Nr.S43. BbonntmentS'Bedlngnngcn: RSonnemcntä• Preis pränumerando t Dierteljährl. 3,30 Mi,, mor.otl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg, frei WZ Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nunimer mil illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Zgelt� 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetrogen w die Post> YeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, tolland, Italien. Luxemburg. Portugal, uminien. Schweden und die Schwei». 24. Jahrg. crfchdnt agn« luBtf llsia«. Verlinev Volksblatt. vie Inlertions-Sebillir beträgt für dt- fechSgespaltenc Kolonel- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen W Pfg. „Kltfnt Hnzeigen", das erste(fest- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitete Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „LsxliililimsIlkZl RcrliD". Zentralorgan der foztaldcmokratifchen parte» Deutfcblands. llisönahmen gegen die Getreideteuerung! Die Weizenpreise haben eine exorbitante Höhe erreicht. Die amtliche Notierung der Berliner Getreidebörse vom S. Oktober ist 224,75 M. per Tonne. Damit ist bereits der Teuerungspreis von 189!, der Zeit der großen russischen Hungersnot, der in Berlin 224,2 betrug, der höchste Durch- schnittspreis, den man in Deutschland überhaupt seit mehr als einem halben Jahrhundert kennt, übertreffen worden. Im Rheinland und in Süddeutschland stehen die Preise noch höher. Essen notiert(am 7. Oktober) 230—235 M. siir inländischen Weizen, 255—265 M. für ausländischen; Stutt- gart(am 7. Oktober): 235—245 M. für württembergischen und bayerischen, 260—265 M. für russischen und amerikanischen, Das sind alles Großhandelspreise. Nach einer Zusammenstellung des„Berliner Tageblattes" ist der Weizenpreis in Berlin vom 1. Juli bis 10. Oktober, also innerhalb 100 Tagen, um 15,59 M. per Tonne gestiegen, in Mannheim sogar um 26,74 M. Achnliche Steigerungen auf allen Getreideniärkten der Welt: in Odessa um 30,58 M., in Liverpool 23,02 M., Buenos-Aires 15,14 M., Budapest 14,08 M. Die Steigerung hält an. Nach amtlicher Notierung sind in Berlin bereits Abschlüsse gemacht worden: per Oktober... 224.75 M. per Dezember.. 231.75, per Mai.... 236.00 Diese Preissteigerung hat ihre allgemeinen und ihre be sonderen Gründe. Die allgemeinen liegen in einer tief ein> greifenden Umgestaltung der Produktionsverhältnisse, die seit Jahren eine steigende Tendenz des Getreidepreises auf dem Weltmarkt erzeugt. Diese Revolution auf dem Weltmarkt ist an dieser Stelle bei der Besprechung des Buches von Parvuö „Die Kolonialpolitik und der Znsammenbruch", das ihre Zu sammenhänge aufdeckt, erörtert worden. Die Zeit der sinkenden Getreidepreise, die etwa ein Vierteljahrhundert dauerte, ist vorbei, die Getreidepreise steigen, wieder, wie vor dem durch ein ganzes Jahrhundert. Nun hängen ja die Ge trcidepreisc des einzelnen Jahres immer von der Ernte ab. Und die Welternte zeigt diesmal ein sehr erhebliches Manko. Nach den Berechnungen des ungarischen Ackerbau Ministeriums, die als maßgebend gelten, war der Minder ertrag der Welternte an Getreide 174 Millionen Meter zentner. Da die Gctreideproduktion im allgemeinen den Gctrcideverbrauch übersteigt, so wurde der eigentliche Fehl betrag zur Deckung des Bedarfs mit 69 Millionenzentncr angegeben und es wurde angenommen, daß ungefähr so viel voin vorigen Jahre noch vorrätig sein dürfte. Es zeigte sich also schon im August, als diese Berechnungen stattfanden, daß die Welt sich 1907/8 hart an einer Hungersnot befindet; das wäre ein Znstand, bei dem die Menschheit nicht so viel Brot hat. als sie braucht, niag sie noch so viel dafür zahlen wollen. Es ist leicht einzusehen, daß dieser Zustand nicht erst erreicht zu sein braucht, danüt die Brotpreise so in die Höhe gehen, daß die Völker Hunger leiden. Nun stellt sich aber heraus, daß diese Schätzungen des ungarischen Ackerbanniinisteriums noch viel zu günstig waren. Es ist vor allem die russische Getreidezufuhr, die sich bei weitem nicht in dem Maße einstellt, als erwartet ivurde. Das findet seine Erklärung darin, daß die offiziellen russischen Erntcangabcn übertrieben ivaren. Den amtlichen Angaben ivurde denn auch in der russischen Presse von vornherein mit aller Entschiedenheit widersprochen. Ferner wurde der steigende Konsumbedarf Rußlands zu wenig berücksichtigt. Schließlich wird durch die allgemeine Verwahrlosung der wirtschaftlichen und politischen Zustände Rußlands auch sein Getreidehandel gehemmt. Es zeigt sich auch, als Folge der industriellen Ent- Wickelung, ein steigender Weizenbcdarf Amerikas im Lande selbst, der ebenfalls seine Exportsähigkeit herabsetzt. � Daher die Enttäuschung über die amerikanischen Getrcideverschiffungen der letzten Zeit. Als Folge von alledem gehen die Getreidepreise in die Höhe und werden von der Börsenspekulation erst recht empor- getrieben. Einmal auf die Preissteigerung gestimmt, reagiert die Börse äußerst empfindlich auf alles, was auf eine weitere Verschlechterung der Browersorgung hindeutet. Nun kommen auch tatsächlich Nachrichten, die eine gerade- zu verhängnisvolle weitere Verschlimmerung der Verhältnisse befürchten lassen. Man konnte hoffen, den Getreidemangel aus den Ländern mit späterer resp. früherer Ernte decken zu können: aus Australien und Argentinien, wo die Weizenernte im Januar stattfindet, aus Ostindien, wo im Februar und März geerntet wird. Aus Australien kommen Berichte über schlechten Saatenstand. Argentinien klagt über Regengüsse, Ostindien über Trockenheit. Es ist allerdings noch viel zu früh, über den Ausfall der Ernten in jenen Gebieten sich ein Urteil zu bilden, aber die Börse reagiert bereits durch Preissteigerungen. Es tritt auch immer mehr hervor, daß an der Preissteigerung ein mächtiger kapitalistischer Konzern mitarbeitet, der der ge- waltigsten' Mittel, eine Einschränkung der Verschiffungen, Unsichtbarmachung der Getreidevorräte und nicht zum mindesten der Beeinflussung der Oeffentlichkeit durch die Presse sich be- dient. Sie schaffen nicht die Preisbewegung, aber sie be- nutzen sie, um sie über sich selbst hinaus zu treiben: sie wuchern mit den Hungerpreisen. Wie dem aber auch sei, so können doch die Dinge sich nur noch mehr oder weniger schlimm gestalten. Wir stehen vor einem Hungerjahre mit allen seinen bösen Folgen, wie Vermehrung der Kindersterblichkeit, der Verbrechen, der Prosti- tution usw. Es ist höchste Zeit, Maßnahmen zu ergreifen, um der schrecklichen Not vorzubeugen. Das kann und muß in Deutschland umso eher geschehen, als hier durch die G e t r e i d e z ö l l e der Vrotwucher von Staatswegen gefördert wird. Die Maßnahmen, die zu ergreifen wären, sind ebenso einfach wie wirksam: Erstens die Suspcndierung der Gctreidezölle, Ziveitens die Herabsetzung der Frachten für Getreide. Auf diese Weise würde sich zunächst eine Differenz zwischen dem Inlandspreis und Auslandspreis bilden, die eine starke Getreideznfuhr bedingen würde. Infolgedessen müßte der Getreidepreis sinken. Bei der Lage des Weltmarktes würde er vermutlich nicht einmal um den ganzen Betrag des Zolls sinken. Ein Ausgleich würde sich bilden und der Preis ivohl wieder in die Höhe gehen. Da aber indessen neue Getreide- Vorräte sich im Lande ansammeln würden, so könnte die Preisbewegung nicht mehr so exorbitant sein, wie gegen- wärtig. Die Haussespekulation der Börse aber wäre damit platt zu Boden gelvorfen. vie Antwort der Soziatdernolsratie auf die ßlockpolltilt. Gestern abend wurde Herrn Bassermann und seinem Inspirator Bülow die Antwort der Sozialdemokratie zuteil. Bebel sprach in Kellers Festsälen in einer großen Volksversammlung über den nationalliberalen Parteitag. Der stürmische Andrang der Massen bewies, mit welch scharfer Aufmerksamkeit das Proletariat die Ge- staltung der inneren Politik verfolgt und wie groß die politische Erregung der Massen geworden ist. Kurz nach 6 Uhr mutzte der große Saal bereits von der Polizei abgesperrt werden und immer neue Menschenmassen strömten herbei. Die Frankfurterstratze und der Grüne Weg waren schwarz von Menschen, die stundenlang auf der Straße aushielten. Ein riesiges Polizei- aufgebot hielt die Koppenstraße abgesperrt. Als Bebel erschien, be- leiteten ihm die Menschenmassen eine stürmische Ovation. Drinnen aber im Saale warteten Tausende mit Spannung, was ihnen Bebel zu sagen hatte. Bebels Rede, die 2 Stunden dauerte, war eine Abrechnung mit Bassermann und der Blockpolitik. Bebel brandmarkte zunächst die alte, von Herrn Bassermann wiederholte Unwahrheit, daß zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ein Bündnis bestehe. Zentrum und Sozialdemokratie sind Todfeinde und wenn es einmal zu einem wirklichen Kulturkampfe gegen Reaktion und Finsternis kommen werde, werden wir die Kämpfer sein, d i e Nationalliberalen aber die Per- kündeten des Zentrums. Gerade die Nationalliberalen dürften am wenigsten irgend jemand ein Bündnis mit dem Zentrum vorwerfen. Sie hätten im Bunde mit Zentrum und Konservativen die ganze reaktionäre Politik des letzten Jahrzehnts gemacht. Jetzt noch seien sie das schlimmste Hindernis jeden Fortschritts, wie die geradezu skandalöse Haltung Bassermanns in der preutzischen Wahlrechtsfrage zeige. Mit grausamem SarkaSmus zerpflückte Bebel, oft unter stür- Mischer Heiterkeit der Versammlung, den demagogischen Schwindel, daß nunmehr eine neue liberale Aera hereinbreche. Die Blockpolitik bedeute in Werklichkeit nicht mehr Liberalismus, sondern mehr Reaktion. Der Block sei zu jeder für das Volk nützlichen Arbeit unfähig, nur eines werde er leisten. Erhöhung der Militär-, der Flotten- und Kolonialausgaben und damit eine neue Vermehrung des Steuerdrucks. In keinem Jahr seien die Flottenrüstungen in so gewaltigem Tempo gesteigert worden, als in diesem, wo man unaufhörlich von Fürstenzusammenkünften zur Befestigung des Friedens lesen konnte. Die Haager Konferenz habe bewiesen, daß die bürgerliche Gesellschaft gänzlich unfähig sei, die Kriegs- gefahr zu bannen, die noch nie so drohend gewesen sei als eben jetzt. Die Völker Europas lägen sich auf Geheitz ihrer Re- gierungen längst in den Haaren, wenn nicht die Sozialdemokratie wäre, wenn man diese nicht fürchten müßte. Gerade diese Furcht aber treibt zu neuen Verfolgungen, von denen der Prozetz Liebknecht ein Beispiel gibt. Liebknecht sei verurteilt worden, weil es Männer gibt, die sich nicht mehr vorstellen können, daß auch andere als sie eine ehrliche politische Ueberzeugung haben können. Aber Liebknecht selbst habe durch die tapfere und geschickte Art, wie er seinen Richtern und vor allem dem Reichsanwalt gedient habe, nicht nur bei seinen politischen Freunden, sondern auch bei seinen Gegnern an Achtung und Sympathie gewonnen. Ver- folgungen haben der Sozialdemokratie nie schaden können. Der Rausch der letzten Wahl sei vielleicht heute schon verflogen. Hoff- nungsfreudiger als je blicken wir in die Zukunft! Bebels Referat wurde mit gespanntester Aufmerksamkeit an- gehört und vielfach von stürmischem Beifall unterbrochen. Am Ende seiner Ausführungen brach die Versammlung in minutenlangen Beifall aus. Bebels Ausführungen sind in der Resolution, die wir nachstehend folgen lassen, und die von der Versammlung einstimmig angenommen wurde, zusammengefaht. Die Resolution lautet: Die Versammlung legt entschieden Verwahrung ein gegen die Unterstellungen, die der Abgeordnete Bassermann und Ge- nossen auf dem Parteitag der nationalliberalen Partei in Wies- baden in bezug auf die politische Haltung der Sozialdemokratie sich erlaubten. Die Ausführungen der erwähnten Redner und die Reso- lutionen, die der nationallibcrale Parteitag annahm, zeigen, daß die nationalliberale Partei trotz aller Versicherungen ihres Libe- ralismus nach wie vor im reaktionären Fahrwasser steuert. Insbesondere haben die Ausführungen der betreffenden Redner über die Wahlrechtsreform in Preußen gezeigt, daß die nationalliberale Partei dem preutzischen Volke und speziell den preutzischen Arbeitern ein politisches Recht vorenthalten will, das bereits die gesamten süddeutschen Arbeiter für die Wahl zu den Landtagen besitzen. Die Versammlung brandmarkt dieses Verhalten der national- liberalen Partei als Volks- und arbeiterfeindlich, als eine schnöde Verdrehung des Grundsatzes der politischen Rechtsgleichheit, auf die die Arbeiter Preutzens genau dasselbe Anrecht haben, wie die Arbeiter jeden anderen Landes. Da ferner die preutzische Regierung und speziell der Mi- nisterpräsident Preutzens, der Reichskanzler, in bezug auf die preutzische Wahlrechtsreform ähnliche Ansichten haben wie die Redner auf dem nationalliberalen Parteitag, erklärt die Ver- sammlung: daß dieses Verhalten des Reichskanzlers in unlös- lichem Widerspruch steht zu der seinerzeit von ihm gebrauchten Redewendung: Preußen in Deutschland voran I lind ebenso in schneidendem Widerspruch steht mit seiner Acutzerung im söge- nannten Silvesterbriefe an den Präsidenten des Neichslügen- Verbandes, wonach der deutsche Arbeiter der ge- bildet st e der Welt sein soll, also auch der politisch reifste ist. Die Versammlung mutz also nach dem Verhalten des Reichs- kanzlcrS in der preutzischen Wahlreformfrage annehmen, daß die erwähnten Aussprüche leere Redensarten sind, denen keinerlei Be- deutung beizumessen ist. Die Versammlimg verlangt nachdrücklich für die Wahlen zum preutzischen Landtag.die schleunige Einführung deS all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alke über 20 Jahre alten Staatsangehörigen auf der Grundlage von Verhältniswahlen, wobei sie von dem Grundsatz ausgeht, datz wo Pflichten sind, auch Rechte sein müssen nnd datz nur eine Regierung, die auf Klassenherrschaft beruht, den Staatsangehörigen die selbstverständlichsten Staatsbürgerrechte ver- weigern kann. Nach Schlutz der Versammlung standen noch immer große Menschenmassen auf der Straße, die Bebel wenigstens sehen wollten. nachdem sie ihn nicht hören konnten. Ein un- gewöhnlich großes Aufgebot von Schutzleuten zu Fuß und zu Rotz unter dem Kommando zahlreicher höherer Polizeioffiziere verstärkte noch den Eindruck dieser spontanen Stratzeudemonstration. Als Bebel erschien, bereiteten die Massen ihrem alten Vorkämpfer eine begeisterte Huldigung. Einen ausführlichen Bericht über die Versammlung geben wir in der nächsten Nummer. Der iSchiilche Landtag. Dresden, 1ö. Oktober.(Eig. Ber.) Am Dienstagabend ist der sächsische Landtag ziisaminengetreten, und zwar zum erstenmal in dem neuen„Ständehause". Die Tagung wird eine der wichtigsten werden. Im Vordergründe des Interesses steht natürlich die Wahlrechtsreform. Tie Hohenthalsche Vorlage liegt ja schon seit Monaten vor; ivie die Mißgeburt ans- sieht, ist bekannt. Ein Wunder ist eS nicht, datz keine Partei daran Geschmack findet. Aber der Wechselbalg wird von den Konservativen und teilweise auch von den Natioualliberalcn nur deshalb bekämpft, weil diese Reaktionäre dem Volke noch nicht einmal die Vcrtretcrzahl geben wollen, die nach der Regierungsvorlage zu erwarten ist(10— IS). Die Konservativen wollen zudem auf die jetzige Wahlkreiseinteilung. die die Agrarier zu größerem Einfluß verhilft, nicht verzichten, und die Nationallibcrnlen haben sich bereits gegen die Wahl durch Kommunalverbände festgelegt, von denen die Hälfte der Abgeordneten gewählt werden soll. Alles deutet indessen darauf hin. daß eS im Landtage nicht zu einem Kampfe um die Wahlrechtsreform, sondern nur zu einem Schacher zwischen den maßgebenden bürgerlichen Parteien und der Regierung kommen wird. Herr v. Hohenthal zeigt das Bedürfnis, mit den Konservativen in Frieden zu leben. In dem Leipziger Regierungsorgan hat er sie kürzlich über das Bohnenlied loben und gleichzeitig versichern lassen, datz die Regierung wünschen müsse, sich auch in Zukunft auf eine so bewährte Partei stützen zu können. Er will sich aussöhnen mit der Mehnert-Cliqne. Nur die Zähne hat er ihr etwas gezeigt, weil sie zu unbequem wurde. Er wollte sich etwas vom Druck der Ncbcnregierung frei machen. Vielleicht ist ihm das gelungen. Aber überwunden ist die konservative Herrschaft noch lange nicht. Das lag ja auch nicht in Hohenthals Absicht. Die Verhältnisse liegen so, datz beide Faktoren: Regierung und Konser- vative, zum faulen Frieden förmlich gedrängt werden. Die Kon- servativen riskieren bei einem ernsten Konflikt, der mit einer Land- tagSauflöfung enden könnte, ihre Mehrheit gänzlich zu verlieren. Der Graf Hohenthal aber hat damit zu rechnen, daß die Gruppe um Mehnert und Opitz keinesfalls soiveit reduziert Iverden kann, das sie nicht noch über ein Drittel der Abgeordneten- zahl verfügte. Ein Drittel aber genügte, jede Verfassungs- Snderung unmöglich zu machen, und ohne eine solche kann die jetzige Wahlkreiseinteilung nicht aufgehoben werden. Zudem mutz der Graf b. Hohenthal bedenken, daß die Erste Kammer seinem Machwerk umsomehr Widerstand entgegenstellt, je mehr er mit den Konservativen in der Zweiten Kammer in Konflikt kommt. Im Falle eines ernsten Zusammenstoßes wegen der Wahlrechtsreform hat der Minister keine Aussicht, seinen Plan durchzusetzen, während die Konservativen ihre ganze jetzige Machtstellung dabei aufs Spiel setzen würden. Unter solchen Umständen ist für beide Teile der Schacher um die Wahlrechtsreform geradezu eine Lebensfrage. Daß dabei nichts für das Volk herauskommt, ist klar. Das Endergebnis des Kuhhandels wird eine Verschlechterung der Wahl- rechtsvorlage sein, soweit sie überhaupt noch verschlechtert werden kann. Nur das entrechtete sächsische Volk selbst könnte hier vorwärts- treibend eingreifen. Zweimal hat es das schon getan: durch die Reichstagswahl von IWZ. deren„erschreckendes Ergebnis" die Wahlrechtsreform überhaupt in Fluß brachte, und durch die Wahlrechts- demonstrationen im Dezember 1905, durch die die Wahlrechtsreform dem reaktionären Sumpfe entrissen wurde, in dem mau sie schon ver- schwinden lassen wollte. Hoffentlich rafft sich die sächsische Arbeiter- schaft zum dritten Male auf zur mächtigen Kundgebung für ein gleiches, direktes, allgemeines Landtagswahlgesetz. Nur dann kann man erwarten, daß dem Fortschritt eine Gasse gebahnt werde. *• • Außer den Beratungen über die Wahlrechtsreform wird den Landtag, die Neuregelung des Wasserrechts noch längere Zeit be- schäftigen. Auch das Ei»kommen st euergesetz muß Gegen- stand der Gesetzgebung werden, denn die sieben Jahre, für die der LSprozentige Zuschlag bewilligt wurde, laufen ab. Vor der Reichstagswahl wurde verkündet, daß man werde ganz oder teilweise auf den Aufschlag verzichten können. Das war aber nichts als Wahlköder, denn jetzt hört man's ganz anders. Da kann keine Rede von einer Steuerherabsetzung sein. Es wird deshalb voraussichtlich der Zuschlag von 25 Proz. verewigt werden, bis— nun bis ivieder eine Steuererhöhung nötig wird. Eine brennende Frage ist in Sachsen die G e m e i n d e st e u e r r e f o r m: die vorsiindflutlichsten Gemeindeumlagen sind hier in vielen Gemeinden noch an der Tagesordnung. Sie bedrücken besonders die Armen. Dazu kommt, daß viele Kommunen unter den Schul-, Armen- und Wegcbaulasten bald zusammenbrechen. Hier ist dringend, namentlich für ärmere Gemeinden, größere Staatsunterstützung erforderlich. Bor vier Jahren wurde die Sache schon in Angriff genommen, sie scheiterte aber an der kapitalistischen Jnteressenpolitik. Jetzt scheint die Re- gicrung keine Lust mehr zu haben, sich die Finger an der brenz- lichen Sache zu verbrennen, denn man hört nichts von einer Vor- läge über das Gemeindesteuerwesen. Man will also das jetzige Elend weiter bestehen lassen.— Es sollen allerdings noch 20 Vorlagen im Schöße der Regierung ruhen, doch das werden jedenfalls nur neben- sächliche Angelegenheiten sein. veichhitlening Arbeitswilliger. Seinerzeit hatten wir den im„Reichsanzeiger" vom 16. März beröffentlichten Erlaß des preußischen Ministers der öffentlichen Ar- beiten besprochen, der eine arge Benachteiligung der inländischen Arbeiter und insbesondere der ländlichen Arbeiter gegenüber den ausländischen Arbeitern bei den Kanalbauten enthält. Der ministerielle Erlaß ist dann vom Minister Vreitenbach am 19. April im Abgeordnetenhause erläutert. Seine Rede beweist, daß der im Reichstag von sozialdemokratischer Seite gegeißelte Erlaß durchaus in einer die inländischen Arbeiter zurückstellenden Weise gehandhabt werden soll. Sie, die«Ale Lasten zutrafen haben, sollen nach Möglichkeit gehindert werden, durch Arbeiten beim Kanal- bau etwas zu verdienen. Der Minister führte damals u. a. aus: „Es ist dafür Vorsorge zu treffen, daß die Heranziehung der großen Arbeitermengen, die der Bau der Kanäle erfordern wird, nicht dazu führen wird, daß den landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben die Arbeiter entzogen werden. Es sind Vereinbarungen mit dem landwirtschaftlichen und dem Handelsressort getroffen, um den Abzug landwirtschaftlicher und gewerblicher Arbeiter zu verhindern. Es ist dahin gewirkt worden, daß der Zuzug ausländischer Arbeiter gefördert wird. Die Baubehörden haben Anweisung er- halten, daß bei der Annahme sowohl der im eigenen Betriebe dcS Staates als der von Unternehmern zu beschäftigenden Arbeiter so weit wie möglich der Landwirtschaft und den gewerblichen Be- trieben keine Arbeiter entzogen iverden. Den Unternehmern wird bei Konventionalstrafe untersagt iverden, in Fällen von Arbeitermangel inländische landwirtschaftliche oder gewerbliche Arbeiter durch Aufrufe zu ihren Arbeiten heranzuziehen. Durch Vermittelung der Arbeitsnachweise sollen Arbeiter aus allen Gegenden herangezogen werden, namentlich Italiener und Ruthe n'en. Ob auch die Heranziehung ausländischer Polen erfolgen wird oder erfolgen darf, darüber schweben zurzeit noch die Verhandlungen." Diese in Aussicht genommene Unterbindung der Arbeitsgelegen- heit für deutsche Arbeiter ist nun tatsächlich erfolgt. So hat das Hauptbauamt in Potsdam verfügt, daß bei dem Bau des Großschiffahrtsweges Berlin-Stettin deutsche Arbeiter nicht angenomnren werden dürfen, die in den letzten zwölf Monaten mindestens drei Monate in den Kreisen Teltow, Zauch-Belzig, Nieder- barnim, O st Havelland, Oberbarnim, Ruppin, Tempi in, Angermünde, Königsberg Nm., LebuS in einem landwirtschaftlichen Betrieb beschäftigt waren, dessen Sitz nicht mindestens 25 Kilometer von der Linienführung der neuen Wafferstraße entfernt liegt; nicht betroffen sollten von dieser Beschränkung die Arbeiter sein, die in Berlin, Charlottenburg. Schöneberg, Rixdorf, Deutsch-WilmerSdorf, Lichtenberg. Potsdam und Spandau beschäftigt gewesen sind. Diese Anordnung nimmt ebenso wie der erwähnte Erlaß des Ministers auf das einseitigste und unbilligste die Interessen der Unternehmer auf Kosten der inländischen Arbeiler wahr.— Wenn man unter Vaterland nicht allein das Vaterland der Reichen, unter Patriotismus nicht lediglich die einseitige Wahrnehmung der Interessen der Großgrundbesitzer verstanden wissen will, so ist der Erlaß und die auf ihm gegründete Anordnung eine der Vaterlands- feindlich st en und antipatriotischsten Taten, die jemals Behörden irgend eines Landes begangen haben. Selbst der „National-Zeitung" geht die durch ihn erfolgte Bestätigung, daß für den deutschen Arbeiter das Vaterland nur Lasten, Plackereien und Beeinträchtigungen seiner Rechte kennt, zu weit. Sie findet in dem Erlaß einen Verstoß gegen die reichgesetzlich gewähr« leistete Freizügigkeit der Arbeiter. Die„Kreuz-Zeitung" er- widert mit der Feststellung, daß im Abgeordnetenhause den dort entwickelten Plänen der Regierung, in dieser Weise vorzu- gehen, niemand widersprochen habe. Diese Feststellung entspricht der Wahrheit: vom Freisinn bis zu den Konservativen hat im Abgeordnetenhause und Reichstage gegen diese Beeinträchtigung der natürlichsten Rechte der Arbeiter, an den Staatsarbeiten in erster Linie beschäftigt zu werden, niemand protestiert. Lediglich von sozialdemokratischer Seite ist im Reichstage der ungeheuerliche ministerielle Erlaß zur Einengung der Arbeits- gelegenheit für inländische Arbeiter gebührend behandelt. Wird den Arbeitern, die noch bürgerlichen Parteien nachlaufen, auZ Anlaß dieser staatlichen Fürsorge für Behinderung ihrer Arbeits- gelegenheit der Srar über den„Patriotismus" und die„Vaterlands- landsliebe" der bürgerlichen Parteien endlich gestochen worden? Unsere Genossen sollten diese Erlasse als wertvolles Material zur Aufklärung über die Klassenherrschaft recht eifrig benutzen. politische Clcberfkbt Berlin, den 16. Oktober 1907. Der Oberreichsanwalt Hat'S eilig! Der Oberreichsanwalt hat dem Genossen Liebknecht die Weisung zugehen lassen, seine Strafe am 24. Oktober in der Festung G l a tz anzutreten. Bekanntlich hatte der Obcrreichsanwalt gegen Liebknecht nicht nur zwei Jahre Zuchthaus, sondern auch sofortige Verhaftung beantragt. Das Reichsgericht lehnte beide Anträge ab. Der Obcrreichsanwalt sorgt nun dafür, daß Liebknecht sich trotzdem nicht mehr lange der Freiheit er- freuen kann. Die zum Antritt gestellte Frist ist eine auf- fallend kurze!_ Die Antwort des Proletariats auf das Urteil wider Liebknecht. Eine Parteiversammlung zu Stuttgart nahm ein- stimmig eine herzliche Sympathie- und AnerkennungSresolntion für den Genossen Liebknecht an. Zu Eingang wird nach einer scharfen Charakterisierung der Justizaktion erklärt, daß der Prozeß ein neuer Ansporn für die Sozialdemokratie ist,„den Kampf gegen die Herrschaft der besitzenden Klasse und ihr Werkzeug, den Militarismus, mit rücksichtsloser Energie fortzusetzen. Die Versammelten geloben, an diesem Kampfs, der zugleich ein Kampf gegen die rohe Gewalt und für die Vernunft, gegen die Kriegsgefahr und für den ungestörten friedlichen Wettbewerb der Nationen ist, jederzeit mit allen Kräften teilzunehmen...." Eine ähnliche Resolution nahm eine Volksversammlung zu H a r l e s h a u s e n- K a s s e l an, in der Genosse Reichstags- abgeordneter Scheidemann über politische Fragen gesprochen und dabei auch den Hochverratsprozeß behandelt hatte. Diese Resolution schließt:„Die Versammelten danken dem Verurteilten, wie für seine ganze bisherige Arbeit im Dienste der Partei, besonders für sein tapferes Auftreten vor Gericht. Sie geben ihm die Ver- sichcrung mit hinter die FestungSmauern, daß sie nun von neuem angespornt durch seine Verurteilung, bestrebt sein werden, mit verdoppeltem Eifer das Proletariat aufzuklären und auf- zurütteln zum Kampf gegen den Kapitalismus und seine Werket den Klassenstaat mit seinen K l a s s e n e i n r i ch t u n g e n." Die Kreiskonferenz des 1. sächsischen Reichs- t a g s w a h l r e ch t S sZ i t t a u) zu Z i t t a u hat in gleicher Weise demonstriert.---_ Fraktion Drehscheibe., Auf dem nationalliberalen Parteitage hatte Herr Basser- mann pathetisch erklärt, daß der Reichstag an der Frage einer direkten ReichSstencr nicht vorbeikommen werde. Und Herr Osann erklärte, eine Finanzreform im früheren Sinne könne für die Deckung der neuen, wachsenden Bedürfnisse des Reiches nicht in Frage kommen, man brauche direkte Steuern des Reiches! Die„Konservative Korresp." ist so boshaft, diesen Acußeruugen die Rede gegenüberzustellen, mit der sich am 18. Mai vorigen Jahres der»ationallibcrale Fraktionsredncr, der Abgeordnete B ü s i n g, gegen die Einführung direkter Reichs- steuern ausgesprochen hat. Der nationalliberale Fraltionsrcdner sagte damals: „Wir leben— so erklärte er unter Zustimmung seiner Gesinnungsgenossen— nicht in einem Einheitsstaate, sondern in einem Föderativstaate und wir können die historisch gewordene födera- tive Grundlage des Reichs nicht ändern. Wir haben 25 Einzelslaaten. Jeder derselben hat feine besonderen Kultur- und sonstigen Aufgaben, zu deren Erfüllung er besonderer Mittel bedarf. Die Mittel dazu werden in allen Einzclstaaten im wesentlichen durch direkte Steuern aufgebracht... In mehreren Einzelstaaten haben diese direkten Steuern bereits eine solche Höhe erreicht, daß eine weitere Erhöhung kaum noch angängig erscheint. Bei dieser Verschiedenheit der Steuer- systeme in den Einzrlstaaten erscheint es ganz ausgeschlossen, a» f die direkten Steuern der Einzclstaaten noch eine allgemeine R e i ch s e i n k o m m e n st e u e r zu werfen. (Sehr richtig! bei den Nationalliberale».) Weiter bemerkte der Abgeordnete Büsing, daß auch einer Reichsvermögenssteuer„jedenfalls zurzeit" noch sehr erhebliche Bedenken gegenüberständen.„In vier Einzel- staaten besteht bereits eine Vermögenssteuer. Sie bringt in Preußen ungefähr 38 Millionen Mark. Das würde für das Deutsche Reich vielleich sechzig Millionen Mark ergeben. Sie würden also zur Deckung des Defizits von 200 Millionen Mark das 3>/zfache der preußischen Ergänzungssteuersätze auf- erlegen müssen.... DaS ivürde ein schwer zu ertragender Z u st a n d sein. Die Jdealsteuern, Reichseinkommensteuer und Reichsvermögenssteuer, sehen beim ersten Anblick sehr schön und sehr verlockend auS. Wenn man sie aber näher b e i Licht betrachtet, namentlich vom Gesichtspunkte des Föde- rativstaates aus, dann ist daS Bild ein ganz anderes." Die„Konserv. Korresp." meint, der plötzliche Ansichtswechsel der Fraktion Drehscheibe sei wohl auf den Einfluß der„Jungen" zurück- zuführen. Näher liegt die Absicht der Herren Bassermann und Osann, mit der Parole„direkte Reichssteuern" unter den Wählern Bauernfang zu treiben I Herr Bassermann meinte ja, daß in diesem Winter überhaupt noch keine neuen Steuervorlagen zu erwarten seien. Die Gefahr, beim Worte genommen zu werden, liegt noch fern, man kann also des Stimmen- f a n g e S wegen Demagogie treiben. Kommt es später zur Ent- scheidung, so kann man sich inzwischen ja wieder anders besonnen haben. Denn wozu ist man die Fraktion Drehscheibe? Uebrigens sucht bereits die„Natl. Korr." Bassermanns Ausführungen abzuschwächen. Die Nationalliberalen seien„keine Doktrinäre" und wüßten, daß auch die direkte Einkommensteuer keine„ideale Steuer" sei! Also schon wieder eine halbe Drehung der Fraktion Drehscheibe!— Die Schule im Dienste der Junker. Die„Deutsche Tageszeitung" nimmt mit Befriedigung Kenntnis von folgender Meldung: „Der Vorstand der LaitdwirtschaftSkammer für die Provinz Ostpreußen hatte in einer Eingabe an die zuständige Behörde angeregt, daß im Schul- unterrichte noch mehr als bisher die Liebe zur Heimat und zur Beschäftigung in der Landivirtschaft ge- fördert werde. Aus diese Anregung ist man ein- gegangen. Es soll eine Verfügung erlassen lvorden sein, in der unter anderem ausgesprochen wird, man verkenne zwar nicht, daß die Lehrer sich im allgemeinen die Pflege der Liebe zur Heimat angelegen sein lassen, man gebe aber doch dem Wunsche Ausdruck, daß die Liebe zur engeren und engsten Heimat noch mehr gefördert werden könne. Gelegenheit hierzu sei u. a. im R e ch e n u n t e r r i ch t und bei der Erd- und Naturkunde gegeben. Im Rechen» Unterricht könne beispielsweise durch Vergleichung der Preise der verschiedenen Lebensbedürfnisse und des ganzen Lebensunterhaltes in Stadt und Land dazu beigetragen werden, vor übereiltem Verlassen der Heimat und vor Ucbersiedeluug in die Stadt und Jndustriemittelpunkte zu warnen. Auch die GesundheitS- lehre gebe reichliche Veranlassung, die Vorzüge des Land- lebens und der ländlichen Beschäftigung hervor- zuHeben. Den Schulinspektoren, Schulleitern und Lehrern soll an- heimgegeben worden sein, den in der Verfügung gegebenen An- rcgungeir in zweckmäßiger Weise Rechnung zu tragen." Danach sollen also die Dorfschulen, um die es ohnehin traurig genug bestellt ist, dazu benutzt werden, den Schülern das ostelbische Dorado gegenüber dem Großstadtelend in den lockendsten Farben zu schildern. Wäre die Sache nicht an sich grober Unfug— denn ivoher soll der Lehrer die Zeit nehmen, um sich objektiv über die einschlägigen ökonomischen, hygic- nischen usw. Verhältnisse zu unterrichten!— so hätten wir gegen die famose Methode, den Landproletariern ihr graues Elend rosenrot anzuheimeln, nicht viel einzuwenden. Denn wenn die Lehrer die Lage der Industriearbeiter als eine schlechtere schildern als die der Lundproletarier, so wird die Landbevölkerung bedenklich den Kopf schütteln, wenn ihnen agrarische und liigenverbändlcnsche Flugblätter die Industriearbeiter als eine„begehrliche" Rotte hinstellen! Denn ein- m a l muß doch geschivindelt tvorden sein! Davon abgesehen stellt freilich diese Verfügung an die Lehrer einen so ungeheuerlich reaktionären Liebesdienst für die Agrarier dar, wie man ihn während der Aera Studt kaum erlebt hat!— Max Lorenz ist am Sonntag in Dresden gestorben. Er ist nur 36 Jahre alt gc- lvorden, hat aber während seiner kurzen politischen Laufbahn die erstaunlichsten Wandlungen durchgemacht. Der jugendliche Philologe schloß sich der Sozialdemokratie an und war in der ersten Hälfte der neunziger Jahre an mehreren Parteiblättern, so der„Sächi. Arbeiterzrg." und der„Leipz. VolkZztg." tätig. 1896 erklärte er seinen Austritt aus der Partei und schloß sich der jungen national- sozialen Bewegung an. Schon jetzt verriet er einen fanatischen Haß gegen die Sozialdemokratie, der ihn immer weiter rechts trieb und schließlich beim wüstesten Scharfmachertum landen ließ. Er gründete eine„Autisozialdemokratische Korrespondenz", in der er die Partei, der er ehedem angehört, in der giftigsten Weise bekämpfte und her- unterriß! Aber diese Sozialistentöterei wurde trotz alledem noch mit zu viel politischem Verständnis ausgeübt, als daß sie bei den Scharf- machern viel Anklang gefunden hätte. Als vollends der Reichs- lügenverband gegründet wurde, bei deffen Kampfesweise die Stupidität mit der Skrupellosigkeit wetteiferte, war Max Lorenz mit seincnr traurigen Gelverbe völlig aufs Trockene gesetzt. In moralischem und materiellem Elend ist er jetzt gestorben. Max Lorenz war nicht unbegabt. Neben nicht ganz unbeträcht- lichen literarischen Fähigkeiten befaß er eine glänzende Rednergabe. Einem Liebert gegenüber war er ein geistiger Heros. Daß ihn ein Liebert verdrängen konnte, ist ein Beweis der beispiellosen politischen und moralischen Entartung unserer Bourgeoisie. Denunzianten! Wie sehr unsere reaktionäre Presse in dem Leipziger Urteil eine politische Aktion erblickt, beweist auch folgende Denunziation der„Deutschen Tagesztg.": „Für uns und für das gesamte politische Leben hat die Verurteilung Liebknechts dadurch eine besondere Be- deutung, daß man nunmehr auch gegen alle diejenige» wird vorgehen müssen, welche ähnliche Aeußerungen, wie es Liebknecht getan hat, veröffentlichen. Dadurch wird die sozialdemokratische Presse zu einer größeren Vor- ficht gezwungen; und das kann nur mit Befriedigung begrüßt werden." Sollte es das Reichgericht nach weiteren Triumphen gelüsten, so mag es unserthalben die Order des Junkerorgans befolgen! � Dem Verdienste feine— Aemter. Der Senat der Scharfmacher- und Plutokratenrepublik Hain- bürg besteht aus je neun juristischen und kaufmännischen, auf Lebenszeit„gewählten" Mitgliedern, die je 25 000 bezw. 12 000 M. Gehalt jährlich bezichen. Gewöhnlich geht aus der Wahl eines „Einächtzehntel-Landesvaters" ein schwerreicher Patriziersprößling hervor; aber neuerdings hat man auch einige andere Herren, die sich besonders um das Wohl der Republik verdient gemacht haben, in den„Hohen Senat" gewählt, so erst vor kurzem den Kaufmann Strack, einen der Urheber des Wahlrechts» in st urzes. Nun ist am Freitag der aus einem anderen Bundesstaate stammende frühere Landgcrichtsdirektor und spätere Senats- syndikus, Dr. Scharfer, nachdem er bei früheren Senatswahlcn zweimal durchgerutscht war, zum Senator gewählt worden. Herr Dr. Schaefer, der weiteren Kreisen durch seine verunglückte „Bordcllrede" im Reichstage— der Herr sagte als Vertreter Hamburgs im Bundesrat,„in Hamburg gebe es keine Bordelle in polizeitechnischem Sinne"— bekannt geworden ist, hat sich inzwischen das Wohlwollen derjenigen Leute erworben, die den „Rechtsgrundsatz" vertreten:„Macht geht vor Recht." Er hat die Wablrcchtsvorlage ausgearbeitet und sie durch ein un- geheures statistisches Material..gerechtfertigt". Das ist das Ver- dienst des neuen Senators, das alle Wahlrechtöumstürzler am Freitag anerkannt haben. Aber auch Abgeordnete, die sich zu den „entschieden Liberalen" zählen, sind für den„ver- dienstvollen" Man» eingetreten! Der geistige Vater des Wahl- rechtsumsturzes ist für seine Tätigkeit belohnt worden. Selbst einige liberale Hamburger Blätter haben herausgefunden, daß der Senat immer„schwärzlicher" wird.— Eine neue Eselei der Tante Vost. Tante Boß will auf ihre alten Tage witzig werden. ES geschieht ihr ganz recht, daß sie dabei hiiieinpiumpst und sich läcberlich macht. Sie schäkert, daß die beiden sozialdemokratischen Leidtragenden im Trauergefolge des verstorbenen badischen Großherzogs Mitschuldige hätte» an den sozialdemokratischen Stadtverordneten von Berlin mit Genossei, Singer an der Spitze. Denn— o hör' eS, Welt I— sie haben sich erhoben, als im Roten Hause zu Berlin der Stadt- verordnetenvorfteher Dr. Langerhans dem verstorbenen Großherzog einen Nachruf widmete. Die Tante sagt wahrhaftig die Wahrheit, unsere Genossen haben sich erhoben, Sie haben dasselbe furchtbare Verbrechen be- gangen, daS die sozialdemokratische ReichStagsftaksion beging, als sie sich bei der Verkündung vom Tode Wilhelms I. erhob I Ja, sie haben getan, was sie und wohl alle sozialdemokratischen Parla- mentarier immer tun werden, wenn einem Verblichenen in einer Versammlung GedachtuiSworte gewidmet iverden. Wer den Unterschied zwischen dem Erheben beim unfrei- willigen Anhören eines Nachrufs und der freiwilligen Beteiligung an einer monarchischen Demonstration nicht begreifen kann, der muß schon die Tante Voß oder einer ihrer unglücklichen Leser sein.—_ Ein befremdendes Kriegsgerichtsnrteil! Vor dem Kriegsgericht der II. Gardedivision hatte sich der Leutnant v. Hake vom Kaiser Alexander- Garde- Grenadier- Regiment wegen Mißhandlung eines Untergebenen unter Mißbrauch der Dirnstwaffe zu verantworten. Der Ai, geklagte hatte während des Dienstes einen im zweiten Jahre dienenden Grenadier mißhandelt und bei der Ausübung der Mß- Handlung von seiner Waffe Gebrauch gemacht. Auf Antrag des Vertreters der Anklage wurde während der Verhandlungen die Oeffentlichkeit tvegen Gefährdung der militari- scheu Disziplin ausgeschlossen. Von den erschienenen Zeugen wurden nur der mißhandelte Grenadier und ein Lazarett- gehülfe dernommen. Leutnant v. H, wurde für schuldig erachtet uud wegen Mißhandlung eines Untergebenen unter Mißbrauch der Dienstwaffe zu zwölf Tage» Stubenarrest verurteilt. Also ein Leutnant mißhandelt einen Soldaten mit der Dienst- Waffe, also wohl nnt dem Säbel, und zwar derart, daß er im Lazarett behandelt werden muß! Und er wird nicht etwa de- gradiert— das wäre nach dem Empfinden des Volkes neben einer Gefängnisstrafe die einzig mögliche Strafe gewesen I—, sondern zu zwölf Tagen Stubenarrest verurteilt I So bekämpft man die Soldatenschindereil— Keine Amnestie in Baden. Die Mannheimer.Volksstimme" teilt mit:„Alle Andeutungen badischer Blätter oder Äorrespondenzbureaus über den Umfang einer zu erwartenden Amnestie sind gegenstandslos. Es komnit— keine Amnestie! Allerdings wird ein größerer Gnadenakt vorbereitet. Aber er wird nur darin bestehen, daß eine größere Anzahl von Personen, insbesondere jugendlicher weiblicher oder besonders leichtbestrafter. nach den SpezialVorschlägen der Staatsanwaltschaften vom Groß- Herzog begnadigt werden. Außerdem werden noch in einigen bc- sonders charakterisierten Fällen Begnadigungen auf Antrag der Be- teiligten oder der Justizbehörden stattfinden." Clngani. Abschlagszahlung. Budapest» 16. Oktober.(W. T. B.) Der Justiz«, inister hat eine Verordnung erlaffen, nach welcher die polizeiliche Beschlagnahme von Zeitungen vor ihrer Beförderung durch die Post, wie es jetzt üblich war, nicht mehr stattfinden darf, da dies mit der Pretzfreiheit un- vereinbar sei. Die Verordnung wurde allgemein mit Befriedigung aufgenommen.— franhmcb. Anti-Antimilitarismus-Aera. Paris, 16. Oktober.(SB. T. B.) Durch die Polizei wurden heute vormittag sechs Unterzeichner des jüngsten antimilitaristischen Manifestes verhastet, in welchem den zum Militärdienst Ausgehobenen empfohlen wird, zu desertieren; auf die neun weiteren Unterzeichner wird gefahndet. Italien. Turin» 15. Oktober. Einen neuen Generalstreik bis Frei- tag verkündete die heute abend von der Arbeitskamincr und der Sozialistischen Vereinigung einberufene Arbeiterversanun- lung. Nach den vom städtischen Polizeiamt nntgeteilten Nach- richten arbeiteten heute 19 387 Arbeiter in 210 Werkstätten, während 203 Werkstätten geschlossen waren» und 28355 Ar- beitcr streikten.— finnlanct. Hclsiiigfor?» 16. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts"). Ter Achtftnndcntag für die Bäcker wurde heute vom Landtag beschlossen. Zugleich ist eine Bestimmung an- geiiomuie» worden» welche die Nachtarbeit iu dcu Bäckcreicu verbietet!— Inclien. Englische Reaktion. Im Mai dieses Jahres erließ der Gouverneur von Indien eine Verordnung, durch ivelche die Anmeldepflicht für polittsche Versammlungen in den Provinzen Pundjab und Ost-Bengalen eingeführt wurde. Dieser Erlaß läuft am 18. Oktober ab. Die englische Regierung will jetzt aber ein permanentes Gesetz einführen, das für ganz Indien gelten soll. Danach sind öffentliche Versammlungen den Behörden anzunieldcn. Als„öffentlich" gilt eine Versammlung, an der mehr als 20 Personen teilnehmen, auch dann, wenn sie in einem Privat- zimmer abgehalten wird. Der Gouverneur von Indien erhält oie Vollmacht, dieses Gesetz bald für diese, bald für jene Provinz in Kraft treten zu lassen, je nachdem er dies für notwendig hält. Die Gouverneure der einzelnen Provinzen köniten das Gesetz dann wieder auf einzelne Bezirke der lhnen unterstehenden Provinzen beschränken. Durch diese Maßnahmen, die mehr preußischen, Polizei- geist entsprechen als dem„liberalen" englischen Regierung?- stlstem werden die Engländer erklärlicherweise nur noch mehr Haß und Erbitterung bei der indischen Bevölkerung hervor- rufen.—_ Die ruiMche Revolution. Bankrotterklärung. Die russische Regierung erklärt sich für bankrott: Sic gibt zu, daß sie den„revoluttonären Sozialdemokraten" mit zen gewöhnlichen, den in„zivilisierten" Staaten üb- .ichcn, sagen wir: den alltäglichen Mitteln nicht mehr öeizukommen vermag. Die Regierung des„all, nächtigen" garen scheut sich nicht, einzugestehen, daß sie gegen den„Umsturz" nur noch ankämpfen kann, indem sie sich derKorrnp- tion, des verachteten und verächtlichen Mittels der Spio- nage bedient. Und zwar genügt es nicht einnial mehr, daß die bekannten ordinären Subjekte sich für Geld und mehr oder minder gute Worte in den schäbigen Dienst der russischen Polizei stellen, sondern die Elite der Gesellschaft, die„Blüte der Nation", muß sich zum Handwerk des Achtrubeljungen degradieren lassen, wenn„Väterchen" Nikolaus im Kampfe mit dem Drachen Revolution obsiegen soll. Das Bureau„Herold" meldet: Warschau, 16. Ottober. Gestern fanden iviedenim in Warschau und Lodz Mastenverhafluiigei, statt. Es ist als erioicsen anzn- nebmen, daß es den Polizeibehörden gelungen ist, durch ein weit- verbreitetes Spionagespftem die Reihen der revolutionären Sozial- demokratie zu desorganisieren. Allgemeines Aufsehen erregen auch zahlreiche Revisionen, welche nachts bei den Häuptern der nationalen Intelligenz stattfanden und die nur auf Grund von gesellschaftlich hochgestellter Spionage Vorgenommen werden konnten. Das Gefühl allgemeiner Unsicherheit greift um sich. Die Regierung beginnt mit Bestechung vorzugehen, um einen Auflösungsprozeß der sozial- revolutionären und nationalen Organisationen durchzuführen. Die Flinte schießt, der Rudel rollt. Nicht unmöglich, daß die russische Regierung in der ersten Zeit mit ihrer Korruptionstakttk Erfolge hat. Aber nicht lange und die Revolution, die schon ganz andere Fallstricke zerrissen hat, sie wird auch für das allerneneste„feine" Gift der bankrotten Regierung ein Gegengift zu finden wissen. Aus dem Reiche der baltischen Junker. Man schreibt uns aus Riga: Das zwieköpfige Scheusal, dessen einer Kopf die baltische Adels» kröne und dessen anderer die Fetzen der russischen Selbstherrscher- kröne trägt, würgt noch täglich die�ebölkerung der Ostseeprobrnzen. Immer nach der alten Devise:„Für jeden v. Bistram ein Dutzend Kalnings und Osolings!" Nach baltisch-deutschcm Muster besorgen ihre Hcnkersarbeit jetzt auch die Satrapen von Moskau. Lodz, Odessa, Petersburg und Kiew, in deren Adern meist echtes baltisches Adelsblut fließt. Ein Beispiel dafür hat die„standrechtliche" Erschießung der acht Arbeiter der Fabrik Silberstein in Lodz geliefert, die alle nach dreistündiger Behandlung mit Gummischlägern ein„offenes Geständnis" abgelegt hatten und darauf ohne jegliches Gericht erschossen wurden. Nur das Erschießen„auf der Flucht" scheint noch ein Privileg der hiesigen„Ehrenpolizisten" zu sein. Der Blutdurst dieser baltischen Revolutionshyänen ist aber noch lange nicht gestillt. Das Junker- organ, die„Tüna-Ztg.", schrieb noch in ihrer Nr. 132, als sie im Stillen schon das Todesurteil über Rolau gefällt hatte und er nur noch„auf der Flucht" erschossen werden mußte, folgende blut- triefende Sätze:„So ist denn wenigstens etwas unter diesen Bestien aufgeräumt worden; allein immer wieder liest man, daß verfolgte und mit den Waffen in der Hand ergriffene Mörder und Räuber verhaftet worden seien. Wozu das? Warum stiiießt man sie nicht auf der Stelle nieder?"— Nun konnte aber selbst die„Düna-Ztg." dem Studenten Rolau weder einen Raub- mord anhängen, noch wurde cr vom„Ehrenpolizisten" v. Weyde- mann mit Waffen in der Hand ergriffen. Erlogen ist sogar die Behauptung der„Düna-Ztg." und deS„Reichsboten", als hätte E. Rolau auf dem Internationalen Sczialistenkongreß zu Brüssel „zur Niedermetzelung der Deutschen und zur Niederbrennung der Landgüter seiner Heimat aufgefordert". Ich als Schulkamerad Rolaus mutz diese niederträchtige Lüge energisch zurück- weisen; denn Rolau zählte zu dieser Zeit etwa 15 Jahre und be- suchte fleißig das Gymnasium zu Libau. Wer so lügen kann, hat kein Recht über„sozialdemokratische Lügen" des„Vorwärts" zu sprechen, wie eS die„Düna-Ztg." in ihrem Rechtfertigungsartikel zum Fall Rolau(Nr. 212) tut. Das Geschimpfe dieses Blattes über die russischen Revolutionäre findet übrigens höchstens noch Gehör beim„Neichsboten". *.• * Eben finden die Wahlmännerwahlen auf dem Lande statt. Mit Ausnahme einiger Gemeinden Livlands und etwa 6 Gemeinden Estlands, wo die Wahlen boykottiert werden, nehmen die Wahlen ihren früheren Verlauf. Nur die Agitation von feiten der bürger- lich-demokratischen Parteien ist geringer, da alle progressiv-demo- kratischen Blätter seit Monaten sistiert sind. Sozialdemokratische Flugblätter werden in den«leisten Gemeinden angetroffen, und nicht ohne Grund fürchten die Barone, daß die Kleingrundbesitzer (das Landproletariat, das noch zur Zeit der ersten Wahlen Wahl- berechtigt war, ist jetzt gänzlich beseitigt) ihnen lauter Sozialdemo- Iraten zur Auswahl stellen. In R i g a, das jetzt zwei Deputierte zu wählen hat. wird sich ein heißer SBahlkampf in der zweiten Kurie entspinnen; allem An- schein nach werden drei Gruppen auf dem Schlachtfelde erscheinen: 1. Angehörige der„lettischen Reformpartei"(lettische Oktobristen), die von den Deutschen der zweiten Wahlkurie unterstützt werden; 2. der„progressive Block"(lettische Progressisten, jüdische und russisch« Kadetten) und 3. Sozialdemokraten. Bei den letzten Dumawahlen gingen die beiden letzten Gruppen zusammen und er- wählten zum Deputierten Rigas einen Sozialdemokraten. Auch jetzt hegen die Sozialdemokraten gute Hoffnungen in der zweiten Kurie, dagegen wird die erste Kurie einen Anhänger der„baltisch- konstitutionellen Partei", d. h. einen deutschen Oktobristen, in die Duma schicken. Außer diesem Vertreter der Rigaschen Großkaus- leute werden noch 5— 6 baltische Barone aus der Großgrundbesitzer- kurie gewählt werden, für die Herr Pnrischkewitsch schon Plätze an seiner linken Seite reserviert hat.— Einige lettische und estnische Kadetten wird Liv- und Estland in die Duma senden. Die Sozial- demokraten Rigas fürchten, daß die Regierung ihre Kandidaten in der letzten Stunde in Anklagezustand versetzt und so ihren Sieg vereitelt. Von dem„Blutkönig" Möller-Sakomelsky und seinen adligen Helfershelfern ist ja alles zu erwarten. Hat dieses Scheu- sal doch die Frechheit gehabt, lettischen Literaten, die sich um Herausgabe einiger Tagesblätter bewarben, zu antworten, daß während des Kriegszustandes kein progressives lettisches Blatt geduldet werden wird; augenblicklich genügten die zwei reaktionären: „Latwija" und„Rigas Awise"! Die Aufregung, die während der Verhandlungen deS Monster- Prozesses im Laufe der letzten Wochen hier herrschte, hat sich wieder gelegt. Wie bekannt, verurteilte das Kriegsgericht wegen Teil- «ahme am livländischen bewaffneten Aufstand anfangs 22 Personen zum Tode, von denen dann 16 zu lebenslänglicher Zwangs- arbeit„begnadigt" wurden. Die„Sandberge" am Zentralgefäng- nis haben ein Massengrab mehr.— Die Flugsandhügel, welche auf einer Fläche von etwa V* Ouadratkilonrcter bis dato mehr als 366 Leichen lettischer Freiheitskämpfer bergen, werden nach einigen Jahren in Blumenschmuck prangen, und am 26. Januar und am 13. März werden die Arbeiter Rigas hier ihrer gefallenen Brüder gedenken. Augenblicklich wird jeder Blumenschmuck, jeder Kranz, der in der Nacht von lieben Händen auf die frischen Gräber gelegt worden ist, am Morgen von der Polizei und den Dragonern auf- gelesen und verbrannt._ Hub der Partei. R-chmalS die Demonstrntion Frant-Kolb. VlnS Baden wird uns geschrieben: Am konnnenden Sonntag werden LandcSvorstand und Landtags- fraktion in Karlsruhe zusammentreten und sich mit der Beteiligung sozialdemokratischer LandlagSabgeordneter am Leichenbegängnis des GroßtjerzegS beschäftigen. Bekanntlich haben die beide» Abg ordneten ihre Beteiligung am Trauerzuge auch mit politischen Gründen zu rechtfertigen versucht, wofür ihnen iu der liberalen Presse ein voll- gerüttelles Maß des LobcS ob ihres politischen Weitblicks und ihres gesellschaftlichen Takte« zuteil wird. Mehr oder weniger deutlich sagt aber die bürgerliche Presse, daß ein Mann wie Geck, der formelle Bedenken vorschütze. um der Familie � des verstorbenen Großherzogs nicht zu kondolieren, nicht mehr gewählt werden könne. So schreibt die in Freiburg erscheinende »ationalliberale„Breisgaiier Ztg.", daß Geck gegen die Abmachungen, sich taktvoll mit seinen Pflichten als Vizepräsident abzufinden, ver- stoßen habe, und schreibt dann wörtlich: „Damit entfällt die Möglichkeit, ihn ein zweites Mal mit einem Präsidenteiiposten zu betrauen, denn um es nochmal zu sagen, auf diesen Posten können und dürfen niemals Partei- Prinzipien in einer Forin hervorgekehrt werden, die dem ganzen Landtag— ausnahmlich der Anhänger dieser Prinzipien— vor den Kopf stoßen. Eine weitere Frage ist nun die: kann nach dem Vorgefallenen überhaupt noch ein Sozialdemokrat als Vizepräsident in Frage komnien? Diese Frage braucht nicht dirett verneint zu werden. Denn wie der Streit Geck-Kolb-Frank zeigt, gibt es zweierlei Sorten von Sozialdemokraten: solche, die um deS Partei« dogmas willen alles andere über den Haufen werfen, und solche, die trotz ihrer über allen Zweifel erhabenen parteitreuen Ge- sinnung den Meiischeu nicht vergessen und nach außen hin die Form zu wahren wissen. Letzteres wird ein Sozialdemokrat in allen Fällen können:«r brauckit sich nicht von einem Prinzen zu Tisch laden zu lassen, aber er kann dem Landesherrn äußerlich so gut die schuldige Ehrerbietung als Staatsbürger solcher ist auch der Sozialdemokrat— erweisen, wie sich der anständige Mensch zum Beispiel erhebt bei einem Nachruf auf einen taten politischen Gegner. Au dieser rein äußerlichen Ehrfurchtsbezeugung wird natürlich dem Landesherru nichts gelegen sein, aber das Haus, au dessen Spitze er steht, muß sie fordern. Freilich, ob die sozialdemokratische Fraktion tvagen wird, einen anderen Abgeordnete» als ihren Parteivorstand, der ja August den Allgelvalligen hinter sich hat. als Kandidaten für den Vize- Präsidentenposten zu präsentieren, ist eine andere Frage. Präsentiert sie einen anderen Kandidaten, so wird man diesen Herrn liberaler- seits in aller Form auf seine Verpflichtungen— auch die dem LandeSberrn gegenüber— festlegen müssen. Tut sie es nicht und bringt beim Zusammentritt deS Hauses abermals Geck in Vor- schlag, so halten wir es für ausgeschlossen, daß die liberalen Parteien dem Genossen Geck ihre Stimmen geben könnten. WaS dann?" Nun wir halten es für ausgeschlossen, daß die Fraktion unter diesen Umständen einen anderen Vizepräsidenten,, am allerlvenigsten aber einen der beiden Teilnehmer am Trauerzug in Vorschlag bringen kann. Lehnen die Blockherren die Wahl Gecks ab, so lvird die sozialdemokratische Fraktion im Präsidium unvertreten sein, ein Unglück, das sie mit Wurde zu tragen tvisseu wird. Bezeichnend für die überschlaue revisionistische Politik der Genossen Frank und Kolb ist, daß durch ihre Be- tciligung die Situation, die sie angeblich retten ivollten, schlechter geworden ist und die wahrscheinliche Folge ihrer Taktik der Verlust des Vizepräsidentenpostens sein wird. Wird der Posten aber be- hauptet, so trotz ihrer Taktik, die es den Blöcklern erleichtern wollte, für unseren Kandidaten zu stimmen, die es ihnen in Wirk- lichkeit aber erschwert. Hätten die Genossen von ihrer eigenen politischen Klugheit etwas bescheidener gedacht, so würden sie doch wohl Zeit gefunden haben, sich mit ihren Fraktionskollegcn zu be- sprechen. In ihrer Verteidigung der Beteiligung findet die Frank« f U r t e r„ V o I k S st i m m e" Nachfolge von der S t r a ß b u r g e r „Freien Presse", die aus eigenem hinzusetzt:„Vergißt man denn in jenen Kreisen ganz, daß unsere Presse zur Bekämpfung der Gegner da ist? Sind Vorkommnisse in unseren Reihen zu besprechen und besonders, wenn sie von so geringer Art sind, so sind doch wohl die Organisationen die beste Stelle." Daß die überwiegende Mehrheit der Parteipresse, die die Ve- teiligung verurteilt, nicht wisse, daß unsere Presse zur Bekämpfung der Gegner da sei, widerlegt ein Blick in die betreffenden Partei- blätter. Bisher galt es aber auch für selbstverständlich, daß die Parteipresse den Genossen das Material zu liefern habe zur selb- ständigen Urteilsbildung in Parteifragen. Wie die Orgaiüsationeu solche Fragen besprechen sollte», wenn die Parteiprcsse diese Pflicht vernachlässigt, das ist das Geheimnis des Straßburgcr Partoiblattcs. Eine liebliche Unterstellung leistet sich dik„Rheinis ch e Zeitung" zu Köln. Sie schreibt nach dem Abdruck der Acnßc- rung der Frankfurter„Volksstimme":„Wir selbst hallen die Teil- nähme an dem Leichenbegängnis für eine rein badische Angelegenheit und eS mag Sache der badischen Genossen sein, zu dem Verhalten Franks und Kolbs so oder so Stellung zu nehmen. In norddeutschen Staaten wäre eine solche Beteiligung selbstverständlich unmöglich. Mit unserem Frankfurter Parteiblatt stimmen wir völlig übereiu in der Verurteilung der maßlosen Aufbauschung des Vorganges durch einige norddeutsche Parteiblätter, in deren Redaktionen offenbar so viel Arbeitsmangel herrscht, daß sie aus purer Langeweile wieder irgend einen Parteistank aufrühren." Und solch' ein Blatt,< das die bis jetzt sachlich geführte Polemik geradezu vergiftet durch seine niedrige Verdächtigung der großen Mehrheit der Parteipreise, beschwert sich über Au f b a u s ch u n g und Partei st ank! Die„fränkische Tagespost" ist einem Irrtum zum Opfer gefallen. Ihr ist aus Berlin telegraphiert worden, daß wir sie als das einzige Blatt der größeren Parteipresse genannt hatten, das zu der Affäre nicht Stellung genommen habe. Das stimmt schon nicht. Ganz auf dem Holzwege aber ist unser Nürnberger Parteiblatt, wenn es ineint, daß wir diese Feststellung getroffen haben, weil wir Sehnsucht hätte», seine gewichtige Stellungnahme zu erfahren. Wir haben lediglich unserer Pflicht genügt, den Parteigenossen ein möglichst objektives Bild der Stellung der Partei- presse zur Sache zu geben. Und so beeilen wir uns denn auch. zu berichten, was wir jetzt erfahren, daß die„Fränkische Tagespost" nämlich wegen ihrer„wesentlich anders" gerichteten„geistigen, po» litischen und parteitaltischen Interessen" die Angelegenheit nicht zu behandeln nötig hat, auf die leider die offenbar nicht so gut gerichtete große Mehrheit der Parteipressc hereingefallen ist. Pnrteiliterntur. DaS Schriftenverzeichnis der Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 08, ist in neuer Auflage erschienen. Es ist bedeutend erweitert und vermehrt und die einzelnen Materien übersichtlicher angeordnet. Ein Autoren- und Titel- sowie ein Sachregister vervollständigen und erleichtern die Handhabung des Verzeichnisses. Das l60 Seilen starke Büchlein wird auf Verlangen gratis und franko abgegeben. Wir empfehlen das Verzeichnis der Beachtung aller organisierten Genossen und den Bibliothekaren der gewerkschaftlichen und poliuschen Organisationen zur besonderen Beachtimg. „Frauenleiden und deren Verhütung" nebst einem Anhang „Die Verhütung der Schwangerschaft". Von Dr. I. Zadel. Nene, durchgesehene Auflage mit 7 Illustrationen. SU.— 6t. Tausend (Arbeiter-Gesundheitsbibliothek Heft 11). Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berti» LW. 68. Die große Nachfrage nach dem Biichelchen ist der beste Beweis für seine Nützlichkeit. Die neue Auflage ist verbessert und vermehrt. Die Jllnstralionen sollen das Verständnis des Tetztes erleichtern. Das Heft kostet 20 Pf., eine Ausgabe auf gutem Papier 56 Pf. Eine KreiSkonferenz deS Sozialdemokratische» Vereins für den erste» sächsischen Reichötagc-wnhitteis(Zittau) fand am Sonntag zu Zittau statt. Durch die Annahme einer längeren Resolution bekundeten die Delegierten ihr Einverständnis mit den» Verhallen der Wahlmänner bei der Landiagswahl im 1. ländlichen Landtags- Wahlkreise. In einem Schlußsatz wird gesagt, daß die Schreibweise der„Leipziger BolkSztg." in dieser Angelegenheit der schwierigen Agitation der Parteigenossen auf dem Lande nicht dienlich sei. Sodann wurde beschlossen, ab 1. Januar 1608 den Zehn« Pfennig-Wochen beitrug einzuführen. Dem Genosse» Liebknecht bekundete die Konferenz mit der Annahme einer Resolution ihre Sympathie. In bezug auf das noch bestehende Obligatorium der„Kom- munale» Praxis" wurde beschlösse», es mit Ablauf dieses Jahres aufzuheben, doch wird für jede der 39 Zahlstellen des Vereins ein Exemplar aus Bereinsmitteln weiter abonniert. Ein mit Sonntag, den 20. Oktober, beginnender B i l d n n g S« kursuS umfaßt acht Vorträge. Vorläufig sollen vier Vorträge an vier Sonntagen noch in diesem Jahre, die übrigen vier Vorträge zu Anfang nächsten JahreS stattfinden. Dieser erste Zyklus umfaizt folgende Themen:„Der utopische Sozialismus", Die materialistische Geschichtsauffkssung".«Die Werttheorie",„Evolution und Revo- lution". Personalien. Zum Arbeitersekretär für Bant wurde an Stelle des als Redakteur nach Stettin gehenden Genossen Sommer der Genosse T h o m s e n aus Heppens gelvählt. Sozialdemokratischer Wahlsieg iu Holland. A m st e r d a m, 12. Oktober. Im dritten Amsterdamer Wahlbezirk fand am Freitag die Ersatz» wähl für des verstorbenen Genossen Tak Sitze im Gemeinderat und den Provinzialstaaten statt. Für ersteren war Genosse Ondegeest, Sekretär des Niederländischen GelverkschastSverbandes, für letzteren Sitz Genosse Jan van Zutphcn. Sekretär des Diamantarbeiter- VervandeS. so�aldemokratischer Kandidat. Don liberaler, speziell freisinnsdemokratischer Seite wurde gegen die Partei, rnsbesoi'dere gegen den Genossen Ondegeest, eine bisher nicht gekannte Kampagne geführt, die unter aller Kritik War. �as liberale Börsenblatt„Handelsblad", prägte gegen ihn Schlagwort„Leithammel von 1903", um die Wähler gegen Mieren Kandidaten mit der Erinnerung an den Eisenbahnerstreik md den Generalstreik von 1903 aufzuhetzen. Indes die sozialdemo- ratischen Wähler waren aus ihrem Posten, sodastunsere beidenKandidaten gleich beim ersten Wahlgange gewählt wurden. Amsterdam III hat somit eine Feuerprobe bestanden, die zum sovielsten Male diesem Wahlbezirk seinen Namen als„roter" Distrikt bestätigt. Dies ist um so elfreuliitier, da die Amsterdamer Genossen in ihrer Altionsfähig» e,t erschlafft schienen und erst die paar letzten Tage vor der Wahl sich in größerer Zahl an der Wahlarbeit beteiligten. polireiltchcs, Öerichtlichee ulw« Ausgleichende Gerechtigkeit. Der verantwortliche Redakteur der Frankfurier.Volksstimme". Genosse Wilhelm Zander, trat am Dienstag eine zweimonatliche Gefängnisstrafe an, die er wegen Beleidigung der Königsberger Richter in der bekannten I n st e r- bürg er Schießaffäre erhielt.— Für den freigesprochenen Gulsinspektor Nenfang, der einen Landarbeiter erschoß, mußten sozialdemokratische Redakteure büßen: Genosse Borchardt vom „Ostpreußische» Landesboten" mit 300 Mark Geldstrafe. Genosse Seeger von der„Leipziger Volkszeitung" mit drei Monaten und endlich Genosse Zander mit zwei Monaten Gefängnis. So hatte die frevelhafte Erschießung eines Landarbeiters genügend„Sühne". Der Täter wird freigesprochen und die dem Rechtsempfinden des Volles Ausdruck gebenden Redatteure werden verurteilt. ' Arbeitgeber unsere Kollegen zum großen Teil zur längeren' städtischen Kasino, Holzmarktstraße, nahm zu den neuerdings� auf ' Sonntagsarbeit. Vergebens haben wir insbesondere solche Veranlassung des Vorsitzenden des Zentralverbandes der Topfer Arbeitgeber, die noch nicht einmal eine freie Zeit in der Woche stattgehabten unverbindlichen Besprechungen zwecks Anbahnung ! äts.- .Die Sozialem Wilhelm n. als Förderer des SparfinneS. Durch Kabinetts- order vom 27. Januar 190S hat Wilhelm II. auf seinem Landgut C a d i n e n bei Elbing eine Schul s parkasse begriindet. In dieser Kabinettsorder heißt es:„Um den Sparsiun zu fördern be- stimme ich: 1. Jedes in Cadinen neugeborene Kind erhält zehn Mark auf ein bis zum vollendeten 14. Lebensjahre gesperrtes Sparkassen- buch. Für jedes folgende Kind wird eine Spareinlage von fünf Mark gewährt. Ferner erhält jedes Kind beim Verlassen der Schule eine bis zum 20. Lebensjahre gesperrte Spareinlage von zehn Mark. 2. Bei der Cadiner Schule soll eine Schulsparkasse errichtet werden. Auf jede über drei Mark lautende Spareinlage schenke Ich die ersten zwanzig Pfennig. 3. Um den Sparsinn bei den Erwachsenen zu fördern, will Ich auf jede über 15 Mark lautende Sparkarte 50 Pf. schenken und einen Fonds überweisen, welcher alljährlich unter den Sparern als Prämie zur Verlosung gelangt." Dieses Statut wird einiger Ergänzungen bedürfen. Soll zum Beispiel, wenn ein nach dem 27. Januar 1906 neugeborenes Kind oder ein nach diesem Termin aus der Schule Entlassener vor zurück- gelegtem 14. resp. 20. Lebensjahre stirbt, die Sperre seines Sparkassenbuchs auch so lange bestehen bleiben, bis das Kind das 14. resp. das 20. Lebensjahr erlebt hätte? Vielen Eltern dürfte eine baldige Auszahlung dann eine Beihülfe zu den Kosten sein, die das Begräbnis verursacht. Im übrigen ist der Absatz 1 wohl so zu verstehen, daß jedes nach dem 27. Januar 1903, d. h. nach Gründung der Schnlsparkaffe geborene Kind 10 M. in ein Sparkassenbuch erhält und nicht nur das erstgeborene der be- treffenden Ellern. In jedem Fall enthält diese Bestimmung eine große Bevorzugung der ersten nach dem 27. Januar 1906 in Eadinen in jeder Familie geborenen Kinder, sowohl ihren ellvaigen älteren wie den etwa nachgeborenen jüngeren Ge- schlvisteru gegenüber, eine Bevorzugung durch die Mißstimmung bei den anderen Geschwistern hervorgerufen werden kann. Durch Absatz 3 dürfte weniger der Sparfsinn als die Spiclsucht bei den erwachsenen Cadinern gefördert werden, zumal die betreffenden Prämien doch wohl mehr als 50 Pf. betragen sollen. Gegen die von August Scherl vorgeschlagene Sparlotterie hat sich bekanntlich die Mehrzahl der deutschen Sparkassenvorstnnde ablehnend verhalten: gegen die für obige Sparkasse erlassenen Bestimmungen werden das natürlich die Cadiner nicht tun. Bon der Armenpflege in Bayern. Wie sich bayerische Landgemeinden der Obsorge für bedürftige Armen zu entledigen suchen, davon erzählen bürgerliche Blätter wieder ein Beispiel. In der Gemeinde Bodenmais in der Ober- Pfalz ist die 29 Jahre alte ledige Arbeiterin Barb. Nach: ig all beheiniatet, die Multer eines drei Monate alten Kindes ist und sich in der Heimat infolge schlechter Bezahlung nicht so viel verdienen konnte, um sich und ihr Kind zu ernähren. Um die Armen- lasse von der Unterstützungsbedürftigen zu be- freien, gaben ihr die Gemeindeväter fünf Mark mit der Weisung, sich zu Fuß in eine größere Stadt zu begeben und dort Arbeit zu suchen. Die Kosleu für die Bahnfahrt waren der Gemeinde zu teuer. Nach achttägiger Wanderung auf der Landstraße langte das Mädchen mit dem Kinderwagen völlig mittellos und erschöpft in Fürth an. Derartige Versuche, sich der Armenlast zu entziehen, sind ins- besondere auf ostclbischen Gütern bis unweit der Tore Berlins im Schwange._ (SewerhrcbaftUcbc#** An das verehrte Publikum, insbesondere die Arbeiterschaft! Unter Berücksichtigung der Berufsart und unter Hinzu- ziehung interessierter Unternehmerkrcise wurde beraten und in Ausführung der Vorschriften der§§ 105b Absatz I und 105e der Gewerbeordnung am 11. März 1895 verordnet, daß die Beschäftigung von Arbeitern in photographischen An- stalten gestattet werden kann: 1. an den letzten vier Sonn- tagen vor Weihnachten zum Zweck der Aufnahme von Porträts, des Kopierens und Retuschicrens für 10 Stunden bis spätestens 7 Uhr abends; an allen übrigen Sonn- und Festtagen zum Zweck der Aufnahme von Porträts im Sommerhalbjahr für sechs Stunden bis spätestens um 5 Uhr nachmittags, im Winterhalbjahr für fünf Stunden bis spätestens um 3 Uhr nachmittags. Die Ausnahme unter 2 findet keine Anwendung auf den ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingstfeiertag. Bedingung: Wenn die Sonntagsarbeiten länger als drei Stunden dauern, so sind die Arbeiter entweder an jedem dritten Sonntag für volle 36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntag mindestens in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends oder in jeder Woche während der zweiten Hälfte eines Arbeitstages und zwar spätestens von 1 Uhr nachmittags ab von jeder Arbeit freizulassen. Wenn die Arbeiter durch die Sonntagsarbeitcn am Besuch des Gottes- bienstes behindert werden, so ist ihnen an jedem dritten Sonntag die zum Besuch des Gottesdienstes erforderliche Zeit freizugeben. Obgleich diese Gesetzesvorschriften schon über ILJahre in Kraft sind und obgleich auf Veranlassung lokaler Chef- organisationen sogar weitergehende lokale Polizeiverordnungen erlassen wurden wie in Barmen, Elberfeld, Bremen, Düsseldorf, Hannover, Heilbronn, Kre- feld, Stuttgart, neuerdings auch Darmstadt und wenn wir nicht irren auch Essen und Köln, zivingen die Berantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Inseratenteil verantw. „. rc. t �.. Va r I heutige Generalversammlung beschließt, im Hinblick uns eine befriedigende Erklärung gaben, halten sie die Gesetze! darauf, nicht weitere Kreise der Mitgliedschaft des Gesellen- nach wie vor nicht ein. Diese Arbeitgeber verlangen sogar Verbandes bei der Berliner Bewegung in Mitleidenschaft zu von unseren Kollegen unterschriftliche Einwilligung zur �ziehen, auf die Anregung des Vorsitzenden des Zentralverbandes Gesetzesübertretung!! der Töpfer, Drunsel, einzugehen und nochmals in Verhandlungen Die Arbeitgeber weisen immer darauf hin, das Publikum � einzutreten. Sollten aber diese abermals scheitern, so werden die komme stets so spät zum Photographen. In den seltensten � hinausgeschobenen, gemeinsam mit den Fabrikanten m ----—-V.... Aussicht genommenen Maßnahmen in Kraft treten muhen, deren Folgen sich die Gesellenschaft alsdann selbst zuzuschreiben hat. Mit den Töpferträgern soll sofort nach Verständigung mit den Gesellen in Verhandlungen eingetreten werden. Achtung, Friseurgchülfen! Zu der von dem Arbeitgeber Herrn H a n n i g, Perleberger- straße 39, gegebenen Erwiderung erkläre ich folgendes: Unter An- crkcnnung der Lohnforderungen befindet sich folgende Rubrik: „Anerkennung der Organisation." Herr H a n n i g läßt mich sagen, daß ich von ihm verlangt hätte, einen anderen Ge- hülfen einzustellen. Das ist absolut unwahr. Vielmehr geschah die Sperre lediglich deshalb, weil Herr Hannig, als ich um Regelung der Angelegenheit ersuchte, dem Auftraggeber erklärte: Ich soll ihn nur so viel sperren, wie ich will. Denn er hätte von den Arbeitern gar nichts. Aus diesem Grunde bleibt das Geschäft nach wie vor gesperrt, sofern die Angelegenheit nicht gütlich geregelt wird. Be- willigt haben ferner noch Schulze, Rixdorf, Bertelsdorferstr. 3 und Kachel, Reichenbergerstr. 100. Verband deutscher Friseur- und Perückenmachergehülfer Berlin, Dircksenstr. 46. Der Vorstand. P. Baumgart. Achtung, Musiker! Die Orchestermitglieder deS deutschen LandestheaterS in Prag beschlossen, wegen nicht bewilligter Gehalts- erhöhung in den Streik zu treten. Direktor Neumann beabsichtigt, wie es heißt, ein Berliner Orchester nach Prag kommen zu lassen. Wir teilen dies zur Warnung mit. Jim der frauenbenegung. Sittenbilder aus unserer herrlichen Weltordnung. n. Die Kellnerinnen in den Animicrkneipen stehen allgemein in dem Rufe, verkappte Prostituierte zu sein. Dies trifft auch im all- gemeinen zu. Und zwar aus leicht erklärlichen Gründen. Auch diese Acrmsten haben persönliche Ausgaben, wie Wäsche, Kleider und andere unentbehrliche Dinge; Lohn erhalten sie, wie wir schon erivähnten, nicht. Von den Umsatzprozenten aber allein können sie ihre Ausgaben nicht bestreiten. Es wird deshalb jedem einleuchten, daß sie auf NebeneinnaHinen angewiesen sind. So bleibt ihnen weiter nichts übrig, als ihren Körper zu verkaufen. Ihr Arbeits- Verhältnis aber übersteigt schon den Höhepunkt der schamlosesten, unmoralischsten Ausbeutung. Ihre Arbeitszeit dauert oft von früh bis in die späte Nacht. Und das alles ohne einen Pfennig festen Lohn. Das Schlimmste aber ist der Umstand, daß die Kellnerinnen bei einem Stellenwechsel hülflos den Stellenvcrmittlern ausgc- liefert sind; 10— 12 M., oft noch mehr, müssen die Armen für eine Ncrmittclung opfern. Je„besser" die Stelle, desto höher die Ge- bühr. Es ist leicht erklärlich, wenn ein solches Weib schon früh- zeitig seelisch und körperlich gebrochen, verwüstet und zerrüttet ist, wenn sie in den besten Jahren den Todeskeim in der Brust tragen oder einem langjährigen, grauenvollen Siechtum anheimfallen. Die meisten sind schon in jungen Jahren mit Geschlechtskrankheiten behaftet. Welche Gefahren aber aus diesen Zuständen dem Volks- körper drohen, wie viele und schreckliche Wunden dem Familien- leben geschlagen werden, wie manches häusliche Glück vernichtet wird, läßt sich nicht ermessen. Rekrutieren sich doch die Gäste dieser Lokale aus allen Klassen und Altersstufe», vom flaumbärtigcn Jüngling bis herauf zum schlohweißen Lebcgreis. Die heutige Gesellschaft aber weiß kein anderes Mittel gegen diese Flutwelle des Elends und Unglücks als Polizeimaßregeln. Dieses Allcrwelts- mittel soll auch hier Hülfe— täuschen. Die bürgerliche, kapita- listische Gesellschaft ist nicht imstande, durchgreifende Acndcrungcn zu schaffen, will sie nicht an dem Fundament rütteln, auf dem sie ruht. Alles scheinheilige Augenverdrehen, alles pharisäische Ge- zcter, alle Kirchen, Gefängnisse, KorrektionSanstaltcn und Volks- küchen können daran nichts ändern. Nur eine gründliche Umgc- staltung der Gesellschaftsordnung nach sozialistischem Prinzip kann hierin Wandel schaffen. Die Rechtlosigkeit des Dienstboten, die vorsintflutliche Gcsindeordnung, die Jammerlöhne der Fabrik- und Heimarbeit treiben Scharen junger Wesen in die Arme der Prosti- tution. Die aufstrebende, revolutionäre Arbeiterbewegung hat eine heilige Mission zu erfüllen: die Befreiung aller Unterdrückten und Ausgebeuteten! Fällen können die Ätelieriuhaber die Aufnahmen allein machen.(Das Gesetz erlaubt dem Inhaber, den ganzen Tag zu arbeiten.) Viele umgehen die Freizeit und Jmiehaltuug der Sonntagsruhe nun dadurch, daß sie den Gehülfen auf Grund eines fingierten Vertrages zum Teilhaber, aber ohne Anteil machen. Bei der jetzt ungünstigen Konjunktur würden sich leider unorganisierte Gesetzesübertreter genug finden, deshalb bitten wir das Publikum, insbesondere aber die Arbeiterschaft, sich keinesfalls an Sonn- und Festtagen von vormittags 10 Uhr und in den obengenannten Städten nach 2 Uhr, an allen anderen Orten nach 3 Uhr nachmittags zum Photographen zu bemühen, damit den Gesetzesüber- tretern vor und nach dieser Zeit nichts zu tun bleibt. Wir bitten aber auch die organisierten Arbeiter, uns noch fern- stehende Photographengehülsen, mit denen sie irgendwie in Verbindung kommen, auf unsere Organisation hinzuweisen und eventuell derselben zuzuführen. Deutscher Photographengehülfen-Verband. Berlin LG. 16, Josefstraße 7. I. Berlin unck Umgegend» Zum Streik der Töpfer. Der Kampf im Töpfergewerbe nimmt immer schärfere Formen an. Die Unternehmer machen große Anstrengungen, um Arbeits- willge aus dem Lande heranzuziehen; denn innerhalb Groß- Berlins ist es ihnen nicht möglich,.Arbeitswillige zu erhalten. Sogar viele der notorischen Arbeitswilligen sind wieder der Organi- sation beigetreten. Auch die durch Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Berlin gelockten verlassen, nachdem sie über die Ursache des Streiks unterrichtet werden, wieder die Stadt, und so müssen die Unternehmer sehen, daß das Geld für deren Heranziehung um- sonst geopfert ist. Hauptsächlich hat es sich Herr Töpfermeister Peest, Utrechterstr. 11, etwas kosten lassen. Weiter warnen die Unternehmer überall hin, sogar nach dem Auslande(Schweden,. davor, Töpfergesellen aus Berlin einzustellen, da in Berlin Streik ist. Trotzdem aber laufen alle Tage Meldungen über offene Stellen aus dem Lande in Streikbureau ein, und so ist es möglich, immer mehr Streikende abzuschieben.— Die Unternehmer glaubten, die Töpfergesellen Berlins seien derartig korrumpiert, daß die Hälfte fahnenflüchtig werden würde und den Streik nicht mitmachen; aber gerade das Gegenteil ist eingetroffen. Sogar Leute, welche schon jahrelang bei einev Firma tätig waren, von denen man nie er- wartete, daß sie den Streik mitmachen würden, haben die Arbeit niedergelegt und tun ihre Schuldigkeit. In der„Deutschen Arbeitgeberzeitung" faselt man, daß sich 200 Arbeitswillige, welche des ewigen Druckes und der Bevormundung müde, sich zu einer „gelben Gewerkschaft" zusammenschlössen, den Unternehmern zur Verfügung gestellt haben. Wo die 200 Mann herkommen sollen, wissen wir nicht, denn es sind knapp 30 Mann in dem gelben Berein— und was für welche! Auch berichten ja die Töpfermeister selbst nur, daß sie 80 Arbeitswillige haben, von denen sich aber nun schon viele dem Streik angeschlossen haben. Oder rechnet die„Deutsche Arbeitgeberzeitung" auch die sogeuannten Jnnungkrauter hinzu, welche hin und wieder einen mittelmäßigen Ofenausschmierer beschästigen oder gar keinen? Uns soll es recht sein! Diese Art Leute sind ja gezwungen, hin und wieder als Geselle zu arbeiten, damit sie die Jnnungsbeiträge zahlen können. Die Innung ist oft genug gezwungen, bei derartigen Größen die Beiträge zwangsweise einzutreiben. Die Unternehmer scheinen mit dem Stand des Streiks weniger zufrieden zu sein als die Arbeiter, denn verschiedene namhafte Geschäftsinhaber blasen schon zum Frieden und Herrn Hopps Gefolgschaft lockert sich schon. Herr Hopp selbst wird natürlich den Unentwegten weiter spielen, denn er hat ja keine Arbeit. Die Unternehmer haben an verschiedene bürgerliche Zei- tungen einen Bericht gesandt, worin sie erklären, daß sie nicht die Schuldigen an dem Streik seien und den Gesellen in jeder Be- ziehung entgegengekommen wären. Die Streikleitung hat nun an verschiedene bürgerliche Zeitungen eine Richtigstellung gesandt. Das„Berliner Tageblatt" und die„Bossische Zeitung" haben diese Berichtigung gar nicht gebracht, die„Berliner Morgcnpost" sehr gekürzt. Der Sachverhalt sei deshalb hier noch einmal dargestellt: Die Töpfer Berlins haben in Anbetracht des ungünstigen Geld- Marktes und der Depression im Baugemerbe Berlins von einer Kündigung und Erhöhung des Tarifes Ab st and genomnicn, obgleich sie auf dem Standpunkt stehen, daß bei den jetzigen teuren Verhältnissen eine Erhöhung wohl am Platze wäre. Die Unternehmer posaunen zwar in die Welt hinaus, die Töpfer Berlins verdienten so viel und reiten einzelne Pardepferde vor. Von den niedrigen Wochenlöhnen, welche die große Mehrzahl der Töpfer verdient, redet man natürlich nicht, und daß Wochen vor- kommen von 10 M. usw., und der größte Teil der Töpfergesellen fast alle 14 oder 21 Tag« wieder das Pflaster treten muß, und so- mit fast das Jahr über 30 Wochen bummelte, läßt mau unerwähnt. Auch werden die Arbeitsverhältnisse immer schlechter, die Reserve- armee wird immer größer. Wie da noch die Unternehmer her- kommen können, den Tarif zu kündigen, um Abzüge zu machen, wo durch die ursprünglich beabsichtigten Abzüge bei einigen Ofen 30 bis 40 Proz. herankommen, verstehe wer da will. Das alles ist den Herren in der Kommissionssitzung vorgerechnet worden und sie waren nicht imstande, das Gegenteil zu b e w e i s en. Gewiß haben die Unternehmer, nachdem sie wohl doch einsehen mutzten, daß sie damit nicht durchkommen, etwas falle» lassen, aber auch die noch jetzt geforderten Abzüge, um die sich jetzt der Kampf dreht, bedeuten eine ganz bedeutende Ver- Minderung der Arbeitereienkommcn. Weiter erklären die Töpfer- meister, die Gesellen hätten kein Entgegenkommen gezeigt, sondern hätten sogar noch Forderungen bis zu 20 Proz. gestellt. Gewiß haben sie Forderungen gestellt; aber erst nachdem ihnen der Tarif gekündigt war. Nennt man das aber noch kein Entgegenkommen, wenn die Arbeiterschaft sämtliche gestellten Forderungen fallen läßt und sogar bei einigen Positionen einen Abzug zuläßt, dafür aber nur verlangt, daß der Abzug auf einer anderen Position ausgeglichen oder der alte Tarif auf weitere 2 Jahre festgelegt wird? Die Unternehmer werden sich doch nicht einbilden, daß sich die Töpfergesellen in einer Zeit, wo joder Mensch nach Verbesserung seiner Lebenslage strebt, einen Abzug gefallen lassen! Die Töpfergesellen werden dies mit der ganzen Macht ihrer Organisation verhindern und den Kampf siegreich durchführen, selbst wenn den Unternehmern Polizei usw. zur Ver- fügung stehen, welche schon in bekannter Manier Streikposten fest- genommen und das Postenstehen verboten hat. Die Töpfer sind dessen gewiß, daß sie die anderen Bauhandwerker in diesem Kampfe mit ihrer Solidarität unterstützen und sie um so leichter diesen Kampf gewinnen werden, als er sich nur richtet gegen die Verschlechterung ihrer Lebenslage. Hoch die Solidarität! .» Eine außerordentliche Generalversammlung de» Arbeitgeber- Verbandes für das Töpfergewerbe Berlins und Vororte im König- eingegangene Dritcftlcftnsiten. ellschaft. Heft 16.(Heransacber Dr. Heinrich Braun und erlag Berlin NW. 6. Preis für das Einzelheit 10 Pf. Hawmonaisfchrift für denifche Kultur. Herausgeber: Neue Gesellschaft. Lilh Braun.) Verlag .März«...,______. L. Thoma, H. Hesse, A. Langen, K. Aram. Zweites Oktobcrhest.'Preis 1,20 M., im Abonnement: das Quartal(6 Hefte) 6 M. Verlag von Albert Langen in München. Letzte JVacbncbtcn und Depclcbcn. Durch Absturz getötet. Mainz» 16. Oktober.(W. T. B.) Dem„Mainzer Journal" zufolge stürzten in dem benachbarten Weisenau drei Arbeiter von einem Hängegrrüst aus beträchtlicher Höhe ab. Zwei waren sofort tot, der dritte liegt im Sterben. Voller Sieg der passiven Resistenz. Wien, 16. Oktober.(B. H.) Seit Mitternacht wird auf den Linien wieder normal gearbeitet. DaS Personal erhielt sämtliche Forderungen bewilligt, darunter auch die Errichtung von Personal- kommissioncn, einen PcnsionSfonds für die Arbeiter und die Zusage deS unbedingten Verzichts auf jede Masircgclung. Die passive Re- sistcnz dauert nur noch auf der unbedeutenden Eisenbahn Wien— Aspang fort. Unwetter in England. London, 16. Oktober.(W. T. B.) Durch wolkenbruchartige Regenstürme wurde in Südschottland großer Schaden auf den Feldern und unter den Schafherden angerichtet. Die Eisenbahnen sind durch Unterspülungen teilweise unterbrochen. Einige Stadt- bahnstrecken in Glasgow stehen sechs Fuß tief unter Wasser. Erfolgreicher Streik. Antwerpen, 16. Oktober. 08. H.) Der Metallarbeiterstrcik in Verviers ist zugunsten der Arbeiter entschieden. Mit Ausnahme der höchstbezahlten Arbeiter erhalten alle eine Lohnerhöhung. Morgen wird die Arbeit wieder aufgenommen. Fünf Monate im Streik. Lodz, 16. Oktober.(W. T. B.) Die Arbeiter der drei Tuch- fabriken Tomahoff haben nach einem fünfmonatigen Ausstand die Arbeit wieder aufgenommen und zwar zu den früheren Be. dingungen.___ Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt DaulSingerLcCo., Berlin LIV. Hierzu 3 Beilagen n-Unterhaltungsblatt *'• 2« 24 wtnoj. i Keilllge des„lorinstts" Kerlim JolksWdlt.«««,«.««.w m?. Die Partelprelfe Ober den Qocbverratspmeß. „Hamburger Echo": LiaS Gericht hat verurteilt, und wenn die Art und Höhe der Strafe auch nicht nebensächlich ist. zumal nicht für den Genossen Liebknecht selbst, so ist doch das Kennzeichnendste an diesem Prozeß, daß er überhaupt mit einer Verurteilung abschließen konnte. Lieb- knecht hat nach unserer festen Ucberzeugung mit seiner Broschüre nicht im entferntesten die Absicht gehabt, Gewaltakte zum Umsturz der Verfassung zu provozieren. Er hat mit vollem Recht in der Verhandlung betont, die Sozialdemokratie wolle ihrerseits jede Gewalttätigkeit vermeiden und aus der EntWickelung jene Elemente ausscheiden, die Gewalttaten zu provozieren geeignet smd- „Leipziger BolkSzeitung": Die Justiz ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln, also könnte man unter dem frischen Eindruck des Lieb- knechtschen Hochverratsprozesses das bekannte Wort von Clausewitz variieren; denn es war ein politischer Prozeß, es war ein Tendenz- Prozeß im verwegensten Sinne des Wortes, der sich in voriger Woche vor den Schranken des Reichsgerichts abspielte.... DeS- halb erübrigt es sich auch vollkommen, auf die juristischen Redens- arten einzugehen, mit denen das ungeheuerliche Urteil„begründet" wurde. Ein politisches Urteil muß aus politischen und kann nicht aus juristischen Gründen verstanden werden.... Man wollte die antimilitaristische Agitation treffen. Seit Jahren schon jammerts in der bürgerlichen und militärischen Fach- presse, daß die Sozialdemokratie immer wirkungsvoller den Militarismus zermürbe, daß sie seine Scheußlichkeiten immer mehr ans Licht ziehe und so das allgemeine Bewußtsein gegen ihn alarmiere. Die Gründung von Jugendorganisationen, die die jungen Leute über ihre Klassenintcressen aufklären sollten, be- unruhigten die herrschenden Klassen noch mehr, und als nun vollends eine antimilitaristische Broschüre erschien, geschrieben von dem Mann, der an der Spitze der Jugendorganisationen stand, da mar es mit der Besonnenheit aus. Hier ist ein gefährliches Buchl Dagegen muß irgend etwas geschehen I Das war die Empfindung der Militaristen! Was aber geschehen solle, darüber war man sich bis zur letzten Stunde des Prozesses unklar. Man drechselte einen Hochverrat heraus. Ebensogut hätte man eine Majestäts- beleidigung, eine Gottesleugnung, einen groben Unfug, eine Auf- reizung zu Gewalttätigkeiten, eine Verleitung zum Meineid lBruch des Fahneneides, Herr Olshausen! Daran haben Sie wohl gar nicht gedacht?), zur Brandstiftung und drei Seiten Etcetera herausdrechseln können. Man wählte den Hochverrat. Er wird mit Zuchthaus bedroht, und man kann am Schlüsse der Beweis- aufnähme mit allen Donnern moralischer Entrüstung, wie Herr Olshausen auch pünktlich tat, ausrufen: werft das Scheusal in die WolsSschlucht!... In der Tat hat mit seinem Urteilsspruch das Reichsgericht nicht nur die Schrift des Genossen Liebknecht, sondern die gesamte sozialistische Literatur, ja die sozialdemokratische Partei selber als Hochverrat bezeichnet. Dein Odem schon ist Hochverrat Und Majestätsverbrechen. Aber damit hat es nichts anderes getan, als daß eS die historische EntWickelung des Hochverrats bezichtigte, die mit ruhe- loser Gelassenheit über die Kommandogewalt des Kaisers ebenso zur Tagesordnung übergehen wird wie über die aufgeregten Heere des Reichsgerichts, die ihre purpurnen Talare schützend vor die gefährdete Kommandogewalt halten. Mag auch immer irgendein Reichsanwalt donnern: die historische EntWickelung gehört inS Zuchthaus! Wir lächeln darüber, und die Sozialdemokratie, die große Hochverräterin, wird sich mit ruhiger Gelassenheit nach ihm umschauen und sagen: laß ihn nur reden, es hat nichts zu sagen! „Frankfurter BilkSstimme": Das Verbrechen Liebknechts besteht aber darin, den Wunsch gehabt zu haben, theoretische Lehren zu verbreiten, aus denen nach der Meinung der kaiserlichen Reichsrichter möglicherweise unter gewissen Umständen bestimmte gesetzlich verbotene Handlungen folgen könnten? Das Urteil des Reichsgerichtes ist darum keine Abwehr gegen einen bestimmten Angriff auf die bestehende Staatsordnung, sondern ein Eingriff in die geistige Freiheit der Reichsangehörigen. Es stürzt die Grundlagen des modern-bürgerlichen Staates um und proklamiert den monarchisch-militärischen Absolutismus. Das deutsche Bürgertum aber, das dieses Urteil kalt lächelnd unter- schreibt, unterzeichnet damit seine politische Abdankung. Es der- zichtet auf das Recht zu denken. Das deutsche Proletariat der- zichtet auf dieses Recht nicht. Es verzichtet auch nicht auf das Recht, Gedanken zu haben, deren praktische Folgerungen den herrschenden Mächten unbequem werden können, und es verzichtet nicht aus das Recht, diese Gedanken auszusprechen. „Schwäbische Tagwacht": DaS Wesen der deutschen Klassenjustiz ist der Oeffentlichkcit wieder einmal in voller Nacktheit vor Augen geführt worden. Das ist ja an sich kein seltenes Ereignis. Allein eine solche gründliche Belehrung über das ganze Getriebe der klassenstaatlichen Recht- sprechung, eine solche Bloßlegung ihrer Absichten wird doch nicht alle Tage geboten und insbesondere nicht unter solch gespannter Aufmerksamkeit von Millionen in höchster Erregung dem Prozeß folgender Menschen. „Fränkische Tagespost": Die hö-bsten Richter des Deutschen Reiches haben es gewagt. Karl Liebknecht wegen vorbereitender Handlungen zum Hochverrat auf eineinhalb Jahre in eine preußische Festung zu schicken._ Eine schwerere Kompromittierung der deutschen Justiz in ihren höchsten Beamten war nicht denkbar. Denn das Urteil bedeutet nicht mehr und nicht weniger als, zwar nicht juristisch, aber moralisch, Hoch- verrat gegen die Grundlage alle» modernen Rechts. In seinen Konsequenzen würde der Spruch der Leipziger Richter � jede politische Wirksamkeit von Personen und Parteien unmöglich machen und damit eines der wertvollsten Erträgnisse der großen bürgerlichen Bewegung seit der französischen Revolution rechts- widrig aufheben. Werden aber diese notwendigen Schluß- folgerungen nicht gezogen, so ist die Lage der Leipziger Richter noch schlimmer; denn dann würden sie die erste Grundlage des heutigen Rechts zerstören, die staatsbürgerliche Gleichheit des Rechts. Uns scheint, als ob dieser Fall der deutschen Justiz den freieren süd- deutschen Staaten doch Anlaß geben sollte, auf die Auslese der höchsten deutschen Richter einen größeren Einfluß auszuüben.... Das ist das ärgste an dem Urteil, daß es gar nicht wagen darf, sich zu verallgemeinern. Denn sonst würden sich die Herren Richter, sosern sie sich um politische Dinge bekümmern, unverzüglich selbst auf die Anklagebank bringen müssen. Wo ist der Oberreichsanwalt gewesen, als die Leute des Bundes der Landwirte damit drohten, die Throne krachen zu lassen, wenn die Notleidenden nicht den Zoll- wucher erhielten? Alle die Kriterien der Urteilsbegründung waren bei dieser Vorbereitung zum Hochverrat in viel höherem Maße gegeben. Und wo ist der Oberreichsanwalt, der einschreitet gegen die organisierten Bestrebungen die wichtigste Grundlage der deutschen Verfassung, dns Reichstagswahlrecht zu ändern, wenn es sein müßte, mit Gewalt? Unzählige Aeuherungen dieser Art liegen vor; diese Bestrebungen haben sich besondere Organisationen ge- schaffen. Her also mit der Anklage! Die Staatsstreichlcr brauchen sich nicht zu ängstigen. Nicht der wirkliche kulturelle Hochverrat an der EntWickelung der Staaten Und der Menschheit wird in Deutschland verfolgt, sondern nur die Kämpfer gegen solchen Hochverrat- Das ist die Bedeutung des Urteils, das soll sie sein, wenn anders es denn überhaupt einen Sinn haben kann: Die Wehrlos- machung der demokratischen und sozialistischen Propaganda, die Monopolisierung jedes Staatsstreichs, jeder Verweigerung von Fort- schritten und Volksrechten. Wer die wirkliche Politik des Hochver- rats treibt, wird geschützt und kann sich schließlich zum Richter auf- werfen über die Parteien und Klassen, die Nation und Menschheit verteidigen gegen ihre schlimmsten Schädlinge. „Bolksstimme"(Chemnitz): Mit derselben Logik, mit der das Reichsgericht die Darlegungen der Liebknechtschen Broschüre über Dinge, die in ferner Zukunft liegen, als Vorbereitung zum Hochverrat auffaßt, kann schließlich die Propaganda für jede politische Theorie als gleiches Verbrechen betrachtet werden, sofern man, wie das Reichsgericht im Falle Lieb- knecht, annimmt, daß die Theorie auf verfassungsmäßigem Wege nicht durchführbar sei. „Arbeiterzeitung"(Dortmund): Es stand für uns fest, daß Liebknecht verurteilt wird, nicht, weil wir ihn des Hochverrats für schuldig hielten, sondern weil sich in uns die Ucberzeugung gefestigt hat, daß, wenn mal gegen einen Sozialdemokraten ein politischer Prozeß angestrengt wird, auch allemal die Verurteilung erfolgt. Bremer Bürgerzeitung": Wir empfinden den Spruch der fünfzehn obersten Reichsrichter als einen Schlag ins Gesicht, und Worte drängen sich uns in dje Feder, die wir unbedenklich nur dann gebrauchen könnten, wenn uns in der Kritik höchster Gerichtsentscheidungen dieselben Aus- nahmerechte wie einem Reichslügenverbandsgeneral zur Seite ständen. Denn das, was der gesunde Menschenverstand nach diesen Verhandlungen erwarten mußte und was der durch keinerlei Miß- trauen gegen die Justiz getrübte gesunde Menschenverstand des bürgerlichen Publikums von dieser Haupt- und Staatsaktion auch all- gemein erwartete, war, daß das Verdikt der Fünfzehnmänner nur den realen Tatbestand feststellen würde: daß nämlich das kunstvolle Gebäude der Anklage umgeblasen sei wie-in Kartenhaus vom ersten Windstoß. Trotzdem dieses Urteil, dessen Gründe zusammenzurenken die Kunst wahrhafter juristischer Schlangenmenschen erforderte. ?um Preußentag nahmen die Berliner Parteigenossen am Dienstag in sechs gut besuchten Versammlungen Stellung. Ueber die einzelnen Versammlungen gingen uns folgende Berichte zu: Erster Wahlkreis. Vor Eintritt in die Tagesordnung der bei Dräsel tagenden Versammlung gedachte der Vorsitzende Wolderski des verstorbenen Genossen Motteler und widmete ihm warme Worte der An- erkennung für seine treue hingebende Tätigkeit im Dienste der Partei. Während Wolderski sprach, erhoben sich die Versammelten von den Sitzen. Zum Referat über den Preußentag erhielt Genosse Dr. A r o n s das Wort. Ehe er auf sein Thema einging, forderte er die Versammlung auf zu einer Kundgebung der Sympathie für den verurteilten Genossen Karl Liebknecht und fand damit die lebhafte Zustimmung der Anwesenden. Arons erklärte, daß man bei Betrachtung dieses Urteils geradezu ge- zwungen werde, darin den Ausfluß der Klassenjustiz zu sehen. Unsere höchsten Richter hätten gewiß nach ihrem Rechtsempfinden gcurteilt, als sie Liebknecht schuldig fanden, und doch kann man nicht zugeben, daß dieser ungesetzlich gehandelt habe, wie man auch über die Art seiner Agitation denken möge. Unter allgemeinem Beifall erklärte Arons, daß es tief bedauerlich sei, daß Liebknecht durch das Urteil auf verhältnismäßig lange Zeit seiner Familie, seinem Beruf und der Partei entzogen werde. Genosse Dr. Vroh nahm später Gelegenheit, dazu noch zu beantragen, daß die Ver- sammlung dem Genossen Liebknecht für sein mannhaftes Ver- halten vor Gericht ihre größte Anerkennung ausspreche. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. Genosse Arons erklärte in seinem Referat als wichtigsten Punkt der Tagesordnung des Preußentages die Beratung und Feststellung eines Organisationsstatuts für die Partei in Preußen. Der vorgelegte Entwurf zu dem Statut findet in vielen Punkten nicht die Billigung des Redners. So fürchtet er, daß die Zahl der Delegierten zu der Landeskonferenz zu groß werden könnte, und wünscht, daß die Höchstzahl der Vertreter eines Vereins von fünf auf drei herabgesetzt werde.— Die Befugnis des preußischen Parteitages müßte fest umgrenzt und auf Aufgaben beschränkt werden, die wegen der Eigenart der prcu- ßischcn Verfassung und Verwaltung eine besondere Behandlung erfordern. Notwendig sei es, ein Organ dazu herzustellen, diese Aufgaben fest im Auge zu behalten, und das sollte ein Landes- Vorstand sein. Große und schwere Aufgaben hätte er zu er- füllen, nämlich in allen Zweigen der Verfassung und Verwaltung auf dem Laufenden zu bleiben, die praktische Tätigkeit im Land- tage, in den Provinziallandtagen, den Kreistagen und Gemeinden zu verfolgen und immer die Möglichkeit zu erwägen, den Einfluß der Partei geltend zu machen. Der preußische Landcsvorstand sollte seinen Sitz in Berlin haben und aus fünf Mitgliedern be- stehen, und zwar aus zwei Vorsitzenden, zwei Sekretären— diese vier von der Landeskonferenz gewählt— und einem Mitglied des deutschen Parteivorstandes, daS dieser aus seiner Mitte entsendet, wodurch zugleich eine enge Verbindung zwischen beiden Körper- schaften hergestellt sei. Dieses Mitglied sollte auch bei streitigen Fragen ein aufschiebendes Vetorecht haben. Natürlich müßte der Landesvorstand selbständig über Gelder verfügen können. Genosse Arons erklärte, daß er seine Vorschläge schon im„Vorwärts" gründ- lich erörtert habe, daß sie der K r e i s k o n f e r e n z vorlagen, von dieser aber abgelehnt wurden. Er wolle davon absehen, seine genauer formulierten Abänderungsvorschläge zum Entwurf in der Versammlung zur Slbstimmung zu bringen, würde sie aber per- sönlich auf dem Preußentag vertreten.— Die übrigen Punkte der Tagesordnung des Prcußentages erwähnte Dr. Arons nur kurz. Er hoffe, daß bei dem zweiten Punkt, die Tätigkeit des preußischen Landtages, ein Bild von den Aufgaben des Landtages entrollt werden möge, damit die Genossen erkennen lernen, was für grdße Aufgaben da vorliegen. Bisher habe man sich in der Partei zu wenig damit beschäftigt. Was den nächsten Punkt, die Landtagswahlen, angeht, so werde darüber nicht viel Neues zu berichten sein; wichtig sei nur die Taktik anderen Parteien gegenüber. Interessant könnte sich der vierte Punkt der Tagesordnung gestalten, die Lage der StaatSarbeiter in Preußen, denn der Staat sei Arbeitgeber für Hunderttausende von Leuten. An der Diskussion beteiligten sich viele Genossen und alle polemisierten gegen die Abänderungsvorschläge von Arons, die nirgends ungeteilten Beifall fanden. Dagegen wurde den lehr- reichen Erläuterungen von Arons zu den gebrachten Vor- schlügen Anerkennung gezollt. Hervorgehoben wurde noch, daß die Ablehnung der Vorschläge in der Kreiskonferenz aus praktischen Gründen erfolgte. Bestimmte Anträge lagen von keiner Seite vor. Als Delegierte für den Preußentag wurden gewählt: Bittner. Strehl, Wolderski. Zweiter Wahlkreis. In der Generalversammlung des zweiten- Reichstagswahl- krcises hatte das Referat über den Preußcntag der Genosse Fritz E b e r t übernommen. In seinem Referat erinnert Genosse E b e r t zunächst daran, daß der Preußentag bereits Gegenstand einer lebhaften Diskussion unter den Genossen gewesen sei. Ver- schiedene Genossen hätten im Hinblick auf die Bewegung für die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts eine frühere Einberufung gewünscht, jedoch habe die politische Situation es für geboten er- scheinen lassen, diesen Wünschen nicht nachzugeben. Der wichtigen Frage des allgemeinen Wahlrechts hat die Partei allezeit ihre Auf- merksamkeit geschenkt und besonders in den letzten Jahren für die Erringung des allgemeinen, direkten und geheimen Landtags- Wahlrechtes zum preußischen Landtag eine lebhafte Agitation ent- faltet. Ueber die Art dieser Agitation sind ebenfalls Meinungs- differenzen hervorgetreten, soweit da eine energischere Propaganda verlangt wurde, läßt sich dagegen nichts einwenden. Der geringe Erfolg, den unsere Agitation aufweist, ist jedoch auf ganz andere Ursachen, als auf die etwa nicht zureichende Agitation zurück» zuführen. Der Kampf in Preußen um die Beseitigung der Drei- klasscnschmach ist ein Klassenkampf, eine Machtfrage und unter- scheidet sich wesentlich von jenen Kämpfen, die unsere österreichischen Genossen um ihre politische Gleichberechtigung führen. Dort wird bis weit hinein in das bürgerliche Lager und Unternehmertum für das allgemeine Wahlrecht gekämpft, was sich ja auch bei den allerjüngsten Ereignissen in Ungarn wieder erwiesen hat. Dagegen steht in Preußen die ganze besitzende Klasse mit den Junkern auf der einen und das entrechtete Proletariat auf der anderen �Seite. Die linksstehenden bürgerlichen Parteien geben zwar an, für das allgemeine Wahlrecht einzutreten und die Freisinnigen haben sich so gebärdet, als sei es ihnen ernstlich um Rechtsgleichstellung in bezug auf daS Wahlrecht zum Landtage zu tun. Die Freisinnigen sind mit scheinbarer Energie für das allgemeine Wahlrecht ein- getreten, zumal sie merkten, daß bei der Blockpolitik sie die Eingeseiften sind.— Redner zitiert hier die Auslassungen der Abgeordneten Naumann und Träger. welche ficht rückhaltlos für das allgemeine Wahlrecht aussprachen. So hatte es den Anschein, als ob die Freisinnigen wirtlich mit Nachdruck mobil machen wollten, wogegen sich deren Blockbrüder ablehnend zur Wahlrechtsfrage verhielten. Die»Konservative Korrespondenz" erklärte z. B., mit der Beseitigung der Dreiklassen- Wahl werde die Grundlage des Staates erschüttert. Auch bei den Nationalliberalen fand der Appell Naumanns keinen Widerhall. Diese ertlärten sich für die allgemeine Wahl mit der Grundlage eines Pluralsystems, daS den einzelnen Wählern je nach Besitz, Bildung und Alter ein erhöhtes Stimmreibt einräumt; für die Ucbertragung des Reichstagswahlrechts auf ven Landtag seien sie nicht zu haben. Mitte August legte auch die Regierung in der „Norddeutschen Allgemeinen" ihre Stellung zur Wahlrechtsfrage dar. In dieser Stellungnahme wird nur wiederholt, was bereits von den Konservativen gegen das allgemeine Wahlrecht gesagt war. Die Regierung will nicht nur Besitz, Bildung �und Alter beim Wahlrecht bevorzugen, sondern sie hat sich auch für eine be- sondere Berücksichtigung der Landwirtschaft, also für ein viermal abgestuftes Wahlrecht ausgesprochen. Bald darauf ist der Freisinn nach rechts abgeschwenkt; seine erst mit großem Aplomb vertretene Forderung ließ er fallen, um sich auf den Kuhhandel zu verlegen. Leute, die sich nicht genug über Spahns„Kompromißzhlinder" entrüsten konnten, geben sich selbst der abscheulichsten Schacherpolitik hin. Auf dem freisinnigen Parteitag wurde alles abgelehnt, was nur irgend den Anschein einer Demonstration für das allgemeine Wahlrecht erwecken könnte. Man trat zwar für das allgemeine Wahlrecht ein, erklärte jedoch gleichzeitig, mit dem zufrieden zu sein, was eben auf diesem Ge- biete zu erhalten sei. Die Politik Naumanns:„Alles oder nichts!" hat man auf dem freisinnigen Parteitag als die verkehrteste Politik bezeichnet. Nicht besser steht es mit der Freisinnigen Vereinigung, aus deren Mitte Pachnicke sich in seiner letzthin erschienenen Broschüre dahin aussprach, daß das allgemeine Wahlrecht keineswegs ein Bild der Vollkommenheit darstelle, sondern wie alles mit„Mängel und schlimmen Seiten" behaftet sei. Pachnicke fordert für Preußen ein Wahlrecht, wie es eben die Zustimmung der Mehrheit finde. i Redner knüpft an die Stellung der bürgerlichen Parteien eine scharfe Kritik. Das sei eine Stellung, mit der jeder Kampf für das allgemeine Wahlrecht von den Freisinnigen bereits aufgegeben ist, wodurch der Reaktion der Widerstand erleichtert wird. Wie von den Nationalliberalen es Bassermann auf dem Parteitag in Wies- baden für aussichtslos bezeichnete, das allgemeine Wahlrecht in Preußen einzuführen, schließen sich dem die Freisinnigen beider Richtungen an. S o steht es mit Naumanns Fanfaren dieses Som» mers; man nimmt und ist zufrieden mit allem, was sich bietet. In seiner vortrefflichen Kritik der bürgerlichen Parteien zum Zentrum übergehend, hebt Genosse E b e r t hervor, es habe sich dieses zwar immer für das allgemeine Wahlrecht erklärt, jedoch seit dem Jahre 1873 nichts mehr in dieser Richtung unternommen. Da? Verhalten des Zentrums stärke noch die Konservativen und Hetze sie auf. Spahn habe in einer großen öffentlichen Versammlung zwar die BewilligungSlust des Zentrums für die marinellen Forderungen zu betonen gewußt, über die Wahlrcchtsftage sich aber ausge» schwiegen. DaS demokrasische Mäntelchen des Zentrums ist be» rechnete Volkstäuschung, die leider noch bei vielen Arbeitern Er» folg hat. Redner will mit diesen Darlegungen zeigen, daß das Proleta- riat nur aus e ig euer Kraft, durch eine imposante Volks- bewcgung zu seinem Rechte kommen kann. Wir müssen mit Macht bestrebt sein, das Verhalten der Blockparteien und des Zentrums zu enthüllen. Wer diesen Parteien Folge leistet, verletzt die Lebens- interessen weiter Volksschichten. Blockparteien und Regierung haben offensichtlich das Bestreben, die Wahlrechtsfrage in den neuen Landtag hinüberzubringen und dort in Schacherpolitik abzutun. Dies mutz zu verhindern versucht werden. Denn ist einmal die Wahlrcchtsftage vom Landtage in irgend einer Form abgetan» dann ist uns auf absehbarer Zeit die Möglichkeit genommen, sie neu und mit Erfolg auszurollen. Wenn in den süddeutschen Staaten, in Oesterreich und Ungarn die Arbeiterschaft das allgemeine Wahl- recht erhalten hat, dann können und dürfen auch wir nicht länger die Dreiklassenschmach ertragen. Welche Mittel wir in diesem Kampf anwenden, braucht heute noch nicht erörtert werden. Ob Straßendemonstrationen oder poli» tischcr Streik, darüber haben wir uns im Augenblick noch nicht den Kopf zu zerbrechen. Jedenfalls werde man alle Energie aufwenden, die Massen aufzurütteln und den Kampf erfolgreich zu führen. (Beifall.) In seinen weiteren Ausführungen behandelt Ebert die wei- teren BcratungSgegenstände des Preußischen Parteitages. Zur Landtagswahl muß es unsere Aufgabe sein, d« not- wendigen Vorbereitungen zu treffen. Falls wir bei den Wahlen Erfolg haben, so sei die Gelegenheit geboten, durch unsere Per- trcter den Wahlrechtskampf in das preußische Parlament hinein- zutragen. Was die Lage der Staatsarbeiter anbelangt, steht fest, daß es unsere Aufgabe sein mutz, die Lohn- und ArbeitSbedin- gungen, die zu den schlechtesten gehören, zu verbessern. Der Staat beutet die Arbeitskraft nicht nur aufs äußerste aus, er macht auch seinen Arbeitern die politischen Rechte— Wahl- und Koalitions- recht— illusorisch. Für das Thema Kommunalpolitik ist der sehr fach- kundige Stadtverordnete Genosse Hirsch gewonnen. Im Vorder» grund steht hier die Wahrung des Selbstbestimmungsrechtes der Gemeinde, das vom Staate in reaktionärer und rücksichtsloser Weise beschränkt werde. Gegen diese unwürdige Bevormundung der Kommunen sowie gegen die Selbsthcrrlichkeit des Staates in diesen Dingen müsse entschieden Prolest eingelegt werden. Das Parteistatut dürfte lebhaft erörtert werden. Der Entivurf, dessen Annahme wohl erfolgen werde, beabsichtigt, eine lose Landcsorganisation für Preußen zu schaffen. Im Gegensatz dazu ist besonders Genosse Arons für eine straffe Zentralorga- nijation mit fest angestellten Beamten eingetreten, weil seiner Meie ttung nach der Leitung Aufgaben zufallen, die sich im Nebenamte nicht ausführen lassen. Redner beschäftigt sich eingehend mit den Anregungen des Genossen Arons und widerlegt auch den Ver- gleich mit den Landesorganisationen der süddeutschen Genossen. Dort sei in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht eine gewisse Einheitlichkeit vorhanden, was für Preußen keineswegs zutrifft. Die Organisation mutz aber den Landesverhältnisscn angepatzt sein. Jene Arbeiten, die AronS den angestellten Sekretären der zu schaffenden Landesorganisation überweisen will, werden heute schon zur Zufriedenheit von den 20 Parteisekretären der Bezirke und Provinzen Preußens verrichtet. Was für Preußen organisato- risch notwendig, ist im Entwurf vorgesehen. Zu begrüßen sei beson» ders, daß der Preutzentag nicht mehr nach Bedarf, sondern regelmäßig einberufen werden soll. Den Arbeiten des diesjährigen Preußen- tages sehen nicht nur im Lande, sondern alle Genossen des Reiches mit Spannung entgegen. Wünschen wir, daß er sich in seiner Be- deutung dem internationalen Kongreß und dem Essener Parteitag würdig zur Seite stellt.(Lebhafter Beifall.) Eine Diskussion wird nicht beliebt. Da Anträge ebenfalls nicht vorliegen, wird dem Statutencntwurf zugestimmt. Bei der Delegrertenwahl zum Parteitag Preußens erhält Wurm 244, K ö ck e r i tz 108 und R e i m a n n 1B2 Stimmen. Wendel und Watzlaviak bleiben mit 53 bezw. 40 Stimmen in der Mindeicheit. Nachdem noch Wurm und S ch w e m k e energisch zur stärkeren Beteiligung an den Stadtverordnetenwahlen aufgefordert, evfolgt Schluß der Versammlung. Dritter Wahlkreis. Die Generalt>ersammlung des Wahlvereins für den dritten Reichstagswahlkreis tagte im großen Saal des Gewerkschaftshauses. Das Referat hie lt Genosse ReichStagsabgeordneter Wolfgang Heine. Nach H inweisen auf die allgemeine politische Situation. insbesondere auf die Blockherrlichkeit und die durch sie geschaffenen verworrenen Verhältnisse, wandte er sich zu den Hauptpunkten der Tagesordnuliig des Prcußentages. Die trockenen geschäftlichen Angelegenheiten würden in der Schaffung der preußischen Organisation zu ihrem Recht komnien. Was die nach dem bekannten Entwurf vorgesehene regelmäßige Wiederkehr von preußischen Parteitagen beziehungsweise Konferenzen angehe, so sei er nach den Erfcchrungen des ersten PreußentageS von ihrem Werte überzeugt. Den Delegationsmodus, daß sich die Zahl der Dcle- gierten nach der Zahl der organisierten Genossen des Kreises in näher bestimmter Weise richten solle, halte er nicht für praktisch. Er meine, man lasse cS besser so, wie eS für den deutschen Parteitag gelte: jeder KreiS erhalte das Recht, nach Belieben Delegierte zu schicken bis zur Hochstzahl von drei. Gerade bei den Preußentagen wäre es besonders wünschenswert, daß die Genossen aus den abgelegenen Landesteilen, wo die Organisation noch nicht so vorgeschrrtteu sei, in möglichst großer Zahl erschienen. um zu hören und zu lernen, um zu reden und anregend zu wirken. Die neue preußische Organisation solle in einer Spitze auslaufen. Er persönlich sei der Meinung, daß alles vermieden werden müsse, was neben dem deutschen Parteivorstande eine Instanz schaffe, die unabhängig neben ihm, also unter Umständen gegen ihn arbeiten könnte. Eine zu große Ausstattung mit Befugnissen müßte dazu führen.— Der Entwurf ivolle eine Kommission bilden, die über Preußen zerstreut sei, mit der Maßgabe, daß nur ein Mitglied in Berlin zu sitzen brauche. Weil dies eine für die Geschäftsführung unbrauchbare oder schlecht brauchbare Behörde wäre, habe Genosse Leo A r o n s vorgeschlagen, einen richtigen preußischen Partcivorstaud zu schaffen mit eigenen Beamten, und dem ReichL-Parteivorstand durch ein ge- wisses Einspruchs- und Mitbestimmungsrecht einen Einfluß zu sichern. Er halte den Vorschlag für nicht gut. Bei den preußischen Landtags- Wahlen habe uns der Parteivorstand trotz Schwierigkeiten mit dem nötigen Material versorgt. ES werde ihn« leicht sein, auch diesmal uns zu versorgen. Der Parteivorstand sei ja in der Lage, die nötigen Hülsskräfte heranzuziehen. Ihm ein besonderes Zentralwahlkon, itce zur Seite zu stellen, würde nötig sein. Und ein Sekretär für die Bearbeitung der Wahlangelegenheiten wäre anzu- stellen, möge eS ständig oder nur vorübergehend sein. Schädlich aber wäre es, einen besonderen Parteivorstand zu schaffen für eine Politik, die künftig erst mal betrieben werde. ES würde ein Top sein, der erst einen Inhalt kriegen solle. Die Organisation könne nicht die Politik schaffen, sondern die Politik müsse sich die Organi- sation schaffen. Eine besondere Leitung neben den deutschen Partei- vorstand zu setzen, liege vor der Hand kein Anlaß vor. EtwaS anderes könnte es sein, wenn wir erst eine preußische Landtags- fraktion hätten, woraus sich besondere Pflichten ergäben. Dann wäre eS möglich, daß man nicht auskäme mit einem über ganz Preußen zerstreuten LandeSkomitce. Möge sich dann die Kommission einen besonderen Sekretär anstellen oder der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie; jedenfalls sei es nicht angebracht, jetzt einen besonderen Parteivorstand nach dem Borschlage AronS' einzusetzen. Er denke, man könne den Entwurfsvorschlag, die Landeskommission betreffend, vorläufig annehmen und das andere der Zukunft über- lassen. Zu dem Punkt:„Die Staatsarbeiter und ihre Lage in Preußen" streift Redner kritisch die preußische Eisenbahnpolitik und geißelt in prägnanten Ausführungen die fiskalische Arbeiterpolitik, die nicht nur nicht mußergültig, sondern geradezu erbärmlich sei. Er gibt einige Beispiele aus dem reichen Tatsachenmaterial, das schon die Oeffent- lichkeit beschäftigte.-- Zu:„Selbstverwaltung und Gemeinden" betont er, daß es kein traurigeres Blatt in Preußen gebe als gerade dieses. Die„Selbst- Verwaltung" hätten wir, aber wie sehe sie auS! Nicht nur in Schulfragen mische sich die Negierung ein, sondern an allen Ecken und Enden tue sie eS. Es sei System darin. Man wolle die Selbst- Verwaltung„zermürben", wie der moderne Ausdruck laute.(Heiter- keit.) Die Stadtverwaltungen hätten schon so gut wie nichts zu sagen. Auf dem Kongreß der Gesellschaft für Sozialreform sei viel Gutes über das Thema gesagt worden. Allerdings habe man dort auch wieder mit einem in, bürgerlichen Sinne„heilsamen Einfluß" einer freien und wirklichen Selbstverwaltung auf die Sozialdemokratie gerechnet. Nun, man gebe uns recht viel Gelegenheit, uns in der Selbst- Verwaltung nach unserer Ueberzeugung zu betätigen und überall ein entscheidendes Wort mitzuspreche». Man würde daim sehen, daß nicht wir aufhören würden, Sozialdemokraten zu sein, weil nirgends unmittelbarer sozialistische Ideen sich durchsühren ließen als gerade in der Selbstverwaltung in der Gemeinde usw. Nun seiaesagt worden, dieNadikalen wollten gar nicht mitarbeiten. Erglaube erklären zu können, daß es mit Bezug auf die praktische Mitarbeit auf den in Betracht kommenden Gebieten keinen Unterschied zwischen radikalen und nichtradikalen Sozialdemokraten gebe. Es sei einer der törichten Versuche der Leute von der Sozialresorm, in der Sozialdemokratie einen Zwiespalt zu sehen, der gar nicht vor- Händen sei. Die wichtigsten Punkte der Tagesordnung feien wohl:„Die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages", und:„Die Wahl- rechtsfrage in Preußen und die LandtagSwahlen 1908". Sarkastisch zerpklückt Redner die geistreiche Wahlrechtstheorie des Herrn v. Bethmann-Hollweg. des„Philosophen auf dem Ministersessel", der ein Wahlrecht entdecken wollte, das„nach oben" führt. Nach oben führe nur, meinte Heine dann unter anderem, das gleiche, geheime, allgemeine und direkte Wahlrecht. In vierzigjähriger Praxis sei dieS bewiesen worden. Aus stummen Sklaven mache es Staatsbürger, ans gleichgültigen Philistern Leute, die für den Staat und was für ihn gut sei, mit ihrer Stimme einträten und dafür tätig wären. Dies Wahlrecht sei auch das beste Mittel, denen, die etwas können, den Einfluß zu sichern, der ihnen zukomme. Redner stellt in Gegensatz dazu das preußische Wahlrecht, das zur geistigen Inzucht und damit nach unten führe. Er begründete dies näher, ging mit der famosen liberal- konservativen Paarung scharfs i»S Gericht und zeigte an dem Verlauf der ersten Session des neuen Reichstags, daß aus der Blockpolitik nicht das geringste Gute heraus- kommen könne.— Die Blockpolitik habe die wirkliche Möglichkeit einer preußischen Wahlrechtsreform wesentlich verschlechtert. Für die Froisinnigen sei die Parole, die Entscheidung hinauszuschieben so lange als nlöglich, wenigstens über die LandtagSwahlen 1903 hinaus. Sie wollen noch einmal die Sonne der Hoflust genießen. Aus Furcht, bei der beschränkten neuen Wahlkreiseinteilung einige Sitze zu verlieren, wollten sie sich die Nationalliberalen und Kon- 'ervativen bis zu den extremsten Antisemiten warm halten. Von diesem Standpunkte betrachteten die Wortführer des Freisinns die Sache; daher ihre Entrüstuiig gegen alle Leute, die drängeln (Naumann, Barth usw.). Er sei sest überzeugt, daß auf der freisinnigen Konferenz auch nichts geschehen werde. Diese schöne Rechnung habe nur die eine schmerzhafte Seite, daß spätestens 1912 die nächsten Reichstagswahlen stattfänden und daß dann dem Block von uns die Rechnung präsentiert werde. Man könnte ja nun sagen: Lassen wir den Freisinn sich diskreditieren soviel als möglich. Solche Bosheitspolitik trieben wir aber nicht. Genosse Singer erklärte, wir unterstützten jede Partei, die den ehrlichen Versuch machen würde, in der Wahlreform vorwärts zu kommen. Da sei denn doch zu überlegen, daß die Angst vor dem Tag der Rache bei der nächsten Reichstagswahl doch vielleicht Einsicht bringen könne. Bei den F i s ch b e ck, M u g- d a n usw. sei Einsicht ja nicht zu erhoffen, aber vielleicht doch ein Einfluß der Angst. Darum müßten wir mit aller Entschiedenheit die kleinen Ansätze, die zu einer Besserung sich im liberalen Lager zeigten, unterstützen. Man müsse immer wieder dem freisinnigen Bürgertum sagen, daß es selber den Schaden habe, wenn nicht mehr herausgeholt werde. Wir Sozialdemokraten brauchten uns ja nicht anzustacheln; wir wüßten ja, was wir wollten und was wir zu tun hätten.— Was die Freisinnigen mit Bülow ab- gemacht hätten, wüßten wir nicht, könnten eS aber ahnen. Wir wissen, daß einige der Freisinnigen darauf eingehen wollten, daß an der WahlkreiSeinteilung in Preußen nichts geändert werde. DaS heiße, die Macht des Junkertums festlegen. Man müsse dem Bürgertum sagen, daß es keine Wahlreform gebe, die nicht den großen Städten an Vertretern gibt, was ihnen nicht bloß nach der Einwohnerzahl, sondern auch nach ihrer kulturellen Bedeutung zukomme. Eine ständische Vertretung der Agrarier sei angekündigt. DaS ganze Bürgertun, müsse scharf gemacht werden, denn daS fei eine Verhöhnung der Städte zugunsten des Landwirts. Man wolle Pluralstimmen einführen und spreche von solchen für Besitz, Alter und Bildung. Redner charakterisiert näher die für Besitz als Klassenvorrechte, die für das Alter und für Bildung als unsinnig und albern. ES gebe auch alte Esel, und wer im Alter reich an politischen Erfahrungen und politischem Wissen sei. lverde so wie so einen größeren Einfluß haben. Andererseits sei Bildung noch keine politische Bildung und Reife. Wie überhaupt den Maßstab finden? Vom Einjährigenexamen habe man gesprochen. AlleS das müsse auch die Massen des Bürgertums aufbringen gegen einen der- artigen Handel. Wolle der Freisinn solchen Handel treiben, dann werde er Wasser auf unsere Mühlen liefern.— Redner geht dann auf Barths neuesten Vorschlag ein, der Freisinn solle als Abschlags- zahlung für den Block, die sofortige Einführung deS geheimen Wahl- rechts fordern. Er beleuchtet die Bedeutung deS geheimen Wahlrechts und betont, daß uns das allein ja lange nicht genüge. Indessen, meint er, wenn der Freisinn selbst in diesem Punkte versage, dann könnten wir ihn auch vielen Angehörigen des Bürgertums als Ver- räter kennzeichnen. Er meine, auch unser Preußentag sollte der Konstatierung dienen, daß jetzt mehr denn je der Zeitpunkt ge- kommen sei, Ivo die Freisinnigen zeigen könnten, ob sie überhaupt noch freisinnig sind.— Wir würden das unsere tun, den Kampf um das gleiche, geheime, allgemeine und direkte Wahlrecht mit Energie zu führen, wie Singer sage. Das übrige müßten wir ihnen überlassen. Der preußische Parteitag werde neuen Einfluß, neue Macht und neue kultursördemde Tätigkeit für unsere Partei einleiten. (Lebhafter Beifall.) Ohne Diskussion wurde ein Antrag der Bezirksführer an- genommen, der eine Abänderung des Entwurfs zur Organisation in Preußen dahin verlangt, daß jeder Wahlkreis zu den Preußentagen unterschiedslos bis zu drei Delegierten wählen dürfe. Als Delegierte wurden Gottfried Schulz, Karl Alboldt und Alexander Fröhlich sowie als Ersatzmann Günter gewählt. Einstimmig»ourde unter großem Beifall folgende Resolution angenommen: „Die Versammelten sprechen dem Genossen Karl Lieb- k n e ch t ihre Anerkennung für die kraftvolle und mutige Art aus, in der er in seinem Prozeß die Grundsätze und Ehre der Partei verfochten und die gegen ihn erhobene Anklage zu einer Anklage gegen den Militarismus und gegen die heutige Justiz gewendet hat. Der wahrhast Verurteilte ist nicht Genosse Liebknecht, sondern der heutige Klassenstaat.' Die BezirkSsührerkouferenz stellt folgenden Antrag: „Die Parteigenossen protestieren auf daS schärfste gegen die Teilnahme der badischen Genossen Kolb und Frank an der Leichenfeier des badischen GroßherzogS.' Der Antrag wird gegen mehrere Stimmen angenommen. Da- gegen stimmt auch Genosse Heine. Er stellt fest, daß der Vor« sitzende seine Wortmeldung dazu übersehen habe. Er würde sonst gesagt haben, weshalb er sich verpflichtet halte, dagegen zu stimmen. Jetzt könne er es nicht mehr. Vierter Wahlkreis. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt die Versammlung der unermüdlichen Tätigkeit des verstorbenen Genossen M o t t e l e r und ehrt ihn in der üblichen Weise durch Erhebung von den Sitzen. Sodann referiert Genosse Paul Singer über die Tages- ordnung deS preußischen Parteitages. Als wichtigste Aufgabe des Parteitages bezeichnet Redner die Aufgabe, eine Organisations- form zu finden, bei der die preußische Organisation auf keinen Fall mit der deutschen, der Organisation der Gesamtpartei, in Reibung und Widerspruch geraten könnte. Die preußische Landesorgani- sation müsse mit der deutschen Hand in Hand arbeiten, unter Zu- hülfenahme deS Zentralorgans der Partei. Auch heute schon werde ein großer Teil der Parteiarbeit von den preußischen Genossen ge- leistet, was ja auch schon in der Anzahl der preußischen Genossen seine Erklärung finde. Heute schon würden auch von den preußi- scheu Genossen enorme Mittel zur Agitation in den minder ent- wickelten Landesteilen, wie in Posen, Ost- und Westpreußen. Pommern, Mecklenburg, ja selbst im Rheinland usw. aufgebracht. Aber auch die preußischen Genossen haben das Recht, für ihre be- sondere, spezifisch preußische Agitation und Organisation eine Zentralstelle zu schaffen. Weil aber die preußischen Genossen auch zugleich das Rückgrat der Gesamtpartei bilden, müssen sie um o mehr alles vermeiden, was diese irgendwie schädigen könnte. Zn unserer durch Klassenkämpfe zerklüfteten Zeit müssen aber auch alle Kräfte zusammengefaßt werden und allen Bestrebungen, die auf Zersplitterung hinausliefen, sei energisch Einhalt zu bieten, da sie der Arbeiterbewegung großen Schaden verursache. Deshalb müßten aber auch alle partikularistischcn Bestrebungen, die sich etwa geltend machen könnten, von vornherein bekämpft werden. Wir könnten von den preußischen Genossen verlangen, daß sie mit und für die Gesamtpartei alle Kräfte anstrengen würden. Nehme man nur einmal die Möglichkeit an, auch die preußischen Genossen wollten von jetzt an nur 20 Proz. ihrer Gesamteinnahme an die Gesamtpartei abgeben, so würde der schwerste Schaden für die Partei entstehen. Nach LandeSgrenzen könnten die Ausgaben nicht estgesctzt werden, sondern nach dem Bedürfnis und dem Wohle der Gesamtpartei entsprechend. Die Aufgabe, die der Preußcntag habe, sei, durch die Wahl des preußischen LandeSvorstandcs der Gesamtpartei und dem Parteivorstande ein wirkungsvolles Hülfs- organ an die Hand zu geben, natürlich ausgestattet mit all den Rechten, die das Organisationsstatut gestatte. Die Berliner Ge- nosscn haben diese Beschränkung ja auch schon früher, bei der Be- ratung des preußischen Organisationsentwurfs anerkannt und ge- 'ordert, und er habe die Zuversicht, daß derselbe Geist auch die anderen Delegierten beseele. Neben der Organisationsfrage sei aber zweifellos die Frage des preußischen Wahlrechts die wichtigste, die zur Verhandlung komme. Wir stehen jetzt vor einem Kampfe, wie ihn die preußischen Genossen noch nicht geführt haben. Redner spricht seine Ueberzeugung dahin auS, daß eS nicht einen einzigen Genossen in Preußen gebe, der nicht seine ganze Kraft und Energie einsetze, bis in diesem bedeutungsvollen Kampfe das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht errungen sei. Dieser Kampf werde an Dimension und an Opfern alle vergangenen Kämpfe weit in den Schatten stellen. Das preußische Volk sei in dieser Hinsicht noch der Paria unter den deutschen Volksgenossen. Bayern, Württemberg, Baden usw. haben das von uns geforderte Wahlrecht, deshalb sei dieser Kampf zugleich ein Kampf um die allgemeine Menschenwürde. Redner wolle keinen Vortrag halten über das Unrecht der preußischen Dreiklassenschmach, er erinnere nur an unseren ersten energischen Angriff. Jener denkwürdige Sonntag werde jedem Proletarier im Gedächtnis bleiben, der ihn mitgemacht habe. Die klassenbewußten Arbeiter haben nur ein Hohnlächeln übrig für die Vorbereitungen, die dazumal getroffen wurden, um daS Volk bei Vertretung seiner elementarsten Rechte niederzuschlagen. Wir wollen uns aber auch von unseren aus- ländischen Genossen, wie den Oesterreichern, nicht beschämen lassen. Der Kampf sei aber auch kein Kampf deS Augenblicks, sondern ein andauernder, der zähe Energie erfordere und darum müsse auch jeder Genosse Gut und Blut für diesen Kampf zur Verfügung stellen. Wir würden aber nach reiflicher Erwägung nur die Mittel anwenden, die uns notwendig erscheinen, denn bis jetzt seien die- selben noch keineswegs erschöpft. Alles, was die bestehenden Gesetze uns gestatten, werde anzuwenden sein. Freilich werden wir unsere Kräfte nicht unnütz verschwenden und die Arbeiter mutwillig vor die kleinkalibrigen Gewehre stellen. Aber aus den vergangenen Kämpfen haben wir auch zu lernen und eine gewisse Richtlinie für diesen Kampf zu finden, werde Aufgabe dieses Parteitages sein. Redner erwähnt dann mit beißendem Spott die Wallfahrten der bürgerlichen Politiker der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken nach dem modernen Mekka-Norderney. Authentische Nach- richten über etwaige Abmachungen fehlen freilich; denn die Kon- servativen hätten keine Ursache, schon jetzt einen Sturm der Ent- rüstung zu entfachen, und die sogenannten Freisinnigen hätten erst recht Ursache, zu schweigen. Der einzige Grundsatz der Liberalen sei ja nur noch die Grundsatzlosigkeit. Man stelle sich doch nur diese Payer, Bassermann usw. als eifrige Kämpfer für das allgemeine, gleiche Wahlrecht vor und man werde sofort das Lächerliche dieser Situation einsehen. Wer auf eine Unter- stützung durch die bürgerlichen Parteien in diesem Kampfe rechne, sei ein ganz gefährlicher Illusionist. Das Proletariat müsse aber schon von dem jetzigen Landtage mit aller Bestimmtheit die Wahl- reform fordern. Wolle man überhaupt eine Reform, so müsse man sie auch gleich wollen. Aber es bestehe die Absicht, die ganze An- gelegenheit zu verschleppen. Die Liberalen sollten doch einfach die Wahlreform fordern oder ihren Austritt aus dem Block erklaren. Redner erläutert dann noch das Pluralwahlrecht mit seinen Un- gerechtigkeiten gegen die Arbeiterklasse und erklärt, daß die Sozial- demokratie auf ihren prinzipiellen Forderungen verharre und sich nichts abhandeln lasse. Aus diesem Grunde verlangten wir auch das Wahlrecht für die Frauen. Hätten wir aber erst daS allgemeine Wahlrecht für die Männer, so sei auch der entscheidende Schritt für das Frauenwahlrecht getan. Wir dürfen uns auf keine Kom- promisse einlassen, sondern müssen grundsätzliche Forderungen stellen, damit unser Schild blank und rein bleibe und in diesem Sinne sei unser Schlachtruf:„Heraus mit dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht!" Redner bespricht so- dann noch den Vorschlag Dr. Barths und die Stellung der Frei- sinnigen dazu. Er fordert auch die Gewerkschaften und die Frauen auf, sich unseren Forderungen anzuschließen, damit der Kampf die Wucht und den Umfang erreicht, die notwendig seien, um zum Siege zu gelangen. Es heiße jetzt, eine verdoppelte Agitation zu entfalten, dann würden auch die Berliner einige Mandate erobern. Zum Schlüsse bespricht Redner noch kurz die letzten Punkte der Tagesordnung:„Die Lage der StaatSarbeiter in Preußen' und „Selbstverwaltung und Gemeinde", um an einigen Beispielen zu zeigen, wie auch dabei noch alle Arbeit vor uns liegt. Er geißelt die reaktionäre Politik der Regierung gegen die StaatSarbeiter, die nicht nur unmäßig ausgebeutet, sondern auch noch zu politischen Heloten entwürdigt würden. Anstatt die Staatswerkstätten zu Musterwerkstätten zu machen, werden alle Forderungen der Ar- bciter abgelehnt mit dem Hinweis auf die Lage der Arbeiter in der Privatindustrie, die nicht überboten werden dürfe. Auch aus seinen reichen Erfahrungen über die Selbstverwaltung in den Städten gibt Redner einiges zum besten. Er könne jetzt bald sein 25jähriges Jubiläum als Berliner Stadtverordneter feiern; aber leider könne er nur sagen, daß die Selbstverwaltung der Städte ein Märchen sei, was er an einigen Beispielen illustriert. Lebhafter Beifall lohnte den Redner. Ein Abänderungsantrag zum Z 10 des Organisationsentwurfe, der fordert:„Die Landeskommission wählt aus ihrer Mitte einen Vorstand, bestehend aus fünf Personen, und zwar einem ersten Vorsitzenden, ersten Kassierer, einem Schriftführer und zwei Bei- sitzern. Dieser Vorstand hat seinen Sitz in Berlin", wird ab- gelehnt, nachdem sich Genosse Paul Hoffmann dagegen ausgesprochen. Ohne Diskussion wird sodann folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Generalversammlung deS Wahlvereins für den vierten Berliner Reichstagswahlkreis erwartet von den für den preußi- schen Parteitag zur Vertretung des Kreises gewählten De- legierten, daß sie bei Behandlung des 1. Punktes der provisori- schen Tagesordnung, Organisation für Preußen, ihr Verhalten und ihre Abstimmung ganz im Sinne der von Genossen Singer dargelegten Auffassung einrichten und den von der Organisation Groß-Verlins vorgelegten Entwurf zur Annahme verhelfen, da sie nur dadurch ein gedeihliches Zusammenarbeiten von Landes- und Parteiorganisation gewährleistet sieht." Fünfter Wahlkreis. Im Alten Schützenhause fand die Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den fünften Wahltreis statt. Das Referat erstattete Genosse L i e p m a n n. Er führte unter anderem aus: Der bevorstehende preußische Parteitag werde der Eingangs- punkt zu unseren Wahlrechtstämpfen in Preußen sein. Aber der Parteitag habe auch die Aufgabe, ein Organisationsstatut für die Partei in Preußen zu schaffen. Der Redner besprach den von der Kommission ausgearbeitcien Entwurf. Im Anschluß an diesen Entwurf habe sich eine Diskussion über die Form der preußischen Parteiorganisation entsponnen. Einwendungen seien gegen den Entwurf gemacht worden, deren wesentlichste dahin gehe, daß für Preußen eine selbständige Parteiorganisation geschaffen werde, die unabhängig vom deutschen Parteivorstande sein solle. Der Entwurf sehe dagegen eine Organisation vor, welche den deutschen Partei- vorstand nicht für die preußischen Angelegenheiten ausschaltet, sondern in enger Fühlung mit ihm arbeitet. Nicht eine Sonder- Organisation solle für Preußen geschaffen werden, sondern eine Organisation, deren Leitung sich dem deutschen Parteivorstande an- gliedert und nur die besonderen preußischen Angelegenheiten zu erledigen hat. Zur Begründung der Vorschläge, welche die Schaffung einer von der deutschen Parteileitung völlig abgesonderten Organisation bezwecken, sei auch gesagt worden, der Parteivorstand habe versagt. Diese Annahme sei völlig unbegründet. Einen Fehler habe der Parteivorstand ja gemacht, nämlich den, daß er nicht unmittelbar nach der Aufhebung des vereinsgesetzlichcn Vcr- bindungSverbotcS an die Schaffung einer geschlossenen Partei- Organisation gegangen sei und daß wir erst bis zum Jenaer Partei- tage warten mutzten, che die Zcntralorganisation der Partei für ganz Deutschland beschlossen wurde. Wir hätten die Zentral- Organisation seit 1900 haben können, und dann wären die Fort- schritte unserer Organisation bedeutend größer gewesen als jetzt, wo wir die Zentralisation erst kürzere Zeit haben. Im übrigen habe der Parteivorstand gezeigt, daß er volles Vertrauen verdiene. Man könne ihm deshalb die Geschäfte der preußischen Partei- Organisation ohne Bedenken übertragen. Tie Durchsicht des letzten Jahresberichtes des Parteivorstaudcs lasse erkennen, daß die Partei in Preußen unter der Leitung des Parteivorstandes recht gut fort- gekommen sei. Im letzten Geschäftsjahre seien für Preußen auS- gegeben 510 028 M. Eingegangen feien aus Preußen 240 600 M.; so daß also Preußen aus den Einnahmen der Gcsamtpartei einen Zuschuß von 263 429 M. erhalten habe. Dieser Zuschuß stamme aber hauptsächlich aus Geldern, die von Groß-Bcrlin aufgebracht worden seien, denn 374 606 M. seien der Parteilasse aus Berlin zugeflossen. Berlin habe also mit seinem Gelde nicht nur Preußen aufrechterhalten, sondern noch darüber hinaus die Parteigenossen unterstützt.— Hoffentlich werde der preußische Parteitag den von der Kommission ausgearbeiteten Organisalionsentwurf annehmen, was einen großen Schritt nach vorwärts bedeuten würde.— Als zweiter Punkt stehe auf der Tagesordnung des Parteitages die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages. Wenn wir von der bisherigen Tätigkeit des preußischen Landtages sprechen, so ent- rolle sich vor unseren Augen ein wahres Jammerbild. Der Redner ging auf die Entstehungsgeschichte der preußischen Verfassung und des zurzeit noch herrschenden preußischen Dreiklassenwahlrechtes ein. Er zeigte, wie es die Reaktion von jeher verstanden hat, ihren Willen durchzusetzen, ohne daß sie bei den Liberalen auf ernsten Widerstand gestoßen wäre. Nichts haben die liberalen Parteien getan, um das elende Wahlrecht, welches dem Volke aufgezwungen worden ist gegen Gesetz und Verfassung, welches deshalb noch keinen Augenblick zu Recht bestand, wieder zu Falle zu bringen. Noch nie haben die Liberalen für die Rechte des Volkes etwas ge- tan. Es sei ein großer Fehler unsererseits, daß wir die frei- sinnige Partei nicht längst hätten verschwinden lassen. Nur mit unserer Hülfe habe sich diese Partei noch am Leben erhalten können. Der Essener Parteitag habe ja die Anträge auf Stimmenenthaltung bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien abgelehnt. Besser wäre eS gewesen, wir hätten einen ParteitagSbeschlutz, der uns verpflichtet, keine bürgerliche Partei bei Stichwahlen zu unter- stützen. Dann wäre es aus mit der freisinnigen Partei, und den wirklich demokratisch Gesinnten, die jetzt mit dem Freisinn gehen, bliebe nichts übrig, als sich der Sozialdemokratie anzuschließen.— Wir werden die Freisinnigen jetzt im Wahlrechtskampfe gewähren lassen, aber erwarten können wir von ihnen nichts. Wer auf den Wahlrechtskampf der Freisinnigen auch nur die bescheidensten Hoff- nungen setzt, der ist mit Blindheit geschlagen. Der Wahlrechts- kämpf wird mit Entschiedenheit und Nachdruck nur von unserer Partei geführt werden.— Bei der Besprechung des Parteitages über die Landtagswahlen im Jahre 1963 werde es sich darum handeln, allgemeine Richtlinien für unsere Taktik festzusetzen. Wir würden es nicht wieder so machen wie 1963, wo wir unsere Pläne im voraus bekannt gaben und dadurch den Gegnern die Möglichkeit gaben, sie zu vereiteln. Es sei auch nicht angebracht, auf den Zahl- abenden unsere Taktik zu diskutieren. Das werde unterbleiben, selbst auf die Gefahr hin, daß dagegen eingewendet werde, eS verstoße gegen die demokratischen Grundsätze. Es genüge, wenn der Parteitag der Parteileitung allgemeine Richtlinien vorzeichne, nach denen dann die Taktik des Wahlkämpfes im einzelnen bestimmt werden könne. Zum Parteivorstand könne man das Vertrauen haben, daß er in dieser Hinsicht das Richtige treffen lverde.— Nach einer kurzen Beleuchtung der beiden letzten Punkte der Tages- ordnung des Parteitages kam der Redner zu dem Schluß: Der preußische Parteitag werde eine Organisation für Preußen schaffen, er werde lebhaften Anstoß zur Agitation geben und vor allem unseren Wahlrechtskampf einleiten. Wenn an die Partei- genossen der Ruf ergeht, sich in den Kampf zu begeben für die Er- ringung eines demokratischen Wahlrechts in Preußen, dann muß jede� auf dem Posten sein, eingedenk des Dichterwortes:„DaS Volk steht auf. der Sturm bricht los, wer legt noch die Hände feig in den Schoß?"(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion nahm nur ein Redner das Wort, der ebenso wie der Referent das jämmerliche Verhalten des Freisinns kritisierte. Als Delegierte zum preußischen Parteitag wählte die Ver- sammlung die vom Vorstande vorgeschlagenen Genossen WclS, lyriedländer und S ch a d o w. Sechster Wahlkreis. In der Versammlung, die den großen Saal von Vallschmieder in der Badstraße füllte, wurde zuerst die Wahl der Delegierten zum preußischen Parteitage vorgenommen. Gewählt wurden die Genossen Fahrow, Hönisch und Albert Werth. Sodann gab der Vorsitzende Freythaler eine kurze Uebersicht über die Tagesordnung des Parteitages. Er skizzierte den Stattlten- cntwurf für die preußische Organisation und hob besonders hervor, daß bei der Ausarbeitung Rücksicht darauf genommen wurde, daß Rcibungsflächcn zwischen der Landcsorganisation und der Gesamt- Partei vermieden werden. Der gemeinsam mit dem Parteivorstand beratene Entwurf fei ja den Einzelorganisationcn zugestellt worden und diese hätten ihm im wesentlichsten zugestimmt. Hierauf sprach Genosse Ledebour über den preußischen Parteitag. Er führte aus, daß mit den Reichstagswahlen die politische Lage in Preußen-Deutschland sich insofern verändert habe, als die freisinnigen und konservativen Parteien den Regierungsblock schlössen, der seine Hauptaufgabe in der Be- kämpfung der Sozialdemokratie erblickt. Seit den Wahlen habe sich jenes Verhältnis der Liberalen zur Regierung nicht etwa ge- lockert, sondern vielmehr noch befestigt, obwohl die Regierung den besonderen Wünschen der Freisinnigen nicht entgegengekommen sei. WaS sie auf Norderney mit der Negierung ausgemacht haben, sei ja süße? Geheimnis der Herren. Für uns komme nun besonders die Bedeutung des Blocks für die Landtagswahlen in Betracht. Bei der auf dem Parteitage in Mainz 1966 angenommenen Rc- solntion über die Wahlbeteiligung sei man von der Voraussetzung ausgegangen, daß bei den Abgeordnctenwahlcn Bündnisse mit bürgerlichen Parteien möglich wären. Die EntWickelung habe nun gezeigt, daß die Genossen, die die Freisinnigen überhaupt nicht für bündnisfähig mit der Sozialdemokratie hielten, recht hatten. Das sei schon bei der Landtagswahl von 1963 hervorgetreten, als die Freisinnigen Mandate preisgaben, die sie mit Hülfe der Sozialdemokratie hätten gewinnen können, und damit zeigten, daß sie schon alle demokratischen Instinkte verloren hatten. Nun, nachdem sie den berühmten Block geschlossen, versuchten ja die Freisinnigen nur noch durch Verhandlungen mit der Regierung die ..liberalen" Interessen zu fördern, aber nicht etwa mit Hülfe der Sozialdemokratie irgendwelche ihrer Forderungen durchzusetzen. Daraus gehe wieder deutlich hervor, daß wir ausschließlich auf unsere eigene Kraft angewiesen sind, was aber keineswegs ein Nachteil, sondern vielmehr gut für die Partei sei, die, fest an ihren Grundsätzen haltend, ihr Ziel verfolgt. Daß die Reaktion, gestützt auf den Block, stärker geworden ist in Deutschland, dafür habe man ja eine Fülle von Beweisen. Mit größter Schärfe und Ueppigkeit werde gegen die Volksrcchte vorgegangen. Nicht in den reaktionären Ncgierungsmaßnahmen selbst zeige sich die eigentliche Stärke der Reaktion, sondern darin, wie sie von der großen Masse der herrschenden Parteien aufgefaßt werben. Der Redner erinnerte an die Auswcisungsdrohung gegen die Genossen Pannekoek und Hilferding, eine Folge ihrer rein wissenschaftlichen Tätigkeit an der Pärteischule; an die erbärmliche Haltung,� die die freisinnige und sonstige bürgerliche Presse dieser crzreaktionärcn Maßregel gegenüber eingenommen hat, und äußerte sich dann über die Rechtspflege. Die Richter sähen ja nicht ihre Aufgabe darin, die Rechte deS Volkes zu wahren, sondern fühlten sich als Teile der Bureaukratic; nicht als Volksrichter, sondern als Justiz- bcdienstete, Angestellte des Staates mit der Verpflichtung, im Interesse des Staates einzuschreiten, wo versucht wird, der geltenden Rechtsordnung Opposition zu machen. Der Redner er- wähnte den Strafantrag wegen Majestätsbeleidigung gegen die „Königsberger Volkszeitung", der bekanntlich wegen Ver- öffentlichung historisch beglaubigter Tatsachen gestellt wurde, die sich auf Friedrich Wilhelm III. und die Königin Luise beziehen. Darin zeige sich wiederum, daß, was wir gesunden Menschen- verstand nennen, den Justizbeamten offenbar als beschränkter Ilntertancnverstand erscheint. Das träte auch in dem Proze» Liebknecht zutage. Die ganze Sozialdemokratie sei von Freude erfüllt darüber, daß der Genosse Karl Liebknecht so mannhaft. und tapfer die Angriffe bekämpft hat, sich auch nicht abschrecken ließ dadurch, daß der höchste Anklagebcamte Zuchthausstrafe gegen »hn beantragte, sondern nur um so schärfer seinen sozialdeuio- kratischen Grundsätzen Ausdruck gab. Wenn irgend etwas im» stände fei, den Kampf gegen den Militarismus mächtig zu fördern, so sei es gerade dieser Prozeß, der der sozialdemokratischen Agitation einen gewaltigen Impuls gegeben habe, der aber auch wiederum gezeigt habe, wie die uns gegenüber stehende Presse gänzlich versagte. Haben sich doch die bürgerlichen Blätter mit wenigen Ausnahmen ganz kläglich benommen. Welchen Wert der Prozeß für die Partei habe, werde erst recht klar werden, wenn das Urteil schriftlich ausgefertigt vorliegt. Die Regierung suche nun den Block zu schärferen Maßregeln gegen die Sozialdemokratie auszunutzen, gleichsam Belastungsproben mit der Blockbrücke an- zustellen. In dieser Beziehung bedeute es gar nichts, daß einzelne Mitglieder der freisinnigen Parteien zu einem energischen Vor- stoß für das allgemeine Wahlrecht Propaganda machten. Bei der Verschärfung der wirtschaftlichen Kämpfe sei es ganz natürlich, daß die bürgerlichen Klassen die dadurch gewonnene Auffassung auch auf das politische Gebiet übertragen, daß die bürgerlichen Parteien sozialistenfeindlicher werden. Um so mehr sei bei den nächsten Landtagswahlen ein Bündnis mit den bürgerlichen Par- teien ausgeschlossen. Den bevorstehenden Parteitag der preußischen Sozialdemokratie werde ja nun vor allem die Wahlrechtsfragc beschäftigen. Die geringen Aenderungen der Wahlrechtsordnung, die Zerlegung Berlins in 12 Wahlkreise mit je einem Ab- geordneten machten es wohl möglich, zwei bis drei Kandidaten aus eigener Kraft durchzubringen, und das sei besser als die doppelte Zahl von vielleicht mit bürgerlicher Hülfe gewonnener Mandate. In der Wahlrechtssache müsse man nun damit rechnen, daß die bürgerlichen Parteien irgend einem Vergleich zustimmen, vielleicht einem Pluralwahlrecht mit künstlicher Entrechtung des Volkes. Daß die Regierung und die bürgerlichen Parteien das allgemeine gleiche Wahlrecht geben, sei ja ganz ausgeschlossen. Die Sozial- demokratie werde selbstverständlich an dieser Forderung wie an der des allgemeinen Frauenwahlrechts festhalten und sich nicht mit solchem faulen Zauber begnügen.— Zu dem Punkt:„Die Lage der StaatSarbeiter in Preußen" äußerte sich der Redner über die erbärmliche Lage und Rechtlosigkeit dieser Arbeiter und hob hervor, daß der Genosse L e g i e n als Referent ganz besonders imstande sein wird, hierüber Aufklärung zu geben. Zur„Selbstverwaltung in Gemeinde und Staat" bemerkte der Redner, daß es so etwas wie Selbstverwaltung in Preußen eigentlich nicht gibt. Darauf müsse immer wieder hingewiesen werden. Er schildert treffend das System der Bureaukratie, den Volizeigeist, die Bevormundung des Volkes durch ein Heer von der Regierung abhängiger Beamter. So wichtig diese und andere Punkte seien, so sei es doch die Hauptsache bei dem ganzen Parteitag, daß er eine gewaltige De- nionstration für das allgemeine Wahlrecht werde. Hierfür müsse das ganze Volk seine Kraft einsetzen. Unmöglich sei nichts für ein Volk, das seinen Willen durchsetzen will. Auf schwere Kämpfe müsse man vorbereitet sein, eventuell den politischen Massenstreik anwenden.(Lebhaftes Bravo!) Man höre es oftmals aussprechen, das Volk sei nicht reif für das allgemeine Wahlrecht. Wenn aber irgendeine Klasse gezeigt habe, daß sie politisch nicht reis ist, so die bürgerlichen Parteien Deutschlands, die, was politische Bildung und Mut anbetrifft, tief unter den bürgerlichen Parteien anderer Länder stehen, welche wenigstens in früheren Jahren den Kampf gegen den Absolutismus siegreich durchgeführt haben. In Deutsch- land sei die Arbeiterschaft in diesem Kampfe, wie in dem Kampfe um das allgemeine Wahlrecht in Preußen, allein auf sich an- gewiesen. Nur in unserem eigenen Kampfesmut und Entschlüssen- heit liege unsere Kraft. Wir müßten zeigen, daß wir es ernst meinten. Sicherlich würden, wenn es gelte, dies zu beweisen, auch die Genossen vom sechsten Kreise an der Spitze marschieren.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Zur Diskussion sprach Genosse Busse, der seiner Entrüstung über die Verurteilung Liebknechts wie seiner Freude über dessen mannhaftes Ver- halten lebhaften Ausdruck gab.— Zum Parteitag lag ein Antrag des Genossen Louis Meier vor, der eine Petition für das all- gemeine Wahlrecht zum Ziele hatte. Der Antrag wurde jedoch zurückgezogen, nachdem der Vorsitzende darauf hingewiesen hatte, daß ein solcher Antrag nicht, wie geschehen, erst in der Versamm- lung gestellt, sondern vorher hätte eingereicht werden sollen, und ja im übrigen auf dem Parteitag über die Mittel zur Erringung deS Wahlrechts gründlich beraten werden solle. Zum Schluß forderte Genosse Freythaler zur eifrigsten Beteiligung an den Arbeiten für die Partei, für den„Vorwärts" wie für die Kommunalwahlen auf. Bei der bevorstehenden Wahl- rechtsbcwegung solle jeder mit voller Kraft eintreten, sich ganz in den Dienst der Propaganda stellen, um so in jeder Hinsicht die Ziele der Partei, damit auch die Ziele des Proletariats der ganzen Welt, zu fördern.— In diesem Sinne schloß die Versammlung mit brausenden Hochrufen auf die Sozialdemokratie. ver KetZgerboMtt vor dem Mannheimer Schwurgericht. Tclegraphischer Bericht. Unter gewaltigem Andrang fand am Mittwoch eine Ver- Handlung wegen angeblichen Verstoßes gegen K 153 der Gewerbeordnung vor dem Mannheimer Schwurgericht gegen die Genossen FlikowSki und Nagel statt. Der Prozeß betrifft eine gewerlschaftlich und politisch sehr wichtige Frage. Die Au- geklagten sind beschuldigt, durch Flugblätter, die namenS der Gesellen zum Boykott gegen Metzger aufforderten, um vorhandene Mißstände zu beseitigen, den§ 153 der Gelverbeordnung verletzt zu haben, weil die Flugblätter suchten, andere durch Ehrverletzung für die Verabredungen gefügig zu machen, die auf Besserung ins- besondere der Logis- und Wohnverhältnisse und der hygienischen Einrichtungen bei einer Reihe von Schlächtern abzielten. Die Angeklagten Flikowski und Nagel schilderten den Sachverhalt. Nagel, GewerkschaftSsekretSr. war von den mit den vorhandenen Mißständen unzufriedenen Gesellen zum Eingreifen aufgefordert. Alle Versuche scheiterten aber an dem Widerstand der Meister. Die Berechtigung der Forderungen ergab sich aus den zum Teil geradezu erbärmlichen Wohnungsverhält- nissen, besonders bei der Großfirma Jmmhoff, die 26 Gesellen beschäftigt, von denen 12 im Hause des Meisters schlafen. Wiederholt ist der Meister wegen Verstoßes gegen die polizeilichen Wohnungsvorschriften mit Geld- strafen bis 156 M. bestraft. Die Gesellen klagten über das Essen, über Ungeziefer und über die Räumlichkeiten: in ein Zimmer regnete es hinein. Da ähnliche Zustände auch bei anderen Meistern herrschten, kam eS zur Forderung der Aufhebung des Kost- und LogiszwangeS und der Anerkennung der Organisation. Da aber trotz der Abmachungen deS O b c'r m e i st e r s der Metzgerinnung, Stadtrats Groh, der I n n u n g S v o r st a n d sich nicht zu Verhandlungen herbeiließ, vielmehr neue Maßregelungen vornahm, kam eS zum Boykott erst gegen Jmmhoff, dann gegen mehrere Firmen. Die Zeugenvernehmung bestätigte das von den Angeklagten entworfene Bild. Einige noch jetzt bei Jmmhoff beschäftigte Gesellen erklärten, nach dem Boykott jei es besser geworden, vor allem sei dann für ausreichende Wasch- und Reinigungsgelegenheit gesorgt. Der Staatsanwalt I n n g h a n S verfocht die Ansicht, daß entsprechend der bekannten Entscheidung des Reichsgerichts§ 153 der Gewerbeordnung so ans- zulegen sei, daß auch andere, zur Gruppe der Besserung der Arbeitsbedingungen erstrebenden Gesellen nicht gehörigen Personen im Sinne deS§ 153 der Gewerbeordnung beeinflußt werden könnten und plädiert auf schuldig. Der Verteidiger, Genosse Rechtsanwalt Dr. Frank legt dar, daß der Gesetzgeber nur die Vceinflnssung der gleichen Gruppe Angehöriger, also Arbeit- nehmer durch Arbeitnehmer, oder Arbeitgeber durch Arbeitgeber im z 153 der Gewerbeordnung gemeint haben könne und gemeint hat und verlangt Freisprechung. Nach einer Beratung von kaum zwanzig Minuten werden die Schuldfragen von den Geschworenen verneint, und darauf beide Angeklagten freigesprochen, die Kosten der Staatskasse- auferlegt. Die Geschworenen— in Baden urieilen über alle durch die Psesse begangenen Straftaten Geschworene— haben damit die von uns wiederholt abfällig kritisierte ausdehnende Rechtsprechung des Reichsgerichts in betreff des§ 153 der Gewerbeordnung zurückgewiesen und gleichzeitig die Berechtigung des Boykotts zur Unterstützung der um Besserung ihrer Arbeitsbedingungen känipfenden Gesellen an- erkannt. Em Induftric und ftandd« FiskuS und Kohlensynbikat. Muß schon der Beschluß des Kohlensyndikais, die bisherigen Preise auch für das nächste Jahr aufrecht zu erhalten, Unwillen, Empörung hervorrufen, um so mehr noch die Haltung des Fiskus als Kohlenkäufer. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" brachte vorgestern bereits eine Notiz, die offensichtlich von der Absicht diktiert war, das Publikum schonend auf einen großen Sünden- fall vorzubereiten. Es wurde mitgeteilt, das Kohlensyndikat hätte sich mit dem Fiskus bezüglich der neuen Kohlenabschlüsse für die StaatSbahn auf einer mittleren Linie geeinigt. Wie die mittlere Linie aussah, wagte man noch nicht bekanntzugeben. Der„Börsen. Courier" konnte allerdings schon mitteilen, daß der Fiskus in Rück- ficht auf die gestiegenen Löhne einen etwas höheren Preis bewilligt habe. Das Kohlensynbikat war so kühn, angesichts der veränderten Marktlage für die privaten Abnehmer die alten Preise aufrecht zu erhalten, der Fiskus war noch kühner: er bezahlt noch über die bisher hohen Preise hinaus. Und es ist ein ganz ansehn- licher Aufschlag. Das Wolffsche Telegraphenbureau teilt heute folgendes mit:. Nach einer Information der„Rhein.-Westfälifchen Zeitung", wurde bei dem jüngsten Abschluß der preußischen Staatsbahn- Verwaltung mit dem Kohlensyndikat ein Mehr von etwas über 1 Mark per Tonne erzielt. Für Kohlen, Koks und Briketts als Ganzes genommen, wird die Erhöhung etwa 1,25 M. betragen. Die Abschlüsse gelten für drei Jahre. Für diese Zeit hat das Syndikat die hohen Preise gesichert. Was die Berufung auf die gestiegenen Löhne anlangt, so braucht nur auf die äußerst günstigen Geschäftsabschlüsse der Bergwerksgesellschaften hingewiesen zu werden, um darzutun, daß eine Erhöhung der Preise durchaus nicht gerechtfertigt ist. Der FiskuS hat zur Verteidigung seines Bewilli- gungSeifers anders keine Entschuldigung als die, daß er nicht wagt, den Kohlengewaltigen den Gehorsam zu versagen. Vielleicht hat diesmal auch noch die Blockpolitik bei dem Handel mitgespielt. Es ist auf Kosten der Steuerzahler dasselbe Spiel entriert worden wie im Jahre 1966. Die Kohlenproduzenten hatten es verstanden, durch Beeinflussung der Presse und die Politik des Syndikats, die Angst vor einer Kohlennot auszulösen. In geschickter Weise wurde dazu auch die Reichstagstribüne benutzt. Der Abgeordnete Hilbck erklärte„beruhigend", das Kohlenshndikat werde alles aufbieten, die Kohlenknappheit nicht zu einer Kohlcnnot auswachsen zu lassen. Nach wenigen Tagen hatte das Syndikat einen Abschluß mit dem Fislus in der Tasche, der„unter Berücksichtigung der Verhältnisse" einen erhöhten Preis festlegte. Und kurze Zeit darauf ordnete das Syndikat die erste Fördereinschränkung an! Daß auch jetzt schon eine Abschwächung auf dem Kohlenmarkt vorhanden ist, ist wahrlich kein Geheimnis mehr, man braucht sich auch nicht zu wundern, wenn das Kohlensyndikat demnächst Fördereinschränkung beschließt. Der FiskuS hat sowohl bei seinen Abschlüssen mit dem Stahlvcrbande, als auch mit dem Kohlensyndikat die Interessen der Steuerzahler und die der Konsumenten gröblich verletzt. Hochkonjunktur in der Zementindustrie. Die jetzt herauskommenden Dividendenschätzungen aus der Zemcntindustrie zeigen durch- ivcg ein starkes Ansteigen der Gewinnkurve. Die Dividende deS German ia-American-Portland-Zementwerks für das am 36. b. M. zu Ende gegangene Geschäftsjahr ist mit Ll) Proz. in Aussicht genommen. Die Hemmoor-Portland-Zement- sabrik verteilt für dieses Jahr 9 Proz.(im Vorjahre 61). Für andere Werke liegen folgende Schätzungen vor: Teutonia, Misburger Zemenlfabrik zirka 20 Proz.(im Vor- jähre 15 Proz.). Vorwahler Portland-Zementfabrik 17 Proz.(13 Proz.). Norddeutsche Portland-Zementfabrik 11—12 Proz.(9 Proz.). Wunstorfer Portland-Zementfabrik zirka 8 Proz.(ö'/o Proz.). Die Hochkonjunktur in der Zemcntindustrie war auch das Signal für neue KonzentrattonS- und Organisationsbestrebungen. Die Sprengung des Z e m e n t s y n d i k a t ö, das pilzartige Entslehen neuer Werke, die außerordentlich forcierte Vergrößerung der meisten alten Fabriken, alles das zeitigte anfänglich einen wilden Wettlauf und niedrigere Preise. Es kam dann zu einer Verständigung zu- nächst unter den benachbarten Fabriken. Das Ende war eilte Gruppierung nach den einzelnen Gebieten, und zwar bildete sich eine hannoversche, eine unterelbische, mitt ldentsche, rheinisch-westfälische, süddeutsche, Berliner und Stettiner Gruppe, die nun sämtlich seit etwa drei Jahren bestehen(eine schlesische Gruppe besteht schon länger). Diese Gruppierung, die mit dem Abschluß eines Kartell- Vertrages zwischen den einzelnen Verbänden gekrönt wurde, erwies sich der konzentrierten Profiterzeugung günstiger als das frühere Syndikat, in dem ohne irgendwelche Untergruppierung alle deutschen Zementwerke zusammengeschlossen waren. Zurzeit steht die Erneuerung der einzelnen Kon» v e n t i o n e n. ivie auch der Kartellvereinbarung zur Diskusston. Die Verhandlungen über die Erneuerung der hau- noverschcn Verkanfsvereinigung der Zementwerke sind bereits von Erfolg gekrönt. Es stehen nur noch einige Werke außerhalb der Vereinigung, so Hardegsen, Harzer Kalkindnstrie usw. Jedoch diese haben sich auf dem Gebiete der Schröpfung nicht als Störenfriede gezeigt. Bei der im September erfolgten Verdinguny von 1 666 606 Kilogramm durch die Stadt Hamburg hat beispielsweise Hardegsen ein Gebot von 3,23 M. abgegeben, das höher ivar als die Forderung des LÜneburger Werkes, das mit dem Gebot von 3,16 M. pro 166 Kilogramm den Auftrag erhielt. Von den neu gegründeten Werken, wie der Harzer Kalkind ustrie, wird Man ebenfalls den Anschluß an die Vereinigung zu erwarten haben. Die dahinter stehenden Bankkreise, die hier wie überall dem„freien Spiel der Kräfte" das Grab schaufeln, sind auch bei den anderen großen Zementwerken interessiert und werden keinesfalls einen Konkurrenz- kämpf zulassen. Ebenso wird der einige Wille zur Bereicherung wohl schließlich zu dem erneuten Abschluß der Kartellverträge führen, der auf einer in Bochum abgehaltenen Gesellschafterversamm-. lung einstwellen auf Schwierigkeiten gestoßen ist. Harpencr Bergbau. Die größte„reine" Bergwerksgesellschast.Harpener Bergbau". hat für das letzte Jahr mit einem Bruttogewinn von 21.6 Millionen Mark abgeschlossen. Die Ergebnisse der beiden letzten Jahre veran- schaulicht folgende Tabelle: Durch-~ Brutto- Abschrei- Rein- schnitts- zahl V�inn Bungen gewinn � AtBetter M. M. M. M. M. 1965/6 25 665 26548 833 8 422 930 8 649 326 4,28 845 1966/7 25 657 21 807 663 9 281 843 9 449 566 4,91 376 Aus dem Reingewinn wurden im Vorjahre 11 Proz. Dividende verteilt, für das letzte Jahr erhalten die Aktionäre 12 Proz. Das» Aktienkapital beträgt 72 260 666 M. In den beiden letzten Jahre« ist ein Viertel deS gesamten Aktienkapitals abgeschrieben worden. ZMC iXK -MC. UWUM Besonders preiswert: Weiss flach 1 1 PC Speiseteller tur 1 8 pr, Dessertteller 1 0 pc Kompotteller 8 pr. Terrinen 00 pr., 1.85, 1.60 Mk. KartoffelschOsseln mit Dackai 68, 85 pt Saucieren 45 pc Bratenschüsseln«rai 1 8 b» 68 pc Kompottieren oc Kaffeekannen Teekannen Milchtöpfe Tassen Salatieren sat» s stück Bio grosser Pesten Puddingformen 12, 16, 20, 25 pc Bant Kaffee-Service»tem» 4 hl, 4.50, 6«k. Kaffee-Service tstewg 6«k. 7.76, 8.50 Kuchenteller 1»,. 1.15 ja. Tassen 20. 26, 33, 38 pt Dessertteller 15, 18, 80, 86 pl 20, 30, 85, 88 pt 30. 45 pc 38 Pf. 8, 10, 15 pc 9 pt 1.05 aik. Weiss Neu eingeführt Weisses FestoD-Tafelgescbirp Eratklaeelgee Fabrikat Speiseteller usr und flach 88 pt Dessertteller 25 pt Kompotteller 1 7 pr. Terrinen mm, und ovai 2.85, 4.50, 5.60«k. Kartoffelschüsseln mne 1.20, 1.60, 2«k. KartoffelschOsseln«n, 2.40, 8 m. Saucieren mit Henksi 1.20, 1.60 na. Saucieren obn« Hsnke, 80 pr., 1.20 ao. Bratenschüsseln osai 50 pt bis 4.80 ml Bratenschüsseln runa,«sr and flach 2.25 Mk. Salatieren vitnckig 80 pr. bis 1»00 Kk, Smd Leuchter 2V pt Fruchtschalen 1 ml Geleedosen mit Pnehtdakot 45 pt Butterdosen 42, 68, 86 pe Hyazinthentöpfe„ws 82 ru, m.acidrmad45 rt Tafelgeschirr gesehweifte Form aalt rotem Bandmuster und Goldverzierung Service für 6 Personen SOtelifg 1 8 Mk. Service für 12 Personen SV teilig 35.50 Service für 12 Personen TStelOg 52 Mk. 40 Pf. 85 pt 28 pt 45 Pt bis 1.60 1.20, 1.60 63 pt ua 2.20 8.60, 4.60 2�25, 2.70 48 pc 85 Pt 95 ps SpeiseteOer im nad flach Dessertteller Kompotteller Salatieren Saucieren m* Henksi SKatenachüsseln sm Terrinen KartoffelschOsseln Bell ageschüs sein Salz- u. Pfefferge fasse Senfgefässe Bierbedier mit oeidnad 7, 10, 15 pt Bierbecher mit aordan 12 pt Butterdosen 1 5, 24. 26 pt Butterkugeiständer gcprnii 25 pt Bierkannen(«pnait 85, 42, 60 pt Fussbecher gcpmat 1 1 rt. Käseglocken gepnnt 42 pt Leuchter geprutt 1 0, 24 pt Salatieren tat« s stock» gcpnaat 45 pt Kompotteller(«pnaat 6, 10 pr. Perl-Sturzfiaschen mit aoidraad 28 n Wassergläser g,p»,aat 5, 6, 9 pt Hyazinthengläser 7 pt Salatieren p»aa.aciatau tStcwachlia-lmitatioQ«» 17, 25. 36, 43. 70, 93 Pt. 1.30 Sturzflaschen g«churr»a 42 pt Wasserflaschen c«,chiista 42 rt Wassergläser gaaeuiffra M 18 pt 26 Pt 58 pt Bierbecher mit Patband, cmhUSra Käseglocken Bowlen kennen ,,____ 56, 90 P». 1.10, 1.40, 1.60, 2 Römer 28, 28, 55 m Sturzflaschen hast gMtnm 66 pt Bowlen mit U OUaam«ad atanahlatt 10 Mk, TriDkgarDiturScbleifeDrouster Majolika-Blumenkübel Majodka-Bhimenkübe) MajoRke-Vssen mit Englische Teekannen 48 pt ata 2 Mk. 16 bia 86 Pt IccBna . 25. 48 Pt 40 Pt b» 2. 10 Ein Waggon dekorierter Waschgarnituren zu besonders bffilgen Preisen. Kasserollen oiuw Ring,• crdiun 25 pt bu 1«k Kasserollen mit Ring, s gtCimo 50 pt bia 1-80 Schmortöpfe �'°I'okC„»n 45 pr. 2 Mk. Schmortöpfe mil �'a occa,»» 55 pt bu 2 Mk. Fleischtöpfe e orsaara 70 pr. ua 2 ml Fleischtöpfe hoba• GrSaiaa 1.20 bia 3.50 ObstkOCher Ohaa Ring, 4 GrOaian 70 Pf, bia 1.25 Ringtöpfe 0 CrCaaaa 65 Pt bia 1.50 Waschtöpfe s crdsa» 2.75 bia 4.25 Gaskochertöpfe Ds GröU.n 65 rr. bia 2.25 Bratpfannen mit Stial, 0 GrSssan 25 bia 80 Pf. Milchkocher 4 Grössen 75 Pf. bia 2.25 Kochkistentöpfe 4 cronan 1.50 bia 2.50 Kaffeeflaschen 4 GrOaaaa 55 bia 80 Pt Milchkrüge t Grösiaa 40 aad 45 Pf. Becher Brotkörbe oval Reibeisen Senfgefässe Eierbecher wain Teller nach und uar Essnäpfe I Qiöitaa 1 5 aad 20 Pt 45 pt f Grösaea 45 aad 60 Pt 20 Pt 5 pr. 4 Gröiaaa 1 2 bia 35 Pt 10 Gröaaaa 1 5 pt bia 1«k. Gemüseschüsseln �'?GÄaaaa 25 Pt bia 1.10 Gemüseschüsseln oval, 4 Gröaa. 25 bia 50 Pt Milchschüsseln Z Grössaa 40 aad 50 Pf. Bratenschüsseln bval, 4 Glösa. 40pt bis 1.50 Bratenschüsseln ruad, 2 Gröaaaa 40 aad 50 Pf. Küchenschüsseln uat; 0 Gr. 45 Pf. bis 1.35 Schüsseln 0a-b, raad 14 Gr 1 5 Pf. bis 8.25 Waschschüsseln dskorisrt 2.75 Wasserkannen 4 Grössaa 90 Pt bis 1.60 Selfnlpfe visraskiE 25, dakariart 80 Pt Seifenhalter mit Haks» 1 2, mit Raakwaad80 Pt Zahnbürste nschalen dakarisrt 40 Pt Tolietteneimer" Z?i»taa 2 ML, 2.25, 4.25 T oiletteneimer d,k3rs««tn 4 hl, 6 ml, 7 ml Wassermasse akSonaels 45 aad 90 Pt Scheuergarnituren au s saeban 1.75 Scheuergarnituren dakottast 2.60, 2.75 Behälter f. Zwiebel od. Semmel dtker. 2 ml Löffeibleche mit 4 toffein 2.85, 8.60, 4 ml Gemüsesiebe 4 Gröaaaa 1.75 ua 2.76 Wannen onl, ohaa Posa, i Gröaaaa 1 ML bia 2.40 Wannen oval, mit Paas, 0 Gröaaaa 1 25 bia 5 ML Wannen nad, mit Pass, I Gröaaaa 1.75 hü 2.75 Wassereimer ca. 20 am Dorehmaaiaa grau 65 Pt, heUblaa 85 Pf* mcrmat 90 Pf, Marktkörbe EinMtT111, 1.90| Glühkörper Karton ♦ stück 50 pf.| Gaskocher Brannor» 9.5Owirm0t�ion 12.50 PHOTOGRAPHISCHE ATELIERS ORIGINAL-AUFNAHMEN= REPRODUKTIONEN= VERGRÖSSERUNGEN AUFNAHMEN BIS 8 UHR ABENDS xmz Z7K DtäC 325C DMC m 1 Rand gesetzU geschützt ~ Scuntooctli�gt Siedakteur: HanS Weber, Berlin. Für de« Inseratenteil verantw.: Th. Gl»d», Berlin. Druck u. Verlag: ÄorwärtS Buchdruckerei u. VrrlagSanstalt Paul Singer& 9«* Beclia SW. lt. 248. 24. Jahrgang. 2. SrilW i>ks Jotiüiirto" Krlim llolliülilntt. Donnerstag. 17. Sttoder 1007. Heute Donnerstag abend von V Uhr an: Massenverbreitung des „Vorwärts" Die Genossen werden aufgefordert Man« für Mann an den bekannte« Stellen anzutreten. Zur Noimimnslumhlben'egiing. Bon den„allerdümmiren Kälbern". In Moabit feiern die Konservativen im Hinblick auf die Stadtverordnetenwahlen schon setzt„Siegesfeste". Am Dienstag hatten sie dort für die W a h l b e z i r k e 44 und 45 eine gemein- schaftliche Konimunalwählerversammlung veranstaltet, zu der sie „alle bürgerlichen Wähler" und auch Gegner eingeladen hatten. Trotz dieser Masseneinladung war es ihnen nicht gelungen, volle Besetzung des Saales zu erzielen. Aber ihrer HoffnungSfreudigleit tat es keinen Abbruch. Im Rathause vertritt den 44. Bezirk Genosse Theodor Glocke, den 45. Bezirk Genosse Karl Liebknecht und beide sind auch diesmal wieder als Kandidaten der Sozialdemokratie auf- gestellt worden. Die Konservativen haben für den 44. Bezirk einen Kaufmann Popiersch für den 45. Bezirk einen Eisenbahnsekretär Liebig aufgestellt, doch bekam man in ihrer Versammlung nur Herrn Liebig zu hören. Der Versammlungsleiter Rechtsanwalt Ulrich erklärte init unverwüstlicher Zuversichtlichkcit, für den 45. Bezirk gelte ihm die Niederlage der Sozialdemokratie als absolut sicher, aber auch für den 44. Bezirk habe er grosze Hoffnungen. Im 45. Bezirk versprechen sich die Konservativen davon viel, dah sie gegen Lieb- knccht jetzt den Hochverratsprozeß ausschlachten. Schon am Dienstag taten sie das nach Kräften, wobei die Redner in ihren Schimpf- leistimgen jedermann zu überbieten suchten. Gegen die Tätigkeit der Sozialdemokratie im Rathause wurde eigentlich von keinem der Redner— weder von dem Referenten Fabrikant Pretzel, noch von Ulrich, Liebig usw.— eine sachliche Einwendung vorgebracht. Was die Sozialdemokratie für die werktätige Bevölkerung von der Kommune fordert, das „wollen"— auch die Konservativen. So hören wir's allemal dann, wenn Wahlen kommen. Herr Liebig„will" die schwachen Schultern möglichst von Steuern entlasten, er„will" den Arbeitern, den kleinen Gewerbetreibenden, den kleineren und auch den mittleren Beamten helfen,„will" den Gemeindeschullindern freie Lehrmittel geben, die begabtesten als Freischüler auf höhere Schulen bringen usw. usw. Was will er nicht!? Nur dies Eine will er nicht, daß jemand im Rathause den Wünschen der Hausbesitzer entgegen- tritt. Er sagte über diesen Punkt nichts, aber sein Schweigen war beredter, als tausend Worte es sein könnten. Dieser Herr L i e b i g. der da vor die Wähler der dritten Abteilung nur als Eisenbahnsekretär hintritt, ist nämlich ein Vertrauensmann der Hausagrarier, wie wir schon kürzlich mitteilten. Der Grundbesitzerverein.Nordwest" agitirt eifrig für ihn, weil er ihn als ein„seit langer Zeit bewährtes" Vorstandsmitglied zu schätzen weiß. Das erklärt es. daß Herr Licbig keine Silbe gegen die Sonderinleressen der Hausbesitzer vorbrachte.' Und so versteht manS auch, daß in seinem ganzen Vor- trage sowie in den Ausführungen aller anderen Redner die Haus- befitzer gar nicht erwähnt wurden. Alles, was in der Berliner Gemeindeverwaltung der Freisinn gesündigt hat. ist ja ein Werk der Hausagrarierclique, die im Rathause bei einander sitzt. Und gegen alles, was die Sozialdemokratie zur Besserung unserer kommunalen Zustände vorschlägt, wehrt sich am heftigsten und zähesten dieselbe HauSagrarierclique, um die Durchführung solcher Reformen möglichst lange zu verhindern. Herr Liebig deklamierte:„Nur die aller» dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber!"— und empfahl s i ch den Wählern. Die Siegeszuversicht der Konservativen Moabits gründet sich auf die Erivartung, daß die F r e i s i n n i g e n im 44. und 45. Bezirke diesmal gar keine eigenen Kandidaten aufstellen werden. Herr Ulrich gestand, er hoffe das, mindestens aber rechne er für etwaige Stich- wählen auf Hülfe vom Freisinn. Deshalb riet er auch, den Kampf gegen den Freisinn mit Vorsicht zu führen. Wir können den Konservativen mitteilen, daß ihre Hoffnung sie zum Teil betrogen hat. Schon hat ein Bezirksverein Moabits, der sich unpolitisch nennt, sich dafür ausgesprochen, daß im 45. Bezirke der Maurermeister Bredereck aufgestellt werden soll. Bredcreck ist ein Frcisinnsmann, der in Moabit schon früher als Zählkandidat ge- dient hat, im übrigen aber gilt auch er den H a u s a g r a r i e r n als „bewährt". Den Kampf gegen die Sozialdemokratie predigte in diesem Verein der Apotheker Schreber, ein hervorragender Haus- agrarierführer. Auch er sähe es am liebsten, wenn die„OrdnungS- Parteien" sich gegen die„Roten" zusammenschlössen. Hierin begegnet er sich mit Herrn Ulrich und insofern bleibt den Konservativen einst- weilen wenigstens für eventuelle Stichwahlen noch ein Rest ihrer Hoffnung. Wir erwarten allerdings, daß die Wähler der werktätigen Bevölkerung in Moabit wie allüberall in Berlin nicht die Rolle der„all erdümmsten Kälber" übernehmen werden, die ihnen von den konservativ- freisinnig gepaarten„Ord- nnngSparteien" des HauSograriertums zugedacht ist. Sorge jeder nach Kräften dafür, daß am 6. November sogleich in der Hauptwahl die Kandidaten der Sozialdemokratie gewählt werden. » Eine unbewußte Kritik der FrcisinnSherrschaft im Roten Hause leistet sich der Gewerlvereinler P. Tröger in der Halbmonatsschrift .Waldeck". T. schreibt: „Ist denn unsere Stadtverordnetenversammlung wirklich so auf der Höhe, daß es nicht lohnt, darauf zu sehen, daß bei den neuen Wahlen ein paar Leute mit großem GesichtS- kreis und volkstümlichen Ansichten da hineinkommen? Noch bei jeder großen Frage, die die Neuzeit geboren, und die dem engen Kreis, aus dein sich die Stadlverordneten der Mehrzahl nach rekrutieren, fernliegt, hat es sich gezeigt, daß unsetc Stadtverwaltung dringend neuer Männer bedarf. Wir wollen die Sünden heute nicht aufzählen, aber daran erinnern wollen wir, daß man Ursache hat, Ein- kehr zu halten. Man sollte es nur einmal versuchen, mit dernichtsozialistlschen Arbeiterschaft Fühlung zu gewinnen, und man wird staunen, mit loelchen Waffen der Freisinn in Berlin für sich zu rechnen hat. Rkan gebe es auf, sich in engen Konventikeln einzukapseln. Hinaus ins Leben, hinaus in eine flotte Wahlbewegimg, und der Erfolg wird nicht ausbleiben." Herr T. gibt sich in seinen Darlegungen einer groben Täuschung hin, indem er glaubt, de» Teufel durch Beelzebub austreiben zu können. Gegen die kleinliche engherzige Kommunalpolitik des Freisinns kann nur die Wahl von Sozialdemokraten helfen. Partei- Btogelegeukeiten. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 27. Oktober, abends 6 Uhr, findet im großen Saale der Neuen Arminhallen, Kommandanten- straße 58/59, eine Versammlung mit Frauen statt. Nach der Ver- famnilung: Gemütliches Beisanunensein. Enttee inkl. Tanz 20 Pf. Garderobe frei. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 29. Oktober, mittags 12 Uhr, Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für den sechsten Wahlkreis bei Groterjan, Schönhauser Allee l28. Tagesordnung. Die Rechte un„ Pflichten der Mitglieder städti- scher Kommissionen. Referent: Stadtv. Koblenzer. Wahlvereinsbuch legittmiert. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Die Genoffen werden ersucht, alle nicht ver- kauften Billetts zu dem am Sonntag, den 27. Oktober, in den Pharus-Sälen, Müllerstraße, stattfindenden Kabarett-Abend bis zum Mittwoch, den 23. Oktober, an die Bezirksführer zurückzugeben, anderenfalls alle bis dahin nicht zurückgegebenen Billetts bezahlt werden müssen. Rixdorf. Heute, Donnerstag, den 17. Oktober, abends 8'/z Uhr, beginnt der zweite Lehrkursus bei Hoppe. Genosse Bruno Borchardt behandelt das Thema:„Der Bau deS Weltensystems". Die Parteigenossinnen und Genossen werden hieraus aufmerksam gemacht. Johannisthal. Die Flugblattverbreiwng findet heute abend von 7 Uhr ab von Alb. Gobin, Roonstraße 2 aus statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich zu beteiligen. Am Sonnabend, den 19. d. M. feiert der Wahlverein sein 13. Stiftungsfest bei Alb. Trautmann, Friedrichstraße 61. Billetts sind bei den Bezirksführern zu haben. Der Vorstand. Friedrichshagen. Sonnabend, den 19. Oktober, abends 9 Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad, Seestraße 45: Versaminlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Bericht des Genossen I o h n-Rummels- bürg über den Parteitag in Essen. 2. Diskussion. 3. Vercinsange- legenheiteir. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Be- such bittet Der Vorstand. Zossen. Die Parteigenossen werden hiermit aufgefordert, sich heute abend Punkt 7 Uhr im Lokale Schimke behufs Verbreitung von Handzetteln zur Versammlung am Freitagabend und Ver- breitung des.Vorwärts" zur Gelvinnung von Abonnenten ein- zufinden. Der Wahlvereinsvorstand fordert die Genossen auf, sich reger als bisher an den Parteiarbeiten zu beteiligen. Reinickendorf-Ost. Die Flugblattverbreiwng findet heute abend von 7 Uhr ab von den folgenden Stellen aus statt: 1. Bezirk: Restaurant Hennann, Residenzstraße, Ecke Holländerstraße; 2. Bezirk: Genossenschaflsbäckcrei, Wilkestr. 62; 3. Bezirk: Restaurant Bolien, Seestraße, Ecke Gesellschaftsstraße; 4. Bezirk: Restaurant Boß. Kamekestratze, Ecke Grüner Weg; 5. Bezirk: Restaurant Schiller, Provinzstr. 79; 6. Bezirk: Restaurant Brückner, Provinzstr. 82. Genossen! Es ist Eure Pflicht, rechtzeitig und vollzählig zu erscheinen, je mehr sich beteiligen, desto leichter ist die Arbeit. Borfigwalde. Der Gesangverein„Waldchor" in Borsigwalde feiert am Sonnabend, den 19. Oktober, in Tegel m Trapps Fest sälen sein achtes Stiftungsfest. Da die Mitglieder dieses Vereins sich zu allen Parteiarbeiten bereitwilligst zur Verfügung stellen, werden die Genossen gebeten, dessen Veranstaltungen zu unterstützen. Der Vorstand des Wahlvereins. Bcrlimr JVaebnehten. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadwrrordnetcnversammkung hat gestern folgende Anträge bei dem Bureau der Stadtverordneten� Versammlung eingereicht: 1. Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Den Magistrat zu ersuche», die Vorschriften über das städtische Sub misfionswesen einer Neuregelung zu unterziehen und hierbei fest- zusetzen, daß: die Lieferungen und Arbeiten für die Stadt öffentlich aus- geschrieben werden und daß den Submittenten die Verpflichtung auferlegt wird, für die mit der Ausführung städtischer Aufträge beschäftigten Arbeiter die von den gewerkschaftlichen Organi- sationen ihres Berufs festgesetzten Lohn- und Arbeitsbedingungen anznerkennen. 2. Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung in gemischter Depu- tation darüber zu beraten: in welchem Umfange die gegenwärtig an Privatunternehmer vergebenen städtischen Arbeiten in eigener Regie der Gemeinde- Verwaltung ausgeführt werden können. Zum Achtnhr-Ladcnschluß. Eine von zirka 59 Ladcninhabern am Dienstag in Dräsels Fcstsälen angenommene Protesttcsolution gegen den Achtuhr- Ladenschluß war das Resultat einer Versammlung, bei welcher die Eintretenden auf ihren Standpunkt zu dieser Frage examiniert und eventuell abgewiesen wurden. Was in der Diskussion von den geschworenen Gegnern jedes sozialen Fortschrittes an reaktionärer Intoleranz geleistet wurde, spottet jeder Beschreibung. Aus Ver- zwciflung über die schlagenden Argumente, die trotz aller Vor- sichtsniaßregeln für den Achtuhr-Ladenschluß vorgebracht wurden, wußte man keinen anderen Ausweg, als den betreffenden Rednern durch Majorisiermtg die Sachlichkeit abzusprechen und ihnen das Wort zu entziehen. Dagegen aber mußten sich die Zuhörer, bcson- dcrs die Damen, alle Mühe geben, ernst zu bleiben, als z. B. fol- gende Probe von Sachlichkeit vom Vorstandstisch des„Bund der Ladeninhaber" vom Stapel lief:„Wenn sich jemand in der Familie nach 8 Uhr ein Bein bricht oder Fieber bekommt, dann müßte er beim Achtuhr-Ladenschluß nach der Unfallstation und schließlich könnten auch die Hebammen nach 8 Uhr den Dienst versagen."— Hoffentlich nehmen alle Beteiligten hierauf Rücksicht. „Der Verein der Tabakinteressenten" hat sich an den Polizei- Präsidenten gewendet, um für den Fall des Achtuhr-Ladenschlusses wenigstens für die Inhaber offener Ladengeschäfte der Zigarren- und Tabakbranche eine Ausnähme zu erzielen. Der Verein hat eine Abstimmung unter den Ladeninhabcrn der Branche borge- nommen. Diese soll ergeben haben, daß 325 Inhaber für und 2361 sich gegen die Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses erklärt haben. Diese Abstimmung würde gar nichts beweisen. Bekannt ist, daß es große Geschäfte gibt, die zahlreiche Filialen in Groß- Berlin haben und daß die Besitzer gleich für Dutzende von Läden ihre Stimme abgeben. Interessant ist aber folgende Begründung: „Andere Waren, wie Handschuhe, Seide, Bijouterien und dergleichen, die nicht zum augenblicklichen Bedarf dienen und in- folge früheren Ladenschlusses am Abend des einen Tages nicht gekauft werden, gehen dem Konsumenten und Verkäufer keineswegs verloren. Die Zigarre oder die Zigarette aber, die mangels der Einkaufsgclegenheit am Abend nicht mehr gekauft werden kann, wird nicht mehr geraucht und dadurch endgültig dem Konsum entzogen: der Einkauf kann am nächsten Tage nicht mehr nach- geholt werden, und der am nächsten Tage nachgeholte Einkauf ist kein Ersatz für den am Tage vorher notgedrungen unterlassenen, sondern würde auch vor sich gegangen sein, wenn am Abend vor- her der andere Einkauf möglich gewesen wäre." Diese Begründung ist ein recht alter Ladenhüter. Sie er- innert an die Ausreden und Klagelieder, die seinerzeit vorgebracht wurden, als es sich um Einführung der Sonntagsruhe handelte. Welche Gefahren wurden nicht ausgemalt angesichts der Tatsache, daß kein Schlächter, kein Bäcker usw. Sonntagabend dem Publikum etwas Eßbares verkaufen darf. Wenn alles das eingettofsen wäre, was man damals voraussagte, hätten Taufende von Menschen Hungers sterben müssen. Die gleichen.Argumente" wurden wiederholt beim Neunuhr-Ladenschluß. Hoffentlich bekommen wir baldigst den Achtuhr-Ladenschluß und zwar ohne Ausnahmen; letztere sind durch nichts gerechtfertigt. Zur Charakteristik der städtischen Sozialpolitik. Aus den Kreisen der städtischen Arbeiter Berlins erhalten wir nachstehende Zuschrift: „In der gestrigen Nummer des„Vorwärts" wird über eine Sitzung der Gaswerks-Deputation berichtet, deren Verlauf in den Reihen der Arbeiter nicht ohne Wirkung bleiben wird; denn selbst dem Blödesten mutz die Art, wie die Arbeiteranträgc behandelt wurden, die Augen öffnen. Die echt„freisinnigen" Auslassungen des Herrn Stadtrat Namslau über das Koalitionsrccht der städtischen Arbeiter kommen noch gerade recht, um auch den letzten derselben bei den bevorstehenden Wahlen an die Urne zu bringen. Allerdings nicht mit einem liberalen Stimmzettel in der Hand, sondern um durch Wahl sozialdemokratischer Kandidaten eine So- zialpolitik in Berlin zu schaffen, die diesen Namen verdient. Wenn der Herr Stadtrat von der Organisation der Gemeindearbeitcr als „außenstehende Stelle" spricht und gar den letzteren verbieten will, in öffentlichen Versammlungen Forderungen zu stellen, so läßt das zwar einen tiefen Blick in das liberale Gemüt dieses Herrn tun, wird aber sonst die Arbeiter nicht im geringsten beirren, sondern nur um so mehr anspornen, mit aller Kraft sich ihr Koalitionsrecht zu wahren. Daran ändert auch der sehr, sehr nervöse Ausruf des Herrn Stadtrat:„Wir sind auf alles vorbereitet!" nicht das ge- ringste; denn auch die Arbeiter sind gewappnet. Und nun zu dem Hinweis auf die Arbeiterausschüsse, welche die einzige Instanz für Verhandlungen sein sollen. Abgesehen davon, daß für Forderungen bezüglich der Lohn- und Arbeits- bedingungen die Ausschüsse gar keinen Wert haben, weil sie nichts bewilligen können, so sollte doch der Dezernent der Gaswerke am wenigsten diese Institution preisen. Gerade die Ausschüsse der zu seinem Ressort zählenden Betriebe werden durch ihre Vorsitzenden (die Bctriehsdirigenten) in einer Weise behandelt, die den Arbeitern jedes Vertrauen rauben mutz. Hat es doch ein solcher Vorsitzender fertiggebracht, den Ausschußmitgliedern gelegentlich einer Aus- spräche einfach die Rückseite seines geschätzten Körpers zuzudrehen. Es ist also kein Wunder, wenn die Arbeiter schließlich zur AuS- schaltung der Ausschüsse kommen. Nun ist das aber gar nicht ein- mal geschehen und die von Herrn Stadtrat Namslau in der De- putation gegebene Darstellung, nach welcher die Anträge der Ar- heiter von den Mitgliedern der Arbeiterausschüsse ohne Ver- Mittelung der Vorsitzenden derselben eingereicht worden seien, entspricht nicht den Tatsachen. Das Gegenteil ist richtig! Die be. treffenden Schriftstücke sind— wie ausdrücklich festgestellt sei— von den Ausschußmitgliedern ihrem jetvciligen Vorsitzenden über- reicht worden mit einem Anschreiben, worin letzterer um Kenntnis- nähme der Anträge und gefällige Weitergabe an die zuständige Stelle ersucht wird. Lediglich eine formelle Sitzung der Aus- schösse hahen die Arbeiter für überflüssig gehalten, weil sie wissen, daß Bewilligungen doch nur die Deputation aussprechen kann, und weil in früheren gleichen Fällen die Dirigenten die Be- ratungcn nach langem Hkn und Her mit Hinweisen auf ihre Macht- losigkeit in diesen Dingen abbrachen. Deshalb kamen die Arbeiter ganz mit Recht zu dem Schluß, sich und den Vorsitzenden unnötige Auseinandersetzungen zu ersparen, umsomehr, als die Anträge in umfangreicher Weise schriftlich begründet waren. Nach alledem ist es nicht recht verständlich, wieso der Herr Stadtrat den Arbeitern nachsagen kann, daß sie den Instanzenweg nicht innegehalten hätten. Der Vorwurf wäre ja gewiß zu ertragen, trotzdem entbehrt er aber jeder Unterlage. Es bleibt als Erklärung für den Ausfall des Herrn Stadtrats nur eins: der Zorn über die Einmütigkeit der Arbeiter, mit welcher diese hinter ihren Forderungen stehen. Das mag unangenehm berühren, sollte aber doch zur Einkehr mahnen; jedenfalls sind solcher Geschlossenheit gegenüber brüske Abweisungen vom Uebcl. Also: nicht zu hoch zu Roß!" Wieder Barackenschulcn. Nach einem Beschluß des Magistrats soll in der Seestraße eine neue 29klassige Barackenschule er- richtet werden. In der städtischen SäuglingSfürsorgestelle Pankstr. 7 wird Frei- tag, den 1. November. Va7 Uhr, Dr. Tngendreich einen unentgelt- lichen Kursus der modernen Säuglingspflege beginnen. Bei wöchent- lich zwei Stunden dauert der Kursus drei Wochen. Vorherige schrift- liche oder mündliche Anmeldung im Institut von 1—4. Die Schlos?brücke sollte für die Automobillinie 19 Alexander- platz— Moabit gesperrt werden, weil die Polizei annahm, daß die Brücke die starke Belastung nicht tragen könnte. Gestern ist aber die Brücke für die Linie 19 wieder freigegeben worden. Eine bau- technische Besichtigung hat ergeben, daß eine Einsturzgefahr für die Konstruktion nicht vorhanden ist, wenngleich beim Passieren der schweren Automobilwagen eine starke Durchbiegung der Brücke erfolgt. Um jedoch die Durchbiegung zu verringern, ist angeordnet worden, daß die Äutomobilomnibuswagen mit der geringsten Ge- schwindigkeit die Brücke befahren.— Demgemäß ist der Verkehr auf der Linie 19 am gestrigen Morgen wieder aufgenommen worden. Die Auferstehung der Peptonfabrik droht wieder die Anwohner deS Vieh- und Schlachthofes mit ihren lieblichen Gerüchen beglücken zu wollen. Zwar sollen nach einem dem Kuratorium vorgelegten Antrag die Gase durch den Einbau eines OfenS zur Verbrennung gelangen und somit unschädlich gemacht werden, aber man lvird es wirklich keinen Menschen übel nehmen, wenn er nach den Erfahrungen, die mit derartigen Experimenten gemacht worden sind, diesen neuen Versuchen mehr als skeptisch gegenüber steht. Daran ändert auch die Talsache nichts, daß der neue Ofen jährlich 19 909 Zentner Koks verschlingen soll. Das Kuratorium konnte natürlich nach Lage der Sache nichts anderes tun, als die Genehmigung zu dem auf Kosten der Gesellschaft zu erfolgenden Umbau geben. Kuratorium und Polizei liegt es aber ob, darüber zu wachen daß auch die Resultate des Ofens den polizeilichen Vorschriften voll und ganz entsprechen und darin werden den beiden Behörden die Anwohner des Vieh« und Schlachthofes energisch unterstützen. Ein schrecklicher Etraßcnunfall hat sich gestern vormittag in der Hussitenstrahe zugetragen. Die Frau des Mechanikers Pangra. Hussitenstr. 42, hatte ihren achtjährigen Sohn Walter fortgeschickt, damit er etwas einkaufe. Als der Knabe den Fahrdamm über- schritt, geriet er in die Gefahr, von einem Automobil überfahren zu werden. Beim Ausweichen wurde er jedoch von einem aus ent- gegengesetzter Richtung herankommenden hochbeladenen Lastwagen ersaßt und umgerissen. Die Räder gingen dein unglücklichen Kinde über den Kopf, über die Arme und Beine hinweg. Am ganzen Körper wurden ihm schwere Verletzungen zugefügt. Der rechte Unterarm wurde fast vollständig zerschmettert. In hoffnungs- losem Zustande brachte man den Knaben in das städtische Kinder- Krankenhaus. Selbstmord eines Studenten. In der Wohnung seiner Mutter in denr Hause Luitpoldstraße l5 erschoß sich gestern abend der Sljährige stud. phil. Julius Robin. Der junge Mann hatte sich in seine»! Zimmer vor den Spiegel gestellt und jagte sich dann aus einem Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe. Das Geschoß durchschlug die Schädeldecke und durchbohrte das Gehirn vollständig. Ein sofort hinzugerufener Arzt konnte nur den bereits eingetretenen Tod des N. feststellen. Wie der jugendliche Selbstmörder in einem zurückgelassenen Schreiben mitteilte, hat er die Tat infolge Lebens- Überdruß begangen. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht hatte die Feuerwehr in der F r u ch t st r a ß e 22 zu tun, wo die Verpackung eines Kanalisationsrohres in Brand geraten!oar. Wegen eines kleinen Wohnungsbrandcs erfolgte ein Alarm nach der Krautstr. 34a und wegen eines Schornsteinbrandes nach der Borsigstr. 31b. Ferner hatte die Wehr in t�r Lothringerstr. 33, Wrangelstr. 3, Tilsiter- Stratze 7, Scharnhorststr. 13 und am Strautzbcrger-Platz zu tun. Dort brannten Papier, Fleisch u. a. Arbcitcr-Snwnritcr-Kolonue. Heute abend 9 Ubr: Beginn des Kursus in der 3. Abteilung für S ch ö n e b e r g bei Wieloch, Grüne- waldstraße 110, und der 4. Abteilung für Lichtenberg- RummelSburg bei Lindner, Gninbergerstr. 10. Vortragsthema in beiden Abteilungen über Anatomie sBau des menschlichen Körpers). VoNragcnde Herren Dr. Schwab und Dr. Hirschfcldt. Vorort- JVacbncbtem Charlottenburg. Der Kampf um die Stadtverordnetenmandate scheint seinen Höhe- Punkt erreicht zu haben. Es ist ein erbauliches Schauspiel, zu sehen, wie die bürgerlichen Richtungen, die— das kann nicht oft genug wiederholt werden— bor zwei Jahren noch ein Herz und eine Seele bildeten, sich gegenseitig in den Haaren liegen. Der Wahl- auSschuß.Freie Vereinigung" versendet Flugschriften über Flug- schrifteu, wobei er entsprechend dem Klasseusystem zwischen den Wählern der verschiedenen Klassen sehr fein unter- scheidet. Die große Masse, die in der dritten Klasse zusammen- gepfercht ist, bekommt Flugblätter auf ganz gewöhnlichem Zeitungs- Papier, die Wähler der ersten und zweiten Klasse dagegen werden mit fein säuberlich aus Büttenpapier gedruckten Schriften beglückt, deren Umschlag das Charlottenburger Stadtwappen ziert. Die Herren lassen es sich etwas kosten, um den Sieg zu erringen. Daß die Freie Vereinigung de» Sozialdemokraten den entschiedensten Kampf ankündet, nimmt weiter nicht Wunder, das beruht auf Gegenseitigkeit, denn auch wir bekänipfen natürlich aufS entschiedenste diese Richtung im Stadtparlament. Allerdings wird die Sozialdemokratie in den Flugschriften der Freien Vereinigung nur ganz nebenher erwähnt, in der Hauptsache wendet sich die Schrift gegen die liberale Fraktion, die als eine„von machtgierigen Führern willenlos dirigierte Fraktion' bezeichnet wird. Wir wagen dem nicht zu widersprechen, die Herren werden sich ja aus der Zeit her, wo noch einige Beziehungen unter ihnen bestanden, genau kennen. Wenn eS in dem Flugblatt weiter heißt, daß maßgebender Einfluß einer politischen Parteicligue in der Stadtverwaltung� un- rettbar zur kommunalen Versumpfung führt, so hat das zweifellos in gewissem Sinne seine Richtigkeit, nämlich dann, wenn eö sich in Wirklichkeit um eine Clique handelt, und nicht vielmehr um eine politische Partei. Eine politische Partei wird natürlich ihr Programm durchzusetzen suchen, und wenn dies Programm, wie es bei der Sozialdemokratie der Fall ist, die Interessen der Gesamtheit berücksichtigt, so erwächst daraus der Kommune nur Vorteil. Anders, wenn eine Clique zur Herrschaft gelangt. Sie wird ihre Macht ausnutzen nicht im Interesse der All- gemeinheit, sondern in eigenem persönlichen Interesse, sie wird hinten herum unter Umgehung des vorgeschriebenen WegcS ihre Pläne zur Ausführung zu bringen suchen. Vor diese Gefahr ist Charlottenbnrg gestellt, wenn die Herreu die Mehrheit erlangen, die sich als liberale Fraktion bezeichnen. Das ist auch der Grund, warum unsere Gc- »ossen im Stadtparlament einen so heftigen Kainpf gegen die sogenannten Liberalen führen, die in Wirklichkeit eine Clique sind und deren Herrschaft die Etablierung des Cliquenwesens in Char- wttenburg bedeuten würde. Die Liberalen wieder bezichtigen die Mitglieder der Freien Vereinigung reaktionärer Gesinnung. So richtig das an sich ist, so ist eS doch von den Liberalen sehr unvorsichtig, dies auszusprechen, denn eS gibt keine kommunalpolitische Frage von Bedeutung, über die nicht zwischen beiden Gruppen volles Einvernehmen herrscht. Indirekt geben also die Liberalen damit zu, daß auch sie reaktionär gesinnt sind. Wir nehmen davon gern Notiz. Aus welchen Ton die gegnerischen Flugblätter gestimmt sind, geht daraus hervor, daß die .Unpolitischen' den Liberalen.dreiste und bewußte Univahrheit' vorwerfen, während diese wiederum mit dem Borwurf einer„un- ehrlichen und gehässigen" Kampfesweise antworten. Neben den allgemeinen Flugblättern werden noch in jedem Be- zirke Sonderflugblätter in Hülle und Fülle verbreitet. Jedem Flug- blatt liegt eine frankierte Karte bei, durch die die Wähler, die sie unterschreiben, ihre Erlaubnis dazu geben, daß ihr Name unter die Wahlaufrufe gesetzt werden darf oder durch die sie sich vcr- pflichten, für diesen oder jenen bürgerlichen Kandidaten zu stimmen. Ein Aufruf an die Wähler des zweiten Bezirks für Herrn Fabrik- direktor Hehl z. B. trägt bereits zirka 500 Unterschriften, fast ausschließlich von Beamten, die sich auf diese Weise haben einfangen lassen. Auch ein Hausvater aus Glogau und ein Wauderredner des Bundes der Landwirte fühlen sich gemüßigt, Herrn Heyl als „nationalen' Kandidaten zu empfehlen und den Kampf gegen die Sozialdemokratie,.den gefährlichsten Feind unserer Gesellschafts- ordnung" mit rücksichtsloser Energie.durch engen Zusammenschluß smntlicher vaterländisch gesinnter Bürger ohne Rücksicht auf die einzelnen Parteiuutcrschiede" zu predigen. Ihren Freunden vom Block, denen Biilow in höchsteigener Person die nationale Gesinnung attestiert hat, wird vorgeworfen, daß sie unter der Bezeichnung liberal.nur ihre freisinnigen, demokratischen Machtgelüste vergeblich zu verbergen suchen, ihren engen Parteistandpunkt über das Wohl der Gesanttheit zu setzen' wagen. Aber, so rufen die Beamten, der Hausvater und der Wanderredner prophetisch aus, dieser Fischzug wird au den gesunden Menschenverstand der Charlottenburger Bürger scheitern. Nun, auch wir appellieren an den gesunden Menschenverstand. Der gesunde Menschenverstand und die politische Einsicht wird die Wähler der dritten Klasie den richtigen Weg weisen und ihnen klar machen, daß einzig und allein die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten im Interesse der Weiterentwickelung der Gemeinde liegt. Möge» unsere Parteigenossen die wenigen Wochen, die uuS noch von dem Wahltage trennen dazu benutzen, um dort, wo diese Ein- ficht noch nicht vorhanden ist, die Wähler von der Notwendigkeit der Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten zu überzeugen! Nixdorf. Wegen Brandstiftung verhaftet wurden die Gürtler Richard Neander und Karl Opitz. Neander, der in der Hobrechtstraße 3 wohnte, errichtete gemeinsam mit einem Fachkollegen eine Gürtler- Werkstatt. Am Sonnabendabend entstand in der Wohnung Neanders ein Brand, der bei seiner Entdeckung schon einen zieni- lichen Umfang angenommen hatte. Dennoch gelang es der Feuer- wehr das Feuer zu löschen, bevor die Wohnung ausgebrannt war. Dabei wurde mit Spiritus getränkte Holzwolle vorgefunden, woraus auf Brandstiftung geschlossen werden mußte. Neander, der bei Aus- bruch des Brandes nicht zu Hause war, behauptete, daß bei ihm eingebrochen und unter anderem ein heller Ueberzieher und eine Geldkassette gestohlen worden seien. Die polizeilichen Nach- forschungen ergaben nun, daß in der Werkstatt des Neander eine Kiste mit Holzwolle gestanden hatte, die seit Freitag voriger Woche von dort verschwunden war. Hausbewohner hatten ferner den Rc- ander am Sonnabendabend, mit dem angeblich gestohlenen Sommerüberzichcr bekleidet, fortgehen sehen. Dieses Kleidungs- stück lvurdc dann auch in der Wohnung des Opitz, wohin sich N. begeben hatte, vorgefunden. Auch die angeblich entwendete Geld- kassettc wurde gestern früh bei einer Trödlerin entdeckt, die die- selbe schon am Freitag von einem Manne, der nach der gegebenen Beschreibung mit Neander identisch sein dürfte, gekauft hatte. Diese Ermittelungen gaben Veranlassung, daß Neander und Opitz ani Dienstag unter dem Verdacht der Brandstiftung resp. der Bei- hülfe verhaftet worden sind. Ei» bedauerlicher Vorfall wird aus der Berlinerstraße ge- meldet. Die Frau des in der Bcrlincrstraßc 88 wohnhaften Holz- arbeitcrs Lehmann nahm nachts ihr vier Monate altes Kind zu sich ins Bett. Als sie gestern morgen erwachte, fand sie zu ihrem Entsetzen den Kleinen zwischen ihrem Bett und einer daneben stehenden eisernen Bettstelle als Leiche hängend auf. Es wird an- genommen, daß die Mutter das Kind während des Schlafes ahnungslos an den Rand des Bettes gestoßen hat, so daß es aus dem Bett heraus mit dem Hals auf eine eiserne Strebe der zweiten Bettstelle siel. In dieser Lage mußte das kleine Geschöpf elend er- sticken. Die Leiche ist durch die Polizei beschlagnahmt worden. Rnmmelsbnrg. „Moderne Ehe" lautet das Thema, über das in der am morgigen Freitag im Lokale der Witwe Weigel, Türrschmidtstratze, stattfindenden öffentlichen Versammlung der sozialdemokratischen Frauen des Kreises Nieder-Barnim Genosse Ä. H o f f m a n n referieren wird. Ferner steht noch auf der Tagesordnung: Wahl einer Delegierten zum Parteitag der Sozialdemokratie Preußens und Bericht und Neuwahl der örtlichen Vertraucnspcrson.— Es wird den tätigen Genossinnen des Kreises zur Pflicht gemacht, für eine gute Versammlung zu sorgen. Die Kreis- Vertrauensperson. Friedrichshagen. Selbstmord verübt hat der 40 Jahr alte Handschuhmacher Paul Schmidt. Früher ein sehr regsames Mitglied seiner Gewerkschaft. ging es mit ihm bergab, seit er sich von ihr zurückzog. In den letzten Jahren suchten ihn schwere Anfälle heim. Schon einmal versuchte er sich in der Spree zu ertränken und nur mit großer Mühe und Gewalt konnte er zurückgehalten werden. Seit Sonntag wurde Schmidt vermißt, gestern wurde er auf der Rahnsdorfer Feldmark bei den Pittbergen an einem Baum hängend als Leiche aufgefunden. Wilhelmsruh. Die Postagentur Wilhelmsruh wird nach einer Bekanntmachung der kaiserl. Oberpostdirckton zum 1. November in ein Postamt II! umgewandelt. Tegel. Unter oem Werdacht eines schweren SittlicktfeitSverbrechenS ist vorgestern der Sohn des Oberlehrers L. aus Tegel, der 23 Jahre alte Techniker L., verhaftet worden. Der junge Mensch, der in Berlin wohnt, hatte seine Eltern in Tegel besucht und soll bei dieser Gelegenheit an einem Kinde unzüchtige Handlungen vor- genommen haben. Die Sache wurde ruchbar, worauf die Ver- Haftung des Sittlichkeitsattentäters erfolgte. WaidmltnnSlust-Lnbars. Eine reichhaltige und wichtige Tagesordnung hatte die letzte Gemeindcratssitzung zu erledigen. Zunächst stand die Einführung der Gemeindegrundsteuer nach dem gemeinen Wert und Erlaß einer Steuerordnung zur Beratung. Auffällig war bei der Gruppierung der Tagesordnung die Einschiebung der Hulidestcuer zwischen den Grundsteuervorlagen und die Trennung der Wcrtzuwachssteuer von denselben. Diese Gruppierung gab Anlaß zu einer Geschäfts- ordnungsdebatte und hatte den Erfolg, die Wertzuwachsstcuer mit der Grundwert- und Umsatzsteuer beraten zu können. Von unseren Genossen waren am 14. August 1906 und 14. April 1907 Anträge dem Gemeindeborstand unterbreitet worden, die die Einführung der Grundwert- und Zuwachssteuer sowie diesbezügliche Steuer- ordnungen verlangten. Hierdurch sowie durch die steigende Finanz- klemme getrieben, kamen auch die bürgerlichen Vereine mit ihren Petitionen betreffs der Grundwert- und der Umsatzsteuer. Von diesen Steuerordnungen wurden angenommen: die Hunde- stcuervorlage, die Einkommensteuerordnung, die Grundwcrtsteuer (Besteuerung des gemeinen Werts der bebauten und unbebauten Grundstücke) sowie die Umsatzsteuer mit der Besteuerung der bc- bauten Grundstücke mit 1 Proz.. der unbebauten mit 2 Proz. Die Einführung der Wertzuwachsstcuer wurde mit 8 gegen 1 Stimme vertagt. Der Gemeindevorsteher glaubt durch die an- genommenen Steuern die Finanzklemme beseitigen und für 1908 die Gemeindccinkommensteuer von 120 Proz. auf 100 Proz. herab- setzen zu können. In demselben Sinne äußerten sich auch die acht bürgerlichen Gemeindevertreter. Eine definitive Festlegung konnte jedoch nicht erreicht werden. Wir werden warten, ob diese acht Vertreter der Grundbesitzer zum Frühjahr noch derselben Meinung sind, oder ob die durchaus unnötig erhobenen 20 Proz. der Einkommensteuer auch im Jahre 1903 für„Potemkinsche" Wcgcverbesscrungen nötig sind.—!? Zernsdorf. Eine öffentliche Bcrsammlung des WahlvereinS tagte am Sonntag- nachmittag im Knorrschen Saale. Genosse Albrecht Fülle aus Berlin sprach über„Die positiven Leistungen der Sozialdemokratie' und zerpflückte an der Hand eines reichen Tatsachenmaterials die Wahllügen unserer Gegner, angefangen vom Reichskanzler Fürsten Biilow bis herab zu den Söldlingen des ReilvSlügenverbandeS, in erbarmungsloser Weise. Am Schlüsse seines 1'/-ständigen Vortrages nahm der Redner Veranlassung, im Hinblick auf die Verurteilung des Genossen Liebknecht die Stellung der Sozialdemokratie zum Militarismus in knappen, scharfen Umrissen zu markieren. Wer etwa glaube, daß das drakonische Urteil des ReichSgerichrS und der noch drakonischere Strasantrag des Oberreichsanwalts gegen Liebknecht zu einer veränderten Stellungnahme der Sozialdemokratie zum Militarismus führen werde, der täusche sich gründlich. Im Gegenteil wird diese? Urteil dazu beitragen. den Kampf gegen den volksfeindlichen, kulturvcrloüstcnden Militaris- mus a»f breiterer Basis zu organisieren und in noch viel wucknigercr Weise als bisher zu führen. In diesem Kampfe werde die Sozial- demokratie gewißlich Sieger bleiben, denn er werde geführt im Namen der Brüderlichkeit, der Humanität und Zivilisation deö Menschengeschlechts der ganzen Erde! Diese SchlußauSführuiigcn des Redners fanden den lebhaften Beifall der Versammlung. Sine Diskussion Ivurde nicht belieht.— Wünschenswert wäre eS. wenn vor allem die organisierieu Genossen den öffentlichen Bersammlimgen weniger fern blieben. Der bevorstehende Wahlrechtskampf macht eS notwendig, daß auch der letzte Genosse, wenn es gilt, am Platze ist Möge unsere dringende Mahnung Beherzigung finden I VernnlcMes. Die Opfer der Pulverexplofion. lieber die Pulvererplosion bei Fontanet berichten weitere Tele» gramme aus New York: Die Pulverfabrik war mit Aufträgen für die amerikanische Marine beschäftigt. In dem Augenblick der Erplo- sion waren in der Fabrik 70 Arbeiter beschäftigt, von denen die Hälfie getötet, die andere schwer verlouudet wurde. In Fontanet wurden, wie verlautet gegen 40 Leichen auf der Straße gefunden. 600 Per- fönen sind sonst noch verletzt und 1200 obdachlos geworden. Eine Schule, die eine halbe Meile von der Unglücksstätte entfernt liegt, ist eingestürzt, dabei find 50 Schulkinder verletzt, unter diescn einige schwer.— Von den Angestellten der Fabriken sind mehrere in den Flammen vor den Augen der Retter verbrannt, die. ohne auf die Gefahr lveiterer Explosionen zu achten, die Trümmer absuchten, sich schließlich aber doch wegen der Hitze zurückziehen mußten. Es werden über die Katastrophen noch folgende Einzelheiten ge- ineldet: Die Einwohner der Stadt Fontanet stürzten ans den Hänsern und retteten sich so vor der Gefahr, unter den Trümmern begraben zu werden. Anderthalb Stunden nach der ersten Explosion flog das einige hundert Meter entfernte, in einer Senkung gelegene Pulver- magazin auf, wobei mehrere der am Rettungswerk Beteiligten verletzt wurden. Die Erschütterung hierbei war die furchtbarstevonallen. Ein in der Nähe der Pulverfabriken stehender Güterzug geriet in Brand. Die Hitze der brennenden Trümmer machte die Rettung vieler unter dem Schutt begraben liegender Personen unmöglich. 13 schrecklich verstümmelte Leichen sind in der Leichenhalle aufgebahrt. Uebcrall liegen Verletzte umher, man sorgt für sie, so schnell es geht. Die Wände und Dächer vieler Häuser sind fortgerissen und die Einrichtungen in alle Winde geblasen. Aus dem zwanzig Kilometer entfernten Orte Brazil eilten Aerzte und Pflege- rinnen in Automobilen herbei, andere kamen mit Extra zug von Terre-Haute. wohin viele Verletzte geschafft wurden. Die Retter vollführten ihr heroisches Werk in fortwährender Lebens- gefahr, sie wurden oft von den Flammen zurückgetrieben und mußten Verletzte verbrennen sehen. Die Erschütterung der ersten Explosion ivurde in dem 100 Kilometer entfernten Jndianopolis deutlich ver- nommen, ebenso in Cincinnatt, wo man sie für ein Erdbeben hielt. Ein Liistmördcr. Die.Ostsee-Zcituiig' meldet aus Köslin: TaS Schwurgericht verurteilte gestern den Maurer Preutz, der die 16 jährige Dieustmagd Kerchcnlvitz vergewaltigt und ermordet hatte, wegen Not- zucht zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und wegen Mordes zum Tode. Die Tvphusepidcmie in Betten ist noch nicht erloschen. Neuer. dings ist ein zwölfjähriger Knabe aus der Kolonie der Ziegelei- arbeiter sowie ein bisher in Velten wohnhaft gewesener und von dort vor einigen Tagen verzogener Arbeiter erkrankt. Im Rudolf Virchow-Krankenhaus, wohin mehrere der von der Seuche Bc- fallenen gebracht wurden, sind vorgestern eine Frau und zwei Männer gestorben. Seitens der Amtsbehörde find weitgehende Maßnahmen getroffen worden, um die weitere Ausdehnung der Krankheit zu verhindern und die vorhandenen Seuchenherde zu vernichten. Bier Tote. Von den vorgestern durch den Einsturz eineS Neubaues in Stuttgart verunglückten Arbeitern ist einer noch gestern abend im Krankenyause verstorben, so daß die Zahl der Toten iniiv mehr vier beträgt: drei Verletzte befinden sich im Krankeuhause, ihr Befinden ist befriedigend. Alle sieben Arbeiter sind Italiener. Großes Aufsehen erregt in Herne die vorgestern abend erfolgte Verhaftnng deS Bankiers Sickmeyer. S. ist in Herne reich begiiterr, Führer der Nationalliberalcn und Stadtverordneter. Die Verhaftung ist wegen Verleitnug zum Meineid erfolgt. Aus Seenot gerettet. Die Rettungsstation Warncmünde-Wcst der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 15. Oktober sind von dem deutschen Staffelschiincr.Anna". Kapitän T. Jeldc», gestrandet westwärts vom Warncmünder Hofen, mit Gerste von Hamburg nach Rostock bestimmt, drei Personen durch das Rettungsboot Dr. Friedrich Witte der Weststalion gerettet worden. 70 Häuser ein'Raub der Flammen. Budapester Meldung zufolge ist die Ortschaft Jankohid größtenteils niedergebrannt. Mehr als 70 Wohnhäuser samt Rebengebäudeu, das Gemeindehaus und die Schule sind ein Raub der Flammen gcivorden. Ei« pikanter Prozeß vor dem italirnischen Senat. Ans Rom wird uns geschrieben: Nach Erledigung des Prozesses N a s i wird der Senat sich mit einem recht pikanten Prozeß befassen müssen, »m eines seiner Mitglieder zu richten, da ja die Senatoren nicht den gemeinen Gerichten unterstehen. Der Senator Tajani, ein 87jühriger Herr, der auch einmal Justizministcr war, wird von der Privatklägerin Baronesse C o r n a r o bezichtigt, sie als Minderjährige vcrfiihrt und zur Prostitution aufgefordert zu haben. Ganz so böse, wie es klingt, hat eS nun freilich der alte Herr nicht getrieben. Die„verführte" Baronesse scheint bei dem ganzen Idyll mit dem damals 8Ijährig-n Senator die Initiative auf ihrer Seite gehabt zu haben. Hat sie doch durch eine Annonce in der„Tribuna" die Bekanntschast mit einem alleinstehenden Herrn gesucht, um sich seiner Pflege zu widmen. Auf die Annonce stellte sich der Exminister ein, genoß die ausbcdungene Pflege und hatte die Befriedigung, den Spätherbst seines Lebens noch durch die Geburt ciucs Sohnes verschönert zu sehen. Dann soll aller- dings der beklagte Senator die junge Mutter verlassen haben und ihr geraten, sich nach einem anderen Beschützer umzusehen. Hier liegt die Aufforderung zur Prostitution. Die Baronesse, die aus einer angesehenen Familie Roms stammt, fordert nun, da sie damals noch nicht 21 Jahre alt Isar, Schadenersatz für die erlittene Verführung und Anerkennung des Kindes. Der Exjustizininistcr seinerseits gibt an, dem Urteil mit Ruhe entgegen zu sehen: er meint, daß man ihm, jenseits der achtzig, gewisse Komplikationen nicht mehr zur Last legen dürfe. Grsuiikc». Wie ans Stockholm gemeldet wird, kollidierte das am DienSlog der vergangenen Woche von Kopenhagen abgegangene schwedische Barischiff„Eapella" Montag nacht im AlandSmeer mit dem Gotenbnrger Dampfer.Landsen' iin dichten Nebel..Eapella' fank binnen weniger Minuten: bei der herrickcnden Dunkelheit und Verwirrung war' es unmöglich. Boote auszusetzen. Der Steuer- mann sowie sechs Man» der Besatzung sind gerettet, der Kapitän und drei Mann sind ertrunken. Die Geretteten sind in Fnmsnnd gelandet. Eine Erderschütterung von großer Heftigkeit wurde nach einer Meldung aus Washington gestern vonnittng von de» Seismographen im staatlichen Wetierbureau verzeichnet. Die Bewegung der Apparate dauerte sechs Minuten._ ßnefhaften der Redahtion. Die juriftltcfic Tvrrchftniide fiiivet Linvi-nNraste Wr. n Jh'cifct Hof, dritter Einz.rng, dlrr Trcvprn, Eaftrstnhl wochentaglich von 7»„ bi» O1/« NI>r abtilde statt. Wrüililei 7 Itljr. Sonnabends btglimr die Sprechknudc nm<1 Nhr. Jeder Zlnfrag-.» ein vllchftab« iiud cine Kahl»IS vterrzrichen beilnMoen. BrieNiiye Stntwort wird n>«« erteil». Stli«, fragen trage man i» der Svrctyfwnde vor. Max IVO. Wird verwendet.— Abraham. Der Hundebeßher ist zum vollen Ersatz des von dem Hund angerichteten Schadens verpflichtet. zz«Magen Sie ihn und lassen Sie die Klage durch einen Nnwalt anstellen. — Junger Genosse 200. 1. Nein, 2. und 4. Ja,— 21. K. 35. Ihre notariell erfüllte Einwilligung ist nach dem Gesetz erforderlich,— E. K. 20. Wenden Sie sich an einen Arzt,— B. 50. DnS Gesetz normiert die Höhe der Abfindungssumme sür eine Rente nicht. Die Höhe derselben hängt von Uebereinkunst ab. In der Regel ist zu einem Antrage aus Absindung nicht zu raten.— Weser, Rixdorf 203. 4, Nein, 2, Falls die Statuten nichts Gegenteiliges sagen, ja, 3. Im„Arbeiteirrecht". 4. Nein,— la. Nein.— — Z. 70 Ein Pflichtteilsrecht steht Ihnen nicht zu, Sie können dagegen nichts machen, wenn die Betreffenden sich gegenseitig oder andere zu Erben einsetzen,— 2l. B. 1001. Nein.— V. I. OOS. 1. Leider nein, 2 bis 4, Dem Wirt steht das Recht aus Einbehaltung der Sachen zu, wenn die Miete nicht gezahlt wird. Er kann sofortige Exmission sär den Fall der Nichtzahlung der Miete nur dann verlangen, wenn das im Vertrag ver- einbart ist. Versuchen Sie eine Einigung init dem Wirt herbeizuführen, -- M. 290. Nein, gegen die Veranlagung mühten Sie reklamieren,— B. K. 5. In diesem Falle ivilrden Sie mit Aussicht aus Erfolg auf Aushebung des Pertrages und aus Schadenersatz klagen können, Sie mützten aber beweisen ,\j5ai) die ausdrückliche Vereinbarung getrosten ist, -- O. 9. 45. Da Sie im Jahr- 1905 aus der Kirche ausgetreten sind, babeir Sie Kirchensteuern nicht mehr zu zahlen, Ihre Frau mühte noch für dieses Jahr Kirchensteuern zabten, da sie erst im Jahre 1906 ausgetreten ist,— E. R. 2. Es empfiehlt sich, den Beistand eines Rechtsanwalts in Ihrem Falle in Anspruch zu nehmen.— Recht 40. Eine Klage aus Herausgabc des Buihes wäre nicht aussichtslos,— H. 8. 20. Sie tun gut, sich an einen Tierarzt zu wenden, der an Ort und Stelle die Tiere beaugenscheinigen niüjjte.— O. H.,)-f. bedeutet Wuchs,— Fall,—») Unterpegel, jtziir de» Inhalt der Inlcrat« nderniinint die Redaktion dem Pnblitn», gegenüber keinerlei Tterantlvortnng. CB8 Cbcarcr. Donnerstag, den 17. Oktober. Ansang 7,/s Uhr. Königl. Opernhaus. Der Freischütz. Konigl. Dchanspielhaus. Der letzte Funke, Slenes königl. Operntheater. Jägerblut. Dentlches. Was ihr wollt,(An- sang 7 Uhr.) Kanimerspiele, GygeS mld sein Ring,(Ans. 8 Uhr.) Theater an der Spree. Telephon- geheimniste. Ansang 8 Ubr. Renes Schauspielhaus. RaffleS, Lessiug. Wenn wir Toten erwachen, Sn-iNcr O.'WuUaei-ioeaui.) Die Schmuggler, e chillrr Ikharlottcnburg. Das vierte Gebot, Verlinrr. Die tanzenden Männchen, Friedrich- Wilbelmstädt. Schau, spiclhaus. Nachtasyl, Neues. Die Waste» wieder I KIrineS. Maria Wagdalene, Lorültg. Undine. Komische Oper. Weriher. Weste«. Die lustige Witwe. 2 u i« G i e l b»>' S. Husarenfieber. Residenz. Ganz der Papa. Trinuo». Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr Scchs-Uhr-Oiikel. Zentral. Unsere blauen JungenS, Luisen. Amerikascppcl. Pcrnhard Roir, Sprce-AIhener. »ätriropoi. TaS mutz man sch'n. »ivollo. Shlvcster«chäffer. Spe- ztalitätc». Walhalla. Spezialitäten, Folies Capricr. Geteilte Liebe. Gafiuo. Die milde Jagd, Gebr. Herriifcld. Madame Wig- Wag, Es lebe daS Nachtleben. Pasiage. Danny Gürtler. Spezia- liläten, Wintergarten. Ruth St, Denis. Spezialiiäte», Prater. Die Logenbrüder. Palast. Ein glänzender Reinsall, Spezialitäten Reichsdalleu. Stettiner Sänger. Garl Haverland. Spezialitäten, II>»»ii>, Tnttvexiik'isie«»«�49. Abend» 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Im Hörsaal nni 8 Uhr: Professor Dr, B, Donath: Physik. Sternmarir, Jvvaüdoim, 67162. Znr Beobaehtuna: MarS, Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke. In»»»<> ttvnn» Lerlinef Illestlel'. Anfang 8 Ubr, «' 1 miiiii Freitag: Die tanzenden Männchen, Soimabend: Tex Parasit. Der Präsident. Abschied vom Regiment, tlenes Theater. Abends 8 Uhr: Die Mtiffen iliicdcr! Freitag: Die Baffen wieder! Sonnabend: Di« Waffen wieder! liieines Thealer. Ansang 8 Uhr: Afne« Soriua. Maria Magdale,»e. Freitag: Vater und Sohn. Hier- auf: Sankt Helena, Sonnabend: Maria Magdalene. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. ?lbends 8 Uhr: Ein idealer Gatte, Tliealer des Westens. 8 Uhr: Die lustige Witwe. Sonntag nachm. 3'/. Uhr halbe Preise: Frledrlch-Wilbelmstadllsctaes Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Nachtasyl. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend z, erstenmal: Brüderchen. �omuag nachm. 8 Uhr: Jugend. Abends S Uhr: Brüderchen. LIraala. V�issslisoknstUckös Ldsstor. Adsncks 8(Istr: lieber den vrenner nach Venedig. Hörsaal 8 Ildr: ?rok, Dr. ö, Oonatk: Hlrz'silr. (Ltlktnv?skoncks cker kZsrliner Ls- rrsros-�nsstollunx 1879.) Invslickenstr, 57— 02: Sternwarte. Zur Beobachtung;: Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebeliiecke, [Lustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Husarenfieber üsT p,?siil-ffieaicr. Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Alten von Mars und Desvailliöres, Deutsch v, M, Schönau. Baron des Anbrais: R, Alexander. loortiing-Ilieater. AbendS 8 Uhr: Undine. Freitag: Die lustigen Weiber von Windsor, Sonnabend zum erstenmal: HanS Helling, üiiskn-Mks Rcichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: 'i. Freitag: Barte! Turaser. Geschlossene Vorstellung, Sonnabend 4 Uhr: Häusel u, Grete!, Abends: Die beiden Reichenmüller. Sonntag 3 Ubr: Carmen. Abends: Hossmanns Erzählungen. Montag: Mutlersegen._ CMRPRQSETtlUn L Gr, Fraiitinrlerilr. 132. Spree-Athener von Schwarz-Reiflingen. Anfang 8 Uhr, Wochentagspreise. Freitag: Sprec-Aiheiier, Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- vorstellimg: Aschenbrödel, Abends: Spree-Athener, 'TftcdezaridotSpm Köpeiiiekerftrnfte 08. Abends 8 Uhr. Zum 48. Male: Der Aktienbudiker. Alt- Berliner Gesangsposte, Original- Dekorationen und Kostüme der 50er Jahre mit Jofcflne Dora. Täglich: Der Aktienbudiker._ Rixdorfer Theater Bürgrrsäle, Bcrgstraste Rr. 147. Sonntag, den 20, Oktober>907: Gastspiel de? Opern- Ensembles (Theater des Westens) unter Leitung vom Dir, Llrtur Below: k lystigeii Weilier von linilsör. Ansang 71/, Uhr. Metropol-Theater Anfanx priials« 8 Uhr. I Gr. Revuo in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaonder. In Siene gesetzt von Direktor Kichard Schultz. . Darmandal E.Whithneya. B. Bender, Clnpielrg.Joseplii Bauchen überall gestattet. Sonntag, 20. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Herren v. Maxim. Theater des Zentrums. Sophien- Säle, Sophienstratze 17/18. Kis stiit, um|iinfe V.Kren u. Lipp schütz, Musik v, P. Linde. Ansang 8 Uhr. Klein« Preise. Sclilller-Tlieater. Schiller-Thealer 0.(WnOner-Tbealer). Donnerstag, abe» ds8 Uhr: VI« Sehningtixlvr. Komödie in 4 Akten o, Artur Dinker, Freitag, abends 8 Ubr: Oütx von Berllchlngcn. Sonnabend, abends 8 U H r: Der Herr Senator. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abendS3UHr: Ha« viert© Gebot. Volksstück in vier Alien von Ludwig Anzengruber. Freitag, abends 8 Uhr: Ro«mer»hoIm. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Das vierte Gebot. Schiller-Saal— Sehlller-Theatcr Charlottenbnrg Freitag abends 9 Uhr: Vortrag: Prof. Dr. Richard Tternfeld: Richard Wagner.(2, Teil.) Erläutert durch Jiistrumentalmusit. Dritter Vortrag des Zyklus. Äoinponisten der Neuzeit, Sonnlag abends 8 Uhr auf vielsachen Wunsch: Heine-Abend. ÄllttisSeliWanii Heute Donnerstag, 17. d. Mts., abends präzise 7'/, Uhr: Elite-Abend. Gala> Programm und zum 2, Male: Erstes Austreten in Europa Ike great Lafajetle aus New York. IMT Um O'/j Uhr:-ME Ein Fest auf dem Neckar, Die diesjährige gr. Wasserpantomime, Ab 8 Uhr: Das Kolassalt Programm. Um 0'/, Uhr: Sylvester Schäffer jr. der weltberiihnite öniversalkiinsüfir. Reichshailen- Theater. Täglich: Britton als Aule im Familienbad Wannser. Ans, Wochent, 8, Sonntags 7 Uhr. XIII. SalNon. Zirkns Bnscli Gala-Abend unter außergewöhnlich gewähltem Programm. U. a.: {Inhiift Bisher noch nicht gezeigt. UbUUl. Miß Sonn Thonipmon Experim. m. flüssigem Dicht in Verbindg.mit d. Urzeugung künstlicher Rnblncn. Um O'/j Uhr: Auf der Hallig. Dies), gr. Ausstatt.-Pantom. des Zirkus Busch in»Bildern. Besonders zu beachten: Da« l'hünomcn der tauchenden Sirenen, t5 Minuten unter Wasser. W.Koacks Theater Dtreklio»: Beb. Dill. Briuineuftr.>«. Auf vielfachen Wunsch: Zertretenes Glück. Schauspiel nach dem Roman der .Berl, Morgeiiposl", Anfang 8 Uhr. Entree 39 Ps, Sonnabend zum erstenmal: Der Lumpensammler von Paris. -Theater Palast Burgstraste 24. Täglich 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Der brillante Shtober-Spielplan. U, o.: Paula Dnvals Hunde-Dressur. Die 5 Rammoneurs Damen-Ensemble, Ein glänzender Reinfall _ Posse, Trianon-Theater. Fräulein Josette- meine Frau. _ Ansang 8 Uhr._ HafermehP Reismehl Qpünkernmehl Tapioka-Julienne Suppen-Würstchen Hahn-Maccaroni. Orösste Ergficfaigkeit und höchste» Wohlgeschmack als Folge sorg« fälligster Fabrikation u. Verwendung bester Rohprodukte sind die unbestrittenen Vorzüge der Knorr'schcn Fabrikate.---— Koche mit aKnorr'.\ Freie Volksbühne: Sonnabend, den 10. Oktober, »benda b1', Uhr, im llosart• Saal: Robert K Schumann-Abend« (Herbstfcst mit darauffolgendem Uall.) Festmarken und Gastkorton in allen Zahlstellen. Programm a. a.: Fost-Ouvcrtore Ober das Relnweinlled mit Gesang, Tenor: Dr. Leopold Hirschberg; Tflumerel(Streich- I konzert); Sonate A moll für Pianof orte und Violine(Konzertmeister Herr Gutdeutsoh), Slfttonle No. 4 0 moll op. 120; Lieder von Mosen, Rückert, Heine. Hebbel, MBricke, kom-( poniert von Schumann, gesungen von Frl. Kate Becker. Sonnfag, den 20. Oktober: Freitag;, den 25. Oktober, abends 8 st, Uhr, im GcwerkschaftahaaBe: �Ludwig Thoma- Abend# (Salzer) Einlaßkarten a 30 Ff. in allen Zahlstellen. Die Abendvorstellunp beginnen am Freitag, den{ 18. Okiober, im linlsen• Theater S1/. Uhr.— Nene Mitglieder- anmeldnngen werden in dieser Woche In allen Zahlstellen angenommen. SV Beitrag I M. Elnschreibegeld 1 M."TM i 230/3 Der Voratand. I.A.; G. Winklor. W Neues Programm. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 flonimmibaiitcnslratze Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Borverkaus 11—2. Madame Vlg-Vag Opercticn-BnrleSkc, Miijil von L. Jtal. Lslede üs Nachtleben! Separee-Astäre In 2 Atten. Beide Stücke mit den Antore» Anton und Donat Hermfeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrniTtes Hotel UNd Hansisch geht z«r Jaad mit Anton und Donat Herrnseld. Polles Lsprice Liniemtr. 132, Ecke Frlodrlohstrale. Zun, 27. Male: » Geteilte Liebe• Antiduellanten— Bunter Teil. Anfang 8 Uhr. i Passage-Theater.| Abends 8—11 Uhr. Danny Gürtler der König derBohime und das kolossale Oktober-Prognum Prater»Theater Kastanien-Alle« 7—9. AbendS 8 Uhr: Die Loaenbrüder. Schwank in 3 Akten von C. Laufs und E. Kraatz. Freitag zum erstenmal: Hantlet. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr� Nor aoch filine Zeit! Die wilde Jairdo Lustspiel in 4 Akten v. Ludwig Fulda. In Vorbereitung: Btederleute. Sonntag nachm. 4 Uhr: Rick Garte u Variefe-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Das Sensatiöfls-Propin |ß arabische|ß Tv Springer lö Edä Blum, der beliebte Komirer. 12 intcrnalion. Spezialitäten. — Ansang 8 Uhr.— Tunnel: Konzert s.Thcaterbes.tre!. LSNSSVUVI 8,°rÄe'°s' Dir.: Wilbelm Reimer. Heule sowie jeden Sonntag und Montag: BoffMnnsWlSäiip' it. Tanzkrlinzchcn. Durchschlagender Erfolg des neue» Elite- Programms. Sonnt. Beg. 5, wochent. S U. Morgen: Freitag: Gastspiel deZ Berliner Volksbühne. Zum erstenmal: Zum Heile der Menschheit. H. Oreilentiagen Nachfolger Brunnenstr. 17-18 Veteranenstr. 1-2 uggenhagen Morihplah. Täglich Vorstellung »-«(Sir Ansang 8 Uhr. Enlree 50 Bs. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Enlree 50 Ps.» Famiii.-nbilletts a 40 Ps. Ach Niiilär-itonierl. Becker, Przqwarski, Görisch, Neumann, Offeney und Lüttich. Grasensteiner, Kaiser � ♦ Alexander, Hasenköpse, lv Psd. 1,30. Birnen alle Sort. lvPfd. WPs. Lünebiirgerstr.,Stadtbahnb. 353. Äoias. aolliei'Z.Ili'sMeii f sonion geriii DamenhUte, Baretts Herren-MUtzen und Pelzkragen, Knaben- and Mädchen- Garnitairen, FuSsäcke, Jagdtaschen, Wagendecken, Pelz- teppiche und Bettvorleger. Hur eig. Fabrikat Große Auswahl. Bestes Material. Kein Zwischenhändler, daher Fabrikpreise. Samtliche gangb. Pelzarten am Lager. F. Kalman,KsSr KommandantenstraSslSI. (gegenüber Beuthstraße). Verkauf auch Sonntags. Wochentags bis 9 Uhr abends. Tel. L 3917. teppdecken Spezialbaim Emil Lefevre, BerlinSüd. Seit 1882 nur Oranieüstr. 158 11� nirgends Filialen! Ersatz für Deckbett in den Farben rot, blau, oliv Bunte Normal- Schlafdecken |j25 J50 pgso Et Pracht- Katalog ganz dick .'OM(engl.) getigert�,», M. mit ca. OOO Illustrat. gratis and franko. 1 Waggon Porzellan n. Emaille bot so lange Vorrat Emaille Kaffeeservice bunt, Wr 1 Person 98 Pf. Kaffeeservice{435 495 Kaffeeservice 875 Kaffeeservice bTJllLp™:,T 1085 Tafelservice bunt, 2310%._.1085 T assen weis».. 1 0 ptt bunt.. 1 8 pf. Milchtöpfe weiss 8 pf, bunt 28. 3 8 pt. Satz Töpfe hmt... 6 stack 98 pt Satz Näpfe tmnt... 93» E I m er ca. 28 em, weiss 6 8 Pt, neubleu 8 8 Pf. Bunte Eimer Deck«!____. I95 Kehrschaufeln neuhia«;.. 38pt Nachtgeschirre wem.;.. 60 pf. Behälter SÄVf8'.Sod* 98» 45 60 56 cm Ovale Wannen n-ubh». iss�Zs�ss Emaillierte Heizrohre. 98 pf Grosse Posten Emaille£hVernan sehrl Schmorteple I WaasarKessel I WanhschQssda I sehr billig 1 CasursDea{ Kaffeekannen| Etsanträger 1 billig Besonders preiswerte Haushaltartikel Kaffeemühlen. �. 78«: Kohlenschippen 15.18. 25pt Kohlenplätteisen..... 275 Theesiebe»#9« Leitern...».... stut« �B8 pt Tischlampen.;..... 350 Waschservice Steingut. 98 pl ».—.• �3 Pt Ein Waggon neue Gemüse- Konserven Junge Brechbohnen 28� Junge Schnittbohnen ihumx*, 28 n Gemüse-Erbsen...-pfand-oo-e 36 pt Brechspargel Köpfen i Phad-Dos« 46 pt Brechspargel mit Kspfen 2 Pfand-Dose 83 Pk. la. Schnitt-od. Brechbohnen � 32«. <••••••••••••••••»• ii Union-Festsäle | iGrEifswalilerstr.222, Kü�sür < 1 Jeden Donneraatae: Korddeutsche Sänger. 4035* Anfang 8 Uhr.— Bons gelten. Nachdem: Freitanz. Gegründet 1861.—— Pelzwaren- Fabrik Neue Königstp. 21. (Ordonnanzhau«.) Kein Laden II. Etage Einzelverkaul wie alljährlich nach beendotor Engros-Saison. Pelz-Stolas, Muffen etc. zu fabelhaft billigen Freisen. Reparaturen billigst.—- Ein Trlnmph der deutschen Z!garetten=Fabrikation! Seiowsky's Caruso-Zigaretten trotz unübertrefflicher Qualität und garantiert feinster Handarbeit nur 3 Pf« per Stück! TW* Qcwerkschajlen! Achtung! Vereine! tteiiban flnnin- �fallen Kommandantenstraße 58 59 eröffnet seit Sonnabend, den 5. Oktober er."VS Säle, verschiedener Größe bis 1100 Personen fassend und 5 Vereinszimmer, zu Festlichkeiten, Versammlungen usw. empfehlen Gebrüder Mielitz. Telephon. Amt IV. No. l6 155. 320L* Bj _ bB Zentral-Verband der' Steinarbeiter. »erlin U. Die Beerdigung des Kollegen Hermann Schneider findet heute, Donnerstag, nach-> mittags 3'/, Uhr, statt. Der Vorstand. Deufsclm Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Iheodor Hartmann j am 14. d. Mts. an Herzschlag> gestorben ist. Ehre seinem Zlndenken. Die Beerdigung findet am j Donnerslag, den 17. Oktober, »achmitlags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Marlus-Kirchhoses in j Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 154/4 0!« DrisverwoIIung. Zentral-Verhand der Steinsetzer pasterer) and Bernlsgenossen Dentseblands. Filiale GroB-iterlln I. Unterbezirk Berlin-Osten. Hierdurch zur Nachricht, daß unser Kollege Gustav Qrohmann nach langen, schweren Leiden ver- starben ist. Die Beerdigung findet am 17. Oltober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen St. Jalobi-KirchhoseS aus statt. 174/12 Der Vorstand. ■■■■■EBHnBmnBMameHBevj isWllen Freunden und Bekannten i die traurige Nachricht, datz s am 14. d. M. nach langen Leiden I mein lieber Mann, unser guter 1 Vater, Schwicger- und Groß- oater, der Plättereiinhaber Fr&m Ungering ent- 3822! sonst im 52. Lebensjahre schlafen ist. Um stilleS Beileid bitten >Vwe. Minna Ungering geb. Wendt nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. Oltober, nach mittags 2'/z Uhr, von der Leichen balle des städtischen Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. Sonntag abend 7 Uhr oerstarb nach schwerem, mit grofier Geduld| ertragenem Leiden unser lieber s Vater und Schwiegervater Gottlieb Sallmann im 68. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Tie Hinterbliebenen. Berlin, den 15. Oktober 1907. Die Beerdigung findet heute, S Donnerstag, den 17. Oktober, I nachmittags 2>/, Uhr, von der) Leichenhalle der Andreas- und j Markus-Gcmeinde in Wilhelms- berg aus statt. 659b I Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am! 14. d. M. nach längerem Leiden I mein lieber Mann, unser guter! Bater, Sch�ieger- und Groszoater, i der Kernmacher Hermann Vollprecbt im 67. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten Ww. Amalie Vollprecbt geb. Köhler. Max Hügcler nebst Familie. Die Beerdigung findet heute trmnerstag, den i7. Oktober, pünktlich nachmittags 4>/, Uhr, von der Leichenhalle des Auscrslehungs-! Kirchhofes in Weigensec aus statt.! Todes-Anzeige. Sonntag, den 13. b. M., ver- starb plötzlich meine liebe Frau, unierc gute Mutter Emma Mucke geb. Puppke im Aller von 33 Jahren. Um stilles Belleid bitten Die trauernden Hinterbliebenen Ott« Mücke und Kinder, Rostockerstrahe 36. Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Heilands-Kirchhoscs in Plötzensec aus statt. K66b Esistvielfaebnoeli unbekannt, DM" Man laffe MA8,00, Aussteuer- Damastbezüge, große Lalen 1,00. Psandlethe AndreaSIlraße 33.» Bauerndeckbett, Unterbett, zwei Kissen 27,00. Große Freischwinger, Regulatore 9,00. Psandleihe Andreas- straße 38. Fahrgeld wird vergütet. GaSkronen, Petroleumtronen ohne Anzahlung, Woche 1,00. SouiSBöttchcr (selbst): Boxhagencrftraße 32(Bahn- Verbindung Warschauerstraße), Rei- nickcndorserstraße 116, Schönhauser Allee 80, Potedamerstratze 81, Rix- dors, Kaiser Friedrichstraße 247.' Kinderwagen, Kinderbettstellen Sportwagen, gebrauchte, zurückgesitzte spotlbillig. Schneider, Kursnrfte»- straße 172. 2247K' Salonteppichc, extragroße Pracht- excmplare, 26,00, wunderschöne Zimmcrteppiche 8,00, hocheleganter s acettierter Säulentrumeau 30,00, reichgestickte Uebergardinen, Spachtel- storeS, Tüllgardinen, Steppdecken, Salonbilder, Salonuhren, Diwan- decken, Plüschiischdecken 5,00, gediegene Nußbaninmobel, Plüschgarnituren, Paneeisosa»,.Küchenmöbel, vollständige Einrichlungen werden nachmiltags 2 bis 8 im Anhalter Bahnspeicher Möckernstraße 25, direkt Hochbavn- stalwn Möckenibrücke, spottbillig ver- kaust. 2792K+ Liköreffenzen zur billigen Selbst- bereilung sür de» Haushalt direkt aus der Fabrik von Wilhelm Stahl, Cyarlotlcnburg, Gocthcslraße 60. GebraudiSsertig in 60 Sotten Flasche 30 und 75 Psennige. 544b Steppdecken, großer Räumung; Ausverkauf, Similiseide 3,85, atlaS 5,35, zurückgesetzte Gardinen 2e. r M Dresdenerstra Woch Teppiche, spotlbillig. SpezialhauS ße 8(Slottbusertor).+ Gaskocherha»»!!! Geschlossene ZweilochgaSkocher 5.00. GaSbügel- apparatl Gasplälteisen I Schneiden eisen 1 1 spottbillig I GaSkronen 1 6,00, GaSIyren! 1'/,. Wohlaner, Wallner- ibeatersiraße 32. 2818K' Möbelkäufe sind vorteilhast im Möbelspeicher Brunnenstraße 182 Hof. Ganze Einrichtungen von 2ii0,— an. GelegenheitSläuse wenig gebrauchter wie neuer Möbel, Plüschgarnituren, Schreibtische, PaneelsosaS, Säulen- trumeaus, Rußbaumbüsetts, Muschel- schränke, englische Spiegelschränke. MuschelvertikoS 23,—, Satin- und Mahagoni- Schlafzimmer, Teppiche, Spiegel, Spiegelspindchen, Englisch- betten, Rtuschelbelten, ToschensosaS, Marmortoiletlen, Komoden, Sofa- tische, Ausziehtische 10,—, Garderoben- spind. Flurgarderoben, moderne Küchen und viele andere spottbillige Zusallskäuf«. Sonntags geöffnet.' Hochvoruehuie Herrenanzüge, errenpalclois, seinsten Maßstoffen errührend, 13—38,00. Täglich, Sonn- iägSvcrkaus. Deutsches VerlandbanS, Jägerstraßc 63. I. 2778K' Möbeltischleret llesert gediegen, WohnungScinrichtungen äußerst billig Bunte Kuchen. Auch Ratenzahlung. Kein Laden. Harnack, Tischlermeister. Dresdenerstraße 124, nahe Kottbuser Tor. Genossen erhalten 3 Prozent.* Tüllbettdecken, volle Bettgröße 2,50, in ErbStüll 6,35, Tüllstores t,35, ErbStüllsloreS 4,35. TeppichhauS Emil Lesövre, Oranienstraße 158.» Möbelfabrik. Oranienstraße 58 direkt Moritzplatz. In meinen fünf Etagen stehen komplette WahnimgS- einttchlungen in jeder Preislage vom Elnsachsten bis zum Elegantesten. Besondere Gelegenheit biete ich in verliehen gewesenen, fast neuen Möbeln, die bedeutend herabgesetzt sind. Besichtigung erbeten, ohne Kauf- zwang. Aus/allend billig oerkause ich neue Chaiselongues 20, Schlas« sofa 80, Salteltaschensofa 45, Paneeisosa 56, hochelegante Garnitur 75, Säulentrumeau 33, Bettstelle mit Malratze 16, AuSzieh« tisch 18. Muschelspind. Vertiko 30. Gekaufte Möbel können drei Monate kostenfrei tagern. Tetlzahlnng ge- stattet. Kein Laden, direkt Fabrik. Auch Sonntags geöffnet. Muster- buch gratis._ 26131!» Kinderwagen, Kinderbetistelle, Sommer. Wieneritraße 51. 26ö5K' Nähmaschine. 4 Stück 12,00—20,00 Prinzenslraße 77. 80/11» Anzüge, Paletots sowie zurück- gebliebene Maßbcstcllungen weit unier Preis. Anzüge, Paletots aus feinsten Maßstoffen. Deutsche Fabrikate 20—40, englische 30—60 Marl. Bluhm u. Co., Fricdrichstratze 212 I. Kein Laden I Wasch-Wringmaschinen, bewähtte Systeme, billigste Preise, bei Ab- zahlung größtes Entgegenkommen. Bellmann, Gollnowstraße 26. 2835« Seidenstoffe, Kleiderstoffe, schwarze und farbige Reste spottbillig Char- lottenburg, Goethestraße 76, kein Laden. 622b Coupöwhiskh mit Pferd und komplettem Geschirr, eventuell kann Stallnng mit übernommen werden, ist besonderer Umständehalber sür jeden annehmbaren Preis zu ver- kaufen Fürslenbergerstraße 7 im Lokal. Matrosenhinfong! Schöpfer hinfong l(echte!) Harzer GebiigS- BlutreinigungS-Tee I Vorteilhasteste EinkausSguelle I OstcrmannS Hinsong hauS: SchönHauserallee 158.+57 Billigste Bezugsquelle für Möbel. Polsterwaren in großer Auswahl. Hirschowitz, Chauffeestraße 48. 667b nung, oerküuflil straße 40. st, gutgehend, Woh- Rixdott, Knesebeck. +104 Gasmotore, Benzinmotore für Wasferpumpcn usw. billig. Gollong, Ollen, Scharnwcbersiraßc tl.+131 Grünkramgeschüft veikaust mit fuhrwerk, große Wohnung, 45 Mark rgeSkasse, GropiuSsiraße 1.+85 Restaurant KrankhettS halber ver kaust Manteuffelstraße lll.+13 Tchankgeschäft, gutgehend, ist alterShalber zu verlausen Marlin Opttzstraße t._ 6566 Zigarren-Geschäft sosort verkäuf lich Rtxdott, Reuterftraße 64.+104 Nestauratio« wegen ftranlhett billig zu verlausen Petersburger- straße 17.+125 Versdriedenes. Lernt die Muttersprache beherrschen! Ersolgreichen, leicht täglichen Unlerttcht in Wott und Schrist der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiqer und gewiffenhafter Pttvatlebrer. Die Stunde lostet eine Mark. Eine Unter- richtSswnde wöchentlich genügt. Ge- fällige Angebote sind unter G. 4 an Expedition de».Vorwärts' zu Achten. Batentoiiwalt Wissel. straße 94a. Gistchiner- 2555.K' Tanzinstitut Willy Portzig. Be« sinn neuer Sonntagskurse, Wochen- agskurse. Honorar Herren 6 Mark, Damen 3 Mark. Anmeldung täglich vormittags 10 bis abends 10"Uhr Skalitzetttraße 130. 2810K' Altes Kleidettpind, Kommode, kaust Verwalter, Palisadenstraße 95.' Wer Stoff ha»? Fertige Winter- Überzieher 15,00, Herrenanzüge 15,00, Wagner, Schneidermeister, Lichten- bergerslraße 9._ 80/9' Blasmiifikvercin sucht Mitglieder. UebungSswnde Donnerstag«. Anders, Böttgerstraße 4, Nähe Badstraße.■ Vermietungen. Wohnungen. fort,«oldtnerstraße 32. en so- 1081t* Zimmer. Möbliertes Zimmer für 2 Herren. Nostizstraße 52, vorn IV links. 413b Lehlafstellen. Möblierte Schlafstelle, Balkonzimmer. Badegelegenheit, 11,00, Urban- siraße 65, vom, rechter Ausgang II UnkS. 476 Schlafstelle zu vermieten. >--' 22 l. Eöring. «-il-straße 22 l.+150 Möblierte Schlasstell«, aus Wunsch mit Kost für Herrn. Frau Scholz. Triststraße 33. Ouergebaude I.+85 Freundliche Schlasstelle für zwei Herren bei Grünenberg, Lychencr- straße 12, vom III._+57 Schlafstelle vermietet Wiener- straße 16, vom 4 Treppen rechts. �Schlasstelle, alleinige, vermietet Lausitzerstraße 20, vom 2 Treppen link».+18 Schlafstelle, später, 12 Mark steinstraße 46. derrn, sofort oder bei Storch, Falckew 658b Möblierte Schlasstelle. Neumann. Jmmanueltirchstraße 33, Ouer< gcbäude III._+140» Mietsgesuche. Tischler sucht möbliertes Zimmer, Nähe Lausitzerplatz. Offerten mit Preis unter A. K. 101,. Vorwärts speditlon, Lausitzcrplatz 14/15.+18 Junger Mann sucht kleine«, möbliertes Zimmer, Näh« Stadtbahn. Offerten S. 13, Postamt 25.+140 sucht junger 'ob" Saubere Schlasstelle Schloffer zwischen Alte Jäkoösträße und Admiralstraße. Brandt, Köpcn- hagenerftraße 7 IV.+109 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Etublflechter Bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt und znrückgeliesert. A. Gläler. Mulack- straße 27. 4468b Stellenangebote. Rebenverdienst sür jedermann. Auskunft kostenlos. Hermann Wolf, Zwickau, Rordftraße 30. 277641* Rahmenmacher, geübter, Lunders- hausen, Prinzenstraße 99.__ 80/5 Tüchtigen Schleisce verlangt Goldleiftensabrlk Lützowstraße 4.s656b Rahmenmacher und Zuschneider verlangt Grotz, Ritterstraße 27. Ü64b Korbmacher aus Kongo und Letstcnmöbcl verlangt Fechner. Stanibergerstraße 8._ 645b' Rahmenmachcr aus kleine Holz- leisten sucht Grotz, Rittetttr. 27. 665b Farblgmachrr verlangt Eltsabclh- straßc�bT_ 6626 Tüchtige Spediiionskutscher sosort verlangt Köpenickerftraße 127. 663b Perfekte Köchin sowie mehrere Küchenniädchcn sosortgesucht. Meldung Donnerstag, den 17. Oktober, abends 5—7 Uhr. Konsumverein Miru. Genest, Berlin-Schöneberg, Geneststraß« 5/9. Bahnhos Papcslraße._+106 und Lehrmäd Näherin Damenhemden verlangt Pttnzen-Allee 23. en aus iebekow, +101 Brlrgerinnen �verlangt Max Leonhard, Weißens«, Lchderstraße 88. Anlegcrin, Bogensängerrn sür Steindruckschnellpresse sucht R. Bamick, Hollmannstraße 18. 2L38K* Im Slrbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobeut Slnzcigen kosten Lv Pf. die Zeile. Wir suchen zu baldigstem Nnttttt tüchtige, gclemte HA'feitlvi-, die imstande sind große Generatoren sür Hochspannung und raschlausende Anker mit Stabwickelung selbständig zu wickeln. Bildungsgang und Zeugnisabschriften unter G. 3 an die Expedition des.Vorwärts», 105L' Achtung! Di« Pianofnbrik von M6!lZ6i, Warschaucrftr. 58, ist Klavicrarbciter, Tischler, Ma- Unenarbeiter, Polierer sowie für rbeitcrinncn wegen Lohndifferenzcn gesperrt. 141/19» vor Vorstand der Vereinigung d. Musikinstrumenten- arbeiter Berlins u. Umgegend. Deutscher HolzaiMer-Verbaml Zahlstelle Berlin. Wegen Streiks und Differenzen find gcfvrrrt: Für Klavierarbetter und Tischler: Pianosabrik Menzel, Warschauer» straße 53. Für Tischler, Maschinenarbeiter und Polterer: Tischlerei Schirr» meister, Warschauerstr. 70, Sarg» sabril Siüger u. Häuser, Belsorter- straße 11. Für Korbmacher: Echürwagen, Fmchtstr. 01, Wemer, Palisaden» straße 91. Für Kifteumacher: Kiflenfadrik von Zuckermann.» Die Ortsverwaltung des Holzarbeiter-Berbandes Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.