Nr. 339. Hbonncments-Bedingungen: vkonncmentZ» Preis pränumerando? Vierteljährl. 3.30 Mä, monatl. I.lv Ml., wöchentlich 2S P!g. frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SomuagS- nummer mit illustrierter SonntaaS- Bellage.Die Neue Well' t0 Pfa. Post. Abonnement t 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnemeMZ nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. CrfAtlnt täglich auCcr Jicntaa*. Vevlinev Volksblcltt. Die Inltrtlons'Gebflbr lekägi für die sechsgefpallene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Berfammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Meine Blnreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeoitton ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adreffs: „SozialiKinolint Rtrllo". Zcntralorgan der rozialdemokratirchen Part« Dcutfchlands. Redahtion: SM. 68» Linden Strasse Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Quittung. Im Monat September gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeitrüge ein: Grosj-Berlin a Konto seiner acht Wahlkreise 13 333,—(darunter: Aufgelöste Budike, Möbelfabrik Kimmel, 4 Treppen j55,2o, Kranz- überschuß vom 238. Bezirk, Zickenrolt 1,25, Kranzüberschuh vom 749. Bezirk 5,93, Bierprozente d. Koll. v. d. Firm. Argus 23,—, Krauzübcrschuh des 617. Bezirks 11,43, Monatsbeitrag H. Raschle 13.—. A. B. Mister 1.—. BleistegS Bierkasse 6,63. vom Genossen Beyer, Jiidenstrahe 24 4,—. vom Genossen Weinger 2,53. vom Genossen Blaha 3,—, Werkstatt Grassolo. Rixdorf, Richard« platz 19 3.—. Bau Hotel Adlon 4.53. Alt 15.-. Tisch- lerei von Bernig 13,—, von den Flaschen-Kellerarbeitern des Böhm. Brauhauses 9,73, von den Mitgliedern der U.-Dr. 6,83, Bierprozente der Bauklempnerei G. Stein 24.55, Bier- Prozente der Tischlerei Försterling, Schinkestrahe 7,—, Siegmund 2,—, Buckdruckerei- Hülfsarbeiter. Notationsmaschinensaal„Vorwärts", 3. Quartal 5,—, organisierte Konfcklionsschneider von Bär Sohn 1D,—). Berlin, diverse Beiträge: Machetes 5,—. llebersch. v. d. Jubiläumsfeier der Bauanschläger d. Fa. E. Franke 15,—. Arbeiter d. Fa. Aug. Kraust, Bau Adlon 2,35. Von G.— lla. 1,65. Fidele Geburtstagsfeier durch E. Heimlich 1,73. Aus der Sechserkasse der Tischler v. Campbell u. Pullich 5,—. L. L., Eisenbahner 8,—. Von den Ortsverwalwngsbeamten der Filiale Berlin II der Allg. Kranken- u. Sterbet, d. Metallarb.(E. H. 29) Hamburg 75,—. Dr. L. A. 133,—.„Bombe"—.53. Putzerkolonne Chemnitz, darunter 2 Wettende 16,75. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5,—. Die Arbeiter der Schuhfabr. v. Müller u. Schlizweg, Runge- straste 13 5.—. P. S. 53,—. A. B. 63,—. Gutenberg 45.83. llebersch. v. d. Kranzsp. d. Koll. Kaspar, Auto. Ober-Schvneweide 9,35. Jule, Rittersir. 85, 3. Quart. 23.93. S. Weistenberg, Berlin 0. 3,—. C. D. Guhrau 3,—. Handtüchcr-Berleihgeschäft P. Poetsch, Glogauerstraste 4,83. Mitglieder des Verbandes deutscher Buchdrucker im„Vorwärts" 153,—. Bromberg,.Arbeitersekretariat" g_. Borna, 14. sächs. ReichStagSlvahlkr. 230,—. Bernburg, Beitrag für 2. Quart. 37 96,58. Brieg-NamSlau, 2. Quart. 37 35,43. Bern 53,—. Chemnitz. Brutus 1,—. Dresden,„aus Un- verstand und Bosheit", 2 Raten 2,—. Dessau. Wahlkreis Anhalt I, 3. Quart. 37 133,—. Falkenberg(Oberschlesien) 2,—. Friedenau. X. 5,—. Hamburg, Ueberschust aus»Hamburger Echo"-Vertrieb 25 333,—. Hamburg, eingegangen in der Expedition des„Hamburger Echo" 62,33. Köln a. Rh., Reg. 28. 23,—. Liegnitz-Goldberg- Haynau, 1. Halbjahr 37 86,74. Luckenwalde, Rufus 5,—. Lim- bach i.®., Beitrag deS sozialdemokr. Kreisvereins f. d. 15. sächs. Reichstagswahlkreis 433,—. Limbach i. S.. von B. L. 23,— u. 33.—, Sa. 53,—. Meiningen, 2. Quart. 37 durch S. in P. 233,—. Nürnberg, (tz au Nordbayern: Wahlkr. RegenSburg 13,66; Wahlkc. Amberg 4,17; Wahlkr. Neumarkt 1,26; Wahllr. Forchheim-Kulmbach 65,79; Wahlkr. Kronach-Lichtenfels 62,46; Wahlkr. Bamberg 48,33; Wahlkr. Ans- bach-Schwabach 131,35; Wahlkr. Eichstätt 14,64; Wahlkr. Dinkels- bühl 13,98; Wahlkr. Kitzingen 13,89; Wahlkreis Schweinfurt 53,79; Wahlkreis Würzburg 63,12. Ottensen-Pinnebcrg, Zentralverein für den 6. schl.-holst. Wahlkr. 1541,—. Oberstein a. N., Parteibeitrag f. 2. Quartal 37 21,64. Stuttgart, G. U. 13.—. Schwäb.-Hall, Beitrag d. 11. württemb. Wahlkr. 64,48. Strasburg i. Elf., Beitrag f. d. Geschäftsjahr 1936/37 257,43. Saarbrücken, Beitrag d. sozial- demokr. Vereins f. d. Saargebiet 25,—. Velten.� Kreiswahlverein Potsdam-Spandau-Osthavelland v. 4. Quart. 36 bis inkl. 3. Quart. 37 627,36. Wittenberg-Schweinitz, Beitrag des Wahlkr. f. 1936/37 53.—. Berlin, den 8. Oktober 1937. � Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Lindenstr. 6V. Der letzte IPapIterlaß. l- Die Schell-Commer-Affäre, die seinerzeit berechtigtes Auf- sehen erregte, hat sich, wie erinnerlich, immer weiter aus- gewachsen. Erst war sie der wenig erquickliche Streit um einen Toten, den die einen als frommen und rechtgläubigen Priester auf den Schild erhoben, während die anderen ihn als überwiesenen und verurteilten Ketzer brandmarkten. Der Kurie freilich, das zeigte sich vom ersten Augenblick, handelte es sich weniger um diesen einen, als um die Richtung, deren typischer Vertreter er war. Gegen die Richtung holte sie zu immer wuchtigeren Schlägen aus. Die Meinung, sie werde es bei ihrer letzten Kundgebung, dem auch von uns ge- würdigten neuen Syllabus, beivenden lassen, erweist sich denn auch als irrig. Die Kurie will gründliche Arbeit machen und hat sich unlängst zu einer Enzyklika verstiegen, in der sie die gesamte neuere Richtung im Klerikalismus unter dem Namen des„Modernismus" nicht nur in Bausch und Bogen verdammt, sondern ihr auch für die Zukunft allen Grund und Boden zu ent- ziehen sucht. Wir haben es seinerzeit sofort ausgesprochen, dqß die Kurie mit ihren Kundgebungen jene Schichten der Intelligenz treffen wolle, die im deutschen Zentrum die poli- tische Führung besitzen, und über diese hinaus die hinter ihnen stehenden deutschen Kleriker und die sog.„apologetische" Methode, ihr Liebäugeln mit den Resultaten der modernen Wissenschaft. zu dem sie der Kampf der Sozialdemokratie gezwungen hatte. Unsere Auffassung wird durch die neueste Enzyklika in höherem Maße bestätigt, als wir je zu erhoffen wagten. Denn wenn sich der Papsterlaß der Form nach auch an den gesamten Klerus richtet, so kehrt er seine Spitze doch in erster Linie gegen Deutschland und diejenigen Länder, die im deutschen Klerikalismus ihr geistiges Vorbild sehen. Man muß sich vor Augen halten, um was für Leute es sich bei den„Modcrnisten" handelt. Es sind einflußreiche Schichten des Klerus, die man bislang öffentlich hofierte, Leute, die sich in hohen geistlichen Stellungen befinden, selbst Bischofssitze besetzt halten, Ratgeber und persönliche Freunde von Bischöfen, namhafte Professoren, Verwalter wichtiger Aemter in den Diözesanbehörden. Es sind Personen, die, aufs engste verbunden mit maßgebenden Politikern des Zentrums, bedeutenden Ein- fluß besitzen, die in der Presse oder in wissenschaftlichen Zeit- schriften und Werken sich die Verteidigung des Klerikalismus stets angelegen sein ließen. Um so bemerkenswerter ist die Art, wie sie von„Sr. Heiligkeit" in jenem Sauherdenton, der sich offiziell Kurialstil nennt, traktiert werden. Da heißen sie „voni Feinde des Menschengeschlechts an- geregte Menschen mit einer falschen Zunge". „Feinde, die um so gefährlicher, je tveniger offen sie sind", die„jeder ernstlichen Philo- sophie und Theologie entbehren und i m Gegenteil bis aufs Mark der Knochen von einem Gift des Irrtums erfüllt sind, das geschöpft ist bei den Gegnern des katholischen Glaubens". „Und während sie auf tausend Wegen ihren ruchlosen Plan verfolgen, befolgen sie eine Taktik, wie sie hinter- listiger und treuloser nicht gedacht werden kann."„Indem sie sich auf ein falsches Geivissen stützen, tun sie alles, damit man nur dem reinen Eifer für die Wahr- heit zuschreibe, was ausschließlich als ein Werk der Halsstarrigkeit und des Hochmuts an- zusehen i st." Der„Modernismus" ist eine„Sammlung aller Häresieen", die„den Saft und das Blut aller Irrtümer gegen den Glauben, soviele derer bestanden haben, in eins vereinigen". Kirchenfürsten und ihre Ratgeber— Pius X. nennt sie Unwissende, Hochmütige, Ruchlose und Heuchler! Auch auf dieses Muster christ- licher Gesittung wird man, wie auf so manches andere ver- weisen dürfen, wenn man sich im Zentrumslager wieder einmal über den„Ton" der Sozialdemokratie entrüsten sollte. Wir können an dieser Stelle selbstverständlich nicht dem theologischen Gegensatz zwischen dem Papst und den „Modernisten" im einzelnen folgen. Einmal weil es an und für sich nicht die Aufgabe der Tagespresse ist,' in religiösen Kontroversen ein Richteramt auszuüben, und zweitens weil gewöhnlich beide Teile von ihrem einseitigen Standpunkt und, soweit sie sich kritisieren, gegen einander recht behalten. So ist es auch hier. Es ist durchaus richtig, wenn die „Modernisten" sagen, auf die Dauer könne die alte scholastische Schablone gegen den modernen Geist selbst bei Hinter- wäldlern nicht mehr aufkommen, es sei notwendig zu reformieren und sich der Zeitströmung tunlichst anzupassen, dem Fortgang der Wissenschaft Rechnung zu tragen und nicht an ihren Resultaten, in erster Linie der Geschichtsforschung, der Bibelkritik und der Dogmengeschichte, vorbeizugehen. Sie sind im Recht, wenn sie betonen, daß sich diese Resultate nicht nur aus theologischen und religiösen, sondern auch aus politischen und sozialen Gründen rechtfertigen, daß auch die Kirche vorder Wahl steht, sich dem demokratisierenden Zuge der Zeit zu unterwerfen oder von ihm im Lebensnerv getroffen zu werden. Mit dem gleichen Recht freilich behauptet der Papst, wer dem Teufel den Finger reiche, verschreibe sich ihm ganz; es gebe kein Halten niehr, sobald man den ersten Schritt auf den„Modernismus" hin tue und ihn damit grundsätzlich an- erkenne, der„Modernismus" werde daher auf die Dauer Dogma und Kirche nicht fördern, sondern erst recht zerstören. Berechtigt ist es ferner, wenn der Papst ihn eine Halbheit nennt, die auf der Grenze zwischen Vernunft- und Wunder- glauben stehe. Was Pius X. den„Modernismus" nennt, ist frellich kein Zufallsprodukt, es ruht auf materiellen Bedingungen. Es ist ein Ausdruck der Lage, in der sich die herrschenden Klassen befinden, und trägt alle die widersprechenden Züge dieser Situation. Immer' mehr empfinden jene Klassen das Bedürfnis. sich gegenüber dem wachsenden Ansturm des Proletariats zitsammenzuschließen, und sie ringen nach einer entsprechenden gemeinsamen ideologischen Formel, die über den Tag hinaus- dauern könnte, die für römische, lutherische, reformierte und sonstige Christen, einschließlich Juden und Liberale, das kapitalistische Eigentum und die heutige Gesellschaft in einer alle befriedigenden Weise auf göttliche Anordnung zurückfilhrt. Ein solcher Versuch liegt im„Modernismus" vor. Seine Apologetik zeigt weniger das Bestreben, bestehende Systeme zu verteidigen, als den Nichtgläubigen zu einer Auffassung zu bekehren, die mit den Formen des Klerikalismus einen neuen Sinn zu verbinden sucht. Der Agnostizismus befördert Gott aus dem Kreise der natürlichen Erscheinungen hinaus, läßt ihn als geschichtliche Persönlichkeit nicht gelten und betont, daß er nur durch das innere Gefühl erkennbar sei. Da seinerseits Gott im Menschen selber lebt und in ihm das religiöse Bedürfnis auslöst, so ist jede Glaubens- schattierung wahre Religion, sowohl die, welcher den Autoritäts- begriff der Kontrolle der Vernunft und die Gottesidee dem Ermessen des Subjekts unterstellt, wie jene, die die tollsten Wunder für bare Münze nimmt. Um die kapitalistische Aus- beutung unangetastet zu lassen, mutz der„Modemismus" der Freiheit den nötigen Spielraum gewähren. Daher läßt er die Religion teils natürlich, teils übernatürlich sein, teils wandcl- bar und teils nicht; inwieweit sie konservativ oder fortschritt- lich sein soll, das regelt sich nach den inneren Bedürfnissen, die Gott in den Gläubigen hervorruft. Vor allem aber ist die Religion dem Volke zu erhalten, die daher ein Janusgesicht tragen muß, eines für die Plebs und eines für die Besitzenden. Daher kommt den Dogmen ein doppelter Charakter zu als Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Abbilder der Wahrheit, als Symbole und als bloße Vehikel der Wahrheit. Die religiöse Formel soll dem Gläubigen, was auch sonst sein geistiges Niveau sein mag, ebenso wie seinem Glauben angepaßt sein. Und wenn nun das„geistige Niveau" und die„religiöse Formel" sich nicht vereinigen lassen? Hat Christus z. B. wirkliche Wunder und Prophe- zeiungen aufzuweisen, und ist er wirklich gen Himmel ge- fahren? Hier antwortet der Agnostizismus mit nein, der Glaube mit ja, und zwar ohne Widerspruch. Im ersten Fall spricht nämlich der Philosoph zum Philosophen, der Christus nur nach der geschichtlichen Erscheinung auffaßt; die Be- jahung aber geht vom Gläubigen aus, der sich an andere Gläubige wendet und das Leben Christi als Tatsachen betrachtet, die er im Glauben wiedererlebt.— Es ist dies wahrlich keine schöne Theologie, deren Grundlinien Pius X. da zeichnet. Aber was dem hausbackenen Verstände an ihr widersinnig erscheint, folgt„logisch" aus den Klassenintercssen, zu deren Hütern ihre Vertreter bestellt sind. Mag sein, daß dieses System in allen seinen Konsequenzen verhältnismäßig wenig bewußte Anhänger zählt. Um so mehr aber wird es praktisch geübt, vor allem in der öffentlichen Agitation, wo Weltschöpfung und Weltuntergang, Himmel, Hölle und Fege- feuer vielfach in einem Gewände erscheinen, das in nichts mehr an die Theologie der Kirchenväter und der Scholastik erinnert. Da unsere Leser nicht alle mit den theologischen Fachausdräcken vertraut sind, tvollen wir einige Erklärungen hinzufügen. Syllabus: Verzeichnis aller vom Papst verdammten Lehren. Enzyklika: Päpstlicher Erlatz. Apologetisch: Kritiklos verherrlichend. Häresie/ Ketzerei. Rationalismus: Vernunftglanbe. M y st i- z i s m u S: Wunderglaube. Agnostizismus: Nichterkcnnen, philosophische Richtung, die erklärt, über die Existenz oder Nicht- existenz Gottes nichts aussagen zu kömien. Vehikel: HnlfSniittel, Mittel, etwas weiter zu verbreiten. Index: Verzeichnis der vom Papst verbotenen Schriften. Indizieren: Auf den Index setzen. Scholastik: Mittelalterliche Philosophie, die nur innerhalb der vom Kirchenglanben gezogenen Schranken die philosophischen Fragen behandeln durfte. Nie ms« Ss; Sshirecht erobert. DaS war wieder einmal eine jener gewaltigen Demonstrationen, die die Kraft und Macht des Proletariats auch der bös- willigen Stumpfheit und der hochmütigen Einbildung anschaulich gemacht haben. Am 13. Oktober hat das ungarische Prole- tariat die Fabriken und Werkstätten verlassen und gezeigt, daß kein Proletariat der Welt seine politische Entrechtung länger er- tragen kann. Der 13. Oktober war eine Lehre und eine Warnung. Eine Lehre, daß kein Staatswesen der Welt heute die Demokratie in Gesetzgebung und Verwaltung mehr entbehren kann, ohne schweren inneren Krisen zuzutreiben. Eine Warnung, weil die Stillsetzung der Produktion und des Verkehrs durch den Willen des Proletariats wieder den Herrschenden zeigt, welche Macht dem Massenstreik innewohnt; weil gezeigt wurde, welche schweren Verwickelungen die EntWickelung des Staates durch den egoistischen Starrsinn und das freche Festhalten an usurpierten Privilegien ausgesetzt wird. Die Demokratie, und ihre wichtigste Vorbedingung, das allgemeine und gleiche Wahlrecht, ist die Garantie verfassungsmäßiger EntWickelung. Die, die das gleiche Recht verweigern, sind die eigentlichen Hoch- Verräter an der Ration, weil sie es sind, die gewalttätig gegen die große, entrechtete Masse werden müssen, um ihre staatsverderbendcn Privilegien auf die Dauer— und schließlich doch vergeblich— zu schützen. Der 13. Oktober enthält aber ebenso wie die Geschichte des österreichischen Wahlkampfes eine wichtige und beherzigenswerte Lehre für jene Schichten des deutschen Bürgertums, die sich noch eine Spur demokratischer Empfindung be» wahrt haben. Die Demonstration des ungarischen Proletariats war begleitet von der Sympathie eines großen Teiles des ungarischen Bürgertums, das begriffen hat, daß ohne die tatkräftige Mitwirkung des Proletariats kein moderner Staat bestehen kann, ohne die schwersten Schädigungen durch eine oligarchische Herrschaft zu erfahren. Es hat die Demonstration unterstützt, indem es die Beteiligung der Arbeiter ruhig gewähren ließ, ohne sie durch verruchte Scharfmacheret zu stören, ja, indem es in seinen unteren Schichten durch Sperren der Gcschäftsläden, durch Beflaggung und Illumination aktiv an der De- monstration teilnahm und ihr Gelingen förderte. Die Demonstration selbst verlief, wie das bei proletarischen Straßen- demonstration heute schon selbstverständlich ist, in musterhafter Ordnung, und es ist zu hoffen, daß sie ihr Ziel bald erreichen ivird. Jedenfalls steht fest, daß das allgemeine, gleiche Wahlrecht in Ungarn nicht mehr aufzuhalten ist. Was sagen dazu unsere Freisinnigen? Wollen sie nicht end- lich einsehen, daß auch Preußen nicht außerhalb der Welt liegt. daß auch hier das Wahlrecht nicht kommen wird aus der Einsicht und dem Gerechtigkeitsgefühl der Privilegierten, der Nutznießer der Volksentrechtung, sondern nur errungen werden kann durch eine stete, unermüdliche, von Schritt zu Schritt vorwärtsgehende Wahlbewegung? Wollen die Frei, sinnigen auch nach dieser neuesten Lehre, wie man Bürger gleichen Rechts wird, den Wahlrechtskampf nach der elenden Parole der Fischbeck und Konsorten führen? Wollen sie noch länger über das kämpfende Proletariat mit Schmähungen und Ver« l eu m d u ng cy herfalle», dje nichts jiyd. als elende AusfljiMo fflt FeWeik biet gbt Vettat? Oder wollen sie. wie die ungarischen Bürger, die wirklich ebenso feind dem Sozialismus und den prole- tarischen Forderungen sind, wie sie selbst, die aber eingesehen haben, datz die Gleichberechtigung des Proletariats eine Existenzbebingniig der bürgerliche» Gesellschaft und ihrer ruhigen Weiterentwickelung ist, nicht doch endlich sagen:„Wir sind als Angehörige der besitzenden Klassen Eure Feinde und werden Euch in Euren ökonomischen Zielen immer bekämpfen. Aber wir wollen dafür sorgen, daß Sonne und Wind in diesem Kampf gleichmäßig verteilt sind. Die friedliche, verfassungsmäßige Ent- Wickelung ist auch unseres, ist bürgerliches Interesse. Ohne gleiches Recht seid nicht nur Ihr, sondern sind auch wir mit Händen und Füßen dem Gewaltregiment der Junker, dem Regierungs- absolutiSmus ausgeliefert. Das gleiche Recht bedeutet ja zunächst unsere eigene Herrschaft. Mit Gewalt können und wollen wir diese nicht behaupten. Wir stellen uns mit Euch der Entscheidung der Nation. Deshalb wollen wir mit Euch für unsere alte Forde- rung: die Demokratie im Reich wie im Lande, kämpfen." Gibt es in Deutschland noch Freisinnige, die aus dem 10. Oktober lernen können?! Line unglaubliche Wtiashtion. Die Denunziation eines freisinnigen BlatteS, der edlen „Königsberger Hartungschen Zeitung", hat die Einleitung eines schier unmöglichen Justizverfahrens gegen unser Parteiblatt in Ostpreußen, die„Königsberger Volks- zeitung" erzielt. Wir haben von der freisinnigen Hetze gegen den historisch- kritischen Artikel, den die „Volkszeitung" zur Enthüllung des Nationaldenkmals zn Memel gebracht hatte, Mitteilung gemacht und ebenso von der unverständlichen Haussuchung in der Redaktion der„Volkszeitung", die ungesetzlicherweise ohne Angabe der dieser Justizaktion zugrunde liegenden Straf- gesetzbuch-Paragraphen erfolgte. Das Rätsel dieser Haussuchung wird jetzt durch ein neues Rätsel abgelöst— die strafbare Handlung, die die Anklage- behörde der„Volkszeitung" unterstellt und die der Anlaß der Haussuchung gewesen fem soll, wird jetzt von der Staats- anwaltschaft als— Majestätsbeleidigung angegeben. Die Königsberger„Volkszeitung" teilt mit: „Jetzt endlich haben wir erfahren, weshalb die Staatsanwalt« schaft bei uns in voriger Woche eine Haussuchung hat vornehmen lassen. ES schwebt ein Ermittelungsverfahren gegen den Genossen Marchionini, den verantwortlichen Redakteur der fraglichen Nummer, und gegen den Verfasser des bekannten Artikels über das Memeler Denkmal wegen-- MajestätSbcleidigung! Die Schwierigkeit war nur, einen Paragraphen zu finden, dessen Anwendung möglich war. Man erinnert sich notwendig an das Richtergespräch auS dem„SimplieissimuS":„Herr Kollege I Wir haben heute hochinteressanten MajestätSbeleidigungSprozeß. Der Dolus s-Absicht zur Vcriibung einer strafbaren Handlung) ist schon da. jetzt muß nur noch der Tatbestand konstruiert werden!" Ein Meisterstück wird eS werden, wenn die Staatsanwaltschaft versuchen sollte, den Tatbestand zu konstruieren, denn nicht mit einer Zeile, nicht mit einem Wort, nicht mit einer Andeutung, nicht mit einem Buchstaben war in dem Artikel vom Kaiser die Rede. Trotz« dem scheint man Anklage erheben zu wollen:»Wir glauben es, weil es unmöglich ist!" Wird die„freisinnige" Presse auch diese? StÜckchew au? der staatsanwaltlichen Werkstatt stillschweigend oder ausdrücklich billigen? „Wir glauben es, weil es unmöglich ist." Die Aera der Einschränkung der MaZestätsbeleidigungSprozesse wird durch das neue, von der freisinnigen und nur von der frei« sinnigen Presse(die konservative machte erst nachträglich mit I) herbei« geführte Verfahren gegen uns stimmungsvoll eingeleitet. Erst hat man sich eine Zeitlang„entrüstet", hat seitens der Presse eine fast wahnwitzige Hetze gegen uns betrieben! Und schließlich fand der Staatsanivalt einen Paragraphen, obwohl selbst die Denunzianten- presse, ja selbst die im direkten Dienst der Regierung stehende„Nord- deutsche Allgemeine Ztg." in ihrem Schimpfartikel über uns den Vorwurf nicht erhob, der Kaiser sei in dem Artikel beleidigt. Warum sucht sich die Staatsanwaltschaft gerade den MajestätsbeleidigungS- Paragraphen aus? Es gibt doch Paragraphen im Strafgesetzbuch, welche noch härtere Mindest- und Höchststrafen festsetzen als selbst der 8 üö. So unser Königsberger Bruderblatt. Es hat die Aktion der Königsberger Staatsanwaltschaft von vornherein richtig kritisiert. Der inkriminierte Artikel der„Königsberger Volkszcitung" enthält in der Tat auch nicht das kleinste Sätzchen. daS auch nur mit der gewaltsamsten Deutung und unter Zuhülfenahme des berüchtigten dolus eventualis als eine Beleidigung des deutschen Kaisers gedeutet werden könnte. Und wir haben ja in Deutschland nicht daS österreichische Strafgesetz. das die Kritik verstorbener Angehöriger des Herrscherhauses als Majestätsbeleidigung bestraft. Aber anscheinend möchte die Königsberger Staatsanwaltschaft diese Bestimmung des verrotteten österreichischen Rechts auf einem Umwege in Deutschland einführen. Vor mehr als 10 Jahren hat einmal ein Brandenburger Staats- anwalt etwas Aehnliches versucht. Eine historische Darstellung der nicht gerade schönen Rolle, die einige brandenburgische Kurfürsten in der Zeit der Reformation gespielt haben, sollte eine indirekte Beleidigung des jetzigen Kaisers fein. Aber das Gericht hat den damaligen Verantwortlichen der„Branden- burger Zeitung", den Genossen Ewald, freisprechen müssen, die Aktion der Staatsanwaltschaft mißlang. Ob die deutsche Justiz heute reif ist, das zu schlucken, was sie damals ablehnte? Nichts ist unmöglich.... Wir leben ja in der B l o ck- A e r a, in der Zeit der„liberalen Zugeständnisse", da die freisinnige Partei und Presse zu allen Taten der Polizei und Gerichte gegen die Sozialdemokratie, gegen die Arbeiterbewegung staatsmännisch schweigen. Weshalb sollte da zu der Hoch- Verratsanklage gegen Liebknecht nicht eine Majestäts- beletdtgungsanklage gegen Marchionini(den Verantwortlichen der„Königsberger Volkszeitung") kommen! Kann sich doch die Königsberger Staatsanwaltschaft darauf berufen, daß sie damit eine liberale Tat tut, sintemalen die ehrenwerte „Hartungsche Zeitung" und nach ihr andere freisinnige Blätter die«Königsberger Volkszeitung" denunziert haben! poUtifchc GebcrHcht Berlin, den 11. Oktober 1907. Ein Eingriff in die Freizügigkeit. Die Agrarier haben mit ihrem Kampfe gegen die Freizügigkeit und für'die Schollenpflichtigkeit ihrer„Leute" einen Erfolg erzielt. Der Mitrister der öffentlichen Arbeiten, Herr Breitenbach, scheint, da kein vernünftiger Mensch seine eigenartige Eisenbahnpolitik begreift, sich wenigstens bei der Gefolgschaft der„Deutschen Tagesztg." eine gewisse Anerkennung erwerben zu wollen. Um der Abwanderung von Arbeitskräften aus landwirtschaft- lichen Betrieben während der Bauzeit des Großschiffahrtsweges Berlin— Stettin nach Möglichkeit vorzubeugen, hat er, wie gemeldet wird, angeordnet, daß hierbei Arbeiter nicht angenommen werden dürfen,„welche in den letzten 12 Monaten mindestens drei Monate in den Kreisen Teltow. Zauch-Belzig, Niederbarnim, Osthavelland, Oberbarnim, Ruppin, Templin, Angermünde, Königsberg Nm., Lebus in einem landwirtschaftlichen Betriebe beschäftigt waren, dessen Sitz nicht mindestcnS2S Kilometer von der Linienführung der neuen Wasserstraße entfernt liegt." Nicht betroffen von dieser Beschränkung sind diejenigen Arbeiter, welche in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf, Deutsch-Wilmersdorf, Lichtenberg, Potsdam und Spandau beschäftigt gewesen find. Ueber weitere während des Baues sich als erforderlich herausstellende Beschränkungen bei der Auswahl des Arbeiterpersonals entscheidet das königliche Hauptbauamt in Potsdam. Um den Herren Agrariern gefällig zu sein und ihnen ihre billigen Arbeitskräfte zu erhalten, gestattet der Herr Minister sich also, für einen Teil der Landarbeiter daS Freizügigkeitsrecht indirekt aufzuheben und ihnen zu verweigern, dort ihre Ärbeitskrast zu ver- werten, wo sie am besten bezahlt wird. Durch einen bloßen Feder- strich des Herrn Ministers werden sie aufs ärgste in ihrer Erwerbs- sähigkeit getroffen. Wirklich die Blockpolitik treibt gar prächtige Blüten. Von dem Anbruch der verkündeten liberalen Aera ist bisher nicht das geringste zu spüren; im Gegenteil die preußische Bureaukratie gestattet sich noch weit reaktionärere Weltverbesserungen als bisher, da sie mit Sicherheit darauf rechnet, daß die freisinnige Presse in ihrer Devotion vor dem Block-Jdol jede energische Kritik unterläßt.—_ Was Du nicht willst, daS man Dir t«..« Ueber die Arbeiterqualität einiger christlichsozialer Führer läßt sich der Pfarrer T e i ch e r t in Schwedenhöhe bei Bromberg, der selbst Vorsitzender des Posenschen ProvinzialverbandeS evangelischer Arbeitervereine ist, in seiner.Nordoftdeutschen Arbeiterzeitung" u. a. so auS: „Der erste Vorsitzende des Kongresse?(nationaler Arbeiter- vereine), Herr Reichstagsabgeordneter Behrens, der gelernter Gärtner ist, wohl aber schon seit einem Jahrzehnt seinen Gärtner- beruf nicht mehr ausgeübt hat, vielmehr seit einigen Jahren Generalsekretär des christlichen Bergarbeiterverbandes mit etwa »600 M. Gehalt ist. dürfte doch ebensowenig mehr Arbeiter sein wie z. B. Herr Hartwig, der die Schneiderschere mit der Redaktionsschere im„Reich" vertauscht hat." DaS„Reich" bemerkt zu diesen Auslassungen, daß„nur eine sehr tief st ehe» de Polemi! anderen Leuten ihr Gehalt vor- halten kann; und weiter:„aber selbst Sozialdemokraten halten eS durchweg für geschmacklos, dem Pfarrer sein Gehalt dorzurechnen". Die letztere Ausführung stimmt mit der Wahrheit Lberein. Da- gegen ist eS ständige Gepflogenheit derer um Stöcker wie der gesamten Arbeiterfeinde überhaupt, in der niederträchtigsten Weise von den„vergeudeten Arbeitergroschen" und dem„Schlemmerleben der sozialdemokratischen Arbeiterführer" zu reden. Hier, wo daS„Reich" einmal in ähnlicher Weise von eigenen Gesinnungsgenossen angegriffen wird, beißt es den moralisch Entrüsteten heraus und verurteilt in schärfster Weise dieselben Praktiken, die es sonst ständig im Kampfe gegen die moderne Arbeiterbewegung anwendet. Wenn das fromme Blatt über kurz oder lang in seinen alten Fehler zurückfällt und wieder sozialdemokratische Arbeiterführer in bekannter Weise anpöbelt, werden wir ihm sein heutiges Urteil über solche KampfeSIveise recht kräftig unter die Nase reiben!-- „Post"-Finken. Au» Anlaß des Erpressungsprozesse» gegen den Kft Hinter. Icutcn der„Post" so nahestehenden„Korbmacher Ernst Fischer" brachten wir die Abwesenheit des Gönner? de? Korbmachers, des früheren Redakteurs der„Post" und Sekretärs der frei- konservativen Partei, Fink, in Erinnerung. Nach Feststellung von Wechsel- und Scheckfälschungen, die Fink be- gangen hatte, wurde ihm der deutsche Boden zu heiß, er flüchtete nach Ostasien. Die„Post" hütete sich, diese Erinnerung oder auch nur den Prozeß gegen ihren Gesinnungsgenossen Korbmacher Fischer ihren Lesern gegenüber zu erwähnen. Die Wut über die von uns gebrachte Erinnerung, und noch mehr die Wut darüber, daß der so schmählich angelegte Hoch- Verratsprozeß gegen Liebknecht elend zusammengebrochen ist, treibt die„Post" in ihrer gestrigen Nummer zu verzweifelnden Rufen nach dem Staatsanwalt.„Wird die Staatsanwaltschaft diesen Beschimpfungen und Verhetzungen gegenüber ihres Amtes walten?",„das Staatsinteresse verbietet, ruhig zuzusehen, wie die Achtung vor der Justiz immer mehr untergraben wird", schreiben die„Post"-Finken in dem ihnen eigenen Sauherdenton aus Anlaß der in unserer gestrigen Nummer ausgesprochenen Erwartung, daß das Reichsgericht trotz aller von uns angeführten Umstände, die der Besorgnis der Befangenheit der Richter in dem Hochverrats- prozeß Nahrung geben, der Gerechtigkeit und dem Recht durch einen Freispruch Liebknechts zum Siege verhelfen werde. Die Wut deS Scharfmacherorgans bestärkt uns in dieser Zuversicht, daß am Sonnabend die Freisprechung ausgesprochen werden wird. Die blöde Denunziation der„Post" ist nicht die erste und nicht die letzte, die das edle Organ gegen uns erhoben hat. Des SchufterleS Handwerk steht ihr gut. Es entspricht der innersten Natur der „Post"-Finken.—____ Arbeitslöhne und Unternehmerprofite. Die Oertelsche„Deutsche TageSztg." beschäftigt sich wieder mal damit, ihren Lesern allerlei Märchen über die Steigerung der Arbeitslöhne in Deutschland aufzutischen: „Sie(die Lohnstetgerung)." schreibt da? Blatt,„ist ganz be- sonders scharf in der Montanindustrie hervorgetreten. Der„Reichs- anzeiger" brachte hierüber jüngst die folgende aintliche Statistik über die im Bergbau während der letzten 20 Jahre(1880—1906) gezahlten Löhne. Hiernach betrug der durchschnittliche Jahres- aroeitsverdienst der Gesamtbelegschaft pro Kopf: 1880 1906 im OberbergamtSbezirk Dortmund 772 M. 1402 M. in Oberschlesien....... 490« 924« in Niederschlesien...... 586, 924„ im Aachener Revier(seit 1800). 878„ 1354„ Wohlverstanden: daS sind Durchschnitte der Gesamtbelegschaft. also alle nicht speziell berufstechnisch geschulten Arbeiter mit ein« begriffen. Für die eigentlichen(unter Tage arbeitenden) Bergleute ist die Lohnsteigerung zum Teil noch stärker. Denn für sie be- trugen die verdienten JahreS-Nettolöhne: 1880 im Bezirk Dortmund.», 884 Mark in Oberschlesien..... 536„ in Niederschlesien.... 615„ im Aachener Revier,». 991„ im Saarbezirk 839 0 Das ehrsame Blatt hat sich selbstverständlich, wie daS ml» mal in seiner Eigenart liegt, wieder statistische Mätzchen geleistet. Das Jahr 1336 ist das des niedrigsten Lohnstandes im Bergbau. Vor diesem Jahre standen die Löhne ständig höher, und nach ihm stiegen sie wieder, bis sie Mitte der 90er Jahre un- gefähr die gleiche Höhe erreichten, die sie schon 20 Jahre vorher hatten. Noch viel stärker als die Löhne sind aber die Gewinne der Unternehmer gestiegen. Es betrug nämlich nach amtlichen An« gaben der Wert der in Preußen geförderten Steinkohlen pro Tonne 1886.... 4.92 Mar! 1906.... 8,93„ Die Steigerung beträgt demnach rund 82 Proz. Tatsächlich decken sich jedoch die Wertangaben nicht mit den wirklichen Erlösen. Nach den Angaben der Kartelldenlschrift stellt sich der Preis der vom rheinisch-westmlischei! Kohlenshndikat abgesetzten Kohlen pro Toime auf 5,80 Mark im Jahre 1885/86 und auf 1 1,19„ für das Jahr 1907/03. DaS ist eine Steigerung von über Sl Proz. Und noch weit über diesen Satz hinaus find die Gewinne der Unternehmer gestiegen. Zu der Mehrsteigerung hat beigetragen einmal die Leistimgszunahme und ferner die besonders in den letzten Jahren geförderte Erzeugung von Nebenprodukten. Nach den Angaben in der Kartelldenkschrift ergeben sich folgende Gewinnziffern: Uebers chuß pro Tonnenförderung Arbeiter 1894.. 1,75 M. 432 M. 1905.. 4.36„ lllv„ Demnach beträgt die Gewinnsteigerung in den letzten zehn Jahren pro pro Tonne Förderung rund 145 Prozent und pro Ar- beiter 139 Prozent. Bei ihrer bekannten Ehrlichkeit wird sicherlich die„Deutsche Tageszeitung" nicht unterlassen, auch diese Ziffern ihren Lesern mir- zuteilen._ Christliche Zentrums- und«nchristliche Blockpolitik. Der Abgeordnete G i e s b e r t s hat sich jüngst auf dem Parteitag des Zentrums für den Regierungsbezirk Koblenz auf das Gebiet der hohen Politik begeben; seine Ausführungen cr- scheinen der„Kölnischen Volkszeitung" so wichtig, daß sie sie nach- träglich noch ausführlich wiedergibt. Herr Giesberts findet den Unterschied der Dinge vor und nach dem 13. Dezember 1906 darin, daß die gegenwärtige Lage zur„Preisgabe der christlichen Kulturideale" führe; ohne eine solche könne Bülow den Wünschen der Linkslibcralen, deren Geistesrichtung„dem positiv- christlichen Gedanken entgegengesetzt" sei, nicht gerecht werden. „Das aber," so verkündete Herr Giesberts,„steht in seltsamstem Widerspruch mit den Intentionen der höchsten Instanz. Unser Kaiser verfehlt bei keiner Gelegenheit, nicht bloß selbst ein offenes Bekenntnis positiv-christlicher Gedanken abzulegen, sondern er will auch das deutsche Volk christlich erhalten wissen, getreu dem Wahlspruch, den sein erlauchter Großvater, Wilhelm I., einmal in so kritischem Augenblick aufstellte:„Ich will, daß dem Volke die Religion erhalten bleibe." Diese ergebene Sprache ist gewiß recht angemessen für einen Mann, der vor kurzem verkündete, daß„unser Herrgott der größte Demokrat" sei, und der als guter Christ deshalb doch auch Demokrat sein will. Im übrigen aber mag man Bülows Blockparteien noch geringer einschätzen al» sie verdienen, vor einem darf man sie in Schutz nehmen: daß ihre Politik unchrist- licher sei, als die Politik zu jener Zeit war. wo das Zentrum herrschende Partei im Reichstage war. Wir wüßten wirklich nicht, wie die Linksliberalen noch mehr in der«Preisgabe christlicher Kulturideale" leisten könnten, als es die Partei des Herrn Gics- berts getan hat durch Erzwingung des Zollwuchertarifs und die unausgesetzten Bewilligungen für den Moloch Militarismus. Zum Schluß versicherte Herr Giesberts unter Hinweis auf die Notwendigkeit der Erhaltung der Religion:„Diese Bestrebungen finden ihren besten Resonanzboden in der christlichen Arbeiterschaft evangelischer und katholischer Konfession, die sich entschlossen und entschieden von der materialistischen und freigeistigen Denkweise emanzipiert und ihre Bestrebungen entschieden auf christlichen Boden stellt... Unsere Sorge geht dahin, an der Erhaltung der christlichen Grundsätze im deutschen Volte zu arbeiten, und in diesem Bestreben steht die christlich-nationale Ar- beiterbewegung mit uns in einer Kampfes. reihe." Was die„Erhaltung der christlichen Grundsätze" im Sinne deS Zentrums bedeutet, das hat uns die Politik dieser Partei während der letzten zehn Jahre zur Genüge bewiesen, und wenn die„christlich-nationale Arbeiterbewegung" in dieser Richtung ihren Beruf erblickt, dann verdient sie in der Tat nichts weiter, als die Schutztruppe des Zentrums zu sein. Es lebe die Sklaverei! Gleich dem Mosse-Blatt stimmt auch die„ R h e i n.» Wests. Ztg." dem Lindequistschcn Erlaß begeistert z». durch den alle Herero-, Hottentotten- und Bastardstämme mit einziger Ausnahme der Bastards von Rehoboch zn Arbeitssklaven gemacht werden! Mit zynischer Offenheit gibt die„Rhein.-Westf. Ztg." der Hoffnung Ausdruck, daß die Erlasse Lindequists so gehandhabt würden, daß kein Eingeborener sich der Arbeits- sklaver ei entziehen könne. Die Bestimmung, wo- nach Eingeborenen vom Gouverneur ausnahmsweise gestattet werden könne, Land zu pachten, werde hoffentlich derart gc- handhabt, daß sie„nur auf die Gewährung eines vor- übergehenden Nutzungsrechtes" hinausläuft. Die Ein- geborenen hätten eS als ihren Lebenszweck zu betrachten, für die Räuber ihres Landes ihr ganzes Leben lang zu fronden. Sie könnten ja ihren Dienst wechseln, wenn ein anderer Arbeitgeber ihnen mehr biete. AlS ob es den Farmern je einfallen würde, sich gegenseitig zu überbieten l Und als ob die besitzlos gemachten Eingeborenen nicht schon durch die Hungerpeitsche gezwungen wurden, sich auf Gnade und Ungnade den Arbeitsbedingungen ihrer Ausbeuter zu unter- werfen. Ja, wenn sie wenigstens noch auswandern könnten! Aber auch da ist den Arbeitssklaven durch den Paß- zwang und die Kontrolle, die jedem Weißen zustehen soll, ein Riegel vorgeschoben! Aber die„Rhein.-Wcstfäl. Ztg." begnügt sich nicht mit der Versklavung der Hereros und Hottentotten. Auch den O v a m b o 3 wird das gleiche Los zugedacht. Schreibt doch das Blatt: „Auf die Bastards von Rehovoth findet die neue Eingevorenen- ordnnng keine Anwendung, soweit sie in ihrem Distrikt wohnen bleiben.... Und natürlich hat sie auch keine Anwendung auf das für Weiße überhaupt geschlossene Ovamboland; hier muß man die Frucht langsam' reifen lassen. Nimmt die weiße Bevölkerung des Schutzgebietes in der Weife zu, wie die erfreuliche EntWickelung der jüngsten Zeit erhoffen läßt, dann ist der Zeitpunkt gewiß nicht fern,«o drsse»»rißc 1906 1664 Mar! 1037. 993. 1434„ 1288« »rtBffttttttg tcS TchukgiSieteS aus eigener»rast die vefitz. ergr»ifung dieses Gebietes vornimmt, sobald sich dafilr ein Wirt- schaftliches Bedürfnis ergibt." Also auch die Ovambos sollen ihres Landes beraubt und versklavt werden! Koloniale Knutenpolitik I— Blockpolitik im Rheinland. Von einem neuen Blockmanöver gegen das Zentrum weih die .Köln. Volkszeitung" zu berichten. Es handelt sich, wie sie schreibt. um den Versuch, sogenannte„nationale Vereine" für den National- liberalismus einzufangen und zugeich die„Nationalkatholiken" gegen das Zentruni mobil zu machen: „Schon bald nachdem der„nationalkatholische' Vorstoß in der Rheinprovinz gelegentlich der ReichstagSlvahlen im wesentlichen gescheitert war," berichtet das Zentrumsblatt.„haben>mr bemerkt, dah bezügliche Versuche zur Lühmurg der Zentrumspartei dem- nächst wieder aufgenommen werden würden. Solche Versuche sind jetzt bereits im vollen Gange. Sie werden aber diesmal nicht unter „nationalkatholischer" Flagge unternommen, nachdem man damit bei den ReichStagSwahlen so üble Erfahrungen gemacht hat. Dies- inal wird vielmehr der Vorstoß unter wirtichaftspolitlscher Flagge unternommen werden. Es handelt sich uin die Gründung eines volkswirtschaftlichen Vereins, welcher alle christlich und konservativ gerichteten Elemente der rechtsstehenden Parteien gegenüber Radikalismus und Sozialdemokratie zusammenfassen soll." Ein Peters-Prozeh. München. 9. Oktober.(Eig. Ber.) Vor dem Schöffengericht München I kam heute nachmittag die Beleidigungsklage des Reichskommissar a. D. Dr. PeterS gegen den Major a. D. Feodor Maria v. D o n a t zum Aufruf. v. Donat wurde in dem bekannten Petcrs-Prozeß gegen die „Münchener Post" als Zeuge vernommen und deponierte damals, daß Dr. Peters im Jahre 1906 gelegentlich eines Soupers in Kassel sich der größten Scheußlichkeiten gerühmt habe, und deshalb nach seiner Meinung durchaus nicht in der Lage sei. eine ehrengerichtliche Satisfaktion zu geben, denn er könne ihn nach diesen Tatsachen nicht mehr für einen Ehrenmann halten. Am 1. Juli, am ö. Tage des Prozesses, meldete sich Major v. Donat abermals als Zeuge und erklärte, er trage seit jenem Abend das Gefühl in sich herum und werde es bis an sein Lebensende mit sich herumtragen, bast nächst einem Zuchthäusler Dr. Peters ber schwerste Verbrecher sei, den er in seinem Leben gesehen habe» Peters sei nach seiner Ucberzeugung ein mehrfacher Mörder. Diese Aeußerungen bildeten den Gegenstand der heutigen Beleidigungsklage. Dr. Peter« war personlich nicht erschienen und wurde von Dr. Rosenthal.München vertreten; Major v. Donat erschien ohne Rechtsbeistand. Major v. Donat er- llärte, daß er sich als j a m m e r v o l l e r F e i g l i n g vorgekommen wäre, wenn er indifferent geduldet hätte, daß in München ge- wissermaßen unter seinen Augen Dr. Peters, dessen frivoles Geständnis er mit eigenen Ohren gehört habe, sich reinzuwaschen suchte. Und ein solcher Mann wolle überhaupt noch be» leidigt werden können. Der Dr. Peters sei für ihn und jeden anständigen Menschen tot. Er, Major v. Donat, habe um keine Silbe mehr gesagt, als zur objektiven Charakteristik von Mann und Tat unbedingt notwendig war. Nach meinen Begriffen— fuhr Major v. Donat fort— ist die absichtliche und unberechtigte Tötung eine» wehrlosen Menschen— Mord, der Täter ein Mörder. Nun hat Dr. PeterS sich mindestens mit zwei— nach meiner Erinnerung waren es mehr— vorsätzlichen ungerechtfertigten Tötungen wehrloser Menschen belastet. Der Mord aber ist daS schwerste Verbrechen. Und ich habe wissent- lieh erst einen einzigen anderen Mörder gesehen, folglich ist Dr. Peters der zweitschwerste Verbrecher, der mir unter die Auge» gekommen ist. Ein Mörder aber kann kein Ehrenmann, nicht satisfaktionsfähig sein, vollends wenn er auch andere zucht- hauswürdige Verbrechen wie Folterung begangen und falsche dienstliche Berichte an fein« Borgefetzte abgesendet hat. An dieser Logik ist nichts zu deuteln. Den Dr. Peters werden Ber- suche, seine Satisfaktionsfähigkeit feststellen zu lassen, bereit» aus- reichend belehrt haben. Daß die Tötung überlegt war, beweist die„feierliche Gerichtssitzung", deren Teilnehmer vom Disziplinar- Hof als Strohmänner qualifiziert worden sind— und die Ver- zögerung um mehrere Tage, damit unbequeme Zuschauer entfernt werden konnten. Daß sich die Opfer hätten wehren können, ist ausgeschlossen. Man sagt: Die beiden jungen Neger sind ja gerichtlich zum Tode verurteilt worden! Gerade diese Farce von Gerichtssitzung, gerade der Umstand, daß Dr. Peter» hinter den breiten Buckeln anderer Richter— sliae Strohmänner— Deckung suchte, sind der klarste Beweis von seinem Bewußtsein, ein Verbrechen zu be- gehen. Und wenn Sie mich auf einen Scheiterhaufen setzen und ich bereits zu pritzeln beginne, so werde ich Ihnen aus den züngelnden Flammen heraus bis zum letzten Atemzug immer wieder meine beschworene Zeugenaussage wiederholen und zurufen: Ja, Dr. Peters ist«in mehrfacher Mörder und schwerster Verbrecher. Nach einer kurzen Erwiderung deS Rechtsanwalts Rosen- thal, der erklärte, daß eS ihm nicht einfalle, dem Major v. Donat zu erwidern, wurde Major v. Donat nach kurzer Be- ratung zu einer Geldstrafe von 56 M. und zu den Kosten deS Ver. fahren? verurteilt. Donat erklärte, daß er gegen daS Urteil Berufung ergreifen werde._ Bronsart v. Schellendorf, der ijeuge im Peters-Prozeh, erläßt eine Erklärung, worin er gegen die von der Petersclique gegen ihn erhobenen schweren moralischen Beschuldigungen pro- testiert. Das einzige, was man ihm vorwerfen könne, fei leicht- finniges Schuldenmachcn. Wäre er tatsächlich der Wechsel- fälsch er usw.. als den ihn die Petersclique hingestellt habe. so se, es ausgeschlossen, daß er seine Offizierspension noch beziehe, wie das der Fall sei.— Aus dem Staate des gleichen Rechts für alle! Die Borbereitungen für den nächstjährigen Katholikentag, der in Düsseldorf stattfinden soll, find bereits in vollem Gange. Schon ist der Platz für die Festhalle bestimmt, und wie die ultra- inontane Presse zu berichten weiß, hat sich die D ü s s e l d o r f e r Stadtverwaltung bereit erklärt, dem Lokalkomitee alles Entgegenkommen zu erweisen. Wir gönnen ganz gewiß dein Katholikentag das Entgegenkommen der Stadtverwaltung. möchten aber doch darauf hinweisen, wie so ganz verschieden die preußischen Stadtverwaltungen, die über den Parteien stehen sollen, ihre Gaben verteilen. Dem Zentrum wird für eine politische De- monstration bereits ein Jahr vorher„alles Entgegenkommen" zu- gesagt; wenn die Sozialdemokratie für eine politische Veranstaltung an diese» Entgegenkommen Anspruch macht, wird sie schnöde ab- gewiesen. Ein anderes Beispiel: Während deS Schützenfestes in Düf feldorf-Bilk war der Schützenkönig in später Nacht- stunde unter Musikbegleitung nach Hause geleitet worden. Die Polizeibehörde hatte die Beranstalter des Zuges mit einer Ordnungsstrafe belegt, daS Gericht dagegen erklärte den nächtlichen Umzug für statthast, da es sich um einen historischen Brauch handele. In Düsseldorf darf demnach ein Klimbimberein nächtliche Um- zgge veranstalten und die Ruhe der Einwohner stören. Die Sozial- demokratie aber erkühne sich nicht zu dein Verlangen, an, ersten Mai oder sonst einem Tage, wo eS niemand in seiner Ruhe stört, einen Umzug unter Musikbegleitung machen zu dürfe». Da» wäre nicht .historischer Brauch", sondern Umsturz der Staats- und Gesellschafts- Mdimng 1— AuS Sachsen-Meinwgen. Tie Regierung hat den Abgeordneten soeben zfiiei Gesehentwürfe zugehen lassen, die den von unseren Genossen im Land- tage bisher vertretenen Anträgen weit entgegenkommen. Es ist dies erstens ein Gesetzentwurf betreffend Abänderung des Einkommensteuergesetzes. Derselbe sieht den Fortfall der Steuerstufen bis zu 900 M. vor und bringt eine Er- höhung in der Besteuerung der Einkommen ü b e r 33 066 M. Das bisherige Gesetz macht in der Steigerung des Steuersatzes bei 33 000 M. mit 4 Proz. Halt, während jetzt die Steigerung bis 5 Proz. geht und zwar bei 63 000 M. Einkommen. Von der Steuer-- bcfreiung werden etwa 10 000 Personen betroffen(1907 waren in den Stufen von 700 bis 900 M. eingeschätzt genau 18 137 Personen). Schon 1899 hatte die Regierung denselben Antrag eingebracht; damals brachten ihn aber die Agrarier zu Falle und es kam dann nur die Stufe von 600 bis 700 M. in Wegfall. Heute dürfte der Regierungsentwurf Gesetz werden, da die Majorität eine Ab- lehnung nicht wagen wird angesichts der Tatsache, daß sie im Jahre 1905 die Beamtengehälter um fast eine halbe Million Mark erhöhte.— Teilweisen Ersatz für den Ausfall will die Regierung durch Einführung einer Vermögenssteuer schaffen. Diese soll erhoben werden von allen beweglichen und unbeweglichen Vermögen über 6000 M. Noch vor zwei Jahren bezeichnete die Regierung den Vermögenssteuerantrag unserer Abgeordneten im Landtage als absolut unannehmbar, da derselbe geeignet sei,„di e reichen Leute über die Grenze zu treibe n." Hurra, daS herrliche Kriegsheer! Fröhliche Kunde kommt aus Ren- Byzanz. Für den schwarzen Paukenschläger Arara. der sechs Jahre bei», Leib- Gardehusaren- Regiment in Potsdam diente und ipäter an einem Lungenlciden in seiner Heimat Togo starb, ist jetzt wieder ebenbürtiger Ersatz ge- funden. Der aus Kamerun stammende Bionier Elo Samba, der zurzeit bei dem Eisenbahnregiment Str. 1 in Schöneberg dient, wird in Potsdam zum Paukenschläger ausgebildet und darauf als Unter- offizier in das Leib-Gardehusaren-Regiment aufgenommen. Zweifel- loS wird durch diese Akquisition die Schlagfertigkeit des preußischen Kriegsheeres wieder um ein Beträchtliches erböht und die Militär- begeisterten Paradebummler find wieder zufriedengestellt. Gemastregelte Kriegervereine. Achtzehn Kricgervercinen des Saargebietes, welche infolge der Reichstagswahlbewegung aus dem Landeskricger- verbände ausgetreten waren, wurde durch ministeriellen Erlaß die Anerkennung als Kriegerverein abgesprochen und die Führung einer Fahne untersagt.—__ HvchverratSprozeß Liebknecht. Aus technischen Rücksichten mußte der letzte Teil deS gestrigen Prozeßberichtes sehr kurz gehalten werden, so daß die Reden der Verteidiger nur einen Teil ihrer AuS- führungen enthalten. Wir werden morgen einen ausführlichen Bericht folgen lassen._____ frankreidj. „Radikaler" Rotkoller. Nancy, lt. Oktober. In der gestrigen NachmittagSsttzung deS Kongresses der Radikalen und Radikalsozialisten wurde ein Antrag Hubbard: Die Partei möge in Zukunft den Titel„Radikale, radikal- sozialistische und sozialistische Partei" führen, ausgepfiffen.— Nach Schluß der Kongreßsitzung trat da« Propagandakomiiee zur Beratung der Frage über die Beziehungen der Partei zu den Sozialisten zusammen. Sämtliche Redner stimmten darin überein, daß die Politik der Sozialisten, wie sie auf dem Kongreß in Nancy gekenn« zeichnet worden, als verbrecherisch zu bezeichnen sei. Mehrere Redner befürworteten sogar den B ruchmitden Sozialisten, andere, darunter Pelletan, weisen auf die Notivendigkeit der Er- Haltung des Blocks der linken Parteien hin. Spanien. Madrid. 10. Oktober. Das Parlament ist heute tbiedtt eröffnet worden. Der Minister deS Innern hat mit Rücksicht auf di« durch die Ucberschwcinmungen verursachten Schäden eine Vorlage be- treffend die Gcwäbrung eines außerordentlichen Kredits ein- gebracht. VLnemark. Lohnerhöhungen und Schacherpolitik. Am Mittwoch hat die Regierung dem Folkething Vorschläge zu einer neuen Regelung der Löhne der Angestellten und Beamten der Staatsbahnen, des Post-, Telegraphen- und Zollwcscns sowie der Lehrer und Lehrerinnen der Volksschulen und der'Rektoren und Lehrer höherer Staatslehranstalten vorgelegt. Es handelt sich um nicht unbedeutende Lohnerhöhungen für ungefähr 20 000 Personen. Der Staat wird dafür rund Millionen Kronen mehr ausgeben nmssen pro Jahr. �Außerdem werden die Stadt- und Landgemeinden für die Besoldung der Lehrer und Lehrerinnen jährlich 1 250 000 Kronen mehr aufzubringen haben, während der Staatszuschuß sich um 1050 000 Kronen erhöht, nämlich von 6 320 000 auf 7 370 000 Kronen. Die Genugtuung, die diese LohnerhöhungSvorschläge, zu einem guten Teil ein Erfolg der Organisationen der Angestellten und Beamten, bei allen sozial empfindenden Leuten erweckten, wurde be- einträchtigt dadurch, daß die Regierung gleichzeitig Erhöhung der Zuschlagsbilletts für Schnellzüge. Erhöhung der Einschreibcgebühr für Reisegepäck, der ExpeditionSgebühr für Güter und der Frachten für Vichbeförderung in Vorschlag brachte s wodurch die jährlichen Ueberschüsse der Staatsbahnen um 975 000 Kronen steigen sollen) und außerdem Erhöhungen des Portos für eingeschriebene Briefe und für Eilpakete, wodurch man 420000 Kronen zu gewinnen hofft. Wie eS scheint, will die Regierung die Lohnerhöhungsvorschläge zu einer Art Sclmchergeschäft ausnützen. Als der Finanzm»iister Lasse» am selben Tage dem Landsthing die im vorigen Jahre vom Folkething angenommene Zollrcform vorlegte, äußerte er, daß man bei dem EudergebniS auf die im Folkething eingebrachten LohnregclungSvorschläge Rücksicht nehmen müsse. Es ist das also eine Mahnung an d>aS LandSthina, die Zollreform so zu verpfuschen. daß die Einnahmen des Staates so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, Ein Regierungsblatt—„Randerö Veiistreblad"— versteigt sich sogar dazu, allen, die Interesse an den Lohngesetzen haben, zu empfehlen, dafirr zu sorgen, daß die kommunale Wahlrechts- reform durch friedliche Berhandlunqen zustande kommt, das heißt: so, wie sie das Landsthing haben will, um den Reichen die Ueber- macht zu erhalten.___ Parteitag der Sozialdernoltrafle fileftpreiißens. Der tvestpreußisiche Provinzial-Parteitag tagte am Sonntag in Marienwerder. Bon den 13 Wahlkreisen der Provinz waren 11 durch 19 Delegierte vertreten, nur Schlochau-glatow und Berent- Pr. Stargardt fehlten. Ferner waren anwesend der Parteisekretär Crispien, Bertaeter der Agitationskommission in Danzig und der Redoktion der KiönigSberger„Volks-Zeitung", der Gewerkschafts- sekretär T r i l s e und 7 gewerkschaftliche Ganleitcr. DaS einleitende Referat über„Die deutsche NeichSpolitik" hielt Genosse Hugo H a a j e- Königsberg. Der Parteisekretär gab die Ergänzung zu seinem bereits als Beilage zur„VoW-Zeiwng" gedruckt vorliegenden Tätigkeit«- b e r i ch t. Er konstatierte vor allem die krämg vorschreitende Eni» Wickelung der Parteiorganisation in Danzig auf Grund deS neu ein- geführten Bezirkssystems. Wesentliche Fortschritte seien auch in anderen Provinzorten festzustellen, so daß die im Druckbericht gegebenen Zahlen fast durchweg erheblich überholt seien. Besonders erfreulich sei die zähe Arbeit der Genossen in K o n i tz, die ohne eine einzige Versammlungsgelegenhcit und trotz der brutalsten Bekämpfung durch die Gegnerschaft eine erfreulich entlvickelto Organisation geschaffen haben. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Genossen müsse noch wesentlich gesteigert werden mit dem Ziel, so viel wie möglich aus eigener Kraft zu schaffen. Es sei kein idealer Zustand, zu stark anf den Berliner Schatz zu reflektieren, Ein Antrag Elbing forderte. daß„die Organisation der Landarbeiter" auf die Tagesordnung des nächsten Provinztages gesetzt werden sollte. Crispien hält diesen Vorschlag aus praktischen Gnmden nicht für besonders notwendig. Die Landarbeiterorganisation sei viel weniger ein theoretisches oder Diskusfionsproblem, als ein Stück recht schwieriger praktischer Arbeit. Sie bedürfe nicht so sehr des Studiums und der Erörterung, wie der Ausführung. Um diese aber mit dauernden Erfolge verrichten zu können, sei die Schaffung kräftiger organisatorischer Stützpunkte in den entwickelteren Partetorten un- umgänglich notwendig. Ohne diese fundamentale Arbeit seien nach« haltige Fortschritte auch unter denLandarbeitern nicht z» erreichen. Wo die Verhältnisse eS irgend gestatteten, müsse diese Arbeit aber auch jetzt schon mit der gebotenen Energie ausgeführt werden. Hier, wie auf anderen Gebieten der Parteiarbeit, bedürften wir viel weniger neuer Wege als gründlicher Arbeit nach Maßgabe der vorhandenen Kräfte. T r i l s e war mit dem finanziellen Standpunkt des Bericht- erstatters nicht einverstanden. Die Agitationskommission hätte mehr von Berlin fordern müssen, da Ostpreußen doch 44 000 Vi, erhalten habe. Fortschritte seien im Osten ohne den kräftigsten metallischen Nachdruck der Gesamtpartei nicht möglich. Er und Redakteur M a r ck w a l d wendeten sich auch gegen die Ansicht CriSpienS in der Landarbeitcrfrage, deren Diskutierung sie für durchaus erforderlich hielten. NamenS der Agitationskommission wurde gegen Trilse festgestellt, daß diese weder anf Veranlassung deS ParteivorstaudeS, noch aus eigenem Antriebe ihre Parteiaktion durch unzweckmäßige Sparsamkeit behindert habe. Mit besonderem Nachdruck wendete sich der Gauleiter der Maurer, Schwarz, gegen die von Trilse ver- langte Zuschußpolittk en gros. Diese schade öft viel mehr, als sie nütze. Die Opferwilligkeit der Genossen müsse nach der Art, die die Partei groß und stark gemacht habe, unausgesetzt angespornt, nicht aber ihre Hoffnungen in der geschehenen Weise aus den Berliner Geldschrank gelenkt werden. Beschlossen wurde, die Wünsche auf Veschaffnng von A gitati o n S- Bibliotheken und p o l i t i s ch e n A g i t a t r o n S m a t e r i a l S dem Provinzvorstande zur Berücksichtigung zu überweisen. Ferner wurde beschlossen, eine besondere Agitation zum Kamps gegen die indirekte und direkte Steuerpolitik der Regierung zu führen. Zur Preßfrage wurden die ungenügenden Preßvcrhältnisse, die auS dein Mangel eines eigenen westpreußischen Parteiorgans resultieren, erörtert und die Schaffung eines solchen dringend ge- wünscht. Zur Besserung der gegenwärtigen Sachlage wurden durch einen Antrag von der KönigSderger„VolkS-Zcitung" Sonderabdrücke besonder« geeigneter Artikel zur Verbreitung als Flngbläner, Zulassung eines westpreuhischen Genossen in die Preßkornmisston und Verbesserung der provinziellen Berichterstattung verlangt. Der Antrag, der die Erörterung der Landarbeiter�rage auf dem nächsten Provinztage forderie, wurde auf Vorschlag Crispieus der Agitationskommission zur Erwägung überwiesen. SeiverkfckaftUcbes. Dt» Bergarlielterstreik in der Nicderlausitz. Senstenberg, 10. Oktober.(Eig, Ber.) DaS Kapital zeigt den armen Vcrgproletariern sich jetzt in seiner ganzen brutalen Gestalt. Die„ArbeiterwohlfahrtScinrichtungen", die „Arbeiterfürsorge", der„Segen" der Werkswohnungen erweist sich als die schrecklichste Geißel, als das fürchterlichste Instrument, die Arbeiterschaft zu vollendeten Hörigen zu zwingen. Wir berichteten, daß die ersten Räumungsklagen vor Gericht mit Vertagung um wenige Tage endeten. Offenbar glaubten die Wcrksbcsitzer. daß in der Zwischenzeit„ihre" Leute wieder zu Kreuze kriechen würden. DaS trat nicht ein und die nun st attgefun denen Termine endeten durchweg mit„Verurteilung" der„Angeklagten" bei sofortiger VollstreckbarkeitI Allenthalben herrscht darob Erbitterung, die Betroffenen sind in fieberhafter Aufregung auf der Suche nach einein Obdach. Bei der überall herrschenden Wohnungsnot ist es nicht möglich, für alle Obdach anderweitig zu beschaffen. Ein grelles Streiflicht auf die Zustände in der Niedcrlausitz nnd den allmächtigen Einfluß des Kapitals wirft die Art der.Vertretung" der mit Exmission bedrohten Bergleute vor Gericht. Die Streik- leitung hatte durch den Vorsitzenden der Lohnkommission den Rechts- anwalt Dr. jur. Fritze mit ber Führung der Prozesse beauftragt. Der Herr wollte anfangs nicht recht, später nahm er die Ver- tretung an und beanspruchte 30 M, Kostenvorschuß, die sofort gezahlt wurden. Indessen mochten dem Herrn Skrupel angekommen sein. er sandte den Kostenvorschuß an die Streik« leitung zurück, vertrat immerhin die Beklagten und sandte so- fort nach dem Termine jedem einzelnen die Kosten» rechnungl— Eine gähnend tiefe Kluft trennt Bürgertum und Arbeiterschaft. Die Bewohner der eigentlichen Stadt sind wohlhabende Krämer, Gastwirte und Beamte. Die Arbeiter sind draußen auf den Vororten und Dörfern. In den Straßen reiht sich Laden an Laden. Sonntags ist die Stadt änßerst belebt, die Arbeiter kommen in Scharen zu Fuß und Rad. mit Kind und Kegel, um ein- zukaufen. Schwer bepackt mit allerhand Paketen geht es in bunter Gewandung wieder hinan» nach dem Niederlansitzer Wild-West, den Kasernen und Werkskolonien. Der ganze Verkehr zwischen Arbeiter- schaft und Bürgertum spielt sich in den Läden, den Destillen und Gasthöfen ab. Die Bourgeois nehmen das Geld der Leute, fordern horrende Preise für minderwertige Waren und behandeln die- jenigen, die ihre einzige Einnahmequelle stich, die ihnen zu Wohlstand und Reichtum verhelfen, mit ausgesprochener Verachtung! Vor Jahren sollte eine neue katholische Kirche gebaut werden. Die Bürger Senstenberg« setzten Kopf und Kragen daran, die Kirche dahin zu bekommen, wo die Polen, Galizier usw. durch die ganze Stadt an allen ihren Kaufläden usw. vorbei mußten. Böse Kämpfe hat'S darum gegeben. Dem Streik stehen sie mit der unglaublichen Borniertheit de» kurz- sichtigen, sich in seinem Profit bedroht sehenden, spießerhaften Krämertumü gegenüber. Keine Spur von Aiiteilnahme, keinerlei moralische und materielle Unterstützung, wie sie sonst bei Berg- arbeiterstreik« üblich find: Rur Angst ums Geld, ums Geschäft! In Drebkau liegen die WerkSwohmmgen dicht an der Bahn. Vorgestern räumten Arbeitswillige die Wohnung eines Arbeiters aus. Alles fand auf den» Straßendamm Platz. Der Mann arbeitet seit fünf Jahren auf der Gnibe„Merkur" bei Drebkau. Er hat Frau und sechs Kinder. Ungeachtet dessen ließ ihn die Direktion durch den Gerichtsvollzieher au» der Werkswohnung setzen. Der Mann ging zum Bürgernleister des OrtcS, um ein Obdach für sein« Familie zu erbitten. Der Bürgermeister suchte ihn aber zum Streikbruch, zum Verrat seiner Arbeitsbrüdcr zu zivingen. Abends ö Uhr ging dann die Familie des Aerinsten auf behördliche An«» ordnung zur Herberge. Die Frau hat die kalte Oktobernacht mit ihren 6 unversorgten Kindern im Stalle dcS Bauwerkes der allbarmhcrzigen christlichen NSchstenliebe auf Stroh zugebracht und der Mann hat seine armselige Habe aus der Straße vor Spitzbuben bewacht. Wahrlich, ein herrliches Kulturbild inmitten des preußischen Klassenstaates am Anfange des Jahrhunderts der Humanität I Für morgen sind die Termine von 40 Räumungsklagen der Niederlausitzer Kohlenlverke angesetzt. Nach den bisherigen Er» sahrungen ist der Ausgang kaum zweifelhaft. Was daraus wird — Mord und Totschlag! Wenn die Regierung nicht ver- mittelnd eingreift. Leider ist ein Ereignis eingetreten, dessen Folgen noch gar nicht abzusehen sind. Am Montag mißhandelte der ausständige Bergmann Kühn aus Görlitz den IVjährigen Arbeitswilligen Franz Kucza in Senftenberg H. Es waren noch mehrere Ausständige an der Prügelei beteiligt. Der Arbeitswillige wurde am Kopfe schwer verletzt und ins Krankenhaus zu Senfteuberg eingeliefert. Dort i st er am Donnerstagvormittag gestorben. Die eigentliche Todesursache ließ sich bis zur Stunde noch nicht feststellen. Angenommen auch, das ebenso bedauerliche wie aufs strengste zu verurteilende Vorkommnis ist Streikenden zu verdanken, an- genommen auch, der Tod des Verletzten ist auf die Mißhandlungen Streileuder zurückzuführen, so ist die letzte Ursache der Tat doch in dem aufreizenden Verhalten der Unternehmer zu suchen. Zunächst sind durch überlange Arbeitszeit, das Fehlen aller Ein- richtungen, die Sittlichkeit und menschliches Verhalten zu fördern geeignet sind, durch übermäßige Ausbeutung bei einem raffiniert ausgeklügelten Akkordsystem, durch elende höhlenartige Aufenthalts- räume und miserable Werkswohnungen alle guten Triebe der aus allen Himmelsrichtungen herangelotsten Arbeiter systematisch erstickt worden. Unzulängliche„Löhne" schafften wirtschaftliches Elend, welches die Aermsten oft im Schnaps zu ersäufen suchten. Als dann die Forderungen eingereicht wurden, behandelte man die Leute mit gesuchter Nichtachtung. Alle Künste unternehmerlicher Paschawirtschaft spielten, die Bergsklaven inS Joch zurückzuzwingen. Der Kehricht der Menschheit wurde in den Lasterböhlen der Großstadt zusammengefegt, um als RauSreißer zu dienen, Herden von Polizisten und Gendarmen wurden ins Revier gezogen. Bürgertum und Arbeiterschaft wurden aufgestachelt durch„schneidiges" Vorgehen bei an sich harmlosen Anlässen. So war die Aufregung in alle Schichten der Bevölkerung hineingetragen.— Endlich kam das höchste: die Werkswohnungen wurden mit Ge- walt geräumt! Man muß eS gesehen haben, wie brave Familienväter tränenden Auges ihre durcheinandergeworfene Habe betrachteten, wie verschüchterte Kinder sich an den Rock der weinenden Mütter klammerten. In ohnmächtiger Wut ballten sich hunderte schwieliger Arbeiterfäuste. Erreichbar ist einigen von ihnen in solcher Stimmung der nun Verstorbene gewesen und so mögen sie ihn— der sie vielleicht noch verhöhnt und verspottet Hai— bös zugedeckt haben. Gleich ist die feile Unternehmerpresse bei der Hand: „Mord oder Körperverletzung mit tödlichem Aus- gang?" steht am Kopfe der Extrablätter zu lesen, in denen die Streikleitung für die Tat Einzelner verantwortlich gemacht wird. Gewiß, die Tat ist verwerflich und zu verurteilen, keineswegs zu entschuldigen. Wer aber die Verhältnisse kennt, das Milieu, in dem sich das Drama von Senftenberg und Umgegend abgespielt hat, wird sie nicht unbegreiflich finden. Es mußte so k o m m e n I In einer Erklärung, die als Flugblatt verbreitet und als Inserat auch in der bürgerlichen Presse aufgenommen ist, wenden sich Streikleitung und Lohnkommission an die Oeffentlichkeit. Si» lautet: Die unterzeichnete Streikleitung drückt hierdurch ihren Abscheu über die schwere Tat an dem Arbeiter Franz Kucza aus. Sie legt besonderen Wert darauf, zu betonen, daß stets und überall in alle» Bersaimuliinze» und Ziisammenkünften allen Streikenden zur strengsten Pflicht gemacht worden ist, alle Ausschreitungen zu vermeiden! Wie aber selbst Behörden und Aufsichtsorgane nicht für jeden ihrer Angehörigen verantwortlich gemacht werden können, so auch hier. Die Streikleitung lehnt jede Gemeinschaft mit den Tätern von Sriiftcnberg II ab!!! Die Streikleitung. I. A.: Herrn. Garbe. » Infolge weiterer Exmissionen sind alle Bergleute aufs äußerste aufgebracht. Versammlungen sollen beruhigend wirken. Bertln und Umgegend« Die Fliesenleger und HülfSarbeiter versammelten sich am Donnerstagabend im„Neuen Klubhause", um den Bericht über den Stand der Tarifbewegung entgegen zu nehmen. P u t t l i tz be- richtete, daß am 28. September eine Sitzung mit den Vertretern der Unternehmer stattfand. Diese waren bereit, den A ch t st u n d e n- tag zu bewilligen, wenn in dem neuen Tarif der Satz auf- genommen wird:„Akkordarbeit ist gestattet". Ferner wollen die Unternehmer 3 Pf. Zulage im Stundenlohn bewilligen, so daß die Fliesenleger 83(bisher 85) Pf. und die HülfSarbeiter KV— St(bisher 57'/z) Pf. erhalten würden. Verlangt wird von den Arbeitern Lv rcsp. 65 Pf. Stundenlohn. Der Tarif soll auf zwei Jahre Geltung haben und die Unternehmer wollen vom 1. Januar 1909 ab zwei loeitere Pfennige, im ganzen also 5 Pf. Zulage bewilligen. In bezug auf die Akkordftage legten Lohnkommission wie Unternehmer bei den Verhandlungen gegenseitig Tarife vor, die natürlich große Unterschiede zeigten. Die Tarifsätze der Unternehmer begegneten bei der Verlesung in der Versammlung großer Verwunderung.— In der Diskussion wurde viel Opposition gegen Einführung der Akkordarbeit laut. Zum mindesten sollte den Akkordarbeiiern der Stundenlohn der Tagarbeiter durch höhere Tarifsätze garantiert sein. Dieser Stundenlohn soll 90 Pf. bei einer achtstündigen Arbeits- zeit für die Fliesenleger betragen und 65 Pf. für die HülfSarbeiter. Die Kominisflou wurde beauftragt, in diesem Sinne weitere Ver- Handlungen zu pflegen._ Der Anschluß vertagt. Die Dachdecker hatten am Dienstag abend eine Beratung über die Frage, ob sich ihr Zentralverband dem Mauververband an- schließen solle. Der Referent Mehrlein trat für den Anschluß ein, aber in der Versammlung wurde viel Opposition laut und die von Mehrlein borgeschlagene Resolution fand nicht die Zustimmung der Anwesenden. Dagegen wurde eine andere Resolution an- genommen, nach welcher die Angelegenheit vertagt werden soll, weil man die gegenwärtige Lage als nicht günstig für den Anschluß an- sehen könne.— Ueber die Frage selbst findet eine Urabstimmung unter den Mitgliedern des Zentralverbandes für Deutschland statt. Deutfehea Reich. Der Deutsche Holzarbciterverband im Jahre 190«. Da? Jahrbuch, das der Verband zum erstenmal herausgibt. erzählt von einem Jahre voll lebhafter und im wesentlichen auch erfolgreicher Kämpfe: eine Lehre für alle, die unseren deutschen Gewerkschaften den Charakter als Kampforganisationen absprechen und sie als bloße Kassenveranstaltungen bespötteln oder ihre Kämpfe für ergebnislos halte». Von rund 146 400 Mitgliedern im Jahres durchschnitt waren etwa 60000--- 4! Proz. an Lohnbewegungen beteiligt(dazu weitere 16 000 aus anderen Organisationen oder Un- organisierte). Für 40 900 der Beteiligten in 599 Fällen wurden die Differenzen ohne Kampf erledigt; an 374 Angriffsstrciks waren 19 200(davon 800 weibliche), an 187 Abwehrstreiks 3800(170), an 76 Aussperrungen 11 900(115) Arbeiter beteiligt; insgesamt 34 300, wovon 30 800 dem Verbände angehörten. Die Ausgaben betrugen 1 658 800 M., davon 1 258 000 aus der Verbands-, 376 400 aus den Lokalkassen. Die Einnahmen von anderen Gewerkschaften, Sammel- listen u. dergl. spielen daneben eine verschwindend kleine Rolle: ein Zeichen der inneren Kräftigung der Organisation. Am besten be- leuchtet es die Redensarten von dem Erschlaffen der Kampfesfähig- keit, daß die Ausgaben für Kampfzwecke 1906 um über 482 000 M. gleich 41 Proz. höher waren als im Vorjahre und mehr als zwei Drittel der gesamten Ausgaben dieser Art in den elf Jahren von 1893—1903 betrugen. Von den stattgefundenen Kämpfen endeten für die Arbeiter: Kämpfe Proz. AngriffSstteikS 70(i. V. 68) Abwehrstreiks 63(„ 58) Aussperrungen 22(„ 47) Erfolgreich Beteil. Teilw. erfolgreich Beteil. Pers. Proz. 69(52) 58(56) 16(61) Kämpfe Proz. 15(19) 9(10) 10(21) Pers. Proz. 13(22) 10(11) 12(18) Erfolglos Beteil. Pers. Proz. 13(20) 32(33) 32(21) Kämpfe Proz. 15(13) 28(32) 68(32) 13 15 24 36 eine Ver- Zusammen 63 49 Insgesamt erzielten 36 570(i. V. 25 485) Arbeiter kürzung der Arbeitszeit um durchschnittlich 2,7(2,4) Stunden pro Woche und 46 942(32 703) eine Lohnerhöhung von durch- schnittlich 1,67(1,62) M. pro Woche oder 87(84) M. pro Jahr. Der entgangene Arbeitsverdienst betrug 2 440 000 M., wo- von durch die Streikunterstützung 1 616 000 M. gedeckt wurden. Es blieb mithin eine Einbuße von 824 000 M., der ein Mehr- v e r d i e n st von jährlich 4 065 000 M. und eine Arbeitszeitverkürzung von 5 120 000 Stunden im Jahre gegenübersteht. Also eine reichlich sich lohnende Opferwilligkeit. In 274 Fällen wurde ein Tarif abgeschloffen.„Wenn uns auch die Vorgänge im Anfang des Jahres 1907 warnen, den Wert solcher„Friedensdokumente" zu überichätzen, so bringen sie doch die gegenseitigen Kraftverhältnisse zum Ausdruck. Die Jnnehaltung dieser Verträge seitens der Unternehmer wird wesentlich davon ab- hängen, ob unsere Mitglieder durch Stärkung ihrer Organisation sich in die Lage versetzen, ihre Kraft nötigenfalls jederzeit zu be- tätigen", sagt zutreffend der Bericht. Die relativ größte Zahl der Verträge(9), darunter einige der ausführlichsten, entfiel auf München. Selbst bis Buxtehude ist die Macht der Organisafion gedrungen und hat dort die zehnstündige Arbeitszeit und die Abschaffung des Kost- und Logiswesens durchgesetzt. Der Verband zählte Ende 1906 767(im Borjahre 714) Zahl- stellen in 15 Gauen mit 151700(130100) Mitgliedern. Die Zahl der Neuaufgenommenen betrug 63 100, die wirkliche Zunahme in- dessen nur 21 600; eS gibt mithin noch immer eine sehr erhebliche Zahl von Zugvögeln. Im ganzen ergibt sich folgende EntWickelung: Berlin zählte rund 27j800, mit den Vororten rund 32000 Mit- glieder, das sind 21 Proz. der Gesamtzahl. Zum erstenmal sind 42 jugendliche Mitglieder(unter 17 Jahren) nachgewiesen. Im Oktober 1906 traten der Verband der Vergolder mit 1536 und der Berliner Maschinenarbeiterverband mit 1740 Mitgliedern dem Verbände bei. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von rund 2983400 M., auf den Kopf des Mitgliedes durchschnittlich 20,37 M. aus. Aus Beiträgen kommen davon 2 830 000 M. An Kapitalzinsen gingen 32 500 M. ein, 50 650 M. betrug das Vermögen der übertretenden Verbände. Von den Ausgaben der Verbandskasse(2 889 000 M.) entfielen auf: Streik-Unterstützung.. Gemaßregelten- Unter- stützung..... Umzugs-Unterstützung. Arbeitslos.-Unterstützung Reise-Unterstützung.. Notfall-Uuterstützung M. M. 1267 300 Sterbegeld..... 34000 Rechtsschutz..... 20 000 41000 Presse....... 89 500 35 700 Agitation...... 147 400 325 700 Gehälter und Ent- 110 100 schädignngen.... 29 648 6 600(— I Proz. der Einnahmen!) Der Bericht, der noch eine Reihe weiterer Ivertvoller Mitteilungen enthält, bietet, namentlich durch die Berichte der Gauleiter und der A r b e i t s l o s e n st a t i sl i k interessante Einblick in das Leben eines großen Verbandes und die wirtschaftlichen Verhälfitisse einer breiten Arbeiterschaft. Zusammen mit den zahlreichen Berichten über die Lage einzelner Gruppen, die der Verband schon früher heraus- gegeben hat, ist es ein kleines Arsenal gewerkschaftlicher Ausklärungs- mittel, von dem hoffentlich die Mitglieder des Verbandes, der zu den bestorganisierten unter den deutschen Gewerkschaften gehört, eifrigen Gebrauch machen werden. HusUnd. Die„passive Resistenz" Hanert fort. Mr», 11. Oktober. Die Eisenbahner der StaatSeisenbahn- gesellschaft lehnten die neuen Vorschläge der Direktion ab, weS- halb die passive Resistenz ungeschwächt fortdauert. Ein Sieg. S«»»ständige Pariser Kohlenträger haben heute die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem ihnen seitens der Arbeitgeber eine Lohnanfbeffermig zugestanden»vorden ist. Zur Bewegung der englischen Eisenbahner. DaS Komitee der Vereinigung der Eisenbahngesellschaften, in dem die meisten großen Gesellschaften vertreten sind, hat beschlossen, die Entscheidung über das Schreiben des Herrn Bell, betreffs einer Versammlung zur Feststellung, was unter„Anerkennung" zu ver- stehen ist, den einzelnen Gesellschaften zu überlassen. Dieser Be- schlutz wird als endgültig betrachtet, und es ist keine Absicht vor- banden, mit den Vertretern der Gewerkschaft zusammenzukommen. Das Datum der Vierteljahrsversammlung ist geheimgehalten; diese wird aber vorläufig noch nicht stattfinden. Es ist somit keine Aus- ficht auf eine friedliche Lösung des Konflikts vorhanden. Die„Amalgamated Society os Railway Servants" hält gegen- wärtig ihren Kongreß in Middlesbrough ab, der am Montag er- öffnet wurde. Bemerkenswert sind folgende Worte des General- sekretärs:„Ich denke. Sie werden mit mir darin übereinstimmen, daß diese Bewegung einige mächtige Argumente zugunsten der Ver- staatlichung der Eisenbahnen liefert, ebenso, daß es undenkbar ist. daß man bei Verstaatlichung uns eine Verhandlung über unsere Vorschläge betreffs höherer Löhne und kürzerer Arbeitszeit ver- weigern würde." Herr Bell wurde ohne Widerspruch wicderge- wählt als Generalsekretär. Am Dienstag kam es bei der Dis- kussion über die lange Arbeitszeit zu erregten Debatten. Herr Bell wurde von verschiedenen Seiten eneqfisch angegriffen. Man warf ihm Untätigkeit vor. Die konservative„Daily Expreß" nennt das einen„sozialistischen Angriff". Herr Bell erklärte sich dann dafür, daß die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit an die Spitze der Forderungen gestellt werde, weil es eine Frage wäre, die die Auf- merksamkeit des ganzen Landes auf sich gelenkt habe. Der Kongreß nahm dann einstimmig eine Resolution an, in der er dem Vor- sitzenden des Handelsamts seine Anerkennung aussprach für dessen Bemühungen, die Arbeitszeit der Lokomotivführer und Schaffner der verschiedenen Eisenbahnen zu verkürzen. In derselben Reso- lution wird ausgesprochen, daß der Kongaeß der Meinung ist. daß es nötig ist, die Arbeitszeit ssurch die Gesetzgebung zu See« kürzen.— Die Dockarbeitergewcrkschaft hat den Eisenbahnern ihr volle Unterstützung versprochen; ebenso die Bergarbciter-Union mit ihren 450 000 Mitgliedern und ihrem großen Vermögen, die gegenwärtig ihren Kongreß in Southport abhält und von dort ein Bcgrüßungstelcgramm gesandt hat, in welchem unter anderem gesagt wird:„Sie können sich auf unseren Verband verlassen, daß er Sie in jeder Hinsicht unterstützen wird." Vorigen Sonnabend fand in Manchester eine Konferenz der dem Eisenbahnerverbande (A. S. R. S.) verwandten Berufsverbände statt, auf der der Zu» sammenschluß dieser Verbände im Prinzip beschloffen wurde, aber nicht definitiv geregelt werden konnte, weil das Komitee der Amal« gamated Society of Railway Servants nicht die Zeit hatte finden können, um seinem Vertreter vollgültiges Mandat durch eine Generalversammlung zu verschaffen und dieses erst auf dem Kon- gretz erledigen konnte. Charakteristisch ist, daß sofort beim Er- scheinen dieser Meldung die Bonrgcoispresse nach der nun- mehrigen Stärke der Vereinigung an Mitgliedern und Vermögen fragte.„The Daily Chronicle" schätzt die Gesamtzahl der Mit- glieder dieser vier Verbände auf mindestens 150 000. Alles das zeugt, daß trotz des Scheins und trotz der öffentlichen Meinung, die Bourgeoisie die Frage im Grunde nur als eine Machtfrage be- trachtet. Die A. S. R. S. hat in der letzten Zeit in einer Woche um 1500 Mitglieder zugenommen. Die Wirkung deS TelegraphistenstreikeS. Die Canadian Pacific Company hat für die Telegraphisten und Depeschenboten eine Lohnerhöhung von 14 Proz. vom 1. Oktober d. I. ab, Ueberstundcnlohn für Sonntagsarbeit und Bezahlung an den Feiertagen bewilligt. Die durch diese Erhöhungen ent» stehenden Mehrausgaben stellen sich für die Gesellschaft auf jährlich 175 000 Dollars._ Letzte I�acbncbtcn und Depefeben« Erfolgreiche Revision. Leipzig, 11. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts") Wegen Offiziersbeleidigung hatte das Landgericht Hirschberg den Ge- nassen A l b e rt von der Breslauer„Volkswacht" zu sechs Woche» Gefängnis verurteilt. Die beim Reichsgericht eingelegte Revision wurde in der heutigen Sitzung für begründet erklärt und da? Urteil des Landgerichts aufgehoben. Unterschlagung beim Knappschaftsverein. Essen a. Rh., 11. Oktober.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Der bei dem Zweigbureau Dortmund des Allgemeinen Knapp» fchaftSvereins angestellte Kaffenbeamte Priebe wurde heute wegen Unterschlagung von 5900 Mark verhaftet. Die Unter» schlagung wurde begangen durch Fälschung von Borschußscheinea. Bei der Verhaftung P r i e b e S wurden noch 2000 Mark in seinem Besitz gefunden._ Die Flinte schießt... Rom, II. Oktober.(Privatdepesche deS„Vor- w ä r t s".) Nach der siegreichen Beendigung des Streiks der Gasarbeiter in Mailand kam es bei der Abfahrt der entlassenen Streikbrecher au einer lebhasten Demonstration. Carabinieri gaben über 109 Schüsse auf die Demonsttanten ab. von denen sechs verwundet und einer totgeschossen wurde. Die Entrüstung über diese„Heldentat" ist allgemein. Die Organisattonen der Arbeiter planen, die Erschießung der Arbeiter mit der Proklamierung deS Generalstreiks zu be- antworten. Das offiziöse Bureau meldet über die Schietzaffäre folgendes: Mailand, 11. Oktober. Als heute nachmittag einige Aushülfs- arbeiter der Gas-Gesellschaft nach dem Bahnhof gebracht wurden, um in ihre Heimat zurückzukehren, da der Gasarbeiterausstand beendigt ist. wurden sie von den Arbeitern einer benachbarten Maschinenfabrik mit Steinwürfen angegriffen Hierbei wurde ein Arbeiter verwundet und verschiedene Fensterscheiben zertrümmert. Karabinieri versuchten, der Ruhestörer Herr zu werden, wurden aber von ihnen mit Steinwürfen empfangen. Die Karabinieri sahen sich in Gefahr und gaben Feuer. Vier Arbeiter wurden ver- letzt, einer von ihnen schwer, die drei anderen leichter. Die Arbeiter zogen sich zurück. Mehrere Geschäfte, darunter auch die GaS-Gesellschaft, hörten auf zu arbeiten. Auch die Straßenbahnea stellten den Betrieb ein. „Aus bessereu Kreisen". Dresden, 11. Ottober., 12. Gdtobkl 1907. Zur liommunslivshlbmegung. Für den 48. Bezirk hatten die Genossen am Donnerstag eine Versammlung im Bernhard-Rosc-Thcatcr in der Badstrahe der- anstaltet. Als Referent trat Genosse Wurm auf, der jetzt in diesem Bezirk kandidiert, während er seit sieben Jahren den W. Bezirk in der Stadtverordnetenversammlung vertreten hat. Eine der vielen Widersinnigkeiten des Kommunalwahlshstems, das Sausbesitzerprivileg ist es, welches diesen Wechsel verursacht hat. Bei der diesmaligen Auslosung ist dem 3ö. Bezirk die Pflicht auferlegt worden, einen Hausbesitzer zu wählen. Da Wurm kein Haus besitzt, konnte er in seinem bisherigen Bezirk nicht wieder- gewählt werden. Er wurde desyalb im 48. Bezirk aufgestellt, und der bisherige Vertreter dieses Bezirks, Genosse Pfannkuch der die Hausbesitzerqualifikation hat, übernahm den bisherigen Bezirk des Genossen Wurm.— Was Genosse Wurm als Referent in der Versammlung vortrug, das war eine scharfe Kennzeichnung des kommunalen Wahlunrechts, eine treffende Kritik der Unter- lossungssünden des kommunalen Freisinns und die Zeichnung der Grundlinien einer grohzügigen Kommunalpolitik, die unsere Fraktion, soweit es trotz des Widerstandes der bürgerlichen Mehr- hcit möglich ist, zu verwirklichen sucht. Zum Schlufe wandte sich Genosse Wurm an die Wähler mit dem Ersuchen, dahin zu wirken. daß der Bezirk mit einer möglichst großen Stimmenzahl behauptet werde. « Eine Kommunalwählervcrsammlung verboten! Für die K o mm u n a l w a h lb e z i r k e 2g und 41, die hauptsächlich zum fünften ReichStagswablkeis gehören. aber auch Teile des sechsten bezw. deS ersten Reichstagswahlkreises mit umfassen, war für Freitag von unseren Genossen eine Wählerversammlung nach dem oberen Saal des „Rosenthaler Hof*(Rosenthalerstraße 11—12) einberufen worden. DaS Lokal ist in früheren Jahren regelmäßig für Wer- sammlungen benutzt worden, z. B. auch noch vor den Stadtverordneten- Wahlen von lgl)S. Um so mehr war gestern das Wahlkomitee über» rascht, als ganz plötzlich noch in letzter Stunde die Polizei mit der Mitteilung herausrückte, der Saal entspreche nicht den An- forderungen, die die Baupolizei an ein Lokal für öffentliche Versammlungen st eilen müsse, daher dürfe die Versammlung nicht statt« finden. Seit wann der Saal diesen Anforderungen nicht mehr entspricht, darüber schwieg die Polizei sich aus. Dem Wahlkomitee war eS nicht möglich, das Versammlungsverbot rechtzeitig zu veröffentlichen. Infolgedessen fanden sich am gestrigen Abend Scharen von Besuchern ein, um das an- gekündigte Referat unseres Genossen Singer zu hören, mußten aber wieder umkehren, da ein Schutzmannspaar die Treppe bewachte und jedem den Aufstieg zu dem»nicht mehr entsprechenden* Ver- sammlungssaal verwehrte. Bald füllte sich dann die Rosenthaler- straße mit dichten Menschengruppen, die verwundert und ruhig das Versainmlungsverbot besprachen. Auf dem Bürgersteig vor dem„Rosenthaler Hof* sowie in der Nachbarschaft an Straßenecken und in HauStürnischen waren Schutzmannsposten aufgestellt, die geduldig dem Augenblick entgegenharrten, wo sie»einzuschreiten* hätten. UnS ist nicht bekannt geworden, daß sich ein Anlaß hierzu geboten hätte. Viele unserer Genossen begaben sich in die Gast- räume des Versammlungslokales und blieben dort beisammen. Selbstverständlich wird das Wahlkomitee schleimigst eine andere Versammlung einberufen und dazu ein Lokal wählen, daS hoffentlich der fürsorglichen Polizei besser gefällt. Der Berliner Freisinn, der in den bisher noch von ihm behaupteten Kominunallvahlbezirken 29 und 41 den erneuten Ansturm der Sozialdemokratie auszuhallen hat, wird die Polizei dafür preisen, daß sie durch ihre übergroße Sorge um das Wohl sozialdemo- kratischer Kommnnalwähler unsere Wahlagitation um etliche Tage aufgehalten hat. Aber auch die Wähler werden dankend darüber quittieren, indem sie am Tage der Wahl— für den Kandidaten der Sozialdemokratie stimmen. Oranienburg. Den Genossen zur Nachricht, daß am Sonntag, Ivcrke aus solchen Gebieten der Wissenschaft, Kunst und des prak» den 13. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokal Waldhaus Sand- tischen Lebens, nach denen die Nachfrage voraussichtlich am Hausen, Schützenstr. 34, eine öffentliche Kommunalwählerversamm- bäufigsten sein wird. Die Stadtbibliothek als Mittelpunkt der: lung stattfindet. Referent ist der Genosse Dr. A. Bernstein» städtischen Äolksbibliotheken� Wird ihre Bücher� nichtnur� unmittel-- Berlin. Gleichzeitig werden in dieser Versammlung die Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl aufgestellt. Die Genossen werden er- sucht, recht rege für diese Versammlung zu agitieren. Der Einberufer. Spandau. Sonntag, den 13. Oktober, Flugblatt- Verbreitung für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen in allen Bezirken. Die Genossen werden aufgefordert, morgens 7 Uhr zahlreich anzutreten.— Am Dienstag, den IS. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal von Knmke, Schön- walderswaße 80, öffentliche Komn, unalwähler-Versamm- lung. Referent: Genosse Schubert- Berlin. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. 2. Tätigkeitsbericht der Stadtverordneten. 3. Diskussion. 4. Proklamierung der Kandidaten. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Partei- Angelegenheiten. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 13. Oktober, abends 6 Uhr findet im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23, eine öffentliche Ver- sammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: Vortrag des Stadtverordneten Genossen Adolf Hoffman über„Freisinnige Reden und Taten". Zu recht zahlreichem Besuch laden ein t D i e Abteilungsführer. Zweiter Wahlkreis. Am Sonntag, 13. Oktober, früh 8 Uhr. findet im 4., 9. und 19. Kommunalwahlbrzirk eine Flugbatt- Verteilung statt. Es ist Pflicht eines jeden Genossen pünktlich zu erscheinen. Diejenigen Bezirke, welche an der Wahl nicht beteiligt sind, haben sich zur Verfügung zu stellen. — Alle Anfragen, die Stadtverordnetenwahl betreffend, sind an Genossen Fritz S ch w e m k e, Grimmstr. 26 IV, zu richten. Der Bor st and. Vierter Wahlkreis. Zu dem am Sonntag. den 13. Oktober, stattfindenden Kunstabend sind noch Billetts a 69 Pf. einschließlich Garderobe im Bureau deS Kreises, Stralanerplatz 1/2, zu haben. Schöneberg. Parteigenossen I Wir weisen nochmals auf den heute abend in der Schloßbrauerei stattfindenden H u m o- r i st i s ch e n Abend hin. Durch Mitwirkung tüchtiger Kräfte ist cö möglich geworden, der Arbeiterschaft einige genußreiche Stunden zu bereiten. Eö wird daher zahlreicher Besuch erwartet. Der Vorstand. Rummelsüurg-Boxhagen. Wir machen die Parteigenossen auf daS heut abend im Eafe Bcllevue stattfindende 18. Stiftungsfest de» hiesigen Wahlvereins aufmerksam. Auf dem Pkogramm steht außer Konzert unter anderen die Mitwirkung der Nega-Stechert- Truppe. Tanz findet in zwei Sälen statt. Billcts sind in den mit Plakaten belegten Geschäften, beim Vorstand, den Bezirks- führern und Komiteemitgliedern zu haben. Rudow. Sonntag, den 13. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet bei Palm die Generalversammlung des Wahlvcrcins statt. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Königs-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden auf die am Sonntag, den 13. Oktober, nachmittags 3sh Uhr, im Lokale des Herrn Thormann, Neue Mühle(früher Ballmüller), stattfindende Wahlvercknsversammlung aufmerksam gemacht. TageS- ordnung: Bericht vom Parteitag, Berichterstatter Genosse S i e do w- Ketschendorf: Bericht der Funktionäre; Partei, angelegenheiten. Es ist Pflicht eines jeden Genossen für den Persammlungsbcsuch wieder mehr zu agitieren. Durch Partei- genossen eingeführte Gäste und Frauen haben Zutritt. Borsigwalde. In den neu erbauten Borsigwalder Festsälen Conrad, Ecke Spandauerstraße, findet am Montag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr. eine Volksversammlung statt. Stadtverordneter Genosse§._ B o r g m a n n- Verlin referiert über„Preußen in Deutschland voran!" Zu dieser Versammlung find« am Sonntag, früh 8 Uhr. vom Vereinslokal Reuter aus eine Handzettelvcrbrcitung statt, an der die Genossen sich zahlreich oetelligen möchten. Der Ein berufe r. berliner Nachrichten. Hinein in die Arbeiter-Bildungsschule! Am Montag, den 14. Oktober, eröffnet die Arbeiter- Bildungsschule wieder ihre Pforten, um aufs neue den An- gehörigen der arbeitenden Bevölkerung Gelegenheit zu ver- schaffen, sich Wissen und Bildung anzueignen und die Lücken ihrer Kenntnisse auszufüllen. Mit der immer wiederkehrenden Klage, daß unsere Partei mehr in die Breite als in die Tiefe geht, erwächst die Notwendigkeit, für die Arbeiter und Ar» beiterinnen in ihrem eigenen Interesse von den gegebenen Möglichkeiten, ihr Wissen zu vertiefen, ihren geistigen Horizont zu erweitern, ihrem Leben einen neuen, edleren Gehalt zu verleihen, den regsten Gebrauch zu machen. Und gerade zu diesem Zweck ist diese Institution geschaffen, sie ist der Quell, aus der jeder, der Wissensdurst verspürt, zu einem lächerlich geringen Entgelt, nach Herzenslust schöpfen kann. Nur wenn jeder einzelne an sich selbst arbeitet, um sich zu vervollkommnen, sich mit dem zur Agitation unum- gänglich notwendigen geistigen Rüstzeug zu versehen, ist es möglich, allen Feinden zum Trotz der sozialdemokratischen Armee neue Rekruten zuzuführen. Jedem wird es bei einigem Nachdenken mit erschreckender Deutlichkeit zum Bewußtsein kommen, daß die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen zu der Zahl der organisierten Genossen in schreiendem Wider- spruch steht. Und selbst unter diesen sind prinzipiell denkende und theoretisch geschulte Sozialisten nicht in dem Maße vor- handen, wie es die bittere Notwendigkeit und das Gedeihen unser Bewegung erheischt. Rings von einer Welt von Feinden umgeben, die auf Grund ihrer sozialen und wirtschaftlichen Macht und Ueberlegenheit Kunst, Wissenschaft und Bildung als ihren teuersten Schatz hütet und bewacht, bleibt der Ar beitcrschaft weiter nichts übrig, als aus eigener Initiative und Macht ihre geistigen Waffen zu schmieden, um den Druck und den Ansturm cher Gegner erfolgreich abwehren zu können. Daß zur Agitation und Aufklärung Wissen, Wissen und noch einmal Mssen gehört, ist eine Binsenwahrheit, die aber nicht immer ihrer eminenten Bedeutung und Wichtigkeit nach ge würdigt wird. Um zu werben pnd zu agitieren, bedarf es fähiger, durchgebildeter, in Wort und Schrift äußerst ge- wandter Genossen und Genossinnen, opfermutigcr, charakter- fester und vom Geist des wissenschaftlichen Sozialismus durch- drungener Männer und Frauen. Nun steckt in der Arbeiter- schaft eine Unsumme von Talent, Auffassungskrast und Be- gabung. Schätze, die nur gehoben werden brauchen, um zur vollen Entfaltung zu gelangen. Dazu bietet die Arbeiter- Bildungsschule die beste Gelegenheit, die jedem, der Lust und Neigung besitzt zum planmäßigen, methodischen Studium, die helfende, leitende Hand bietet. Viele hundert Genossen, die heute als wackere Agitatoren und Vorkämpfer in der Be- wegung tätig sind, haben ihr geistiges Rüstzeug daselbst ge- sammelt und geschärft. Auch in diesem Quartal behandelt ein tüchtiges, auserlesenes Lehrerpersonal die einzelnen Wissensgebiete und schafft in leicht und gemeinverständlicher Weise die Grundlage, auf der jeder hernach selbständig weiter bauen kann. Deshalb hinein in die Arbeiter-Bildungsschule, die ein Vermächtnis unseres alten Recken Liebknecht ist, dessen Wahlspruch lautete: Wissen ist Macht, Macht ist Wissen I Zum Achtuhr-Ladcnschlnß. Die vom Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen und dem Verband der Handels- und Transport- arbeiter unter Unterstützung der Partei inszenierte Agitation zur Herbeiführung des Achtuhr-Ladcnschlusscs für den Landes- polizeibezirk Berlin hat das erfreuliche Ergebnis gezeitigt, daß rund 20 000 Ladeninhaber sich für den Ächtuhr- Ladenschluß ausgesprochen haben. Nach Annahme deS Verbandes ist mit dieser Zahl die notwendige'/z-Mehrheit erreicht. Dem Polizei- Präsidium ist gestern das Material zugegangen und es ist nun zu hoffen, daß die Erledigung dseser wichtigen Angelegenheit nicht auf die lange Bank geschoben wird. Viele Taufende von Ladensklaven und Sklavinnen warten mit Sehnsucht darauf, endlich in den Genuß der einen Stunde zu komnien und damit das zu erreichen, was die Berufsgenossen und Genossinnen in vielen anderen Städten Deutschlands schon längst haben._ Die Berliner Stadtbibliothek.> Am Dienstag, den 16. Oktober, wird die Berliner Stadt- k i b l i o t h e k in den neu hcrgerichteten Räumen Zimmerstr. 99/91 eröffnet werden. Im Jahre 1901 von den Gemeindebehörden gegründet und sei» 1992 mit städtischen und privaten Geldmitteln versehen, hat sie zurzeit einen Bücherbestand von mehr als 89 909 Bänden. Ihre Bestimmung ist eine andere als die der Königlichen und der llniversitätsbibliothck und der sonstigen Berliner Biblio- theken, denn sie hat keine gelehrten, fachwissenschaftlichen Zwecke zu fördern, sondern dient ausschließlich allgemeinen Bildungs- zwecken der Berliner Bürgerschaft. Sic besteht aus einer Ausleihbibliothek und einem Lesesaal. Die Benutzung beider Anstalten ist unentgeltlich. Die Ausleihbibliothek ist an jedem Wochentage von 12— 3 und von 6— 9 Uhr, der Lesesaal an jedem Wochentage von 12— 3 Uhr und von 6— 19 Uhr jedem Berliner Einwohner, der mindestens 16 Jahre alt ist, zugänglich. Die Auslcihbibliothek verleiht Bücher auf einen Monat nach Hause, zunächst aus folgenden Abteilungen: Geschichte, Literaturqeschichte und Dichtung, Kunst, Rechtswissenschaft, Staatswisscnschaft, Volkswirtschaft und Sozial- Wissenschaft. Zu diesen Abteilungen sind gedruckte Kataloge vor- banden, die der Band zu IM. verkauft iverden. Die noch aus- stehenden Abteilungen der Stadtdibliothek werden im Jahre 1998 gebildet werden. Im Lesesaal stehen zur Verfügung des Publi- kums: Zeitschriften, Tageszeitungen und 3490 Bände Nachschlag- bar, sondern auch durch Vermittlung der Volksblblwthcken ver- leihen. Wer also im Norden oder Osten der Stadt wohnt, brauch! nicht den weiten Weg zur Zimmerstraße zu machen, sondern geht in die Volksbibliothek seines Stadtteils und bestellt dort die Bucher. die er aus der Stadtbibliothek zu haben wünscht. Es ist dafür gesorgt, daß er 24 Stunden nach der Bestellung die gewünschten Bücher in der Volksbibliothei vorfindet. Da die gedruckten- Kataloge der Stadtbibliothek in j&.er Volksbibliotbek und Lesehalle- ausliegen werden, so kann sich ein f�er fchnell und leicht davon unterrichten, was für Bücher ihm die Stadtbibliothck für seine Zwecke bietet.__ Bor der Gemeindeschule. Ein gewaltiges Schieben und Drängen gab e? am Dienstag» mittag nach Schluß vor der 216./222. Gemeindeschule in der Rostocker-- straße. Ein Warenhaus in der Bcusselstraße hatte schwarz-weiß-rote: Rcklameplakate mit dem Reichsadler auf der einen Seite ansertigeir lassen und ließ diese das Ausseben von Papierfähnchm tragenden Reklamen an die die Schule verlassenden Kinder verteilen. Augen- zeugen schildern uns, wie Hunderte von Kindern sich auf einem Haufen zusammcndräagten und viele mehr oder minder schwere Schädigungen erlitten. Die Kinder rißen sich um die Reklamen und die Straps glich binnen kurzem einem wahren Schlachtfelde. Dem einem war die Schulmappe, dem andern die Mütze abhanden gelonunen. Bucher flogen aus den Mappen auf die Straße, Kleider waren zerrissen, kurz, es war schon„nicht mehr schön*, und die Eltern der Kmder mögen nicht erbaut gewesen sein, als ihre Sprößlinge in defeuein Zustande nach Haus kamen.. Gegen die Reklame an sich läßt sich nichts einwenden, aber gewisse Fonmen kann man schon einhalten; auszuarten braucht das nicht._ Die Bauarbeiten für die Probeftrecke der Schwebebahn sind kürzlich in der Brunnenstraße in Angriff genommen worden. Zum Zwecke der Aufstellung der Gcrüstträger ist eine Verlegung der Straßenbahnschienen erforderlich, aus welchem Grunde das Doppel- gleis zwischen der Jnvalidenstratze und dem Rosenthaler Tor aus- einandergezogen wird. Um Störungen für den Verkehr zu ver- meiden, gelangen diese Arbeiten in den Nachtstunden zur Aus- führung. Jedenfalls in der nächsten Woche wird mit der Mus- stellung der Mittelpfeilcr, an denen die Bahnträger befestigt werden, begonnen. Der Magistrat hat gestern die Entwürfe für die WalderholungS-- stätte, die vom Geheimen Baurat Dr Ludwig Hosfmann vorgelegt ivurden, gcuehmigt. Sie soll nördlich von der Eisenbahnstation Buch in einem städtischen Forstgelände errichtet werde», mitten in diesem sollen mehrere Schulbaracken für den ständigen Aufent- halt der Kinder, mehrere Schlafsäle, Liegehallen, ein Wirlschafts-- gebäude, Pavillons für das Lehr- und Aufsichtspersonal usw. er-> richtet werden. Zunächst sind die Baulichkeiten für 199 Knaben und' 199 Mädchen berechnet. Die Kinder sollen dort vollständig be-- hcrbergt und verpflegt werden, erhalten entsprechenden Unterricht und können in den ErholuugSstnnden sich mit Turnen und Spiel, Gartenbau usw. beschäftigen. Die Kosten sind schon früher in Höhe von 399 999 M. bewilligt worden. Verlegung von Gtrahenbahnlinien. Drei wichtige Linien der Straßenbahngesellschaften können jetzt wieder ihren fahrplanmäßigen Weg im Westen von Groß-Berlin machen. In den letzten Monaten ist der Kurfürstendamm zwischen der Corneliusbrücke und dem Auguste-Viktoriaplatz neu befestigt worden. Insbesondere hat man den Reitweg beseitigt, um dem großen Verkehr an jener Stelle Platz zu schaffen. Die Arbeiten sind jetzt so weit gefördert, daß die Straßenbahnlinien, die jene Strecke berühren, nunmehr wieder: alle ihren fahrplanmäßigen Weg nehmen können. Es sind dies: die Linie 4 Ostwestring, L Dönhoffplatz-Wcstend und R Dönhoffplatz-Spändauer Bock. Die Linien nehmen jetzt wieder ihren Weg über die Corneliusbrücke, den Kurfürstendamm und die Hardenbergstrahe. Die Zurückverlcgung findet am nächsten Sonn- tag, den 13. Oktober, statt. Eine neue Polizeiverordnung für den Straßendahnvcrkehr. Ucber die Mitnahme von überzähligen Fahrgästen hat der Polizeipräsident eine Palizeiverordnung unterzeichnet, die dieser Tage amtlich ver» öffcntlicht werden und sofort in Kraft treten soll. Nach dieser neuen Polizeiverordnung soll die ausnahmsweise Mehrbesetzung der Straßen« bahnwagen über die Normalzahl hinaus in folgenden Fällen ge» stattet fein. An Wochentagen in der Zeit von 11 Uhr abends bis zum Be« triebsschluß; in der übrigen Zeit a) bei Unwetter(Platzregen, Schneegestöber usw.), d) bei Verkehrsstörungen und Verkehrs- einschrankungen, c) bei Paraden, Volksfesten, Schalistellungen und anderen großen öffentlichen Veranstaltungen, d) bei größeren Leichenbegängnissen nach in den Bororten belegenen Kirchhöfen auf den» jenigcn Linien, die nach diesen Kirchhöfen fiihren. An Sonn- und Feiertagen ist die Mehrbesetzung der Wagen in der Zeit von nachmittags 3 Uhr bis zum Betriebsschluß. in der übrigen Zeit bei den aufgeführten außergewöhnlichen Vor» kommnissen gestattet. Das Maß der Mehrbesetzung in den erwähnten Zelten und Fällen darf auf der Vorder- und Hinterplattform jedes Wagens je eine Person, im Innen» der Wagen mit Langsitzen dürfen zwei Personen, in solchen mit Quersitzen drei Personen über die Normal- zahl hinaus mitgenommen werden. Die Antoinobilfalle in Tegel auf der Straße zwischen Hum- boldtmühle und Schloßrestaurant hat wiederum Veranlassung zu einem Unglücksfall gegeben. Schon bei der Luftschifferkonkurrenz im vergangenen Jahre fuhr«neö der verfolgenden Automobile in der scharfen Kurve gegen einen Baum, wobei einer der Insassen etötet wurde. In der vorigen Woche kam in gleicher Weise ein lrzt schwer zu Schaden, der lvegen der Typhusepidemie in Velten yach diesem Nachbarort gerufen worden war. Auch gestern stürzte ein Kraftwagen beim Nehmen der Kurve in den Graben und wurde total zertrümmert. Die Jnsaffen des Gefährtes ramen glücklicher» weise mit leichteren Kontusionen davon. DaS Ende einer Schwindelkasse. Der Polizeipräsident macht be- kannt, daß dos Liquidationsverfahren über die„Aerolina" deutsche Volkskrankenkasse zu Berlin, Eingcschnebene HiilfSkasse Nr. 149, H« sich am 13. November 1902 anfgelöst hatte, wegen Mangels an Mitteln eingestellt ist und die Liquidatoren Schmidtke und Schwarz von ihren Aemtern als Liquidatoren entbunden worden sind. Unterstützungsansprüche gegen die Kasse können daher keine Berück- sichttguiig mehr finden. „Guten Tag, Herr Direktor!" Dieser doch durchaus höfliche Gruß kostete einem Berliner Landwchrmann, dsr in den ver- gangencn 14 Tagen in Wittenberg eine Uebung machte, 5 Tag- Arrest. Der Berliner Branddirektor Reichel machte nämlich dort ebenfalls eine Uebung und zwar im LandlvehrhauptmannS. ränge. Ritt der Herr Hauptmann da eines Tages an der anderen Landwehrkompaguie vorüber und einer der Mannfchaften erlaubte sich den an der Spitze stehenden Gruß ihm zuzurufen. Der Herr Hauptmann ziigclte sein Pferd und frug, wer von den Wehrleutc» ihn da in dieser Weise gegrüßt habe. In der Meinung jeden- falls, daß dieser Gruß dem Herrn Direktor gefallen habe, meldete sich der Betreffende. Herr Reichel ritt zu dem Haupt,»q..n der Landwehrkompagnie und verlangte Bestrafung. Wie erzählt wird, versuchte der Kollege des Herrn Reichel ihm dieses aus- zureden, doch bestand der letztere auf die Bestrafung dieser Berliner Schnoddngkeit. widrigenfalls et eS dem Regiment melden wolle. — Wir hielten bis jetzt den Titel eines Branddirektors als einen durchaus ehrenvollen und dem Titel eines Hauptmannes mindestens ebenbürtigen, doch nach Herrn Reichels Meinung scheint dies anders zu sein. Als Vertreter der Bürgerrepriisentation Kopenhagens haben kürz- ltch zwölf Herren in Berlin einen viertägigen Aufenthalt genonimen, um unsere kommunalen Einrichtungen zu studieren. Der Führer der Studienkomnnssion. ObergerichtSadvokat Haatz hat sich nach seiner Rückkehr über die hiesigen Einrichtungen nach den verschiedensten Richtungen hin geäußert. Vieles hat er gelobt, aber auch manches getadelt. In letzterer Beziehung ist für uns von Interesse, was er über unsere Gemeindeschulen gesagt hat. Er meinte nach einem Be- richt des„Verl. Tageblatt": .Am wenig st en befriedigt kann ich mich über das Gemeindeschulwesen in Berlin aussprechen. Die Deputation hat die 217. Gemeindeschule besucht. Die Räumlichkeiten und daS Material des Anschauungsunterrichtes können sich nicht mit den entsprechenden Einrichtungen der Kopenhagener Gemeindeschulen messen. Auch ist die in Berlin auf die einzelne Klasse der Bezirks- schule entfallende Schülerzahl— über 40 durchschnittlich— bedeutend größer als in Kopenhagen, wo die größte überhaupt zulässige Schülerzahl einer Klasse 35 beträgt." Woran sich Berlin ein Beispiel nehmen könnte! Wegen eines große» Dachstuhlbrandes wurde gestern mittag die Hauptwache nach der Brandenburgstr. 25 alarmiert. Dort stand auf dem Hofe der Dachstuhl eines Geschäftshauses in Flammen. Die Feuerwehr mußte mit drei Schlauchleitungen voir Dampfspritzen vorgehen und zur Löschung eine große mechanische Leiter benutzen. Der Dachstuhl ist zum Teil niedergebrannt. Die Entstehung konnte noch nicht ermittelt werden. Feuernachrichten. Wegen eines gefährlichen Brandes wurde die Feuerwehr gestern abend nach der Höchste st r. 45 gerufen. Bei Ankunft der Löschzüge standen dort in einem Drogerie- laden Benzinvorräte und Regale in Flammen. Brandmeister Elsner ließ sofort mit einem L-Rohr Wasser geben, wodurch die Gefahr bald beseitigt werden konnte. Ein Arbeitsbursche Otto FiesielSki erlitt bei dem Brande schmerzhafte Verletzungen an beiden Händen.— Ein zweites größeres Feuer entstand nachts in der B e y m e st r. 25 in einem Konfitürenladen. In der Haupt- fache wurden hier Regale, Türen, Betten und Kleidungsstücke ver- nichtet.— In der Stallschreiber st r. 5 war in einer Küche Lohnermasse übergekocht, wobei daS Dienstmädchen Alma Gruner Brandwunden dritten Grades davontrug.— Eine Buchdruckerei erannte dann in der D r e s d c n e r st r. 34/35, während in der R h c i n s b e r g c r st r. 13 sich Petroleum und in der Koppen- ftraßc 21 ein Anker an einer Dynamomaschine entzündet hatte. Vorort-)Sachncbtem Rixdorf. Stadtverordnetenversammlung. Auf Vorschlag des Wahlaus- schusscS wird beschlossen, für den verstorbenen Stadtverordneten Babing eine Ersatzwahl anzuordnen. Der zwischen Thüringer- und Ringbahnstraße belegene Teil der Bergstraße soll neu hergestellt werden, jedoch nicht in Asphalt, sonder» durch Pflasterung mit Granitreihensteincn. Mit Rücksicht auf die Verkehrssicherheit des von der Ringbahn aus nach beiden Seiten hin stark ansteigenden Straßenteils ist die Reihenstcinpflasterung vorzuziehen. Die Ver- sammlung beschließt demgemäß. Der Vertrag der Stadt mit den Berliner Elektrizitätswerken läuft mit dem Jahre 1911 ab. Zur Aufhebung desselben ist eine zweijährige Kündigungsfrist festgesetzt. Soll also der Uebernahme in eigene Regie nähergetreten werden, so ist 1909 zu kündigen. Um hierfür genaue Unterlagen zu erhalten, schlägt der Magistrat vor, über die ganze Sache ein Sachverständigengutachten einzuholen. Bürgermeister Kaiser erklärt, daß die Stadt vor einer schwer- wiegenden Entscheidung stehe. Es handele sich um ein Millionen- Projekt und da müsse man so klar wie möglich blicken. Der in Aussicht genommene Gutachter werde sich trotz des Ricsenobjektcs mit der äußerst geringen Entschädigung von etwa 2500 M. bc- gnügen. Die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung sollen künftig in halbjährlichen Perioden zusammengestellt und gedruckt den Mit- gliedern übermittelt werden. Der Magistrat beantragt, im Ouergcbäudc des Hauses Kaiser Fricdrichstraße 297, in welchem bis jetzt ein Teil des Gymnasiums untergebracht war, die erste Hülfsscbule für schwachbcgabte Kinder unterzubringen. Einige dazu nötige bauliche Veränderungen werden 2500 M. beanspruchen. Der Mietsvcrtrag mit dem Privat- cigentümcr läuft noch bis 1. Oktober 1909, kann aber auf weitere 5 Jahre verlängert werden. An die Vorlage knüpft sich eine leb- hafte, teils sehr bewegte Debatte. Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n (Soz.) hat in Gemeinschaft mit cincni anderen Stadtverordneten die Räume besichtigt und gefunden, daß sie völlig ungeeignet für den gedachten Zweck sind, weshalb auch—• wie der Genannte aus- führte— seine Freunde dem Antrage des Magistrats nicht zu- stimmen werden. Wenn der Dezernent, wclckjer alle Schulhygiene- tongvesse besuche, in der Begründung die Räume„für Schulzivecke wohl geeignet" halte, so sei das unverständlich und komme einer Irreführung nahe. Höchstens 3 Räume könne nian als ver- hältnismäßig brauchbar bezeichnen. Die Belichtung derselben ist ungenügend, die Wände ramponiert; die Kleider müssen im Klassen- räume abgelegt werden. Das Treppenhaus ist äußerst beengt und teils dunkel, so daß bei eventueller Feuersgcfahr schlimmes be- fürchtet werden müsse. Der Hofraum ist viel zu klein und reicht allenfalls zu, um die Kinder nach Zuchthausmanier herumzuführen. lStürmische Uniterbrechungen rechts.) Die Vorlage' läßt den Mangel an Schulärzten wieder einmal sehr empfindlich hervor- treten.(Lebhaftes Ahal rechts.) Ihr Aha beweist nur, daß Sie für Schulhygiene eben kein Verständnis haben.— Stadtv. Gröpler wirst Silberstein vor, daß er mit seiner Rede nur in der Oeffcnt- lichkcit wieder mal sein Licht leuchten lassen wollte. Im übrigen sei auch er— Redner— von der Unzulänglichkeit der Räume überzeugt und erwarte, daß eine Mietsverlängerung nach zwei Jahren nicht eintrete.— Stadtrat Dr. Wvinreich hält zur Ver- tcidigung der Vorlage gegen die Angriffe des sozialdemokratischen Redners seine aus den alljährlichen Etatsberatungen bekannte Rede, nach welcher Rixdorf auf seine Schulverhältnisse mit einem „gewissen Stolze" blicken könne. Er könne nicht bloß als Hygieniker handeln, sondern müsse auch den Finanzstandpunkt berücksichtigen. Wolle man etwa auf den kostbarsten Grundstücken der Stadt die Hülfsschule bauen?— Diese merkwürdigen stadträtlichen Aus- lassungen riefen teils lebhaften Protest, teils aber auch Heiterkeit bei den Sozialdemokraten hervor.— Stadtbaurat Kiehl und Stadtv. Abraham versuchten den unangenehmen Eindruck der Aus- führungcn des Dezernenten abzuschwächen und stimmten sachlich mit Silberstein bollkommen überein.— Nach treffender Replik des Stadtv. Wutzky(Soz.) gegen den Stadtrat, welcher— wie Redner sagte— gegenüber den Mängeln der Schule Vogelstraußtaktik übe oder dirjx durch die rosafarbene Brille b'trachte, ging nock Stadtv. Silberstein(Soz.) gehörig mit dem Dezernenten sowohl als auch mit dem Stadtv. Gröpler ins Gericht, welch letzterem er auf seine Anrempelung bedeutete, daß er die darin liegenoe Unter- stcllung zurückweise; er wisse sich frei von Effekthascherei und diene stets und immer dem Gemeinwohl. Im übrigen mag Herr Gröpler doch auch sein Licht leuchten lassen— sofern er eS vermag. — Stadtverordnetenvorsteher Sander rief wegen des Schlußsatzes den Redner zur Ordnung.— Die Magistratsvorlage gelangt hierauf mit 32 gegen 16 Stimmen zur Annahm«. Den Vorlagen betreffend die Anstellung eines ausländischen LchramtSassistenten für das Gymnasium, die Anstellung von weiteren Lehrkräften für die höheren Mädchenschulen und die Erhöhung der Entschädigung für eine LehrerjahreSstunde an der Fortdildungs- schule(von 90 auf 105 M.) wird debatteloS zugestimmt. Die gleiche Erledigung findet der Antrag auf Anmietung der Turnhalle des Turnvereins„Jahn" für das Winterhalbjahr zum Preise von 600 M., da die vorhandenen Schulturnhallen für das Bedürfnis nicht ausreichen. Am 1. April 1903 läuft die Wahlperiode der Hälfte der ehren- amtlich tätigen Stadträte ab; ferner harrt die Stelle des Zweiten Bürgermeisters noch der Besetzung. Zur Vorbereitung der not- wendigen Ersatzwahlen verstärkt die Versammlung den Wahlausschutz um 6 Mitglieder, darunter sind auch die Genossen Hoppe und Jden. In der folgenden geheimen Sitzung lagen neben Beamten- anstellungen, die genehmigt wurden, mehrere Grundstückskäufe vor, die wegen der nicht zusagenden Bedingungen teils abgelehnt, teils vertagt wurden. Der Herrichtung von weiteren 40 Hektar des Rieselgutes Beusendorf-Großmachnow für die Berieselung und einem Abkommen über Entwässerungsanlagen in wird die Zustimmung erteilt, Tchönederg. Ueberfallcn wurde vorgestern abend gegen II Uhr in der Er- furterstraße der bei der Wach, und Schlicßgesellschaft angestellte Wächter Franz Salewski. Er hatte besonders den in der genannten Straße belegenen Bauplatz von Zimmer zu bewachen, auf dem schon mehrfach Diebstähle vorgekommen sind. Auf dem Bauplatz wird ein Terrierhund gehalten, der bereits öfter verschwunden war, und zwar jedesmal, wenn dort ein Diebstahl ausgeführt wurde. Als S. vorgestern abend zur genannten Zeit sich dem Platz näherte, bemerkte er, daß der Hund wiederum fehlte. Unmittelbar vor dem Bauplatz sprangen plötzlich zwei Männer hinterrücks auf ihn zu und einer derselben versetzte dem Wächter mit einem Knüppel einen so wuchtigen Hieb über den Kops, daß der Getroffene be- sinnungslos zusammenbrach. Dann schnitten sie ihm die Rock- und Hosentaschen auf, zweifellos in der Absicht, den Ueberfallencn zu berauben. Dies gelang ihnen jedoch nicht, weil S. sein Geld im Stiefelschaft aufbewahrte. Inzwischen ergriffen die Räuber die Flucht und entkamen auf den hinter dem Bauplatz belegenen Wiesen. S. mußte sich auf der Unfallstation in der Herbertstraße einen Verband anlegen lassen. „Die Sozialdemokratie in der Gemeinde" lautete das Thema, das am Dienstagabend in drei öffentlichen gutbesuchten Kom- munalwählerversainmlungen, und zwar in Obsts Festsäle. Meiningerstr. 8;„Schwarzer Adler", Hauptstr. 134, und Wilmersdorf, Ebersstr. 80, zur Beratung stand. Referenten waren die Ge- Nossen Eduard Bernstein, Hermann Molkenbzrhr und Dr. Alfred Bern st ein. Unter besonderer Berücksichti- gung des elenden Kommunalwahlrechts geißelten die Redner scharf das Treiben der freisinnig-hausagrarischen Stadtverordneten- mchrheit, die ihre Macht benutze, um jedem kulturellen Fortschritt hemmend in den Weg zu treten. Tos Schulwesen, die unleidlichen Wohnungsvcrhältnissc, die noch so miserable Lage der Gemeinde- arbeiter und die ablehnende Haltung der Gegner anläßlich der Beratung über die Wertzuwachsstcuer wurden von den Rednern einer herben Kritik unterzogen. Die Redner schlössen mit einem feurigen Appell an die Versammelten, die Zeit bis zum 2. No- vember, dem Tag« der Wahl, noch lebhaft für die Agitation auszu- nutzen, damit die Kandidaten der Sozialdemokratie mit großer Mehrheit gewählt würden. In der Diskussion wurde namentlich der Versuch des Reichslügenverbandes, die bürgerlichen Parteien unter seiner Fahne gegen die Sozialdemokratie zu sammeln, kriti- siert. Mit Recht wurde betont, daß diese Gesellschaft am aller- wenigsten Veranlassung habe, sich als Freunde der Arbeiter aufzu- spiele». Die Versammlungen wurden mit einem Hoch auf die Wahlbewegung geschloffen. Lichtenberg. Die Gemeindevertretung wählte am Donnerstag mit 13 von 23 Stimmen den Rentier Kronhausen, dessen Amtszeit abgelaufen war, auf weitere 6 Jahre zum unbesoldeten Schöffen der Land- gemeinde Lichtenberg wieder. 5 Stimmen fielen auf den Ge- Nossen Grauer. Zufolge einer Entscheidung des Oberverwaltungs- gerichts ist für Lichtenberg das Bestehen einer Observanz in bezug auf die Pflicht der Straßen- und Bürgersteigsreinigung seitens der Anlieger verneint worden. Der Gcmeindevorstand schlug den Erlaß eines Ortsstatuts im Sinne der ZK 1 und 68 der Landgemeindeordnung mit entsprechen- der Polizeiverordnung vor. Die Vertretung nahm nach längerer Debatte beide Vorschlage an. Es wird nach diesem Ortsstatut den Anliegern die Pflicht der Reinigung der Bürgcrsteige von Schnee und Eis und das Bestreuen mit abstumpfendem Material auferlegt und im Falle des Zuwiderhandelns eine Strafe bis zu 9 M. durch die Polizciverordnung angedroht. Die Forderung' eines Grund- besitzers, die Reinigung nur insoweit zu verlangen, als es die Ver- kehrsrücksichten gebieten, begegnete seitens unserer Genossen er- solgreichcni Widerspruch. Grauer wies darauf hin, daß die Ge- fahr, Schutzleute könnten in den unbebauten Straßen die Grund- besitzcr des öfteren schikanieren, gar nicht bestehe, denn erstens sei doch neben dem Staatsanwalt die Polizei die objektivste Behörde, und zweitens kämen doch Schutzleute erfahrungsgemäß nur in solche Gegenden, wenn es gelte Arbeitswillige zu schützen bezw. Streik- Posten zu verjagen, sonst sei in der Regel lein Schutzmann zu sehen. Tie Erhöhung des Zinsfußes von 3?! auf 4 Proz. für daS von der Sparkasse zu Buxtehude aufgenommene Darlehen wurde be- willigt. Ober-Schöneweide. Gemeindevertreterfitiuni». Die Klage des Vertreters Hege- w a l d t gegen die Vertretung toegen Ungültigkeitserklärung seines Mandates ist abgewiesen, und hat demnächst eine Neuwahl für die erste Klasse stattzufinden. Die Errichtung einer Schulklassc für geistig zurückgebliebene Kinder führte zu reger Debatte, in welcher seitens unserer Ge- nassen diese Einrichtung Ivarm befürwortet wurde. Mit der Be- gründung, daß die in Frage kommende Zahl von 25 Kindern zu gering sei, und dieselben noch im ersten Schuljahre stehen, wurde diese Angelegenheit abgelehnt. Dem vorliegenden Projekt für daS zu errichtende Rcalghm» nasium wurde zugestimmt, iöer Aufwand hierfür beträgt 550000 Mark. Die Schaffung einer zweiten Direktorstelle an der höheren Knaben- und Mädchenschule wurde abgelehnt, nachdem sich die Mehrzahl der Vertreter dagegen ausgesprochen hatte. Einen recht vernünftigen Bescheid hat die Aufsichtsbehörde auf das Begehren verschiedener Hausbesitzer und Geschäftsleute ge- geben, die durch Erhöhung der Marktstandsgebühren sich die Kon- kurrenz fernhalten wollen. In dem Bescheid wird gesagt, daß man der' minderbemittelten Bevölkerung nicht die Gelegenheit zu billigem Einkauf sperren sollte, wenn man überhaupt mit diesem kleinlichen Mittel den beabsichtigten Zweck erreichen könnte. Gegen das Verbot der Kreisbauverwaltung wegen SprengenS des die Gemeinde begrenzenden Stücks Krcischaussec sollen, da durchaus unverständlich, weitere Schritte unternommen werden. Ein der Vertretung vorliegender neuer Vertragsentwurf der Terraingesellschaft mit der Gemeinde betreffs Anlegung von Straßen wird zwecks eingehender Beratung zurückgestellt. Bemerkt sei, daß ein für die Gesellschaft äußerst günstiger Vertrag vor einiger Zeit aligelehnt wurde. Dem zweiten Vertrag wird es allem Anschein nach nicht anders ergehen. Es wäre auch gänzlich verfehlt, wenn wegen augenblicklich zu erreichender Vor- teile willen sich die Gemeinde ein minderwertiges Pflaster auf» halsen ließe, welches nachher dauernde Lasten bedingte. Spauda». AuS der Stadtverordnetenversammlung. Schon seit längerer Zeit besteht zwischen dem Magistrat und der Stadtverordnete»»«- sammlung eine Meinungsverschiedenheit über die Anstellung eines zweiten Stadtbaurats. Während die Stadtvcrordnctenvcrsainmlung die Anstellung eines solchen verlangte, verhielt sich der Magistrat stets ablehnend. Die Versammlung beharrte aber auf ihrem Stand. punkte und beschloß die Anstellung eines technischen Magistrats- Mitgliedes, der auch im Jngenieurfach bewandert sein so?. Tei Magistrat stimmte schließlich der Anstellung zu wollte aber einen Hochbauer haben. Wieder entstand ein Streit und die Versamm- lung beschloß, die Sache nochmals in gemischter Kommission zu bc- raten. Gleichzeitig sollte auch in dieser Kommission die Wieder- resp. Neuwahl der jetzigen Stadtbauratstelle, mit beraten werden. Die Kommission tagte und beschloß nunmehr, de» zweiten Stadt- baurat fallen zu lassen, weil diese»stelle noch eine Anzahl anderer technischer Stellen im Gefolge haben würde und dafiir einen zweiten Bauinspcktor anzustellen. Diesem Beschluß stimmte selbstverständlich der Magistrat zu und war eine diesbezügliche Vorlage eingebracht. — Der Stadtv. T i e tz, einer der- jenigen bürgerlichen Stadtverordneten, die 1905 von der 3. Ab- teilung gewählt worden waren, hatte in einer früheren Versamm- lung namens des Bezirksvereins, dem er angehört, eine Petition um Errichtung einer Polizeiwache in der Wilhelmjtadt eingebracht. Der Magistrat hatte die Vorlage abgelehnt und brachte dies zur Kenntnis der Versammlung. Darüber stimmten die Stadtvv. Taßler und Tietz ein großes Lamento an.— Zu der Vorlage: Her- stellung eines zweiten Gleises der Straßenbahn vom Fehrbclliner Tor zum Stadtpart bezw. einer eingleisigen Verlängerung vom Ttadtpark bis zum Johannesstist und Bewilligung der Kosten von 90 000 M. aus den Kaufgeldern des Johannesstiftcs. nahm auch der Stadtv. Schmidt II das Wort. Eö ist dies derjenige von der 3. Abteilung im Jahre 1905 gewählte Stadtverordnete, der auf Veranlassung seines Direktors von der Gcwchrfabrik sich in der Stadtverordnetenversammlung dagegen verwahrte, mit dem Genossen Schmidt I identifiziert zu werden. Er empfahl die Ab- lehnung der zweigleisigen Strecke vom Fchrbelliner Tor bis zum Stadtpark. Diese Strecke ist aber gerade am stärksten frequentiert. Man kann daraus ersehen, wie kurzsichtig dieser Herr ist. Genosse Pieck geißelte bei dieser Gelegenheit wieder den'billigen Verkauf des Stadtwaldcs an das Johannesstift und meinte, daß von den 2 Millionen Kaufgeld bald nichts mehr übrig sein wird. Die Versammlung beschließt, diese Vorlage in geheimer Sitzung weiter zu beraten. Zwei Gnlitdstücksankäufe werden ebenfalls in geheimer Sitzung verhandelt. Was brauchen die Steuerzahler auch zu wissen, wozu ihr Geld verwendet wird. Die übrigen Vorlagen sind von geringerer Bedeutung und werden nach den Anträgen genehmigt. Potsdam. SchülertragSdie. In einem Hanse der Gr. Weinmeisterstraße wurde vorgestern nachmittag von seinem Bruder der 17sährige Unterprimaner Meinicke vom Realgymnasium in seinem Zimmer als Leiche gefunden. Da die Annahme eineö Selbstmordes durch Vergiftung bestand, wurden zwei Aerzte geholt, die den Magen des Toten auspumpten. Auf dem Tisch standen allerlei Chemi- kalicn. Von Kameraden des Primaners wird erzählt, er habe sich bei der Präparierung von Insekten für die Sammlung unvor- iichtigerweise mit Cyankali vergiftet. Diese Annahme gewinnt an Wahrscheinlichkeit� da alle Motive für einen Selbslinord sehten. Vermischtes. Neuer Eiseuiahnunfall. Donnerstag abend 8 Uhr 26 Minuten überfuhr der von Frankfurt nach.Heidelberg abgehende Personenzug Nr. 970 auf der Mam-Station das Haltesignal und stieß infolge- dessen mit einem Güterzuge, ivetwer vom Güterbahnhof nach Sachsenhmisen fuhr, zusammen. Ein Kind tvurde leicht verletzt. Fünf Wagen des Güterzuges wurden zerstört und die Gleise der Berliner und Heidelberger Sirecke gesperrt. Um 10 Uhr war das Gleis Sachsenhausen— Frankfurt wieder fahrbar. Der Verkehr von und nach dem Süden wird durch Umleitung Louisa— Sachsenhausen auf- recht erhallen. Ermordet anfgefundeu. In Launau(Ostpreußen) ist nach einer Meldung aus Heilsbcrg gestern ftüh der Kontorist Groß des dortigen DampfjägewerkS in feiner Schlafbaracke durch Beilhiebc ennordet worden. Es wurden 500 M. geraubt. Der Mörder ii» unbekannt. Der durchgebrannte AmtSdiener Eduard Staudenmeier in Straß« bürg i. E., der, wie wir meldete», nach Unterschlagung von 60 000 M. amtlichen Geldern flüchiig wurde, ist gestern von der Schweiz nach Straßburg ausgeliefert worden. Bou den unterschlagenen Geldern befanden sich nur noch 6000 M. in seinem Besitze. Der Rest ist ihm, wie er behauptet, von einem Unbekannten gestohlen worden. Entgleist. Roch einer Meldung ans Lennep ist gestern vormittag der Personenzug Nr. 529 zwischen Remscheid und Remscheid— Gülden- Werth vor dem Tunnel mit der Maschine und mehreren Wagen ent- Ein Reisender wurde leicht verletzt. Der Berkehr nach Düffel- wird über Elberfeld geleitet. Serzweiflung auf SrennenScm Schiff. Nach einer Meldung der »Frankfurter Zeitung" aus New Jork ist der Triester Dampfer „® t u 1 1 a" mit 760 Passagieren 700 Meilen westlich von den Azoren bei schwerem Sturm in Brand geraten. Die Passagiere ergriff eine Panik. Sie füllten 12 Rettungsboote. Auch Leute der Mannschaft schlössen sich an, doch zeigte diese im allgemeinen eine gute Disziplin� und bekämpfte das im Zivischendeck ausgebrochene Feuer. Nach mehrstündigen Bemühungen schlug eine»nächtige Welle über das Deck und löschte das Feuer. Die aus Südfrüchten be- stehende Ladung mußte teilweise über Bord geworfen werden. Der Rekord der„Lusitania". Nach einer Meldung aus Nelv Dork bat der Dampfer„Lusitania" der Cunard-Linie gestern früh 1 Uhr 25 Minuten Sandy Hook-Feuer passiert. Die Reisedauer beträgt demnach 4 Tage und 20 Stunden. Die Entfernung von Liverpool nach Sandy Hook beträgt 2780 Seemeilen. Da die«Lusitania" 4 Tage 20 Stunden, d. i. 116 Stunden, unterwegs war, hat sie auf dieser ihrer zweiten Reise eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,S6 Knoten(gegen 23,01 Knoten der ersten Fahrt) erreicht. Der Hapag-Dampfer„Deutschland" erzielte auf der Westreise eine Geschwindigkeit von 23,13 Knoten als die höchste bisherige Leistung. Somit wäre der Rekord der„Deutschland" um 0,81 Knoten geschlagen. Auf beiden Fahrten(West- und ostwärts) zusammen war der Siekord deS Lloyddampfers„Kaiser Wilbelm H." 23,35 Knoten, während die„Deutichland" auf beiden Steifen zusammen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,33 Knoten aufwies. Die überangestrengte„Lusitania" wird nun zu zeigen haben, ob sie noch letstungsfähig genug ist, um auf der Rückfahrt nicht hinter dem Gesamtrekord zurückzubleiben. Sieben Arbeiter ertrunken. In Pontarlier(Frailkreich) wollten sieben bei einer Brücke mit Erdarbeiten beschäftigte Arbeiter mit einer Fähre über den Fluß setzen. Die Fähre kenterte jedoch infolge der starken Strömung und alle sieben Arbeiter ertranken. DaS Vennrt-Rcnnen der Lüste. Aus New Jork wird gemeldet: Frank Lahm, der vorjährige Sieger des Bennet-RennenS der Lüfte, besindct sich im Augenblick auf der Reise nach Et. Louis. Er leitet die Vorbereitungen für den internationalen Ballonwettflug. Vor seiner Abreise sagte er Fachmännern, daß er wohl versichern könne, der Ballonrekord iverde sicher gebrochen werde», weil die Verhältnisse deS Terrains, von dem miS der Aufstieg erfolgt, wesentlich günstiger seien als die aller bisherigen Wettfahrten. Bon Amts wegen ist an daS Publikum eine Belehrung ergangen, wie es den Luftschiffern beim Landen oder bei Zwischenfällen beistehen könne. Qesfentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SW., Sllexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von ü'.V-io Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lefefälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung au». Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 13. Oktober, vorm. 8'/« Uhr, im Raihaus(Saal 109): Versammlung mit freireligiöser Vorlesung.— Vormittags lO'u Uhr In der Schulaula, KI. Fmnksurlerftr. 6: Vortrag von Fräulein Ida AUmann:„Das Freidcnkcrtuni und die Frau".— Montag, den 14. Oktober, bei Balduin Franke, Scbasiianstraffc: Beschließende Per- jaurmlung(nur sür Mitglieder mit weißer Quittung). ßmfhaften der Redaktion. — I..f>. 168. Tie Aufnahme in daS Snnaiorium erfolgt, wenn nicht ausdrücklich eine andere Vereinbarung getroffen wird, au Stelle der Rente. Wenden Sic sich direkt au die Versichcrung-aiiitail.— Bcriin 39. 1. Nur der Veteran. 2. Nein. 3. In Berlin aii daS Polizeipräsidium, in der Provinz an den Landrat.— Bs. G. 35. Wenden Sie sich an den Arzt, der die Impfung vorgenoinine» hat.— H. 77. Offcnbacher Zentral- tranken- und BegräbniSkaffe für Frauen und Mädchen, Priuzcnflraße 60 bei Hintz.— Karl 18. Falls Sic mit dem Getrenntleben einverstanden sind, ja.— I. T. 100. Der Bescher ist zu verklagen.— C. P. 72. Ein Abzug von dein Gcbalt ist nnzuläisig, auch die Arbeitszeit eine über- mäßige. Wenden Sic sich an den Verband der Bäcker und Konditoren, Allguststraße 36.— Zl. H. 1806. Das wird kaum möglich sein, treien Sic aber mit der Haiidtverlslammer, Nene Friedrichstraße 47. in Verbindung. O. R. 08. 1. und 2. Das ist zuläsfig. aber nicht zweckmäßig, well mög- licherweife aus dem Verlaus aus'Abhaltung eine« öffentlichen Vergnügens geschlossen und dieses dann verboten werden kann.— Gnadenbrot. Sie könnten nur vielleicht durch Eingabe an den Magistrat Ihren Zivcck erreichen. Berliner Marktpreise. Aus dein amtlich«» Bericht der städtiichen Marliballen-Direktion.(Großhandel.) Ochsciislciich l» 68—70 Hr. 100 Pib., II» 62- 67, III» 57-60, Bullenflcisch la 62-07, IIa 50-59, Kühe, fett 50— 58, do. mager 40—48, Fresser 54—02, Bullen, dän. 54—62, da. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppelieuder 105—120, Maslkälber la 82—92. II» 73—79, Kälber ger. gen. 54—68, do. Holl. 48—54. dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 76— 78, Hammel la 70—74, IIa 64—69. ungor. 0,00, Schafe 48—62. Schweinefleisch 54—61. Rchbock la per Pfund 0,60—0,95. IIa 0,40—0,50. Rothirsch la per Pfd. 0,30-0.40, do. Ua 0,10— 0,15. Damhirsch 039—0,60. Wildschweine 0,20-0,50. Frischlinge 0,00. Kaninchen p. St. 6,20 bis 0,90. Hase», groß, P.Stck 2,50—3,50, do., mittel u. klein, Stck. 1,00—2,40. Wildenten per Stück 1,00—1,50. Krickenten per Stück 0,50—0,60. Rebhühner. junge große 1,00—1,50, mittel u. kleine 0,40—0,90, alte 0,60—0,90. Faianc»- hähne la 1,25—2,25, do. IIa 0,50—1,00. Fasanenhennen 0,60—1,50. Be- kaisinen 0,60. Waldschnepfen 2,20—2,75, do. IIa 1,00—2,00. Krammetsvögel 0,20—0,30. Hühner, alle, der Stück 1,40—2,00, IIa 0,80—1,30, do. junge 0,60—1,30. Tauben 0,15—0,50. Enten Der Stück 1,50—2,20, dito Hamburger per Stück 3,00—3,10. Gäute per Psund 0,45—0,60, do. per Stück 2,00— 3,50, do. Hamburger per Pftmd 0.75—0.80, do. Oder- vrucher per Psd. 0,50—0,62. Poulels per Stück 0,80—135. Deutsche Poularden per Stück 1,05. Hechte per 10« Psd. 96—103, do. matt 93—94. do.«ein 0.00. do. mittel 105— 106, do. groß 0,00. Zander 0,00, do. klein 0,00, dito mittel 0,00. Schleie, groß- mittel 0,00, do. Nein 127—132, do. uns. 0,00. do. mittel 0,00. Aale, groß 0,00. do.«ein u. mittel 78—81, do. mittel 0,00, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittel 110, klein 0,00. Plöven 0,00. Zioddow 0,00. Karpse« 60-80er 0,00, 30— 40er 0,00, do. 80-100er 0,00, do. 50er 66—69. Bunte Fische 47—80. Barle, groß 0,00, matt 68—70. Karausche» 0,00. Wels 0,00. Bleie 51—59. Barbe 0,00. Aland 65—70. Quappen 0,00. Raap 0,00. Amerik. Lach» la neuer, per 100 Psd. 110— 130, do. IIa neuer 90—100, do. lila 0,00. Seelachs 10—20, Flundern, Kieler, Stiege I» 2—6, mittel Kiste 1—2. Hamb. Stiege 4—6, balbe Kiste 2—3, pomm. la schock 5— 6, IIa 2— 4. Bücklinge, Kieler per Wall 2— 4, Stralsunder 2,00, Bornh. 0,00. Aale, grog per Psd. 1,10 bis 1,40, mitielgroß 0.80— 1,10, klein 0,60— 0,80. Heringe per Schock 5— 9. Schellsische Kiste 3—4,00,'!, Kiste 1,75—2,23. Sarbellen, 1902er per Anker 98, 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. schottische Vollberinge 1905 0,00, large 40-44, füll. 38-40, med. 36-42, deutsche 37—44. Heringe, neue Makses, per To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1,40, do. Büchse(4 Llter) 1,40-1,70. Reunguge». Schocksaß II, do.«eine 5—8, do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0 00, do. mittelgroße 0,00, do.«eine 2.90, do. unsortiert 0,00, Gallzjer. groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,30, do. große 4,00—4,40. Butter per ,00 Psd. la 124-126, IIa 116-120. lila 110—113, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Psestergurken 4.00. Kartoffeiii per 100 Vid. Dabersche 2,75—3,25, weiße runde 2,50—3,00, blaue 0,00, Rosen- 0,00, rang. bon. 2,75—3,25. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 5—12. Spinat per 100 Psund 5—10. Sellerie, per Schock 2,00—8.00. Zwiebeln per 100 Psd. 2,50—3,75, do. Perl- 40.00—100,00. Chnloltcu 40,00—100,00. Pelerstlre, grün, Schockbluid 1,00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bayr., neuer Stück 0.03— 0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bis 3.50. Karotten, hiesige, Schockbuud 2,00—3,00. Wirsingkohl per Schock 330 bis 10,00. Rotkohl, Schock 4—10. Weißkohl 2—2,50. Blmnciikohl, hiesiger 100 Stück 5—14. do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 7—15. Rosenkohl, per 100 Psd. 20—25. Gnüitohl 4—6. Kohlräibcn. Schock 3.00—6,00. Pelerfilienwurzclu, Schockbund 3,00— 4,00. Schoten per 100 Psd. 20—30. Schnittlauch 1,00—1,25. Pscfferlinge per 100 Psd. 8—14. Steinpilze per 100 Psund 25—40. Radieschen per Schockbund 0,75—1.25. Salat per Schock 1,00— 2,00. Gurken, Einmache-, Schock 15—40. Dohnen, grüne. 100 Psund 15—35. Tomaten per 100 Psund 12—16. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 3—10. Kürbis 3—4. Prcißelbecrcn per 100 Psd. 24—30, schwedische 29—32. Birnen, 100 Psd., Italiener 0,00, Tiroler 10—25, hiesige 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbirnen 1» 10-20. do. IIa 4-10. Pfirsich«, hiesige per 100 Psd. 3-20, italienische, per 100 Psund 26—32. Aepjel, per 100 Pfund. Tiroler I» 18—45. IIa 13-20. Most-, hiesige, 3-4, Koch- 5-10, Tafel- la 15-23, do. IIa 7—12. Wollnüss« per Schock 1,00—2.00, do. klein 0,40—0,50. do. stanz. 100 Psd. 0,00. Pflaumen, pr. 100 Psd. hiesige 10—14, serbische 10-16. Weintrauben, ital., per 100 Psd. 9-25. türk. 18-20. Anana» I. per Psund 70-1,00, do. II 0,00. Zitronen. Mesfina, 300 Stück 11,50-20,00, do. 360 Stück 12,00-16,00, do. 200 Stück. 12,00-16,00, do. 150 Stück 7,00—10,00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 14,00—18,00, Kokosnüsse per 100 Sick. 15-24. Maronen, ital., 100 Psd. 14-16. Witterlingsübersicht vom 11. Ottober 1007. Slattmen 764 W 765 S« 766 SA .a.M. 767 SO ünchen 1770 NW Wien 1768 AI Swtnemde. Hamburg Berlin Frauks.a Münch« s s SB Ii »■ü B« »ittei Mcbel 2wolkenl 2 wolllg 3 Dunst 2 halb bd. 3 wolkig »e c• S° S? w& Stationen LS i£ II »•= barandas76ISlill itrsburg 766 WS® Sctlly ilbtrbeoi Pari» 755 ZW 755 SSO 764 SSO »etter heiter 2 bedeckt 4 wollig 3 Rege» 2 bedeckt «och s» t»"T H Sj -0 8 11 13 13 Wetter« Prognose für Sonnabend, den IS. Oktober 1007. Trocken und meist heiter bei mäßigen südwestlichen Winde«: nachif etwas kälter, am Tage wieder Erwärmung. Berliner Weiterbureau. Für Den Jnbalt der Inserate üvernimmt die Nedattiou de,» Piiblitum gegenüber teinerlet Beraniwortuug. Zheater. Sonnabend, den 12. Oktober. Ansang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Salome. (Änjano 8 Uhr) SeliaufpielhauS. Der (An- kkSnigl. letzte Fuule. Tcutiches. Prinz Friedrich von Homburg. Kammer spiele. Liebelei. sang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Schiller O.(Walluer-Theater.) Rosnrersholm. t chiller(xharlotteuburg. DaS vierie Gebot. RcneS Schauspielhaus. DaS Glas Wasser. Lelsiug. Der Bund der Jugend. Berliner. Die tanzenden Mannchen. Friedrich- Wilhclmskädt. Schau- spirlhauo. Die Nibelungen. Neues. Tie Waffen Wiederl Kleines. Maria Magdaleue. Lortzing. Martha. Zeimat. Unsere blauen Jungens. Kölnische Oper. Hoffmanns Er- zähiuiigen. Westen. Die lustige Witwe. r-utiii'ielhau«. Husaienfieber. itodeuz. Ganz der Papa. Triano». Fräulein Jojclle— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkek. Luisen. Gebildete Menschen. Nachmittags 4 Uhr: Häusel und Grete!. Berubard Nose. Spree-Athener. Nachmittags 4 Uhr: Die sieben Naben. Theater an der Spree. Der Aktienbudiker. Mctropot. Do« muß man sth'n. dipollo. Sylvester Schöffer. Spe- ziaiitälc». Walhalla. Spezialitäten. JolicS Eaprtcc. Geteilte Ltebe. Gasino. Die wllde Jaad. Gebr. Herruield. Madame Wig> Wag. ES lebe daS Nachtleben. Pastage. Danny Gürtler. Spezialitäten. Wintergarten. Ruth St. Denis. Spezialitäten. Brater. Ein toller Einsall. Palast. Ein glänzender Reinsall Spezialitäten. Reichshatle». Stettiner Sänger. tkarl Haverland. Spezialitäten. ttniuia. Tanve» strotze iH/iU. Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Im Hörsaal 4 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Im Höriaal 8 Uhr: Dr. B. Donath DaS Ohmsche Gesetz. Sterntvarte. Juvalideustr. 57/62. t'vrtHimii«! Bonna Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Sonntag: Die tanzenden Männchen. Montag: Der Pastorssohn. liieslet' äes Westens. 8 Uhr: Die Instieo Witwo. Sonntag nachm. ö'l, Uhr halbe Preise: _ Frahllws»lnft._ Frieciried-W ilhelmstäckt isches Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Die Nibelungen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Jugend. Abends 8 Uhr: Der blinde Passagier. Montag: Nachtasyl._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Nie Waffe« iviedcr! Sonntag: Die Waffen wieder! Äoulag: Die Waffen wieder! Kleines Theater. Anfang 8 Uhr: Agnc« Sornia. Maria Magdalene. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abendt 8 Uhr: Maria Magdalene. Nonlag: Ei» ideal» Gatte. l-ortiing-Ibeater' Abend» 8 Uhr: IIa rtlia. Sonntag nachm. 3 Uhr: Martha. Abends 8 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor._ Lusispielhaus. Täglich 8 Uhr: Schiller-Theater. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theaterl. Sonnabend, abendS 8 Uhr: Roaineraholin. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Traamnlns. Sonntag, a b e ii d s- 8 Uhr: RoGitiei-vItoIni. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 U h r Da« vierte Gebot. Sonntag, nachm. 3 Uhr: stlonna Vunna. Sonntag, abends 8 Uhr: Da« vierte Gebot. CLn d» tu Panoptikum � A 9 L CA S leg I ricdrichslr. 165 Mr. Leu, der künstliche Mensch. Zentral-Theater. Abend» 8 Uhr: Vnaerc blauen Jansen«. Vaudeville tn 8 Akten. VE Besinz-Tliealcr. Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars mid Desvaillidre». Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS: R. Alezander. �eatezmSaSpw Köpenickerstrafte 68. Wends 8 Uhr. Zum 43. Male: Der Aktienbudiker. Alt-Berliner GesangSpoffe. Original- Dekorationen und Kostüme der 50er Jahre mit Josesine Tora. Täglich: Der Alliciibudiker. Luisen-Theater Sieichcubcrgerstr. 34. Nachmittags 4 Uhr: Hansel und Gretel. Abend» 8 Uhr: (lebilllete Menschen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Muttersegen. Abends. Hoffmann» Erzählungen. Montag: Muttersegen. üiiilijlfA Theater BürgersSle, Bergstrasic Nr. 147. Sonntag, den 13. Oktober 1907: Zapfenstreich. Drama in 4 Akten von Franz Adam Beyerleln. Ansang 7'/, Uhr. Uormarts Restaurant. Spandau, Schönwalderst. 80. Einzigstes Parteilokal u. BundeSeinkehr- stelle auf dem Weg« zum Sportpark. leiten Sonntag gr. Satt. Pank Kuinkc. I!rltii88ehiiiiienn Heute Soimabeud, de» II. d. MtS., abends präzise Tl, Uhr: III. Qrande Soirdc High-Life. Gala-Programm. U. a.: Mathilde Renz. Dorn Schumann. Ernst Schumann. Die wellberühintc lleorae öcnhair-Iruppe. LeS MonbarS, Lust- nolligeure. Reiteifamilie Humel. Die neuen Spezialitäten. Dir. Albert Schumaiiils n e u e ft oi Monsterdressuren. Um 9'/, Uhr: Die Perle aller Pantomimen Eine Fonsetzung der berühmtesten und popnlitrfte« Pantomime: Vis lustigen Aleilieiderger. Lia �est snl ljein Neckar. Humorist. Bilder aus dem modernen Studentenleben vom Hosballetimeister Zl. Steins. Sonnlag:-£ Galavorstellungen nachm. 3>/, Uhr und abends 7'/, Uhr. Nachmittags ein Kind frei. TmiKm-Theatet'. fraoleiii Josette- raeioe Fraa. _ Ansang 8 Uhr._ Xlll. Saison. Zirkus Husch Große Voi-Ktellnng. ü. a.; Herr Willy Manne, Wunderolekantcn. Möns. E. C'aroli, Fakierkünete. Um O'l, Uhr: Auf der Hallig. Diesj. gr. Ausstatt.-Pantora. des Zirkus Busch in 4 Bildern. Im 2., 3. und 4. Bilde: Sturm und Schiffsuntergang. Die Wunder derTlofttcc vorher das große Programm. Sonntag; 2 gr. Gala-Vor«t«U., nachm. 4 Uhr u. abd», 7'/, Uhr. Nachm. 4 Uhr zahlen Kinder unter 10 Jahren auf allen Sitz- plfitzen halb® Preise. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr; Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat, Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Hörsaal 8 Uhr: Dr. B. Donath: Das Ohmsche Gesetz. Invalidonatr, 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke. MWWMI Gr. Fraulliirterftt. 132. Spree-Athonci* von Schwarz-Ncistingen. _ Ansang 8 Uhr. WochcntagSpreisc. I(Nachm. 4 Uhr Kindervorstellung, Die sieben Raben. Metropol-Theater Gr. Bevne in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Glttryj.ltary B.Darinan(ia.D. LWhjthney a.D. [Wer, Ciipletro, teplii Anfang präzise 8 Uhr. Rauchen Überall gestattet. __ Hörgern__ Sonntag, 13. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Herren v. Maxim. Ab 8 Uhr: Das koiassale Drogranm. Um 9'/, Uhr: Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr. Samty QArtler der König der Bohtzrae und das kolossale Oktolier-Propiiii. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Beruh. Reit. Heute Freitag, den 11. Oktober 1907: Narziß°der: Das Eude der Pompadoar. Trauerspiel in 5 Akten von A. E. Brachvogel. Kasseneröffnung 7 Uhr. Auf. 8 Uhr. Vorverkaus von 10—2 Uhr. Theater des Zentrums. Sophien- Säle. Sophienstraße 17/18. Kis ftiil)»ifl Füllst V.Kren u. Lippschütz, Musik v. P.Lincke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise, V alast-Theater Burgstrastc 24. Täglich 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Der brillante Oktober-Spielplan. U. o.: Paula PuTals Hunde-Dressur. Die 5 Rammoneurs Damcn-Eiisemblc. Ein glänzender Reinfall P-ll«. W.Koacbs Theater lvirekltoii Rah. Olli. Bniiilienstr. Id. 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Der Kampf um das KM auf Boykottpottenfteben kfl tm Di»Z tag nach fünfvierteljährigem Rechtsstreit, der aus Snllch deU Boykotts des„Fürstenhof" in Zehlendorf entstand, durch den Strafsenat des Kammergerichts zugunsten dieses Rechts ent- schiede« worden. Di« Anklage gegen zahlreich« Parteigenossen entstand aus dem Voytott de«.Fürstenhof" in Zehlendorf. Wie erinnerlich, hat die Gemeinde Zehlendorf den Pächter des.Fürstenhof", Gastwirt Schwedhelm, im Pachtvertrag verpflichtet, das Lokal nicht zu sozialdemokratischen Versammlungen herzugeben. Unsere Partei» genossen wollten sich diesen Boykott um so weniger gefallen lassen, als die Pacht für den»Fürstenhof" in der Hauptsache vom Per- dienst am Arbeiterverkehr in der Stehbierhalle des»Fürstenhof' aufgebracht wurde. Sie boykottierten deshalb ihrerseits den »Jürstenhof", um die Freigabe des Lokals zu erzwingen. Zur Durchführung de? Boykotts stellten sie, besonders an Sonn- und Festtagen, an allen Zugangswegen zum Lokal Posten auf, die Passanten, von denen sie annahmen, datz sie das Lokal besuchen wollten, unter Mitteilung der Sperre ersuchten, das Lokal zu meiden. Die Folge war, datz die Polizeiverwaltung in Zehlendorf einen Hagel von Strafbefehlen auf die Boykottposten und die Ver» tciler der Bohkottzettel niedergehen lietz. Der»Fürstenhof" liegt unmittelbar gegenüber dem Bahnhof. Zuerst versuchte sie eS mit einer Stratzenpolizeiverordnung, welche verbietet, auf den Zu- gängen zum Bahnhof in Gruppen zu stehen. Ms dies nichts half, weil die Richter entweder ganz freisprachen oder die Strafen auf 3 M. herabsetzten, und weil auch unsere Parteigenossen sich nicht mehr auf die Zugänge' zum Bahnhof stellten, sollte mit dem groben Unfugsparagraphen das Postenstehen unmöglich gemacht werden. Ucber die merkwürdigen Verurteilungen einiger Genossen am 16. Oktober 1906 mit Haftftrafen bis zu vier Wochen durch den Gerichtsassessor Jacobh des Amtsgerichts in Grotz. Lichterfelde, über die Aufhebung dieses Urteils, Aenderung der Strafe in Geldstrafe durch das Landgericht, die weitere Aufhebung auch dieses Urteils durch das Kammergericht und die abermalige Verurteilung der Angeklagten durch das Land» g e r i ch t haben wir seinerzeit ausführlich berichtet. Die Revision gegen das letzte landgerichtliche Urteil gelangte am Donnerstag zur Verhandlung vor dem Kammergericht. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Herzfeld, machte unter anderem geltend, datz die Strafkammer gerade festgestellt habe, datz die angesprochenen Personen infolge ihrer körperlichen, gesellschaft- lichen oder gewerblichen Verhältnisse nicht reagiert und ihrer an- geblichen Entrüstung nicht Ausdruck gegeben hätten, sondern im Gegenteil ruhig ihres Weges gegangen seien. Eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe sei deshalb nicht festgestellt, sondern das Gegenteil. Die Tatsache, datz bei anderer Art der Durchführung des Boykotts die Möglichkeit vorhanden sei, datz eS einmal zu erregten Szenen käme, könne nicht dazu führen, im vorliegenden Falle eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe und des öffentlichen Friedens anzunehmen. Im übrigen, wenn der Boykott an sich ein erlaubtes Mittel sei und nicht strafbar, so müsse auch die Durdb- führung desselben, solange sie ruhig, höflich und sachlich betrieben werde, wie es hier geschehen sei, straflos sein; sonst käme man zu dem Rechtssatz: Der Boykott ist erlaubt, seine Durchführung aber wird bestraft. Das Kammergericht sprach darauf sämtliche Angeklagte frei. DaS Gericht schlotz sich nach den Urteilsgründen der Darlegung des Verteidigers an, datz eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung nicht vorliege. Es schwebt noch eine Zivilklage beS Gastwirt? Schwedhelm gegen 16 Boykottposten und den„Vorwärts". Sch. fordert für die ersten zwei Monate des Boykotts/ vom 30. Mai bis 31. Juli 1906, 1002,70 M. Schadenersatz Hus der fraucnbewegung* Das Fraurnwahlrecht in Dänemark. Die sozialdemokratische Fraktion hat u. a. einen Ver» fassungSänderungSvorschlag eingebracht, der den Frauen und Dienstleuten das politische Wahlrecht jjeben, das Wahlrechtsalter vom 30. auf das vollendete 21. Lebenszahr herab« setzen und außerdem die Bestimmung beseitigen soll, die das Wahl- recht von einem mindestens einjährigen seßhaften Aufenthalt ,m Wahlkreise oder der Stadt abhängig»rächt.— Zur Einbringung dieses Entwurfs hatte die Fraktion besonderen Auftrag erhalten von der HalbjahreSversanunlung deS HauplvorstandeS des sozialdemokratischen Verbandes, die am Sonntag stattfand. Der Hauptvorstand der Partei besteht aus 51 von den Parteigenossen in allen Lande»- teilen gewählten Vertretern, die sich einstimmig für jenen Borschlag erklärten._ Frauen in der Gewerbeaufsicht. In Italien ist jetzt der erste weibliche Beamte im Gewerbeaussichtsdienste angestellt worden. ES ist dies Signora Volanteri, die bisher als Organisatoriu und Agitatorin in der Gewerkschaft der Schneiderinnen in Mailand wirkte. Sie hat einen besonderen Kursus zur Ausbildung für ihr neues Amt in der Societa Umanitaria in Mailand durchgemacht. Eingegangene DruchrdmfUn. Die Schaubühne. Herausgeber S. Jacobsohn. Einzelnummer 30 Pf. Verlag: O-fterheld u. Co., Berlin W. 15. Ter Tropcnpflauzer Nr. 10. Zeiischrist für tropische Landwirtschaft. Herausgegeben von?l. Warburg und F. Wobltmann. Monatlich ein Hcst. Pro Jahr 10 M. Selbstverlag: Berlin, Unter den Linden 4!!. Die Zusammensehung der Braunschweiger LandeSversamuckung und das Landtagswahlrecht. 64 Seiten. Von Dr. H. Jasper. Verlag: H. Rieke u. Co. in Braunschweig. Weltgeschichte, Entwickelung in Staat und Gesellschaft, in Kultur und Geistesleben. Herausgegeben von Pros. Dr. I. v. Pflugk-Harttung. Gcichpe »Neuere Zeit". 80 Licserungen zu je 60 Ps. Ullstein u. Co., Berlin und Wien._ Wasserstands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn. Oder,'Ratibor , Krossen Franksurt Warthe, Schrimm , LandSberg Ritze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barbh , Magdeburg' Saale, Grochlitz l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Untcrpegcl. Turm-Str. 76 Warenhaus Moabit Otto-Str. 1 Sonnabend, 12. Sonntag, d. 13. Montag, d. 14. Dienstag, d, 15. Fleischwaren HQIsen-FrOchte Teig- und MOlilen- Fabrikate Botwurst... 45 n Undleberwurst"'•?&«■* 90 n Jagdwurst....; rtm 90 w. Salami, Westfälische* 1 80 Pökel-Blppchen...... 75«. Schinken-Speck, Ecken. nai 65 n Casseler ßippespeer um 80 n. Leberwurst,»«a 45 n Wettwurst.. r'ßffi T. um 70 n Cervelatwurst.;: tfi 1 10 Stettiner Cervelatwurst um 1 18 Bollschinken ims»«. im im 1 28 Speck, SH« es Ft. Mt.. Und 75 M Bratenschmalz.... 58 n •■ ♦- 4 il&iÄ Biesen-Erbsen.. Geschälte Erbsen Halbe Erbsen.;hTSF-. GrOne Erbsen...;.. 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