde- rung noch immer nicht ganz so weit, und man legt noch immer Wert darauf, die Wissenschaft ernst genommen zu sehen. Die Amerikanerin hat indes einen triftigen Entschuldigungsgrund. Sie ist nicht die einzige, die dem Kongreß mit etwas Frivolität be» gegnete, und sie hielt sich vielleicht eben darum zu ihrem Vorgehen berechtigt. Die Amerikanerin hatte das richtige Gefühl, daß-jetzt etwas lächerlich geworden sei. Sie irrte, indem sie meinte, der Kongreß wäre der Lächerlichkeit verfallen, und so verulkte sie ihn denn auch ihrerseits. Gerettet. Nach einer Meldung aus London sind Donnerstag nachmittag die letzten neun Mann von der Besatzung des an der Küste Klare gestrandeten Seglers„Leo XIII." gerettet worden. Zwei Schiffbrüchigen war es gelungen, ein Floß herzustellen uns sich auf diesem ans Ufer treiben zu lassen. Das Schiff ist ein völliges Wrack und ein Spielball der Wellen, welche die Zerstörung vollenden. Eine schwere Eisenbahnkatastrophe ereignete sich Londonct Meldung zufolge auf der Bahnlinie Wabash— Bluff. Zwanzig Personen haben den Tod gefunden. Ein Hülfszug ist aus Saxon- bille an den Ort der Katastrophe abgegangen. Freireligiöse wriiieinde. Sonntag, den S. Oktober, vorm. 8'/, Uhr, im Rathaus ssaal 109): Versammlung mit freireligiöser Vorlesung.— Vormittags lO3/, Uhr in der Schulauta, Kl. Franksurterstr. S: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille:, Selbstbehauptung". Damen und Herren als Gäste 'ihr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeite« (E. H. 29, Hamburg.) Filiale Berlin V. Heute, Sonnabend, den 5. Oktober, abends 81/, Uhr, im Restaurant Patt, Dragoncrstrajje 15: Mitgliederversammlung. Ocfseiitliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- nntzuiig für jedermann, 81V., Zllexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/z— 10 Uhr abendS, an sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. Iu' den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung aus._ Berliner Marttpretkr. Ans dem amtlichen Bericht der flädtllchen Marklhallen-Direltion.(Grobbandel.) Ochscnfleisch I» 88—70 vr. 100 Pfd., IIa 62-67. III» 57-60. Bullcufleisch la 62—67, IIa 50—59, Kühe, seit 60—58, do. mager 40— 48, Fresser 54— 62, Bullen, dän. 54—62, do. Holl. 0.00. Kalbtleijch, Doppellen der 100—115. Mastkälber la 75—85. IIa 66—72. Kälber ger. gen. 48—60, do. Holl. 48—54, dän. 0,00. Hammel, leiich Mastlämmer 74—76, Hammel la 68—72. IIa 62-67. ungar. 0.00, Schafe 45—60. Schweine,"leiich 57—63. Rehbock la per Pfund 0,60—0,95, IIa 0,40—0.58. Rothirsch la per Pfd. 0,30-0,40, do. IIa 0,20-0,25. Damhirsch 0,42. WUdichweinc 0,25—0,40. Frischlinge 0,40—0,45. Kauiache» p. St. 0,20—0,80. Wildenten per Stück 1,40—1,50. Krickenten per Stück 0,50—0,60. Rebhühner, junge große 1,00—1,30, mittel u. kleine 0,50—0,90, alte 0,60—0,80. Fasanen« dähne 1,50—2,70. Fasanenhennen 1,00—2,00. Waldschnepsen 2,50—3,30. Krammetsvöget la 0,20— 0,30, Hühner, alte, per Stck. 1,40—2,50, IIa0,70— 1,20, do. junge 0,40—1,10. Tauben 0,20—0,40. Enten ver Stück 1.30—2.00, biso Hamburger per Stück 3,00. Gänse per Psund 0,45—0,55, do. -er Stück 2.00—3,80, do. Hamburger per Pfund 0,72, do, Oder« irucher per Pfd. 0,40—0,55, Poulcts per Stück 0,40—1,00. Perlhühner per Stück 0,00, Hechte per 100 Ptd. 100—113. do. matt 0,00, do, grotz-nlittel 99, do. groß 78, do. mittel 108—118. Zander 0,00, do, klein 0,00, dito mittel 0,00, Schleie, groß und mittel 0,00, do, Nein 0,00, do, unfort. 131—132, do. mittel 0,00. Aale, groß III, do. klein u. mittet 90—101, do, mittel 0,00, do. unsortiert 0,00, do, groß-mittel 101—106, do, klein 73. Plöpen 64 bis 67. RvddowO.OO. Karpse» 60— SOct 64-68, 30— 40er 0,00,00.80— 100er 0.00t io. 60et 0,00. Bunte Fische 41—72, Barte 0,00, 6o. klein, matt 0,00. Karauschen 92—93. Weis 0,00. Bleie, matt 50. Barbe 0,00. Aland 0,00. Quappen 0,00. Raap 0,00. Amerik. Lachs la neuer, per 100 Pfd. 110—130, da. Na neuer 90—100, So, Nla 0,00. Seelachs 10—20, Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel Stifte 1—2, Hamb. Stiege 4—6, balbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9,00, Na 2—4. Bücklinge, Kieler per Wall 2—4, Strals. 2.00, Bornh. 0,00. Aale, gro-z per Psd. 1,10 bis 1,40, wittelgrog 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5—9. Schellfische Kiste 3—4.00, l/s Kiste 1,75—2,00. Sardellen. 1902er per Anker 98. 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—93. Schottische Vollberinge 1905 0,00, large 40— 44, fall. 38—40, med. 36— 12, deutsche 37— 44. Heringe, neue MatjeS, per•/, To. 50—120. Sardinen, rufi.. Faß 1.50—1,60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen. Schocksaß 11, do. kleine 5— 6, do. Riesen- 14. Krebse Oer Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 0.00, do. unsortiert 0,00, Galizicr, groß 0,00, do. imsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,00— 4,40. Butter per !00 Bsd. la 122—124. IIa 112-118, INa 100—108, abfallende 90—95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Pjessergurlen 4,00. Kartofieln per 100 Vid. Dabersche 2,75—3,50, weiße runde 2,50—3,00, blaue 0,00, Nasen- 0,00, mag. bau. 2,75— 3,25. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock o—12. Spinat per 100 Psund 7—18. Sellerie, per Schock 2,00—8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 2,50— 3,50, do. Perl- 40,00—100,00. Ehalotten 40,00—100,00. Petersilie, grün, Schockbund 1,00— 1,25. Koblrabi Schock 0,80—1,25. Rettich, bayr., neuer Stück 0,02— 0,10, hiesiger Schock 2,50— 3,50. Mohrrüben, 100 Pfund 2,00 bis 3,50. Karotten, hiesige, SchockbunS 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 4,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 4-10. Weißkohl 2-2,50. Blumenkohl, hiesiger 100«tück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 7-17. Rosenkohl, per 100 Psd. 20-30. Grünkohl 4-6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00. Petersilienwurzel», Schockbund 3,00—4,00. Scholen per 100 Psd. 20-35. Schnittlauch 1,00-1.25. Psesserlinge per 100 Psd. 10—22. Steinpilze per 100 Psund 25—40. Radieschen per� Schockbund 0,75—1,25. Salat per Schock 1,25—3.00. Gurken, Einmache-, schock 15—25, do. böhm. Schock 0,00, do. Liegnißer Schock 2,75—5,00, do. Notlienburger 2—2,50. Bohnen. grüne. 100 Psund 12—30. Wachsbobnen, per 100 Pfund 0,00. Tomaten per 100 Psund 8—12. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00, Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 5,00—12. Kürbis 4—7. Preißelbeeren per 100 Psd. 24-30, schwedische 26-32. Birnen. 100 Psd., Italiener 8—17, Tiroler 10—25, hiesige 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbirnen la 10—20, do. IIa 4—10. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd. 3—16, itah in Kistchen zu 12 Stück 0.00, do. in Körben la per 100 Psd. 0,00, do. IIa in Körben per 100 Psund 0,00. Aepsel, italienische, per 100 Psund 11—12, hiesige 0,00, Gravensteiner la 0,00, do. Ha 0.00. Tiroler la 15—45, IIa 13—20, Most-, hiesige, 2—4, Koch. 4-10, Tasel- la 15-23, do. IIa 7-12. Wallnüsse per Schock 1,00—2,00, do. klein 0,40—0,50. Pflaumen, pr. 100 Psd. hiesige 6—12, serbische 10—16. Weintrauben, ital., per 100 Psd. 10—18, franz. 14—20, türk. 17—18. Ananas I, per Psd. 70—1,00, do. II 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 11,00-20.00, do. 360 Stück 10,00—16,00, do. 200 Stück. 12,00-16,00, do. 150 Stück 7,00-10,00. Bananen, gelb. per 100 Psd. 14,00—20,00. WasserstandS-Nachrichtet» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt DSU» Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratlbor , Krassen Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz „ Barbh _„ Magdeburg Saale, Grochlitz + bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel. Treis Volksbtilme! Die AlmidmstkllliiM Einschreibegeld 1 M., Beitrag 1 M. beninneu bereits am 18. Oktober(Freitag(S1/« Uhr), im Lnisen-Theater.— Die Anmeldungen müssen daher noch in dieser Woche erfolgen in der nächsten Zahlstelle. 230/2» ver Vorstand. Für den Jupatr der Inserate übernimmt die giedattiou dem Piiblitui» gegenüber keinerlei Berniirworriiiig. Theater. Sonnabend, den 5. Oktober. Anfang 7'/. Uhr. Königl. Schauspielhaus. Viel Lärm um Nichts. Neues Schauspielhaus. Alt-Heidel- berg. Nusaitg 8 Uhr. KSuigl. Opernhans. Salome. Nachmittags 3 Uhr: Hansel und Gretel. Die Puppensee. Deutsches. Prinz Friedrich von Homburg. Kammersp ele. Frühlings Erwachen. Schiller<». iWallner-Thealer.) Götz von Berlichingen. Schiller Charlottctibttra.NoSmerz- holm. Friedrich- Wilhclmsiädt. Schan- ss'ielhaus. Der blinde Passagier. Berliner. Der Pajlorssohn, Lcssmg. Der Bund der Jugend. Neues. Der Dieb. KlcineS. Maria Magdalena. ckortnna. Undine. Zentral. Unsere blauen Jung-ns. Komische Oper. Hoffmanns Er- Zählungen. Weste». Die lustige Witwe. LustipielhauS. Hufarenfieber. liejideiiz. Ganz der Papa. Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs-Uhr-Onlel. Luisen. Gebildete Menschen. Nachmittags 4 Uhr: Prinzessin von Marzipan» Lcruhard Mose. Spree-Aiheuer. Nachmittags 3 Uhr: Max und Moritz. Theater a» der Spree. Der Aklienbudiker. S.'IciropoI. Das muß man seh'n. SlpoIIo. Syluester Schäffer. Spe« zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Fvlics Caprice. Geteille Ltebe. Casiuo. Die wilde Jagd. Gebr. Herrufeld. Madame Wig- Wag. ES lebe das Nachtleben. Passage. Danny Gürtler. Spezialitäten. Wintergarten. Ruth St. Denis. Spezialttäten. Rcichshallen. Steltlner Sänger. Brater. Ein toller Einsall. Earl Haverlaud. Spezialitäten. ilenui».?a»r>eustr»s!e 4Sl40. Nachm. 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Sternwarle, Jnoalideilltr. 67/62. Theater des Westens. 8 Ubr: Die lastige Witwe. Sonntag nachm, 31/. Uhr halbe Preise! WrUiilingsIatt. kriedrich-IVildelmstülltisclies Schauspielhaus. Anfang 8 Uhr. Der blinde Ua�ngier. Sonntag nachm. 3 Uhr: Jugend. Abends 8 Uhr: Die Nibelungen. Montag: Der blinde Passagier. taistspivSKsius. Täglich 8 Uhr: Hufarenfieber. Zentral-Theater. Abends 8 Uhr: Unsere blauen Jungens. Vaudeville in 3 Akten. ft ä wsii Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten van MarS und Desoaillisres. Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS: R. Alexander. onntag, 6. Oktober, nachm. 3 Uhr: Der Prinzgeniatal. Fcrdinaiitl Könnt» isrliuer Thealer. Anfang 8 Uhr. Der Paftorsfohn. Sonntag: Der Pastorssohn. !.lii8Sii-I>iSglgs Reichenbcrgerftr. til. Nachmittags 4 Uhr: Pnuitsl!« von Marzipau. AbendS 8 Uhr: Gebildete Menschen. Sonntag nachmittag: Don Carlos. AbendS: Die beiden Zielchenmüller. Montag: Carmen. Lortzing-Theater; Ansang 8 Uhr. Undine. Sonntag nachm, 3 Uhr: Undine. Abends 8 Uhr: Der Waffenschmied. Montag: Lustige Weiber. (JKeakimdciSpzeo Köpeuicterstraste 68. Täglich 8 Uhr: Ter Aktienbudiker. Alt-Berliner Gesanasposse im Kostüm der Zeit! Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Aklienbudiker. Scltiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeaterfi Sonnabend, abends 8 Uhr! Dtttz von Berlichingen. Schauspiel in fünf Auszügen von Johann Wolsgang«. Goethe. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Vmamulns. Sonntag, abenbS 8 Uhr: /z Uhr und abends 7»/, Uhr. (Nachmittags ein Kind frei.) Gebs. Herrnfeld- Theater. neues Theater. Anfang 8 Uhr. Der Dieb. Sonntag: Der Dieb. Montag: Geschloffen._ Kleines Thealer. Agnes Sorina. Maria Magdalene. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Maria Magdalene. Montag: Vater und Sahn. Dienstag: Maria Magdalene. z Passage-Tiieater. Danny Qflrtler der König der Bohime and das kolossale OktoMopsnn.. wvwvwwwwwwww ERtMRÖÜOSfTHES! Gr. Franksnrterstr. 132. Zum erstenmal: 6pr«o»Athener VON Schwarz-Reiflingeu, Anfang 3 Uhr. Wochentagspreise. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Max und Moritz. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Held des Tages. Abends: Spree-Athener. Metropol-Theater Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. G. Thielscher a. 0. F. Massary B.Darmandal E.Withneyal Bender. Giampiefro. Josephi. Äufang präzise 8 Ohr. Rauchen überall gestattet. Theater des Zentrum. Sophien- Säle. Sophicnstraße 17/13. Ks stiih in« Fiisist V.Kren u. Lipp Ansang ütz, Musik v. P. Lincke. Kleine Preise. 57 Kommandantenftraße Rr. 57. Ansang 8 Uhr. Woroerkaus 11—2. Die erfolgreickifteu Lach- K omödie« :: seit 17 Jahren:t JlfadameWig-Waff Operetten-Burleske, Musik von L. ytal. Lsiede lissMhfleheu! Separee-Affäre in 2 Akten. Beide Stücke mit den Autoren Anton und Douat Herrufeld. Somitag nachmittag 3 Uhr: Ein verrüittes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herrnseld. Sanssouci, Kotibuser Straße 6. Direktion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: MuauusWiLZiiip u. Tanzkrünzchen. Sonnt. Beg.S, mochent 8U. Morgen: Grolle Elite-Soiree. Tanz Dienstags u. DonnerSlagS Gastspiel der Berliner BolkSbühnc._ XIJI. äaiMon. Zirkus Kiiseh Sonnabend, den 5. Oktober 1907, präzise T'/j Uhr: droUe VorhtpUnnff. Um 91/, Uhr: Auf der Hallig. Diesj. gr. Ausstatt.-Pantom. dos Zirkus Busch in 4 Bildern, Im 1. Bilde: Mr. D. Bruce- Ridpath, Produktionen im Kanoe in 4 Mtr. Wassertiefe.— Kentern und Autriehten des Beetes.— Sport- und Schwimm-Evoiutionon. Sonntag:'2 gr. Gala-Vorstell., nachm. 4 Uhr u. abds. 7'/, Uhr. Henriette do Serris, lebende Bilder. Llndsay, Peitsohenmanipulatur. Werner Alberti, kgl. Kammersänger. Grays Äfiendressur. Dar Biograph. Arlette Dorgere, Sängerin. De Bißre, Zauberkünstler. Empire comedy four, amerikanisches Gesangsquartett. Leris Loyal, Reitakt. Die vier Gördens, Akrobaten. Sonntag, den 6. Oktober, und folgende Sonntage, nacbuilttae« S tJhr: Populäre Eonzerte von Johann Slrauss aus Wien (50 Hann Orchentep). Preise: 0,50 JI., 1 M., 1,50 M. Uraniia. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Invalidenstr. 67—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelstemo, Nebelflecke. Ab 8 Uhr: Tie neuen Spezialitäten t Um 9'/, Uhr: Da? Tagesgespräch Berlins: 8yMsr Schäffer ir. der weltlieriiiiinte üniversalkiinstiep. p alast-Theater Burgstrafte Sl. Taglich 8 Uhr. Entree 20 Pf. Der brillante Uhtober-Spielplan. U. n,: Paula Pavals Hunde-Dressur, Die 5 Rammoneurs Damen-Enscmble. Ein glänzender Reinfall _ Posse. Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenlh. Tor. Das Seiisations-Propoun Ifi arabische Jß Kv Springer iw Cdi Blum, der beliebte Komiker. Ansang 8 Uhr__ Tmtnck: Konzert f. Theaterbcs.tre!. Reiebsbaiien-Theater. Täglich: ir Britton als Ante im Familienbad Wanusee. Ans. Wochent. 8» Sonntag» 7 Uhr. Kaflno-Theater. Lothrlngerstr. 37. Täglich 8 Uhr: DoS o ollst, neue Oktober-Programm. Nur Attraktionen 1. Range». Die wilde Ja�do »"Akten v! Ludwig Fulda. Sonntag nachm 4 Uhr: Rick Carter. Rixdorfer Ttieater Bürgersäle, Bergstraße Nr. 147. Sonntag, den 6. Oktober 1907: Gastspiel des Op ern.EnsembleS (Theater des Westens) unter Leitung des Direktors Artur Below: Die Fledermaus. Operelte in 3 Akten von Ich. Strauß. W.KoacksTliGate? Dtrektio». Rob. Vitt, tuuimenitr. 10. Gräfte Extra. Vorstellung! Zum ersten Male: VtS Schauspiel in 4 Auszügen v. Müller. Ansang 8 Uhr. Enirce»0 Pf. Nach der Vorstellung: llffonW; Frater-Tkeater Kastanien-Allee 7—9. Ein toller Einfall. Posse in 4 Akten von Karl Laus». Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Logen« brüd«. Ab. 7lla Uhr: Bühne u,." Theater Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke Frledrlchstrafie. • Geteilte Liebe• Antidnellantcn— Bunter Teil. Ansang 8 Uhr. «WckLW Moriftplaft. Täglich Vorstellung f- Ansang 8 Uhr. Etitree SO Ps. I Sonntags 7 Uhr.(SonntnasI reserviert 1 M., Enlree 50 Ps.) I Familienbilletts a 40 Ps. t lÄ ffliiiiär-Konzerl.! Becker, PrzywarSli, Görisch, ! Neumann, Offency und Lültich. 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Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber, guter Sohn, der Ma- schinisten-Assistent Franz Krumm plötzlich durch Unglückssall ver- storben ist, Um stilles Beileid bitten trauernden Eltern Johann Ivi'nmui nebst Frau. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 6, Oktober, nachmittags 3>/i- Uhr, vom Trauerhause, Rummelsburg, Neue Prinz Albert- stratzc 66, aus statt. 434b Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag am 2. d. Mts. unser lieber, guter Vater und Schwiegervater, der Handelsmann 427b kriellrick Riedel plötzlich gestorben ist. Im Namen der Hinterbliebenen lUchard Biedel. DieBeerdigung findet am Sonntag, den 6. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Stralauer Kirchhofes aus statt Allen Verwandten, Freunden und Genossen teilen wir hiermit ticsbetrübt mit, daß unser innig geliebter Sahn Julius Wächter am 3. Oktober freiwillig aus dem Leben geschieden ist. � Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Oktober,»ach- mittags, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. 437b Die trauernden Hinterbliebenen •lobaniies und Berta Timm. München— Berlin, 4. Oktober 1907. Danksagung Für die vielen Bctveise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen, lieben Mannes und Vaters ESriist Heinicke sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen und Arbeiterinnen der A. E.-K., Abt. Heinze, wie auch den Mitgliedern der Wagenbauerkasse unseren herzlichsten Dank. 431b Witwe �.OAnste Heiniehe ___ liebst Kind. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen Verwandten und Bc- kannten, insbesondere dem Personal der Firma Monoline und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband unseren herzlichen Dank. 435b Witwe.Fnanztaha I.angncr __ nebst Kindern._ Wir sind von der SHidkenetr.(Da nach Neanderstr. 9 verzogen. 394b* Dr. Friedeberg. Dr. Feiichenfeld. Möbel Komplette Wohnungs-Einrichtungen in allen Stil- und Holzarten. Einzelne Möbel als Ergänzungsslücke. Wochenrate I.oo. ar. FeiieneMeiii.| g Alte Schöntiauserstr. 3 W D Ve> ee� Am SchSnhauser Tor. 752* Woche Jetzt Einzelverkauf direkt an Private nach soeben beendeter Engrossaison Bedeutend billiger wie in jedem Baden oder Detailgeschäft! GesWMckWg. Den Parteigenossen zur gcsälligen Nachricht, daß ich mein Weiß- und Baqrischbicrlokal von Prinzen-Allee 32 nach Biesenthalcrstr. 5 verlegt habe. 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Der Ehemann hatte sich ins Bett gelegt und war eingeschlafen, sie hatte sich mit den Kleidern aufs Bett gelegt und war gleichfalls auf kurze Zeit eingeschlafen. Als sie erwacht war, trat sie zu dem Ehemann heran und bat ihn, doch gut mit ihr zu sein oder ihr doch zu sagen, weshalb er ihr das Leben fortgesetzt zur Hölle mache. Sie hatte dabei einen fünfläufigen Revolver, den sie schon eine Zeitlang in ihrem Bett verborgen gehalten hatte, in der Hand. Angeblich wollte sie sich vor seinen Augen erschießen, wenn er nicht versprach, sich zu ändern. Der Mann erwiderte ihr barsch, sie solle ihn zufrieden lassen. Als er sich dabei umdrehte, knallten kurz hintereinander zwei Schüsie. Der eine Schuß ging dem Manne durch die Backe in den Mund hinein. Eine Kugel drang in die Schläfe und verletzte den Augapfel, so daß das Auge erblindete. Der Schwerverletzte mußte in die Klinik und von dort in die Augenklinik gebracht werden. In der Voruntersuchung hatte die Angeklagte die Absicht der Tötung bestritten, aber zu- gegeben, daß sie dem Ehemann einen Denkzettel habe geben wollen. Gestern stellte sie die Sache so dar, als ob der erste Schutz eigentlich ebne ihren Willen und der zweite Schuß losgegangen sei, als ihr Mann nach der Schußwaffe gegriffen habe. Der Ehemann hatte schon im Vorverfahren sein Zeugnis verweigert, wohnte aber als Zuhörer der Verhandlung bei. Nach längerer Beweisaufnahme, die sich bis in die Nachmittagsstunde hinzog, trat Staats- anwalt Muth für Bejahung der Frage nach versuchtem Mord ein. Die Geschworenen verneinten nach l�hstün- diger Beratung sämtliche Schuldfragen. Bei Verkündung des Wahrspruches wurden im Zuhörerraum Bravo-Rufe laut. Das Urteil des Gerichtshofes, welches um 6 Uhr abends ge« fällt wurde, lautete auf Freisprechung. Ehre Arbeitswilliger. Dieser Tage wurde ein Stück Nachspiel zu dem Abwehrstrei! Chemische Fabrik auf Aktien, vormals Schering, vor dem Schöffen- gericht verhandelt. Der Böttcher Gustav Götsch sollte den arbeitswilligen Böttcher Max Emmerich bedroht und den arbeitswilligen Böttcher Richard Stütze als Streikposten be- Icidigend angeredet haben. Die Bedrohung und Beleidigung sollen zu dem Zweck erfolgt sein, die beiden Arbeitswilligen zum Anschluß an den Streik zu bewegen, dadurch soll der Tatbestand des§ 153 der Gewerbeordnung erfüllt sein. Auf Grund der Aussagen der beiden Arbeitswilligen beantragte der Staatsanwalt 1 Monat Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 16 Tagen Gefängnis wegen vermeintlicher Beleidigung des Enimerich und auf 36 M. Geldstrafe wegen der Aeußerungen zu Stütze. Ein gerechter Denkzettel. Am Abend des 14. August belästigte der Zuschneider Salomon Hirsch in der Königgrätzcrstraße die Frau eines Kaufmanns F. in gröblicher Weise. Als die Frau endlich einen Schutzmann in der Nähe der Großbeercnstraße gefunden hatte, hatte der Belästiger noch die Stirn, die Dame zu beschuldigen, ihn angesprochen zu haben. Erst als auf der Revierwache die Personalien der Frau F. festgestellt worden waren, hielt Hirsch seine schamlose Anschuldigung nicht mehr aufrecht und bat unter einem Träncnstrom, man möge ihn doch wieder laufen lassen. Gestern stand die flegelhafte Be- leidigung zur Aburteilung vor Gericht: Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von drei Wochen. Das Gericht ging über diesen Antrag hinaus, da es einer anständigen Frau leider schon fast unmöglich sei, un- behelligt über die Straße zu gehen, wenn sie durch irgendwelche Umstände keine Begleitung habe. Das Urteil des Schöffengerichts lautete aus diesem Grunde auf drei Monate Gefängnis, Aus dem Honorationenstllbchen einer Kleinstadt. ünn Vorfall aus dem Honorationenstübchen einer Kleinstadt hatte gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II ein kleines Nachspiel. Wegen Beleidigung, Sachbeschädigung und Körperverletzung mußten sich der Buchdruckcreibesitzer Paul Fromm und der Maurermeister Max K ö p p e vor dem Straf- richter verantworten. Der Schauplatz des Vorganges, welcher die jetzige Anklage zur Folge hatte, war ein kleines Hinterstübchcn eines Gasthofes in Zossen. Der Schornsteinfegermeister B. war in ziemlich animierter Stimmung in das Honorationenstübchen gekommen. Nach einer Kneiperei, bei welcher dem Schornstein- fcgermeister auffällig viel Kognak kredenzt wurde, war B. fast sinnlos betrunken. Als er den Tisch mit den Bicrgläscrn umwarf, fielen aus Aerger hierüber die beiden Angeklagten über den Be- trunkenen her. Fromm traktierte ihn mit Ohrfeigen, während Köppe seinen Rücken mit einem Spazicrstock bearbeitete. Ucber die Dinge, die weiter mit dem Schornsteinfegcrmcister vorgenommen wurden, konnte dieser sich, als er am nächsten Morgen aus einer Betäubung erwachte, nicht mehr besinnen. Die Zechkumpane des B. hatten sich an dem Betrunkenen in skandalösester Weise vergangen. Sämtliche Hosenknöpfc waren mit einem Messer abgeschnitten worden, die Beinkleider selb st waren auf. geschnitten und in ekelhafter Weise verunreinigt worden. Die Leibwäsche des B. war durch Hineinschütten mehrerer Töpfe M o st r i ch ebenfalls völlig ruiniert.— Das Schöffengericht in Zossen verurteilte die Angeklagten F r o m in und Köppe zu 366 bezw. 356 Mark G e l d st r a f e.— In der Berufungsinstanz vor der Strafkammer wehrten sich die Angeschuldigten energisch gegen den Vorwurf, daß sie den Zeugen B. absichtlich betrunken gemacht hatten. Das Gericht nahm an, daß tatsächlich eine Provokation der Angeschuldigten durch B. vorgelegen habe und milderte deshalb die gegen sie verhängten Strafen auf je 156 Mark Geldstrafe cvcnt. je 36 Tage Gefängnis. Warenhaus Wilhelm Stein Berlin N», Chausseestrasse 7 0-7 Ii Besonders oorteilhapes Angebot von Sonnabend, den 5., bis Donnerstag, den 10. Oktober er., so lange Vorrat Porzellan, Steingut und Emaille. weiß und Speiseteller, Terrinen, Kartoffelnäpfe,'sauci�ren, Kaffeekannen, a IJI ZeCllclll bunt, als Tassen, Milchtöpfe, Kuchen- und Dessertteller. Tafelservice. 1 Waggon Stdngllt Waschservice in den Preislagen von............... 1 WaggOn Emaille und zwar: Kochgeschirre, Eimer, Schüsseln usw., fehlerfrei Beleuchtungs- Artikel Küchenlampe mit Eundbrenner............ 55 75 98 pt- XiSChlümpe, lmit. 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