Ar. 345. übonnementS'Bedlngungen: MonnemeiltZ> Preis priinumerando, Werteljährl. Z.ZV tßlt., monatl. 1,10 Mk., wöcheiuiich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Slununcr 5 Pfg. Sonntags- nununcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2.Marl, für daS übrige Ausland Z Mar! pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänsmarl. H lland, Italien, Luxemburg. Portugal. RulstSnien. Schweden und die Schweiz. S4. Jahrg. Crfchttot täglich auscr Montag». Derlinev Volklsblstk. VIe snIeltionz-cZebUhl beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche BcreiuS- und BersammlungS-Anzeigcn 80 Pfg. „Aleine Hmcigcn", das erste lsctt- gedruilte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- ftcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „S»I e s ch a l t e t als im Jahre 1906, wo die bestimnienden h ntscheidungen über die Höhe der Produktion. der Auslandsverkäufe, der Preise, über die Gewährung von Kredit, von neuem Kapital, über die Gestaltung der Lö.hne und Zinssätze in der Hand weniger Persön li ch leiten vereint waren, die an der Spitze der deutschen Großbanken, der industriellen Großuuternehmungen und der großen Kartelle standen. Diesen großen Interessengemeinschaften ist denn auch der reiche Segen der Hoch- und Weltkonjunktur in er st er Linie zugute gekontmen, und zivar waren die Vorteile um so größer, je syndizierter die betreffende Industrie war." Der daS sagt, ist kein Sozialist, sondern seines Zeichens ein hoher Beamter im auswärtigen Dienste des Staates Oesterreich-Ungarn— der k. k. Generalkonsul in Berlin, und der Ausspruch ist in dem eben veröffentlichten Berichte des Generalkonsulats zu lesen.— Aus mehr als einem Grunde darf es die deutsche Arbeiter- schaft interessieren, die Anschauungen dieses Mannes, der die Aufgabe hat, das deutsche Wirtschaftsleben zu studieren, kennen zu lernen. Denn ohne Zwang wird sich dabei die Ueber- zeugung ergeben, daß die Eutwickelung des Kapitalismus auch feinen amtlichen Befürwortern eine niit heimlichein Gruseln gemischte Bewunderung einzuflößen beginnt und daß die von sozialistischer Seite geäußerten Bedenken sich auch im Urteil eines ganz unverdächtigen und wohlwollenden Bc- obachters widerspiegeln. So wenn er betont, daß sich der erstaunliche Aufschwung „trotz der oft h e in m e n d e n politischen Momente" —„wie sie besonders in der Marokkofrage hervor- traten"— und„trotz der neuen, für viele Industrien gegen die früheren Verhältnisse ungünstigen Handelsver- träg.e" vollzogen hat. So wenn er ganz diskret, aber ver- ständlich andeutet, daß der Anteil Deutschlands an der internationalen Prosperität ohne jene Momente eigentlich größer gewesen wäre als er in Wirklichkeit ist. Denn während sich der Export Deutschlands gegen das Jahr 1905 um 393,5 Millionen Mark(--- 7 Proz.) steigerte, hob sich die Aus- fuhr der Vereinigten Staaten von Nordamerika im Berichts- jähre 1906 um 727,8 Millionen(— 11 Proz.), die Großbritanniens um 931,2 Millionen(— 14 Proz.)—„obgleich in den letzten zwei Jahren gerade englische Ausfuhrwaren durch die erhöhten Zollsätze verschiedener Länder betroffen worden sind". Aber immerhin, meint der Bericht: Deutschland, d. h. seine Kapitalisten(in e r st e r Linie natürlich jene bloß 50 Köpfe starke Gruppe l) kann zufrieden sein, und er beweist dies an der Hand der Erträgnisse des riesig gesteigerten Eisenbahnverkehrs und des schier märchenhaften Aufschwungs der Roheisenerzeugung und Kohlenproduktion. Daß es sich in der Tat wesentlich uin eine bisher nicht erlebte Bereicherung einer verhältnismäßig kleinen Gruppe handelt, ist unschwer verständlich zu machen. Mißt man nämlich die Rentabilität derGroßindustrie an den Dividenden der Aktiengesellschaften, deren Werte an der Berliner Börse gehandelt werden, so ergibt sich, daß die im Jahre 1906 be- stehenden 460 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von rund 2.8 Milliarden Mark eine Dividendenernte von 291,98 Millionen abwarfen. Das heißt: Abzüglich der Reservefondsvermehrungen, Abschreibungen und Dotationen (die gleichfalls in die Millionen gehen) hat die durchschnittliche Dividende 10,53 Prozent betragen!, Wie mag jenen 50 Großbankiers das Herz gelacht haben, als sie diese fette Dividende heuer einstrichen? I— Dabei ist es von besonderen! Interesse, im Berichte zu lesen, daß die Riesenprofite z u n ä ch st aus der gewaltigen Bedarfssteigerung des Inlands Marktes gezogen wurden, und daß die günstige Konstellation des Weltmarktes erst in zweiter Linie die heimische Produttion zur Entfaltung ihrer Kräfte angeregt hat. Das ist um so wunderbarer, als sich bekanntlich die Hebung der Kaufkraft der inländischen Verbraucher� nn wesentlichen auf die Landwirtschaft beschränkt und größten- teils auf Kosten der arbeitenden Bevölkerungsschichten voll- zogen hat. Wie erst würde der Konsum im Julande in die Höhe schnellen, wenn sich diese Förderung der Kaufkraft auf die proletarischen Massen, das heißt auf jene Millionen erstrecken würde, deren Bedarf heute mit aller Ge- walt— siehe Koalitionsrecht, Dreiklassenwahlsystem, §ustizpflegs usw.— niedergehalten wird. Der Herr eneralkonsul verschweigt dies auch nicht, wenngleich er natürlich weit entfert ist, sich darüber offen aus- zulassen. Aber genügt es etwa nicht, wenn die„empfind- liche Verteuerung der Lebenshaltung, die wesentlich veranlaßt und bedingt ist durch die Zt?ll- und Handelsverträge", als ein„unerfreuliches Moment" bezeichnet wird? Und wenn er ausdrücklich konstatiert:„Die Verteuerung der Lebensmittel hat notwendigerweise die günstigen Wirkungen, welche die Einkonimenssteigerung auf die Kaufkraft gegenüber den Erzeugnissen der Industrie ausübte, zu einem großen Teile wieder aufgehoben. Sie nötigte zur Ein- schränkung des Verbrauchs an gewerblichen Erzeugnissen." Nicht weil wir etwa uns der Illusion hingeben, durch die Zitierung dieser Urteile unsere gouvernementalen Wirtschaftspolitiker überzeugen zu können, führen wir sie hier an, sondern um zu zeigen, wie weit sie hinter diesem aus- ländischen Beamten an Einsicht und Verständnis für die ökonomischen Erscheinungen zurückstehen.— Mit der erwähnten Einkommenssteigerung ist es freilich nicht Iveit her. Sie blieb, wie der Bericht an der Hand der neuesten Ergebnisse der preußischen Einkommen- steuerstatistik nachweist, auf die Schichten mit einem steuerpflichtigen Einkommen von mehr als 3000 M. beschränkt. Denn während das unter dieser Grenze gelegene Durch- schnittseinkommen eine Neigung zum Sinken hat, zum mindesten aber relativ unverändert bleibt(1902: 1348; 1903: 1344; 1904: 1341; 1905: 1339; 1906: 1339), zeigt sich bei den über 3000 M. gelegenen, also höheren Einkommensklassen eine Steigerung von 8893 auf 9081 M.! Dabei ist der Anteil dieser Klassen an der Gesamtbevölkerung mit 1,4 Proz. unverändert geblieben, der- jcnige der Einkonimensklassen unter 3000 M. dagegen von 10,7 auf 11,3 Proz. gestiegen.— Aber lassen wir die Statistik. Wir wissen, daß die Steigerung von Einkommen im kapitalistischen Staate keine Verschiebung in den Eigentumsverhältnissen bedeutet und daß ihre Beurteilung nur relativ, d. h. in Relation zu den Waren-, insbesondere den Lebensmittelpreisen zu richtigen Ergebnissen führt. Was nützt es, von einem„Aufsteigen der niederen Einkommen" zu saseln, wenn es durch das gleichzeitige Enipor- schnellen der Preise wichtiger Bedarfsartikel nicht einmal darüber hinwegtäuscht, daß sich die proletarischen Massen in der alten Tretmühle befinden? Der Herr Generalkonsul weiß was er sagt, wenn er an die„Gegenwirkung" der„zu un- glaublicher Höhe" gestiegenen Fleisch- und Getreideprcise erinnert und„in diesem Zusainmenhange" erwähnt,„daß die Maßnahmen der Staatsgewalt, die im abgelaufenen Jahre den geschäftlichen Verkehr mit einer ganzen Reihe neuer Steuern belastet hat, auf eine Verteuerung der gesamten Gütererzeugung hinwirken". Er wird damit iveder die offiziellen'Wirtschaftspolitiker Preußens, noch die Oester reichs belehren.— Noch eine charakteristische Ziffer zum Schluß: Die Gründungstätigkeit war 1906 noch lebhafter als im Vorjahre, indem seinerzeit bereits die Zahl der neu- gegründeten Aktiengesellschaften erheblich gestiegen war. Es gab Neugründungen 1903: 84 mit 300 Millionen, 1904: 104 mit 140,65 Millionen. 1905: 191 mit 386 Millionen. 1906: 212 mit 474,51 Millionen Mark. Diese Kapitals- Vermehrung wurde auch durch die hohen Diskontsätze nicht gehindert. Der Herr Generalkonsul, der auch für die Zukunft den Herren Kapitalisten gutes Wetter prophezeit—„wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse politischer oder sozialer Art die EntWickelung plötzlich hindern"— meint, daß die Verantwortung für einen Krieg sowie auch für einen Zollkrieg bei der zunehmenden Verschärfung des wirtschaftlichen Wettkampfes auf dem Weltmärkte immer größer geworden ist, womit er vollständig recht hat. Bleibt nur die Frage, ob auch das Verantwortlichkeitsgefühl der Herrschenden dem- entsprechend größer geworden ist! oder ihre Bildung durch Zeugnisse nachweisen, die für den ein- jährig-freiwilligen Militärdien st genügen. Das neue Wahlrecht charakterisiert sich also als skandalöse Benachteiligung der nichtbesitzenden Mehrheit des Volkes! Zunächst wählen die Kommunalverbände 4v Abgeordnete. Da in den Städten die Stadträte und Stadtverordneten wählen, ist jede Aussicht für die nichtbesitzende Klasse ausgejchlossen, Vertreter ihrer Interessen durchzubringen. Und die Bezirksversammlungen der Amtshauptmannschaften bestehen zu einem Drittel aus den Hoch st besteuerten des Bezirks(mindestens 300 M. Staatssteuer) und zu zwei Dritteln aus den Abgeordneten der in dem Bezirke liegenden Städte oder Landgemeinden, meist also Bürgermeistern oder Gemeindevorständen. Auch hier ist also die arbeitende Klasse völlig entrechtet. Die Besitzenden, die dergestalt also die Hälfte aller Mitglieder der Zlveiten Kammer wählen, wählen dann noch einmal bei den Verhältniswahlen mit, ans denen 42 Abgeordnete hervorgehen. Um ihnen aber ein dreifaches Wahlrecht zu sichern, ist bei der Verhältniswahl nicht daS gleiche Wahlrecht, sondern das Zweistimmenwahlrecht für die Wähler mit höherer Bildung und Einkommen von mehr als 160V M. vorgesehen I Von den rund 6ö0000 Wählern besitzen mehr als SOOOOO, also 80 Proz. weniger als 1600 M. Einkommen. Sie haben alle nur eine Stimme gegenüber dein drei-, ja(infolge des kommunal- ständischen Wahlprivilegs) vielfachen Stimmrecht der B e- sitzenden! Und wie steht eS speziell mit der Vertretung des sozial- demokratischen Proletariats? Die Regierung rechnet damit, daß die Sozialdemokratie 45 Proz. aller Wähler umfasse, d. h. 296 000 Wähler, also inklusive 18 000 Pluralstimmen 314 000 Stimmen. Ihnen stände» dann 360 000 Wähler gegenüber, die infolge des Pluralstimmcnrechts 570 000 Stimmen abzugeben hätten. Es würden danach im günstigsten Falle 15 sozialdemolratische Abgeordnete gewählt werden, denen 27 bürgerliche Abgeordnete gegenüberständen, oder vielmehr einschließlich der 40 Abgeordneten der Kommnnalverbände 67 Abgeordnete der besitzenden Klasse! Die 45 Proz. sozialdemokratischer Arbeiter hätten also nur Anspruch auf 20 Proz. der Abgeordneten, während die übrigen 55 Proz. nicht weniger als 80 Proz. der Abgeordneten stellten. Ein wahrhaft skandalöses Wahlrecht! Und gerade dcZ- Ivegen ein Vorbild für Preußen! Mio«loch verrat?! Sie lächiliche Aahlreforw. Der Zweiten sächsischen Kammer ist gestern der Entwurf des Wahlgesetzes zugegangen. Dieser Entwurf deckt sich vollständig mit demjenigen, der bereits im Juli veröffentlicht worden ist. Das neue Wahlgesetz soll so aussehen: Die Zweite Kammer soll aus 82 Mitgliedern bestehen. 40 Abgeordnete werden von den Kommunalverbänden ernannt und 42 Abgeordnete werden geheim und direkt unter An- Wendung des Pluralwahlrcchts im Wege der Verhältniswahl be- stimmt. Bei der Wahl durch Kommnnalverbände sind die a m t s- hauptmannschaftlichen Bezirksversanimlungen, in den Städten Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Zlvickau Stadt- rat und Stadtverordnete in gemeinschaftlicher Sitzung Wahllörper. Bei der V e r h ä l t n i s iv a h l bilden jeder amtshauptmann- schaftliche Bezirk und die Städte Plauen und Zwickau je einen, Dresden und Leipzig je fünf, Chemnitz drei Wahlkreise. Stimm- berechtigt ist jeder Staatsangehörige, der in Sachsen eine direkte Staatssteuer entrichtet, bei Abschluß der Wählerliste das 25. Lebens- jähr vollendet hat, seit mindestens sechs Monaten am Ort der Listenaufstcllung Wohnsitz oder Aufenthalt hat, mit der direkten Steuer nicht länger als zwei Jahre i in Rück st ande ist und im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Eine zweite Stimme haben diejenigen Wahlberechtigten, die einen be- stimmten Grundbesitz haben oder von mehr als 1600 Mark Einkommen staatliche Einkommensteuer zahlen Herr Barth hat bekanntlich den Vorschlag gemacht, das Experiment zu machen, vom Block eine wenn auch noch so winzige und selbstverständliche liberale Errungenschaft zu er- halten. Die Liberalen sollten vom Fürsten Bülow die Ein- bringung eines Notgesetzes in der nächsten Landtagsscssion fordern, das für die preußischen Landtagswahlcn das geheime Wahlrecht einführt. Diese Forderung sollte in der schon lange vorbereiteten Frankfurter E ini gung s v er s a mm- l u n g, an der Mitglieder aller drei„entschieden freisinnigen" Fraktionen teilnehmen werden, feierlich und demonstrativ er- hoben werden. Diese Versammlung soll nun demnächst stattfinden. aber a n d e r s als Barth sie sich gedacht hat. Es sollen nämlich nicht nur die D c l c g i e r t e n für die Versamntlung, an der nur Parlamentarier teilnehmen, vorher bestimmt wer» den, sondern auch die Referenten, unter denen Herr Barth nicht sein wird. Zur Erhöhung der Feierlichkeit der Versammlung findet aber keine freie Diskussion statt, und die Veranstalter werden dafür sorgen, daß der Vor- schlag Barths, wenn irgend möglich, gar nicht erwähnt' wird. Keinesfalls wird sein Vorschlag von den Libcrnlew ausgenommen werden, jede Aussprache darüber wird ver- hindert werden! Die Herren werden das„liberale Banner aufrollen", den Gedanken der Einigung des Liberalismus feiern, sie werden von ihren„Prinzipien" sprechen und ihrer„Unentwegt- heit",sie werden es aber sorgfältig vermeiden, auch nur das geringste Positive zu fordern! Sie wollen den Blockfriedcn nicht stören, wollen den Konservativen nicht die geringste Ungelegenheit bereiten, kurz das winzige, was Barth von ihnen erwartet hat, nicht leisten. Sie werden in der preußischen Wahlrechtsfrage recht ab- sichtlich zum Schein„alles" verlangen, entschlossen,„nichts" durchzusetzen! Es wird eine Komödie mit verteilten Rollen gespielt werden, unwürdiger, verlogener und heuchlerischer, als sie je auf einem Katholikentag zur Schau gestellt wurde. Der Freisinn kopiert in der Blockära eben'das Zentrum, wenn es gilt, durch demagogische Scheinmanöver das Volk zu täuschen und sein Urteil zu verwirren. Wir sind übrigens neugierig zu erfahren, wer sich von den freisinnigen Führern zur Rollenübernahme in dieser Komödie wird verleiten lassen. Es wird so leicht erttärlich, daß Hcrr Kopsch in der Versanimlung in Lichterfelde, von der wir an anderer Stelle berichten, in tödlicher Verlegenheit nach Ausflüchten suchte, als er nach der Stellung seiner Partei zur Wahlrechtsstage gefragt wurde. Die Partei bereitet sich vor. ebenso zu kneifen, wie Herr Kopsch gekniffen hat. und will auf dieser Flucht die Freisinnige Vereinigung und die Süddeutsche Volkspartci mit- ziehen. Das ist das Resultat der„liberalen Einigung", für die sich ehrliche Ideologen so lange begeistert haben: Die Korrumpierung des letztenResies der bürgcr- lichen Demokratie durch die geistlosen Sozialistenfresser und Junkerkncchte, die immer mehr in der Freisinnigen Volks- Partei das große Wort führen l_ IflaroWto. «ul Tanger w?rd uns geschrieben: DaZ Blut, das in Marokko fliegt, das schwere Geschick, daZ seine Bevölkerung erleidet, die Opser, die dem völlig bankerotten Machsei: auferlegt werden, dienen weder einem moralischen, noch einem zivili- satorischen Ideal, noch dem Fortschritt oder irgendeinem aus- richtigen Wunsche, daS Schicksal des Landes zu verbessern. Marokko ist die Beute der Finanziers, der Jobber, der Geschäftemacher. Sultan Abdul Aziz ist in die Enge getrieben. Die Geldfrage macht ihm zu schaffen und beherrscht ihn vollständig. So hat er sich denn mit Leib und Seele in die Arme der Franzosen geworfen, weil es die Franzosen sind, die ihm Geldmittel liefern. Mit einem Worte, der Sultan ist dabei, sein Neich hypothekarisch zu verpfänden. UcbrigenS vollzog sich seinerzeit unter ähnlichen Umständen die Besetzung von Tunis. Der gegenwärtige Vertreter Frankreichs in Marokko, Herr Rcgnault, war damals Sekretär NoustanL, des Generalkonsuls und späteren Residenten Frankreichs in Tunis. Beim Falle Roustans setzte Regnault seine Tätigkeit in Tunis fort, und zwar nunmehr in Sachen der öffentlichen Schuld. Als Marokko im Jahre 1904 sich auch schon Schulden zulegte, erschien Regnault auch hier in der Rolle eines Delegierten der Inhaber der Anleihe-Schuldscheine in Höhe von 60 Millionen. Von diesem Posten kam er ohne Ucbcrgang auf den Posten des Bevollmächtigten von Frankreich! Man nennt ihn„Vertreter Frankreichs". In Wirklichkeit ist er der Vertreter der französischen Banken, oder um eS ganz deutlich zu sagen: der internationalen Banken. Die Finanzgruppe, die sich auf Marokko gestürzt hat wie cjn Schwärm von Geiern, setzt sich aus drei Gruppen zusammen: Delegation der Darleiher Jmmobilicngesellschaft, Staatsbank. Zwei große französische Banken, die Bank von Paris und den Niederlanden und das Comptoir National d'Escompte agieren hinter den Kulissen. Für die öffentlichen Operationen, für die Spekulationsbeteiligung des Publikums sind die Compagnie 'Algerienne und der Credit foncier et agricole de l'AIgerie da. Ich lasse eine Menge anderer Gesellschaften und Banken von gc- ringerer Bedeutung, die diesen Markt absuchen, unberücksichtigt.— Wie kann sich nun Marokko gegen eine solche Macht verteidigen? Wir alle hier, Eingeborene oder Nichtcingeborcue, sind der Gnade der Geldherren ausgeliefert; s i e sinds, die über die Geschicke dieses Reiches, über unsere Interessen, ja über unser Leben bestimmen. Gegen Ende des Jahres 1966 gab die Loeiete Irnmobiliere Aktien im Betrage von zwei Millionen heraus, die in ihrem Porte- fcuille blieben. Es handelte sich darum, sie schnell steigen zu lassen, um so der Spekulation einen„reinen" Gewinn von 3 oder 4 Milli- onen zu verschaffen. Die Besitzungen dieser Gesellschaft befinden sich innerhalb Tangers. Man gedachte nun eine plötzliche Landung französischer und spanischer Truppen herbeizuführen, die die ge- nannten Besitzungen mit einem Schlage in die besetzte Zone gebracht hätten: Eine unmittelbare Wertsteigerung der Grundstücke wäre die Folge gewesen! Um das zu erreichen, mobilisierte man die fran- zösischcn und die spanischen Geschwader. Am 20. Dezember sollte die Landung stattfinden; aber der spanische Admiral Matta wider- fetzte sich energisch, denn„er sah den Grund nicht ein."— Ter Coup mißlaug also. Man mußte eine günstigere Gelegen- hcit abwarten. Aber in Tanger bot sie sich nicht. Man fand sie in Easablanca. Man hat eine blühende Stadt bombardiert, massa- lriert, geplündert, zerstört. Man hat das Land im Umkreis von 20 Kilometer verwüstet. Man hat die Araber durch Melinit auf weite Entfernungen getötet— alles auf Kosten des marokkanischen Staatsschatzes, den man natürlich verpflichtet, alles zu bezahlen: Entschädigungen, die militärischen Kosten usw. Auf diese Weise kommt zu den alten Staatsschulden eine Schuld von mehr als 100 Millionen hinzu, die das„marokkanische Marokko" niemals zu zahlen imstande sein wird. Angesichts dieser schrecklichen Krise entstand im Süden eine nationale Bewegung, deren Haupt Mulay Hafid ist. Der arme Mulay Abdul Aziz aber, beängstigt durch den Mangel an Mitteln und die ständig wachsende Schuld klammert sich an Herrn Regnault und bewilligt ihm alles, alle?— auch das Protektorat, wenn er nur Geld schafft. Die Kapitalisten triumphieren auf der ganzen Linie. Was die Franzosen durch die Diplomatie nicht erreichen konnten, erhalten sie durch das Konsortium der Banken. Auf Kosten des ruinierten, verelendeten Volkes, f das in Hütten lebt und sich, man weiß nicht wovon ernährt, auf Kosten dieser Masse, die die Veziere ausbeuten und die scherifische Oligarchie auf der niedersten Stufe der Erniedrigung und des Elends hält, rafft das reiche Europa Reichtümer zusammen, macht es Gewinne und große Dividenden, und alles das wohlverstanden unter dem Deck- mantel eines„humanitären" Werkes und eines„Reform"- Unternehmens. Das ist die wahre Situation in Marokko. Man darf sich nicht mit leeren Worten betrügen. Niemals hat das Kapital mit solcher Unverschämtheit und Frechheit seine Macht gebraucht. Man vergleiche die Situation Marokkos von jetzt vor sechs Jahren mit der von heute, und man sieht die Wirkungen der euro- päischen Politik. Die inneren Verhältnisse des Landes haben sich nicht geändert, aber man spürt den unheilvollen Einfluß äußerer Ursachen, die das Verderben, die Verarmung, den Bankerott des marokkanischen Staates herbeigeführt haben. Eine Bande skrupel- loser Abenteurer hat Marokko als ihr Betätigungsfeld gewählt. Uni die niederträchtigsten Maßnahmen zu rechtfertigen, hat man die Notwendigkeit von„Reformen" vorgeschoben. Gewiß, alle Länder, alle Gemeinschaften haben Reformen nötig. Aber diese müssen angemessen und logisch sein. In Marokko ist man in den Unsinn, ins Absurde verfallen, indem man vollständig von den wahren Notwendigkeiten und den wirklichen Bedürfnissen dieses Volkes absah. Die Gleichgültigkeit Europa? bor dem, was hier geschieht, ist einfach verbrecherisch. Um der Ehre der Menschheit willen sollte man nicht mehr dulden, daß gierige, diebische Finanziers unter Gefährdung des europäischen Friedens, nur um ihre Habgier zu befriedigen, es unternehmen, eine ganze Rasse, ganze Völler zu vernichten, die nichts verlangen, als ruhig zu leben. • Paris, 18. Oktober. Wie hier verlautet, hat der gestrige Ministerrat infolge der Darlegmigcn des Ministers des Aeußcrcn Pichon über die politische und finanzielle Lage Marokkos nunmehr den Entschluß gefaßt, die Aktion des SnltanS behufs Ve- fcstigung seiner Autorität und Wiederherstellung der Ordnung zu unterstützen. Mehrere Blätter meinen, eS sei klar, daß diese Unter- stützung auch finanziellen Beistand in sich schließe.... PariS» 18. Oktober. Wie aus Easablanca gemeldet wird, be- suchte der Marabut von Tadelat den General Drude an der Spitze einer Mahalla. Der Besuch wäre bedeutungsvoll, weim nicht d, e Aufrichtigkeit der Besucher zweifelhaft lväre. Die Mahalla Mulay HafidS verließ Settat und lagerte sich, 23 Kilometer von Easablanca entfernt, in der Nähe der Mahalla des Marabuts von Tadelat. General Drude hat feine BorsichtS- maßregeln verschärft. London, 19. Oktober. Nach einer Meldung aus Casavlanca hatte General Drude gestern eine Unterredung mit den Vertretern verschiedener Stämme ans der Umgebung CafablancaS, worin diese ihre Unterwerfung angeboten haben. London, 19. Okiober. Ein Telegramm anS Tanger berichtet, daß die Mahalla, welche vom Sultan Mulay Hafid gegen den Kaid Anfons iowie gegen die Stadt Mogador entsandt wurde, bei Haba eingetroffen ist. In Mogador legen die Einwohner Zeichen großer Unruhe an den Tag. Der Gouverneur trifft Vorbereiiimgen, die Stadt zu verlassen aus Furcht, Mulay Hafid in die Hände zu fallen. Der französische Konsul hat ein Kriegsschiff nach M a z a g an entsandt,«in dort die Unterstützung französischer Kriegsschiffe zu erbitten._ politische deberllcht. Berlin, den 18. Oktober 1907. Die Vorbercitimg des Verrats. Zu dem geplanten Verrat der Freisinnigen, über den wir an anderer Stelle berichten, stimmt es ganz auffallend, daß die Blätter der Freisinnigen BolkSpartei, wie die„Freisinnige Ztg." und die„ V o llS z ei tun g", den Bartbichen Vorschlag völlig tot- geschwiegen haben. Erst heute konstatiert daS„Verl. Tagebl." wieder, daß„freisinnige Zeitungen, die als Organe von Fraktion s- Politikern bekannt sind, das Stadium der stillen Ueberlegung" über den Vorschlag Barths noch nicht passiert haben. In dieser Selbst- zensur gehen diese Organs noch weiter als selbst viel mehr rechts stehende Organe. So hat die„National-Ztg." Barths Meinung sehr vernünftig gefunden, während die„Köln. Volksztg." erklärt, daß das Zentrum mitgehen müsse,„verstehe sich ganz von selbst". Aber das Schweigen der freisinnigen Organe— nur die„Weser- zeitung" ist für Barths Vorschlag eingetreten— ist sehr rasch er- klärt. Es ist nichts anderes, als die Vorbereitung für den Verrat, der in Frankfurt sich vollziehen soll. Der Freisinn aber handelt da nur auf Befehl der„Deutschen TageLztg.", die ja erst kürzlich dekretiert hat:„Daß der Reichskanzler auf diesen Plan nicht eingehen kann, liegt auf der Hand". Und da daS Bündlcrblatt Herrn Barth des neu erfundenen Verbrechens der„Störung des Blockfriedens" beschuldigt hat, so darf eben der Freisinn mit diesem Verbrecher keine Gemeinschaft mehr, halten. Beim Freisinn genießt die Knute Herrn Oertels den gebührenden Respekt. Wenn aber, wie die„Voss. Ztg." stolz erzählt, der Ab- geordnete Reinhardt Schmidt gestern abend in einer Ver- sammlnng des liberalen Bürgervereins in Elberfeld mitgeteilt hat, daß die Partei sofort nach dem Zusammentritt des Landtags ihren alten Antrag auf Einführung des Reichstags wähl- rechts in Preußen von neuem einbringen werde, um dadurch möglichst schnell eine Stellungnahme der Regierung zu der Wahl- rcchtsfrage herbeizuführen, so wird das wahrhaftig keinen Menschen mehr täuschen. Wir erinnern uns, daß die Herren den Antrag bereits in der letzten Session eingebracht haben, ohne das geringste für seine Be- ratung zu tun. Aber auch mit einer Beratung, zu der ja die Herren vielleicht von Bülow die gnädige Erlaubnis bekommen haben, ist uns nicht im geringsten gedient. Auf Schaumschlägerei, wie sie vor den Wahlen üblich ist, verzichten wir. Wir wollen endlich unser Recht, und die Liberalen hätten die verdammte Pflicht und Schuldig- keit, dafür zu sorgen, daß endlich in der Frage des gleichen, ge- Heimen und direkten Wahlrechts, das auch eine Forderung ihres Programms ist, etwas geschieht! Da sie statt dessen nur daran denken, den Junkern darin beizustehen, dem Volke sein Recht noch länger zu rauben, so bedauern wir, den Wunsch der„Voss. Ztg.", daß wir aufhören mochten, die Freisinnige Volkspartei eines Ver- ratcs ihrer Prinzipien zu bezichtigen, nicht erfüllen zu können.— Nur konsequent! Die„Berk. Neuesten Nachrichten� polemisieren gegen die Behauptnng, daß die Bestimmung des neuen Vereinsgesetzes über das Verbot der nichtdeutschcn Reden einen Verfassungsbruch bedeute. Dabei sagt das Blatt: „ES handelt sich aber gegenwärtig um ein Gesetz des Reiches, und Reichsrecht geht ohne weiteres über Landesrecht. Mithin kann von eincm VerfaffungS- bruch bei der gemutmaßten Regelung der Sprachenfrage im Reichs- Vereinsgesetz absolut nicht gesprochen werden." Damit stellt sich das Blatt ganz unumwunden auf den Boden unserer Auffassung, daß der deutsche Reichstag ohne weiteres das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Wahl zu alle» Landtagen ohne weiteres beschließen kann! Da eine knappe Majorität für diesen Antrag, für den ja alle Freisinnigen stimmen müssen, vorhanden ist, so ergibt sich so ein einfacher Weg zur Durchführung des gleichen einheitlichen Staatsbürger- rechts in ganz Deutschland!— Kopsch-Kanuitverstan. Der freisinnige Verein zu Gr. Lichterfelde hielt am 17. Oktober eine öffentliche Versammlung ab, in der Herr K o p s ch über das Thema„Blockpolitik und Wahlrecht" sprach. Jedoch wurde der Zu- sammenhang der beiden Gegenstände aus seinem Vortrag nicht recht ersichtlich; Herr Kopsch verteidigte den Block als eine Frucht der bittern Notwendigkeit", des Kampfes gegen Sozialdemokratie und Zentrum; eine Brücke zum Wahlrcchtsthema fand er aber nur dadurch, daß er erklärte:„In der W a h l r e ch t S f r a g e stehen uns die Nationalliberale ll am nach st en". WaS Herrn Kopsch freilich nicht hinderte, gleich darauf zu versichern, daß er ein un- bedingter Anhänger des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts sei. Genosse Kaliski, der zur Diskussion daS Wort ergriff, wies die totale Unfruchtbarkeit der Blockpolittk auf dem Gebiet der Ver- waltung wie der Gesetzgebung in längeren Ausführungen nach und schloß mit der Bitte an den Referenten, ihm folgende zwei Fragen zu beantworten: I. Wie gedenkt sich der Herr Reichstagsabgeordnete Kopsch gegenüber dem Entwurf eines NeichS-VereinSgesetzeS zu verhalten, der polizeiliche Ausnahmebestimmungen gegen Nichtdeutsche enthält? 2. Wie stellt sich der Herr Landtagsabgeordnete Kopsch zum Vorschlag deS Herrn Dr. Barth, von der Regierung die schleunige Einftihrung wenigstens des geheimen Stimmrechts zu fordern und die Nichterfüllung dieser Forderung mit dem sofortigen Austritt des Freisinns aus dem RegiernngSblock zu beantworten? Herr Kopsch führte in seinem Schlußwort bittere Klagen über die Kampfesweise der Sozialdemokratie.„Ich habe das Gefühl," sagte er,„daß m a n m i r Fallen stellen will; ich lehne es ab, diese Fragen zu beantworten". Erst der Zuruf: „Sic sind schon in der Falle!" belehrte Herrn Kopsch. daß Aerger und Verlegenheit schlechte Berater sind. Er begann also vorsichtig, sich mit den beiden peinlichen Fragen zu beschäftigen, blieb aber t m Grunde bei seiner Ablehnung, da er sich auf ein bloßes Herumreden beschränkte. Z. B.: Niemand könne wissen. wie das Vereinsgesetz aussehen lverde:„man zeige mir den Ent- wurs und ich werde sagen, wie ich mich zu ihm stelle". Die Ver- Handlungen deS EinigungSauSschuffeS seien durch schnöden Verrat und schimpflichen Vcrtrauensbruch in die Oeffentlichkcit gezerrt wordenn S vorläufig aufgegeben worden fei. Dazu bemerkt die„Deut f ch c TageS z tg.":„Ein irgendwie ausgearbeiteter Plan zur Teilung hat nie bestanden, konnte also auck nicht aufgegeben werden. Trotzdem wird der Gedanke, ob eine Teilung vorzunehmen sei, gewiß Iveiter erwogen werden. Man darf aber nicht erwarten, daß der neue Kultusminister die schwierige Angelegenheit über S Knie brechen werde. Wenn aber eine Teilung geplant und vor- bereitet werden sollte, so würde eS sich nicht um eine Trennung des Unterrichtsministeriums vom Kultusministerium handeln, da auch der neue Kultus- minister davon überzeugt ist, daß Kirche und Schule zusammen- gehören."_ Regierung und Reichslügenverband. Eine Rednerschule des ReichsverbandeS gegen die Sozialdemokratie ist am Dienstag in Hannover mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet worden. Diese Schule soll dem Reichs- verbände, wie bei der Eröffnung erklärt wurde, scharfe Waffen gegen die Umsturzpartci liefern, und ,nit großer Reklame wird verkündet, daß die Mehrzahl der 23 Schüler Arbeiter seien. Als ob diese höchstens für die Schüler beschämende Tatsache besonders rühmen'- wert wäre. ES sind vielleicht Zöglinge der gelben Gewerkschaften dann sind sie dem RcichSvcrbande auch zu gönnen. Was au der ganzen Sache von einiger Bedeutung ist, sind die Lehrer, die den armen Schülern des ReichsverbandeS Wissen bei- bringen sollen. Unter den Lehrern befinden sich nämlich einige Staatsbeamte, ein Berg rat, zwei Professoren der Technischen Hochschule und eine leibhaftige Exzellenz, ein Generalleutnant! Diesen im aktiven Staatsdienst stehenden Personen die Betätigung ihrer politische» Ueberzeuguug zu verwehren, ist nicht unsere Absicht. Der Reichs- verband ist aber aus keine politische Ueberzeuguug gc- gründet, sein Ziel ist eine maßlose Verhetzimg der Bevölkerung, und indem die Negieruiig hier tatkräftige Hülfe leistet, befördert sie den Neichsverband zu einer Hiilssorganisation der Regicrung und macht sich mitschuldig der Verleumdung gegen die Sozialdemokratie. Nicht nur, daß Staatsbeamte mitwirleu als Lehrer, die Vorträge finden auch in der Technischen Hochschule statt! Arbcitcriuruvereinen wird auf Aufforderung der Regierung die Be- iiutzlmg der den Gemeinden gehörigen Turnhallen verboten! Be- sttebuiigen aber, bei denen es sich»m die Ausbildung im Ver- leumden der Sozialdemokratie handelt, leistet die Regierung Vor- schnb. Das ist die Gleichheit vor dem Gcsctzel Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung vor dem Kriegsgericht. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 17. Oktober: Wie sich in den Köpfen gewisser Behörden die sozialdemokratische Arbeiterbewegung malt, daS ergab eine heute vor dem Kriegsgericht der 8. Division stattgehabte Verhandlung gegen den 31 jährigen Wehr- mann Hermann Möderake von Schweiditz bei Bitterfeld. Der Angeklagte ist von Beruf Maurer, Vater von 3 Kindern, hat sick beim Militär sehr gut geführt und ist bisher inibcstraft. Gelegentlich sciucr letztcn 14tngigcn Uebung im Juli d. I. bei dem Artillerie-Rcgimcnt Nr. 40 in Burg hatte Mäderake S o n n t a g S n r l a u b bekoiümcn. Er ist Vorsitzender der Filiale deS MaurervcrbandeS in Glesien und ging mit Soldatcnhose, Jackett und Hut bekleidet in das Arbeiterkasino, um seinem Schwager, dem Maurer Kreuzmaun mitzuteilen, er möchte sein, des Angeklagten Korn vom Felde hereinhole». Der Aufenthalt in dem Kasino hatte etwa fünf Minute« gedauert; der Angeklagte hatte nur einen Schnitt Bier getrunken und nach Rücksprache mit seinem Schwager sofort wieder das Lokal verlassen, da er noch am selben Sonntagnachmittag zur Uebung nach Burg zurück mußte. Bald nach seinem Weggange kamen der Amtsvorsteher und der Ober- lvnchtmeister in das Lokal, wo'' eine Maurerversammlnng statt- finden sollte. Da aber der Einberufer der Versammlung Möderake, nicht anwesend Ivar, verlangte ihn der Amtsvorstehcr zur Stelle, widrigenfalls die Versammlung nicht stattfinden sollte. Man schickte zu Möderake. Da dieser aber bereits zur Uebung wieder abgereist war, verbot der Amtsvorstehcr die Versammlung. Hübsch wäre eS geworden, wenn Möderake auf Anlaß des AmtsvorsteherS die Versammlung in der Soldatenbüchs gc- leitet hätte. Obwohl das nicht geschehen, wird Möderake beschuldigt, durch Betreten deS KasinoS als be- urlaubter Soldat und durch die Bestellung an seinen SÄwager. vom Korn hereinholen, scuie sozialdemokratische Gesinnung betätigt haben! Der Ankläger sagte, aus den Zeitungen und aus den Berichten über die Parteitage iviffe man, daß Partei und Gewerkschaften eins sind und daß die Gewerkschaften kolossale Summen an d i e P a rt eil a s se ablieferten. Auch der Maurerverband habe eine sozialdemokratische, und nicht bloß eine gewerkschaftliche Tendenz, wie der Angeklagte sage. Der Angeklagte habe der Disziplin einen erheblichen Nachteil zugefügt, weshalb eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten zu beantragen sei. DaS Gericht erachtete Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung nicht als vorliegend, verurteilte den Angeklagten aber wegen verbotwidrigen Besuchens des KasinoS zu acht Tagen Mittelarrest.— Von Rechtswegen! Eine einzigartige Peters-Demonstratkon sah Breslau am gestrigen Donnerstag. Auf Veranlasstmg de-s WarenhauSbcsitzcr-Z Barasch, der einen großen Verschleiß von Zirkus-, Tingeltangel- und Kabarett- Billetts betreibt, hielt Dr. Karl PeterS einen Vortrag über„Koloniale Wirt- s ch a f t S p o l i t i k". Der billigste Platz kostete 1 Mark, der teuerste einen Zyliuderhut, Frack und 3 M. Das verhinderte nattirlich, daß Minderbemittelte zu der Schaustellung kamen. Denen zu- liebe gab nun unser Breslauer Bruderblatt, die»Volksmacht" eine besondere PeterS-Nummer Herau-Z,. die in der ganzen Stadt erhebliches Aufsehen erregte. Bor allein waren es Auszüge au-Z dem für PeterS blamablen Urteil d c S Disziplinargerichts hofeS und die tapfere Rede des Majors Donath in München, die einen Willkommens- gt: ii 15 für den Nationalhelden abgeben muhten. Die so anS- gestatiete Nummer, die in jeder der Hauptrnbriken einen PeterS- bcitrag enthielt, wurde eine Stunde vor Beginn der Vorstellung vor dein Theater an die Besucher verteilt und fand reihenden Absatz. Eine in der Nähe postierte Schutzwachc, bestehend aus handfesten Metallarbeitern, sorgte für die nötige Sicherheit unserer Ver- teiler. Auch in der zufällig tagenden Stadtverordneten- Bersammlnng fanden die Pcrtersbegrühungen reihenden Absatz. Interessant war, dah der Herr Doktor Karl PeterS niemand hatte, der die Veranstaltung übernommen hätte. So war er, der blutreine Arier, der Sozi- und Judenfresser, auf den jüdischen Manager Baraschjongewieseu. Und derselbe Barasch, der den Billettvertrieb für Peters hatte, machte ein famoses Geschäft mit der— PeterS-Nummer der„ V o 1 k S w a ch t", die unaufhörlich verlangt wurde und hier wie in den Ieituugs- Kiosken „abging wie warme Semmeln". Das schönste aber ist, dah die K o'l o n i a l g e s e l l s ch a f t, die doch eigentlich die Berufenste ge- Wesen wäre, als Impresario des Kolonialhelden zu fungieren, sich auffällig von ihm fernhielt, ja sogar für den nächsten Tag eine Konkurrenzvorstellung avisierte! I Tenkuialssport. Aus Baden schreibt man uns: Die badischcn Na- tioiralliberalcn halten ihre Landesversammlung am 9. und 19. November in Lahr. Zuerst tagt der engere Aus- schuh, dann treten die Delegierten zusammen. Ihr wichtigstes Geschäft ist gegenwärtig die Propaganda für ein L a n d e s d e n k- mal des Groh Herzogs Friedrichs!., zu welchem„auch die kleinste Dorfgemeinde" beizutragen Gelegenheit finden soll. Die Oberbürgermeister der badischcn Städte mühten nach dem Vor- schlage der„Badischen Landeszcitung" diese Dcnkmalsgründung. welche etliche Millionen kosten soll, in die Hand nehmen. Da die Sozialdemokratie Badens in über hundert Gemeinden ihre Vertreter auf dem Rathause fitzen hat, dürften unsere Ge- uosscn überall Gelegenheit erhalten, sich von den bürgerlichen Pa- triotcn belehren zu lassen, dah die vatcrlandslosen Gesellen nach be- rühmten Mustern der Pietät und des Taktes auch für einen Leichen- stein des Fürsten zu schwärmen haben.— Ein Kriegsgerichtsurteil mit antimilitaristischen Wirkungen. Ter Musketier Nürnberger vom Infanterieregiment Nr. 132 in S t r a h b u r g wurde oft zum Nachexerzieren heran- geholt und mihhandclt. Ter Sergeant B a m c h lieh ihn auf dem Schießstande unnötigerweise hin- und herlaufen und stich ihn gegen die Gewehrstützen; der Nntcroffizier 3i e i ch m a n n schlug ihn in s Gesicht. Das gefiel dem Nürnberger, wie jedem an- ständigen Menschen, nicht, und am 22. August verlieh er seinen Truppenteil, kehrte aber bereits am 4. September wieder zurück, nachdem er die Zeit meist im Freien verbracht und sich mit Früchten ernährt hatte. Jetzt hat ihn das Kriegsgericht wegen unerlaubter Entfernung zu 6 Wochen 1 Tag Gefängnis verurteilt. Tie Vor- gssctzten aber, die den armen Teufel erst zu der„unerlaubten En!- fcrnung" getrieben haben, kamen mit je 19 Tagen Gefängnis davon. Solche Urteile sind jedenfalls entschieden geeignet, die Soldaten mit antimilitaristischen Ideen zu erfüllen. � Oertcmich. Vom Militarismus. Nach Annahme eines Dringlichkeitsantrages Ellenbogen fSoz.), betreffend die BetriebSzuftände bei der StaatSeifenbahn- gescllfchaft begründet Genosse R c s e l in der gestrigen(Freitag-) Sitzung des Abgeordnetenhauses einen Dringlichkeitsantrag in Sachen der Begnadigung zweier wegen MiHHanMung von Soldaten verurteilter Unterosfiziere sowie ivegen Regelung des Beschwerde- rechts der Mannschaften. Er betonte, daß die Begnadigung dieser Unterosfiziere bereits erfolgt war, als der Landespertcidigungs- minister in seiner damaligen Beantwortung der Interpellation ihre Verurteilung mitteilte, und dah die Rückvcrsctzung der Begnadigten den Selbstmord noch eines Soldaten zur Folge gehabt habe.(!) Er verlangt die Abänderung des Beschwerderechtes der Mauuschaften zur Verhinderung von Soldatemnihhandlungen. I» der Beantwortung einzelner Fragen des Drin�lickkeitSantrageS stellte der LandeSverteidigungSminister fest, dah die Begnadigung auf Gnmd der gericktsherrlichen Rechte von dem Stadt- k o m m a n d a n t e n' vollzogen worden sei. Nach Bekanntwerden der Begnadigung, welche der erforderlichen rechtlichen Gründe in ausreichendem Mahe entbehrt hatte, seien sofort entsprechende Verfügungen zur Vermeidung ähn- I i cb e r Vorkommnisse getroffen worden. Ferner sei eine Bersügnng erlassen, nach welcher die wegen Verletzung der Dienst- rorschriftc» gerichtlich verurteilten Niitcrofsizicrc nach Ver- biifjung ihrer Strafe versetzt werden müssen. Eine Aenderung des Beschwerderechts bilde seit langem einen Gegenstand der Beratungen im ReichSkricgsministerium. Endlich teilte der Minister mit, � dah weder ihm noch dem KricgSminister bei der damaligen Beantwortung der Interpellation die Be- gnadignng bekannt gewesen wäre. da Begnadigungen amtlich nicht zur Kenntnis der Ministerien gelangen.(I!) Gegen die abfällige Bemerkung dcS Abg. Resel über den in der Armee herrschenden Geiit bemerkte der Minister, er sei seit 49 Jahren Soldat und habe in allen Teilen der Monarchie Gelegenheit gehabt wahrzunehmen, daß der Geist der Soldaten ein vorzüglicher sei und gottlob auch bleiben werde. Die Rede des Ministers wurde wiederholt von lärmenden Protest- rufen unterbrochen. Italien. „Gnade" für Recht. Rom, 18. Oktober. tPrivatdepesche deS„Vorwärts".) Die Bekanntmachung der Staatsbahnverwaltung, welche die Anführer des Eisenbahnerstreiks zu entlassen und über die anderen Streikenden mildere Disziplinarstrafen verhängen zu wollen androht. hat eine allgemeine Gärung hervorgerufen. Nichtsdestoweniger dürfte trotz der notorischen Streikbereitschaft der organisierten Eisenbahner die Proklamienmg des Generalstreiks im Bahnbetriebe jetzt nicht erfolgen, sondern eventuell erst im Falle der An- Wendung der verhängten Strafen. Jedoch wird die An- Wendung voraussichtlich unterbleiben, da die bevor- stehende Entbindung der Königin den Bestraften A m n e st i e bringen soll!— Von was für Faktoren doch in der Monarchie das Wohl und Wehe der Arbeiter abhängt: unter Umständen sogar von»— königlichen Klapperstorch I Rom, 13. Oktober, abends 8(4 Uhr.(Privatdcp. d.„Vorwärts".) Die Entscheidung in der Organisation der Eisenbahner wird morgen fallen. Der„Avanti" meldet, das? Turiner industrielle Scharfmacher den Mailänder Karabinieri, die wie die Wahnsinnigen auf die Arbeiter geschossrn haben, goldene Medaillen überreichen wollen!! � � Der offizielle Draht meldet: Rom, 13. Oktober. Der Eisenbahnverkehr geht str ordnungS- mäßiger Weife vor sich; zu irgend welchen Kundgebungen ist cS nirgend gekommen. Alle Blätter sprechen sich lebhaft gegen einen eventuellen Ausstand der Eisenbahner anS und halten dem Eisenbahnpersonal vor, daß die öffentliche Meinung so sehr dagegen ist, daß ein Ausstand mit einer vollständigen Niederlage der Eisen- bahner enden würde. Der„Messagero" weist darauf hin, daß sogar die Führer der Sozialisten durchaus gegen den Ausstand sind.— Sie Milche llevoliition. Ein feines Plänche». Der Telegraph übermittelt der staunenden Welt folgende Nachricht: Petersburg, 13. Oktober. In einem geheimen Ministerrat ist dieser Tage beschlossen worden, in der Duma gleich zu Beginn der Verhandlungen nationale Streitfragen in den Vordergrund zu bringen, um den russischen Chauvinismus zu entzünden, die allgemeine Anfnierksamleit von sozialen Fragen ab- zulenken und Zwietracht zwischen russischen und nichtrnssischen Abgeordneten zu säen. So ivird z. B. in einer der ersten Duma- sitzungen die Frage der Trennung einiger Bezirke des Gouvernements Lublin vom Königreich Polen auf die Tages- ordnnng gesetzt werden. Diese Bezirke, aus denen ein besonderes „Gouvernement Chelm" gebildet werden soll, sind zum Teil von orthodoxen Kleinrussen bewohnt. Deshalb sollen sie als „rein russisches Land" vom Königreich Polen losgelöst werden und eine eigene Verwaltung erhalten, was natürlich zu einer großen nationalen Debatte führen wird. Auch nationale Fragen der O st s e e p r o v i n z e n und des Kaukasus werden zur Sprache gebracht werden mit Betonung des Grundsatzes:„Rußland für die Russen".— „Wär der Gedank' nicht so verwünscht gescheit, man war' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen." Diese Herren Minister haben nämlich nur die Kleinigkeit übersehen, daß die Reichsduma selber, wenn sie sich nicht aus lauter schwarzen Banditen zusammensetzt, die Dinge, über die sie zuerst ver- handeln will, m i t z u b e st i m nr e n sich erlauben Ivird. Dem Herrn Ministerpräsidenten, dessen Gedächtnis recht schwach zu sein scheint, dürfte bei dieser Gelegenheit wieder zum Bewußt- sein gebracht werden, was ihm trotz aller Erfahrungen mit dem zweiten russischen Reichsparlament wohl aus der Erinnerung geschwunden ist— das bedeutsame Wort: Der Stolypin„denkt", die Duma lenkt! Die Regierung der Holigans. Petersburg, 13. Oktober.(Rufs. Korr.) Da in Odessa durch die fortgesetzten schweren Exzesse Handel und Gewerbe mehr und mehr in Verfall geraten, wandten sich einige Hundert Odcssaer Bürger mit dem Stadthaupt Protopopoff an der Spitze an den Minister- Präsidenten Stolypin und verlangten, daß besondere Beamte nach Odessa gesandt würden, um das Verhalten einiger Generale zu untersuchen, welche offen die Untaten der Verbändler begünstige n. • Der kommandierende General des Militärbezirks Kasan, Karaso, ist verabschiedet worden, weil der Verband des russischen Volkes ihn denunzierte, daß unter seinem Einfluß das Kasansche Militärgericht z» wenig Todesurteile fälle! Em der Partei. Parteiliteratur. Im Kommissionsverlag von Paul Singer in Stuttgart ist soeben erschienen: Rechtsstaat und Klassenjustiz. Vortrag, gehalten zu Stuttgart am 23. August 1907 von Dr. Kurl Liebknecht. Preis 20 Psemiust_ Gcmciudcwahlficg. Bei der Gemeinderatsersatzwahl in M a S- m ü n st e r im Oberelsaß gelang es unseren Genossen, im ersten Wahl- gange von sechs Mandaten zwei zu erobern. Bei den vier anderen Mandaten ist eine Nachwahl erforderlich. Die sozialdemokratische Bewegung im Orte ist noch ziemlich jungen Datums. Die Angelegenheit Kolb-Frauk. Genosse Kolb hatte im K a r l S r u h e r„ V o l k S f r e u n d' die Stellung der Mannheimer„ V o l k s st i m m e" zur Affäre dadurch als belanglos hinzustellen versucht, daß er behauptete, der leitende Redakteur der„Volksstimme", Genosse OLkar Geck, habe einen Urlaub angetreten und sein Stellvertreter kenne die badischen politischen Verhältnisse nicht genügend. Dagegen wendete sich Ge- noffe Oskar Geck in der„VolkSstimine" in einer Erklärung, lvorin eS heißt,„daß die Rücksicht auf die Erhaltung des Großblocks unsererseits nicht so weit getrieben werden dürfe, daß dadurch die eigenen Parteiprinzivien Not litten". Die letzte Nummer der Mannheimer„ V o l k s st i in in e" bringt nun zu dem Artikel KolbS eine Erklärung, die u. a. besagt: 1. Die Preßkommission ist mit der Haltung der Redaktion in dieser Frage völlig einverstanden. 2. ES ist unwahr, daß während dcS Urlaubs des Genossen OSkar Geck ein Genosse in die Redaktion eingetreten ist, welcher die badischen Verhältnisse nicht kennt. ES ist als Ersatz für Oskar Geck überhaupt niemand eingetreten, sondern seine beiden RedaltionS- kollegcn, die Genossen Emil M a i e r und Th. Huth, haben die Arbeit Gecks mit übern omnien. Das weiß derGenosse Kolb. Daß die zwei Genossen die badischen Verhältnisse nicht kennen solle», kann Genosse Kolb bei ruhiger Würdigung der Ver- Hältnisse doch wohl selbst nicht annehmen. 3. Die Preßlommission ist der Meinung, daß die prinzipielle Beurteilung der vorwürfigep Frage mit badischer Politik überhaupt nichts z n r u n h a t.� Bon der b a d i s ch e n Partcipresse hat auch die Lörrach er „Arbeiterzeitung" entschieden gegen die Beteiligung Stellung genommen. Ebenso das Parteiblatt der benachbarten Pfalz, die . P f ä l z i s ch e P o st' zu Ludwigshafen. Desgleichen die „Schwäbische Taglvacht" zu Stuttgart. Sie sagt in ihren Bemerkungen, die sich aus die Erklärungen des Genossen Kolb beziehen, u. a.:. ES ist wohl kaum jemals die sogenannte Kompromißpolitik, die wir unter gewissen Voraussetzungen für not- wendig halten, schwerer in Mißkredit gebracht worden, alS durch diese„Rechlfertignng"..." Die. M ü n ch e n e r P o st" macht eS uns auch gewissennaßen zum Vorwurf, daß wir sie genannt haben als eines der größeren Parteiblälter, die nicht Stellung zu der Affäre genommen haben. Sie meint, wir hätten mit dem Finger auf sie gewiesen. Wir haben das nicht getan und es nicht beabsichtigt, sondern lediglich unserer Berichterstattrrpflicht genügt. Unser Münchener Parteiorgan sagt weiter: „Ständig müssen wohl die Parteizeitungen mit Bagatellsachen, mit persönlichen NuScinaiidersctziingcn gesülli werden, damit sich um Himmelswillen keine einmütige Kampfbegcistcrung in der Sozial- deniokratie entwickelt. Die„Münchener Post" glaubt dein Partei- interesse dadurch am besten dienen zu können, daß sie ihre Angriffs- krast nicht durch kleinliche Fehden mit Parteifreunden zersplittert. sondern sie ungeschwächt gegen die Parteifeinde richtet. Und deshalb geht sie über die spaltenlangen Angriffs- und BcleidigungSartikel der Gegner und Freunde der Genoffen Kolb und Frank einfach zur Tages- orduung über." Wir können hierin unserem Münchener Brndcrorgan nicht zn« stimmen. Wir bringen solche Dinge wahrhaftig auch nicht gern, aber wir halten eS für nötig, daß die Parteigenossen informiert werden. UebrigenS glauben wir, daß die„Münchener Post" zu schwarz sieht. Die Sozialdemokratie kann sachliche Auseinander- setzungen(persönliche haben wir unseres Wissens in dieser An- gelegenheit nicht gebracht) schon vertragen. Deswegen leidet die Entwickelimg einmütiger Kampfbcgcisterung gegen unsere Feinde nicht. Wenigstens iviirs schlimm, wenn eS anders sein sollte, was wir aber nicht annehmen! * Die Konstanzer sozialdemokratischen Stadt« verordneten sollen, tvic bürgerliche Blätter zu berichten wissen, bei den Feicrlichleiten anläßlich der Ueberftihrung der großherzog- lichen Leiche von der Mainau bis Konstanz beteiligt gewesen sein. Der K a r I s r u b e r„ V o l k s f r e u n d" bemerlt dazu: Uns ist eine solche Mitteilung nicht zugegangen. polirellicbes, Ocrichtiiclieo ukrv. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung des früheren national« liberalen ReichStagSabgeordneten Fabrikanten Münch-Ferber hatte sich Genosse F. Goß! er von der„Oberfränkischen Bolls- zeitung" zu Hof zu verantworten. Es handelte sicki um eine Erörterung der bekannten Tantiemen- und Erbschaftsaffäre dcS Herrn Münch-Ferber, der wegen dieser Dinge seinerzeit sein Mandat niederlegen mußte. Die angebliche Straftat war 1993 begangen, der Prozeß hatte sich 4'/z Jahre hingezogen. DaS Gepicht erachtete den Beweis nicht für vollständig erbracht und erkannte auf 199 Mark Geldstrafe. Der moralisch Verurteilte bleibt Herr Münch« Ferber. Die Revision in Sachen der Verurteilung deS Genossen Priiter von der„SchleStv.-Holst. VolkSzeitung" wurde gestern vom Reichs« geeicht verworfen. Unser Kieler Bruderblatt hatte die Nachricht ab« gedruckt: bei der WcihnachtSgelderverteilung innckhalb der Eisen- bahndirektion Essen sei das Fährpersonal leer ausgegangen, während der Präsident 3999 M. erhalten habe. Die Information war falsch, daS Landgericht Kiel verurteilte Prüter zu 399 M., das Reichsgericht wies— ivie gesagt— die Revision zurück.— Die Revision des „Vorwärts" in derselben Angelegenheit wurde kürzlich verworfen. Revision eingelegt. Sechs Monate Gefängnis hatte der Staats« anwalt in dein Prozeß vor dem Landgericht T o r g a u gegen Ge- nossen F. D ü v e l l von der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" in Dresden beantragt wegen angeblicher Beleidigung von Kolonialbeamten. Das Landgericht sprach unseren Genossen bekanntlich frei. Jetzt hat nun der Staatsanwalt Revision gegen das freisprechende Urteil des Torgauer Landgerichts eingelegt. Hoffentlich wird man damit ebensowenig Erfolg haben, wie bei der ersten Instanz. Ein Freisprnch. Genosse Wittmaack von der Magbe« bnrger„Volks stimme" war von einem Schmiedemeister wegen„Beleidigung" verklagt worden, weil die„Volksstimme" die Verurteilnng des SchmiedemeistcrS wegen Uebcrtretung der gesetz- lichen Bestimmungen betreffend Beschäftigimgsdauer der Lehrlinge gemeldet hatte. Das Gericht mußte natürlich den Genossen Witt- maack freisprechen. Verwunderlich ist nur, daß überhaupt Auklagc erhoben werden konnte._ Soziales. Zuständigkeit deS GewerbegerichtS für Zahntechniker. Der Zahntechniker Sch. klagte beim Gewerbegericht Berlin gegen den approbierten Zahnarzt Dr. Kiwi auf Schadenersatz ivegen un- berechtigter Entlassung. In der Verhandlung vor der Kammer 8 wandte der Beklagte ein, daß das Getverbegcricht für die Streitig- leiten zwischen approbierten Medizinalpersoncn und ihren An- gestellten nicht zuständig sei. Es lvird festgestellt, daß Kläger im Laboratorium dcS Beklagten in Gemeinschaft mit zwei Lehrlingen lediglich mit dem Anfertigen künstlicher Gebisse beschäftigt war. Der Kläger verweist daraus, daß er auch der Krankenkasse der Optiker und Mechaniker angehören müsse.— DaS Gewerbe- gericht erklärte sich für zuständig und führte dazu anS: Der Arzt als solcher, auch der approbierte Zahnarzt, unterstehe allerdings nicht deni Gewcrbegericht. Wenn er aber ein Laboratorium habe, wo er Leute lediglich mit dem mechanischen Dienste der An- fertigung künstlicher Gebisse beschäslige, dann sei daS ein Gewerbe- betrieb, der die Zuständigkeit des GewerbegerichtS für Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis der dort beschäftigten Gehnlfcn begründe In der Streitsache selbst mußte Vertagung erfolgen. „Boricrcitende Handlungen" vor dem KanfuianuSgericht. Wie die wunderliche Konstruktion einer„vorbereitenden Handlung' Schule macht, lehrte ein grstenr vor dem KanfmamiSgericht verhandelter Rechtsstreit. Der Buchhalter Siegfried F. war von der Kurzwarenfirma F. Nielowitz sofort entlassen tvorden, weil er in einem Notizbuch sich die A d r e s s e n der Lieferanten der Firma notiert hatte. Der Chef hatte zufällig bemerkt, daß F. im Besitze eines solchen Notizbuches ist, und letzterer hatte auf einen diesbezüglichen Vorhalt hin das Buch sofort herausgegeben. Wie er erklärte, sollten die Namen für ihn nur Hinweise ans bestimmte buchhalterische Arbeiten sein. Der Prinzipal führte zur Begründung der sofortigen Entlassung ans: In der Kiirzivareiibrauchä sei nicht nur eine sehr scharfe, sonder» auch sehr gehässige Konkurrenz. Wenn er auch nicht behaupten wolle, daß der Kläger mit der Notierung der Adressen schon ein Konkurrenzunternehmen organisiert habe, so erblicke er immerhin darin eine vorbereitende Handlung. Gerade die Adressen der Lieferanten seien das wichtigste, und wer die besten Bezugsquellen wisse, der„mache das Nennen". Ein Beisitzer bemerkte demgegenüber: wenn der Kläger das gewollt hätte, so hätte er die Adressen sich jedoch leicht auch ans einem Fach- adreßbuch beschaffen können. Auch die Kammer in ihrer Gesamt- heit kam nicht zu der Ucberzeugung, daß der Beklagte ausreichenden Grund zur sofortigen Entlassung dcS Klägers hatte. In dein Abschreiben der Adressen an sich sei nicht ein grober Ver- trauenSbruch zu erblicken. Nur Iveun Kläger daS Buch nicht gleich herausgegeben hätte, so hätte der Verdacht eine Erschütterung des Vertrauens beini Chef begründet.— Das reslicrende Gchalr von 180 M. zahlt darauf der Beklagte ans dem Wege des An- erkenntnisses._ Die„Gnädige" vor Gericht. Wegen gefährlicher Körperverletzung hatte sich die Fabrikanten« gattin Rosa Bernhaupt vor dem Schöffengericht Nürnberg zn ver- antworten. Die Verhandlung lieferte einen interessanten Beitrag um Kapitel Dienstbotenfrage. DaS Dienstniädckien der Frau Bern- aupt. Magdalene Markerl, hatte den Dienst aufgekündigt, weil sie n sehr unter den unsittlichen Angriffen des„gnädigen Herrn" zu eiden gehabt habe. Die Gnädige rächte sich durch Einbehaltnng dcS Lohnes und einen häßlichen Eirnrag in das Dicnstbotcnbnch. DaS Geld gab sie schließlich notgedrungen heraus, als aber das Mädchen mit einer schriftlichen Auffordernng der Leitung deS Dienst- botenvereinS, den Eintrag im Buch zu beseitigen, zu der Bernhaupt ging, ließ sich diese erst verleugnen, worauf sich das Mädchen zu einer im gleichen Hause wohnenden Bekannten begab, die ihre Sachen in Verwahrung hatte. Plötzlich drang die Dame in das Zimmer ein und schlug ohne weitereS auf das Mädchen ein, erst mit der Faust, dann mit einem H a n d t ä s ch ch e n. daS mit stählernem Bügel versehen war, bis das Mädchen blutend und mit zerrissener Bluse zusammen- brach. Bor Gericht gab sie alles zu und entschuldigte sich mit „Aufgeregtheit". DaS Gericht erkannte auf ganze fünf Mark Geldstrafe. Welche Strafe hätte das Mädchen erhalten, wenn es in gleicher Weise die.Herrschast" blutig geschlagen hätte? Zum Gesinde-Nnrecht. DaS Dienstmädchen Belaschck war vom Landgericht Frank- fnrt a. O. ans Grund des Gesetzes vom 24. April l8S4 wegen un- berechtigten VcrlasscnL des Dienstes zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Nach dem Gesetz ist ein Strafantrag der Herrschaft er- forderlich. Diesen hatte nicht der Dienstherr, sondern dessen Fra» gestellt. Das Kammergericht hatte am Montag als Rcvisions- instanz zu prüfen, ob sie dazu berechtigt sei. ES erkannte die Berechtigung der Frau dazu an und verwarf die Revision des Mädchens. Schon nach der Gesindeordnung müsse der Frau die Berechtigung zugestanden werden, einen Strafantrag im Sinne des Gesetzes vom 24. April 1854 zu stellen, wenn ein Gesinde den Vertrag breche, denn nach der Gesindcordnung hätte sie das Mädchen selbständig annehmen können. Diese Auffassung werde jetzt noch bestärkt durch die Bestimmungen des§ 1357 des Bürgerlichen Gesetzbuches über das Eiitschließungsrccht der Frau. Auch diese wären dahin auszulegen, daß die Frau des Dicnsthcrrn das Recht zu einem Strafantrag gemäß dem Gesetz von 1854 habe. Hus Induftm und ftandel* Wir sind die Herrscher! Der Beschluß des KohleusyndikatS. für das nächste Geschäfts- fahr die bisherigen Preise beizubehalten, wird noch besonders kommentiert durch eine AriSlassimg in der„K. VolkSztg." Das Blatt schreibt: „Das Kohlensyndikat hat in seiner Sitzung vorn 14. Oktober, wie verlautet, auch init dem Rückgang im Eisengroßgewerbe sich beschäftigt. Wie imS ans dem Syndikat nahestehenden Kreisen mitgeteilt wird, ist dabei auch die Frage zur Sprache gekommen, ob, dem Beispiel des Stahlwerksverbandes folgend, das Kohlen- syndikat ebenfalls Prciszugeständnisse machen solle, welche auf die Ausfuhrtntigkcit des Eisengroßgclverbes von Einfluß sein würden. Solche Prciszugeständnisse sind aber, nach unserem Gewährsmann, mit großer Mehrheit abgelehirt worden. Wie sehr dem ein tatsächliches Monopol besitzenden Kohlensyndikat die schlimmen Ereignisse im Eisengroßgcwerbe Hekuba sind, geht aus dieser Niederstimmung und auch daraus hervor, daß in der näm» lichcn Versammlung auch beschlossen worden ist, die jetzigen Richt- preise für das Jahr 1008/09 beizubehalten, mit anderen Worten. die heiiligcir überaus hohen Kohlenprcise bis zum 31. März 1909 unverändert beizubehalten. Trotz allen Niederganges im Eisen- großgcwerbe l... Das Syndikat kann sich bei seinem rücksichtslosen Vorgehen darauf berufen, daß es Unterstützung gefunden hat bei der preußischen Eiseiibahnverwaltniig. Die„Frankfurter Zeitung" macht darauf ausmerlsam, daß diesmal der neue Vertrag um einen Monat früher abgeschlossen lvordc» ist, als das in früheren Jahren geschah und daß unmittelbar nach dem Vertragsabschluß die Festsetzung der Richtpreise für das nächste Jahr erfolgte. Die Kohlcnmagnatcn befürchteten wohl, daß in einigen Wochen die Situation auf dem Kohlcnmarlt sich verschlechtert haben würde und deshalb befahlen sie schleunigen Vertragsabschluß mit dem Fiskus und Festsetzung der nächstjährigen Richtpreise._ Pleiten. Das Hamburger Lankhaus Sohle u. Eo. hat seine Zahlungen eingestellt. Die Höhe der Passiven soll sich auf zirka 30 Millionen belaufen, von denen zirka die Hälfte als gedeckt betrachtet werden könnten. Der Krach auf dem Kupfcrinarkt wird als Ursache des Fallissements angegeben. Eine iveilcre Folge der Pleite ist die Zahlungseinstellung einer Reihe anderer Firmen. Der Kurssturz der United Copper- Aktien hat die New Dorker Bankfirma Otto Heinze u. Co. gezwungen, ihre Zahlungen ein- zustellen._ 6e werk fcbaftlicbc� Die unheilige Dreieinigkeit. Während des Streiks der Käserciarbciter in Memmingen sandte, wie lvir seinerzeit berichteten, ein Unternehmer an den Pfarrer einen Brief, ivorin er diesem mitteilte, daß der jugendliche Arbeiter M. sich am Streik beteilige, daß er so „frech" sei und Streikposten stehe(!) und sogar an den Versammlungen der Streikenden teil- n e h m e.(!!) Der Pfarrer erkannte sofort seine Aufgabe; er denunzierte den jugendlichen Arbeiter der Polizei und diese fertigte sogleich Wegen„unbefugten Wirtshausbesuches" einen Strafbcfehl ans. Der jugendliche Arbeiter besaß nun, wie man uns schreibt, die weitere „Frechheit", gegen den Strafbcfehl Einspruch zu erheben(!!!) mit dem Erfolge, daß er vom Gericht— freigesprochen Wurde. Die Bemühungen des natürlichen Kleeblatts: Unter- nehmer, Kirche und Polizei, welche sich unbewußt immer zur Kncbelnng der Arbeiterschaft znsainmcnfinden, ivaren also vergebens!_ Berlin und Umgegend. Die Tiipsertriiger versammelten sich am Freitag morgen im Gewerkschaftshause, um den Bericht über den Stand der Be- wegung entgegenzunehmen. K r i b o w erklärte, daß ioenig Neues zu berichten sei. Die Zahl der streikenden Töpferträger, die dem Zentralvcrband angehören, sei von 77 auf 89 gestiegen; zusammen mit den Mitgliedern anderer Organisationen stehen 105 auf den Strciklisten. Der Redner warnt davor, Streikbrcchcrdicnstc zu leisten und ermahnt zur Einigkeit. In der Innung herrsche mancherlei Streit, die Meister seien mit der bestehenden Lage durchaus nicht zufrieden; der feste Widerstand der Töpfer habe sie überrascht; denselben festen Widerstand müßten auch die Träger leisten. Karl Heidemann erzählte als ein Beispiel, wie übereifrig die Polizei für die Arbeitswilligen eintritt, daß sein Sohn, der als Maurer Arbeit suchte, beim Passieren einer Bau- stelle in Rixdorf gestern verhaftet wurde. Der Beamte habe die bloße Anwesenheit des Fremden in der Nähe von Arbeitswilligen als lästig angesehen und ihn ohne weiteres beim Kragen genommen und arretiert. Heidcmann protestiert energisch gegen eine derartige Behandlung eines friedlichen Bürgers und wird Beschwerde erheben. Die Unterstützungsfrage wurde wieder lebhaft erörtert. Der Vorstand beharrt darauf, daß die schuldigen Streikfondsbeiträge bezahlt werden müssen, und er stützt sich dabei auf das Statut. Diejenigen, die viel schuldig geblieben sind, erwarten nun ein größeres Entgegenkommen und möchten die Bezahlung aufschieben. ivaö zu mancherlei Reibungen geführt hat. Heidemann erklärte, daß der Vorstand Erleichterungen gewähren wolle, aber nur bis zu einem gewissen Maße. Die Mitglieder dürften nicht vergessen, daß sie ihre Pflichten in erster Linie erfüllen müßten, wenn sie Rechte geltend machen wollen. Der Tarifvertrag der Stockarbciter(Branche des Holzarbeiter- Verbandes) läuft am 23. Januar 1908 ab. Die Stockarbeiter haben deshalb die Frage erörtert, ob der Bertrag gekündigt oder still- schweigend verlängert werden solle. Sie kamen zu der Ansicht, daß eine unveränderte Verlängerung des Vertrages den Interessen der Arbeiter nicht entspreche, sondern daß Verbesserungen in mancher Hinsicht notwendig seien. Die Branchcnkommission hat einen Ver- tragsentwurf ausgearbeitet, ber auch die Zustimmung der Ver- trauensmänner gefunden hat und am Tonnerstag der Branchen- Versammlung vorgelegt wurde. Der Entwurf stellt in der Haupt- fache folgende Forderungen auf: Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 51 auf 491� Stunden. Diese Forderung wird um so mehr für berechtigt gehalten, als etwa der dritte Teil aller Stockarbeiter schon jetzt den Achtstundentag hat, der unter anderen in zwei der größten Betriebe herrscht. Weiter wird gefordert, daß bei schlechtem Geschäftsgange die tägliche Arbeitszeit auf sechs Stunden verkürzt werden mutz, ehe Entlassungen vorgenommen werden. Der Mindestlohn soll von 25,50 M. auf 27 M. wöchentlich erhöht werden. Arbeiter, die abwechselnd in Akkord und in Lohn beschäftigt werden, sollen in Lohn den durchschnittlichen Akkord- �Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw. verdienst erhalten. Auf alle Lohn- und Akkordarbeiten soll ein Zuschlag von 7s,h Proz. gewährt werden. In Betrieben, wo die Löhne erheblich unter dem Durchschnitt stehen, sollen noch besondere Zuschläge vereinbart werden. Ilm zu verhindern, daß die Löhne der Werkstattarbeitcr durch die Heimarbeiter gedrückt werden, wird gefordert, daß auch die Löhne der Heimarbeiter im Tarif festgelegt werden und daß sie die Löhne der Werkstattarbeitcr um so viel übersteigen, daß die besonderen Unkosten der Heimarbeiter(Werk- stattmiete, Material usw.) gedeckt werden. Die Hcimarbeiterlöhne sollen durch die Wcrkstattkommissiou unter Mitwirkung der Heim- arbciter festgelegt werden. Arbeiten, die ortsüblich in den Bc- trieben angefertigt werden, sollen nicht an Heimarbeiter gegeben werden. Ferner enthält der Entwurf Bestimmungen über das Anlernen von Arbeitern, über die Festsetzung der Preise für neue Muster und über die Benutzung des paritätischen Arbeitsnachweises im Sinne der Vereinbarungen, welche zwischen den Borständen des Holzarbeitervcrbandes und des Arbcitgeberschutzvcrbandcs ge- troffen worden sind.— Mit den Unternehmern der Stockbranche ist eine Verständigung dahin getroffen, daß die Kündigung des Vertrages, welche ani 23. Oktober zu erfolgen hätte, bis zum 23. November hinausgeschoben wird. Inzwischen soll versucht werden, ohne vorhergehende Kündigung zu einer Verbesserung des Vertrages durch Verhandlungen zu kommen. Der vom Referenten Hildcbrand empfohlene Entwurf wurde eingehend diskutiert. Die Versammlung stimmte durch Annahme einer Resolution dem Entwurf zu und beauftragte die Kom- Mission, auf Grund desselben weiter zu verhandeln und das Er- gebnis der Verhandlungen einer Versammlung zur Beschlußfassung vorzulegen. Die Vergoldermeisteriimuilg hatte zu gestern abend eine Ver- sammlung einberufen, zu der nicht nur die Jnnungsmitglieder, sondern auch alle derselben nicht angehvrigen Arbeitgeber er- schienen waren, denen neue Forderungen der Vergolder unterbreitet waren. Die Forderungen der Arbeitnehmer wurden natürlich als zu hoch und in dieser Form als„unannehmbar" erklärt. Es sollen jedoch der Arbeiterkommission Verhandlungen angeboten werden, die schon heute stattfinden sollen, um auf friedlichem Wege eine Ver- ständigung zu ermöglichen. Man sei bereit, den Arbeitnehmern ctivaS entgegenzukommen, so beim Lohn, wo eine Ivprozentige Er- höhung gefordert wurde, die Arbeitgeber aber höchstens 5 Proz. zu- legen könnten. Die Frage, ob der Tarif mit der Innung oder den einzelnen Firmen abgeschlossen werden soll, wurde offengelassen und die Entscheidung der zur Vertretung bei den Verhandlungen ge- wählten Kommission anheimgegeben, jedoch mit der Bedingiiiig, daß ein langfristiger Tarif auf keinen Fall anzunehmen ist. Veutkckes Rcicft. Achtung, Modelltischler! In der Modellfabrik Schmiedel- Magdeburg legten 19 Modelltischler wegen fortgesetzter Lohndrückerei die Arbeit nieder. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Bewegung längere Zeit anhält und erwarten wir, daß bei den Kollegen das Wort Solidarität nicht zur Phrase wird. In Magdeburg erhält Schmiedel keine Streikbrecher! Die Lokalverwaltung Magdeburg des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes. Die Aussperrung im Hannoverschen Baugewerbe ist durch den Beschluß der Bauarbeiter, die Arbeit am Freitag wieder aufzu- nehmen, verhütet worden._ Der zersprengte„Block". Bei der Gewerbcgerichtswahl in Halle a. S., so berichtet man uns unternr 14. Oktober von dort, wurden auf die Liste der freien Gewerkschaften 4324 Stimmen und für die Hirsch-Duuckersche Liste ganze 339 Stimmen abgegeben. Die Gcwcrkvercinler hatten mit den schwarzen, blauen, gelben und grünen Gewerkschaftlern„einen Block" gebildet und„ernteten" damit die Frucht der Blockpolitik— eine klägliche Niederlage._ Der beleidigte gelbe KricgZrat. Die Augsburger Gelben feiern fast jede Woche ein Fest: die Verurteilung eines Sozialdemokraten oder eines freien Gewerkschaftlers! Diesmal traten als Ankläger die Generäle von 13 gelben Vereinen auf; das Schlachtopfcr bildete der Bezirkslciter der Schuhmacher, Genosse Neubauer in München. Er soll das ganze Heer der AugSburgcr Gelben in einer Versammlung beleidigt haben. DaS unsinnigste Zeug wurde ihm in den Mund gelegt. Der Kronzeuge war ein W a ch t m e i st e r der P o l i z e i, der nach feinem eigenen Geständnis das, waS er als Ueberwachcndcr i» der Versammlung gehört, am anderen Morgens!) a« S gem Gedächtnis(!) niedergeschrieben und es als„Hetzartikel"-denuLeiborgan der Gelben. der Aitgsbnrger„Stadtfranbas" zugesandt hatte. Diese journalistische Arbeit des Polizeiwachtmeisters galt dein Gericht als absolut zu- verlässig: es verurteilte den als ruhig und besonnen bekannten Gewerkschaftsbeamten zu 70 M. Geldstrafe. Ter Kampf der Strahburger Baiihülföarveiter ist durch Ver- Mittelung des Bürgermeisters mit dem Abschluß eines dreijährigen Tarifvertrages beendet worden. Es wurde vereinbart: 1. Für Bauhülfsarbciter im 1. Vertragsjahr 39 Pf. Stunden- lohn, im 2. Jahre 42 Pf. und im 3. Jahre 45 Pf.; 2. für Erd- arbeiter: im 1. Vertragsjahre 42 Pf. Stundenlohn, im 2. Jahre 43 Pf. und im 3. Jahre 45 Pf.; Uebcrstunden- entschädigung 10 Pf. pro Stunde, Nachtarbeit 20 Pf. und bei Sonntagsarbeit doppelten Stundenlohn. Der Erfolg in Anbetracht der ungünstigen Jahreszeit kann als ein guter bezeichnet werden. Der Kampf dauerte vier Wochen. Hus der frauenbewegung* Bauinschulenweg. Am Diensiag, den 15. d. M.. fand in Speers Festsälen eine öffentliche Versammlung statt, die von der weiblichen Vertrauensperson einberufen worden war. Genosse Heinig referierte zunächst über:„Die Rechtlosigkeit der Frau". Die Vertrauensperson Frau Kinzel erstattete Bericht über das ver- fwssene Geschäftsjahr und wurde darauf einstimmig wiedergewählt. Von dem Genossen Schulz wurde angeregt, in Baumfchulcnweg einen Konsumverein zu gründen. Die Züricher Gewcrbeinspektorin über den Arbeiterinncnschutz. Im Sommer 1906 hat die Züricher Regierung endlich, nach 12jährigem„Zuwarten", in dem Fräulein Albrecht eine Gewerbe- inspektorin angestellt, deren erster Bericht kürzlich im Gesamt- bcricht der Regierung veröffentlicht wurde. Sie machte erst aus dem Bureau für Fabrikwesen eine kurze Lehrzeit durch und über- nahm sodann die selbständige Leitung des Arbeiterinnenschutz- Wesens. Von Anfang August bis zum Schlüsse des Berichtsjahres fübrte die Beamtin 272 Besuche in Betrieben aus, die unter dem Arbcitcrinnenschutzgcsetz stehen, wobei sie sofort die alte, bekannte Tatsache konstatieren konnte, daß der Bollzug des Gesetzes in den Städten Zürich und Wintcrthur besser sei als ans dem Lande, wo die Behörden wenig tun und die Geschäftsinhaber gar nicht wissen, daß sie unter das Gesetz gehören, wenn sie Arbeiterinnen oder Lehrmädchen beschäftigen. Oft konnte die Jnspektorin die Bemerkung hören:„In meinem Hause, in meiner Wohnung, kann ich machen, was ich will. Da hat mir niemand dreinzureden." Sic traf denn auch in einem Bezirke 25-Geschäfte, welche meistens Lehrmädchen beschäftigen, die dem Gesetze nicht unterstellt waren. Tie IM-stiindige Mittagspause und die Ivstündige Arbeitszeit, die das Gesetz vorschreibt, werden oft übertreten. Vielfach werden Schlafzimmer als Arbcitöräumc benutzt, die in bczug auf Reinlich- keit, Licht und Ordnung zu wünschen übrig lassen. Es kommt vor, daß zwei Personen zusammen in einem Bette schlafen müssen. : Th.Glycke, Berlin. Druck u.Verlsg: Vorwärts Buchdr, u. VerlagsanM� Die Beamtin berlangie die Beseitigung aller Mängel und Miß« stände. Dem Gesetze unterstellt waren 792 Betriebe mit 1959 Ar- beitcrinncn und 734 Lehrmädchen. 38 Betriebe erhielten 52 Be- wjlligungen zur Ueberzeitarbcit von 2l4 Arbeiterinnen während 523 Stunden, die sich auf V-i bis 3 Stunden täglich verteilten. Wegen Ucbertretung des Gesetzes wurden 40 Verwarnungen erteilt und 33 Bußen im Gesamtbeträge von 705 Fr. verhängt. In der Stadt Zürich mit 475 Betrieben und 1794 Personen. wovon 145 in 47 Geschäften Kost und LogiS erhielten, führte die Lokalinfpektion zum Erlaß von 22 Verfügungen, wovon 6 Ueber- füllung der ArbcitSräume, 11 Verwendung von Arbeitsräumen als Schlafzimmer, 2 ungenügendes Lager und 3 andere Mängel betrafen. Die erlassenen Verfügungen wurden durchgeführt. Live Svmpsthieliunckgebung kür den „lhochvei'i'stei'". Die öffentliche Versammlung, die für die Kommunal- Wahlbezirke 29 und 41 für Freitag nach den„Borussia- sälcn"(Ackerstraße) einberufen worden war, gestaltete sich zu einer gewaltigen Sympathiekundgebung für unseren Genossen Karl Liebknecht, der in wenigen Tagen die ihm wegen„Hochverrats" zudiktierte Festungshaft antreten mutz. Liebknecht war als Rc- fcrcnt angekündigt worden, und das war für viele Taufende von Arbeitern ein Anlaß gewesen, nach der Ackerstraße zu wandern, um dem„Hochverräter" einen Abschiedsgruß zurufen zu können. Schon um 7 Uhr war der Versammlungssaal bis auf den letzten Platz gefüllt und von der Polizei wurde niemand mehr hineingelassen. Von der Polizei, die ein nach Hunderten zählendes Schutzmannsaufgebot zusammengetrommelt hatte und die ganze Ackerstraße besetzt hielt! Ein paar Tausend Menschen dürften es gewesen sein, die keinen Einlaß mehr fanden und nun draußen auf der Straße ausharrten. Drinnen empfing brausender Jubel unseren Genossen Liebknecht, als er den Saal betrat und sich nach der Rednertribüne durcharbeitete, von der herab ein prächtiger Strauß roter Blumen ihn grüßte. Liebknecht sprach über seinen Prozeß nur einen einzigen Satz, den ersten seines Vortrages.„Ich habe", sagte er,„heute nicht über den Militarismus und nicht über meinen Prozeß zu Ihnen zu reden, sondern über Kommunalpolitik." lind das tat er in einem vom Feuer der Leidenschaft durchglühten Vortrage, auf den die Kopf an Kopf gedrängte Menge mit Stürmen des Beifalls antwortete. Als die Versammlung geschlossen wurde scholl es ihm von allen Seiten entgegen:„Auf Wiedersehn! Auf gesundes Wiedersehn!" Langsam leerte sich der Saal. Auf der Straße harrte eine unabsehbare Menge, die Liebknecht umringte und ihn stürmisch begrüßte, als er hinaustrat. Aber im nächsten Augenblick stürzten sich ganze Reihen von Schutzleuten auf die Menge, Püffe und Stöße austeilend. Und zu gleicher Zeit öffnete. sich das Tor des benachbarten Straßenbahndepots, und ein Strom von Schutzleuten ergoß sich auf die Straße und suchte den nach den Elsaffcr Straße ziehenden Begleitern Liebknechts den Weg zu ver- legen. Berittene trabten heraus, sprengten auf die TrottoirS und warfen sich der nachflutenden Menge entgegen. Kein Mensch be� griff, was dieses Ungestüm der Polizeimacht eigentlich bezweckte� Wenn es zu keinem ernsten Zusammenstoß gekommen ist, so ist daSp wahrlich nicht der Polizei zu danken, sondern lediglich der B e>� sonnenheit der Berliner Arbeiterbevölkerung� die sich durch diese höchst überflüssige Forsche nicht provozieren ließ, Hetzte JVacbricbten und Depefcben, Aus dem bayerischen Landtag. München, 18. Oktober.(W. T. B.) Kammer der Abgeordneten«. In der heute abend abgehaltenen Sitzung fragt Schäflrr(Zentrum)/ nach den Gründen, aus denen die bayerische Regierung der letzte» NeichStagsauflösung zugestimmt habe., Ministerpräsident Frhr. v. Podewils erklärt: Die Verbündetes Regierungen konnten seinerzeit den Antrag Gompesch nicht an» nehmen, weil er ein Uebcrschreiten der dem Reichstag gezogenen� Zuständigkeitsgrenze und einen Eingriff in die bei kriegerischen.; Verwickelungen unentbehrliche Autorität des Militärkommandos bedeutet hätte. Für die Bemessung der zur Bewältigung des Auf». standcs in Deutschsüdwestafrika nötigen Truppenzahl konnte nur die Militärautorität, aber nicht das Parlament maßgebend sein. Die! bayerische Regierung hat der Reichstagsauflösung im voraus zu» gestimmt für den Fall, daß der Reichstag den NachtragSetat ab« lehnte oder die Truppenzahl einschränkte. Für die Stellungnahme der Regierung war nicht maßgebend Feindseligkeit gegend irgend« eine Partei, sie erfolgte vielmehr aus rein sachlichen Gründen.\ Gegenüber einem Angriff des Abg. Prieger(Freie Vc» einigung), wobei darauf hingewiesen wurde, daß dem sozialdemo,' kratischen Abgeordneten Roßhaupter, der als Arbeiter bei den Staatsciscnbahncn tätig war, während der Ausübung des Ab- geordnetenmandats Urlaub unter Fortzahlung des Arbeitslohnes gewährt worden ist, erklärt der Ministerpräsident, das Vorgehen der Regierung sei berechtigt. Die Arbeiter erhielten auch als Schöffen oder Geschworene Urlaub mit Fortbezug des Lohnes. Daß Abgeordneter Roßhaupter Sozialdemokrat sei, komme hierbei nicht in Betracht, da er nur Arbeiter und nicht Beamter sei. Ein Be- amter wäre selbstverständlich durch seinen Diensteid auf das mo- narchische Prinzip verpflichtet, und die Regierung würde, wenn ein Beamter sich Verfehlungen gegen dasselbe zuschulden kommen lasse. daraus die Konsequenzen ziehen. Eine Schiffskatastrophe. Kopenhagen, 18. Oktober.(W. T. B.) Der dänische Dampfer „Alfred Erlandsen", von Libau nach Grangemouth(Schottland) unterwegs, strandete gestern abend bei Ebbears Rock in der Nähe von Saint AbbS head(Schottland). Die gesamte aus 10 Personen bestehende Bemannung ertrank. Als der Dampfer Kopenhagen ay- gelaufen hatte, befanden sich unter der Bemannung drei Deutsche. der Matrose Emil Schupphaus, der Koch Mathiesen Mor». t e n s e n aus Schleswig und der Leichtmatrose Julius Vetter. � Niedergebrannte Ortschaft. Budapest, 18. Oktober.(W. T. B.) Der Ort Aranh(Kom. Hunyad) ist mit Ausnahme von 16 Häusern vollständig abgebrannt, DaS französische Neberschwemmungsgebiet. Saint Etienne, 18. Oktober.(B. H.) Ueber die Ueber« schwemmungen laufen sehr schlechte Nachrichten ein. In Andre- zieux ist die Loire um 5,45 Meter gestiegen. Beide Ufer sind über- schwemmt, der reißende Strom führt Balten, Bäume usw. mit sich fort. Mehrere Brücken sind weggeschwemmt, die Wege zerstört, der Materialschaden ist ungeheuer. Im Departement Gard ist der Schaden ebenfalls unbeschreiblich. Seit dem Jahre 1858 ist keine derartige Ueberschwemmnng zu verzeichnen. Gestrandetes Schiff. Sidney, 18. Oktober.(B. H.) Das schwedische Schiff„Alfheld" ist am 10. Oktober an der Westküste von Tasmanien gestrandet. Bier Mann sind ertrunken, von der übrigen Besatzung sind sechs gestern in Hobart(Tasmanien) eingetroffen. Sieben, darunter der Kapitän, verbliebe» erschöpft unfern der Wrackstelle, so daß das Zuspätkommen dcS eingeleiteten Rettungsversuchs befürchtet wirll. I�ülSjngeräiCo., Bxrlin SWT Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltungsblaU Nr. 245. 24. Jahrgang. 1. Kkilm des Jomitls" Kerlim WldsM Sonnabend, 19. Oktober IM. Narteigknoffen, tat am Sonntag En« Wcht! Am Donnerstag ist eine Agitationsnummer des„Vorwärts" in Groß-Berlin verbreitet worden. Morgen, Sonntag, gilt es, die neue» Abonnenten für den„Vorwärts" zu sammeln! Parteigenossen! Wir erwarten, daß sich keiner von Euch dieser wichtigen Parteipflicht entzieht! Die Gegner machen Riesenanstrengungen, lassen es sich Riesensummen kosten, um der klassenbewußten Arbeiterschaft ein Heer gemieteter Agitatoren entgegenzustellen. Der Reichslügenverband, der bereits Hunderte von Rednern und Literaten besoldet, die die p o l i t i s ch e und g e w e r k- s ch a f t l i ch e Arbeiterbewegung mit allen Mitteln der skrupellosesten Demagogie bekämpfen, gründet unausgesetzt neue Agitationsschulen, um diese dressierten Söld- linge des Kapitals gegen die Arbeiterbewegung loszulassen l Die Scharfmacher lassen es weder an Kosten noch An- strengungen fehlen, um den Gewerkschaften eine Organisation der Gelben gegenüberzustellen! Und die gegnerische und sogenannt„ u n- parteiische" Presse verwendet ihre kolossalen Mittel dazu, die noch nicht aufgeklärten Arbeiter, Handwerker und kleineren Geschäftsleute für sich einzufangen! Da ist es die P f l i ch t d e r S e l b st e r h a l t u n g für jeden denkenden, aufgeklärten Arbeiter, diesen Machinationen der Gegner, der Kapitalisten und Ausbeuter die Kraft des aufgeklärten Proletariates entgegenzusetzen! Die Gegner wissen, um was es sich handelt: um die wirtschaftliche Unterdrückung und die politische Knebelung des arbeitenden Volkes. um Förderung der Geschäftspolitik! Die Panzerplattenfabrikantcn und Reeder wollen neue Kriegsschiffe bewilligt haben. die Börse und die Tippclskirchs verlangen neue Kolonialausgaben. die Agrarier Sicherstellung des Brot- und Fleisch- Wuchers! Dazu sollen die neuen Steuern, die in Höhe von Hunderten von Millionen notwendig werden, wiederum auf die Schultern der arbeitenden Klasse gelegt werden! Das Proletariat aber hat sich nicht nur dagegen zu wehren, es hat auch für seine politischenRechte, für die Ausdehnung des ReichstagSwahlrechteS auf Preußen mit aller Tatkraft einzutreten l Das ist aber nur möglich, wenn das arbeitende Volk aufgeklärt wird, wenn es sich um das KampfeSbanner des zielbewußten Proletariats schart. Das ist nur möglich, wenn das sozialdemokratische Organ für Groß-Berlin, wenn der „Vorwärts" in jeder Arbeiter- und Handwerkerfamflie gelesen wird! Parteigenossen! Tretet am Sonntag früh 8 Uhr vollzählig zur Werbung neuer Abonnenten an! An Euch liegt cS, den Kampf für Eure Wohlfahrt. Eure Rechts erfolgreich zu führen. Nehmt die Sonntagsnummer des„Vorwärts" mit, um zu zeigen, wie reichhaltig Euer Organ ausgestattet ist! Ah die Arbeit! Zeigt, datz der proletarische Idealismus über die Ränke deS Geldsackes triumphiert! Mßhsndluitg eines Dienstmädchens. Vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg hatte sich am Freitag der Kaufmann von Hayn und seine Ehefrau wegen Mißhandlung und Beleidigung ihres Dienstmädchens Auguste �icmanski zu verantworten Bei oen Angeklagten, die in der Barbarossaftraße zu Schöneberg wohnen, war Fräulein Ziemanski in Stellung. Sie hatte am 15. Februar zum 1. März gekündigt. Frau von Hayn wollte die Kündigung nicht gelten lassen,� sie be- hauptete, daL Mädchen dürfe nur zum QuartalSersten kündigen. Fräulein Ziemanski wollte nun zur Polizei gehen, um sich wegen ihres Kündigungsrechtes zu erkundigen. Wie Fräulein Ziemanski als Zeugin angab, ist sie nun von Frau von Hayn e i n- geschlossen worden, und als sie deshalb schrie, um Hülfe herbeizurufen, sei Frau von Hayn über sie hergefallen. habe ihr i n S Gesicht gespuckt, mit der Faust ins Gesicht gcscblagen und mit den Füßen gestoßen. Fräulein Ziemanski bat � dann das Küchenfenster geöffnet und Hülfe gerufen. Frau von Hayn riß das Mädchen vom Fenster weg. hielt ihr den Mund zu und sagte:„Liebes Kind, es hat Ihnen ja nie- mand etwas getan!" Inzwischen waren Leute aus dem Hause und Rohrleger, die auf dem Hofe arbeiteten, hinzugekommen. Von dem, was sich zwischen Frau von Hahn und dem Mädchen ab- gespielt hatte, sahen diese Zeugen nichts mehr. Jedoch bemerkten sie, daß Fräulein Ziemanski ein anscheinend von Schlägen dick angeschwollenes Gesicht hatte. Eine als Zeugin vernommene Hausbewohnerin gab an, Frau von Hayn sei auch schon gegen eines ihrer früheren Dienstmädchen gewalttätig vorgegangen. Sie habe eines Nachts um 11 Uhr das betreffende Mädchen aus der Wohnung hinausgeworfen» so daß sie auf dem Treppcnflur kampieren mußte. Die Angeklagte Frau von Hahn bestritt die Miß- Handlung. Sie behauptete, das Mädchen habe fortwährend ohne Ursache geschrien, so daß sie, die Angeklagte, geglaubt habe, das Mädchen sei verrückt geworden. Die Angeklagte will das Mädchen nicht geschlagen haben. Lediglich das heftige Zuhalten des Mundes soll es gewesen sein, was das Mädchen für Schläge hielt. �Dvs ganze Auftreten des Mädchens soll nach der Behauptung der Frau von Hayn nur eine Komödie gewesen sein. Dem widerspricht ent- schieden die Angabe der Zeugen, die auf die Hülferufe des Frau- leinS Ziemanski herbeigeeilt waren und die Bemerkung gemacht haben, daß hier von einer Verstellung des Mädchens keine Rede sein konnte. Namentlich das geschioollene Gesicht habe füz vorher- gegangene Mißhandlungen gesprochen. Als am Abend nach den Mißhandlungen eine Schwester des Mädchens in deren Gegenwart mit dem von Haynschen Ehepaar wegen dieser Angelegenheit sprach, hat der Angeklagte von Hayn, wie er zugibt, Fräulein Ziemanski als ein„ganz g. mcincL, verlogenes Subjekt" bezeichnet. Der A m t s a n w a l t beantragte gegen den Angeklagten von Hahn eine Geldstrafe von 20 Mark wegen Beleidigung und gegen die Frau von Hahn wegen der Rißhandlungen, die der Amtsanwalt für festgestellt hielt, eine Geldstrafe von 4 9 Mark. Rechtsanwalt Dr. Kurt R o s e n f e l d, der die als Neben- klägcrin zugelassene Fräulein Ziemanski vertrat, beantragte eine Buße von 20 Mark und führte im übrigen aus, daß eine Geld- strafe für so schwere Beleidigungen und Mißhandlungen, namentlich wo es sich um wohlhabende Leute handelt, doch keine ausreichende Sühne sei. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Leonhard Fricdmann, beantragte die Freisprechung beider Angeklagten sowohl aus tatsächlichen Gründen, als auch unter Berufung auf die bc- kannte Bestimmung der Gesindeordnung, welche besagt, wenn das Gesinde die Herrschaft durch ungebührliches Verhalten zum Zorn reizt und deshalb mit geringen Tätlichkeiten bedacht wird, so kann das Gesinde dafür keine gerichtliche Genugtuung verlangen. Daß sich das Mädchen schon vor der Mißhandlung ungebührlich betragen habe, ist nämlich von der angeklagten Frau von Hayn behauptet worden. Das Gericht schenkte den Angaben der Zeugin Ziemanski Glauben und hielt demnach für festgestellt, daß sie von Frau von Hayn mit der Faust auf den Mund geschlagen, also mißhandelt worden ist. Ferner hielt das Gericht für fest- gestellt, daß der Angeklagte von Hayn das Mädchen durch die Worte»ganz gemeines, verlogenes Subjekt" beleidigt hat. Mer diese Beleidigung ist nach Ansicht des Gerichts auf Grund des Sj 77 der Gesindeordnung— straflos, weil, wie ebenfalls als festgestellt angesehen wird, das Mädchen die Herrschaft, zwar nicht unmittelbar vor der Beleidigung, aber doch am Vormittag des- selben Tages— die Beleidigung geschah am Abend— und auch schon vordem durch ungebührliches Betragen gereizt worden. Nach der Gesindeordnung— so sagte der Vorsitzende des Gerichts in der Urteilsbegründung— gehöre das Gesinde zur Familie der Herrschaft sind Familienmitgliedern gegenüber dürfe man sich starker Ausdrücke bedienen. Das Gericht sprach den Ange- klagten von Hayn frei und verurteilte seine mitanae- klagte Ehefrau wegen Mißhandlung zu der äußerst niil'dcn Strafe von fünfzehn Mark. Den Antrag auf Buße lehnte das Gericht ab. Wird die BcrufungSkammcr dieselbe Milde walten lassen? SeiicKts-Leitung. Das Drama in der Laubenkolonie. Die ausgedehnte Beweisaufnahme drehte sich im wesentlichen um die Frage, ob in der Tat die Braut deS Angeklagten Waldeck, Michaelis, mit Selbstmordgedanken sich getragen habe und melan- cholisch gewesen sei, wie der Angeklagte bebauptete. Seine Bc- haupwng wird von keinem der Zeugen bestätigt, im Gegenteil wird von einer Reihe von Zeugen bekundet, daß die Verstorbene sehr lebenslustig gewesen sei und fleißig an der Aussteuer gearbeitet habe. Der Angeklagte behauptete, seine Braut habe mit der linken Hand sich die Schnittwunden beigebracht. Keiner der Zeugen kann bekunden, daß die Verstorbene linkshändig gewesen sei, es wird durchweg das Gegenteil behauptet. Die Sachverständigen erklären die Schilderung des Angeklagten, daß die Michaelis bei ihren Vcr- suchen fortzugehen von ihm gestützt worden und dann zusammen- gesunken sei. für eine der Sachlage nach unmöglich zutreffende. Festgestellt wird, daß in der Stube des Angeklagten ein Schund- roman mit dem Titel:„Du sollst nicht töten!" vorgefunden wurde, sowie zwei Photographien des Angeklagten und seiner Braut, auf denen stand:«sterbe erst" und aus dem Bild der Braut:„geh Du mit." Ein Zeuge bekundet, daß Angeklagter erklärt hat, er würde seine Braut niederschießen, wenn sie ihn einmal verlassen wollte. Die Behauptung deS Angeklagten, daß in der Laube zwischen ihm und seiner Braut zunächst ein intimer Verkehr stattgefunden habe, wird durch die medizinischen Sachverständigen für widerlegt er- achtet. Angeklagter war früher Krankenwärter; er ist imstande, einen Notverband zu machen. Tatsächlich ist die Braut, ohne daß ihr.Hülfe zuteil wurde, spätestens in einer Stunde nach Beibringung der Stiche gestorben. Die den Geschworenen vorgelegten Schuldfragen lauten auf Mord, Tötung und Verbrechen gegen§ 216 des Strafgesetzbuches. der lautet:„Ist jemand durch das ausdrückliche und ernstliche Ver- langen des Getöteten zur Tötung bestimmt, so ist aus Gefängnis nicht unter drei Jahre zu erkennen." Eine weitere Schuldftage lautet auf Unterschlagung von 51 M. Der Staatsanwalt Dr. Schweichler beantragt die Schuldfrage nach Totschlag zu bejahen, aber die Frage zu verneinen, ob der Angeklagte durch das ernstliche Verlangen der Michaelis zu der Tat bestimmt worden ist. Nach Erörterung der gesamten Beweis- aufnähme nimmt der Staatsanwalt als unzweifelhaft an, daß der Angeklagte den Totschlag begangen hat. Er selbst habe sich mit Selbstmordgedanken getragen, falls er den Ersatz für die unter- schlagenen 51 M. von seiner Braut nicht erlangen konnte. Da ihm das nicht geglückt sei, habe er seiner Braut den tödlichen Schnitt beigebracht, habe sich möglicherweise auch selbst töten wollen, sei aber zur Ausführung dieses Planes zu feig gewesen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Egcr betont, daß lediglich Indizien vor- liegen, die gegenüber der Beteuerung der Unschuld seitens des An- geklagten nicht überzeugend ins Gewicht fallen. Er beantragt die Verneinung sämtlicher Schuldfragen mit Ausnahme der der Unter- schlagung und bittet, für diese Tat mildernde Umstände zuzubilligen. Die Geschworenen erklärten durch ihren Wahrspruch den An- geklagten der Unterschlagung und der vorsätzlichen und mit lieber legung ausgeführten Tötung der Michaelis auf deren ausdrückliches Verlangen schuldig und bewilligten ihm mildernde Umstände. Der Staatsanwalt beantragte vier Jahre zwei Wochen Gefängnis unter Anrechnung von fünf Monaten Untersuchungshaft. Der Verteidiger empfahl die mildeste Strafe. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu fünf Jahren zwei Wochen Gefängnis und rechnete sechs Monate auf die Untersuchungshaft ab. Der Gerichtshof hatte erwogen, daß ja in der Tat wohl die Liebe in Verbindung mit dieser Straftat stehe, daß der Angeklagte, der sich mit Selbstmordgedanken getragen, die Michaelis, die er sehr gern gehabt, nicht hier lassen wollte und es wohl denkbar ist, daß die Michaelis ihn schließlich gebeten hat, sie inS Jenseits mitzunehmen. Da aber das mindeste Strafmatz drei Jahre Gefängnis seien und sich doch noch milder liegende Fälle denken lassen, so habe der Gerichtshof die Strafe so wie geschehen, festgesetzt.— Der Angeklagte erklärte, sich bei dem Urteil nicht zu beruhigen, da er nichts Strafbares begangen habe. Versammlungen. Die Berliner Gewerkschaftskommission hielt am Montag eine Versammlung der Delegierten und Vorstände ab. R i t t e r er- stattete Bericht über die Tätigkeit der Propaganda-Kommtssion zur Förderung des Genossenschaftswesens. Di? Kommission ist im August vorigen Jahres gebildet worden. Der Redner berichtete. die Kommission habe nach besten Kräften das Genossenschaftswesen zu fördern gesucht. In einer Reihe von Gewerkschaften seien Vor- träge über das Genossenschaftswesen gehalten worden. Im Oktober habe die Kommission ein Flugblatt verbreiten lassen. Die Gc- Werkschaftskommission habe für die Arbeiten der Propaganda- Kommission 1000 Mark bewilligt, die auch verbraucht worden seien. Eine Angelegenheit, mit der sich die Propaganda-Kommission zu befassen hatte, sei die Frage der Einheitlichkeit der Genossenschafts- bcwcgung gewesen. Bekanntlich bestehen in Berlin zwei ver- s-hicdene Formen genossenschaftlicher Organisation. Auf der einen Seite der Berliner Konsumverein, aus der anderen Seite die Konsumgenossenschaft für Berlin und Umgegend. Die Konnnission habe eine Beratung mit den Vertretern der beiden Richtungen gehabt, um eine einheitliche Organisation anzubahnen. Ein praktisches Ergebnis habe diese Beratung bis jetzt noch nicht gehabt; es werde aber in dieser Richtung weiter gearbeitet. Die Genossen- schaftsbewegung habe erfreuliche Fortschritte gemacht, die Umsätze sowie die Mitgliederzahlen seien im letzten Geschäftsjahre gestiegen» und zwar der Gesamtumsatz in Groß-Berlin von 2 383 277 M. im Vorjahre auf 2 972 728 M. in diesem Jahre. Zum Teil könnten diese Erfolge wohl auf die Tätigkeit der Kommission zurückgeführt werden. Die Agitationsarbeiten sollen in der bisherigen Weise fortgeführt werden. Wie sich die organisierten Unternehmer den Gewerkschaften entgegenstellen und ihnen das Feld streitig zu machen suchen, so würden auch die Konsumgenossenschaften der Arbeiter von inter- essicrter bürgerlicher Seite bekämpft werden, sobald die bürgcr- lichen Kreise Nachteile durch die Gcnossenschaftsbewcgung haben. Die Anfänge dieses Kampfes seien ja schon da. Eine Reihe von Fabrikanten boykottieren bereits die Genossenschaften, indem sie denselben keine Ware mehr liefern. Diese Angelegenheit soll be- handelt werden in einem Flugblatt, welches dem„Vorwärts" bei» gelegt wird. Der Gedanke des Genossenschaftswesens müsse mehr als es bisher geschehen konnte, unter den organisierten Arbeitern verbreitet werden. Je mehr das geschehe, desto mehr würden die Gegensätze schwinden, welche zwischen Gewerkschaften und Gc- nossenschaften hier und da noch bestehen. Die Debatten zwischen Gewerkschaftsvertretern und Genossenschaftlern anläßlich deS Gc- nosscnschaftstages in Düsseldorf hätten nicht vorkommen können, wenn die Genossenschaftsbewegung eine andere wäre als sie heute noch ist. Die Kommission halte es deshalb nicht für opportun, von dieser Stelle aus gegen die Düsseldorfer Debatten Stellung zu nehmen. Wenn die Genossenschaftsbewegung weitere Fortschritte macht, dann würden solche Dinge nicht mehr vorkommen. Um den Fortschritt der Bcwcgung in Berlin zu fördern, müsse namentlich unter den Arbeiterfrauen agitiert werden. Der Redner empfiehlt die nachstehende Resolution: Die am 13. Oktober 1397 im Gewerkschaftshaus tagende Versammlung der Delegierten und Vorstände der Berliner Gc- wcrkschaften hat von dem Bericht der Kommission zur Förderung des Genossenschaftswesens in Berlin Kenntnis genommen. In Hinsicht auf die Verhandlungen des letzten deutschen Ge- nossenschäftstagcs in Düsseldorf und den sich nach Düsseldorf an» schließenden Preßpolemiken, erklärt es die Versammlung als Pflicht der organisierten Berliner Arbeiterschaft, die Konsum- genossenschaftsbewcgung noch mehr als bisher zu unterstützen, um diese Bewegung für die Forderungen der mit ihr in Bc- rührung kommenden Gewerkschaften leistungsfähiger zu gestalten. Iii der Diskusston sagte Eugen Brückner, es Ware zu wünschen gewesen, daß sich der„Vorwärts" mehr mit dem Genossen- schaftöwescn befaßt hakte. Vertreter der Genossenschaften beklagten sich darüber, daß es ihnen nicht möglich sei, sachlich informierende Artikel über das Genossenschaftswesen in den„Vorwärts" zu bringen. Die Redaktion habe derartige Artikel abgelehnt mit der Begründung, sie habe nicht Raum zum Abdruck derselben.*) Pein- lich habe es deshalb berührt, daß der„Vorwärts" für die Debatten anläßlich des Düsseldorfer Genossenschaftstages mehrere Spalteu zur Verfügung hatte, während ihm für sachliche Genossenschafts- artikel der Raum fehle. Man sollte erwarten, daß das führende Organ der Sozialdemokratie der Genossenschaftsbewegung nicht nur platonische Liebe entgegenbringe, sondern sie auch praktisch zu för- dcrn suche. Das sei um so mehr zu erwarten, als sich ja der Aktionsausschuß in einer Resolution für die Genossenschafts- bcwegung erklärt habe. D i t t m e r führte aus, ein wesentliches Hemmnis der Bc- wcgung sei der innere Zwiespalt der Genossenschaften in Berlin. Diesen zu beseitigen müsse die Hauptaufgabe der Kommission sein. — Andere Parteiblätter brächten mehr über die Genossenschafts- bewegung wie der„Vorwärts". Man sollte erwarten, daß der „Vorwärts" Rücksicht nehmen muß auf den großen Teil der Ar- beiter, der Interesse am Genossenschaftswesen hat. Der Redner hält die Erwähnung der Düsseldorfer Angelegenheit in der Rc- solution für unnötig. Ritter bemerkte dazu: Die Kommission habe sich mit der Düsseldorfer Angelegenheit befaßt. Die Vertreter der Genossen- schaften seien der Meinung gewesen, die Düsseldorfer Beschlüsse müßten gutgeheißen werden. Die Vertreter ver Gewerkschaften hätten dagegen der Ansicht Ausdruck gegeben, daß Form und Ton der Ausführungen des Genossen v. Elm doch zu kraß gewesen seien. Wenn die Forderungen, welche von gewerkschaftlicher Seite an die Konsumgenossenschaften gestellt werden, erfüllt werden sollen, dann müßten sich die Arbeiter zahlreicher als jetzt an den Genossen, schaften beteiligen. Die Resolution wurde hierauf gegen 2 Stimmen angenommen und beschlossen, daß die bisherigen Gewerkschaftsvertreter in der Propagandakommission weiter fungieren sollen. In den Ausschuß der Gewerkschaftskommission wurde an Stelle des ausgeschiedenen Mitgliedes Ernst Brückner der Genosse Busse gewählt. Bei Verlesung der Präsenzliste fehlten die Vertreter der Barbiere, Bureauangestellten, Kürschner, Schlächter, Tabak- arbeitcr, Bühnenarbeiter., _. r •) An m. der Red. Diese Behauptung des Genossen Eugen Brückner entspricht nicht den Tatsachen, über die er sich doch durch Anfrage bei der Redaktion oder durch Einsicht in die Ant- warten leicht hätte informieren können. Den Antworten unter- stellt er unrichtigerweise, sie hätten als Grund der Nichtaufnahme Mangel an Raum angegeben. Tatsächlich liegt die Sache so, daß zwei Artikel abgelehnt sind, weil sie durch ihre utopistischen, irre- führenden Darlegungen die Genossenschaftsbewegung und die Ge- samtbewegung der Arbeiterklasse nicht zu föroern, sondern zu schädigen geeignet waren. Der eine der abgelehnten Artikel schrieb der Genossenschaftsbewegung die Kraft zu, die Wirkungen der Zollerhöhungen, der andere die Macht der Kartelle zu hemmen. Der„Vorwärts" hat bei jeder Gelegenheit die Genossenschafts- bewegung zu fördern, aber freilich entsprechend der Auffassung der Partei deren Wirkungen nicht zu überschätzen gesucht. Er hat insbesondere als Voraussetzung einer gedeihlichen Ent» Wickelung der Genossenschaftsbewegung daS endliche Auf» geben der völlig grundlos bestehenden Zer» fplitterung des Genossenschaftswesens in Berlin bezeichnet und leider bislang ebenso fruchtlos wie die Gewerkschaften und GenossenschaftS-Vcrsammlungen diese lieber- Sonderbündelei bekämpft. Den in Düsseldorf von genojsenschaft- licher Seite eingenommenen arbeiterfeindlichen, die Rechte der Gewerkschaften und Frauen nicht minder wie die politische Be- wegung schwer beeinträchtigenden Standpunkt hat der„Vorwärts" ebenso wie andere gegen die Rechte der Arbeiter gerichtete Hand» lungen von Genossenschaften(z. B. rücksichtlich der Kautionen der Lagerhalter) bekämpft. DaS zu tun war seine Pflicht als Vcr- treter der Rechte der Arbeiterklasse, mit denen leider einige Ge- nosscnschaftcr die Bequemlichkeit genossenschaftlicher Geschäfts- führung verwechseln. Hat diese Wahrnehmung der gewerkschaft- lichen und politischen Rechte der Arbeiter den Genossen Eugen Brückner peinlich berührt, so ist das bedauerlich, vermag den„Vor- wärts" aber keineswegs von der Erfüllung seiner Pflicht ab- zubringen. Unrichtig ist die wiederholt vom Genossen Brückner auf- gestellte Behauptung, daß für sachliche Genosscnschaftsartikel im „Vorwärts" der Raum fchfo_ Zprcireligiöse(Semelnde. Sonntag, den 29. Oktober, vorm. 8'/, Uhr, im Nathans(Saal 109): Versammlung mit sreirellgiöfer Vorlefuiig.— VoniiittagS 105;. Uhr in der Schulaula, KI. Franksurterstr. 6: Vortrag von Herrn M. H. Baege:„Die Ergebnisse der babylonisch-assyrischen AnS- grabungen und ihre Bedeutung für Kulturgeschichte und Religion", 7 Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Für seit Julinlt der Jnjerate jiberiiimmt Sic Redaktion dem Piiblikniii ueaeiiüber keinerlei Veraiiiwortiing. €bcater. Sonnabend, den 19. Oktober. Anfang VI, Uhr. Köuigl. Opernhaus. Manon. Königl. Schauspielhaus. Der letzte Funke. Neues königl. Operntyeater. Der Dorfpsarrcr. Deutsches. Was ihr wollt. Kammcrspiele. Frühlings Er- wachen.(Anfang 8 Uhr.) Theater an der Spree. Telephon geheimnisie. Aniaiig 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Judith. Lessing. Vom andern Ufer. Scluller O. iWallner-Thealer.) Der Herr Senator. Schiller«harlottenburg. Das vierte Gebot. Berliner. Der Parasit. Der Präsn dcnt. Abschied vom Regiment. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Brüderchen. Neues. Die Waffen wieder! kleines. Maria Magdalene. Lortnng. HanS Helling. Komische Oper. Carnien. Westen. Die lustige Witwe. Liiiiivielhaiis. Im SperlingSnetz. Residenz. Ganz der Papa. Triano». Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Zentral. Unsere blauen Jungen?. Luise». Die beiden Reichcnmüllcr. Nachm. 4 Uhr: Hansel und Gretel. Bernhard Rose. Spree-Athencr. Nachm. 4 Uhr: Aschenbrödel. Nietropol� DaS muff man seh'n. SIpollo. Sylvester Schäffer. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Kaprice. Geteilte Liebe. Kasino. Die wilde Jagd. Gebr..Hcrrnfeld. Madame Wig- Wag. ES lebe das Nachtleben. Passage. Danny Gürtler. Spezia- litäten. Wintergarten. Ruth St. Denis. Spezialitäten. Wrater. Konzert. Palast. Ein glänzender Rcinfall. Spezialitäten. Karl Havcrland. Spezialitäten. Rcichshalle». Stcttiner Sänger. Urania. Zniibenslraffe Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Im Hörsaal um 8 Uhr: Dr. B. 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Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsteme, Nebelflecke. Seltiller-Theater. Luisen-Theater Reichenbergerstr. 34. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung: Hansel und Gretei Abends 8 Uhr: f. Sonntag 3 Uhr: Carmen. Abends: Hostmanns Erzählungen. Montag: Muttersegen. �ortiing-IbeJter. Zum ersten Male: Man« Helling« Anfang 8 Uhr. Sonntag nochin 3 Uhr: Zar und Zimmermann. AdcndS 8 Uhr: Hans Heiling. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. L.nsispivlkaiis. Abends 8 Uhr: Im Sperlingsnest. iff. üs ÜE B Direltion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akte» von Mars und Desvaillieres. Deuisch v. M. Schönau. Baron de? Aubrais: R. Alexander. srianim-Ideatei'. Fräulein Josette- meine Frau. Ansang 8 Uhr. cJfteakzmdaSik& T'/jI Köpenickerstrnsic 68. I'/at Zum ersten Male: Telephon- Geheimniffe. Schwank mit Gesang in 4 Akten. Sonntag nachmittag: Der Aktien budiker. Abends i Telephon-Geheimnisse. EmraKTtt»TE[ Kr. Frantsiirterltr. 132. 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Oktober, nachmittags 21/2 Uhr: Uersammlnng der Sektion I im<»en'erksebnft!sbani>e, Eiigcl-Uscr 15, Saal L TagcS-Ordnung in beiden Bersamuilungen: Die Prozentsatz-Einstellungen der Berliner Ring- Branercicn bei der jetzigen schlechten Konjunktur und wie stellen sich die Brauereiarbciter dazu? Kollegen! In Anbetracht der Wichtigkeit der Tages-Ordnung ist es Pflicht, zalstrcich und pünktlich zu erscheinen und wird erwartet, dasj auch die Arbeitslosen vollzählig anwesend sind. 42/13 Die Borstände beider Ortsverwaltungen. Zweigvcretn Berlin und Vororte. Bureau: Rosenthalerstr. 57 und Gormannstr. 28.— Teleph. Amt HI, 12g6. Geöffnet: g— 12 Uhr vormittags, 2—4 Uhr nachmittags. Nachtrag zur Liste vom 9. Oktober d. J. Lnblow, Wörtherstr. 26. Heers, Schivcibcinerstr. 26. Knstner, Kolonicstr. 127. Priefer. Schwcdenstr. 17. Bitting. Brüssclcrftr. 16. Winn, Türkcnstr. 25. Kürzel, Prinzessinnenstr. 4. Kuschle, Neicheiibergerstr. 171. Nowacki. Langestr. 8. Barzynski, Neue Hochstr. 25. Stralan. Lange, Alt-Stralau 17. SchOncbcrg. Hantel, Slkazienstr. 21. Charlottonbnrg. Zimlehl, Brauhosstr. 2. Rlxdorf. Becker. Berlinerstr. 79. Stephan, Hersurthstr. 6. Maudrich, Weserstr. 215. GrUnan. Thieman, Köpenickerttr. III. WeiBenHce. Arndt, Langhansstr. 16. Simon, Metzcrstr. 25. Aus der Liste sind zu streichen, für unsere Mitglieder daher gesperrt: Holz, Reimdcndorferstr, 110. Karde, Slreliherstr. 21. Seidel, Bernanerstr. 43. Werner, Vctcranenstr. 19. Lenz, Rlxdorf, Weser- straffe 205. Bryck, Avlershof, Bismarckjtr. 18. Vielen Anfragen entsprechend zur Mitteilung, daff Geschäfte, welche gar kein Personal bcschästigcn, frei sind. Die Kontrollkarte hat tonfarbcue» Grund und weihen Rand. 298/10 Der Vorstand. I. A.: Paul Liepe. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden, Prinzenstr. 41,„dicrÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10—12, 2— 4. ygienische Bedarfsartikel, Gummiwaren, lOOOe Anorlc. V. Prof. u. Aerzt. empf.. blll. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp. Berlin 0., Holz- marktstr.o9-70. OS. verlang. Danksagung. 6906 Für die vielen Beivcise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes tierrnarm Schneider sage ich allen Freunden und Bekannten sowie den Herren Kollegen des Stein- arbeiierverbandeS Berlin II meinen innigste» Dank. Frau Sehneider. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, VaierS und Schwiegervaters Barl RI rste sagen wir allenLeidtragenden insbesondere dem Veerdigungsverein Berliner Zimmerleute unseren heiz. lichsten Dank. Vg2b Wwe. Illarlv Kirsto und Kinder. Cigareitcn sind die besten. Mark« A.. 2— Ultra... 3 Pfg. Käuflich in»Uch Cl9»rreng,jchä(lfn. SilligerVerkanf der Zentrale für Herren- und Knaben-Garderobe S. Littmann nur Ko. 2 sr-mmsw- nur Wo. 2 nahe Hochbahnistntion. Prinzip: Großer Umsatz— Kleiner Nutzen. HnjtergewShnlieh billig offeriere ich: Elegante Winter-Paletots..... von ffochfcine Eskimo-Paletots.....„ Fein, fein engl. 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Die Parteigenossen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 236/14 Der Vorstand. Berlins unil Bmgegenil. Den Mitgliedern zur Nachricht, j daff unser Mitglied (tust SV Kölke I aus Klub„Apselblüte" am 14. d. M. s verstorben ist. Ehre seinem Audenteni Die Beerdigung flndet am I Sonnabend, den 19. Oktober, nachmittags vom Schauhanse, Hau- I noverschestraffe, ans statt. Der Vorstand. Bölilsebös Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daff unser Mitglied, der Silber- arbeiter Ernst Preuß am 16. d. MtS. an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenren. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Ottober, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Lnisen- Äirchhoses in Rlxdorf, Hermann- straffe, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 154/8 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Verwaltung I. (Verein Berliner Hausdiener.) Den Mitglieder» zur Nachricht, daff der Kollege �lired Kleinert verstorben ist. Ehre seinem Nndenkent Die Beerdigung findet am Sonntagnachmiltag 8 Uhr von der Leichenhalle des Malthäi- KirchhoseS. Südende, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 76/1 0ie Ortsverwallung. Deutscher Transportarbeiter-Verband.! Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser lang- jähriges Mitglied, der Fräserei- Kutscher Hermann Sander am 17. d. M. im Alter von 41 Jahren an einem Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 20. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Etninnnsj KirchhoseS, Rixdorf, Hermannstraffe, aus stall. Um rege Beteiligung bittet 76/2 Oie Ortsverwaltung II. | Verband der Fabrik-, Land-, 'iisarheiterunil Ärbeiterimieii Am Mittwoch, den 16. Ottober, verstarb unsere Kollegin Ems Weile. Ehre ihrem Andenken. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen» halle des Gemetnde-Friedhoses, Ober-Schöneweide, auS statt. Uni rege Beteiligung ersucht 64/14 Oie Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Be- kannten die iiesiranrige Nachricht, daff meine liebe Frau, unsere liebe Mutter und Groffmutter 403L Anna Itorenz geb. Lehniann an Lungenentzündung verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. Oktober, von der Leichenhalle des Charits- Kirchhofes ans statt. Dies zeigen mit der Bitte um stilles Beileid an die tiejbctrübtcn Hinterbliebene» A. Ijorcnse und Kinder. Montag, de« 2t Oktober, abends 8 Uhr: Volkverssmmlunz in der„Uenen Welt", Hasenheide. Tages-Ordnung: Der Jtochuerrats-frozeß in Seinzig. Referenten: ReichW'AbMockr Richard Fischer und Dr. Karl Liebknecht. Freie Diskussion. Erscheint in Massen. Achtung: Achtung! 4. Wahlkreis. Sonntag, den SO. Oktober, nachmittags 5 Uhr: I3P Versammlung rgf in Graumanns Festsälen, Naunynstr. S7. Tages-Ordnung: LSZ�IZ Die Religion und die Arbeiter. Referent: Genosse Kart Helnig. Nach der Versammlung» Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Ter Einberufer. Her ii Zahlstelle Berlin. Hantischler! Dienstag, den SS. Oktober, abends 8'/. Uhr: ZiUullg du- gesamten Kommissionen bei Walter, Adalbertstrafte SS. Die Dororle Ruedork, Charlottenburg, Schönoherg, Steglitz, 6roß-I.tcbterfelde und Weißensee werden ersucht. daran icilzunehmem L.: Karl Reiche. Der Einberufer. ZuiZiliöliiollMiIlöl Mlulein lies 6, BerlinerReidistags-Wahlkreises. 2 öffkiiüiljjk ioitttnnnalnttililrrtirrfiiiiluttorn. Montag, den 21, Oktober, abends S'/j Uhr für den 44. Wahlbezirk in der Pahenhofer Brauerei, Turmstr. 25/26. V o r 1 r a g des Stadiberordneten Hermann Schobert über:„Unsere kommunalen Forderungen«. Dienstag, den 22. Oktober, abends 8'/z Uhr PHP für den 45. Wahlbezirk'MW im Moabiter Kasino» Wilsnackerstr. 63. Dortrag d-Z RechlSanioaltS Stadtverordneten Dr. Karl Uebknech* übet: Sozialdemokratie und die freisinnige Stadtverwaltung._ OOr L» beiden Versammlungen nach den Referaten sreie Diskussion, 267/7» _ Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Verstand. Sozialdemokratisehev Wahlverein für den 0. Berliner Reiehstagswahlkreis. Sonntag, den SO. Oktober, mittags IS Uhr: Mitglieder-Nersammiung in der Brauerei Groterjan, Schönhauser Allee 128. TageS-Orbnung:»Rechte und Pflichten der Mitglieder städlischer Kommissionen«. Referent: Stadt- »erordnetcr Karl Koblenzer. 267/1* Mitgliedsbuch legitimiert. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. 8peml- 'Möbel-Halle1 Barrj ßoMii |59 Moritzplatz 5!/! 1 Ecke Statisch roiberstraBe. I [Nicht zu vergleichen mitj Abzahlungs- Geschäften, f [".volohs Garderobe usw führen. Exlra-lbteilung i verliehen gewesener Möbe l Wöchentliche od. monall Teiizabliuiggestatlet 2812» Krafl-RofhweTD Tür Blutarme u. Kranke, ärztlich empfohteo Fl.1,50 u.2M. überall Kaufliu In Apotheken, Drogen- u. Dohkat Gesch., steht unt. stand. Kontrolle des ehem. Labornt. Dr. C. Blschcff lll-i ■III» HS! Berlins und Umgegend. «MV Montag, den 21. Oktober 1907, abends 6 Uhr,«WS In Granmanns Festshlen, STaonynstr. 87; General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Engelbert Graf über:»VatertaudS- liebe und Vaterlandslosigkeit.« S. Diskussion. 6. Abrechnung vom III. Quartal und Verlesung der neuausgcuommenen Mitglieder. 4. Der Streik bei der Firma Menzel. 5. Verschiedenes. 111/20 Mitgliedsbuch legitimiert. Zur Beachtungl Laut Beschliisi sind die im letzien Quartal aus- genommenen Mitglieder verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. DAp Die Versammlung wird pünktlich crössnet. Zahlreiches Erscheinen erivartcl_____ Der Vorstand. Htjä lanfs 9 IMTIt- Tcllznhlnng wUchentl. i.tlk. & ITilk» Vollk. schmerzloses Zahnziehen I Mk. Plomben 1,50 M. Eeparat. sofort. Umarbeitung schlecht sitz. Gebisse. Zahnarzt W7«lf, Hielpzlgerstr. 1110. Sprechstunden 8— 7 Uhr. BlitzsSchnell ÜSI. PhiliW»«streiclur.lSSrÄÄ?,* Ilonals-Miige v-n 6 m., HoDats-PalelotSBon4 w.-m. Monats-Beinldeiiier zd staunend Iiilügen Preisen, SW auch für korpulente Herren passend."TMQ Dieselben sind von seinen KavaNeren und Reisenden, die nur einen Monat ihre Garderobe tragen. Fahrgeld wird vergütet. — Bitte ans Adresse genaa zu achten.—— Gänse! Gänse! sowie sämtliche Wänse-Artikel. 206/5 Gänsefleisch mit Kcnlen a Pfand 70 Pf. Gänsefleisch ohne Keulen a Pfand 40 Pf. Gänseklem, Gänsclicsen und Gänselebern. Gänsekeulen, frisch und gepökelt, a Stück 70 Ps., ff. Ansschniit und Wurstwaren. Wiener Würstchen» Paar SO Ps. und Knoblauch-Würstchen g Paar ÄS Ps.(zum warm machen.) K. Leifiner, joosterstrape Loks Kaiser Wilhelmstraßo. 95, Neue Zahlstellen sind eröffnet worden: in Tempelhof-Mariendorf™ � in �riedrnhoderA bei Günther, Rummelsburgerstr. 20; in Kaumschulenweg bei Joseph Schäfer, Baumschulenstr. 11; in Treptow bei Döhlau, Kicsholzstr. 25: 96/5 in Uemickendorf-West bei Schulze, Scharnweberstr. 22; in Äerlm- Osten bei Hanneman», Warschauerstr. 22. Den Mitgliedern wird serner bekanntgegeben, daß die Jahrbücher des Holzarbeiter-Verbandes eingetroffen sind. Dieselben können zum Selbstkostenpreise von 75 Pf. vom Bureau. Engel-Uscr 15, bezogen werden. Auch uebmen die Beitragsanmilcr Bestellungen entgegen. Die Örtsverwaltung. Möbelpolierer. DovuerStag, den 24. Oktober, abends 8 Uhr, bei Stechert, Andreasstraße 21 Krancheu-Nersammlung der Möbtl- lllid Stuhlpolikrer soivie Kkizer. TageS-Ordnung: I. Die kapitalistisch- Enlwickclunz in Deutschland. Referent: Redalleur Genosse Wilhelm Düwell. 2. Diskussion. 2. Branchen, und Verbands« angeicgenheiten. NB. Laut Beschluß der letzten Branchenverlauimlung soll über den Besuch der Branchenversammlungen Kontrolle geführt werden. Die Kollegen werden hiermit aufgefordert, das Mitgliedsbuch mitzubringen. Tie Brauchenleitung. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hanptbureau: Hos I. Amt 2, 1239.(JtiarltbstraSo 3. Hos m. Amt 3, 1937. Gürtler! MÜüi! Gürtler! Montag, den 21. Oktober, abends 6 Uhr, im großen Saale des Getoerkschaftshauses, Engcl-Ufcr 13: Verssmmlttnx aller iu den Eartlereiev lieschäst. Kollegeu u. Kollegiuaell. TageS-Ordnung: I. Bericht der Agstationslommission. 2. Neuwahl des BranchenleiterS und der Agitationskommissiou. 2. Branchenangelegenhciten. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es notwendig, daß all« Kollegen und Kolleginnen in der Versammlung erscheine». Wu- Metallarbeiter, iü) Montag, den 21. Oktober, abends 8 Uhr, in den Eichborn-Sälen, Reinickendorf» Eichbornstraßc 60: Bezirk»- Versammlung für aNe in Tegel, Reinickendorf, Borsigtvalde, Witteng«, Waidinannslnst und Wilhelmsruh wohnenden Metallarbeiter und-Arbeiterinnen« TageS-Ordnung: I. Die Internationale der Metallarbeiter. Reserent: Kollege M. Cohen. 2. Diskussion. 3. Wahl einer LlgitationSkommission. 4. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen I Die Versammlung wird pünktlich eröffnet Um vollzähligen Besuch wird der Wichtigleit der Tagesordnung wegen ganz besonders gebeten, auch sind die Frauen unscrcrKollcgen freundlichst eingeladen. _ Die Ortsvcnvaltnng. Oscar Arnold (Kein Laden) am Oranienplatz I}ut und Wulzen Cngrosgesckast! Einzelverkauf zu auffallend billigen aber festen Preissnl Stelle Herrenhüle v, 200—700 Weiche Herrenhüte v, I JO— 7.00 Mützen- und Oamenbüte. Lerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw..'Th.Glo«le, Berlin. Druck u.VerlagtVorwärtsBuchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SWä Nr. 245. 24. Iahrgimg. 2. Kcilm»es„Amiirts" Kntiin MlksdlM Sonnabend, 19. Oktober t9v7. Vit Tätigkeit öer iozialckemoiiratischtn frsktlon in d'r Berliner Stadtverordnete>»versammlung ll. September itäo bis 30. September 1007). II. Finanz- und Stcnersragrn. Stellen schon die laufenden Ausgaben der Stadtberlvaltung lvmner höhere Ansprüche, zwingen die bisher gänzlich oder teilweise vernachlässigten Gebiete zu immer größereu Aufwendungen, so treten an Berlin auch Forderungen der Nachbargemeinden heran. So teilte Ende 1005 der Magistrat mit, daß die Stadtgemeinde nach dem endgültigen Urteil des Obervcrivaltungsgerichts an' die Gemeinde Wcißcnsee für die Jahre 1897 und 1808 zusammen 26 024 M. als Beitrag für ihr öffentliches Bollsschulwesen zahlen müsse. Anspruch und Urteil stützt sich auf Z 53 des Kommunalabgabengesetzes, weil eine große Anzahl Arbeiter in Weißensee wohnen, dort ihre Kinder zur Schule schicken, aber in Berliner Betrieben arbeiten. Die Majorität der Stadtverordnetenversammlung ivar schnell mit einem Antrag bei der Hand, eine gemischte Deputation ein- zusetzen, die darüber beraten sollte,„welche Mittel geeignet sind, die Forderungen der Vororte abzuweisen und ihre pelnniären Folgen für Berlin unschädlich zu machen." Ihr Redner rechnete die mög- liehen Schäden vor und verwies auf kleinliche Repressivmaßregeln wie Erhöhung der Krankenhauskosten und des Schulgeldes für Ans- wärtige, auf ein Verbot des Wohnens Berliner Beamte in den Vor- orten u. dgl. Auf einen höheren Standpunkt stellte sich unser Ver- treter. Er gab die Schäden in gewissem Maße zu; sie seien aber die Folge der kurzsichtigen Berliner Kommunalpolitik; als 1805 die Möglichkeit gegeben war. eine Eingemeindung in großem Stil vorzunehmen, lvar eS der freisinnige Magistrat der diesmal sogar gegen die Majorität der Stadtverordnetenversammlung, die früher selbst die gleiche Kurzsichtigkeit gezeigt hatte, einen Strich durch die Rechnung machte. Damals schrieb der Magistrat an den Ober- Präsidenten:„Gegen eine Eingemeindung der vier nördlichen Vor- orte Reinickendorf, Pankow, Weißensee und Neu-Weißensee, wie sie von der Stadtverordnetenversammlung gewünscht wird, möchten wir jedoch ausdrücklich Widerspruch erheben." Die reichen Vorort- gemeinden wollte man gern nehmen, aber die armen sollten aus- geschlossen bleiben— ein Standpunkt, den in den früheren Jahren auch die Majorität der Stadtverordneten vertreten hatte. Gewiß trifft die Regierung ein schwerer Vorwurf, daß sie die früher von ihr selbst als notwendig erkannte Eingemeindung nicht mehr zulassen will, die Hauptschuld aber liegt bei der Stadtverwaltung. Mit Recht betonte unser Redner die Interessengemeinschaft zwischen Berlin und den Vororten:„Was wäre die Industrie ohne die Vororte gewesen!" Deshalb seien alle kleinlichen Kampfmittel von der Hand zu weisen und der Versuch zu machen, mit den Vororten Fivcckvcrbände auf den verschiedenen Gebieten des kommunalen Lebens zu bilden, eine Anregung, die schon früher wiederholt von uns und der kleinen sozialfortschrittlichen Gruppe gegeben, aber mit großer Majorität abgelehnt worden war. Auch jetzt kain es zu keinem derartigen Beschluß; eine gemischte Deputation wurde eingesetzt und erstattete im Mai 1907 Bericht. Sie wußte nichts vorzuschlagen als die eingangs erwähnten kleinlichen Re- Pressalien. Unsere Vertreter sprachen sich mit aller Energie gegen diese Vorschläge aus, die Herren um Cassel dafür; die übrigen wollten warten, bis sich die Vorschläge zu Anträgen verdichtet Hütten. Auf ein Zwischenspiel in Sachen der KrankenhauSkostenerhöhung kommen wir in anderem Zusammenhange zurück. In unserem letzten Bericht hotten ivir von den Bemühungen zu erzählen(„Vorwärts" 1005 Nr. 246). die gemacht wurden, um für die wachsenden Ausgaben neue Einkünfte zu erschließen. Das Ergebnis ivar, daß man einerseits bei den staatlichen Behörden vier Anregungen geben ivollte, andererseits neue Steuern vorschlug. Vom Staat sollte gefordert werde» 1. Aufhebung der kommunalen Steuerfreiheit der Beamten, deren amiliche Bezüge nur zur Hälfte mit der Einkommensteuer belastet sind; 2. Einführung der Selbst- eii'.schätzung zur Einkommensteuer auch für die Einkommen von 1500 bis 3000 Mark; 3. Ausdehnung der kommunalen Steuer- Pflicht auf Leute, die außerhalb der Gemeinde wohnen, in der sie ihre gewiimbringeiide Beschäftigung betreiben, endlich 4. Abänderung der Vorschriften über das Verhältnis der Einkünfte aus der Einkommen-, Grund- und Gewerbesteuer zueinander. Diese An- träge waren einstinunig angenommen worden. Erst im März 1907 kam die Stellungnahme des Magistrats hierzu zur Äeitntnis der Stadtverordncteit. Der Magistrat hat an den Minister nur Petitionen entsprechend den Vorschlägen zu 1. und 8. geschickt.� Den beiden anderen Vorschlägen ist er nicht beigetreten. Zu 2. führte er aus, daß ja inzwischen, gestützt aus eine neue Gesetzesbestinimung, Ver- sügungeu ergangen seien, wonach Arbeitgeber verpflichtet sind, der Steuerbehörde Angaben über das Einkommen der von ihnen be« schäftigten Personen, soweit eö nicht 3000 M. übersteigt, zu machen. Mit Recht betonte unser Redner, daß wir der Selbsteinschätzung gern zugestimmt hätten, da wir es selbstverständlich für richtig hielten, daß jeder Bürger richtig zur Steuer herangezogen würde, die das Gesetz ihm auferlegt. Das vom Minister beliebte Verfahren, auf daS sich der Magistrat beruft, trifft aber nur die Arbeiter, während die kleineir„Sientiers" sich nach wie vor hüten würden, gegen ihre zu niedrige Veranlagung zu pro- testieren; eine richtige Einschätzung aller Einkommen von 1500 bis 3000 Mark würde möglicherweise so gute Erträge geben, daß nian die Einkommen bis zu 900 Mark steuerfrei lassen könnte— ein Erfolg, der von der arbeitenden Bevölkerung freudig begrüßt werden würde. Scharf tadelte cS unser Redner, daß der Magistrat durch eine Aufforderung an_ die Gewerbetreibenden die verfehlte Verfügung des Ministers unterstützt habe. Von dem Antrage zu 4. verspricht sich der Magistrat keinen Er- folg, da das Kommunalabgabengesetz schon heute Ablveichuugen von der festgestellten Regel zuläßt, allerdings nur mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden. Von den unmittelbaren Steuervorschlägen der gemischten Deputation von 1905 hatte der Vorschlag einer Billett- und Lust- barkcitsstcuer in der Versammlung eine Majorität von 20 Stimmen ? gefunden; gleichzeitig war die Umwandlung der Grundsteuer in eine olche nach dem gemeinen Wert und eine höhere Besteuerung der unbebauten Grundstücke sBauplatzsteuer) gutgeheißen worden. Der Magistrat brachte zunächst eine Vorlage betreffs Ein- führung der Billett- und Lustbarkeitssteuer. Von feiten der „Alten Linken" wurde die Lustbarkeitssteuer wegen der Schwierig- kciten bei ihrer Veranlagung abgelehnt; die Theaterbillettsteuer erklärten die Herren für nicht übel; doch wolle man sie jetzt auch ablehnen, da sie zurzeit nicht nötig sei. Prinzipiell dagegen be- kämpften uin'ere Liedncr jede derartige Steuer, wie sie eS schon beim ersten Auftauchen des Gedankens— damals vergeblich— getan hatten; treffend bezeichnete einer unserer Redner den ganzen Plan als eine„Krählvinkelci".— Herr Cassel aber behielt cS sich und den Seinen bor. in ungünstigen Zeiten auf die Thcatcrbillcttsteuer zurück- kommen zu können! Mit den vorgeschlagenen Grundsteuern beschäftigte sich eine weitere Vorlage des Magistrats. Sie brachte die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert, einige fonnale Abänderungen der Umsatz- steuerordnung und schließlich an Stelle der von der gemischten Deputation vorgeschlagenen Bauplatzsteucr die Wertznlvachsstcuer. Mit Recht war diese Aenderuug vorgenommen; hat doch einer unserer gewiegtesten Terrainspeknlanten, der Stadtverordnete Georg Habcrland, in einer in« Jahre 1904 erschien cnen Schrift berechnet, daß das Weichbild Berlins binnen 18 bis 25 Jahren vollständig bebaut sein dürfte. So war auf einen dauernden Ertrag aus einer Bauplatzsteuer kaum zu rechnen. Auf der anderen Seite muß gerade Iber Mangel an weiterem anbaufähigen Terrain den Berliner Grund und Boden noch stärker im Preise in die Höhe treiben, als es schon jetzt durch das stetige Wachsen der Bevölkerung, durch ihren Fleiß und ihre Arbeit geschieht. Die Schicksale der Magistratsvorlage be� Reffend die Grundsteuer sind wohl das für die Majorität der Stadt verordnetenversammlung charakteristischste Ereignis unserer Berichts- epoche; sie sind das Thema, das in allen Wahlversammlungen wieder und immer wieder behandelt werden nmß. Die Vorlage stand zum ersten Male im Januar 1006 auf der Tagesordnung; sie wurde zurückgestellt, Iveil man weiteres Material abwarten wollte. Am 17. Mai 1906 fand die erste Beratung statt. Die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert fand keine» Widerspruch; ebensowenig die formalenAendcrungcn der Ilmsatzsteuer. Um so heftiger entbrannte der Kampf um die Wertzuwachsstcncr— handelte es sich doch darum, daß den Bodenspekulanten, einer mächtigen Gruppe innerhalb der Berliner Finanzwelt, ein Teil ihres unverdienten Gewinnes entrissen werden sollte zugunsten der Gesamtheit, deren Arbeit das Ganze zu danken ist. Die Wertzuwack>sstcuer, wie sie sich bereits in einer Anzahl großer Städte anch in Preußen bewährt hat, ist eine der besten Steuerformen. Sie ist gerecht, denn sie trifft einen unverdienten VcrniögenSznwachs, sie ist leicht zu tragen, denn sie wird gefordert, wenn der Pflichtige eine große Summe ein- streicht— nämlich in dem Augenblick, wo er mit Gewinn verkauft und zwar nur als ein bescheidener Teil dieses Gewinnes— ja ein jeder müßte sich freuen, recht viel Wertzuwachssteuer zu zahlen, da das ja bedeutet, daß er das Vielfache davon mühelos gewonnen hat. Mühelos I Schon im Jahre 1866 schrieb ein anerkannt„unentwegter" Freisinnsmann, Alexander Meyer:„Auf den Preis keines anderen Gegenstandes übt das Zusammenleben vieler Menschen einen so durchgreifenden Einfluß aus wie auf den des Grund und Bodens. Was hat der Eigentümer getan, seinem Besitz einen so hohen Wert zu verleihen? Er selbst nicht das geringste. Aber 100 000 fleißige Menschen haben sich ringsumher angesiedelt, arbeiten und verzehren, kaufen und verkaufen und machen sich diesen Raum streitig, um auf demselben zu wirken. Eben der Umstand, der den Ertrag erhöht hat, verursacht aber nun Kosten zur Abwendung von Schäd- lichkeit und Gefahr, zur Erhöhung des Nutzens, und ich sollte mich weigern, von dem auf das Hundertfache gestiegenen Ertrage den zehnten Teil zur Bestreitung dieser Kosten wieder herzugeben?" So Alexander Meyer 1866; aber die heutigen Freisinnshelden, die den Freisinn auch in den Parlamenten vertreten oder besser vertreten sollten, die Herren Cassel und Roscnow, die Herren Kämpf und Dr. Hermes, führten ihre Mannen in den Vernichtlingskanrpf gegen die Wertzuwachssteuer. Und doch war der Magistratscntwurf ganz außerordentlich be scheiden. Die WertzuwachSsteucr sollte erst erhoben werden, wenn der Wertzuwachs seit dem letzten Besitzwechsel nach sehr reichlichen Abrechnungen mehr als 10 Proz. des früheren Wertes betrage. Bei einem Wertzuwachs von 10—20 Proz. sollten 5 Proz. des Oieingewinnes als Steuer entrichtet werden; für jede Steigerung des Gewinnes um weitere 10 Proz. sollte die Steuer um 1 Proz. höher sein bis zum Höchstsatz von 20 Proz., der bei einem Gewinn von 160 Proz. erreicht würde— also wenn jemand ein Grundstück mit 100 000 M. gekauft und mit 260 000 M. perkaust, mithin einen Reingewinn von 160 000 M. gemacht hätte, müßte er— daS ist der Höchstsatz— ein Fünftel davon, d.h. 32000 M. an Steuer zahlen, während 128 000 M. in seine Tasche flössen. Wir sagten Reim g e iv i n n; denn nach der Vorlage sollten alle Auslagen und Un kosten von dem Bruttogewinn in Abzug gebracht werden. Ja bei unbebauten Grundstücken sollte neben den anderen Abzügen noch eine 4prozeutige Verzinsung deS früheren Kaufpreises in Anrechnung kommen. Ein solches Grundstück konnte nach der Vorlage in zehn Jahren um 50 Proz. im Werte steigen, ohne daß nur ein Pfennig Wertzuwachssteuer hätte erhoben werden können— es würden nämlich 4 X 10— 40 Prozent als Verzinsung in Anrechnung kommen und die nun gefundenen 10 Proz. Gelvinn stener frei bleiben! Darüber hinaus würden zunächst die niedrigsten Steuersätze platzgreifen und erst bei 200 Proz. wirklichen Gewinnes, also bei einer Wertsteigcrung auf das Dreifache in 10 Jahren. der höchste Steuersatz von 20 Proz. veranlagt werden, aber auch nur von 160 Proz., da 40 Proz. als Verzinsung freiblieben, d. h. im ganzen 16 Proz., noch nicht>/s des wirklichen Gewinnes I Aber die Vorlage ging in ihrer Milde noch viel weiter; sie bestimmte: Liegt' bei bebauten Grundstücken der letzte Besitzwechsel mehr als 5 Jahre zurück, so wird nur"/z der Steuer erhoben, liegt er mehr als 10 Jahre zurück, gar nur der obigen Sätze! Dasselbe sollte für unbebaute Grundstücke gelten, wenn der letzte Besitzwechsel 10 resp. 20 Jahre zurückläge! Selbstverständlich genügten uns diese Bestimmungen keineswegs; wir brachten eine ganze Reihe ver- schärfender Anträge ein. die von unserem Redner in glänzender Weise vertreten wurden,— es erübrigt sich sie aufzuzählen, konnten sie doch gegenüber dem Anprall der Gegner nicht aufrecht erhalten werden. Die Gegner zerfielen in zwei Gruppen. Die einen erklärten von vornherein das ganze Prinzip zu verdammen— als erster von ihnen sprach Herr Kämpf, der sich auf seine persönlichen Er fahrungen berief—„Ich bin selbst bei einer derartigen Terrain gesellschaft beteiligt", erklärte er stolz(Sten. Ber. 1906 S. 252)— seine Schritln, acher bei der ReichStagSwahl 1907 bestritten steilich sein Interesse an irgend einer Terraingeiellschaft, als ihm die Boden- reformer im ersten Berliner Wahlkreise sein Auftreten gegen die Wertzuwachssteuer im Rathause vorhielten I Schlimmer als die prinzipiellen Gegner zeigten sich schon bei der ersten Verhandlung die falschen Freunde; sie erklärten, das Prinzip der Wertzuwachs- steuer sei gesund; nur gehe die Vorlage viel zu weit! Ihre Forde- rungen gipfelten darin, daß erstens die„rückwirkende Kraft" beleitigt werden müsse, d. h. daß für die ersten Besitzwechsel nach Jnkraft treten der WertzuwachSsteucr nicht der wirkliche Wertzuwachs in Anrechnung kommen solle, sondern daß als Ausgangspunkt der Wert vom 1. April 1907 zugrunde gelegt werden müsse. Wäre damit für die nächsten Jahre die Gefahr abgewendet gewesen, so sorgte ein zweiter Vorschlag für alle Zukunft: Es sollte nämlich die Umsatz- steuer auf die Wertzuwachssteuer angerechnet, mit anderen Worten nur der Betrag der Wertzuwachssteuer erhoben werden, der über die Umsatzsteuer hinausginge! Die Vorlage wurde an einen Ausschuß verwiesen; aber die Herren von der Majorität hatten keine Eile. Sie beriefen die erste Ausschußsitzung zum 10. Oktober 1906 ein; im Ausschuß entbrannte der Kamps von neuem, der namentlich von unserer Seite auf das zähcste geführt wurde; in acht langen Sitzungen, deren letzte im Dezember stattfand, wurden die Beratungen zu Ende geführt. Das Ergebnis war Annahme der Grundsteuer nach dem gemeinen Wert, die kauni Anlaß zu eingehenderen Besprechungen bot, und weiter Annahme der oben angeführten Vorschläge der falschen Freunde der Wertzuwachssteuer, denen ein Teil der prinzipiellen Gegner zu- stimmte, indem sie schon jetzt offen erklärten: Wir wollen durch Annahme dieser Vorschläge der Vorlage die Gistzähne aus- brechen; trotzdem lverden lvir sie nachher inr ganzen noch ablehnen. Am 14. März 1907 erstattete der Ausschuß endlich Bericht; eine neue Debatte entspann sich, die am 21. März fortgesetzt wurde. Unser Redner erklärte:„Wir stehen prinzipiell auf dem Stand- punkte, daß der ganze Grundbesitz in die Hände der Allgeineinheit, der Gemeinde gehört." Für diesen Standpunkt einzutreten, sei jetzt und hier nicht möglich; darum treten wir wenigstens für die Wertzuwachs- steuer ein. Neben den finanziellen Vorteilen, die für die Entwickelung der Gemeinde unentbehrlich seien, werde man durch eine richtige AuS- gestaltung der Wertzuwachssteuer auch soziale Ziele erreichen können. Insbesondere könne man durch sie zu einer Erschwerung der Grund- slücksspekukation gelangen und damit auf die MietSstcigerungcn mildernd einwirken. Und wie gering sei doch das hier geforderte. Unser Redner machte sich_ zwei Beispiele zu eigen, die der Magistratsvertreter im Ausschuß aus dein wirklichen Leben gegeben: Ein Grundstück in der Monunientenstraße sei im Jainiar 1906 für 67 000 M. gekauft und wenige Monate später für 96 000 M. verkauft worden. Der Reingewinn berechne sich nach Abzug der Unkosten aus 25 000 M., wovon der glückliche Gewinner 1750 M. Wertzuwachssteuer zahlen müßte. Ein HauS in der Leipziger- straße sei 1893 für 820 000 M. gekauft und 1906 für 1 200 000 M. verkauft worden. Der Reingewinn berechnete sich auf 367 700 M., die Wertzuwachssteuer würde 9300 M. betragen: in die Tasche des glücklichen Verkäufers flössen dagegen 357 900 M. Uusex Redner fügte hinzu, daß dieser Gewinn auf ein verhältnismäßig gc- ringes Anlagekapital entfiele, denn der Mann habe höchstens 100—200 000 M. in das Geschäft gesteckt, das übrige hätte sicherlich auf Hypotheken gestanden und bei einem solchen wahrhaft riesigen Gewinn erhebe man ein Geschrei um 9800 M. Steuer! Vergeblich wurde von anderer Seite darauf hingewiesen, daß einer unserer größten Terrainspckulanten, der schon vorher erwähnte Stadtverordnete Haberland— er ist gleichzeitig Gemeindcvertreter in Wilmersdorf— vor wenigen Jahren in einer Broschüre ge- schrieben habe, daß die Wohnungsmisere nicht durch eine Wohuungspolizei oder dergleichen beseittgt werden könne, sondern nur durch eine Besteuerung des Grund und Bodens, wie sie ja die Wertzuwachssteuer ist— freilich galt es damals den Entwurf eines Wohnungsgesetzes zu Fall zu bringen; im Kampfe für den Profit gilt jedes Mittel. Vergeblich wurde betont, daß die Wertzuivachssteuer mit den Einschränkungen, wie sie der Ausschuß vorschlage, wertlos sei und vom Magistrat nicht an- genommen werden könne; daß aber, wenn sie nicht zustande käme, der Staat möglicherweise ihre Einführung erzwingen oder sie gar für sich in Anspruch nehme» könne. Vergeblich wurde darauf hin- gewiesen, daß die„ruhigen Hausbesitzer", die man verteidigen zu wollen vorgab, als solche von der Steuer gar nicht betroffen würden, da die Steuer ja nur erhoben würde, wenn sie ihr Haus gewinn- bringend verkauften, also aufhören wollten,„ruhige Hausbesitzer" zu bleiben. Nur eines wurde erreicht— die Entscheidung wurde hinausgeschoben. Nachdem die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert angenommen war, damit sie am 1. April 1903 in Kraft treten könne, wurde nur noch über den Satz abgestimmt: „Zu der Umsatzsteuer wird eine Wertzuwachssteuer erhoben, ivenn der Wertzuwachs nach den Abrechnungen 10 Proz. übersteigt." Die Abstimmung war eine namentliche— mit 65 gegen 54 Stimmen wurde damals das„Prinzip" der Wertzuwachssteuer angenommen; alle übrigen Paragraphen wurden einem neuen Ausschuß überwiesen. Wieder wurde in, Ausschuß auf das hartnäckigste gekämpft; in sechs Sitzungen zwischen dem 29. April und 24. Juni wurden die Be- ratlbrgen geführt— an den früheren Beschlüssen wurde trotz aller Bemühungen unserer Genossen, trotz des standhaften Eintretens des Oberbürgermeisters nichts geändert. Am 26. September 1907 lag der AuSschußbericht vor; noch ein- mal brachen die Anhänger der Wertzuwachssteuer eine Lanze für sie. voran unser Redner, der erklärte, daß wir uns, um zu retten, was irgend möglich sei, auf die Magistratsvorlage zurückzögen, daß wir aber auf keinen Fall für die Abschwächungen deS Ausschusses ein- treten könnten, um nichts für die Zukunft zu verderben, und daß wir nach Annahme der Ansschußanträge gegen die damit völlig wert- lose, ja verderbliche Vorlage stimmen würden. In gleicher Weise charakterisierte der Oberbürgermeister die Beschlüsse deS Ausschusses; in ernsten, eindringlichen Worten suchte er noch einmal der Mehr- hcit inS Gewissen zu reden und warnte davor, diesen Tag zu einem „äies ator", einem schwarzen, einen, verhängnisvollen Tag werden zu lassen. Dann erfolgte die Entscheidung des fast zwei Jahre währenden Kampfes in vier namentlichen Abstimmungen. Zunächst wurde unser Antrag: Gegenüber dem AuSschußbcschluß, daß die Berechnung des Wertzuwachses nicht über den 1. April 1007 zurückgreifen dürfe, die Magistratsvorlage wieder herzustellen, mit 75 gegen 54 Stimmen abgelehnt— von den 54 Stimmen der Minorität entfielen auf die Sozialdemokraten 31. die sozial- fortschrittliche Gruppe hatte 7 Mann gestellt, aus den drei anderen großen Parteien hatten sich im ganzen nur 16 Mann gefunden, die ernsthaft eine Wertzuwachs- steuer anstrebten. Mit fast dem gleichen Stimmverhältnis wurde sodann der Ausschußanttag, am 1. April 1907 als Stichtag festzu- halten, angenommen; ebenso der AuSschußantrag. die Umsatzsteuer auf die Wertzuwachssteuer anzurechnen. In der SchlnKabstimnumg wurde endlich die gänzlich verstümmelte Vorlage mit 119 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Mit zwei Ausnahmen hatten anch diejenigen, die für die Abänderungsvorschläge des Ausschusses gestimmt hatten, jetzt gegen die doch nach ihrem Wunsch zugerichtete Vorlage ge- stimmt— mit Stumpf und Stil sollte die Gefahr' beseitigt lverden. „Und soweit ist in diese» 40 Jahren der Liberalismus herunter- gekommen, daß er einen damals gezogenen Wechsel heute nicht mehr honorieren will?" rief fragend der wirklich liberale Stadtverordnete Professor Preuß, nachdem er das oben erwähnte Zitat von Alexander Meyer verlesen hatte. Wir antworten: Ja, der Liberalismus ist so tief gesunken, daß kein Freund des Fortschrittes mehr für seine Ver- treter stimmen kann. Darum ans am 6. November zur Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten, die auch dafür sorgen werden, daß die Frage der Wertzuwachssteuer alsbald wieder auftaucht I keltrsge für das fluer-Detihmal Brutus, Chemnitz 0,60. Von den Kollegen der Firma Detlew u. Sievers Nächst. 4,—. Kranzspendenüberschuß von den Arbeitern der Akkumulatorenfabrik A. G. Oberschöneweide 13,30. Pfeifer. Kottbuser Ufer 45 3.—. Ueberschußkranzspende von den Kutschern des Fuhrhof Berger, Königsbergerstraße 2,—. Sparvcrein„Süden" d. Heuer 4,—. Karl 10.—. Sechserkasse Belling u. Lübke 6,—. Strauchhein, durch Wasner 2,70, Schlosser der Firma Ernst Frailck, Admiralstraße d. Paul Wende 12,50. Weitere Beiträge für das Auer-Denkmal sind zu richten an den Kassierer Emil BoeSke, Verbandsbureau, Berlin 81V. 68. Lindenstr. 69. Partei- Angelegenheiten. Rixdorf. Die Mitglieder werden ersucht, in der morgigen Theatervorstellung pünktlich 2% Uhr zu erscheinen, um jede Störung zu vermeiden. Die Ordner haben sich eine Stunde früher einzufinden. Der Vorstand. Friedenau. Heute abend Stiftungsfest des Arbeiter Gesang» Vereins„Morgenrot" im„Rheinschloß", nicht zu verwechseln mit dem gleichzeitig stattfindenden des Gesangvereins„Rütli" im lesperrten Kaiser-Wilhelmsgarten.— Um Dienstag, den !2. er. ordentliche Mitgliederversammlung bei Grube.' Zchlendorf. Am Sonntag, den 20. d. M., morgen? �1/� Uhr, findet eine Flugblattverbreitmig von folgenden Lokalen aus statt: 1. Bezirk W. Mieck, Karlstr. 12; 2. Bezirk Berger, Hauptstraße, Ecke Scharsestraße; 3. Bezirk Benno Mickley, Potsdamcrstr. 25; 4. Bezirk im bekannten Lokal in Schlachtenscc.— Die Bezirksführer empfangen Sonnabend, abends von 3 Uhr an das Material von Benno Mickley, Polsdamerstraße 25. Agitiere jeder für recht zahl- reiche Beteiligung! Lichtenberg. Heute, Sonnabend, den 19. Oktober findet das Herbstfest deS Wahlvercins im„Schwarzen Adler"(Gebr. Arnhold). Frankfurter Chaussee 5— 6 statt. Mitwirkende sind: Neues Ton- künstler-Orchcstcr, Dirigent Franz Hollfclder und Volkssänger- gesellschaft Lcwandowsky. Nach dem Konzert Großer Ball. Zahl» reichen Besuch erwartet Ter Vorstand. Friedrichsfelde. Am heutigen Sonnabend hält der sozialdcmo- kratische Wahlvercin, Bezirk Friedrichsfelde, sein 17. Stiftungsfest im Lokal F. Bube, Prinzenallee 30, ab. Für Unterhaltung ist reichlich gesorgt. Genossen und Freunde sind hierdurch eingeladen. KZpenick. Zu dem morgen, Sonntag, in Seidels Gesellschafts- hauL stattfindenden Wilhelm Buschabend sei nochmals aufmerksam gemacht. Einlaßkarten a 30 Pf. sind zu haben bei Fritz Woik, Kietzcrstraße 6, Franz Weber, Bahnhofstratze 15 und im Gesell- schaftshaus� Karl Seidel. Zossen. Am Sonntag, den 20. Oktober, vormittags 8 Uhr, findet vom Lokale Schimke aus die Verbreitung des Kalenders und einer Broschüre statt. Ferner machen wir auf die am Mittwoch, den 23. d. M. stattfindende Mitgliederversammlung aufmerksam. Vor der Versammlung werden Beiträge einkassiert. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, sich an den Veranstaltungen zu be- teiligcn. Der Vorstand. Ablershof. Am Sonntag, den 20. Oktober findet eine Flug- blattverbreitung zur Gewinnung von Vorwärtsabonnenten vom Lokal des Genossen Kaul, Bismarckstraße 16, aus statt. Die Ge- noffen werden ersucht, sich pünktlich und vollzählig um IVi Uhr frülj einzufinden. Der Vorstand. Schenkendorf b. Königswusterhausen. Sonntag, den 20. Ok- tober, nachmittags 2Vj Uhr. öffentliche Versammlung für Männer und Frauen im Saale des Herrn Otto Paetsch. Tagesordnung: »Die Bedeutung des Essener Parteitages." Referent: Kurt Heinig- Berlin. Um 6 Uhr abends findet die monatliche Versammlung des Wahlvereins statt. Gäste sowie Frauen haben Zutritt. Zabl- reiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Nowawes. Am morgigen Sonntag, den 20. Oktober, findet eine Flugblattvcrbreitung statt. Treffpunkt morgens 8 Uhr bei Gruhl, Priesterstratze 69. Ehrenpflicht eines jeden Mahlvereinsmitgliedcs ist es, sich an derselben zu beteiligen. Der Vorstand. Oranienburg. Sonntag, den 20. Oktober, nachmittag? I Uhr findet bei Braun die Generalversammlung des WahlveremS statt. Unter anderem steht die Neuwahl des gesamten Vorstandes auf der Tagesordnung._ Berliner stfacbricbten. Im Süden von Potsdam. .Allstündlich, stets 30 Minuten vor der vollen Stunde. führt der Vorortzug vom Wannseebahnhof für 50 Pf. uns nach Potsdam. Man verläßt den Bahnhof in der Fahrt- richtung, geht an dem langen Droschkenhalteplatz vorbei und erreicht so eine Steintreppc, die auf die große Brücke über die Bahn leitet. Auf dieser Brücke wenden wir uns links und betreten die breite, mit Alleen bepflanzte Straße, die genau im Zuge der Brücke- sich durch die Vorstadt erstreckt. Die prächtigen Allcebäume schimmern gelb im herbstlichen Laubwechsel. Nach einigen Minuten erscheinen rechts und links die großen Potsdamer Kirchhöfe, ganz und gar malerisch in Grün gebettet, das auch die umhüllenden Mauern um- wuchert. Schließlich umfängt uns der Wald, der in der Nähe von Potsdam stark mit Eichen gemischt ist. Wo die Chaussee, die sich niit Hülfe von Paralleltvegen im Walde immer ver- meiden läßt, sich teilt, wenden wir uns rechts auf die Straße nach Bergholz und Saarmund. Etwa hundert Meter vor dem Uebergang der Wetzlarer Bahn zeigt rechts ein Schild nach Caputh, dein lvir folgen. Der breite Waldweg führt uns stundenlang durch prächtigen Kiefernhochwald. Wir ver- meiden die Abzweigungen, indem wir dem Fahrglcise folgen. Wo der Wald durch seine Hügeligkeit die Nähe der Rabens- berge verrät(auch das Gekrächze der Krähen fehlt nicht), kreuzen wir einen sandigen Fahrweg, den wir nach links zum tief abseits im Walde eingebetteten einsamen„Teufelssee in den Rabensbergen" einschlagen können, um nach seiner Be- sichtigung wieder auf den Hauptweg zurückzukehren. Dieser führt schließlich auf die schöne Waldchaussee von Potsdam nach Michendorf. Wir gehen einige Minuten nördlich, bis auf der anderen Seite der Chaussee bei einer Warnungstafel (Schießplatz, am Sonntag aber ungefährlich) ein kleines Schildchen nach Templin zeigt. Damit haben wir den Weiter- weg gefunden, der uns durch Hochwald zur Försterei Templin an die Havel bringt. Eine herrliche Seenwanderung am breiten Havclufer bringt uns nach Potsdam zurück. Enteignungörecht auf Wertheim. Die Gesellschaft für elek- irische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin soll ein Enteignung?» rocht auf das Grundstück des Warenhauses Wertheim erhalten. Eine Bekanntmachung des Polizeipräsidenten teilt mit. daß auf Grund des Kleinbahngcsetzes von Landcspolizeiwegen vorläufig fest. gestellt worden ist, daß ein Teil von dem, der offenen Handels- gesellschaft A. Wcrtheim gehörigen Grundstücke Leipziger Platz 12, Leipziger Straße Nr. 131— 137 und Voßstraßc 26— 30 eine Grundstücks flache darstellt, hinsichtlich der der Hochbahngesellschaft da? Enteignungsrecht verliehen worden ist zur Entziehung und dauernden Beschränkung des für die Herstellung einer elektrisch zu betreibenden an den jetzigen Bahnhof Potsdamer Platz an- schließenden Untcrgrundbahnstrecke Leipziger Platz— Voßstraße— Wilhelms Platz— Mohrenstraßc— Taubenstraße— Hausvogtciplatz— Nicdcrwallstraße— Spittelmarkt in Anspruch zu nehmenden Grund- eigentums. Selbstverständlich handelt es sich bloß um die Festsetzung öffentlicher Rechte über Verhältnisse, die durch Privatverträge längst festgestellt sind. ArbeiterbildunaSschul« Berlin. Heute abend beginnt der Unterricht in Geschichte(Moderne Revolutionen bis zum Jahre 1789), Vortragender Dr. A. Conrady, in der G r e n a d i e r st r. 87, der Unterricht in Natur- erkenntnis. Vortragender Emanuel Wurm, im Ge- werkschaftshaus, Saal l. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. „Student der Medizin, Sohn eines Oberstabsarztes." In Acrztc- kreisen tritt gegenwärtig ein Schwindler auf, der sich als Student der Medizin Presting, Sohn des Oberstabsarztes P. aus München vorstellt. Der Gauner sucht seine Opfer gewöhnlich während der Sprechstunde auf und erzählt ihnen, er befinde sich augenblicklich auf der Durchreise in Berlin und habe das Pech gehabt, sein Porte- monnaie mit einer hohen Geldsumme zu verlieren. Es sei ihm nun unmöglich, heimzufahren, da er sich kein Billet lösen könne. Der Schwindler bittet dann die Aerzte um ein Darlehen von 20 M.. das er sofort nach feiner Ankunft in München wieder zurückerstatten will. Vergeblich warten jedoch die Geprellten auf das Eintreffen des Geldes. Für die neue an der Kniprodestraße geplante Fleisch-EngroS- Markthalle, die Bahnanschluß erhalten wird, ist ein langgestrecktes Terrain von 20 Morgen in Aussicht genominen worden. Von dem übrig bleibenden Terrain, das vor mehreren Jahren erst erworben wurde, sollen 50 Morgen zur Erweiterung des Zentralviehhofes rc- serviert bleiben. Für die Fleisch-EngroShalle sind zunächst sechs ?a I l e 11 geplant und vier Hallen fiir eine Vergrößerung dort in uSsicht genommen worden, so daß im ganzen zehn solcher Hallen, an mehreren Zufahrtsstraßen gelegen,'dem Marktverkehr bequem and schnell erreichbar, zur Verfügung gestellt werden sollen. I» dem gestrigen Sitzungsbericht der städtischen Markthallen- deputation hat der leidige Druckfehlerteufel das sozialpoliitsche Emp- finden des Herrn Stadtverordneten T h i e m e viel zu hoch ein- geschätzt. Nicht 75 Pf., wie der Bericht sagt, sondern nur 45 Pf. hält der Herr für eine ausreichende Entschädigung eines Heizers. Vom stndtischcn Nntersuchmigsamt. Der Magistrat von Berlin bringt zur öffentlichen KemitmS. daß daS hier an der Fischerstr. 39/42 neu errichtete»Städtische UntersuchungSamt(für hygienische und gewerbliche Zwecke) eröffnet worden ist. DaS Amt hat die Aufgabe, chemische, bakteriologische, mikroskopische und botanische Untersuchungen von Nahrungsmitteln, Gennßmitteln und Gebrauchsgegenständen im Sinne des Reichsgesetzes vom 14. Mai 1879 und des dazu ergangenen Er- gänzniigSgesetzeZ sowie sonstige Untersuchungen für hygienische und gewerbliche Zwecke auf Antrag von Behörden, Korporationen und Einzelperfonen auszuführen, über das Ergebnis der Untersuchungen schriftliche Gutachten abzugeben, auch Auskunft usw. über Fragen im Bereich der Tätigkeit des Amtes zu erteilen. Schriftliche Anträge auf jVornahme von Untersuchungen, Sendungen von Proben usw. sind an das Städtische IlntersuchnngSamt(für hygie- nifche und gewerbliche Zwecke). Berlin C. 2, Fischerstr. 89/42, zu richten. Auch werden mündliche Anträge dort im Bureau entgegengenommen._ Ein Armenvorsteher, der Bescheid weiß. Wenn ein Unbemittelter in seiner Wohnung eine Desinfektion aus- führen lassen mutz, weil in der Familie eine Erkrankung an Typhus, an Diphthcritis oder dergleichen vorgekomnien ist, dann kann ihm auf sein Gesuch die Zahlung der Dcsinfektions- gebühren erlassen werden. Der Gebührenerlaß gilt zwar nicht als Armenunterstützuiig, aber wer ihn beanspruchen will, der kann dabei doch in die Lage kommen, die Bekanntschaft eines Armen- Vorstehers zu machen. Das Gesuch ist nicht an die Armcnverwaltung zu richten, sondern lediglich an die Desinfektionsanstalt, aber bei- zufügen ist ein vom Bezirksvorstcher oder auch vom Armenvorsteher auszufertigendes Attest, das sich über die wirtschaftliche Lage der Familie äußert und hiernach den Gebührenerlaß empfiehlt. Das Attest soll ohne weiteres ausgefertigt werden, wenn der Haus- Haltungsvorstand eine Wohnungsmiete nur bis zu 309 M. zahlt oder zu der untersten Stufe der Einkommensteuer veranlagt ist, aber auch sonst, sofern die Prüfung der Verhältnisse ergibt, daß die Familie infolge von Unglück(z. B. Krankheit, Stcrbefälle) die Gebühren nicht zu zahlen vermag. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadt- verordnetenversammlung hat oft gefordert, daß die Desinfektion allgemein unentgeltlich gewährt werde, ohne daß erst um Gebührenerlatz gebeten werden muß. Die Des- infektion ist ja eine hygienische Mahregel, die den Schutz nicht allein der betreffenden Familie, sondern mehr noch der Nachbar- schaft und aller Einwohner der Stadt bezweckt. Beim Auftreten oerjenigen Anstcckungskrankheiten, die besonders gefährlich sind, wird die Desinfektion sogar durch die Polizei angeordnet und nötigenfalls erzwungen. Da müssen nicht nur Arbeiter, sondern auch viele selbständige Gewerbetreibende mit mäßigem Einkommen es als hart empfinden, wenn sie bei Krankheit in der Familie ihren ohnedies geschwächten Geldbeutel auch noch um die Desinfektions- kosten erleichtern sollen. Den Herrn Bezirksvorstcher oder gar den Herrn Armenvorsteher zu inkommodieren und ihm sein Leid zu klagen, das ist nun mal nicht nach jedermanns Geschmack. Die freisinnige Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung tut freilich so, wie wenn der Magistrat mit den jetzt geltenden Bestimmungen über den Gebührenerlaß allen berechtigten Wünschen hinreichend entgegenkomme und Schwierigkeiten sich bisher nicht ergeben hätten. Und immer wieder wird die Forderung der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt l Demgegenüber wollen wir einmal zeigen, wie es eineni Haushaltungsvorstand ergehen kann, wenn die Polizei ihm eine Desinfektion seiner Wohnung aufzwingt und er dann Gebührenerlaß nachsucht. Einem Schmied W. in der Gleimstraße war sein Kind an Diphtheritis erkrankt. Nachdem er wieder genesen war, ordnete die Polizei Desinfektion an. Das war im Dezember borigen Jahres. Noch che nun die Kostenrechnung kam, ging Frau W. zum Armenvorsteher Herrn Stenschke(Ramlerstr. 20) und ersuchte ihn um Ausstellung des erforderlichen Attestes. Herr St. ver- weigerte das mit dem Bemerken:«Ich kenne Sie ja gar nicht." Frau W. antwortete ihm, dann müsse er sich schon nach ihrer Wohnung bemühen. Auch Herr W., der am anderen Tage selber zu St. ging, bekam dieselbe Auskunft. Als W. hervorhob, daß er unter 300 M. Miete zahle, erwiderte der Vorsteher St., mancher gebe eben mehr für seine Wohnung aus, mancher andere aber weniger, obwohl er ebensoviel verdiene. Nicht lange nachher kriegte Herr W. die Rechnung über Desinfektionskosten in Höhe von 13 M. Es fand sich dann auch Herr St. bei ihm ein, doch traf er nur Frau W. zu Hause. Er machte sich ein paar Notizen, im übrigen aber behauptete er, W. müsse die 13 M. bezahlen. W. harrte der Dinge, die da kommen würden. Zwei Monate waren hingegangen, da meldete ihm im Februar ein Schreiben des Stadtrats Straßmann, daß man Stundung bis zum April ge- währe, dann aber habe er zu zahlen. W. verließ sich auf die Be- stimmungen, die ihn ja ohne weiteres von der Zahlungspflicht be- freiten, und zahlte nicht. Er erhielt sodann im Mai ein zweites Schreiben Strahmanns. das Teilzahlungen vorschlug. Da W. wieder nicht zahlte, kam im August eine vom Stadtrat Münstcrberg unterzeichnete Mahnung. Auch jetzt zahlte er noch nicht, weil er Anspruch auf unentgeltliche Desinfektion zu haben meinte. Nun ist ihm eine nochmalige Zahlungsaufforderung zugegangen und zu- gleich Androhung einer Klage. Man sieht: so wird's gemacht! Wenn es überall so gemacht wird, daß entgegen den klaren Bestimmungen des Magistrats der Gebührenerlaß verweigert und der Bittsteller mit Mahnungen und Klageandrohung bombardiert wird, dann kann man sich nicht wundern, daß minderbemittelte Familien darauf verzichten, sich lange mit dem Magistrat herumzustreiten, und es vorziehen, die Gebühren zu bezahlen. Dann begreift man aber auch, warum in neuerer Zeit der Prozentsatz der Gebührenniedcr- schlagungen sich so auffällig vermindert hat; womit offenbar deni Magistrat sehr gedient ist. Uebrigcns drängt sich uns hier noch die Frage auf, ob dieser Armenvorsteher. der so gut Bescheid weiß, was der Magistrat will, am Ende auch almosenbedürftigen Personen mit ähnlichem Eifer klar zu machen sucht, daß es ihnen noch lange nicht schlecht genug geht. Zur Frage der Desinfektion hat der Magistrat in seiner gestrigen Sitzung Stellung genommen. Er hat beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten-Versaminlung in Zukunft fiir alle von den städtischen Desinfektionsanstalten auszuführenden Desinfektionen in Berlin, bei denen eine gesetzliche Verpflichtung zur Desinfektion vorliegt. Gebühren nicht mehr zu erheben. In allen anderen Fällen sollen die Gebühren weiter erhoben werden. Unsere Genossen im Roten Hause haben seit Jahren die Un» entgeltlichkeit der Desinfektion verlangt. Auch in vielem Jahre wurde der Antrag wiederholt und, um dem ewigen Drängen unserer Genossen Einhalt zu tun, schließlich dahin erledigt, daß die Ver- sammlung beschloß, bei einem Einkommen bis 3000 M. Gebührenfreiheit eintreten zu lassen. Der Magistrat hält diesen Weg aus verschiedenen Gründen für ungangbar und schlägt vor, wie oben zu verfahren. DaS, was also ans diesem Gebiete erreicht ist. ist in letzter Linie auf daS Wirken der sozialdemokratischen Stadtverordneten zurückzuführen. Wenn hohe und allerhöchste Herrschaften in KindcSnöten geraten, muß auch die Kirche helfen. So hat jetzt wieder der Evangelische Oberkirchenrat angeordnet, daß für glückliche Entbindung der Krön- Prinzessin eine kirchliche Fürbitte stattzufinden hat. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der verflossenen Nacht auf dem Omnibusdepot II in der Marieirburgerstraße. Ter auf dem Heuboden beschäftigte Arbeiter Lahin war, als er an der offenen Luke vorbeigehen wollte, abgerutscht und stürzte kopfüber auf den gepflasterten Hof hinab, wo er besinnungslos liegen blieb. L. erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, komplizierte Arm- und Beinbrüche, sowie auch innere Verletzungen. Er wurde nach der Unfallstation II in der Schönhauser Allee gebracht, wo ihm die erste Hülfe zuteil wurde und von dort in hoffnungslosem Zustande nach dem Lazarus-Krankenhause übergeführt. Bammfiill. Noch glücklich verlaufen ist ein Bauunfall, der fich gestern auf dem Neubau der königl. Pepiniere iu der Jnvalidenstraße zutrug. Mehrere Arbeiter waren dort damit beschäftigt, einen schweren Sandsteinblock im dritten Stock an Ort und Stelle zu setzen. Plötzlich riß dabei die sogenannte Schere und der Steinblock sauste in die Tiefe. Zum Glück befand sich im Augenblick des Ab- sturzeS kein Arbeiter auf dem Gerüst, so daß weiteres Unheil nicht angerichtet wurde. DaS Gerüst muß natürlich erneuert werden. Bon einem Müllwagen totgefahren. Vor dem Eingangsportal des königl. Polizeipräsidiums in oer Alexanderstraße hat sich gestern nachmittag ein tödlicher Verkehrsunfall zugetragen. Der 23 Jahre alte Hansdiener Gustav Tiedcmann, Alexandersir. 33 wohnhaft, wurde hin und wieder von einem Krampfanfall heimgesucht, Als er gestern nachmittag vor dem Eingangsportal des Polizeipräsidiums den Fahr- dämm der Alexanderstraße überschritt, trat daS Leiden wieder auf und unglücklicherweise stürzte der Bedauernswerte vor die Pferde eines hcranfahrenden Müllwagens der Firma Tabbert. Der Kutscher vermochte nicht früh genug anzuhalten und so gingen die Räder deS Fuhrwerks dem leblos auf der Erde liegenden T. über die Brust und Beine hinweg. Der Brustkasten wurde vollständig zermalmt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der neue Bortrag im wissenschaftlichen Theater der Urania ..Ucöer den Brenner nach Venedig" bietet eine Fülle der herrlichsten Landschaftsbilder dieser allerersten und schönsten Gebirgsstraße, welche die Herzen Deutschlands und Italiens mit einander ver- bindet. Aus der überwältigenden Schönheit der Hochgebirge geht es in das Sonnenland Italien, von den Wundern des Rosengartens bei Bozen über Trient, Verona zu der Königin der Meere— nach Venedig. Eine Fülle von Bildern und Wandel-Panoramen begleite» diese neuesten Darbietungen der Urania. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 16. d. M. derstarb, vermutlich am Herzschlag, im Franeiiasyl. Kolbergerstr. 30, eine etwa 43 Jahre alte Frauensperson. Sie ist zirka 1,35 bis 1,40 Meter groß, schwächlich, hat dunkelblonde Haare und Augenbrauen und iiickcnhafte Zähne. Bekleidet war sie mit schwarzem Rock, roter Bluse, schwarzen Strünipfc» und Schnürschuhen. Sie trug eine schwarze Handtasche ohne Inhalt bei sich, lieber die Persönlichkeit der Verstorbenen hat sich bisher nichts ermitteln lassen. Bei den Asylistsn ist sie nur mit dem Vornamen„Emilie" bekannt. Personen, die über die Verstorbene Auskunft geben können, wollen sich in den Polizeirevieren, im Leichenschauhauie oder bei der Kriminalpolizei, Zimmer 331, melden. Feuernachrichten. In der Zorndorfcrstraße 42 hatten sich Freitag früh Preßkohlen in einem Kohlenkcllcr entzündet.— Wegen Schornsteinbränden wurde die Wehr vorher nach der Chaussee st raße 58 und nach dem Maybach Ufer 5ge- rufen. In der C a m p h a u s c n st r a ß e 11 war schließlich noch in einer Räucherkammer Feuer entstanden. Zwei Sauerstoffapparate der Feuerwehr wurden gestern in der Pallas straße 14 und in der K ö p c n i ck er st r a ß c 25 bei kranken Personen mit Erfolg angewandt. Vorort- r�ackricbteit. Charlottenburg. Arbeiterturncn und hohe Obrigkeit lautete das Thema, das in einer im Volkshause, Rosinenstr. 3, von ungefähr 600 Personen be- suchten Protesivcrsammliing, einberufen von dem„Turnverein Freie Turnerschaft" Charlottenburg behandelt wurde. Hierzu gab bekannt- lich Anlaß die gegen den Verein„Freie Turnerschaft" erfolgte Entziehung der städtischen Turnhallen wegen angeblich politischer lim- triebe. Zu dieser Versammlung waren auch ungefähr 20 Mitglieder der„Deutschen Turnerschaft" erschienen. Der Referent Stadt- verordneter Dr. V 0 r ch a r d t schickte in seinem Vortrage voran?, daß das Turnen im Anfang des vorigen Jahrhunderts überhaupt als etwas Staatsgefährliches betrachtet wurde, weil die Träger der Ideen der größeren bürgerlichen Freiheit auch die Träger der Ideen der Leibes- Übungen waren. So wurden im Jahre 1319 über 30 Turnplätze in Deutschland geschlossen. Trotzdem wurde weiter geturnt. Man mußte sich mit dieser Tatsache in NegicnmgSkreiscn abfinden. Und so ersckien 1842 eine Kabinettsorder, welche das Turnen als etwas Notwendiges betrachtete und wurde dasselbe auch in den Schullehrplan der Volksschulen aufgenommen. 1860 traten die Turnvereine zu einem Bund zusanunen, welcher sich„Deutsche Turnerschaft" nannte. Trotz aller damaligen Verfolgungen steht dieser Bund jetzt auf dem besten Fuße mit den Rcgieruiigsöehvrden. Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts schied eine große Anzahl von Mitgliedern der BundeSvereiiie infolge Streitigkeiten wegen politischer Tätigkeit auS»nd bildeten den heutigen Arbeiter-Tumerbimd. Nun wird ja so wie so alles was der Arbeiter treibt, als Politik angesehen. So werden auch die Vereine des Arbeiier-TurnerbundeS als politische Vereine betrachtet, trotzdem das Turnen mit Politik nicht das geringste zu tun hat. Auch der Turnverein„Freie Turnerichast" Charlottenburg wurde anfangs dieses Jahres als ein politischer Verein von der Charlottenburger Schuldeputation hingestellt, weil er ans einem RekrutenabschiedSsest ein revolutionäres, anti- militaristisches Lied gesungen haben soll. ES wurden ihm deshalb die städtischen Turnhallen entzogen. Der Referent kritisierte das Verhalten der Schuldeputation der„Freien Turnerschaft" gegenüber noch in treffender Weise. Er meinte, daß die Deputation einen Wink mit dem Zaunpfahl von oben herab bekommen hätte, den sie meinte befolgen zu iiiiissen. In der nachfolgenden Diskussion nieldete sich ein Herr Lehmann zum Wort und meinte, daß die Schuldeputation dem Verein die Turnhalle wohl nicht so ohne weiteres entzogen habe, es werde wohl an der politischen Tätigkeit deS Vereins etwas Wahres sein. Er wurde aber vom Turngenossen Brandt der Freien Turner- schaft»nd vom Kreisvcrtreter Gcntz in treffender Weise heim- geleuchtet. Er meinte. in der. Deutschen Turnerschaft" sei ein Dpitzelsystem durch den Herrn Oberlehrer Fickenwirt eingeführt, wodurch die Arbeiterturnvereine denunziert werden, wenn sie sich mit irgend etwas befassen, was nach Politik riecht. Die Deutsche Turnerschaft befasse sich aber selbst mit Politik. Denn auf dem Timitag in Eßlingen habe sie ein Programm an- genommen: DaS Pflegen patriotischer und vaterländischer Gesinnung. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig an« genommen: Die im Volkshause zu Charlottenburg tagende VolkSdersammlung protestiert gegen die Eiitzichmig der städtischen Turnhallen, die seitens der Schuldeputation gegen den Verein„Freie Turnerschaft" erfolgt ist. Sie erblickt darin eine kleinliche, durch nichts gerechtfertigte Maßregel und verlangt von dem Magistrat, daß er. um die Turndejtrebungen unter den Arbeitern zu fördern, dem Verein eine andere, der Schuldeputation nicht unterstehende Turnhalle zur Ver- fügung stellt. Sollte der Magistrat sich wider Erwarte» der kleinlichen Maßregel der Schnldeplitation anschließen, so erklären die Vor- sanunclren ihrerseits auch unter erschwerenden Umständen die Tnrn- besftcbungen ilnr uin so energischer fördern zu wollen. In eine entsetzliche Lage geriet Donnerstag abend der Kauf- mann Karl Borchcrt, PotSdamerstr. 8a wohnhaft, als er am PotS- damerplatz die Vordcrplattform eines in der Fahrt befindlichen Motorwaggons der Straßenbahnlinie? besteigen wollte. B. glitt hierbei ab und fiel so unglücklich zu Boden, daß er mit dem linken Fuß unter den Waggon geriet und unter dem Schutzrahmcn fest- geklemmt wurde. Um den Mann aus seiner furchtbaren Lage zu befreien, mußte der schwere Wagen mit Winden angehoben werden. Die Arbelt nahm nur 8 Minnten in Anspruch, so daß die von Passanten herbeigerufene Feuerwehr nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchte. Merkwürdigerweise hat B. bei dem Unfall keinerlei Verletzungen erlitten und konnte die Fahrt nach seiner Wohnung fortsetzen. Rixdors. Aus bcm dritten Stock auf die Strafe gestürzt ist am Dienstag nachmittag der zweijährige Sohn des Sattlers Wildcrmuth, Ed- mundstr. lv. Der Kleine war in einem unbewachten Augenblicke ans den Balkon geklettert und hatte das Uebergcwicht verloren. Mit einem schweren Schädelbruch wurde der Kleine aufgehoben und nach der Unfallstation gebracht. Am Mittwoch erlag er den schweren Verletzungen. Schöneberg. Zeugen gesucht! Alle diejenigen, welche am 25. Juli d. I. abends zwischen 7 und 8 Uhr Zeugen waren, wie unser Genosse Heinrich Bolze in der Martin Lutherstraste bei den Bauten der Veamtenwohnhäuser sistiert wurde, werden freundlichst gebeten, um- gehend ihre Adresse in der Parteispedition, Martin Lutherstr. 51, abzugeben. Groft-Lichterfelde. Einen grohen Telephondrahtdiebstahl haben Drahtmardcr in der vorlebten Nacht auf der Potsdamer Chaussee verübt. Nicht weit von Grost-Lichterfclde entfernt, kletterten die Täter an einer mit Steigeisen versehenen Telegraphenstange empor und zerschnitten nicht lveniger als 40 Leitungen. Die Drähte, etwa 3000 Meter im ganzen, rollten sie zusammen und zogen ungehindert mit ihrem Raube davon. Die Postverwaltung hat auf die Ermittelung der Diebe eine Belohnung ausgesetzt. Stralau. Ucbcr das preußische Wahlunrecht referierte Genosse Stadt- Hagen in einer in den Markgrafen-Sälen tagenden, gut besuchten Volksversammlung. In gemeinverständlicher und packender Weise führte der Referent den Versammelten das bittere Unrecht, das in dem heutigen Dreiklassenwahlrecht gegenüber der alle Werte chaffeuden Arbeiterschaft enthalten sei, vor Augen. Daß die prenstischen Schulverhältnisse, das Vereinsgesetz so sehr der Ver- besserung bedürfen, dast die Verteilung der Steuerlasten eine so un- gerechte ist, habe seinen Grund in der Einflustlosigkeit, zu welcher die Millionen der Arbeiter in Preusten verurteilt sind. ES müsse daher Pflicht eines jeden sein, alle Kraft für die Beseitigung dieser Zustände anzuwenden. Der Gipfel der Rechtlosigkeit sei durch den Liebknecht-Prozeh wieder einmaltrefflich gekennzeichnet worden. Das hier zum Ausdruck gekommene Bestreben, die Sozialdemokratie zu vernichten, müsse beantwortet werden, indem alle im Sinne Liebknechts weiter ar- beiten. Redner schlost seinen mit stürnnschem Beifall aufgenommenen Vortrag: Her mit dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht, Organisation und Agitation, damit die Entrechteten aus dem Elend zur Kultur» höhe des Sozialismus emporgeführt werden. An der Diskussion beteiligte sich Genosse Petersdors im Sinne des Referats. Der Vorsitzende, Genosse Wessel, wies darauf hin, dast jeder denkende Arbeiter sich auch der geeigneten Waffe, diesen Kampf zu führen, zu bedienen habe. Diese Waffe, die allein in hervorragender Weise den Kanipf um die gerechten Forderungen der Arbeiterschaft führte, sei der„Vorwärts". Austerdem geistelte er noch das Ver- halten der Inhaber der Friseurgeschäfte und der Bäckermeister, die sich nicht für verpflichtet halten, in dieser fast nur von organisierten Arbeitern bewohnten Gegend den Augestellten ihre kulturellen Forderungen zu erfüllen. Er forderte die Anwesenden auf. die Unter- nehmungen, die die Genossenschaften im Stralauer Viertel errichtet haben, nach besten Kräften zu unterstützen. Zuin Schlust fand eine Resolution einstimmige Annahme, in der die Versammelten die Aktion der prcustischen Polizei gegen die sozial- demokratische Parteischule entschieden verurteilen. Des weiteren sehen die Versammelten als Ursache der reaktionären und kulturell rück- ständigen prcustischen Zustände das elende Wahlrecht an und verpflichten sich, den Kampf gegen dasselbe aufzunehmen, bis dasselbe gestürzt ist. In einer zweiten Resolution spricht die Versammlung denr Genossen titarl Liebknecht ihre Sympathie und Anerkennung für sein offenes. klares, mutiges Auftreten und ihre Empörung über das ungerechte gegen ihn gefällte Urteil aus. Mir einem begeisternden Hoch auf die Sozialdemokratie gingen die Versammelten auseinander. Spandau. Tie Generalversammlung des Wahlvcreins ehrte zunächst das Andenken des verstorbenen Genossen M o t t c l e r durch Erheben von den Plätzen. Hierauf gab Genoffe Pieser den Bericht des Vorstandes. Danach' haben im 4. Quartal 4 Vcreiusversammlungen, 2 öffentliche Versammlungen und eine Flugblattverbrcitung statt- gefunden. Redner gab einen eingehend detaillierten Bericht über die Arbeit des Vorstandes sowohl als auch der Parteiarbeiten im allgemeinen, woraus hervorging, daß im verflossenen Jahre reiche Arbeit geleistet worden ist. Die in letzter Zeit auftauchenden Ge- rächte, der Vorstand tue nicht genügend seine Pflicht und Schuldig- keit, seien nicht zutreffend. Weniger am Vorstande als vielmehr an den Mitgliedern liege es, wenn nach den Rcichstagswahlen nicht hinreichende Arbeit geleistet worden sei. Jeder Genosse müffe sich von den grosten Zielen der Arbeiterbewegung leiten lassen. Bei dieser Gelegenheit verwies Redner auf den Hochvcrratsprozest gegen Liebknecht und zeigte daran, dast von neucin rcakftonäre Strömungen an der Arbeit sind, die sozialistische Aufklärungsarbeit unmöglich zu machen. Insbesondere hob er die tapfere und für die Partei ehrenvolle Haltung des Genossen Liebknechts hervor, der allen Genossen ein Beispiel zur Nachahmung sein müsse. Im An- schlust hieran erwähnte Redner das traute Einvernehmen der Polizei mit Herrn Scitz. dem Besitzer des von der Arbeiterschaft boykottierten Lokals im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Ein- gehend besprach er den Verlauf dieses Kampfes bis zur neuesten Verfügung, wonach man es den Genossen unmöglich machen wolle, auf den Boykott aufmerksam zu machen. Indessen weder Massen- sistierungcn noch Anklagen seien imstande, Herrn S e i tz die Sym- pathie der Arbeiterschaft wiederzugeben. Solange der Arbeiter- schaft nicht der Saal zu Versammlungen zur Ver- fügung stände, würde das Lokal von der Ar- beiterschaft gemieden. Genoffe Grögcrchen wies in der Diskussion den Vorwurf, der Vorstand habe nicht seine Schuldig- keit getan, entschieden zurück. Hierauf gab Genosse Schuster den Kassenbericht. Derselbe weist für das 4. Quartal eine Ein- nähme von 701,83 M. auf. Hiervon sind an den Kreis abgeliefert 349,10 M. und am Ort verbraucht 470,80 M. Redner gab eine detaillierte Uebersicht des Kassenberichts und meinte, wenn im Gegensatz zu anderen Quartalen das vierte ein Defizit aufweise, so sei der Grund darin zu suchen, dast der Wahlvercin 1000 Panoramabilletts gekauft habe, von denen bis jetzt noch nicht die Hälfte abgesetzt sei; diese Summe käme dem nächsten Quartal wieder zugute. Ausserdem seien 168, 3S M. an den Kassierer des Verbandes der Wahlvereine der Provinz Brandenburg überwiesen worden. Ein Antrag des 7. Bezirks, die Zahlabcnde analog denen von Grost-Berlin auf den zweiten Mittwoch im Monat zu verlegen, wurde, nachdem sich Genosse Rühr m und dagegen und die Ge- nossen Hoffmann, Fink, Richter, Gottwald, Degow, Kottowsky und L e i d n e r dafür ausgesprochen hatten, mit allen gegen 10 Stimmen angenommen. Wie der Spediteur Genosse K ö p p c n mitteilte, sind zurzeit 1160„Vor- wärts"-Leser am Ort, welche Zahl bei rühriger Agitation bedeutend erhöht werden könnte. Die hierauf vorgenommenen Reuwahlen ergaben: Genosse Pieser als erster und Genosse S cior als zweiter Vorsitzender; Genosse Schneeweist als erster und Ge- nosse S i e b e r t als zweiter Schriftführer. Als Revisoren wurden die Genossen Hornig, Leidner und Rein ecke gewählt. Die bisherige Lokalkommissiön, bestehend aus den Genossen Struks, Fallsehr, Kurzmann, Rühr m und und Senstleben bleibt auf Antrag bestehen. Die Schlichtungs- und Buchhandlungskommission sowie der Bildungsausschust er- statten ihre Berichte erst in der nächsten Versammlung/ Ter bor- gerückten Zeit wegen wurde der Bericht vom Parteitag zur nächsten Versammlung vertagt. Hierauf erfolgte mit einem begeisternden Hock) auf den Kandidaten Genossen Liebknecht Schlust der Ver- s'ammlung._ �ericbtö- Zeitung Gin freisinniger Rcichstagsabgeordneter als Angeklagter. Vom Landgericht Kassel ist am 7. August der Reichstags- abgeordnete Dr. Heinr. Potthoff wegen Beleidigung zu 200 M. Geldstrafe verurteilt worden;, neben ihm wurden zwei Redakteure zu je 50 M. Geldstrafe verurteilt. Dr. P. hat in den Blättern der beiden Mitangeklagten einige Artikel veröffentlicht. Der eine trug die Uebcrschrift: Ter verfassungswidrige Landtag. Darin sagte er über die Domänenkammcr:„Unsere Domänenkammer sollte eigentlich Juden-Kammer heihen." Das Gericht hat darin den Vor- Wurf der wucherischen Ausbeutung gefunden. Der Angeklagte habe dadurch die Behauptung verbreiten wollen, dast die Domänen- kammer das Volk wucherisch ausbeute. In einer Broschüre, in der er sämtliche Aufsätze wieder abdruckte, liest er diese Stelle weg. ein Beweis, dast er— so sagt das Urteil— sich ihres beleidigenden Charakters bewußt war..Die Behauptung ist nicht erweislich wahr. Der Angeklagte hat als Reichstagsabgeordneter den Schutz deö § 103 in Anspruch genommen, aber die Form sei nach Ansicht deS Gerichtes beleidigend.— Auf die Revision des Dr. Potthoff hob am Donnerstag daS Reichsgericht VaS Urteil wegen Unklarheit des Urteils darüber, ob es nicht den Jnhqlt mit der Form der Neuste- rung verwechselt habe, auf und verwies die Sache an das Land- gericht zurück. Die Revision der. beiden. Mitangeklagten wurde da- gegen als unbegründet verworfen. Der Sittenschutzmann an der Arbeit. Unter dieser llcberschrift hatte die„Zeit dm Montag' am 12. Dezember 1904 einen Artikel veröffentlicht, der das Vorgehen von Beamten der Sittenpolizei beleuchtete, die nachts das Hotel Negcndank durchsuchten, um Pärchen aufzustöbern, welche das Hotel als Absteigequartier zum Genust bezahlter Liebcsfreudcn etwa aufgesucht hätten. Bei jener Gelegenheit sollen die Beamten gegen harmlose Gäste des Hotels in unstatthafter Weise vor- gegangen sein. Ein zweiter Artikel der„Zeit am Montag" vom 19. Dezember 1904 behandelte dasselbe Thema. Beide Artikel brachten eine Reihe von Einzelfällen von Belästigungen harmloser Personen durch Sittenpolizeibeamte. Der Redakteur der„Zeit am Montag", Karl Schneidt, ist auf Grund dieser Artikel wegen Beleidigung der betreffenden Beamten zu zwei Monaten Geföng- nis verurteilt worden. Infolge der von dem Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Halpert, eingelegten Revision hob das Reichsgericht das Urteil auf. Die Sache kam am Freitag zur er- ueuten Verhandlung vor der 7. Strafkammer am Landgericht I. Die Verhandlung wird mehrere Tage in Anspruch nehmen, weil eine groste Zahl von Zeugen zu vernehmen sind, lieber den wesent- lichstcn Inhalt dieses Prozesses werden wir nach seinem Abschluß im Zusammenhang berichten._ Milde Richter. Vor der Strafkammer in Halle a. S. stemd gestern der Student der Philologie Julius Schmalz als Angeklagter. Der Student hatte in der Nacht vom 27. Juli in einer Droschke mit 3 Kommilitonen einem Freunde„ein Ständchen" gebracht. Als die„vier Sänger" aus vollen Kehlen brüllten und dje Bürger in der Nachtruhe ge- stört wurden, bat ein Polizist um Ruhe. Da die Krakeeler aber weiter gröhlten, wurden sie notiert. Ter Polizist ging weiter, wurde aber von Schmalz mit den Worten:„Der Kerl interessiert mich" und mit erhobenem Stocke verfolgt. Schließlich ergriff das Publikum für den Polizeibeamten, der sagte:„So führen sich Hallenser Studenten auf, Ivos muh ein Beamter hier für eine Ruhe haben", Partei und der Student erhielt von einem Gastwicr eine Ohrfeige. Am anderen Tage erstattete er gegen den Beamten Anzeige wegen Mißhandlung und Bedrohung. Diese Anzeige war falsch. Der Angeklagte fand aber milde Richter. Sic nahmen an. er habe im Irrtum gehandelt. Wissentlich salfche Denunziation liege nicht bor. Die schweren Beleidigungen wurden»nit— 30 M. geahndet. Wenn nun der Student ein Arbeiter gewesen wäre? Ocffeutliche Bibliothek und Lesehalle zu nncntgeltlicher Bc- Nutzung sür jedermann, SW., Alexaudrinenstr. 26. Geöffnet täglich von S'/j— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 3—1 und 3—6 Uhr. In den Lesefälen liegen zurzeit SIS Zeitungen Und Zeülchrijten jeder Art und Richtung anS. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H 29, Hainburg 1 Filiale Verlin 4, Heute abend bei Merkowski, Andreas- slratze 26: Mitgliederversammlung,— Filiale Baumschulcnwcg, Heute abend 8'h Uhr im Restaurant von F. Käding, Paunsschulciistr. 67: Gcncralversammlmig._ Vermifebtes* Eine Bcrgwerkskatastrophe. Die Mansfeldsche Ober-Berg- und Hütteudirektion in Eisleben teilt folgendes mit: In den letzten Tagen ist in der fünften Tiefbau- sohle des Zirkelschachtes ein Durchbrach von Schlottenwassern erfolgt, der nicht nur die Einstellung des Betriebes dieses Feldes, sondern auch teilweise eine Betriebseinstellung im Felde der Berg- inspeltion 4 herbeigeftihrt hat. Die infolge deS Wasser- durchbruchs arbeitslos gewordenen Mannschaften, etwa 3500 Mann, werden nach anderen Kupferschicferrcvieren verlegt. Eine Ein- schränkung der Metallproduktion läßt sich hierbei nicht ver- meiden. Die Bewältigung des Wassers erfordert erhebliche Ausgaben. Es handelt sich um eine vorübergehende Kalamität, die jedoch in Verbindung mit dem in den letzten Wochen eingetretenen Sinken der Kupfer- und Silberpreise das bis vor kurzem sehr gut gewesene Finanzresultat des Jahres 1907 recht ungünstig be- einflußt und auch im Jahre 1903 sich sehr unangenehm bemerkbar machen wird. Sollte nicht Preissenkung bei der Betriebseinschränlung eine größere Rolle spielen als der Wassereinbrnch? Ein wandernder Berg. Aus Cannes wird gemeldet: Auf einem Berge, der einen Weiler im Kanton Saint-Anban überragt, fand ein Abrutsch statt, der sich aus mehrere hundert Meter erstreckte. Das Pfarrhaus sowie ein anderes Haus sind eingestürzt, acht Hänser sind bedroht. Opfer der Arbeit. Auf der Friedrich Alfred-Hütte der Firma Krupp in Rheiiihausen-PriemcrSheün entstand auf dem Hochofen 5 eine Explosion, durch deren Wucht ein 19jähriger Schlosser ans Ham- bürg sofort getötet wurde.— Auf der Zeche„GotteSsegen" wurde der vor seiner, Verheiratung stehende Bergmann Wilhelm Menkhoff durch herabfallende GesteinSmassen erschlagen.— Auf einer Zeche in Gelsenkirchen stürzte ein Bergmann infolge eines unglücklichen Zufalls in einen Schacht. Er war sofort tot.— In Lemathe wurde auf dein dortigen Messingwerk der Arbeiter Wcsterhoff von einem Riemen erfaßt und um die TranSmissionSwelle geschlagen. Ihm wurde der Oberarm abgerissen.— Auf der Zeche„Fritz"-Alteu- essen stürzte ein Kaminbauer aus etwa acht Meter Höhe vom Gerüst. Er erlitt sehr schwere innere Verletzungen.— Durch plötzliches Hereinbrechen von Gesteinsmasse» erlitt der Bergmann HustnianuS aus Wattenscheid auf der Zecke„Hannovers der Firma Krupp sehr schwere' Verletzungen.— Auf der Zeche„Rheinelbe I/II" erlitt der Bergmann Jakob Bartsch-Bochmn durch herabfallende Kohle einen schweren Oberschenkelbruch.— Bei einer Explosion, die sich gestern in dem, Lagerraum des Remscheider Brauhauses ereignete, wurde der 3Sjährige Arbeiter Kemper getötet. Hochwasser in Italien. Wie aus Mailand berichtet wird, ist infolge von starken Regengüssen der Lago inaggiore höher gestiegen als dies seit 1872 der Fall war. Die unteren Stadtteile von Pallanza und Jstra sind überschwemmt. Die Flüsse Adige, Brenta und Piave sind nach einer Meldung aus Venedig von Regengüssen bedeutend gestiegen. Mehrere Ort- schaften der betroffenen Gegend haben durch Ueberschwemmungen gelitten und die Wegeverbindungen sind an verschiedenen Stellen durch Bergstürze unterbrochen. Sieben Brücken sind eingestürzt, mehrere Ortschaften stehen unter Wasser, darunter das Dorf Caprile. Hier ist ein Haus eingestürzt, andere Häuser sind gefährdet. Der Regen dauert fort. Vermißte Luftschiffer. Nach einer Meldung aus Bordeaux ist ein Luftballon, in welchem am vergangenen Dienstag zwei Mit- gliedcr des Aeroklubs, der Börsenmakler Bclman und der Kaufmann Scharn, aufgestiegen, seither verschollen. Man befürchtet, daß der Ballon nach dem Meere getrieben und dort veninglnckt ist. Das fällige Bahnunglück. Bei OriS sind, wie ans San Sebastian berichtet wird, ein Personenzug und ein Güterzug zusammengestoßen; 21 Personen wurden schwer verletzt. Wittcnmgsnbcrsicht vom 18. Oktober 1907. Stationen 7Z4SSO 7SS SO 7S4NW ,a M i7S7S Äüiichen 1736 SW Wien|758 SO Zwweiiide b»»W crlin £ 3 B« B Odin 1 bedeckt 3 Regen 2 bedeckt Sheiter 4 wolkig 1 Regen OK c 7- » n E* M t Stationen c 2 8? paranda. 764 SO Petersburg 770 SSO «eil» .L Scilly .'lberdeen Parts 734 S 742 SSO 733 S 2Ncgcn 2 Nebel 7 Regen Lhciler 3 molkeiil H.HÜ ia r»£ Ä t g ti Si 6 6 11 10 8 Welter-Progiioic für Sonnabend, de» 19. Oktober 1007. Trocken und zunächst vielsach heiter, am Tage wärmer bei lcbbastci, jüdlichen Winden; später wieder Zunahme der Bewölkung. « e r l i» e r W e t t e r 3 i, r- a i», . MenliM nidif. Brunnenstrasse 17-18 Veteranenstrasse 1-2 Heute Sonnabend: Poppelte RabattMarkaH. Ferner; Exfra�Preise Porzellan«Emaille»Lebensmittel und Polsterwaren. Kolossale Auswahl. [Einzelne Möbelstücke A l Anzahlung von.... y Mäflf SU Kulanteste Zabluogswtise. IDlechnei Brunnenslraße 192 jotes Hans vom Rosonthalcr Tor. 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Oeneralversammlung des Dentschea Tabakorbeiter- Verbandes. Bielefeld, IS. Oktober. Dritter Berhandlungstag. lleber die Taktik bei Lohnbewegungen referiert Eberle- Bremen: Der Lohnkampf hat schärfere Formen im allgemeinen angenommen, aber die Taktik bei den Einzel- kämpfen sei sehr verschiedenartig und wechsele; sie werde auch in ihrem Wechsel bedingt durch die EntWickelung der Unternehmer- organisation. Oft sei nach dem jeweiligen Ausgang einer Lohn- bewcgung Mißstimmung in den Kreisen der Kollegen eingetreten. die unserem Verband nachteilig war. Vielfach� rechnen die Kol- legen mit einem friedlichen Ausgang der Differenzen und der- raten damit dem Unternehmertum die Basis ihrer Stellung, er- schweren sich also dadurch selbst die Lösung der Differenzen. Es ist natürlich in größeren Städten schwerer als auf dem platten Lande. Lohnkämpfe zu führen. Jetzt, wo die Tabakarbeiter sich nach unendlich langer Zeit aufgerafft haben, für eine Hebung ihrer materiellen Lage einzutreten und infolgedessen die zahlreichen Kämpfe des Vorjahres eintraten, hat sich die Taktik bewährt, daß die um Lohnerhöhungen kämpfenden Kollegen mit dem Unter- nchmertum unterhandelten und sich teilweise mit Abschlags- Zahlungen begnügten, üm einen' heftigen Kampf mit zweifelhaftem Ausgang zu vermeiden. Dazu gehören allerdings geschickte Kol- legen, die die Verhältnisse nicht nur am Orte, sondern die Situa- tion der Tabakindustrie genau kennen. Bei der Leitung der Kämpfe ist Rücksicht därauf zu nehmen, daß die Kenntnis der Be- schlösse zu einem Vorgehen in ihren Einzelheiten auf den kleinen Kreis derjenigen beschränkt bleibt, die die Unterhandlungen zu führen, überhaupt den Kamp�zu leiten haben. Ferner ist Rück- ficht zu nehmen auf die Stellung der Hülfsarbeitcr, die bei manchen Kämpfen eine bedcutsanie Rolle spielen. Vor allem ist Disziplin, Ruhe und Besonnenheit nötig. Die Unternehmer sind meistens schlauer als die Arbeiter, sie lasten über ihre taktischen Maßnahmen nichts verlauten, führen die Oeffentlichkcit und die Arbeiter durch falsche Mitteilungen irre, verführen einzelne Arbeiter zum Verrat, zum Streikbruch, suchen Zuträger zu erwerben, um die Stellung der kämpfenden Arbeiter auszukundschaften, und verfahren oft in der rücksichtslosesten Weise gegen die Arbeiter. Die von uns av- weichenden Gewerkschaften müssen bei Lohnkämpfcn bezüglich ihrer Taktik genau geprüft werden. Bezüglich der Haltung der christ- lichcn Gewerkschaften ist man sich nicht immer klar geworden, da sie nicht offen uns gegenüber sind. Wo daher die Mitglieder un- seres Verbandes eine Lohnbewegung für nötig halten, müssen sie sich der etwaigen christlichen Organisation versichern, ihre Ab- sichten zu klarem Ausdruck zu bringen und sie für die Bewegung zu gewinnen suchen. Es ist oft schwierig, mit ihnen ein Einver- nchinen zu erzielen, �aber ihre Mitglieder leiden unter den gleichen schlechten Verhältnissen, sie müssen das ebenfalls berücksichtigen, denn mitunter sind die Arbeiter, ob christlich oder anders organi- sicrt, schon einig, che die Leiter der Organisationen am Orte einig sind. Zwischen den verschiedenen Organisationen müssen natürlich auch die einzelnen Formen des eventuellen 5kampfes, aber mit aller Vorsicht, erörtert werden. Unsere Mitglieder müssen wir er- mahnen, etwaige Lohnkämpfe rcsp. die Zlbsichtcn dazu nicht bis zum letzten Augenblick vor der eigenen Organisations-ZentraUeitung geheim zu halten. Wo die Absicht besteht, in eine Lohnbewegung einzutreten, muß man davon den Vorstand unseres Verbandes so früh als möglich unterrichten, damit die Möglichkeit der Durch- führung nach allen Seiten gründlich geprüft werden kann. Oft wird die Forderung nach einem Minimallohn in fälschlicher Aus- lcgung einer Lohnforderung zugrunde gelegt. Ein Minimallohn für das ganze Reich ist nicht von uns gefordert worden, denn es bestehen an einzelnen Orten Löhne, die über den Minimallohn an anderen Orten weit hinausgehen. Ein Minimallohn muß also mit Rücksicht auf die Verhältnisse in ziemlich gleichartigen Bezirken ge- fordert werden. Ucber eine eventuelle Schutzmarke lasse ich mich hier nicht aus, da ein vorliegender Antrag die Frage zu einer ein- gehenden Aufrollung bringen wird. Zweifellos beachten die Unter- nehmcr die Bewcgung in unserem Verbände genau, denn sie wissen, daß, wenn unsere Genossen sich mit einer Abschlagszahlung vor- läufig zufrieden geben, sie doch nicht die Zipfelmütze übers Ohr ziehen, sondern immer auf dem Posten sind, um die Situation bei günstiger Gelegenheit für sich weiter auszunutzen. Dazu sind sie »nfolge der weit hinter anderen Berufen zurückstehenden Lohnlage gezwungen. Vor allem aber muß eine Stärkung der Organisation für die Führung von Lohnkämpfen ins Auge gefaßt werden. Einig- keit. Opferwilligkcit, Disziplin, Geschick und Umsicht müssen in weitestem Maße gepflegt werden, dann werden wir zum Wohle der gesamten Tabakarbeiterschaft weitere Erfolge erringen. tBeifall.) Element- Breslau erklärt die Lohnverhältnisse in Schlesien, hie äußerst drückend seien. Der Vorstand solle speziell derartig rückständige Bezirke in den Kreis der Lohnbewegung ziehen resp. sie unterstützen. Wünschenswert wäre es, einen Minimallohn für das ganze Reich festzustellen, wir müssen diese Frage genau prüfen. Die Verlegung von Fabrikfilialcn an entfernte Orte auf dem platten Lande ist der Lohnbewegung sehr hinderlich. Ferner be- rührt und bespricht er die christlichen Organisationen, den„Martha- Verein", ebenso die polnischen Organisationen in der Provinz Posen. Börner- Berlin erklärt die Berliner Verhältnisse, speziell unter den Zigarettcnarbeitern, unter denen sich viele ausländische befinden, mit denen eine Verständigung oft sehr schwer ist. Auch der Boykott ist gelegentlich eine wirksame Waffe im Kampfe, wie der Zigarctteuarbeiterstreik in Dresden gelehrt hat, da die Ber- liner Zigarcttenarbeiter sich solidarisch mit den Dresdener Strci- kcndcn erklärten und den Boykott wirksam in Anwendung brachten. D o m c y e r- Bremen tritt für gemeinsames Vorgehen mit den Sortierern ein. R e p p- Ottensen empfiehlt, den Antrag auf Einführung der Kontrollmarke anzunehmen. Klein-Köln geht auf die Taktik der christlichen Gewerk- schaften bei Lohnkämpfcn ein. Sie vermeiden Lohnkämpfe, wo sie in der Majorität sind; sind sie in der Minorität, dann schreien und drängen sie. Meistens würden die Arbeiter von den Leitern der christlichen Organisationen irregeleitet. In bestimmten Fällen müssen wir die gleichen Mittel im Kampfe anwenden wie die Unternehmer. Die Lieferung guten Materials muß stets eine un- sercr Forderungen sein.'' H a b c r c r- Offenburg wünscht nicht, daß bei Lohnfragen immer erst die Städte berücksichtigt werden. Die Lohnforderungen der Arbeiter auf dem Lande sind ebenso berechtigt, oft notwendiger als in der Stadt. Auf die JNndhaltüng von Tarifabschlüssen müsse streng geachtet werden. Burgold- Braunschwcig: Daß das organisierte Unter- nchmertum sich in neuester Zeit mehr mit unserer Organisation beschäftigt hat, liegt in unserer Taktik. Besonders die Einsetzung von Gauleitern ist ihnen unangenehm. Unsere Taktik muß darauf mit gerichtet sein, die öffentliche Meinung zu unseren Gunsten zu stimmen; dazu muß uns die Arbeiterpresse dienen. ES muß auch mehr Gewicht auf die internationalen Beziehungen der Arbeiter in der Tabakindustrie gelegt werden. Krohn- Speyer: Aus den bisherigen Ausführungen geht hervor, daß es nicht möglich ist, eine einheitliche, allein gültige Taktik im ganzen Reiche bei Lohnbewegungen innezuhalten. Selbst unsere statutarischen Vorschriften genügen mitunter nicht den be- stehenden Verhältnissen, generell kann nicht immer gehandelt werden. Vor allem muß für Geld gesorgt werden. Ohne dieses müßten Lohnbewegungen zu verhindern gesucht werden. R a a b- Pfungstadt ist gegen den Abschluß von Tarifen; sie hinderten, fortzuschreiten in der Hebung der Arbciterlage. Die Agitation müsse mehr gefördert werden, besonders durch die Gau- leiter, damit der Verband stärker wird, das erleichtert die Kämpfe, ist also die beste Taktik. Schlütcr-Biclcfcld: Die Kollegen auf dem Lande sind in der Regel schlechter dran, die Lohne sind niedriger, die Lebensmittel nicht billiger. In unserem Gau sind die christlich organisierten Stöckeriancr keine Katholiken. Ihre Taktik ist darauf gerichtet, unsere Bewegung zu hindern. Dagegen müssen wir uns wenden. Aus unserem Vorgehen suchen sie trotz alledem zu profitieren. Diese hinterlistige, unehrliche Taktik müssen wir durchkreuzen. v. Elm begründet in der Nachmittagssitzung einen von ihm eingebrachten Antrag, betreffend Festsetzung eines Minimallohncs und Einführung einer Schutzmarke. Die Festsetzung eines Mini- mallohnes für das ganze Reich ist schon deshalb schwierig, weil der Arbeitsnachweis in die Gaue verlegt ist. Aber Hamburger Kollegen würden sich mit einem Miuimallohn von z. B. 8 M. nicht einverstanden erklären, und andernorts gibt eS ebenfalls Lohnverhältnisse, die die Feststellung eines Minimallohnes für das ganze Reich unmöglich machen. Erreicht man an einem Ort einen Minimal- lohn, so lvird man demungeachtct doch danach streben, die Lohn- grenze mehr zu erhöhen.. Für die Schutzmarke war die Zeit noch nicht reif, als die Schutzmarke von uns eingeführt wurde, aber weil erfolglos, wieder fallen gelassen wurde. Zweifellos hat Rapp mit seinen Gründen für die Schutzmarke recht, aber nur die Solidarität aller gewerk- schaftlich organisierten Arbeiter kann die Durchführung erfolgreich gestalte». Daher empfiehlt es sich, die Angelegenheit durch die Generalkommission gründlich erörtern zu lassen. Durch die Schutz- marke kann auch die Heim- und Hausarbeit bekämpft werden. För- dert die Gesetzgebung die Heimarbeit, wie dies der Fall ist, dann müssen die Arbeiter alles versuchen und Mittel selbsthülflich an- wenden, die Heimarbeit zu begrenzen. Dazu müssen die Arbeiter angehalten und erzogen werden, das kann uns nur in vereinter Arbeit niit dem Gewerkschaftskongreß gelingen. Wolf- Verden begründet den Antrag, den Minimallohn auf !) M. pro Mille festzusetzen. Man habe damit bezweckt, daß in den rückständigen Bezirken nach Erreichung dieses Satzes gestrebt wird. D e i ch m a n n- Bremen: Der Dresdener Zigarettenarbeitcr- ausstand, auf den Börner hinwies, hat uns gezeigt, daß man vor- sichtig bei Lohnkämpfen verfahren muß. Redner erklärt das aus Einzelvorkommnissen bei jenem Ausstand. Niemand hatte in Rück- ficht gezogen, ja überhaupt nicht geglaubt, daß z. B. eine so große Zahl Arbeitswillige unter den Zigarcttenarbeiterinnen sich finden würden, wie damals in der Umgegend von Dresden, wo Heimarbeit gemacht wurde. Auch die Verhältnisse bei dem Ausstand in Nord- hausen zeigen, wie vorsichtig die örtlichen Verhältnisse in Rechnung gezogen werden müssen, wenn ein Erfolg bei Lohnkämpfen errungen werden soll. Ein weiteres notwendiges Moment sei die Organi- sierung von HülfLarbeitern. Eine bestimmte Taktik festlegen zu wollen, ist unmöglich. Wir haben mit den jeweiligen Verhältnissen der Industrie im allgemeinen, speziell auch mit den Organisations- Verhältnissen der Unternehmer zu rechnen. Ist die Konjunktur günstig, dann können wir leichter ermessen, ob eine Lohnbewegung günstig ausgeht. Gleichwohl muß man eventuell nehmen, was zu erreichen ist, wenn nicht alles erreicht werden kann. Die Unter- nehmer handeln meistens entgegengesetzt, sie suchen uns für alle Zeit machtlos zu machen, wie es in Gießen versucht wurde. An Beispielen und Verhältnissen in anderen Orten und Bezirken er- klärt der Redner weiter, daß die Taktik sich nach diesen richten müsse und ein einheitlicher Minimallohnsatz nicht durchführbar sei. Wohlgemerkt, nur generell kann ein Minimallohn für alle Gane nicht festgestellt werden, wenn auch'em bestimmter Lohnsatz als Ziel für weite Bezirke festgestellt werden kann. Zunächst muß jedoch genau festgestellt weichen, low die Verhältnisse in diesen Be- zirkcn liegen. Von der Erreichung einer Position wird dann weiter gestrebt und gewirkt. Das Organ der Unternehmer hat sich gegen dieses Streben gekehrt, im Interesse der Unternehmer. Doch sind die Einwendungcw dieses Organsi der„Süddeutschen Tabak- zeitung", hinfällig. Unsere Stellung zu den Konsumvereinen ist in der letzten Generalversammlung besprochen worden. Trotzdem die Konsumvereine unseren Wünschen bezüglich der Entnahme von Waren von solchen Unternehmern, die unsere Forderungen aner- kannten, nicht oder.nur selten nachkamen, müssen wir festhalten an der Stellung, die wir in der Leipziger Generalversammlung ein- nahmen. Tarifverträge liegen nicht immer in unserem Interesse; aber bei Abschluß solcher Verträge ist unbedingt darauf zu achten. daß die Verträge gehalten werden von den Unternehmern. Auch bezüglich der Boykotts muß auf alle Verhältnisse Rücksicht gc- nommcn werden, damit, wenn der Boykott nötig und verhängt wird, dieser auch wirksam tvird. Die Schutzmarke ist seinerzeit fallen gelassen worden, weil die Fabrikanten, die sie führten und die Bedingungen erfüllten, Schaden davon hatten. Tie besseren, teueren Qualitäten werden nicht von Arbeitern gekauft, und die reicheren Konsumenten kauften diese Waren aus prinzipieller Abneigung gegen diesen Arbeiter- schütz nicht. So blieb die Schutzmarke unwirksam. Wohl ist die Situation heute diesem Schutzmittel günstiger, aber vorsichtig soll man bei etwaiger Ncueinführung sein. H c i s i n g- Straßburg: In der Zigaretten- und Kautabak- fabrikation ist die Anwendung des Boykotts leichter als in der Zigarrenindustrie. Nicht nur in großen Städten ist die Lohnbcwc- gung berechtigt wegen des dortigen teueren Lebensunterhalts, auch auf dem Lande besteht die Lebensmittelverteuerung, deshalb ist es vorteilhafter, mit der Bewegung zuerst auf dem Lande einzusetzen. B l o m c- Bremen ist gegen Einführung der Kontrollmarke, hat aber nichts dagegen, daß die Angelegenheit der Generaltom- Mission zur Prüfung übergeben werde. A r n h o l d- Hamburg polemisiert gegen die Vorwürfe ein- zelner Redner gegen den Sortiererverband. Die Agitation sei nicht vernachlässigt worden, und es hätten Organisationen der Sortierer an einzelnen Orten bereits bestanden, che der Deutsche Tabak- arbeiterverband dort bestand. Es ist unrichtig, daß sie des puren Geldes wegen ihre Organisation aufrechterhalten wollen. Wasserstands-Nachrichte» der Landesanstalt für Kewösserkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilstt Pregel, Jnftervurg Weichsel, Thorn Oder, Raiibor , Kressen , Frantsurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordaimn Elbe, Lcitmeritz , Barby Magdeburg Saale, Grochlitz ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unierpegel. 8 Tage Vorzugspreise Teppiche Saalgröße......... a 90, 65 u. 50 M. Salongröße........ a 65, 40 u. 30 M. Wohnzirnrnergröße... a 35, 25 u. 20 M. Sofagröße......... a 14, 10 u. 6.50 M. Steppdecken Excelsior-Cloth... a 8.25, 6.50 u. 4.80 M. Seidenart. Lasting doppelseitig a 12, 10 u. 8 M. Wollatlas-Lasting.. a 10, 7.50 u. 6.50 M, Seiden-Atlas u. Serge,.a 18, 15 u. 12 M. Läuferstolle Brössei und Tapestry... 2.50 u. 1.50 M. Velour............. 3.60 u. 2,90 M. Holländer....... 1.20 M., 80 u. 40 Pf. Gardinen Englisch Tüll...... psr Fenster von 2.50 M. 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Grohmann Nachfolger, Stempel- brik, Poststraße 4._ 80/18 Lackierer-, Sattler-, Stellmacher-, Schmiede- und Schlosscrlchrlinge aus Karosserien und Luxuswagen ver- langt. I. W. Merinihle, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, O. 17, Große Franksurterstraße 137. 284911» Nagler und Stanzer, eingeübt auf Spicaelrahmcn, findet dauernde und lohnende Veschäjttgung bei Ganglitz u. Taenzcr, Kastanien- allee 79._+57 Tüchtiger Barockvergolder verlangt Goldlcistensabrik, Rcichenberger- straße 88.+18 Im Arbeitomarkt durch besonderen Druck hervorgehobene 'Anzeigen kosten Z0 Pf. die Zeile. Für eine große politische Berliner Tageszeitung werden einige anerkannt tüchtige:: Inseraten*?m Acquisiteure gegen Provision und Tages-Spesen gesucht. 0 Wirklich tüchtige leistungsfähige Herren belieben Offerten unter an die Expedition dieser Zeitung gefl. einzusenden. W.3 III K.'iMi-a Busra 100 ZigareUeuarbeiter uutl'Ärbeiteriuuen 10?ackenmiett sucht sür die neue Fabrik Priedricli- straOe 105 a Haara Zigarettenfabrik Basra Achtung! Pmuofabrik von UöNIö!, Warschauerstr. 53. ist Die