Ur. 241. Bbonnements-Bcdingungcn: Abonnement-'- Preis vrännmcrando, Vicrleljiihrl. 3,30 Mb, monatl. 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- »ununer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post« Abonnement: 1,10 Mark pro Monab Eingetragen in die Post-ZcituNgS- Preisliste. Unter tlreuzband jflt Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für da! übrige Ausland 3 Mark pro Monat, PostabonnemenlS nehmen an: Belgien� Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Siuinänien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg. vlchclüt täglldi auller tücnlag«. Verlinev VolklsblaK. Ol« Intertlons-GobObr beträgt für die fechsgefpaltenc Koloneb zeUe oder deren Raum 50 Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Psg, „Kleine Bnzeigcn", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weiter« Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer miissen bis S Uhr nachmittags in der Expedition «bgcgcben werden. Pie Expedition if bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „Sozialdcinokrat Berlin". Zcntralorgan der fozialdemokrati fchen parte! Deutfcblands. Redahtion: SW. 68, Llndcnstraese 69. Fcrufprcchcr: Amt IV. Nr. 1983. 1 Dienstag, den 15. Oktober 1907. Expedition: SRI. 68, Ltndenstrasoe 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der letzte IPapfterlaß. n.*) Wenn der Papst jetzt diesem im ersten Teil des Artikels dargelegten Schwindel erneut und derb ein Ende macht, so kann uns das nur recht sein. Möglich, dah er die Kirche vom Gottseibeiuns glaubt säubern zu müssen. Nur soll man uns den Hinweis nicht verargen, wie er dabei das Kirchcnkapital ebenso schützt wie die Kirchenlehre. D i e Kirche ist eine respektable wirtschaftliche Macht, deren Mit bcwerb man manchmal, wie unlängst noch in den deutschen Kolonien, unliebsam empfindet. Man hat ihr in den Säkulari- sationen beträchtliche Besitztümer genommen, hat sie bei den späteren Dotationen übers Ohr gehauen, hat sie im Erwerb zumal liegenden Besitzes beschränkt und Ordens Niederlassungen an die obrigkeitliche Genehmigung ge knüpft. hat die Staatsgesetze gegen sie verschärft, um jederzeit die Willfährigkeit der Diener am Wort erzwingen zu können. aber man hat nicht der hindert, daß sie auf kapitalistischer Grundlage einen neuen materiellen Aufschwung nahm und sich zu einem fühlbaren und unangenehmen Konkurrenten auswuchs. Daß dem so wurde, verdankt die Kirche nicht zuletzt der religiösen Ideologie ihrer Anhänger, auf der nicht nur ihre politische Stellung ruht, die auch ein sehr ergiebiges und ebenso geivisses Aus- bcutungsfeld darstellt. Reliquienhandcl, Amulettfabrikation, Stolgebühren, Seelmcssen, fromme Stiftungen, Almosen und wie die zahllosen Gelegenheiten alle heißen, um das Geld der Gläubigen einzuheimsen, sind nur möglich, so lange der gute Christ an seiner Seele keinen Schaden leidet. Man hat den „Modernismus" erst lange Zeit gewähren lassen, Leo XIII. hat ihn indirett sogar gefördert, aber seit es 1903 und 1907 in Deutschland vollständig klar wurde, daß er ein gefährliches Beispiel gibt, so daß der fromme Besitzstand vor dem roten Um stürz nicht mehr sicher ist, tut man alles, um das Feld zu behaupten und den Anhängern jetzt und in Zukunft jenen alleinseligmachenden Glauben wieder einzupauken, der kraft der Macht der Dummheit die lukrativen Einkünfte am besten verbürgt. Man kann Pius X. nicht nachsagen, er schrecke, um sein Ziel zu erreichen, vor irgend einem Mittel des„TerroriSmuS" zurück. Rücksichtslos wird denen der Brotkorb höher gehängt, die nicht parieren. Wer irgendwie sich vom„Modernismus' angehaucht zeigt, soll in den Seminaricn nicht mehr unter richten dürfen und vom Lehramt entfernt werden. Der Besuch der Staatsuniversitäten wird beschränkt 1 Kleriker. die an einer katholischen Anstalt oder Universität ihren Namen eingetragen haben, dürfen die gleichen Fächer, über die hier gelesen wird, nicht an einer Staatsuniversität Hören. In den einzelnen Diözesen sind besondere Zcnsuranstaltcn zu errichten, die auf gefährliche Bücher und Zeitschriften zu fahnden und dieselben zu indizieren haben. Wer die Er laubnis zum Lesen verbotener Bücher und Zeitschriften er langt hat. darf diese nicht in seinem Besitz haben, wenn ihm nicht auch dies besonders gestattet toordcn. Dem Weltklcrus wird verboten, ohne vorgängige Erlaubnis ihrer Ordinarien die Leitung von Zeitschriften und Zeitungen zu übernehmen. Da Priester in Zeitungen und Zeitschriften häufig vom „Modernismus" durchseuchte Aufsätze veröffentlichen, sollen sie nach dieser Richtung zensuriert und überwacht werden. Katholische Zeitungen und Zeitschriften erhalten einen Zensor, der die einzelnen Blätter und Hefte zu lesen und auf Verbesserung gefährlicher Aussprüche hinzuwirken hat. Versammlungen von Geistlichen sind nur in den seltensten Fällen zuzulassen und nur dann, wenn keine Gegenstände behandelt werden, die die Bischöfe und die Kurie betreffen, und wenn Garantie geboten ist gegen alles, was nach Laizismus, Prcsbyterianismus und Modernismus aussieht. Das ist nur eine kleine, nicht erschöpfende Blütcnlese der „Heilmittel", mittels deren Pius X. den rechten Glauben als den wichtigsten Fond der Kirche zu schützen unternimmt. Das Ganze wird gekrönt durch die Bestimmung, daß nur noch nach der Methode der reinen Scholastik studiert und die Glaubenslehren vorgetragen werden dürfen. Selbstverständlich verwahrt sich der Papst dagegen, die Freiheit der Wissenschaft und der Forschung einengen zu wollen und verspricht für die nächste Zeit die Gründung eines besonderen Instituts, von dem„alles, was Wissenschaft und Gelehrsamkeit heißt, im Lichte und unter der Führerschaft der katholischen Wahrheit eifrig gefördert werde". Diese erfrischende Aussicht gewinnen wir am Schlüsse der Enzyklika und uumittelbar hinter ihren Bestiiiiinungcn über die 3ieliguienvcrehrung- Da die letztere für die Kirche ein unschätzbares Kapital repräsentiert, bc- handelt Pius X. sie natürlich mit ebensoviel christlicher Duldung als er dem„Modernismus", der die schönen Revenuen ruiniert, energisch zu Leibe geht. Die päpstliche Theologie ist zwar nicht minder schäbig als die der„SNodernisten", aber sie besitzt den Vorzug der Konse- gucuz. Sic beurteilt die Lebensbedingungen der Kirche und der bürgerlichen Gesellschaft, mit deren Existenz jene auf das engste verwachsen ist, nicht aus der nationalen Enge heraus, sondern von generellen Gesichtspnilkten. Und da •) Siehe.Vorwärts' Nr. 23s. muß man freilich sagen: wer die herrschenden Klassen auf eine religiöse Formel einigen will zur Begründung des kapitalistischen Eigentums und zur Niederhaltung der Massen, kann das nicht mehr mit Philosophemen, die ihren Ursprung der kapitalistischen Produktionsweise selber vcr- danken. Das kapitalistische Eigentum tritt uns bereits in so gewaltiger Konzentration entgegen, daß es jeder Begründung aus dem Begriff des freien Spiels der Kräfte spottet. Es kann nicht mehr wirtschaftlich und daher nioralisch gerechtfertigt, es kann nur noch gesetzlich erzwungen und dogmatisch begründet werden als Ausdruck eines höheren, unbegreiflichen, übernatürlichen Willens. Und dazu bietet'freilich die Scholastik den Weg. Sie betont zwar Sparsamkeit, öffentliche Ordnung, eigene Arbeit als die Rechtstitel des Privateigentums, aber wie sie das alte Zinsverbot theoretisch durchbrach, so pro klamiertc sie den„quasi uaturrechtlichen" Charakter der privaten Eigentumsform, wonach diese aus der natürlichen und damit aus der göttlichen Weltordnung nicht mehr aus geschaltet werden könne. Je entschiedener die Kirche diesen Gesichtspunkt hervor kehrt, um so größer wird ihre theoretische Gr schlossenheit, ihre innere Ucberlegcnhcit den übrigen herrschenden Klassen gegenüber, um so mehr wird sie diese von sich in ideologische Abhängigkeit bringen. Wir können uns dieser Elitwickelung nur freuen. Wenn eine Gesellschaft gezwungen ist, die Ideologie, auf der sie ruht, restlos preiszugeben, um in einer überwundenen Vergangenheit die Begründung für ihre Existenz zu suchen, so ist das ein sicherer Beweis, daß der Anfang vom Ende begonnen hat. Ifreßstintmen zum Sjochocrratsprozeß. Die ganze Presse beschäftigt sich mit der Verurteilung Liebknechts. Die unglaublich reaktionäre Haltung bcr bür- gerlichen Presse bestätigt nur wieder, wie entartend die Blockpolitik auf unsere öffentlichen Zustände wirkt. Die Haltung des„B e r l. Tagebl." wsrd übrigens aufs höchste gcbrandmarkt, daß sie die Zustimmung der„Post" findet. Das Scharfmachcrblatt selbst ist vom„Verl. Tagebl." überrascht. Es schreibt: „An dem Urteil hat merkwürdigerweise auch das„Berliner Tageblatt" nichts auszusetzen. Das Mosscsche Organ schreibt diesmal sehr vernünftig." Die Jämmerlichkeit des„Acrl. Tagebl." in dieser Frage wird aber auch durch das Urteil der Franks. Ztg." ins rechte Licht ge- setzt: „Das Gericht hat, entgegen dem Antrage des Obcrrcichs- anwalts, von einer Bestrafung mit Züchthaus abgesehen. Dies wird mit Befriedigung aufgenommen werden; es ist aber auch das einzige, was an.dem Urteil erfreulich ist. Man hat sicherlich vielfach mit einiger Verblüffung vernommen, daß ein Mann, wie der OberreichSanwalt Dr. Olshausen gegen Dr. Lieb- knecht eine Strafe von nicht weniger als zwei Jahren Zuchthaus beantragte und daß er es für notwendig hielt, zur Begründung dieses Antrags mit starken Worten zu erklären, er betrachte das Vorgehen des Angeklagten als ehrlos. Diesen Vorwurf hat sich das Gericht nicht angeeignet; ce hat aber im übrigen die Sache selbst ähnlich beurteilt wie der Obcrreichsanwalt und ein U r- teil gefällt, das in der Geschichte der deutschen Rechtspflege ein peinliches Kapitel bilden wird. Die Eigentümlichkeit dieses Prozesses zeigte sich schon in den ersten Worten, die der Angeklagte zu seiner Verteidigung sprach. Als der Vorsitzende ihn aufforderte, sich zur Anklage zu äußern, entgegnete Liebknecht, er wisse eigentlich gar nicht, wie er das machen solle, denn er wisse nicht, zu welcher Anklage er sich äußern solle. Das war kein Witz des Angeklagten, sondern eine begründete Erwiderung, denn ihm sind nach und nach ganz verschiedene Dinge zur La st gelegt worden." Es folgt dann eine glänzende Abfertigung der juristischen Kon- struktion der Anklage. Die„Franks. Ztg." bespricht die Vorschläge, die Liebknecht wirklich in seiner Broschüre gemacht hat, um zu fol- gendcm Schlüsse zu kommen: „Dies sind Liebknechts Vorschläge, dies sind die Handlungen, zu denen er auffordert, dies also ist dasjenige, worin der Hoch- verrat liegen müßte, wenn Liebknecht gegen das Gesetz gefehlt hätte. Aber darin liegt weder ein Hochverrat, noch etwas Strafbavcs, und das Delikt konnte nur da- durch konstruiert werden, daß man eben einige theoretische Bemerkungen der inkriminierten Broschüre in den Begriff des bestimmten hochverräterischen Unternehmens einbezog! Man hat kein Recht, die subjektive Ucberzcugung der Richter in Frage zu ziehen. Aber daß hier ein schwerer Jusiizirrtum vor- liegt, ist uns klar, und Taufende werden derselben Ueber- zcugung sein. Man stelle sich nur die Konsequenzen dieses Standpunktes vor! Es gibt unzählige Schriften, in denen sich Aeußcrungen finden, die nach der vom Reichsgericht geübten Methode die Verfasser auf die Anklagebank gebracht hätten oder bringen würden, und zwar nicht nur in Schriften„rcvolutio- närer" Autoren, sondern auch sehr bürgerlicher. Man prüfe z.B. einmal dip Werke T r c i t s ch k e s unter jenem neuen Gesichts- Punkt der Vorbereitung strafbarer Handlungen, und man wird finden, daß er leicht in eine üble Lage hätte kommen können. Unter dieser' Methode des Reichsgerichts ist es j a ü b e r h a u p t nicht mehr möglich, ohne Rück- sichte» Theorien zu entwickeln, denn nian muß sonst stets befürchten, auf irgend eine Denunziation hin die Theorie in eine strafbare Handlung verwandelt zu sehen. Dr. Liebknecht ist das erste Opfer dieser neuen Rechtsaufsassung, und Dr. Liebknecht ist Sozialdemokrat, und sogar ein radikaler. Man wird sich nicht wundern dürfen, wenn das Volt. an diese Tatsachen Kommentare knüpft, die für die deutsche Rechtsprechung nicht gerade schmeichelhaft sind. Aber auch, wenn man sich davon nichts zu eigen macht, hat man allen Anlaß, den Prozeß Lieb- knecht und seinen Ausgang zu beklagen. Diese Affäre ist wieder eines der bedauerlichen Vorkommnisse, die den Gegensatz zwischen Juristenrccht und natür- l i ch e m Empfinden verschärfen. Es ist wieder eine Erfahrung, die dazu beiträgt, die weit verbreitete Volks- meinungzu bestärken, daß es deutsche Richter gibt, die allzu oft das Recht, das ivahre Recht nicht finden könne n." Nachträglich scheint sich übrigens das„Berl. Tagebl." doch etwas zu schämen. In dem heutigen Abendblatt findet cS endlich ein paar schüchterne Worte gegen die so überaus gefährliche Jnter, prctation, die daS Reichsgericht dem Begriff des Hochverrats ge- geben hat: „Es ist bedenklich, wenn Begriffe von Gewicht entleert und entwertet werden. Mit dem Hochverratsbegriff ist es im Pro» zetz Liebknecht so gegangen. Das Reichsgericht hat mit diesem Begriff dialektisch gespielt; in formaler Beziehung war es ein Genuß s??), der Verhandlung des Licbkncchtschcn Pro- zesscs vor dem Reichsgericht zu folgen. Dem Politiker erscheint er trotz alledem bedenklich. Bisher gab es nur Salonsozialisten und-Anarchisten. In Zukunft wird es auch S a l 0 n h 0 ch v e r- r ü t e r geben." Die Montagsblätter sind etwas radikaler.„Die Welt am Montag" schreibt: „Aber nur eine ganz gezwungene und künstlich konstruierte AuS- und Unterlegung, wie sie allerdings unseren Staats- anwältcn nicht fremd ist, konnte aus tendenziös hcrausgcnom- mencn Stellen die Aufforderung zur Anwendung von Gewalt herausintcrprctieren und eine Anklage auf Hochverrat zimmern. Wie man nun gar den jungen phantastischen Idealisten, der für seine Zukunftsträumc Freiheit und Existenz in die Schanz: schlägt, zu einem ehrlosen Halunken stempeln und neben der Zuchthausstrase noch Ehrverlust beantragen kann, das wird außer dem Oberreichsauwalt allen anständigen Menschen stets ein Rätsel bleiben. Auch Revolutionäre können doch wohl Ehre im Leibe haben, nicht nur die Anhänger der gerade herrschenden politischen Oberschicht." Die„Zeit am Montag" schreibt: „Der Gedanke, das Vaterland für den Fall eines äußeren Angriffs wehrlos zu machen, ist Liebknecht ebensowenig ge» kommen, wie er überhaupt einem vernünftigen Menschen kommen kann. Als Sozialdemokrat war er allerdings Anhänger der Fricdendidee, doch das konnte ihn keineswegs zu den antipatrioti- schen Anschauungen Herbes führen. Diese hat er im Gegenteil stets bekämpft. Dieses Buch, das aus den Bedürfnissen der Agitation heraus- geboren wurde, ist in einer außerordentlich temperamentvollen Sprache abgefaßt, enthält aber nichts, wodurch der Tatbestand hochverräterisch er Be st rcbungcn ge» geben wäre.... Die Richter standen unter dem Einfluß de« in der Anklage enthaltenen Hinweises auf die Gemcingcfährlichkeit der vom An- gcschuldigtcn vertretenen Ideen. Und sie fühlten sich in erster Linie als Staatsdiencr. deren Pflicht es ist, die staatliche Sicherheit und die öffentliche Ordnung zu schützen. Für sie kam es nun nicht mehr darauf an, ob der Angeklagte in seiner Schrift mit klaren, nicht mißverständlichen Worten die Auflch-� nung gegen die Staatsgewalt gepredigt habe oder nicht, sondern sie hatten lediglich nach der Frage die Antwort zu suchen, ob die Tendenz seines Buches eine hochverräterische sei und ob die Wirkungen, die von ihm ausgingen; nicht schließlich zu Unternehmungen hochverräterischer Art sich verdichten könnten. Auf dem Wege solchen Räsonnements gelangten sie zur Verurteilung des Angeklagten, sicher ohne sich bewußt zu werden, daß dieser Weg juristisch weder unbedenklich noch einwandfrei ist. Verurteilt wurde im vorliegenden Falle nicht der Wortlaut der inkriminierten Schrift, sondern der Geist, der nach der� Ansicht des Anklagevertreters und der Richter in ihr lebte und dem Leser sich mitteilen mußte. Diesem aufrührerischen Geist galt der Kampf. Ihn gedachten sie mit starken Händen zu xr«� drosseln, selbst auf die Gefahr hin, gegen den Wortlaut des Ge-' sctzcs zu verstoßen... Sie verzichteten darauf, ab. straktes Recht zu spre chen, indem sie praktisch urteilten. Der Prozeß war auch für die sozialdemokratische Partei ein wahres Gottesgeschenk. Dazu hat ihn ganz besonders der Umstand gemacht, daß der Herr Obcrreichsanwalt, dem sich der Angeklagte so sehr überlegen gezeigt und dem er empfindliche persönliche Hiebe versetzt hat, es über sich gewann, für diesen geistig und sittlich hochstehendci» Mann zwei Jahre Zuchthaus und fünfjährigen Ehr- Verlust zu beantragen. Das mußte dem Angeklagten selbst die Sympathien solcher Personen gewinnen, die dem So- zialismus verständnislos, wenn nicht gar feindlich gegenüber- stehen. Und wie glänzend hat Liebknecht sich diesem Antrag gegenüber gehalten, durch den seine persönliche Ehre in Mit- leidcnschaft gezogen werden sollte. An meine Ehre können Sie nicht heran, Herr Oberreichsanwalt, sagte er. Die ist bei mir in sicherer Hut. Und zur Frage der Zuchthausstrafe vollends verschmähte er es, sich zu äußern. Der Herr Obcrreichsanwalt habe ja wohl zwei Jahre Zuchthaus beantragt, meinte er, genau wisse er es nicht, denn er habe nicht aufmerksam hingehört. Man kann nicht sarkastischer sein, kann im Bewußtsein des eigenen Wertes nicht mehr von oben herab einen persönlichen Angriff zurückweisen, den man für unberechtigt hält. Als Liebknecht so sprach.wares, wie wenncincrmitdcn Finger- spitzen behutsam einen K 0 t s P r i tz c r vom Rock Iv c g k n i p st. Gegen das Urteil des Reichsgerichts gibt eS kein Rechts- mittel mehr. Die einzige zuständige Instanz ist die öffentliche Meinung. Sie aber ergreift für Karl Liebknecht Partei, obgleich die liberale Presse auch dieömal wieder nur in ganz vereinzelten Fällen ihre Schuldigkeit getan Hat. Die Vertreter und Anhänger des Militarismus haben keinen Anlaß, über die Verurteilung eines Mannes zu frohlocken, der turmhoch über ihrer Kritik wie über ihrer Schadenfreude steht." Den freisinnigen Zeitungen beginnt es überhaupt vor den Folgen des Prozesses zu grauen. So schreibt die„25 res- lauer Ztg": „Was ist nun das Resultat dieses Prozesses? Doch lediglich daS, daß unsere Justiz wiederum und bei einem Anlaß, der die Augen aller Welt auf sich gelenkt hatte, eine recht empfind- liche Niederlage erlitten hat. Karl Liebknecht selber aber geht aus diesem Prozesse hervor als Triumphator. Bisher war er in der Partei wenig mehr als der nicht immer ganz ernst genommene Sohn seines berühmten Vaters. Der Prozeß hat ihm Gelegenheit gegeben, sich nicht nur als einen gewandten I u r i st e n, sondern auch in all seiner Verranntheit g e- scheiten, schlagfertigen und unerschrockenen Politiker zu erweisen." Die„B e r l. A e u e st e n Nachr." finden es„sehr erfreulich, daß das Urteil des Reichsgerichts im Prozeß Liebknecht den hoch- verräterischen Charakter dieser Bestrebungen festgestellt und die Gefahr dieses Treibens in das rechte Licht gerückt hat." Der„R e i ch s b o t e" ist aber auch nicht zufrieden und der- langt noch„mehr Ernst". Vielleicht den Scheiterhaufen? Die„Germania" schreibt: Liebknecht„kann sich schließ- lich nicht beklagen, er hat es ja so gewollt und mußte sich als Jurist bewußt sein, wie es wahrscheinlich enden werde." ! Und die„Märkische Bolkszeitung": „Was Karl Liebknecht indessen getan hat, ist unter allen Umständen ein politisches und ein Preßdclikt. Ein solches Tun zu verteidigen oder auch nur zu beschönigen, ist aus- geschlossen, es steht den hoch st en Interessen des Vater- landes feindlich gegenüber und muß mit aller Entschiedenheit bekämpft werden." Als Zentrum noch„Reichsfeind" war und selbst— lang', lang' ist's her— politische Delikte beging, da hieß es anders! Aber das Zentrum ist ja sicher: Die künftige Regicrungs- Partei braucht nichts zu fürchten! ergansung zum fsochvecratsprozeG. Der Ober reichsanw alt sendet uns auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes eine Mitteilung, die den von uns gebrachten Bc- richt über den zweiten Verhandlungstag zu ergänzen geeignet ist. .Der Oberreichsanwalt schreibt: Leipzig, den 12. Oktober 1907. Im Hauptblattc der von Ihnen als verantwortlichem Redakteur gezeichneten Nr. 237 des Vorwärts vom l0. d. Mts. findet sich gegen Schluß des mit„Hochverrat" überschricbenen Artikels aus der 1, Seite folgendes: „Zum Schlüsse der heutigen Verhandlung ereignete sich inso- fern dann noch ein Zwischenfall, als der Präsident eine Notiz der„Vossischen Zeitung" anführte, in der in einem Referate ein französischer Genosse noch dem Stuttgarter Kongreß beim Berichte in Frankreich ausführte, die französischen Antimilita- risten ständen ganz mit Liebknecht im Einverständnis. Diese Zeitungsnotiz stammt— aus dem Polizeipräsidium von Berlin und hat den Rechtsanwälten mit den übrigen Akten der Unter- suchuug gar nicht vorgelegen." Diese letztere Behauptung ist unrichtig und die Unrichtigkeit wurde bereits am 1. Verhandlungstage festgestellt, da die vom Untersuchungsrichter erforderten Beweisstücke richterlicherseitS zu den UntersuchungSaktcn genommen und dort in einem festen und befestigten Umschlage dauernd verblieben waren. Nach Einsicht dieser Nr. des Vorwärts nahm ich am 2. Verhandlungstage vor Beginn meines Plaidoyers Veranlassung, auf die Unrichtigkeit jener Behauptung des Vorwärts hinzuweisen und ersuchte den Herrn Präsidenten um nochmalige Feststellung des Sachverhalts; als er damit beschäftigt war, wurde seitens der Verteidigung die Er. klärung abgegeben, daß sie gegen die Ordnungsmäßigkeit des Ver- fahrens m diesem Punkte nichts mehr einzuwenden habe. Trotzdem der Vorwärts über die Sitzung am 2. Vcrhandlungs- tage in der 1. Beilage der Nr. 238 einen eingehenden Bericht ge- liefert hat, ist dieser den Vorwärts selbst betreffende Vorgang un- erwähnt geblieben. Bei dieser Sachlage sehe ich mich, als Vorsteher der ivesentlich beteiligten Behörde genötigt, auf Grund des g 11 d«S Preßgesctzcs um Aufnahme dieser Berichtigung zu ersuchen. Olshausen. Der vorstehenden Berichtigung haben wir gern Raum gc- Wahrt, wiewohl sie der Aufforderung des Z 11 des Preßgesctzes, wo- nach eine Berichtigung unter Berufung auf diesen Paragraphen sich aus„tatsächliche Angaben" zu beschränken hat, nicht cnt- spricht. Selbstverständlich hätten wir diesen Vorgang vom zweiten Verhandlungstage wiedergegeben, wenn unsere Berichterstatter, die den ausdrücklichen Auftrag erhalten hatten, durchaus ausführlich und zuverlässig zu berichten, den Vorfall uns mitgeteilt hätten. Sie haben ihn offenbar für unwesentlich erachtet. Auch in der bürgerlichen Berliner Presse ist der vom Oberreichsanwalt erwähnte Hergang nicht mitgeteilt. I m übrigen ändert er an der Würdigung derSachlage nicht das geringste, da feststeht, daß 1. die Notiz der„Voss. Ztg." weder in dem Antrage auf Beschlagnahme, noch in der Anklage, noch im Eröffnungsbeschluß erwähnt ist; also dem Angeklagten, dem die Einsicht in die Akten nicht zusteht, nicht bekannt sein konnte; 2. die Notiz eines sozialistenfeindlichen Blattes auch in einem Hochverratsprozcß gegen einen Sozialdemokraten nach der Strafprozeßordnung ein gesetzlich zulässiges Beweismittel für die in ihr aufgestellten Behauptungen nicht ist; 3. die in der Notiz aufgestellte Behauptung über daS Ein- Verständnis Liebknechts mit dem„französischen AntiMilitaristen" als kompletter Unsinn für jeden sich darstellt, der die Lieb- knechtsche Broschüre und aus dieser die Bekämpfung der Hervöschen Ausführungen' durch Liebknecht kennt; 4. die Verteidiger, noch weniger der Angeklagte, ahnen konnten, daß die vom Polizeipräsidium als Beweisstück erachtete, in einem Umschlage in den Akten aufbewahrte Zeitungsnotiz im Widerspruch mit der zum Schutz de? An- geklagten gegebenen Vorschrift des§249 derSt.-P.-O. vor einem mit 15 Reichsgerichtsrichtern besetzten Gericht zum Versuch eines Beweises Anwendung finden würde; der Gerichtspräsident erklärte übrigens selbst, daß die Tatsache. daß die„Vossische" jene Behauptungen aufstellt, kein B e- weis dafür ist, daß sie z u t r c f f e n d ist. Nach dem steno- graphischen Verhandlungsbericht hat der Präsident erklärt, die „Voss. Ztg." bringe einen Artikel aus einem Hcrveschen Blatt; 5. ausweislich der Urteilsgründe auf die Notiz der„Voss. Ztg.", auf das französische Original, aus dem sie schöpfte, und auf den unrichtigen Inhalt auch dieses französischen Originals vom Reichsgericht Gewicht nicht gelegt ist. Li» StreiMtrawaliprozeß. Vor dem Zweibrückener Schwurgericht ist am Freitag ein großer Prozeß nach mehrtägiger Verhandlung zu Ende gegangen, der von der Ordnungspresse gar zu gerne gegen die Arbeiter- dcwcgung ausgeschlachtet worden wäre. Aber die Beweisaufnahme hat ihr die Felle glatt weggeschwemmt, Der Hintergrund des Prozesses war jener Krawall, beb aM Himmelfahriskage dieses Jahres zu L u d w i g s h a f e n vor der Zimmermannschen Leim- fabrik ausbrach. Die Arbeiter der Fabrik streikten, der Fabrikant Zimmermann hatte die Bevölkerung durch sein scharfmacherisches Auftreten und durch das Heranholen von Arbeitswilligen, die sich sehr herausfordernd gebürdeten, aufs äußerste gereizt. Die Ar- bcitSwilligen gingen schließlich zu Steinwürfen und Schüssen über und so kam es denn zu erregten Auftritten. Als der morsche Zaun der Fabrik einfiel, drängte die Menge auf das Grundstück. Die Polizei war eine Zeitlang machtlos; die auf Geheitz der Polizei den Betrieb verlassenden Arbeitswilligen, die vorher durch Spritzen aus einem Wasserschlauch die Menge furchtbar gereizt hatten, er- hielten hie und da Prügel und einige Polizeibeamte wurden ver- letzt. Indes sind die von der bürgerlichen Presse gegebenen Schilderungen des Krawalls furchtbar aufgebauscht worden, wie die Beweisaufnahme ergab. Erheblicher Schaden ist nicht an- gerichtet worden und die Prügel, die die Arbeitswilligen davon- trugen, sind nicht sehr schwerer Natur gewesen. Von ursprünglich vier Dutzend Angeschuldigten waren schließlich nur noch 17 auf die Anklagebank gekommen. Unter ihnen waren ein 14- und ein 17jähriger Junge, aber nur e i n Mann, der am Streik beteiligt war. Die Ausständigen hatten sich sichtlich von dem Krawall ferngehalten. Der Vorsitzende führte den Prozeß mit anerkennenswerter Objektivität. Und der Staatsanwalt ließ die von einem Kollegen in höchst scharfmacherischem Geiste abgefaßte Anklage völlig im Stich und verkannte nicht, daß die Polizei zu belobigen sei, daß sie nicht von der Feuerwaffe Gebrauch gemacht habe, weil das un- absehbare Konsequenzen gehabt haben würde. Der Staatsanwalt dachte humaner als jene Scharfmacherpresse, die nach dem Krawall die„Schwäche" der Ludwigshafener Polizei nicht laut genug tadeln konnte. Nicht das geringste hat der Prozeß ergeben, was sich gegen die Arbeiterbewegung ausnützen ließe. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach Land- friedensbruch. Mehreren Angeklagten wurden mildernde Umstände bewilligt. Die Strafen bewegen sich zwischen einem Jahre sechs Monaten Zuchthaus und vier Monaten Gefängnis. Sie sind hart genug. Denn ganz recht hat unser Ludwigshafener Partei- organ, die„Pfälzische Post", wenn sie am Schlüsse einer ein- gehenden Betrachtung der Justizaktion sagt: „17 Leute waren auf der Anklagebank. Der Hauptangeklagte aber fehlte. Jener Hauptangeklagte, den wir beschuldigen, diese 17 in Roheit und Unwissenheit aufgezogen zu haben, so daß sie so leicht in die Verwickelungen des Tumultes gerieten. Die Roheit, die ihnen keine Erziehung angewöhnte, erzeugte in ihnen die Lust am Spektakel und daher die Teilnahme an dem Krawall. Roheit und Unbildung enthielten ihnen jeden edleren Genuß vor und trieben sie in die Arme des Alkohol„gcnusses", der ihr moralisches Bewußtsein lähmte und ihren Hang zum Radau vergrößerte. Die Unwissenheit nahm ihnen das Bewußtsein der rechtswidrigen Handlung, auf die die schwerste Strafe des Gesetzes steht. Wer will, der die Verhandlungen kennen gelernt hat, behaupten, daß heute einer der 17 Abgeurteilten schon imstande wäre, deutlich zu erklären, was eigentlich„Land- friedensbruch" ist? Unbildung und Roheit gibt die bürgerliche Gesellschaft dem Arbeiter mit auf den Lebensweg. Die bürgerliche Gesellschaft ist der Hauptangeklagte auch in diesem Prozesse. Ginge es nach ihrem Sinne, so wurden diese Roheit und Unbildung Allgemein. gut der Arbeiter. Denn ihre Volksschulbildung, ihre Religion sind doch nur dünne Tünche, die bei der geringsten Reibung losgehen. Nehmen die Roheit und Unbildung überhand, dann hauen sie die Flinten und Kanonen derselben bürgerlichen Ge- sellschaft zusammen. Aber es ist dafür gesorgt, baß nicht die ganze Arbeiterschaft im Sumpfe des 5iapitalismus untergeht. Aus seinem Moraste erhebt sich der unerschütterliche Fels der modernen Arbeiter- bewegung. Auf ihn haben sich schon Hunderttausende der Ar- bciter gerettet, die von dem Streben beseelt sind, aus der Misere der kapitalistischen Gesellschaft herauszukommen. Solche Vor- gänge wie die, die in dem Prozesse aufgerollt wurden, zeigen uns aufs neue die Verderbnis der bürgerlichen Gesellschaft. Fahren wir fort, wie bisher, ihre Roheit durch unsere Kultur- bestrebungen, ihre Unbildung durch unsere Aufklärung zu be- kämpfen, und sie wird und muß dereinst stürzen.", politische(lebersicdt. Berlin, den 14. Oktober 1907. Verrat geplant? Wir berichteten gestern, daß Barth den Vorschlag gemacht hat, als Abschlagszahlung wenigstens das geheime Wahl- recht von diesem Landtage zu fordern. Die Forderung sollte demonstrativ auf einer großen EinigungSvcrsammlung in Frankfurt erhoben werden. Es ist charakteristisch, daß allem An- schein nach diese allzu bescheidene Forderung tot- geschwiegen werden soll. Die Blockblätter sind mäuschenstille. Ja es scheint, daß der berühmte„liberale Einigungs- a u s s ch u ß" schon daran ist, den Plan Barths im vornhincin a b- zuwürgen. Das„Berl. Tagebl." berichtet in einer sehr un- wirschcn Notiz: „Die angekündigte Sitzung des sogenannten Einigungs- ousschusscS der drei freisinnigen Parteien hat gestern stattgefunden. Der Ausschutz beschäftigte sich natürlich mit der preußischen Wahlrechtsfrage und mit der Veranstaltung einer großen Einigungsbcrsammlung in Frank- furt. Da in dem Ausschuß a m st ä r k st e n d i e d e k a n n t e n „engen Konventikel" vertreten sind, so dürften die Beschlüsse über die LLahlrechtsfrage wohl fm Sinne dieser Elemente und sder spreußi scheu Re- gierung ausgefallen sein. Die Versammlung in Frankfurt wird vermutlich zustande kommen." Das kann also offenbar nichts anderes heißen, als daß die einigen Liberalen von Fischbcck bis Payer und Haußmann darin einig sind, nichts zu tun! Das Barthsche Experiment scheint damit, wenn es nach seinen Parteigenossen ginge, bereits im vorn- hinein gescheitert zu sein! Wir machen aber die Herren darauf mit aller Entschiedenheit aufmerksam, daß die Wahlrechts- frage nicht ihre Sache allein ist, und daß mit dem Wahlrecht kein Schwindel getrieben werden darf. Das geheime Wahlrecht als Abschlagszahlung ist nicht unsere Forderung. Wir meinen, nach einem halben Jahrhundert Entrechtung ist es averhöckiste Zeit, daß vom ganzen und vollen Recht nichts mehr ab- gehandelt wird. Aber wenn die Liberalen vom Block nicht einmal eine solche Selbstverständlichkeit, wie sie die Beseitigung der einfach unmoralischen, zur politischen Erpressung geradezu verleitenden öffentlichen Stimmabgabe ist, durchsetzen können und dann nicht sofort in schärf st e Opposition übergehen, so wären sie elende Verräter, die als solche auch behandelt werden müßten. Die Herren mögen sich nicht täuschen. Die Stimmung der Arbeiterschaft ist durchaus nicht danach, daß sie noch besonders ge- reizt zu werden braucht. Das geheime Stimmrecht ist, wir wieder- holen es, das Selbstverständliche und das müssen die Liberalen durchsetzen, weil sie es ohne weiteres durchsetzen können. Vor Re- gierung und Konservativen brauchen sie sich nicht zu fürchten, Schließlich ist eS kein Regierungsinkeresse, die Urbeiker boi die Frage zu stellen, ob selbst die einfachste Erfüllung des politi- schcn Anstandes— und mehr ist die Gewährung des geheimen Wahlrechts nicht— in Preußen-Deutschland unmöglich ist. Für das geheime Wahlrecht ist öffentlich sogar der National- libcralismus, geschweige denn das Zentrum. Das Ge- setz kann in einer Stunde angenommen werden! Wenn die Liberalen nicht mit aller Entschiedenheit dafür sorgen, daß der Antrag gestellt, beraten und angenommen wird, dann können sie sicher sein, dafür auch zur Verantwortung gezogen zu werden. Wir sind keine Optimisten, aber daß die Liberalen selbst das ge- Heime Wahlrecht verraten wollen, hätten wir doch nicht für möglich gehalten!_ Keine„liberale" Blockpolitik. Die„Kreuz-Zeitung" betont auch heute wieder in einer Polemik gegen die Nationalliberalen, daß die Kon- scrvativen von einer„liberalen" Blockpolitik, selbst im nationalliberalen Sinne, nichts wissen wollten. Wenn der Block nicht gefährdet werden solle, müsse der Liberalismus auf alle Illusionen verzichten. Speziell der Freisinn müsse zu Konzessionen bereit sein, wenn der Block existenzfähig sein solle: „Wir setzen den Fall, der streng geheim gehaltene Eni» wurf eines ReichsvereinSgesetzeS sähe, wie einige Zeitungen erlauscht haben wollen, das Verbot der polnischen Sprache in politischen Versamni- l u n g e n vor. so ist nach den heute vorliegenden Preß- äußerungen mit einiger Sicherheit anzunehmen, daß der äußerste linke Flügel des Blocks(das bekannte Züngleür an der Wage) sich dem RegierungSvorschlage der- sagen wird, und oaß dann also das Zentrum, die Sozialdemokratie, die Volkspartei und die Frei- sinnige Vereinigung eine M e h r h e i t g e g e n den Block bilden werden. Dort liegt die Gefahr für den SÖlvck, nicht bei uns. Für die»»atiomilc» Aufgaben, die der Reichskanzler seiner«neuen Mehrheit" stellen will, sind die Konservativen zuverlässig zu haben; für die liberale» Aufgaben, die von den anderen Parteien dein Block gestellt werden, habe» wir dagegen naturgemäß nicht daS geringste Interesse, und das gilt selbstverständlich von allen Dentschkonservativeu, nicht nur von denen, die man als Kreuzzeitungspartei von der Mehrheit der großen konservativen Partei trennen zu können glaubt." Die Liberalen sollen also„national" sein bis zum gröblichsten Perstoß gegen ihre Prinzipien; unigekehrt lehnen es aber„alle Konservativen" ab,„liberal" sein zu»vollen I Handele es sich auch nur um einen„Liberalismus" von der Couleur Paasche-Bassermann I Das agrarische Oertel-Blatt unterstreicht noch die Aus- lassungen der„Kreuz-Zeitung", Die Konservativen seien»vohl zu„gewissen Zugeständnissen" bereit, sie würden aber nie- nrals„ihre Ueberzeugungen und Grundsätze" opfern. Eine Gefährdung der Blockholitik könne z. V. schon beim Vereinsgesetze»vie bei der Börsen reform ent- stehen, wenn sich die Wünsche der Liberalen nicht„in ver- nünftigen Grenzen" hielten. Der Liberalismus soll also derjenige sein, der seine„Ueberzeugungen und Grundsätze" zu opfern hat!_ Ein Schwärmer für Umsturz- und Zuchthansgesetze! Ein Strafrechtslehrer, Professor Hippel in Göttingen ist kürzlich für eine durchgreifende Aenderung des 130 des Strafgesetzbuches, der mit Gefängnis bis zu zlvei Jahren bedroht,„wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Getv alttätig leiten gegeneinander öffentlich aufreizt", eingetreten. Er behandelte die Frage, ob eine E r- Weiterung des Tatbestandes»vünschcnslvert erscheine, und gelangte zur Bejahung dieser Frage. Zunächst sei der Ausdruck des heutigen Rechts„Klassen der Bevölkerung" zu eng. „Es müsse— so führte der Strafrechtsprofcssor aus— g e- n ü g e n, wenn sich die Aufreizung nicht gegen eine ganze Bevölkerungsklasse, lvie Bürgertum, Juden, Beamte, Arbeiterstand und dergleichen mehr richte, sondein gegen be- st i m mt e E i n z e l p e r s o n e l« als Repräsentanten dieser Klasse; auch sei� zu erwäge», ob man nicht, um auch vorüber- gehende Parteiungen, wie sie bei Streiks und politischen Unruhen vorkämen, mitzntreffen, lieber den Ausdruck„Teile der Bevölkc- rung" wählen wolle. Sodann aber erscheine es gerechtfertigt, einen hinsichtlich des angewendeten Mittels geleniizeichiicten Auswuchs d e s K l a s s e n l a m p s e s unter Strafe zu stellen, nämlich die öffentliche Allfreizung verschiedener Bevölkern ngöklassen gegeneinander z u feindseligem Verhalten mittels Behauptung un- wahrer Tatsachen wider besseres Wissen. Die Worte des Tatbestandes:„in einer den öffentlichen Frieden ge- fährdenden Weise" will Hippel gestrichen wissen, da sie im Hinblick auf die Judikatur deö Reichsgerichts, das jede, auch noch s v fern liegende Gefahr für geniigeud erachtet— und eine solche Gefahr sei im Zweifel sictS vorhanden— ohne lveiteres cnt- behrlich erschienen." Der brave Göttingcr Professor möchte also den Gedanken. der Umsturzvorlage wieder aufnehmen, die im Frühjahr ILO.') in den Orkus befördert wurde! Damals sollte der§ 130 dergestalt„verbessert" iverden, daß auch derjenige mit Gefängnis bis zu 2 Jahren bestraft werden sollte, der die Religion, die M o n a r ch i e, d i c E h c oder das Eigentum durch beschimpfende Aeüßcrungen öffentlich angreifen würde. Pro- fessor Hippel niöchte freilich den Paragraphen noch kautschnk- artiger gestaltet sehen! Namentlich dadurch, daß die Worte „in einer den öffentlichen Frieden gefährdende ti Weise" gestrichen werden sollen! Ferner»vill er durch die H i n c i n z i c h u n g von Streiks auch die Znchthausvorlage schmählichen Angedenkens gleich mU hineinflicken I Ein außerordentlich strebsamer Strafrechtslehrcr I Wie die Konservativen die„liberale Acra" der Block Paarung einschätzen, erhellt daraus, daß die„K o n s e r v a t i v e Korrespondenz" meilit, die„Anregungen" deS Umsturz und Zuchthausgcsetz-Schwürmcrs Prof. Hippel»vürdcu bei der bevor st eben den S t r a f p r o z e ß r e f o r in„oh::? Zweifel in Erwägung gezogen werden"— Ein nener Angriff auf das Koalitionsrecht. Die preußische Eisenbahnvcr waltung hat sich einen neuen Angriff auf das Koalitionsrecht erlaubt. Ist die bis- Hengs Praxis, die den eigenen Angestellten des Ministeriums die Zugehörigkeit zu jenen Vereinen verbietet, die wirklich für die Verbesserung ihrer Lage etwas leisten können, zum mindesten gegen den Geist deS Gesetzes, so greift setzt die Eisenbahnverwaltung auch das Koalitionsrecht von Arbeitern an, die sie überhaupt selbst noch kapitalistischen Begriffen nichts angehen. Nach eines Meldung des „Berl. Tagebl." haben in einer ganzen Reihe deutscher Städte die sogenannten„bahnamtlichen" Spediteure ihren Angestellten, Kutschern und Arbeitern erklärt, daß sie keinem Verbände. auf keinen Fall dem Deutschen Transport- arbeiterverbande angehören dürfen; von der Bahnverwaltung seien sie aufgefordert worden, keinen Organisierten zu beschäftigen. Die Spediteure nehmen dabei Bezug auf folgenden Erlaß der könig- lichen Eisenbahnverwaltung: „Der Zentralverband der Handels-, Transport- und Der» kehrsarbeiter und-arbeiterinnen Deutschlands verfolgt ordnungS- feindliche Bestrebungen und will den Frieden zwischen der Staatseisenbahnverwaltung und ihren Arbeitern stören. Der Beitritt zu dem Verband und seinen Ortsgruppen oder jede anderweite Förderung seiner Bestrebungen würden sich deshalb als einen Verstoß gegen die Bestimmungen unter Ziffer 3 in§ 2- der gemeinsamen Bestimmungen für die Arbeiter aller Dienst- zweige der Staatseiscnbahnverwaltung darstellen und die E n t- lassung zur Folge haben. Wir vertrauen, daß sich unsere Bediensteten dieser im Interesse der Ordnung notwendigen Bc- stimmung einsichtsvoll fügen und uns keinen Anlaß zum Ein« schreiten geben werden." Die E i s e n b a h n v e r w a l t un g reizt also die don.ihr wirtschaftlich abhängigen Unternehmer dazu auf. ihren Arbeitern das gesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht zu rauben! Die Verwaltung will eben de- monstrieren, daß sie sich gegen die Arbeiter alles erlauben darf! Es sind ja die Arbeiter aus dem preußischen Landtage ganz aus- geschlossen. Es ist dankend anzuerkennen, daß die preußische Re- gierung den Arbeitern demonstriert, daß die Bor- enthaltung des gleichen Rechtes sich für sie unmittelbar darstellt in Schwächung ihrer Oraanisation und daher in vermindertem Einkommen! Schreckliche Drohung. In der letzten Bocholter Stadtverordneten- Versammlung öffnete Herr Bürgemreister Geller die Schleusen seiner siadtoberhäuptlichen Beredsamkeit, um eine Phi- lippika gegen die bösen Volksschullehrer zu halten. Diese hatten den Zorn des Stadtoberhauptes-dadurch erregt, daß sie ihrem Aergcr über unzureichende Mietscntschädigung(360 ZR. für verheiratete und 200 M. für unverheiratete Lehrer und für Lehre- rinnen) in— auswärtigen Blättern Luft machten. Hierdurch soll nun nach Ansicht des Herrn Bürgermeisters das Ansehen der Stadt schwer geschädigt worden sein, der- mutlich, weil in den Artikeln auch einige Späne für unsere musterhafte Stadtverwaltung abfielen. Der Herr Bürgermeister schloß seine Rede mit den Worten:„Ich glaube in Ihrem Sinne die Erwartung aussprechen zu sollen, daß solch ein Streich nicht mehr vorkommt, denn das müßte das Wohlwollen unsererseits dauernd vernichten." Von der Stadtverondneten- Versammlung wurden dann die oben angegebenen Sätze, denen die Regierung die Genehmigung versagt hatte, auf �20 bczw. 800 M. erhöht. Insofern haben also die Lehrer ihren Zweck er- reicht. Interessant bei dieser Affäre ist, daß es sich um katholische Lehrer handelt, denen die einheimische Ortspresse verschlossen blieb. Deshalb flüchteten sie in die auswärtige Zcntrumsprejse, welche auf den Bocholter Magistrat ja weniger Rücksicht zu nehmen hat. Die Königsberger Majestätsbeleidiguugs-Aktion. Unser Königsberger Partciblatt berichtet:„Die Verfolgung unserer Presse nimmt— dank der denunziatorischcn Tätigkeit der„Hartungschen"— einen noch größeren Umfang an, als wir gestern angaben. Angeklagt ist außer dem Denkmalsariikcl in der„Königsberger Volkszeitung" auch noch der im„Land- boten", für den Genosse Marckwald verantwortlich ist. In beiden Artikeln soll sich eine Majestätsbeleidigung befinden, in dem Artikel in der„Volkszeitung" auch noch eine Beleidigung des Denkmalskomitees."— Eingeborenenbchandwng in Ostafrika. Der Berichterstatter des Scherl- Blattes macht recht hübsche Geständnisse über die Art, wie manche Weiße in Oslasrika die Eingeborenen behandeln. Er selbst redet der Prügelstrafe das Wort! Nur müßte sie verständig angewendet werden. Er fährt dann fort: „Europäern, welche die Schwarzen berauben und betrügen, muß natürlich erbarmungslos mit schärfster Anwendung des Strafgesetzbuches zu Leibe gegangen werden. Das gilt namentlich für Viehhändler, die den an sich kriegerisckcn Hirtenvölkern der Steppe mit dem Revolver in der Hand»ach eigener Taxe ihre Rinder ab- kaufen.„Was kost' die kleine Ochs mit entsprechender Hnnd- bewegung, die da« Vorhalten der Waffe andeutet, bedeutet hier- zulande im Zusammenhange mit einem Nainen bezeichnenderweise die Charakterisierung des so Genannten als Erpresser. Diese eigenartigen Einkanfsliinstlcr, die diese Praxis anwenden, sind zum guten Teil nach ihrer Herkunft aus dem S ü d o st e n�E uropas; der Schwarze nennt sie„Schensi llleia", d. h. europäische Schensi. Leider haben sich auch Deutsche solcher Mcksichtslosigkritcu schuldig gemach». Dieselbe Energie sollte solchen Rassengcnossen gegenüber an- gewandt werden, die Schwarzen, namentlich schwarzen Trägern gegenüber, die vereinbarten Arbeitsbedingungen unter nichtigen Borwänden nicht iiiuehalten. Es gibt z. B. Leute, die eö systematisch durch rohe Behandlung darauf anlegen, ihre Träger kurz vor Beendigung einer Safari, nach- dein die Hauptarbeit getan ist, zum Entlaufen zu bring en. Die neuen Träger, die sie an ihrer Stelle annehmen, brauchen dann natürlich mir für wenige Tage bezahlt zu werden." DaS sind ja allerliebste stultiirmethoden! Der Bericht- erstatter will diese Methoden freilich energisch bekämpft sehen. Aber man kann doch nicht jedem Weißen einen weißen Schutz- mann zur Beobachtung mitgeben! Und die Allssagen der Eingeborenen selbst geltei» ja als unglaubwürdig! Die Prellereien, Erpressungen mid Mißhandlungen werden sich also schwer ausrotten lassen I Kommt es aber zum Alis- stand, so werden eben ein paar tausend Schwarze ins Jenseits befördert! Koloniale Kultlirpolitik.— Ungarn. Die Interpellation über die Wahlrcform gelangie im Ab- geordnetenhause zu Budapest am Sonnabend zur Verhandlung. Während seiner Begründungsrcde wurde Mezösl) von dem Un« abbängigkeitsgesindcl und dem Vizepräsidenten Rakovsky unausgesetzt gestört. Aus des Grafen Andrassy offizieller Antwort, die in ihrem Polemischen Teile höchst schnodderig gehalten war, sind folgende Stellen bemerkenswert: „Was die Frage betrifft, ob die Regierung endlich ihr Vcr- sprechen einlösen wolle, so wundere ich mich über diese Frage, denn ich bin gewohnt, daß man an meinen Worten nicht zweifelt. Der Abgeordnete möge überzeugt sein, daß ich, wenn es sich auch nur um ein unter vier Äugen gegebenes Versprechen handeln würde, dasselbe unter allen Umstände» und ohne daß es notwendig wäre, mich daran zu erinnern, erfüllen werde; um so weniger ist also eine solche Mahnung in dem gegenwärtigen Falle notwendig, wo es sich um ein in der feierlichsten Weise gegebenes Versprechen bandelt, an dessen Erfüllung die Regierung ihre Ehre l!) geknüpft hat. Was die Frage betrifft, ob ich zur Beruhigung der„gärenden Massen" die Details der Reform mitteilen wolle, erkläre ich, daß ich hierzu nicht bereit bin. Ich wäre auch heute gar nicht in der Lage, mich über alle Details der Reform zu äußern. In der kürzesten Zeit werde ich die Vorlage in ihrer Gänze dem Hause vorlegen. Ich werde mich aber noch vorher öffentlich über die Vorlage äußern..., Bon der Wahlrcform hängt die Zukunft Ungarns ab...."— franhmeb. Rochefort auf der Wanderschaft. Paris, 11. Oktober(Eig. Ber.) In der Pariser Presse hat sich eine Begebenheit zugetragen. die um des Hauptbcteiligten willen Erwähnung verdient: Henri Rochefort hat den„Jntransigean t". den er bald nach der Amnestie von 1380 gegründet und seither geleitet hat, der- lassen und ist in die Redaktion des gleichfalls nationalistischen Nachmittagsblattes„Patr ie" eingetreten. Tie gestrige Nummer des„Jntransigeant" enthielt— zum ersten Male seit dem Bestehen des Blattes— keinen von Rochefort gezeichneten Leitartikel, und erst heute sah man— diesmal schon in der„Patrie"— wieder die Unterschrift des alten Journalisten. Die berufliche Ausdauer Rocheforts ist sicher außerordentlich. Auch in den vier Jahren des Exils, während der Boulanger-Krise, hat er täglich seinen Artikel geschrieben oder telegraphiert. Immer. hin ist es kein Geheimnis, daß in den ledteil Jahren die mit seinem Namen gezeichneten Artikel nicht immer aus seiner Feder stammten... Aber der einst so berühmte und noch immer im Publikum wirksame Name mutzte ausgenutzt werden, und wird es auch weiterhin werden. Henri Rochefort ist seit seiner Jugendperiode, wo er als glänzendster Pamphletist im Kampfe gegen das Kaiserreich seine Berühmtheit erlangte, zweifellos als Schriftsteller stark zurück- gegangen. Die skrupellose Spekulation auf die niedrigsten In- stinkte und auf die Dummheit der Leser und seine Bereitschaft, auch zur s ch m u tz i g st c n Verleumdung zu greifen, machen die Lektüre seiner Artikel oft widerlich. Aber gegen die gesinnungs- tüchtige und nicht minder verlogene Plattheit gehalten, die die Organe des modischen bourgeois- radikalen Nationalismus be- herrscht, zeigt seine Art doch immer noch den Stempel eines be- gabten Literatentums. Italien. Der Generalstreik. In Mailand, Bologna und Paoma ist der General- streik, wie uns durch ein Privattelegramm gemeldet und auch offiziell berichtet wird, beendet, nachdem die Streikenden durch die Verhaftung der schuldigen Karabiitieri Genugtuung er- halten haben. An anderen Orten dagegen sind die Arbeiter in den Protest- und Sympathiestreik für ihre gemordeten und verwundeten Brüder eingetreten. In Turin ist, gemäß den Mitteilungen unseres Privattclegranims, der Konflikt besonders scharf geworden: die Unternehmer haben auf den Generalstreik mit der Aussperrung sämtlicher Streiken- den geantwortet! Was die Vorgänge in Mailand selber betrifft, so werden ausführlichere Mitteilungen erst in den nächsten Tagen zu erlangen sein; donn nicht nur daß keine Zeitungen erschienen — auch der Eisenbahnverkehr war ja völlig ins Stocken gc- raten, so daß in den letzten Tagen kein Brief Mailaird verließ! Ueber die Ausdehnung der Streikbewegung in der Provinz geht dem„Tag" folgendes Privattelegrvmm zu: Mailand, 14. Oktober, 2 Uhr 40 Min. nachm. Die Eisen- bahner in Brescia verließen gestern aben-d den Dienst. In Como, Monza, Bergamo usw. wurde der Generalstreik erklärt, aber nur teilweise ausgeführt. In Turin und Ferrara hat der Generalstreik heute bereits begonnen. Der Generalstreik in Bologna wird wahrscheinlich heute endigen.... Das Bureau Herold meldet hierzu: Rom, 14. Oktober. AIS Protest gegen die Ereignisse in lMailand ist jetzt auch in Como und Parma der General- streik proklaniiert worden. Der Betrieb der elektrischen Werke wurde ebenfalls eingestellt, so daß die Stadt ohne Licht ist. Heute wird der Generalausstand auch in Ferrara beginnen. Nach den Meldungen über Turin zu urteilen, werden die Ereignisse in d i e s e r Stadt während den nächsten Tagen ganz besonders zu beachten sein. Die Regierung trifft bereits ihre Anstalten, aber sie scheint ihre Blutrcchnung zum Teil ohne den Wirt, das hochentlvickeltc Solidaritätsgefühl des italienischen Proletariats, gemacht zu haben, von dem folgende Depesche zeugt: Rom, 14. Oktober. Während des Transportes von Truppen nach Turin haben die Eisenbahnangestellten in der Nähe deS Bahnhofes von Casale Monte Ferrata den Betrieb eingestellt und den Transport verlassen. •• « Die bürgerliche Presse Italiens hat natürlich kein Verständnis für die Motive, durch die das Proletariat des un- glückseligen Landes sich gezwungen sieht, seinem Protest gegen die schändlichen Blutorgien der Ncgierungsorgane nach- drücklichen Ausdruck zu leihen. So tadelt z- B. der „Corriere" das„Entgegenkommen" des Mailänder Präfekten in Sachen der Verhaftung der Karabi nieri! Nun melden aber Telegramme, daß der Herr Generalprokurator sich an- fangs weigert� die Karabinieri verhaften zu lassen. Darauf hat der sozialdemokratische Abgeordnete Treves e i n w a n d s- freie Zeugen vorgeführt, welche � versicherten, daß die Karabinieri ohne Herausforderung seitens der Menge von ihrer Waffe Gebrauch gemacht hatten. Hoffentlich ist der edle„Corriere" nunmehr zufrieden. DoUanck. Allgemeines Wahlrecht! Die Regierung hat den Kammern einen Gesetzentwurf betreffend Aenderung der Verfassung vorgelegt: Es sollen die Beschränkungen des Wahlrechts fortfallen, um das allgemeiite Wahlrccht durchzuführen und auch den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu ge- währen. Tie Regierung schlägt nur einige Acnderungen des Vor- Projekts der parlamentarischen Kommission in den Kapiteln über die General- und Provinzialstände und über die Gc- meinderäte vor. Entgegen dem Vorprojekt soll der ersten Kammer ein AmendementSrecht ni ch t verliehen werden- ... Also auch in Holland marschiert daS allgemeine Wahlrecht dank den unermüdlichen Bemühungen des Pro- lctariats, von dessen berühmten energischen Wahlrechts- dcmonstrationen wir unseren Lesern von Zeit zu Zeit be- richtet haben. � Wenn sich eines Tages der holländische Spießbürger den Schlaf aus den Augen reibt, so crgehts ihm wie dem öfter- reichischen, wie dem ungarischen Philister: er entdeckt, daß— auch i h m zu Nutz und Frommen— die Arbeiterschaft über Nacht das allgemeine Wahlrecht hcraufaeführt hat. Ueber kurz oder lang wird auch Preußens Prole- tariat dem Bürgertum dieses reaktionärsten aller Länder eine „freudige Ueberraschung" dieser Art bewirken müssen. Sie russische Revolution. Die Wahlen. Nach einer Privat-Depesche meldet das„B. T.': Die gestrigen Wahlen der Wahlmänner der ersten Kurie des Petersburger Kreises ergaben insofern ein völlig un- erwartetes Resultat, als entgegen der Siegeszuversicht der Oktobristen vier Kadetten mit großer Stimmenmehrheit ge- wählt wurden. In der zweiten Kurie wurde nur e i n Kadett gewählt, während dem zweiten die absolute Mehrheit fehlte, was eine nochmalige Abstimmung erforderlich machen wird. Die Arbeiter wählten sechs Wahlmänner: Sozial- demokraten und Maxirnalisten. Die Hauptwahlen sollen in den Tagen vom 27. bis zum 31. d. M. stattfinden. Vor den Tore« des Rigaschcn ZentralgefangmfseS. Das Zentralorgan der Sozialdemokratie Lettlands, die „Zihna", veröffentlicht in ihrer Rr. 84 den Brief eines Arbeiters, der seit mehr als einem Jahre im Kerker schmachtet und Nacht für Nacht ein stummer Zeuge der Hmrichtungs- Prozedur an: Zentralgefängnis von Riga sein muß. Unter anderem heißt es in dem Briefe: „Bei Euch draußen scheint es augenblicklich heiß zuzu» gehen, denn täglich werden neue Partien Gefangener zu uns gebracht. Um neu Hinzukommenden Raum zu schaffen, müssen ältere Insassen beiseite geschafft werden. Dieses besorgen die neugeschaffenen Kriegsgerichte, die an Stelle der Feld- gerichte' getreten sind. Es wird„schneidig" gemordet: An- klage, Untersuchung, UrtctlSfällung dauert wieder nicht länger als 24 Stunden.... In den„Museen" der Detektivabtcilung wird wieder mit Hochdruck gearbeitet. Was hinter diesen Mauern geschieht, davon iviffen nur wir etwaS zu erzählen.... In der letzten Nacht wurden unsere Kameraden Kalnin und Lintia hingerichtet. Durch unsere Fenster sieht man den Kirchhof... Es ist wieder eine der dunklen Nächte... Hinter der Einzäunung unserer Zwingburg sieht man dunkele Figuren mit Laternen hin und her eilen. Ein Häuflein krimineller Verbrecher verrichtet ihre Nachtarbeit—: es wird in aller Eile ein Grab geschaufelt. Unterdessen wird es allmählich heller. Das Grab ist ausgeschaufelt, ein Häuflein frischen Sandes läßt so ziemlich die Größe des Grabes bestimmen. Der zum Kirchhofe und zum Gefängnis führende Weg ist von Kosaken und be- rittenen Schutzleuten eingeschlossen. An der Gefängnismauer tauchen allmählich Soldaten, Osfiziere, höhere Gefängnis- beamte und schließlich auch die Opfer des Zarismus auf. Es erscheinen auch einige Kosaken auf der Bildfläche. Der An- blick wird mit jedem Augenblicke düsterer, herzerschütternder. Ein paar ausgewählter Gefängniswärter ergreifen die Opfer der Reihe nach und binden sie an die eben eingegrabenen Pfähle. Die Zahl der letzteren reicht nicht aus: sie werden durch Stricke miteinander verbunden und die Ueberzahl der Schlachtopfer wird an diese Verbindungsscile gebunden, damit sie nicht umfallen.— Das Hinschleppen der unglücklichen Opfer zu den Pfählen und Seilen sowie das Anbinden dauert ziemlich lange und bildet eines der schaurigsten Momente.... Es scheint schließlich allas fertig zu sein. Während die Soldaten Schietzstellnng einnehmen, stülpt der Oberaufseher K. den Unglücklichen der Reihe nach einen Sack über den Kopf. Es herrscht Todesstille. Das Gefängnispersonal tritt zur Seite.... In diesem Augenblick erschallen die Rufe:„Nieder mit der Selbstherrschaft! Tod den Mördern l", die Silbe für Silbe zu uns herübcrtöncn. Und schon erschallt der Kommandoruf:„R-o-o-t-a-xt-i!"(Feuer!) Es krocht eine Salve. Hierauf eine Pause von einigen Sekunden. Noch eine Reihe von Schüssen. Es treten nun Offiziere und einige Ans- scher zu den zusammengesunkenen Leichen. Etliche Revolver- kugeln müssen nachträglich das besorgen, was die fingerdicken Kugeln der Flinte nicht geschafft haben. Die Leichname werden losgebunden, von Kriminellen auf Tragbahren und dann wie Holzstücke in die Grube geworfen. Noch einige Minuten Arbeit und das dmikle Loch im Boden ist ver- fchivtindcn. Keine Spur mehr von unseren lebensfrohen Genossen... Die„Helden" entfernen sich einer nach dem anderen: zuerst die berittenen, dann die übrigen. Als letzte verlassen die Schädelstätte Obcraufseher Kruhmin und die kriminellen Verbrecher, welche die blutigen Mordinstrumente heimzutragen und bis zum nächsten Morgen aufzuheben haben. S o spielt sich seit etwa zwei Jahren allnächtlich die blutige Tragödie vor den Toren des ZentralgefängirtsseL ab.. Soziales. Wieder ein Urteil gegen die PenssonLkassen. Essen. DaS GewerbegeAcht B o rb e ck verurteilte die Eisenhütte „P h ö n i x", einen, Arbeiter, dem bei seiner Entlassung 85 M. an Beiträgen für die PensionSkasse abgehalten waren,% davon, also 65,66 M. als zu unrecht von seinem Lohne gekürzt, zurückzu» zahlen und die Kosten deS Rechtsstreites zu tragen.— Aus den Gründen de« Urteils ist hervorzuheben: Das Gericht ist der Ansicht deS Klägers beigetreten, der den Teil des Arbeitsvertrages, durch den er sich zum Beitritt zur Pensionskass« verpflichtet hat, als nichtig hält, da er gegen Treuuud Glauben und gegen die gnten Sitten v e r st ö ß t. Das Gericht gibt der Möglichkeit Raum, daß die Firma jederzeit in der Lage ist, die Arbeiter ohne Angabe von Gründen aus ihrem Die n st e zu entlassen und sie so der Beiträge und Eintritts» gelber Verl>l st ig zu machen. Erst Krupp, dann„Phönix"; wer wird der nächste sein, dessen famose WoHlsaHrtseinrichtungen als gegen die gnten Sitten ver» stoßend, bloßgestellt werden? Je mehr Klagen, desto besser, viel» leicht wird dann ein Gesetz zustande kommen, das die Zwangs- pensionSkaffen, die nur den Ausbeutern Gewinn bringen, bei denen der Arbeiter aber die Kosten tragen muß, verbietet. Leibeigenschaft in moderner Form. In G r u s s e n d o r f bei Gifhorn im Hannoverschen sind mit Hülfe der Gcneralkominission 12 Rentengüter gegründet worden. Die mit der Bildung von solchen Renteiigütern verbundene Absicht ist die Herbeiführung eines HörigkcitSverhältnisses der unglücklichen gientengntSerwerbcr zu den Großgrnndbesttzenl. Der Landwirtschafts- minister v. Arnim hatte zwar im Abgeordnetenhause als Grundsatz aufgestellt, daß den Angesiedelten die wirtschaftliche und politische Freiheit nicht beeinträchtigt»Verden dürfe. Schöne Ltzorte! Die Agrarier aber denken anders. Ihre Absicht ist auf das Gegenteil ge- richtet, und so verkünden die Herren von Grussendorf in der ihr er- ergebenen Presse und mit der größten Offenheit: „Einen praktischen Erfolg gegen die Leutenot hat man in Grussendorf erzielt. Es ist gelungen Prosiitution. Von Dr. E. Niltcr v. LiSzt. 35 Pf. Verlag der„Oslara" in Nodaun bei Wien. Fachblatt für Holzarbeiter. Heft 10 des»weilen Jahrganges, Oktober 1307. Herausgegeben von Deutschen Holzarbcilerverbaiid, Slutt- gart._ Letzte JNaebriebten und Vepelcben. Ganz wie bei uns. Paris, 14. Oktober.(W. T. B.) In der Budgetkommission legte der Finanzininister Caillaux die finanzielle Lage dar. Das Defizit beträgt 28 Millionen Frank. Tie Gesamtausgaben des Kriegsministeriuins für Marokko überschreite» die im Budget vor- gesehenen ordentlichen Ausgaben nur um 21,2 Millionen. Die außerordentlichen Ausgaben des Marineministcriumö sind noch nicht bekannt._ Der Minister auf der Anklagebank. Belgrad, 14. Oktober.cs JotnW Kcckitt öolliolilatt. Dienstag, 15. Oktober IM. liociwials die Denonitration franh-Kolb. Karlsruhe, 12. Oktober. Nunmehr haben beide Leidtragende das Wort ergriffen und ihren Standpunkt zu begründen versucht. Frank hat das kurz und knapp getan, ohne auch nur mit einem Worte die ihm aus seiner Beteiligung an dem Trauerzuge gemachten Vorwürfe zu streifen, Kolb hingegen �at seine Meinung aufrichtig dargelegt. Die Franksche Erklärung laute: Aus Grm den des Taktes und der Taktik habe ich gc wünscht, daß Genoffe Adolf Geck, als früherer Vizepräsident des Landtages, der Beerdigung des GroßhcrzogS beiwohne. Ich habe dies am Anfang der vorigen Woche dem Genossen Geck geschrieben und ihm nahegelegt, zur Besprechung der Frage eine Fraktionssitzung zu berufen. Ich blieb ohne Antwort bis zum Sonnabend. Da schrieb mir endlich Genosse Geck, er gedenke der Karlsruher Einladung nicht zu folgen— die Fraktion werde„also wohl" unvertreten bleiben.— Ich hielt für notwendig, den Ge- Nossen Geck umzustimmen. Ich selbst hatte mjch für den Sonntag verpflichtet, zwei Volksversammlungen zu halten sin Adelsheim und Merchingen),— ich hatte also keine Zeit zu persönlicher Rück- spräche. Deshalb bat ich brieflich den Genossen Kolb, er solle sofort zu Adolf Geck reisen und das Ergebnis seiner Be- mühungen mir telegraphisch mitteilen. Als ich am Sonntag nach.s Val Uhr von der Agitation zurückkam, fand ich keine Nach- richt vor. Am Montag früh 1/28 Uhr telephonierte mir Genosse Kolb, er habe meinen Brief zu spät erhalten und sei des- halb nicht nach Offenburg gekommen. Unsere Beratung führte uns zu dem Entschluß, unter diesen Umständen selber an der Leichenfeier teilzunehmen. Andere Kollegen zu benachrichtigen blieb mir keine Zeit mehr, da ich den Zug, der um 8.27 vormittags von Mannheim abfährt, benutzen mutzre. Unter Takt versteht man, nichts zu tun und nichts zu unter- lasten, was einem anderen, mit dem man auf freundschaftlichem Fuße steht, unangenehm sein und von ihm übel vermerft werden könnte. Eine Nichtbeteiligung sozialdemokratischer Landtags- abgeordneter erschien Frank aber nicht nur als eine Taktlosigkeit den Gegnern gegenüber, sondern er hielt das Fernbleiben auch für taktisch unklug, weshalb er den Genossen Adolf Geck zur Teilnahme am Trauerzug zu bestimmen versuchte und ihm nahelegte, zur Be- sprechung der Frage eine Fraktionssitzung einzuberufen._ Erst als Geck die im langgestreckten Laude Baden von Lörrach bis Mannheim wohnenden Mitglieder der Fraktion zu einer Sitzung zu berufen und ihnen damit nicht unerhebliche materielle Opfer aufzuerlegen, nicht nachkam und die Gefahr, daß die sozialdemokratische Fraktion bei der feierlichen Beisetzung der Leiche eines Fürsten unvertreten bleiben würde, in greifbare Nähe rückte, entschlossen sich die beiden— zufällig die beiden jüngsten Mitglieder der zwölf Genossen zählenden Frattion, selber in die Bresche zu springen und an der Leichenfeier teilzunehmen. Die von Frank verschwiegenen»taktischen Gründe" hat Kolb ausführ- sich mitgeteilt. Nach Kolb würde unsere Nichtbeteiligung zu einem Konflikt zwischen liberalem Block und Sozialdemokratie geführt und zur lvahrscheinlichen Folge gehabt haben, daß da» Präsidium des nächsten Landtags anders zusammengesetzt sein würde, d. h-, daß das Zentrum den Präfidentenstuhl besetzen und die Stelle des zweiten Vize- Präsidenten entweder ein Demokrat oder gar ein Konservativer ein- nehmen würde. Als weitere Folge sieht Kolb dann, daß durch einen solchen Konflikt bei den im Jahre 1909 stattfindenden Landtagswahlen, die 190V mit dem Block durchgeführte gegenseitige Stichwahlhülfe nicht mehr möglich sein und das Zemrum dadurch seine Positton verstärken würde. Die Voraussetzungen, von denen Kolb ausgeht, find zu- nächst falsch. Denn der liberale Block wird aller Wahrscheinlichkeit nach in deinselben Maße auf unsere Hülfe angewiesen sein, wie auch bei den letzten Wahlen. Unmöglich ist es aber immerhin nicht, daß seine Position schon in der Hauptwahl durch Fortschritte des Zentrums und unserer Partei so geschwächt ist, daß auch unsere Stichwahlhülfe ihm nicht mehr zur stärksten Partei in der Zweiten Kammer machen kann. Tritt dieier durchaus mögliche Fall ein, so ist es zu Ende mit der liberalen Blockpolitik in Baden; die stark agrarisch durch- setzte nationalliberale LadtagSftaktion sucht Anschluß bei den Konservativen und mit unserer Erstarkung wird auch im Zentrum die bereits vorhandene Neigung, sich mit den Nationalliberalen(rnt zu stellen. zunehmen. Daran ändert unsererseits keinerlei wie immer geartete Taktik etwas. Daß wir bei dem Stichwahlabkommen vom Jahre 1905 dem Block mehr geben konnten, als er uns zu bieten vermochte, ist bekannt. Wäre es umgekehrt gewesen, so wäre ohne Zweifel ein Stichwahl- kompromiß überhaupt nicht zustande gekommen. Wir unterstützten den Block in 12 Kreisen, davon gewann er 11 und wir wurden von ihm in b Kreisen unterstützt, wovon wir zwei gewannen. Unter diesen dreien war übrigens einer, der uns auch ohne Blockhulfe tot- sicher gewesen wäre. �_ Weiter betrachtet der Genosse Kolb seine und deS Genossen Frank Beteiligung am Trauerzug und der nachfolgenden feiersichen Trauerzeren, onie als die»Erfüllung einer P f l, ch t allgemein menschlichen Taktes und An st an des. Werden die hier einem Fürsten gegenüber proklamierten Grund« sätze in Bezug auf die Erweisung der letzten Ehre auch den eigenen Parteifreunden gegenüber von den beiden Genosien angewandt, so dürfte ihnen die Erfüllung ihrer Pflicht nicht immer leicht werden. Auch dem unbekannt gebliebenen Proletarier müssen sie dieselbe Ehre erweisen denn er hat durch seine Arbeit der Menschheit wertvolle Dienste geleistet, wertvoller meist, als die eines Fürsten zu fem ��Was nun die Stellung unseres Vizepräsidenten in der Kammer betrifft, so soll hier bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben. daß der Block seine Pflichten ihm gegenüber nicht erfüllt hat, well man ihn— einige wenige Ausnahmen abgerechnet und wo in emem Falle die anderen Präsidenten erkrankt waren,— faktisch ge- y r n d e r t hat, den Präsidentenstuhl einzunehmen. Der nattonal- liberale Präsident hat lieber wochenlang fast täglich fünf Stunden hintereinander den Sessel gedrückt und die Befriedigung natürlicher Bedürfnisse unterdrückt, ehe er ihn dem sozialdemokratischen Vize- Präsidenten eingeräumt hätte. Hier war schon längst für uns Ge- legenheit, Krim wegen Mangel an Takt und Anstand an den Gegnern zu üben. Und die Kritik wird zweifellos auch hier wie in allen Fällen mehr helfen, als wenn wir,»uns bis zum Gürtel tief verneigend", den Gegnern entgegenkommen und ihnen beim Zusammen- tritt deS Landtages einen»genehmeren Vize- Präsidenten' in Vorschlag bringen würden. Alle diese Erörterungen sollten nicht nötig sein, da« gesunde demokratische Gefühl hätte ausreichen müssen, bei den genannten Genosten den Wunsch, sich an einer höfischen Trauerfeierlichkeit zu beteiligen und die Gefühle der eigenen Parteigenosten gröblich zu verletzen, von vomherein zu unterdrücken. •»• Außer dieser Aeußerung unseres Karlsruher Korrespondenten liegen die Seußerungen der Parteipresse vor, die in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit und meist scharf gegen Kolb und Frank Stellung nimmt. Bemerkenswert ist, daß auch die Mannheimer„DolkSstimme", die zuerst die Beteiligung an der höfischen Demonstration zu ent- schuldigen bereit schien, sie jetzt verwirft. Sie schreibt in ihrer SonntagSmnmmr: „War damit(mit der ersten Aeußerung zur Sache. Sied. d. „„Porw.") selbstverständlich weder ein Vorwurf, noch eine iBerteidigung ausgesprochen, so liegt die Sache heute, �nachdem die Erklärungen beider Genosten vorliegen, durchaus 'anders. Da müssen wir rund heraus erklären: Wir billigen ihre Beteiligung an dem Leichenbegängnis des GroßhcrzogS— nicht! Wir wollen keinen Augenblick verkennen, daß beide Genossen von den b e st e n A b s i ch t e n geleitet, aber irregeleitet wurden. Hairen wir unS genau an das, ivas sie unS ja nun erklärt haben. Z iv e i Motive geben sie unS an: 1. Menschliches Empfinden, Takt u. dgl.; 2. Poli�tifch-taktifche Momente. Wenn wir recht verstehen, so soll das heißen, daß die beiden Genossen dem sie drängenden menschlichen Empfinden sich inn so weniger entziehen zu müssen glaubten, weil die Verletzung jenes Empfindens größerer Teile des badischen Volkes in dem vom Genossen Kolb geschilderten Sinne vom Zentrum politisch ausgeschlachtet werden würde. Nun wird man ja zugeben können, daß solche Erwägungen auf- tauchen konnren. Wie weit sie stichhaltig wären in Bezug auf Wirklichkeit, Größe und Wert des eventuellen Erfolges und vor allem, ob sie die Wahl des Mittels wirklich rechtfertigen,— das alles sind Fragen, die im„Handumdrehen" nicht zu lösen sind, am allerwenigsten von zwei einzelnen Mit- gliedern der Partei. Selbst wenn ihre Erwägungen zutreffend wären, so kann den Genossen Kolb und Frank so wenig wie anderen einzelnen Mitgliedern der Partei das Recht zugebilligt werden, in politisch-taktische» Momenten allein und entscheidend zu handeln und es dann der Presse und anderen Parteifaktoren zu überlassen, wie sie sich mit der fertigen Tatsache abfinden mögen. Und dazu kommt, daß ihre Auffassung doch nicht so zweifelsfrei richtig ist, wie sie glauben. Denn wenn auch das Empfinden des Gegners, welche Stellung er auch einnehmen möge, Anspruch auf eine gelvisse Schonung unsererseits hat, zumal angesichts des All- Bezwingers, so darf nicht vergessen werden, daß ein derartiges Empfinden nicht notgedrungen ein Tun auslösen muß; sehr häufig— und gerade in derartigen hier in Betracht kommenden Fällen— wird achtungsvolles Schweigen als für beide Teile würdiger angeschen werden müssen. Ferner haben wir noch nicht gehört, daß es eine Ehrung für einen Verstorbenen ist, wenn man durch dieselbe Handlung Tausende von Lebenden in ihren Empfin- düngen kränkt. Darüber können die beiden Genossen nicht im Zweifel gewesen lein, daß die größte Zahl ihrer Wähler und loeite Kreise der Parteigenossen an ihrer Handlung An st oß nehmen würden, was immer auch als Entschuldigung gesagt werden könnte. Verdient das Empfinden dieser Tausende weniger Achtung, als das der zwei Abgeordneten? Und wenn zu wählen ist zwischen dem Empfinden uns seindlicher Volkskreise und dem der sozialistischen Wähler, so sollte das letztere wohl für sozialdemokratische Abgeordnete vorangehen. Daß nur zwingende Interessen der Partei eine Miß« achtung dieses Empfindens rechtfertigen konnten, inüssen auch Kolb und Frank empfunden haben, sonst wäre die An- führung des politisch-taktischcu Monrents nicht verständlich. Es war also Anlaß genug, nicht ohne Partei« autorisation zu handeln; umsomehr, als der Vermutung Raum gegeben werden darf, daß auch die Genossen Frank und Kolb eines Besseren belehrt worden wären." • Das einzige Parteiblatt, das die beiden Genossen direkt in Schutz nimmt, ist, soweit wir sehen, außer dem von dem Be« teiligten Kolb selbst redigierten Karlsruher»Volksfreund' die „Sollsftinunc" zu Frankfurt a. M. Sie schreibt: »Ein unerquicklicher Streit droht wieder zwischen verschiedenen badischen Genosten und einem Teil unserer Presse auszubrechen wegen der privaten Beteiligung der Genossen Frank und Kolb am Leichenbegängnis des badischen Großherzogs. Genosse Geck« Offenburg als Korrespondent deS„Vorwärts" und der„Leipziger Volkszeitung' tadelt mit Zustimmung dieser Parteiorgane die Teilnahme als programmwidriges Zugeständnis an die Monarchie, während Genosse Kolb in Ueber- einstimmung mit der Mannheimer„Volksstimme" im Karlsruher „Volksfreund' richtig antwortet. die menschlichen Pflichten deS Taktes, deS AnstandeS und der Pietät seien nicht au Partei- Programme gebunden, wie denn Bebel 1903 sehr zutteffend im Reichstag betont habe:»Die Monarchie ist eine Institution, keine Personenftage." Wir erwarteten und begrüßten auch in unserer Partei, daß Gegner unsere Toten ehren. Außerdem sei die Teil- nähme am Begräbnis bei der Pdrterkonstellation in Baden taktisch geboten gewesen, um dem Zentrum nicht Oberwasser zur Unter Waschung des Blocks der Linken zu liefern. Eine von Frank und Kolb vor dem Begräbnis begehrte FraksionSsitzung sei nicht ein» berufen worden, so daß keine Verständigung stattfinden konnte. Auch wir möchten dringend raten, aus dieser Affäre nicht schon ivieder einen Parteiskandal zu machen, der sich am Ende, wie die bürger- liche Presse bereits frohlockend meldet, bis zu Ausschlußanträgen gegen Kolb und Frank steigert. Als roter Vizepräsident hatte Genosse Geck vollkommen recht, das Mittun bei einer schweif- wedelnden Trauerkundgebung deS gar nicht mehr zu Recht bestehenden Kammerpräsidiums abzulehnen. Desto ruhiger konnte er der rein privaten und menschlichen Teihrahme der Genossen Kolb und Frank am Leichenzuge zusehen, rn den sie sich ohne die Prätention, etwas mehr zu tun, als einem persönlich anständigen Menschen die letzte Ehre zu erweisen, einreihten. Gibt eS denn nur wirklich angesichts der Riesenaufgaben auf politischem und gewerl schaftlichem Gebiete, die unS die Bülow-Politik mit ihrem Reichs� vereinsgcsetz, dem preußischen Wahlrecht und der Heimarbeiterschuty gesetzgebung z. B. allein in den nächsten Monaten stellt, nichts Besseres zu tun, als diese unsäglich kleinlichen und niedrigen An- feindungen aus den eigenen Reihen!' Wozu wir nur bemerken möchten, daß die„Volksstimme" sich im Irrtum befindet, wenn sie in unserem diesmaligen Karlsruher Korre spondcnten den Genosten Adolf Geck vermutet. Genosse Adolf Geck hat uns in dieser Sache nichts zugehen lasten. Von den größeren Parteiblättern haben bisher nur die »Fränkische Tagespost"(Nürn b'e r g) und die»Münch n. Post' nicht Stellung zu der Affäre genommen. Die»Frank. Tagespost" hat sich mit folgender Meldung begnügt: »Badische Totenfeier. Berlin, 9. Oktober.(Priv.- Tel.) Der.Vorwärts' veröffentlicht eine Zuschrift aus Karlsruhe, die sich gegen die Teilnahme der Genossen Frank und Kolb beim Begräbnis des Großherzogs wendet. Der„Vorwärts" stimmt dieser Kritik zu.(Die beiden Genossen hatten als Privatpersonen an dem Begräbnis teilgenommen.)" Die» M ü n ch e n e r P o st" hat die erste, verteidigende Notiz der Mannheimer»Volksstimme' abgedruckt, Eigenes aber nicht bemerkt. Die badische Parteipresse teilt mit, daß ein Antrag auf Aus- schluß der beiden Demonstranten beim Landesvorstand der badischen Sozialdeniokcasie nicht eingegangen ist. Huö der partei Der württembcrgische Landespartcitag und seine Haltung zur Etats« Bewilligung. Aus Württemberg ging uns folgendes Schreiben zu: In dem Bericht des„Vorwärts" über die württem« bergische L and es v ersamm lung ist zu lesen, daß eine Resolution K a y s e r, welche die Budgetabssimmunz der Landtags» abgeordneten verurteilt, mit Vs Majorität abgelehnt worden sei. Das entspricht zwar nicht den Tatsachen, e§ war vielmehr höibstenZ eine 2/3 Majorität für die Verwerfung, aber darül. zu streiten wäre müßig. Gegen was ich mich im Namen vieler Parteigenossen wende, das ist die Tot- schwcigung einer zweiten Resolution, die den Landtags» abgeordneten das volle Vertrauen aussprechen wollte. Diese Resolution wurde nämlich auch abgelehnt, woraus sich ergibt, daß die Taktik der Abgeordneten(Butgetbewilligung) durchaus nicht die Billigung der Landesversanl>nli.ng fand, vielmehr ein Teil der Delegierten gegen alle Beil« Resolutionen stimmte, und zwar im ersten Falle, um größere Streitigkeiten zu verhüten. Außerdem ver» zeichnet Ihr Bericht an der Stelle, wo Genosse Dr. Lindemann über das Verhalten der Fraktton sprach, lebhaften Beifall. An dieser Stelle rührte sich keine Hand, nur am Schlüsse des Referats wurde ein summarischer Beifall gezollt. Uebrigens können Sie die Stimmung der Landesversammlung schon daran beurteilen, daß von allen Diskussionsrednern nur einer die Haltung der Fraktion billigte. Der Bericht des„Vorwärts" ist auch in viele andere Parteiblätter übergegangen, so daß nicht nur die Berliner, sondern auch ein großer Teil der Partei tatsächlich über den wirklichen Ver» lauf der Angelegenheit mit oder ohne Absicht getäuscht worden ist. Das ist im Interesse der Sache und auch im Hinblick aus spätere Diskussionen aufs lebhafteste zu bedauern, und daß eS gerade der „Vorwärts" ist, in dessen Spalten eine inobjektive Darstellung Raum finden konnte, fordert die schärfste Verwahrung heraus. Gleichzeitig mit diesem Schreiben haben wir mehrere andere Zuschriften ähnlichen Inhalts erhalten. Eine Vergleichung des»Vor- wärts"- Berichtes mit dem der»Schwäbischen Tagwacht' zu Stuttgart ergab, daß in der Tat die Leser des„Vorwärts" ge» täuscht worden sind, nicht durch die Schuld der Redaktion, sondern durch die Schuld unseres langjährigen Stuttgarter Korrespondenten. dessen Berichten wir glaubten vertrauen zu dürfen I Mit Befriedigung konstatieren wir, daß sonach die Stellung unserer württembergischen Genossen zur Budgetbewilligung eine andere ist, als der uns zugesandte Bericht über die Landesversamm» lung sie erscheinen ließ._ Bildungsarbeit. Eine erfreuliche rührige Tätigkeit herrscht zurzeit in der Partei auf dem Gebiete des Bildungsivesens. Uns liegen die Winter» Programme der betreffenden Organisationen für München. Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt a. M. vor. In München eröffnete der Arbeiterbildungsvereia Vorwärts seine Veranstaltungen mit einem Vorwage des Genossen Dr. Max Maurenbrecher über die Bedeutung der Arbeiter» bildungsvereine. An Kursen bietet er: 1. Einführung in die Nationalökonomie.(Zehn Abende.) Lehrer: Schriftsteller Heinrich Harpuder. 2. Volkswirtschaftliche DiSIussionSübungen auf Gmnd des kommuni st ischen Manifestes.(5 Abende.) Lehrer: Schriftsteller Heinrich Harpuder. 3. Agrarreform und Agrarpolitik im Verhältnis zum Sozialismus.(6 Abetide.) Lehrer: Dr. phil. Artur Schulz. 4. Ferdinand Lassalle.(4 Abende.) Lehrer: Dr. Phil. Wilhelm H aus enstein. 5. Politische und Kulturgeschichte des 19. Jahr« Hunderts.(12 Abende.) Lehrer: Dr. phil. Wilhelm Hausen» stein. 6. EntwickelungSstufen der bayerischen Ge« schichte.(3 Abende.) Lehrer: Chefredakteur Adolf Müller. 7. Geschichte der politischen Parteien in Deutschland.(8 Abende.) Lehrer: Dr. phil. W. Hausenstein und Redakteur Paul Kampsfmeyer. 8. Der Kampf gegen daS Verbrechen oder Grundzüge der Kriminalpsychologi«.(6 Abende.) Lehrer: Rechtspraktikant Adolf Kaufmann, 9. DaS Problem der Arbeiterversicherung. (6 Abende.) Lehrer: Arbeitersekretär Johannes Timm. 10. Jnvaliditäts- und Altersversicherung. (5 Abende.) Lehrer: Werkmeister Emil D a ch s e l. 11. Kranken- und Unfallversicherung.(10 Abende.) Lehrer: Sewetär Georg Maurer. 12. Grundzüge des Völkerrechts.(6 Abende.) Lehrer: Rechtspraktikant Alwin S a e n g e r. 13. Die Entwickelung des Genossenschafts» Wesens in Deutschland.(6 Abende.) Lehrer: Arbeitet sekretär Johannes Timm. 14. Aus der Praxis der Konsumvereine.(3 Abende.) Lehrer: Geschäftsführer Karl G o t t s ch a l g. 15. Sexuelle Pädagogik.(2 Abende.) Lehrerin: Frau Dr. med. Hope Bridges AdamS-Lehmann. 16. Die Lokomotive(4 Abende). Lehrer: Ingenieur Wilh. Wagner. 17. Moderne Dichter und Denker mit Rezitationen (5 Abende.) Lehrer: Schriftsteller Heinrich Harpuder. 18. A l b r e ch t Dürer.(3 Abende.) Lehrer: Dr. phil. Wilh. Hausen st ein. 19. Deutsche Sprache. Lehrer des OberkursnS: Dr. Wilh. H a u s e n st e i n. Lehrer deS Unterkursus: Kand. phil. Wolter. Außerdem sind Einzelvorträge aus verschiedenen Wissensgebieten und literarische Abende vorgesehen. ... Der FortbildungSverein von Hamburg-AItona veranstaltet folgende Kurse: 1. Nationalökonomie für Anfänger. 2. Nationalökonomie für Fort- geschrittene. 3. Soziologie und Sozialgeschichte. » Der Bildungsausschuß zu Düsseldorf läßt folgende Kurse abholten: 1. Deutsche Sprache.(20—24 Abende.) Lehrer: Rud. Reichenbach. 2. Arbeitcrrecht.(10—12 Abende.) Lehrer: Heinr. Fischer. 3. Volkswirtschaftslehre. Ein- führung in den Sozialismus.(10— 12 Slbende.) Lehrer: Dr. L a u f e n b e r g. Die allgemeinen Vorträge sollen behandeln die Entstehung der Erde und die Geschichte deS Menschen, die neueren Erfindungen und Entdeckungen im Reiche der Technik und der Wissenschaften. Außerdem sind Theatervorstellungen, ein VolkSunterhaltungS- abend und Rezitationsabende arrangiert. »#® Der Bildungsau"schuß in Frankfurt a. M. hatte im September den Genossen' Pannekoek an drei Abenden über die Theorie des KlunenkampfeS vortragen lassen. Ueber das weitere Programm teilt die.VolkSstimme" mit: Slm S., 10. und 11. Oktover, avends, spricht im großen Saale des Gewerkschaftshauses Genosse Pfarrer Pflüger-Zürich über die Geschichte der Religionen. Am 5., 7. und 12. November, abends, hält ebendaselbst Genosse Reichstagsabgcordneter Hoch drei Vorlesungen über die Geschichte der deutschen Gewerlschaftsbewegung. Für den Dezember und Februar sind literarische Abende ernsten und heiteren Inhalts geplant. Im Januar 1S08 beginnt Prof. Staudinger-Darmstadt*) eine dreiabendliche Vorlesung über die Geistesströmungen des 20. Jahr- Hunderts. Ihm folgt im Februar Genosse Landtagsabgeordneter Dr. Fulda- Darmstadt mit drei Vorträgen über Strafrecht und Strafprozeß. Den Abschluß des Winterprogramms werden im März 1908 drei Vorlesungen über die Grundgesetze der Physik mit erläuternden Experimenten bilden._ Nebel in Amerika. Wie der„Chicago Dailh Sozialist' mitteilt, hat Genosse Bebel die ihm in Stuttgart mündlich unterbreitete Einladung der amerikanischen Sozialisten angenommen, nach den Vereinigten Staaten zu kommen. Er wird sich im Frühjahr nächsten Jahres dorthin begeben und etwa sechs bis sieben Versammlungen abhalten, vorausgesetzt, daß ihn nicht wichtige Umstände an der Reise verhindern. poUreiUcKes» Öcrichttichca ulw. Die Presse vor der RevisionSwstanz. Genosse Rob. Albert von der„BollSwacht* zu Breslau war wegen Beleidigung eines Offiziers zu Hirschberg zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Auf die Revision des Verurteilten hat das Reichsgericht das Urteil aufgehoben und die Sache andas Landgericht zurück- verwiesen._ Huö Induftrle und ftandel Gekühltes und gefrorenes Fleisch. Die maschinelle Erzeugung der Kälte und ihre Verwendung zur Konservierung und zum Transporte großer Mengen von Nah- rungsmitteln ist einer der technischen Fortschritte der letzten zwei Jahrzehnte. 283 deutsche Städte besaßen 1903 bereits ihre kom- munale Kühlanlage und ihre Zahl ist seither stark gestiegen. In außerordentlichem Umfange und mit der erstaunlichsten Vielseitig- kcit hat sich aber auch die Privatindustrie der künstlichen Kühlung bemächtigt und allen voran der überseeische Transport, der ganze Flotten von Kühlschiffen zu diesem Zwecke ausgerüstet hat. Fleisch, Räucherwaren, insbesondere Fische, Geflügel, Wild, aber auch Ge» müse, Butter, Eier, Obst, kurz alle erdenklichen Konsummittel der Masse unterliegen heute dem internationalen Handelsverkehr und überwinden große Distanzen, vielmonatliche Lagerung auf sichere Weise, welche ehedem durch gewöhnliches Eis nicht erreicht werden konnte. Namentlich dem englischen Markt ist die künstliche Kühlung und das Einfrieren von Lebensmitteln zugute gekommen. Die enormen Mengen hiervon, die alljährlich in den australischen, argentinischen und nordamerikanischen Gebieten gefroren, gestapelt und verschifft werden, sind heute ein unentbehrlicher Pfeiler der britischen Volks- ernährung geworden und damit gleichzeitig eine Grundlage des britischen Jndustrialismus. Wohl schwerlich läßt sich die Ernäh- rung der an einem Punkt zusammengeballten Massen mehr mit den primitiven Mitteln der unreinen, unbequemen und überdies teuren Natureiskühlung vorstellen. Die Einfuhr von Fleisch für den englischen Markt verzeichnet denn auch stets wachsende Werte. 1906 bezifferte sich dieselbe auf rund 3S0 Millionen Mark, welche sich zu etwa je% als Einfuhr aus den Kolonien, auS der argentinischen Republik und aus den Vereinigten Staaten deklarieren. Am Gesamtkonsum partizipiert diese Menge mit 37 Proz., und 26 Proz. gelangen teils in ge. kühltem, teils in gefrorenem Zustand auf den Markt. Seit dem Jahre 1890 ist der Import an gefrorenem Fleisch von 81 Ld8 Tonnen auf 315 000 Tonnen gestiegen. Eine solche Bedeutung konnte das künstlich konservierte Fleisch nur durch seine einwandfreie Beschaffenheit erlangen. So be- zeichnet ein offizieller Bericht des Gesundheitsamtes von London die Qualität desselben als eine sehr gute. Das prozentuelle Vcr. hältnis des beanstandeten Fleisches beschränkt sich auf den Bruch- teil von vier Hundertstel. Vergleichende Experimente, welche von einem Beamten der erwähnten Londoner Institution ausgeführt wurden, haben den praktisch vollkommen gleichen Nährwert und dieselbe Verdauungssähigkeit der frischen, gekühlten und gefrorenen Proben ergeben. Die bei 15 Personen vorgenommenen Kostproben ergaben überdies die auch dem Geschmacke nach vollständige Un- kenntlichkeit der verschiedenen Provenienzen zumindest für den Gaumen des Normalmenschen, auf welchen eS schließlich bei der Beurteilung eines dem Massenkonsum unterworfenen Produkte? allein ankommt. Die Beliebtheit deS überseeischen Fleisches nimmt denn auch stetig zu und seine Verwendung wird eine immer allge. meiner«. Und nur mit Bedauern denkt man an die permanente heimische Fleischteuerung, da ferne Länder die Möglichkeit zur billigsten Produktion von Fleisch bieten und eine fortschreitende Technik in glücklichster Weise die Distanzen und die Zeit, an welche der Konsum von frischen Nahrungsmitteln geknüpft ist, über- wunden hat._ Prositsteigerung. Die Aktiengesellschaft Hoesch-Dortmund Eisen- and Stahlwerk, die für das Jahr 1905/06 aus 3 614 066 M. Reingewinn 15 Proz. Dividende verteilte, stößt für das letzte Jahr bei einem auf 4486 690 M. gestiegenen Gewinn 18 Proz. ab.— Die.Bismarkhütte' erzielte im letzten Geschäftsjahre einen Gewinn von 4 605 420,88 M. gegenüber 8 824 479,92 M. im Vorjahr. Der Aufsichtsrat beschloß, der auf den 16. November cr. zu be- rufenden Generalversammlung' die Verteilung einer Dividende von 25 Proz. auf das Aktienkapital von 8 800 000 M., von 12'/, Proz. auf 1 200 000 M. vorzuschlagen(gegen 22 Proz. auf 6 000 000 M- im Vorjahre).— Die Aktiengesellschaft Balle u. Tellering in Benrath weist für das letzte Jahr einen Ueberschuß von 881 378 M. auS. Die Steigerung gegen das Vorjahr beträgt 74 Prozent. Sorbereitung gegen die Arbeitslosigkeit. Die„ArbeitSmarkt-Kor- respondenz' weist auf die zunehmende Abschwächung am Arbeits- markt hin und befürwortet Abwehrmaßnahmen,„ehe die Welle der Arbeitslosigkeit außergewöhnlich anschwillt. Durch Ausführung von lominunalen und staatlichen Bauten kann reichliche Arbeitsgelegen- heit in Zeiten geschaffen werden, in denen die private Bautätigkeit ruht. Auf die Möglichkeit, daß ein derarsiges Vorgehen notwendig wird, müssen schon gegenwärtig Stadtverordnete und Kommunal- behörden aufmerksam gemacht werden.' Der Halbzrngmarkt in statistischer Beleuchtung. Daß der Bedarf an Halbzeug schon seit Monaten geringer geworden ist, da« geht nicht nur aus den monatlichen Absatzziffern des Stahlwerksverbandes hervor, sondern auch aus den Sxportziffern der letzten Monate. Die Sbsatzziffern des Stahlwerksverbandes ergeben, daß von März bis August 121 817 Tonnen weniger als 1906 versandt worden sind. Ins Ausland gingen aber in der nämlichen Zeit im Vergleich zum Vorjahr Tonnen Halbzeug: 1906 1907 März... 27 999 20 125 April... 81749 15 923 Mai.... 33 018 16 780 Juni... 26 999 13 376 Juli.... 29 471 16 989 August... 26 046 22 463 2 Prot Staubiuaer iß nicht Sozialdemolrat. Red. HS ,8.« Es sind in den aufgeführten sechs Monaten 69 626 Tonnen weniger Halbzeug ins Ausland gegangen als 1906. Der Jnlandsabsatz ist also dann mindestens um 52 181 Tonnen in der nämlichen Zeit zurückgegangen, wenn man annimmt, daß der Versand des Stahl- Werksverbandes den Gesamtabsatz deutschen Halbzeuges im großen und ganzen richtig widerspiegelt. Die Abnahme des Exportes, die zunächst mit Rücksicht auf den starken inländischen Bedarf erfolgte, ist nun seit Juli wieder einer merklichen Zunahme gewichen, die allerdings noch nicht so stark gewesen ist, um die Halbzeugausfuhr schon auf die Höhe des Vorjahres zu bringen. Riesengewinne. Der amerikanische Oeltrust hat nach Fest- stellungen vor Gericht in den letzten 8 Jahren 308 359 402 Dollar Dividenden verteilt. Ungefähr so viel bekommen 1'/, Millionen Arbeiter für ein ganzes Jahr an Lohn. ßmdrts- Leitung. Totschlag. Die entsetzliche Bluttat des pensionierten Feuerwehrmannes Jakob L a n d e f e l d, der am 21. April seine Frau und Schwieger- mutter erschossen und ein Fräulein Klitsch lebensgefährlich verwundet hat, kam gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I zur Verhandlung. Da der Angeklagte seiner Zeit als Feuerwehr- mann eine schwere Rauchvergiftung erlitten hat und es in Frage kommt, ob er die Tat in einer Art Dämmerungszustand vollbracht hat, sind mehrere medizinische Sachverständige geladen. Der unbestrafte Angeklagte, ein 29jähriger Mann, hat seinerzeit beim Gardedragonerregiment gedient und ist dann Feuerwehrmann geworden. Infolge seines im Dienst erlittenen Unfalls und der daraus entstandenen großen Nervosität ist er pensioniert worden und ernährte sich zuletzt als Kassenbote. Er war der Ansicht, seine Frau suche seinen Bruder zu einer Liebelei zu verführen, und glaubte auch sonst Grund zum Mißtrauen gegen die eheliche Treue seiner Frau zu haben, von deren sexuell sehr bewegtem Vorleben er erst in der Ehe Kenntnis erhalten hatte. Das eheliche Verhältnis wurde ein so trübes, daß der Angeklagte schließlich die Ehescheidungs- klage einreichte und sich von ihr trennte. Seine Frau zog am 1. April zu ihrer Mutter nach der Prenzlauer- straße 18, er selbst zog zu einer Frau Kuglet, deren Wohnung gleichfalls in der Prenzlanerstraße schräg gegenüber der Wohnung semer Schwiegermutter liegt. Von dort aus hat er, da ihn noch inuner die Eifersucht plagte, seine Frau öfter beobachtet, er ist ihr auch einmal unbemerkt gefolgt und will die Wahrnehmung gemacht haben, daß die Frau mit verschiedenen Männern schön tat. Am Sonntag, 21. April, hatte er sich mit einem Regimentskameraden zu gemein- famem Ausgang verabredet. Abends vorher hatte er ein Fest in einem Kegelklub mitgemackt, war erst gegen 4 Uhr nachts nach Hause ge- kommen und hatte dann bis 11 Uhr geschlafen. Kurz bevor sein Freund ihn abholte, sah er seine Frau mit einer Freundin, der Anlegerin Klitsch, aus dem Hause gehen. Er selbst ging auf Vorschlag seines Freundes, der ihn abholte, mit diesem nach einem Tanzlokale in der Hasen- Heide, Dort will er zu seiner Ueberraschung auch seine Frau mit dem Frl. Klitsch und dem Bruder seiner Frau angetroffen haben. ES kam zu einem lebhaften Wortwechsel, in dessen Folge seine Frau mit ihrer Freundin nach Hause ging. Er tat dasselbe. Präsident: Nun find Sie also m Ihre Wohnung gegangen, haben einen Revolver, den Sie dort bewahrten, geholt und sind in die Wohnung Ihrer Schwieger- mutter gegangen?—«n g ek l.: Wie ich in die Wohnung gekommen bin, ist mir ein Rätsel.(Mit lauter weinerlicher Stimme): verurteilen Sie mich zum Todei Mir ist alles egal! Präs.: Nur ruhig I Erzählen Sie ruhig, was in der Wohnung Ihrer Schwiegermuller passiert ist.— An gell.: Ich weiß, daß ich geklingelt habe und meine Schwiegermutter aufgemacht hat. Was weiter geschehen ist, weiß ick absolut nicht I— Präs.: Sie haben Ihre Frau niedergeschossen, Sie haben Ihre Schwiegermutter durch Schüsse getötet und das Fräulein Klitsch durch Schüsse in den Unterleib sehr schwer verletzt. Was haben Sie gemacht, als Sie die Tat vollbracht hatten?— A n g e k l.: Ich weiß eS nicht I— Präs.: Ihnen muß doch klar gewesen sein waS Sie getan haben, denn Sie haben Ihrer Wirttn bei der Rückkehr zu derselben gesagt: Ich habe auf meine Frau geschossen und will mich der Polizei stellen.— Angekl.: Ich iveitz nichts I Verurteilen Sie mich meinetwegen zum Tobel Präs.: Davon ist ja gar keine Rede, beim des M o r d e S sind Sie nicht angeklagt, sondern nur des Totschlages! Unter den Zeugenaussagen ist besonders die des Fräulein K lisch hervorzuheben, die Augenzeugin der Tat war. Danach hätte es am 21. April, abends gegen 9 Uhr, an der Wohnungstür der Schwiegermutter des Angeklagten, der 53 Jahre alten Witwe Marie S ch iv e d t geläutet. Als die Frau durch das Guckloch der Tür gesehen und den Angeklagten bemerkt hatte, rief sie ihrer Tochter zu:„Jakob ist draußen I', worauf die Tochter antwortete:„Laß ihn doch herein!' Die Schwiegermutter öffnete zunächst ein wenig die Tür, der Angeklagte setzte sofort seinen Fuß zwischen die Tür und drang gleich in die Küche. Er fuhr sofort seine Frau an: „Darum gehst Du also von einem weg, damit Du Dich herum- treiben kannst! Du warst wohl schon vorigen Sonntag dort im Lokal und willst mit dem Mann, der Dir auf die Schulter geklopft hat, poussieren?' Die Frau sagte darauf sehr kurz:„Ach, ich habe schon von Dir die Nase voll!' Alsdann wandte sich der Angeklagte an seine Schwiegermutter:„Auch Du, altes Weib, bist auf Deinen alten Tagen da gewesen I' Dann griff er in die Tasche, zog langsam den Revolver her« vor und schoß auf die Frau, die durch die Kugel an der Lunge und am Herzen verletzt wurde pnd zu Boden sank. Einen weiteren Schuß gab er auf die Schwiegermutter ab und tötete sie auf der Stelle. Auch Frl. Klitsch, die hinzugelaufen kam, erhielt zwei Schüsse in den Unterleib. Sie schleppte sich noch die Treppe hinunter, um Hülfe zu holen, dann brach sie zusammen und mußte nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden. Dort hat sie ein langes, schmerzhaftes Krankenlager durchgemacht. Auch Frau Landefeld mutzte nach dem Krankenhause gebracht werden, wo sie im Laufe der Nacht starb.— Der Angeklagte hat sich nach der Tat mit dem Sohne feiiier Wirtin zur Revierwache begeben und dort Mitteilung von dem Schießen gemacht. Nach dem Zeugnis der Polizeibcamten ist er dort allerdings sehr aufgeregt gewesen. Nach Schluß der Zeugenvernehmung gab Oberstabsarzt Dr. Wagner ein Gutachten über den Gesundheitszustand des Angeklagten ab. Er hat seinerzeit den Angeklagten behandelt und bestätigte, daß dieser bei einem mit einer Explosion verbundenen Brande verunglückt ist. Er wurde durch eine Stichflamme zu Boden ge- schleudert und mußte als Schwerkranker nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden. Er hatte schwere Brandwunden im Ge- ficht, an den Händen und anderen Körperteilen, klagte über heftige Kopf« schmerzen und bot das typische Bild einer Rauchvergiftung. Er ver- suchte nach seiner Entlassung aus dem Krankenhause wieder Dienst zu tun, es ging aber nicht und der Angeklagte wurde als Schwer- kranker nach der Anstalt zu Schönow übergeführt, wo er etwa drei Monate, bis zum März 1905 geblieben ist. Seine Schlaflosigkeit, an der er litt, nahm zu, eS stellte sich auch noch ein Nasenleiden ein, das eine Operatton notwendig machte. Am 30. November 1906 mußte er pensioniert werden. Der Sachverständige hat ihn später noch aufgesucht und festgestellt, daß er sehr aufgeregt war. Der Sachverständige erklärte den Angeklagten für einen hochgradigen Neurastheniker, der an dem Zu st and leide, den man traumatische Neurose nenne, das heißt an einer Nervenschwäche, d>ie durch einen Unglücks- all erzeugt ist. Auf eine Anfrage des Wer- t e i d i g e r s bestätigt der Sacksterständige, daß bei einem solchen Menschen die Willensfreiheit durch Alkohol- sevuß natürlich noch mehr herabgemindert und das Krankheitsbild durch die häuslichen Ver« Hältnisse noch verschlimmert worden ist. Geh. Medizinalrat Dr. Schulz hat seinerzeit das PensionS- gesuch des Angeklagten begutachtet. Er hat Anzeichen geistiger Störung nicht bemerkt. Die Pensionierung ist wegen Nervenschwäche des Angeklagten erfolgt. Geh. Medizinalrat Dr. H o f f m a n n schloß sich dem Gutachten deS Oberstabsarztes Dr. Wagner an. Der Angeklagte leide an den Folgen einer schweren Rauchvergiftung. Sein ansävglich hier im Termin gezeigtes Verhalten gegenüber den Fragen«s Vorsitzenden sei nicht gekünstelt: er habe eben keine Kraft zum Nachdenken und zum Antworten. Seine Willensfreiheit sei durch Alkoholgenutz vermindert worden, und wenn er heute sage, er wisse nicht, wie die Einzelheiten bei der Tat sich abgespielt haben, so sei ihm dies zu glauben. Er habe in krankhafter Er- regung gehandelt, wenn er auch nicht willenö- unfrei oder geisteskrank gewesen sei. Gerichtsarzt Dr. Strauck, der die Ergebnisse der Obduktion darlegt, ist gleichfalls der Meinung, daß der Angeklagte ein durch Rauchvergiftung schwer geschädigtes Nervensystem besitze und durch den Alkoholgenuß und die Eifersucht in seiner Willensfreiheit beschränkt geWasen sei. Staatsanwalt Bernau plädiert auf schuldig des Tot- schlages und der versuchten Tötung und Verneinung der Frage nach mildernden Umständen. Rechtsanwalt Dr. Schwindt führt auS:„Die Geschworenen würden das Richtige treffen, wenn sie diesen bemitleidenswerten Menschen freisprächen, indem sie die Schuldfragen verneinten. Eventuell aber verdiene dieser Angeklagte gewiß die Zu- billigungmildernderUmstände. Nach der Rechtsbelehrung durch den Borsitzenden geben die Ge« schworenen das Verdikt dahin ab: Der Angeklagte ist schuldig des Totschlages gegen seine Ehefrau, mildernde Umstände werden ihm zugebilligt; er ist nicht schuldig des Totschlages gegen seine Schwiegermutter und nicht schuldig des versuchten Totschlages gegen Fräulein Klitsch. Das Urteil lautete aus Freisprechung wegen der Delikte, die die Geschworenen verneint hatten, und auf drei Jahre Gefängnis wegen des unter Zubilligung mildernder Umstände bejahten Totschlages. Drei Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden auf die erkannte Strafe als verbüßt angerechnet. Frau von Pobbielski als Zeugin? Ein Nachspiel zu der bekannten Tippelskirch-Affäre beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amts- gerichtSrats Wollner. Es handelte sich um eine Strafanzeige wegen unlauteren Wettbewerbs, welche die jetzigen Inhaber der Firma Tippelskirch u. Co., die Kaufleute Dingeldcy und Wcrres, gegen den Kaufmann Johannes Steinberg erstattet hatten. Die Kläger wurden durch Rechtsanwalt Paulus, der Beklagte von Rechts- anwalt Dr. Werthauer vertreten. Den Gegenstand der Klage bildete ein Zirkular, welches bald nach Erörterung der Tippels- kirch-Affäre im Reichstage von dem Beklagten an eine große Anzahl Geschäftsleute und Interessenten versendet worden war. In diesem bot der Beklagte als langjähriger Leiter der Maß- anfertigungsabteilung der Firma Tippclskirch den Abnehmern seine Dienste an und machte in dieser Weise für sein neues, in der Neustädtischen Kirchstraße errichtetes Geschäft Propaganda. Er selbst war früher Angestellter der Firma Tippelskirch und war, nachdem diese aufgelöst worden war, aus seiner Stellung als Zu- schneider und Leiter der Maßabteilung ausgeschieden. In jenem Zirkular erwähnte Steinberg u. a., daß das Tippelskirchsche Geschäft aufgelöst worden sei, während tatsächlich nur die Firma aufgelöst worden war, das Geschäft aber von den Klägern Dingeldeh und Wertes angekauft und in der alten Weise weitergeführt wurde. Diese tatsächlich unrichtige Angabe in dem Zirkular des Beklagten veranlaßte die Kläger zu einer Strafanzeige wegen Vergehens gegen das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, da durch jenen Passus der Anschein hervorgerufen wurde, als ob das Tippelskirchsche Geschäft vollständig aufgelöst und nicht weiter- geführt werde. Vor Gericht machte Rechtsanwalt Dr. Werthauer geltend, daß dem juristisch nicht vorgebildeten Beklagten ein Irrtum über die Begriffe„Geschäftsauflösung" und„Firmaauflösung" entstanden sei. Die übrigen Angaben des Zirkulars entsprächen im übrigen nach jeder Richtung hin der Wahrheit. Für die klägeriscke Partei erhob Rechtsanwalt Paulus den Einwand, daß der Beklagte auch nach anderer Richtung hin in dem Zirkular unrichtige An- gaben tatsächlicher Art gemacht habe. Der Beklagte sei keinesfalls Leiter der Matzabteilung bei der Firma Tippelskirch, sondern nur einfacher Zuschneider gewesen. Der Vertreter des Beklagten berief sich bezüglich dieses Punktes auf das Zeugnis des Herrn von Tippelskirch und der Frau von Podbielski, durch welches dargelegt werden soll, daß die Angabe des Steinberg, er sei Leiter der Ab- teilung gewesen, richtig ist. Die Vergleichsvorschläge des Vorsitzenden scheiterten daran, daß sich der Beklagte zwar bereit er- klärte, die Gerichtskosten und die Kosten seines Anwalts zu über- nehmen, die Kläger sich aber weigerten, die Kosten ihres Anwalts zu tragen. Die Verhandlung mutzte schließlich vertagt werden. Zu dem neuen Termin sollen Herr von Tippelskirch, der sich zurzeit in der Schweiz aufhält, und Frau von Podbielski geladen werden. Ob Frau Minister von Podbielski mitteilen wird, wieviel Ge- winn alljährlich sie auS ihrer„Heimarbeit" als Mitinhaberin de: Firma Tippelskirch u. Co. verdient hat? Alkoholfolgen. Der traurige Abschluß eines Zechgelages nach Feierabend lag einer Anklage wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange zu- gründe, die gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts III statt- fand. Auf der Anklagebank mußte der bisher unbescholtene 27jährige Straßenbahnfahrer Johann Schukowsky Platz nehmen. Er ist be- schuldigt, am 12. Juli d. I. auf dem Charlottenburger Straßenbahn- Hof den Arbeiter Willi Reimer mit einer Weichenstcllcrstange miß- handelt und getötet zu haben. Am 11. Juli d. I. war der Dienst deS Sch. bei der Großen Berliner Straßenbahngescllschaft um 4 Uhr nachmittags beendet. Er begab sich in das Riedelsche Lokal in der Sophie Charlottenstraße in Charlottenburg, um hier zu Mittag zu essen. Zu seinem Unglück geriet er in eine lustige Gesellschaft, in der er zu fortwährendem Trinken animiert wurde. Das Zechgelage, welches sich bis in die elfte Abendstunde ausdehnte, hatte zur Folge, daß der Angeklagte, der eine nicht geringe Anzahl Glas Bier und mehrere Schnäpse getrunken hatte, schließlich stark angetrunken war. Trotz seines Zustandes ging er noch nach dem Straßenbahnhof zurück, um sich nach seinem Arbeitspensum für den nächsten Tag zu er- kundigen. Als er vor dem Bahnhofsgebäude ankam, stand hier gerade der Arbeiter Willi Reimer, der mit einem anderen Arbeiter in einen Wortwechsel geraten war. Obwohl er keinen der Beiden kannte, mischte sich der Angeklagte in diesen Streit hinein. ES kam zu Tätlichkeiten, bei denen zuerst Schukowsky einen Stoß vor die Brust erhielt. Von einem plötzlichen Wutanfall gepackt, hob er die schwere eiserne Weichenstellerstange, die er noch bei sich trug, zum Schlage aus und lieh sie mit voller Wucht auf den Kopf des Reimer nieder- sausen. Dieser brach mit einem lauten Aufschrei zusammen. Die eiserne Stange hatte die Schädeldecke durchschlagen und war in das Gehirn eingedrungen. Nur mit einem großen Kraftaufwand ge- lang es später, die Stange wieder aus dem Kopf des Unglücklichen zu entfernen. Kurze Zeit darauf verstarb Reimer infolge dieser furchtbaren Verletzung.— Vor Gericht behauptete Schukowsky, er könne sich auf die Einzelheiten an jenem Unglücksabend nicht mehr besinnen, da er beinahe finnlos betrunken gewesen sei. In der Be- Weisaufnahme wurden mehrere Zeugen vernommen, die bekundeten, daß der Angeklagte ihnen als ein überaus ruhiger und stets nüch- terner Mensch bekannt sei, der stets jedem Streit aus dem Wege ge- gangen sei.— Der Vertreter der Anklage plädierte auf Schuldig im Sinne des Eröffnungsbeschlusses. Rechtsanwalt Heine hielt eine Freisprechung des Angeklagten für geboten. ES handelt sich um eioe» unbescholtenen jungen Mann« der sich unter dem Einflüsse deS Alkohols zu einer Tat habe hinreiben lassen, über die er sich selbst nicht Rechenschaft ablegen könne.— Die Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen. Der Angeklagte wurde frer- gesprochen und sofort aus der Haft entlassen. Eine Folge begreiflicher Erregung. Der Schankwirt Beckmann, Samariterstr. 11, hat schon oft Strafbefehle wegen Uebertretung der Polizeistunde erhalten. Am 10. August überbrachte ihm der Schutzmann Engel wieder zwei Strafbefehle auf einmal. Man wird es für begreiflich halten, datz Beckmann hierüber in Erregung geriet. Als der Schutzman Engel in der Nacht nach diesem Tage an Beckmanns Lokal vorüberging, fragte Beckmann den Schutzmann, wer ihn denunziert habe. Der Schutzmann lehnte die Antwort darauf ab. Beckmann schimpfte mm über Denunzianten und Denunziation. Der Schutzmann bezog die Schimpfworte auf sich und Beckmann hatte sich infolgedessen am Montag vor dem Schöffengericht wegen öffentlicher Beleidigung des Schutzmanns Engel zu verantworten. Beckmann behauptete, seine beleidigenden Aeusterungen hätten nicht dem Schutzmann gegolten, sondern einer in der Nähe befindlichen Zivilperson, in der er denjenigen vermutete, der ihn denunziert hatte. Das Gericht hielt diese Angabe Beckmanns für eine Aus- rede, schenkte der Aussage des Schutzmanns Glauben und ver- urteilte Beckmann, weil er schon öfter wegen ähnlicher Delikte vor- bestraft sei. zu der hohen Strafe von zwei Wochen Ge- f ä n g n i s._ Ein Auch-Terrorifierter. Von vieren seiner Mitarbeiter wollte der Schmied P e tz n i ck vom„Vulkan" in Stettin mißhandelt worden sein, weil er seiner- zeit beim Nieterstreik nicht mitgestrcikt hätte und der mehrfachen Aufforderung, dem Verbände beizutreten, nicht nachgekommen sei. Dieselben wurden deshalb unter Anklage gestellt, aber auch gegen Petznick wurde das Verfahren eröffnet. Vor dem Schöffengericht in Stettin am 12. d. M. schilderte der arbeitswillige Herr seine Not, die ihm die terroristischen Mitarbeiter ver- ursacht hatten. Die Beweisaufnahme war überraschend für das Publikum und zerschmetternd für Petznick. Nicht er war angegriffen und mißhandelt worden, sondern er hatte in ganz roher Weise einen Mitangeklagten Schmied be- lästigt und mit einem dicken Kantholz bearbeitet. Die übrigen drei Mitangeklagten hatten Pctznick, der sich wie rasend gebürdete, von weiteren Angriffen auf sein Opfer abgehalten. Nach diesem Ergebnis war die Freisprechung der vier„Ter. r o r i st e n" so gut wie sicher. Sie erfolgte auch nach dem An- trage des Amtsanwalts. Der schon zweimal wegen Roheitsdelikte vorbe st raste„tjerrorisierte" Streikbrecher wurde dagegen zu der milden Strafe von SV M. verurteilt._ Eingegangene Druchfchnften. Die ttciic Paupolizeiordnung für Berlin und Umgebung. Pharui- Plan-Ausgabe. Pharus-Verlag, Berlin IV. 9. Zeitschrift für Kinderpflege und scpuelle Aufklärung. Berlin W, 30, Brandussche Verlagsbuchhandlung; halbjährlich 2,40 M. Hua der frauenbcwcgung. Sittenbilder aus unserer«herrlichen" Weltorbnung I. Wer nach stundenlangem ermüdenden Marsche bei Sonnen- schein und Vogelgezwitscher durch schattige Wälder und lachende Fluren seinen staubbedeckten Fuß in ein einsames Wirtshaus setzt, freut sich nicht, wenn ein frisches, dralles Bauernmädel mit freund- lichem Gruß an ihn tritt und nach seinem Begehr fragt? Und kehren mit dem. Zauber unserer deutschen Volkspoesie neben der „blühenden" Linde nicht auch die Lindcnwirtin, die junge, oder Frau Wirtin mit ihrem„schwarzbraunen" Töchterlein, immer und immer wieder? Ist die holde Maid, die den„schäumenden Gersten- saft" oder den„perlenden Wein" kredenzt, nicht inniglich und un- löslich mit allen Wander- und Burschenliedern verwuben? Die hübsche, glutäugige Hebe auf den Reklamebildern, die mit einem herzlichen, urwüchsigen„Wohl bekommt!" dem Gast den kühlen Trunk kredenzt, zeigt, daß die Bedienung auS zarter Hand gegen- über dem schwarzbefrackten, steifgeplätteten„Ober" immer noch ihren Reiz ausübt. Wie anders aber wirkt jenes Bild, das in den Städten in jenen Lokalen sich darbietet, deren Inhaber die weib- liche Bedienung in der widerwärtigsten, gewissenlosesten Weise zu gewinnsüchtigen Zwecken mißbrauchen. Wie ein eisiger Rauhreif fällt es üMr die Blüten unseres volkstümlichen Liederschatzes, wenn wir einen Blick in die entsetzlichen Verhältnisse des städtischen Kellnerinnenwcsens werfen. Eine Eiterbeule, eine Brutstätte des Lasters und der Verkommenheit zeigt sich, wie so manche andere an unserem heutigen Gesellschaftskörper, vor der die moraltriefenden Klassen voll Abscheu und höchster Prüderie die Augen verschließen. Man überläßt es dem Mädchen für alles, der Polizei, wie sie damit fertig wird. Auch in Berlin zeigen sich die Zustände in den Damenlokalen im grellsten Lichte, und Schaudern überkommt den- jcnigen,'der hinab in den Abgrund weiblichen Elends, weiblicher Verkommenheit und weiblicher Ausbeutung steigt. Zahllos sind in der Reichshauptstadt die Lokale, vor deren Türen des Abends die roten und grünen Lichter verlockend winken. Meist befindet sich der Eingang im Flur oder ein Schild mit der harmlosen Auf- schrift:„2. Eingang vom Flur" weist den Neuling an, wo er weniger beobachtet zum Tempel der Venus gelangen kann. Wohl in überwiegender Zahl sind Frauen Inhaberinnen dieser Animier- kneipen, wie uns schon die vielen weiblichen Vornamen auf den Schildern bezeugen. Die Lokalitäten bestehen aus zwei bis drei oft recht engen Stübchen von intimem Charakter,„wie geschaffen" zum zärtlichen, ungestörten Beisammensein. Eine, zwei, manchmal auch mehr Kellnerinnen bedienen die Gäste. Ist die Wirtin jung und verfügt sie noch über äußere Reize, um ein Männerherz zu fesseln, fo tritt sie aktiv in Tätigkeit, sonst beschränkt sie sich auf den Einschank und die Kasse. Kommt nun ein Gast, so wird er mit„bestrickender" Liebenswürdigkeit empfangen und in die trau- lichste, verschwiegenste Ecke plaziert. Der weibliche dienstbare Geist nimmt ihm Hut und Stock ab und fragt nach seinem Begehr. Zwei oder drei Zehntel hiesiges Bier kosten 1b Pf. Bald ist er in ein Gespräch mit der freundlichen Hebe verwickelt. Erst ist sie vorsichtig, es könnte auch ein„Kriminal" sein. Aber ihre aus- gezeichnete Menschenkenntnis und ihr sicherer Instinkt lassen sie selten im Stich. Bald rückt sie ihrem Nachbar beängstigend auf die„Pelle". Gewöhnlich ladet er sie schon selbst zu einem GlaS Bier ein, echtes selbstverständlich, zu 30 Pf. oder eine Limonade, für die sie unter Umständen auch b0 Pf. nehmen. Denn, und hier kommen wir auf den wundesten' Punkt: ihre Entlohnung besteht durchweg in Gestalt von Trinkgeldern und Umsatzprozenten für Getränke. Nebenbei erhalten sie, aber auch dies nicht immer, freie Kost, manchmal auch freie Wohnung. Ihre sonstigen Bedürfnisse und Ausgaben müssen sie aus den oben erwähnten„Einkünften" bestreiten. Kein Wunder, wenn sie versuchen, möglichst viel auS dem Gast herauszuschlagen, was wieder bedingt, daß sie selbst un- glaubliche Quantitäten an Getränken vertilgen müssen. Ein GlaS Grätzer stürzen sie auf einen Zug hinunter. Vier Glas in einer halben Stunde sind keine Seltenheit. Oft versuchen sie es auch mit einem Gläschen farbiger, undefinierbarer Flüssigkeit, die sie mit einem exotischen, unaussprechlichen Namen bezeichnen. Dafür verlangen sie hernach in kühler Gelassenheit 1 Mark bis 1.50 Mark. Meist äußern sie den Wunsch, auch ihre Freundin oder die„Olle" zu einem Glase Bier einzuladen. Dies entspringt dem Verlangen nach möglichst hohen Prozenten. Eine solche Kellnerin konsumiert täglich 10—12 Glas echtes Bier, doch steigt diese Zahl an manchen Tagen bis auf 20 oder 2b, ohne die diversen Schnäpse. Ohne Rück- ficht auf die körperlichen Schäden, auf die gesundheitlichen Folgen, gießt sie den Alkohol hinab und verblüfft durch ihre Leistungs- fähigkeit jeden Dauertrinkcr. Weniger der Hang zum Trünke als der eiserne Zwang der Not treibt die Bedauernswerte hierzu. Nun tritt aber noch ein äußerst wichtiger Umstand hinzu: Die Folgen auf geschlechtlichem Gebiet. Der Gast, der diese Lokale aufsucht, tut dies natürlich in der Absicht, seine erotischen Begierden zu be- friedigen. Je mehr er verzehrt oder spendiert, desto mehr„Rechte und„Freiheiten" muß sie ihm einräumen. Versammlungen— Veranstaltungen. Treptow-Baumschulenweg. Die Mitgliederversammlung de» Bil. dungsvereins für Frauen und Mädchen fällt der öffentlichen Versammlung wegen auS. Friedenau. Dienstag, den 15. Oktober, bei Grube. Charlottcnburg. Mittwoch, den 16. Oktober, SVj Uhr, im Volkshaus, Stosinenstr. 3. Generalversammlung. Vortrag:„Die Bausteine des Lebens." Neuwahl deS Vorstandes. 10. Oktober Stiftungsfest im Volkshaus. Königs-Wuslerhausen und Umgegend. Mittwoch, den 16. Oktober, 8 Uhr, bei Langer, Königs-Wusterhausen. Mariendorf. Mittwoch, den 16. Oktober. 8'/a Uhr, bei Reichardt, Chausseestr. 16. Generalversammlung. Vortrag. Bericht und Neuwahl des Vorstandes. Britz. Mittwoch, den 16. Oktober, 8�» Uhr, bei Weniger, Britz, Werderstraße. Generalversammlung. Wahl des Vorstandes. Vortrag, Genossin Lungwitz:„Frauenpflichten und Frauen- rechte." Neinickcndorf-West. Donnerstag, den 17. Oktober, 8 Uhr, bei Muster, Berlinerstraße. Vortrag. Stadtverordneter Dr. Silber- stein:„Hygiene." Pankow. Die Versammlung findet nicht am 17., sondern am 24. Oktober statt. stür den Jndal« der Inlerate iiber»i„i,»t die Nedattion de», PutiUr»», acgcniibcr keinerlei Verantwortung. XLhcztcr, Dienstag, den 15. Oktober. Anfang 7'/, Uhr. Königl. vpernlinus. Lohengrw. Oilnsunq 7 Uhr.) kiinigl. Schauspielhaus. Der letzte gui.Ic. Neues königl. vperntheater. Der Herrgoltschnltzer von Ammer- gau. Deutsche?. Ein Sommernachtstraum. Kammerjptele. Gespenster.(Anj. S Uhr.) Neues Schauspielhaus. M-Heidel- berg. Ansang S Uhr. Schiller«. tWallner- Theater.) Die Schmuggler. Schiller«lmrlottcnbnrg. Da» vierte Gebot. Lcfstng. Die Stützen der Gesellschaft. Berliner. Die tanzenden Männchen. Friedrich> ZKilbelmstädt. Schau- spielhaus. Der blinde Poffagier. Neueö. Die Wasjcn wieder! tilcincs. Vater und Sohn. St. Helena. Lortiing. Zar und Zimmermann. Zentral. Unsere blauen JungenS. Komische Oper. HosfmaunS Er- Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. LnstipiclllitiiS. Husarenficber. Residenz. Ganz der Papa. Trianon. Frälilein Josette— meine Dl>n?ia.� Ihr Sechs-Uhr-Onkel. Luisen. Die lustigen Weiber von Windfor. Bernhard Rose. Evree-Athener. Theater an der Spree. Der «lktienbubiker. ivtreropol. Da» mutz man seh'n. Apollo. Sylvester Schäffer. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. FolteS Eaprice. Geteilte LIele. Eafiuo. Di- wilde Jagd. Gebr. Hcrrnfeld. Madame WIg« Wag. E» lebe das Nachtleben. Pastage. Danny Gürtler. Spezta- li taten. Wintergarten,«»th St. Denis. «Spezialitäten. Pratcr.'S Lorle oder: Dorl und Stadt. Palast. Ein glänzender Reinlall. Spezialitaten. Reichsballen. Sleltiner Sänger. Carl Haverland. Spezialitäten. llraiiin. Daiibci'sirntze 4te/4». Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner Lm°tzörsaal"s Uhr- Professor Dr. «. Donath: Optik. 8 Uhr- Dr. P. Schwahn: Ein- sührung in die Erdkunde. Eterntvarec, Jiivalldenstr. S7/S2. Heues Theater. AbendS 8 Uhr: Die Wlisscii wieder! Mittwoch! Die Waffen wieder l Donnerstag: Die Waffen wieder I Scliiller-Tlieater. Kleines Theater. Abend» 7*/, Uhr zum 74. Male: Bater und Sohn. Hierauf z. erstenmal: Sankt Neida». Ein Alt von Adolf Paul: Mittwoch: Maria Magdalene. Donnerstag: Maria Magdalene. Setilllor-Idemor 0. sWallticr-Tdeater). DienStag, abends 8 Uhr: IM« Schiniigglcp. Komödie in 4 Akten v. Artur Dinier. Mittwoch, abends 8 Uhr: Witt» von Berllchlngcn. Donnerstag. abendSSUhr: Die Schmuggler. Schiller-Saal— Sohillcr-Theater Charlottcnburg Charlottcnburg, Am Knie, Eingang BiSmarckstr. 120. DienStag abend» 8 Uhr: Erster Lieder- und Klavierabend von Therese Behr-Schnabcl u. Artur Schnabel. Eintrittspreis 1,50, IM. u. 50 Pf. Mittwoch abends V Uhr: Vortrag Dr. Edmund Hildebrandt: Moritz von Schtvind. Mit Lichtbildern. 3. Vortr. d. Zyklus: Maler d. Neuzeit. Preis für acht Vorträge 4 M., für den einzelnen Bortrag SO Pf. Sekliler-Ibeater Charloltenburg. DienStag. abends 8 Uhr: Dan vierte Ocbot. Volksstück in vier Allen von Ludwig Anzengruber. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Herr Senator. Donnerstag, abendSgUhrt Da» vierte Cchot. Theater des Westens. 8 Uhr: Die laatlge Witwe. Sonntag nachm. 3'/. Uhr halbe Preise! _ Frilhllngnluft. Frledrich-Wilbelmgtödtlsches Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Der Mttifre Passagier. Mittwoch: Die Nibelungen. Donnerstag: Nacht Freitag: Nachtasyl. ' Ltttzing-Idester Abends 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Mittwoch: Der Waffenschmied. Donnerstag: Undine. Freitag: Die lustigen Weiber von Windsor. Lustspielhaiis. Täglich 8 Uhr: Hnsarenfieber. -iü: Hcsrnz-Ticater. Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa Schwank in 3 Akten von MarS und DeSvaillibreS. Deuisch v. M. Schönau. Baron deS Aubrai«: R. Alexander. Ferdinand Bonn» flerlioer Theater. Anfang 8 Uhr. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Die tanzenden Männchen. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 84. Opern-Gastspiel: Die lustigen Weiher m Windsor. Ansang 8 Uhr. Mittwoch: Die beiden Reichemnüller. Donnerstag: Amerikafepp'l. Freitag: Bartel Turaser. Geschlossene Vorstellung. Sonnabend 4 Uhr: Hänsel u. Gretel. Abend!: Die beiden Reichenmüller. Sonntag 3 Uhr: Carmen. Abends: Hoffinanns Erzählungen. Montag: Multcrscgcn. Rixdorfer Thealer Biirgersiile. Bergstraste Nr. 147. Mittwoch, den 16. Oktober 1907: Die Geschwister. Dan»: Salome. Anlang g Uhr. Mus Schumann Heute DienStag, den 15. d. MtS., abends präzise?>/, Uhr: DaS anerkannt vorzügliche Programm U. a.: Die ausgezeichnete Reiteiiruppa Humel(7 Pers.). Lea Olracs, Amerikas beste Akrobatcntruppe(6 Perl.) Die fliegenden Menschen Lcs Monbars (3 Pers.), serner: Die neuen Speziali- täten. Um 9-/, Uhr: Zum 13. Male: Nach wie vor gröftter Lacherfolg l Eine Fortsetzung der berühmteste» und populärste« Pantomime WV! Ein Fest auf dem Neckar. Humorist. Bilder aus dem modernen Studcntenleben vom Hosballettmeister A. Siems. Zentral-Theater. Abend» 8 Uhr: Unsere binnen Jungens. Vaudeville in 3 Allen. XIII. Saison. Zirkus Busch Große Vorstellung. ü. a.: Debüts der Gesohw. Amatos, Leiter» Akrobaten,) Herrn WiUy Manns Wunder- 1 elefanton. Fakiedkünste, ausgeführt von Mona. E. Caroli. I Um 9'/, Uhr: Auf der Hallig:. Diesj. gr. Ausstatt.-Pantom. des Zirkus Busch in 4 Bildern. Im letzten Aht. Das Phänomen der tauchenden Sirenen, IS Min. unt. Wasser. Vorher das grolle Programm. Ab 8 Uhr: Aas kotossttte Progrimln. Um 9'/, Uhr: Sylvester Schäffer jr. der welUteriUunie LÄsaik«. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstratze Nr. 57. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—8. Die erfolgreichsten Lach■ K omildic« a feit 17 Jahre«:: MadatneWig-Wan Operetten-Burleske, Musik von L. Jtal. 88 teile dasKachtleben! Separee-Assäre in 2 Akten. Beide Stücke mit den Autoren Anton und Douat Herrnfeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ei« verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Hcrrnscld. TIr- auia. WisBenschafÜiches Theater. Abends 8 Uhr: Ucber den Brenner nach Venedig. Hörsaal 6 Uhr: Prof. Dr. B. Donath: Optik. 8 Uhr: Dr. P. Schwahn: Einführung in die Erdkunde. (Stiltungsfonds der Berliner Go- werhe-Ausstellung 1879.) Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zar Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke. Metropol-Thealer Anfang prUzlse 8 Uhr. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. B.DarmandalE.Whithneya.D. BeMeriiiipielrUoseplii Rauchen überall gestattet. Sonntag, 20. Okt, nachm. 3 Uhr: Die Herren v. Maxim. Neues Programm. Theater des Zentrums. Sophien- Säle, Sophienstratze 17/18. Kis früh in» FSüft v.Kren u. Lippschütz, Musik v. P.Limte. Anfang 8 Uhr. Kleine Preise. MMMsilkN Gr. Fraiiksurterstr. 132. Spree-Athener von Schwarz-Nelflingen. Ansang 8 Uhr._ W.Koacks Theater vtrellio»: Hob. Dill. Vniiiiienstr.>«. Der verkaufte Schlaf. Kom. VolkSstück-Märchen mit Siesang. Anfang 7 Uhr. Enkree 30 Pf. Ehren- und Vorzugslarten gültig I Sonnabend zum erstenmal: Der Lumpensammler von Baris. Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr. Danny Gürtler der König der Bohöme und das kolossale Oktober-Programm.; l-Tlieater Palast- Burgstraste L4. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. ver britote Gbtoher-Spielglan. 11. a.: Paula l>uTalis Hunde-Dressur. Die 5 Rammoneurs Damen-Ensemble. Ein glänzender Reinfal) Posse. Theater Folies Caprice '" 12, Ecke Fried 25. ünienstr. 182, Ecke FriedrichitrtSe. Zum 2) Male: • Geteilte Liebe• Autiduellanten— Bunter Teil. Ansang 8 Uhr. I «öpenickerstraste 68. Abend» 8 Uhr. Zum 49. Make: Der Aktienbudiker. Alt-Berliner Gesangsposse. Original. Dekorattonen und Kostüme der 50« Jahre mit Josefine Dora. Täglich: Der Akiienbudiker. Kasino-Theater. Lolhringerftr. 37. Täglich 8 Uhr, Nur uotfi Imrjf Zeit! Die wüde Jagd. Lustspiel in 4 Akten v. Ludwig Fulda. In Vorbereitung: Biederleute. Sonntag nachm. 4 Uhr: Nick Karter. prater-'rkeater Kastanien-Allee 7—9. >W- Im Abonnement 1"MB 's Lorle oder: Dorf und Stadt. Schauspiel in 5 Allen v. Virch-Pfeisser. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Der Widerspenstige« Zähmung. OOOOOOGGGMOVOOOOOOO� Ol »freie Volksbiii)ncl I Sunuabend, den 10. Oktober, abends S'l3 Uhr, im Ho zart• Saal: ' Robert I» Schumann-Abend« I(Herbstfest mit darauifolgendem Ball.) . Fcstmarken und Gastkarten in allen Zax.lstellen. Programm u. a.: Fest-Ouverture über das Reinweinlied mitGe- I sang, Tenor; Dr. Leopold Hirschberg; Träumerei(Stroich- konzort)• Sonate A mall für fianoforte und Violine(Konzert- 1 meister Herr Gutdeutsch), Sinfonie No. 4 D moll op. 120; , Lieder von Mosen, Eückert, Heine, Hebbel, Möricke, komponiert von Schumann, gesungen von Frl. Käte Becker. Sonntag, den 20. Oktober: den LS Oktober, abends S'l, fJhr, im Gewerkscliafteihaaae: � Freitag, «I«Ludwig Thoma-Abend« (Salzer) Einlaßkarten a 30 Pf. in allen Zahlstellen. � Abendvorstellungen « I im I�nisen- Theater 8'/� Uhr.— Neue Mitglieder- faumcldungea werden in dieser Woche In allen Zahlstellen angenommen. SUST"1 Beilrag I M. Einschreibegeld I M."MW 230/5 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Weinborgswog 19/20, Rosenth. Tor Das Seesatioiis-ProfiraniBi arabische Spiiupr Edi Blum l§ 16 der beliebte Komiker. 12 iutcriilitio». Spezialitäten. - Ansang 8 Uhr.— Tunnel: Konzert s. Thcaterbes.trei. Keichshallöv-Ihealer. Täglich: Brltton als Ante im Familien- bnd Wannsee. onntagS 7 Uhr. Ans. Wochent. 8, Irjanoo-Ihealer. Mein Josette- meine Frau. Anfang 8 Uhr. Sanssouci tS"* Dir.: Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: Gastsp. d. Berliner Bolksbühne. Die Königstochter als Bettlerin. Schauspiel in 5 Akten. Bolkstnmliche Preise! Sonntag, Montag, Donnerstag: MmannzWOantjei' Sonnt. Beg. 5, wochent. 8 U. nggenhagen MoriNplatz. Täglich Vorstellung s- Ansang 8 Uhr. Entree Sv Ps. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Enlree 50 Pf.) Familienbilletts a 10 Ps. Aich ISililSi'-Xooierl. Lecker, Przywarski, Görisch, Neumann, Osseney und Lüttich. 243L' am Zoo Ausstellungshalle 5.-80. Oktober 07 Allgemeine Ausstellung für Büro- Bedarf geSifn. t. 10 bis 10 Uhr täglich v. 4—7 Flur VMS MISKA Konzert unter persönL Leitung. Eintritt 1 Hark von 7 Fhr ab 50 Pf. Heute: Tag der kaufmännischen Vereine. (Näheres die Plakate.) Spezial- löbel-Halle1 Harr) GoUil 159 Moritzplatz 591 1 Ecke Stallseh reiberstraSe. I [Nicht zu vergleichen mit| I Abzahlungs- Geschäften | welche Garderobe usw führen. Extra-Abteilung �verliehen gewesener Mdbe l WSchontliche od. monatl leilzahliiiiggestattet 2812» Stukkateure! Laut verringert sich die Arbeitszeit aus Sauten während der Wintermonate. Sie beträgt jetzt bis 15. November WST 8 Ntunden«"ME Aufang 7l/j/ Frühstück 9-0%, Mittag 12-12'/,, Feierabend 4'/, Uhr. Wir ersuchen Euch angesichts der Arbeitslosigkeit überall diese Per- ürzung korrekt durchzuführen.__[175/3] Tie Ortsverwaltung. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Verlin. Hauptburoau: Charitöstraße 3. Hos III. Amt 3, 1987 Alhtni'g! Achtmi»! Branchen-Versammlung aller in den Schwarzblech- n..d Zengschmiedebetriebe» beschäftigten Kollegen im„Oewerkschaftshantr4, Eugel-Ufer 15[Saal EU). Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Hartmann über: �Jchmutzkonkurrenz, deren Bedeutung und Beseitigung." 2. Diskussion. 3. Branchen angelegenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. � Mittwoch, den 16. Oktober 1907, abends 8V3 Uhr: ■ ¥ epsammsiang im der Graveure und Ziseleure Dresdener Kiarten, DreSdenerstraste Nr.- 45. Tage, s-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Kollegen 4. Folio» über:»Unsere internationalen Verbindungen.- 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. UM- Da unter anderem auch die Verlegung des VersammlungStages beschlossen werden soll, ist rege Beteiligung notwendig. 154/1_ iMc Ort 8 Verwaltung. MDMMWWÄM ?( Sie behalten einen gesunden Magen(und das ist die Hauptsache im menschlichen Leben) und gesunde Nerven, wenn Sie als tägliches Frühstücksgetränk die blutbildende Haemacolade trinken! Und haben Sie einen gesunden Magen, dann sind Sie viel widerstandsfähiger gegen jede Krankheit. Sie haben es nicht erst nötig Krankheiten zu heilen, wenn Sie dafür nur sorgen, daß Sie gesund bleiben. Und Sie sorgen dafür, wenn Sie Hae« macolade trinken! Eine Mark wöchentliche Teilzahlung Utlere elegante, fertige Herren- Men. Eroatz«ttr Alasa. Mass-Anfertigung feinste Verarbeltnisg« Ii ar autle tadelloser Mta* J. Kurzberg, Eauptgeeobaft; Reienthalentr. 40/41, am Hackeschen Harkt. S. Qesch&ft: k A.i Jannowiübrüoks 1,1. 'f*'a Waren-Kre«11** Wir empfehlen folgende Schriften: Der Aus-- und Umbau der ürbeiterverlicherung vom Standpunkt der Verficbertcn 224/13* von Friedrich Klccia. PreiZ 1.— M. Sozialdemokratische Flugschriften I. Sozialdemokratie und ürbeiterverlicherung Preis 10 Ps. Sxpeäition cies„Vorwärts", Reriln 8W. 68, Lincicnftr. 69, Laden. Todes=Anzelge. Allen Verwandten, Freunden und Genossen die traurige Nach- richt, dass am Sonntag, den 13. Oktober, �nicin lieber Mann, Bruder und Onkel Fritz Ehrke im Wer von 44 Jahren nach kurzem aber schwerem Leiden saust entschlafen ist. Dies zeigt tiesbetrübt an Witwe Henriette Ehrke. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 16. Oktober, nach- mittags 21/j Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichssclde aus statt. |Gesanperein„Nord" Nach kurzem schwerem Lcidcu verstarb am Sonntag, den 13. d.M., unser langjähriger Sangesbruder Bürke im 44. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Mitt Wochnachmittag 2% Uhr von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichssclde aus statt. Her Vorstand. Die Sangesbrüdcr treffen sich um 2 Uhr an der Halle. TTodc«-.�nzicigc. Allen Verwandtet!, Freunden j und Befanntcn die traurige Nach- richl, dass meine liebe Frau Gimlle Münchehofe geb. Woywode am 13. Oktober, mittags 12'/>Uhr, plöhlich infolge Herzschlages ver- storbcn ist. Die Beerdigung sinket morgen ss Mittwoch, den 16. Oktober, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichenballe des alten Sophien-Kirchhoscs, I Bergstraße, aus statt. Dies zeigt ticsbetrübt an Der trauernde Gatte Helnricb Hiincbcbofc. OTIIen Verwandten, Genossen und Bekannten hiermit zur Nach- richt, dass incine liebe Frau, unsere gute Mutter Frau.Justine Philipp geb. MOrfelsieln am Sonntag srüb nach langem, schwerem Leiden sanft entschlajen ist. 3612 Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 16. Oktober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Gethscmane-Gememde, Nordend, aus statt. Gustav Philipp. SNargarethe Philipp. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und kostbaren Kranzspenden bei der Beerdigung unserer unver- geblichen einzigen Tochter und meiner innigstgeliebtcii Braut Oortrad Stcebr sagen allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Maurern der Firma Bienert u. Gornig und den Einsetzern der Firma Wcgncr unseren tiesgesühlten Dank. 633b .Vitgast Steebr nebst Frau. Angnst Hlcbel, Bräutigam. Allen denen, die meinem Manne das letzte Geleit gegeben haben, spreche ich aus diesem Wege meinen besen Dank aus, besonders den Meislern Ssbe und tiufoabscli und den werten Kollegen der C. W. M. F. Die trauernde Witwe >ktina Gabriel« Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergcblichen Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen Freunden, Verwandten, sowie dem Soztaldemo- kratischen Wablvcrein Obcr-Schöne- weide, dem Arbeiter-Nadsahrerverein Oberspree, den Kollegen und Kalle- ginnen der Firma W. A. Böse, Alkuinu- ialorensabrik, und dem Sparvcrcin .Frohe Zukunft" unseren innigsten Dank. 1/8 Die trauernde Witwe Aaaa BOlke nebst Kindern, _ Obcr-Schönewcide. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Kollegen und Kolleginnen, besonders dem Personal der schrist- sicsserei von Bcrthold, sowie dem Vablvcrcin für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis meinen herz- lichsten Dank. 626b Witwe Hrrsobiirgvr nebst Kindern._- Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. »ri nz en slr. 41, 0—2,5— 7. Somitags 10— 12, 2— 4. Klnmu- imö f>iftiiil)iiiiifrfi unn Robert Meyer,. u r Wilinliikii-Stiuße 2. Unserem srilhercn Bezirlssnhrer Franz Zotta nebst Frau zu seiner heutigen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Die Genossen des 405. und 4<)(>. Bezirks. Plötzlich und uncrlvnrtet starb\ am Donnerstag, den 10. Oktober, mein lieber Mann, unser guter! Vater, der Schneider nlskod Müller im 63. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Flise Müllor nebst Kindern. Die Beerdigung iindet h e u t e 1 nachmittag ss/,,3 Uhr von der| Leichenhalle des Thomas-Kirchhofes auS statt. toltaMketo Mvereiii für den 4, BeriiaerRÄass-Waltreis. (Gorlwer Viertel.) Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, dass unser Genosse, der Schneider Jaltoh Müller wohnhaft Lranienslr. 186(Stadtbezirl 85) gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Bcerdignnz findet beute � I nachmittag �/zUhrvonderLeichen- balle des Thomas-Kirchhoses aus 1 Natt. 263/14 lim zahlreiche Beteiliguug ! ersucht Ose Voreianli. Verein für den jyerllnerReielistasswälilte. Xa cli ruf. Den Parteigenossen zur Nach- I richt, dass unser Mitglied Tssgsl (Bezirk 414) s am 29. September verstorben ist. Ehre seinem Audcnke»! 1237/7 Der Vorstand. Nach- ?en!fg!-VefdsfilI lief l\mm Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 10. Allen Kameraden zur richt, daß unser Mitglied Mus Müller, der am Dienstag tödlich ver» unglückte, beute nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Friedens- Kirchhofes in Nieder-Schönhausen aus beerdigt wird. Ehre seinem Zlndrnken!' Um rege Beteiligung bittet Die Bezirksleitung. Deutscher Holzarbeiter-VerbaDd Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Tischler, Kollege Pichsrd Schmidt am 12.' Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 15, Oktober, nach- mittags 6>/, Uhr, von der Salle des neuen ThomaSIirchhofs in Rixdors, Hermalinstrasse, auS statt. Um rege �Beteiligung ersucht 96/1 Cie Ortsverwaltung. Ifutrnlufrbanii deutscher grnuerrinrliritet Zweigvcrcin Berlin. Sektion H. Am Sonnabend, den 12. Oktober, nachmittags 2 Uhr, starb nach kurzen schweren Leiden unser Kollege, der Flaschenlcllerarbeiter Ernst Stäche (Bockbrauerei Abt. II). Ehre seinem Andenke« l Die Beerdigung findet am DieiiStagnachmiltag 3 Uhr von der Leichenhalle des Dankes-Kirchhoss, Rcinickendorj, Blankestr. 12. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 42/16. Der Vorstand. Todes-.Allzeixe. Am Sonntag, den 13, Oktober 1907, verstarb nach kurzem, schwerem Leiden unser lang- jähriger Mitarbeiter, der Buch- druckerei-Hülssarbeitcr Otto EckanU im Atter von 28 Jahren. Sein biederer Charakter und freundliches, kollegialisches Wesen lassen uns sein Andenken stets in Ehren halten. 640b Das Personal der Bueluiruekerei Janiszewski. Verantwortlicher Redakteur: Haus Weber. Berlin, Jür den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanjtalt Paul Singer& Eo, Berlin SW. Nr. 241. 24. Jahrgang. 2. DcilM Ks, Amiirls" Ktrlimr Jlollisliliitf. Dienstag, 15. Oktober 1907. Die Tätigkeit der tozialdemokratüc�en Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung�) (1. Scvtember 1903 bis 30. September 1907). l. Einleitendes. Wie bei früheren Wahlen wollen wir auch vor den jetzt bevor- stehenden in kurzen Zügen ein Bild von der Tätigkeit der sozial- demokratischen Stadtverordneten im Berliner Rathause zu geben suchen. Selbstverständlich kann dieses Bild nicht umfassend sein; wir werden nicht rühmend aufzählen, wo überall die Sozialdemo- traten mit den Mehrheitspartcien gemeinsam an den großen Auf- gaben der Gemeinde mitgearbeitet haben— wir wollen nur fest- stellen, daß die Mitarbeit der Sozialdemokratie vielfach belebend und fördernd gewirkt, vielfach die alte Spießbürgerlichkeit überwunden hat. Aber es ist auch unmöglich, alle die An- regungen aufzuzählen, die teils unbeachtet blieben, teils nur in unvollkommener Form berücksichtigt wurden; auch bei der Auf- Zählung der Forderungen unserer Partei können wir nicht auf Vollständigkeit Anspruch machen. ES muß genügen zu zeigen, wie eine weitere Verstärkung des Einflusses unserer Fraktion im RathauS im Interesse der weitesten Bevölkerungskreise, im Interesse der modernen EntWickelung unseres Gemeinwesens liegt. Leider ist das Verständnis hierfür— gerade auch in den breiten Massen— noch nicht stark genug. Als unsere Genossen, wie früher schon, für die Unentgeltlichkeit der KrankenhauSbehandlung auch mit der Begründung eintraten, daß durch die noch nicht völlig ab- bezahlten Krankenhauskosten für sich oder Familienmitglieder viele Bürger des Wahlrechts verlustig gingen, mußten sie sich von einem freisinnigen Redner sagen lassen: «Wenn wir bedenken, daß bei den letzten Wahlen(Nov. 1905) trotz aller Agitation in der dritten Abteilung nur zirka 37 Prozent der Wähler an den Wahltisch ge- treten sind, dann darf man sich doch nicht sagen, daß die Fehlenden nur aus solchen Leuten bestehen, denen etwa das Wahlrecht entzogen ist." Und doch handelt eS sich im RathauS um Dinge von der höchsten Wichtigkeit. Der Etat übertrifft in seinem Abschluß mit 270,5 Mill. Mark die der deutschen Bundesstaaten außer Preußen und Bayern. Von ihm entfallen in Ausgaben für Schulen(ohne die Bauten) ca. 28,5 Millionen, nach Abzug der Einkünfte ca. 25 Millionen an Zuschüssen; das Arinenwescn erfordert bei 16,3 Millionen Ausgabe 14,4 Millionen an Zuschüssen. Die Zuschüsse für das Krankenwesen betragen 8,3 Millionen, für das Jrrenwesen 3 Millionen, für die Bauvcrwaltung 25,5 Millionen, für Straßenbeleuchtung und Reinigung 8,3 Millionen, für die Parkverwaltung 1,2 Millionen usw. Daß die Stadl mit 15 200 Arbeitern in ihren Betrieben einer der größten Arbeitgeber ist, sollte nie vergeflen werden. Demgegenüber muß die Wahlbcteiligungsziffer von 37 Proz. in der dritten Ab- teilung gewiß als beschämend bezeichnet werden. Freilich mutz dabei berücksichtigt werden, daß das Wahlgesetz nur allzu geeignet ist, die Wähler abzuschrecken. Die Stcinsche Städteordnung vom Jahre 1808 hatte das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht gebracht; aber wie auf allen Gebieten, so hat auch hier der reaktionäre Geist der preußischen Junker und Bureau- kraten Triumphe gefeiert. Die Abstimmung ist eine öffentliche ge- worden und es gehört die ganze Heuchelei der herrschenden Klassen gerade in Preußen dazu, um zu leugnen, daß durch die öffentliche Abstimmung ein fürchterlicher Druck ausgeübt wird, dem bei unseren wirtschaftlichen Zuständen nur allzuvicle nicht gewachsen sein können. Dazu kommt das Dreiklassenwahlsystem, das hier freilich nicht völlig entrechtend auf die nichtbesitzenden Klassen wirkt, weil die dritte Ab- teilung wenigstens direkt Stadtverordnete wählt, während bei den Landtagöwahlen die Wahlmänner der dritten Abteilung gegenüber der doppelten Anzahl der von den anderen Abteilnngen geivählten nicht aufkommen können. Wie unerhört trotzdem noch die Ungerechtigkeit des städtischen Drciklassenwahlsystems ist, zeigt die Wählerliste. Die Berliner Wählerliste von 1907 zählt im ganzen 381030 Wähler, davon entfallen ans die erste Abteilung 1621, auf die zweite 33 252 und auf die dritte 346157 Wähler; da jede Abteilung die gleiche Anzahl von Stadtverordneten wählt, hat ein Wähler der zweiten Abteilung mehr als 10 mal. ein Wähler der ersten Abteilung gar mehr als 200 mal soviel Einfluß als ein Wähler der dritten Abteilung I Da läßt es sich allenfalls begreifen, wenn mancher Wähler der dritten Abteilung mißmutig dem Wahltische fernbleibt, auch wenn er die öffentliche Stinimabgabe nicht zu fürchten hat. Das Interesse der dritten Klasse wird aber noch weiter hcrabgedrückt dadurch, daß ihre Wähler nur alle sechs Jahre zur Wahl schreiten; während nämlich für die erste und zweite Abteilung Berlin in 16 Bezirke geteilt ist, die sämtlich alle zwei Jahre bei der Drittelserncuerung der Stadt- verordnetenversammlung zur Wahl schreiten, hat man für die dritte Abteilung 48 Bezirke geschaffen, von denen an der Wahl immer nur 16 teilnehmen. Auch in dieser Berichtsperiode haben unsere Vertreter im Rat- Hause wieder beantragt, für die dritte Abteilung eine Teilung in 16 Bezirke vorznnehinen. Die Majorität lehnte eS ab; bei der Bildung großer Bezirke wäre es ja kanin noch möglich. Abgrenzungen zu treffen, die den Sieg eines Sozialdemokraten verhindern. Immer- hin ist ein Erfolg wenigstens insofern zu verzeichnen, als im Mai 1906 beschlossen wurde, den Magistrat zu einer N e u ei n t e i l u n g der 48 Bezirke der dritten Abteilung aufzufordern, die der Verschiebung der Bevölkerung entspricht und die spätestens bei den Wahlen von 1909 zur Anwendung gelangt. Nicht unerwähnt mag das„Haus- besitzerpribileg" bleiben— die Städteordnung bestimmt, daß die Hälfte der Stadtverordneten jeder Abteilung aus Hausbesitzern be- stehen muß, eine Bestimmung, die naturgemäß die dritte Abteilung am härtesten trifft, da geeignete Hausbesitzer sich unter den Nichtbesitzenden nnr selten finden; die sich hieraus er- gebenden Schwierigkeiten zwangen auch diesmal bei der Kandidatenaufstellnng zum Austausch von Kandidaten in einzelnen Bezirken. Beseitigen läßt sich dieses Privileg der HauS- besitzer natürlich nur auf dem Wege der staatlichen Gesetzgebung; doch haben unsere Vertreter im Rathaus ivenigstens Material be- schafft, um das Unerhörte des Privilegs»och schärfer hervortreten zu lassen; auf ihren Antrag hin wurde vom statistischen Amt der Stadt Berlin die Zahl der Hausbesitzer festgestellt, die wählbar sind; diese Zahl stimmt keineswegs mit der Zahl der bebauten Grundstücke uberein— in Berlin befinden sich zahlreiche Hänser im Besitze von Ansivärtigcn, von Frauen, von Kindern; vielfach ist ein Mann Besitzer einer ganzen Anzahl von Hänsern, wieder andere Häuser befinden sich im Besitz von nichtphysischcn Personen, nament- lich in Händen von Banken. Gegen den Antrag wendete sich der eifrigste Vertreter der Hansbesitzer; wir haben, rief er ans. 28 500 bebaute Grundstücke; meinetwegen soll ein Drittel dieser Zahl in Abzug gebracht werden, wenn man die wählbaren Haus- besitzer feststellen will; daS will ich gern zugeben, ohne daß wir Zeit und Geld auf die Feststellung verschwenden. Glücklicherweise wurde der Antrag trotzdem angenomnien. und eS ergab sich, daß gegenüber den angeführten 28 500 bebauten Grundstücken ganze *) Wir empfehlen den Genossen, diesen und die folgenden Artikel auszuschneiden, um an der Hand des gebotenen Materials die Agitation von Mund zu Mund zu betreiben. Sie ist vielleicht noch wichtiger als die Agitation durch Versa, nmlnngen. weil sie in Kreise dringt, die jener noch unzugänglich sind. Der letzte Bericht, auf den im folgenden vielfach Bezug genommen wird, findet sich in den Beilagen des„Vorwärts" von 1905 und zwar in den Nummern 242, 846-248, 253 und 254. 9242 wählbare Hausbesitzer gezählt wurden! DaS heißt au§ einer Gruppe von 2,4 Proz. aller Wahlberechtigten muß die Hälfte der Stadtverordneten gewählt werden— noch dazu einer Gruppe, deren materielle Interessen häufig genug denen der Stadt schnurstracks zuwiderlaufen! Gelegentlich der Wertzuwachssteuer und ihrer Be- Handlung im Berliner Rathause werden wir hierauf zurückkommen. Es ist zu wünschen, daß die Genossen in anderen Gemeinden, namentlich den Städten um Berlin, wo die Verhältnisse wo- möglich noch schlimmer liegen, ähnliche statistische Feststellungen durchsetzen. Alle Erschwerungen aber haben das stefige Vordringen unserer Partei wenigstens in der dritten Abteilung nicht zu hindern vermocht. Mit 32 Maudaten zog sie im Januar 1904 in das RathauS; das dreiunddreißigste— daS des Genossen Kerfin im 17. Bezirk— wurde unseres Erachtens aus nichtigen Gründen in letzter Instanz für ungültig erklärt und in der Nachwahl verloren. Im November 1905 brachten wir es auf 33 Mandate, die jetzige Vertreterzahl. Der Vermehrung der Zahl entsprach eine erhöhte Tätigkeit in der Ver- waltung. Die Arbeit ist keine geringe. Im Jahre 1906 fanden 33 Sitzungen der Stadtverordneten-Versammlung statt; an dreißig derselben schlössen sich geheime Sitzungen an. Ausschußsitzungcn wurden 127 abgehalten, davon entfielen auf die ständigen Ausschüsse 31, auf 59 von der Versammlung zu bestimmten Zwecken eingesetzte 96 Sitzungen; hierzu kommen 7 Sitzungen in gemischten Deputationen. In allen Ausschüssen ist entsprechend unserer erhöhten Maudaten« zahl auch die Zahl unserer Genossen erhöht. In Ausschüssen von 15 Mitglieder» sind wir meist mit 4, in solchen von 10 Mit- gliedern mit 3 Köpfen vertreten. Ebenso hat sich die Zahl unserer Vertreter in den Verwaltungsdeputationen und den Kuratorien ver- mebrt,— zurzeit sind wir an 44 Verwaltungen und Kuratorien mit 63Sitzen beteiligt— und sicher gibt es in diesen sämtlichen Deputationen und Kuratorien kein bürgerliches Mitglied, das die hingebende positive Mitarbeit unserer Genossen zu leugnen wagen dürfte. Viel eher könnte man der bürgerlichen Mehrheit den Vorwurf machen, daß sie selbst den notwendigsten Aufgaben nicht mit der genügenden Hingabe gegenübersteht.' Als es sich um die Einführung der Wert- zuwaibssteuer handelte, entwickelte der Oberbürgermeister ein gewiß nicht übertriebenes Programm— die Besetzung der Klassen in den Gemeindeschulen müsse herabgesetzt werden, das Ziel seien 50 Kinder, die körperlich zurückgebliebenen Schüler müßten gefördert werden, etwa„nach Analogie der Waldschulen"; nötig sei der Ausbau der Mädchenschulen, um den modernen Ansprüchen gerecht zu werden; die Pflichtfortbildungsschule sei auf die weibliche Jugend, soweit angängig, auszudehnen; für ihre Anstalten seien eigene Lokale zu beschaffen und ein tüchtiger Lehrer- stamm herauzubtlden. Die Krankenpflege müsse weitere Förderung erfahren, ein neues Kinderkrankenhaus sei nötig; die Heimstätten für Lungenkranke müßten ausgebaut werden; anch mit dem Bau einer vierten Irrenanstalt dürfe nicht gezögert werden. Die Armenpflege werde bei zurückgehender Konjunktur wieder größere Ansprüche erheben� mit der Säuglingsfürsorge ständen wir erst am Anfange. Die Anlage des Schillerparks, die Uebernahme des Terrains des botanischen Gartens verursache neue Ausgaben für die Parkverwaltung, die Vermehrung der öffentlichen Spielplätze müsse energisch betrieben werden. Die Ausdehnung der städtischen Straßenbahnen sei unbedingt notwendig, obgleich sie erst später rentieren würden; ebenso müßten bedeutende Summen als Zuschüsse für die großen Hafenbauten erwartet werden, die nötig seien, um Berlins Handel und Wandel auf der Höhe zu erhalten— aber dieses Programm des Oberbürgermeisters, dem wir noch wichtige Punkte anzufügen wüßten, fand keine Gnade vor den Augen der Mehrheit, die. wie wir noch darlegen werden, die ebenso gerechte wie nützliche Wertzuwachssteuer zu Fall brachte. Unter solchen Umständen ist es doppelt notlvendig, daß alle, die es mit der Enttvickelnng der Vaterstadt ernst meinen, am 6. November an den Wahltisch treten, um die Kandidaten der Sozialdemokratie zu wählen. Ein regeres Interesse als sonst bekunden erfreulicher- weise die Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste. Im Jahre 1905 verlangten von im ganzen 313 Reklamierenden 238 ihre Aufnahme, 80 kleine Acnderuugen der Eintragung in die Wähler- liste. In diesem Jahre stieg die Zahl der Reklamierenden auf 1063; 187 wünschten Abänderungen, die sämtlich vollzogen wurden. Von den 876, die ihre nachträgliche Aufnahme verlangten, wurden 470 ab- gewiesen, 406 dagegen aufgenommen. Hoffentlich ist diese? regere Interesse für die Richtigstellung der Wählerliste ein günstiges Zeichen für eine regere Wahlbeteiligung. Pflicht aller Genossen ist es, bis zum Wahltag— dein 6. November — energisch zu arbeiten; namentlich müssen sich auch die Genossen der Bezirke betätigen, in denen dieses Mal eine Wahl nicht statt- findet. Noch sind 13 Mandate der dritten Abteilung in den Händen der Gegner; es muß alles aufgeboten werden, um nicht nur die bisher inne gehabten Mandate zu behaupten, sondern auch die übrigen jetz7, zur Wahl stehenden für die Sozialdemokratie zu erobern. Auf zur Arbeit!_ Zur Kommunalwaklbewegung. Die Katholiken bei den Stadtvcrordnctenwahlen. In den letzten Jahren hat die Z e n t r u m s p a r t ei in Berlin wie auch in einigen der Vororte mehrfach den Versuch ge- macht, Einfluß auf die Stadtverordnetenwahlen zu gewinnen. Sie hat Verwirrung in die Reihen der katholischen Kommunalwähler hineintragen wollen, indem sie ihnen erzählte, in der Stadtverordneten-Versammlung kämen auch „katholische Interessen" in Frage. Bei den Berliner Stadtverord- netenwahlen, die vor zwei Jahren stattfanden, wurde teils den Freisinnigen, teils den Konservativen versprochen, katholische Kom° munalwählcr würden ihnen gegen die Sozialdemokratie beistehen. Genützt hat das weder den Konservativen noch den Freisinnigen. Gerade in denjenigen Kommunalwahlbezirkcn, in denen eine er- hcbliche Zahl katholischer Wähler vorhanden ist, wurden die Frei- sinnigen samt den Konservativen von der Sozialdemokratie mit leichter Mühe über den Haufen gerannt. In Berlin gehören eben die meisten Katholiken zur minderbemittelten Bevölkerung, namentlich zur Arbeiterklasse. Arbeitern füllt es nicht ein, bei irgendwelchen Wahlen für Frei- sinnige oder Konservative zu stimmen, die ihnen ja als Arbeiter- feinde hinreichend bekannt sind. Die Zcntrumspartei kann kom- mandiercn soviel sie will— die minderbemittelten Katholiken Ber- lins und besonders die katholischen Arbeiter werden niemals ihrem Kommando folgen. Wie wenig bei uns die Zentrumspartei zu be- deuten hat, das haben die letzten Rcichstagswahlen gezeigt, aus denen sie für alle 6 Berliner Wahlkreise zusammen sich noch nicht ein Vierzigstcl aller hier abgegebenen Stimmen herauszählcn durfte. Die Wähler aus der werktätigen Bevölkerung Berlins wissen nach- gerade, daß sie ihre Interessen am besten wahren, wenn sie bei den Wahlen, anch bei K o m m u n a l w a h l e n» für die Kandidaten der Sozialdemokratie stimmen. Diesmal macht nun die Zcntrumspartei sich Hoffnung, daß wenigstens in dem 44. Wahlbezirk, der zu Moabit gehört, die katholischen Kommunalwähler auf den Vorschlag hineinfallen werden, dem Kandidaten der Konservativen ihre Stimme zu geben. Dort sind nämlich die Konservativen Pfiffig genug ge- wcsen, zu ihrem Kandidaten einen Mann zu nehmen, der Katholik ist, einen Kauftnann Popiersch. Diesen Herrn Popiersch empfiehlt die Zentrumspartei auch den katholischen. Wählern, und sie träumt, so werde sie dazu beitragen können, daß die Konservativen mit ihrem Popiersch uns Sozialdemokraten den 44. Bezirk wieder ab- nehmen. Der Wahltag wird zeigen, wie falsch diese Rechnung auch diesmal wieder war. Die Arbeiter, selbstverständlich auch die katholischen, werden am 6. November in allen Wahlbezirken nur für die Kandidaten der Sozialdemokratie stimmen. Auch im 44. Bezirk werden die katholischen Arbeiter keinen anderen wählen als den Kandidaten der Sozialdemokratie, das ist dort unser Genosse Tl)codor Glocke, der diesen Bezirk bereits seit mehr als sechs Jahren im Nathause vertritt. 6. Georg Partei-?Zngelegenkeiten. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die Versammlungen, tvelche sich mit dem Prenslischen Parteitage und Wahl der Delegierten zu demselben beschäftigen, finden heute, am 15. Oktober, 8 Uhr abends, statt: 1. Kreis: Dräsel, Neue Friedrichstr. 35. Referent: Dr. Leo Arons. 2. Kreis: Bockbraucrei, Tempelhofcr Berg. Referent: Fritz Ebert. 3. Kreis: Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 13. Referent: Wolfgang Heine. 4. Kreis: Breuers Salon, Gr. Frankfurtcrstr. 117. Referent: Paul Singer. 5. Kreis: Altes Schützenhaus, Linienstr. 5. Referent: Leopold Liepmann. Kreis; Ballschmicder, Badstr. 16. Referent: Ledcbour. Weißensee: Zum Prälaten, Lehderstr. Referent: Emil Boeslc. Mitgliedsbuch legitimiert. Unbedingtes Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. _ Die BereinSvorstände. Britz— Buckow. Heute, Dienstag, den 13. Oktober, abends >/z9 Uhr findet bei Weniger, Rungiusstraße 3, die Genernlversanim- lung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliche Be- richte. 2. Bericht vom Parteitage. Referent Genosse Block. 3. Ver- schiedenes.— Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist Pflicht. Mit- gliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Olicr-Schöncwcide. Heute, Dienstag, den 15. Oktober, abends S'/a Uhr findet bei Kaushold, Wilhelntinenhofstraße 13, die Mit- gliedcrversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht- erstattung vom Parteitag vom Genossen John-Rummelsburg. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Grünau. Heute Dienstag findet die regelmäßige Wahlvereins- Versammlung statt. Genosse G r u n w a l d wird über den Essener Parteitag Bericht erstatten. Außerdem stehen noch wichtige Punkte auf der Tagesordnung. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen der Mitglieder rst daher unbedingt notwendig. Der Vorstand. Zossen. Am Freitag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr findet im Lokal des Herrn Schimke eine öffentliche Versammlung statt. Thema: Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. Referent: Fritz Zubeil. Genossen, sorgt für guten Besuch dieser Versammlung. Wilhelmsruh. Der am heufigen Dienstag fällige Diskutierabend findet nicht statt, da zu morgen, Mittwoch der hier am Ort sich gebildete Mieterverein eine öffeiuliche Versammlung im Saale von Deütschmann einberufen hat. Es ivird einem jeden Parteigenossen zur Pflicht gemacht, dort zu erscheinen. Nordend. Mittwoch, den 16. Oktober, abends 8'/, Uhr, findet im Lokal des Genossen I. Schüßler die Wahlvereinsvcrsammlung für den Bezirk Nordend statt. Tagesordnung: Neuwahl der Bezirks- leitung. VereinSangelegenheiten und Verschiedenes. ES ist Pflicht eines jeden Genossen, zu erscheinen. Der Vorstand. Spandau. Die Parteigenossen werden auf die heute abend im Kilnlkeschen Lokale stattfiildende öffentliche Komimmalwählcr- Versammlung anfmerksam gemacht und ersucht, recht zahlreich zu er- scheinen. Auch fordert das' Wahlkomitee die Genossen auf. sich reger an den Parteiarbeiten zu beteiligen, damit wir dieses Mal unsere früher innegehabten Mandate wieder zurück erobern. Zwar wird lins dieses Jahr der Kampf nicht leicht gemacht, indes, wenn die Genossen mit denselben Anstrengungen arbeiten wie bei der letzten ReichstagSwahl. so ist der Sieg unser. Ferner diene den Partei- genossen zur Nachricht, daß bei der nächsten Flugblallverbreitung die Genossen vom 1. Bezirk dem Nonnendamm, die vom 4. Bezirk dem 6. und 8. Bezirk zugeteilt sind. Alle Anfragen, die Stadt- verordneteilwahl betreffend, sind an Genossen E. Köppen. Jagowstr. 9(Laden) zu richten. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Potsdam. Mittwoch, den 16, ds. MtS., abends 1/2Q Uhr, bei Ladenthin: Außerordentliche Versaiilullung des Wahlvercins. Tages- ordnmig: Die bevorstehende» Stadtverordnetenwahlen. Aufstellung von Kandidaten. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. berliner j�acbrichten. Sozialpolitik in der Kommune. In der letzten Sitzung der städtischen Gasdeputation kam es zu einen, heftigen Zllsaminenstoß zwischen dem Vorsttzeliden der Deputation, der Direktion der Gaswerke und den bürgerlichen Mitgliedern der Deputation auf der einen Seite und dem sozial- demokratischen Vertreter audererseitS. Es handelte sich um die Art der Behandlung der von den verschiedencu Arbeiterkatcgorieu ein- gesandten Petitionen. Stadtrat Ramslau wies darauf hin, daß sämtliche vorliegende Petitionen zur Behandlulig in der Deputation ungeeignet seien, da sie nickt von den Borsitzenden der Arbeiter- auSschüffe, sondern von Mitgliedern der Arbeiterausschiisse ohne Ver- Mittelung deS Vorsitzenden(der Vorsitzende des Arbeiterausschusses ist der Dirigent bez. Leiter des betreffenden Betriebes) eingereicht seien. Auch zeige die Uebereinstimmung der Forderungen in den ver- schiedenen Petitionen, daß eS sich nicht um selbständige Vorschläge der einzeluen Arbeiterausschiisse handelt, daß vielmehr eine außen- stehende Stelle die Anträge formuliert habe. ES ginge nicht an. daß die städtischeu Arbeiter in öffentlichen Versammlungen Forderungen stellten lind diese der Direktion oder der Deputation übersenden; die einzige Instanz, durch welche die Leitung der GaSlverke mit den Arbeltern verhandeln kölme, seien die Arbeiterausschiisse. Genosse Sassenbach ivieS darauf hin, daß die Arbeiter all- gemein zu den von ihnen begründeten gewerkschaftlichen Organi- sationen, im vorliegenden Fall zum Verbände der Gememdearbeiter. mehr Vertrauen hätten, als zu de» ArbeiterauSschnssen. Znnächst schon deshalb, weil der Vorsitzende des AnsschusseS ein Vertreter der Gasvcrwaltniig ist, dann auch, weil die Zuständigkeit der Ausschüsse eine zu beschränkte sei. Sobald eS sich um Angelcgenbeiteii handele, die nicht allgemeiner Natur seien, würde eine Behandlung der An- gelegenheit durch den Arbeitcrausschuß abgelehnt. Dadurch wäre eS dem ArbciterauSschuß nicht möglich, bei Fällen, die nur einzelile Personen beträsen, aber geeignet wären, die gesamte Arbeiterschaft de» Betriebes aufzuregen, vermittelnd ein- zugreifen. Als hierbei die Bemerkung fiel, es könne doch nur wünschenswert sein, daß durch Vermittelung des ArbeiterausschusseS verhindert würde, daß sich immer mehr Zündstoff anhäufe, rief der Vorsitzende RamSlau dazmifchen:„Drohen lassen wir- uns nicht, wir sind auf alles vorbereitet". Von anderer Seite wurde ausgeführt, eine Ausdehnung der Befugnisse der Arbeiterausschüsse, deren Aufgaben ja auch durch Gesetz geregelt seien, müsse schon deshalb vermieden Verden, damit sie sich nicht zu einein Kontrollorgan innerhalb deS Betriebes ent- wickelten, wie es anscheinend angestrebt würde. Der von sozialdemokratischer Seite gestellte Antrag, die vor liegenden Petitionen ohne Rücksicht ans die erhobenen formellen Bedenken zur Verhandlung zn stellen, wurde mit allen gegen die Stimme deS Antragstellers abgelehnt. Stadtrat NamSlan hatte zuerst angeregt, auf die Petitionen überhaupt nicht zu antworten: die« ging selbst einem bürgerlichen Vertreter zu weit und soll denn auch je einem Unterzeichner der einzelnen Petitionen mitgeteilt worden, daß die von ihm und seinen Mitantrngstellcrn eingesandte Petition zur Behandlung in der Deputation nicht aeeignet ist. Nach Erledigung dieser formellen Seite der Frage sagte der Vorsitzende zu, daß die Direktion auf den sachlichen Inhalt der Petitionen aus eigener Entschließung zurückkommen und diese Am Gelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung setzen werde. BuS der städtischen ErleuchtungSkommisfion. In der letzten Sitzung der Deputation der städtischen Gaswerke wurden u. a. die Pläne für die Beleuchtung der Schwedterstraße zwischen Gleim- und Bernauerstraße, ferner für die Verbesserung der öffentlichen Be l-uchtung am Knpfergrabe» und für die Einrichtung der öffentlichen Beleuchtung in der über den Rndolfplatz führenden Verbindunas straße zwischen Rudolfstraße und Straße 39, sowie die Projekte fü die Beleuchtung der Straßen auf dem Gelände der Terraingesell schaft Berlin-Nord zwischen Teich-, Haupt- und Residcnzstraße und für die Umänderung der Beleuchtungsanlagen in der Florm straße in Pankow genehmigt. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlecht? krankhriten veranstaltete am Freitag, den 11. Oktober, einen öffcnt lichen Vortragsabend, den ersten nach den Sommerferien. Vor übersülltem Auditorium sprach der Vorsitzende der Ortsgruppe Berlin, Herr Sanitätsrat Dr. O. Rosental über:„Die Vererbung der Syphilis und ihre sozialen Gefahren". Der Vortragende ent- warf zunächst in großen Zügen ein Bild von der Gefahr der Syphilis für Mutter und Kind, und zwar auch für das noch un- geborene 5!ind. Die Syphilis entvölkert die Familien. Kinder syphilitischer Eltern sterben entweder schon im Mutterleibe oder kurz nach der Geburt. Die überlebenden sind in vielen Fällen geistig und körperlich minderwertig. So zerstört die Syphili» nicht nur daZ Familicnglück des einzelnen, sie bedeutet auch eine eminente Schädigung in sozialer Beziehung, indem sie die Be> bölkerung in Zahl und Wertigkeit herabsetzt. Eine weitere noch viel zu sehr unterschätzte Gefahr bildet aber der Syphilitische für seine gesamte Umgebung: Eltern, Geschwister, Hausgenossen, Spieb geführten, Mitschüler sind der Möglichkeit, sich anzustecken, aus gesetzt. In hervorragendem Maße gefährdet sind auch die Heb- ammcn, da eins Infektion sie nicht nur körperlich schwer schädigt, Sondern auch die Ausübung ihres Berufes ihnen auf lange Zeit linaus unmöglich macht. Ebenso verdient die Ammenfrage ernste Beachtung. Syphilitische Säuglinge können auf gesunde Ammen syphilitische Ammen auf gesunde Kinder die Krankheit übertragen� Hier müssen die größten Vorjichtsmatzregeln nach beiden Seiten hin getroffen werden. Gegen die Tuberkulose ist in Deutschland jetzt der Kampf auf der ganzen Linie aufgenommen, für die Syphilisbekämpfung tut die öffentliche Gesundheitspflege nicht genug. Die in Deutschland als unerhört bezeichnete Forderung der allgemeinen unentgeltlichen Krankenhaus. b e h a n d l u n g bei Syphilis ist in anderen Ländern, zum Beispiel Schweden, Dänemark, Ungarn usw. erfüllt. Professor Welander, der rühmlichst bekannte Leiter deS Stockholmer St. Göran-Kranken Hauses, berichtet über vorzügliche Erfolge, besonders auch bei hereditär syphilitischen Kindern. Es ist falsch, anzunehmen, daß gus solchen Kindern nicht brauchbare Rienschen werden können, nur gehört dazu energische sachgemäße Behandlung schon vor der Ge burt des Kindes. Ein weit verbreiteter Irrtum schreibt dem Quecksilber schädliche Wirkungen für den FötnS zu. Da» Gegen teil ist richtig. Nur wenn sich die syphilitische Schwangere der chronischen intermittierenden Prädentivbehandlung unterzieht, kann ste hoffen, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Die Verhängnis vollsten Folgen zeitigt die Unterbringung syphilitischer Kinder in Privatpflege, wo dieselben in sanitärer Hinsicht nur absolut un» genügend beobachtet werden können. Ehrendamen und Schutz- leute reichen für diese Ueberwachung nicht aus. Das Kranken hanS kann für solche zeitweilig gesund erscheinenden Kinder auch nicht der rechte Platz sein. Der einzige Ausweg ist die Schaffung von Heimen für hereditär syphilitische Kinder nach dem Vorbild des von Prof. Welander in Stockholm in? Leben gerufenen Heim«, wo die Kinder kostenfrei die ersten 4 bis S Jahre ihres Lebens zubringen können. Mit beredten Worten ruft der Vortragende die Versammlung dazu auf, der Begründung eines solchen HeimS für syphilitische Kinder in Berlin, die von der Ortsgruppe der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ausgehen könnte, durch Propaganda in ihren Bekanntenkreisen den Boden bereiten zu helfen. Die Berkehrskalamität auf der Stadtbahn machte sich bei dem günstigen Wetter am letzten Sonntag in besonders hervorragender Weise bemerkbar: auf den Bahnhöfen herrschten Zustände, wie sie selbst an den schönsten Sonntagen des Hochsommers nicht zu verzeichnen waren. Die Hunderttausende von Ausflüglern, welche in den Vormittagsstunden und am frühen Nachmittag noch den Vergnügungsstätten in den Vororten hinaukgepilgert waren, drängten sich bei Beginn der Dunkelheit zum Zwecke der Rück, befördcrung auf den Vorortsbahnhöfcn zusammen, so daß die Bahnverwaltung nicht in der Lage war, die gestellten Ansprüche zu befriedigen. Nach den Stationen Grunewald, Wannsee und Halensee zogen die Menschcnmasscn ununterbrochen in dicht gedrängten Scharen, so daß selbst die geräumigen Zugänge kaum genügten, um die Waffen passieren zu lassen. Ein Notschrei aus dem Osten. Auf der Grenze zwischen Berlin-Ost und Dorf Stralau liegt der Markgrafendamm. Was ist nicht schon alles über den miserablen Zustand gesagt und geklagt lvorden, in dem dieser Straßenzug sich befand und zum Teil sich noch befindet. Die Strecke, die an die Stralauer Allee an- schließt, wurde schließlich reguliert, aber die ganze übrige Strecke bis hinauf zum Bahnhof S t r a I a n- R n in m e l S b u r g blieb, wie sie war. Sie wußte einstweilen so bleiben, weil die lieben Grundbesitzer, die in der Nachbarschaft des MarkgrafendammeS Land haben, vor allem die Familie Wühlisch, die da draußen im Osten durch ihren Geldsack mächtig ist, die übertriebensten Be dingungen stellten. Erst nach langwierigen Verhandlunge» gelang es dann, eine Einigung zu erzielen, und in diesem Sommer konnte endlich daran gegangen werden, die Regulierung weiter zn führen. Die Regiilierungsarbeiten haben nun aber den Belvohneri« der Um gebung" des MarigrafendmnmeS sowie allen, die ihn auf ihrem Wege nach Bahnhof Gtralan-NummelSbnrg passieren müssen, eine neue Kalamität gebracht. In Berlin-Ost und den angrenzenden Straßen sind ja die Bewohner gewöhnt, nicht allzu hohe Ansprüche an den Zustand ihrer Straßen zu stellen. Aber manchmal läuft schließlich auch ihnen die Galle über, wenn die VerUachlässigung. die sie sich gefallen lassen sollen, gar zu arg wird. Sin Einwohner Stralaus, der am Markgrafendamm baust, schildert uns die Freuden, die jetzt auf den, Markgrafen- d a in m dem Wanderer winken. Wenn man früher vielleicht nnr des Nachts Gefahr lief, auf der unregulierten Straße in den Vertiefungen und Pfützen deS sogenannten Bürgersteitzes zu versinken. so kann einem das jetzt sogar am hellen Tage widerfahren. Die Bewohner halten aufgeatmet, als die Kunde kam, daß die Regulierung weitergeführt werden solle. Sie mußten es dann aber erleben, daß nicht da« geringste getan wurde, um die Uiiannchmlichkeiteii zu mildern, die mit solchen Bauarbeiten der- knüpft sind. So wird beispielsweise das Gnindwaffer, das aus den Baugruben der Kanalisation aufsteigt, ohne weiteres auf den Damm gepumpt, wo e» sich mit der auSgehobenen Erde zu einem dicken Schlaminbrei verbindet. Wehe dem, der hier vorbei« komint und in die Nähe eines durch den Schlamm fahrenden Lagens gerät I Wehe dem Fremdling, der am vbend diesen Teil deS MarkgrafendammeS passiert i Licht gibtS nur erst auf der Stralauer Seite, auf der Berliner Seite ist noch olles in Dunkel gehüllt. Weiter hinten, an der Hauptwerkstätte der Eisenbahn, kann man das aparte Vergnügen haben, sich in einen, tiefen Straßengraben zu betten, der dort bisher wohl die Aufgabe er- stillte, die künftig der Kanalisation zufällt. Die Jauche dieses Grabens schillert in allen Farben und strömt einen ekelerregenden Verwesungsgeruch aus. Wem aber das alles noch nicht genügt, der kann sich vielleicht im Dunkel der Nacht bei irgend einem Wege lagerer des MarkgrafendammeS ein paar Messerstiche holen, wie das kürzlich einem Bewohner des Markgrafendammes, einen, Zigarren> Händler V,. geschehen ist, als er vom Bahnhof nach Hause ging, Warum solche Zustände sich so lange konserviert haben? Ja. der Markgrafendannn liegt doch nicht im.vornehmen" Westen. sondern im„ordinären" Osten! Eine Verzweiflungstat beging am Sonnabend die 29 Jahre alte unverehelichte Anna Mendelsri aus der HennigSdorferstr, 14. Die M. hatte 10 Jahre lang ein Verhältnis mit dem damaligen Ar tilleristen und späteren Feldwebel Fritz Paatsch vom S. Jnfanteriel regiment. Aus diesem Verhältnis ging«in Kind hervor. Obwohl P, der M. wiederholt die Ehe versprach und auch sehr oft von ihr Geld annahm, knüpfte er hinter ihrem Rücken ein»eueS Verhältnis an, da« am vorigen Montag zur Ehe führte. DaS erbitterte die M. so sehr, daß sie dem P. am Sonnabend aufpatzte und ihn mit dem Revolver in der Hand zu erschrecken versuchte. Wo die M. weilt, ist noch nicht ermittelt. Ueberfallen wurde gestern abend nach S Uhr die Witwe Karbe, Pflugstraße 10. Frau K. ist Inhaberin eines Zigarrengeschäfts Um vorstehend angegebene Zeit betrat ein junger Mann den Laden und verlangte Zigaretten. Nachdem ihm diese verabreicht waren, ersuchte er die Frau Karbe um ein Glas Wasser. Als diese mit dem Verlangten aus der Küche zurückkam, packte der Bursche die Frau an der Kehle und suchte sie zu würgen. Auf Hülferufe hm erschienen Hausbewohner, worauf der Attentäter die Flucht ergriff, er wurde aber eingeholt und der Polizei übergeben. Ja einem Anfall von geistiger Umnachtung a»S dem Fenster gesprungen ist in der vergangenen Nacht der 43 Jahre alte Her- mann O., Arndtstr. 19. O. war stark nervenleidend. In der ver- gangenen Nacht brach plötzlich der Irrsinn bei ihm aus. In seinem Zustande ritz der Unglückliche das Fenster auf und stürzte sich auS der Höhe der dritten Etage auf die Straße hinab. Mit zsr- schmetterten Gliedern wurde O. davongetragen. Er hatte sich schwere Beinbrüche und einen Wirbelsäulenbruch zugezogen. In hoffnungslosem Zustande wurde er nach dem Krankenhause Am Urban gebracht.— Unter den Passanten der Alcxanderstraße ver ursachte gestern morgen der Selbstmord einer Geisteskranken Auf- rcgung. Ein 60 Jahre altes Fräulein Müller, das in der dritten Etage des Hauses Alexanderstr. 62 eine Wohnung innehatte, stürzte sich in einem Anfall von Geisteskrankheit auf die Straße hinab Dicht vor einem jungen Mädchen, das gerade an dem Hause vorüberging, schlug sie auf. Der Kops wurde ihr vollständig zer schmettert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Unter Pferdehufen zermalmt. Schrecklich zugerichtet wurde gestern der 24 Jahre alte Kutscher Wilhelm Schonfeld, der in der Kohlenhandlung von Berger u. Kulb in der Schönebergcrstr. 21a angestellt war. Der junge Mann hatte die Pferde im Stall ge- füttert und war dabei von einem der Tiere, das stets beim Futtern unruhig zu werden pflegte, getreten und zu Boden geschlagen worden. Unglücklicherweise fiel er unter das Pferd und wild stampfte dieses mit den Hufen auf den Aermsten ein. Ein Kollege sprang hinzu und zog Sch. unter dem Pferde hinweg. Der Brust. kästen war dem Geschlagenen fast vollständig zermalmt worden. ?n bewußtlosem Zustande fand der Schwerverletzte, der mit dem eben wohl kaum davonkommen dürfte, im Krankenhause Am Urban Aufnahme. B»m Teck eines Automobilomnibus heruntergerissen und schwer verletzt wurde am letzten Sonntag, gegen 2 Uhr nachmittags, der 24 Jahre alte Kaufmann Otto Wedcmann aus der Kleist» straße 37. W. hatte einen Omnibus der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft zu einer Ausflugsfahrt nach Beelitzhof benutzt und saß mit einem Freunds auf dem Deck des Kraftwagens. Kurz vor der Endhaltestelle erhob sich W.. um abzusteigen, wobei er mit dem Kopf gegen einen Baumast stieß und auf die Straße ge- schleudert wuroe. Wedemann hatte infolge deS Anpralles und des Sturzes eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. Er wurde mittels eines telephonisch aus Potsdam requirierten Kranken wagen? zu seinen Eltern nach Berlin geschafft.— Von einer Automobildroschke überfahren wurde an der Ecke der Potsdamer- und Linkstraße das 23iährigc Fräulein Riesenfeld, in Charlotten- bürg wohnhaft. Da» zunge Mädchen hatte einen Straßenbahnzug der Linie R benutzt und verließ ihn an der Haltestelle Potsdamer- platz. Im Begriff, den Fahrdamm zu betreten, wurde die R. von ver vorbeifahrenden Automobildroschk« 10 372 erfaßt, umgerissen und überfahren. Sie erlitt schwere Verletzungen am Kopfe und wurde nach dem Eliiabeth-K rankenhause übergeführt.— In ähnlicher Weise verunglückte Sonntag nachmittag gegen 3 Uhr der Schlosser Jakobi, Swinemünderstr. 160 wohnhaft. Er war mit einem Straßenbahnwagen der Linie 43 nach Rixdorf gefahren und verließ diesen am Ringbahnhof. Als sich I. nach dem Bürgersteiq hinüber begab, geriet er unter die Räder eines Pferdcomnibus und wurde überfahren. Er erlitt einen Bruch deS rechten Unter- chenkels sowie anscheinend innere Verletzungen und wurde nach dem Rixdorfer städtischen Krankenhaus« gebracht. Nach Genuß von Gänsefleisch sind— wie ein hiesiger Bericht- erstattcr mitteilt— mehrere Personen erkrankt. Das Gänse- leisch soll von einem Händler in der Türkcnstraße gekaust worden sein., Die Berliner Typographische Gesellschaft hat gestern im Ber- liner Papierhause. Dessauerstr. 2, eine Ausstellung farbig illustrierter Schul, und Volksbücher eröffnet. Durch diese Aus- tellung sollen die Bestrebungen unterstützt werden, welche darauf gerichtet sind, beim Schulunterricht mehr als bisher die Geschmacks- bildung der Kinder zu pflegen und den Sinn für die Schönheit der Formen und Farben zu entwickeln durch Einführung farbig illustrierter Lehr- und Lesebücher.• Die Ausstellung ist wochentags von 2—9 llhr, Sonntags von 10—3 Uhr geöffnet. Der Eintritts- preis beträgt LS Pfg. Einen besonderen Genuß hatte am Sonntagabend der Wahl- verein für den 4. Wahlkreis seinen� Mitgliedern und deren Ange- hörigen in dem früher Kellerschen Saal in der Koppenstraße durch Veranstaltung eines Kunstabends bereitet. Ein auserlesenes Kon- zertprogramm war es, daß den Besuchern geboten wurde. Das Neue Tonkünstler-Orchester unter Leitung seines Dirigenten Franz Hollfclder hatte die Aufgabe übernommen, Schöpfungen von Wagner, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Liszt, Verdi u. a. den Genossen näher zu bringen und es kann gesagt werden, daß ei diese Aufgabe vorzüglich löste. Der Konzertsänger Herr Emil Severin brachte mit seinem mächtigen Bariton mehrere Lieder zum Vor- trag, während der Konzertmeister Bagendt das Programm durch ein gutes Violinsolo vervollständigte. Die Künstler fanden ein dankbares Publikum, das so beifallseifrig war, daß es bisweilen etwas zu früh seinem Beifall Ausdruck gab. Würde in Zukunft noch strenger, als das am Sonntag geschah, darauf gehalten werden können, daß nur in den eigentlichen Pausen serviert werden darf. ö dürfte der Kunstgenuß ein vollkommener sein. Sicherlich kann man nur wünschen, oaß allenthalben auch auf diesem Gebiete fort- gefahren wird und den Arbeitern für ein verhältnismäßig geringes Eintrittsgeld einige genußreiche Stunden bereitet werden. Radrennen zu Treptow, Sonntag. 13. Oktober. Bei dem vom Wetter begünstigten Rennen gab es leider mehrfache Unfälle, die zum Glück ohne erheblichen Schaden für die Betroffenen verliefen, dem Verlauf bei Rennen» aber doch ein anderes Gepräge verliehen. Da» bOKilometer-Rennen mit Motorführung(300, 200, 160, 100 SR.) wurd» von Fr. Haber,r m IS Mi». LS»/» Gek. ge- Wonnen, Lamla 218S Meter, Schadebrodt 2210 Meter. Fr. Hoffmann 912o Meter zurück. Schadebrodt war bis zum 20. Kilometer an erster Stelle, geriet dann aber durch das Platzen de? Reifens seines Motors auf den dritten Platz. Hoffmann, der vierte Teilnehmer, war schon vorher in dem Vorgabefahren zu Fall gekommen und durch die dabei erlittenen Abschürfungen am Arm bei seinem weiteren Fahren beeinträchtigt; dazu kam noch, daß sein Motor beim Ablaffen durch Umkippen beschädigt wurde und er inkolgedeffen hinter anderer Führung fahren mußte. Durch wiederholten Radschaden, den Hoffmann im Rennen erlitt, kam er vollends um seine Chancen. Der Sieger Haberer fuhr sehr gut; bis zum 20. Kilometer lag er an zweiter Stelle.— Ein Vorgabesahren über 1800 Nieter wurde von S t e r b a mit 180 Meter Vorgabe gegen Pawke(20), Vierck(60) und Horch(100) gewonnen.— Im Haupt fahren über 900 Meter siegte Horch vor Schröder und P. Möller.— Im Motor-Rennen über 10 Kilometer(60, 30, 20. 10) belegte Liese in 7 Min. 39'/, Sek. den ersten Platz vor Allckna, 296 Meter, Sucher 330 Nieter und Schadebrodt 1290 Meter zurück. — Wettlaufen über 1000 Meter. Erster Pawke vor Erschleben. Krumrey und Thiem. Die Hirtenstraße von Nr. 6 bis 9 und Nr. 12a bis 17 sowie die Kaiser Wilhelmstratze, Ecke der Hirtenstraße, wird behufs AuS- führung von Kanalisationsarbeiten vom 14. d. M. ab bis auf wei- teres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Gesperrt ist gleichfalls die nördliche Ringstraße deS LeipzigcrplatzcS behufs Asphaltierung vom 14. d. M. ab bis auf weiteres. Einen erheblichen Verlust hat am Sonntagvormittag zwischen �9 und 9 Uhr ein Arbeiter erlitten, der auf dem Wege über den Oranienplatz im Zuge der Drcsdenerstraße oder aus dem Dccksitz deS Anhängewagens der Straßenbahnlinie 11, Richtung Görlitzer Bahnhof— Moabit, vom Oranienplatz, Ecke Dresdenerstraßc, bis zur Alexanderstraße, Ecke Blumenstraße, ein Portemonnaie mit 63 M. 26 Pf. verlor. Der Verlust ist um so schmerzlicher, als der größte Teil der Summe den Arbeitslohn eines Kollegen und ein anderer Teil einkassierte Kassenbeiträge darstellt. Der etwaige Finder wird um Abgabe an W. Müller, Skalitzerstr. 35, gebeten. Feuerwehrnachrichten. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand brach Sonntag abend in der Jahnstr. 2 aus. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als plötzlich der Dachstuhl des Vorderhauses fast in ganzer Ausdehnung in Flammen stand. Brandmeister v. Borch ließ daher sofort vier Schlauchleitungen vornehmen und schickte von drei Seiten aus über die Treppen und eine mechanische Leiter hinweg die Rohrführer vor. Trotzdem dauerte eS über eine Stunde, bevor der Brand unterdrückt war. Der Dachstuhl mit seinen Boden. räumen ist vernichtet.— In der iporlstt. 44 brannte nachts im zweiten Stock des rechten Seitenflügels die Balkenlage in einer Wohnung. Das Feuer war durch Ucberhitzung des Lackierofens einer Emailleschildcrfabrik verursacht. Im Interesse der Sicherheit der Hausbewohner untersagte die Wehr die weitere Benutzung des Ofens, bis eine baupolizeiliche Besichtigung erfolgt ist.— Vor dem Hause Reinickendorferstr. 61 stand später ein Automobil und in der Wrangelstr. 14 in einer Remise eine Droschke in Flammen, während in der GreifSwalderstr. 160 Teer Feuer gefangen hatte.— Zwei Küchenbrände kamen in der Gipsstr. 16 und in der Fruchtstr. 77 aus.— In der Brunnenstr. 137 gingen Möbel und Betten in einer Wohnung in Flammen auf. Ein fünfjähriges Kind schwebte dabei in Lebensgefahr, konnte aber noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.— Badcstuben brannten in der Schlesischestr. 12 und in der Flensburgerstr. 26. Außerdem wurde die Wehr noch nach der Lübcckerstr. 31, Zeughofstr. 20 und nach der Wiesenstr. 32 gerufen. An der ersteren Stelle stand ein Keller und an der zweiten die Dachstuhlkonstruktion in Flammen, während im letzteren Falle ein Kind aus einem Balkongitter, in das es sich eingeklemmt hatte, befreit werden mußte. Vorort- J�acbricbten» Lichtenberg. Wie Sozialdemokraten von der Stadtvertretung ferngehalten werden können, zeigte unter anderem der RegierungSrat Professor L e i d i g- Wilmersdorf in einer vom nationalliberalen Ortsverein einbernfenen Versammlung. In seinem Vortrage über„Stadt- werdung einer Landgemeinde" führte der Redner, nachdem er be- sonders betont hatte, daß sowohl in Stadt- wie in Landgemeinde die Wahlen nach dem Dreiklassenwahlsystem vollzogen werden, aus: „Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung können erfolgen entweder für die ganze Gemeinde(auf Listen) oder nach Bezirken. Listenwahlen aber haben neben anderen auch einen gewissen o l iti s ch e n(I) Vorteil. Man kann dadurch der einen oder her anderen Partei die Möglichkeit nehmen, in die S t a d t v e r t r e t u n g h i n e i n zu kommen. So ist eS auf diese Weise gelungen, von der Stadiverordnetenversammlung in Wilmersdorf die Sozialdemokratie fernzuhalten." Wir sehen, Herr Leidig hat Schule gemacht. Uns ist dieses Zu- geständnis um so wertvoller, als damals anläßlich der Stadt- verordnetcnwahlen in Wilmersdorf nicht gesagt wurde, weshalb die Listenwahl zur Anwendung gelangte, obwohl wir seinerzeit sofort auf die Nachteile, die gerade der Wilmersdorfer Arbeiterschaft aus der Listenwahl erwuchsen, hingewiesen haben. Ein Herr Lehrer Römer trat in der Diskussion dem Referenten entgegen. Nicht prinzipielle Gegnerschaft gegen das Wahlunrecht per- anlaßte diesen Redner zum Einspruch, sondern weil er glaubte, die iraltische Mitarbeit der Sozialdemokraten nicht entbehren zu können. Herr Professor Leidig entgegnete, daß er im Prinzip gar nicht gegen einige Sozialdemokraten in der Stadtverordneten- veriammlmig sei. Wo das„Gesetz" aber dieHandhabe biete, dies zu verhindern, könne er auch nichts dabei finden! Unseren FreisinnSntänncrn, Arm in Arm mit den National- liberalen und unterstützt von den Hausbesitzer-, Beamten- und Gast- wirtevereiuen, ist jedes Mittel recht, um die arbeitende Bevölkerung ans der Verwaltung fernzuhalten. Wie sagte doch der freisinnige Zührer unserer Dorfväter gelegentlich eines WahlrechtSantrageS unserer Parteigenossen im Rathanse? DaS heutige Kommunal- Wahlrecht zu ersetzen durch daS allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht an alle Einivohncr über 20 Jahre ohne Unterschied des Geschlechts hieße an Stelle des Wahlrechts ein Wahlunrecht 'etzen. Die Arbeiterschaft wird nicht verfehlen, aus hier Gesagtem in dem bevorstehendem Stadtverordnetenwahlkampf die richtige Nutz- anwendung zu ziehen. Chnrlottendnrg. Auf dem städtischen Gaswerk hat sich wiederum ein schwerer Unglücksfall ereignet, bei welchem zwei Männer zu Schaden kamen. Der 40jährige Maschinenarbeiter Mücke und der 33 Jahre alte Arbeiter Linke arbeiteten auf einem an dem Retdrtemcaum fünf Meter über.dem Erdboden angebrachten Brett, das lose in zwei Eisennnker eingelegt war. Durch die Bewegungen der beiden Männer glitt daS Brett ans der einen Seite aus seiner Lage und beide Arbeiter stürzten in die Tiefe. Hierbei erlitt Mückc�fo schwere Verletzungen, daß er nach dem Krankenhause Westend übergeführt werden mußte. L. kam mit leichteren Kontusionen davon. Verein Freier Kindergarten. Donnerstag, den 17. Oktober. abends 8'/, Uhr. findet im VolkShanse, Rosinenstr. 3, eine außer- ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag von Frau Stürmer: Die Arbeiterfrau als Mutter. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. 3. Ergänzungswahl. 4. Verschiedenes. Um zahl» reiches Erscheinen wird gebeten. Zu der Notiz:„DaS Charlottenburger Schiller-Theatcr al» özialdcmokrasische Propagandaftätte" ersucht nnS Herr Dr. Löwen- «ld mitzuteilen, daß der andere Saal, von dem in der betreffenden Notiz die Rede ist und in welchem die übrigen politischen Parteien zu den Neichstagswahlen politische Agitationsversammlungen ab- gehalten haben und gegenwärtig aus Anlaß der Stadtverordneten- wählen abhalten, zu dem Ncstaurant an der Bismarckstraße ge» hört. Diese» Restaurailt unterstehe der Brauerei Patzenhoser und ihrem Oelonomen. Zehlendorf. Dir konservativ-libcrale Paarung lautete das Thema eines Vor- träges, den Genosse Stücklen in einer vorige Woche tagenden Volksversammlung hielt. In seinem Vortrage glossierte Redner die Politik des agrarischen Kanzlers, dessen Auftreten im Reichstage schließlich auch bei dem stumpfsinnigsten Spießer eine Abneigung gegen die Bülowschen Plattheiten und Gemeinplätze hervorrufen müsse. Hinweisend auf da» Kunststück Bülows. die bekannten bürgerlichen Parlamentarier eingeladen und beim Frühstück oder Mittagessen gc- hörig eingeseift zu haben, betonte Redner, daß der Block bald anfangen werde, zu zerbröckeln. Nachdem Genosse Stücklen auf die wichtigsten BeratungSgegen- stände deS Reichstages verwiesen und gezeigt, welch wichtige Jnter- essen für das Proletariat auf dem Spiele stehen, schloß er mit dem Wunsche, daß die Sozialdemokratie auch in dem bevorstehenden preußischen Wahlrechtskampfe ihre Mission als Kampfpartei er- füllen möge. Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen Vortrag. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Nachdem Genosse Ed. Fuchs noch auf die Wichtigkeit gerade der Kenntnis der deutschen Revolution hingewiesen hatte, weil in diese Zeit die Geburt des deutschen Sozialismus fällt, machte Genosse Scheler noch die Mitteilung, daß am 20. d. M. von 7 Uhr morgens ab eine Flugblottverbreitung zur Gewinnung von„Vorwärts'lesern und WahlöereinSmitgliedern stattfindet. Der Fürstenhofboykott bestehe nach wie vor und dürfe kein Partei- oder Gewerkschafts- genösse, auch wenn der„Vorwärts" in der Stehbierhalle ausliege, ein GlaS Bier dort trinken. Nachdem Redner noch auf die Pflicht zur politischen Organisation und das Lesen und Abonnieren des „Vorwärts" hingewiesen, schloß er die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die internationale, völlerbesreiende Sozialdemokratie. Notvawes. In der letzten WahlvereinSversammlung widmete der Vorsitzende dem Genossen Motteier einen warmempfundenen Nachruf; die Anwesenden ehrten das Andenken deS Verstorbenen in üblicher Weise. Es wurde hierauf bekanntgegeben, daß die Agitation für den„Vorwärts" und die Organisation am Sonntag, den 20. d. M.. stattfindet, uud die Genossen aufgefordert, sich zahlreich daran zu beteillgen. Ferner nahm die Versammlung davon Kenntnis. daß die Zahltage des ,3. Bezirks in Zukunft in der Restauration von Richker, Großbeercnstraße, abgehalten werden. Sodann er- stattete Genosse Grunwald den Bericht vom Parteitage. Die einstündigen interessanten Ausführungen des Referenten wurden von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Nach kurzer DiSIuffion, in welcher einige Genossen ihre vom Stand- punkt des Referenten etwas abweichende Meinung über die Kolonialfrage und die Noslesche„Flintenrede" sowie über die Be- Handlung des Falles Wiesenthal erklärten, welch letzterer nicht ge- schäftsordnungsmäßig erledigt worden fei, gab Genosse Richter den Kassenbericht vom 3. Quartal; derselbe weist eine Einnahme von 387 M. und eine Ausgabe von 258 M. an den Zentralwahlverein auf. Hierauf wurde die Wahl von acht Delegierten zur General- Versammlung von Groß-Berlin vollzogen, sowie di« Genossen R o t t st o ck und Heermann als Bezirksführer ernannt. Unter Verschiedenem teilte der Vorsitzende mit. daß am 23. Oktober eine Volksversammlung stattfindet, in welcher Genosse Pfannkuch referieren wird.— Zur Aufnahme hatten sich 19 Genossen gemeldet. Potsdam. Die Arbriterbildnngsschule beginnt am Freitag. IS. Oktober. einen neuen Kursus über:„Deutsches Reichs- und LandeSverfassungS recht" unter der Leitung deS Genossen S. Katzenstein-Charlottenburg. Die Unterrichtsstunden finden stets Freitags bei W. Ladenthin, Kaiser Wilhelmstr. 88, statt. Der Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich'/i9 Uhr. Der erste Abend de» Kursus steht jeder- mann zum unentgeltlichen Besuche frei. Mitgliedern der Arbeiter« bildungsschule steht der ganze Kursus frei. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 25 Pf. monatlich; an Eintrittsgeld werden öl) Pf. erhoben. Die Aufnahme»euer Mitglieder erfolgt beim Beginn des Kursus im Restaurant W. Ladenthin. Hoffentlich benutzen die Potsdamer Arveiter auch diese Gelegen- helt, ihr Wissen zu bereichern. Der BildungSauSschuß ersucht noch- inalS alle organisierten Arbeiter um zahlreiche Beteiligung. Pankow. Den Pankower Abonnenten, welche am Sonntag den»Vorwärts" nicht erhalten haben, zur Nachricht, daß beim Transport zwei Pakete verloren gegangen sind, für welche wir am gleichen Tage keinen Ersatz schaffen konnte». Wir bitten des Vorkommnisses wegen um Entschuldigung. Spedition„Vorwärts". A. Hintze u. Co., Lindenstr. 69. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich am Sonntag in der Berlinerstraße. Der in dem Hause Nr. 24 wohnende 23 Jahre alte Kaufmann Müller hatte»inen Ansflng unternommen und kehrte gegen 8 Uhr abends nach seiner Wohnung zurück. In der Nähe derselben flieg er von einem von ihn, benutzten Straßenbahnwagen ab und ging in schräger Richtung über den Fahrdamm, al« ein Privatautomobil heranacsaust kam. M. geriet dabei augenscheinlich in Verwirrung und lies, statt dem Kraftwagen auszuweichen, auf diesen zu und wurde zur Seite geschleudert. Er blieb besinnungslos ans. dem Straßenpflnsler liegen. Wie ein hinzuaerusener Arzt fest- stellte, hatte der Kaufmann eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. die seine Ueberfühniug nach dem Krankenhaus« Friedrichshain erforderlich machte. Tchonholz. Die von der Gemeinde Nieder-Schönhausen betriebene Ein- gcmeindung des Gutsbezirks Nieder-Schönhausen sowie der Kolonie Schönholz hat die Bürger der letzteren durchaus nicht cnihusiaSiniert. Besitzen doch die Bewohner der Kolonie einschließ- lich Schloß Gchönholz, welche» der Berliner Schützenailde gehört. daS Recht absoluter Steuerfreiheit seit Gründung der Kolonie durch Friedrich den Großen. Gemeindesteuer, Grund, Gebäude» steuer sowie die kommunalen indirekten Steuern in Form von Bier-, Lustbarkeitsstcuer sind unbekannte Dinge. Da mit der Einge- nieindung diese Vorrechte aufhören, so verlangen die Angesessenen eine Ablösung ihrer Privilegien in klingender Münze. Eine in den nächsten Tagen stattfindende Besprechung der.Steuerfreien" soll zu den Fragen Stellung nehmen. vermischtes. In der Grube getötet. Räch, einer Meldung de» Breslauer „Generalanzeigers" aus Sosnowic« find in der nahen Renard- gnibostebenArbeiter durch herabstürzende Kohle erschlagen tvorden. Eine Kessel-Exploflon. In einer chemischen Fabrik in Schwartau bei Lübeck explodierte der kupferne Kessel. Ein Arbeiter wurde ge- tötet, mehrere verletzt. Die neuesten Eiscnbahnunsälle. Einer Meldung anS Bietigheim zufolge stieß Sonntag ftiih der Güterzug SSgz dem Güterzug 6128 rn die Flanle. Sieben Wagen entgleisten und wurden zum Teil zertrümmert. EI» Bremser wurde getöttt. Der Materialschaden ist erheblich. Ein weiterer Eisenbahnunfall ereignete sich ans dem Bahnhof« '» Toulouse. Dort stieß vorgestern abend ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Mehrere Wagen des BerlonenzugeS entgleisten. 12 Passagiere wurden leicht verfitzt. Der Tod auf der Renubahn. Am Sonntag stürzte bei dem Rad« rennen in Weihenfels der Fahrer Hübner» Weißenfels und wurde von dem nachfolgenden Schrittmacher des Wiener Rennfahrers Hauptmann überfahren und auf der Stelle getötet. Der Schritt- macher erlitt einen Schüsselbeinbruch. Feuer im Hospital. sEin Irrsinniger verbrannt.) Pariser Meldungen zufolge ist in der gestrigen Nacht ein Flügel des Hospitals von Lens eingeäschert worden. DaS Feuer ist in der Zelle eines irrsinnigen Grubenarbeiters entstauden, dessen Leichnam verkohlt auf- gefunden wurde.— In Lyon wurde in der letzten Nacht eine große Hutfabrik durch eine Feuersbrunst zerstört. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Personen verletzt. Der Materialschaden ist be- deutend. NeierschwemmungSschäden. Nach einer Meldung ans Barcelona (Spanien) ist infolge der Ueberschwemmungen durch den Lobrego- Fluß großer Schaden angerichtet worden. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt, viele Personen sind umgekommen. Auch in Südfrankreich ist. wie aus einer Meldung auS Amelie-les-BainS hervorgeht, der Fluß Tech über seine Ufer getreten und hat eine Brücke und mehrere Stege fortgerissen. Sieben Personen sollen ertrunken sein. Eine Lnftballon-Rekordfahrt. Einer Meldung auS Gotenburg zufolge passierte der Luftballon„Mammut", der vorgestern nachmittag vom„Kristallpalast" in London aufgestiegen war. gestern, dicht über dem Meere schwebend, um 1 Uhr nachmittags Skagen und landete gestern S'/g Uhr nachmittags bei Amal am Wenersee. Die drei aufgestiegenen Personen hatten vorher den Korb durch Hinabgleiten am Schlepptau verlassen. Der Korb ist stark beschädigt. Die Opfer der Pest. In der an der Grenze von Semiretschensk und Kaschgar gelegenen Orte Atbasch sind nach einer Meldung auS Taschkent in der Zeit vom 2. bis zum 21. vorigen Monats 44 Per sonen an der Pestge storben. Die Sterblichkeit betrug 100 Proz. der Erkrankungen._ Pom Zylinderhut. Schön ist ein Zhllnderhut Wenn man ihn besitzen tut. So ei» Zylinder muß jetzt her, Denn ohne solchen gchbs nicht mehr, Will man repräsentieren. Man weiß nicht, was passieren mag, Und käme dann ein wicht'ger Tag. Könnt' ich nicht demonstrieren. Warum, so hieß' es, dachst er nicht Zur rechten Zeit an seine Pflicht, Wie Frank und Kolb? Ach Golt l Wie wird mir weh und bang I Bis„Ersten" dauerst» noch so lang... Ein Vorschuß kann nicht schaden. Es könnte in der Zwischenzeit Eingehen zur Hochseligkeit Ein Fürst von Gottesgnaden, ZyIInderloS würd' ich da steh'» Und könnt' im Trauerzug nicht geh'», Wie Frank und Kolb. Ja, Frank und Kolb I Mit einem Wort: Die beiden schufen den Rekord I Sie haben ja Zylinder. Umflort daS Aiigstrohr, trauervoll, So brachten sie der Ehrfurcht Zoll Als brave Landeskinder. Hinsüro iorg' der Soziallst, Daß er so aus der Höhe ist, Wie Frank und Kolb. Wie Frank und Kolb will ich fortan Als zielbewußter Untertan Den T a k t zu wahren streben. Und jedem Landesoater will Ich tränenschwer und wchinutZstill Die letzte Ehre geben. Dazu dient der Zylinderhut, Wenn solchen man besitzen tut, Wie Frank und Kolb.(.Hamburger Echo'.) Ich fühl'S, wie bitter not mir tut Ein würdiger Zylinderhut, DeS deulschen Mannes Zierde. Sobald mir Geld im Bculcl tlingt, Der„Erste" wieder Hochflut bringt, Dann still' ich die Begierde. In einen Laden trest ich ein: .Zvlinderhut I Doch bitte, sein I' Wie Frank und Kolb. Und wenn ich den Zylinder Hab', Dann lege ich die Laster ab Des ruppigen Barbaren. ES paßt nicht mehr in uns're Zeit Umstürzlerische Schlapphütigkeit Aus längswergang'ncn Jahren. Moderne Dcmolraien traun Sind im Zylinderhut zu fchau'n, Wie Frank und Kolb. Ein Schlapphnt— Donnerwetter auch l Das ist ein überlebter Brauch Und außerdem nicht praktisch. Zum Beispiel für den Trauerflor, Falls Landestrauer kommt mal vor, Gebricht an Raum e» faktisch. Hingegen im Zylinderhut Man ordnungsmäßig trauern tut, Wie Frank und Kolb. Singesangene DriichlcbHUen. von der»Neue« Zeit"(Stuttgart, Paul.Singer) ist soeben da» 2. Hest de« LK. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Monarchie und Sozialdemolratie.— DaS Fornialpfychische im historischen Materialismus. Von Max Adler.— Der brilisch-russtsche Ausgleich in Mittelasien. Von M. Beer.— Sozialdemokratiscbe Randvem.-.kuiigen zu den Vorarbeiten der Staatsrechtsresorm. Von Michael SurSky(PctcrS- bürg). IL(Fortsetzung.)— Familienbricse von Karl Marx. Von Franz Mehrina.— Eine Berichtigung in Sachen Motteler. Von A. Bebel.— Literarisch? Rundschau: Paul Hlrsch. Verbrechen und Prostitution al» sozial« KranIheilSirscheinungen. Von Dr. Sicgsrieda. Eugen Siebert, der Apotheker. Bon V. M. DI«„Reue Zell* erscheint wöchenilich einmal und ist durch alle Buchl handlmigen, Postanstalien und Kolporlcure zuin Preise von 8,25 99t. pro Quartal zu beziehen! jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet LS Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Bon der„Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Sluttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. LI deS 17. Jahr- ganges zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Ausruf an die Genossinnen Deutschlands zur aiißerordeiitlichen Frauenkonserenz.— Julius Motteier.— Die Sozialdemokratie und die«oziairesorm. Von Gustav Hoch.— Bürger- liche Frauenlagunaen. 1. Von Luise Zietz.•— Pom Elend der Fieckeb Bttlltiet Marikttzretse. Bus dem amlllchen Bericht der städtisch« Markihallen-Dtrektion.(Großhandel.) Ochsenstetsch 1» LS— 70 pr. 100 Pf8, IIa 62-67. tn« 57-60. Bullenfleisch la 62-67, IIa 60-69, Kühe, fett 60—58, do. mager 40-48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 54-62. do. Holl. 0,00. Kalbslessch, Dopp-Uender 105—120, Maftkülbcr la 82-92. IIa 73-79, Kälber ger. gen. 54-68, do. Holl. 48-54. dän. 0,00. Hammelsieisch Mastlämmer 76— 78, Hammel la 70-74. Na 64-69, nngar. 0,00. jgchase 48— 62. Schweinefleisch 53—60. Rehbock la Per Psund 0,60— 0,95. Na 0,40-0,50. Rothirsch la per Pfd. 0,30-0,44, do. IIa 0,20-0,25. Damhirsch 0,35—0,45. Wstdschrveiiie p. Pfd. 0,00. Frischlinge 0,00. Kallinchen p. st. 0,20 bis 0,90. Hasen, groß, p. Stck. 2,50—3,50, do., mittel u. klein, Stck. 1,00—2,40. Wildenlen per Stück 1,25—1,50. Krickenten per Stück 0,60. Rebhühner. junge große 1,00— t, 50, mittel u. kleine 0,40—0,90, alte 0,60—0,90. Fasanen- bäfnie la 1,25—2,25, do. IIa 0,50—1,00. Fasanenhennen 0,60—1,50. Bekassinen 0,60. Waldschnepfen 2,00-2,75, do. IIa 1,00-1,50. Krammets. Vögel 0,25-0,40. Hnhner. alle, per Stück 1.30-2,00. Na 0.60-1.20. do. junge 0,70—1,15. Tauben 0,20—0,40. Enten Per Stück 1,00—1,75. dito Hamburger per Stück 3,00. Gänse per Psund 0,48— 0,60, dito per Stück 2,00—4,00, do. Hamburger per Psund 0,75—0,80, do. Oder- brucher per Pfd. 0,50-0,58. Poulets per Stück 0,40-0,80. Deutsche Poularde» per Stück 0,00. Hechte per 100 Pid. 90—104. do. matt 84—89, do. klein 0,00, do. mittel 0,00, do. groß.mittel 0,80-0,89. Zander 0,00, do. klein 0,00, dito mittel 0,00. Schleie, groß. mittel 0,00, do. ticin 0,00, do. unsortiert 132, do. mittel 0,00. Aale, groß 0,00, do. llesti u. mittel 0,00, do. mittel 99—107, do. unsortiert 0,00, do. groß.mittel 108, New 0,00. Plötzen 51—59. Roddow 0,00. Karpfen L0-25er 0,00, 80— 40er 0,00, do. 0,00, do. 50er 0,00. Bunte Fische 40—66. Barse, groß 0,00, matt 0,00. Karauichen 81. Bleie 47—52. Wels 0,00. Barbe 0,00. Aland 0,00. Quappen 63. Raap 0,00. Amerik. Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. Na neuer 90—100, do. Illa 0,00. Seelachs 10—20, Flundern. Kieler, Stiege la 2-6. mittel Kiste 1-2. Hamb. Stiege 4—6. halbe Kiste 2-3, pomm. la Schock 5—6. IIa 2—4. Bücklinge, Kieler per Wall 3-4, Stralsunder 2,00. Bornh. 0.00. Aale, groß per Psd. 1,10 bis 1.40, mittelgroß 0.80—1.10, klein 0.60—0,80. Hering« per Schock 5—9. Schellsische Kiste 3-4, ff, Kiste 1,75— 2,25. Sardellen, 1902er per Anker 98. 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollheringe 1905 0,00, larxo 40-44, lull. 38-40, weck. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matje», per ff, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1.50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1.40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schockfaß 11, do. kleine 5— 6, do. Niesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0,00. do. mittelgroße 0,00, do. kleine 2,75—4.00, do. unsortiert 0,00, Galizier. groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier. Land-, unsoriierl per Schock 3.60—3.80, do. große 4,00-4,40. Butter per 100 Psd. la 124—126, IIa 116-120, III» 110—113, absallende 90—95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Psejsergiirken 4,00. Kartossein per 100 Psd. Dabersche 2,75—3,25. weiße runde 2,50—3,00, blau« 0,00, Rosen. 0,00, waz. von. 2,75—3,25. Porree, Schock 0,50—1,00. Meer. rettich. Schock 5—12. Spinal per 100 Psund 5—10. Sellerie, per Schock 5,00—10,00. Zwiebeln per 100 Psd. 2,00—3,60, do. Perl. 40,00—100,00. Chalotten 40.00—100,00. Petersilie. grün, Gchockbund 1,00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bayr., neuer Stück 0,03— 0,10, hiesiger Schock 2,50— 8,50, Mobrrüben, 100 Psund 2,00 b>» 3,00, Karotte», hiesige. Schockbund 2.00-3,00. Wirsingkohl per Schock 3,00 bis 10,00. Rotkohl, Schock 4—10. Weißkohl 2—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 7—15. Rosenkohl, per 100 Psd. 20—25. Grünkohl 4-6. Kohlrüben, schock 3,00—6,00. Petersilienwurzeln, Schockbund 3,00—4,00. Scholen per 100 Psd. 20—30. Schniitlauch 1,00—1,25. Pfesserlinge per 100 Psd. 8—14« Steinpilze per 100 Pfund 25—40. Radieschen per Schockbund 0,75—1,25. Salat per Schock 1,50—2,50. Gurken, Einmachc-, schock 15—40. Bohnen. grüne, 100 Pfund 15—30. Tomaten per tOO Pfund 16—20. Rote Rüben. per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 4—8. Kürbis per 100 Psd. 3—4. Eskarol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3—6. Preißelbecren per 100 Psd. 24—30, schwedische 29—32. Kronsbeeren per 100 Psd. 15—18. Birnen, per 100 Psd. Italiener 0,00, Tiroler 10—25, hiesige Most- 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbirnen la 10—20, do. IIa 4-10. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd. 0,00, do. italienische, per 100 Pfund 26—32. Aepfel, Per 100 Psund, Tiroler la 18—40, IIa 13—20. Most-, hiesige, 3—4, Koch- 5— 10, Tafeläpsel la 15—23, do. IIa 7—12, Amerikaner. per Faß 15-25. Wallnüsse, per Schock 1,00—2,00, do. klein 0,40—0,50. do. franz. 100 Psd. 0.00. Pflaumen. pr. 100 Psd. hiesige 10—14, serbische 0,00. Weintrauben, italienische per 100 Psd. 18—28, türkische 18-20. Ananas I. per Psund 70-1,00, do. II 0.00. Bananen, gelb, per 100 Psd. 14,00-20,00. Kokosnüsse per 100 Stck. 15-24. Maronen, ital., 100 Psd. 14-20. Freigcn, Kranz, per 100 Ps. 21-23. Zitronen, Messina. 300 Stück 11,50-20,00, do. 360 Stück 12,00-16,00. do. 200 Stück, 12,00-16.00, do, 150 Stück 7,00-10,00. Witteruugsüberficht vom 14. Oktober 1007. Icseriniien. Von W. Jäckei,— Zur Frage der Organisation der weiblichen Bnreauangestelltcn. Von Else Beulig.— Die weiblichen Mitglieder im Deulschen Holzarteiterverband. Von E. D.— Zur Frage der Fürsorge- erziehmig. Von m. g.— Wöchneriwiensürsorge in der Schweiz. Von Franz Overholzer.— eiuS der Bewegung: Bon der öigltalion. Bon den Organi- laiionen.— Jahresbericht der Genossinnen deS fünlten sächsischen Wahl- kreise» Dretden-A.— Politische. Rundschau.— Notizenteil: Dienstbote». srage.— Frauenstimmrecht.— sozialistische Frauenbewegung im Ausland. — grauenbildung.— Fürsorge für Mutter und Kind.— Feuilleton: Das Signal. Bon W. M. Garschi».(Schluß.) Für unsere Mütter und HauSstaucn: Fahre wohl. Von Gotisrled Keller.(Gedicht.)— Di« Ernährung des neugeborenen Kindes. Von Hanna Dorsch.Zürich. II.— Die EnNvickelung des kindlichen Willens. Bon M. H. Baeae.— Abendlied an die Natur. Von Gottfried Keller.(Ge- dicht)— Wenn ein Kindlein geboren wird I.., Von H. Saivinoii.— Die Mutier als Erzieherin.— Für die HauSsrau. J?'e»Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Aboiniementsprei» vierteljährlich 2 60 M33-8� 65*'■' Kreuzband 85 Ps, Jahresabonneiuent Vom„Wahren Jacob- ist uns soeben die 21. Nummer des 24. Jahr- ganges zugegangen. Aus ihrem Inhalt ermähnen wir die beiden sarbigen Bilder„Marmeschacher" und„Im sraiizösischen Hauptquartier zu Marokko", sowl« die weiteren Illustrationen„DaS KriegSluslschiss".„Easablanca". „Der geeinigte Liberalismus",„Die Ucberpawiolen".„Ziekruieiiempsang", ,Lum Abschluß der griedenslonsercnz",„Der b.qctzgerumzug",„Im Stadlcheu"(mit dazu gehörigem Gedicht),„Philosophie",„Fatal", „Slilronomie".„Der Herr Koopcrator" und„Rückkehr aus Afrika". Außer. dem enthält di« Nummer ein Porträt des verstorbenen Genossen JuliuS Motteier nebst einem kurzem, warm empfundenen Nachruf. Der textlich« Teil der Nummer bringt dt« Gedichte„1813",„DaS neue Vcrcinsgcsetz", „Herbst";„Der Jotet".„Die Flaschenpost" von Hans Bötticher.„Kohlen- land" von S. Thomaser,„Zirwspolitik",„Der Herr Leuinanl".„Bau- arbciter" von Klara Müller-s-,.Herr Protz" und außer zahlreichen kleineren Beitrügen noch die größeren saiiriichen Feuilletons„Pom konscrvaliv-srei- sinnig., lalioiialsozial-volkSpartellich-nalioiiaUiberalen Blockpartcitag",„lieber Eisenbahnlataslrophen",„560 Millionen Rebbach",„Wohlsahrtseinrichtungen", „Briese von der Reis« DernburgS",„Moralische Geschichten" und„Wahre Geschtchten". Der Preis der 16 Seilen starken Nummer ist 10 Ps. Plutu«. Kritische Wochenschrist sür Volkswirtschaft und Finanzwesen. Herausgeber: Georg Bernhard- 41. Hest. Verlag verlln-Charlottenburg, Goetbestr. 69. � Protokoll der hessischen Landeskonsercnz�pi Frledvcra 1907. 48 Selten. Verlag:„Ossenbachcr Abendblatt" in Ossenbuch a. M. VtrrUm« Universum. 24. Jahrgang. Hest 2. Wöchentlich ein Hest. 80 Ps. Verlag: Reclam in Leipzig. Idas literarisch« Echo. Halbmonatsschrift für Ltteratnrsreund«. STSi WrtWSST Wetter- Prognose für Dienstag, den It». Oktober 1907. Trocken und am Tage warm bei mäßigen südlichen Winden und zu» nehmender Bewölkung. Berlin«er Wetterbureau. WasserstandS'Nachrichtcn der LandeSaustalt für Wewüssertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r« g« l, Jnsterbnrg Weichsel. Thon, Oder, Ratibor , Kressen Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Barby Magdeburg Saale, Grochiitz Wasserstand Havel, Spandau . Ratbenow') Spree, Spremderg . Beeekow Weser, Münde» „ Minden Rhein, Waldshul „ Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Dcrtheim Mosel, Trier •BBS am 13.10. cm 84 143 108 160 -100 -18 107 83 10 seit 11,10. cm1) — 9 — 1 - 8 — 1 — 2 0 ~ 0 - 1 -10 1 >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. terate rar di« naebfu JSfummer mörr«n rpatert«™ bis 5 Ohl* nachmittag» des vorherigen Cagta In unserer Sxpedltton abgegeben werden. Größere Hnzeigen für die Sonntags-fftmiimr � erbitten dagegen schon bis fmtag nachmittag 5 Clhr, da nur In diefim falle die Hufnabme garantiert werden kann. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Dienstag, 15. Oktober, 8% Uhr abends: Versammlungen der Wahluereine. I. Kreis Driifels Festsäle, Neue Friedrichstraße 35. Referent: Genosse Dr. I�eo Arons« II. Kreis Berliner Bockbrauerei, Tempelhofer Berg(großer Saal). Referent: Genosse Fritz Ebert. III. Kreis Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. Referent: Genosse WoUxanx Heine. !¥. Kreis Breuers Salon, Große Frankfurterstr. 117. Referent: Genosse Paul Singer« ¥- Kreis Altes Schuhenhaus, Linienstraße 5. Referent: Genosse EeopoM Liepmanii« VI. Kreis Ballsch Mieders Festsäle, Badstr. 16. Referent: Genosse(Zeorg Eeoebour. WeilZensee. �Zum Prälaten", Lehderstraße. Referent: Genosse Emii Boeske. Tages-Ordnnng in allen Versammlungen: 1. Der preußische Parteitag. 2. Eventuelle Anträge zu demselben. 3. Diskussion. 4. Wahl der Delegierten. 5. Partei- und Vereins-Angelegenheiten. In allen diesen Versammlungen legitimiert das Mitgliedsbuch des betreffenden Wahlvereins. UM" nur Sei der Wiehtigbeif der Tages-Ordmmg ist vollzähliges erscheinen der Mitglieder eine unbedingte Pflicht. 209/8*_________ Die Vereins-Vorstände. Mittwoch, den IN. März, 8 Uhr abends:~ Große folks- Uechmmlmg in Kellers Festsälen, Kvppenstr. AN. Tages-Orduung: „Der nntionnllllittnlc Pnrteitng und die Iniilildeninlirntic". Restle«!: Reichst«gs»bgeord«eler Se««sse Ütlistl8t öe�öl. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwartet 209;9 Der Einberufer. Sozlalckcmobratlkchcr LA ivrtrh ss-ff ------ Mabwereln------- Ke Mittwoch, den 1«. Oktober, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Hoppe, Hermannstraste: Lenersl-yersemmlung. Tagesordnung: Beticht des Vorstandes. Kassenbericht. Anträge. Vereinsangelegen- heiten. Verschiedenes. DM- Mitgliedsbuch legitimiert."MD— Um zahlreiches Erscheinen ersucht 221&* Der Torstand. Achtung: Asulierer! Achtuns: Nerblind der Isolierer«.Steiiiliohlkger DeoHloyds. Ortsverwaltung Berlin. Abteilung I(Isolierer). Mittwoch, den kU. Oktober 1907, abends 8'/- Uhr: ---------------- Regelmäßige---------------- Mitglieder Uersammiung bei Patt, Dragonerstraße Skr. 13. TageS-Ordnung: i. Berichterstattung der Zwölfer-Kommission von der Verhandlung mit dem Ardeitgeber- verbände tm Jsolierergewerbe. 2. DiSlussion. Wegen der Wichtigkeit der TageS-Ordnung ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, dort zu erscheinen. 298/6___ Der Vorstand. I. A.: H. Lauge. Fi*. Hahn, Aleranderpla� in dieser Woche einen lSonderrerlrank In der Ilonfelttlons- Abtellnnr. Für Damen bietet sich hier eine günstige Kaufgelegcnheit sür denHerbst u. Winter.— Wirverweiscn gleich,, aus das heute erscheinende Inserat. Knnst-Stopferei Risse, Motten, Brandstellen-c. DetersdnrUerstr. 6? Verein der Berliner Buchdrucker und SchrMgieKer. Den verehrlichen Mitgliedern bringen wir hiermit zur gefälligen Kenntnis, daß die Vereinsversammlung am Mittwoch ausfällt und dafür die Fortsetzung der General- Versammlung stattfindet. Die Vertrauensleute werden gebeten, die Mitglieder hiervon zu verständigen. Den Delegierte» zur Generalversammlung gehe» bis spätestens Dienstag die alten Legittmationskarten, sowie die zur Tagesordnung gestellten Anträge gedruckt z«. Sollte aus irgend einem Versehen den Delegierten die Legitimationskarte nicht recht- zeitig zugehen, so bitten wir, sich dicserhalb an das Vereiusburca« zn wenden. Ohne Legitimationskarte kein Zutritt bis auf die durch die Generalversammlung vorgesehenen Funttionäre. 3oi2 Der Qauvorstand. freie Vereinigung der Maurer Deutschlands Ortsverein Serlin. Sonntag, den 20. Oktober 1907, vormittags 10 Uhr, in den Sophien- Sälen» Sophien st raste 17— IS: USF" General-Versammlung."ME Tages-Ordnung: 1. Bei ich! deS ersten Kassierers über die Strcikabrcchimng. Kassenbericht vom 2. und 3. Quartal. 2. DiS. kussion. 3. Wahl eines Revisors. 4. Unsere Stellung zu der vom Parteivorstand angeregten Einigungssragc zwecks Verschmelzung der in Frage kommenden Maurerorganisationen. 5. DiSku sion. 6. Anträge des Ausschusses. 7. Verschiedenes.* � MT* Mitgliedsbuch und Streikkarte legitimiert.-MD 130/11*_ Der Vorstand. I. A.: Gustav Zeglln. US.WllttesMM.ZS! Mittwoch, den 16. Okt., abends 8'/, Uhr, bei Graumann, Naunhnstr. 27: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und vom Arbeitsnachweis. 2.»Differenzen bei der Firma JuliuS Schlost-. 3. Abrechnung der Urania-Billetts. Verbandsangelegenheiten. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. 109/16 In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung erwartet zahlreiches und pünktliches Erscheinen Die LrtSvcrwaltung. Zahlstelle Ripdorf. Donnerstag, 17. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei TMel, Bcrgstr. 151: General Uersnmmlimg. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom III. Quartal. 2. Vortrag des Genossen Zletsch über:„Gewerkschaften*. 3. Verbandsangclcgenhcitc». 95/20___ Die Ortsverwaltnng. Durch Beschlnst des Königl. Amts. gcrichts hier vom 13. Sepleinbcr er. bin ich zum Nachlastpflcgrr sür den Nachlast der am 15. Juli 1907 zn Königsberg verstorbenen Wirt,» Wni-clinlnv GriiHchknhn bestellt. Asse dipienigen, welche Erbansprüche an diesen Nachlas, erheben zu können glaube». werden ausgesordert, ihre Ansprüche bei mir anzninelden, auch die zur Begründung des Einspruches ersorder- lichen Urkunden einzureichen. Königsberg, den 10. Otiover 1907. rivHvv, Rechtsanwalt. ygienische Uedarfsartiknl, Gummiwaren, 1000s Anerk. V. Prof. u. Äerat. empf., bill. Apoth. S, Schweitzer» Fab. hyg. Präp. Berlin 0., Holz- markts tr. 69-70. 03. verlang. ■ftHygiealsche BeGinstrokel. NeuotKatalos w- Empfohl. vioL Aerzto u.Pro£. grat. H. Dnftr. Gommiwareotabrik Berlin Friadrichairaaa G S1M. ist u. Winter.— Wir verweisen gleichz. auf das heute erscheinende Inserat. i.s/svr, ReTersheni'Mei'sti'.«7. Vo/aj____ taie vrtsverwaltnng-_ Berlin WW~ Fnadrichainma, 9] Lerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, i Für deu Soleratenttil versutw.: Xh. Glocke. Kttlin. Druck u. Bcrlag: VorwäcÄsiSuchdruckcret u. LellogSmch.äll Laul Sma» a Eo.. Be:!m i-'iV. Nr. 241. 24. Jahrgang. 3.§t\\m iw Jotmiitlä" Kkrlim Pollislihlt. Dienstag, 15. Oktober 1907. Antter Dtlltsch-OeSerrtichisch-Wgarischer Dosamentierer-Kongreß. F r a n k f u r t a. M., 13. Oktober 1907. Im festlich geschmückten Saale des hiesigen Gewerkschaftshauses traten heute die Delegierten des im Textilarbeiterverband orga- nisierten Posamentierer zum 3. Kongreß zusammen. Es sind ins- gesamt 33 Delegierte erschienen, darunter 27 Vertreter der deutschen Organisation, 3 Vertreter der österreichischen Organisation und je 1 Delegierter für die Schweiz, Ungarn und Böhmen. Vom Zentral- vorstand des Textilarbeiterverbandes ist Hübsch und Z e h m s- Berlin anwesend, ferner der Vertrauensmann der Posamentierer Deutschlands, Kollege Daus- Berlin. Die Tagesordnung umfaßt die Berichterstattung des Ver- trauensmannes, die Taktik der Lohnbewegungen und Streiks und den Arbeitsnachweis. Daus- Berlin gibt den Tätigkeitsbericht. Seit dem letzten Kongreß ist in organisatorischer Hinsicht viel verbessert worden, auch sind die Arbeitsverhältnisse günstiger geworden. In verschiedenen Städten wurden Tarife abgeschlossen, die einen Fortschritt auf- weisen, aber auch solche, die nicht gebilligt werden können. Redner trägt einige Beispiele solcher tariflicher Auswüchse bor und bemerkt, daß bei Tarifabschlüssen das Hauptaugenmerk aus die» einheitliche Regelung der Arbeitszeit gelegt werden muß. In dieser Hinsicht gehen die Bestimmungen der einzelnen Tarife weit auseinander. Trotz aller Fortschritte sind die Organisationsverhältnisse noch recht mangelhaft. Bei 3ö befragten Orten mit 181 Betrieben und 1776 männlichen und 1579 weiblichen Arbeitern waren nur etwa 699 organisiert. Aus diesen Zahlen kann man einen entsprechenden Rückschluß ziehen aus die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der be- fragten Orte. ES sind da Schwankungen in den Löhnen von 12 bis 31 M., die Arbeitszeit differiert zwischen 53 bis 65 Stunden wöchentlich. Welch großes Arbeitsfeld noch vorhanden ist, zeigt die Tatsache, daß von 1291 Betrieben von 5 bis 29 Beschäftigten 5668 und in 222 Großbetrieben noch 12 299 Arbeiter und Arbeiterinnen zu organisieren sind. Die bisherige Agitation hatte allerdings unter den finanziellen Verhältnissen zu leiden. In Zukunft ist also für bessere Finanzierung der Agitationskomitees zu sorgen. Nur durch den Anschluß an den Textilarbeiterverband kann den Posa- mentierern eine Aenderung ihrer überaus traurigen Lage garantiert werden.(Lebhafter Beifall.) D ö h l e r- Chemnitz entrollt eine Schilderung über das geradezu skandalöse Ausbeutungssystem der Textilbarone in Waldenburg und Umgegend, die ihren gelernten Arbeitern Wochen- .ohne von 8, 19 und 12 M., diese bei einer Arbeitszeit von 65 Stun- sen, zahlen. Auch die Möbelposamentierer und sogenannte Gallon- stuhlarbeiter bekommen diese Hungerlöhne. Aber nicht etwa bloß im sächsischen Erzgebirge liegen diese Zustände so, sondern auch fast in allen dortigen Textilindustriestädten. I Ueber die Zustände in den Thüringischen Staaten trägt dann S ch i r m e r. Altenburg einiges vor. Seine Schilderung gibt dem von D ö h l e r vorgetragenen Material nichts nach und besonders betont dieser Redner, daß die Unternehmer es vorzüglich verstehen, diese Zustände gegeneinander auszuspielen. A r o l d- Zürich gibt dann für die Schweiz einen Bericht, dem im wesentlichen zu entnehmen ist, daß dort die Verhältnisse ziemlich günstig liegen.— In Zürich, St, Gallen, Luzern, Zofingen, Bern, Lausanne und Genf bestehen Organisationen. Die Arbeitszeit beträgt zehn Stunden täglich, der Lohn schwankt zwischen 28 bis 36 Franken. Die Posamentierer sind in der Schweiz ebenso wie in Deutschland ihrem Textilarbeiterverband abgeschlossen. Arold plädiert lebhaft für die gemeinsame Anstellung einer Vertrauens- Person für die Branche. Gauleiter R e i ch e l t° Chemnitz bittet, bei allen Aktionen der Posamentierer auch die angestellten Gaubeamten hinzuzuziehen, und Richter- Hamburg ersucht, das entstandene Defizit nicht der Hauptkasse„zu überweisen", sondern ein Umlageverfahren anzu- ordnen. Von verschiedenen Seiten wird diesem Vorschlag wider- sprachen und gewünscht, daß der Hauptvorstand das Defizit deckt. Z e h m s- Berlin gibt für die Hauptverwaltung eine be- friedigende Erklärung ab. Hierauf geht Daus in seinem Schlußwort auf alle An- regungen der Diskussionsredner ein und betont zum Schlüsse die Notwendigkeit der Agitation unter den weiblichen Beschäftigten. Die Einbeziehung der verwandten Berufsgruppen ist schon immer veranlaßt worden, leider aber an der mangelhaften Organisation gescheitert. Die Deckung des vorhandenen Defizits wird der Hauptkasse überwiesen. In der Nachmitiagssitznng referiert der Hauptvorsitzende Hübsch- Berlin über die Taktik bei Streiks. In eingehender Weise schildert er die Mängel der bisherigen Lohnbewegungen und die Stellung des Zcntralvorstandes zu denselben. An dem Verlauf der Berliner Bewegung zeigt Hübsch in drastischer Weise die Wirrgänge und Irrwege, welche zu vermeiden sind.— Ein großer Teil seines Referats beschäftigt sich mit den Unternehmervcrbänden und ihrer Taktik und bespricht daran anschließend die Mittel und Wege des Verbandes. Eindringlich ersucht der Referent, auch den weiblichen Kollegen mehr Aufmerksamkeit bei den Lohnbewegungen zu schenken. — In sehr ausführlicher Weise schildert dann der Referent die Schleichwege der Unternehmer, um Streikarbeit zu bekommen und zu versenden und wie dem ein Paroli zu bieten ist. Schließlich er- sucht der Hauptvorstand noch, in keinem Fall ohne Genehmigung Lohnbewegungen zu inszenieren. An dieses Referat knüpft sich eine sehr ausgedehnte Debatte, an welcher sich Redner aus allen Landesteilen und auch die aus- wältigen Delegierten beteiligen. In fast allen Reden kommt die Zustimmung der von Hübsch aufgestellten Thesen zum Ausdruck. Nach vierstündiger Diskussion, in welcher in ausgiebiger Weise über die Vorschläge des Referenten debattiert wird, nimmt der Kongreß folgende Resolution an: Die Konferenz der Posamentierer erkennt im allgemeinen die vom Vorsitzenden des Verbandes, Kollegen Hübsch, gezeichneten Richtlinien der bei zukünftigen Lohnkämpfen in der Posamenten- industrie einzuschlagenden Taktik als vollständig richtig an. Die Konferenz verpflichtet die Vertreter, sofort die nötige Agitation in allen Zentren der Posamentenindustrie, besonders aber im Erzgebirge zu entfalten, um die Voraussetzungen zu schaffen, welche diese Taktik erfordert. Der Allsbau der Organi- fation und insbesondere die Organisierung der Hülfsarbeiter und der Arbeiterinnen ist sofort in intensivster Weise in die Hand zu nehmen, um dem Unternehmertum mit größter Entschiedenheit entgegenzutreten, wenn sie ihre übermütigen Pläne zur Aus- führung bringen sollten. Ferner wird dem Hauptvorstand die Anstellung eines besoldeten Beamten für das sächsische Erzgebirge zur Berücksichtigung überwiesen. Ueber den Arbeitsnachweis referierte Daus- Berlin. Auch in diesem Referat handelt es sich um die Charakterisierung einer Reihe sich aus dem bisherigen Verhältnis heraus entwickelten Dehler und ihre Abstellung, die nicht von allgemeinem Interesse sind. Aus der Debatte ist besonders zu erwähnen der Kampf, den die Unternehmer gegen den Arbeitsnachweis, der zentralisiert ist, führen, und die geschickte Art und Weise, wie sich die Organisation eine bessere Position errungen hat. Die in der Diskussion vorgeschlagenen Wege werden dem Jen- tralvorstand zur Berücksichtigung überwiesen. Es liegen hierauf noch einige kleinere Anträge vor. Ein Antrag, den nächsten Kongreß nicht als Posamentiererkongreß, sondern für alle in der Posamentierbranche beschäftigten Personen einzuberufen, wird angenommen. Hierauf wird Daus- Berlin einstimmig als Vertrauensmann wiedergewählt._ Schliichtergesellc» von Berlin und Umgegend! Mittwoch, den IS. Oktober 1397, abends 9 Ubr, im Gesclljchastshaus Berliner Musiker, Kaiser Wllhelmstr. 18m: Ocffentliche Versammlung. Deutscher Arbrtter-Abstiiieuteubnnd. Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, den IS. Oktober, abendS 8>/, Uhr, in den Jndustrie-Festsälcn, Beutbstr. 20: Versammlung. Bercin ehemaliger Beelitzer. Abteilung B. Mittwoch, den 18. Okt.. abends 8'/» Uhr, bei Göhlsdorf, Brunnenstr. 3: Vortrag. Cegrllndet 1826 BERLIN C.25 Alexander- Platz. Ecke I-andeberger-Straßo. Von Dienstag, den 15. bis Dienstag, 32. d. 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