Ur. 237. Bbcnneme nts«Bcdlngungcn: Wonntmenlä• Preis pränumerando, Viert eijährl. 3,30 SRI., monatl. 1,10 MI., wöchentlich 28 Psg. frei inS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemarl, >olland. Italien, Luxemburg. Portugal, '— länien, Schweden und die Schweiz, 24. Jahrg. vlttlit»->!» auB« tnoatan. Berliner Volksblnlk. Die InfertlonS'Gebfllir üeträgt für die sechZgespaltenc Kolontk« zeile oder deren Raum K0 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- urid PersammlungS-Anzeigen 30 Psg. „Alelne Snreigen", das erste(fott. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: «Sobi»Iilem»l!»t Berlin". Zentralorgan der fozialdemohrati fchen Partei Deutfchlands. Redahtiom SRI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Donnerstag, den 10» Oktober 1907. Expedition: SRI. 68» Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Ungarn am 10. Oktober. AuS Budapest wird uns geschrieben: Eine ungeheure Erregung durchzittert Ungarn. Gewaltige Menschenmassen, die der Sozialdemokratie bisher fernstanden, haben sich endlich aufgerafft, sind sich ihrer Menschenrechte bewußt ge- worden und nehmen nun mit ungeahnter Energie teil an dem großen Kampf, den Ungarns klassenbewußtes Proletariat um die Erringung des Wahlrechts führt. Mit unbezwinglicher Kraft reißt die Bewegung der organisierten Arbeiterschaft alles mit sich, durch- bricht sie alle Dämme, welche Staat, Behörden, koaliertes Unter- nehmertum, Klassengerichte und die eigentlichen Besitzer Ungarns die Feudalen und Klerikalen, in steigender Furcht und Angst auf- gebaut haben. Vor einem Monat gab die Leitung der sozial- demokratischen Partei Ungarns die Parole aus:„Am 10. Ok- tober politischer Massen st reikl" und dieser Donnerruf fand»Von den Karpathen bis zur Adria", von der Leitha bis zu den schneegekrönten Gipfeln Siebenbürgens überall ehernen Widerhall. Seit der Revolution im Jahre 1813/49 vermochte nichts so auf rüttelnd, so anfeuernd, so nachhaltig auf das vielsprachige Voll Ungarns einzuwirken, wie dieser Gedanke des politischen Massen- streiks, der Demonstration für das allgemeine Wahlrecht. Daß nun in den letzten Wochen das ungeteilte Interesse aller Kreise und die Erregung von Tag zu Tag wuchs, hat seinen Grund nicht allein in der niederträchtigen, frech-duunnen Politik der Koalitionsregierung, sondern findet seine volle Deutung in den fürchterlichen wirtschaftlichen Mißständen, an denen nicht nur das industrielle und landwirtschaftliche Proletariat, sondern auch das Kleinbürgertum und der Mittelstand schwer zu tragen hat. Die Wohnungsmieten haben, speziell in Budapest, eine solche Höhe erreicht wie sonst in keiner ähnlichen Großstadt Europas. Seitdem die Agrarier die Vieheinstlhr aus Serbien durch Sperrung der Grenze unmöglich machten, stiegen die Fleischpreise beinahe aufs Doppelte. Tie schlechte Ernte hielt andererseits die Herren Großgrundbesitzer nicht von der Getreideausfuhr ab, was natürlich ein fortgesetztes Anschwellen der Brotpreise zur Folge hat. Auch die unerhörte Steigerung der Preise für Milch, Gemüse und alle anderen Lebensmittel förderte die allgemeine Erbitterung gegen die agrarische Schutzzollpolitik der Regierung. Und noch weiter ver- schärst wird die ohnehin schon geradezu entsetzliche Teuerung durch den„Streik der Seelen", die passive Resistenz der Eisenbahner, welche die rechtzeitige Abwickelung de-Z Verkehrs unmöglich macht. So ist es zu verstehen, wenn diesmal selbst die P h i l i st 0 r gegen die Koalitionsregierung aufgebracht sind und endlich einsehen, daß die Rettung aus der wirtschaftlichen Krise, ans Teuerung, Not und Elend nur in der Neugestaltung und Ausbreitung der politischen Rechte, in der Erringimg des Wahlrechts liegt. Die beste Agitation im Kampfe um das Wahlrecht leisten aber doch die Machthaber selbst: Die Auflösung von 350 Ortsgruppen der Land- und Jndustriearbeiter-Organisationen, das Verbot von Hunderten von Versammlungen und Umzügen, besonders aber das Vorgehen des Oberstadthauptmanns von Budapest, Boda, der„auf höheren Befehl" die Erlaubnis zum„Aufmarsch eines derartig großen Zuges, welcher aller Wahrscheinlichkeit nach mehrere Stunden dauern würde", verweigerte. Das Klasscnparlamcnt wird sich also mit militärischer Bereitschaft vor dem Volke absperren. Am 15. September 1905, als 100 000 klassenbewußte Proletarier vor dem Parlament ohne den geringsten Zwischenfall stundenlang demonstrierten, erhob die damalige„Trabanten regier ung" keine Einwendung! nun aber, da es sich Ilm ein bloßes Vorüber- gehen vor dem Parlament handelt, zittert die»national- demokratische" Regierung I Das Zentralorgnn der ungarischen Sozialdemokratie, die „Nöpszava"(„Volksstimme") hält den Machthabern, die skrupellos die Entrechtung des Volkes verewigen möchten, eine Reihe statistischer Feststellungen— als Festangebinde zum 10. Oktober— unter die Nase: Nach dem Besitz gruppiert, kommen von den 970 841 Wählern Ungarns auf die besitzende Klasse 795 628 Wähler, das sind 82 Prozent der Wahlberechtigten! Auf die Bürgerschaft entfallen 127 102 Wähler oder 13,1 Prozent und auf die Arbeiterschaft bloß 48111, das sind 4,9 Prozent! Nun sind aber von den gesamten 4 322 960 über 20 Jahre alten Männern Ungarns zudem bloß 22,4 Prozent Wähler: eben jene 970.841 1 Vier Fünftel der groß- jährigen Männer also sind von den Staatsrechten ausgeschlossen, wiewohl sie die L a st e n des Staates tragen. Am schlimmsten ist natürlich die Arbeiterschaft daran: Die Gesamtzahl der über 20 Jahre alten Arbeiter Ungarns beträgt 2 179 408, oder 50,4 Proz..der gesamten Männcrzahl von 4,3 Millionen. Von diesem Teil der männlichen Arbeiterbevölkerung sind heute— wie oben angegeben— Wähler: 48111 oder 2.2 Proz., NichtWähler: 2131297 oder 97.8 Proz. der ge- samten Arbeiterschaft! Das derzeitige Wahlrecht schließt demnach 77,6 Proz. der gesamten über 20 Jahre alten Männer vom Wahlrecht aus, im einzelnen: 84 Proj. des Kleinbürgertums und 95 Proz. der Ar- beiterschaft... Diese wenigen Daten sprechen trauriger und überzeugender als viele noch so beredte Worte von den fürchterlichen ökonomischen Verhältnissen Ungarns. Julius Näcz, einer der besten Kenner des entsetzlichen Wahl- rechts, ruft denn auch empört aus: «Seht ein Agrarierland, von dessen verdienenden, erwachsenen Söhnen die Hälfte vermögenslose Arbeiter sind! Und das nicht Industriearbeiter, sondern Landarbeiter und Gesinde, welche jährlich 360—400 Kronen verdienen und davon eine 4— Oköpfige Familie erhalten müssen. Seht das arme Land, dessen Verdienst, Ehe, Geburt, Tod, Gesundheit, Krankheit von den Winden, den FrühjahrSregen ab- hängig gemacht ist... Und das„Parlament" dieser elenden, fürchterlich armen Nation hat 40 Jahre verstreichen lassen, ohne für das Wirtschaft- liche Wohl des Volkes auch nur eine einzige großzügige Tat hervorgebracht zu haben." Komme, was kommen mag I Ungarns vielsprachiges Proletariat ist gerüstet. Es hat um die Fahne des Wahlrechts— um ein Wort Lassalles zu variieren— alles gesammelt, was einen demokratischen Blutstropfen hat in Ungarn! Ihochverrst. »Im Punkt Militarismus sind Reaktion und Kapitalismus be- sonders empfindlich, sie haben genau erkannt, daß sie im Mili- tarismuS ihre wichtig st e Machtposition gegenüber der Demokratie und Arbeiterklasse verteidigen; sie stehen dem Anti- Militarismus in geschlossener Phalanx gegenüber." Die Worte des Genossen Liebknecht auS seiner ganz borgelesenen Broschüre illustrieren gleichsam die ganze Aktion, die die Staats gewalt gegen ihn und in seiner Person gegen die Partei unter nommen hat. Daß eS sich nicht nur um ein Vorgehen gegen Lieb- knecht und seine Schrift„Militarismus und Antimilitarismus handelt, sondern um die gesamte antimilitaristische Agitation und Gesinnung, davon legt ja besonders die Anklageschrift das beste Zeugnis ab. Darin marschieren die Ausführungen Liebknechts über Militarismus und Antimilitarismus auf den verschiedenen Partei- tagen sowie andere Darlegungen und schließlich das Referat des Genossen Liebknecht auf der Konferenz der Jugendvereine in Marnv heim voin vorigen Jahre auf. Mit der Schrift„Militarismus und Antimilitarismus" allein, das sah wohl auch der ReichSanwalt ein, war total nichts zu machen; darum suchte er die Zeitungsberichte über jene Verhandlungen als Material zusammen. Die Verhandlung heute vor dem Reichsgericht, zu der der An- drang der Zuhörer ungemein stark war, begann gleich von vornherein sehr lebhaft; denn sowohl die Verteidigung wie der„Angeklagte" mußten die Anffassung bekommen, daß die Leitung des Prozesses der Verteidigung nicht den nötigen Spielraum lassen würde. Das Gericht setzte sich aus dem 2. und 3. Strafsenat zusammen, unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten T r e p l i n, eines ehe maligen Reichsanwaltes. Als Ankläger fungiert der Oberreichs- anwalt O l S h a u s e n, als Verteidiger stehen dem Genossen Liebknecht zur Seite: Rechtsanwalt Dr. Kurt H e z e I aus Leipzig, Rechtsanwalt Dr. Hugo H a a s e aus Königsberg und Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenberg aus Berlin. Ferner ist der Genosse Bebel als Zeuge erschienen. Der liebliche Gummiparagraph, auf dem die Anklage beruht, lautet: Jede andere, ein hochverräterisches Unternehmen vorbereitende Handlung wird mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder Festungs- Haft von gleicher Daner bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Festungshaft von sechs Monaten bis zu drei Jahren ein.(§ 86 d. D. R.-St.-G.-B.) Die hochverräterische Handlung selbst soll in dem Vorschlag des Genossen Liebknecht gipfeln, die Partei solle eine Kommission zur Leitung der aniimilitaristischen Propaganda einsetzen. Im übrigen waren die Aeußcrungen Liebknechts auf den Parteitagen böse mit- einander verwechselt werden. Sogar auf dem Stuttgarter Jnter- nationalen Kongreß ließ man ihn eine antimilitaristische Rede halten. Ebenso war sein Referat auf der Konferenz der Jugendvereine in Mannheitn im vorigen Jahre auf den Parteitag verlegt worden. Mit Recht wies der Genosse Liebknecht bei seiner Vernehmung darauf hin, daß das Material zwangsweise zu seiner Belastung zusammen- gefügt worden sei. Als Beweismaterial marschierten nun verschiedene Berichte über di» Verhandlungen der Parteitage und der Konferenz auf und be- sonderen Wert legte sowohl das Gericht wie der Reichsanwalt auf die Anträge zum Punkt Militarismus, die man einfach als Produkte Liebknechts ansah. Die Herren wehrten sich nicht wenig, als ihnen Liebknecht nach- wies, sie würfelten alles blind durcheinander; so wies er darauf hin, daß er gegen einige Anträge gesprochen und daß diese auch ab- gelehnt worden seien. Nach der Auseinandersetzung Liebknechts, auf welchen Partei- tagen er zu dem Punkte Militarismus gesprochen, was er da gesagt habe, ersuchte der Rechtsanwalt H e z e l den Präsidenten, er solle Liebknecht sich darüber äußern lassen, daß er gesagt habe, erst ivemi sich die Jugcndvereine von den anarchistelnden Tendenzen ans den Boden der sozialistischen Weltanschauung gerettet hätten, könnten sie den Militarismus nut Erfolg bekämpfen; worauf der Vorsitzende erwiderte: daß dies dann ja im Zusammen- hange mit den anderen Aeußerungen geschehen könne. Noch größeren Widerstand fand der Antrag der Verteidigung und des Genossen Liebknechts: die ganze Schrift„Militarismus und Antimilitarismus" zn verlesen. Sowohl der ReichSanwalt wie der Präsident meinten, daß es genüge, wenn die inkriminierten Stellen verlesen würden. Liebknecht könne ja dann angeben, welche Stellen noch verlesen werden sollten." Nachdem sich Rechtsanwalt H e z e l in ausführlicher Weise dafür ausgesprochen hatte, die ganze Schrift zu verlesen, schon wegen des Totaleindrucks, führte Liebknecht aus: Da es sich bei diesem Prozeß um einen Tendenzprozeß gegen ihn und seine Partei handle, müsse er schon deshalb um das Verlesen der ganzen Schrift ersuchen, als sich hierdurch die Tendenz der Schrift ergebe. ES tue ihm leid, das Gericht mit dem Verlesen belässigen zu müssen, aber es. gehe nicht anders. Dieser Hieb schreckte die Perücken endlich etwas aus ihrer Ruhe empor und sie zogen sich zur Beratung des Antrages zurück. Dem Antrage wurde stattgegeben, worauf die Verteidigung bemerkte, daß sie während der Verlesung Stellen an- geben würde, die vorzulesen überflüssig seien. DieS wird vom Gericht akzeptiert, worauf die Schrift verlesen wurde. Die Verlesung der Broschüre.löst für jeden, der ihr zu folgen imstande ist, die Frage aus: wie kann diesen Ausführungen gegen- über von Hochverrat gesprochen werden? Der Gesamteindruck ist der, daß Liebknecht rein fachlich seine Ansichten über die Be- kämpfung der schädlichen Wirkungen des heutigen Militarismus darlegt: keine Silbe irgend einer Auf- forderung zur Gewalt. Die Anklage muß, wenn die Gesamt- s ch r i f t gewürdigt wird, mit Freisprechung enden— ist der Eindruck nach der gegen>/«7Uhr erfolgten Beendigung der Ver- lesung. Der Vorsitzende Trepplin fteilich ist durch den Prozeß gegen Reinsdorf und Genossen seinerzeit bekannt geworden. Er scheint die Zähigkeit des Alters zu besitzen, die sich schwer von einer vorgefaßten Ansicht abbringen läßt. Bei der Leitung der Verhandlungen folgte der Vorsitzende völlig den Zusammen- stcllungen der Anklage, die ein geradezu horrendes Z e r�r b i l d der Broschüre darstellt. Nach der Verlesung der Broschüre setzt sich Liebknecht mit der Anklageschrift des Oberreichsanwalts auseinander. Aber nicht nur mit dieser, sondern auch mit dem Präsidenten, der ganz neue Anklagepunkte vorbrachte. Mit Recht führte Liebknecht aus: Es sind bereits vier verschiedene Anklagen jetzt: ich weiß nicht, gegen welche ich mich eigentlich zu verteidigen habe. In dem Schriftsatz, der die Beschlagnahme der Broschüre begründete, sei unglaublichcrweise behauptet, der Angeklagte habe Frankreich zu einem Kriege auf Deutschland verhetzen wollen. Indes, wer die Schrift gelesen habe, wisse, daß davon keine Rede sein könne. Die Anklageschrift sei so verfaßt, daß der Jiihalt der Broschüre in in- direkter Rede wiedergegeben sei. Aber zwischendurch seien Nebensätze eingeschoben, ebenfalls in in- direkter Rede, die das Gegenteil dessen enthalten, was die Broschüre tatsächlich enthält! Liebknecht zitierte mehrere derartige Sätze und sagte mit erhobener Stimme: Ein derartiges Verfahren zu kennzeichnen, wolle er sich an dieser Stelle versagen. Der Oberreichs- anwalt sprang erregt von seinem Sitze auf und erklärte, daß er jeden solcher Sätze der Anklageschrift aufrecht erhalte. Dann bin ich genötigt, fährt Liebknecht fort, nunmehr auf diese seltsame Anklage einzugehen, und mit beißendem Sarkasmus zerfetzt er das merkwürdige Anklagedokumcnt. Während der Beweisaufnahme suchte der Präsident den Genossen Liebknecht in Gegensatz zu Bebel und Wollmar er- scheinen zu lassen und ihn im Einverständnis mit dem franzäsi- fchen Genossen Herve hinzustellen. Zum Schlüsse der heutigen Verhandlung ereignete sich insofern dann noch ein Zwischenfall, als der Präsident eine Notiz der „Vossischen Zeitung" anführte, in der in einem Referate ein französischer Genosse nach dem Stuttgarter Kongreß beim Be- richte in Frankreich ausführte, die französischen AntiMilitaristen ständen ganz mit Liebknecht im Einverständnis. Diese Zeitungs- notiz stammt— aus dem Polizeipräsidium von Berlin und hat den Rechtsanwälten mit den übrigen Akten der Untersuchung gar nicht vorgelegen. Die Verhandlung wurde um ülO Uhr geschlossen und auf morgen früh 9 Uhr vertagt. Oftafrihanilcher Katzeniammer. Mit rücksichtsloserer Offenheit noch als Herr Dcrnburg berichtet heute der mehrfach erwähnte Conrad Alberti über die Aussichtslosigkeit, es in Dcutschostafrika,' der größten und bevölkertsten aller unserer Kolonien, zu einem Plantagenbau zu bringen, ja überhaupt nur Kolonial» Produkte dort in größcrem Maße zu ziehen. Es ist nichts mit»dem Kaffecba», nichts mit dem Baum- wollbau, nichts mit den Erdnüssen! Selbst die Kultur der Faserpflanzen, unter denen die S i s a l a g a v e eine Hauptrolle spielt, erscheint aussichtslos; und ob die K a u t s ch u k p r 0 d u k t i 0 n auf die Dauer rentabel" ist, steht auch noch sehr dahin. Doch hören wir den ostafrikanischen Touristen selbst: „Ich muß mit einer großen Enttäuschung beginnen. ES ist nichts mit der Baumwolle in Dculsch-Ostafrika. Wenigstens vor- läufig nichts. Die Kultur hat sich als zu unsicher erwiesen. In der Wachszeit, wenn der Strauch Regen bedarf, klafft oft genug der Boden vor Trockenheit, und in der Reifezeit, wenn die Pflanze Trockenheit braucht, gießt es häufig in Strömen. In Deutsch- Ostafrika ist kein Verlaß auf die Witterung. Künstliche Be- Wässerung ist meist nicht leicht: das Wasser fließt in den Schluchten, wo man es nicht brauchen kann, und Hebe- pumpenanlagen sind zu t e u e r.... Zahllose Schädlinge vernichten hier die Baumwoll- kapseln, und man kennt noch kein Mittel gegen sie. Stuhl» in a n n hat gefunden, daß die meiste n der angepflanzten Sträucher und Bäume nach einem ertragreichen ersten Jahre vom zweiten an kränkeln und im vierten verloren sind.... Der Vertrauensmann des„Kolonialwirlschaftlichen Komitees" hat seinen Auftraggebern den Rat erteilt, den großen Dampfpflug in Saadani zu verkaufen und die Baumwollpflanzung eingehen zu lasse». In Lindi und Kilva sieht es nicht besscraus.... Der K a f f e c b a u ist in der Kolonie so gut wie abgetan. Die Erdnüsse, die ein vortreffliches Ocl liefern, leiden dies Jahr an einer gebeimliisvollen, selbst den Gelehrten ist Awgni vnerllarlichen Krankheit und sind böllig mißraten, ihr Bau ist also eine unsichere Sache. Die K o p r a k u l t u r ist er- tragreich, aber auf die Küste beschränkt, da die Kokos- Palme die Seeluft liebt.... Bleiben also als aussichlSbove Kulturen Si sal und Kautschuk. S i s a l erfordert ziemlich kostspielige Klopfanlagen und ist nichts für kapitalschwache Pflanzer. Stuhlmann hat ausgerechnet, daß in ein bis zwei Jahren Deutschland den gesamten Sisal- bedarf Deutschlands zu decken imstande sein wird. In Mittel- a m e r i k a und auf C e p l o n wirft man sich heute mit Kraft auf den Sisalbau— wohin mit der G e s a m t c r z e u g u n g, wenn, wie vorauszusehen, die Preise auf dem Welt- markt gewaltig fallen werden? Au dem dann un- verkauft bleibenden Hanf werden sich alle Spekulanten der Welt aufhängen können. Kautschuk ist ein sicheres Ding, so lange der Wcltbedarf be- ständig steigt.... Und schon arbeitet man in tausend chemischen Laboratorien Europas und Amerikas eifrig an der synthe- tischen Herstellung kautschukartiger Massen." Zuni Schluß bemerkt dann Herr Alberti, daß nur kapitalkräftige Pflanzer überhaupt ein Fortkommen finden könnten. Der M i t t e l st a n d fehle denn auch fast gänzlich. Nun lehre aber die Kolonialgeschichte, daß nicht Großplantagen, sondern nur Kleinsiedler ein Land rentabel machen könnten. Wie könne man aber im Ernst auswanderungslustigen deutschen Bauern raten, nach Ostafrika zu gehen, wenn sie in Nordamerika mit viel weniger Kapital eine ungleich sicherere Existenz fänden. Obendrein lebten sie dann in einem freien Lande, während in Ost- afrika das Gouvernement jedem Ansiedler sein„Unter- tanentum" jeden Tag deutlich fühlen lassei Es ist also nichts mit dem ostafrikanischen Plantagenbau Der Handel mit den Eingeborenen aber, an dem Deutschland zudem nur mit knapp 50 Prozent beteiligt ist, wird schiverlich jemals solche Dimensionen an- nehmen, um irgend eine Rolle für Deutschlands Export oder Import zu spielen. Trotzdem soll Deutschland, das heute schon jährlich 7 Millionen Zuschuß zahlen muß, die Zins- garantie für Bahnbauten übernehmen, die Hunderte von Millionen kosten werden! Aber die Börse will ihr Geschäft machen und Derubnrg ist ihr Sachwalter!_ poUtifcbe Gebcrlicbt Berlin, den 9. Oktober 1907. Einer, der sich mit seiner Schande brüstet! Herr Pachnicke hat die Seichtbeuteleien, die er unter dem pomp- haften Titel„Liberalismus als Kulturpolitik" als Broschüre drucken ließ, auch dem Fürsten Bülow. zugesandt. Wie der Verlag der Broschüre mitteilt, hat dafür Bülow Herrn Pachnicke folgenden Brief gesandt: Sehr verehrter Herr Dr. Pachnicke! Für die freundliche Ucbersendung Ihrer Schrift„Liberalismus als Kulturpolitik" bitte ich Sie, meinen verbindlichsten Dank ent- gegenzunehmen. Ich habe mit lebhaftem Interesse von Ihren Ausführungen KenntnjS genommen, denen ich in manchen Punkten zustimmen kann. Ich habe den Eindruck, daß Ihre Broschüre dem liberalen Bürgertum reichliches Material an die Hand gibt, um sich über das gegenwärtig Mögliche und Erreichbare klar zu machen und sich in einer gesunden Würdigung der Block- Politik zu bestärken. In ausgezeichneter Hochachümg bin ich Ihr aufrichtig ergebener Bülow. ES ist ziemlich unerfindlich, warum gerade Herr Pachnicke selbst von diesem Kanzlerbrief aller Welt Kunde zu geben für nötig hält! Denn daß Bülow Pachnicke in„manchen" Punkten zustimmt, verstand sich von selbst. So, wenn er das Reichstagswahl- recht für keineswegs vollkommen erklärte, wenn er für die Kommunen da? g l e i ch e Wahlrecht verwarf und die politische Führung überhaupt den„gebildeten Klassen" vorbehalten wissen wollte. Auch dagegen, daß Pachnicke meinte, der Liberalismus könne Bülow weder den Zeitpunkt noch die Art einer Landtagswahl- refornr vorschreiben, sondern müsse mit dem zufrieden sein, was die Reaktion biete, dürste Bülow ja kaum Einwendungen zu er- heben haben I Das Lob Bülows beweist also nicht das geringste für die „liberalen" Absichten BülowS, umsomehr dagegen für die Ent- liberalisierung des Freisinns, der es glücklich so weit gebracht hat, von dem„agrarischen Kanzler" wegen seiner„gesunden" Ansichten belobigt zu werden I— Aus der bayerischen Zentrumsfraktion. Der Krach in der bayerischen Zentrumsfraktion treibt höchst komische Blüten. Da eS den Herren Schädler, Pichler, Daller u. Co. unbequem ist, daß ihr christlich-brüderliches Verfahren gegen den Fraktionsgenossen und Mitstreiter für die alleinseligmachende Kirche in der Prefle glosfiert wird, so hatten sie die„Augsb. Postztg." beauftragt, nachzuweisen, daß die Hinausdrängelung des Herrn Heim aus dem Finanzausschuß de? bayerischen Landtages nur aus zarter Fürsorge für das Wohl Heim? geschehen sei. Und die„AugSburger Postzeitung" wies auch sofort mit der ihr eigenen Gründlichkeit nach, daß erstens Dr. Heim gar nicht mehr während der letzten Jahre dem Finanzausschuß angehört habe(er ist nämlich im November IvlZö vorübergehend ausgetreten, um seinem FraktionSgenossew Walter Gelegenheit zu einem Referat über den Etat des Ministeriums des Innern zu geben: ein Wechsel, der damals lediglich den Zweck hatte, den Grafen Feilitzsch versöhnlich zu stimmen), und daß zweitens, wenn Dr. Heim nicht wieder in den Finanzausschuß gewählt worden sei, dies nur deshalb nicht geschehen sei, weil seine Gegner in der Fraktion ihn allzu lieb hätten. So schrieb z. B. wörtlich das Augs- burger Blatt: „Daß Dr. Heim nicht in Vorschlag gebracht wurde, ist lediglich verursacht durch seine Gesundheitsverhältnisie, auch durch die arohe Geschäftslast, welche aus den Schultern des Abgeordneten Dr. Heim ruht, die seine öftere Abwesenheit von München und die Rücksichtnahme auf sein Befinden nötig macht. Nicht aus Ranküne ist dieser Grund geltend gemacht worden, sondern in aufrichtiger Loyalität gegen die Person des Abg. Dr. Heim. Der Vorfitzende der Fraktion, Dr. v. Daller, hat sich gegen die An- nähme anderer Gründe entschieden verwahrt." Diese widerliche klerikale Heuchelei geht jedoch selbst Herrn Heim gegen den Strich, obgleich er in diesem Genre ebenfalls recht Be- trächtliches zu leisten vermag. Er antwortet im„Bayer. Kurier" mit folgender bajuvarischen Zartheit: „Ich habe keine Zeit und keine Lust, mich mit einem für die Oeffentlichkeit anonym schreibenden Journalisten, den ich aber ge- nügend kenne, irgendwie auseinanderzusetzen. Ich habe nur kurz folgendes zu erklären: Obige Darstellung ist in ihren wesent- lichsten sachlichen Punkten unwahr. Ich war in der Session 1905/06 Mitglied des Finanzausschusses. Ich konnte jederzeit Wieder in den Finanzausschuß zurückkehren, sobald die Position erledigt war. für welche ich den betreffenden Kollegen an meiner Statt in den Finanzausschuß eintreten ließ. Ich habe davon auch anstandslos und ohne weiteres Gebranch gemacht. Nachdem einnial der Artikelschreiber auf Vorgänge in der Fraktion Bezug nimmt, darf ich demgegenüber auch konstatieren, da ich mich in der Abwehr befinde, daß der Vorsitzende der Fraktion mit mir in der Sache Rücksprache nehmen und mir vor- her begreiflich machen sollte, daß meine NichtWiederwahl aus Rücksicht auf meine Gesundheit geschehe. Wenn ich nicht Mitglied des Finanzausschusses war, wozu dann dies? Am Ende sucht der Artikclschreiber mich zu verdächtigen, daß ich über Vorgänge in der Fraktion geplaudert hätte. Demgegen- über konstatiere ich: Am gleichen Tage, wo die fragliche Fraktions- sitzung war, war abends im Katholischeu Kasino Prrßvereins- Versammlung. Da wurde die Sache bereits sehr lebhaft besprochen, aber nicht von mir. Des anderen Tages darauf habe ich dann allerdings, nachdem man allgemein schon über die Sache gesprochen hat, ebenfalls darüber geredet, um, soweit es mir notwendig er- schien, in eigener Sache manchen falschen Darstellungen zu begegnen. Der Herr Artikelschreiber soll seine Pfeile also an eine andere Adresse richten. Gewisse Generalschwätzer stehen ihm näher wie mir." Danach müssen sehr brüderliche Verhältnisse in der frommen bayerischen Zentrumsfraktion herrschen.— Regelung der preustischen Beamtengchälter. Wie eine halboffiziöse Parlamentskorrespondenz, die„Kor- respondenz Woth", versichert, wird es immer zweifelhafter, ob es möglich sein wird, die Vorlagen betreffend die Aufbesserung der Beamtengehälter dem Landtage zugleich mit dem Staatshaushalts- Etat vorzulegen, der dem Landtage etwa Mitte Januar nächsten Jahres unterbreitet werden soll. Die Konimisfion, die sich jüngst 12 Tage lang im Abgeordnetenhause im Auftrage der einzelnen Ressorts mit den Vorarbeiten für die Vorlage beschäftigt hat, habe Wohl auf Grund eines vom Finanzminiftcrium vorgelegten Planes fleißig gearbeitet, zu einem eigentlichen Beschluß sei sie aber nicht gekommen. Sie habe Ansichten und Vorschläge ausgetauscht, sodaß heute das Finanzministerium genau wisse, welche Wünsche seitens der einzelnen Ressorts gehegt würden. Man müsse aber zugeben, daß bisher allzuviel noch nicht erreicht sei. Die Befürchtung sei deshalb berechtigt, daß die Vorlage eine Verzögerung erleide, wenn in deni gleichen Tempo weitergearbeitet werde. Bis- her hätten sich die Verhandlungen nur um die Frage gedreht: Was tut not und wohin gehen alle Wünsche? Jetzt müsse auch die zweite schwierigere Frage erörtert werden: Wie weit kann die Staats- regierung diesen Wünschen entgegenkommen und wie sind die Deckungs- mittel aufzubringen? Von einer Verschleppung der Materie kann jedoch keine Rede sein und die Befürchtungen, die in der Beamteuwelt geäußert Ivürden, seien grundlos. Ob aber das kommende Gesetz dem entspreche, Was erwartet wird, müsse bezweifelt werden. Selbstverständlich könnten alle Wünsche nicht berücksichtigt werden. Der laugen Rede kurzer Sinne ist, daß die preußische Regierung sich in bezug auf die Regelung der Beamtengehälter in einer argen Verlegenheit befindet. Sie hat. um die Beamten für die Unterstützung der Regierungspolitik bei den Wahlen einzusangen, Versprechungen gemacht und Hoffnungen geweckt, die sie nicht zu erfüllen vermag, wenn nicht die Steuern, speziell die Einkommensteuer, enorm gesteigert werden sollen. So wird denn jetzt der Regelungs- plan nach allen Seiten gewendet, ob sich nicht hier und dort noch Abstriche machen lassen. Und zugleich wird versucht, durch offiziöse Korrespondenzen die Beamtenschaft darauf vorzubereiten, daß sie nicht viel zu erwarten hat.—_ Klerikale Sozialpolitik. Auf dem ZentruniSparteitag für den Regierungsbezirk Koblenz hat der Abgeordnete GiesbcrtS eine Rede über die politische Lage gehalten. Bezüglich der Sozialreform meinte er:„Den an- gekündigten sozialpolitischen Gesetzen gegenüber wird das Zentrum, seiner Vergangenheit gemäß. auf dem Posten s e i n. Bei der Reform der Versicherungsgesetze werden die kleinen Leute aus dem Bauernstande den größten Schaden davon haben, wenn die Löprozentigen Unfallrenten beseitigt würden. Eine RückwärtSrevidierung der Versicherungsgesetze darf eS nicht geben. Wenn etwas geschieht, muß eine Verbesserung eintreten. Nach allen angedeuteten Richtungen hin werden wir den Block- leuten scharf auf die Finger sehen." ES ist ja recht anerkennenswert von Herrn GiesbertS, daß er bezüglich der sozialpolitischen Gesetze auf dem Posten sein will. Aber da er gerade von der Beseitigung der 25prozen- tigen Unfallrenten spricht, so möchten wir ihm raten, bei dieser Gelegenheit nicht nur den Blockleuten, sondern auch den Z e n t r u m S l e n t e n recht scharf auf die Finger zu sehen. Denn die Personen, die in dieser Frage sich als die lautesten Schreier geberden. sitzen nämlich in der Partei des Herrn Girsberts, im Zentrum. Herr Romen macht weiter scharf! Herr Nomen, der wegen seiner Behauptung, die Sozial- demokratie predige den Meineid, seinerzeit durch den Protcststurm des Hamburger Proletariats ans der Staatsanwaltskarriere verschlagen wurde, hat es seitdem zuni OberkriegSrat gebracht. Er hat sich seit Jahren als eifriger Schürer behördlichen Vorgehens gegen die rote Rotte um Militarismus und Klassenstaat verdient gemacht. Auch der Hochverratsprozeß gegen Lieb- lue cht ist seiner Scharfmacherei zuzuschreiben. Alle Erfolge jedoch spornen den schneidigen Hüter der heiligsteu Güter der herrschenden Klasse nur zu neuem Eifer an. So verteidigt Herr Nomen lebhaft in einem Artikel im„Tag" die Verurteilung jenes Landwehr mannes zu zwei Monaten Gefängnis, der neben einem Gewerkschaftszuge hergegangen war, um sich mit ihm persönlich bekannten Kameraden zu unterhalten. Der Herr Oberkriegsrat schließt seinen Artikel mit der Mahnung: „Es ist das erste Mal, daß ein Soldat sich erdreist ei hat, in Uniform an einer öffentlichen sozialdemokratischen Demonstration teilzunehmen. Hier war strengste Strafe nicht bloß g c- rechtfertigt, sondern im allgemeinen militärischen Interesse durchaus geboten. Lrincixiis obsta!" Wir bedauern zwar die einzelnen Opfer wegen eines solchen Systems, aber vom Standpunkr des allgemeinen sozialistischen Interesses aus können wir schließlich zufrieden sein, daß der Mili- tarismuS durch solche Urteile sich selbst den Boden abgräbt I— Kaiser-Lektüre. Wir lesen in der„Kölnischen Volkszeitung": Die„Tägliche Rundschau", daS„Organ der in Wirk- lichkeit vornehmen Gesellschaft", wie sie sich bescheiden nennt, versendet eine Abonnementseinladung, an deren Schluß es heißt: „Wir dürfen noch hinzufügen, daß nach einer Mitteilung der Zentrumsprcsse unser Blatt die einzige deutsche Zeitung ist, die Sr. Maj. dem Kaiser täglich unzerschnitten vorgelegt wird." Zunächst ist richtig zu stellen, daß es die„Milit.-Polit. Korresp." war, welche die Meloung zuerst gebracht hat, und daß Zentrums- blätter sie nur übernommen haben. Eigentümlich ist es übrigens, daß die„Tägl. Rundsch." so tut, ob sie aus eigener Wissenschast, über ihre— von offiziöser Seite bisher nicht bestrittene— Eigen- chaft als Spezialorgan des Kaisers nichts zu sagen der- möge. Das Blatt dürste doch wohl ziemlich genau darüber unterrichtet sein, ob und in welcher Weise bezw. in welcher Aus- a b e es dem Kaiser vorgelegt wird. Auf die von uns wiederholt ir. 684, 735, 751) festgestellte, höchst auffällige Tatsache, daß eine auf die„Tägl. Rundsch." als Kaiserlsktüre bezügliche Meldung nur in einem von zwei sonst ganz gleichen Exemplaren des Blatte- sNr. 319) enthalten war, ist bisher— so viel wir gesehen haben— eine deutliche und befriedigende Aufklärung nicht gegeben worden. Nach wie vor bleibt also die naheliegende Vermutung bestehen, daß das„Organ der in Wirklickkeit vornehmen Gesellschaft", wie u. a. die linksliberale„Breslauer Zeitung" schrieb:„in bestimmten Fällen für den Kaiser extra zurechtgedrechselt" werde. Kaiser-Lektüre..._ „Der katholische Mann der Jetztzeit"— so lautete das Thema einer Versammlung, die jüngst der katholische Volksvercin in Dortmund abhielt. Der gesiiliche Rektor Schulte wies darauf hin, daß der katholische Manu gerade zur Jetztzeit ein ganzer Mann sein müsse. T i l l y habe drei Waffen in seinen Händen getragen und damit zahlreiche Schlachten gewomien: das Schwert, das Kreuz und den Rosenkranz. Der Katholik müsse seine religiösen, gesellschaftlichen und staatlichen Pflichten erfüllen und dabei auch beten. Er müsse auch für die Wahrung seiner berechtigten Interessen eintreteu und für Christus den Gc- kreuzigten und seine heilige Kirche kämpfen. Sollte der Kriegsknecht aus dem siebzehnten Jahrhundert wirk- lich ein so empfehlenswertes Vorbild für den„katholischen Mann der Jetztzeit" sein, und sollte es nicht noch andere Mittel geben, um ein«ganzer Mann" zu werden, als Schwert, Kreuz und Rosen kränz?—_ Aufforderung zur Sklavenjagd. Die„Windhuker Nachrichten" schreiben: „Wir berichteten in voriger Numnier über die Absicht der Randmagnaten. den ganzen Hererostamm nach Trans- v a a l zu locken. Wie uns von glaubwürdiger Seite mitgeteilt wird, sind Abgesandte des Samuel Maharero bereits eifrig und mit Erfolg an der Arbeit, ihre Stammesbrüder zum Treck nach Transvaal zu bereden. Das viele Weglaufen von Hercros aus ihren Dienststellen in letzter Zeit, ihre Ansammlungen tu kleineren und größeren Trupps, die sich allmählich ostwärts bewegen, erregten anfangs Besorgnis, da sie für Anzeichen neuer Unruhen angesehen wurden. Das ist aber nicht die Ursache jener Er- scheimmgen, sondern die Leute wollen möglichst un- auffällig über die Grenze kommen, um dann den Marsch nach Transvaal anzutreten. Hoffentlich wird seitens der Militär- und Polizeibehörden alles getan werden, um die Ausreißer aufzuhalte it und festzunehmen. Namentlich aber sollte man suchen die Emissäre Mahareros unschädlich zu machen... Die Leutenot ist eine so große, daß schon der Verlust von nur 1000 HereroS— die Transvaaler wollen aber 15 000 haben!—- eine schwere Wirt- schaftliche Schädigung bedeuten wurde." Das sind die Früchte der Trothaschen Ausrottungssirategie mit der jetzigen Versklavung der Hereros. Seinerzeit befahl Trotha den HereroS, das Land zu verlassen. Wer nicht in die Wüste entfloh, wo Zehn tausende verschmachteten, wurde niedergeschossen. Die Reste des ehedem zahlreichen Volkes wurden zu Arbeitsskaven gemacht. Daß sich diese kümmerltchen Reste der Slaverei durch Flucht zu entziehen suchen, ist nur zu begreiflich. Aber die Soldaten und Polizeitruppen sollen sie wieder einfangen. Es fehlt nur noch, daß man Bluthunde auf die Eingeborenen dressierte I—_ Polizeilicher Ucbergriff. In Jena wurde vor einigen Tagen der Redakteur deS„Jenaer Volksblattes' auf offener Straße von einem Polizisten angehalten, weil er ein Exemplar einer kürzlich in Sachsen-Weimar beschlag- nahmten, gegen die weimarische Rechtspflege gerichteten Broschüre offen in der Hand trug. Obwohl der Redakteur seinen Namen nannte, wurde er von dem Schutzmann genötigt, mtt ihm den Gang zur Polizeiwache anzutteten. Als dort anwesende Schutzleute die Angaben des Arrestanten bestätigten, konnte er gehen. Auf feine Frage, weshalb er denn eigentlich sistiert worden sei, erwiderte der diensteifrige Beamte in nichts weniger als freundlichem Tone:„WeS- halb— das ist meine Sache!" Darauf legte der Redakteur Beschwerde beim Polizeichef ein und erhielt folgende Antwort: «Nach 8 27 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 trifft die Beschlagnahme von Druckschriften die Exemplare nur da. wo sie sich zum Zwecke der Verbreitung befinden. Die bereits in den Besitz von Privatpersonen zum Zwecke eigenen Gebrauchs übergegangenen Exemplare einer Druckschrift sind daher von der Beschlagnahme ausgenommen. Es war somit ein Niitzgriff de- Schutzmanns Lamprecht, als er Sie im Besitze der beschlagnahmten Druckschrist„Blatt 11 der Nachlaßakten" sehend, Sie anhielt und obendrein sistierte. Wir drücken Ihnen wegen der Ihnen zuteil gewordenen rechtswidrigen Behandlung unser Bedauern aus und bemerken, daß wir den Schutzmann Lamprecht scharf zurechtgewiesen haben. Wir würden ihn noch strenger bestraft haben, wenn wir nicht berücksichtigen müßten, daß er erst ganz kurze Zeit Schutzmann ist, und daß eS ihm deshalb noch an Erfahrung mangelt." Die sofortige Zurechtweisung deS überdicnsteifrigen Polizisten ist anzuerkennen. Im Kulturstaat Preußen hätte man sich dann! sicherlich nicht beeilt.—_ Ein Sozialistentöter. Die Strafkammer II des Landgerichts I hatte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit einer Anklage gegen den Korbmacher Ernst Fischer zu beschäftigen. Der Angeklagte war wegen Erpressung angeklagt und wurde auS der Untersuchungshaft vor- geführt. Die Anklage legt dem Fischer zur Last, gegen den durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Rechtsanwalt Franc im Jahre 1904 und 1905 fortgesetzt Erpressungen verübt zu haben. Diese Erpressungsversuche sollen ihre Ursachen in Verfehlungen sittlicher Art haben, die Franc gegen den Sohn dcS Fischer begangen haben soll. Der junge Fischer war im Bureau des Rechtsanwalts Franc angestellt und es soll dort zu Vorgängen gekommen sein, die das Gesetz unter Strafe stellt. Der Angeklagte Korbmacher Fischer bestreitet, sich schuldig gemacht zu haben. Während der Dauer der Verhandlung war die Oeffentlichkeit aus- geschlossen. In diesem Sommer starb ganz plötzlich der sehr beliebte und angesehene Rechtsanwalt Franc, dem niemand homosexuelle Neigungen zugetraut hätte. Ob durch Selbstmord, ist auch nach der heutigen Verhandlung unaufklärt. Ebenso scheint nicht fest- zustehen, ob er mit dem jungen Fischer wirklich strafbare Hand- lungen vorgenommen hat. Fest steht dagegen, daß der Vater des jungen Fischer, der Angeklagte„Korbmacher Ernst Fischer", Franc strafbarer Handlungen beschuldigte und daß Franc im Laufe der Zeit an Fischer erhebliche Beträge gezahlt hat. Fischer behauptet, Franc hätte ihm das Geld angeboten und ihn flehentlich gc- beten, von einer.Anzeige Abstand zu nehmen. Fischer hat mehr- fach um Geld geschrieben, die Briefe gingen jedoch an einen Freund von Franc, der die Vermittelung in dieser leidigen Sache über- nommen hatte. Da nun in den Briefen ausdrückliche Drohungen nicht enthalten waren und der Hauptzeuge Franc tot war, wurde Ernst Fischer freigesprochen. An dem moralischen Urteil über den Fall kann das nichts ändern. In den meisten so gelagerten Fällen kann keine Be- strafung eintreten, weil schriftliche Drohungen vermieden werden und die Opfer, solange sie leben, zu schweigen genötigt sind. Der gestern freigesprochene Korbmacher Ernst Fischer ist weiten Kreisen als Verfasser der Schmutzbroschür.e»Der Wert der Sozialdemokratie für die Arbeiterschaft von Korbmacher Ernst Fischer" bekannt. Dies Machwerk entstand unter Beihülfe des ehe- nialigen Redakteurs der„Post" und Sekretärs der freikonservativen Partei, Fink. Ende 1897. Fink, der die Broschüre druckfertig stellte, hat, wie im Reichstage erklärt wurde, in Amerika Schecks und Wechsel gefälscht, ist aus dem Chicagoer Presseklub ausgestoßen und schleunigst nach Ostasien verduftet, als im Jahre 1897 im Reichstage festgestellt wurde, wer dieser Mann sei. Der gestern freigesprochene Korbmacher Ernst Fischer, geb. am 2. August 1865 zu Ebersdorf bei Sonnefeld, wurde am 39. Dezember 1885 wegen Körperverletzung und Angriffs auf einen Beamten in Ausübung seines Amtes mit zwei Monaten, im Jahre 1899 wegen Messer- stecherei zu einem Jahr Gefängnis, später wegen Betrugs bestraft. Erinnerlich ist noch der Brief an seinen Schwager, der an die heute verhandelte Erpresiungsanklage etwas erinnert. Der Schwager hatte ihm Geld geborgt, als er die Rückzahlung verlangte, erhielt er als Antwort einen Brief, in dem es lautete:„Weißt Du Lump noch, daß Du mir armen Menschen vor dem Palais des Kaisers senden wolltest, um dort eine Dhnamitbombe zu werfen, mir armen Menschen wolltest Du zum Werkzeug Deiner anarchisti- schen Pläne benutzen. In Brandenburg a. d. H. hast Du Lump Deine Wohnung zu geheimen sozialdemokratischen Versammlungen hergegeben, Dich Lump bringe ich aus das Zuchthaus." Späterhin schickte der Korbmacher Ernst Fischer seinem Schwager einen Brief, der Uebersendung von Geld unter Drohung mit einer Betrugs- anzeige verlangte und dem eine nicht echte Zessionsurkunde bcilag. All das ist in den Reichstagsvcrhandlungen vom 13., 15. und 16. Dezember 1897 öffentlich festgestellt, trotzdem ist auch bei der letzten Wahl vom Reichslügenverband und den ihm Nahestehenden das Lügengemengsel verbreitet, dessen Inhalt von Leuten hergestellt ist, deren Charakter wir bei dieser Gelegenheit wieder in Erinnerung rufen wollen. Erwähnenswert ist, daß der Korbmacher Fischer während der Verbüßung seiner Strafen eine Reihe von Ver- günstigungen erhielt, die selbst wegen politischen Vergehens Ver- urteilten nicht zuteil zu werden pflegt, und daß der Arm der preußischen Gerechtigkeit bislang den nach Ostasien verdufteten ehemaligen Sekretär der freikonservativen Partei und Redakteur der.Post" noch nicht hat erreichen können.— Antisemitischer„Sachverstand". Die ehrenwerte.Staatsbürger-Zeitung"_ erbost sich schrecklich über unseren Artikel zum Jubiläum des jüdischen Arbeiterbundes. Außer anderem Unsimi schreibt sie dazu: „Wenn das deutsche Volk einen patriotischen Festtag feiert, so pflegt der„Vorwärts" seine Feder nicht in die Tmte, sondern in Schmutz zu tauchen, um alle die zu bespritzen, die an solcher Ferer teilnehmen. Wenn aber die nichtswürdige jüdische Auf- i ührerbande in Rußland einen Gedenktag ihrer Untaten feiert, so legt das Organ der deutschen Arbeiterpartei seine„schönsten Glück- wünsche" vor den Füßen dieser edlen„Genossen" nieder I— Alles natürlich im Interesse der an der Börse spekulierenden«Prole- tarier"!" Wenn das„Tageblatt für nationale Politik" sich einmal über das Verhältnis der jüdischen Bourgeoisie(der„an der Börse spekulierenden Proletarier") zum„Bund" unterrichten wollte, so würde es erfahren, daß der„Bund" keine erbitterteren Feinde hat, als besagte jüdische Bourgeoisie(„an der Börse spekulierende„Prole- tarier""). Aber wozu sich mit unnötigem Wisse» bepacken, das könnte das Schimpfen und Besudeln erschweren. franhmd). Richtcrverblendinig. Paris, 9. Oktober. Der russische Anarchist Jakob Law, welcher am 1. Mai auf die Soldaten auf der Place de la Röpublique ge- schössen hatte, ist zu 15 Jahre» Zwangsarbeit und anschließender Auölveisung aus Frankreich auf 29 Jahre verurteilt worden. Dies Urteil ist ein Klassenurteil, tvie's im Buche steht. Die Tat Laws am 1. Mai war ganz offenbar die Tat eines Halb- oder Ganzwahnsinnigen. Der arme Teufel hatte nur das Unglück, gerade in diesen Tagen der Sozialistenhatz in Frankreich prozessiert zu werden— und er verfällt barbarischer Strafe: ein Opfer bürgcr- licher Rachejustiz.— Dänemark. Ueberschiisse im Staatshaushalt. Der den Abgeordneten bei Eröffnung des Reichstage? vorgelegte Rechenschaftsbericht über das Budgetjahr 1996—1997 schließt mit einem Ueberschuß der Staatseinnahmen über die Ausgaben von rund 13 Millionen Kronen. Vorausberechnet hatte man ein Defizit von 5 Millionen.— Die gesamten Staatseinnahmen Ivaren auf 115 275 452 Kronen berechnet, ergaben jedoch 127 918 791 Kronen. Die gesamten Staats ausgaben, be- rechnet auf 129 961 515 Kronen, erreichten nur die Summe von 113 833 492 Kronen. Die Steigerung der Einnahmen ist zu einem guten Teil aus den indirekten Steuern erzielt, die statt b6'/z Millionen G3'/s Millionen ergaben I Dazu kommen die Ueberschiisse der Staatsbahnen, die auf 5�/« Millionen berechnet waren, aber fast 7 Millionen ausmachten; dann die Ueberschiisse des Postwesens, die sich statt auf 849 999 auf 1 715 999 Kronen be- laufen, und die des TclegraphenwesenS, die, auf nur 51 999 Kronen berechnet. 198 999 5tronen betragen. Die Steigerung der Einnahmen und die über Erwarten großen Ueberschüsse sind hauptsächlich der guten Geschäftskonjunktur im verflossenen Geschäftsjahre zu der- danken. Merkwürdig ist es, daß der VerkehrSminister trotz der sieben Millionen, die die Staatsbahnen eingebracht haben, dem Reichstag Vorschläge zur Erhöhung der Eisenbahnfahrpreise wie der Güterfrachten vorlegt I Von anderen Gesetzesvorlagen derRegierung sind besonders zu erwähnen die bislang vom Landöthing verschleppten und verpfuschte» Entwürfe über die kommunale Wahlrechtsrcform, die Reform des Gerichtswesens, die Zollreform und das Ministerverantwortlichkeits- gesetz. Ferner sind in Aussicht gestellt ein Entwurf über Unfall- Versicherung für Landarbeiter und eine Reform der Verwaltung Grönlands. Einen Vorschlag zur Neueinteilnng der Folkethings- wahlkreise«hofft man", wie das Organ des Justizministers„Dane- brog" schreibt, späterhin vorlegen zu'können.— Hmerika. Der Ankläger im Prozeß zu Idaho, der Senator Borah, ist be- kanntlich s e l b st unter Anklage gestellt worden, weil er sich im Bunde mit anderen Kapitalisten verschworen hatte, den Staat um wertvolle Ländereien zu betrügen. Jetzt soll— auf Wunsch des Präsidenten Roosevelt. wie es heißt— die ganze Anklage in einer möglichst milden Form erhoben werden, so daß die Uebcltäter nur noch„grober Ungehörigkeiten" beschuldigt werden.— Es ist übrigens bekannt geworden und auch von amtlicher Seite zu- gestanden, daß der ehemalige Gouverneur Steuncnberg von Idaho ein Verbündeter von Borah bei den Landdiebstählen war I Es ist das derselbe Steuncnberg, den zu rächen der Prozeß gegen Hay- Wood, Moyer und Pettibone eingeleitet wurde.— Eus der parte!* Die iadische Parteiprcsse zur Demonstratio« der Genosse« Kalb und Frank. Die Mannheimer„Volks stimme" schreibt: „Die Teilnahme zweier sozialdemokratischer Abgeordneter an der Trauerfeier war von diesen ohne Zweifel aufgefaßt als die Erfüllung einer Pflicht allgemein mensch- lichcn Taktes und AnstandeS, der wir, unbeschadet der Schärfe des politischen und sozialen Gegensatzes, den Repräsentanten einer von uns bekämpften Staatseinrichtung gegenüber ebenso gut nachkommen könnten, wie Vertreter bürgerlicher Parteien unseren Toten am Grabe die ihnen gebührende Achtung und Ehrung zu bezeugen pflegen. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat, so viel uns bekannt, zur Frage der Beteiligung an der Beisctzungsfeier in Karlsruhe keine Stellung genommen. Ohne Zweifel werden sich— ähnlich wie bei der von unseren Abgeordneten unterschriebenen Glückwunschadresse der hessischen Zweiten Kammer an den Großherzog Ernst Ludwig anläßlich der Geburt eines Thronfolgers— innerhalb unserer Partei Stimmen erheben, die in der Teilnahme eines Sozial- demokrateu an Feierlichkeiten zu Ehren eines Monarchen einen Verstoß gegen die prinzipiellen Anschauungen unserer Partei und eine moralische Konzession an den monarchischen Gedanken er- blicken. Daß die beiden in Frage stehenden sozialistischen Ab- geordneten über den Verdacht einer derartigen Handlungsweise erhaben sind, braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden. Die Motive, die sie geleitet haben, sind oben wohl zutreffend dargelegt." Die Verteidigung ist sehr schwach. Die Gleichsetzung der Handlung der beiden Genossen mit der Beteiligung bürgerlicher Parlamentarier an der Beerdigung sozialdemokratischer Abgeordneter ist durchaus ungerechtfertigt. Jene bürgerlichen Parlamentarier er- weisen einem Parlamentskollegen die letzte Ehre, zu dem sie gewisse kollegiale oder sonstige nähere menschliche Beziehungen hatten. Ihre Ehrung gilt dem Menschen oder doch dem Kollegen. ES wird deshalb auch wohl schwerlich jemand in der Partei etwas dagegen einzuwenden haben, wenn sozialdemokratische Abgeordnete einem verstorbenen bürgerlichen Parlanlentarier, zu dem sie nähere persönliche Beziehungen unter- halten haben— woraus sich ergibt, daß er ein anständiger Gegner unserer Partei gewesen sein muß— die letzte Ehre erweisen. Welche persönliche Beziehungen aber verknüpften die Genossen Kolb und Frank mit dem verstorbenen Großherzog von Baden? Sicher- lich keine I Sie haben keine anderen Beziehungen zu ihm gehabt, als die des badischen Staatsbürgers zum Oberhaupt des badischen Staates sind. Ihre Ehrung kann also nicht als dem Menschen geltend, sondern muß als dem verstorbenen StaaatSoberhaupt, dem Re- Präsentanten des monarchischen Systems geltend angesehen werden. Und deshalb hat die Sozialdemokratie allen Anlaß, gegen die Be- teiligung der beiden Genossen zu protestieren. «* « Der Karlsruher„Volksfreund", der über die Bei- setzung des Großherzogs breit berichtet, registriert die Beteiligung der beiden Genossen, hat aber nichts dazu zu bemerken. pollzeUleKeg, ßmchtllches ufw. Vom preußischen Bcrsniilinlmigs-„Nccht". Leipzig, 8. Oktober. Wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen das preußische Vereinsgesetz ist am 27. April vom Landgericht I in Berlin der verantwortliche Redakteur des „Vorwärts", Genosse Hans W e b e r, zu einer Geldstrafe von 29 M. verurteilt worden. Es handelt sich um die bekannte Kritik jenes Kammergerichts- Urteils, das den Tischler Thiel mit 15 M. Geldstrafe belegte, weil er sich geweigert hatte, die polizeiliche Schließung einer von ihm geleiteten Versammlung in einem von ihm gemieteten Saale anzuerkennen, die wegen Eintritts der Polizeistunde erfolgte. In dem Artikel des„Vorwärts" war aufgefordert, in ähnlichen Fällen, wo die Auflösung aus einem im Gesetze nicht vorgesehenen oder direkt ungesetzlichem Grunde erfolgt, den Weisungen deS überwachenden Beamten nicht Folge zu leisten, damit auf dem Wege weiterer Strafprozesse versucht werde, das Kammergericht von seiner Rechtsprechung ab« zubringen.— In der Revision des Angeklagten Weber, die den 2. Strafsenat des Reichsgerichts beschäftigte, wurde aus- geführt, es könne nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein, zu verlangen, daß selbst die gegen das Gesetz verstoßende Auflösungs- androhung befolgt lverden müsse, denn sonst wäre ja die Auf- lösung einer jeden Versämmlung in das Belieben der Polizei gestellt. Der 2. Strafsenat des Reichsgerichts verwarf die Revision de? Angeklagten Weber und erkannte damit an, daß es in Preußen einem Beamten auch dann erlaubt ist, eine Bersammlung zu schließen, wenn er keine» gesetzlichen Grund dazu angeben kann. Ein„gewohnheitsmäßiger Ehrabschneider". Torgau, 8. Oktober.(Eig. Ber.) AuS Anlaß der Reichstags- Wahlbewegung hatte in einer freisinnigen Vcrsannnlung in Hohen- leipisch bei Elstcrwerda der Genosse Arno R e i ch a r d aus Bock- lo i tz das Verhalten des überwachenden Gendarmen kritisiert und ihm Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen vorgehalten. Dafür ivurde Reichard vom Schöffengericht Liebeniverda zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Landgericht verwarf die Berufung ReichardS, nachdem ihn in seinem Plaidoyer der sehr jugendliche StaatSanlvaltsvertreter einen gclvohnheitsmäßigcn Ehr- absch ueider und den als Entlastungszeugen eidlich ver- nommenen Bockwitzer Vertrauensmann, Genossen Starke, einen gänzlich unglaubwürdigen Menschen genannt hatte. Die Angriffe auf die Ehre des schutzlosen Angeklagten recht- fertigte der Anklagevertreter damit, daß Reichard wegen Beleidigung durch die Presse erheblich vorbestraft sei. Diese Vorstrafen liegen über 19 Jahre zurück. Seitdem ist Reichard nicht wieder wegen Beleidigung bestraft worden. Jetzt sind allerdings einige neue Ver- fahren gegen ihn im Gange, die auf die Betätigung in der seit zwei Jahren im Bockwitz-Lauchhainmerschen Industriegebiet sehr hoch- gehenden Bewegung zurückzuführen sind, die von Gruben- und Werks- leitungen in Verbindung nrit der Polizei mit allen Machtmitteln ver- geblich niederzuhalten versucht wird. Strafkonto der Presse. Zu einem Monat Gefängnis verurteilte die Strafkammer in Duisburg den Genossen Stephan Heise, Redakteur der„Niederrheinischen Arbeiter- Zeitung", weil er in einer Zeitungsnotiz einen Polizeibeamten beleidigt, d. h. diesen der Bestechlichkeit geziehen hatte. Wie sich in der Verhandlung herausstellte, hatte ein Mitangeklagter Bäcker Haferkamp den fraglichen Vorfall, um den es sich in der Zeitungsnotiz handelte, in öffentlicher Wirtschaft wider besseres Wissen entstellt wiedergegeben! Der Staatsanwalt hatte für diese verurteilenswerte Handlung nur 199 M. Geldstrafe beantragt, dagegen wollte er den Genossen Heise, den man über den wahren Sachverhalt getäuscht hatte, mit drei Monat Gefängnis(!) bestraft wissen. Das Gericht ver- urleilte jeden der beiden Angeklagten zu einem Monat Gefängnis und zwar den Mitangeklagten Haferkamp wegen verleumde- r i f ch e r Beleidigung und den Genossen Heise aus Z 186 des Str.-G.-B._ Soziales* Wer ist VctriebSunteruchiner eines Anschlußgleises? Das Reichsgericht hat wiederholt zum Begriff des Eisenbahn- betriebes ausgesprochen, daß derjenige als Bctriebsunter- nehmer zu betrachten ist, für dessen Rechnung der Betrieb statt- findet, so daß ihm das ökonomische Ergebnis des Betriebes zum Borteil oder Nachteil gereicht. Diese Bestimmung ist in einer jüngst getroffenen Entscheidung deS OberlandeSgcrichtS Bamberg irrtümlich dahin ausgelegt, daß bei einem Anschlußglets einer Mälzerei die Mälzerei Betriebsunternehmerin sei und nicht der Eiscnbahnfiskus. Der VI. Zivilsenat des Reichsgerichts hob dieses Urteil wieder auf und gibt dazu die unten mitgeteilte» bedeutungS- vollen Entscheidungsgriinde. Zur besseren Verständlichkeit der Sache selbst sei mitgeteilt, daß eS sich um SchadcnSersatzansprüche eines Bierführers F. handelt, der am 14. November 1994 mit seinem Fuhrwerk zur Malzfabrik der Bambergcr Mälzerei fuhr, und zwar neben dem Anschluß- gleis der genannten Mälzerei. Währenddessen brachte ein hinter ihm herfahrender Eisenbahnzug des jetzt beklagten bayerischen Eisen- bahnfiskus einen Güterwagen zur Mälzerei und stieß an das Fuhr- werk des Klägers, wodurch letzterer vom Wagen geschleudert und verletzt wurde. Gegen den Eisen- bahnfiskus erhob der Verletzte dann Klage auf Renten- zahlung, wurde aber mit seinen Ansprüchen vom Landgericht und Oberlandesgcricht Bamberg, wie schon erwähnt, deshalb abgewiesen, weil die Bambergcr Mälzerei Betriebsunternehmcrin des Anschluß- gleises gewesen sei. Diesem widerspricht das Reichsgericht, indem es unter anderem ausführt:„Das Berufungsgericht meint, das ökonomische Ergebnis des Betriebes aus dem Anschlußgleis komme nur dieser(der Mälzerei) zugute, nur sie, nicht der Beklagte habe ein wirtschaftliches Interesse an dem Betriebe. Denn alle Frachtgüter, die von der Mälzerei auf dem Bahnwege bezogen oder versendet würden, bedürften der Beförderung durch die Staatsbahn, der es daher gleichgültig sein könne, ob die Güter auf dem Anschlußgleis unmittelbar oder auf der Achse zu und von der Mälzerei verkehren könnten. Das Berufungsgericht übersieht dabei vollständig, daß ohne die Ersparnug an Fracht und Umladekosten durch ein Anschlußgleis viele gewerbliche Unternehmungen nicht errichtet würden, andere den Wettbewerb nicbt bestehen oder sich nicht erweitern könnten, daß mithin durch die Anschlußgleise der Hauptbahn allerdings beträchtliche Beförderungsgebühren anfallen, die ihr ohne solche Verbindungen vielleicht nicht zufließen würden. Der Unternehmer hat dann für seine Rechnung den Betrieb auS- geführt, wenn ihm die Betriebseinnahmen und die Betriebs- ausgaben zugefallen sind. Bei einem Anschlußgleis, wo die Frage auftreten kann, ob der Betrieb nicht bloß eine Dienstleistung für die angeschlossene Fabrik darstellt, wird noch zu prüfen fem, ob ihm die selbständige Verfügung über den Betrieb zustand. Nach den Feststellungen deS Berufungsgerichts kann nun kein Zweifel sein, daß der Beklagte der Betriebsunternehmer anf dem Teile des Anschlußgleises war, wo der Unfall sich zugetragen hat. Der Beklagte hat mit seinen Betriebsmitteln den Betrieb bis zum Fabrikgebäude, wo nach dem Vertrage mit der Mälzerei die an- kommenden Waren abzustellen, die leeren oder abgehenden Wagen abzuholen waren, technisch ausgeführt. Er hat die Betriebs- einnahmen in Gestalt der Zustreifgebühren bezogen und die sachlichen und persönlichen Ausgaben für den Betrieb ge- tragen. Ganz verfehlt ist, wie keiner weiteren Aus- füh'rung bedarf, die Ansicht des Berufungsgerichts, daß die Mälzerei mittels der Einrichtung der Zustreifgebühren die Kosten deS Betriebs bestritten habe. Sodann hat die Beklagte, wie aus jeder Bestimmung des Vertrages mit der Mälzerei erhellt(vgl. insbesondere§ 4 und die Allgemeinen Bestimmungen K 7, nach eigenem Ermessen die Gestaltung und die Ausführung des Betriebes aiigeordnet und die Mälzerei hatte sich seine» Bedingungen und Weisungen zu fügen. Der Betrieb auf dem Anschlußgleis war nicht etlva eine Dienst- und Hülfeleistung deS Beklagten für die Mälzerei. daß er die Betriebsmittel zur Verfügung gestellt hätte, sondern ein Teil und Ausfluß des Gcsamtbetriebes der StaatSbahn. Das Reichsgericht hat auch in ständiger Rechtsprechung— die von dem Berufungsgericht augenscheinlich mißverstanden worden ist— angenommen, daß auf einem Anschlußgleis bis zu den? Punkte, wohin von der Lokomotive der Hauptbahn die Wagen für das angeschlossene Werk gebracht und Ivo sie wieder abgeholt werden, die Hauptbahn. jenseits dieses Punktes das Werk Unternehmer des Eisenbahu betriebes sei, der jeweils von der Haupt- bahn oder von dem Werk auf diesen Teilstrecken ausgeführt wurde. (Vgl. Egcr, Eiscnbahnrcchtl. Entsch. III. 73; V. 34; VII. 396; XII, 197; Urteile des erkennenden Senats vom 16. II. 93, Rep. VI 329/92— das in der„J. W." 93, S. 158, ganz verstümmelt ab- gedruckt ist— und vom 18. IV. 97, Rep. VI 316/06.) GewerhfebaftUebes. Wahlrecht-Silberliuge für Arbeiter-Verrats In Dresden feierte der Gewerkverein der Maschinen- baucr und Metallarbeiter, der nach eigenem Eingeständnis früher einmal 150 Mitglieder zählte, seitdem aber etwas zurück- gegangen ist. dieser Tage mit großem Tamtam sein Löjährigcs Bestehen. Zu dieser bei der„Größe" und„Bedeutung" des Vercinchcns gewiß wclterschüttcrndcn Begebenheit hatten sich auch der Herr Kreishauptmann R u ni p c l t und der Herr Legationsrat v. N o st i tz- Walltvitz(der konservative„Neben- regicrnngs-Redncr") sowie einige Professoren eingefunden. Nicht uninteressant sind die Ausführungen, die der Kreishaupt- mann bei dieser Gelegenheit machte. Er führte unter anderem aus, Deutschland habe mehr als jeder andere Staat in sozialpolitischer Hinsicht getan. Die Fürsorge für die deutsche Arbeiterschaft müsse aber „noch mehr" ausgestaltet werden. Nachdem er darauf hingewiesen, daß ein Vertreter der Hirsch-Dunckerschcn in der Rechtsauskunftsstelle sitze(die nebenbei in Dresden gegründet worden ist als eine„Konrurrenz"-Jnstitution gegenüber dem vom Gewerkschaftskartell vor einigen Jahren gegründeten Arbeitersekretariat der freien Gewerkschaften), kam er auf das LandtagSwahlrecht zu sprechen. Er führte aus:„Die sächsische Staatsrcgierung habe Proportionalwahlen für den Landtag geplant, die es den Gewer kvereinlern ermög- lichen sollen, ihre Vertreter auch in den Landtag zn schicken." Das ist ja sehr nett: Also aus dem Grunde, um den Hirschen eine Vertretung im Landtag zu „sichern", ist das Proportionalwahlrecht in dieser Form im Hohenthalschen Wahlrcchtscntwurf vorgesehen I Das sieht der sächsischen Regierung mal wieder so recht ähnlich: die paar Hirsche und anderen Auch- arbeitcr, die man als Renommierarbeitcr gegen die Sozial- demokratie und die freien Gewerkschaften braucht, werden ge- hätschelt und hofiert: die moderne Arbeiterbewegung, die die Hunderttausende von Arbeitern hinter sich hat, wird brüskiert und schikaniert. Das nennt man dann sächsische Staats- kunst! Ucbrigcns würden sich die gesamten Aucharbcitcr Wohl die Pfoten lecken können: Ein Mandat würden sie, wenn das Hohenthalsche Produkt Gesetz werden sollte, schwerlich be- kommen, dazu haben sie denn doch zu wenig Boden in Sachsen gefunden._ Berlin und Umgegend. Der Streik bei A. Jandorf«. Eo. Am Dienstagabend veranstaltete der Transportarbeiter-Vervcmd im großen Saale der Reuen Philharmonie eine öffentliche HauS- dienervcrsammlung, die sehr gut besucht war. Es galt, den nicht unmittelbar an der Bewegung beteiligten Berufsgenossen die Ur- fachen und den Hergang des Kampfes mit der Firma Jandorf zn schildern. Wappler, der Vorsitzende des. Vereins Berliner Haus- diener, unterzog sich dieser Aufgabe unter lebhaftem Beifall der Zuhörer.— In der Diskussion wurde u. a. mitgeteilt, daß ein Bertrag mit der anstößigen Bestimmung flßer die Konventionalstrafe von 101 M. auch den Hausdienern des Warenhauses von Max Mannheim, Franlfurterstraße, welches feit kurzem zur Firma H. T i e tz gehört, vorgelegt und auch von allen unterschrieben ist. Nur der Vertrauensmann deS Betriebes verweigerte die Unter- schrift. Er wurde deshalb entlassen, und mit ihm ging noch ein jugendlicher Arbeiter hinaus.— Die Versammlung nahm eine Resolution an, welche besagt: Die Versammelten nehmen mit Entrüstung Kenntnis von dem Vorgehen der Firmen Sl. Jandorf u. Co. und Kaufhaus des Westens gegen die Haus diener usw. Die Versammelten bekunden ihre volle Solidarität mit den Ausgesperrten und denen, die aus Solidarität mit denselben in den Streik getreten sind. Die Versammelten erwarten, daß die Ortsverwaltung des Transportarbeiterverbandes alles tun wird, um den kämpfenden Kollegen zum Siege zu verhelfen, daß sie ins« besondere dafür sorgen wird, daß nicht Arbeiter aus anderen' rufen den Kämpfenden in den Rücken fallen. Die Versammelten sind überzeugt, daß die Arbeiterschaft Berlins, sobald der Ruf an sie ergeht, den Ausgesperrten und Streikenden in geeigneter Weise ihre moralische Unterstützung zuteil werden läßt. Die Steinhauck nahmen in einer Versammlung am Dienstag abend den Bericht ihrer Lohnkominission entgegen. Der Bericht erstatter Schenke kam direkt aus der Sitzung der Schlichtungs- kommission und erklärte, daß nach langen Verhandlungen ein vor- läufiges Uebereinkommen dahin erzielt worden sei, daß die Preise, ie bisher als die besten galten, in dem Tarif als Minimal- ätze aufgestellt werden sollten. In Anbetracht der allgemeinen ?e»enmg waren die Vertreter der Arbeitnehmer mit diesem Zw gcständnis aber noch nicht zufrieden. Die Vertreter der Arbeitgeber werden nun die Angelegenheit in einer Versammlung des Unternehmerverbandes noch einmal zur Erörterung stellen. Diese Versammlung soll am 17. Oktober stattfinden, und am 10. Oktober könnten die Arbeitnehmer ihren Beschluß fassen. K n o l l vom Zentralvcrband nahm dazu das Wort und trat dafür ein, daß die Arbeiter bis zum 17. Oktober im Ge- u'crbe den Frieden halten und den Gang der Verhandlungen in Ruhe abwarten.— Die Versammlung war damit einverstanden. In die Lohnkommission wurden noch drei Mann gewählt, so daß sie jetzt aus sechs Mitgliedern besteht. Diese Kommission erhielt noch den Auftrag, denjenigen Firmen, die nicht dem Unternehmer- verbände angehören, den Lolmtarif vorzulegen und um eine Stellungnahme dazu bis zum 16. Oktober zu ersuchen; es handelt sich um etwa 15 solcher Firmen. Schenke las mehrere Schreiben von Unternehmern vor, die sich bereit erklärten, den Lohntarif der Arbeiter anzuerkennen. Knoll trat dann noch für die Anerkennung i'cs paritätischen Arbeitsnachweises ein und fand auch die Zw slimmung der Versammlung, als er erklärte, daß der paritätiiche Arbeitsnachweis als zum neuen Tarife gehörig betrachtet werden sollte. Achtung, Fensterputzer! Zu der gestrigen Warnung unter dieser Spitzmarke schreibt uns Herr Paul Goebel, der Filialleiter der Firma Paul Juhl.'Ecke Bad- und Buttmannstraße, folgendes: Nichtig ist allerdings, daß von einem alten Kunden, der bei mir Zigarren kauft, Leute für Hamburg als Fensterputzer engagiert worden sind. An dieser Angelegenheit bin ich resp. die Firma Juhl gänzlich unbeteiligt und werden auch fernerhin Fensterputzer für Hamburg mit meinem Wissen in der Filiale Badstraße, Ecke Buttmannstraße nicht angenommen, resp. werde ich auf keinen Fall dulden, daß derartige Geschäfte in meiner Filiale abgeschlossen werden. Achtung, Friscurgehülfen!, Die organisierten Kollegen werden daranf aufmerksam gemacht, daß sie sich streng nach den Beschlüssen halten müssen, die zwischen der Organisation und den Arbeitgebern vereinbart worden sind. Dazu gehört unter anderem, daß vom 1. Oktober bis 1. April die Arbeitszeit um l/.ß Uhr beginnt statt wie im Sommer um 7 Uhr. Diese leine Vergünstigung den Kollegen zu gewähren muß den Arbeit- jebern sehr schwer fallen. Denn dieselben haben in letzter Zeit zu oiesem Punkte besonders Stellung genommen und Beschluß darüber gefaßt, den Gehülfen die'/»stündige Verkürzung der Arbeitszeit zu versagen. Darum Kollegen, setzt Euer Bureau davon in Kenntnis, damit diese Unannehmlichkeiten von da aus geregelt werden. Achtet ferner auf die Kontrollkarte, da dieselbe nur gültig, wenn die laufende Woche gestempelt ist und die Namensunterschrift Baumgart trägt. Die Forderungen durchbrochen habcir die Arbeitgeber Hannig, Perlebergerstr. 36, und G r e y e, Knglcrstr. 1. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückcnmachergehülfen Berlin. Bureau: Dirckscnstr. 46. Der Vorstand. I. A.: Baumgart. DeutTcbes Reich. Achtung, Gasarbcitcr! In den Gasfabrikcn der Jmperial-Kontinental-GaS-Assoziation in Mailand, Genua, San Pier d'arend in Italien streiken die Gas- arbeiter. Die Jmperial-Kontinental-Gas-Assoziation versucht nun aus ihren Betrieben in Deutschland Streikbrecher für Italien zu ködern. Es geschieht dieses dadurch, daß man den Leuten weiß macht, es handele sich in diesem Falle nur um das Anfeuern neuer Retorten; in Wirk- lichkeit sollen diese Arbeiter aber Streikarbeit verrichten. Bereits am Montag hat man 20 Mann aus zwei Fabriken der Berliner Filiale der Gesellschaft unter diesen Verlockungen nach Italien gebracht. Es ist nun zu erwarten, daß man unter ähnlichen Vorspiegelungen noch mehr Arbeitswillige für die dortigen Betriebe zu gewinnen sucht. Auf diese Weise sollen die um ihr Recht kämpfenden italienischen Arbeitsbrüder niedergerungen werden. Das darf dem Unter- nehmertum nicht gelingen. Aufgabe jedes ehrlich denkenden Ar« beiterS muß es sein, in dieser Sache nach-allen Seiten hin auf- klärend zu wirken und Arbeitswillige von Italien fernzuhalten, da- mit die Maßnahmen der Gesellschaft zuschanden werden. Lasse sich also kein deutscher Arbeiter der- leiten, den in Italien kämpfenden Brüdern in den Rücken zu fallen. Der Vorstand des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter Deutschlands. Der Bcrgarbcitcrstreik in der Nicdcrlausitz. Senftenberg, 9. Oktober. sEig. Ber.) Bekanntlich hatten die Streikenden Anfang dieses Monats aufs neue in einer Eingabe an Herrn Bergmeister Richter-Kottbus Verhandlungen angeboten. Die Antwort lautet: K o t t b u s. den 5. Oktober 1907. Wie ich Ihnen bereits in meinem Schreiben vom 20. v. M. mitteilte, hat der Verband der Niederlausitzer Kohlenwerke es ab- gelehnt, mit der Lohnkommission zu verhandeln, sich aber gleichzeitig gern zu Unterhandlungen bereit erklärt, falls solche von den gesetzlich bestellten Arbeiter- ausschüssen angestrebt werden. Ich bin deshalb zurzeit nicht in der Lage. Einigungsverhandlungen zivischen den Ausständigen und den Werksleitungen anzubahnen, da die Streikenden, wie Sie inir mitteilten, nur zu Verhandlungen zwischen ihrer Lohnkominission und den Werksverwaltungen geneigt sind. Richter. Die Ausständigen werden erst in den nächsten Versammlungen Stellung zu dem Angebot nehmen. Allein 40Räumungs- klagen finden am nächsten Freitag ihre gerichtliche Erledigung. Es handelt sich dabei um Werkswohnungen einer einzigen Gesell- schaft, der„Niederlausitzer Kohlcnwerke". Das Unikum einer Knappschaftskrankenkasfe befindet sich in, Lauchhammer. Für das dortige Werk existiert eine solche Kasse, besten Rendant— oder gar Vorsitzender?— ein-- Polizeisergeant ist. Der Herr springt mit den Kassenmitgliedern so um, wie er es aus seiner Rekrutenzeit gewöhnt ist. Selbstverständlich tut er jetzt sein möglichstes, um die Schäfchen seiner Kasse der Ge- sellschaft wieder zuzutreiben. Zu diesem Zwecke haben ausständige Kassenmitglieder folgendes Schreiben erhalten: Vorladung. Sie werden hierdurch auf Montag, den 7. Oktober, vormittags 9 Uhr, zur Vernehmung im Knappschaftsbureau vorgeladen. Diese Vorladung ist zum Terinin mitzubringen. Lauchhammer, den 4. Oktober 1907. Der Knappschaftsverein zu Lauchhammer. Thasmaun. Einen derartigen Ton und eine solche Handlungsweise darf man sich allerdings nur Bergarbeitern gegenüber erlauben. Das beweist, wie notwendig eine Reform des gesamten Knappschafts- Wesens ist. fZuslanck. Die englischen Streiks und Ausspcrruiigc» im Jahre 1906. London. 8. Oktober. sEig. Ber.) Der Bericht über Streiks, Aussperrungen und Schiedsgerichte im Jahre 1906 wurde dieser Tage veröffentlicht. Im Vergleich mit den Jahren 1903 bis 1905 zeigte das Berichtsjahr eine größere Zahl von gelverblichen Konflikten und beteiligten Personen. Folgende Tabelle gibt für die letzten fünf Jahre die Zahl der Konflikte, die w jedem dieser Jahre begannen, die Zahl der Arbeiter, die von den Konflikten betroffen wurden und die Gesamtdauer der Konflikte Zahl Zahl der Dauer der Jahr der betroffenen Arbeiter Konflikte in Konflikte direkt indirekt insgesamt Arbeitstagen 1902 442 116 824 139 843 256 667 3 479 255 1903 387 93 515 23 386 116 901 2 383 663 1904 355 56 380 30 828 87 208 1 484 220 1905 358 67 653 25 850 93 503 2 470189 1906 436 157 872 59 901 217 773 3 028 816 Die größte Zahl der betroffenen Arbeiter lieferte die Bergbau- iudustrie; im Jahre 1906 war auch die Zahl der betroffenen Textik arbeiter, Mechaniker und Schiffsbauer, erheblich. Eine bedeutende Zahl der durch Konflikte verlorenen Arbeitstage kam in den letzten Jahren auf die Konfektionsindustrie in Ost-London. Die weitaus größte Zahl der Konflikte wurde durch direkte Unterhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern geregelt. Im Jahre 1906 wurden 70 Proz. der Konflikte auf diese Weise erledigt. Durch Aus' gleichs- und Schiedsgerichte wurden imr sehr wenige Konflikte ge� regelt, nämlich: im Jahre 1902: 27; 1903: 29; 1904: 23; 1905: 25; 1906: 46. In Konflikten, die Lohnfragen betrafen, waren im Berichtsjahre die Unternehmer erfolgreich, denn nur 17 Proz. der direkt betroffenen- Arbeiter setzten ihre Forderungen durch, während 35 Proz. unterlagen und 46 Proz. auf Kompromisse eingingen. In Fragen der Arbeitszeit kam es zum größten Teile zu Kompromisten. Der Streik der GaSarbeitcr in Italien. Die Gasproduktion von Mailand, Genna, Alessandria, Modena und noch einigen lombardischen Städten befindet sich in den Händen einer englischen Gesellschaft, der„Union des Gaz". Seit Wochen waren Unterhandlungen in Mailand im Gange, die zwischen der Direktion und den Arbeitern unter der Leitung des Bürgermeisters geführt wurden. Die Arbeiter forderten Lohnerhöhungen für alle Kategorien, namentlich aber für die Hiilksarbeiter. Man verlangte die Einführung einer Skala, wie sie in Genua bereits eingeführt ist; danach sollten die Hülfsarbeiter im Laufe von sechs Jahren auf einen Tagelohn von 3 auf 4 Frank kommen. Die Direktion lehnte diese Forderungeu ab und wollte nur eine Lohnerhöhung von 10 Prozent zubilligen. Das wollte sie aber nur unter der Bedingung gewähren, daß das eingesetzte Schiedsgericht auch über alle ökonomischen und technischen Frage», über die Arbeitsordnung usw. mit entscheiden solle. Die Arbeiter lehnten dies ab und so kam es zum Streik, der sich über alle Städte, wo die„Union des Gaz" ihren Sitz hat, erstreckt. Die Mailänder Direktion hat sich während der Zeit der Unterhandlungen auf das eifrigste bemüht, Streikbrecher anzuwerben. Hunderte von Bauern aus der Lombardei kommen jetzt nach Mailand, um die Streikenden zil ersetzen; mit einem einzigen Eisenbahnzuge kamen allein 475. Dieselben sind in vollkommener Unkenntnis der Lage der Dinge an- zeworben worden und eS gelingt den Streikenden, in vielen Fällen Zie Arbeitswilligen zur Rückreise zu bewegen. Neue Vermittelungs- versuche werden angebahnt. Die italienischen Genossen ersuchen dringend Zuzug nach dort ernzuhalten._ Ein Rüffel für englische Streikbrecher. London, 9. Oktober. Der englische Heizerverband tadelte in cmer gestern abgehaltenen Versammlung die Entsendung englischer Streikbrecher nach Antwerpen und Hamburg gelegentlich der dortigen Ausstände. Der Verbandsvorsitzende erklärte, er schäme sich, ins Ausland zu reisen, da dort die englischen Arbeiter als, europäische Chinesen betrachtet würden. Hoffentlich nutzt der Rüffel. Tins der Frauenbewegung. Die sozialdemokratischen Frauen Berlins hatten am Dienstag in der Kommandantcnstr. 72 eine Versammlung, um den Bericht der Delegiertinnen vom Essener Parteitag entgegen- zunehmen. Die Genossinnen Wengels, Baader, Reichert teilten sich in die Berichterstattung. Sie gaben eine Uebersicht über die Ivichtigsten Verhandlungen und Beschlüsse. Genossiir Wengels chrach noch ihre besondere Genugtuung darüber aus, daß der Antrag angenommen sei, eine' größere Agitation für die Frauenzeitung„Die Gleichheit" zu entfalten. Die Genossen werden verpflichtet, für das Abonnement der„Gleichheit" genau so zu wirken wie für das der Tageszeitungen, und auch der Presse sei die Ver- pflichtung auferlegt worden, die Frauenbewegung zu fördern. Die Aufgabe der proletarischen Frauen müsse es nun sei», darauf zu achten, daß der Beschluß in jeder Beziehung durchgeführt werde. Bei Erwähnung des„Falles NoSke" beschwert sich Rednerin dar- über, daß Bebel die Worte der Genossin Zetkin, die von Herzen gekommen seien, damit abgetan hätte, daß es nicht die beste Rede gewesen sei. Es habe ihr auch nicht gefallen, daß Genosse Bebel gewissermaßen unter dem Protektorate der„rechten Richtung" gesprochen habe. Genossin Baader schilderte, wie auch schon die erste Nedncrin, eindringlich die Verhältnisse in Essen und im ganzen rheinisch-westfälischen Industriegebiet, um zu zeigen, wie treffend durch sie die Theorie von den unüberbrückbaren Klassengegensätzen und vom Klassenkampf illustriert werde. Eingehend beschäftigte sich Rednerin mit den« Wurmschen Referat über die Alkoholfrage, das nachzulesen, wenn eS inr Protokoll gedruckt vorliege, sie aufs wärmste empfahl.— Viel ei' auf dem Parteitage auch von den Frauen gesprochen worden, und davon, daß mehr getan werden müsse zur Aufklärung der Frauen, auch seitens der Genossen. Tatsächlich lväre es ja auch ve- trübend, daß wir unter Berücksichtigung der Zahl der organisierten Genossen erst 5 Proz. organisierter Frauen hätten. Es sei darum ehr nötig gewesen, den Genossen zu sagen, sie hätten mehr dafür zu orgen, daß die weiblichen Angehörigen sich der Bewegung an- schlössen und sich betätigten. Dies und anderes entbinde natürlich nicht die tätigen Genossinnen von ihrer Pflicht. selbst sich zu bemühen, die noch fernstehenden Frauen zu gewinnen. Sie könne übrigens versichern, daß schon auf dem Partei- tage nach den Reden der Frauen und Bebels verschiedene Genossen an sie herangetreten seien und gebeten hätten, ihnen Fingerzeige zu geben, wie am besten eine erfolgreiche Frauenagitation in die Wege zu leiten sei. Genossin Reichert, die dritte Delegierte, legte zur Alkoholftage noch dar, daß ein sehr schlimmer Förderer des Alkoho lismus das Wohnungsekend sei.— Es folgte eine kurze Diskussion, die sich hauptsächlich um allgemeine Fragen der Agitation bewegte. Die Berichterstattung der Vertrauenspersonen eröffnete Genossin Wulf mit dem Bericht für den sechsten Kreis. Es gehe vorwärts, weil» auch langsam. Nachdem im vorigen Jahre statt zwei Ver« trauenspersonen für den sechsten Kreis vier Vertrauenspersoncn gewählt worden seien, habe es sich gedeihlich arbeiten lassen. Die Leseabende ließen sich weiter ausbauen und mehr Frauen heranziehen. Das Wissen der Frauen werde durch die Leseabende erfreulich ge« fördert. Auch lerne man eine Anzahl Frauen neu kennen. die sich zur Parteiarbeit heranziehen ließen, z. B. bei den letzten Wahlen. Im sechsten Kreise habe man fünf Leseabende. Jeder sei durchschnittlich von 30 Frauen besucht, so daß 150 Personen teilnahmen.— Die freiwilligen Parteibeiträge würden im Kreise regelmäßig von 420 Genossinnen gezahlt. Es kamen ein an Bei« trägen aut Marken 476,20 M., auf Listen 369 M., sonstigen Ein- nahmen 160,80 M. Der alte Bestand betrug 51,01 M. Dem gegenüber steht eine Gesamtausgabe von 968,25 M. An die Zentral- vertrauensperson Genossin Baader wurden 325 M. und an den Parteivorstand 50 M. abgeliefert. Es verblieb ein Bestand von 83.76 M., Genossin Z e i p e r t konstatierte vom fünften Wahlkreise, daß man auch hier Fortschritte gemacht hätte. Die Kleinheit und Lage des Kreises bedinge natürlich ein anderes Bild. Der Leseabend habe regelmäßig 10 bis 12 Teilnehmer.„Gleichheit"- Abonnenten seien 50 im Krtise. Freiwillige Beiträge leisteten regelrecht 65 Ge- nossiitneit. Es wurden eingenommen auf Listen 23,80 M., als frei- willige Beiträge 55 M., für Broschüren 15,20 M. Mit dem alten Bestände betrug die Summe 114,45 M., wogegen 102,50 M. aus« gegeben wurden. Es verblieben als Rest 11,89 M. Genossin Wengels bemerkt, daß auch im vierten Wahlkreise mit den dort eingerichteten drei Leseabenden dieselben guten Erfahrungen gemacht worden seien. Nötig mache es sich, in dem Kreise ebenfalls mehrere Vertrauenspersonen zu wählen. Die ,Gleichheit"-Abonncnten sind auf 330 gestiegen. Die freiwilligen Beiträge seien auch in die Höhe gegangen. Man habe erkannt, daß die Agitation mehr von Mund zu Mund betrieben werden müsse. Und zwar solle man sich nicht gerade darauf versteifen. die Frauen der organisierten Genossen besonders aufs Korn zu nehmen, sondern überhaupt unter den Frauen zu werben, denn wir tvollten sie doch alle gewinnen. Die Gesamteinnahme betrug 936,31 M., die Gesamtausgabe 923,04 Mark, so daß ein Bestand von 13,27 M. verblieb. Im Laufe des Jahres erhielt Fräulein Baader etwa 200 M. Den Vertrauenspersonell wurde Decharche erteilt. Es wurden dann als Vertrauenspersonen geivählt die Genossinnen Kaschewsky (1. Kreis), D ö r i n g(2. Kreis), S t e i n k o p f(3. Kreis),, W engels, Zern und D ö l z(4. Kreis), Nürnberg(5. Kröis), Wulf, anzeram, Hoppe und M a t s ch k e(6. Kreis). Nachdem die Genossinnen Bauschke, Baar, Baader und Wehl die Bedeutung des PreußentageS und einiger dazu vor- liegender Anträge hervorgehoben hatten, wurden als Delegierte zum Preußentag die Genossinnen Ida Baar, Anna Petereit und Frau Dr. Weil gewählt. Zur Dienstbotenkonferenz wurde Ge- nossin Baar delegiert.— Die Versammlung nahm die folgenden Anträge zum preußischen Parteitag an: „Der zweite preußische Parteitag möge beschließen: In den Gemeindevertretungen sind durch unsere Genossen unverzüglich Anträge zu stellen zur Errichtung von Krippen und Kinder- gärten durch die Gemeinden. Die Genossen und Ge- nossinnen werden aufgefordert, in eine rege Agitation hierfür ein- zutreten." „Zu den Gemeindevertretungen ist daS allgemeine, gleiche und direkte Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimm- abgäbe auch für die Frauenzu fordern. Ferner fordern wir, daß die Genossen in den Stadtver« waltungen schon jetzt mit allem Nachdruck eintreten für die Heranziehung von Frauen zu öffentlichen A e m t e r n." „Bei den bevorstehenden Kämpfen für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- imd Stimmrecht für den preußischen Landtag ist auch das Frauenwahl- und-ftimmrecht zu fordern und mit allem Nachdruck in der Agitation zu vertreten. Die Genossinnen haben sich mit voller Kraftentfalwng an diesen Aktionen zu beteiligen. Die Genossinnen von Groß-Berlin." Versammlungen— Veranstaltungen. Wilhelmsruh. Donnerstag, den 10. Oktober, keine Versammlung. Letzte JMachricbten und DepeFcbea Das allgemeine Wahlrecht. Bndapest, 9. Oktober.(W. T. B.) Der Minister deS Graf A n d r a s s y erklärte einem Mitarbeiter des Magyar Hirlap", er beabsichtige noch in diesem Jahre eine Gesetzesvorlage über das allgemeine Wahlrecht im Abgeordneten- Hanse einzubringen. Es sei überflüssig, die Regierung an die Wahlreform zu mahnen, da sie sich stets die übernommene Verpflichtung vor Augen gehalten habe. Die für morgen be- absichtigte Kundgebung sozialistischer Arbeiter renne offene Türen ein, da die Einführung des allgemeinen Wahlrechts un- mittelbar bevorstehe. Hoffentlich werde daher der morgige Tag ohne Störung der Ordnung und ohne Aufregung verlaufen. Innern Ungetreuer Beamter. Essen a. Ruhr, 9. Oktober.(Privatdepesche deS„Vorwärts".). Der Gerichtsaktuar Spengler, der vertretungsweise als Ge- richtsvollzieher in Velde tätig war, ist nach Unterschlagung von 6000 Mark flüchtig geworden._ Bergmanns Los. Siege», 9. Oktober.(W. T. B.) Durch vorzeitige Entladung eines Schusses auf der Grube Storch in Schöneberg bei Gosenbach wurde ein Bergmann getötet und drei Bergleute schwer verletzt. Ein Hüter der Ordnung. Frankfurt, 9. Oktober.(B. H.) Der„Franks. Ztg." wird aus Adorf gemeldet: Grobe Ausschreitungen im Dienste hat sich der Schutzmann Schneider zuschulden kommen lassen. In der Trunken- heit ging er gegen den Zirkusdircktor Dietsch mit blanker Waffe vor und verletzte diese» am Kopfe und Halse. Einen anderen Schutzmann, welcher ihn unschädlich machen wollte, bedrohte er mit Erstechen. Schneider wurde sofort festgenommen und seines Amtes enthoben. Ein Protest. Petersburg, 9. Oktober.(W. T. B.) Ter Direktor und die Dekane des polytechnischen Instituts von Kiew haben ihre Abschiedsgesuche eingereicht. Der Grund ist darin zu suchen, daß durch eine Re- gierungsmaßregel die Bestimmung des Jnstitutsstatutes wieder in Krakt gesetzt worden war, derznfolge die Zahl der jüdischen Studenten nicht mehr als 15 Prozent der Zuhörerschaft betragen darf. Diese Bestimmung war in der letzten Zeit nicht beobachtet worden._ 60 000 Rubel geraubt. Jekaterinoslaw, 9. Ottober.(W. T. 58.) Das Bahnpostamt in Werchnednjeprowsk. wo sich ein 58eamter und fünf Wachtmänner aufhielten, wurde von zehn Bewaffneten überfallen. Sie warfen zwei Bomben und eröffneten ein Revolverfeuer, durch das ein Wachtmann getötet und der Beamte verwundet wurde. Durch Sprengung des Geldschranks gelang es ihnen, 69 000 Rubel zu erbeuten. Vor ihrer Flucht machten sie Fernsprecher- und Tele- graphenapparate unbrauchbar. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt«aulSingerchEo., Berlin ZW. Hierzu 3 Beilagen u.vutcrbaltumlsblau Nr. 237. 24. Jahrgang. t. Keilm i>ts.Ammk" Knlim UolkdlR Domnslag, 10. WM 1907. Der tiocftverratsprozeß Liebkoecht. (Telegraphischer Bericht.) Leipzig, den 9. Oktober. Vor dem Reichsgericht begann heute früh 9 Uhr die Haupt- Verhandlung gegen den Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht aus Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat, die er durch seine Schrift:„Militarismus und Äntimilitarismus unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung' begangen haben soll. Das sonst so stille Reichsgerichtsgcbäude bat mit Rücksicht auf diesen aufsehenerregenden Prozeh seinen Charakter völlig verändert. Vor den vier Toren des Gebäudes halten starke Schutzmannsposten Wache. Im Gebäude herrscht auf allen >'längen und Treppen lebhafte Bewegung. Eine ungeheuer große Menschenmenge drängt sich zum Sitzungssaal, aber am Eingang des Saales selbst wird strenge Konirolle geübt. Die Karten sind be- rcits seit mehreren Tagen vergriffen, und nur die Inhaber dieser Karten finden Zutritt. Gleichwohl ist der weite Zuschauerraum des Sitzungssaales im Moment bis auf den letzten Platz gefüllt. Uuch die reservierten Logen, die im Hintergrund des im dunklen Braun gehaltenen Saales aufsteigen, sind von den Inhabern der privilegierten Karten, Reichsgerichtsräten und ihren Familien, rasch bollständig besetzt. Im Sitzungssaale selbst sieht man vor der Barriere, die Publikum und Presse vom Richtertische trennen, den irüheren Reichsanwalt Galli. Im Zuschauerraum bemerkt man den Reichstagsabgeordneten Stadthagcn, den österreichischen Reichs- ratsabgeordncten Freundlich und eine Reihe anderer Parla- inentarier. Schon lange vor Beginn der Sitzung hat Obcrreichs- anwalt Dr. Olshausen, der die Anklage vertritt, an seinem Tische Platz genommen und versenkt sich eifrig in das Studium der Alten. Punkt 9 Uhr erscheinen die drei Verteidiger des An geklagten, Dr. H e z e l- Leipzig, Rechtsanwalt Hugo H aas c .Königsberg und Dr. Kurt Roienberger- Berlin. In ihrer Be gleitung befindet sich der einzige von der Verteidigung geladene Zeuge, Reichstags« bgcordneter Bebel. Der Präsident Dr. T r e p l i n eröffnet die Verhandlung und läßt den Angeklagten Dr. Liebknecht in den Sitzungssaal rufen und auf der Anklagebank Platz nehmen. Er bittet sodann, den Raum zwischen der Schranke und dem Gerichtshof völlig freizulassen und weist auch den Polizeirat Zacher, der dort Platz genommen bat, auf die Tribüne. Der andere nach dem Liedknechtschen Prozeß für heute angesetzte Termin, in dem es sich um die Einziehung vcr- schiedener polnischer Schriften wegen Vorbereitung zum Hochverrat handelt, wird vorläufig abgesetzt, da der Liebkncchtsche Prozeß vor- aussichtlich längere Zeitdauer beanspruchen wird. Die Verhandlung selbst beginnt mit der Verlesung des Eröffnungsbeschlusses, der folgenden Wortlaut hat: Auf Antrag des Oberreichsanwalts wird gegen den RechtS> anwalt Dr. Karl Paul August Friedrich Liebknecht aus Berlin, der hinreichend verdächtig erscheint, in den Jahren l90S und 1907 im Jnlande ein hochverräterisches Unternehmen: die ge- waltsame Abänderung der Verfassung des Deutschen Reichs, nämlich die Beseitigung des st e h e n d e n Heeres durch den Militär streik, gegebenen- falls in Verbindung mit der Aktivierung der Truppen für die Revolution, durch Abfassung sowie durch Veranlassung der Druck legung und Verhreitung der Schrift:„Militarismus und Anty Militarismus' vorbereitet zu haben, indem er darin für die Organisierung einer über das ganze Reich zu verbreitenden be- sonderen antimilitaristischen Propaganda unter Einsetzung eines zu deren Leitung und Kontrollierung berufenen Zentral- ausschuffes und unter Benutzung der sozialdemokratischen Jugendorganisationen eintrat zwecks orgamscher Zersetzung und Zcrmürbung des militaristischen Geistes, als deren notwendige Folge sich dann im Falle eines unpopulären kriegerischen Unter- nehmenS, wie jetzt schon in besonderen Ausnahmefällen: dem Falle eines Krieges zwischen Frankreich und Teutschland oder einer Intervention Deutschlands in Rußland, der Militärstreik und die etwaige Aktivierung der Truppen für die Revolution er- geben werde, also die Mittel und Wege nicht nur nachwies, die bestimmt und geeignet erscheinen, die Verwirklichung des be- zeichneten hochverräterischen Erfclges zu ermöglichen und zu fördern, sondern auch die schleunig« Anwendung dieser Mittel forderte(Verbrechen gegen§ 86 des Strafgesetzbuches in Ver> bindung mit§ 81 Nr. 2,§ 82 des Strafgesetzbuches) gemäß§ 138 des GerichtsverfassungsgesetzeS,§ 26 Absatz 4 der Geschäfts� ordnung des Reichsgerichts das Hauptverfahren vor dem ver einigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts er» öffnet. Die angeordnete Beschlagnahme der bezeichneten Schrift wird aufrecht erhalten. Die Untersuchungshaft wird nicht an» geordnet. Leipzig, den 9. August 1907. DaS Reichsgericht, Feriensenat. Hierauf beginnt das Verhör des Angeklagten. Er gibt seine Personalien folgendermaßen an: Er ist geboren am 13. August 1871 zu Leipzig als Sohn des verstorbenen Wilhelm Liebknecht und dessen Ehefrau Natalie, geborene Reh, verheiratet, Vater von drei Kindern, Dissident, ist Soldat gewesen, Inhaber der Landwehrdienstauszeichnung II. Klasse, unbestraft. Präsident: Es wird das beste sein, wenn Sie,«he Sic eine ausführliche Erklärung über Ihren Standpunkt hier abgeben, sich einmal über die Veranlassung äußern, aus der heraus Sie die Broschüre geschrieben haben, und wenn Sie uns Auskunft geben über die Borgänge auf dem Mannheimer Parteitage, die nach der Anklage die Veranlassung zu der Broschüre gaben. Dr. Liebknecht: Der Mannheimer Parteitag hat mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun. Gemeint ist bielleicht die Konferenz stigendlicfccr Arbeiter, die im Anschluß an den Mann- heimer Parteitag stattfand. Auf dieser Konferenz habe ich aller- dings auf Wunsch ein Referat über„Militarismus und Anti- Militarismus" übernommen. Dieser Vortrag gab mir Veranlassung. die in ihm entwickelten Gedanken auszuführen, den Gedankengang des Vortrages weiter zu entwickeln und in vielen Beziehungen ganz neue Gebiete zu berühren. Präsident: Sie haben sich in dem Schriftsatze ausgelassen über gewisse Schwierigkeiten bei der Abfassung der Schrift, so über Ueberlastung mit Arbeiten während der Rcichstagswahlen, Ueber- Häufung mit Berufsarbeiten.- Sic haben jedoch erklärt, daß Sie :eine Veranlassung hätten, sachlich irgend etwas von der Broschüre zurückzunehmen. Haben Sie nun mit der Betonung der Schwierig- reiten sagen wollen, daß, wenn Sie mehr Zeit gehabt hätten, Sie die Broschüre in der Form anders abgefaßt hätten? Dr. Liebknecht: Ich habe damit lediglich sagen wollen, daß die Broschüre literarisch nicht meinen Wünschen entsprach. Ich habe beim Lesen der Korrektur manche Mängel bemerkt und mein literarisches Gewissen hat mich beunruhigt. Ich wollte mit der Betonung dieser Schwierigkeiten lediglich die Schönheitsfehler ent- schuldigen, zu denen ich mich bekenne. WaS ich in der Broschüre geschrieben habe, habe ich voll zu verantworten, und ich nehme jedes Wort auf mich. Präsident: Die Jugendorganisation spielt in Ihrer Schrift eine erhebliche Rolle. WaS verstehen Sie eigentlich unter Jugendorganisation? Dr. Liebknecht: Im Laufe der Jahre sind von den ber- schiedeusteii Parteien Organisationen gegründet worden, die vor- wiegend auf die Jugend berechnet waren, so von der Zentrums- Partei, der nationalliberalen Partei, der christlichsozialen Partei. lind die Tatsache, daß die Schule nach meiner politischen Ueber- Zeugung ebenso wie.alle anderen.Staatseinrichtungen dazu aus»' genutzt wird, um der Jugend ganz bestimmte politische Ansichten einzuprägen, die den Interessen des Proletariats zuwiderlaufen, und weiter die Tatsache, daß es überhaupt erforderlich ist, das Proletariat möglichst frühzeitig aufzuklären, hat dazu Vcran- lassung gegeben, daß man auch auf feiten der Sozial- demokratie, der Arbeiterschaft, die dringende Notwendigkeit zur Gründung von Jugendorganisationen erkannte. Es ist dies sehr spät bei uns in Deutschland geschehen, viel später als in allen anderen Ländern. 1904 ist der erste Versuch unternommen. Und zwar bewegen sich die Jugendorganisationen in Deutschland auf rein gewerkschaftlicher Basis, auf der Basis des wirtschaftlichen Kampfes. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Lehrlings- schütz, mit deni Schutze der jugendlichen Arbeiter, Verkürzung der Arbeitszeit usw. Nur in Süddcutschland, wo eine größere Be- wegungsfreihcit herrscht, hat man sich auch dementsprechend größeren Spielraum verschafft. Präsident: Die Anklage knüpft an den Vortrag an, den Sie auf der Konferenz der sogenannten„jungen Garde" gehalten haben. Ich bringe deshalb zunächst einen Artikel des„Vor- wärtS" vom 23. September 1906 zur Verlesung, in dem die „junge Garde" begrüßt wird. Es heißt da:„Wenn Teutschlands „junge Garde" nunmehr auch den Antimilitarismus in ihr Arbeits- Programm aufgenommen hat, so tut sie damit nur dasselbe, was d'e proletarische Jugend in allen Ländern längst als ihre Aufgabe betrachtet hat. Auch der Parteitag selbst wird sich mit der Frage des Antimilitarismus zu beschäftigen haben. Es liegen dazu vor Anträge aus Teltow-Beeskow, Potsdam-Osthavelland und Breslau. Die deutsche„junge Garde" weiß, warum sie den Militarismus auf ihre Tagesordnung gesetzt hat. Aber, will sie weiter eine Schule, eine Vorschule für die deutsche Sozialdemokratie sein, und will sie weiter aus die Sympathien der sozialdemokratischen Be- wegung rechnen, so muß ste es als ihre Aufgabe betrachten, sich aus dem Fahrwasser der Anarchistelei in den Sozialismus hinüber- zurcttcn." Verteidiger Hczel: Ich bitte, an den Angeklagten die Frage zu richten, was er darunter versteht:„aus dem Fahrwasser der A n a r ch i st c>l e r sich zum Sozialismus hinüber- retten?" Präsident: Diese Frage wird uns später noch sehr ausführlich beschäftigen. Ich bitte, von dieser Frage Abstand zu nehmen. Wir kommen nunmehr zu dem Vortrage des Angeklagten aus der Jugendtonferenz selbst. ES heißt darin:„Die Erziehung in der Schule, die den kriegerischen Fürstenrubm verherrlicht, die Kirche, die den Krieg verteidigt, die wirtschaftliche Heraushebung der Elite- und Gardciruppcn, alles das ist das Zuckerbrot, mit den: man dem Volke den Militarismus schmackhaft machen will. Die eiserne Disziplin, die Soidalemnißhandlungen, die Militärgesetze und Mililärgcrichtsurteile sind die Peitsche. Mit Hülfe dieses raffinierten Instituts machen sich die herrschenden Klassen das Heer dienstbar. Die Armee ist jedoch nicht nur ein Instrument gegen den äußeren Feind. Je länger, je mehr wird das Heer zu einer Waffe gegen den inneren Feind. Der Militarismus führt Proletarier gegen Proletarier, er macht die Soldaten zu Feinden ihrer eigenen Klasse, wie das Militäraufgebot am 21. JanuP und die Bereithaltung schußbereiter Kanonen in Berlin beweist. Eine Flinte ersetzt 30 bis 40 Mann, 5 Millionen Bewaffnete können deshalb ein Volk von 30 bis 40 Millionen in Schach halten. Was können wir dagegen mit unseren 3 Millionen weißer Zettel tun? Wird auch nur einer dem Kapitalismus die Gefolgschaft verweigern? Wohl sind einzelne Teile des Heeres rot, sogar feuerrot. Aber das darf uns nicht dazu bringen, Dummheiten zu machen. Der Kapi- taliSmus kennt seine Achillesferse und schützt sie. Der Kaiser hat den Antimilitarismus eine nationale Geißel genannt. Wie symptomatisch sind doch seine Worte stets für die Anschauungen der herrschenden Klassen. Hat doch Wilhelm II. in seiner Unter- redung mit Gaston Meunier die Begründung einer internationalen Anti-Antimilitaristenliga angeregt. Wir haben noch viel zu tun, denn wir haben bisher trotz Bebe! so gut wie noch nichts getan. Aber ruhige Ueberlegung müssen wir behalten. Unsere Aufgabe muß sein, die Jugend über den wahren Charakter des Militarismus aufzuklären." Dr. Liebknecht: Der Gedankengang der Rede ist richtig wiedergegeben, wenn ich auch nicht für alle einzelnen Ausdrücke die Richtigkeit der Wiedergabe übernehmen kann. Präsident: Auch auf dem Parteitage selbst sind Sie mit antimilitaristischen Anträgen hervorgetreten? Dr. Liebknecht: Jawohl. Präsident: So haben Sie im Verein mit 22 Genossen einen Antrag eingebracht:„Das allerwärts sich vollziehende Er- wachen der proletarischen Jugend zu selbständiger organisatorischer Betätigung wird begrüßt. Die Parteigenossen werden aufge- fordert, überall, wo die Vereinsgcsetze es gestatten, die Gründung und Weiterentwickelung von Jugendorganisationen zu fördern." Dr. Liebknecht: Diesen Antrag habe ich selbst begründet. Präsident: Außerdem lagen dem Parteitage noch Anträge von Breslau und Potsdam-Osthavelland vor. Sic lauten: Antrag Breslau:„Der Parteitag wolle beschließen: Es ist eine rege Agi- tation gegen den Militarismus in den breitesten Volksschichten zu entfalten. Zu diesem Zweck hat der Parteivorstand alljährlich wie in diesem Jahre zu Zeiten der Rekrutenaushebung Flugblätter herauszugeben. Ebenso haben auch die örtlichen Parteiorganisa- tionen durch Volksversammlungen mit entsprechenden Thematas diese Agitation zu betreiben, wobei auch die Arbeiterpresse nnt durchgreifenden Artikeln große Dienste erweisen wird." Der An- trag Potsdam-Osthavelland lautet:„Eine besondere antimilita- ristische Propaganda ist systematisch zu entfalten. Zu diesem Zwecke ist ein ständiger Ausschuß zu bilden." Dr. Liebknecht: Mit dem Antrag Breslau habe ich gar nichts zu tun, er war mir vorher ebenso unbekannt wie jedem anderen ParteitagSdclegierten. Ich habe ihn nur. weil mir der Gedankengang des Antrages sympathisch war in der Begründung des Antrages Potsdam-Osthavelland. den ich selbst verfaßt habe, mit erwähnt. In dieser Rede habe ich ausgeführt, daß zur Durch- führuim der Resolution des Pariser Kongresses, der das Proletariat aller Länder zum Kampfe gegen den Militarismus auffordert, noch wenig geschehen sei. Präsident: Sie haben dann an den 21. Januar, an den Nürnberger und Magdeburger Streik erinnert. Dr. Liebknecht: Nur in Nürnberg handelte eS sich um einen Streik, bei dem Militär zu Streikbrechcrarbeiten kommandiert wurde. In Magdeburg und Berlin handelte es sich darum, daß Militär gegen unsere Wahlrechtsdemonstration in Bereitschaft ge- stellt wurde.— In der Licbknechischen Rede wird dann weiter aus- geführt, daß der Militarismus eine sehr gefährliche und kom- plizicrte Erscheinung und daher auch seine Bekämpfung sehr kom- pliziert und gefährlich sei. Die� herrschenden Klassen seien im Punkte Militarismus mit Recht äußerst empfindlich. Nach einem Hinweise auf das Vorbild Belgiens und Frankreichs wird dann die Einsetzung eines besonderen Agitationsausschusses als General- stab für den Kampf gegen den Militarismus gefordert, der sich natürlich streng innerhalb der gesetzlichen Grenzen halten müßte. Präsident: Darf ich vielleicht gleich an dieser Stelle be- merken, daß die Anträge, die Sie in dieser Richtung gestellt haben, niemals den Beifall der Majorität Ihrer Partei gefunden haben? Dr. Liebknecht: Im Gegenteil, sie haben eine strikte, oft sogar recht brüske Abweisung erfahren. Präsident: Solveit ich aus den Zeitungen weiß, sind Ihre Antrage namentlich von den Parteiführern, den Herren Bebel und Vollmar, bekämpft worden. Dr. Liebknecht: Jawohl. Präsident: Und weiter darf ich wohl als notorisch bor- aussetzen, daß Sie auch in Stuttgart und Essen ähnliche Anträge gestellt haben, denen es ebenso ging wie auf den früheren Partei- tagen. Dr. Liebknecht: Zum ersten Male hatte ich 1904 auf dem Bremer Parteitage einen antimilitaristischen Antrag nicht gestellt, sondern begründet; er ging von meinem Wahlkreise Potsdam- Osthavelland aus. Dann vertrat ich auf dem Parteitage in Jena wiederum ähnliche Anträge. In Stuttgart habe ich an der Be- ratung über die Militärfrage nicht teilnehmen können, weil ich der Kommission nicht angehörte, die die Resolution hierüber ver- faßte. Ich habe mich nur in einer schriftlichen Erklärung gegen die Ausführungen des Abg. v. Vollmar gewandt. Hingegen habe ich in Essen einen Antrag, der sich genau mit dem von Mannheim deckt, wiederum vertreten, ihn aber nach der Begründung zurück- gezogen. Oberreichsanwalt Olshausen: Ich möchte doch bitten, den weiteren Verlauf der Debatte in Mannheim, insbesondere die Erklärung des Angeklagten auf einen Zuruf des Abg. Bebel vorzutragen, daß die in Frankreich in den letzten zwei Jahren betriebene antimilitaristische Agitation ganz vortrefflich sei. Präsident: Allerdings schließt diese Acußerung an die soeben besprochene zeitlich an. Gestatten Sie mir aber, sie an einer anderen Stelle der Anklage zu erörtern, wohin sie logisch gehört. Dr. Liebknecht: Auch ich werde mich später darüber aus- lassen. Präsident: Wir kämen nun dazu, Ihre Broschüre zu verlesen. Ich möchte aber vorschlagen, sie nicht ganz zu ver» lesen, weil einzelne Stellen von keiner Bedeutung für die Unter- suchung sind. Wichtig ist nur der letzte Abschnitt von Seite 104 ab, den ich wörtlich verlesen lassen werde. Ueber den übrigen Inhalt der Broschüre werde ich selbst ein objektives Referat geben. Ich stelle den Prozeßbcteiligten anhcim, zur Ergänzung dieses Referates nachträglich die wörtliche Verlesung einzelner Teile der Broschüre zu beantragen. Dr. Liebknecht: Ich muß darauf bestehen, daß die ganze Broschüre im Wortlaut verlesen wird. Das ist die conditio sine qua non einer angemessenen Vcrteidi- gung. Der ganze Komplex meiner Anschauungen im Zu» sammenhang muß dem Gerichtshof bekannt werden. Ich habe nicht einzelne Kapitel abgefaßt und verbreitet, sondern eine ganze geschlossene Schrift. Die Broschüre ist in ihrer Gcsamtwirkung als geschlossenes Ganze abgefaßt und verbreitet. Ich lege gerade auf d i c Stellen Gewicht, auf die die Anklage naturgemäß gar kein Gewicht legt. Sie beweisen das G e g e n t c i l der Anklage wegen Hochverrats. Präsident: Das ist ja prozeßordnungsmäßig völlig korrekt. Die ganze Broschüre ist als Beweismittel herbeigeschafft und müßte auf Ihren Antrag verlesen werden. Aber für die 126 Seiten um- fassende Broschüre läßt sich schwerlich eine kontinuierliche Auf- mcrksamkeit herbeiführen. Deshalb habe ich den Vcrmittelungs- Vorschlag gemacht, nur die wesentlichsten Stellen wörtlich vor» zulesen. Verteidiger Dr. H e z e l: Ich kann den Standpunkt meine? Klienten nur vollkommen teilen. Die Verteidigung würde ihre Pflicht verletzen, wenn sie auf die Verlesung irgend einer wesent- lichcn Stelle verzichtete. Eine Abkürzung läßt sich vielleicht dadurch herbeiführen, daß wir im Laufe der wörtlichen Verlesung auf einzelne Seiten verzichten, z. B. auf die historische Darstellung des Angeklagten über die Verwendung des Militärs in außer- deutschen Ländern bei inneren politischen Konflikten. Zum Schutze des Angeklagten müssen wir eine Totalvcrlesung verlangen. Insbesondere deshalb, weil sonst das innere Kräfteverhältnis, das dynamische Verhältnis zwischen denjenigen Stellen, auf die die Anklage besonderes Gewicht legt, zu den Stellen, auf die die Verteidigung besonders Wert legt, nicht hergestellt werden kann. Präsident: Ich bin der Ansicht, wir sollten vorläufig vcr- suchen, in der von mir vorgeschlagenen Weise vorzugehen. Ist einer der Prozeßbeteiligten der Ansicht, daß mein Referat seinen Ansprüchen nicht genügt, so kann er immer noch die Verlesung fordern. Dr. Liebknecht: Für mich handelt es sich doch um eine sehr ernste Angelegenheit, eventuell um mehrere Jahre Festung oder Zuchthaus. Eine außergewöhnlich große Anzahl der höchsten Richter des Reiches ist zur Entscheidung aufgerufen. Ich gebe ja nun zu. daß zwei Stunden Verlesung eine unangenehme Bclästi- gung für sie sein mögen, aber mein natürlicher Selbst- erhaltungstrieb verbietet es mir, die sonst von mir gern geübte Rücksicht auf die Zeit der Herren auch heute zu üben. Es handelt sich hier um einen Tendenzprozeß, und nurder gesamte Wortlaut meiner Schrift gibt ihre Tendenz korrekt wieder. Schon durch die Verkürzung des Inhaltes, die im Referat unvermeidlich ist, wird die Tendenz zugunsten einzelner Teile verschoben, die die Anklage hervorhebt. Präsident: Ich muß gegen den Ausdruck Belästigung Einspruch erheben. Der Gerichtshof wünscht seine Aufgabe nicht erleichtert zu haben, sondern der Gerichtshof hat seine Pflicht auch unter der größten Last zu tun. Oberreichsanwalt: Gegenüber der bestimmt ab- gegebenen Erklärung des Angeklagten und des Verteidigers bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als die ganze Schrift zu verlesen. Praktisch wird es natürlich so kommen, wie Dr. Hezel gesagt hat. Der Gerichtshof zieht sich zur Beschlußfassung zurück und vcr- kündet nach ganz kurzer Beratung, daß gemäß§ 44 der St.-P.-O. die ganze Schrift verlesen wird. Diese Verlesung nimmt den Rest der Vormittagssitzung in Anspruch.— Verteidiger Dr. Hezel macht im Einverständnis mit dem Präsidenten das Publikum darauf aufmerksam, daß die Verlesung wahrscheinlich drei Stunden in Anspruch nehmen werde und daß es vielleicht ctlvas Besseres tun konnte, als hier zuhören.(Große Heiterkeit.)— Das Publikum bleibt jedoch vollzählig auf seinen Plätzen und hört aufmerksam der Verlesung der Broschüre zu. Die Verlesung des L ie b kn e ch t s ch e n BucheS: „Militarismus und Antimilitarismus" nahm nicht weniger als fünf volle Stunden in Anspruch, obwohl die Verteidigung auf zahlreiche Passagen und Anmerkungen verzichtete. Das Buch, das vom 11. Februar d. I. datiert ist, ist die Ausarbeitung eines auf dem ersten Verbandstage der jugendlichen Arbeiter Deutschlands zu Mannheim am 30. Dezember 1906 von Liebknecht gehaltenen Referates. Es beginnt im Vorwort mit der Berufung auf die jüngsten Enthüllungen der..Grcnzboten" über die Gründe zu Bismarcks Abschied. Danach habe Bismarck in jenen Tagen erklärt, die sozialdemokratische Frage, soweit sie eine politische sei, sei eine militärische. Man sei jetzt der Sozialdemokratie gegenüber außer- ordentlich leichtsinnig. Sie strebe mit Erfolg danach, die Unteroffiziere für sich zu gewinnen. In Hamburg seien schon große Teile der Truppen sozialdemokratisch. Wie. wenn nun einmal diese Hamburger Truppen sich weigerten, auf Vater und Mutter zu schießen, sollten dann hannoversche und mecklenburgische Regimenter in Hamburg einmarschieren? Dann hätten wir etwas Achnliches wie die Kommune. Der Kaiser sei aber damals eingeschüchtert ge- wescn und habe erwidert, er wolle nicht Kartätscheuprinz sein und nicht bis au die Knöchel im Blute waten, worauf Bismarck repli- ziert habe:„Aber, Majestät, dann werden Sie später noch viel tiefer hineinmüssen!" Der einzige Trost der Bourgeoisie seien dem- nach die Bajonette und Kanonen der Soldaten. Das Vorwort erinnert dann weiter an die Alexandrinerrede, und zieht aus alledem die Schlußfolgerung, daß in der Tat die sozialdemokratische Frage von allen Reaktionären als eine militärische angesehen werde. Dieser innere Militarismus, die steigende Gefahr der Verwendung des Heeres gegen den inneren Feind sei noch gefährlicher als die äußere Kriegsgefahr, weil sie die Seele des Volkes vergifte. Die FaschiiigSwahlen von 1907 mit ihrer fanatischen Aufstachelung des nationalistischen Empfindens, die Wahlen, die geführt worden seien unter dem Zeichen des bonapartistischen SäbelS deS Fürsten Bülow, seien ein Zeichen deS bis zur Siedehitze gesteigerten Klassenkampfes. Dadurch habe das Problem der Bekämpfung des Militarismus aktuellste Bedeutung gewonnen. Die Schrift soll nicht eine theoretisch- historische Darstellung der Probleme des Militarismus sein, sondern die aktuellen politischen Zwecke der antimilitaristischen Agitation fördern. Die Broschüre selbst zerfällt in zwei große Teile. Der erste Teil schildert den Militarismus in seinen Ursachen und Wirlungen, der zlveite Teile die antimilitaristische Agitation der Sozialdemokratie und der proletarischen Kreils überhaupt. Das erste Kapitel geht aus von dem Zusammenhang des Militarismus mit der Waffentechnik seiner Zeit. Erst wenn die Waffenerzeugung wieder allgemein sein werde, werde der Militarismus als besondere Erscheinung überwunden werden können. Im zweiten Kapitel wird der besondere Militarismus der kapitalistischen Zeit als Erscheinung des Klassenstaates geschildert und der Kampf gegen ihn durch die revo- lutionäre Tal- und Wortgemeinschaft des klassenbewußten Proletariats als logische Notwendigkeit nachgewiesen. Daneben werden die be- sonderen Fonnen des Flotten- und KolonialmilitgrismuS besprochen. Weiter wendet sich die Broschüre den Gefahren des äußere» Mili- tarismus zu. Das Proletariat wisse, daß jeder Krieg einen Strom von Roheit und Gemeinheit bedeute, daß das Vaterland, für das es sich schlagen solle, nicht sein Vaterland sei, und daß das gesamte Proletariat aller Länder ein großes gemeinsames Kultur- interesse habe. In der Heeresverfassung stellt die allgemeine Wehrpflicht gewissermaßen die Quadratur des Zirkels dar, die Lösung des Problems, das Volk gegen das Volk zu bewaffnen. Das Proletariat müsse die Kette, mit der es gefesselt werde, nicht nur selbst schmieden, sondern auch selbst bezahlen. Die Kosten des Militarismus, wenigstens soweit sie von der Bourgeoisie getragen werden müßten, seien die einzige Grenze des Militarismus über- Haupt. Immerhin habe Europa schon jetzt ein Militärbudget von 7'/? Milliarden pro Jahr. Die Broschüre wendet sich dann der Bc- Handlung der Soldaten in der Kaserne zu. Das geistige Niveau der Soldaten solle durch die Kaserncnerziehung möglichst herabgedrückt werden, und Herr v. Einem habe im Reichstag selbst sich intelligente Soldaten verbeten. Skandalös unpädagogische Offiziere und Unteroffiziere bauten den Soldaten ein Weltbild zurecht, das mit der Wirklichkeit nichl die geringste Aehnlichkeit habe und das intelligentere Soldaten aus der Großstadt meist nur verlachen könnten. Der Krieg gegen den äußeren Feind erfordere Männer, aber für den Krieg gegen den inneren Feind, den die herrschenden Klassen für wichtiger halten, erziehen sie Maschin-n. Alle Angehörigen des Heeres, selbst Ossi- ziere, werden unterjocht, wie das Verbot der Militärschriftstellcrei bei dem Oberst Gädke deutlich gezeigt hat. Eine klassische Satire auf den Militarismus sei die Affäre des„Hauptmanns von Köpe- nick", aus der die Sozialdemokratie ein treffliches Agitationsmittel gegen den Militarismus gewinnen könne, etwa wie gegen die ka- tholische Kirche durch die Komödie des heiligen Rocks von Trier. Die Broschüre schildert dann eingehend die Verwendung des Mili. tärS gegen streikende Arbeiter in Belgien, Frankreich, den Vcr- einigten Staaten, Kanada, Schweiz, Norwegen und Deutschland. Hier wird nur das Kapitel über Deutschland vorgelesen, in dem der Verfasser ausführt, daß die sparsame Verwendung des deutscheu Militärs in Lohnkämpfen keineswegs auf eine besondere mili? tärische Mäßigung zurückzuführen sei. Deutschland habe vielmehr eine ausgezeichnet organisierte Polizei und Gendarmerie, die alle Wünsche der Bourgeoisie befriedige. Biewalds abgehauene Hand befinde sich in der guten Gesellschaft— von zahlreichen gespaltenen Schädeln und abgehackten O.hren. Im übrigen habe bei der Ar- beitslosendemonstration vor dem Schlosse in den ÖOcr Jahren auch das Militär eingegriffen und beim Bergarbeiterausstand von 1889 soll, nach bürgerlichen Blättern, der Kaiser selbst erklärt haben, daß er bei der geringsten Ungesetzlichkeit und dem geringste» Widerstand gegen die Behörden schießen lassen werde. ES wird dann weiter auf die Rolle hingewiesen, die das Militär in Ruß- land bei der Bekämpfung der Revolution spielt. Bismarck habe stets den Plan gehabt, das Proletariat auf die Straße zu Hetzen und eine Bismärckisch-junkcrliche Zwingburg von Blut und Eisen auf zerfetzten Proletarierleibern zu errichten. Auch heute wünsche der Junker noch immer eine Politik des hauenden Säbels und der schießenden Flinte. Der Militarismus sei eine steigende Gefäho dung des Friedens, insbesondere durch die Berufsoffiziere. Für die herrschende Klasse müsse der Satz gelten:„Li vis pacem, para bellum", oder:„Wenn du den Krieg willst, so halte Friedensreden oder berufe Friedenskonferenzen". Der Kampf gegen diese Art des kapitalistischen Militarismus sei der einzig klare Kulturkampf. Der Militarismus wird weiter gewürdigt als wirtschaftliches Machtmittel zwischen Konsument und Produzent, wobei auf die Ausschließung der Sozialdemokraten von d«n Militärwerkstätten und auf die militärischen Boykotts sozialdemokratischer Versamm- lungSlokale hingewiesen wird. Den Abschnitt beschließt eine Be- sprechung der militärischen Korruption, insbesondere der kolonialen Korruption, wie sie aus den Skandalfällen der letzten Jahre be- kannt sind. Der ztveite Teil der Gesamtbroschüre beschäftigt sich mit der antimilitaristischen Propaganda.— Verteidiger H e z e l macht darauf aufmerksam, daß die Verteidigung auf einer u n v e r- kürzten Verlesung dieses ganzen Abschnittes bestehen müßte, um den substantiellen Unterschied zwischen einer antimili- taristischen Propaganda außerhalb Deutschlands und der Vor- stellung von einer möglichen antimilitaristischen Propaganda inner- halb Deutschlands in ihrem scharfen Gegensatz her- auszuheben. Die Broschüre selbst bespricht zunächst die Be�chlüße der internationalen sozialistischen Kongresse und dann ihre Aus- führungen im Auslände, besonders in den romanischen Ländern, die Kasernenagitation, die Rekrutendemonstrationen in Belgien, die teilweise grausame Verfolgungen hervorgerufen haben, weiter die Propaganda HerveS, bei der Herbe und 26 seiner Genossen im Dezember 1SOS wegen eines Maueranschlages, der die Soldaten aufforderte, lieber auf die kommandierenden Offiziere zu schießen als auf die Genossen, zu 36 Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Diese Strafe sei jedoch nur zu einem geringen Teile vollstreckt worden. Das entscheidende Kapitel der Broschüre ist das über die antimilitarlstische Taktik, von dem der Präsident hervorhebt, daß es die meisten inkriminierten Sätze enthält. ES beginnt mit den Worten:„Das letzte Ziel deS Anti- Militarismus ist die Beseitigung des Heeres in jeoer Form. Damit entfallen alle Nebenerscheinuügen des Militarismus von selbst. Der Mantel fällt, der Herzog muß nach." Es wird dann weiter ausgeführt, daß dieses Ziel deS Antimilitarismus innerhalb deS kapitalistischen Staates nur erreichbar sei durch Schaffung eines Weltbundesstaates oder durch internationale Wchrlosmachung der Staaten, was vorläufig noch romantische Zukunftsmusik sei. Hervö erstrebt die internationale Wehrlosmachung durch den Militärstreik um jeden Preis und in jedem Kriegsfalle. Aber unter Umständen besitze auch das Proletariat Interesse an der Wehrhaftigkcit deS Volkes, insbesondere gegenüber den Anariffen einer niederen Kultur. Die Kriege in den Gegenwartsstaaten feien allerdings meist nur Bonapartismen oder Zänkereien um die Beute. Gleichwohl aber gelte für daS Proletariat der Mahnruf: Unterscheide! Herve, der als.Anreger große Verdienste habe, wolle den anar- chistelnden Militärstreik mit der Insurrektion verbinden, um dem Proletariat auf diesem Wege die politische Macht zu erobern. Aber Insurrektionen könnten so lvenig gemacht werden wie Revolutionen. Eine antikriegerische Aktion deS Proletariats setze eine enorme Kraft in ihm voraus, sonst ver- puffe sie in der Lächerlichkeit wie eine Bombe, die man werfen will und die schon in der Tasche zerplatzt. Die Lösungßversuche Herdes und NieuwenhuiS seien phantastisch und Phrasenhast, die Stuttgarter Resolution den internationalen Konflikten gegenüber vielleicht noch etwas hülfloL, aber die einzig praktische. Der Anarchismus wolle über die in der ökonomischen und sozialen Lage wurzelnden Schwierigkeiten auf ungczäumtein Pferde hinwegspriiigen, oder, was dasselbe sei, das Pferd am Schwänze aufzäumen. Der sozial. demokratische Antimilitarismus hingegen sei ein Teil der Klassen- kampfpropaganda. Der Anarchismus lege den größten Wert auf die heroischen Beispiele des Aufopferns einzelner, die Sozial- dcmokratie schätze diese auch als Signale und Symptome für die Massenbewegung, im allgemeinen aber sei ihr Kampfmittel die all- mähliche organische Zersetzung und Zermürbung des militaristischen Geistes. Der Militarismus trage die Keime der Selbstvernichtung in sich selbst, so z. B. bei der Verwendung des Heeres gegen den inneren Feind. Gleichwohl sei eine besondere antimilitariftische Propaganda notwendig, denn der Militarismus sei der Vampyr jedes kulturellen Fortschritts, sei ein Gewitter, in dessen drückender Vorschwüle die sozialdemokratische Propaganda erschlaffe und der Parlamentarismus immer mehr von Lähmungen befallen werde. Schwächung des Militarismus heiß! Förderung der Möglichkeit einer friedlichen organischen EntWickelung oder doch wenigstens Ein- schränkung der Möglichkeiten gewaltsamer Zusammenstöße. Zur Förderung des Antimilitarismus empfiehlt Liebknecht dann die Jugendorganisation. Gegen 7 Uhr war die Verlesung der Broschüre beendet. Präsident: Sie sind beschuldigt eines Verbrechens in: Sinne de? Z 86 St.-G.-B., also einer Handlung, die ein hoch- verräterisches Unternehmen vorbereitet. Es handelt sich danach n i ch t um einen Versuch oder eine Aufforderung zum Hoch- verrat, sondern im weiteren Sinne um eine vorbereitende Handlung zum Hochverrat. Ihr Ziel und Zweck liegt nach der An- klage nicht in nebelhafter Ferne, sondern in greifbarer Forni. Es handelt sich dabei nach der Anklage nicht um rein theore- tische Ausführungen, sondern es handelt sich um eine aktuelle politische Propaganda oder Arbeit. Den Hochverrat sollen Sie vorbereitet haben, vorbereitet im Sinne des§ 81 Absatz 2, der eine Aenderung der Verfassung des Deutschen Reiches involviert. Darunter braucht nicht eine Aenderung der Verfassung im allgemeinen verstanden zu werden, sondern es genügt eine Aenderung solcher Bestandteile der Verfassung, die deren wesentliche Grundlage bilden. In diesem Falle wird Ihnen der Vorwurf gemacht, die Bestimmungen über unsere Wehrkraft umändern zu wollen und zwar die Bestimmungen, welche dem Kaiser das ausschließliche Recht der Kriegserklärung und den unbedingten Oberbefehl über die Armee geben, und schließlich das preußische Gesetz über den Belagerung»- zustand bei inneren Unruhen. Dabei haben Sie zu erläutern Ihre Stellung zu den Hcrveschen Aspirationen einerseits und den Standpunkt Ihrer Partei andererseits. Dr. Liebknecht: Ich bin im ungewissen, nach welcher Richtung ich meine Verteidigung einrichten soll. ES ist mir der Vorwurf gemacht worden, daß ich ein Unternehmen gewaltsamen Charakters bestätigt habe, und zwar dadurch, daß ich die Absicht hegte, zu einem Angriff Frankreichs auf Deutschland zu hetzen. Diese Ausführungen finden sich in der Begründung des B e- schlagnahmeantrages und diese Auffassung ist offensichtlich die Grundlage für die B e s ch l a g n a h m u n g. Weiter heißt es in der Begründung des Beschlagnahmcantrages, daß ich für die allernächste Zeit bereits die Absicht hegte, eine Umwälzung unserer Hecresorganisation herbeizuführen, und daß ich„nach weiteren Vorbereitungen und weiterer Schulung des dafür im ganzen jetzt schon reifen Proletariats, insbesondere auch nach weiterer Ausbildung in den Waffen und nament- lich in der Herstellung solcher, gegebenenfalls— im Falle eines unpopulären Krieges— wenn nicht anders möglich unter Anwendung von Waffengewalt gegen die noch trcugebliebcncn, noch nicht roten Teile des Heeres, diefe niederzukämpfen und die verhaßte bestehende Militärverfassung zu zertrümmern die Absicht habe".— Das ist ausdrücklich bemerkt und ich möchte mir gestatten, auf folgendes hinzuweisen: Die Anklageschrift gibt im Eingang ein Referat über den Inhalt meiner Schrift. Sie ver- fällt dabei, indem sie stellenweise Teile meiner Schrift wörtlich anführt, in die indirekte Rede. Bei dieser Wiedergabe muß ich bemerken, daß in der Anklageschrift diejenigen Punkte, die her- ausgenommen sind, um überhaupt die Anklage zu begründen, in diese indirekte Redeform und zwar so hineingefügt worden sind in die wirklich in meiner Schrift enthaltenen, wörtlich zitierten Worte, als ob sie auch in meiner Schrift ent- halten wären. DaS ist ein so ungewöhnliches Gebaren, daß ich mir versagen mutz, es an dieser Stelle zu charakterisieren. Des weiteren hat der Eröffnungsbeschluß einen Angriff gegen mich unternommen, gegen den ich mich verteidigen muß. Der Er- öffnungsbeschluß sagt, daß ich in meiner Schrift den Hochverrat vorbereitet habe— indem ich darin für die Organisierung einer über das ganze Reich zu verbreitenden besonderen antimilita- ristischen Propaganda unter Einsetzung eines zu deren Leitung und Kontrollierung berufenen Zentralausschusses und unter Benutzung der sozialdemokratischen Jugendorganisationen eintrat, zwecks organischer Zersetzung und Zermürbung des militaristischen Geistes, als deren notwendige Folge sich dann im Falle eincS un- populären kriegerischen Unternehmens, wie jetzt schon in besonderen Ausnahmefällen: dem Falle eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland oder einer Intervention Deutschlands in Rußland, der Militärstreik und die etwaige Aktivierung der Truppen für die Revolution ergeben werde... Zur Steuer der Korrektheit muß ich auf folgendes hinweisen: es wird hierbei erwähnt die Mög- l i ch e i t einer Intervention Deutschlands in Ruß- land. Dem gegenüber gestatte ich mir zu betonen, daß ich eine Intervention Deutschlands in Rußland in meiner Schrift dermaßen als etwas außerhalb des Bereiches jeder praktischen Möglichkeit Liegendes bezeichnet habe, daß hier sogar die Anklagebehörde es nicht für erforderlich gehalten hat, diesen Gesichtspunkt in die An- klage aufzunehmen. Wenn dann weiter der Eröffnungsbeschluh von dem Falle eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland spricht— und auch die Oberreichsanwaltschaft hat diese Frage ja ständig in den Vordergrund gedrängt— so muh ich dazu folgendes sagen: Der Eröffnungsbeschluß sagt wörtlich: Schon jetzt, im Falle eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich", während ich in meiner Schrift sage:„Möglich, daß in absehbarer Zeit auch ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland eine Situation schaffen dürfte." Der Eröffnungsbeschluß macht also aus den Worten„möglich, daß inabsehbarerZeit.. dürfte" und aus den weiteren Ertvägungen. die ich daran knüpfe, ein„schon setz t". Auch das bedeutet eine Wiedergabe meiner Auffassung, die, wie mir scheint, an Inkorrektheit nichts zu wünschen übriy läßt. Es scheint mir das ein diame- traler Gegensatz zu meinen Ausführungen zu sein. Daraus er- gibt sich für mich das Merkwürdige, daß ich außerstande bin, wenn ich mich überhaupt sachlich auslassen will, mich auf irgendeines der bisherigen offiziellen Dokumente zu bezieben, weil sie einen Tat- bestand u n rc r st e l l e n, der so ersichtlich mit dem Wortlaut meiner Schrift in Widerspruch steht, daß ich ebenso gut hier gegen eine Anklage gegen Herve polmnisieren könnte. Durch die Erklärung des Herrn Präsidenten ist jetzt noch eine vierte Möglichkeit der Anklage geschaffen. Bisher warf man mir vor. daß ich entgegen der Verfassung das stehende Heer absckmffen wolle. Jetzt nimmt man als Objekt meines hochverräterischen Unter- nehmens nicht das Heer an sich, sondern die Kommandogewalt deS Kaisers an! Außerdem scheint man sich jetzt nicht mehr mit dem äußeren Militarismus begnügen zu wollen, sondern auch die inner« politische Wirksamkeit des Militarismus in die Anklage hineinzu- ziehen. Präsident lunterbrechend): Ich kann nicht sagen, daß das eine neue Anklage ist. ES ist nicht nur daS Recht, sondern auch die Pflicht des Gerichtshofes, die Grundlagen der Anklage zu prüfen. Die Grundlage der Untersuchung ist Ihr ganzes Buch. Daraus kann man viel herauslesen, der eine das, der andere das, und ich habe die Pflicht, diese Grundlage nach allen Richtungen hin zu erforschen. Ich darf also nicht zulassen, daß Sie Ihr Erstaunen über eine angeblich neue Anklage aussprechen. Oberrcichsanwalt: Ich möchte nur zur Oricuticrung für die Verteidigung bemerken, daß ichvon meinen schrift- lichen Darlegungen nicht das geringste zurücknehme, auch nicht daS aus dem Antrage auf Beschlagnahme. Dr. Li-ebknecht: Ich habe keine strafprozessuale Rüge vor- bringen wöÄen, sondern nur hervorgehoben, daß der Gesichtspunkt, von dem aus die Anklage mein Buch anfaßt, sich viermal geändert hat Ein Zwischenruf des Oberreichsanwalts bei der Verlesung hat übrigens noch eine fünfte Form der Anklage geschaffen. Ich habe geschrieben, daß es für die Aktion des Proletariats keine un- günstigere Gelegenheit gebe, als den Kriegsfall; der Obcrreichs- anwalt meinte, das sei ein Druckfehler: es müße heißen: keine günstigere Gelegenheit. Das wäre für ihn aller- d i n g s sehr bequem. Ich glaube, ich muß mich gegen alle fünf Möglichkeiten wehren. Ter Beschlagnahmeantrag behauptet, iä, habe Frankreich auf Deutschland Hetzen wollen. Diese Auffassung ist durch die Verlesung meiner Schrift vollkommen ver- nichtet, man kann sie kaum noch ernsthast aussprechen. Wir quälen uns auf nationalen und internationalen Kongressen im Schweiße unseres Angesichts, zur Verhinderung der Krieg- das wirksamste Mittel zu finden, und der Oberreichsanwalt glaubt, wir hätten nichts besseres zu tun. als Kriege zu p r o v oz i e r e n. Beim Marokkokonfliit verschrieben wir uns Jaures nach Berlin und Bebel soll nach Paris gehen, um für den F r i e d e n zu wirken. Aber der Oberreichsanwalt entdeckt, daß wir einen Ueberfall Frankreichs auf Deutschland wünschen! Noch bc- denklicher ist das zweite Manöver der Anklage. �Nach wörtlichen und lotMlen Zitaten aus meiner Schrift sind Sätze, wie z. B. „diese erhoffte Wirkung wird möglich st bald eintreten", oder„was beides bald erreicht sein wnr d". in das Zitat hineingeschoben, weil sie der Anklage sehr zustatten kommen. In Wahrheit schrieb ich keine Silbe davon. Ich äußerte mich sehr pessimistisch über den gegenwärtigen Stand der gegen- wärtigen Agitation im Heere und führte in der Polemik selbst gegen preußiscoc Generäle aus, daß uns da noch alles zu tun übrig bleibt. Weiter behauptet die Anklage, ich habe die Absicht ausgesprochen, den treubleibenden Teil des Heeres mit Hülfe des abtrünnigen und mit Hülfe des übrigen Proletariats zu überwinden. Auch das ist vollkommen frei erfunden. Besonders anregend, will ich einmal sagen, ist der Schluß der Anklage, wonach ich Waffen austeilen und die Prolc- tarier in der Herstellung von Waffen unterrichten will. Ich habe nicht nötig, mich gegen eine derartige Auffassung zu wehren. Oberreichsanwalt(unterbrechend): Der Angeklagte ver- teidigt sich hier, ehe noch die Beweisaufnahme beendet ist und ich Gelegenheit hatte, die Anklage in der Hauptverhandlung zu br- gründen.— Bert. H e z e l: Auch wir befürchten, daß der An- geklagte durch dieses Vorgehen in seiner Verteidigung ungewöhnlich behindert wird. Uns erscheint es zur Förderung der Verhandlung angebracht, jetzt zur Fragestellung überzugehen.— Präs.: Das war ganz meine Absicht. Nachdem der Angeklagte, wie es fem Recht ist. die Anklageschrift in ausreichendem Matze kritisiert hat, will ich jetzt in eine Unterredung mit ihm über die Punkte eintreten. die nach meiner Auffassung wesentlich sind.» Sie unterscheiden also. Herr Liebknecht, zwischen äußerem und innerem Militarismus. Unter äußerem Militarismus verstehen Sie die Verwendung des Heeres im Kriege, unter innerem im Falle eine? Aufstandes. Dr. Liebknecht: Nicht nur die Verwendung im Falle eures Aufstandes. Es wäre auch denkbar,'daß das Militär verwendet würde, um eine legale Volksbewegung nieder- zuwerfen, was jeder Freund der Demokratie in Deutschland befürchtet und eine große Zahl sehr einflußreicher Personen als Rezept empfehlen.. Präs.: Wenn ich von Aufstand spreche, so meme rch auch nur irgend eine Volksbewegung, nicht eine Revolution im engeren Sinne. Daß eine Volksbewegung legal sei. ist nur Ihre Auffassung, die hier nicht in Betracht kommt. Dr. L i e b k n e ch t: DaS ist doch aber gerade der Zentralpunkt der Frage. Ich glaube, daß eine große Zahl politisch führender Personen der Reaktion direkt zu Gewalttätigkeiten gegen das Voll aufreizen. Die Gefahr eines Staatsstreichs hat in Deutsch- land stets bestanden. Schon in der Einleitung meiner Schrift bezog ich mich auf einen Ausdruck des Fürsten Bismarck, den sein Nachfolger Fürst Hohenlohe und andere bezeug en. Präs.: Nach der Verfassung steht aber ausschließlich dem Kaiser das Recht zu. im Interesse der öffentlichen Sicherheit den Belagerungszustand zu erklären. Ob das im Sinne Ihrer Partei ist, ist für mich ohne Bedeutung. Sie schreiben, daß Sie als Sozial- demokrat selbstverständlich den inneren Militarismus mit Stumpr und Stiel ausrotten wollen. DaS kann doch nur heißen, daß Sic an Stelle der Befugnis des Kaisers nach Artikel 68 der Verfassung Ihre Partei setzen wollen. Liebknecht: Der Kaiser hat allerdings das Recht, den Belagerungszustand zu proklamieren, aber die Verfassung muß von oben wie von unten gehalten werden. Staatsrechtlich zweifle ich nicht im geringsten, daß, wenn das Militär verfassungswidrig zum Staatsstreich verwendet werden sollte, die Ver- fassung zu existieren aufgehört hat und jede Ab. wehr dieses Staatsstreichs nur als eine Verteidigung der alten Verfassung, nicht als ein Angriff auf sie anzusehen wäre. Präsident: Sind Ihnen denn Fälle verfassungswidriger Ver- Wendung des Militärs in Deutschland bekannt?— Liebknecht: Nein. Aber die Gefahr dafür besteht doch nach der Aeußerung zahlreicher mächtiger Personen. Präsident: Wir gehen dann über... Liebknecht (unterbrechend): Ich erinnere nur an Aeußerungen von O l d e n- burg-Janu schau, der„Post", der„K r e u z- Z e i t u ng". der„Hamburger Nachrichten", die alle einen gewaltsamen Bruch der Verfassung fordern. Präsident: Wir gehen also zum äußeren Militarismus über.— Liebknecht: Ich bitte um Verzeihung, wenn ich unterbreche. Präsident: Ich lasse mich nicht unterbrechen. Sie fordern also für den äußeren Militarismus das Recht für das Volk, über Krieg und Frieden zu entscheiden. Liebknecht: Die Entscheidung über Krieg und Frieden durch das Volk will jeder Demokrat, und ich als Sozial- demokrat natürlich erst recht. Man müßte sehr geringes Zu- trauen für die EntWickelung der Menschheit haben, wenn nicht ein- mal diese EntWickelung sich friedlich sollte vollziehen können. Präsident: Deshalb steht ja auch diese Forderung auf Ihrem Minimalprogramm. Ob Ihr Maximalprogramm friedlich durchzuführen ist, wud später zu erörtern sein. Es wird dann eiw Artikel Liebknechts aus dem Organ der „jungen Garde":..Rekrutenabschied" verlesen und zum Vergleich mit ihm eine große Zahl von Schriften HerveS und des „P i o u- P i o u". Schließlich hält der Präsident Dr. Liebknecht die Rede» VotlmarS in Stuttgart und Essen vor und fragt, worin denn der Gegensatz bestehe, wenn Liebknecht eine Kasernenagitation nicht wolle. Liebknecht: Der Unterschied ist tvohl mehrimTempe- rament gelegen. Hierauf wird nach 9 Uhr die Verhandlung auf morgen vertagt, Wasserstands. Ziachrichtcu der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Witterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l. Jnslerburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen . Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby , Magdeburg Saale, Erochlitz Wasserstand Havel, Spandau , Rathenow ff Spree, Spremberg , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Waldshut , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main. Wcrtheim Mosel, Trier 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) UnterPegel. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Sonnabend, den 26. Oktober 1907, im groBen Saale der Kencn Welt, Hasenheldo: JJerbst=pest unter Mitwirkung des „Berliner Sinfonie- Orchesters" 42 Künstler, Kapellmeister ülaxlinllian Fischer. Millöckers Abend. Mitwirkende: Frl. Jenny Locher, Operetten-Soubrette, Frl. Margarete Joseph, Konzertsängerin, Hr. Ernst Grenzcbacb, Konzertsänger, und Herr Amadeas Wandelt, Pianist ' Nach dem Konzert: B<1 1 1 bei doppeltem Orchester. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. Anfang prhz. 8'/, Chr. Billett SO Pf. Kindern unter 10 Jahren kein Eintritt X Die Saaltüren werden während des Konzerts geschlossen. X Getränke werden nur in den Pausen verabfolgt. X Programm gratis X X X X X Ranchcn nicht gestattet. X X X X X Billetts sind für unsere Mitglieder und deren Angehörige i in allen Zahlstellen und in der Parteispedition, Heck er- Straße 2, zu haben. Sonntag, den SO. Oktober, nachmittags präzise 2%U Uhr, in Gröplers Festsälen, Bergstraße: Die Kreuzelschrelber. Bauernkomödie in drei Akten von Ludwig Anzengruber. i In Szene gesetzt von Julius Türk. 235/30 Der Vorstand. Miter-Bildungssekle Berlin Sonntag, den 13. Oktober 1907, abends 7 Uhr, Im großen Saale der„Berolina■ Säle", Schönhauser Allee No. 28: Vortrag des Genossen Max Grimwald über: „Ein Jahrhundert preußischer Wirtschaftsgeschichte." ,jZur Erinnerung an das preußische Bauern edikt vom 9. Oktober 1807." Nach dem Vortrag: Wi Geniiltliches Beisammensein and Tanz.—— Eintritt 20 Pf. 4/20+ Garderobe frei Sozialdemokratiseher fahlverein des 6. Berliner Reiehstags-Vahlkreises. für»-» 48. Wahlbezirk Donnerstag, 10. Oktober, abends SVa Uhr, im Bernhard Rose-Theater, Badstrasze 58. Tages-Ordanng: Sie KevorstsKenäen WMßn zum„Koten Kause". Referent: Genosse Emannel Wurm. Zu zahlreichem Besuch ladet«In_ 260/17_ Per Vorstand. O. Waiilkreits. Sonntag, den 13. Oktober, abends 6 Uhr, im Kolberger Salon(B. Raabe), Kolbeigerstrabe 23: Versammlnttg für Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag bcZ Genossen Adolf Hoffmann über»Freisinnige Reden und Talen". 2. Diskussion. Nach der Versammlung- Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zu recht zahlreichem Besuch laden ein Die Abtollnngsführer. Filiale Berlin. Heute Donnktstag, dell 10. Oktober, vorm. 10 Uhr, bei Freyer chüher Keiler), Koppenstraste SS: MgNecker-Vsrssmmlung. W TageS-Ordnung: i. Der Stand unserer Lohnbewegung. 2. Bericht vom Gautag. Zahlreichen Besuch erwartet_ Achtung! Patt Handwerker. Der Vorstand. Achtung! 201/3 Jeder Off Die Töpfer Berlins befinden sich seit Donnerstag, de» 2. Oktober, im Generalstreik. beim Arbeiten angetroffene Töpfer ist als Streikbrecher zu betrachten. _ Die Streikleitung. Zentralstreikbureau Gewerkschaftshau». Amt IV, 9897. Die Auszahlung der Streikunterstützung geschieht am Sonnabend, den IZ, Oktober, in der Zeit zwischen 10—1 Uhr im Gewerkschaftshaus, grofter Saal._ D. O. Arbeitsnachweis: Bertvaltungsstelle Berlin. Hanptburean: tzoj I. Amt 3. 1239. Charitsstraße 3. Hos HI. Amt 3, 1987 Sonntag, den 13. Oktober 1907, vormittags 10 Uhr: Branchen- Bersavnnlung aller in der Drahtindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend im„CStnvcrltschaitsImus", Engel-Ufer 15(Saal VIU), TageS-Ordnung: 1. Bericht der Agitationskommission. 2. Neuwahl des Brandienverireters und der Agitation Zkommission. 3. Verbandsangelegenheiten. 153/18 Zahlreichen Besuch erwartet Ble Ortsvcrwaltnng. oer DeiliSCliiandS.(Zahlstelle Berlin) BezirUsuersammlrnigen: | Donnerstag, den 10. Oktober, nachmittags 5 Uhr, DcZlFK!• bei Funke, Teiststr. 41. Freitag, den 11. Oktober, nachmittags S Uhr, bei Friseb, Badsir. 12. Freitag, de» 11. Oktober, nachmittags 5 Uhr, bei BOker, SBcberstv. 17. Donnerstag, den 10. Oktober, nachmittags 5 Uhr, bei I.ltfln, Memelerstr. 67. Freitag, den 11. Oktober, nachmittags 5 Uhr, bei Bcrcht, Ritterstr. 75. Freitag, den 11. Oktober, nachmittags 5 Uhr, bei Boß, Klosters! r. 101. Die OrtsvemaUuiig. Zmllliimduii tn Dlinrn DtiWM Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranches Freitag, den 11. Oktober 1907, abends 8»/, Uhr, im„Gewerkschaftshans", Engel-Ufer 15: VersammlunL aller in der Zementbranche beschäft. Zementierer u. Flechter. Tagesordnung: 143/17 Unsere Aufgaben für die Zukunft. Referent: Kollege tVlAb. Fritzscli. Pflicht eines jede» Kollegen ist eS, in dieser Versammlung zu erscheinen. _______ Ter Sektionsvorstand. I. A.: Otto Hacse. Schöneberg. Sozialdemokrat. Wahlverein. Sonnabend, den 12. Oktober 1907, Im Saale der Schloßbrauerei, Hauptstr. 114 unter Leitung des Herrn Martin Hartwig vom ßchiller-xheater in Charlottenburg: "Iftimoristiselier jShewd .Gesang X Humoriistsche Vorfräji Rezitationen X Theater. Kasseneröfln. 7 Uhr, Beginn 81/, Uhr. Billett 40 Pf. Garderobe lO Pf. Die Vorstellung beginnt pünktlich. XXX Oaa Rauchen ist»erboten. XXX Von 12 Uhr ab: T Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Allen werfen Genossen und Belannten die traurige Nachricht, dajz mein lieber Bater, der Tischler Moritz Seyffert nach lurzem Leiden eutschlasen ist. Um stilles Beileid bitten Bartba Cousin, geb. Seyffert Georges Cousin. Die Beerdigung findet Donnerstag, 10. Ottober, vorm. 10 Uhr, von der Leichenhalle des Friedrich- Werderschen Friedhofes in der Lergmannstrasie aus statt. s521b Am 8. Okiobec, mittags 12'/, Uhr, enischlies saust nach sieben Monaten schweren Leidens unsere liebe Msriii» Eiciiwaid. Dies zeigen, um stilles Beileid bittend, an 531b Barl Gruner und Frau. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle des neuen Rosenihaler Kirch- hoseS aus statt. Zahlstelle Berlin. DonncrStag, den ly. Oktober 1S07, i» WendtS Industrie- Festsale», Benthsirasie 19— ÄS: OeffentUehe Versammlung aller in de» Berliner Etuisfabriken —SS beschnstigteu Arbeiter und Arbeiterinnen.— TageS-Ordnung: 1. Das Ergebnis der Verhandlungen vor dem EinigungSamt und Stellungnahme dazu. 2. Dkikiission.— Zahlreichen Besuch erwartet 25/1 Die Brauchenicitnng und Ortsverwaltung. kr«!« Turnerschaft Charlottenburg. Heute, Donnerstagabend 8'/, Uhr, findet die Oeffkiitliiht slißick-Uclsßiliiiillliig w» Volkshause statt. Referent: Dr. Borchardt. 297/18 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Borstand. [onsnw-Verein Pharloitenburfl n. Ising. Eingetragene Genossenschalt mit beschränkter Haftpflicht. Montag, den Äl. Oktober, abends 8 Uhr. findet im Volksbausc, Rosinonftr. 3 1 kleiner Saal), die = ordentliche-= General- Versammlung statt. Tages-Ordnung: 1. GeschäsiSberichi des Vorstandes,'z. Bericht des AuisichtSraieS. 3. Beschiutzsaffung über die Bilanz, Verteilung des Reingewinns, Ent« lastung deS Vorstände». 4. Bericht de» Verbandsrevisors. 5. Anträge der Verwaltung. 5. Anträge der Mitglieder. HB. Laut§ 29 des Statuts müssen letztere drei Tage vor der General- Versammlung in Händen der Verwaltung sein. NM' Eintritt nur gegcu Vorzeigung der LcgitimaiionSlarte."EKI Einem zahlreichen Erscheinen der Mitglieder, auch der Frauen, sieht entgegen Der Aufsichtsrat: 145/19 II. Blick. A. Schönborn. Bdckerei-Genossenschaft Produktion Charlottenburg. Donnerstag, den 17. Oktober, abends 6 Uhr, findet bei Herrn Bado, Nehringftr.»S. die Ordcutllob« General- Versammlung statt. 145/20 TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. 2. Bericht de» AusstchlSrateS. 3. Be- ichlusisassung über die Bilanz; Verteilung des Gewinnes, Entlastung des Vorstandes. 4. Anträge der Vcr- Wallung. 5. Anträge der Mitglieder. (Letztere müssen drei Tage vorher in Händen deS Vorstandes sein.) DM- Dem Erscheinen aller Gc- nossenschasler sieht entgegen Der Aufsichtsrat. Paul Liebe. S. Wuttke. 8MlsIifeincMcher Wahlverein Ober-Schöneweide. Todcs-Anzcige. Am Dienstag, den 8. Ottober, verstarb plötzlich am Herzschlag der Genosse Wilhelm Kölke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4'/, Uhr, van der Leichenhalle des hiesigen Gcmeindesriedhoses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/12 Bor Vorstand. Mrnl-Wsiiil der Maurer ßsutsehlanrts. Zweigverein Berlin. Am Dienstag, den 8. Oktober, verstarb nach langen Leiden am Ma gen krebs im Alter von 4S Jahren unser Mitglied Busisv Klebs Dunckerstr. 82. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von dex Leichen- Halle des Gethscniane-Kirchhoses, Nieder« Schönhausen- Nordend, aus statt, 143/18 Um rege Beteiligung ersucht Die Berbandölettnng. Deutscher Tabakarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unsere Kollegin Frau �uxusle kecker am Montag, den 7. Oktober, in- folge einer Operation verstorben ist. Ehre ihrem Slndenken k Die Beerdigung findet am Freitag» den 11. Oktober, nach- mittags 4 Ubr, von der Leichen. Halle des Gethsemane-KirchhoseS in Nieder-Schönhausen aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am Sonnabend, den 5. Ottober, verstarb nach langem Leiden im Alter von 54 Jahren unser Mit- glied Gottlieb Pohl an Gehirnerwetchung. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 10. Ottober, nachmittags l/,3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- HoseS, FriedrichSselde, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Berbandsleitnng. A.-R.-V. Gberspree. Ober-Schöneweide, Mitglied des Bunde* Solidarität. Todes-Anzeige. Den Gen offen zur Nachricht, das; unser Genosse Wilhelm Kölke am Montag. 11'/, Uhr» der- storben ist, Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Frei- tag, nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle des Gemelnde-Friedhoses ans statt, Sammelpunkt um B Uhr im Vereinslokal. 532b Der Borstand. Deutselier Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Weistensee.) Dienstag, den 8, Oktober, starb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied, der Drechfler Ulbert Henkel an der Proletarierlrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet DonnerS- tag, 10, Oltober, nachm. 4 Uhr, aus dem Friedhof Röilestrasze statt, Um rege Beteiligung ersucht 95/15 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme bei der Beei digung meines lieben Mannes sage ich allen Freun- den und Bekannlen, dem sozialdemo- kratischen Wahlverein des 4. Berliner Reichstagswahlkreises, dem 312. Wahl- bezirk, dem Deutschen Holzarbeiter- Verband, den Arbeitern und Arbeite- rinnen der Firma Neumann u. Hennig, den Kollegen und Kolleginnen der Firma A. Werkmeister, den Kollegen der Firma Aug. Werkmeister. den Kollegen und Kolleginnen der Firma Leonhardt meinen ttesgesühiten Dank. Ww. Pauline Donath geb. Becker. WäC 2&SC. Z2SSC. KC. WC. z&sc. zmc: zmc. zmc MW UM Besonders vorteilhaftes Angebot in der IM ö /ZA\y /Zi\ G EM ÜSE- K O ISTSEFi VE IST Pfefferlinge v. 40 pt. Junge Schoten III v. o°.. 45 Junge Schoten«xtp»?»!?,>/, ooao 85 pt. Stangenspargel II v, 1.os Mk. JFJR ÜCHTE-KON SEnVEJST Saure Kir8chenohi»®;8teineViDo««90 pt, Saure Kirschen«*„• 8t®in.v« o°.. 50 pt. Saure Kirschen mit stew/,°°>® 60 pt. Saure Kirschen mitsteinanvioos« 35 p*. Mirabellen v.o°..65 p,. Stangenspargel'xtp#,t,iJDo.. 1.40� Bruchspargel ohn® Köpf® v»°°.® 58 Bruchspargel I v, do»« 85 p,. Bruchspargel«xtr®»tark»/x 00»® 1.i 5 Mk. Heidelbeeren Stachelbeeren ounrt Kirschen©hn® stein® Heidelbeeren Vi oos® 55 Pf. Qlaa 24 Pf. Glas 38 Pf. Qlaa 24 Pf. Pfirsiche"«i»® Frucht,«••chäit� 1.20� HÜIjSBJN'- JFB ÜCHTE, neue ernte Pfund 17 Pf. Pfund 1 6 Pt Pfund 15 Pf. Pfund 1 9 Pf. Pfund 17 p», Pfund 36 Pf. Viktoria-Erbsen Kleine Erbsen Grüne Erbsen Schäl-Erbsen Gelbe Spalterbsen Grosse Linsen F1 Ls EISC H WA REN ZerVelatWUrSt In Rinddarm Pfund 1.20 Mh. SalamlWUrSt In Rinddarm Pfund 1. 20 Mk. PIOCkWUTSt In Rinddarm Pfund l.lOMk. Rotwurst Pfund 48 Pf. Zwiebelwurst Pfund 48 pt FRISCHE FRÜCHTE Mittel-Linsen Kleine Bohnen Lange Bohnen Rangoon-Reis Java-Reis Türkische Pflaumen pfd.27, 33 pt Pfund 30 Pf. Pfund 1 5 Pf. Pfund 1 9 Pf. Pfund 1 6 Pf. Pfund 1 9, 24 Pf. Landleberwurst Feine Leberwurst Gänsebrust(spiokgan®) Delikatess-Schinken p�d l.iowk. Kasseler Rippespeer 80«. Pfund 90 P». Pfund 95 Pf. Pfund 1.45 Mk. Almeria-Trauben Trauben-Rosinen Pfund 35 Pf. Pfund 60 Pf. Tiroler Aepfel Maronen Pfund 1 4 Pf. Pfund 1 6 Pf. Ananas � 68 Pf. Holländischer Kakao Paket Vi V, lU Pftind Qualität I 2.10 1.05 55 Pf. Qualität II 1.80 90 Pf. 45 Pf- WEIN INKL. FLASCHE Junge Gänse Pfund 60«. 65pf. Fasanen 8� 1.75 u. 2 � 1905er Oberbilliger v. fi.75 pf. 1905er Eitelsbacher v. n. 1.10 1904er Oppenh. Schloss v,Fi.i Mk. 1904er Deidesheimer v. n. 1.30 1900er Chat. Fronsac«/i fi.95 pt 1900ep Chat, de Parempuyre 1.20 1 FUacl eesatzl* g:e*chützt. '«rrantwvnlickrr Redakteur: Hans Webe� Berlin. Für den �ser�nteil verantw.: Th. Glocke» Berlin. Krück u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrel u. LerlagSanstall PmU Änger& Co., fetrlin SW. st. 2B7. 24. nmi. 2. Keilllljt iles„Mmarts" Aerlim Nlllksllllltt. S'-MM l«.«IM IM. ?ur Kommunalwablbewegung. Bier Kommunalwahlbezirle Batten zu Dienstag abend Versammlungen einberufen, in denen die Kandidaten sich ihren Wählern vorstellten. Da diesmal auf den 32. Wahlbezirk das Los gefallen ist, einen Hausbesitzer in das Stadtparlament senden zu müisen. während für den 36. Bezirk ein Mann ohne Haus genügt, find die Genossen in den beiden Bezirken übereingekommen, ihre Kandidaten und bis- herigen Vertreter auszutauschen, so daß nun der Genosse Dr. Wehl im 32., der Genosse Karl Leid im 36. Wahlbezirk kandidiert. Im 32. Bezirk bei Hensel, Jnvalidenstraße, sprach Genosse Dr. Wehl. Er knüpfte an den Ausspruch des Professors Adolf Wagner an, daß Berlin in kommunaler Beziehung die rückständigste Stadt der Welt sei. Wohl müsse man dem konservativen Geheimen RegierungSrat das Recht bestreiten, einen solchen Ausspruch zu tun, das Urteil selbst sei jedoch berechtigt. Es könne auch dadurch nicht abgeschwächt werden, daß sich nun eine Reihe von Licht- blicken in der Kommunalverwaltung beobachten ließen, denn dies sei lediglich der sozialdemokratischen Fraktion zu danken. Für diese Behauptung brachte der Redner dann auS den verschiedenen Gebieten des kommunalen Lebens eine Fülle von Beweisen, von Tatsachen, die erkennen ließen, wie die Sozialdemokraten im Roten Hause unablässig bemüht sind, den Gegnern Konzessionen abzu- ringen. Vielfach sehen sich die Gegner aus Furcht vor der ösfent- lichen Meinung, wenn auch widerstrebend, oftmals genötigt, ihren Widerstand gegen Maßnahmen aufzugeben, die der Masse der Be« völkerung zugute kommen. Wtevtel hier noch zu tun ist, zeigte der Redner namentlich auch auf dem Gebiete der kommunalen Kranken- und Gesundheitspflege. Er erwähnte den Platzmangel in den Krankenhäusern, das Bestreben der freifinnigen Stadtverwaltung, diese Tatsache zu verschleiern, sowie den schier unglaub- lichen Umstand, daß Leute ohne jegliche Vorbildung als städtische Krankenwärter angestellt werden. Der Antrag, der hier Abhülfe schaffen soll, kommt jedoch jetzt erst m der Deputation zur Verhandlung.— Wer in der Versammlung dem inhaltreichen Bortrag Dr. Wehls folgte, konnte nicht mehr darüber im Zweifel sein, welcher Partei er bei den Wahlen seine Stimme geben muß. ?n der Versammlung für den 36. Wahlbezirk, die den des Swinemünder GesellschaftshauleS füllte, entwarf Genosse Karl Leid ein Spiegelbild von dem Wirken der Freisinnsmehrheit im Parlamentshause in der Königstraße. Man könne ein kommunales Gebiet nehmen, welches man wolle, überall zeige sich Engherzigkeit, Kleinlichkeit. Wo Fortschritte gemacht worden sind, sind sie im wesentlichen dem ständigen Drängen der Sozialdemokraten zu danken. Im Rathause seien es nur dte Sozialdemokraten, die sich der Interessen der erwerbstätigen Bevölkerung annähmen. Die Gegner verttäten die Interessen des Geldsacks, vornehmlich die der HauS« und Grundbesitzer. Es nähme sich ordent- lich komisch auS, wenn man diese Leute von ihrem Gemein- sinn reden höre. Dieser Gemeinsinn sei nur vorhanden, wenn die Jntereflen ihrer Mandatgeber geschützt würden und sonst nichts koste al« einige Redensarten. Recht kraß sei das bei Beratung der Wertzuwachssteuer in Erscheinung getreten. Eingehend behandelte der Redner dann den Charakter der Wertzuwachssteuer und die Verhandlungen im Rathause. Die erfolgte Ablehnung liege be- gründet in dem schmählichen Dreiklassenwahlunrecht und dem HauS- besiberprivileg. DaS sei schuld daran, daß jene gerechte Steuer, selbst m der äußerst milden Form der Magistratsvorlage, nicht Zustandekommen konnte. Der Redner schloß mit der Aufforderung an die«arteiaen offen, mit ganzer Kraft und allem Eifer dafür zu wirken, baß die Hoffnungen, die die Gegner auf den 6. November sehen, gründlich zuschanoen werden und über allen Bezirken der dritten Abteilung an jenem Tage dte rote Fahne weht. Der Stadtteil Moabit, der diesmal mit dem 44. und dem 46. Bezirk dritter Abteilung an den Stadtverordneten- wählen beteiligt ist, hat eine ganz besondere Zusammensetzung der Wählerschaft. Da draußen hat die Sozialdemokratte noch mit den Resten der ehemaligen.Bürgerpartei* zu rechnen, mit jener Gruppe auS Konservativen, Antisemiten, Mittel- st ä n d l e r n usw., die immer noch davon träumt, wieder mal einen eigenen Bertteier ins Rathaus entsenden zu können. Die.Bürgerpartei' versprach einst, die Macht des StadtfretsinnS zu zertrümmern, aber sie selber ist bei diesem Versuch kläglich zugrunde gegangen. In den Wahlbezirken dritter Abteilung hat die Sozialdemokratte mit wachsendem Erfolg an der Lösung der Aufgabe gearbeitet, der hinausgedrängten„Bürger- Partei' den Freisinn hinterher zu Wersen. Wo der Freisinn sich in einem Bezirk �dritter Abteilung noch behauptet hat, da verdankt er das der dienstwilligen Hülfe der Konservativen nebst Antisemiten, Mittelständlern usw. Den wunderlichen Kommunal- Politikern der ehemaligen.Bürgerpartei' ist die beschämende Auf- gäbe zugefallen, dem gehaßten Stadtfreisinn Handlangerdienste gegen die Sozialdemokratie zu leisten und ihre eigenen Anhänger den hülfsbedürftigen Leuten JakobiS, Cassels, Rosenows und Konsorten als Schutztruppe zuzuführen. Anders liegen die Dinge nur im 44. und im 45. Bezirk, dort sist in der freisinnig-konservativen Paarung das Verhältnis umgekehrt. DieKonservativennebstAnhang sind dort noch dem Freisinn an Zahl überlegen, und da« armselige Häuslein der Freisinnigen, das sich da draußen behauptet hat, muß nach dem Blockpolitik-Grundsatz„Eine Hand wäscht die andere" d i e Konservativen in ihrem Kampfe gegen die Sozial- demokratie unter st ützen. Auch diese beiden Bezirke sind im Rathause bereits durch Sozialdemokraten vertreten, der 44. Bezirk durch den Genossen Glocke, der 45. Bezirk durch den Genossen Liebknecht. Aber noch einmal unternehmen jetzt die Konservativen den Versuch, gegen die Sozialdemokratte um den Besitz dieser Mandate zu ringen. Seit Monaten schon sind sie eifrig dabei, den Wahlkampf vor- zubereiten. Wir werden dort einen heißen Streit zu bestehen haben. Unsere Genossen aus dem 6. ReichstagSivahlkreise haben die Ausstellung der Kandidaten für die Stadtverordneten- wählen in der Generalversammlung des Wahlvereins vorgenommen. Für die beiden Bezirke Moabits, die an der Wahl teilnehmen, sind die bisherigen Vertreter Stadtverordneter Genosse Glocke und Stadtverordneter Genosse Liebknecht wiovorum aufgestellt worden. Die ersten Kommunalwählerversammlungen für Moabit waren auf Dienstag einberufen worden.— In der Versammlung für den 44. Bezirk, in der Moabiter Brauerei. Turmstraße, referierte der Kandidat des Bezirks. Genosse Glocke, über das kommunale Programm der Sozialdemokratte. Er Keigte, was die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion in ihrem Kampfe für die Jntereffen der werktätigen Bevölkerung bereits er- reicht hat und was noch erreicht werden muß. Unter anderem erörterte er unsere Forderungen aus dem Gebiete des Schulwesens und des Fortbildungswesens. Die Stadt habe nicht nur für Fortbildungsschulen, ftir' Bibliotheken und Lesehallen zu sorgen; sie solle z. B. auch die Volksunterhaltungsbestrebungen nicht der Privattätigkeit allein überlassen. Ausführlich be- sprach Glocke die Pflicht der Arbeiterfürsorge, die der Stadt zukommt. Er forderte Fürsorge nicht nur für die Gemeinde- arbetter, denen bessere Arbeitsbedingungen zu gewähren seien, sondern Fürsorge für die Arbeiterklasse überhaupt, die von der Sladt die Schaffung von Arbeitsämtern und Arbeitsnachweisen, die Auf- stellling von Arbeitslosenstatistiken sowie eventuell die Gewährung von ArbeitSlosenhülfe(Nolstandsarbeiten) erwarte. In �er Versammlung für den 45. Bezirk, im ArtuShof sPerle- bergerstrüßes, referierte Stadtverordneter Genosse Dupont. Erwies hin auf den„Hochverrats'-Prozeß, der den Kandidaten des Bezirks Genossen Liebknecht verhinderte, an diesem Abend vor den Wählern zu sprechen. Dupont geißelte das Treiben der freisinnig- hausaararischen Stadtverordnetenmehrheit, die jede intensive Für- sorge für die werktätige Bevölkerung, jeden Fortschritt in unserem Schulwesen, unserem Gesundheitswesen usw., dadurch unmöglich zu machen sucht, daß sie sich weigert, neue Einnahmequellen z. B. durch eine Wertzuwachssteuer zu erschließen. Der Redner forderte, daß in der Gemeindeverwaltung eine„Sozialkommission" eingerichtet werde, die mit den Fragen sozialer Fürsorgefür die Minderbemittelten sich zu beschäftigen hätte. Zu ihren Aufgaben würde zum Beispiel auch die Besserung der WohiiungSverhällnisse gehören, die allerdings den Hausagrariern sehr in die Quere kommen würde. In beiden Ver- sammlungen ergab sich Uebereinstimmung der Wähler mit den AuS- sührungen der Referenten. Möge am Wahltage in dem harten Kampf, der gegen die vom Hausagrariertum geuaSführten Konservativen samt Freisinn ausgefochien werden mutz, jeder unserer Genossen seine Pflicht tunl Partei- Angelegenheiten. Charlottenburg. Heute abend 8 Uhr findet im„Volkshause', Rosinenstr. 3, eine Protestversammlung statt, in welcher das Vor- gehen der Schuldeputation gegen den Verein„Freie Turnerschaft" behandelt werden soll. Referent ist Stadtverordneter Genosse Dr. B o r ch a r d t. Es wird notwendig sein, daß für einen Massen- besuch dieser Versammlung Sorge getragen wird. Schöneberg. Parteigenossen! Am Sonnabend, den 12. Oktober, arrangiert der Wahlverein im Saale der Schloßbrauerei einen Humoristischen Abend, bestehend aus Gesang, Vor- trägen, Rezitationen und Theater. Das Programm ist ein sehr gutes und haben tüchtige Kräfte ihre Mitwirkung zugesagt. Während der Vorstellung ist das Rauchen verboten. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. WaidmannSlust und Umgegend. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet Sonntag, den 13. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im.Schweizerhäuschen", Waidmannslust, statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitage in Essen. Referent: Genosse Brühl. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Spandau. Am 11. d. M. findet bei Schwabe, Segefelderstr. 54, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Einlaß nur gegen Vorzeigen der Mitgliedsbücher. Der Vorstand. Berliner JVachrlcbten. Im Dienste der Großen Berliner. Die Große Berliner besitzt bekanntlich ein geradezu meisterhaftes Geschick darin, die Straßen Berlins und auch die der Vororte ihren Monopolbestrebungen dienstbar zu machen. Sie hat es verstanden, über den Kopf der Berliner städttschen Verwaltung hinweg sich eine neunzigjährige Konzessionsver- längerung ihres mit der Stadt Berlin geschlossenen Vertrages zu beschaffen und sie versteht es noch heute, dank der„guten Beziehungen" sich ständig Privilegien zu sichern. Daneben ist sie darauf aus, durch fortgesetzte Anferttgung und Ein- reichung neuer Projekte dafür zu sorgen, die st ä d t i s ch e Verkehrspolitik nach Möglichkeit zu hemmen. In diesem Bestreben bedient sie sich der verschiedenartigsten Mittel. Noch im verflossenen Winter ereignete es sich, daß ein hoher Be- amter sich zum Boten der Großen Berliner hergab und an einer bestimmten Stelle sich für schleunigste Erteilung der Zustimmung zur Herstellung der Oberleitung über den Opern- platz verwandte. Auch sonst gibt es verschiedene Stellen, die im Dienste der Großen Berliner fortgesetzt tättg sind; nicht zum wenigsten ist es die Berliner Presse, die allen der„Großen" dienenden Mitteilungen und Notizen bereitwilligst ihre Spalten öffnet und so die öffentliche Meinung irreführt. Es gibt kaum ein Berliner Blatt, in dem nicht diese oft gänzlich falschen und irreführenden Mitteilungen Unterschlupf finden. So wurde dieser Tage wieder eine Meldung über den Stand der großen Untertunnelungsprojette„lanciert", lediglich zu dem Zweck, Stimmung zu machen. Es wird in dieser Notiz mitgeteilt, daß die technische Prüfung der Untergrundbahnentwürfe der Großen Berliner beendet sei und die Pläne dem Minister der öffentlichen Arbeiten vorliegen. Der Polizechräsident habe die Stadt Berlin wissen lassen, daß die landespolizeiliche Ge- nehmigung dieser Pläne aus Gründen des allgemeinen Ver- kehrs mit Bestimmtheit zu erwarten sei. Weiter heißt es wörtlich: „Sache der Straßenbahn ist es jetzt, die im§ 5 des Klein- bahngesetzes vorgesehene Genehmigung der Gemeinde einzuholen. Das hätte in diesem Falle in Form eines Vertrages zwischen Stadt und Sttaßenbahn zu geschehen. Da die Stadt aber, wie bekannt, die von der„Großen Berliner" beantragte Verlängerung der Konzessionsdauer um neunzig Jabre nicht genehmigen will und an das Zustandekommen eines Zustimmungsvertrages aus Grund dieser Bedingung nach Lage der Sache kaum zu denken ist, müßte gemäß den Paragraphen 6 und 7 des Klein- bahngesetzes die Zustimmung durch die Aufsichtsbehörde im Wege des ErgänzuugsverfahrenS bewirkt werden— ein langwieriges und umständliches Unternehmen. Im Ergänzungsverfahren wird nicht nur die Dauer der Konzession, fondern auch die Höhe der Entschädigung festgesetzt, die von der Stadt bei Uebernahme des Betriebes an die„Große Berliner' zu zahlen wäre. Die Rechts- läge zwischen Stadt und Straßenbahn ist um so verwickelter, als die Bestimmungen des bestehenden Vertrages zwischen Magistrat und der„Großen Berliner" über das, was nach Ablauf der Konzession in den Besitz der Stadt Berlin übergehen soll, recht unklar sind. Diese Bestimmungen müßten notgedrungen einer Revision unterworfen werden. Die Aufsichtsbebörde steht, wie wir ferner erfahren, auf dem Standpunkt, daß der„Großen Berliner" bei Ausführung ihrer beiden Untergrundbahnlinien eine Konzessionsverlängernng von erheblicher Dauer zuzubilligen sei, daß aber den Verhandbungen darüber nicht unbedingt die von der Straßenbahn beantragte SOj ährige Konzessionsverlängerung zugrunde gelegt werden müßte." Diese Notiz fanden wir unter anderen im„Verl. Tage- blatt" ohne jeden Kommentar. Und damit die Sache besser wirkt, kommt auch der„unparteiische"„Lokal-Anzeiger" der Großen zu Hülfe, indem er folgende Meldung abdruckt: „Gleichzeitig damit(mit den UnterttmnelungSprojekten) wird von neuem der Streit zur Sprache kommen, der zwischen der Stadt Berlin und der Großen Berliner Sttaßenbahn wegen der Konzessionsdauer herrscht und dessen Austragung nur ruhte, weil eben die Frage dilatorisch behandelt werden mußte. Jetzt wird der ganze Fall wieder akut und die Stadt Berlin muß ans ihrer Reserve hervortreten. Sie ist zwar nicht die direkt An- gegriffene, aber sie muß sich, ihrer Meinung nach, gegen die lieber- griffe der„Großen Berliner" wehren. Am besten für beide Parteien wäre natürlich eine stiedlich-schiedliche Einigung, am Besten auch für die Berliner Bevölkening. Am Ende sind die Ver- hältnisse zwar immer stärker als der einzelne Mensch, und so würden wir die so dringend notwendigen Verkehrsverbest'eruugen doch erhalten. Ein Prozeß wegen emes so imensen Objektes nimmt Jahre in Anspruch, und inzwischen kann lein Spatenstich getan werden, Minister von Breitenbach hat auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß eine außergerichtliche Auseinandersetzung der einzig willkommene Weg sei, um den gordischen Knoten zu lösen, und eS hat auch den Anschein, als ob in jüngster Zeit Bestrebungen im Gange sind, dem ministe- riellen Winke Folge zu leisten. Die Bedenken technischer Rattrr, die von der Stadt gegen die Untertunnelungsprojekte der Großen Berliner geltend gemacht werden, find längst hinfällig geworden; bleibt also nur die Dauer der Konzession als Eris- apfel übrig. Neunzig Jahre verlangt die„Große Berliner"; die Stadt will ihr aber keine Konzession über das Jahr 1019 einräumen, den Zeitpunkt, an dem die Stadt denkt, berechtigt zu sein, die Sttaßenbahn in eigene Regie zu übernehmen. Sie steht ungefähr auf dem Standpunkt, daß sie zwar bereit sei, die Aus- sührung des Projektes zu fördern, aber nur dann geneigt ist, weiter zu verhandeln, wenn die„Große Berliner" die Rechte der Stadt zur Uebernahme der Bahnanlage im Jahre ISIS anerkennt. Hier ist der springende Punkt.' Die „Große" erkennt bis jetzt nichts an, und wie die Dinge im Jahrs 1919 liegen werden, weiß heute noch niemand. Sicher ist nur, daß zu diesem Zeitpunkt die Sache nicht glatt gehen wird, weil die„Große Berliner" über dieses Jahr 1919 hinaus eine Reihe von Konzessionen für andere Strecken besitzt, ohne die die Berliner Sttaßenbahn einem Torso gleichkommt. Sicher ist aber auch, daß die Dinge nicht mehr lange in der Schwebe bleiben können; sollte sich ihre Ordnung nur durch ein Machtwort herbeiführen lassen, so hat es der unterliegende Teil seiner allzu großen Hals- starrigkeit zuzuschreiben," Man sieht, wie die„Große Berliner" es versteht, die Presse in ihren Dienst zu zwingen. In Wirklichkeit steht die Sache so, daß hervorragende Sachverständige die ganzen Untertunnelungsprojekte als gänzlich undurchführbar erklärt haben, und man muß nach Lage der Sache zu dem Schluß kommen, daß es der„Großen Berliner" mit der Ausführung ihrer Pläne gar nicht ernst ist; zwingen kann sie auch niemand dazu. Die Hauptsache ist, daß alle übrigen Verkehrsprojckte durch das der„Großen" lahmgelegt werden. Wenn es also auf dem Gebiete des Verkehrswesens nicht schneller vorwärts geht, so liegt das nicht an der Halsstarrigkeit der städtischen Verwaltung, sondern an der„Großen Berliner", die im Hinblick auf ihre„guten Beziehungen nach oben" ein Recht auf Privilegien zu haben glaubt. Das klare Recht ist auf feiten der Stadt. Das trifft insbesondere zu auf die Frage der Konzessionsdauer, und ein Machtwort ini Interesse der „Großen" kann nur offenbares Unrecht gegenüber der Stadt und den Bürgern Berlins bringen. Die obigen Darlegungen beweisen aber wieder einmal, welche Virtuosität die„Große Berliner" besitzt, die„öffentliche Meinung" sich dienstbar zu machen. Der Ministerialdirektor a. D. Micke, Leiter der„Großen Berliner", soll, nach einer Meldung des„Lokal-Anzeiger" zufolge auf sein An- suchen eine Unterredung mit dem Oberbürgermeisier Kirschner ge- habt haben. Auch diese Unterredung wird den Lesern des„Un- parteiischen" in folgender Form mitgeteilt: „Der vom Ministerialdireltor zu erkennen gegebene Zweck war. dem Leiter unserer städtischen Verwaltung naher zu treten und die Schroffheiten zu mildem, die durch die verschiedenartige Auffassung über die Sachlage nun einmal zwischen der Kom- mime und dem größten Verkehrsiustitute Berlins be- stehen. Die Konferenz zwischen den beiden Männern hat einen durchaus freundlichen Charakter getragen. Wie weit die Aussprache jedoch imstande war. gegensätzliche Ausfassnngen zu überbrücken und sachlichem Widerstreit seine Schärfe zu nehmen, kann erst die Zukunft lehren. Jedenfalls darf es als ein Gewinn für die VerkehrSinteresfen der Reichshauptstadt angesehen werden, wenn zwei so maßgebende Herren Gelegenheit nehmen, zueinander in periönliche Fühlung zu treten." Wir meinen, daß die konziliante Form der Unterredung an dem klaren Recht der Stadt nichts ändern kann. Obdachlos! Im städtischen Obdach nächtigten im August d. I. 39 258 männliche und 575 weibliche, zusammen 39 833 Personen. Das Familienobdach beherbergte am 1. September außer 22 Familien mit 81 Personen noch 134 Einzelpersonen. Im Männerasyl des Asylvereins fanden im August 21 575, im Frauenashl 2892 Personen (einschließlich 9 Kinder) Unterkunft. Der StadtverordnetenauSschuß zur Vorberatnng der Magisttals- vorläge über die Anbriiiguiig von Reklameschilder» an den Kaude- labern der öffentlichen Straßenlaternen beschloß nach kurzer Be- ratung einstimmig, der Stadtverordnetenversammlung die Annahme der Vorlage zu empfehlen. Nach dieser Vorlage wird den Herren Altmann, Müller und Schelle gestattet, au den Kandelabern Berlins kleine weiße Einailleschilder von je 15 Zentimeter Höhe und zwölf Zentimeter Breite und zwar immer nur zwei Schilder an einem Kandelaber anzubringen. Die Unteniehmer verpflichten sich für die ersten zwei Jahre des VertragSverhälttnsseS einen JahreSmietSzins von je 6 M. und für das dritte Jahr einen Mietszins von je 8 M. zu zahlen und zw�r mit der Maßgabe, daß mindestens für 25 999 Kandelaber MietSzmS zu entrichten ist, ohne Rücksicht darauf, ob eine solche Zahl tatsächlich mit Schildern versehen ist oder nicht. Es ergiebt sich daraus ein Mindestinietsertrag von 159 999 resp. 299 099 M. jährlich. Die kleinen weißen Emailleschilder, die Reklamezwecken dienen sollen, werden in etwa einer Höhe von rt/z Meter um den Schaft der Laternen befestigt. Mit dem Verkauf deS bekannten historischen HanseS Am Königs- graben 19, in dem G. E. Lessing längere Zeit gewohnt und einige seiner beliebtesten Werke gedichtet hat, beschäftigte sich ein von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzter Ausschuß. Es wurde beschlossen, die Magistratsvorlage abzulehnen, falls nicht mindestens 559 999 M. für das nach der Alexanderstr. 61 durchgehende Grundstück erzielt werden. Aerztliche Hülfe auf dem Bahnhof. Ein sonderbarer Vorgang hat sich vorige Woche auf dem Bahnhof Tiergarten zugetragen. Wie man uns nachträglich mitteilt, wurde am 3. d. M., abends 8 Uhr, ein Streckenwärter in dem Augenblick, als er einem Zuge ausweichen wollte, von einem anderen heranbrausenden Zuge gestreift und am Kopfe erheblich verletzt, so daß er besinnungslos liegen blieb. Man brachte den Verletzten mittels Krankenkorbes nach dem Bahnhof Zoologischer Garten, weil auf dem Bahnhof Tiergarten kein Bahnhossarzt ist. Um 9 Uhr auf dem Bahnhof Zoologischer Garten angekommen, stellte sich heraus, daß der Bahnhofs- arzt nicht anwesend war. weshalb nach seiner in der Kaiser Friedrichstraße j l Charlottenburg gelegenen Wohnung geschickt wurde; aber au j hier traf man den Arzt nicht an. Nun erst wurde der Schwerverletzte, der so lange im Gepäckraum unter- gebracht worden war, nach der Unfallstatton gebracht, Ivoselbst ihm ein Notverband angelegt wurde. Ein Beamter, den unser Gewährs- mann fragte, weshalb man den Verletzten nicht gleich auf die Unfall- station gebracht habe, soll geantwortet haben, daß laut Vorschrift nur der Bahnarzt zu berufen sei. Trifft diese Mitteilung zu, so ist die Eisenbahnverwaltung von dem Vorwurf nicht freizusprechen, daß sie nicht schnell genug alles getan hat, um ärztliche Hülfe herbeizuschaffen. Der Zustand de» riTjtoevbcrlcfelen war derart, daß umgehend ärztliche Hülfe zur Stelle geholt werden mußte und zwar schon auf dem Bahnhof Tier- arten. In solchen Fällen können bureaukratische Vorschriften nichts nützen, sondern Menschenleben gefährden. Die vergessenen Bogenlampen. Beim Zwanzigmillionen- Dom im Lustgarten ist kürzlich eine neue Schmuckanlage dein öffentlichen Verkehr übergeben worden. Anderthalb Jahrzehnte hat man ge- braucht, che hier der Bauzaun fortgenommen und eine der un- bequemsten Passagen beseitigt werden konnte. Länger als ein Jahr hat allein die Herstellung dieser allerdings ja recht hübschen, mit Ruhebänken versehenen Schmuckanlage erfordert. Und doch hat man dabei etwas wichtiges vergessen, nämlich die Beleuchtung. Die Bogenlichtlampen der Friedrichsbrücke werfen ihr Licht nur bis in die Mitte des neuen Schmuckplatzes, so daß die dem Dom zugekehrte Hälfte völlig im Dunkeln bleibt. Demnächst müssen also, wie es schon nachträglich beschlossene Sache ist. die Wege behufs Legung der Leitungskabel und Aufstellung der Lichtträger abermals umgebuddelt werden. Bei zwanzig Millionen konuntS ja auch auf ein paar Tausender mehr oder iveniger nicht an. Die Steuerzahler sind so gut, es zu berappen. Ei» schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern vornnttag gegen 8 Uhr in der Müllerstraße. Dort'versuchte ein unbekannter, etwa 30 jähriger Mann die Vorderplatlfonn eines in der Fahrt befind- lichen Straßenbahnwagens der Linie 25 zu besteigen, glitt ans und fiel so unglücklich, daß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Der Mann, dessen Personalien bisher nicht festgestellt werden konnten, wlirde nach dem Paul Gerhardt-Stift übergeführt. Durch einen Radfahrer überfahren und tödlich verletzt wurde gestern die 40 Jahre alte Wäschenäherin Emma Frauke ans der Landsbergerstraße 34. Bor einem Haufe in der Großen Frankfurter- straße wollte die F. den Fahrdamm überschreiten, als sie von einem Radfahrer umgerissen und überfahren wurde. Sie zog sich neben erheblichen Verletzungen im Gesicht auch einen schweren Schädel- bruch zu und wlirde in hoffnungslosem Zustand in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Ein ElendSbild. Not und Entbehrungen haben den 40 Jahre alten Arbeiter August Goltze, Wilhelm Stolzestraße 25 in den Tod getrieben. G. war längere Zeit hindurch ohne Beschäftigung gewesen und alle seine Beniühungen, wieder Arbeit zu erhalten, scheiterten. Es stellten sich bald Sorgen und große Not ein. In der Ver- zweiflung wußte G. keinen anderen Ausweg, als sich das Lehen zu nehmen. Gestern fand man ihn auf dem Boden erhängt auf. Der Tod war bereits eingetreten. Zu dem tödlichen Bauunfall, der sich am Dienstagnachmittag in der Müllerftr. 154 auf einem Neubau ereignete, wird uns ergänzend mitgeteilt, daß der Verunglückte nicht aus der dritten Etage sondern vom Dach abgestürzt und in den Nachbarhof gefallen ist. Der Tod trat sofort ein. Der Verunglückte war mit mehreren Kollegen beim Richten beschäftigt und stand auf einem Binder. Hierbei muß beim Zureichen der Dachrähme gegen den Binder gestoßen worden sein, weshalb der Zimmerer Müller mit dem Binder in die Tiefe stürzte. Der Bau wurde nach dem Unglück polizeilich gesperrt. DaS Schiller-Theater hat ein schmuckes kleines Büchlein erscheinen lassen, in dem die Leitung eine Uebersicht über die mannigfachen Veranstaltungen de? Schiller-Theaters gibt: einige historische Daten über die Entstehung des Theaters und der verschiedenen rm Laufe der Jahre von der Direttion veranstalteten Unternehmungen, genaue Mitteilungen über die Preise und Abonnements des Schiller- Theaters 0. und Charlottenburg. Ausführliches wird mitgeteilt über die Dichter- und Tondichter-Abende des Schiller-Theaters, die seit 13 Jahren am Sonntag im Bürgersaale des Berlinischen Rathauses abgehalten werden. Für den kommenden Winter sind unter anderem ein Edvard Grieg-Abend, ein Gerhart Haupt- mann-Abend, ein Georges Bizet-Abend, ei» Joseph von Eichendorff- Abend, ein Heinrich Heine- Abend vorgesehen, der 10. November wird, wie üblich, Schiller gewidmet sein.— Ganz neu sind die Mitteilungen über die Veranstaltungen des dem Schiller-Theater Charlottenburg angegliederten Schiller-Saales, der. ausschließlich der Volksbildung und Volksunterhaltung gewidmet, jetzt mit einem reichhaltigen Programm für die Monate Oktober, November, Dezember seiner Bestimmung übergeben tvird. Die Ver- anstaltungen haben am Mittwoch, den 2. Oktober, begonnen mit einem Vorwage des Universitätsdozenten Dr. Edmund Hildebrandt über Anselm Feuerbach. Unter anderen hat auch Eduard Bernstein am Montag seinen zehnstündigen Zyklus über„Staats- und Gesellschaftsideale im Laufe der Jahrhunderte" begonnen. Das Büchlein, das genaue Auskunft über die Preise sämtlicher Ver- anstaltungen und darüber, wo und zu welchen Stunden die Eintritts- karten zu haben sind, gibt. wird an den Kassen beider Schiller- Theater unentgeltlich ausgefolgt. Feucrwehrbcricht. Gestern früh wurde die 4. Kompagnie wegen eines Wohnungsbrandes nach der Luxemburgerstraße gerufen. Möbel ustv. brannten dort. Vorher war in der Straßburgerstr. 14 ein Preßkohlenbrand ausgekommen. Kisten u. a. wurden in der Falckensteinstr. 6 in einen, Buttergeschäft ein Raub der Flammen. Der 17. Zug wurde nach der Jerusalemerstr. 14 alarmiert. Dort war vor dem Hause ein Lichtkabel der elektrischen Straßenbeleuchtung durchgebrannt. Die Feuerwehr schaltete den Strom aus. In der Magazinstr. 2 wurden Möbel ein Raub der Flammen. Ferner hatte die Wehr in der Leipzigerstraße und Lindenstr. 93 zu tun, um Pferde, die ein Verkehrshindernis bildeten, aufzurichten. Außerdem wurde die Feuerwehr nach dem Kottbuserdamm 31/82, Friedrich Wilhelm- straße 27 u. a. Stellen gerufen. Vorort- JVacbncbtem Charlottenburg. Unter den großen Beständen(2500 Stück) der Schweinemast- anstalt der Stadt Charlottenburg in Seegeberg ist die Seuche aus- gebrochen und hat den ganzen Bestand infiziert. Ein Teil der kranken Schweine hat geschlachtet werden müssen. Die Entstehung der Seuche ist, wie in den meisten Fällen, nicht mit Bestimmtheit aufzuklären: man nimmt an, daß sie mit kürzlich eingekauften Schlveincn eingeschleppt worden ist. Hierbei muß erinnert werden, daß von Sachverständigen auf die Gefahren hingewiesen wurde, die durch eine Anhäufung solch großer Bestände wie in Seegeberg. Friedrichsfelde usw. entstehen, sobald auch nur ein Schwein erkrankt. Innerhalb acht Tagen sind dann in der Regel sänitliche Bestände vom Husten usw. befallen und müsse» in Quarantäne genommen werden. Rixdorf. Todcssturz aus dem Fenster. Weil sie sich nicht von ihrem Sohn trennen konnte, hat gestern die Witwe des Schneidermeisters Kohlschmidt aus der Bergstr. 140 Selbstmord verübt. Der einzige Sohn der K. sollte gestern beim Militär eingezogen werden. Die alte Frau vermochte die Trennung von ibrem Kinde nicht zu ertragen. In einem unbewachten Augenblick stürzte sie sich aus dem Fenster heraus. Mit zerschmettertem Schädel blieb die Bedauernswerte auf dem Hofe liegen. Der Tod lvar auf der Stelle eingetreten. Steglitz. Die Genossen von Steglitz werden vergeblich im„Vorwärts" nach dem Bericht über die letzte Wahlvereinsversammlung gesucht haben. Dem aufmerksamen Beobachter muß eS jedoch aufgefallen sein, daß der Bericht in der Dienstagsnummer unter„Stolpe" steht. Einen Wahlverein mit 600 Mitgliedern nach Stolpe zu verlegen, ist das stärkste Stück, was bis jetzt der Druckfehlerteufel geleistet hat. Ein verhängnisvoller Unglücksfall ereignete sich vorgestern nach- mittag an der Kielerbrücke. Der Anstreicher Peter Schmidt, in Berlin. Brunnenstraße 45 wohnhaft, hatte auf einem Gerüst, das unterhalb der Brücke angebracht war. gestanden und die Eisen« konstruktion gestrichen. Durch einen hohen Möbelwagen, der gegen da? Gerüst fuhr, wurde Sch. hcrabgefchleudert. In besinnungslosem Zustande fand der Verunglückte im KreiSkrankenhause Aufnahme. Er halte einen Schädelbruch erlitten und wird wohl kaum mit dem Leben davonkommen. Köpenick. In der letzten Stadwcrordnctciisitzuug wurden die am Schluß dieses Jahres ausscheidenden unbesoldeten Stadträte Jenne, Selchow und W i l l n o w auf sechs Jahre wiedergewählr; für Willuotv wurden von 33 abgegebenen Stimmen nur 19 gezählt, 14 Zettel waren unbeschrieben. Dem Antrage des Magistrats, Steuerpflichtige mit einem Einkommen von nicht mehr als 420'M. zur Einkommensteuer nicht mehr heranzuziehen, wurde ohne Debatte zugestimmt. Desgleichen dem Antrage, die Polizei zum 1. April 1908 um einen Wachttneister, sieben Polizeisergennten und einen Bureauassistcnten zu vermehren. Der Rechnungs- abschluß der städtischen Straßenbahn für das Jahr 1906/07 weist eine Einnahme von 165 254,90 M. und eine Ausgabe von 149 524,21 M. auf. Von dem 15 730,69 M. betragenden Rein- gewinn werden auf Beschluß der Versammlung 10 000 M. der Stadt- Hauptkasse und 5730,69 M. dem Reservefonds überwiesen: letzterer beträgt nunmehr 20 991,31 M. Das Ortsstatut über die Besoldung der Gemeindcbeamten, welches in letzter Sitzung nochmals in die Kommission zurückverwiesen wurde, gelangte nunmehr zur An- nähme. Nach demselben Iverden die auf Lebenszeit an- gestellten Beamten in folgende Besoldnngsllassen eingeteilt: 1. Kassenrendanten, Oberstadtsekretäre, Polizeiinspektor und ver- eidigte Landmesser, Gehalt 2800 M., steigend von 3 zu 3 Jahren um 300 M. bis zum Höchstbctrage von 4300 M. und 600 M. MietS« beitrng; 2. Stadtsekretäre, Polizeikommissare, technische Baubeamte und der Stadtsörster. Gehalt 2000 M. steigend von drei zu drei Jahren um 200 M. bis zum Höchstbetrage von 3000 M. nebst 500 M. Mictsbeittag; 3. Magistrats- und Polizeisekretäre, Kal- kulatvren, Buchhalter, Polizeiwachtmeister, Förster 1800 M., steigend von drei zu drei Jahren um 200 M. bis zum Höchstgehalt von 2800 M. nebst 450 M. Mictsbeittag; 4. Bureau- und Kassen- assistenten 1600 M., steigend von drei zu drei Jahren bis zum Höchstbettagc von 2475 M. nebst 400 M. Mictsbeittag: 5. Magistrats- diener, Vollziehungsbeamte, Polizeisergeanten 1400 M., steigend von drei zu drei Jahren um 150 M. bis zum Höchstbetrage von 2150 M. nebst 300 M. Mietsbeitrag. Kanzlisteu, welche das 24. Lebens- jähr zurückgelegt haben und zwei Jahre im städttschen Burcaudienst beschäftigt sind, erhalten jährlich 1200 M. steigend von drei zu drei Jahren um 120 M. bis zum Höchstbettagc von 1300 M. Die Nachtwächter erhalten 1000 M. jährlich, steigend von drei zu drei Jahren um 50 M. bis zum Höchstbetrage von 1250 M. nebst 130 M. Mietsbeitrag. Die Schuldiener jährlich nebst freier Wohnung und Feuerung 60 M. pro Schulklasse, das hierdurch ermittelte Grund- geholt steigt in fünf dreijährigen Zeiträumen um je 50 M. Bei Beamten, welche Dienstwohnung haben, fällt der Mietsbeitrag weg. Desgleichen erhalten Beamte ohne eigenen Hausstand nur zwei Drittel des MietSbeittages. Polizeibeamte, welche ständig Dienst- kleider tragen, erhalten Kleidergelder, und zwar der Polizeunspektor 200 M., die Polizeibeamten 100 M. Strafmandate über 5 M. zugestellt erhielten die Genossen Lefdvre und Schüler, weil dieselben am Grabe des Genossen Moll bei der Kranzniederlegung Reden gehalten haben sollten. Die Genossen legten Berufung ein. Das Schöffengericht, das sich mit dieser An- gelcgenheit beschäfttgte, verurteilte Leievre und Schüler zu je 2 M. Geldstrafe. Begründend wurde ausgeführt, daß wenn beide, Lefövre im Auftrage des sozialdemokrattfchen Wahlvereins und Schüler im Auftrage der Freien Gast- und Schankwirte beim Nieder- legen der Kränze am Grabe die Widmungsworte ge- sprachen hätten, eine Rede gehalten hätten, für welche keine Erlaubnis eingeholt worden sei. Schlechter kam der Genosse Dittmann weg, derselbe wurde vom Kirchhofsinspektor aufgefordert, die rote Schleife vom Kranz des Wahlvereins unter seinem Rock zu verstecken, so daß nichts von dem Rot zu sehen sei. Als sich Dilt- mann weigerte, dies zu tun, wurde er von: Kirchhof verwiesen. Dittmann kam dieser Aufforderung sofort nach, erhielt aber trotzdem eine Anklage wegen Hausfriedensbruchs und wurde auch vom Gericht zu 10 M. Geldstrafe oder zwei Tagen Gefängnis verurteilt und zwar, weil er sich als Dissident unbefugt auf dem evangelischen Kirchhof aufgehalten habe. Berufung ist eingelegt. Bernau. Pferdediebe scheinen in der letzten Zeit die Umgegend von Bernau unsicher zu machen. Nachdem erst in der vorigen Woche in Lanke ein großer Pferdediebstahl ausgeführt wurde, erbrachen vor einigen Tagen wiederum Diebe den Pferdestall des Holzhändlers Jul. Knebel in Zerpenschleuse, um die darin befindlichen Tiere zu entwenden. Ein Knecht war jedoch durch daS Geräusch aufmerksam geworden und kam gerade in dem Moment dazu, als die Diebe mit den Pferden das Weite suchen wollten. Jetzt ließen dieselben die Tiere stehen und entflohen. Der Knecht will die Täter schon öfter gesehen haben, vielleicht gelingt es dadurch der Diebe habhaft zu loerden. Zu dem Pferdediebstahl in Lanke ist zu berichten, daß es noch in der vorigen Woche gelang, die beiden kostbaren Pferde bei einem Kohlenhändler in Berlin zu ermitteln. Die Pferde wurden, ihrem Besitzer wieder zugestellt, den Jagdwagen fand man auf einem Felde bei Französisch-Buchholz, wo die Diebe denselben stehen ließen. SencKts-Leitung. Was alleS bei Gericht möglich ist. Der Buchbinder Siwdt hatte sich vor der Strafkammer des Landgerichts l wegen Vergehen gegen 8 1�3 der Gewerbeordnung zu verantworten. Angeblich soll er durch Nötigung den Buch- binder Bigor aus der Arbeit gebracht haben. Der als Zeuge ver- noinmene Wcrkführcr Ahrens, der angeblich gezwungen worden sein soll, den B. zu entlassen, weil dieser seinen gewerkschaftlichen Pflichten nicht nachkam, bekundete, daß er den Zeugen B. entlassen habe, weil dessen Arbeit unzulänglich gewesen sei. Die Entlassung sei erst erfolgt, nachdem zwei Arbeiter, die mit dem Zeugen zusammen gearbeitet, dessen Unzulänglichkeit bekundet hätten und nachdem auch noch eine maßgebende Stelle über die Notivendigkeit der Entlassung gehört worden war. Rechtsanwalt Heine stellte mehrere Beweisanträge zugunsten des Angeklagten, darunter auch einen nach der Richtung hin, daß der Zeuge gar nicht in den Verband aufgenommen worden wäre, da er sich aus den verschiedenen Gründen mißliebig gemacht habe und man seine Mitgliedschaft gar nicht wünschte. Der Gerichtshof unterstellte dies als wahr, kam aber doch zu einer Verurteilung des Angeklagten wegen versuchter Nötigung. Der Gerichtshof nahm mit dem Staatsanwalt an, daß der Angeklagte versucht habe, den Zeugen mit Hülfe einer Pression zu zwingen, dem Verbände beizutreten. Das Urteil lautete auf vier Wochen Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 6 Wochen Gefängnis beantragt. Tie lieben Arbeitswilligen. Unter der Anklage des Vergehens gegen 8 153 der Gewerbe- ordnung, der wiederholten versuchten Erpressung, der gefährlichen Körperverletzung, der Beleidigung und schließlich des Werfens mit Steinen oder harten Gegenständen nach Menschen hatte sich der Former A. Prostack vor der dritten Strafkammer des Land- gerichts I zu verantworten. Im September vorigen Jahres traten die auf dem Kohlcnbahnhof Wedding in der Fennstraße 22 bis 26 beschäftigten Arbeiter zwecks Erlangung günstigerer Lohn- verhältniffe und einer kürzeren Arbeitszeit in einen Streik. Der Angeklagte war an dieser Lohnbewegung persönlich nicht beteiligt. da er in einem anderen Fabrikunternchmen in der Fennstrahe beschäftigt ist, interessierte sich aber für die Streikenden und geriet mit Arbeitswilligen in Differenzen. Am 4. September traf er in einem Lokal in der Fennstratze 54 mit dem Arbeiter Alisch zusammen, der zu den Arbeitswilligen gehörte. Er versuchte, ihn ebenfalls zu der Niederlegung der Arbeit zu bewegen, hatte aber damit keinen Erfolg. Der Angeklagte gab nur diesen letzten Bor- fall zu und behauptete, bei den übrigen ihm zur Last gelegte» Vergehen handele es sich anscheinend um eine Personcnverwechsc» lung, da er weder den Arbeiter Alisch kenne, noch auf den Kohlen- wagen geklettert sei. Die Anklage behauptete dagegen, daß sich der Angeklagte, um sich unkenntlich zu machen, seinen Bart Hab» abnehmen lassen. Ter Zeuge Alisch, wie auch ein Arbeiter Hebel» der bei dem ersten Vorfall in dem Lokal zugegen gewesen war, erklärten eidlich mit aller Bestimmtheit, den Angeklagten als de» Täter wiederzuerkennen. Ebenso bekundete der Zeuge Simon, daß er den Angeklagten schon auf dem Kohlenwagen gesehen und ihn dann sofort verfolgt und zur Rede gestellt habe, so daß ein Jrrtuu» unmöglich sei. Staatsanwalt H c i n z m a n n hielt den Angc« klagten für völlig überführt und beantragte, da P. schon länger» Gefängnisstrafen hinter sich habe, eine IZesängnisstrafc von sechZ Monaten. Rechtsanwalt Dr. Theodor Liebknecht wendete i» erster Linie ein. daß von einer Erpressung keine Rede sein könne» da das Tatöestandsmerkmal eines angeblich dem Verbände zuzu« wendenden Vermögensvorteils von vornherein in Wegfall komme. Im übrigen scheine bei dem wenig aufgeklärten Sachverhalt eine Freisprechung mangels ausreichenden Beweises für geboten. Da» Gericht verneinte das Vorliegen einer Erpressung, nahm jedoch ein Vergehen gegen den H 153 der Gewerbeordnung an. Wie de» Vorsitzende ausführte, habe das Gericht für erwiesen angenommen, daß der Angeklagte in öreistester und frivolster Weise systematisch gegen arbeitende Familienväter vorgegangen sei und diese unter Drohungen zur Niederlegung der Arbeit habe bestimmen wollen, Derjenige, der die Freiheit der Staatsbürger in so frevelhafter Weise verletzt, müsse sich nicht wundern, wenn er von dem Gericht schwer angefaßt würde. Das Urteil lautete aus diesem Grunde auf 1 Jahr Gefängnis, zugleich wurde der Angeklagte wege»S Fluchtverdachts sofort verhaftet. Zum BereinSgesetz. Der Mechaniker Map Helbig, Treptow. Kicfholzstraße 153» hatte einen polizeilichen Strafbcfehl in Höhe von 3 M. erhalten, weil er angeblich eine im August anberaumte Versammlung der Jugendorganisation, die der polizeilichen Auflösung verfiel, nicht sogleich verladen haben sollte. Durch die Zeugenaufnahme wurde festgestellt, daß der Angeklagte tatsächlich, nachdem der Gendarm Streng die Versammlung aufgelöst hatte, mit dem Zeugen Dobber» tin den Saal verlassen und diesen»ach Hause begleitet hat. Nach 25 bis 30 Minuten ist Helbig in den vorderen an de« Straße gelegenen Schankraum, in dem er öfter verkehrt und m welchem auch der Herr Lehrer vom Orte saß, zurückgekehrt. Ehn er dazu kam, sein Bier auszutrinken, kam der Gendarm Engler in das Lokal und forderte Helbig auf, das Lokal zu verlassen. Dem Herrn Lehrer dagegen hat er das längere Verbleiben im Lokal gc« stattet. Um kein Aufsehen zu verursachen, hat der Angeklagt» während zweier Minuten sein Bier ausgetrunken und ist gegangen. Vor dem Lokal wurde er verhaftet und zur Wache gebracht zweck» Feststellung seiner Personalien. Der Zeuge Gendarm Englcr bc» zeugt, daß er der Meinung gewesen fei, die Versammlung solle i« den vorderen Räumen fortgesetzt werden. Streng werde wohl de» Helbig als Besucher der aufgelösten Versammlung gekannt haben, Die Anzeige hat Engler erstattet. Der AmtsanwaltsvertretcS Referendar Rose meinte, das Verlassen des Raumes sei ein« leere Ausrede. Er beantrage 10 M. Geldstrafe. DnS Gericht schenkt den eidlichen Aussagen der Zeugen Dobbertin volle» Glauben, hält aber dennoch das einstweilige Entfernen aus dem Versammlungslokal für eine— Umgehung des Ge s e tz c St Nach der konstanten Judikatur feien nach Auflösung einer Ver, sammlung sämtliche Räunie zu verlassen. Das UrtcX lautete aus 3 M. Geldstrafe. Vermischtes. Der Eisenbahnunfall. Vorgestern abend 9 Uhr stieß der aus Brüssel kommende Erpreßzug infolge falscher Signalgcbnng auf einen im Bahnhofe Compiegne stehenden Güterzug. Der Zugführe» und ein Reisender wurden dabei verletzt. Eine Feuersbrunst hat die Gebäude der Bleiberczwerke voO Ma Aziz Mgerien) vernichtet: der Schaden ist sehr betrachtlich. Selbstmord eine? Bankiers. Trietter Meldung zufolge hat sich in einem dortigen Hotel der Bankier Friedmann aus Graz erschösse» Wie eS heißt, sollen die Depots nicht in Ordnung sein. Ein schlimmer Gast. In Tokio breitet sich die Cholera in be« unruhigender Weise aus. CS wurden 19 neue Fälle gemeldet. Di« Stadtverwaltung hat kürzlich dringliche Maßnahmen bekannt gtf geben, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Ins Meer gestürzt. Wie aus Fiume gemeldet wird, hat sich dort eine angeblich aus Deutschland zugereiste etwa 50 bis 60 Jahr« alte Dame ins Meer gestürzt und ist erttnnken. Ihre Wäsche trug die Initialen„L C." mit einer gestickten Adelskrone. Ucbcrschwemmnng in Frankreich. Ans La Vonlte im Departa� ment Ardeche wird gemeldet, daß infolge der Regengüsse der Erieux» fluß plötzlich stark anschwoll und über die Ufer getreten ist. Groß« Ueberschioemniungen sind angerichtet. Die meisten Wege stehen unter Wasser. Der ganze Verkehr ist unterbrochen, speziell derjenige der Bahnlinie zwischen Tournon— La Voulte. Aehnliche Nachricht� laufen auS dem Departement Jsere ein. ßrieftttlten der Expedition. H. 31. D. Braun. Ziele und Wege; KautSky-Schoenlank, Grundsätz» und Forderungen der Sozialdemokratie; Lassallc, Uebcr VersassungSivesenf Zetkin, Fraucnwahlrecht._ vcrltner Marktpreise. Aus dem amtliche» Bericht der ftädlliche» Martlballen-Dircttion. lGrohbandel) Ochscnficilch la 68—79 vr. 109 Psd., IIa«2-67, lila 57- 60, Bullenfleisch la 62-67, IIa 50-59, Kühe.|etf 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 64—62, do. Holl 0.00. Kalbfleiich, Doppclleiider 100—115. Mastkälber la 78—88, II» 69—75, Kälber ger. gen. 50—64, do. Holl. 48—54, dän. 0,00. Hanimelfleisch Mastlämmer 76—78, Hammel la 70-74, IIa 64-69. uugar. 0,00. Schaft 48—62. Schiveineflelsch 57—63� Rehbock la per Pfund 0,60—0,95. II» 0,00. Rothirsch la per Psd. 0,38—0,45, do. IIa 0,15-0,20. Damhirsch 0,25—0,40. Wildschweine 0,20—0,33. Frischlinge 0,00. Kaninchen p. St. 0,2? bis 0,80. Hasen, groß, p.Stck. 2,50—3,30, do., mittel u. klein, Stck. 1,00—2,00, Wildenten per Stück 1,25—1,60. Krickenten Per Stück 0,00. Rebhühner junge große 1,00—1,50, mittel u. kleine 0,40-0,90, alte 0,60—0,90. Fasanen« höhne 1,00—2,20. Fasanenhcnncn 0,60—1,50. Bekassinen 0,41—0,70. Waldschncpsen 2,50—3,00, do. IIa 1.00—2,00. KrammetSoögel 0,20 Bil 0,30. Hühner, alle, per Stück 1,40—2,00, IIa 0,80—1,30, do. junge 0,00. Tauben 0,20—0,40. Enten per Stück O.OQ dito Hamburger ver Stück 3.00. Gänse per Pfund 0.45—0,58, do. per Stück 2.00—3,80, do. Hainburger per Psund 0,75—0,80, do. Oder« brucher per Psd. 0,43—0,55. PoutctS per Stück 0,80—1.35. Perlhühner per Stück 0,00. Hechte per 100 Pid. 96—106. do. matt 85— 92. do. klein 0.00, do. groß-mitlel 87—92, do. mittel 9.00. Zander 0,00. do. klein 0,00, dita mittel 0,00. Schleie, groß- mittel 0,00, do. klein 139—150, do. uns. Ulli do. mittel 0,00. Aale, groß 0,00, do. klein U. mittel 0,00, do. mittel 99—100, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittel 0,00, do. klein 0,00. Plötzen 0,00, Roddow 0,00. Karpfen 60— 80er 0,00, 30— 40er 0,00, do. 80— 100er 0,00� do. 50er 65—69. Bunte Fische 33—69. Barse 0,00, do. klein, matt 0,00. Karauschen 0,00. Wels 0,00. Bleie 37—50. Barbe 0,00. Aland 0,00 Quappen 0,00. Raap 0,00. Amerik. Lachs la neuer, per 100 Pjp 110—130, do. IIa neuer 90—100, do. lila 0,00. Seelachs 10—20, Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 9,00, Ila 2—4. Bücklinge, Kieler per Kall 2— 4, Sttall. 2,00—3,00, Bornh. 0,00. Aale, gros per Psd. 1,1« bis 1,40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60— 0,80. Heringe per Schock 5—0 Schellfische Kiste 3—4.00,'/, Kiste 1,73—2,25. Sardellen, 1902et per Anker 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollhering« 1905 0,00, karge 40-44, füll. 38—40, raed. 36-42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, ver'/, To. 50—120. Sardinen, ruff., Faf 1,50—1,60. Bratberinge Faß 1,20-1,40, do. Büchse 14 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen. Schocksaß It. do. kleine 5—6, do. Riesen. 14. Krebs« per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 2,50—2,7(1 do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4,00— 4,40. Butter per 100 Pfd. la 188-124, Da 112-118, Ma 100-108, abjallende 90-9i Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Pfeffergurken 4.00. Zkarloffelu vcr 100 Wd. Daversche 2,75—3,95, weiße runde 2,50—3,00, blaue 0,00, Rosen- 0,00, mag. bon. 2,75—3,25. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—12. Spinal per' 100 Pjund 7—18. Sellerie, per Schock 2,00—3,00. Zwiebeln per 100 Pfd. 2,50—3,75, do. Perl. 40,00—100,00. Chalolten 40,00—100,00. Pclersilie. grün, oochockbund 1,00—1,25. Koblrabi Schock 0,75—1,00. Rettick, bavr, neuer Stück 0.03— 0,10, hiesiger Schock 2,50— 3,50. Moorrüben, 100 Pjund 2,00 bis 3 50. Karotten, lzicsige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingrohl per Schock 3,00 bis 12,00. Rotkohl, Schock 4—10. Weißkohl 2—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 7—15. Rosenkohl, per 100 Pfd. 25—30. Grünkohl 4—5. Kohlrüben, Schock 3,00—5,00. Pcterfilienwurzelu, Schockbund 3,00—4,00. Scholen per 100 Pfd. 20—35. Schnittlauch 1,00—1,25. Psefferlinge per 100 Pfd. 10—20. Steinpilze per 100 Pfund 25— 10. Radieschen per�Schockbund 0,75— 1,25. Salat per Schock 1,00—2.00. Gurken, Einmache-, schock 15—40, do. böhm. Schock 0,00, do. Liegniper Schock 0,00, do. Rothcnburgcr 0,00. Bohnen, grüne, 100 Pfund 15—35. Wachsbohncn, per 100 Pfund 0,00. Tomaten per 100 Pfund 8—12. Rote Rüben, per 100 Pfund 2,50—3,00. Rübchen, Bccliher, per 100 Pfd. 10—12. Kürbis 3—5. Prcißclbecren vcr 100 Pfd. 24-30, ichwcdifchc 29-32. Birnen, 100 Pfd., Italiener 0,00 Tiroler 10— 25, hiesige 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbirnen la 10—20, do. ITa 4—10. Pfirsiche, hiesige per 100 Pfd. 3—20, kkaklenffche, per 100 Pfund 25—30. Repscl, italienifche, per 100 Pfund 0,00, hiesige 0,00, Gravensteiner la 0,00, do. IIa 0,00. Tiroler la 18—45, IIa 13—20, Most-, hiesige, 3—4, Koch- 5—10, Tafel- la 15—23, do. IIa 7— 12. Wallnüssc p. Schck. 1,00-2,00, do. klein 0,40—0,50. do. franz. 100 Pfd. 35,00. Pflaumen, pr. 100 Pfd. hiesige 10—15, serbische 10—15. Weintrauben, ital., per 100 Pfd. 12—25, franz. 0,00 türk. 15—20. Ananas I, per Pfund 70—1,00, do. II 0,00. Zitronen. Mcisina, 300 Stück 11,00—20,00, do. 360 Stück 10,00—16,00, do. 200 Stück. 12,00—16,00, do. 150 Stück 7,00—10,00. Bananen, gelb, per 100 Pfd. 14.00—18,00. Kokosnüsse per 100 Stck. 18-21, Maronen, ital., 100 Pfd. 14-20. Zfur Leu Juvalr vcr Juferare üveruiinmt die Redattio» dem Publikum qegcuiibcr keinerlei Bcraiiimorkuiig. €hcatcr. Donnerstag, den 10. Oktober. Anfang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Madame Butterfly. Königliches Schauspielhaus. Wallenstcins Tod. Neues königl. Opernthcater. Jägerblut. Teutfches. Ein SommernachtS- träum. Kammerspiele. Frühlings Erwachen. Ansang 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Schiller<> tWallner-Thealer.) Götz von Berlichngen. Schiller Eharlottcnbnrg. Der Herr Senator. Nene» Schauspielhaus. Rafsles. Lesfing. Der Bund drr Jugend. Berliner. Der Pastorsfohn. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Die Nibelungen. Neues. Die Waffen wieder! Kleines. Vater und Sohn. Lorhing. Die lustigen Weiber von Windsor. Zentral. Unsere blauen Jungens. 'iomische Oper. Carmen. Bieste». Die lustige Witwe. 2»stip i et H n» s. Husarenfieder. Resideuz. Ganz der Papa. Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr Sechs-Uhr-Onkel. p'uisen. Muttersegen. Bernhard Rose. Spree-Athcncr. Theater au drr Spree. Der Aktienbudiker. Metropol. Das muß man seh'n. Sipollo. Shivestcr Schaffet. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies tkaprice. Geteilte Liebe. Gafiuo. Die wllde Jagd. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig. Wag. ES lebe das Nachtleben. Pafiage. Danny Gürtler. Spezia- litäten. Wintergarten. Ruth St. Denis. Spezialitäten. Reichshallen. Steltiner Sänger. Prater. Der Widerspenstigen Zäh- mung. Palast. Ein glänzender Reinsall. Spezialitäten. Garl Havcrland. Spezialitäten. ttrauia. Taubenitrahe 4t«.-4t». Abends 8 Uhr: Ucber den Brenner nach Venedig. Sternuinrtr, Jnvalidenllr. 57/62. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Der Pastorssohn. Freitag: Kean. s onnabend: Die tanzenden Männchen. Sonntag: Di« tanzenden Männchen. Montag: Der Paswrssohn._ SchiUer-Tlteater. Schlller-Thealer 0.(Wallner-Tbealcr). Donnerstag. abeiids8Uhr: (Hitz von Itcrlivliingen. Schauspiel in fünf Aufzügen von Johann Woisgang v. Goethe. Freitag, abends 8 U h r: DIo piollniiiK'Ale»'. Sonna bcnd, abends 8 Uhr: B««inersI»oIi». Schiller-Theater Charlatlenburg. Donnerstag. abendS8Uhr: l>er Herr Senator. Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönthan u. Gustav Kadeiburg. Freitag, abends 8 Uhr: Bau vierte Gebot. Sonnabend, abends 8 U h r: Da« vierte Gedot. Sedlller-Saal— Seblller-'D'Iieater Charkottcnburg; Charlottenburg, Arn Knie, Eingang Bismarcksir. 120. Freitag abend 81/, Uhr; Vortrag Prof. Dr. Richard Muther: Raffael. Erläutert durch Lichtbilder. Eintrittspreis 1 Mark. Freitag abend 9 Uhr: Vortrag Pros. Dr. R. Sternfeld; Richard Wagner. _ Erläutert durch Jnstriimemaimusik. Komponisten der Neuzeit. Mus Sclty mann Heute Donnerstag, den 10. d. Mts., abends präzise T/t Uhr: Elitcabcnd. Galaprograiiim und wiederum sensationelle neue Debüts u. a.: Zum erstenmal: Die berühmte Reiterfamilie Himmel. Zum erstenmal: Mist Jiorenee. Z. erstenmal: Mr. James Henry. Ferner die großartigen neuen Spezia- litäien. Um 9'/; Uhr: Die Perle aller Pantomimen voll Witz und Humor. Eine Forlsetzung der be- rühmteste» und populärsten Pantomimen: Sie luztigen Zieillelderger. kia ktest auf dem Neckar. Humorist. Bilder aus dem modernen Studentenlcbcn vom Hosballettmeister A. Siems. I.usKspivIKsus. Täglich 8 Uhr: Hufarenfieber. XIII. Sniaon. Zirkus ünsek| Donnerstag, den 10. Oktober 1907, 1 präzise 7'� Uhr: Gala- Vor«.teil uns;. U. a.; Möns. E. Caroli, Fc.kier- künste. Herrn Willy Manns i Wunderelefanten. Um 9'/» Uhr: Auf der Hallig;.| Diesj. gr. Ausstatt.-Pantom. des Zirkus Busch in 4 Bildern.| Im 2., 3. und 4. Bilde: Sturm und Schiffsuntergang. Die Wunder derTiefsec I vorher das Gala-Programm, j SGhl«P-fliiswer wegen Umzug nach der I. Ltage. Die noch vorhandenen Bestände in Teppichen, Portieren, Gardinen, Stores, Steppdecken, echten Perser, Tischdecken, Läuferstoffen, Diwandecken und Fellen werden nur noch kurze Zeit ca. billiger verkauft. ä Resiirtaicr. is Direktion: Richard Alezander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und Desvaillidres. Deutsch v. M. Schönau. Baron deS AubraiS: R. Alexander. lenfml-Tlieslei'. Abends 8 Uhr: IIn»«ro blauen Jnngcns. Paudeville in 3 Akten. cJäeakzmdaSpieg Köpenickerftraste 68. Abends 8 Uhr. Zum 39. Male: Der Aktienbudiker. Alt-Berliner Gesangsposse. Original- Delaratioue» und Kostümen der 50er Jahre mit Joscsine Dora. Täglich: Der Aktienbudiker._ ! Passage-Theater, j Abends 8—11 Uhr. Statmy Gürtler der König der Bohäme und das kolossale OktohEr-Pronraniffl vis-a-vis dem National-Denkmal. 40% B.Hurwitz Rotes Schloß 1/2. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. 8 Uhr: Dr. B. Donath: Physik. (Stiktungsfonds der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1879.) Invalidenstr. 57— 62: Sternwarte, Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelsteme, Nebelflecke. Theater Folies Caprice Linionsfp. 132, Ecke FriedrichstraSe. • Geteilte Liehe• Aiitiduellante«— Bunter Teil. Ansang 8 Uhr. lteues Theater. Abends 8 Uhr: Freitag: Die Waffen wieder. Uletnes Theater. Abends 8 Uhr zum 73. Male: Vater und Sohn. Freitag: Maria Magdalcne. Sonnabend: Maria Magdalene. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. sliester lies Westens. 8 Uhr: Die lustl Sonntag nachm. 31/, FrUhUngalnft. itlge Witwe. 4 Uhr halbe Preise: Friedrick-WIlbelmstädtlsches Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Die Nibelungen. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Die Nibelungen. Sonntap nachm. 3 M>r: Jugend. Abends 8 Uhr: Der blinde Passagier. l-ortiing-Ibeater� Abends 8 Uhr: Lustige Weiher. Freitag: Der Waffenschmied. Sonnabend: Martha. Sonntag nachm. 3 Uhr: Martha. Abends 8 Uhr: Lustige Weiber. kMWWkIM 'flr. Franksurterstr. 132, Spree-Athener von Schwarz-Reiflingen. Ansang 8 Uhr. Wochcntagspreise. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder Vorstellung: Die sieben Rahen. Abends: Spree-Athener. Illetropol-Thealer W.KoacUs Theater Dtretliuu: floh. Oill. Bruiineiiitr. t«. f>ie SelBiild. Schauspiel in 4 Aufzügen v. Müllner. Ansang S Uhr.(in free 30 Pf. Ehren- und Vorzugskartcn gültig I Freitag zum erstenmal: Der der- kaufte Schlaf. aihaila Variete-Theater Ab 8 Uhr: Das kolossale Programm. Um 9'/z Uhr: Sylvester Schatter jr. tier weltberühmte Dowersaikiliistler. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. 6. Thielsclter a. D. F.Massary B.Darfnandal E.Whithney a.D. Bender, ßiampietro. iosephi. Anfang präzise 8 Ohr. Rauchen überall gestattet. Sonntag, 13. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Herren v. Maxim. Luisen-Theater Rcichenbergerstr. 31. Anfang 8 Uhr. Ifiuüersegen. Freitag zum erstenmal: Hoffmanns � Erzählungen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Aschen- brödcl. Abends 8 Uhr: Gebildete M-nschen. Theater des Zentrums. Sophien- Säle, Sophienstraße 17/18. öls stiih m Milse v.Kren u. Lippschütz, Musik v. P. Linckc. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. 18 V/ciniiorgsweg 10/20, Rooonth. Tor. Das SensatiODS-Propni arabische Springer Eds Bium9 der beliebte Komiker. —— Anfang 8 Uhr.— Tunnel: Konzert f Theaterbcs.krei. 18 Stadt-Theater Moabit. Schönhauser Slllee 148/149. Heute Donnerstag, den 10. Oktober 1907: Narziß-der- Das Ende der Pompadour. Trauerspiel in 5 Alten von A. E. Brachvogel. Kasscneröffnung 7 Uhr Ans. 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Kall. Kasino-Theater. Lothringorstr. 37. Täglich 8 Uhr: Das vollst, nette Oklober-Prograinm. Nur Attraktionen 1. Ranges. Die wilde Jagd. Ä Ludwig Fulda. Sonntag nachm. 4 Uhr: Nick(Carter. Prater e Theater Kastanien-Allee 7—9. Der Widerspenstigen Zähmung, Lustspiel üt 5 Akten von Shakespeare. Ansang 8 Uhr. Freitag zum erstenmal:'S Lorke oder: Dorj und Stadt. Henriette de Sorris, lebende Bilder. Lindsay, Peitschenmanipulator. Werner Alberti, kgl. Kammersänger. Grays Affondressur. Oer Biograph. Arlette Dorgere, Sängerin. De Biäre, Zauberkünstler. Empire comedy four, amerikanisches Gesangsquartott. Leris Loyal, Roitakt. Die vier Gordons. Akrobaten. Rixdorter Theater Bürgerstile, Bergstraste Nr. 117. Sonntag, den 13. Oktober 1907: Zapfenstreich. Drama in 4 Akten von Franz Adam Beherlein. Ansang 7'/, Uhr. Kehr. Herrnfeld-I Tlieater. 57 Kommaiidaiitenstraße Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2. Die erfolgreichsten L» ch. K o m ö d t e n " seit 17 Jahren:: Madame Wig-Wag Operctten.Bnrlcsle, Mustt von L. Ital. 85 lebe äss MMeblZn! Separee-Asjäre in 2 Akten. Beide Stücke mit den Aiitore» Anton und Donat Herrnfeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herrnfeld. Palast Bur, -Theater Burgstraste 24. Täglich 8 Uhr. trntrcc 50 Pf. Der brillante UMsr-StiielpIan. U. a.: Paula IPnvals Hunde-Dressur. Die 5 Rammoneurs Damen-Ensemble. Ein glänzender Reinfall _ Posse._ Sanssouci, Kotlbuser StraBe 0. Direktion: Wilhelm Reimer. Heule sowie jeden Sonntag und Montag: MiMMM-ZaiigeT u. TanVikrttiizclien. Stürmischer Ersolg 1 Löwenmlit. Posse in 1 Akt. Morgen Freitag: Gaftsp. d. Bertiner Bolksbühne. tztbvi-Invb Holme«. Relehshsllen-IheAler. Taglich: ir Siger. Britton als Ante im Familieu- bad Wannsee. Ans. Wochcnt. 8, Sonntags 7 Uhr. Irlsnon-Ihealer. Fräulein Josette- meine Fran. _ Anfang 8 Uhr._ uggeuhageu Moritzplatz. Täglich Vorstellung Pnfii Ansang 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert I M.. Enlrcc 50 Ps.) Familicnbillctls a 40 Ps. Auch Militär-Konzert. Becker, PrzywarSli, Görisch, s Neumann, Offcney und Lüttich. i;Union-Festsä!el iiGreifswalilerstr.222,K6ni�r; Jeden Bonnerstag: i Norddeutsche| Sänger.«>»»! Anfang 8 Uhr.— BonS gelten.] Nachdem: Freitanz.' «»«»»»»««»««»»««»»»» stTöbetkAdrikj Julius <» Adalbert» Gtralt«/z Proz.(10). Es wäre völlig verkehrt. die Gewinne einiger bevorzugter Werke als Matzstab für die Lage der vielen reinen Werke bewerten zu wollen. Wenn der Stahlverbaud nach wie vor kategorisch erklärt, die Halbzeugpreise nicht herabsetzen zu wollen, dann geht man von dem Gedanken aus, auf dem Wege der Preispolitik die mit Nachlassen der Nachfrage unbequeme Konkurrenz der reinen Werke auszuschalten. Die kapitalkräftigeren, auch mit vollkommenerer Technik ausgerüsteten, dabei selbst Halbzeug produzierenden Stahl- werke erdrosseln die kleinen Konkurrenten, wenn für beide kein Platz mehr auf dem Markt vorhanden ist. Kapitalistische Eist- Wickelung._ Bom Holzmarkt. An der Berliner Holzindustrie, soweit sie für den Baumarkt in Betracht kommt, hat der Umsatz im Vergleich zum Vorjahre nachgelassen. Von ungünstigem Einfluß waren die Geld- Verhältnisse. Metallbörse in Berlin. Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung mit den heftigen Preisbewegungen auf dem Kupfermarkte, zum Teil auch auf dem Zinnmarkte. In der zweiten Hälfte des vorigen und Anfang dieses Jahres sind die Preise des Kupfers in New Jork enorm in die Höhe gegangen. Mitte März trat plötzlich ein Umschwung ein und die Preise sind seitdem rapid gefallen. Den New Zocker Preis- bewegungen ist die Londoner Metallbörse im wesentlichen gesolgt. Auf diese EntWickelung haben die deutschen Pro- duzenten, Händler und Konsumenten fast gar keinen Ein- fluß ausüben können, trotzdem der deutsche Kupferkonsum die zweite Stelle auf dem Weltmarkt einnimmt und unsere Industrie nur etwa den fünften Teil ihres Bedarfs im Jnlande decken kann. Die deutschen Interessenten konnten weder die Momente, die für die Preisfluktuationen maßgebend waren, übersehen, noch war eS ihnen im allgemeinen möglich, sich gegen das Risiko ihrer New Zorker Ankäufe an der Londoner Börse zu decken. DaS Versagen der Londoner Metallbörse als eines ausgleichenden Faktors hat seinen Grund in ihrer eigentümlichen Gestaltung. Sie ist kein breiter Markt, sondern nur der Konzentrationspunkt für die Interessen weniger großer Firmen. Gerade bei den er« wähnten Preisbewegungen des New Zorker und Londoner Kupfer- markteS würde das Bestehen einer in breitester Oeffentlichkeit arbeitenden deutschen Metallbörse nützlich gewirkt haben. Eine Berliner Metallbörse würde freilich weder die Hausse noch die Baisse verhindert haben, aber sie würde doch in bestimmten Grenzen in die Preisbewegung eingegriffen haben. Die Aeltesten der Kaufniann- schaft beschlossen, das Matena! über diese Angelegenheit als Er- gänzung zu ihrer im Juni veröffentlichten Denkschrift über die Er- richtung einer„Metallbörse Berlin" dem hiesigen Börsenvorstande, Abteilung: Produktenbörse, die sich auf Anregung deS Aeltesten- Kollegiums mit der Frage der Errichtung einer Berliner Metallbörse beschäftigt, zu überreichen. Witternngsübersicht vom S. Oktober 1907. Wetter. Prognose für Donnerstag, ben 19. Oktober 1997. Trocken und meist heiter, mild bei schwachen östlichen Winden. Berliner Wetlerdurean. i Trsie Volksimltma!--«wm** Sonntag, den 13. Oktober: Berliner Theater. 1 BTenes Schansplelh. 5.;6. Abtheilung: 12./13. Abteilung: Freiwild, j Fuhrmann Henschel 3 Uhr naebmittaga. 1 3 Uhr nachmittags. Programmhefte sind drei Tage vor der Vorstellung in allen Zahlstellen kostenlos erhältlich mit dem ein (Beclam) sind von der Vorwärts-Buohhandlung in allen Zahlstellen ausgelegt. Größere Werke sind broschürt III, Serie. Berliner Theater. Max Dreyer: Das Tal des Lebens. 3 Uhr nachmittag». IV. Serie. Wenes Schansplclh. Hebbel: Juditii. 3 Uhr nachmittags. beginnen am Freitag, den 18. Oktober er*, im Lnisen- Theater S1/« vdr.— Neue Mitgliederanmeldungen werden in dieser Woche in allen Zahlstellen angenommen.:::::::::: Beitrag I M. Einschreibegeld 1 M.~Wi 230/1 21.(I. Äbendabteilung). Freitag, den 18. Oktober: K,aisen-Theater. Philipp Langmann: Bartel Turaser 8>/4 Uhr. und Theaterzettel, 23.(III. Abendabteilung). Freilag, den 26. Oktober: liOi'tzing-Theater. 1. 8'/, Uhr. Textbücher MV** Hcrbntfeat Sonnabend, den 19, Oktober: Mozartsaal. den dem einleitenden Aufsatz und Theaterzettel. Textbücher zn_ von der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69(Laden), zu beziehen. Anfang 81/, Uhr. angekündigten Werken Tn*l-ur3«> nriaAww.« AlaAvaal Freitag, den 85. Oktober, 81/, Uhr, Im Saale des Gcwerkschaftshnnaes.— Einlaßkarten ttolmrAi* v» h ll-0 111(1** ir*. H v II 11 a 30 pf ebenso Festmarken und Gastkarten zum Herbsfcnt im Mozartsaal sind in dieser Woche in allen Zahlstellen zu haben. Ordnernltsung Sonnabend, den 12. Oktober, 8'/, Uhr im Gewerkschaftshause."MA Der Vorstand. I. V.: G. Winkle r. Üte MzMZM G.m. b.H Frankfurter Allee 109-111 HERMANN TIETZ Frankfurter Allee 109-ni ER-WOCHE Kinder- Strümpfe plattiert und reine Wolle 38 58 78 Pf. 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Z?efiung 4. K!. 217. Kgl. Hreuss. Lotterie. Zichnna Tom 8. Cklohcr 1907. Torreittags. Nur die Gewinne über 392 Mnrk«ind den betreffenden Nurnmern in Kiainraern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nnehdruek verbalen.) 411[1001 EU 872 1037 212."00 43 IM 635 S3«31 2415 517 531«Z 65[500) 703 5«19 60 39 3129 M[400] 73 292 9? 379[409] 777 93« 41 437." 552 623 37 926 3087 «35 6:49[100) 79 211 22[ 500] 89 860 2 41 57 467 535 629 707[500] 24 Sil 51 79 974 7237 300 3 63 405 11 573 705 8813 99 73! 973 9213 321 61 163 513 flOOOOO] 93 1O061 120 533 SSO 11062 186 95 504 79 669 800 51 S.9 938 12066 402 595 633 372 13102 9 377 461 56« 733 49 60 1 4000 82 601 317 935 91 18115 89 52 7 2 233 007 16012 1S2 553 883 87 17007 147 83 301 511 29 619 50 18132 431 500 14 93 633 57 783[1000] 801 19031 51 103 27 817 630 875 20150 210-82 411 35»35 787 800 19 2 1 281»16 22;"5[100! 331 90 420 567 76 082 793[lOOOJ 812 901 23156 361 SO St 106 663 24t 4 1 III[4001 291 813 659 751 823 933 II 28015 19» 293 330 403 770 839 2 6000 830 907 2 2 2 7 416 713[3010) 23 18 814 927 28381 850 693 863 63[400] 71[400] 29200 063 84 937(4001 3O096 410 73 925 3 1 064 67 83 161 91 96 925 321 423 74 515 320-8 223 94 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Ziehung 4. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 9. Okloher 1907. nacbmittags. Nur die Gow nnc ühcr 192 Hark find den betreffenden Nummern in Klaminern beigefügt. (Ohne tiewähr.)[Nachdrück verboten.) 91 150 221 570 780 1.21 287 38) 103 33 572 93 610 932 76 2073 147 512 32 91 637 983 3007 3) 305 420 72 754 4025 111 16 26 7 312[500] 442 76 530 37 930 5lD5 234[10001 305 433 733 67[100' 6,31 403«3 7.10 67 7 007 379 16 3 702 8931 597 913 51 92 9093 321<70 531 611 51 876 954[190] 82 1O06I 147 61 223 47[190] 410 52 513 771 SO 007 45 1135 1 58[400] 194 80 517 SiO UZ 12016 33 623 931 13 US 5i 794[33 04[ 400] 14021 301 4 3 63 1 5027 39 352 7Di 843 1 6033 150 273 463 91 17126»2 103 43 547 85 806 75 18171 223 372 439 55 798 851 19357 931 20992 144 253 77 88 101 615 39 717 851 919 97 21137 71 301 86 552 98[500] 937 2 2091 203[5000] 423-02 23333 4.51 613 Sil 24011'-100] 73 77 58 115 517 621 74! 833 930 25101 19 553 70 2 6 03) 92 326 W 4,1 532 61 535 65 92 921 33 2 7 313 63 123 623[100] 28 19) UOOl 637 711 930 80[3000] 2901« III 17 424 515 91 622 770 951 62 3 0059 117[400] 430 31552 97 731[10 000] 863 905 59 3 2242 423 567 035[100] 711 851 914 27»3 3311, 56 873 621 725 865 902 79 3 4 0»5 530 429 663 730 3 5 203 82 331 85 427 73[1000] 510 92 702 10 850»77 79 91 3 6093 127 227 863 931 41 3 7 015 60 360 512 66 941 38161 215 653 "30 842 50 920 3 9105 351»6 110 30 517 97 766»29 85 91 40130 93 280[50001 325 SO 661 4 1 063 10:1 65 223 29 347 51 410 352 761 42014 90 133 80 309 630[100] 75) 800 13 4 3 076 159 139 63 083 87 730 503 911 44)27 4M 16 42 BIS 45079 113 34 SOS 533 67 785 806 931 88 46 091 185 213 577 96 809 999[ 400] 4 702) 65 179[ 400] 4SI 605 8 45 61 48199 171 239 459 321 661 98 838 U 85 49 095 360 491 571 691 751 53 931 5O097 793 967 5 1 077 356 101 40 44 547 955 5 2061 333 74 724 914 63 75 5 3 720 972 5 4109 73» 831[300] 41 975 80 93 5 5101 71 257 331 671 0,5 85 5 6142 373 447 530 707 38 342 99 5 7073 91 204» 4.17 548 979 5 8 04 1 53 70 7 7 142 621 82 770[ 400] 922 59165 722[400] 823 919 80[ 500] 6O110 219 305 421 636 61 86 865 6 1 026 235 377 714 885 033 54 6 2 072 368[3000] 551 659 772 819 926 6 3011 53 160 207 90 658[400] S62 64090 III 536 07 624 67 811 65061 III 222 353 831 6 6227 361 72[100] 811 86 812 lioco] 985 6 7002 8 52 402 29 543 97 776[500] 68254 504 «26 708 SOS 959 6 9031 87 102 379 89 443 638 91 70»4l) 177 261 437 623 840 7 1 3)8 69 413 699«25 23 79 7 2315 81 474 757 843[3000] 80 961 7 3 511 987 7 4555 913 7 5009 23 37 11.1 870 7 60"2 50 171 79 277 350 97 77 451 536 617 51 843 933 7 8018 88 172 411 818 931 79390 521 650 72 797«96 940 8014««10 21 54 718 91 945 8 1 351 436 50 650 623 [400] 35 732 833 63 999 8 2535 609 45 733 8 3031 297 3.11 49 155 73 513 7 75 865 83 8 4066 133 381«02 9 833 960 88 92 85163 205[400] 341[500] 78 93 495 745 73 79 816 8 6376 649 786 87115 85 251 630 61 863[500] 88211 841 730 830 89199 305 69 522 4 6 722 69 NODOS 257 70 529 600 890 9 1 010 311 73[400] 411 27 61 654[500] 58«09 726 83[400j 9 2 203 43 55 319 71 504 758 998 9 3105 280 309 89 451 57 531 84 697 700 9 4200 393 196[ 400] 569 9 5104 36 241 553 71 84 803 9 6102 75 287 319 405 605 25 26 788 9 7323 691 867 942 69 9 8028 75 117 293 411 83[400] 99 753 73 89 9 9 270 333 67 439 44 533 [500] 750 1OO007 20 210 91 99 487 582 693 723 8,4 948 1O1160 95 226 43 330 608 48 714 36 52 601 21 963 1 02339 816 46 6 3 94 5 78[500] 103012 216 91 408 17 583 037 78 988 104162 471 772 1 0 5048 210[400] 304 74 635 889 1 0 6377 601 44 94 070 107118 54 288 317 446 672 799 844 023 99 108261 70 471 607 69 91 642 741 109048 178 307 405 911 11O044 167 278 306 80 715 949 11 1015 365 75 328 770 834 037 112119 87 45 204 402 673 113026 331[400] 628 84 913 95 114042 151 71 020 115045 76 227 316 93 427 636 708 08 989 116386 427 554 66 706[ 50000] 849 96[ 400] 117167 301 18 515 55 834 118068 217 331 4R5 611 93 727 29 92 03 99 620 1 19169 240 91 318 559 894 12O042 146 279 86 685 647 121061 172 85 224[1000] 41 578[400] 864 956 1 2 2061 100 10 825 64 429 43 69 07 MO 638 747 810 68 944[400] 123574 638 785 807 044 59 124039 67 281 300 8 602 14 663 88 1 2 5008 77 101 318 529 729 90 991 126085 362 550 72 616 790 92 1 27090 825 68 430 530 78 662 819 90 985 1 2 8228 75 540 70, 93 840 129093 112[400] 88 429 700 816 914 13 0622 7 9 84 772[400] 991 13 1 088 458 728 1 3 2021 103 208 393 761 71[400] 825 1 3 3 250 70 309 22 94 490 747 134068 85 197 343 97 432 65 637 785 999[600] 135206 [500]»93[400] 527 601 818 983 1 3 6027 81 122 661 716 828 79 1 3 7020 367[400] 573 39 661 724 866[1000] 138171 667 790 821 931 139051 221 603 96 140115 27 205 636 69 048 94 774 1 4114« 82 ,15 [500] 722[400] 867 1 42107 19 83 47 841 72 707 857»79 143 006 839 426 521 67 770 910 1 44191 313 37 405 55 604 703 61 315[400] SO 74[400] 907 143152 827 410 897 146-10« 147125 96 41, 758 884[400] 915 148139 dB 743 1 49016 543 312 3" 65 07 150017 188 233 7 3 589 943[500] 151378 456 538 675 741[1000] 43 1 5 2010 85 97[1000] 182 ST 805 418 812 133224 154035 651 874 1 5 5010 124 403 83 S9 571 754 838 906 1 5600G 97 122 26? 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Klajse 217. Königl. Preuss. EUssen-Lotterie findet statt vom 6. November bll 4. Dezember 1907. Tefipiche mitgurbenfeSIentgabrlf» Niederloge(Mroiie grnnflurteriti nfce 9, pnrierre(ein Laden. Mauerhoff.+1 lilnrdiiicnbniici(Aro�eginnfiurter» (hnfee 9, parierte. Kein Laden. Mauerhafs. I f ZteVPbcrfeii billigst gebrif Kratze granfiiirterflrntze 9, pnrierre._+1 Möbel sowie ganze Wohnungs- Einrichtungen erhalten solide Leute zu Kassapreisen bei geringer An- zahlung aus Teilzahlung Möbelsabril A. Krause, Schützenstratze 78/74.* Teppiche!((ehlerbnfte) in allen Kritzelt(flr die Hölsic des WerleS im Teppichioger Brünn, Hackelcher Mnrtt 4. Babnhus Vörie. 261/1* Kfeppdecken spottbillig, Fabrik Krotzt granksurterslratze 60. 3167K* Möbelkäufe sind vortcilhast im Möbelspeicher Brunnenstratze 182 Hof. Kanze Einrichtungen von 2iX),— an. Kelcgenheitsfäuse wenig gebrauchter Uli? neuer Möbel, Plüschgamiturcn, -Schreibtische, Panceljosaz. 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Derselbe war zehn Jahr« im Parteigeschast als Kolporteur tätig. ist jetzt lange Jahre bei einer Kranken- taste al§ Expedient in Stellung Ofscrieu erbeten unter l.» 3 Expedition des.Vorwärts*. 520k