Ztr. 261. BbonMmtnfj'Btdinflunsen: Bbomtmonti•$tett ftänutnnonSo, mertemtzl»�0 Ml, TOMO. UOSK, wSchl Einzeln« nuinmer »fg. frei WZ Haus. r k Pfg. Sonntags- illuslrierter Sonntags- Beilage»Die Neu« Welt' 10 Pfj,. Post- Wonnewent: l,l0 Marl pro Monat. w die Post-ZeitunaS- Unter KreuzbanS für Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland z Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dünemark, Eingetragen BrerZIiste. Deutschland. Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, RumSmen. Schweden>' i und die Schwei» «»«»K agn»»itk v-lli-gi. 24* Jahrg. Verlinev Volksblatt. vle snlektionz-eebllhr beirkgt für die sechsgespaltene Kolonel» geile oder deren Raum so Pfg., für politische und gcwerlschaftliche Vereins. und VcrsammlungS-Anzeigen A> Psg. „Aleine Znreigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedeS weitere Wort lo Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigcn daS erste Wort 10 Psg, jede? weitere Wort 6 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserats für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SoilaliKmoltnt RtrIlD". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deutfchlande. Rcdahtion: SM. 68» Ltndcnstrasec 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 26* Oktober 1907. Expedition: SM. 68» Lindenstrasec 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. BlocKarbeit für die Sozial' derookratie! Wenn der Block in die Brüche gehen wird, dann jeden- falls nicht an dem Freisinn und an der Volkspartei. Ein- gepreßt zwischen der starken Regierung und der starken Sozialdemokratie, ist der kleinbürgerliche Radikalismus in Deutschland noch kleinmütiger als der Liberalismus, wenn er auch in Wort und Gebärde ruppiger auftritt. Der Libera- lismus, soweit er sich auf die Industrie stiitzt, weiß sehr gut, daß er eine Geldmacht darstellt; was er sich von der Re- gierung gefallen läßt, geschieht, weil er die starke Regierung braucht; ist es auch politische Feigheit, so steckt doch Berech- nung dahinter. Der Gouverneinentalismus des Freisinns und der Volkspartei aber ist das Produkt von Angst und Ohn- macht. Sie wollen die starke Regierung nicht, sie haben ihr regelmäßig die Mittel ihrer Machterweitcrung verweigert, und sie suchen"diese starke Regierung auf. weil sie sich von Wahl zu Wahl vor dem politischen Untergange sehen. Sie wissen, daß sie auf anderem Wege nichts mehr zu erhoffen haben, sie haben das Vertrauen zu sich selbst verloren und sie werden an den Bülowschen Rockschößen hängen bleiben, solange er sie nicht selbst abschüttelt. Nicht der Freisinn, vielmehr die Tendenzen seiner eigenen Politik stehen dem Block im Wege. Der Erfolg verpflichtet. Der Block, der gute Wahlen gehabt hat. möchte die dadurch geschaffene Stimmung aus- nützen. Umso mehr muß er auch selbst der Stimmung der Oeffentlichkeit Rechnung tragen. Allein der Geist der mo- derncn Kultur ist liberal, das läßt sich nicht verkennen. Wenn auch der Genius der Zeit auf seinem Wege durch Deutschland recht flügellahm wird, so kann man doch heutzutage durch eine reaktionäre Gesinnung selbst in Ostelbien niemand mehr begeistern. Darum das allgemeine Gefühl, daß speziell dem Gebiete der Schule und der geistigen au Freiheit Konzessionen an den Liberalismus gemacht werden müssen. Freilich bleibt dieser Bnlowsche Liberalismus matt, reizlos und verbraucht, wie das Lächeln einer alten Kokette, aber die Sache hat ihre wichtige negative Seite. Das ist der sich verschärfende Gegensatz zum Zentrum. Würde es sich um einen neuen„Kulturkampf" Bismarck- scher Art handeln, zu dem einzelne Liberale törichterweise die Regierung verleiten möchten, so wäre das Ergebnis sicher wieder eine Stärkung des Zentrums als oppositionelle Partei. Allein so stehen die Dinge nicht. Die Regierung rückt einfach vom Zentrum weg. Dieses muß seine gouvernementalen Hoffnungen aufgeben, ohne dafür die Anrechte eines oppositio- ncllen Martyriums einzutauschen. Es verliert dadurch den einen wie den anderen Stützpunkt seiner Demagogie. Es wurde erwartet, daß der Uebcrgang von der Oppo sition zum Gouvernementalismus das Zentrum um seinen Einfluß auf die Massen bringen werde. Die Tendenz dazu stellte sich auch sichtbar ein, doch nur als Ergebnis einer komplizierten Entwickelung. Zunächst kam es dem Zentrum vielmehr auch in seiner Agitation zugilte, daß es bei der Re gieruug gut Kind geworden war. Die Geistlichkeit, die Be amtenschaft, agrarische und sonstige kapitalistische Kreise zogen sichtbare Vorteile aus der Gunst der Regierung oder rechneten niit solchen. Aber selbst unter den breiten Volksmassen, sogar in katholischen Arbeiterkreisen, verstand es das Zentrum, Hoff- nUngen zu erwecken, daß es ihm durch seinen steigenden Einfluß auf die Regierung gelingen werde, politischen Nutzen zu stiften. Aber dieser Vorteil für die Arbeiterklasse blieb aus, dagegen wuchs die Belastung der Massen durch den gouvernemem talen Bcwilligungseifer des Zentrums. So schwoll sein Schulden konto bei den Volksmassen immer niehr an, und nunniehr erweist sich auch die Spekulation auf die Regierung als eitle Illusion. Jetzt erst wird das Zentrum in vollem Maße seine gouvernementalen Sünden büßen müssen. Würde das Zentrum eine energische Wendung zur Opposition machen, so wäre es immerhin gedeckt. Allein das kann es nicht mehr. Denn das Zentrum ist nicht eine Partei, sondern eine Vielheit von Parteien. Es gibt alle sozialen Widersprüche wieder, die das protestantische Deutschland in Parteien teilen. Die sozialen Gegensätze treten im katholischen Deutschland sogar schärfer hervor, als im protestantischen. Was diese ver- schiedenen Elemente einigt, war am wenigsten die Religion, mehr schon die Kirche als Organisation, am meisten die Opposition. Daß der Katholizismus jedenfalls kein sicheres Bollwerk gegen den Sozialismus abzugeben vermag, das zeigt uns Frankreich, wie auch Oesterreich, wie auch Italien. Also daran konnte es nicht liegen. Die Sache ver- hielt sich umgekehrt: um seine kirchlichen Interessen wahr- zunehmen, führte der. katholische Klerus die oppositionelle Stimmung der Volksmassen ins Feld. Weniger stützte der Katholizismus die Opposition, als vielmehr die Opposition den Katholizismus. Das Zentrum wurde groß nicht als eine katholische, sondern als eine Oppositionspartei, wobei ihm allerdings der gewaltige organisatorische und Menschenapparat der katholischen Kirche und ihre geistige Autorität unermeß- liche Dienste leisteten. In diese Opposition floß verschiedenes uisammen. Die um ihre Machtstellung kämpfende katholische stirche verstand es, für ihre Zwecke ebensogut die Verdrossen- heit der ausgebeuteten Arbeitermassen wie den Partikularis- mus der Kleinstaaten, wie die mannigfachen Gegensätze zwischen dem Rheinlande und Ostelbien auszunutzen. Nun zeigt aber die katholische Bevölkerung nicht bloß die gleiche Klassengliederung, sie macht auch die gleiche Entwickelung durch, wie das übrige Land. Das katholische Deutschland von heute ist nicht mehr dasselbe wie zur Zeit der Neichsgründung und des Kulturkampfs. Der Partikularismus ist so gut wie ver- schwunden, zwischen den Industriellen und Agrariern ist ein Pakt geschlossen worden, und jener Klassenegoismus, der zuni Zu- sammenschluß aller bürgerlichen Elemente gegen die Sozialdemo- kratie geführt hat, ist in den kapitalistischen Kreisen des Rheinlands sicher nicht geringer, als sonst im Reich. So sehen wir denn, wie sich im Zentrum drei Strömungen deutlich abzeichnen: die in den christlichen Gewerkschaften organisierten katholischen Arbeiter, die durch den Klassenkampf, den sie führen, immer mehr in die Zwangslage versetzt werden, sich dem revolutionären Proletariat anzuschließen. die kapitalistische Bourgeoisie, die die Block- Politik zielbewußt mitmacht, und der hohe katholische Klerus, der offen und bedingungslos sich der Regierung anschließt. Daß das Zentrum sich nicht zu einer Partei der katholischen Gewerkschaften entwickeln wird, darüber gibt man sich selbst in den Kreisen der katholischen Gewerkschaften keinen Illusionen hin. Das Zentrum denkt auch gar nicht daran, seine Oppo- sition zu verschärfen. Es treibt nur Kanzler-Opposition und, um diese zu unterstreichen, überbietet es sich erst recht in seinem Gouvernementalismus. Ein Gouvernementalismus ohne Bezahlung, ein Gouvernementalismus ohne andere Aus- sichten, als die auf einen Fußtritt, kann niemand iniponieren und muß die Volksmassen von sich stoßen. Der Stimmenzuwachs, den das Zentrum bei den Wahlen erhielt, war sein letztes oppositionelles Aufgebot. Da es aber keine Opposition niehr treiben will und die Regierung auf seine Liebesdienste verzichtet, so wird es seiner Entwickelungs- tendenzen beraubt. Wer niit der Regierung gehen will, geht mit dem Block;»ver gegen die Regierung zu kämpfen hat, geht nicht mit dem Zentrum. Mögen nun die Blockparteien damit rechnen, daß es ihnen gelingen wird, die Stimmen der katholischen Bourgeoisie zu erlangen, oder einfach, daß sie sie stets werden majorisieren können, so reflektieren sie doch kaum auf die Arbeiter- Wähler des Zentrums. Wenn die katholischen Arbeiter einmal anders als Zentrum wählen, so wählen sie nicht kon- servativ und nicht liberal, sondern sozialdemokratisch. Der Block hat nicht mehr viel Arbeiterstiinmcn zu ver- lieren. Das fördert seinen Zusammenhalt. Wohl aber hat das Zentrum Arbeiterwähler abzugeben. Alles, was zur Zer- setzung des Zentrums führt, zur Minderung seines Ansehens, kommt deshalb uns zu statten. Gelingt es dem Block, das Zentrum zu schwächen, so stärkt er damit die Sozialdemokratie. Das kann als Regel hingestellt werden. Der Block leistet Arbeit für die Sozial- dcmokratie. Indem der Block die Klassengegensätze auch im Zentrum schärfer aufeinanderprallen läßt und zugleich das Zentrum politisch mattsetzt, treibt er die katholischen Arbeiter in das Lager der Sozialdemokratie. Er setzt sich damit in Widerspruch zu seinem eigenen Ausgangspunkt. Aber dieser Widerspruch ist die Konsequenz seiner Existenz. De; Kanzlers Hppell an die Geduld der CHrilten! Des Reiches Kanzler hat gnädigst geruht, die Abordnung des christlichen Arbeiterkongresses zu empfangen, ihre durch Herrn Behrens vorgetragenen Wünsche entgegenzunehmen und dann selbst mit einigen nichtssagenden Redensarten und halben Versprechungen zu antworten. Herr Behrens forderte namens des Kongresses Sicherung und Ausbau der Koalitionsfreiheit und auch für die Staatsbediensteten die Organisationsfreiheit, wenn auch ohne S t r e i k r e ch t; besseren Arbeiterschntz in den gesundheitsschädlichen Industrien. Sonntagsruhe und Schutz der Arbeiterinnen. Fürst Bülow gab seiner Freude Ausdruck, daß die von der Delegation vertretenen Arbeiter ihre „christlichnationale und monarchische Gesinnung" bekundet und sich dadurch auf den Standpunkt der„Solidarität mit den anderen Ständen" gestellt hätten. Er versicherte, daß die Sozialpolitik„nach dem Willen des Kaisers" fortgeführt werden solle. Sei der Fortschritt auch nicht so rasch, wie ihn die Arbeiter wünschten, so möge man bedenken, daß die Regierung„die Interessen aller Stände" wahrzunehmen habe. Er selbst werde das Reichsvereinsgesetz und ArbeitSkainmergesetz möglichst zu fördern suchen, auch liege ihm die Sonntagsruhe„sehr am Herzen". Auf die Verhältnisse in der G r 0 ß e i s e n i n d u st r i e sei durch die Verhandlungen des Reichstags im Frühjahr»die Auf- merksamkeit gelenkt" worden. Man sieht: so bescheiden die Wünsche der Christen waren, BülowS Antwort blieb selbst hinter den bescheidensten An- sprächen zurück I Halbwegs positive Zusagen hat Bülow nur in bezug auf daS Vereinsrecht und die Arbeitskammern gemacht. Wie aber diese Gesetze aussehen werden, darauf kommt eS ganz allein an! Enthält das Vereinsgesetz auch nur daS Verbot fremder Sprachen, so ist eS nichts als ein neues Ausnahmegesetz, nicht nur gegen die Polen, sondern gerade auch gegen die Gewerk- schaften, denen ihre Aufklärungs- und Organisationstätigkeit unter den ausländischen Lohndrückern außerordentlich erschwert wird! Und die Arbeitskammern sollten ja seinerzeit auf das GewerkschaftS-Knebelgesctz aufgepftopst'werden I Aber selbst wenn nichts gegen die Organisation der Arbeitskammern ein- zuwenden wäre, so verdient doch bemerkt zu werden, daß ihre Schaffung bereits 1878— bor dreißig Jahren!— von der Sozial- demokratie beantragt worden ist! Für das Tempo unserer Sozialpolitik ist eS ferner kennzeichnend, daß Bülow eine Verkürzung der Arbeitszeit für die Arbeiterinnen in Aussicht stellt, während schon vor 17 Jahren diese Forderung erhoben wurde und bereits 1904 die Gutachten der Gewerbeinspektoren die Einführung deS zehn« stündigen Arbeitstages für die Frauen empfahlen. Wie viele Jahre Karenzzeit jetzt noch die Regierung für sich in Anspruch nimmt?! Höchst unbestimmt waren auch BülowS Aenßerungen über die Bekämpfung der Mißstände in der G r 0 ß e i s c>r i n d u st r i e. Und daß hier aus sozialhygienischen Gründen ein sofortiges gesetzgeberisches Eingreifen notwendig wäre, hat doch jene Denkschrift über die Lage der Hüttenarbeiter Deutschlands bc- wiesen, die Anfang dieses Jahres vom Deutschen Metall- arbeitcrverband herausgegeben worden ist. Sie enthält so furchtbares Material über unglaublich lange Arbeitszeiten, unerhörte gesundheitliche Mißstände usw.. daß hier sofort etwa? geschehen müßte I Aber Bülow fordert die Christen auf, Geduld zu haben. Ge- duld nach der langen voll st ändigen Stag nation der sozialen Gesetzgebung Deutschlands! Freilich, der Kanzler spekuliert ja auf die„ ch r i st l i ch e � Langmut der christlichen Arbeiter. Er rechnet mit der„Soli- d a r i t ä t" dieser Arbeiter mit den A u s b e u t e r s ch i ch t e n! Diese Ausbeuterschichten besitzen ihrerseits keineswegs diese christliche Tugend der Geduld. Sie mögen von Solidarität, die sie etwas kostet, die ihren Profit mindert, nichts wissen I Als sich Graf Posadowsky, gewiß alles eher als ein sozial- politischer Draufgänger, im März dieses Jahres gegen den Scharf- macher Gamp wandte, liefen die Organe der Großindustriellen wütend gegen ihn Sturm, indem sie ihn in G e g e» s a tz zum Fürsten Bülow zu bringen suchten. Sogar der„Reichs- böte" schrieb damals über diese Hetze gegen Posadowsky(Nr. 58 vom 8. März 1907); ..Dem Grafen Posadowsky ist wenig Dank dafür ge- worden. das agrarische Lager und der Bund der Industriellen sehen heute in ihm nur den verhaßte» Förderer der Sozialpolitik, und heftige verbitternde Angriffe werden gegen ihn gerichtet; keiner aber von denen, die ihm in den Tagen des Zolltarifkampfes so laut zustimmten, findet ein Wort der Verteidigung." Die Scharfmacherhetze gegen Posadowsky hat gewirkt: Posa- dowsky ist in der Versenkung verschwunden und eine politische Null ist an seine Stelle getreten. Da hat eS freilich seinen guten Sinn, wenn Bülow an die„Solidarität" der christlichen Arbeiter mit den Unternehmern und ihre christliche Geduld appelliert I Der Prozeß der vnllchtbaren. Es ist eines der charakteristischen Merkmale des ProzeffcS Moltke-Harden, daß so viele der aristokratischen Zeugen, deren Namen in den Bcweisanträgen der Parteien figurieren, den Gerichtssaal sorgfältig meiden. Und der Mann, dessen Erscheinen Herrn Hardcn wertvoller wäre als das hundert anderer Zeugen, der Fürst Philipp Eulcnburg klammert sich ans Krankenbett, um nicht vor der Oeffentlichkeit seinem Verfolger Rede stehen zu müssen. Er, dessen Name fortwährend genannt wird, der als das Haupt der Kamarilla das eigentliche Ziel der Hardenschen Pfeile Ivar und ist. kann den Weg in den Gerichtssaal nicht unternehmen, nachdem er den Weg nach Berlin gefunden. Er verbirgt sein Angesicht vor dem Zeugen, den ihm das Gericht ins Haus sendet. Er will unsichtbar bleiben vor der Oeffentlichkeit, in der sein Name jetzt einer der meistgenannten ist. Das war die Sensation der Freitagssitzung. Sonst kam das tausendköpfige Ungeheuer Publikum, das im kleinen Schwurgerichtssaal in drangvoll fürchterlicher Enge aushält mit einer Äeharrlichkcit, die einer besseren Sache würdig wäre, kaum auf seine Kosten. Allerdings hat sich Hardcn einige Male bemüht, die endlose Wiederholung der Beweis- antrüge, die Repliken und Dupliken durch kleine Brüllarien im Heldcnstile zu würzen. Aber das steht ihm so ganz und gar nicht, so daß ein im- gemischter Genuß nicht erzielt wird. Wer tragischen Tones versichert:„Ich bin zu Ende", der darf sich nicht hinterher wieder mit ungeminderter Frische auf den Gegner stürzen. Die endlose Wiederholung der Beweisanträge ist ein weiteres Moment, das diesen Prozeß auszeichnet. Angeboten wurde eine Unzahl von Beweisen, erhoben wurden nur wenige. Aber was nicht Gegenstand der richterlichen Beweisaufnahme wurde, das wurde wenigstens in dem Rededuell zwischen den Parteien möglichst breit und spezialisiert vorgetragen. Denn nicht bloß aufs Gericht, auch auf die Oeffentlichkeit soll ge- wirkt werden. An diesem Rededuell nahm gestern auch der Privatkläger größeren Anteil als zuvor. Der schlechte Stand seiner Sache hat seine Energie aufgerüttelt und läßt ihn seine Abneigung gegen öffentliches Reden überwinden. ffirnf Kuno v. Moltke hat Anspruch auf ein gewisses Maß don Bedauern. Er ist das Opfer seiner Freunde, ein Mann mit manchen sympathischen Zügen. Keiner voN den Schlimnisten seiner Klasse. Ilm so schlimmer freilich für diese! Wie mnß es in den Kreisen der Aristokratie aussehen, wenn schon ein Mann wie Graf Moltke, dessen ästhetische Bildung daS Durchschnittsmaß seiner Standesgenossen weit überragt, eine Frau, seine Frau so zu— behandeln gewagt hat, wie es dieser Prozeß ergeben hat. Und wie mnß die Behandlung der Frauen in diesen Kreisen vielfach sein, wenn die einstige Gattin dieses Mannes ein Weiterleben an seiner Seite nicht als völlig unmöglich cinpfand. Bismarck hat einmal gesagt, daß der Deutsche nur gegen seine Frau grob zu sein wage. Er hat offenbar mancherlei in den Kreisen seiner Mitjnnker gesehen, was ihn zu solchem Ausspruche veranlasste. Und diese �unkerkaste ists, diese Gesellschaft hochmütiger Ge- ivalthaber, die vom deutschen Volke angestaunt sein will als die Blume edler Ritterschaft, die sich ausgibt als die Hüterin und Bewahrerin christlich-gennanischer Sittlichkeit und hehrer Kulturgüter gegen die nmstürzlerischen roten Barbaren. Junker sinds, die da am lautesten zetern, deren journalistische Schild- knappen mit und ohne weiße Westen am fanatischsten rasen über die„freche Antastung" der Fundamente des christlichen Staates, der Ehe und des Glaubens, die sich auch hartnäckigst stemmen gegen die Versuche, von den unglücklichen Homo- sexuellen das Damoklesschwert des 8 173 zu nehmen. lieber die Materie, die dieser Paragraph behandelt, gabs eine instruktive Vorlesung. Das Gutachten des Sachvor* ständigen Dr. Magnus Hirschfeld war eine Oase in dieser Wüste des SchmuheS. Eins, was Harden in diesem Prozeß wollte, hat er erreicht. Die Wissenschaft gab ihm Recht in feiner Behauptung, daß Graf Moltke homosexuell sei. Aber sein höheres Ziel, sie als Eideshelfer heranzuziehen für seine Behauptung, daß sein Kampf um die Entfernung Homo- sexueller aus der Umgebung des Kaisers politisch gerecht- fertigt sei ans der Tatsache, daß die von ihm Bekämpften Homosexuelle, dieses höhere Ziel erreichte er nicht. Ein glattes Nein ward ihm vom Sachverständigen zur Antwort. Hier ward ein unparteiisches Gutachten erstattet. Um so mehr stach der zweite Gutachter Dr. Mcrzbach ab. Er hat dem Kläger einen Bärendienst erwiesen und sich selbst unmöglich gemacht. Harden feierte einen billigen Triumph — der Kläger hatte wieder eine Stellung verloren. Und die Vernehniung des Grafen Hülsen hatte dasselbe Resultat. Dann kam der große Strich des Gerichts durch den unförmlichen Wust der Beweisanträge. Die Beweisausnahme ward geschlossen und heute soll plädiert werden. Der Vorhang soll fallen über diesem Schansviel grauenvollen Schmutzes. Draußen harrt wieder die neugierige Menge. Sie heftet sich den„Berühmtheiten" des Prozesses an die Sohlen und feiert den„Helden". Ein Schauspiel, kaum weniger wider- wärtig und fast noch trauriger, als das im Gerichtssaal. flfcroltöo. An allen Türen haben Muley Hafids unglückselige zlvci Abgesandte nun vergebens geklopft. Keine öffnete sich: Frankreichs und Spaniens einmütige Erklärung, einzig und allein Herrn Abdul Asis als Sultan anerkennen zu wollen, verriegelte dem„anderen" alle Pforten, alle Tore; denn auch die Signatarmächte rückten so- gleich von Muley Hafid ab. Der Sultan, dem die Gnadcnsonne Frankrcich-SpanienS lacht, hat doppelt gewonnenes Spiel. Abgesehen davon nämlich, daß sein Gcgen-Prätendent aller Rückendeckung beraubt ist, wird ihm, dem glücklichen Abdul Asis, nun natürlich das wichtigste zuteil: Geld! Geld!? Ob nun Frankreich selber oder eine französische Bank die Moneten hergibt, das ist schließlich nur eine Formfrage, jedenfalls steht jetzt soviel fest: Abdul AsiS wird nicht nur„mora- lisch", sondern auch materiell gedeckt. Daß Muley Hafid nicht ohne weiteres gute Miene zu dem für ihn so bösen Spiel machen würde, war vorauszusehen. Und so ist er denn— wenn die Nachrichten nicht trügen— schon sofort zur Offensive übergegangen, wie folgendes Telegramm zeigt: London, 25. Oktober. Blätternachrichten aus Gibraltar zufolge, hat Muley Hafid gestern abend einen Angriff aus Mogador gemacht. Die Kriegsschiffe„Admiral Aube" und„Desaix" eröffneten Feuer und brachten den Angreifern schwere Verluste bei. Ueber 1000 Mann der Armee des Sultans Abdul Asis wurden von dem dort eingetroffenen Truppentransportdampfer„Artois" sofort als Verstärkung der Garnison gelandet.— O Die Parlamente— das französische sowohl wie das spanische— dringen auf Regierungserklärungen zum Stand der Dinge in Marokko. Die spanischd Regierung will demnächst ein Rotbuch veröffentlichen, die französische hat ein G e l b b u ch in Vorbereitung, über das der„Petit Parisien" bereits folgende Einzelheiten aus- plaudert: Aus den zehn in diesem Gelbbnch veröffentlichten Schrift- stücken gehe hervor, daß die Regierung in der Tat eine ziel- bewußte Politik verfolgt habe, nämlich: Herstellung der Ordnung, Bestrafung der Mörder der französischen Staatsangehörigen und dabei genaue Beobachtung der Akte von Algeciras. Das Gelb- buch werde zeigen, unter welchen Umständen die Reise des Sultans Abdul AsiS nach Rabat und die Mission des Gesandten Regnault xrfolgt sei, sowie daß Abdul Asis. der das Recht und die Gesetz- lichkeit für sich habe, von Frankreich gegen Muley Hafid finanziell unterstützt wurde: Dem Sultan seien von Frankreich für seinen unmittelbaren Bedarf 2 000 000 Frank vorgestreckt worden. Selbst- verständlich sei dafür Sorg« getragen, daß von diesem Geld kein schlechter Gebrauch gemacht werden könne. In der Zusammen- kunft zwischen dem Sultan und General Liautcy sei vereinbart worden, daß die Polizei an der algerisch-marokkanischen Grenze in der im Jahre 1901 vorgesehenen Weise organisiert werden soll« und daß die französischen Truppen bei der Verfolgung der Räuberbanden auf marokkanischem Gebiete von einer gemischten Polizei unterstützt werden, deren Kadres aus Franzosen bestehen. Die Ergebnisse der Mission Regnault-Liautey seien Ueberwachung des ZollwesenS und die Abmachung, daß die Mahalla des Sultans Abdul Asis in Begleitung eines französischen Offiziers in Casa- blanca eintreffen soll, sowie daß dank dem Einflüsse des Machscn auch im Gebiete von Udschda die Ruhe wieder eintreten werde. » m Unsere französischen Genossen beginnen von neuem, in leb- tsafterer Weise Proteste wider die Politik der Regierung zu ent- fachen, wie. folgendes Telegramm beweist: Paris, 25. Oktober. Gestern abend fand ein großes Protestmeeting gegen den marokkanischen Feldzug statt. Die Versammlung war einberufen von den sozialistischen Ver- bänden des Departements der Seine, lieber tausend Personen wohnten der Versammlung bei. Die Abgeordneten Vaillant, Dejeante und R o u a n e t hielten An- sprachen und bekämpften in energischen Worten den Marokko- feldzug, der Frankreich mtr Gefahren aussetze und zu einem europäischen Konflikt führen könne. Die Redner wiesen sodann auf die Notwendigkeit hin, daß das Proletariat in Ziikuiist in allen auswärtigen Angelegenheiten eine Nolle spielen müsse, um die Möglichreit bewaffneter Konflikte zwischen den Nationen mehr und mehr zu verringern. Eine entsprechende Tagesordnung, die sich auch auf die vom Stutt- garter Kongreß getroffenen Beschlüsse stützt, wurde anac- nommen._ poUtflcbc öebcrlicbt. Berlin, den 25. Oktober 1907. Das regicrungsfromme Zentrum. Dia ganze Hoffnung derjenigen Freisinnigen, die nicht wie die Fischbcck, Kopsch und Wiemer nur ihre Eitelkeit be- friedigen»vollen, sondern noch liberale Zugeständnisse von der Blockpolitik erwarten, beruht bekanntlich darauf, daß Fürst B ü l o w die Liberalen nicht entbehren könne, da er mit dem Zentrum nach der Reichstagsauflösung doch nicht mehr zu- sammen arbeiten könne. Diese Hoffnung ist schon deshalb trügerisch, weil Fürst Bülow wirklich nicht unersetzlich ist und es keinem Zweifel unterliegen kann, daß, selbst wenn er wollte, die Konservativen ihm eine liberale Politik nicht er- erlauben würden. Aber auch das Z e n t r u m ist durchaus nicht unversöhnlich; im Gegenteil, es scheint nur mehr das eine Ziel zu kennen, möglichst rasch wieder Regierungspartei zu werden. Dafür sprechen eine ganze Reihe von Symptomen. Die Zentrumspresse hat die ganze Zeit versucht, den Konservativen vor einer liberalen Aera, von der sie sehr gut weiß, daß sie nicht existiert und nie beabsichtigt war, graulich zu machen. Sie hat sorgfältig alles vermieden, was den Konservativen unangenehm sein könnte. Sie hat vor allem den Konser- vativen dadurch den größten Dienst geleistet, daß sie in der preußische» Wahlrechtsfrage nichts getan hat. Vielmehr scheint die Zentrnmsleitung alles darauf anzulegen, ihren gouvcrnementalen Flügel zu stärken, den demokratischen zu schwächen. Einerseits scheint es mit Herrn Erzbergers Einfluß vorbei zu sein, und-Herr Ballestrem hat ans dem kürzlich stattgefundencn schlesischen Zentrumsparteitage An- dcutungen gemacht, die nur so gedeutet werden können, als solle Herr Erzberger, der um den„Diebstahl" der Keim- Briefe angeblich gewußt haben soll, aus der Partei aus- geschlossen werden. Andererseits sucht das Zentrum das aristokratische und unbedingt regier ungsfreund- l i ch e Element dadurch zu vermehren, daß an Stelle des verstorbenen Dasbach der Erbprinz von L ö w e n st e i n- H e u b a ch, der Sohn des langjährigen Vorsitzenden des Katholikentages, kandidiert wird. Aber auch die letzten liberalen Hoffnungen müssen dadurch vernichtet werden, daß hervorragende Führer des Zentrums auf dem schlesischen Parteitag rund heraus erklärten, daß für das Zentrum a»ch die Person des Fürsten Bülow durchaus kein Hindernis sein wird, wieder Regierungspartei zu werden. So sagte Graf Praschma: „Wenn gesagt wird, das Zentrum wolle nicht mehr mit dem Fürsten Bülow zusammen arbeiten, und verlange den Sturz desselben, so ist das absurd. Die Person des leitenden Staatsmannes kann für die Polirik deS Zentrums gar nicht maß- gebend sein. Denn es macht eine Politik niemand zuliebe und niemand zuleide, eine sachliche, keine persönliche Politik. Wenn die Politik deS jetzigen Reichskanzlers, so sehr das Zentrum auch das Vertrauen zu ihm verloren hat, den ch r i st l i ch- k o n- servativen Grundsätzen entspräche, so würde sie trotz allem wieder vom Zentrum unterstützt werden, denn es ist seine Pflicht, treu mitzuarbeiten für Kaiser und Reich, und es läßt sich doit keinem in der Liebe zum Vaterlande über- treffen." Im selben Sinne sprach auch Dr. P o r s ch. Da nun taksächlich„christlich- konservativ" regiert wird, ist damit die Bedingung des Grafen Praschma schon gegeben. Und in der Tat macht das Zentrum heute schon Ncgierungspolitik. Nur o ist es erklärlich, daß fiir das Zentrum die Wahlrechtsfrage anscheinend gar nicht existiert, daß es für diese Programm- wrdening nicht viel mehr übrig zu haben scheint als die Frei- 'innige Volkspartei. Umso wichtiger wird es sein, die Zcntrumsarbeiter vor die preußische Wahlrechts- rage zu stellen!—_ Die Ausflucht abgeschnitten. Herr Dr. Barth antwortet heute im„Berliner Tageblatt" ans die famose Beschuldigung des„Parteiverrats", verübt durch sein Bestreben, die Freisinnigen für die preußische Wahlreform ins Feuer zu bringen.„Geheimniskrämerei", sagt Barth,„im politischen Leben ist an sich schon lächerlich, doppelt aber für demo- kratische Parteien. Der Verrat einer Tagesordnung ist ein ausgezeichneter Stoff zu Scherzen in Witzblättern, aber kein ernst- hafter Gegenstand der Entrüstung für die Vertreter demokratischer Anschauungen." Uebrigens sei sein Vorschlag auf Vorlegung eines Notgesetzes ohne weiteres mit einem Antrag auf Einführung des gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu verbinden. Beide Aktionen vertrügen sich ausgezeichnet miteinander: „Das Reichstagswahlrecht für Preußen ist zu verlangen; seine schleunige Einführung ist ein dringendes Postulat aller freisinnigen Parteien. Tie Einführung der geheimen Stimm- abgäbe, weit entfernt davon, einen Verzicht auf das Reichstags- Wahlrecht für Preußen zu bedeuten, ist, wie es schon in dem Begriff eines Notjzesetzes liegt, nur eine erste vorbereitende Hand- lung für jede ernsthafte Reform des elendesten aller Wahlsysteme. Daß durch ein solches, wohlverstanden von der Regierung vorzulegendes Notgesetz„der Weg zu weiteren und nicht minder wichtigen Aenderungen des preußischen Wahlrechts auf Jahre hinaus verlegt werde", wie es die„Freisinnige Zeitung" glauben machen will, ist danach eine völlig haltlose Voraussetzung. Sehr begründet ist dagegen die Befürchtung, daß, wenn erst einmal unter dem Schutz der öffentlichen Stimmabgabe die Gegner jeder ernsthaften Wahlreform bei den bevorstehenden Landtogswahlen in alter Stärke in das Abgeordnetenhaus zurückgekehrt sein werden, abermals auf Jahre hinaus die Wahlreform unter aller- lei Ausflüchten auf die lange Bank geschoben werden wird. Selbstverständlich würde mein Vorschlag nur dann wirksam werden, wenn Fürst Bülow den Eindruck bekäme, daß die Frei- sinnigen sich in bezug auf die Wahlrechtsreform nicht länger mit leeren Redensarten abspeisen lassen wollen; daß deshalb feine Blockpolitik auf die Unterstützung der Freisinnigen nicht weiter zu rechnen habe, wenn er nicht gewillt fei, wenigstens diese geringe Abschlagszahlung zu leisten. Nichts lag deshalb näher, als die geplante Frankfurter Temonstrationsversammlung zum popu- lären Resonanzboden einer solchen Forderung zu machen." In der Tat, damit muß jetzt auch die„Freis. Ztg." zufrieden sein: Barth befriedigt sehr entgegenkommend beide Standpunkte, die die Freisinnige Volkspartei in der Wahlrechtsfrage je nach Bedarf vertritt. Das Notgesetz entspricht dem Standpunkt Fischbecks zur Zeit deS Parteitags, die Forderung des gleichen Rechts dem gestern don der„Freis. Ztg." eingenommenen. In Wirklichkeit ist damit bis zur völligen Klarheit bewiesen, daß die Ausreden der„Freis. Ztg." und ihre Berufung auf geheimnisvolle taktische Pläne nichts als Schwindel sind. Die Freisinnige Volks- Partei macht die Sache fa auch plump genug. Fordirk man von ihr das Eintreten für das gleiche Recht, so erklärt sie, um Gottes. Büloiv und des Blockes Willen nur nicht alles auf einmal. Wir werden froh sein, das geheime und direkte Wahlrecht durchzusetzen. Verlangt man dann den Kampf für das geheime Wahlrecht, so er- klärt sie feierlich, sie verlange ja. das gleiche Recht. Wen wollen denn diese Einfaltspinsel damit täuschen?— Der schmunzelnde Oertel! Der arme Freisinn wird von der„Deutschen Tageszeitung" nicht übel verhöhnt. Dem Freisinn wird— Konsequenz nachgerühmt, denn da er doch völlig ohnmächtig sei, sei es nur folge- richtig, wenn er diese Ohnmacht dadurch beweise, daß er gleich alles verlange, wie es die„Freis. Ztg." jetzt auf einmal in der Wahlrechtsfrage tun will, und nicht nur ein Notgesetz. Anträge könne er stellen, soviel er wolle, angenommen würden sie jedoch nicht, und wenn auch nur das geheime Wahlrecht allein gefordert würde. Und „selbst wenn der Antrag auf Einführung der geheimen Stimmen- abgäbe eine knappe Mehrheit erreichen sollte, so würde d i e Regierung nicht darauf eingehen können. Tie sämtlichen Anträge können also nur den Zweck haben, daß der Schein oder, wie das geflügelte Wort sagt, das Gesicht gewahrt werde. Dieser Zweck wird aber besser erreicht durch den Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrechte-, als durch den auf Einführung der geheimen Stimmenabgabe. Deshalb ist der Standpunkt der„Freisinnigen Zeitung" un» zweifelhaft konsequenter." Also hier wird gegenüber den verzweifelten Ausreden der braven Freisinnigen ausdrücklich bestätigt, daß die Herren zwar Anträge stellen,„das Gesicht wahren" dürfen, im übrigen aber zu sorgen haben, daß Junker und Regierung nicht unnütz belästigt werden. Beachtenswert aber ist es, daß Fürst Bülow sich ja gegen- über Herrn Oertel bereits verpflichtet zu haben scheint, in der preußischen Wahlrechtsfrage absolut keine Zugeständnisse zu machen. Man sieht, die Liberalen haben allen Grund, sich über die Nordcrney-Gcspräche so vorsichtig anszuschweigen und sich übe: Indiskretionen so zu entsetzen.— Freifinnige Brüderlichkeit. Was das Organ dcS Herrn Wiemer sich nicht zu sagen getraut. spricht die„B r e s l a u e r Z e i t u n g", daS reaktionärste freisinnige Blatt deutlich aus. Sie spricht von der, n a ti o n a l s o zi a le n Gruppe"(Barth war nie nationalsozial!), die in daS„Berliner Tageblatt" und— eS ist wirklich zu blöd— in die sozial- demokratische Presse entstellte und gehässige Nachrichten gelangen lassen. „die bestimmt sind, die öffentliche Meinung irre zu führen und die Politik der vereinigten linksliberalen Parteien zu diskreditieren. Die deutlich erkennbare Nebenabsicht geht dabei dahin, in der politischen Welt die Ueberzeugung zu propagieren, daß der Liberalismus nur gedeihen könne, wenn Dr. Barth fein Führer ist und wenn alles geschieht, waS von diesem wirren Kopf, täglich wechselnd, als die richtige Taktik jeweilig aus- geheckt wird." Das wird die Kopsch und Fischbeck nicht davon abvalten, in ihren Bczirksversammlungen den naiven Zuhörern zu versichern, daß w i r es sind, die Herrn Barth unausgesetzt beschimpfen! Uebrigens: wenn Herr Barth ein inkonsequenter Wirrkopf ist und Fischbcck ein geschickter Taktiker oder prinzipientreuer Politiker, dann, aber nur dann, ist cS Verleumdung, von dem Verrat der Freisinnigen Volks- Partei zu sprechen!—_ Ein reinigendes Gewitter? Der fromme„Reichsbote" stöhnt unter dem Eindruck d:Z Moltke-Prozesses: „Pei dem Lesen der Berichte über den Prozeß Moltke-Harden wird jeder Leser bedauern, daß die Verhandlungen in breitester Oeffentlichkeit und nicht unter Ausschluß dieser Oeffentlichkeit geführt werden.(??) Wir haben lange geschwankt, ob wir sie Berichte abdrucken sollten.(!) Allein was nützt es, wenn das nur eine Zeitung nicht tut, und zur Streichung der anstößigsten Stellen im Bericht konnten wir uns deshalb nicht entschließen, weil gerade darin der Kern des ganzen Prozesses liegt, so daß derselbe unverständlich würde, wenn diese Stellen mit ihren ekelhaften Aeußerungen wegfielen. .... Aber wie dem auch sei, so abscheulich und widerwärtig auch das alles ist, was dieser Prozeß enthüllt, so ist er als ein hoffentlich reinigendes Gewitter über die Ge- fcllschaftskreise anzusehen, in welchen er spielt, und es ist gut, daß damit auch die jetzt so dreist auftretende Agitation der Homosexuellen gerichtet wird. Ein solcbes Gewitter, welches die über uns liegende schwüle sittliche Stickluft durchbricht und reinigt, tut dringend not, wenn wir nicht zu einem Sodom und Babylon werden sollen." Die Phrase von dem„reinigenden Gewitter" ist doch selbst nur ein fauler V c r t u sch u ng s v e r s u ch. Künftig wird man es in jenen Gesellschaftskreisen höchstens etwas vorsichtiger treiben! Die„Volksztg." gibt ironisch der Hoffnung Ausdru«. daß, da doch der§175 nun einmal besteht, nun wohl auch die Staatsanwaltschaft gegen die entlarvten Päderasten der höchsten Aristokratie vorgehen werde. Da wird sie lange warten können!_ Versammlungsfreiheit im Rcichslande. Die liberalen Beamten— das wollen sie wenigstens fein— der Kreisbehörden gehen im Versammlungslvesen der Reichslande gegen die Sozialdemokratie gegenwärtig in recht kleinlicher Weife vor. Am Sonntag, den 20. Oktober, sollte in Wqldig- Hofen i. Oberels. eine öffentliche Textilarbeiterversammlnng staii- finden. Am Donnerstag. 17. Oktober, wurde die Anmeldung der Ver- sammlung vom Genossen G s e l l von Mülhausen nach Altkirch au die Kreisdirektion geschickt, die noch ß g des Vereinsgesetzes über den Empfang sofort eine schristliche Bescheinigung zu erteilen hat. Aber am Sounabendmorgen 11 Uhr war die Be- scheinigung noch nicht in Mülhausen eingetroffen und Genosse Gsell mußte abreisen, da er am Sonnabendabend noch eine Versammlung zu erledigen hatte. Weil mm Gsell in der Ver- sammlung am Sonntag die Bescheinigung der Behörde nicht auf« weisen konnte, löste der überlv ach ende Beamte die Ver- sammlung auf. Und dabei erklärte der Beamte, daß die Ve- scheinigung, die er selbst in den Händen gehabt hätte, erst am Sonnabend zwischen 11�12 Uhr inAltkirch zurjPost gebracht worden ist: er wisse quch daß Herr Gsell als Einberuser der Versammlung vor ihm stehe. Er ging in seinem Eifer sogar soweit, einige Leute, die erst nach der Auflösung in das Lokal kamen, zu protokollieren, da sie den Saal nicht verlassen wollten, ja auf sein Verlangen mußte sogar der Wir: seine eigene Wirtschaft verlassen, obwohl noch einige Leute darin waren. Versammlungsrecht im liberalen Vlockzeit- alter!—_ Ocftcrmcfc. Der Sternberg. Am Schlüsse der DonncrStag-Sitzung des Abgeordnetenhauses gab sowohl der Abg. Sternberg wie Genosse Schuhmeier eine Er- ilärung zu den Vorfällen am vergangenen Tage. Der Abg. Stern- berg behauptete: das ihm per Post zugegangene Bild, das den Abg. Schuhmeier verhöhnt, habe im Saale die Runde bei den Abgeordneten und auch bei den Sozialdemokraten gemacht. Nach der Sitzung sei er im Saal von sämtlichen Sozialdemokraten über- fallen(!) worden. Schu'hmeier erNärte, er habe, um die Würde des HmiseS zu wahren, dem Abgeordneten Sternberg nicht schon im Saale die gebührende Antwort gegeben, er glaubte es aber seiner Ehre schuldig zu sein, als er ihn nach Schlusz der Sitzung das Bild weiter deinonstrieren sah, ihn zur Verantwortung ziehen zu müssen. Er habe dies allein getan, von einem Ueberfall könne daher nicht die Siede sein. Präsident WeiWrchner versicherte, er werde die GeschäflSordnung stets mit aller Energie handhabe», das HauS müsse ihn aber darin unterstützen. Er appelliere von neuem an da? HauS, die Würde des Volwparlaments zu wahren und rs endlich zn einer Stätte sachlicher und ernster Arbeit zu machen. sLebhafler Beifall.) Der Zwischenfall ist hiermit erledigt.— franfcmeb. Für die Opfer der Neberschweuimungen bewilligte die De- putiertenkammer einstimmig 6 Millionen Frank. Paris, 25. Oktober. Der Neservcleuwant Birille, welcher sich unlängst lveigerte. anläßlich einer Truppenschau die Rcgimentsfahne zu trage», ist seines OsfiziersrangeS verlustig erklärt worden. Snglanä. Keir Hardie über Indien. Die„Dailh Mail" vom DicnStag enthielt eine längere Depesche von Keir Hardie über seine indischen Eindrücke. Er teilt mit, dah er im Laufe seiner Reise mehrere Deputationen von Mohamme- danern, Hindu und Sikhs empfangen habe; ebenso sei er vom Vize- könig von Indien und von anderen Rcgierungsmitglicdern empfangen worden. Die meisten Nachrichten über Unruhen, Mördereien und Widersetzlichkeiten, die in den letzten Monaten aus Indien in die Welt geschickt wurden, seien der überhitzten Phantasie von Journalisten entsprungen. In Delhi wurde gegen die Erhöhung der Gemeindesteuern agitiert; die Regierung sah die Gerechtigkeit der Agitation ein und lehnte ihre Zustimmung zur Erhöhung der Steuern ab! Hardie konnte keine Spur von rebellischen Bewegungen entdecken; dagegen bedürfe das Treiben der unteren Polizeibcamtcn, die immer etwas Regierungsfeindliches entdecken wollen, der schärferen Kontrolle von feiten der höheren Beamten. Die Bewegung für Reformen sei gcmästigt und loyal, aber es gebe auch extreme Elemente, die unbcwuht dem Treiben der Polizei Vorschub leisten. Die Polizei sei durch und durch korrupt, und eine Regierung, die sich auf die Informationen dieser Leute stütze, müsse nach und nach dem Denken und Fühlen der Bevölkerung entfremdet werden. Die Erschwerungen des Versammlungsrechts seien überflüssig und deshalb schädlich. Man hoffe in Indien, dast die englische Regierung es nicht gestatten werde, die Bevölkerung auf Gnade und Ungnade der Polizei aus- zuliefern. Die Hungersnot bedrohe 20 0 Millionen, Elend und Hungertod Zehntausende von Menschen. England müsse eingreifen. Besser wäre die Resignation eines zwar tüchtigen, aber hartnäckigen Mitgliedes der indischen Regierung, als ein Land der- zweifeln zu lassen. Der letztere Satz der Depesche Keir Hardies bezieht sich— der allgemeinen Ansicht nach— auf Lord K i t ch e n e r, den Ge- ncralkommandierenden Indiens.— ftrnitand. Das Bäckcreigesetz. Wie uns bereits telegraphisch gemeldet wurde, ist das Väckereigesetz vom finnischen Zandtage nun endgültig an- genommen. Damit hat der neue, auf Grund des allgemeinen, gleichen Wahlrechts für Frauen und Männer gewählte Landtag mit seinen 82 Sozialdemokraten ein wertvolles Stück sozialer Gesetzgebung geleistet, das vor allen den Bäckern, dann aber auch dem Volte Zugute kommt, dessen wichtigstes Nahrungsmittel mm unter geordneten Arbeitsverhältnissen und im Lichte des Tages zubereitet werden muß. Tie wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes sind, daß die Bäckereien nur in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abenbs geöffnet sein dürfen und daß nur während dieser Zeit gearbeitet lverden darf. Die Arbeitszeit ist auf 48 Stunden die Woche festgesetzt. Ueberstundenarbcit ist zwar zugelassen, sie darf jedoch für den einzelnen Arbeiter 100 Stunden im Jahre nicht übersteigen. Ausnahmsweise kann auch Nachtarbeit ausgeführt werden, jedoch in höchstens zehn Nächten im Jahre. Für Ueberstimdenarbeit niuß dein Arbeiter ein Zuschlag von mindestens 60 Prozent zn seinem ge- wöhnlichcn Lohn gegeben lverden. Das Kost- und Logiswcscn im Bäckergewerbe wird durch folgenden Paragraphen beseitigt: »Sein Lohn wird den Arbeitern in Geld ausbezahlt und nicht in Forin von Wohnung oder anderen Lebensbedürfnissen." Diese wie die übrigen guten Bestimmungen des Gesetzes, die Abschaffung der Nachtarbeit, die Beschränkung der Arbeits- zeit auf 48 Stunden sind sclbverständlich vor allem der sozial- demokratischen Fraktion zu verdanken. Bürgerliche Abgeordnete hatten z. B. lr! stündige Arbeitszeit vorgeschlagen; der vom Genossen T a in o eingebrachte Antrag auf den Achtstundentag oder die 48 stündige Arbeitswoche, die namentlich auch von dem Genossen Dr. U r s i n in einer tüchtigen Rede verteidigt wurde, siegte aber n,it 105 gegen 33 Stimmen.— perkien. Da? ume Kabinett ist folgerdermaßen zusammengesetzt: Nassir el Mull, Präsidium und Finanzen, Sani e d D a u l e h, Inneres, Muschir clMull, Neutzeres, M u ch b i r es Saltaneh. Justiz, Mustaufi Memalik, Krieg, M o a t i ,n n e l Mull, Handel, MuhandiS el Memalik, Bergbau, Nayir el Mulk. Unterricht. Amerika. Zur Eisenbahnfrage. Die EntWickelung der Berlehrsverhält- nisse in den Vereinigten Staaten ist seit einigen Jahren so ins Große gewachsen, daß die Eisenbahnen nicht mehr Schritt zu halten vermochten und den an sie gestellten Ansprüchen nicht mehr genügten. Im Osten, wo sich die am besten eingerichteten Bahnen befinden, gibt es zeitweilig ganze Frachtblockadcn. Im Nordwesten herrschte letzten Winter Kohlennot. weil die Bahnen nicht genug Kohlen heranschaffen konnten. Hill, einer der hervorragendsten Finanziers im Eisenbahnwesen, erklärte vor einiger Zeit, es seien wenigstens BOlll) Millionen Dollar nötig, um die amerikanischen Eisenbahnen auf den Stand zu bringen, der sie befähige, den jetzigen Anforderungen des Verkehrs zu entsprechen. Da müsse also die Regierung helfend eingreifen-- In unserer amerikanischen Parteiprcssc wird dazu bemerkt, daß sich darüber reden ließe, wenn die Regierung für ihre Darlehen die erste Hypothek auf die Bahnen bekäme und daS Geld unter Aufsicht der Bundesregierung äur Verwendung gelange. Tie Eisenbahnen sollen angeblich 17 Milliarden Dollar wert sein. Wenn die Regierung erst einen bestimmenden Einfluß gewinne, könnte sie auch über kurz oder lang in den Besitz der Bahnen kommen— in aller Ruhe und Selbstverständlichkeit. Die Bahnmagnaten erklären, daß sie trotz stärkerer Anforde- klingen gegenwärtig eine Einschränkungspolitik üben müßten aus Mangel an verfügbaren Geldern, wahrscheinlich aber mich aus Rache gegen den Erlaß des Bundes-EisenbahngcsetzcS und der in letzter Zeit gegebenen, ihnen sehr unangenehmen Eisen- vahngesetze der verschiedenen Staaten. Soziales* Das Berliner Kaufmaimsgericht für ein Ausnahmegesetz gegen die Handlungsgrhülfen. Der Ausschuß des Kausmannsgcrichts zu Berlin hat am 17. Oktober 1807 einen Antrag beschlossen, dem Z 70 des Handelsgesetzbuches folgenden Zusatz zu geben: „Erfolgt die widerrechtliche Auslösung des Dicnstverhält- nisscs seitens des HandliingSgehülscn, so ist dieser, wenn nichts anderes vereinbart ist, zur Zahlung einer Strafe an den Prin- zipal in Höhe desjenigen Gehaltes, welches bis zur vertraglichen oder gesetzlichen Beendigung des Dienstverhältnisses ausgekommen fein würde, verpflichtet. Mit ihm haftet als Gesamtschuldner dcr neue Prinzipal, sofern er von dem Sachverhalt Kenntnis hatte. Tiefe Fmderuug ist mi den Nachweis eines Schadend nicht gebunden. Durch ihre Geltendmachung wird der Anspruch auf Erfüllung des Vertrages und auf weiteren Schadenersatz ausgeschlossen." Dieser ungeheuerliche Vorstoß für ein Ausnahmegesetz gegen HandlungSgehülfen kam dadurch zustand«, daß der Vorsitzende, MagistratSrat T e ch o w, sich dem Begehren der Gesamtheit der Arbeitgeber anschloß. Unser Zivilrecht kennt keine Buße, keine Strafe für Vertrags- bruch. Ein Kaufmann, der seine Warenrechnung nicht bezahlt, ein Leutnant, der seine Weinrechnung unerledigt läßt, ein Hausbesitzer, der die Hypothekcnzinsen rückständig werden läßt, ein Handlung»- chef, dcr das fällige Gehalt unbeglichen läßt, kann lediglich zur Zahlung seiner Schuld und des durch die Verspätung etwa zu- gefügten besonderen nachweislichen Vcrmögensschadens verurteilt werden. Die Herren Chefs verlangen aber hier ohne jeden Grund, daß dcr HandlungSgchülfe, der unberechtigt daS Dienstverhältnis auflöst, ihm noch extra Buße zahle, auch wenn ein Schaden dem Chef nicht entstanden ist. Dieser sublime Standpunkt der„könig- lichen Kaufherren" mit dem Magistratsrat Techow an der Spitze steht sozial noch tiefer als das Verlangen nach ZinseSzinS. Ter Handlungsgchülfe kann vorzeitig den Dienst aufgeben, wenn ein „wichtiger Grund" vorliegt. Ob dcr vom HandlungSgehülfen für wichtig gehaltene Grund nach dem Gesetz ein„wichtiger" ist, kann Herr Techow in Verbindung mit 2 Kaufherren entscheiden. Entscheiden diese falsch und fällt diese falsche Entscheidung zu- Ungunsten des HandlungSgehülfen aus, so hätte dieser noch als Buße für die falsche Entscheidung ein Monatsgehalt dem Chef, der ihm vollberechtigten Anlaß zur Aushebung des Dienstverhältnisses gegeben hatte, zuzuzahlen— in dcr Tat der Gipfel des Gegenteils von Gerechtigkeit und sozialem Empfinden. Im Jahre 1874 wurde im Reichstag eine Forderung auf Ver- tragsbruchstrafe mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Gewerbe- ordnungsnovelle von 1881 führte in§ 124b bekanntlich das Aus- nahmcgesctz einer Buße gegen Arbeiter, die rechtswidrig eine Arbeit verlassen haben, in Maximalhöhe des 6- bis 7fachen Be- trageS des ortsüblichen Tagelohncs ein. Sie wahrt durch eine gleiche Vorschrift gegenüber Arbeitgebern wenigstens den Schein, als liege keine ausdrückliche Ausnahmevorschrift lediglich zuungunsten dcr Arbeiter vor. Die„königlichen Kausleute" mit Herrn Techow an der Spitze halten es für überflüssig, auch nur den Schein einer Gleichberechtigung zu wahren. Ihre Petition geht dahin, lediglich den HandlungSgehülfen, und zwar mit dcr Buße eines MonatS- gchalts zugunsten des Prinzipals zu strafen. Mit dieser Petition hat das Berliner Kaufmannsgericht, das an antisozialen Kund- gedungen nicht gerade arm ist(wir erinnern an die berüchtigten Entscheidungen über Konkurrenzklauselverträge) sich selbst über- troffen. Tie Herren Chefs und ihr Vorsitzender rechnen sich ja wohl zum frcisinnig-antisemitischcn Block. Durch ihren Antrag etwas zur Kennzeichnung von dessen Natur beigetragen zu haben, ist wenigstcus ein Verdienst dcr Herren. Die Gobelinwevcrei kein Gewerbebetrieb? Unter dcr Firma Ziesch u. Komp. betreibt Herr Ziesch in Berlin eine Gobclinwcbcrei, in dcr er bestrebt ist, daS bisher noch nicht erreichte Vorbild der französischen Gobelinweberei zu er- reichen. Er hält seinen Betrieb, in dem durchschnittlich 30 weibliche Personen beschäftigt sind, für ein der Gelverbeordnung nicht unter- stehendes Kunstinstitut und verweigerte deshalb der Assistentin des Clewerbeinspektors den Eintritt, als sie zur Bctriebskontrolle er- schien. Gegen ihn wurde wegen dieses Verhaltens auf Grund der §§ 139b und 149 Absatz I Ziffer 7 der Gewerbeordnung Anklage erhoben. Das Landgericht I sprach ihn jedoch frei und führte unter anderem aus: Z. könne nur solche Weberinnen für die von ihm betriebene Herstellung echter Gobelins gebrauchen, die eine Aus- bildungszeit von vier oder fünf Jahren durchmachten. Dazu würden noch ganz junge Mädchen angenommen, die zunächst Zeichen- Unterricht beziehungsweise Maluntcrricht erhielten und ini Sortieren der Seidcnfäden geübt imirden, die zur Verwendung kämen in 14 000 Farbcnabstufungcn. Der Farben- sinn müsse so erst entwickelt werden. Dann würden sie zur Herstellung kleiner Stücke herangezogen. Zum richtigen Weben kämen sie aber erst nach vier- bis fünfjähriger Lehrzeit. Kunstmaler stellten die Vorlagen her, nach denen die Seidcnfäden mit der Hand geknüpft werden. Mit der?lnfertigung eines Gobelins werde gewöhnlich nur eine Weberin beschäftigt, an die hervorragende Anforderungen heranträten, um im Gobelin dieselbe Wirkung herauszubringen, wie sie das Bild des Malers erziele. Die Farben der Seide seien nicht genau dieselben, wie die des Malers; es gehöre deshalb ein großes Verständnis dazu, aus den in so sehr viel Farbcnabtönungcn vorhandenen Scidenfäden die geeigneten auszuwählen. An einem 23 Zentimeter im Quadrat messenden Stück haben die Weberinnen 4 Monate zu arbeiten. Die An- fertigung eines Gobelins nach dem bekannten Bilde:„Dcr zwölf- jährige Jesus im Tempel" erforderte vier Jahre. Die Gobelins würden imnier nur in einem Exemplar �hergerichtet. Wenn nun auch verschiedene zum Bekleiden von Wänden und zum Beziehen von Möbeln verwendet würden, so könnten auch diese nicht als gewerbliche Produkte betrachtet werden. DaS Gericht habe auch aus der Besichtigung zweier Gobelins den Eindruck hoher Kunst- Vollendung gewonnen. Dcr Annahme, daß es Wirtschafts- und Gebrauchsgegenstände wären, stehe schon dcr Umstand dcr sehr hohen Preise entgegen. Für den einen Gobelin„Der zwölfjährige Jesus" würden schon mehr als 3000 M. an Arbeitslohn ausgegeben. Die gefertigten Govelins seien als Kunstgcgenstände anzusehen und sei anzunehmen, daß der Betrieb des Angeklagten ein Kunst- institut und seine ausgebildeten Weberinnen Künstlerinnen seien. Wenn das auch von den noch in Ausbildung begriffenen jungen Mädchen nicht gesagt werden könne, so sei doch zu beachten, daß immer nur vier oder fünf Mädchen sich in der Ausbildung befänden, wodurch am Wesen deS künstlerischen Unternehmens nichts geändert werde. In Betracht kämen auch noch dem Angeklagten äußerst günstige Gutachten des Generaldirektors der Königlichen Museen und des Direktors der Straßburgcr Kunstgewerbeschulc. Sei aber die Gobclinweberci des Angeklagten ein Kunstinstitut, so könnten die Bestimmungen dcr Gewerbeordnung auf dieses nicht Anwendung finden. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Sie machte geltend, Gobelins seien Erzeugnisse des Kunstgewerbes. Gewiß könnten getoisse Gobelins als Kunstwerke und manche der Webe- rinnen als Künstlerinnen angesehen werden. Neben diesen Gobelins, die reine Kunstwerke darstellen, würden aber auch solche gefertigt, die nach den Anforderungen und ihrer Art nichts anderes seien, als wirtschaftliche Gebrauchsgegenstände. Ter erste Strafsenat des Koinmergerichts verwarf dieser Tage die Revision der Staatsanwaltschaft nach langer Beratung mit folgender Begründung: Die Grenzen zwischen Kunst und Kunst- «werbe seien außerordentlich flüssig. Hier sei vieles vorhanden, was dafür spreche, daß es sich um Kunstgewerbe handele; aber auch manches, was die dem Angeklagten günstigere Ansicht aufkommen lasse, daß das Institut ein reiner Kunstbetrieb sei. Dcr Senat habe sich dcr Feststellung des Landgerichts anschließen müssen. Darauf, dah die Mädchen in der Kunst, zu sehen, ausgebildet würden, habe dcr Senat weniger Bedeutung gelegt. Das sei mehr technisch. In inmichen Gewerben würden die Sinne dcr Arbeiter sehr ausgebildet. Hier werde nun aber von dem General- direktor der Museen Schöne im Gutachten gesagt, die Mädchen inüßtcn im Zeichnen ausgebildet werden und müßten so gebildet und talentiert sein, daß sie eine schöpferische Tätigkeit bei der Ucbertragung aus dcr Malerei in die„Fadcnmalcrei" entwickeln könnten. So sei doch der Ansicht mehr Beifall gezollt worden, daß in dem Institut von Ziesch u. Komp. mehr Kunst getrieben werde. Die vorstehende Entscheidung de» Kammergcrichts widerspricht den Vorschriften der Gewerbeordnung, dem wirtschaftlichen Zweck einer Grbclinwcbcrci und den zugunsten dcr Arbeiter getrofseneu Schutzvorschristen. Dcr irrigen Auffassung des Kammergcrichts muß mit oller Entschiedenheit entgegengetreten tvcrden, weil sie die größte Unsicherheit in die Rechtsvcrhältniy'e dcr Arbeiter zu bringen geeignet ist. Die Gewerbeordnung definiert den Begriff eines Gewerbes nicht ausdrücklich, sondern führt nur im Z 6 eine Reihe von Gewerben auf, die infolge ausdrücklicher Vorschrift des Gesetzes der Gewerbeordnung nicht unterliegen sollen(Fischerei, Apotheke, unentgeltliche Erziehung von Kindern, Untcrrichtswcscn» die advokatorische Praxis, Auswanderungsunternehmungen. Bcr- sicherungsunternehmungcn, Eisenbahnunternehmungcn). Außer- dem rechnet der Sprachgebrauch und rechneten die Motive zum ersten Entwurf zur Gewerbeordnung vom 7. April 1808 als selbst- verständliche Ausnahmen ztvei dem Erwerb dienende Tätigkeiten, nämlich die gesamten landwirtschaftlichen Betriebe sowie die lite- rarische Tätigkeit und die schönen Künste. Die Frage, ob eine Tätigkeit zu diesen Ausnahmen gehört, kann von Fall zu Fall zweifekhaft sein und ist sehr verschiedenartig in Theorie und Praxis bislang beurteilt worden. Die herrschende, zutreffende Ansicht geht dahin, daß dem Sprachgebrauch entspreckiend nur die lediglich zu wissenschaftlichen oder künstlerischen Zwecken geübte Tätigkeit aus dem Nahmen der Gewerbeordnung herausfällt. Keineswegs kann nach dem Zweck oder Wortlaut dcr Gewerbeordnung oder nach dem Sprachgebrauch dcr vom Kammergericht kür erheblich erachtete Um- stand entscheidend sein, ob die Tätigkeit der Arbeiter einen schöpfe- rischen oder ob dcr zwecks Erwerbs hergestellte Gegenstand künstle- rischen Wert hat. Sonst würde das gesamte Kunstgewerbe, fast die gesamten graphischen Gewerbebetriebe, ein großer Teil der Tcppich- Weberei, viele Gewerbebetriebe dcr Photographen, Optiker, Jnstrumentcnmacher usw. � aus dem Begriff des Gewerbes aus- zuscheiden haben. Eine Gobelinweberei der beschriebenen Art bleibt unter allen Umständen, auch wenn ihre Erzeugnisse viel Arbeit erfordern oder künstlerisch schön ausgeführt sind, ein mit Angestellten betriebenes, auf Erwerb gerichtetes Unternehmen, also ein Gewerbe im Sinne dcr Gewerbeordnung. Sie würde nur dann dem Sprachgebrauch entsprechend den Gewerben im Sinne der Ge- werbcordnung nicht nnterstchcn, wenn sie lediglich künstlerischen, nicht gewerblichen Zwecken dienen soll. Es heißt dem Gesetz- geber Torheit unterstellen und einer Umgehung der Arbciterschutz- gesctze Tür und Tor öffnen, tvenn man mit dein Kammergerichte annehmen wollte: ein Gewerbe unterliegt den Bestimmungen der Gewerbeordnung nicht, wenn die Art der Herstellung des gcwcrb- lichen Produkts eine qualifizierte Arbeit oder«ine künstlerisch? Fähigkeit erfordert. Weshalb sollen Arbeiterinnen dann den Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung nicht unterliegen, wenn an die Arbeiter ein besonderes Maß künstlerischer Vorbildung oder Fähigkeit gestellt wird. Es wäre dringend zu wünschen, daß dcr Gewerbeinspcktor die nächstbeste Gelegenheit wahrnimmt, um das Kammcrgcricht in den Stand zu setzen, von seiner irrtümlich?» Ansicht abzugehen._ Gcwerbegcrichtswahlsieg. Bei dcr Gcwcrbc�erichtswahl in dcr Amtshouptmannschaft Pirna-Land erhielt die Liste der freien Gewerkschaften 8330 Stimmen, der Kuddelmuddel(Hirsch-Dunckersche, christliche Gewerkschaften, Evangelischer Arbeiterverein) ganze 190 Stimmen. Da die„Außenseiter"— es besteht Proporti analwahl— die auf einen Beisitzer entfallende Stimmenzahl von 230 Stimmen nicht erhielten, so fallen sie ganz aus.— Für die Kammer S e b n i tz, einem Hauptsitz der Christlichen resp. des Evangelischen Arbeitervereins, erhielten die freien Gewerkschaften 390, die gegnerische Liste 132 Stimmen. Von den 15 Beisitzern erhalten die freien GeWerk- schaften 12, die Chirstlichen 3 Beisitzer.— In dem dritten Kammer- luytirk ist das Resultat noch nicht offiziell bekannt, doch soll unsere Liste mit 400 gegen 10 gegnerische Stimmen gesiegt haben. Das toäre für diesen noch etwas dunklen sächsischen Landcsteil ein großer Erfolg._ Die Kaufmannsgerichtswahlen in Leipzig. Bei den am Mittwoch und Donnerstag stattgefundcnen Wahlen zum KaufmannSgericht ist zum ersten Male das proportionale System angewendet worden. Nach den bisherigen Feststellungen Ivurden gewählt: 12 Beisitzer und 3 Ersatzmänner des alten Leip- ziger Verbandes von 1830 mit 1303 Stimmen. 19 Deutschnationale und 4 Ersatzleute mit 2299 Stimmen. 3 Beisitzer und 1 Ersatzmann vom Zentralverband der HandlungSgehülfen mtt 307 Stimmen. 3 Beisitzer und 1 Ersatzmann dcr Buchhandlungsgehülfen mit 339 Stimmen und 3 Mischmaschbeisitzer mit 320 Stimmen. Wie Bergchen gegen KmdcrZchnt, Vorschriften gesühnt werden. Ein Ziegeleibesitzer und sein Akkordant in Sümhing(Oberpfakz) hatten ein vollesJahr hiiidnrch Kinder t ä g Ii ch 14S t u n den gesetzwidrig ausgebeutet. Das Schöffengericht in Rcgensburg sühnte dieses Vervrechen an der Gesundheit der 14 jährigen Kinder init— 00 M. bezw. 10 M. Geldstrafe. Was der Unternehmer durch die Ausbeutung dcr Kinder verdient hat, wurde er vom Richter nicht gefragt._ GewerkfehaftUebes* Christlicher„TerroriSmuS". Es fällt uns, licht ein, die nachfolgenden Tatsachen des- wegen der Oesfcntlichkeit zu übergeben, weil wir durch sie den Beweis für die Verworfenheit der christlichen GeWerk- schaftler allgemein, und damit für die Verwerflichkeit dcr christlichen Bewegung führen wollen. Derartige fre>mdschaft- liche Verallgemeinerungen und Verdächtigungen anders organisierten Arbeitern gegenüber überlassen wir gern dcr christlichen, Hirsch-Dunckcrschen und sonstigen Scharfmacher- presse. Wenn wir gegen die christlichen Gewerkschaften auf- treten, tun wir es aus prinzipiellen Gründen, tun wir es, weil wir die schädliche Arbeiterzersplittcrung unter polt- tischen und religiösen Vorwänden verdammen, nicht aus persönlicher Animosität gegen Arbeiter anderer religiöser oder politischer Ucberzeugung. Die bürgerliche Presse aber, und namentlich die katholische, bekämpft die frciorganisicrtcn Ar- beiter ihrer Gesinnung wegen. Und wenn sie im schweren wirtschaftlichen Kampf die kühle Ruhe verlieren und vielleicht nicht zu billigende, aber doch in Anbetracht dcr Umstände manchmal recht begreifliche Handlungen begehen, dann erklärt man das, was ein Ergebnis der menschlichen Schwäche ist. für einen Ausfluß der„sozialdemokratischen Gesinnung". Jedoch„Menschen sind wir alle", wie vielleicht auch die nachfolgenden Zeiten erweisen: In dem frommen Wallfahrts« orte Kevelaer tobten in den letzten Jahren verschiedene Lohn- kämpfe. Doch keiner derselben nahm so erbitterte Formen an, wie der Kampf im Baugewerbe, der im Frühling dieses Jahres stattfand. Beteiligt an diesem Lohnkanipfe waren nur Christliche: die freien Gewerkschaften zählen in d�m genannten Orte nur tvenig Mitglieder. Die Unternehmer. echte Zentrumsstützen, weigerten sich ganz entschieden, die winzigen Forderungen ihrer politischen Gesinnungsgenossen anzuerkennen, sie wollten sich ihren Profit nicht schmälern 'ftssen. Behörde und auch die Bürgerschaft in ihrer iiber- flrosien Mehrheit standen auf Seiten der Unternehmer und bemühten sich alle gleichmäßig um die Heranziehung von holländischen Arbeitswilligen und bereiteten den Streikenden die größten Schwierigkeiten. So kam es, daß diese sich leider zu argen Ausschreitungen hinreißen ließen. In der Nacht vom 31. Mai bis zum 1. Juni wurden an dem Neubau des Pilgerheims die Stricke an dem Gerüst durchschnitten. Durch Zufall bemerkte am nächsten Vormittag der Polier das Schwanken des Gerüstes, als es von einem Arbeiter bestiegen wurde. Dadurch ist ein größeres Unglück verhütet worden. Die Täter wurden sofort unter den Streikenden vermutet. Am 3. Juni wurden zwei derselben, die Gebrüder Dekker, ver- haftet. Sie gestanden auch ein. behaupteten aber von dem Strrikleiter» dem christlichen Gewerkschaftsbeamten Schwarz aus Krefeld, zu der Tat angestiftet worden zu sein. Nun wurde auch Schwarz verhaftet und neun Wochen in Unter- suchungshaft gehalten. Einer der Gebrüder Dekker machte im Gefängnis einen Selbmordversuch. Die drei hatten sich nun in den letzten Tagen wegen Mordversuch resp. wegen Anstiftung zu demselben vor dem Schwurgericht in Cleve zu verantworten. Daß sie die Tat aus Veranlassung des Schwarz verübt, behaupteten die Ge- brüder Dekker anch vor Gericht. Schwarz habe ihnen gegen- über erklärt, es müsse ein Trick geschehen, um die Bewegung in Fluß zu bringen. Auf ihre Bemerkung, dieses sei aber nicht christlich, habe Schwarz erwidert: die Buse(Unter- nehmer) handeln auch nicht christlich; er käme für alles auf, der Verband zahle alles. Einer der Brüder will sogar eine Mark von Schwarz erhalten haben, um sich Mut anzutrinken. Der Angeklagte Schwarz be st ritt ganz entschieden, sich so ausgelassen zu haben. Eine Anzahl Zeugen erklärten in der Verhandlung, er habe stets zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt. Einen Brief, den Schwarz an die Bauberussgenossenschaft in Düsseldorf geschrieben, wollte der Staatsanwalt zur Stützung der Anklage benutzen. In dem Schreiben hatte Schwarz die Genossenschaft aufgefordert, das Gerüst des Pilgerheims zu kontrollieren, es handele sich hier um eine Menschenfalle; die Polizei in Kevelaer rühre sich auf wieder- holte Anzeigen nicht. Das Schreiben war am 1. Juni datiert, aber schon am 31. Mai in die Hände der Adressatin gekommen. Ter Staatsanwalt wollte nun aus diesem Umstände den Beweis herleiten, daß, wenn ein Unglück geschehen wäre, die Christ- lichen dieses auf die schlechte Verfassung des Gerüstes zurück- geführt hätten. Schwarz erklärte, bei der Datierung des Briefes sei ihm ein Irrtum unterlaufen. Derselbe sei nicht am Tage der Tat, sondern vorher geschrieben worden. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Fleischhauer, ein bekannter Zentrumsführer, stellte nun die christlichen Gewcrk- schaften in Gegensatz zu den freien, während in den letzteren der Umsturz gepredigt würde, ständen erstere auf dem Boden des Gegenwartsstaates. Führer der Christlichen würden nie zu einem solchen Vergehen auffordern, überhaupt sang der Rechtsanwalt das Lied der christlichen Gewerkschaften in den höchsten Tönen. Tie Geschworenen verneinten die Schuldsrage auf Mord- versuch und Anstiftung zu demselben; sie erklärten vorsätzliche Sachbeschädigung für vorliegend. Es wurden die Angeklagten Dekkers wegen des Deliktes zu vier resp. zwei Monaten Gc- fäugnis verurteilt, ihnen aber die Untersuchungshaft ange- rechnet. Schwarz wurde freigesprochen.— Die Leute gehen nun ins Gefängnis. Wir wollen ihre Tat gewiß nicht entschuldigen. Aber ihr gerüttelt Anteil Schuld an den? Vorkominnis tragen doch die christlichen Unter- nchiner, welche die geringen Forderungen der Arbeiter nicht bewilligten; Schuld trägt die Gesellschaft, welche ihnen das Maß von Bildung und Schulung vorenthielt, das gereicht hätte, sie vor der Anwendung so bedenklicher Mittel abzu- halten; Schuld trägt sicherlich nicht die christliche Organisation der Leute. Die Zentrumspresse wird uns sicher recht darin geben. Wird sie auch die Konsequenzen daraus ziehen, wenn ein andermal freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter, wenn auch wegen geringerer Delikte, vor Gericht stehen? Lcrlin un«t llmgegenck. Die Lohnlicwcgnng der Töpfer. Am Freitagabend tagte in Kellers Saal eine sehr stark besuchte Äerlaiinnlung des Verbandes der Töpfer. Der Vorsitzende Segave erstattete den Situationsbericht. Seit der leyten Versammlung hielt die Kommission zwei Sitzungen mit den Vertretern der Arbeitgeber ab. An der letzten Sitzung am Freitogvormittag war auch eine Vertretung des Vereins der Töpfer beteiligt. Die Verhandlungen sind so weit gediehen, daß die Arbeitgeber ihre ursprüngliche Vor- läge, die den alten Tarif in neunzig Positionen ä»dern wollte, zurückzogen. Es blieben nur noch wenige Positionen übrig, Ivo die Arbeitgeber auf ihrem Verlangen beharrten, jedoch wurde im Laufe der Verhandlung eine Zulage bei anderen Positionen als Ausgleich angeboten, so daß die Differenzen, welche noch zwischen beiden Parteien bestehen, nicht erheblich sind. Biudeude Abmachungen hat die Konnuission nicht getroffen, da die Entscheidung der Versammlung überlassen bleiben soll. Die Ver- treter der Arbeitgeber erklärten, wenn nicht auf Grund der letzten Kommissionsverhandlung eine Einigung erfolge, dann würden die Arbeitgeber den Kampf in verschärfter Weise weiterführen. Streikbrecher heranziehen und die Solidarität der Ofcufabrikanten anrufen. Die Mitglieder der Arbeiterkommission erklärten dem- gegenüber, wenn c§ so kommen sollte, würden auch die Arbeiter schärfere Kampsmittel anwenden. Während sich Segave auf eine referierende Wiedergabe der Verhandlungen beschränkt hatte, trat der Verbandsvorsitzende D r u n s e l in eine kritische Würdigung der Situation ein. In Uebereinstimmung mit anderen Diskussionsrednern bemerkte er, daß die Differenzen, welche nach den Kommissionsverhandlungen jetzt noch bestehen, als eine Bagatelle betrachtet werden müssen. Durch die Zurücknahme ihrer ursprünglichen Vorlage hätten die Arbeitgeber einen Rückzug angetreten. Die Arbeiter sollten jetzt genau prüfen, ob die Bagatelle, um die eS sich jetzt nur noch handele, die weitere wochenlange Ausdehnung des Streiks begründet erscheinen lasse.— Dieser Meinung gaben noch mehrere Redner Ausdruck, während andere verlangten, man solle für die Beibehaltung des alten Tarifs eintreten. Nach eingehender Diskussion wurde folgende Resolution an- genommen: Die Versammlung ist mit dem Vorgehen der Gesellenkommission einverstanden, sind aber der Meinung, daß es ein weiteres Entgegenkommen seitens der Gesellen nicht geben kann und hoffen, daß die Unternehmer das Entgegenkommen der Gesellen annehmen und erwarten, daß bei Herden R/z Kacheln tief, das nötige AbdeckungS- Material geliefert wird. Sollten die Unternehmer es dennoch zu einer allgemeinen deutschen TvpferauSsperrung treiben wollen, so werden die Töpfer Deutschlands wissen, wie sie diesem schweren Kampfe trotzdem Herr werden._ Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil vcrantw.: An, Montag wird eine Versammlung der Arbeitgeber zu den Verhandlungen der Kommission Stellung nehmen. Danach findet eine Versammlung der Arbeitnehmer statt, welche endgültige Be- schlüsse zu fassen hat._ Anarchistisches Gegreine. „Der freie Arbeiter", das bekannte Anarchistenorgan, be- schäftigt sich in seiner letzten Nummer auch mit der Frage der gewerkschaftlichen Einigung in Deutschland und bricht in folgendes Gejammer aus: „Innerhalb der Freien Vereinigung deutscher Gcwerk- schaften, auf welche so viele Genossen des Inlandes und be- sonders des Auslandes die Hoffnung gesetzt hatten, daß sie in Deutschland der Grundstein der revolutionären, syndikalistischen Bewegung werde, spielen sich gegenwärtig betrübliche Vorgänge ab. Gewissen Personen gelingt es immer mehr, die größeren der angeschlossenen Organisationen zum Ucbertritt in die Zentral- verbände geneigt zu machen. Die Zimmerer sollen unier ihrem Leiter, dem sozialdemo- kratischen Stadtverordneten Th. Fischer, diesen Uebertritt bereits perfekt gemacht haben. Am vorigen Sonntag erklärten sich auch die Maurer mit einer„Einigung" einverstanden. Da auch die Kürschner und Tischler dem Uebertritt in die Zentralisation nicht widerstreben, so ist damit die Mehrzahl der der Freien Ver- cinigung angeschlossenen Organisationen mit dem Geiste und den Worten des zu Ostern im vorigen Jahre angenommenen Programmes nicht mehr einverstanden." Schließlich aber tröstet sich„Der freie Arbeiter" wie folgt: „Aber aus den verbleibenden Ruinen wird neues Leben sprießen. Die wenigen zurückbleibenden Syndikalisten werben nun das Banner der in anderen Ländern so sieghaft vorwärts schreitenden syndikalistischen Idee entfalten. Sie werden, wenn auch wenige erst, die Ecksteine der revolutionären deutschen Ge- Werkschaftsbewegung werden. Diese Bewegung wird allerdings keine anarchistische, sie wird syndikalistisch sein. Aber die Idee des Anarchismus wird sie durchdringen und vorwärts treiben. Deshalb bitten wir den Rest, der auf dem Boden der Grund- läge des VIl. Kongresses stehen bleibt— es sind Anarchisten und ehrliche Sozialrevolutionäre: Den Mut nicht sinken zu lassen, jene Grundsätze auszubauen und von den daran noch haftenden Schlacken zu reinigen. Dann wird die- Freie Vereinigung als rein syndikalistische, als revolutionäre Gewerkschaftsbewegung eine werbende Kraft entfalten, welche ihr bald die Renegaten ersetzen und sie zum Heile des deutschen Proletariats zum Siege über den Kapitalismus und die Zentralvcrbände, die ein Be- ftandteil des erstercn sind, führen wird." Wir haben sonst dem genannten anarchistischen Blatt immer nur die seiner Bedeutung angemessene Beachtung geschenkt, nämlich gar keine. Obige Aeußerungen schienen uns aber für die schmerz- liche Enttäuschung gewisser Kreise über eine Einigung in der deutschen Arbeiterbewegung und den Rest von Hoffnung auf einen Bodensatz der Uneinigkeit so charakteristisch, daß wir auSnahms- weise für nötig hielten, sie zur Kenntnis unserer Genossen zu bringen._ Die Bewegung der Fliesenleger ist auf einem gewissen kritischen Punkte angelangt. Die Unternehmer haben den Fliesenlegern ein Ultimatum gesandt, entweder der bisherige Tarifvertrag werde „unverändert aus zwei Jahre bis zum 1. Oktober 1909 verlängert", oder der den Fliesenlegern zugesandte neue Tarifvertrag werde angenommen,„jedoch mit der Abänderung, daß die Festsetzung der Akkordsätze der freien Vereinbarung überlassen bleibt". Nur bis zum gestrigen Freitag, den 25. Oktober, wollten die Unternehmer auf Antwort warten. Puttlitz legte einer Versammlung der Fliesenleger und Hnlfsarbciter im„Renen Klubhause" die Sachlage vor und erklärte, daß die Fliesengeschäfte die augenblickliche— viel- leicht künstlich hervorgerufene— schlechte Konjunktur auS- znnutzen versuchen. aber man werde sich nicht einschüchtern lassen. Man fürchte„die Konsequenzen" nicht, womit in dem Ultimatum gedroht werde. Die folgende Resolution wurde nach kurzer Diskussion an- genommen: „Die Versammlung der Fliesenleger und Hülfsarbeiter ist der Ansicht, daß zu einem Vorgehen der' Fliesengeschäfte, wie cS in deren Schreiben vom 19. Oktober zum Ausdruck kommt, in keiner Weise Anlaß gegeben worden ist, und erklärt, daß sich die Fliesen- leger und Hülfsarbeiter diesem Ultimatum nicht unter- werfen werden. Zum Beweise jedoch, daß cS letzteren mit der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen auf dem Wege der gemeinsamen Beratung Ernst ist, wird die Tarifkommission hiermit beauftragt, mit der Führung der weiteren Verhandlungen das Berliner Gewerbegericht zu betrauen und eventuell das EinignngZ- amt desselben in Anspruch zu nehmen. Lehnen die Firmen diese Verhandlungen ab, so sehen die Versammelten darin einen Beweis, daß die Untcrnebmer einen Kampf im Fliesenberufe provozieren wollen.— Sollten die Firmen den Kollegen ihren Vertrag zum Zwecke persönlicher Anerkennung zur Unterschrift vorlegen, so ist diese Unterschrift init Berufung auf unsere Tarifkommission resp. unseren heutigen Vcrsammlungsbeschlnß zu verweigern. Des weiteren sind die Kollegen gehalten, irgendwelche Maßnahmen der Geschäfte zur Aendernng der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Organisationsleitung sofort zu melden." Oeurkebes Reich. Elend im schwarzen Rock. „Der Bureauangestellte" teilt wieder einige Zahlen über Ge- haltsverbältnisse ostdeutscher Anwaltsgehülfen mit, die traurige Zu- stände beleuchlen. Aus Stettin werden die Gehälter der An- gestellten von etwa der Hälfte der Schreibstuben— mehr Zahlen sind nicht eingegangen— angegeben. Danach beziehen monatlich Lehrlinge Alter unter 5 M. 5-10 M. 10-20 M. 20-30 M. über 30 M. 14 10 ig ig—— 15 1 8 13 4— 10—— 3 3— 11(15%) 21 ,(29%) 84(47%) 7(9%)-{0)= 73 G e h ü l f e n Alter 30-50 M. 50-75 M. 75-100 M. über 100 M. 17—20 25 6—— 20-25 7 2 4— 25-45 4 2_ 1— 36(70%) 10(20%) 5(10)0/0)_(0)= 51 Von 24 Bureauvor st ehern beziehen 100—120 M. 120—150 M. 150—200 M. 200—220 M. 4(17%) 10(42%) 7(29% 3(12%) Es sind also 73— 49'/? Proz.„Lehrlinge" d. h., da die„Lehre" in Ausläuferdienst und mechanischer Abschreibearbeit, jugendliche Arbeiter, von denen keiner über 1 M. täglichen Einlommens bezieht. Und auch in der nächsten Gruppe, den Gehülfen, haben 70, von den unter 20 Jahre alten gar 81 Proz., weniger als 50 M. Monats- geholt, lieber 25 Jahre zählen 7 Gchülfen und 24 Vorsteher— 21 Prozent der Gesamtzahl; ein Zeichen der glänzenden Aussichten, die dieser Arbeiterkategorie blühen. Alles zusammengefaßt finden wir unter 20 20-50 50-100 100-150 150-200 über 200 M. Summa Angest. 66 43 15 14 7 3 148 Proz. 44,6 29,1 10 9.5 4.7 2— Also 74 Proz., fast drei Viertel des Personals, haben weniger als 50 M., nur 6,7 Proz., ein Fünfzehntel, mehr als 150 M. Eine K ü n d i g u n g S s r i st besteht für 19 Angestellte überhaupt nicht; sie beträgt für einen eine Woche, für 73 zwei Wochen, für 32 einen Monat, für elf sechs Wochen und für acht drei Monate. Der Mangel einer Kündigungsfrist für 13 Proz. und die kurzzeitige von einer bezlv. zwei Wochen für 53 Proz. ist bei der großen Arbeits- losigkeit in diesem, durch nbcrntäßigen Zuzug entwerteten„Beruf" besonders bitter._ TH.Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlag»anstglt Solche traurigen Verhältnisse findet man heute kaum noch unter ländlichen Tagelöhnern, sicher nicht mehr unter qualifizierten Hand» arbeiteni, über die doch ein großer Teil dieser armen Schreib« gchülfen sich als Stehlragenproletarier erhaben dünkt. Dabei fehlen ihnen die sozialpolitischen Schutzbestimmungen, wie sie den„ge- wöhnlichcn" Handarbeitern, dank ihrer gewerlschaftlichen und politi« scheu Organisation, bereits vielfach zuteil geworden sind: Gewerbe« anfsicht, Gcwerbcgericht, Arbeitsnachweis, geregelte Arbeitszeit, Fach« schule usw. Erst die Ueberwindung des Standes« dünkels, der zielbewußte Anschluß an die kämpfende Arbeiter- bewegnng wird anch dieser verkümmernden Arbeiterschicht etwas mehr Licht und Sonne erringen._ Ter Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit in der Dresdner Schuhindustrie nimmt schärfere Formen an. Auf die im gc- mäßigsten Ton gehaltene Eingabe des Schuhmacherverbandes um Einführung der neunstündigen Arbeitszeit haben die Mitglieder des Fabrikantenvereins ihren sämtlichen Arbeitern— soweit sie Mitglieder des Schuhmacherverbandes find— zum 0. November gekündigt, wenn bis dahin nicht die zunächst bei der Firma Pampel gestellte Forderung zurückgezogen ist. Die Organisation wird sich durch diesen Schreckschuß nicht ein« schüchtern lassen und dafür Sorge tragen, daß die Zahl der Stehenbleibenden nicht groß ist. Ter Achtstundentag. Am 15. Oktober gelangte in den optischen Werkstätten der Firma E. L e i tz in Wetzlar die achtstündige Arbeitszeit endgültig zur Einführung. Im vergangenen Jahre war sie versuchsweise ein« geführt worden und hat sich auch durchaus bewährt, denn trotz der kürzeren Arbeitszeit ist die durchschnittliche Leistungsfähigkeit nicht unwesentlich gestiegen. Bei der Abstimmung ergab sich, daß nur ein Zehntel der in Akkordarbeit Beschäftigten für die neunstündige, die übrigen neun Zehntel für die achtstündige Arbeitszeit stimmten. Die nunmehr endgültig festgelegte Arbeitszeit dauert von 8—12 und 2— 6 Uhr._ In der Metropole der Gelben. In der Jahresversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Augsburg machte der Kassierer die Mit« teilung, daß der Mitgliederstand des Vereins ganz bedeutend zugenommen habe._ Ein leibhaftiger Hofrat in einer Gewerkschaftsversammlung. DaS„sozialdemokratische" Gewerkschaftskartell in dem schwäbi« schen Städtchen Kaüfbeuren veranstaltete dieser Tage einen Vortrag über„Volksbildung". Als Gast war auch der rechisrundige Bürgermeister der Stadt, Hoftat Stumpf erschienen, der den Vortrag begrüßte und um die moralische Unterstützung auch des Gewerkschaftskartells bat bei seinem Bestreben, für die Stadt eine all- gemeine VolksbibliotHek zu errichten, was schon einmal an dem Willen der bürgerlichen Stadträte gescheitert sei. Bildung macht frei, sei seine(des Hofrats) Ueberzeugung. Auch bat der Bürger« meister die Arbeiterschaft um ihre Unterstützung bei der Durch« sührung einer Verbesserung der Kleinwohnungsverhältnisse, nach» dem ihn in solchen Fragen daS bürgerliche RatSkollegium im Stiche lasse._ Christliche Agitation. Nach den Provinzstädten Mindek- heim in Bayern kam dieser Tage ein christlicher Agitator und hielt vor ein paar christlichen Arbeitern einen Vortrag, worin er sagte. daß die freien Gewerkschaften heutzutage gar keine Bedeutung mehr hätten, während die Mitglicdcrzahl der ch r i st l i ch e n Gewerk« schaften auf 2 Millionen gestiegen sei.— Der Wanderapostel hat im Bewußtsein der Unerfahrenheit seiner Zuhörer die Statistik einfach zugunsten der christlichen umgelogen. Die Versammlung eröffnete der Bruder mit den Worten:„Gelobt sei Jesus Christus!" Letzte JVacbricbten und Depefeben. Ein offiziöses Dementi. Berlin, 25. Oktober.(W. T. B.) Die«Leipziger Neuesten Nachrichten" vom heutigen Tage wollen wissen, daß die vom Unter- staatssekretär v. Lindequist kürzlich für Südwestaftika erlassenen Eingeborenen-Berordnungen im Kolonialamt böses Blut gemacht hätten, und daß Staatssekretär Dernburg in einem Telegramm keinen Zweifel darüber gelassen habe, daß er mit den Anordnungen des UnterstaatSsckretärs keineswegs einverstanden sei. Demgegenüber sind wir in der Lage mitzuteilen, daß die Ver- ordnungen im Entwürfe dem Staatssekretär vvrgelegen habe» und von ihm vor ihrer Inkraftsetzung im Erlaßwege genehmigt worden sind. Von einem Telegramm des erwähnten Inhalts ist im Kolonialamt nichts bekannt. Schwerhörige Schuldner. London, 25. Oktober.(B. H.)„Daily Chronicle" meldet, daß der Premierminister Deakin empört sei über das Hinziehen de» Schadenersatzes, den Deutschland an die australische Firma BurnS, Phil u. Co. zahlen muß. Deutschland habe anfangs die Forde» rungen abgewiesen, sie dann aber zur Prüfung angenommen. Der Minister sagte in seiner Rede, seit zwei Jahren haben wir an die Türen dcS Berliner Auswärtigen AmteS geklopft und vergeblich versucht, unseren Bürgern zum Rechte zu verhelfen. Die neuesten Pleiten. New Dork, 25. Oktober.(W. T. B.) Die Brooklyner Lank in der Fnltonstraße in Brooklyn hat ihre BureauS heute nicht geöffnet. Das Kapital der Bank beträgt 300 000 Dollar. Die Internationale Trust-Company, hat ihre BureauS heute vormittag geschloffen, sie ? mit der Borough Bank in Brooklyn in Geschäftsbcziehungcn. ' Gehupft wie gesprungen. Petersburg, 25. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agcntur.) Durch kaiserlichen Ukas tritt für die Städte Jeknterinburg und Werchoturje mit den dazu gehörigen Bezirken an Stelle des verstärkten Schutzes der außerordentliche Schutz in Kraft. Ncbcrfallencr Pofizug. Batnm, 25. Oktober.(W. T. B.) Heute griff eine etwa vierzig Mann starke Baiide einen Postzug an, als er auf einer Ebene zwischen de» Stationen Belogory und Jzeronli hielt. Die Räuber warfen de» Lokomotivführer von der Lokomotive und beschossen den Zug. Die militärische Bedeckung de? Zuges erwiderte daS Feuer. Der Znführcr wurde getötet, sieben Soldaten sind verwundet worden. Vier Räuber drangen in den Postwagen und bemächtigten sich der Geldsäcke. Die Höhe der geraubten Summe ist noch ungewiß. Attentat auf einen Polizeibeamtea. Baku, 25. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen« Agentur.) Heute v�mittag 11 Uhr ist der Polizeibeamte Balakhanh in der Nähe des Bahnhofs getötet worden. Der Mörder ist ver« haftet._ Die notwendigste Reform. Konstantinopel, 25. Oktober.(W. T. B.) Nach Meldung türkischer Blätter ist in Saloniki eine Polizrischule unter Leitung eines belgischen Majors errichtet worden. DaulSingerLeCo., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. Untcrhaltungsblaü Nr. 251. 24. Iahrgaug. 1. KrilM Ks Jitwättf Inlinct Jlulliulilnll. Souuabtlld. 26. Oktober 1907. Die Debenregierung des§ 175. Dritter Tag. Der Zutritt zu dem kleinen Schwurgerichtssaal ist heute nur nach Ueberwindung besonderer Schwierigkeiten zu erkämpfen. Der Haupteingang zum Kriminalgerichtsgebäude ist von Hunderten neu gieriger Personen förmlich belagert. Vorsitzender?lmtsrichtcr Dr. Kern eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Es soll zunächst zur Vernehmung de? Fürsten Philipp zu Eulen bürg geschritten werden. Auf den Aufruf des Vorfitzenden meldet sich Sanitätsrat G c n n c r i ch zu einer Erklärung. Vors.: Haben Sie die Ermächtigung, hier für den Fürsten Eulcnburg zu sprechen? Sanitätsrat Gcnnerich: Ja, er hat mich zu sich rufen lassen. Ich habe ihn noch einmal untersucht und habe ihm vcr- Voten, aufzustehen. Das ärztliche Attest wird in einer halben Stunde hier sein. Vors.: Wird der Antrag auf kommissarische Vernehmung des Fürsten aufrechterhalten? Justizrat Dr. v. G o r d o n: Ja, natürlich unter Kon- frontation mit dem Zeugen Bollhardt. Justizrat Bernstein: Was den Fürsten Eulenburg außer Möglichkeit setzt, vernommen zu werden, ist nach dem bisher vor liegenden Attest hauptsächlich der Gemütszustand. Tic Gefahren in dieser Hinsicht würden bei einer k o m m i s s a r i schen Vernehmung dieselben sein wie bei einer Vernehmung vor Gericht. Ich bitte jedenfalls, falls das Gericht die kommissarische Vernehmung beschließt, diese erst vorzunebmen, wenn die B e w e i s- erhebung hier weiter vorgeschritten ist, damit die Vernehmung nicht wiederholt zu werden braucht. Ist es möglich, daß den Zeugenaussagen des Barons v. Bcrger und anderer Herren widersprochen wird vom Privatkläger? Er muß ihnen von seinem Standpunkt aus widersprechen. Der Herr Beklagte hat ein bc- grcifliches Interesse daran, daß die Vernehmung des Fürsten Eulen-- i urg vor voller Oeffentlichkeit stattfindet. Wenn das nicht möglich ist, so muß das Interesse des Beklagten berücksichtigt werden. Ich fühle mich zu dieser Bemerkung veranlaßt dadurch, daß die klagende Partei kein Bedenken getragen hat, gegen eine unbescholtene Dame die Behauptung aufzustellen, daß das, was sie unter ihrem Eid aussagte, unwahr ist. Wenn der Fürst Philipp zu Eulenburg unter Eid in Abrede stellt, daß er homosexuell veranlagt sei und daß er diese Veranlagung betätigt habe, so werde ich versuchen, durch Zeugen den Beweis zu führen, daß diese Behauptung unwahr ist. Fürst Bismarck hat, wie Dr. Liman Ihnen eidlich bestätigen wird, den Fürsten Eulenburg als Päderasten auf das allcrdeutlichste bezeichnet. Fürst Bismarck hat bekanntlich seine Leute gekannt. Dem Beklagten gegenüber hat er dasselbe bc- liauptet. Ich würde Jeugen vorführen, die Ihnen sagen werden, wie Fürst Bismarck zu dieser Meinung gekommen ist, Eulenburg sei bomoscxuell. Wenn dem vom Kläger widersprochen wird, werde '.ch es beweisen. Justizrat Dr. b. G o r d o n: Fürst Bismarck war gewiß eine Autorität, aber doch ein Mensch wie ein anderer. Wenn sich Gc° rächte über einen Menschen verbreiten, vor denen ja schließlich kein Mensch sicher ist. so kann auch die Berufung auf den Fürsten Ms- marck ein solches noch nicht zur unbestreitbaren Wahrheit machen. Wollen Sic es verantworten, daß der Kranke hier vielleicht in der Oeffentlichkeit tot hinsinkt? Justizrat Dr. Bernstein: Ich habe seinerzeit erwartet, daß als c r st e r N a m e auf der Zeugenladung de? Gegners der Aamc Für st Philipp zu Eulenburg stehen würde. Sobald als ich Herrn Haiden das erste Mal sah und die Klageschrift gc- sehen hatte, sagte ich zu ihm:„Die Sache dieser Herren steht sehr schlecht." Weder auf den Fürsten Eulcnburg, noch auf den Grafen Hohenau oder auf den Herrn Lccomte hat sich Herr Graf Moltkc bezogen. Es zeigt dieS, daß meine Schlußfolgerung durchaus nchtrg ist. Es erscheint mir praktisch, die Vernehmung des Fürsten Eulenburg vorläufig auszusetzen, da ja die Möglichkeit besteht, daß er in kurzer Frist vielleicht wieder hergestellt ist. Haiden: Bevor das Gericht beschließt, ob und wo der Fürst Eulcnburg zu vernehmen ist. bitte ich festzustellen, in welchem ilmfange es möglich ist. S. Durchlaucht in der Wohnung zu ver- nehmen. Nach dem. was bis jetzt über den Gesundheitszustand des Fürsten gesagt worden ist. halte ich selbst für ausgeschloffen. daß der Zeuge Bollhardt an Gcrichtsstelle dem Fürsten Eulenburg augenblicklich gegenübergestellt wird. Ich selbst kann nur immer wieder erklären, daß mir persönlich absolut nichts daran liegt, daß diese Gegenüberstellung hier statfindet, denn meine Anträge gehen gar nicht dahin, daß der Fürst Eulenburg sich homosexuell b e- tätigt haben soll. Ich habe den Zeugen Bollhardt gar nicht ge- laden, um beweisen zu wollen, daß sich der Fürst Eulenburg homosexuell betätigt hat, sondern nur um zu beweisen, daß der Graf Hohenau, der zu jenem Kreis gehörte, sich verschiedener schwerer Verfehlungen auf homosexuellem Gebiete hat zuschulden iommen lassen. Dies hat die gestrige Beweisaufnahme vollauf bewiesen..... Nach kurzer Beratung verkündet Amtsrichter Dr. Kern: Es bandelt sich darum, ob der Zeuge Bollhardt zu vereidigen ist. Er bat gestern erklärt, er möchte den Eid erst ablegen, wenn er den Fürsten zu Eulenburg gesehen hat. Es wird dem Zeugen Bollhardt aufgegeben, sich sofort zum Fürsten Eulenburg zu begeben und den Versuch zu machen, ihn zu schen. Kriminalkom- missar v. Treskow wird ihn begleiten. Ich mache den Herrn Kom- missar darauf aufmerksam, daß nach der Prozeßordnung die schon vernommenen Zeugen möglichst wemg in Verbindung kommen mit denen, die noch zu vernehmen sind. Sie werden also dafür sorgen, daß keinie Zwiegespräche zwischen hen Zeugen stattfinden. Justizrat Bernstein: Wir haben den Zeugen Bollhardt nur genannt in bezug auf den Grafen Hohenau und nur ganz zu- sällig hat der Zeuge auch den Fürsten Eulenburg hier bei seiner Vernehmung vor Gericht genannt. Wir haben nicht behauptet, daß der Fürst Eulenburg in der Villa Adler gewesen ist, aber es ist doch möglich, daß dies doch der Fall war. Fürst zu Eulenburg hat nun doch ein Interesse daran, von Bollhardt nicht erkannt zu »oerdcn. Es ist nicht ausgeschlossen, daß jemand, wenn er weiß, daß er rekognosziert werden soll und die Rekognoszierung noch dazu in der Woh- nung stattfinden soll, und zwar ohne Kontrolle, doch Vorkehrungen trifft, daß die Rekognoszierung nicht zuverlässig ist. Vors.: Der Zeuge Bollhardt soll ja nur vorläufig den Fürsten Eulenburg ansehen und er wird uns ja hier berichten. Ich »rage jetzt den Herrn Vertreter des Klägers, ob er seine gestern angedeuteten Beweisanträge fixiert hat. Justizrat Dr. v. Gordon: Ich wiederhole die gestern schon beantragte Vorladung derjenigen Personen als Zeugen, die über die ganze Gesinnung des PnvatklägerS, über Damen im allge- meinen und über die Eh- des Klägers aussagen sollen. Ich bcan- trage die Verlesung eines Briefes der Frau v. Elbe aus- der Zeit der Trennung an ihren Ehemann, in welchem sie in der liebe- vollsten Weise von dem Gatten spricht. Es wird bestritten, daß der Privatkläger die häßlichen Worte über Frauen und die Ehe gc- sprachen lMj er hat sich nur dahin ausgedrückt, daß die Eh« ohne sittliche Unterlage eine Cochonnerie sei. Mein allenvichtigster An- tcag geht auf Vernehmung der Grafen v. Lynar und Hohenau als Zeugen darüber, daß der PrivaMäger ig keiner Weise bei den Vorgängen beteiligt ist, von denen der Zeuge Bollhardt spricht. (Mit erhobener Stimme.) Wir wollen absolute Klarheit! Wir wollen, daß die befleckte Ehre des Privatklägers in jeder Beziehung wieder hergestellt wird, und»vir werden nicht eher ruhen, als bis kein Tipfclchcn von Verdacht auf ihm ruht(Noch lauter): Darum kann der Prozeß unter keinen Umständen zu Ende gehen, ohne daß diese beiden Herren vernommen werden. Sie selbst könnten ja erneut bezüglich ihrer eigenen Person die Aus sage verweigern, aber nicht bezüglich des Privatklägcrs, und sie werden als Ehrenmänner diese Aussage nicht v e r w c ig e r n. Ich habe gestern auch eventuell auf das Zeug nis Sr. Majestät des Kaisers hingewiesen. Mein Man- d a n t hat dringend versucht, die Person des Allerhöchsten Herrn aus diesem Prozeß herauszulassen. Er ist der Ansicht, daß, wenn er als General vor aller Welt und vor seinem Kaiser erklärt, es sei nicht»vahr, daß er Einfluß auf die Politik ausübe» wollte, und er glaubt, daß dies genügt. Graf v. M o l t k e: Ich werde unter keinen Umständen dazu beitragen, daß die Person des Allerhöchsten Herrn hier in die Debatte hineingezogen wird. Das widerspräche meinem eigenen Gefühl und aller Tradition. Harden: Ter Antrag, der bezüglich Sr. Majestät gestellt war, ging auf das Gegenteil dessen hinaus, was von uns behauptet worden ist. Der Gedanke, daß der Graf Kuno v. Moltke auf eigene Faust Politik treibe und seine Beziehungen zum deutschen Kaiser dazu ausnutze, liegt mir ganz fern. Denn es ist nicht zu denken, daß der hohe Herr davon nichts merken sollte, und es ist ganz klar, daß der Graf Kuno v. Moltke sofort seiner Stellung ver- lustig gegangen wäre, wenn der Kaiser einen solchen Versuch bemerkt hätte. Wir behaupten aber, daß Graf Kuno v. Moltkc den Fürsten Enlcnbnrg konstant und jahrelang aus dem Laufenden gehalten hat über alle Tinge, die ain Hofe passierten, über Stiinmunge», Maßnahmen und Pcrsonalfragen usw. Das alles war für den Fürsten Eulenburg wichtig. Eine vom Kaiser zu extrahierende Aussage, wenn sie möglich wäre, würde also gar nichts beweisen. Die Gegenseite will die Grafen Lynar und Hohenau geladen haben und hat mit Emphase erklärt, daß dieser Prozeß nicht zu Ende gehen könne, ohne daß diese beiden Herren vernommen werden! Ich glaube nicht, daß diese beiden Zeugen nach den bisherigen Ergebnissen dieses Prozesses sich dazu verstehen werde»», vor einem deutschen Gerichtshof auszusagen. Ich sehe in einem solchen Antrage nur den Versuch, den Prozeß zu verschieben.— Ferner macht man den Versuch, die erschütternde Aussage der Zeugin Frau v. Elbe, die hier schweren Herzens und wider ihren Wunsch Bekundungen gemacht hat, zu erschüttern, in. dem man sie als nicht ganz zurechnungsfähig infolge früheren Trionalgenusses hinzustellen versucht. Gerichtshof, Juristen und Laien hier im Saale werden darin einig sein, daß die Aussage dieser Frau nicht so zu belverten ist, als ob jemand über Wahr- nehmungen in der Straßenbahn usw. vernommen wird, sondern daß sie ein Komplex von ungeheuren Erlebnissen war. Sie ist ent- weder in toto richtig oder falsch. Man bat jetzt auch nicht»nchr gclvagt, diese Aussage als absichtlich falsch hinzustellen, vielleicht, weil sie nicht mehr>vie vor Jahren allein und ohne Hülfe dasteht, sondern jetzt zwei Männer an ihrer Seite hat, die sie schützen werden: ihren Mann und ihren Sohn. Die Bekanntschaft der Frau v. Elbe habe ich erst in einer Gesellschaft des Geheimrats Schwcninger gemacht. Frau v. Elbe»st, wenn ich mich so aus- drücken darf, die frühere Tante der jetzigen Gattin des Geheimrats Schweninger, der Frau Gräfin Lena von Moltke. Ich bitte dringend, wenn die Versuche, die Frau v. Elbe als unglaubwürdig hinzustellen, wiederholt werden, den Geheimrat Schweninger zu vernehmen, der seit fünf oder sechs Jahren mit der Frau v. Elbe gesellschaftlich verkehrt. Der Herr wird dann bekunden, ob er jemals in der ganzen langen Zeit auch nur das geringste von einer geistigen Abnormität, von den Folgen einer Trionalvergiftung oder ähnlichen Dingen, mit denen hier auf feiten des Gegners operiert wird, geinerkt hat. Ist das nicht der Fall, so wird sich die erschütternde und wahrhaft vernichtende Aussage der Frau v. Elbe nicht abschwächen lasten. Ein besonders heikler Punkt ist die Voll- ziehung der Ehe»nit dem Grafen Moltkc. Ich bitte hierzu die Eltern der Dame ausführlich zu vernehmen. Eine mir gestern von der Frau von Heyden zugegangene Depesche besagt, daß sich Frau v. Heyden in Stolp, Wasserstr. 7, in ärztlicher Behandlung be. findet und hier ihrer kommissarischen Vernehmung entgegensehen will. Frau v. H.wird nicht nur über die Eheschließung selbst interessante Mitteilungen machen, sie wird schwere Mißhandlungen bekunden, die der Herr Graf Moltke seiner damaligen Gattin zu- gefügt hat. Sie wird weiter bekunden, daß der Kläger stets von einem Ring gesprochen hat, den er und seine Freunde um Seine Majestät gezogen haben und den zu sprengen meine Aufgabe durch Veröffentlichung meiner Artikel gewesen ist. Der Herr Vertreter des Herrn Grafen Moltke sucht nun hier einen Gegensatz herzustellen, der zwischer» der jetzigen Aussage der Frau v. Elbe und ihren Angaben im Eheschcidungsprozeß angeblich bc- stehen soll. Ich möchte hauptsächlich iiur feststellen, daß schon da- mals behauptet wurde, daß es nur bis zwei Tage nach der Hochzeit zu einem ehelichen Verkehr gekommen ist. Herr Rechtsal»walt Jllch, der damalige Prozeßvertreter der Dame, wird bestätigen, daß die jetzt vorgebrachten Dinge mit den dainals behaupteten Tatsachen identisch sind. Eine Wiederholung dieser mehr als heiklen Sachen würde wohl nur unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden können. In einer allzu begreiflichen Verlegenheit ist Frau v. Elbe wohl bisher nicht recht in der Lage gewesen, absolut frei zu sprechen und alles aus der traurigen Ehe hier zu erzählen. Ich werde die Dame dann genau fragen,»velchcr Art die Mißhandlungen waren, die ihr der Herr Graf Moltke damals zugefügt hat. Seitens des Herrn Gegners wird behauptet, Frau d. Elbe wäre aggressiv ?egen ihren damaligen Gatten vorgegangen, hätte ihm den Kneifer eruntergeschlagen, die Epaulettes heruntergerissen usw. Ich werde dann konstatieren, daß dies nur in ärgster Notwehr gegen brutale Angriffe geschehen ist. In einem Falle mußte sogar im letzten Augenblick eine neue Toilette der damaligen Gräsin geändert werden, weil die Dame braune und blaue Flecke aufwies. Ich komme zu dem Faktum Mill, jener französischen Gouvernante. Es wird behauptet, daß sich die damalige Gattin des Militärattaches in Wien an ihre Gouvernante gewendet haben soll, um eine»» gehässigen Artikel in den„Gaulois" zu lancieren. Die hier im Saale airwesenden fran- zösischen Journalisten werden sich eines Lächelns nicht erwehren können, wenn man behauptet, daß der Direktor Artur Meyer vom „Gaulois" von einer Gouveri»ante einen Hetzartikel bringen wird. Jenes Fräulein Mill hat übrigens, wie ich aus einem in meinen Händen befindlichen Brief ersehe, in jencin Ehescheidungsprozcß geschrieben:„Ich bitte mich kommen zu lassen, da man mich miß- braucht hat, um gegen Sic vorzugehen." Seitens des Herrn Gegners wird unter Bezugnahme auf verschiedene Briefe behauptet, daß Frau v. Elbe auch noch kurz vor der Scheidung dem Grafen Moltkc sehr freundlich gesinnt gewesen sei. Ich glaube, ich habe das richtige Gefühl, wenn ich sage, die Frau Gräfin wollte damals gar nicht geschieden sein. Sie befand sich in der glänzendsten gesellschaftlichen Position» ic war trotz ihres sonstigen Unglücks ihrem Gatten zugetan. Sie wollte ferner, daß eine Ehe, die unter den glänzendsten Bedingungen geschloffen ist, nicht ohi»c weiteres getrennt»verde. Als Trau- �euge bei Schließung der Ehe des Grafen Moltke mit der jetzigen frau v. Elbe war Se. Majestät selbst erschienen und in dieser Ehe haben sich jene traurigen Dinge ereignet, die u>»s hier mitgeteilt sind. Es erscheint deshalb leicht begreiflich, wcs» halb sich die Dame seinerzeit gegen eine Trennung der Ehe ge- sträubt hat. Zum Schluß bitte ich aber noch den hier im Saale anwesenden jetzigen Gatten der Frau v. Elbe, m'it dem sie in denkbar glücklichster Ehe lebt, darüber vernehmen zu»vollen, ob er jemals irgend etwas von geistiger Abnormität oder Nachwirkungen einer Trionalvergiftung bemerkt hat. Justizrat Dr. Bernstein bespricht die gegnerischen Beweis- antrüge. Wenn das Gericht die Verlesung des Briefes der Fran b. Elbe beschließt, dann beantrage er, überhaupt die Eheschcidungs- alten als Bciveismittel anzuwenden. Er habe keinen Anlaß, der Vernehmung der Zeugen Graf Lynar und Graf Hohenau zu wider- sprechen. Wir haben den Zeugen Bollhard vorgeführt, um dem Gericht zu belvcisei», daß Gras Lynar und Graf Hohenau sexuell unerlaubte Handlungen vorgcnoinmen haben. Wir wollen beweisen, daß Herr Harden mit seinen Artikeln nur politische Zlvcckc verfolgte.-Wenn irgend jemand die sexuelle Integrität dieser Herren auf seinen Eid nimmt, sei es Fürst Eulcnburg oder ein anderer Zeuge, so»verde ich den Beweis antreten, daß diese eidliche Versicherung falsch ist. Der Verteidiger»vcndet sich dann ivicderuu» gegen die Bczweislung der Aussage der frühere»» Gräsin Moltkc. Die Gegenpartei solle doch den Mut finden, ihre Zweifel an der eidlichen Aussage dieser Frau in präzise Form zu kleiden und ihr Mein- cid vorwerfen. Dann werde man den Gegenbeweis erbringen können. Die Eltern der Frau v. Elbe»vollen wir darüber vernehmen, daß der Kläger ihnen dieselben Angaben über seine Ehe und seine eheliche Fähigkeit ober bester Unfähigkeit gemacht hat, wie seiner Frau. Er kennt nicht nur die Richtigkeit der Angaben seiner Frau, er hat ihren Eltern dasselbe gesagt» und er läßt, um die Aussage seiner früheren Frau abzuschlvächen, hier durch seinen Vertreter sagen, daS sei falsch. Dem Kläger»vird nachgewicsen. daß er selbst die Tatsache, daß er impotent getvcsen ist, seinem Schwiegervater mitgeteilt hat. Die Frau hat das hier aus ringender Seele unter Eid gesagt und der Herr Kläger hat den Mut, es in Abrede zu stellen. Ich bitte das Gericht, um sich von der Qualität eines Mitgliedes des Kreises um Eulcnburg zu überzeugen, darüber Beweis zu erheben.— Tann bitte ich Dr. Liman über die Acutzerung des Fürstci» Bismarck zu vernehmen. Fürst Bismarck hat nicht gesagt: es»vird gemunkelt, er hat gesagt: Fürst Eulcnburg ist ein P ä d e r a st. An diesem Wort ist nicht zu deuteln. Ich bitte dann um die Vernehmung des Dr. H i r s ch f e I d t, der in seinem „Monatsbericht des W. H. K." folgendes geschrieben hat:„Als eines Tages eine Gruppe von Offizieren sich im Kasino über diese Dinge unterhielt und einer der Herren daraufhin meinte, es sei dies gar nichts so ungewöhnliches, es befänden sich doch noch an höheren Stellen eine ganze Anzahl von Person- l i ch k e i t e n ähnlicher Veranlagung, man brauchte ja nur die letzten Nummern der„Zukunft" zu lesen, wandte sich der Kronprinz, der zufällig den letzten Teil der Unterhaltung gehört hatte, zu den Herren und bat um Aufklärung. Er ließ sich dann die betreffenden Nummern der„Zukunft" geben und besprach nun mit dem Chef des Militärkabinetts, dem Grafen Hülsen- Haeseker. ob es nicht notwendig sei, daß dieser dem 5iaiser von der ganzen Angelegenheit Mitteilung mache, v. Hülsen-Haeseler lehnte dies ab, unter Hinweis darauf, daß Fürst Eulenburg, um den es sich ja in erster Linie fyrndele. gar nicht Offizier sei, redete aber dem Kronprinzen zu, dem Kaiser selbst Mitteilung zu machen. Der Kronprinz wandte allerdings ein, daß er sich zu der Mission zu jung fühle, sprach aber am 2. Mai dann doch über die Vorgänge und Veröffentlichungen mit dem Kaiser. Dieser bcschied darauf sofort den Chef des Militär- kabinetts v. Hülsen-Haeseler ul»d den Minister des Innern v. Bcthmann-Hollweg zu sich, welch letzterer den Berliner Polizeipräsidenten v. Norries aus Kissingen telcgraphisch zurückbeorderte. Es fand eine mehrstündige Unterredung statt, in der in erster Linie Herr v. Hülsen-Haeseler das Wort führte und deren Endergebnis war. daß Graf Wilhelm Hohenau, bisher General 3 la suite des Kaisers, Gras Kuno Moltke, bisher Stadtkommandant von Berlin und vor allem Fün't Philipp zu Enlenburg, einer der einflußreichsten Freunde des Kaisers, aus ihrer hohen Stellung verabschiedet wurden. Ein vierter der von Harden genannten Mitglieder des Eulenburgschen Freundes- kreises, der Geheime Legationsrat v. B., hatte es vorgezogen, noch vor Eintritt der Katastrophe seinen Abschied einzureichen, welcher ihm, freilich ohne die sonst üblich cn Ehrcnbezeu» gungen. bewilligt wurde. Hier wird gesagt, der Kläger habe seine Stellung als Stadt- kommandant wegen der vom Beklagten behaupteten homosexuellen Veranlagung verloren. In dem jetzigen Prozeß hat der Kläger behauptet, daß der Verlust seiner Stellung mit den das sexuelle Gebiet berührende 11 Angelegen- h e i t e n nichts zu tun hat. Wenn diese Erklärung des Grafen nicht richtig ist, so ist das ein weiterer Beitrag zur Lösung der Frage, ob ein Mann wie der Kläger geeignet ist, die Stellung zu Sr. Majestät einzunehmen, die er tatsächlich eingenommen hat und jetzt nicht mehr einnimmt. Es ist auch ein Beitrag zu der Frage, ob in der Tat das Ungeheuerliche geschehen ist, daß»nan angesichts der Wahrheit dieser Dinge, die niemand besser bekannt sein mußten als dem Kläger, daß man die Ungeheuerlichkeit gctvagt hat, die Oeffentlichkeit, ganz Deutschland, über diese Dinge düpieren, ich will nicht sagen: belügen zu wollen. Ich bitte Herrn Dr. Hirschfeld darüber zu vernehmen, ob er wegen dieses Artikels von dem Herrn Fürsten Eulcnburg, von Graf Moltke oder irgend einem dieser Leute verklagt worden ist. Dr. Bernstein beantragt dann noch die Vernehmung der Zeugin Mille, die bekunden soll, daß sie in einem Schreiben selbst zugegeben habe, sie sei von den Gegnern der Frau v. Elbe gc» mißbraucht worden zu der Verdächtigung dieser Frau. Der nunmehr zurückgekehrte Kriminalkommissar v. Tresckow wird von dem Vorsitzenden vernommen und sagt auS:„Se. Durch- laucht hat mich empfangen, ich habe meinen Auftrag misgerichtet und er hat es abgelehnt, den Zeugen zu schen oder von ihm gesehen zu werden. Se. Durchlaucht lag krank im Bett und motivierte seine Ablehnung »vie folgt: Der Zeuge könnte glauben, ihn zu erkennen und würde dann zum Eide zugelaffcn werden und schlvören. Dazu möchte er eS nicht kommen laffen, er möchte sich auch wehren können und bittet, ihn in Gegenwart von Gcrichtspersonen dem Zeugen gegen- überzustcllcn und in seiner Wohnung zu vernehmen. Er wolle diesem Zeugen nicht»vehrloS gegenüber stehen. Vors.: Hatten Sie dem Fürsten gesagt, zu welchem Zweck Sie kämen?— Zeuge: Ja wohl, ich hatte ihm gesagt, daß der Zeuge ihn sehen solle. Worum es sich handelte, wußte er aus den Zeitungen. Justizrat Dr. b. Gordon: Die Erklärung des Fürsten Eulen- bürg ist eine durchaus korrekte und berechtigte. Ich lege nunmehr auch ein Attest des Gcrichtsarztcs Dr. Lcppmann über den Gc- sundheitszustaiid des Fürsten vor. Aus dein Attest, welches zur Verlesung gebracht wird, geht hervor, daß der Fürst krank im Bett liegt und nicht ausgehen kann. Eine Stelle des Attestes spricht auch davon, daß der Fürst in KrankheitSvorstellungen befangen sei. Bert. Justizrat Bernstein: Ich sehe aus dem Attest eigent ttch nur, daß der Fürst nicht wohl ist.(Heiterkeit.) Vors.: Hält der Beklagte die Behauptung aufrecht, dah der Privatkläger sich in dem in den Artikeln geschilderten Freundeskreise bewegt hat? Justizrat Dr. v. Gordon: Das wird entschieden bestritten Bert. B e r n st e i n: Ich brauche bloß darauf hinzuweisen, daß Fürst Eulenburg seit 40 Jahren der allcrintimste Freund dcS Privatklägers ist.> Horden: Fürst Eulenburg und Graf Kuno v. Moltke sind die Intimsten der Intimen, Herr Lecomte ist seit vielen Jahren mit Eulenburg intim befreundet. Er war mit dem Privatkläger schon bkannt, als die jetzige Frau v. Elbe noch Frau Gräfin Moltke war. Man braucht bloß auf das Wort„tes amis sont raes amis" i(beine Freunde sind meine Freunde) hinzuweisen und das Trio Eulenburg-Moltke-Lecomte ist gegeben. Bleibt Graf Wilhelm Hohenau. Er ist mit dem Privatkläger sehr genau bekannt, entfernt mit ihm verwandt, sie duzen sich, er ist der Sohn des Prinzen Albrecht Pater, also ein Hohenzoller, der Kaiser duzte ihn und hatte ihn Willi genannt. Graf Wilhelm Hohenau und der Privatkläger amtieren in der allernächsten Nähe des kaiserlichen Herrn. Ich dächte, das ist doch wohl eine Gruppe zu nennen. Vors.: Bleiben Sie dabei, daß dem Privatkläger die Homo- sexuellen Neigungen der übrigen Mitglieder der Gruppe bekannt gewesen seien. Horden: Ich bin überzeugt, daß Graf v. Moltke g e- wüßt hat, daß Fürst Eulenburg homosexuell veranlagt ist. Er hat bezüglich des Herrn Lecomte zugegeben, daß über ihn Gerüchte umliefen. Diese Gerüchte gingen über den Grafen Hohenau schon sehr lange um.(Mit erhobener Stimme): Die gegen den armen, schwer erblich belasteten Mann, den ich wahrhaftig mcht hier hineingezogen hätte, wenn ich mich nicht gegen einen Wust von Unwahrheiten und Verdächtigungen zu verteidigen hätte, erhobenen Vorwürfe und elenden Erpressungen waren so bekannt, daß ich cS für einfach unmöglich halte, daß der hier als„unpolitisch" hinge- stellte Graf Kuno v. Moltke es nicht gewußt haben sollte. I ch habe es gewußt, ich wohne in Grunewald und bin Schriftsteller und ich weiß es seit Jahre ni Es würde ein merkwürdiges Maß Naivität verraten, wenn der Privatkläger es nicht gewußt haben sollte. Wenn Anreden gewechselt werden, wie„Mein Ge- liebter! Meine Seele! Ich halte mich verpflichtet, meinen Freun- den zu leben! Ich kann auch nach meiner Veranlagung nur meine» Freunden leben I" usw. usw., legen doch mindestens den Verdacht nahe, daß feine Freundschaft„erotisch betont" war.(Mit zorn bebender Stimme): ES schreien ja doch die Spatzen von den Dächern! Drängen Sie mich noch weiter, dann würde ich Ihnen Mitglieder von Herrscherhäusern borführen, die da sagen: Ist es denn möglich, daß das überhaupt noch bestritten wird?(Auf den Privatkläger weisend und laut ausrufend): Dieser Mann bat sich ja doch den Rock nur zu erhalten gewußt durch eine Unwahrheit!! Der Vorsitzende ersucht den Angeklagten, sich zu mäßigen. Justizrat Bernstein: In einer und derselben Stunde sind die in den Artikeln genannten drei Männer ihrer Stellung verlustig gegangen! Hat Graf Kuno v. Moltke wirklich den Mut zu leugnen, daß der Verlust der Stellung seitens der drei Herren in unlösbarem Zusammenhang mit ihren sexuellen Neigungen stand? Ich berufe mich eventuell in dieser Beziehung auf den Chef des Militärkabinetts v. Hülfen» Haeseler. Vors.: Herr Privatkläger, wollen Sie sich einmal darüber äußern? Graf v. M o l t k e: ES ist im allgemeinen nicht Sitte, daß man über militärische Intimitäten spricht. Jfch äußere mich darüber nur so weit, als es zulässig ist. Ich habe meinen Abschied eingereicht unter der Motivierung, daß ich unter einem Verdacht stehe, dessen Beseitigung zunächst nicht sofort möglich war, der eS aber nicht angängig erscheinen ließ, daß ich unter der Wucht solcher Verleumdungen in meiner Stellung bleibe. Ich habe wegen dieser Anschuldigung meinen Dienst aufgeben müssen, meine 42jährige Karriere, die ich lieb gehabt habe, beendigt, meinen Rock, den ich in Ehren getragen, ausgezogen. Ich war Kömmandant der Leibkürassiere und kann wohl kaum in solcher Stellung das süßliche Wesen gezeigt haben, wie es kaum einem Leutnant zuzumuten wäre. Da ich durch den Angeklagten um mein Amt und meine Ehre gekommen bin, so hoffe ich, dah der Gerichtshof dies bei der Abmessung der Strafe berücksichtigen wird. Vors.: Sind Sie also lediglich wegen dieser Artikel aus dem Dienst geschieden? Graf v. M o l t k e: Ja! Vors.: Sind Sie denn nicht von zuständiger Stelle irgendwie befragt worden, ob eS wahr ist, was in den Artikeln stand? Graf v. Moltke: Ich habe darauf Nein gesagt. Justizrat Dr. v. G o r d o n: Ich beantrage, den Herrn Hülsen- Haeseler zu vernehmen; er wird bezeugen, daß dem Privatkläger anderenfalls doch nicht die Uniform belassen worden wäre. Ich beantrage ferner, Herrn Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg und den Polizeipräsidenten v. Borrie» darüber zu vernehmen, daß die in der Zeitschrift des wissenschaftlich-humanitären Komitees gegebene Darstellung der Vorgänge nicht richtig ist.— Weite- Wenn Fürst Bismarck geglaubt hätte, der Privatkläger fei ein Päderast, so hätte er doch da» tun müssen, was unterlassen zu haben der Angeklagte dem Privatkläger vorwirft: nämlich vor den Kaiser zu treten und ihm Bortrag zu halten.— Was schließlich die beabsichtigte Intrige in den Spalten des„GauloiS" betrifft, so haben wir dies nicht behauptet, sondern es ist in einem königlich preußischen Landgericht in einem Urteil festgestellt. Graf v. Moltke: Ich erkläre nochmals, daß ich von den Neigungen des Grafen Hohenau nichts gewußt habe und berufe mich in dieser Beziehung auf meinen Neffen Herrn v. d. Marwitz. Ucbrigens ist es eine völlige Bcrkcnnung der Verhältnisse, wenn angenommen wird, es wäre meineAufgabe gewesen, als Denunziant aufzutreten. Als Kommandant von Berlin hatte ich andere Auf- gaben. Justizrai Bernstein: Jedenfalls aber nicht die Aufgabe, mit Päderasten zu verkehren! Graf v. Moltke: Das ist eben nicht wahrl Harden: Der Herr Graf Moltke hat soeben hier gesagt, er habe einen Neffen, den Herr» von Marwitz, der beschwören »verde, daß ihm der Kläger gesagt habe, er habe mit Hohenau nicht daS geringste zu tun gehabt und wisse auch nichts von den gegen Hohenau erhobenen Anschuligungen. Ich möchte wissen, »veShalb er überhaupt etwas zu seinem Neffen über die Affäre gesagt hat? Ich nehme an, daß er deshalb nur darüber ge- fprochen hat, weil ihm mitgeteilt worden war, er sei ebenfalls da- mit verwickelt. Vielleicht beantwortet mir der Herr Kläger nun einmal endlich die Frage: Weshalb sind die Herren Graf Hohenau, Fürst Eulenburg, der Herr Graf Moltke selbst und der französische Herr Lecomte aus ihren Aemtern verschlounden? Der letztere ist überhaupt auS Berlin verschwunden. Ich möchte fragen, ob ivofil ein Gerichtshof, der diese Tatsachen kennt, daran zweifeln wird. ob dieses Verschwinden der Herren darauf zurückzufuhren ist, daß deren Namen in der„Zukunft" genannt worden sind. Ich glaube auch weiter, wenn nicht von der höchsten Stellendes Landes selbst Ermittelungen nach tie nicht wiederum gewisser Richtung angestellt worden wären, ein gewisses Resultat gehabt hätten, so wären die Herren heute noch in ihren alten P o st e n. Heber diesen Punkt entspinnen sich äußerst heftige AuSein- airdcrsetzuugcn zwischen Harden und dem Grafen Moltke. Justizrat Bernstein: Will mir der Herr Graf mitteilen, weshalb sich Fürst Eulenburg Nicht mehr auf seinem Botschafter. Posten befindet? Graf Moltke: DaS weiß ich doch nicht, was geht mich daS an! Justizrat Bernstein: Der intimste Freund de» Fürsten, der feit 40 Jahren mit ihm verkehrt, soll nicht wissen, weshalb der Fürst von der Bildfläche verschivundcn ist und in Ungnade gefallen ist? Graf Moltke: Ich weiß eS nicht weshalb, ich habe auch kein Schriftstück gesehen.(Heiterkeit im Auditorium.) Nach kurzer Pause verkündet der Vorsitzende: Bon allen Beweisanträgen will das Gericht zunächst Herrn Dr. H i r s ch f e l d t als Sachverständigen darüber vernehmen, ob er auf Grund der bisherigen Verhandlung ein Gutachten dar über abgeben wolle, ob der Angeklagte homosexuell veranlagt ist und ob er diese Veranlagung belätigt hat. Dr. Magnus Hirschfeldt wird als Sachverständiger vereidigt und führt auS: Ich mutz sagen, daß ich aus der Beweis- aufnähme die wissenschaftliche Ueberzeugung gewonnen habe, daß objektiv eine Abweichung von der Norm bczw. von dem Gefühl der Mehrheit im EmpfindungSlcbcn dcS Grafen Kuno Moltke vorliegt, und zwar um eine zweifellos unverschuldete angeborene und nach meiner Ueberzeugung ihm selbst auch nicht bewußte Anlage, die man als homosexuell zu be zeichnen pflegt. Wir verstehen unter homosexuell jemanden, der sich in Liebe zu Angehörigen des gleichen Geschlechts hin� gezogen fühlt, ob er sich dabei homosexuell betätigt, daS ist vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus neben- sächlich. Ich habe nach den Aussagen der Frau v. Elbe und ihres Sohnes die Ueberzeugung gewonnen, daß die Symptome der Homosexualität bei dein Kläger recht deutlich zutage treten. Bei den Schilderungen der Frau v. Elbe hatte ich dasselbe Ge fühl wie so oft bei ähnlichen Fällen: DaS ist die furchtbare Tragik der Ehe eines unbewußt homosexuell empfindenden Menschen, die in dem Falle besonders kompliziert ist, daß sie mit einer Frau geschlossen wurde, die bereits vorher verheiratet war und die ihren Mann nach meiner Auffassung außerordentlich stark liebte und sich deshalb in ihrer Ehe absolut unbefriedigt fühlte. Nach weiteren wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über das Wesen der Homa sexualität faßt Dr. Hirschfeldt sein Urteil dahin zusammen: Nach meiner Ueberzeugung ist der Beweis hier erbracht worden, daß hier ein von der Norm abweichendes Empfinden vorliegt. Wider die Norm ist aber nicht gleichbedeutend mit wider die Natur. Ich bin nach meinen Be obachtungen zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Homa sexualität keine Krankheit ist, sondern im Plane der Natur liegt. Ich will wünschen, daß man deshalb von diesem Prozeß auch sagen kann, daß er auS der Dunkelheit über diese Frage zum Licht führt. Um die Soldaten vor Mißbrauch der Dienstgewali zu schützen, be darf es nicht des auf falschen Voraussetzungen beruhenden§ 175, der wirklich übergenug Opfer gefordert hat. Vorsitzender Dr. Kern: Herr Sachverständiger, gibt es nicht verschiedene Arten von Homosexualität? Wir wollen nicht von den schlimmen Arten sprechen, die gestern hier zur Sprache gekommen sind, sondern von den weit harm- loseren. Würden Sie zum Beispiel darin, daß jemand daS Taschentuch seine» Freunde» zärtlich an den Mund drückt, eine Betätigung einer homosexuellen Veranlagung erblicken? Dr. Magnus Hirschfeldt: Es kommt darauf an, wenn man in einer Betätigung der Homosexualität lediglich sexuelle Handlungen erblickt, so würde ich in der Handlung mit dem Taschentuch keine Betätigung erblicken. Trotzdem könnte man auch hierin im engeren Sinne einen homosexuellen Akt erblicken. Ich persönlich halte dies nur als ein Zeichen der Innigkeit des seelischen Empfindens. Vors.: Gibt es auck Homosexuelle, die allein darin schon ihre Befriedigung finden, daß sie sich in den Kreisen homosexuell veranlagter Männer bewegen? Dr. Hirschfeldt: Vielen gewährt dies allerdings eine rein äußerliche Befriedigung. Ich bin jedoch zu der Ueberzeugung ge- kommen, daß die übrigen hier genannten Herren des Kreises es vielleicht verstanden haben, ihre Neigungen zu verbergen. Gerade ein Homosexueller ist immer gewillt, seine Neigung zu kaschieren. Es kommt häufig vor, daß ein Homo- sexuell veranlagter Mann sich so bewegt, daß seine nächste Um- gebung nichts von seiner Veranlagung bemerkt. Wenn dann Plötz- lich diese zur Kenntnis gelangt, hört man häufig, das hätte niemand geglaubt, daß der auch„so" ist. Justizrat v. G o r d o n: Würden Sie sich nicht in Ihrer An- acht ändern, wenn ich Ihnen sage, daß der Herr Graf Moltke in Breslau längere Zeit vor feiner Heirat ein weibliches„Verhältnis" hatte? Dr. Hirschfeldt: Nein, das ändert nichts an meinem Gutachten. In Anknüpfung an das Gutachten des Dr. Hirfchtfeldt ent- wickelt sich eine sehr lebhafte Erörterung über die einzelnen Schattierungen und Nuancen, die auf dem großen Gebiete der Homosexualität zu beobachten sind. Es beteiligen sich daran die beiden Sachwalter, der Angeklagte und der Sachverständige Dr. Magnus Hirschfeldt. Diese mehr wissenschaftlichen Ausführungen nehmen längere Zeit in Anspruch. Es wird unter anderem davon gesprochen, daß es nicht ausschließt, daß Homosexuelle sich auch verheiraten, da sie mehrfach von ihrer Umgebung zur Verheiratung zcdrängt werden, daß sich dann zu dem Unglück ihrer anormalen Veranlagung auch noch das Faktum einer unglücklichen Ehe tritt. daß viele Homosexuelle ihre Neigungen kaschieren usw. usw. Graf v. Moltke: Mein Freundschaftsverhältnis zum fürsten zu Eulenburg ist ein durchaus reines und männliches. ES efesti�te sich, als ich in München mit ihm zusammen kam und er mich in Künstlerkreise einführte, in Kreise, wo Lenbach. Kaub bach usw. verkehrten, wo es geistig hoch herging und wo man viele Anregungen empfing. Diese Freude über den Verkehr mit einem geistig anregenden Manne hat sich in unserem schriftlichen Verkehr ausgedrückt, Verteidiger Justizrai Bernstein: Der Sachverständige hat sich ebenso wie Dr. Moll und andere selbst über Homosexualität in der„Zukunft" geäußert und kennt ooch wohl den Standpunkt des Angeklagten zu dieser Frage. Trauen Sie ihm zu, daß er jemand nur wegen seiner homosexuellen Neigungen»n seiner Zeit- schrift angreifen wird? Sachverständiger Dr. Hirschfeldt: Nein! Bei der weiteren Erörterung werden hauptsächlich Fragen berührt, die sich auf die sexuellen und psychologischen Eigenschaften der Homosexuellen und die Folgen dieser Eigenschaften im ehe- lichcn Verkehr beziehen. Dr. Hirsch seid bemerkt hierbei, daß Graf Hohenau seine homosexuelle Veranlagung außerordentlich vor- sichtig verborgen gehalten habe. Harden: Würde der Herr Sachverständige bei dieser Meinung bleiben, wenn er erfährt, daß Graf Hohenau zugleich mit dem Grafen Lhnar mit den von ihnen gebrauchten Soldaten im Park der Villa Sekt getrunken hat, sich von ihnen beim Bornamen nennen ließ und ihnen Briefe geschrieben hat mit dem Aufdruck„Kgl. Schloß"? Dr. Hirsch sc ld: Hier handelte es sich auch um Mit- schuldige. Harven: Herr Dr. Hirfchfeld hat den Privatkläger lange gesehen und reden hören. Der Privaikläger wendet sonst vielleicht noch mehr kosmetische Mittel an als es hier der Fall ist.(Graf Moltke schlägt erregt mit der Faust auf den Tisch.) Ich bitte, sich nicht zu erregen. Es ist beschworen, daß der Kläger Rot auflegt und die Verwendung kosmetischer Mittel ist doch nichts Ehrenrühriges. Ich frage, ob der Herr Sachverständige nach seinem persönlichen Eindruck von dem Privatkläger sagen kann: das ist ein normaler preußischer General. Dr. Hirschfeld: Ich ienne den Kläger zu wenig, um darüber urteilen zu können. Den Homosexuellen ist allerdings meist ein femininer Einschlag eigen, ich kann aber noch nicht sagen, ob dies bei dem Privatkläger der Fall ist. Graf Moltke: Ich bitte, meine beiden Diener darüber zu vernehmen, welche kosmetischen Mittel ich anwende. Man will mir hier einen weibischen Anstrich geben, den ich nicht besitze.,_ � � In der weiteren Erörterung weist Harden darauf hin, daß Homosexuelle, die sich gezwungen sehen, ihre wahre Veranlagung vor der Welt durch eine Maske zu verbergen, durch diese innere Unwahrhaftigkcit leicht großen Schaden anrichten können, wenn sie in größerer Zahl sich um die Person des Monarchen gruppieren und diesem ein falsches Bild der realen Verhältnisse geben. Dr. Hirfchfeld bemerkt hierzu, daß die Charaktere der Homoferuellen sehr verschieden seien. Auf eine bezügliche Frage des Justizrats Dr. v. Gordon setzt der Sachverständige Dr. Hirschfeld auseinander, daß er aller- dings Michelangelo als HomosexueNe» in Anspruch nehmen müsse. Was Friedrich den Großen betrifft, so sei das eine viel er- örterte Frage. ES werde vielfach angenommen, daß bei Friedrich II. ein sehr starker homosexueller Einschlag vorhanden ivar. Redner setzt des längeren auseinander, weshalb auch er dieser Meinung sei. Durch Friedrichs dcS Großen ganzes Leben zog sich eine Kette der ausgesprochensten innigsten Männerfteund- schafi. Graf Moltke: Ich muß noch einmal aufS entschiedenste wiederholen, daß ein solcher Kreis, wie er in der„Zu- kunft" angedeutet ist. nicht existiert. Ich bestreite dieS nachdrücklichst! Wenn ein solcher KreiS existierte, so mußte doch nachzuweisen fein, daß dieser Monsieur Lecomte einmal an der Tafel deS Kaisers Platz genommen hätte, was nicht der Fall ist. Verteidiger Bernstein: Herr Harden hat niemals von der Tafel dcS Kaisers gesprochen.. Justizrat Dr. v. Gordon: O bitte, eS steht doch in den Artikeln von der Tafelrunde. Harden: Es ist nur von der Tafelrunde des Fürsten Eulenburg die Rede. Justizrat Dr. v. Gordon hält es für durchaus notwendig. nun auch den zweiten Sachverständigen, Dr. M e r z b a ch, zu hören. Hierauf tritt eine Pause bis 4 Uhr ein. Nach Wiedereröffnung durch Amtsrichter Dr. Kern wird der zweite Sackiverständige Dr. med. Georg Merzbach vernommen. Porst: Sind Sie nach dem. was Sie gehört haben, voraus- gefetzt, daß die Bekundungen der Frau v. Elbe richtig sind, der Meinung, daß der Privarkläger homosexuell veranlagt ist? Sachverst. Dr. Merz bach: Nein. Der hohe Gerichtshof hat daS außerordentlich klare Gutachten meines Mitarbeiters gehört. doch glaube ich, dah ich doch zu einem anderen Ergebnis kommen muß. Ja den inkriminierten Artikeln ist von Herrn Harden dem Privatklägcr das Vorhandensein normwidriger Triebe zum Vorwurf gemacht worden.(Harden ruft: Wo?) Was versteht man unter krankhaftem Geschlcchtssinn und Geschlechtstrieb? Eine Norm»st im sexuellen Leben absolut nicht festgelegt. Der Privat- kläger hat im Alter von 47 Jahren die Ehe geschlossen und Jahre hindurch ein ganz normales Leben geführt, bis dann eine sogenannte psychische Impotenz bei ihm eingetreten sein dürfte, die auf diese oder jene Eigenschaften der Frau zurückzuführen sein dürfte. Das Gerücht von dieser Impotenz ist von der Seite verbreitet worden, die sich un- befriedigt durch den Verkehr mit ihrem Gatten fühlte und auch das Gerücht von der Homosexualität ist von derselben Seite aus- gegangen.(Harden und sein Verteidiger rufen laut: Beweise!) Dr. M. fährt fort: Frauv. d. Marwitzwirdcsbekundcn. (Unruhe.) Just»zrat Bernstein: Ich bestreite«ach dieser Bekundung die Qualität dieses Herr» als Sachverständigen überhaupt. Ich beantrage an Stelle dieses Herr» Herrn Prof. Eulenburg oder Herrn Dr. Moll als Sachverständiger zu vernehmen. Harden: Woher ist dem Herrn Dr. Merzbach bekannt» was Frau v. d. Marwitz demnächst sagen wird? Dr. Merzbach: Ich habe über das Geschlechtsleben des Grafen v. Moltke auch be, Personen aus der Umgebung desselben Nachfrage gehalten und habe festgestellt, daß Graf v. Moltke ein durchaus korrektes, unantastbares Geschlechts- leben geführt hat und dann eine psychische Impotenz eingetreten ist. Was die Homosexualität betrifft, so hat der Privatkläger keine krankhaften Züge dem anderen Geschlecht gegen- über aufgewiesen.(Unterbrechung durch Harden.) Was die Homo- sexualität angeht, so liegt kein Anhaltspunkt vor, daß sein Ver- halten dem Fürsten Eulenburg gegenüber irgendwelche Rückschlüsse gestattet sind. Graf v. Moltke ist eine ideale überschwängliche Natur und... Jusiizr. Bernstein unterbrechend: Ich bestreite dem Herrn Dr. Merzbach, daß er vermöge seiner besonderen Kenntnisse auf dem Gebiete als Sachverständiger qualifiziert ist. Der Vor- sitzende war in der Lage, den Herrn wiederholt zu unterbrechen und ihn darauf hinzuweisen, daß er sein Gutachten nur auf Grunv der Ergebnisse dieser Verhandlung abzugeben hat und nicht auf Gr»nd privater Erkundigungen. Ein Sachverständiger, der in dieser Weise alle zwei Minuten unterbrochen werden muß, ist nicht imstande, hier als Sachverständiger zu fungieren. Ich pro testiere gegen dessen weitere Vernehmung und schlage wiederholt Herrn Prof. Dr. Eulcnburg oder Dr. Moll als Sachverständiger vor. Justizr. Dr. v. Gordon: Ich hatte gerade Herrn Dr. Merz- bach vorgeschlagen, weil er d-r zweite Vorsitzende des wissenschaftlich- humanitären Komitees ist und genau dieselbe Grundanschauung hat. wjc Dr. Hirschfeld. Harden: Ich habe wohl«niHiesiOBriefe bonAerzten bekommen, in denen eS hieß, daß ich gegen diesen Sachverständigen doch sofort protestieren müßte. da nicht der geringste Grund vorliegt, diesen Herrn als Sach- verständigen gelten zu lassen. Ich frage, aus Grund welcher wissen- schaftlichen Arbeiten Herr Dr. Mcrzbach, der in der Chausseestraßc praktiziert und an seinem Hause ein Schild hat:„Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten" zur Qualität eines Sachverständigen kommen soll? Vors.: Herr Dr. Merzbach sind Sie schon einmal Sachver- ständiger gewesen? Dr. Merz bach: Gewiß, schon sehr häufig! Justizrat Bernstein: Ich wiederhole, daß sich dieser Sach- verständige einseitig auf Angaben stützte, die ihm vom Privatkläger und dessen Freunden gemacht worden sind. Das Gutachten des Dr. Hirschfeld war das Muster eines völlig unparteiischen Gutachdens, Dr. Merzbach kann aber nicht als unparteiisch gelten. DaS Gericht zieht sich zur Beratung über diesen Ablehnungs- antrag zurück. Vors. Dr. Kern publiziert darauf folgendes: DaS Gericht will dem Sachverständigen durchaus nicht nahetretcn, eS ist aber der Ansicht, daß der Sachverständig. außerhalb der Beweisaufnahme ein Bild gewonnen hat, welches er nunmehr in seinem Gutachten wiedergibt. Dies hält das Gericht nicht für zulässig und nimmt deshalb von der weiteren Vernehmung Abstand. Auf die Frage, ob noch weitere Bewcisanträge gestellt werden, erklärt Justizrat B e r n ste i n u. a.: Ich habe wesentliches Interesse an der Vernehmung seS Chefredakteurs Dr. Liman. der wort- wörtlich folgendes bekunden wird:.Im Laufe eines Gesprächs mit ihm hat Fürst Bismarck folgendes geäußert: Die Hintermänner im doppelten Sinne, auch im physischen— siehe Eulenburg— sitzen in Liebender g. Diese Leute umgeben den Kaiser und schließen ihn ab. Der Kaiser glaubt, daß niemand ihn beeinflußt, und für die amtlichen Berater trifft das zu, aber oie Leute� diese Menschen, die ihm an Geist und Willen unterlegen sind haben eine gegenseitige Lebensversicherung abge schlössen. Diese männliche» Kinäden treiben alles von ihm fort was ihnen paßt. Das Schlimmste ist, daß solche Leute immer die Meinung des regierenden Herrn haben. Wenn derKaiser etwas sagt und sich umsieht, sieht er immernur anbetende Gesichter auf sich gerio>,tet. Sie geben ihm immer recht und schaffen so ein Gegengewicht gegen die Berater, die ihm pflichtgemäß opponieren müssen." Es erscheint auf Auftuf in Majorsuniform der Platzmajor Ernst vonHülsen im Saal. Vors.: Herr Major, Sie sollen darüber vernommen werden. ob der Herr Privatkläger Kuno v. Moltke wußte, daß sich in dem bekannten Freundeskreis Herren befanden, die homosexuell ver anlagt waren. Hat Herr Graf Moltke einmal irgend etwas mit Ihnen darüber gesprochen? Zeuge: Nein, darüber ist nichts gesprochen worden. wenigstens hat in meinem Beisein Exzellenz Graf Moltke hier über nichts geäußert. Vors.: Haben Sie selbst vielleicht eigene Wahr� nehmungen darüber gemacht? Zeuge: Nein, ich habe mich nicht darum bekümmert. Justizrat Dr. v. G o r d o n: Haben Sie selbst etwas ge- wüßt, daß sich Graf Lynar sexuelle Verfehlungen hat zuschulden kommen lassen? Zeuge: Nein. Justizrat Bern st ein: Herr Major, ich lege auf folgende Frage besonderes Gewicht: Ist Ihnen bekannt, warum sich Graf Moltke, Fürst Eulcnburg und Graf Hohenau nicht mehr in ihren früheren Stellungen befinden? Zeuge(nach minutenlangem Zögern): stimmtes weiß ich nicht--— Vors.: Sie müssen aber auch dasjenige bekunden, was Ihnen überhaupt bekannt ist, wenn auch nicht bestimmt. Justizrat Dr. v. G o r d o n: Ich möchte vor allen Dingen den Herrn Zeugen fragen, ob er von diesen Dingen etwa in dienstlicher Eigenschaft Kenntnis erhalten hat. In diesem Falle mühte er sein Zeugnis solange verweigern, bis er von seinem Vorgesetzten von der Schweigepflicht entbunden ist. Vors.: In welcher Eigenschaft haben Sie denn Kenntnis von diesen Dingen erhalten? Zeuge: Als Untergebener des damaligen Stadb kommandanten Grafen Moltke habe ich amtliche Schriftstücke zu Gesicht bekommen, in denen von solchen Dingen die Sprache war. Ich darf also hierüber nicht aussagen. Es handelte sich um eine amtliche Order, die im Burcaudienst durch meine Hände gegangen ist. Justizrat Dr. v. Gordon: Ich habe absolut nichts dagegen, wenn der Herr Zeuge alles aussagen würde, was er weiß, aber der Herr darf das nicht. (Heiterkeit.) Zeuge: Ich bitte, noch einmal die Frage an mich stellen zu wollen, die ich beantworten soll. Justizrat B e r n st e i n: Sie sollen uns nur sagen, weshalb die Herren Fürst Eulcnburg, Graf Moltke und Graf Hohenau sich nicht mehr in ihren Aemtern befinden? Zeuge: Von Gr. Durchlaucht dem Fürsten zu Eulenburg weiß ich überhaupt nichts zu sagen., Justizrat Bernstein: Hat der Herr Zeuge nie außer amtlich gerüchtweise etwas davon gehört, weshalb Fürst Eulenburg nicht mehr Botschafter z. D. ist? Zeuge zögert wieder längere Zeit mit der Antwort: Vors.: Es hilft nichts, Sie müssen dies aussagen. Zeuge: Ich weiß nur. daß es hieß, Graf Eulen- bürg habe sex welle Beziehungen unterhalten, die in die Ocffentlichkeit gedrungen sind und ihm geschadet haben. Juftizrat Dr. v. Gordon: Wer hat Ihnen das mitgeteilt? Zeuge: Es wurde allgemein unter Offizieren davon ge. sprachen. Wer mir es im speziellen gesagt hat, weiß ich nicht mehr. Es wurde im allgemeinen angenommen. Justizrat B e r n st e i n: Ich stelle nur fest, daß im allgemeinen davon gesprochen wurde. Das genügt mir. Justizrat Dr. v. Gordon: Wurde denn mehr davon ge- sprachen, wie in den Zeitungen stand? Zeuge: Jawohl! Justizrat Bernstein: ES hieß also, Fürst Eulen- bürg sei aus seiner Stellung entlassen worden, weil er sich Homo- sexnelle Dinge habe zuschulden kommen lassen? Zeuge: Jawohl! Justizrat Bernstein: Sind diese Mitteilungen auch ge- glaubt worden? Zeuge: Jawohl, die sind auch allgemein geglaubt worden. Justizrat B e r n st e i n: Ist dem Zeugen amtlich bekannt ge- worden, weshalb sich der Herr Kläger nicht mehr in seiner Stellung als Stadtkommandant befindet? Zeuge: Was ich amtlich erfahren habe, darf ich natürlich hier nicht aussagen. Meine Kenntnis über diesen Punkt rührt aus den Akten her» die mir als Bureau- ch e f zugängig waren. Justizrat Bernstein: Ich muß noch einmal auf das Thema Eulenburg zurückkommen. Ist der Herr Zeuge der Ansicht, daß von den Gerüchten über die homosexuellen Dinge dem Grafen Moltke nicht das geringste bekannt geworden sein mag und zwar bevor in den Zeitungen bezw. der„Zukunft etwas davon ver- lautbar wurde? Haben Sie nicht die Ansicht, daß auch Graf Moltke etwas oder bei seinem nahen Freundschaftsverhältnis zu dem Fürsten alles erfahren haben wird? Zeuge: Jawohl, ich glaube, daß Exzellenz Moltke alles er- fahren haben wird. Justizrat Berufte in:. Haben Sie außeramtlich etwas über die Gründe erfahren, weshalb der Herr Kläger nicht mehr Stadtkommandant ist? Zeuge: Jawohl, es ist dasselbe wie bei dem Fürsteu Eulen- bürg. Er wurde homosexueller Dinge beschuldigt, die auch in die Ocffentlichkeit gedrungen waren. Horden: Ist es richtig, daß ausschließlich militärtechüische Gründe, wie sie bei jeder Verabschiedung vorkommen, dazu geführt haben, daß Graf Moltke nicht mehr Stadtkommandant von Berlin ist? v. H ü l s e n: Ausschließlich militärische Gründe sind es n i ch t gewesen, aber die Entlassung hat jedenfalls mit dem militärischen Dienstverhältnis in Verbindung gestanden. Justizrat Bernstein: Hing das mit den hier wiederholt er- wähnten Dingen zusammen. Zeuge: Jawohl. Justizrat Bernstein: Ist dem Zeugen bekannt, daß die verschiedenen Entlassungen der Herren Fürst Eulenburg. Graf Moltke, Graf Hohenau an demselben Tag« von der entscheidenden Stelle beschlossen worden sind? Zeuge: Meines Wissens sind sie nicht an demselben Tage beschlossen. Justizrat Bernstein: Sind die Umstände, die zur Eni- treten? n'� an ��'iklben Tag« in die Erscheinung ge« Zeuge! Das weiß ich nicht. Justizrat B e r n st e i n: Sie sagen also, daß Sie eine Aus kunft über die Order betreffend die Entlassung des Grafen Moltke verweigern müssen, weil sie Ihnen amtlich zur Kenntnis kam? Zeuge: Jawohl. Justizrat Dr. v. G o r d o n: Waren es authentische Quellen, aus denen Sie autzeramtlich Ihre Wissenschaft über die Entlassungs- gründe des Fürsten Eulenburg und des Grafen Moltke schöpften? Graf Moltke: Wann sind diese Gerüchte zu Ihnen ge drungen, nach dem Erscheinen der.Zukunft"-Artikel? Zeuge: Jawohl. Graf Moltke beugt sich zu dem Zeugen und fragt mit leiser Stimme: Ist eine besondere Order über mich gekommen, von der ich keine Kenntnis hatte? Vors.: DaS geht nicht, Sic müssen hier Ihre Fragen laut stellen. Graf Moltke wiederholt seine Frage. Justizrat B e r n st e i n: Wenn der Zeuge diese Frage be- antwortet, dann verlange ich auch, daß er über den Inhalt der amtlichen Schriftstücke Auskunft gibt. Der Zeuge verweigert die ZluSkunft. Nachdem beide Parteien ihre Beweisanträge aufrechterhalten haben, zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Der Vorsitzende verkündet nach kurzer Beratung, daß er auf Grund der Bestimmungen der Strafprozeßordnung die Beweis- aufnahm« schließe. Die Plaidoyers werden heute um 10 Uhr beginnen._ Fmlster Uttblindstag des Seemannsverbandes. Hamburg, 24. Oktober. Da die Kommission(Reorganisation des Verbandes) ihre Arbeiten noch nicht erledigt hatte, mußte auch die heutige Vor mittagssitzung ausfallen. In der Nachmittagssitzung erstattete die Kommission ihren Bericht. Vorgeschlagen wird die Erhöhung des Wochenbcitrages von 23 auf 40 Pf., dagegen soll das Eintrittsgeld von 1,S0 M. bestehen bleiben. Ferner wurde vorgeschlagen die Einführung einer Effektenvcrsicherung, eines Sterbe- und Krankengeldes, einer Notstands- und Gemaßregeltenunterstützung. Nach reger Aussprache wird der Erhöhung des Beitrages zu- gestimmt. Der Name des Verbandes wird umgeändert in„Verband see- männischcr Arbeiter". Mit großer Mehrheit werden die Vorschläge auf Einführung der genannten Unterstützungseinrichtungen angenommen. Rechts schütz wird nach halbjähriger Karenzzeit gewährt, Unterstützung bei völligem oder teilweisem Effcktenverlust je nach Dauer der Mitgliedschaft in fünf Staffeln 25— 423 M., Unterstützung in besonderen Notfällen in zwei Staffeln 23— 50 M. Die Krankenunterstützung soll in fünf Staffeln für 4— 3 Wochen 3— 7 M. pro Woche betragen. An Gemaßregelten- und Streikunterstützung sollen pro Woche 12 M. und für jedes Kind 1 M. bis zum Höchst- betrage von 18 M. bezahlt werden. Das Verbandsorgan soll künftig den Mitgliedschaften unentgeltlich verabfolgt werden; Aw zeigen soll es nicht mehr aufnehmen. Das Gesamtstatut, das in namentlicher Abstimmung mit 23 gegen 5 Stimmen angenommen wurde, tritt am 1. Januar 1903 in Kraft._ Hus Induftm und Handel Schnelle Wendung. Im Geschäftsbericht der A.-G. Hösch, Eisen- und Stahlwerk in Dortmund, wird die Situation auf dem Eisenmarfte noch sebr günstig beurteilt. Seit dem Erscheinen de? Berichtes sind kaum ein paar Wochen ins Land gegangen. Mittlerweile haben sich die leitenden Persönlichkeiten zu einer anderen Beurteilung der Kon- junktur bequemt. In der am Donnerstag stattgefundenen General- Versammlung der Hösch-A.-G. bemerkte der Vorsitzende: Das Ergebnis des ersten Quartals im laufenden Geschäftsjahr war ein beftiedigendes und übertrifft das des gleichen Zeitraumes des Vorjahres. Inzwischen hat aber der Eisenmarkt an Lebbaftia- keit verloren, und die Folge ist ein anhaltendes Sinken der Preise, namentlich von Stabeisen und Blech, gewesen. Der Stabeisen- absatz insbesondere leidet unter dem Druck der gegen ftüher wesent- lich erhöhten Beteiligung im Stahlwerkverbande. Es ist schwierig, heute ein einigermaßen zutreffendes Urteil über die Gestaltung der Dinge zu geben. Wir hoffen indessen, daß, wenn unser Wirtschafts- leben von unerwarteten Störungen verschont bleibt, eS gelingen wird, das für das laufende Betriebsjahr erforderliche BeschäftigungS- quantum zu verschaffen._ Millionengeschenk. Wie der Korrespondent der„Kölnischen Zeitung" aus Berlin erfährt, betrögt der Abschluß der Eisenbahn- Verwaltung mit dem Kohlensyndikat rund S 235 000 Tonnen. Der Preis stellt sich durchschnittlich um 1,25 M. höher, als nach dem diesjährigen Abschluß. Die Menge der abgeschlossenen Kohlen ist um ungefähr 765 000 Tonnen größer als be, dem letzten Abschluß. Der diesmalige Abschluß lautet auf drei Jahre, während der ftühere sich aus zwei Jahre erstreckte. Der PreiSauffchlag macht für die Vertragsdauer rund 23l/3 Millionen Mark auS. Jedenfalls ein hübsches Geschenk."_ Lodenwucher. _ Ein interessantes Beispiel von Bodenwertsteigerung gibt Dr. Siegmund Schott, der Direktor des Mannheimer Statistischen Amtes, in seinem Werke„M an n heim seit der Gründung deS Reiches 1871—1907". Es handelt sich dabei um ein großes, außerhalb des eigentlichen Stadt-Weichbildes gelegenes Gelände, das sogenannte„Gontardsche Gut". Dieses 92 802 Quadratmeter große Gut war seit dein Jahre 1853 im Besitze der Evangelischen Kollettur in Mannheim gewesen, von der eS im Jahre 1800 ein reicher Kam- merzienrat für eine knappe halbe Million, d. h. also den Quadrat- meter für 5,28 M. abkaufte. Der rührige Geschäftsmann leitete so- fort die Ausschließungsarbeiten ein, und binnen drei Jahre» war nahezu das ganze Terrain in die zweite Hand, nämlich an 27 neue Besitzer übergegangen, die dafür einen Dnrwichnittspreis von 22,38 M. pro Quadratmeter zahlten. Die Austeilung ging nun weiter vor sich, und im Jahre l395 waren in der dritten Hand 102 Besitzer vorhanden, die für daS durch Straßen- bauten allerdings um fast 30 Proz. verringerte Terrain durchschnittlich 34,71 M. pro Quadratmeter gegeben hatten. Der Parzellierung olgte die Bebauung rasch auf dem Fuße, und heute ist aus dem Gontardschen Gut ein neuer Stadtteil von 6000 Eiulvohuern geworden. dessen Boden natürlich ständig weiter an Wert gewinnt. Wir haben hier also eine Bodenwertsteigerung im Laufe von fünf kurzen Jahren von 5,28 M. pro Quadratmeter aus 34,71 M. oder um mehr als das Sechsfach«, wobei allerdings die er- wähnte Redultion deS Terrains lind der Auiwand für Straßen- Herstellungen in Betracht zu zieheil ist. Geschaffen ist dieser Wert in erster Linie von den heutigen Bewohnern der Grundstücke! monopolisiert und zum Teil schon vorweggenommen wurde er von den jetzigen und früheren Besitzern derselben. RcichsbankausweiS. Der Ausweis über die dritte Ottoderwoche zeigt, daß sich der Metallbestand von 763 496 000 M. auk 808 882 000 Mark vermehrte<1906 774 652 000 M, 1905 884 409 000 M). Die Gesamtdecknngen erhöhten sich um 47 397 000 M.<1906 60 600 000 M., 1905 54 872 000 M.>. Der Status der Bank weist eine Berbesjenmg auf um 104 975 000 M.(1906 113 604 000, 1905 116 910 000 M.). Das Institut ist noch mit 129 514 000 M. i» derStcuerpflicht(in der Voitvoche mit 234 489 000 M.. 1906 mit 116 411 000 M.. 1905 mit 25 597 000 M.) Die Anlagen in Wechseln verminderten sich von 1 232 645 000 M ans 1 223 595 000 M.(Bestand 1906 1 192 684 000 M.. 1905 1085 506 000 M.) Die Lombardforderungen erniedrigten sich von 118 039000 M. auf 76 409 000 M.(1906 51 491000 M.. 1905 73 830 000 M.). der Effektenbestand zeigte eine Abnahme von 145 031 000 M. aus 103 596 000 M.(1906 101 209 000 M.. 1905 105 060 000 M). Die täglich fälligen Verbindlichkeiten vermehrten sich von 579 063 000 M. auf 598 465 000 M.(1906 565 937 000 M.. 1905 530 741 000 M). Die sonstigen Akriven nahmen von 98 333 000 Mark auf 107 086 000 M. zu<1906 96 549 000 M.. 1905 89 190 000 Mark), die sonstigen Passiven erhöhten sich von 62 826 000 M. aus 65 064 000 M.(1906 49 942 000 M.. 1905 32 624 000 M.). Die Fallisscmcllts in Amerika. Die Zahl der wirtschaftlichen Zusammenbrüche in den Vereinigten Staaten von Amerika im vorigen Jahre(1906) erregt natürlich gerade jetzt besonderes Interesse. Diese Zahl war mit 10 682 die kleinste seit 1888, wen» man von den Jahren 1892 und 1899 absieht-, sie bildete 0,77 Proz. der Gesamtzahl aller geschäftlichen Unter- nehmuiigen<1 392 949 d. h. 35 494 mehr als 1905) und war prozentual geringer als in jedem Jahre seit 1881. Dabei betrugen: 1906 1905 1906 mehr als 1903 die M. M. M. Verbindlichkeiten. 500 000 000 430 000 000 70 000 000 Aktiva..... 280 000 000 243 000 000 37 000 000 Ungedeckte Schulden 220 000 000 187 000 000 33 000 000 Die Zahl der Bankerotts war zwar 1906 um 838 geringer. Durchschnittlich betrugen die Verbindlichkeiten bei einem Bankerott 1906: 46 750 M. gegen 37 500 Mark im Vorjahre. Das starke Steigen des durchschuiltlichen Verlustes pro Fallissement ist zu einem Teile wenigstens auf das Konto des Erdbebens von San Francisco zu setzen, sodann aber auch die wüste Spekulation, die einige Maklergeschäfte ausgeführt haben. An, höchsten der Zahl nach wurde die Bekleidungs- und Modeniiidustrie davon betroffen, sodann die Bau- und Zimmer- und die Böltchergeichäste, ferner die Müller und Bäcker, die Maschinenindustrie, das Druckgcwerbe usw. Die größten Verluste waren in der Maschinenindustrie zu verzeichnen; dann folgten den Bau- und Zimmergeschäften die Bekleidungs- industrie, die Industrie der Glas- und Tonwaren usw. Die Verluste der industriellen Fallissements 1906 betrugen 192 Millionen Mark; sie waren damit 6 Millionen Mark höher als im Vorjahre. Die größte Zahl der Bankrotts kam natürlich im Haudelsgewerbe vor, umfaßte jedoch nur 15 Millionen Mark Verluste. Die Transport- Unternehmungen waren mit 106 Millionen Mark Berluftc» beteiligt. Sie wiesen gegen das Vorjahr eine ganz besonders starke Zunahme auf, wo nur 28 Millionen Mark dabei verloren wurden. Bei Bank- pleiten gingen 79 Millionen Mark drauf, eine Besserung gegen das Vorjahr, die allerdings ftir das laufende Jahr nicht mehr anhalten dürfte. ... Die augenblickliche KristS hat wieder einige neue Firmen in Zahlungsschwierigkeiten gebracht. Das gab der Erregung der um ihre Einlagen besorgten Bankkunden neue Nahrung. An der Börse wurde Leihgeld bis zu 130 bezahlt. Etwas wie Ocl auf brandende Wogen wirkte die Hergabe von 25 Millionen Dollar Darlehen durch Morgan und 10 Millionen durch Nockefeller. In den letzten drei Wochen sollen die New Dorker Banken zirka 200 Millionen Dollar ausgezahlt haben. Die Krise wirft ihre Wellen natürlich fortgesetzt weit über den lokalen Rahmen hinaus. Ein Antrag auf Bankrott- erklärung der Southern Steel Company(Alabama), deren Kapital 25 Millionen Dollar beträgt, ist beim Bundesgericht eingereicht worden. AuS R e n o(Nevada) wird gemeldet, daß der Gouverneur, um einem Sturm vorzubeugen:, den Freitag und Sonnabend für gesetzliche Feiertage erklärt hat. Eine Staatsbank und eine Trust Company hatten die Zahlungen eingestellt. Erklärlicherweise versuchen die Finanzfürsten' durch unverbind- liche Erklärungen den verloren gegangenen Optimismus zurü-'- zuzaubern. Bon den heutigen Meldungen registrieren Ivir: New Dorf, 25. Oktober.(Meldung der Associated Preß.) Die Entwickelung der finanziellen Lage zeigte heute nacht allgemein eine weitere Besserung der KrisiS. Die Finanzleute hielten mehrere Konserenzen ab, doch fand Cortelyou Zeit, einein Klubdiner beizuwohnen, wo er sich opttmistisch äußerte, aber keine offiziellen Angaben machen zu wollen erklärte, da die Situation sich so gebessert habe. Der neu ernannte Erste Aufsichtsbeamte für die Banken äußerte, soweit er habe in Erfahrnng bringen können, seien alle hiesigen Banken zahlungsfähig, nur die übereilten und unvernünftigen Anforderungen der Depositoren hätten die Lage gefährlich gestaltet. Der Staatskontrolleur stellte in Abrede, daß staatliche Gelder aus den Banken zurückgezogen worden wären; zwölf Millionen StaatSgelder seien deponiert, und weitere Summen würden nötigenfalls noch deponiert werden. New Dorf, 25. Oktober.(B. H.) Die Lage der Börse war gestern wieder sehr krittsch, als sich gegen 2 Uhr das Gerücht ver- breitete, daß es an Bargeld mangele. Die Katastrophe wurde dank dem Eingreifen Morgans verhindert, welcher der Stock Exchange eine Summe von 25 Millionen Dollar zu 10 Proz. vorstreckte. Nockefeller hat sich ebenfalls bereit erklärt, die gleiche Summe zu 10 Proz. herzugeben. Auch wird mitgeteilt, daß der Stahltrust den Markt mit einer Summe von 75 Millionen Dollar unterstützt hat. Die Krise gilt nach der allgemeinen Ansicht nunmehr als vorüber. New Dorf, 25. Oktober.(W. T. B.) Es Wirt gemeldet, daß die United States Exchange Bank, eine kleine Bank im Harlemdistrikt, mit wenig über einer halben Million Depositen ihre Schalter nicht öffnete, doch hatte dies keinen Einfluß auf die Allgemeinsituation. Es geht im Gegenteil ein ruhigerer Zug durch die Geschäftswelt, dank der umfassenden Vorkehrungen, die gestern zur Wiederherstellung der normalen Lage gettoffen wurden. Auch die Philadelphia RhodeiS- land Union Trust Co. blieb heute geschloffen. Oesscntliche Btuliother und Seseyalle zu unentgeltlicher Ve- »uyuug für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Uhr abendS, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lefesale» liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Nichtung auS. FreirellgUisr Gemeinde. Sonntag, Yen 27. Oktober, vonn. 8»/, Uhr, im Nathan»(Saal 109): Versammlung mit freireltgiöfer Vorlesung.— Vormittags 10'/, Uhr in der Schulaula, Kl. Finiiksurtcrstr. 6: Vortrag von Herrn Adolf Stern:.Die Liebe ist deS Gesetzes Erfüllung". Damen«nd Herren als Gäste sehr willkommen. Zentral-Kranken- und Bcarnbniökasse für Frauen und Mädchen in Teutschland. Verwaltung Berlin III. M-ntag, den 23. Oktober 1907. abends 9 Uhr, bei H. Cchutdt, Puwuserstr. LS. Wasserstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde. mllgeteA vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit Bregel, Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder, Natibor , Krassen . Frniilsiirt Warthe, Schttmm , Landsberg Neye, Vordamm Elbe, Lcitmcritz „ Barbh Magdeburg Saale, Grochtitz ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unlerpegel Dritter Wahlkreis. Tonntag» den 37. Oktober, abends 6 Uhr, im großen Saale der Neuen Armitthallen (Gebr. Mielitz), Kommandantenstraße Nr. 38/39: Oeffentliche Versammlung für Mäi«»er und Frauen. TagcS-Ordnung: 241/20* Bortrag des Redakteurs Genossen Heinrich Ströbel über: „Unser Kampf gegen Bolksentrechtnug n. Volksausbentnng." Nach der D-:1ammIung: Gemütliches Leilamnienfem. Eintritt inkl. Garderobe 39 Pf.— Tanz frei. Zahlreiches Erscheinen der Genossen erwartet vvr» Vorntand. 29. und 41. Kommunal-Wahlbezirk. Montag, den 38. Oktober, abends 8 V» Uhr: — Versammlung in den Mttsiker-Säle», Kaiser Wilhelmstratze 1.8m. Tages-Ordnun g: I. Der Freisinn im roten Hause. Referent Stadtverordneter HknHAHH SChüljßFl. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Genossen des 1., 5. und 6. Wahlkreises haben die Pflicht zu erscheinen und für regen Besnch zu sorgen. 19*m. 237/9« Das Wahlkomitee. Sozialdemokratisclier Wahlverein des 6. BerlinerReichstags-Wahlkreises. 8 SjfentUche Jtotnmunabihlerversatnmlungen. Tages-Ordnung: 267/9* yolltifdjfs n. Sosialjifllitifiljfs ans dem Holen Hanse. • Montag, den 38. Oktober, abends SVa Uhr: für den 3S. Wahlbezirk bei brolersim, Schönhauser Allee 130, und in vbiglos ke8l5ä!ell, Schwedterstr. 23124; DienStag, den 30. Oktober, abends S'/a Uhr: jür den 33. Bezirk bei llSSe. Brunnenstr. 154, für den 34. Bezirk: Beroüna Festsäle, Schönhauser Allee 28, für den 36. Bezirk: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstraße 42, für den 44. Bezirk: Patzeuhofer Brauerei, Turmstr. 26, für den 48. Bezirk: Beruhard Bose-7Iiealer, Badstr. 58; Mittwoch, den 39. Oktober, abends 8'/a Uhr: für den 45. Bezirk: Ärlus-Hof, Perlebergerstr. 36. Referenten sind die Stadtverordneten: Borgmann, Bruns, Dupont, Fischer, Glocke, Leid, Pfannkuch, Ritter. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Arbeitsnachweis: Hos l. Zlmt 3. 1239. BerwaltungSstelle Berlin. eiioritSstrano 3. Hauptbureau: os III. Amt 3, 1387 VI. WaNlkrsls! Sonntag, dr» 27. Oktober, abends 6Vz llhr, bei Wilke, Krnnnenstraße Nr. 188: Oeffentliche Uerjammlnng. Vodrsg des Ksn. lob.«aö lidol: Die Bulturheslrebuugeu der Bezialdeniollralle. Nachher: Qemtitliches Beisammensein u. Tanz. 267/11' Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler u. deren Berufsgenossen, ie.«. wo. aa Hamburg.) JVSitgliedcr- Vcrsaininlungcn finden stall Bezirk �: am Sonntag, den S7. Oktober, vormittags 10'/, Uhr, im GewerkschaftShanse. Saal S. h H; am Sonntag, den 37. Oktober, vormittags Iv'/z Uhr, Wienerstraste SS bei«Ulvi-e. » O: am Gonntag. den 37. Oktober, vormittags 10 Uhr, Zllte Jakobstr. I8/IS bei SvUalrn. Tagesordnung: 1. GeschäfilicheS. 2. Kassenbericht vom 3. Quartal 1S07. 3. Ergänz nngSwahl deS BorstandeZ. 4. Verschiedenes. gz7b 9tv Ortsvortvaltnaeen. 10 Psund« Kolli frisch gcsalz. Ächweineftückenfleisch nur M. 3.30, 25 Vf. M. 7.90 ab hier. 9 Psund holst. Holländer Käse, fdjnilt. Ii. fast.. M. 2.90. 35 Pfd. M. 10.50., verl. unter Nachti. H. Krosfiaann.'JJuvtorf i.H. 13. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Montag, den 28. Oktober 1907, abends 8 Uhr: Versammlung der Elektromontenre und Httlssmontenre im<-!evvrIi»«!li»rt»I,»i>«v, Engel-llfcr IS, Saal 4. Tages-Ordnung: I. Bericht über den Verlaus unserer Bewegung. Referent: Kollege Handle. 2. Älskussion. Kollegen I Mit Rücksicht aus die Dichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden von Ihnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Darum ist es notwendig, dah für einen guten Besuch der Versammlung gesorgt wird. Keiner dars schien l Montag, den 28. Oktober 1907, abends 8Vs Uhr: Versammlung der in den Eisengießereien beschäftigten Former und Bemfsgenossen (Mitglieder des Deutschen Metallarbciter-VerbandeS) im Meisten Saale dc>; Cacramniii-Praclitvülv, Ehauffeeftr. Ilv. Tages-Ordnung: 1. Dortrag über:„Kirche und Arbeiterbewegung«. Referent: Kollege Adolf Wuschick. 2. Die Berliner Eisengießereien im Winter. 3. Branchenanaelegcnhciten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß folgende nene Zahlstellen errichtet sind: BttU Hasper, Scilöneberg, Bcnnigsenstr. 33/31. Paul Anders, Berlin ST., vöttgerstraste t. BCarl Sie wert, Charlottenbnrs, Helmholtzstr. 33. Otto Gaßmann, 154/18 Berlin X., Badftraste(Ecke der Grünthalerstraste). Ble 9rt»ver«nltiinA. ls !»WMM 2!nI>I»tetto Berkin. Lrgneke nerWMnztrumeniensrdeiter. Montag, den 28. Oktober, abends 8V2 Uhr» im Gewerkschaftshausc, Engcl Ufcr 15, Saal I: Branchen- Versammlung. TagcS-Ordnung: 1. Der Verlauf nnlerer Herbstbeioegung unter besonderer Be- rücksichtigung des Streiks bei der Firma Benrel. Referent: Kollege F. Leopold. 2. Die Dclcgicrtenwahlcii der Ortskrankenkasse für das Gewerbe der Tischler und Pianosoitcarbeiter. 3. Die Lohnbewegung der Leipziger Klavicrarbeitcr. 4. Sonstige Branchen- und VerbandSangelegcn- Helten. Die am S. November sällige Dertraueiismänner-Bersammlung findet der Sladlocrordnetenwahlcn wegen nicht statt. Die Vertrauensleute haben sämtlich in der Branchen-Versammlung zu erscheinen, wo auch eine Kontrolle der VcrtrauenSmännerkarten staltfindet. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Die Branchenkommisflon. Achtung! ZsiltiBCMer. Achtung Sonntag, den 27. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Boeker, Wcberftr. 17: Si-aneben»Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Der Spruch des EiniaungSamteS und die Zugeständnisse der Unter. nehmer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. SS/14 MM?» Kollegen l Wegen der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht, daß jeder einzelne in der Versammlung erscheint l Mitgliedsbuch legitimiert. Tie Branchenkommissiou Sonntag» den-i?. Oktober er., vormittags 19 Uhr, im Marienbad, Badstr. 95,39 Oeffentliche Versammlung aller in der Ledersabrikatiou beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: l. Vortrag des ehemaligen Kollegen Wermnth über„Modernen Sozialismus-. 2. Berichterstattung des Kall. Runge über die Mißstände in den einzelnen Fabriken. 3. Diskussion hierüber. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches sowie pünkt- liches Erscheinen jedes einzelnen Pflicht, um hiermit zu beweisen, daß er mit den bestehenden Verhältnissen nicht zusrteden Ist. 144/7 I. Sl.: Frnnm Range. 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Preis 50 Ps. Verlag: Hellas. Berlin, Jnvä „Bodenreform". Nr. 20. leitung: A.Damaschke. Verlag Blätter für BoltSgesnndheitspstegc. 10. Heft. Organ des Deutschen Vereins für VoltShyaienc. Verlag: VollSwohlfahrt, Berlin W. 30. Soziale Tagcsfragen. Heft 6: Handwerterfragen. Von Dr. Engel. 1JK.— Heft 19: Juvalidenvcrstchcrung und WohlfahrtS- Vcrlag: Volksverein für daS katholifche Deutschland in Organ der deutschen BSdenrcsormer. Schrlst- 1:§. Horrwitz Nachs., Berlin SW. 48. 60 Ps. pflege. M.-Gladbach Die Stuhlverftopfung und deren Behebung ohne Medikamente. Von Elisabeth Goldbach. Wien. Verlag von Huber u. Lahme Nachs. Preis 60 Heller. Cabet, Das Weib, sein unglückliches Schicksal in der gegenivärtigcn Gesellschast, sein Glück in der zulünsttgcn Gemeinschaft. Vorwort von Dr. Hugo Lindemann. Sammlung gcsclllchnstswisscnlchastlicher Aussätze. 18. Hest. Verlag von M. Ernst, München. Preis 40 Ps. WittcrnngSübersicht vom 25. 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Dank der Solidarität der Berliner Arbeiterschaft sahen sich eine Anzahl Berliner Konfektionäre veranlaßt, Betriebswerkstätten einzurichten und tariflich festgesetzte Zeitlöhne an die Arbeiterschaft zu zahlen. Wir ersuchen daher mit Gegenwärtigem die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins und Umgebung, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengarderobe in Zukunft mtr die nachstehenden Geschäfte bernckstchtigen zu wollen. Nordens �Hoffnung", Produktiv- Genossenschaft der Schneider, Brunnenstr. 185. Alle von dieser Firma in den Handel gebrachten Waren werden zu den von der Organisation sest- gesetzten Bedingungen bcrgestellt. Wir empfehlen dieselbe daher ganz besonders. Lindenbaum, Franseckistr. 15, hat versuchsweise eine Werkstätte ewgertchtet. „Blitz", Rosenthalerstr. 9. „Blitz", Chausseestr. 85. Diese Firma stellt den gröftten Teil ihres Um- sattes zu den geforderte» Bedingungen her. Baer Sohn» Chausseestr. 29/30. Diese Firma unterhält eine BetriebSwerkstätte für St Arbeiter und hat die neunstündige Arbeitszeit eingeführt. „Blitz", Gr. Frankfurterstr. 137. „Blitz", Frankfurter Chaussee 19, Lichtenberg. Haake, Landsbergcrstr. 91. Warenhaus Max Mannheim, Frankfurter Allee 112. Ostens Baer Sohn, Gr. Frankfurterstr. 20. Amerikanische Berkaufshallen, Frankfurter Allee 186. Lindenbaum, Gr. Frankfurterstr. 141. Südens „Blitz", Kottbuser Damm 29/30. Leske u. Lehrer, Kottbuser Damm 78. Hettinger. Deutsche Comp., Oranienstr. 40/41, Wormann. Kottbuser Damm 77. stellen einen arotzen Teil ihreS UmIatzeS zu den%*** 23rürf(m|tr. 11. gelorderten Bedingungen her. Esders tt. Dyckhoff, Oranienstr. 48. Westens „Blitz", Schöneberg. Hauptstr. 10. I Esders«. Dyckhoff, Am Dönhoffplatz. Nachstehende Firmen haben die Errichtung von Betriebswerkstätten zugesagt: S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Philipp Fabisch, Rosenthalerstr. 1. Bernhard Baer, Rosenthalerstr. 5. Sachs, Gr. Frankfurterstr. 132. Mar� Schenkel, Rosenthalerstr. 3. D. Perleberg, Chausseestr. 57; hatte eine Werkstätte eröffnet, dieselbe aber wieder geschloffen, nachdem daS Kammergericht ein für unS ungünstiges Urteil gefällt hatte. Alex Bohne, Landsbergerstr. 79. Kommandithaus Schendel, Oranienstr. 83. Berkaufshalle„Vulkan", Frankfurterstr. 5, Frankfurter Allee 134. Behrend, Grüner Weg 84. Ringel, Chausseestr. 31. Bnmnenstr. 47. Lewy«. Co., Brunnenstr. 50. Wilmers- dorferstr. 47. Bendit, Brunnenstr. 63. Littmann, Oranienstr. 2. Schweriner» Chausseestr. 113. Joseph Wandt, Chausseestr. 80 a. Th. Juras. Chausseestr. 79. Da diesen Firmen— anscheinend unter dem Eindruck des Kammergerichtsurteils— die Be- schaffung von BetriebSräumen lehr schwer fällt, ersuchen wir, dieselben nicht allzusehr mit dem Einkauf von waren zu belästigen, damit ihnen mehr Zeit zur Verfügung steht, um ihr gegebenes Wort ein- zulösen. 166/15* Perband der Schneider«. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schiossci EEmst Albrecht am Lungenlciden gestorben ist Ehre seinem Andenke». Die Becrdigimg findet am Zonntag, den 27. Oktober, nach- miltagS 3 Uhr, von der Leichen- balle des EmmauS-KirchhofcS tn piixdors, Herniannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 154/19 Bio Ortsverwallung. lenlral-Verbstill der Steinarbeiler. Filiale Berlin 1. Am 22. d. M. starb unser Kollege Vilhehn Piesker Im SUtcr von 31 Jahren an der BerusStrantheit. Ehr« seinem Andenke» i Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 2 Uhr von der Leicheiihalle des Schöne- bcrgcr FricdhoseS, Maxstraße, ans statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 181/16 Die Ortsverwaltung. Berlins und Dmgegemt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Witvelm Rotkopf nuS Klub„Eichenwald- Im Alter von 61 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 26. Oktober, nach- mittags 3 Uhr. in Kallberge statt. 3/20 I»eU> Vor et t ao<1. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Vagenbauer. Bezirk IV. Todes• Anzeige. Am 22. Oktober verstarb das Mitglied �uxust Krombe> an Lungenkatarrh. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in der Bar. suSstraße aus statt. 863b Um zahlreiches Geleit bittet Der Vorstand. Nach schweren Leide» entschlief am 24. Oktober srüh 3 Uhr der Tischler Uulvlg Rässemann. Die Beerdigung findet am Sonntag nachm. 3 Uhr von der Leichenhalle des EmiitauS-Kirch- Hess aus statt. Um stilles Beileid ersuchen 460L Die Hinterbliebenen. Danksagung. Hiermit sage allen Freunden und Bekanittcn meines verstorbenen Mannes Eduard Brabctz für ihre Teilnahme an der Beerdigung unser» herzlichsten Dank. 8611 Berlin, den 24. Oktober 1907. Witwe Brabctz nebst Kinder: 1#| Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz •V4 L N Z es Z 2 +* •w* wm es M •*« »A 2 N -4-» •w* WM« CS N ** •«H 2 N -4-» 2 N 4-> 2 N 2 p* 2 N 4-> •«* 2 N »WA 2 N ■M WW< 2 N ■4- »WM BMW iL Vir dzden mz enkelilozzeii rmssro WarenlSger in Herren- n. Knaben-Konfoktion, welche z. Zt. einen Wert von zirka W% Millionen Mark J betragen, der schlechten Witterung wegen zu jedem nur annehmbaren Preise zu verkauien. Ein Teil der Waren ist in Serien eingeteilt und bis zu 500/o heruntergesetzt 50% Die Preise sind derartig enorm billig, daß alle sogenannten Totat-Ausverkäufe in den Schatten gestellt werden. Der größte Teil der Waren ist in eigenen Werkstätten hergestellt. Besichtigung ohne Kaufzwang. 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Zmmdtii!», 26. WM 1907. Die CätigM der fozialdemoliratikben Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung (1. September 1905 bis 30. September 1907). IV. Gesundheits- und Krankenpflege. Einen hervorragenden Platz haben in den Verhandlungen der Berichtsperiode die Besprechungen über die F l e i s ch n o t ein- genommen, die sich zu einer schweren Gefahr für die Gesundheit der städtischen Bevölkerung zu entwickeln drohte und die keineswegs über- wunden ist, wie jede Hausfrau weiß. Wir wollen hier das statistische Material, das in reichem Mahe zutage gefördert wurde, nicht näher besprechen; charakteristisch gerade für die gesundheitlichen Gefahren war der kolostale Zudraug zur städtischen Freibank, an der das Fleisch minderwertiger und kranker Tiere verkauft wird, nachdem durch ge- eignete Verfahren wenigstens die gefährlichen Krankheitskeime unschädlich gemach} sind. So schrieb im September 1905 die„Vossische Zeitung":„Als in den letzte» Tagen ein Ochse und 18 Schweine auf der Freibank zum Verkauf standen, sanimelten sich einige Tausend kauflustiger Personen. Die Polizei machte vergebliche Be- mühungen. Ordnung in die immer wachsende Menge zu bringen. Es muhte die Feuerwehr mit Spritzen eingreifen, um des Än- dranges, bei dem natürlich die meisten unverrichteter Sache heimkehren muhten, Herr zu werden." Unmittelbar nach den Ferien des JahreS 1905 beantragten fämt- liche Parteien eine Besprechung der Angelegenheit. Einig war man sich, dah die Grenzsperre auf das unumgänglich Nötige beschränkt werden müsse, während sie bisher und ebenso jetzt noch statt aus- schliehlich zu gesundheitlichen Zwecken dazu benutzt wird, die Vieh- und Fleischeinfuhr zugunsten der agrarischen Produzenten womöglich ganz hintan zu halten. Ebenso einstimmig verlangte man Er- mähigung beziehentlich Aufhebung der Zölle und die Einberufung eines Städtetages, der den Forderungen einen gröheren Nachdruck verleihen sollte. Darüber hinaus verlangte unser Redner, dah die Gemeinde selbst der Fleischversorgung näher treten solle. Ebenso gut. wie sie minderwertiges Fleisch feilhalte, könne sie auch gesundes Fleisch ohne den Aufschlag des kleinen Zwischenhandels zum Ver- tauf stellen und dadurch inindestens dem Treiben der Schlächter Einhalt tun, die ihrerseits die Fleischnot zu unbilligen Ausschlägen benutzten. Des weiteren müsse man in Erwägung ziehen, ob der Besitz der Rieselfelder nicht die Möglichkeit biete, Schweinezucht in grohem Mahstab zu treiben, zumal die Küchenabfälle der Grohstadt hierbei eine zwcckmähige Verwendung finden könnten. Diese Forde- rungen fanden natürlich nicht den Beifall der Mehrheit— Herr Cassel bezeichnete sie als einen Schritt in den Zukunfisstaat. Sehr treffend belehrte ihn unser Redner über die Uncigennützigkeit unseres Vorschlages:„Sie können sicher sein: je weniger Sie in der Lage sind, durch soziale Verbesserungen die Not der Arbeiterklassen zu mindern, desto eher kommen Sie zum sozialistischen Zukunfts- staat. Wenn Sie also den Zukunftsstaat vermeiden wollen, so können Sie nichts Besseres tun, als die in der heutigen Gesellschafts- ordnung möglichen und nützlichen Einrichtungen zu schaffen. Wenn Sie dabei dem Problein der Fleischversorgung seitens der Stadt näher treten, so werden Sie ein gutes Werk tun, welches auch viel- leicht zur Verlängerung Ihrer Gesellschaft beitragen wird." Auf Antrag des Magistrats wurde die ganze Angelegenheit einer ge- mischten Deputation überwiesen. Diese arbeitete eine sehr gute Denkschrift aus— positive Mahregelu wurden nicht ergriffen. Im November 1906 verlangten alle Parteien von neuem eine Besprechung der Fleischnot; einstimmig wurde der Magistrat aufgefordert, bei den Staatsbehörden vorstellig zu werden, dah„mit Rücksicht aus die sich immer mehr steigernde Teuerung des Fleisches und die hieraus sich ergebende Schädigung und Verschlechterung der Volksernährung solvie die hierdurch herbeigeführte bedrohliche Not- läge weiter Volkskreise... insbesondere die Grenzen für die Ein- fuhr von Vieh und Fleisch sofort geöffnet und die hemmenden Zoll- schranken beseitigt werden". Sehr energisch schilderte namentlich Herr Cassel das empörende Verhalten des inzwischen verduftete» Podbielskss nicht minder griff er den Fürsten Biilow an. der untätig zuschaue. Der Oberbürgermeister gab eine Darstellung der Schritte, die seitens der Stadt Berlin sowie seitens des deutschen und des preuhischen Städtelages bereits bei den Staatsbehörden getan feien— leider ohne jeden Erfolg; deshalb verspreche er sich auch nichts von erneutem Vorgehen, solche Fragen, rief er aus,— und das mögen sich die Wähler merken, freilich in elnem Sinne, der über das vom Oberbürgermeister genreinte weit hinausgeht solche Fragen tonnen schliehlich nur an den Wahltagen erledigt werden l Treffend wies unser Redner darauf hin, dah das preuhische Dreiklasseuwahlrecht eine solche„Erledigung" fast unmöglich mache. llebrigcnS könne der Oberbürgermeister ja einmal im Herrenhause scharf vom Leder ziehen. Mit Freuden begrühten wir die Rede des Herrn Cassel— hoffentlich zögen die Liberalen daraus die einzig mögliche Schluhfolgerung, dah sie bei Sttchwahlen gegebenenfalls für die Sozialdenrokraten stimmen und niemals einen Zollwucherer gegen einen Gegner des Zollwuchers wählten. Früher als erwartet, konnte infolge der ReichSlagsauflösung die Probe auf den Ernst der freisinnigen'Donnerworte gemacht werden— der„untätige" Bülow rief und gehorsam schweifwedelnd liehen die Freisiunshelden in zahlreichen Kreisen die Sozialdemokraten gegenüber den Kandidaten der Zollwuchcrparteien durchfallen! Ja mehr noch— auf dem dies- jährigen Parteitage der Freisinnigen Volkspartei beschloh man, von antiagrarischen Bestrebungen zurzeit Abstand zu nehmen, da ja.die Zollfrage für lange Jahre erledigt seil Mögen sich das die Wähler stets vor Augen halten und die ernsten Fragen, wie an allen Wahltagen, so auch am 6 November durch Sttmmabgabe für die Kandidaten der Sozialdemokratie„erledigen". Von den Bemühungen unserer Genossen im Raihause auf dem Gebiete der Gesundheitspflege wollen wir nur auf ihre ständigen Anregungen zwecks Ausgestaltung der öffentlichen Plätze und Schaffung von Spielplätzen für die Jugend hinweisen, so beim Arnimplatz, dem Platz am Urban, dem Falkplotz u. a.; wenn unsere Antröge auch häufig abgelehnt wurden, so dürfen sie doch als früher oder später erfolgreich bezeichnet werden.. Den Uebergang zur eigentlichen Krankenpflege bilden die Fragen der Desinfektion und der R e t t u n g s g e s e l l s ch a f t usw. Nach wie vor verlangten wir auch in dieser Berichtsperiode wieder- holt die Unentgeltlichkeit der Desinfektion nach Krankheitssällcn, sowohl im Interesse der unmittelbar Betroffenen, wie der Allgeinein- heit— weil die Furcht vor den Kosten Verheimlichung von Krank- heitSherden nach sich ziehen könne. Von einem bescheidenen Erfolg können wir diesmal insofern spreche», als bei der letzten Etat- beratung der Oberbürgermeister in eine Prüfung der Sache ein- zutreten versprach. Auherden» beschloh die Versammlung,, den Magistrat zu ersuchen, bei Personen mit einem Einkommen brs zu 3000 M. die Desinfektionsgebühren auher Hebung zu lassen. Neuesten Nachrichten zufolge soll sich der Magistrat m den letzten Tagen für die volle Gcbührenfreiheit entschieden haben. Schon im Jahre 1905 hatte der Magistrat angeregt, eine städtische Zentralmeldestelle für alle Krankenhäuser zu errichten, statt wie bisher die Rettungsgesellschaft zu diesem Zweck mit Mitteln zu unterstützen. Auf Wunsch der Reltuugsgesellschaft beschloh die Stadtverordnetenversammlung, das gesamte Rettungswesen zu über- nehmen, wie wir es schon seit geraumer Zeit gefordert. Im Etat 1907 sind denn auch 130 000 M. als Pauschquantum für diesen Zweck vorgesehen; die Vorlage deS Magistrats vom 18. April 1907 erregte bei unseren Genossen Bedenke», weil die wirkliche Berstadt- lichung mit ihr nicht erreicht würde, vielmehr die Stadt nur die Haupt- kosten zu tragen und ein gewisses Aussichtsrecht zu üben hätte, während der Aerzteverein der eigentliche Leiter wäre. Dem Bedenken unserer Genossen wurde Rechnung getragen; man beschloh die vom Magistrat vorgeschlagene Regelung als eine provisorische zu betrachten und bis zum 1. November 1907 einer neuen Vorlage entgegenzusehen. Die Frage der Krankenhauskosten ivurde auch in dieser Berichtsperiode mehrfach behandelt; das letzte Mal hatten wir mit- geteilt, dah der Antrag unserer Genossen, denjenigen, die in Berlin ihren Unterstützungswohnsitz haben und ein Einkommen unter 3000 M. versteuern, für sich, ihre Frauen und minderjährigen Kinder im Be- darfsfall unentgeltliche Krankenpflege zu gewähren, wieder einmal einen Ausschuh beschäftigen werde. Der Grund war, abgesehen von der prinzipiellen Richtigkeit dieser Forderung, einmal der häufige Ver- lust des Wahlrechts siir solche, die mit Zahlung der Krankenhaus- kosten im Rückstände bleiben, dann der Gedanke, dah bei kostenloser Verpflegung das Krankenhaus öfter in Anspruch genommen und damit die Ansteckungsgefahr vermindert werde. Unser Antrag wurde im AnSschnh mit acht gegen zwei Stimmen abgelehnt; das gleiche Schicksal erfuhr er in der Versammlung, doch sollte bei den Reichs- und Landesbehörden der Versuch gemacht werden, zu erreichen, dah die Krankenhauskostenrückstände nicht den Ver- lust des Wtehlrechts nach sich zögen. Im Januar 1906 teilte der Magistrat mit, dah er sich mit der Angelegenheit an den preuhischen Städtetag gcwmcdt habe und später mit der Versammlung in ge- mischter Deputation in weitere Beratung treten wolle. Seit dem 1. Januar 1900 betragen die Krankenhauskosten für Erwachsene 2,50 M., für Kinder 2 M., für Auswärtige 3 M. und 2,50 M. Nun hatte 1904 die Mehrheit beschlossen, für auherhalb Wohnende die Selbstkosten in Anwendung zu bringen— dieser Bcschlutz hing mit den Forderungen der Vorortsgcmcinden zu- sammen, auf die wir im zweiten Abschnitt unseres Berichtes hin- wiesen. Im Januar 1906 kam dementsprechend eine Vorlage deS Magistrats zur Verhandlung, nach der für die Erwachsenen von auherhalb 4,20 M., für Kinder 3,35 28. gezahlt werden sollte. Unser Redner beantragte natürlich aus den im Abschnitt II angezogenen Gründen die Ablehnung. Zudem handelte es sich nur um eine Summe, die zwischen 40 000 und 90 000 M. geschätzt werde und infolge der sich mehrenden Zahl von Krankenhäusern in den Vor- orten nehme sie noch beständig ab. Der eingesetzte Ausschutz kam denn auch zu einem ablehnenden Beschluh; ebenso die Versamm- lung trotz der Ausführungen des Redners der„Alten Linken", der stärksten Partei. Um zu zeigen, mit welchen Argumenten diese Herren arbeiten, wenn ihnen die Gründe fehlen, lassen wir einige Zeilen aus dem Stenogramm der Reden des Herrn Sonnenseld hier folgen: „Meine Herren, es sitzt unter uns der Herr Kollege Antrick, der im Reichstag— Sie wissen es alle— geglaubt hat, sich ge- statten zu dürfen, die Mitglieder der Berliner Stadtverordneten- Versammlung schlechthin als Bierphilister zu bezeichnen. Meine Herren, glauben Sie, dah wir die Achtung beim Publikum, beim Magistrat, bei den Sozialdemokraten zu erhöhen imstande sind, wenn wir, weil die Herren es anders wollen, einfach umfallen?" Ucbrigens ist es noch keinesfalls ausgeschlossen, dah nicht schliehlich doch noch die„Krähwinkelei" zustande kommt, da, wie wir im Abschnitte II sahen, der eingesetzte Ausschuh sich auch mit der Krankcnhauskostenfrage für Auswärtige zu beschäftigen haben wird. Einen Triumph freilich feierte die Sparsamkeit der Ma- jorität doch noch auf diesem Gebiete. Trotz unserer energischsten Bemühungen gelang es uns nicht, den im Juni 1906 gefahten Be- schluh abzuwenden, wonach auch die Kinder von Berlinern in Zu- kunft 2,50 M. Krankenhauskosten pro Tag zahlen müssen. Ver- geblich wiesen wir darauf hin, dah hierdurch wiederum die Gefahr vermehrt würde, dah durch verzögerte Inanspruchnahme der Krankenhauspflege die Ansteckungsgefahr sich vergröherte, die Aus- sichten auf Heilung verringert würden, daß die Härte der Wahl- rcchtsentziehung noch verschärft würde— der Majorität genügte als Gegengrund, dah die tgl. Chariteverwaltung die gleiche Mah- regel getroffen I Mit besonderem Nachdruck nehmen wir uns stets der cstellung des Pflegepersonals an, nicht nur wegen dieser Leute selbst, sondern hauptsächlich im Interesse der Be- völkerung, die unsere Krankenanstalten aufsuchen muh. So pro- testierte unser Redner bei der Etatsberatung für 1907 energisch gegen die neue Gehaltsordnung für Jrrcnpfleger; gerade für diesen Berus mit seinen ernsten und schweren Aufgaben wollten wir stets eine Besserstellung durchsetzen um ein gutes Personal zu haben und auf lange Zeit halten zu können. Nach der neuen Gehalts- ordnung ist zwar das Anfangsgehalt erhöht, aber die Weihnachts- gratifikation fortgefallen und— was das schlimmste ist— die Höchststufen sind herabgesetzt worden! Selbst die Deputation für das Jrrenwesen hatte beschlossen: für die Pfleger 50 M. Anfangs- lohn, von Jahr zu Jahr um 5 M. steigend bis zum Höchstlohn von 90 M. und für die Pflegerinnen 30 M. Anfangslohn, von Jahr zu Jahr um 3 M. steigend bis zum Höchstlohn von 60 M. Dagegen setzte der Magistrat an: für die Pfleger Anfangslohn 45 M., Höchftlohn 75 M., die Steigerungen erfolgen alle drei Jahre um 10 M.; für die Plegerinnen Anfangslohn 30 M., Höchst- lohn 48 M., die Steigerungen erfolgen alle 3 Jahre um 6 M. Dabei erhielten schon bisher einzelne Pfleger 80 M. und dazu eine Weihnachtsgratifikation von 40 M. und darüber! Die Mehr- heit lehnte unseren Antrag, wenigstens die von der Deputation vorgeschlagenen Sätze anzunehmen, ab und lieh eS bei dem Ansatz des Magistrats bewenden. Wir haben dieses Beispiel hier aus- führlicher behandelt, weil uns im Abschnitt zur Arbeiterfrage ähn- liche Fälle häufiger begegnen werden. � Da es namentlich an guten männlichen Pflegern in den Krankenhäusern mangelt, beantragten wir im Jahre 1907 im An- schluh an die Abänderung der Satzungen für die städtische Schwester- schaft, baldmöglichst Ausbildungsstätten für männ» liche Pfleger und Wärter einzurichten; hierdurch er- hofften wir eine Hebung des Berufes, die für Wärter wie Kranke gleich vorteilhaft wäre. Der Antrag wurde abgelehnt; man wolle über die Frage zunächst in der Krqnkenhausdeputation beraten— es scheint, als ob unsere Anregung doch— wenn auch erst später— Erfolg haben wird. Mit Freude können wir feststellen, dah die von uns mit so viel Eifer durchgesetzten Einrichtungen zur Bekämpfung der Säuglings st erblichkeit sich schnell eingelebt haben und allgemeine Billigung finden. Die vier Stellen, wo Mütter und Pflegemütter Belehrung, Milch in guter Qualität und andere Nährpräparate teils unentgeltlich, teils zu niedrigen Preisen und stillende Mütter Geldunterstützungen erhalten, ohne dah die Zu- Wendungen als Armenuntcrstützung gelten, muhten um drei ver- mehrt werden. Za den Anstalten in der Blumenstrahe 78, El- sasserstrahc 27, Bugenhagenerstrahe 7 und Luisenufer 50 sind noch solche in der Pankstrahe 7, Grohbecrenstrahe 10 und Prenzlauer Allee 45 gekommen. Im Januar� 1907 wurde eine Nachbewilligung von mehr als 80 000 M. für diese Einrichtungen angenommen und in den Etat für das kommende Jahr grössere Mittel eingesetzt. Gleichzeitig wurden 150 000 M. für die Einrichtung eines Säug- lingshcims bewilligt. Möge der Erfolg sowohl, wie die vielen vergeblichen An- strengungen unserer Parteigenossen im Rathaus, die stets nur aus bequem Erreichbares, aber für die nichtbesitzenden Klassen Nob wendiges gerichtet waren, dazu beitragen, dah die aufgeklärte Be- völkerung am 6. November"ur für die Kandidaten der Sozial» demokratie stimmt! ftir Koimminalwafjlbewegang. Die„Mitbürger im schlichten ArbeitSkleib". die sonst dem Berliner Stadtfreisinn nicht einen Pfifferling wert sind, kommen jetzt vor den Stadtverordneten- Wahlen wieder zu Ehren. In den Wahlbezirken der dritten Abteilung muh man mit ihnen rechnen, in vielen dieser Bezirke geben sie sogar den Ausschlag. Noch hat in Berlin der Freisinn sich in einigen Bezirken dritter Abteilung behauptet; auch von den sechzehn Bezirken, die an den diesjährigen Wahlen teil- nehmen, sind noch drei in seinem Besitz. Die Freisinnigen möchten nicht nur diese drei Bezirke behalten, sondern sogar noch der Sozial- demokratie einige wieder abnehmen. Sic wenden sich jetzt mit ihren Flugblättern auch an die Arbciterbevölkerung und umschmeicheln sie mit süßen Redensarten.„Mitbürger im schlichten Arbeitskleid". so werden die Arbeiter in einem Flugblatt angeredet, das von den Freisinnigen im Südosten der Stadt in den K o m m u n al w a h l- bezirken 11 und 12 verbreitet wird. Beide Bezirke sind im Rathause durch Sozialdemokraten ver« treten, die Freisinnigen wollen aber den Versuch machen, dort das verlorene Terrain wieder zu gewinnen. Am Donnerstag hatten die Freisinnigen eine Versammlung für beide Bezirke veranstaltet, in der sie ihre Kandidaten den Wählern vorstellen wollten. Durch das Flugblatt waren eingeladen worden„alle Wähler, die gewillt sind, die liberalen Kandidaten zu untcrstütz-'"- sowie diejenigen, die sich näher zu unterrichten wünschten". Erst vor dem Versammlungslokal wurden die Besucher durch Plakaie am Hauscingang wie an der Saaltür darauf aufmerksam gemacht, dah sie 20 Pf. Eintrittsgeld abzuladen hatten. Der Zweck dieser Mahregel war offenbar der, d i e„M i t b ü r g e r im schlichten Arbeitskleid" möglichst von der Ver» sammlung fernzuhalten. Die Versammlungsmacher fürchteten ivahrscheinlich, dah diese Mitbürger dem Freisinn und seinen Wahlkandidaten allerlei unbequeme Fragen vorlegen könnten. Andererseits setzte man wohl voraus, dah schwerlich ein Arbeiter den Wert der schönklingenden Versprechungen des Berliner Stadt- freisinns auf 20 Pf. taxieren und um diesen Preis„sich näher zu unterrichten wünschen" würde. Die Voraussetzung war richtig. Die guten Leutchen, die in ihrem Flugblatt sich als den„freiheitlich und fortschrittlich gesinnten Teil der bürgerlichen Parteien" an- preisen, blieben unter sich. Ohne Widerspruch konnten sie ihre Kandidaten aufstellen: für den 11. Bezirk einen Herrn Ensenhöfer, der als Kaufmann bezeichnet wurde, für den 12. Bezirk einen Herrn Schildhauer, der sich als Arbeiter empfahl. Beide gaben die übliche Erklärung ab, dah sie im giathausc„für alle Klassen der Bevölkerung" eintreten wollen. Wie sie es anfangen wollen, zu gleicher Zeit z. B. für Unternehmer und für Arbeiter, für Großindustrielle und für Kleinhandwerker, für HauSagraricr und für Mieter einzutreten, darüber schwiegen sie sich aus. Kämen sie jemals ins Rathaus hinein, so würden ihre freisinnigen Frak- tionskollegen ihnen bald klar machen, dah ein richtiger Frei- s i n n s m a n n vor allem die„stcuerkräftigste" Bevölkerung, die Unternehmer, Hausagrarier usw.. zu schonen hat. Mit welchen Mitteln für dieses Kandidatenpaar um Stimmen geworben werden soll, das lehrt der zweite Teil des Flugblattes. Er deckt sich wort- und buchstabengetreu mit einem kürzlich von der„Freisinnigen Zeitung" veröffentlichten Artikel, der die dort beliebten Verdrehungskunststücke enthält. Der„freiheitlich und fortschrittlich gesinnte Teil der bürgerlichen Parteien" schwingt gegen die Sozialdemokratie d i e Waffen, die dem ver- rufen st en Organ des Berliner Kommunalfrei- sinns gerade recht sind! Wir erwarten, daß alle wahr- Haft fortschrittlich und freiheitlich gesinnten Wähler der dritten Abteilung am 6. November dem Berliner Kommunalfreisinn die Augen darüber öffnen werden, dah er in der dritten Abteilung endgültig abgewirtschaftet hat. Voraussichtlich werden die Frei- sinnigen diesmal in allen Bezirken dritter Abteilung sich an dem Wahlkampf beteiligen. Aber die werktätige Bevölkerung stimmt überall in Berlin nur für die Kandidaten der Sozial- demokratie, speziell im 11. Wahlbezirk für den Stadtverord- ncten Emil Voigt, im 12. Wahlbezirk für den Stadtverordneten Fritz Zubeil. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Am heutigen Sonnabend findet in Schönow bei Zepernick im Lokal von Schulz ein sogenannter Arbeiter- ball statt; am gleichen Tage gibt die„Berliner Residenz- Bühne" im Lokal„T i v o l i" in Tempelhof, Berlinerstr. 50, ein! Gastspiel. Wir weisen darauf hin, dah beide genannten Lokale der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehen. Die Lokalkommission. 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Am Sonntag, den 27. Oktober, früh 8 Uhr, findet für den 4., 9. und 10. Kam- muNal-Wahlbezirk eine Flugdlattvrrbreitiuig von den be- kannten Stellen aus statt. Die Genossen der anderen Bezirke sind verpflichtet, sich an den Arbeiten zu bete iligen. Alle Anfragen, die Wahl und den Kreis betreffend, sind bis auf weiteres an Genossen Richard Köckeritz, 8. 59, Plan- Ufer 92E, IV, zu richte». Der Borstand. Am Sonnabend, v. November, abends 8>/„ Uhr, findet im„Hof- jäger-Palast", Hascnheide 62/63, ein Unterhaltnngsabend statt, be- stehend aus Konzert, humoristischen Borträgen und Ball usw. Billetts, inkl. Tanz 30 Pf., sind bei den Abteilungs- und Bezirksführern, Parteispedttionen und den mit Plakaten belegte» Handlungen zu haben. Um recht rege Beteiligima bittet Das BcrgnUgungskomite«. Dritter Wahlkreis. Morgen abend 6 Uhr in den„Arminhallen", Kommandanlenstr. 58/59: Versammlung für Männer und Frauen. Vortrag des Genossen H. Ströbel:„Unser Kampf gegen Volks- entrechtuug und Volksausbeutung". Nach der Versammlung: Gemütliches Bcisamntensei» und Tanz. Zahlreiches Erscheinen der Genossen und Genossinnen erwartet Der Vorstand. Achtung! 29. und 41. Wahlbezirk. Sonntag, den 27. d. M, früh von 8 Uhr cm Flugblattverbreitung. Alle Genossen des 5. Kreises werden dringend ersucht, sich cm den folgenden Stellen einzufinden: 1., 2. und 4. Abteilung bei Wohlfarth, Rosen- thalcrstr. 57. 5., 6. und 7. Abteilung bei Kürbis, Luisenstr. 26. Wir ersuchen, Mann für Mann zu erscheinen. Das Wahlkomitee. Zchlendorf. Am Sonntag findet das Einsammeln der Abonnements- Einladungen für den„Vorwärts" sowie der Beitritts- Erklärungen zum Wahlverein statt. Die Genossen treffen sich um >/z8 Uhr früh in folgenden Lokalen: I. Bezirk bei Wilh. Mieck, Karlstr. 12. II. Bezirk bei Berger. Haupt- und Scharfestrahen-Ecke. III. Bezirk bei Benno Mickley. Potsdamerstr. 25. IV. Bezirk mr bekannten Lokal in S ch l a ch t e n s e e. FriedrichShagen. Heute abend feiert der Arbeiter- Radfahrer- verein„Wanderer" im Restaurant von Karl Conrad sein achtes Stiftungsfest. Da der bürgerliche Radfahrerverein„Comet" ebenfalls heute im Restaurant Eiskeller sein Stiftungsfest feiert, werden die Parteigenossen ersucht, Billetts zu diesem Vergnügen zurückzuweisen. Zossen. Sonntag, den 27. d. M, früh>/z8 Uhr, findet vom Lokal Schimke aus eine Flugblattverteilung statt. Die Parteigenossen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Königs- Wusterhausen, Wildau und Niederlehme. Den Partei- genossen zur Kenntnis, dah die Hausagitation zur Erwerbung neuer ,.VorwärtS"-Lescr und WahlvereinSmitglieder am Sonntag, den 27. Oktober, ftüh 8 Uhr, stattfindet. Die Genossen von Königs- Wusterhausen und Wildau treffen sich in Königs-Wusterhausen bei Witwe Lange, die von Niederlehne im früheren Bergerschen Lokale. Vollzählige Beteiligung ist dringend notwendig. Der Vorstand, NawawrS. Ain morgigen Sonntag, vormittags von 0—12 Uhr, findet das Einkassieren von Beiträgen des Wahlvereins in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk: Otto Hiemke, Wallstr. 05. 2. Bezirk: Karl Gruhl, Priesierstr. 60. 3. Bezirk: Ludwig Richter, Große Beerenstr. öS.— Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. _ Der Vorstand. Berliner jyacbrichtem Auf dem Schloßplast. Am Donnerstagabend konnte man, Kopf au Kopf gedrängt, eine größere Menschenmenge beobachten, die auf dem Schloßplatz festgewurzelt stand und bis zur Bewußtlosigkeit in die Luft starrte. Mit offenem Munde, die Augen stier auf einen Punkt gerichtet, dann und wann in Verzückung geratend, harrten Männlein und Weiblein, groß und klein, alle gut, manche sogar hochelegant gekleidet, daselbst mit seltener Ausdauer. Die Zahl der Gaffer wuchs und schwoll nach und nach immer höher an. Viele standen auf den Inseln, andere füllten den Bürgersteig und ein Teil belagerte den Straßendamm. Die Kutscher schimpften und fluchten, vergebens, die Menge stand, „wie Fels im Meer". Einige Schritte davon blitzte die Helm- spitze eines Schutzmannes, der. harmlos blinzelnd, die Schau- lustigen betrachtete. Warum sorgte er nicht für die„ge- fährdete Verkehrssicherheit"? Und was war denn eigentlich los? Manöverierte etwa bei Nacht der„Lenkbare" in höheren Regionen? Oder hatte sich der Himmel geöffnet, um den neugierigen Erdenbewohnern doch auck) mal im Voraus einen Blick in die künftige Herrlichkeit zu gewähren? Keines von beiden. Oben, an der Schloßfront, war, jedenfalls versehentlich, ein Fenster unverhüllt geblieben, und die Untenstehenden konnten ihre profanen Augen an dem Innern des Allerheiligsten weiden. Eine uniformierte Gestalt saß an einem Tisch und las. Das war das Objekt des lebhaften Interesses. Obwohl die Person aus dieser Entfernung absolut nicht zu erkennen lvar, ging es doch in heiligem Schauer von Mund zu Mund: Majestät! Als der Mann zufällig durchs Fenster auf die Menge sah, stand er auf und verschwand. Die patriotischen Leutchen aber blieben noch lange auf ihrem Posten und renkten sich die Hälse- aus. Warum wir davon Notiz nehmen? Erstens, um wieder einmal zu zeigen, wie tief doch manche Kreise des deutschen Volkes ini Byzantinismus und Servilismus stecken, zweitens zur Illustration, wie gemütlich manchmal die Polizei sein kann. Wenn ein Arbeiter in der Ausübung des gesetzlich ge- währleistcten Koalitionsrechts seine Pflicht als friedlicher Streikposten erfüllt, geht die Polizei mit rücksichtsloser Schärfe vor. Natürlich im Interesse der Verkehrssicherheit, selbst wenn es sich um eine Straße handelt, in der. außer den Sperlingen, oft stundenlang kein anderes Lebewesen zu kehen ist. Ja, Bauer, das ist was anderes! Städtische Einnahmen aus Berpachtiingen. Im vergangenen Zahre hat der Rummelsburger See, der bekanntlich der Stadt Berlin gehört, 9899 M. Pacht gebracht, darunter 1599 M. Wasserzins für die Benutzung von Flächen des RumnielSburger Sees. Aiitzerdem kamen noch 385 M. ein für die Ausstellung von Handelskähnen aus diesem See, der bekanntlich den Norddeutschen Eistverken zur Gewinnung von Eis dient. Der Reinickendorfer See. der ebenfalls der Stadt Berlin gehört und verpachtet ist, ergab 8300 M. Einnahmen. Die Jagdpacht für das Treptower Revier betrug 1906/07 381 M. nnd der städtische Anteil an der Pacht für die Fischerei auf der Obersprce 60 M. Tie Rückzahlungen der städtischen Sparkasse haben im letztverflossenen Quartal die enorme Höhe von 201)78231 Mark erreicht. Diesen Rückzahlungen standen nur 13 897 376 Mark Einzahlungen gegenüber. Die Mindereinnahmen in den letzten drei Monaten betragen demnach 6 189 873 M. Tic Zahl der aufgegebenen Sparkassenbücher hat sich von 844 491 Stück auf 814 497 Stück vermindert. Der Bar- bestand des Interessenten- und Reservefonds betrug Ende September d. I. 4 573 947 M. und das Gesamtvermögen der Sparkasse Ende vorigen Monats rund 3339486179 M. Die Feucrgcfährlichkeit der Kinematographen hat zum Erlasse einer Polizeiverordnung geführt, welche mit dem gestrigen Tage in Kraft getrete» ist. Nach derselben ist bei allen öffentliche» Kinematographen-Vorführungen nur elektrisches oder Kalk-Licht zugelassen und für die Einrichtungen der Apparate und Lampen, die Aufbewahrung des Saiicrstoffes, des Aethers, Benzins usw. besondere Sicherheitsvorschriften(§§ 1 bis 8) gegeben worden. Der Apparat, der Lampenkasten und die Lampen dürfen nicht eher in Betrieb genommen werden, als bis sie polizeilich unter H i N z» z i e h u n g eines Vertreters der Feuerwehr geprüft worden sind. Neben dem feuersicher aufzustellenden Apparat muß eine schwer entflammbare Decke, mit welcher der ganze Apparat über- deckt werden kann, ferner ein mit Wasser gefüllter Eimer nnd ein Scheuerlappen bereit gehalten werden, um bei entstehendem Brande sofort einige Löschmittel zur Hand zu haben. s§Z9 und 10.) Das Rauchen ist in dem für den Apparat abgegrenzten Raum nnd überhaupt in der Nähe der in Metallbehältern aufzubewahrenden Filmstreifen verboten. Der den Apparat bedienende Techniker muß sich durch ein Sachverständigen- Z e u g n i s darüber auS- weisen, daß er mit der Bcdicnnng des Apparats vertraut ist und genaue Kciintni-3 von den Sicherheitsvorrichtungen besitzen. Bei Vorführungen in Theatern oder Sälen, welche über 600 Personen fassen, muß. falls der Techniker nicht zu- gleich die Beleuchtung bedient, eine Spezialvorrichtnng vorhanden sein, um den Beleuchter von einem entstehenden Brande usw. sofort benachrichtigen zu können, damit die Belcnchtiing der Räume unverzüglich wiederhergestellt werden kann(ZZ 13 bis 14). Der Apparat muß so aufgestellt fei», daß das Publikum nicht zu ihm gelaugeu kann; für den Techniker ist ein sicherer RückzugSweg vorzusehen, ebenso für die Zuschauer ein breiter Ausgang, der sich auf der dem Apparat entgegengesetzten Seite befinden muß(§ 15). Einführung der neuen Betriebsweise ohne Kurbel beim Fern- sprcchamt 3. Die neue Betriebsweise ohne Kurbel und Batterie im Berliner Fernsprechnetz findet schon am Sonntag, den 27. Ok- tober, eine weitere Ausdehnung. Die Kaiserliche Oberpostdirektion hat die Eröffnung des Betriebes bei der neuen Fcrnsprcch-Vcr- mittelungsanstalt 3 in der Oranienburgcrstraße soeben auf diesen Tag festgesetzt. Die Inbetriebnahme erfolgt beim Beginn des Tagesdienstes. Von dem gleichen Augenblick an gelten im Verkehr mit diesem Amte die Vorschriften wie für die Vermittelungs- anstalten 2, 4, 6, 7, Eharlottenburg und Rixdorf. Man ruft daS Amt einfach durch Abnehmen des Fernhörers von dem Haken. Auf die Meldung des Slmtes nennt man die gewünschte Ver- mittelungsstclle usw. Der Anruf von Amt zu Amt wie vom Amt zum Teilnehmer geschieht vom Amte aus. Nur noch Nebenstellen rufen ihre Hauptstellen durch Drehen der Kurbel. Die Acndcrung beschränkt sich auf dos Amt 3. Der Betrieb der Vcrnlittclungs- anstalt 3a bleibt unverändert. Abgesehen hiervon ist die neue Betriebsweise auf das ganze Berliner Netz mit Eharlottenburg und Rixdorf mit Ausnahme des Hauptfernsprechamtcs 1 in der Französtschenstraße ausgedehnt. Wie die Polizei kleinen Geschäftsleuten das Leben sauer macht, haben wir vor einiger Zeit anläßlich der Vergiftung des VarbierS Bellgardt in der Kochhcmnstraße nachgewiesen. Weil es dem Manne nicht möglich war, die beiden als Aushängeschild dienenden Barbier- bellen in eine Höhe von 3 Meter vom Erdboden entfernt, anbringen zu können, wurde er mit einem Strafmandat nach dem anderen be- dacht, bis der so Gepeinigte zum Gift griff. Diese Fälle, in denen sich die Polizei unnützerweise sorgt zum Schaden kleiner Geschäfts- inhaber, ließen sich vermehren. Sie müssen in dem von der Polizei mit so»rührender Sorgfalt" behandelten Geschäftsmann den Ge- danken aufkommen lassen, als werde er gerade besonders aufs Korn genommen, während in anderen ganz gleich- gelagerten Fällen die Polizei nichts ficht. Diese Meinung ist besonders stark in Gastwirtskreiscn verbreitet. Es gibt Polizeireviere, in denen die Gastwirte einen ständigen Kampf mit der Polizei um ihre Existenzfrage führe». Wohin daS aber oft führt, möge ein Vorgang beweifeu, der sich an- fangS der Woche in der Samariterftratze abgespielt hat. In dieser Straße wohnte ein Gastwirt B., der eS der Polizei angetan zu haben scheint. Abends Punkt 11 Uhr erscheinen pünkilich zwei SchutzinannSposten vor dem Lokal, damit ja niemand etwas passiert. WaS soll man dazu sagen, wenn man hört, daß es vorgekommen sein soll, daß die Beamten die Gäste an bestimmten Vereinsabenden auf der Straße nach ihrer Zugehörigkeit zum Verein kontrollierten? Das ist aber noch das wenigste. In der Nacht vom Montag zum Dienstag ereignete es sich, daß, während die zwei Beamten wieder Posten standen, nur einige Häuser weiter über die Straße der ganze Bau- zäun von Spitzbuben fortgeschleppt ivurde, ohne daß die Polizei etwas merkte. Mehr noch: Wie wir hören, sollen dem Revierborstand für den äußeren Nachtdienst drei Beamte zur Verfügung stehen. Zwei werden vor dem B.schen Lokale verwandt, so das; einer für das(janze Revier übrig bleibt; eine gerechte Ver- teilung ist das sicher nicht. ES wäre wirklich nützlicher, wenn die Polizei ihren eigentlichen Zwecken dienstbar gemacht würde, als daß sie dazu verwendet wird, Geschäftsleuten, die ihre schweren Steuern zahlen müssen, das Leben sauer zu machen.'_ Unterm Auto. Eine Anzahl schloerer Unglücksfälle sind in den letzten beiden Tagen im Automobilverkehr herbeigeführt worden. Donnerstag nachmittag gegen 5 Uhr geriet der achtjährige Schüler Hermann Roth, Elsasserstr. 73, als er beim Spielen vor dem elterlichen Hause auf den Fahrdamm lief, gegen eine Automobil- droschke und wurde überfahre». Der Knabe, der einen schweren Unterschenkelbruch erlitten hatte, wurde zunächst nach der Unfall- station in der Eichendorfstraße gebracht und von dort nach der königlichen Charits übergeführt.— Ebenfalls von einer Automobil- droschke überfahren wurde vorgestern abend gegen 0 Uhr der 7jährige Schüler Bruno Preuß, dessen Eltern in der Sponholzstraße Icc wohnen. Der Knabe wollte an der Elle der Sponholz- und Friedenanerstraße den Fahrdamm überschreiten und lief blindlings gegen ein in mäßiger Geschwindigkeit fahrendes Droschkenantomobil, dessen rechtes Vorderrad über den Kleinen hinwegging. Der Schüler erlitt einen Brückl des rechten Unterschenkels und eine Kopfverletzung. Der Führer des Automobils brachte den Schwerverletzten nach der Unfall- station in der Herbcrtstraße in Schöneberg und von dort nach dem städtischen Krankenhause. Ein eigenartiger schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern morgen gegen 8 Uhr in der Fennstraße nahe der Müllerstraße. Dort geriet ein etwa 30 Jahre alter Mann beim Ueberschreiten-deS Fahr- dammes gegen eine Automobildrofchke, wurde zurückgeschleudert und fiel so unglücklich mit dem Kopfe gegen die Bordschwelle, daß er einen komplizierten Schädelbruch erlitt. Der Schwerverletzte wurde nach der Unfallstation VI in der Lindowerstraßc gebrachl, wo ihm der anwesende Arzt«inen Verband anlegte. Der Mann weigerte sich jedoch ganz entschieden. Angaben über seine Per- sonalien zu machen und wollte auch der Anordnung des Arztes auf Ueberführung nach einem Krankenhause nicht Folge geben. Es blieb nichts weiter übrig, als den Verunglückten zu entlassen, der trotz der schweren Schädelverlctzung ohne jede Hülfe die Unfallstation verließ. Die Sanierung des Zentral-TheaterS gescheitert. Die Mitglieder deS Zentral-Theaters haben, wie berichtet wird, von dem Versuche. bis zur Ordnung der Dinge auf Teilung weitcrzuspielen, mangels ausreichender Kasseneingänge Abstand genommen; seit gestern sind daher die Pforten des unglücklichen HauscS in der Alten Jakob- straße geschlossen. Auch der Versuch deS Herrn Julius Sachs, seine brotlosen Kollegen de» Winter über versorge» zu können, soll ge- scheitert sein. AuS unserer herrlichen Gesellschaftsordnung. Im größten Elend Selbstmord verübt hat gestern der 42 jährige Arbeiter Paul Rennert aus der Tnrmstr. 52. Vor einigen Wochen wurde R. beschäftigungslos. Vergeblich bemühte er sich seitdem, wieder Arbeit zu erhalten. Zum Unglück erkrankten nun auch vor einigen Tagen die Frau und die Mutter schwer. Die Not, die sich schon durch die Arbeitslosigkeit einstellte, wurde jetzt immer größer. In der Verzweiflung wußte sich N. keinen anderen Ausweg, als in den Tod zu gehen. Für die letzten 50 Pf., die er besaß, kaufte er ich gestern Lysol und trank daS Gift bis ans den letzten Tropfen, odaß der ersehnte Tod kurz darauf eintrat. Eine ungewöhnlich starke Epidemie an Tiphthericerlrankungen herrscht gegenwärtig im Nordosten der Stadt. Im Krankcnhanse am Friedrichshain liegen nicht weniger als 83 Kinder an der heim- tückischen Krankheit darnieder. Auch in anderen Krankenhäusern sind Diphtheriekranke auS den nordöstlichen Stadtteilen untergebracht ivorden. Von den oben erwähnten 83 Kindern sollen bereits 12 ge- korben sein. Die Ursache der E-pidemie ist ans vier Erkrankung?- 'älle zurückzuführen, die in einem Grünkramkellcr in der Nähe des Landsberger Tores auftraten. Eine Mutter erkrankte dort mit ihren drei kleinen Kindern, und der größte Teil der Kunden, die in dem •raglichen Keller ihre Einkäufe besorgten, brachten die Krankheit mit nach Hause. Vermißt. Der HandlungSgehiilfe Martin Baumann, 11. 8. 86 in Schneidemühl geboren, bisher KrauSnickstr. 1 bei Litten wohnhaft gewesen, hat sich am 18. 10. 07 vormittags um 8 Uhr auS der Wohnung entfernt und ist bisher noch nicht zurückgekehrt. ES wird ver- mutet, daß der Vermißte Selbstmord begangen hat. Baumann ist 1,70 Meter groß, hat dunkle Haare, dunkle Angenbranen, graue Augen, gute Zahne, Anflug von Schnurrbart, länglich blasses Gesicht und sehr schlanke Gcstalr. Er war bekleidet mit graukarriertem Jncket'.anzilg. schwarze», steifen Hut und mit Schnürstiefeln. Tie Wäsche ist dl. L. gezeichnet. Angaben über den Verbleib deS Ver- mißten werden zu Nr. 7842 IV 7. 07 von der Kriminalpolizei, Zimmer 246 II und auf jedem Polizeirevier entgegengenommen. Unbekannte Leiche. Am 23. d. M. wurde am Friedrich Karl-Ufer die Leiche einer 40— 45 Jahre alten, anscheinend den mittleren Ständen angehörenden Frauensperson gelandet. Dieselbe war zirka 1,65 Meter groß, kräftig und hatte blondes Haar. Bekleidet war die Leiche mit einer schwarzseidenen Bluse, schwarzem Chcviottock, dunkelgrauem Unterrock, sck?>varzen Strümpfen, schwarzen hohen Schnürstiefeln, weißen Beinkleidern, weißem Hemd und hellgraue» Zeughandschuhen. Bei der Leiche wurde eine goldene Drosche und eine Stahluhr an langer schwarzer Perlenkette mit dem Monogramm E. L. vorgefunden. Mitteilungen über die Persönlichkeit der Un- bekannten loerden im Leichenschauhause oder bei der Kriminalpolizei zu 8402 IV. 41. 07 entgegengenommen. Berliner Aquarium. Der Eintrittspreis beträgt am letzten Sonn- tag im Monat nur 25 Pf. pro Person. Ans der Trcptow-Steruwarte wird jetzt mit dem großen Fern- rohr allabendlich der S a t u r n gezeigt, dessen Ringe wieder in einer zarten hellen, noch teilweise' unterbrochenen Linie sichtbar ge- worden sind. Auf der Oberfläche selbst erzeugen die Ringe eine seine dunkle Schattenlinie. Am Sonntag nachm. um 5 Uhr spricht Dir. Dr. Archenhold über„Die Bewohnbarkeit der Welten", um 7 Uhr über»Sternhaufen und Nebelflecke" und am Montag abends 0 Uhr über»Fluterscheinungen und Finsternisse in unserem Sonnen- system". Sämtliche Vorträge sind mit zahlreichen Licht- und Dreh- bildern ausgestattet. Das BerbandSbuch der Lederarbeiter Nr. 5146 Friedrich Kühn, Drontheimerstr. 14, bei Holz, ist verloren worden und wird der Finder gebeten, es daselbst abzugeben AuS der elterlichen Wohnung verschwunden ist am 23. Oktober die 15 Jahre alte Ida Gollmert. Sic ist bekleidet mit olivgrünem Rock, schwarzer Vlusentaille mit schwarzem Samtband. Sie trug eilten roten Filzbnt mit schwarz-roter Garnierung und schwarze Schnürschuhe. DaS Mädchen leidet an epileptischen Anfällen. Etwaige Nachrichten nehmen sämtliche Polizeireviere oder die Eltern, B. Gollmert, Grünthalerstr. 62, entgegen. Frucriiachrichtcn. Ein großer Dachstuhlbrand kam Donnerstag abend in der K r e f e l d e r st r. 3 zum Ausbruch. Als der erste Löschzug anrückte, stand bereits der größte Teil vom Dach- stuhl des Vorderhauses in Flammen. Der Löschangriff wurde sofort mit drei Rohren eröffnet. Innerhalb einer Stunde konnte denn auch die Gefahr beseitigt werden. Vom Dachstuhl war allerdings nur wenig zu retten.— Um Mitternacht erfolgte Alarm nach dem Z i r k n S B u s ch. Es brannten Säcke auf dem Kuppeldach.— Betten und Möbel gingen in der N a u n y n st r. 38 in Flammen auf während am Stralauer Platz 3 noch in einem Keller Feuer ausgekommen war._ Vorort- JVaebriebtem Charlottenbnrg. In der Sitzung der Charlottenburger Gewerkschaftskommission loieS zunächst Genosse Flemming auf d,e Agitation für die bevor- stehenden Stadtverordnetenwahlen am 6. November er. hin. Redner verwies diejenigen Gewerkschaften, die hierzu noch nicht Stellung genommen haben, darauf, dies noch nachzuholen. Auf die eventuellen Stichwahlen könne die Arbeiterschaft nichts geben, deshalb müsse alle Kraft angewandt werden, die Hauptwahlen zu einem be- friedigenden Resultat zu gestalten. Ueber die Bedeutung und das Bestreben des Vereins»Freie Volksbühne Eharlottenburg" sprachen Pranzkat und Dr. Lindbeimer, die am Schlüsse ihrer Ausführungen eine eifrige Propaganda in den einzelnen Gewerkschaften befürworteten. ES wurde auch beschlossen, daß sämtliche Gewerkschaften eine rege Agitation für den Berein be- treiben sollen. In der Angelegenheit der Metallarbeiter, über die der Genofle Ahrens referierte, soll der Beschluß der Juli-Sitzung so lange hoch- gehalten werden, bis die Metallarbeiter ihre Schulden bezahlt haben. Dem Voykottbeschluß der Berliner Gewerkschastskominission über die Jandorfschen Warenhäuser wurde einstimmig zugestimmt. Schönebcrg. Der Arlieiter-Turnvercin beabsichtigt, um auch Frauen und Mädchen Gelegenheit zu körperlichen Hebungen zu geben, demnächst eine Frauen- und Mädchenabteilung einzurichten. Meldungen hierzu werden schon jetzt bei sämtlichen Mitgliedern entgegengenommen. Groft-Lichterfelde. WaS sich manchmal Standesbeamte herausnehmen, wird durch einen Fall illustriert, der sich dieser Tage auf dem hiesigen Standes- amte zuttug. Ein Brautpaar begab sich nach dem Standesamt, um die vorgeschriebenen Formalitäten zur Eheschließung zu erledigen. Bei der Gelegenheit richtete der Beamte an die Braut die Frage, ob sie schon einmal ein Kind gehabt habe. Die Braut kouute diese Frage zwar verneinend beantworten, war aber doch ob der Neu- gierde des Beamten etwas verlegen geworden. Das ist aber noch nicht alle?. Als sich der Bräutigam einen Augenblick auS dem Zimmer entfernte, um an der Kasse den Betrag für ein Familien- Stammbuch zu entrichten, richtete der neugierige Beamte an die zurückgebliebene Braut die Frage, wo sie ihren Bräutigan,. der Witwer ist, eigentlich kennen gelernt habe und ob sie sich auch seinen Kindern hingeben wolle. DaS ist ein ganz ungehöriges Benehmen des Beamten und hat mit seinem Amte gar nichts zu tun. Wie kommt der Mann dazu, sich in diese Verhältnisse einzumischen? Fragt der Beamte auch Gc- heimratZ- oder Offizierstöchter danach, ob fie schon ein Kind ge- habt haben? Wir möchten daS stark bezweifeln. Vielleicht macht dem neugierigen Herrn feine vorgesetzte Behörde darauf aufmerksam, wie weit seine Befugniffe gehen. Zehlendorf. Die letzte WahlverciiiSversaiiimlimg mußte von dem vorgesehener Vortrage deS Genossen E. Fuchs, der nicht erscheinen konnte, Abstand nehmen. Der Kassierer erstattete den Kassenbericht vom 3. Ouartal. Hierauf unterbreitete der Vorstand der Versammlung den Antrag, gegen sechs Mitglieder des Wahlvereins daS Ansschlußverfahrcu beim Zcntralvvrstand einzuleiten. Fünf der betreffenden haben nach einmütiger Ansicht deS Vorstandes während der letzten Bauarbeiter- Aussperrung Streikbrnch und einer Boykottbrnch dadurch begangen, das; er trotz wiederholter Warnung die gesperrte Stehbierhalle des .Fürstenhof" besuchte. Die Versammlung beschloß nach längerer Debatte dem Antrage des Vorstandes gemäß. Sodann wurden als Delegierte zur VerbandSgencralvcrsainmlmig die Genossen Jäkel und Scheler und Genosse Herrmann als Ersatzmann gewählt. Der Vorsitzende Genosse Scheler wie? die Genossen darauf hm, ein wie großes und steiniges Feld noch im Orte für unsere Sache zu beackern ist und knüpfte daran die Mahnung, daß ein jeder Genosse sich mehr alS bisher auf seine Pflichten besinnen möge. Auch müsse jeder einzelne bestrebt sein, sich immer mehr Bildung und Wissen an- zueignen, um im Kampf mit den Gegnern genügend gerüstet zu sein. Karlshorst. Große Allfregnng rief ein Unglücksfall hervor, der sich vor- gestern iiachinittag auf dem Bahnhof Karlshorst abspielte. Der Musiker Bernhard König an? FricdrichShagen wollte mit einem Kollegen einen nach Berlin fahrenden Vorortzug, der sich berejkt in Bewegung gesetzt hatte, besteigen. Während eS den, Begleiter gelang, das Cöupü glücklich zu erreichen, kam K. infolge eines Fehl- trittS z., Fall nnd stürzte zwischen die Bordschwelle de? Bahnsteiges und das Trittbrett. Er wurde so eine Sirecke mitgeschlcift. Ans Ziiruse de? Publikums hin brachte der Lokomotivsührer den Zug sofort zu», Stehen. K. wurde auS seiner qualvollen Lage befreit und in daS RununelSburger Krankenhaus übergeführt. Er hatte einen komplizierten Beinbruch und anscheinend auch schtvere innere Ver- letznngen erlitten. Zossen. Tie Stadtverordnetenwahlen finden für die dritte Wähler- abteilung am 8. November von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr statt. Die Petition, die Wahlzeit auf nachmittags von 5 bis 8 Uhr zu verlegen, um somit auch der großen Masse der Arbeiter die Möglichkeit zu geben, ihr Wahlrecht ohne größeren ArbeitSverlust ausüben zu können, ist unberücksichtigt geblieben. Es ninß nunmehr erst recht jedes Genossen Pflicht sein, für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten Beruh. Schulze nnd Ad. Vogt zn agitieren. Die Arbeiterschaft wird zeigen müssen, daß sie trotz der Nichlberücksichtignng der Petition ihr Wahlrecht ausübt. Spandau. Stadtverordneten- Versammlung. Vom Magistrat wurde die Zustimmung der Versammlung verlangt zur Uebernalüne J>st von ber �ktiengescllschast Sinnens«. Holske S5U erbauenden Straizenbahn Spandau— Nonncndamm in das Eigentum der Stadt gemeinde zum 1. Juli 1309. Einige besonders ängstliche bürger liche Gemüter trauten sich noch nicht einmal heran, sie wollten erst abwarten, ob sich die Bahn auch rentiere und dann in? Jahre 13l3 dieselbe übernehmen. Von unseren Genossen griff Stadtber ordneter Pieck kräftig ein, um die Bedenken zu zerstreuen und gelangte denn auch die Vorlage mit ziemlich großer Majorität zur Annahme. Die zweite Verlage betrifft die Einrichtung einer ge meinnützigen und unparteiischen urechtsauskunftsstelle und die Bc Billigung der Mittel für eine hierzu cinzurichtcnoc Sclrctärstellc. Diese Vorlage wurde vom Magistrat auf Anregung der Regierung zu Potsdam gemacht. Vorher hat man erst von anderen Städten wohlweislich Erkundigungen eingezogen und da diese Auskünfte gut lauteten, so empfahl der bürgerliche Referent die Vorlage Der Stadtverordnete Genosse Schmidt l hielt dann den bürger- lichen Stadtverordneten und dem Magistrat vor, daß diese Vorlage jedenfalls nicht gekommen wäre, wenn man nicht gesehen, wie es die organisierten Arbeiter gemacht und also in dieser Beziehung von ihnen gelernt hätte. Der Zweck, der durch diese städtische Ein- i ichtung erstrebt werde, soll doch in der Hauptsache der sein, die Arbeiter von der Benutzung der von organisierten Arbeitern ein- gerichteten Aroeitersckretariatc abzuhalten. Das werde allerdings ivohl kaum erreicht werden. Trotz alledem werden er und seine freunde doch für diese Auskunstsstelle stimmen. Sollte diese aber ihren Zweck erfüllen, dann müßten auch die Schriftsätze angefertigt und die persönliche Vertretung der Arbeiter in Gewerbe-, Inda liden- usw. Sachen übernommen werden. Der Vorlage wird nach kurzer Debatte zugestimmt. Zeigten die bürgerlichen Stadtverordneten bei diesen beiden Vorlagen eine kleine Idee von sozialem Verständnis, so bewiesen sie bei der nunmehr folgenden Vorlage aber wieder, daß ihnen fast noch alles fehlt, was man von freiheitlich gesinnten Männern er warten sollte. ES soll nämlich die Stelle des verstorbenen Polizei Inspektors neu besetzt werden und da man für diese Stellung nur auf einen Mann aus dem Offiziersstand rechnet, so will man das Anfangsgehalt auf-lMV M., steigend in 4 Zulagen von sc 433 M. bis zum Höchstgehalt von 3633 M. festsetzen. Außerdem soll ein Klcidergeld von 253 M. gewährt werden. Man hatte auch lnerüber in anderen Städten nachgefragt, u. a. auch in Berlin Hier erhalten die Polizeilcutnants ein Anfangsgehalt von 2433 M und WohnungSgcldzuschuß. Merkwürdig ist nun die Logik, mit ivclcher der Magistrat und die Deputation hier für die Inspektor- stelle auf 4333 M. Anfangsgehalt kam. Man meinte nämlich, wenn man einen Polizcileutnant nach Spandau bekommen wolle, müsse man schon etwas mehr geben. Diese Logik schien zunächst dem freisinnigen Stadtverordneten Matthias etwas vor den Kopf zu stoßen. Derselbe ging aber nun nicht etwa gleich energisch gegen das zu hohe Gehalt los, sondern er machte nach freisinniger Art einen kleinen Seitensprung und beschäftigte sich mit der neben- sächlichen Frage der Zulagen, die bei allen anderen Beamten nur ."33 M. betragen und beantragte er, diese Zulage auch nur in der Höhe von 333 M. und zwar dann 3 zu bewilligen. Unsere Genossen Pieck und Schmidt l zogen weidlich über die polizeifreundlichen Frcisinnshclden her, hielten ihnen vor, daß sie einen solchen Mann, der gar keine große Vorbildung zu haben, sondern nur aus dem Offiziersstande hervorgegangen zu sein brauche, mit einem Bau- Meister und Bauinspektor, die zu ihren Stellungen jahrelangen Studiums bedürfen, auf die gleiche Stufe stellen wollen. Ja, daß iiian ihn höher einschätzte, als einen Volksschullehrer, der eine bc- deutend größere Verantwortung habe. Es nützte nichts. Die bürgerlichen Stadtvätcr, die nun einmal ohne den Polizeiknüppel nicht leben können, stimmten der Vorlage mit der vom Freisinns mann vorgeschlagenen Aenderung der Zulagen zu und so wird denn der neue Polizei-Jnspcktor ein Anfangsgehalt von 4333 M. beziehen. Weit geringer hat der Magistrat die Stellung eines Diplom- Ingenieurs bewertet, der für die Bearbeitung der Kostenanschläge usw. zur Herstellung einer Industriebahn in der Wilhclmstadt an genommen werden soll. Für diese Stelle hielt man ein Gehalt von 2163 M. für ausreichend. Genosse Pieck kritisiert denn auch in ironischer Weise dies Mißverhältnis und erreichte dadurch, daß der Antrag gestellt wurde, das Gehalt mif 3333 M. zu bemessen. Aber noch eine andere, recht verblüffende, aber nicht ungewöhnliche Aufklärung brachte die Debatte über diese Vorlage. Man munkelte schon eine ganze Zeit lang darüber, daß beabsichtigt werde, die ganze Hafcuanlage, welche die Stadt jetzt mit großen Kosten erbaut, einer Privatgesellschaft nach Fertigstellung zum Betrieb zu über geben. Nachdem nun voii� einigen Mitgliedern der Hafenbau Deputation, z. B. von den Stadtv. Bender und Präger gegen die südliche Gütcrbahii gesprochen und verlangt wurde, die Vorlage der Hafenbaudcputation zu überweisen, rückte der Stadtv. Z s ch a l i g mit der Erklärung heraus, daß man auf die Hafenbau� Deputation leine Rücksicht nehmen solle, denn einige Mitglieder dieser Deputation, namentlich die Stadtv. Prager und Adler, der Bürgerdcputicrtc ThoniaS und ein Berliner Herr bildeten bereits ein Konsortium, eine Vctriebsgescllschaft, welche den Hafen später Üoeriifhinen wollen. Diese Erklärung schlug ein wie eine Bombe und unsere Genossen Schmidt l und Pieck nagelten denn auch sofort diese Jntcrcsscnpolitik in ganz gehöriger Weise fest. Wenn auch seitens des Stadtv. Präger und einiger anderer bestritten wurde, daß eine solche Vetricbsgescllschaft bereits bestehe, so mußte doch Zugestanden werden, daß diese Herren sich bereits erboten hatten, falls der Betrieb des Hafen? einer Privatgesellschaft übergeben tvcrden sollte, sie diesen Betrieb übernehmen wollten. Da drei v:, S„,___-____--_____ r. �.2_v______ den Kram passen und Genosse Pieck hat ganz reckt, wenn er sagt. solche Leute gehörten nicht in die Deputation. Der Paß scheint ihnen durch dies wohl unbeabsichtigte Ausplaudern des Stadtv. Zschalig aber doch etwas verhauen zu sein. Trotz alledem werden die Spandaucr Steuerzahler aber doch ein wachsames Auge haben müssen und gut tun, die Wähler bei der dritten Abteilung bei den bevorstehenden Stadtvcrordnetcnwahlen, wenn sie nur sozialdemokratische Stadtverordnete wählen, dann haben sie die sichere Gewähr, daß solchen Jntercssenpolitikern scharf auf die Finger gesehen wird. Die MagistratSvorlagc mit dem Antrag, daL Gehalt auf 3333 M. festzusetzen, wird mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen. Bei der Vorlage betreffend den Verkauf einer Landhaus- Parzelle rasselten die Stadtverordneten Genossen Schmidt I und Pieck mit dem früheren Genossen, dem auch von der dritten Wählerabteilung gewählten, jetzigen mehrfachen Hausbesitzer Ducksch zusammen. Letzterer vertrat bei dieser Vorlage ganz den HauSbcsitzcrstandpunkt. indem er wünschte, daß bei den Land- hausbautcn auch die Keller- und Bodcngeschosse als Wohnräume vermietet werden dürsten. Von unseren beiden Genossen wird dieser Herr derbe abgeführt und namentlich darauf verwiesen, daß er am wenigsten Anlaß bäite, bei ihm nickt passenden Angelegen- hcitcn Schlußanträge zu stellen, zumal er seine Wähler nicht mehr binter sich habe. Dieser Stadtverordnete wurde seinerzeit von der biesigen sozialdemokratischen Ortsvcrwalwng aufgefordert, sein Mandat niederzulegen, da er nicht mehr für die Interessen der sozialdemokratischen Wähler eintrete. Er lehnte dies damals ab und scheint jetzt ein eifriger Förderer der Hausbesitzerinteressen geworden zu sein. Die Vorlage selbst wurde bewilligt. Einige andere kleinere Vorlagen fanden ebenfalls noch ihre Erledigung. im Quartal zehn Vorstandösitzungcn, vier Versammlungen, zwei VcrtrauenSmännersitzungcn und eine Sitzung der Dczirksführcr statt. Die Bczirksführer berieten eingehend über die beste Agitation die jetzt wieder kräftiger einsetzen soll. Ein allmählicher Ausbau des Bezirksführersystems müsse stattfinden und jeder einzelne müsse Ausdauer zeigen. Unter den wirtschaftlichen Mißständen des Sommers, die eine kolossale Arbeitslosigkeit mit sich brachtcu habe auch der Verband hinsichtlich der Mitgliedschaft gelitten. Um dem für die Zukunft vorzubeugen, mühten die Kollegen immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie bei Arbeits losigkeit in den Wochen, wo sie keine Arbeitslosenunterstützung mehr erhielten, ohne Beitragslcistung die Mitgliedschaft aufrecht erhalten könnten, wenn sie sich nur rechtzeitig meldeten und stempeln ließen.— Ein günstigeres Verhältnis sei, daß der Ver band trotz der schlechten Verhältnisse Abwehrstreiks durchgeführt und Differenzen erledigt habe. Der Streik bei Hcckcr dauere noch fort. Infolge Streiks im Frühjahr habe Hecker damals eine ge wisse Zulage bewilligt und eine weitere Zulage für den September versprochen. Da er sein Wort nicht hielt, scicn die Kollegen wieder in Streik getreten. Er dauere über acht Wochen. Die noch im Streik befindlichen Kollegen hätten die feste Absicht, auSzuhalten — Von jetzt ab werde allmonatlich eine Vertrauensmännersitzung stattfinden.— Den Kassenbericht erstattete der Kassierer L o b i tz. Vom zweiten Quartal verblieb ein Bestand von 7446,38 M. Dazu die Einnahme von insgesamt 6672,31 M., ergibt 14 118,83 M. Die Ouartalsausgabe betrug 4337,67 M. Am 1. Oktober verblieb also ein Bestand von 13 321,18 M. Die Abrechnung für die Hauptkassc balanzierte mit 3 624,63 M.— Das zweite Quartal schloß ab mit einem Mitgliederbestände von 1833, das dritte Quartal mit einem solchen von 1644, darunter 76 weiblichen. Die Abnahme resultiert aus der schon erwähnten großen Arbeitslosigkeit. Durch die jetzt einsetzende schärfere Agitation hofft man, den Verlust wieder weit zu machen.— Nach kurzer Diskussion wurde dem Kassierer De. charge erteilt. Man erledigte dann noch einige Verbandsangclegcn ehi'ten. Unter anderem teilte der Vorsitzende mit, daß es wegen zu später Unterrichtung über den Extrazahlabend unmöglich ge lvcsen sei, diö Versammlung zu inhibieren. Deshalb erörterte Genosse Sander eingehend die Boykottangelegenheit Jandorf und forderte die strikte Jnnchaltung des Boykotts. In der Versammlung der Vrauereihülfsarbeiter, die am Sonn tag bei Bocker, Weberstratze, stattfand, wurde der Kassenbericht vom dritten Quartal 1337 gegeben: Einnahmen und Ausgaben der Zentralkassc balanziercn mit 15 556 M. Zur Hauptkasse wurden 13 331,36 M. gesandt. Die Einnahmen der Lokalkasje betragen 23 711,71 M., die Ausgaben 2413,73 M.. so daß ein derzeitiger Bestand von 18 331,31 M. vorhanden ist. 78 Versammlungen und Sitzungen fanden im dritten Quartal statt; dib Äitgliedcrzahl hat 3333 überschritten. Weiter wird mitgeteilt, daß der mit dem Verein Berliner Wcißbierbrauereien beratene Tarif endlich den Brauereien zur Unterschrift vorgelegt werden konnte und auch bereits von den Brauereien B r e i t h a u p t, Ga b r i e l u. Jäger, H i l s e bein I und Gehricke unterzeichnet ist, während sich der Vor sitzende des Vereins, Herr C. A. Ri ch t e r. auf einen ablehnenden Standpunkt stellt. Dieser sonderbare Herr, der in einer der letzten EinigungSamtssitzungen als Vertreter der Lagerbierbrauerci Gabriel u. Richter nicht oft genug betonen konnte, daß ihm die Zugehörigkeit seiner Arbeitnehmer zur politischen oder gewerkschaftlichen Organi- sation ganz gleich sei und er sich darum absolut nicht bekümmere, dieser selbe Herr motiviert seine Ablehnung damit, daß keiner seiner Arbeiter organisiert sei und er erst unterschreiben wolle. wenn ein größerer Prozentsatz derselben der Organisation angehöre. Weiter wird mit Genugtuung bemerkt, daß im letzten Quartal eine besonders hohe, dem Fahrpersonal angchörige Zahl von Kollegen der Sektion II beigetreten resp. übergetreten ist.— In der Diskussion wurde unter andern auf das in der Schloßbraucrc Schöncberg herrschende Ucbcrstundenunwescn aufmerksam gemacht und die Verwaltung aufgefordert, Schritte dagegen zu tun. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß er bereits wegen der Ueberarbeit vor stcllig geworden sei. die Leitung der Schloßbrauerei aber anscheinend keine Neigung habe, den berecktigten Forderungen Folge zu leisten. Die Kollegen wurden aufgefordert, Ucberswnden nur noch in drin- genden Fällen, Betriebsstörung usw. zu machen. Dem vom Vor stand gefaßten Beschluß, den Anschluß an die Unterkartelle bc treffend, wurde zugestimmt. Versammlungen. Ter Verband der Tapezierer lFiliale Berlin) hielt am Donnerstag bei Mendt die Ouartaloversammlung ab. Die Ver- iammlung ehrte zunächst den verstorbenen Kollegen Langschiffer, der den Gefahren deS Berufes erlegen ist, indem er von der Leiter stürzte und das Genick brach. Der Filialvorsitzende Sander erstattete den Bericht der Ortsvcrwaltung. Es fanden Vermischtes. Die Opfer der Erdbebenkatastrophe. Die Gesamtzahl der bei dem Erdbeben in Calabrien Getöteten chätzt man auf 300, von denen 250 auf Ferruzzano entfallen; ver- wundet sind etwa 1333 Personen. General Aliprandi, Kommandeur der 22. Division in Eatanzaro, hat gestern die Unglücksstätten besucht und ließ 1533 Militärzelte an die Bewohner ausgeben. Nach einem Telegramm aus Gerace find 212 Leichname aus den Trüm mern von Ferruzzano geborgen; die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten in diesem Orte beträgt 533.—„P0P0I0 Romano" meldet, daß die Regierung die technische Finanzkommission von Calabrien angewiesen habe, die Höhe des angerichteten Schadens estzustcllcn, um einen sofortigen Stcucrnachlaß anordnen zu können. Einer Meldung aus Rom zufolge hat der König für die Opfer der Erdbebenkatastrophe 133 333 Lire gespendet. Der Ministerpräsident erteilte der Gencraldirektion der öffentlichen Gesundheit die Anweisung, nach Reggio zwei Samaritcrabteilungen, zehn wasserdichte Zelte, unter denen mehrere hundert Personen Unterkunft finden können, sowie das erforderliche SanitätSmatcriu zu schicken. Mit Hülfe der von der Regierung entsandten Beamten und Truppen ist es bereits möglich, nachdrücklich an die Her- ielluiig von Zufluchtsstätten sowie an die Aufräumungsarbeiten in den gefährdeten Häusern zu gehen. Wie der Korrespondent deS „Giornale d'Jtalia" aus Ferruzzano meldet, sind dort von den Häusern nur Mauerreste übriggeblieben, die jeden Augenblick ein- zustürzen drohen. Dabei herrscht heftiger Regen und Sturm, der den Schaden und die Gefahr noch vergrößert. Der Ilmfang der Katastrophe ist noch nicht abzusehen, weitere Truppcnverstärkungen owie Kleidungsstücke werden dringend erbeten. Wie eine Meldung aus Neapel besagt, ist der Fluß Ferruz- zano infolge des heftigen Regens über seine Ufer getreten und vermehrt die Schrecken des Erdbebens. Neue heftige Erdstöße sind im Laufe des gestrigen Tages verspürt worden. In Santa Eufemia ind zahlreiche Familien unter den Trümmern eingestürzter Häuser begraben. Drei verkohlte Leichen. Der VreZlauer»Schlcsischen Zeitung" zufolge sind in der Nacht zum Donnerstag auf der Kolonie Marsin- chacht bei Lipine im Regierungsbezirk Oppeln die Wirtschaftsgebäude und eine Scheune niedergebrannt. Auf der Brmidstätte wurden au drei Stellen verkohlte Leichen gefunden. Man nimmt an, daß es Ich bei den Verunglückten um galizische Arbeiter handelt, die sich eingeschlichen hatten, um dort zu nächtigen. Von mehreren Schul- kindeni, die sich gestern an der Brandstätte aufhielten, wurden drei durch eine umstürzende Brandmauer schwer verletzt. Antomobiluiifall. Ein aus Gcorgental kommendes Automobil stürzte,»ach einer Meldung aus Pilsen, beim Nehmen einer Kurve um. Ein binterher kommendes Automobil fuhr in das erste hinein, wobei der Fabrikant Zwickl und feine Frau schwer und zivei andere Per- sonen leicht verwundet wurden. Der tägliche Bahnunfall. Aus Andernach wird gemeldet: Güter- zug 6482 fuhr heute abend 8 Uhr 42 Minuten auf Bahnhof Nieder- breisig bm ausfahrenden Güterzug 8227 infolge UeberfahrenS des Haltesignals in die Flanke. Der Schlußbremser deZ Güterzuges 8227 wurde getötet. Der Materialschaden ist erheblich. Beide Hauptgleise sind gesperrt. Der Verkehr wird durch Umsteigen, sowie Umleitimg von Schnellzügen über die rechte Rheinliiiie aufrechterhalten. Der Betrieb ivird voraussichtlich morgen 5 Uhr eingleisig, um 3 Uhr doppelgleisig wieder aufgenommen. Die Untersuchung ist eingeleitet worden. Die Ehrfurcht vor der hohen Vchörbe, die den loyalen Deutschen auszeichnet, scheint auch dem republikanischen Franzosen nicht fremd zu sein. So liest man im„Bulletin officicl des commissaircs de Police" folgendes Inserat:„Herr Appicto, Polizei- rommissär in Bezicrs, wünscht eine offizielle Polizcikommissär» uniform, wie neu, unter außergewöhnlich günstigen Bedingungen zu verkaufen. Diese Uniform, die nur einmal, am Tage eines großen Empfanges in Agdc, getragen wurde, hat Herrn Appieto die Ehre verschafft, für den Unterpräfekten ge, halten zu werden." Eine Uniform von solcher Zauberkraft wird zweifellos einen Wcttlauf von Käufern hervorrufen. Allerdings muß man Polizist fein, um sie öffentlich anlegen zu dürfen. Aber welcher Bürger wollte nicht Polizcikommissär in seiner Gemeinde werden wollen, wenn sich ihm die Aussicht bietet, für einen Unter- präfekien gehalten zu werden?— Recht niedlich ist auch das Urteil eines Richters in Tunis, der den Liebhaber einer Gendarmen- gattin wegen Ehebruchs zu 133 Frank Geldbuße, dem vierfachen der gewöhnlichen Strafe, verurteilt hat mit der Begründung, daß der Umstand, daß der Betrogene ein Gendarm ist, den Ehebruch verschärft! Lriefkasten clei« R.edaKtioii. Tie jntlflififte Svrcchsliiiide ftudee Lindenstrahe Nr. 8, zweiter Hof, dritter Ein-i-uiii, vier Treppen,(OV Fahrstuhl-Mg wochciitäoltih von?3, bis O'.'t Uhr abends statt, tsteössuet? Uhr. eaiinnbeiidS beginnt die Spreihstnnd- um o»Hr. Jeder Slnfrag-»t ein 'vnihstabc nnd eine Zahl als Vlertzeichen beizufügen. Briefliche sintwort wird»ich» erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. — P. 14. 1. Ja. Durch eine» Antrag an das Amtsgericht. 2. Ja.— M. M. 3. Der Betrefiende hatte da? Recht bis am 3. Oktober die vor- zeitige Kündigung der Mictsoerträge auszusprechen.— F. D. 1307. Sie sollicii sich von einem Arzt die Gelundbeitsgesährlichkeit einer Wohnung be- scheinigcn lassen und schleunigst aus Aushebung deS MietSverirageS und aus vollen Schadenersatz Nagen. Die Klage könnten Sie zu Protokoll der Gerichtsschreiberei ausgegeben oder sich an das Arbeitersekretariat wenden oder einen Anwalt beauftragen. Grundsätzlich müsse» wir ablehnen, bestimmte Anwälte, Aerzte usw. zu cuipsehlcn.— X. D. Z. 1000, Nein. — B. Sich. 7. Alle!» daS Austreten eines Pastor» in einem Theaterstück kann keineswegs als Vergehen gegen% 169 des StrasgesetzbucheS erachtet werden.— 23. 20, Ihnen stände ein Recht ans einen Teil deS Ver» mögen» nickt zu. Zu seinen Lebzeiten kann Ihr Vater mit seinem Ver- mögen machen, was er will. DaS sogenannte gemeinsame erworbene Ber- mögen gehört Ihrem Vater.— H. P. 50. 1. DaS ist in den verschiedenen Kirchen und verschiedmen Gemeinden verschieden. L. Fa.— K. 35. Be- stimmte Tarife sär den Verlust einzelner Glieder und dergleichen gibt eS nicht. Der Verinst der Sehkrast eines AugeS wird in der Regel mit ZZ'/, bis 60 Proz. Einbuße der Erwerbssähigkeit berechnet. Zur Durchführung Ihres Anspruch» ist Ihnen zu raten, sieh an da» Ärbeitersekretariat zu wenden. — Metast 77. Wir haben wiederholt daraus ausmerksam gemacht, daß die Taler spätestens am 30. September umzutauschen waren. Jetzt müßten Sie sich an die Münze oder an die ReichZdank wenden.— R.<5. 6. Auch wenn der Ehemann au» der Landeskirche ausgetreten ist, muß die Ehefrau Kirchensteuer zahlen, wenn sie nicht auch austritt.— A. F. 20 uno H. Si., Rtxdorf 30. 1. Nein, sallS gepfändet wird, würde Ihre Ehe- Iran mit Ersolg WiderspruchSllage erheben können. 2. Nein, reichen Sie Beschwerde an das Amtsgericht ein. 3. Das ist möglich. ßriefbaften der Expedition. Patienten in Beelist, Bnck»sw. Diejenigen unserer MoNlitNirtt, die noch während deS ganzen nächsten ManatS in der Heilstätte bleiben, mallen uns wegen der Ueberloeilung von Freiexemplaren fosort ihre Adresse linsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern de? neuen Monats von der Post nicht geliesert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Berliner Marttpreife. Aus oem amtlichen»erichl der städtilchen Markthallen-Direkitoii.(Großhandel.) Ochsenfletsch 1» 68—70 pr. iOO Psd., IIo 62- 67, Qla 57-60. Bullenfleisch In 65-70, Na 53-62, Kühe, seit 50—58, da. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 56—69, da, hall. 0,00. Kalbfleisch, Doppellender 103—120, Maftkälber I» 85-95, II» 75—82, Kälber ger. gen. 56—71, da. hall. 48—54, dän. 0,00. Hammelfleisch Mastlämmer 74—76, Hammel U 66-70, IIa CO— 65, ungar. 0,00, Schnse 45—58. Schweinefleisch 52—60. Rehbock la ver Psund 0,60—0,95. IIa 0,00. RotwUd la per Psd. 0,30—0,45, da. Na 0,20-0,25, da. Kälber 0,35— 0.50. Damwild 0,40—0,45, da. Kälber 0,00. Wildschweine per Psd. 0,20—0,50. Frischlinge 0,00. Kaninchen p. Zt. 0,30 bis 0,80. Hasen, groß. p. Stck. 3,00-4,00, da., mittel u. klein, Stck. 1,50-2.50. Wild. cnien per Stück 1,25— 1,50. Rebhühner, junge große, per Stück 1,00—1,40, do. mittel und kleine 0,40-0,90, alte 0,60—0,90. Falanen» hähne la 1,50— 2,75, do. IIa 0,50—1,23. Fasancnhennen 0,80—1,75. Bekassinen 0,25—0,90. Waldschnepsen 2,00—2,50. do. Na 1 ,00— 1,50. KrammetS- vögel 0,30—0,45. Hühner, alle, per Stück 1,00— 1,60, IIa 0,50—0,90, do. junge 0,50—1,25. Tauben 0,40—0,65. Enten per Stück 1,20—2,40, dito Hamburger per Stück 2,90—3,10. Gänle per Psund 0.45—0,60, dito per«täck 2,09—4,00, do. Hamburger per Psund 0,65—0,70, do. Oder» brucher per Psd. 0,50—0,62. PoulctS per Stück 0.40—1,25. Deutsche Poularden per Psd. 0,00. Hechte per 100 Psd. 74-87, do. matt 0,00, do.«ein 0,00, Ja. mittel 0,00, do. groß 0,00. Zander 124, do. klein 0,00, dito mittel 0,00. Schleie, klein 0,00, do. nnsart. 123—127, do. mittel 0,00, do. groß 0,00. Aale, groß 0,00, do. klein und mittel 77—90, do. mittel 0.00, do. unsortiert 0,00, do. groß-mlttel 0,00, klein 0,00. Bleisisch 0,00, Plötzen 56—58. Roddow 0,00. Karpsen 20er 0,00, do. 80— 40er 0,00, da. 70—74, do. 50er 69—72. Bunte Fische 42-63. Barse 80,00. WelS 0,00. .Karauschen 0,00. Bleie, 40—40, da. Nein 0,00. Aland 60—04. Quappen 0,00. Amerik. Lach» la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. Na neuer 90— 100. Seelaihs 10—20. Wundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel Kille 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2-3, pomm. la Schock 3—4, Na 2—3. Bücklinge. Kieler per Wall 3—4, Strals. 0,00, engl, per Wall 2,75—3,25. Sprotten, Danziger, Kiste 0,50, do. Rügenwatder, Kiste 0,50. Aale, groß per Psund 1,10—1,40. mittelgroß 0.80—1.10, klein 0.60—3,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische. Kille 3,00—4,00,'/,. Kiste 1,75—2,00. Sardellen, 1902 er per Anker 93. 1904er 98. l905er 98. 1906er 90-95. Scholsische Vollheringe 1905 0,00, Urge 40—44, fall. 38—40, med. 36—42, deutsche 37—44. Heringe, neue MatseS, per»/, To. 50—120. Sardinen, russ.. Faß t, 50— 1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 11. da. steine 5—6. do. Niesen. 14. Krebse per Schock 0,00, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. steine 10—11 am 0,00, da. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 4,00—4,20, do. große 0,00. Butter per >00 Psd. la 126-130, IIa 118-122. llla 110-116, abfallend- 90—95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Psessergnrken 4.00. Kartoffeln per 100 Psund Dabersche 2,50—3,25, weiße runde 2,25—3,00, mag. von. 2,50—3,25. Porree, per Schock 0,50—1,00. Meer- rcttich, Schock 4—12. Spinat per 100 Psund 5—10. Sellerie, Schock 5,00-8,00. Zwiebeln ver 100 Psd. 8,00-3,00, da. Perl- 40,00-100,00. Cbalotten 40.00-100,00. Petersilie. grün, Schockbund 1,00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bayr., neuer Stück 0,03—0,10, hiesiger Schock 2,50—3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bi» 3,00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl p. Schock 3—7 Rotkohl, Schock 4-8. Weißkohl p. 100 Pfd. 1,50-2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—10, do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Ersurter 100 Stück 12-16. Rosenkohl, per 100 Psd. 20-22. Grünkohl 4-6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00. Petersilicnwurzeln, Schockbund 3,00—4,00. Schnittlauch 1.25 vi» 1,50. Pfeffertinge p. 100 Psd. 10—16. Radieschen per Schockbund 0,75—1,25. Salat per Schock 1,50—2,50. Gurken, Einmache-, Schock 0,00. Bohnen, grüne. 100 Pfund 15—30. Tomaten per 100 Pfund 10—16. Rote Rüben. per 100 Pfund 2.50-3,00. Rübchcn. Beelitzer, per 100 Psd. 2-10, do. Tel. tower 18-20. Kürbis per 100 Psd. 4—7. ESkarol per Schock 5— 6. Endivien per Schock 3—6. Preißelbeeren p. 100 Psd. 0,00, schwedische 29—32. Birnen :er 100 Psd. Tiroler 0,00, hiesige Most- 0,00, Kochbirnen 3—8, Tafelbuncn a 10—25, do. IIa 4—10. Pfirsiche, hiesige per 100 Psd. 0,00, do. italienische, per 100 Psund 12-25. Aepsel, per 100 Pfund. Tiroler la 18-40, IIa 15—13, Most-, hiesige, 3—5, Koch- 5—12. Taseläpsel la 10—25, do. IIa 7—12. Amerikaner, per Faß 15—30. Wallnüsse, per Schock 1,00-2,00, do. stein 0,40-0,50, do. jranz. 100 Pfd. 0,00. Pflaumen. pr. 100 Psd. hiesige 8—10, serbische 0,00. Wemtrauben, italienische per 100 Psd. 10-26, Mmeria per Faß 13-15. türkische per 100 Psd. 14-20. Ananas I. per Pfd 0,70—0,80, da. II 0,40—0,50. 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Rehme hiermit die Beleidigung gegen Herrn Scher- bert zurück. Ernst Spielberg, Dunckcr- swaß e 80 a._ 457 Schreibmafthinen-Arheiten, Vcr- v�clsältigungen Stargarderstraße 67. " Die Beleidigung gegen den Restau- ratcur Max Schade nehme ich hier- mit zurück und erkläre denselben sür einen Ehrenmann. Otto Schmidt, Aöslinerstraße 12._ f82 Wohnungen. Prächtige Balkonwohnungen so- fort, Soldinerstraße 32. 280851« Reinickeudorf\V, Awcizimmer- wohnungcn sofort billig zu vermieten --—-■-idfe 33. Augusta Viktoria-Allee 478* Zimmer. Möbliertes Zimmer, 1-2 Herren, herrliche Aussicht, Baumschulenweg, Trojanstraße 6 II, Bahnhos. 1894d Möbliertes Zimmer sür 1 oder 2 Herren zu vermieten Brandenburg- straße 75 vorn III links. 8556 Möbliertes Zimmer, 1—2 Herren, Hauke. Lchninerstraße 7(HasenHeide). Zimmer, 2�Herren. Uebcrfchär, Wiclesstraße 46, Ouergebäude pari. Schlafstellen. 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