Ur. 248. »bsimmenk-vecklnMsea: «ionnementS- Preis pränumerando- «ierteljährl. S.SV 3HI., Monatd 1,10 Ml, wöchenllich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer K Pfg, EonntagZ- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luzemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, kllchtl«! tZgllch Slidtl MoslZg». 24* Jahrg. Vevlinev Volksblstt. vle snlertlonz-eedllhs lelrägt für die sechSgespallene kolonel- zcile oder deren Raum KO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Berfamtnlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnzeigcn", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigen daZ erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort e Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunimer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „Sozlaldtmokrat Rcrlin". Zentralorgan der rozialdemokrati leben Partei Deutreblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasoc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Der Dusgleich. Aus Wien wird uns geschrieben: Das Erstaunlichste an dem Ausgleich, der vergangenen Mittwoch in den beiden Parlamenten, im österreichischen Reichsrat und im ungarischen Reichstag, eingebracht wurde, ist unzweifelhaft die Tatsache, daß er zustandegekommen ist. Zwar betrifft der überwiegende Teil der Gesamtvereinbarungen, die man mit dem Namen„Ausgleich" benennt, nüchterne, wirtschaftliche Dinge, wie sie mehr oder minder auch verein- bart werden zwischen Staaten, die einander völlig fremd gegenüberstehen, aber das Verhältnis zwischen den zwei Staaten, die zusammen ein Reich bilden, ist bis ins Mark so vergiftet, und alles, was damit zusammenhängt, ist so in Verruf gekommen, daß Ver- träge, die zwischen unabhängigen Staaten ohne besondere Kraftanstrengung zuwege gebracht werden könnten, zwischen Oesterreich und Ungarn zu den unerwarteten Glücksfällen ge- hören, lieber den Ausgleich wird nun an die zwölf Jahre verhandelt, und wenn es schon zu einer Vereinbarung ge- kommen war, stellten sich der Gesetzwerdung in den Parka- menten unübersteigbare Hindernisse entgegen. Jetzt aber liegt ein Uebereinkommen vor, das— wie immer man seinen In- halt beurteilen mag— jedenfalls den großen Vorzug besitzt, so ziemlich allen strittigen Problemen die Lösung zu bringen. Die Frage ist nun, wie das Schicksal der Vereinbarung der Regierungen in den Parlamenten sein wird. Was man mit deni abgekürzten und wenig zutreffenden Namen„Ausgleich" bezeichnet, das ist im Wesen die Ö r d- nung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den zwei Staaten des Dualismus, die weder eine Einheit sind, noch sich als ganz freie Staaten gegenüberstehen. Aus- gleich wird diese Ordnung genannt, weil sie im Jahre 1867, dem Geburtsjahr der dualistischen Verfassung, die Periode des Konflikts zjvischcn Ungarn und Habsburg abschloß, die alten Streitigkeiten ausgleichen sollte. Theoretisch sind beide Staaten in ihren wirtschaftlichen Beziehungen frei und unabhängig und die Gemeinsamkeit mannigfacher Wirtschaft- licher Institutionen, ihre Einheit in zoll- und handelspolitischer Hinsicht wird nur durch Vertrag hergestellt. Ebenso ist die Gemeinsamkeit des Münzfußes, der Währung und der Notenbank(Ocsterreich-ungarische Bank), die Gemeinsamkeit der Grundsätze und der Verwaltung der Verzehrungssteucrn. kurz alles, was die beiden Länder außer dem nicht durch Vertrag änderbaren staatsrechtlichen Dualismus »Armee und auswärtige Vertretung) gemeinsam haben, Frucht nur der Verträge, muß also, nach Ablauf der Verträge, von neuem vereinbart werden. Diese Vereinbarungen werden gemeinhin auf zehn Jahre geschlossen und ihre Erneuerung und Unigestaltung ist eben das, was sich unter dem schon sagenhaft gewordenen„Ausgleich" birgt. Bis 1897 ist die„Ausgleicherei" leidlich gegangen; der damals fällige Ausgleich aber kam infolge der in Oesterreich aus- gebrochenen Parlamentskrise auf dem normalen Wege nicht mehr zu stände. An die Stelle deS durch Gesetze hergestellten Ver- träges trat vielmehr die der Form nach„selbständige Regelung" mit Bürgschaft der Gegenseitigkeit, die in Ungarn durch Gesetz, in Oesterreich durch eine der berüchtigten§ 14- Verordnungen vollzogen wurde. Diese„Regelung" läuft nun Ende 1907 ab, und der jetzt zwischen den Regierungen abgeschlossene Ausgleich soll an ihre Stelle treten. Der neue Ausgleich wird die Zolleinheit bei� behalten und den den Handelsverträgen vom Jahre 1903 zugrunde liegenden Zolltarif übernehmen. Für das Ausland ändert sich also bis zum Ablauf der mit Oesterreich-Ungarn geschlossenen Verträge nichts. Formell erfährt die Zoll- einheit insofern eine Veränderung, als das Uebereinkommen zwischen Oesterreich und Ungarn fortan nicht mehr das überlieferte„Zoll- und Handels- Bündnis" vielmehr bloß ein„Vertrag über die Regelung Handels- und Verkehrsbeziehungen" auch die Umtaufung des Zolltarifs be- mehr der„gemeinsame" Tarif, sondern der' Staaten der österreich- ungarischen Monarchie" heißt. Es ist das beinahe eine Sinnlosigkeit, hat aber doch die Bedeutung, daß damit weder die Gemeinsam- keit noch die Selbständigkeit dieser Staaten bescheinigt wird. Mit den Aenderungen der Bezeichnungen steht im Zusammen- hang, daß Verträge fortan, wenn sie nicht ausschließlich in französischer Sprache ausgestellt werden, in deutscher und in ungarischer Sprache ausgefertigt werden müssen, welche beide Ausfertigungen dann Originaltexte sind; weiter daß Verträge, die Oesterreich-Ungarn abschließt, neben dem die gcmeinsanie Monarchie vertretenden Minister des Aeußeren (oder seinem Vertreter) von Vertretern beider Regierungen unterzeichnet werden müssen. Vorläufig ist mit diesen staats- rechtlichen Aenderungen nichts anderes getan, als daß das Bedürfnis Ungarns nach deutlicherer Ausprägung seiner Staat- lichkeit erfüllt wird, die Aenderungen können aber in zehn Jahren, wenn es sich darum handeln wird, einen neuen Zoll- tarif festzusetzen und neue Handelsverträge abzuschließen. leichthin auch praktische Bedeutung gewinnen. Früher hat man in Oesterreich solchen magyarischen Extravaganzen den heftigsten Widerstand entgegengestellt und Ungarn den Verzicht aus ist. der wechselseitigen genannt wird, was dingt, der nun nicht der„Vertragstarif sie mit materiellen Opfern abzukaufen gesucht. Die Regierung Beck aber war so klug, sich auf den„großösterreichischen" Wahn nicht einzulassen: sie hat eher die magyarischen Wünsche nach staatsrechtlichen Eroberungen begünstigt und statt für den Verzicht zu zahlen, sich das Zugeständnis bezahlen lassen. Die Zolleinheit ist natürlich das weitaus Wichtigste des Ausgleiches. Ihre Bedeutung liegt darin, daß Oesterreich den ungarischen Markt für seinen Jndustrieüberschuß, Ungarn den österreichischen für seine agrarische Produktion behält, was sich in Ziffern so ausdrückt, daß sich dadurch ein Verkehr von zwei Milliarden ungehemmt entfalten kann. Der neue Vertrag währt bis 1917; er läuft da ab, braucht also nicht gekündigt zu werden und kann nicht stillschweigend verlängert werden. Die Zolleinheit bedarf nach ihrem Ablauf eines neuen Vertrages, für den die Verhandlungen spätestens An- fang 1915 beginnen müssen. Die neuen Vereinbarungen über den Handelsverkehr haben im allgemeinen kein größeres Interesse; sie lehnen sich zumeist an die bisherigen Bestimmungen an und ändern sie nur so weit, als es die Technik des Handelsverkehrs gebietet. Bei den Verzehrungssteuern(auf Bier, Branntwein, Petroleum und Zucker) erhält jeder Staat fortan mehr Freiheit; es werden unter gegenseitige Bedingungen nur jene grundsätz- lichen Besteuerungsbestimmungen gestellt, welche die Gleich- artigkcit der Konkurrenzbedingungen sichem sollen. Die aus der Brüsseler Konvention entstammende Surtaxe auf Zucker wird ihrer Bedeutung entkleidet. Es handelt sich hier- bei um die Forderung Ungarns, seine Zuckcrmagnaten vor der österreichischen Konkurrenz zu schützen, was dadurch erreicht werden sollte, daß für die Einfuhr von Zucker aus einem Staate in den anderen eine Gebühr von 3Vz Kronen für 100 Kilogramm erhoben würde; da es aber ebenso odios als schwierig wäre, einen Zoll bei der Einfuhr zu erheben, soll die Gebühr beider Ausfuhr, also von dem eigenen Staate, eingehoben werden. Gegenüber der Vereinbarung, die zwischen Koerber und Szell geschlossen wurde(die aber noch nie in Geltung trat), bringt das neue Uebereinkommen die- E r- leichterung, daß von der Entrichtung der Gebühr frei bleiben im Verkehr aus Oesterreich mit Ungarn 225000 Meter- zcntner, im Verkehr aus Ungarn nach Oesterreich 50000 Meter- zenwer Zucker. Die Bindung der E i s e n b a h n t a r i f e. die bisher galt und auch in den Vereinbarungen zwischen Körber und Szell (die aber, wohlgemerkt, allzusammen nur„schätzbares Material" blieben) erschien, wird beseitigt. Wichtig ist die Vereinbarung, die Oesterreich den Ausbau seiner dalmatinischen Bahn nach Krain sichert, was ohne Zustimmung Ungarns nicht möglich war. da das österreichische Kronland Dalmatien an das übrige Oesterreich nirgendwo grenzt, der Weg dorthin nur über un- garisches(kroatisches) Gebiet führt. Als Gegenkonzession bewilligt Oesterreich auf der Käschau-Oderberger Bahn den Bau eines zweiten Gleises, das dem Bedürfnisse Ungarns, für das diese einzige Verbindung mit dem Deutschen Reiche so wichtig ist, Rechnung tragen soll. Den von Ungarn geforderten direkten Anschluß dieser Bahn zur preußi- scheu Staatsbahn von Oderberg zur Reichsgrenze bei Anna- b e r g hat Oesterreich natürlich nicht bewilligen können; die geographische Gunst, Ungarn, gegen Europa abzuschließen, konnte es nicht preisgeben. Durch ein besonderes Ueberein- kommen wird dann ausgetauscht die Besreiung ungarischer Staatsrenten von der Rentensteuer in Oesterreich gegen die Aufhebung der ungarischen Transportsteuer auf der Donau. Weiter ist eine neue sehr agrarische Veterinärkonvention ver- einbart und sind verschiedene autonome Gesetze(in Ungarn ein Gesetz gegen Weinfälschung und eines gegen den Schwindel auf der Fruchtbörfe, in Oesterreich gegen die Fälschung von Tokayer Weinen) ausbedungen worden. Das alles sind nütz- liche Vereinbarungen, die sich in der Bilanz auch so ziemlich ausgleichen und wobei der Nutzen des einen Staates kein Nachteil für den anderen ist. Eine wichtige Neuerung besteht auch darin, daß Differenzen über die Auslegung der vereinbarten Bestimmungen,'soweit sie Rechts- und nicht Jnteressenfragen betreffen, künftig durch ein inappellables Schiedsgericht ausgetragen werden sollen. Die Zusammensetzung dieses Schiedsgerichts ist eine Leistung menschlichen Scharfsinns; da könnten die Herren im Haag was lernen. Jeder der beiden Staaten nämlich bestellt aus seinen Staatsangehörigen vier ständige Schiedsrichter, von denen er für den einzelnen Streit- fall zwei auswählt. Wie wird aber der O b m a n n gefunden? Aus einer ständigen Liste, die folgendermaßen ausgelegt wird: Die österreichische Regierung bezeichnet aus den obersten richtcr- lichen Kreisen Ungarns fünf Persönlichkeiten; die ungarische Rc- gierung ebenso viel aus denselben Kreisen Oesterreichs. Aus den von der ungarischen Regierung bezeichneten fünf Oester- reichern wählt die österreichische zwei, die ungarische bestimmt zwei aus dem österreichischen Vorschlag. Diese vier bilden die ständige Liste, aus welcher der schließliche Obmann durchs Los bestimmt wird! Wie man sieht, ungemein scharfsinnig, aber zum Schluß entscheidet doch das Los. also der— Zufall. Vertagt wurde die Bankfrage. Das Privilegium der Notenbank läuft allerdings erst Ende 1910 ab, und eigentlich können sich die Regierungen über die Frage der Verlängerung der Bankgemeinschaft erst dann unterhalten, wenn ihnen die Erklärung der Bank vorliegen wird, daß sie auf die Er- Neuerung der Bewilligung rechnet(was im Laufe des nächsten Jahres aeschehen wird). Aber die Regierungen Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. haben sich auf diese Formalität zurückgezogen, weil die Lösung der Frage gerade jetzt den größten Schwierigkeiten begegnet. In Ungarn ist nämlich die Errichtung einer eigenen, selbständigen Notenbank sehr populär; aber die Sache ist so gefährlich, daß sich ein so gewiegter Finanzmann wie Herr Dr. Wekerle auf das Experiment nicht einlassen mag. Je weiter die Zeit vorgeschritten sein wird, desto schwieriger wird die Errichtung einer eigenen Bank, und so hofft man, daß dann die Chauvinisten in Budapest leichter Raison annehinen werden, als es jetzt zu erwarten wäre. Es ist also bloß vereinbart worden, daß, wenn die Gemeinsamkeit der Bank aufhört(was auch das Erlöschen des Münzvcrtrages herbeiführen würde) die wechselseitigen staatsfinanziellen Leistungen in der Goldkrone, also in effektivem Golde, geleistet werden müssen. Die Auf- nähme der Barzahlungen, die ja auch derzeit— angesichts der schwierigen Geldverhältnisse in ganz Europa— fast un- möglich wäre, ist bis zur Erledigung der Bankfi-age vertagt worden, sie soll aber im Falle der Verlängerung der Bank- gemeinschaft ernstlich herbeigeführt werden. Nicht mit dem wirtschaftlichen Ausgleich zusammen- hängend, aber ihm dennoch einverleibt ist die Frage der Quote, nämlich der Bestimmung des Verhältnisses, in welchem beide Staaten zu den gemeinsamen Ausgaben(Kosten der Armee und der auswärtigen Vertretung) beizutragen haben. Derzeit ist dieses Verhältnis 63,6 Proz. für Oester- reich, 34,4 Proz. für Ungarn. Es wird um zwei Prozent zugunsten Oesterreichs verändert, wäre also demnach 63,6 Proz. für Oesterreich und 34,4 Proz. für Ungarn. Diese Erhöhung ist zur Bedingung des gesamten Ausgleichs gemacht lvorden; die betreffenden Gesetze sollen am 1. Januar nur gleichzeitig mit deni Ouotengesetz in Kraft treten. So begründet und so gerechtfertigt diese bescheidene Erhöhung des ungarischen Beitrages auch ist, so wird sie in Ungarn doch mit dem größten Unmut aufgenonimen. Der Ausgleich ist eben ein kompliziertes Ding, die Quote aber sieht jeder, und es ist eigentlich eine Ironie der Ge- schichte, daß die � Unabhängigkeitspartei, in deren Programm die Auflösung aller Bande steht, welche Ungarn mit Oesterreich verknüpfen, imn die präziseste Bejahung des Dualismus vollziehen soll.... Die Aussichten des Ausgleichs in den beiden Parlamenten lassen sich im Augenblick nicht mit absoluter Gewißheit bc- stimmen. Immerhin ist es mehr als wahrscheinlich, daß der Ausgleich, der die Notwendigkeit der Dinge für beide Staaten verkörpert, sein Ziel auch in beiden Parlamenten erreichen wird. Er muß bis Ende dieses Jahres fertig werden, und der Kalender wird vielleicht seine beste Unterstützung sein. Aertichatrnng der Lehrer In(Preußen. Im Laufe der vorigen Session ist die frühere Einberufung de? Landtags wiederholt mit dem Hinlveis auf die Notwendigkeit einer Reform des Lehrerbesoldungsgesetzes angekündigt worden. Er soll' nun Anfang Dezember zusammentreten. Ob das verheißene Gesetz eingebracht toerden wird, darüber verlautet zurzeit nichts; möglich, daß die Lehrer infolge des Wechsels im Kultus- Ministerium wieder auf ein oder mehrere Jahre vertröstet werden! Daß eine Revision deS Lehrerbesoldungsgesetzes dringend er- forderlich ist, darüber sind sich selbst die Konservativen, denen man doch wahrlich keine besondere Lehrerfreundlichkeit nachrühmen kann, einig. Auf ihren Antrag hat das Abgeordnetenhaus im Jahre 1906 beschlossen, unmittelbar nach Erlaß des VolkSschul- unterhaltungSgesetzeS unter Bereitstellung der erforderlichen Staats- mittel— in eine Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes einzutreten. Zugleich nahm das HauS einen freikonservativ-nationalliberalen Antrag an. der nicht nur ein schleunigeres Vorgehen fordert, sondern auch die Grundzüge der Reform andeutet. Der Antrag verlangt, daß die Regierung unter Bereitstellung der dazu erforder- lichen Staatsmittel ohne Verzug in eine Revision des Lehrer- besoldungSgesetzes zu dem Zwecke eintritt, durch Festsetzung aus- kömmlicher Grundgehälter und Alterszulagen sowie durch Eröffnung einer Laufbahn im Schuldienste für alle Lehrer die gegenwärtig im Lehrerbesoldungswesen bestehenden Mißstände und ungerechten Ungleichheiten zu beseitigen. Jahre hindurch hat die LandtagSmehrheit sich den berechtigten Forderungen der Lehrer auf Gehaltserhöhung widersetzt, die„Volks- Vertreter" glaubten, durch das Gesetz von 1897 ihrer Pflicht Genüge getan zu haben. Hatte man doch großmütig das Mindestgehalt für Lehrer auf 900 M.. für provisorisch angestellte Lehrer sogar auf 720 M. festgesetzt! Allerdings sollte dieS Mindestgehalt nur eine Ausnahme bilden, aber in Wirklichkeit wurde die Ausnahme bald zur R e g e l. Daß die Lehrer damit nicht zufrieden waren, liegt auf der Hand. Jahr für Jahr wandten sie sich mit Petitionen an den Landtag, aber ohne Erfolg. Ja, sie konnten von Glück sagen, wenn die Kouser- vativen nicht auf die Begehrlichkeit der Lehrer schimpften, die trotz des fürstlichen Gehalts immer neue Ansprüche an die Regierung stellten. Kein Wunder, daß unter solchen Verhältnissen immer weniger Kräfte sich dem Lchrerbcruf zuwandten und daß der Lehrermangel ständig zunahm! Jetzt endlich scheint man der Frage der Revision deS Lehrer- besoldungSgesetzes näher treten zu wollen. Aber kaum ist der Plan in die Oeffentlichkeit gedrungen, da erhebe» sich auch schon wieder Stimmen, die vor einer Erfüllung der Wünsche der Lehrer warnen. Der preußische Lehrertag hat sich für die efuljeUIidjc Besoldung Im ganzen Staat ausgesprochen. Damit ist die„ K r e u z-Zeitung", das führende Organ der Konser- vativen, nicht einverstanden, sie verlangt, das; die Besoldung an die örtlichen Verhältnisse angepaßt wird. Bei den übrigen Beamten ist das nicht der Fall, für die Lehrer aber soll ein AuSnahniezustand geschaffen iverden. Darüber ist das konservative Blatt höchst unzufrieden, es wettert über den allgemeinen Zug der Zeit nach einer möglichst weitgehenden Gleichmacherei und rät, wenn man schon dem Zuge der Zeit folgen wolle, so solle inan wenigstens ein Hinausgehen über das gesetzliche Gehalt berbietenl Mit anderen Worten, die gesetzgebenden Körperschaften sollten sich auf den Boden des berüchtigten Brcnis- erlasscS stellen. Entschließt man sich hierzu nicht, so wird nach Ansicht der„Kreuz-Zeitung" jede Aufbesserung des Gehalts in einem Orte die Forderung nach der gleichen Aufbesserung in den übrigen Orten mit Notwendigkeit nach sich ziehen, und von der Ruhe, die von allen wohlmeinenden Staatsbürgern in der Gehaltsfrage herbei- gesehnt wird, wird weniger die Rede sein als jemals zuvor. Wir geben dein konservativen Blatt recht, daß eine solche Regelung der Lehrerbesoldung nicht die von ihm herbeigesehnte Ruhe bringen wird. Damit werden sich weder die Lehrer zufrieden geben, die dadurch nur stellenweise besser, im allgemeinen aber schlechter ge- stellt werden, noch die Gemeinden, denen dadurch das Recht einer anständigen Besoldung ihrer Lehrkräfte genommen wird. Der wahre Grund des konservativen Widerstandes gegen eine zeitgemäße Reform des LehrcrbesoldungSgesetzeS ist in der Furcht zu erblicken, daß die ländlichen Geineinden und Gutsbezirke, um die Landflucht der Lehrer zu verhindern, etwas tiefer in die Tasche greifen müßten. Um diese Belastung abzuwenden, schlägt man ein Radikalmittel vor: man speist die Lehrer überall mit HungergehälterN ab, dann tverden sie keine Sehnsucht haben, statt auf dem Lande in den Städten zu verhungern! Wir haben von dem Artikel der„Kreuz-Zeitung" deshalb Notiz genommen, weil dieser Vorstoß gegen eine vernünftige Reform der Lehrerbesoldung typisch ist für die Geringschätzung, deren sich die Volksschullehrer in den maßgebenden Kreisen Preußens erfreuen. Die geradezu sträfliche Vernachlässigung der preußischen Volksschule zeigt sich nicht zuletzt auch in der Behandlung der VolkSschullehrcr, für die man andere Grundsätze aufstellen will als für die übrigen öffentlichen Beamten. Die Lehrer selbst aber sollten endlich zu der Einsicht gelangen, daß sie von dem Dreiklassenparlament nichts zu erwarten haben. Ihre Hoffnungen werden, wie schon so oft, so auch jetzt wieder zuschanden werden. Ver da nicht hat, dem wird genommen! Die Berliner Handelskammer hat eine Ein- gäbe an den Finanzminister gerichtet, in der sie gegen die Zumutung protestiert, daß die Arbeitgeber verpflichtet sein sollen, über das Einkommen ihrer Angestellten Auskunft zu geben, deren Gehalt mehr alL 3000 Mark beträgt. Die Eingabe weist— und zwar mit Recht— darauf hin. daß nach dem 8 23 des Einkommensteuergesetzes die Arbeit- gcber zu solcher Auskunft nicht verpflichtet seien. Diese Eingabe zeigt den Arbeitern und kleinen An- gestellten wieder einmal, wie ungerecht sogar bei der direkten Besteuerung verfahren wird. Wer über 3000 M. Einkommen hat, unterliegt der Deklarations- p f lä ch t, d. h. er hat sein Einkommen s e l b st der Steuer- behörde anzugeben. Gibt er sein Einkommen niedriger an, als es ist, so verfällt er der Strafe. Aber bekanntlich schreckt die Strafe keineswegs vor der falschen Deklaration, also der Steuerunterschlagung ab. Ist doch, namentlich bei den höheren Einkommen, den Steuerbehörden vielfach gar nicht die Möglichkeit gegeben, die Nichtigkeit der Angaben der Deklaration genau nachzuprüfen l Namentlich sind die Arbeit- geber nicht gesetzlich verpflichtet, über das Gehalt derjenigen Angestellten Auskunft zu geben, die mehr als 3000 M. Ein- kommen haben. Dagegen kann den Arbeitern nach der Neugestaltung des§ 23 im Jahre 1906 jeder Pfennig«ach- gerechnet werden, da ja der Arbeitgeber Auskunft geben muß! Welch schreiende Ungerechtigkeit also gegenüber den Arbeitern und welche Vergünstigung gegenüber den Besitzenden! Denn daß gerade bei den höheren Einkommen massenhafte Steueruntcrschlagungen vorkommen. die niemals ermittelt werden können, wird selbst von k o n- servativer Seite zugegeben. Machte doch erst letzter Tage die„Kons. K o r r e s p." gegen die Einführung direkter Steuern neben anderen Gründen auch den geltend, daß es unmöglich sei, das Einkommen stets zutreffend zu fassen! Und trotzdem das unmöglich ist, und gerade in dem Maße un- möglicher wird, in dem das Einkommen steigt, trotz- dem wurde gerade von Konservativen und National- liberalen im Jahre 1906 und 1907 im preußischen Abgeordnetenhaus eine Aenderung des§ 23 des Einkommen- steuergesetzes beschlossen, durch die die Unternehmer verpflichtet werden, den Lohn der Arbeiter der Steuerbehörde auf Heller «ud Pfennig anzugeben! Wobei übrigens zu bemerken ist, daß eS gerade ein freisinniger Abgeordneter, der Abg. G e r s ch e l war, der den neuen§ 23 noch dadurch verschärfte, daß er einen— von den Konservativen und Nationalliberalcn natürlich mit Freuden akzeptierten und bei der Abstimmung angenommenen— Antrag einbrachte, die Arbeiter, Dienstboten nnd Gewerbe- gehülfen zu verpflichten, Auskunft über ihre Arbeits- st ä t t e und ihren Arbeitgeber zu erteilen I Dieser An- trag sollte verhüten, daß die Ermittelung deS Einkommens eines Arbeiters dadurch unmöglich gemacht würde, weil ein Arbeitgeber seine Arbeiter gar nicht alle kenne. Begründete der Freisinnige Gerschel doch nach dem amtlichen Steno- gramm seinen Antrag folgendermaßen: „Was die Arbeitsstätte betrifft, so erkläre ich, daß deren An- gäbe von mir im Interesse deS Arbeitgebers gefordert wird. Denn die Verhältnisse liegen oft so, daß z. B. bei aus- wärtige» Bauunternehinungen, beim Eisenbahnbau usw., der Arbeitgeber die Arbeiter gar nicht kennt, die bei einzelnen seiner Unternehnrungen beschäftigt werden und daß ihm durch Angabe der Arbeitsstätte wenigstens der Fingerzeig gegeben ist, wo er dieArbeiter, über die erAuskunft geben soll, zu suchen hat." Man sieht, wie besorgt sich dieser Freifinnige zeigte, der Steuerbehörde nur ja zur Ermittelung des Einkommens der Arbeiter behülflich zu sein! Zugleich zeigt diese Neugestaltung des 8 23, der u r- sprünglich die Pflicht der Auskunftserteilung der Arbeitgeber über den Lohn der Arbeiter nicht enthielt, wie man in der preußischen Junkerkammer Gesetze zur Bennchteilignng der Nichtbcfitzcndcn schafft! lind der Junkerkammer den Charakter eines Klassenparlamentes zu erhalten, ist unser Freisinn nach Kräften be- st r e b t I Zer verrat vollzogen 1 Der Vorschlag Barths ist also definitiv abgetan. Die Frank- furter Einigungsversammlung wird eine schamlose Komödie, die Liberalen weigern sich, auch nur das geringste für die Wahlreform zu tu«. Das Bureau der Freisinnigen Volks- Partei teilt mit, daß die Komödie für den 1l). November an- gesetzt ist. Gleichzeitig warnt die„Liberale Korrespondenz" vor einer „Ueberschätzung dieser Versammlung": „Die großen Erwartungen", schreibt sie,„die man vielfach in liberalen Kreisen auf die Versammlung gesetzt hat, dürften übrigens wesentlich herabgestimmt werden durch den Umstand, daß eine AuS- spräche über die'in Aussicht genommenen drei Referate nicht statt- finden soll." Nun ist daS sehr merkwürdig, daß eine politische Partei eine früher immer mit großer Begeisterung verlangte Kundgebung im vorhinein diskreditiert und bittet, ihre eigenen politischen Ver- anstaltungen sa nicht zu überschätzen! DieSnial hat es eben den besonderen Grund, daß ein paar ehrliche Freisinnige von dieser Ver- sammlung ein Vorgehen in der preußischen Wahlrechtsfrage er- warteten. Das ist die Ueberschätzung. der vorgebeugt werden mußj! Daß aber eine parteioffiziöse Korrespondenz es als lieber- schätzung bezeichnen muß, von den steisinnigen Parteien ein Vor- gehen in der preußischen Wahlrechtsfrage zu erwarten, zeigt bester als alles andere, ans welches Niveau die Blockpolitik die Freisinnigen bereits gebracht hat. Nun wollen wir gern gestehen: von einer Partei, die von Leuten wie Wiemer, Kopsch und Fischbeck geführt wird, ist ja alles zu er- warten. Für diese Unbeträchtlichkciten ist es ja tatsächlich ein Glück. sich nicht mehr bloß Staatsmann zu fühlen im Bezirksverein der südlichen oder östlichen Friedrichstadt, sondern sich Staatsmann zu düuken für das Deutsche Reich, wenn auch vorläufig nur durch gnädige Vermittelung des Fürsten Bülow. Diese Leute, die gar nichts sind durch sich selbst, nichts durch politische Einsicht, Temperament, Persönlichkeit, die einfach„fungible Güter" sind, jeder dem anderen gleich, wie ein Hafersack dem anderen, sind jetzt natürlich zu allem fähig. Sie werden alles apportieren, was die Regierung befiehlt! Winkt doch dafür ein Lächeln Bülows, ein Empfang in Norderney, werden sie doch in ihrer dummen Einbildung Mitwisser der Staatsgeheimnisse, Mitregierer des Deutschen Reiches. Mit Speck fängt man Mäuse und mit Befriedigung ihrer kindischen Eitelkeit die Jämmer- linge, die seit Richters Tode Führer der deutschen Volkspartei spielen dürfen. Aber diese Leute werden ja nicht in Frankfurt allein zu ent- scheiden haben. Wie steht cS denn mit der Freisinnigen Vereinigung und der Süddeutschen Volkspartei? Sind wirklich die Herren Schräder, Payer, Haußmann accf demselben Niveau an- gelangt wie die Kopsch und Fischbeck? Oder hält sie das verderbliche Phantom der„liberalen Einigung" so sehr gefangen, daß sie nicht mehr sehe», daß vielleicht die Einigung zustande kommen kann, aber sicher erst, nachdem jede Spur von Liberalismus verflogen ist? WaS nützt eine große liberale Partei der Demokratie, wenn in ihr Leute die Führung haben, die unter der D i k t a t u r d e r„D e u t s ch e n Tageszeitung" stehen! Die liberale Einigung ist nach der EntWickelung, die die Freisinnige Volkspartei genommen hat, nicht eine Förderung der Demokratie, sondern bedeutet ihre Preisgabe. Nicht mit den Führern der Freisinnigen DolkSpartei, sondern nur gegen sie kann eine wirklich ehrlich demokratische Partei gebildet loerden, deren Entstehen im Interesse einer freiheitlichen ungestörten EntWickelung liegt._ Die Haager Konferenz. London, 20. Oktober. sEig. Ber.) Unter den, Titel„DaS Haager Fiasko" bespricht die „Times" die Ergebnisse der viermonatigen Beratungen der so- genannten Friedenskonferenz. Das Blatt sagt:„Die zweite Haager Konferenz ist tot und begraben und, wie es oft geschieht, hört sich die Leichenrede, die in feierlicher Weise über die erhabene Leiche gehalten wird, wie Spott über den Toten an. Man verlangt von uns zu glauben, daß„dem Recht, der Gerechtigkeit, dem Geiste des Frieden? und der internationalen Hannonie ein wirkliches Monument erbaut wurde". Aber wie die Trauernden wissen, die gestern dort versammelt waren, stellt es eher ein übertünchteS Grab vor, voll von Skeletten und Unrein- lichleitcn. Gibt es überhaupt einen stärkeren Kontrast als den zwischen dem Programm und den Ergebnissen, zwischen den Worten und Taten der Konferenz? Mit viel Pomp und Feierlichkeit kamen die Delegierten zusammen, um eine neue Aera der Recht- schaffenheit in den Annale» der Menschheitsgeschichte zu eröffnen. Was haben sie getan? Geredet haben sie von Humanität, von Weltstieden, vom tausendjährigen Reich. Sobald eZ aber hieß, etwas Tu diese Ideale zu tun, hat sich dieses„Parlament der Menschheit" auf die Härte und Hartnäckigkeit der Taffachen berufen,„auf daS Gesetz von Taffachcn", wie es Baron Marschall nannte und wie es immer in der Welt passiert, wenn man mit LebenZstagen zu tun hat. Alle grandiosen Projekte— mit einer einzelnen Ausnahme des Internationalen Prisengerichts— wurden nach und nach beseitigt und einbalsamiert— eine Kollektion von Mumien... Schon beim Beginn der Verhandlungen haben kluge Beobachter vorausgesagt, daß die Konferenz wenig Gutes leisten würde, und drückten die Be- orgnis aus, daß sie viel Schlimmes anrichten könnte. ES war nicht schwierig, diese Voranssage zu machen, und sie hat recht gehabt. Die Konferenz war von vornherein zum Mißerfolg be- stimmt, da schon ihre Einberufung an sich gegen„daS Gesetz der Tatsachen" verstieß, oder auf englisch gesagt: die Konferenz war ein Trug und hat nur Trugbilder erzeugt.... In ihrer amtlichen Eigenschaft benahm sich diese Körperschaft auf eine Art und Weise, als ob es keine unversöhnlichen Gegensätze und Eifersüchteleien zwischen den Mächten gäbe. Die Existenz und die Bitterkeit dieser Differenzen sind aber weltbekannt. Es hat keinen Zweck, diese zu verheimlichen oder abzuschwächen. ES sind Taffachen und man muß ihnen ins Gesicht sehen. Die zlvcite Haager Konferenz hat diese Differenzen nur alzenwiert und offenbarer gemacht. Ueberall standen sich die Großmächte in Gruppen gegenüber und diese Gruppierung ent- prnch fast immer den umfassenderen Gegensätzen in der Poliffk..... Es ist merkwürdig, wie die Ansichten cincS so großen und in allen Fragen der W-ltpolitik so durchgebildeten BlatteS genau mit denen der deutschen Sozialdemokratie übereinstimmen. Es ist nicht aus Schadenfreude über den Mißerfolg der„Friedenskonferenz", daß wir die Ansftihrungen der„Times" zitieren, sondern um daraus zu lernen, sich vor Illusionen zu schützen. Wir leben in einer kriegsschwangeren Zeit, und die weltpolitischen Gegensätze sind in allen Großstaaten der Welt fühlbar, vom Osten bis zum Westen und vom Norden bis zum Süden. poUtflcbc üebcrflcht Berlin, den 22. Oktober 1907. Tie neue Marinevorlage. Dem„Verl. Tagebl." wird von„unterrichteter Seite" näheres über die im nächsten Jahre zu erwartende neue Flottenvorlage gemeldet. Die Vorlage werde in erster Linie die Herabsetzung der Lebensdauer derLinien- schiffe von 25 auf 20 Jahre bringen. Was besagt, daß solch ein Vierzigmillionenschiff bereits nach 20 Jahren, statt wie bisher nach 23 Jahren, durch ein neues ersetzt werden soll. Und die dadurch verursachte beträchtliche Er- höhung des Marinebudgets soll nach der Information des „V. T." schon in den nächsten Jahren in Erscheinung treten, indem dann bereits die Ersatzbauten für die in Frage kommenden Schiffe in Angriff genommen werden sollen, die nach dem geltenden Flottengesetz erst entsprechend später ersetzt worden wären. Das Flottengesetz werde also durch ein neues Gesetz eine andere Fassung erhalten. Das heißt ganz nach den Plänen des Flottenvcreins l Ferner werde man künstig höhere Forderungen für den Bau der Unterseeboote stellen, die sich bewährt hätten. Die Marineverwaltung werde sich künftig in der Frage der Unterseeboote nicht mehr abwartend Verhalten, sondern„zu einem schnelleren Ausbau der submarinen Ver- teidigungsmittel schreiten". Bekanntlich haben sich seit dem Jahre 1900, dem Jahre der Annahme des zurzeit geltenden Flottengesetzcs, die Bau- und Armierungskosten für die Linienschiffe und Panzerkreuzer verdoppelt! Jetzt soll auch in rascherem Tempo gebaut, die Flotte durch die Herabsetzung der Lebensdauer der Schiffe„verjüngt" werden. Ferner sollen jährlich diverse Millionen mehr für Unterseeboote verlangt werden. Die Er- höhung der Marinelasten um 40 Millionen pro Jahr scheint nach alledem noch viel zu niedrig gegriffen zu sein!— Reaktionäre Entstellungen! Die„Berliner Neuesten Nachrichten" hatten bekanntlich rücksicht- lich des Veremsrechts betont. Reichsrecht gehe ohne weiteres über Landesrecht. Dies Zugeständnis hatten wir festgenagelt und hervor- gehoben, daß das genannte Blatt sich damit auf den Boden der Auffassung stelle, daß der Deutsche Reichstag ohne weiteres das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Wahl zu allen Land- tagen beschließen kann. Demgemäß sollte dieser einfache Weg zur Durchführung deS gleichen einheitlichen StaatSbiirgerrechts in ganz Deutschland auch beschritten werden. Die„Berliner Neuesten Nachr." meinen nun, aus staatsrechtlichen Gründen liege die Sache anders. Der Reichstag sei ohne eine Ergänzung des Artikel 4 der Verfassung zu einer solchen Aenderung nicht befugt. Die„Berliner Neuesten Nachr." befinden sich da in einem starken logischen mtd staatsrechtlichen Irrtum. Wäre die staatsrechtliche Ansicht der„Berliner Neuesten Nachrichten" zutreffend, so hinderte ja nichts dieselbe schwache Majorität des Reichstages, die für eine Einführung des einheitlichen StaatSbiirgerrechts zu haben ist, auch die formelle Ergänzung zum Artilel 4 zu bc- schließen! Der Einwand hält also logisch nicht Sticht Staatsrechtlich liegt überdies die Sachlage so, daß auch ohne ausdrückliche Aenderung der Verfassung das Reich befugt ist, jede Materie reichsgesetzlich zu ordnen. Das ist zum Beispiel rück- sichtlich der Kolonialgesetzgebung in einer weit über den Rahmen des Artilel 4 Ziffer 7 hinausgehenden Weise geschehen. Die forntellen Einwände des Blockpolitik-Blattes gegen die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für die Wahl zu allen Landtagen sind also eitel Wind. Sie sind umso kurioser, als dasselbe Blatt den durch ein ReichSvereinSgesetz geplanten Verfasstmgs bruch dem Reich vindiziert, wiewohl daS Reich nach den Einleitungsworten der Verfassung einen„ewigen Btuid" „zum Schutz", nicht zum Bruch„des innerhalb desselben gültigen Rechts" darstellen soll. DaS geltende VerfaffnngS recht zu schmälern ist daS Reich nicht befugt, wohl aber das Millionen Staatsbürgern infolge Verfassungsbruchs vorenthaltene Wahlrecht zu geben. So steht trotz aller Windungen deZ BlvckblatteS die Rechtslage.—_ Kein liberales Zugeständnis! In einer offiziösen Notiz war kürzlich mitgeteilt worden, daß von der polnischen Enteignungsvorlage abgesehen werden soll und daß, da die Konservativen in dieser Frage unbedingt auf der Seite der Regierung ständen, also f ü r die Zwangsenteignung seien. diese Abstandnahme ein Zugeständnis an den Liberalismus darstelle. Nun erklärt aber die„Kons. K o r r e s p.". daß diese Annahme der offiziösen Notiz irrig sei, daß„die Konservativen im Gegenteil„große Bedenken" gegen daS Enteignungsprojekt hegten. Es ist also wieder einmal nichts mit dem Zu- geständnis an den Liberalismus! Wir haben bereits vor Monaten die schon damals geäußerten „großen Bedenken" der konservativen Presse gewürdigt und auch ihre innersten Motive. Die Junker haben einfach deshalb in dem EnteigniingSplane ein Haar gefunden, weil durch die Zwangs- enteigming polnischer Grundbesitzer den deutschen Agrariern die Möglichkeit erschwert wurde, ihre Güter ganz oder teilweise zu Wucherpreisen an die Siedelungskommission loSzuichlageu. Das angebliche Zugeständnis an die Liberalen besteht also in Wirk- lichkeit in einer Rücksichtnahme auf die agrarischen Junler- i n t e r e s s e n l_ Zentrum und Landarbeiter. Der R h e i u i s ch e B a n e r n v e r e i n. der fast ausschließlich aus lauter waschechten Zentruinsleuten besteht, hat sich in einer KreiZversammlung in Rheinberg mit der Frage der Land- arbeiterorganisation beschäftigt. Die Redner sprachen sich durchweg gegen die Verleihung des Koalitionsrechts an die Land- arbeitcr ans. Baron v. B ü l l i n g e n forderte die Bauernvereine und die übrigen landwirtschaftlichen Interessenvertretungen auf. jeder Be st rebung, den Landarbeitern das Koa- litionSrecht zu verleihen, auf das entschiedenste entgegenzutreten. Gutsbesitzer Käthes wandte sich in scharfer Weise gegen den Zusammenschluß der Landarbeiter zwecks Niederlegung der Arbeit; die Organisation der Landarbeiter sei überflüssig, da die Landwirte ohnehin alle Wünsche erfüllten. Es muffe, da die Verleihung deS StreikrcchtS die Landwirtschaft dein Ruin entgegenführe, jeder von gewisser Seite in dieser Richtung betriebenen Agitation entgegengetreten werden. Schließlich nahm die Versammlung eine Resolution an, worin„nachdrücklichst und entschieden" protestiert wird„gegen alle Bestrebungen, gleichviel von welcher Seite sie kommen, den ländlichen Arbeitern das Koalitionsrecht zwecks Niederlegung der Arbeit zu verleihen". Zur selben Zeit redete der ZenttumSabgeordnete Fleischer auf dem Delegiertentage des Diözesanverbandes Trier der katholischen Arbeitervereine über die Organisation der Landarbeiter. Dr. Fleischer will die Landarbeiter organisieren, aber nur in katholischen Arbeitervereinen der Berliner Richtung, die bekanntlich den Ausstand grundsätzlich verwirft. Dr. Fleischer ist in dieser Beziehung konsequenter als die Herren GieSbertS und Genoffen, die für die Industriearbeiter den Ausstand für erlaubt und für notwendig halten, ihn den Landarbeitern aber nur mit so viel Wenn und Aber gewähren, daß in Wirklichkeit nichts davon übrig bleibt. In der von Dr. Fleischer vorgeschlagenen und von der Versammlung einstimmig angenommenen Resolution heißt eS: Der Delegiertentag lehnt es ab. daß die zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehenden Konflikte auf gewerblichem und industriellem Gebiete auf dein Wege wirtschaftlicher Machtkämpfe um AuStrag kommen sollen, weil dadurch der an sich schon be- rohte Mittelstand in noch höhcrem Mäste ruiniert, die Konzentration deS übermächtigen Grostkapitals nur ge- gefördert, das private und öffentliche Wohl gefährdet. die staatliche Ordnung untergraben und der Klassen haß maßlos gesteigert wird. Er weist die Anwendung wirtschaftlicher Machtkämpfe in der Landwirtschaft angesichts ihrer besonderen Verhältnisse und der damit verbundenen gesteigerten wirtschaftlichen Gefahren mit doppelter Entschiedenheit zurück, erwartet vielmehr von einer fried- lichen Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in christlichem Geiste sowie der Mitwirkung der Gesetzgebung die Ve- seitigung der bestehenden Mißstände." Mit der Zeit sammelt sich eine ganz artige Musterkarte von ZentruniSineinimgen, wie man am schlaue st en die Land- arbeite! hintergeht. Die Sozialdemokratie sitzt den ultra- montanen Volksverführern im Nacken, deshalb müssen sie tun. als ob sie etwas für das Landproletariat übrig hätten. Im Grunde denken sie alle wie die rheinischen Zentnimsbauern. Männerstolz vor Königsleichen. Der neudeutsche Byzantinismus kennt vor lebenden Kaisern, Königen, Großhorzogen usw. uslv. mitsamt ihrer Verwandtschaft längst keine Grenzen. Bekanntlich ist seinerzeit sogar der Reichstags- Präsident Graf Ballestrem in einer offiziellen Kundgebung vor Ehr- furcht erstorben. Von jetzt an soll aber weuigstens n a cü dem Tode der betreffenden Persönlichkeit den königstreuen Mannen wieder Männerstolz gestattet sein. Wenigstens wenn es nach der «Christi. Welt" geht. Dieses Blatt erklärt unter dem Beifall einer großen Zahl anderer Blätter, für die diese Dinge sehr wichtig zu sein scheinen, es als höfische Unsitte, verstorbene Fürsten als hoch- selig oder als gar höchst selig zu bezeichnen. Denn die darin sich äußernde Vorstellung, daß im jenseitigen Leben eine Abstufung statt- fände, die von der irdischen Rangordnung bestimmt werde, ist für das christliche Denken und Empfinden durchaus anstößig. Man sieht, ivcnn deutsche Staatsbürger der Demokratie teil- haftig werden wollen, müssen sie eL mit dem Leben bezahlen. Wir fürchten nur, daß die verschiedenen Fürstlichkeiten, vorausgesetzt, daß sie den Informationen)er„Christi. Welt" Glauben schenken, an dem ganzen Jenseits keine Freude mehr haben werden.— �reisinns-Gewiemer. Am Montag sprach in einem Bezirksverein Herr Dr. W i e m e r von der Freisinnigen Volkspartei. Der Blockmitläufer versicherte, daß sich die Liberalen ihre Taktik weder von Bebel noch von Barth vorschreiben ließen. Die Versicherung ist ganz überflüssig, da man ohnedies weiß, daß die Taktik der Freisinnigen Volkspartei im wesentlichen durch Herrn Oertel bestimmt wird. Wichtiger war. toas Wiemer über die neuesten Verrätereien mitteilte. Er wurde da noch deutlicher als die„Weserzeitung". Im Tone der„Deutschen Tagesztg." sprach der Freisinnsmann: „Natürlich können wir als Deutsche es der Reichs- regicrung nicht verdenken, daß sie mit Rücksicht auf die Be- strebungen der Polen sich auf den richtigen Standpunkt stellt: „Das Gesetz darf nicht gegen das Reich gebraucht werden". Wir Freisinnigen werden durch die polnische Agitation ebenso bedroht ivie alle anderen Parteien und müssen daran denken, daß wir Deutsche sind und bleiben wollen. Dem polnischen Vordringen muß ein Damm cutgegeugesetzt werden." Also die Polen sind Uebeltäter(weil sie nämlich das tun, was für den„iiationelosen" Proletarier selbstverständlich ist, weil sie sich ihr Recht auf ihre Sprache nicht nehnien lasse nl), die Regierung muß daher gegen die Polen gestützt werden, daher neue Maßregeln und neue Ausnahmegesetzel Der Frei- sinn ist sich der Verantwortung als Blockpartei bewußt und wird daher offenbar für das AnSnahmegesetz stimmen l lieber die neuen Steuern sagte Wiemer, daß ein Brannt- w e i n in o» o p o l ihm unannehmbar erscheine. Dagegen sei die Borlage eines Spiritusmonopols vielleicht zu erwarten. Herr Wiemer versprach nun, sie würden ein Tabakmonopol wie alle Monopole zur Ausbeutung der Konsumenten bekämpfen. Wir notieren dieses Versprechen für die Konstatierung deS künf- tigen Verrates!—_ Ei» Schwarzscher. „Die größte Gefahr bleibt die Sozialdemokratie. Gelingt es in Deutschland nicht, die Sozialdemokratie innerlich zu überwinden, dann wankt d e r T h r o n, dann� werden Ruinen das Land bedecken. Die Partei Hai Einbuße erlitten, von einer inner- lichen Ueberwindung kann aber keine Rede sein. Diese Auf- gäbe ist noch zu erfüllen. Sie kann nicht gelöst werden ohne die Partei, die bisher die Sozialdemokratie am w i r k s a m st e n bekämpft hat. Deshalb ist die Erhaltung deS Zentrums notwendig." So sprach Herr Trimborn in Stolberg auf dem Zentrums« Parteitag für den Regierungsbezirk Aachen. Herr Trimborn, fder sonst so Heitere, ist unter die Schwarzseher gegangen; er sieht die Throne wanken und Ruinen das Land bedecken; er malt den Unter» gang der Welt an die Wand, um sich und seine Partei als Retter deS Vaterlandes anzupreisen. Wer da weiß, wie Herrn Trimborn in Köln bei der letzten ReichStagSwahl zumute war. daß er schon mit seiner Niederlage gerechnet hatte, der wird lächeln über den eitlen Renommisten, der sich als den Unüberwindlichen aufspielt.— Wie man christlich-patriotische Arbeiter bekehrt. Im BrcSlaucr Krawallprozeß(der eine Folge des Blutbades vom 10. April war) wurde neben anderen auch ein im Hirsch-Dunckcrschcn Gewerkvcrein organisierter Metall» arbciter mit einer Haft von 14 Tagen belegt. Kürzlich hatte er diese zu verbüßen. Als er aber tagsdarauf in der Brcslauer Maschincndauanstalt(vorm. Lincke) seine Arbeit wieder aufnehmen wollte, wurde er barsch zurückgewiesen und ihm mitgeteilt, daß die auf„gute Sitte" haltende Direktion die Einstellung „bestrafter" Arbeiter nicht gestatte! So ist's recht. Das„Vergessen und Vergeben" der Bibel paßt für den Kapitalisten nicht. Natürlich ist dieser Arbeiter jetzt ein für allemal sowohl von seinem Christentum wie von seinem Patrio- iiSmuS gründlich kuriert!—' TerrorismnS. In Wiesbaden, wo die famose Schellenbergaffäre gespielt hat. ist ein neuer Aerztekonflikt ausgebrochen. Die Stelle des Ge- fängnisarztcs wurde im Nebenamt vom Kreisarzt mitvcr- sehen, der dafür einen Betrag von 600 Mark erhielt. Im Verhältnis zur Zahl der Gefangenen, die durchschnittlich 250 bis 300 beträgt, ist dieser Betrag zu gering, so daß der Kreisarzt sich an das Justiz. Ministerium mit der Bitte wandte, daß diese Stelle knit 1000 Mark dotiert werden möge. Die in Frage stehenden Instanzen haben fem Gesuch befürwortet. Nunmehr kam vom Justizministerium die Antwort, die dahin ging, daß festzustellen sei, ob ein anderer Arzt bereit wäre, zu dem niedrigen Satze die Stellung zu übernehmen. Es wurde nun die Stelle in den Wiesbadener Blättern ausgeschrieben. Der Staat leitete also, so bemerkt hierzu die„Franks. Ztg.", bei Vergebung einer ärztlichen Stelle ein Suöimssionsvcrfahren ein, und zwar gegenüber einem seiner eigenen Beamten, der bereits über IbJahre die Stelle bekleidet hat. Ter Kreisarzt hat jetzt selbst die Lösung des Vertrages beantragt. Der B e z i r k s v er t rag sve r c i n der Aerztekammcr er- klärte nupnichr die Annahme dieser Stelle für jeden anderen Arzt für u n st.a n d c s g e m ä ß und verhängte die Sperre. Darauf erteilte die Regierung dem Kreisassistenzarzt den amtlichen Auftrag, sich Um die Stelle zu bewerben, obwohl dieser ausschließlich Bakteriologe ist und seit vielen Jahren der ärztlichen Praxis fernsteht» Zunächst ist dazu zu bemerken, daß die Aufforderung an einew Bakteriologen, medizinische Praxis auszuüben, eine Vcr- leitung zur Gesundheitsgejährdung ist. Dann aber ist es ein Musterbeispiel für Terrorismus. Das Ministerium gebraucht seine wirtschaftliche Macht, um den Arzt zu einer unsrandesgcmäßcn und damit, nach den Vcgviffen seiner Kollegen, ehrlosen Handlung zu zwingen. Und das redet dann über sozialdemokratischen Ter- rorismus! �VstiKmcK. Tie Deputiertcnkammcr nahm gestern(Dienstag) ihre Ver- Handlungen wieder aus. Uebcr die erste Sitzung wird berichtet: Präsident Brisson erklärt die Sitzung für eröffnet, widmet den Soldaten, die in Marokko im Interesse der Zivilisation ge- starben seien, einen Nachruf und gibt dem Schmerze des Landes wegen der Katastrophe im Süden Ausdruck.(Beifall.) Hierauf wurde auf Freitag die Besprechung der Interpellationen über die nationale Verteidigung und auf den 8. November die Bc- sprcchungen der Interpellationen über Marokko festgesetzt und so- dann die Sitzung geschlossen.— Die ruüiiche Revolution. Mordögeschichte. Die Petersburger Tclegrapheii-Agcntur meldet: Pelcrsbin-g, 21. Oktober. 27 Werst von hier etttfernt führten Jagdhunde in der Nähe des Schienenweges bei Pawlowsk einen Jäger zu einer mit Stroh, Erde. Lehm und Planken bedeckten Stelle. Beim Abräumen fand man verschiedene Grabinstrumente und stieß auf zwei Männer, welche damit beschäftigt waren, eine Mine zu graben. Die Leute trugen Pläne für die Mine bei sich sowie Telegramme von Komplicen, si, denen diese sich nach dem Gange der Arbeiten erkundigten. Sic wurden beide verhaftet und der Gendarmerie in ZarSkoje-Sselo übergeben. Wie aus Privatmcldungen hervorgeht, glaubt die russische Polizei, hier einem Komplott gegen den Zaren und dessen Familie auf die Spur gekommen zu sein. Jedenfalls ordnete sie sofort Haus- suchungen und Verhaftungen in Petersburg an, denen auch mehrere Ausländer zum Opfer fielen. Hunderte von„Verdächtigen" sollen in den Kerker geworfen sein. Bis jetzt aber war dem Kombinations- und Spürsinn der Polizei kein Erfolg beschieden, wie u. a. aus folgender Depesche hervorgeht: Stockholm, 21. Oktober. Dem SvenSka Telegrambyran wird aus HelsingforS gemeldet: Auf dem Finnischen Bahnhof in Petersburg verhaftete die Gendarmerie die finnische Schriftstellerin Frau Aiuo Malm- berg sowie eine Amerikanerin, die sich in ihrer Begleitung befand. Die Amerikanerin wurde auf Intervention des amerikanischen Konsuls später wieder freigelassen. Gleichzeitig wurden in der MaLkaiastraße drei Finnländer, der Advokat' GummernS, der Redakteur Tidcrmann und der Student Stenhäck verhaftet. Die in den Wohnungen der Verhafteten vorgenommenen Haussuchungen verliefen ergebnislos. Merkwürdig, daß die russische Polizei das Glück hat, solche „Komplotts" gerade dann immer zu„entdecken", wenn sie ihr ganz besonders gut in den Kram paffen: vor einer Dumaauflösung, einem Duma zusainmentritt u. dergl. Merkwürdig— sehr merkwürdig! Die Kadetten auf dem Marsche nach rechts. Vor einiger Zeit hat der Kadettcnführer Miljnkoff in der „Rjctsch" aus Anlaß einer nnbedentcnden Polemik der„Linken", d. h. der Sozialdemokratie, in aller Form den Krieg erklärt. Früher, so führte er aus, hatten wjr, die 5>!.-D., links Freunde und Verbündete; jetzt aber sind sie unsere Feinde, und eS wäre wenig gescheit von uns, wenn tvir auch weiter den Esel auf unserem Rücken fortschleppen würden! Die kadettische Partei— so führte er schließlich aus— werde hoffentlich im Verantlvortungs- vollen Augenblick den Mut finden, die unbequeme Last abzuwälzen. Der Sinn dieser Erklärung ist deutlich genug: Die Kadetten sagen sich feierlich von jeglicher Gemeinschaft mit der Sozialdemokratie los. Angesichts der Wahlen heißt eS aber, daß sie mit ihr auch keine Wahlabmachungen mehr treffen wollen, was in der vorigen Wahlkampagne noch öfter der Fall gewesen ist. Da aber anderer- seitS ans den bisherigen Wahlergebnissen klar hervorgeht, daß die K.-D. lange nicht stark genug sind, um sich auf der letzten Wahl- stufe selbständig durchzusetzen, so lag der Gedanke nahe, die Kadetten würden nunmehr Anschluß nach rechts suchen. DieS ist denn auch pünktlich eingetroffen: Die Kadetten stehen im Begriff, sich den von ihnen so oft als reaktionär, antikonstitutionell usw. verschrienen Okto bristen in die Arme zu werfen. Bor wenigen Tagen veröffentlichte der bekannte Parteilose M. Stachowitsch— halb„friedlicher Erneuerer", halb linker Oktobrist in der„Rjetsch" einen offenen Brief, in dem er sich eifrig für ein Wahlbündnis der Kadetten mit den Oktobristcn zum Zweck der Zurückdrängung der.Echt-Russifchen" ins Zeug legt. lind siehe da I Anstatt sich � energisch gegen diese Zu- mutung einer Waffenbrüderschaft mit den nächsten Geistesverwandten der„Echt-Russischen" zu wehren, begleitet die„Rjetsch" diesen Brief mit den liebenswürdigsten Komplimenten, empfiehlt sie ihn aufs wärmste der Aufmerksamkeit ihrer Leser: als einen beachtenswerten, rcalpolitischcn, taktischen Plan usw.! Gar manchem, besonders aber dem harmlosen„Towaritsch", der sich über den Grund des plötzlichen Auflodcrus deS kadettischcn Sozialistcnhasses den Kopf zer- brach, gingen jetzt die Augen auf über den verborgenen Sinn der Miljukoffschen Erklärung. In den Augen der Oktobristen ist eS nämlich der Kadetten größter Fehler, daß sie trotz aller Begeiferung und Verleumdung der Sozialdemokratie bei den Wahlen oftmals mit ihr gemeinsame Sache gemacht haben, und die gemäßigte Zeitung „Slowo", die sich schon seit längerer Zeit abmüht, eine HciratS- Partie zwischen Kadetten und Oktobristen zustande zu bringen, stellt als conclitio sine qua non einen Bruch der Kadetten mit der „Linken" auf. Nun-» jetzt haben die Kadetten diese Bedingung angenommen! Tatsächlich bedeutet dies aber mehr als einen bloßen Bruch mit der„Linken", sondern— wie wir sagten— einen regelrechten Krieg. Denn einerseits wird die Sozialdemokratie den mit Oktobristcn paktierenden Kadetten jegliche Unterstützung versagen müssen, andererseits aber ist eS klar, daß der kadettisch- oktobristischc Block seine Spitze nicht nur nach rechts, gegen die Echt-Russischen, kehren wird— dafür würde ein großer Teil der Oktobristen, namentlich in der Provinz, nicht zu haben sein—, sondern mindestens ebenso sehr nach links, gegen die Sozialdemo- kratie, die man auf diese Weise aus dem Sattel zu heben hofft. Diese Situation konnte für niemand, der auch nur mit ge- ringer Aufmerksamkeit die Evolution der kadettischen Partei ver- folgt hat, unerwartet kommen. Auf dem„unentwegten" Marsche nach rechts ist ein Wahlbündnis mit den Oktobristen ein Schritt, der früher oder später kommen mußte und der daS wahre Gesicht der Kadetten nur noch deutlicher offenbart.— ,.Dukerge«ohn»che;"ce!chenbegZngnI». Von der Wiege bis zur Bahre und über das Grab hinaus nimmt die königlich preußische Polizei und Staatsanwaltschaft den Staatsbürger in Schutz. Dieser Schutz äußert sich oft in einer Art, die schwerer Beeinträchtigung der Rechte der Staatsbürger, falls diese Arbeiter find, verzweifelt ähnlich sieht. DaS zeigte auch folgende Verhandlung, in der gestern selbst das Kammer- gerickt gegen die Polizei und Staatsanwaltschaft entscheiden mußte. Auf dem Friedhof in Elmschenhagen bei Kiel wurde der Olenosse Rathke, der durch einen Unfall ums Leben gekommen war, unter sehr zahlreicher Beteiligung am 30. Dezember 1900 beerdigt. Schon als sich der Leichenzug von der Gaardener Kapelle nach Elmschenhagen zu bewegte, erregte die Polizei unliebsames Auf- sehen. Die roten Schleifen mußten von den Kränzen entfernt und zwei rote Fahnen zusamniengerollt werden. Zugleich stellten die Polizeibeamtcn in Aussicht, daß auf dem Kirchhof absolut nichts gesprochen werden dürfe. Am Grabe sprach der Vertreter des sozialdemokratischen Vereins eine kurze Widmung. Als Kuhnt vom Metallarbeiterverband dasselbe getan, trat ein Gendarm direkt an die Gruft heran und verlangte von Kuhnt die Angabe seiner Personalien. Ten Vertreter der Freien Turnerschaft riß ein Polizist, der seine Absicht, zu reden, bemerkte, vom Grabe, nach- dein er ihm vorher den Mund zugehalten hatte!— Die Uebeltäter, die am Grabe ein paar Worte gesprochen hatten, erhielten sämtlich Strafmandate, weil sie die§§ 9, 10 und 17, Abs. 2 des Vcreins- gesetzes dadurch übertreten hätten, daß sie bei einem außergewöhn- lichen Leichenbegängnis, beziebungswcise einer öffentlichen Ver- sammlung unter freiem Himmel als Redner aufgetreten seien, ob- wohl eine behördliche Erlaubnis nicht erteilt war.(Außergewöhn» liche Leichenbegängnisse unterfallen bekanntlich den Bestimmungen des Vcreinsgesetzes über öffentliche Versamlungen unter freiem Himmel und über öffentliche Aufzüge.) In der Berufungsinstanz, vor dem Landgericht Kiel, erzielten die Angeklagten Kuhnt und Schade ihre Freisprechung. Das Land- gericht führte aus: Die 000 bis 700 Teilnehmer hätten zum größten Teil aus Vereinen bestanden, die ihre Vereinsfahuen mit sich führten. Die Aufforderung eines Polizeisergeanten, die roten Schleifen der Kranßspc»iden zusammenzurollen beziehungsweise abzunehmen, sei willig befolgt worden. Am Grabe habe der Ver- trctcr des sozialdemokratischen Wahlvereins von Gaarden und Umgegend„im Namen des sozialdemokratischen WahlvercinS" den Kranz niedergelegt. Kuhnt habe gesagt:„Im Namen des Deutschen Metallarbcitervcrbandes lege ich den Kranz nieder." Und Schade habe ebenfalls einen Kranz gewidmet und dann geäußert:„Du warst ein treuer Genosse, wenn es galt, die Wahrheit...." Hier sei er unterbrochen worden. Auf Grund dieses Tatbestandes müsse auf Freisprechung erkannt werden. Denn es sei das Vor- liegen eines außergewöhnlichen Leichenbegängnisses zu verneine». Es sei nicht über den Zweck eines Leichenbegängnisses hinaus- gegangen worden, insbesondere sei keine sozialdemokratische Demon- stration beabsichtigt gewesen. Die große Zahl der Teilnehmer erkläre sich aus der Beliebtheit des Verstorbenen, aus seiner Mitgliedschaft bei verschiedenen Vereinen und aus der Art seines Todes (Unfall). Da die verschiedenen Vereine der Sozialdemokratie zu- gehörten, so wäre es nichts außergewöhnliches, daß die rote Farbe zur Geltung kam. Auch sei es in der Gegend überall üblich, daß solche Vereine bei Beerdigungen Fahnen mit sich führten und sie entfalteten. Eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung wäre auch nicht zu besorgen gewesen. Auf Anordnung des Polizei- sergeanten habe man gleich zwei rote Fahnen zusammengerollt und. die roten Schleifen zusammengelegt. Es sei auch ordentlich zugegangen, wie sonst bei Leichenbegängnissen. Es könne nicht festgestellt werden, daß es sich um ein ungewöhnliches Leichen- begängnis handele. Deshalb brauche nicht geprüft werden, ob die Widmungsworte der Angeklagten Reden waren. Die Staatsanwaltschaft legte gegen dieses verständige Urteil Revision ein. Der zweite Strafsenat deS KammergcrichtS, vor dem Kuhnt persönlich in treffenden Rechtsausftihrungen die Jrrgänge der staatsanwaltlichen Revision beleuchtete, verwarf gestern die Revision. Es führte aus: Es sei kein Rechtsirrtum in dem Urteil des Landgerichts zu finden. Ob ein außergewöhnliches Leichen- begängnis vorliege, sei im wesentlichen Tatfrage und daS Land- gericht habe bei seiner tatsächlichen Feststellung alle in Betracht kommenden rechtlichen Momente beachtet. Nun könne ja nach Eni- scheidungen des Kammergerichts ein Leichenbegängnis allerdings auch dadurch mit zu einem außergewöhnlichen werden, daß Laien- reden dabei gehalten würden. Vorliegend sei aber kein Anlaß, anzunehmen, daß das Landgericht hätte prüfen müssen, ob durch die paar Worte dies Leichenbegängnis zu einem außergewöhnlichen hätte werden können. Freisprechung der Arbeiter von der Anklage, durch Bezeugung der Pietät sich strafbar gemacht zu haben, ist also erfolgt. Wird nunmehr gegen diejenigen strafrechtlich vorgegangen werden, die den Gendarmen den Auftrag erteilten, so wie diese taten vor- zugchen, um dadurch ein Leichenbegängnis in ärgern iScrregcnder Weise zu stören, die leicht zu Unruhen hätte führen können, wenn die Arbeiter sich durch die ungesetzlichen Anordnungen hätten provozieren lassen? Hatten die Gendarmen zu ihrem Vorgehen keinen Auftrag— wird dann gegen sie strafrechtlich vorgegangen werden oder nimmt die anklagebcrechtigte Behörde von vornherein an, ein Gendarm sei nicht strafbar, weil er daS strafrechtliche Bewußtsein von der Tragweite seiner Handlungen nicht habe? Huö der Partei. Der Parteitag für beide Mecklenburg wurde am Sonntag«nö Montag in Lübeck abgehalten. Man mußte wiederum außerhalb Mecklenburgs tagen, da die rückständigen rechtlichen Verhältnisse dieses deutschen Bundesstaates es den Machthabern gestatten, Zu- sammenkünfte von Parteigenossen innerhalb der LandeSgrenzcn ein- fach zu verbieten. Aus dem Bericht des LandeS-Vcr- trauenSmanns, den Genosse Kröger- Rostock gab, ist zu entnehmen, daß unsere Beivegung wohl an vielen Orten Fortschritte gemacht hat, indem dort überall Vertrauensmänner bestellt worden sind; daß aber bei der letzten ReichStagSwahl unsere Stimmenzahl um 0813 zurückgegangen ist. Der ReichSlügenverband, der an den verschiedensten Orten versucht hatte festen Fuß zu fassen, habe keine nennenswerten Erfolge zu verzeichnen. Eine zämmerliche Haltung hat im Wahlkampfe der Freisinn eingenommen; obwohl in zwei Wahllrcisen seine Kandidaten in der Stichwahl von den Sozialdemokraten gewählt wurden, so stimmten doch seine Anhänger im fünften Wahlkreise für den Brotverteurer Lmck. Die Einnahmen betrugen im Geschäftsjahre 1900/07 4101,98 M., die Ausgaben 2438,13 M., so daß ein Kassenbestand von 1723,30 M. verblieb. Beschlossen wurde, den Beitrag auf 20 Pf. pro Monat zu erhöhen, um eine, intensivere Agitation entfalten zu können. Bisher betrug der monatlicke Parteibeilrag nur 15 Pf. Aus dem Bericht über die P a r t e i p r e s s e ist ersichtlich, daß die Zahl der Abonnenten der„Mecklenburger VolkSzeitung" um rund 1000 zugenommen hat. Immerhin bleibt noch recht viel zu tun übrig, da beispielsweise in einer Stadt wie Neubrandenburg nur 20 Abonnenten zu verzeichnen sind. Ein Antrag, die„Volkszeiiung" in Zukunft abends erscheinen zu lassen und in eigener Regie herzu« stellen, wurde abgelehnt. Bei dem Bericht über die RcichStagSwahlen regte Genosse S ch w a r tz- Lübeck an, ein Zentralwahlkomitee fiir ganz Mccklen- bürg zu bilden, um auf diese Weise die Agitation einheitlicher zu gestalten. Der Vorschlag fand jedoch keine Gegenliebe. Genosse Herzfeld-Berlin meinte, daß der bedauerlichc'Ausfall der letzten Wahl besonders dem Mangel an politischer Bildung zuzuschreiben sei. Hier müsse Wandel geschaffen werden durch Bildmigsmittel, wie sie vom Berliner VildungSausschuß empfohlen werden, sowie durch Gründung von Arbeiterbiblivtheken und dergleichen. lieber das zukünftige R e i ch s Vereinsgesetz referierte Genosse Th. Sch wartz-Lübeck. In der Dislussion wurde allseitig die Notwendigkeit betont,� ein zeitgemäßes Vereinsgesetz zu schaffen. Angenommen wurde ein Antrag Herzfcld, in Mecklenburg ein Flug- blatt über daS NcichSvcreinSgesetz zu verbreiten, sowie eine Resolulion, i» der gewünscht wird, nach der Bckannlmachuug des Entwurfs eines Neichsvcreiusgcsctzes eine Konferenz der Mecklenburger Parteigenossen einzuberufen, die sich damit zu beschäftigen hat. lieber die V e r s a s s u n g ö r c v i s i o n in Mecklenburg referierte Genosse Herzfeld- Berlin. Bisher haben von 720 000 Einwohner» nur 749 Personen die Macht in Händen; darunter befinden sich 49 Bürgermeister, die aber so gut wie gar keinen Einfluß besitzen. Redner ging sodann auf die in Aussicht genommene Verfassung ein, die das Ständewahlrecht beibehalten will und die große Masse der Bevölkerung rechtlos läßt. Wir müssen das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht auch in Mecklenburg erzwingen, und sei es unter Anwendung des politischen Massenstreiks. Der Parteitag erklärte sein Einverständnis mit diesen Ausführungen dadurch, daß er beschloß, von einer Diskussion über das Referat des Genossen Herzfcld ab- zusehen. Am Montagnachmittag 4 Uhr wurde der Parteitag, der von 49 Delegierten beschickt war, die 25 Orte vertraten, mit einem hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Der Kampf der finnischen Sozialdemokratie gegen die Provokakeiirc. Der Vorstand und Ausschuß der sozialdemokratischen Partei Finnlands hat dieser Tage von neuem einen Aufruf an die Partei- genossen im ganzen Lande erlassen, der sich, ähnlich wie der Aufruf vom Oktober vorigen Jahres, gegen die Provokateure wendet, die, nun gestützt ans eine geheime Organisation, in den Kreisen der organisierten Arbeiter Stimmung für Gewaltinaßrcgeln zu machen suchen. Das Ziel jener Leute ist offenbar, sogenannte„Expro- priationen"— Raubanfälle, Plünderung von Banken und öffentlichen Kassen— anzustiften, um nachher die Sozialdemokratie als die Ur- heberin dieser Verbrechen hinstellen zu können und der Reaktion eine Handhabe zur Unterbindung der legalen Tätigkeit der Partei zu bieten. Man hat es bei diesen Provokationen besonders auf die ehemaligen Mitglieder der aufgelösten„Roten Garde" abgesehen. gir dem Aufruf wird nun klargelegt, daß die Partei jene geheime rganisation und ihre Tätigkeit durchaus verwirft und nichts damit zu tun haben will. Alle Personen, die das Gegenteil behaupten, müßten als Agenten jener Organisation angesehen, und als Feinde der Partei behandelt werden. Als das beste Mittel, das provoka- torische Treiben unschädlich zu machen, wird eifrigste Arbeit für weitere Verbreitung der Parteigrundsätze und für die Vertiefung der sozialdemokratischen Gesinnung empfohlen. GewerkfcbaftUcbe� Wen» der Fuchs den Gänsen predigt. Der„zweite deutsche Arbeiterkongreß", jene für Verlin mindestens originelle Veranstaltung im Herzen des sechsten Wahlkreises, stand gestern im Zeichen des Radikalismus— des Worts Radikalismus natürlich I Herr W i e b e r- Duisburg, der Vorsitzende des christ- lichcu Metallarbeiterverbandes, riß den Mund gewaltig auf zu einer Kritik der Verhältnisse in den Hütten-, Stahl- und Walzwerken. Als er aber dazu überging, die Konsequenz aus dieser Kritik zu ziehen, versagte sein Radikalismus. Seine Kritik klang nicht nur sozialistisch, sie war sogar sozialistisch, denn sie ist dem Arsenal unserer Partei entnommen. Herr W i e b e r s führte u. a. aus: „In den leichteren Berufsarten ist fast überall der zehn- stiindige Arbeitstag eingeführt, ja teilweise schon auf 9— 8Vz oder gar auf 8 Stunden herabgesunken. Dagegen stehen die Arbeiter der schweren Industrie in einer Glühhitze im Schweiße gebadet, teilweise von giftigen Gasen belästigt, 12 Stunden in f a st ununterbrochener Tätigkeit. In einzelnen Betriebsarten, z. B. Hochofen, haben die Arbeiter alle 14 Tage bei Wcchselschicht noch eine 24 stünd ige Arbeitszeit, keinen Sonn- und keinen Feiertag. Kein Weih- nachts-, Ost er- oder P fing st fest kann ihrem Frondienst Einhalt gebieten. Bei der ungeheueren EntWickelung in der Technik wie Produktion, welche gerade die schwere Industrie zu verzeichnen hat. sind diese Zustände eine Anklage nicht bloß gegen diese Industrie, sondern auch gegen die Gesellschaft, welche eS bis jetzt nicht für nötig gefunden hat, diesen bedrücktesten aller Arbeiter den nötigen Schutz zu gewähren. Die schwere Industrie hat nicht nur die längste, aufreibend st e Arbeitszeit. sondern auch die höchsten KrankheitS- und Unfall- zahlen aufzuweisen, welche selbst den Bergbau be- deutend überflügeln. Hierzukommt, daß diese Arbeiter einer ungeheuren K a p i t a l m a ch t gegenüberstehen. Die s ch iv e r e und lange Arbeitszeit, zweifei- hafte Wohlfahrtseinrichtungen und vieles andere hindern dieselben, zur Erkenntnis ihrer Lage zu gelangen, um ihre Stimme in der Oeffentlichkeit zu erheben. Die schlvere Industrie hat cS bisher meisterhaft verstanden, sich am erfolgreichsten gegen jeden Arbeiter schütz, ins- besondere soweit derselbe in die Regelung der Arbeits- Verhältnisse eingriff, zu wehren. Wenn aber irgend ein Gewerbe den Arbeitern auskömmlichen Lohn, ver- kürzte Arbeitszeit, den nötigen Schutz zur Erhaltung von Leben, Gesundheit und Arbeitskraft geben kann, dann mutz die schwere Industrie hierzu in der Lage sein. ES ist notwendig, der übergroßen A b h ä n g i g k c i t der Arbeiter aus den großen Riesemverken, welche durch Wohlfahrts- e i n r i ch tu ngcn noch vergrößert wird, Schranken zu ziehen. ES müssen gesetzliche B e st i m m u n g e n getroffen werden, daß sowohl hinsichtlich der Wohnungen die Willkür gebrochen, die Mietzeiten den ortsüblichen Verhältnissen angepaßt werden, andererseits auch die Anrechte an den P e n s i o n s- lassen gesichert bleiben, eventl. bei Austritt auS dem Arbeits- Verhältnis die gezahlten Beiträge zurücker st attet werden. Wenn inr allgemeinen das Unternehmertum kein Freund der gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen ist, so sitzen doch die größten Gegner und Scharfmacher in der schweren Industrie. List und Gewalt, Spitzeltum und scheinbare Wohltätigkeit wird vielfach angewendet, um die Orga- nisation im Keime zu ersticken und unmöglich zu machen. Tausend- fach sind die Mittel, ivelche den großen Werken zur Verfügung stehen, um den Keil der Zwietracht, des Neides, des Mißtrauens, der Uusolidariiät unter die Arbeiter zu bringen." Man lese das, und man nenne uns einen Satz, der originalchristlich ist. den tv i r nicht lange vor W i e b e r s bei dieser oder jener Gelegenheit ausgesprochen haben I In seinen Schlußfolgerungen aus dieser ebenso harten wie berechtigten Kritik aber bleibt der christliche Herr stecken. Was fordert er? Erhebungen! Erhebungen über das. was er eben schon als feststehend kritisierte! Er verlangt in der von ihm vorgelegten Resolution Er- Hebungen: 1. über die Einwirkung der Arbeit in diesen Anlagen, namentlich der Feuerarbcit auf Gesundheit und Leben der Arbeiter (KrankheitS- und Unfallgefahr): 2. über die hygienische Beschaffenheit der Arbeitsräume, der bestehenden Wasch- und Badeeinrichtungen, Speiseräume usw.; 3. über die Dauer der täglichen Arbeitszeit, Zahl der(monat- lich, jährlich) verfahrenen Schichten, Umfang der Uebcrarbeit, Zahl der daran beteiligten Arbeiter und der auf den einzelnen ent- fallenden Ueberstunden resp. Ueberschichten; 4. über die Möglichkeit der Einführung der achtstündigen Arbeitsschicht für schwere Feuerarbeiten: ö. über die Durchführung der Bestimmungen betreffs der Sonntagsruhe mit dem Ziel der möglichen Einschränkungen der SonntagSarbeit. Natürlich ist nun alles in Butter. Einer Forderung nach Beseitigung der Mißstände hätte natürlich dieser Reichs- tag, hätte diese Regierung nie zugestimmt. Der Forderung nach den gewünschten„Erhebungen" hat die Regierung keinen Anlaß, Widerstand entgegenzusetzen. Sie werden zu geeigneter Zeit— beileibe nicht in der Krise!— vorgenommen und wohlfrisiert der Oeffentlichkeit übergeben werden. Die Regierung bekundet so ihre„Arbeiterfreundlichkcit" und Herr Wiebers hat seinen„Erfolg".__ Lercmtw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw. Die Hauptsache aber bleibt allemal der Schluß seiner Resolution: „In der Erkennnis, daß besserer gesetzlicher Arbeitcrschutz sowie der Schutz der Koalitionsfreiheit gegenüber ungerechten Maßnahmen von Werken nur zu erreichen ist durch eine starke gewerkschaftliche Organisation, werden die Hütten- und Walzwcrkarbeiter aufgefordert, der christlichnationalcn Arbeiter- bewcgnng beizutreten." Was zu belveisen war I Der Kongreß hatte gestern überhaupt seinen radikalen Tag. So legte die Redaktionskommission demselben auch folgende Resolution vor: „Der zweite deutsche Arbeiterkongreß konstatiert, daß das Verhältniswahlsystem, soweit es bisher bei Kranken- lassen und Gewerbegerichten eingeführt ist, sich durchaus be- währt hat. Der Kongreß erwartet von der ReichSgesehgebung die baldige obligatorische Einführung des Proportional- Wahlsystems für alle sozialen Wahlen auf den Ge- biete» der Arbeitcrvcrsichcruug und de-s ArbeiterrechteS." Prinzipiell sind die Gewcrkschaftschristen natürlich gegen die Proportionalwahl. Für die politischen Wahlen, wo sie ihre Zwecke mit Hülfe anderer Berufsgruppen erreichen, werden sie dieselben nicht fordern. Bei den sozialen Wahlen aber hängen ihnen die Traubcnzuhoch. Sie wollen sieüber das Sprung- brett der Verhältniswahl erreichen. Und da die fakultative Ein- führung derselben auf den Widerstand der andersgesinnten Arbeiter stößt, sind sie urplötzlich radikal! So gibt sich der wahre Gewerkschaftschrisl denn immerdar: ferrschenden gegenüber trotz großer Worte bescheiden, den lassengenossen gegenüber möglichst unverschämt! Berlin und llmgegend. Die HerrenkoufektionSschneider und-Schiicidcrüincn waren am Montag wieder einmal zu einer öffentlichen Versammlung ein- geladen zur Erörterung der Frage, was zu tun ist, um zu einer tariflichen Lohn regeln ug in allen Geschäften zu gelangen. Der Referent Mähr führte aus, daß die Kommission der Konfektionsschneider sich schon seit mehreren Jahren bemüht, die Konfcltionsschneider aufzurütteln, aber dabei schon Enttäuschungen erfahren hat. Das Vorgehen der KonfektionSschueider in Süd- deutschland wie in Elberfeld blieb ohne Einfluß auf die Kollegen in Berlin und erst die Lohnbeivegmig in Stettin im vorigen Herbst trug dazu bei, daß etwas mehr Leben auch in die Kreise der Berliner Konfektionsschneider kam. Die damals eingeleitete Be- wegung mußte jedoch infolge der Reichstagsauflösung vertagt werden. Im Frühling und Sommer dieses Jahres ist die Bewegung dann, soweit es möglich war, durchgeführt worden. Fast ohne Alls- nähme ist es in allen Geschäften der besseren Konfektion ge- lungcn, Tarife abzuschließen, die, abgesehen von der an sich außer- ordentlich wertvollen Regelung der Lohnverhältnisse, auch schätzeus- werte Lohnerhöhungen mit sich brachten. Auch einige Geschäfte der mittleren und billigen Konfektion haben Tarife abgeschlossen oder doch wenigstens Zugeständnisse gemacht. Die große Masse derer, die die billige Ware anfertigen, läßt es allerdings noch immer au dem nötigen Interesse für die Bewegung fehlen, obwohl gerade für sie die tarifliche Lohurcgelung an, alleruotwendigsten wäre. Der Redner zeigte an verschiedenen Beispielen, wie diese Heimarbeiter und-Arbeiterinnen von früh bis in die späte Nacht in ihren elenden Wohnstätten schuften müssen, wie Hauswesen und Kinderpflege und-Erziehung vernachlässigt werden, um das, was zum Leben unentbehrlich ist, zu verdienen. Einigermaßen möglich wird dies mir so lange sein, wie die nun schon im Abflauen begriffene gute Konjunktur noch anhält. Die fünf Wochen lange Aussperrung im Konfektionsgewerbe Stettins hat auch gezeigt, wie die Unternehmer alle Arbeiter und Arbeiterinnen, auch die. liuorgaiii- siertcn, dem Elend der Arbeitslosigkeit preisgeben, wenn es ihren Zwecken dienlich erscheint. Der Schneiderverband fühlte sich hier natürlich nicht verpflichtet, jene Opfer des Unternehmertums zu unterstützen, die es nicht für nötig erachtet hatten, sich der Organi- fation anzuschließen. AuS allen diesen Gründen spornte der Redner zu eifriger Tätigkeit für die Organisation an, damit endlich einmal auch hier eine allgemeine Regelung und Besserung der Verhältnisse erzielt werde._ Berliner Arbeitswillige in Italien. Mit dem Gasarbeiterstreik in Oberitalien beschäftigte pey eine stark besuchte Versammlung der Arbeiter der Englischen Gas- anstaltcn in M a r i e n d o r f. Die Gaswerke im oberitalienischen Streikgebiet befinden sich in Händen derselben Gesellschaft, welche auch einen Teil Berlins und seiner Pororte mit Gas versorgt. Wie Polcnske in der Versammlung ausführte, drehte sich der Streik in Mailand in der Hauptsache um die Lohnfrage. Geradezu erbärmlich müssen die Löhne bisher gewesen sein, �venn man die aufgestellten Forderungen, um derenthalben es zum Streik kam, betrachtet. Die Arbeiter kämpften um einen Minimallohn von 3 Lire— 2,40 M. und AlterSzulagen bis zum Höchstlohn von 4 Lire— 3,20 M. Wahrlich Forderungen, die nur durch ihre Bescheidenheit auffallen. Der Streik hatte zur Folge, daß Mailand plötzlich im Dunkel war. Die Gesellschaft suchte nun mit allen Mitteln Streikbrecher heranzuziehen. Mit den italienischen Bauern der Umgegend hatte sie kein Glück. Als dieselben den Sachverhalt erfuhren, erklärten sie sich mit den Streikenden solidarisch. Die Direktion versuchte nun in Frankreich und Deutschland Arbeits- willige zu bekommen. Zu unserer Beschämung muß es gesagt werden, sie erreichte ihr Ziel. Durch Versprechungen gelang es ihr, 21 Mann aus Berlin und Mariendorf als Arbeitswillige an- zuwerben. Wohlweislich hatte sich die Verwaltung mit ihrem Ansinnen fast ausschließlich an die ihr als unorganisiert bekannten Arbeiter gewendet. Leider mutzte aber fest- gestellt werden, datz auch drei organisierte Arbeiter ihre Arbeiterehre preisgaben. Die Vorbereitungen zur Abreise geschahen so plötzlich und heimlich, datz die in Frage kommende Organisation, der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter— als ihr der Sachverhalt bekannt wurde—, vor einer vollzogenen Tatsache stand. Es wurden jedoch sofort alle Matznahmen ge- troffen, um weitere Transporte von Streikbrechern unmöglich zu machen. Doch weder den deutschen noch den französischen RauSreitzern gelang, die Produktion in genügender Weise zu bewerkstelligen. Der Streik endete mit dem vollständigen Siege der Arbeiter. Bei der Abreise der Arbeitswilligen spielten sich dann jene be- kannten Vorgänge ab, welche zum Generalstreik in zahlreichen Städten Italiens führten. Wenn uns auch der Sieg der Mailänder Kollegen mit Genug- tuung erfüllt, so bleibt doch die Tatsache, datz Berliner Gasarbeiter eine derartige Rolle spielten, tief beschämend. In der äutzerst lebhaften Diskussion wurde die Handkungs- weise dieser Elemente aus das schärfste gebrandmarkt. Der Ab- schied, der ihnen durch die Mailänder Arbeiterschaft bereitet wurde, scheint allerdings nicht nach ihrem Geschmack gewesen zu sein, denn es hat geraumer Zeit bedurft, ehe sie sich von den Strapazen dieser Jtalienreisc erholten. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der das Verhalten der Arbeitswilligen verurteilt und die italienischen Kol- legen zu ihrem Siege beglückwünscht wurden. DeutTches Reich. Der Kampf umS Knappschastsstatut. Bochum. 21. Oktober. Im Kohlenrebier fanden gestern eine grotze Reihe zum Teil sehr zahlreich besuchter Bergarbeitcrbcrsammlungcn statt, die sich mit der Ablehnung des Kuappschaftsstatuts beschäftigten. In allen Versammlungen wurde folgende Resolution angenommen:_ Th, Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagScmstalt Die heutige öffentliche Bergarbeiterbersammlung erklärt sich mit der ablehnenden Haltung der Aeltesten in der Generalversammlung des Allgemeinen Knappschaftsbereins einverstanden. Die Versamm- lung erblickt in der Ablehnung des Antrages Nobis durch die Werks- besitzer den wirklichen Grund, wodurch das Reformwerk zerstört wurde. Darum weist die Versammlung auch die Behauptung der „Frankfurter Zeitung",„Kölnischen Zeitung" und anderer Organe, die Aelresten seien Schuld an der Ablehnung des Statuts, entschieden zurück. Das gemeinsame Vorgehen der Verbände, wie die Art der Abstimmung und schlietzlich diese selbst entsprechen voll und ganz den Wünschen der Versammlung. Die Versammlung spricht den Aeltesten für ihr einwandfreies Verhalten ihren Dank aus. In der schroffen Ablehnung des Antrages NobiS durch die Werksbesitzer erblickt die Versammlung eine Mißachtung der be- rechtigteu Arbeiterforderungen. Die Lage des Bergbaues ist eine so günstige, datz die Werksbesitzer sehr gut die geringe Mehrbelastung, die der Antrag Nobis bedingte, aufbringen können. Erst durch die Annahme des Antrages Nobis wäre die durch Wegfall des Kinder- geldcs eintretende Schädigung der Invaliden einigermatzen aus- geglichen. Die Versammelten verpflichten sich, alles zu tun, was eine Berücksichtigung der ArbeitcrforderUngen herbeiführen kann, ins- besondere für Stärkung der Organisation zu wirken, damit die Bergarbeiter den kommenden Dingen gerüstet gegenüber stehen. Zuin Schlutz verlangt die Versammlung die Schaffung eines Reichs-Berggesetzes, weil sie nur in der Regelung der Bergarbeiter- fragen durch den Reichstag ein geeignetes Mittel auch zur Reform des KnappschastswesenS sieht._ Die Arbeiter der Bremer Gummifavrik von Bahl u. Co. haben am Sonnabendabend die Arbeit niedergelegt. Trotz der gesnndheitS« schädlichen Arbeit erzielte die Mehrzahl der Arbeiter bei einer zehn- ftündigen Arbeitszeit noch keinen wöchentlichen Verdienst von 24 M. Für Ueberstunden und Sonntagsarbeit wurden besondere Vergütungen nicht geivährt. Da nun die Arbeiter gut organisiert sind, so haben sie am Mittwoch voriger Woche Forderungen eingereicht, wonach für alle Arbeiter, die unter 24 M. pro Woche verdienen, ein Lohnzuschlag von 5 Proz. verlangt wird. Ferner wird für Ueberstunden und Sonn- tagSarbeit ein Zuschlag von 20 resp. 40 Pröz. gefordert wird. Die In- Haber der Bremer Gummifabrik hatten sich nur bereit erklärt, für Ueber- stunden eine zehnprozentige Lohnerhöhung eintreten zu lassen, die weitergehenden Forderungen wurden trotz ihrer Bescheidenheit ab- gelehnt. Als dann am Sonnabendabend ein Arbeiter versuchte, die Finna zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen, wurde er abgewiesen und sofort entlassen. Das gab für die übrigen Arbeiter den Anlaß zur sofortigen Arbeitseinstellung. Arbeiter allerorts, übt Solidarität! Sämtliche Schlosser, Dreher, Schmiede und Metallarbeiter, die in den Werlstätten der Bremer Straßenbahn beschäftigt waren, haben am Sonnabendmorgen die Arbeit niedergelegt, nachdem die Direktion jedes Entgegenkomme» zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen schroff abgelehnt hatte. Zuzug ist streng fernzuhalten. Letzte JVachncbten und Dcpefcben. Amerikanischer Finanzkrach. New fjotk, 22. Oktober.(23. T. 23.) Um 12 Uhr 30 Minuten nachmitags stellte die Knickcrbockcr Trustcompany die Geldaus- zahlungen an die Tepositengläubiger ein. Der zweite Vizepräsident gab bekannt, die Gesellschaft könne kein gemünztes Gold erhalten für die Zahlungen, sie sei vollständig zahlungsfähig und könnte morgen die Zahlungen wieder aufnehmen. New Jork, 22. Oktober.(W. T. B.) Als die Knickerbocktt Trustcompany die weitere Auszahlung der Einlagen einstellte, be- mächtigte sich der 300 wartenden Tepositengläubiger die größte Auf- regung, sie weigerten sich, die Bank zu verlassen, in der im Stadt- teil Hartem befindlichen Zweiganstalt bestanden die Depositen- gläubiger so stürmisch auf die Rückzahlung ihrer Guthaben, daß die Polizei die Bank räumen mußte. New Jork, 22. Oktober.(W. T. B.) Die aus ihren letzten Abrechnungen für die Knickerbocker Trustcompany herrührende Schuld der Nationalbank of Commerce beim Clearinghouse beträgt sieben Millionen Dollar.(S. er. unter Industrie und Handel.) Washington» 22. Oktober.(W. T. B.) Wegen der Nachrichten über die finanzielle Lage in New Jork wird der Schatzsekretär heute nachmittag nach New Jork abreisen. Er erklärte, er werde nicht zögern, sofort jeder Lage entsprechend zu handeln, die sich ergeben sollte._ Mohrenwäsche. Hannover, 22. Oktober.(23. T. 23.) Der Reichstags- und Landtagsabgcordnete Privatier Held, dessen Beleidigungsklage gegen den Redakteur Langwost-Hannover und den Kaufmann Dr. jur. Krüger(früher in Hannover, jetzt in Gosscnsatz) vom Schöffengericht am 10. d. M. abgewiesen wurde und der im Wider- klageverfahren wegen Beleidigung zu 300 M. Geldstrafe verurteilt wurde, hat, wie von beteiligter Seite mitgeteilt wird, durch seinen Rechtsvertreter Rechtsanwalt Stehmann gegen das schöffengericht- liche Urteil Berufung eingelegt. Außerdem ist wegen des be- haupteten Erpressungsversuchs Heids, den das Urteil vom 10. d. M. als erwiesen bezeichnet» eine negative FeststellungSklage bei der zuständigen Zivilkammer des Landgerichts Hannover heute ein- gereicht worden._ Durch Einsturz verschüttet. Pettau, 22. Oktober.(B. H.) Hier stürzte bei einem Neubau eine MauSr ein, wodurch eine größere Anzahl Arbeiter verschüttet wurden. Neun Personen wurden schwer verletzt. Entgleister Personenzug. PariS, 22. Oktober.(W. T. B.) In der Nähe von Nieul-sur- lÄutise(Döpartcment BendSe) entgleiste ein Personenzug der Staats- bahn. Ein Reisender wurde getötet, fünf Personen, darunter drei Bahnbcdicnstete, verletzt. Die Luftdroschk«. Paris. 22. Oktober.(W. T. B.) Das lenkbare Luftschiff Patrie, welches in letzter Zeit beträchtlich vergrößert worden ist, unternahm hcirte bei ruhigem Wetter eine durchaus gelungene 2�stündige Fahrt von Meudon nach Paris. Im Korbe befanden sich acht Personen. Gestrandeter Dampfer, Cimbrishamm(Schweden), 22. Oktober.(W. T. B.) Der Petersburger Dampfer„Lituania", von Libau nach Rotterdam unterwegs, ist heute bei Skillinge gestrandet. Der Dampfer, der 705 Passagiere an Bord hat, steht sehr fest und hat 14 Fuß Wasser im Borderraum. Drei Bergungsdampfer sind von Kopenhagen abgegangen, um zusammen mit schwedischen Dampfern Hülfe zu leisten.__ Ucberfallcner Eisenbahnzug. Orek, 22. Oktober.(W. T. B.) Auf der Station Kacatschew wurde ein Ranbübcrfnll auf einen gemischten Personen- und Güter« zug ausgeführt, cö gab viele Verwundete und einige Tot», Berlin LW. Hierzu S Beilagen u. NnterhaltuvgSblltt Kr. 248. 84. Jahrgang. 1. fdliip Im Jonntlö" äitrliiitt AIksM Mw-lh. 28.©Mob« 1907. Das keichsgerlcht vor der höheren Instanz. Wir schilderten gestern schon die gewaltige Demonstration, die am Dlontagabend in der Hasenheide stattfand, eine Kundgebung der Arbeiterschaft, wie sie Berlin lange nicht gesehen hat. Schon um 4 Uhr nachmittags standen dichte Massen im Garten der „Neuen Welt" vor verschlossenen Saaltüren. Als der Saal nach a Uhr geöffnet wurde dauerte es nicht lange und er war bis in den äußersten Winkel vollständig besetzt. Ein starkes Aufgebot von Schutzleuten sperrte das überfüllte Lokal und hielt alle Eingänge desselben besetzt. Immer neue Volksmassen strömten herzu und bald war die Hasenheide schwarz von Menschen. Tausende und Abertausende, die keinen Einlaß mehr fanden, warteten draußen. um dem„Hochverräter" eine Kundgebung zu bereiten. Nur mit Mühe konnte die Polizei, die sich in anerkennenswerter Weise auf die notwendigsten Anordnungen beschränkte, den Straßendamm für den Fuhrwerksverkehr einigermaßen freihalten. Im'Saale selbst harrte eine nach Tausenden zählende Menge, die das Parterre und die Galerien, Kopf an Kopf gedrängt, füllte, des Beginns der Versammlung. Kurz vor V28 Uhr betraten die beiden Redner des Abends, RichardFischer und Karl Lieb- t n e ch t, den Saal. Beifallsstürme, Hochrufe aus mehreren .ausend Kehlen durchbrausten das Haus. Prächtige Blumen- arrangements wurden dem Verurteilten auf die Bühne gereicht. Bald war der Vorstandstisch mit Blumenkörben und Sträußen besetzt, die in glühendem Rot leuchteten. Um V28 Uhr eröffnete Genosse E r n st die Versammlung und erteilte dem Genossen Richard Fischer das Wort. Der Redner knüpfte an die Worte eines Schriftstellers der französischen Revo- lutionszcit an:„Es ist immer ein Zeichen für das Absterben einer herrschenden Klasse, wenn das Rechtsempfinden der unterdrückten Klasse im Gegensatz steht zu dem Rechtsempfinden der herrschen- den Klasse." Dieser Satz paßt auch auf die gegenwärtigen Ver- Hältnisse so gut, als wäre er heute geschrieben. Gerechtigkeit soll die Grundlage des Staates sein. Nach unserer sozialdemokratischen Auffassung sind die Gesetze nichts anderes als der juristische Schutz- ivall für die Interessen der bürgerlichen Gesellschaft. Da wir eine Gesellschaft errichten wollen, welche der gegenwärtigen Gesellschaft entgegengesetzt ist, so ist es erklärlich, daß wir diese Schutzwehr bekämpfen müssen, welche die herrschende Klasse gegen die vorwärtsstrebenbe Arbeiterklasse errichtet hat. Die Sozialdemokratie bekämpft den Klassenstaat in seinen Grundlagen und stellt sich damit in Gegensatz zu den Jnter- essen, die durch die jetzigen Gesetze geschützt sind. Unser Kampf ist der Kampf um die Erlangung der politischen Machtmittel des Staates. Deshalb wird natürlich der ganze Apparat der Recht- sprechung gegen uns angewandt und wenn die bestehenden Gesetze nicht mehr ausreichen, um uns zu bekämpfen, wie es die Herr- schenken Klassen wünschen, dann ist man schnell bei der Hand, Ausnahmegesetze gegen uns zu machen. Denken wir an las Sozialistengesetz, an die Zuchthausvorlage, denken wir daran, daß durch die Auslegung der Gesetze neue Straftaten zurecht kon- slruiert werden, an die der Gesetzgeber gar nicht gedacht hat. Be- denken wir das, so sehen wir, wie sich ganz natürlich die Auffassung herausbildet, daß der Arbeiter in dem Richter nicht mehr den un- befangenen Wahrer und Hüter des Rechts sieht, sondern den An- gehörigen der besitzenden Klasse. Je mehr sich die Klassengegensätze entwickeln, desto mehr werden die Arbeiter auch in dem Richter den Schützer und Schirmer der kapitalistischen Interessen und ihren politischen Gegner sehen. Dabei denkt natürlich niemand an bewußte Rechtsbeugung oder an eine Verdächtigung des Cha- rakters der Richter. Als das aufstrebende Bürgertum für seine Rechte gegen Junker- und Pfaffenherrschaft kämpfte, war eine seiner Grundforderungen die Einführung von Geschworenen- gerichten. Diese Forderung hat das Bürgertum aufgestellt, weil es sicher war, daß die Geschworenen der bürgerlichen Klasse ent- iwmmen werden und daher die Anschauungen dieser Klasse besser kennen als die Berufsrichter, Heute ist zehn gegen eins zu wetten, daß auch Geschworene ihr Klasseninteresse zum Ausdruck bringen, wenn sie über Arbeiter zu urteilen haben, die in der Vertretung ihrer Klasseninteressen vor das Gericht gekommen sind. Deshalb jind sogar viele von uns zu der Auffassung gekommen, ihre Pro- zcsse heute lieber in den Händen eines Bcrufsrichters zu wissen, dessen juristische Schulung mehr Garantie gegen das Ueberwallen der politischen Leidenschaften bieten kann. Im Verlaufe dieser Entwickelung wandeln sich schließlich alle Prozesse gegen Arbeiter zu politischen Prozessen, zu Tendenzprozessen um. Nun gibt eS auch Prozesse, bei denen nicht die Person des Ange- Ilagten, sondern seine Parteirichtung in Frage kommt. Dazu gc- hören die Hochverratsprozesse. So lvar eS schon im alten Rom: Alle Gegner des Staates, denen man kein anderes Verbrechen vorwerfen konnte, hat man des Hoch- Verrats beschuldigt und verurteilt. Das trifft bis zu einem gc- wissen Grade noch heute zu. Die Burschenschaften, die Studenten, wurden in der Zeit der Demagogenhetze durch Hochverratsprozcsse unschädlich gemacht. Fritz Reuter hat das in ergreifender Weise geschildert. Später, als das Bürgertum für seine Jnter- essen kämpfte, hatten wir den Ladendorf-Prozeß, den Prozeß gegen Johann I a k 0 b y. den Prozeß gegen T w e st e n und W a l d e ck, von dem der damalige Gerichtspräsident sagte, es sei ein Buben- stück, ersonnen, einen ehrlichen Mann zu verderben. Auch wir hatten unseren Hochverratsorozeß im Jahre 1871 gegen Bebel und Wilhelm Liebknecht. Im Jahre 1889 haben wir erlebt, daß Professor G e f f ck e n, auf Betreiben Bismarcks, des Hoch- Verrats angeklagt wurde, weil er das Tagebuch des Kaisers Friedrich veröffentlicht hatte. Gibt es einen absurderen Gedanken als den, daß das Tagebuch eines Kaisers Hochverrat in sich schließt? iBeifall.) Aber wir haben noch einen besseren Fall. Bismarck selber wurde zum Hochverräter. Nicht als er 18S6 die Verfassung inehrerer deutscher Staaten mit Waffengewalt stürzte und Bundesfürstcn mit Gewalt von ihren Thronen jagte. O nein. Da ihm diese Tat zum Nutzen Preußens gelungen war, wurde er als der größte Patriot gefeiert. Dennoch hat auch Bismarck Hochverrat begangen. Als er nach seiner Abdankung polternd und grollend hinter dem Rcichslvagen herlief, da übergab er, um seinem Nachfolger C a p r i v i Ungelegcnheiten zu bereiten, den bekannten Rückvcrsicherungsvertrag mit Rußland der Oeffentlichkeit. Damit bat er alle Merkmale des§ 92 des Strafgesetzbuches erfüllt und hätte ins Zuchthaus gesteckt werden müssen. Wenn Bismarck trotzdem nicht angeklagt wurde, so hat er das dem Umstände zu danken, daß dazu die Re- gierung C a p r i v i zu schwach war. Es wäre ja auch ein eigen- artiges Schauspiel gewesen, wenn der Gründer des Reiches wegen Hochverrats gegen dasselbe Reich angeklagt und verurteilt worden wäre.(Beifall.) Man begnügte sich damit, ihm den Uriasbrief nach Wien nachzuschicken. Also auch wir haben unseren Hochverratsprozeß gegen Bebel und Wilhelm Liebknecht gehabt. Man glaubte dadurch die ganze sozialdemokratische Bewegung vernichten zu können. Aber das Gegenteil trat ein. Von jener Zeit an datiert der Aufschwung unserer Bewegung. Tausenden und Zehntausenden wurde gerade durch jenes Urteil Verständnis für die Bestrebungen der Sozial- dcmokratie beigebracht. So war es damals, so wird es aus Anlaß des jetzigen Prozesses gegen den Genossen Liebknecht abermals sein.(Stürmischer Beifall.) Auch dieser Prozeß gegen den Sohn unseres alten L i ebk n e ch t ist in letzter Linie keine Rechtsfrage, sondern eine politische Machtfrage. 'Nicht Liebknecht, sondern die Sozialdemokratie, besonders ihre Agitation gegen den Militarismus soll durch dieses Urteil ge- troffen werden. Es ist hier nicht der Ort, die Gründe auseinander- zusetzen, weshalb die Partei dem Genossen Liebknecht auf die speziellen Wege seiner antimilitaristischen Agitation nicht gefolgt ist. Aber darin sind wir alle mit Bebel einig, daß die Partei in dem Bestreben, den Militarismus zu be- kämpfen, mit dem Genossen Liebknecht vollkommen einvcr- standen ist, und daß es nicht einen einzigen Sozialdemokraten gibt, der dem Genossen Liebknecht in seiner Agitation deshalb nicht folgen wollte, weil er meinte, sie klinge an Hochverrat an. Daß der Prozeß nicht aus juristischen, sondern aus politischen Gründen eingeleitet worden ist, dafür hat ja der Oberreichsanwalt selber den Beweis erbracht, als er erklärte, die Einleitung des Prozesses sei „auf Anregung einer interessierten Behörde" erfolgt. Daß Herr Nomen nicht der Vcranlaßer ist, das liegt auf der Hand. Die interessierte Behörde kann nur die Reichsrcgierung oder das preußische Kriegsministerium sein. Es ist eine treffende Jllu- stration zu den„vollendeten Rechtsgarantien", daß ein so wichtiger Prozeß, den die Staatsregierung selber veranlaßt, nicht hätte eingeleitet werden können, wenn nicht der Oberreichsanwalt seine frühere wissenschaftliche Ueberzeugung geändert hätte. Wäre Liebknecht in der Lage gewesen, seine Broschüre zu schreiben, als der Oberreichsanwalt noch seine ursprüngliche wissenschaftliche Anschauung hatte, dann hätte dieselbe Handlung, die heute als Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt ist, gar nicht zur Er- Hebung einer Anklage geführt. Der Redner unterzog das Prozeßverfahren gegen Lieb- k n ech t einer treffenden Kritik und führte im einzelnen aus, daß die Verurteilung Liebknechts nur dadurch zu erklären ist, daß die Richter gar nicht imstande find, sich in den Gedankengang der sozialdemokratischen Anschauungen hineinzuversetzen. Zuchthaus- strafe beantragte der Obcrreichsanwalt. Er setzte also ehrlose Ge- sinnung beim Genossen Liebknecht voraus. Liebknecht hat ihm darauf in so taktvoller und mannhafter Weise geantwortet, wie es sich gehört.(Lebhafter Beifall.) Ehrlos also soll unsere po- litische Gesinnung sein. Man mag unsere Ueberzeugung für falsch halten, aber daß sie ehrlos ist. das soll niemand sagen. Wenn das der höchste Justizbeamte des Reiches dennoch sagt, so kann das nur dazu beitragen, daß wir unseren Kampf so nachhaltig führen, daß es uns möglich wird, den herrschenden Klassen eine andere Meinung aufzuzwingen.(Beifall.) Daß der Prozeß ein politischer Tendenzprozetz war, bestreitet niemand. Nun frägt es sich aber, ob eine Regierung, die solche Mittel gegen politische Gegner anwendet, eine starke Re- gierung genannt werden kann, ja, ob eine Regierung sich stark fühlt, die mit derartigen Mitteln einen politischen Gegner unschädlich machen will. Vor wenigen Monaten hieß es, die Sozialdemokratie sei niedergeritten.(Gelächter.) Kann eine Partei niedergeritten sein, wenn man es für nötig hält, derartige Prozesse gegen sie zu führen? Nein, Parteigenossen. Nicht wir sind die Niedergerittenen, sondern jene, welche die Urheber und die Verantwortlichen für diesen Prozeß sind.(Lebhafter Beifall.) Gewiß, der einzelne von uns kann niedergeritten werden, aber zehn andere treten an seine Stelle. Gewiß, es ist kein Vergnügen, 1% Jahre aus der Familie, aus seinem Wirkungskreis gerissen und in die Festung gesperrt zu werden, aber unter diesen Umständen ist es eine Ehre.(Stür- Mischer, langandauernder Beifall.) Ich glaube, auch außerhalb unserer Partei sind viele mit uns der Meinung, daß dieser Prozeß zu dem vorteilhaftesten gehört, was unserer Partei seit langem zugestoßen ist.(Beifall.) Noch eins darf ich sagen, obgleich es sonst nicht meine Art ist, jemandem Lobeserhebungen zu spenden: Wenn dieser Prozeß sich so gestaltet hat, daß die Partei Früchte davon ernten wird, so haben wir das der tapferen und mannhaften Art zuzuschreiben, wie Genosse Liebknecht diesen Prozeß gc- führt hat. Das anzuerkennen, sind wir der kühnen Art seines Auf- trctcns schuldig.(Lebhafter Beifall.) Ich kann unserem Genossen Liebknecht kein schöneres Geleitwort ins Gefängnis geben, als das, was unser Alter, wenn er heut an dieser Stelle stände, seinem Sohne zurufen würde:„Karl, ich bin zufrieden mit Dir!"(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Wenn Ge- nosse Liebknecht jetzt ins Gefängnis geht, so gehen mit ihm die Wünsiche von Millionen deutscher Arbeiter, die den Kampf, aus dem er für IV2 Jahre herausgerissen ist, mit verstärkter Kraft weiter führen, damit Liebknecht bei seiner Rückkehr aus dem Gefängnis sieht, diese Saat hat tausendfältig Früchte getragen. Ein Mann über Bord, die ganze Armee im Vormarsch.(Stür- Mischer, andauernder Beifall.) Genosse E r n st verlas ein Telegramm von der„Fränkischen Tagespost" und dem Partrisekrctariat für Nürnberg und Nord- bayern. Es lautet:„Zur Verurteilung des Militarismus und zur Revision des ReichsgcrichtsurteilS durch das Volk frohen Mut und sich steigernde Kraft." Genosse Liebknecht erhielt nun das Wort. Stürmische Beifallskundgebungen begrüßten ihn. Er sagte: Parteigenossen und Genossinnen! Sie wissen, daß ich mich seit Jahren bemüht habe, auf unseren Parteitagen einen bestimmten Standpunkt bezüglich der antimilitaristischen Propa- ganda zu vertreten. Sie wissen, daß mein Standpunkt von der Partei abgelehnt ist. Ich habe indessen in der Auffassung des Militarismus niemals die Grundsätze verleugnet, die unsere Partei seit ihrer Entstehung vertritt. Nur über eine Frage der Taktik be- stehen Differenzen zwischen den bisherigen Parteitagen und mir. Der Militarismus schafft uns das aufregendste Material für unsere Agitation, das am ehesten geeignet ist, die Köpfe der Arbeiter für uns zu gewinnen. Er ist selbst der beste antimilitaristische Agitator. Aber es ist trotzdem keine Undankbarkeit gegen den Militarismus, daß wir ihn zu beseitigen suchen. Das Proletariat weiß, daß der Militarismus wie ein Albdruck auf unserer Brust liegt und daß er die friedliche Fortentwickelung unserer Bewegung hindert. Es ist ganz natürlich, daß das Proletariat dem Mili- tarismus feindlich bis ins Innerste gegenübersteht. DaS Proletariat ist friedcnsfrcundlich, denn es weiß, daß die Tatsachen, die zum Kriege führen, nichts gemein haben mit den Interessen des Proletariats.— Es ist kein Wunder, daß der Prozeß hüben und drüben große Aufregung verursacht hat, denn es han- dclte sich darum, den Militarismus,� diesen Zentralpunkt des Machtkampfes zwischen dem Proletariat und den herrschenden Klassen, gegen jeden Angriff zu sichern. Auch wer nicht Proletarier ist, muß zu de» Ansicht kommen, daß der Militarismus eine Gefahr für den Fortschritt ist. Nicht den Krieg zu fördern, sondern Blut- vergießen zu vermeiden ist unsere Absicht. Aber es sind die Ver- lrcter der herrschenden Klassen, die seit Bismarcks Zeiten dahin drängen, das Proletariat auf die Straße, vor die Flinten und Kanonen zu treiben.— Der Militarismus enthält in sich selbst zahlreiche dialektische Widersprüche. Nur Einiges davon. Die Waffentcchnik schreitet derart fort, daß der Militarismus schließlich eine Unmöglichkeit wird. Unser Heerwesen ist zugeschnitten auf den Niveaukrieg. Jetzt haben wir aber schon den Krieg von unten durch Unterseeboote und von oben durch das lenkbare Luftschiff, den Drei-Dimensionen-Krieg. Das gibt ein gegenseitiges, derart unsinniges Abschlachten, daß der Krieg selbst unmöglich wird. Der Militarismus muß in erster Linie das'Prolctariat für seine Zwecke dienstbar machen. Das Proletariat ist der„innere Feind", gegen den die herrschenden Klassen den Militarismus mobil machen. Aber während der zwei Jahre, wo der Proletarier in die Kaserne gesteckt> wird- soll er kein innerer Feind, sondern eine Stütze des Staates sein! � (Lebhafter Beifall.) Dieser unmöglichen Aufgabe gegenüber müssen alle Erziehungskunststücke des Militarismus versiegen. Das ist der wunde Punkt des Militarismus: Wenn die Bajonette anfangen zu denken, können sie nicht mehr als Machtmittel der herrschenden Klassen benutzt werden. Daher die Nervosität der herrschenden Klaffen gegen die antimilitaristische Agitation. Wir brauchen nichts weiter: nur Aufklärung zu verbreiten über die Verwendung des Militarismus im Klassenkampf, und jeder Proletarier, der hier klar geworden ist, ist für den Kampf im Interesse der Herrschenden verloren.— Wir wollen eine ruhige organische Fortentwickelung. Wir denken nicht an plumpe Gewalt. Diese will aber der Militarismus. Weil ich den Militarismus, dieses Prinzip der Gewalt bekämpft habe, bin ich auf die Anklage- bank gekommen unter der Beschuldigung, ich hätte versucht, Gewalt zu üben.(Beifall.) Ich habe es gewußt, daß man auch in Deutsch- land denselben Weg beschreiten wird, den man in anderen Ländern gegen die antimilitaristische Bewegung eingeschlagen hat. Ich war nicht überrascht über diesen Prozeß. Aber ich wußte noch ein anderes. Auch in anderen Ländern hat die antimilitaristische Be- wegung erst festen Boden gefaßt, nachdem ihr der Staatsanwalt zu Leibe ging. So wird es auch in Deutschland kommen. Insofern kann man sagen, daß wir, politisch betrachtet, mit diesem Prozeß aufs höchste zufrieden sind. Er hat nicht nur gezeigt, daß die Richter dem Empfinden des Proletariats fremd gegenüberstehen, sondern daß sie auch die bekanntesten Tatsachen aus der Geschichte der Partei nicht kennen. Wie weltfremd die Richter des Reichs- gerichts unseren Anschauungen gegenüberstehen, zeigte die Tatsache, daß die Herren unser Erfurter Programm gewissermaßen erst entdecken mußten. Einer der Hauptpunkte der Anklage ist bekannt- lich ein Punkt eben dieses siebzehn Jahre alten Programms. Wenn der Standpunkt des Oberreichsanwalts ein unbegreiflicher ist, so ist das Urteil beS Gerichts unendlich e r n st e r zu nehmen,, denn es ist viel klüger, viel durchdachter, viel gefährlicher für unser politisches Leben als alles, was der Oberreichsanwalt unternommen hat. In seinen Konsequenzen bedroht das Urteil jede freie Meinungs- äußerung mit dem Strick des Z 86. Aber freilich: Auch dieses Urteil trägt seinen dialektischen Widerspruch in sich selbst. Es wird durch jenes Sprichwort charakterisiert: Allzu scharf macht schartig. Nach den Konsequenzen dieses Urteils müßte, ebenso wie ich. seder Sozialdemokrat verurteilt werden. Und dazu würden selbst in Deutschland die Gefängnisse nicht ausreichen. Dieses Urteil kann einfach nicht durchgeführt werden, so wenig, wie etwa ein Urteil, das jedem Sozialdemokraten das Atmen verböte. Es muß ein Schlag ins Wasser bleiben, und deshalb brauchen wir uns keine grauen Haare wachsen zu lassen.(Beifall.) Der Prozeß mußte propagandistisch wirken. Dos wußte ich von Anfang an, und es hat mich innerlich beglückt, zu sehen, wie der Funke, den man durch den Prozeß ersticken wollte, zur hellen Flamme empor- gelodert ist.(Stürmischer Beifall.) Es geht in Deutschland ein Geist der brutalen, engherzigen Gewaltsamkeit um, der sich vermißt, in ebenso plumper wie gewalttätiger Weise den inneren Feind niederzuwerfen. Es geht der Geist jenes Herrn R 0 m e n um. Dieser klcinlich-rohe Geist durchweht die Politik, die man gegen- wärtig anwendet, um der Sozialdemokratie an den Kragen zu gehen. Wenn aber schon der Streich des Hauptmanns von Köpe- nick ein ausgezeichnetes Agitationsmittel gegen den MiNtaris- mus gewesen ist, so sind es noch mehr die Streiche des Herrn R 0 m e n. Herr R 0 m e n kann Arm in Arm mit dem Haupt- mann von Köpenick sein Fahrhundert in die Schranken fordern. (Lebhafter Beifall.) Ich habe nun die Order, schon in den nächsten Tagen die freundliche Festung Glatz zu besuchen. Tragisch ist die Sache nicht zu nehmen. Ich bitte, nicht auf den Gedanken zu verfallen, der schon in bürgerlichen Blättern ausgesprochen ist, ich sei ein Partei- Märtyrer. Davon kann keine Rede sein. Denken Sie, ich habe mich nach Ruhe gesehnt und werde auf der Festung das nachholen an meiner inneren Ausbildung, was ich bisher habe zurückstellen müssen. Hier sollen keine traurig-wehmütigen Abschiedsworte ge- sprachen werden. So ist mir nicht ums Herz, und so darf es Ihnen nicht ums Herz sein. Keine Wehmut, sondern Kampfstimmung. Die gewaltige Begeisterung, die freudige KampfeSstimmung, welche dieser Prozeß ausgelöst hat, muß festgehalten werden. Sorgen Sie. daß sie kein Strohfeuer sei. Die nächsten Jahre werden schwere Kämpfe bringen. Verwenden Sie alle Kraft und Energie im Kampfe für das Recht der freien Meinungsäußerung, für die Stärkung der Jugendorganisation, im Kampf gegen den Militarismus. Erhalten Sie diese Begeisterung, sodaß wir von Sieg zu Sieg fortschreiten und ich in der Feswng von immer neuen Erfolgen der Sozialdemokratie Nachricht bekomme.(Lebhafter Beifall.) Gefängnis, Festung und Zuchthausmauern können den Vormarsch der Sozialdemokratie nickst aufhalten und ihren Sieg nicht hindern. Die Begeisterung und Wucht, die Besonnenheit und Zielklarheit, mit der das Proletariat seinen Kampf führt, machen es unüberwindlich trotz Zuchthaus und Feswng, trotz Kriegsministcr und Romen.(Stürmischer, anhaltender Bcifay.) Genosse Ernst sagte zum Schluß: Wir wünschen dem Ge» nassen Liebknecht ein frohes Wiedersehen in voller Frische und geloben uns, allezeit als Sozialdemokraten unsere Pflicht zu tun und zu kämpfen für unsere Ideale. E r n st schloß die Ver- sammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Begeistert stimmte die Versammlung ein. Hochrufe auf Liebknecht brachte die Versammlung aus. Von allen Seiten rief man: Auf Wiedersehen! Langsam leerte sich der Saal. Auf der Straße stauten sich die Massen, die sich mit den draußen Harrenden zu einer unüberseh» baren Menge vereinten. Es gab eine zeitweilige Verkehrsstockung. Ganz langsam nur konnten sich Straßenbahnwagen und Omnibusse einen Weg durch das Gedränge bahnen. Als einer der letzten, die den Saal verließen, betrat Genosse Liebknecht im Kreise be- kannter Parteigenossen das Freie. Brausende Hochrufe empfingen ihn. sie pflanzten sich fort durch die Menge, die einem machtigen Strome gleich durch die Straße flutete. Die Fenster der Häuser waren mit Menschen dicht besetzt. Auf der Straße sang man die Arbeitermarseillaise, dazwischen ertönten immer wieder Hochrufe. Eine vieltausendköpfige Proletariermenge, alle von einem Ge- danken getragen, den niemand aussprach, der aber in jedem einzelnen lebendig war: Die Sozialdemokratie, die durch das Urteil gegen Liebknecht getroffen werden soll, triumphiert über ihre Widersacher. Das klassenbewußte Proletariat ist unbesiegbar. 13. GtNtralverslttnmlmlg des Deutsche« Eubukurbtiter- Verbandes. Bielefeld, �g. Oktober. Sechster Verhandlungstag. Zunächst werden die Anträge zur Beratung gestellt, die Ge- Haltsverhältnisse der Berbandsbeamten sowie Diäten für die Agitation und Generalversammlung betreffen. D e i ch m a n n beantragt namens des Vorstandes, die Ge- hälter der Hülfsarbciter im Bureau des Verbandes von 1669 M. auf 1800 M. zu erhöhen. Redner begründet den Antrag mit der steigenden, aber ungenügenden Bezahlung der Arbeit dieser An- gestellten. W i l d e m a n n- Stuttgart verurteilt eS, daß Anträge vor- liegen, die sogar eine Herabsetzung der Gehälter oder die Fixierung auf ein Minimum verlangen. Die Erhöhung sei ein Akt der Billigkeit und auch durch die Teuerungsverhältnisse geboten. Eine Regelung der Beamtenverhältnisse sei auch nach anderer Richtung nötig, Ilrlaubsfrage usw. müßten mit berücksichtigt werden. Der Borstand solle später ein Anstellungsreglement herausgeben. Er bittet, die Gehälter der Beamten um 200 M. zu erhöhen, das be- trage jährlich 2600 M. Müller- Berlin stellt den Antrag, als Diäten für die Delegierten der Generalversammlung 8 Di. Zehrgeld— dies auch für die Beamten— und 4 M. Arbeitsverdienstentschädigung, also 12 M. täglich zu beschließen. Redner begründet den Antrag. St e p p- Ottensen will, daß die Diäten auf 6 M. Zehrgeld und 5 M. Arbeitsverdienstentschädigung normiert werden. Gegen die Gehaltserhöhung in dieser Generalversammlung wende er sich, fordert aber den Vorstand auf, zur nächsten Generalversamm- lung eine Gehaltsvorlage zu unterbreiten. Baum- Pirna tritt für Beibehaltung der bisher 10 M. betragenden Diäten für Delegierte zur Generalversammlung ein. Eine Regelung der Gehaltsfrage muß erfolgen, ein Anfangsgehalt mit Stigerung nach den Dienstjahren muß festgestellt werden. Salz Wedel- Wernigerode tritt für die Gehaltserhöhung nach dem Antrage Wildemann ein, das sei im Interesse des Ver- bandes nötig. Der Antrag W i l d e m a n n wird bezüglich des Gehalts- reglemcnts und des Urlaubes einstimmig, bezüglich der Gehalts- eryöhung mit großer Majorität angenommen. Ferner werden die Anträge Müller und S a l z w e d e l angenommen. Beschlossen wird ferner einstimmig, daß das Grundgehalt für Verbandsbeamten 1800 M. betragen soll. Sander- Hamburg erstattet Bericht der Untersuchungs- kommission, die für die Dresdener Streitangelegenheit eingesetzt war. Die Kommission habe die Verhältnisse im Beisein der Ver- treter der Lokalorganisation, des Vorsitzenden des Ausschusses, des Kollegen Uhlig. und anderer geprüft und in objektiver Weise beraten. Die Beschlüsse sind einstimmig gefaßt. Redner geht näher auf Einzelheiten ein. Die Amtsentsetzung deS Kollegen Uhlig als Geschäftsführer der Zahlstelle Dresden war im Interesse des Verbandes ein Gebot der Notwendigkeit. Desgleichen wird der nach Z 15 Abs. b des Statuts erfolgte Ausschluß des Kollegen Uhlig als zu Recht er- �lärt. Eine Aufhebung letzterer Maßregel kann die Kommission nicht empfehlen. Dieser Beschluß wird von der Generalversammlung ein- stimmig angenommen. Bezüglich der Einigung mit der Lokalarganisation wird nach einer Erklärung des Vertreters der Lokalorganisation Dresdens von der Generalversammlung einstimmig beschlossen, folgende Einigungsvorschläge anzunehmen: Der Dresdener Tabakarbeiterverband schließt sich dem Deutschen Tabakarbeiterverband unter folgenden Bedingungen an: 1. Die Mitglieder des Dresdener Tabakarbeiterverbandes treten sämtlich zu ihren alterworbenen Rechten in den Deutschen Tabakarbeiterverband über, soweit sie nachweisen, daß zwischen ihrer Beitragsleistung in den beiden Verbänden keine Lücken vorhanden sind. 2. Das Vermögen des Dresdener Tabakarbeiterverbandes ist unter genauer Rechnungslegung an den Deutschen Tabak- arbeiterverband zu überführen. S. Zu dem auf den Anschluß des Dresdener Tabakarbeiter- Verbandes folgenden Quartalsschluß ist die Stelle des Dresdener Ortsbeamten neu auszuschreiben. 4. Die eingelaufenen Bewerbungen sind der Dresdener Mitgliedschaft resp. einer von dieser zu wählenden Anstellungs- kommission zur Prüfung und Veranstaltung der Wahl zu über- geben. Dem Hauptvorstand steht das Bestätigungsrecht zu. 5. Nach erfolgter Neuwahl des Ortsbeamten sind auch die am Orte bestehenden Kommissionen neu zu wählen. 6. Diesem Schiedsspruch haben sich beide Organisationen als endgültig zu unterwerfen. Die Modalitäten des Uebertrittes sollen zwischen Vorstand, Ausschuß und der Lokalorganisation vereinbart werden. Zur Erörterung gelangen dann die Differenzen mit der Tabakarbeitergenossenschaft. D e i ch m a n n- Bremen berichtet über die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Vorstandes, der Tabakarbeitergenossen- schaft und den beteiligten Kollegen. v. Elm- Ottensen gibt darauf seinerseits eine Darstellung der strittigen Fragen. Zur Beratung kommen die Anträge bezüglich der Verlegung des Sitzes des Vorstandes sowie der Vereinigung der Redaktion des„Tabakarbeiter" mit dem Sitz des Vorstandes. Nach eingehender Aussprache lverden die Anträge durch Ueber- gang zur Tagesordnung erledigt. Auch die Anträge, daß alle Branchen der Tabakindustrie bei der Zusammensetzung des Vor- standes in Zukunft berücksichtigt werden sollen, werden durch Be- fchlüsse erledigt, die Uebergang zur Tagesordnung fordern. Darauf erstattet Bericht über die Beschlüsse und Vorlage der StatutenberatungSkommission bezüglich der finanziellen Fundierung des Verbandes v. Elm. Redner erklärt, daß die Vorlage nicht in allen Punkten seinen Wünschen entsprl�he, aber die Beschlüsse seien mit wenigen Ausnahmen einstimmig erfolgt. Angesichts der be- stehenden Verhältnisse sei man zu der Ansicht gekommen, daß es nicht anders gehe, als das Obligatorium der 5lrankenunterstützung beizubehalten und die ersten drei Unterstützungstage zu streichen. In der Staffelung, mit der wir uns beschäftigen mußten, sind einige Aenderungen vorgenommen worden. Die Bestimmungen kommen nur für Neueintretende in Betracht. Bei der Wöchne- rinnenunterstützung haben wir beschlossen, daß die Unterstützung in Wegfall kommt, sobald innerhalb der sechs Wochen die Arbeit wieder aufgenommen wird. Eine Erörterung und teilweise Aenderung des Unterstützungshstems war nötig mit Rücksicht auf die von den Konjunkturen berührte Tabakindustrie. Dex Verband muß auch gesichert werden gegen die dem Aufschwung folgende Krisis. Auch gibt es-in der-Krisis weniger Streiks, so daß Mittel mehr zur Unterstützung in Fällen der Erwerbslosigkeit gebraucht werden können, die in der Krisis steigen. Ein Ausgleich wurde nach verschiedenen Seiten getroffen. Die Unterstützung, die nach tz 9 Mitgliedern, die ein selbständiges Gewerbe betreiben, bisher gezahlt worden ist, haben wir gestrichen, weil sie nach den Nach- weisen des Vorstandes zu Mißbräuchen geführt hat. So unangenehm uns diese oder jene Aenderung sein mag, so müssen wir doch in den sauren Apfel beißen, denn wir müssen gegenüber der erstarkenden Fabrikantenkoalition den Verband kräftigen. Vom„guten Herzen" der Unternehmer haben wir nichts zu erwarten, wir werden uns alles erkämpfen müssen. Er- sparen können wir uns nichts, wir bedürfen alles zum Kampfe, darum müssen wir uns wappnen. Das werden alle unsere Mit- glieder, die nun 5 Pf. Beitrag pro Woche mehr bezahlen müssen, einsehen, denn unser Verband muß auf einer realen Grundlage be- ruhen, wenn er im Lohnkampf für die Mitglieder Erfolge bringen soll. Wir betrachten die Vorlage als etwas Zusammen- hängendes, denn wir haben alles geprüft und erwarten daher eine einstimmige Annahme der Vorlage. Die Beschneidung der In- validenunterstützung ist aufgegeben worden. An Stelle des Mit- glicdsbuches soll im ersten Halbjahr eine Mitgliedskarte dem Ein- getretenen verabreicht werden. Redner bittet dringend, die Vor- läge en bloc anzunehmen. Es wird beschlossen, über die Vorlage en bloe abzustimmen. In namentlicher Abstimmung wird die Vorlage mit 55 gegen 17 Stimmen angenommen. Beschlossen wird, daß das abgeänderte Statut am 1. Januar 1908 in Kraft tritt. Nach Beratung der zur Streikunterstützung ge- stellten Anträge werden diese durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt resp. abgelehnt. Die auf Gemaßregeltenunterstützung gerichteten Anträge tverden dem Vorstand überwiesen. Dann wird beschlossen, der Erhöhung der Beiträge zur inter- nationalen Organisation, wie sie vom letzten Internationalen Tabakarbeiterkongreß in Stuttgart beschlossen worden ist, zu- zustimmen. Als Vertrauensmann für die Internationale Organisation wird D e i ch m a n n- Bremen gewählt. Als Vorsitzender des Verbandes wird D e i ch m a n n, als 1. Sekretär E b e r l e. als 2. Sekretär T i e d e r m a n n. als Kassierer Nieder-Welland einstimmig wiedergewählt. Als Vorsitzender des Ausschusses wird E i l k e n- Altona gewählt. Die bisherigen Gauleiter werden nach§ 13, letzter Absatz, von der Generalversammlung bestätigt. Der Vorsitzende O st e r t a g weist auf die Bedeutsamkeit dieser Generalversammlung sowie auf die Schwierigkeiten der Arbeiten hin, dankt für die Arbeit aller Beteiligten und schließt die Generalversammlung mit einem dreifachen Hoch auf den Deutschen Tabakarbeiterverband. Lin liönlgl. bayerischer siegierungsrat über üie Arbeiterbewegung. In der Nr. 291 der konservativ-liberalen„Augsburger Abendzeitung" nimmt der Regierungsrat v. Braun in einer mit großem Fleiße ausgearbeiteten Studie Stellung zur Landarbeiterfrage. Er ist der Meinung, daß den Landarbeitern ein gesetzliches Streik- recht unter keinen Umständen eingeräumt werden dürfe; etwas aber müsse für die Landarbeiter geschehen, schon im Interesse der landwirtschaftlichen Unternehmer selbst. Polizeimaßregeln seien wertlos. Vergnügungssucht und ähnliche Argumente seien für Erklärung der Landarbeiternot ebenfalls nicht mahgeben, denn: „Die Ursachen liegen vielmehr tiefer und sind allein in der EntWickelung zu suchen, welche unser ganzes wirtschaftliches Leben in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Wir stehen selbst zu sehr inmitten dieses Entwickelungsvorganges, als daß uns die tiefgreifenden Veränderungen, die in der Struktur der einzelnen Bevölkerungsklassen vor sich gegangen sind, so recht zum Bewußtsein kämen. Wenn wir aber versuchen, die Verhältnisse mehr aus der Entfernung zu betrachten, kann es uns nicht ent- gehen, daß sich im Laufe der letzten 50 Jahre die Stellung des gewerblichen Arbeiters im öffentlichen Leben und vor allem gegenüber dem Arbeitgeber vollkommen verschoben hat. Aus dem in voller wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Fabrikherren stehenden„Untergebenen", dem jeder Einfluß auf die Ge- staltung des Arbeitsverhältnisses und auf die Bestimmung der Lohnhöhe versagt war, ist der nicht nur rechtlich, sondern auch wirtschaftlich dem Arbeitgeber gleichberechtigte und gleich mächtige Arbeitnehmer geworden, dem nach heutiger Auffassung ein vollwertiges Mitbestimmungsrecht über alle Teile der Ar- beitSordnung und der Arbeitsentlohnung zusteht, und der infolge der weitverzweigten Arbeiterkoalitione» von diesem Rechte in ausgiebigem Maße Gebrauch zu machen in der Lage ist. So sind im gewerblichen Leben Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich vollkommen gleich- berechtigte Vertragsteile geworden, welche in keinerlei Ucber- bezw. Unterordnungsverhältnis zueinander stehen. Aber auch die wirtschaftliche Stellung des gewerblichen Arbeiters hat sich wesentlich verschoben und wir sehen, daß auch jetzt noch der ganze Stand von dem leidenschaftlichen Streben nach einem Aufsteigen zu höheren Lebensbedingungen durchdrungen ist. Die wirtschaftlichen und politischen Kämpfe, in denen sich dieses Streben äußert, haben ja bekanntlich zu schweren Störungen in unserem öffentlichen Leben geführt und erfüllen auch jetzt noch den Gewerbetreibenden und den Sozialpolitiker mit ernster Sorge. Aber von einem weiteren Gesichtspunkt aus können wir in diesem Aufwärtsdrängen doch nur die Ueber- gangsform zu einer höheren Stufe unserer Bolksentwickelung begrüßen....... Die Kranken-, die Unfall- und die Invaliden- und Altersversicherung gewähren dem Arbeiter schon jetzt für alle Fälle der Erwerbsbeschränktheit oder Arbeitsunfähigkeit die zum Lebensunterhalte notwendigen Mittel; die Macht- stelluug der Gewerkschaften bietet ihm Schutz gegen ungerecht. fertigte Kündigung des Arbeitsverhältnisses und in einer Reihe von Fällen eine beschränkte Versicherung gegen Arbeitslosigkeit." Bemerkenswert ist das Anerkenntnis des Regierungsrats, daß „nach heutiger Auffassung dem Arbeiter ein vollwertiges Mit- bestimmungsrecht über alle Teile der Arbeitsordnung und der Arbeitsentlohnung zusteht," d. h., daß der Arbeiter ein selbstver- ständliches Rech« hat oder haben sollte, über alle Teile der Arbeits- ordnung und der Arbeitsentlohnung vollwertig mitzubestimmen, ein Recht, das heute von der großen Mehrzahl der Unternehmer nicht anerkannt, dessen Ausübung durch eine parteiische Recht- sprechung oft hintangehalten wird und dessen Forderung recht häufig mit brutaler Aussperrung Tausender beantwortet wird, sehr oft auch mit Hülfe oder doch indirekter Unterstützung von Behörde», deren Mitglied der Herr Regierungsrat ist. Es mag auch immer- hin anerkennend hervorgehoben werden, daß der königlich bayrische Regierungsrat in einem regierungsoffiziösen Blatt der Wahrheit durch die Erklärung die Ehre gibt, daß die Machtstellung der Ge- werkschaften dem Arbeiter Schutz gewährt und ihm andere wirk- schaftliche Vorteile bietet. Dies Zugeständnis ist vielleicht für die- jenigen, die dieselbe Behauptung, wenn sie aus dem Munde von Arbeitern kommt, nicht glauben, nicht ohne Eindruck und jedenfalls für die Agitation um so mehr nicht ohne Bedeutung, als die Dar- legungen des Regierungsrats gegen das Koalitionsrecht der Land- arbeiter zeigen, daß er sich zu einer Kenntnis der Gründe für die absolute Notwendigkeit freiesten und geschützten Koalitionsrechts für alle Arbeiter noch nicht durchgerungen hat. Die Ueber- zeugung von dem Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter drängt sich der Beobachtung deS Regierungsrats aus den Wirkung» der Organisation heraus auf und er ist offen genug, dieser Erkenntnis Raum zu geben. Aber der Grugd, weshalb die Koalitionsbeschränkungen auch gegenüber Landarbeitern ein zum Himmel schreiendes Unrecht sind, ist» dem Herrn Regierungsrat offenbar noch nicht klar. Sonst könnte er nicht für eine Ein- schränkung des KoalitionSrechtS der Landarbeiter eintreten. Einige der Gründe, die gegen KoalitionSvcrbote auch ländlichen Arbeitern gegenüber von einem preußischen Minister geltend gemacht sind, mögen deshalb nachstehend kurz zusammengefaßt werden. Der Minister erklärte, das Koalitionsverbot ist ein strafrechtliches, zivil- rechtliches und ökonomisches Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter. TaS Koalitionsverbot, führte der Minister aus, steht„mit den Prinzipien des Strafrechts insofern nicht im Einklang, als die Handlung, welche von der Strafe getroffen wird, an sich eine schuld- bare Rechtsverletzung nicht enthält. Sie wird als strafbar viel- mehr nur erklärt wegen der Folgen einer vollendeten Arbeits- einstellung und zwar wegen solcher Folgen, welche mit der Arbeits- einstellung selbst nicht in notwendigem, sondern nur in möglichem Zusammenhange stehen, und welche von dem Willtn derjenigen, welche die Arbeitseinstellung verabreden, unabhängig sind." Ein strafrechtliches Ausnahmegesetz sind die Koalitionsverbote auch des- halb, führte der preußische Minister mit Recht aus,„da die gemein- schaftliche Einstellung der Arbeit sich als ein Verbrechen oder Ver- gehen nicht charakterisieren läßt, so lange die Handln»« von dem einzelnen verübt, nicht strafbar ist. Der Umstand, daß mehrere zu einer verbrecherischen Handlung sich verbinden, gibt zwar in der Regel einen Grund zur Schärstmg der Strafe; das Strafrecht kennt aber sonst keinen Fall, wo eine an sich erlaubte Handlung dadurch zum Verbrechen oder Vergehen wird, daß mehrere sie ge- mcinschaftlich verüben oder sich dazu verabreden.... Was jeder einzelne Arbeiter zu tun befugt ist: die Arbeit einzustellen, soweit nicht vertragsmüßige Verpflichtungen ihn binden, wird gegen den Arbeitgeber nicht zu einem Unrecht oder einer Rechtsverletzung, wenn alle Arbeitgeber gleichzeitig es tun. ES wäre ein nicht zu lösender Widerspruch, wenn dieser von mehreren zu fordern be- rechtigt sein sollte, was jeder einzelne derselben zu versagen befugt ist. Dasselbe gilt umgekehrt von dem Verhältnis deS Arbeiters zum Arbeitgeber im Falle der Entlassung. Die Anomalie tritt hier nur noch um so schärfer hervor, als der einzelne Arbeits- Herr seine noch so zahlreichen Arbeiter sämtlich gleichzeitig entlassen kann, ohne daß er dem Strafgesetz verfällt." Derselbe Minister führt aus, weshalb die Koalitionsverbote auch ein zivilrechtliches Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter dar- stellen. Er legte dar: jedes Koalitionsverbot„greift auch in das Privatrecht als Ausnahmebestimmung ein. Ter freie Gebrauch der Arbeitskraft und die freie Bestimmung der Bedingungen, unter welchen Arbeit geleistet wird, bildet im Bereich des Privat- rechts die Ziegel, welche auch bezüglich aller übrigen Arbeiter als Ausfluß der Freiheit der Person unzweifelhaft gilt. Tie Beschränkungen der Koalitionsfreiheit enthalten eine Vcschrän- tüng in der Wahl der Mittel, welche auf die Bestimmung der Arbeitsbedingungen und namentlich des Arbeitslohnes einwirke» können, indem sie die Verabredung der gemeinschaftlichen Arbeits- eiustcllung, durch welche der Annahme der Bedingungen Nachdruck verschafft werden soll, und welche einen solche» Nachdruck zu geben besonders geeignet ist. ausschließen." Die Mißhandlung der Ware Arbeitskraft durch Koa- litionsvcrbote. die ökonomische Ausnahmestellung, die der Ware Arbeitskraft gegenüber jeder anderen Ware durch Koalitionsver- böte zugefügt wird, legte der preußische Minister, dessen AuSfüh- rungen wir nicht nur dem bayerischen Regicrungsrat zum Studium empfehlen, in folgenden Worten dar: „Die Höhe der Arbeitslöhne bestimmt sich nach den Gesetzen, welche der Willkür des einzelnen entzogen sind, und welche im großen und ganzen zur Geltung kommen, mögen Koalitionen stattfinden und Verbote dagegen bestehen oder nicht. Der Satz, daß die Menge des Kapitals, loelches Zlrbeit zu kaufen bereit ist, im Verhältnis zu der Menge derjenigen, welche Arbeit zu verkaufen bereit sind, den Preis der Arbeit bestimme, ist indes eine Wahrheit, welche ihren tonkreten Ausdruck für den einzelnen Fall nicht unmittelhar und von selbst, sondern mittelbar durch ein Handeln zwischen Käufer und Verkäufer erhält und diesen Ausdruck in dem Maße schneller und sicherer erhalten muß, in welchem das Handeln zwischen den Parteien frei von jeder äußeren Beschränkung ist. In diesem Sinne ist es von Wert, daß die Arbeiter in der Vereinigung die Kraft suchen können, welche dem einzelnen abgeht, und durch Androhung gemeinschaftlicher Arbcitsriustcllung ein richtigeres Verhältnis in der Bemessung des Lohnes zum Untcrnehmergcwinn herbeiführen." Ter preußische Minister legt endlich auch eingehend dar:„auch bezüglich der Erntearboiten läßt sich eine Gefahr, wie sie von mehreren landwirtschaftlichen Vereinen besorgt wird, mit Grund nicht erwarten". Der Minister, der so schrieb, hieß v. Jtzenplitz, der in dem Gesetzentwurf vom 10. Februar 1866 die Beseitigung der Koa- litionsverbote gegen alle, auch die ländlichen Arbeiter verlangte. Das Aktenstück ist in seinem wesentlichsten Teil im„Vorwärts" vom 25. November 1906 abgedruckt. Sein Studium ist nicht nur dem bayerischen Negierungsrat dringend zu empfehlen. Damals, kurz vor dem Kriege von 1866, kam Bismarck und Jtzenplitz die Er- leuchtung, daß die Schmach der gegen die Arbeiter in Form von Koalitionsverboten bestehenden Ausnahmegesetze beseitigt werden müsse. Die Aufhebung dieser Ausnahmegesetze wurde versprochen Nach dem Kriege kam es anders. Fimster Nerbaudstag des SeelNllnsvtrbandes. Hamburg, 21. Oktober. Der Verbandstag findet in der Zeit vom 21. bis 25. Oktober im Gewerkschaftshaufe zu Hamburg statt. Dem gedruckt vor- liegenden Geschäftsbericht für die Jahre 1905/06 entnehmen wir folgende Angaben: Während der Verband im Jahre 1905 nur 20 Mitgliedschaften zählte, hatte er 1906 deren 81; die Mitgliederzahl stieg von 7545 auf 13 875, daS Vermögen der Kasse von 62 303 auf 83140 M., daS der Mitgliedschaften von 37 452 auf 44 430 M. Die rege Agitationsarbeit ans Schissen und in Versammlungen, die in Danzig, Königsberg und Memel gemeinsam mit den Hafenarbeitern durch Anstellung von Beamten betrieben wurde, hat mithin glänzende Erfolge gezeitigt. Eingehend wird der großen Kämpfe in der Berichtsperiode ge- dacht. Noch nie ging eS feit dem großen Kampfe von 1896/97 so hart her, wie in dieser Periode. DaS Unternehmertum haßt die GelverkschaftS- bewegung, weil deren Ziele den kapitalistischen AuSbeutcrinteressen zuwiderlaufe»; daSgilt von der SeemannSbewegung ganz besonders. Ein Teil der Reeder laust direkt Gefahr, dem Zäsareuwahn zu ver- fallen. In ihren despotisch« autokratischen Vorstellungen haben sie jedes Verständnis für fortschrittliche und selbständige Regungen und Bestrebungen des seemännischen Arbeiters verloren, machen ihm das Recht der Selbsthülfe streitig und drücken ihn am liebsten zum willen- losen Werkzeug herab. Die großen schlveren Kämpfe der letzton Jahre, die Rieienstreiks und RiesenauSsperrungen sind die besten Be- weife dafür. Alles läuft auf Zerstörung der Organisation, auf Sprengung der GewerlschaftSkassen, auf Entrechtung, Knebelung und freierer Ausbeutung der Arbeiter hinaus. Die Reeder lieben die liberale und fortschrittliche Pose. Ihre Taten strafen aber ihre Worte Lügen. Der Bericht läßt dann die Scharfmacherbestrebungcn der Reeder Revue passieren, schildert deren„Entbehrungs- löhne" und bezeichnet die erneute Revision der SeemannSordnung als unerläßlich. Sie gewährt dem Seemann nicht einmal das, was sie ihm nach An- ficht und Absicht der Gesetzgeber bieten sollte. Das gilt von der Organisation und Zusammensetzung der Seemannsärntcr, der Nichtbezahlung der Ueberstundenarbeit in der Freizeit auf See, den gesetzwidrigen Musterrollen, dem StellcnverinittelungSgesetz usw. Die Bestrebungen auf Gründung eines Tranöportarbeiter-Jndustrie- Verbandes führten bislang zu keinem Ergebnis. DaS Verbandsorgan„Der Seemann" hatte in den beiden Jahren e l f Preßprozesse zu bestehen. Die Auflage betrug 1905: 5000 bis 5200, 1906: 0000 bis 7000, die des Scemannskalenders 5000 bezw. 6000,■ des Verbandsprotokolls 5000, des„Notschreis" 3000. Ferner wirtde» fünf Flugblätter in einer Auflage von etwa 30000 herausgegeben. Außerdem wird für Bildung und Aufklärung durch selbstgeschasfene Kolportagen und Buchhandel. Vermittelimg der Arbeiterpresse, Broschüren und Bücher gesorgt. Hamburg hat sogar Schiffsbibliotheken eingerichtet, deren Erfolg alle Erwartungen übertroffen hat. Die Hauptkasse hatte� 1905 eine Einnahme von 27 473,69 M.. eine Ausgabe voir 21 257,19 M., 1906 dagegen stand einer Ein- nähme von 110 299 M. eine Ausgabe von 101828 M. gegenüber. Die größte Zahlstelle ist Hamburg mit 5750 Mitgliedern, dann folgen Bremerhaven mit 8117, Stettin mit 1790, Flensburg mit 1224, Bremen mit 683, Rostock mit 344, Lübeck mit 196, Kiel mit 163, Danzig mit 142, Antwerpen mit 106 Mitgliedern usw. Auf der reichhaltigen Tagesordnung stehen u. a. die„Neorgani- sation deS Verbandes" und die»Taktik im wirtschaftliche» Kampfe". « Der Verbandstag wurde um 10 Uhr vormittags im Gelverk- schafiShause eröffnet. Der Verbandsvorsitzende Paul Müller wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin. daß zum ersten Male die Seeleute in dem eigenen Heim der Arbeiter tagen. Der VerbandStag trete in einem geschichtlich bedeutsamen Moment zu- sammen; vor zehn Jahre» sei in Hamburg der erste deutsche SeemannSkongreß zusammengetreteil zun»_ Zwecke, die Kräfte der Seeleute in einer Zentralorganisation zusammenzufassen. Wie im Rheinland für die Industrie, so sitze in Hamburg für Handel, Verkehr und Schiffahrt der Hort der rücksichtslosesten Reaktion; hier herrschen Könige des Kapitals gewalttätiger. als irgend ein gekrönter Potentat, gewillt und bereit. die Organisationen zu vernichten, die Arbeiter zu unter- jachen und auszubeuten. Der ewig denkwürdige Kampf von 1896/97 zab den Anstoß zur Schaffung deS Verbandest die der verderblichen Zersplitterung ein Ende bereitete. So klärte die Reaktion die rück- tändigen Massen auf und schweißte sie zusammen. Obwohl man mit Hülfe der Behörden bemüht war, den Verband im Keime zu er- sticken, ging es langsam aber sicher vorwärts. Der Verband hat sich bemüht, auf friedllchem Wege das Los der Seeleute zu bessern, ihnen Rechte und Freiheiten zu schaffen, aber die Reeder vereitelten dies. Wir haben uns damit abgefunden und zu anderen Waffen gegriffen. Den Ernst der Situation verleimen wir nicht; dem Scheinerfolg auf politischem Gebiete möchte man gar zu gern das Niederreiten der Gewerkschaften folgen lassen. Die Notwendigkeit des Verbandes wird durch seine Existenz, seine Erfolge bewiesen. Ohne ihn kein Fortschritt auf Wirtschaft- lichem Gebiet. So wie die Reeder eifrigst an ihrer Organisation bauen, so müssen wir es gleichfalls tun. Wir werden uns mit der Frage des Jndustrieverbandes, der Chinesen-(Farbigen-) Frage, der Revision der Seemannsordnung und der sonstigen seemännischen Gesetzgebung, der Reorganisation des Verbandes beschäftigen. Und wir werden diese Fragen als Männer erledigen, die sich der Ver- antwortlichkeit ihrer Aufgabe bewustt sind. Anwesend sind 23 Delegierte, fünf sonstige Verbandsfunktionäre, Schumann- Berlin für die Generalkommission und mit S ch u l tz k i- Berlin zugleich für den Verband der Transportarbeiter, Döring für den Hafcnarbeiterverband. Scheffel für die Heizer und Maschinisten, M e i n ck e für die Eisenbahner und I o ch a d e für die Internationale Transportarbeiter- Föderation. Schumann wünschte namens der Gäste, dah dieser Verbands- tag dazu beitragen möge, daß bald eine einheitlche Organisation aller verwandten Berufe zustandekomme. Nach Erledigung der üblichen Formalitäten ergänzte Paul Müller den gedruckt vorliegenden Bericht und gab eine Reihe praktischer Winke für die mündliche und schriftliche Agitation. Redner forderte den Ausbau des Beamtenwescns, nicht aus Vorliebe für das Beamtentum, sondern im Interesse der Organi- sation, und behandelte dann die Frage des Industrie- Verbandes. Hier handele es sich nicht bloß um eine Aussprache, sondern um die Fassung eines maßgebenden Beschlusses. Nachdem durch die Urabstimmung im Hafenarbeiter- Verbände die Frage auf den toten Punkt geraten gewesen, seien kürzlich in erneuten Beratungen Grundlagen für die Lösung der- selben geschaffen. Kämpfe werde es selbstverständlich auch nach Schaffung des jndustrieverbandes geben. Illusionäre Generalstreik- schwärmerei, wie sie sich zum Teil bemerkbar mache, sei nicht am Platze, man müsse auf dem rauhen Boden der Wirklichkeit bleiben. Aus dem Zusammenschlüsse würden wohl manche Schwierigkeiten erwachsen, aber die Vorteile überwögen so sehr, daß man sich als verständiger Mensch nicht dagegen sträuben dürfe. Der Vorstand empfehle folgende Resolution: „Der 5. Verbandstag des SeemannSverbandeS in Deutschland anerkennt erneut die Notwendigkeit deS immer engeren Zusammenschlusses der in, Transporlgeiverbe zu Wasser und zuLande beschäftigten Arbeiter auf streng zentralistischer Grundlage; er anerkennt auch prinzipiell die Notwendigkeit der Vereinigung der hier in Frage kommenden Berufsverbände zu einem allgemeinen, alle Berufsgruppen im TranSportge werbe zu Wasser und zu Lande umfassenden Jndustrieverband. Diese organisatorischen Notwendigkeiten ergeben sich für die Transportarbeiter zu Wasser und zu Lande auS der ständig vor sich gehenden Konzentration des Kapitals, aus der sich immer straffer und einbeiilicher vollziehenden �lokalen, nationalen und internationalen Organisation der Unternehmer in Verbindung mit einer deutlich erkenn- und merkbaren Verschärfung des Wirt- schaftlichen Kampfes, soweit insbesondere der SchiffahrtSbetricb in Frage kommt. Ungeachtet dessen erklärt der Verbandstag, daß der im Prinzip anzuerkennende Jndustrieverband nur dann die nötige Lebens- und Entwickelungsfähigkeit und Stoßkraft besitzen und praktisch betätigen kann, lvenn er den gesonderten, in der Eigenart der Berufe begründeten Interessen sowohl in der Form der Gliede- derung und des organisatorischen Auf- und Ausbaues, als auch in agitatorischer und taktischer Beziehung in hinreichendem Maße Rechnung trägt. Von dieser notwendigen Erkenntnis ausgehend, akzeptiert der Verbandstag die Grundlage, die die kartellierten Zentralvorbände in der Hamburger Konferenz vom 7. und 8. September 1906 für den Zusammenschluß der ftaglichen Verbände in einen allgemeinen Jndustrieverband gegeben haben, und ermächtigt den Zentral- vorstand auf dieser Grundlage zu weiteren Unterhandlungen— wenn solche von den übrigen Verbänden gewünscht werden— um so den Plan eines Jndustrieverbandes für alle Transportarbeiter- gruppen zu realisieren. Von der weiteren Erkenntnis ausgehend, daß der zu gründende Jndustrieverband der Transportarbeiter nur dann die in ihm ge- gesetzten Erwartungen erfüllen kann und wird, wenn er alle Gruppen der Transportarbeiter umfaßt, lehnt der S.Verbands- tag des Seemannsverbandes den vorherigen Zusammenschluß mit einem der hier in Frage kommenden zentralen Berufsverbände ab, er- mächtigt aber den Zentralvorstand, wenn auch nicht mit künstlicher Forcierung, so doch mit der erforderlichen Umsicht und zeitlichen Beschleunigung, bei dem sicher zu erwartenden Entgegenkommen der übrigen Berussverbände, die erstrebte und als unabweisbare Notwendigkeit anerkannte Schaffung deS Jndustrieverbandes auf der vorerwähnten Grundlage zu fördern, um sie baldigst zur Tat werden zu lassen." Der Verschärfung der wirtschaftlichen Kämpfe, der Vergrößerung ihres Umfanges müsse durch Zusammenfassung aller Kräfte begegnet werden. De!, Seeleuten müsse aber ihr Organ belassen werden; werde ihnen das genonimen, so werde der Lebensnerv abgeschnitten. Er halte auch die Schaffung inehrcrcr Blätter unter einer kollegialen, in allen Prinzipienfragen sich verständigenden, einheitlich arbeitenden Redaktion für recht einfach. Sollte aber der Zusammenschluß er- folgen, so müsse der Seemai,»Svcrband erst durch Umgestaltung seiner Beiträge und UnterstützungSeinrichtungen aufnahmefähig ge- macht werden. Alle anderen Organisationen hätten solche und würden sie auS Liebe zu den Seeleuten selbstverständlich nicht auf- geben. Der Zusammenschluß sei durchführbar, wenn man mit dem nötigen Ernst und Verständnis ans Werk gehe. Hamburg, 22. Oktober.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Der Verbandstag der Seeleute hat die Resolutionen über Industrie- verband und Chinesenfrage angenommen. VermilcKtes. Ein Pulvermagazin in die Luft geflogen. Die„Schlesische Volks- zeitung" meldet aus Neusalz, daß gestern nachmittag das in der Nähe der Stadt gelegene Pulvermagazin mit starkem Getöse in die Luft geflogen ist. Die Untersuchung ergab, daß auf der Schwelle des Pulvermagazins verstreut liegendes Pulver von jungen Burschen angezündet worden war. Einer von diesen ist dabei stark verletzt worden. Schiffsunfälle. Der Nebel, der in der vergangenen Nacht auf der Elbe herrschte, verursachte, wie aus Hamburg gemeldet wird, mehrere schwere Schädigungen. Mehrere Dampfer gerieten auf Grund. Die aufkommenden Danipfer„Sephora Worms" und „Thördse et Marie" kamen mit dem ebenfalls aufkommenden Dampfer „Tanger" in Kollision und kollidierten dann unter sich. Die„Tanger" und die„Sephora Worms" erlitten Beschädigungen, während die „Thöröse et Marie" bei Blankenese auf Grund geriet und sitzen blieb. Die„besonders nützlichen" Elemente. Nach einer Meldung aus Solingen fand gestern nachts in einer Wirtschaft zwischen beim Bahnbau Müngsten— Solingen beschäftigten Kroaten und Oester- reichern eine blutige Schlägerei statt. Ein österreichischer Schacht- meister wurde getötet, ein Arbeiter durch einen Revolverschuß tödlich und der Wirt schwer verletzt. Zugzusammenstoß— 18 Tote. SoSnowice, 22. Oktober. Heute vormittag fuhr hier ein Personenzug der Weichsel— Jwangoroder Eisenbahn auf einen hier stehenden Güterzug auf. Bisher sind 18 Tote gezählt. Nach weiteren Meldungen sind bei dem Eisenbahnunfall außer den achtzehn getöteten Personen zwanzig, teilweise schwer, verletzt worden._ DaS Bennetrennen der Lüste. In St. Louis begann am Montagnachmittag 4 Uhr der Ballonaufstieg zu dem internationalen Wettfliegen. Der deutsche Ballon Pommern-ErbSloeh stieg zuerst auf und segelte in nördlicher Rich- tung davon. Die übrigen acht Ballons folgten in Zwischenräumen von je 6 Minuten. Der Ballon Mac Coys wurde in der Nähe von Mount Veknon, ISO Meilen nordöstlich von St. LouiS, in östlicher Richtung fliegend gesehen. Zwei andere Ballons passierten um Mitternacht Jacksonville im Staate Illinois nördlich von St. LouiS. Die Ballons machten allem Anscheine nach eine Schwenkung von Nordost nach Osten gegen den Erie- und Ontario-See zu, so daß sie nach dem südwestlichen Kanada gelangen dürsten. Die Pest. In Dünlirchen erklärte der Hafenarzt zwei Matrosen des aus Tunis eingetroffenen Dampfers„Provencia" für pestkrank. Alle übrigen Matrosen sowie die Verlader des Schiffes wurden sofort mit Antipestserum geimpft; auch sonst wurden alle zweckmäßigen Vorsichtsmaßregeln getroffen. DaS Erdbeben in Zentralasien dauerte nach einer Mel- dung aus Samarkand mit Unterbrechungen bis 6 Uhr nach- mittags fort. Zwei turkmenische Frauen wurden durch einstürzende Häuser getötet. Die Bewohner der Stadt lagern außerhalb der Wohnungen, da sie eine Wiederholung des Erdbebens befürchten. Montagabend um lO5/, und 11 Uhr sowie gestern früh S Uhr wurden in Samarkand abermals schwache Erdbeben verspürt. Petersburger Meldung zufolge wurde Montagvormittag in Transkaspien ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt. In dem Bode» bildeten sich Riffe. Abends wurden nochmals mehrere schwächere Erdstöße wahrgenommen. Die Opfer der Ucberschwemmungrn in Spanien. Der„Jmparcial" in Madrid gibt amtlich die Zahl der bei den Ueberschwemmungen in Malaga und Umgebung ums Leben gekommenen Personen auf 102 an. Die Zeitungen melden, daß fortdauernd Wolkenbriiche und Stürme über die ganze Phrenäenhalbinsel niedergehen. Die Tele- graphenverbindungen seien unterbrochen, die Chausseen und Wege unpassierbar._ Witterungsüberstcht vom L8. Oktober 1907. Lwlucmde' 764© Hamburg! 783 SO Vcrlin 764 SO Fiai,ff.aM.i7650 München j 760 9238 Wien I767SD 2 Nebel 2btdeck» Lwolkenl 3 Nebel 2 halb bd. Ibcdeckt iparanda'77lN leU" crSburg 76l>WSW 1 bedeckt Scillh 762 W 3 wolkig Uberdeen 758 Still—wolkig Bari» 764 NW 1 halb bd. Wetter- Prognose für Mittwoch, den 23. Oktober 1907. Vorwiegend nebelig oder wolkig, am Tage etwas lühler bei Ichwache» südwestlichen Windei,; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Tie sllvin haben den Schaden davon. wenn Sie statt des echten Rathreinsrs Zttalzkastes itgenv eine minderwertige Nachahmung mit nach L)ause nehmen. Der echte„Rathreiner" hat den würzigsten, kaffeeähnlichsten Wohlgeschmack. Achten Sie deshalb beim Einkaufe genau auf die Rennzeichen des echten Rathreiners Alalzkaffee! Diese sind: Z. Das geschlossene Paket in der bekannten Ausstattung ntUBilö u. Namen d. Pfarrers Kneipp. 2. Die Firma„Aathreiners LNalzkaffee-Fabriketi". Sie ersparen sich Aerger und Enttäuschung, wenn Sie sich die angeführten Rennzeichen des echten„Ratlsreiner" fest ein- prägen und jede Nachahmung-energisch zurückweisen. Orts-Krankenkasse dtrMml. Siebmacher in ß c r 1 i n. Sonnabend, den 9. November er., abends 8 Uhr, im Lokal vo» iv<,n«.ol,lttser>, Ndalbertstr. 31: Ordentl. General-Versammluno. TageS-Ordnung: 1. Wahlen zum Vorstand(2 Arbellgeber, 2 Arbeitnehmer). 2. Verlesen der Protokolle. 3. Wahl des Auslchufscs zur Prüfung der Jahresrcchnungen pro 1307. 4. Kasscnangclcgcnhcitcn. Die Herren Zlrbcitaebcr wählen »m« Uhr. die Arbeitnehmer um 8'i, Uhr. 277/1 Nach Schluß der Wahlen findet zur Erledigung der übrigen Punkte der Tages-Ordnnng eine gemeinschasilichi Versammlung statt. Berlin, im Oktober 1907. ßvi- Voi-atan«k. S A.- Hob. Sclnuidt, Vors. teppdecken billigst direkt in der Fabrik' 7». W»,l«.tP. 7». Wo auch alt« Steppdecken aliigearbeitet werde». Bernhard Slrohinuudrl. vdrtia S 14. Jllustr. Katalog gratis. sulius Mm | Restaurant, ßranieiistp.lill � jeden Sonntag:[» Gemütl. Beisammensein und Tanz. » Cig;v,*ev en üinii ie be�te«». M�rke A;. 2 I'i«.. Ültr«.. 3 I»f0. ,K>u(lich in'«Men CiairrengeschäHen Ein Trinmpli der deutschen Zigaretten=Fabrikation! Seiowsfcy's Caruso-nZigaretten trotz unübertrefflicher Qualität und garantiert feinster Handarbeit nur 3 Pf« per Stüek! Achtung! Achtung! Irnsvalde-Friedeiierg! Arbeiter, Handwerker, Parteigenossen, sowie alle hier arbeitenden und wohnenden 3auhandwerher ans dem Kreise! Mittwoch, den 83. Oktober 1907, abends 8Va Uhr» OeffentHehe Versammlung bei ßoeker, Bieberstr. 17: Da wichtige Kreisangelegenheiten zur Erörterung gelangen sollen, ist jedermann verpflichtet, zu erscheinen und sür die Versammlung zu agitiere, 1 293/12_ I. ST.: Emil Raiiach, Goijlerstr. 30. WS! Mechaniker. WS Nm Donnerstag, den Ä4. Oktober, abends 8'/- Uhr, findet im Gewerkschaftshause, Engel-Ilfcr 18, Saal 8. eine Besprechung sämtlicher Delegierten der Orts' Krankenkasse der Mechaniker statt, wozu auch die Vcr-traucnSleute der betreffenden Betriebe eingeladen sind.— Mitgliedsbuch legitimiert. 154/13* Der Einberufcr: 14. Gut, ob». Achtung! 3A£|tiS6Mei% Achtung! Sonntag, den 27. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Boeker, ZBeberstr. 17: Krancken-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Der Spruch deS Einlgung-ZanitcS und die Zugeständnisse der Unter- nehmer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 96/9 Kollegen! Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht, daß jeder einzelne in der Versammlung erscheint l —— Mitgliedsbuch legitimiert.—— Die Branchenkommission« Geffentliche Versammlung sämtlicher Gast- und Schankwirte von Adlershof und Umgegend am Freitag, den SS. Oktober 1997, nachmittags 3 lthr, im Lokale des Herrn liUImc, Bisinarckstrastr 80. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Litfiii-Berlii, über Bier- und KonzesstonS. steuer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 70/29» In, Interesse sämtlicher Kollegen ist eS notwendig, die Versammlung zu besuchen. Der Einbcruker- Dritter Wahlkreis. Sonntag, den S?. Oktober, abends 6 Uhr, im großen Saale der Neuen Armiuhallen (Gebr. Mielitz), Kommandanteustrahe Nr. 58/59: Oeffentliche Versammlung für Männer und Fronen. Tagcs-Ordnung: 211/20* Bortrag des Redakteurs Genoffcn Kleinried Ltrübel über: „Unser Kamps gegen Volksentrechtnng u. Volksansbentttttg." Nach der Versammlung: GeMÜtttcKeS LeilaMMenfeM. Eintritt inkl. Garderobe Pf.— Tanz frei. Zahlreiches Erscheinen der Genossen crivartet vor VarntauS. Verbanä cker Alaler, Saeklerer, Unstreieher Melchiorstraße 28. MiSlS SeVUll. Fernspr. Amt 4. Nr. 4787. Donnerstag, den 24. Oktober 1907, abends 8 Uhr: - VersaminIunU in„Driisels Festsälen", Neue Friedrichstr. 35. TageS-Ordnung: t. Der Zusammenschluß der Arbeitgeberverbände für das Malergewerbe Deutschlands in Hannover. Referent: Kollege.TallodoU. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Delegierten der GcwerkjchastSkommissio». 4. Abrechnung vom 3. Quartal 1907. S. VcrbandSangelegenheiten. Degen der Wichtigkeit der TageS-Ordnung erwarten wir, daß jeder Kollege erscheint. 126/3* Die Ortsverwaltung. Wir machen unsere Kollegen darauf aufmerksam, daß wegen der Zahlabcnde unsere Ver- fammlung nicht ausfallen kann, wir aber auch daS Thema der Zahlabende mitbehandeln werden. � D. O. «hi fiBiwriiialrtiterlis! sai Donnerstag, den 24. Oktober, abends 8 Uhr: Oeffentl. Versammlung: im„Neuen Klnbhanse", Kon«lianda»ltenstratze 72. TageS-Ordnung: Das Ultimatum der Flieseugeschäfte bezüglich der Anerkennung ihrer uns pra« sentierten Lohn- und Arbeitsbedingungen, und welche Antwort geben die Fliesenleger und Hülfsarbeiter Berlins darauf? 298/14* Kollegen! Erscheint in dieser Versammlung Mann für Mann, denn sie hat zu entscheiden. welche Schritte gegen das jetzige Vorgehen der Unternehmer unsererseits zu tun sind. _ Die Tarifkoinniission. I. A.: Herrn. Puttlitz. AiMnW in Mmn MnWmiis Zweigverein Berlin. Werte Kollegen! Die für Donnerstag, den 24. Oktober geplanten Agitationsdersammlungen fallen infolge des Extrazahlabends aus; ebenso die für die Sektion der Gips- und Zement- branche festgesetzte Bezirksversammlung für Oranienburger Vorstadt. 210/11 Die Verbandsleitung. NitglZevon d Genossenschaftsbrauerei in Friedriohshagen Scute Mittwoch, den S3. Oktober, nachm. 4 Uhr, bei Bube in Friedrichsfelde, Prinzen- Allee 30: Galiisirtk! Aiis/crardentlilhe General-Nerslimmliiiig. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Slatutenberatung. Da diese für alle Genossenschaster sehr wichtige Versammlung im.Freien Gastwirt- nicht annonciert wurde, auch die Einladungskarten erst Montag abend mit der letzten Post eintrafen, so ist es Pflicht aller Genossenschafter, pünktlich in dieser Versammlung zu erscheinen. Fahrgelegenheit: Linien 69 und 70 der elektrischen Straßenbahn bis Ecke Luisenstrage oder mit der Stadtbahn bis Bahnhos Lichtenberg-Friedrichsselde. 816b I. A. mehrerer Interessenten: Franz Gchnldt, Putbuserstr. 25. SM am Gardasee Italien sRiviera Höfel-Pension Villa Jalkyone" früheres Heim des Dichters Otto Erich Hartleben. Vornehme Familienpension. Pensionspreis von 7 Lire an. Prachtvoller groBer Garten. MANN UETZ LEIPZIGER STRASSE Diese Woche, oowe» vor« ALEXANDERPLATZ Besonders preiswertes Lebensmittel- Angebot Ronserven. 'h Do«« h 000« Stangenspargel I40 75... Stangenspargel-«...-°. I25 68 p, Riesen- Bruchspargel 1" 64». Bruchspargel„w....»»»„«>... 1°° 'I, Doto h 000» Ananas-Erdbeeren 88 pr. Walderdbeeren... 105 58 pt Sauerkirschen 90 60 pr. Sauerkirschen«L, 63 37 pt 'U Oos»'Ii OOM Bruchspargel I 55 33 p». Spinat........... 38 24 p». Pfefferlinge...... 40 26?,. Preisseibeeren... 65?,. Wild und Geflügel Prima Hasen............. 3°° Prima starke Hasen 325 Rebhühner �................... I35 Fasanenhähne.,.�«..2� Fasanenhennen.,«*•. I85 Wildenten.......... 150200 Hirschwild RQcken Pr. Oderbr. Fettgänse 65 Junge Brathühner v.n 90« Pr. Suppenhühner l75« Ragout Keul« Blatt Pfund Pa. Räucherlachs ÖQ pf ■ tanz. Selten nn In StUcken nc ofrl Pfund pr Pfund«3 Pf- Htd" Fleischwaren Ein grosser Posten Guatemalakaffee TQp, Frühstücks-Tee gebrannt, kräftige, relnschm. Qual. Pfd.■—— voraOgliche Qualität....... Pfund pft r so Ein grosser Posten 50 40 Pt Frisches Obst ff. Tafeläpfel..... p?.. 35 p«. 50 p.. ff. Tafelbirnen.... Prima Kochäpfel. Prima Kochbirnen Tafelfeigen«...h«... 28p.. Maronen pr.......... 15 p.. 3 Pfd. 35 6i 45 Pf. Pfd. 60 Pf. Pfd, Pf. Pfd 10 80 Pfd. Pf. Pf, Pfd. 80 Pf. 45 Paranüsse pfd....... 65 Pf. Gitronen Dt«i..... 25 35 pf. Prima Ananas?». 68 pr. Kolonialwaren Reis Pia. 16 21 23 32 Pt bei 5 m Erbsen Prima geschalt..... Pia. 1 8 Pt 17 PI. Erbsen Viktoria Mgesehut.. Pia. 1 7 Pt 1 6 Pt Erbsen gnu»............ Pia. 1 6 Pt 1 5 pl Bohnen lange........... ml 8 Pt 1 7 Pt Bohnen kleine........... Pia. 15Pt 14Pt Linsen grosse........... pm. 36 pl 35 Pt. Linsen mittel............ Pia. 28 Pt 26 Pt Eiergraupen ÄenÄÄ 34 Pt.33 Pt Schnitt-Bandnudeln... Pia. 34 Pt 33 Pt Maccaroni............ Pia. 34 Pt 33 Pt Schnitt-Bandnudeln la. Pia. 46 Pt 45 Pt Verantwortlicher Redakteur: SanS Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Tl). Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 248. 24. Jahrgang. 2. Stilnje te.Imiiltts" Srtlintt UcksdlM Mittlvoch, 23. Oktober t907. Nn Sie Ashlvereinsmitglietler Srok-Kerlinz! Parteigenossen I Der Ausschuß der Berliner Gewerkschafts- kommission, welcher einstimmig beschlossen hat, die Firma A. Jandorf u. Co. in Berlin zu boykottieren, ist mit dem Ersuchen an uns herangetreten, diesem Beschlüsse gleichfalls zuzustimmen und den Boykott über die genannte Firma auch seitens der Partei zu verhängen. Wir sind uns in der gestrigen Sitzung nach eingehendster Debatte einig geworden, diesen Antrag einem oder sich als antifreisinnig empfehlen, das ändert nichts an der Gemeingefährlichkeil ihres kommunalen Wirkens. Möge die Wähler- schaft dritter Abteilung am S. November überall in Berlin den Schützern des Hausagrariertums. den Frei- sinnigen und den Konservativen, die verdiente Niederlage bereiten. it Extra-Zahlabend zur endgültigen Beschlußfassung zu unterbreiten und die Annahme des Boykotts zu empfehlen. Bei der Dringlichkeit der Angelegenhe berufen wir die Zusammenkünfte für Groß-Bcrlin auf Donnerstag, den 34. Oktober abends zu den üblichen Stunden hiermit ein. Informierendes Material wird seitens des Verbandsbureaus am Mittwoch versandt und ist von M i t t» wochabend an auf den Stellen in Empfang zu nehmen, welche das Mitteilungsblatt erhalten. Wir ersuchen die Leiter der Zahlabende, dafür Sorge zu tragen, daß die Lokale, in welchen der regelmäßige Zahlabend sonst abgehalten wird, am 24. Oktober zur Vcr- fügung stehen, von den organisierten Genossen Groß-Berlins aber erwarten wir, daß sie sich M a n n f ü r M a n n an der Beschlußfassung beteiligen. Berlin, den 21. Oktober 1907. Mit Parteiaruß: Der Zentral- Borstand. Zur Komnmnalwahlbcwcpng. Die sozialdemokratischen Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl sind nunmehr in allen zur Wahl stehenden Bezirken der 3. Abteilung aufgestellt. Es kandidieren im 4. Kommunal-Wahlbezirk: Stadtv. Dr. Alfred Bernstein. 9.... Dr. Alfred Bernstein. 10.».. Gottfried Schulz. 11.»-- Wilh. Weigt. 13.--- Fritz Zubeil. 22.»-- Robert WengelS. 23.-»- Emil Basner. 29.-. Kaufmann Jonas Stahl. 32... Stadtv. Dr. Wehl. 34.--- Theodor Fischer. 35.--- Wilh. Pfannkuch. 36»••• Karl Leid. 41.»- Töpfer Richard Babiel. 44.-» Stadtv. Theodor Glocke. 45.»»» Dr. Karl Liebknecht. 48.»-' Emannel Wurm. Im 44. Kolmnunalwahlbezirk, der ein Teil von Moabit ist und die Sta dtbezirke 293 bis 29S umfaßt, hatten unsere Genossen am Montag in der Moabiter Brauerei rrntrechtung". 1 Die Genossen des dritten Kreises werden ersucht, recht zahlreich mit ihren Angehörigen in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einberufer. Rixdorf! Der Extra-Zahlabend findet in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk bei Schäfer, Kottbuser Damm 193. 2. Bezirk bei Z i b e l l, Reuterstr. 62; Schmidt, Friedelstr. 44. 3. Bezirk bei Kaiser, Pfliigerstr. 19; Kutsch, Pannierstr. 59. 4. Bezirk bei Hagen. Hansastr. 16; Schüttler, Wcichsclstr. 5. 5. Bezirk bei Bernerdt, Kaiser Fricdrichsir. 262; Z e m k u s, Elbestr. 8. 6. Beziek. a, b, o im Feldschlößchen, Elsenstr. 75; c, d, f bei Thiel, Bergstr. 152. 7. und 17. Bezirk bei Thiel, Bergstr. 152. 8. und 10. Bezirk bei Wollbrandt, Kirchhof-, Ecke Wippcrstraße. 9. Bezirk bei Ceukl, Kaiser Fricdrichstr. 86. 11.. 12.. 13. Bezirk bei F e l s ch, Kuesebeckstr. 49. 14.. 16., 13. Bezirk bei Hoppe, Hermannstr. 49. 19. und 20. Bezirk bei H e i k h a u s sKarlSgarten). Der zu Donnerstag, abends 8>/z Uhr, angesetzte Vortragskursus üb« den„Bau des Wcltcusystem?" von Bruno Borchardt fällt aus. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß für das am Sonm abend, den 26. Oktober, abends 8'/z Uhr, stattfindende Herbstfest sich jeder rechtzeitig mit Billetts versehen soll, da ein öffeutlicher Ver- kauf an der Kasse nicht stattfindet. Am 3. November findet auf Verlangen der Mitglieder eine nochmalige Wiederholung der Theater- Vorstellung«Die Kreuzclschreiber" im Rixdorf« Theater statt. Die Ausgabe der Billetts hierzu erfolgt am Extra-Zahlabend durch die Bezirkssührer. Der Vorstand. Charlottenbnrg. Wir machen die Parteigenossen darauf auf- merksam. daß der Extra-Zahlabend für Charlottenburg heute Mittwoch stattfindet. Bei der wichtigen Tagesordnung ist eS Ehrenpflicht eines jeden Parteigenossen, den Zahlabend pünkt- lich zu besuchen. Für den Bezirk Illd(Kietzl findet der Zahlabend nicht bei Krull, sondern bei L a h m a n n, Tauroggenerstraße 10, statt. Der Vorstand. Stralau. Der Extra-Zahlabend am morgigen Donnerstag findet im Restaurant Lönke, Alt-Stralan 5, statt. Die Genossen aus beiden Bezirken werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Treptow-Bauinschuleiiweg. Parteigenossen I Auch in unserem Ort finden morgen die Extra-Zahlabende statt und ersuchen wir um rege Beteiligung._ Der Vorstand. ßcvlmcv JMacbricbten. Aus dem Reiche der Schulpolizci. Vor mehreren Monaten teilten wir mit, daß die Schulpolize der Stadt Berlin, die dem Oberbürgermeister untersteht, schweres Ungemach über einen Mann gebracht habe, indem sie gegen ihn irrtümlich eine SchulversäumniSstrafe festsetzte. Einem Arbeiter Ernst Schmidt, dessen einziger Suhu bereits 32 Jahre alt war, brummte sie im Herbst vorigen Jahres eine Strafe von 4 M. auf, weil sein Sohn„ohne genügenden Grund der Schule ferngeblieben" sei. Es handelte sich um eine Verwechselung mit einem Schlosser August Schmidt, dessen Sohn den Schulunterricht versäumt hatte. Herr Ernst Schmidt gab die ihm übersandte Straf- Verfügung der Schulpolizei an die Post zurück und erklärte, sie sei nicht für ihn bestimmt. Der etwas unbeholfene Mann meinte, das gc- nüge. Infolge einer Verkettung der Umstände, die noch immer nicht aufgeklärt ist, kam nun das Amtsgericht Berlin-Mitte in die Lage, über die Strafverfiigung zu eutscheiden und sie zu bestätigen. Herr Ernst Schmidt versichert, er selber habe niemals richterliche Ent- scheiduug beantragt. Er legte die ihm zugegangene Vorladung zum Termin kopfschüttelnd beiseite, weil er den Ernst der Sache nicht begriff. Der Angeklagte, d. h. der vorgeladene, gänzlich un- schuldige E r n st Schmidt, wurde dann im Februar dieses Jahres von der Schöffenabteiluug 144 in seiner Abwesenheit zu 4 Mark Strafe verurteilt.� Dem Vollziehuugsbeantten, der ihm ins Haus kam, um die 4 M. einzukassieren oder zu pfänden, erklärte er, er sei unschuldig. Der Pfändungsversuch war fruchtlos, und schließlich wurde dann Sch. im Mai von der Polizei trotz Protest nach der Stadtvogtei gebracht, wo er zwei Tage absitzen mußte. Als er wieder herauskam, war die Bauwächterstelle, die er gehabt hatte, anderweitig besetzt. Am Montag stand nun derselbe Schmidt vor den Schöffen der- selben Abteilung 144, die ihn im Februar zu 4 Mark beziehungs- weise 2 Tagen verurteilt hatte. Die Amtsanwaltschaft selber hätte iederaufnahme des Verfahrens beantragt. Herr Ernst Schmidt wurde ohne viel Federlesen freigesprochen, wie er acht Mo- nate vorher ohne viel Federlesen verurteilt worden war. Als ch. am Montag seinem berechtigten Grimm über das ihm widerfahrene Unrecht Luft machen wollte, wehrte der Vorsitzende ab:„Ja, ja, es war eine Verwechselung." Dem Angeklagten stand jetzt ein Verteidiger in der Person des Rechtsanwalts Dr. Kurt Rosenfeld zur Seite. Dr. Rosen- seid beantragte, daß dem selbstverständlich freizusprechenden An- geklagten, der für die unschuldig erlittene Strafe die ihm zustehende Entschädigung erhalten müsse, auch die Kosten der Verteidigung er- setzt würden. Die irrtümliche Verurteilung samt der schlicßlichcn Vollstreckung sei nicht durch den Angeklagten selber verschuldet worden. Dieser habe in seiner Uubeholfenheit keinen Weg sehen können, den er hätte gehen müssen, um die Verhängnis- vollen Folgen des von der Behörde ver- schuldeten Irrtums zu verhüten. Dr. Rosenfeld stellte übrigens fest, daß nicht mal die Wiederaufnahme des Ver- fahrens zustande gekommen wäre, wenn nicht im Juli der„Vorwärts" von der ganzen Affäre Kenntnis erhalten und sie dem Urteil der Ocffentlichkeit unterbreitet hätte. Schmidt hatte Ende Mai, nachdem er seine zwei Tage abgeseffcn hatte, dem Gericht eine Zuschrift übersandt, in der er um gerechte Untersuchung und um Ersatz seines Schadens bat. Das Gericht ließ ihm eröffnen, er habe durch eigene grobe Fahrlässigkeit seine Verurteilung und die Strafvollstreckung verschuldet. Sein Antrag ans Entschädigung werde abzuweisen sein, und auch Wiederaufnahme des Ver- 'ahre ns sei unzulässig. Hinterher erhielt daS Gericht durch die städtische Polizciverwaltung Kenntnis von dem Artikel des „Vorwärts". Jetzt sah man sich die Sache genauer an. und es kam� zn einem A n t r a g des Amtsanwalts auf Wieder- aufnähme, dem das Gericht stattgeben mußte. Das Urteil im Wiederausitahmeverfahren lautete, wie schon gesagt, auf Freisprechung. Die Kosten wurden der Staatskasse auserlegt, doch wurde der Antrag, auch die durch die Verteidigung erwachsenen Kosten� durch die Staatskasse zu decken, abgelehnt. Nun wartet der Freigesprochene noch auf die Entschädigung für die unschuldig ver- büßte Haft. Wir sind neugierig, was da herauskommen wird. Für uns ist die Angelegenheit mit diesem Urteil nicht erledigt.! Sie bedarf noch immer der Aufklärung, die in der Gerichtsver-' Handlung nicht herbeigeführt werden konnte. Noch immer ist dunkel. wie der falsche Schmidt überhaupt in die Akten der Schulpolizei hineingelangt ist. Will nicht die Schulpolizei unserer Stadt sich öffentlich hier- über äußern? Fühlt sie nicht das Bedürfnis, den Ver- dacht zu entkräften, der auf der zuständigen Schulkommission ruht? Auch das bedarf noch der Aufklärung, welche Rolle in dieser Affäre der Rektor Kähler gespielt hat. Herr Kühler leitet die 203. Gemcindeschule lGothenburgerstraße, an der Prinzen-Allee), zu deren Schülern der säumige Knabe, der Sohn des Herrn August Schmidt, gehörte. Rektor Kähler war damals gegen Herrn Ernst Schmidt als Zeuge geladen, um zu bekunden, daß der Sohn des Angeklagten Ernst Schmidt„ohne genügenden Grund der Schule fern geblieben" sei. Hat Herr Kähler das bekundet? Der Schwemmsand der Spree macht sich in dem oberen Fluß- laufe recht unangenehm bemerkbar. Bei jedem Hochwasser bringt die Spree au? dem Gebirge große Saudmassen mit, die sich in dein Flußbette ablagern und dieses allmählich versanden. Ans der mittleren und unteren Spree sind Jahr für Jahr Bagger tätig, um die Schiffahrtsstraße fahrbar zu erhalten, dennoch ist es nicht immer möglich, bei verringertem Wasserstande Störungen für den Schiffs- verkehr zu vermeiden. Obwohl in diesem Jahre der Wasserstand der Spree kein ungewöhnlich niedriger war, ist es doch mehr- fach vorgekommen, daß große Frachtdampfer und Zillen auf Sandbänke geraten sind. Allerdings sind sofort Maßnahmen ge- troffen worden, um eine Vertiefung des Flußbettes, das vom Müggelsee aufwärts stellenweise sehr schmal ist, herbeizuführen. Be- sonders unangenehm fühlbar macht sich die Versandung der Spree in den. Kanälen des Spreewaldes. Durch die Ablagerungen aus dem Frühjahr sind die Wafferläufe derartig verflacht, daß die Kanäle nicht genügen, die Waffermaffen zu fassen und obwohl der Zufluß anS dem Öucllgebiet der Spree nur wenig über normal ist, sind die Fluten doch ans ihren Ufern getreten und haben weite Gebiete des SpreewaldeS überschwemmt, der einem gewaltigen, sich bis zur Görlitz« Bahn hin erstreckenden See gleicht. Durch den vorzeitigen Austritt der Kanäle ist die letzte Viehfutterernte im Spreewald ver- nichtct worden._ Die Verwalterin des MädchenheimS als Drfraudantin. Nach Unterschlagung von 500 Mark ist die Verwalterin Anita Dehn, die in einem Mädchenheim angestellt war, verschwunden. Die Stellung, die die D. inne hatte, war ein Vertrauensposten. Durch ihre Hände gingen recht beträchtliche Summen. Am vergangenen Sonnabend verschwand die Verwalterin plötzlich und da sie sich bis zum gestrigen Dienstag nicht wieder einstellte, schöpfte man Verdacht und revidierte die Bücher. Es stellte sich nun heraus, daß die D. Unier- schlagungen in Höhe von 600 Mark verübt hatte. Vermutlich Hai die Flüchtige der Reichshauptstadt den Rücken gewandt. Von einem angcschosicnrn Keiler zerfleischt. Ein blutiget Zwischenfall hat sich bei einer Saujagd in der Nähe von Freien- walde abgespielt. Mehrere Berliner Jäger hatten in den dortigen Waldungen eine Jagd nach Wildschweinen abgehalten. Unter dem Wildbestande des Jagdreviers befand sich auch ein stattlicher Keiler. der am Sonntag, am Tage vor der Jagd angeschossen worden war. Am Montag wollte ihm nun einer der Jagdteilnehmer mit einem Genickfänger den Gnadenstoß geben. DaS gereizte Tier ging jedoch aus den Jäger los und zerfleischte ihm mit den Hauern die Beine bis zum Oberschenkel. Auch die Arme wurden dem Angegriffenen von dem schwarzen Borstentiere arg zugerichtet. Wären nicht im Augenblick der höchsten Gefahr andere Teilnehmer an der Jagd hinzugesprungen, so hätte der Keiler sein Opfer vollkommen zerfleischt. Der Schwerverletzte wurde in das städtische Krankenhaus in Freien- walde eingeliefert. Große Aufregung rief am Montagabend am Tempelhofer Ufer der Selbstmordversuch einer lebensmüden Frau hervor. Die 30 Jahre alte Ehefrau Rosa W. aus der Amsterdamerstraße 24 war fortgesetzt am Ufer hin- und hergelaufen, wobei sie wirre Reden führte. Aus dem Selbstgespräch konnte man entnehmen, daß sie nach ihrem Manne, der nicht nach der Wohnung zurückgekehrt sei. suche. Plötzlich schwang sie sich über das Geländer hinweg und stürzte sich in den Kanal hinab. Paffanten, die den Borgang mit angesehen, machten sofort den Rettungskahn flott und ruderten nach der Stelle, wo die Selbstmörderin bereits untergesunken war. Nach längeren Bemühungen gelang es denn auch, die Lebensmüde in den Kahn zu ziehen. In belvnßtlosem Zustande wurde sie in das Krankenhaus am Urban gebracht. Die Leiche einer Unbekannten ist gestern aus dem Landwehr- kanal gelandet worden. In der Nähe der neuen Schleuse wurde die Tote ans Ufer geschwemmt und geborgen. ES handelt sich um eine etwa 25 Jahre alte Frauensperson, über deren Persönlichkeit nichts festgestellt werden konnte. Die Leiche wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhause gebracht. Warnung. Der Polizeipräsident teilt mit: In hiesigen und auswärtigen Zeitungen werden in letzter Zeit gegen Menstrnations- störungen und Blutstockungen der Frauen sogenannte„MenstruationS- tropfen Regina" empfohlen. Die Tropfen bestehen angeblich aus einem destillierten Auszug anS Zimt, Baldrian, Nelken, Alkohol und Waffer. Ein besonderer Wert in der angepriesenen Weise ist ihnen nicht beizumessen. Da der Inhalt der für 3,50 M. angebotenen Flasche einen wirklichen Wert von höchstens 1 M. hat, wird vor dem Ankauf dieses Mittels. daS ebenso wie andere unter verschiedenen Bezeichnungen(„Geisha",„Femina",„Glück aus".„Mimosa", Minerva",„Ohne Sorge" usw.) angebotene MenstrnationSpulvcr nur auf die Ausbeutung leichtgläubiger Frauen berechnet ist, gewarnt. Der Polizeisäbel im Polizeibureau. In der Nacht von Montag zu DienZtag wurde der Bauwächter Albert Lahn aus der Berliner« straße in Tempelhof ans irgendeinem Anlaß von dem Neubau Warthestr.57. den erjbcwachte, nach dem 5. Polizeirevier in Rixdorf sisticrt. Auf der Wache soll L., einer Lokalkorresponoenz zufolge, über einen Beamten hergefallen sein und ihn mit der Faust ins Gesicht ge- schlagen und schließlich in den Finger gebissen haben. Darauf trat der Polizeisäbel in Funktion und der Bauwächter erhielt mehrere Hiebe über den Kopf. Stark blutend mußte der Mann nach der Unfallstation gebracht und hier verbunden werden. Inwieweit diese Darstellung, die sehr gefärbt zu sein scheint, richtig ist, können wir nicht feststellen. In der Versammlung in der Neuen Welt am 21. d. M. sind zwei Damenschirme und ein Stock gefunden worden. Die Gegenstände können vom Berliner Verbandsbureau, Lindenstr. 69. 3. Hof links 3 Tr. abgeholt werden. Wer ist der Tote? Am 8. Oktober abends gegen 9 Uhr wurde ein unbekannter Mann in dem Ausschachtungskaiial am Verlorenen Weg, Ecke Thornerftraße, in SesinmingSlosem Zustande aufgefunden und nach, dem Krankenhanse am Friedrichshnin geschafft, wo er am 10. starb. Der Mann, welcher anscheinend dem Arbeitcrstande an- gehörte, ist etwa 60 Jahre alt, 1,67 Meter groß, hat graumeliertes Haar, grauen Schnurrbart und war mit schwarzem steifen Hut. chwarzcm abgetragenen Anzüge und Halbschuhen bekleidet. ES wurde bei ihm ein Zettel mit der Aufschrift vorgefunden: HülfS- bedürftiger Hermann Frost— 4825— i es ist zu vermuten, daß der' Mann so heißt. Personen, wclckie über die Persönlichkeit de? nn- bekannten Mannes Auskunft geben können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier schriftlich oder mündlich zn den Akten 8093 IV 41. 07 sssitznteilen. Mordversuch auf bem Kirchhofe. Gin blutiges Eifersuchtsdrama hat sich gestern abend in der Dämmerstunde auf dem Schöneberger Gemeindefriedhof an der Maxstratze abgespielt. Am Grabe ihres geschiedenen Mannes, des Bureauvorstehers Ehring, versuchte die 4Sjährige Ehefrau Mar- garete Ehring die spätere Frau ihres Mannes, die um zehn Jahre jüngere Anna Ehring, zu erschietzen. Sie brachte ihr eine lebensgefährliche Schußwunde an der Stirn bei. Eifersucht und gekränktes Ehrgefühl waren die Motive zu der Tragödie. Vor etwa 25 Jahren heiratete der Bureauvorsteher Ehring seine erste Frau. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. In den letzten Jahren seines Lebens war E. bei einem hiesigen Rechtsanwalt H. als Bureauvorsteher tätig. Vor 20 Jahren lernte er seine spätere Frau kennen. Er trat, trotzdem er Frau und Kinder daheim hatte, zu ihr in nähere Beziehung und das Verhältnis gestaltete sich schließlich derartig, daß sich E. von Frau und Kindern trennte und mit der Geliebten zusammenlebte. Im Sommer vorigen Jahres wurde die Ehescheidung zwischen dem Ehepaare herbei geführt. Während die geschiedene Frau mit ihren Kindern zu sammenwohnte, zog E. mit der Geliebten nach der Neuen Winter feldtstraße 2. Ein halbes Jahr später ging er dann mit ihr die Ehe ein. Einige Monate darauf starb er und wurde auf dem Schönebetger Friedhof beigesetzt. Gestern abend wohnte Frau Mar garete Ehring der Beisetzung eines Verwandten auf dem Schöne berger Friedhof bei. Als die Beerdigung zu Ende war, suchte sie noch einmal das Grab ihres früheren Mannes aus. Als sie einige Schritte von dem Hügel entfernt war, bemerkte sie ihre Rivalin, die zur gleichen Zeit das Grab ihres verstorbenen Mannes besucht hatte. Lautlos zog sie eine Schußwaffe unter ihrem Mantel hervor, und ehe eS der Bedrohten möglich war, sich in Sicherheit zu bringen, krachte ein Schuß. Die Kugel drang der jungen Witwe in die Stirn. Am Grabe ihres Mannes sank die Getroffene be- sinnungslos zusammen. Sie erhob sich nach einigen Minuten und lief davon, sie brach jedoch bald wieder zusammen. In einer Droschke wurde sie sofort nach der Unfallstation in der Herbert- straße gebracht. Die Kugel konnte dort jedoch nicht entfernt werden. Sie sitzt tief in der Stirn fest. Nach Anlegung von Not- verbänden wurde_die Schwerverletzte in das Schöneberger Kranken- haus eingeliefert. Die Täterin wurde nach dem Bureau der Friedhofsverwaltung gebracht und dort durch die hinzugerufcne Polizei vernommen. Bei ihrer Vernehmung bedauerte sie, daß sie nicht besser getroffen habe. 20 Jahre hindurch habe ihr die Rivalin Kummer und Sorgen bereitet. Mehr als den Kopf könne es ja nicht kosten, meinte sie. Sie wurde ebenfalls in einer Droschke noch dem Polizeipräsidium übergeführt. Auch dort bereute sie bei ihrer Vernehmung nicht ihre Tat. Feucrwrhrbericht. Montagnachmittag um 3 Uhr und abends um 12'/� Uhr wurde die Feuerwehr böswilligerweise nach dem Görlitzer Ufer alarmiert. Leider ist es nicht gelungen, die Täter zu ermitteln. Gestern früh mußte in der Naunynstr. 88 ein Brand gelöscht werden, der in einem Kohlenkeller durch Selbstentzündung von zu dicht ge- stapelten Preßkohlen ausgekommen war. Der 8. Zug hatte in der Reichenbergerstr. 121 zu tun, wo ein Keller in Flammen stand. In der Ädalbertsir. 96 mußte ein Wohnungsbrand und in der Brüsseler straße 3 ein Küchenbrand gelöscht werden. Vorort- JVacfmcbten. Schöneberg. Der Stadtverordnetenversammlung am letzten Montag lag folgender Antrag der liberalen Fraktion vor: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat: 1. Der Versammlung eine Vorlage zu unterbreiten betreffend die Erweiterung des bestehenden oder die Einrichtung eines zweiten städtischen Friedhofes: 2. das Projekt eines städtischen Krematorium? nebst Urnenhalle auszuarbeiten und der Stadtverordnetenversammlung zur Veautachtung vorzulegen: 3. in Gemeinschaft mit der Stadtverordnetenversammlung die königl. Staatsregierung zu ersuchen, sie wolle ihren grundsätzlichen Widerstand gegen die Feuerbestattung in Preußen auf geben; 4. der Stadtverordneten- Versammlung baldmöglichst eine Denkschrift darüber vorzulegen, ob und in welchem Umfange eine Uebernahme des VestattungswesenS in städtische Regie angebracht ist. Stadtv. Dr. Voßberg(Lib.) begründete den Antrag. Er weist darauf hin. daß der jetzige Friedhof höchstens noch l'/z Jahre ausreiche. Es sei Sache der Stadt, an die Errichtung eines weiteren städtischen Friedhofes heranzugehen und eS nicht der Kirche zu über lassen, einen Friedhof zu schaffen, denn für letztere bedeute der Friedhof nur eine fette Pfründe. Weiter ist es Pflicht der städtischen Körperschaften, die Regierung von ihrem Standpunkt betreffend die Feuerbestattung zu verdrängen, zumal bereits in elf Staaten Deutschlands die Feuerbestattung gestattet sei. Auch betreffs der Uebernahme des BestattungslvesenS in eigene Regie verlange der Antrag nichts Neues. In der großen Mehrzahl der Städte m der Schweiz sei die Unentgeltlichkeit bereits eingeführt. Redner be fürchtet nur, daß das in Preußen nicht möglich fei, wahrscheinlich würden dadurch alle Bürger ihr Wahlrecht verlieren. Redner empfiehlt die einstimmige Annahme der Anträge. Stadtv. H o f f m a n n(Soz.) erwartet von der Versammlung, daß sie den Anträgen zustimmt. Die Stadt sei moralisch verpflichtet, Friedhöfe selbst zu errichten und dies nicht der Kirche zu überlassen. Nur auf einem städtischen Friedhof kann den verschtedencn Kon- fessionen Rechnung getragen werden. Die Bestattung auf kirchlichen Friedhöfen bringe viel Unannehmlichkeiten, wofür Redner einige Beispiele liefert. Bezüglich der drei letzten Punkte des Antrages hat es den Anschein, als ob bei den Liberalen doch eine Leisetretcrei vorherrschend sei. Die Sozialdemokratie habe bereits mehrere Male die Unentgeltlichkeit des Bestattungswesens beantragt, die Anträge seien aber stets abgelehnt worden. Der Unentgeltlichkeit könne nie- mals der Stempel der Armenunterstutzung aufgedrückt werden. Redner bezweifelt, daß die Liberalen für die Durchführung ihres Antrages sorgen werden, wenn eine derartige Vorlage kommt. Schon heute haben wir eine große Reihe von Städten, wo neun Zehntel Liberale in den Parlamenten sitzen, wo aber noch nichts in dieser Beziehung geschehen sei. Stadlv. Bartelt empfiehlt die sofortige Annahme der Anträge ohne AuSschnßbcratung. Stadtv. K ü t e r(Toz.) schließt sich den Ausführungen des Vor-. rednerS an. Die Mehrheit könne den Anträgen getrost zilstimmen, denn die Sache kostet ja nichts. Bor den Wahlen sei das jedenfalls der beste Weg. Uebcrhaupt scheine ihm der ganze Antrag nur lediglich im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen gestellt zu sein. WaS nützt denn eine Petition an die Regierung, ihren Widerstand gegen die Feuerbestattung aufzugeben. Die Regierung werde sich nicht in Gegensatz zur Kirche stellen, die ja ein Gegner der Feuerbestattung sei. Auch der Landtag stehe in dieser Beziehung hinter der Regierung, baS beweise die Auslieferung der Schule au die Kirche. Wer sitzt demr nun im Landlage? Wer für die Durch- führung des Antrages fei, muß vor allen Dingen den Kampf gegen das bestehende LandtagSwahlrccht aufnehmeil. Aber hier weichen die Liberalen mutig zurück. Stadtv. Dr. Voßberg(Liv.) wendet sich gegen die von sozial- demokratischer Seite angeführten Argumente, als wäre der Antrag nur zu agitatorischen Zlvcckeii für die Stadtverordnctenwahlcn gestellt. Seiner Meinung nach spreche ans den Ausführungen der sozial- demolratischen Redner der Neid der besitzlosen Klassen. Die Sozialdeinokratie habe es eben an eigener geistiger Arbeit fehlen lassen, daher erkläre sich die Nervosität, die dem liberalen Antrag gegenüber Platz gegriffen hat. Die Sozialdemokratie überlasse die praktische und positive Arbeit den Liberalen. Die Sozialdemokratie schimpfe nur auf alles. Die Arbeiter haben das ewige Reden endlich satt, sie verlangen mehr positive Arbeit. Stadtv. K ü t e r(Soz.) tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen. Gerade die Sozialdemokratie fei es, die die alten libe ralen Anträge aufgenommen hat, die von den heutigen Liberalen fallen gelassen wurden. Auch in Sckiöneberg habe die Sozialdemo kratie eine Fülle von positiver Arbeit geleistet. Die Liberalen mögen sich erst davon überzeugen, ehe sie das Gegenteil behaupten. Redner führt eine Reihe vo» Beilpielen an. Auch der Antrag betr.Aenderung des Koinmuuälwahlrechts sei von den Sozialdemokraten gestellt und nicht von den Liberalen. Die Wahlrcchtsfrage für den preußischen Landtag liefert den deutlichsten Beweis, was die Liberalen unter positiver Arbeit verstehen. Die Sozialdemokratie ist für die heute gestellten Anträge der Liberalen, sie zweifelt aber daran, daß die Liberalen auch für die Durchführung derselben sorgen werden. Stadtv. Lohausen beantragt, nur den: ersten Teil des Air träges heute zuzustimmen, dagegen die anderen Punkte einem Aus schüß zu überweisen, denn die sofortige Annahme derselben geht doch zu weit. Stadtv. Gottschalk(Lib.) tritt ebenfalls den Sozialdemo kraten entgegen und behauptet, daß die liberale Fraktion den Antrag auf Aenderung des Komumualivahlrcchts gestellt habe. Er wird aber von sozialdemokratischer Seite eines Besseren belehrt, indem ihm der Beweis erbracht wurde, daß feine Vehauptungeil uw richtig find. Stadlv. Schneider(Hausbesitzerfraktion) möchte die Anträge am liebsten sofort ablehnen, er hat aber nichts dagegen, wenn sie erst einem Ausschuß überwiesen werden. Im übrigen ergeht sich Redner in Denunziationen. Auch macht er den Liberalen den Vorwurf, daß sie die Sozialdemokraten zur Beteiligung an den Landtagswahlen ermuntert hätten. Stadtv. Dr. Voßberg(Lib.) erklärt, daß dem Vorredner au seine Ausführungen eigentlich nur eiue Autwort gebühre, und das wäre die. die der Lehrer einem ungezogenen Schüler zuteil werden lasse. Stadtv. Zobel(Lib.) weist nach, daß bereits im Jahre 1904 die Stadtvcrordneten-Versammlung sich einstimmig für die Feuer- bestattung ausgesprochen habe. Auch der Stadtv. Schneider habe damals dafür gestimmt: heute sei er dagegen. Stadtv. Dr. M a r r w i tz hält es für bedenklich, den Anträgen heute sofort zuzustimmen, ohne daß von dem Gegner die Gründe dagegen vorgebracht werden. Die Sozialdeinokratie könne nicht mehr ermutigt werden, sich an den LandtagSwahlen zu beteiligen, al durch die Angst, die auf bürgerlicher Seite gegen diese Beteiligung herrscht. Man braucht nicht Sozialdemokrat zu sein, um aus vollem Herzen eine Beteiligung der Sozialvemokratie zu wünschen Nachdem man sich»och längere Zeit über die geschäftsordnungs mäßige Abstimmung auseinandersetzte, gelangte der erste Teil des Antrages einstimmig zur Annahme, während die übrigen Punkte einem Ausschuß überwiesen wurden. Eine Anfrage,„ob und wann die Einrichtung eines Schnell- b a h ii v e r k e h r s für Schöneberg zu erwarten ist", wird der nichtöffentlichen Sitzung überlviesen. Angenommen wirb ein Antrag, wonach der Magistrat ersucht wird, Erwägungen darüber anzustellen, ob die Errichtung eines zweiten Standesamts notwendig ist. Angenommen wird ferner der Antrag, die städtischen Kassen an- zuweisen, bis zum 29. September 1903 noch Thaler stücke in Zahlung zu nehmen. Der seinerzeit auch von den Liberalen gestellte Antrag, für die städtischen Arbeiter eine Betriebskrankenkasse einzurichten, wird auf Antrag des Ausschusses so lange vertagt, bis die Kranken versicherungsaugelegeuheit durch Reichsgesetz neu geregelt ist. Längere Zeit nahm dann noch die Festsetzung der Reise- kostenentschädigung bei Dienstreisen ein. Nach Ab lehnung des sozialdemokratischen Antrages, der eine Gleichstellung des Fahrgeldes für alle Gruppen verlangte, wurde den Anträgen des Ausschusses zugestimmt: nach denselben werden die Entschädi gungen nach Rang und Stellung abgestuft. Nach der Meinung der Mehrheit ist es eben ein unwürdiges Verlangen, wenn die höheren Beamten gemeinsam mit den mittleren oder unteren Beamten ihre Dienstreisen zurücklegen müssen. Schluß 11 Uhr abends. � Das Schulwesen hat bekanntlich in der letzten Schöneberger Stadtverordnetenversammlung lange Erörterungen erfahren: aber nicht die Gemeindeschulen waren es, die diese Debatten herbeiführten, sondern die höheren Schulen. Es ist ja be kannt, aus welchem Grunde gerade den Höheren Schulen ein reges Interesse von unserer städtischen Verwaltung entgegengebracht wird und weshalb gerade hier keine Opfer gescheut werden. Es gilt, durch den Ausbau des höheren SchulweesnS einen Einfluß auf die Bebauung Schönebergs nach der Richtung hin auszuüben, nur Wohnungen für ein steuerkräftiges Publikum zu schaffen. Das Oberhaupt der Stadt hat ja bor gar nicht zu langer Zeit offen zugegeben, daß nicht Bildungsbcstrebungen den Magistrat bei Schaffung höherer Schulen leiteten, sondern nur der Drang, steuer- kräftige Leute nach Schöneberg zu ziehen. Ganz anders steht es mit dem Gemeindeschulwesen. Hier will eS gar nicht vorwärts gehen. Sogar die Schularztordnung muß herhalten, um Ersparnisse zu machen. Um einer höheren Besoldung der Schulärzte aus dem Wege zu gehen, soll die Tätigkeit der Schul- ärzte etwas eingeschränkt werden. Auch die Besuchsziffern der einzelnen Gemeindeschulklaffen zeigen das alte Bild. Trotzdem mehrfach Versprechungen gemacht worden sind, die Schülerzahl der einzelnen Klassen herabzusetzen, geschieht in dieser Beziehung so gut wie gar nichts. Im Gegenteil, es mußte dazu gegriffen werden, die Zahl der fliegenden Klassen zu erhöhen. So war eS im April dieses Jahres und so sieht eS auch jetzt aus. Neben dem Mangel an Schulräumen scheint jetzt nun auch noch ein Mangel an Tischen und Bänken eingetreten zu sein. Ein Bild davon gibt uns das Schicksal einer Gemeindeschulklasse. Am Tage des Schulantritts fehlten verschiedene Tische und Bänke. Am Tage darauf waren es sogar noch loeniger geworden, wahrscheinlich wollte man damit in anderen Klassen die Lücken verstopfen. Die Kinder dieser Klasse mußten sich zum großen Teil auf ihre Schul- mappen setzen. Am vierten Tage sah es noch genau so aus. Der Schuldiener wurde auf die Suche nach einem anderen Klassenraum geschickt, der vielleicht auf eine Stunde frei wäre. Er fand auch einen solchen. Die Kinder nahmen nun hier Platz. Nach einer Stunde mußten sie diesen Raum aber wieder verlassen. Jetzt wurden die Kinder zwei anderen Klassen zugeteilt; die eine Hälfte ging zu dem Lehrer Z., die andere Hälfte zu dem Lehrer N. Nach abermaligem Verlauf einer Stunde wurden die Kinder von ihrem eigentlichen Lehrer. Herrn M., zurückgeholt; man vertrieb sich jetzt die Zeit mit Spielen auf dem Schulhofe. Die weiteren zwei Stun- den kamen denn die Kinder wieder nach einer anderen Klasse. Der Lehrer erklärte seinen Schülern, wenn es nicht anders wird, dann müßten sie nach dem Tempclhofer Felde gehen. Wahrlich, nette Zustände! Ob es in den höheren Schulen ebenso aussieht? In der Gcncralvcrsaminlung der Zahlstelle Schönevcrg des Deutschen Holzarbeitcrverbandcs erstattete der Kassierer den Bericht vom III. Quartal. Danach betrugen die Einnahmen der Hauptkasse 1967,14 M., die Ausgaben 2096,22 Di. Die Einnahmen der Lokal- lasse betrugen 3642,63 M., die Ausgaben 3030,71 M. Der vom Be- vollmächtigtcn begründete Antrag, in Wilniersdorf einen Beitrags- 'ammler einzusetzen, wurde angenommen; derselbe soll gleichzeitig die Wilmcrsdorfer Kollegen in der Verwaltung vertreten. Gewählt wurde Mohr. Zinn Schluß machte der Bevollmächtigte ans die in den Lokalen von E. Obst, Mciningerstr. 8, H. Voigt,' Bahnstr. 19, und im Lnisenpark, Wilmersdorf, WilhelmSane, sich befindenden Zahl- tellen sowie auf die am Sonnabend, den 2. November, stattfindenden Stadtverordnetenwahlen aufmerlsam. Rtxdorf. Bei der letzte» Theatervorstellung des WnhlvereinS Ripdorf am 20. d. M. wurde ei» Spazierstock in der Garderobe vom Garderobier versehentlich einem anderen Theaterbesucher ausgehändigt; wir ersuchen denselben, ihn in der Spedition, Neckarstr. 2 abzugeben. Der Vorstand. Treptolv-Bnttiiischulcntveg. Ucbcr die polizeiliche llcbcrwachung von VercinZversalüinlunge» beschwert sich in einer Zuschrift an die„Volks Zeitung" der hiesige „Freisinnige Volksverein". In der Zuschrift wird darauf hin- gewiesen, daß seit Beginn der Amtsfübrung des jetzigen Amts- Vorstehers und Bürgermeisters S ch a b l o w die eigentümliche Gc- pflogenheit herrsche, alle Vereinsversammlungen des Freisinnigen Bolksvereins überwachen zu lassen. Dies sei in der letzten Sitzung lebhaft zur Sprache gekommen. ES ist doch eigenlümlich, daß sich die Mitglieder des Freisinnigen Volksvereins über die polizeiliche Ueberwachung so entrüsten käimen. Halten eS doch sonst die freisinnigen und andere bürgerliche Vereine für notwendig, daß die sozialdemokratischen Versammlungen über- wacht werden. Wenigstens haben wir noch nicht vernommen, daß man sich im freisinnigen Lager über die polizeiliche lieber- wachung in unseren Versammlungen entrüstet hätte.— Es wäre daher nicht mehr wie reckt und billig, daß sich der Freisinnige Volksverein in Treptow-Baunischnlcnweg gegen die mehr als über- flüssige polizeiliche Ueberwachung nicht nur ihrer Versammlungen, sondern gegen die polizeiliche Ueberwachung überhaupt, bei welcher Parteirichtung dieselbe auch ausgeübt wird, wenden würde. Wir haben stets den Standpunkt vertreten, daß die Polizeibeamten zu etwas Nützlicherem verwendet werden könnten, als daß sie ihre Zeit in Versammltingen totschlagen. Wenn jemand sich beschwert jühlen könnte, vom„Auge dcS Gesetzes" allzusehr bewacht und in der Ab- Wickelung der Geschäfte oft unnütz belästigt zu werden, so sind eS die Treptolv-Baumschulenwcger Genossen. ES gab fast keine Ver« sammlung mehr, in der nicht ein polizeilicher Zwischenfall eintrat. Indes haben sich unsere Genossen noch allemal mit der Polizei ab- zutun gewußt, ohne ihren Tränendrüsen Gewalt anzutun. Unsere Bestrebungen sind weder der Bürgermeister Schablow, noch die ihm unterstellte Polizei zu behindern imstande. Schmargendorf. Urber:„$at die Arbeiterklasse im heutigen Staate Gleich- bcrrchtigiing?" sprach in einer im Restaurant Cafö Pein tagenden Volksversammlung Genosse Eugen B r ü ck n e r- Berlin. Ausgehend von der Fabel der gesicherten Epistenz der Arbeiter b»� ins hohe Alter stellte er die Hohen Gehälter und Tantiemen der Aufsichtsräte und Direktoren der großen Banken und Gesellschaften den niedrigen Löhnen gegenüber, die die Arbeiter für ihre anstrengende Kraft mid Gesundheit verzehrende Arbeit erhalten. Er zeigte an statistischem Material, wie ungleich die direkten und indirekten Steuern auf Arme und Reiche verteilt sind. Für Änltnrzwecke, Schulen nsw. wäre kein Geld vorhanden, aber für Heer, Marine, Äolonialabeiitener und in Zukunft auch für Luftfahrzeuge würde das Geld direkt in die Lust geworfen. Redner kritisierte alsdann unsere heutige Klassenjustiz und zeigte am Prozeß Liebknecht, wie jede freie Kritik unterdrückt werde. Redner sprach die Ueberzeugung ans, daß gerade durch diesen Prozeß die Agitation und Aufklärnng in Haus und Familie stärker einsetzen werde wie je zuvor. Nach einem Strcifblick auf die preußsiche WahlrechtSbcwegung forderte er die Anwesenden auf, die Reihen zu schließen und in fester Organisation die schwersten Mängel in unserem heutigen Klassenstaats beseitigen zu helfen. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. In der Diskussion ergänzten mehrere Redner die Ausführungen deS Referenten. Britz-Buckow. Die Generalversammlung des Wahlvereins nahm am Dienstag den Vorstandsbericht entgegen. Danach haben im letzten Viertel- jähr 6 Bercinsversammlungen, darunter eine in Buckow, statt- gefunden. Die Mitgliedcrzahl beträgt gegenwärtig. 276. Einer Einnahme von 213,16 M. steht eine Ausgabe von 61, YS M. gegenüber; dem Kreife wurden 145,44 M. überwiesen. Hierauf gab Genosse Block einen eingehenden Bericht über den Essener Partei- tag. An der sich anschließenden regen Diskussion beteiligten sich die Genossen Baumgarten, Schröder, Ernst, Prcnzlow. Kimm ritz, Händel, Raatz und S o l d n e r. Es wurde zwar an einzelnen Punkten Kritik geübt, jedoch dem Ergebnis des Parteitages zugestimmt. Dies wurde auch in einer einstimmig angenommenen Resolution zum Ausdruck gebracht. Nowawes. „Auch die GeuossenschastSbewegung ein Klasseiikamps" war das Thema, das Genosse P e u s in einer vom Gewerkschaftskartell nach den, Singerschen Lokale einberufenen Volksversamnilung behandelte. Redner legte in seinem Vortrage dar, wie notwendig eS sei, daß. wenn die Arbeiterschaft nicht zwischen produktivem Kapital und WarcnvertricbLlapital der unerträglichen AnSbeutuna preisgegeben iverden solle, sie sich genossenschaftlich organisieren müsse. Es handele ich jetzt schon nicht mehr um einen Kampf zwischen der ihre Konsum- kraft organisierenden Arbeiterschaft und dem an seinem Profits hängenden Kleinhändlertum; vielmehr sei es das Kroßkapital, das in mancherlei Gestalt, nicht nur als Warenhaus, sondern als Preis- Verträge heischende Markenartikelfabrikanten usw. den Warenvcrtricb bis dicht an den Konsumenten in seine Gewalt zu bekommen suche, um dadurch einerseits den produzierenden Arbeitern möglichst niedrige Löhne, aber den Konsumenten möglichst hohe Preise diktieren zu können. ES sei deshalb Pflicht der Arbeiterschaft, sich nicht nur politisch und gewerkschaftlich, sondern auch genossenschaftlich zu organisieren. Zum Schluß nahmen die Versammelten eine Resolution an, in welcher sie gemäß den Beschlüssen des Kölner Gewerkschafts- kongresseS wie auch in Anerkennung der Beschlüsse deS österreichischen Parteitages sich der genossenschaftlichen Organisation anzuschließen verpflichten. Klus Induftm und Handel. Hohe Gcwinnziffern. Keine Preiserhöhung„beglückt" die Konsumenten, ohne daß die Preistreiber die schmerzmildernde oder haßerweckende Zusicherung mit auf den Weg geben, die Aufschläge seien infolge der enorm ge- ticgenen Löhne unerläßlich geworden. Bei Humanisten und anderen Menschen- und Arbeiterstcunden mag solche Zusicherung den Aerger über die fortgesetzten Preissteigerungen mildern, bei den Spießer» und sonstigen OrdnungSheldcn löst jene wahrheitslvidrige Behauptung aber nur Haß und Neid aus. In ihrer Kurzsichtigkeit machen jene Elemente den Arbeiter verantwortlich für ihre eigene, bielleicht nicht beneidenswerte Lage, die ebenso eine Folge der neudeutschen Zoll- und Kartellpreispolitik ist, wie die schlechte Lage der Arbeiter. In den letzten Jahren sind durch Zollsteigernngen, Steuererhöhungen, organisierte Preistreiberei der Kartelle und Ringe und Steigerung der Grund- rente, die Haushaltungskosten derart hinaufgegangen, daß die Arbeiter in den erzielten Lohnzulagen, die dazu in den meisten Fällen aus vermehrter Leistung resultieren, ür jene Mehrkosten kaum«inen Ausgleich finden. Nicht Lohn- erhöhungen waren der Hebel, der die Preise hochhob, umgekehrt wird ein Schuh daraus: die allseitigen Preissteigerungen zwangen den Arbeiter, Lohnerhöhungen zu verlangen. Die letzten Geschäfts- berichte der großen Kohlen- und Eisenwerke beweisen ja auch, daß die nun noch neuerdings vorgenommenen Preisaufschläge gar keine Berechtigung haben. Das industrielle Kapital erfreut sich einer sehr guten Verzinsung. Ja, die Verzinsung ist auch dann noch als sehr gut zu bezeichnen, wenn man den Durchschnitt der letzten v' Fahre ermittelt, talso das Ergebnis von drei Krisenjahren mit dem von zwei Jahren der Hochkonjunktur kombiniert. Wir geben nach- folgend von drei größeren Gesellschaften, zwei gemischten Betrieben und einem„reinen" Kohlenunternehmen, die bezüglichen Zahlen. Die aufgeführten drei Gesellschaften brachten in den letzten fünf Jahren zusammen einen Neingewinn von 94 596 412 M. heraus. In derselben Zeit waren 694 Millionen Aktienkapital tätig, oder im fünfjährigen Durchschnitt 138 380 090 M. Der Reingewinn stellt sich im Durchschnitt dieser Jahre auf 13,7 Proz. Das ist doch jeden- falls eine Gewinnziffer, bei der man. ohne sehr unbescheiden zu sein, nicht wagen kann, die fortgesetzten Preissteigerungen zu der- leidigen. Auch die Gewinnrate pro Kopf der beschäftigten Arbeiter kann weitgehende Ansprüche beftiedigen. Insgesamt wurden in dem genannten Zeitraum von den drei Werken 248 425 Personen, oder im Jahresdurchschnitt 49 885 Personen beschäftigt. Pro Arbeiter ergibt sich demnach in den letzten fiinf Jahren ein Reingewinn von 1900 M. Die Ergebnisse auS den angegebenen Zahlen stellen wir noch in der folgenden Tabelle zusammen. Es betrug der Reingewinn in Prozent pro Arveiter des Aktienkapitals Mark im Durchschnitt 19V2/1S07.. US9 380 im Jahre 1906/1907.... 16,33 652 DaS sind Gewinnresultate, denen gegenüber sich die Lamen- katiouen über hohe Arbeiterlöhne, Belastung der Industrie durch sozialpolitische Gesetze usw. wie bewußte Irreführung ausnehmen. Und angesichts solcher Resultate muß es eigentümlich berühren, daß die Regierung den Gruben- und Stahlwerksbesitzern, bei den letzten Abschlüssen, die für drei Jahre gelten, auf die bisher gültigen Hochkonjunkturpreise, noch erhebliche Aufschläge bewilligt hat. Wie will die Regierung eine solche— Geschenkpolitik rechtfertigen? Den kleinen Handwerksmeistern und vor allem den eigenen Arbeitern und llnterbeamten gegenüber ist der Fiskus nicht so gebefreudig wie bei den Abschlüssen mit den schwer reichen Kohlen- und Stahlkapitalisten. Noch nie ist die Liebesgabenpolitik, bei der die Renten- imd Zinsen- empfänger Reichtümer auffangen, so offenkundig, so rücksichtslos, so aufreizend für die arbeitenden Stände betrieben worden, wie seit Jnangurierung der Blockpolitik. Das sind liberale Errungen- schaften, auf die unsere Blockpolitiker stolz sein können. Rettung vor der Lebensmittelteuerung durch die-- Agrarier. Es ist kein Scherz, unsere Agrarier jammert es unendlich des armen Volkes, das unter den hohen Lebensmittelpreisen, ins- besondere den schicr unerschwinglichen Fleischpreisen seufzt, und sie wollen ihm Hülfe bringen durch die Gründung von Schlach- tereigenossen schaften. Sie haben es ja schon längst festgestellt, daß an den hohen Fleischpreisen nur die bösen Metzger schuld sind, die allzu viel verdienen wollen, während die Land. Wirte nur das allernotwendigste für ihre Produkte erzielen können. Nun, wir wollen gewiß nicht die Metzger als Volksfreunde in den Himmel heben, aber wir halten es hier doch mit dem Heineschen Wort, daß„sie alle beide stinken". Die Erfolge der dänischen Genossenfchaftsschlächtereien haben es unseren Agrariern angetan. Sie haben eine Studienkommission über die Frage eingesetzt, die soeben ihren Bericht veröffentlicht hat. Es wird darin den Land- Wirten empfohlen, nach dänischem Muster Viehverwertungsgeiwssen- schaften zu gründen und sich dabei der städtischen Schlachthäuser zu b-dienen. Man nimmt an. daß die Schlächtermeister und Gesellen gern bereit sein werden, diese Schlachtungen als Nebenverdienst zu übernehmen. In Pommern soll zunächst der Anfang ge- macht werden. Es soll zweimal in der Woche in den Schlacht- Häusern der Kreisstädte geschlachtet und das Fleisch dann in Eis- kühlwagen nach Berlin an den von den pommerschen Genossen- schaften gegründeten Fleischverkaufsverband geschickt werden. Dieser soll dann den Verkauf direkt an das Publikum vermitteln. Glückt das Experiment, so soll es m anderen Teilen Teutschlands wiederholt werden.__ Natürlich macht die„Deutsche Fleischerzeltung, die—»Mit Recht— das Interesse der selbständigen Fleischer durch das Pro- jekt schwer bedroht sieht, bereits gegen das,elbe mobil und stößt einen Warnungsschrei nach dem anderen aus. Sie gesteht zwar verschämt:„Gewiß wäre es besser, wenn die Fleischer mit den Landwirten Hand in Hand gingen"(zur gemeinsamen Schropfung des Publikums natürlich), aber—„es scheint dies unmöglich zu sein". So gilt es denn Kampf. Die Konsumenten haben jedoch absolut keinen Grund, diesem Kampfe mit verschränkten Armen zuzusehen. Zwar werden die landwirtschaftlichen Fleischverkauföstelleni anfangs, um„in die Kundschaft zu kommen", natürlich billiger verkaufen als die Kon- kurrenz. Einmal zum Beherrscher des Marktes geworden, werden sie jedoch noch rücksichtsloser als die isolierten Schlächter ihr Wirt- schaftliches Uebergewicht geltend machen. Ist die genoffenschaftliche Organisation der Lalldwirtsck>aft durchaus zu begrüßen als Grund- läge einer späteren sozialistischen, so bedarf es doch, um ihre Aus- nützung im einseitigen Interesse der Produzenten zu verhindern, eines Gegengewichts in Form starker Konsu- mentenorganisationen. Der letzte österreichische Partei- tag hat dies in seiner Lebensmittelwucherresolution ja auch rück- baltlos anerkannt. Dieses gemeinsame Vorgehen der Landwirte sollte also einen neuen Ansporn für die Arbeiter bedeuten, ihre konsumgenoffenschaftlichen Organisationen zu stärken und auszu- bauen._ ES kriselt welter. Amerika hat schon wieder einen 5krach, der in seiner Bedeutung die Insolvenz der Bankfirma Hinze u. Co� weit hinter sich läßt. ES wird auS New Aork berichtet, daß die Verwaltungsstelle KnickerbockerS Trust-Company sich in einer prekären Lage befinde. Das Aktienkapital der Gesellschaft beträgt 1200 000 Dollar. Die bei ihm hinterlegten Depositen sollen sich auf mehr als 60 Millionen Dollar belaufen.— DaS„W. T. B." meldet über diese Angelegenheit folgendes: Die National Bank of Commerce hat dem Clearinghouse-Verband gestern mitgeteilt, daß sie die Clearinghouseagenturgeschäfte für die KnickerbockerS Trust-Companh nicht weiterführe. Eine von den Direk- toren der Knickerbockers Trustgesellschaft veröffentlichte Erklärung besagt, daß die Gesellschaft sich die Beschaffung ihres Geldbedarfes ge- sichert habe, und in der Lage sei, allen an sie herantretenden An- sorderungen gerecht zu werden. Die Gesellschaft habe acht Millionen in ihrem Tresor zur Verfügung und könne mehr beschaffen, sobald eö erforderlich werde. Die Mereantile National Bank soll gestern„von Kunden t1/- Millionen Dollar erhalten haben", waS als ein Ausdruck des loiederhergestellten Vertrauens gelten könnte. Das BeruhigungS- pulver hat aber seinen beabsichngten Zweck verfehlt, wie folgende, von„W. T. B." übermittelte Meldung der„Associated Preß" vom 22. Oktober ausweist: Die große Ausdehnung der Geschäftstätigkeit der Knickervocker Trust-Conipany mit ihren Depositen von mehr als 30 Millionen Dollar gaben den Veränderungen, die in der Verwaltung jenes Instituts eingetreten sind, ein viel ernsteres Aussehen, als es der Fall gewesen ivar bei den Veränderungen in dem relativ kleineren wss-Heinze-Konzern. Hus der frauenbewegung. In Sachen der Dienstbotenkonferenz. Die Genossin Grünberg-Nürnberg hat eine von ihr unterfertigte Aufforderung an die Dienstbotenorganisationen erlassen, die von der Zentralvertrauensperson einberufene Dienstbotenkon- ferenz nicht zu beschicken. In dieser Angelegenheit ersucht die Unterzeichnete um Auf- nähme folgender Erklärung: Es ist selbstverständlich Sache des Nürnberger Dienstboten- Vereins, wie er sich zu der einberufenen Frauenkonserenz stellt und ob er seine Verwaltung allein über seine Stellungnahme ent- scheiden läßt. Woher aber nimmt die Verwaltung dieses Vereins das Recht, sich nicht bloß als Vormund aller Dienstbotenvereine, sondern auch der proletarischen Frauenbewegung in ihrer Gesamt- heit aufzuspielen und beiden Verhaltungsmaßregeln vorschreiben zu wollen? Mit keiner der in Frage kommenden Instanzen hat Genossin Grünberg Verständigung gesucht, weder mit den Vor- ständen der übrigen Dienstbotenvereine, noch mit der Zentral- Vertrauensperson, auch nicht mit den lokalen Vertrauenspersonen. Tatsächlich bedeutet die Einberufung der Konferenz ebenso- wenig eine Ueberschreitung des Tätigkeitsgebietes der proletarischen Frauenbewegung, wie eine Verkennung der Aufgaben und der Autorität der Generalkommission. Die Dienstbotenbewegung und die Dienstbotenorganisation ist mindestens in ebenso großem Maße das Werk der proletarischen Frauenbewegung wie das der Gewerk schaften. Von einigen Ausnahmen abgesehen, sind es überall die Genossinnen gewesen, die in erster Linie die Dienstbotenbewegung in Fluß gebracht haben, die die nötige agitatorische und organisa- tarische Arbeit für sie leisten, die in den Vereinen und für die Ver- eine tätig sind. Daß sie sich dabei mancherorts, leider nicht überall, der tatkräftigen Unterstützung der Gewerkschaften erfreuen, sei gern anerkannt. Die Dienstbotenvereine sind werdende, aber noch nicht überall fertige gewerkschaftliche Organi- s a t i o n e n. Sie zu solchen zu machen, ist das Ziel der Ge- nossinnen. Diesem Ziele soll auch die Frauenkonferenz dienen. Gerade infolge ihrer Unfertigkeit sind die Dienstbotenvereine bis heute noch nicht einmal überall den örtlichen Gewerkschaftskartellen, geschweige denn der Gewerkschaftskommission angegliedert. Zweck der Konferenz soll sein, diese Angliederung überall vorzubereiten und zu fördern, ebenso auch den Zusammenschluß zu einer Zen- tralisation, die ihren Anschluß und ihre natürliche Vertretung in der Generalkommission erhält. Wie die bisherige Entwickelung der Dienstbotenorganisation das Werk eines einträchtigen Zu sammenarbeitens von Genossinnen und Gewerkschaften gewesen ist, so ist auch für die weitere Entwickelung ein verständnisvolles Zusammenwirken beider erforderlich. Und es ist zum mindesten recht unbedacht gehandelt, durch einen kleinlichen Kompetenzstreit dieses Zusammenarbeiten zu erschweren und zu stören. Die Ge- nossinnen halten es für ihre Pflicht, über die weitere Entwickelung der Dienstbotenbewegung und die Mittel, sie kräftigst zu fördern, Beratungen zu pflegen. Es liegt aber auf der Hand, daß die Genossinnen, die bisher in der jungen Dienstbotenbewegung den Hauptteil der Arbeit getragen haben, nicht ohne Mitwirkung der von ihnen gegründeten Vereine über deren weitere Entwickelung beraten wollen. Daher die Notwendigkeit, eine außerordentliche Frauenkonserenz einzu- berufen, an der die Vertreterinnen der organisierten Dienstmädchen teilnehmen. Die weitere Erklärung der Genossin Grünbera, das zugesagte Referat nicht zu halten, mutet in mehr als einer Beziehung eigen- tümlich an. Zunächst konnte Genossin Grünberg, als sie das Referat zusagte, meiner Ansicht nach gar nicht im Zweifel sein, daß sie auf einer öffentlichen Frauenkonserenz und nicht bei einer Besprechung der Leiterinnen von Dienstbotenvereinen referieren sollte. Wenn sie ober darüber im Unklaren gewesen wäre, hätte sie durch die erste Bekanntgabe zur Konferenz, in Nr. 20 der„Gleichheit" vom 30. September, über den Charakter der Tagung belehrt sein müssen. Nach dem Erscheinen dieser Bekannt- gäbe sind 14 Tage verstrichen, ohne daß der Genossin Grünberg der Frevel der Konferenz zum Bewußtsein gekommen wäre. Jeder Unbefangene wird zugeben, daß ihr die Erleuchtung ebenso Plötz- lich als spät gekommen sein muß, oder aber, daß sie es unterließ, sich in der Zwischenzeit zunächst durch eine Anfrage aufzuklären, und wie es unter Genossinnen sonst üblich ist, über eine strittige Frage Verständigung zu suchen. Berlin, den 21. Oktober 1907. Ottilie Baader. Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands. Bayerische Frauenkonferenz. In Nürnberg tagte am Sonntag eine Konferenz der weiblichen Vertrauenspersonen Bayerns, die sehr gut beschickt war. An den Verhandlungen nahmen die Zentral- Vertrauensperson Frl. Baader und die Genossen Dorn und Simon als Vertreter des Landesvorstandes der sozialdemokratischen Partei Bayerns teil. Den Hauptpunkt bildete die Frage der Agitation, worüber sehr eingehende Beratungen gepflogen wurden. Um die Agitation auch in den kleineren Orten intensiver betreiben zu können und damit die Zahl der politisch organisierten Frauen und Mädchen ständig zunehme, wurde die Anstellung einer Landes- bertrauensperson für Bayern beschlossen. Als solche wurde ein- stimmig die Genossin Greiffenberg-Augsburg gewählt. Bon den freiwilligen Parteibeiträgen sollen 20 Proz. an die Landesver- trauensperson abgeführt werden. In einem anderen zur Annahme gelangten Antrage wird verlangt, daß die Zentralvertrauens- Person VierteljahreSstatistiken herausgeben soll, ein weiterer Antrag verlangt die Herausgabe eines Leitfadens für die neugewählten Vertrauenspersonen. In Sachen der außerordentlichen Berliner Frauenkonserenz, zu der die Genossin Grünberg das Referat über die Dienstbotenorganisation nachträglich abgelehnt hatte, kam die Meinung zum Ausdruck, daß die von der Zentralvertrauensperson einberufene Konferenz zu begrüßen sei. Endlich wurden Beratungen bezüglich der Agitation für das Frauenstimmrecht geführt. Im Laufe des Tages legten die Teilnehmerinnen der Konferenz am Denkmal GrillenbergerS, aus Anlaß von dessen 10jährigen Todestag, einen Kranz nieder. Vriefkalten der Redaktion. Sic inrlfttsche Sprechstunve findet Lindenftraste Nr. 3, zweiter Hof. dritter Eiiilinng, vier Treppe», ftM» Fahrstuh l-®fl| wochentäglich dl»,?>/, PI» OVi Uhr abends statt. Geöifnct? Uhr. Sonnabends beginnt die Eprechstnnde«m 6 Nhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe and eine Kahl al? Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. W. H. 40. Die Aussichten einer Klage würden in Ihrem Fall sehr zweiselhaste sein. Versuchen Sie eS nochmals mit der Vertilgung durch einen Kammerjäger und lassen Sie sich dle Kosten vom Wirt ersetzen. — Thate vi». Ihr.—®. S. 171. Sie können ohne weiteres bei dem Amtsgericht klagen.— S. 44. 1. Ja. 2. Nein. 3. Der Antrag aus ErbeSIegitimation ist an daS Amtsgericht zu richten. 4. Die Entsagung ist notariell zu beglaubigen und innerhalb sechs Wochen nach der Kenntnis vom Tode dem Gericht einzusenden. 5. Wilmersdorf.— 91. H. Teuerster. — P.®. 53. 1. Eine Psändung ist möglich, Ihre Frau kann aber WlderspruchSllage erheben und würde mit derselben durchdringen, wenn sie nachweist, daß die betreffenden Möbel aus den, Eigentum der Frau für sie selbst gekaust sind. 2. Nein. 3. Nein.— P. R. 21. 1. Ja, innerhalb zwei Jahren. 2. Ja.— H. M. kv. 1. Keineswegs. 2. Durch Zufall. 3. Wegen der Invalidenrente könnte ein Teil des Almosens gekürzt werden. 4. Ja, aber die Tatsach«, daß die Betreffende arbeitet, ist gleichgültig. 5. Nein. 6. und 8. Nein. 7. und 9. Durch Zufall. —®. O. 88. Passiva nennt man die Schulden. Altiva das wirklich Vorhandene. Der außereheliche Sohn beerbt seine Mutter so wie ein ehe- liches Kind. Ist die Mutter verheiratet, so wird sie außerdem von ihrem Mann beerbt.— F. 9l. S«. 1. Ja. 20 Ps.-Marle. 2. Nein.- Berliner Marktpreise. Aus dem amlllche» Bericht der städtischen Markthallen-Direkiion. sEroßhandel.) Ochsenfletsch la 68—70 pr. 100 Pjb., Oa 62-67, nia 57-60, Bullenfleisch la 65-70, IIa 53-62, Kühe, seit 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 66—69, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppcllcnder 103—120. Mastkälber la 85—95, IIa 75—83, Kälber ger. gen. 56—71, do. Holl. 48—54, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 73—80, Hammel la 70— 74, Ha 64— 69. ungar. 0,00, Schafe 48—62. Schweinefleisch 56—63. Rehbock la per Pfund 0,60— iZ,95. IIa 0,00. Rotwild la per Psd. 0,30-0,45, do. IIa 0,20-0,25, do. Kälber 0,35-0.55. Damwild 0,35 bis 0,55. Wildschweine per Psd. 0.36 bis 0,35. Frischlinge 0,62. Kaninchen p. st. 0,30 bis 0,75. Hasen, grosi, p- Stck. 3,00-4,00, do.. mittel u. Nein. Stck. 1,50-2,50. Wild- cntcn per Stück 1,25—1,50. Krickenten per Stück 0,00. Rebhühner, junge große 1,00—1,40, mittel U. kleine 0,40—0,90, alte 0,60—0,90. Fasancn- hühne la 1,50—2,75, do. IIa 0,50—1,25. Fasanenhcnnen 0,60—1,75. Bekassinen 0,40—0,60. Waldschnepfen 2—2,65, do. IIa 1—1,50. Krammets« Vögel 0,20—0,40. Hühner, alle, per Stück 1,00—1,70, IIa 0,50—0,90, do. junge 0,50—1,25. Taube» 0,20—0,60. Enten per Stück 1,00—2,40, dito Hamburger per Stück 2,90—3,00. Gänse per Pfund 0.45—0,60, dito per Siück 2.09—3,50, do. Hamburger per Pfund 0,65—0,70, do. Oder- brucher per Psd. 0,45—0,60. Poulets per Stück 0,40—1,25. Deutsche Poularden per Psd. 0,95—1,40. Hechte per 100 Psd. 79—90, do. matt 0,00, do. lleinO.OO, do. mittel 75—76, do. groß 66. Zander 0,00, do. klein 0,00, dito mittel 0,00. Schleie, klein 105—123, do. unsort. 0,00, do. mittel 0,00, do. groß 118. Aale, groß 0,00, do. Nein und mittel 95—96, do. mittel 0,00, do. unsortiert 0,00, do. grob-nrittel 97, klein 0,00. Blcifisch 0,00, Plötze» 61. Roddow 0,00. Karpfen 70er 0,00, do. M— 40er 70-77, do. 0,00, do. 50er 0,00. Bunte Fische 50-61, do. matt 0,00. Wels 0,00. Karauichen 75—96. Bleie, 45—51, do. klein 38. Aland 0,00. Quappen 0,00. Barbe 0,00. Amcrik. Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 3—4, na 2—3. Bücklinge, Kieler per Wall 3—4, Strals. 0,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,30—0,60, do. Rügenwaldcr. Kiste 0,50—0,60. Aale, grog per Pfund 1,10—1,40, mitteigrog 0,80— 1,10, »ein 0,60—0,80. Heringe per Schock 6,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00-4,00. Kiste'1,75-2,00. Sardellen. 1902 er per Anker 98. t 904er 98, 1905er 98, 1906er 90-95. Schottische Vollhermge 1905 0,00, large 40-44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 37-44. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 50—120. Sardinen, ruff., Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20-1,40, do. Büchse(4 Liter) 1.40-1,70. Neunaugen, Schocksaß 11, do. kleine 5—6. do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, grobe 0,00, do. mittelgrobe 0,00, do. kleine 10—11 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, Gatizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 4,00—4,20, do. große 4,00—4,40. Butler per >00 Psd. la 126-130. IIa 118-122. lila 110-116, abfallende 90-95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Pseffergurken 4.00. Kartoffeln per 100 Psuud Dabersche 2,50—3,25, weiße runde 2,50—2,75, mag. bon. 2,50—3,00. Porree, per Schock 0,50—1,00. Meerrettich, Schock 4—12. Spinat per 100 Psund 5—10. Sellerie, per Schock 5,00—8.00. Zwiebeln per 100 Pfd. 2,00—3,00, do. Perl« 40.00—100,00. Ehalotten 40,00—100,00. Petersilie, grün, Schockbund 1.00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bahr., neuer Stück 0,03— 0,10, hiesiger schock 2,50— 3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bi» 3.00. Karotte», hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirstnglohl p. Schock 3—7. Rotkohl, Schock 4-8. Weißkohl p. 100 Psd. 1,50-2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—10. do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 7—14. Zillsenkohl, per 100 Psd. 20—25. Grünlohl 4—6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00. Petersilienwurzelu, Schockbund 3,00—4,00. Schoten per 100 Psd. 0,00. Schnittlauch 1.25-1,50. Psefferlinge per 100 Pfd. 15-16. Steinpilze per 100 Psund 0.00. Radieschen per Schockbund 0,75—1,25. Salat per Schock 1,50—2,50. Gurken, Einmache-, Schock 15—40. Bohnen, grüne, 100 Pfund 15—30. Tomaten per 100 Pfund 10—16. Rote Rüben, per IM Pfund 2,50— 3, M. Rübchen, Beelitzer, per IM Psd. 6—10. Kürbis per IM Pfd. 3—5. Eskarol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3—6. Preißclbcercn p. 100 Psd. 0,M, schwedische 30—32. Birnen, per IM Psd. Tiroler. 0,M, hiesige Most- 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbtrncn la 10—25, do. IIa 4—10. Pfirsiche, hiesige per IM Psd. 0,00, do. italienische, per IM Psund 15-24. Aepsel. per IM Psund. Tiroler la 18-40, IIa 13-20, Most-, hiesige, 3—5, Koch. 5—13. Wasserftands-NaArichten der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thom Oder, Ratibor , Krossen . Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Barby „ Magdeburg Saale, Grochlitz Wasserstand Havel, Spanbau , Rathenow') Spree, Sprcmberg ,. Bccskow Weser, Münden , Minden Rhein, Waldshut Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—") Unterpegel. ?iermit die traurige Nachricht, meine liebe, unvergeßliche Frau kerta Lpalt geb. tlilivTtinsnii am 20. d. MtS. nach kurzem Leiden an der Proletarierkrankheit verschieden ist. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmittag 2 Uhr von der Halle des Llazareth-Kirch- hoses aus statt. Durch Beschluß de« König!. Amts- aerichts hier vom 13. September er. bin ich zum Nachlasipflcger jtir den Nachlaß der am 15. Juli 1907 zn Königsberg verstorbenen Wirtin Wllhclmlnc Grnaclikalin bestellt. Alle diejenigen, welche Erbansprüche an diesen Nachlas, erheben z« könne» glanbcn, werden ausgesordert, ihre Ansprüche bei mir anzumelden, auch dle zur Begründung des Anspruches ersorder« lichen Urkunde» einzureichen. Königsberg, den lO. Oktober 1907. PIowc, Rechtsanwalt. Zu verkaufen« In Appenzell a. Uli., eine halbe Stunde von Bahnstation und 10 Minuten vom nächsten Dorf an Staatsstraße, in ruhiger, aussichtsreicher Lage, großes schönes Doppelwohnhaus vorzüglich geeignet für Geschäftshaus, Sanatorium oder Klinifc Kaufpreis 70 000 Fr., Anzahlung 25 000 Fr. Hypotheken unkündbar, Antntt innerhalb Monatsfrist. In App. a. Kh. ist ärztliche Praxis freigegeben. Offorten an 206/8* Dr. jur. TftPUCr» Rechtsanwalt, HSFjSftU(Schweiz). Inserate für die nächste Kummer mürren rpätertena bis 5 nachmittags des vorherigen Cages in unserem Sxpcdltion abgegeben werden. Größere Hnzetgen für die Sonntags-JVuttiimr erbitten dagegen fchon bis fmtag nachmittag 5 dhr, da nur in diekem falle die Hufnabme garantiert werden Hann. Kür den Jnkalt de« Inserate uberuimmt die Medattion dem vnblitnin aeneiiiibcr keinerlei Berailtworrnng. Theater. Er- Mittwoch, den 23. Oktober. Ansang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Rigoletlo. Liöntgl. Schauspielhaus. Der letzte Funke. Deutsches. Was ihr wollt. Kammer spiele. Frühlings Er- wachen.(Ansang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. ReueS Schauspielhaus. Judith. Reueö königl. Operntheater. Jägerblut. Lesstng. Nora. 2ri> i» er O. lDallner- Thealer.) Götz von Bcrlichingen. Schiller Charlottenbnrg. Der Herr Senator. Berliner. PastorSsohn. Theater an der Spree. Telephon- gehcinniisse. Friedrich- Wilhelmstadt. Schauspielhaus. Brüderchen. Neues. Die Waffen wieder! Kleines. Later und Sohn. Lorhing. Hans Helling. Koniische Oper. HoffmannS zähuutgen. Westen. Die lustige Witwe. iiust ipielhauS. Husarensieder. Residenz. Ganz der Papa. Triano». Fräulein Josctle— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Zentral. Unsere blauen Jungens. Luisen. Die beiden Rcichenmuller. Bernhard Rose. Undine. Rtctropol. Das muß man seh'n. Apollo. Sylvester Schäffcr. Epe- zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. tolics Caprice. Geteilte Liebe. asino. Die wilde Jagd. Gebr. Herrufeld. Madame WIg- Wag. Es lebe das Nachtleben. Passage. Danny Gürtler. Spezia- litäten. Wintergarten. Ruth St. Denis. Spezialitäten. Prater. Hamlet. Palast. Ein glänzender Reinsall Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Reichshalle». Stcltiner Sänger. llrania. Taubeuhraffe stt/sil. Abends 8 Uhr: Ucber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Juvalidenstr. S7/S2. Zur Beobachtung: MarS, Saturn, Doppelstcrnc, Nebelflecks_ Fcrrtinaiul Honn« Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Der Pastorssohn. Donnerstag: Der Parasit. Der Präsident. Zlbschicd vom Regiment. Freitag: Die tanzenden Männchen. Neues Theater. AvcndZ 8 Uhr: Die Wliffc« i»itder! Donnerstag: Die Waffen wieder! Freitag: Die Waffen wieder I Kleines Theater. Abends 8 Uhr zum 70. Male: Vater und Sohn. Donnerstag z. erstenmal: Kapitän BraßboundS Bekehrung. Sonnabend: Kapitän Braßbounds Bekehrung._ Theater des Westens. 8 Uhr: Die lustigo Witwe. Sonntag nachm. 3'/, Uhr halbe Preise: rriiliUnsaluft._ Friedricb-Wilhclmstädtiscbes Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Briiderclien. Donnerstag: Nachtasyl. Freilag: Brüderchen. Sonnabend: Die Nibelungen. LortzingTheater; Abends 8 Uhr: Bmi« Heiliug. Donnerstag: Zar u. Zimmermann Freitag: Undine. Sonnabend: Hans Hciling. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Wiudsor. AvciidS 8 Uhr: HanZ Hciling. i.usKspioHuius. AbendS 8 Uhr: Hnsarenfieber. Luisen-Tiieater Rcicheubergcrstr. 34. AbendS 8 Uhr: iiieß üeitn Donnerstag: Die beid. Reichenmüller Freitag: Bartel Turas er. Geschloffene Vorstellung. Sonnabend 4 Uhr: Aschenbrödel. AbendS: Tnrandot. Sonntag nachmittag: Muttersegen. Abends; HoffmannS Erzählungen. Montag: Muttersegen. Trianon-Theater. Fräuleiö Josette- meine Frau. Ansang 8 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Ueber den Brenner nacb Venedig. Invalidenstr. 57— 62: Sternwarte. Zur Beobachtung;; Mars. Saturn, Doppelsteme, Nebelflecke. üi: HCSII ler.— Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und Desvailliörcs. Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS: R. Alexander. Sonntag, 27. Oktober, nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagcnkontrolleur. T'/al !'/,! Köpenickerstrahe V8 Abends 3 Ubr: Teltphtiit-Grhtimittsse. Schwank mit Gesang in 3 Akten. Täglich 8 Uhr: Telephon- Geheimnisse. HIWklMtl Gr. Franksnrlcrstr. 132. Spree-Athener von Schwarz-Rciflingen. Ansang 8 Uhr. Wochentagspreise. Metropol-Theater Anfang priizlse 8 Uhr. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. fiMUFJassaiT B. Darmandal E. Wtiitiiney a. D. Benier, Oiarapiefra, Joseplii Rauchen überall gestattet. Sonntag, 27. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Herren von Maxim, Ab 8 Uhr: Das liotossale prograum. Um 9'/, Uhr: Berlins größte Sensation: Ssiveaies Scliälfes js. tler«ellkeTüiiiule liuiveTsalltiitislleT. Ansang 8 Uhr. Vorteilte Woche Glänzendes Programm. liAAttAAAdkAAAAtfuaAdftOAA Passage-Tlieater. Abends 8—11 Uhr. Danny Gürtler der König der Bohöme und das \ kolossale ßklotier-Propnun. w w w«' w__ Sanssouci 5�50'°°' Dir.: Mlbelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: ÜGtarnzWiLZaDgei1 u. Tanabrttnichcn. Soimt.Bcg.5, wochent.8U. Morgen: lZrobe lllite-Soiroe. 7ani. Freitag: Gastspiel der Berliner Botksbühue. Bolkötumliche Preise. Scliiiler-Theater. Weinbergsweg 19/20, Roienth. Tor. Das Sensations-Propmiu Iß arabische Iß 10 Springer A" Edi Blum, der beliebte Komiker. 12 intrrnation. Spezialitäten. - Ansang 8 Uhr-- Tunnel: Konzert s.Theatcrbes. lrol. Sediiier-Iboalor cdorlotlenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: vor Ilei'i» 8enat»r-. Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönthan u. Gustav Kadelburg. Donnerstag, abends3Uhr: Zum erstenmal: VI« Hermannschlacht, Freitag, a b e n d S 8 Uhr: Zlanna Vanna. 8ohI>Ier-8aaI— 8ehIII«i-.Vhvatvi> Oharlsttvnhni-g. Abends 9 Uhr: Vortrag Dr. Max Oöborn: HanS Dhoma. Mit Lichtbildern. Freitag 9 Uhr: Vortrag Dr. Leopold Hirschberg: Peter Cornelius. Erläutert durch Instrumentalmusik. Komponisten der Neuzeit. Soblllsr.'kbootor 0.(Walluer-Tbeater). Mittwoch, abends 8 Uhr: tiiUtx von Rerlichingcn. Schauspiel in süns Auszügen von Johann Wolsgang v. Goethe. Donnerstag, oben dS8Uhr: vor Herr Senator. Freitag, abends 8 Uhr: vor Herr Senator. S Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. F I Sonnabend, den 26. Oktober 1907, Im großen Saale der Nenen Welt, Hauenheide: Kerbst'Test unter Mitwirkung des „Berliner Sinfonie- Orchesters" 42 Künstler, Kapellmeister ülaxlmillan Fischer. MiIIöcker= Abend. Mitwirkende: Frl. lilsa Becker(Alt), FrL fflarg. Joseph(Sopran), Hr. Ernst Grenzebach(Bariton) und Hr. Amadeas Wandelt, Pianist. 1 Nach dem Konzert:(El 2) 3 i bei doppeltem Orchester. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. Anfang prUz. 8'/, Chr. Billett 30 Pf. Kinder unter 10 Jahren kein Eintritt. X Die Saaltüren werden während des Konzerts geschlossen. X Getränke werden nur in den Pausen verabfolgt. X Programm gratis. X X X X X Bauchen nicht gestattet. X X X X X BiUetts sind für unsere Mitglieder und deren Angehörige in allen Zahlstellen und in der Parteispedition, Neokar- straße 2, zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Der Toratsnd. Sonntag, den 3. November, nachmittags präzise 29/4 Uhr, in Gröplert Festsälen, Bergstraße: Die Kreuzelschreiber• Bauernkomödie in drei Akten von Ludwig Anzengruher. In Szene gesetzt von Julius Türk. 1 Zahlreichen Besuch erwartet Oer Vorstand. 1 235/20 Kinder haben keinen Zutritt. Zirkus Schumann cute Mittwoch, den 22. rande 8olr6e d. MtS.: eqncstre. Elite- Programm. U. a.: Die Vbänomenalen Lustgymnastiker kes Monbars, Math. Renz m. ihren Schut- und Springpferden, Amerikas beste komische Akrobaten Los 5 Olracs, Direktor Albert Schumanns neueste Original-Dressuren und die neu engagierten Spezialitäten. Um 9>/, Uhr zum 23. Male: Allabendlich: Sturmischer Beifall. Eine Fortsetzung der bcrühintestcu und populärsten Pantomimen r: Ein Fest auf dem Neckar. Humorist. Bilder aus dem moderne» Studentcnleben vom Hosballettmeistcr 31. Siems. Prater«Theater Kastanien-Allee 7—9. 's Lorle oder: Dorf und Stadt. Schauspiel in 5 Akten v. Birch-Pseiffer. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Der Beilchcufresscr. XIII. Saison. Zirkus Bäsch| Große Vorstellung. Ifeat Ken! beall öeschw. Araato. Jennette Carpalii- Truppe. Um 91/, Uhr: Auf der Hallig. 1 Diesj. gr. Ansstatt.-Pantom. des Zirkus Busch in 4 Bildern. Im letzton Bilde: Das| Phitnonicn der tanchon- den Sirenen, 15 Minuten unter Wasser! Vorher das gr. Programm. Rixdorfer Tiieater Biirgersäle, Bcrgstraffe Nr. 117. Mittwoch, den 23. Oktober 1907: Zum 2. Male: Die Geschwister � Salome»o» omqc ssudc. Anfang 8 Uhr. Theater des Zentrums. Sophien- Säle, Sophienstratze 17/18. Kis W um Muse v.Krcn u. Lippschütz, Musik v. P. Lincke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. (le�verksehaftshaus, Engel-Ufer 15. Sonntag, den 3. November, VaS Uhr; � Kunst-Abend.& Leitung: Bargarcte Walkottc. Mitwirkende: Emil Richard, königl. Württemberg. Hofschauspieler, bedeuteudster Dialekt-Humorist der Jetztzeit. Knn Arpad, der 12jälir. Violinvirtuos. Frl. Bibbern, Konzortsängerin. Marg. Walkottc. Flügel: Herr Eernh. Xltzscb. Entroo GO Pf. im Vorverkauf bei Hrn. Horsch, Engel-Ufer 15. Abendkasse 75 Pf. 298b* freieVoltttbUhnel Die nächsten Abendvorstellungen Freitag, 35. Oktober, 8'/« Uhr, Freitag: Luisen-Theater Bartel Turaser. 33.(II.) Abendabteilung. Lortzing-Theater 1. Opernvorstellang: tÜndine. 33.(III.) Abondabteilung. Zu den beiden Abendvorstellungen haben die Mitglieder sämtlicher Nachs mittagsabteilungen Zutritt gegen Zahlung des Beitrages von 1 Mark. Mitgliedskarten sind in allen Zatiistellen zu haben. Die Zahlstellen des Vereins sind: N.: Emst Beyer, Veteranenstr. 13. H. Roloff, Wörtherstraße 31. A. Ohariet, Ackerstr. 154. Paul Mazanke, Pank-' straße 13. R. Vogel I, Lortzingstr. 37. K.Opitz, I K. Wiesenthal, Ackerstr. 123. A. Tietz, Invalidenstr. 124 (Stottiner Bahnhof). Kriedemann, Stargarderstraße 74.— NO.: Franz Niemeyer, Weberstr. 19. J. Reul, Baraimstr. 42. — 0.: P. Borsch I, Engel-Ufer 15(Gowerkschaftshaus), G. Vogel II, Koppenstr. 83. P. Gummioh, Frankf. Allee 90. W. Henze, Petersburgerstr. 34.— SO.: A. Böttger I, Ska- litzerstr. 107. Friedrich, Mari anno nstr. B. L. Tolks dorf, Görlitzorstr. 58. Karl Scholz, Wrangelstr. 110.— S.: Paul Haase, KottbuserDamm 4. Gottfried Schulz, Ädmiralstr. 40a. W. Börner, Ritterstr. 15. P. Meyer, Dresdenerstr. 128/129. Äb — SW.: Wilhelm Krüger, Belle-Alliancestr. 74a. Mudors- bach, Lindenstr. 59. F. Ohnesorge, Markgrafenstr. 102. 0$ A. Böttger II, Zossenerstr. 30.— W.: Wiemers, Bülowstr. 59. G. Moldenhauer, Barbarossastr. 64.— NW.(Moabit): Paul W- Horsoh H, Charitästr. 3. Lamprecht, Putlitzstr. 10.— C.; H. Ramm, Stralauerstr. 3-6. Alb. Löwenborg, Neue Schön- hanserstr. 18. Glasen, Gipsstr. 27. G. Weihnacht, Grünstr. 21. — Rixdorf: F. Henning, Ziothenstr. 69.— Charlottenburg: F. Schmidt, Wilmersdorferstr. 130.— Wilmersdori: E. Meyer, I ühlandstr. 97.— Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42.— Ober• Schöneweide: H. Knappe, Eeuloauxstr._22.— Tegel: Johann Lauer, Berlinerstr. 92. 230/9, Gebr. Herrnfeld- Tiieater. 57 Äommanbantenftrofec Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2. teil en XadameVtig-'Wag: Operetten-BurleSke. Musik von L. Jtat. iLzlede Ssz KsMeden!! Separee-Affäre in 2 Akten. Beide Stücke mit den Autoren s Anton nnd Donat Herrnfeld.> Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herrnield. Kasino-Theater. Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Nur noch bis 30. Oktober. Die wilde Jagd. Luftspiel in 4 Akten v. Ludwig Fulda. Am 31. Oktober zum erstenmal: Biederlcutc. Sonntag nachm. 4 llhr: Rick Carter. Theater Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke FricdrichstraDe. Zum 32. Male: • Geteilte Liebe© Autidnellonten— Bunter Deik. Ansang 8 Uhr. -Tdesler Burgstraffe 31. Täglich 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Der briiiante Oktelier-Spieltilan. U. a.: Paula Pnyals Hunde-Dressur. Die 5 Rammoneurs Damen-Ensemble. Ein glänzender Reinfall Poll-. Reieitshallen-Theater. Täglich: Britton als Ante im Familien- bad Wannsce. Sonntags 7 Uhr. Ans. Wochent. 8, W.Koacks Theater Dtreklwii: Rot. Dill. Brumieiittr. 16.| Der Lunpsainlep von Paris.| Charaktcrgcm älde aus dem Volksleben. Ansang 8 Uhr. Entrce 30 Pf. Ebrcn- und VorzugSknrtcn gültig l| Freitag z. erstenmal: Oos Rätsel■ seiner Ehs. tiggenhagen Moribplab. Täglich Borstellung r- | Ansang 8 Uhr. Enlree 50 Ps ' sonntags 7 Uhr.(Sonntags ! reserviert I M.. Entrce 50 Ps. FamilienbillcttS a 40 Ps. Itägn'ch Miiilär-Konzerl. Becker, PrzywarSki, Görisch, s Neumann, Offency und Lüttich 1 Zahnärztliche Klinik tiill Belle-Allianeestraße 108, ppiiiier liareiiiiaus JaoM Zatznztchen unentgeltlich. Bei kiinstt. Zähnen u. Plomben w. d. AuS. lagen berechnet.— Geöffnet von 9-6 Ubr. Sonntags S-l2 Ubr. 8SL« yj&f-,**- Bürgerliche Wohnnngs- Einrichtungen. Einzelne Höiiel Entgegenkommende Zahlangswelse. ALLE TAGE ANDERS" direkt am Noltelbcck- Platz 5837L* Panks, Gerichts und Reinickendorfers Straßens Ecke* Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tl/. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer L- Co.. Berlin LW* Ar. 348. 34. Jahrgang. 3. KeilM drs Joiiüiirts" fnlian KllisM Miwsch. 33. Oktober l907. �erickts- Leitung. Mord oder Totschlag? DaS blutige EheSrama am Tegeler Weg, welches schon einmal die Strafkammer in einer längeren Sitzung beschäftigt hatte, ge- langte gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hl zur Ver- Handlung. Wegen Mordes mußte sich der Zimmermann Magnus Fischer bor den Geschworenen verantworten. Der 29jährige An- geklagte wurde beschuldigt am 16. Dezember v. I. s e i n e E h e- frau Marie F. geborene Heitzig vorsätzlich ge- tötet zu haben und diese Tötung mit Ueberlegung aus- geführt zu haben. Das Vorverfahren gegen den Angeklagten hatte schon auf Mord gelautet. Die Staatsanwaltschaft war dann aber zu einer milderen rechtlichen Auffassung der Sache gekommen und hatte an- genommen, daß Fischer durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen der Getöteten zu der Tötung bestimmt worden sei. In der ersten Ver- Handlung vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III ver- wickelte sich der Angeklagte derartig in Widersprüche, daß der Ver- dacht des Mordes wieder auftauchte. Die Strafkammer erklärte sich deshalb für unzuständig und verwies die Sache an das Schwur- gericht. Der Anklage liegt ein Vorfall zugrunde, der sich in dem unbebauten und wenig belebten Teil des Tegeler Weges in Char- lottenburg am 16. Dezember v. I. abgespielt hatte. An diesem Tage, einem Sonntag, ging der in einem Berliner Warenhause an- gestellte Hausdiener Krcch den Tegeler Weg entlang. In der Nähe der unbebauten Straßen 43 und 67 stieß er Plötzlich auf einen grauenerregenden Fund. Inmitten einer großen Blutlache lag auf einem mit Schnee bedeckten Steinhaufen ein junger Mann, der aus einer bis an die Rückenwirbel reichenden klaffenden Halswunde blutete. AIS der Schwcrverwundete Krech bemerkte, gab er einige pfeifende Laute von sich und deutete mit der Hand nach dem Zaune des in einiger Entfernung liegenden Charlottenburger Volksgartens. Als Krech trotz aller Mühe die Laute. die der Unbekannte hervor- stieß, nicht verstehen konnte, reichte er ihm ein Blatt Papier und einen Bleistift. Der Verletzte schrieb darauf die Worte: „Frau ist tot, liegt dort hinter Zaun!" Nunmehr wurde es K. erst klar, daß sich hier ein blutige? Drama abgespielt hatte. Er benachrichtigte durch einen des Weges kommenden Nadfahrer das zuständige Polizeirevier in Charlotten- bürg, von dem nach kurzer Zeit der Reviervorstand mit mehreren Beamten erschien. Die sofortige Inaugenscheinnahme halte folgendes Ergebnis: Vor dem Zaun lag ein blutbespritzter Regenschirm, in einiger Entfernung von diesem lag in einer großen Blutlache die Frau des Angeklagten, die eine furchtbare Verletzung aufwies. Der Hals war durch einen Schnitt bis auf die Wirbelsäule durchschnitten worden, die Haare waren aufgelöst und ebenfalls mit Blut getränkt. Der Tod war schon eingetreten. In der Nähe des Tatorte? wurde ein blntbesudeltes Messer aufgefunden, mit welchem dem Anscheine nach die Tat verübt worden war. Der schwerverletzte Angeklagte und die Leiche seiner Frau wurden sofort nach dem Krankenhause Westend geschafft. Hier wurde als Todesursache bei der Frau Verblutung infolge Durchschneidung der großen Haisschlagader festgestellt. Die Verletzungen am Halse des Angeklagten £ ffiaren ebenfalls schwerer Natur. Nach Anlegung eines Notverbandes J.oütbe der�Lerletzte als Polizeigefangener nach der kgl. Charitö übeo geführt. Nach Wiederherstellung des F. wurde er in das Moabiter Uvterfuchungsgefängnis eingeliefert und ein Verfahren wegen Mordes gegen ihn eingeleitet. Fischer hatte sich durch Aeußerungen, die er bald nach feiner Einlieferung in das Krankenhaus Westend zu dem diensthabenden Arzt Dr. Neubert und dem Krankenwärter Koch getan hatte, verdächtig gemacht. Er äußerte damals, daß er mit seiner Frau einen Streit gehabt und sie dann in eine einsame Gegend gelockt habe, um sie zu töten. Nachdem er mehrere Sckmffe aus einem Revolver auf sie abgegeben hatte, habe er ihr den Hals durchgeschnitten. Später rrat der Angeklagte erst mit der Behauptung hervor, er habe wegen seiner unglücklichen Ehe die Absicht gehabt, sich vor den Augen seiner Frau zu erfchießen. Diese habe ihn aber an der Ausführung seines Vorhabens gehindert und ihn schließlich gebeten, sie doch auch zu töten. In der ersten Verhandlung vor der Strafkammer widerrief Fischer wieder die Aussage und behauptete, er habe seiner Frau überhaupt nichts zuleide getan, diese müsse sich selbst den Hals durchschnitten haben. In seiner gestrigen Vernehmung ab der Angeklagte in längeren Ausführungen eine Schilderung eines ganzen Vorlebens und seiner Ehe, die er als eine sehr un- glückliche bezeichnet. Er habe auf einem Zimmcrplatz in Lichtenberg immer gute Arbeit gehabt und bis bv M. pro Woche verdient, so daß seine Frau nie Not leiden brauchte. Trotzdem habe sie sich immer mit anderen jungen Leuten abgegeben und„gcliebäugelt". Ilm Weihnachten 1905 herum habe er seine Frau auf einem Tanz- bodcn kennen gelernt und bald darauf im Februar 1906 geheiratet. Die Ehe sei anfänglich glücklich gewesen, bis er dahinter gekommen sei, daß ihn feine Frau betrüge. Im September sei es das erste Mal zu einem ernsteren Streit gekommen, als sich seine Frau in einem Lokal in unpassender Werse zu jungen Leuten benommen habe. Er habe ihr dann in der Wohnung ein paar Ohrfeigen ge- geben. Später sei ihm hinterbracht worden, daß seine Frau mit einem Schlächtergesellen Demant in ehebrecherischen Verkehr getreten sei. Als er sie zur Rede gestellt habe, habe sie ihm auch eingeräumt, daß es zu einem Verkehr gekommen ser. Sie habe jedoch behauptet, daß Demant sie gezwungen habe. Er selbst habe gegen D. Anzeige wegen versuchter Notzucht erstattet. Das Verfahren sei indessen ein- fcstellt worden. Später sei er zu der Ueberzeugung gelangt, daß ihm eine Frau die Unwahrheit gesagt habe. Der Vorsitzende bemerkt im Anschluß daran, daß der An- geklagte nach einer Aussöhnung wegen dieses Vorfalles wiederholt seine Ehefrau geprügelt, sie mit Füßen ge- treten und mit einem Beil bedroht habe. Einmal soll er auch versucht haben, seine Frau aus dem Fenster herauszuwerfen. Nach einer solchen Eifersuchts- szene habe er auch einmal die sämtlichen Kleider seiner Frau zer- schnitten und im Ofen verbrannt. Wiederholt soll er auch geäußert haben:„Entweder tot oder Zuchthaus. Das A.. muß weg l" Wie der Vorsitzende weiter bemerst, ist der Angeklagte auch schon wegen einer Mißhandlung seiner früherm Geliebten mit einer Geld- strafe von 16 M. bestraft worden. Der Angeklagte erklärt in seiner Vernehmung weiter, daß er nur dann gegen seine Frau tätlich geworden sei. wenn sie es verdient habe. Nach einer derartigen Szene sei sie mit ihren Sachen zu einen: unter dem Spitznamen„Brotmarie" bekannten Fräulein Menger gezogen. Es sei ihm bald zu Ohren gekommen, daß hier alles Mögliche geschehe, was das Tageslicht scheue. Am Sonnabend, den 15. Dezember, habe er noch erfahren, daß seine Frau Bier und Liköre gekaust habe und mit zwei Männern die ganze Nacht zusammengewesen sei. Dies habe ihm den ganzen Mut zum Leben genommen. Er habe sich am Sonntagmittag nach der Wohnung der Menger begeben, um seine Frau noch einmal zu sprechen. Er habe ihr verschiedene Kleidungsstücke geschenkt, sich selbst aber eine» Revolver ge» kauft, mit dem er sich vor den Augen seiner Frau habe erschießen wollen. Seine Frau habe auch eingewilligt, mit ihm einen Spazier» gang zu machen. Auf dem Tegeler Wege habe er seiner Frau noch- mals zum Guten geredet und als diese nicht darauf eingegangen sei, habe er seinen Revolver hervorgeholt. Als er die Waffe an- setzen wollte, habe ihn seine Frau unter Tränen gebeten, es nicht zu tun. In diesem Augenblick habe ihn die Verzweiflung und die Wut über sein trauriges Leben gepackt. Ohne zu wissen, was er eigentlich tat, habe er seiner Frau das Messer in den Hals gestoßen und sich dann selb st in den Hals geschnitten. Was weiter geschehen sei, wisse er nicht mehr. Nach einer ausgedehnten Beweisaufnahme verneinten die Geschworenen die Frage wegen Mordes, bejahten hingegen die Frage des T o d s ch l a g e s. DaS Gericht erkannte auf fünf Jahre Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten her Untersuchungshaft auf diese Strafe. Wir man Abbruchkostcn zu ersparen sucht. Vom Landgericht Fürth ist am 20. Juni der Zimmer« meister Georg Kuenlein wegen Aufforderung zur Brand- stiftung zu acht Vtonaten Gefängnis verurteil: worden. Er hatte eine baufällige Scheune. Die Ortspolizei hatte ihn wiederholt aufgefordert, den gefährlichen Zustand zu beseitigen. Ganz in der Nähe stehen andere Scheunen des Angeklagten. Eines Tages führte nun K. den Arveiter Sch. in die baufällige Scheune und sagte: „600 Mark gebe ich Dir, wenn Du sie anzündest. Ich gehe auf' ein paar Tage fort, dann fällt es nicht auf 1' Auf Stroh und Spreu zeigend, sagte er:„Das brennt!" Sch. machte einen Einwand und ging nicht darauf ein. Der Brand wäre für den Ailgcklagte» vor- reilhaftcr gewesen als der Abbruch, denn die Scheune Ivar für 1000 Mark versichert.— In seiner Revision behauptete der Au« geklagte, das Gericht habe nicht geprüft, ob die Ausforderung ernst- lich gemeint war.— DaS Reichsgericht verwarf am Montag die Revision, da der Angeklagte in der Hauptverhandlung Scherz nicht eingewendet hatte._ Lese- und Diskutierklub„Heinrich Heine*. Heute abend Sitzung bei Bolze, Rodenbergsw. 8. Gäste willkommen. Lese- und Diskutierklub»Eintracht*. Heute abend 8>/, Ahr bei Beetz, Goßlersw. 10/11: Vorwag. Gäste willkommen. Lese- und Diskutierklub„Karl Marx*. Heute abend Sitzung bei Greulich, Utrechtcrfwatze S. Borwag. Gäste willkommen. Lese- und Diskutierklub„Südost*. Heute abend S'/, Uhr bei Tolksdorf, Görlitzerfw. 53: Sitzung. Gäste willkommen. Berband der Frifeurgeyülfcn Deutschlands. Zweigverein Rixdors. Donnerstag, den L4. d. M., abends 9'/, Uhr, Berlinerstr. 14: Versammlung. Vortrag. Sozialdemokratischer SlgitationSverein für SlrnSwalde.Friede- berg. Swbeiter, Handwerker, Parletgenosien, sowie alle hier arbeitenden rmd wohnenden vanhandwerkcr aus dem Kreisel Heute abend S'/, Uhr: Oesfentliche Versammlung bei Bocker, Weberstrafee 17. 1: NorfolkoAnzfige aus modernen Lodenstofien 24.— 21.— 18.— 15.— 12.- 10.— Jackett» Anzüge Keuzeitige Fassons und Stoffe 32.-27.-24.-21.—|H m 18.- 15.- 12.-11.- M. Ulster u. Paletots Schöne Moden and Stofie 36.— 30.— 27.— 24.— Q ,, 21.- 18.- 15.- 12.- M m m Grolle Mengen einzelner Joppen und Hosen zu sehr niedrigen Proben. Moderne Cheviots und Formen 157- 1=2*. so m m Kieler Anzüge mit langen Hosen Guter blauer Cheviot GröQe 1.....IM. Jede weitere Größe 60 PI. mehr. Ulster u« Paletots Beizende kleidsame Fassons ».- 18.— 16.— 14.- E ,, 12.— 10.— 8.— 6.— O Große Mengen einzelner Blusen und Hosen tu sehr niedrigen Preisen. Nur eigene Erzeugnisse in tausendfältiger Auswahl. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massatabaa. Chausseestrasse 29-30• 11 Bruckenstrasse fl Gr. Frankfurterstr. 20. Der fiaupt-Katalog No. II(Neueste Moden 1S07-081 au! taeii kostenlos uud portolrei. Drei Dinge sfnfl nötig zor He* tlellung bester Cigarettcn: 1. Umfassendes Verständnis der Fabrikation. 2 Allerbeste Rohmaterialien. 3. Technisch vollkommenste F abrikeinrichtung. Dafür zu sorgen ist unsere Sache. Eins nur ist nötig zum Einkaut bester Cigarettcn: darauf zu achten« dass die Cigaretten die Marke f tragen. Dafür zu sorgen(st Ihre Sache. Diese vier Faktoren gewährleisten Ihnen den Einkauf denkbar bester Cigaretten. Die Marke ist die Garantie. Dass wir die besten Cigaretten fabrizieren, können Sie selbst feststellen bei einem Versuch mit irgend einer Sorte deren Vorzüglichkeit durch die Marke Josetti garantiert ist. Josetti Juno 10 St. 20 Pf. Josetti Vera 10 St. 30 Pf. 1. und S. WciynachtSsriertag sowie Silvester und Neujahr noch frei. Z83L* Klubksus KommnndautcnstraOe 79. SS T e flz ahluiig v.Uclieutl. 1.Tlk. j-TH fta., Vollk. schmerzloses Zahnziehen 1 Mk. Plomben 1,50 M, Reparat, sofort. Umarbeitung schlecht sitz. Gebisse Zahnarzt Wolf, Leipzigcrstr. 130. Sprechstunden 8-7 Uhr. eventuell auch auf Teilzahlung Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.} das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 13 Buchstaben zählen doppelt. ardinen- Spezialhaus Emil Lefevre Berlin, Oranienstr. 158 RiesencAuswahl! Gardinen, Portieren, Stores, Vit ragen, Tüll- Kcttdcckcn etc. Einzelne Fenster spolthilllfl I PraElit-Katalog s.™ gratis und franko. Herren-, j Zainen- u.| Inder- i Garderobe. & neueste Fassons, größte Auswahl. � Alles auf bequemste | Teilzahlung. S.DornJ 1 I g am Schönhauser Tor. s 4t8L» S ««««««««««»««»»««»«? ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis t Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-E�peditlon, Llndcnstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. In der Nacht von Sonntag zu Montag verstarb nach ISngcrem Leiden unser verehrter Mitarbeiter und Kollege, der Schriftsetzer Karl �aassea im 49. Lebensjahre. 824b Er war uns stets ein aus- richtiger, liebenswürdiger Kollege und werden wir sein Stnbcnfen in Ehren halten. Berlin, den 22. Ollober 1907. vis Kollegen des„Berliner Tageblatt". Die Beerdigung findet Mittwoch, den 28. d. M., nachm. 41/, Uhr, von der Leichenhalle des Heilig Kreuz-KirchhoscS— Mariendors, Eiseiiacherstratze— aus statt. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung unserer lieben Tochter und Schwester miiiim Well© sagen wir allen Beteiligten, ins- besondere den Beamten, Kollegen und Kolleginnen des Elettrotechnischen BureanS, ferner den Meistern und Mitarbeitern der Drnhtfabrif, Ab- teilung Klöppelei, sowie dem Fabrik-, Land- und Hülssarbeiter- Verbände unseren tnnlgcn Dank, Pamilie Welle Ober-SchSneweide. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit alle» Beteiligien, auch den Sängem, meinen innigsten Dank. 43KL Witwe H. Sander nebst Kindern. Komme(>. Dezembcr'mit IS Wsxxonlsdmixen FiO 000 Stück) Weihnachtsbäumen nach Berlin(Anhalter Bahnhos). Knut Wedekind Ilmenau i. Th. Wiederverkäufer haben große Ver» günstigungen und bitte dieselben, sich ini voraus an mich zu wenden, Preise brieflich, 805b» teppdeeken kauft man am preiswertesten direkt in der Fabrik «eriin X., Prciizlaucrftr. IIa. Alte Steppdecken werden aufgearbeitet. 56991,* Phänomen- Nach Egyptischer Art feinste Handarbeit. Zigarettenfabrik„NAMKORI" Kleine Anzeigen Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme sowie die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, des Handschuhmachers Paul Schmidt sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere aber den Kollegen des OrisverelnS Berlin deS Verbandes der Giaeähandschuhmacher Deutsch. lands für ihre so reiche Anteilnahme meinen tiefgefühlten Dank. 8086 Frau ülartba Schmidt. Dr. Simmel SpeziaNArzt für Haut- und Harnleiden. Prinzen str. 41, ÄÄ, 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4. •»•••»•••••••MOS»»» Soeben erschienen Julttlililisiüiitt Äsi«lijlc«-Sangrcß Stuttgart 1907 vom 18. bis'M. August. Preis 50 Pf,, in besserer Ausstattung 1,20 M. Sxpedition des»Vorwärts' Berlin SW., Llndenstraste 69, Laden. Haben Li» Stoff? lHi]cnise davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Lahand, i Neue Promenade*,! I.(Stdtb. Börse). J Berlin SW., ffiindcnstraßc 105. 49821,» I Dotalausherkaiif meines Engros- und Filialenlagers: Gardinen, Stores, Tüllbettdecken 10 bis 20 Prozent Rabatt. E. WeigenbergS Teppich- haus, Große Frantsurterstrahe 125,' Teppiche mit Farbenschlern zum vollstäudigen Slusverkaus jetzt mit 10 Prozent Exlrarabatt. Große Franksurterstraße 125. 2853K� Totalausverkanf meines EngroS und Filialenlagers: Tuch» und Plüsch, decken, Velvetine- und Plüschportieren in allen Preislagen durchweg mit 10 Prozent Exirarabatt. Große Frank- surterstraße 125._ 2854Sl+ Steppdecken, Fabrikmuster, Stück 8,25, 3,85, 4,85, 5,50, 6,50, 8,50 Usw. E. WeißenbergS TeppichhauS, Große Franksurterstraße 125, 2855K� Nähmaschinen. Zahle höchste Ver gütung. Alle Frisier u, Roßmann- Systeme Kleinste Abzahlung, Hruda, iltoseiithalerstraße 19, Chorincrstr. 26, Postkarte genügt. WM» Fahrrad, wenig gefahren, 40,—, verkauftPensionSanstaIt,Kanistraße55, Damenmäntcl, Jacketts, Paletots, Abendmäntel, Kostümröcke, Riesen- auSwahl, nach beendeter Engrossaison spottbillig Fabrik. Pelz, Kurstr. 50, Fahrtvergütung. 676b Teppiche inilFarbtniehlern Fabrik« Niederlage»iroß« Frniikiiirleriir aße g, parlerre kein Laden, Mauerhoff, ft lllardjiienbaiis GroßeFranklnrler» straße 9, parterre. Kein Laden. Mauerhoff, 1� Steppdecke» billigst Fabrik Groß« Franksurterstraße 9, parterre, 44 Möbel sowie ganze Wohnungs- Einrichtungen erhalten solide Leute zu Kassapreisen bei geringer An- zahlung aus Teilzahlung Möbelfabrik A. Krause, Schützenstrage 73/74.* Bilder, Svicgel ohne Anzahlung, Uhren, Steppdecken, Tischdecken, Por- tieren, Gardinen, Teppiche, Polster- waren, GaSkronen, Herren-Konfektion, Teilzahlung von 0,50 pro Woche an, liefert Weber, Prenzlauerstraße 49.* Teppiche!(sehlerbasle) in allen Größen für die Halste de« Werlcs tm Teppichlager Brün», Hackelcher Markt 4. Babiibos Börse. 261,1* Herrenfahrrad, Damcnsahrrad, wie neu, 45,00. Holz, Blumen- straße 36 d._• Federbette», Stand 11,00, große 16,00, Wäsche, Gardinen, Portieren, .Steppdecken, Uhren. Goldlachen, Sllbersachen. Anzüge spottbillig Pfand- leihhauS, Küstrinerplatz 7. 2648K Steppdecken spottbillig, Fabrik Große Franksurterstraße 60. 2167K* Pianiuo, gebrauchtes, billigst Pücklerstraße 33. tadellos, 738b Nähmaschinen. Bi» 20,00 vergüte reell, wer kaust oder nachweist. Sämt- liche Systeme. Postkarte genügt. Brauser, Frankfurter Allee 101. Laden.-HO» PfandlcihhauS! Hermannplatz fechs. Allerbilligste EinkaufSquelle I Beitenvertauf, Brautbitten, Vcr- mieiungZbett, Bettstücke, Aussteuer- wasche. Extrabilliger Gardinenverlauf, Teppichverkaus. Steppdecken«, Pfänder- verkauf, Plüschtischdecken, Taschen- uhren, Freischwinger, Schmucksachen, Kettenverkaus, Ringevertauf. Hoch- modernste staunend billige Jackett- unzüge, Gehrockanzüge, Winter- paleiots, Sommerpaletots. VertausS- räume auch Sonntags geöffnet,* Schleuniger Verkauf aller Möbel und Küche spottbillig Oranienstr. 34, II lints. 797b* Restaurant, nachweisbar gut- gehend, dreißig Halbe, Baugegend, umständehalber preiswert verkäuilich. Charlottenburg. Weimarerstraße 5, Teppiche, wegen Umbau spottbillig. Gardinen, Portieren, Steppdecken, Schlafdecken ebenfalls be« deutend herabgesetzt. Stoehr, Münz- straße 17, Eingang Königsgraben.* Gasbronzekronen!! GaSzug- lampenl 9,00, Salongaskroneni 16,00, GaSlyren l 1'/,. ZweilochgaSkocher I 3,00. Wohlauer. Wallnertheaterstraße 82. Möbrlansstattung, 6 Zimmer, Küche, viele Plüschteppiche, Trümeau, Oelgemälde, Uhren, Bronzekronen, Salongarnitur, Gelegenheit. AukttonS- annahme Raich, Grünerweg 3. Drehrollen(Teilzahlung) Berliner Drehrollen-Fabrik, Waßmannstraße 29. '�Riesenposten Teppiche, Sofa- und Salongröße, 4,35, 6,75, 10, 15 Mark. Eine Partie mit kleinen Webefehlern spottbillig. Teppichhaus Emil Lesövre, Oraniensiraße 158. 5336K* Ueberzählige Herrenpaleiois, Herrenanzüge, nur hochfeinste Ans- sührung, ausverkauft EngroSsabrik einzeln zu Engrospreisen. Enorme Geldersparnis. 2—4 geschlossen. Neue Friedrichstraße 37, HI._ 287/6* Uhrru, Gold- und Silbersachen kaust man gut und billig bei Adalbert Schütz, Beusselstraße 26. 2S41K Milchgeschäft, schön eingerichtet, herrliche Lage, ist trankheitshalber zu verkaufen Norduser 13, Genossenschasis« hauS.__ ff© Tingerinafchine 12,00, gutnähend, Prinzenstraße 77,__ 81/12 Sportwagen mit Verdeck billig Britzerstraße 33, Metz. pIOZ Rcftauratio», Miete 1300,00, Fabrik im Hause, ist sofort billig zu verkaufen, Tinz, Schwerinstraße 3. Restauration verkäuflich Naunyn- straße 6g,_+20 Zigarrengeschäft, Osten, Nähe Schlesischen Bahnhof, billig zu ver- lausen. Für Parteimann großes Ge- schäst, Offerte IL H. 770 Postaint 93.__+40 Milchgeschäft mit Rolle, 600,00, verkauft Rirdori, Wildenbruchplatz 4, �Gricutramgoschäft mit und ohne Fuhrwerk, große Wohnung, billige Miete, verkaust billig Gropiusstraße 1, Kolonialwaren- Geschäft krank- heitshalber, 700 Mark. AuSkunst Nixdorf, Warthestraße 67, Zigarren- geschäsl._+72 Brrtiko. Plüschsosa, Säulen- trumea», Bettstellen, Muschellleider- schiank 26,00, AuSziehttsch, Spiegel- spind, Waschtotletle 16,00, groyer Muschelsplegel 10,00, Stühle. Uhr. Bilder, Küchensachen verkaust fpott- billig Schuhmann, Waldemarstraße ll?, vorn I, 309b Tcppiche mit Farbfehlern er- staunlich billig Teppich- Thomas, Oraniensiraße 160, 286m* Militärhalber Herrensahrrad, Kunsz, Wilhelm Stolzestraße 15.* Zigarrengefchä ft. Existenz, billige Miete, verkäuflich. Erfragen Gehring, Rügenerstraße 27,_ 8026 Restauration, Parteilokal, billig verläuslich Urbanstraße 7._ 8036 Möbrlverkanf, englische, Muschel- Bettstellen mit Matratzen 39,00, Muschelschrank 27,00, Trumeaus 29,00, für Brautleute komplette Einrichtung in großer AuSwahl, kolossal billige Preise, Polstermöbel eigener Werk« statt, Chausseestrabe 48, MSbelspeicher. Küchenspind 6, Bettstelle, kom- plett 8, Plüfchsofa 50, Spiegelvertiko 48, bunte Küche 65. Hirschowitz, Brunnenstraße 30. 8176 Kleider, Blusen, wenig getragen, zu verkaufen Danzigerstraßo 86 I rechts.+57 Monatsanzüge und Winter- paielolS sowie Joppen von 5,00, Holen von 1,50, Gehrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie für kor- puienle Figuren. Neue Garderobe zu staunend billigen Preise», aus Pfandleihen verfallene Sachen taust man am billigsten bei Naß, Mulack- straße 14. 653b* Monatsanzüge, Paletots, wenig getragene, von 5 Marl an, große AuSwahl für jede Figur, auch neue elegante Garderobe auS erster Be- zugSguelle, 20 Prozent billiger wie im Laden, direkt vom Schneider- mcister Paul Fürstenzelt, nur Rosen- thalerstraße lO. 262/20* Littauer- Nähmaschwen ohne An zahlung, wöchentlich 1,00, gebrauchte 12,00, Wienerstraße 1—6, Warschauer» straße 67, Ackerstratze 111. 8156 Tamenjacketts, Paletots, Mäntel, Kostüme, Binsen, Kostümröcke(Reise- muster), teils aus Seide, durchweg 9 Mark. Julius Neumann, Belle- alliancestraße 105. 2S60K* Verschiedenes. BolkSfänger> Gesellschast Weih- nachten frei. Anke, Swinemünder- straße 17._+94* Lernt die Mittterfprache beberrschen l Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Wort und Schrift der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewiffenhaster Vrivatlebrer. Die Stunde tostet eine Mark, Eine Unterrichtsstunde wöchentlich genügt. Ge- fällige Angebote sind unter G. 4 an Expedition deS.Vorwärts* zu richten. Patenranwalt Wesset, Gitlchiner- straße 94a. 255551 Bücher kauft, beleiht Antiguariai Kochstraße 56._ 284051* �Anfpolsterung. Bettmatratze 4,00, Sofa 5,00, auch auherm* Ho'imann, Neue Königstraße Wer borgt Parteigenosse« aus 6 Monate 100 Mark? Offerlen unter C. 96, Rixdorf, Postlagernd Hobrecht- straße.____________+72 Bolksfängcr- Gesellschaft.Henry Balze", Manteuffelstraße 41,+18* Ich erkläre hiermit, daß die von mir über Herrn Gustav Wutzti be- baupteten Gerüchte nicht den Tat- fachen entsprechen und erkläre den- selben als Ehrenmann. Otto Schellenberg. Weißenbiirgerstraße 57. Goldenen Trauring arsunden, Abzuholen bei Bochnick, Pücklerstr. 23, L» Marl Belohnung dem, der meinen Spitz(glänzend schwarz, zirka 45 Zentimeter Schulterhöhe,.Prinz") zurückbringt oder seinen Aufenthalt angibt. Barthel, Rixdorf,«Schiller- Promenade 30. 8186 Gastwirte erhalten Einrichtungen oder Darlehne von«rsttlasfiger Atlicnbrauerei. Offerte: Biervertreter, Postamt 22. 8126 Hiermit nehme ich die Beleidi- gung gegen Frau Klein, Wilhelms- havmerstraße 37, zurück. 8L Steinberg, Wilhclmshavenerstraße 37 Junge Leute im Mindeslatter von 21 Jahren, welche den polizeilichen Vorschriften entsprechen, werden als Motordroschkensuhrer ausgebildet, Lehrgeld 30 Mark, Automodil-Be- lriebS-Gesellschast.Hannovii+cheftr, 5, Tanzinstitut Willy Portzig, Sonn- tagSknrse, Wochentagskurse beginnen, Honorar: Damen drei, Herren sechs Mark, Anmeldungen Skaiitzerstr, 130, vormittags 10—10 Uhr abends. 2859K Wohnungen. Prächtige Balkonwohnungen sofort. Soldinerstraße 32. 280851* Gesundbrunnen, Schweden- straße 18a, Stube, Küche, Zubehör, von 18 Mark an. 440b* Wegen Umzuges nach außerhalb billig Stube und Küche. Wagner, Buttmannstraße 12,_+102 Zimmer. Möblierte? Zimmer. Ga», Bade- Benutzung 14,00, Sachse, Weichsel- straße 5 tv._+112 Möbliertes Zimmer oder Schlasslclle, zwei Herren oder anständige Damen, vermietet Schcwe, Goltzstraße 3, rechter Seitenflügel IV. Möbliertes Zimmer sofort oder Ersten, Godau, Oraniensiraße 184. Freundlich möbliertes Zimmer zum 1. November, 15,00, Salz- wedelerstraße 4, vorn IV, am Bahn- hos Putlitzstraße, bei Doßmann.+78 LchlaksteHen. Möblierte Schlafstelle vermietet Frau Jacobey, Wiesenstraße 10, III.* Gut möblierte Schlafstelle oder Zimmer sür zwei Herren Stephan, Elsasserstraße 9a, vorn IV.+140 ■�4«; in)|icu-~ i/iimictci avivyuiumi, Schlesischestraße 41, vorn IH.+20 Freicudliche Schlasstelle, an- ständiger Herr, auch Witwer, 1. No- vember, Grahl, Gubenerstraße 46, Möblierte Schlasstelle zil vermieten Warschauerstraße 27a, I links, Vorderhaus._ 234/18 Möblierte schlasstelle sür zwei Herren, Langer, Bopvstraße 1, vorn IV, am Kottouser Damm, Park- ausiicht, 811b AUetsgesuehe. Kleines möbliertes Zimmer, allein, separat, Gegend Südwest. Offerten mit Preisangabe K. Spedition Prinzenstraße 31.+68 Stellengesuche. Blinder Eiudlslechter bittet um Arbeit, Stühle werden abgeholt und ziirückgeliejert. A. Gläicr, Mulack. straße 27. 1468b Stellenangebote, Schlosferlchrling gesucht sür größere Werkstatt in Charlottenburg. Adresse sub E. Z. 2972 an Rudolf Messe, Prinzenstraße 41. 81/11 Geigenspieler, auch humoristische Borträge, verlangt Tilsitersiraßc 18, Restaurant. 81% Stoctpoltercr außerm Hause ver langt 5lrafft, Seydeisiraße 13, 810b Kraüer verlangt Galvanisiernng Voeckhftraße 25._ 8216 Redakteurgesucht. Für die„Niederrheiuischc Arbeiterzeitung* in Qnisimi-s wird zum 1. Januar 1908 sür den provinziellen und lokalen Teil ein ge- wandter Redakteur gesucht, ===- Rnfangsgehalt 8000 M. Ges. Bewerbungen mit der Ausschrift„R. II." Bis zum 9. Nov. 1907 an Cnrt Hey, Duisburg, Friedrich Wilhelmstr. 76, erbeten._ 896L* Ärbeitersekretär-Gesueh. Für das am 1. Januar 1908 In Hof i. B, zu errichtende Arbeiter- fekretariat wird ein Sekretär gesucht, Nesiektlert wird auf eine durchaus tüchtige Kraft, welche event, schon in einer derartigen Stellung tälig war, die mit der sozialen Rechtspflege sowie der ArbeitrrversicherungS-Gesetzgebung bis in das klemste vertraut ist und über ein herrorragcndeS Rednertalent v erlügt. Antritt 1. Januar 1908, eventuell kann unter Berücksichtigiing gegebener Verhältnisse die AntrittSzeit bis spätestens t. März 1908 ver« längert werden, Gehalt nicht unter 2000 Mark, Geeignete Bewerber wollen ihre Offerten unter Beifügung einer Probearbcit über die Tätigkeit eines Sekretärs bis zum 15. November an den Vorfitzenden des Gewerkschasis- lartells Hof l. B., Konrad Opitz, Graben 32, einreichen. 293/15» Zum 1. Januar suchen wir einen Zweiten Redakteur. Nur Bewerbungen mit Angabe der bisherigen Tätigkeit und Gehaltsforderung werden unter „Redakteur" an die unterzeichnete Firma erbeten. „Volksdote", Appel& Co. G. Knnppe• Stettin, Schillcrstraße 10, M o tordro schken fü hrer sticht Automobil- Betriebs- Gesellschast, Hau- noverschestraße 5. 823b* «oienfraucn finden dauernde und sehr lohnende Beschäftigung Schiff- bauerdamm 1, Ecke Friedrichstraße.* Im Arbeitsmarkt durch befoudereu Druck herborgchobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Gräsierc Btlderrahmen-Fabrik Berlins sucht energischen tttiorkfuhrvi*, der mit allen Arbeiten der Branche vertraut ist. Offerten mit Angabe der bisherigen Tätigkeit erbeten A.' Expedition d. Bl. 86' Achtung! Die Pianofabrik von Sterne!, Omschouernr., 58, ist für Klavierarbeiter, Tischler, Ma- ichinenarbeiter, Polierer sowie für Arbeiterinnen wegen Lohndifferenzen gesperrt. 141/19* Oer Vorstand der Vereinigung d. Musikinstrumenten- __ arbeiten Berlins u. Umgegend. Hnnahiiie-8teUen für„Kleine Hnzeigen", Zentrum: Fritt Zinke. Mauerstr. 89. A. Hahnisch. Augnststr. 50. Westen: G. Schmidt. Kirchbachftr. 1s. Oaten: W. Mau», PelerSburgerplatz 4. R. WcngelS, RüderSdorferstr. 3. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. �lardositen: L. Zucht. JmmanueMrchftr. 12. I. Renk, Barnimstr. 42. Warden: H. Raschkr, Ackerstr. 36. F. Trapp, Steltinerstr. 10. Karl MnrS, Lychenerstr. 123. Karl Wcis/c, Nazarethlirchstr. 40. L. Techand, Nuhcplatzstr. 24. H. Bogel, Lortzingstr. 37. A. Tieb. Jiibaiidenslr. 124. �'«i'drvescten: Karl«nderS, Salzwedelerstr. 8. W. Schrotte. GotztowSkhsw. 29. tSitd'VQUten: H. Werner, Gneisenausir. 72. H. Schröder, Hagelbergerstr. 27. SiUden: St. Frib. Prinzenstr. 3l. F. Gutschmidt, Kotlbuser Damm S. LiUdasten: Paul Bühl», Lanfitzer Platz 14/15, P. Horsch, Engel-Uier IS. Gimi'iottenbnn;: G. Scharuberg, Sesenheimerstr. 1 J'l'iedi'icksibefs: C. Settel, Kronprinzenstr. AX Rlxttsrf: M. Heinrich, Neckarstr. 7. Conrad. Hennannstr. 50. Rnnimei-cdm-g: R. Rosenkranz, Sllt-Boxhagen 56. bteiiiineiieez;: Wilh.Bäuliiler.MarttnLuiherstr.öl. WeiUensec: St. Fuhrmann, Sedansir. 105. Jut. Schillert, König. Chaussee 39» Iteiniekendvi-r! P» Gursch, Provinzstraßc, Ecke Grünerweg. Dreptosv; R.Gramruz, Kiesbolzslr. 412. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil veraniw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer&. Co� Berlin SW,