Kr. 242. HbonnementS'Bedlngnngen: MlonnementS- Preis pränumerando s Lierteiiährl. 3,30 Mk,. monatl. 1,10 Mk,. wöchentlich 28 Pfg, frei inZ HauS, Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. Abonnement: l.IO Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Pretsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis 34. Jahrg. CrfällBt«glich außer tnontagt. Vevlinev VolkSbwkk. Dlt TnIcrHons'Gt6flI)f ielrägt für die sechsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum w Pfg,, für polltische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Meine Anreisen", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- stellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort S Pfg, Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis Ii Uhr nachmittags in der Expedition ibgcgeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm- Adresse: „Sozlalftinokrat Berlin", Zentralorgan der fozialdemokratifcbcn Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Die Leipziger Cragödie der ilrrungen. DeS Ungeheuerlichen viel hat der Hochverratsprozeß unseres Genossen Liebknecht geboten. Die Anklageerhebung, die Verurteilung, das Strafmaß, die Begründung des Reichs- gerichtsspruches, alles das zählt dazu. Noch toller aber als das alles war die Anklage, die der Oberreichsanwalt Olshausen vertrat. Der ist nun freilich in ihren schlimmsten Stücken das Reichsgericht nicht gefolgt. Aber von dieser Toten gilt nicht, daß man ihr nichts als Gutes nachreden solle. Denn in dieser unglaublichen Anklage treten die Anschauungen einflußreicher Kreise der herrschendenKlasse, bedeutsamer Stellen der regierenden Bureaukratie über die Sozialdemokratie zutage... Dieabgnmd- tiefe Unwissenheit der Herrschenden in allem, was die Sozial- demokratie betrifft, gähnt in dieser Anklage klaffend auf. Die Umrisse von noch nicht fest entworfenen Plänen, von aus blindem Haß geborenen wilden Wünschen auf gewaltsame Ver- nichtung unserer Partei dämmern in ihr auf. Und deshalb rechtfertigt es sich, diese Anklage auch nach ihrer Beiseite- schiebung durch das Reichsgericht, auch nach gefälltem Spruch noch einmal zu betrachten. Das gebührt ihr um so mehr, als ihr Vertreter, der Oberreichsanwalt Olshausen, nicht irgend ein unbeträchtlicher Instizbeamter ist. Herr Olshausen ist nicht nur oberster öffentlicher Ankläger am höchsten Gericht des Reiches, er ist auch ein namhafter Gelehrter auf dem Gebiet der Iuris- prudenz, ein geachteter juristischer Schriftsteller, von dem Generationen von Rechtsbeflissenen, wie Genosse Liebknecht im Prozeß erklärte, viel Gutes gelernt haben. Wenn ein solcher Mann. der einen ehren- vollen Ruf zu verlieren hat, eine solche Anklage voll der tollsten Ungereimtheiten, voll der unsinnigsten Unter- stellungcn vertreten konnte, so zeigt uns das mit erschreckender Deutlichkeit, was in der deutschen Rechtspflege niöglich ist, so bald in einen Prozeß die Schatten des Klassenkampfes fallen. An Herrn Olshausen kann man mit furchtbarer Klarheit erkennen, wohin selbst die besten Diener der Justiz kommen müssen, wenn sie— infolge ihrer naturgemäßen Befangenheit als Angehörige der herrschenden Klasse, infolge ihrer aus dieser Klassenstellung fließenden Vorurteile und Irrtümer über die moderne Arbeiterbewegung— sich als die Vertreter der Staatsraison gegen den Umsturz fühlen, d, h. objektiv, nicht in ihrem Bewußtsein, als die Vertreter des Interesses der Herr- schenken an der Erhaltung ihrer Herrschaft wider das um die politische Macht kämpfende Proletariat. Nichts von dem, tvas er seit der Einleitung des Pro- zesses inbezug auf ihn geschrieben habe, nehme er zurück, er- klärte der Oberreichsanwalt in der Verhandlung, lind in seiner Anklagerede kehrten denn auch wahrhaftig alle die ver- schiedenen Versionen wieder, auf Grund deren man im Laufe des Vorstadiums des Prozesses im bunten Wechsel dem An- geschuldigten den Strick zu drehen versuchte. Es lohnt sich, diese Versionen im einzelnen zu betrachten. Da ist zunächst die erste, im Antrag auf Beschlagnahme der inkriminierten Broschüre ausgesprochene, wonach Liebknecht beschuldigt wurde, einen Angriff Frankreichs auf Deutschland anzetteln zu wollen, um dann die Reichsverfassung zu stürzen. Es genügt, an diese in den Verhandlungen schon genügend charakterisierte, geradezu groteske Phantasie des Anklägers zu erinnern— einer nochmaligen Kennzeichnung dieses blühenden Unsinns bedarf es hier nicht. Anders ist es mit jener anderen Behauptung der Anklage, der Angeklagte habe sich zum Ziel gesetzt, das Proletariat zum Zwecke des Sturzes der Verfassung mit Waffen zu versehen und es im Gebrauch und in der Her- stellung der Waffen auszubilden! Der Ober- reichsanwalt hat diese Behauptung der Anklage in seinem Plaidoyer ausdrücklich wiederholt. Man kann nun die Lieb- knechtsche Broschüre dreimal, zehnmal, hundertmal lesen, man wird nichts finden, was den Oberreichsanwalt zu der An- nähme berechtigte, daß Liebknecht eine solche hirnverbrannte Dummheit zu begehen beabsichtige. Wir würden auch heute in dieser Beziehung noch vor einem unlösbaren Rätsel stehen, wenn sich nicht in der Verhandlung ergeben hätte, auf welche Stelle der Schrift sich Herr Olshausen stützen zu können glaubte. In dem Einleitungskapitel:„Entstehung und Grund- läge der gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse" legt Genosse Liebknecht in objektiv-historischen Ausführungen die geschichtlichen Bedingungen der gesellschaftlichen Kämpfe und der Entstehung eines vom Volke abgesonderten und von den Herrschenden gegen das Volk verwendbaren Heeres, d. h. des Militarismus dar. Er zeigt, daß ein solcher Militarismus nicht möglich ist in der urwüchsig-kommunistischcn Gesellschaft der Bluts- Verwandtschaftsorganisation, wo jeder Mann wehrfähig und im Besitz von Waffen ist— die Jagdwaffe ist dort gemeinhin auch die Kriegswaffe— und wo die Waffe noch so einfach ist, daß sie gemeinhin jedermann selbst anzufertigen vermag. Die weitere Entwickelung aber brachte Arbeitsteilung, Privat- eigentum, Ungleichheit des Besitzes, Klassenbildung, Klassen- gegensätze, Klassenstaat und Militarismus. Denn gleichzeitig wird die Kriegswaffe komplizierter und ihre Herstellung erfordert besondere Ausbildung. Dem Volke ist es nicht mehr oder nur schwer möglich, sich jederzeit in den Besitz von Waffen zu setzen, die denen der Berufskrieger gleichwertig sind. Der Militarismus ist da. Schließlich kommt Liebknecht zu dem Schluß: „Es genügt aber nicht bereits, daß alle Bürger gleich be waffnet sind und ihre Waffen bei sich führen, um eine Herrschaft der Demokratie auf die Dauer zu sichern; denn die bloße gleiche Berteilung der Waffen schließt, loie die Vorgänge in der Schweiz gezeigt haben, nicht aus, daß diese Verteilung von der Majorität, die im Begriff ist, Minorität zu werden, oder selbst von einer besser, schlagfertiger organisierten Minorität beseitigt wird. Die gleichmäßige Bewaffnung der gesamten Bevölkerung kann eben nur dann eine dauernde und unentziehbare sein, wenn die Waffen- erzeugung selbst Allgemeingut ist." Für jeden, der nur ein ganz klein wenig mit den Ge dankengängen des wissenschaftlichen Sozialismus vertraut ist, besagen diese Ausführungen lediglich, daß in der sozialistischen Gesellschaft mit dem Fall der Trennung des Arbeiters von den Produktionsmitteln auch seine Trennung von den Waffen fallen würde, daß sich in der sozialistischen Gesellschaft— sofern sie noch Waffen nötig hat— aus höherer Stufe der Zustand in der urwüchsig-kommunistischen Gesellschaft der Urzeit wiederholen würde, daß die Waffew erzeugung wieder Allgemeingut würde, nicht, wie dort, in der Form, daß jeder einzelne Waffen zu fertigen imstande ist, sondern daß die mit der Waffenerzeugung beauftragten Hand und Kopfarbeiter lediglich die Beauftragten der Allgemeinheit, der Gesellschaft sind. Was aber machte der Oberreichsanwalt aus diesen rein theoretischen Ausführungen? Die dunkle Ab ficht, das Proletariat heute schon mit Waffen zu versorgen und es in ihrem Gebrauch und ihrer Erzeugung zu untev richten. Er unterstellte also damit dem Genossen Lieb> knecht die geradezu hirnverbrannte Absicht, die komplizierte Kriegswaffe der Jetztzeit, bei deren Herstellung ein Heer von Arbeitern Hand in Hand arbeitet, entweder im Kleinbetrieb herstellen zu wollen— oder er befürchtete, Liebknecht wolle im geheimen Riesenbetriebe a la Krupp errichten, in denen das Proletariat in der Herstellung von Waffen geschult werden solle! Es genügt, diese Konsequenzen der oberreichsanwaltlichen Beschuldigung auszusprechen, um sie in ihrer ganzen Un- Möglichkeit darzustellen. Nur eine staunenerregcnde Unkenntnis auf gesellschaftswissenschaftlichem Gebiet und nur eine totale Ignoranz in allem, was die moderne großkapitalistische Pro- duktion und die moderne Technik angeht, sowie eine tolle An- Häufung der wunderbarsten Vorstellungen über das Wesen der Sozialdemokratie vernrag diese Phantasie des Ober- reichsanwalts zu erklären! Würdig reiht sich ihr an die Entdeckung des bewußten „Druckfehlers" in der inkriminierten Schrift, aus dem dem Genossen Liebknecht ein weiterer Strick gedreht werden sollte. Der ganze Zusammenhang, so rief der Oberreichs- anwalt aus. beweise, daß hier ein Druckfehler vorliegen müsse, daß der Angeklagte genau das Gegenteil habe sagen wollen, als was er an der betreffenden Stelle der Broschüre zu sagen scheine.„Ter ganze Zusammenhang" besagt tat- sächlich für jeden, der das Buch vorurteilslos liest, genau das Gegenteil der oberreichsanwaltlichen Deduktion vom Druck- fehler. Er ergibt, daß Liebknecht genau das sagen wollte und gar nichts anderes sagen konnte, als das, was in der Broschüre wirklich steht. Liebknecht sagt an der betreffenden Stelle: Niigiiiistigere Verhältnisse(für eine revolutionäre Aktion) gibt es nicht als einen Krieg. Das steht mit aller geschichtlichen Erfahrung im Einklang, das ist auch die logische Schlußfolgerung aus dem, was Liebknecht vorher ausgeführt hat. Der Oberreichsanwalt aber behauptete steif und fest bis zum Ende, es müsse statt„ungünstigere"„günstigere" heißen, so habe Liebknecht zweifellos geschrieben und publizieren wollen! Dabei hat Liebknecht vorher dem Sinne nach folgendes entwickelt: Wir müssen das Gefühl der Solidarität zwischen oen Völkern so lebendig und stark machen, daß es unmöglich ist, einen Krieg anzuzetteln. Wenn es uns aber nicht gelingt, einen Krieg zu verhindern, so wird uns eine Aktion gegen einen bereits ausgebrochenen Krieg noch viel weniger gelingen. Denn wenn der Krieg erst einmal den„Patriotis- nuis" entzündet hat, dann sind ungünstige Verhältnisse zur Entfaltung der proletarischen Macht. Allerdings gibt es Fälle, wo die Sache anders liegt, aber das sind Ausnahme- fälle, anormale Fälle, unsere Tattik aber hat sich auf den normalen Fall einzurichten. Jedermann wird zugeben, daß in diesen Gedankengang das Wort„günstigere Verhältnisse" gar nicht hineinpaßt. Aber der Oberreichsanwalt beharrte auf seiner Behauptung und wollte den Genossen Liebknecht unbedingt zu einem Verbrechen wider die Logik und gegen alle geschichtliche Erfahrung verpflichtet wissen. Und was schlimmer ist, daraufhin zu Zuchthaus verurteilt wissen! Wer kann sich nach solchen Leistungen noch darüber wundern, daß der Oberreichsanwalt Zuchthausstrafe be- antragte, daß er, obgleich das Strafgesetzbuch ausdrücklich an- erkennt, daß der Hochverräter nicht aus ehrloser Gesinnung heraus zu handeln braucht, die ehrlose Gesinnung aus der Tat selber, aus dem angeblichen vorbereiteten Hochverrat schloß. Wer die bestehende Staatsordnung anzugreifen wagt, der— angebliche— Verbrecher aus politischer Gesinnung ist ehrlos in den Augen des Overreichsanwalts! Das Reichsgericht hat nun zwar alle diese Deduktionen des Oberreichsanwalts abgewiesen. Das Urteil ist nicht so schlimm ausgefallen, wie der Oberreichsanwalt wollte, wenn- gleich es immer eine Ungeheuerlichkeit bleibt. Ganz ist die Justiz den Absichten— sagen wir der verwaltenden und regierenden Bureaukratie, denn deren Wille spiegelt sich in den Worten und Handlungen des Oberrcichs- anwalts— noch nicht gefolgt, wenn sie ihr auch das Haupt- stück ihrer Forderungen bewilligt hat. Des Lichts wegen, das die Anklage und das Verhalten des Anklagevertreters auf die Absichten und Anschauungen der regierenden Verwaltungs- bureaukratie wirft, die ja auch im Auftrage der herrschenden Klassen die Gesetzentwürfe ausarbeitet und einbringt, war es angebracht, die Ungeheuerlichkeiten der Anklage gesondert zu betrachten. Viel weniger veranlaßte uns dazu der Umstand, daß an dieser Anklage ein wissenschaftlicher Ruf zugrunde ging. Für den Träger der Justiz gilt bis in die höchste Spitze hinauf der Satz:„Wer vom Papste ißt, stirbt daran." Wer der „Staatsraison" Einfluß auf die Rechtspflege gestattet, der muß bereit sein, Ruf und Ansehen als Jurist zu verlieren l fort mit«ler Geiinnungserprestung! Der Vorschlag Barths wird auch heute von dem größten Teil der Presse einfach totgeschwiegen. Das ist umso merkwürdiger, als sich die Freisinnigen sagen müßten, daß er für sie immer noch ein Mittel ist, den vollständigen Bankrott des Liberalismus in der Blockpolitik im allgemeinen und in der Frage des preußischen Wahlrechts wenigstens einigermaßen zu verschleiern, freilich nicht vor den Massen der Entrechreten, aber vielleicht gerade noch vor ihren eigenen Wählern. Aber der Freisinn scheint absolut nichts tun und wirklich ein Bild von politischen Scrvilismus bieten zu wollen, das selbst die Junker sich kaum träumen ließen. Diese Taktik des Freisinns ist für ihn selbst um so gefährlicher, als er dem Zentrum so die Möglichkeit gibt, sich aus billigste Weise in der preußischen Wahlreform als verläßlicher zu erweisen als die Liberalen. Daß das Zentrum sich diese Gelegenheit, bei der es gar nichts riskiert, Ivird entgehen lassen, halten wir für un- wahrscheinlich. Der Freisinn wird also seinen Herren, den Junkern, nicht einmal eine Verlegenheit ersparen. Aber das sind nicht unsere Sorgen. Für uns ist die geheime Stimmabgabe eine ziemlich belanglose, Sache verglichen mit deiki, was unser Recht ist und was uns werden muß: das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. Nur um zu zeigen, wie entsetzlich rückständig Preußen und seine Parteien sind, wollen wir das Selbstverständliche einmal sagen und zeigen, was die öffentliche Stinimenabgabe eigentlich bedeutet. Wenn das öffentliche Stimmrecht sich solange innerhalb des Dreiklassenwahlrechts behaupten konnte, so nur deshalb, weil die großen Massen des Volkes allzulange mit allzugroßer Glcichgülligleit den Wahlen in Preußen gegenüberstanden in der Erkenntnis, daß eine wahre Volksvertretung ja doch aus solchem Wahl- recht nie geboren werde» könne. Aber in dem Moment, als die Volksinassen wirklich zur Wahl gingen, stellte sich sofort heraus, daß die öffentliche Stimmenabgabe unerträglich, überflüssig und in jeder Hinsicht nutzlos ist. Unerträglich, denn heute ist in Deutschland mich der letzte Proletarier so weit, daß er es sich einfach nicht mehr gefallen läßt, daß seine Gesinnung ausspioniert wird. Er weiß, daß das Stimmrecht sein wichtigstes politisches Recht ist, das er sich unter keinen Umständen nehmen lassen darf. Er müßte sich selbst verachten, wenn er es nicht frei und selbstbewußt ausübte. Deshalb enipffndet er nichts aufreizender, nichts empörender als eine Kontrolle seiner Abstimmung. Der Proletarier' ist ökonomisch unfrei, Diener eines anderen, des Kapitalisten, dem er den größten Teil des Wertes seiner Arbeit abtreten muß. Aber der moderne Proletarier erträgt es nicht mehr. Sklave zu sein. Der Kapitalist kauft seine Hände, aber er kann nicht seine Gesinnung kaufen. Aber ebensowenig kann er sie vergewaltigen, ohne den schlimmsten Haß und die unsagbarste Verachtung in jedem Proletarier wachzu- rufen, ohne wirksamste Propaganda zu machen für die Unerträglich« keit der öffentlichen Stimmenabgabe. Aber diese ist auch heute für die herrschenden Klassen gänzlich überflüssig und nutzlos geworden. Denn dort, wo für die Sozial« demokratie Aussicht auf Erfolg, auf Erringung eines Mandats vor- handen ist, dort spielt die Kontrolle der Stimmenabgabe überhaupt keine Rolle. Diese kann höchstens bewirken, daß dort, wo wir noch eine schwache Minorität sind, uns Stimmen abhanden kommen, daß im ganzen Lande schließlich uns ein paar tausend Stimmen ge« stöhlen werden, die sonst unsere Gesamtstimmenzahl vermehrt hätten. Aber politisch fällt das nicht in die Wagschale. Haben wir doch in unseren politischen Vereinen, deren Mitglieder der Polizei namhaft gemacht werden müssen, Hunderttausende von Mtgliedern. Wir sind eben in den Industriezentren viel zu stark geworden, als daß der Arbeiter das geringste zu befürchten hätte, stolz und frei seine sozialdemokratische Gesinnung zu bekennen. Vielleicht daß auch hier sich ein Feigling von dem Eintreten für seine Ueberzeugung einmal abhalten läßt; politisch fällt das kaum je in Betracht. Im Gegenteil, auf die Dauer würde schließlich die öffentliche Stinnnen« abgäbe auch jene Schichten, die heute noch eine gewisse Scheu vor öffentlicher Bekundung ihrer Ueberzeugung haben, dazu erziehen, diese Scheu abzulegen. Die Oeffentlichkeit des Stimmrechts ist das geringste Hindernis für die Erringung von sozialdemokratischen Siegen. Aber es ist eine Entwürdigung des Arbeiters, daß das Kapital das Recht verlangt, auch seine Ueberzeugung ihm vorzuschreiben. Als Verletzung seiner Menschenwürde empfindet der moderne Proletarier die Oeffentlichkeit der Wahl und deshalb mutz sie vesektigt werden. Mer dnS öffentliche Stimmrecht ist auch unmoralisch. EZ ist die Verleitung zur Gesiimungs- spionage, zur Gesiiminigscrprcssmig in Permanenz. Unsere Gegner klagen soviel über«sozialdemokratischen Terrorismus". Wir wissen, es sind Verleumdungen. Aber gibt es eine stärkere Verleitung der Arbeiter, diejenigen, die sich bei Wahlen als ihre schlimmsten Gegner gebärden, dies auch wirtschaftlich fühlen zu lassen, als das öffentliche Stimmrecht? Gehört nicht der hohe Respekt, den der Sozialdemokrat vor jeder ehrlichen lieber- zcngung hat, dazu, daß die Arbeiter diesen Versuchungen wider- stehen? Und zeigt irgend etwas anderes deutlicher als gerade das Festhalten am öffentlichen Stimmrecht, dasi unsere Gegner ihre eigenen Behauptungen über sozialdemokratischen Terrorismus nicht glauben, sie dafür halten, was sie sind, für Lügen und Ver- leumdungcn? Aber unseren Gegnern fehlt der Respekt bor fremder Ueberzeugung. der uns alle beseelt, s i e erliegen den Ver- suchungen und werden zu Erpressern an den von ihnen Wirt- schastlich abhängigen Existenzen, freilich ohne andere Wirkung, als dasi sie um so g r ö tz e r e Erbitterung. Wut und Em- p ö r u n g bei ihnen wecken. Sie bewirken dadurch nur, daß ihre wertlosen und momentanen Erfolge bei der öffentlichen Wahl sich in ebensoviele, aber dauernde Mißerfolge bei der geheimen Wahl zum Reichstag umwandeln. Das geheime Wahlrecht ist so wenig eine politische Forderung, als eine Erfüllung des politischen AnstandeS und der politischen Klugheit. ES wäre übertrieben,, die Abschaffung des öffentlichen Wahlrechts eine«Reform" zu nennen. Sie ist eine wenig be- deutende, längst fällige Maßregel. Ihre Erfüllung in der nächsten Session des preußischen Landtages ist -ine Selbstverständlichkeit, die geschehen muß. ohne daß damit viel Aufhebens gemacht wird. Steueelchraube gegen Melier. Der Steuerbeutel geht um. Schon jetzt werden in Preußen von den Magistraten und Gutsvorständen Vorbereitungen getroffen, damit das Einkommen des Angestellten und Arbeiters, der weniger als 3000 Mark jährliches Einkommen hat, im Jahre 1908 nur ja bis auf den letzten Pfennig besteuert werde. Es werden die Arbeitgeber um Auskunft über Namen, Wohnort, Wohnung der bei ihnen in ihrem Beruf oder Gewerbe gegen Gehalt oder Lohn dauernd beschäftigten Personen sowie über die Höhe des Ein- kommcns befragt, das diese Angestellten und Arbeiter seit dem 1. Januar bis zum 30. September dieses Jahres hatten. Diese Befragung zwecks Steuerschnüffelei nach Ar- beitSlohnen erfolgt auf Grund derselben Einkommen- steuergesetz-Novelle, die zugunsten des Großgrundbesitzes und Groß. kapitals eine Reihe neuer Steuerprivilegicn einführt. Der Mittel- stand und die Arbeiter sind durch dies Gesetz viel schlechter als vordem gestellt. Vor allem ist gegen die Angestellten und Arbeiter mit Einkommen bis 3000 Mark eine Art Denunziations- Pflicht der Hausbesitzer und der Arbeitgeber ein- geführt. Es seien die Grundzüge dieser Einkommensteuergesetz- Novelle nochmals dargelegt, um vielfachen SsZünschcn aus unserem Leserkreise nachzukommen. Das Deutsche Reich hat bereits im Jahre 1877 ein Jahres- einkommen bis 1500 Mark als unentbehrlich und in der Regel unpfändbar bezeichnet. Trotzdem steht es aber den einzelnen Bundesstaaten frei, derartige Jahreseinkommen noch mit Steuern u zwicken. Und Preußen macht ausgiebigsten Gebrauch von iesem Recht. Bekanntlich verlangen die Sozialdemokraten, alle Einkommen bis mindestens 3000 Mark sollen steuerfrei bleiben und bei den höheren Einkommen soll proportional der Höhe der Einkommen die Steuerschraube stärker angezogen werden. Würde Preußen dementsprechend alle Jahreseinkommen bis 3000 Mark steuerftei laffen und die Steuerschraube bei den höheren Ein- kommen nur um 1 Proz. anziehen, so würde der Staat 40 Mill. mehr herausschlagen als er heute einnimmt. Das preußische Dreiklassenparlament ist aber den umgekehrten Weg gegangen. Konservative und Freisinnige Arm in Arm haben ein Einkommen- steuergesetz geschaffen, auf das man als Motto das Wort aus Ev. Markus 25 setzen könnte: «Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nichts hat, von dem wird man nehmen auch das, was er hat." Erwähnt seien einige Vorschriften nach dieser Richtung. Die Veranlagung zur Steuer richtete sich bis zum 1. Januar dieses Jahres nach dem dreijährigen Durchschnitte. Dadurch wurde hier und da die Härte vermieden, daß ein zur Steuer Veranlagter das zufällige höhere Einkommen eines Jahres in dem kommenden, mit einer schlechteren Gesamteinnahme abschließenden versteuern mußte. Diese Borschrift ist seit dem 1. Januar dieses Jahres den An- gestellten und Arbeitern gegenüber ausgehoben. Für sie erfolgt die Veranlagung fortan nach den Ergebnissen des dem Steuerjahr unmittelbar vorangegangenen Kalenderjahres oder nach dem mut- maßlichen Jahresertrag: also im Jahre 1908 wird das Einkommen besteuert, das der Angestellte oder Arbeiter 1907 hatte. Hingegen ist das Einkommen aus Handel, Gewerbe, Bergbau und aus Land- und Forstwirtschaft auch künftighin nach dreijährigem Durchschnitt zu veranlagen, falls der Steuerpflichtige in geordneter Weise Bücher führt. So kann es kommen, daß z. B. beim Großgrund- besitzer 2000 bis 3000 Mark, die für persönliche Ausgaben oder für Bewertung der eigenen Arbeitskraft als Ausgaben gebucht sind, von der Steuerpflicht befreit sind. Ebenso liegen Bevorrechtigungen der Wohlhabenden in den Abzügen, die das Einkommensteuergesetz ihnen gestattet. So dürfen vom Einkommen die Beiträge zu öffentlichen Be- und Ent- Wässerungsverbänden, die von dem Grundeigentum» dem Gewerbe- betrieb und dem Bergbau zu entrichtenden direkten Kommunal- steuern bis zur Höhe der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer in Abzug gebracht werden. Bis zur gleichen Höhe werden in den Gutsbezirken die realen Kommunallasten und die neben ihnen bestehenden Gutslasten als abzugsfähigc Wcrbungskosten angesehen. Die Gntslasten kommen dabei mit 30 Proz. der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gr- Werbesteuern auch dann in Ansatz, wenn die Gutslasten erheblich niedriger sind. Infolge dieser Vorschrift sind eine Reihe Haus- besitzer und Großgrundbesitzer, deren Einkommen sich um mehrere Tausend Mark erhöht hatte, in der Steuer herabgesetzt. Von dem, was ferner abzugsfähig ist, seien hervorgehoben: die Beiträge zu den Berusskammer», z. B. die an eine Landwirtschafts-, Handels-, Handwerks-, Aerzte-, Anwalts-, Apotheker-Kammer zu zahlenden Beiträge(nicht aber die an Gewerkschaften oder Arbeitervereine zu entrichtenden Beiträge); die auf Kirchenpatronats-Verpflich- tungcn beruhenden dauernden Lasten; die auf Grund rechtlicher Verpflichtung vom Steuerpflichtigen zur allmählichen Tilgung eines auf seinem Grundbesitz haftenden Schuldkapitals zu ent- richtenden Beträge, soweit sie 1 Proz. des Kapitals und den Be- trag von 000 Mark jährlich nicht übersteigt(nicht aber Schulden, die der Mittelstand oder Arbeiter ohne Grundbesitz ge- macht hat). Ferner trifft Z 12 des Einkommensteuergesetzes für die Besitzer von Waldstücken, welche nicht nach einem forstmäßigen Plane bewirtschaftet werden, das neue Privilegium, daß die Er- gebnisse von Abtrieben aus diesen Waldstücken als steuerpflichtiges Einkommen nicht anzurechnen sind, wenn und soweit dieselben sich in einem Jahre auf mehr als den zehnten Teil des Wertes des vorhandenen Holzes erstrecken. Neben diesen insbesondere dem Großgrundbesitzer zugute kommenden Geschenken ist die Zulässigkeit der bereits früher für zulässig erklärten Abzüge aufrecht erhalten.-Dahin gehören zum Beispiel die Deichlastcn, die indirekten zu den Geschäftsunkosten zu rechnenden Abgaben, die regelmäßigen jährlichen Absetzungen für Abnutzung der Gebäude, Maschinen und des sonstigen toten Inventars. Nach wie vor sind dem Arbeiter Abzüge für die zur Erhaltung seiner Arbeitskraft gemachten Aufwendungen nicht ge- stattet: er kann weder für Lebensunterhalt, noch für Bekleidung, noch für Miete Abzüge machen. Für die Abzüge, die er vom Ein- kommen machen darf, gelten nur folgende allgememe Bestim- mungcn: Es sind abzugsfähig: 1. die von dem Steuerpflichtigen zu zahlenden Schulden- zinsen; 2. Renten und dauernde Lasten, die auf Privatrechts- titeln(z. B. Vertrag, Verschreibung, letztwilliger Verfügung) beruhen; 3. die von dem Steuerpflichtigen für seine Person gesctz- oder vertragsmäßig zu entrichtenden Beiträge zu Kranken-, Niifall-, Alters- und Jnvnlidenversicherungs-, Witwen-, Waisen- und Pciisionskassen, soweit diese Beiträge zusammen die Höhe von 000 Mark nicht übersteigen; 4. Versicherungsprämien, welche für Versicherung des Steuerpflichtigen oder eines nicht selb- ständig zu veranlagenden Haushaltungsangehörigcn auf den Todes- oder Lebensfall gezahlt werden, soweit die Prämien den Betrag von 000 Mark jährlich nicht übersteigen. In Betracht kommt für den Mittelstand und Arbeiter noch folgende Vorschrift des Z 19 zugunsten solcher Steuerzahler, welche Kinder oder Angehörige zu unterhalten haben: „Gewährt ein Steuerpflichtiger, dessen Einkommen den Be- trag von 3000 Mark nicht übersteigt, Kindern oder anderen Familienangehörigen auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Unter- halt, so wird ihm von dem steuerpflichtigen Einkommen für jedes derartige Familienmitglied de» Betrag von 50 Mark in Abzug gebracht mit der Maßgabe, daß in jedem Falle eine Ermäßigung stattfindet um eine der im§ 17 vorgeschriebenen Steuerstufcn bei dem Vorhandensein von drei oder vier, um zwei Stufen bei den: Vorhandensein von fünf oder mehr derartigen Familien- Mitgliedern." Aber mit diesen Ungleichheiten noch nicht genug? Damit auch nicht ein Pfennig des Einkommens unversteuert bleibt, das der Mann oder die Frau erwirbt, ist eine TcnunziationSpflicht für Hausbesitzer und Arbeitgeber solchen Angestellten und Arbeitern gegenüber eingeführt, die weniger als 3000 Mark Jahreseinkommen haben. Auf Betreiben nationalliberaler und konservativer Ab- geordneter und des freisinnigen Abgeordneten Gerschel ist nämlich durch eine besondere Novelle vom Mai dieses Jahres dem Z 23 des Einkommensteuergesetzes folgender Wortlaut gegeben: „Jeder Besitzer eines bewohnten Grundstückes oder dessen Vertreter ist verpflichtet, der mit der Aufnahme des Personen- standes betrauten Behörde die auf dem Grundstücke vorhandenen Personen mit Namen, Berufs- oder Erwerbsart, Geburtsort, Geburtstag und Religionsbekenntnis für Arbeiter, Dienstboten und Gewerbcgehülfen auch den Arbeitgeber und die Arbeitsstätte anzugeben. Die HaushaltungSvorstände haben den Hausbesitzern oder deren Vertretern die erforderliche Auskunft über die zu ihrem Hausstande gehörigen Personen einschließlich der Unter- und Schlafstellenmieter zu erteilen. Arbeiter, Dienstboten und Gewerbcgehülfen haben den Haushaltungsvorständcn oder deren Vertretern die erforderliche Auskunft über ihren Arbeitgeber und ihre Arbeitsstätte zu er- teilen. Wer für die Zwecke seiner Haushaltung oder bei Ausübung eines Berufes oder Gewerbes andere Personen dauernd gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt, ist verpflichtet, über dieses Ein- kommen, sofern es den Betrag von jährlich 3000 Mark nicht übersteigt, dem Gemeinde-(Guts-)vorstande seiner gewerblichen Niederlassung oder in Ermangelung einer solchen seines Wohn- sitzes auf deren Verlangen binnen einer Frist von mindestens zwei Wochen Auskunft zu erteilen. Die Auskunftspflicht erstreckt sich auf folgende Angaben: a) Bezeichnung der zur Zeit der Anfrage beschäftigten Personen nach Namen, Wohnort und Wohnung; eine Verpflichtung zur Angabe von Wohnort und Wohnung besteht jedoch nur, so- weit diese dem Arbeitgeber bekannt sind; d) das Einkommen, welches die zu a) bezeichneten Personen' seit dem 1. Januar des Auskunftsjahrcs oder seit dem späteren Beginn ihrer Beschäftigung bis zum 30. September desselben Jahres tatsächlich an barem Lohne(Gehalt) und Naturalien aus dem Arbeits- oder Dienstverhältnisse bezogen haben. Dem Arbeitgeber ist jedoch gestattet, statt dessen für diejenigen Per- sonen, welche bei ihm schon in dem ganzen der Auskunft- erteilung unmittelbar vorangegangenen Kalenderjahre beschäftigt waren, das in diesem Jahre tatsächlich bezogene Einkommen an- zugeben. Naturalbezüge, insbesondere freie Wohnung oder freie Station, sind ohne Wertangabe namhaft zu machen. Diese Pflicht liegt auch den gesetzlichen Vertretern nicht» physischer Personen ob." So haben die Herren im Dreiklassenparlament es durchgesetzt, daß dem Reichsten Steuerbevorrechtungen, dem Mittelstand und der gesainten Arbeiterklasse neue Lasten auferlegt werden; ins- besondere Verheiratete werden durch diese Neuerung besonders schwer betroffen. Der Steuerzettel des Jahres 1908 wird die Steuererhöhungen schwarz auf weiß zeigen. Und doch gibt es noch Handwerker, Geschäftsleute, Angestellte, ja selbst Arbeiter, die solchen Gesetzgebern ihre Stimme bei der Wahl geben! Ein Gutes hat die Neuerung: sie ist geeignet, noch Vertrauensseligen das Leitmotiv der besitzenden Klasse erkennbar zu lassen: „Wer da hat, dem wird gegeben, und wer nicht hat, von dem wird man nehmen auch das» was er hat." poUtifebe Qcb erficht, Berlin, den 15. Oktober 1907. Der bedrohte Militärstaat! Der«Kons. Korresp." ist die Ankündigung des Partei- Vorstandes, die Verhandlungen des Leipziger Hochverrats- Prozesses als Broschüre verbreiten zu lassen, in die Glieder gefahren. Sie zetert über die„hochverräterische" Absicht des Parteivorstandes, Stellen der Liebknechtschcn Broschüre, deren Vernichtung das Reichsgericht beschlossen hat, im Rahmen des Prozeßberichtes verbreiten zu wollen, eine Absicht, die übrigens der Parteivorstand noch mit keiner Silbe zu er- kennen gegeben hat! Man sehe daraus, daß es„ganz be- sonderer Mittel" bedürfe,„um der hochverräterischen Agitation der Sozialdemokratie den Weg zu verlegen". Die offiziöse„N o r d d. A l l g. Z t g." erbarmt sich der ge- ängstigten Konservativen, indem sie ihnen folgenden Trost spendet: „Dazu reichen unseres Erachtens schon die gegen- wärtigen Gesetze auS. Berichte, auch wenn sie wahrheitsgetreu sind. sind verfassungsmäßig nur über Parlamentsverhandlungen völlig straffrei. Berichte über Gerichtsverhandlungen dagegen können, wenn sie strafbaren oder gerichtlich mit Strafen belegten Inhalt wiedergeben, bei öffentlicher Verbreitung sehr wohl unter Strafe gestellt werden und sind es auch wiederholt. In diesem Falle wäre die M ö g- lichteit um so mehr gegeben, als daS Reichsgericht die Vernichtung des Liebknechtschen Buches ausdrücklich be- schloffen hat." Das offiziöse Organ will also die Wiedergabe von Stellen der Liebknechtschen Broschüre b c st r a f t sehen, die in Leipzig selbst vor der breitesten Oeff entlich keit verlesen worden sind l Wie kläglich muß es um unseren Militärstaat bestellt sein, wenn er nicht einmal die wahrheitsgetreue Wiedergabe einer Prozeßverhandlung vertragen kann.— Der„Störer des Blockfriedens". Die„Deutsche TageSztg." ühxrschüttct Herrn Theodor Barth mit einem Wuterguß, weil er eS gewagt hat. vom Freisinn zu fordern, der Regierung die Bedingung zu stellen, noch im gegenwärtigen Landtag ein Notgesetz für Einführung deS geheimen Wahlrechts einzubringen. Es liege auf der Hand, daß der Reichs- kanzler auf diesen Plan nicht eingehen könne. Herr Barth verfolge aber offenbar keinen anderen Zweck, als die Zerstörung des Blockfriedens, er kenne kein schöneres Ziel, als„Miß- trauen zwischen den einzelnen Teilen(des Blocks) zu Pen. die ohnehin nicht gerade mit eisernen Nägeln zu- sammengefügt" seien. Dieser Zornerguß, der den Freisinn einschüchtern soll, ist überaus dumm. Denn Barths Forderung ist doch so un- geheuer bescheiden, daß gerade das Agrarierorgan daS be- gründctste Mißtrauen sät, wenn es behauptet, daß Bülow auf Barths Vorschlag nicht eingehen könne. Wer soll ihn denn daran hindern? Die Junker?! Wenn deren Macht über den Reichs- kauzler so groß ist, dann ist allerdings jede freisimnge Hoffuuug selbst auf die bescheiden st e Flickreform eine kindische Illusion! Der Freisinn wird deshalb gar nicht umhin können, nun erst recht die Probe auf das Exeinpel zu machen, will er nicht den Vorwurf auf sich laden, sich dem kaudinischen Joch der Junker gebeugt zu haben!-- Gegen die Reichseinkommensteuer wendet sich mit aller Schärfe die halbamtliche„Leip- z i g e r Z t g.". In Deutschland sei die Ouelle der direkten Besteuerung schon jetzt in ziemlich erschöpfender Weise in Anspruch genommen. Wenn zu den direkten Stenern für Zwecke des Staates, der Gemeinde, der Kirche usw. noch direkte Reichs steuern treten würden, so würde das„in weiten Kreisen starken Unmut erregen". Ein Festhalten an dem Grundsatz, daß den E i n z e I st a a t e n die direkten Steucrquellen vorbehalten bleiben müßten, sei„uner- läßlich". Die„Nordd. Allg. Ztg." gibt diese Polemik gegen die demagogischen Ausführungen der Bassermann und Osann ohne Kommentar, also offenbar zustimmend, wieder. Der Freisinn weiß also, daß alle Mehrausgaben, die er für Heer, Flotte und Kolonien bewilligt, schließlich aus indirekte» Steuern aufgebracht werden! Das wird ihn aber nicht abhalten, jeder Regierungsvorlage für die „nationalen" Zwecke der Panzerplattenpatrioten und der Kolonialinteressenten zuzustimmen!— Liebert als Beamteninstruktor! Wie die„Hess. L a n d e s z t g." berichtet, ist der Gerichtssekretär Werner in Kirchhain(Bezirk Kassel), nachdem ihm vom Ministerium hierzu ein Urlaub bewilligt worden, zu einem Agitationsausbllduugsknrsus des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie nach Kassel einberufen worden und bereits dorthin abgereist. Falls diese unglaubliche Nachsicht auf Wahrheit beruht, so beweist sie aufs neue, daß jedes Rechtsgefühl in Preußen aufhört, sobald es sich um den Kampf gegen die Sozialdemokratie handelt. Es ist offenbar ein unerhörter und ungesetzlicher Mis:- brauch der Steuergelder, die überwiegend von der großen Masse des arbeitenden Volkes aufgebracht werden müssen, wenn sie dazu verwandt werden, Apostel des Reichs- lügenverbandes auszubilden! Es ist bezeichnend, daß just ein beim Gericht angestellter Beamter dazu aus- gesucht wird, gegen die Sozialdemokratie dressiert zu iverden. Sollte man nicht noch weiter gehen und Justizbeamte, die später als Richter urteilen sollen, in solche Hetzapostelschulen demnächst schicken? Mit welchem Recht verausgabt die Regierung die Gelder für die Ber� tretungskosten solcher Beamten? I Die Regierung wird freilich darauf garnichtantwortenl Ist sie doch in der Tat unverantwortlich, so lange 85 Proz. des preußischen Volkes entrechtet sind. Das Geldsacksparlament bedeutet eben die Willkürherrschaft der Regierung! Uebrigens wieder eine Schwalbe, die den„liberalen" Frühling ankündigt!_ Romen. Herr Romen hetzt in einem Artikel im„Tag" weiter gegen die Sozialdemokratie. Er betrachtet das Urteil gegen Liebknecht als eine Handhabe gegen die sozialdemokratische Agitation und speziell die Jugendorganisationen: «Der Staat darf, will er sich nicht selbst aufgeben, den Be- strebungen und Wühlereien der antimilitaristischcn Agitatoren, die auf die Zersetzung seiner s e st e st e n Stütze losarbeiten, nicht untätig zusehen. Und darum muß er auch ein besonders wachsames Auge haben auf die sozial- demokratischen Jugendorganisationen, deren Hauptziel nachgewiesenermaßen(I) darin besteht. Kopf und Herz der unreifen Jugend anzufüllen mit Haß und Verachtung gegen das Heer und alle seme Einrichtungen, die jungen Leute, wenn sie zum Heeresdienst einberufen werden, systematisch zum U n- gehorsam und zur Disziplinlosigkeit auf- z u st a ch e l n.(II) Den antimilitaristischen Jugeudorganisatoren k la Liebknecht kann nunmehr auf Grund der Entscheidung deS zweiten und dritten Strafsenats deS Reichsgerichts das Handwerk endgültig gelegt werden. Inwieweit dieses Urteil zu einer sonstigen allgemeinen Bekämpfung der sozialdemokratischen antimilitaristischen Propaganda eine Handhabe bieten wird, muß abgewartet werden, bis seine Gründe in authentischer Form vorliegen." Schade, daß der wackere Romen nicht an OlshausenS Stelle stand: er hätte eine noch viel tollere Anklage zustande gebracht. So mußte er sich mit der Rolle des Souffleurs begnügen. Den vornehmen Charakter des Herrn Romen offenbaren auch die unanständigen Ausfälle gegen die Person Liebknechts. Liebknecht sei«von glühendem Ehrgeiz geplagt", habe vor Gericht ein«großes Maul" gezeigt usw. Es lohnt nicht, Herrn Romen im gleichen Stile zu antworten, da er ja Sozialdemokraten nicht beeidigen kann!—_ Ein Freisinniger für die WahlrechtSaktion! Reichstagsabgeordneter Hormann- Bremen sprach am Sonn- abend in einer von 1000 Personen besuchten Wahlversammlung in Geestemünde über«Das preußische Wahlrecht und der Liberalismus". Im Gegensatz zu den verschiedenen Fischbecks sprach er wirklich liberal. Seinen Ausführungen entsprechend wurde folgende Resolution angenommen: «Die beute in Geestemünde tagende öffentliche Volksversammlung fordert für Preußen die Einführung deS all« gemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts und erwartet von den Parteien der Linken, daß sie auf der Einführung desselben bestehen und zu diesem Zwecke eine große freiliritliche BoltSbewegung erwecken." Aehnlich lautende Kundgebungen wurden in Versammlungen liberaler Vereine in K ö S l i n und Landsberg a. W. beschlossen. ES wird innner klarer, daß die jämmerliche Haltung der meisten freisinnigen Führer zu den Wünschen ihrer eigenen Wähler in Wider- spruch gerät.—_ Ein sachverständiges Urteil k Die preußische Lehrerschaft zieht in ihrem Organ, der„PS da» gogischen Zeitung aus den kürzlichen Verhandlungen einer Mordnung deS Vorstandes mit dem KuIiuZminister und dem Finanzminister folgenden Schluh: Der Brcmserlast bleibt, der fericnkürzende Erlast deS Herrn ». Studt bleibt, in Summa: es bleibt alles beim alten. Was man so Blockpolitik oder„liberale Aera" nennt!— Zuerst sozialdemokratische Roheit, dann ein Studcntcnulk. In dem Mainstädtchen K i tz i n g e n wurde nächtlicherweile von dem Denkmal des Königs Ludwig die Büste herabgeworfen und zer- trümmert. Da in dem Städtchen seit kurzer Zeit die Arbeiter- bewegung aufzublühen beginnt, wurde von den Stipendiaten des Reichsverbandes diese Freveltat den Sozialdemokraten zur Last ge- legt. Das sei ein Akt sozialdemokratischerRoheit und nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was man zu erwarten habe, wenn das„Gift" noch weiter um sich greife. Den vatcrlandslosen Frevlern gebühre, wenn man sie erwische, schwere Zuchthausstrafe. Der Täter wurde auch kurz darauf erwischt, aber eS war kein roter Umstürzler, sondern ein Angehöriger der goldenen Jugend— ein Student. Nun wandelte sich die Roheit zu einem „Studentenulk" um, von einem zuchthauSwürdigen Verbrechen ist nicht mehr die Redel—_ Abermals eine entlarvte Lüge. Ueber„einen äusterst krassen Fall von sozial- demokratischer Vergewaltigung" wustte vor kurzem die Reichsverbandslügenpresie zu berichten. ES handelt sich um die Straftat zweier Schauerlente in Altona, die ihren Vater, der während der Aussperrung der Schauerlente iin Hafen gearbeitet hat, schwer misthandelt haben, ebenso die ihn begleitende Mutter. Für ihre rohe Tat sind die Söhne schwer verurteilt worden, und zwar zu je vier Monaten Gefängnis. Die Verlogenheit des bürgerlichen Prestgesindels zeigt sich darin, dah es den zu verurteilenden Vorfall mit der S o z i a l d e m o- k r a t i e in Verbindung bringt, die damit gar nichts zn tun hat, denn die Verurteilten sind gar keine Sozial- oemokratenl Die Behauptung in der Rcichslügcn-Verbands- presse, dast die beiden Söhne„sozialdemokratisch organisiert" waren, ist einfach erlogenl Ja das„Hamburger Echo' konnte feststellen, daß die beiden Rohlinge nicht einmal dem Verband der Hafen- arbeiter angehöre nl Damit fällt der Schwindel der Reichs- verbandslügenpresse in allen Teilen zusammen. Nichtsdestoweniger wird eS keinem der Blätter einfallen, auch diese Feststellungen seinen Lesern mitzuteilen. Denn dann wäre ja der Zweck der ersten Notiz, die Leser gegen die Sozialdemokratie aufzureizen, verfehlt.— Italien. Vom Generalstreik. Die genaue Version des Mailänder Konflikts. Mailand, 13. Oktober.(Eig. Ber.) Daß nach einem friedlich beigelegten Streik in einer grasten Stadt mit gut disziplinierter Arbeitcrbewcgnng ein Blutbad angerichtet wird— diese„Perle" polizeilicher Gewalttat fehlte gerade noch in der Kette italienischer Willkür- Politik! Der Streik der Gasarbeiter hatte mit den: Siege der Arbeiter geendet, die sich Nlhig irnd freudig zur Wiederaufnahme der Arbeit anschickten. In den Gaswerken war man seit dem frühen Morgen des 11. Oktober dabei, die Streikbrecher abzulohncn. Anstatt nun aber diese edle Ge- scllschaft unauffällig an die Lust zu setzen, vielleicht nächtlicher- weile, Ivozu sich ihr lichtscheues Geschäft am besten eignet, liest man ihrer 400 am hellen lichten Tage in einen Extrazng auf einem Privatgleise hinter den Gaswerken der Porta Lndovico einsteigen. Die Strecke liest man vonKarabiniert beivachcn, und diese nahmen ihre Aufgabe so ernst, dast sie, als der Zug mit Stcinwürsen bedroht lvurde, sich sofort vom Bahndamm herunter w i e tolle Hunde auf die Deiuoustrantcu stürzten. Notabene: Der Strcikbrcchcrzug ging im Schneckentempo an einem großen Platz vorbei, auf dem die Arbeiter der Fabrik Miani u. Scvcstri ihre Frühstückspause halten. Beim ersten Stein- wurf wollten die Karabinieri einen jungen Burschen verhaften. Als man ihnen ihr Opfer streitig niachte,-verloren sie den Kopf, und ohne die vorschriftsniästigcn Trompetenstöße abzu- geben, feuerten sie auf die ahnungslose Menge. Ein Glück noch, dast die Ordnungshüter so blindwütig waren, dast die meisten Schüsse ibr Ziel fehlten! Ununterbrochen, so lange sie Munition hatten, haben die Kerle geschossein das Haus eines Oktroiwächters ist mit einigen 50 Schüssen gespickt. Unter den 5 Verwundeten, die das Feuer der„Helden" nieder- streckte, befindet sich einer im hoffnungslosen Zustande. Begreiflicherweise war die Entrüstung, über die uner- hörte Gewalttat in Mailand, ja in ganz Italien, ungeheuer grost. Ter Generalstreik war i» Mailand längst zur Tat- fache geworden, che er von der Organisation p r o k l a- niiert war: Gegen V-£. Uhr geschah die Gewalttat, um 6 Uhr war schon der letzte Trainbahnwagen im Depot! Um Mitternacht begann der Streik der Eisenbahner. »» « Turin. Nach einer Wolff-Depesche beschlossen die Turiner Aus- ständigen in einer am Montagabend abgehaltenen Versamm- lung, die Arbeit am Dienstag früh(gestern) wieder aufzu- nehmen. Zu gleicher Zeit meldet das Bureau, die Turiner Arbeitgeber hätten beschlossen: als�„Wiedervergeltung"(I) für den Ausstand die Arbeiter 48 Stunden auszusperren!— Den weiteren Verlauf der Dinge skizzieren folgende Telegramme: Rom, IS. Oktober. Der Ausstand in Turin ist beendet. Die Bahnhofsvorsteher und Angestellten haben an Giolitti ein Telegramm gerichtet, worin sie erklären, dast IllOVO Personen in den Ausstand treten würden, falls die Bestrafting auch nur eines einzigen Kollegen erfolgen sollte. Man befürchtet in Turin neue Schwierigkeiten infolge des Beschlusses der Fabrikbesitzer, sämtliche Arbeiter als Gegendemonstration gegen den Streik für eine Zeit von 48 Stunden auszusperren. Turin, lö. Oktober. Die Stadt hat wieder ihr gewöhnliches. Aussehen angenommen; die Läden sind geöffnet, die Strahen- bahnen fahren und der Betrieb der Eisenbahnen verläuft wieder rcgelmästig; doch sind die industriellen Etablissements infolge der gemeldeten Aussperrung der Arbeiter seitens der Arbeitgeber noch geschlossen.� Schließlich ist noch folgende Meldung bemerkenswert: Mailand, Ib. Okwbcr.(B. H.) In Ferrara und Borgo ist ebenfalls der Generalstreik erklärt worden, dagegen wurde die Proklamierung des Generalstreiks in Verona und Jmola ab- gelehnt. In Rcgierungskreisen ist man über das Verhalten der Eisenbahner sehr entrüstet, und es heistt, dast schwere Strafen gegen die Ausständigen verhängt werden sollen. Man bezweifelt noch immer, dast es zu einem allgemeinen Ausstand der Staats- bahnangestellten kommen wird. Die graste Eselei, den Brand durch Verhängung schwerer Strafen gegen die Ausständigen zur hellen Flamme anfzu- schüren, könnte man der Regierung Italiens nach den bisher von ihr abgelegten„Talentproben" schon zutrauen. Ob sie indessen mit„energischem" Vorgehen wider ihre Eisenbahn- Sklaven gut— fahren würde, das wäre schliestlich doch wohl erst noch abzuwarten. frankreick». Radikaler Katzenjammer. Paris, 14. Oktober.(Eig. Ber.) Nach der„patriotischen" Orgie von Nancy sind die Radikalen recht verdrießlich erwacht. Die ehrlicheren unter ihnen fangen an, darüber nachzudenken, was der einstimmige Beschlust über die Ver- daminung der antimilitaristischen Sozialisten, der auf dem Kongreß den Gesang der Marseillaise ausgelöst hat, politisch bedeutet. Und die Diskussion über diese Frage wird ziemlich heftig. Der klein- bürgerliche Flügel, dessen Organ der„Radical" ist, interpretiert die Resolution im Sinne eines fortgesetzten Kesseltreibens gegen die geeinigten Sozialisten. Dagegen wollen die fortgeschrittenen Elemente der Partei, die um Buisson und P e l l e t a n, die sich noch immer Illusionen über eine Reparatur des Blocks machen, das Hauptgewicht auf den Absatz legen, der von einer gemeinsamen Sieformaktion der Linksparteien spricht. Dabei bekommt man sehr wertvolle Belenntnisse zu hören, die den Erbosten in der Hitze herausrutschen. So schrieb gestern die„Lanterne", daß in der radikalen Partei neben einer großen Mehrheit ehrlicher Demokraten ein Klüngel verstockter Reaktionäre sei, der den Radikalismus auf die Bahn deS alten Opportunismus zu führen strebe. Ja, wenn dem so ist, warum bleiben die„Ehrlichen" in diesem korrumpierenden Verband, warum verfallen sie in Vegeisterungstanmel, wen» sie mit den Parteiverderbern zur Einstimmigkeit gelangen? In der„Aurore" hinwiederum schreibt heute der alte Ranc: „Seien wir offen I Der Hervöismus war nie etwas anderes als ein Vor wand zu unredlichen An- griffen. Unser Unrecht war, ihn tragisch oder auch nur ernst zu nehmen. Sprechen wir weniger von Herrn Hervö, und seine Isoliert- hcit wird in allen Fragen offenbar werden."— Ganz das Gegenteil sagt der„Radical":„Kein Manöver wird die Frage ver- schieben können.... Der radikale Beschlust ist angenommen worden, um alle diejenigen, die den sozial-anarchistischen Beschlust von Nancy gefaßt haben, aus der Republik hinauszujagen. Sie alle haben sich austerhalb des Gesetzes der republikanischen Wähl- barkeit gestellt." Für die Rechtsradikalen bedeutet also die Resolution die Verpflichtung zu einem Wahlblock der bürger- lichen Parteien gegen die Sozialisten. Die deutliche persönliche Spitze ihrer Polemiken gegen I a u r d s zeigt diese Gesellschaft schon in voller Kooperation mit dein„gemästigten" Grostkapitalisten- blatte„Temps". Vorläufig mag nun freilich diese Verschiebung des politischen Schwergewichts nach dem Zentrum hin nicht offen und offiziell vor sich gehen. Nicht etwa, dast die in Eile angenommenen Beschlüsse für die alten aus dem Programm stehenden Reformen die Partei binden würden. Der Radikalismus hat ja schon im letzten Jahre die Möglichkeit erkannt, praktisch reaktionäre Politik zu betreiben, ohne das dekorative Programm zu ändern. Die reaktionären Elemente der Parteien können sich mit der unaufhaltsam korrumpierenden Wirkung eines solchen zweideutigen Verhältnisses vorläufig begnügen. Die Radikalen, die weiterhin die Leibgarde einer Regierung bleiben, deren Minister unermüdlich mit der Fabel vom Hervöismus,„diesem Vorwaud zu unredlichen Angriffen", umhcrreisen, haben keine Hoffnung auf eine politische Auferstehung. Und das historische Urteil über sie wird um so strenger sein, als ihre Erkenntnis stärker war als ihre politische Moral. Die russische Revolution. Die sozialdemokratische Dumafraktion anf der Anklagebank. In Anbetracht des bald stattfindenden Prozesses der Fraktion hat das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Partei auf seiner letzten Sitzung den Beschlust gefaßt, einen Aufruf an die Be- völkerung zu erlassen und die Parteiorganisationen davon in Kenntnis zu setzen, daß die Einberufung von Protestversamm- lungen aus Anlast des Prozesses wünschenswert sei. Auf diesen Versammlungen sollen Protestresolutionen Wider das bevorstehende „gerichtliche" Einschreiten der Regierung gegen die Vertreter des Proletariats gefaßt und soll für die Organisation einer eintägigen Arbeitseinstellung am Tage der Gerichtsverhandlung agitiert werden. Zur Verwirklichung dieser Beschlüsse hat das Zentralkomitee eine besondere Kommission ernannt, die sich unter anderem an das Internationale Sozialistische Bureau zu wenden hat, um dieses an den bevorstehenden Prozeß der Dumaabgeordneten sowie an die Notwendigkeit zu erinnern, auf denselben zu reagieren, wie das die Interparlamentarische Konferenz in Stuttgart beschlossen hat. Die herrschende Clique beabsichtigt, durch den bevorstehenden Prozeß nicht nur ihre unversöhnlichsten Feinde zu Zuchthaus und Zwangsarbeit zu verurteilen, sondern sie sucht auch gleichzeitig diese Gelegenheit zur„Propaganda" ihrer„Ideen" in den breiten Volksmassen zu benutzen. Die Mitglieder der ersten geschlossenen parlamentarischen Vertretung der russischen Arbeiterschaft, der konsequentesten und tapfersten Vertreter der Interessen des Volkes, die Mitglieder der sozialdemokratischen Dumafraktion sind als— „Verschwörer" auf die Anklagebank gesetzt. Das höchste Gerichts- tribunal, das Scnatsgericht, soll nun die sozialdemokratischen Ab- geordneten als„Hochverräter" erklären, um die Sozialdemokratie in den Augen der Volksmassen zu diskreditieren. Doch die zu Kreaturen der Regierung degradierten staatlichen„Gerichts"°Jn- stitutionen sind dem Volke nur allzu gut bekannt, und der Sozial- demokratie wird es nicht schwer werden, diese Demonstration der Herrschenden gegen die Herrschenden selbst zu richten und die„Propaganda" der Regierung im Interesse des Prole- tariats, im Interesse des allgemeinen Befreiungskampfes des Volkes auszunutzen. Die Dumawahlen im Pferdestall. Es scheint, als ob die örtlichen Satrapen miteinander kon- kurrieren, um ihrer Mistachtung für die Wahlen und die Wähler immer schroffer Ausdruck zu verleihen. In einer Kreisstadt des NordwestgebieteZ sollten die Bevollmächtigtenwahlen der Kleingrundbesitzcr und Geistlichen stattfinden. Der Gouverneur sah nun kein anderes Mittel, um die Wahlen zu „fördern", als den Wählern einen— P f e r d e st a l l als Wahllokal anzuweisen! Waren denn keine anderen Räunilichkeiten für diesen Zweck vorhanden? Allerdings! Doch der örtliche Satrap erklärte lakonisch:„Die Wahlen finden im Pferdestall der örtlichen Feuer- wehr statt und sonst nirgends I" Es wurde auch wirklich in diesem von Ausdünstungen verpesteten Räume die Wahlhandlung durch einen feierlichen Gottesdienst eröffnet, und in Gegenwart der vier- füstigeu Bewohner des Raumes übten die Wähler ihre„erste Bürgerpflicht" aus..> � Dieser Vorfall ist keine Erfindung. Er ereignete sich am 24. September in der Stadt Bobrujsk, Gouvernement Minsk! Eue der parte!« Ein Bctcra» gestörte». Aus Baden wird uns geschrieben: In Pforzheim starb der Genosse Jakob Dittns. Sein Tod nimmt aus der Mitte der badischen Porteigenosseiischaft einen alten Soldaten hinweg. Dittus� Name steht hinter jenem des Vorkämpfers Daniel Lehmann in der Chronik der Pforzheimer Partei- geschichte und nur wenige Parteigenossen erfreuen sich heute noch des Daseins, die in der politischen Leidenscpoche der Pforzheimer sozial- demokratischen Genesis einen bismarckischen Aktenvermerk erhielten. Die bescheidene Gestalt des fleißigen Schuhmachers und Schuh- Warenhändlers Jakob Dittus verdient heule in den Vordergrund gerückt zu werde». Heute, Ivo im badischen Lande der sozialdemo- kratische Männer stolz vor Königsthronen eine be« klngenswerte Entartung zeigt, geht eines Genossen sterbliche Hülle in derFlanmieiiglut auf, der biözum letzten PulSschlagseinenWeggerade- ans ohne Wonken fortschritt und der gesellschaftlichen Aechtnng die Unbengsanckeit seiner proletarischen Knmpfnatur entgegensetzte. Als der Genosse Ditlns im BiSmarckschen Guerillakrieg des achten ?ahrzehnt-s die V e r t r a u e n s p e r s o n des gehetzten„Wildes" ildete, setzte ihm der heilige Liberalismus deS Zähringcr Goltes- gnadentunis mit der feigen Hinterlist deS Sozialistengesetzes heftig zu. Die Jnquisitionslunst der christlichen Neuzeit versuchte sich an dem Bürger Dittus und seiner Familie; so Haussuchung wie Freiheitsentziehung kam über den Pforzhcimcr Vertrauensmann. DaS arbeitende Volk quittierte dankend, indem es den Geächteten Anno 1889 niit der Würde des Stadtverordneten bekleidete und später den Genossen Dittus unter die Stadträte der hochindustriellcn„Goldstndt" Pforzheim versetzte. Die dankbare Vater st adt wird an seiner Bahre des Dittus uneigemintzige Verdienste anerkennen, die badische Regierung und der groß- herzogliche H o f werden sich zu einer Kondolatiou an die Hinter- bliebenen nicht„herablassen". Und das ist gut, weil fern von Heuchelei! Und die Familie DittuS verdient es, ungestraft um ihren edlen Vater trauern zu dürfen: er suchte eine Ehre darin, seinen prächtigen Nachwuchs zu vortrefflichen Menschen zu erziehen. Noch- mals bedurfte neulich die Pforzheimer Partei seiner patriarchalischen Autorität, als eS galt, das dorrige Parteiorgan„Freie Presse" zu fundieren. Jakob Dittus gab sein Wort zur Gcnosicnschafts- gründlmg und damit war das Werk geschaffen. Sein Werk und Lebensziel! Bald nach dem Erscheinen der Probenummer sprach Freund Hei« bei ihm vor und DittuS legte den Schustcrhammer zur Seite und schied mit dein Tröste, dast er niit dem Leben der„Freien Presse" seine Arbeit erfüllte. Ein ehrwürdiger, ein bescheidener Mann und ein tapferer Soldat der revolutionären Skrmce. Ii» Krematoriiiin zu Karlsruhe ist am Montagnachmittag 1 Uhr die Leiche des Genossen Jakob Dittus eingeäschert worden. An die Fanrilienniitglieder und wenigen Vertreter der Partei hielt Ge- uosje Ad. Geck- Offenburg eine Ansprache, in welcher derselbe dem vortrefflichen Charakter dicies Kämpfers gerecht wurde. Gestern fand zu Pforzheim im Trauerhause eine Ehrung statt namens der Pforz- hei», er Stadtbehörde, wobei alle drei Bürgermeister er- schienen und Lorbeerkränze mit Schleifen in den Stadtfarben nieder- legten. DaS Bureau ber internationalen Verbindung der sozialistischen Jugendorganisationen bilden nunmehr Henriette Roland-Holst (Laren, Holland), Gustav Möller(Malmö, Schwede»), Leopold W i n a r s k y(Wien), Emanuel Skatula(Prag) als Ersatzmann für Dr. Karl Liebknecht und Hendrik de Man(Wien) als Sekretär. Die Adresse des Sekretariats lautet: Gumpendorferstr. 89, Wien VI/2. Am 1. Januar 1998 wird der Genosse Robert Danne- b e r g vom Verband der jugendlichen Arbeiter Oesterreichs als Sekretär an die Stelle des Genossen de Man treten. Vom Fortschritt der Presse. Eine Parteiblattgrllndung wurde am letzten Sonntag anf dem Kreistage für Zeitz- Naumburg beschlossen. Das Hallesche„Volksblatt" wird dort gegenwärtig in 8500 Exemplaren aboimiert. Der„Hamburger Landbote", der laut Beschluß der Hamburger Laudesorganisation ins Leben gerufen worden ist, ge- langte am Sonntag in 32 hamburgischen Landgemeinden in etwa 29 990 Exemplaren unentgeltlich zur' Verbreitung und wird lveiter jeden zweiten Sonntag im Monat in allen Wohnungen des Hamburger Landgebiets verbreitet werden. Das neue Organ ist der Aufklärungsarbeit unter der ländlichen Bevölkerung gewidmet und wird, dafür garantiert der tüchtige Stab von Mitarbeiter», seiner Aufgabe gerecht werden. In einem flott geschriebenen Arlikel„Was will der Landbote?" wird sein„Programm" niedergelegt. Z w i l l i ii g s- R o t a t i o n S m a s ch i n e n sind in den Druckereien des„Karlsruher Volksfreund" und des „ O f f e n b a ch e r A b e n d b l a t t" zur Ausstellung gelangt. In Offeubach ist zugleich die am 1. Juli in den Besitz der Partei über- gegangene Buchdruckerei bedeutend vergrößert worden. Der Raum der Setzerei ist auf das Doppelte erweitert, eine zweite Setzmaschine (System Linotype) aufgestellt worden u. a. m. Redaktion und Expedition haben neue Arbeitsräume bezogen. Warnung! Die Organisation des„Jüdischen ArbeiterbimdeS", Ortsgruppe Wlozlawsk(Galizien), teilt niit, dast von unbekannten Burschen der Stempel der örtlichen Organisation, Sammellisten und andere Dokumente gestohlen worden sind. Jedenfalls zn dem Zwecke und mit der Absicht, in Deutschland die Genossen auf irgend eine im- redliche Weise zu brandschatzen. Die Form des Stempels ist länglich iind viereckig. Die deutschen Genosse» werden ersucht, ihnen vor- gelegte mit derartigem Stempel versehene Schriftstücke oder Snmmel- listen als falsch anzusehen und betreffende Personen dementsprechend zu behandeln. pollzeUlcbes, Gerichtiiebea uftp. Strafkonto der Presse. Aus Halle a. S. berichtet man unS unterm IS. Oktober: Wegen einer Boykottnotiz gegen eine Wirtschaft wurde der Genosse L e o p o l d t vom„Bolksblatt für Halle" zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Er soll„groben Unfug" verübt haben. Mehrere Gewerbetreibende wie Tischler- meister und Barbiere traten als Zeugen auf. Mit erhobener Rechten dokumentierten sie ihr Gefühl deS Unbehagens über die Notiz. Sie glaubten, sie könnten auch mal„drankommen": Der AintSanwalt hatte nicht weniger als vier Wochen Haft beantragt. Wegen Beleidigung des ehemaligen nationalliberalen Reichstags- abgeordneten für Offenbach. Dr. Becker, wurde Genosse Klug vom.Offenbacher Abendblatt" im Privatklageverfahren von dem Schöffengericht zu 499 Mark G e l d st r a f e verurteilt. Die Beleidigung soll in einer Notiz begangen sein, ivorin die seiner- zeiligc AuSschlachtung einer Insultation Dr. Beckers bei der Wahl von 1993 als„sozialdemokratisches Attentat" mit der Attentats schwindelet eines französischen Deputierten verglichen wurde. 6ewerfc IcbaftUcbe#*. Eine„gelbe" Fehlgeburt. Der Direktor der Kieler Schiffswerft HoivaldtSwerke. Hauptmann a. D. L a v e s, ist bekannt als Scharfmacher in der Eisen- Grostindustrie, besonders durch seine auf den Ver- bandstagen der Eisenindustriellen propagierten Vorschlüge, durch Zentralisierung der sogen, gelben Hülfskassen eine Organisation des Streikbrechertums für ganz Deutschland zu schaffen. Auf den HowaldtSiverken existiert schon seit einiger Zeit eine solche Hülfskasse, sie scheint aber schlechte Geschäfte zu machen, denn die Direktion hat jetzt eine zweite Kasse gegründet. die der Hülfskasse neue Mitglieder zuführen soll. Die neue Kaffe führt die Bezeichnung„Arbeiter- Jnvali- ditüts-Pensions-, Witwen- und Waiscnkasse der Howaldtsiverke" und bezweckt, ihren Statuten nach, den Howaldtfchen Arbeitern, die ihr angehören,„für den Fall hohen Alters oder vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit, ebenso ihren Angehörtgen für den Fall des Todes, eine fortlaufende Unterstützung zu gewähren". Aufnahmefähig sind gesunde Arbeiter,„die einen achtbaren Lebenswandel führen", bei ihrem Eintritt in die Werft das 45. Lebensjahr nicht überschritten haben und außerdem noch eine Reihe von Bedingungen erfüllen, von denen wir die wichtigsten unten anführen werden. Die „Pension' betrSgt— 100 Mark pro Jahr(y für alle über 65 Jahre alten Mitglieder, und ebenso hoch ist die Rente, die bei Invalidität bezahlt wird. Beide Renten können unter bestimmten Voraussetzungen steigen bis zu 250 Mark pro Jahr. Die Mitglieder der pflichten sich, eine„Spareinlage" von 40 Pf. pro Woche bis zu ihrem 65. Lebensjahre, resp. ihrem Austritt oder dem Termin, an dem sie in den Genuh der Rente kommen, in die Kasse zu zahlen. Die Firma Howaldt steuert pro Mitglied 60 Pf. in der Woche bei, jedoch bloß bis zum Betrage von 31 000 M. pro Jahr, also im Höchstfalle für 1000 Kassen Mitglieder, d. h. ungefähr den dritten Teil der insgesamt bei ihr beschäftigten Arbeiter. Wer in den Belitz der 100 Mark-Rente, im Alters- wie im Jnvaliditätsfalle, gelangen will, muß 10 Jahre un- unterbrochen bei derFirma tätig gewesen sein. Für jedes weitere �ahr steigt die Rente um 5 M., so daß der Höchstbetrag von 2cz0 M. also für jene Glücklichen erreicht ivird, die 40 Jahre ununterbrochen der Firma ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt haben. Mit dem Bezug der Jnvaliditätspension ist das Wetterarbeiten auf der Werft ausgeschlossen. Desgleichen erlischt jeder Anspruch auf die„Wohltaten" der Kasse, wenn es der Firma aus irgend einem, in ihrem Er messen stehenden Grunde beliebt, das Mitglied aus dem Arbeitsverhältnis zu entlassen. Ein gerichtlich ein- jUklagender Anspruch auf die Leistungen der kasse steht den Mitgliedern der Kasse nicht zu. Die Verwaltung und Leitung der Kasse liegt in den Händen eines Ausschusses von Beamten der Werft, die die Direktion ernennt. Die„Pensionen" der Witwen und Waisen sind so geringfügig, daß es sich nicht verlohnt, die darauf be züglichen verklausulierten Bestimnmngen des Statuts anzu führen.— Man sieht, mit Sozialpolitik hat das Ding nichts zu schaffen. Die Firma Howaldt wirtschaftet aus jedem einzelnen ihrer Arbeiter mindestens 500 M. Mehrwert pro Jahr heraus, und sie zahlt für einen Bruchteil der Arbeiterschaft 31 M. pro Jahr Amortisation, vorausgesetzt, daß diese menschliche Maschine mindestens zehn Jahre lang tadellos im Dienste der Firma funktioniert hat. Damit aber auch noch der letzte Zweifel über die Absicht, die die Firma mit der Gründung verfolgt, zerstreut wird, ist in dem Statut der Pensionskasse bestimmt, daß die Eintretenden auch der Hülfskasse angehören und sich besonders verpflichten müssen. „weder einer freien Gewerkschaft oder sonstigen fl Red.) sozial demokratischen Vereinigung anzugehören, noch sich durch Halten der sozialdemokratischen Presse und Eintreten für sozialistische Ideen als Angehörige dieser Partei zu dokumentieren." Die Kasse ist also nichts weiter als eine Streik- brecherorganisation. 31 000 M. pro Jahr will die Firma schlimmsten Falls von den 1 125000 bis 1500000 M. Mehrwert, die sie aus der Gesanitheit ihrer 2500 bis 3000 Arbeiter herauswirtschaftet, dranwenden, um jederzeit ein Sortiment Arbeiter zur Verfügung zu haben, die gezwungen sind, bei etwaigen Differenzen zwischen der Firnia und der Arbeiterschaft allemal für die Unternehmer und gegen ihre Arbeitsbrüder Stellung zu nehmen. Der Gedanke wäre ein pfiffiger zu nennen, hätte er nicht ein großes Loch. Die Vorteile, die den„nützlichen Elementen" für ihren Klassenverrat in Aussicht gestellt werden, sind derartig belanglos und problematisch, daß selbst ein ge- borener Streikbrecher außer seinem moralischen Defekt noch einen unheilbaren Knacks im Gehirn haben müßte, wollte er für diesen Bettel den Rest von Menschenwürde und Ueber- zeugung, über den am Ende auch noch solche unglückliche Menschen verfügen, der Firma verkaufen. Für 100 M. zeit- lebens auf die Aussicht zu verzichten, je bessere Arbeits- und Existenzbedingungen erringen zu können, das ist entschieden eine Offerte für Kretins, und man muß füglich bezweifeln, ob diejenigen, die darauf hereinfallen, für die Firma auch nur als Notknechte und Rausreißer von irgend welchem Nutzen sind. Jedenfalls verzichtet die Sozialdemokratie und verzichten die Gewerkschaften gern auf solche Howaldtschen Pensionäre; sie wären für den Klassenkampf des organisierten Proletariats, abgesehen von ihrer moralischen Beschaffenheit, schon wegen ihrer geistigen Minderwertigkeit unbrauchbar. Unter den auf- geklärten Arbeitern der Werft herrscht denn auch über die neue Gründung unverhohlene Heiterkeit und man wartet mit Spannung, wieviel Dumme auf den Leim kriechen werden. Verlin und Umgegend. Friede in der Etuisindustrie. Der Verband der Etuisfabrikanten Berlins und Umgegend hat ist den gestrigen Verhandlungen mit der Lohnkommission sich durch seine Kommissionsmitglieder bereit er- klärt, den Schiedsspruch des Einigungsamtes des Berliner Gewerbegerichtes anzuerkennen, nachdem vorher eine Ver- ständigung über die noch strittigen Fragen, wie Kündigungsfrist, Montagezahlung usw., über ivelche im Schiedsspruch keine Ent- scheidung gefällt wurde, herbeigeführt worden war. Der neue Tarif wurde darauf von beiden Parteien unterschriftlich anerkannt. Der Friede in diesem Gewerbe, der schon ernstlich bedroht war, ist hiermit auf die Dauer von 3 Jahren gesichert. Die Brauereiarbeiter befinden sich gegenwärtig in einer starken Erregung. Infolge der durch verschiedene Umstände hervor- gerufenen ungünstigen Geschäftslage in den Lagcrbierbrauereien Berlins und der Umgegend hat die Zahl der arbeitslosen Brauerei- arbeiter eine Höhe erreicht, wie dieselbe seit dem Jahre ISlil— OL nicht mehr zu verzeichnen war. Der Unmut der arbeitslosen Brauereiarbeiter, welcher infolge der langen Arbeits- und Ver- dienstlosigkeit kein geringer ist, wird noch bedeutend gesteigert da- durch, daß eine Anzahl Brauereien wegen schlechten Geschäftsganges Arbeiter entließen, aber schon in den nächsten Tagen in aus- gedehntem Maße von den in den Betrieben verbliebenen Arbeitern die Leistung von Ueberstunden verlangten, und daß ferner eine Anzahl von Brauereien bei Neueinstellungcn von Arbeitskräften imnier noch zu dem nicht mehr zeitgemäßen„Prozentsatzsystem" greifen, d. h. Brauereiarbeiter ohne Benutzung des Arbeitsnach. weises einstellen. Dieses Bestreben der Brauereien macht sich auch jetzt bei den Neueinstellungen zur beginnenden Mälzerperiode wieder unangenehm bemerkbar und es mutz gesagt werden, daß es immer dieselben Betriebe sind, die trotz der Beschlüsse des Einigungsamtes, und trotz der Zusage des Vereins der Brauereien, bei seinen Mitgliedern auf eine möglichst geringe Benutzung des „Prozentsatzes" hinzuwirken, von ihren die im Arbeitsnachweis eingetragenen Brauereiarbciter schwer schädigenden Prinzipien nicht glauben ablassen zu können. Aber das Verhalten dieser Brauereien wird eben diktiert von der festen Absicht, die organi- sierten Brauereiarbeiter aus den Betrieben fernzuhalten; denn die auf Prozentsatz eingestellten Arbeiter sind fast ausschließlich Nichtorganisierte oder Mitglieder des„gelben" Brauergesellen- Hundes. Die nächsten Versammlungen der Brauerciarbeiter werden sich deshalb in ganz eingehender Weise mit dem Thema der Pro zentsatzeinstellungen beschäftigen, um den betr. Brauereien zu Gemüte zu führen, daß es angebracht ist, erst die hiesigen arbeits losen Brauereiarbeiter zu berücksichtigen, ehe man Arbeiter von auswärts und noch dazu aus festen Stellungen heraus einstell! und so den hiesigen Arbeitslosen die Arbeitslosigkeit noch stärker fühlen läßt. Die Brauereiarbeiter und speziell die Arbeitslosen werden darum vom Brauereiarbeiterverband aufgefordert, diese Versamm� lungen zahlreich zu besuchen. Es gilt, ihre eigensten Interessen zu vertreten._ Achtung» Elektromonteure! Die Kollegen der Firma Hardegen, Luisenufer 44, haben die Arbeit niedergelegt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die seinerzeit verhängte Sperre Kuglerstraße 1, ist als aufgehoben Achtung, Friseurgehülfen! über den Arbeitgeber G r e h e. zu betrachten. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacher gehülfen Berlins. Dircksenstr. 46. Der Vorstand. I. A.: Baum gart. Herr Friseur Hannig ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: Zur Erwiderung auf den Artikel„Achtung Friseurgehülfen" vom Donnerstag, den 10. d. Mts. unter Gewerkichaftliches teile ich mit, daß ich die Forderungen des Verbandes der Barbier-, Friseur- und Perückenmachergchülfen nicht durchbrochen habe. Ich zahle den Lohn von 20 M. ohne Kost und Logis bei einer Stunde Mittagspause sowie geregelter Arbeitszeit nach wie vor. Es handelt sich nur darum, daß mein GeHülse, welcher verheiratet ist, durch Krankheitsfälle in seiner Familie in Beitragsrückstand geraten ist. Herr B a u m g a r t ließ mir daher sagen, ich sollte einen anderen Gehülfen einstellen, da der jetzige im Beitrags- rückstand stehe. Ich fühlte mich dazu aber nicht verpflichtet, da mein Gehülfe seit 1 Jahr 3 Monat bei mir ist und ich mit dem- selben sehr zufrieden bin. Richard Hannig. Friseur. dW., Perlebergerstr. 39. Oeutfebes Reich. Achtung, Former, Dreher, Schlosser und sonstige Metallarbeiter! Die Arbeiter der Harzer Werke in Blankenburg i. H.. Rübe- l a n d i. H., Z o r g e i. H. und Barbarossa in Sangershausen werden durch Abzüge an den Löhnen und Akkordpreisen, die ohne Rücksicht auf getroffene Abmachungen vorgenommen werden, in den Streik getrieben. Die Direktion sucht überall Ersatzkräftc. Wer dort jetzt in Arbeit tritt, wird als Streikbrecher betrachtet. Die Tabakarbeiteraussperrung in Gießen, die mehrere Monate dauerte und an der 1206 Arbeiter beteiligt waren, ist durch Verhandlungen vor dem Gewerbegericht beendet worden. Die Arbeier nehmen die Arbeit im wesentlichen gegen geringe Zugeständnisse wieder auf; Maßregelungen finden nicht statt._ Gewerkschaftlicher„Modernismus". Jüngst hat im katholischen Vereinshause zu M a l st a t t Pfarrer Royer(Sulzbach), ein Vertreter der Berliner Richtung (Fachabteiler) der katholischen Arbeiterbewegung, einen Vortrag über R e fo r m k a t h o l i z i S m u s und Arbeiterbewe- gung gehalten, worin er die christlichen Gewerkschaften in Bc- ziehung mit den modernistischen Bestrebungen im Katholizismus brachte. Hiergegen brachte die ultramontane„Saarpost" einen Artikel, der begann mit den Worten:„Eine Massenver- leumdung im ungeheuerlich st en Stile und dazu ein haar st raubender Unsinn"— und folgendermaßen schloß:„Mit lautester Empörung verurteilen wir die frivole Anmaßung dieses Schreiertums, das sein politisches Gegenstück hat in dem großmäuligen Hipp- Hipp- Hurra-Patriotismus gewisser saarabischcr Liberaler." Die„Kölnische Volkszeitung", die sich sonst so viel auf den von ihr gepflegten„vornehmen Ton" zugute tut, druckt den Artikel der Saarpost" ohne Einschränkung ab— ein Zeichen, daß sie den „Vorwurf" des Rcformkatholizismus für so kränkend hält, daß er nur mit den schärfsten Worten zurückgewiesen werden kann. Dafür ersteht dem Pfarrer Royer ein Helfer in der Person Jo- Hannes F u s a n g e l s. der in seiner„WcstdeutschcnVolks- zeitung" schreibt: „Wir sind weit entfernt, den Ausführungen des Pfarrers Roycr in allen Einzelheiten zuzustimmen; aber der Herr hat recht, wenn er einen gewissen Zusammenhang konstatiert zwischen dem Modernismus und Reformkatholizismus einerseits und den politischen und sozialen Strömungen, loie sie zurzeit in Köln und M.- Gladbach gepflegt werden. Aber selbst wenn man nicht auf diesem Standpunkt steht, muß man die Roheit des Tones verurteilen, den die„Saarpost" gegenüber dem katholischen Pfarrer Roycr anschlägt... Es ist aber immerhin charakteristisch, daß die Kölner und Gladbachcr Richtung vor gröblicher und persönlicher Verunglimpfung selbst dann nicht zurückschrickt, wenn es sich um G e i st l i ch c und sogar um Bischöfe handelt." Zum Schluß gibt Fusangel dem.Pfarrer die Versicherung zum Tröste, daß ein großer Teil des katholischen Klerus ebenso denke als er und ihm dankbar sei„für das offene Wort, das er gegen die von Köln und M.- Gladbach betriebenen Knechtungs ver suche des katholischen Klerus gc- sprachen hat". Diese Auseinandersetzungen sind nicht nur interessant wegen der darin zutage tretenden Anschauungen, sondern auch des lieb- lichen Tones, der auf ebenso viel feine Bildung wie christliche Bruderliebe schließen läßt. Huslnnd. Die passive Resistenz in Oesterreich. Auf einem großen Gebiet ist der Erfolg der Eisenbahner ge- sichert, auf der Nordwestbahn und auf der Südnorddeutschen Ver- bindungsbahn hat die passive Resistenz aufhören können, weil die Zugeständnisse der Direktion das Personal befriedigen konnten. Der Sieg der Hafenarbeiter. Antwerpen, 14. Oktober.(Eig. Ber.) Der telegraphisch gemeldete Beschluß der Reedersektion der „Union pour la protection du travail" bedarf noch einer Er- gänzung, die den Erfolg des Dockerkampfes— der sich vorerst in der Lohnerhöhung der Holz- und Getreidevcrlader aussprechen wird, während über die Lohnerhöhung der übrigen Verlader noch entschieden werden wird— noch vollständiger und wertvoller macht. Nach dem Ablauf der 14 Tage, welchen die Lohnerhöhung folgen sollte, war die Aufregung der Hafenarbeiter um so größer, als verlautete, daß sich die„Union" erst am 2 2. O k t o b e r versammeln würde, um über die Forderungen zu beraten, was nebenbei als ein auf die am 26. Oktober stattfindenden Gemeindewahlen be- rcchneteS Wahlmanöver gedacht war. Aber siehe: die Reedersektion der Union versammelte sich nach den von uns gemeldeten Zwischenfällen und der Drohung eines neuer- lichen AuSstandeS seitens der Docker bereits Freitag und kam dabei zu dem Beschluß der Lohnerhöhung. So wird dieser Streik von um so größerer moralischer Einwirkung in der Arbeiterschaft sein, als sie ihn nach den bewegtesten Wen- düngen tückischer Rachsucht und beispielslosem Protzentum ab- zuringen hatte. Brüssel, 15. Oktober.(Privattelegr. d.„Torw.") DaS Zentralkomitee der Unternehmerunion hat als letzte Instanz die 5,50 Frank Tagelohn für Holz- und Getreideverladec bestätigt. Weiter werden aus Unternehmern und Arbeitern be- stehende Kommissionen spezielle Bedingungen für mit ungesunden Materialien arbeitende Docker sowie die Lohnregelung für die übrigen Kategorien und den Tarif für Sonntagsarbeit und Ueber- stunden beraten. Letztere Bestimmungen werden spätestens ab 1. Dezember wirksam. Für die Arbeiter ist der Ausgang deS Kampfes also ein voller Erfolg. Versammlungen. Mit dem Sechsuhr-Postschluß beschäftigte sich eine Versamm» lung des Vereins Berliner Hausdiener(Mitgliedschaft I des Deutschen Transportarbeiterverbandes). Der Referent Schmahl kennzeichnete die schreienden Mißstände auf den Paketpostämtern. Er wies darauf hin, daß die Schuld an diesen, stellenweise geradezu haarsträubenden Zuständen die Chefs der größeren Firmen trügen, und zwar durch ihre noch aus früheren ruhigeren Zeiten stammende Unsitte, mit der Erledigung der eingegangenen Postsachen erst in den Nachmittags st unden zu beginnen. Nach eingehender Diskussion, die sich im Sinne des Referats bewegte, nahm die Ver- sammlung einstimmig folgende Resolution an: „Die in den Jndustriefestsälen versammelten Hausdiener und Packer beauftragen die Leitung ihres Verbandes, unver- züglich die geeigneten Schritte zur Herbeiführung des Sechsuhr- Postschlusses zu tun. Sie erwarten, daß alles aufgeboten wird, den Widerstand, den der Sechsuhr-Postschluß noch in gewissen Kreisen der Kaufmannschaft findet, zu brechen. Diesen rück- ständigen Unternehmern muß es klar gemacht werden, daß der Sechsuhr-Postschluß auch ihnen durchaus keinen Schaden bringt, wie das vielfach angenommen wird, und auch bei einigem guten Willen und etwas mehr Ordnung leicht durchzuführen ist. Die Versammelten wissen aus eigener Erfahrung, daß es nicht not- wendig ist, erst in den letzten Nachmittagsstunden mit den Post- arbeiten zu beginnen, so daß die Hausdiener dann unmenschlich arbeiten müssen, um überhaupt noch rechtzeitig mit ihren schweren Hucken oder Karren an Ort und Stelle zu kommen. Sie pro- testieren gegen diese unsinnige und unnötige Hetzerei und er- warten, daß ihre Chefs sich Vernunftgründen nicht ganz unzu- gänglich zeigen. Sie sind weiter der Meinung, daß es nicht länger mehr geduldet werden kann, daß tausende unserer Bc- russkollegen täglich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und sich auf der Post lnfolge des übermäßigen Hastens den Keim zu Krankheiten holen, woran gerade die Hausdiener schwer zu leiden haben. Sie erwarten baldige Abhülfe dieser alten Mißstände und Aufgabe der gegnerischen Stellungnahme vieler Prinzipale, uin so mehr als auch der frühere Sekretär des Reichspostamtes sich für Einführung des Sechsuhr-Postschlusses ausgesprochen hat." In seinem Schlußwort erwähnte der Referent noch, daß auf einigen Postämtern in Berlin der Sechsuhrschluß bereits eingeführt sei. Sogar im Ausland sei man in dieser Frage schon viel mo- deiner als bei uns. So z. B. bestehe seit kurzem in Budapest eine Verfügung, wonach Pakete in größerer Zahl(über 19 Stück) nur bis 4Vs Uhr abgenommen werden, und nur weniger als 1l> wie bisher bis um 6 Uhr abgeliefert werden können. Letzte JVachnchten und Depefchen* Siegreiche Stichwahl. Gera(Reuß), 15. Oktober-(Pvivatdepesche des„Vor- wärts".) Bei der heutigen Stichwahl im Landtagswahlkreis Triebes-Hohenleuben. wurde der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Drechsler, gewählt._ Durch Hauseinstnrz drei Tote, fünf Schwerverletzte. Stuttgart, 15. Oktober.(W. T. B.) Heute nachmittag ist auf dem Platze der ehemaligen Legionskaserne der innere Teil eines vierstöckigen Neubaues eingestürzt. Bis abends 6 Uhr waren 3 Tote und 5 Schwerverletzte geborgen. Es werden noch 4 Arbeiter ver- mißt, die Wohl noch unter den Trümmern liegen. Eine spätere Meldung berichtet über den folgenschweren Ein, turz noch folgende Einzelheiten: Stuttgart, 15. Oktober.(W. T. B.) DaS Unglück auf dem Neubau bei der alten Legionskaserne ist dadurch entstanden, daß ich ein Pfeiler im vierten Stock losgelöst hat, wodurch die obere Eisenbetonkonstruktion heruntergcbrochen ist und die Decken der übrigen Stockwerke durchgeschlagen hat. Die Außenmauern stehen noch. Um W Uhr wurden wegen der Gefährlichkeit der Lage die Rettungsarbeiten eiugestellt, als ermittelt worden war, daß nur noch ein Arbeiter unter den Trümmern liegt, der jedoch so weit beigelegt wurde, daß sein Tod festgestellt werden kounte. Die Zahl der Toten beträgt 3, die der Schwerverletzten 5. Einige leichter Verletzte sind in der Nähe der Unglücksstätte verbunden worden.. SO Menschenleben vernichtet. New Bork, 15. Oktober.(W. T. 58.) Bei einer Explosion der Pulverfabriken in Fontane!(Indiana) kamen 29 Personen um»' Leben und 100 trugen Verletzungen davon. Der Lustdruck be- chädigte die Gebäude und Telegraphenleitungen biS auf eine Ent- crnung von 35 Meilen. New?)ork, 15. Oktober.(W. T. 58.) Nach neueren Fest-> stellungen find bei der Explosion der Pulverfabriken in Fontanet dreißig Personen ums Leben gekommen. Im ganzen erfolgten drei Explosionen, die in einem Umkreise von 85 Meilen vernommeitz! wurden.._ Auf einer Sandbank aufgefahren! Odessa, 15. Oktober.(W. T. 58.) Infolge deS auf dem Meere herrschenden Nebels liefen auf einer Sandbank in der Nähe von Odessa das Truppentransportschiff„Prut", der von England kommende Ozeandampfer„Grigorh mark". und der mit Getreideladung nach Nikolajew gehende englische Dampfer„Proteus". Die Rettungsarbeiten dauertev iu» Verlaufe des ganzen Tages fort. Eisenbahnunglück in Rußland. Twer, 15. Oktober.(W. T. 58.) Gestern abend rannte auf der Station Kulizkaja ein Güterzug auf einen Arbeiterzug auf. Bier Waggons sind zertrümmert und elf Personen verletzt worden« Durch glühendes Metall verbrannt.. London, 15. Oktober.(58. H.) In Millwall wurden infolge! Umkippen» eines Behälters mit glühendem Metall in einer Netall? gießerei zwei Arbeiter getötet und zwei schwer verletzt,/ Der entgleiste Exprestzug. London, 15. Oktober.(W. T. 58.) Die Zahl der bei dir En?, gleisung des Nordwestexpreßzuges bei JhrewSbury tätlich verun» glückten Personen beläuft sich nach den letzten Feststellungen aus zwanzig.(Siehe auch unter Vermischtes.) Hetze gegen Japaner. � � � San Francisco, 15. Oktober.(W. T. B.) Infolge eine?' Streites zwischen einem Betrunkenen und dem Besitzer einer ja, panischen Waschanstalt wurde diese gestern von weißem Pöbel an- gegriffen, so daß die Polizei einschreiten mußte. Zwei Japaner. WW wurden verletzt und ins Hospitals geschafft�_ Verantw. Redakteur: Hans' Webers Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: VcrwärtsBuchdr.u.VerlagsanüaltP«ulSingerLcEo., Berlin LW. KwräuSBellageau.Üntertzaltuvgtb1s0 fit. 242. 24. 1. Jrilfljf Ks Joniiiirts" Kttlim iBolliüliIntt. Witw«� 16.©Mrttt 1907. Zur Kolli'FranI(>Rffäre. Auf die Gefahr hin, den«unerquicklichen Streit", wie ihn die Frankfurter„Volksstimme" nennt, schüren zu helfen, nehme ich das LZort, nachdem mein Name in dieser Angelegenheit genannt worden ist. Der Karlsruher„Volksfteund" glaubt auf Grund einer Stelle in meiner bekannten Reichstagsrede, die ich im Januar 1903 gegen das Auftreten des deutschen Kaisers der Sozialdemokratie gegenüber hielt, eine Rechtfertigung für das Verhalten der sozial- demokratischen Landtagsabgeordneten Kolb und Frank bei dem Begräbnis des verstorbenen Grotzherzogs von Baden zu finden. Ganz mit Unrecht. Nicht die vom Karlsruher„Volksfreund' angezogene Stelle kommt hier in Betracht, sondern jene Stellen, in denen ich das Austreten des Kaisers wider uns kritisierte und die Stimmung schilderte, die daraus bei uns gegen die Person des Kaisers erzeugt worden sei. Im Hinblick auf diese Stellen hätten die Genossen Kolb und Frank nicht so handeln können, wie fie gehandelt haben. Denn nächst dem deutschen Kaiser war es der verstorbene Groß- herzog von Baden, der bis wenige Jahre vor seinem Tode bei jeder Gelegenheit öffentlich gegen uns polemisierte. So sind auch zwei meiner Reden— jene im Jahr 1896 auf dem Hohentwiel und jene in Villingen auf dem Schwarzwald im Jahre 1897— Gegenstand solcher Kritiken des verstorbenen Großherzogs geworden, wenn er es auch vermied, meinen Namen zu nennen. Es ist aber auch allbekannt, daß der verstorbene Großherzog der eifrigste Anhänger des Sozialistengesetzes war und dessen Fall schmerz lich bedauerte. Es ist ferner allbekannt, daß, als im Sommer 1894 der Präsident der französischen Republik, Herr Carnot, dem Dolche eines Anarchisten zum Opfer fiel und kurz darauf— September 1894— die Nationalliberalen auf ihrem Parteitag in Frank fürt a. M. den Generalmarsch für Einbringung der neuen Umsturz- vorläge schlugen, sie dafür die lebhafteste Unterstützung des ver slorbenen Großherzogs fanden. Es ist endlich allgemein bekannt, daß, als bei den letzten LandtagSwahlen in Baden sich unsere Parteigenossen mit den Nationalliberalen zum Wahlblock gegen das Zentrum verbündeten, der verstorbene Großherzog über dieses Bündnis aufs äußerste auf- gebracht war. Ich mache dem Verstorbenen aus alledem keinen Vorwurf, ich taste auch seinen Charakter nicht an. Er tat, was er nach seiner Ueberzeugung und seiner Stellung glaubte tun zu müssen. Aber ob diese Stellung des verstorbenen Großherzogs gegen unsere Partei zwei Vertreter unserer Partei im badischen Landtage — und als solche nahmen sie an der Leichenfeier teil, nicht als Privatpersonen— veranlassen durfte, dem Verstorbenen durch ihre Beteiligung an der Leichenfeier eine Huldigung darzubringen, ist eine andere Frage. Mit Gründen der Würde und des Taktes hat diese Huldigung nicht das geringste zu tun, fie stellt sich vielmehr vom Standpunkte der Partei als eine grobe Verletzung der Würde und des Taktes dar, die beide ihrer Stellung in der Partei schuldeten, sie verrät einen Mangel an N a ck e n st e i f h e i t, die das erste Gebot fiir einen Mann ist, der im öffentlichen Leben steht. Gebietet die Würde und der Takt, einem toten Fürsten, der unS im Leben bekämpfte, das Trauergeleit zu geben, dann gebietet doch wohl in Konsequenz dieser Auffassung Würde und Takt den Fürsten, einem verstorbenen Führer der sozialdemokratischen Partei. der sein'Leben lang auS Idealismus für seine ehrliche lieber zeugung kämpfte, diesen zu Grabe zu geleiten oder einen Vertreter xu senden," der sie repräsentiert. DaS fällt selbstverständlich keinem Fürsten ein und ich finde das m der Ordnung. Aber Wurst wider Wurst I Selbst unsere politischen Gegner aus dem bürgerlichen Lager befolgen diese Taktik— es sei denn, daß direkte p e r s ö n l i cb e Beziehungen zu dem Verstorbenen sie anders zu handeln bestimmen — und sie tun recht daran. Die Frankfurter„Volksstimme" bedauert, daß ein solcher Konflikt zwischen Parteigenossen ausgebrochen ist. Ich teile ihr Bedauern Aber ihre Borwürfe richte sie nicht gegen jene, die sich über solche Taktlosigkeiten beschweren, sondern gegen jene, die solche begangen haben. Traurig genug, daß es in unseren Reihen immer wieder Personen gibt, die nicht wissen, was sie sich, ihrer Stellung und der Partei schulden. Es macht niemand Freude, in einer solchen An- gclegenheit das Wort ergreifen zu müssen, aber zu schweigen wäre ein grober Verstoß gegen die Parteiinteressen. A. Bebel. » Dem die beiden leidtragenden Genossen verteidigenden Partei- blatt zu Frankfurt q. M. hat sich jetzt die„Mainzer Volkszeitung" angeschlossen. Die Magdeburger„Volks stimme" hat über die An- gelegenheit lediglich eine rein referierende Notiz gebracht, worin allerdings die Wendung vorkommt, daß die Ausfiihrungen Kolbs „natürlich von den wenigsten Parteiblättern als genügende Be- gründung anerkannt" werden. Die Breslauer„Volksmacht" hatte ursprünglich eine die Beteiligung rechtfertigende Notiz gebracht. Nachträglich hat sie sich auf mehr referierende Erörterung der Aeußerungen für und wider beschränkt. Dabei sagte sie: „Die agitatorische Wirkung der Beteiligung wird nirgends hervorgehoben, dagegen der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß über die prinzipiell' republikanische Gesinnung unserer Genossen durch solche Handlungen Zweifel bei Fernstehenden hervorgerufen werden könnten. Es wäre vielleicht erwünscht, daß die beteiligten Genossen dieser Möglichkeit mit einer recht unzweideutigen Er- klärnng entgegentreten, denn daß ein Sozialdemokrat nur Republikaner sein kann und aus dieser Ueberzeugung niemals ein Hehl machen kann, darüber sind wir uns wohl alle einig." Wir wüßten nicht, was eine solche Erklärung helfen sollte. DaS ist es ja gerade, was den beiden Genossen zum Vorwurf gemacht werden muß, daß sie aus ihrer republikanischen Ueber- zeugung ein Hehl genracht haben, daß sie eine Handlung begangen haben, die ein Republikaner nicht begehen darf! Sie vortrüge über flalionslöksnomie wurden am Montagabend vor einer dichtgedrängten Zuhörerschaft in den Germaniasälen eröffnet. Um 8 Uhr schon war die große Halle vollbesetzt. Es war ein herzerfrischender Anblick, diese zahl- reiche Menge Kopf an Kopf, Männer und Frauen, die gc- lammen waren, um an der Hand eines kundigen Führers in das für viele Leute so trockene und auch sehr schwierige Gebiet der Nationalökonomie einzudringen» Genosse Ernst begrüßte die Versammelten und gedachte der angedrohten Ausweisung der Genossen Pannekoek und H i l f c r- ding, die eine Aenderung im Lehrplan bedingte. Er freue sich aber, mitteilen zu können, daß für die Genossin Luxemburg, die zuerst für die Vorträge in Aussicht genommen war, ein voll- wertiger Ersatz in der Person des Genossen M o l k e n b u h r ge- sunden wurde. Daß das Vorgehen gegen die Genannten, die als Lehrer an der Parteischule weiter tätig sein sollten, von der Bourgeoisie ganz ruhig und fast als selbstverständlich hin- genommen wurde, sei recht charakteristisch. Für die Partei werde solche Nadelstich-Politik aber kein Hindernis sein, die Bildungs- bcstrcbungen unter den Genossen nach besten Kräften zu pflegen. Genosse Molkenbuhr wehrte eingangs seines Vortrages die ihm von Ernst gezollte Anerkennung ab, indem er meinte, es sei nicht jedermanns Sache, ein Lehramt zu übernehmen; ein tüchtiger Agitator entbehrt manchmal wichtige Eigenschaften, die ein Lehrer besitzen soll. Aber gerade als Agitator habe er gelernt, wie wichtig das Studium der Nationalökonomie sei, um in der Agitation Anerkennenswertes zu leisten. Und das R ü st z e u g im Kampfe den Genossen zu geben, darauf komme es auch hier an. Die Hauptsache bleibe aber das ernste Studium zu Hause, das Verwerten der Anregungen, die die Hörer in diesen Lehrkursen erhalten. Der Vortragende vertiefte sich dann in das Thema des ersten Abends: Was ist Nationalökonomie? Er hielt eS für notwendig, einen Ueberblick über die Ver- gangenheit, die historische EntWickelung der Nationalökonomie zu geben, damit bestimmte Worte, die beim Studium häufig wieder- kehren, richtig verstanden werden. Die Nationalökonomie ist als eine Darstellung des ganzen wirtschaftlichen Lebens anzusehen, eine Darstellung der Produktion, des Austausches, der Konsumtion; sie gibt eine Beschreibung des größten Teiles der menschlichen Tätigkeit und bildet daher die Grundlage der Geschichte, vor allen Dingen der Kulturgeschichte. Dabei ist es aber wichtig, den fort- währenden Wechsel der Dinge, das Entstehen neuer Gebilde im Wirtschaftsleben zu berücksichtigen. Der Redner zog einen inter- essanten Vergleich zwischen dem Wirtschaftsleben und dem be- stirnten Himmel. Die Sterne wechseln ihre Stellung, neue Welt- körper tauchen auf, andere verschwinden wieder, täglich forschen die Astronomen nach neuen Bildern und beweisen uns, daß da keine Zufälligkeiten mitwirken, wenn sie Tag und Stunde der Wieder- kehr eines Sternes angeben. Sie erforschen die Bewegungsgesetze im Weltall und lernen daraus auch die Natur der Weltkörper kennen. So ist es ähnlich im Wirtschaftsleben. Und wie der Astronomie die Sterndeutung, wie der Chemie die Alchimisten vorausgingen, so handelte es sich auch für die ersten Oekonomen nur um die Frage: Wie kann Reichtum für die Herrschenden ge- sammelt werden?— Unter den älteren Schulen, deren Lehren und Irrtümer noch heute, wenn auch in etwas veränderter Form, im politischen Leben eine Rolle spielen, tritt uns das Merkantil- system entgegen; darunter versteht man volkswirtschaftliche An- schauungen, die in der Zeit vom 16.— 18. Jahrhundert sehr verbreitet waren. Manche dieser alten Lehren werden freilich heute noch in gewissen Kreisen für modern gehalten. Molkenbuhr er- klärte, wie ihm dies so recht anschaulich gemacht wurde, als im Januar dieses Jahres Dernburg seine vielbesprochene Rede vor den Professoren hielt. Unter den Grundsätzen der Merkanti- listen stand in erster Reihe, daß viel Edelmetall, Gold und Silber, im Lande sein müsse. Man legte unter anderem hohen Wert auf die sogenannte„aktive Handelsbilanz", die durch eine große Aus- fuhr Gold heranziehen sollte, und man erschwerte die Einfuhr durch Zölle und Verbote. Der Redner legte eingehend die Grundsätze dar und verwies darauf, wie man den Handel schon damals zu unterstützen suchte durch Gründung von Handelsgesellschaften, Ab- schluß von Handelsverträgen, Erwerbung von Kolonien, Kanal- bauten, Freihaäfen und Ausbildung der Kriegs- und Handelsflotte. Der hervorragendste Vertreter des Merkantilsystems war Colbert(1619— 1683), der 1669 Finanzminister unter Ludwig XlV. war. Aufsehen erregten die Gründungen des schottischen Finanzmannes Law, der mit großen Kolonisations- Projekten auftrat, die aber verkrachten und 1729 den Zusammen- bruch des Merkantilsystems brachten.— Eine andere Schule, bei der der Vortragende verweilte, bilden die P h y s i o k r a t e n. Ihr Vertreter Ouesnay(1694— 1774) stellte den Satz auf: Grund und Boden und die Landwirtschaft sind die Quellen des Reichtums. Die Physiokraten teilten die Gesellschaft in drei Klassen: 1. die pro- duktive Klasse, das sind die Landwirte; 2. die. Grundbesitzer; 3. die sterile Klasse, das sind die Vertreter des Hqndels, der Industrie, der Kunst. Ein anderer Physiokrat von hervorragender Bedeutung war Turgot(1727— 1781), dessen Wirken und Lehren der Redner kennzeichnete. Er verweilte dann bei William Petty(Mitte des 17. Jahrhunderts), von dem Marx sagte:„Der Begründer der modernen politischen Ockonomie ist Sir William Petty einer der genialsten und«riginellsten Forscher." Petty lehrte: Die Arbeit ist der Vater und die Erde die Mutter aller Werte. Es folgte die Darstellung der Vertreter der klassischen Oekonomie, eingeleitet durch Adam Smith, weiter ausgebaut durch David Ricardo(1772— 1823), der die klassische Oekonomie auf den höchsten Punkt brachte. Ex stellte den Satz auf: Der Wert der Ware wird bestimmt durch die zu seiner Erzeugung notwendige Arbeitszeit. Seine Grundrententheorie wurde viel er- örtert, ebenso das eherne Lohngcsctz, das von ihm stammt und von Lassalle näher begründet wurde. Robert M a l t h u s(1776 bis 1834) vertrat und entwickelte seine Bevölkerungsichre. Er erklärte, die Bevölkerung vermehre sich geometrisch(1, 2,.4,.8, 16, 32 usw.), die Subsistenzmittel dagegen stiegen nur arithmetisch(1, 2, 3, 4, 6, 6 usw.). Zur Abhülfe empfahl er das Zweikjndersystem. Man hat den Malthusianismus oft lächerlich gemacht, ohne zu bedenken, daß Malthus als Kind seiner Zeit annehmen mußte, daß in der Hauptsache jedes Land für sich zu sorgen hatte; er kannte die Dampfschiffe und Eisenbahnen nicht, ahnte nicht, was die Technik und Wissenschaft für den Landbau tun konnten. Er schrieb sein Hauptwerk im Jahre 1798.— Die klassische Oekonomie hatte eine mächtige Freihandclsbewcgung zur Folge. Man erprobte das freie Spiel der Kräfte und brauchte billige Arbeiter zur Erlangung von hohen Profiten. Dagegen machten sich auch andere Strömungen bemerkbar. Friedrich List(1789— 1846) vertrat das Schutzzollsystem; er erkannte die Bedeutung der Eisenbahnen. Richard Eobdcn(1894— 1865) rief die Anti-Kornzollbewegung hervor. Mit Ende der vierziger Jahre setzte die proletarische Bewegung mehr ein. Marx und Engels war der zweite Teil des Vortrages ge- widmet, nachdem der Redner gezeigt hatte, wie die einzelnen Strömungen in der Nationalökonomie einander folgten. Durch Marx und Engels wurde die Nationalökonomie an den Platz in der Wissenschaft gebracht, wo sie hingehört. Die geistige Eni- Wickelung von Marx schilderte der Bortragende näher. Marx, der 1842 und 1843 Redakteur der„Rheinischen Zeitung" war, wurde durch die Beratungen des Landtages über die Gesehe betreffend den Holzdiebstahl und die Parzellierung des Grundeigentums ver- anlaßt, politische Oekonomie zu treiben. Er war frei von den Vor- urteilen bürgerlicher Oekonomen, die die kapitalistische Gescllschafts- ordnung für eine Institution von ewiger Dauer halten. Durch 'eine philosophischen und ökonomischen Studien wurde er Kommunist. Im März 1845 erschien Engels'„Lage der arbeitenden Klassen in England". Im Juni 1847„Das Elend der Philosophie" von Marx als Antwort auf Proudhons„Philosophie des Elends". Im November 1847 wurde die Herausgabe des Kommunistischen Manifestes beschlossen, das ini Februar 1848 er- schien. Der Redner verweilt dabei und zeigt, daß es die Grundlage j der materialistischen Geschichtsauffassung enthält. 1849 erschien „Lohnarbeit und Kapital". Der Kapitalismus hatte Zustände ge- schaffen, die der Abänderung bedurften und das Proletariat mußte kennen lernen, wie der Kapitalismus seinem Wesen nach be- schaffen ist. Da war es notwendig geworden, daß sich das Prolc- tariat mit den ökonomischen Gesetzen vertraut machte. Die Organi- sation der Arbeiter in Gewerkschaften machte Fortschritte. Gärungen in der Arbeiterklasse waren unverkennbar vorhanden. Der Redner schilderte Lassalles Auftreten. Das„Offene Antwortschreiben" und der„Bastiat Schultze" machten Aufsehen. 1867 erschien der erste Band des«Kapital s". Von eminenter Bedeutung für die Agitation wurde die Mehrwerttheorie. Durch die Kenntnisse über die ökonomischen Vorgänge erkannten die Arbeiter die Klassen- gegensätze schärfer, und indem sie ihre Klassenforderungen geltend machten, entstand der Klassenkampf. Die Arbeiterklasse wurde ein politischer Machtfaktor, und in der Politik entstand eine Um- wälzung durch den Eintritt der Arbeiter in den Kampf. In den Reihen der Herrschenden milderten sich die Gegensätze durch die Beteiligung der Arbeiter an der Politik. Der Kampf tobt zwischen den Ausbeutern und den Ausgebeuteten; die übrigen Fragen treten zurück. Die Nationalökonomie wurde zu einer scharfen Waffe im gewerkschaftlichen Kampfe.„Das Kapital", obgleich 49 Jahre alt, ist das modernste Werk noch heute, und die materialistische Geschichtsauffassung hat offenbar heute viel mehr Geltung, als von der bürgerlichen Welt zugestanden wird. Der Vortragende will an den folgenden Abenden eine Reihe der von Marx erforschten Gesetze vorführen und meint zum Schluß: Ergibt es sich, daß die Gesetze auch für die Länder und die Er- scheinungen des Lebens passen, die Marx nicht kennen konnte, dann muß man schließen, daß sie überhaupt zutreffen. Als Marx „Das Kapital" schrieb, war Deutschland noch kleinbürgerlich und Amerikas Industrien steckten noch in den Anfängen der EntWickelung. Heute hat Amerika selbst das gegenwärtige England weit überholt. Vier Jahrzehnte am Ende des 19. Jahrhunderts brachten an technischer EntWickelung und wirtschaftlicher Umwälzung mehr als früher vier Jahrhunderte. Wenn Marx' Lehren heute noch nicht überholt sind, dann ist damit bewiesen, daß er die Bewegungsgesetze in der Nationalökonomie richtig erfaßt und dargestellt hat. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden- t3. Gkneralversammlung des Deutschen Tabakarbeiter- Verbandes. Bielefeld, 14. Oktober Der Vorsitzende Börner erinnert an den Verlust, den der Verband durch den Tod des Genossen Meister erlitten hat. Redner hebt die Verdienst Meisters um die Arbeiterbewegung warm hervor und ersucht die Versammlung, sich zu Ehren Meisters, sowie an- derer tätiger verstorbener Verbandsgenossen von den Sitzen zu er- heben.(Dies geschieht.) Von der Dresdener Lokalorganisation sind drei Kollegen als Gäste anwesend, von der Sortierer-Organifation der Vorsitzende. Kollege A r n h o l d. Ueber den Antrag, den„Dresdener Konflikt" auf die Tages- ordnung zu setzen, wird länger debattiert. Es wird beschlossen, eine besondere, aus sieben Personen bestehende Kommission zu wählen» die die Dresdener Angelegenheit untersucht und Bericht erstattet. Den Geschäftsbericht des Vorstandes und Ausschusses erstattet zunächst der Vorsitzende des Vorstandes D e i ch m a n n. Wir heben daraus das Nachstehende hervor: Im Jahre 1996 haben die Luxemburger Kollegen beschlossen, sich dem Verbände anzu- schließen. Der Anschluß ist erfolgt am 1. Oktober 1996 nach den Vorschriften eines besonderen Vertrages. Der Uebertritt unterliegt der Genehmigung der Generalversammlung. Bei der Einver- lcibung mußte Rücksicht genommen werden auf die Eigenheiten, die bezüglich der Arbeitslosenunterstützung in Luxemburg bestehen. In der Leipziger Generalversammlung 1995 wurde beschlossen, eine be- sondere Revision der Dresdener Kassenverhältnisse vorzunehmen. Bei der Revision wurden die dortigen Kassenverhältnisse verwahr- lost vorgefunden, so daß Genaues nicht festgestellt werden konnte. Eine ungenaue Mitteilung eines von den Dresdener Kollegen soeben verteilten Berichts stellt Redner richtig. Einigungsvor- schlüge wurden aus Dresden und Umgegend gemacht; sie konnten in der gedruckten Vorlage nicht aufgenommen werden, weil sie zu spät kamen. Redner verliest daher die Vorschläge und kommentiert sie kurz. Vorstand und Ausschuß haben einstimmig beschlossen, die Vorschlagspunkte bis auf den zu akzeptieren, der die Aufnahme des ehemaligen Mitgliedes U h l i g verlangt. Einstimmig haben Vor- stand und Ausschuß die Aufnahme U h l i g s abgelehnt. Die Kom- Mission werde nun zu entscheiden haben.— Nichts habe befruch- tender auf den Verband gewirkt, als das neu geschaffene Gau- leitershstem. Die Agitationskosten haben sich allerdings mit dieser Neueinrichtung erhöht. Aber es ist notwendig, mehr Aufklärung unter die Tabakarbeiterschaft zu tragen, dazu bedurfte es reich- licherer Aufwendung von Mitteln. Die Ausgabe stieg jedoch in- folge der lebhaften Tätigkeit der Gauleiter durch die erhöhte Lohn- bewegung. Die Erfolge, die errungenen Lohnerhöhungen recht- fertigen die höhere Ausgabe und wiegen sie vielfach auf. Auch die Erhaltung und Ausbildung geistiger Kräfte wird mit der Neucin- richtung erreicht. Gegen den früheren Zustand sei das ein großer Vorteil. Zwar haben wir immer noch eine erhebliche Fluktuation der Mitglieder des Verbandes zu verzeichnen, aber sie ist verringert und muß noch mehr verringert werden. Dazu hilft das Gauleiter- system, das uns eine ansehnliche Zahl neuer Mitglieder zugeführt hat.— Die Arbeitslos cnunterstühung wurde durch die durch die Banderolcnstcuer hart betroffenen Zigarettenarbeitcrinncn stark in Anspruch genommen. Energisch muß gegen die Regierung die An- klage erhoben werden, daß sie durch die Belastung der Tabak- Industrie die Lage der Arbeiter unserer Industrie verschlechtert. Die Krankenunterstützung habe zwar höhere Verwaltungskostcn er- fordert, aber segensreich habe sie gewirkt, besonders die Wöchne- rinncnunterstützung. Eine Aenderung in der Krankenuntcrstützung werde sich jedoch nötig machen, denn die zwischen den einzelnen Nnterstützungsklassen bestehend»» Mißverhältnisse erforderten dies. Die Unterstützungseinrichtungen haben aber den Verband gefördert. Nie habe der Verband eine so starke Lohnbewegung durchgemacht, als seit der letzten Generalversammlung. Aber diese sei nicht durch eine Draufgängerpolitik hervorgerufen. Wir haben im Vorstano fortgesetzt bremsen müssen. Aber die Tabakarbeiter sind aufge- peitscht worden durch die belastende, den Lebensunterhalt ver- teuernde Steuer- und Zollpolitik der Regierung und herrschenden Klassen. Außerdem war der Aufschwung des Geschäftsganges in unserer Industrie der Bewegung günstig. Verwahren müsse sich aber der Vorstand und energischen Protest erheben gegen den Vor- Wurf eines Arbeiterführers— v. E l m—, daß er durch sein Ver- halten zu Lohnkämpfcn getrieben und angehetzt hätte.(Zusrim- mung.) Es sind Erfolge errungen worden, die für die Arbeiter zirka 1% bis 2 Millionen Mehrlohn pro Jahr gebracht haben. Frei- lich habe man 467 999 M. für die Lohnkämpfe vom Verband aus- geben müssen. Hoffentlich wird in dieser Woche auch der große Kampf in Gießen beendet, um deswillen die Tabakarbeiter sich an die Solidarität der ganzen deutschen Arbeiterschaft wenden mußten. Diese Unterstützung ist ihnen in einer Weise zuteil geworden, daß sie dafür ihren herzlichen Dank aussprechen. Die Lage viele Tabakarbeitcr ist noch eine elende. Diese Fa- brikanten streben, durch strammere Organisation der Verbesserung der Lage der Arbeiter entgegen. Die Verfolgung ausständiger. höheren Lohn fordernder A'beitcr ist bekannt; sie werden durch schwarze Listen cxistenzlos gemacht. Die Unterbringung weiblicher Tabakarbeitcr in anderen Orten ist schwierig, weil man sie nicht von der Familie reißen kann. Darum brauche man mehr Mittel zur Unterstützung in Lohnkämpfen. Um so notwendiger ist also die Ausgestaltung der Organisation. Einheitlich muß die Organisation sein, darum wünsche man sehn- lichst die Verschmelzung mit dem Sortiererverband. Leider scheint kein ernster Wille bei den Sortierern zur Verschmelzung zu be« stehen, wie deren Vorschläge beweisen.„Getrennt marschieren, ver- eint schlagen" bleibt eine Phrase gegenüber der Konzentration der Unternehmer. Auch die Kampfmittel müssen verstärkt werden. Die General- Versammlung mutz sich ernsthaft mit dieser Frage befassen. Die Gegner verfolgen genau die finanzielle Entwickelung des Ver bandcs; wissen sie, daß dieser finanziell stark ist, dann werden sie den Wünschen der Arbeiter leichter nachgeben. Der Regierung muß der Vorwurf gemacht werden, daß sie den Arbeiterschutz vernachlässigt und nicht einmal zu einer gesetzlichen Regelung der Hausarbeit kommt, denn der vorliegende Gesetzcnt Wurf führe keine solche herbei. Statt dessen bedroht sie die Ar. beiter aufs neue durch neue Steuerprojekte gegen den Tabak. Di« Banderolesteuer drohe der Tabakindustriez schuld daran trügen die Zigarrenfabrikanten, die nichts gegen die Banderolcsteuer taten, vielmehr der Zigarcttenindustrie eins auswischen lassen wollten. Run bedrohe sie selbst die Gefahr. Die Tabakarbeiter tvurden euer- gisch dagegen ankämpfen. Vor allem gelte es, die Organisation, den Verband, zu stärken; seine Macht sei die Gewähr des Erfolges in allen Kämpfen.(Leb- hafter Beifall.) Eilken erstattet für den Ausschuß Bericht. ES sei das erste Mal, daß ein Vorsitzender deS Ausschusses Bericht erstatte, der von keiner Generalversammlung gewählt ist. Aber der Rücktritt Heisings habe eine Neuwahl außerhalb der General» Versammlung nötig gemacht. Die Munchcncr Angelegenheit habe dem Verband ziemliche Kosten verursacht. Auch die Hanauer Angelegenheit habe den Aus- schuß beschäftigt, diese komme jedoch speziell zur Beratung, er ver- zichte darum auf eingehende Darstellung. Die Verschmel�ungS- frage mit den Sortierern habe den Ausschuß ebenfalls beschäftigt; das Resultat liege im Bericht bor. Es scheine, daß die Angelegen- heit ohne Erfolg ausgehen werde, das bedinge das Verhalten der Sortierer. Eine Reihe von Beschwerden seien erledigt worden, sie betrafen zumeist Umzugskosten. Die Steuer, und Heimarbeitsfrage habe zu einer Konferenz geführt, auf der der Ausschuß vertreten war. Die Verhandlungen leien bekannt. In der Dresdener Angelegenheit sei der Ausschuß einig mit der sieuung des Vorstandes, wie sie D e i ch m a n n zum Ausdruck habe. Das Gaulcitershstem habe sich bewährt. Für die Gehälter der Burcaubcamten beantrage der Ausschutz«ine Erhöhung von 1600 auf 1800 3B. Die persönliche Auffassung des Redners ist, daß die Gehälter für die Verbandsbeamten zu niedrig seien im Verhältnis zu ihrer Arbeit und den verteuerten Lebensverhältnissen, er bitte daher die Versammlung, sich mit dieser Frage eingehend zu be- schäftigen. Bezüglich der Wahl deS Ausschusses müsse Rücksicht au etwaige Vakanzen genommen werden. Er schließe sich Deichmann an in dem Rufe: Vorwärts für den Verband! Tiedermaun erstattet an Stelle des erkrankten Kassierers Niedcrwelland den Kassenbericht. Die Revisionskommission sei an der Arbeit, sie lvcrde über den Be fund der Kasse Auskunft geben. Es sei prompte Abrechnung durch die Bevollmächtigten nötig zur exakten Führung der Haupttasse. Scherereien und"Mißverstande zwischen Borstand und Ortsbeamten sei immer die Folge vernachlässigter örtlicher Geschäftsführung. Der Bericht über den Kassenbestand liege zur Einsicht für die Generalversamlung vor. Darauf setzt die Diskussion über den Geschäftsbericht ein.—- v. Elm: Ich bin der Sünder, der das Wort Draufgänger- Politik gebraucht hat. Aber meine Ausführungen dazu find so knapp wiedergegeben, daß ich sie hier darlegen muß. Es ist jedes Mitgliedes Recht, sich über Vergangenes und Zukünftiges in Mit- gliederversammlungen auszusprechen. Es müsse mit der jetzigen Taktik gebrochen werden, daß diejenigen, die im Verband noch nichts geleistet haben, vom Verband nach kurzer Mitgliedschaft unterstü� werden, wenn sie Lohnkämpfe beginnen. Ich will Vorsicht bezüglich des plötzlichen HereinbrechenS großer Lohnkämpfe walten lassen. Dem Vorstand müsse die Möglichkeit gegeben werden, besser prüfen zu können, welche Folgen Lohnkämpfe haben werden. Ein Kampf muß abgebrochen werden, wenn er zu versanden droht. Wenn in einer Versammlung gesagt worden ist, ich sei von den Arbeitern abgerückt, so ist das unrichtig. Mein Standpunkt ist gegenüber den Unternehmern der gefährlichere, weil ich ihnen nach unseren Kräften und je nach der Situation zu Leibe gehen will. Den Kampf will ich nicht aufgeben, das beweist, daß ich eine Beitragserhöhung von 10 Pf. beantragt habe, um di? Kampffähigkeit des Verbandes zu erhöhen. Wenn wir über ähnliche Rcorga- nisationsfragcn beraten, wird es besser in geschlossener Sitzung ge- schehen. Das Gauleitersystem wünschen manche beseitigt, manche weiter ausgedehnt. Redner berührt die dazu gestellten Anträge. Ich halte das Gauleitersystem für nötig. Aber wir waren in Leipzig nicht der Meinung, daß Gauleiter mit der Hast angestellt würden. Di. Verhältnisse mögen dazu gedrängt haben. Gewiß haben die Gau lcitcr zur Verstärkung der Mitgliederzahl beigetragen, allein ihrer Tätigkeit ist sie nicht zuzuschreiben. Die Abschaffung der Gauleiter würde eine Reaktion im Verband bedeuten. Ob die Kosten im Verhältnis zu dem System zu hoch sind, ist fraglich. Anzuerkennen ist, daß höhere Kosten nicht zu hoch sind in Ansehung der erworbenen Mitgliederzahl. Um der Erhaltung der Mitgliederzahl dürfen wir die Unterstützungen nicht erniedrigen, eher muß der Beitrag erhöht werden. Ich bedauere, daß die Verschmelzungsfrage diesen Abschluß ge- funden hat. Die Veröffentlichung der Verhandlungen hat der Einigung nicht gedient. Wenn bei den Sortierern zurzeit ein Be- dürfnis zur Verschmelzung nicht vorhanden ist, so konnte man durch einen gemeinsamen Beschluß die Verhandlungen vertagen. Der Verbandsleitung der Sortierer wird der Vorwurf gemacht, daß sie keine Neigung zur Einigung habe. Sie wollte sich an der öfsent- lichen Diskussion nicht beteiligen, muhte sich aber von dem Vorwurf rechtfertigen. Die Unterstützungsverhältnisse liegen so verschieden, daß die Sortierer wegen dieses Unterschiedes wenig Neigung zur Verschmelzung haben. Wir sind oft gemeinsam vorgegangen, ob- gleich wir getrennt marschieren. Redner geht auf Einzelheiten von Lohnkämpfen ein. Wenn ich gesagt habe, wir lassen uns auf diese Kämpfe nicht mehr ein, so ist gemeint, daß wir Kämpfe, die zum Weißbluten des Verbandes führen, zu verhindern suchen. Will man den Sortiererverband von der Generalkommission aus- schließen lassen, so läßt sich die Generalkommission darauf nicht ein. Manche Sortierer mögen einen rückständigen Standpunkt in dieser Frage einnehmen, aber sie werden zu anderen Ansichten kommen. Zwingen laßt sich die Sache nicht. Mit der Festigung der Verhält- nisse im Tabakarbeiterverband werden die Sortierer eher zur Ge- neigtheit für eine Verschmelzung kommen. Jetzt halten sie an ihren von dem Verband stark abweichenden Untcrstützungseinrichtungen fest. Ich wünsche, daß die Verhandlungen über die Verscbmelzungs- frage nicht neues Oel ins Feuer gießen. Hiiö Induftm und fjandd. Ein kühner Griff in die Taschen der Konsumenten. In der am Montag stattgefundenen Versammlung der dem rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat angeschlossenen Zechenbesitzer konnte die Tatsache der in den letzten Monaten zurückgegangenen Förderung nicht geleugnet werden. Das ist kein günstiges Moment für ein Festhalten an den bisherigen hohen Preisen. Umsoweniger, als über die fortgesetzte Preistreiberei und die jetzigen Notstands- preise die Konsumenten in große Erregung geraten sind. Man er- wartete auch wohl allgemein, das Syndikat werde die Richtpreise jetzt etwas beschneiden. Aber in der der Zechcnbesitzerversammlung voraufgegangenen Beiratssitzung war bereits einstimmig beschlossen worden, die Richtpreise unverändert zu lassen und mit dem Berkauf baldmöglichst zu beginnen!— Die Eile verstehen wir.— Die Zechenbesitzerversammlung hatte nun die Aufgabe, den Be- schlutz zu rechtfertigen. Mit loyalen Mitteln hielt das schwer. Doch man wußte sich zu helfen. Es galt nur, die Konsumonten in dem Glauben zu erhalten, die Versorgung der Marktes biete immer noch Schwierigkeiten, der Begehr übersteige auch jetzt noch die LeistungS- fähigkeit der Gruben. Und wenn eS dabei gelingt, die Arbeiter als die Schuldigen an der Kohlennot zu brandmarken, dann darf man ungestört goldene Ernte halten und der Zorn der Konsumenten richtet sich gegen die Arbeiter. Die Sache war einfach. Man be� hauptete, die Mindersörderung sei nicht etwa angeordnet, weil der Begehr nachgelassen habe, sie sei lediglich eine Folge der zurück- gegangenen Leistung der Arbeiter. Das alte Lied! Die Arbeiter sind faul geworden! Diese Behauptung ist der Preis- schrauberei Rechtfertigung. Die gesegnete, dividendenerhöhende Faulheit als Massen- erscheinung ist jedenfalls ein interessantes psychologisches Problem. Des Rätsels Lösung dürfte man jedoch bald gefunden haben, wenn nicht aus den Augen gelassen wird, daß die Seuche Faulheit just dann sich einstellt, wenn die Unternehmer ihrer als Rechtfertigung für Preistreiberei bedürfen. Doch die Sache ist ernst. Sin Schalk kann wohl versuchen, an eine plötzlich auftauchende allgemeine Faulheit Glauben zu machen, aber kein vernünftiger Mensch wird auf die Schelmerei hereinfallen. Soweit sich pro Kopf der Belegschaft die Förderung vermindert hat, rührt das von Einschränkung der Ueber- zeitarbeit und von erweiterten VorrichtungSarbeiten her. Weshalb solche Arbeiten einheitlich und zu so krittscher Zeit auf allen oder doch vielen Gruben in größerem Umfange angeordnet werden— müssen, darüber werden die Herren Zechenbesitzer wohl keine AuS- kunft geben. Gegen den erneuten Versuch, den Glauben an eine wirMche und natürliche Kohlennot zu erwecken und zu erhalten. begnügen wir uns hier jetzt mit der Wiedergabe der Auslassung der O p p e l n e r Handelskammer über die Kohlennot. Die Kammer sagt, wie wir der„Deutschen Tagesztg." entnehmen, in einem Schreiben an eine industrielle Firma, die von ihr eine Befürwortung staallichen Eingreifens verlangt hatte, daß freilich seither die Nachfrage nach Kohlen außerordentlich stark gewesen sei, daß sie aber jetzt mannigfache Anzeichen dafür erblicke, daß die Hochkonjunktur überschritten und eine Zeit ruhigerer Geschäftstätigkeit zu er- warten sei; schon dadurch werde eine wesentliche Er- leichterung des Kohlenmarktes eintreten. UebrigenS sei zu einem guten Teil die herrschende Kohlenknappheit keine wirkliche, sondern nur eine eingebildete.(Auch künstlich erzeugte. A. d. Red.) Zahl reiche Kohlenverbraucher hätten sich dazu verleiten lassen, Bestellungen aufzugeben, die ihren wirklichen Bedarf weit übersteigen, in der Meinung, sich auf diese Weise wenigstens den Empfang des Nötigen zu sichern; andere hätten sich große Kohlenreserven hingelegt, an die sie in dem Umfange früher nie gedacht hätten, und jeder frage bei mehreren Lieferanten an. So verdoppele und verdreifache sich die Nachfrage um dasselbe Quantum und der„eine" zeitweilig fehlende Waggon erscheine schließlich in vielfacher Gestalt. Daß da- durch die Schwierigkeiten nur erhöht werden, weil der Markt un« übersichtlich wird, und daß solches Gebareu preisverteuernd wirken müsse, sei selbstverständlich. Wie durch das planmäßige Borgehen der Kohlenmagnatm die Preise hinaufgetrieben worden sind, das ersehen die Leser aus der nachfolgenden Tabelle, der amtliche Zahlen zugrunde liegen: Berlin(frei Bahnhof) Nußkohle.... Braunkohlen.... Koks(ab Gasanstalt). SalonbrilettS... Danzig Schlesische Steinkohle. Schottische Steinkohle. Briketts..... Stettin Schottische Nußkohle. Braunkohlenbriketts. Breslau Steinkohlen.... Braunkohlenbriketts. Steinkohlenbriketts.. Halle Braunkohlenbriketts. Magdeburg Steinkohlen.... Braunkohlen.... Koks....... Salonbriketts... Barmen Steinkohle, gewaschene Nußkohle I.... Elberfeld Steinkohle, Nußkohle. Bestmelierte Kohle.. Briketts..... GrotzhandclS- pr-lje pro Tonne 1306> 1307 22,60') 21,00' 14,80 10,00') 13,00') 14,00 19,00 17,50 14,00 15,90') 15,50 16,00 10,00 21,00») 12,00*) 22,00») 12,50') 13,00 14,00 12,00 10,00 28,60') 22,70') 16,00 26,00») 14,00') 23,00 18,00 26,00 20,00 14,50 17,00») 18,50 17,90 11,36 27,00») 15,00') 28,00») 14,00 KleinhandelS- Prelje Pro 50 bz 1306 16,00 15,00 13,00 11,50 jl.S7 1,30 1.40') 0,912) 1,20 1,06 1,002) 1,10 0,902) 1.00') 1,002') 0,952') 0,70 1,40 0,75 1,30 0,702) 1,20 1,10 1,05 0,772) 1307 1,49 1,20 1.53') 1.042) 1,30 1,15 1.102) 1.21 1,062) 1.10') 1,202*) 1,102') 0,80 1,50 0,90 1,40 0,802) 1,15 1,20 1.1S 0,702) Steigerung der Preise von 1306 aus 1907 im Groß- l Klein Handel\ verkauf Proz. 4,9 8,1 8,1 37,0 7,7 28,5 86,8 12,6 3.6 13,6 19,4 11,8 11.4 38,0 25,0 27,0 12,0 15,4 7.1 7,8 15,0 Proz. j 8,8 7,8 9,3 14,2 8,3 9,5 10,0 10,0 17,8 10,0 30,0 15,8 14,2 7,1 20,0 7.7 14,3 4,2 9,1 9,5 2,6 ') Höchstpreise.') pro Hektoliter. 2) pro 100 Stück. Aus diesen Zahlen ergibt fich eine enorme Preissteigerung, die allein im Großhandel an manchen Plätzen und in einigen Kohlen- orten bis zu 40 Proz. hinaufsteigt. Naturgemäß gingen auch die Kleinverkaufspreise kräfttg in die Höhe. Und dieser unerhörten Preistreiberei stehen die Konsumenten machtlos gegenüber. Gerade jetzt, im Zeichen der Blockpoltttk. ist bei den bürgerlichen Parteien und bei der Regierung am wenigsten Neigung vorhanden, den Plündergelüsten der Zöllner und Mono- polisten Schwierigkeiten zu bereiten. Der„Freisinn' darf fich nicht mucksen, das kann die Blockherrlichkeit nicht verttagen. Das Gruben- kapital hat sich eine schöne Zeit ausgesucht, um den Tugenden der Arbeiterbeschimpfung und der Konsumentenplünderung zu frönen. Soziales. Gewerbsmäßige Singspielveranstaltungen. Wer gewerbsmäßig Singspiele, Gesangs- oder deklamatorische Vorträge, Schaustellungen von Personen oder theatralische Vor- stellungen, ohne daß dabei ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft obwaltet, in seinen Wirtschafts- oder sonstigen Räumen öffentlich veranstalten oder zu deren öffentlicher Veranstaltung seine Räume benutzen lassen will, bedarf nach§ 33a der Gewerbe- ordnung zum Betriebe dieses Gewerbes der behördlichen Erlaubnis. Die Erlaubnis darf nur versagt werden, wenn gegen den Nach- suchenden Tatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß die beabsichtigten Veranstaltungen den Gesetzen oder guten Sitten zuwiderlaufen werden oder wenn den baupolizeilichen An- forderungen nicht genügt ist oder wenn einer den Verhältnissen des Gemeindebezirks entsprechenden Anzahl von Personen die Er- laubnis bereits erteilt ist. Gegen diese Vorschrift sollte der Berliner Gastwirt Minde verstoßen haben, weil er in seinem Saal ohne polizeiliche Erlaubnis die Kabarettveranstaltung eines Herrn Pagel geduldet habe. Das Landgericht l sprach ihn jedoch frei und führte u. a. aus: Der § 33s setze voraus entweder die gewerbsmäßige Veranstaltung von Singspielen, Gesangs- und deklamatorischen Vorträgen usw. oder die gewerbsmäßige Hergabe eines Raumes für derartige Veran- staltungen. Letzteres könnte hier in Frage kommen. Es sei aber zu verneinen, daß Angeklagter gewerbsmäßig handelte, da nur der eine Fall festgestellt sei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. DaS Kammergericht verwarf das Rechtsmittel mit folgender Be- gründung: Ohne Rechtsirrtum sei hier angenommen worden, daß keine Gewerbsmäßigkeit vorliege. Nun habe die Staatsanwalt- Mast in der Revision darauf verwiesen, daß die Berliner Theater- Polizeiverordnung von 1851(bezw. von 1906) in Frage kommen könne, die auch für nichtgewerbsmäßige Veranstaltung öffentlicher Vorstellungen polizeiliche Erlaubnis verlange. Es Werve dabei aber übersehen, daß diese Verordnung durchweg nur den Unter- nehmer straftechtlich verantwortlich mache und deshalb nicht in Bettacht komme, da ja dann der Angeklagte nicht Unternehmer der Veranstaltung gewesen war. Darf die Polizei anordnen, baß die Fenster einer Fabrik dauernd zu schließen sind? Durch eine polizeiliche Verfügung war den Fabrikbesitzern Tally und Sigmund Heiborn in Frankfurt a. O. aufgegeben worden, die Fenster ihrer Fabrik während der ganzen Betriebsdauer geschlossen zu halten. Der Verfügung waren Beschwerden der Nachbarn über das aus der Fabrik dringende Geräusch voraufgegangen. Sach- verständige hatten sich dahin geäußert, daß dies Geräusch auf die Dauer die Gesundheit der Nachbarn beeinträchtige. Die Heiborns klagten aus Aufhebung der Verfügung. Das Ober-Berwaltungs- gericht gab im Gegensatz zum Bezirksausschuß der Klage statt und setzte die polizeiliche Verfügung mit folgender Begründung außer Kraft: Aus den Gutachten der Sachverständigen, die von einer dauernden Einwirkung des Geräuschs eine Gesundheitsschädigung für die Nachbarn befürchteten, gehe hervor, daß die Umwohner nicht in ihrer Gesundheit geschädigt würden, wenn die Fabrilfenster zeitweise geöffnet seien. Davon sei auch der Senat überzeugt. In einem derartigen Falle gehe das Ermessen der Polizei aber nicht so West, daß sie ein Geschlossenhalten der Fenster für die ganze Dauer des Betriebes verlangen könne. Unter diesen Um- ständen wäre vielmehr die Polizeibehörde verpflichtet, die gegen- seitigen Interessen, einerseits des Publikums, andererseits des Unternehmers und seiner Arbeiter, abzuwägen. Für die Arbeiter sei eS notwendig, daß zeitweise die Fenster geöffnet würden. Wenn die gegenseitigen Interessen sich dadurch vereinigen ließen, daß man jeder Seite, so weit eS gehe, entgegenkomme, so dürfe die Polizei nicht so schematisch vorgehen wie hier. Die Polizei würde nunmehr so zu verfahren haben, daß sie sich in Verbindung setze mit den Unternehmern und den Umwohnern. Mit den Unter- nehmern sei darüber zu verhandeln, welche Zeit in ihrem Interesse und im Interesse der Arbeiter für das Oeffnen der Fenster die genehmste sei. Das Ergebnis dieser Verhandlung und der Be- sprechung mit den Nachbarn des Betriebes wäre dann zu berück- sichtigen bei einer neuen Verfügung, in der die Schließung der Fenster für gewisse BetriebSzeiten angeordnet werden könne.— Auch das so vom Ober-VerwaltungSgericht eingeengte Er- messen der Polizeibehörde dürste mit den Vorschriften der Ge- Werbeordnung unvereinbar sein. Nach 8 16 der Gewerbeordnung ist lediglich für die Errichtung der dort aufgeführten Anlagen (Schirtzpulverfabriten usw.) eine polizeiliche Genehmigung er- forderlich oder können besondere polizeiliche Bedingungen gestellt werden, zu denen solche gehören, die zum Schutz der Arbeiter gegen Gefahr für Leben und Gesundheit notwendig sind(§ 13). Wegen zu starken Geräusches kann die Polizei nach der Gewerbeordnung (§ 27) nur in den Fällen einschreiten, in denen in der Nähe der Betriebsstätten Kirchen, Schulen oder andere öffentliche Gebäude, Krankenhäuser oder Heilanstalten vorhanden sind, deren be- stimmungsmäßige Benutzung durch den Gewerbebetrieb eine erheb- liche Störung erleiden würde. Diese vom Reichsrecht gezogenen Grenzen darf ein Landesgesetz oder eine Polizciverordnung nicht übertreten. Insbesondere darf sie keine Anordnung treffen, die dem Leben oder der Gesundheit der Arbeiter schädlich wären, wie z. B. das Verbot des FensteröffnenS. DaS Reichsgesetz(§ 13 und 1206 der Gewerbeordnung) verpflichtet die Behörde, erforderlichen- falls Echutzvorschriften zugunsten der Arbeiter zu treffen. Kollidieren damit andere Interessen, so ist die Polizei u. E. auch nicht in dem vom Ober-VerwaltungSgericht angedeuteten Umfang berechtigt. Maßregeln anzuordnen, die für die Gesundheit der Arbeiter nachteilig wären._ Die Bevölkerungszunahme auf dem heutigen Reichsgebiete seit 1816 wird aus folgender Aufstellung ersichtlich: Die Bevölkerung auf dem heutigen Reichsgebiet hat sich also in den letzten 90 Jahren auf das 2>/�fache vermehrt. Die prozentuale "unahme pro Jahr ist während dieses Zeitraums, wenn auch durch -chwankungen unterbrochen, annähernd die gleiche geblieben. Als Perioden besonders schwachen Wachstums kennzeichnen sich das letzte Drittel der 40er und die erste Hälfte der bOer Jahre, ferner die Zeit um 1371._ ßcncbtö- Zeitung. Die Person deS Amts- und Gemeindevorstehers von Reinickendorf stand im Mittelpunkt eines BeleidigungSprozesieS, der am Dienstag einen ganzen Sitzungstag des Schöffengerichts Berlin-Wedding in Anspruch nahm. Angeklagt war der Schlächtermeister Karl Weber in Reinickendorf. Er soll in einer Sitzung des Reinickendorfer Grundbefitzervereins beleidigende Aeußenmgen über den dortigen Amts- und Gemeindevorsteher, Bürgermeister Wille, ge- macht haben. Außer einigen drastischen Schimpfworten soll er gesagt haben, der Bügermeister Wille habe einen Meineid geleistet und Jagdpachtgelder unterschlagen. Der Angeklagte be st reitet zwar, daß er die Aeußerungen so, wie die Anklage behauptet, getan habe, er wollte jedoch den Wahrheitsbeweis bezüglich des Meineides und der Unterschlagung führen. Zu diesem Zweck wurden vor dem Schöffengericht eine Reihe von Zeugen ver- nommen und umfangreiche Erkennwisse auS Zivilprozeffen verlesen. auf die sich der Vorwurf des Meineide? bezieht. Der Vorwurf der Unterschlagung wurde als unbegründet erwiesen. Mit dem angeb- lichen Meineide verhält es sich so: Im Jahre 1398 berief der Amtsvorsteher Wilke die Anlieger der Scharnweberstraße zusammen, um sie zu veranlassen, die Kosten der Pflasterung der Sttaße zu übernehmen, wozu sie zu jener Zeit noch nicht verpflichtet waren> Bei dieser Gelegenheit soll Amtsvorsteber Wille gesagt haben, wenn nicht alle Anlieger sich zur Trngung der Pflasterungskosten verpflichten, dann brauchten auch diejenigen nicht zu zahlen, welche den Verpflichtungs- schein unterschreiben. In einem Zivilprozesz, den die Gemeinde Reinickendorf gegen die Anlieger der Scharuweberstraße führte, haben sechs oder sieben Zeugen beschworen, dah der Amtsvorstehcr sich in der angegebenen Weise geäußert habe. Das Gericht legte damals dem Amtsvorstehcr den Eid darüber auf, daß er die betreffende Aeußerung nicht gemacht habe. Der Amtsvorsteher leistete den Eid und die Beklagten wurden infolgedeffcn verurteilt, die Pflasterungs- kosten zu zahlen. Hinsichtlich der entgegenstehenden Zeugenaussagen nahm da? Zivilgericht an, daß diese auf einem Irrtum beruhen. Hiernach wurde der Wahrheitsbeweis des Angeklagten auch bezüglich des Vorwurfs, der Amtsvorsteher habe einen Meineid ge- leistet, als mißlungen angesehen. Der Verteidiger des An- geklagten, Rechtsanwalt Bahn, suchte die Aeußerungen seines Klienten zu erklären einerseits aus der gereizten Stimmung des An- geklagten, der vom Amtsvorsteher öfter mit Polizeistrafen wegen Uebertretungen belegt worden ist, andererseits aus gewissen Gerüchten, die über den Amtsvorsteher in Umlauf waren, sowie auch ans Tatsachen, die über die Beteiligung des Amts- Vorstehers an G r u n d st ü ck s s p e k u l a t i o n e n in der Gemeinde bekannt waren. In dieser Hinsicht berief sich der Verteidiger auf einen Fall, der auch zum Gegenstand der Beweisaufnahme gemacht worden war. Dieser Fall liegt so: Der Angeklagte Weber hatte die Vermittelung eines Grundstücksverkaufes gegen eine Provision von 47 000 M. übemommen. An diesem Vermittelungsgeschäft be- teiligte sich auch der Amtsvorsteher Wilke. Er besorgte einen Käufer für das Grundstück. Weil aber der Schlußschein, den Weber mit dem Verkäufer des Grundstücks über das Geschäft abgeschlossen hatte, nicht gestempelt war, sagte der Amtsvorsteher, das Geschäft sei ungültig, er werde den Käufer zum Rücktritt ver- anlassen. Unter dem Druck dieser Möglichkeit ermäßigte Weber die Proviston auf 27 000 M. Der Verkauf kam zustande und von der Provision erhielt der Amtsvorsteher Wille für seine Bemühungen als Grundstücksmakler 4000 M. Der Verteidiger sagte, er verstehe nicht, daß der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Beteiligung deS Amtsvorstehers an Grundstücksspekulationen in der Gemeinde als mit der Würde des Gemeindeoberhauptes und den Pflichten eines Beamten in Einklang stehend bezeichnen konnte. Sei doch seinerzeit der Amtsvorsteher Klingenberg in Weißensee verurteilt worden, weil er neben seinem Amte noch Grnndstücksgeschäste betrieb. Wenn der Aintsvorsteher Wilke der- artige Geschäfte betrieb, dann könne man sich nicht wundern, wenn die Bürger ihm nicht die Achtung, welche sein Amt erheischt, ent- gegenbringen und daß der Angeklagte solche Geschäfte als .Schmuggelei" bezeichnete. Wenn auch nach dein Ergebnis der Beweisaufnahme von einem Meineid des Amtsvorstehers keine Rede sein könne, so habe doch der Angeklagte, der ein ungebildeter Mann sei, zu der irrigen Ansicht kommen können, es liege ein Meineid vor, namentlich wenn man berücksichtige, daß in der Gemeinde bekannt war, Amtsvorsteher Wilke habe, als der Zivilprozeß der Gemeinde wegen der Pflasterungskosten schwebte, zum Rechtsanwalt Haller ge- sagt:„Wenn ich diesen Prozeß verliere, dann kann ich meine Akten zusammenpacken und abgehen."— Der Angeklagte berief sich auch darauf, daß dem Amtsvorsteher auch von anderer Seite nachgesagt worden sei, er habe in jenem Prozeß einen Meineid geleistet, ohne daß gegen die be- treffenden Personen Strafantrag gestellt worden sei. Der Bäcker-OLermeister Liebing habe dem Anitsvorsteher sogar zweimal Meineid vorgeworfen, gegenLiebing sei aber kein Straf- antrag ge st eilt worden. Wenn man das alles berücksichtige, dann erscheine daS Verhalten des Angeklagten doch nicht so schlimm, daß sich der Antrag des Staatsanwalts auf zwei Mo- nate Gefängnis rechtfertige. Eine Geldstrafe würde in diesem Falle ausreichend sein. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis und erteilte dem Nebenkläger, Amtsvorsteher Wilke, die Befugnis, das Urteil im„Reinickendorfer Generalanzeiger" zu veröffentlichen. Die besessenen Aktenstücke. Ein eigenartiger Beleidignngsprozetz beschäftigte am Montag das Reichsgericht. Es handelte sich unr ein Urteil des Landgerichts Detmold vom 10. Mai, durch welches der Kaufmann und Ratsherr Fritz Wessel in Blomberg wegen zweifacher Beleidigung des dortigen Bürgermeisters zu einer Geldstrafe von 200 M. verurteilt wordeil ist. In irgend einer Sache sollte ein Bericht an das Konsistorium erstattet werden. In der gemeinschaftlichen Sitzung der beiden städtischen Behörden kam es zu Weiterungen, weil der Bürgermeister mit seiner Partei in der Minderheit geblieben ivar. Der Bürgermeister erklärte, er könne über die Sache keine Auskunft erteilen, da Herr Wessel die Akten an sich genommen und trotz mehrfacher Aufforderung sich iveigere, sie herauszugeben. Herr Wessel erklärte darauf gereizt, er habe die Akten deshalb an sich genommen, weil der Bürgermeister damit hausieren gegangen sei. Ebenfalls sehr erregt trat der Bürgermeister ans Fenster und nahm die daliegenden Akten an sich. Der Ratsherr Wessel entriß sie ihm aber mit einem Ruck, legte sie auf einen Stuhl und s e tz t e s i ch darauf. Der Bürgermeister forderte nun den Ratsdiener auf. sie dem Angeklagten weg- zunehmen, der sie nach einigem Zögern herausgab. Nicht nur in dem Vergleich der Tätigkeit des Bürgermeisters mit der eines Hausierers hat das Gericht eine Beleidigung erblickt, sondern auch darin, daß sich der A ng e kl a g t e mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit auf die Akten setzte.— Der Reich sanwalt hielt die Revision für begründet, soweit sie sich gegen die Konstruktion einer Beleidigung aus dem Setzen auf die Akten richtet. Das Reichsgericht hielt jedoch die Feststellung auch dieser Beleidigung für nicht rechts- irrtümlich und erkannte auf Verwerfung der Revision.— Revision im Prozeß Hau. Das Reichsgericht verwarf, wie uns telegraphisch gemeldet wird, gestern die Revision gegen das vom Karlsruher Schwur- gericht ausgesprochene Todesurteil in der Anklage gegen den amerikanischen Rechtsanwalt Hau. Vom Verteidiger waren 44 Revisionsgründe geltend gemacht. En der Urteilsbegründung wurde u. a. ausgeführt: s sind von der Verteidigung eine Reihe Rügen geltend gemacht worden, die außerhalb der Verhandlung liegen, so: daß der Vorsitzende eine Unterredung mit dem An- geklagren hatte. Das Gesetz verbietet aber einen solchen Verkehr zwischen Vorsitzenden und Angeklagten durchaus nicht, es setzt in den Vorsitzenden das Vertrauen, daß er seine Objektivität nicht verlieren wird. Wenn der Verteidiger der Meinung war, daß der Vorsitzende dadurch zuungunsten des Angeklagten beeinflußt wurde, so hätte er den Borsitzenden wegen Befangenheit ablehnen können. Wenn das nicht mehr zulässig war, weil der Zeitpunkt ver- paßt war, so gibt es dagegen eben kein Mittel. Auch die Rüge, daß der Staatsanwalt vor Beginn der Verhandlung der Presse eine Berichtigung zusandte, kann als ein Revisions- grund nicht angesehen werden. Der Staatsanwalt hat damit nicht gegen seine Pflicht verstoßen, und es ist auch nicht nachgewiesen, daß sich durch die Berichtigung des Staatsanwalts ein Geschlvorener irgendwie beeinflussen ließ. Weiter wird gerügt, daß d e r Z eu a e L e n I ni ch t in ZwangShaft genommen worden ist. Dem Gericht ist es aber vollständig anHeim gegeben, in welcher Weise es das Zeugnis erzwingen will: durch Geldstrafe oder durch Haft. Der Gerichtshof bat bei der vorgerückten Zeit die Zwangshast abgelehnt; eine Revision läßt sich hiermit nicht begründen. )Zus cler frauenbev?egung. Versammlungen— Veranstaltungen. Rerli». Oeffentliche Frauen- Versammlung DienS- tag, den 22. Oktober, abends liiS Uhr, in„Schmidts Festsäle". Gartenstr. 6. Vortrag. Reichstagsabgeordneter Georg Lede- bour über:„Die Frau in Staat und Gesellschaft." Zchlcndorf. Mittwoch, 10. Oktober, 8 Uhr, bei Mieck, Karlstr. 12. Vortrag. Dr. Pleßner:„Die Berufsarbeit der Frau und ihre Wirkung auf das Nervensystem." Reinickendorf-Ost. Mittwoch, den 10. Oktober, 8% Uhr, bei Hoffmann, See- und Aegirstratzen-Ecke. Vortrag. Der Vorstand. Gummelsburg. Mittwoch, den 10. Oktober, 8% Uhr, bei Tempel (Boxhagen 50). Vortrag. Dr. Christeller:„Frauenleiden und ihre Verhütung." Lese- und Diskutierklub„Südost-'. Heute abend 8'/, Uhr bei Tolksdors, Görlitzerstr. 58: Generalversammlung. Gäste willkonimen. Lese- und Diskuticrklub„Karl Marx". Die heutige Sitzung fällt aus. Nächste Sitzung Mittwoch, den 23. d. Mts., bei Greulich, Utrechter- strahe 9. lelvsk wenn er nicht so billig witre� würde jede erfahrene Hausfrau doch den echten„Kathmner? jedem anderen Malzkaffee vorziehen, denn niemand wird auf das beste, � bekömmlichste'�rühstückszetrünk und � auf einen wirklichen Genuß ohne gesundheitliche Schädigung verzichten wollen,« Nun ist aber der„Äathreiner" so billig, daß ein ganzes titer Kaffee nur etwa 3 j)fg. kostet! Gr empfiehlt sich also für jeden Haushalt als'tägliches Getränk. 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Unserem Genossen Gottfried i Hermann und dessen Ehefrau I die herzlichsten Glückwünsche zu ] ihrer silbernen Hochzeit. 378L Die Genossen der 6a Abteilung Sozialileniokratisctier Watilrain des 6. Berliner Wnlreises. Todes-Anzcige. Am 18. Oktober verstarb unser langjähriges Mitglied, der Schuh- machcrmeister Fritz Fhrke Vollastr. 30. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hexte Mittwoch nachmittags 21/j Ubr von der Halle des Städtischen sfried- hoss in FriedrichSsclde auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 267/3 Der Vorstand. !8omllIenioIirst!seliJsliIverein Klxdorf. Xodoa-Anzolgc. Den Mitglieder» zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiler Fant Piefke (3. Bezirk) verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, imchmltlags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Zlixdorser Friedhoses, Marien- dorser Weg, ans statt, Um rege Beteiligung ersucht Der Borltand. Zeulral-Verband der! Steinarbeiter. Berlin II. Den Kollegen hiermit zur Nach- rlcht, daß unser Kollege Hentiaim Schneider am Montag, den 14. Ollobcr ver- sterben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 17. d. M. von der Leichenhalle deS neuen St. Thomas-Kirchhofes, Nixdors. Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 181/12 Der Vorstand. Allen Freunden, Betanntc» und Parteigenossen die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau Johanna Wasch im Aller von 39 Jahren nach lurzem Krankenlager verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16. Oktober, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofs, Max- straße, au« statt. 652b Der trauernde Gatte nebst Kindern. Nisiliino tadellos, dl« 9, Sonntag 5, billig. Gerichtst. 32, Dlttnch. fieerdigungsierein Berliner Zimmerleute. Am 13. Oktober starb plötzlich am Herzschlag im Alter von 50 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer IL»»'l Kirste. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet Donners tag, den 17. d. M., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Kaiser WUhelm-Gedächlnis.Fried- hoseS In Westend, Fürstenbrunner Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 655b Der Vorstand. Verein Berliner Hausdiener Mitgliedschaft 1 des Deutschen Transportarbeiter Verbandes. Todes- Anzelse. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Kollege Max Hummel verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heut nachmittag 5 Uhr von der Leichen- balle deS Gethsemane- Kirchhofes Nordend statt. 75/20 Die Ortsverwaltung I. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeln/e. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Paul Plefk© am 13. d. M. an Herzleiden ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16. Oliober, nach- mittag« 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des Rixdorfer Kirchhofes, Mariendorser Weg, au« statt. Rege Beteiligung erwartet 154/2 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 14. d. M. nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger« und Großvater, der Korbmacher Bermauu Volipreebt Im 67. Lebensjahre sanst ent- schlasen ist. 6516 Um stilles Beileid bitten Ww. Amalle Vollpreoht, geb. Köhler. IBax Hügelep nebst Familie. Die Beerdigung findet am DoimcrSiag, den 17. Oktober, pünktlich nachmittags 4>/, Uhr, von der Leichenhalle deS Auferstehung«- Kirchhofes in Weißensee aus statt. ..... r |gg5RÄ55i�iBBfl5gg KQ95.*\ 0,95mMJ.95m\ 29Sti ..._______ ♦'____...•<»._________ ♦!_____...** SCHLUSS Sonnabend den 19. Oktober 8899L* Phänomen- Nach Egyptischer Art feinste Handarbeit. Zigarettenfabrik„NAMKORI" Zähne Ä 11k. Tellzahlnng wAehentl. 1 Zlk. Vollk. schmerzloses Zahnziehen I Mk. Plomben 1,50 M. Keparat. sofort. Umarbeitung schlecht sitz. Gebisse. Zahnarnt Wolf, LelpalgcrBtr. ISO. Sprechstunden 8— 7 Uhr. 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Gutschmidt, Koltbuser Damm 8. Svdesten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch, Engel-Ujer 15. Obarlottenbarg: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1. Prledrlebsberg: O. Sctkel, �onprinzenstr. 50. Rixdorf: M. Heinrich, Ncckarstr. 7. Conrad, Hcrmannstr. 50. Hnrnmelsbarg: A. Rosenkranz, AII-Boxhagen 56. lSebitneberg: W ilh.B ä uui l cr, Martin Lutherstr. 51. WelLensee: K. Fuhrmann. Scdanstr. 105. Jul. Schillert, König-Chaussee 39a. Helnlokendorr: P. Gursch, Provinzsttatze, Ecke Grüiicrlveg. 'Treptow; R.Gramen,. Kiesbolzstr. 412. Inseratenteil verantw.:TH. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Sr. 242. 24. 2. Kkilxgt ilkS Jutiuitls" Knlim WIKslilM. Pittomli, 16.0litatttl907. ün di« organifierte Urbeiterichakt Berlins und der Vororte! Die Freie Volksbühne ladet Euch ein, recht zahlreich in ihre ncubegründetcn Abend-Abteilungen mit einzutreten. Geraume Zeit ist verflossen, seit zum letztenmal eine ähnliche Aufforderung an Euch erging. Denn unsere Abteilungen sind gefüllt, die Be- schaffung neuer Räume, um unsere Tätigkeit zu erweitern, schien lange Zeit ein unlösbares Problem. So waren wir gezwungen, unseren Mitgliederstand auf etwa 12 000 zu beschränken, und diese Grenze war rasch erreicht. Für Nachzügler waren jetzt die Türen so gut wie verschlossen, nicht, weil wir es so wollten, sondern weil die Möglichkeit fehlte, neuen Mitgliedern Leistungen zu bieten, die den bewährten Ueberlieferungcn der Freien Volksbühne ent- sprachen. Weil aber eine Kunst- und Kulturvereinigung der organi- jierten Arbeiter, wie die Freie Volksbühne eine ist und bleiben will, Raum für alle haben soll, war die Volksbühne ständig bemüht, für neue Mitglieder neuen Platz unb neue Kräfte bereitzustellen. Das ist ihr jetzt gelungen. Für die Neucintrctcndcn, die in der Höchstzahl von 4000 auf- genommen werden können, werden künftig im Lortzing-Theater am Hallcschen Tor und im Luiscn-Theater am Kottbuser Tor an Freitagabenden(Anfang Sü Uhr) geschlossene Vcreinsvorstellungen veranstaltet. Im �Lortzing-Theater wird die Oper, im Luisen- Theater Drama. Schauspiel und Lustspiel gepflegt werden. Die Auswahl der auszuführenden Werke erfolgt durch die gewählte Vereinsleitung, im Luisen-Theater wird der langjährig erprobte Vcreinsregisfcur, Direktor Steinert, die Leitung der Aufführungen übernehmen. So ist zu gutem Gelingen alles vorbereitet. Das Einschreibegeld beträgt 1 M., der Mitgliedsbeitrag gleich- falls 1 M. Dafür erhält daL neu eintretende Mitglied das Recht: 1. Ohne weitere Kosten eine Abendvorstellung im Monat(ab- wechselnd eine Oper und ein Schauspiel) zu besuchen. 2. Die Vcr- einsschrift zu beziehen. � 3. Gegen Leistung des üblichen geringen Eintrittsgeldes nach Lust und Laune auch die übrigen nur für Mitglieder bestimmten Veranstaltungen des Vereins, Kunstabcilde, Konzerte und Feste zu besuchen. Tie Thcatervlütze werden einzeln oder paarweise vor der Vorstellung verlost. Selbstverständlich sind die neuen Mitglieder gebeten, mit den anderen tatkräftig am ferneren Gedeihen des Vereins mitzuwirken, wie es unter organi- sicrten Arbeitern üblich ist. Die Freie Volksbühne ist die ureigene Schöpfung der organi- swrten Arbeiter Berlins, die erste demokratische Külturgenossen- schaft der Welt. Sie will die Arbeiter nicht„zufrieden machen", sondern sie öffnet ihnen eine Türspälte zu einer Welt der Slbön- heit und des edelsten Reichtums, die sich ganz erobern sollen! Mit uns zu genießen, aber auch mit uns zu arbeiten und zu kämpfen, dazu laden wir Euch ein! Wer mit will, melde sich rasch, che auch die neuen Abteilungen wieder geschlosien werden müssen. Das VcreinSjahr für die neuen Mitglieder beginnt am 18. Oktober. Ter Borstand der Freien Volksbühne. Partei-?Zngelegenkeiten. Heute, Mittwoch abend 8 Uhr. spricht Genosse August Bebel in Kellers Festsälcn, Koppenstr. 29, über das Thema ,Der nationalliberale Parteitag lind die Sozialdemokratie". Morgen, Donnerstag abend von 7 Uhr an Massenverbreitung des„Vortvärts" Von den bekannten Stellen aus. Allseitige Beteiligung Pflicht. Der Zentralvorstand. Rixdorf. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksain ge- macht, daß am heutigen Mittwoch, abends 8>/z Uhr. im Lokal von Hoppe die Generalversammlung des WahlvcreinS stattfindet. Sorge jeder für regen Besuch. Der Borstand. Wilmersdorf. Zu der am Donnerstagabend 7 Uhr stattfindenden Flugblattverbreiwng(zwecks Agitation für den„Vorwärts") iverden die Genossen aufgefordert, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Nur dann wird diese Agitation, die auch für unseren Ort so bitter not tut, die ersehnten Früchte tragen, wenn ein jedes WahlvereinS- Mitglied sich seiner Pflicht in bezug auf die Parteiarbeit bewußt ist. Der Vorstand. Friedenau. Heute abend findet der Zahlabend in de» bekannten Bezirkslokalen statt.— Am morgigen Donnerstag, den 17. d. M. „Borwärts"-Verbreitung.— Am Sonnabend, den 19. d. M. feiert der hiesige Arbeitergesangverein„Morgenrot" sein 3. Stiftungsfest im Rheinschloß. Um äußerst zahlreiche Beteiligung bei allen diesen Veranstaltungen bittet dringend Der Borstand. Steglitz. Donnerstag abend von 7 Uhr an: Flugblatt- Verbreitung in allen Bezirken, wozu eine recht rege Beteiligung er- wartet wird; das Material für die Bezirksführer befindet sich bei Wahrendorf. Nieder-Schönhausen. Die Genosien werden darauf aufmerksam gemacht, daß am Donnerstag die Agitation von allen drei B e- zirkslolalen aus stattfindet. Die Agitation beginnt von ü>/2 Uhr abends an. Zahlreiches Erscheinen ist Pflicht. Spandau. Am Donnerstag, den 17. d. M. findet zum Zwecke der Gewinnung neuer.VorwärtS'-Leser in Spandau, Falkenhagen- Seegefeld und Staken die Verbreitung einer Extranummer des „Vorwärts" statt. Die Ausgabe an die Vertreter geschieht am Donnerstagabend von 7 Uhr an in den bekannten Bezirkelokalen. Die Bezirksführer werden ersucht, rechtzeitig ibre Exemplare von dem Genossen Schuster abzuholen. Wir ersuchen die Genossen dringend, sich recht zahlreich in ihren Bezirkslokalen einzufinden. _ Der Vorstand. Berliner JVadmcbtene Städtische Verkehrsfragen. In der gestrigen Sitzung der städtischen Verkehrsdeputation führte das Verlangen der Großen Berliner Omnibus» geseltschaft. den Preis für die bisherige Fünfpfennigstrecke auf siebeneinhalb Pfennig erhöhen und die Teilstrecken auf zirka 13S0 Meter herabsetzen zu dürfen, wiederum zu einer langen und lebhaften Debatte. Die Angelegenheit hat die Deputation bereits wiederholt beschäftigt und in der letzten Sitzung war beschlossen worden, es soll mit der Gesellschaft nochmals ver- handelt weiden dahin, daß sie von einer Tariferhöhung Abstand nimmt und die erforderliche Verbesserung jder Einnahmen aus den, 5 Pfennig- Tarif dadurch zu erzielen versucht. daß die jetzigen Teilstrecken, die sich zum Teil auf 2800 Meter erstrecken. auf ungefähr 1L00 Meter unter Berücksichtigung der Ver- kehrsbrechpunkte verkürzt werden. Diese Verhandlungen haben in- zwischen stattgefunden, sind aber völlig ergebnislos ver- laufen. Die Gesellschaft behauptet, daß jede auf der Fünfpfennig- Strecke beförderte Person in 1909 b.S Pfeimige an Selbstkosten verursacht habe, daß diese Selbstkosten in 1907 sich schon wieder erheblich erhöht hätten, daß die Wagen außer auf einigen wenigen Strecken und zu bestimmten Tageszeiten meistens halbleer liefen und daß ihr daher mit dem Beschluß der Deputation nicht gedient sei, sondern daß sie auf ihrem Verlangen der Erhöhung des Tarifs auf 7>/g bezw. 8 Pf. für das einzelne Billett bestehen müsse. Die Darlegungen der Gesellschaft wurden in der Debatte auf das eingehendste behandelt. Die verlangte Er« höhung des Tarifes würde, da auf den Fünfpfennig-Strecken zirka 100 Millionen Menschen befördert werden und das Aktienkapital zirka 12 Millionen Mark beträgt, bei gleichbleibender Frequenz die Ge- Währung einer 20prozentigen Dividende an die Aktionäre be- deuten. Es wurde zugegeben, daß jede Erhöhung deS Tarifes zunächst jedenfalls eine Senkung der Frequenz herbeiführen wird, doch meinte man allgemein, daß die Herabminderung der Frequenz auch wegen der Konkurrenz der Straßenbahn um so größer sein wird, je bedeutender die Tariferhöhung ist. während die Frequenz bei einer nur geringen Tariferhöhung schon infolge deS natürlichen Wachstums des Verkehrs bald die frühere Ziffer wieder erreichen würde. Auch glaubte die Deputation in ihrer über- wiegenden Majorität eS nicht verantworten zu können, gerade den ärmste» Schichten der Bevölkerung, für die der Fünfpfennig- Omnibus das hauptsächlichste Vehikel ist. eine Belastung um b0 bezw. SO Proz. auflegen zu sollen. Auf der anderen Seite war man willens, um der Gesellschaft zu Hülfe zu kommen, in eine Tariferhöhung zu willige». Die Deputation beschloß daher mit großer Majorität, zu ge- statten, daß der 5 Pf.-Tarif auf 6 Pf. d. h. um 20 Proz. erhöht werde. Schon diese Erhöhung bedeutet, da kaum anzunehmen ist, daß dadurch die Frequenz herabgemindert wird, eine Dividende von 8 Proz. auf das Aktienkapital und die Deputation war der Ansicht, daß die Gesellschaft nach ihren ganzen Darlegungen wohl ver- pflichtet sei, diesem Beschluß zuzustimmen. Das Zweckverbands st atut, über daS die General- diskussion bereits stattgefunden hatte, wurde.mit nur geringen Aenderungc» angenommen. Das Statut wird nunmehr den Ge- meindebehörden zur Genehmigung zugehen. Friedrichsfelde hat den Entwurf bereits unverändert angenommen; auch andere Ge- meinden haben schon ihr Einverständnis erklärt und wünschen nur geringe redaktionelle Aenderungen. Der Antrag der Neuen Berliner Straßenbahn Nordost Aktien- gesellschaft wegen weiterer Verlängerung ihrer Linie durch die Kurze- straße bis zur Landsbergerstraße loird genehmigt. Der Entwurf für den Etat des Hafens am Urban für 1908 wird angenommen und schließlich der Errichtung eines Warte- Häuschens auf dem Weddingplatz in der Nähe der Dankeskirche für das Betricbspersonal der Großen Berliner Straßenbahn zugestimmt. TaS Gerlicht, der Zutritt zur heutigen Versammlung, in welcher Genosse Bebel spricht, sei nur gegen Eintrittskarten zu er- langen, ist ein irriges. Es ist eine Volksversammlung, zu welcher jeder Zutritt hat. Ein neuer Tunnel. � Ter Stadtverordnetenausschuß zur Vor- bcratung des Antrages Schmidt und Genossen betreffend die Her- stcllung eines FußgängerstcigeS beziehentlich einer Brücke über den Bahnkörper des Görlitzcr Bahnhofes im Zuge der Liegnitzer- oder Glogauerstraße zum Zweck einer direkten Verbindung der Wiener- mit der Görlitzcrstraße, hat diesen Antrag nach einem Bortrage des Stadtbaurats Krause abgelehnt. Es wurde ein- stimmig beschlossen, der Stadtverordneten-Versammlung vor- zuschlagen, statt des Fußgängersteiaes einen. Tunnel, wie ein solcher-schon unter dem Stettiner Bahnhof zur Verbindung der Schwartzkopffstratze mit dem Gartenplatz hergestellt worden ist, zu erbauen. Nach der Schätzung des Stadtbaurats Krause würden sich die Bautosten auf etwa 175 000 M. stellen. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenversamm- lung am Donnerstag, den 17. Oktober d. I., nachmittags 5 Uhr: Berichterstattung über die Vorlagen, betreffend: den Verkauf des zum Vermögen des Silbcrschcn Fonds gehörigen Grundstücks der Stadtgemeinde Alexanderstraße Kl/Am Königsgraben 10,— die Vermietung der Kandelaber der öffentlichen Straßenlaternen für Anbringung von Rcklameschildern— und den Erwerb von Ländereicn in der Gemarkung Spntendorf zu Rieselzwecken.— Vorlagen, betreffend: Nachbewilligung von Geldmitteln für die Reichs-Bcrufs- und Betriebszählung vom 12. Juni 1907— die Löschung einiger Berechtigungen des fiskalisch-städtischen Berg- Werks zu Rüdersdorf im Grundbuche— und die Bewilligung städtischer Ehrenpreise für hervorragende Leistungen auf der 30. Geflügelausstellung des Vereins„Cypria".— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Einsetzung eines ständigen Ausschusses für soziale Angelegenheiten. — Vorlagen, betreffend: die Zahlung einer Abfindung an die Separationsinteresienten von Gütergotz für die Abtretung und Aufgabe ihrer Rechte an zwei Triftwegen und für ihre Verzicht- leistung auf Schadenersatz— die Festsetzung der nach§ 4 des neuen Ortsstatuts II den Anliegern in Rechnung zu stellenden Straßenanlagekostcn und die Bewilligung von Vergütungen für die durch den Wolkenbruch am 29. Juli d. I. entstandenen Schäden. Eine neue VermittelungSstelle für weibliches HauSperfonal hat der Zentralverein für Arbeitsnachweis feit gestern in der Link- straße 11 eröffnet. Bisher hatte der Zentralverein bereits eine solche in der Gormannstr. 13; wollte man auf diesem Gebiete mehr leisten, so wurde die Eröffnung einer neuen Abteilung in der Ge- gend des Westens eine Notwendigkeit. Die Herrschaften in jener Gegend benutzen vielfach die privaten Stellenvermittler, würden aber, so hofft man. den Arbeitsnachweis des Zentralvereins in An- spruch nehmen, wenn man ihnen die Wege abkürzt. In Rücksicht darauf hat auch die Stadt Berlin dem Zentralverein einen erhöhten Zuschuß zugebilligt. Die neue Abteilung ist inmitten der zahl- reichen privaten Stellenvermittelungsbureaus in der Linkstraße be- legen. In der ersten Etage des Hauses Linkstr. 15 sind mehrere Zimmer zu diesem Zwecke gemietet worden. Es sind getrennte Warteräume für Hausfrauen und Stellensuchende vorgesehen, daS Vermittlungszimmer ist sehr zweckmäßig in kleine Nischen einge- teilt, in denen die Parteien ungestört miteinander verhandeln können. Die Gebühren betragen für Hausfrauen, die Mitglieder deS Zentralvereins sind, 1 M. pro abgeschlossene Vermittelung, für NichtMitglieder 2 M. Für Stellungsuchende ist die Vermittelung vollständig kostenfrei. Die Abteilung wird täglich von 4— 7 Uhr geöffnet sein. Die Deputation für die städtische Straßenreinigung hielt gestern eine Sitzung ab. Zur Reinigung dreimal wöchentlich kam die Gottschedstraße in den Arbeitsplan. Von der Direktion wird eine neue Arbeitsteilung vorbereitet, die auch von den Arbeitern gewünscht wird, und worüber der Arbeiterausschuß der Direktion Vorschläge unterbreitet hat. Diescrhalb hat die Direktion Proben in einzelnen Abteilungen vorgesehen bezw. veranstaltet. Ueber die Erhöhung der Sauberkeit der Straßen Berlins fand eine Aussprache statt, die ergab, daß die Direktion dieser Ange- legenheit unausgesetzt ihre Aufmerksamkeit widmet; sie hosst, recht bald der Deputation Vorschläge unterbreiten zu können. Einer Anregung der Verwaltung der Gaswerke betr. die Reinigung der Gaskandelaber will die Deputation Folge geben. Die daraus ent- stehenden Kosten. Einstellung neuer Arbeiter, fallen zu Lasten der Verwaltung der Gaswerke. Dem Neubau eines Depots in der Artilleriestr. 4 wurde zugestimmt, mit der Maßgabe, wenn möglich, solle die Direktion selbst die Bauausführung übernehmen. Der Antrag eines erkrankten Aufsehers um Fortzahlung der Funktions- zulage mutzte abgelehnt werden, dagegen wurde ihm eine Unter- stützung zugestanden. Der Vergebung der Arbeiten für ein Fahr- zeugdepot an den Mindeftfordernden— rund 56 000 M.— wurde zugestimmt, desgleichen der Beseitigung der Bedürfnisanstalt am Dom. Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. In der Aus- schutzsitzung vom 13. Oktober 1907 wurde die TageS« orvnung wie kolgt erledigt: Der Verein„Frohsinn"-Templin, aus 27 Mitgliedern bestehend, wurde in den Bund aufgenommen.— Bei dem am 7. Dezember stattfindenden Stiftungsfest werde« außer dem Orchester die Vereine„Sängerschaft Fichte",„Sänger- Vereinigung Südost" und„Liederlust II" mitwirken.— Die Revisoren berichteten über den ordnungsmäßigen Befund der Kasse bei der Revision. Zu rügen sei jedoch das saumselige Bezahlen der Beiträge seitens der Vereine sowie das langsame Abrechnen vom Sängerfest. Es wurde strengste Handhabung des Statuts eventuell Veröffentlichung der mit der Abrechnung rückständigen Vereine gefordert.— Eine längere Debatte zeitigte eine Anfrage deS Vertreters aus Rathenow über das Verhalten der Gesang- vereine bei Kollisionen mit anderen Parteikörperschaften wegen Lokalfrage, künstlerischer Veranstaltungen usw., speziell in solchen Orten, in denen nur ein Parteilokal zur Verfügung stände. Hierzu wurde erklärt, daß es als selbstverständlich angesehen wird, in solchen Angelegenheiten eine Verständigung herbeizuführen; eine bestimmte Norm könnte iedoch wegen der verschiedenen örtlichen Verhältnisse nicht aufgestellt werden. In der Debatte hierüber wurde eS auch bedauert, daß eS jetzt Mode zu werden scheine— und bedinge gerade dieS unvermeidliche Kollisionen— von fast allen Parteikörperschaften usw. Kunstabende zu veranstalten. Man solle dies den dazu berufenen Körperschaften(Volksbühnen, Bildungsschule. Gesangvereinen) überlassen, da sonst die Kräfte zersplittert und der Besuch dieser Veranstaltungen darunter leiden würde, wenn Wahlvereine. Gewerkschaften u. a. Kunstabende ver- anstalteten. Diesen Ausführungen wurde lebhaft widersprochen und bemerkt, daß eS mit Freuden zu begrüßen sei. die so not- wendigen Veranstaltungen der Parteikorporationen künstlerisch einwandsfrei ausgeführt zu sehen. Durch Uebergang zur Tages- ordnung wurde diese Angelegenheit erledigt.— Zum Schluß gab der Vertreter der Brandenburger Liederkommission eine Ab- rechnung über das Provinzial-Sängerfeft. Danach stehen einer Einnahme von 1800 M. eine Ausgabe von 1600 M. gegenüber. Die Arretierung eines Angetrunkenen rief am Montagnach- mittag 444 Uhr in der Brunnenstraße. Ecke Lortzingstratze. eine große Menschenansammlung hervor. Was war die Ursache der Sistierung? Angenzeugen teilen uns mit: Der erwas angetrunkene Mann wollte sich in dem Restaurant Ecke Brunnen, und Lortzingstratze noch etwas niederlasien, womit sich der Wirt nicht einverstanden erklärte. Beide seien auch ganz gut miteinander einig geworden; plötzlich habe ein Schutzmann an der Bordschwelle des Restaurants den Angetrunkenen von hinten gepackt und weg- transportiert. Kurz darauf habe sich noch ein Beamter einge- funden und nun sei unter der Empörung deS Publikum? der sich keineswegs sträubende Arrestant auf nicht glimpfliche Weise nach der Wache in der Brunnenstr. 83 transportiert worden. Eine Frau, die auf der Wache eine Erklärung über den Vorgang ab- geben wollte, soll der Wachtmeister gefragt haben, ob sie für oder gegen den Arrestanten aussagen wolle. Als dieselbe hierauf be- tonte, daß sie sich für denselben erklären wolle, sei ihr zur Antwort geworden, daß sie dann warten solle, bis der Arrestant entlasten werde und auf die Straße käme. Sie erklärte uns, daß sie mit noch einem Manne bis 446 Uhr vor der Volizeiwache ge- ivartet habe, der Arrestant sei jedoch nicht gekommen. Aus verschiedenen Vorgängen, die uns in letzter Zeit mitgeteilt worden sind, geht hervor, daß es sehr bedenklich ist, wenn Leute, die für einen Sistierten Angaben machen wollen, sich auf die Polizeiwache begeben. Sobald Augenzeugen dort erklären, für einen ihrer Ansicht nach grundlos Verhafteten aussagen zu wollen, werden sie abgewiesen mit dem Bemerken, das gehe der Polizei nichts an; im umgekehrten Falle werden aber Angaben gern ent- gegengenommcn. Wir glaubten immer, eS sei auch Sache der Polizei, einen Vorgang objektiv darzustellen und auch EntlastungS- zeugen anzuhören, muffen aber nach den uns gemachten Mittei- lungen zu der Meinung kommen, daß Entlastungszeugen gut tun, ihr Zeugnis nur dem Belasteten privatim zur Verfügung zu stellen. Ueberfahrener GreiS. Von einem Omnibus überfahren wurde gestern der 66 Jahre alte Rentenempfänger Wilhelm Jacobi aus der Swinemünderstr. 50. Der alte Mfcnn, der nicht mehr ganz sicher auf den Beinen ist, hatte versucht, kurz vor dem Herannahen eines Omnibusses den Stratzendamm zu überschreiten. Er wurde aber von dem Gefährt umgeworfen und stürzte unter den Wagen. Beine und Arme wurden dem bedauernswerten Manne überfahren. Schwerverletzt fand er im städtischen Krankenhaus Aufnahme. Bon seinem eigenen Fuhrwerk totgefahren wurde gestern abend der Fuhrunternehmer Ernst Schoß auf dem Spandauer Bock. Sch. wollte mit seinem Einspänner nach Spandau fahren. Am Spandauer Bock stieg er vom Wagen herunter und ging neben dem Gefährt her. Auf der abschüssigen Straße kam das Gefährt ins Rollen und als Sch. auf den Bock springen wollte, um die Bremse anzuziehen, kam er zu Fall und geriet unter den Wagen. Die Räder gingen ihm über Kopf und Brust hinweg. In einem Krankenwagen wurde der Verunglückte nach dem Krankenhaus Westend gebracht, doch bereits auf dem Transport erlag er seinen Verletzungen. Der geheimnisvolle„Franz", der nach Angabe des Raub- mörderS Hennig den Mord an dem Kellner Giernoth verübt haben sollte, war. einem Gerücht zufolge, dieser Tage in den Händen des Amtsvorstehers von Wannsee und des Potsdamer Amtsgerichts. In der Tat wurde am 3. d. M. in Wannsee ein Tapezierer Franz Hoffmann wegen LandstreichenS aufgegriffen, in Potsdam ab- geurteilt und nach Vcrbühung einer Haftstrafe freigelassen. Er hat allerdings erzählt, daß er den Hennig gekannt habe. Tatsächlich kommt er aber wegen Teilnahme an dem Giernothschen Raubmorde gar nicht in Betracht. Hennig hatte sich selbst in Briefen gerühmt, daß niemand den Mörder kenne und daß man ihn auch niemals ermitteln werde, weil er stet« allein arbeite. Durch dies Vorgehen war es Hennig stets gelungen, der Verhaftung wegen seiner zahl- reichen Pfandscheinschwindeleien zu entgehen. Erst als man seine Persönlichkeit festgestellt und ihn in Stettin verhaftet hatte, brachte er das Märchen von„Franz" auf. Die Behörden haben daran niemals geglaubt, weil HennigS Angaben sich vielfach als erfunden erwiesen. DaS Berliner Zentraltheater versiegelt. Gläubiger des Zentraltheaters haben, wie das„Berk. Tageblatt" hört, gestern die Einrichtung und die Kulissen deS Zentraltheaters mit Arrest be- legen lassen. Zeugengesuch. Die Zeugen des Vorfalls, der sich am späten Abend des 5. Oktober vor dem Geschäftslokal des Schankwirts Helmut, Dunckerstr. 2, abspielte, werden gebeten, ihre Adressen an den genannten Schankwirt abgeben zu wollen. Die Personen, die am 2. Oktober kurz vor 9 Uhr abends den Auflauf in der Elbingerstraße beobachtet und gesehen haben, wie einer der Passanten arretiert wurde, werden gebeten, ihre Adresse bei Franz KirmiS, Heidenfeldstr. 10, Seitenflügel parterre, abzu- geben. Feuerwehrnachrichten. Ein größerer Baubudenbrand rief die Feuerwehr Montag abend 10 Uhr nach der Chodowieckistr. 37. Um die Flammen zu ersticken, muhte mit zwei Rostren Wasser gegeben werden.— Fast gleichzeitig erfolgte Alarm nach der Niederbarnim- strahe B in Lichtenberg. Hier brannten Kisten und Warenballen in einem Keller.— Ein ähnliches Feuer beschäftigte den ersten Löschzug in der Alten Schützenstr. 1l.— In der Wilhelmstr. 36 war dann noch der Futzbodcn und die Balkenlage in einem Umbau und in der Niedcrwallstr. IS Benzol in einer Druckerei in Brand geraten._ Vorort- J�acfmcbten. Polizei und Justiz gegen sozialdemokratische Arbeiter. Seit Monaten ist das Lokal des Rcstaurateurs Seitz in Spandau gesperrt. Die Spandauer Parteigenossen verhängten die Sperre. weil ihnen das Lokal nicht zu Versammlungen gegeben wird; Herr Seitz weiß, daß über sein Lokal der Militärbohkott verhängt wird. falls er eine sozialdemokratische oder gewerkschaftliche Versammlung in seinen Räumen duldet. Tie Kommandantur hat das dem Herrn Seitz als Antwort auf eine Eingabe mitgeteilt. Die Militärbehörde hält es also für ihr selbstverständliches Recht, einen Gastwirt zu boykottieren, weil in seinem Lokal sozialdemokratische Versamm» lungen abgehalten werden, und keine andere Instanz hat auch nur versucht, den Militärboykott als ungehörig zu erklären, geschweige denn gegen denselben vorzugehen. Anders ist es dagegen, wenn die Arbeiterschaft beschließt, einem Gastwirt, der sein Lokal für ihre Versammlungen sperrt, ihre Kundschaft zu entziehen und diesen Beschluß in geeigneter Weise bekanntzugeben. In diesem Falle setzen sich die behördlichen Organe sogleich in Bewegung gegen die Arbeiter. So geschah es auch anläßlich der Sperre des Seitzschen Lokals. Die Polizei erließ Strafbefehle gegen diejenigen Arbeiter, welche sich in der Nähe des Seitzschen Lokals aufhielten, um den Ankommenden Mitteilung von dem Bestehen der Sperre zu machen. Alle diese polizeilichen Strafverfügungen sind jedoch von den Ge- richten aufgehoben worden. Die Gerichte haben also anerkannt, daß die Ausübung der Sperre nicht ungesetzlich ist. Nachdem sich der Versuch, die Sperreposten strafrechtlich zu fassen, als unwirksam erwiesen hatte, probierte man ein anderes Mittel zugunsten des Herrn Seitz, wobei wieder ein Polizeibeamter eine hervorragende Rolle spielte. Wir meinen die Bemühungen des Polizeisergeanten Möschke, den Obmann der Lokalkommission zur Aufhebung der Sperre gegen einen von Herrn Seitz zu zahlenden Judaslohn von 4lX)v M. zu veranlassen, worüber wir im„Vorwärts" vom 26. Juli ausführlich berichtet haben. Dieser Bcstechungsversuch endete bekanntlich mit einer Blamage des Unter- Händlers, Polizeisergeanten Möschke. Der Gastwirt Seitz. der die Wirkung der Sperre sehr un- angenehm fühlte, sann nun auf andere Mittel, um die Sperre un- schädlich zu machen. Eine Zivilklage gegen die Parteigenossen, welche für die Durchführung der Sperre tätig waren, schien ihm erfolgversprechend. Bei der Beschreitung dieses Weges befand sich Herr Seitz in der für ihn gewiß angenehmen Lage, daß ihm die Polizei bereitwilligst Helferdienste leistete. Auf Ersuchen deS Herrn Seitz stellte der Polizeikommissar Wangelin die Persönlichkeiten derjenigen fest, welche in der Nähe des Lokals anderen Personen das Bestehen der Sperre mitteilten. Diese Feststellungen, an denen sich später auch der Polizeisergeant Püngel beteiligte, geschahen einzig und allein zu dem Zweck, die festgestellten Personen dem Anwalt des Gastwirts Seitz namhaft zu machen, damit derselbe im Wege der Zivilklage gegen sie vorgehen könne. Die genannten Polizeibcamten haben hier also in amtlicher Eigenschaft etwas aus- geführt, was gar nicht ihres Amtes ist. Sie haben sich als Be- amte zur Besorgung von Privatgeschäften eines Gastwirtes her- gegeben. Ein durchaus ungehöriges Verfahren.— Nachdem nun Seitz durch polizeiliche Hülfe erst die Personen kennen gelernt hatte, gegen welche er im Zivilprozeß Schadenersatzansprüche erstreiten wollte, beantragte sein Anwalt beim Landgericht III den Erlaß einer einstweiligen Verfügung, durch welche IB Spandauer Parteigenossen bei Vermeidung einer Haftstrafe von 24 Stunden für jeden Einzelfall die Verbreitung des Sperrebeschlusses und der Aufent- halt in der Nähe der Seitzschen Wirtschaft untersagt wird.— Die 11. Zivilkammer des Landgerichts III gab diesem Antrage statt, ja sie ging noch darüber hinaus. Während der Anwalt des von der Sperre betroffenen Gastwirtes eine Haftstrafe von 24 Stunden für Zuwiderhandlung gegen die einstweilige Verfügung beantragt hatte, glaubte das Gericht die Interessen des Herrn Seitz noch nachdrück- lichcr schützen zu müssen und drohte eine Haftstrafe von drei Tagen für jede Zuwiderhandlmrg an.— Am 20. September erließ die 11. Zivilkammer ihre einstweilige Verfügung. Diese wurde den davon Betroffenen zum Teil erst am Abend des 21. September mit der letzten Post zugestellt. Einige, die am 21. September abends nicht zu Hause waren, und auch schon am 22. sich schon vor Eintreffen des Postboten entfernt hatten, erhielten erst am Abend des 22. Kenntnis von der Verfügung. So kam es. daß ein Teil der Boykottposten, eben die, welche von der Verfügung noch nichts wußten, ihre Tätigkeit vor dem Seitzschen Lokal noch am 21. und 22. September ausübten. Wieder nahm sich die Polizei der Privatangelegenheiten des Gastwirts Seitz an. Sie stellte alle diejenigen fest, welche noch am 21. und 22. Scptcniber in der Nähe des Seitzschen Lokals gesehen wurden. Durch die'Polizei erfuhr Seitz die Namen von fünf Parteigenossen, welche auf diese Weise festgestellt worden sind. Der Anwalt des Herrn Seitz stellte nun beim Gericht den Antrag, es möge vier der Betreffenden, die zweimal gegen die einstweilige Verfügung verstoßen haben sollen, zu je 6 Tagen und den fünften wegen einer Zuwiderhandlung zu 3 Tagen Haft verurteilen. Das Gericht, welches den Termin, an dem über die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Verfügung vom 20. September verhandelt werden sollte, erst auf den 11. Oktober angesetzt hatte, gewährte den An- geschuldigten nur zwei Tage Zeit, um sich über den Strafantrag des Seitzschen Anwalts zu äußern. Die Erklärungsfrist ist allerdings. einem Antrage des Anwalts der Angeschuldigten entsprechend, dann bis zum 10. Oktober hinausgeschoben worden. Wäre hierdurch das beschleunigte Tempo, welches das Gericht bei Verhängung der Strafe anscheinend einschlagen wollte, nicht gezügelt worden, so hätte der Fall eintreten können, daß die Haftstrasen vollstreckt worden wären, bevor überhaupt entschieden war, ob ein rechtmäßiger Grund für die Androhung der Haftstrafen bestand. Am 11. Oktober wurde vor der 11. Zivilkammer deS Landgerichts III darüber verhandelt, ob die einstweilige Verfügung dieses Gerichts begründet sei oder nicht. Rechtsanwalt Marcuse als Ver- tretcr des Gastwirts Seitz bemühte sich, den Boykott als eine un- erlaubte Handlung hinzustellen, wodurch Seitz unter den Willen der sozialdemokratischen Partei gezwungen werden solle.— Der Vertreter der Beklagten, Rechtsanwalt Karl Liebknecht, vertrat den Standpunkt, der Boykott und die Bekanntgabe desselben sei durch- aus nichts Rechtswidriges. Wolle man den Boykott, den die organi- sierten Arbeiter gegen einen Gastwirt verhängen, der ihnen sein Lokal zu Versammlungen verweigert, als«ine unerlaubte, unsitt- liche Handlung erklären, dann gelte das in noch höherem Maße von dem Boykott, den die Militärbehörden über Gastwirte verhängen, bei denen Sozialdemokraten sich gelegentlich versammeln. Im vor- liegenden Falle sei cS ja der drohende Militärboykott, den Seitz«un meisten zu fürchten habe. Der Boykott der Arbeiter sei ja nur eine Abwehr gegen den drohenden Militärboykott, welcher den Wirt ruinieren würde. Zu einer Entscheidung kam das Gericht am 11. Oktober noch nicht. Die Bekanntgabe des Urteils wurde vielmehr auf den IB. Oktober festgesetzt. Dasselbe ging dahin: Die einstweilige Ver- fügung wird aufrecht erhalten. Schöneberg. Dir Stadtverordnetenversammlung widmete in ihrer letzten Sitzung einen erheblichen Teil ihrer Zeit dem höheren Schul- Wesen. Wie schon oftmals, so konnte man auch in dieser Sitzung wieder beobachten, ein wie großes Interesse die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat dem höheren Schulwesen entgegenbringen, im Gegensatz zu dem Gemeinde- schulwesen. Eine Vorlage des Magistrats betr. Einrichtung von Michaelisllassen an der Oberrealabtcilung der Hohenzollernschule fand nicht den vom Magistrat erhofften Beifall in der Versamm- lung, sondern man trug bedeutend weitergehende Pläne und Wünsche vor, die nach langen Auseinandersetzungen einem Aus- schusse überwiesen wurden.— Zum Neubau des Helmholtz-Rcal- gymnasiums bewilligte die Versammlung die erforderlichen Mittel. — Eine Nachbewilligung von 17000 Mark für den Reubau des Werner Sieincns-Realgymnasiums wurde zunächst dem Etats- ausschuß überwiesen.— Ein weiterer Antrag forderte den Magistrat auf, der Versammlung regelmäßige Uebersichten über die Besetzung der Klassen in den höheren Schulen zu geben. Auch unsere Genossen sprachen sich für diesen Antrag aus. der sicherlich den Unterschied zlvischcn der Besetzung der höheren Schulen uno der Gemeindeschulen zeigen werde. Der Antrag wurde an- genommen. Der verbleibende Rest der Zeit wurde nun den übrigen Punkten der Tagesordnung gewidmet. Der Vorlage des Magistrats betr. Einrichtung von zwei S ch u l k ü ch e n in der Gemeindedoppelschule am Tcmpelhoferwege wurde zugestimmt, nachdem der aus der Versammlung heraus ge- forderte Nachweis für die Notwendigkeit derselben erbracht worden war. Von der Mitteilung des Magistrats, die beantragte Er- richtung einer eigenen F c u e r so z i e tä t auf unbestimmte Zeit zu'vertagen, wurde Kenntnis genommen. Den Fcuerwchrmannschasten wurden die nötigen Mittel zur Beschaffung eines UebungsautomobilS zur Ausbildung im Fahren zur Verfügung gestellt. Einen P r o t e st unserer Genossen rief die Vorschlagsliste des Magistrats fiir die Wahl von Beisitzern und Stellvertretern zur Bildung der Wahlvorstände für die im November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen hervor. Unsere Genossen W o l l e r- m a n n und K ü t e r wenden sich gegen die Hintansetzung der Arbeiter, wenn es sich darum handelt, mitzuwirken in den An- gelegenheiten der Gemeinde. Man weiß die Arbeiter wohl zu nehmen bei der Steuereinschätzung, sonst läßt man sie aber links liegen. Unsere Genossen forderten, daß in jedem Wahlvorstand bei den Wahlen der dritten Abteilung auch Vertreter der Arbeiter- schaft sitzen. Die Vorschläge der Bezirke, in denen die Arbeiter. schaft nicht vertreten ist. wurden darauf zurückgewiesen und bis zur nächsten Sitzung vertagt. Rixdorf. Beim Absteigen von der Straßenbahn verunglückt ist am Montag gegen 7 Uhr der Kaufmann Anhoff, Stcinmetzstr. 100 wohnhaft. An der Haltestelle am Ringbahnhof Hermannstraße ver- ließ A. den in der Anfahrt befindlichen Straßenbahnwagen 138B der Linie 29, glitt aus und fiel so unglücklich, daß er eine Gehirn- erschütterung und eine Verletzung am Hinterkopf davontrug. Der Verunglückte wurde nach seiner Wohnung geschafft. Britz. Ein folgenschwerer Zusammenstoß eines Straßenbahnzuges mit einem Lastivagen fand vorgestern abend gegen'/z8 Uhr in der Gottlieb Dunkerstraße statt. Zur genannten Zeit versuchte ein unbeleuchteter Arbeitswagen unmittelbar vor dem Motorwagen 2398 der Linie 7 das Straßenbahngleis zu kreuzen und wurde angefahren. Infolge des Anpralles erlitten der Slratzeubahnfahrer Opitz sowie die in Britz wohnende Frau Kirsch, deren lljähriger Sohn Walter und der schuldige Kutscher deS Arbeitswagens leichte Verletzungen. Ebenso wurde eines der beiden Pferde an den Hinterbeinen verwundet. An dem Motorwagen war die Vorderplattform eingedrückt. Nummelsburg. HiilfloS verblutet. Zu dem Gerücht von einem Verbrechen hat ein Todesfall in Rummelsburg Veranlassung gegeben. Der 70jährige Eigentümer Gottlob Stöbe, der am Hönower Wiescnweg wohnte, litt stark an Krampfadern. Am Sonntag platzte ihm eine Krampf- aber und der Blutverlust war infolgedessen ein ganz ungewöhnlicher. Anstatt jedoch nach einem Arzt zu rufen, setzte sich der alte Mann aufs Sofa. Dort wurde er gestern als Leiche aufgefunden. Vor dem Toten lag auf dem Fußboden eine große Blutlache. Auch das Sofa war stark mit Blut besudelt. Die Gerüchte, wonach St. einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein soll, entbehren jeder Begründung. Der Greis ist. wie ärztlicherseits festgestellt worden ist. an Ver- blutnng, die infolge der geplatzten Krampfader herbeigeführt worden war, gestorben. Erkner. Die Leiche eines 8jShrigen Knaben wurde am Montag in der Spree oberhalb Erkner angetrieben und gelandet. Wie festgestellt wurde, ist der Tote der Sohn des Gärtners DahmS in Hangels- berg. Der Kleine hatte am Ufer der hinter den, Grundstück seines Baters entlang fließenden Spree gespielt, war in das Wasser ge- fallen und dabei ertrunken. Darauf deutet auch der Umstand, daß eine kleine Harke, die dem Kinde gehörte, und die Mütze des Knaben schon vor einigen Tagen in, Wasser treibend entdeckt ivurden. «ichwalde. Ueber die Verhandlungen deS Parteitages in Essen berichtete in der am Mittwochabend in Wittes Waldschlößchen stattgcfundenen Versammlung des Wahlvercins Genosse S y d o w- Ketschendorf. In cUva zweistündigen erschöpfenden AuSftihrungcn gab Redner ein Bild der Verhandlungen und erläuterte eingehend die dort ge- faßten Beschlüsse. In der Diskussion sprachen sich mehrere Ge» nossen, wenn auch zu einzelnen Punkten kritisierend, doch im all- gemeinen zustimmend aus.— Als Delegierte zur Verbands- generalversammlung wählte die Versammlung die Genossen M i t s ch k e und Schöps. Des weiteren wurde noch besonders auf das am 3. November in Miersdorf stattfindende Stiftungsfest verwiesen und um rege Agitation für dasselbe ersucht.— Durch den „Uebereifer" des überwachenden Aintsdicners kam es gegen Schluß der Versammlung zu einem heiteren Intermezzo."Um 11 Uhr trat, im Vollbewutztsein seiner vermeintlichen Pflicht, der Ucbcr- wachende an den Tisch und erklärte dem Bureau:„Die Versamm- lung ist jetzt zu Ende." Aufmerksam gemacht, daß er nicht, nur allein das Bureau die Versammlung zu schließen habe, berief sich der Beamte auf den Eintritt der Polizeistunde und drohte evcn- tuelle Strafe an. Er mußte sich indessen davon überzeugen lassen, daß der Versammlung das Recht der Tagung bis zur wirk- l i ch c n Polizeistunde, um 12 Uhr, zustand. Das Vorkommnis be- rechtigie wohl zu der verschiedentlich aufgeworfenen Frage: Gibt es in Eichwalde keine Beamten, die wirklich gesetzeskundig und zur Ueberwachung von Versamlungen brauchbar sind, oder hatte dieser Beamte Auftrag zu einem derartigen Vorgehen? U. A. w. g.— Drewitz. Ueber„B-lkSerziehung- referierte in der außerordentlichen Generalversammlung des WahlvereinS Genosse.Hoff mann» Nowawes. Die treffliche Charakteristik deS Redners über den jeweiligen Stand des BildungSwescnS fand den lebhaften Beifall der Versammlung. Unter„Verschiedenes" beantragte Genosse Stech, die Sperre über daS Lokal von Smettana aufzuheben, welcher Antrag vom Genossen Sieks bekämpft und auch abgelehnt wurde. Genosse Sieke brachte alsdann noch Mängel über die Leichenhalle und andere kommunale Einrichtungen zur Sprache. Zum Schluß ern, ahnte der Vorsitzende in Anbetracht des großen Arbeitsfeldes für die Partei die Anwesenden, sich zu intensiverer Mitarbeit stets zur Verfügung zu stellen. Weifte, isee. Ein folgenschwerer Automobilunfall trug sich gestern auf der König-Chaiissee zu. In beschleunigtem Tempo fuhr die Automobil- droschke Nr. 4460 den Fahrdamm hinter einem Straßenbahnwagen entlang. An der Haltestelle lenkte der Chauffeur den Kraftwagen an dem Straßenbahnwagen vorbei auf die linke Seite des Fahr- dammes. In diesem Augenblick überschritt der 26 jährige Kutscher Fritz Valentin. Berlinerstr. 23 in Weißensee wohnhaft, an der frag- lichcn Stelle die Straße. Er wurde von dem Automobil erfaßt, zu Boden gerissen und überfahren. Die Räder gingen ihn, über beide Beine hinweg und zermalmten sie fast vollständig. Die Knochen- splitter traten weit heraus. In den. Automobil, durch das der Unfall herbeigeführt worden war, wurde der Schwerverletzte nach dem Auguste Viktoria-KrankenhauS gebracht, wo sofort eine Operation an ihm vorgenommen werden mußte. Pankow. Schwer zu Schaden gekommen ist vorgestern beim Absteigen von einer Straßenbahn die in der Maximrlianstr. B wohnhafte unverehelichte Gaebel. An der Ecke der Berliner und Maximilian- Straße versuchte dieselbe kurz vor der Haltestelle einen Straßen- bahnwagen der Linie B7 zu verlassen und fiel dabei so unglücklich, daß sie einen Unterschenkelbruch und Verstauchung deS Rückgrates erlitt. Schönwalde(Bezirk Pankow). Einer Auseinandersetzung mit den Olrgnern am Orte sollte eine von zirka 80 Personen besuchte öffentliche Versammlung dienen, in der Genosse Kosiol-Pankow über„Die positiven Leistungen der Sozialdemokratie" sprach. Genosse Kosiol zeigte in seinem Rc- ferat, wie wenig berechtigt der Vorwurf ist, daß die Partei es ablehnte, positiv schaffend an der Gesetzgebung teilzunehmen. Jeden, der der Sozialdemokratie aus politischer Naivität oder aus politischer Gesinnungslosigkeit diesen Vorwurf macht, müßten wir auffordern, in unserer engeren Heimat, in Preußen, mit uns dafür einzutreten, daß der Arbeiterschaft die Voraussetzung der positiven Mitarbeit, ein freies Wahlrecht für Staat und Kommune, gegeben wird. Leider waren die Herren vom patriotischen Wahl- verein, die trotz eifrigster Bemühungen keinen Redner hatten auf- treiben können, der Versammlung ferngeblieben. Der Referent gab dann noch das Urteil im Licbknccht-Prozeß bekannt, das bei den Versammelten die heftigste Entrüstung auslöste. Nachdem Redner die Anwesenden crmahnt hatte, im Sinne Liebknechts für die Ueberwindung des Militarismus durch die Verbreitung so- zialistischer Gesinnung zu kämpfen, wurde die Versammlung mit Hochrufen auf die Partei geschlossen. Vermischtes. Erneute UnwetterfchSdei» in Frankreich. AuS FreguS, SollieS, le Pont und St. Tropes iverden neue heftige Regengüsse gemeldet, welche in, ganzen Bardepartcment großen Schaden angerichtet haben, der sich nach Millionen beziffert. Wie ein Telegramm an? Perpignan besagt, sind während des gestrigen Unwetters vier Holzhauer getötet worden. Bei Battcre wurden zwei Eisenbahnbrücken schwer beschädigt. Die Straße zwischen Arle und Battcre steht in ihrer ganzen Länge unter Wasser. Ein dänischer Grönlandforschcr. Wie aus Kopenhagen mitgeteilt wird, hat die New Dorker Lnstjacht„John Bradley", die sich im vergangenen Sommer in ShinithS Sound aufhielt, folgende Nachrichten von den, dänischen GrönlandSforschcr Knud RaSnuissen über- bracht: Räsinussci, unternahm am 5. April 1904 von, dänischen Westgrönland aus eine Schlitten reise nach Kap Dork, um ethnologisches Material zu sammeln und eine größere Expedition nach dem arktischen Nordamerika vorzubereiten. Im Laufe des Frübjahrs machte Ras- müssen eine 300 Meilen lange Schlittenreise im Distrikt nördlich von Kap Uork. Im Straßenbahnwagen getötet. Aus Halifax �Grafschaft Dorkj wird unter dem gestrigen Datum gemeldet: Ein Straßenbahn- wagen, der mit Arbeitern besetzt war, wurde heute früh zertrümmert; 2 Personen find getötet und 31 schwer verletzt. Der Wagen war gerade einen steilen Hügel hinaufgefahren, als die Stange oben aus dem Leitungsdraht sprang und die elektrische Bremsvorrichtung un- brauchbar wurde. Der Wagen raste rückwärts, sprang aus den, Gleis und stieß gegen ein Gebäude. Ein Exprcßzng cutgleist.— 16 Personen tot. Ueber ein schweres Eisenbahnunglück wird aus London berichtet: Der von Crewe nach Bristol fahrende Nordwestcxpreßzug entgleiste in einer Kurve bei der Einfahrt in die Station Shrcwsbury zwischen 2 und 3 Uhr morgens. Sechzehn Personen wurden getötet und viele vcr- letzt. Nach neuere» Nachrichten' sind 17 Personen getötet und 40 verwundet worden. Unter ersterei, befinden sich drei Eisenbahn- und drei Postbeamte._ Berliner Marktpreise, klu» vcm amNicheii Serichl der städlüchcn Markthallen-Dtrektion.«Erohbaiidel.) Ochseufleisch I» SS— 70 vr. loOPid.. II» 62-67, Qla 67- 60. Bullcnflcisch la 62-67, IIa 50-59, Kühe, seit 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 54—62, do. Holl. 0,00. K-ilbilcilch, DoppcUeiider 105—120, Mastlälbc,[a 82—92, IIa 73—79, Kälber ger. gen. 54—68, do, Holl. 48—54. dän. 0,00. HanimeMeisch Maftlämmer 76—78, Hammel la 70—71, IIa 64-69. Ungar 0,00, Schale 48—62. Schmeiiiefieilch 53—60 Rehbock la per Psund 0,60—0,95. IIa 0,00. Rothirsch la per Pfd. 0,30—0,44, do, IIa 0,20—0,25. Damhirsch 0,35—0,53. Wüdschweiiic p. Psd. 0,32. Frischlinge 0,00. Kaniinvcn p. St. 0,20 bis 0,80. Hasen, gros,, p. Stck. 2.50—3,50. d°., m>tlci u. Nein, Sick, 1,00-2,40. Wildenien per Stück 1,25—1,50. Krickenten per Stück 0,40, Nebhühner. junge grotze 1,00—1,50, mittel u, kleine 0.40-0,90. alte 0,60—0,90. Fasanen. hübne la 1,50— 2,25, do. IIa 0,50—1,25. Fasanenhennen 0,60—1,75. Be» tasiinen 0,30—0,93. Waldschnepfen 2—2,75, do. IIa 1—1,50. KrammetS- oögel 0,25—0,40. Lnchner, alle, per Stück 1,10—1,80, IIa 0,50—1,00, do. junge 0,50—1,20. Tauben 0,20—0,40. Eulen per Stück 1,00—2,10, dito Hamburger per Stück 3,00. Gänse per Pfund 0,48—0,58, dito per Stück 1,50—3,50, do, Hamburger per Pfund 0,75—0,80. do. Oder- brucher per Psd. 0,48—0,65. Poulets per Stück 0,90—1 ,25. Deutsche Poularden per Stück 0,00. Hechte per 100 Psd. 87—97, do. matt 85—87. do.«ein 0,00, do. rni/lcl 0,00, do. grotz-mittcl 0,00. Zander 0,00, do. klein 0,00, dito Nüttel 0,00. Schleie, klein 120, do. klein, mattlcb. l02— III, do. unsort. I4l, do. mittel 0,00. Siale, groß 0,00, do. Nein u. mittel 0,00, do. mittel 100—104, do. unsortiert 0,00, do. grog-mittcl 98—103, Nein 0,00. Plöyeii 0,00. Roddow 64—67. Karpsen 20- 25er 0,00, 30- 40er 0,00, do. 0,00, do. 50er. 70—71. Bunte Fache 85—69. Barje 71, matt 0,00. Karauschen 81. Bleie 0,00, do. llcin 34. Weis 0,00. Barbe 0,00, Aland 61—62. Quappen 0,00. Slnierit. Lachs ja neuer, per 100 Psd. 110-130, do. IIa neuer 90-100, do. Ma 0,00. Seelachs 10-20, Flundern. Kieler, Stiege 1» 2—6. initiel Ktsle 1—2, Hamb, S liege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 4—5, IIa 2—3. Bücklinge, Kieler per Wall 3-4, Slrallunder 0,00, Vornh. 0,00. Aale, grog per Psd. l.io bis 1.40, mittel grotz 0.80—1,10. Nein 0,60—0,80. Hering« per Schock 5—9. Schellsiiche Kille 3—4,50,'/, Kiste 1,73—2,50, Sardellen. 1902er per Antcr 98. 1904er 98. 1905er 93. 1906« 90—95. schottische löoflbciiugc 1905 0,00, largo 40-41, füll. 33—40, rneck. 35—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Maises, ver'/, To, 50—120. Sardinen, russ., Faß 1.50—1,60, Lralberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schockfaß 11, do. Keine 5—6, do. Riesen» 14. Krebse per Schock 0,00, grotze 0.00, do, mttlelgvofjc 0,00, do. kleine 2,76—4,00, do, umorliert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. uiisorilirl 0,00. Eier, Land-, unsortterl per Schock 3,60—3.80, do. große 4,00— 4,40. Butler per 100 Psd. la 126-130. IIa 118-122, lila 110-116, absalleilde 90-95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00, Pscisergurleii 4.00. Karlosteln per lOEMb-LMbersche 2,25—3,25, weiße runde 2,25—3,00, blaue 0.00, Rost». 0.00.'' tniig. bon. 2,50-3,25. Porree, Schock 0,50-1,00. SBicciV rclttch,€$M 4-12. Spina, per 100 Psimd 5-10. Sellerie, per Schock 5.00— 10.00, Zwiebeln»er 100 Psd. 2,00—3.50. d». Perl- 40,00-100,00. Chalotten 40,00—100,00. Ptlersilie, grün, TchoKund 1,00—1,25. SloBlrnBi Schock 0,00—1,00, Reilich, bahr., neuer Shirt 0,03— 0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50. Mohrrübe», 100 Pfund 2,00 bis 3,00, Karotte», hiesige, Schortbund 2,00—3,00, Wirsingkohl ver Schock 3,00 bis 10,00, Notkohl, Schock 4—10, Weisikohl 1,50—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14. do, Hamburger 100 Stück 0,00, do, Erfurter 100 Stück 7—15. Rosenkohl, per 100 Psd. 20—25. Grünkohl 4—6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00, Pctersilienwurzcln, Schockbund 3,00—4,00, Scholen per 100 Psd, .'0—30, Schuiltlauch 1,00—1,25, Pfesserlingc per 100 Psd, L— 14, Steinpilze per 100 Pfund 23—40. Radieschen per Schockbund 0/75—1,25, Salat per Schock 1,50-2,50, Gurken, Einmache», Schock 15—40. Bohnen, grüne. 100 Pfund 15—30. Tomaten per 100 Pjund 14—20. Note Rüben, per 100 Pfund 2,50-3,00.»lübchcn, Bccliszcr. per 100 Pfd. 4-8, Kürbis per 100 Pfd. 3—5. Eskarol per Schock 5—6, Endwien per Schock 3—6. Preigclbceren ver 100 Psd, 24—30, schwedische 20—32, Kronsbeeren per 100 Psd. 13—13, Birnen, per 100 Psd, Italiener 0,00, Tiroler 10—25, hiesige Most» 6,00, Kochbirnen 3—8, Tafelbirnen In 10—20, do. IIa 4—10. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd, 0,00, do, italienische, per 100 Pjund 23—26, Zlevjel, per 100 Psnnd, Tiroler la 18—40, IIa 13-20, Most», hiesige, 3—4, Koch. 5-10, Tafelöpsel la 15-23, do, IIa 7— 12, Amerikaner, per Faß 15—25. Wallnüsse, per Schock 1,00—2,00, do, klein 0,40—0,50, do, sranz. 100 Psd. 0,00, Pflaumen. pr, 100 Psd. hiesige 10—14, serbische 0,00. Weintrauben, italienische per 100 Psd, 17—23, türkische 18—20. RnanaS I, per Pjund 0,70—1,00, mammmmmmmmaBamsimmBmamamamammaKmmmmmaammm do, II 0,00. Baiiaiien, gelb, per 100 Psd, 14,00—20,00. Kokosnüsse per 100 Stck. 15—24. Maronen, ital,, 100 Pld, 12—20. Frcigen, Kranz, per 100 Psd, 21-23. Zitronen. Messina. 300 Stück 11,50-20,00, do, 360 Stück 12,00-16,00, do. 200 Stück, 12,00-16,00, do. 150 Stück 7,00-10,00. WittcrungSiivcrsicht vom 13. Oktober 1907. SUlivmn ji c C 3 if i i Siviiicinde 1<52 SSW Hamburg i 751 SO Berlin■ 752 S Zraiits.a M 752O Münchcn 754 SO Kien'756 SSO Teller 2heiter 3 wotkenl 1 bnlb bd, 4NebcI 2 halb bd, 4wolkcnl O K c 5. S II s H.d Slattoiie» B I Haparanda 1 759 still Petersburg 765 SsO Scillh(745 mm Setter M£ c' H S llberdee» Pari« 742 ANW 48 SSW Nebel 2 halb bd, Slvolltg 1 Holter 2 bedeckt Wetter-Prognose für Mittwoch, den 16. Oktober 1997. Zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter und inild bei iilägigen südlichen Winden; keine wesentliche» Niederschläge. »�»�»(�»�»(»�».»»(.»»(»((((»('�-.»((»»«(--(��. �(.M'.«(,,■((»,(»(*. Wasserstauds'Nachrlchten der LalldeKaiistalt für Gewässerkunde, mitgcleilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,— S) Uulerpegel, Riir den Jubalr der Juierare »vcrnliiiin« die Siedakiion dem Publitiiiu gegenüber keinerlei Pcrautworriing. Zheater. Mittwoch, den 16. Oktober. Anfang l'/s Uhr. Köurgl. Opernhaus. Madame Butterfly, Liöuigl. Schauspielhans. Di- Rabenlleincnn. Neues königl. OPerntheatcr. In der Soimnerfrlsch'n. Deutsches. Prinz Friedrich von Homburg. Kämm er spiele, Fr-ühlingS Er- wache»,(Ans, 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Alt-Heidel- berg, Lcsstng. Pom andcnr User. Ansang« Uhr. Schiller«.(Wallner-Thealer.) Göb von Berlichingcn, Schiller Chnrlottcnbnrg. Der Herr Senator, Berliner. Die tanzenden MäiMcheu. Friedrich- Wilhelmstadt. Schau- spielhäus. Die Nibelungen. Neues. Die Waffen wieder I »leiircs. Maria Waadalcnc. Horhing. Der Wasieinchinicd, Zentral. Unsere blauen Jungens, Komische Oper. Tiefland, Weste». Die lustige Witwe. r-ustlpiclhaiiS. Husarenfieber. tliciidenz. Ganz der Papa. Trinno». Fräulein Iosette— meine Frau, Dftalia. Ihr Sechs-Uhr-Onkel, Luisen. Die beiden Sicichcmnüller, Bernhard Rose. Die Zauberflöte. Dhcatcr a» der Spree. Der Altienbudiker, Mcrropvl. Das mich man seh'n, Stpollv. Sylvester Schäsfer. Spe- ztalitäten, WalbnIIa. Spezialitäten, FolicS Caprtce. Geteilte Liebe, (kasino. Die wilde Jagd, ISebr. Hcrrnfeld. Madame Wig» 2Sag, ES lebe das Nachtleben, Passage. Danny Gürtler. Speztn- Ii täten, Wintergarten. Ruth St, Denis. Spezialitäten, Brater. Der Widerspenstigen Zäh- mung, Palast. Ein glänzender RcinsaN, Spezialitäten, Reichsliallen. Stettiner sänger. Carl Haverland. Spezialitäten. lleoiiia. Danveuitrasie te«<49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Stce»>»nr>e. Invalidenllr, 57/62. Zur Beobachtung: Mar», Saturn, Doppelsterne, Aebetileckc, Hemu!« Berliner Theater. Anfang 8 Ubr. ffie iäiiinSei! BrÄii. Donnerslag, Freitag: Die tanzenden Männchen, iieues Theater. Abends 8 Uhr: Die Wliffk» ivikdcr! Donnerstag: Die Waffen wieder! Freitag: Die Waffe» wieder I Kleines Theater. Anfang 8 Uhr: Agnes Sonna. Maria Magdaleue. Donnerstag: Maria Maadalcne, Freitag: Vater und Sohn. Hier- ruf: Sankt Helena, Sonnabend: Maria Magdaleue. bester des Westens. 8 Uhr: Die Inatlgo Witwe. Sonntag nach»«, 3'/, Uhr halbe Preise: FrühilngHlnft, Frlcdricü-WilheimstSdtisclies Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: vi« Nibelungen. Donnerstag: Nachtasyl. Freitag: S/ächtasyl. �. Sonnabend z, erstenmal: Brüderchen. l-ortang-Ttegter «lbend» 8 Uhr: Der Waffenschmied. Donnerstag: Undine. Freitag: Die lustige» Weiber von Windsor. Sonnabend zum erstenmal: HanS Heising. TlR'tti»!». �isssirselinktlichss Itreatsr. •ihomls 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Invalidonstr. 57—62: Sternwarte. Zur Boobachtung: Mars. Saturn, Doppelstemd, Nebelflecke. Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber. = Hesioz-TOier. Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars und DcsvailliörcS, Deutsch v, M, Schönau. Baron dcS Aubrais: N, Alexander. Luisen-Theater Neichenbergerstr. 31. AbendS 8 Uhr: Donnerstag: Amerilafepp'l, Freitag: Bartel Turaser. Geschlossene Vorstellung. Sonnabend 4 Uhr: Hänsel u, Gretel, Abends: Die beiden Netchenmüller. Sonntag 3 Uhr: Carmen, Abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Mutterfegen,__ Zentral-Theater. Abends 8 Uhr: Unsere blancn.Inngens. Vaudcvillc in 3 Alten, RiiMvMMt! Jai Gr. Franffnrleritr, 132. II 5. Gastipiclabcnd deZ �| Operii-Ensembles, »»»I Direktor Below: Die Zanbcrfliitc. Ansang 8 Uhr. WochcntagSpreise, Donnerstag: Sprec-Athener. tJfieatezmdaSpm Köpciiickcrstraste 68. Abends 8 Uhr. Zum 47, Male: Der Akticnbndiker. Alt-Berliner Gefangspoffe. Original- Dekorationen»nd Kostüme der 50cr Jahre mit Joseftiie Dora. Täglich: Der Altienbudiker. ßixdorfer Tlieater Bllrgersäle, Bcrgstrahe Nr. 147. Mittwoch, den 16, Oktober 1907: Tie Geschwister. Dan»: Salome. Zlnfang 8 Uhr. Metropoi-Theater Anfnns priixlsc 8 Uhr. Gr. Kevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freuud. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor liichard Schultz. 6.D2rinantla.D. E.Whithneya.D. .üiMjM.Mi Rauchen überall gestattet. Sonntag, 20. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Herren v. Maxim. Neues Programm. Sehiiler-Theatea0. Schiller-Theater OlWallucr-Tbraierj, Mittwoch, abends 8 Uhr: OUtz von IScrlichingen. Schauspiel in süns Auszügen von Johann Wolsgang v, Goethe. D o»» e r S t a g, a b e ii d S 8 U h r: Die 8eiln»ng/xler. Freitag, abends 8 Uhr: OUtz von Dcrlicliineen. Schillor-Theator Chariottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhri Der Herr Genntor. Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönthan«, Gustav Kadelbnrg, Donnerstag, n b e n d S 8 U h r: Dns vierte Ciedot. Freitag, abends 8 Uhr: Idosi»er«I»oIni. Sehiller-Saul— Schfllcr-Thcator Cimrlottcnbnrs AbendS 9 Uhr: Vortrag Dr. Cdmiinb Hlldcdranbt: Moritz von Schwind. Mit Lichtbildern. Maler der Neuzeit, Freitag abends 9 Uhr: Prof. Dr. Richard Sternfeld: Richard Wagner ii. Zirkus solmmsnn. Ucnto Mittwoch, den lO. Oktober 1007: Erstcö Auftreten-tML von 'k'hv ga'eat Lafayette aus E�äew York Europa. Vorher: Gala.Programm. sZmtl. die dicsjähr, groffc Spezialitäten u. z, Schills;: Ein Fest'*"! Oi Iii Mi siisit,Wr>sserl>antoi»:>ne, Ab 8 Ubr: Das bloJMc Programm. Um O'l, Uhr: Sylvester Schäffer ir, der weltberiilunle UuiversalkllDStler. ugsenhagenj Moritzplatz. Tiiglich Vorstellung| wMiklliiiN- kW» Ansang 8 Uhr, Enlrce 36 P! Sonntags 7 Uhr,(Sonntags reserviert 1 M,, Enlree ü9 Ps.) FamiiiciibillettS a 49 Pi- S» isiiillSr-leiuerl, -Becker, Przywarski, Girisch, Reumami, Offcney nnd Lüttlch, srianou-Ttieater. Mlilelii Josette- meine Frau. __ Ansang 8 Uhr.______ W.Koacks Theater Diictliuii:[tob. Olli. Brnnneiistr, 10. Aus Vielsachen Wunsch: Zertretenes Glück. Schauspiel nach dem Roman der «Berl, Morgenpost". Ansang 8 Uhr. Entree»9 Pf, Sonnabend zum erstenmal: Der Lumpensammler von Parts. Theater des Zentrums. Sophien» Säle, Sophienstraffe 17/13. Kis fiiih mit Fünft ü. Streu U, Lippschütz, Musik v, P.Lincke, Ansang 8 Uhr. Kleine Preise, 16 Variete-Theater Welnliergswsg 19/20. Rosenth. Tor. Das Sensations-PropniDi arabische Springer Edi BBunii der beliebte Komiker. 12 internalion. Spezialitäten. —- Ansang 8 Uhr.— Tunnel: Konzert s.Theaterbcs krsI, aiui ie m ist eine Schande für einen Menschen, der in irgend eine Gesellschaft kommt und nicht tveib, was er zu seiner Nachbarin oder gar zu seinem Dorgeses.ttcn sagen soll. Sr fitzt wie auf Kohlen und wünscht sich fort, oder er sitzt da und langweilt sich, denn die jungen Damen z. B. scharen sich«m einen„Galonhelden". der gar zu nett und amüsant plaudert. Wer aber lernen will, angenehm plaudern zu könnender lese das Werk von Dr. Franz von Lambert:„Die Kunst der Unterhaltung und wie man sie erlangt". Beachte» Sie aber, daß Sie auch wirklich dieses Buch er- halten, denn es werden minderwertige Nachahmungen angeboten! AuS dem Inhaltsverzeichnis diese« einzig dastehenden Werke«: Wa« schon rein äußerlich die Kunst der Unterhaltung verlangt— Wie man eS lernt, sich gebildet und angenehm auszudrücken— Die Schüchternheit und Besangettheit und wie man sie ablegt— Wa» man unbedingt zu beachten hat. wenn man ein auter Plauderer werden will— Die Kunst, zu widersprechen, ohne Anstoß zu erregen Die Kunst, Schmeicheleien zu sagen— Was für große Fehler so oft in der Unterhaltuna de- gangen werden und wie man sie vermeiden soll— Wovon sich die !,ute Gesellschaft unterhält Wie sich Herren mit Damen unterhalten ollen— Der moderne„Flirt"— Wie man Gespräche anknüpft— lnterhaltung bei Tisch, auf der Reise, in Bädern usw. Prei« diese« Werke« nur 3 Mk., Porto 25 Pfg.. Nachnahme noch 20 Pfg. extra. Die hier erteilten Auskünfte wurden bisher niemals verraten, weil die Erfolgreichen schwiegen und die Erfolglosen nicht» zu sagen wußten. Bestellungen sind nur zu richten an den Verlag für praktische Neu- heilen Friedrieb W.Trotzkl Miythra Xö, 611a. 206/4 XIII. SnUon. �irku� II n seil Acßerordentlichs Galavorstellung. nahiitl Bither noch nicht gezeigt. UCUUUMiß Jona ThonipMon Experim.ni. flössigem I-ichtin Verbinde, mit d. lii'Keufjnnjt kUutitllchor Rnblncn. Um 9l/s Uhr: Auf der fiallig. Diosj. gr, Ausstatt.-Pantom. dos Zirkus Busch in 4 Bildern. Im letzten Aht. Das Pliiino- men der tanchcndcn 8ircnvn, 16 Min. unt. Wasser. Vorher das Ri-oße Programm. P alast-Theater Bnrgstrnste 34. Täglich 8 Uhr. Entrr« 50 Pf. Der brillante ßhtober-Spielplan. 11. a,: Paula Ilnvals Hunde-Dressur. Die 5 Rammoneurs Daincn-Eiiseinble. Ein glänzender Reinfal) Posse. AA A A* A AA A Att A A A A A A M ! Passage-Tliealer. 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KBFl LiCbkllCCilt. 2 Diskussion. 3. Ansprache der Kandidaten. Die Genossen der Bezirke des 1., 5. und 6. Wahlkreises sind dringend eingeladen. Das Wahlkomitee. ZM M.i K filislv Lvi'Iin. Donnerstag, den 17. Oktober, nachmittags 3 Dhr, bei Freyer ssriiher Keller), Koppenstrasie 3S: W Wtglisüer-Vsrssmmlung. TageS-Ordnung: WM" vor Stand unseres Streiks."WW 201/5* Zahlreichen Besuch erwartet_ Die StrciklcitnnK. * N 'M m Deutscher Metallarbeiter-Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hanptbureau: dos I. Amt 3. 1239. disritSstraSs 3. Hos NI. Amt 3. 1987 Konnerstag. den 17. Oktober 1997, abends 8V2 Illjr: JKUglieder- Versammlung der Mlempner im großen Saale des Ettgel-Ufer 15. Tages-Ordnung: I. Vortrag deS Genossen Aldori Stripp über Maxim Gorli, mit an- schliegender Rezitation aus seinen Werlcn� 2. Bericht und Neuwahl der Branchenkommission. 3. Vcrbandsangclcgenheiten.— Mitgliedsbuch legitimiert. Kollegen 1 In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir zahlreiches und pünktliches Erscheinen. 151/3 Die Di-tovei-vraltiinx. Achtung! 8lDekAFdkilkF. Achwug! Donuerstag, de» 17. Oktober, abends Uhr: DrtrnchenUersammlitng in Feuersteins Festsäle»(Jnh. Knbe) ob. Saal, Alte Jakobstr. 73. Tages-Ordnung: I. Der Abiaus unseres Vertrages und unsere Stellung zu demselben. 2. Wcrlstattangelegenheit. 3. Verschiedenes. 96/2 —— Bcrbandsbuch legitimiert. Wegen der sehr wichtigen Tagesordnung ist da? Erscheinen sämtlicher Kollegen dringend notwendig. I. A.: Der Obmann. 0 MDD ,">v\ m\\\� Drei Dinge sknck n5iig zur ffet* Stellung bester Cigaretten: y Umfassendes Verständnis der Fabrikation. 2. Allerbeste Rohmaterialien. 3. Technisch vollkommenste Fabrikeinrichtung. Dafür zu sorgen ist unsere Sache. Eins nur ist nötig zum Einkaol bester Cigaretten: darauf zu achten, dass die Cigaretten die Marke tragen. Dafür zu sorgen ist Ihre Sache. Diese vier Faktoren gewähr. 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