Nr. 244. Bbonncments-Bcdlnaunoen: Iffionncmentä- Preis pränumeranl!»- Viert eljihrl. ZZv MI, monatl> 1,l0 MI, wöchentlich 28 Psg. frei ins HmiS. Einzelne Nummer 6 Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' lv Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, DSnemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 24. Jahrg» CrMxliit lZgstch außer Dlontag». Derltnev Volksbl�kk. Die InlertionS'Gcbübr beträgt für die fechsgespaltenc Kostmel» zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hnictgen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags i» der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozlaUtinokrat Rcriin". Zentralorgan der rozialdemokrati feben parte! Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Expedition: SRI. 68, Ltndenstraaae 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. |n die partfipofen Prenßkns! Im Einverständnis mit dem Parteivorstand und der Organisation Groß-Berlins berufen wir den zweiten preußwilgn Parteitag 1 auf Donnerstag, den S1. November, früh S Uhr. nach Berlin, in die Räume des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15, ein und bitten die Genossen Preußens, diese Tagung durch Delegierte beschicken zu lassen. Ms Tagesordnung und Referenten sind vorgeschlagen: 1. Die Organisation in Preußen. Referent: Genosse Hugo Haase-Königsberg. 2. Die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages und die Wahlrechtsfrage in Preußen. Referent: Genosse Eduard Adler-Kiel. 3. Die LandtagSwahlen 1908. Referent: Genosse Dr. Leo Arons-Berlin. 4. Die Lage der StaatSarbeiter in Preuße». Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Karl Legien. 5. Selbstverwaltung und Gemeinde. Referent: Stadt- verordneter Genosse Paul Hirsch-Charlottenburg. Für die Erledigung der Geschäfte des Parteitages sind Donnerstag, der 21., Freitag, der 22., und Sonnabend, der 23. November in Aussicht genommen. Die Versendung der Mandatsformulare ist er- folgt.— Jeder preußische Reichstagswahlkreis kann sich durch drei Delegierte vertreten lassen. Die Einreichung von Anträgen, alle An- fragen sowie die Anmeldung der Delegierte« sind bis zum 12. November an den Mitunterzeichneten Leopold Liepmanu, Berlin«8, Lindenstraste SS zu bewirken. LogiS wird auf Wunsch für die Delegierten besorgt. Die Parteipresse der preußischen Landesteile wird um Abdruck gebeten. Mit Parteigruß Eugen Ernst. Emil BoeSke. Leopold Liepmann. Her Kampf gegen den Sozialismus in England. London, im Oktober. Wir befinden uns hier inmitten eines von langer Hand vorbereiteten Angriffes auf die in den letzten zwei Jahren er- oberten Positionen des Sozialismus. Es ist selbstverständlich, daß dieser Angriff nicht von der Regierung ausgeht. Der Staat, der vielarmige Götze Preußens, hat hier mit Partei- bewegungen nichts zu tun. Es handelt sich also nicht um eine Ausnahmegesetzgebung:— diese ist in Großbritannien un- möglich. Wir haben es vielmehr mit einer bürgerlichen Be- ivegung zu tun. an der sich indes hauptsächlich Mitglieder der konservativen Partei beteiligen. Diese Bewegung veröffentlichte ihr Manifest am 3. Oktober und wendet sich gegen den„politischen Sozialismus". Das Manifest sagt:., � „Die wesentliche Bedingung des gesellschaftlichen Fort- schrittes ist, daß der Ansporn zur Tüchtigkeit so stark als möglich in jedem Menschen wirksam sein soll. Dieser not- wendige Ansporn kann sich aber nur dann geltend machen, wenn der Grundsatz, daß jedem Menschen sein Gewinnst ge- sichert werden muß, genau angewandt wird. Unsere Gesetz- gebung wird von diesem Grundsatz beherrscht und ihr Haupt- zweck ist, die Menschen zu verhindern, sich gegenseitig zu be- rauben, und darauf zu sehen, daß ihr Verdienst gesichert wird. Aber man vergaß, daß das Uebel ebenso groß ist, wenn der Plünderer nicht ein Individuum, sondern eine Kasse oder die Gesellschaft selbst ist. In jedem dieser Fälle wird der Bürger um die Flüchte seiner Arbeit gebracht, und das Ergebnis ist für ihn dasselbe. Jahr für Jahr werden Gesetze erlassen, die die Wirkung haben, daß die Tüchtigen zugunsten der Untüchtigen besteuert werden. Jahr für Jahr erschwert das Parlament die Ejistenz derjenigen Bürger, deren Arbeit dem Staate zugute kommt, und er- leichtert die Existenz derjenigen, die ein Hemmnis der Gesell- schaff sind. Angeblich'.m Interesse der Mehrheit werden ganze Gesellschaftsteile geopfert, und„die Freiheit der Person" ist jetzt kaum mehr als eine Phrase. Die Grundlage, auf der unsere Zivilisation beruht,. her Hauptfaktor der menschlichen Entwickelung... wird untergraben und geschwächt und wenn wir jetzt nicht mit dieser Politik brechen, werden wir einer Entnervung anheimfallen, wie sie sich in den letzten Tagen des Römischen Reiches offenbarte und den Untergang einer großen Zivilisation anieiate." Unterzeichnet ist das Manifest von Lord Balfour of B u r l e i g h, der mit Mr. Balfour, dem Führer der kon- servativen Partei, nicht zu verwechseln ist. Lord Balfour spricht im Namen der„British-Constitution-Association". Ein großer Teil der konservativen Presse ist seit Wochen mit verschiedenen eingesandten Korrespondenzen gefüllt, die den Sozialismus diskutieren. Es komnien darunter manche recht beschränkte und lächerlich naive Einwürfe gegen unser Ziel vor. Die meisten Einsender werfen dem Sozialismus vor, daß er den Ansporn zur Tüchtigkeit und die persönliche Freiheit ver- nichten Würde. Es gibt aber auch einen Teil der konservativen Presse, der wohl weiß, daß mit diesen Einwürfen nichts getan sei. So zum Beispiel schreibt die„Pall Mall" vom 1. Oktober: „Den Sozialismus kann man nicht dadurch bekämpfen, daß inan iin Schrecken zu den Göttern des Privateigentums schreit---- Der Sozialismus hat auf seiner Seite keinen geringen Teil ernster und geistiger Kraft, und er kann nur von den- jenigen bekämpft werden, die dasselbe Ziel sozialer Berbesse- rung mit ähulichem Ernst, aber durch andere Mittel zu erreichen suchen." Die„Pall Mall" schlägt dann Tarifreform(Schutz- Zollpolitik) und die Schaffung eines Kleinbauernstandes vor. Auch der Kongreß der Hochkirche, der in der ersten Oktoberwoche in Great Jarmouth tagte, beschäftigte sich mit dem Sozialismus. Es sprachen unter anderem der Erz- dtakon W. Cunningham(Ely) und Reverend Kaufmann, der in früheren Jahren zu den Christlichsozialen gehörte. Die Behandlung des Gegenstandes war unsympathisch. Der Erz- diakon von Ely erzählte, er habe St. Simon, Fourier, Owen, Henry George, die Fabier und Robert Blatchford gelesen, aber alle ihre Pläne seien unausführbar. Die Kirche habe nichts mit ökonomischen Fragen und mit der Aenderung des sozialen Milieus zu tun. Die christliche Lehre gehe nicht von äußeren Faktoren aus, sondern von dem inneren Faktum der göttlichen Seele. Geistige Einflüsse und nicht ökonomische Faktoren seien maßgebend. Die christlichsoziale Union werfe der Kirche vor, daß sie sich Nachlässigkeiten zuschulden kommen lasse. Beweise für diese Behauptung liegen nicht vor. Das Hauptübel unserer Zeit sei darin zu finden, daß das Kapital ganz unpersönlich werde und mit den Arbeitern nicht in Ver- kehr trete. Daran sei die Kirche nicht schuld. Soviel man auch mit den modernen sozialen Idealisten sympathisieren möge, so dürfe man nicht vergessen, daß die modernen sozialen Ideale schädlich seien; man dürfe mit ihnen ebensowenig spielen wie mit Feuer. Das war das Haupt- referat. In der Diskussion erklärte Reverend Kaufmann, der Sozialismus sei früher sentimental und ethisch gewesen, heute sei er mechanisch, wissenschaftlich und parlamentarisch geworden. In der heutigen Propaganda für soziale Reform vergesse man, daß die geistige Regeneration die Haupffache sei, und daß man eher die Menschen, als die Zustände ändern dürfe. Das einzige sichere Mittel zur sozialen Umformung sei die Um- formung des Charakters, des innern Lebens des einzelnen Menschen. Christlichsozial ist also— nach Ansicht des Kongresses— Unsinn. Der„Standard" enthält heute die Antworten mehrerer Bischöfe Londoner Diözesen auf die Frage, wie sie sich zum Sozialismus stellten. Einige Bischöfe antworteten, daß die Kirche in die sozialistische Bewegung eingreifen müsse, um sie in christliche Bahnen zu lenken. Andere Bischöfe meinten, die Frage sei zu groß, um sie in wenigen Zeilen beantworten zu können. Immerhin machen die Antworten der Bischöse einen besseren Eindruck als die Diskussionen auf dem Kirchen- kongreß. Der Zusammenstoß zwischen Religion und Sozialismus hat auf die am 27. September in Kirkdale(Liverpool) statt- gefundene parlamentarische Nachwahl einen entscheidenden Einfluß ausgeübt. Da eS darüber zu einer Polemik in der sozialistischen Presse gekommen ist, so dürfte eine Wiedergabe der Einzelheiten von Jntereffe sein. In Kirkdale standen sich zwei Kandidaten gegenüber: Mac Arthur (konservativ), Hill(sozialistischer Arbeiterkandidat). Der kon- servative Kandidat erhielt 1000 Stimmen, der sozialistische nur 3330. Der crstere wurde also gewählt. Dieses Ergebnis ist nach Ansicht der Führer der Arbeiterpartei dem Umstände geschuldet, daß die Konservativen Flugblätter verteilten, in denen durch Zitate bewiesen wurde, daß der Sozialismus atheistisch sei, während ein großer Teil der Kirkdaler Arbeiter streng protestantisch ist. Nun ist zu be- merken, daß die sozialistische Parteipresse Großbritanniens religiöse Fragen nicht diskutiert. Dagegen gibt es eine sozialistische Privatwochenzeitung. die„Clarion", die aus- gesprochen freidenkerisch ist. Ihr Hauptredakteur. Genosse Blatchford, hat durch Populär gehaltene sozialistische Schriften vieles für die britische Arbeiterbewegung geleistet. Aber er hat auch zwei Schriften veröffentlicht:„God and my Neighbour" und„The Bottom Dog", in denen die Wahr- heit und Notwendigkeit der verschiedeneu Religionen geleugnet und die Willensfreiheit bestritten werden. Auf Grund dieser Schriften wurden die konservativen Flugblätter zusammengestellt. Man kann sich schon denken, wie die Auszüge aus Blatchfords Schriften benutzt wurden. Das Flugblatt lautete:„Wähler I Leset das Glaubens- bekenntnis der Sozialisten, wie es von ihrem Führer ab- gelegt wurde. Robert Blatchford schrieb in seinem Blatte: „ Ich leugne die Existenz eines himmlischen Vaters. Ich leugne die Wirksamkeit des Betens. Ich leugne die göttliche Vorsehung. Ich glaube nicht, daß Christus göttlich war. Ich glaube nicht, daß er fiir die Menschheit gestorben sei... Ich glaube nicht, daß es einen Himmel gebe, und ich verachte die Idee einer Hölle." Der Kandidat John Hill erklärt sich für den Sozialismus, also auch für den Atheismus. Eine Stimme für Hill ist eine Stimme für die Gottlosigkeit I" Das Flug- blatt veranlaßte viele Arbeiter, die sozialpolitisch niit der Arbeiterpartei übereinstimmen, aber noch in religiösen Ueber- lieferungen leben, ihre Stimme dem Arbeiterkandidaten zu verweigern. Das Ergebnis war ein Sieg der Konservativen, wobei übrigens zu bemerken ist, daß der Wählkreis immer konservativ vertreten war. Der Redakteur des„Labour Leader", Genosse Glasier, ist nun über Blatchford ganz entrüstet und geht so weit, sich darüber zu beklagen, daß die Arbeiter- vereine in der Provinz bei ihren Versammlungen freidenkerische Schriften vertreiben. Blatchford, dem die Klagen über seine freidenkerische Agitation bekannt sind, antwortet in der „Clarion", es sei sinnlos, ihm Vorwürfe zu machen, denn das einzige, was helfen könne, sei Aufklärung: er werde sich an der Verbreitung der Wahrheit von keinem hindern lassen. Und Blatchford hält gewöhnlich, was er sagt. Im Grunde genommen sind Glasiers Klagen kaum gerechtfertigt. An Wählern, die sich durch derartige Tricks verleiten lassen, für einen Reaktionär zu stimmen, ist nichts verloren. In bezug auf Religion hat ja die Arbeiterpartei das Mittel in der Hand. Sie kann ein Programm annehmen, in dem auch der Grundsatz:„Religion ist Privatsache" einen Platz findet. Was aber wirklich helfen könnte, ist eine große sozialistische. Presse. Unsere Gegner können uns täglich w ganz Großbritannien tausendfach verleumden, und wir haben nur einige Wochenblätter in London, um auf die Ver- leumdungcn von Legionen zu antworten. In London allein schreiben Tag für Tag„Daily Telegraph",„Standard",„Daily Mail",„Daily Erpreß".„Daily Graphic" gegen uns. In der Pro- vinz gibt es in joder größeren Stadt mindestens eine Tageszeitung, die sich die Aufgabe stellt, den Sozialismus zu Tode zu ver- leumden. In der Provinz haben wir so gut wie gar keine Presse. Von den tradeunionistischen Monatsblättern ist— mit Ausnahme des„Engineers Journal" und vielleicht noch eines anderen— nichts für den Sozialismus geschehen. In London haben wir die„Justice", die nur von intelligenten Ar- beitern, Lehrern und einzelnen in bürgerlichen Stellungen sich befindenden Gelehrten gelesen wird.„Clarion" ist ein Privatunternehmen und wird auch nur von der Intelligenz aller Klassen gelesen.„Labour Leader" ist das Organ der Unabhängigen Arbeiterpartei und wird Haupt- sächlich von Parteimitgliedern genommen. Schließlich haben wir feit Mai dieses Jahres die„New Age", die von zwei Fabiern redigiert wird. Die Artikel sind oft ausgezeichnet, aber es ist zweifelhaft, ob das Blatt je populär werden wird. Dazu behandelt es auch sexuelle Fragen, Zucht- ivahl, das Verhältnis der Geschlechter. und über solche Dinge spricht man in England nicht. Das ist alles, was wir hier dem gewaltigen Slpparat der bürger- lichen Zeitungen entgegensetzen können. Dies ist die wirkliche Ursache, die uns die Existenz so erschwert. Ohne eine große Presse kann der Kampf, der uns jetzt von allen Seiten auf- gedrängt wird, kaum in wirkungsvoller Weise aufgenommen werden. Es handelt sich in Großbritannien nicht mehr um theoretische Debatten, sondern um die praktische Anwendung unserer Grundsätze und m einem solchen Kampfe ist auf Sach- lichkeit, Ehrlichkeit und kair play bei unseren Gegnern nicht mehr zu rechnen. Den Luxus dieser Tugenden können sich nur noch die„Times",„Morning Post",„Saturday Review" und„Nation" gestatten, die aber von den Massen nicht gelesen werden._ Vom neuen flusnahmegeietzl Je näher die Eröffnung des Reichstages heranrückt, desto schlimmer, aber allerdings auch desto wahrscheinlicher werden die Nach- richten über die Pläne, mit denen der Block das deutsche Boll be« glücken will. Vor kurzem hat die„Deutsche Tageszeitung" erklärt, datz, wenn den Liberalen auf einem Gebiete Zugeständnisse gemacht werden, die Konservativen dafür auf dem gleichen Gebiet entschädigt werden mühten. Was über das neue Reichs- und Vereinsgesetz allmählich in die Oeffentlichkeit durchsickert. zeigt deutlich, wie das gemeint ist. Für selbstverständliche, wenig ins Gewicht fallende, unaufschiebbare Zugeständnisse an die politische Notwendigkeit der Zeit sollen un» erhörte, schwerwiegende reaktionä reEntrechtungen in Kauf genommen werdenl Was ohne Blockpolitik einfach als Gebot der politischen Notwendigkeit hätte erfüllt werden müssen, dafür verlangen jetzt die preuhischen Junker reiche Bezahlung! So wird die Blockpolitik geradezu für die Konservativen zum wirksamsten Anreiz, Forderungen zu erheben und bei der jämmerlichen Haltung der Liberalen auch zu verwirklichen, an die sie in ihren kühnsten Träumen nicht gedacht hatten, die im alten Reichstag von der alten Mehrheit nie durchzusetzen gewesen wären! Nirgends wird das deutlicher, als bei dem geplanten Reichs- Vereins- und Versammlungsgesetz. Seit 36 Jahren wurde es ver» sprachen! Das Versprechen wurde nie gehalten. Jetzt zeigen Plötzlich Regierung und Junker grotze Lust. Warum? Zuerst hieß es, weil es eine liberale Konzession sei, eine Errungenschaft des Blocks. Die Liberalen glaubten daran, mutzten daran alauben. da sie doch für das Bündnis mit den Junkem eine Recht« fertfßunji brauchten. Wir sagten sofort, daß eS sich höchstens um eine Aufhebung von Bestimmungen handeln könne, die der Polizei viel Arbeit, der Sozialdemokratie, um die es sich ja doch immer handelt, wenig Schaden macht. Daß Vorschriften, wie z. B. die des Verbotes des TeilnehmenS von Frauen an politischen Vereinen beseitigt werden sollen, die unseren Gegnern mehr hinderlich find als uns. Aber jetzt stellt sich immer deutlicher heraus, daß die Junker den Moment gekommen erachten, aus der „liberalen" Errungenschaft ein abscheuliches Ausnahmegesetz zu machen. Die Gelegenheit macht Diebe und die Junker wären Narren. den Block nicht dazu zu benutzen, wozu sie ihn allein mitmachen: auch noch den letzten Rest Bewegungsfreiheit dem deutschen Volke zu rauben. Aber die Junker sind großmütig. Sie schneiden dem Hund den Schwanz nur stückweise ab. Die liberalen Brüder erfahren die Bescherung nicht auf einmal. Sie werden schonend unterrichtet. Offiziös wird gemeldet, das neue Vereins- und Versammlungsrecht bestimme, daß in öffentlichen Versammlungen die Verhandlungen in deutscher Sprache zu führen sind, und daß Ausnahmen davon die Genehmigung der Landesregierung bedürfen. Das ist ein Ausnahmegesetz schlimmster Art! Da hat man uns den Sommer über erzählt, das neue Vereinsrecht würde sich nach dem württembergischen Muster richten. Statt dessen schafft man ein Gesetz, das seinesgleichen in der Welt nicht findet. Die schlimmste Unterdrückerin anderssprachiger Staatsbürger, die uiagyarische Bourgeoisie, hat nie ein solches Gesetz auch nur vorzuschlagen gewagt. Dieselben Leute, die heute oben mit aller Kraft für diese Bestimmung agitieren, würden in die heftigste nationale Entrüstung ausbrechen, und sie hätten dann sogar einmal recht, wenn in den Vereinigten Staaten oder in Frankreich oder in Ungarn eine ähnliche Entrechtung gegen Deutsche geplant würde! Es seien diese Deutschen nun Bürger dieses Staates oder Ausländer. Aber die Junker und ihre national- liberalen Helfershelfer wollen mit dieser Bestimmung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie haben durch ihre provozierende Politik alle Polen in die schärfste Opposition getrieben, das polnische Nationalgefühl aufs äußerste gereizt. Sie sind mit dieser Politik in eine Sackgasse geraten, aus der sie jetzt verzweifelt einen Ausweg suchen. Daher diese tollen Pläne der Expropriation und des Rechtsraubes. Was kümmert diese Leute die Verfassung, die das Vereinsrecht gewährleistet, was kümmert sie es, daß diese Gewaltpolitik die Gefahr unbesonnener Abwehr provozieren könnte. Für diese Leute gibt eS ja keine Staatsanwälte, die wegen Vorbereitung zum Hoch- verrat anklagen möchten. Im Gegenteil. Wenn ein paar Verzweifelte den Unsinn begingen, sich zu Gewalttaten verleiten zu lassen— könnte die Notwendigkeit neuer Ausnahmegesetze und verschärfter Repression besser bewiesen werden. Das ist ja die alte Taktik. Zuerst treibt man die Leute zur Verzweiflung, und wenn sie dann Unbesonnen- heiten begehen, so nützt man das als Beweis für die Unentbehrlich- keit des Gewaltregiments aus I Da die Klugheit der deutschen Arbeiterklasse wahrhaftig keinen Beweis für die Polizeiherrschast liefert, vielleicht daß die Polen dann die langersehnten Gründe liefern. Braucht man doch den nationalen Haß, die nationale Ver- blendung, um so noch besser als das betörte Volk schröpfen zu können. Aber für die Herren handelt eS sich noch um ein Zweites. DaS Verbot fremdsprachlicher Versammlungen trifft vor allem die nicht- deutschen Arbeiter. Die aber sind den Herren erwünscht, als Lohn- drücker sowohl den Junkern im Osten, als den Nationalliberalen inr Westen. Lohndrücker sind sie aber nur so lange, als sie nicht aufgeklärt, als sie nicht organisiert werden können. Diese Arbeiter müssen schweigend sich ausbeuten lassen, so wie es die Gutsbesitzer hier, die Zechenbesitzer und Hütenbesitzer dort verlangen. Das Verbot fremd- sprachlicher Versammlungen ist so gleichbedeutend mit dem Raub des Koalitionsrechtes dieser Arbeiter, mit ihrer Erhaltung als willenlose Sklaven, mit ihrer Konservierung als Lohndrücker für die deutschen Arbeiter. Und deshalb ist diese Bestimmung eine schwere Bedrohung der Lebenshaltung deutscher Arbeiter, ist eine schwere Gefahr für die Organisatiousbcstrcbuiigcn in Rheinland-Westfalen ebenso wie im Osten! Aber Niedcrdrllckung der Lebenshaltung der deutschen Arbeiterklasse, das ist ja die nationale Aufgabe, an der die Junker und Scharfmacher unaufhörlich arbeiten, das ist Blockpolitik! Zur Vollendung dieser Aufgabe soll das neue Vereinsgesetz beitragen! NieSer einmal der Staat gerettet! Der preußische Staat und die Haupt- und Residenzstadt Verlin sind wieder einmal einer furchtbaren Gefahr ent- rönnen: die Rede, in der Bebel am Mittwochabend mit den Nationalliberalen abrechnete, hat wider alle Erwartungen nicht zur Revolution geführt I Wider alle Erwartungen? In der Tat: wider alle Erwartungen einer um das Staats- wohl angeblich besorgten Polizeiverwaltung. Oder sollte die Besorgnis vor einer Revolte auch diesmal wieder wie am 21. Januar vorigen Jahres der Polizei- Verwaltung von höherer Stelle sstggeriert worden sein? Wir wissen es nicht, aber so viel wissen wir, daß die Polizei- Verwaltung alle Borbereiungen getroffen hatte, einer Revolte sofort mit einem imponierenden Polizeiaufgebot entgegen- zutreten. Nicht genug damit, daß in der Nähe des Tatortes, vor Kellers Festsälen und in den angrenzenden Straßen ein enormes Polizeiaufgebot zusammengezogen war— man zählte 80 bis 100 Helmspitzen—, es war auch allem Anschein nach gut die halbe Polizeimacht ganz Berlins auf- geboten worden, um auf das erste Alarmsignal hin anzurücken. Durch einen wohlorganisierten Radfahrerdienst wurde eine Depeschenverbindung mit dem obersten Polizei- kommando unterhalten, um rechtzeitig die umfassendsten Maß- nahmen treffen zu können. Die Nachrichten, die von der Koppenstraße aus an das Oberkommando abgingen, zeigten freilich, daß man sich wieder einmal unnötige Sorgen gemacht hatte. So lautete eine der Meldungen: v. v. Hauptm. Hennicke an Chef, Ober-Reg.-Rat, Oberst, Kommando, I— III Brigade, I, II. HI. VI. VIII, XI u. XIII, Hptmsch. Abtl. VII Rev. 2 und Schloßkeller. Zustand derselbe. Nichts borgekommen, nichts zu befürchten. Danach hat es also den Anschein, daß der Dirigent der VII. Abteilung der Polizei, Oberregierungsrat Dr. Baerecke selbst, der Empfänger dieser Dienstdepeschen gewesen ist und als ob die gute Hälfte sämtlicher Hauptmannschaften aller drei Brigaden an dem Verlauf der Versammlung interessiert gewesen seil Die fieberhafte Spannung am Alexanderplatz mag sich erst dann gelegt haben, als die Votschaften eingingen, daß wirklich nicht das geringste„vorgekommen" und„nichts z u b e f ü r ch t e n" sei! Und daß nichts zu befürchten sei, daß infolgedessen die Schutzleute von sieben Bezirkshauptmannschaften nicht in Tätigkeit zu treten brauchten, das mußte erst besonders durch Eilboten nach dem Alexanderplatz gemeldet werden 1 Und die ganze Aufregung, weil Bebel über die Nasser- männer in einer Versammlung sprach, zu der trotz des Riesensaales nur ein Bruchteil der Herbeiströmenden Zutritt finden konnte! Nun haben in Berlin bereits unzählige solcher Ver- sammlungeu stattgefunden, ohne daß solch außerordentliche Vorsichtsmaßregeln stattgefunden hätten. Warum also auf einmal die unbegreifliche Nervosität? Ist sie in dem schlechten Gewissen der Herrschenden in Sachen des Wahlrechts zu suchen?!— Zur djarakterütiit des Peters. Graf Pfeil, der seinerzeit die erste Reise des Peters nach Ostafrika mitmachte, ans der der Peters seine Verdienste um die deutsche Nation herleitet, veröffentlicht ein Buch, in dem er sich mit dem Peters gründlich auseinandersetzt. Das Buch des Grafen Pfeil ist eine Antwort auf hämische An- griffe, die Peters in seiner im vorigen Jahre erschienenen literarischen Selbstvcrherrlichung„Die Gründung von Deutsch- Ostafrika" gegen seinen ehemaligen Mitgründer Pfeil gerichtet hatte. Graf Pfeil führt in seinem Buche den Nachweis, daß Peters die„Verdienste" um die Erwerbung Ostafrikas, die er sich und zwar sich ausschließlich in seinem Buche so freigebig zuschreibt, gar nicht zukommen, sondern daß er sich von Rechts und der Dankbarkeit wegen mit ihm, dem Grafen Pfeil, darein zu teilen habe. So wenig uns nun dieser kolonialhäusliche Streit interessiert, so inter- essant sind doch die Urteile, die Graf Pfeil über den Charakter des gepriesenen„Herrenmenschen" fällt. Und diese Urteile fallen umso mehr ins Gewicht, als Graf Pfeil sich offenbar in' seiner Schrift, die nur eine Abwehr auf die An- griffe des Peters darstellt, der größten Zurückhaltung zu befleißigen scheint. Auf Seite 65 seines Buches erzählt Graf Pfeil, daß Peters bereits auf der Reise nach Ostafrika in Briefen davon gesprochen habe, daß er damit beschäftigt sei, ihn, Grafen Pfeil,„zu unterdrücken" und„klein zu kriege n". Dr. Lange sei bereit, diese Tatsache zu bezeugen. Und daß Peters ein Aufschneider sei, gehe daraus hervor, daß Peters in seinem Buche behaupte, für ihn habe es festgestanden,„daß er Afrika erwerben oder untergehen müßte". In Wirk- lichkeit habe es Peters an solch heroischer Entschlossenheit gerade in dem kritischen Augenblick gefehlt. Denn als ihnen in Sansibar vom deutschen Konsul mitgeteilt worden sei, daß die deutsche Regierung die Expedition in das Innere Ostafrikas untersage und ihnen im Uebertretungs- falle den Schutz des Reiches entziehe, hätten sowohl Peters wie Jühlke erklärt, daß es notwendig sei, von ihrem Unter- nehmen abzustehen. Nur sein, Pfeils, energisches Auf- treten und seine Forderung, ihm die Expeditionskasse heraus- zugeben, da er die Expedition allein unternehmen wolle, habe auch dem Peters wieder den gesunkenen Mut zurückgegeben. Trotzdem fühlte sich Peters nach Graf Pfeil während der Expedition selbst sofort wieder als Herrenmensch. Grausam- leiten gegen die Eingeborenen, berichtet Pfeil, habe er sich auf diesem Zuge nicht zuschulden kommen lassen, obwohl er„wenig Talent im Umgange mit Eingeborenen" gezeigt habe. Dagegen hatten„seine sämtlichen Gefährten unter seiner brutalen Art zu leiden". Otto habe eines Tages erklärt, dieser Behandlung wegen nicht mehr weiter mitgehen zu wollen, und auch Jühlke habe geklagt,„daß Peters es doch zu arg triebe".(S. 71.) Die häßlichsten Angriffe habe Peters gegen ihn, Pfeil, gerichtet, als er 1896 als Zeuge wegen der Gewalttaten des Peters am Kilimandscharo vernommen worden sei. Peters behaupte, er habe den Angeber gegen ihn ge- spielt. Dabei habe er erst in der Z w a n g s l a g e als un- freiwilliger Zeuge seine Aussagen gemacht: „Die Vernehmung fand statt, und zwar hauptsächlich darüber, ob Peters auf unserer ersten Expedition sich Grausamkeiten gegen Eingeborene habe zuschulden kommen lassen. Ich konnte das verneinen. Zu meinem Erstaunen erhielt ich bald darauf eine zweite Vorladung, in der ich über eine Menge anderer Dinge be- fragt wurde, bezüglich deren ich weniger indifferent aus- sagen, immerhin aber nur solche Sachen mitteilen konnte, die bereits öffentlich gegen ihn angeführt worden waren. Eine Menge anderer Leute aus allen Teilen des Reiches sind ebenfalls als Zeugen in der Angelegenheit vernommen worden und haben durch ihre Aussagen Dr. Peters zum Teil schwer belastet; alle diese Zeugen müßte er mithin als Denunzianten bezeichnen."(S. 112.) Es würde zu weit führen, im einzelnen alle die Stellen anzuführen, wo sich Graf Pfeil über die„Vcrleum- düngen" des Peters und deren„Schamlosigkeit" be- schwort. Zum Schluß wirft Graf Pfeil, der mit Unterbrechungen dreißig Jahre in Afrika zugebracht hat, dem Gernegroß Peters gegenüber folgende Fragen auf: „Was hat Peters, der so gern der Mann sein will, dem Deutschland Ostasrika ganz allein verdankt, zu dessen Ent- w i ck e l u n g b e i g e t r a g e n? Als er an der Spitze der Ver- woltung stehend in Sansibar weilte, hatte er Zeit, Gelegenheit und die Pflicht, das linternehmen in irgend einer Beziehung vor- wärts zu bringen, seine großen wirtichaftlichen und politischen Pläne zu verwirklichen. Was ist aus letzteren geworden, wo sind die Spuren seiner Wege? Hat Peters der Gegenwart auch nur eine lebende Schöpfung hinterlassen?... So zeichnet ein„Mitgründer", ein Expeditionsgefährtc, ein kolonialer Enthusiast das Charakterbild des Peters! Wie sieht danach der„koloniale Heros" aus? Als ein Gernegroß, der sich mit fremden Federn schmückt, der seine Expeditions- geführten brutalisiert, der„schamlos verleumdet" I Und der Mann wagt dann andere wegen Beleidigung zu verklagen! politische Uchcrücht. Berlin, den 17. Oktober 1907. Lebensfrage des Freisinns. Es wird immer wahrscheinlicher, daß zwischen Bülow und den freisinnigen Parteien in Norderney, trotz allen Ab- leugnens, gewisse Abmachungen getroffen worden sind, die dahingehen, an die preußische Wahlrcchtsfrage nicht zu rühren. Die freisinnige Presse läßt sich durch die Bescheidenheit Barths absolut nicht rühren, ja die „Frankfurter Zeitung" brachte sogar neulich die seltsame Mär. daß der liberale Einigungs- ausschutz, der neulich in Frankfurt tagte, über die preußische Wahlrechtsfrage überhaupt mcht verhandelt habe! Wir glauben das recht gern, nur möchten wir wissen, wozu die Herren überhaupt noch zusammen kommen! Was sie zu tun haben, erfahren sie ja doch prompt aus der „Deutschen Tageszeitung". Wir möchten aber doch daran erinnern, daß dem preußischen Landtage Anträge auf Einführung des Reichstagswahlrechts sowohl von feiten des Freisinns als von feiten des Zentrums vor- liegen. Wie denken denn die Herren über die Beratung dieser Anträge, oder ist ihnen am Ende bereits befohlen worden, sie zurückzuziehen? Wir möchten da doch abraten. Denn wenn die Freisinnigen diese letzte Session des Landtages ganz ohne jedes Resultat vorübergehen ließen, wäre ihre Stellung bei den Wahlen doch eine verflucht un- günstige. Die Versammlungen, die sich mit dem preußischen Parteitag beschäfttgt haben, haben gezeigt, daß die Arbeiter mit außerordentlichem Interesse das Spiel ver- folgen, das mit ihrem Recht getrieben wird. Sie sind nun einmal der Meinung, daß eine Refonn des Preußenwahlrechts unaufschiebbar ist. Der Vorschlag, das geheime Wahlrecht sofort zu beschließen, erscheint ihnen ungenügend, aber eben deswegen ist seine Durchführbarkeit s e l b st v e r st ä n d l i ch. Ein Verrat des Freisinns in dieser Frage erscheint ihnen zwar möglich, aber unwahrscheinlich. Denn der Parteitag in Essen hat zwar dem Parteivorstand freie Hand gelassen, bei Stichwahlen gemäß der politischen Situation zu entscheiden, aber ein völliges Versagen des Frei- siuns müßte ihm bei der Stimmung der Arbeiterschaft die Hände binden. Es märe doch selbst für den Freisinn a la Fischbeck zu ungeschickt, wegen einer momentan vorübergehenden poli- tischen Konstellation, wie es der Block ist, sich für alle Zukunft jede Aussicht auf Stichwahlhülfe zu berauben. Die preußische Wahlreform ist der Angelpunkt der gesamten deutschen Politik und nach dem Verhalten in dieser Frage muß natürlich das politische Urteil gefällt werden. Eine Errungenschaft in der Frage der Wahlreform ist vielleicht keine Lebensfrage für den Block, aber sicher für den Freisinn.— Zur Witwen- und Waisenversorgung bringt die„Kölnische Zeitung" von„sachverständiger Seite" einen Arttkel, der erkennen läßt, daß es aller Voraussicht noch gute Weile haben wird, bis die Witwen- und Waisenversichcrung zur Tat wird. Zunächst weist der Artikel darauf hin, daß die erlvarteten Mehrerträge aus den Lebensmittclzöllen, mit denen die Witwen- und Waisen- Versicherung gespeist werden sollte, für das erste Jahr nach der Geltung des Zolltarifs ausgeblieben sind. Wenn sich ein solcher Ausfall wiederholen werde, bleibe nichts übrig, als daß das Reich mit regulären Mitteln eintrete, eine Aus- ficht, die bei der Schuldenlast des Reiches und den stetig wachsenden Anforderungen für Heer und Marine nicht gerade erfreulich scheine. Dazu komme, daß die Ein- sührung der Witwen- und Waisenvcrsicherung Land- Wirtschaft und Mittelstand, die heute schon über die Höhe der Beiträge zur Arbeiterversichcrung klagen, noch mehr belaste, und gerade der gegenwärtige Augenblick, wo der Mittelstand unter der allgemeinen Teuerung leide, erscheine zu einer Erhöhung der Beitragslast ungeeignet.„Aus diesem Grunde"— schreibt das nationalliberale Blatt—„liegt die Erwägung nahe, die Einführung der Witwen- und Waisenversichcrung jedenfalls solange hinauszusdsiebe», bis ein reichlicher Stanim für die Rentenzahlung durch die Mehrerträge aus den Lebensmittelzöllcn gesammelt ist. Daß bis zu»l Jahre 1919— wie es im Zolltarifgesctz vorgesehen ist, davon nicht die Rede sein kann, liegt wohl auf der Hand." Weiter rät die„Kölnische Zeitung" davon ab, den Kreis der Versicherten möglichst weit auszudehnen; man solle das dringend st e Bedürfnis befriedigen, dafür dann in jede», Einzelfalle etwas reichlicher geben. Eine„verständige Witwen- und Waisenversicherung" solle bei den Gewerbekrank- heilen und den während der Betriebstätigkeit vorgekommenen Todesfällen einsetzen, die nicht der Unfallversicherung unterliegen. Schließlich bleibe noch zu erwägen, da durch die allgemeine Einführung der Witwen- und Waisenversicherung auch die I n d u st r i e erheblich b e l a st e t werde, ob dafür nicht durch den Fortfall d c r kleinen Renten die Berufsgenosscnschaften entlastet werden könnten. Die Vorschläge des„Sachverständigen" der„Kölnischen Zeitung" laufen also darauf hinaus: erstens die Witiven- und Waisenversicherung hinauszuschieben, zweitens den Kreis der Versicherten möglichst zu beschränken, und drittens die bestehenden Versicherungsgesetze zum Schaden der Arbeiter zu beschneiden. Was sagt das Zentrum, das sich durch die Lex Trimborn für die Witwen- und Waisenversorgung verbürgt hat, zu solchen Plänen?!— Der Rcichöhaushalts-Etat. Eine Korrespondenz meldet: Die Einbringung des nächstjährigen ReichShaushaltS-EtatS an den Reichstag wird, wie man in Bundesratskreisen bestimmt hofft, in der letzten Novemberwoche erfolgen können. Der Reichstag hätte alsdann wohl noch Gelegenheit, die erste Etatslesung vor Weih- nachten zu erledigen, die in der Regel 5—6 Tage in Anspruch nimmt. Die B e a m t e n g e h ä l t e r f o r d e r u n g e n für da 3 Reich und der neue Servistarif werden erst im Januar dem Reichstage zugchen, da die Forderungen wegen des nötigen Kon- nexes mit den preußischen Forderungen nicht eher dem Reichstage unterbreitet werden können.—_ Verunglückte Scharfmacherei. Eine reaktionäre Korrespondenz schreibt: Unberechtigte Verbreitung der Liebknecht- schen Hochverratsbroschüre. DaS Reichsgericht hatte beschlossen, die Hochverratsbroschüre des Dr. Liebknecht mit Be- schlag zu belegen und ihre Verbreitung zu verbieten. Ter „Vorwärts" kündet jetzt ganz harmlos an, daß er die von Rechtsanwalt Dr. Rosenberg aufgenommene ReichSgerichrS- Verhandlung als Flugschrist verbreiten will. jedenfalls, um Dr. Liebknecht auch finanziell zu unterstützen. Da in der Gerichtsverhandlung auch die Broschüre über den Antimilitarismus verlesen worden ist, so wird die Flugschrift deö„Vorwärts" auch die verbotene Broschüre enthalten und somit würde das vom Reichsgericht ausgesprochene Verbot umgangen werden. Wie wir erfahren, wird aber die Flugschrift, falls sie die verlesene Broschüre enthalten sollte, gerichtlich be- schlagnahmt werden, da die Umgehung des Verbots in dieser Weise gesetzlich unzulässig ist. Der„Vorwärts" würde sich übrigens, wenn er die Broschüre in seiner Flugschrist abdruckt, strafbar machen, da er ein Urteil deS Reichsgerichts durch die Ver- öffentlichung nicht respckttert. An der Meldung dieser Korrespondenz ist unwahr: 1. daß das Reichsgericht die Verbreitung der Broschüre„verboten" habe— ei» solches Verbot zu erlassen, ist daS Reichsgericht nicht befugt und einen solchen Verstoß gegen das Gesetz hat das Reichsgericht ausweislich deS von uns wortgetreu wiedergegebenen Urteils auch keineswegs begangen; 2. die Verhandlung ist nicht vom Rechtsanwalt Doktor Rofenberg aufgenommen; 3. die Broschüre wird(nicht aus strafrechtlichen, sondern auch technischet«) Gründen nicht die gesamte Broschüre, sondern— um mit den Worten deS GerichtSvorfitzenden zu sprechen— ein objektives Referat aus der beschlagnahmten Broschüre, soweit sie verlesen ist, enthalten; 4. wenn die Korrespondenz erfahren hat. die Broschüre wird gerichtlich beschlag- nahmt werden, so hat sie sich einen Bären anföiuden lassen, der ihr als solcher schon dadurch hätte kenntlich sein dürfen, dah ein gericht- liches Beschlagnahmeverbot nur auf Grund gerichtlicher Ein- sichtnahme, nicht auf Grund vor dem Erscheinen der Broschüre erteilter m i l i t ä r i s ch e r Anweisungen zulässig ist; 5. der«Vor- wärts' würde sich durch einen wahrheitsgemäßen Bericht in einer Broschüre genau so wenig strafbar machen, wie er und andere Zeitungen bislang durch ihren der Wahrheit entsprechenden Bericht sich strafbar gemacht haben. Die Angst vor einer Verbreitung der Wahrheit bis in die entlegensten Hütten durch die Broschüre treibt die reaktionären Blätter zu absonderlichen Ansichten. So wahr eS ist, daß wahrheitsgemäße Berichte über Gerichtsverhandlungen nicht wie Parlaments- berichte selb st dann straffrei sind, wenn ihr Inhalt ein strafbarer ist, so wenig gilt bislang selbst noch in Deutschland als Rechtssatz: wahrheitsgemäße Be- richte über Gerichtsverhandlungen find straf- bar, auch wenn ihr Inhalt straflos ist. Die Presse der herrschenden Klasse ruft nach dem Kadi schon vor Erscheinen der Broschüre, weil der herrschenden Klasse vor der Wahrheit bangt. Uns kann's recht sein. Die Broschüre wird erscheinen und selbst- redend straflos verbreitet werden.— „Hebung" der Eingeborenen. Einer der Journalisten, die DernburgS Ostafrika-Bummel mit- gemacht haben, Herr Zimmermann, verbreitet sich in der „Weser-Ztg." über die Mittel zur Lösung des Dernburgschen Problems, die Eingeborenen zu heben,„d. h. zur Erhöhung ihrer Arbeitsleistung und ihrer Produktionslast' beizu- tragen. DaS Rezept sei einfach: Man müßte auf die Steigerung ihres Gel dbedarfs hinarbeiten. Und zwar durch drei Mittel: durch rücksichtslose Ein- treibung der Hütten st euer, durch Verkauf von B o r d e r- ladern. Pulver und Blei, und schließlich durch den Verkauf von � Spirituosen! Die allgemeine Durchführung der H ü t t e n st e u e r— die ja in erster Linie eine Erhöhung der Arbeitsleistung, speziell auch durch Arbeit für die Ansiedler, herbeiführen soll— sei allerdings mit dem Risiko von Aufständen verbunden. Aber das schade nichts, denn die einmal niedergeworfenen Stämme pflegten sich nicht wieder zu erheben. fFür Südwestafrika traf das keineswegs zu!) Der Verkauf von Vorderladern werde ja das Selbstgefühl der Eingeborenen heben, was nicht unbedenklich sei, aber die sehr begehrte Ware werde teuer bezahlt werden, also gleichfalls den Geldbedarf der Eingeborenen steigern. Der Verlauf alkoholischer Getränke sei nicht gerade moralisch, aber die Eingeborenen berauschten sich ja auch ohnehin in selbstgebrauten Getränken. Natürlich müsse durch eine angemessene Spirituosensteuer dafür gesorgt werden, daß die Getränke nicht zu billig abgegeben würden, da ja sonst die Eingeborenen für den Fusel nicht genug Arbeit leisteten. Also Steuern. Gewehre und Schnaps sollen die Ein- geborene» zur Mehrarbeit zwingen! Die Alkoholpest zer- r ü t t e t zwar die Eingeborenen, und Steuerdruck und Feuerwaffen werden die Gefahren blutiger Aufstände vermehren— aber was schadet das? Je mehr Kolonialkriege, desto bessere Ge- s ch ä f t e machen unsere Militärlieferanten und sonstigen Kolonial- iuteressenten I_ Göttliches Recht und kapitalistische Presse. In den Tagebnchblättem der Königin Viktoria, die neulich km Verlage Karl SiegisinundS erschienen sind, findet sich eine lustige Episode. Die.Times" hatte sich über die Krönung des Königs Wilhelm von Preußen im Jahre 1301 lustig gemacht. Unsere Leser werden das begreiflich finden, wenn wir ihnen als Stil« probe einen Passus auS der Ansprache de? Königs an die Mitglieder beider Hänser des Landtages hersetzen. Da heißt es:.Die Herrscher Preußens empfangen ihre Krone von Gott! Ich werde deshalb nwrgen die Kr o n e v o m Tische des Herrn nehmen und auf mein Haupt setzen. Dies ist die Bedeutung des Königtum» von Gottes Gnaden und darin liegt die Heiligkeil der Krone. welche unantastbar ist." Ueber den Spott der„TimeS" war die Königin Viktoria in ihren dynasti- schen und verwandtschaftlichen Gefühlen gekränkt und ersuchte den Minister des Auswärtigen. Lord Palmer st on. beim Heraus- gcber der regierungsoffiziösen„Times" zu intervenieren. Palmerston willfahrte der Königin. Mr. Delane, der Herausgeber, meinte, er hätte während der Krönungsfeierlichkeit nichts Unwillkommenes gebracht,„hätte der König nicht diesen erstaunlichen Anachronismus vom„Göttlichen Recht" geäußert." Er hätte ohnedies alles getan, „um solche Feierlichkeiten verständlich und den Bericht darüber für diejenigen nicht zu langweilig zu machen, welche so wenig an„Göttliches Recht" glauben, wie Ew. Lordschaft ganz getreuer Diener John I. Delane." Lord Palmerston aber tröstete die Königin über diese Ant- wort, indem er dieser auseinandersetzte: „Die„Times" ist ein großes kaufmännisches Unternehmen, toenn auch natürlich mit gewisser politi» scher Richtung, doch hauptsächlich mit dem Zweck, das große darin angelegte Kapital sich gut verzinsen zu lasse n." Und darin hat Lord Palmerston recht behalten bis auf unsere Zeiten, und nicht nur für die„T i m e S". Nur das eine hat sich geändert, daß die bürgerliche Presse jetzt ihre Geschäfte macht nicht mehr gegen das„Göttliche Recht", sondern m i t dem„Gött- lichen Recht". Aber sonst ist Geschäft Geschäft geblieben!— „Post"- Fink? Der frühere Sekretär der freikonservativen Partei. Redakteur der„Post" und Mitarbeiter an dem Pamphlet des Korbmachers Fischer gegen die Sozialdemokratie, Fink, verduftete, wie wir neu- lich in Erinnerung brachten, nach Ostasien, nachdem die ihm zur Last gelegten Scheck- und Wechsclfälschungen gerichtlich festgestellt waren. Der Leiter des„Ostasiatischen Lloyds", einer deutschen in Schanghai erscheinenden Zeitung, heißt C. Fink. Die „Kölnische Zeitung" bezeichnet ihn in einem Feuilleton der Nummer , vom 16. Oktober als„den ausgezeichneten Leiter der vor- nehm st en deutschen Zeitung Asiens". Wir möchten nicht an- nehmen, daß dieser ausgezeichnete Leiter der vornehmsten deutschen Zeitung Asiens mit dem oben gekennzeichneten Fink identisch ist. Vielleicht äußert sich die„Post" hierüber, die seit 16 Jahren ängst- lich den Namen ihres geistig bedeutendsten Redakteurs verschwieg? Die sächsische Thronrede. Die Thronrede, mit der am Donnerstag der sächsische Landtag eröffnet wurde, hat alles gehalten, was unser Dresdener Korre- spondent in seinem gestrigen Arttkel von ihr erwartete: Der König läßt seinen getreuen Ständen sagen, daß seine königliche Pflicht ihm gebietet,„nichts unversucht zu lassen, um die Freude aller seiner Untertanen an den staatlichen Einrichtungen zu befestigen und um die berechtigten Wünsche zu befriedigen, welche auf eine angemessene Beteiligung aller Schichten der Bevölke- rung am Staatsleben gerichtet sind." Friedrich August fügt hinzu:.Zugleich wünsche ich die im Volke vorhandenen Kräfte in möglichst weitem Umfange sowohl für die Selbst- Verwaltung wie für die Volksvertretung zu verwerten.... Ich hoffe dadurch meinem Volke neue und dauernde Bürgschaften für den inneren Frieden und die äußere Wohlfahrt zu geben. Indem ich Ihnen die diesen Zwecken dienenden Vorlagen zugehen lasse, hege ich das Vertrauen, daß sie ohne Unterschied der Parteistellung Meine» darin bekundeten ernsten Willen anerkennen und mit allen Krästen zu dessen Verwirklichung beizutragen bereit sein werden." So wird die Karikatur einer Wahlreform eingeführt, die in den Angehörigen der größten Partei Sachsen alle? andere als Freude an den staatlichen Einrichtungen erwecken muß und ihre berechtigten Wünsche total unberücksichtigt läßt. Bis auf dem Punkt über dem i ist die Voraussage eingetroffen. daß die Steuerzuschläge verewigt werden sollen, trotz der großen Rolle, die die Verheißung auf Fortfall der Zuschläge in der Agitatton bei den ReichstagSwahlen vom Januar gespielt hat. Die Thronrede sagt dazu:„Meine Regierung hat sich... zu meinem lebhasten Bedauern... nicht imstande gesehen, an eine Er- Mäßigung der Sätze des geltenden Einkommensteuertarifs heran- zutreten."... Sonst verheißt die Rede u. a. Erhöhung der Beamten- und Lehrergehälter. Erhöhung der WohnungS- geldzuschüsse wegen der„andauernden P r e i S st e i g e- rung zahlreicher Lebensbedürfnisse" sowie eine Re- Vision des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Berg- a r b e i t e r. Ocftcrmcb. Die Eisenbahner. Wien, 17. Oktober.(Abgeordnetenhaus.) Das Haus ver- handelt über den Dringlichkeitsantrag der Tschechisch-Radikalcn. in welchem die Regierung aufgefordert wird, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die Vertrags-Arbeits- und Lohnverhältnisse der österreichischen Eisenbahnangcstellten einer Regelung unter- warfen werden. Italien. Zur Streikbewegung. Die werten Kapitalisten Italiens sind in ungnädiger Lannc. Sie grollen dem Ministerpräsidenten Giolitti. weil dieser nicht den törichten Streich beging, mit der berühmten festen Faust zuzupacken und sich— zuungunsten der Arbeiter selbstverständlich— in den Eisenbahnerstreik einzumischen. Stach der Ansicht jener hätte sofort ein Ministerrat einberufen, hätte vom Eisenbahnrat die Bestrafung der Ausständigen ge» fordert werden müssen. Daß— wie gesagt— Giolitti es klüglich vorzog, in die sogenannte Autonomie der Staatseisen- bahnen nicht einzugreifen, das kreiden ihm die Konser- vativen schwer an. und ihre Organe begeifern den Kabinett- chef mit Gift und Galle. Auch der Eisenbahnrat ist den biederen Reaktionären nicht„energisch" genug gewesen: Statt— in seiner Mittwoch. sitzung— ins Blaue hinein rigorose Maßnahmen zu beschließen, hat er die Entscheidung vertagt, um erst einmal authentische Nachrichten aus Mailand und Turin abzuwarten. Das paßt den reaktionären Draufgängern auch nicht m ihren Kram, und sie suchen scharf zu machen und die Situtation zu- zuspitzen, indem sie gegen die Negierung den Vorwurf der „Feigheit" erheben und deren Verhalten als„Ver- schleppungstaktik" charakterisieren.— Die Kaufleute von Bologna haben sich gar zu einer Pro- testversammlung nebst dem obligaten Entrüstungstelegramm an Giolitti aufgeschwungen, in welchem sie ihrem Unwillen darüber Luft machen, daß die Stadt„von der Regierung gegenüber den Tumulten der Umstürzler(I) schutzlos ge- lassen" worden sei. Wenn die guten Leute sich klar machten, wie sehr es gerade in ihrem ureigensten Interesse liegt, daß die Re- gierung Ruhe und Besonnenheit bewahrt, dann könnten sie sich ihr törichtes Gerede für minder ernste Dinge und Situationen aufsparm. Turin, 17. Oktober.(W. T. B.) Die von den Arbeitgebern verhängte Sperre ist seit heute früh aufgehoben. Die Leiter der Arbeiterkammer und anderer Arbeitcrkörperschaften hatten gestern abend eine Kundgebung erlassen, in der die Arbeiter aufgefordert werden, heute früh die Arbeit wieder aufzunehmen. In einer Ver- sammlung, in der die radikaleren Elemente in der Mehrheit waren. war dagegen beschlossen worden, den Ausstand fortzusetzen. Die Arbeit ist indessen heute früh fast überall wieder aufgenommen worden. Die Zahl der Ausständigen dürfte nicht mehr als 4000 betragen, so daß der Ausstand als beendet angesehen werden kann. Nach amtlichen Feststellungen der Stadtbehörden wurde gestern in 213 Betrieben gearbeitet, während 200 geschlossen waren; es arbeiteten 22 649 Arbeiter, während 25 593 wegen Ausstand oder Aussperrung feierten.__ kommunales. Stadtvcrordnctcn-Vcrsammlung. 28. Sitzung vom Donnerstag, den 17. Oktober, nachmittags 5 Uhr. Ter Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung nach ölb Uhr. Gewählt und konstituiert ist der Ausschuh für die Vorlage betr. die Festsetzung von Fluchtlinien auf dem Gelände der G i l k a- Bötzowschen Erben. Nachdem eine Anzahl von Rechnungen gemäß dem Antrag des Rechnungsausschusses dechargiert ist. berichtet Stadtverordneter Nelke(A. L.) über die Ausschußverhandlungen zur Vorlage wegen Verkaufs des bekannten Lessinggrund st ücks Alexandcr- straße 61 und Königsgraben 19, dem Eilberschen Fonds gehörig. Der Ausschutz hat die Vorlage abermals abgelehnt, weil er 500 000 M. für zu niedrig hält und 550 000 M. als Minimalpreis ansieht. Stadtv. Kyllmann(Fr. Fr.) tritt für die Annahme der Vorlage ein. M«n solle doch nicht so feilschen und markten, auch nicht so kleinlich sein, die Provisionen sparen zu wollen, deshalb sitze die Stadt eben auf ihren Grundstücken so fest. Stadtv. Brunzlow(A. L.) empfiehlt nach dem AuSschußvorschlagc zu beschließen. Ob der betr. Kauflustige sich nach dem 30. September»och an sein Gebot gebunden halte, sei zweifelhaft. Stadtrat Marggraff beruhigt den Vorredner über den letzteren Punkt. Der Betreffende sei auch jetzt noch bereit, 500 000 M. zu zahlen. Stadtv. Borgmann(Soz.): Es ist nicht das erstemal, daß wir gegenüber Magistratsvorlagen den Preis für ein zu verkaufendes Grundstück höher gesetzt haben. Meine Freunde sind überhaupt gegen die Veräußerung dieses Grundstücks, namentlich aber unter den augenblicklichen Umständen. Die Gegend, in der das Grund- stück liegt, ist so in der EntWickelung begriffen, daß man gar nicht wissen kann, was die nächste Zukunft, was vielleicht schon das nächste Jahr bringen wird. In allernächster Zeit wird dort die Untergrundbahn vorübergehen, dieses große neue Verkehrsmittel. Wir haben das Grundstück seinerzeit in sehr desolatem Zustande übernommen und cS mit großem Aufwände von Mitteln in einen guten Zustand versetzt; wir ziehen heute etwa 18 000 M. Miete daraus. Andererseits, wenn wir daS Grundstück nach 5 oder 6 Jahren für 100 000 M. mehr als heute verkaufen können, würde der Fonds doch einen noch höheren Zuschuß erhalten. Wir unserer« seits werden gegen den Ausschußantrag und gegen die Vorlag' stimmen. Der Ausschuß an trag wird mit Stimmengleich- heit, die Borlage selbst gegen wenige Stimmen abgelehnt. (Heiterkeit.) Die Vorlage wegen Vermietung der Kandelaber der öffentlichen Straßenlaternen für Anbringung von R e k I a m e s ch i l d e r n ist von dem eingesetzten Ausschüsse mit kleinen Modifikationen einstimmig angenommen worden. Ohne Debatte tritt die Versammlung den Ausschutzvorschlägen bei. Für die Vorlage betr. Erwerb von L ä n d e r e i e n in der Gemarkung Sputendorf zu Rieselzwecken war ein Ausschuß niedergesetzt worden, namens dessen heute Stadtverord- netcr K y l l m a n n referiert. Der geforderte Preis sei als ein angemessener, wenn auch nicht billiger zu bezeichnen. Ob das Geld aus dem Etatsüberschuß von 1906, wie die Vortage wolle oder aus Anleihen entnommen werden solle/ sei streitig. Der Kämmerer habe sich gegen den letzteren Vorschlag sehr gewehrt, die Mehrheit habe ihn auch abgelehnt. Heute nehme ein Antrag Dave jenen Vorschlag in etwas modifizierter Form wieder auf. Stach längerer Debatte, an der sich die Stadtverordneten Dave, Borgmann, Mommsen, Dr. Paul und Roscnow beteiligten, nimmt die Mehrheit die Vorlage m i t dem Antrag Dave an. Von den Stadtvv. Dr. A r o n s u. Gen.(sozialdcm. Fraktion) ist der Antrag betr. die Einsetzung eines ständige» Ausschusses für soziale Angelegenheiten eingebracht. ES wird Ausschußberatung des Antrages beantragt. Stadtv. Dr. Arons(Soz.): Sozialpolitische Aufgaben sind in steigendem Maße überall an die Gemeinden herangetreten; überall hat man anerkennen müssen, daß zur Vorberatung und Erledigung dieser Gegenstände eigene Institutionen geschaffen werden müssen. Solche bestehen als soziale oder sozialpolitische Kommissionen oder Deputationen in einer großen Anzahl großer und kleiner Kon:- munen. Die statutarischen Zweckbestimmungen für diese Kom- Missionen sind sehr verschieden getroffen. In Fürth ist bestimmt, daß die Kommission an der Hand der sozialpolitischen Zeitschriften, Berwaltungsbcrichte usw. soziale Fragen bearbeiten, also eine rein theoretische Arbeit leisten soll. In München besteht ein Ausschuß für die sozialen Fragen, welcher Anträge und Gutachten auf dem Gebiete der sozialen Wohlfahrtspflege zu stellen bezw. zu erstatten hat. Sehr häufig, wenn auch nicht immer werden bei diesen Bc- ratungen Gebiete berührt werden, für deren Behandlung andere VcrwaltungS-Deputationen und Ausschüsse schon bestehen. Der Oberbürgermeister Beutler in Dresden, wo auch eine solche Depu» tation, und zwar auf Antrag dcS Magistrats, eingerichtet worden ist, hält dafür, daß eben die soziale Seite aller solcher Vcrival» tungsfragen diesem Ausschusse zur Prüfung vorbehalten bleiben soll. Welche Aufgaben würden für Berlin einem solchen Ausschuß zu überweisen sein? Da kämen neben den Verkehrs- und Bau- ordnungen vor allem die Behandlung des Wohnungswesens in Be- tracht. Da wäre zu denken an die Möglichkeit der Einrichtung eines Wohnungsamtes, eines städtischen Wohnungsnachweises, so- wie einer städtischen Wohnungsinspektion, ferner an Fragen der kommunalen Boden- und Vcrkchrspolitik, an die Möglichkeit der Förderung dcS KleinwohnungöbaueS, sei es durch die Stadt in eigener Regie, sei es durch Unterstützung von Genossenschaften. Ferner die Besprechung der Arbeitsordnungen für die städtischen Arbeiter. Viele Schwierigkeiten sind entstanden dadurch, daß man Forderungen dieser Arbeiter für schlechthin unausführbar erklärt hat; der Zorn der Arbeiter über diese Stellungnahme würde nicht so herausgefordert worden sein, wenn Gelegenheit geboten gewesen wäre, sich über solche Forderungen in einem sozialen Ausschuß zu unterhalten. Ferner gehört hierher das große Arbcitslöscnproblcm, das von Zeit zu Zeit hier in Berlin recht deutlich unS vor Augen tritt und auch uns bald wieder, wenn die jetzige günstige Konjunk- tut vorbei ist, beschäftigen wird. Der Ausschutz hätte in dieser Beziehung vorhandene Statistiken und die im Auslände auf diesem Gebiete geschaffenen Institutionen zu studieren. Ferner das weite Gebiet der Säuglingsfürsorge, auf dem wir nach dem Ausspruch unseres Oberbürgermeisters erst in den Anfängen stehen; dann die Frage der Kinderhorte usw., wo man bisher alles der privaten Initiative überlassen will, ein Vorgehen, das durchaus nicht von vornherein geboten ist. Sodann Begutachtung über die Unterstützung von Vereinen durch die Stadt; weiter die Frage dcS Verhältnisses der Stadt zu den Vororten. Hier würde ein der« artiger Ausschuß besonders die Frage der Zweckverbände zu prüfen haben. Die Notwendigkeit der Regelung einer großen Zahl von hierher gehörigen Fragen wird ja täglich brennender, wie ein erst heute in der Deputation für das Fortbildungsschulwcscn verhau» delter Antrag von Reinickendorf beweist, der zwar abgelehnt werden mutzte, der sich aber zur Beratung in einem solchen Ausschutz gut geeignet hätte. Ferner die Errichtung einer Rechtsauskunftsstelle, die von außerordentlicher Bedeutung sein würde, wie das Beispiel von Essen beweist, wo neben zahlreichen sehr frequentierten pri- vatcn Stellen auch eine kommunale Stelle besteht, die von einem Juristen geleitet wird und sich sehr starken Zuspruches, namentlich aus den Arbeiter-, Handwerker- und Kleingewerbetreibenden- kreisen erfreut. Diese meine Aufzählung macht durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Antrag geht ja nur auf einen ständigen Ausschuß, während die große Mehrzahl der anderen Ge- meinden bereits besondere Deputationen geschaffen haben. Wir hätten selbstverständlich nicht» dagegen, halten es aber zunächst für zweckmäßig, mit dem Kleineren anzufangen, das sich dann ja ruhig auswachsen kann. Wird auf Grund dieser unserer Anregung Positives geschaffen, dann werden sich ja auch Verwaltungsauf» gaben ergeben, die ein Ausschuß nicht mehr lösen kann, sondern die eine Deputation, ein Verwaltungsorgan zur Ausführung er- fordern. Ich bitte Sic, unseren Antrag anzunehmen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Rosenow(N. L.): Meine Freunde meinen, dah die von Herrn Arons gestellten Aufgaben von den bestehenden Verwaltnngs- deputationen bereits erfüllt werden. Es wäre auch schlimm bestellt, wenn es nicht so wäre. Ernst ist uns aber die Sache auch; wir wollen die angeführten Punkte und Wünsche in einem Ausschuß prüfen und nicht ohne weiteres Nein sagen.(Zurufe von den Sozialdemokraten: Nach den Wahlen!— Heiterkeit.) Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Auch wir stimmen der Ausschuß- ooratung zu. Im übrigen aber sollte man einmal bedenken, was geschähe, wenn das erreicht wäre, was Herr AronS will. Dann hatten wir an Stelle des Magistrats und der Ausschüsse einen Oberausschuß, einen ganz großen Oberbürgermeister über Berlin. Es gäbe keine Vorlage mehr, die nicht zunächst dem sozialen Wohl- fahrtSauSschuß überwiesen werden müßte. ES hat in Berlin aber an sozialem Sinn auch bisher nicht gefehlt.(Zuruf: Aber wie!) lieber das Wie läßt sich streiten, aber durch de» Ausschutz wird cS doch nicht anders.(Sehr richtig!) Ucbrigens ist die Zahl und der Umfang der stündigen Ausschüsse durch die Geschäftsordnung fest- gelegt, und auf die Formulierung einer genauen Umschreibung der Aufgaben der gedachten Kommission bin ich neugierig. Stadtv. Preutz(soz.-fortschr.): Die Tendenz des Antrages Arons ist uns durchaus sympathisch, ebenso die vortreffliche Be. gründung desselben. Daß in unserer Kommunalpolitik immerhin noch ein Platz für soziale Angelegenheiten ist, ist ja anzuerkennen, aber ich weiß nicht, ob diese Versammlung die richtige Adresse für den Antrag war, oder ob nicht dafür erst ein Appell an die Wählerschaft erfolgen sollte. Die vom Verein für Sozialpolitik efordcrte große Reform des kommunalen Wahlrechts wird uns ja öffentlich durch die neue Aera beschert werden.(Heiterkeit.) So- lange keine sozialfortschrittliche Mehrheit in einer Versammlung wie dieser vorhanden sein wird(Ironische Zurufe)— eS ist ja auch noch nicht so weit—, befürchte ich, daß ein solcher ständiger Ausschuß sich zu einem Beerdigungsausschuß für sozialpolitische Angelegenheiten auswachsen wird. An Stelle der Mehrheit würde ich den Antrag annehmen, es wäre event. der beste Weg, um eine soziale Angelegenheit zu verzögern. Stadtv. Kassel: Die Motive für den Antrag haben wir ja erst heute gehört. Gegen den Antrag, wie er vorliegt, hatten wir die fltBfefen Bedenken, denn er würde den Magistrat ausschalten und durck eine Art Wohlfahrtsausschutz ersetzen. Ferner hat diese Versammlung bisher bei allen Vorlagen und Anträgen die sozialpolitische Seite mit größtem Ernst und größter Gründlich- keit l!) erwogen und gewürdigt(!) und vieles ist in dieser Be- zichung von der Versammlung, und zwar unter Mitwirkung aller Teile, geleistet worden.— Den Antrag in einem Ausschutz zu begraben, ist mir und auch diesem Antrage gegenüber nicht unsere Absicht oder Gepflogenheit gewesen. Damit schließt die Erörterung. Stadtv. Dr. Arons(Schlußwort): Die Widersprüche, die aus dem Nebeneinanderbestehen dieses Ausschusses und der Deputationen usw. hergeleitet werden, erledigen sich ja schon durch den Hinweis auf das von dem Dresdener Oberbürgermeister Beutler Gesagte; vielleicht verschafft uns der Vorsteher den Wortlaut dieser Aeutze- rung. In Dresden hat mein Parteigenosse Uhlich bei der dortigen Beratung bereits ausdrücklich hervorgehoben, daß eventuell aus diesem Ausschusse für auch ein Ausschutz gegen soziale An- gelcgenheiten werden könnte. Wir sind uns dieser Möglichkeit also sehr wohl bewußt, und ich fürchte beinahe, daß der Beifall, der den ironisierenden Ausführungen des Kollegen Preutz zu teil wurde. nicht sehr günstig für unseren Antrag selbst zu deuten ist. Wir meinen, die intensive Beschäftigung mit sozialen Angelegenheiten in einem kleineren Kreise ist schon sehr geeignet, auch sonst sehr ver- härtete Gemüter sozialen Regungen mehr zugänglich zu machen. Deshalb haben wir zunächst von einer Deputation abgesehen; die Hauptsache für uns ist eben, daß sich ein Kreis von Männern der verschiedensten Richtungen mit sozialpolitischen Angelegenheiten wieder und wieder beschäftigen muß; davon hoffen wir eine Be- sruchtung der ganzen sozialen Tätigkeit der Gemeinde. Der Antrag Arons geht an einen Ausschutz von 15 Personen. Für die durch den Wolkenbruch vom LS. Juli er. be- troffenen Eigentümer. Geschäftsinhaber usw. im Bereich des Radialshstems X sollen 75 SSS M. als Entschädigung gezahlt werden. Stadtv. Borgmann: Wir beantragen Ausschutzberatung. Wir haben gegen die Entschädigung nichts einzuwenden, auch nichts gegen die Art der Entschädigung durch die Vermittelung der ehren- amtlich tätigen Kommunalbeamten. Aber der ganze Vorgang, der hier zugrunde liegt, gibt zu erheblichen Bedenken Veranlassung, und die Versammlung hat die unabweisliche Pflicht, sich genau zu informieren. Gerade weil eine feste Grundlage fehlt, aber die seltsamsten Gerüchte umherschwirren, eignet sich die Sache zur Prüfung durch den Ausschutz. Stadtv. Roscnow: Wenn irgendwo in Deutschland elementare Schäden angerichtet werden, hat Berlin stets eine offene Hand für die Geschädigten gehabt. Hier ist in den Mauern Berlins eine solche Schädigung durch Wolkenbruch entstanden und soll mit der Bagatelle von 75 900 M. abgefunden werden. Ich empfehle im Gegensatz zum Vorredner die sofortige Annahme und bitte, von einer Ausschutzberatung abzusehen. Stadtv. Singer(Soz.): Ich mutz aufs entschiedenste Verwah- rung dagegen einlegen, daß uns unterstellt wird, wir seien nicht ge- neigt, die Betroffenen ausgiebig zu unterstützen. Es wäre auch das erste Mal, daß wir in diesem Saale gegenüber unverschul- detem Unglück die Hand nicht geöffnet hätten. Wir wollen aber bei dieser Gelegenheit feststellen lassen, was die Ursache dieses söge- nannten elementaren Unglücks ist, ob es richtig ist, daß es an Ein- richtungen fehlte, um dem Unglück entgegenzuarbeiten. Es soll ein Notauslatz vermauert und dadurch kein Abzug möglich gewesen sein.(Hört, hört!) Ich konstatiere, daß dies der e i n z i g e Grund für den verlangten Ausschutz ist. Die Gelder werden vielleicht zehn Tage später gezahlt. Das ist der ganze Unterschied. Stadtbaurat Krause: Am LS. Juli ist ein Wolkcnbruch erfolgt, den unsere' Kanalisation nicht aufnehmen konnte; so werden die Kanäle nicht gebaut. In 55 Minuten sind 39 Millimeter Regen- höhe konstatiert worden, 277 Liter pro Hektar und Sekunde. 140 Liter pro Hektar und Sekunde sind zum Abflüsse gelangt; eine Ueberfchwemmung mutzte stattfinden. Die dortige Pumpstation hat zwei Notauslässe, welche alles in allem 17,86 Kubikmeter ab- leiten können. Zugeflossen sind aber 63 Kubikmeter pro Sekunde. Zugegeben werden mutz, daß durch einen Beamten der größere der beiden Notauslässe zugemauert worden ist(Hört, hört!) wegen einer Druckrohrvcrlegung infolge des Baues einer Brücke über die Panke. Auf die Ueberfchwemmung hat dieses Versehen aber keinen Einfluß, wie die von mir gegebenen Zahlen zeigen. Wieweit eine Schuld die beteiligten zwei Beamten trifft, ist Gegenstand der Untersuchung, die beim Magistrat noch schwebt. Tatsächlich aber wäre auf keinen Fall die Kanalisation imstande gewesen, diese Regenmengen zu bewältigen. Stadtv. Borgmann(Soz.): Die Ziffern, die uns der Herr Stadtbaurat gegeben hat, sind sicher richtig. Wir glauben aber, daß hier auch festgestellt werden mutz, an wem die Schuld für das zu- gegebene Versehen liegt. Nachdem wir jedoch soeben gehört haben, daß diese Sache bereits weiter verfolgt wird, ist die Angelegenheit für den Augenblick für uns erledigt; wir ziehen daher unseren An- trag auf Ausschutzberatung zurück.(Beifall.) Stadtv. Cassel betont noch, datz absolut keine Veranlassung sei, die Untersuchung zu unterdrücken, und datz es sich auch frage, ob nicht eventuell auch die Einrichtungen selbst unzureichend waren. Der Baurat habe aber eine höchst loyale Auskunft ge- geben. Stadtv. Herzberg(Fr. Fr.): Eine Verpflichtung, alle Meteor- Wasser abzuleiten, besteht für den Magistrat nicht. Stadtv. Cassel: Wir müssen uns trotzdem vorbehalten, ge» logentlich auf diesen Vorgang zurückzukommen. Die Vorlage gelangt darauf einstimmig zur Annahme. Schluß 8 Uhr._ Soziales* Moderner Menschenhandel und seine Folge». Fortwährend wird in der Arbeiterpresse von feiten unserer Genossen am Nicdcrrhein und im Ruhrgebiet gewarnt vor dem ge- wisscnlosen Treiben der Agenten der Zechen- und Eisenbarons, fortwährend wird hingewiesen auf das Elend und die Not, denen die angeworbenen fremdländischen Arbeiter ausgesetzt sind, sobald sie sich in den Klauen der modernen Sklavenhändler befinden. Trotz dieser Warnungen der Arbeiter vor Enttäuschungen und dem sicheren Elend, nimmt der Strom der Völkerwanderung nach dem Ruhrgebiete bezw. dem Niederrhein zu. Vorwiegend Ausländer lockt der deutsche Prozentpatriotismus nach den Gefilden der In- dnstriekönige des Westens, und zwar Ausländer von sehr bedenk- licher moralischer Qualität. Kein Wunder, datz Revolverschietzerei, Messerstecherei, Straßenraub und Sittlichkeitsdelikte im besagten Industriegebiet zu den alltäglichen Erscheinungen gehören. So arg jedoch, wie dieser ausländische Zuwachs seit einigen Monaten wieder am Nicderrhein ist, namentlich in den„Königreichen" der Thyssen, Stinnes, Haniel usw. dürfte er wohl kaum jemals in einer anderen Periode gewesen sein. ES scheint, als ob das In- dustriekapital geradezu wetteifert in dem Bestreben der Ansässig- machung fremdsprachiger und in der Berdrängung deutscher Ar- beiter. Das Geld scheint in diesem Verfahren überhaupt keine Rolle zu spielen. Die„Hände" werden nicht mehr waggonweise, sondern nur noch hundertweise mittelst Extrazügen befördert. So zieht sich das Jndnstriemagnatentum des Westen« in aller Stille die seinen Wünschen hochwillkommene Reservearmee willfähriger AnSbentungSobjekte heran» mittelst deren die„unbotmäßige" ein- heimische Arbeiterschaft im Zaume gehalten und ihre Ansprüche niedergeknüttelt werden können. Unerhörte materielle Opfer und zahllose Zerrüttungen des Familienlebens hat dieser moderne Sklavenhandel— 3 M. pro Kopf— schon gefordert, Tausende über Tausende armer, un- wissender Arbeiter wurden ins Elend gelockt und tagtäglich häuft sich die Schuld, so daß eS endlich Zeit wird, daß sich die Gesetz- gebung mit dem gemeingefährlichen Treiben jener modernen Sklavenhändler befassen._ Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Erst vor einigen Wochen berichtete die Arbeiterpresse über die Polizeiattacke von Neumühl als Episode eines Dramas, in dem weit über 300 Arbeiter niit ihren Familien(zusammen etwa 800 Köpfe) durch die Gewissenlosigkeit eines einzigen Zcchenagentcn (Kühne) in Not und Elend gestürzt wurden. Der letzte Akt dieses Dramas wird sich demnächst vor dem Strafrichter abspielen. Und schon wieder wurde ein Bild entrollt, das den Beteiligten 27 Monate Gefängnis einbrachte, die eigentlich dem Zechenagcnten Stadler oder in letzter Linie seinen Auftraggebern gebührt hätten. Vor der Strafkammer in Duisburg spielte ein Aufruhr- und Landfriedensbruchprozcß gegen 4 nach der Zeche„Neumühl" ge- lockte Oesterreicher. Die Leute waren in Graz von dem Agenten Stadler angeworben unter dem Versprechen eines Schichtlohnes von 4,59 M. und freier Grubenkleidung nebst diversen sonstigen Vor- teilen. Die Tage der Reise sollten neben freier Verpflegung mit 3 M.-pro Tag vergütet werden. Schon in Graz begannen die Ent- täuschungen. Fast drei Tage wurde die Abfahrt verzögert, da der Agent nicht genügend Mittel hatte, für die„zusammengelaufenen" 270 Personen, deren„er sich nicht erwehren konnte", während er nur zur Anwerbung von 100 beauftragt war. Natürlich! Wenn armen Teufeln, die daheim in ihrem entlegenen Erdenwinkel viel- leicht einige Kreuzer verdient haben, plötzlich ein solches Angebot gemacht wird, so wäre es angesichts der sozialen und kulturellen Rückständigkeit solcher Personen geradezu ein Wunder, wenn sie den Häschern nicht ins Garn laufen würden. Ein anderer Teil von ihnen hatte bessere Stellen aufgegeben, das bißchen Hausrat verkauft und glaubte nun, sofort mit Kind und Kegel der neuen Heimat zusteuern zu müssen. Alle aber wurden betrogen! Statt der vom Händler versprochenen 4,50 M. wollte die Zeche nur 3,50 M. zahlen. Von den versprochenen Grubenklcidern sah niemand etwas, so datz die meisten, weil mittellos, in dem einzigen Anzüge, den sie am Leibe hatten, die Arbeit aufnehmen mutzten, wenn sie nicht hungernd in einem fremden Lande untergehen oder sich poli- zeilich wieder dahin abschieben lassen wollten, woher sie eben ge- kommen waren. Mehrere, die nach der ärztlichen Untersuchung für unbrauchbar zur Grubenarbeit befunden wurden, überließ man wie üblich ihrem Schicksal. Auf die Rcisevergütung von 9 M. er- hielten die Leute nur 5 M., der Rest sollte erst nach Beginn der Arbeit gezahlt werden. Alles das führte zu einer begreiflichen Er- regung. Eine Anzahl dieser Fremden geriet dann in eine Wirt- schaft, im Aerger wurde getrunken und wieder getrunken, es gab Spektakel, der Wirt verbat sich den Tumult und ließ Polizei holen, es wurde das Mobiliar in der Wirtsstube demoliert, der Polizist mutzte flüchten trotz seines Revolvers, eine Anzahl der Anwesenden setzte ihm nach, und schließlich war das Ende vom Liebe, datz vier Personen ergriffen und ihnen nun der Prozeß wegen Aufruhr und LandfriedenSbruch gemacht wurde. Nach dem heute geltenden for- malen Recht vielleicht mit Recht. Die Angeklagten wurden, wie oben bemerkt, zu insgesamt 27 Monaten"Gefängnis verurteilt. Das Urteil fiel verhältnismäßig milde aus, weil das Gericht daS unqualifizierbare Verhalten des Zcchenagentcn berücksichtigte! Es drängt sich da die Frage auf:„Soll das so weiter gehen?" Die unsauberen Machinationen der Agenten werden systematisch geübt und leider durch die Duldung unterstützt. Hat so ein Bursche seine„Ware" abgeliefert, so verschwindet er wieder und verübt denselben Frevel. Gegen diesen Mcnschcnschacher empört sich das gesunde Empfinden. Man mache die Wcrksbesitzer verantwortlich für das schamlose Treiben ihrer Agenten. Die Wcrksbesitzer wissen genau, datz die Angeworbenen durch falsche Vorspiegelungen heran- gelockt werden. Der Betricbsführer der Zeche„Neumühl" sagte in dem Aufruhrprozetz als Zeuge aus, daß er den Agenten Stadler nur beauftragt habe» IM Mann anzuwerben, aber dennoch hat man mit Freuden zugegriffen, als Stadler aus Graz telegraphierte, es seien 270„zusammengelaufen". Die Betriebsverwaltungen sind die moralisch Berantwortlichcn für die betrügerischen Manipulationen ihrer Agenten. Ihnen ist daher auch die Verantwortung aufzuerlegen. Reichen dazu die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen aus formalen Gründen nicht aus, dann ist es angesichts der Gemeingefährlichkeit dieses mo- kernen Sklavenhandels an der Zeit, daß sich die Gesetzgebung mit der Sache befaßt. Zum Arzt um die Ecke— standesunwürdig. Der Zunftgeist der ärztlichen Handwerker spiegelt sich in folgendem gestern vom ärztlichen Ehrengericht für die Provinz Brandenburg und den Stadtkreis Berlin gefällten Urteil wider. Der in einem Vorort Berlins ansässige praktische Arzt Dr. A. hatte zwecks leichterer Auffindung in der Nebenstratze, unweit seiner Wohnung, ein kleines Schild mit dem Hinweis:„Zum prakt. Arzt Dr. A.— um die Ecke" anbringen lassen. Ein anderer Arzt, Dr. E., der sich in der Nähe der Wohnung des Dr. A. niederließ, nahm Anstoß an diesem Schild und erstattete Anzeige beim Ehren- gericht gegen Dr. A. Der Gerichtshof fällte folgende Entscheidung: Der Beschuldigte war bei seinem Zuzug in die damals noch in der Bebauung be- griffcnen Gegend unter Berücksichtigung der Tatfache, datz in den nächstbelegenen Häusern noch kein Arzt wohnte, unbedenklich befugt, das fragliche Schild an der Ecke anzubringen. Von der Zeit aber, wo die Bebauung sich vollendete und insbesondere ein anderer Arzt in einem unweit belegenen Hause sich niederließ, fiel der gerechtfertigte Grund für ein Schild mit dem Hinweis:„Um die Ecke" fort. Ein solches Schild, geht unter normalen örtlichen Verhältnissen über den Rahmen hinaus, in dem sich die Kenntlich- machung der ärztlichen Wohnung standesgemäß zu bewegen hat. Ein Schild, das nicht an dem Hauseingang zu der Arztwohnung angebracht ist, ist in der Regel zu verwerfen. Das Ehrengericht erkannte an, datz der Beschuldigte nach Lage der Sache im Zweifel sein konnte, ob sein Verhalten"sich mit der ärztlichen Standesehre in Widerspruch setze, und sprach ihn deshalb frei, drohte ihm aber an, ihn zur Verantwortung zu ziehen, sofern er nach Kenntnis- nähme der Entscheidung das Schild nicht alsbald entfernen lasse. DaS angeführte Urteil des ärztlichen Ehrengerichts für die Provinz Brandenburg steht keineswegs vereinzelt da. So berichtet ein Arzt in der„Frankfurter Zeitung" über folgenden Spruch der rheinischen Aerztekammer: „Ich hatte meine Niederlassung in den Lokalblättern der Um- gegend in würdiger Form, die nur Name, Stand, Wohnort und Sprechstunden enthielt, zehnmal angezeigt und wurde dafür wegen standesunwürdigen Benehmens mit einem Verweis bestraft. Die Standeswürde liegt nämlich um fünfmal herum. Mit dem Ehren- gerichtSwesen nicht vertraut, hatte ich es in meiner Verteidigung mit Logik versucht und darauf hingewiesen, datz eine noch so häufige Wiederholung einer an sich ehrenhaften Handlung diese nicht zu einer unehrenhaften stempeln könne.' Aber es nützte nichts, das Urteil war fertig. DaS hätte auch eine schöne Verwirrung an- richten können in der geheiligten Ordnung der Dinge, die daS Publikum die Niederlassung eines Arztes mehr vermuten, ahnen. erraten läßt. Einen einfachen Verweis hätte ich nun noch ver- winden können, aber da stand geschrieben: Der Angeklagte hat ge- handelt„wie ein Kaufmann". Wie mir, dem Sohne eines Kauf- manneS, das nahe ging! Unterzeichnet war das Schriftstück u. a. vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Vertretung£.?).... Wie ein Kaufmann! Hoffentlich hat der Vertreter des Oberpräsi- denten der Rhcinprovinz, der klassischen Lande des'Kaufmanns, an dem Tage, an dem er mein Urteil unterzeichnete, Zeit gefunden, Toilette zu machen, falls er etwa abends auf einem Bankett der rheinischen Kausmannschaft auf den„Königlichen Kaufmann" toasten mutzte. Ja so mutzte es kommen. Mit der Konstruktion eines besonderen Standesehrbcgriffs beginnt's und dann geht's bis zur Beleidigung anderer Stände." Der sächsische ärztliche Ehrengerichtshof verurteilte kürzlich einen Arzt in folgendem Fall: Ein Arzt in einer Grotzstadt kam auf den Gedanken, seinen Wirkungskreis auszubreiten, weshalb er auf seinem Namensschild vermerkte:„On parle lranizais" und „EnglisK spoken" und autzerdem noch eine Zeile anbrachte, aus welcher hervorging, datz er auch russisch spreche. Das ärgerte seine lieben„Kollegen", und der zuständige ärztliche Bezirksverein strengte Klage bei dem Ehrengerichte an. Der EhrengcrichtShof th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt — die höchste Instanz in der Frage— hat dann das Schild auch als standcsiiliwürdig bezeichnet. Es sei„eine unstatthafte öffent» liche Anpreisung(Reklame) im Sinne des§ 3, Abs. 1 der Aerzt- lichcn Standesordnung." Man sieht, in der lächerlichsten Hochhaltung des Standes« dünkels verbunden mit Rücksicht auf die Möglichkeit kollegialen Ver- dienstes vielleicht minderwertiger Aerzte ganz im Sinne mittel« alterlichen Zunftgeistes liegt System. Von einem Einschreiten des ärztlichen Ehrengerichts in den Fällen, in denen ein Arzt Hülfe einem Hülfebedürftigcn versagte oder die Krankheit durch Unachtsamkeit verlängerte oder zu un- gunsten eines Arbeiters Erwerbssähigkeit„verschrieb"— in einem Falle traf solch schönes Gutachten im Hause eines Adressaten ein, als dieser infolge der ärztlich ihm abgesprochenen Invalidität gestorben war— oder höhere Honorare durch Vereinbarung mit seinen Standesgenossen über Versagung ärztlicher Hülfe erpreßte oder zu erpressen suchte, wie durch die bekannten„Aerztcstreiks", hat man nichts gehört. Könnte ein Arzt durch den Hin- weis„um die Ecke" schneller aufgefunden werden, so ist das Schild„standesunwürdig". Bei diesem Gebaren wundern sich die Arzte, datz das Vertrauen zu ihnen in wachsendem Schwinden ist, und leider soviel ärztlicher Hülfe Bedürftige in die Arme von Kurpfuschern treibt! Versammlungen. Arbeiter-Bikdungsschule Berlin. In der im Gewerkschasrs- hause abgehaltenen gutbesuchten Versammlung der Arbeiter, Bildungsschule wurden die bereits im„Vorwärts" bekannt- gegebenen Acnderungen des Lehrplanes mitgeteilt. Der vom Kassierer Genossen Königs erstattete Kassenbericht für die Monate Juli-September schließt mit einer Einnahme von 4450,25 M. und einer Ausgabe von 1896,67 M. ab. Der Bestand der Kasse betrug am 1. Juli 2928,81 M., am 30. September 5482,39 M. Dem Kassierer wird auf Antrag der Revisoren Decharge erteilt. Längere Zeit nahm die Beschlutzfassung über die Statutenänderung in Anspruch. Sie wurde bis auf den § 6 von der Generalversammlung in der Fassung der letzten Ge- neralversammlung mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit gut» geheißen. Der§ 6 fand nicht diese Zweidrittelmehrheit und damit bleibt er in seiner alten Fassung bestehen, wonach zum Ausschluß eines Mitgliedes auch„ehrlose Handlungen" berechtigen. Bei den nun vor sich gehenden Vorstandswahlen wurden die alten Vorstandsmitglieder bis auf den 1. Vorsitzenden Lamms wiedergewählt, da dieser eine Wiederwahl ablehnte. 1. Vorsitzender wurde der frühere 2. Vorsitzende Geithner, 2. Vorsitzender Riedel. Als Revisoren gingen die Genossen Markus und M i e t h e aus der Wahl hervor. Auch die Posten der Unterrichts» Vertreter, der Bibliothekare und einer Ordnerkommission besetzte die Generalversammlung. Nachdem noch aus der Versammlung dem Genossen Lamme der Dank der Mitglieder für sein lang- jähriges Wirken als Vorsitzender der Schule ausgesprochen worden war, erfolgte Schluß der Versammlung.— Alle Zuschriften für den Vorstand der Schule sind von jetzt zu richten an: Otto Geithner, Berlin XO. 18, Friedenstr. 70 III. Die Kostüm- und Mustcrschneider und-Schneiderinnen hielten am Montag im Neuen Klubhause, Kommandantcnstratze, eine öffentliche Versammlung ab, in der Frau Dr. Z c p l e r über die Frage sprach:„Wie können wir unsere Wirtschaft« liche Lage verbessern?" Die Redncrin schilderte in ihrem Vortrage zunächst die Umwälzung der wirtschaftlichen Zustände, wie sie die Entwickclung des Maschinenwesens mit sich gebracht hat, sowie deren Folgen für die Arbeiterklasse: die Ausbeutung der Ar» hcitskraft der Kinder und der Frauen, die industrielle Heimarbeit und die Verelendung und Degeneration der ausgebeuteten Massen, die naturnotwcndig eintreten mutzte und mutz, wenn nicht die Ge- setzgcbung sowie die wirtschaftliche und politische Organisation der Arbeiterklasse selbst dem Unheil steuern würde. Die Redncrin wies auf das Wenige hin, das die Gesetzgebung bis jetzt in dieser Hinsicht geleistet hat. hob dann jedoch besonders hervor, datz die gewerkschaftliche und politische Betätigung, vor allem der Frauen» noch sehr viel zu wünschen übrig läßt, namentlich auch im Schneidergcwerbe und der Konfektion mit ihrer Heimarbeit und der doppelten und mehrfachen Ausbeutung durch das Zwischenmeister- tum. Der Vortrag schlotz mit dem Aufruf, eifrig und ausdauernd dafür zu wirken, datz der Gedanke, datz die Arbeiterinnen nicht ausgeschlossen sein sollen von allem, was das Leben lcbcnswcrt macht, daß der Gedanke der Kultur und damit die Erkenntnis, daß ohne Organisation kein Fortschritt möglich ist, sich immer mehr Bahn bricht. Lebhafter Beifall bewies, daß die Anwesenden diese Mahnung wohl verstanden und beherzigt hatten Der Vorsitzende Knoop führte im Anschluß an den Vortrag aus, daß in der Kostümbranche, wo die männlichen Kollegen mit wenigen Aus- nahmen alle dem Schneiderverband angehören, nun vor allem auf die Gewinnung der Kolleginnen hingewirkt werden mutz, soweit sie den Wert der Organisation noch nicht begriffen haben. In der Kostümbranche wird jetzt eine Erhebung über die Lohn- und Ar» beitsverhältnisse veranstaltet. Die hierzu von der Organisation herausgegebenen Fragebogen sollen sobald wie möglich, gewissen- Haft ausgefüllt, abgeliefert werden. Gegen Ende November wird eine neue Versammlung einberufen. Der Saal, der diesmal zur Verfügung stand, erwies sich als viel zu klein; es wird dafür ge- sorgt, das; für die nächste Versammlung ausreichend Raum vor- Händen ist._ eingegangene DrucUfdirlften. Sittliches Fausirecht! Von F. Weichbrodt. 57 Seiten. Verlag« A. Pulvermacher u. Co., Berlin W. 30. Zum Enteignnngsprojekt. Von S. v. Turno. Preis 50 Pf. Ver- lag: Bote u. Bock. Posen, Wilhelmstr. 23. Berliner Studeuteualmanach. Führer durch die Berliner Hoch- schulen. 1907/1908. Verlag: W. Süßerott. Berlin W. 30. Zur Erwerbung von Dentsch-Ostafrika. Von Dr. I. Graf v. Pfeil. Geb. 6 M. Verlag K. Curtius, Berlin W. 35. Hetzte INfaebnebten und Depefeben, Positive Kolonialpolitik. Haag, 17. Oktober.(B. H.) Aus Niederländifch-Jndlen wird berichtet, datz bei einer nach der Insel FloroS unternommenen Ex» pedition 198 Eingeborene getötet wurden. Sämtliche Führer der Aufständischen an der Küste von Rokka haben sich unterworfen. Aus dem Zug gestürzt. Frankfurt a. M.» 17. Oktober.(B. H.) Gestern nachmittag wurde auf der Strecke Kassel-Frankfurt a. M.» unweit der Haltestelle Singlis eine Dame mit schweren Verletzungen neben dem GleiS aufgefunden. Wie die näheren Umstände ergaben, ist die be- treffende Dame aus dem Schnellzug gestürzt. Um 6 Uhr abends starb die Dame» ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, Ausweispapiere wurden bei ihr nicht vorgefunden. Unwetter. Hirschberg i. Schi., 17. Oktober.(W. T. B.) Wie der„Bote aus dem Riesengebirge" meldet, richtete in der vergangenen Nacht und heute Vormittag ein orkanartiger Sturm im Riesengebirge großen Schaden«an. Zahlreiche Häuserdächer wurden abgehoben. Telephon, und Telegraphenleitungen wurden zerstört, besonders groß fei der Schaden in den GebirgSwaldungen. Hartnäckige Selbstmörder. Koblenz, 17. Oktober.(B. H.) Ein in Boppard wohnhaftes kinderloses Ehepaar, das kürzlich sich durch Einatmen von Gas zu töten versuchte» hat sich hier im Rhein ertränkt.____ jaul® inger&(Jo., Berlin SW. Hierzu ZBrilagr«».UnterhaltungSblatt Kr. 244. 24. Jahrgang. I Keiltze kü Jumiitts" Sttliiitt öolliolilntt. Freitag. 18. Oktober 1907. Nebel über den natlonalllberalen Parteitag und die Sozialdemohratle. Ueber den äußeren Verlauf der imposanten Versammlung vom Mittwochabend, in der Bebel über den nationalliberalen Parteitag und die Sozialdemokratie sprach, haben wir bereits berichtet. Nach- stehend lassen wir das Bebelsche Referat in seinen Grundzügen folgen. Vielleicht, so begann Bebel, hat manchen die Ankündigung der Tagesordnung etwas überrascht, denn bisher ist man es nicht gewohnt, daß die Sozialdemokratie einer Partei wie der national- liberalen eine besondere Bedeutung beimißt. Wenn wir diesmal eine Ausnahme gemacht haben, so aus dem einfachen Grunde, weil die politische Situation seit den Januarwahlen die Nationallibe- ralen in höherem Maße in den Vordergrund stellt. Die national- liberale Partei betrachtet sich als den Kern des neuen Blocks, einer politischen Konstruktion, die eine Mißgeburt ersten Ranges ist (Sehr gut!), einer Verbindung von Parteien, von denen eine wirk- lich praktische Tätigkeit, von gewissen einzelnen Gebieten abgesehen, gar nicht zu erwarten ist, einer Zusammenschweißung von Par- teien, die unter keinen Umständen das erfüllen werden, was jetzt in allen Tonarten in die Welt hinausgerufen wird, nämlich, daß Deutschland einer Art liberalen Aera entgegengeführt wird. Das Zentrum ist nach den Wahlen in alter Stärke wieder in den Reichstag eingerückt, es hat sogar einige Sitze gewonnen, aber die gesamte Linke ist um 24 Mandate geschwächt. Da ist es doch ge- radezu verwunderlich, zu behaupten, daß angesichts dieser neuen Konstellation eine wirklich liberale Politik im Deutschen Reiche be- trieben werden könne. Bülow versichert freilich, daß er eine solche Absicht habe/ aber das ist derselbe Reichskanzler, der im vorigen Jahre auf einem Fest des Bundes der Landwirte den Wunsch ge- äußert hat, man möge einmal auf seinen Leichenstein setzen: Hier liegt ein agrarischer Reichskanzler begraben.(Heiterkeit.) Ein liberaler Reichskanzler sein und ein agrarischer Reichskanzler sein, das sind zwei ganz unvereinbare Dinge, und wer behauptet, daß sich das vereinbaren ließe, an dessen politischer Zurechnungsfähig- keit erlaube ich mir im höchsten Grade zu zweifeln.(Heiterkeit. Sehr gut!) Nach dem Eingeständnis der Agrarier selbst ist Bülow der beste Kanzler, den sie jemals gehabt haben. Bülow, der im Geruch des Liberalismus stehende Mann, hat es fertig gebracht, daß ihn heute das extremste Agrariertum als seinen besten Reichs- kanzler ansieht.(Hört, hört!) Das hat freilich Herrn Bassermann, den Führer der Nationalliberalen, nicht abgehalten, auf dem nationalliberalen Parteitag in Wiesbaden Jubelhymnen über den Ausfall der Wahl anzustimmen. Er hat dort wieder von einem Bündnis zwischen Zentrum und Sozialdemokratie gesprochen, eine Behauptung, die ich als grobe Unwahrheit bezeichnen mutz und die ein Politiker öffentlich auszusprechen sich hüten sollte. Wir haben mit dem Zentrum gar nichts zu tun, wir sind die Todfeinde des Zentrums, und wenn es sich eines Tages darum handeln wird, den letzten und wirklichen Kulturkampf auszufechten, dann wird dieser Kampf nicht zwischen Zentrum und Liberalen, sondern zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ausgefochtcn werden.(Lebhafte Zustimmung.) Dann dürfte es sich zeigen, daß alsdann die Liberalen nicht aus sciten der Sozialdemokratie, sondern auf feiten ihrer angeblichen Feinde von heute, auf feiten des Zentrums stehen.(Sehr gut!) Das haben die Herren zur Genüge gezeigt, ich erinnere nur daran, daß noch im letzten Landtage Zentrum und Nationalliberale ge- meinfam das schöne reaktionäre preußische Schulgesetz zustande ge- bracht haben.(Pfui!) Wer angesichts dieser Tatsache sich noch damit brüstet, ein Feind des Zentrums im Interesse der Kultur zu sein, der sagt direkt die Unwahrheit. Zentrum und National- liberale im Berein mit den Konservativen haben in den letzten 42 Jahren die gesamte Politik des Reiches gemacht; es ist kein wesentliches Gesetz zustande gekommen, das nicht gerade durch Nationalliberalc, Zentrum und Konservative im trauten Verein angenommen ist. Wie unter diesen Umständen Herr Bassermann davon reden kann, die Sozialdemokratie sei der Bundesgenosse des Zentrums, das verstehe ich nicht, wenn ich überhaupt noch an seine politische Ehrlichkeit glauben soll. Alle Militär-, alle Flotten-, alle Kolonialvorlagcn der letzten 12 Jahre haben Zentrum, National- liberale und Konservative gemeinsam gemacht, die gesamte Steuer- Politik, die ganze Agrarpolitik ist gemeinsam von diesen drei Par- teien betrieben worden, die Gesetze über die Viehsperren, über die Fleischsperren, über alle die Maßnahmen, die die Lebenshaltung der Nation so außerordentlich verschlechtert haben— all das ist ge- meinsame Arbeit von Zentrum, Nationalliberalen� und Konserva- tiven. Der Zolltarif, die famosen Handelsverträge auf Grund dieses Tarifs, sind ihr gemeinsames Werk. Der Antrag Kardorff, der einen schnöden Bruch der Verfassung und der Geschäftsordnung des Reichstages bedeutete, um die Minorität mundtot zu machen, ist von Basscrmann und Spahn mit den. hinter ihnen stehenden Parteien gutgeheißen worden.(Lebhafte Pfuirufe.) National- liberale, Zentrum und Konservative haben zwölfmal zusammen- gestimmt, ehe einmal die Sozialdemokraten mit dem Zentrum zu- sammenstimmen konnten. Und wann haben wir denn einmal zu- sammengestimmt? Höchstens doch bei Abwehrmaßregeln gegen höhere Belastungen oder gegen noch schlimmere Gesetze, als sie bis- ber bestanden haben. So hat z. B. das Zentrum wohl oder übel gegen seinen Willen damals bei der sogenannten Zuchthausvorlage mit uns gemeinsame Sache machen müssen, seinen eigenen Arbei- tcrn zuliebe, die ihm andernfalls in Scharen davongelaufen wären, während die Nationalliberalen bereit waren, die Zuchthausvorlage zu amendieren und zu retten, was gerettet werden konnte. Wenn es überhaupt eine Partei gibt, die in allen freiheitlichen Fragen stets und ständig auf der rechten Seite gestanden� hat, dann ist es die nationalliberalc Partei.(Sehr richtig.) Es ist also eine grobe Unwahrheit, wenn Herr Bassermann und andere uns das Zentrum an die Rockschöße zu hängen suchen. Gewiß, das Zentrum hat in zehn Fällen in der Stichwahl Sozialdeniokraten unterstützt, aber doch nur, weil es uns als das kleinere Uebel betrachtete. Und sind denn nicht durch den be- kannten Silbesterbrief des Fürsten Bülow gerade Zentrum, Polen, Welsen und Sozialdemokraten als Reichsfcinde stigmatisiert worden? Da gebietet es doch der Selbsterhaltungstrieb, daß mau alles verhindert, daß der Reichskanzler seinen Willen erreicht. Das ist eine ganz klare politische Taktik, die jede Partei bei Strafe des Selbstmordes ausüben muß, und ich bedauere nur, daß das Zen- trum keine größere Einsicht gehabt hat, denn dann hätte es noch in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen die Sozialdemokratie unter- stützen müssen, wo wir leider infolge der Stellung des Zentrums gegen uns durchgefallen sind; ich erinnere nur an Elberfeld- Barmen, Altena-Jserlohn, Hagen, Lennep-Mettmann, Fürth usw. ES sind im ganzen 8— 10 Wahlkreise, wo das Zentrum sich auf die Seite seiner eigenen Gegner stellte und die Sozialdemokratie zu Fall gebracht hat. Das war keine kluge Taktik von seiten des Zen- trums, aber das ist seine Sache. Unter den gegebenen Umständen wäre es nur selbstverständlich gewesen, wenn das Zentrum nach Möglichkeit der Sozialdemokratie geholfen hätte, damit die Oppo- sition, die bor dem 25. Januar vorhanden war, im neuen Reichstag möglichst stark vertreten war. Die Nationalliberalen können unS am allerwenigsten Vorwürfe machen; sie sagen:„Ja, habt Ihr denn nicht in Bayern gemeinsam den Kuhhandel betrieben, Ihr Sozialdemokraten und das Zen- trum?" Da sagen wir offen und ehrlich:„Ja, das haben wir ge- tan; dies Verbrechen haben wir begangen."(Heiterkeit.) Das war von unseren bayerischen Freunden ein sehr geschickter Schachzug. Sie machten mit dem Zentrum gemeinsame Sache, um eine Zwei- drittelmehrheit kür die Beseitigung des reaktionären Landtagswahl- I gesetzeS zu erlangen, und unsere Genossen sind bei diesem Kompro- t miß sehr gut gefahren, denn sie haben bis auf den letzten Man» " vie Zahl von Mandaten bekommen, die sie auf Grund ihrer Stärke beanspruchen konnten. Bei den ersten Wahlen unter dem neuen Gesetz sind die Parteien selbständig vorgegangen, da war von einem Kuhhandel keine Rede mehr, weil der beabsichtigte Zweck erreicht war. Auch in Bayern wird sehr bald die Frage entstehen, wer mehr mit dem Zentrum zusammenhält, die Sozialdemokraten oder die Nationalliberalen. Schon heute besteht für mich kein Zweifel mehr, daß eines Tages in Bayern Zentrum und Nationalliberale gemeinsame Sache gegen die Sozialdemokratie machen werden. Von dem Beispiel in Baden will Bassermann nicht gern etwas hören. Dort waren unsere Leute zu schwach, um das alte Wahlgesetz zu beseitigen, die Nationalliberalen wollten nicht, denn sie hatten die Mehrheit unter dem Gesetz. Da kam das Zentrum und sagte: Wir stimmen Euch Sozialdemokraten bei, wir wollen ein neues Wahl- gesetz schaffen. Es gelang, und wohl oder übel mußten die Ratio- nalliberalen in den sauren Apfel beißen. Unter dem neuen, all- gemeinen gleichen und geheimen Wahlrecht aber bestand die Ge- fahr, daß eine Mehrheit von Katholiken in die Kammer käme, und da bekamen die Nationalliberalen einen Schreck, sie vergaßen auf einmal allen Haß, alle Feindschaft, allen Widerwillen gegen unsere Genossen und erklärten:„Hört, Ihr Sozi, wir sind bereit, mit Euch gemeinsame Sache zu machen!"(Große Heiterkeit.) Unsere Leute erklärten sich vernünftigerweise damit einverstanden, und so passierte es denn vor Jahr und Tag, daß bei den Wahlen der Rote und der Blaue Arm in Arm miteinander zur Wahlurne mar- schielten.(Heiterkeit.) Davon schweigt freilich Herr Bassermann; er erklärt auch öffentlich, er sei nicht damit einverstanden. Ich glaube es gern, denn seine Person ist bei den Wahlen gar nicht in Frage gekommen.(Heiterkeit.) Herr Bassermann hat überhaupt ein ganz besonderes Pech. Er als Führer seiner Partei hat bei den Wahlen der letzten 10 Jahre wie der in die Wüste gestoßene Sündenbock allüberall im Deutschen Reich hausieren gehen müssen, um überhaupt einen Wahlkreis zu finden, der die Güte hatte, ihn aufzustellen.(Heiterkeit. Sehr gut!) Schließlich hat dann Graf Arnim-Muskau den Platzhalter für ihn abgegeben, derselbe Mann, der mir einmal im Reichstage, als ich die Not einer Ar- beiterfamilie schilderte, zurief:„Der Vater hat wohl alles ver- soffen!"(Pfui!) Charakteristisch ist es auch, wie Herr Bassermann sich jetzt zu einer Verherrlichung des Junkertums aufgeworfen hat. Auf dem Parteitag der Süddeutschen Volkspartei hatte Herr Venedeh in einer Rede, in der er die Blockpolitik lächerlich machte, gesagt, wenn es drauf und dran kommt, ist mir ein Zentrumsmann lieber als ein Junker. Darüber ist nun Herr Bassermann sehr erbost; er sagte in seiner Rede in Wiesbaden:„Der Junker Bismarck hat das Deutsche Reich gegründet, die Junker haben auf den Schlacht- feldern geblutet!" Nun, Bismarck hat das Deutsche Reich bekannt- lich für die Hohenzollern gegründet, und im übrigen haben die Junker natürlich als Offiziere auf den Schlachtfeldern geblutet, ebenso wie die katholischen Bauern und die katholischen Arbeiter. Ich werfe mich nicht zum Anwalt des Zentrums auf, aber Recht muß Recht bleiben, und die Wahrheit muß ausgesprochen werden, und da läge ich: Ein Zentrumsmann sieht allezeit auf das konstitutio- nelle System; der Junker aber sieht am liebsten den Absolutismus wieder aufblühen.(Sehr wahr!) Was die Junker als Stützen des Deutschen Reiches wert sind, das hat ja Hohenlohe in seinen Memoiren ausgesprochen.(Sehr gut!) Und wie der alte Wilhelm über die neue Kaiserwürde dachte, über die er selbst keine Freude empfand, das zeigen deutlich die Tagebuchblätter seines eigenen Sohnes. Der Kronprinz von Preußen und der verstorbene Krön- Prinz von Baden haben alles aufbieten müssen, damit König Wil- Helm sich bereit erklärte, die Kaiserkrone anzunehmen, es war dem alten Herrn schwer, die Stellung Preußens aufzugeben, an der sein ganzes Herz hing und den König von Preußen hinter den Kaiser von Deutschland zurücktreten zu lassen.(Hört, hört!) Die Nationalliberalen hätten also gar keine Ursache, mit Dingen zu protzen, mit denen zu protzen man keinen Grund hat. Und wenn es sich einmal wieder um die Frage der Wahlreform handelt— ich komme später darauf zurück—, nun, als in Bayern die Wahl- rechtsfrage auf der Tagesordnung stand, da war es kein anderer als Prinz Ludwig, der künftige Thronfolger in Bayern, der mit aller Entschiedenheit für das allgemeine, gleiche und direkte Wahl- recht eintrat und Forderungen aufstellte, die sogar über diejenigen der Zweiten Kammer hinausgingen.(Bravo!) Das ist man frei- lich von einem Hohenzollernprinzen nicht gewöhnt.(Heiterkeit.) Es würde einem Hohenzollernprinzen sehr schlecht bekommen, wenn er einen derartigen unzeitigcn Radikalismus zur Schau tragen und aussprechen wollte; er würde sofort als Sozialdemokrat an- gesehen werden.(Große Heiterkeit— Zuruf: Hochverrat!) So etwas wie Hochverrat, jawohl,§ 86!(Große Heiterkeit und stür- Mischer Beifall.) Es war ein bekannter preußischer Junker, Frei- Herr v. Zedlitz, der damals, als in Bayern und in Süddeutschland überall die neuen Wahlsysteme zur Geltung kamen, die Frage auf- warf, ob sich denn Preußen das gefallen lassen könne. Trotzdem wagt Herr Bassermann zu erklären, der Junker ist dem Zentrums- mann vorzuziehen.(Hört, hört!) In seiner Rede erklärte Bassermann weiter, die Niederlage der Sozialdemokratie sei die verdiente Strafe für ihren Uebermut. (Gelächter.) Ja, ich erlaube mir in aller Bescheidenheit zu fragen: Wo sind wir denn eigentlich so übermütig gewesen? So etwas zu behaupten, das ist doch in der Tat etwas unverschämt. Die letzten Wahlen, so fährt Bassermann fort, hätten gezeigt, daß eine wahrhaft liberale und soziale Politik die Arbeiter gewinne und sie von der Sozialdemokratie zurückbringe. Ja, wo in aller Welt ist denn eine liberale und soziale Politik bis jetzt verfolgt worden? Man hat zwar Versprechungen gemacht, aber ob man sie halten wird, darüber werden wir später reden. Und sollte es wirklich Arbeiter gegeben haben, die sich durch solche Versprechungen von der Sozialdemokratie haben abtreiben lassen, dann sage ich ganz offen: an der Sorte haben wir nichts verloren, so faule Burschen können wir nicht brauchen.(Zustimmung.) Wir brauchen Männer und Frauen von Ueberzeugungstreuc. von Nackensteifheit; Waschlappen gibt es in Hülle und Fülle, und wenn früher auch bei uns welche waren, dann fort mit ihnen; wir geben sie billig ab.(Große Heiterkeit.) Jedenfalls gehören die dann dorthin, wo die eigentliche Waschlappcnpartei in Deutschland ist, zu den Nationalliberalen.(Stürmischer Beifall.) Weiter sagt Basser- mann: In weiten Kreisen der Arbeiterschaft hätte sich die Ueber- zeugung Bahn gebrochen, daß die Sozialdemokratie in nationalen Fragen falsche Bahnen wandle und deshalb habe man sich von ihr abgewandt.(Lachen.) Wie beweist man denn, daß solche Arbeiter von uns abgefallen sind? Wir haben bekanntlich keine Stimmen verloren, sondern noch eine viertel Million gewonnen, und das trotz der ungeheuren Agitation, trotz des furchtbaren materiellen, sozialen und politischen Druckes. Wer eS bei den furchtbaren Mitteln, mit denen der Wahlkampf geführt wurde, die allerdings erfordvrtcn, daß ein Mann feststand, gewagt hat, für die Sozial- demokratie zu stimmen, der ist zuverlässig, auf den können wir bauen.(Sehr richtig!) Es ist nichts als einfältiges Gerede, wenn man sagt, unsere Haltung in nationalen Fragen hätte bei den Arbeitern verschnupft. Wer unsere Haltung in sogenannten nationalen Fragen nicht versteht, der gehört nicht zu uns; unklare Köpfe können wir nicht brauchen. Jo demselben Atemzuge, wo Bassermann den Ausfall der Wahlen als Produkt der nationalen Einsicht der Arbeiter preist, da erklärt er: Aber nehmt Euch in acht vor falschen Auffassungen; die Sozialdemokratie ist noch nicht zu Ende; es war eine Zufallswahl; es war einmal der Glücks- stern des Fürsten Bülow, der ihm wieder geholfen hat. Nun, wir sind keine Fatalisten und keine Mystiker; wir glauben weder an einen Glücksstern noch an einen Unglücksstern, und wer wie Fürst Bülow beständig balancieren muß von einem Bein auf das andere, um überhaupt morgen noch Reichskanzler zu sein, den beneide ich nicht.(Heiterkeit.) Wir wissen heute, daß Bülow im Interesse der Erhaltung seiner Stellung den Reichstag aufgelöst hat. Das Manöver ist ihm geglückt, aber ob es ihm weiter glücken wird, das werden wir abwarten. Jedenfalls lassen wir uns durch den Ausfall der Wahl weder von unseren Zielen noch von unserer Taktik irgendwie abdrücken; wir sind jederzeit bereit, wirklich gute Lehren anzunehmen, aber in allerletzter Linie von unseren Gegnern, denn die Lehren, die die uns geben, sind keine guten. (Heiterkeit.) Es ist eine Art Selbstbetrug, wenn die Herren jetzt so tun. als könnte eine liberale Blockpolitik betrieben werden. Das ist einfach schon deshalb unmöglich, weil die Linke im Reichstage keine Mehrheit hat, auch nicht, wenn die Sozialdemokraten dazu gehören. Wenn die Nationalliberalen wirklich ehrliche liberale Politik treiben wollen, dann hätten sie an uns ihre allerbesten Freunde, denn wir sind allezeit für wirklich liberale Forde- rungen zu haben gewesen, nur die Herren Liberalen leider nicht. (Sehr richtig!) Die gesamte Linke von den Sozialdemokraten bis zu den Nationalliberalen zählt im Reichstage 149 Stimmen, 24 weniger als vor der Auflösung. Damit gibt es keine Mehr- heit. Den 149 Stimmen der Linken stehen 114 Stimmen der Rechten gegenüber, und daneben steht nach wie vor das Zentrum mit 105, die Polen mit 20, die Elsässer mit 7 und dann noch die Welsen und Dänen, zusammen 134 Stimmen, und die geben den Ausschlag. Das Zentrum allein ist jedenfalls, soweit konservative Fragen in Betracht kommen, wieder ausschlaggebend. Ja, wenn die Nationalliberalen liberale Politik machen wollten, wo die Kon- servativen nicht mittun, dann müßten sie wohl oder übel sich die Unterstützung des Zentrums gefallen lassen, weil sie sonst keine Mehrheit haben. Kann es eine lächerlichere, absurdere, ab- geschmacktere Situation geben, als die durch die Neuwahl ge- schaffene?(Sehr gut!) Ueber diese ganze Blockpolitik sollte man doch am liebsten nach Möglichkeit schweigen, denn wie die möglich sein soll in liberalem Sinne, das ist für mich und auch für die Herren selbst noch ein Rätsel, und es macht einen geradezu traurigen, um nicht zu sagen widerwärtigen Eindruck, daß Leute wie die von der Süddeutschen Volkspartei und auch noch einzelne Freisinnige, die bisher als ernsthafte liberale Männer angesehen wurden, von der Masse ihrer Parteigenossen immer mehr getrennt werden und immer mehr nach rechts schwenken und so tun. als ob sie an die Möglichkeit einer liberalen Blockpolitik glauben, an die zu glauben einfach unmöglich ist. Herr Bassermann sagt weiter,„ehrliche liberale" Politik müsse getrieben werden als einzige Möglichkeit, die starke wirtschaftliche Klassenbewegung der Arbeiter zurückdrängen, die Aufgabe des 20. Jahrhunderts sei die, die sozialdemokratischen Arbeiter zur nationalliberalen Partei zurückzuführen.(Zuruf: Gelingt ihnen nicht!) Daß die Herren einen solchen Köhlerglauben haben können, das ist das allermerkwürdigfte, denn das zeigt, daß Herr Bassermann und seine Freunde auch nicht die geringste blasse Ahnung von der Natur der heutigen Klassenkämpfe, von dem Wesen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, von den Klassengegensätzen innerhalb dieser Gesellschaftsordnung, von der Notwendigkeit des Bestehens der Sozialdemokratie haben. Sie glauben, es bedürfe nur einiger liberaler Konzessionen, und die Arbeiter liefen ihnen in Scharen zu. Ei, warum sind denn die Arbeiter von ihnen fort- gelaufen, obwohl sie doch früher im Vergleich zu heute noch wirk- lich liberal waren.(Sehr gut!) Das zwanzigste Jahrhundert gehört der Lösung der sozialen Frage im sozialistischen Sinne.(Bei- fall.) Das mag noch ein Weilchen dauern. Kann sein, man täuscht sich über die Raschheit der Entwickelung, es kommen immer neue Komplikationen, immer neue Erscheinungen, die auch der Weit- sichtigste nicht in Rücksicht ziehen kann, aber darüber besteht kein Zweifel, daß im 20. Jahxhundert die Sozialdemokratie in den Vordergund der Bewegung rückt und daß damit die entscheidende Frage nach der neuen Gesellschaftsform gestellt wird. Und wie wollen denn die Nationalliberalen eine arbeiterfreundliche Politik treiben, wo doch ein großer Teil ihrer Führer die ersten und stärksten Scharfmacher Deutschlands sind, die großen Kapitalisten in Rhein. land-Westfalen, die Bergherren, die Herren der großen Eisen- industrie, die Herren der Ringe. Trusts und Kartelle, die Herreu der Syndikate, die Millionäre und Milliardäre, die Herren, die mehr als die Minister den Staat kommandieren— das sind sämtlich in der Wolle gefärbte Nationalliberale. Das sind zugleich die Herren, die die eifrigsten Gegner einer wirklich freien Arbeiter- bewegung sind und bleiben werden. Mit diesen Herren will Basser- mann eine sogenannte liberale Politik treiben. Das ist wirklich zum Lachen. Und wer sind denn diejenigen, die seit 40 und mehr Jahren fortgesetzt Ausnahmegesetze aller Art gegen ihnen unbequeme Parteien und Bewegungen geschmiedet haben? Das sind wieder die Freunde des Herrn Bassermann, die Nationalliberalen. Sie haben die Ausnahmegesetze gegen die Welsen, gegen die Elsaß- Lothringer, gutgeheißen, sie waren die Hauptschreier im Kultur. kämpf gegen das Zentrum, die Hauptrufer im Kampfe für das Sozialistengesetz: sie sind es, die den Fall des Sozialistengesetzes am meisten bedauert haben; sie sind es, die 1894, als Carnot unter dem Dolch eines Anarchisten fiel, den großen Generalmarsch für eine Verschärfung der gemeinen Gesetze gegen die Sozialdemokratie schlugen; sie sind es, die bereit waren, im Jahre 1899 die Zucht- Hausvorlage zu amendieren, die unseren Gewerkschaften das Leben unmöglich machen könnte; sie sind es, die erst im vorigen Jahre bereit waren, das Gesetz über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine gutzuheißen in einer Weise, daß auch dabei unsere Gewerkschaften schwer zu kämpfen gehabt hätten. Angesichts solcher Tatsachen haben die Herren die Stirn, von liberaler und sozialer Politik zu reden, wagen sie es. sich den Arbeitern gegenüber als Freunde aufzuspielen und zu erklären, wir sind bereit, für Euch zu wirken. All das. was die Herren jetzt für die Arbeiter tun wollen, sind sozialdemokratische Anregungen. Das beweist zugleich, wie dumm die Redensart ist, daß die Sozialdemokratie nur negiert.(Sehr wahr!) Herr Bassermann sprach von dem in Aussicht stehenden Reichsvereinsgcsetz. Es scheint ja festzustehen, daß man jetzt nach 37 Jahren ernst- lich daran denkt, das Vereinsgesetz, wie es die Verfassung verheißt, reichsgesetzlich zu regeln. Es scheint auch festzustehen, daß das neue Gesetz, im Vergleich zum preußischen, eine Reihe liberaler Bestimmungen enthält, bor allem daß auch den Frauen überall das Vcreinsrecht gegeben werden soll. Daneben aber enthält es die Be- stimmung, daß in politischen Versammlungen nur deutsch gesprochen � werden darf. Diese Bestimmung richtet sich gegen die Polen, gegen die Elsatz-Lothringcr, aber auch gegen die Hunderttausende italicni- scher und galizischer Arbeiter, gegen die Leute, die die Bourgeoisie als Lohndrücker einführt, und die aufzuklären wir das größte Jnter- esse haben.(Sehr gut!) Ei zum Teufel, zum Donerwctter, ivcnn das Deutsche Reich nicht leben kann— und es kann nicht leben. ohne 800 000 fremde Einwanderer in seiner Industrie zu haben— dann sollten die Regierungen auch dafür sorgen, daß ihre Polizei- beamten polnisch, böhmisch, dänisch, französisch und italienisch reden können.(Lebhafte Zustimmung.) Verlangt man etioa vom russi- schen Proletariat in Nordamerika, daß es englisch rede; verlangt man von unseren Freunden in Frankreich und Belgien, die ihre deutschen Vereine haben, daß sie französisch reden? Das fällt keinem Staat ein. das kommt nur in Preußen-Deutschland vor, und nach einem Wort des Reichskanzlers ist ja bekanntlich Preußen in Deutschland und Deutschland in der Welt voran.(Heiterkeit.) Wie unendlich viel fehlt noch daran, daß dies Wort zur Wahrheit wird! Wir würden uns wahrhaftig freuen, wenn es so wäre, wir arbeiten ja seit Jahrzehnten daran, um aus unserem Heimatland das beste Land der Welt zu machen, auf das andere mit Neid blicken. Wer hat denn das bis jetzt verhindert? Gerade die, die immer das große Wort fuhren.(Sehr richtig!) Wie die National- liberalen ihre liberale Politik auffassen, das beweist die auf ihrem Parteitag angenommene Resolution zur preußischen Polenpolitik. Die Nationalliberalen wagen es. im Namen des gesamten Volkes zu reden. Wer gibt ihnen das Recht dazu? Zum gesamten Volke gehören wir doch auch(Sehr richtig!), dazu gehört auch das Zentrum mit seinen Millionen und Abermillionen Anhängern, die auch aus begreiflichen Gründen von der Polcnpolitik nichts wissen wollen. Aber die Nationalliberalen sind kraft ihrer alten Liebe zu Unterdrückungs- und Ausnahmegesetzen, für alle Unterdrückungs- maßnahmen zu haben. Das ist der berühmte Liberalismus des Serrn Bassermann. Jetzt plant man sogar ein Enteignungsgesctz gegen die Polen.(Pfui!) Es ist traurig und mehr als traurig, daß es die preußische Regierung in mehr als 100 Jahren nicht der standen hat, den Polen die nötige Sympathie für ihr neues Heimat land einzuflößen.(Sehr gut!) Wenn die Polen heute diese Sympathien nicht besitzen, dann ist die Regierung daran schuld, d so schlecht ist, daß die Polen alle Ursache haben, mit ihr unzufrieden zu sein. Eine so ungeheure Maßnahme wie die Enteignung, ist kaum irgendwo anders dagewesen. Das mögen russische Mahregeln sein, ungarische Matzregeln, aber Deutschland, das bekanntlich an der Spitze der Kultur stehen will, Preußen, daß die Inkarnation der Kultur sein will, sollte sich schämen, derartige Maßnahmen zu ergreifen.(Sehr richtig!) Hätte ich je das Unglück, in diesem Staat Minister zu werden und man wollte mir so etwas zumuten. dann würde ich das Portefeuille in die Ecke schmeißen und sagend sucht Euch einen schlechteren als wie Ihr mich glaubt halten zu können.(Heiterkeit.) Bassermann sagt weiter, das Ansehen Deutschlands habe durch die Wahlen gewonnen, der Zweifel anderer Völker, ob Deutschland den Ansturm der internationalen Sozialdemokratie hintanhalten könne, sei für alle Zeiten zerstört. Das heißt, wir sind ein für allemal so kaput, daß wir gar nichts mehr machen können.(Heiter keit.) Der Ausfall der Wahlen habe den Frieden gesichert. Man sollte eine solche Behauptung kaum für möglich halten. Umgekehrt die Völker Europas würden sich auf Geheiß ihrer Regierungen läng in den Haaren gelegen haben, wenn sie nicht die Sozialdemokratie fürchten zu müssen glauben.(Sehr richtig!) Kein anderer als Herr v. Liebert war eS, der vor 2 Jahren, als die Marokkofrage so brenzlich wurde und wir dagegen Verwahrung einlegten, daß man wegen Marokko die Völker aufeinanderhetzen wollte, den klugen Ausspruch tat, heute sprechen bei einem großen Kriege die Massen auch ein Wort; so ohne weiteres kann man einen großen Krieg nicht mehr anfangen!(Hört! hört!) Er hatte recht. Als ich vor drei Jahren den Reichskanzler einmal fragte, ob er denn glaube. daß die Völker Europas sich einen großen europäischen Krieg mit all den furchtbaren Erschütterungen und gewaltigen Zerstörungen ge- fallen lassen, ob da nicht die Gefahr bestehe, daß die letzte Stunde der heutigen Gesellschaftsordnung geschlagen habe, da erwiderte Fürst Bülow: Das wissen wir ganz genau, und deshalb machen wir es nicht.(Große Heiterkeit.) Die Tatsache, daß jetzt seit vier Monaten die Vertreter der gesamten Kulturmächte im Haag zu sammensitzen und beraten, wie sie angeblich den Frieden sichern sollen, daß sie in Wirklichkeit aber rein gar nichts gemacht haben, diese Tatsache bedeutet die Bankerotterklärung der bürgerlichen Gesellschaft und unserer bürgerlichen Regierungen.(Sehr gut!) Man spricht von einer Wahlniederlage. Nun, man hat uns 40 Mandate genommen, das ist recht unan- genehm, wir hätten lieber 40 neu gewonnen. Aber unsere Stimmen sind auf 3� Millionen angewachsen, jeder vierte über 25 Jahre alte Mann ist Sozialdemokrat, und mit diesem Resultat können wir ganz zufrieden sein.(Sehr richtig!) s�ch zweifle sehr, ob die Herren da oben zufrieden sind.(Heiterkeit.) Wie kann man sagen, wir seien die Friedensstörer, wir wollen die Völker aufeinanderhetzen, wie kann man ein derartiges Wort aussprechen angesichts der Haager Konferenz und angesichts der geradezu erschreckenden Tat fache, daß schon in dem Augenblick, wo die Konferenz noch nicht ein- nml abgeschlossen ist, und wo die Protokolle noch nicht einmal unter» zeichnet sind, schon alle großen Staaten Rüstungen, namentlich zu Wasser, inszenieren, daß jedem, der das liest, ein Schauder über die Haut laufen muß? Da muß man sich fragen; ist es denkbar. daß die Völker Europas solche Schafsherden sind, daß sie sich der- artiges bieten lassen? Wer die Rüstungen der Völker sieht, und sich die Frage vorlegt, wie soll das enden, der muß doch eigentlich zu dem Glauben kommen, wir leben in einer vollkommen verrückten Welt.(Große Heiterkeit.) Gespannter als jetzt ist die Situation nie gewesen. Bei der Begründung seiner Interpellation im Reichstage im November v. I. hat Bassermann sich bitter über die auswärtige Politik Deutschlands beschwert, und sehr deutlich darauf hin- gewiesen, daß nicht der Reichskanzler, sondern eine höhere Stelle die auswärtige Politik macht, und daß das Zustände seien, die auf die Dauer nicht bestehen bleiben dürfen. Heute sieht er den Himmel voller Geigen, obwohl es um kein Haar besser, sondern im Gegen teil noch schlimmer geworden ist. Eine Haupt- und Kardinalfrage hat Bassermann in Wiesbaden nur sestreift. das ist die Frage der Wahlreform in Preußen. Man hätte erwarten sollen, daß er, wenn er die Frage an schnitt, auch sagen würde, waS er eigentlich will. Er hat freilich einige kleine Andeutungen gemacht, er meinte zunächst, die Sache gehe den deutschen Parteitag nichts an, darüber habe ein preußischer nationalliberaler Parteitag zu reden, er fügt aber hinzu— und das ist das Entscheidende— die einfache Uebertragung des Reichs Wahlrechts auf Preußen gehe nicht an.(Hört! hört!) Ja in aller Welt, warum denn nicht? Preußen bildet doch sieben Zehntel vom Deutschen Reich, und wenn die preußischen Staatsangehörigen zum Reichstag auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts wählen, warum dann nicht auch zum preußischen Landtage, zumal da doch die Bayern, die Württemberger, die Ba- denser, die Elsaß-Lothringer heute bereits das allgemeine, direkte. gleiche und geheime Wahlrecht haben? Weshalb wir Preußen nicht? Weshalb wir nicht, die wir schon 1848 das allgemeine, gleiche, ge- Heime, wenn auch indirekte Wahlrecht hatten?(Sehr gut!) Ist es eine Haltung für einen Parteiführer, in einer so außerordentlich wichtigen Frage in einer so ausweichenden Weise sich auszusprechen, wie es Herr Bassermann tat? Das ist ja einfach ein Skandal, er war verpflichtet, darzulegen, was er will, aber das konnte und wollte er nicht, weil er ganz genau weiß, daß er dann mit einem großen Teil seiner Freunde in Konflikt kommen würde. Auf dem- selben Parteitag sprach sich der Abgeordnete Schiffer für das Plural- Wahlrecht aus. Hiernach würde z. B. jemand, der 60 Jahre alt ist, 2 Stimmen bekommen; ob er gerade entsprechend gescheit ist. das ist eine andere Frage. Ein anderer hat den Doktor mit Ach und Krach gemacht, der kriegt 8 Stimmen, ein dritter, der großen Besitz hat, 4 Stimmen, aber der große Haufen der Arbeiter. Klein- bürger und Bauern kriegt nur eine Stimme. So etwas wagt man dem preußischen Arbeiter zu bieten(pfuil), den deutschen Arbeitern, die Bülow als die gebildetsten Arbeiter der Welt bezeichnet hat. Wir sind nicht so anmaßend, so etwas zu sagen, aber wenn es ein Bülow sagt, dann kann es ja wohl wahr sein.(Heiterkeit.) Aber dann soll e» auch die Konsequenzen ziehen, und nicht die gebildetsten Arbeiter der Welt hinter die weniger gebildeten zurücksetzen. (Heiterkeit und sehr gut!) Haben wir doch sogar das Ungeheure erlebt, daß der russische Zar, der größte Despot Europas, der seinem eigenen Bplke das Letzte verweigern mächte an Rechten und Frei- heiten, dem finnländischen Volke, dessen Schutzherr er ist, vor einem Jahre das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für alle Finnen vom LI. Lebensjahre an gab. Männern und Frauen. (Hört! hört» Auf dem nationalliberalen Parteitag meinte Herr Dr. Fried- berg, wie es denn denkbar sei, daß das preußische Herrenhaus und die preußische Regierung das allgemeine, gleiche, direkte und ge- Henne Wahlrecht gewähren. Ja, wenn die preußischen Junker überhaupt nur das Beste vom Besten sind, wie sie behaupten, so eigentlich der Rahm von der ganzen Suppe(Heiterkeit), dann mußten sie auch soviel Einficht und Intelligenz haben, um dem preußischen Volke nicht das zu verweigern, was andere Völker be- reits besitzen, und wenn der erste Staatsmann der preußischen Regierung erklärt, Preußen in Deutschland voran, und der deutsche Arbeiter ist der gebildetste der ganzen Welt, dann kann er doch un- niöglich gegen das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht für Preußen sein. Obenein sind wir ja nach dem bekannten Ausspruch des deutschen Kaisers, den Bülow ohne weiteres akzep- tiert, bei den Wahlen niedergeritten. Ja, warum gibt man uns dann nicht das Wahlrecht, das doch dann nicht mehr gefährlich ist? (Heiterkeit und Sehr gut!) Wir sagen also: Her mit dem Wahl- recht, wir Niedergerittenen, versucht noch einmal, uns niederzu- reiten, wir lassen es daraus ankommen, Ihr dürftet aber eventuell dabei eine sehr schlimme Erfahrung machen!(Sehr gut!) Wie kommt der preußische Adel— es ist ja die Creme des Adels, die im Herrenhause sitzt— dazu, sich so gegen das allgemeine Wahl- recht zu sträuben, während doch die Herren in der bayerischen Ersten Kammer, darunter der Königliche Thronfolger, sich dafür erklärten? Ja, Prinz Ludwig hat sogar verlangt, daß jede neue Landtagswahl auf Grund der Resultate der letzten Volkszählung zu erfolgen habe.(Hört, hört!) Er hat sich besonders cne- fisch für das geheime Wahlrecht ausgesprochen, er hat erklärt, das ge- Heime Wahlrecht sei ein Schutz der Schwachen gegen die Starken, vielfach würden gerade abhängige Leute veranlaßt, anders zu wählen, als sie beabsichtigen, es gebe gewissenlose Menschen genug, die ihre Untergebenen zwingen, ganz anders zu wählen, als sie wählen müßten.(Hört, hört!) Das erklärt ein bayerischer Prinz. Ja der Tausend, wenn der Aussicht hätte, König von Preußen zu werden(Stürmische Heiterkeit), dann kriegten wir morgen das all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht mit der Bcstim- mung, daß nach jeder Volkszählung die Wahlkreise neu eingeteilt werden. Das würde eine Freude werden.(Heiterkeit.) Leider stehen die Dinge nicht so. Prinz Ludwig ist ja wahrhaftig ein roter Demokrat— einen Sozialdemokraten will ich ihn nicht nennen, das würde er vielleicht selbst als Beleidigung ansehen.(Heiterkeit.) Wie steht es nun bei uns? Man sagt, man müsse sich über- legen, wann die Wahlreform kommt. Die„Frankfurter Zeitung" hat schon im Sommer gepredigt, man solle erst den neuen Landtag noch auf Grund des alten Wahlgesetzes wählen. Das heißt, dann hätten wir glücklicherweise bis 1013 zu warten, bis wir auf Grund eines neuen Wahlgesetzes wählen könnten, und wer weiß auf Grund welchen Gesetzes. Dann würde im nächsten Jahre die ganze Bourgeoisie erklären: wir wollen kein allgemeines Wahlrecht, un- sere Wähler wollen davon nichts wissen, wir stimmen getreu der Meinung unserer Wähler. So wird das preußische Volk auch weiter an der Nase herumgeführt. Interessant ist es, daß die Kon- servativen, die heute Gegner des allgemeinen Wahlrechts sind, vor genau 43 Jahren unter Führung des Geheimrats Hermann Wagener die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahlrechts befürwortet haben. Damals hatte das Dreiklassenwahlsystem eine oppositionelle Kammer geschickt, und die Konservativen glaubten, wenn man jetzt das allgemeine Wahl recht gibt, dann würde das Volk nicht Liberale, sondern Konserva tive in die Kammer schicken.(Hört, hört!) Das elende Wahlsystem besteht seit 1849, da können wir noch lange warten, bis es zusammenbricht. Soll etwas zusammen- brechen, dann mutz man ihm die Wurzeln untergraben, dann muß man ihm die Stütze nehmen.(Sehr richtig!) Auch für eine Reform der Strafgesetzgebung hat sich Herr Bassermann ausgesprochen. Als diese Rede gehalten wurde, da war der Prozeß Liebknecht noch nicht zu Ende, aber Bassermann kennt ja auch den Z 86. Was man jetzt gegen unseren Genossen Karl Liebknecht getan hat, das hat man vor 3S Jahren gegen seinen Vater und mich getan. Genau dasselbe Verfahren, ein Tendenzprozeß damals, ein Tendenzprozeß heute, damals ein Geschworenengericht, heute der höchste Gerichts- iof des Deutschen Reichs. Nicht, daß ich die ehrliche Ueberzeugung der Richter anzweifle, aber das Urteil zeigt, daß es ausgegangen ist von Männern, die gegnerischer politischer Anschauung sind, und die sich in ihren Vorurteilen gar kein Bild machen können, daß eS Leute gibt, die eine andere ehrliche Ueberzeugung haben können. (Stürmischer Beifall.) Der§ 86 ist der größte Kautschukparagraph, aber gerade bei politischen Vergehen, da braucht man Kautschuk- Paragraphen, da dürfen keine festen Grundsätze aufgestellt werden, da soll der Richter nach seiner Ueberzeugung urteilen können, und wenn dann die Ueberzeugung durch politische oder religiöse Vor- urteile anders lautet, als sie nach juristischen Gründen lauten sollte, dann kommen Urteile zustande, die das Erstaunen aller derer hervorrufen, die die Dinge mit anderen Augen ansehen. Das Ällertraurigste ist, daß es gegen diese Urteile keine Berufung gibt. Der Gerichtshof hat gesprochen, der Verurteilte muß die Strafe absitzen.(Lebhafte Pfuirufe.) Ach, verehrte Anwesende, entrüsten Sie sich nicht. Wer die Dinge richtig versteht, der wird sie auch be- greifen; ich habe mich über das Urteil nicht gewundert, denn ich weiß, wie dehnbar der Z 86 ist. und ich weiß auch, daß im obersten Gerichtshof Deutschlands das Richterkollegium zehnmal gesiebt ist, um so zusammengesetzt zu werden, wie es zusammengesetzt ist, aus Männern, an deren politischer Ueberzeugung und an deren juristi- chen Grundsätzen man an den höchsten Stellen nicht die geringsten Zweifel hegt. Aber so gut wie der alte Liebknecht und ich damals die Geschichten überwunden haben, so wird sie auch der junge Lieb- knecht überstehen. Wir waren damals ja auch wegen Hochverrat verurteilt, und dasselbe Deutsche Reich, gegen das wir Hochverrat geübt hatten, besteht heute noch.(Heiterkeit.) Wer von der Sozial- Demokratie ißt, der blamiert sich an ihr.(Heiterkeit.) So ist es bei allen Prozessen gegangen; der Prozeß von 1872 hat kolossal agitatorisch gewirkt, und der diesmalige Hochverratsprozetz hat die fieiche Wirkung, und Liebknechts Ansehen ist nicht nur in den Augen seiner Freunde, sondern auch seiner Gegner ganz gewaltig gewachsen(Sturmischer Beifall) durch die tapfere und geschickte Art, wie er seinen Richtern und vor allem dem Reichsanwalt ge- dient hat.(Zuruf: Der würdige Sohn des Alten!) Das ist dem grauköpfigen Reichsanwalt in seinem Leben noch nicht Passiert, daß Jer so heimgeschickt hat wie unser Freund und G* nosse Karl Liebknecht.(Stürmischer Beifall.) Also ich sage, an derartige Aenderungen der Strafgesetz lebung denkt Herr Bassermann und seine Freunde nicht. Ich ürchte überhaupt die Herren, wenn sie Geschenke bringen; ich ürchte, die liberale Revision wird in letzter Instanz eine re- aktionäre Revision des Strafgesetzbuches und der Strafprozeß- Ordnung werden, und die ganze Blockpolitik bringt es nur dahin, daß noch reaktionärer als bisher regiert wird. TaS einzige, was durch die Blockpolitik erreicht wird, wird eine gewaltige Ver- mehtung und Erhöhung unserer Ausgaben für Militär-, Marine- und Kolonialzwecke und infolgedessen eine gewaltige Erhöhung der Steuern sein.(Sehr richtig!) Das ist ja auch der Zweck. den Bülow erreichen will. Bassermann sprach von direkten Steuern, da man mit indirekten nicht mehr auskomme. Die erste direkte Steuer wird die bekannte Wehrsteuer sein, die Krüppel- teuer, wie sie scherzweise genannt wird.(Pfuil) Ach. ich freue mich darüber, ich bin nicht dafür, aber ich bin nicht entrüstet. Wenn dann Tausende von denen, die bei den letzten Wahlen für den Block gestimmt haben, davon betroffen werden; ich gönne es ihnen.(Beifall.) Die Hurrastimmung von der letzten Wahl ist schon heute wieder verflogen, es sprechen eine Menge Anzeichen dafür, und auch die Hurramehrheit war keine Mehrheit; man hat wohl eine Mehrheit von Block-Abgeordneten, aber keine Mehrheit von Block- Wählern. Die Antiblockparteien haben zusammen 6 090 600 und die Blockparteien nur 4 938 660 Stimmen, und wenn das Verhältniswahlrecht bestände, d. h. wenn die Abgeordneten bestimmt jvürden nach der Zahl der auf die einzelnen Parteien entfallenden Stimmen, dann würde unsere Partei statt 43 Ah- geordnete 114 haben, und die anderen um so viel weniger. (Hört! hört!) Wir haben keinen Grund, trübe in die Zukunft zu sehen: ini Gegenteil, ich bin niemals so hoffnungsfreudig gewesen wie jetzt, wo wir angeblich die Niedergerittenen sind. Wir haben keinen Grund, anzunehmen, daß unser Stern im Sinken De» griffen ist; aber eins haben wir nötig, wir müssen lernen, lernen und immer wieder lernen. Wer nicht lernen will, der gehört nicht vor die Front, den schicken wir nach hinten zur Bagage.(Sehr gut!) Namentlich die Jüngeren sollen sich Kenntnisse aneignen, und sich mit geistigem Nüstzeug versehen. Man hat in Stuttgart uns Deutsche damit foppen zu können geglaubt, daß man uns eine Zahlmaschine nannte. Ein altes Wort sagt: Zum Kriegführen gehört dreierlei, einmal Geld, das zweite Mal Geld und das dritte Mal Geld! Dies Wort gilt auch für den Kampf der Parteien. Und machen es nicht andere Parteien genau so? Sie nehmen sich uns zum Vorbild, aber sie können nicht an uns heranreichen, denn um dies zu können, muß man Zuversicht, mutz man Begeisterung haben.(Lebhafte Zustimmung.) Auch die Verhältnisse arbeiten uns in die Hände. Schon machen sich die ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen großen Krisis bemerkbar; da werden Hunderttausenden, die bisher glaubten, sie brauchten im politischen Kampf nicht mitzuwirken, die Augen übergehen; sie werden begreifen, daß sie etwas Besseres zu tun haben, als in den Tag hineinzuleben und andere für sich arbeiten zu lassen. Hinter dem Ofen zu hocken, seine Pfeife zu rauchen und sein Glas Bier zu trinken, das macht sich sehr hübsch, aber immer das zu tun, das ist ein elendes Gewerbe für einen freien Mann.(Sehr richtigl) Es heißt: Selbst arbeiten, für die höchsten Ziele der Menschheit, die zugleich die höchsten Ziele für seine Familie sind, zu kämpfen, und darum rufe ich Ihnen allen zu: Vorwärts, vorwärts und abermals vorwärts! (Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Eine Debatte schloß sich dem Vortrage nicht an. Die bereits mitgeteilte Resolution fand einstimmige Annahme. Der Referent erklärte ausdrücklich, daß, wenn in dem letzten Absatz von dem Wahlrecht für alle über 20 Jahre alten Staatsangehörigen die Rede ist, ganz selbstverständlich auch die Frauen mit darunter zu verstehen sind._ 13. Generalversammlung des Deutschen Tabakarbeittr-Derbandes. B i e l e f e l d, IS. Oktober. Zweiter BerhandlungStag. Lormittagssi tzung. Baum- Pirna erstattet den Bericht der MandatSprüfungs- kommission. Die Kommission hat alle Mandate— 72— für gültig befunden. Müller- Berlin kritisiert scharf die Handlungsweise der Wahlprüfungskommission, die einem Wahlprotest nachgegeben habe. der grundlos war, wie die Nachwahl bestätigt habe, denn die Kol- legen, die in der ersten Wahl gewählt worden waren, wurden in der zweiten Wahl wieder gewählt. Redner wundert sich, daß die Maudatsprüfungskommission sich auf denselben Standpunkt gestellt habe wie die Zentral-Wahlprüfungslommission. Nach längerer Debatte wird der Antrag angenommen, die Berliner Wahlange- legenheit zur nochmaligen Prüfung an die Mandatsprüfungskom- Mission zurückzuverweisen. Dann wird die Diskussion über den Bericht des Vorstandes fortgesetzt. Seidel- Görlitz teilt mit, daß Sortierer aus Bünde ihm er- klärt hätten, daß die Frage der Verschmelzung bei ihnen nicht an- geregt worden sei vor Veranstaltung der Urabstimmung, diese sei also über Hals und Kopf vorgenommen worden. Bezüglich der Anstellung von Ortsbeamten rät der Redner, örtliche Beiträge zu erheben. Habermann- Offenburg befürwortet den Antrag Offen- bürg, noch einen Gauleiter für Baden anzustellen. Gegenüber Elm betont Redner, daß Politik" betrieben der Vorstand in Baden keine„Draufgänger- «be, vielmehr hätten die badischen Mitglieder den Vorstand, der immer gebremst habe, drängen müssen, daß er die Lohnbewegung in Baden zur Vereinssache mache. Wenn die Sortierer immer wieder so sehr auf ihre Unterstützungsformcii pochten, sei eine Einigung ausgeschlossen. Die Sortierer, die m Baden dem Deutschen Tabakarbeiterverband angehören, befinden sich im Verband sehr wohl, die Zersplitterung ist also nicht not- wendig. Es ist Pflicht sämtlicher Tabakarbeiter, sich in einer ein- zigen Organisation zu verbinden. v. Elm wendet sich gegen die Ausführungen DeichmannS, der herausfordernd geredet habe, und geht auf Einzelheiten der Unterhandlungen ein. Wenn nicht die Gauleiter sich bei Lohnbewe- gungen in Verbindung mit den Sortierern setzten, der Vorstand tue es nicht, obgleich ein Paragraph im Statut darauf hinweise. Man sei es gewöhnt, daß der Vorstand, der es verstanden habe, mit erstaunlichem Ungeschick 2000 Mitglieder in Dresden aus dem Ver- band zu treiben, in hochfahrender Weise auftrete. Man versteht es nicht, sich in die Situation der Sortierer zu versetzen. Sie sind der Ansicht, daß sie, trotzdem die Zigarrenarbeiter immer die ideale Seite der Verschmelzung hervorheben, in ideeller Beziehung nichts gewinnen würden. Prinzipiell kann man für die Verschmelzung sein, wie ich, aber wenn man im Vorstand eines Verbandes sitzt, hat man alle Verhältnisse zu berücksichtigen. Manche Einrichtungen sind besser ausgebaut im Sortiererverband wie der Arbeitsnachweis. Die Sortierer fürchten, daß der Vorteil ihres Arbeitsnachweises verloren gehe bei der Verschmelzung. Auch die Arbeitslosenunter- stützung hat für die Sortierer mehr Gewicht als im Deutschen Tabakarbeiterverband, wo die Arbeitslosenunterstützung mehr in Anspruch genommen wird. Aehnlich verhält es sich mit der Kranken- Unterstützung. Der Idealismus bei den Tabakarbeitern im Deut- schen Tabakarbeiterverbande steht nicht höher als bei den Sor- lierern, das zeige sich, wenn Tabakarbeiter dem Verband den Rücken kehren, wenn die Kranken- usw. Unterstützung verringert werden soll. Redner wendet sich gegen den Vorwurf, er sei gar kein Sozialdemokrat mehr. Die Verschmelzung sei eine Frage der Zeit, das gegenseitige Vertrauen müsse gefördert werden. Müller sagte, ich hätte den Bericht, der von„Draufgäntzerpolitik" sprach, berichtigen müssen. Zu Berichtigungen gehört Zeit. Ich habe»nt Berichtigungen schlimme Erfahrungen gemacht, auch beim„Tabak- arbeiter" bezüglich der Hanauer Angelegenheit. ES mag ein Fehler sein, daß ich nicht den betreffenden Bericht berichtigt habe, da er unvollständig war. D e i ch m a n n sagte, Elm ist selbst ein solcher Draufgänger; sein Verhalten in einer Versammlung in Bünde be- tätigt dies. Ich habe genau dasselbe in Bünde siesagt wie in der Hamburger Versammlung. Wenn es notwendig ist, dränge ich die Arbeiter vorwärts zum Kampfe, auch zum Streik. Gxäbn er»Hanau: Ich hätte gewünscht, in dieser General- Versammlung würde die Verschmelzung mit den Sortierern voll- zogen. Aber die Einwendungen, die wegen der Unterstützungsein- chtungen gemacht worden sind, bestätigen schon, daß es nicht dahin kommen wird. Was in anderen Verbänden möglich ist. das ist auch möglich bei Tabakarbeitern und Sortierern; wie man sich dort ver- einigt hat, so kann man es auch hier. Aber die Absicht der Ver- einigung wird hier hintergangcn. Wenn man vorgibt. Arbeiter zusammenführen zu wollen, dann muh das für einen Führer, der äuge Jahre in der Bewegung ist, ein leichtes sein. In Hanau hol ich die ehemalige Lokalorganisation der Goldarbeiter dein Metall- arbciterverband angeschlossen. Da lagen die Verhältnisse verschic- denartiger aiS zwischen uns und den Sortierern. Die„Draufgängerpolitik" hat sich bewährt im Kampfe gegen die Tabaksteuerprojekte. Aber die Gauleiter haben die Verhält- nisse bei ihren Maßnahmen berücksichtigt. Es wird oft gesagt, nach- dem eine Zahlstelle begründet worden ist, komme auch bald eine Lohnbewegung. Das komme jedoch nicht immer vor, die Verhält- nisse drängten manchmal dazu. Wo die Löhne äußerst niedrig tehen, muß man die Arbeiter unterstützen, wenn sie endlich zu einer sorderung höherer Löhne drängen. In Gießen haben die Fabri- ante» auch erklärt, die dortige Lohnbewegung sei durch bezahlte Agitation hervorgerufen. S ch lü s e r- Bicleseld: Die Sortiererapgelegenheit ist anders zu behandeln als Grävner das will. Kollege v. Elm zehrt noch von der Zeit des Hamburger AuSstandeS. darum kann auch er sich schwer überwinden, die Verschmelzung zu fördern. Aber die Ver- schmelzung wird bald kommen, denn die Zukunft der Tabak- industrie liegt wo anders als in Hamburg. Es ist nicht richtig, dag die Sortierer den Zigarrenarbeitern in Bünde zu höheren Löhnen verholfen hätten. Redner erklärt die einschlägigen Ver- Hältnisse jener Bewegung und widerlegt damit die Behauptung, dag e,ne Draufgängcrpolitik betrieben worden sei. Bezüglich der Verschmelzung kommt bei den Sortierern in erster Linie die mate- riebe Seite, nicht die ideelle in Betracht; sie pochen auf ihr Ver- mögen. Aber eine Gewerkschaft, die Geld erspart, kämpft nicht ge- nügend für die Hebung der Lage ihrer Mitglieder. Die Agitation, die hier im Interesse der Sortierer stattfand, vollzog sich hauptsäch- lich auf Kosten unseres Verbandes, da kann der Sortiererverband gut sparen. Redner führt zum Beweise dafür Beispiele an. Hat der Sortiererverband 40 000 M. erspart, so gehören diese eigentlich dem Deutschen Tabakarbeiterverband. In Rehme waren die wenigen Sortierer dreifach gespalten, in Christliche, Elmsche und einige gehörten unserem Verband an. Bei dieser Spaltung kann nichts errungen werden, darum drängten wir sie zur Einigung; diese ist vollzogen, aber alle schlössen sich dem Sortiererverband an; sie meinten, die Verschmelzung werde doch bald kommen. Unser Verband darf die Frage nicht aus dem Auge lassen, denn die Ver- legung der Sortierereien drängt dazu. Der Sortiercrverband kann die zerstreuten Sortierer nicht zusammenhalten, das kann nur ein den Verhältnissen nachspürender Gauleiter, der im Bezirke lebt. Elm ist einigemale durch den Gau gelaufen, aber gewonnen hat er für den Sortiercrverband keine Sortierer. Die Taktik, 10- bis 12 000 Tabakarbeiter zum Ausstand zu bringen, wie es vorge- schlagen wurde, ist nicht zu empfehlen; das wäre nur ein Vorteil für die Fabrikanten. Mit den Sortierern mutz vorläufig ein Kar- tellverhältnis geschaffen werden. P o g a r e l l- Dresden: Er habe nicht nach seinen eigenen Absichten gehandelt, wie es nach den Deichmannschen Ausführungen in dieser Sache scheinen könne, sondern im Interesse des Ver- bandes. Die Erhöhung der Mitgliederbeiträge mag nötig sein, aber es ist schwierig, sie zu erreichen. So liegen bei uns die Verhält- nisse nicht wie bei anderen Gewerkschaften, deren Mitglieder höhere Löhne haben. Ein Verlust von vielen Mitgliedern mützte die Folge sein. Lehnen Sie die Erhöhung der Beiträge ab, besonders, da der Vorstand Gehaltserhöhungen verlangt. D e i ch m a n n- Bremen: Bezüglich der Bedeutung der Ver- schmelzung mit den Sortierern stehe ich nicht auf den Standpunkt Gräbners, die Verschmelzung ist wünschenswert, weil die Sortierer nicht bedeutungslos sind. Kollege v. E l m behauptete, wir träten wegen Lohnbewegungen nicht mit den Sortierern in Verbindung, das ist nicht richtig. Es mag hier und da von den Sortierern so- wohl wie von den Zigarrenarbeitern gefehlt worden sein. v. E l m redete von Dingen, die er nicht weitz, sonst hätte er nicht behaupten können, der Vorstand habe in Dresden Mitglieder dem Verband entfremdet. Auch ist nicht wahr, datz wir verletzend in unserer Korrespondenz gewesen. Ferner legen wir Eure Korrespondenz nicht anders aus, als sie verstanden werden mutz. v. Elm werde immer mitzvcrstanden, weil er nicht immer zu verstehen sei, daher komme es auch öfter zu den Anrempclungen, denen v. E l m in der Arbeiterbewegung ausgesetzt sei. Vor der Mittagspause geht ein Telegramm ein, nach dem der Ausstand in Gietzen beendet ist. Nachmittagssthung. D e i ch m a n n: Wenn das„Correspondenzblatt" der General- konimission, wie hervorgehoben wurde, über unsere Haltung zur Verschmelzungsfrage abgeurteilt hat, so fehlt es jedenfalls an der nötigen Information, sonst begreife ich nicht, wie die Redaktion zu diesen Aeutzerungen kam. Es sind von Sortierern Mitglieder unseres Verbandes abgetrieben worden. Redner führt Beweise dafür an. Hoffentlich gelingt es trotzdem, bald eine Bereinigung zu erzielen. Den Antrag Bautzen, neue Verhandlungen nicht mehr in dieser Frage anzubahnen, sowie den Antrag Chemnitz:„Da der Sortiererverband nicht gewillt ist, sich mit dem Tabakarbeitervcr- band zu verschmelzen, so ist der Sortiererverband aus der General- kommission auszuschliesxn" bitte ich abzulehnen, um keine falsche Ansicht über unsere Absichten zu erwecken. Redner wendet sich gegen den Antrag Magdeburg— das Protokoll der Generalver- sammlung nicht erst fünf Monate danach herauszugeben. Die .Herausgabe werde sobald als möglich geschehen. Der Antrag Bremen, alle Vierteljahre die Mitgliederbewegung im„Tabak-Ar- beiter" bekannt zu geben, könne berücksichtigt werden. Der Antrag, weibliche Mitglieder mehr als bisher zu den Verwaltungsgeschäften heranzuziehen, lasse sich nicht durchführen, solange die weiblichen Mitglieder diese Rechte nicht in diesem Sinne in Anspruch nehmen. Man kann diesen Antrag, sowie den, die Agitation mehr auf das flache Land zu verlegen, dem Vorstande überweisen. Den Antrag Rawitsch, eine Hülsskraft im Bureau des Vorstandes abzuschaffen, damit das Gehalt gespart werde, ferner den, den Mitgliedsbüchern das Statut beizufügen, ersucht Redner, abzulehnen. Die Anträge, Abschaffung oder Beschränkung der Gauleiter betreffend, bekämpft Redner; die Mehrheit müsse einsehen, datz das System Erfolg für den Verband habe. Auch die Besoldung der Gauleiter könne nicht aufgegeben werden; entgegengesetzt würden uns die Verhältnisse dahin drängen, mehr und besoldete Gauleiter anzustellen. Die darauf jetzt schon abzielenden Anträge ersucht Redner, dem Vor- stand« zu überweisen. Zu den Anträgen bezüglich der Abhaltung von Gaukon ferenzcn, meint Redner, datz in manchen Fällen Gau- konferenzen notwendig seien zur Beratung der Lage in den Be- zirken, abweisen lassen sich die Anträge nicht, aber modifizieren. Die Anträge, die Arbeitsgesuche wieder im„Tabak-Arbeiter" auf- zunehmen, bittet er abzulehnen, ebenso den Antrag, den„Tabak- Arbeiter" in lateinischer Schrift drucken zu lassen. Redner er- sucht, die Anträge anzunehmen, die statistische Erhebungen über Lohn- und Arbettsverhältnisse, über Namen und Sitz der Firmen, die Zahl der Arbeiter und deren Organisationsverhältnis ver- langen. D u r b a n- Neufreistett: Das Gauleitersystem könne nicht wieder abgeschafft werden, das gehe schon aus den Berichten der Gauleiter hervor. Wer sie gelesen habe, müsse die Notwendigkeit des Systems einsehen. Redner schildert badische Arbeitsverhält- nisse, speziell der 9. Gau sei einer der rückständigsten. In Stratz- bürg sind allein über 2000 Tabakarbeiterinnen, die in der Kaiser- lichen Tabakmanufaktur zu den niedrigsten Löhnen arbeiten. DaS südliche Baden muh in erster Linie mit agitatorischen Kräften be- rücksichtigt werden. B l o in c- Bremen: Kollege v. Elm stellte eS so Hin, als ob seine Ausführungen in Hamburg mitzverstanden worden seien. Aber das Wort„Draufgängerpolitik" sei gefallen, damit habe er dem Deutschen Tabakarbeiterverband einen schlechten Dienst geleistet. Weiter versuchte er den Anschein zu erwecken, als ob er für die Verschmelzung schwärme. Hinterher komme jedoch immer der Pferdefuh— v. Elm verkrieche sich dann immer hinter die Ab- neigung der Sortierer gegen die Verschmelzung. Die von ihm und Arnhold ins Feld geführten Gründe gegen die Verschmelzung sind nicht stichhaltig. Redner ist für Beibehaltung des Gauleiter- systems. K u b e, Vertreter der Generalkommission, bemerkt zur Ver- schmelzungsfrage, datz sich solche Dinge nicht übers Knie brechen liehen. Wohl spielten die Differenzen schon lange, aber es seien doch sachliche Dinge, die die Verschmelzung noch hinderten. Die Unterschiede zwischen den Organisationen würden die Differenzen in die Verschmelzung, alio in den Deutschen Tabakarbeitcrverband, schleppen. Redner ersucht, die Frage kühler zu behandeln und den Ausgleich der Differenzen ernsthaft zu betreiben. Die Organisation der Sortierer könne nicht von der Generalkommission getrennt werden, ein derartiger Beschlutz müsse erfolglos sein. Man könne auch die Frage nicht ruhen lassen, man solle sich dahin verständigen, zwischen den Vorständen die Verhandlungen weiter zu führen. Die Redaktion des„Correspondenzblattes" lasse sich ihre Meinung nicht vorschreiben, weder v. E l m noch Arnhold habe die Notiz ge- schrieben. Die Redaktion habe an der Hand des Einigungscnt- Wurfes ihr Urteil gebildet. Wenn Sie sich toleranter gegenüber- treten, wird um so eher die Verschmelzung erfolgen. In persönlicher Bemerkung erklärt Geyer den Nichtabdruck einer Berichtigung v. Elms im„Tabak-Arbeiter" über den Zwist zwischen der Tabakarbeitergenossenschaft und den Hanauer Kollegen. v. Elm scheine sich nach Abweisung seiner Beschwerde durch den Vorstand beruhigt zu haben, wenigstens scheine keine Beschwerde der Generalversammlung vorzuliegen, daher sei der Angriff haltlos und unqualifiziert. Ferner verwahrt sich Geyer dagegen, datz die für den„Tabak-Arbeiter" resp. die Bielefelder„Volkswacht" von ihm hergestellten kurzen Berichte über die Verhandlungen der Generalversammlung inobjektiv gehalten seien. v. E I m behauptet, der Bericht in der„Volkswacht" sei nicht vollständig objektiv und sucht das an der UnVollständigkeit einiger Sätze nachzuweisen. D e i ch m a n n- Bremen stellt im Schlutzwort einige Be- merkungen Pogarells in der Dresden-Brettniger Angelegenheit klar und verwahrt sich gegen persönliche Verdächtigungen. Ferner erklärt er den Sinn des Ausdrucks„Draufgängerpolitik", der gegen die Gauleiter gerichtet gewesen sei. Bezüglich der Wahl des jetzigen Ausschutzvorsitzenden habe der Vorstand in dem Zwangsfalle ge- handelt, wie er glaubte handeln zu müssen. Aehnlichen unvorher- gesehenen Fällen könne ja vorgebeugt werden.— Gegen die Aus- führungen Kubes wendet er ein, datz es nicht auf die Zahl der Sortierer ankomme, sondern auf den Wert, der in dem gemein- samen Handeln zwischen Sortierern und Zigarrenarbeitern bei Lohnbewegungen liege. Er hoffe, datz das Ziel gemeinsamen Handelns zum Wohle der ganzen Tabakarbeiterschaft erreicht werde. (Beifall.) E i l k e n- Ottensen geht tm Schlutzwort nochmals auf die Zwangslage bei seiner Bestallung als Vorsitzender des Ausschusses ein und weist die Vorwürfe Müllers zurück, b. Elm kenne die Sache nicht, wenn er behaupte, der Vorstand habe durch erstaunliche Ungeschicklichkeit Mitglieder in Dresden dem Verband abwendig gemacht. Von anderen Personen sei der Zwist geschürt und die Mitglieder vom Verband abtrünnig gemacht worden. Die An- gelegenheit zwischen Dresden und Brettnig sollte man durch Be- willigung der 300 M. regeln. Die Gehaltsfrage werde aufgeworfen werden müssen, weil die Gehälter der Beamten in keinem Verhält- nis zu ihrer Tätigkeit stehen und viel niedriger sind als in anderen Gewerkschaften, deshalb habe er seine Meinung freimütig dazu ge- äutzert. In der Abstimmung wird die Einverleibung der Luxemburger Tabakarbeiter genehmigt. Die Bewilligung von 300 M. zur Begleichung der Differenzen zwischen den Zahlstellen Dresden und Brettnig wird beschlossen. Die Anträge, Verhandlungen mit den Sortierern nicht mehr zu pflegen usw., werden abgelehnt. Angenommen wird der Antrag, den Jahresbericht de? Vor- stands mindestens einen Monat vor der Generalversammlung herauszugeben. Angenommen werden folgende Anträge: Für die Marken jeder Klasse ist eine andere Farbe zu wählen; weibliche Mitglieder mehr als bisher zu den VerwaltungS- geschäften heranzuziehen; die Agitation mehr auf das platte Land zu verlegen; die versandten Wertzeichen nicht mehr im„Tabak-Arbeiter" zu veröffentlichen; die Ausführungen zum Statut in Heftform für die OrtS- Verwaltungen herzustellen; Gaukonferenzen sind nur in besonders dringenden Fällen auf Verbandskostcn abzuhalten; der Arbeitsnachweis ist in die Gaue zu verlegen; vom Arbeitsnachweis Arbeitskräfte nur dahin zu verweisen, wo der vom Verband festgesetzte Minimallohn gezahlt wird. Dem Vorstand wurden folgende Anträge überwiesen: Mehr weibliche Referenten in der Agitation zu verwenden; statistische Erhebungen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu veranstalten: sowie alle auf das Gauleitershstem bezüglichen Anträge, die einen Ausbau dieses Systems wünschen. Em der frauenbewcgun� Die Frau in der Industrie. Dje hochgespannte wirtschaftliche Konjunktur, die autzerordcnt- lich rege Beschäftigung unserer Industrie hat dazu geführt, datz die Frauenarbeit ein in unserem Wirtschaftsleben immer wichtigerer Faktor geworden ist. Sie dringt allmählich auch in Industriezweige ein, die früher im wesentlichen der männlichen Arbeitskraft vorbe- halten waren, und wird, da sie schlechter bezahlt wird als letztere, von den Unternehmern bevorzugt. Nach den Berichten der preutzi- scheu Gewerbeinspektoren gab es in den eigentlichen industriellen Betrieben Preutzcns im Jahre 1906 538 310 erwachsene Arbeiterinnen. Das bedeutet gegen das Vorjahr eine Zunahme um 5,0 Proz., während das Jahr 1905 gegenüber 1904 nur eine Zu- nähme von 4,6 Proz. aufwies. Zweifelsohne hätte die Zahl der Arbeiterinnen 1906 noch eine größere Höhe erreicht, wenn nicht der Mangel an Arbeitskräften dem entgegengewirkt hätte. Im Ver- hältnis zu den männlichen Arbeitern am höchsten war die Zahl der Fabi�arbeiterinnen in Berlin und in schlesischen Bezirken, beson- ders?tzrcslau, wo sie fast halb so hoch war als die der ersteren. Der Kopfzahl nach wurden nach Regierungsbezirken die meisten Arbei- terinnen in Berlin(98 239), Breslau(40 917), Düsseldorf(66 142), Liegnitz(29 952), Frankfurt a. O.(29 170), die wenigsten in Sig- niaringen(1181), Bromberg(2760), Gumbinncn(2405) und Koblenz(3983) beschäftigt. Unter den einzelnen Industriezweigen steht die Textilindustrie in der Verwendung weiblicher Arbeitskräfte mit 120 353 erwachsenen Arbeiterinnen obenan. Kleider- und Wäschckonfcktion stehen mit 77 413 an zweiter, das Bekleidungs- und Rcinigungsgewerbe mit 54 800 an dritter Stelle. Bei der Zigarrenfabrikation fanden 35 698 erwachsene Arbeiterinnen Be- schäftigung, bei der Metallverarbeitung 26 448, be» der Industrie der Maschinenwerkzeuge, Instrumente und Apparate 24 418. Die beiden letztgenannten Zweige gehören zu den obenerwähnten, in denen eine Beschäftigung von Frauen früher nicht in so großem Umfang üblich war. In Minen hat die Frauenarbeit mit am stärksten im Vergleich zu anderen Industriezweigen zugenommen, außerdem noch bei der Zigarrenfabrikation, der Textilindustrie, der Konfektion und bei den polygraphischen Gewerben. Im Hinblick auf das bevorstehende Gesetz über den Zehn- stundentag für Frauen ist ein Blick auf die jetzt bestehende Arbeits- zeit von besonderem Interesse. In Preußen sind es hauptsächlich die Ziegeleien, die im Jahre 1906 19 553 Arbeiterinnen beschäftigten, in denen eine mehr als zehnstündige, meistens clfstündige Arbeitszeit die Regel bildete. In der Zucker- und Konserven- industrie wird ebenfalls meist länger als 10 Stunden gearbeitet, ebenso zum Teil in der Textilindustrie, wo jedoch die Arbeitszeit- Verkürzung ständig Fortschritte macht. In allen übrigen Industrien gehört die mehr als lOstündige Arbeitszeit zu den Aus- nahmen. Die sogenannte englische Arbeitszeit, die von morgens mit einer nur kurzen Unterbrechung am Mittag bis um 5 oder l46 Uhr dauert, ist von den Arbeiterinnen häufig als besonders Wünschens- wert bezeichnet worden. Daß sie tatsächlich in weiterem Umfang durchführbar ist, zeigt die Zunahme der englischen Arbeitszeit in Berlin. Zu den 69 Betrieben; in denen sie im Jahre 1902 einge- führt war, kamen 1903 weitere 130, 1904 159. 1905 182 und 1906 267._ Versammlungen— Veranstaltungen. Rummelsburg. Heute Freitag, den 13. Oktober, 8V2 Uhr, bei Witwe Weigel, Türrschmidtstratze, öffentliche Versammlung der sozialdemokratischen Frauen Rieder-Barnims. Vortrag: „Moderne Ehe." Referent Genosse A. Hoffmann. Wahl einer Delegiertin zum Parteitag der Sozialdemokratie Preußens, Anträge zu demselben. Bericht und Neuwahl der örtlichen Vertrauensperson. Die Kreisvertrauensperson. Wcißensee. Montag, den 21. Oktober, 8lb Uhr, bei Gartz, Char- lottenburgerstratze, Ecke Gcneralstraße, Vortrag. Frl. Ida Alt- mann:„Zola, der Mensch, der Künstler und Kämpfer." Spandau. Freitag, den 18. Oktober, 8V2 Uhr. im Lokal von Böhle, Lindenstr. 17, Vortrag. Genossin Wulff:„Wohnung und Familie." FriedrichShagcn. Montag, den 21. Oktober, 9 Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad. Vortrag:„Die Frau und die Schule." Rsfc- rent: Genosse H. Sonncnburg. Teltow. Sonnabend, 26. Oktober, 8 Uhr, bei Preutz. Vortrag- Herr Dr. Pinkus:„Frauenleiden." Singegangene DrucKfdmften. „Volkswirtschaftliche Blätter«. Oktoberheft. Herausgegeben im Austrage des Deutschen Vollswirtschastlichen Verbandes von H. Edw. Krüger- Berlin. Karl Heymanns Verlag, Berlin IV. 8. Medizinische Reform. Wochenschrift sür soziale Medizin. Nr. 42. Herausgeber Dr. N. Lcnnhoff. Verlag: Gutcnberg-Buchdruckerei, Berliv W. 35. Einzelheit 30 Ps. Deutscher Kampf. Heft 20. Preis 30 Pf. Selbstverlag in Leipzig Witterungsüberstcht vom 17. Oktober 1007. Zwinemde Hamburg Berlin 750 SO 747 O 743-LoO Frants.a.M 748 sW München!746SsO Wien 1755 OSO 4 wolkig 4 bedeckt 2 wolkig 4 Regen 6 bedeckt 2 bedeckt ia ܧ Haparanda!755SW Petersburg 764® Scilly Itberdee» Paris 741 NNW 753 N 745 SSW 2 wolkig 2 wollig 6 Regen 1 bedeckt 4wollcnl vtS C 5- l HJc 7 9 9 5 8 Wetter-Prognose für Freitag, den 18. Oktober 1907. Zunächst ziemlich trübe und etwa« Regen, später wieder aufklarend und mild bei mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstands-Rachrichten der LandeSanstalt jür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beritner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g c l, Jnstcrburg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor . Krassen „ Franksurt Warthe, Schrimm „ Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Lcitmeritz . Barby . Magdeburg Saale, Grochlitz ')-p bedeutet Wuchs,— Fall.— Unterpegcl. VeHtneiksNIInIe A.(Fernspreoher lU, 3790, 8576): Deutsche Mord-Ostsee-Fisch hallen iohs. Skorczyk. __ Vcrkaufsllllale B.(Fornpprechor III, 5376): BHdsStrilß© Ecke Hochstraße, Haltestelle der Strafieububiilinlcn ÄTo. 10, 38, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 54, 57 und Haltestelle der StraitciilmlniUiiicn Ko. 35, 36, 38, 80, 41, 4» V. sowie Oinnlbii» S7, 84 and der stiidtischeu Sieniensbnltii empfehlen infolge großer Fänge und täglich frischer Zufuhren: C». /-> Tl-tt«ru iS t-u Beb' d- Eborswalderstrase u. Kastanien-Allee, gegen- £3 ml MB 6,8 ööri Uber der Oanziger-Straße und Pappel-Allee, Eablian zum Kochen und Broten Pfd.»6 Pf. im Anschnitt Pfd. SS«5 Pf. Seheilfiscli alle Größen Pfd.»0-40 Pf.| Großer Seiiellflsch im Anschnitt Pfd. 85-40 Pf. Seehecht Pfd. 80 Pf. im Anschnitt Pfd. 35 Pf. Seelachs im Anschnitt Pfd.«0-a5Pf ff. FluB- Zander alle Größen infolge großer Fänge pro Pfand QQ bis 70 Pfennig. Lebende Hechte | Karpfen i Aale etc. etc. j billig! 1 Alle Arten Bäeeher-j fische. Ivon täglichl J frischer liläuche rung( Alle Arten Riarinierta und konservierte Fische fr'|«e|,WotBlett©« und fc'l'iohknrbonadpn bratfcrtfar— tttgltch frincli— STil. 66 Pf.'W® 8. uud 4. Walilkrel�. Dienstag, den SS. Oktober, abends 8 Uhr, im Märkischen Hof» Admiralstraße 13o r Unsere kommunalen Forderunge». _ Zahlreichen Besuch crmartet_ Tagesordnung: Reserent: Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. 2. Freie DiSkusfioln _[2-tl/19*]_ Per Einbernfer. freie Vereinigung der Xanrer Deutschlands Ortsverein 3erUn. Sonntag, den SV. Oktober 1SV7, vormittags IV Uhr, in den Sophien- Sälen, Sophien st raße 17—18: M?" General-Versammlung.""Wl Tages-Ordnung: 1. Bericht des ersten Kassierers über die Streikabrechnung. Kassenbericht vom 2. und 3. Quartal. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Revisors. 4. Unsere Stellung zu der vom Parteivorsland angeregten Einigungssrage zwecks Verschmelzung der in Frage kommenden Maurerorganisationen. 5. Diskussion. 6. Anträge des Ausschusses. 7. Verschiedenes. IW Mitgliedsbuch und Streikkarte legitimiert.*W| 30/11*__________ Per T orstand. I. A.: G u st a v Z e g l i n. ZIcmnipW kr linmctn DniWimds. Bnrean: Berlin C. 54, Pragonerstr. 15, Hof I.— Fernsprecher Amt 3, Ufo. 3040. Sonntag, den 20. Oktober, vormittags 10 Uhr, in den Jndustrie-Sälen, Benthstr. 20: General- Versammlung des Vereins der Ammerer Berlins u. Ilmgegend. Tages-Ordnung 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Abrechnung vom dritten Quartal. bewegung und Rechnungslegung von derselben, i. Diskussion. 258)1__ Der Vorstand. 3. Rückblick aus die diesjährige Lohn- I. A.: lldort lupp o n l sie._ Sozialdemokratischer Wahiverein des 6. Berliner Reiehstags-Wahlkreises. Freitag, den 18. Oktober, abends S'/a Uhr: Oeffentliche Konununahnähler-Versannulung für den 3@b und �i-Sa BGZIV*!� in Ballschmieders Festsäle, Badstraße 16: Vortrag des Reichstagsabgeordneten Artur Stadthagen über:„Die Aufgaben der Kommune". 28715* Zu zahlreichem Besuch ladet ein Per Forstand. Freitag, den 18. Oktober, abends 8Vs Uhr: I Versammlung S in den Borassla-tSälen, Ackerstr. 6/7, nahe Elsasserstraße. Tages-Ordnung: S37/t8� 1. Der Freisinn im roten Hause. Referent Stadtverordneter Dr. Kar! Liebknecht, 2. Diskussion. 3. Ansprache der Kandidaten. Die Genossen der Bezirke des 1., 5. und 6. Wahlkreises sind dringend eingeladen. Das Wahlkomitee. ?.n"e Gänse, S Enten, unge Hühner, Tauben empfiehli reellst F. Wegner, Berlin, Mariannenstr. 31. ttrHari Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: CharitistraBe 3. Hos EI. Amt 3, 1987. Hountag, 30. Oktober 1907, vorm. 9 Uhr: nntallcderveriammluna für die Branche der Eisen-, Metall- und Revolverdreher im großen Saale des Vereins Berliner Mnfiker, Kaiser Wilhelmstratze Rr. 18m. TageS-Qrdnungi I. Branchenangelegenheiten(Lohn- und bei der Firma Borsig). 2. Vortrag des 6 über:„Die deutsche klassische Philosophie und der wissen- schaftliche Sozialismus". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. BW- Ohne HPglledsbnch kein Zntrltt. l» Holl n id Arbeitsverhältnisse Genossen Grunwald Konntag, 30» Oktober 1907, vorm. 10 Uhr: Versammlung für alle im Deutschen Metallarbeiter-Berband organisierten Rohrleger und Helfer bei Meier, Sebastianstraße Nr. 39. Tag cs-Qrdnung: I. Die internationale Arbeiterbewegung. Referent: Eugen Brückner. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Konntag, Ä0. Oktober 1907, vorm. OVoUhr: Kranchenversammlung aller in der Metall- und Eisenindustrie beschäftigten Hobler, Bohrer, Stoßer und Fräser lin Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die Gewerkschaftsbewegung vor und nach dem Sozialistengesetz". Referent: Kollege Karl Wiickc. 2. Diskussion. 3. Vranchenangelegenheiten und Verschiedenes. 154/8 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. s=== Mitgliedsbuch legitimiert.--------- Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die Zahlstelle 25 ist von der Nannynstraste 78 verlegt worden zn P. Lier, Naunynftratze 9. vie OrtsvenvalümA. Rixdorl. Zentral-Meitee i Maiii'er, Gipser u. Stukkateiire DegtseManis „Grundstein zur Einigkeit44. Sonntag, de» 30. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Großer; Mitglieder-Verstimmlung TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wahl eines BcitragsauunlerS. 3. Verschiedenes. 119/16 Die örtliche Verwaltung. J. A.: Wild. Xrait t?aiiisteiie Berlin. Mittwoch, den 3Z. Oktober, abends 8'/, Uhr: Zwei Uorversammlungen zu den am 3. November stattfindenden Delegiertenwahlen der Ortskrankenkasse für das Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter. Für die links der Spree(im Südosten, Süden, Südwesten und Westen) beschästigten Mitglieder im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c. Für die rechts der Spree(Osten, Nordosten, Norden und Nordwesten) beschästigten Mitglieder in den Andreasfeftsälen, Andreasstr. 31. Tages-Ordnung: 1. Ausstellung der Delegiertenliste. 2. Sonstige Kasten- und Verbands- angelegenheiten. Eintritt nur unter Vorzeigung des Mitgliedsbuches."ME ctracht kommenden Kollegen ersucht Pie Orts Verwaltung. cmgelegenhe Um za 98/4 zahlreichen Besuch der w W"i!i! Rahmenveroolder. wn««! Sonnabend, den IS. Oktober, abends präzise«>/, Uhr, im Lokal Merkowski, Andreasstr. 30: H Versammlung.= Tages-Ordnung: 1. Die Antwort der Arbeitgeber und unsere weitere Stellungnahme. 2. Verschiedenes. BW- Pflicht eines jeden In der Branche beschäftigten Kollegen ist es pünktlich zu erscheinen. Per Branehenleiter. Verband der Kafenarbeiter und verwandter Bernfsgenosson Pentschlands Bitgliedschait Berlin. Sonntag, den 30. Oktober 1007, vormittags 10'/, Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72: Mitglieder-Uersammlung w 1. Vortrag:„Ueber die let-ten Kämpfe der Hafenarbeiter und Binnenschiffer". Reserentcn die Kollegen Berthold Schramm aus Magdeburg und Karl Grassinger aus Mannheim. 2. Abrechnung vom 3. Quartal 1907. 3. Verbaudsangelegenheitcn und Verschiedenes. 19/11 Der Vorstand. Wir ersnchen die Kokegen, da verschiedene Situationen erörtert werden, zu erscheinen. ZenträMand Der Daehdeeher 'Verwaitnngsstelle Berlin.-- Sonntag, den 30. Oktober, vormittags 10 Uhr, im„Englischen (»avten". Alexanderstr. 37o• Garten" Terfainnikutig. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Arbeitersekretärs Ouelav Link über:„Der Bau- arbetterschutz wie er ist und wie er sein sollte." 2. Kassenbericht vom III. Quartal 1907. 3. Verbandsangekegcnheiten.' 57/6 Kollege»! In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung erwartet vollzähliges Erscheinen Per Vorstand. irbeiter-Bekleidimg GrOBtes Spezlalgeschßtt Kohnen& Jöring Hauptgeschäft; AlexamierstraBe 12 zwisch. Alexanrferpl. u. Jannowitzbr. Z.Geschäft; Landsberger Allee 148, Ecke LangenbeckstraBe. SerufsUletdu�g f. alle Zweige d. Industrie u. Gewerke. Genend Volks-Versammlung Freitag, de» 18. Oktober d. I.,'/.,0 Uhr pünktlich, im großen Saale der neuen Armin-Hallen, . Kommandantenstr. 58/50(zwischen Alte Jakob- u. Alexandrinenstraße). Tages-Ordnung: 871b Las preußische Sreiklassen• Unrecht und seine Beseitigung. Referent: Pr. Rudolf Breitscheld. Freie Aussprache. Gäste— Männer und Frauen aller Parteien— willkommen. Lo�ialliberaler Verein. Der Vorstand. 3. A.: Dr. A. Orzcllltzer, 2. Vorsitzender, Potsdamerstr. 5. Clfchlcr-Vercin(€. R. 8p) Sonnabend, den 19, Oktober, in„Sanssouci", Kvttbuscrstr. 6: 36. Stiftungsfest. Konzert, Soiree von Haffmanns Norddeutschen Sängern und Ball. Billetts a 30 Pf. für Mitglieder und Gäste bei sämtliche» Vorstands, Mitgliedern zn haben.— Anfang 8 Ahr. Per V« orstand. tv deutschen Ardeiter- i g in Amerika ly — Preis broschiert 3 M., geb. 4 M. Ea Soeben erschienen Die Anfänge der demegnng von Hermann Sobliiter.— Preis broschiert 3 M., geb. Ferner machen wir unsere Leser aufmerksam auf das vor ewigen Monaten erschienene Werk von Morris Hillguit über: Die Geschichte des Soziaiismns in den Vereinigte» Staaten. Autorisierte Uebersetzung von Barl Rülier- Wcrnbere. Preis broschiert 2,50 M., geb. 3 M. Expedition des„Vorwärts", Berlin SW., Lindenstraste 60, Laden. Hü Ii Hnr für Herren welche Wert auf elegante Garderoben legen, bietet sich Gelegenheit, sich in dem Kanfhaus für Monats- gart eroben. Grosse Frankfnrterstraste Ott(zwischen Markus- und Krautstrasse), mit gebrauchter moderner Kleidung zu versehen.» Wir bezichen unsere Anzüge, Paletots usw. teils aus erben Abonnemcntshänsern, teils von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren usw., die nur bei erste» Schneidern arbeiten lassen. Es bieten sich daher für jedermann ganz enorme Borteile, da sich unsere Garderoben der meist sehr mangelhaft angefertigten tronfektions- wäre gegenüber durch besonders gute Verarbeitung (vielfach auf Seide) uud tadellosen Titz auszeichne». Wir empfehlen gereinigte, reinwollene S786L» 3 Monat getragene 2 Monat getragene 1 Monat getragene Maß- Anzöge OM. 12 M. 16 M. Maß-Paletots 6 M. 10 M. 14 M. Mhans für Kcnalsprderolien Große Frankfurterstraße 93 Ewlschen.TInrkns- und Krantstraße. Fracks and Grsellschaftsanzüge werden zu billigen Preisen verliehen. Einziges christliches Geschäft dieser Art am Platze. LUV Aolitcn Sie auf die blancn Schilder. 1 Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag.'Vorwärts Buchdruckerei u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 244. 24. Jahrgang. 2. Kcilagt ks Jcmitts" Krlim pnilisliiull. frtitaü, 18. Mober 1907. Die riMche Revolution. Der Wahlschwindel. Warschau, 17. Oktober.(B. H.) Unter den hiesigen Russen wurde ein großer Wahlschwindel entdeckt. Nachdem nach der neuen Wahlordnung es den Russen in Warschau gc- stattet ist. einen eigenen Dumaabgeordneten zu wählen, teilten sich dieselben in drei Parteien:„echte Russen"(schwarze Bande),„Oktoberpartei" und„Kadetten". Es ist nun fest- gestellt worden, daß es den„echten Russen" gelungen ist, mit Hülfe von russischeü Postbeaniten alle Agitationsbricfe(Auf- rufe und Wahlzettel), welche von den anderen Parteien ab- gesandt wurden, zu entwenden und ihrem Bestimmungs- orte fernzuhalten. Infolgedessen verteilten die Oktober- Partei und die Kadetten gestern am Vortage der russi- schen Wahlen in Warschau zum zweitenmal ihre Aufrufe und Wahlzettel, diesmal durch Vertrauensmänner. Es sind Protestversammlungen gegen die„echten Russen" geplant. Der Skandal wird auch wahrscheinlich ein gerichtliches Nachspiel haben. Wahlsieg der Sozialdemokraten im Gouvernement Petersburg. Am 13. Oktober wählten die Arbeiterbevollmächtigten des Gouvernements Petersburg sechs Wahlmänner der Arbeiterkurie; anwesend waren SS Bevollmächtigte. Nach einer privaten Beratung schritt man zur Wahl. Mit erdrückender Mehrheit wurden alle sechs Kandidaten, die vom Petersburger Komitee der sozialdemokratischen Partei aufgestellt waren, als Wahlmänner gewählt. Die Nachricht einer bürgerlichen Zeitung von der Wahl von Sozialdemokraten und Maximalisten(eine der verschiedenen anarchistischen Strömungen in Nutzland) gehören zu den hirnverbrannten Phantasien ihres Korrespondenten. Die Petersburger Arbeiter werden in der dritten Duma durch einen Sozialdeniokraten verketen sein. Die Wahlen im Kaukasus und die Sozialdemokratie. Das neue Wahlgesetz bedeutet für den Kaukasus eine Art „Straf"expedition: Um die„Unbotmätzigkeit" der Wäbler, die zehn Sozialdemokraten in die zweite Dunm entsandten, gehörig zu ahnden, wurde die Zahl der?kbgeordneten des Kaukasus von 29 auf 9 ver- mindert! DaS Gouvernement TifliS, dessen vier Duma-Ab- geordnete Sozialdemokraten waren, behält nur einen Abgeordneten. Nicht besser ergeht es dem Gouvernement KutaiS, das voriges Mal drei Sozialdemokraten schickte und deshalb jetzt nur einen Ber- tretcr wählen darf. Trotz aller Gegenmatzreaeln ist der Kaukasus„unverbesserlich". Schon die ersten Nachrichten über die Wahl der Wahlmänner zeigten, datz die Sozialdemokratie im Kaukasus unbesiegbar ist. Nach den uns vorliegende» unvollständigen Nachrichten sind unter den schon gewählten 57 Wahlmännern in den verschiedenen Orten der Gouverne- mentS KutaiS, TifliS und Baku 32 Sozialdemokraten. Bei den Wahlen der einheimischen Kurie in TifliS ging die ganze Liste der von den Sozialdemokraten ausgestellren Wahlmänner durch, wobei sie 70 Proz. aller abgegebenen Stimmen auf sich ver- einigten, so datz die Sozialdemokratie die meisten Aussichten bat, ihren Kandidaten durchznbringen. Im Gouvernement KutaiS sind die Mehrzahl der Wahlmänner— 20 von 33— Sozial- demokraten: daher ist die Wahl eineS sozialdemokratischen Abgeordneten so gut wie gesichert. Ungeachtet aller Bemühungen der Regierung werden sich also auch in der sozialdemokratischen Fraktion der dritten Duma Ab- geordnete des Kaukasus befinden. Hus der Partei. BaSlyS„Rechtfertigung". Paris, IS. Oktober.(Eig. Ber.) Der Deputierte B a s I h, der mit seinen Kollegen L a m e n d i n and Goniaux Herrn Briand freundschaftlich empfangen hat und gegen den" darum von drei Parteifödcrationen das A u S- ichlutzverfahren beim Nationalrai beantragt worden ist, hat einem bürgerlichen Journalisten sein Herz ausgeschüttet. Er habe Briand als alten Propagandisten begrützt, der 1893 und 1901 in oen Bergarbeiterausständen grotze Dienste geleistet hätte. I» der Zlffäre Nägre habe er gegen Briand gestimmt und werde das aielleicht»och öfter tun. Aber er füge sich dem Kommando HerväS nicht. Der Fall Briand erinnere au den Fall Millerand .md an die Frage de» M i n i st e r i a l i S m u S. Warum wolle mau heute Parteimitglieder ausschlietzen, die die Anschauungen bewahrt haben, die»och vor drei Jahren zur Anlvendung gebracht wurden? Das sind natürlich faule und zum Teil unanständige Ausreden. ES handelt sich doch nicht darum, was Briand e i n st getan hat, sondern darum, was er heute tut. Oder vielmehr, gerade weil er ehedem ein Streikpropagandist war, ist eine Tätigkeit in einer Regierung, die die Arbeiterorgauisalioneu verfolgt und das KoalitionS- recht einschränkt, besonders verwerflich. Mit dem Fall Millerand hat der seine gar nichts zu tun. Damals handelte cS sich darum, ob die sozialistische Partei eine», ihrer Mitglieder g e- st a t t e n dürft, in eine bürgerliche Regierung einzutreten und ob sie selbst Regierungspartei werden dürft. Briand aber ist dem von ihm angenommenen Einigungspakt entgegen in? Ministerium eingetreten, er hat in jenem Augenblick mit der ganzen Partei gebrochen. Aber das ist eS nicht einmal, was die Stellung der Partei zu ihm bestimmt hat. Hätte sein Perhalten weiterhin keinen Austotz gegeben, hätte die Partei seiner Person so wenig spezielle Ausmerksamkeit geswenkt, wie etwa der des Ackerbau- oder Kolonieuministers. Nickt weil er Minister, sondern weil er vor allem ein anlisosialistischer. antiproletarischcr Minister ist, kann Herr Briand nicht als Umgang für Partcidepntierte gellen. Unanständig aber ist Herrn BaSlyS Bemerkung über das„Kommando HervöS". Er stötzt oamit ins Horn der Reaktionäre, die ja auch von der Herrschaft Hcrvös über die geeinigte Partei faseln. Die Föderationen, die BaslyS und seiner Spietzgcsellen AnSicklutz verlangen, haben keineswegs auf die Aufsorderuug der„Gucrre Sociale" gewartet und BaSly weitz sehr gut, datz für seiuen AuSlchlntz Parteigenossen eintreten werden, die ebenso energisch gegen den„AntipatriotiömuS" Stellung genommen haben, wie sie den MiuisterialiSinuS von Anfang an bekämpften. BaSly hat von dem zumeist aus seinen Mameluken zusammen- gesetzten ExekutivauSschiltz der Föderalion deS PaS de Calais einen Protest gegen den AuSschlutzantrag bcschlietzen lasten. Zugleich hat der Ausschutz beim Nntionalrat einen Antrag auf ein Kon troll- oersahren gegen Hervü angemeldet. BaSly rechnet wohl selbst nickt im Ernst darauf, datz auch die ausgesprochenen Gegner »es HervöiSmuS innerhalb der Partei sich vor seine Retourkutsche spannen tasten werden. Offenbar will aber der anständige Herr die Partei in die Lage bringen, datz die bürgerliche Lügcupresse ihr lvieder vorhalten kann, datz sie„mit HervS solidarisch' ,ci. UebrigenS, mit Ministerempfängen stehen die BaSly, Gorinaux. und Lamendin in der Partei nickt allein da. Auch die Deputierten Barennes und Roblin haben reitenden Minister» den Will- kommen geboten, und es bestehr die Absicht, auch von ihnen Recken- schaft zn verlangen. Immerhin waren die empfangenen Minister farblose Radikale, nicht Herr Briand. Buch haben die beiden Depu- .ierten mir lokale Interessen der Parteidisziplin vorangestellt und nicht, wie die erstgenannten„Genossen" eine Kundgebung gegen die Partei mitveranstaltet. Eine Pariser Parteigruppe(Quartier Goutte-dOr), hat auf An- trag des Geinein derats Heppenheimer, der neben B r o u s s e eineS der am weitesten rechts stehenden Parteimitglieder ist. eine Er- klärung plakatieren lassen, die den Beschlutz von Nancy über den Antimilitarismus„anarcho-fozialistifch" bezeichnet und von der Seine- Föderation fordert, unverziiglich die Grenzen zwischen der sozialisti- schen und anarchistischen Auffassung zu ziehen. Die Erklärung sagt weiter, datz bei Ausbruch eines Krieges jeder waffenfähige Purteigenosie bei Straft des Ausschlusses a»S der Partei, seine Pflicht als Vaterlaudsverteidiger erfülle» müsse, ohne der nach- träglichen Feststellung der Verantwortlichkeit der Regierung zu präjudizieren. Schliefelich wird gesagt. datz die gewaltsamen Revolutionen der Vergangenheit den Weg zur friedlichen voll- komincnen Befreiung geöffnet hätten. Von mm an sei allcS mit dem Stimmzettel zu erreichen, alle Gewaltanwendung sei eine Quelle der Reaktion, sei anarchistisch und antisozialistisch. Die Sozialisten mutzten bei den Wahlen die„republikanische Disziplin" befolgen und in den repräsentativen Versammlungen gemeinsam mit allen Republikanern ihren Teil der Beraulworüing auf sich nehmen usw.—_ Zum Prcußentag nahmen die Parteigenossen in Frank- f u r t a. M. am Dienstag Stellung. Parteisekretär Dittmann besprach den von ihm ausgearbeiteten und von dem Hessen- nassauischen Parteitag als Antrag an den preutzischen Parteitag gestellten Organisationsentwurf, Die Genossen Ouarck, Ditzmann und Hüttmann gaben der Meinung Ausdruck, datz der Dittniannsche Entwurf dem Berliner vorzuziehen sei. Als Delegierte wurden Dittmann und E l b e r t, die schon früher gewählt wurden. bestätigt.> BildungSbcstrcliungen. Die KrciSkonferenz deS Wahlkreises DuiSbiilg-Mülheim-Oberhausen nahm folgende vom Genossen Ernst Tomnies-Mülheim a. d. Ruhr gestellte und eingehend begründete Resolution einstimmig an: In Erwägung, datz für die Ausbildung der Partcigenoffen auf wissenschaftlichem und tünstlerischem Gebiete noch mehr wie bisher getan werden mutz, beschließt die Kreiskonferenz: 1. Die drei grötzercn Orte des Wahlkreises(Duisburg, Mülheim und Oberhausen) sollen verpflodstet werden, BildungSnusschüsse einzusetzen: 2. de» kleineren Orten des Wahlkreises, die finanziell schwach stehen, soll siir die Bildungsarbeit ein Zuschuß aus der Kreis- kaffe gewährt werden. Personalien. Genosse Max Hirsch, ehemals Bergarbeiter, jetzt Schriftsteller, tritt zum 1. November in die Redaktion des „L> f f e u b a ch e r Abendblattes" ein. Sozialdemokratischer Wahlsieg in Holland. Amsterdam, 16. Oktober 1907. In der gestrigen Stichwahl um Tals WahllreiS Franeker siegte Genosse HelSdingen mit 8340 Stimmen über den Kandidaten der kirchlichen Parteien, ber 3016 Stimmen auf sich vereinigte. Hiermit ist also auch der zweite Kaminersitz Tals, gleichwie seine Sitze im Amsterdamer Gemeinderat und in den Provmzialstaaten Nord- Hollands, der sozialdemokratischen Partei erhalten geblieben. polizeiliches, Seri ehrliches ulw. Ablehnung eines»ationallibcralcn Richters. Genosse Dr. W e i l l von der„ F r ä n k i s ch e n T a g e s p o st" i n N ü r n b e r g wurde im August wegen Beleidigung eines LandvürgermcistcrS zn vier- zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Die Klage war ein Nachspiel deS LandtagSwahlkampfes. Die„Tagespost" hatte den Bürgermeister, weil er die Abnahme deS zur Wahlberechtigung not- wendigen Verfassungseides verweigert hatte, einen„Wahlrechtsdieb" genannt. Gegen dieses Urteil ivurde, da es die Zuerkeiniung be- rechtigter Interessen verneinte, Berufung eingelegt, die am Mittwoch vor dem Landgericht Nürnberg zur Verhandlung kam. Vor- sitzender des Strafsenats war der Landgerichtsdirektor MicSbach, ein Mann, der seine Antipathie gegen die Arbeiterbewegung schon oft bekundet hat. Vor Eintritt in die Verhandlung lehnte Genosse Weill diesen Herrn als besangen ab, da er in politischen Prozessen kein Hehl aus seiucr ungehemmten Abneigung gce Pulsadern der rechten Hand durchschnitt. Ter Angeklagle bestreitet diese Tat und behauptet, daß die Michaelis Selbstmord begangen habe. Außer der Mordtat wird dem Angeklagten, der Wächter bei der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Grundbesitzer war, noch zur Last gelegt, 61 M., die er einkassiert hatte, unter- schlagen zu haben. Die Laubenkolonie„Hermanns Hain" liegt zwischen der Prenz- lauer Alle? und der Greisswaldcrstraße. Ter Tatort liegt dickst bei der provisorischen Feldeisenbahn und einer im Bau begriffenen Straße. Die Bluttat ereignete sich abends zwischen 7 und 8 Uhr in der schneebedeckten Laube. Die Leiche der Michaelis wurde mit drei tiefen Schnittwunden etwa 150 Meter entfernt aufgefunden; der Weg bis zur Fundstelle zeigte Blutspuren. Unter dem Verdacht des Mordes wurde noch an demselben Abend der Angeklagte in seiner Wohnung verhaftet. Auch er hatte — allerdings nicht tiefe— Schnittwunden an der linken Hand. Er behauptete, daß cS sich um einen mit der Michaelis verabredeten Topp-'lsclbstmord handele, der aber nur bei der Michaelis den be- absichtigtcn Erfolg gehabt habe. Er selbst habe durch Ungeschicklich- lcit nur die geringfügigen Verletzungen davongetragen. Ueber den Ausgang der Verhandlungen, die voraussichtlich mehrere Tage unlspannen werden— es sind gegen 60 Personen als Zeugen oder Sachverständige geladen—, werden wir berichten. BcrUncr Markipreise.?Iii3 dem nmlüchen Bericht der städtischen Mirrktballeii-Dircktio». sGrosbandel.) Ochscustetlch l» 68—70 tiv. 100 Psd., Ua 62-67, lila 57-60. Bullenfleisch la 62-67, IIa 50-59. Kühe, feit 50—58, do. mager 40— 18, Fresser 54—62, Bulleil. dän. 54—62, bo. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellcnder 105—120, Mastkälbcr la 85—95, IIa 75—82, Kälber ger. gen. 56—71, bo. Holl. 48—54, bän. 0,00. Haminellleilch MasUämmer 76—78, Hammel la 70—74, IIa 64—69, ungar. 0,00, Schafe 48—62. Schweniefleiich 54—61. Rehbock la per Sßfunb 0,60—0,95. IIa 0,40. Rothirsch la per Psd. 0,30—0,50, bo. IIa 0,20-0,25. Damhirsch 0,40 bis 0,46. Wildschweinc p. Psd. 0,20—0,45. Frischlinge 0,00. Kaninchen p. St. 0,20 bis 0,80. Hasen, groh, P. Stck. 2,50—3,50, do., mittel u. klein, Stck. 1,00—2,40, Wildenten per Stück 1,25—1,50. Krickenten per Stück 0,40—0,60. Rebhühner. junge große 1,00— 1,40, mittel«. Heine 0,40-0,90, alte 0,60—0,90. Fasanen- hähne la 1,50—2,50, bo. IIa 0,50—1,25. Fasanciihcnncn 0,60—1,75. Be- taifinen 0,40—1,00. Waldschnepfen 2—2,75, do, IIa 1—1,50. Krammetsvögel 0,30—0,40. Hühner, alle, per Stück 1,10—2,50, IIa 0,60—1,00, do. junge 0,75—1,20. Tauben 0,30—0,50. Enten per Stück 1,00—2,20, dito Hamburger Per Stück 3,00, Gänse per Pfund 0,45—0,55, dito per Stück 1,40—3,50, do. Hamburger per Pfund 0,75—0,80, do. Oder- brucher per Pfd. 0,45—0,60. Poulets per Stück 0,90—1,25, Deutsche Poularden per Stück 0,00, Hechte per IM Psd, 77—92, do, matt 74-75. do. klein 0,00, do, mittel 0,00, do, groß 73. Zander 156, do. klein 0,00, dito mittel 0,00. Schleie, llcin 113—121, do. klein, mattlcb, 100, do. mittel 120, do. groß 112—132. Slalc, groß 103—111, do. klein u. mittel 88—96, do, mittel 0,00, do. uns. 0,00, bo. groß-mittcl 0,00, klein 0,00. BIcisifch 0,00, Plötzen 50—61. Roddow 0,00. Karpfen 25— 35er 78—81, do. 30— 40er 0,00, do. 0,00, do, 50er 0,00. Bunte Fische 34—63. Weis 0,00. Barse 0,00. Karauschen 74—75. Bleie, matt 53, do. klein 25—28. Aland 0,00. Quappen 0,00. Barbe 0,00, Zlmerik. Lachs la neuer, per 100 Psd. 110— 130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel Kiste 1—2, Hamb, Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 3—4, IIa 2—3. Bücklinge, Kieler per Wall 3—4, Jtrali, 2—3. Sprotten, Danziger, Kiste 0,80—1,00, do. Rügenwalder, Kiste 0,80—1,00. Aale, gtoB per Pfund 1,10—1,40, mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00—4,50, Kiste 1,75—2,50. Sardellen, 1902 er per Anker 98. 1904er 98. 1905er 98, t906er 90-95. Schottische Bollheringe 1905 0,00, large 40—44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per'/, To. 50—120. Sardinen, russ., Faß 1.50—1,60, Bratheringe Faß 1,20-1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1.70, Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6, bo. Riesen» 14. Krebse Per Schock 0,00, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, bo. kleine 0,00, do. unsortiert 4,50, G alizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,60—3,80, do. große 4.00—4,40. Butter per 100 Psd, la 126-130, IIa 118-122, lila 110-116, absallende 90-95, Saure Gurke», neue, schock 4,00. Pfeffergurken 4,00. Kartoffeln per 100 Pfb. Dabcrschc 2,50—3,25, weiße runde 2,50—2,75, blaue 0,00, Rosen» 0,00, mag. bon. 2,50—3,00. Porree, Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 4—12. Spinnt per 100 Pjund 5—10. Sellerie, per Schock 5,00—10,00, Zwiebeln per 100 Psd. 2,00—3,00, do. Perl» 40,00—100,00, Cbalottcn 40,00—100.00. Petersilie, grün, Schockbund 1,00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bahr., neuer Stück 0,03— 0,10, hiesiger Schock 2,50— 3,50. Mohrrüben, 100 Pfund 1,50 bis 3,00. Karotten, hiesige, Schockbnnd 2,00—3,00, Wirsingkohl per Schock 3,00 bis 10,00. Rotkohl, schock 4—10. Weißkohl 1,50—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—14, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 7—16. Rosenkohl, per 100 Psd. 20—25. Grünkohl 4—6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00. Petcrsilienwurzeln, Schockbnnd 3,00—4,00. Schoten per 100 Psd. 20-30. Schnittlauch 1,25—1,50. Psefferlinge per 100 Psd. 8-18. Steinpilze per 100 Pfund 0,00. Radieschen per Schockbund 0,75—1,25. Salat per Schock 1,50—2,50. Gurken, Einmache-, Schock 15—40. Bohnen. grüne. 100 Pfund 15—30. Tomaten per 100 Pfuno 10—16. Roie Rühen, per IM Psund 2,50— 3,M. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 3—8. Kürbis per IM Psd, 3—5, Eskqrol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3—6, Preißelbceren per IM Pfd. 24—30, schwedische 29—32. Kronsbeeren per 100 Psd. 0,00. Birnen, per IM Psd. Italiener 0,00, Tiroler 17—25, hiesige Most- 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbirnen la 10—25, do, IIa 4—10. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd, 0,00/ do. italienische, per IM Psund 15—36. Aepsel, per 100 Psund, Tiroler la 18—40, IIa 13—20, Most-, hiesige, 3—5, Koch- 5—15, Taseiäpsel la 10—25, do. IIa 7—12, Amerikaner,' per Faß 15—25. Wallnüsse, per Schock 1,00— 2,00, do. klein 0,40—0,50, bo. franz. 100 Psd, 0,00. Pflaumen. pr. 100 Psd, hiesige 8—16, serbische 0,00. Weintrauben, italienische per IM Psd. 14—30, Almena per Faß 12—15. Ananas I, per Psd 0,65— 1,00, do. II 0,50—0,55. Bananen, gelb, per IM Psd. 14—25. Kokosnüsse per 100 Stck. 13—22. Maronen, ital., 100 Pfb. 10—18. Freigen, Kranz, per 100 Psd. 21-25. Zitronen, Mcssina, 3M Stück 11,50-20,M, do. 360 Stück 12,00-16,00, do. 200 Stück, 12,00-16,00, do. 150 Stück 7,00-10,00. ßnefkaften der Redaktion. Dte juristische Sprechstunde findet Liudciiftraste Nr. 3, zweiter Hof. dritter Eingang, vier Treppe», BBS- Fahr st n h l-MP wochcntäglich von?>/, bis 9'/} Uhr abends statt. Geöfsnet 7 Uhr. Sonnabend? beginnt die Svrcchstnnde NM a Uhr. Jeder Anfrag» ist ein Buchstabe und eine Zahl al? Merkzeichen beizufügen. Briefliche'Antwort wird nicht erteilt. Eilige Frage» trage man in der Svrcchstnnde vor. T. 10. Soweit bei den Vorführungen ein höheres künstlerisches oder wissenschaftliches Interesse nicht vorbanden ist, bedürfe» die Veranstaltungen polizeilicher Erlaubnis,— M. K. 77. Auskunst erhalten Sie Rückert- straße 9 I. pari.— am 24, bis 26, Oktober abends 8 bis 9'/. Uhr.— B. 69. 1. und 2. Die Verjährungsfrist beträgt 5 Jahre. Der Laus der Frist wird aber durch jede richterliche Handlung unterbrochen, so daß es möglich ist, daß eine Verjährung überhaupt nicht stallsindet, 3. Unbegrenzt,— R. 64. L. 38. 1. Nein, zum mindesten ist der Anspruch ein außerordent- lich zwciselhastcr, 2. Ja, 3. Innerhalb 2 Jahren.— N. W. 41. Nein. — O. N. 33. 1. Ja. 2. Nein, die Verjährungszeit beträgt zwei Jahre. Voraussetzung einer Verurteilung des Nadsahreis zum Schadenersatz ist, daß ihm ein Verschulden nachgewiesen wird. Die Klage müßten Sie auch aus die Schäden ausdehnen, die Ihr Sohn etwa insolge des Unfalls noch später haben wird.— A. M. 20, Abgesehen von der Cbarite und der Universitäts-Eiilbindungsanstalt gibt es eine Reihe religiöser Vereine, die in der von Ihnen angefragten Art cntgegcnkommci,. Wenden Sic sich an die Entbindungsanstalt oder an die Charite möglichst bald,— P. 34. Die Höhe des Sterbegeloes muß aus dem Kassenftatut hervorgehen. Ein An- spruch darauf steht Ihnen zu, falls der Verstorbene nicht aus der Kranken- lasse bereits ausgeschieden war und der Tod nicht Folge einer Krankheit gewesen ist, für die die Kasse ausgekommen ist.— B. IVO. Eiubehaltcne Sachen werden durch Zeitabiaus keineswegs Eigentum des Eiubehaltenden, er kann lediglich auf Zahlung des ihm zukommenden Schadens des ihm Ankommenden klagen und dann die Zwangsvollstreckung in die einbehaltenen Sachen vornehmen lassen.— R. T. 31. 1. Die Gültigkeit eines Kauf- Vertrages bäugt nicht davon ab, ob der Stcmpelpslicht genügt ist. Die Nichterfüllung der Stempelpflicht hat eventuell Bestrasnng lvegcn Stempel- Hinterziehung zur Folge. Die Stempelung können Sie bei dem Stempel- distriduteur vornehmen, 2. Nein. ES ist aber zweckmäßig.— W. Nein. — T. C. 88. Was während der Ehe durch sogenanuie gemeinsame Zlrbeit erworben ist, gehört mangels eines EhevertrageS dem Ehemann, Der außereheliche Sohn der Ehefrau hat ein Erbrecht in den Nachlaß der Ehe- srau. Der Nachlaß besteht aus den Aktiven und Passiven, die die Frau liintcrlassen hat,— A.®. 64. Da Ihr Mieter monatsiche Miete zahlt und über die Dauer des Vertrages nichts vereinbarten, so muß er spätestens am 15, zum 1. kündigen. Da er verspätet gekündigt hat. können Ste die Miete für den solgeiiden Monat verlangen und mit Aussicht aus Erfolg Klage anstellen, Wciuachtsgeschcuke kann der Mieter keineswegs zurück- verlaiigen,— O. S. 33. Daß ein Mitglied des Wahlvereiiis sich auch gewerkschasllich organisiere, ist seine Pnrlcipslicht.— R. 66. ES wäre möglich, daß Sie durch Anträge beim AmlSgericht Ihren Zweck erreichen, zu raten ist in diesem Falle zu dem Beistand eines Anwalts,— M. Li. 33. Wenn nicht eliva aus dem uns nicht bekannten Wortlaut ihres DienstvertrageS das Gegenteil erhellt, to sind Sie zum Ersatz der Scheihc nicht verpflichtet, — I. 0. 1.66. Ja. aher ohne Zusügung des Handwerks.— E. B. 1666. 1. Ja, die Hälfte. 2. u. 3. Nein.— T. 166. Magistratsstistungsdeputation. — M. R. 3. Ihre Frau war, so viel ersichtlich, nicht lrankeuvcrsichcrungs- pslichiig.— O. E. 166. Nein,— H. 48. Nach dem Gesetz über den Austritt aus der Landeskirche haben Sie nur bis zum 31. September 1907 zu zahlen und würden mit Eiffolg gegen die Aufforderung bis zum April 1908 zu zahlen, reklamieren könneü,— Schilling. 1. Ja. 2. Arbeitgeber, Arbeitnehmer und ein Vorsitzer. Gegen das Urteil können Sie Berufung beim Amtsgericht einlegen. 3. u. 5. Ja. 4. Den Strasantrag kömietl Sie stellen und im Falle der Ablcbnuiig der Erhebung der Klage wegen Mangel eines öffentlichen Interesses selbst die Privatllage wegen Beleidigung anstellen, — C. Reff. 1. Durch 10jährigen Aufenthalt im Auslände verliert ein Deutscher seine Staatsangehörigkeit,«venu er nicht sich in der Matrikel des deutschen Konsuls ausnehmen läßt. 2. In solchem Fall ist eine Ausweisung möglich.— H. Ein Bersäumnisurteil ist vollstreckbar, außerdem ist aber Einspruch gegen dasselbe, wenn es vom Amtsgericht er, äffen ist, innerhalb 14 Tagen, wenn es vom Gewerpegericht erlassen ist, innerhalb drei Tagen zulässig.— L. M. 166. Um aus der Kirch auszutreten, gleichviel welchen Namen die Kirche trägt, richten Sie ein schreiben solgcnden In» haltS an das Amtsgericht Ihres Wohnsitzes mit Datum und Unterschrift: „Ich melde hiermit meinen Austritt aus der Landeskirche und beantrage, meine» Austritt auszunehmen." Sie erscheinen dann, ohne eine Ladung abzuwarten, frühestens am 29., späiesteus am 42. Tage nach Eingang Ihres Schreibens beim Gericht persönlich innerhalb der Vormittagsgeschästszeit bei Gericht und geben dort Ihre AuStrittserklärung zu Protokoll. Inner- halb dieser 14 Tage wird Ihre Austritlscrklärung zu Protokoll genommen, obne daß eine Ladung erfolgt. Versäumen Sie die 14 Tage, so muß das Vcr- fahren von neuem bcgoiiuen werden. Die Koste» für die Austritts- erklärung betragen 3 Sit. für das gesamte Verfahre» und etwa 50 Ps, Schreibgebührcn, Wenn Sie in diesem Jahre austreten, so haben Sie vom 31. Dezember 1908 ab persönliche Kirchensteuern nicht mehr zu zahle», Nützlichste Kleidungs- Stöcke bei rauher Witterung aus warmen Lodenstoffen mit molligen Futterarten. 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Kcilqe Ks Jomöttf fctlinn MligM fidlüj, 18. Wein 1907. Zur liowmuuslivchlbmegung. Aus den Kommunalwahlbezirke» dritter Abteilung. In der Liste der Kommunalwähler für 1907 steht die dritte Abteilung mit 346 157 Wählern(ohne die nachträglich aufgenommen). Hiervon entfallen auf die 16 Wahlbezirke dritter Abteilung, die an den diesjährigen Kommunalwahlen teilnehmen, 114 808 Wähler. Vor sechs Jahren hatten die selben 16 Bezirke zu wählen, damals betrug aber ihre Wähler zahl erst 104789. Der Zuwachs seit 1901, volle 10 000 Wähler, verteilt sich sehr ungleich auf die einzelnen Bezirke. Die meisten dieser 16 Bezirke haben überhaupt keine Zunahme der Wählerzahl gehabt, sondern eine Abnahme Das gilt nicht nur für Bezirke der Innenstadt, sondern auch für viele derjenigen Bezirke, die schon recht weit draußen liegen. Dafür haben dann ein paar Bezirke eine desto bedeutendere Erhöhung der Wählerzahl gehabt, Bezirke einiger Außenviertel, in denen seit der Wahl von 1901 eine große Zahl von Neubauten entstanden ist und die Bevölkerung sich stark vermehrt hat. Die Verminderung der Wählerzahl von 1901 zu 1907 war am beträchtlichsten im Wahlbezirk 29. Dieser Be zirk besteht hauptsächlich aus dem östlichen Teil des Spandauer Viertels, der auch das„Scheunenviertel" einschließt. Die Wählerzahl ging im Bezirk 29 von 5874 herunter auf 4658. Nennenswerte Verminderungen zeigen sich ferner in folgenden Bezirken: von 4417 auf 4207 in Bezirk 4(Potsdamer Viertel, Tiergartenrand), von 5003 aus 4570 in Bezirk 11(Teil der äußeren Luisenstadt), von 6573 auf 6109 in Bezirk 12 «Teil der äußeren Luisenstadt), von 5548 auf 5141 in Bezirk 22(Gegend der Großen Frankfurterstraße), von 5732 auf 5094 in Bezirk 23(Gegend des Ost- und des Schlesischen Bahnhofs), von 6515 aus 6030 in Bezirk 32(Teil der Rosen thaler Vorstadt), von 6384 auf 6196 in Bezirk 45(Teil von Moabit). Geringfügig sind die folgenden Verminderungen: von 7836 auf 77v8 in Bezirk 36(nördliche und südliche Um gebung des Bahnhofs„Gesundbrunnen"), von 5499 auf 5483 in Bezirk 41(Umgebung des Oranienburger Tores, der Eharits usw.). Geringe Zunahmen sind: von 7249 auf 7325 in Bezirk 9(Teil der Tempelhofer Vorstadt), von 7740 auf 7795 in Bezirk 10(Teil der Tempelhofer Vorstadt). Bedeutend ist die Zunahme in folgenden Bezirken: von 8469 auf 10004 in Bezirk 34(Teil der Schönhauser Vorstadt), von 8042 auf 10 678 in Bezirk 44(Teil von Moabit), von 6189 auf 8514 in Bezirk 48«Teil vom Gesundbrunnen). Die gewaltigste Zunahme der Wählerzahl findet sich im Bezirk 35, zu dem der neubebaute Teil der Schönhauser Vorstadt zwischen Schön hauser Allee und Schwedterstraße nördlich und südlich der Ringbahn gehört. Dort ist die Wählerzahl von 7419 auf 15 226 gestiegen. Von den 16 Bezirken sind drei, die Bezirke 4, 29, 41, nock, im Besitze des Freisinns; in diesen drei Bezirken hat die Wählerzahl überall abgenommen. Die anderen dreizehn Be zirke sind bereits im Besitze der Sozialdemokratie; dazu ge hören vor allem auch die Bezirke, denen die bauliche Ent Wickelung in diesen sechs Jahren eine starke Zunahme der Wählerzahl gebracht hat- Dem Freisinn ist es gerade recht, daß aus den Bezirken, die ihm noch als seine Schlupfwinkel geblieben sind, die Arbeiterbevölkerung immer mehr wegzieht. • Nchtmig! 29. und 41. Kommimalwahlbczirk. Auf die heutige -Versammlung in den Borns sia-Sälen, Ackerstr. 6/7(nahe Elsassersiratze), in welcher Genosse Karl Liebknecht referiert, machen wir besonders aufmerksam und ersuchen die in Frage kommenden Bezirksgenossen des 1., 6. und 6. Kreises, zur Stelle zu sein. Das Wahlkomitee. 6. Kreis. 36. und 48. Kommunalwahlbezirk. Heute, Feitagabend, findet bei Ballschmieder, Badstr. 16, eine öffent- liche W ä h l e r V e r s a mm lu n g statt, in welcher Reichstags- abgeordneter Genosse Stadthagen über die Aufgaben der Kommune sprechen wird. Siehe heutiges Inserat. In der g e st r i g e n Anzeige ist irrtümlicherweise das Versammlungslokal falsch an- gegeben._ Der Vorstand. Partei-?Zngelegenkeiten. Nixdorf. Achtung! Um unliebsame Störungen während der Theatervorstellung, die am 20. Oktober, präzise 2�-1 Uhr, in Gröplers Bürgersälen staltsindet, zu vermeiden, werden die Mitglieder ersucht. recht pünktlich zu erscheinen.— Einer Wiederholung der Vorstellung wird stattgegeben. wenn die Mitglieder sich recbt zahlreich bis spätestens Mittwoch, den 23. Oktober in ihren Zahlstellen anmelden respektive einschreiben lassen.— Alles Nähere wird durch Anzeige bekanntgegeben. Der Vorstand. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Am Sonnabend, den 19. Oktober, abends 8>/z Uhr. findet im Lokal von Schliefe. Hönowerstrahe 6. eine Versammlung des WablvereinS statt. Der Genosse Freiwaldt- Pankow spricht über das Thema:„Kapital und Arbeit." Zahlreichen Besuch erwartet der Vorstand.— Am Sonntag, den 20. Oktober, pünktlich 8 Uhr findet für die Orte Mahlsdorf und Kaulsdorf eine Fliigblattvcrbreilnng statt für die Genossen von Kanlsdorf bei Mees. Frankfurter Chaussee; für Mahlsdorf-Süd von Heidendorf; für Mahlsdorf von Schliefe, Hönowerstrahe 6. Zahlreiche Beteili- gung der Parteigenossen ist notwendig. Trebbin. Sonnabend, den 19. Oktober, abends 8'/z Uhr, bei Wolf: Mitftliedervcrsamnilung des Wahlvereins. Tagesordnung: Abrechnung vom 3. Quartal. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung Groh-Berlins. Mitteilung des Vorstandes und Ver- schicdcneS. Ncncnhagen und Umgegend. Sonntag, den 20. ds. MtS., nach- mittags 4 Uhr findet bei Wünsche die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vierteljahresbericht der Funktio- näre. Berichterstattung vom Parteitag und Verschiedenes. ES wird erwartet, dah die Genosien vollzählig erscheinen. K-nigS-Wusterhause«, Wildau und Nirdrrlehme. Den Partei- genossen obiger Orte zur Kenntnis, dah die Flugblattverbreiwng zur„VorwärtS"-Agitation am Sonntag, den 20. Oktober, morgens Punkt 7'/z Uhr. von folgenden Lokalen stattfindet: KönigS-Wuster- Hausen bei Witwe Lange. Wildau-Hoherlchme bei Schumann. Niederlehme im früheren Bergerschen Lokale. Parteigenossen I Es ist Ehrenpflicht eines jeden, wenn eS gilt, Aufklärungsarbeit bei den Tausenden der Landproletarier zu leisten, sich bereitwilligst zur Ver- st'gung zu stellen. Der Vorstand. Französisch-Buchholz. Die Verbreitung der Agitationsausgabe zum Abonnement auf den„Vorwärts" nild zum Eintritt in den Wahlverein findet am Sonntag, den 20. ds. MtS., vormittags '/»lO Uhr von Kähne aus statt. Die Einholung erfolgt am Sonntag i darauf. Parteigenossen! Es ist dringend notwendig, dah sich ein jeder an dieser Parteiarbeit beteiligt.— Gleichzeitig diene den ,Vorwärts"-Abonnenten zur Kenntnis, dah alle Wünsche und Be- schwerden über unpünktliche Zustellung usw. beim Genossen Wiesberg, Bahnhofstrahe 22 anztlbringen sind. Der Vorstand. Lerlmer J�aebriebten. Soziale Fürsorge im Rathanse! Die Stadtverordneten- Versammlung hat gestern den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der die Einsetzung eines ständigen Aus- schusses für soziale Angelegenheiten fordert. zunächst mal einem Ausschuß überwiesen, der ihn vorberaten soll. Das war zu erwarten und verstand sich von selber. Aber nicht zu erwarten war, daß die freisinnige Mehrheit diese Anregung unserer Genossen von vornherein mit so süßsaurer Miene aufnehmen würde, wie sie es gestern getan hat. Wir hatten gedacht, daß mindestens die Klugheit denen um Cassel, um Rosenow usw. gebieten würde, einstweilen ein klein wenig mehr Entgegenkommen vorzutäuschen. In dem Ausschuß, der die Sache zu„prüfen" hat, stellen sich ja dann leicht die bekannten„Schlvierigkciten" ein, die es ev möglichen, auf gute Manier mit bedauerndem Achselzucken alles abzulehnen. Oft genug hat die freisinnige Mehrheit unserer Stadtverordneten- Versammlung diese Taktik befolgt, wenn von sozialdeniokratischer Seite Anregungen kamen, die wertvoll waren, aber unbequem werden konnten. Diesmal jedoch ließen die Wortführer des Stadtfreisinns sogleich in der ersten Beratung durchblicken, daß es wohl„nicht gehen" wird. Genosse A r o n s begründete den Antrag in so streng sachlicher Form, daß er vor alleni dem„praktischen Mit arbeiter" Stadtrat Fischbeck das Konzept verdorben haben dürfte. Herr Fischbeck saß da, lauernd auf den Augenblick. wo er die ihm etwa zugedachten Hiebe zu parieren hätte. Aber unser Redner würdigte diesen Mann keines Wortes. Arons wies hin auf das nachahmenswerte Beispiel der vielen anderen Städte, die der Reichshauptstadt in der Schaffung sozialer Ausschüsse bereits vorangegangen sind. Und er umschrieb den Kreis der Aufgaben, die einem solchen Ausschuß gestellt werden müssen: das sind vor allem die Prüfung der Woh nungszustände, die Anbahnung einer gerechten Arbeiterpolitik die Aufhellung des Arbeitslosenproblems, die Fürsorge für das heranwachsende Geschlecht, die Schaffung von Rechts auskunftsstellen. Was hätten die Wortführer des Freisinns gegen diese Forderungen einwenden dürfen? Herr Rose- n o w behauptete, um alles das kümmere man sich bereits in den bestehenden Verwaltungsdeputationen. Man wolle aber die gegebene Anregung nicht von vornherein zurüch weisen, sondern sie in einem Ausschuß„ernst prüfen" und dann darüber entscheiden. Unsere Genossen begleiteten diese Ver- sprechungen mit dem Zwischenruf:„Nach den Wahlen?' Herr M o m m s e n äußerte mit schöner Offenheit die Meinung, daß„die ganze Sache ziemlich negativ ausfallen" werde. Das fft wohl auch sein Wunsch. Als Herr P r e u ß, der„Sozial-Fortschrittler", erklärte, von dem geforderten sozialen Ausschuß verspreche er sich nicht viel, weil wahrscheiw lich doch nur eine soziale Beerdigungskommission daraus werde, lachten seine freisinnigen Kollegen vergnügt zu ihm hinüber. Schließlich deklamierte noch Herr Cassel, die Stadtverodi netenversammlung habe stets„die sozialpolitischen Gesichte punkte mit dem größten Eifer erwogen", und es sei niemals die Gewohnheit der Mehrheit gewesen, solche Anträge in Aus schüssen zu beerdigen. Gegen den sozialen Ausschuß aber babe er das Bedenken, daß dabei die Mitwirkung des Magistrats ausgeschlossen sei. Genosse Arons äußerte in seinem Schlußwort die Hoffnung, daß der Ausschuß'sich später zu einer regelrechten Bcrwaltungsdeputation auswachsen werde, die auch dem Magistrat eine Mitwirkung gestatte. Er gestand aber, auch er müsse fürchten, daß bei einigermaßen schlechtem Willen des stadtfreisinns ein Ausschuß nicht für, sondern gegen Sozialpolitik zustande kommen werde._ Berliner OmnibnSgesellschaft und Stadt Berlin. Wie wir am Mittwoch bereits ausführlicher mitteilten, verlangt die Allg. Berliner Omnibusgesellschaft von der städt. Verkehrsdeputation die Genehmigung zur Erhöhung des Tarifes für die Fünfpfennig-Strecken auf 7'/z Pf. bezw. auf 8 Pf. für das einzelne Billett und erklärt, falls ihr diese Er- höhung nicht bewilligt werde, müsse sie eine General- Versammlung der Aktionäre einberufen, damit diese eventuell die Auflösung des Unternehmens beschließe. Um nun für diese ihre Stellungnahme im Publikum Stimmung zu machen und den ablehnenden Beschluß der Verkehrsdeputation zu diskreditieren, versendet die Gesellschaft die folgenden Aus lassungen an die Presse: „Bis zum Jahre.1897 gab eS bei der Gesellschaft überhaupt keine Teilstrecken unter zehn Pfennig, die Einführung erfolgte vom Jahre 1898 ab freiwillig, nicht auf Veranlassung der Behörden. Die durchschnittlichen Selbstkosten pro Person, die im Jahre 1904 noch ö,4 Pfennig betrugen, stellten sich im letzten Geschäfts« jähre schon auf S,3 Pfennig und werden im Jahre 1907 voraus- sichllich 6,6 Pfennig betragen. Die Ueberschüsse aus dem Pferdebetriebe haben darauf beruht, daß im Durchschnitt die 10 Pfennig-Fahrgäste für die b Pfennig-Fahrgäste mitbezahlt haben. Während die Zahl der pro Kilometer beförderten Personen an- nähernd dieselbe geblieben ist, hat sich das Verhältnis der 10 Pfennigfahrgäste zu den 5 Pfennigfahrgästen immer mehr verschlechtert. Nachdem dieses Verhältnis auf etwa 1:6 heruntergegangen ist, mutzte sich der 6 Pfennigtarif als unhaltbar ergeben. Andererseits sind die Ausgaben der Gesellschaft durch höhere Löhne, durch Leistungen für soziale Zwecke(Pensionskasse), durch Steigerung der Preise fast sämtlicher Materialien sowie namentlich des Pscrdefutters fortgesetzt gestiegen, ohne daß die Gewähr besteht, datz diese steigende Tendenz in absehbarer Zeit zum Stillstand gelangt. Alle diese Momente sind mit ziffernmätzigen Unterlagen in vertraulicher Form den Behörden unterbreitet worden mit dem Antrage, den Teilstrcckcntarif auf 7� Pfennig festzulegen dergestalt, datz zwei Billetts für zusammen 16 Pf. zur Ausgabe gelangen. Während das löniglickie Polizeipräsidium in Anerkennung dieser Nachweise dem Antrage der Gesellschaft zustimmte, hat dieser bedauerlicherweise nicht die Genehmigung der Mehrheit der städtischen Verkehrsdeputalion erhalten. Diese erkennt die UnHaltbarkeit des 6 Pfennig-Tarifes an, will aber eine Erhöhung nnr auf 6 Pfennig genehmigen. Es bedeutet dies daö Ansinnen an die Gesellschaft, den bei weitem größten Teil ihrer Fahrgäste noch länger unterhalb der Selbstkosten zu befördern. Es bedarf keiner weiteren Begründung, datz keine Perkehrsgesellschaft in der Lage ist, dies zu tun und ihre Verkehrs- mittel dem Publikum zu dem Zwecke zur Verfügung zu stellen, damit die geringen Ueberschüsse aus der Beförderung von vielleicht ll6 der Personen aufgezehrt werden durch Zubutzen, die die Be« förderung von vielleicht 6/6 unterhalb der, Selbstkosten erfordern." Dieser Darlegung gegenüber sei bemerkt, daß in ihr ver» schiedene Momente fehlen, die auf die Entschließung der Majorität der Deputation von Einfluß gewesen sind. Die Vertreter der Gesellschaft führten in den stattgehabten Unter- Handlungen aus, daß eine jede Tariferhöhung einen erheblichen Rückgang in der Frequenz zur Folge haben würde. Gefragt, auf welche Ziffer etwa sie diesen Rückgang schätzten, wurde die Antwort erteilt, daß man im Durchschnitt mit einem Rückgang um ca. 25 Proz. rechne und gerade auch aus diesem Grund auf der großen Tariferhöhung bestehen bleiben müsse. Eine derartige Herabminderung der Frequenz wurde nun von vielen Mitgliedeni der Deputation für ganz ausgeschlossen erachtet. Man war der Ansicht, daß die Frequenz um so mehr sinken würde, je größer die Tariferhöhung ist, daß dagegen bei einer mäßigen Erhöhung der anfängliche Rückgang bald durch das natürliche Wachstum des Verkehrs ausgeglichen sein würde. Je mehr die Erhöhung sich der Grenze von 10 Pf. nähere, um so erheblicher würde der Rückgang für die Omnibusgesellschaft sein, weil dann ein Teil der bisherigen Fahrgäste zu Fuß gehen, ein anderer wahrscheinlich großer Teil sich der Straßenbahn, mit der man bequemer, schneller und ivciter fahren könne, zuwenden würde. Ein Preis von 8 Pf. komme nun dieser Grenze außerordentlich nahe, weil viele Personen sich scheuen würden. sich die restlichen 2 Pf. vom Schaffner herausgeben zu lassen. So sei bei einent Preis voll 8 Pf. für das Einzelbillett und 15 Pf. für zwei Billetts ein erheblicher Rückgang der Frequenz zu erwarten, während man bei 6 Pf., welche Erhöhung die Deputation konzedieren will, in Bälde mindestens mit der bisherigen Ziffer der Fahrgäste würde rechnen können. Im Laufe der Verhandlungen wurde ferner von den Ver- tretern der Gesellschaft zwar zugegeben, daß die Umstände, die in 1907 zur neuerlichen Erhöhung der Selbstkosten für die 5 Pfenniggäste geführt hätten, ganz ungewöhnlicher Natur seien, aber die Gesellschaft müsse gleich jetzt auf eine solche Basis gestellt werden, die es ihr ermöglicht, auch allen kommenden Eventualitäten bezüglich der Erhöhung ihrer Unkosten gewachsen zu sein. Ist solches Verlangen vom Standpunkt der Vertreter der Gesellschaft auch begreiflich, so liegen die Dinge für die Verkehrsdeputalion doch ganz anders. Die Majorität der Deputation glaubte mit Fug und Recht gerade in Rücksicht auf die Schichten der Bevölkerung, welche vorzugsweise die 5 Pfennig-Omnibusse benutzen, mit der Tariferhöhung nicht weiter gehen zu dürfen, als durch klar erkennbare Verhälttnsse geboten ist. Die zugestandene Tariferhöhung von 5 auf 6 Pfennig, das heißt um 20 Proz., sichert nun den Akttonären der Gesellschaft bei gleichbleibender Frequenz, mit der man sicher glaubt rechnen zu können, eine Mehreinnahme von einer Million Mark, d. h. bei dem jetzigen Attienkapital eine Dividende von 8 Prozent und die Deputation war daher der Auffassung, daß dik-Gesellschaft bei dieser Sach- läge die Verpflichtung habe, mindestens den ehrlichen Versuch mit dem 6 Pfennig-Tarif zu machen. » Eine andere zwischen Stadt und Omnibusgesellschaft schwebende Angelegenheit bezieht sich auf die Benutzung der Schlotzbrücke durch die Kraftomnibusse der Gesellschaft. Es hat sich herausgestellt, datz die schweren Kraftwagen der Gesellschaft die Schlotzbrücke in einer Weise belasten, datz die Bausachverständigen die Verantwortung für die Folgen ablehnen. Diese Brücke ist eine alte Klappbrücke, die für derartige Zwecke nicht erbaut worden ist, und es würde sich bei dauernder Weiterbenutzung eine Verstärkung der Brückenkonstruktion nötig machen. Die Kosten würden sich auf rund 30 000 M. belaufen. Der Magistrat steht auf dem Standpunkte, datz in diesem Falle die Gesell- schaft die Verpflichtung habe, einen Teil der Kosten zu tragen, da nur ihrer schweren Wagen wegen der Bau notwendig werde. Die Gesellschaft hat aber jeden Zuschuß abgelehnt; sie ist der Meinung, datz die Stadt verpflichtet sei, Straßen und Brücken in einem den modernen Verkehrsmitteln entsprechenden Zustande zu halten. Das letztere ist richtig. Wenn aber, wie im vorliegenden Falle, eine Anlage mit erheblichen Kosten einer Aenderung unter- zogen werden mutz, weil die Betriebsmittel einer Erwerbsgesellschaft dies nötig machen, so ist das Verlangen der Stadt auf Zuschuß« leistung durch die Gesellschaft vollkommen berechtigt. Als seinerzeit die Schleutzenbrücke an den Stellen, wo die Stratzenbahnschienen liegen, für die großen Straßenbahnwagen verstärkt werden mutzte, war eS nicht mehr wie recht und billig, datz die Neuerung geschah auf Kosten der Stratzenbahn. Dazu kommt, datz die Omnibusgesell- schaft die Straßen Berlins benutzt, ohne der Stadt eine Abgabe zu zahlen, wie dies durch die„Große Berliner" vertraglich zu geschehen hat. Die Siadt Berlin hat keinerlei Interesse daran, erhebliche außergewöhnliche Aufwendungen zugunsten einer privaten Erwerbs- gesellschaft zu machen, damit diese in die Lage kommt, ihren Aktionären hohe Dividende zu zahlen. Die Einstellung des Betriebes der Automodillinie 19, die ihren Weg über die Schloßbrücke nehmen mußte, wird nun doch erfolgen. Der Polizeipräsident hat sich, wie aus einem Schreiben an die Omnibusgesellschaft hervorgeht, davon überzeugen müssen, daß die von der Stadt Berlin gegen die Tragfähigkeit der Schloßbrücke bc- züglich des Kraftomnibusbetriebes zum Ausdruck gebrachten Bc- denken zutreffend sind. Der Polizeipräsident stellt der Gesellschaft anHeim, die Linie zukünftig mit Pferden zu betreiben. Stäbtische Hoch- und Tiefbauten. In der Hochbaudeputation wurden die Kostenanschläge und Bauentwürfe für den Neubau eines Torgebäudcs mit Wartehalle und monumentalem Portal für den städtischen Zentralfriedhof in Friedrichsfelde seitens des BauratcS Hoffwann vorgelegt; die Kosten wurden mit 69 000 Mark einstimmig bewilligt. Die Kosten für den Bau einer Gemeindedoppelschule an der Schöningstratze sind mit 874 000 Mark veranschlagt worden. Der Neubau einer �ach- und Fortbildungsschule in der Linienstraße soll 423 000 Mark ~>sten. Genehmigt wurden noch folgende Entwürfe: Die Ein- richtung von Einzelschlafräumen auf dem Grundstück des Er- ziehungshauses zu Lichtenberg, Aenderung der Heizanlage und Vergrößerung der Warmwasferbereitungsanlage in der Lazarett- baracke, Veränderungen in der Irrenanstalt Dalldorf, im Waisen- hause zu Rummelsburg usw« In der Tiefbaudeputation wurde beschlossen, an Stelle der alten hölzernen Hansabrücke im Zuge der Ältonaerstraße eine monumentale massive Brücke, deren Kasten mit 670 000 Mark ver- anschlagt worden sind, zu erbauen. Die vom Stadtbaurat K r a u ß vorgelegten Vorentwürfe wurden genehmigt. Ferner beschäftigte ich die Deputation mit dem Entwurf für die Umgestaltung der Bellealliancestraße. Statt des einen Fahrdammes sollen zwei Fahrdämme angelegt werden, der eine neue bereits im nächsten Jahre. Die beiden Bürgerstcige werden etwas verkürzt. Dafür werden die noch bestehenden Vorgärten beseitigt, auch die jetzige Promenade und der alte Reitweg werden verändert, womit ein alter Wunsch der dortigen Bevölkerung erfüllt wird. Statt dieser alten seitlichen Promenade wird dann in der Mitte, wie»Unter sen Sinbcn", eine Mittelpromenade mit einem Reitwege angelegt Dieser Entwurf fand den Beifall der Deputation, besonders weil dann die geplante Untergrundbahn Nord-Süd direkt unter dies Mittelpromenade gelegt werden kann. Die Kosten dieser Straßen regulierung sind mit insgesamt 330 000 Mark veranschlagt, davon wurden IlOOOO Mark in den nächsten Etatsentwurf eingestellt Die Neugestaltung war notwendig, schon mit Rücksicht auf das seit 1388 liegende Pflaster. Ferner beschäftigte sich die Deputation mit dem Antrag der Firma Rudolf Hertzog, die Brüderstraße an der Scharrnstraße um 4 Meter zu verbreitern, damit die Firma dort einen höheren New bau errichten kann. Sie beantragte die Festsetzung neuer Baw fluchtlinien, welcher Antrag indes von der Tiefbaudeputation ab> gelehnt wurde. Seinerzeit ist nämlich beim Bau der Petrikirche das Portal und die seitlichen Aufbauten auf die jetzige Achse der Brüderstraße gerichtet worden. Bei einer einseitigen Verbreiterung der Brüderstraße würde aber die Achse verschoben und das jetzige architektonische Bild total verändert werden. Da Vrkehrsrücksichten nicht in Frage kommen, wurde der Antrag der Firma abgelehnt._ Eine Prachtbliitc des Stücklohnsystems. Die Trichinen- s ch au er, die auf dem Schlachthof der Stadt Berlin beschäftigt werden, petitionieren seit Jahren immer von neuem und bisher noch immer vergeblich»m Gewährung festen Gehaltes Sie müssen sich's immer noch gefallen lassen, daß man ihnen ihre Arbeit mit einem Stücklohn bezahlt. Dieses System hat, wie überall, so auch auf dem Schlachthofe die bekannten Mängel: unter anderen den, daß es den Stücklohnempfänger in Ungewißheit darüber läßt, auf welches Einkommen er rechnen kann und wie er seine Lebenshaltung einrichten darf. Auf dem Schlachthof kommt dazu noch der besondere Uebelstand, daß dort vor der Verteilung des verdienten Lohnes eine hoch st komplizierte Be- r e ch n u n g vorgenommen werden muß, durch die die Aus Zahlung gewöhnlich um einige Tage verzögert wird. Die Trichinenschauer haben zu einem Teilungsverband zu sammentreten müssen. Der aufgelaufene Stücklohn soll in jedem Monat an zwei Terminen, am 15. und am 30.(oder 31.), aus- gezahlt werden. Die Berechnung der auszuzahlenden Beträge er fordert aber so viel Kopfzerbrechen, daß die Trichinenschauer froh sind, wenn sie„schon" mit einer Verspätung von nur zwei bis drei Tagen ausgezahlt kriegen, was ihnen zukommt. Die Kranken müssen auf das Ihrige noch länger warten, obwohl gerade in Krankheitsfällen jeder seine paar Groschen am nötigsten braucht Für Kranke muß erst noch die Differenz zwischen empfangener Unterstützung und entgangenem Verdienst berechnet werden, da können sie dann manchmal zehn Tage warten, ehe das schwierige Rechenexempel gelöst ist. Die Stellvertreter für erkrankte oder beurlaubte Vorsteher müßten sogar Wochen hindurch auf ihr Geld warten, wenn nicht die Beschauer einstweilen den Lohn für sie auslegten. Uebrigens müssen die Beschauer auf Verlangen der Rechnungsführer die Lohnentschädigung für die Urlaubszeit für einander auslegen und erhalten das Urlaubsgeld erst im Oktober ausgezahlt. Im Schlachthofkuratorium wurden diese Zustände an Hand der neuesten Petition von unserem Genossen Adolf Hoffmann geschildert und als unhaltbar bezeichnet, und der Direktor-der Fleischbeschauer, Herr Reismann, mußte ihm bei- stimmen. Stadtrat F i s ch b e ck aber, der Vorsitzende des Kura- toriums, riet dringend, die Petition der Trichinenschauer abzu- lehnen. Er behauptete, die Ablehnung liege im Interesse der Trichinenschauer selber, und es werde auch durchaus nicht von allen ein festes Gehalt gewünscht. Hierzu stellte Hoffmann fest, daß gegen diese Petition, die der„Verein der Fleischbeschauer" be- schlössen hatte, die Trichinenschauer jüngeren Dienstalters mobil gemacht worden seien. Man habe ihnen erzählt, sie selber würden bei festem Gehalt schlechter•fahren, und so sei die gewünschte Gegenagitation glücklich zustande gebracht worden. Genosse Hoff- mann suchte die Petition in eine Kommission hineinzureiten, die sich zunächst mal genaueren Einblick in die beklagten Zustände ver- schaffen solle. Aber auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Die Herren von der Mehrheit waren wohl der Meinung, das Kura- torium sei ohnedies schon mit Arbeiten überlastet— was sie allerdings nicht abgehalten hat, vor einiger Zeit einen Antrag auf Per- mehrung der Mitgliederzahl des Kuratoriums(wobei man dann noch einen Sozialdemokraten hineinnehmen müßte) abzulehnen. Nachdem sie jetzt die Petition der Trichinenschauer wieder im ab» gekürzten und zeitsparenden Verfahren er- l e d i g t haben, werden sie sich nicht wundern dürfen, wenn die unter den Trichinenschauern herrschende Unzufriedenheit nur noch zunimmt._ Tie städtische Markthallen-Deputation beschäftigte sich in ihrer restrigen Sitzung u. a. mit einer Reihe von Petitionen von Beamten und Arbeitern um Aufbesserung ihrer Gehälter resp. Löhne. Die Forderung der Oberaufseher und Pförtner um Abänderung ihrer Besoldungsordnung wurde mit oem Hinweis abgetan, daß nach dem Beschluß des Magistrats nur alle drei Jahre in eine Prüfung eingetreten werden solle, trotzdem Stadtv. Hintze in überzeugender Weise die Notwendigkeit einer Aenderung betonte. Die Heizer wandten sich gleichfalls wiederum um Aufbesserung ihres Lohnes an die Deputation. Im vorigen Jahre hatte dieselbe beschlossen, das Anfangsgehalt derselben von 1300 auf 1500 M. und das Endgehalt von 1700 auf 2200 M. zu er- höhen. Leider fand diese berechtigte Erhöhung nicht den Beifall des Magistrats und die Leute gingen leer aus. Der Referent Stadtv. Hintze trat auch in diesem Falle für Erhöhung der Lohnskala für diese Kategorie ein. In der Diskussion hierüber kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen dem Stadtv. T h i e m e und un- seren Genossen. Der Herr Fabrikbesitzer, der sich in der letzteren Zeit immer mehr zu einem kleinen Scharfmacher zu entwickeln scheint, hielt es für notwendig, der Erhöhung zu widersprechen mit dem schon oft gehörten Hinweis, man dürfe der Privat- industrie durch die städtischen Werke keine Kon- kurrenz bereiten. Im übrigen sei die heute gezahlte Eni- schädigung vollständig ausreichend für die Leute, die entweder als Kohlenkarrer oder verdorbene Schlosser und Schmiede Heizerdienste verrichten. ES gebe keine Heizer in Berlin, die einen höheren Lohn wie 75 Pf. pro Stunde erhalten und, berücksichtige man die Art der Arbeit, so sei die Entschädigung hoch genug. Sein Heizer, der schon 21 Jahre bei ihm beschäftigt sei, erhalte geringeren Lohn wie die Markthallenheizer und sei trotzdem zufrieden. Genosse Schubert erwiderte, daß man uns doch endlich einmal mit dieser engherzigen Argumentation verschonen möge. Die Privatindustrie richte sich den Teufel nach den Gepflogenheiten der Kommune und nur, wo eS sich darum handelt, den städtischen Arbeitern etwas zu gewähren, komme man stets mit der Behauptung, die Stadt habe auf ihre Steuerzahler Rücksicht zu nehmen. Eine Stadtgemeinde habe größere sozialpolitische Pflichten zu erfüllen und dazu gehöre in erster Linie die Sicherstellung ihrer Arbeiter. Die Deputation müsse an ihrem alten Beschluß festhalten, wolle sie sich nicht selbst desavouieren. Alles war aber vergebens. Gegen 3 Stimmen wurde die Erhöhung abgelehnt.— Die Petition der Markt- Hallenarbeiter wurde so lange zurückgestellt, bis die von dem Magistrat in Aussicht genommene„Soziale Kommission" die Prü- fung der Arbeiterverhältnisse vollzogen hat. » Vom Schkachtfelde der Arbeit. Eine Baukatastrophe, bei der sechs Arbeiter zu Schaden kamen und einer tödlich verletzt wurde, hat sich gestern nachmittag in der fünften Stunde auf dem Abritzgrnndstück an der Ecke der Jäger- und Charlottenstraße ereignet. Das Gebäude ist bereits bis zur Höhe des zweiten Stockwerkes abgetragen. Gestern nachmittag waren die Arbeiter damit beschäftigt, eine etwa acht Meter hohe freistehende Wand niederzureißen. Eine Reihe von Leuten kletterten auf die Mauer hinauf und versuchten mit Hülfe von Brecheisen Stücke zu lösen. Plötzlich stürzte sie zusammen. Sieben Arbeiter, die obenauf beschäftigt gewesen waren, wurden mit in die Tiefe gerissen. Sie kamen jedoch glücklicherweise mit äußeren Haut- abschürfungen und Quetschwunden davon. Nur einer der Ver- unglückten, der 32 Jahre alte Arbeiter Otto Straßdaß aus der Mulackstraße 30, wurde bei der Katastrophe schwer verletzt. Er fiel senkrecht in die Tiefe und wurde unter den Trümmermassen voll- ständig begraben. Das Stemmeisen, mit dem er gearbeitet hatte, war ihm bei dem Absturz vollständig durch die Brust gestoßen worden. In hoffnungslosem Zustande wurde St. in die kgl. Klinik eingeliefert. Ein Unfall, wobei ein Arbeiter den Tod gefunden, hat sich gestern nachmittag beim Bau der Untergrundbahn zugetragen. An der Ecke der Mohren- und Mauerstraße sind die Leute gegenwärtig dabei, mehrere zentnerschwere Steifen hochzuziehen, die zum Ab- steifen der Wandungen verwandt werden. Als gestern eine Steife halb hoch gezogen war, stürzte sie, den Händen der Leute entgleitend, in den Schacht der Untergrundbahn hinab. Die Arbeiter, acht Mann, wurden mit in die Tiefe gerissen. Einer der Verunglückten mit Namen Noak wurde von der Steife am Kopf getroffen und er- schlagen. Der Schädel wurde dem Bedauernswerten völlig zer- schmettert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der von der nahen Rettungswache hinzugezogene Arzt vermochte keine Hülfe mehr zu leisten. Bei den anderen sieben Arbeitern hatte er glücklicher- weise keine nennenswerten Verletzungen festzustellen. Ein tödlicher Automobilunfall hat sich gestemmorgen auf dem Kurfürstendamm zugetragen. Der Hausdiener Peter, der im Zoologischen Garten beschäftigt war, wollte am Eingangsportal den Kurfürstendamm überschreiten. Er beobachtete dabei nicht das Herannahen des Droschkenautomobils Nr. 10 210 und wurde von dem Kraftwagen überfahren. Die Räder des schweren Gefährtes gingen dem jungen Menschen über Kopf und Brust hinweg. Die Verletzungen, die P. erlitt, waren so schwere, daß er bald nach der Einlieferung im Krankenhans Westend starb. Eine ungewöhnliche Tragödie fand in der verflossenen Nacht auf der Unfallstation XVII in der Badstratze ihren Abschluß. Gestern abend gegen 12 Uhr wurde auf dem Hochplatz eine etwa 30jährige Frau in besinnungslosem Zustande aufgefunden und durch einen Schutzmann nach der oben genannten Unfallstation ge- bracht. Wie der dort anwesende Arzt feststellte, war die Frau an Alkoholvergiftung erkrankt. Die sofort bei ihr vorgenommenen Rettungsversuche erwiesen sich als erfolglos, die Frau verstarb schon wenige Minuten nach ihrer Einlieferung. Wie sich heraus- stellte, ist die Verstorbene eine seit langer Zeit obdachlose Witwe Fischer, die gewöhnlich mit einer Freundin zusammen auf Bau- Plätzen oder in Anlagen nächtigte. Beide waren dem Trünke stark ergeben und am gestrigen Morgen war die Freundin auf einem Gelände bei Reinickendorf tot aufgefunden worden. Sie war, wie ein Arzt konstatierte, an Alkoholvergiftung gestorben. Den Tod ihrer Freundin hatte sich die F. jedenfalls derartig zu Herzen genommen, daß sie im Laufe des gestrigen Tages sich wiederum sinnlos betrank und in der geschilderten Weise ihren Tod fand. Zur Konfirmationsverweigerung, die am letzten Sonntag des September in der Alten Garnison kirche vorgekommen und im„Vorwärts" Nr. 223(1. Oktober) unter der Ueberschrift „Nicht standesgemäß?" besprochen worden war, schickt jetzt das Generalkommando des Gardekorps uns eine Zu- schrift, die eine„Berichtigung" im Sinne des§ 11 des Preßgesetzes sein will. Sie ist das nicht, aber das soll uns nicht hindern, sie hier wiederzugeben. Wir setzen sie im unverkürzten Wortlaut her, obwohl diejenigen Tatsachen, durch deren Veröffentlichung das Generalkommando den Pfarrer zu entlasten wünscht, zum Teil schon von uns selber im„Vorwärts" Nr. 232(4. Oktober) in einer Nachtragsnotiz unter der Ueberschrift„Zu der Konsirmations- Verweigerung" mitgeteilt worden sind. Der Brief lautet: „Von den 12 Konfirmanden waren nur vier adlig. Unter den anderen befanden sich die Kinder eines Bücherrevisors, eines Volks- 'chullehrers a. T., eines Kaufmanns, eines Fabrikbesitzers, eines Gasttvirts. Der Gemeindeschüler A. erschien im vorigen Herbst zum Konfirmationsunterricht in der alten Garnisonkirche unter Angabe, daß sein Vater später persönlich die Anmeldung beim Geistlichen machen würde. Dies geschah nicht, vielmehr blieb der Knabe schon nach der zweiten Unterrichtsstunde fort, ehe unter Einfordern des Taufscheines und Feststellung der Personalien die ordnungsmäßige Aufnahme in den Unterricht stattgefunden hatte. Da der Vater der Militärgemeinde nicht angehört, und sich weder mündlich noch schriftlich an den Militärgeistlichen gewendet hatte, mußte dieser annehmen, daß er mit dem Unterricht nicht einverstanden gewesen war. Nach Ablauf etwa eines Jahres, 14 Tage vor der Konfir- mation, erschien A. wieder im Unterricht. Ihm wurde mitgeteilt, daß die Konfirmation ohne voraufgegangenen Unterricht bestim- mungsgemäß unzulässig sei, er könne erst zu Ostern 1308 konfir- miert werden und solle dies seinem Vater behufs mündlicher Rück- prache mit dem Geistlichen mitteilen. Nach Angabe des Sohnes war der Vater damit einverstanden und beabsichtigte, in den ächsten Tagen zu kommen. Tatsächlich waren diese Angaben un- vahr, denn der Vater hat erst am Tage vor der Konfirmation durch "einen Sohn Kenntnis von dem Stande der Angelegenheit erhalten. Der kurz vor Beginn der Handlung vorgetragenen Bitte, den Sohn zu konfirmieren, konnte der Geistliche nicht Folge geben, weil durch die Bestimmungen die Dauer des Konfirmandenunterrichts auf ein Jahr(zweimal wöchentlich) festgesetzt ist. Von Seiten des General- kommandos. Der Chef des Generalstabes.(Unterschrift un- leserlich.)" Diese Darstellung des Generalkommandos stützt sich offensichtlich auf Angaben des Pfarrers, sie liefert aber kein völlig er- chöpfendes Bild des Sachverhaltes. Entweder hat der Pfarrer dem Generalkommando nicht ausführlich genug be- richtet, oder das Generalkommando hat seinen Bericht nicht aus- tihrlich genug wiedergegeben. Vollständiger sind wir unterrichtet worden durch eine Persönlichkeit, die in der Lage ist, die Eni- Wickelung der Affäre genau zu kennen, und die das Bedürfnis ge- whlt hat, uns die Versicherung zu geben, der Pfarrer habe rein gar nichts verschuldet. Auch der Vater des Knaben hat, nebenbei bemerkt, uns einen Brief geschickt, der kurz und bündig„mitteilt, daß den Militärpfarrer keine Schuld trifft". Es entzieht sich unserer Kenntnis, wer den Vater gedrängt hat, uns das zu chreiben. Selbstverständlich konnten wir hiermit nichts anfangen, da der Brief nichts weiter als diesen einen Satz enthielt. Aber durch den ersterwähnten Verteidiger des Pfarrers wissen wir, daß der Pfarrer nicht nur in e i n e r Konfirmationsstunde(wie es nach der Darstellung des Generalkommandos scheinen könnte), sondern in drei Konfirmationsstunden immer wieder mit dem Knaben über die Angelegenheit hat verhandeln müssen. Dem Pfarrer ist es nicht eingefallen, sich mal mit dem Vater selber durch einen Brief in Verbindung zu setzen. Zum Ver- mittler zwischen sich und dem Vater machte er einen törichten Knaben, der in der Angst seines schuldbeladenen Herzens die Täuschung des Daters wie des Pfarrers bis zum bitteren Ende trieb. Auf die nichtsahnenden Angehörigen des Knaben, die durch des vertrauensseligen Pfarrers Schuld in Unkenntnis geblieben waren und selbstverständlich alle Vorbereitungen zur KonfirmationS- eier getroffen hatten, wirkte die Verweigerung der Konfirmation wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel, uiii> man begreift eS, daß eine Tante des Knaben nach Beendigung der Feierlichkeit den Pfarrer in erregten Worten zur Rede stellte. Will das General- kommando über die uns genau bekannten Einzelheiten der ganzen Affäre noch mehr hören, so sind wir bereit, uns noch ausführlicher zu äußern. ZirkuS Schumann. Seit Schumann und Busch dazu über- gegangen sind, auch die Varietekunst in den Rahmen ihres Pro- grammS mit aufzunehmen, ist auf diesem Gebiete ein gewisser Konkurrenzkampf mit den größeren Varietes entstanden und das Bestreben, eine besonders zugkräftige Nummer zu gewinnen, ist be- greiflich. Zirkus Schumann hat in sein neustes Programm das Auftreten eines Herrn Lafayette aus New Dork aufgenommen, eines Künstlers, der verschiedene amerikanische Kapellmeister darstellt. Das ist nun zwar nichts besonders Neues, interessant ist aber immerhin, wie Lafayette dies tut. Außer Seuse und Katzenstein kopiert er den äußerst exzentrischen mexikanischen Dirigenten Creators, der es fertig bringen soll, die ganze Kapelle mit sich fort zu reißen und die Mitglieder in die höchste Ekstase zu versetzen. während Katzenstein sich nichts daraus machen soll, Musiker und selbst die Primadonna zu attackieren. Lafayette stellt schließlich auch den Wiener Walzerkönig Johann Strauß als amerikanischen Friseur dar und es ist ergötzlich zu sehen, wie er nach dem Takt rasiert. Außer der Pantomime„Auf dem Neckar" bringt das Programm besonders in den Produktionen der Luft-Voltigeure The MonbarS sehr Anerkennenswertes. Theater an der Spree. Sonnabend, den 13. Oktober, geht der dreiaktige Schwank„Telephongeheimnisse" von HauSleiter und Reimann in Szene. Wer ist die Tote? Am 11. Oktober er., abends gegen 8?1 Uhr, wurde unter der Bahnüberführung in der Gerichtstraße, Ecke Pankstraße, eine unbekannte, zirka 50 Jahre alte Frauensperson von einem unbekannt gebliebenen Fuhrwerk überfahren. Die Ver- letzte nannte in einem Augenblick wiedererlangten Bewußtseins den Namen Anna Wagner. Ob dies der richtige Name der Person ist, hat sich nicht feststellen lassen. Die Verletzte, welche nach dem Krankenhause Moabit gebracht wurde, ist an den Folgen der Ver- letzungen verstorben. Diejenigen Personen, welche Angaben über die verstorbene Frau machen können, werden ersucht, sich bei der Kriminalpolizei, Zimmer 331, in den Vormittagsstunden zu melden. Ebenso werden die beiden Frauen, welche die Verletzte vom Tatorte nach der Unfallstation in der Lindowerstratze 10/11 gebracht haben, ersucht, sich daselbst oder in einem Polizeirevier zu melden. Verschwunden ist seit dem 10. d. M. der geisteskranke 67jährige Heinrich Groß. Bekleidet war derselbe mit dunkler Hose und Weste, braunem Jackett, Zugstiefel und rundem, steifen Hut. Er ging aus seiner Wohnung Wildenowstr. 1 fort, um einen Spaziergang zu unternehmen und ist nicht wieder zurückgekehrt. Die Panoramastrasie vom Kreuzdamm der Dircksenstraße(aus- schließlich) bis zu dem Asphaltpflaster der Straße am Königsgraben. wird behufs Umpflasterung vom 17. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke uno Reiter gesperrt. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht wurde die Feusrweht nach der Kürassierstr. 3 gerufen, wo Müll in Brand geraten war. Auf dem Exerzierplatz an der Schwedterstratze war abends eine alte Matratze in Brand gesteckt worden. Oel u. a. brannte gleich- zeitig in einer Wäscherei in der Forsterstr. 5. Ein Teerbrand mußte in der Wichertstr. 3 gelöscht werden. Auf Charlottenburger Gebiet in der Beusselstr. 77 löschte der 15. Zug einen kleinen Wohnungsbrand. Außerdem liefen noch Alarme aus der Bernauer- straße 42, Brandenburgstratze und mehreren anderen Stellen ein. Vorort- ffadmdrtm. Charlottenbnrg. Dir Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung wählte am letzten Mittwocki den Stadtrat Seydel aus Rirdorf, der bis vor etwa einein Jahre als Magistratsassessor in Charlottenburg tälig war, zum besoldeten Stadtrat aus die Dauer von zwölf Jahre». Er erhielt 25 Stimmen, während auf den Magistratsassessor Mann fünfzehn und auf den Magistratsassessor Dr. Landsberger acht Stimmen entfielen. Eine Interpellation, die sich auf die lieber- füllung der Obersekunda der Oberrealschule bezog, wurde voin Magistrat dahin beantwortet, daß es möglich sei, daß zu Ostern 1903 ein so großer Andrang erfolgt, daß den Ansprüchen nicht genügt werden könne. Werde dieser Fall eintreten, dann werde der Magistrat eine Teilung des OstereötuS beantragen. Eine weitere Aufrage ging dahin, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, wodurch die wieder- holten Störungen in der elektrischen Slromlieferung hervorgerufen seien und welche Maßnahmen er zu treffe» gedenke, um ähnlichen Störungen in Zukunft vorzubeugen. Der Magistrat konnte nur erklären, daß es in anderen Städten auch nicht besser sei, daß es einen absoluten Schutz gegen Störungen in einem ElektrizitätSiverk über- Haupt nicht gebe. Ein Antrag oer liberalen Fraktion, für die Stadt- verordnetenwahlen in der ersten Wählerklasse die Wahlzeit biS 4 Uhr nachmittags auszudehnen, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Ein Antrag Stadthagen und Genossen, der die vermehrte Zuziehnng von Frauen zu den Aufgaben der Gemeinde auf den Gebieten der Erziehung der weiblichen Jugend sowie der Wohnuugsfllrsorge be- zweckt, soll auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Tempelhof. In der letzten Nacht plünderten Diebe die Schaukästen der Eisen- warenhandlung von Jbold. Erst vor kurzer Zeit hatten Einbrecher die inneren Räume dieses Geschäftes mit ihrem Besuch beehrt und de» Inhaber schwer geschädigt. Diesmal begnügten sich die Diebe mit dem Inhalt der Schaukästen. Von letzteren ivaren die Schutzgitter gewaltsam herabgerissen, die zirka ein Zentimeter starken Scheiben vollständig zerschlagen und die Kästen selbst ihres Inhalts beraubt. Revolver. Munition, Gewehre, Messer und verschiedene Wirtschaftsgegeustände sind den Dieben in die Hände gefallen. Groß-Lichterfelde. Der Frauen- und Mäbchen-BildungSverein Groß-Lichterfelde- Lankwitz begeht am Sonnabend, den 13. Oktober, sein zweites Stiftungsfest im Restaurant von Aug. Reisen, Chausseestr. 104. Es ist alles aufgeboten worden, um den Gästen einen genußreichen Abend zu bereiten. Die Genossen werden deshalb ersucht, das Fest recht zahlreich zu besuchen. Grüna«. In einer außergewöhnlich gut besuchten Versammlung beS Wahlvereins referierte Genosse G r u n w a l d über den Essener Parteitag. Die 11h stündige Rede wurde mit reichem Beifall auf- genommen. Der hierauf vom Spediteur Genossen Schröder erstattete Bericht über den Abonnentenstand des„Vorwärts" wies eine erfreuliche Steigerung auf und beträgt gegenwärtig 133. Der Vorsitzende machte alsdann auf die Landagitation sowie die Agitation für den„Vorwärts" aufmerksam. Zu Delegierten für Groh-Berlin wurden die Genossen Steinig und B l u h m e ge- wählt. Zu dem am 3. Novemher stattfindenden Stiftungsfest des Wahlvereins ersucht der Borsitzende, für rege Beteiligung Sorge zu tragen. Königs-Wufterhausen. lieber das Thema:„Die Deutsche Turnerschaft ein Bollwerk der Reaktion" wird am Sonntagnachmittag 3 Uhr in einer nach dem Wegoruschen Lokale einberufenen öffentlichen Versammlung Genosse E. Wutzky-Rixdorf referieren. Die Arbeiterschaft von Königs-Wusterhausen und Umgegend wird ersucht, zahlreich zu erscheinen. Storkow. Eine imposante Versammlung tagte am letzten Sonntag im Lokale des Herrn Schloß(Rathaushotel). Es war die erste Ver- sammlung, die von sozialdemokratischer Seite in Storkow ver- anstaltet wurde, dieselbe war außerordentlich gut bestickt. Der ReichstagSabgeordnete des Kreises, Genosse Fritz Zubeil, sprach über:„Wer muß Sozialdemokrat sein?" In seinem zwelstündigen Bortrage beleucktete der Referent die heutigen politischen und Wirt- chaftlichen Zustände im Deutschen Reiche und forderte die An- wesenden zur regen Mitarbeit für die Verbreitung unserer Ideen auf. Der Vortrag wurde mit großem Beifall entgegengenommen. In der Diskussion ermahnte Genosse 23 o l l e r m a n n die Anwesenden zum Eintritt in den neugegriindeten Wahlverein und der Genosse WeiseirlIia»s. Im SperlingZnetz. Residenz. Ganz der Papa. Trianon. Fräulein Josctte— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkcl. Zentral. Unsere blauen JungenS. Luisen. Bartel Turaser. Bernhard Rose. Spree-Mhener. iMletropol. Das mutz man sch'n. »ivollo. Sylvester Schäffer. Epe- zialltäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Eaprice. 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Kis stiih»i« Fülifc v.Kren u. Lipp ich üh, Musik v. P.Lincke. Anfang 8 Uhr. Kleine Preise. Theater des Westens. 8 Uhr: Die lustieo Witwe. Sonntag nachm. 31/, Uhr halbe Preise: IkriihliiigHliirt, Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Slbcnds 8 Uhr: Kaclitasyl. Sonnabend z. erstenmal: Brüderchen. Sonnlag»achnl. 3 Uhr: Jugend. Abends 8 Uhr: Brüderchen. ' LortzingTheater; Abends 8 Uhr: Die lustisen Weiber von Wiodsor. Sonnabend zum erstenmal: Hans Helling: Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig, Hörsaal 8 Uhr; Dr. 0. Thesing: Lobonsbedingungon. Invalidenstr. 57—62; Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelstemo, Nebelflecke. �oJkiarihaS�m Köpenickcrstrafte CS; Abends 8 Uhr. Zum 49. Male: Der Aktienbudiker. ?llt«BerIiner Gesangsposse. Original- Dekorationen und Kostüme der Sver Tägli. Jahre mit Joicsme Dora. Der SMicnbuditer. � MsiirciiHiiijaier. � Direktion: Richard Alexander, Ganz der Papa. Schwank in 3 Alien von Mars und DcsvailliörcS. Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubrniS: R. Alexander. MW MM m t. i Gr. Franksurlerstr. 132. Spj-ee-Athener Von Schwarz-Reiflingen. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Aschenbrödel. Abends: Spree-Athcner. Rixdorfer Theater Bürgersäle, Bergstraste Nr. 147. Sonntag, den 29. Oktober 1907: G a st s p i e l beä Opern» Ensciiiblcs (Theater des Westens) unter Leitung vom Dir. Artnr Below: Die lustip Weiber m Wintlsor. Ansang 7'/, Uhr. Theater Polles Caprice Linienstr. 132, Ecke FrlcdrichstraEo. Zum 27. Male: • Geteilte Liebe• Antidnellanten— Bunter Teil. _ Ansang 8 Uhr. Tpianon-Tlieater. Mein iosette- ineitie Fim Anjang 8 Uhr. ■• Kasino-Theater. Loihringerstr. 37. Täglich 8 Uhr: Unt noilj kurze M! Die wilde Ja�d. Lustspiel in 4 Alten v. Ludwig ,�alda. In Vorbereitung: Bicdcrlente. ountag nachm. 4 Uhr: Rick Garte erlinkfgllk-Ii'io. foltx Scbtuer U Strtliuiuitr.l. Luisen-Theater ReichenSergerstr. 34. Abends 8 Uhr: karte! Curafcr. Geschlossene Vorstellung."99 isonnabcnd 4 Uhr: Hansel u. ffiietel. Abends: Die beiden Neichenmüller. Sonntag 3 Uhr: Carmen. Abends: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Muttersegen. Melnpl-Tliesler Anfang präzise 8(Ihr. Gr. Eevua in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Eichard Schnitz. i B.Datinaiida.D.E.WIillbn8|ra.D. Hr. Giipietro. Joseplij Bauchen überall gestattet. Sonntag, 20. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Herren v. Maxim. Neues Programm. Um 9'/, Uhr! Sylvester Schäffer j «ier welthepülunte Universalkünsfls f. der weltherühmte OniversalkiiDStlEr. W.Koacks Theater Direktion: Rob. Dill, vruinienstr. tv. Aus vielfachen Wunsch: Zertretenes Glück. Schauspiel nach dem Roman der „Verl. Morgenpost". Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend zum erstenmal! Der Lumpensammler von Paris._ Passage-Theater. Abends 8—11 Uhr. Danny Gürtler der König derBohSme und das « kolossale Oktoher-Propnun. Sanssouci Kottbuser- StraSo 6. Dir.: Wilhelm Reimer. Heute: Gastspiel der Berliner Volksbühne. Zum Heile d. Menschheit. Komödie in 5 Akten von HanS v. d. Warnitz. Volkstümliche Preise. Sonntag. Montag, Donnerstag: HoffMnBsfioräSäRpr u. Tanzkränzchen. Sonnt. Beg. 5, wochent. 8 U. Gebr. Herrnfeld- Tlieater. 57 Kommaiidantenftrahe Nr. 57. Ansang 3 Uhr. Vorverkauf 11—2. Die erfolgreichsten Lach-K omödien :: seit 17 Jahre»:: HCadameWig-Wag Operettcn-Bnrleskc, Musik von L. Jtal. Lslede dasKachtlefaen! Separee-Afsäre in 2 Alten. Beide Stüde mit den Autoren Auto» und Donat Herrufeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Hcrrnscld. �cMIIsr-TZKcatHi*. Schilter-Thealer 0.(Wallner-Tbeatcr). Freitag, abends 8Ubr: (iiitr, von Bci-Ilcliingen. Schauspiel in fünf Auszügen von Johann Wolsgang v. Goethe. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Herr Senator. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Traniunlnm. Sonntag, abends 8 Uhr- Gütz von Berlichingcn. Schiller-Saal Schiller-Theater Charlctienburg. Freitag, abends 8 Uhr: Hosmersliolni. Schauspiel in 4 Ausz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das vierte tZeikot. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Honna Tanna. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Sclimnggler. Schillcr-Theatcr Charlottenbnrg ortrag: Professor Dr. Richard Sternfeld: Erlä Abends S Uhr Richard Wagner.(2. Teil.) Erläutert durch Instrumentalmusik. Kom ponisten der Neuzeit. Preis für acht Vorträge 4 M., für den einzelnen Vortrag 80 Ps. Sonntag abends 8 Uhr auf vielfachen Wunsch: Heinc-Abend. XIII. Saison. H us eli Komischer Gala-Abend Reckturner am füntfachen Rock. GeSßllW. ilDätO, Leiterakrobaten, Um 9>/z Uhr; Auf der Hallig. Diesj. gi. Ausstatt.-Pantom. des Zirkus Busch in 4 Bildern. Im letzten Bilde: Das Phänomen der tauchenden Sirenen, 15 Minuten unter Wasser. Sonntag: 2 gr. Gala-VorsteU., nachm. 4 Uhr u. abds. 7I/2 Uhr. Zirkus Scliumann Heute Freitag, de» 18. d. Mts.: _ Nur kurzes Gastspiel._ Drittes Austreten von The great Lafavette E ifznjnrFi Variete-Theater Weinbergsweg 13/20, Rcsenth. Tor. Das Seasations-Prograinni arabische Springer Edi Blum, der beliebte Komiker. 12 internation. Spezialitäten. —— Ansang 8 Uhr.— Tunnel: Konzert s.Theaterbes.lrol. lK !k f alast-Theater Burgftrahe 84. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Der brillante Oktober-Spielplan. U. a.: Paula lluvals Hundc-Dresslir. Die 5 Rammoneurs Damen-Ensemble. Gin glänzender Helnfal! Posse. ugpenkageti Morihplah. Täglich Vorstellung N Hew York tr'" ZM- Um 9'/- Uhr:_ Die diesjährige gr. Wasserpantomime: Kill ktest auf dem Neckar. Vorher: Das anerkannt vorzüg- liche Programm. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr und abends 7'/, Uhr. Nachmittags ei» Kind frei. In beiden Vorstellung.: The great I-afaz�ette. Prater- Theater Kastanicn-Allee 7—9. Heute zum erstenmal: Ifamlet. Trauerspiel in 5 Akten v. Shakespeare. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Keine Vorstellung. keichshallen- Theater. Täglich: ir Siier.: Ans. Wochent. 8, Brltton als Ante im Familicn- bad L, Wannsee. onntagS 7 Uhr. 'Anfang 8 Uhr. Entree 50 Ps.\ Sonntags 7 Uhr.(Sonntags I reserviert 1 M., Entree 30 Pf.)[ FamtlicnbillcttS a 40 Pf. t�lich Militär-Konzert. Becker, Przy warSki, Göriich, Neumann, Offeney und Lüttich. Beka»n»tmachttng der gemeinsame» OrtSkrankcn- lasse für Mariendorf und Um- gegend. Die am 19. November 1905 von der Generalversammlung beschlossene Aenderung dcS g 41 dcS Statuts, bclrcsfcnd die Entschädigung der Vorstandsmitglieder und des Vor- sitzenden, ist in dem hierzu gesühricn «lreitvcrsahrcn in der öffciitiichen Sitzung des Bezirksausschusses der königlichen Regierung zu Potsdam am 23. Mai 1907 für die ersteren zu- gestanden, für letzteren jedoch ab- gelehnt und dcmentsvrcchcnd unter dem 23. September 1907 durch den besagten BezirkSauSschud als siebenter Nachtrag zum Statut genehmigt und in Kraft getreten. 278,19 Mariendorf, den 10. Oktober 1907. Gez.: P. Saeilter, �christsührer. Gez.: P. Fischer, Vorsitzender. ! 1000 frisch gesehlaehtele Gänse»msoiist! sind nicht zu haben, aber a Psund 80 Pfennig zu verkaufen Samariter- strafte 21, früher Zcniral-Viehhos. Bcttsedcrn billig, gleich zum Stopsen. 80/10»_ Paul Ifoft. Warmmg! ES ist i» letzter Zeit häusig zu meiner Kenntnis gelangt, daß statt des echte» Kapitän- Kautabaks meist ganz minderwertige Fabrikate verabfolgt worden sind, obwohl ausdrücklich Kapitän- Tabak gefordert wurde. Ich mache insolgedessen daraus aufmerksam, daft der Ramc �Kapitän» für meine Tabake vom Patentamt unter Nr. 75 853 gesel.lich ge- schüvt ist und es daher strafbar ist. andere Marken unter obigem Namen abzusetzen; dieVerbrauchcr meinerKapitän-Tabale bittcich, mirFällesolchcr Art zur Kenntnis zu bringen, damit ich gerichtlich dagegen einschreiten kau». MerliUlale der Echtheit! Die 10 Pf.-Rollen sind stets in Etiquetten verpackt m. d. ülnsschrist: DänischerKapitän-Tabak gesetzlich geschützt Dieselbe Ansschrist tragen die in allen 5 Pf.-Rollen und 5 und 10 Pf.-Schleifen inliegenden Zettel des Kapitän-KautabakS. Kapitän-Kautabak ist in den meisten Zigarrengeschästen läuslich, wo auch kleine Priemdosen gratis zu haben sind.» Berlin. Grüner Weg ll2. Generalvertrieb: Carl Höcker, Fernspr.: Amt VII, 3861. Unserem Kollegen, machet dem Werkzeug- 877b freie volksbiihne Freitag Heute abends 81/« Uhr, im Dnlsen-Theater: 21.(I. Abendabteilung): Bartel Turaser Drama in drei Aufzügen von Philipp Langmann. gSF" Die mtgliedcr der Xachmlttags- abtcllnngen können die Abendvorstellungen b e• Sachen, ohne nochmals Elnschrelbe- g e 1 d bezahlen zu müssen. Ditglledskarten sind In allen Zahlstellen, auch heute abend beim Obmann an der Kasse zn haben. Vorstellungen der 22.(II.)! Abendabteilung: Freitag, den 25. Oktober. 23.(Hl.)„ Freitag, den 15. November. 24.(IV.)„ Freitag, den 22. November. MM" Barte! Turasei*. Die OpernserieünLOFtziUll-ThBSter 23.(HI.) Abendabteilung: Freitag, 25. Oktober, S1/, Uhr. 21.(I.)„ Freitag, 1. November,„ 24.(IV.)„ Freitag, 8. November,„ 1 99.(H.)„ Freitag, 15. November,„ Undine. __ Die Mitglieder der BTachmlttags- abtcilnngen können ohne besondere Nachzahlung eines Einschreibegeldes eine Abendkarte in einer Zahlstelle lösen und die Opern ebenfalls für den Beitrag von 1 1 Mark besnehen. Kächste Opern:„Hans Heiling",„Figaros Hochzeit",„Die weiße Dame",„Die Königin von Saba". Die Abendkarten müssen noch in dieser Woche be- i stellt und aus den Zahlstellen abgeholt werden. Morgen Sonnabend abends 8'/, Uhr im Mozart- Saal: Robert K Schumann-Abend& (Ilerbstfest mit daraulfolgendem Ball.) Festmarken und Gastkarten in allen Zahlstellen. Programm u. a.: Fesi-Ouverluro Uber das Reinweinlied mit Ge-' sang, Tenor: Dr. Leopold Hirschberg; Träumerei(Streich-( konzert); Sonate A moll für Pianoforte und Violine(Konzertmeister Herr Gutdeutsch), Sinfonie No. 4 D moll op. 120; 1 Lieder von Mosen, Eückert, Heine, Hebbel, Mörioke, kom-| poniert von Schumann, gesungen von Frl. Käte Becker. Arbeiter-Radfalirerbiind, Freiheit' I. Kreis Provinz Brandenburg, 2. Bezirk. Sonntag, den 20. Oktober: 6r. ßczirks-fcst im Lokale deS Herrn»aderecbl in Alt-Glienicke bei AdierShof, bestehend in Konzert. Theater. Reigenfahren und Ball. Um 2 Uhr: Korsofahrt durch den Ort.— Ansang des Konzerts nach. mittags 3 Uhr, Kaiieneröfsnung 2 Uhr.— Billett 25 Pf.— Herren, weiche ani Tanz teiln-hmen, zahlen 50 Ps. nach.— Aufbewahrung der Räder kostenlos.— Sämtliche Bundesgenosse» sind hiermit eingeladen. 681b Das Komitee. NB. Von gewisser Seite wird oersucht, dies Fest illusorisch zu machen. Also BundeSgenonen k Die Parole am Sonnlag, den 20. Oktober 1907, sei für jeden: Ans nach Alt-Glienicke. Die Kreisleitung. Kranken-Unterstätzungsund Begräbnisverein für Bauend gewerbliche HQlfsarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 2«. Oktober 1S07, vormittags 10'/.. Uhr, im Lokale von Scbumskzr, Langestr. 65: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1907. 2. VereinSangeiegeiiheiten und Verschiedenes. Arbeiter jeden Berufs, welche das 16. Lebensjahr vollendet und das 50. nicht überschritten haben, werden in der Versammlung vom Rendanten Herrn Paul Schulz ausgenommen. Die Mitglieder iverden ersucht, zahlreich zu erscheinen. NB. Den Mitgliedern zur Kenntnis- nähme, das) der Wirt Paul D i e l i tz, Gubenerstr. 6, sich bereit erklärt hat, zu jeder Tageszeit Beiträge sür unseren Verein entgegenzunehmen. 37/5 Ter Borstand. Grosse Betten 12 Mk. (Oberbett, Unterbett, S Kiffen) mit dappettgereinigten neuen Bett- federn, beffere Letten Ib, 19, L4'Utk.; u/.schl. Letten IS, 20, 23, 29, 36 Mk. u!lj. L erfand geg. Nachnahme. Preis- liste. Proben, Verpackung kostenfrei. Gustav Lustig, Äfü,« k«rSbt.Sp-iial-SeichSftDeutlchl. „Berliner Netter- Baillalirer-FereiB" Mitglied des Arbeiter» Radfahrer-Bunde» »Solidarität». Touren Sonntag, den 20. Oktober. 1. Abt. 9 und 1 Uhr: Papenberg. Start: Bülowstr. 53. 2. Abt. 1'/, Uhr: Großbeeren (Heinze). Start: Fontane-Prome- nade 15. 3. Abt. 8 Uhr: Streifzüge durch den Osten. U/. Uhr: Kartoffel» und Heringstour Huschgarten(Wilh elmS- hos). Start: Mariannen-Platz. 4. Abt. 1 Uhr: Johannisthal (Senftleben). Start: Küstriner Platz. 5. Abt. 8 Uhr: Grünheide. 2 Uhr: Mittelpunkt der Erde. Abends 8 Uhr: Famitienabend Weberstr. 17. Start: EIhsium. 6. Abt. 8 Uhr: Rüdersdorf(Gräve). VI, Uhr: Alt-Glinicke. Start: Ge- nossenlchast, Oderberaerstratze 30. 7. Abt. 12 Uhr, 8. Abt. 1 Uhr nach Alt-Glienicke. Start 7. Abt.: Grenzstr. 21. 8. Abt.: Waldstt. 8. 9. Abt. 12'/, Uhr: Hirschgarten (Wilhelmshos). Start: Schilling- stratze 22. 22/3 Tonnerstag, den 24. Oktober. abends 8'/, Uhr: General-Versammlung in Bockers Fcstsälcn, Weberstr. 17. Der Vorstand. BinZZste Bezugsquelle für Wonats-Qarderoben. Die schönsten Herren-Paletot» und Ansiige in getragener, speziell Monatsgarderobo von 9 M. an. Von Kavalieren ge- 2 tragene Sachen, fast neu, für jede Figur psssend, speziell Bauch- 2 anzüge sowie Knaben- und Dnrsehen- Anzüge und Arbeiter-trnvderobe sind in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben. 78/18* K* Klef e tbaum, frinzenstr. 33'ÄSÄ2 1 Bitte auf die Hausnummer zu achten.—» Fritz Michaelis»»* Frau die Herzlichsten Glückwünsche zum Hochzeitstage. vis abgeschobenen Slocireraner bei Siemens: M. H. F.B. F.u W. Kl. R.Pf. Fritze, der Tipp ist totsicher. Zentraiverbllnd d. Hand-� schuhmacher Deutschlands. Ortsverein Berlin. Nachruf! Hierdurch zur Nachricht, datz unser langjähriges Mitglied, der Kollege Paul Lebmlät plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 298/9 0er Ortsvorsland. Beulscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Kachrnf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unsere Mitglieder, der Schlosser Wilkelm Labrlel und der Klempner Waldemar Nieschewski gestorben sind. Ehre ihrem Andenken! 154/5 Ole Ortsverwaltung. Jeutralverdaud deutscher Krauereiardkiter Zweigverein Berlin. Sektton H. Am DtenSlagnachmittag starb nach kurzem Kwankenlager im Aller von 28 Jabre» unser Kollege, der Flaschenkellerarbetter Willi Wiese. (Unions-Brauerei.) Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Frettag, den 18. Ottober, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS St. Elisabeth- KirchhoseS, Prwzen-Allee, aus statt. Um rege Betelligung ersucht 42/17 Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahm« sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes 88LL Paul pieklce sage allen verwandten. Freunden und Bekannten, den Kollegen und Kolleginnen der Firma Imme u. Löbner. sowie dem Deutschen Metallarbeiter- Verband und dem Sozialdemokratischen Wahlverein zu Rixdors meinen tiesgesühlten Dank _ Frau Pictke geb. Kiest. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Schub- machenneisterS 679b Prltz Ebrke sage ich allen Freunden und Be- kannten, insbesondere dem Herren Manasse für die trostreichen Worte, den Genossen des 6. Kreises sowie dem Gesangverrein.Nord* meine» innigsten Dank. Witwe Henriette Ebrke. Tanksaaung. ür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS und gute» BaterS 38SL Ulbert Kutschers sagen wir allen Freuden und Be- kannten sowie dem Verband der sreien Gastwirte unseren herzlichen Dank. Martha Katscbera nebst Tochter. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, sage allen Genossen, Bekannten und Verwandten, ins- besondere den Botenfrauen der Spedition MarS, den Genossen dcS 515. Bezirks sowie dem Gesang- verein.Nord* meinen innigsten Dank. 3S0L Gustav Philipp und Tocbtcr. Dp. Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden Priiizenstr.41,ÄP�. 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4. Hndreasgartcn Andreasstraße 26. Empfehle meine Räume zu Ver- sammlungeii und Festlichkeiten aller Art. Gute billige Küche, gut gepflegt' Biere. Fremdenlogis. Jeden Sonntag Tanz bei freiem Entree. MiltagStisch von 60 Ps. an, mit Bier. 391L» F. Merkowskt. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Snseratenteil vermttw.: Th. Alecke, Verlin. Krück u. Berlag: Vorwärts ivuchdnickerel u. VeriagSanstal: Paul Singer Sc Co., Berlin SW.