Nr. 234. HbonncmentS'Bedingungen; Abonnements> Preis pränumerando, Pierlcljährl. 3,30 Mb, monatb 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nunimcr mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monab Eingetragen in die Post< Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland z Marl pro Monat. Postadonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luremburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweig. 34. Jahrg. vlchiliit Kg»» anStr montags. Verlinev Volksblcrtk. Die TntcrtionS'Gcbüljr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonef« zeilc oder deren Raum 60 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Bereini- und PersamniIungZ-Anzcigen 30 Pfg. „Klelnc 3n:«igen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schias- stellen-Rnzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnferatc für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramin. Adresse: »SozIaUdnolirat Berlin". Zentralorgan der rozialdcmokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: 831. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Souutag, den 6. Oktober 1907. Expedition: 831. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Hochverrat! Reichsverfassung zu stürzen. dazu, diesen Vorwurf gegen Welch eine Kühnheit gehört einen Sozialdemokraten zu er- Am 9. d. M. findet vor dem Reichsgericht der Hoch- Verratsprozeß gegen den Genossen Karl Liebknecht statt, der in besonderem Maße die Aufmerksamkeit der gesamten Partei verdient. Handelt es sich doch bei diesem Verfahren um den Versuch, das stehende Heer für sakrosankt zu erklären und die rücksichtslose Kritik des Militarismus durch den Hochverratsparagraphen zu erwürgen. Der Wirkliche Geheime Kriegsrat Dr. Romen denunzierte in seiner bekannten Manier am 11. April d. I. im„Tag" Liebknecht wegen seiner antimilitaristischen Propaganda, und bald darauf erschien der Oberreichsauwalt auf dem Plan, um die Broschüre Liebknechts„Militarismus und Antimilitarisnius" zu beschlagnahmen.„Steht die Staatsgewalt"— so rief Herr Nomen aus—„solchem Treiben machtlos gegenüber? Reichen die Staatsgesetze nicht aus, um solch gemeingefährlicher Maul- Wurfsarbeit ein Ende zu setzen, dann ergibt sich von selbst gebieterisch die Forderung nach ihrer Aenderung oder Er- gänzung. Hier sind Schwäche und Nachsicht nicht angebracht und nur geeignet, die Hetzer und Volksvergifter noch skrupel- loser und frecher zu machen." Dieser Aufruf schlug bei der ObcrreichSanwaltschaft ein; sie suchte schnell den Belveis zu erbringen, daß sie von Schwäche und Nachsicht nicht angekränkelt ist, daß sie an Schneidigkeit hinter dem preußischen Kriegsministerium nicht zurücksteht. Llber während selbst der durch juristische Skrupel wahrlich nicht belastete Herr Romen noch daran zweifelt, daß das bestehende Strafgesetz eine Handhabe zum Einschreiten gegen Liebknecht bietet, hat der Oberreichsanwalt alle Schranken spielend überwunden. Wozu steht der Kautschuk-Paragraph 86 ini Strafgesetzbuch, der schon jede, ein hochverräterisches Unter- nehmen vorbereitende Handlung mit Zuchthaus oder Festungshast bis zu drei Jahren bestraft? Daß dieses Monstrum von Gesetz noch vor kurzem von einem namhaften deutschen Professor als ein„schlimmes Ueberbleibsel aus der Zeit einer möglich st Ivetten Ausdehnung des crimen laesae rnajestati's" bezeichnet worden ist, kann einen Staatsanwalt nicht anfechten, der ein staatsretterisches Werk vollbringen will. Freilich muß der Paragraph noch weiter gereckt und ausgedehnt werden, als es die höchsten Gerichtshöfe für zulässig erklärt haben. Bis jetzt hat das Reichsgericht wenigstens daran festgehalten, daß die Verbreitung von Grundsätzen, welche an sich oder in ihrer EntWickelung, wofern sie im Volke Anklang finden, zu gewaltsamen Angriffen hochverräterischer Art führen, nicht unter den§ 86 fällt. Die Unterweisung in revo- lutionären Ideen, die Erziehung zu revo- l u t i 0 n ä r e r Gesinnung ist ausdrücklich als st r a f< frei bezeichnet worden. Von diesem Rechtsprinzip muß das Reichsgericht zum erstenmal abgeivichen sein, wenn es das Hauptverfahren gegen Liebknecht eröffnen konnte. Der wissenschaftlichen Forschung und der freien Kritik droht damit die größte Gefahr. Das, was die Umsturzvorlage vergeblich zum Gesetz machen wollte, wird jetzt auf dem Wege der Gesetzesauslegung zu erreichen versucht. So hat der Prozeß gegen Liebknecht eine große Bedeutung für alle, denen die Freiheit der Wissenschaft und überhaupt das Recht der freien Meinungsäußerung am Herzen liegt und die sich einst im Kampfe gegen die Umsturzvorlage zusainmen- fanden. Das charakteristische Gepräge erhält das Verfahren gegen Liebknecht jedoch dadurch, daß mit Hülse des Strafgesetzbuches die Bekämpfer des militaristischen Geistes niedergeknüttelt tverden sollen, wenn sie daran gehen, schon die Jugend mit Abscheu gegen den volksfeindlichen Militarismus zu erfüllen. Wie ungeheuerlich das Vorgehen der Reichsanivaltschaft ist, erhellt daraus, daß Liebknecht in seiner Broschüre immer wieder betont, daß nur die„gesetzlichen Agitation s- Möglichkeiten" ausgenutzt werden dürfen, daß Rekruten- abschiede und andere Demonstrationen nur„wo s i e zu- lässig sind" veranstaltet werden dürfen. Er schreibt klar und deutlich: „Die Agitation wird nirgends direkt oder indirekt zu mili- tiirischem Uiigehorsln» auffordern dürfen, sondern ihren Zweck voll- ständig erfüllen, wenn sie Klarheit über das Wesen des Militarismus und seiner Nolle im Klassenkampf schafft und wenn die Empörung und der Abscheu gegen ihn durch wirk- same Darstellungen seiner volksfeindlichen Eigenschaften und Taten erweckt werden."(Seite 125.) Wie ist es gegenüber dieser wiederholten Aufforderung Liebknechts zur Gesetzlichkeit überhaupt möglich gewesen, ein Strafverfahren einzuleiten oder von einem hochverräterischen Unternehmen zu sprechen? Hier zeigt sich wiederum der Fluch des geheimen Vorverfahrens in unserem Strafprozeß. Wäre das Vorverfahren öffentlich, so hätte die Anklage unter den Stteichen der öffentlichen Kritik von vorn- herein zusammenbrechen müssen. Das, was trotz aller Heimlichkeit bis jetzt über den Prozeß bekannt geworden ist, kennzeichnet ihn als eine der s ch l i m ni st e n I u st i z a k t i 0 n e n. Ist doch die Nachricht unwidersprochen geblieben, daß Liebknecht bei seiner Ver- nehmung vorgehalten worden ist, er beabsichtige durch Anzettelinig ciucS Angriffs Frankreichs ausl-Deutschland die k heben, dessen literarische Arbeit zum größten Teil gerade dem l Bestreben gewidmet ist, Kriege zu verhüten und die Kriegs- gefahren zu mindern, der oft genug einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland als nationales Unglück bezeichnet und als verabscheuenswert gebrandmarkt hat! Nichts steht in der Liebknechtschcn Broschüre, was auch nur den verbohrtesten politischen Gegner auf einen solchen Gedanken bringen könnte. Irgend ein Stieber muß dem Oberreichsanwalt eine gefälschte Bro- schüre untergeschoben haben. Sonst stehen wir vor einem Rätsel. Und noch unfaßbarer ist es, wenn die Anklage Liebknecht vorwirft, er habe in seiner Broschüre empfohlen, das Proletariat im Gebrauch der Waffen und gar auch in der Herstellung von Waffen auszubilden, um mit seiner Hülfe die Militärverfassung zu zertrümmern. Die erste Broschüre ist in taufenden Exemplaren verkauft und jeder Leser kann feststellen, daß nirgends von der Ausbildung des Proletariats im Waffcngebrauch oder gar in der Her- stellung von Waffen gesprochen, daß nirgends auch nur ein solcher Gedanke angedeutet wird. Herr von Liebert hat ja offen für das Deutsche Reich den Grundsatz proklamiert:„Macht geht vor Recht." Soll auch für die Justiz der Grundsatz sanktioniert werden, daß im politischen Prozeß alle Mittel recht sind? Auch bürgerliche Krittker haben in den letzten Jahren oft ausgeführt, daß die Justiz das Vertrauen im Volke verloren hat. Der Liebknecht-Prozeß ist wohl geeignet, diesem Ver- trauen den letzten Rest zu geben. Wer etwa glaubt, daß sich durch ihn die Sozialdemokratie in ihrem rücksichtslosen Kamps gegen den Militarismus beirren lassen könnte, der mutz— ein politisches 5Uud sein. Ale£i!enbal)nunfällc entitehen! Auf der im Sommer von Ausflüglcrn sehr stark frequentierten, zwei Meilen von Königsberg entfernten Eisenbahnstation Metgethen passierte am 9. Mai d. I. angeblich durch frühzeitiges Umstellen einer Weiche ein Eisenbahnunglück, wobei eine Person getötet und 14 Personen mehr oder minder schwer verletzt wurden. Unter der Anklage, durch Unachtsamkeit und Pflichtverletzung das Unglück herbeigeführt zu haben, hatten sich der Bahnhofaufseher Johann Jakubassa und der Streckenarbeiter D a r k a u am Donnerstag, den 3. Oktober, vor der Königsberger Schubert-Strafkammer zu verantworten. Die Verhandlung wirft wieder einmal ein sehr bezeichnendes Licht auf das herrschende Sparsystem des preußischen Eisenbahnfiskus und auf die Gepflogenheit preußischer Gerichte, die u n t e r st e n Beamten für die durch eine gewisse laxe Verwaltung hervor- gerufenen Unfälle verantwortlich zu machen. Beide Angeklagte sind bisher dienstlich nicht bestraft. Durch Vernehmung mehrerer Sachverständiger und Zeugen konnte nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden, ob die Entgleisung der mit Menschen dicht gefüllten Wagen durch zu frühes Umstellen der Weiche oder durch einen sonstigen unglücklichen Zufall herbei- geführt worden war. Dem angeklagten Pahnhofaufscher wurde aber vorgeworfen, daß er nicht mit genügender Sorgfalt die ihm unterstellten Beamten beaufsichtigt und Instruktionen— die aller- dingL, wie in der Verhandlung von Sachverständigen behauptet wurde, verschiedene Deutung zuließen— unrichtig ausgeführt haben sollte. Und der angeklagte Streckenarbeiter? Er war, wie in der Verhandlung festgestellt wurde, er st zum zweiten Male auf dem Bahnhofe als Hilfsweichensteller an diesem Unglückstage tätig. Vorher hatte er eine dreitägige Aus- bildung erhalten. Sechs Tage hatte er auf der Strecke gearbeitet und am Sonntag beschäftigte man ihn auf diesem stark frequentierten Bahn- Hof als Hülfsweichen st eller. Diesen Titel erhielt der Mann übrigens erst an Gerichtsstelle in den Strafakten beigelegt. Dieser Beamte war an dem fraglichen Sonntage bereits 13 Stunden im Dienst und 15 Stunden unterwegs. Jedenfalls war der Mann in keiner Beziehung solch einem verantwortlichen Posten gewachsen. Das betonte sein Verteidiger mit ganz be- sondcrer Schärfe. Auch der angeklagte Bahnhofsaufsehcr war im D i e n st ü b e r l a st e t. Die Züge gingen tagsüber mit nur geringen Pausen hintereinander. Auch er war den ganzen Tag un- unterbrochen im Dien st, hatte nur eine geringe Mittags- parse und viel zu wenig Hülfskräfte zur Ver- f ü g u n g. Es wurde vor Gericht festgestellt, daß er am Unglücks- tage 12 Leute zur Unterstützung erhalten hatte. Das waren aber alles ungelernte Arbeiter. Daß diese Hülfskräfte nicht aus- reichten, geht daraus hervor, daß am Sonntag nach dem Unfall auf diesem Bahnhof 27 Beamte unter Führung eines Ingenieurs und die Weichensteller unter Auf- ficht eines Weichenstellers erster Klasse tätig gewesen sind! ES wurde ferner festgestellt, daß. als Jakubassa am Un- glückstage einen Weichensteller und einen Tclegraphisten verlangte, ihm diese nicht gesandt wurden! Zu alledem fällt aber noch schwer ins Gewicht, daß zur Zeit des Unfalls die Strecke Metgethen sich im Umbau befand. Ein neues Gleis war gebaut. Die Weichen waren zum Teil noch nicht niit dem Stellwerk, der Bahnstation verbunden, sondern mutzten mit der Hand bedient werden. Auch die Signale waren noch nicht in Ordnung. Die für diese Umbau- zeit von einem Baurat gegebenen Instruktionen waren aber un« klar, das konnte vor Gericht nicht bestritten werden. Trtzdcm wurde den beiden Angeklagten die volle Ver» antwortung für das Unglück zugeschoben. Der Staats- anwalt beantragte für jeden der Angeklagten neun Monate Gefängnis. Das Gericht billigte ihnen in An- betracht verschiedener, hier angeführter Umstände zwar mildernde Umstände zu; es verurteilte aber dennoch den •Jakubassa zu sechs und den Darkau zu vier Monate» Gefängnis. Dieses Urteil dürfte den hier geschilderten Umständen nach weit über sozialdemokratische Kreise hinaus Verwunderung er- regen. Ob aber der Eisenbahnfiskus in Anbetracht der fast täg- lich vorkommenden Eisenbahnunfälle endlich einmal die Ver- antwortlichen anderswo suchen wird? iiaflonalliberales! Charakteristisch für den augenblicklich versammeltekr nationalliberalen Parteitag ist es, daß unter den Forderungen, die dem Parteitag von seinem Ausschuß vorgelegt worden sind, die prcnssische Wahlrcform überhaupt nicht vertreten ist! Außer der Forderung einer Revision der Strafgesetzgcbung und eines in„freiheitlichem Sinne" ge- haltenen ReichLvereins- und Vcrsamntlungsrcchts wird da gefordert: „Der allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei er«' wartet von der n a t i 0 n a l l i b e r a l e n Fraktion-des Reichstages, daß sie stiach wie vor mit aller Ent- schiede nheit für die nötige Stärkung und de» weiteren Ausbau unserer Flotte unter tunlichster Beschlcunignng desselben eintritt. Der Vertretertag hält es insbesondere für durchaus er« forderlich, daß uns ereNeubauten den Neubauten anderer Staaten in beziig auf Größe, Armierung und Schnelligkeit mindestens gewachsen sind und daß die Alters- grenze der Linienschiffe herabgesetzt wird. Der allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei spricht die lleberzengung aus, daß die Fortführung einer k r a f t v 0 l l l e n Politik der preußischen Regierung gegen daS andrängende P 0 l e n t u m eine dringende Notwendigkeit im Interesse deS gesamten deutschen Volkes ist". Also Anti- Polenpolitik und uferlosestes Flottenrüstenl Das Wahlrecht in Preußen ist demgegenüber eine belanglose Angelegenheit! Hätte trotz alledr..! noch ein Zweifel darüber bestehen können, wie der Nationalliberalismus sich zur Wahlreform stellt, so wäre dieser Zweifel durch Basser manns Rede zerstört worden. Sagte doch Herr Bassermann: „Die einfache Ucbertraguug des ReichstagswahlrechtS rni) Preußen kann jedenfalls für unS nicht in Frage lonimc»." Es könne sich nur um Beseitigung des Klassenwahlrechts und des indirekten Wahlrechts handeln, vielleicht auch um die Bescittgung der öffentlichen Abstimmnng, schon mit Rücksicht auf den T e r r 0 r i s m u s—— der Sozialdemokratie! Also trotz Beseitigung des Klaffenwahlrechts, des indirekten Wahlrechts und— vielleicht!— auch der öffentlichen Ab- stimmung will der Nationalliberalismus das Neichstagswahl- recht n i cht auf Preußen übertragen wissen. Durch ein Plural- Wahlrecht für„Bildung und Besitz" soll die Masse des Volkes auch fernerhin entrechtet bleiben. Das ist der Bundesgenosse des Freisinns bei der Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts auf dem Wege der Vlock-Politik!— flenderung des amtsgerichtlichen Oerfahrens. Der gestrige„Reichsanzeiger' veröffentlicht aus 21 Spalten den Entwurf eines Gesetzes betreffend„Aenderung des Ge- richtsverfassungsges etzes, der Zivilprozeßord- nung, des Gerichtskostengesetzes und der Ge- bührenordnung der Rechtsanwälte" nebst Begründung. Wer in dem langatmigen Entwurf eine durchgreifende Reform deS Zivilprozesses erwartet, wird durch daS lange Opus gründlich ent« täuscht. Der Entwurf ist weit davon entfernt, das gesamte Gebiet deS Zivilprozesses einer Revision zu unterwerfen und insbesondere für die Prozesse, die für das werktätige Leben eine erhebliche Rolle spielen, die Garantie einer gerechteren, schleunigeren und billigeren Rechtsprechung zu bieten. Die so not- wendige Reform auf dem Gebiet der Rechtsprechung über ländliche Arbeitsverhältnisse durch Einführung ähn- licher Gerichte wie die Gewerbcgerichte, fehlt dem neuen Gesetzes« Vorschlag. Er ergreift auch nicht die Gelegenheit, endlich den bereits im Jahre 1897 für gangbar erklärten Weg zu beschreiten, um die Berufungsgerichte für Gewerbe- und Kau f m a n n s» Gerichts fachen sachgemäß zu gestalten sowie eine ei nh ei t- liche Instanz für die Rechtsprechung über diese Verträge herbei« zuführen, auf deren Abschluß und Bollzug die Lebenshaltung von Millionen beruht. Das Leitmotiv für den Entwurf ist nicht die Frage:„Wie kann eine gute Rechtsprechung herbeigeführt werden?" Bestimmend sind vielmehr in erster Reihe fiskalische Rücksichten. Statt einer Reform des höchst änderungsbedürftigen Zivilprozesses an Haupt und Gliedern, baut der Entwurf den Weg P l u t o k r a- tischer Rechtsprechung aus. Die Höhe resp. der Wert des Streitgegenstandes, nicht das Recht selbst soll nach dem Entwurf das Maßgebende sein. Wer in der Lage ist, hohe Objekte einklagen zu können, dem sollen nach wie vor zwei oder drei Instanzen zu Gebote stehen. Wer aber nicht Pro- zesse um hohe Summen führen kann, für den soll der Rechts- weg beschnitten werden. Nach dem Entwurf soll die Zuständigkeit der Amtsgerichte er- wettert werden. Die Amtsgerichte sollen in der Regel nicht wie bisher für Objekte bis 300, sondern für Objekte bis 800 Marl zu- ständig sein. Die Zahl der Berufungen ist relativ und absolut außerordentlich gestiegen. Im Jahre 1881 kamen auf 1000 Amtgerichtsurtcile 122 Berufungen, im Jahre 1S03: 248 — ein Beweis, daß das Rechtsempfinden im wachsenden Maße mit der Rechtsprechung gelehrter Amtsrichter, die ohne jegliche Kenntnis des werktäglichen Ledens urteilen, unzufrieden ist. Statt nun entweder dem Laienelement einen größeren Einfluß zu ge- währen, oder die Vorbildung der Amtsrichter umzugestalten, ver- langt der Entwurf Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte. Dem durch Einlegung von Berufungen geäußerten Begehren, Recht zu erhalten, soll dadurch entgegengetreten werden, daß in Zukunft die Berufung in den Fällen unzulässig sein soll, in dem der Streitgegenstand KO Mark nicht übersteigt. Durch diese Maßregel werden die ärmeren S chichten in erster Linie betroffen. Ihnen zeigt der Staat damit aufs neue, sie seien dazu da. die Kosten für den kostspieligen Recht- sprechungSapparat aufzubringen. Die Motive geben zu. daß die Fähigkeit der Richter eine so geringe ist, daß bei der durch Anwachsen von Berufungen erforderlichen Mehrung von landgerichtlichen und ober- landesgerichtlichen Stellen«erhebliche Schwierigkeiten hervorgerufen würden, wenn man die Anforderungen an die dafür berufenen Richter nicht in einer der Rechtspflege nachteiligen Weise herabsetzen will". Trotz dieser Geringschätzung der praktischen, wissenschaftlichen und technischen Befähigung der heutigen Richter soll die Allmacht deS Einzelrichters und damit die Rechtlosigkeit weiter Klassen der Be- völlerung in der angeführten Weise vermehrt werden. Man bedenke, daß im Reich imJahre 1S0S(abgesehen von den mehr als zwei Millionen Mahnsachen) bei den Amtsgerichten 2 117 612 und bei den Land- geeichten nur 818 787 Prozesse anhängig waren. Aus dieser Zahl ergibt sich, welch ungeheure Menge durch den geplanten neuen Pluto- lratischen Zug unserer Gerichtsorganisation benachteiligt wird. Das Vorstehende ist der Hauptinhalt des Entwurfs. Eine Reihe von Paragraphen will serner die Schwerfälligkeit des amts gerichtlichen Verfahrens durch An- näherung an die für Gewerbe- und Kaufmanns- gerichte bestehenden Bestimmungen etwas beseitigen. Es sollen mehr Arten von Prozessen als bisher zu Feriensachen erklärt werden. Dem Amtsrichter soll durch Gesetz die unsinnige Stellung genommen werden, daß er fast nur auf Betreiben einer Partei in der Regel einzugreifen und sonst die Stellung eines un- beweglichen Pagoden einzunehmen hat: er soll fortan, wie der Kaufmanns- und Gewerberichter, in verstärtter Weise zugunsten der�Ernnttelung der Wahrheit eingreifen können. Die ungeheuerlichen Gerichtskosten werden durch den Entwurf nicht herabgesetzt, sondern hinaufgeschraubt. Jeder Prozeß, der mehr als drei Tennine dauert, soll erheblich ver- teuert, die Schreibgebühr verdoppelt werden: statt 10 Pf. sollen 20 Pf. für die Seite von der Partei gezahlt werden. Dem Rechtsanwalt soll für die Herstellung des Schreib- Werks und zum Ersatz der Postgebühren ein P a u s ch a l s a tz von 20 Proz. der zum Ansatz gelangenden Gebühr, jedoch mindestens LO Pf. und höchstens 30 M. zukommen. Die Bevormundung der Parteien, die darin be- steht, daß der Amtsrichter, abgesehen von den Rechtsanwälten, Be- vollmächtigten und Beiständen, denen die Fähigkeit zum geeigneten Vortrag nach seiner Ansicht mangelt, den weiteren Vortrag unter- sagen kann, soll ausgedehnt werden. Von dem so not- wendigen Schutz der Arbeitersekretäre und Ge- Werkschaftsbeamten gegen die Zurückweisung e>löBeistände vor Gericht istimEntwurfnichtdie Rede. Ebenso hält sich der Entwurf von der Aufhebung deS Anwaltszwanges durchaus fem. Die Flickarbeit des Entwurfs entspricht demnach keineswegs dem Ziel einer gerechteren Rechtsprechung. Die bestehende Staatsordnung zeigt auch durch diesen Entivurf wieder, daß sie unfähig ist, auch nur im Zivilprozeß die Rechte des Einzelnen zu schützen, und daß sie insbesondere zum Schutz der Rechte des Aermeren weder fähig noch willens ist.___ tfiarokko. Die radikale Polizeifaust! Die französische Regierimg, das Ministerium Giemen- ceau-Briand hat das Maß seiner Schande zum lieber- laufen gebracht! Es hat den Polizeibüttcl Wider die Protest- aktion der Sozialisten Frankreichs und Spaniens aufgeboten. Der Draht meldet: Paris 5. Oktober.(Meldung der Agence HavaS.) Der Spanier Pablo Jglcsias, der hierher gekommen war, um einen Vortrag gegen die Expedition Frankreichs und Spaniens in Marokko zn halten, wurde auSgewicscn und wird heute abend nach Spanien zurückreisen. Außer ihm sind noch drei andere Spanier ausgewiesen worden. So ist denn das Ministerium des radikalen Clemenceau und des„Sozialisten" Briand auf das Niveau der aller- gewöhnlichsten Gewaltherrschaft heruntergekommen. Die französische Negierung fühlt sich so wenig sicher und hält ihre Sache, den Marokkofeldzug fiir so wenig sicher, daß sie eine internationale Aktion gegen das Marokko- abenteuer nicht glaubt ertragen zu können. Natürlich wird die brutale Maßregel den Protest selbst nicht verhindern. Die„Humanits" teilt mit, daß die große Protestvcrsammlung trotz der Ausweisung des spanischen Genossen stattfindet. aurös kündigte eine Interpellation über den Fall in der ammer an. Ein Privattelegramm vom Abend meldet uns noch zu der Affäre: Paris, 5. Oktober, 8,55 nachmittags. Die„Humanits" berichtet über Pablo JglesiaS' Aus- Weisung: I g l e s i a s kam gestern mittag hier an. Vier Polizeibeamte empfingen ihn am Bahnhof und befahlen ihm, ihnen zur Polizeipräfektur zu folgen, wo ihm weitere Mit- teilung gemacht werden solle. Drei ihn begleitende Freunde wurden nicht zugelaffen. Jglesias wurde im Fiaker zur Prä- fektur geftihrt, wo die Beamten dem nachfahrenden Redakteur Morizet von der„Humamts" erklärten, JglesiaS sei nicht verhastet, aber der Zutritt zu ihm sei versagt. Um vier Uhr teilte der Kommissar dem Genossen Morizet und dem inzwischen geholten Deputierten Dubais mit, daß Jglesias den Ausweisung s- b e f e h l erhalten habe und mit dem Abendzug abfahre. Auf dem Bahnhofe begrüßten die Genossen Dubreuilh und duc Ouercy den vom Inspektor Begleiteten. Die heutige Versammlung findet trotzdem statt. Die Ausweisung ist damit motiviert, daß die Gegenwart Jglesias' die öffentliche Sicherheit gefährde(!!). Auch drei andere Spanier wurde« ausgewiesen, CanaleS. Redakteur dos Madrider republikanischen Blattes ,/E l P als", der Heraus- gebcrF ue n tes vom„P r o g r e s s o" zu B ar c e 1 o n a und Emiliano Jglesias. Sie waren hier, um Privatsachen für F e r r e r. den Angeklagten im Madrider Attentatsprozeß, zu ordnen. Die Lage in Marokko. Paris, 5. Oktober. Der französische Konsul in Fez, G a i l l a r d, der hier auf Urlaub weilt, äußerte in einem Interview mit einem Vertreter des„TempS" sich sehr optimistisch über die Lage in Marokko. Mulay Hafid habe wenig Aussicht aus Erfolg. Der Sultan Abdul A z i z habe erkannt, daß er 1904 eine falsche Politik gemacht habe: er sei von den besten Gesinnungen gegenüber Frankreich beseelt. Wenn dieses ihm über seine Geldnot hinweghelfe, werde er sich leicht behaupten. Nach dem „Temps" besitzen die vom Sultan nach Paris gesandte» Juwelen einen reellen Wert von 9 bis 10 Millionen Frank. Paris, S. Oktober. Die«Agence Fournier" veröffentlicht folgende Londoner Meldung, die noch der Bestätigung bedarf: Einem amtlichen Communiquö aus Madrid zufolge sei es wegen des Konfliktes zwischen dem General Drude und dem spanischenTruppenkommandanten Okalla sehr wahrscheinlich, daß die spanischen Truppen aus Marokko zurückgezogen und das französische Militär allein in Marokko verbleiben würde. Durch diese Zurückziehung würden jedoch die spanischen Interessen in Marokko keine Be- einträchtigung erfahren._ Politische Clcbcrlicbt. Berlin, den 5. Oktober 1907. Preutzis cher Polizeigcist. Die Anzeichen mehren sich, daß in den Entwurf de» neuen Reichsvereins- und Versammlungsgesetzes allerlei reaktionäre Be- stimmungen hineinpraktiziert werden sollen, die von hinten herum die willkürlichen Eingriffe, deren Fortfall zuerst so bombastisch an- gekündigt wurde, wieder zulassen. Deutlich ergibt sich das daraus, daß neuerdings in der halboffiziösen Presse an die Ivürttem» bergische Regierung das Ansinnen gestellt wird, auf einige Be- stimmungen seines Vereins- und Versammlungsrechtes zu ver- zichten, da eS unmöglich sei, einfach dessen Bestimmungen in das neue Reichsgesetz hinüberzunehmen, weil in den anderen deutschen Bundesstaaten vielfach besondere Verhältnisse beständen, die«eine straffereHandhabuug derStaats- gewalt" erforderten. So heißt eS z. B. in einem Artikel der „Leipziger Neuest. Nachr.". die Hauptschwierigkeit für ein einheitliches Vereins- und Versammlungsrecht liege darin, daß Württemberg ein Vereins- und Versammlungsrecht besitzt, das die Vereins- und Versammlungsfreiheit in einem Maße ge- währleistet, welches mindestens mit dem nationalen Interesse der Bundesstaaten mit einer nicht rein deutschen Bevölkerung un- vereinbar erscheine. «Man könnte freilich auf den Ausweg kommen, das württcm- belgische Vereins- und Versammlungsrecht anzunehmen und nur mit einigen Bestimmungen gegen Nichtdeutsche zu oruaineutieren. Dem steht aber die garantierte Unveränderlichkeit deS württem- bergischen Rechtes entgegen. Wenn erst die Memoiren des ver- storbenen Stuttgarter Kriegsministers V. Sukkow veröffentlicht werden, wird man daraus ersehen, welche Schwierigkeiten 1870 der Reichsgründung nicht nur in Bayern, sondern auch in Württemberg entgegenstanden, und wie hart damals Bismarck mit den schwäbischen Unterhändlern zusammenstieß. Zu den Zu- geständniffen. die damals von Preußen gemacht wurden, gehört auch das mündliche Versprechen, daß kein ReichS-Vereins- und Versammlungsgesetz jemals die würtlembergische Ordnung dieser Materie außer Kraft setzen würde. Die Frage präzisiert sich also dahin, ob das Reich einfach das württem- bergische Gesetz übernimmt oder nicht; oder ob man in Stuttgart auf etwaige Aenderungen unter Verzicht auf das 1870 erhaltene Ver- sprechen eingeht. Die Vorarbeiten und Besprechungen mit den Staatsmännern der verschiedenen Einzelstaate» sind im Gange. Mitten Parteiführern wurde in Norderney verhandelt, aber ein Bundesratsbeschlutz ist noch nicht gesaßt." Offen wird hier zugestanden, daß in das neue Gesetz ver- schieden« reaktionäre Bestimmungen hineingebracht werden sollen, die in dem württenibergischen Gesetz fehlen, und zwar müssen es ziemlich bedenkliche Be st immun gen sein, denn sonst würde man sich nicht im Reichsamt des Innern in dieser Weise den Kopf zerbreche» und von vornherein annehmen, daß die lviirttembergische Regierung kaum zur Nachgiebigkeit geneigt sein werde.—_ Kein„nationaler" Kolonialtaffee mehr! Nach dem Bericht deS Mosie-BlatteS hat sich Dernburg noch un- günstiger über den Kaffeebau in Ostafrika geäußert als nach dem Wölfischen Telegramm. Den Kaffeebau hal danach der Staats- sekretär für absolut unrentabel erklärt: er wundert sich nur, daß damit nicht völlig reiner Tisch gemacht wurde. Der Kaffee- export aus Ostasrika bezifferte sich 1904 noch auf 836 981 M., 190ö auf 464 086 M. Auch die anderen Kolonien eignen sich nicht zum Anbau von Kaffee. So meldet die leyte Amtliche Kolonialdenkschrift. daß auch in Neuguinea der Kaffeeanbau nicht fortgesetzt worden seil Schade: auf den illustrierten NeichSliigenverbandS« Flugblättern nahm sich die dampfende Niesenkaffeetasse. die niisere wertvolle koloniale Kaffccproduktion veranschaulichen sollte, so an- heimelnd aus!—_ Die Zeugniszwaugsfolter in Tätigkeit. Nach Bayern uud Baden wendet nun auch die Justiz i m Reichsland die ZeuguiSzwaugSsolter gegen Redaktcure zur Er- zwingung ehrlosen Verrats an. Wie wir schon berichteten, wurde Genosie Schneider, Redakteur an unserem Straßburger Partei- blatt, der«Freien Presse", im Gerichtssaal vom Flecke weg verhaftet. Grund: Er wollte den Bersasser eines Artilels nicht neuiien l Schon die Vorgeschichte ist äußerst bezeichnend. In dem schönen Städtchen Bischweiler(bei Straßburg) herrscht die niedliche Sitte, daß bei Versteigerung von Holz durch die Gemeinde die Holzhändler gemäß vorheriger Vereinbarung sich nicht überbieten, vielmehr einen billig steigern lassen und dann unter sich weiter verkaufen. Außen- stehende werden abgefunden. An diesen sinnigen, dem Ge- meindesäckel nicht eben nützlichen Manövern beteiligt« sich auch ein Mitglied des Gemeinderats, das auf den Namen Mayer hört. Gegen ihn ging das sozialdemokratische GenieuideratSmitglied Thomas energisch vor. Ueber diese Sitzung wurde in der Straß- burger„Freien Presse" berichtet. Folge: Holzhändler Mäher klagte gegen Genossen Thomas, und zwar erstens: weil er ihn durch seine Rede im Gemeinderat beleidigt habe; und zweitens: weil er den Bericht über die Sitzung, in der die inkriminierte Rede ge- halten wurde— angeblich— verfaßt habe. Die Ver- Handlung vor dem Schöffengericht verlief kläglich. Nicht nur daß Genosse Thonias das B e st e h e n der angegebenen idyllischen Sitte bewies; er stützte sich überhaupt wegen seiner Aenßerung im Gemeinderat aus den K 193 des Strafgesetzbuches (Wahrung berechtigter Interessen); und schließlich machte sein An- walt geltend, daß der Strafantrag zu spät gestellt war. Es blieb also Herrn Holzhändler Mayer nichts übrig, als sich auf die an- geblichen journali st i scheu Schandtaten des Genossen Thomas zu stürzen. Aber auch hier fuhr er ab, Genosse Thomas bestritt die Verfasserschaft. Und nun ließ der brave Mann den verantwortlichen Redakteur der„Freien Presse", Genossen Schneider als Kronzeugen zitieren. Was zu erwarten war, trat ein. Genosse Schneider verweigerte jede Aussage. Darauf stellte der gegnerische Anwalt Reiß aus Sttatzburg, ein entschiedener An- gehöriger der liberalen Partei in Sttatzburg, den Antrag, den loiderspenstigen Redakteur wegen Verweigerung des Zeugnisses zu bestrafen und zur Erzwingung des Zeugnisses sofort i» Haft zu nehmen. Und also sprach der Richter, ein junger Gerichtsassessor namens Hamm. Genosie Schneider wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und ohne weiteres ins Gefängnis abgeführtl Gleichzeitig mit der Nachricht, daß Genosie Schneider in Zeugniszwangshaft genommen wurde, kommt die Meldung. daß gegen den Genossen Sauerbeck von der«Schwäbischen Tagwacht" zu Stuttgart ein Zeugniszwangsverfahren ein- geleitet worden ist. Unser Stuttgarter Parteiorgan schreibt unterm 4. Oktober: Der Ruhm, den sich Bayern und Baden vor einigen Monaten mit dem Zeugniszwangsverfahren gegen Redakteure erworben hat, läßt scheint's die würtlembergische Justizverwaltung nicht ruhen. Gestern war unser verantwortlicher Redakteur K. Sauerbeck als Zeuge vor den Untersuchungsrichter geladen, um Auslunft zu geben über den Verfasier einer nicht sehr bedeutsame» Notiz aus Botnang, die vor einigen Tagen in der„Schwäbischen Tagwacht" veröffentlicht wurde. Da Sauerbeck ttotz allen Zuredens bei seiner strikten Weigerung, den Namen des Einsenders zu nennen, beharrte, wurden ihm schließlich eine Geld- strafe von 20 Mark und die Kosten des Versahrens auf- gebürdet. Es scheint, als ob allmählich auch die abscheulichsieu politischen Unsitten in Württemberg importiert werden sollen. Die württembergische Justiz hat sich schon mehr als einmal bemüht, die Namen der Verfasser unbequemer„Tagwacht"-Artikel kennen zu lernen. Wenn es ihr auf dem seither üblichen Wege der ein- fachen Befragung und eventuell noch der Haussuchung nicht ge- lang, so stellte sie ihre Bemühungen ein. Zwangsmittel zur Erpressung einer unehrenhaften Tat anzuwenden, das blieb dem Zeitalter vorbehalte», in dem der Justizminister Schmidlin die Gerechtigkeit verwaltet unter der Oberhoheit deö Herrn v. Weizsäcker. Christliche Kindererziehung. Die Ehefrau des.Waisenhausvaters" Bosse in Göttingen ist am 26. August vom dortigen Schöffengericht wegen fahrlässiger Körperverletzung, begangen an der elfjährigen Halb- Waise Else Sebo zu 40 M. Geldstrafe verurteilt worden. Die fromme Frau hatte das Kind, das„ohne Erlaubnis" zu seiner Mutter(!) gegangen war und dies anfänglich geleugnet hatte. wie eine Wilde mit einem Rohrstock bearbeitet und die Hauerei auch dann noch fortgesetzt, als das Kind sich zur Erde warf, um sich strampelnd der Schläge zu erwehren. Elses Körper war am Oberschenkel, an den Lenden, dem Gesäß, an der Schulter, am Arm. ja sogar unter dem linken Auge mit dicken blut- unterlaufenen Striemen bedeckt. Das Schöffengericht bezeichnete die Züchtigung als brutal. Gegen das Urteil hatte Frau Bosse Berufung eingelegt. die am 3. Oktober vor der Göttingcr Strafkammer verhandelt wurde. Der medizinische Sachverständige bekundete, daß er acht bis zehn blutunterlaufene Stellen festgestellt habe, die mit einem recht derben Stock beigebracht sein müßten(erlaubt sind im Waisen- hause nur Züchtigungen mit einem schwachen Rohrstock). Ob das Züchtigungsrecht überschritten, sei schwer z u entscheiden(!). Das Mädchen habe eine hochgradig empfind- liche Haut. Immerhin sei die Mißhandlung„außergewöhnlich". Die Schläge seien mit ganz besonderer Wucht ausgeführt. Else selber bekundete, die„WaisenhauSmutter" habe ihr das Röckche» hochgehoben und sie auf den unbekleideten Körper geschlagen. Auch Lehrer Aschosf hat den Eindruck gewonncil, die Schläge seien auf dem bloßen Körper erfolgt. Das Kind sei lügenhaft gewesen, es habe sich jedoch gebessert, seitdem es aus der An st alt entfernt sei. Die Angeklagte bestreitet die Züchtigung auf den nackten Leib. Daß sie nach der ihr zuteil gewordenen Schulung aber den nackten Körper in dieser Weise gezüchtigt haben könnte, geht aus der Aussage des Pastors O e l k e r s hervor. Dieser zur E n t l a st u n g der Angeklagten geladene Zeuge leitet das bekannte Stephansstift in Hannover, in dem Frau Bosse wie ihr Mann ihre Ausbildung in der„K i n d e r e r z i e h u ng" crljalten haben. Die Verteidigung loill durch diesen Zeugen den Beweis führen, daß man im Stcphansstift genau so züchtige, wie Frau Bosse die Else. Der Pastor sagte au», die Züchtigung werde in der Regel von dem Hausvater ausgeübt, und zwar müßten sich die Kinder über einen Stuhl legen. Falls ein Kind sich wehre, würde es eine Kapitulation vor ihm bedeuten, wenn die Züchtigung nicht fortgesetzt werde. Es gebe hierbei zwar Szenen, die einem selbst peinlich seien, aber im Interesse der Erziehung(!) und der Disziplin müsse die Züchtigung in solchen Fällen mit eiserner Konsequenz durchgeführt werden. Ferner er- klärt der Diener des Herrn: bei besonders„schweren Vergehen" habe auch er auf daS nackte Gesäß geschlagen und ebenso hätten es seine Vorgänger gemacht. Das Gericht--- sprach die Waisenhausmutter frei! Die Else habe die Strafe für ihr Leugnen„mit vollem Recht er- halten". Das Züchtigungsrecht sei nicht überschritten.— Wie sollte auch die Justiz des Staates, dessen Beamter einer Kolonie gleich eine ganze Schulklasse mitsamt dem Lehrer ent- kleiden und„züchtigen" läßt, ein anderes Urteil fällen? Sinekuren für unsere Junker. Die„Freisinnige Zeitung" empfiehlt, die Sondergcsand- schaften Preußens in den deutschen Bundesstaaten auszuheben. Die Herren bezögen Gehälter bis zu 45 000 Mark und führten dabei in Ermangelung sonst zu erledigender Geschäfte ein„bescheidenes Stilleben." Allerdings seien diese Posten sehr ge- sucht und begehrt bei dem Junkerttttn. Die„Freisinnige Zeitung" wird bei den konservativen Blockbrüdern für den Vorschlag der Beseitigung dieser Sine- kuren wenig Gegenliebe finden. Oder höchstens erst dann. wenn durch die koloniale Börse«Politik Dernbnrgs eine entsprechende Anzahl hochbezahlter A», f s i ch t s- rats stellen für das Junkertum geschaffen worden sind! Dem Volke wird der Spaß dann allerdings noch viel teurer zu stehen kommen! Ein Säbelhieb mit„vorzüglicher" Führung. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 5. Oktober: Vor dem Kriegsgericht der 8. Division waren heute wegen gemcinschaft- licher Körperverletzung und rechtswidrigen Waffengebrauchs an- geklagt der Vizewachtmeister Karl Zimmermann und der über- zählige Sergeant, Trompeter Otto Kallenberg, beide von der zweiten Batterie des Artilleric-Regimcnts Nr. 75. Der Vize- Wachtmeister ist bereits mit einigen Verweisen und wegen rechts- widrigen Wasfengcbrauchs mit sechs Wochen und einem Tage Gefängnis vorbestraft. Er hatte damals einem Zivilisten mit seinem Säbel einen komplizierten Schädelbruch bei- gebracht, erscheint aber auf der Anklagebank— so steht es zum wenigsten in den Akten— als ein Mann mit vorzüglicher Führung. Jene Gefängnisstrafe des„vorzüglichen" Mannes ist im Gnadenwege in eine kleine Arreststrafe um- gewandelt worden! Nach einer nächtlichen Kneiperei wurde den beiden An- geklagten von einem Passanten ein derbes Schlagwort zugerufen. Tarauf stieß Zimmermann eine friedlich des Weges gehende 42jährige Stellmachersfrau, die mit der Aeutzerung nicht das ge- ringste zu tun hatte, von hinten in den Rücken. Als die zu Boden gestürzte Frau um Hülfe rief, würgte er sie auch noch am Halse. Nunmehr kam der Ehemann Reichert hinzu, um seine ohne Anlaß zu Boden geworfene Frau zu befreien. Darauf zog der Vize- lvachtmeister, wie schon früher, wieder„blank" und versetzte mit dem Säbel Reichert einen Hieb über den Kopf, daß das Blut floß. Schließlich kam auch noch Kallenberg hinzu und Reichert erhielt einen derartigen Fußtritt in die Seite, daß ihm eine Rippe brach. Tann verschwanden die„mutigen Helden" per Automobil und Reichert ließ sich in der Klinik verbinden. Das Urteil lautete gegen Kallenberg auf vierzehn Tage und gegen Zimmer- mann auf drei Monate Gefängnis. Auf Degradation de? Zimmermann wurde nicht erkannt.— Ein neuer Skandalprozrß in Weimar steht in Aussicht, und die bürgerliche Presse jammert, daß dieser den Bach- und Schönheit- Prozeß, bei dem es sich um gestohlene Goethe-Akten handelte, noch übertreffen werde. Die Veranlaffung dazu bietet eine kleine Broschüre, die von Dr. I. Wernsdorf« Jena verfaßt ist. In dieser Schrift wird einer Anzahl weimarischer Juftizbeamter. von denen einer sogar jüngst bei der Besetzung des Ministerpostens mit genannt wurde, die schwerste Korruption nachgesagt. In einer Reihe bunter Bilder entwirft der Verfasser eine derartige Be- schreibung der tveimarifchen Justiz, daß inan annehmen könnte, die Geschichte habe sich weit hinten in der Türkei zugetragen. Die Staatsanwaltschaft setzt alle Hebel in Bewegung, um die vermaledeite Broschüre einzutreiben. Nach dieser Reklame ist die Nach- frage natürlich so gestiegen, daß die in Privathänden befindlichen Exemplare von Hand zu Hand gehen. Das Schriftchen hat den Titel:„Blatt 11 der Nachlaßakten". Aus dem Staate des Ordens der Wachsamkeit. Aus Thyssens Reich. In einem Nachbarorte der Residenzstadt des Jndustriekönigs Thyssen, in Fulerum bei Mülheim a. d. Ruhr, also in- mitten der Jndustriezentrale des Ruhrgebietes, bestehen Schul- u st ä n d e, wie sie trostloser im östlichsten Osten t*s preußischen unkerparadicscs auch nicht bestehen können. In Fulerum„unter- richten" nämlich zurzeit wieder einmal zwei Lehrer über 300 Kinder! Wenn wir sagen,„wieder einmal", so soll das heißen, daß dieser Zustand deö öfteren eintritt. Die Stelle des ersten Lehrers ist in den letzten vier Jahren nicht weniger als dreimal unbesetzt gewesen, und jetzt ist sie wieder vakant. Weil nun die Situtation aber gar zu ungemütlich ist, so hilft man sich vorläufig damit, daß man den Unterricht für den jüngsten Jahr- gang einfach eingestellt hat. Die übrigen Schüler laufen durch- einander so gut oder so schlecht es eben geht. Wie verlautet, soll „baldigst" ein Lehrer aus Sachsen in die vakante Stelle eintreten. Mag sein, daß das„baldigst" sich nicht mehr allzu lange verzögert. Aber wie lange der neue Herr bleibt, das ist eine andere Frage. Indes auch bei voller Besetzung der drei Stellen sind das Zu- stände, die zum Himmel schreien! Es bleibt auch dann noch eine zu starke Belastung der Lehrkräfte um mindestens 50 Proz. Aber nun bedenke man, daß diese Äinderschar von zwei(I) Lehrern unterrichtet wird! Arme Volksschüler, die einen solchen„Bildungs- gang" durchmachen müssen._ Genosse Legien ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: Nach dem Bericht des„Vorwärts"(Nr. 220) hat auf der General- Versammlung des„Vereins für Sozialpolitik" ein Herr Professor Dr. v. Halle von einer Umfrage des Deutschen volkswirtschaftlichen Verbandes gesprochen und dabei bemerkt: .Die Herren Legien und Molke nbuhr hätten sich nicht einmal die Mühe genommen, zu antworten. Sie seien wohl der Meinung, daß sie hier nichts zu lernen hätten und daß das Trifolium, das jetzt die Kurse für Arbeiterbeamte in Berlin ab- halte, Franz Mehring, Rosa Luxemburg und Stadt« Hagen die geeignetste Instanz fiir die Ausbildung sei." Mr ist von der Sache, über die der Herr geredet hat, nichts bekannt. Ich kenne auch den Herr» selbst nicht: es sei denn, es ist der Herr L e V y von Halle, der sich Mitte der nemrziger Jahre an die Generalkommission wandte, um durch ihre Ver- mittclung Kenntnis von den Organisationsverhältnissen der Arbeiter auf den deutschen Schiffswerften zu erhalten. Damals habe ich mich bemüht, dem Herrn das gewünfchte Material zu be- schaffen, ohne auf Dank zu rechnen ,oder ihn zu erhalten. Wenn ich nicht irre, ist dann der Herr aus Anerkennung für seine Schrift über den Schiffsbau in Deutschland zum Professor gemacht ivorden. Im Bureau der Generalkommission besteht seit je die Gepflogen« heit, jedem, nicht nur denen, die sich von, zu oder ans Halle nennen, sondern auch dem einfachsten Arbeiter, auf eine Anfrage oder ei» Ersuchen eine Antwort zu geben. Mit dem Herrn Professor v. Halle eine Ausnahme von dieser Praxis zu machen, lag nicht der geringste Grund vor._ fratihrcicb. Eine„antipatriotische" Gespenstergeschichte. Paris, 4. Oktober.(Eig. Der.) Die Bourgeoispresse muß jetzt, zur gründlichen Acngstigung ihres Publikums, ihre tägliche antimilitaristische Schreckens- geschichte haben. Da konnte man z. B. eine romantische Be- schreibung eines ganz geheimen Kricgsrat lesen, den Herve mit seinen Getreuen abgehalten haben sollte, um Demonstrationen auf den Bahnhöfen anläßlich des EinrückenS der Rekruten vorzu- bereiten. Die albern erfundene„Enthüllung" hatte zwei Vorteile. Erstens konnte man die schrecklichen Gefahren des HerveismuS schildern und dabei die ganze sozialistische Partei verleumden, zweitens, da die Demonstrationen natürlich nicht stattfanden, freudig konstatieren, daß die Mafien des Voltes vom„antimilita- ristischen Gist" nicht angesteckt seien. Was freilich wiederum die Fortsetzung der dosierten patriotischen Kassandrarufe nicht ver- hinderte. Gestern bekam man eine besonders kräftige Dosis ver- abrcickit: die Geschichte vom Rcservcleutnant Biville in Eacn. Man denke! Ei» Offizier, der eine Fahne nicht tragen will! Das ging ja noch über den sozialistischen Leutnant T i s s« r a n d hin- auS, der nur nicht aus streitende Arbeiter hatte schießen wollen. Hier hatte man einen Herve in Uniform, der die nationale Fahne beleidigte. Und obendrein einen Professor, einen„Intellektuellen" — woraus sich die Notwendigkeit ableiten ließ, gegen die sozia- listischcn Lehrer rücksichtslos einzuschreiten.— Unglücklicherweise haben oie nachkommenden detaillierten Berichte den aufgequollenen ScnsationSöallon plötzlich wieder einschrumpfen laffen. Leutnant Biville hat die Fahne nur darum nicht tragen wollen, weil mgn ihn zu einer Ordensverleihung kommandiert haiie, der politische Motive zugrunde lagen. Er hatte also die Fahne nicht entweihen wollen, sondern im Gegenteil den Gehorsam versagt, um an der ihr seiner Meinung nach drohenden Entweihung keinen Teil zu haben. Wenn hier ein Jdeologcntrotz vorlag, so war es doch nur patriotischer Trotz. Jedenfalls hatte Leutnant Biville nichts anderes getan, als was so viele klerikale Offiziere straflos vor ihm getan haben. Zu seinen Lasten fällt allerdings, daß er der sozia- listischen Lokalorganisation von Caen angehört. Das werden ihm klerikale Militärrichter wohl ebensowenig verzeihen wie die Herr- schenken Radikalen, gegen deren politischen Dekorationsvertrieb er protestiert hat. Italien. Eine symptomatische Zeitnngsverschmelzung. Rom, 3. Oktober.(Eig. Der.) Nach 44 jährigem Erscheinen stellt der Mailänder„O s s e r- vatore Cattolico" seine Veröffentlichungen ein, um sich mit der ebenfalls in Mailand erscheinenden„Lega Lombarda" zu verschmelzen. Diese Vereinigung zweier katholischer Tages- zcitungen, die sich einander vielfach bekämpft haben, ist äußerst charakteristisch für die politische Haltung des italienischen Klerus und insbesondere für die neueste Versöhnungspolitik deS Vatikans. Der„Osservatore Cattolico" hat nämlich 44 Jahre hindurch„die Fahne des intransigenten Klerikalis- m u s" hochgehalten, der in dem König von Italien den U s u r- p a t o r sieht und nicht aufhört, die Anrechte des päpstlichen Stuhles auf die weltliche Herrschaft zu proklamieren. Und diese selbe Zeitung verschmilzt heute mit der„Lega Lombarda". die seit 22 Jahren für eine Versöhnung zwischen Vatikan und Monarchie eingetreten ist und deshalb schwere Angriffe gerade vom„Osservatore Cattolico" erfahren hat! Das bedeutet, daß der Vatikan die Zeit der intransigenten Politik endgültig für über» wunden hält und ihr einflußreiches Tageblatt als überflüssig verschwinden läßt. Die Richtung der„Lega Lombarda" hat also die Oberhand behalten, und wir sehen Vatikan und Monarchie in vollster Versöhnung. Die Stellungnahme zu der Regierung des„Usurpators" ist natürlich für die neue aus der Verschmelzung entstehende Zeitung. „L'Unione", klar vorgezeichnet. Gespannt kann man dagegen darauf sein, wie sich das neue Blatt zu den inneren Fragen des Klerika- liSmus stellt, so zu der„modernistischen" und zur chrjstlich-sozialcn Bewegung. Die„Lega Lombarda" hat eine gewisse Sympathie für den rein doktrinalen Teil des„Modernismus" an den Tag gelegt, mit dem sich der„Osservatore" natürlich nicht befreunden hatte, ein Dorn im Auge waren. Wie werden sich diese entgegen- wieder der„Lega", die offen aristokratisch'e Tendenzen hannte, ein Dorn im Auge waren. Wie werden sich diese entgegen- gesetzten Tendenzen in der neuen Gründung austragen?—> Der„Osservatore" wird übrigens als W o ch e n b l a t t für religiöse Studien weiter erscheinen.— Rolland. Ersatzwahl zur Zweiten Kammer. Amsterdam, 3. Oktober.(Eig. Ber.) Bei der am Dienstag vollzogenen Ersatzwahl zur Zweiten Kammer, in dem durch das Dahinscheiden des Genossen P. L. Tak vakant gewordenen Wahlkreise Franekcr, kam der sozialdcmokra- tische Kandidat, unser Genosse W. P. G. H e l s d i n g e n, früherer Abgeordneter für Lachem, in Stichivahl mit dem antirevolutionären van der Molen, während der Freisinnsdemokrat in diesem vor 1905 stets liberalen Wahlkreise ä u s f i e l. Genosse Heisdingen vereinigte 2289 Stimmen aus sich, gegen 2170 Stimmen, die bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1905 auf Tak sielen. Die sozialdemokratische Stimmenzahl stiegt also um 119 Stimmen, während die christliche um 345, die liberale um 380' Stimmen zurückging. Im Jahre 1905 siegte Genosse Tak in der. Stich- wähl, und auch dieses Mal ist der Sieg unseres Kandidaten zu erwarten. Indien. Die verdammende» Urteile über Keir Hardie, die in diesen Tagen von einem großen Teil der enaliicben Vresse gefällt wurden, erregen in Indien— wie eine Depesche der „Central News" aus Calcutta berichtet— viel Aufsehen, da dort die Meinung verbreitet ist, Hardie habe sich durchaus korrekt betragen und nichts oder so gut wie nichts getan, was die Verdammung hätte rechtfertigen können. Hardie ist nach Calcutta zurückgekehrt. Er erklärte, er habe viel Unzufriedenheit und Erbitterung gefunden, die hauptsächlich durch die Teilung Bengalcns hervorgerufen sind: ebenso sei das Benehmen der indischen Beamten gegenüber den Eingeborenen wenig sympathisch, wodurch die geinäßigten Reformer ins extreme Lager getrieben würden...«■ HuPtraUen. Gegen das Schwitzsystcm scheint die australische Regierung jetzt mit großer Energie vorgehen zu wollen. Der Finanzminister William Lanc unterbreitete dem BundcSparlamcnt einen Gesetz- entwurf, wonach diejenigen Waren, die unter dem Schwitzsystem angefertigt werden, einer besonders hohen Steuer zu unterwerfen, sind. Kann der Fabrikant nachweisen, daß seine Waren unter Lohn- und Arbeitsbedingungen hergestellt sind, die' als„tsir" (anständig) bezeichnet werden können, so ist er von der Extrastcuer befreit. Der Rcgicrungsvertreter hob hervor, daß es gewiß schwierig sein werde, zu entscheiden, welcher Lohn in strittigen Fällen als angemessen zu betrachten sei. Darüber soll nun ein von der Re- gierung eingesetztes Schiedsgericht entscheiden. Dasselbe erhält das Recht, Zeugen unter Eid zu vernehmen, Bücher zu revidieren usw. Erst nach der Entscheidung dieses Lohnboards darf dem Fabrikanten die vom Staate herausgegebene Kontrollmarke ver- abfolgt werden.—_______ Soziales« Gewerbliche Arbeiterin ober kanfmäunischer Lehrling? Das Warenhaus Hermann Engel in Berlin, das Kleidungsstücke in der Hausindustrie herstellen läßt, beschäftigt ein junges Mädchen in dem Raum, in dem die Hausgewerbetreibende» das Material in Empfang nehmen und die fertigen Sachen abliefern, mit dem Buchen der herausgegebenen Niaterialien und eingelieferten Sachen sowie mit dem Ausrechnen der Lohnbücher. Der Abteilungsleiter Jakobsohn wurde in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt, weil das Mädchen kein Arbeitsbuch hatte, wie ti die Gewerbeordnung für minderjährig« gewerb- liche Arbeiter und Arbeiterinnen vorschreibt. Unerheblich sei. so wurde ausgeführt, daß das Mädchen als kaufmännischer Lehrling angenommen sei. Die tatsächliche Beschäftigung wäre maßgebend, und die habe lediglich dem ans Herstellimg oder Ab- äuderung von Waren gewidmeten Betriebsteil gedient. Nach ihrer Beschäftigung sei das Mädchen als gewerbliche Arbeiterin anzu- sehen.— Das Kammergericht verwarf dieser Tage pie Revision des Angeklagten._ Hus Induftrle und Handel Jedem das Seine! Für das Kapital hat die Gütererzeugung nur den Zweck, Gewinn zu erlangen. Es betrachtet daher die Lohnzahlung als notwendige? Uebel. denn der Lohn verkümmert du, Profit. Und jeden Pfennig Lohnzulage, den die Unternehmer bewilligen müssen, empfinden sie als ihnen gestohlen, abgepreßt, geraubt. Die Armen! Das erträumte Ideal, gar keinen Lohn zu zahlen, läßt sich nicht gut erreichen. Dagegen gibt es Unternehmen, bei denen da» Verhältnis zwischen Lohn und Gewinn von den Kapitalisten als erfreulich und nachahmenswert betrachtet wird. Zu diesen Unter. nehmen dürften die Westfälischen Drahtwerke in Werne zu rechnen sein, Nach den Geschäftsberichten der beiden letzten Jahre betrug: Die Zahl Jahrcsdurch- Rein- d« schmttslohn gewinn Arbeiter kohnsumme gewinn � Mk. Mk. Mk. Mk. 1905/06. 839 1174 046 1104 726 1399 ISIS 1906/07. 881 1286 292 1279 544 1460»4« Bald ist eS erreicht, die Gleichheit zwischen Lohn und Rein- gewinn hergestellt. Wollten die Arbeiter sich anmaßen, von dem Reingewinn noch einen Teil für sich zu beanspruchen, dann würden die Dividendcnmacher über unerhörte Begehrlichkeit lamentieren. Die Aktionäre selbst sind ja so bescheiden. Im letzten Jahre hat icder Arbeiter 1916 M. Dividenden und 195 M. Tantiemen und Gratifikationen erarbeiten müssen. Einschließlich der gezahlten Zinsen, Steuern und Unkosten ergibt sich pro Arbeiter ein Ueber- schuß von 1895 M. Für jede Mark Lohn, die der Arbeiter erhält, muß er für den nichtsschasfenden Aktionär auch eine Mark er- arbeiten. Das ist die Harmonie der Interessent Handwerk und Fortschritt. Eine interessante Beleuchtung erfährt der Todeskampf de» tandwerks durch die Ausführungen deS Herrn W. BuceriuS im arlsruher Bezirksverein des„Vereins Deutscher Ingenieure" über„Kraft- und Arbeltsmaschinen im Handwerk und Kleingewerbe in wirtschaftlicher Hinsicht", worüber im folgenden be- richtet werden möge. Ein wesentlicher Vorteil deS Großbetriebes ist u. a. die Benutzung maschineller Kraft für die Produktion usw. Als daher der Gasmotor in einer brauchbaren Form zuerst auf den Markt kam. setzte man in Kreisen des Kleingewerbes auf die neue Maschine Hoffnungen, und erwartete von der Einführung von Kraft- und Arbcitsmaschinen in kleineren gewerblichen Be» trieben und Handwerksstuben eine baldige Neubelebung deS Klein» betriebes. Sicht man von den sozialen Bedingungen ab, die eine wesentliche Ausbreitung des Kleinbetriebes hindern, so möchte der Gedanke auf den ersten Augenblick bestechen, namentlich, wenn man die ganze Sache mehr vom technischen als vom wirtschaftlichen und sozialen Standpunkte aus betrachtet: Nun hat es sich aber gezeigt, daß alle die Hoffnungen trügerisch waren. Kleinbetriebe. die zur Maschinenkraft übergegangen sind, wuchsen sich in vielen Fällen zu Großbetrieben aus oder wurden von Großbetrieben aufgesaugt, das Handwerk und.der Kleinbetrieb geriet in immer schwierigere Notlagen. Die Schwierigkeit der Einführung maschineller Hülfsmittel in nennenswertem Umfange im Hand» werk liegt weniger äuf technischem Gebiete als auf Wirtschaft- lichem, denn es gibt eine ganze Menge von Arbeiten, die auch im Kleinbetriebe mit Maschinen hergestellt werden könnten. Die» jenigen Handwerke, welche die Maschincnkraft vorteilhaft benutzen konnten, sind jetzt aber kaum noch als Handwerke zu finden, sondern sind vielmehr zu Industrien ausgewachsen, die nur als solche überhaupt noch existenzfähig sind. Dahin gehören z. B. die Tuchmacherei, Weberei. Gerberei, Seifensiederei, Nagclschnncdc. Nadlerei usw. TaS Handwerk kann heute nur noch da existieren. wo es Produkte erzeugt, die den Anforderungen jedes Einzelfalles angepaßt werden müssen. Aber selbst da greift schon die Industrie weit in den Prozeß der Herstellung hinein und hat neue Formen der gewerblichen Beschäftigung geschaffen, die man mehr al» „montieren" bezeichnen kann. Auf anderen Gebieten hat wieder die rein wirtschaftliche Entwickelung außerordentliche..Schwierig» leiten vor die Existenz des Handwerks gehäuft, nämlich daS Groß» kapital in Verbindung mit der Großindustrie, die es z. B. vermocht hat, selbst ein.so verhältnismäßig individuelles Gewerbe wie die Schuhmacherei in weitestem Umfange-an sich zu reißen. Andere Gewerbe, wie die Bäckerei,"die Schlächterei usw. sind weniger da» von betroffen wckrden. Der große Vorteil der maschinellen HerstellungSwcise vor der handwerksmäßigen beruht vor allem auf zwei Faktoren, auf der Verminderung der Herstellungskosten und der Verminderung der HerstellungSzcit.. Vorbedingung für den maschinellen Betrieb ist aber auch, daß man ihn günstig ausnutzen kann;..nur dann kann er natürlich wirtschaftlj�-- Vorteile bringen. Dafür bringt Bucerius einen interesf6..ten Vergleich, der offenbar der Praxis entnommen ist. Er stellt' die Aufgabe, in ein Blech von 1 Zenti» meter Starke ein Loch zu bohren, einnial auf maschinellem Wege und das andere Mal mit einer von Hand benutzten Bohrknarrc. Im letzteren Falle wurde eine Zeit von 140 Sekunden'ermittelt, während die elektrisch angetriebene Bohrmaschine nur 20 Sekunden erforderte. Unter Berücksichtigung der Anschaffungskosten, des Lohnes, der Betriebskosten- usw. stellt sich heraus, dqß erst nach Bohrung von 35 000 Löchern die Herstellungskosten in beiden Fällen gleich werden, von da an aber die maschinelle Herstellungs- weise wesentlich billiger wird als die von Hand. Selbst bei der Annahme einer zehnprozentigen Verzinsung und Tilgung der An- schaffungSkosten sind 2272 Bohrungen pro Jahr nötig, damit die Maschine einen gleich günstigen Effekt erziele wie der Hand, betrieb. Darüber hinaus wird der Maschinenbetrieb allerdings wesentlich günstiger. Man erkennt daraus, einen wie bestimmenden Einfluß die Anschaffungskosten auf die Wirtschaftlichkeit de» Maschinenbetriebes ausüben. Auch sind selten gerade die geeigneten BetricbSkräfte vor» handen oder benutzbar. Ferner bestimmt die Größe der Anlage, ihre BenutzungSdauer, ihre durchschnittliche Belastung usw. die Art deS Betriebes. Beträgt der Kraftbedarf unter 8 Pferdestärken, so bleiben SauggaSmotorcn und Dieselmotoren außer Betracht, Dampfmaschine» kommen nur unter besonderen Verhältnissen zur Verwendung und zwischen Gas und Elektrizität entscheidet man sich allgemein bei kleinem Kraftbcdarf, etwa bis zu 3 Pferdestärken, bei geringer Benutzun�sdauer und häufig schwankender Belastung. also Verhältnissen, wie sie gerade der Handwerksbetrieb häufig aufweist, für den Elektromotor, bei dem dann der Vorteil über» wiegt. In der Großindustrie fallen die meisten dieser Bedenken weg. Da kann man nehmen, waS man eben gerade braucht, weil sich größere Maschinensätze immer günstiger auswerten lassen al» kleine, und der Betrieb schon an sich billiger wird. In allen Fällen zeigt sich also eine bedeutende Ucberlcgenheit des Großbetriebes. Der Handwerker muß jedes Loch aber teuer bezahlen. Der Groß- industrielle bohrt mit der Maschine und bohrt stets billig, einzig und allein aus dem Umstände heraus, weil er viek zu bohren hat. TaS sind Prinzipien, die in ihrer Entwickelung der Kleinmeister nicht zu begreifen und übersehen vermag, so oft und so hart sie ihm die Alltäglichkeit auch immer wieder ins Gedächtnis hämmert. Er will sie nicht gelten lassen, weil er stets glaubt, der Große müsse irgendwo kräftig schwindeln, weil er— der Kleinmeister— selbst doch schwer arbeiten muß und dabei doch auf keinen grünen Zweig kommt. Ihm mag man daher leicht vergeben, wenn er fehlt und nach Abhülfemitteln ruft, deren Unsinnigkeit jeder Ver» nünstige einsehen muß; was der einfache Arbeiter kraft seiner ökonomischen Stellung ohne weiteres erkennt. Schlimm aber ist es. wenn Staatsleiter zu so verfehlten Mitteln greifen. Sie tun es auch wohl selten der mangelnden Einsicht wegen als vielmehr aus anderen Beweggründen, die hinabfiihren in die Niederungen übelster Jntercssenpolitisi Alle Umstände wirken eben dahin, dem Großbetriebe die Wege zu ebnen und der Kleinbetrieb muß unter» gehen kraft der Entwickelungstcndenzen und trotz aller Stigmata, die an ihm verspritzt werden. Eie aehorchen. Die vier Mitglieder der Rheinisch-Westfälischen Tragerhändler-Vereinigung, die sich bisher weigerten, dem Stahl- Werksverband die von ihm gewünschten Angaben über die von ihnen verkauften Mengen, Abnehmer usw. zu machen, haben den Forde- rungen des Stahlwerksverbandes nachgegeben. Damit darf der Fortbestand der Rheinisch-Wcstfälischen Trägerhändler-Vereinigung als gesichert gelten, deren Auflösung im Falle des Beharrens jener Filmen bei ihrer Weigerung für den 8. Oktober bevorstand. Das Kahlensyndikat lenkt ein. Wie die„Rh.-Westf. Ztg." mitteilt. erachtet es das Kohlensyndikat nun doch in seinem Interesse liegend, die Ausfuhr nach Möglichkeit zu erleichtern und wenn es erforderlich ist, durch Gewährung einer Vergütung zu unterstützen. Der Schwerpunkt der Ausfuhr sei nach den verfeinerten Erzeug- nisscn hin zu verlegen und nur diesen eine entsprechende Unter- stützung zu gewähren. Im allgemeinen und volkswirtschaftlichen Interesse liege es, Rohstoffe, insbesondere Halbzeug davon auszu- schliehen. Das Kohlcnsyndikat resp. die in ihm vereinigten reinen Zechen glauben ein Interesse daran zu haben, dem sich vollziehenden Aufsaugungsprozetz in der Eisenindustrie keinen Vorschub zu leisten, sondern diesen Prozeh, soweit sie dazu beizutragen in der Lage sind, hintanzuhalten und die schwächeren Betriebe nach Möglichkeit lebensfähig zu erhalten, wenn man sich auch nicht verhehlen kann, dah der Aufsaugungsprozeh auf die Dauer dadurch nicht auf- gehalten werden wird. Im Stahlwerksverbande scheine die Frage der Unterstützung noch weniger geklärt zu sein. Prcisermätzigungen seien nicht zu erwarten. Die Ausfuhr von Glühstriimpfen bildet für die deutschen Fabrikanten ein ziemlich umfangreiches Geschäft. Wenn man er- wägt, dah in den ersten acht Monaten schon 1470 Doppelzentner Glühstrllmpfe ausgeführt wurden, von denen jeder mit etwa 6000 M. zu bewerten ist, so ergibt sich ein Jahresumsatz von zirka 13 Millionen Mark. Für die ersten acht Monate bclief sich der Wert auf zirka 8,82 Millionen Mark, im August allein allerdings nur auf 334 000 M. Der Hauptabnehmer für deutsche Glühstrümpfe ist Grohbritannien. 6cwerkrcbaftUcbe9. Die Rache der Wohlfahrts-Firma! Essen. 4. Oktober.(Eig. Ber>) Auswärtige Blätter teilen mit, daß die stattgehabten zahlreichen Kündigungen bei der Kanonensirma Krupp notwendig geworden sind, weil die griechische Mord- Waffenlieferung, die bekanntlich Frankreich zugefallen ist. und lwegen welcher Krupp das Wolffsche Telegraphcnbureau und ' die gesamte Presse mit„Richtigstellungen" überschwemmt hat, ausgeblieben ist. Das ist falsch. Krupp brauchte deswegen auch nicht einen Mann � z u entlassen. Wahr ist, daß die feine Firma mit ihren jetzigen Maßnahmen Antwort gibt, auf die vielen Bloßstellungen der letzten Wochen, in den Zeitungen sowohl, wie auf dem Parteitag. Ingrimmig über die bodenlose Frechheit einiger früherer Arbeiter, die es gewagt haben., wegen der gegen die guten Sitten verstoßenden Pensionskasse der Firma gegen diese vorzugehen, und die faniosen Wohlfahrtseinrichtungen mit Erfolg bekämpft haben, verletzt dadurch, daß einige Genossen während des Parteitages blau gemacht haben, und Inst not least. uin ihrer ins Wanken geratenen Machtstellung mit allen Mitteln erneut Ausdruck zu verleihen, macht sie Tausende brave Arbeiter, die zum Teil 10— 18 Jahre als Ausbeutungsobjekt der Firma gedient haben, jetzt, wo der Winter vor der Tür steht, brotlos. Es sind bereits 800 Kün- digungen im Kanonenressort, darunter 600 aus der Lafetten- Werkstatt allein, erfolgt. Weitere Kündigungen— wie es heißt 3— 5000 Mann— sollen in allernächster Zeit in den Zünderwerkstätten stattfinden. Außerdem sollen 6000 Mann in Rheinhausen auf der„Friedrich Alfred-Hütte" be- schäfbigt werden, wahrscheinlich aus Menschenfreundlichkeit, um sie aus dem jetzt sich rührenden Essen zu entfernen, und sie vor der ansteckenden Gefahr zu bewahren, der sie durch die mit Sturnischritt marschierenden Lehren des Sozialismus und dem von ihm verbreiteten Gifte ausgesetzt sind. In den verschiedenen Werkstätten macht sich eine große Sozialisten- Hetze bemerkbar. Alle, die auch nur den leisesten Anschein er- wecken, rot gefärbt zu sein, erhalten den Laufpaß. Die scharfmacherische Presse jubelt über diese Maßnahmen, glaubt sie doch, durch diese die starken Mauern durchbrechen und die Arbeiter in die alleinseligmachende Kirche und zu den staats- erhaltenden Parteien zurückbringen zu können.— Daß sie nicht recht haben, wird ihnen das„ckebuele", das unwider- ruflich kommen wird, und das nach menschlicher Voraussicht hier iin Industriegebiet seinen Anfang binnen kurz oder lang nehmen wird, lehren._ Berlin und Umgegend* Der Streik bei A. Jandorf u. Co. Wie wir bereits gestern mitteilten, hat die am Freitag ab- gehaltene Versammlung der bei den Firmen A. Jandorf u. Co. sowie Kaufhaus des Westens beschäftigten Hausdiener, Packer, Schaffner usw. einstimmig den Streik beschlossen. Ebenso ein- mütig ist am Sonnabend früh die Arbeitsniederlegung in allen Geschäften der Firmen erfolgt. 164 Hausdiener usw. hatte die Firma bereits entlassen, weil dieselben den von der Organisation zurückgewiesenen Vertrag nicht unterzeichnet haben, welcher die Bewegungsfreiheit der Hausdiener usw. durch die Festsetzung einer Konventionalstrafe von 101 M. knebelt. Den Gemaßregelten folgten nun durch freiwillige Arbeitsniederlegung auch die übrigen Hausdiener, welche den Vertrag aus Unkenntnis der Sachlage unterzeichnet hatten. Ja, es gelang den Streikenden auch, einen großen Teil derjenigen zur Arbeitsniederlegung zu bewegen, welche die Firma als Ersatz für die Gemaßregelten eingestellt hatte. Es war um so leichter, diese Arbeiter zur Solidarität zu bewegen, als sie mit geringeren Löhnen wie die bisher gezahlten ein- gestellt waren. Mit Rücksicht auf die am Sonnabendabend er- folgende Lohnzahlung ist noch ein Teil der Arbeiter in den Betrieben geblieben, doch kann mit Sicherheit erwartet werden, daß auch diese am Montag die Arbeit nicht wieder aufnehmen. Es handelt sich bei diesem Streik, wie ausdrücklich hervor- gehoben werden mag, nicht um Lohnforderungen der Haus- diener usw.. ja, die Lohnfrage spielt hier überhaupt keine Rolle. Wenn auch der von der Firma angebotene Tarif den Wünschen der Arbeiter hinsichtlich der Lohnsätze nicht entspricht, so hätte man doch— das wurde in der Versammlung am Freitag betont— in dieser Frage wohl eine Vereinbarung mit der Firma erzielt. Der Stein des Anstoßes war vielmehr die Konventionalstrafe, auf welche die Firma trotz mehrfacher Verhandlungen nicht verzichten wollte. Die Entlassung derjenigen, welche den Tarif der Firma nicht unterzeichneten, schlug dem Faß den Boden aus und gab die unmittelbare Veranlassung zum Streik. Der Streikbeschluß ist gefaßt worden von den Hausdienern usw., die dem Deutschen Transportarbeitervcrband angehören.- Die Chauffeure gehören dem Deutschen Metallarbeiterverband an, sie haben ebenfalls die Arbeit eingestellt._ Nerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw Natürlich bemüht sich die Firma, Streikbrecher zu bekommen, und die Polizei sorgt dafür, daß diese von den Streikenden nicht aufgeklärt werden. Aber selbst die Arbeit von Hausdienern ist nicht so einfach, daß sie jeder beliebige Arbeitswillige ausführen könnte. Uebrigens weiß auch die Streikleitung Mittel und Wege zu finden, um an diese Leute heranzukommen und sie der Firma wieder zu entziehen. Daß sich die Firma A. I a n d o r f u. Co. durch ihr brüskes Verhalten gegenüber den Hausdienern usw. selbst geschädigt hat, dürfte ihr schon nach den Erfahrungen des heutigen Tages, mehr aber noch der folgenden Tage klar werden. Die Potsdamer Schuhmachergehülfen sind in eine Lohn- bcwcgung eingetreten und haben heute, Sonnabend, ihre Kündi- gung eingereicht. Sic fordern 10- bis löprozentige Lohnerhöhung. Am 30. September war den Meistern der neue Tarif vorgelegt worden und sollten sie sich bis zum 3. Oktober äußern. Leider hatten nur wenige es für nötig gehalten, zu antworten. Eine am Donnerstag abgehaltene Versammlung der Meister erklärte, sich auf nichts einzulassen. Ob die Meister auf diesem Standpunkt stehen bleiben werden, ist wohl zu bezweifeln und übrigens dürften sie bei einiger Ueberlegung zu der Ueberzeugung gelangen, daß eine Aufbesserung der Potsdamer Schuhmacherlöhne tatsächlich not tut»_ Oeutlchea Reich. Der Bergarbeiterstreik in der Niedrrlausitz. S enftenberg, 6. September.(Eig. Der.) Der gestrige Abend ist ruhig verlaufen, die patrouillierenden Gendarmen und Berliner Schutzleute fanden keine Arbeit mehr. Der Vorsitzende der Lohnkommission war bei den« Bürgermeister mit dem Anerbieten, die Ordnung durch Beauftragte aus den Reihen der Streikenden selbst aufrechtzuerhalten. Nach kurzem Wortwechsel ließ ihn der Herr st e h e n I Der Messerheld unter den Arbeitswilligen, der den Direktor Junghann übel zurichtete, heißt Themoteus Petrus van Wisien und stammt aus— Amsterdam. Die bürgerliche Lokalpresse bringt die Streikenden trotz Aufklärung des Tatbestandes immer wieder mit dem Attentat in Verbindung und bezeichnet sie als verkommene Subjekte. Demgegenüber gab ein Bürger, Herr Ernst Schulze, in Senftenberg, Bahnhofstraße 2 wohnhaft, folgende Darstellung des Sachverhalts: „Ich fuhr mit dem Rade zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags die„Weinberge" herunter nach der Stadt zu. Da wo die Roß- schlächterei ist, kamen johlend und gröhlend, die Straße war nicht breit genug, zirka zwanzig der Burschen daher. Der Direktor suchte von hinten vorsichtig an ihnen vorbeiznkommen. Plötzlich stürzte sich die Horde aus ihn. Ein berittener Gendarm kam, sah den Knäuel von weitem, tat. als ob er wo anders hinwollte und kehrte um. Der Direktor schrie um Hülfe, ließ den Hut im Stich und floh. Ich war stehen geblieben und hatte die Sache vom iveitcm mit angeschen. Roßschlächter Kuhsatz aus der Kalauerstraße und Maurer, die auf dem Hofe arbeiteten, haben auch beobachtet. Nachdem da» Attentat ausgeführt, verteilte sich der Haufe." So weit der Zeuge. Bei dem eminenten Interesse, das die Oeffentlichkeit an der Sache nimmt, wäre es notwendig, daß durch Verhör aller Zeugen Aufklärung erfolgt und das Ergebnis durch die Behörde veröffentlicht würde. Anderenfalls dürste die Reichslügen- presse den Fall gegen Partei und Gewerkschaften ausspielen. In einem Flugblatte wenden sich die Streikenden an die ge- samte Bevölkerung. Nachdem sie in kurzen Umrissen ein Bild über Ursachen, Verlauf und Stand des Streiks gegeben haben, weisen sie scharf die Angriffe der bürgerlichen Presse zurück und wenden sich an alle Beteiligten einschließlich der Bürger um Bewahrung größter Ruhe. Von Posen waren 200 Angeworbene gemeldet worden; es kamen aber imr ca. 60 an. Ob sie abreisen werden, steht zur Stunde noch nicht fest. Eine Anzahl ist dieser Tage gleich mit Familie gekommen. Diese Leute find am allerschlimmstcn daran. Von allem entblößt. standen sie mit Sack und Pack da, wollten den Streikenden nicht in den Rücken fallen, mußten aber— um Obdach zu haben— Werkswohnungen beziehen und waren so den Unternehmern rettungS- los ausgeliefert. Auf die Eingabe an den Bergmeister Richter um Vermittelung ist eine Antwort bisher noch nicht erfolgt. Achtung! Metallarbeiter. Auf der Grube„Hallesche Pfänner- schaft", Firma Schöppenthau u. Wolf in Senstenberg, stehen die Metallarbeiter, Dreher, Schlosser, Schmiede in Kündigung. Es ist dieselbe Firma, die die Forderungen der Arbeiter als berechtigt au- erkannte, dann aber zwei Kollegen maßregelte, weil sie die Forderungen der übrigen Kollegen bei der Direktion ver- treten haben. Die Kündigung der beiden Kollegen ist auf nochmaliges Vorstelligwerden zurückgenommen. jedes weitere Entgegenkomnien seitens der Betriebsleitung aber strikte abgelehnr. Nach dem bisherigen Verhalten der Gruben- bcsitzer ist nicht ausgeschlossen, daß nunmehr auch die Metall- arbeiter des Senftenberger Kohlenreviers in den Kampf der Berg- arbeiter hineingezogen werden. Die Metallarbeiter werden ersucht, Arbeitsangebote nach Senstenberg bis zur Erledigung der Diffe- renzen nicht anzunehmen. Die Löhne sind außerordentlich niedrig. Stundenlöhne von 28, 30, 32 Pf. sind die allgemein üblichen. Haltet den Zuzug nach Senftenberg fern. Arbeitcrfreundliche Blätter werden um Abdruck ersucht. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Bezirksleitung des 3. Bezirks: H. Zernicke. Razzia gegen den Steigerverband. Bochum, 4. Oktober. Außer den bisher gemeldeten Maßregelungen der dem Steiger- verbände angehörenden Grubensteiger, sind jetzt auf Zeche„Matthias Stinnes" in Carnap bei Altenessen wiederum zwei Steiger mit offener Motivierung„wegen Aufforderung zum Beitritt zum Steigerverbande" gekündigt worden. Beide Beamte sind schon jahrelang auf der Grube angestellt, der eine hat sechs, der andere nur drei Kinder. Auf Zeche„Ewald" bei Wanne wurde allen Steigern mit Kündigung gedroht. Die Zeche annonciert in vielen Zeiungen und sucht Steiger, um ihr Vorhaben auszuführen. Es gibt keine Klassenjustiz. In der Wurst- und Flcischwarenfabrik von I. u. P. Sauermann, A.-G. in Kulmbach, brach im Sommer ein Streik der Schlächtergesellen aus, der jetzt noch nicht erledigt ist. Die Arbeiter, die ganz indifferent gewesen und unter den schlechtesten Verhält» nisscn zu leiden gehabt hatten, waren dadurch, daß einer von ihnen an Erschöpfung gestorben war, kurz vorher plötzlich zum Bewußt- sein ihrer Lage gekommen und hatten durch ihr entschiedenes Auftreten und ihre Einmütigkeit der Fabrikleitung Zugeständnisse abgenötigt. Die Direktion konnte diese Niederlage nicht ver« winden und ergriff die nächste beste Gelegenheit, um sich zu rächen. Um die junge Organisation zu zerstören, maßregelte sie die Ver- bandsleiter. Darüber entstand ein äußerst hartnäckiger Streik. Die Direktion bemühte sich, von allen Seiten Streikbrecher herbei- zuschaffen. Die Arbeitswilligen traten sehr provokatorisch auf, bedrohten die Streikenden, schössen ohne Anlaß auf sie usw. Am 16. Juni kam eine Ladung Streikbrecher aus Verlin. Sie wurden von einer Eskorte schon eingestellter Streikbrecher, die mit Prügeln und Wurstspießen bewaffnet lvarcn und unter Führung T Th.Glocke, Berlin. Druck rnPerlag: Vorwärts Buchdr. u. Berwgsanftah des jungen Sauermann standen, vom Bahnhof abgeholt. Eine große Menschenmenge begleitete den Zug zur Fabrik. Der Vor-- sitzende der Zahlstelle des Fleischerverbandes riß vom Zaun der Fabrik zwei Latten im Werte von 25 Pf. ab und schlüpfte durch die Lücke in den Garten, um zu beobachten. Deswegen wollte man ihm zuerst den Prozeß wegen Landfriedensbruchs machen; das ging aber nicht recht, und so mußte er wegen Sach- beschädigung und Hausfriedensbruchs vor das Schöffengericht. Verhandlungsleiter war der berühmte Amtsrichter Frohnauer, der den Angeklagten zu 14 Tagen Gefängnis verurteilte. Vor kurzem hat dasselbe Gericht den Streikbrecher H o f m a n n, der wiederholt auf Streikende scharf ge- schössen, zu 15 M. und einen anderen Revolverhelden zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Die gewerkschaftlichen Lehrkurse für Arbeiterinnen in Rürn« b e r g haben mit 33 Teilnehmerinnen begonnen. Hierzu stellte der Metallarbeiterverband 10, der Fabrikarbeiterverband 6, Buch- und Steindruckerei-Hülfsarbeiter und Handlungsgehülfenverband je 4. Dienstbotenvercin 3. Schuhmacher- und Textilarbeiterverband je 2 und Holzarbeiterverband 1 Mitglied. Leiterin der Kurse, Me_ bis April 1908 währen, ist die Genossin Helene Grünberg. Lehrstoffe sind zunächst: GewerkschaftSbelvegung, Unternchmerverbände und Arbeiterschutzgcsetzgebung. Hueland. Baumwollen-Arieiter-Streik. New Orleans, 5. Oktober. 2000 Mitglieder der Baumwollen« arbeiter-Vereinigung traten gestern abend in den Ausstand, wodurch der gesamte Frachtverkehr in Baumwolle und der ganze Wollmarkt an der Börse lahmgelegt wurde. Die Eisenbahnpacker weigern sich, mit der Vereinigung nicht angehörenden Arbeitern zusammen zu arbeiten. Die unmittelbare Ursache des AnsstandeS war die Weige- rung, mehr als 150 Ballen täglick zu laden, während die SchiffahrtS- agenten täglich 200 Ballen forderten. Versammlungen. Der Verband der Lagerhalter nahm in seiner letzten Versamm- lung nochmals eingehend Stellung zu der Situation, die sich aus den Vorgängen auf dem Düsseldorfer Genosscnschaftstage ergeben hat. Es wurde das Vorgehen des Zentralvorstandcs in Leipzig, der im Einverständnis mit dem Ausschuß dem Tarifamt in Hamburg mit- geteilt hat, daß nunmehr bis zur Generalversammlung, die 1909 in Frankfurt a. M. stattfindet, in keine Tarifverhandlungen mehr eingetreten werden kann, gutgeheißen. Unter Verbandsangelegen- heitcn wurde die finanzielle Lage der Treptower Sternwarte be» sprachen und beschlossen, 30 Karten a 80 Pf. zu übernehmen. De» ausgesperrten resp. streikenden Tabakarbeitcrn wurden aus der Ortskasse 30 M. überwiesen. Unter Verschiedenem wurde eingehend das Verhalten des Markenschutzvcrbandcs besprochen und dabei von allen Kollegen bedauert, daß die Verwaltungen nicht früher mit ihren Angestellten die Sachlage besprochen haben resp. für Ersatz- artikel Sorge trugen, denn man wußte doch schon vor der Düssel» dorfer Tagung, daß unter den obwaltenden Umständen mit dem Schutzvcrband keine Einigung zu erzielen sei. Folgende Resolution wurde angenommen:„In Sachen des Kampfes des„Verbandes der Fabrikanten von Markenartikeln" gegen die „ Groß-Einkaufsgesell schaft Hamburg" stehen die Lagerhalter auf feiten der G.- E.- G. Sie bedauern aber, daß die Verwaltungen der Konsumvereine nicht viel früher bezw. sofort nach Aufnahme der Sperrung von Artikeln sich aufklärend an die Lagerhalter und die große Masse der Konsumenten gewandt hat. Auch bedauern die Lagerhalter, daß der„Vorwärts", trotzdem er unter Lokales den Kampf des Schutzvcrbandcs gegen die G.-E.-G. zur Kenntnis seiner Leser bringt, dennoch im Inseratenteil deren Artikel empfiehlt. Die Lagerhalter erwarten, daß bei Einführung der Ersatzartikel nur solche Firmen berücksichtigt werden, die die Forderungen der Gewerkschaften anerkennen. Auch wird erwartet, daß sowohl Volksversammlungen von feiten der Genossenschaften einberufen und Flugblätter der Partei- und Gcwcrkschaftsprcsse, soweit ihr diese zur Verfügung gestellt wird, zur Aufklärung bei- gelegt werden." Die Generalversammlung des Verbandes der Musiker wählt- bei der Ersatzwahl zur Ortsverwaltung Adolf Lehmann als zweiten Vorsitzenden und Albert Schütz zum Beisitzer. In die Statutenbcratunaskommission wurden Jrrgang, Tietz, Teuert, Vieler, Kissel und I u s k o gewählt. Den Bericht zum Zentralarbeitsnachweis erstattete B i e l e r, dessen Aus- führungen von Z e l i e ck e ergänzt wurden. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Kommission 11 Sitzungen abgehalten hat. Kummer sei krankheitshalber aus der Kommission ausgeschieden. — Blanschefski stellt den Antrag, den Mitgliedern daS Beitragszahlen zu erleichtern dadurch, daß der Arbeits. vermittler Stempel und Marken erhält und die Marken gleich in die Bücher klebt, dabei könne es nicht vorkommen, daß die Bücher nicht in Ordnung seien. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Tietz regt an, eine Agitationsversammlung zu veranstalten. Dieselbe sei schon längst geplant, aber wegen Referentcnmangcl nicht abgehalten worden. Dies sei jetzt anders, es wären genügend Kollegen vorhanden, die ein Referat übernehmen könnten. Es wird beschlossen, im Oktober eine Agitationsversammlung abzu- halten. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Reichstags« Wahlkreis Brieg-Namslan.(Ortsvcrein Berlin.) Heute Sonntag, den 6. Oktober, abends 6 Uhr, Sitzung bei Wernitz, Grünanerstr. 3. Letzte JVacbncbtcn und Dcpcfcbcn. „DaS Ungeheuer" freigegeben. Leipzig, 5. Oktober.(B. H.) John Lehmanns Satirc „Das Ungeheuer" ist von der Zensur den Vereinigten Leipziger Schauspielhäusern, Direktion Hartmaun, zur Aufführung freige- geben worden. Wie es mit der Aufhebung des Verbotes für Preußen steht, darüber verlautet bisher nichts. Will Preußen sich den Ruf wahren, daß es eine russische Provinz sei? Bekanntlich behandelt Lehmanns Satire die Korruption in den höchsten und niederen russischen Bcamtenkrciscn zur Zeit Alexanders II. Womit freilich nicht gesagt sein soll, daß unter dem jetzigen russischen Regiment weniger betrügerische Beamte zu finden seien. Der verbotene Lcssing. Essen a. R., 5. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Oberbürgermeister von Elberfeld verbot heute die Aufführung von Lessings„Nathan der Weise". Der sozialdemokratische Arbeiter- bildungsverein wollte das Stück am 13. d. M. im Stadtthcater zur Aufführung bringen lassen._ Der jagende Herr Amtsrichter. Marburg» 5. Oktober.(B. H.) Wegen Jagdvergehens wurde der Amtsrichter Waldemar Bomstedt zu 40 Mk. Geldstrafe und Ein- zirhung des Jagdgewehrs sowie des Jagdhundes verurteilt. Tie Furcht vor der Demonstratio». Budapest, 5. Oktober.(Privetdepesche des „Vorwärts"-) Der Oberstadthauptmann Bodo verbot, offenbar veranlaßt durch eine geheime Verfügung des Mini» steriums des Inner», den Demoiistrationszug vor das Par- lameiit am 10. Oktober. Das Verbot hat unter der Arbeiter- schaft große Erregung hervorgerufen.___ Paul Singer& Co.. Berlin SW, Hierzu 5 Beilagen. 9.m 24.»«. t. Killige des JoriDörts" berliner Jolfolilntl.«««.b».« Die rutfitcbe Revolution. Die Wahlen. Im größten Teil Rußlands sind die Wahlen der ersten Stufe, die Wahlen der Bevollmächtigten, beendet. Infolge des Umstände-, daß die Berichterstattung über die Wahlen zum Monopol der offiziellen Agentur gemacht ist, infolge der Einschüchterungspolitik der Regierung und nicht zuletzt infolge des verwickelten Wahl- shstems, wonach die Gruppierung der Bevollmächtigten nur von geringem Einfluß auf das Endresultat ist, ist nur wenig oder besser gesagt gar keine Möglichkeit gegeben, über den mut- maßlichen Charakter der Duma schon jetzt etwas Sicheres zu sagen. Doch läßt sich selbst an der Hand der verworrenen und zum Teil geradezu rätselhaften Berichte der offiziellen Agentur mancherlei über die Stimmung der Bevölkerung sagen. Das erste, was uns auffällt, ist die große Zahl der „Parteilosen"(5006).„Rechten"(3347),„Unbekannten"(2105), „Monarchisten"(1366). Was sich unter diesen offiziellen Be- Nennungen verbirgt, weiß man ja zur Genüge, nicht nur aus privaten Meldungen, sondern auch aus den Erfahrungen der früheren Wahlen, wo ein reichstreucr„Rechter" oder„Monarchist" sich im entscheidenden Augenblick als T r u d o w i k entpuppte oder gar— o Schrecken!— einem Soziali st en die Stimme gab? Neben den rätselhaften Kategorien, die als Zufluchtsstätte zahlreicher oppositioneller und revolutionärer Elemente gelten müssen, fällt das vollständige Fiasko der äußer st en Rechten auf: von mehr als 17 000 Bevollmächtigten haben es die„Echtrussischen" auf ganze 173 gebracht, ebenso die Oktobristen. Andererseits hat die Verlogenheit der offiziellen Presse nicht hin- gereicht, um das Durchdringen der Opposition völlig zu verschleiern: trotz aller Taufkünste bleiben immerhin über 2000„Linke"(davon 468 Sozialdemokraten und 661 Kadetten und Progrcssisten). Be- merkenswert ist es, daß von den Bauern 87 Sozialdemokraten gewählt sind, während die„Echtrussischcn" unter ihnen nur 28 An- Hänger haben; auch die Mehrzahl der einfachen„Linken" entfällt auf die Bauernkurie. Befremdend wirkt dagegen im ersten Augen- blick die geringe Zahl der Trudowiki und Bauernbündler(26); doch darf hieraus nicht auf ihre sinkende Popularität geschlossen, noch weniger aber ihr Beschluß, bei vorhandener Bohkottstimmung die Wahlen zu boykottieren, verantwortlich gemacht werden; zweifel- los ist ihre Zahl nicht unbedeutend, aber böse Erfahrungen haben sie gezwungen, sich ungefährliche Namen beizulegen.— Alles in allem: die Regierung hat keinen Grund, sich über den bisherigen Wahlausfall besonders zu freuen; bekennen sich doch trotz allem 17 Proz. der Gewählten zur offenen, teilweise extremen Opposition, wogegen die äußerste Rechte nur minimale Erfolge aufweist. Die„Parteilosen",„Monarchisten" usw. aber — die Regierung weiß es— sind unsichere Kantonisten. Sogar die reaktionäre Presse legt kein Gewicht auf das Vorherrschen dieser Elemente, während sie sonst jede Gelegenheit ergreift, um den Untergang der Revolution und den Sieg der Regierung hinauszuposaunen. Um so mehr Aufmerksamkeit schenkt sie dem Absentismus, der Wahlenthaltung— einer Erscheinung, die auch von der oppositionellen Presse lebhaft besprochen wird. Die Gründe des Abscntismus sind mannigfacher Natur. In der Bauernkurie ist die Wahlenthaltung eine meist unfreiwillige: Die Administration hat alles getan, um die Kenntnis des Tages und des Ortes der Wahlen, ja selbst die Tatsache der bevor- stehenden Wahlen einem möglichst beschränkten Kreis zugänglich zu machen. Daß unter solchen Zuständen, wo jede Möglichkeit der Verständigung abgeschnitten ist, das Interesse an den Wahlen kein lebhaftes ist, darf niemand wundern. Mit dem Absentismus unter der Arbeiterschaft ist es eine etwas andere Sache. Hier muß man bei seiner Bewertung ernsthaft mit dem Einfluß der„Bolschewiki" rechnen, die bis in die elfte Stunde den Boykott propagierten. Wo eine solche Pro- paganda von vornherein ausgeblieben war, z. B. in Warschau und Lodz, wo a l l e sozialistischen Parteien eine rege Wahlagitation I entfalteten, da war auch das Resultat ein entsprechendes. Endlich -darf noch eine gewisse Enttäuschung der politisch minder ge- schulten Elemente in der Arbeiterschaft nicht geleugnet werden. Am größten aber ist der Absentismus unter den kleinen Grundbesitzern, wo von 245 einberufenen Wählerversammlungen 151 aus Mangel an Wählern ausfielen! Wenn wir nun aber auf die beiden e r st e n Wahlkampagnen zurückblicken, so bemerken wir, daß auch damals ein nicht unbedeutender Teil dieser Wähler von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht hat. Ist dies doch eine Bcvölkerungsschicht, die— besonders jetzt, nach Ausscheiden der demokratischen bäuerlichen Elemente— wenig zur aktiven politischen Tätigkeit neigt, die infolge ihrer ökonomischen und sozialen Lage am wenigsten am Ausgang der Volks- bewcgung interessiert zu sein glaubt. Ungefähr dasselbe läßt sich von der kleinen städtischen Bourgeoisie sagen. Der Wahlabsentismus ist eine natürliche Folge des gesamten Tones des russischen politischen Lebens, das unter der zügellosen Herrschaft der Reaktion ein gedrücktes ist. Um so mehr ist es die Pflicht aller oppositionellen und besonders der revolutionären Parteien, gleichzeitig mit der Bekämpfung dieser gedrückten Stimmung den Verursacher all dieses Unheils, die Regierung, weiter mit der alten Energie zu bekämpfen. Strasienkampf in Odessa. Odessa, 5. Oktober. Während einer nachts abgehaltenen Ver- sammlung von Anarchisten auf der Kartamischieskoy-Straße er- schien die Polizei, die mit Revolverschüssen empfangen wurde. Die Polizisten schössen ihrerseits. Ein Revieraufseher und ein Anarchist wurden getötet, zwei Schutzleute und mehrere Anarchisten ver- mundet. 29 Verhaftungen wurden vorgenommen. Mus der Partei. Neues von der Altenburger Justiz. DaS Altenburger Schöffengericht, das schon wiederholt von sich reden machte durch drakonische Urteile über Streiksünder und sozialdemokratische Redakteure, hat am 3. Oktober ein neues Urteil gefällt, das einiges Aufsehen erregen dürfte. Während des Reichstagswahlkampfes hatte der liberale Kandidat im Wahlkreise Altcnburg in einer öffentlichen liberalen Wählerversammlung die Tatsache festgenagelt, daß der Redakteur Künz von der anti- semitisch-agrarisch-konservativen Altenburger Landeszeitung, die vom„verjudeten Liberalismus" geschrieben, es mit seinem Anti- semitismus für verträglich gefunden habe, einen jüdischen Warenhausbesitzer um 300 M. anzupumpen. Der Angegangene hatte es abgelehnt, dem Antisemiten den Gefallen zu tun. Als nun bei der Stichwahl der liberale Kandidat die Parole ausgab, für den konservativ-agrarischen Kandidaten zu stimmen und selbst mit ihm persönlich zugunsten seiner Wahl wirkte, da nagelte die„Altenburger Volkszeitung" den Pumpversuch des konservativen Antisemiten bei dem liberalen jüdischen Waren- Hausbesitzer fest zur Charakterisierung der liberalen Worte und Taten. Daraufhin klagte der Künz wegen Beleidigung und am Donnerstag kam die Klage, fast% Jahre nach dem Vorgang zur Verhandlung. Genosse D i k r e i t e r konnte den Beweis der Wahrheit führen. Nichtsdestoweniger erkannte das Gericht auf drei Monate Gefängnis! Es fand heraus, daß die Angriffe auf Künz beleidigend seien und daß es sich darum gehandelt habe, den Kläger aus seiner Stellung zu entfernen. Um den Gegensatz aber recht sinnfällig jedermann bor Augen zu führen, erkannte das Gericht, daß die von Genosse Dikreiter wider Künz erhobenen sechs Widerklagen, die schwere Beleidigungen und verdächtigende Unterstellungen enthielten, bis auf eine abzuweisen seien. Für die eine zugelassene Widerklage erkannte das Gericht auf 20 M. Geldstrafe(!>. Das Gericht hatte, was noch erwähnt zu werden verdient, die von dem Genossen Dikreiter beantragte Ladung von bürgerlichen journalistischen Sachverständigen, die bekunden sollten, daß die Tat des Künz auch nach bürgerlich-journalistischen Begriffen nicht einwandsfrei genannt werden könne, abgelehnt. Auch die Ladung des liberalen Reichstagskandidaten Dr. Höfer als Zeuge wurde vom Gericht abgelehnt. Gegen das Urteil ist Berufung angemeldet._ Eine Parteiaffäre. Paris, 3. Oktober.(Eig. Ber.) Die skandalöse Disziplin» losigkeit einer Anzahl von Genossen erregt gegenwärtig Aufsehen in der ganzen Partei. In L i e v i n im Pas de Calais findet Sonntag der„Kongreß" irgend einer obskuren Vereinigung für Volksbildung statt. Die ganze Veranstaltung ist ein Vorwand, um B r i a n d in jenem Bergarbeitergebiet eine Rede halten zu lassen. Unter denen, die den Unterrichtsminister eingeladen haben, steht aber der Bürgermeister La m endin. Mitglied der Kammerfraktion der geeinigten Partei obenan und neben ihm ist noch eine Reihe von Parteimitgliedern an der Sache beteiligt. Nach der Stimmung in allen Parteikreisen ist es ausgeschlossen, daß die geeinigte Partei diesen unglaublichen Zwischenfall wie überhaupt die Zustände, die in den von Lamendin und Basly beherrschten Organisationen herrschen, ignoriert. Personalien. In die Redaktion der„Brandenburger Zeitung" ist an Stelle des ausgeschiedenen Genossen Meyer, der seit 1900 dort tätig war, der Genosse Baron aus Berlin als politischer Redakteur eingetreten. Hus der Frauenbewegung. Gleiches Recht. Zu der geradezu skandalösen Auflösung des Frauenvereins in Lichtenberg macht die„Zeitschrift für Frauenstimmrecht" folgende treffende Bemerkungen: Mit neuem Ruhm mittels der Handhabung des Vereins- gesetzes von Anno 1850 hat sich die preußische Polizei und ein preußisches Amtsgericht Wiederuni bedeckt. Eine Versammlung des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse in Lichten- berg bei Berlin vom 11. Juni d. I. wurde polizeilich aufgelöst, weil ein Redner in der Diskussion Kritik an den heutigen Schul- Verhältnissen übte. Die Beschwerde gegen diese Auflösung der Versammlung wurde vom Landrat zurückgewiesen, weil die Ver- sammlung„politische Gegenstände erörtert habe". Bevor noch die weitere Beschwerde und das Verwaltungsstrcitverfahren gegen diese völlig ungerechtfertigte Auflösung erledigt ist, hat jetzt der Amts- Vorsteher den Verein, weil er„mehrfach politische Angelegenheiten erörtert" habe, aufgelöst. Auch gegen diese Auflösung wird natür» lich Beschwerde eingelegt werden. Man sieht in dieser Auflösung einmal wieder kratz das doppelte Recht oder die Klassenjustiz, wie es die Sozialdemokraten nennen, im preußischen Staat. Fast alle Vereine der Frauenbewegung aller Richtungen„erörtern politische Angelegenheiten", ganz zu schweigen von Organisationen wie der Flottenbund der Frauen, die liberale Frauenparjci usw.. die aus- schließlich und satzungsgemätz ausgesprochen politische Zwecke ver- folgen. Diese Vereine bleiben ungehindert bestehen, ja sie werden von den Regierungsorganen offensichtlich protegiert, während de» Arbeiterinnen gegenüber das elende, veraltete Vcreinsgcsetz mit aller Strenge gehandhabt wird. Wasserstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit V r e g e l, Jnstcrburg Weichsel, Thon, Oder, Ratibor .»trösten . Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby Magdeburg Saale, Grochlitz ')+ bedeutet Wuchs, jS Fall.—*) Unterpegel. IKtoaWler OeseOseiuifishaiis. mmmmmm.....• QUorPeiv U afftm 91rnfrhptt Dftrrirmp(c�hPi �Ufirmn- Fernspr.: II. 7520. ükllllmg. Wiclef-Str. 24 Jeden Tonntag und Mittwoch: 25896 Hpollo-Sänder und Konzert Ansang Sonntags Konzert 5 Uhr. Vorstellung 7 Uhr.— Mittwochs Konzert 7 Uhr, Vorstellung 81/, Uhr. SMT" SonntagH Eintritt SO Pf. and 50 Pf."VS Sonntags 4 Uhr i«roLsr Ball.— Donnerstags 8 Uhr: Rcunion. mviiumicui-e, lYVwityiuiwöct,! Wecker. Kelten, Broschen, Ohrringe, Spez. Phono-I graphcn, Plattensprechmaschincn, Zithern, Har- Monikas usw.Verkaus von Homophon-u.Zonophon- Platten, Edison- Walzen, Nadeln, Rcparaturteilen. Reparaturen jeder Art. 2312+ Pilzecker£ Spittler, Beusselstraße 57a I, nahe Bahnhof. Im Mo amüsieren wir uns? Krug zum grünen Kranze Ober-Schöneweide, ssaibftrnsie 74. 2332* Küche und Keller vorzüglich. R" B rnst Hüfllch. Cafe npoorianof Meyer Dresdener-•*■'■■■ Str. 128/29. KatteelOu.ls, vier, hell u. dunk. tgPs. ca. 50 Zeitungen; 2 Billarde Std.40 Pf. 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Bernstein t Staatö- und Gesellschaftsideale im Laufe der Jahrhunderte. Preis für jeden Zyttus S M., iür den einzelnen Vortrag 80 Pf. Verband der Tapezierer _ Filiale Berlin._ Sonnabend, den 12. Oktober: KunstsAbend in Kellers Festsälen, Koppenstcaße 2S. Mitwirkende: Die beliebte BretÜ-Div» Marg. Walkotte Herr Gutdeutsch� Violinvirtuos(Singakademie) Herr Georg Wolf, ThaUa-Theater am Flügel Hon Bernh. Nltsche. Flügel aus der Pianolabrik A. Lehmann& Co., kaiserlich persische und fürstlich lippische Hoflieferanten. Beginn prSÄS« 9 Uht. Nach dem Konzert: Gr. Ball. Eintritt inkl. Tanz 50 PI Die SaaltPren bleiben während der Aufführungen geschlotcen. — Raachen Ist nicht gestattet.—. Um recht«ahlrelche« und pünktlichen Erscheinen ersucht Da« Komitee.[178/17 Kochkunst-Ausstellung des Verbandes Deutscher Köche, E. V. Terrassen am Halensee EröHnnng: Freitag, den II. Oktober. Oktobertagung 1907 der Versncfas- und Lehranstalt für Brauerei in BERLIN v. 5.— 18. Oktober in Berlin, Seettr.(Inst. f. Gärungsgewerbe) Brauerei-Maschinen-Ausstellung, Gersten- u. Hopfen- Aasstellung nebst Abtlg. f. Branwelten, Pferde-Ausstellung. Erfiifnung: Sonnabend, den B. Oktober, mittags I Uhr. Täglich geöfln. v. 9 Uhr vorm. bis 5 Uhr nachm.— Vorftthrg. d. Pferde i. Bing: tägl. 1 Uhr.— Die Pferde-Ausstellung schließt am 0. Oktob.— Eintrittskarten: Dauerkarten 10 M., Tagesk, 2 M., Sonntagsk. 0,50 M.— Volkstüml. Vorträge; nachm. 3 bzw. 2 Uhr Näheres an den Säulenanschlägen. «i eff es' c Panoptikum W et s l et 11 s 165 Fricdrichstr. 165 Qrößte Schaustellung der Welt. Im neuen Konzertsaal allabendlich; üarburger Sänger« Wochentags 30 Pf.— Panoptilnunbesnchor frei! N EUES TONlOHSTLEB-flKCHESTE Dirigent: Franz Hollfelder, Alte Jakobstr.<5,1. Konservatorium fllr all« Zweige der Mualk Musik in Jeder Besetzung■ Besi«Mung«n aeltlg erb- R Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Montag 4 Uhr; Die Gletscher der Hochgebirge usw. Montag 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke. I I Heute am ersten Sonntag im Monat Eintritt die Person: ÄS Pf. Ab nachmittag« 4 Uhr: Doppel-Konzert n sowie täglich: Morgen soivie täglich: «roBca Konzert. Zirkus Schumann Heute Sonntag, de»(Z.Oktober, nachm. 3'/, Uhr und abends 7'/, Uhr: drillillte naq 2 Nachm. auf allen Plätzen ohne Ausnahme Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise(autzer Galerie). Abends jedoch volle Preise. In beiden Porstcllungeu» nachmittags u. abendS: Die Hiepilsn IWenscbeolesMonbars. iftÄ: George Boiihair-Truppe (tanbig neue jkarische Vorführungen. Um O'l, Uhr: Zum 9. Male: Eine Fortsetzung der berühmteste» und populärsten Pantomime: Lie lustigen Zleillelderger. Boll Wih und Humor iufdemNeekar ca.300MitwIrk..2Mustkoip«,100 Sänger. Ein Fest Henriette de Ssrris, lebende Bilder. Llndsay, Peitscbenmanipnlator. Werner Albsrti, kgl.Kammetsängor. Grnys Affendressur. 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Die Beerdigung von Julius\Vaditer findet umständehalber am Montag, den 7. d. M., nachmittags t'/s Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhoses in FriedrichSselde aus ZlülzlllLiiiolii'ztizctiei'VMmüi kur/, Uhr, von der Leichen- halle des Zcntral-Fricdhoses m Friedrichsscldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 32/13 Tie Ortsverwaltnug. Slm 3. Oktober 16'/, Uhr enl- schlief sanft nach langen, schweren Leiden mein innig geliebter Mann Kennsnn Donath im 44. Lebensjahre. 2772 DieS zeigt tiesbetrübt an Donath, geb. Becker. Die Beerdigung findet Montag. den 7. Oktober, nachmittags 4>/. Uhr, von der Leichen- Halle des Zenttal- Friedhofes, Friedrichsjelde aus statt. Vösbgnij der Portefeuiller. Zahlstelle Berlin. Am Freitag, den 4. Oktober, verstarb nach kurzem Krankenlager unser Mitglied, der Kollege WUDelm diese. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet an, Dienstag, den 8. Oktober, nach- mittags 41/a Uhr, von der Leichen- Halle deS Nindorfer Kirchhoscs, Mariendorser Weg, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Ärteiter-Railf.- (Mttgld.A.-R.-B. reihest"). Todes- Anzeige. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, das, am 4. d. M. unser langjähriges Mitglied, die Genossin Lwma Hankel geb. Ihrccke wohnhast Rixdorf, Okerstr. 40, ll nach langem schwerem Leiden ver- starben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 6. d. MtS., nachmittags 2>/, Uhr, vom neuen Rix. dorfcr Kirchhos in Rixdors, Marien- dorscr Aeg, nahe am Bahnhos Hcrmannftrasie, auS statt. 13/26 Ter Barftand. 291 6b I. A.: Arnold Dorow. zuw..."Sr: Olga Jacobson, Zenlral-Kranken- u. SteFliekasse der deutschen Wagenhauer. Bezirk Berlin III. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hermann Zander am 2. Ottober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ain Sonntag, den 6. Oktober, nach- mittags 3ll, Uhr, von der Leichen- halle des Kirchhofes m Marien- selbe aus statt. 466b Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Am 2. Ottobcr verschied nach kurzem Krankenlager plötzlich an Herzlähmung unser Kollege Paul Vorwerk. Wir verlieren an ihn einen treuen Freund, einen Kollegen, welcher stets mit Rat und Tat uneigennützig seinen Mitarbeitern zur Seite stand. 441b Er wird uns ein leuchtendes Vorbild bleiben und werden wir ihm ein treues Andenken bewahren. Dlo Kollegen der Firma Farster& Ring. Danksagnng. Für die wohltuenden Beweise herz- lichcr Teilnahme bei dem plötzlichen Hinscheiden meines lieben Mannes sage ich hierdurch allen Verwandten. Bekannien und Kollegen, insbesondere aber seinem geehrten Herrn Chef, sowie dem Personal der Firma Meinhardt Borchardt und dem Hut- macher- Gesangverein.Einigkeit- innigen Dank. 464b Frau Helene Kade. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie überaus grosien Kranzspenden bei dem Begräbnis meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Möbclpolierers pickarä Leliwan sagen wir allen Verwandten und Bekannten, dem Ehes und Kollegen der Firma Oswald Lochmann, Holl» mannstrastc 32, dem Lotterievcrein .Hosinung 1", dem Lotteriebund für Berlin und Umgegend, dem Deutschen Holzarbciter-Verband, denVtitgliedern vom 221. Bezirk des 6. Berliner Wahlkreises und dem Lotterieverein .Immer mit die Ruhe- unseren aus- richtigen Dank. 27SL Emilie Schwan und Söhne. Zahnärztliche Klinik Ktllealllancejlr. M'- Zahnziehen unentgeltl. Bei künftl. Zähnen, spez. Kronen- u. Brücken-PIomben ic. werden nur die Auslagen berechnet. 872* Geöffnet 9—6, Sonntags 9—12 Uhr. D/e Harnleiden Ihre Oefabren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ ites tausend> '«M« Biete J. Baen BailStr.26,PrinzCkAllee Harren- und Knaben- Moden, Berufskleidung, Eteg.Paletots u. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW |t. 234. 24.IahrMg. 3. ßtilnp Ks Jorriitb" Stdintt ödlislilatt Sountlig, 6. Oktober 1907. €beatci*. Kleines Theater:„Maria Magdalene" von Hebbel. Unter den Dramen Hebbels übt dies sein bürgerliches Trauerspiel, wenn es eine, in die Tiefen der Charakteristik und Stimmung dringende Darstellung findet, von der Bühne her noch immer die stärkste unmittelbare Wirkung aus. Die Enge des Vorgangs, die Verlegung der Handlung in ein dem Zuschauer be- kanntes und daher kontrollierbares Gegcnwartsmilieu. unter« warfen den jungen Dichter der„Judith" und der„Genoveva" hier einer heilsamen Disziplin, erzwangen eine Anpassung an gegebene Wirklichkeiten, die dem Gebilde eine von Hebbel auch später nie- mals wieder erreichte Kraft der Illusion verliehen. Die Worte, mit denen er den Abschluh des Dramas im Tagebuch verzeichnet, sind für die Art seines Schaffens wie für die Schärfe seiner Selbstbeobachtung bezeichnend.„Bei dieser Dichtung," schreibt er, „ging es eigen in mir zu. Es kam darauf an, durch das einfache Lebensbild zu wirken und alle Seitenblicke des Gedankens und der Reflexion zu vermeiden. Das ist aber schwerer, als man denkt, I wenn man es gewohnt ist, die Erscheinungen und Gestalten, die -Man erschafft, immer auf die Ideen, die sie repräsentieren, über- I Haupt auf das Ganze und Tiefe des Lebens und der Welt zurück-- zubczichcn. Ich hatte mich also sorgfältig zu hüten, über den bc- schränkten Rahmen des Gemäldes hinwegzusehen und Dinge hineinzubringen, die nicht hineingchören, obgleich es eben diese Dinge sind, die mich am meisten reizen, denn das Hauptvcrgnügen des Dichters besteht für mich darin, einen Charakter zu seinem im Anfang von mir selbst nicht zu berechnenden Höhepunkt zu führen und von da aus die Welt zu überschauen." Dies mit dem Stoff gegebene Streben nach Beschränkung und Anschaulichkeit hat jenen Grundtrieb Hebbels, die Gestalten auf allgemeine Ideen zu beziehen, sie unter diesem Gesichtspunkte zu gruppieren und zu kontrastieren, die Charaktere bis zur Herausarbeitung ihrer letzten Konsequenzen zu steigern, im Stück natürlich nicht verdrängt, wohl aber eingedämmt. Seine Sprache erreicht hier die größte plastische Bildlichkeit. Heute, wo wir durch Ibsen und Hauptmann an äußerste Schmucklosigkeit des Dialogs im naturalistischen Drama gewöhnt sind, meinen wir leicht, die Intimität der Widergabe werde durch die Beimischung jedweden Zierrates gestört. Doch Hebbels Phantasie schöpft ihre Bilder aus eben der Atmosphäre, in die er seine Menschen hineinstellt. Seine Gleichnisse tragen die Eigcnfarbe der Person, sind nicht nur geistvoll, sondern auch voll individuellen Geistes. In ihrer frappanten Handgreiflichkeit gemahnen sie zuweilen an Lcssings sachlich einfache Bildersprache. Die Aufführung im Kleinen Theater vermochte von den reichen Schätzen nicht viel zu heben. Im Vergleich zu dem, was Pohl im Kgl. Schauspiclhause als Meister Anton gab, wirkte Joseph Kletus Darstellung im allgemeinen dürftig. Man hatte den Eindruck eines verständnisvollen, klugen Vortrages, nicht den des wirklichen Verwachscnseins. Den Drohungen, durch welche er Maria schreckte, fehlte der Unterton des ausweglos und furchtbar Zwingenden. Auch Frau Agnes S o r m a, die große Erwartung des Abends, blieb in der Figur der Magdalenc hinter der Triesch der Brahmschcn Bühne, der Willich des Schauspielhauses weit zurück. Figur und Antlitz ließen die Illusion, daß man ein un- erfahrenes jugendliches Mädchen leiden sehe, und damit ein er» schüttelndes Mitfühlen nicht wohl aufkommen. Ihre Sprache, an den kleinen Raum der KammersPielA gewöhnt, war so leise, daß vieles unverständlich blieb. Gut spielte Herr Abel den kalten und gemeinen Rechner Leonhard, Frau Jlka Grüning die alte Tischlermeisterin. ckt. 1531.« Extra Angebote beendeter SalSOll Teppiche Riesen- Posten (Muster voriger Saison spottbillig I) Steppdecken 300 SWliseide inrot,ouv 525, 750 Bunte Nonnai- Q50 J50 Seblanieeken Z j ü Reiseplaids 400 Teppiche imit. Perser�, 550 Bettvorleger l50, 250, 300 Tiillheltdeeken 250, 350 Gardinen. 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Für die Kleinen: �VeC1"— Des Kindes Werdegang äcj: Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.VerIag:Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagdanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW- »» 4. Jtildjf i>ks Jmmärtö" Kerlim PollioMott. Hm tliittwocb findet Zur KommunalwalflbewtHung. DeS„liberalen Bürgertums" Kraft und Stärke. Das„liberale Bürgertum" Berlins will bei den bevorstehenden Stadtverordnete»Wahlen zeigen, daß es„stark ist" und„Kraft genug hat", auch in den Wahlbezirken dritter Abteilung sich zu behaupten. So versprach man's in einer öffentlichen Ver- sammlung, die der freisinnige Verein„Waldeck" für Freitag einberufen hatte, um seine Mitglieder und etwaige Gäste über die Stadtverordnetenwahlen zu unterhalten. In der dritten Abteilung wählt zwar die werk- täitige Bevölkerung, die ja größtenteils vom liberalen Bürgertum längst nichts mehr wissen will und nur noch von der Sozialdemokratie eine fortschreitende Besserung der kommunalen Zustände Berlins erwartet. Aber im Verein„Waldeck" wurde die Meinung vor- getragen, es sei möglich, in den diesmal an den Wahlen beteiligten Bezirken dritter Abteilung nicht nur die paar Mandate zu behalten, die dem Freisinn noch gehören, sondern vielleicht sogar noch das eine oder andere der Mandate, die bereits im Besitz der Sozial- dcmokratie sind, zurückzuerobern. Die„Kraft" und„Stärke" des liberalen Bürgertums, die dieses Kunststück fertig bringen will, präsentierte sich nun allerdings in der Versammlung keineswegs in besonderem Glanz. Gekommen waren noch keine 50 Mann. Doch können wir der sozialdemokratischen Wählerschaft nur emp- fehlen, aus dem schwachen Besuch solcher Versammlungen unserer Gegner nicht etwa den Schluß zu ziehen, daß der Freisinn in seiner Agitation zu den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen es an Eifer fehlen laste. Den Stadtverordneten Rosenow, der als Referent in Aussicht genommen war, kriegten die Versammelten nicht zu hören; er war ausgeblieben und hatte sich mit Krankheit entschuldigt. Die Kosten der Unterhaltung mußten dann von den Herren des Vor- stände» getragen werden. Ihre Referate waren ebenso ohne Jnterestc, wie die Ausführungen der Diskussionsredner. Bemerkens- wert wäre nur die Aeußerung des einen der drei Referenten, eines Redakteurs Schuhmacher, der mit starker Betonung erklärte, der Freifinn wünsche für die Wahlen zum Stadt- Parlament die. Besei-tigung des Dreiklassen- systems, aber nicht die Einführung des Reichs- tagswahlrechteL. DaS läßt sich denken, und das ist auch längst nichts Neues mehr. Wenn wir nämlich für die Wahlen zu den Stadtparlamenten das ReichstagSwahlrecht kriegten, so würden in Berlin mit einem Schlage die meisten der„verdienst- vollen Mitbürger" weggefegt, die bisher in unserem Rathause die Geschäfte besorgt haben. Die werktätige Bevölkerung unserer Stadt könnte das nur mit Freude begrüßen. Aber den Führern des Stadtfreisinns darf man's natürlich nicht verübeln, daß ihnen die Aussicht auf eine solche Möglichkeit keineswegs verlockend er- scheint. Für sie ist jedes Gemeindcwahlrecht unannehnibar, das nicht zum mindesten die„Schlafburschen" und die erst im letzten Jahr nach dem Ort zugezogenen Einwohner ausschließt. Der Frei- sinn weiß, daß es vor allem die Sozialdemokratie ist, die den Schaden hat, wenn diesen beiden Gruppen bei Stadtverordneten- Wahlen das Wahlrecht entzogen bleibt. Bleibt es ihnen entzogen, dann glaubt der Stadtfreisinn auch nach Beseitigung des Drei- klastensystcms die Herrschast in den Stadtparlamenten noch be- halten zu können. Man sieht, es ist immer wieder die Wahl- entrechtung der Massen, auf der die„Kraft" und „Stärke" deS liberalen Bürgertums beruht. Einstweilen haben wir es freilich bei den Gemeindcwahlen noch mit dem Drciklassenshstcm zu tun, mit dem Drciklaffenshstem von jener besonderen Art, die in Orten mit zahlreicher Arbeiter- bevölkerung die Möglichkeit gewährt, schon jetzt die„Kraft" und „Stärke" des liberalen Bürgertums erheblich zu schwächen und bis zu einem Drittel der Mandate für die Sozialdemokratie zu gewinnen. In Berlin ist da? noch nicht erreicht, noch sind hier die Mandate dritter Abteilung nickst vollzählig im Besitze der Sozialdemokratie. Aber jede neue Wahl stellt uns vor die Aufgabe, diesem Ziel wieder um einen Schritt näher zu kommen. Partei- Hngclcgenbeitcn. Zur Lokalliste. Im 5. Kreis hat der Inhaber des Lokals„Zum Fa Ist äff", Luisenstr. 36, seine Unterschrift zurückgezogen, da der. selbe die Kündschaft der bei ihm verkehrenden studentischen Ver- bindungcn nicht verlieren will, mithin ist genanntes Lokal seitens der Arbeiterschaft streng zu meiden. In Borsigwalde steht uns das Lokal„Bo r s i g w a l d e r F e st s ä l e". Inhaber Alb. Jaschinski, zu den bekannten Be- dingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. 4. Wahlkreis. Am Sonntag, den 13. Oktober, findet in Kellers Festsälcn, Koppenstr. 2S, ein Kunstabcnd statt. Billetts a 60 Pf. einschließlich Garderobe sind noch zu haben. Der Vorstand. Rixdorf. Die BildungSkurse finden abends 8 Uhr bei Hoppe, Hermannstraße 49, statt. Genosse Julian Borchardt spricht über die „Programme der politischen Parteien" an den Dienstagen den 8., 15., 22., 29. Oktober und Freitags, den 8., 15., 22. November. Gc- nasse Bruno Borchardt lehrt über den„Bau des Weltensystems" im Ottober am 17.. 24.. 31., im November am 7.. 14., LI.. 28., im De- zember an, 5.. 12. Wir erwarten vollen Besuch und sind zum crsteren Kursus die Funktionäre verpflichtet teilzunehmen. Die nächste Theatervorstellung findet am 26. Oktober statt. Zur Auf- führung gelangt„Die Äreuzlschrciber". Berechtigungskarten sind bei den Bezirksführern zu haben. Der Vorstand. Schöneberg. Genossen und Genossinnen l Am Dienstag, den S. d. M., abends 8 Uhr finden in den Lokalen: E. Obsts Fcstsälc. Schwarzer Adler, WichclmShof drei Volksversammlungen statt. Die Genossen Eduard Bernstein, H e r m. M o l k e n b u h r und Dr. Alfred Bernstein referieren über:„Die Sozial- demokratie in der Gemeinde." Bleibe niemand fern und agitiere für diese Versammlungen. Gleichzeitig weisen wir nochmals auf die Wahlarbeiten im l.. 2,, 5., 6., 8. und 10. Bezirk hin. Erscheint rechtzeitig. Der Vorstand. Zehlendorf. Am Dienstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, findet im GesellschaftshauS, Karlstraßc 12, Inhaber W. Mick, eine Volksversammlung statt. Referent ist der Reichstagsabgcordnete Genosse Stücklen, welcher über das Thema:„Die konservativ- liberale Paarung und der Reichstag" sprechen wird. Es wird K»li««end ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Einberufer. Treptow-Baumschulenweg. Am heutigen Sonntag findet eine„Vorwärt»"-Agitation statt. ES ist Pflicht der Genossen, sich zu derselben früh 9 Uhr in den Bezirkslokalen einzufinden. Auch werden die Handzettel für die am Dienstag, den 8. d. M., bei Wernicke(Rennbahn) stattfindende Agitationsversammlung mü»erbreitet. Ekc Sßeiäaab' für Berlin und Vororte Rummelsburg. Heute, Sonntag, früh 8 Uhr, findet eine Flug- blattverbreitung statt. Es ist Pflicht der Genossen, sich zu der- selben pünktlich und zahlreich in den bekannten Lokalen ein- zufindcn. Der Vorstand. NowawcS. Mittwoch, den 9. Oktober, abends% 9 Uhr, findet im Lokal des Herrn Schmidt(Deutsche Festsäle) die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht vom Essener Parteitag. Referent Genosse: Max Grunwald. 3. Ab- rechnung vom 3. Quartal. 4. Wahl von 8 Delegierten zur General- Versammlung Groß-BerlinS. 5. Verschiedenes. Gäste haben Zu- tritt. Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder notwendig. Der Vorstand. Erkner. Den Genossen wird hiermit bekannt gegeben, daß laut Beschluß der letzten Wahlvcreinsvcrsammlung die Zahlabcnde in Wegfall kommen und nur noch die Monatsversammlungen statt- finden. Die Wahlvereinsversammlungen finden an jedem 2. Mitt- woch im Monat statt. Auch sind daselbst die Beiträge zu entrichten. Die Versammlung glaubt mit dieser Aenderung den Genossen ge- recht zu werden und erwartet dadurch ein regeres Anteilnchmen an den Versammlungen. Ter Vorstand. Spandau. Den Genossen zur Kenntnisnahme, daß am Dienstag in allen Bezirken Zahlabend stattfindet. Das Er- scheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. berliner JVacbrlchten* Auf der Rennbahn. Karlshorst! Lieblich tauchen, zwischen Äaumgruppen lauschig versteckt, freundliche Villen vor unseren Blicken auf. Von prächtigem Wald und weiten, grünen Flächen umsäumt, gleicht dieser ruhige, anmutige Ort mit seinen auseinander gezogenen, zerstreut liegenden Wohnstättcn einer Villen- kolonie. Es ist Nenntag. Schon im Bahnwagen fällt uns das nervöse, hastige Frage- und Antwortspiel unserer Mitpassa- giere, die durchweg mit Sportzeitungen versehen sind, auf, und seltsame, zusammenhanglose Ausdrücke und Reden schlagen an unser Ohr. Sieg, Platz, Favoriten, Außenseiter, Tips, goldene Peitsche, Liebesschaukel, Heinrzahler und sonstige Bezeichnungen spickten jeden Satz. Auf dem Wege zur Rennbahn erregt auf der Straße ein unentwirrbarer Mcnschenknäucl unsere Aufmerksamkeit, der im Zeichen der höchsten Spannung und Leidenschaft sich längs der Um- zäunung des Sportplatzes hinschiebt. Fast alle halten Notiz- bücher und Bleistifte krampfhaft in den Händen und blicken mit stieren Augen durch die Lücken des Zauns, notieren eifrig, reden auf ihre Nachbarn ein, fluchen und schreien sich gegen- seitig in die erhitzten Gesichter, sind mit einem Wort: außer Rand und Band. Innen, im Sportsplatz selbst, sind ganz im Sinne unserer idealen Weltordnung die Plätze in solche zu 8,50 M. bis herunter auf 1 M. eingeteilt. In den teucrn Rängen bewegt sich mit Grandezza die erstklassige Gesellschaft; be- fonders blitzen die Uniformen der verschiedenen Garderegi- menter vor. Die Damen aber stellen ihre neuesten Toiletten zur Schau und wiegen sich kokett auf den elegant beschuhten Füßchen. Durch den Lärm und den Trubel dringen die ab- gerissenen Klänge der Konzertmusik, aber kein Mensch achtet darauf. Auf dem letzten Platz hat sich ein buntgemischtes Publikum zusammengefunden. Englische, glattrasierte Ge- sichter, auf dem Kopfe die Angströhre, pausbackige, behäbige Gestalten, Damen, alte und junge, in schreiende Farben ge- kleidet, mit unmöglichen Hüten, fade Decken, Typen aus der Friedrichstraße und auS den Eafes wechseln mit kleinen Ge- schäftslcuten, Beamten und Soldaten in bunter Reihenfolge. Mehrere Rennen sind schon vorüber. Ter Menge hat sich eine fieberhafte Aufregung bemächtigt. Jetzt beginnt das Haupt-Jagd-Rennen. Schon tauchen in der Ferne bunte, bewegliche Punkte auf. Die Zuschauer lärmen, wetten, fluchen, zanken: in den Gesichtern verrät sich höchste Spannung, Zorn, Freude, Ent- täuschung. Die Augen stieren unverwandt in die Ferne, die Hand mit dem Bleistift zittert, die Füße trippeln, als ständen sie auf glühenden Kohlen. Die Reiter sind jetzt dicht bei uns. Auf schäumenden, dampfenden Rossen, halb stehend in den Steigbügeln, den Oberkörper über den Hals des Tieres ge- legt, ununterbrochen anspornend und die Ellenbogen be- wegend, wie junge Enten die Flügel, so rast die wilde Jagd blitzschnell an uns vorüber. Aber sie reiten nicht allein, die Menge reitet init. Getreulich ahmt sie in höchster Ekstase die Bewegungen derselben nach und begleitet sie mit Zurufen, Vettvünschungcn und indianerhaftem �Beifallgeheul.„Trepper liegt fein! Liebesschaukel ist weg! Hast Du auf den Außen- seiter gesetzt? Heimzahler bleibt hinten! Sturm ist gut! Licbesschaukel gewinnt! Unsinn! Treppcr holt ihn! O ich Dussel, hätt' ich doch statt 5 M. 10 gesetzt!", so klingt es wirr durcheinander. Die Menschen sind wie besessen.„Es könnten um sie her die Donnerkeile blitzen, zwei Heere im Kampfe stehen, sollt auch der Himmel schon mit Krachen seinen Ein- fall dröhn"— sie wichen nicht von der Stelle. Ein dicker Hüne pfeift und ruft einem der Reiter zu:„Kurz halten!" Er steht in Schweiß gebadet, auf seinem schwammigen Gesicht drückt sich eine unsägliche Angst aus. Alle Muskeln am Körper arbeiten, seine Hände klammern sich krampfhaft an die Brüstung. Zwischen Hals und Kragen hat er zwei Taschen- tücher geklemmt. Seine Augen glänzen wie Schusterkugeln und treten fast aus den Höhlen. Auch das weibliche Geschlecht ist stark vertreten und zeigt für das Rennen ungeteiltes Interesse. Eine Dame verblüfft uns sogar durch die Ge- wandtheit und Unisicht, mit der sie die Buchmacherei betreibt. Ist ein Rennen beendet, so drängt und schiebt sich die Menge in wilder Ungeduld um den Totalisator, wo die Ge- Winne ausgezahlt und neue Einsätze entgegengenommen werden. Da klimpert und klingt das Geld, und es ist schwer festzustellen, was mehr glänzt, das Gold oder die gierigen Augen der Gewinner. Unterdessen ist es draußen bei den Zaungästen nicht minder lebhaft zugegangen. Gewettet und gesetzt wird daselbst ebensoviel oder noch mchr, nur— nicht ausgezahlt. Auch das Buchmachen steht in schönster Blüte, trotz des Gendarms, der mit strengen Blicken die Menge mustert..Zwischen harmlosen Neugierigen, arbeitslosen -HaMverkerv- IBmataL treib«» tick auch öweifel- Zafylabend statt. hafte Elemente herum, gewerbsmäßige Rennbahnbesucher. gut gekleidete oder auch Bassermannsche Gestalten. Zwei Reiter sind beim Sturz verletzt, der eine schwer, der andere leichter; das erregt aber an sich nur wenig Anteil- nähme; die Menge hat keine Zeit, sich Gefühlsregungen hin» zugeben. Die Gewinnsucht löst die wildesten Leidenschaften aus und umnebelt das Hirn all derer, die ihr verfallen sind. Ob„Liebesschaukel" eine Nasenlänge früher ans Ziel ge- langt als„Heimzahler", ist für die Rennbahnbesucher von welterschütternder Wichtigkeit, um diesen Punkt konzentriert sich sein ganzes Denken und Fühlen. Das ist kein Sport mchr, was sich hier vor unseren Augen abspielt. Sportfercrei und Geschäft ist es, beides zugleich. Mancher ist hier schon gestrauchelt, und wer dem Wctt- und Spielteufel verfallen ist, ist für Kulturbestrebungcn tot. Zwar haben auch wir Freude an einem frisch-fröhlichcn Kampf. allerdings an einem ganz anders gearteten. Er muß sich abspielen in der p o l i t i sch e n Arena und er muß geführt werden zwischen der Arbeiterklasse und der herrschenden Klasse. Ihn energisch mit allen Kräften zu führen, ist ein Beginnen, des Schweißes aller Edlen wert. Arbeiter-Bildungsschule. � Wir machen darauf aufmerksam, daß sich auf den jetzt zu? iAerbreitung gelangenden Lehrplänen für das 4. Quartal 1967 einige Fehler eingeschlichen haben, lind zwar ist zu berichtigen, daß der Kursus in Literaturgeschichte nicht am 25. Oktober, sondern am Freitag, den 18. Oktober, beginnt. Gleich- zdtigjst zu ergänzen, daß der Kursus in N a t u r e r k e n n t n i s am Sonnabend, den 19. Oktober, und zwar im Gc- werkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 1, seinen Anfang nimmt. Nur der Steglitzer Kursus beginnt am Freitag, den 25. Oktober. Die rotumrnnderten Plakate, welche während des letzten Bäckerstreiks die Streikleitung der Gesellen an diejenigen Bäcker- meister ausgegeben hatte, welche die Forderungen der Gesellen bewilligt hatten, führten bekanntlich zu dem Beschluß der Bäcker- innung(Germania) in ihrer außerordentlichen Gcneralversamm» lung vom 19. März d. I., daß diejenigen Jnnungsmitgliedcr, welche die verhaßten Plakate in ihren Läden aushingen, in eine „Ordnungsstrafe" von 26 M. zu nehmen seien. Die diesbezügliche Resolution drückte aus, daß die Meister durch das Aushängen der Plakate den„Gemeingeist gefährden" und der„Standesehre zuwiderhandeln". Der Jnnungsvorstand hat es denn auch, gestützt auf diesen, unserer Ansicht nach gesetzlich nicht zulässigen Beschluß, an Straf- Verfügungen gegen renitente Jnnungsmitglieder nicht fehlen lassen. Ein Teil der letzteren hat darauf bei der Gewerbedeputation des Magistrats gegen den Jnnungsvorstand wegen der Strafver- fügungen Beschwerde erhoben, über welche in der letzten Sitzung der Gewerbcdcputation verhandelt wurde. Der Referent, Magist rätsrat Fischer, trat für Ab- Weisung der Beschwerden ein. Die Innung, so führte er ans, fei berechtigt gewesen, ihre Mitglieder, die dem Beschlüsse der Innung zuwidergehandelt haben, in Strafe zu nehmen. Der jivrreferent, Bürgerdeputierter Tutzauer» war entgegengesetzt der Meinung, daß die Innung, indem sie de» Beschluß vom 19. März faßte, und ihr Vorstand, indem er durch Strafverfügung diesen Beschluß zur Ausführung gebracht habe, die Grenzen ihrer Zuständigkeit überschritten. Da» Vorgehen der Innung stehe im Widerspruch mit den Bestimmungen der ßZ 152 und 153 der Gewerbeordnung. Wohl könne der Vorstand nach § 92 c der Gewerbeordnung Geldstrafen über Jnnungsmitgliedcr verhängen, aber nur bei Verstößen gegen statutarische Vorschriften. Maße sich die Innung an, ihren Mitgliedern unter Straf- androhung Vorschriften darüber zu machen, was sie in ihren eigenen Geschäftslokalen zu tun oder zu unterlassen haben, so sei dies Terrorismus schlimmster Art, den man zu Unrecht sonst immer den um ihre wirtschaftliche Besserstellung kämpfende» Ar- beitern vorwerfe. Mit gu� Rechte hätten die Beschwerdeführer sich gegen das Vorgehen ver Innung gewandt; er beantrage des- halb, die Strafverfügungen für unzulässig zu erklären. Den beiden Referaten folgte eine recht lebhafte Debatte. Einzelne Redner bezeichneten das Aushängen der Plakate als im- lauteren Wettbewerb zu dem Zwecke, die Kunden der Meister an- zulocken, in deren Läden die fraglichen Plakate nicht ausgehängt waren. Ein Mitglied der Deputation wollte sogar wissen, daß die Meister, welche die Plakate ausgehängt haben, überhaupt keine Gesellen beschästigen, deren Forderungen also auch nicht erfüllen konnten. Von anderer Seite wurde das Vorgehen der Innung abfällig kritisiert und ihre Kompetenz in der fraglichen Angelegen. hcit bestritten. Magistratsrat Hamburger und die Stadtvcrord. ncten Basner und Borgmann schloffen sich im wesentlichen dcv Ausführungen des Korreferenten an. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Tutzauer auf Auf- Hebung der ergangenen Strafvcrfügungcn leider mit t 1 gegen 16 Stimmen abgelehnt und darauf beschlossen, der Innung aufzugeben, die verhängten Strafen aus die Hälfte, also auf 16 M-, zu ermäßigen. Der Antrag der Bäckerinnung Germania zu Berlin um El. gänzung der von ihrem Gesellcnausschutz versuchten Zustimmung zu der von ihr und den anderen Bäckerinnungen Berlins und der Vor- orte beschlossenen Neugestaltiuig des Arbeitsnachweises ist von der Gewecbedeputation des Magistrat» aus formalen Gründen abgelehnt worden. Es handelt sich um die Errichtung eines gemeinschaft- lichen Arbeitsnachweises für die Berliner und Vororts-Bäcker- innungen. Die Gesellen verlangten die Einführung eines paritätischen Arbeitsnachweises, wie er sich in anderen Innungen bewährt hat. Hiervon wollen die Bäckermeister nichts wissen. Wie Rentenempfänger anf der Post behandelt werden. Es ist nichis Neues, daß Rentenempfänger von manchem der mit der Auszahlung betrauten Postbeamten als Almoscnempfängcr betrachtet und dementsprechend behandelt werden. DaS reuten- erhebende Publikum hat sich längst daran gewöhnt; man sieht darüber hinweg und hat im Stillen seine eigenen Gedanken. Doch je größer die Geduld beim Publikum ist. desto weniger Rücksicht scheint die Pastbehörde ihm gegenüber zu üben. Hierfür ein Bei- spiel vom Postamt NW. 21, Turmstraße. Die Auszahlung der Renten findet auf diesem Postamt an den ersten Tagen jeden Monats zu bestimmten Stunden statt. So sollte auch am 2. d. M.. wie bishsr üblich, nachmittags 4 Uhr mit der Auszahlung begonnen werden. Ungefähr dreißig Menschen standen zu der angegebenen Zeit vor dem geschlossenen Schalter und harrten geduldig auf dag Eintreffen eines Beamten. Aber vergeblich. Es wurde �»5 llhr und nock immer war niemand am Schalter. Man fragte endlich einen anwesenden Unterbeamten, aber dieser konnte nur achsel- zuckend erklären, daß er auch nicht wisse, wo der Beamte sei and warum nicht pünktlich geöffnet werde. Wieder verharrte das Publikuni geduldig bis endlich, aus weiteres Befragen, von irgend- einer höheren Stelle und ziemlich unwirsch der Bescheid eintraf, baß heute erst um 6 llhr geöffnet werde. Schweigend seritreute sich die Schar der Wartenden. Und bald darauf füllte sich langsam der Platz vor dem geschlossenen Schalter mit neu eintreffenden Leuten. Fragende Blicke und Vermutungen wurden ausgetauscht. bis endlich von irgendeiner Seite Aufklärung kam. Die Postver- waltung hatte es nicht für nötig befunden, die Ankommenden durch Anschlag oder Aushang sofort zu informieren. So sind in der Zeit von 4 bis 5 Uhr zirka 60 Menschen vor dem Schalter ein- getroffen und sind unverrichteter Sache wieder gegangen, wenn sie nicht über die freie Zeit zum Warten verfügten. Wenn man bedenkt, daß sich unter den Rentenempfängern doch viele hoch bejahrte Frauen und Männer befinden, denen der Weg bis zur Post ohnehin schon schwer wird, dann kann man es wohl als eine sehr große Rücksichtslosigkeit seitens der Postverwab tung bezeichnen, daß sie solchen Leuten ohne weiteres ein stunden! langes Warten zumutet. DaS Warten wird zur Pein, wenn man bedenkt, daß Sitzgelegenheit in dem betreffenden Räume nicht vor- Händen»st. Die sogen, internationale Lnstwagenkonkurrcnz, die der Kaiserliche Automobilklub und der Verein deutscher Motorfahrzeug-Jndustrieller dieser Tage veranstalten will und die ihren Ausgangspunkt, wie wir bereits berichteten, von Berlin nehmen und einige belebte Straßen berühren soll, ist in letzter Stunde auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen. Die„B. Z. am Mittag" weiß zu melden, daß der Ober Präsident und der Regierungspräsident der Provinz Sachsen sich gegen die Abhaltung der PrüfungSsahrt ausgesprochen haben, weil zurzeit in der Provinz Sachsen die Rübenernte in vollem Gange ist und man größere Verkehrsstörungen fürchtete. Die Veranstalter der Konkurrenz haben sich schleunigst hingesetzt und unter Ausschaltung der Provinz Sachsen eine andere Strecke ausgearbeitet. Während als anfängliche Strecke Berlin— Charlotten bürg— Brandenburg— Magdeburg— Quedlinburg— Dessau— Jüterbog —Berlin galt, soll jetzt die Strecke Berlin— Brandenburg— Jüterbog —Berlin gewählt werden und eS wird beabsichtigt, diese Strecke z w e i m a l zu durchfahren. DaS kann ja interessant werden. Be zeichnend ist, daß der Oberpräsident in Potsdam gerade entgegem gesetzter Ansicht wie der Oberpräsident der Provinz Sachsen zu sein scheint. Während letzterer größere Verkehrsstörungen befürchtet, ist der ersiere bemüht, die Veranstaltung zu fördern, oblvohl hier weit belebtere Gegenden in Frage kommen. Unter dem Rangtrrzng zermalmt. Ein schrecklicher Unglücksfall, der mit dem Tode eine» blühenden Menschenlebens endete, hat sich gestern mittag auf dem Rangier bahnhof an der Frankfnrter Allee zugetragen. Der 20 Jahre alte Eisenbahnbeaint« Paul Klahn au« der Koppenstraße 80 hatte beim Rangieren eine« Zuges die Brems« zu bedienen. Während sich nun der Rangierzug in der Fahrt befand, sprang K. auf einen der Wagen hinauf, um möglichst schnell die Bremse in Tätigkeit zu setzen. Er glitt jedoch vom Trittbrett ab, kam zu Fall und geriet unter den Zug. Die Räder zermalmten dem Aermste» beide Beine sast voll» ständig. Auch da« Rückgrat wurde ihm zermalmt. Auf dem TranS Port nach dem Krankenhau« am Friedrichshain erlag der verunglückte feinen Verletzungen._ Zwei Boottunfälle haben sich vorgestern auf dem Tegeler See resp. der Qavel ereignet. Der Kaufmann Krüger au« Berlin hatte mit seinem Freunde und dessen Schwester mit einem ihm gehörigen Segelboot eine Ausfahrt auf dem Tegeler See unter nommen. Jnsolge plötzlichen Umspringens de» Windes und einer dabei durch die Danie ausgeführten falschen Steuerung schlug da« Fahrzeug um und die drei Insassen stürzten in das Wasser. Die um Hülfe Rufenden, die sich an den» Fahrzeuge festklammerten, wurden durch die Mannschaften eines voruberkommenden Dampfer« gerettet.— Ein noch nicht aufgeklärter BoolSunfall hat sich vermutlich vorgestern auf der Havel»n der Nähe der Ein» fahrt in den Tegeler See ereignet. Dortsclbst wurde von dem Frachtdampfer„Hamburg" ein auf dem Wasser kielaufwärt« treibendes Ruderboot entdeckt. Bon den Insassen des Fahrzeuge» konnte nichts enmttelt werden. Vermutlich sind dieselben er- trunken, da weder in Heiligensee noch in Tcgleort von einem BoolSunfall etwas bekannt geworden ist. Schon wieber eine Eisonbahnentgletfuns. Auf der Ringbahn station WilinerSdorf-Jriedenau sind gestern früh OVt Uhr drei Eisen bahnwagcn infolge Versagen« der Weiche entgleist. Glücklicher» weise handelt eS sich diesmal nur um Güterwagen, die den Wilmersdorfer Güterbahnhof erreichen wollten. Die Gleise für den Güterverkehr auf dem Ringbahnhof Wilmersdorf find erst neu gelegt. Als die Maschine die neue Weiche passiert hatte, lockerte sich die Weichcnstellung und drei Güterwagen blieben auf dem alten Gleise, während die Maschine schon in einem Neben gleise stand und bei»» Weiterfahren die drei Wagen au» den Schienen riß. Die bcladenen Wagen lagen schief über den Schienen und eS bedurfte mehrstündiger Anstrengungen, um sie wieder flott zu machen. Immerhin haben die Wagen einen er- heblichen Materialschaden erlitten. Znin Stranöbcrger Eisenbahnunglück wird uns aus Königs- Wusterhausen gemeldet, daß dort der Kaufmann Katzky unter dem Verdacht der Täterschaft an dem Strausbergcr Eisenbahnfrcvel verhaftet und in das AmtSgcrichlsgefängnis gebracht worden ist, ES wird abzuwarten sein, ob der Verdacht begründet ist. Nach den bisherigen Berichten befinden sich demnach bereits drei Personen in Untersuchungshaft, ob aber einer davon überhaupt ernstlich als Täter in Betracht kommt,»st sehr die Frage. DaS WIntcrgartenprogrninn» für de» Oktober. Die Tage werden kürzer und die Abende länger. Die Theater und Variotös gewinnen mit der Jahreszeit an Zugkraft, auch wenn ihre Darbietungen nicht immer zugkräftig sind. Die Provinz entsendet ihre Besncherschar und die Großsladtschichten. denen das Vergnügen die Arbeit ersetzt oder aber einmal unterbricht, strömen herbei. Lustiger Wechsel, ein Potpourri au« allein heißt die Losung der VartotäS: Kgl. Kammer« sänger, Kunst, girkusnnminern, exotische Tänze. Es kann nicht bunt genug werden.... Die Hindutänze von Frl. Ruth-St. Denis bilden gegen- wärtig die Hauptanziehungskraft im Wintergarten. Mit ihren wllnderbar weich wogenden Arm- und Handbewegungen und den ausdruckvollen Rythmen ihres schlanken Körpers, wozu der starre GesichtSauSdruck seltsam kontrastiert, beschwört sie fremdartig« Welten herauf. Derbere Künste bietet der Peitschenvirtuose L i n d s a tz. die Akrobatik ist durch die drei G o r d o n s gut ver- treten. Mit immer neuen Ueberraschnngen spannt der in Berlin schon bekannte Zauberkünstler de B i ä r e die Erwartung, und indem er seine Tricks angeblich erklärt, bietet er wieder neue. Humor und grotesken Ulk findet man bei einem amerikanischen GesangSquartett. recke Grazie oei Arlette D o r g ä r e, die allerdings nicht ganz bei Stimme war. Ernste» Gesang pflegt der Kammersänger Herr A l b e r t t. Eine fainose Szene zu Pferde— Champagner- auSgelassenbeit— führte LeriS Loyal vor. Die Ochsendressur von Grais zeigte die ganze akrobatrsche Ueberlegcnheit unserer ent- fernten Vctterschaft. Lebende Bilder nach bekannten Bildern und Plastiken sind eine stehende Nummer unserer VariütöS geworden. Eine französische Truppe— Henriette de Serris— vertrat dieses Genre, dem wir nicht all zu viel Geschmack abgewinnen können, besonders wenn die Statisten die Jllusioi» zerstören, um ihre Ver- beugung zu machen. Die wirkliche Verrücktheit eines Automobil- rennens und die eines phantastischen Hotels steuerte der liistig konstruierte Biograph bei. Die Zufahrtstrahe zum Droschkenhofe de» Potsdamer Bahn- Hofes wird wegen Asphaltierungöarbettei» vorn 7, d. M. ab bis auf weiteres für Fuhuvcrke und Reiter gesperrt. Die An- und Ab- fahrt der Droschken am Bahnhofe erfolgt während der Tauer der ißKsrrung von der Köthenerstraße auS, Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr Beginn des Winterkursus in der 1. Abteilung Dresdenerstr. 4S. Vortrag des praktischen Arztes Herrn Dr. Schwab über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers). Nach dem Vortrage findet Frage- beantwortung statt. ES wird um rege Beteiligung gebeten und bitten wir, da» Inserat der heutigen Nummer zu beachten. Vorort- JVaebnebten. Charkottenburg. Die Stadtverordnetenwahle« für die dritte Abteilung finden in Eharlsttenburg am S. November, für die 2. Abteilung anj 7 November und für die 1. Abteilung am 8. November statt. Die Termine fallen also mit denen für die Berliner Wahlen zusammen. Bei den wenigen Wochen, die uns noch vom Wahltag trennen, be- darf es der eifrigsten Agitation, zumal da von gegnerischer Seite eine Tätigkeit an den Tag gelegt wird, die die Tätigkeit früherer Jahre weit übertrifft. Sollen wir keine unangenehmen Ueber raschungen erleben, dann ist e» dringend erforderlich, daß diesmal der letzte Mann zur Wahl kommt. Di« Freie Volksbühne Charlottenburg führt in diesem Monat ihren Mitgliedern Anzengrubers bestes Volksstück:„Das vierte Gebot" vor. Die Vorstellung der l. Abteilung ist am Sonnabend, den 12. Oktober, die der 2. Abteilung am Freitag, den 11. Oktober, abends 8 Uhr, im Charlottenburger Schiller- Theater. In jeder Abteilung müssen die Marten am Tage vor der Vorstellung geklebt sein, in der S. Abteilung also schon spätestens am Donnerstag, den 10. Oktober. Steglitz. Ueberfahren und sofort getötet wurde vorgestern abend auf dem Bahnkörper der Wannseebahn in der Nähe des Güterbahnhofe» der 60 Jahre alte Rentier Wilhelin Rathenow au» der Mommsen- slraße. Der Lokomotivführer bemerkte den Mann auf den Schienen, konnte jedoch den Zug nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen. Während auf der einen Seite behauptet wird, daß es sich um einen Selbstmord handelt, will die Polizei ermittelt haben, daß der Getötete auf dem Güterbahnhofe zu tun gehabt und in fahrlässiger Weise das Gleise betreten habe. Da» Organ des Mietervereins, die„Steglitzer Zeitung" bringt in ihrer Sonnabendnummer folgende Notiz:„Auf Neu- bauten in der Treitschte- bczw. Zimmermannstraße stahl ver- mutlich streikendes Gesindel Kleidung und Hand- Werkszeug der dort beschäftigten Arbeiter."— Da« ehrenwerte Organ weiß also absolut nichts, es„vermutet" nur, daß Streikende die Sachen gestohlen haben könnten. Ist schon die ohne jeden Anhaltspunkt ausgesprochene Vermutung eine journalistische Unanständigkeit, so ist die Be- Zeichnung streikender Arbeiter als„Gesinde l" eine Flegelei, die wir auf» nachdrücklichste zurückweisen müssen. Wer gibt dem MietervereinSorgan das Recht, Arbeiter, die von dem ihnen gesetzlich zustehenden Recht der Arbeitsverweigerung Gebrauch machen, als „Gesindel" zu beschimpfen? Wie würde es ihm gefallen,»venu wir sagen würden:„Das Gesindel in der Redaktion der„Steglitzer Zettung" verbrettet wissentlich falsche Nachrichten lediglich zu dem Zwecke, um seinem Haß gegen streikende Arbeiter Ausdruck zu geben!?" ES würde sich vermtitlich— und mit Recht— beleidigt fühlen. Also:„Was Du nicht willst, da» man Dir tu' usw."— Wir sind zurzeit nicht unterrichtet, ob überhaupt auf den Bauten gestreikt wird. Sollte die» der Fall sein, dann wird wohl da« be- teiligte„Gesindel" selbst noch da« Wort nehmen. Adlershof. Abermals eine BerfammlungS-Auflisung im Kreise Teltow! Am LS. September sollte in Adlershof«ine öffentliche Per sammlung stattfinden»nit dem Thema:„Die frei« Jugend- organisation und ihr« Feinde." Diese Versammlung wurde ohne Angabe von Gründen durch den Aintsvorsteher verboten. Am 4, Oktober tagte nun bei Kähne, Bismarckstraße, eine Volks Versammlung, die äußerst zahlreich besucht war, um gegen den Eingriff der Behörde in die gesetzlich aewährleistete VersaminlungS- freiheit Stellung zu nehmen. Der Referent, Genosse Mar Kiesel, sprach über das Thema„Polizei-Zustände". Er zeigte, wie die Polizei bestrebt sei. die Arbeiterklasse überall zu bevormunden, die Organisationen in ihrer EntWickelung aufzuhalten. Die Arbeiterklasse sei aber mit einem Mann wie Bismarck fertig ge worden, der die heutigen Sozialistentöter an Fähigkeiten über- ragte. Auch die Jugendorganisation werde die Behörde nicht zurück- drängen können. Alle erwachsenen Arbeiter müßten aber durch die Bekämpfung veranlaßt werden, mehr wie bisher die Jugend- bcwcgung durch Agitation für dieselbe zu unterstützen. In der Diskussion, die sich an den mit Beifall aufgenommenen Vortrag anschloß, sprach Genosse Maschke. Parteifreunde des Landrats, wie der konservative Abgeordnete Hammer im preußischen Land- tage, haben die Maßnahmen des Landrats als ungesetzliche bezeichnet. Im selben Atemzuge erklärte aber der Abgeordnete Hammer,«wenn ich Landrat wäre, würde ich versucht sein, ebenso zu handeln." Hieran kann nian erkennen, daß es für jene Leute sich gar nicht darum handelt, ihren Handlungen eine gesetzliche Grundlage zu geben, sondern daß sie die Niederknüttelung der Jugendorganisation als eine Machtfraae betrachten.— Der überwachende Beamte ver« langte nun vom Vorsitzenden, daß er nicht dulden soll, daß über „Jugendorganisation" gesprochen wird. Genosse Maschke erklärte, daß nach keinem Paragraph irgend eines Gesetzes dem Beamten das Recht gegeben sei, in die Verhandlung einzugreifen. Er lasse ich daher von niemandem, auch von einem königlich preußischen Gendarm nicht vorschreiben, was er sagen solle.— Der Ucbcr- wachende löste daraus die Versammlung auf. Gegen die Auflösung wird natürlich Beschwerde eingelegt. Außerdem findet ain Mittwoch, den 9. Oktober, bei Wöllstein eine Protestversammlung gegen diese Auflösung statt. Thema: Achtung! Der Staat ist in Gefahr! ES ist Pflicht der Parteigenossen, schon jetzt überall für den Besuch dieser Ver« 'ammlung zu agitieren. Weihensee. DaS Disziplinarverfahren gegen den besoldeten Schöffen Dr. Pape auf Dienste», tlassu»»o ist noch nicht Gegenstand einer Ver« Handlung des Gerichtshofes gewesen, und schon werden in der Ein« wohnerschaft allerhand Gerücht- laut. Einmal heißt es, die Wieder- einsetzung stehe kurz bevor, um dann hinterher widerrufen zu werden. Die Verbreitung des ersteren Gerüchts wird ganz plan- mäßig von den Freunden Papes eingeleitet. Ein etwa? schnelleres Arbeiten der hierüber zu entscheidenden Behörden wäre im Jnter- esse der Gemeinde jedenfalls erwünscht, da diese die Hälfte deS Gchaltö an Dr. Pape zahlen muß und bei einer eventuellen Wiedereinsetzung in sein Amt den Rest des GehalteS. trotzdem ein« AuShülfSkraft besoldet wird. Friedrichsfelde. Tie Beleidigungsklage erhöbe» haben die Friedrichsfelder Volksschullehrcr gegen unsere Genossen G r o n w a l d und Pin» ' e l e r. Die Anklage gegen Gronwald stützt sich auf eine Ver- ammlungsanzeige, in welcher es unter anderem heißt:„Die Kinder der Volksschule sind der Willkür der Gchulhcrrscbaft aus- wsetzt, warum nicht auch die Kinder der Reichen? Weil letztere ich eine solche Behandlung ihrer Kinder nicht gefallen lassen. Ja, hat da» Kind des armen Manne» nicht ebenso ein Recht auf Schutz durch die Eltern gegen die Willkür der Lehrer? Gewiß! Nur ind die meisten Eltern zu furchtsam, a»lch zu bequem, ihre Elter»« rechte zur Geltung zu bringen. Wer nicht den Mut hat, sein« Kinder zu beschütze,,, der h« auch lein Recht auf die Liebe dieser Kiudu. Dck in deck letzteck Tagen Fälle bedenklicher Züchtigung! von Kindern durch Lehrer der hiesigen Schule die öffentliche Kritik herausfordern, findet eine öffentliche Versammlung usw." Der Genosse Pinseler soll die Lehrer als Redner in der betreffer»den Versammlung beleidigt haben. Welcher Art die Züchtigung der Kinder gewesen sein soll, um die e» sich in vorliegendem Falle handelt, geht aus folgenden ärzt- lichen Attesten hervor: „Herr W. ersucht mich soeben um Ausstellung eines ärztlichen Attestes, da seine gjährige Tochter Frieda heute vormittag durch Stockschläge über den linken Arm mißhandelt sein soll. Die ob- jekttve Untersuchung ergibt folgenden Befund: „Quer über die Vorderfläche des linken Oberarmes vom Ellen- bogen bis zur Schulter laufen neun blutunterlaufene, blaurote Striemen. Die Länge derselben»st verschieden, sie differenziert zwischen 1 und 9 Zentimeter. Die Verletzte klagt über Schmerzen im linken Arm und kann aktiv den verletzten Arm nicht heben. Die Verletzungen rühren offenbar von der Einwirkung eines Stockes her." Friedrichsfelde, den 22. 6. 1907. Dr. Braun. Arzt. Das folgende Attest lautet: „Frau I. ersucht mich heute um Ausstellung eines ärztlichen Attestes, da ihre lOjährigc Tochter Hedwig heute vormittag durch Stockschläge»lißhandelt sei. Die objektive Untersuchung ergibt folgenden Befund: A»n Rücken, zu beiden Seiten und unter den Schulterblättern sieht man 8 blutunterlaufene Striemen; dieselben differenzieren in ihrer Länge zwischen 1 und 9 Zentimeter. Eine Strieme erreicht außerdem die Breite eines Fingers und zeigt in der Mitte eine Hautabschürfung. Die Verletzungen rühren offen» bar von der Einwirkung eines Stockes her." griedrichsfeldc, den 24. 6. 1907. Dr. Braun. Arzt. Wie wir bereit» schon einmal mitgeteilt, haben sich die beiden Fälle an zwei hintereinander folgenden Schultagen und bei dem- Klben Klassenlehrer, einem Herrn II ins, ereignet. Herr Rektor R i e t s ch meinte in einer gm 2. Juli stattgehabten Versammlung, daß diese Sache gar nicht so schlimm sei, denn da? Kind wäre nicht erheblich in seiner Gesundheit geschädigt, da eS nur einen Tag die Schule nicht besuchen konnte. Auf die Frage des Genosse» Pinseler, was bei ihm eine Ueberfchreitung des Züchtigunasrechtes tci resp. eine erhebliche GesundheitSschädigung. blieb der Herr die lntwort schuldig. Bekanntlich suchten die beleidigten Pädagogen schon einmal den Schulvorstand zu bewegen. Strafantraa zu stellen, derselbe lehnte es jedoch ab. Unsere Genossen sehen der nunmehrigen An- klage mit Ruhe entgegen. Spandau. Zur Sperre über das Eeitzsche Lokal. Die von unseren Ge» nassen mit Erfolg verhängte Sperre über das Eeitzsche Lokal hat eine abermalige einstweilig« Verfügung gegen neun postenstehende Genossen und die VorwärtS-Buchdruckerei und VerlagSanstalt ge, zeitigt. Bereits am 22. September berichteten wir, daß Herr Seitz eine einstweilige Verfüguitg herausgebracht hatte, die 1b Genossen untersagt, Zettel oder Druckschristen zu verteilen, die zum Boykott de? Seitzfchen Lokale» auffordern. De» weiteren wurde den 1b Ge« nassen der Aufenthalt in der Nähe des Seitzfchen Lokale» und das Fernhalten von Gästen bei einer Haftstrafe von drei Tagen für jede Zuwiderhandlung verboten. Schon damals konnte man sich denken, daß durch diese Verfügung die Tätigkeit der Spandauer Genosse» keineswegs lahmgelegt werden könnte, geschweige denn, daß sie geeignet war, Herrn Seitz einen stärkeren Zuspruch von Gästen zu sichern. Die neueste von derselben Zivilkammer gegen neun Genossen erlassene Verfügung läßt denn auch erkennen, daß Herr Seitz mit aller Gewalt dem für sein Geschäft verhängnisvollen Boykott ein Ende machen will. Wir find der Ueberzeugung. baß dies« Draufgängerei nur geeignet ist. das Gegenteil dessen zu er- reichen, wa» man herbeiführen vlll, nämlich: die Sperre noch umfangreicher zu machen. Da» mag sich auch da» Spandauer Scharfmacherblatt gesagt sein lassen, da», wie man die» auch nicht anders erwarten kann, über diese Verfügung nicht wenig erbaut ist. Der Boykott wird nicht durch gerichtliche Verfügungen beseitigt. sondern durch das Zugeständnis, die Arbeiterschaft al» gleich, berechtigte Bürger betrachten und damit ihr de» Saal zu versamm- lungszwecken zur Verfügung stellen zu wolle». Bevor letzteres nicht geschieht, wird, dessen sind wir überzeugt, die Spandauer Arbeiterschaft da» Seitzsch« Lokal nicht zu be« treten gewillt sein. Die einstweilige Verfügung hat. soweit sie sich gegen best Vorwärtsverlag richtet, folgenden Wortlaut: „Der Antragsgegnerin zu 9 wird untersagt, Flugblätter zü verbreiten, in denen aufgefordert wird, das Seitz sche Lokal zu boykottieren sowie dahingehende Vermerke in die Lokallisten auf- zunehmen bei Vermeidung einer gegen die Inhaber der Antrags- gegnerin zu vollstreckenden Haftstrafe von 3 Tagen für jeden Fall der Zuwiderhandlung." Natürlich ist gegen diese einstweilige Verfügung richterliche Entscheidung beantragt worden. Etwas schmerzlich berührt wird es Herrn Seth wohl haben, daß wenige Stunden vor Eingang der Verfügung die neueste Lokalliste mit der Sonnabendnummer de» „Vorwärts" verbreitet wurde. Vermischtes. Ein furchtbares Familiendrama trug sich gestern früh zwischen 4 und b Uhr in Dresden im Hause Nr. 8 in der Weimarischenstraße zu. Dort wohnt der Kellner Wilhelm Rogler mit seiner Frau und einer Schwester derselben. Ein aus Leipzig zu Besuch bei Rogler sich aufhaltender Bruder, der Arbeiter Rogler, kam nun in der vergangenen Nacht mit den genannten Frauen in Streit und zog plötzlich einen scharfgeladenen Revolver hervor, mit dem er die Cchiocster der Frau Rogler durch einen Schuh tötete und die letztere durch weitere Schüsse schwer verletzte. Cr selbst stürzte sich darauf aus der im 4. Stockwerk gelegenen Wohnung herab und blieb in schtvcrverletztem Zustande liegen. Es ist fraglich, ob er und Frau Rogler am Leben erhalten werden können. Mlt 19900 M. flüchtig geworden ist seit vorgestern nachwlttag der 14�jZhrIge Banklehrling Hiser in Elberfeld. In setner Be- gleitung befindet sich der gleichaltrige KaufmannSlehrling Pack. Verschiedene Schifföunfälle werden berichtet, u. a. au» Jarmouth(England), von wo ein Telegramm mitteilt, daß da» ranzösische Schiff„Monette" in der Nordsee mit einem englischen Fischerboote zusammengestoßen sei, dessen Mannschaft gerettet werden konnte. Bei dichtem Nebel sind ferner die Dampfer „Settler" und„Agincoürt" auf einen Felfen aufgelaufen. Die beiden Dampfer sind unrettbar verloren. Die Besatzungen konnten gerettet werden. Mit dem Förderkorb in die Tiefe. In einem Kohlenbergwerk bei Bolton stürzte einem Telegramm au» London zufolge ein Förderkorb in die Tiefe; neun Arbeiter, die sich in dem Korbe befanden, wurden getötet. �»> Waldbrand. Di» großen Staatswälder im Kreise Kruschewatz tehen nach Belgrader Meldung seit mehreren Tagen in flammen. Zur Löschung des Brandes wurde Militär abgesandt. «Setter- Pregnese für Sonntag, de» 0. Oktober 1007. Mild und zunächst vielfach heiter, bei ziemlich lebhast-n südwestlichen Winden i jpäter wieder zunchmeude Bewöltuiig mid etwa« Aege». Bertioer Wetterdur»,» Warenhaus "N Wilhelm Stein Berlin N., Chausseestraße 70/71. Wir bringen einen Posten Kerrett' Anzüge«- Paletots die beim Umbau durch Staub gelitten— so lange Vorrat— bis zur Hälfte des regulären Wertes= zum Verkauf. 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Beim Durchsehen dieser Liste bitten wir ganz besonders genau darauf zu achten, ob der Meister, von dem man augenblicklich seine Backware bezieht, auch«och hierin verzeichnet steht, denn nur diese Liste bietet Garantie» daß die Kunden nicht etwa doch getäuscht werden I Wiederverläufer und Milchhändler werden zunächst nicht mehr veröffentlicht; im Solidaritätsintercsse bitten wir jedoch hieraus ein besonders wachsames Auge zu haben, da diese Kontrolle am schwersten war und hierbei die größcstcn Unregelmäßigkeiten und Hinterziehungen vorgekommen sind und noch vorkommen! Jeder bewilligt habende Meister und jeder Händler, der boylottfreie Ware führt, muß sich sofort durch unsere rote Legitimationskarte ausweisen können, sonst ist irgend etwas nicht in Ordnung. 'Wir ersuchen in dieser Hinsicht das kaufende Publikum, das uns in solch energischer, dankenswerter Weise in unserem schweren Kampf unterstützt hat, nun seinerseits diese eigene Kontrolle in anSgiebigster Weise ausüben zu wollen! Beschwerden und Anfragen werden durch die Boykottleitung nach wie vor m der gewissenhaftesten Weise geprüft und erledigt; Aenderungen, Durchbrechungen usw. erscheinen, wie auch bisher, nach Bedarf.''"n Die Lohnkommission der Bäcker und Konditoren, Berlin, Auguststr. ZK. Telephon Amt III 1213 und III 5661. Ackerstr. 45, Benthin. „ 68,(Solbäder. # 85, F. Hanke. , III, Thoma. , 114, Marquard. SlbalBertftr. 36, Nauhut. 45a, O. Saufe. 66, Hoppe. Adolsstr. 1, Dobrin. 11, Tennigkeit. . 12 b, Hämsch. Admiralsw. 10, D. Hanke. „ 30, Heinroth. 37, Benz. Allensteinerstr. 6, Ramthun. , 15, Cieluch. 26, ZaunuS. Alexandrinenstr. 28, Hilbig. Rite Sakobstr. 138, Lück. Amstcrdamerstr. 11, Eule. „ 29, Herberg. Andreasstr. 16, O. Hante. Marklh. St. 125, Güldner. Annenstr. 41, Niemeyer. An der Spanbaucr Brücke 1b, O. Hanke Anklamerstr. 19, Dobrin. » 31, Benthin. „ 48, Hanfe. Andreassir. 32, Brolsabrik.Wilhelma" Artilleriestr. 3, Goldacker. Badstr. 13, Kuppler. „ 37a, Schimetzek. » 49, Goldacker. Barnimsir. 37, Güldenslern. Barnimstr., Ecke Büschingstr., Spann. Bastianstr. 18, Niedzwieds. , 20, Tonn. Bärwaldstr. 47, Naatz. Btlforterftr. 22, Eggert. Bellealliancesir. 24, O. Hanke. Bergstr. 2, Hönicke. Bcrgmaimstr. 10, KnofiuS. , 14a, Polenz. 19, O. Hanke. Berlichingenstr. 1. PoloniuS. 12. Gras. Bernauerstr. 3, Schill. , 47, Sinke. 97. Marx. Beusselstr. 17, D. Hanke. , 7, Eckert. , 42, Languth. , 440, Grelhlein. , 56, Pohle. , 59, Schneider. . 87, Rittner. Birkciistr. 32. Sauer. Blücherslr. 11, O. Hanke. 67, Bcroiiiia. Blumcnfw. 13, O. Hanke. Bochumcrslr. 10, Klinke. Bödickersw. 30, Gen.-Bäckerei, Berlin. Bohenstr. 6, Bennekc. 11. L. Sble. . 16, Jakob. Boxhagenerstr. 27, Sieling. Böttgerslr. 5, Kruppe. , 25, Duckcrt. Brandenburgsir. 21, Becker. Bremersir. 43, Vesterling. , 57, Vesterling. , 60, Bayer. Britzersw. 7, Torgalsch. Brunnenslr. 3, Mollweide. , 41. Sorge. , 151, F. Hanke. , 129, Goldacker. , 154, Herrmann. Brüsselerstr. 5. de Bruyn. . 8, Gonsior. 43. Ianezeck. 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Hanke. » 45, Schramm. „ 50, Brückner. „ 54, F. Hanke. Eisenbahnstr. 3, Haupt. 8. O. Hanke. Elbingerstr. 27, Fiedler. K 79, Hanke. , 90, Trappe. . 99, Reimann. Elsasserstr. 92, Thoma. Emdenerstr. 21, Hollunder. 17, Pohl. Erasniusstr. 2, Müller. Esmarchstr. 20, A. Czok. Eylauerstr. 18, Brotsabrik.Berolina'. Falckensteinstr. 17, O. Hanke. . 20, Fischer. , 34, Grützmacher. . 37, Manthey. Falkplatz 1, Günther. Fchmarnsw. 8, Behrend. 9, Volksbrot. , 20, Barz. Fehrbellinerstr. 27, Höselbarth. , 35, Sommerseld. . 93, Hein. Fennstr. 43, Laddasch. Forsterstr. 20, Genossenschast.Berlin'. . 48, Reich. Große Frankfnrterstr. 33, Hanke. 139. Goldacker. Frankfurter Allee, Ecke Samariter- straße, F. Hanke. Frankfurter Allee 40, Richter. 176, C. Hanke. Franseckistr. 27, Böttger. 45. Thiel. . 53,©oldacker. Freienwalderstr. 21, Gcrlach. , 38, Köpke. Fried richfw. 247, Goldacker. 27, O. Hanke. FriedrichSselderstr. 13, C. Hanke. , 17, Kunz. „ 26, Hnida. Friedenstr. 57, Becker. Friedrichsbergerstr. 16, NowodzhnSk. Fruchtftr. 2, Schulze. „ 46, C. Polenz. Fürstenbergerstr. 9, Konz. , 15, Oßwald. Fllrslenwalderstr. 7, Heinrich. Georgenkirchftr. 60, Hanke. Gerichtsir. 53,«chönwiese. Gipss.r. 7. O. Hanke. Gitschlnerstr. 58, Heinroth. Gleimstr. 9a, Saape. , 11, Gießler. 19, Pribyl. . 32, Rothe. , 43, Grothe. , 48, Abraham. . 60, Metfch. Glogauerstr. 2, Kotzan. , 17, Iautke. . 28, Bäckerei- Genossen. schast Berlin. Göbenstr. 18, Brotsabrik.Bcroltna' Goltzstr. 31, Goldacker. Gollnowstr. 9, Osk. Hanke. Gormannstr. 25/26, Minuth. GotzkolvSkyslr. 6, Müller. Görlitzerslr. 68, Most. 55, Fischer. Görlitzer User 32, Nowosadko. Gr.-Görschenstr. 43, O. Hanke. Gräsestr. 4, ReHjeid. , 10, Schnittger. . 12, Hanke. 35, Bäckerei- Genossenschast Berlin. Graudenzerstr. 5, Rickisch. Graunstr. 5, Schenk. 22, Dohrmann. 32, SÜßmann. Ereisenhagenerstr. 15, Nillasch. Greijswaiderstr. 12, O. Hanke. 29, Bartsch. Grimmslr. 1. Wols. 29, O. Hanke. Grünauerstr. 12, Büß. . 26, Barack. Grüner Weg 63, Osk. Hanke. » 121. Gnniar. Grünbergerslr. 10. C. Hanke. Grönlhaierstr. 10, Sambor. # 56, Bobel. Gubenerstr. 18, Gerlach. „ 42, Smcjkal. . 57. DeinS. Hagenauerstr. 1, Hanke. 13, Wurst. Gr. Hamburgerftr. 33, Boßel HauSbnrgstr. 5, Mehl yeidenseldstr. 7, Sluer. „ 21, Schön. 19, D. Hanke. Seinersdorserstr. 12, Lamla. ennigsdorserstr. 1, Hermann. 37, Müller. Hermsdorserstr. 8, Bobel. Hochstraße, Neue, 18, Berliner Ge nosfeilschastS-Bäckerei. Höchste. 31, Maue. Hochmeisterste. 1, Hanke. Hohenlohestr. 18, Bäckerei« Genossen schast Berlin. Holzmarkt str. 14, I. Elsner. „ 55, Slronheim. Huselandste. 34, Hanke. . 36, Oberreicher. „ 40, KittlauS. f übnerstr. 6, Bauer. ussitenstr. 4/5, Friedrich. 15, Potscher. , 20. Ww. Wols. » 30, F. Hanke. „ 43, Kießling. Jnsterburgersir. 2, O. Hanke. , 5, Syrow. 12, Hennig. Jnvalidenstr. 33, Label. „ 156, Paul Hanke. 157, Goldacker. SablonSkistr. 1, Bode. „. 39, Hcllwig. Sagowstr. 10, Eichstädt. Sahnstr. 21, Köhler. Sasmunderstr. 18. Böttcher. Kalserstr. 46, Kalbow. Kamerunerstr. 50, Fiebiger. Karlste. 26, O. Hanke. Kastanien-Allee 13/14, Adam .. 19, Goldacker. �» ,57, Künscher. . 72, Aiidersch. , 83, F. Hanke. Kesselstr. 42. Tauer. Kirchbachstr. 6, Chinielewsky. Kleine Andreasstr. 7, Hierse. Kleine Frankfnrterstr. 14, Mittelstadt. Kleine Markusstr. 1, Wiedersich. Kochhannstr. 28, Kriems. „ 34, Wolsramm. 35, Deumehand. Koloniestr. 30, Döring. , 34, Muche. 71, Schopsch. Koppenstr. 12, Bobel 25, Stratmeyer. Kopenhagcnersir. 28, Bechtel. , 36, Räber. , 65, Weitz. KopernikuZstr, 3, Teupek u. Viehiser, 9, Wellnitz. , 25, Thulke. . 33, Winnenberg. Köpenickerstr, 23, Paul Hanke. 172, Cieslit. Käslinerstr. 1, Kästner. , 3, GwiazdowSkl Korsörerstr. 2, Sinei ., 8, Rothe. 17, Hübner. Kotwnser Dainm 20, Protzer. Neue Königstr, 60, Goldacker. Krautftr. 4/5, O. Hanke. » 22, Arndt. 41. Arndt. Kremmenerstr. 15, SosnowZll. 49, Bernau. Kreutzigerstr. 1, Lange. Kuglerslr. 8. Schuinann. 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Oderbcrgcrstr. 21, Wagner. 38, Busch. . 49, Böhme. Oranienstr. 186, O. Hanke. Oppeknerstr. 4, Schenk. , 20, GolembiewSsi. , 24, Müller. » 35, Wols. Pakisadenstr. 2, Hanke. , 20, Kynast. 91, O. Hauke. Pankslr. 21, Kahle. , 25, Günlher. „ 46s, Göllcr. , 51a, Klang. „ 53a, Dunkel Pappck-Allee 7, Riedel. 14. Hästekbarth. , 18, Göken. , 21, Schiller. , 24, Ensclcr. Pasewalkerstr. 8, Bcnlhin, Perlcbcrgcrstr. 54, Bcrl. Gen.-Bäckerei. Pclcrsbnrgerplatz 6, Hanke. Petcrsburgerstr. 58, Dorhaner. Pintschstr. 4, Bertzau. Planuser 33, Berliner Gen.-Bäckerei. , 92 s, Blume. Plantagensir. 7, Fuckner. Poscncrslr. 5, Hanke. Prenzlauer Allee 21, Goldacker. 42. Meyer. „. 81, Häiisch. ,, 86, Nauber. a» 203, Hermann. Prenzlauerstr. IIa, Goldacker. 43. P. Hanke. Prinzen- Alice 10, Paul Hanke. „ 13. Fuhrmann. 53. Loss. „ 61, Taupitz. Prinzenftr. 12, O. Haiilc. Prinzcssinncnstr. 31, Miche. ProSkauerstr. 31, F. Hanke. Pulbuserslr. 11, Saapc. , 21, P. Hanke. , 24, Kunot. 46, Bloch. Ramleifte. 24, Sohn. . 31, Dahlenburg. � 34, Dchmclt. 36, Hachn. Raliborstr. 2, Bäckerei-Genoffeiischast Berlin. Ratiborslr. 6, Dicischmann. „ 17, Rücker. Rcichenbergerstr. 62, O. Hanke, . 88, O. Hanke. 95a, Tschcnlke. „ 101, Wagner. 145/146, Klaulsch. RheinSbergerstr. 13, Scholz, 26, Lorenz. Reinickcndorserstr. 1, Bcnlhin. . 36, Hanke. 98, Dobrin. 112, Goidackcr. 120. Berliner Gen. Bäckerei. Rhinowerstr. 7, Wuttke. Rigacrftr. 4, Hanke. . 100, Spörlcin. Rittcrstr. 15, Günter. 114, Ernst. Nomintenerstr. 41, Brämer. , 44, Küster. . 57, Gorgas. Roßstr. 11, Bobel. Rostockcrstr. 31, Wagener. 36, Ulbrich. Rostockcrstr. 40, Tschöke. , 46, Krüger. 51, Hering. Ruhepkatzstr. 27, Gärtner. Ruppinerstr, 8, Laake. . 12, O. Sank«. 25, Babel RüderSdorferstr. 20, Güldener./ 52. Hanpl Rügenerste. 16, Höhne. Samariterstr. 2, Fischer. , 11, P. Hanke. „ 28, Kieme. Samoastr. 22, Stege. Schecrersir. 1, Gärtner. Schenkendorsstr. 4, Freude. Schillingslr. 19, Osk. Hanke. Schivelbcinersir. 4, Hiidcbrandl , 16, Baur. 18, Wolff. Schllemannstr. 24. Rciscwitz. . 30, F. Hanke. 32. Japp. Schönhauscrstr, Alle 33, Goldacker. Schönhauser Allee 5, Goidackcr. ,» 70e, Goidackcr. ,, 150, Blume. . 188, O. Hanke. Schönhokzerstr. 5, Mittclbach. Schönleinstr. 4, Müller. Schreincrstr. 57, Sicpack. Schulstr. 25, Hanke. „ 28,«chainbcrgir. , 37, Schmidt. 67, Klirzmaiin. Schulzciidorferstr. 23, Barth. Schwcdenstr. 19, Kapplcr. Schwedlerstr. 25, Winkclmam». 32, Hanke. „ 48, Löchel. „ 62, Hübner. „ 230, teumm. » 240, Schmidt. Seekowerstr. 15, Banr. „ 19, Kliiikmüller. Sickingenste. 76, Winter. SiemcnSstr. 17, Mügge. Simeonstr. 14, Lück. Skalitzcrstr. 63/64, Dchmel „ 120, Gerlach. 124, Melzer. Sonnenblirgerstr. 13, Grästing. Soldinerstr. 32, Roscmnnn. 69, Schneider. Sorancrfte. 1, König. . 8, Kreischmar. 18, flieinicke. Parrstr. 9, Niederlage von Fritz Hanke. „ 19, Gonsior. „ 20, Lange. Sprcngelstr. 4/5, Wagcnknecht. Stralauerplntz 13, Hnida. Slallschrcibcrslr. 32, Hanke. 60a. 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Wilsnackcrstr. 15, Goldacker. „ 33. Paul Hanke. WiNsstr. 6, Müller. , 71, Schwabe. Wiiilcrscld-Platz. Goldacker. WiSbyerstr. 3, Schulze. Willstockerstr. 7, Giesmann. Woldcnbcrgerstr. 7, CilllauS. Wollinerstr. 23, Dahlen. . 31. Prusch. , 38, Fuhrmann. , 4 t, Schirrmacher. 58, George. Wörihcrsir. 22, Bobel. Wraiigclfte. 77, Gentzinann. Lorkjtr. öS, Gen.-Bäckerci Bcrlkw Fehdenlckerftr. 13, WrünBmami. 91, O. Hanke. eUcftv. 11, Kurzweg. inuncrftr. 75, Krumpelt(Wieder Verkäufer). Zionskirchvlatz 1, Mollwcide. Zionskirchstr. 18, Slndcrlch. 54, Zwicrschke. Zorndorserstr. 2, P. Hanke. „ 4, Hammel. 55, Richter. gwinglistr. 15d, Ulbrich. Adlershof. BiSmarckstr. 12, Thoma. , 14b, Schulz. , 17c, Warlenberg. , 21, Rämisch. 48, Laferich. Hackcnbergstr. 2, Zabke. Radickesir. 37, Noack. Sedaiistr. 25, Peter. Alt-Glienicke. Grünauerstr. 29, Scher. Köpenickerstr. 41, O. Belling. Rudowerstr. 57, Lange. Baumschulenweg. Baumfchulcnstr. 70, Stenzel. 87. Becker. Ernststr. 9, Hoffniüller. Kicsholzstr. 254, Leupold. Scheiblerstr. 29, Schulze. Bohnsdorf. G. Solle. W. Gebhardt. Borsigwalde. Ernftstr. 6, Etzrodt. 25, Taselsky. Reuschstr. 52, Neubauer. „ 57, Werner. Boxhagen-Rummelsburg. NIt-Boxhagen 19, W. Krüger. . 35, Peter. „ 44, Th. Turban. Borhagener Chaussee 5b, Schubert. Gabriel Maxstr. 1, Luzemann. » 2, Schulze. . 12. Haspcl. Goethcstr. 18, Gillat. Grünbergerstr. 12, Schulz. 18, Löwa. Sauptstr. 82. Herrck«. antstr. 1, Dluczcwski. .. 13. Spottlich. Lcnbachstr. 7a, Pflugrad. Mozartstr. 4, Werkmeister. Neue Bahnhosstr. 9, Fritsche. » 23, Peter. 27. Hanisch. 34, Riedel. Neue Prinz Albrechtstr. 3, Böhme. „ 30, Maschmann schillerstr. 27, Mecklenburg. Simon Dachstr. 12, C. Hanke. 28. Radtke. Türrschnndtstr. 31, Pfennig. 38, Peter. „. 40, Klemm. Wühlischstr. 32, Länder. Britz. Chausscestr. 17, Dally u. Hagemeister. 47. Friese. Jahnstr. 41, Lutz. Rungiusstr. 3, Adamek. Werderftr. 33, Käuscr-Verein. » 89, Pcrnikacz. .Pro. „Pro- �harlorrenvurg. Cauerstr. 19, Ulbrich. Cauerftr. 27, Genosscnschast duktion". Christstr. 18, Genossenschaft duktion". Danckclmannftr. 48, Lehmann. . 55, Ulbrich. Fricdbergstr. 39, Ulbrich. Grolmanstr. 14, Ulbrich. Grünftr. 27, Bachmann. Hclmholtzstr. 19, Ulbrich. Kaiser Fricdrichstr. 43, Ulbrich. Kanalstr. 7, Leistner. 15, Heine. Kantstr. 103, Ulbrich. Knobclsdorserstr. 43, Ulbrich. Krummestr. 57, Nieische. Lcibnizstr. 65, Ulbrich. Nehringsir. 21, Ratzky. Pcstalozzistr. 42, Lcistner. Potsdamerstr. 11, Bachmann. Schlüterstr. 42, Ulbrich. Sickingenstr. 57, A. Hawcllck. Sophie Charlottcnslr. 80, Proell. 87, Ulbrich. Spandauerstr. 30, Ulbrich. Sprcestr. 11, Pelka. Tauroggcncrstr. 10, Genossenschast „Produktion". Tauroggencrslr. 45, Ulbrich. Wallstr. 85. Ulbrich. Wcimarcrstr. 29, Konsumverein. Wiclandstr. 4, Krätky. WilmerZdorserstr. 27, Konsumverein. . 41, Ulbrich. 183, Ulbrich. Falkenhageu. Witwe Bock. Friedrichsberg. Blumenthalstr. 38, Peschke. Kronprinzenstrahe, Hanisch. Rummelsburgcrstr. 22, Opitz. , 38, Werner. Friedrichsfelde. Berlinerstr. 66, Seiler. 102, Wölfert. Wilhelmstr. 42, Meyer. Friede»««. Lauterstr. 35, Klein. Franz. B«chholz. Pankowerstr. 28, Mrich. Mühlenstr. 1, Preutz. Grotz-Ztcthen. A. Werner. Hennigsdorf. Karl Wolter. Friedrich Wolter. Wilhelm Wolter. Hermann Wolter. Albert Lücke. Wilhelm Seiler. Bchrend. Grasscnberger. Mahnkops. HrrmSdorf« Berlinerstr. 18a, Echauditl. ' auptstr. 34, Hcrrmann. cptunstr. 36, Manie. Seebadftr. 1, Ladwig. Heiligensee. W. Kühne. Lahrmann. Hohen-Schönhanfe«. Maihofer. Berlinerstr. 87, Wehr(WiederverkSuser). t Koskcstr. 17, F. Müller. KarlShorsr. Dorotheenstr. 27, Eichhorn. Köpenick. Berlinerstr. 33, R. Tauchert. Borgmannstr. 6, Bergmann. Glicuickerstr. 2, Peter. .„ 29, Hncfenberg. Grünauerstr. 27, Krämer. Grünstr. 8, H. Ullrich. Kaiser Wilhelmstr. 100, Leischke. 101, Peter. Maricnstr. 14, Ulfcrt. Müggclhcimerstr. 32, Gerlung. 41, Peter. Rosenstr. 2, Peter. Rudowerstr. 25, Hein. Schönerlinderstr. 12, Kudcll. Lichtenberg. Dorsstr. 82, Mögdcsrau. Eitelstrasje 30, Littwins. Frauksurtcr Allee 3, Bantsch. Friedrichstr. 7, Mattuer. Gürtelstr. 11, Bicnert. Hubcrtusstr. 53, C. Hanke. Lrencstr. 17, Neuendörs. Lungftr. 14, Schräder. Kronprinzenstr. 1, C. Hanke. Margarcthenstr. 8a, Schacher. Odcrstr. 25. Golsch. Psarrstr. 36, Hehler. Scharnweberslr. 8, Schubert. , 10, Peter. , 24, C. Hanke. 34, Köpk«. Weichselstr. 32. Bantsch. Wefcrstr. 22, Janz. Wilhelmstr. 57, Jesse. , 69. Griebe. Reu-Lichtenberg« Sophienstr. 8, Schöning. Mahlsdorf. Hönowerstr. 5, Hornig. Mariendorf. Chausseestr. Ha, Nowack. , 12, Wendt. , 15, Papier. , 67, Spielhagen. Marwitz. Kemmitz. Finke. Nieder-Schönhauscn. Beuthstr. 11, Krügerle. „ 19, Seger. Blankenburgerstr. 1, Zugwurst. „ 18, Höhne. uchholzerstr. 8, C. Richter. Kaiser Wilhelmstr. 85, Lichtenhagen. Körnerstr. 8, G. Remter. Platancnstr. 28, Hardtke. Uhlandstr. 41, Putzbach. Waldstr. 21, Lux. Ober-Ichöneweide. Edisonstr. 9, Peter. .. 49. Arndt. Frischenstr. 2, Peter. Luiscnstr. 5, Gehler. „ 28, Richter. Marienstr. 18, Kleint. Mathildenftr. la, Muchow. Nalepaststr. 51, Martens. Ohmslr. 7. Timm. Rathenauftr. 31, Peter. Peterelt. Tabbertstr. 2, Peter. „ 35, Seidelmana. Pankow. Berlinerstr. 79, Zadow. Brchmestr. 52, F. Hanke. Die Firma HeinrieK Wittler hat vom Landgericht III einen Einhaltsbefehl erwirkt, dem zufolge wir vorläufig verhindert sind, die Sperre über seine Fabrik in der von uns für notwendig erachteten Form bekannt zu geben. Sämtliche Filiale» der großen Buttergeschäfte von Astmann, Holz, Klawe, Ladewig, Gebr. Manns, /chrötcr und Zander beziehen nach wie vor Brot aus Nnbewilligteu Bäckereien. Die Firma VsIIentia, Buttergeschäfte, hat uns erklärt, ihre Filialen angewiesen zu haben, bis auf weiteres von Wittler. Müllerstraße, kein Brot mehr zu entnehmen. Binzstr. 12, Zagelski(Wiederverkäuser). ..' F. Heyden. Florastr. 4t, Schneider. Kaiser Friedrichstr. 67, Wienek«. Mühlenstr. 32, Müller. Ukermarkstr. 178, Stöhr. Wollankstr. 68, F. Hanke. Pichelsdorf. Scharse Lanke 2, Kramer. Plötzensee. Charlottenstr. 12, Thiele. Reinickendorf. Berlinerstr. 5, Schmidt. „ 104, Naß. 134, Gottschalk. BIrkcnftr. 59, Gronau. Eichbornstr. 35, Kube. Grüner Weg 51/52, Max Modrow. Lustusstr. 29. Ocrtel. Markstr. 12/13, Vollmer. Prvvinzflr. 51, Langer. „ 80, Ächwarz. „ 129, Schneider. Nesidenzstr. 61, Witte. 105, Gleich. 119, Brase. Wilkcstr. 62, Reue Berliner Genossen« schasts-Bäckcrei. Rixdorf. Allerstr. 3, Pcrscke. „ 46, Keddi. Bcrgstr. 12, Hanke. . 73. Kahlert. 84, Schensch. Berlinerstr. 16/17, Schibgill. , 20, Boigtlänoer. 36, O. Hanke. Bodestr. 16. Beyer. 31. Tops. Dcmauftr. 112, Höhland. Elbeslr. 1/2, O. Hanke. „ 15/16, Lunkwitz. Elsenstr. 52, Pietsch. Emserstr. 78, König. Erlangerstr. 8, Weißleder. Fakkftr. 1, Bäckerei-Gen..Berlin". „ 20, Wohigemuth. . 25/26, Perseke. Friedelstr. 3, Marmul. . 27. Reich. Glasowstr. 32, Kunz. Heidelbergerftr. 30, Filiale. „ 76, O. Hanke. Hermannstr. 19, Bäckerei» Genossen- schast.Rixdors". Hermannstr. 28, Merten». , 54, Hildcbrand. 118, Barisch. , 125, Arnhold. _ 159ii, Hagen. » 170, Thaler. , 175, Schulz. 231, Karl. Herrsurthstr. 26, Brüx. . 34, C. franlc. 7, Bäckerei. Genossen- schast„Rixdors". Herrsurthplatz 10, Schnur. Hcrthastraße, Hilnicr. ' obrechtsir. 71, Zrocke. ohcnzollemplatz 6, O. Hanke. 11. Balzcr. Jnnstr. 30, Krause. Jsarstr. 7, Zech. 11. Bäckerei-Gen.„Berlin". Jägerstr. 63, Jonscher. Jansastr. 7, Brie». Neue Donaustr. 52/53, Runkel. Neue Jonassir. 33, Puls. KarlSgartenstr. 19, Ponnoch. Kaiser Friedrichstr. 16, Poock , 25, Bartsch. , 34, Schmidt. 245, D. Haute. Knesebeckstr. 33, Gallert. 38, Wölk. 41, Belzig. , 68, Richter. „ 146, Dybowski. Köllnisches User 72, Bethge. Kopsstr. 38, Bäckerei-Gen.„Rixdors". 45, Hoppe. Kottbuser Damm 103, O. Hanle. Lessingstr. 34, Perseke. Mahlowerstr. 6, Bartsch. Mainzerstr. 15/16, Gruner!. 56, Döbler. Münchenerstr. 18, Wöller. , 25/26,Bäckerei-Genossen- schast.Rixdors". , 44, Weigelt. 73, Bobel. Nansenstr. 33, Sekul. Riemctzstr. 10, Wach. Nogatstr. 32, Gricbat. Pannierstr. 3, Pool. , 4. Riemer. 13. Frischkemuth. , 20, Lunker. . 27, Grunewald. » 34, Spura. , 57, O. Hanke. Pflügerstr. 70/71, Linsener. Prinz Handjerystr. 38, Roischick. 53. Bartsch. „ 70, Schmidt. Renterstr. 33, Spleltstößer. 76, Bobel. , 94, Lehmann. Richardstr. 23, Ehrentraut. , 63, Lüdicke. Selchowerstr. 9, Bäckerei-Genossen« schast„Rixdors". Selchowerstr. 23/24, Grünhagen. Siegsriedstr. 44, Brückner. 48. Pinkel. Steinmetzstr. 34, O. Hanke. . 39, Scnstleben. , 46, Perseke. 121, Lowigt. , 129, Bäckerel-Genossen- schast.Berlin". ThomaSstr. 38, Nehring. Thüringerstr. 7, Bartsch. „ 18. Klein. Warthcstr. 9, Ciesior. „ 15, Janentzki. Weichselstr. 3, NabakowSki. „ 13, Hagemann. „ 31,«schwarz. 34, Schulz. ., 55, Frischgemnth. „ 60, Gasscichuber. Weisestr. 2, Bäckerei- Genossenschast „Rirdors". „ 24, Bäckerei- Genoffenschast „Berlin". „ 28, Winde. „ 73/74, Wolf. Weserstr. 47. Bies. 168. Bielitz. Wielandstr. 27, Reich. Wissmannstr. 7, Trosfer. „ 29, Krüger. Zietenstr. 20, Bäckerei. Genossenschast „Rixdors". „ 41, Beyer. » 53, Bobel. Rudow. Köpenickerstr. 84, Weigt. Schönebcrg. Barbarossastr. 67, Wetzet. Bclzigerstr. 61, Kernchen. Ebersstr. 42. Zeitz. Eisenacherstr. 63, Mahler. Erdmannstr. 5, Kulinski. Frankenstr. 2, E. Hanke. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt, .,„ 48, Beck. Kaiser Friedrichstr. 4, Gertach. Khffhäuserstr. 2, Paul. Nollendorsstr. 40, Haute. Sedanslr. 18, Steuck. Siegsriedstr. 1, Brotsabrik„Berolintf Schöuerlinde. Dorsstr. 59, Wege. Selchow. E. Schulze. Svandan» Achenbachstr. 6. Bühl. Steglitz. Birkbuschstr. 84, Giescmam». Markstcinstr. 3, Straßman«. Mommsenstr. 59, Schröder. Schützenstr. 1, Hackbarch. Stolpe. Gutschow. Stralau. M-Stralau 49, Härtung. Tegel. Brunowstr. 41, Rothert. Egellsstr. 99, Mayer. Schlieperstr. 59, Schwanz. 67, König. Schloßstr. 27, Petersoyn. Schulstr. 1, Einnitz. Tempelhof. Borusfiaftr. 9, Schultz«. Grünlramgcsch. lies, bohkollsr. Ware. Treptow. Beermannstr. 6. 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Berlinerstr. 6», Haejner. Dichtung! Für viele Anfragende folgendes zur Beachtung: üchfung! Haukes Bäckereien sind nicht einheitlich zu behandeln. Boykottfrci sind alle Bäckereien von Oskar Hanke und Paul Hanke. Fritz Hanke dagegen hat nicht einheitlich für alle Geschäfte bewilligt, sondern dies seinen Bertrcteru überlasse«. Wir bitten' deshalb für letztere Firma sich nur nach der„Vorwärtö"-Liste zu richte«. ?ur desonileren SeaeMutig! Die grünen für Händler usw. bisher in Umlauf befindlichen LegitimationSkarten werden für ungültig erklärt. Gültig ist jetzt nur, wie schon oben gesagt, die rote Karte. HsusGpstivn! Arbeiter! Unterstützt die um ihre Menschenrechte kämpfenden 3 ächer gesellen! Die SohnUommiSSiOtl der SäeUer. Bureau: Auguststr. 3«. Hl. 1243. Geöffnet von ll-8Uhr. Llelernng Kerlin n. Vororte frei. Central-Möbelhalle Berlin, Kommandanten-Str. 51 Ecke Alexandrlnenotr. SegrOndet 1871. 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Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u, Berlaasanttalt Baul Sinaer Si Co.. Berlin SW.