Kr. 350. nbonnementS'Bedingungen: HBonnemenlJ- Preis pränumerando, Bicrteljährl. 3,30!mi.f monatl 1,10 Mk,. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter EonntagZ- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Sldonnement: 1.10 Marl pro Monat. kinaetragcn in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 34. Jahrg. ClUKlBt«glich iBßll Mit»». Nerlinev Volksblnkk. Vle Insertion!-Sebühl beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum B0 Psg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- und Verjammliings-Anzeigen 80 Pfg. «Aleine lZnreigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biZ S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm< Rdreffe: „SszialiUmoltrat Hcrlln". Zentralorgan der fozialdemokratifcben Partei Deutfchlande. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 35» Oktober 4007. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. 035 Geständnis! Skun ist eS uns doch gelungen, das Todschiveigelartell zu brechen und zunächst einmal der„Frei f. Ztg.* d e n Mund zu öffnen. Nachdem daS Blatt feinen ach so lange zurückgehaltenen Geifer er- gössen hat, legt eS ein volles Geständnis ab: Die Frankfurter Einigungsvcrsammlung darf sich mit der Wahlrechtöfrage in Preußen nicht befassen; sie gehört nicht vor ihr Forum. Eine Aussprache wird nicht stattfinden. Die drei Referenten werden, wie es neulich schon in einer Korrespondenz hieh, ihre Referate abhaspeln und dann wird man daS gemeinsame Mittagsmahl einnehmen. Wir begreifen nun, daß es dem Blatt schwer fällt, diese Komödie,.Theaterspielerei* nennt eS das „Berl. Tageb l.", zu rechtfertigen. Aber seine Ungeschicklichkeit ist dabei so groß, daß entweder Herr Wiemer sich selbst übertroffen hat oder gar Herr Fischbeck eigenhändig diese Rechtfertigung verfaßt haben muß. Wie verteidigt nun daS Organ der Freisinnigen Volkspartei deren Absicht, auf einer wichtigen Demonstrationsversammlung eine Kundgebung für daS preußische Wahlrecht eingestandenermaßen zu vereiteln? Man höre und staune: Der Vorschlag Barths ist den Herren zu wenig— radikal; er sei taktisch verfehlt. „Gelänge eS den Freisinnigen, im Sinne des Herrn Dr. Barth diese Reform durch ihre Mitwirkung im Block in der nächsten Session durchzusetzen, so würde damit un- zweifelhaft der Weg zu weiteren und nichtminder wichtigen A e n d e r u n g e n des preußischen Wahlrechts auf Jahre hinaus verlegt werden. Es ist selbstverständlich. daß die Freisinnige Volkspartei für die geheime Wahl eintritt, und daß sie, wenn ein gesetzgeberischer Vorschlag auf Einführung der geheimen Stimmabgabe gemacht werden sollte, diesen aus das nachdrücklichste unterstützen würde. Aber sie kann sich unserer Ansicht nach nicht darauf be- schränken, jetzt die geheime Wahl allein z n fordern. Der Berliner Parteitag der Frei- sinnigen VolkSpartci hat die Einführung des gleichen, allgemeinen, und direkten Wahlrechts in Preußen für geboten erklärt. Die Beseitigung der K l a s s e n w a h l ist unserer Ansicht nach mindestens ebenso wichtig und dringlich, wie die Einführung der geheimen Wahl.* Um zu zeigen, tvie verlogen dieser Vorwand ist, nur eine bescheidene Frage: Warum wird denn in der Frankfurter Einigungsversammlnng nicht die„radikale Forderung" erhoben? warum verlangen die vereinigten Liberalen denn nicht die so- fortige Einführung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts? Daß w i r damit einverstanden wären, vorausgesetzt, daß diese Forderung nicht nur„hochgehalten", sondern für sie auch gekämpft würde, selbst aus die Gefahr hin. den reaktionären Block zu sprengen, wissen die Herren sehr wohl. Niemand wäre mehr bereit, pater peccavi zu sagen als wir; denn uns ist jeder Kämpfer für das gleiche Wahlrecht willkommen. Aber wir sind leider sehr sicher, zur Reue keine Gelegenheit zu bekommen. Doch es muß auch gezeigt werden, wie frech die Ausrede der„Freisinnigen Zeitung" ist, wie u n v c r s chä m t sie auf� das kurze Gedächtnis und die politische J'ntercsse- l 0 s i g k e i t spekuliert. Wir haben neulich schon darauf hinge- wiesen, daß, was Barth heute verlangt, das geheime Wahlrecht, auf dem freisinnigen Parteitag ausdrücklich von niemand anderem als dem Referenten F i s ch b e ck als Abschlags z'ahlung verlangt wurde. Die heutige Kritik der„Frei s. Z t g." an Barth ist nichts anderes als eine Umschreibung der Kritik, die wir s e l b st damals an Fischbcck übten. Nur mit einem Unterschied. Gerade das völlige Versagen der Partei auf ihrem Parteitag hat nach Barths Meinung offenbar die Situation für das Wahlrecht vcr- schlcchtert. Und es ist kein Zivcifel, daß ein energisches, ent- schlossencS Vorgehen des Freisinns, die Entfesselung einer Wahlrechtsbewegung auch im Bürgertum, die Auf- stellung der Forderung des gleichen Wahlrechts als eine conditio sine qua non der Fortsetzung der Blockpolitik die Aussichten auf die Erringung des gleichen Wahlrechts wesentlich gefördert hätte. Gerade deswegen aber hat Herr Fischbeck sich so entschieden gegen die„radikale Forderung", gegen die„Alles- oder Nichtspolitik" gewandt und hat damit jene Situation er st geschaffen, in der Barth seinen Vorschlag eines Notgcsctzcs gemacht hat, das gar nichts anderes ist al« das, was Herr Fischbeck aus dem Parteitag als eine der nächsten Forderungen bc- zeichnete. Die Sache steht nun so: Als Herr Naumann damals im »Berl. Tagebl.*. durch Aeußerungen der„Freisinnigen Zeitung" und volkSpartcilicher Politiker selbst zur Meinung verführt, er handle in Uebereinstimmung mit der Freisinnigen Volkspartei— wir saugen uns diese„In- sormation" weder aus den Fingern, noch erhalten wir sie von„besonderer Seite*. Herr Naumann hat daS in einem Ar- tikel der„Hülfe* selbst erzählt— das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht forderte, wurde er auf dem freisinnigen Parteitag a n- gegriffen und verhöhnt. Jetzt erhebt Herr Barth die Forde- rung nach einem Notgesetz und wird angegriffen und verhöhnt, iveil er— nicht radikal, weil er zu bescheiden ist I IlcbrigenS wollen wir gegenüber den Entstellungen des BlatteS noch feststellen, daß wir s e l b st immer den Vorschlag Barths als b e- scheiden bezeichneten und keinen Zweifel daran gelassen haben, daß wir daS gleiche Recht verlangen. Wir rechneten ja nie auf die besondere Energie des Liberalismus, wenn wir auch gestehen müssen, daß wir diesen Verrat wirklich nicht vorauswissen konnten. So stehen also die Dinge in Wirklichkeit: Naumann ist ein Illusionist, denn er ist radikal, und Barth ist ein elender Taktiker, denn er ist nicht radikal. Die Takttk der Freisinnigen Volkspartei ist freilich eine andere. Sie hat vom Fürsten Bülow die Erlaubnis, von Zeit zu Zeit in Volksversammlungen und Zeitungen zu versichern, daß sie den Programmpunkt: gleiches, geheimes und direktes Wahl- recht„unentwegt hochhalte". ES ist ihr aber verboten, auch nur daS Geringste für die Durchsetzung auch nur eines Titelchcn dieses ProgrammpunktcS zu tun, und sie hat sorgfältig daraus zu achten, daß bei den Wähler» selbst keine größere Bewegung für daS Wahl- recht zustande kommt! DaS ist allerdings eine Takttk, die weder Naumann noch Barth rechtzeitig kapiert haben. Wir aber haben nur dafür zu sorgen, daß sie die Massen kapieren. Daher geht auch die„Fr eis. Ztg.*, die sonst über jede Be- zirksvereinsversammlung stolz berichtet, über liberale Wahlrechts- Versammlungen mit Stillschweigen hinweg. Wir sind uns bewußt, gerade in der Frage der Wahlreform mit äußerster Zurückhaltung vorgegangen zu sein, jede Spur von Entgegenkommen bereitwilligst anerkannt zu haben. Aber die Frei- sinnige Volkspartei ist, so lange sie der Führung der Wiemer, Müller-Sagan, Kopsch und Fischbeck folgt, ein schlimmes Hindernis jedes demokratischen Fortschrittes. Es will uns scheinen, daß diese Erkenntnis auch in liberalen Kreisen allmählich um sich zu greifen beginnt, daß man einsieht, welch schlechtem Ende die Partei unter dieser Führung entgegengeht. Es ist für diese Kreise höchste Zeit, daß man sich von dem Phantom einer liberalen Einigung befreit, die nichts anderes wäre, als das Aufgehen der letzten Reste der bürgerlichen Demokratie in die eine reaktionäre Masse. Ganz richtig meint heute das„Berl. Tagebl.": Denen, die mit Ungeduld erwarten, daß endlich der ent- schieden« Liberalismus sein Votum für die Wahlrcform in Preußen abgebe, tönt es immer wieder aus den Kreisen der Frei- sinnigen Volkspartei entgegen, daß von dieser Seite nicht d a S gering st e Entgegenkommen gegen die liberalen Forderungen zu erwarten sei. Ja, man spielt die gekränkte Leberwurst und droht damit,„Wandel zu schaffen", wenn die übrigen Parteien nicht nach der Pfeife der Drahtzieher der Frei- sinnigen Volkspartei tanzci? Und an anderer Stelle: Mit der liberalen Einigung ist es genau so wie mit dem Block. Sie ist gut. wenn sie und solange sie fruchtbar ist, sie wird eine hohle Nuß, wenn sie nur dazu dienen soll, die ziffernmäßige Ueberlegenheit der Freisinnigen Volkspartei in der liberalen Politik zur unumschränkten Geltung zu bringen. Noch schärfer sprach sich schon gestern vor dem Erscheinen des Ar- tikcls der„Freis. Ztg." die„Berl. V 0 l k s z t g." über die Haltung der Freisinnigen Volkspartei in der Wahlrcchtsfragc aus: „Man muß sagen, daß noch nie eine Partei eine widerlichere Farce mit ihrem Parteiprogramm aufgeführt hat; daß noch nie ein Programm unter schimpflicheren Formen verleugnet worden ist als in diesem Falle.... Die traurigste aller Partcipossen, aufgeführt von den Epl- gonen und Epigönlcin von Leuten wie Waldcck, Zicgler, Twcstcn und anderen wirklichen Volksmänncrn, gewinnt auch deswegen das Gepräge einer besonderen Lächerlichkeit, weil die fraktions- frommen Organe des Freisinns sich immer noch alle erdenkliche Mühe geben, den vollständigen Umfall des linksfreisinnigcn Blocks in der Wahlrechtsfrage bis zum«st. Martinstaac wo man in Frankfurt die Martinsgans essen wird, zu verschleiern." Ungestraft wird der Verrat der Freisinnigen Volkspartei in der Politischen Lebensfrage des deutschen Volkes nicht bleiben! llmitur? der Verfassung. Die Verfügung des Herrn Lehmann resp. der königlichen Regierung zu Potsdam, welche dem Genossen Katzcnstein die Abhaltung staatS rechtlicher Unterrichtsstunden an der Arbeiterbildungsschule in PotS dam unter Androhung von 190 M. für jede Unterrichtsstunde unter sagte, ist durch Beschwerde angegriffen. Ungeachtet der verfassungS> widrigen Vcrftigung der Potsdamer Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulbildung, wird der Unterricht im Staatsrecht in Potsdam erteilt werden. Das Antikulturelle und VerfassungS- widrige.des Eingriffs der Regierung liegt so klar zutage, daß be- zeichnenderweise bislang selb st die urreaktionär- sten Zeitungen eine Billigung oder Recht- fertig» ng des UkaS nicht unternommen haben. Durch den Artikel 29 der preußischen Verfassung ist nicht nur klar zum Ausdruck gebracht, daß die Wissenschaft selbst als forschende frei sein muß— kein Gesetz könnte diese Freiheit unter- binden— sondern auch daß sie als Lehrobjckt frei sein soll. Der Artikel 29 sich ert dem wissenschaftlich Strebenden daS Recht der freien Lehre in s christlichem und mündlichem Vortrag. Die Lehre ist nach der Verfassung keinerlei vorbeugenden Maßregeln unter- ivorfen. Der Versuch eines Beamten, dies dennoch zu tun oder gar seinem Vorgehen durch Strafandrohung Nachdruck zu vcr- leihen, kennzeichnet sich als Mißbrauch der Amtsgewalt, den das Strafgesetz mit schwerer Strafe bedroht, falls dem Täter nicht etwa völlige, unverschuldete Unkenntnis des Staats-, Schul- und Beamtenrechts als Strafausschlicßungs- grund zur Seite steht. Für solchen SttafauSschließungsgrund liegt nicht der geringste Anlaß vor. Ein Potsdamer RegierungSbeamter muß wissen, daß die für Preußen beschämende Demagogenhetze und Verfolgung der Wissenschaft von 18lS bis 1848 die traurige Veranlassung dargeboten hat, die Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre ausdrücklich in der von dem Beamten be- schwöre nen Berfas sungsurkun de auszusprechen. Der Beamte m u ß wissen, daß ein Beamter weder das schaft in Fesseln zu schlagen. Er muß wissen, daß gerade ein Preußen aufS tiefste herabsetzender Beschluß des Deutsche» Bundes veranlaßte, ausdrücklich vor Wiederkehr einer ähnlichen nationalen Schmach und Schande durch Art. 29 der Verfassung zu schützen. Der Bundesbeschlutz vom 29. September 1319 trug bc- kanntlich u. a. Regierungsbevollmächtigten das Amt auf,„den G e i st, in welchem die akademischen Lehrer bei ihren öffent- lichen und privaten Vorträgen verfahren, sorgfältig zu beobachten und ihnen eine heilsame Richtung zu geben". Zu solcher Hundsfötterei ließen sich natürlich nur die charakterlosesten, unwissendsten Schufterle, ein Gemisch von Heuchlern, Pietisten, Ignoranten, Strebern und pervers Veranlagten, gebrauchen. Sie machten Jagd aus die besten Köpfe Deutsch- landS. Um diesen elenden Zustand für die Zukunft umnöglich zu machen, wurde Artikel 29 der Verfassung Gesetz. Eine Verkümmerung deS in ihm ausgesprochenen Grundsatzes der Lehrfrciheit durch Ver- waltungsmaßregeln ist eine klare Verfassungsverletzung. Die Verordnungen von 1834 und 1839, auf die die Potsdamer Verfügung sich beruft, beziehen sich lediglich und aus- schließlich auf den Unterricht der Jugend. Das muß ein Dezernent der Regierung in Potsdam wissen. Er muß eS um so mehr wissen, als ihm das Ministerialreskript des Ministers v. Bethmann-Hollweg und deS M i 11 i st e r S des Innern Grafen V.Schwerin vom 27. Februar 1862 von amtswegen bekannt sein muß. Denn dies Reskript, welche! eine Rüge deS damaligen Polizeipräsidenten enthielt, weil dieser einem Manne die Erteilung von Unterricht im Brief- und GcschäftSstil an Erwachsene zu Unrecht auf Grund der erwähnten Order untersagte, ist im Ministerialblatt verösfentlicht, um ähn- liche Mißgriffe anderer Beamten zu verhindern. In dem Reskript wird ausdrücklich hervorgehoben:„die Staats- ministerialinstniktion von 1339 bezieht sich überhaupt nicht auf den Privatunterricht an Erwachsene, sondern, wie es aus ihrem ganzen Inhalt und insbesondere aus dem§ IS hervorgeht, ledig» lich auf den Privatunterricht für die Jugend". Und konnte einem RcgiernngSbeamten unbekannt sein, daß die Art. 29 und 39 der preußischen Verfassung Vereinsfreiheit insbesondere zum Zweck der Bildung garantierten? Mußte nach alledem der Dezernent der Potsdamer Re- gierung wissen. daß sein Vorgehen eine Verletzung der Verfassung, also ein rechtswidriges war, so ist schlechter« dingS kein Grund abzusehen, weshalb nicht gegen ihn strafrechtlich eingeschritten werden sollte. Nach§ 339 des Strafgesetzbuchs ist ein Beamter, welcher durch Mißbrauch seiner Amtsgewalt oder durch Androhung eines bestinmiten Mißbrauchs jemand zu einer Handlung oder Unter- lassung widerrechtlich nötigt oder zu nötigen sucht, mit Gefängnis zu bestrafen. Nach der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts ist die selbstverschuldete RechtSunkenntnis auch eines Beamten kein SttafauSschließungsgrund. Wird gegen den Dezernenten der PotS« damer Regierung, der die Ausübung der verfassungsmäßig garan- ticrten Lehr« und V e r e i n S freiheit durch Androhung einer Sttafe zu hindern suchte, strafrechtlich eingeschritten werden? Stehen die zum Schutze der staatsbürgerlichen Rechte und die gegen Beamten- Willkür erlassenen Gesetze nur auf dem Papier? Der Prozeß der Hinterhalte. Die ungesunde Luft der Intrigen und Hofkabalen schlägt uns aus den Verhandlungen des Prozesses Moltke- H a r d c n entgegen. Als Volkstribun tragiert Harden und er weiß Pose und Ton des Mannes, der sich ein„Vcr- dienst um das deutsche Volk" erworben hat(so sagte sein Verteidiger), Wohl zu treffen. Aber trotz des donnernden Pathos, zu dem seine Stimme sich öfter erhebt, scheint uns der Herausgeber der„Zukunft" fiir diese Rolle nicht ganz zu passen. Und das Schauspiel im kleinen Schwurgerichtssaale zu Moabit hat mit einem Kampf für Volksrechte und Volks- intcressen verzweifelt wenig Aehnlichkeit. Vielmehr mahnt es an einen Streit zweier Kamarillen um die Beherrschung der Staatsgewalt. Auf Fürst Philipp Euleuburg zielt Haidens Geschoß, ihm galt am Donncrstagnachmittag die stärkste seiner Beschwörungen. Hinter dieser Persönlichkeit trat der Herr Kläger Graf Moltke zeitweise ganz zurück. An EulenbnrgS völliger Vernichtung, so daß ihm niemals die kaiserliche Gnadcusonne wieder scheinen kann, haben alle jene in Preußen- Deutschland Interesse, die nach„dem Ohr des Kaisers" sttcbcn, die durch das Staatsoberhaupt ihre Politik durch- zusetzen hoffen. Harden hat mächtige Klientel. Und darf auf vielfältigen Dank rechnen. Aber nicht auf die Bürgcrkroue. Der Arft des Kampfes entsprechen die Waffen, mit denen er geführt wird. Wohl selten sind in einem Prozeß so viele Drohungen, so viele verhaltene Andeutungen ausgesprochen worden, so viele Hinweise erfolgt auf gefährliche Hinterhalte, die dein Gegner Verderben bereiten werden, lvic in diesen Verhandlungen von Harden und seinem Anlvalt.„Vernichtende Aussagen" werden ihm angekündigt, mit der Verlesung eines ärztlichen Attestes über seinen Gesundheitszustand zur Zeit der Ehescheidung gedroht, daS er zu fürchten habe, und als Harden das persönliche Erscheinen EulenbnrgS in lcidenschaft- sicher Rede fordert, da läßt er dunkel durchschimmern, daß er ihm mehr entgegenhalten wird, als er in seinen Artikeln gesagt hat. Die Gegenseite hat's nicht so gut. hat nicht so gnteS Recht noch die Macht habe» darf, die Lehre der Wissen- 1 Material— aber sie versucht mit allen Mitteln zu retten, was zu rotten ist.?lm Mittwoch wurden ihr alle die Beiveis- antrage abgelehnt, die die Glaubwürdigkeit der Zeugin v. Elbe erschüttern sollten. Das hält sie nicht ab, am Donnerstag Anträge derselben Art aufs neue zu Produzieren, Anträge, die das intimste bloßlegen sollen. Es ist ein Schauspiel, das in seiner abstoßenden Häßlich- keit den Unbeteiligten in Abscheu und Mitleid erbeben läßt. Von der wilden Energie, mit der Karden seine Stöße führt, sticht merklich die Haltung des Klägers ab. Die er- zwungcne Ruhe verläßt ihn mehr und mehr, des öfteren macht er vergebliche Anstrengungen in den Gang des Prozesses ein- zugreifen, über eindruckslose Proteste und„Konstatierungen" bringt ers nicht hinaus. Mehrmais reicht feine Energie nicht einmal, sich das Wort zu verschaffen— resigniert nimmt er wieder Platz, um finster vor sich hinzustarrcn. Wenn dieser Mann, dessen Hülflosigkeit im Gerichtssaal fast Mitleid er- regen muß, versichert, daß er niemals politischen Einfluß aus den Kaiser auszuüben versucht habe, daß er dazu gar keine Möglichkeit gehabt habe, so klingt das nicht so ganz unglaub- würdig. Freilich ist damit noch lange nicht erwiesen, daß der Herr Graf Moltke nicht zur Kamarilla Eulenbnrg gehörte. Aber er ist wahrscheinlich niemals mehr gewesen, als ein williges Werkzeug Eulenbnrgs, ohne eigene politische Ge- sichtspunkte. Daß er Berichte über den Kaiser an Eulenburg gesandt hat, ist glaubhaft versichert worden. Seine Tätigkeit im Ring, der um den Kaiser gebildet war, bestand anscheinend darin, den Enlenburger über das Terrain zu unterrichten, auf dem er vorzugehen hatte, die Stellen anzugeben, wo er am besten anpochen konnte, um feine Einflüsse wirken zu lassen. So lieferte die Donnerstagsverhandlung, die sonst so wenig politischeir Einschlag aufweist, Material zur Beleuchtung der Frage, wie in Deutschland in maßgebenden Kreisen Politik gemacht wird. Deutschland in der Welt voran! Also ein politischer Prozeß? Also eine politische Aktion, die ihn entfesselt hat? Herr Harden betcuerts. Ein kleiner Um> stand genügt, die Qualität dieser„Politik" zu konnzeichnen. Als Sachverständigen zur Beurteilung de? Frage, ob die inkriminierten Artikel ernsthafte politische Aktionen darstellen. schlägt Harden den— Lima» vor. Den Liman der„Leipziger Neuesten Nachrichten", der zugleich der arme Aorick der „Deutschen Tageszeitung" ist, der zugleich und über dieselbe Sache kann schreiben rechts und kann schreiben links! Paul Liman der moralisch Gestäupte, seitdem er sich auf den Boden gerichtlicher Feststellung gewagt hat in seinen Klagen wider die Genossen Mehring, Krefsin und Scger, Paul Liman, der an die Stelle politischer Bekämpfung die giftige Beschimpfung, die niederträchtige Anpöbelung der Gegner gesetzt hat. Das ist Hardens politischer Sachverständiger. Es genügt! In den Dunst der Intrigen, der höfischen Kabalen, mischte sich der Geruch der Verwesung. Faulendes Fleisch am Ge- sellschaftskvrper ward aufgedeckt, als die Deputation deS Gardedukorps-Rcgiments ihren Einzug in den der Oeffent- lichkeit versperrten Gerichtssaal hielt. So kam das seil- sationslustige Publikum, das den Zuschauerraum Kopf an Kopf füllte, um gewisse Genüsse. Aber neue stehen bevor. Heute soll Fürst Eulenburg auf dem Zeugenstand erscheinen. Das Gericht will ihm nicht die Vernehmung im Hotel zubilligen. Wieder ein Erfolg Hardens und eine vetlorene Position Moltkcs. politilcbe ücberlicbt Berlin, den 24. Oktober 1907, Auch eine interessierte Seite. Bürgerliche Blätter melden: Der Kaiser soll dem Prozesse gegen Liebknecht mit großem Interesse gefolgt sein. Schon bei der Erhebung der Au- klage hatte der Monarch Bericht eingefordert und war während der Verhandlung vor dem Neich-Zgericht verschiedentlich telegraphisch benachrichtigt worden. Die Broschüre Lieb- l n e ch t Z hatte dem Kaiser schon lange vor dcm Prozch vor- gelegen. Jetzt ist dem Monarchen ein ansführlicher schriftlicher Bericht zugestellt worden. Wie sehr sich die Militärbehörde für den Prozeß inter- «ssierte, beweist, daß der Verhandlung ein höherer Offizier in einer Loge beiwohnte. Ob dieser Offizier später zu mündlichem Bericht befohlen worden ist? Andere Zeiten— andere Sitten. Ter christlichnationale Arbeiterlongreh hat es abgelehnt, sich»nit der Frage zu beschäftigen, die gegenwärtig im Mittelpunkt der politischen Gedanken jedes einzelnen wie jeder Partei stehen sollte: mit der preußischen Wahlrechtsfrage. Unter nichtigen Gründen hat sich der sogen, deutsche Arbeiterkongreh dieser Pflicht ent- zogen; wie es scheint, fürchtete er bei seinen hohen und höchsten Gönnern, die in dieser Sache ihre eigenen Gedanken haben, anzustohen. Und doch hätte eS gerade bei dieser Gelegenheit, wo es von oben an wohlwollenden und vielversprechenden Worten eine so reiche Fülle gab, den Negierenden in die Ohren schallen müssen, daß jeder gute Wille, die Arbeiter als gleichberechtigt in die Gesellschaft einzureihen, «it der Aufhebung der Dreiklasseuschmach in Preuße» einzusetzen hat! Die christlichnationalen Führer haben den Diplomaten gespielt und sind der Kundgebung in der wichtigsten politischen Frage der Gegenwart ausgewichen. Und doch hätten sie schon ein energisches Wort wagen dürfen im Hinblick darauf, bah bewährte Führer der christlichen Arbeiter sich nicht gescheut haben, den schärfsten Aus- druck zu finden, wenn es galt, die Rechte deS Volkes zu fordern. So schrieb im Jahre 1380 ein angesehener Vertreter der k a t h o- lisch- sozialen Bewegung: „Der Despotismus und Absolutismus der heutigen Wirt- fchaftlichcn Ordnung ist auf die Dauer unhaltbar und wird ebenso gut eine mehr demokratische, konstitutionelle Ge- staltung nehmen, als der politische Absolutismus des vorigen Jahrhunderts durch den Liberalismus. Die demokratische Bewegung ist einmal da, ist einmal von den herrschenden Klassen selber groß gezogen, sie wird auch vor der wirtschaftlich- sozialen Orbnuug keinen Halt machen. Das kann man wirklich als„Naturgesetz", als„Gesetz der Weltgeschichte' hinstellen: die Fortbildung der Aristokratie zur Demokratie; die Berufung immer breiterer Schichten der Grsellschaft zur politische» und soziale» Herrschaft, und jeder Versuch sich diesem Gesetz zu verschließen, hat sich bitter gerächt, endete in Revolution und Despotismus, in dem Untergange der Nation." Und die christlichnationalen Arbeiter, die sich in Berlin als die „Gutgesinnten" gegenüber der„umstürzlerischen" Sozialdemokratie aufspielten, die heute ihre Wünsche dcm Reichskanzler aller- untertänigst übermittelt haben, hätten ruhig schon mal verlauten lassen dürfen, daß schließlich, wie alles in der Welt, auch die Geduld der Arbeiter ein Ende hat. Dabei konnten sie sich wiederum auf den angesehenen Führer der christlichen Arbeiter berufen, der im Jahre 1830 schrieb: „Nie hat ein Boll einen Staub von Müßiggängern aus die Dimer ertragen. Und eS war nicht gemeiner Neid, sondern eZ war die sittliche Entrüstung deS Volkes, welche die zur Nenwerklaffe herabgesunkenen Stände wegfegte. Man hat zwar gesagt, daß der Magen alle Revolmionen mache; allein es ist ein Despot, der das gesagt hat, die Mensch- heit steht höher, als dieser Ausspruch sie hinstellt. Nein, die Nevolntiouen sind geistige Taten, das sittliche Ferment überwiegt das materielle bei weitem. ES ist ein Stück Weltgericht, das sich darin abspiegelt, ein Schauspiel voll Tragik, das uns 'ergreifen, unser ganze? Interesse in Anspruch nehmen muß. ES ist ein Kampf des historischen»nd Lcrniliift- rechte-?, ein Kampf der freien Persönlichkeit gegen die verknöcherte Sozietät, des ungeformten, ungezügelten Geistes gegen die ent- geistete Form, des Fortschrittes gegen den Stillstand, des erwcr- benden Rechtes gegen das erworbene Recht, des persönlichen Per- dicnsteS gegen das vererbte Berdienst. Ans beiden Seiten stützt man sich auf„sein" Recht und da eine friedliche Versöhnung nicht möglich, so muß der blutige Kampf die Sache entscheiden. Das ist fast eine Naturnotwendigkeit". Die christlichnationalen Arbeiter hätten sich also gar nicht mal in eigene Kosten zu stürzen, sondern nur jene Stellen zu verlesen brauchen. Und sie wären umso sicherer gewesen, damit Eindruck zu erzielen, als der Verfasser jener Sätze als Gast dem deutschen Arbeiterkongreß bei lv ahnte und durch seine politische und berufliche Stellung— er ist Zentrums- abgeordneter und Universitätsprofessor— gewiß auch auf Beachtung im Rate der Regierenden Anspruch machen darf. Der obiges schrieb, ist nämlich kein anderer als Herr Franz Hitze, ehemals Kaplan am Tampo Santo in Rom, heute Ehrendoktor und Professor der Uni- versität Münster, Mitglied der ZentrumSfraktion des Reichstages und des preußischen AngeordnetenhauseS. Und jene Stellen sind zu finden in seinem Buche„Kapital und Arbeit' Seite ISS und S47. Herr Hitze würde also den christlichnationalen Arbeitern, wenn sie einen entschiedeneren Ton angeschlagen und auf ihre Menschen- und Bürgerrechte mit größerem Nachdruck bestanden hätten, ganz gewiß zugestimmt haben.— Freisinniger Schwindel. Wir hatten in unserer Nr. 243 völlig wahrheitsgemäß fest- gestellt, daß durch den Antrag des Freisinnigen G e r s ch e I int Mai 1907 jene im Jahre 1906 erfolgte Neufassung des tz 23 deS Einkommensteuergesetzes, durch die die Arbeit- g e b e r verpflichtet ivurden, über das Einkommen der Arbeiter und Angestellten mit weniger als 3000 M. Lohn oder Gehalt Auskunft zu erteilen, noch z» ungnusten der Arbeiter verschärft worden ist. Die„Freisinnige Zeitung" versucht diese für den Freisinn blamable Tatsache durch dreiste Ent- st c l I n n g der Vorgänge hinwegzuschwindel». Sic behauptet, der Antrag G e r s ch e l habe nicht den ß 23 verschärft, sondern „nach Möglichkeit zu milder n" versucht. Der Antrag Gcrschel sei nur ein Eventualantrag gewesen, um„den viel weitergehenden Antrag Keil gegen st andsloS zu machen." Das ist unwahr! Nicht der Antrag Keil war der zu Ungunsten der Arbeiter weitergehende, sondern uni gekehrt der Antrag G e r s ch e l! Der Antrag Keil ging dahin, (vgl. S. 4582 des Stenogr. Berichts des Hauses der Ab- geordneten vom Jahre 1907) jeden Hausbesitzer zu verpflichten, nicht nur, wie das der§ 23 bisher schon forderte, Angaben über den Namen, die Berufs- und E r>v e r b s a r t der bei ihm wohnenden Arbeiter zu erteilen, sondern auch über die Arbeitsstätte derselben. Der Antrag G e r s ch e l aber verlangte Auskunft über„den Arbritgeber und die Arbeitsstätte". Von einer„Milderung" des Antrages Keil kann also gar keine Rede sein! Im Gegenteil l Aber der Antrag des Freisinnigen Gerschcl verlangte ferner etwas, was der Antrag Keil nicht enthielt und was gerade die schlimmste Benachteiligung der Arbeiter darstellte: nämlich, daß nicht nur die Hausbesitzer zu solcher Aus- kunft verpflichtet seien, sondern daß auch die Arbeiter selbst die Verpflichtung hätten, den Hausbesitzern„Auskunft über ihren Arbritgeber und ihre Arbeitsstätte zu geben." Und das. wie Herr Gcrschel selbst ausführte(Seite 4578 des amt- lichen Stenogramms),«im Interesse der Arbeitgeber", daS heißt, um diesen die Möglichkeit zu geben, ja auch das Ein- kommen jedes Arbeiters der Steuerbehörde denunzieren zu können! Nicht um eine„Abfchwächung" oder„Milderung" deS § 23 oder der Absichten des Antrages Keil handelte es sich also, sondern uin eine Verschärfung des§ 23 und des nationalliberalen Antrages zum Nachteil der Ar- heiter! Und nun mag die„Freis. Ztg." abermals den aussichts- losen Versuch unternehmen,„diese"— um mit den Worten des freisinnigen BlattcS zu sprechen—„ganz klarliegende Sachlage zu verdunkeln!"_ Das ReichStagswahlrecht für— Oldenburg! Ein Privattelcgramm meldet uns: Dem Oldenburger Landtag ist nunmehr die Wahlreformvorlage zu- gegangen. Danach soll daS ReichStagswahlrecht. auf Oldenburg übertragen werden, nnt der Einschränkung, daß die Wähler drei Jahre in Oldenburg wohnen müssen. Die Wahlkreise(bisher 40) werden um drei vermehrt. In Oldenburg bestand bereits das gleiche und geheime Wahlrecht. Nunmehr soll auch das direkte Wahlrecht ein- geführt Iverdcn. Durch die Einführung des Reichstags- tvahlrechts wird auch künftig die Wahlentrcchtung der nicht „selbständigen" Personen fortfallen, d. h. der Dienstboten und der beim Arbeitgeber wohnenden gewerblichen Arbeiter. Oldenburg geht also voran! Wie lauge noch will Preuße» Hinterdrei» marschieren?! Verzweiflungsspriinge des Herrn Kopsch. Die„Freisinnige Zeitung" versucht ihre Leser über die Tatsache hinwegzutäuschen, daß Herr K o p s ch in. der Groß- Lichterfelder Freisinnsversammlung sein schlechtes Gewisse» verraten hat, indem er zwei an sich durchaus harmlose Fragen, die an ihn gestellt wurden, als„Fallen' bezeichnete und eS ablehnte, sie zu be- antworten. Den Wortlaut dieser Fragen hat die„Freisinnige Zeitung' bis heute ihren Lesern nicht mitgeteilt. Dafür hat sie die Dreistigkeit, zu behaupten, daß„der Redakteur deS „Vorwärts", Kaliski. einen von Entstellungen strotzende» Bericht in sein Blatt hineinpraktiziert habe" und insbesondere er- klärte sie, durch„Erkundigung ain VorstandStisch' erfahren zu haben, daß an unserer Meldung, e-Z seien aus der Milte der freisinnigen Versammlung Rufe gegen die„Juden und Judenknechte' laut geworden, kein„Wort wahr' sei. Wir stellen fest, daß Genosse KaliSki nicht Redakteur de?„Vorwärts' ist, daß unser Bericht von ihm weder verfaßt noch inspiriert wurde, und daß nnS eine Reihe von Zeugen zur Verfügung steht, die bereit sind zu bekunden:„Der Bericht des„Vorwärts" ist vollständig richtig: die Rufe„Juden, Judenknechte!" sind tatsächlich laut und wiederholt ausgesprochen worden und zwar an einem Tische, der von dem des Vor- stands höchstens anderthalb Meter weit entfernt war." Man wende sich also an einen Ohrenspczialiftc». Warum aber brückt sich die„Freisinnige Zeitimg' um den Kern der Sache herum? Warum uiiterläßt sie es, ihren Lesern mitzu- teilen, daß der Führer der Freisinnigen Volkspartei die Fragen 1. ob er einem Gesetz gegen das Koalitionsrecht der fremd- sprailngen Arbeiter zustimmen, 2. ob er im Ncgicrnng.?block bleiben werde, selbst wenn die Regierung sich weigere, da? geheime Wahlrecht einzuführen, als„Fallen" betrachtet und vorsichtig um sie hernmschlcicvt? Wir bitten um Autwort. Oder ist diese unsere Frage schon wieder eine -„Falle"?-_ Zum Reichsvereinsgesetz. Wie die„Verl. Neueste Nachr." melden, hat daS Reichs- amt des Innern als Beilage zur Begründung des Vereinsgesctz- Entwurfs eine umfassende Darstellung aller zurzeit in den deutschen Bundesstaaten geltenden Vestimimingen über das Vereins- und Ver- sanimlungSwesen ausgearbeitet. Das Druckwerk, in dem z. B. die Verschiedenartigkeit der Behandlung jugendlicher Personen recht interessant sei, gewähre ein anschauliches Bild von der Bmit- scheckigkeit auf diesem Gebiete und begründe den Wunsch,„unter allen Umständen Einheitlichkeit für ganz Deutschland zu erzielen". Nach dem, was bisher über den VereinSgesetz-Entwurf bekannt eworden, besteht die Befürchtung, daß die Einheitlichkeit nicht darin estehen wird, die freiheitlichen Bestimmungen der fort- geschrittenen Vereinsgesetze zu verallgemeinern, sondern die reaktionären Bestimmungen der rückschrittlichen Bundes- staatcn ans daS ganze Reich zu übertragen. DaS Verbot einer fremden Sprache ist dafür ebenso kennzeichnend, wie der Hin- lveis des ScharfmacherblatteS auf die Behandlung jugeud- licher Personen!_ Für die Wohlhabenden Selbsteinschätzung— für die Armen Tcnnnziation! Wie die„Nordd. All gem. Ztg." meldet, hat der Finanz- minister der Berliner Handelökammer auf ihren erwähnten Protest mitgeteilt, daß die Arbeitgeber nicht verpflichtet seien, AuSkunst über das Einkommen der Angestellten mit mehr als 3000 M. Ge- halt zu geben. Die königl. Direktion der Verwaltung der direkten Steuern und die Magistrate sind darauf aufmerksam gemacht worden, eine derartige Aufforderung an die Arbeitgeber nicht zu stellen. lieber das Einkommen der Arbeiter und Angestellten mit weniger als 3000 M. haben dagegen die Arbeitgeber Aussimsc zu erteilen! Sie werden mit Heller und Pfennig zur Steuer herangezogen! So hat eS die preußische Drcittasiciikammcr mit freisinniger Hülfe bcschloffen! Pack schlägt sich, Pack verträgt sich! I Unter dem Titel„Tobsüchtiger Liberalismus' haben die Antisemiten in Eisenach ein Flugblatt verbreitet, in dem sie ihren BundeSbrüdcrn— den Nationalliberalen und Freisinnigen— scharf zu Leibe gehen. In einem Artikel in der Nummer 213 deS„Vorwärts" hatten wir schon darauf hingewiesen, wie wenig Veranlassung die Eiscnachcr Freisinnigen halten, sich über den Bericht des PartcivorstandeS ans- zuregen, der ihnen vorwirft, da? Mandat an den Antisemiten Schock nnSgeliefert zu haben. Nun bekommen die Liberalen von den Schacklcuten den Dank in einem von unflätigen Redensarten strotzenden Flugblatt heimgezahlt. Der liberale ReichStagSkandidat Dr. Winter-Magdeburg hatte a»f einem am 6. September d. I. stattgefundenen Bierabend in Eiscnach. der von Liberalen und Freisinnigen arrangiert war folgendes erklärt:„ES i st v i ellei ch t niemals einem Kandidaten so schwer gcivorden, ei ne Parole für den Gegne r auszugeben, Ivie mir damals für Herrn Schacl. Ich habejeden Respekt infolge seines Verhaltens inr Wahlkamvfe vor diesem Manne verloren. Und doch bin ich der Ueberzengung. daß ich»nit dein Eintreten für ihn der liberalen Sache in Eisenach einen Dienst erwiesen habe. Weil ich wünsche, daß über der Wartburg wieder das schwarz-rot- goldcne Banner weht, deshalb habe ich nach meinen Kräften ver- hindert, daß das rote darüber flattere." Der Rechtsanwalt Sommerfeld meinte, jetzt wehe über der Wartburg eine schmutzige Fahne. Trotzdem bleibt eS dabei. daß die Freisinnigen diese schmutzige Fahne auch zweites Mal ans- hissen halfen l Was schreibt nun das Schacksche Flugblatt?„Um den Sieger Wilheln» Schack haben ganz gewaltige Stürme getobt. Er ist mit viel Gemeinheit und Unanständigkeit bekämpft worden, er hat es aber den Gegnern hingehen lassen und nach der Wabl einen dicken Strich durch ihre haushohe Schuld gcniacht, eS wäre sonst wohl mancher inS Gefängnis geioandert. Schack bergab ihnen allen großmütig. So handelt ein vornehmer Charakter."(!) Weiter wird von„getauften und im« getauften Juden",„Jiidenschutztrnppe",„waih geschrien' gc- schrieben und zum Schluß heißt es in diesem Flugblatt:„Und Wilhelm Schack kann»nit Napoleon I. getrost zu seinen Gegnern sagen: Meine Hoffnung sind Bürger und Bauer». was gebe ich auf die Phrasendrescher und Schreier!" DaS sagt ein Mann, der vor dreiviertel Jahren durch die G u n st der Liberalen in den Reichstag kam. Wenn aber jemand glaubt. daß in Zukunft die Liberalen und Freisinnige»» anders handeln würden, so irrt er sich!-_ Oesteureick. Gräfliches— Allzugräflichcs. Wien, 24. Oktober.(Abgeordnetenhaus. Gegen Schluß der gestrigen Sitzung zeigte Abg. Graf Sternberg verschiedene»» Abgeordneten im Eonloir ein den sozialdeinokrarischen Abgeordneten Schuhmeicr verhöhnendes Bild. Schuhmcier und mehrere sozial- deinokratische Abgeordnet- stürzten sich auf den Grafen Sternberg, der jedoch unter dem Schutze anderer Abgeordneter das Couloir sowie das Haus verlassen konnte.— Beim Beginn der heutigen Sitzung bezeichnete der Präsident Weißkirchner das Verhalten des Gräfe»» Stcrnberg an» gestrigen Tage als unpassend und sprach sein Bedauern über die gestrigen Vorgänge aus. Er richtete an das Haus den Appell, sich ernster, sachlicher Arbeit zu widmen. Das Haus verhandelte darauf über den Dringlichkeitsantrag libowicki(Altruthcnc) betr. Vorbereitung der wirtschaftliche.» rennuug von Ungar»,. Bei der Verhandlung begann der Ab- geordnete Markow seine Rede in russischer Sprache, was lärmenden Protest bei den Ruthenen hervorrief. Die Tschechisch-Radikalen wandten sich gegen den Einspruch der Ruthenen. Die Lärmszcnen hörten erst auf, als Markow seine Rede in deutscher Sprache fort- setzte. Scdweij:. Eine Niederlage der Bcrner Bäckermeister im Kampf gegen die Sonntagsruhe. Die Bäckerineister gehören in der Schweiz— wie anderwärts — zu den sozial rückständigsten Kreisen der Unternchmcrwclt. Sie bekämpfen die gecoerkschaftliche Organisation ihrer Gchülfcn, sie bekämpfen die Konsumverein-, sie vcrwcigcrn jedes Entgegenkommen gegenüber zeitgemäßen Forderungen der Gehülfen, und sie wollen auch für die Gesetzgebung ein unantastbares Heiligtum sein. Können sie aber eine gesetzgeberische Maßnahme zur Sanierung der faulen Vcrhältniffe im Bäckcrgewerbe nicht verhindern, so laufen fie Sturm. un» deren Wiederaufhcbung herbeizuführen. Das ist ihnen feiner- zeit leider gelungen nn Kanton Tessin mit der Wiedcraufhebung des kantonalen Gesetzes über die Nachtruhe im Bäckcrgewerbe, und jetzt machten sie den Versuch, die Bestiinmungcn im Sonntagsruhe- reglcment der Stadt Bern über die Sonntagsruhe im Väckcrgcwerbe ebenfalls wieder außer Kraft zu setzen bczw. zu verwässern. Aber ihr geradezu kulturwidrigcs Vorgehen endete diesmal mit einem Fiasko, indem das Begehren der Bäckermeister in der Volks- abstimmung mit 2261 gegen 2022 Stimmen abgelehnt wurde. Die grotze Minderheit zeigt, da(j leider noch weite Volksireise so rückständig sind wie die Bäckermeister. •prankmeb. Paris, 24. Oktober. Wegen antimilitaristischer Propaganda hat die«Sicherheitsbehörde" den Belgier Brouwet ausgewiesen. Dänemark. Der Justizminister in der Klemme. Der dänische Justizminister Alberii, der gefährlichste unter den reaktionären Leuten, die das«liberale" Ministerium Christensen bilden(hat er sich doch u. a. um die Wiedereinführung der Prügel- strafe und der Zensur«verdient gemacht!") musite in der Budgetdebatte, die gegenwärtig das Folkething beschäftigt, Entbüllungen über sich ergehen lassen, die ihm sicher den Ministersessel kosten werden, wenn nicht etwa doch wieder Parteirücksichte» und Cliquenwirlschaft über die Nücksicht auf da-S Wohl des Landes den Sieg davontragen. Er hat seine Macht als Justizminister dazu ausgenuht, die Veröffentlichung ihm unangenehmer Zeitungsartikel zu hintertreiben!— Der Redakteur eines Kopeu- Hagener Blattes war wegen Presivergehens zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und zwar schon vor Jahr und Tag. Ans Grund eines Krankheitsattestes wurde die Bollstreckuug des Urteils bis jetzt auf- geschoben und ausierdem hoffte der Mann auf Begnadigung. Die„Krank- heit" mich nicht sehr schlimm sein; denn er redigiert sein Blatt nach wie vor und soll auch die Strapazen der Jagd nicht scheuen. Seit jener Verurteilung hat aber sein Blatt„Middagöposten", das vordem ziemlich freie Kritik zu üben pflegte, über den Justizminister nichts als L o b s p r ü ch e gebracht 1 Nun wollte dieses Blatt kürzlich „die gröhte dänische Schwindelaffäre des Jahr- Hunderts" aufdecken. Der erste Artikel mit diesem Titel war erschienen, der zweite sollte anderen TageS folgen, blieb aber aus. und zwar deswegen. weil der Justizminister dem Redakteur geschrieben hatte, dasy ihm sehr daran gelegen sei, dasi über seinen alten Freund Oskar Köhler— dessen Name mit der Schwiudelaffäre in engster Verbindung steht— nichts mehr ge- schrieben werde und daß der angekündigte Artikel nicht erscheine. Der Redakteur, in Furcht vor der GesänguiSsttafe, die das Erscheinen seines Blattes unmöglich gemacht hätte, und in der Hoff- nung auf Begnadigung zudem, duckte sich. Der Brief deS Justizministers aber wurde von einem RedaktionS sekretär jenes Blatte», dem Schweigepflicht nicht auferlegt war, unserem Parteigenossen, Folkethingsmann Borgbjerg mitgeteilt, der ihn, seiner Pflicht als Volksvertreter entsprechend, im Folkething verlas und den schmählichen Amtsmißbrauch deS Ministers geißelte. AlbertiS Antwort war matt und konnte ihn in keiner Weise rein- waschen. Wie es ähnlich auch anderSwo üblich ist in solchen Fällen, fabelte er davon, die Sozialdemokratie hätte den Brief auf unred- lichem Wege erworben, Borgbjerg oder„Soeialdemokraten" hätten 200 Kronen dafür bezahlt, woran aber kein wahres Wort ist. Dann kam er mit Sentimentalitäten über seinen verstorbenen Freund Köhler, den man nicht im Grabe beschimpfen solle. ES handelt sich jedoch nicht um diesen Verstorbenen, sondern um die Aktien- gesellschaft, die KöhlerS Namen trägt, vom Justizminister mit großen Siaatsarbeiien bedacht wurde, sie aber weder pünktlich noch zu» friedenstellend ausführte und die— das ist der große Schwindel— im letzten Geschäftsjahre b u ch m ä ß ig mit einem Ueberschuß von mehr als 100 000 Kronen abschloß. tatsächlich aber ein Defizit von 000 000 Kronen hatte, wodurch unter anderem manche Handwerksmeister, die im Vertrauen auf die Solidität der vom Staate bevorzugten Aktiengesellschaft Arbeiten für sie über- nommen hatten, ihr Geld einbüßten.... Bulgarien. Ferdinand, der Beleidigte. Sofia, 21 Oktober. Gestern wurden mehrere Sozialisten- führcr wegen Veröffentlichung eines Aufrufes gegen den Fürsten verhaftet, jedoch nach Feststellung ihrer Personalien lvieder entlassen.— Sie ruiiiiche IKevoluflon. Dnma. Jetzt, wo das zweite Stadium der Wahlen, die Wahlmäimer- Wahlen, fast überall beendet ist, läßt sich mit einiger Sicherheit über die Zusammensetzung der dritten Duma und ihren Charakter„pro- phezeien". Ziffernmäßig zwar ist die Stärke der einzelnen Parteien nicht zu berechnen, aber soviel steht bereits fest, daß die Dnma keine oppositionelle sein wird. Aber nichts wäre falscher und ver- hängnisvoller für die Beurteilung der innerpolitischen Lage Rußlands, als daraus auch auf eine„rechte" Stimmung im Lande zu schließen. Nur die eine Kurie der Grundbesitzer weift einen deutlichen Ruck nach rechts auf: bei den ersten Duma- Wahlen entfielen auf die Opposition 22 Proz. aller Wahlmänner, ans die Oliobrisien 17 Proz., auf die Rechten 32 Proz., bei den zweiten Dumawahlen war das Verhältnis gleich 48: 18: 9, diesmal ist es 00: IS: 4,6. Aber diese Zahlen gelten mit einer wichtigen Ein- schränkung; sie spiegeln nämlich nicht die Stimmung der ganzen Grundbesitzerklasse, fonderu nur ihres kleinen Teiles der Groß- grundbesitzer, der Vollblutagrarier, wieder. Die kleinen Grund- besitzer sind teilweise ihre? Wahlrechts völlig beraubt, und selbst die Wahlberechtigten haben sich auS verschiedenen Gründen an den Wahlen nicht beteiligt. Was die übrigen Kurien betrifft, so hat die Arbeiterkurie ihren Ruf als«unverbesferlich-revolutionär" voll gewahrt: Von den 102 bisher gewählten Wahlmännern ist die erdrückende Mehrheit sozialdemokratisch. Die demokratische zweite städtische Kurie hat 80 Proz. ausgesprochen oppositionelle Wahlmäimer gestellt, darunter 11 Proz. Sozialdemokraten. Charakteristisch ist, daß selbst in der ersten städtischen Kurie, der Großbourgeoisie. SS Proz. aller Wahlmäimer sich zu den Kadetten zähle», während die Oktobristen und Rechten eS nur auf 14 Proz. gebracht haben. Objektiv ist dies eine Widerspiegelung des Klassengegensatzes von Kapital und feudalem Grundbesitz, praktisch hat eS aber keine große Bedeutung, da die Wahl- männerzahl der ersten Kurie überhaupt zu gering ist. Die bäuerliche Kurie weist, wie nach dem Ausfall der Bevoll- mächtigtenwahlen nicht anders zu erwarten war, eine„linke" Stimmung auf: zählt doch selbst die verlogene Petersburger Telegraphenageniur ein Drittel der Wahlmänner �itt offenen Opposition. Nach privaten Meldungen erhöht sich diese Zahl durch- schuittlich bis auf 46—00 Prozent, in einzelnen Gouveniemeiits steigt sie noch mehr, die immerhin große Zahl von Parteilosen, Ge- mäßigten usw. wirkt jedoch störend für genauere Berechnungen. Wäre mindestens daö alte Wahlgesetz in Kraft, so gäbe eS also keine Zweifel über die oppositionelle Zusammensetzimg der Duma, Aber daS staatsstreichlerische Gesetz vom 3.(10.) Juni tut seine Pflicht: eS liefert die oppositionelle Mehrheit der Wahlmäimer der reaktionären Minderheit aus und schafft aus diese Weise emr rechte Duma, eine„Gutsbesitzerduma", wie sie schon laugst im DolkSmunde heißt. Klar und deutlich wie noch dielleicht nie im Laufe der rlisstschen Revolution ist der Antagonismus zwischen den breiten städtischen und ländlichen BebölkerungSmassen einerseits und den 130 Tausend feudalen Großgriindbesitzern'andererseitS zu Tage getreten, und der Verlaus der Dinge in der Duma selbst wird ihn dem Volke zweifellos noch schärfer und klarer zum Bewußlsein bringen, dafür sprechen alle Möglichkeiten der Partei- gruppier ung in der Duma. Soweit eS sich übersehen läßt, wird das GroS deS linken Flügels aus deu Kadetten bestehen, die äußerste Linke, speziell die Sozialdemokratie, wird nur schwach vertreten sein. Anderer- seits werden die„Echt- russischen", Monarchisten usw., keine absolute Mehrheit haben, der Schwerpunkt wird also bei den das Zentrum bildenden Oktobristen liegen. Die eine mögliche Mehrheitsbildung— der okiobristisch-kadettische Block, dessen Zustandekommen vor einigen Tagen so nahe gerückt war— ist, wie'S scheint, bereits wieder in die Brüche gegangen, und zivar nicht auS Mangel an gutem Willen auf feiten der Kadetten, die deutlich geiilig durch den Mlind der Herren Miijakoff, Struwe u. a. ihre Bereitwilligkeit zu einem solchen Zusammengehen kundgaben, sondern wegen der schroffen Ablehnung der Oktobrfften, die teils auS eigenem, sie der Rechten nahebringenden Jnter- esse, teils— wie hartnäckig behauptet wird— auf direktes Geheiß von„oben" ans keinerlei Abmachungen mit den Kadetten eingehen wollen! Eine okiobristisch-kadettische Mehrheit, bei der wohl, nach dem Beispiel des deutscheu kouservativ-freisiiiniaen Blocks, die Kadetten viel, die Oktobristen so gut wie gar nichts zu opfern hätten, ist„oben" doch noch zu„liberal"; man zieht einen rechts- oktobristischen Block vor. mit dem sich nunmehr auch die Okirobisten einverstanden erklärt haben und mit dem somit ernstlich gerechnet werden muß. Man darf nun nicht etwa glauben, der Einfliiß der„linken" Oktobristen würde dem Block einen liberaleren Anstrich verleihen; er wird höchstens sein offen-bniialeS Aeußere etwas mildern und verschleiern und so der Regierung die Gelegenheit geben, mit einer Duma„ganz nach europäischem Muster", mit einer im Gegensatz zu ihren Borgängeriimen„arbeitsfähigen" Duma zu prahlen. Denn die„Arbeitsfähigkeit" einer auf dem rechts-oktobristischen Block gegründeten Duma ist über alle Zweifel erhaben: Oktobristen, „Echtrussische" u»d Regierung sind alle drei Vertreter der Klassen- interessen deS Grundbesitzes gegenüber den Volksmassen und vor allem gegenüber dem Bauerntum, der Unterschied ist nur in den Nuancen, imd eS wird jenen wohl nicht allzu schlver fallen, sich über die Teilung der Beute zu verständigen. Die Rolle einer wahrhaft demokratischen Opposition in einer solchen Duma ist noch mehr denn je eine rein kritische. Ob aber die Kadetten dies begreifen und sich nicht zu einer wenigstens teil- weifen Zusammenarbeit mit dem„Block" aufdrängen werden, bleibt noch durchaus dahingestellt. Um so mehr ist sich aber die Sozial- demokratie, als einzige konsequente und unerschrockene Vertreterin der Interessen deS Volkes gegen seine Unterdrücker, ihrer Pflichten be- wüßt, und neben der Geißelung und Entlarvung der Regierung lind ihrer Helfershelfer in der Duma selbst wird sie außerhalb des Parlaments die Organisierung der Bolksniassen zum Kampfe nicht aus dem Auge lasten. Solidarität. Petersburg, 24. Oktober. Die Studenten der Moskauer Universität baten sämtlich, ebenso bestraft zu werden wie die 41 vor- gestern arretierten Studenten. Zurzeit herrscht in der Universität Ruhe._ kommunales. Stadtlierordnetcn-Vcrsammlung. 29. Sitzung vom Donnerstag, den 24. Oktober, nachmittags 6 Uhr. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung um S'/fc Uhr. Der Ausschuß zur Vorberatung des Antrages Arons wegen Einsetzung eines ständigen Ausschusses für soziale Angelegenheiten ist gewählt und hat sich konstituiert; von der sozialdemokratischen Fraktion gehören ihm die Stadtverordneten Dr. Arons. Bern- stein, Koblenzer und Ritter an. Der Antrag der Stadtvv. Schmidt u. Gen. wegen Herstellung eines Fußgängersteiges über den Bahnkörper des Görlitzer Bahnhofs ist Gegenstand der Besprechung in einem Ausschüsse gewesen. Dieser hat einstimmig einem Fußgänger- t u n n e l im Zuge der Liegnitzerstraße zum Zwecke einer direkten Verbindung der Wienerstraße mit der Görlitzerstraße den Vorzug gegeben und empfiehlt den Antrag, entsprechend modifiziert, zur Annahme. Referent ist Stadtv. Iben(A. L.). Ohne Diskussion beschließt die Versammlung dem Ausschußantrage gemäß. Für die Erledigung der nach(s 23 des Einkommensteuergesetzes der Stcuerdeputation obliegenden Arbeiten hat der Magistrat einen Raum für monatlich 333 M. Miete auf un- bestimmte Zeit gemietet. Die Versammlung soll nachträglich dazu ihre Zustimmung geben.— Es handelt sich im wesentlichen um daS bom Magistrat auf Grund der neuen Formulierung des 8 23 den Hausbesitzern und Arbeitgebern zugestellte Formular zur Angabe der Persönlichkeiten bezw. des Lohnes der bei ihnen wohnenden bezw� beschäftigten Personen. Stadtv. Stadthagen(Soz.): Wir werden uns dem Antrage des Magistrats nicht anschließen. Einmal ist nicht ersichtlich, warum uns die Vorlage so spät gemacht wird, warum die Mietuug schon erfolgte, bevor die Lersammlung befragt wurde. Ich halte diese Ausgabe nicht nur nicht für notwendig, sondern für schädlich und nachteilig. Die Ncuformulicrung des 8 23 des Einkommensteuer- gesetzes soll diese Mehrarbeit usw. notwendig gemacht haben. Aber S.f? kegi dem«Nagistrat keine Verpflichtung auf; die Denunziations- Pflicht ist durch das Gesetz den Arbeitgebern auserlegt zu- Ungunsten der Arbeiterklasse, aber ich sehe nirgends �'.?5.�«�lchrift, welche den Magistrat zwäng«, diese Denunziations- Pflicht auszuüben, nirgends ist ihm auferlegt, nunmehr die Hausbesitzer und Arbeitgeber zu dieser Denunziationspflicht zu zwingen; im Gegenteil hat sogar der preußische Finanzminister sich ursprünglich im entgegensetzten Sinne geäußert, und seine späteren Erlasse brauchte der Magistrat nicht zu beachten, da sie über das Gesetz hinausgehen. Tie Folgen des neuen 8 23 sind geradezu vernichtend für die Arbeiterklasse.(Unterbrechung durch den Vorsteher, der diese Ausführungen als zu weit llchend beanstandet.) Wir haben hier doch zu entscheiden, ob es nötig ist, diese Befugnis auszuüben, und ob wir die Mittel dafür bewilligen sollen. Tatsächlich sind Leute, die bisher zu 4 oder 0 M. besteuert waren, bis zu 31 M. hinauf gesteigert worden; und jetzt sollen wir Mittel bewilligen, damit den Arbeitern noch weitere ganz unverhältnismäßige Steuerlasten auferlegt werden! Es handelt sich hier um eine eminent unsoziale Maßnahme, es handelt sich auch nicht etwa um eine gleichgültige Sache.(Wachsende Unruhe.) Man will hier einfach ein neues Ausnahmegesetz für die Arbeiterklasse, das wir auszuführen helfen sollen. Denn es sollen z. B. nach dem Gesetz nur die dauernd beschäftigten Arbeiter angegeben werden, der Magistrat aber hat in seinem Zirkular die Angabepflicht auf alle Arbeiter ausgedehnt. Ich bitte die Ver- sammlung dringend, diese Vorlage abzulehnen. Stadtrat Tourbie: Aus 8 23 läßt sich allerdings unsere Ver- Pflichtung nicht konstruieren; aber diese Verpflichtung beruht auf dem ganzen Charakter unserer Steuergesetzgebung, dagegen können wir uns nicht wehren. Die Novelle zum Gesetz ist erst im Juli publiziert worden. Wir konnten nur einen einzigen Raum finden >» der Kaiser Wilhelinstraßc; der Vermieter verschwieg uns, daß daö Grundstück in Subhastation stand und zur Zwangsverwaltung kommen müßte, daher die Verzögerung. Die Sache selbst muß als gesetzgeberischer Versuch angesehen werden. Es sind bereits Kon- ferenzen angebahnt worden mit den Aeltesten der Kaufmannschaft über eine Vereinfachung und Milderung der Fassung deS Formulars. Im nächsten Jahre wird jedenfalls der Fragebogen anders aussehen und für die Berliner Verhältnisse besser ein- gerichtet sein als jetzt. Aber das Geld bitte ich Sie zu be- willigen; was sollen wir denn sonst machen?(Heiterkeit.) Stadtv. Stodthagen: Wir sind eben nicht gezwungen, die Mittel zu bewilligen. Das Gesetz läßt volle Freiheit, ob über- Haupt von der Befugnis Gebrauch gemacht werden soll. Es wird ja, wie der Herr Stadtrat selbst bestätigte, z. B. erwogen, ob man nicht die Leute unter 900 M. weglassen soll. Nur die dauernd Angestellten sollen aufgenommen werden; davon steht im Frage- bogen nichts. Personen mit über 3000 M. Einkommen dürfen eine Menge Abzüge machen(Lachen bei der Mehrheit), d e r A r- beiter kann alle diese Abzüge nicht machen.(Große Unruhe und Lärm.) Kollege Ladewig, wenn ich etwa? behaupte, können Sie eS schon glauben.(Stürmischer Widerspruch.) Daß Sie alle zusammen eine größere Lungenkraft haben als ich allein, ist ja zweifellos. Der Arbeiter muß eben ckllcS aufführen, bis auf den letzten Pfennig, während dem Wohlhabenden alle mög- lichen Abzüge gestattet sind. Der ausgegebene Zettel soll ja nach der eigenen Angabe des Magistratsvertreters nicht für alle Ewigkeit so bleiben; dann ist es um so mehr unsozial, jetzt derartig gegen die Arbeiter vorzugehen. Lehnen Sie die Vorlage ab! Der Magistrat hätte vor Ausgabe dieses Zettels mit der Versammlung Rücksprache nehmen sollen. Dem Arbeiter werden da unter scharfen Strafandrohungen schwere wirtschaftliche Nachteile zugc- mutet; wenden Sie diese Nachteile ab! �« Stadtv. Solmitz(Fr. Fr.): Die Borlage gibt mir Anlaß, den Magistrat zu fragen, wann das neue Rathaus in Gebrauch ge- nommen wird.(Heiterkeit.) �. Eine Antwort vom Magistratstisch erfolgt mcht. Die Vorlage wird angenommen. Die Stadtvv. Dr. Arons und Gen.(Soz.) haben folgende A n- träge eingereicht: 1. Den Magistrat zu ersuchen, die Vorschriften über das städtische Submissionswesen einer Neuregelusig zu unterziehen und hierbei festzusetzen, daß dix L i e f e r u n g e n und Arbeiten für die Stadt offen t- lich ausgeschrieben werden und daß den S u bm i t t rn- tcn die Verpflichtung auferlegt wird, für die mit der Ausführung städtischer Aufträge beschäftigten Arbeiter die mit den gewerkschaftlichen Organisationen ihres Berufs vereinbarten Lohn- und ArbeitSbedin» Qu n gen anzuerkennen. 2. Den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung in g e- m i s ch t e r D e p u t cri i o n darüber zu beraten, in welchem Umfange die gegenwärtig an Privatunternehmer ver- gebenen städtischen Arbeiten in eigener Regie der Gemeindeverwaltung ausgeführt werden können. Die Beratung beider Anträge wird verbunden. Stadtv. Pfannkuch'(Soz.): Es werden am 16. Dezember 1907 acht Jahre, daß dieser Gegenstand hier in der Versammlung er- örtert wurde. Wir hatten damals u. a. den Antrag gestellt, die ortsüblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen auch für' die Unter- nehmer als bindend zu erachten. Diese Anträge wurden damals abgelehnt. Die Neue Linke beantragte damals durch Herrn Gold- schmidt, die Zuteilung von Lieferungen davon abhängig zu machtn, daß der Unternehmer nur zu ortsüblichen rcsp. im Einigungsamt vereinbarten Arbeitsbedingungen beschäftigte, und diejenigen von Lieferungen auszuschließen, welche in Strafanstalten arbeiten lassen. Ich erwähne das, weil ich auch beute auf seine und seiner Freunde Unterstützung um so mehr rechne, als Herr Goldschmidt bei dem diesjährigen Kongreß des„Vereins für Sozialpolitik" in Magdeburg sich für ein freieres Kommunalwahlrecht mit der Motivierung erklärt hat, daß die Sozialdemokraten dann zeigen müßten, was sie in Kommunalpolitik leisten könnten, daß diese nur eine bürgerliche Kommunalpolitik sein könnte, und daß die Massen, welche der Sozialdemokratie jetzt vertrauensvoll folgen. bald ernüchtert werden würden. Hiernach haben diese Herren nicht allein für unsere Anträge zu stimmen, sondern alle Hebel in Be- ivegung zu setzen, um sie durchzudringen, damit sie von uns den Beweis der Fähigkeit praktischer Kommunalpolitik erbracht erhalten. Es war früher namentlich das Klagelied der Unternehmer aus den Handwerkerkreisen, daß bei den Submissionen eine Unter- bietung stattfände, die den Handiverkern die Existenz ungemein erschwerte. Diese Unterbietungen kommen heute nur noch in kleineren Städten und auf dem Lande vor, wo die Unternehmer in O r g a n i s a t i o ne n nicht verbunden, sondern die ein- zelnen noch auf sich gestellt und den kapitalkräftigeren Kollegen gegenüber im Nachteil sind. Sonst hat die wirtschaftliche Ent- Wickelung die Unternehmer sogar bereits dahin geführt, sich a u ch bei Submissionen zusammenzuschließen, wieweit sie Offerten abgeben wollen, was der Annahme Nahrung gegeben hat, daß die Unternehmer darauf ausgehen, die Olemeinden zu schröpfen. Ich verweise auf das Vorkommnis bei der Straßen- reinigung, wo einem Unternehmer für die Lieferung von Sand und Kies im laufenden Jahre 00 000 M. mehr als im vergangenen gezahlt werden müssen. Vorher soll er mit Schaden gearbeitet haben; wir konnten daS nicht prüfen, weil andere Unternehmer das Material nicht in gleicher Güte liefern können. Gerade des- halb verlangen wir die öffentliche Ausschreibung tunlichst unter allen Umständen. Erfolgt die öffentliche Ausschreibung, so wird die öffentliche Kontrolle eine viel bessere sein und auch die Konkurrenz der Unternehmer auf ein größeres Gebiet ausgedehnt werden können. Die Unternehmer schließen jetzt schon Verein- barungen, die sich über das ganze Deutsche Reich erstrecken. So ist mir mitgeteilt worden, daß sich ein Ring von einem halben Dutzend Berliner Unternehmer für die Lieferung des Materials für echte Fassaden gebildet bat, dessen Mitglieder gleichzeitig die Besitzer der betreffenden Steinbrüche sind. Den Leuten mache ich keinen Vorwurf aus dem Zusammenschluß; eS kommt nur darauf an, ob die Stadt sich solche Pressionen gefallen lassen will, odor sich ihnen entziehen kann. Das wird in diesem Falle kaum möglich sein, aber dann kann man von den Unternehmern auch verlangen, daß sie gegenüber den Arbeitern mindestens auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen eingehen, die entweder die Gewerkschafts- verbände aufgestellt oder mit den Unternehmerverbänden vereinbart haben Die sogenannte„anständige" Lohnklauscl müßte dann eine ständige Einrichtung bei denen werden, welche sich um städtische Aufträge bewerben. Selbstverständlich muß auf Fernhaltung der Schmutzkonkurrenz Bedacht genommen werden, es darf auch nicht bei Vergebung größerer Arbeiten ein Generalenirepreneur eingesetzt werden, sondern eS müssen die Arbeiten in mehrere Lose geteilt werden. Die„anständige" Lohnklausel hat im Auslände längst ihren Einzug gehalten. In Frankreich besteht sie und die Unternehmer, die sie nicht anerkennen, werden abgewiesen. In Belgien liegt es ähnlich. Seit 1890 ist dort Gesetz, daß die vereinbarten Lohnsätze und die Aufschläge für Ueberstundcn sowie die festgesetzten Minimallöhne anerkannt werden müssen. Diese weitblickende soziale Fürsorge, wie sie in Frankreich und Belgien, besonders aber auch in England, hier durch den Arbeiterminister John Burns, ermöglicht ist, sollte auch in Preußen und Berlin möglich sein. In Oesterreich ist bestimmt, es sollen die Unternehmer bevorzugt werden, welche die höheren Löhne zahlen. Eine ähnliche Versügung hat ja auch der preußische Eisenbahnminister für sein Ressort erlasse». Die Kommunen in Deutschland, das muß mit Beschämung festgestellt werden, sind hierin noch nicht auf der Höhe der Zeit angekommen; die„an- ständige" Lohnkläusel ist bloß in Sirahburg, Wiesbaden uüid Frankfurt a. M. in Geltung. Immerhin hat auch München 1905 wenigstens vorgeschrieben, daß solche Unternehmer ausgeschlossen werden sollen, von denen bekannt ist, daß sie in ihren Betrieben eine über das übliche Maß hinausgehende Arbeitszeit haben oder hinter dem ortsüblichen Lohn zurückbleibende Löhne zahlen oder die vereinbarten Tarife nicht einhalten, daß sie Lehrlinge in lieber- zahl beschäftigten usw. Auch sollen Unterakkordanten ausgeschlossen werden, Submissionen nicht zu Spelulationsobjekten gemaiht werden. Darauf kommt es an, daß die, die submittieren, auch die wirklichen Unternehmer sind, die in ihren Betrieben die über- nommene Arbeit herstellen lassen. Stimmt die Versammlung später unseren Anträgen zu, so muß natürlich auch die Achtung der Tarifverträge zum Gesetz gemacht werden, wie� es z. B. die bayerische Regierung bereits verlangt. Die Auffassung von der Nützlichkeit der Tarifverträge gewinnt ja auch unter den deutschen Industriellen immer mehr Anhänger; nur der„Zentralverband deutscher Industrieller", die scharfmacherische Groß� i n d u str i e steht noch unentwegt auf dem Herrenstandpunkt. Daneben haben wir aber auch schon deutsche Arbeitgeberverbände. welche jenes Prinzip anerkennen, weil sie dessen Wert und dessen Vorteile auch für die Unternehmerschaft selbst erkannt haben. Diese Vorteile verkennen wir unsererseits auch keineswegs.(Redner verliest eine hierauf bezügliche Resolution eines Arbeitgebertages aus dem Baugewerbe.) Mit dem Augenblick, wo die Arbeiter als gleichberechtigter Faktor in wirtschaftlichen Betrieben und in kommunalen und staatlichen Verbänden anerkannt werden, ist ein großer Teil dessen, was heute noch als Klasiengcsetz, Klassenkamp und Klassenhaß bezeichnet wird, beseitigt; es liegt also in der Hand der Unternehmer, diese Besserung herbeizuführen, und die Gemeinden haben es in der Hand, die Unternehmer auf dem Wege solcher Bestimmungen dahin zu bringen, daß ein größeres Maß von sozialem Frieden eintritt. Die großen Vorzüge der Kollektivver: träge gegenüber den Jndividualverträgen brauche ich hier nicht auß zuzählen. Gewisse Unternehmer freilich betrachten trotzdem noch die Arbeitskraft des Arbeiters als Ware, während sie beim Vcr- kauf ihrer Produkte bekanntlich in Kartellen und Syndikaten ver- einigt sind, und sogar ihr Patriotismus zum Teufel geht, Ivenn es ihrem Profite dient, nach dem Aus- land billig verkaufen, um im Inland höhere Preise zu erzielen. Dem nach kann ich der Versammlung nur die Annahme unseres Antrages empfehlen. In Magdeburg trat auch Kollege Fischbeck auf, der meinte, die Sozialdemokratie zeigte sehr wenig von praktischer Mit- arbeit, unsere Mitarbeit sei lediglich politischer Tendenz und es handle sich bei unseren Anträgen nur um Sprengminen. Diese Unterstellung ist so unberechtigt wie die, daß wir uns vom Stand punkte des Parteibudikers bei unseren Anträgen leiten ließen. Warum ist denn Herr Fischbeck in seine Stellung eingerückt; warum mußte er besoldeter Stadtrat werden? In unterstelle ihm, daß er damit seiner Neigung und seinen Wünschen, der kommunalen «sache zu dienen, gefolgt ist, und ich verlange von ihm dieselbe Gerechtigkeit. Zwei bürgerliche Organe, die„Berliner Zeitung" unseres verstorbenen Kollegen Perls und die„Berliner Volks zeitung" haben seinerzeit sich unmutig darüber geäußert, daß Berlin„noch so unberührt von aller moderner Zeitströmung mit Krähwinkel und Schöppenstedt an kleinbürgerlicher Beschränktheit wetteiferte" und sich erst von sozialdemokratischer Seite müsse auf- rütteln lassen. Ich hoffe, daß Sie heute mehr Wohlwollen be- weisen und den Ausschuß, den Sie heute Ernennen, nicht als Beerdigungsanstalt ansehen. Auf den zweiten Antrag, die Ausführung städtischer Ar- beiten in städtischer Regie, trifft ein großer Teil des schon An- geführten in erhöhtem Maße zu. Wir schlagen eine gemischte De- putation vor, damit die gegebene Anregung geprüft und eingehend erwogen werden soll, wie woit die Möglichkeit der Uebernahme heute schon besteht. Verschiedene Betriebe stehen bereits in städti- scher Regie: Gas- und Wasserwerke, Kanalisation, Straßenreini- gung usw. Wir haben aber außerdem Arbeiten großen Stils zu vergeben. Von dem neuen Rathaus war heute schon die Rede. Gerade auf dem Gebiete der Bauausführungen gibt es nichts Besseres als die städtische Regie, wo doch schon heute die Projekte von der Verwaltung vorbereitet, die Anschläge gemacht werden müssen; auch die Bauausführung, Bauüberwachung usw. müßte den städtischen Beamten ein Leichtes sein. Die Instand- Haltung der Straßen könnte ohne weiteres in städtische Regie über- nommcn werden. Hier haben sich die Unternehmer auch zusammen- getan, um der Stadt schärfere Bedingungen zu stellen; und dabei liefert schon heute die Stadt dem Unternehmer auch die meisten Materialien. Wozu ist dieser Unternehmer überhaupt noch nötig, außer um einen Unternehmergewinn einzustecken? Er könnte gänzlich ausgeschaltet und die Ersparnis entweder den Arbeitern als höherer Lohn zugewiesen werden oder der Stadtkasse zukommen. Dieser Unternehmer ist tatsächlich völlig überflüssig; er steht höchstens einmal mit der Zigarre bei den Ar- besten und sieht zu, wie diese sich im Schweiße ihres Angesichts für ihn abmühen. Ebensowenig hat man je etwas von der Tätig- keit eines Schornsteinfegermeistcrs gesehen.(Sehr gut!) Hier könnte sofort der Regiebetrieb in Kraft treten. Der Einwand, daß der notwendige Stab von Aufsichtspersonal die Sache eher kostspieliger machen könnte, ist hinfällig. Bei der Fertigstellung des Virchow-Krankenhauses sollen die vergebenen Malerarbeiten durchöus nicht den vertraglichen Bedingungen entsprochen haben; die Stadt soll in eigener Regie die Arbeiten haben herstellen lassen, und diese Arbeit soll sehr gut und viel billiger ausgefallen sein als nach den Submissionsbedingungen! Mit Unterbilanz soll auch nach meiner Meinung nicht gearbeitet werden, die Anschläge sollen ein- gehalten, Ersparnisse am Arbeitslohn nicht gemacht werden. Hoffentlich wird die Anregung nach dieser Richtung nicht den Ausgang wie 1899 nehmen, sondern wird eine neue soziale Aera von dieser Ausschußberatung datieren!(Beifall!) Stadtv. Dove(A. L.) erkennt an, daß der Antragsteller zum Teil treffende Ausführungen gemacht habe. Es sei aber schwierig, für derartige Initiativanträge von Partei wegen Erklärungen ab- zugeben, da in seiner Partei z. B. man noch nicht darüber habe schlüssig werden können. Deshalb beantrage er Ausschußberatung. Stadtv. Goldschmidt(N. L.): Auch meine Freunde wünschen, beide Anträge in einem Ausschuß zu prüfen. Der erste Antrag wird hoffentlich praktische Folgen haben. Ich war vor allem hoch- erfreut über die versöhnliche Art, in der Herr Pfannkuch gesprochen hat; ich hatte gedacht, er würde als Sozialdemokrat dem Klassen- kämpf das Wort reden. Seine Rede würde noch vor einiger Zeit als„Harmonicduselei" in eigenem Lager angeschen worden sein. Seine Ansichten über die Tarifverträge hatte ich nicht erwartet. (Stadtv. Singer ruft: Er hat Ihnen wohl das Konzept Ihrer Rede verdorben?! Heiterkeit.} Meine Freunde meinen, daß die Tarifverträge durchaus auch durch die Behörden zu fördern sind. Als ein Muster nenne ich den Vertrag zwischen den Buchdruckern und Druckereibesitzern. Nach§ 4 des Vertrages sollen aber nur die Buchdrucker daran teilhaben, die dem sogenannten Verbände angehören, die Mitglieder anderer Buchdruckerorganisationen sollen ausgeschlossen sein. Einen solchen Organisations zwang werden aber meine Freunde niemals billigen. Wir werden bei allen Buch- druckerarbciten, die die Stadt zu vergeben hat,, einen solchen Or- ganisationszwang nicht unter st ützen. Bisher sind etwa 4900 Tarifverträge geschlossen.— Oft wollen die Unternehmer einen Vertrag abschließen, aber nicht die Arbeiter. So war es im Holz- arbeiterverbande und ivi Baugewerbe, wo auch die Führer' der Arbeiter zum Vertrage rieten. Aber die Arbeiter selbst lesen täglich den„Vorwärts", und im„Vorwärts" wollte man es anders. Der politische Einfluß der sozialen Presse ist ge- radezu ein Unglück für diese Bestrebungen. Ich erinnere an einen Artikel aus der„Metallarbeiterzeitung", worin auseinandergesetzt wurde, daß die soziale Presse und die sozialistischen Parlaments- reden eine Macht scheinbar besitzen, die sie in Wirklichkeit gar nicht haben. Wirtschaftlicher Fortschritt und Frieden durch diese Tarifverträge wird erst möglich sein, wenn die sozialistische Presse aufhört, diesen Frieden durch Verleumdung und Verhetzung zu stören. In Magdeburg habe ich nur sagen wollen, daß die Sozialdemokratie, wenn sie in den Kommunen die Macht besäße, auch nur mit Wasser kochen kann und ernste sozial- politische Arbeit auch nicht besser machen könnte als wir. Ach will ja nicht behaupten, daß die Sozialdemokraten diese Anträge nur wegen der hevorstehenden Wahlen gestellt haben(Heiterkeit), aber und eine Konzession an uns. wofür ich Ihnen danke. Geben Sie das Prinzip preis, wollen Sie von Fall zu Fall entscheiden, so ist natürlich eine Verständigung mit Ihnen viel leichter möglich. Es gibt aber zahlreiche Betriebe, die sich nicht für die städtische Regie eignen. Die Schornsteinfcgerbetriebe können wir z. B. nicht übernehmen, weil die Gesetze entgegenstehen. Es ist auch nicht richtig, Berlin, zumal auf sozialem Gebiet, als be- sonders rückständig zu bezeichnen, aber wir haben andererseits auch auf diesem Gebiet alle Anstrengungen zu machen, um Berlin mustergültig vorangehen zu lassen.(Beifall.) Stadtv. Dr. Friedeman»(soz.-fortschr.) läßt der Tendenz der Anträge alle Gerechtigkeit widerfahren, sieht aber die Schwierig- leiten der Durchführung als sehr erheblich an. Es könne aber nur von Fall zu Fall entschieden werden. Ein Ausschuß sei einer gemischten Deputation vorzuziehen. stadtv. Thieme(Fr. Fr.) weist darauf hin. daß sich in den Kreisen der Antragsteller die Anschauung irgendwie geändert haben müßte, denn die Begründung des Antrags widerspreche früheren Ausführungen des Stadtv. Borgmann. Die Lösung des Rätsels liege wohl im letzten Bauarbeitcrstreik: Die Submissions- bedingungen könnten vielleicht nach der Richtung der Lohnklausel in etwas revidiert werden. Die Erweiterung des Kreises der Regie- arbeiten lehne seine Fraktion ab, schließe sich aber dein Antrage auf Ausschußberatung an. Damit schließt die Beratung. Stadtv. Pfannkuch(Schlußwort): Herr Goldschmidt wirft uns Inkonsequenz vor. lieber unsere Tätigkeit und die Jnnehaltung der richtigen Bahn wachen schon unsere Parteigenossen selbst. Dem Kollegen Goldschmidt und den anderen Herren von den bürgerlichen Parteien wäre es vielleicht angenehmer gewesen, wenn wir hier die Einführung des sozial- demokratischen Zukunftsstaatcs beantragt hätten. Wir lassen uns aber ebensowenig bei unserer Taktik von Ihnen drängen, wie Sie sich von uns nicht drängen lassen wollen; wir tun, was und wie wir es für richtig und nötig halten. Herr Goldschmidt hält es für ein Unglück für die Arbeiterschaft, daß sie der Sozialdemokratie anhängt; er hofft in seinem Sinne auf Besserung. Ich halte ihm bloß entgegen, daß, seitdem iv i r a m LS. Ja n u a r„nieder- g e r i t t e in" sind, die Abonnentenzahl unserer Presse kolossal gewachsen ist. Herr Goldschmidt sprach dann davon, die Arbeiter würden anders urteilen, wen» sie nicht unserer„Verhetzung" unterlägen. Er hob hervor, die Organi- sationsleiter hätten zum Frieden gemahnt, aber die Streiks wären doch beschlossen worden. Hält er denn die sozialdemokratischen Arbeiter für Maschinen, die man beliebig regieren und dirigieren kann? Diese Arbeiter sind denkende, zielbewußte Ar- beiter; sind sie in ihrer Mehrheit anderer Meinung, so kommen eben die Leiter mit ihrer Meinung nicht durch. Steht jene An- schauung in den Herrn Goldschmidt nahestehenden Arbeiterkrcisen in Kurs, so kann ich den Einfluß, den er dort ausübt, nur als einen unheilvollen bezeichnen. Wollen wir warten, bis die Betriebe zur Uebernahme in städtische Regie„reif" sind, so können wir sehr lange warten. Nach meiner Meinung könnte das ganze Bauwesen in städtischer Regie wahrgenommen werden; hat doch der sozialdemokratische Hofbaurat Demmler seinerzeit das Schweriner Herzogsschloß und das Rathaus in Schwerin als Regiebauten aus- geführt. Wir wollen programmgemäß auch das Beerdigungswesen in kommunale Regie übernehmen. Wir wollen aber nicht alles auf einmal, sondern wir ziehen es vor, mit Ihnen darüber zu beraten, was übernommen werden kann. Wir wollen Sie belehren(Heiter- keit)— entgegenkommender kann man doch nicht sein. Der Kern unseres Antrages ist gut, das hat Herr Goldschmidt anerkannt, es ärgert ihn bloß, daß er nicht zuerst damit gekommen i st.(Heiterkeit.) Persönlich bemerkt Stadtv. Goldschmidt, daß es ihm geschäftsordnungsmätzig verwehrt ist, dem Vorredner zu antworten, er würde ihn sonst widerlegen.(Heiterkeit bei den Sozialdemo- traten.) Die Anträge gehen darauf an einen Ausschuß von IS Mitgliedern. Schluß%9 Uhr._ „notorische Unfähigkeit" borwerfen, hatte sich hierzu bereit erklärt und wurde dann von Liberalen»nd Ultramontanen einstimmig ia diese Kommission gewählt. Das alles wissen die Reichsverbands« schwindlcr und ihre„christlichen" Verbündeten genau, aber sie vcr« gewaltigen die Wahrheit, iveil sie ihnen nicht in den Kram paßt. Warten wir ab, wie die Wahl am 3. November ausfallen wird. 8o2iales. m Der Schwindel von einer„sozialdemokratische» Mißwirtschaft" der M ii n ch e n e r Ortskranlenkasse dürfte von den Kreaturen des Reichslügenverbandes demnächst in der liberal-konservativen Scharsmacherpresse von neuein aufgewärmt werden. Die Regierung von Oberbayern hat nämlich dem von den„Christlichen" gegen die Vertreterwahl vom 17. Februar d. I. eingereichten Prolest tattgegcbcn und den Stadtmagistrat München aufgefordert, de» Kassenvorstand zur Vornahme einer Neuwahl der Krankenkassen- Vertreter zu veranlassen und eventuell„eine gesetzliche Wahl zu er- zwingen". Trotz der schamloseste» AgitationSmanöver der Christlichen und der mit ihnen verbündeten Reichsverbändler-Clique hatten es die Christlichen bei der letzten Wahl nur auf 6859 Stimmen gebracht, während die Liste der freien Gewerkschaften 13 583 Stimmen auf sich vcr- einigte. Ihren Protest haben die„Christlichen" damit begründet, daß zu wenig Wahllokale vorhanden, viele Kassenmitglieder von ihrein Wahlrecht keine» Gebrauch machen konnten und durch daS Verhalten der Sozialdemokraten vor den Wahllokalen die Kassenmitglieder in der freien Betätigung ihres Wahlrechts gehindert wurden. In Wirklichkeit waren eS nicht die Sozialdemokraten. sondern die Christlichen, die sich vor den Wahllokalen wie Rowdys ausführten. Ein Polizeiwacht m ei st er bekundete, daß die christlichen Brüder es waren, die sozialdemokratische Zettelverteilerinnen mit Ohrfeigen und Niederschlagen bedrohten und per Sau in enscher titulierten. Nach dem Grundsatz: Der Fweck heiligt die Mittel, haben die„Christlichen" ihren Protest mit ihren eigenen Roheiten begründet, diese aber den Sozialdemokraten aufs Konto gesetzt. Geradezu köstlich ist die Begründung des Re- gierungSentscheids. Die Regiernng dednzierte: Die Ortskranken- lasse in München zählt 199 009 Mitglieder. Die freien Geiverk- 'chaften haben 13 588, die Christlichen 6859 Stimmen erhalten; wenn die Mitglieder, die ihr Wahlrecht nicht ausgeübt haben, alle christlich gewählt hätten, dann wäre das Wahlresultat anders ausgefallen— also Kassation der Wahl! So verlockend es für den Kassenvorstand gewesen wäre, gegen diesen Entscheid Rekurs zum Ministerium zu ergreifen, so hat er davon doch abgesehen, um den Gegnern zu zeigen, daß der özialdemokratische Kassenvorstand von Neuwahlen nichts zu Tirchten hat. Der Vorsitzende hat Tennin zur Neuwahl auf Sonntag, den 3. November, festgesetzt. Und schon wieder beginnen in der bürgerlichen Presse die alten Lügen, Aer- le>i mdu ngen und Verdrehungen. Dem sozialdemo- kratischen Kassenvorstande werden Defizitwirtschaft, Unfähigkeit und 'onstige schöne Dinge zum Vorwurf gemacht. In Wirklichkeit hat der liberale Rechtsrat Hein dl in dem bekannten Prozeß wegen des Sanatoriums Kirchseeon unter Eid dem„sozialdemo- kratischen Kasseuvorstand" und der Direktion seine größte An- erkennung ausgesprochen und erklärt, einen besseren Vor- ätzenden als W i t t i tonnte er sich gar nicht wünschen. Das wissen die Ultramontanen und die um Mugdan-v. Liebert ganz gut, ebenso, daß die unter der Leining des M ii n ch c n e r S t a d t in a g i st r a t s stehende Gemeindekrankenkasse seit Jahren mit einem chronischen Defizit abschließt. Im letzten Jahre betrug das Defizit der Gemeindekrankenkasse bei einer durch- sckmittlichen Mitgliederzahl von 33 599 nicht weniger als 61 316,44 M. Dabei haben die Beiträge die gesetzliche Höchstgrenze solange Sie nicht die Mehrheit haben, können Sie mit dem Munde erreicht. Die Gemeindeverwaltung hat eine Kommission gewählt, das alles verlangen, Sie könnten es aber nicht anders machen, als! die die Gemeindekrankenkasse einer finanziellen Gesundung zuführen es jetzt schon geschieht. Ist es nicht in Frankreich so. wo doch im soll. In ihrer Hiilflosigkcit wandte sich die aus Ultramonraneu und Ministerium drei sozialistische Minister sitzen?(Zuruf: Drei i Liberalen bestehende Kommission an den so viel verlästerten Hirsche!— Heiterkeit.)— Der Hnweis auf die Pflaster- und � Vorsitzenden der Ortskrankenkasse Genossen Witt! und Schornstcinfegcrarbeiten, die sich besonders für die städtische Regie ersuchte ihn, in diese Kommission einzutreten. Der eignen sollen, ist auch eine Verleugnung des sozialistischen Prinzips sozialdemokratische Ortskrankenkassenvorsitzende, dem die Gegner Der Sieger im Ballou-Wettsliegen. Washington, 24. Oktober.(W. T. B.) E r b S l ö h- Deutschland ist mit seinem Ballon„Pommern" amtlich als Sieger um den Gordon Bennett-PreiS der Lüfte erklärt worden. Die von dem Sieger zurückgelegte Strecke beträgt 873,4 Meilen, während der Ballon„LFsle de France" 867,4 Meilen durchflogen hat.__ deranttv. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt MaulSingcrLcCo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilogen u. ÜnterhaltungSblott Letzte JVacbrlchtcn und Depelcbca Der Blockkanzler gegen die Sozialpolitik. Altona, 2i. Oktober. Fürst B ü l o w empfing heute etite Abordnung der christlich-nationalen Arbeiter, die ihm die Beschlüsse ihres Kongresses vortrug. Der Blockkanzler antwortete in einer langen Rede, die ihrem Inhalte nach noch nichtssagender war, als die Kongreß-Begrüßungsrede B e t h- m a n n- H o l l w e g s. Wie sich in dem Kopfe unseres agrarischen Reichskanzlers die Fortführung der Sozialpolitik darstellt, zeigen folgende Sätze aus seiner Rede: Seien Sie versichert, meine Herren, daß die Sozialpolitik nach dem Willen unseres Kaisers fortgeführt werden wird. Wenn der Fortschritt auf manchen Gebieten sich nicht so rasch vollzieht, wie Sie ihn wünschen, so wollen Sie dabei im Auge behalten, daß die Zieichöverwaltnng die Interessen aller Stände wahrzunehmen hat und daß eine gesunde und kräftige Sozialpolitik von der gesamten Lolksanffassiing getragen sein muß. Nichts aber wird das soziale Verständnis der gesamten Nation mehr fördern, als wenn die deutsche Arbeiterschaft sich in immer weiterem Niufange auf den nationale» Vodcn stellt. Dadurch be» kennt sie sich zu einer Solidarität mit den anderen Ständen, die auf der anderen Seite nicht unerwidert bleiben kann, und die Freudigkeit stärkt zu weitcrem Fortschreiten auf sozialem Boden. Und so wird die deutsche Arbeiterschaft, indem sie frei vo» ein« fettigen oder übertriebenen Forderungen ihr eigenes Interesse ver- tritt, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Arbeiter- standes heben und gleichzeitig die Grundlage unseres staatlichen Lebens stärken und befestigen�_ Erdbebenkatastropye in Kalabrien. Nach den neuesten Nachrichten hat das Erdbeben in Kalabrien größere Dimensionen angenommen, als man be- fürchten konnte. Viele Ortschaften sind völlig zerstört und die stürzenden Häuser haben unter ihren Trünmiern Hunderte von Menschen begraben. Von 200 Toten sprechen unsere Telegramme und noch größer ist die Zahl der Verlvundeten. Feuersbrün st e. die in den leicht gebauten italienischen Dörfern rasch um sich griffen, zerstörten noch, was das Erdbeben selbst verschont hatte; die Bevölkerung ist obdachlos, ihre Habe ver- n i ch t e t. lieber die Ausdehnung der Katastrophe berichten folgende Telegramme: Rcggio(Kalabrien), 24. Oktober.(W. T. B.) Im Flecken S o p a r d o beim Hafenort Bianconsvo sind durch das gestrige Erdbeben ein Mann und ein Kind getötet, zwei Männer und ein Kind schwer verletzt worden. In der Gemeinde S a n t H i l a r i o del Jonio, wo viele Häuser eingestürzt sind, sind fünf Personen getötet, sechs verwundet. Reggio, 24. Oktober.(W. T. B.) Der Ort Ferrnzzano ist vollkommen zerstört; unter den Trümmern liegen zweihundert Tote und zahlreiche Berlevte. Reggio, 24. Oktober.(W. T. B.) DaS gestrige Erdbeben ver- ursachte in' B r a n c a l e o n e den Einsturz vieler Häuser, unter deren Trümmern eine Anzahl Personen begraben liegt. Ein Carabiniere, der schwerverwundct aus den Ruinen hervorgezogen wurde, ist bald danach gestorben. Nach Ferruzzano, wo, wie gemeldet, etwa zweihundert Tote unter den Trümmern liegen und viele Personen verlebt sind, sind noch mehr Truppen und Acrzte entsandt worden, die die Trümmer wegräumen und sich der Ver- wundeten annehmen sollen. Das Rote Kreuz schickt Verbandmaterial dorthin. Aus folgenden Orten werden noch schwere Erdbeben- schaden gemeldet: Gallina, Condufuri, Oppido, Caraffa, San Luca, San Lorenzo, San Ferdinands, Tirofarno, Cataforio, Sant Agata, Bova, Staiti, Cofolcto, Bruzzano und Bianconovo— im letztgenannten Orte Wurden zwei Personen getötet und sieben ver- wundet. Ferner aus Catona, Ardore, Mammola und Precacore. Nach den am meisten beschädigten Orten sind Mannschaften vom Zivilingenieurkorps geschickt worden. Rom, 24. Oktober.(W. T. B.) Die Blätter bringen ans- führliche Berichte über das Erdbeben in Kalabrien. In F e r- ruzzano sind die Abräuinungs- und Rettungsarbeiten wegen des SteigcnS des nahen Flusses und der Ucbcrschwcmmung der Oertlichkcitcn sehr schwierig. DaS 21. Jnfanterie-Regiment und eine Kompagnie Pioniere wurden nach Ferruzzano geschickt. Schlechtes Wetter macht die Lage der Bevölkerung besonders schwierig. DaS Dorf Z o p a r t o in der Gemeinde Bianconovo ist vollständig zerstört und viele Personen sind dabei umgekommen; ihre genaue Zahl ist noch nickst bekannt. Die Bevölkerung lagert trotz dcS RcgrnS unter freiem Himmel und wird durch leichtere Stöße immer wieder ia Schrecken und Anfreguiig versetzt. In Santilario stürzte das Rat« haus ein. In Melito stürzten drei Häuser ein. Immer neue Pleiten. New Jork, 24. Oktober.(W. T. B.) Die Twelfte Ward-Bant hat ihre Zahlungen eingestellt. DaS Kapital der Bank beträgt 209 990 Dollar, die Depesiteiifchuld 3 Millionen. New Uork, 24. Oktober.(Meldung der„Associated Preß".) Die Empire City SavingS- Bank hat ihre Zahlungcu für dreißig Tage eingestellt, wie nach den gesetzlichen Be- stimmungen zulässig ist. Die Direktoren erklären aber. daß die Bank durchaus zahlungsfähig fei und sie sich zu dieser Maßnahme nur entschlossen hätten, um einen Ansturm auf die Bank infolge Zahliingseinftellung der in ihrer Nähe belegenen Hamilton-Bank und der Twelfte Ward-Bant zu verhindern. Die Bank hat gegen 3 399 999 Dollar Deposilenschulden. Um 9'/z Uhr vormittags verfaminclte'l sich 1590 Depositoren der Trust-Company of Amerika vor dem Hauptbureau der Gesellschaft. Der Präsident teilte der Menge mit, daß die Bank imstande sei, allen Forderungen gänzlich zu geniigen. Die Bank begann darauf mit der Auszahlung an die Depositoren, während der ersten halben Stunde erhielt die Bank Depositen im Betrage von 990 999 Dollars, was die während derselben Zeit zurückgezogenen Beträge übersteigt. Tie Nachricht der Zahluiigöciiistellung von drei verhältnismäßig kleinen Bankinstitute» machte in der Wallstreet keinen Eindruck. SchiffS-Ziisammcilstoß. Danzig, 24. Oktober.(W. T. B.) Infolge Nebels kollidierte heute vormittag auf der Mottlau in der Nähe der Einmündung in die Weichsel der mit Passagieren besetzte Dampfer„Amor" mit dem Schleppdampfer„Käthe". Letzterer sank, doch gelang«S, ihn in seichtes Wasser zu bringen. Berluste an Menschenleben find nicht zu bellagen._ it.25o. 24. mmi. i. Dtüllgt iles Jormüttö" Kttllller JollioHdtt. Die Debenregierung des§ 175. Zweiter Tag. Vorsitzender Amtsrichter Dr. Kern eröffnet die Sitzung um 40 Uhr. Der Zudrang des Publikums ist noch größer als am gestrigen Tage. Der Zuschauerraum ist dicht gefüllt. Justizrat Dr. v. Gordon beantragt mehrere Zeugen zu laden. Sie sollen darüber vernommen werden, daß Graf v. Mvltke den Verkehr mit edlen Frauen durchaus gesucht hat und er im Verkehr mit solchen Frauen sich in jeder Beziehung ritterlich lcnommen hat, daß er namentlich über Ehe und Familie stets eine tief ethische und hohe Auffassung bekundet hat. Bei seiner vornehmen, idealen Gesinnung sei es völlig unmöglich, daß er sich in bezug auf Ehe und Familie in so unglaublicher, zynischer, herab- würdigender Weise geäußert haben könnte, wie die Zeugin Frau v. Elbe gestern behauptet habe. Ferner wird die Verlesung eines Ariefes der Frau v. Elbe aus der Zeit, wo schon die Ehe getrennt lvar, beantragt. Aus diesem werde hervorgehen, daß die Aeuße- rungen, die sie hier über das Verhältnis zu ihrem Manne gemacht hat, unzutreffend sein müssen. In diesem Brief erkläre die Zeugin, daß sie große Reue über ihr ganzes Verhalten empfinde und schmeichelnde, liebevolle Worte hinzufüge, die beweisen, daß es unmöglich wäre, daß eine Frau, die so schreibt, in der Weise be- handelt sein könnte, wie die Zeugin gestern geschildert. Der Sach- ivaltcr des Privatklägers beantragt schließlich noch die Verlesung eines Artikels aus der„Zukunft". Justizrat Dr. Bernstein: In Interesse des Beklagten muß ich den Beweis führen, daß die Behauptung der Klage, nicht politische sondern andere Gründe hätten den Beklagten veranlaßt, die Artikel zu schreiben, falsch ist. Ich nehme für den Beklagten das, wofür die klägerischc Partei ihn bestraft wissen will, als ein Verdienst um das deutsche Volk in Anspruch. Ich behaupte und will beweisen, daß der Beklagte mit diesen Artikeln Zustände be- kämpft hat, die des BekämpfcnS wert waren, Männer als Politiker zu vernichten gesucht hat, die als Politiker der Vernichtung wert waren, und daß es sein Verdienst ist, wenn diese Männer keinen politischen Einfluß mehr haben, wenn diese Zustände nicht mehr bestehen. Ein Merkmal dieser Zustände war es— und dafür will ich jetzt erst den Beweis erbringen— ein Merkmal dieser Zustände war es, daß die Herren, welche die allerhöchste Person umgaben, Päderasten waren. Das hat nicht Herr Harden in seinen Artikeln gesagt, denn damals das zu sagen, war nicht notwendig, das sage ich jetzt. Tie Gruppe, welche Herr Maximilian Harden bekämpft, und ich glaube mit Erfolg bekämpft hat, hat in der Tat Päderastie getrieben. Ich benenne dafür die Zeugen Boll- Hardt, F e r e n t i. Krause, Sieb mann, Lücke, M o l d e n h a u c r, T h i e l b a r t. Ich behaupte nicht, daß der P r i v a t k l ä g e r sich aktiv an diesem Treiben beteiligt hat. Der Herr Privatkläger ist aber der einzige aus dieser Gruppe, von dem ich das nicht behaupte. Ich behaupte aber von dem Herrn Privatklägcr, daß ihm die Qualität der anderen Herren kaum entgangen sein kann und seine Angaben, von diesen Dingen nichts gewußt zu haben, kaum glaubwürdig sind. Ich be- incrkc. was den Fürsten Eulenburg betrifft, so weih ich im Augenblick noch nicht, ob Sc. Durchlaucht an diesen päderastischcn Orgien sich beteiligt hat oder nicht. Ein Zeuge oder vielleicht mehrere wird Ihnen sagen, daß ein Herr dieses NamenS sich an diesen Dingen und zwar sehr aktiv beteiligt h a t. Ich weiß nicht, ob es der intime Freund des Herrn Privat- ! lägers oder ob es der Bruder des intimen Freundes gewesen ist. Aber ich bitte das Gericht, sich hierüber Gewißheit durch Befragen dieser Zeugen zu verschaffen. Mein zweiter Acwcisantrag geht dahin, daß die Behauptung des Privatklagers, er habe von dem hier eben gekennzeichneten Treiben, insbesondere in bezug auf den Grafen Hohenau, nichts gewußt, nicht wahr Zt Als Zeugen dafür benenne ich die Herren General v. Kessel und Platzmajor v. Hülsen. Die weitere Behauptung, die gestern vom Privatklägcr aufgestellt wurde, daß ihm der Sinn der ersten Artikel des Beklagten entgangen sei. daß er erst spater diese Artikel auf die Frage hin geprüft habe, ob darin Belerdrgungcn zu finden seien, ist nicht wahr. Als Zeugen dafür benenne ich Herrn Baron v Berg er. Herr Dr. Lima» benenne ,ch als Zeugen und Sachverständigen dafür, daß Herr Maximilian Harden als ein ernsthafter politischer Schriftsteller gilt und diese Artikel aus lauteren Motiven geschrieben hat, daß sie als politische aufgefaßt werden müssen und politisch gewirkt haben. Ich benenne den Grafen Reventlow als Zeugen dafür, daß die Angabe des Beklagten, daß er nicht aus Gehässigkeit und unlauteren Motiven, sondern nur aus politischen Motiven gcichrieben bat und daß es seine Absicht gcivesen ist, von den ihm seit langem in bezug auf den Privatklägcr und seinen Freunden vckannten Dingen nicht mehr zu sagen als zu politischen Zwecken notivcndig war. Ich benenne weiter Dr. H i r s ch f e l d und ,eden sachverständigen Arzt dafür, daß die von dem Privatklägcr bereits fcstaestclltcn Tatsachen schon genügen, die Qualifikation des Privat- klägcrs in geschlechtlicher Beziehung, die ihm der Beklagte hat zuteil werden lassen, vollkommen zu begründen. Ich behaupte, daß von diesen Männern der Wissenschaft rund und knapp erklärt werden wird: Kuno Moltke empfindet geschlechtlich ab- normal. Für die Behauptung, daß Fürst Eulenburg und seine Freunde dem Deutschen Reiche geschadet haben, bitte ich die Generale v. K e s s e l und v. H ü l s c n zu vernehmen. Ich behaupte weiter, daß schon zu der Zeit, als Fürst Eulenburg ,n Wien war. allgemeine Gerüchte gingen über seine homosexuelle Pcranlagung die auch dem Privattläger bekannt waren. Vors. Amtsrichter Dr. Kern: Wollen Sic damit auch beweisen, daß der Privatkläger davon Kenntnis gehabt hat? Justizrat Bernstein: Die Dinge sind so kraß und haben so lange gespielt, daß dem Privatklägcr bei dem intimen Verkehr mit dem Fürsten Eulcnburg dies unmöglich entgangen sein kann. Bezüglich der Neigungen des Grafen Hohenau hat er diese Kenntnis ja wohl zugegeben!.,„. Juftizrat Dr. v. G o r d o n: Mein Mandant hat gestern er- klärt, daß er von den Neigungen des Grafen Hohenau keine Ahnung hatte. Anders hat er sichZvohl über Herrn Lccomte geäußert. Was das neue Moment betrifft, daß Fürst Eulcnburg schon in Berlin als homosexuell bekannt war. Homosexuell ist nicht dasselbe ime vädcrastisch/(Zwischenruf Hördens.) Meine Anträge haben nicht den Zlveck, festzustellen, daß Frau v. Elbe unzurechnungsfähig ist, sondern zu beweisen, daß in ihrem Kopf sich die Dinge anders malen, als sie sich abgespielt haben. Solche Sachen faßt jeder auf, ivie er sie empfindet, und daß eine in Ehescheidung liegende Frau die Sache anders aufsaht, als sie bei nüchterner Betrachtung zu bewerten ist, ist doch selbstverständlich. Den Antrag, Herrn Chef- redakteur Liman und andere über die Tendenz der Artikel zu ver- nehmen, halte ich für unerheblich. Mein Mandant steht politischen Dingen vollständig fern, und die An- sichten darüber, was dem Deutschen Reiche zuträglich ist oder nicht. sind ja auch verschieden. Politische Dinge sind doch wohl auch nicht vor dem Schöffengericht zu entichciden. Was den Antrag betrifft, Beweis zu erheben, daß andere Leute Päderastie betreiben, so mög er meinetwegen erhoben werden, dadurch wird aber nicht er- wicfci,, daß mein Mandant irgendwie auch zu solchen Leuten zu zählen ist. Justizrat B e r n st e i n: Ich bin den Beweisanträgcn, die der Herr Gegner zuerst gestellt hat, mit keinem Worte entgegengetreten und werde auch nach keiner Richtung hin diesen Anträgen entgegen- treten, da Herr Harden ja selbst das allergrößte Interesse hat, eine vollständige Klärung der ganzen Sache herbeizuführen. Wenn der Herr Graf Moltke nur den schönen Gedanken aussprechen wollte, daß die Ehe ohne Liebe im höchsten Grade verwerflich sei, so hatte er es in einer anderen Weise zu tun, als in ziemlich deutlicher Weise zu erklären, jedes Frauenzimmer sei für ihn nur ein Klosett. Harden: Im Interesse meiner Sicherheit und meines Rufes kann ich auf einige weitere Beweise nicht verzichten. 1. Es ist behauptet worden, der Generalleutnant Graf Kuno von Moltke habe von den Artikeln der„Zukunft" erst verspätet Kenntnis be- kommen, er habe den Sinn der Artikel erst später verstanden und deshalb könne von einer Verjährung keine Rede sein. Diese Be- Häuptling des Privatklägers, die die Grundlage der ganzen Anklage bildet.ist bewußt unwahr! Ich berufe mich auf den anwesenden Frhrn. v. Bcrger, der mit dem Privatkläger schon im November von dem einen Artikel ge- sprochen und ihm vollständig in das Gesicht gesagt hat, was die Sache bedeutet. 2. Der Chefredakteur Dr. Liman wird bezeugen, daß der Komplex der Tatsachen, die später geschildert worden sind, in erster Reihe gar nicht auf den Generalleutnant Graf Kuno von Moltke zugespitzt ist, sondern auf den Fürsten zu Eulenburg. Ich bitte, Herrn Dr. Liman darüber zu hören, daß Für st Bismarck über den F ü r st e n E u l e n b u r g in der krassesten Weise den Vorwurf der Homosexualität ausgesprochen hat. Und wenn der Führer dieser Gruppe, zu der der Graf von Moltke ge- hört, in solcher Weise vom ersten Beamten des Reiches der Homo- scxnalität beschuldigt wird, so liegen doch die Rückschlüsse nahe. 3. Ich beantrage, beim Polizeipräsidium die Genehmi- gung für die Dezernenten des betr. Ressorts ein- z u h o l e n, darüber Auskunft zu geben, was sie über den Fürsten Philipp zu Eulenburg, den Grafen Willi Hohenau und den französischen Herrn wissen. Als diese Dinge in der Oeffentlichkeit spielten, erhielt ich einen Brief des Kapitänleutnants v. Reventlow, wonach er an der Hand eines früheren Gesprächs mit mir eidlich erhärten könne. daß ich von irgendwelcher tätlichen Verfehlung des Grafen v. Moltke nichts gesagt habe und aus welchen Motiven ich gehandelt habe. Da der Privatkläger sich durch die Benennung„Der Süße" be- leidigt fühlt, so würde ich mich auf die kompetenteste Persönlich- keit, den Chef des Militärkabinetts» beziehen, der sich über den Privatkläger in Ausdrücken er- gangen hat, die ich nur unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit wiederholen könnte. Graf v. Moltke: Es ist mir hier von Herrn Harden bor- geworfen worden, daß ich unwahr sei, daß ich verschiedene Spitzen, die in den Artikeln enthalten waren, nicht als Spitzen erkannt habe. Ich erkläre, daß ich von Anfang an diese Verdächtigungen und Spitzen erkannt habe, ich habe aber bis zum Schluß gewartet, daß ich sie so erkennen konnte, um gegen Herrn Harden vorzugehen. Es wurde mir damals gesagt, es hätte gar keinen Zweck, Herrn Harden meine Sekundanten zu schicken. Es war dies derselbe Herr Baron von Berger, auf den sich Herr Harden bezieht. Dieser sagte mir, daß Herr Harden nicht mit der Waffe in der Hand für leine Handlungen eintreten werde. Ich weise es wiederholt mit aller Entschiedenheit zurück, daß in der Nähe Seiner Majestät ein Kreis von Personen existiert hat, welcher politisch zusammengewirkt hat und verderblich geworden ist. Dies ist lediglich eine Verdunkc- lung der Tatsachen, denn zur Bildung eines solchen Kreises sind die Ressorts bei uns viel zu streng geschieden. Ich habe die Ueber- zeugung. daß ich gestern nicht genügend energisch den Dingen gegen- übergetreten bin, die hier von der Frau von Elbe gesagt worden sind. Es wird mir niemand verdenken können, wenn es mir un- endlich schwer wird, noch einmal die dunkelsten Tage meines Lebens mir in die Erinnerung zurückzurufen. Es ist mir außerordentlich peinlich gewesen, diese Tinge nochmals aufzurollen. Ich schätze als alter Soloat ein frisches Wort in der Front, wenn man aber, trotzdem ich Kläger bin, doch als Verdächtigter hier steht, so erstirbt einem das Wort. In einem sechsjährigen Prozeß sind alle diese Anklagen gegen mich von acht Richtern geprüft worden, und nicht ein Schatten ist aufrecht erhalten worden. Ich bitte deshalb, eventuell dieses Erkenntnis zu verlesen, durch welches diese Affäre ihren Abschluß gefunden hat. Justizrat B e r n st e i n äußert sich nochmals zu den Anträgen und Aeußerungen des Gegners, geißelt die Art und Weise, wie der Privatkläger als Generalleutnant den Ehrenhandel mit dem An- geklagten betrieben hat und bleibt dabei, daß dem Angeklagten nahegelegt worden sei. daß Für st Eulcnburg ja doch ins Ausland gehe und seinen politischen Einfluß aufgebe. so daß der Angeklagte seine Angriffe aufgeben könne. Harden: Von feiten des Herrn Gegners wird fortwährend weiter bestritten, daß er schon von Anfang an Inhalt und Sinn der Artikel gekannt habe. Er sagt, es wäre dies erst viel später ge- schehcn und zwar— wie ich sage— so spät, daß die Antragsfrist gewahrt blieb. Ich behaupte aber und stelle es durch Vernehmung des Barons v. Berger unter Beweis, daß Graf Moltke von Anfang an über den Inhalt der Artikel sehr genau informiert war und auch den Sinn zur Genüge verstanden hat. Auf Wunsch des Herrn Grafen hat ihm Herr v. Berger noch nähere Aufklärung gegeben und zwar mit den Worten:„Können Sie denn irgendwie Zweifel habe«, daß es Homosexualität ist. die Ihnen und Ihren Freunden vorgeworfen wird.".Ich behaupte nach wie vor, daß auf alle mög- liche Weise versucht worden ist, mich zum Schweigen zu bringen. Durch Beauftragte ist mir sogar nahegelegt worden, nichts mehr über diese Affäre zu bringen, die beteiligten Personen würden dann eine Reise antreten und ihre politische Tätigkeit einstellen. (Mit höchst erregter Stimme): Ich behaupte, daß Herr Graf Moltke gezwungen worden ist, gegen mich Klage zu er- hebe». Nur durch Zwang hat sich der Kläger veranlaßt gefühlt, das Gericht anzurufen, anderenfalls hätte er den Nock ausziehen müssen. Deshalb klagt er jetzt. Justizrat Dr. v. G o r d o n: Das ist durchaus unzutreffend. Mein Mandant ist nicht gezwungen worden, es ist auch zu be- zweifeln, ob die Anstrengung dieses Prozesses überall erwünscht war. Jnstizrat Dr. v. Gordon wendet sich im Anschluß an die Ausführungen des Privatklägcrs eingehend gegen die im Laufe der Erörterungen gemachten Andeutungen über den Eheschcidungs- Prozeß des Grafen v. Moltke, dessen Verlauf er so schildert, daß der Privatklägcr dabei in keiner Weise schlecht weggekommen sei. Er beantragt eventuell die Vorlegung der Ehescheibungsaktc? und die Vernehmung dcS Justizrats Dr. Sello. Justizrat B e r n st e i n tritt diesen Ausführungen entschieden entgegen und stellt seinerseits auch noch mehrere Anträge. Unter anderem beantragt er die Vernehmung des Sachverständigen Dr. Magnus Hirschfcld darüber, daß nach dem ganzen hier durch die Beweisaufnahme festgestellten Verhalten des Privatklägers auf homosexuelle Neigungen desselben zu folgern ist. Was die Kritik der Zeugin Frau v. Elbe betrifft, so spreche man immer von den Einwirkungen des„TrionalL" auf diese Zeugin. Er dagegen sage nur immer„Gemahl". Wenn die Frau jahraus jahrein unzurech- nungsfähig ist und ich bemerke es nicht, so bin ich selbst unzurech- nungsfähig. lScitcrkcit.) Justizrat Dr. v. G o r d o n: Ich berufe mich auch noch auf daS Zeugnis Seiner Majestät darüber, daß Graf Molkte niemals feine Stellung benutzt hat, um irgendwelche Wünsche politischer Art durchzudrücken» Justizrat Bernstein: Gegen diesen Antrag habe ich gar nichts einzuwenden. Je mehr die Sache beleuchtet wird. desto mehr wird der Kläger ins Dunkle gerückt. Eine weitere Aufklärung über die Aeußerung des Klägers:„Wir habe» einen Kreis um Seine Majestät gebildet usw.", ist doch interessant für das deutsche Volk. Justizrat Dr. b. G o r d o n beantragt, außer dem Dr. Magnus Hirschfcld über das diesem zu unterbreitende Thema auch den Dr. Merzbach zu vernehmen, außerdem die Polizeikommissare darüber, daß ihnen von dem Privattläger keinerlei homosexuelle Hand- lungen bekannt sind. Harden: Zu der Behauptung, daß der Privatkläger zur Klage gezwungen ist, berufe ich mich eventuell auf den Fürsten von Bülow und Herrn v. Hülsen-Haeseler. Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung über die Belvcis- antrüge zurück. Der Beschluß des Gerichts geht dahin, daß die Beschlußfassung über die anderen Bcwcisanträge zunächst ausgesetzt werde, aber in die Belveisaufnahme darüber einzutreten, ob in dem Freundeskreise, zu dem Fürst Eulenburg, Graf Wilhelm Hohenau und der Privattläger gehörte, Päderastie betrieben worden ist. Für diesen Teil der Verhandlung wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, den Vertretern der Presse und den Zuhörern aus dem Kreise der Juristen aber die Anwefenheit gestattet. Zeuge B., ein früherer Gardekürassier, erklärt auf Befragen, er sei im Jahre 1895 als Freiwilliger in das Regiment Garde du Corps eingetreten. Im Jahre 1896 habe ihn Graf L Y n a r, der seinerzeit Rittmeister war, einen unsittlichen Antrag gemacht. Er sei darauf eingegangen und habe sich mit einem anderen Kameraden nach der am Heiligensee gegenüber dem Marmorpalais gelegenen Villa des Grafen Lynar begeben. Hier seien in einem Saale mehrere Herren versammelt gewesen, da- runter Graf Hohenau. Diese Herren hätten dann mit ihm Hand- lungen vorgenommen, die von ihm genau geschildert werden, deren Wiedergabe sich aber verbietet. In dem Saale habe meist Halbdunkel geherrscht und er, Zeuge, nicht genau erkenixcn können, ob der Privatkläger sich in der Gesellschaft be- fand, er glaube es aber, wenn der Kläger jetzt auch weniger Haar habe. Im Regiment wurde viel über die geschlechtlichen Exzesse hoher Offiziere gesprochen und als solche sich homosexuell betätigenden Herren auch Prinz Friedrich Leopold, Prinz Friedrich Hein- r i ch und der damalige Flügeladjutant des Kaisers Graf Moltke genannt. Der Privatkläger erklärt hierauf, daß er allerdings in dieser Zeit Flügeladjutant in Potsdam war. Er habe aber nie- mals die Villa des Grafen Lynar aufgesucht. Justizrat Dr. v. Gordon: Glauben Sie den Privatklägcr als einen der Teilnehmer an den Orgien wieder zu erkennen? Zeuge: Ja, ich glaube, daß er es war. er hatte aber mehr Haare. Justizrat Dr. v. Gordon: Wurde im Regiment nicht von vielen Offizieren gesprochen, daß sie mit Soldaten widernatür- liche Unzucht treiben? Kamen solche Exzesse nicht oft vor? Zeuge: Jetzt ist es ja verboten. (Große Heiterkeit.) Ich meine, es ist jetzt verboten, mit weißen Hosen und langen Stiefeln aus- zugehen, früher war eS erlaubt, das war gewissermaßen das Erkennungszeichen und die Soldaten wurden in dieser Tracht meist viel von Männern belästigt. Harden: Mir sind von dem Zeugen am 15. Juni 1997 detaillierte Mitteilungen zugegangen über Dinge, die ich meist schon kannte. Die Herren Graf Lynar und Graf Hohenau sind ja ivegen dieser Verfehlungen in der Schwadron zusammengebrochen. Das ist ja bekannt ebenso wie die Tatsache, daß Graf Lynar der- jcnige war, der dem Kronprinzen sagte: Wir müssen hier fallen und die da.., Das weiß doch jeder. Graf Lynar und Graf Hohenau waren also zweifellos an den Orgien beteiligt. Vorsitzender Dr. Kern: Den Grafen Hohenau haben Sie also bei jenen Zusammenkünften ganz bestimmt erkannt? Zeuge: Jawohl, mit aller Bestimmtheit. Vorsitzender: Haben Sie auch den Grafen Eulenburg. den jetzigen Fürsten Philipp Eulcnburg, dabei gesehen? Zeuge: Ich glaube es ebenfalls sagen zu können. Vorsitzender: Sie sagten vorhin, daß auch ein„Moltke" dabei gewesen sei und dieser Flügcladjutant des Kaisers gewesen sei. Zeuge: Ja, es wurde allgemein im Regiment da- von gesprochen, daß Graf Moltke dabei gewesen sei. Es hieß auch, daß Graf Lynar nnr der Unterhändler gewesen sei. Dieser suchte sich die Leute unter den Mann- s ch a f t e n a u s. Ich selbst habe im Auftrage des Grafen Lynar einen früheren Unteroffizier, jetzigen Dompteur, der auch jetzt als Zeuge geladen ist, zu einem Besuch in der Villa eingeladen. Im Anschlüsse an diese Aussage entwickelte sich eine lebhafte und eingehende Auseinandersetzung darüber, ob der Fürst Philipp Enlcnburg sich an jenen Zusammenkünften beteiligt habe. Justiz- rat Dr. v. Gordon erklärt, daß dies auf eine Personcnver- iv c ch s e l u n g mit dem jüngeren Grafen Friedrich Botho von Eulcnburg zurückzuführen fei. Daß dieser wegen einer derartigen Affäre aus dem Regiment ausscheiden mußte, ist bekannt. Harden wendet hiergegen ein, daß eine solche Verwechselung unmöglich ist. Er habe aus dem Gothaer Hof- kalendcr das Bild des Fürsten Philipp Eulcnburg dem Zeugen B. gezeigt, ohne dabei zu sagen, wen das Bild darstellte. Justizrat Dr. Bernstein: Sie sollen hierbei sofort, che Sie den Namen vorher gehört hatten, gesagt haben:'„Das ist ja Eulen- bürg, der war auch dabei. Justizrat Dr. v. Gordon bemerkt hierzu, daß Graf Eulen- bürg schon 1871 aus dem Regiment ausgeschieden ist. Justizrat Dr. v. G o r d o n benennt wiederholt den Grafen Hohenau und den Grafen Lynar als Zeugen dafür, daß Fürst Eulenburg, den der Zeuge vor zehn Jahren im Dämmerlicht gesehen haben und nun doch nach dem Bilde erkennen will, nicht bei den Zusammenkünften beim Grafen Lynar war. Der Zeuge B. bleibt nach langen Kreuz- und Querfragen dabei, daß er nach dem Bilde, das ihm Herr Harden vorgelegt hat, den Fürsten Eulcnburg erkennen zu können geglaubt habe. Er habe sich seinerzeit infolge der Zeitungsartikel selbst an Herrn Harden gewandt und ihm mitgeteilt, daß er in der Lage sei, ihm über die in der Villa des Grafen Lynar abgehaltenen Zu- sammenkünfte interessante Mitteilungen zu machen. Darauf sei er zu Herrn Harden bcschieden ivorden und habe ihm diese Angah-'«- gemacht. Herr Harden sei anfänglich mißtrauisch gegen ihn gewesen. Graf v. Moltke: Ich habe von diesen traurigen Affären absolut nichts gewußt. Harden: Herr Zeuge B.k Sie sagen also aus, daß der dem Generaladjutanten Grafen Kuno v. Moltke innig befreundete und verwandte Graf Wilhelm Hohenau wider- natürliche Nnzucht getrieben hat?— Zeuge: Ja! Der. nächste Zeuge, ein Wachtmeister vom Regiment Garde du Corps, erklärt, daß er nur dienstlich in der Villa des Grafen Lynar gewesen sei. Im Oktober v. I. habe sich der Bursche des Grafen Lynar bei dem Zeugen gemeldet mit der Bitte, abgelöst, zu werden� da der Graf Lynar„zu liebenswürdig" gegen ihn sei. Er habe diese Sache dienstlich weitergegeben. Richtig ist eS, dah gerüchtweise behauptet wurde, Graf Lhnar und andere Personen treiben mit Männern widernatürlichen Umgang. Dies wurde auch vom Grafen Hohenau erzählt, aber von dem Privatkläger ist so etwas nicht gejagt worden. Hierauf erscheint der als Zeuge vorgeladene Richard Krause, ein 29 jähriger Mann, der 1898— 1902 in Potsdam gedient hat. In seiner Gegenwart, so sagt er aus, ist niemals darüber gesprochen worden, daß in der Villa des Grafen Lynar oder sonstwo von Offizieren widernatürlicher Verkehr mit Männern stattgefunden habe. Auf wiederholten Vorhalt seitens des Verteidigers erklärt er langsam und zögernd, daß er das, was er gehört habe, als Iokus aufgefaßt habe. Es wurde allerdings ge- sprachen, daß Graf Lynar und Graf Hohenau Umgang mit Männern habe. Vom Privatkläger sei nichts Derartiges gesagt worden. Zeuge Unteroffizier Liedmann von den Garde 0 u Corps weiß nichts davon, daß im Hause des Grafen Lhnar widernatürliche Unzuchtshandlungen vorgekommen sind. Er hat nur davon gehört, daß der Bursche des Grafen Lynar von diesem weggekommen ist und daß Graf Lynar und Graf Hohenau vom Regiment weg'seien. Der Zeuge bleibt bei seinem Nichtwissen, trotz vieler Vorhaltungen vonseiten des Verteidigers. Zeuge Lücke aus Essen weiß ebensowenig wie der Vorzeuge. Es stellt sich heraus, daß ein falscher Lücke vorgeladen ist. Zeuge M o l d e n h a u e r, der längere Jahre in Potsdam ge- dient hat, erklärt gleichfalls anfänglich, daß er nichts von einem Gerücht weiß, wonach Offiziere mit Männern unsittlichen Umgang haben. Nach ernsten Vorhaltungen und Hinweisen auf den zu leistenden Eid gibt er zu: Gesprochen möge ja wohl sein, aber er habe nicht darauf geachtet. Er habe nur gehört, daß der Graf Lynar wegen seines Burschen habe abgehen müssen. Zeuge Dompteur Th.: Er ist 1896 bis 1900 in Potsdam ge- Wesen. Es wurde manchmal davon gemunkelt, daß beim Grafen Lynar unsittliche Dinge vorkamen. Mög- lich ist es, daß ihm von dem Zeugen B. angeboten worden sei, und zwar im Auftrage des Grafen Hohenau, in die Villa des Grafen Lynar zu kommen. Er habe darauf gesagt: Solchck Sachen mache ich nicht.— Vors.: Sie wußten also gleich. worum es sich handelte?— Zeuge: Na ja, weil man ja allerlei munkelte.— Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden verneint der Zeuge, daß bei jenen Gerüchten auch der Name der Fürsten Eulen- bürg oder des Grafen Moltke eine Rolle gespielt habe. Es wird darauf General v. Kessel, kommandierender General des Garde-Korps als Zeuge vernommen und vereidigt. Vors.: Hat der Privatkläger mit Ihnen darüber g e- sprachen, daß Fürst Eulenburg in eine Affäre in Sachen widerlicher Unzucht verwickelt sei. Zeuge: Es ist mir nichts davon bekannt. Vors.: Wußten Sie. daß er mit ihm befreundet war? Zeuge: Ja. Justizrat Dr. B e r n st e i n: Ist dem Zeugen nicht bekannt, daß der Privatkläger geäußert hat. er habe allerdings den Fehler ge- macht, daß er bezüglich des Falles Hohenau nicht sofort dienstlich weiteres veranlaßt habe. Zeuge: Ist mir ganz fremd. H a r d e n: Ist Ihnen etwas von einer Aktion bekannt, die die Polizei bezüglich des Grafen Hohenau unternehmen wollte. Hat das Garde-Korps nicht den Wunsch gehabt, durch die Polizei von Fall zu Fall darüber orientiert zu werden? Zeuge: Nein. H a rd e n: Ist Ihnen bekannt, daß die Absicht bestand, den Grafen Lynar zum Flügeladjutanten zu machen. Zeuge: Nein. Es wird hierauf eine kleine Pause gemacht, um den Gothaischen Almanach vom Jahre 1902 herbeizuschaffen, aus welchem der An- geklagte dem vernommenen Zeugen B. das Bild vorgehalten hat, in welchem dieser den Fürsten Eulenburg wiedererkannt haben will. Das Buch ist aber nicht sofort zur Stelle zu schaffe«. Justizrat B e r n st e i n weist darauf hin, daß er den General v. Kessel und den Platzmajor v. Hülsen nur deshalb habe laden lassen, um durch sie zu bekunden, daß der Privatkläger seine Stellung verloren hat, weil er den Dingen keineswegs so fern stand, als er behauptete. Da Herr v. Kessel in dieser Beziehung versagte und der Platzmajor v. Hülsen nicht erschienen sei, bleibe ihm nichts übrig, als sich auf den Chef des Militärkabinetts Hülsen-Haesrler zu berufen. Hierauf wird eine Pause bis 4 Uhr gemacht. Um 4 Uhr eröffnet Amtsrichter Dr. K e r n die Sitzung wieder. Der Gothaer Almanach ist inzwischen zur Stelle gebracht worden und wird vom Angeklagten Haiden dem Vorsitzenden überreicht. Der wieder hervorgerufene Zeuge B. sieht sich das dort ent- baltene Bild des Fürsten Eulenburg an und erklärt, daß dieser mit zu der Gesellschaft gehört habe. die in der Villa des Grasen Lynar die am heutigen Vormittage geschilderten Vorgänge inszeniert hat. Nach seiner Meinung muß dies der Herr sein, der damals in Zivil bei dem Grafen Lynar war. Als der Zeuge vereidet werden soll, erklärt Justizrat Dr. b. Gordon: Ich beantrage nunmehr, den Fürsten v. Eulenbura in seiner Wohnung zu vernehmen. Er ist nicht reisefähig nach dem Ausspruche des Arztes, aber ist doch hierher gekommen und ist bereit, sich auf Erfordern vernehmen zu lassen. Das von mir hier überreichte ärztliche Attest spricht deutlich aus, wie krank der Fürst ist. Er wird bezeugen: 1. daß er keine Ahnung hat von jenen Borgängen in der Potsdamer Villa, daß er niemals mit diesem Kreise, der durch die Namen Graf Lynar und Graf Hohenau be- zeichnet worden ist. zu tun gehabt hat, ihm vielmehr vollkommen fern steht. Er wird auch bekunoen, daß es gar nicht richtig ist. daß er die Anregung gegeben hat. Herrn Lecomte einzuladen, daß er selbst vollkommen intakt dasteht, seine Freundschaft mit dem Privat- kläger durchaus rein ist und er selbst keinerlei Empfindung davon hat. daß diese Freundschaft erotisch betont ist. Der Zeug«, der den Fürsten Eulcnburg nach dem Bilde wiedererkennen will, hatte ge- sagt, der Mann, um den es sich handelt, sei 27— 30 Jahre alt ge- »vesen. Fürst Eulenburg aber ist damals 50 Jahre alt gewesen. Er hat gesagt, es habe auf ihn den Eindruck gemacht, als ob die Herren in der Villa des Grafen Lhnar Offiziere waren. Fürst Eulenburg ist aber kein Offizier. Folglich kann der Zeuge den Mann in dem Bilde nicht wiedererkennen. Fürst Eulenburg erklärt eS auch für absolut unwahr, daß er mit diesen Vorgängen in Potsdam irgend etwas zu tun gehabt hat. Justizrat B e r n st e i n: Von Herrn Horden wird nicht be- hauptet. daß Fürst Eulenburg etwas zu tun gehabt hat. sondern er hat nur behauptet, dah von anderen Personen solche Dinge be- hauptet werden. Das ist ja doch geschehen. Wenn Fürst Eulenburg vernommen wird, werde ich selbstverständlich mich nicht mit der Frage begnügen, welche Beziehungen er zum Privatkläger hat, sondern ich werde mit ihm die Frage der Homosexualität überhaupt erörtern. Justizrat Dr. v. G o r d o n: Ich habe ja selbst die Negative in dieser Beziehung behauptet. Die Dinge, die in Potsdam vor- gekommen sein sollen, sind ja sehr beklagenswert, sie haben aber mit meinem Mandanten nichts zu tunl Justizrat Bernstein: Ich glaube Anspruch auf daS An- erkcnntnis zu haben, daß ich sowohl wie Herr Horden in dieser Frage ganz loyal vorgehen. Wir haben den Grafen Lhnar und den Grafen Hohenau schon von Anfang an gern hier sehen wollen, die Gegenpartei schien bisher dasselbe Interesse daran zu haben. Hierauf wird der Zeuge S3. nochmals vorgerufen. Vorsitzender: Sagen Sie, Herr Zeuge, ist ein Irrtum ausgeschlossen? Zeuge: Es muß der Herr sein, der an dem Abend dabei gewesen ist. Borsitzender: Entweder Sie sagen: er ist eS, oder Sie sagen: ich muß ihn erst sehen. Zeuge: Gut, ich will ihn erst sehen. Justizrat Dr. v. Gordon: Es ist doch auf der ganzen Welt nicht möglich, daß ein Mann auf Grund eines Bildes einen Herrn wiedererkennen kann, den er vor zehn Jahren einmal gesehen hat, zumal der Zeuge gesagt hat, es ist ein Herr von 2? bis 30 Jahren. Tatsächlich ist er aber bO Jahre alt. Vorsitzender: Wann kann der Fürst hier erscheinen? Justizrat Dr. v. Gordon: Er kann hier nicht erscheinen, aber er müßte kommissarisch vernommen werden. Vorsitzender: Der Fürst ist doch nur gichtleidend, kann er nicht hergctragen werden? Justizrat Dr. v. Gordon: Ich bitte, das Attest zu verlesen. Harden: Seit Wochen habe ich den Fürsten Eulenburg als Zeugen benannt. Es ist gesagt worden, man habe ihn und andere nicht in Gewissenskonflikt bringen wollen. Aber seine Gesundheit dürfte doch keinem stärkeren Chol ausgesetzt sein, wenn er hierher kommt. Um Berlin zu erreichen, muhte er zu Wagen von Lieben- borg nach der Eisenbahn fahren, auf der Eisenbahn nach Berlin, vom hiesigen Bahnhof nach der Wohnung in der Königin Augusta- strahe. Ich sehe keinen Grund, weshalb er nicht hier nach dem Gericht mit demselben Wagen fahren kann. Ich sehe nur den Versuch darin, die Verhandlung zur Vertagung zu bringen, daß der Herr hier nicht erscheint. Ich möchte doch darum bitten, endlich damit aufzuhören, hier immer zu sagen, der Privat- kläger hat nichts damit zu tun. wenn ein Herr, der in der„Zukunft" genannt wurde, der gleichzeitig mit dem Kläger aus dem Amte gesetzt wurde und unter Mißbrauch seines Amtes straf. bare Handlungen begangen hat. Zwei Herren, die sich ganz genau kennen, wie der Privatkläger und Graf Hohenau, den der Kläger duzt, mit dem er verwandt ist, der mit ihm lange Jahre als Flügeladjutant die gleiche Stellung einnahm, können doch nicht sagen, sie hätten miteinander nichts zu tun. Wo gibts denn noch eine Gemeinschaft, wenn das keine ist. Mein Verteidiger hat aus- drücklich gesagt, weshalb der Zeuge B. vernommen werden sollte. Nebenbei behauptet der Zeuge noch das und das vom Fürsten Eulenburg und hat das immer Harden gegenüber behauptet. Ich habe davon aber keinen Gebrauch gemacht. Wenn Fürst Eulen- bürg hier ist, werden wir ihm sagen, was wir ihm beweisen. Wir bitten, er soll nun endlich kommen und für den vierzigjährigen ge- liebten Freund, der ihn seine„Seele", seinen„Geliebten" nennt, Zeugnis ablegen. Justizrat v. Gordon: Herr Harden hat zum Schluß hier gegen den Pr-ivatkläger und den Fürsten Eulenburg einen Ton an- geschlagen, auf den ich nicht eingehen möchte. Ich bitte einfach, den Fürsten Eulenburg als Zeugen für die von mir benannten Tat- fachen zu vernehmen. Es ist Sache des Gerichts, zu entscheiden, in welcher Form dies geschehen soll. Weil ich weiß, daß er nicht kommen kann, habe ich der Einfachheit wegen die kommissarische Vernehmung angeregt. Wir haben von vornherein den dringenden Wunsch gehabt, daß er hier erscheint; auch der Fürst war der An- ficht. Schließlich sagte aber der Arzt, er setze sich einer dringenden Gefahr aus, wenn er als Zeuge erscheine. Mehr kann man nicht tun, um die Sache abzukürzen, als wenn wir die kommissarische Vernehmung deS Fürsten beantragen. Es wird hierauf das von Sanitätsrat Dr. G e n t s ch aus- gestellte ärztliche Attest von dem Vorsitzenden verlesen. Aus diesem geht hervor, daß Fürst Philipp zu Eulenburg seit vielen Jahren an Gicht und schwerer Neurasthenie leidet. Da außer- dem eine Nervenentzündun'g an Beinen und Armen hinzu- gekommen ist, so besteht Gefahr, daß eine größere Auf- regung schwere Folgen, ja selbst den Tod herbeiführen könnte. Das Leiden des Fürsten ist so erheblich, daß er sich nur an zwei Stöcken vorwärts bewegen und ohne menschliche Hülfe keine Treppen ersteigen kann. Außerdem leide Fürst Eulenburg an Arteriosklerose, die ebenfalls sehr ungünstig auf den Körpcrzustand des Fürsten einwirke. Ein Erscheinen vor Gericht erscheine deshalb unter keinen Umständen ratsam. Justüjrat Dr. v. Gordon: Ich gebe anheim, den Fürsten laden lassen. Ich weiß allerdings nicht, ob der Fürst erscheinen wird. Unverständlich ist eS mir allerdings immer noch, was mein Mandant damit zu tun hat, wenn tatsächlich seitens des Grafen Hohenau irgendwelche Dinge gewisser Natur vorgebracht werden oder meinetwegen schon erwiesen sind. Harden: Ich behaupte, daß der größte Teil der deutschen Offiziere von diesen Dingen gewußt hat, natürlich aber aus begreiflichen Gründen geschwiegen hat. Es ist allgemein bekannt gewesen, daß sich Graf Hohenau jahrelang hin- durch in Erpresserhänden befunden hatte, und da soll Herr Graf Moltke, der mit Hohenau auf„Du und Du" stand und täglich dienst- lich und auch sonst gesellschaftlich mit ihm zu tun hatte, nichts von allen diesen Dingen goivußt haben? Mir ist es unverständlich und anderen Leuten wahrscheinlich auch! Justizrat Dr. Bernstein: Ich will nunmehr einmal eine einzige Frage an den Herrn Grafen Moltke richten: Will der Herr Kläger die Güte haben, uns zu sagen, weshalb er nicht mehr Stadtkommandant von Berlin ist?(Verhaltene Heiterkeit im Auditorium.) Der Gerichtshof zieht sich hierauf zu kurzer Beratung zurück. Der Vorsitzende verkündet: Der Gerichtshof hat beschlossen, die Verhandlung auf morgen, 10 Uhr. zu vertagen. ES soll geladen werden der Fürst Philipp v. Eulenburg. Das vorgelegte Attest hält das Gericht nickt für ausreichend. Wenn der Fürst Eulenburg die Reise nach Berlin antreten konnte, die mit einer nicht geringen körperlichen Anstrengung verknüpft war, so kann er auch von seiner Wohuung aus hier vor Gericht erscheinen. Eine seelische Aufregung ist ja doch nicht zu befürchten, da der Fürst sich selbst für unschuldig halte.(Heiterkeit.) Justizrat Dr. v. G o r d o n: Ich beantrage nunmehr, die Frau v. d. Marwitz, Lüneburgerstr. 21, als Zeugin zu laden, um zu be- weisen, daß die Behauptung der Frau v. d. Elbe unrichtig ist, wo- nach die Ehe der Zeugin mit meinem Mandanten mir zwei Tage konsumiert gewesen sei. Frau v. d. Elbe hat seinerzeit die Frau v. d. Marwitz, die damals noch un- verheiratet war, ins Vertrauen gezogen und dieser gegenüber Aeußerungen getan, auS denen deutlich hervorging, daß sie durchaus in ehelichem Verkehr mit ihrem Manne gestanden habe. Auch ihre Mutter habe Aeußerungen getan, wonach die Zeugin v. d. Elbe ihren Mann geschlagen habe. AuS diesen Vernehmungen werde man Schlüsie auf eine anormale sexuelle Veranlagung dieser Zeugin ziehen können. Justizrat B e r n st e i n: Wenn die Versuche, eine Frau, die hier mit ichwerem Herzen ausgesagt hat, als eine Meineidige zu bezeichnen, dann— ich tue eS jetzt noch nicht— werde ich beantragen. das Srztliche Zeugnis zu verlesen, das bei Gelegenheit des Ehe- scheidungSprozesseS in bezug auf den GefundheitSzupaud des PrivatklögerS ausgestellt ist. Der Privatkläger hätte alle Ber- anlassun g, mich nicht dazu zu zwingen, dieses ärztliche Zeugnis hier preis zu geben. Ich tue eS bis jetzt nicht, weil ich nicht gern mit solchen Waffen kämpfe. Justizrat Dr. v. G o r d o n bestreitet, daß in seinen Anträgen eine Verdächtigung der Zeugin, als hätte sie einen Meineid ge- leistet, liege. Graf Moltke verwahrt sich nochmals gegen den Versuch, ihn in ein besonderes KonstniftionSverhältnis zum Grafen Hohenau zu fetzen. Die Verhaudlung wird hierauf auf morgen 10 Uhr vertagt. Flivster Nerbandstag des Zttmaniisvtrbltudts. Hamburg. 23. Oktober. In der VormittagSsitzung beendete Paul Müller sein Referat über die„Reorganisation des Verbandes", in dem er die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit des Ausbaues der Unter- stützvnaseinrichtungen betonte, dabei auf die Erfahrungen anderer Gewerkschaften verweisend, deren Schlag- und KampfeSfähigkeit jetzt höher sei als früher. Der Korreferent Drescher- Bremer- haben kann die Argumente MüllcrZ nicht anerkennen, weil erstens der prinzipielle Standpunkt der Gewerkschaften als Kompfesorga- nisationen verwischt werden würde und zweitens die Unter- stützungSeinrichtungsn im Seemannsverbande undurchführbar seien. Er sei aber zu Konzessionen geneigt und schlage vor, die vorgeschlagenen Einrichtungen fakultativ einzuführen, so daß es jedem Mitglieds freistehe, ob er sich versichern wolle. Die meisten Redner erklärten sich im Prinzip für die Vorlage deS Zentralvorstandes. In namentlicher Abstimmung wurde mit 24 gegen 4 Stimmen im Prinzip die Reorganisation beschlossen. Das gesamte vorliegende Material wurde einer Kommission zur Beratung überwiesen. Um der Kommission Zeit zur Arbeit zu gewähren, fällt die Nachmittagssitzung aus. Huö der Partei. Die vorderrussische Aera. Die Polizei von Kellinghusen verbot nun gleichfalls den Lichtbildervortrag des Genossen Grempc-Bcrlin über„Ruß- lands Freiheitskämpfer" ohne Angabe von Gründen und oblvohl der Vortrag am Dienstag im benachbarten Lägcrdorf vor 500 Zuhörern ohne Zivischenfall gehalten worden ist. Auch in diesem Fall wurde die gesetzlich vor- geschriebene Aniileldebcscheinigulig von der Polizei nicht erteilt! In fiinf Tagen drei Versammlungsverbote: eine Leistnng. für die man in— Petersburg den gebührenden Respeli haben wird._ Der Kongreß der Seine-Föderation. Paris, 21. Oktober.(Eig. Ber.) Die sozialistische Föderalion des Seine-Departenients hat gestern ihren Kongreß abgehalten. Die 20 Pariser ArrondissementS und 21 Kantone der Umgebung waren durch insgesamt 263 Delegierte vertreten. Diese große Zahl macht es begreiflich, daß die Verhond- lungen manchmal einen sehr lebhaften Charakter annahmen. Den Bericht über den Parteitag in Nancy erstattete Groussier, S e m b a t den über den internationalen Kongreß. Scmbat erllärte, in der Frage des AnlimilitarismuS habe in der Internationale in bezug auf daS Ziel keine Meinungsverschiedenheit geherrscht. sondern nur in bezug auf die Mittel. Die Deutschen hätten die Formel der Insurrektion und deS Generalstreiks nicht aufiiehmcil wollen, die Internationale habe sie aber in der historischen Auf- zählung doch zugelassen. In der Frage deS Verhältnisses zwischen Partei und Gewerkschaft hätten die Franzosen zwar den Beschluß von Nancy nicht durchsetzen können, aber die Jnter- nationale hätte ihrem Verlangen nach AktionSfreiheit Rechuuiig getragen, indem sie der Aufnahme des sranzösiicken Vorbehalts ins Protokoll zustimmte. Vaillant fügte diesen Berichten noch einige ergänzende Bemerkungen an. Er sagte u. a., daß der von den Franzosen gemachte Vorbehalt in der GcwerkschaftSfrage ihnen die volle Freiheit gegeben habe. Die Internationale habe zu- gunsten der Franzosen eine Ausnahme gemacht. Seine Auseinandersetzungen mit dem Berichterstatter Beer hätten ihm darüber keinen Zweifel gelassen.— Gegen diese Auffaffung protestierte C a m b i e r im Namen der Minorität: Die Beschlüsse der Internationale seien für alle Sektionen bindend. Cambicr unterstützte den Antrag, die Berichte Gronssiers und Sembats in Druck zu legen, sprach sich aber gegen die Hinzu- fügung der ErNärungei' BaillantS aus. Der Kongreß beschloß indes, in die Broschüre die Ausführungen BaillantS, aber auch die Cambiers aufzunehmen. Schließlich wurde eine Resolution, die die Stuttgarter Erklärung der französischen Mehrheit in der GewerkschaftSfrage billigt, mit 168 gegen 84 Stimmen angenommen. Angenommen wurde ferner eine Resolution über daS Verhältnis zu den Radikalen. Sie wendet sich gegen die Anmaßung dieser Partei, die über den„Bruch" mit den Sozialifteii diskutiert, als ob für die Sozialisten überhaupt eine Gemeinschaft mit den Radikalen, diesen Agenten de« Kapitalismus und Werkzeugen des Marokko- syndikats und der Kolonialräuberei, möglich wäre. Die Föderation fordert die Sektionen auf, den Kampf gegen alle Bourgcoisparteien mit verstärkter Energie fortzuführen. Der Kongreß beauftragte die VcrwalwngSkommission, dem Ge- nassen KarlLiebknecht die Sympathie der französischen Sozialisten kundzugeben. Ein wichtiger Punkt der Tagesordnung war die Organisation der sozialistischen Jugend. Diese hat bisher eine eigene Sektion gebildet, die ihre Mitgliedschaft aus allen Bezirken deS Departements rekrutierte. Eine Reihe von Sektionen verlangte nun, daß die Gruppen der sozialistischen Jugend überall in die Bezirks- organisation eintreten und ihre autonome Organisation auf- geben. Der— unter Hervvislischen Einflüssen stehende— Jugend- verband bemühte sich den status quo aufrechtzuerhalten.' Der Antrag auf Statutenänderung wurde indes mit 140 gegen 99 Stimmen angenommen. Eine vom Föderationsrat ernannte Kommission soll die neue Organisationsform entwerfen. Sozialistische Proteste in England. London, im Okiobcr.(Eig. Ber.) In Liverpool fand kürzlich eine von über 3000 Personen besuchte Versammlung statt, in der die Gcnossei, B l a t ch f o r d, G r a y s o n und C u n n i n g h a in e Graham sprachen. Blatchford sagte, er werde über zwei Ereignisse sprechen: über Keir Hardieö Besuch in Indien und über die Wahl in Kirkdale. „Was Keir Hardie betrifft, so möchte ich einige Worte au die britische Presse richten. ES ist jetzt Mode geworden, sozialistische Reden aufzufangeu und sie zur Verhetzung der Gemüter umzu- deuten. Ich bitte die Vertreter der Presse, sich als Männer und Engländer zu betragen, und uns kair plaz? zu geben. Will die Presse unS in skrupelloser und rachsüchtiger Weise bekänipfeii, so werden wir in derselben Weise dienen: der Wahrheit wäre indes da- mit nicht gedient, wenn wir unS gegenseitig beschimpfen. Was geschaht im Falle Keir Hardics? Eine Depesche kam aus Indien und erzählte. Hardie habe gelvisse Bemerkungen gemachl. Die Presse zeigte nichr die geringste Neigung, die Nachrichten aus ihre Wahrheit zu prüfen, sondern siel sogleich über Hardie her und fügte gleichzeitig hinzu, Hardie sei der Führer der Sozialisten. Aber nach wenigen Tagen kam doch die Wahrheit zutage, daß Hardieö Worte in gröbster Weise entstellt worden waren. Wenn die Presse nur«inen kleinen Teil der Toleranz, die sie Lord Cromer aegenüber übt, Keir Hardie, Grayso» und anderen Sozialisten gegenüber üben wollte, so wären wir sehr dankbar. Auch in der Wahl in Kirkdale lourde nicht mit anständigen Waffen gefochten. Wir haben eS überhaupt mit einem organisierten Angriff auf den Sozialismus zu tun. In diesem Kampfe wollen wir keine Gnade, wohl aber männliche, chenhafte Kriegführung." Cunninghame Graham erklärte, Keir Hardie verdiene die Dankbarkeit der britischen Nation, da er eS gewagt habe, die europäischen Borurteile zu durchbrechen und die niedergeireteiien Millionen der Hindu kameradschaftlich zu behandelu. Anstatt Ausweisung— wie manche Blätter verlangen—, sollte die Regierung ei» Kriegsschiff nach Indien schicken, um Hardie, ivenn er seine Mission erfüllt habe, mit allen Staatsehren»ach Hause zu bringen. DaS beste für daS Reich und für Indien wäre die Trennung. G r a y f o n meinte, man muffe der bürgerlichen Sozialpolitik auf die Finger sehen, da sie die Kosten auf die Schultern der Arbeiter teflcn werde. Unsere Gegner sagen, wir wollten die Religion und die Familie abschaffen. Die gröfften Feinde der Religion seien nicht die Sozialisten, sondern die Kirchen, Und was die freie Liebe be- treffe, so wurde die Bourgeoisie en masse Sozialisten werden, wenn der Sozialismus die freie Liebe verteidigte. Gerade das Gegenteil sei wahr. Nicht wegen der laxen Moral, sondern wegen der Er- habenheit unserer ethischen Forderungen verfolge man uns. In B r a d s o r d sprach der Arbeiterabgeordnete S n o w d e n im ähnlichen Sinne. Der Arbeiterabgeordnete S h a ck l e t o n behandelte die Kirkdaler Nachwahl in einer Versammlung in Bnrnley. Der Vorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei nahm in der Frage über das Verhältnis zwischen Sozialismus und Religion folgende Resolution an: .Ter Vorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei weist die An- griffe auf den Sozialismus, den man für religionsfeindlich hält, entschieden zurück. Er erklärt, daß die sozialistische Bewegung An- Hänger der verschiedensten Religionen und Glaubensbekenntnisse nm- saht und für vollste Religionsfreiheit eintritt. Er weist ferner den Vorwurf, der Sozialismus wolle das Familienleben abschaffen, mit aller Entschiedenheit zurück und lenkt die Aufmerkiamkeit des Publikums auf die Tatsache, dah die Auflösung der Familie schon seit mehreren Jahrzehnten vor sich gehe und zwar infolge der schlechten Behausung, der Fabrikarbeit der Kinder und Frauen; diese Erscheinungen haben ihre Ursache in dem ökonomischen Druck, in den niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen der Männer und in anderen Wirkungen des Kapitalismus, den unsere Gegner auftecht erhalten, aber wir beseitigen wollen." Ebenso lebhaft ist die Agitation der Sozialdemokratischen Föde- ratio». Kürzlich sprachen die Genossen Hyndman und Maxted (letzterer ist Geistlicher der Hochkirche). polizeiliches, vericbtlickies ufw. „Rote Byzantiner." Unter dieser Ueberschrist hatte das amtliche „Langensalzaer Kreisblatt" ein Machwerk des Reichsverbandes ver- öffentlicht, in dem von einem Byzantinismus die Rede war. den angeblich die sozialdemokratischen Führer und unsere Presse gegen- über der Masse der Arbeiterschaft treiben sollen. Das„Polksblatt" für Mühlhausen erteilte darauf dem.Langensalzaer Kreisblatt" eine derbe Abfertigung für den Artikel. Durch einzelne Wendungen suhlte sich der Redakteur des„KreiSblattS", Wendt, beleidigt und erhob gegen Genossen Markewitz vom.Volksblatt" Privatklage. Das Muhlhauser Schöffengericht verurteilte Genossen Markewitz wegen formaler Beleidigung zu 70 M. Geldstrafe.— Wegen der niedrige», echt reichsverbändlerischen Unterstellungen des„Byzantiner"- Artikels hatte Genosse Markewitz Widerklage erhoben, der Redakteur des„KreiSblattS" wurde jedoch freigesprochen, weil das Gericht den Standpunkt einnahm, in dem betreffenden Artikel sei keine bestimmte Person bezeichnet gewesen. Hua IfiduftTie und Handel. Teuerungszuschläge. Ein Rocher de bronce gegenüber der Herannahenden Krise rst der nach den letzten Prehnachrichten beibehaltene Teuerungszuschlag der vereinigten Elektrizitätssirmen auf ihre Fabrikate sicherlich nicht. Er stellt sich vielmehr in sthöner Parallele der Wirtschaftspolitik der übrigen Verbände zur Seite, die so lange an der Fiktion eines stationären Geschäftsganges festhielten, bis sie nunmehr in ihren Wirtschaftsberichten notgedrungen mit den sinkenden Absatzziffern debütieren müssen. Sicherlich hätte die Vereinigung der elektrischen Firmen nicht das Mißverhältnis der Produktionskosten zu den Verkaufspreisen als stichhaltigen Grund für die Aufrechterhaltung eines Teuerungs- Zuschlags angeben dürfen. Denn, schwer fällt es, in einer Zeit, wo die Spatzen auf den Dächern bereits über die Ursachen der beispiellosen Kupferpleite diskutieren, an eine Selbstkostenver- teucrung zu glauben. Wenn nun Kohle und Eisen stabil geblieben, das als Rohmaterial der elektrischen Fabrikate fv wichtige Kupfer aber stark im Preise gefallen ist, sollte man da nicht den Schluß ziehen dürfen, daß die Spannung zwischen Selbstkosten und Preisen unmöglich in demselben„Mißverhältnis" fortbestehen kann? Der Teuerungsaufschlag ist das Mittel, bei gesunkenen Selbst- kosten die alten Preise aufrechtzuerhalten, und das ist die ver- werfliche Syndikatspolitik, welche selbst aus rückgängiger Konjunktur Kartellprofit zu ziehen sucht, sich für den geschmälerten Konsum durch die erhöhte Profitrate entschädigen will. Oder aber die Bei- beHaltung des gleich hohen Teuerungszuschlages ist jene bekannte schöne Geste, mit welcher man auf dem Markte vorläufig paradiert und sich hierbei auch noch selbst gegenseitig Sand in die Augen streut. Während man insgeheim bereits nach Kräften intrigiert, was bekanntlich auch innerhalb des geschlossenen Verbandes keines- wegs unmöglich ist. Unser kapitalistisches Gcschäftsleben ist ein Gewebe von Spitzfindigkeiten, in welchen die Konkurrenz zu Falle kommen soll und in welchem List und Verschlagenheit die erste Geige spielen. Und so mag es denn kommen, daß binnen kurzem der nachlassende Konsum für seine niedrigeren Preisbedürfnisse ein williges Ohr findet, trotz dem.Mißverhältnis" und sogar*— trotz des beibehaltenen Teuerungszuschlages. Entwickelung der Kohlenprrise. Die Klagen über Verteuerung der Brennstoffe werden stets lauter. Zweifellos standen schon 1900 die Kohlenpreise in den Hauptkohlenbezirken Deutschlands noch höher wie 1900. dem Jahre des damals viel erörterten Kohle, iwuchers. Nach den Notiertuigen der für die Kohlenpreisgestaltung besonders wichtigen Essener Börse wurden durchschnittlich für die Tonne bezahlt in Mark: 183S 1900 1906 Flammkohlen.... 6,89 10,00 10,27 Fettkohlen..... 5,63 10,25 10,27 Magerkohlen.... 4,70 0,50 9,53 GaSkohlen..... 7,83 12,75 12,50 Welche Preise erzielt werden im direkten Verkauf, geht anS der neuesten BerrechnungSpreistabelle deS Kohlensyndikats hervor. Gegen die PreiSpraxiS dieser übermächtigen Grubenorganisalion richten sich die meisten Beschwerden der Konsumenten. DaS Syndikat bestimmt nämlich ichoi, im Noveniber(diesmal sogar schon im Oktober), welche Preise für die nächsten ll/s Jahre zu zahlen sind, ohne Rücksicht auf etwaige Konjuiikturveräiiderullgen. ES wurden für die Tonne(je nach Sorte) folgende Preise festgesetzt: 1906/1907 1907/1908 Fettkohlen.. 9,00—12,50 M. 10.00—13.50 M. Flaminkohlen. 8.50—12.50. 10,00—13.50» Esskohlen.. 7,50—15,50„ 8,50—16,50. Magerkohlen. 6,00—22,50 6,00-23,50„_ Bis zum 3t. März 1908 sind also die ShndikatSpreise noch um 1 M. Pro Tonne höher gestellt wie im Jahre vorher, obgleich ohne Zweifel die Konjunktur sicki weiter verschlechtern wird. Darin liegt eine so grobe Rücksichtslosigkeit gegenüber der Allgemeinheit, daß man die anwachsende Opposition gegen die Syndlkalisten sehr be- greiflich finden muß._ Eine Million Gewinn als Wertzuwachs! Das Restgrundstück des ehemals fürstlich Blüchcrschcn Besitzes an der Ecke Kcith- und Wichmannstratze hat, wie die„Bodenreform" schreibt, die Landes- Versicherungsanstalt Brandenburg erworben. Ob sie das teure Gelände, für welches sie 4800 M. für die Ouadratrute bezahlt hat. zur Errichtung eines Verwaltungsgebäudes verwenden wird, steht noch dahin.?ln dem Gesamtgrundstück ist innerhalb zwei Jahren rund eine Million Mark verdient worden. Es wäre in der Tat furchtbar, wenn die Gesellschaft, die diese Gewinne gemacht hat, davon 200 000 M. an die Allgemeinheit als Zuwachssteuer hatte abgeben müssen. Die armen Aktionäre hätten ja dann in zwei Jahren nur 800 000 M. unverdienten Gewinn zu teilen I_ Der Krach. Trotz aller Beschwichiigmigen zieht die Katastrophe in den Ver- einigten Staaten weitere Kreise. Zwar wird die Schließung der PittSbnrger Effektenbörse als nicht alarmierend bezeichnet, aber niemand läßt sich über die Absicht solcher Beruhigungen täuschen Auch die Zahlungseinstellungen der Westinghouse Electric Company und der Westinghouse Machine Company sollen keine große Bedeutung haben. Schließlich werden uns die Insolvenzen noch als ganz harmlose Zwischenfälle geschildert. Eine Panik wurde nur durch das Ein- greifen deS Schatzsekretärs Cortelyou. der zugunsten der Trust Company of America 15 Millionen Dollar deponierte und event. weitere Hülfe zusicherte, verhindert. Durch kräftiges Eingreifen, umfassende JnterventtonSkäufe, haben es mehrere Finanzfürsten unter Führung Morgans auch erreicht, an der Effektenbörse eine gewisse Ruhe zur Geltung zu bringen. Man ist sich einig in dem Gedanken, daß nur durch umfassende Hülfe und durch Zusamnienarbeiten der Finanzgeivalligen große Erschütterungen verhindert werden können. Die wackelige» Institute werden jetzt durch behördliche Beamte, die da« Bundes- gericht einsetzt, verwaltet. Die in der City belegene Filiale der Knickerbocker Company wurde behördlich geschloffen und soll erst nach vollendeter Revision wieder geöffnet werden. Ueber die letzten Vorgänge liegen folgende Meldungen vor: London, 24. Oktober.„Daily Mail" meidet aus New Jork: Die Knickeborger Trust Company hat ihre sämtlichen Gläubiger befriedigt, die befürchtete Finanzkatastrophe ist dadurch ver- mieden. New Dork, 24. Oktober.(Meldung der„Associated Preß".) Nach einer Beratung mit de» hervorragendsten Finanzleuten. darunter P. Morgan, gab Cortelyou die Erklärung ab, daß der beste Beweis für die glückliche Ueberwindung der gestrigen unnötigen Aufregung die starke Unterstützung derer sei, die es unternommen hätten, das öffentliche Berirauen wieder- herzustellen. Cortelyou betonte, daß das Schatzamt 25 Millionen in New Uork deponiert hätte, und sagte, daß die Nationalbanken sich in unerschütterter Positton befänden und viele von ihnen gestern früh doppelt soviel Kapital in Händen gehabt hätten, als gesetzmäßig vor- geschrieben sei. Rockeseller arrangierte größere Anleihen für eine Anzahl finanzieller Institute in New Jork und gab aus Befragen seiner Meinung dahin Ausdruck, daß ein Alarm völlig ungerechtfertigt sei. Mit anderen zusammenarbeitend werde er die augenblickliche Krise überwinden, und jeder, dem sein Vaterland am Herzen liege, müsse seine Hand dazu bieten, das öffentliche Vertrauen wiederherzustellen. Man sieht, der Schwindel mit dem„Vaterland" geht den ameri- kanischen Kapitalisten bei Wahrung ihrer Interessen so glatt ab, wie preußischen Junkern l______ Huö der Frauenbewegung. KinderbeschSftlgungSanstalten. Als Gegenstück zu den Kinderhorten, die die Kinder arbeitender Frauen in den schulfreien Stunden beschäftigen und behüten, behandelt Frau A. P l a t h o w in„Ein Volk, eine Schule" die sog. KinderbcschäftigungLanstalten, wie sie in Bunzlau, Heilbronn, Dresden usw. noch bestehen. In der Bunz lauer Arbeitsschule erhielten die 149 Schüler und Schülerinnen im Jahr 3056 M. Lohn. d. i. pro Kopf und Jahr 20,50 M. oder pro Monat 1,70 M. Dafür mußten die Kinder 3835 Paar Strümpfe stricken. 17 550 Puppenkleider häkeln und 672 Samtstrcifen mit Perlen benähen. Aus dem Jahresbericht deS Vereins für Kinderbeschäftigung in Dresden entnimmt sie die Angabc, daß die von 140 Knaben über 10 Jahren besuchte Anstalt im Jahre 1904/05 insgesamt 3453 M. Arbeitslöhne bezahlte. Die höchsten Jahrcslöhne betrugen 99,47 und 65,97 M. Die Kinder arbeiteten„nie mehr als 3 bis 5 Stunden". Die Anstalt schloß �um 6 Uhr abends,„so daß den Kindern genügend Zeit für ihre Schularbeiten blieb". Wenn nun so ein Kind 4— 5 Stunden Schule, Ä— 3 Stunden Schularbeit und kleine häusliche Dienste und außerdem noch die 3— 5 Stunden An- staltSarbeit zu leisten hat, so ist es 10— 13 Stunden täglich angespannt. Das also ist das Los, da? unsere herrliche kapitalistische Wirtschaftsordnung der Jugend des Volkes bereitet. Und dabei gibt es noch Leute, die auf solche Einrichtungen wie die hier ge- schilderten stolz sind und sie als tatsächliche WohlfahrtSinstitute betrachten._ Die Probiermamsell. In dem eleganten Anprobesalon eines bekannten Spezial- Hauses für Damenausstattung ruht die Frau Baronin A. lässig hingeworfen in dem kleinen, zierlichen Diwan. Ein ärgerlicher Zug breitet sich über ihr Geficht aus, und um die Mundwinkel geht ein nervöses Zucken. Auf einem Sessel schräg gegenüber sitzt ihr Ge- mahl, ein Fünfziger, mit schlaffen, verlebten Zügen und einer riesigen Glatze. Dazwischen steht die Direktrice, mit eckigem, hoch- mütigem Gesicht. Auf dem Tische liegen mehrere Jacketts aus- gebreitet.„Vielleicht sehen sich Frau Baronin das braune Jackett noch einmal an," lispelt sie.„Ach," die junge Dame winkt ab- wehrend,„ich bin so abgespannt und Probiermamsells haben Sie nickst I"„Leider sind sie beide erkrankt. Aber ich weiß Rat!" Sie drückt auf einen Knopf und ruft dem eintretenden Mädchen zu: „Fräulein Jensen aus der Libertyabteilung soll kommen!' Nach einer kurzen Weile erscheint etwas ängstlich und mit stummem Gruß ein hübsches, hochgewachsenes Fräulein. Der Baron fährt inter- essiert auf und mustert die Angekommene.„Hier, Fräulein, proben Sie mal dieses Jackett an," Die Direktrice hält ihr das Kleidungs- stück zum Hineinschlüpsen öereit. Einen Augenblick zögert das Fräulein, dann zieht eS aber das Jackett ruhig an. Der Baron weidet sich mit lüsternen Blicken an der herrlichen Gestalt. Er tritt ihr nahe.„Scharmant, einfach scharmant," näselt er, während er mit der Hand tastend über die ebenmäßige Taille fährt. Sofort wendet sich das Fräulein um. Ueber ihr Gesicht ergießt sich eine flammende Purpurglut.„Fräulein." klingt es jetzt stahlscharf von den Lippen der Direktrice.„Dazu bin ich nicht hier, Frau Müller, das ist bei meinem Engagement nicht ausgemacht worden," preßt die Angerufene jetzt zornig hervor. In ihren Augen blinken Tränen. Die Direktrice ist einer Ohnmacht nahe.„Was unter- stehen Sic sich? Sie sind entlassen, heute noch, sofort!" Ihre Stimme erstickt in Wut und Aufregung. Das Fräulein hat sich des Jacketts entkleidet und verläßt nun stumm das Zimmer, Die Frau Baronin aber winkt ihrem Gatten:./Wir gehen!" Mit diesen Worten rauscht sie hinaus, hinter ihr der verblüffte Gemahl.— Im Hauptkonlor des Chefs steht die Verkäuferin und schluchzt krampfhaft, während die Direktrice wutentbrannt auf den Inhaber einredet.„Sie sind wegen unangemessenen Betragens entlassen, Fräulein Jensen, und erhalten bis zum heutigen Tage Gehalt ausgezahlt." Mit eisigem, unbeweglichem Gesicht spricht es der Chef vor sich hin. Durch den Körper des Mädchens geht ein heftiger Ruck,„Herr Bendler, ich bin anständig erzogen und lasse mich nicht betasten, das gehört nicht zu meinen Pflichten!"„So schlimm wird es wohl nicht sein. In einem erstklassigen Geschäft passiert nichts, was eine Person wie Sie verletzen könnte, merken Sie sich das!" hauchte sie jetzt der Chef erbost an, während die Direktrice schnippisch bemerkte:„Es wird alles nicht so heiß ge- gessen, wies gekocht wirdl"„Erlauben Sie mal." fährt die Ver- käuferin empört auf.„Bitte keine Szene, Sie sind entlassen und damit bastal" mischt sich jetzt Herr Bcndler ein und steht auf, um das Kontor zu verlassen.„Dann muß ich klagen um mein Recht." Mit einem„Biel Glück!" schließt Herr Bendler die Tür hinter sich. Bureau der sozialdemokratischen Frauen. Den Genossinnen zur gefälligen Beachtung, daß das Bureau der sozialdemokatischen Frauen, Lindenstraße 3, wochentäglich von 9— 1 und von 4— 8 Uhr geöffnet ist. Eine ParlamentSstenographin. Die dänische Volksvertretung hat eine Dame, die Frau des Abgeordneten Zahle, zur amtlichen ParlamentSstenographin ernannt. Vertretungs- und auShülfs- weise sind, wie die„Franks. Ztg." dazu bemerkt. Dchon seit einiger Zeit Frauen in dem stenographischen Dienst des Folkethings tätig, aber die feste Anstellung einer Frau alS ParlamentSstenographin ist jetzt zum ersten Male erfolgt. Vcrsanimlunge»— Veranstaltungen. Berlin. Montag, den, 23. Oktober, abends 8� Uhr. im Neuen Klub- Haus, Kommandantenstraße 72, Vortrag Dr. Bruno Borchardts — Die Kassiererin des Vereins, Frau Klotzsch, wohnt jetzi Fichtestraße 1; weitere Zahlstellen sind bei Frau Steinkopf, Oranienstraße 45, Stfl. 3 Tr., Frau Jordan. Lübcckcrstr 43, Aran Kulicke, Prinzenstratze 102. Dienstmädchen, Wasch-»ud Aufwarlrfrauc»! Sonntag, den 27. Oktober, nachinitlag 6 Uhr. in Beckers Fcstsälen, Koinmandanienstr. 62: Oesscntliche Versammlung, Tagesordnung: Vortrag des Rc- daktcurs Paul John über:„Du sollst den Feiertag heiligen." Diskussion.— Dienstboten! Erscheint zahlreich in dieser Ver- sammlung l Nach der Versammlung geselliges Beisammensein mir Tanz._ Versammlungen. Die Gürtler hatten am Montag im großen Saal des Ge- werkschaftshauseS eine gut besuchte Persammlung. H e t m a n n, der Branchenleiter, erstattete namens der Agitationskommission den Jahresbericht, umfassend die Zeit vom 1. Oktober 1906 bis zum 30. September dieses Jahres. Es wurden 192 Werkstätten- Versammlungen abgehalten und 5 öffentliche Versammlungen. Außerdem fanden 28 Kommissionssitzungen und 6 Konferenzen statt. Die Militärgürtler zeigten jetzt eine gewisse Laschheit, die die Erfolge gefährde, welche in der letzten Bewegung erzielt wurden. Die Kollegen müßten energischer sein und ihre Inter- essen wahren.— In der Gelbmetallindustrie habe die Ausnahme der Statistik zu Entlassungen geführt. Man suchte sich hier und da der organisierten Kollegen zu entledigen. Namentlich habe sich die Firma Zürn u. Glünicke darin hervorgetan. Zu den Tarif- Werkstätten der Gclbmetallbranche sei eine neu hinzugekommen und in einer anderen sei der Tarif verbessert worden. Aufgabe der Kollegen wäre eS, in Werkstätten, die nicht zur Tarifgemein- schaft gehörten, auf die Anerkennung tariflichen Lohnes hin- zuwirken. Ende 1905 gehörten 2132 Gürtler dem Verbände an, Ende 1906 waren es bereits 2333 und im Laufe dieses Jahres hat wieder eine erhebliche Zunahme stattgefunden, die zahlenmäßig noch nicht feststehe. In die Agitationskommission gewählt wurden Miekley. Goethel, Nagel, Mayirz, Korrmann. Lehmann, H e t m a n n. Ganzer und Röder.— Zum Branchen- Vertreter wurde wieder H e t m a n n gewählt. Von den Branchenangelegenheiten, die dann noch berührt wurden, ist unter anderem die bevorstehende Wahl zum Jnnungs- auSschuß(GesellcnauSschuß) zu erwähnen. Es sei. wurde aus- geführt, schon jetzt unter den bei JnnungSmeistern arbeitenden Gurtlern dafür zu agitieren. Sie wären zu veranlassen, zahlreich in der nächstens stattfindenden Spczialversammlung zu erscheinen und gleich mit Kandidaten aufzuwarten..— Auch auf die Dclegiertenwahlen zur Generalversammlung der Ortskrankenkasse der Gürtler wurde hingewiesen.— Von verschiedenen Seiten wurde die Erwartung ausgesprochen, daß sich jetzt unter den Gürtlern wieder ein regeres Leben entfalten werde. Und Het» mann legte dar, daß die Gürtler trotz der Kämpfe von 1904/05 zuversichtlich in die Zukunft blicken könnten. Sie müßten nur daran denken, daß sie in der gewerkschaftlichen und politischen Organisation ihr Rückgrat hätten. Witterungsübersicht vom»4. Oktober 1907. SiftHoncn i§ B 3 e s Brtiei m« c V S» g» M t Zwinemde 762 SD Hamburg 760 SO ptrlin(761 SO Frantsa M 7600 München j76lSO Wien 1 764 SSO 3 heiter 2 Nebel Zmoltenl 3 Regen 4 Nebel 1 wölken! Stationen Hapara»da!760N Petersburg— I Scilla llbcrdeen Paris Oetlei 761 NW 758SZ!ig 762 Still I 2Ncbel 3 wolkig 1 hcltci avollig ae: c � s 1 E* wa Wetter- Prognose für Freitag, den SS. Oktober>997. Vielsach nebelig, sonst ziemlich heiter, ttocken und am Tage mild, bei schwache» südlichen Winden, ZeeMe- Volksnahrung! Besfep Fleischersatz I schmackhaft und von hohem Nährgehalt. Täglich frische Zufuhren in = eigenen Kühlwaggons= eintreffend! Deutsche Dauipffischerei-Besellschatt J|0FllS66" (Grüßte Iloehuccflsc'herci-Gcsclliichaft Deatscülnnds.) Filiale: Berlin C. 2. Bahnhof B6rse. Bogen 8—10. Seolisch-Kochbücüer-.,., Zentral. Fcrnspr. gratis. Verkaufs-Niederlagen: Amt m, no. saot. FrlnBcnstr. 30 am Moritz- Plate. WilsnackerstraBe 57 b. d. Dreysestraße. Tel.- Amt n 2039. Gr. Frankfurlersir. 85 bei d. Marsiii usstraße. WilniersilorferstraBe III am Stuttgarter Plate. Tel.: Oharlottenb. 6718 Schles. Bahnh., Bog. 8/9, Madaisir, a.d. Fmchtst. Tegel, l'reskowstr. 14, Ecke Schlieperstraße. 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DaS Agitationskomitee hatte feinen Bericht schriftlich er- stattet. Wir haben von ihm in Nr. 235 Notiz genommen. Be- merken wollen wir kurz, daß unsere Bewegung am Niedcrrhein gute Fortschritte gemacht hat. Der Parteisekretär des Bezirkes, Genosse Haberland, konstatierte, daß die finanziellen Ber- Hältnisse sich gebessert haben, so daß, wenn keine besonderen Um- stände eintreten, der Niedcrrhein keiner Unterstützung deS Partei- Vorstandes mehr bedürfe, während er sonst stets zu den Stipen- diäten deS allgemeinen Parteisäckels gehörte. Eine Neuerung, die im letzten Jahre eingeführt wurde, hat sich ausgezeichnet bewährt, nämlich die Konferenzen des AgitationS- komitees mit den Kreisleitern. Nach einer langen, ausgiebigen Debatte über den Bericht wurden mehrere Anträge angenommen: Da- Agitationskomitee soll Broschüren über die positive Arbeit der Sozialdemokratie herausgeben, wobei die Stellung der Gegner scharf hervorgehoben werden soll.—- Die Monatsschrift„Morgen- rot" soll besser ausgestaltet werden. Die Lage der Landarbeiter soll da? AgitationSkomitee im„Morgenrot" mehr berücksichtigen und geeignete Artikel über die Verhältnisse in der Landwirtschaft bringen. Der Einheitsbeitrag für den ganzen Be- zirk wird auf 40 Pf. pro Monat fe st gesetzt. Ein Antrag, mehr zur Ausbildung der Genossen zu tun und Wander- kurse durch geeignete Redner abzuhalten, wurde dem AgitationS- komitee zur Berücksichtigung überwiesen. Äum Schluß wurde eine Resolution angenommen, die die Genossen des Bezirkes verpflichtet, die Agitation für die K o m- munalwahlen zu verstärken. An allen Orten, wo eine Organisation besteht, müssen sich die Genossen an den Wahlen be- teiligen. Ueber die letzten Reichstagswahlen im Bezirk re- ferierte der Genosse E b e r l e-Barmen. Er erklärte, daß unsere Gegner die Wahlen nicht als politischen Kampf geführt, sondern nur eine— Schmutzflut aufgewühlt hätten; das Zentrum habe darin dem Reichslügenverband nichts nachgegeben. Wenn der Genosse Bebel in Essen behauptet habe, wir hätten dem Zentrum mindestens 12 Sitze zu verdanken, so treffe dieses nicht für den Niederrhein zu. Im Gegenteil habe sich das Zentrum hier dazu hergegeben, uns Mandate zu entreißen; es habe den Blockparteien Hülfe gebracht. In DuiSburg-Mülheim wären die katholischen Arbeiter der offiziellen Zentrumsparole nicht gefolgt, sonst hätten ivir auch diesen Wahlkreis nicht erhalten. Der Kampf gelte des- halb in erster Linie dem Zentrum. Diesen Ausführungen wurde von dem Parteitage zugestimmt. Genosse G e w e h r- Elberfeld sprach über:„Die Land- tagswahlen in Preußen und der Wahlrechts- k a m p f". Er führte im besonderen aus, daß keine Partei, auch das Zentrum nicht, ein Interesse an der Einführung des Reichs- tagswahlrechtcS für den Landtag habe. Wir würden in diesem Kampfe allein stehen. Am Schlüsse schlug er folgende Resolution vor, die Annahme fand: „Mit der zunehmenden EntWickelung der Klassengegensätze, des Klassenkampfe- und der Aufklärung der Arbeiter wächst bei den bürgerlichen Parteien einerseits die Tendenz zu einer stärkeren Feindschaft gegenüber dem allgemeinen, gleichen und ge- Heimen Wahlrecht, andererseits aber auch die Erkenntnis der Not- wcndigkcit, mit den Arbeitern zu rechnen und ihnen Konzessionen zu machen. Aus diesem Zwiespalt zwischen brutalen kapitalisti- schen Klasseninteressen und der durch die allgemeine wirtschaftliche und politische Entwickclung hervorgegangenen Notwendigkeit ist die Situation entstanden, wie sie sich aus der gegenwärtigen politischen Lage ergibt. Den Anstoß zum Wahlrechtskampfe in Preußen hat die sozialdemokratische Partes gegeben durch ihre Beteiligung an der Landtagswahl und die im Winter 1900 in szenierte Wahlrechtsbewegung. Der nicdcrrhcinisch: Parteitag in Düsseldorf erklärt, daß die bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme bisher nichts Ernsthaftes zur Erringung deS allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für den preußischen Landtag getan haben und heute erst recht nicht gewillt sind, für dessen Durchführung einzutreten Alle Erfahrung spricht dafür, daß alle Wahlrechtsanträge Spiegel. fechtereien sind, darauf berechnet, erstens die Wähler zu täuschen und zweitens in anderer Gestalt da? Wablunrecht in Preußen zu verewigen. Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, welche grundsätzlich und faktisch jede Bcvorrechtung des einen vor dem anderen verwirft und für die Einführung des ungeschmälerten allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wohlrechts für alle über 20 Jahre alten RcichSangehörigen ohne Unterschied deS Ge- schlecht? kämpft. Ter Parteitag macht eS den Parteigenossen zur Pflicht, die Agitation und die Vorbereitungen für die Landtagswahlen 1908 olSbald aufzunehmen und die Wahlbewegung zu einem wirksamen Protest gegen das reaktionäre Wahlsystem zu gestalten. Dieser Protest muß seine greifbare Gestalt bekommen durch eine mächtige Anzahl sozialdemokratischer LandtagSwahlstimmen und einer dieser Stimmenzahl entsprechenden Anzahl sozialdemokratischer Wahlmänner. Das AgitationSkomitee wird beauftragt, rechtzeitig eine kurz gefaßte Aufklärungsschrift über das Wesen und die Bedeutung der LandtagSwahlcn nebst den wichtigsten Bestimmungen des ictz, gen Wahlreglements herauszugeben." lieber den Internationalen Kongreß zu Stutt- gart referierte Genosse Dr. L a u f e n b e r g. Bei der Erörterung der Kolonialdebattc unterzog der Referent die Stellung- »ahme der„A r b e i t e r st i m m e" zu Solingen in der ge- nannten Frage einer scharfen Kritik. In der Auseinandersetzung mit dem„Vorwärts" über die Kolonialfraqe hätte die„Arbeiter- stimme" Grundsätze vertreten, die mit unserem Prinzip absolut nicht in Einklang zu bringen sind. Genosse Hildebrand. Redakteur der„Arbeiter- stimm e", verteidigte in längeren Ausführungen feine Haltung. Aber nicht einmal die Solinger Delegierten brachte er(mit einer einzigen Ausnahme) auf feine Seite. Sie erklärten vielmehr. daß sich die P a r t c i i n st a n z c n in Solingen noch mit der Stellungnahme des Redakteurs Hildebrand beschäftigen würden. Noch einer langen, ziemlich erregten Diskussion, in welcher die grundsätzliche Haltung der„Arbeiterstimme" verurteilt wwrde. nahm der Parteitag in namentlicher Abstimmung mit allen Stimmen bei einer Stimmenthaltung(Hildebrand) folgende Re- sokution an: „Der niederrheinische Parteitag billigt die grundsätzliche Haltung, welch« die niederrheinische Delegation auf dem Stutt- garter Kongreß zur Kolonialfrage eingenommen hat. Die Kolonialpolitik der herrschenden Klasse ist eine Gewalt- llnd Eroberungspolitik. Dem ganzen Wesen de- Kapitalismus Entsprechend bezweckt sie die Unterwerftrng fremder Völker und Ivre Ausbeutung im Interesse einer geringen Minderheit. Ei« integrierender Bestandteil der kapitalistischen Weltpolitik ver- mehrt sie pje Kriegsgefahr und richtet sich gegen das heimische Proletariat, dessen politische und wirtschaftliche Unterdrückung sie vermehrt, während sie die kapitalistische Klassenherrschaft stärkt. Angesichts de» fortgesetzten und energischen Eintretens der Partei und aller ihrer Vertreter im Parlament für die Rechte der Eingeborenen protestiert der Parteitag gegen die Unter stcllung, die Betonung des ausbeuterischen Charakters der kapita listischen Kolonialpolitik sei eine fortschrittsfeindliche und utopistische Politik der Negation. Er lehnt jede sozialistische Kolonialpolitik, die auf die Verschiedenheit des 5Mturniveaus einzelner Völker ein Recht der„Bevormundung" gründen will, als die grundsätzliche Stellung der Partei kompromittierend und mit dem Gedanken des proletarischen Klassenkampfes unvereinbar entschieden ab. Die Kolonialpolitik ist gegenwärtig die Form, in der der imperialistische Chauvinismus der herrschenden Klasse sich aus tobt. Um so mehr erwartet der Parteitag von der sozialdemo kratischen Presse des AgitationsgebietcS, daß sie sich in der Frage der Kolonialpolitik in keinen Widerspruch setzt zur grundsätzlichen Haltung der Gesamtpartei." Außerdem wurde eine Resolution zum Hochverrats Prozeß Liebknecht angenommen, die Liebknecht lebhafte Sympathie und volle Anerkennung ausspricht, gegen die Klassenjustiz protestiert und schließt: „Um die Aufklärungsarbeit und damit den Kampf gegen den Militarismus mit größerem Nachdruck zu führen, beauftragt der Parteitag das Agitationskomitee, alle Aufsehen erregenden kriegs- gerichtlichen Urteile des Inlandes und nach Möglichkeit auch des Auslandes zu sammeln und nach Gelegenheit in größeren Zeit- abschnitten in der Form von Flugblättern oder kleinen Broschüren zur Agitation unter den proletarischen Mädchen und Müttern zu verwenden. Das AgitationSkomitee wird ferner beauftragt, bei dem Parteivorstand die Einleitung einer ähnlichen Agitation für das ganze Reich anzuregen." Einem Antrage des Kreises Sicgen-Wittgenstein, zu gestatten daß er auS dem Agitationsbezirk ausscheide und sich Frankfurt anschließe, wurde zugestimmt. I Der nächste Parteitag findet in Solingen statt. Das Agitationskomitee hat wieder seinen Sitz in Elberfeld. fünfter Kongreß der Semrkichatten Oeiterreichs. In der zweiten Sitzung des Gewerkschaftskongresses erstattete S m i t k a das Referat über die Tätigkeit deS Arbeitsstatistischen Amtes. Es ist gerade 10 Jahre, führt« er aus, daß der Handelsministcr Dr. Baerenreithcr das Arbeitsstatistische Amt inS Leben gerufen hat. Dieses Amt sollte ein Forum sein, in dem Arbeiter und Unternehmer gemeinsam beraten sollen, damit die Gegensätze ge- mildert werden. Der Wirkungskreis deS Amtes sei jedoch so be- schaffen, daß es auf die Sozialpolitik des Staates keinen Einfluß nehmen konnte. Schon die geringfügigen Mittel, die ihm zu Gebote stehen, machen eine erfolgreiche Tätigkeit des Amtes fast ganz un- möglich. Das Arbeitsstatistische Amt könnte manches Wertvolle für die Arbeiterschaft leisten, wenn es zu einem Arbcitsamtc aus- gestaltet und wenn an dessen Spitze nicht ein Bureaukrat, sondern ein Mann stände, der auch ein Herz und Verständnis für die Lage der Arbeiterschaft hat. Der Referent besprach nun in eingehender Weise die Ausi gaben, welche dem Arbeitsstatistischen Amte vorlagen. Eines de: wichtigsten Gutachten wurde über die Reform und den Ausbau der Arbeiterversicherungen abgegeben. Unter den anderen wichtigen Angelegenheiten, die den Arbeits- beirat beschäftigten, waren die Erhebungen über B l e i e r k r a n- kungen, die Arbeitszeit im Handelsgewerbe, insbesondere die Regelung der Heimarbeit. Die abgehaltene Enquete und die Erhebungen, die gepflogen wurden, ergaben manches wertvolle Material. Alle diese Ergebnisse zeigen, was das Arbcitsstatistischc Amt leisten könnte, wenn eS entsprechend ausgebaut würde. Unsere Aufgabe, schloß Redner, wird es sein, für die Ausgestaltung dieses Amtes einzutrete», es müssen ihm die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, sein Wirkungskreis erweitert und Selbständigkeit eingeräumt werden. Delegierter Sigl berichtete sodann über die Tätigkeit der Unfallverhütungskommission. Sekretär Hu ober berichtete über die Tätigkeit des Wasserstraßenbelratcs. Er sagte, daß eigentlich nichts zu berichten sei. Alle Hoffnungen. die Landwirtschaft und Industrie an dieses vom Reichsrnte be- schlossene und vom Kaiser sanktionierte Gesetz geknüpft, haben sich nicht erfüllt. Die Wasserstraßen und auch deren wichtigster Teil. der Donau-Odcrkanal, werden aller Voraussicht nach nicht gebaut werden. Seit 1905 hatte der Wasserstraßenbcirat keine Sitzung mehr abgehalten und die Begeisterung der Christlichsozialen für diesen Kanal hat merklich nachgelassen. Es wird notwendig sein, den Verband der sozialdemokratischen Abgeordneten zu veranlassen, sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen und von der Regierung eine Erklärung zu verlangen, ob in Oesterreich ein von der Krone sanktioniertes Gesetz nicht zur Durchführung komme. Die Sitzung, in der sodann Fragen der Organisation und Taktik (Bctriebsorganisafton und gemeinsames Vorgehen bei Streiks) zur Verhandlung kamen, wurde auf Antrag des Referenten H u c b e r für geheim erklärt. � Die dritte Sitzung, in welcher eine große Debatte über das Referat Huebers über Organisation und Taktik ge- fuhrt wurde, war. wie die gestrige, als geheim erklärt worden. Die meisten Redner beschäftigten sich mit den Details über die Bildung eines Solidaritätsfonds. Der Referent beantragte die Annahme folgender Resolution: „Ter Solidaritätsfonds der Rcichskommission der Gewerk- schaftcn Oesterreichs wird alljährlich bis zum nächsten Kongreß im Betrage von ILO Kr. von jenen Mitgliedern, die der Reichs- kommission angehören, durch die Berufsorganisationen einge- hoben. Die Einhebung erfolgt durch die hierzu bestimmten Karten und Marken, die von der Reichskommission ausgegeben werden. Der Solidaritätsfonds wird von jeder einzelnen Or- ganisation separat gebucht und verwaltet. Der SolidarrtätSsouds darf nur für Ab- tvehrkämpfe verwendet werden. Unter Abwehr- kämpfen sind hauptsächlich Aussperrungen und von Gewerkschaften geführte Kämpfe um den Bestand ihrer Organisationen zu ver- stehen. Andere Fälle, die als solche zu qualifizieren wären, sind der GewcrkschaftSkommission zur Entscheidung vorbe- halten. Tie Reichskommission hat daS Recht, Darlehen und Unter- stützungsbeiträge fiir in Abwehrkämpfen stehende Organisationen zu gewähren. Doch sind bei Gewährung von größeren Darlehen jene Organisationen, die in der Reichskommission kein Mitglied besitzen und einen größeren Betrag hinterlegt haben, zu der Be- ratung und Beschlußfassung einzuladen. Unterstützungsbeiträge, die die Rcichskommission gewährt, sind nach dem Stande der Mitgliedcrzahl des Vereines prozen- tuest auf die Branchen aufzuteilen und in Abzug zu bringen. Organisationen, die durch anhaltende große Streiks in finanzielle Not geraten sind oder den Kampf um den Bestand ihre Organisation führen, können den eingezahlten Betrag auf Beschluß der Reichskommission, abzüglich des prozentuellen Unterstützungsbeitrages, die an Organisationen abgegeben wurden, beheben." Von mehreren Organisationen sind bei Anerkennung der Not- wcndigkeit der Solidaritätsfonds AbänderungSanträge bezüglich der Beitragsleistung gestellt worden. Zur Beratung und Bericht- erstattung über diese Anträge wurde ein Komitee gewählt, welches in der morgigen Sitzung Vorschläge zu erstatten hat. Sevoerksckaftlickes. Ein PyrrhuS-Sieg! Zu einer für Arbeitgeber wertvollen Erkenntnis ist in Magdeburg ein Unternehmer gekommen, der dort bis vor kurzem Inhaber eines Betriebes in der Metallindustrie war. Der Betrieb ist eingegangen. Vor zwei Jahren sperrte dieser Mann seine Arbeiter aus, weil diese die Zumutung von sich wiesen, auf einen vor dem Gewerbegerichte abgeschlossenen Tarifvertrag zu verzichten und eine Arbeitsordnung zu unter- schreiben, die wesentliche Verschlechterungen enthielt. Der Unternehmer siegte. Aber was hatte er von dem Sieg? Hören wir ihn selbst: „Die damalige Geschichte hat mich um alle g u t e n K r ä f te gebracht: Trotzdem ich Aufträge genug hatte, konnte ich keine befriedigende Arbeit leisten, so daß die Aufträge immer mehr zurückgingen. Hätte ich tüchtige Leute wie Pureel und Pctzold gehabt, hätte ich glänzend bestehen könne n." Die Geschichte sei allen aussperrungslustigen Arbeitgebern zur Beachtung empfohlen!_ Berlin und Umgegend. Achtung, Former und Gießcreiarbciter! Der Streik bei der Firma Aichelc u. Bachmanu, Berlin 17., Bruunenstr. 115, ist beendigt. Nachdem die Differenzen durch Verhandlungen_ beigelegt sind, haben sämtliche Kollegen am Mittwoch die Arbeit wieder auf- genommen.— Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband Ortsverwaltung Berlin. Forderungen ber städtischen Arbeiter. Im Kcllcrschcn Saale in der Koppcnstraße tagte am Mittwoch eine sehr stark besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter. Der erste Referent, Stadtverordneter Sassenbach, sprach über die Arbeiterpolitik der Stadt Berlin. Unter Hinweis auf bekannte Tat- fachen zeigte er, daß die städtischen Verwaltungskörpcrschaften sa ivenig Verständnis für die Interessen der Arbeiter haben, daß viele berechtigte, ja selbstverständliche Forderungen für die in städtischen Betrieben Beschäftigten immer noch der Durchführung harren. Ferner zeigte der Redner, daß es lediglich die sozialdemokratischen Stadtverordneten sind, welche an zuständiger Stelle für die Jntcr» essen der Arbeiter eintreten. Die Wirksamkeit der sozialdemokra- tischen Stadtverordneten könne aber nur dann den gewünschten Erfolg haben, wenn eine starke gewerkschaftliche Organisation hinter den Forderungen der Arbeiter stehe. Der zweite Referent, Verbandssekrctär W u tz k i, ging auf die Verhältnisse und die besonderen Forderungen der städtischen Ar- bester ein. Er führte unter anderem aus: Die städtischen Arbeiter warten nun schon lange vergebens auf die Einführung einer all- gemeinen Arbeitsordnung. Die Arbeiterausschüsse in den ftädti- schen Betrieben seien durch die bestehenden Vorschriften zur Bedeutungslosigkeit verurteilt, ja in manchen Betrieben illusorisch ge- macht. Der Kampf um die Gewährung des den Arbeitern zu- stehenden Urlaubs nehme kein Ende, da von Betriebsbcamten ber- schiedentlich versucht werde, die bestehenden Bestimmungen zu um- gehen. Dein Versprechen, daß das Koalitionsrccht der städtische« Arbeiter nicht angetastet werden solle, werde nicht in allen Fällen nachgekommen. Hinsichtlich der Löhne, und Arbeitszeit ständen die Arbeiter der Stadt Berlin den Arbeitern der Industrie zurück. Verbesserungen in dieser Hinsicht seien dringend notwendig. Es sei die höchste Zeit, daß endlich für die städtischen Arbeiter der Ncunstundentag eingeführt werde, der in der Industrie meistens schon längst durchgeführt sei. Diese Forderung stehe an der Spitze der Forderungen, die für die Etatsperiode 1908 aufgestellt werden. Für das Pflegepersonal in den städtischen Anstalten werde das Jweischichtensystem zu je 12 Stunden gefordert. Die Löhne, welche die Stadt Berlin ihren Arbeitern zahle, ständen nicht in dem richtigen Verhältnis zu den hohen Preisen der Lebensmittel. Bei den vorjährigen Lohnzulagcn seien verschiedene Arbeiterkategorien aar nicht bedacht worden. Es müsse auch mit dem Zustand gebrochen werden, daß die Arbeiter nach Stunden bezahlt werden. Wochenlöhne müßten eingeführt werden. Die Forderungen seien den zuständigen Stellen bereits eingereicht. Eine Kommission der städtischen Arbeiter solle beim Oberbürgermeister vorstellig werden, unr die Forderungen persönlich zu begründen und um deren Durch- führung zu versuchen. Es gelte, zu zeige», daß die Arbeiter einig sind in dein Wille», diese berechtigten Forderungen durchzusetzen. In der Diskussion wurden eine Reihe von Einzelheiten aus verschiedenen städtischen Betrieben vorgebracht, wodurch die Aus- führungen der Referenten illustriert und im weitesten Sinne bestätigt wurden. Die nächste hcude Resolution wurde einstimmig angenommen: „Tie zahlreich versammelten Arbeiter der städtischen Be- triebe Berlins erklärenjich mit den Ausführungen des Ncfcrentcn Stadtverordneten I. Sasscnbach über die Arbcitcrpolitik der Stadt Berlin vollständig einverstanden. Die Versammelten erklären mit aller Bestimmtheit, daß die Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter fast in jeder Hinsicht unbefriedigende sind und verurteilen daher die Tatenlosigkeit des Magistrats in diesen Dingen. Sic sehen es als eine un- abwcisbarc Pflicht des letzteren an, daß nunmehr endlich die schon lange und wiederholt geforderte allgemeine Ar- b c i t s o r d n u n g zur Tatsache wird. Auch stellen die Ver- sammelten ausdrücklich fest, daß sie mit dem kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung verhandelten Antrage der sozial- demokratischen Fraktion betreffs einer sozialen Kommis- s i o n vollkommen einverstanden sind in voller Würdigung des Wertes einer solchen für die städtischen Arbeiter. Von der Einrcichung der in Gruppen- und BctriebSversamm- lungen beschlossenen Anträge der Arbeiter zum nächstjährigen Etat durch die Arbeiterausschüsse nehmen die Versammelten Kenntnis. In Erwägung, daß die in den Antragen enthaltene For- dcrung auf Verkürzung der Arbeitszeit von hygic- nischen sowohl als auch sozialen Gesichtspunkten auS voll be- rechtigt und auch spruchreif ist; in fernerer Erwägung, daß die beantragten Löhne daS Minimum dessen darstellen, was selbst bei bescheidensten An- sprächen unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen zur Lebenshaltung beansprucht werden muß, und daß in allen Betrieben, wo nicht bereits Monatslöhne bestehen, die Ein- führung der Wochenlöhne zwecks Sicherung eines festen Einkommens unbedingt notwendig ist, erwarten die Arbeiter volle Würdigung ihrer Beweggründe und Berücksichtigung der ein- gereichten Anträge. Die Versammelten beauftragen die Ortsvcrwaltnng des Ver- bandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, in Gemeinschaft mit einer zu wählenden fünfgliedrigen Kommission die Anträge aller städtischen Arbeiter zusammenzustellen und in geeigneter Weise dein Magistrat und den Stadtverordneten zu übermittel», wie überhaupt alles Notwendige zur Durchführung ihrer bescheidenen- Wünsche zu veranlassen lleberzeugt jedoch davon, das; daZ vornehmste und wirksamste Mittel zur Erlangung besserer Existenzbedingungen eine große und starke gewerkschaftliche Organisation ist, �verpflichten sich die Versammelten, mit aller Energie für die Stärkung des Vcr- baiiidcs der Gemeinde- und Staatsarbeiter zu wirken, und er- warten von den Kollegen, daß sie bis zum letzten Mann schleunigst ihren Beitritt zu diesem Verbände erklären." '*** An demselben Tage nahmen noch mehrere Versammlungen der städtischen Arbeiter in den Vororten zu der Angelegenheit Stellung. So in Lichtenberg, wo der Genosse Grauer referierte und in Rixdorf, wo Genosse Wilhelm Conrad sprach. Die Schönebergcr städtischen Arbeiter beschäftigte die Frage bereits am Montag. In ihrer Versammlung referierte Genosse O b st. In der Diskussion bemühten sich dort die.Herrn Matschukat und H ü b n e r redlich, aber ohne jeden Erfolg, im Interesse des „Ortsvereins der Straßenreiniger" zu wirken. Ihnen wurde von mehreren anderen Dsskussionsrcdncrn sowie auch vom Referenten im Schlußwort die nötige Antwort zuteil. Ueberall nahmen die Versammlungen die vorgelegte oben wiedergegebcne Resolution einstimmig oder gegen wenige Stimmen an. Verband der Schneider und Schneiderinnen! Die Wahl zur Ortsverwaltung am 23. Oktober ergab das folgende Resultat: Abgegeben lvurden 4(54 Stimmzettel. Es erhielten Stimmen: Kunze 427, K o t s ch 427, M a i 423 als Bevollmächtigte. Als Beisitzer erhielten die Kollegen Knoop 376, P a n n i e r 332 Stimmen, während die Revisoren folgende Stimmenzahl auf sich vereinigten: K a s ch e Iv S k i 41S, K a u t h 413, Belger 307. Ungültig waren 12 Stimmzettel. Als Angestellte wurden wiedergewählt die Kollegen Faust- mann mit 418, Knoop 416 und Mähr mit 41(1 Stimmen. Bei der Wahl eines Ersatzkassierers entfielen auf den Kollegen S ch i I a 283 und auf den Kollegen Schulz 134 Stimmen. Ab- gegeben waren 436 Stiinmzettel. Ungültig ivarcn 15, zersplittert 2. Somit ist der Kollege S ch i l a gewählt. _ Die OrtSverwaltung. Achtung, Textilarbeiter! Bei der Firma S ch Iv e n d y, Köpenicker- straße 7a, sind Differenzen mit den dort beschäftigten Webern aus- gebrochen, die sehr leicht zum Streik führen können, wenn sich die Firma noch weiter hartnäckig ablehnend gegenüber den Forderungen auf Bezahlung der sogenannten Nebenarbeiten verhält. Die Sticht- bczahlung dieser Arbeiten, wie sie in diesem einzigen Betrieb der Berliner Tcppichindustrie noch geübt wird, ist ein schlechtes lieber- bleibsel an« der Zeit der jetzt selig entschlafenen patriarchalischen Hausindustrie. Daß diese Firma sich trotz wiederholt gegebene», Versprechen weigert das vorsintflutliche System abzuschaffen, ist so recht bezeichnend für den Geist, der dort herrscht. Wenn man be- denkt, daß diese Arbeiten, je nach der Breite' der Ware, einige Stunden bis einen vollen Arbeitstag und darüber in Anspruch nehmen, so kann man ermessen, daß' dem Weber in einem Jahre viele Wochen Arbeit verloren gehen, für die er nichts bezahlt erhält. Die in der Teppichfabrik von S ch lv e n d y beschäftigten Weber sind nicht gewillt, sich noch länger durch leere Versprechungen hinhalten zu lassen, sie bestehen auf endliche Erfüllung ihrer zweifellos berechtigten Forderungen und hoffen, diese auch durchzusetzen, da der Geschäfts- gang ein flotter ist und jetzt sogar Ueberstunden gearbeitet werden, weil die Kunden drängen, Ware aber nicht vorhanden ist. Eine dem- nächst stattfindende Versammlung wird das weitere beschließen. Wir ersuchen die Kollegen allerorts, den genannten Betrieb vorläufig zu meiden. Verband deutscher Textilarbeiter. Bon der Lohukommisfio» der Potsdamer Schuhmacher erhalten wir folgende merkwürdige Zuschrift: Aon seiten der Gauleitung ist dem„Vorwärts" ein Artikel eingesandt, Ivelcher einer Berichtigung von unserer Seite bedarf, und zwar dahingehend, daß unser Berichterstatter stark über- trieben hat. Der dem Schuhmachermeister V o ß in den Mund gelegte Satz:„Die Hunde müssen hungern lernen l" muß berichtigt iverden dahin:„Die Gesellen müssen erst Hunger leiden I" Der Satz:„Wir wollen sie die Straße fegen lassen!" muß um- gekehrt lauten, daß die Meister sagten:„Wir können dann lieber Straße fegen". Wir müssen außerordentlich bedauern, in solcher Weise irre- geführt worden zu sein. Wir haben natürlich bei Aufnahme der Notiz in Nr. 235 geglaubt, einer Gauleitung volles Zutrauen schenken zu dürfen. DeutkcKes Reich. Achtung, Stellmacher und Maschinenarbeiter! Die Firma Liebschcr, Wagcnbauanstalt, Dresden und Niedersedlitz, hat ihre sämtlichen Stellmacher und Ma- schinenarbeiter ausgesperrt. Tie Firma beabsichtigt, Akkord cinzu- führen, während derselbe erst bei der letzten Lohnbewegung abgc- schafft wurde. Obgleich die Arbeiterschaft sich bereit erklärte, zwecks Vermeidung ernstlicher Differenzen die Akkordarbeit zu machen, falls die Firma einen um 5 Pf. höheren Stundenlohn garantiere, wurden sämtliche Arbeiter ausgesperrt. Die Firma sucht nun in auswärtigen Zeitungen Stellmacher und Maschincnarbeiter. Wir ersuchen deshalb, streng aus diese Inserate zu achten und den Zuzug fernzuhalten. Desgleichen bitten wir uin Fern Haltung des Zuzugs nach der Motorwagenfabrik von Opel in R ü s s e l s h e i m, wo sämtlichen Arbeitern zum 2. November gekündigt wurde, weil sie die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden forderten. Es kommen in diesem Betriebe zirka 60 Holzarbeiter in Betracht, die mit zu den qualifizierten Arbeitern gehören und somit sehr zum glücklichen Siege der Arbeiter dieses Betriebes wirken können. Deutscher Holzarbfeiterverband. Schuhliiachcr-AiiZsperruug. Dresden, 24. Oktober.(Privattelegramm des„Bor- wärts".) Der Verein der Schuhfabrikanten kündigt durch An- schlag sämtlichen Mitgliedern des Zentralverbandes der Schuhmacher die Aussperrung per 9. November an. Ursache dazu ist die Forderung des neunstündigen Arbeitstages. Es ist noch schlimmer. Znter der Ueberschrift„Unternehmerterrorismus" brachten wir tw vir. 247 des„Vorwärts" eine Privatdepeschc aus Solingen islgenden Inhalts: „Wie die„Köln. Ztg." schreibt, haben die ausständigen Schreinergesellen die übrigen Bauorganisationen aufgefordert, sich mit ihnen solidarisch zu erklären, und den Einigungsvorschlag der Meister, allmählich den Neunstundentag einzuführen, abgelehnt. Infolgedessen beschlossen die Bauunter- nehmer, Architekten und Holzhändler Gegenmaßregeln. Den Schreinermeistcrn, die die Forderungen der Gesellen bewilligt und das Zugeständnis nicht zurück- ziehen, soll ke!ine Arbeit mehr gegeben und kein Matertal mehr geliefert werde n." Dazu schreibt uns nun der Gauvorstand Düsseldorf des Deutschen Holzarbeiterverbandes: „Die Mitteilung der„Köln. Ztg.", daß die ausständigen Cchreinergesellen in Solingen die übrigen Bauarbeiterorganisa- tionen aufgefordert hätten, sich mit ihnen solidarisch zu erklären, entspricht nicht der Wahrheit. Das ist von den strci- kenden Schreinern nicht geschehen. Es liegt hierzu auch gar kein zwingender Grund vor, weil für zwei Drittel der am Orte bcschäf- tigten Schreiner der Neunstundcntag bewilligt ist und nur noch ein sehr kleines Häuflein Streikender sich im Kampfe befindet. Wenn nun die Bauarbeiter in einer ihrer Versammlungen �zu dem Schreinerstrcik Stellung genommen haben, so können die Streiken- den als solche dagegen nichts tu». Offenbar soll diese Notiz der«Köln. Ztg." auch nur den Zweck verfolgen, den Tcrrorismus der Arbeitgeberverbände gegen die- jenigen Arbeitgeber, welche die Forderungen der Schreinergesellcn bewilligt haben, wie derselbe auch in den wetteren Artikeln richtig zum Ausdruck gekommen ist, gegenüber der Oeffentlichkeit berechtigt erscheinen zu laffen."_ Tie Lohnbewegung der Fischdampfermaschinisten in Hamburg-Altona. Der Fischdampferreedereiverein„Elbe" hat die berechtigten For- derungen seiner Maschinisten abgelehnt. Die Arbeitgeber haben es nicht einmal für nötig gehalten, mit den Verbandsfunktionären als Beauftragte und Bevollmächtigte der Maschinisten zu verhandeln. Alle Bestrebungen der Organisationsleiter, die Reeder zn bewegen, den Erfüllungen der Forderungen ans friedlichem Wege stattzu- geben, waren vergebens. Infolge dessen wurde am Dienstag, den 22. d. M., der Streik proklamiert und die Kollegen der ankommenden Dampfer gingen, dem Rufe Folge leistend, von Bord. Die Reeder werden einsehen müssen, daß man sich über berechtigte Forderungen, deren Erfüllung eine wirtschaftliche und sozialpolitische Notwendigkeit ist, nicht ohne weiteres hinwegsetzen kann. Die Maschinisten stehen geschlossen hinter ihrer Organisation und sind gewillt, nicht eher wieder anzumustern, bis die Forderungen berücksichtigt sind. Der Lohn der seit 10 Jahren stagniert, mutz erhöht, und mit den an Bord bestehenden menschenunwürdigen Zuständen muß endlich ein- mal aufgeräumt werden im Interesse des Lebens und der Gesund- heit der Besatzung und einer größeren Sicherheit für Schiff, Habe und Gut. Die Streikenden ersuchen um die weitgehendste moralische Unterstützung und Sympathie. Hustand. Lehrerbeweguug in der Schweiz. Die Sekundarlehrer in: Kanton Wandt sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen vor allen Dingen eine höhere Barbe' oldung und eine wesentlich günstigere Gestaltung der PensionSvcrhältnisse' Die gegenwärtigen Besoldungen betrugen im Maximum 2600 Frank, für Sekundarlehrer und 2100 Frank für Seknndarlehrerinnen, sowie 100 Frank pro Wochcnstunde für be- sonderen Fachunterricht. Die PensionSgehältor lagen im Ermessen der Gemeinden und betrugen 500 bis 1000 Frank bei einmaliger Abfindung. Die Sekundarlehrer verlangen nun, daß die Höhe der Pensionen abhängig sei von der Dauer der Dicnstjahre. Die KantonS- und Geineindebehörden stehen dieser Lohnbewegung ab- lehnend gegenüber und wollen eS auf einen Kanipf mit den Lehrern ankommen lassen. Ei» GewcrkschqftShauS wollen auch die Gewerkschaften in PittSburg bauen und haben zu den, Zwecke eine Gesellschaft gegründet, um ein Kapital von 100 000 Dollar zun, Ba» eines sechsstöckigen Gebäudes zusammenzubringen, welches als Haupt- qnarlier der Geiverlschafteii für ihre Geschäfts- und sozialen Zwecke dienen soll. Nahezu die Hälfte des Kapitals ist bereits durch die Mitglieder aufgebracht. ES macht natürlich besondere Schwierig- leiten, das interessierte Großkapital von der Beteiligung abzuhalten, das ans diese Weise auf die Entschließungen der Geschästslcitung einen Einfluß nehmen könnte. Man hat daher die Bestimmung gewossen, daß niemand mehr als 100 Anteile kaufen darf. Im übrigen werden als Teilhaber nur solche Leute zugelassen, die in der Gelverkschaft seit längerer Zeit in gutem Rufe stehen. Das Gebäude soll Amtsränme, Wohnräume. Koiifcrenzziinmer, einen großen Versammlungssaal, Bibliotheksräume, große Klub- und Villardziimncr erhalten, sowie im ersten Stock eine Arbeitsvermitte- lungSstelle, ein Restaurant und Ladenräume. Für die Mitglieder Iveroe» ferner Schlafzimmer und Freibad eingerichtet. Soziales. Patentgewinn und Erfinderlohn. Was Patente zuweilen wert sind, zeigt recht eindringlich eine Bemerkung, die die Maschinenfabrik A. Bentzty, Aktiengesellschaft in Graudenz, in ihrem Berichte über das Ge° schäftsjahr 1906 macht, der im 7. Jahresberichte des Verbandes ostdeutscher Industrieller enthalten ist. Auf Seite 79/80 heißt es da: „Auch das Geschäftsjahr'1906 können wir wiederum als ein außerordentlich günstiges bezeichnen. Der Reingewinn ist der größte, den wir seit Bestehen der Gesellschaft gehabt haben, und hat unsere Erwartungen übcrtroffen. Dieses Gewinnergebnis, das in keinem Verhältnis zu unserem Aktienkapital und unseren Betriebsmitteln steht, ist in erster Linie auf unsere patentierten Artikel zurückzuführen, die in der Praxis gute Ausnahme gefunden haben. Eines unserer wertvollsten Patente ist zwar im Herbst vorigen Jahres abgelaufen. Wir konnten indes das ganze Herbst- gcschäft noch unter seinem Schutze mitnehmen und hoffen, in diesem Artikel noch weiter ein gutes Geschäft zu machen, wenn auch nicht mehr zu so lohnenden Preisen. Andere ebenso wert- volle Patente laufen noch auf eine Reihe von Jahren und sichern uns für absehbare Zeiten gute Geschäftsaussichtcn." Wer die Urheber dieser Patente sind, die so hohe Erträgnisse abwerfen, wird nicht mitgeteilt. Da es sich um eine Aktien- gesellschaft handelt, so liegt die Vermutung nahe, daß es A n- g e st c l l t c derselben gewesen sind, und man ist daher berechtigt, zu frage», ob und welcher Gewinnanteil diesen von dem Rein- gewinn zuerkannt wurde, oder wie sonst die Firma ihr Ein- komnien oder ihre Stellung verbessert hat. Das Gesetz sagt nichts über die Frage, unter welchen Voraussetzungen der Angestellte an dem Nutzen teilnehmen muß, die seine Arbeitgeber von der Ausnutzung einer von ihm gemachten Erfindung ziehen oder welchen Anspruch der Prinzipal auf die Ausbeutung einer Er- findung machen kann, die ein Angestellter, während er bei ihm in Dienst war, gemacht hat. Da dieser Nutzen, wie gezeigt, für die Unternehmer ein sehr bedeutender sein kann, so bringen sie in die Verträge mit ihren Angestellten vielfach die 5r l a u s e l, daß sie ein Recht auf die Ausnutzung aller auch patentierter Er- findungen haben, die die Angestellten während der Dauer ihres Vertrages in bczug auf die von der Fabrik hergestellten Präparate und Arbeiten machen. Hierdurch haben sich in der Tat viele Unternehmer und Gesellschaften die gewinnreiche Ausnützung solcher von ihren Angestellten gemachten Erfindungen gesichert und letzteren den Gewinn derselben entzogen. Daß indes durch einen solchen Vertrag eine Gesellschaft nicht einen Anspruch auf alle von ihren Angestellten gemachten Erfindungen hat, zeigt ein Erkenntnis des Reichsgerichts vom 25. April 1904, das zu den Akten U. 1. 25, 03 ergangen ist. Hier lag die Sache folgender- maßen: Eine technische Fabrik stellte Saccharin(den neuen Süßstoffl her und bemühte sich, die dabei entstehenden Neben- Produkte zu verwerten. Bei den angestellten Versuchen gelang es auch, etwas Bcnzaldehhd zu erhalten, der wertvolle Haupt- bestandteil des natürlichen Bittermandelöls, das als Ersatz des letzteren bei Herstellung von Parsümcrien und Seifen viel Vcr- Wendung findet: aber es gelang der Fabrik nicht, ein gewerblich verwertbares und im Großbetriebe mit Nutzen anwendbares Vcr- fahren zur Herstellung von Benzaldehyd aus den Nebenprodukten des Saccharins zu finden. Bei diesen Arbeiten war auch ein Chemiker beschäftigt, der dabei zu der Erkenntnis kam, daß ans den Saccharin-Nebenprodukten mit Nutzen Benzaldehhd nicht herzustellen sei; dazu müsse man von anderen Komponenten aus- gehen, als den Nebenprodukten, die man bei der Saccharin- fabrikation erhält. So kam er zu einer Erfindung, auf die ihm auch ein Patent erteilt wurde. Die Fabrikbesitzer behaupteten nun, daß die Verwertung dieses Patentes ihnen zustehe und wurden dahin gegen den Chemiker klagbar, denn in dem An stc llun gsve r t rage, den sie mit dem Chemiker geschlossen haben, heiß- es in§ 6:„daß die Kläger ein Recht auf alle Er- findungen des Beklagten haben sollen, die sich auf die von den Klägern hergestellten Präparate bezögen". Sie behaupteten nun, daß hierzu auch die von dem Beklagten tatsächlich gemachte Erfindung gehöre und verlangten deshalb Uebcreignung des betreffenden Patentes. In der Borinstanz war auch zu ihren Gunsten ent- schieden worden. Das Reichsgericht wies jedoch die Klage endgültig ab. Es erklärte nach Feststellung des Sachverhaltes, daß die strittige Entscheidung nicht in den Rahmen des dem Beklagten überwiesenen Pflichtenkreises fiele. In dieser Hinsicht komme in Betracht, daß das Bcnzaldehhd als solches be- kannt war, übrigens auch nach§ 1 Abs. 2 des Patcntgesetzes Er- findungen von Stoffen, die auf chemischem Wege hergestellt werden, nur insoweit patentfähig sind, als die Erfindungen ein bestimmtes Verfahren zur Herstellung der Stoffe betreffen. Ein chemisches Verfahren, das ein gewisses Endprodukt liefert, kann durch den Ausgangsstoff oder durch die angewendeten Reaktionen bestimmt sei». Hier war der Ausgangsstosf und das Endprodukt gegeben. Man hatte die Nebenprodukte des Saccharins und wollte daraus Benzaldchyd in gewinnbringender Weise herstellen. Es handelte sich also um die Auffindung zweckmäßiger Reaktionen. Dies war die Aufgabe, an der der Beklagte beteiligt war. Hätte er innerhalb dieses Rahmens eine Erfindung gemacht, also eine vorteilhafte neue Reaktion gesunden. mittels deren aus den gegebenen Ausgangsstoffen das Endprodukt gewonnen wurde, so läge ohne Zweifel eine sogenannte Etablissc- mentserfindung vor, d. h. eine nicht dem Angestellten, sondern dem Geschäftsinhaber zustehende Erfindung. Tie Erkenntnis aber, daß von einem anderen Ausgangsstosfe aus zn einer nutzbringenden Gewinnung desselben Endproduktes zu gelangen� sei, fiel sowohl vom patentrechtlichcn wie vom wirtschaftlichen Standpunkte aus dem Rahmen der Aufgaben heraus, die dem Beklagten gestellt waren, und diese Erkenntnis kann auch durch den Umstand, daß der Beklagte sie bei Gelegenheit seiner Arbeiten in der Fabrik der Kläger gewonnen hat, nicht zu einer Etablissemcntserfindung werden. Ebensowenig falle eine solche Erfindung unter den Z 6 des Anstcllungsvertragcs, da sie sich nicht auf die von der Fabrik .chergestcllten Präparate, deren Fabrikation und deren Berwen- düng" bezieht. Denn als von der Fabrik hergestelltes Präparat kann nur Benzaldehyd insoweit gelten, als es aus den Neben- Produkten des Saccharins gewonnen wird. In diesem Falle konnten also die Fabrikbesitzer dem Er« sinder nicht den Ertrag seiner Erfindung wegnehmen. Aber man sieht aus diesen Vorgängen, wie sehr Unternehmer und Geschäfts- Herren darauf bedacht sind, sich die Vorteile der von ihren An- gestellten gemachten Erfindungen zu sichern, und wie vorsichtig letztere bei Abschluß ihrer Anstellungsverträge sein müssen, wenn sie nicht sogar um den Ertrag ihrer privaten Geistesarbeit gebracht werden wollen. Von den geradezu wucherischen Vertragsklauseln, die Technikern, insbesondere Chemikern aufgedrungen werden ein anderes Mal. Mit den unentgeltliche» NcchtsauSkunftstellen. deren Errichtung die bayerische Regierung den Gemeinden wieder- holt nahegelegt hat, um dadurch die Arbeitersekretariate kalt zu stellen, will es nicht recht vorwärts gehen. Der Stadtmagistrat Nürnberg hatte sich ebenfalls mit der Frage befaßt, da ihm aber die Kosten für die Anstellung von einem oder mehreren ständigen juristischen Beamten zu hoch sind, wandte er sich an den Anwalts- verein mit der Anfrage, ob dieser die Auskunfterteilung durch feine Mitglieder gegen eine von der Stadt zu zahlende Entschädi- gunz betätigen lassen wolle. Der Anwaltsverein lehnte aber das Angebot ab, weil dies in der Praxis seiner Mitglieder zu Un- zuträglichkeiten führen würde. Run will der Magistrat, ehe er weitere Schritte tut, abwarten, welche Antwort er von der Rc- gierung bekommt ans seine Anfrage, ob die Regierung einen Zu- schuß und in welcher Höhe gewähren werde. Für Nürnberg ist es überhaupt überflüssig/ eine solche Einrichtung zu treffen, denn dort besteht seit 13 Jahren das erste deutsche Arbeitersekretariat, das eine segensreiche Tätigkeit entfaltet und von der Bevölkerung fleißig in Anspruch genommen wird. Das Interesse dafür, daß die Arbeiter in ihren gesetzlichen Rechten geschützt werden, komnu etwas verspätet, die Rechte der Arbeiter werden jetzt durch die von ihnen selbst geschaffene Einrichtung viel besser und energischer wahrgenommen, als es die Gemeindejuristen vermöchten. Zudem besteht gegen die sozialpolitischen Maßnahmen des freisinnigen Stadtmagistrats Nürnberg unter der Arbeiterschaft ein vnchl- berechtigtes Mißtrauen. Berichts-Zeitung* Schimpffrcihrit der Nationalen. Bekanntlich geben sich die freisinnig- konservativen Block- Politiker den Anschein, als ob der Sauhcrdcnton ihnen nicht eigen sei. Das Wort rührt daher, daß durchaus berechtigt die„Leipziger VolkSzeitnng" konstatiert hatte, die, Zollwuchermchrheit habe wie eine Herde Säue die Geschäftsordnung niedergetrampelt, um die Be- sitzenden durch die Zölle auf Kosten der Arbeiter zu bereichern. Jemand, dem die unerschrockene Wahrnehmung der Rechte der Arbeiterklasse durch unser Brudcrorgan besonders mißbehagte, spram dann vom Sauherdenton der„Leipziger Volkszeitung". Und seitdem quittiert die bürgerliche Presse vom ReichSIIigenverband bis herab zu den Mugdaneienblättchcn über das Zutreffende der gegen sie gc- richteten ftntik durch die blöde Behauptung, den Vertretern der Sozialdemokratie sei der Sauherdenton eigen. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Dieser Tage hat nun ein Landgericht, das durch seinen Grimm gegen die Sozialdemokratie sich einen gewissen Ruf erworben hat, den Freisinnigen und Nationalen durch Urteil attestiert, daß es zu deren Geschäft gehöre, den Sanhcrdcnton anzuwendcn und daß sie sich bei Anwendung dieses Tones in Wahrnehmung berechtigter Interessen befänden. Dies Gericht ist das BreSlauer Landgericht. Und das kam so. Es� hatte der Vorsitzende des freisinnig-antisemitischen- national- konservativen Handlrmgsgehülfen- Vereins in Breslau. W o y t a g, ein Ueberpatriot des Blocks, von einem Mirgliede, das sich gegen Rückstäiidlerci und bornierte Standespolitik aufgelehnt hatte, behauptet, er sei ein Landstreicher und handele bloß im Auftrage des sozialdemokratischen Verbandes im Verein, um Zerwürfnisse anzurichten und dir Kasse in sozialdemokratische Hände zn bringe». Vor Gericht konnte der von den» so Verleumdeten wegen verleumderischer Beleidigung Verklagte auch nicht ein Tüpfelchen seiner Anwürfe als »vahr erweise»». Das Schöffengericht verurteilte ihn zu der Strafe von 20 M. wegen Beleidiglmg. Das Breslaucr Landgericht aber hob die» schon auffallend milde Urteil auf und— sprach den Anwender des Sauherdcutoncs und Verbreiter unwahrer Behauptung frei. Es erklärte kurz und bündig: Woytag hat als Patriot und Vorsitzender eine? nichtsozialdemo- kratischen Vereins— in Wahrnehmung berechtigter Interesse» gehandelt und habe auch deshalb straflos jene häßlichen Schimpfworte »l»d Verdächtigungen anssprechen dürfen. Das ist' dasselbe Landgericht Breslau, dessen StaatSairwalt- chaft jüngst die Ehre eines gelben Bäckers, dessen Zuhälterei und dergleichen vor Gericht konstatier» wurde, im ö f f e>» t l i ch c»r I n t e r- esse gegen die Beleidigung durch einen„roteil Sünder" schützen zu müssen glaubte, und das selbst dann auch den„roten Sünder" bestrafte.„Wenn zwei dasselbe tun,»st eS nicht dasselbe", höhnte Terenz. um eine Klassenjustiz zu kennzeichnen.„Wenn zlvei dasselbe tun, ist eS nicht dasselbe", ist ein alter RechtSgrnndsntz, ineinte der Justizininister Schönstedt. Wer hatte recht? Vielleicht beide? verltner Marktpretse. KnZ dem amtlichen v-rlchi der slZdllschc»! Karkthallen-Direktion.(Grohdandel.) Ochsenfleilch la LS- 70 vr. 100 Psd.. N» 62-67. M» 57-60. Bullcnflci'ch U 65-70, IIa 53-62, Kühe, sei! 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, däu. 56—69, da. Holl. 0,00. Kalbtteilch, Doppcllender 105—120, Maittälbcr la 85—95, IIa 75—82, Kälber ger. gen. 56—71. do. Holl. 43—51, dä». 0,00. Hamuiellleisch Mastlömmcr 78— 80, Hammel la 70-7t. IIa 61-59. in'gan 0,00,-schale 48—62.«chiveinelleisch 52-60. Rchbock la Per Psund 0.60—0,95. IIa 0,00. Roiwild la per Psd. 0,30-0,45. do. IIa 0,20-0,25, do. Kälber 0,35—0.55. Damwild 0,35—0,55, do. Kälber 0,40—0,70. Wildlchweine per Psd. 0,18—0,20. Frischlinge 0,00. Kaninchen p. St. 0.30 bis 0,75. Hasen, groß, p. Stck. 3,00—1,00, do., mittel u. klein. Stck. 1.50—2,50. Wild- emen per Stück 1,25—1,50. Rebhühner, junge große, per stück 1,00—1,40, do, mittel und kleine 0,40-0,90, alle 0,60—0,90. Fasanen- fiSSnc la 1,00—2,75, da. IIa 0,50—1,25. Fasanenhennen 0,80—1,75. Bekassinen 0,00. Waldschnepfen 2,00—2,50, da. Ha 1,00—1,50. KiammetS- vögel 0,00. Hiibner, alle, der Slüd 1,00—1,60, Ha 0,50—0,90, da. junge 0,50—1,25. Tauben 0,20—0,65. Eulen der Stück 1,20—2,40, dito Hamburger der Stück 2,90—3,10. toWinle per Psund 0,45—0,58, dito per Stück 2,00—3,80, da. Hamburger per Psund 0,65—0,70, do. Oder- brucher per Pfd. 0,50—0,62. PouletS per Stück 0,40—1,25. Deutsche Poularden per Psd. 0,00. Hechte der 100 Pfd. 74—83. do. matt 70. do. Nein 88. do. mittel 80—90, do, groß 0,00. Zander 0,00, do. Nein 0,00, dito mittel 0,00. Schleie, Nein 0,00, do. unsort. 131, do. mittel 0,00, do. grog 122. Aale, grvg 105, do. klein und mittel 86—92, do. mittel 110, do. unsortiert 0,00. do. groz-mittcl 0,00, klein 0,00. Bleifisch 0,00, Plötze» 50— 53. Roddow 58—62. Karpsen 20er 72, do. 30— 40er 69—76, do. 67—71, fco. 50er 68—72. Bunte Fische 44—50, do. matt 0,00. Wels 0,00. Karauschen 80—81. Bleie, 42, do. klein 0,00. Aland 58—61. Ouappen 46—55. Barse, klein, matt 0,00. Amerit. rtachs la neuer, per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flundern. Kieler, Stiege la 2—6, mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 3—4, Ha 2—3. Bücklinge, Kieler per Wall 3—4, strals. 0,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,50, do. Rügcnwalder, Kiste 0,50. Aale, grotz der Pstind 1,10—1.40. mittel grog 0,80—1,10, Nein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellsische, Kiste 3,00—4,50, Kiste 1,75—2,00. Sardellen, 1902 er per Anker 98. 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Bollbcrinae 1905 0,00, large 40-44, füll. 38—40, med, 36-42, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjcs, der'I, To. 50—120. Sardinen, ruis., Fatz 1,50—1,60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schockfaß 11, do, kleine 5—6, do. Niesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0,00. do. mittelgroße 0,00, do. Keine 10—11 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizicr, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 4,00—4,20, do. große 0,00. Butter per 100 Psd. la 126-180, IIa 118-122. IITa 110-116. abjallende 90-95. Satire Gurken, neue. erchock 4,00. Pjeffergurken 4.00. Kartostcln per 100 Psund Dabcrsche 2,50—3,25, weiße runde 2,25—2,75, mag. bon. 2,50—3,00. Porree, per Schock 0,50—1,00. Meer- rettich. Schock 4—12. Spinat per 100 Psund 5—10. Sellerie. per Schock 5,00—8.00. Zlviebcln der 100 Psd. 2,00—3.00, do. Perl- 40,00—100,00. Cbaiottcn 40,00—100,00. Pcierstlic. grün, Jchockbund 1,00—1.25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bayr., neuer Stück 0,03—0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bis 3,00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl v. Schock 3—7. Rotkohl, Schock 4— 8. Weißkohl p. 100 Psd. 1,50—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—10, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 12—16. Rosenkohl, per lOO Psd. 20—22. Grünkohl 4—6. Kohlrüben. Schock 3,00—6,00. Petersilienwurzelll, Jchockbnnd 3,00—4,00. Schnittlauch 1,25 bis 1,50. Pfcffcrlinge p. 100 Pfd. 12— 18. Radieschen per Schockbund 0,75—1,25. Salat per Schock 1,50- 2,50. Gurken, Einmache«, Schock 0,00, Bohnen, grüne. 100 Psund 15-30. Tomaten per 100 Psund 10-16. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Räbchen, Beelitzer, per 100 Psd, 2—10, Kürbis per 100 Psd, 4—7, ESkarol per Schock 5—6, Endivien per Schock 3—6. Preißelbeeren v. 100 Psd. 0,00, schlvedischc 29— 32. Birnen, per 100 Pfd. Tiroler 0,00, hiesige Most- 0,00, Kochbirnen 3—8, Taselbirnen la 10—25, fco. IIa 4—10. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd, 0,00, do. italienische, per 100 Psiind 12—25, Aevsel, der 100 Psund. Tiroler la 20—40, IIa 15-18, Most-, hiesige. 3-5, Koch- 5—12, Tajeläpsel la 10-25, do. IIa 7—12, Amerikaner, per Faß 15—25, Wallnüsse, Per Schock 1,00-2,00, do. klein 0,40-0,50, do, jran.,, 100 Pfd. 0,00. Pslaumen, pr. 100 Psd. hiesige 8—18, serbische 0,00. Weintrauben, italienische per 100 Psd. 10-26. Almeria per Faß 13-15. AnanaS I. per Psd 0.70-0,80. do. II 0,40-0,50. Bananen, gelb, per 100 Psd. 20-25. Kokosnüsse per 100 Stck. 17—22. Maronen, ital., 100 Psd. 10-22. Feigen, Kranz, per 100 Psd. 20-25. Zitronen, Messina. 300 Stück 11,50-20.00. do. 360 Stück 7,30—16,00, do. 200 Stück, 12,00-16,00, do. 150 Stück 7,00—10,00. Für de» Judalr der In, ernte übrriilmmt die Redaktion dem vublitnm gegenüber tciuerlei Berantwortung. �keater. Freitag, den 25. Oktober. Ansang 7'/, Uhr. KSnigl. Opernhaus. Aida. Königl. Schauspielhaus. Wilhelm Tcll, Deutsches, Was ihr wollt, Kammerspiele. Frühlings Erwachen,(Ans. 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Die große Gemeinde.(Ans. 7'/, Uhr.) Neues königl. Opernthcatcr. Der dertehrte Hos. Lesstng. Der Bund der Jugend. SaitUer O. iWallner. Thealer.) Der Herr Senator. Schiller Charlottenburg. Manna Vanna. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Brüderchen. Berliner. Die tanzenden Männchen. Neues. Die Waffen wieder! Kleines. Kapitän BraßboundS Bc- tehrung.(Ans. 7'/2 Uhr.) Zentral. Unsere blaue» JungenS. Lortitng. Uudine. Theater an der Spree. Telephon- geheimiiisse. Residenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Carmen. ÜLeste». Die lustige Witwe. BuststiielhauS. Susarenfieber. Trinnon. Fräulein Josctte— meine Frau. Thalia. Ihr SechS-Uhr-Onkel. Luisen. Barle! Turaser. Bernhard Rose. Spree-Athcncr. tivirtropol. Das muß man seh'n, Stpollo. Sylvester Schässer. Spe- »ialltätcn. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geleilte Liebe. Casiuo. Die wilde Jagd. Gebr. Scrrnfeld.?Radame Wig- Wag. Es lebe das Nachtleben. Passage. Danny Gürtler. Spezia- litäten. Prnter. Die zärtlichen Verwandte». Wintergarten. Ruth St, Denis. Spezialitäten. Palast. Ei» glänzender Relnsall Spezialitäten. Carl Haderland. Spezialitäten. Mctchstiallcn. Steitmer Sänger. Urania. Taubrnlirahe 4N,4;i. Abends 8 Uhr: lieber den Breuner nach Venedig. Im Hörsaal. 8 Uhr: Dr. E. Thesmg: Wie kam das erste Leben aus die Erde? Sternwarte. Jiivalidenstr. 57/62. Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppclsterne, Nebelslecke._ Fer«iiiian/, Uhr halbe Preise: Friililingslnrt. Friedrich Wüheimstädtisches Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Brüderchen. Sonnabend: Die Nibelungen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Winter- ichias. Abends 8 Uhr: Der blinde Passagier.____ LortzingTheater. iflbcitoä 8 Uhr: U inline. Sonnabend: Haus Hcilinn. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends 8 Uhr: Hau- Heiling. Montag: Zar und Zimmermann. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nacb Venedig. 8 Uhr Dr. C. Thesing: Wie kam das erste Leben auf die Erde? Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsteme, Nebelflecke. Ä n». Ä Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mars und De-vailliereS. Deutsch v, M. Schönau, Baron de« AubraiS: R, Alexander, Sonntag, 27, Ottober, nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrollenr. Schiller-Theater. ß Anfang 8 Uhr. Vorletzte VVocke KisilAliiles PlüglMItl. >V.ZttosEk8 7ksAtsr Direktion: Rod. Di»,«ruiiiientb, 16. Große Extra-Borstellung l Zum erstenmal: Das Kätstl stiiier Ehe. Schauspiel nach dem Roman der „Berl. Morgenpost". Ansang 8 Uhr. Entrce ZV Ps. Sonnabend: Geschloffen._ Schiller-Theater o.(Wallner-Tbealer). Freitag, abends 8 Uhr: I>e>> Ilei-i» ffionutol». Lustspiel in 3 Auszügen von Franz v. Schönthan u. Gustav Kadelburg. Sonnabend, abends«Uhr: Zum erstenmal: Tie itcrattacbc. Sonntag, nach m, 3 Uhr: Das vierte Gebot. Sonntag, abends 8Uhr: Del iterattacke. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 U h r: Doiina Vanna. Schauspiel in 3 Auszügen von Maurice Maeterlinck. Deulsch von F. v, Oppel-BronikowZIi. Sc ni, abend, abends 8 Ubr: Die Herniannschlacht. Sonntag,»ach in. 3 Uhr: Hlonna Vanna. Sonntag, abends 8 Ubr: Die llermannschlncht. Schiller-Saal— Schillcp-Theater Charlottenburg. Slbends S Uhr: Vortrag Dr. Leopold.Hirschberg: Peter Cornelius. Erläutert durch Instrumentalmusik, Komponisten der Neuzeit. Sonntag 8 Uhr: Lieder- und Duettenabcnd von JnliuS Liebau und Helene Liebau-Globig._ Zirkus Scliumann Heilte Freitag, den 25. d. MtS.: Vorwiegend humoristisches Programm sämtl. Clowns und Auguste mit ihren »euesten urkomische» EntreeS. Ferner tes S Clracs. die besten tomischen Akrobaten, die fliegenden Menschen tos Mcndars, Drollatiquo freres Albanos, The Life Guartfs Man und die großartigen neuen Spezialitäten. fiür Um 9'/, Uhr:-W2 Die Perle aller Pantomimen i Boll Witz und Humor. Eine Fortsetzung der berühmteste» und populärsten Pantomimen P Ein r: Fest auf dem Neckar. Humorist Bilder aus dem modernen Studentcnlcben vom Hosballettmcistcr A. Siems. Sonntag: S Borstellunge». Nach- mittag ein Kind frei. Lustspielhaus. WendS 8 Uhr: XIII. SalNon | Zirkns Busch Heute abend 7'/. Uhr; Koni. Gala-Abend. U. a.: Möns. Gas. llarrtaü! Gcschtv. Amato. Ferner: Gesohw' Pissinti. Um O's, Uhr: Auf der Hallig. Diesj. gr. Ausstatt.-Pantora. des Zirkus Busch in 4 Bildern. Kiesen• llliislons- Akte unter Wasser. Vorher: Gala|>rogranini. Sonntag: 2 gr. Gala-VorsteU. nachm. 4 Uhr u. abds. 7'/» Uhr. Theater Folies Caprice Linienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Zum 34. Male: • Geteilte Lielie• Autlduellante»— Bunter Teil. Ansang 8 Uhr. vkflmvrlllk-Ii'io. kell» Lotieuer > etr»I»ahntr. l. llline Sonne und Hasser kann kein Lebewesen existieren, weder Mensch, noch Tier, noch Pflanze. Ohne Haemoglobin geht der Mensch zugrunde. Das Haeaioglobin ist für den Menschen durchaus notwendig(Blutarmut, Leukaemie etc. beruhen z. B. auf dem Fehlen von Haemoglobin). Haemoglobin aber ist das wirksame Prinzip der Haemacolade. Dem Haemoglobin verdankt sie ihre ernährenden, blutbildenden Wirkungen. Durch das Haemoglobin ist die Haemacolade so werlvoll, der in derselben außerdem enthaltene Kakao. Zucker etc. macht sie nur wohlschmeckend. Haemacolade ist also blutbildend, kräftigend und wohlschmeckend, und diese drei Eigenschaften garantieren, daß Haemacolade das gesundeste Frühstücksgelränk für Erwachsene und Kinder, Gesunde und Kranke ist, Kein Laden! Kein L-adcn! Wichtig für Kändler und Restaurateiire! Marke Armlnius 100 Stck. Mk. 4.80, Mille Mk. 43.- Prinz Heinrieh... 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Musik von Viktor Hoilaender. In Szene eesotzt von Direktor Bichard Scnultz. B. Darmanda.D.E.Whithn8ya.D. Bender Jiipietro.Juseplii Rauchen überall gestattet. Sonntag, 27. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Ab 8 Uhr: Das kolossale Drogramm. Um 9-/, Uhr: Berlins gröftte Sensation: Scheeler Schäffer ir. der welttierihmte UniversaikUnstfef. p alast-Theater Bnrgstrasie 24. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Der brillante Gbtober-Spielptan. U. a.: Paula Pnvals Hunde-Dreflur. Die 5 Rammoneurs Dainen-Enr-mble. Ein glänzender Reinfall Posse. Gebr. Herrnfeld- Theater. 67 Kommandantcnstrahe Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Vorverlaus 11—2. Die erfolgreichsten Lach-Koinödie» :: fett 17 Jahren:: ZllsdsmeMVsg Operetten-BurleSke, Mustt von L. Jtal. Lziede dssKMedsn! Geparee-Assäre in 2 Alten. Beide Stücke mit den Antoren Anton und Tonnt Herrnfeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd m» Anton und Doitat Herrnseld. Brunnen-Theater Vadstratze 58. Direkt.: Bernh. Rose. Freilag. den 25. Oktober 1907: Die drei Grazien. Posse mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow. Ansang 8 Uhr. Vorverkaus von 10—2 Uhr vor- mittags._ BS alhalla- Variete-Theater Wcinbergsweg 19;20, Rosenlh. Tor. Das Sensations-Propui |g arabische Springer 16 Edi Blumy der beliebte Komiker. 12 intcrnation. Spezialitäten. —— Anfang 8 Uhr.— Tunnel: Konzert s.Theaterbef.lrvI. . /N0sit2.p>st�- 1 irolheatcrsaal TäglluV- Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf, Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Enlree 50 Pf.) Familienbilletts a 40 Ps. Nick, Mllilär-Konzerl. Becker, Przowarski, Görisch, Neumann, Osseney und Lüttich. Orts- Krankenkasse Weißensee. Durch die am 1. Oktober er. ab- gelaufene Wahlzelt ist eine Neuwahl sämtlicher Vertreter erforderlich. EZ sind zu wählen: 277/5 144 Arbeitncbmervertreter und 67 Arbeitgebcrvertreter. Dle Wahlen finden am Donnerstag, 31. Oktober er., abends von 6 bis 10 Uhr. im llcslaurant.Prälaten", hicrselbsi, Lchderstrahc 122 statt und zivar wählen die Arbeitnehmer von 6—8 Uhr und die Arbeitgeber von S— 10 Uhr. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenige» Kassenmitglieder und klrbeitgebcr, welche grosiiährig und im Besitze der oürgcrlichen Ehren- rechte sind. Die Arbeitnehmer haben das OitlttimgSbuch bei der Wahl vor- zulegen. Die Arbeitgeber wollen sich zum Zwecke ihrer Legitimation eben- falls mit einem Ausweis versehen. Weihensee, den 22. Oktober 1907. Der Borstand der OrtS- Krankenkasse für den Gcmcindcbezirk Wcißriisee. Kant Fährmann Vorsitzender. Orts- Krankenkasse Pankow. Die statutenmäßige General-Versammlung findet am Freitag, den 8. No- veinber 1007. abendS 8 Uhr. im Restaurant Roczyokl, Pankow, Kreuzstraße 3/4, statt. TageS-Ordnung: 1. Protokoll. 2. Definitive Genehmigung der mit den Kassenbcaintcn aus Grund des Düsseldorfer Tarifs abzuschließeuoen Verträge. 3. Elaluienveränderung(A§ 10, 12, 13, 20, 22, 30, 31 und 57 dcS Statuts). 4. Neuwahl dreier VorslandSinii- glicdcr(1 Arbeitgeber und 2 Arbeit- nehmer). ES scheiden ouä Lubig, Schwede und Müller. 5. Ergänzungswahl eines Vorstands- Mitgliedes, für den ausgeschiedenen Arbcilnehmer Kicckhöser, 6. Wahl dreier Revisoren zur Prüsun.! der Jahresrcchnung pro 1907. 7. Dcfinilivc Genehmigung dcS mit dem praktischen Arzt SobcSki ab- geschlossenen Vertrages. 8.'Anträge, welche mindestens eine Woche vor der Versammlung bei dem Unterzeichne! cn schriftlich eingereicht werden müssen. 9. Verschiedenes, Pankow, den 2l. Oktober 1S07. Ter Borftaud der OrtS-Krankenkasse Pankow. Hoftrichter, Vorsitzender. N.B. In dieser Versammlung find nur die gewählten Delegierten ein- trillS- und stimmberechtigt. 277/4 Fllisiv Berlin« Freitag, den 25. Oktober 1907, nachmittags 5 Uhr: Mitglieder-Versammlung bei 7reger(früher Keller), Koppenstraße 29. TageS--Ordnung: . Bericht der Lohnkommiffion. 2. Stellungnahme zur Ofensetzerkonferenz am 3. November in Dresden. Zahlreichen Besuch erwartet_[201/7:>]_ Die Verbandslcilung. ZwelgTcrcIn Berlin and(Jmgcscnd. - Sektion der Töpferträger.— Sonnabend, den 26. Oktober 1907, vormittags 10 Uhr, im Gelverkschaftshanse, Enzel-Nfer 15, Saal 1: Nklsniiimlliilg oller am Meik tittdligtcn NKrtniztt. TageS-Ordnung: 1. Bericht über unsere Bewegung. 2. Diskussion. BerdandSdnch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. I>«?r Zncigvereln»vorBtand. Seste BetteDlölinng sind die vorzüglich füll-nderi, sthe elastilchcn,«cht chin-fischen üenepeldAiireii Verpackung frei. Qustav kustlg Osviin 8» Prinzen sie. 46 Theater des Zentrums. Sophien- Säle, Sophienstraße 17/13. Kis ftlih um Fünft. __ d Kandlungsgelililfeti! Heute Freitag, de» S5. Ottober, abends 0 Uhr, w den.Armin- hallen-, Kommandantenstr. 58/59: Oeffentliche Uersamminng. Die Hungerpeitsche in der Konfektion. Referent: Kollege Georg Ucko. Zahlreichen Besuch erwartet 298/16 Zentralverband der Handlungsgebülfen und GehSKInnen Dentschlands. Bezirk Berlin, Neue Königstr. 36._ Reichstiailen-Tiieater. Täglich: r Mw, Ans. Wochent. 8. Brlttvn als Ante im Familien- bad Wannsee. onntagS 7 Uhr. Sanssouci Dir.: Wilhelm Reimer. Heute Freitag: Tlieätei'».4k»nd. Dkl Wildschütz. Oper von Albort Lortzwg. Sonntag, Montag, Donnerstag: u. TanzkräiiBChen. Soil»t.Bcg.5, wochcnt. 8U. Jerlinef irteiter- Radfalirer-Herein" Mitglied de? Arbeiter» Radfahrer-BundeS .Sottdaritöt». Sonntae, den L7. Oktober, früh 8 Uhr: Vereiustonr über Zossen nach Mittenwalde. 1., 2., 5., 6., 9. Abteilung. 1 Uhr: Schmöckwitz. 22/4 3., 4., 7. tt 8. Abteilung. 1 Uhr: Karolinenhos. Die Abteilungen von ihren StariS. Donnerstag, den 31. Oktober, abends S'/s Uhr: Fahrwart-Sitzung Bei Bosse. Klosterstrafte Rr. 101. Iriallon-Iliealer. MMm iosette- meine Fran. _ Ansang 8 Uhr. Wir empfehlen unseren Lesern nachstehendes Werk: Berliner Revolutions-Giironik. Darstellung der Berliner Bewegung im Jahre 1843 in politischer, sozialer und literarischer Beziehung von Adolf Wolff. 234/17« Der Preis beträgt statt 4,— M. nur 2,50 M. DaS Buch enthält dle beste Darstellung der Vorgänge in Berlin im Jahre 1848. Da nur eine kleinere Anzahl von Exemplaren vorhanden, ist baldigste Anschassmig empsehlenSwert. I3xpe«Htion des„Vorwärts", Berlin 8W., lilndenstr. 69, Laden. I. ]IC Blitz8 Schnell kommt man mit der Hochbahn zu Weingarten, Gitschinersfr. 72, Station im Hause. Haltestelle Prtnzenstraße. Empfiehlt: 1 Posten Monats-Anzüge, 1 Posten Monats-Paletots, |; 1 Posten Monats-Beinkielder zu staunend billigen Preisen,|» .. auch für korpulente Herren passend... Dieselben find von seinen Kavalieren und Reisenden, die nur einen Monat ihre Garderobe tragen. 223L� Fahrgeld wird vergütet. G Bitte auf Hausnummer zu aehten. Prächtige Geschenke liegen Geolners Veilchen- seifenpulver lü „Marke Kaminfeger" öei, nur nützliche Gegenstände, die viel Freude machen. In den meisten Geschäften a 15 Ps. zu haben. Vorsicht beim Einkails I Man achte aus den ges, gesch. Ramm.Goldperle' und den Kaminseger I Fabrikant: Carl Gentner, Göppingen. Alleinverkauf für Berlin und Umgegend: Andreag Caspar, Berlin SQ., Josephstr. 11. Dienstag, den 89. Oktober 1907, abendS 8 Uhr: Kranchen- Uersamminng für die in der Küchenmöbelbranche beschäftigten Tischler und Maler Berlins und der Vororte im„Englinclion Garten", Alexcinderstrasse Rr. 37o. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen A. Schreiber:»Tie Gewerkschaften im Kampfe mit dem koalierten Unternehmertum-. 2. Dtskussion. 3. Branchenangclegcnhcitcn: eS erfolgt hierbei die Ausgabe der Frage- bogen für die Branche. Pflicht jedeS in der Branche beschäftigten Kollegen ist eS» t« dieser Bcrsammlnng zu erscheinen.-vDzgz Ble Koimnlsslon. Die Vertrauensmänner der fNEN VSf werden ersucht, Freitagnachmittag von 0-7 Uhr nach dein Bureau, Engel-User t9, zu kommen zur Entgegennahme von Jnsormalioncn über den neuen Verlrag,_ l»ie Ortaverwaltnug. l» Arbeitsnachweis: Hos L Amt 3. 1239. VrrwaltnngSstelle Berlin. Hauptburcau: ChariWslraBe 3. Hos III. Amt 3. 1987 Sonnabend, 26. Oktober, abends 8% Uhr: ßezlrksverfammlung für Spandau und Umgegend im Lokale von Knmke, Schönlvalderstr. 80. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom Internationalen Metallarbeiter-Kongreß. Referent: Kollege Cohen. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. 154/15 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, Ä'?. Oktober, vormittags 16 Uhr: Kranchenversammlung Schmiede Berlins nnd Umgegend der in Milbrodts Festsälcn, Mullerstraste 7. TageS-Ordnung: 1. Die kulturelle Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung. Referent: Genosse Rchbcin. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Branchenvertrcters und der Agitationskommission. 4. Branchen» angelegenheiten und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung find ganz besonders dle Kesselschmiede der Grossbctriebe eingeladen.— Zahlreicher Besuch wird erwartet. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß folgende ueue Zahlstellen errichtet sind: Uifta Kasper� ScbOneborg, Bennigsenftr. 23/24 Paul AnderSg Berlin W., Böttgerstrasse 4. Karl SieWrefillp Charlottcnbnrg, Helmhokhftr. S3, Otto Gaßmann, BcrUn�;.tÄnÄ{C()?00 M., steigend bis 2850 M. und 100 M. Mankogeld. Es folgte nun eine lange Debatte über den Antrag des Haus- besitzervercins Tegel auf sofortige Aufhebung der Sceufersperre. Der Vorsitzende wollte die Sache ohne weiteres bis zum Juli nächsten Jahres vertagt wissen. Gemeindevcrtrcter Gut st ein ividcrsprach dem. Wie früher, so wünschte er auch jetzt sofortige Aufhebung der Sperre, da nun die Vorbedingungen nicht mehr gc- geben seien, die den Spcrrbeschluh hervorgerufen hätten. Genosse Lichtenberg hielt es entschieden für besser, wenn die Sperre ganz falle. Es sei leicht zu beobachten, wie viele Leute vom Dampfer aus nach rechts biegen. Eine Verschönerung wäre die Sperre auch nicht. Zudem sagten viele, die Sperre sei nicht bloß, um den Weg zum Schalter zu finden, sondern auch zum Büfett. Das letzte bezeichnete der Vorsitzende als eine unwahre und bös- willig erfundene Meinung. Gcmeindcvcrtrcter B o r s i g meinte, er habe noch nie eine Unordnung am Sccufer bemerkt, er verstehe die Bedenken daher nicht. Die Bahusperre sei auch nur der besseren Kontrolle wegen eingeführt, nicht der Ordnung halber. Jeder könne auch jetzt noch auf den Bahnsteig kommen,.der dem FiskuS sein Geld zahle. Der Wunsch nach Einnahmen sei also der Grund der Bahnsteigsperre. Genosse Lichtenberg erwiderte, eine Sperre derart ginge wohl nicht an, während Gemeindcvertreter S ch u- ni a ch c r erklärte, die Aufhebung der Sperre entspräche einem all- meinen Wunsche der Bevölkerung, die Sperrung sei jetzt nicht mehr zweckmäßig. Es wurde sodann ein Antrag Äorsig angenommen, wonach, falls sich am 1. April 1908 nicht übersehen läßt, dah in Kürze ein anderer Umgang geschaffen wird, der alte Weg wieder her gestellt wird. Tagegen stimmte nur Gcmcindevertreter Schu m a ch c r, und zwar war er für sofortige Aufhebung. Zum Wicsenbebauungsplan lagen«ine Anzahl Einsprüche vor. Am längsten erläutert und doch am wenigsten begründet war der Einspruch der Humboldtmühle. Es wird in dem Einspruch gesagt, die Schlohstrahe habe nur geringen Verkehr und auherdem könne die Mühle den Schaden nicht ertragen, wenn sie bis zur künftigen Fluchtlinie abgebrochen werden mühte. Der Einspruch wurde als unbegründet abgewiesen. Ebenso ein Einspruch der Kirche, der übrigens auch materiell hinfällig war. da die Gemeinde dicS Grundstück doch ankauft. � Als begründet wurde ein Einspruch des Guts lesitzcrs Paul Müller gegen die projektierte Straße durch sein Grundstück angesehen. Es wurde beschlossen, die Straße 5 von der Hauptstraße bis zur Straße 7 ausfallen zu lassen. Ein vielleicht erhobener Einspruch gegen den Teil zwischen Straße 7 und 8 wurde abgewiesen. Dem Bebauungsplan von Wittenau für das Gebiet jenseits des Tegeler Strasgcfängnisscs wurde zugestimmt, da gegen me Errichtung von drei neuen Straßen nichts einzuwenden war. �.cr Stadt Berlin wurde die Lcgung eines schwachen GaSrohreS vorbehaltlich der Genehmigung des Gaswerks Tegel gestattet. End- lich wurde noch eine Schenkung des Gutsbesitzers Wilkc-Tcgel im Betrage von 5000 M. angenommen. Der Verpachtung von Ge- incmdeland, und zwar 2 Hektar 46 Ar an Witwe Zieckow wurde zugestimmt. Di« sich anschließende vertrauliche Sitzuna dauerte noch biö zehn Uhr abends. Versammlungen. Wer ist Herr auf der Ober und Elbe? Diese Frage stand auf der Tagesordnung einer Versammlung ver Schiffseigner, Bootsleute. Maschinisten und Heizer, die am �onntagnachmittag im Gewerkschaftshaus stattfand. Auf der Oder und der Elbe herrscht das Großkapital, sagte der Referent, der Gauleiter Decker von der Binncnschiffersektion des Verbandes der Hafenarbeiter und verwandten Bcrufsgenossen. Den wohl begründeten Beweis für diese seine Behauptung erbrachte der Niedner in einem inhaltreichen Vortrag. Er schilderte die Binnen- schiffahrt in älterer Zeit, ihre Rechtsverhältnisse, die ihr von den Fürsten aufgezwungenen Abgaben— die z. 53. zwischen Hamburg und Berlin die Höhe von zwei Dritteln des Wertes der trans- poriicrten Waren erreichten— sowie die gegenwärtige großkapita listische EntWickelung, die den Kleinschiffer erbarmungslos cnt eignet und hinabstößt in die Reihen der abhängigen ausgebeuteten Proletariermaffen. Die Einführung der iQ�npfer hat auch im BinnenschiffahrtSgewerbe die Verhältnisse revolutioniert. Da sagten Wohl die Kleinschiffcr:„Was wollen zene großen Leute mit ihren Dampfern? Wir haben ja die Kähne!" Aber die Ent- Wickelung lehrt, daß die.Kapitalisten auf die Kähne der Kleinschiffer verzichten können. Wie wollen diese Schiffer, die vielleicht einen oder zwei Mann beschäftigen, aufkommen gegen eine Kapitalisten gruppe wie die Elbschiffahrtsgesellschaft, die 2340 Mann beschäftigt. 51 Radschleppdampfcr, 19 Eilgutdampfer, 33 Kcttendampfer, 309 eiserne, 40 hölzerne Fahrzeuge, 105 Schuten und noch eine Menge anderer Fahrzeuge besitzt, über ein Aktienkapital von 11 110 000 Mark verfügt! Wohl ist im Jahre 1904 eine Privatschiffergcnossen� schaft gegründet worden, die aus Kl-inschiffern besteht, 888 Mit. glieder mit 810 Fahrzeugen hat; aber dieselben Herren Kommerzien- rate und dergleichen Leute, die durch ihre Kapitalien die Existenz der Kleinschiffcr vernichten, sind es, die behaupten, in jener Ge- nossenschaft die Interessen dieser Schiffer wahrzunehmen.„Euer Kahn ist Eure Scholle. Sorgt dafür, daß Ihr nicht davon vertrieben werdet," sagte der Major Platte bei der Gründung der Genossen- schaft, und just derselbe Herr ist es, der jetzt den Schiffern vor- schlägt, ihre Fahrzeuge der Kapitalistengesellschaft zu verpachten. Die Schiffer haben eben ihre Interessen Leuten anvertraut, die nur aus ihren Villen oder einmal von den Brücken aus auf sie hinab- blicken. Ter Redner erinnerte an einen Vorgang aus dem Jahre 1904, als die Königsbrücke in Magdeburg eingeweiht wurde. Die Kleinschiffer, die dort lagen, hatten von ihrem bißchen Geld, wohl mancher seine letzte Mark, geopfert, um das Schiff zu schmücken. Da sagte der Handelsministcr Möller zu ihnen:„Meine Herren, Sie haben den Anschluß verpaßt, und wer das tut. geht unter. Wie oft hatten andere, aufgeklärte Leute den Schiffern diese Tat- fache klarzumachen gesucht, aber dann hieß es allemal:„Das sind Hetzer; die müssen aus dem Lande getrieben werden." Auf der Elbe ist schon 1903 eine Fusion der großen deutschen und östcr- reichischcn Gesellschaften zustande gekommen; die Schiffahrt ist monopolisiert. Auf der Elbe und ihren Wasserstraßen sind aber auch die Schiffer, Bootsleute, Maschinisten und Heizer schon mehr zur Einsicht gekommen, sorgen gegenseitig für Aufklärung, haben sich Versammlungslokale verschafft, während es auf der Oder noch recht schlecht damit bestellt ist. Und doch schreitet auch hier die kapi- talistische Entwickclung, mit ihrer Enteignung der Kleinschiffcr schnell und unaufhaltsam vorwärts. Ter Schiffer sucht sich das Geld, was er mit dem Trausport nicht verdient, dadurch zu ver- schaffen, daß er die Waren selbst auökarrt, noch Frau und Kinder dazu anspannt. Die Elbschiffcr und Steuerleute bedanken sich für diese Arbeit. Die Kleinschiffcr, die man namentlich in Berlin von früh bis spät Steine karren sieht, werden natürlich auch damit ihre Selbständigkeit nicht retten können. Bereits hat sich eine großkapitalistische Ziegeltransportgenossenschaft gc bildet und den Transport von 250 Millionen Ziegeln übernommen, so daß für die Privatschiffer nur noch 65 Millionen übrig bleiben. Hunderte eiserner Fahrzeuge mit eigener Triebkraft sollen den Transport ausführen; die Steine werden, in große Kübel gepackt, verschifft, ebenso am Bestimmungsort mit mechanischer Kraft auf- Wagen geladen und so an die Baustellen gebracht. Man trägt sich mit dem Gedanken, für diese Motorschiffe das Vorschleuscrecht zu erhalten, und sicherlich werden die großen Herren, die dahinter stecken, auch in dieser Hinsicht ihr Ziel erreichen, so daß der Schiffer mit seinem Kahn warten mutz, bis der so wie so übermächtig- Konkurrent die Schleuse passiert hat. Da nützt dem Schiffer nichts seine KönigLtreuc, sein Hurraschreien vor höchsten Herr- schaften. Tritt er, der demütige Mann, an die Behörden heran, klagt über ungerechte Matznahmen, über die Vernichtung seiner Existenz, so zeigt man ihm in Worten vielleicht das übliche Wohl- wollen, aber geholfen wird ihm nicht. Ganz anders, wenn die vornehmen Herren mit Zylinderhut und Frack kommen; sie er reichen gar leicht, was sie wünschen. Der Schiffer aber soll er- kennen, was ist, erkennen, daß seine Selbständigkeit unerbittlich vernichtet wird von den Großkapitalistcn, und daß er darum ge- mcinsame Interessen mit den Bootsleuten hat. Die Vertreter jener Kapitalisten und der bürgerlichen Klasse sind es auch, denen die Schiffer den s 4 des Binnenschiffahrtsgesetzcs zu verdanken haben, wonach der Schiffer nicht nur mit seinem Schiff, sondern mit seiner ganzen Habe für die Fracht haftbar ist, während die Vertreter der Arbeiterschaft diese harte Bestimmung aufs äußerste bekämpften. Statt den Schiffern in ihrer wirtschaftlichen Not irgendwie zu helfen, hat man schwimmende Schifserkirchcn eingerichtet, will damit auch Schulen für Schifferkinder verbinden. Allerdings wäre das letztere bitter notwendig für die 20 000 Schiffcrkindcr, die ohne Schul- Unterricht aufwachsen; aber der Hauptzweck, den man damit der- folgt, wird sein, den Schiffern noch mehr Religion, noch mehr Demut und Untertänigkeit einzupflanzen. Anderes tut den Schiffern not. Sie müssen erkennen, daß sie Menschen mit Menschenrechten sind, daß sie sich zusammenschließen müssen mit den Bootsleuten, ihren natürlichen Bundesgenossen, in der Organi- sation, dafür sorgen, daß Leute, die ihre Interessen ernsthaft ver- treten, in die gesetzgebenden Körperschaften gewählt werden, und daß überhaupt mehr Aufklärung in ihren Kreisen verbreitet wird und werden kann. Dem Vorirag, der mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurde, folgt« eine lebhafte Aussprache. Sehr interessant und in gewissem Sinne rührend waren die Ausführungen eines alten Schiffers, der seit dem Jahre 1355 in der Schiffahrt tätig ist. Er wisse nicht, was.sozial" sei, sagte er, und man mußte wohl an- nehmen, daß er noch ein gut Teil königstreuer Gesinnung in sich hatte, als er. wie er selbst erzählte, auf ein Brett die Worte schrieb: „Ersuche Majestät, die Kleinschiffer nicht zugrunde gehen zu lassen!" Er wollte von seinem Schiff an der Schleuse dieses Brett dem vorübcrfahrenden König und Kaiser vorhalten, da hatte seine Frau heimlich die Schrift abgewischt, in der Furcht, daß ihr Mann sich einer schrecklichen Gefahr aussetze.— Der Mann war hinzu hatte gezogen zu den Vorbcratungen des..... nach besten Kräften auf Grund seiner reichen Erfahrung versucht, die Jntercssen der Klcinschiffcr zu wahren, aber erkennen müssen, daß seine Worte nichts galten gegen die der großen Herren. So. und in feinen Erlebnissen als Sckiffer war ihm die Erkenntnis aus. gedämmert, daß der kleine Mann nichts gilt, die großen Herren alles.„Mir hat der liebe Gott ebensogut fünf Sinne gegeben, wie den Herren von und zu," sagte er.„Ich muß zahlen und zahlen und werde doch verdrängt."— Ebenfalls aus eigener Erfahrung sprach der Genosse Schwedler. der mit königstreuer Gesinnung zum Militär gekommen war, aber unter einem Hauptmann, welcher mächtige Reden gegen den„inneren Feind" zu halten pflegte, zum Sozialdemokraten wurde. Wieder freigekommen, suchte er seine Berufskollegen auf der Oder auszuklärcn im Kampfe mit der Schifferinnung und mit den Behörden, die ihm verboten, auf seinem eigenen Kahn Versammlungen abzuhalten. In seinem Schlußwort feuerte der Referent die Versammelten nochmals an, für Aufklärung und Organisation, besonders auch in ihren Heimatorten zu sorgen, auch zu sorgen dafür, daß Ver- sammlungen mit freier Aussprache möglich werden. Im Anschluß daran forderte Genosse Zucht, der den Vorsitz führte, die Anwesenden auf, bei den regelmäßig von der Agi- tationskommission der Provinz Brandenburg einzuberufenden Versammlungen für zahlreichen Besuch zu sorgen, sowie dafür zu sorgen, daß die arbeiterfeindliche Schmutzprcsse auS den Häusern der Schiffer und Mannschaften verschwindet und die Arbeiterpresse gelesen werde. Der internationale Arbeiterkongres« und die Organisation der Arbeiterinnen. Am Mittwoch fanden in Berlin drei öffentliche Ver- sammlungen der in der Metallindustrie tätigen Arbeiterinnen statt. Sie hatten den Zweck, den Arbeiterinnen die Wichtigkeit der Verhandlungen und Beschlüsse des Stuttgarter internationalen Kongresses vor Augen zu sichren, sie selbst zu eifriger Tätigkeit für ihre eigene Berufsorganisation anzuspornen. Die Organisation ist den Arbeiterinnen der Metallindustrie ganz besonders notwendig, denn krasser als hier tritt wohl kaum in einer anderen Industrie gerade jetzt die traurige Tatsache hervor. daß das Unternehmertum die Arbeiterinnen als Schmutz. konkurrcntcn der Männer ausbeutet. Wohl mag sich manches junge Mädchen über die elenden Löhne und die nur zu oft miserable Behandlung trösten mit dem Gedanken: das alles sei nur ein Ucbergang, es komme die Zeit der Ehe. die ihr als Hausfrau ein erträglicheres Dasein bieten werde. Ein leerer Trost! Not und Elend wartet ihrer, wenn sie selbst und ihre Mitarbeiterinnen durch ihre übermäßige Bescheidenheit und Unterwürfigkeit die Löhne der Männer herabgcdrückt haben, so daß nun auch ihr Erwählter nicht das verdienen kann, was eine Familie zum Leben unbedingt nötig hat. Aber ganz abgesehen von diesen Hoffnungen uns Erwägungen mutz selbstverständlich die Arbeiterin anständigen Lohn und anständige Behandlung fordern und, da sie dies als einzelne nicht erreichen kann, in der Organisation ihre Stärke suchen. Daß ein beträchtlicher Teil der Mctallarbeiterinnen diesen Gedanken schon begriffen hat. dafür zeugten die drei Versammlungen; sie zeugten freilich auch dafür, daß die große Masse der Arbeiterinnen noch gewonnen werden muß, und ein unablässiges Streben für dieses Ziel notwendig ist. Im Saale des Bernhard R o s e- Th c a te r S in der Badstraße lauschten die Versammelten dem Vortrage von Emma Ihrer. Treffend hob die Redncrin hervor, daß unter all den Fragen, die der internationale Kongreß behandelte, nicht eine einzige ist, die nicht gleich großes Jntnresse für die Arbeiterinnen wie siir die männlichen Arbeiter hat. Sie zeigte das u. o. am Militarismus. Muß nicht die Frau so gut wie der Mann alle die wirtschaftlichen Lasten tragen, die oicscs Mittel zur Aufrecht- «Haltung der Klassenherrschaft erfordert? Ist sie nicht als Mutter aufs lebhafteste an der Bekämpfung des Militarismus interessiert? — Eingehend behandelte die Rcdnerin auch die Frage des inter» nationalen Arbeitcrinnenschutzcs. Gerade in der Metallindustrie sind Leben und Gesundheit der Arbeiterinnen den schlimmsten Ge- fahren ausgesetzt, und höchst ungenügend ist der gesetzliche Schutz. Mit der Mahnung an die Anwesenden, selbständig, eifrig und unerschrocken zu wirken in der Organisation, mitzuarbeiten an dem großen Befreiungskampf der Arbeiterklasse, schloß per lehrreiche und anregende Vortrag.— Auch der Ortsvorsitzcnde Cohen vom Metallarbciterverband forderte in packenden Worten zu uncrmüd' sicher Arbeit für die Organisation und ihre Ziele auf. « In der Kronen-Brauerei. Ali-Moabit, sprach L i l>) Braun vor einer leider nur mähig besuchten Versammlung. Sie hob die Bedeutung des internationalen Kongresses für die Frauen- bewcgung und die Organisation unter den Frauen hervor, weil dieser Kongreß mit mehr Ernst und Eifer als einer seiner Vor- gänger sich mit der Frauenfrage beschäftigt habe. Die Arbeiter- ichaft ist die moderne Ritterschaft für die Frauenwelt geworden, meinte die Rednerin und erklärte näher, was die Arbeiterschaft dazu veranlaßt hatte. Sie zeigte, wie die Frauen massenhaft in die moderne Industrie hinein getrieben wurden, wie die alte Haus- Wirtschaft zusammenschrumpfte und wie die Frauen gezwungen wurden, in Konkurrenz mit den Männern zu treten. Die kapitali- Itische Wirtschaftsweise zerstörte die Familie, nicht die Sozial- oemokratic, wie unsere Gegner gern behaupten. Diese Wirtschafts- weise kritisierte die Rcdnerin sehr scharf und fand damit die lebhafte Zustimmung der Versammelten, besonders, als sie das harte Los der proletarischen Frauen und Mädchen anschaulich schilderte. Die Frauenfrage der Gegenwart liege zum großen Teil in dem Konflikt zwischen dem natürlichen Beruf der Frau, Mutter zu sein— dies Wort im schönsten und weitesten Sinne genommen — und der Stellung, die der Frau in dem modernen Wirtschaft- lichen Leben zugewiesen ist. Die Rednerin empfahl dringend die Organisation unter den Arbeiterinnen als einzigstes Mittel, die ihnen zustehenden Rechte zu erobern.— In der D i L k u s s i o n trat eine Rednerin auf, die den Männern Vorwürfe machte, daß sie die Mädchen so wenig aufmuntern, sich den Verbände» anzu- schließen. Sie ermahnte die Arbeiterinnen, überall in die Organi- sationcn einzutreten und nicht länger zu säumen, selbständig vor. zugehen. In den A ii d r e a s- F c st s ä l c n in der Andrcasstraße sprach vor mehreren Hundert Metallarbciterinnen, zu denen sich auch eine Anzahl ihrer männlichen Kollegen gesellt hatten, die Genossin Ida A l t m a n n. Sie entwarf ein interessantes Bild der inter- nationalen Zusammenhänge, unter besonderer Berücksichtigung des wirtschaftlichen und sozialen Lebens und zeigte, wie auch jede sfrau in Beziehung dazu stehe und sich darum kümmern müsse. Die Behauptung, daß der Frauen Haus ihre Welt sei, wäre längst zum Märchen geworden, wie selbst die amtlichen Berichte bewiesen. Zun, Beispiel in der Metallindustrie, einschließlich der Industrie der Maschinen, Werkzeuge, Instrumente und Apparate, gäbe es in Preußen allein über 50 000 Arbeiterinnen, während insgesamt in Preußen schon in den der Gewerbeinspektion unterliegenden Betrieben über eine halbe Million erwachsener Arbeiterinnen tätig seien. Rcdnerin ließ dann die Verhandlungen und Entschlüsse des internationalen Parlaments der Arbeit Revue passieren und erläuterte treffend ihre Bedeutung für das inter- nationale Proletariat im allgemeinen und speziell für die Frauen. Der Vortrag klang aus in einem Aufruf zur Organisation und zur Mitarbeit im Kampfe des Proletariats. Lebhafter Beifall olgie den Slusführunaen. Dann wurde darüber diskutiert, wie die Agitation für den Deutschen Metallarbeiterverband unter den Kolleginnen am besten auszugestalten sei. Vermischtes. Ehe» zwischen Blutsverwandten. Wenn in früheren Jahren Blutsverwandte, also Cousin und Cousine, Onkel und Nichte, eine Ehe miteinander eingehen wollten. wurde von ärztlicher Seite oft auf die Möglichkeit böser Folge» einer solchen Verbindung aufmerksam gemacht. In der katholischen Kirche bedarf es noch heute für solche Ehen eines päpstlichen Kon- scnses, der nur in ganz besonderen Fällen gewährt wird. Die Ansicht der Mediziner über die schädlichen Folgen einer Ehe unter Blutsverwandten ist heute sehr geteilt. Die einen sagen, daß Kinder aus solchen Ehen stets geistig minderwertig sind, die anderen geben nur zu, daß die Blutsverwandtschaft der Eltern auf die Nachkommenschaft insofern ungünstig einwirken könne, als die Kinder unter den gleichen schädlichen Bedingungen aufwachsen. die bei den Eltern bereits vorlagen. Zur Prüfung der Frage muß man Tier- und Pflanzenreich, in die der Mensch als Naturprodukt hincingchört, heranziehen, und da ergibt sich, daß bei vielen Pflanzen die Selbstbefruchtung wirkungslos ist und daß deshalb die Natur oft auf ganz wunderbare Weise die Fremdbestäubung zu vermitteln sucht. In der Tierwelt, insbesondere bei den Haus- tieren, finden wir eine Abweichung. Die Paarung von Individuen der gleichen Art ist hier notwendig, um eine Art in ihrem Charakter rein zu erhalten. Alle Arten und Nassen unter den Tieren sind durch Inzucht entstanden, z. B. das Merinoschaf und daS englische Vollblutpferd. Sehr viele Tierzüchter sind indes Gegner der In- zucht, weil sich auch die Fehler und Unvollkommcnheiten viel fester einbürgern. Auf fortgesetzte Inzucht folge eine Herabsetzung der Körpergröße der Tiere, geringere Fruchtbarkeit und Schwäche des Nervensystems. Leider sind auch hier noch viel zu wenige Ex- perimente an Tieren gemacht worden, um-ein abschließendes Urteil geben zu können. B o s machte Versuche mit gesunden Ratten und er fand, daß bei Fortse�ung der Inzucht die Tiere von der zwanzig st en Generation ab eine Schädigung zeigten. Reib- maher hat dagegen nachweisen wollen, datz alle Kultur- träger der Menschheit vorwiegend in Inzucht gelebt haben. Rur dadurch wäre die rasche EntWickelung eines Volkes möglich gewesen, z. B. der Inder, Aeghpter und Juden. Auch die Ameisen- und Biencnstaaten verdankten ihre hohe Entwickclung der Inzucht. Aber bei den Kulturvölkern haben sich die Folgen dieser Inzucht doch auch in schädlicher Weise bemerkbar gemacht; sie vcr- sielen in eine Entartung. Einem solchen Volke konnte dann nur noch die Kreuzung mit einem anderen gesunden Volke Hülfe bringen. Die Frage ob die Ehen unter Blutsverwandten wirklich von Nachteil für die Kinder sind, wäre am besten und sichersten durch die Statistik zu lösen. Das ist verschiedentlich auch versucht worden. So ergab eine Statistik, die 1876 bis 1879 in Sachsen aufgestellt wurde, dah nur 4 v. H. Ehen unter Blutsverwandten waren. Sammclforschungcn, die zur Klärung der Frage angestellt wurden, ergaben bei Ehen unter Blutsverwandten 7 v. H., wo die Kinder Idioten, 4 v. H., wo die Kinder taub- stumm und 3 v. H., wo die Kinder blind waren. Mitchell fand in Schottland, das; die Ehen unter Blutsverwandten sehr schäd- lich waren und viele Taubstumme und Idioten ergaben. Die Krank- heiten, die den Ehen unter Blutsverwandten zur Last gelegt werden, sind Tuberkulose, Kropf, besonders aber die verschiedensten Geisteskrankheiten. In jüngster Zeit hat Mähet eine sehr um- sangrcichc Siatiftir angelegt. Er gelangte zu dem Ergebnis, dag die erbliche Belastung der Kinder aus Ehen zwischen Blutsver- wandten doppelt so stark sei wie bei Kindern aus anderen Ehen. Auf tausend Ehen in Preußen kamen nach Mayet mindestens 6,5 konsangninischc Ehen, also aus tausend Einwohner 6,5 Abkömm- linge solcher Ehen. Hat die Blutsverwandtschaft keinen Einfluß auf die Entstehung von Geisteskrankheiten, dann erwartet Mayet bei den Geisteskranken ohne erbliche Belastung 6,5 v. H. kon- sanguinischer Herkunft zu finden. Es fanden sich aber 2,§ v. T. Paralytiker, 3,5 v. T. Epileptiker, 11,5 v. T. Idioten und 3,9 v. T. Kinder mit einfachen Seclenstörungen. Mayet folgert daraus, daß die Blutsverwandtschaft der Eltern in der Ehe die Geistes- krankheiten begünstigt. Der Arzt sollte im allgemeinen von einer solchen Ehe abraten und auf die drohende Gefahr energisch auf- mcrksam machen. Nur wenn die Ahnentafel in minstestens drei Generationen keine Bedenken aufweist, wäre ein Konsens zu er- teilen. Die Frage, ob Ehen unter Blutsverwandten tatsächlich immer schädlich sind, ist nach den vorliegenden Untersuchungen trotz der übertriebenen Behauptungen einiger Rasiehygieniker nicht zu be- jähen. Vorläufig darf man annehmen, daß Krankheiten der Nach- kommen aus konsanguinischen Ehen auch aus Tatsachen der Ver- erbung sich erklären lasten und ein schädlicher Einfluß solcher Ehen nur bei Taubstummheit und Netzhautentzündung des Auges besteht. Hinzutritt, daß den mit einer Menge Zahlenmaterial angestellten Untersuchungen, die gegen die Verwandtschaftsehcn sich richten. insbesondere zweierlei erhebliche Mängel anhaften. Sie berück« sichtigen nicht, daß der Einfluß der Verwandtschaftschen in ver- schiedencn Kulturstufen ein außerordentlich verschiedener gewesen ist, und daß die ökonomischen Faktoren rücksichtlich der Krankheiten eine Rolle spielen, die zu Unrecht der Blutsverwandtschaft zu- geschrieben wird. Nach der heutigen Lage der Dinge ist die von einseitigen Rastehygienikern aufgeworfene Frage, ob ein Verbot einer Ehe zwischen Eousin und Cousine oder Onkel und Nichte für Deutschland am Platze wäre, unbedingt zu verneinen. Erdbeben. Das gestern in Catanzaro verspürte Erdbeben hat Turiner Meldung zufolge auch die ganze Provinz Calabrien heimgesucht und größeren Sckmden angerichtet, als zuerst angenommen wurde. Viele Ortschaften sind tatsächlich zerstört, Kirchtürme und eine große Anzahl Häuser, die bei dem Erdbeben von 1995 eingestürzt und wieder auf- gebaut waren, liegen wieder in Trümmern. In Sinopoli sind vier Personen durch ein einstürzendes HauS ver- schüttet worden. Die Stadt Ferrozzaro ist vollkommen zerstört. Die Sträflinge des Gefängnisses in Catanzaro wurden durch da? Erdbeben aus dem Schlafe geweckt und verlangten angsterfüllt, daß man sie aus dem Gefängnis entlaste. Die Soldaten, die mit der Bewachung des Gefängnisses beauftragt waren, waren geflohen. Die Bevölkerung verließ die Wohnungen und verbrachte die Nacht unter fteiem Himmel. Die Gesamtzahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Nach einer Meldung aus Rom sind im Dorfe Zoopestra(Calabrien) zwei Personen getötet worden. Die Käthe- drale von Gcrace, ein altes Gebäude, in dem sich Meisterwerke der Kunst befanden, ist eingestürzt. Minister Lacava, der sich in Monte- leone befand, besuchte die vom Erdbeben heimgesuchten Ortschaften, um Hülfe zu leisten. Die Truppen arbeiten überall im Verein mit Ingenieuren. Eine weitere Meldung auS Rom besagt: Der Ministerrat ermächtigte den Schatzminister, den Opfern des Erd- bebens in Calabrien Unterstützungen zu senden und die dringendsten H ülfsarbeite» anzuordnen. Die Breslauer Erdbebenwarte in Krietern verzeichnete Mittwoch abend um 9 Uhr 29 Mnuten ein mittelstarkes Erdbeben, das in einer Entfernung von 1500 Kilometer stattgefunden haben dürfte. Eine Meldung aus Hamburg besagt: DaS Erdbeben, das gestern abend in Catanzaro in Calabrien stattgefunden hat, ist von den Instrumenten der hiesigen Hauptstation für Erdbebenforschung in charakteristischer Weise aufgezeichnet worden. Der Anfang der Beivcgung wurde uin 9 Uhr 32 Minuten, der zweite Vorläufer um 9 Uhr 35 Minuten, die Hauptbewegung um 9 Uhr 37 Minuten auf- gezeichnet und daS Ende gegen 10 Uhr 10 Minuten. Die Berech- nung der Diagonale ergab eine Entfernung des Epizentrums von etwa 2000 Kilometer._ Kunstfreunde. In Reichenberg i. Böhmen wurde gestern nacht im nordböhmischen Gewerbemuseum ein Einbrnchsdiebstahl ver- übt, wobei unter anderem ein Schrank mit goldenen und silbernen Schmuckgegenständen, Taufbecken. Wcinkrngen, Schalen. Humpen, Mcßkelchcn usw. ausgeräumt wurde. Aus einem zweiten Schranke wurden galvanoplastische Nachbildungen von goldenen und silbernen Geräten entwendet. Verzeichnis uiid Abbildungen der gestohlenen Gegenstände sind bereits nach allen Seiten hin versandt worden. Waldbrand. Nach einer Meldung aus Budapest stehen bei Petrilla 8000 Joch Waldungen in Flammen. Man glaubt an Brandstiftung. An der Eindämmung des Brandes wird gearbeitet. Im Steinbruch getötet. In einem Steinbruch zu Correux sind einer Meldung aus Lnttich zufolge gestern zwei Arbeiter durch Steine, welche von einem Wagen herabstürzten, getötet worden. Drei andere Arbeiter wurden verletzt, davon einer todlich. Die Choleraepidemie in Rußland. Seit einem Vierteljahr herrscht in einigen Teilen de? euro- päischen Rußlands eine Choleraepidemic, zwar nicht besonders stark, aber immerhin in genügender Ausdehnung, um einiges Un- behagen in den für die Volksgesundheit der Nachbarländer vcr- antwortlichen Kreisen zu erwecken. Ueber die Entstehungsgeschichte und den bisherigen Verlauf der Epidemie erhält der Londoner Lancet von dem englischen Mitglied des internationalen Gesund- hcitsratS in Konstantinopcl eine beachtenswerte Aufklärung. Man hat sich nach den Erfahrungen der letzten Zeit daran gewöhnt, die Entstehung von Epidemien im näheren Orient und auch im süd- lichcn Rußland auf die Hcdschas zurückzuführen, also auf die jähr- liche große Wallfahrt der Mohammedaner nach den heiligen Städten Arabiens. Bei der diesjährigen Epidemie aber liegt kein Anhalt dafür vor, daß zurückkehrende Mckka-Pilger die Träger der An- stcckung gewesen sind, da bei der letzten Hedschas überhaupt kein Cholerafall vorgekommen war. ES bleibt also nur die Möglichkeit, daß entweder die Cholerakeime von der vor zwei Jahren in Ruß- land gewesenen Epidemie wieder aufgelebt sind, oder daß eine neue Einschleppung aus dem russischen Zentralasien stattgefunden hat. Die ersten Cholerafälle auf europäischem Boden wurden in diesem Jahre Mitte Juni in Samara festgestellt. Wahrscheinlich aber war die Seuche einige Wochen„übersehen" worden, denn schon Anfang Juli veröffentlichte eine Zeitung in Astrachan die Nach- richt, daß in jener Stadt eine große Zahl von Erkrankungen an Darmstörungen mit Begleitung von Krämpfen vorgekommen wäre. Erst gegen die Mitte des Monats August wurde von der russischen Regierung das Gouvernement Samara als verseucht und die Gouvernements Astrachan, Saraww, Simbirsk, Ufa, Kasan und Nischni-Nowgorod— also der ganze Südwesten— als mit Cholera„bedroht" erklärt. Bis Anfang September waren im Gouvernement Samara 344 Cholerafälle beobachtet worden. Von diesem Gebiete hatte sich die Seuche längs der Wolga auf- und abwärts verbreitet, so daß zu gleicher Zeit in Saratow 157, in Astrachan aber 1504 Cholerafälle vorgekommen waren. Aehnlich lagen die Verhältnisse an der oberen Wolga aufwärts, und Anfang September war auch bereits in Moskau ein vereinzelter Fall vor- gekommen. Man mutz nun bedenken, daß diese Ziffern sicher alle Unvollständig gewesen sind, so daß die Zahl der Cholerafälle höher anzunehmen ist. Für das Jahr 1908 wird, wenn nicht ein strenger Winter die Cholerabazillen vernichtet, auf eine schwerere Epidemie zu rechnen sein. In Kiew und in Mohilcw hat die Cholera, wie eine Meldung aus Kiew von gestern sagt, derartige Dimensionen angenommen, daß sämtliche Krankenhäuser und Cholerabaracken überfüllt und die Kranken in ihren Privatwohnungen belassen werden müssen. ßnefbarten der Redaktion. Tie furifttfdie Svrcchstnndc ftiide, Lindenftrast« Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, MM» Fahrstuhl 4HB wochentäglich von f'/i bis v ,, Uhr abends statt. Gcüisnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 0 Ubr. Jeder•Ifiifrng-«st ein Buchstabe und eine Kahl als Merkzeichen beiznfiige». Briefliche Ilntwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen»rage man in der Sprechstunde vor, M. 61. Die Adresse lautet: An die SiistungSdeputatton, Poslstr. 16. — H. 4. Sie müssen reklamieren. Teilen Sie mit, daß Sic der katholi- fchcn Kirchengemcinde nicht angehören.— Einige organisierte Fabrik- und Bauarbeiter sowie Streckenarbeiter. Anonyme Zuschristen können wir grundsätzlich nicht berücksichtigen.— T. I. 47. Die Bcrusung würde schwerlich Aussicht aus Erfolg haben. Durch Zurücknahme der Bc- rufung würden Sie Kosten sparen.— H. 38. Der schlechte Gang eines GcschästS berechtigt keineswegs zum Rücktritt vom MietSverlrag. Sie könnten nur durch eine Vereinbarung mit dem Wirt von der drückende» Zast befreit werden.— P. M. 13. I. Polizeibehörde. 2. Nein.— A. G. 40. Leider wäre ein Schadenersatzprozeß sehr schwer durchzusnhren, weil der Beweis fahr- lässigen Verschuldens seitens des Arztes nicht leicht ist. Wir könnten Ihnen sür diesen Fall nur den Rat erteilen, sich an den Magistrat mit einem Gc- such zu wenden, in dem Sie den Borsall schildern und unter Berücksichtigung der Eigcnartigkeit des Falles Ersatz verlangen. Sollte dieS Gesuch abgelehnt werden, so wenden Sic sich an die Stadtvcrordncten-Vcrsammlung. Von der Eingabe geben Sie vor der Einrcichung dem Stadtverordneten Dr. Wehl, Lothringerstrasze 67, als Mitglied der KrankenhauSdcPutation Kenntnis.— M. 12. Die Naturalisation hängt von deui Ermessen der Behörde ab, da eS sich um einen Ausländer handelt, und hat in Ihrem Falle wenig Aussicht aus Erfolg.—®. O. 89. Sie als Ehemann sind überhaupt nicht verpflichtet zu zahlen. Ihre Frau ist gleichsalls zur Zahlung nicht verpflichtet. War etwa vom Vater der Bertrag genehmigt, so würde er gültig sein, der Gläubiger ist nicht gezwungen, sich aus Abschlagszahlung einzulassen. 90.!. DaS ist möglich. 2. Nein, es kann von ihm geholt werden.— B. 1865. Die einschlägige Bestimmung ist der§ 910 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Danach kann der Eigentümer eines Grundstückes Wurzeln eines Baumes oder eines Strauches die von einem Nachbargrundstück ein- gedrungen sind, abschneiden und behalte». Desgleichen gilt von herüber- ragenden Zweigen, wenn der Eigentümer den Besitzer des Nachbargrund- stückcs eine angemessene Frist zur Besciligung bestimmt hat und die Bc- scitigung nicht innerhalb der Frist erfolgt. Wenn die Wurzeln oder die Zweige die Benutzung des Grundstücks nicht beeinträchtigen, so steht dem Eigentümer ein solches Recht nicht zu. Eine Eiitscrnungsgrenze ist gescblich nicht vorgeschrieben. Fordern Sie oder in Ihrem Namen Ihr Mann Ihren Nachbar zur Entfernung aus und klagen Sic eventuell aus Entjernung nach Maßgabe der Vorschrift des Z SlO.— B. G. 82. 1. Nein. 2. Wenn Sie nachweisest, daß Sie die Vereinbarung, daß nur bis am lö. zum 1. zu kündigen ist, getroffen haben, somit ist diese Vereinbarung gültig, auch wenn wöchentlich gezahlt wird.— Z. Z. 1600. Nein. — E. F. 100. Spielen mehrere ein Los gemeinschastlich und ist nicht ausdrücklich vereinbart worden, daß im Falle der Nichtzahlung oder nicht rechtzeitiger Zahluna einer Rate das Recht des Säumigen erlischt, so bat auch der söunrige Mitspieler ein Anrecht aus etwaigen Gewinn.— D. 83. Die Verstorbene wird von ihrem Manne und ihren Verwandten kEltern, Geschwistern) beerbt. Der Witwer erhält die Hälfte des Nachlasses und lerner als voraus alle zum gcmcinlchastlichen Haushalt aehörendcn Gegen- stände sowie die Hochzcitsgcschenke. Das Sparkassenkapital ist, soweit er- sichtlich, nicht Eigentum der Frau geworden, sondern Eigentum des ManncS geblieben. Der Witwer wird allein von seinen Kindern beerbt. Wenn die Armendirektion eintritt, so wird sie Erbe. Bei Lebzeiten kann der Bc- treffende mit seinem Eigentum machen, was er will.— O. R. 9. Nein. — B. W. 47. Leider hätte Ihre Klage sehr wenig Aussicht aus Erfolg. Beantragen Sie aber bei der Berussgenosscnschast die Zubilligung einer Unsallrente.— H. 2. 46. Eine Frist ist dafür nicht vorhanden, die Kosten können aus Grund des Urteils durch Gerichtsbeschluß ohne weiteres scst- gesetzt oder die Einziehung versucht werden.— Z. 60. Stistungsdcpntativn Poststr. 16.— O. P. 1. Ohne Kenntnis des etwaigen Testamentes und des Kaufvertrages ist Ihre Frage nicht zu beantworten. 2. Sic würden beim Standesbeamten Protest erheben können. 3. Die Vormundschast bleibt Ihnen. DaS Vormundschastsgericht kann gegen den Austritt Einspruch nicht erheben.— O. S. 27. Wenn Sie nicht beweisen können, dag ein dringender Fall vorlag. so wäre die Klage crsolglos. Die Klage ist zunächst an den Magistrat dcS Ortes zu richten, dem die Kaffe zugehört.— P. M. 100. Wenden Sie sich an einen Arzt. — H. B. Lichtenberg. Uns nicht bekannt. Wenden Sie sich direkt an die Gewerklchastskominission.— F. B. 120. Keineswegs. Eine Ehe, auch wenn sie tatsächlich 30 Jahre getrennt ist, besteht nach dein Gesetz, so lange sie nicht durch Tod oder durch gerichtliches Urteil ausgelöst ist.— P. D. 36. 1834.— A. P. 100. Sie könnten lediglich schleunigst eine einstweilige Verfügung oder einen Arrestbeschl bei dem Gericht unter Glaubhaftmachung der Gcsährdung Ihres Anspruches beantragen.— O. K. 14. Sie müßten das gerichtliche Ausgebot des Sparkassenbuches herbeiführen.— Mark 100. 1. und 2. In beiden Fällen würde eine Zustimmung der Redaktion üblich sein. Die gesetzlichen Bestimmungen Inden Sie in dem Gesetz über Verlagsrecht und über Urheberrecht. K. M., Steglitz. Der Kontrakt ist gültig und bindet beide Teile.— B. 131. Richten Sie Ihr Gesuch an die Vieh- und-vchlachthosdeputatlon, Rathau»._ ßnefkalten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch usw. Diejenigen unserer Ülbonnenlen, die noch während dcS ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben. wollen uns wegen der Ueberwcisung von Freiexemplaren fosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. WasierstandS-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. ft-f bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. Am 22. d. M. verstarb plötzlich I unser Kollege, der Marmorschlclscr j Adolf Ihrnig. Wir verlleren an ihm einen I > treuen Kollegen und werden ihm stets ein ehrendes Andenken be- wahren I I DasPersonald. Marmorwarenfabrik Rudolf Haeger. Deutseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Kollege, Tischler Alfred Rugenstein am DienSlag, den 22. Oktober, verstorben ist. Ehre keinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Oktober nachmittags 3 Uhr, vom Kranken- hause Bethanien aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Naedruk. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kalle, Polierer Eduard firabetz am Dienstag, den IS. Oktober, verstorben ist und am Mittwoch, den 23. Oktober, zur letzte» Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenke«! 9S/13 vis Ortsverwaltung. Sozialilemokrat. Walilvereio sür den i Berliner Reictistapalreis (Frankfurter Viertel). (Bezirk 292.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Marmor- schlciser Adolf Ihmig (Blumenstr. B2) gestorben ist. 263/16 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 26. d. M./nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des MarkuS-KirchhoscS in WilhclmSbcra auS stait. lim rege Beteiligung ersucht _ Der Vorstand. Zentral-Verband der! Steinarbeiter. Berlin II. 4. Wahlkreis. (Landsberger Viertel.) 31. Abteilung. Todes- Anselg/e. Am 22. dieses Monats verstarb unser Genosse Paul Fischer an der Proletarierkranlheit. Ehre seinem Andenken! Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Die Beerdigung findet am I Sonnabend, den 26. d. MIS., mittags 12ff, Uhr, vom Trauer, Hause. Schreincrftr. 22, aus nach I dem Zentral-Friedhose, Friedrichs. seid- statt. 263. 17 Todes->4nj!eij;c. Am 22. Oktober verstarb unser Kollege 181/15 Adolf Ihmig Blumenstr. 52 Im Atter von 55 Jahren. Ehre seinem Andenken! _®ie Beerdigung findet morgen Soiinabend, den 26. Oktober, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS MarkuS-KirchhoscZ in Wtlhckmsberg aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. �MWerNe�r!'�''! Zentrai-Yerband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. TodesoAnzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Paul Fischer am Dienstag, den 22. Oktober, nach schwerem Krankenlager ver- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Oktober er., mittags 12'/, Uhr, von demTraltcr- Hause, Schrcineistr. 22, aus aus dem Zeutralsricdhoje in Friedrichs. selde statt. 2011* Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borstand. zMiiddemelu'atiseliel'Vstilvei'ein des 6. Berliner Vatilkrelses. Nachruf. Am 18. d. M. verstarb unser Mitglied, der Mechaniker Faul Schmidt Jasmunderstr. 18. Ehre seinem Andenken! 267/10 Der Vorstand. I�schruk. gpn 22. Oklvber verschied nach � langem Leiden unser treues Mitglied, der Genoffe Schuhmacher hmil Dühring. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 222/13 Der Vorstand des Sozialdem. Wahlvereins für Mahlsdorf u. llmgrg. Qf m 22. Oktober verstarb unser I <1 guter Sohij, Bruder und| Schwager Artur Dittrich nach langem Krankenlager Im\ 22. Lebensjahre. Sein Leben war Leiden. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 26. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen-Kirchhoss, Hermann- straße, aus statt. 849b Rmil Dittrich und Familie Todes- Anaelafe. Allen Parteigenossen und K ollegen die traurige Nachricht, daß meme liebe Mutter und einzigste Ver- wandte, Frau Manna Seher geb. schMfer nach langem, schweren Leiden am i 23. Oktober, morgens 5,20 Uhr, im 80. Lebensjahre gestorben ist S436 Der tiesbetrübte Sohn Barl Heber, Setzerinvalide. I BZU Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. TodessAnzelge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Artur Dittrieb am 22. d. Ms. an Lungenlelden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdiguiig findet am Sonnabend, den 26. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Luisen-KirchhoseS, Hermannstraße, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 154/16 Die Drlsverweltunp. Dr. Schlinemann Spezial-Arzt sür 119L' Bant- and Harnleiden, Frauen branitbr»teil. Fricdrkiisir. 203, Ecke Schüvenstr. 10-2. 3-7. Soiiul 10-l« Ubr. � Hiermit die traurige Nachricht, dag mein lieber Mann, unser guter, einziger Sohn, nach langen schweren Leiden am Dienstag jaust entschlasen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an die trauernde Witwe .Iz/nes Fischer, nebst Ellern Die Beerdigung findet am Sonnabend, 26. Oktober, mittags '/zl Uhr. vom Trauerhause I Schreinerslr. 22 aus nach dem Z Zentratsriedhos in Friedrichs seid e» statt. 452L£ - Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie Kranzspenden bei dem Begräbnis meines lieben um vergeßlichen Mannes ßriist Feist sage ich im Namen aller Angehörigen den Freunden und Genossen, speziell Herrn Vlaldocl« Manasso für seine trostreichen Worte sowie den Mitgliedern des RauchklubS.Brasil-, des zweiten NeichStagswahllreises. der Arbeiter. Bildungsschule und deS Deutschen Metallarbeiter- Verbandes mcmni innigsten Dank. 845b Wwe. Auguste Feist. Buchhandlung Vorwärts Berlin, 8W. 68. lindenslr. 69. Zur Agitation, namentlich aus dem Lande, empfehlen wir angelegentlichst Das verbotene Blatt. PreiS fiir 100 Exciuplare 1 M. Porto 10 Pf.* Billige Robtabake. Box Jacoby. Strelitzerstr, 52. Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber. Berlin. Für den Inseratenteil veruntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,