Kr. 258. übonnemtntS'Redlnsungen: OonnementS« Preis pränumerando j «iert-Wrl. s,30 2«, monoll. 1,10 Mk, wöcheiUIich 28 Psg. frei inj HauS, Einzelne Nununer S Psg. EonntagZ- nununer mit illustrierter EonntagZ- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Pmslisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. llänien. Schweden und die Schweiz. frlitW Oalli toBtr noatw. 24. Jahrg. Vevlinev Volksblntt. vle lnlerNsnz-eedllhr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen A> Psg. „Uleine Mnzefgen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzcigen da? erste Wort 10 Psg.. , jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nununer müssen bis SUHrnachmittagSinder Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Soziaidcmtiriral Rerlin". Zentralorgan der rozialdcmokratifchcn parte! Deutfchlands. Redahtion: SW. 68» Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT- Nr. 1983. Expedition: 8 Cd. 68, Lindenstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der enthüllte Absolutismus. ©0 also werden unseren Regierungen macht und stürzt die wir regiert und s o werden wir von befreit: Ein Philipp Eulenburg Kanzler, diese Sitzredakteure der Hos Politik, und ein Maximilian H a r d e n stürzt den Kanzlermacher. Aus seinen Gerichtssälen holt sich das deutsche Volk die Kenntnis über die Qualitäten seiner Beherrscher! Wie gräßlich jämmerlich sind doch die gewesen, die bei diesem Prozeß aufgetreten sind; wie jämmerlich aber auch die, die gefehlt haben und die doch die ganze Verantwortung zu tragen haben. Deswegen also: Deswegen die Entrechtung des deutschen Volkes, damit eine„Gruppe" von Leüten, moralisch minderwertig und geistig defekt. Gesundbeter und Spiritisten, die Kaisergewalt gebrauchen, um ihre Politik einem Volke aufzuoktroyieren, das einst das Volk der Dichter und Denker gewesen ist. Da hat man uns erzählt, die Getreidezölle seien eine Notwendigkeit, um Preußen-Deutschland seinen Adel zu er- halten, diesen berühmten Adel, der zwar in Jena und Tilsit sich nicht gerade belvährt hat, dann aber, durch das von Gott gesandte Schicksal belehrt, sich so gebessert hat, daß er unentbehrlich für ein geordnetes Reich geworden ist. Da hat man uns erzählt, daß eine starke monarchische Gewalt notwendig ist, um die angeblichen Schäden eines parlamen- tarischen, demokratischen, öffentlich kontrollierten Systems zu vermeiden, und da erzählt man uns unaufhörlich, daß der deutsche Arbeiter nicht reif ist, daß Preußen unter- gehen nmsse. wenn der Arbeiter politisch ebensoviel zu sagen habe als die Edelsten und Besten, die unaufhörlich über sein Wohl wachen, die nicht gestört werden dürfen in ihrer patrio- tischen Tätigkeit. Nun sind sie freilich eiymal gestört worden, weil das Glück es gewollt hat, daß die Herren da oben sich nicht länger vertragen, wesl Kamarilla gegen Kamarilla gekämpft hat und die eine endlich mit der anderen fertig werden wollte. Denn nur um die Beseitigung der einen Kamarilla hat es sich ge- handelt, damit die andere ungestört ist und ungestört bleiben kann, ebenso ungestört durch die Tafelrunde von Liebenberg, wie etwa durch den deutschen Reichstag. Welches Machtbewußtsein mußten die Herren da oben aber erst fühlen, welche Verachtung für den deutschen Unter- tan, um dieses Schauspiel öffentlich aufzuführen! Freilich, lange genug haben sie gezögert, lange genug hat es gedauert und ganz freiwillig ist dieser Prozeß nicht geführt worden. Nicht ganz freiwillig von feiten des Klägers, aber sicher nicht freiwillig von feiten des Beklagten und derer, die ihm das Material gegeben haben. Denn das steht fest: Was Fürst Eulenburg war, wie und mit welchen Mitteln er es trieb, war auch den offiziellen Leitern der deutschen Politik bekannt. Aber sie haben geschwiegen. Schon Fürst Bismarck hat Einfluß und Art der Eulenburg gekannt. Er hat es ja seinen Journalisten erzählt, Herrn Harden und' auch Herrn Li m a n, der nicht nur schreiben kann rechts und links, sondern wie das Beispiel zeigt, auch schweigen kann rechts und links. C a p r i v i hat nicht gewagt, den Mann zu bezeichnen, der ihn getäuscht hat, den Wiener Botschafter, den mächtigen Günstling, über den die Wiener und sicher nicht nur die Wiener Polizei ihre eigenen Akten hatte. Ebenso schweigt Hohenlohe� und erst seine Memoiren enthalten ein paar Andeutungen, die aber nicht mehr bewirken, als die kaiserliche Ungnade für seine Verwandten I Erst unter B ü l 0 w fällt Eulenburg. Aber Bülow hat lange dazu gebraucht. Bülow kennt Eulenburgs Einfluß von jeher. Die „Herren duzen sich". Bülow verdankt sein Staats- sckretariat. von dem er zum Kanzlerposten aufklimmt, seinem Freunde Eulenburg und dessen Einfluß. Der Nutznießer des Eulenburgschen Einflusses hat begreiflicherweise zunächst andere Sorgen, als diesen Einfluß zu beseitigen. Erst als Bülow bei Eulenburg in Ungnade gefallen ist(Bülow weiß, daß die Ungnade Eulenburgs die Ungnade eines Höheren nach sich zu ziehen pflegt) erst dann— nein, Bülow weiß von nichts, aber rechtzeitig beginnt die Vernichtnngskampagne gegen Eulenburg I Man erinnere sich der Zusammenhänge: Im Oktober 1906 beabsichtigt Eulenburg den Kanzler zu stürzen und den Grafen Hcllmut v. Moltke an seine Stelle zu setzen. Der Plan wird vorzeitig im„Berl. Tagebl." veröffentlicht. Da beginnt Herr Bassermann, unterstützt von dem größten Teil der bürger- lichen Presse, die Kampagne gegen das persönliche Regiment, die zur Interpellation am 14. November 1906 führt. Die Gefahr für Bülow scheint aber nicht beseitigt. Da erfolgt im Dezember die Reichstagsauflösung zur Rettung der nationalen Ehre und zur Rettung der Stellung des Fürsten Bülow. Die Kampagne in der„Zukunft" beginnt. Fünf Jahre besitzt Herr Harden bereits sein Material. Der treue„Retter des Vaterlandes" wartet und wartet mit der Rettung. Eulenburg hat nicht nur seine Hände in der inneren Politik, sondern auch in der auswärtigen. Bülow soll ja gerade deshalb gestürzt iverden, damit S. M. und Herr v. Tschirschky, der seine Karriere auch nicht dem Fürsten Bülow verdankt, die auswärtige Politik allein mckchen kann. Vor deni Gericht posiert Harden auch den Friedensfreund, er, der in kritischer Situation die unverantwortlichsten Hetzartikcl geschrieben hat I Eulenburg soll Kriegspolitik getrieben haben. er hatte er dann ein Interesse, Herrn Lecomte mit dem , Kaiser zusammenzubringen? Herr Holstein aber, den alle 'Welt für den Kriegspolitiker hält, ist der Freund Hardens. Nicht um das Vaterland zu retten, nicht um den Frieden zu erhalten, hat Harden seine Kampagne geführt, sondern um die Kamarilla Eulenburgs zu beseitigen zugunsten derer, die um ihren eigenen Einfluß besorgt waren. Herr Harden hat ja gleichzeitig den Fürsten Bülow angegriffen. Wenn es nicht geschah, um zu verbergen, daß Fürst Bülow am meisten an der Beseitigung des Eulenburg interessirt war, so beweist das nur, daß auch eine dritte Gruppe um die Macht rang, der die Eulenburge zu mächtig geworden waren. Unterdessen mag ja eine Aussöhnung zwischen Holstein und Bülow er- folgt sein. Es ist Herrn Harden und denen, die ihm aus guten Gründen sein Material lieferten, gelungen, Eulenburg zu stürzen. Damit war der Zweck erreicht. Ging es nach Herrn Harden und seinen Hintermännern, so hätte das zu rettende Vaterland nie von dieser Tat etwas erfahren. Welch edle Uneigennützrgkeit! Herr Harden tat nicht nur nichts, um den Prozeß, der ein„reinigendes Gewitter" werden sollte, her- beizuführen: In der Presse, z. B. im„Morgen" erschienen mehrere Drohartikel gegen Herrn v. Moltke. um seine Klage zu verhindern. Ja, wir vermuten, daß Herr„Karl Schnitzlcr" nur deswegen seine politische Feder der„unpolitischen" Revue zur Verfügung gestellt hat, um für diese Notizen leichtere Auf- nähme zu finden. Die Staatsanwaltschaft konnte gegen den Fürsten Eulenburg nichts ermitteln, ebensowenig wie gegen die Grafen Lynar oder Hohenau. Die Erhebung der Anklage im öffentlichen Interesse, die der ehemalige Stadtkommandant gefordert hatte, blieb aus. Aber Moltke blieb fest und er- zwang die Verhandlung, die so merkwürdig verlief, wobei Harden das Glück hatte, daß die Beweise, auf die es ihm an- kam, erhoben, Moltke das Unglück, daß seine Gegenbeweise nicht erhoben wurden. Trotzdem bleibt es erklärlich, daß man diesen Prozeß ganz verhindern wollte, denn seine Enthüllungen treffen nicht nur den Ankläger, sondern auch die Nutznießer des Prozesses. Nicht erklärlich aber ist es, daß ein Retter des Vaterlandes diese Bemühungen gefürchtet hat. Aber Harden ist,' und das muß deutlich gesagt werden, nichts als Werkzeug der einen Clique, und dieser Prozeß hat gar keine Wirkungen, wenn er nicht auf die Massen wirkt! Kamarilla und Absolutismus gehören unauflöslich zusammen. Kamarilla stürzen, ist reine Sysipbusarbeit, solange der Absolutismus besteht. Nicht eine Kamarilla gilt es zu beseitigen, sondern die Möglichkeit des Einflusses der Höflinge auf die Politik. Auch Monarchen sind nur Menschen. Bismarck und Hohenlohe haben es ja gezeigt, wie es-gemacht wird. Der ganze Spuk aus dem Mittelalter ist wieder herauf- beschworen worden. Die Inspiration des„Geistes Emanuel" beeinflußte eine Zeitlang den Geist der deutschen Politik. Man war in Rapport mit überirdischen Wesen, der Monarch wurde selbst verhimmelt und angebetet und diese Anbetung ihm ostentativ entgegengebracht. Freilich, die Leute, die die Politik machten in der Um- gebung des Kaisers, waren merkwürdige Gesellen. Aber ihr Aberglaube war nur grotesker und gesteigerter als der fromme Wunderglaube, der sonst in hohen Regionen üblich ist. Wenn die Wünschelrute Wasser anzeigen kann, warum soll Fürst Eulenburg nicht Mitteilung der Geister erhalten? Nicht nur Journalisten legen Wert auf gute Informationen. So wird dieser Prozeß eine Probe auf das politische Be- wußtsein des deutschen Volkes. Das deutsche Bürgertum hat längst politisch abgedankt. Wenn etwas noch imstande wäre, ihm zu zeigen, daß diese bedingungslose Abdankung zugunsten des Absolutismus eine jämmerliche Feigheit ist, müßten es die fürchterlichen Erfahrungen dieser Tage belehren. Was wir von der Bourgeoisie verlangen, ist nur das, daß sie selbst die Herrschaft übernimmt. Wir wissen, daß das Proletariat schwer und hart gegen diese Herrschaft wird kämpfen müssen. Aber diese schniähliche Lächerlichkeit, die gepaart ist mit einer brutalen Unterdrückung jeder demokratischen Regung, wie sie außerhalb Preußens und Rußlands nicht mehr gekannt ist, zu beseitigen, läge auch im proletarischen Interesse. Aber sei dem wie es wolle. Versinkt der deutsche Philister wieder in die stumpfe Lethargie, aus dem ihn dieser Prozeß für ein paar Tage aufgerüttelt hat: das Proletariat wird seine Lehren zu beherzigen und zu nützen wissen! Wir müssen den Absolutismus brechen, der eine Uner- träglichkeit für die politische Weiterentwickelung des deutschen Volkes geworden ist. Der Absolutismus hat seinen Sitz in Preußen. Nur die Erringung des allgemeinen, gleichen direkten und geheimen Wählrechts in Preußen kann den preußischen Absolutismus zur Strecke bringen, nur die Demo- kratie wird dem mittelalterlichen Spuk der Kamarillen» und Höflingswirtschaft ein Ende bereiten! freiMge MeltettreiiMchlielt. Die„Freis. Ztg." wagt es noch immer, zu bestreiten, daß der Antrag des Freisinnige» G e r s ch e I die Handhabe geboten hat, die Arbeiter noch schärfer zur Steuer heran- zuziehen, als das ohnehin auf Grund des§ 23 des Einkommensteuergesetzes möglich lvar. Sie hatte bekanntlich behauptet, der Antrag Gerschel habe nur den Zweck gehabt, die An- nähme des weitergehenden Antrages des National- «liberalen Keil ui verhüten. Wir haben jedoch kekt- gestellt, daß gerade umgekehrt der Antrag Gerschel in Bezug auf die Steuerschröpfung der Arbeiter der weitergehende war! Denn, so wiesen wir nach, die Bestimmung des Antrages Keil, daß die Haus- b e s i tz e r verpflichtet seien, auch über die Arbeitsstätte der bei ihnen wohnenden Arbeiter Auskunft zu geben, befand sich auch im Antrag Gerschel. Darüber hinaus enthielt aber der Antrag Gerschel die Bestimmung, daß auch die Arbeiter gesetzlich verpflichtet sein sollten, ihrerseits den Hausbesitzern Auskunft über Arbeitsstätte und Arbeitgeber zu erteilen! Der Abgeordnete Gerschel selbst führte in seiner Rede vom 3. Mai 1907 aus, daß er diese Bestimmung getroffen wissen«volle, um den Hausbesitzern und Arbeitgebern die Auskunft zu erleichtern und zu ermöglichen, daß alle Arbeiter mit Heller und Pfennig zur Steuer herangezogen würden. Und da hat die„Freisinnige Ztg.". die diese Tatsache ihren Lesern hartnäckig verschweigt, noch die Stirn, zu leugnen, daß der Antrag des Freisinnigen Gerschel tätsächlich die Arbeiter noch über das Maß hinaus benachteiligt hat, das ihnen ohnehin von konservativer und nationalliberalcr Seite zugedacht war! Wir haben schon früher festgestellt, daß der Antrag Gerschel natürlich Von den Reaktionären in der Junker- kammer mit Wonne aufgenommen wurde. Natürlich: gab er ihnen doch ein Mittel an die Hand, den im Jahre 1906 zu u n g u n st e n der N i ch t b e s i tz e n d e n neugestalteten§ 23 erst voll auszunutzen! Den An- trag Gerschel(genau G e r s ch e l- F i s ch b e ck!) charakterisierte ja am 3. Mai d. I. ein anderer Freisinniger, der der Freisinnigen Vereinigung angehörige Abgeordnete Wolfs- Lissa folgendermaßen: „Und nun, ineine Herren, haben Sie die große Frenndlichkcii, den Antrag 219 Dr. Gerschel-Fischbeck aufznnehincn. Ich kann Ihnen im Namen der sicisinnigen Fraktionen, für die ich hiermit spreche, erklären, daß wir mit der Zurückziehung des Antrages sehr einverstanden gewesen sind und nicht ans dem Boden des Antrages stehen, jedenfalls nicht mehr stehen. Meine Herren, ich fand den Antrag, den Sie gestellt haben, begreiflich; ich fand ihn begreiflich von Ihrem Standpunkt ans, daß Sie sagen, wir wollen jedes mögliche Mittel ergreifen, um auch die Einkommen unter 3999 M. so kräftig als müglich (Zwischenrufe rechts: gerecht!) — gewiß, gercchterwcife vonJhrem Standpunkt aus— aber da auch so kräftig als möglich heranziehen. Aber, meine Herren, daß Sie sich auf den Standpunkt(des von Gerschel-Fischlieck der Reaktion apportirrte» Antrages 210! Red. des„Voriv.") stellen und auch noch eine neue Kategorie von Personen zur Auskunft- ertcilung heranzuziehen, das halte ich nicht für b e« r e ch t i g t." Man sieht: eine famose Freisinustaktik I Erst for- m u l i e r e n die Herren freisinnigen Volkspartciler Gerschel- Fischbeck den Antrag 210, der von der Rechten voller Eni- zücken aufgenommen wird— dann, nachdem die freisinnige Initiative ihre Schuldigkeit getan hat, zieht inan ihn schamhaft wieder zurück! Die Reaktion aber stellt nun ihrerseits den Antrag Gerschel-Fischbeck! Die Arbeiter sehen also, wie gut cö der wackere Freisinn mit ihnen nieint l Aber die„Freisinnige Zeitung" spielt noch einen Trumpf aus. Herr Gerschel habe sich mit seinem Antrag immerhin ein Verdienst erworben. Der Antrag Keil habe die Möglichkeit zugelassen, von den Unternehmern auch Auskunft zu verlangen über das Gehalt der Angestellten mit mehr als 3060 Mark! Das habe der Antrag Gerschel verhütet, der diese Auskunftspflicht ausdrücklich auf die Angestellten und Arbeiter mit weniger als 3000 Mark Einkommen be- schränkt habe. DaS stimmt! Äber für diese freisinnige Tat. für dies„Verdienst" werden die Arbeiter"dem Freisinn alles andere als Dank wissen! Ja, wir wollen der„Freis. Ztg." sogar noch zu Hülfe kommen und ein weiteres„Verdienst" herausstreichen, das sich Herr G e r s ch e l um die— Gntsituicrtcn, die Reichen erworben hat! Voller Erbitterung geißelte dieser wackere Freisinnige den in der Steuerkommission des Landtags unter- nommenen frevelhafteil Versuch, auch das Einkommen der Kapitalisten mit größerer Schärfe heranzuziehen. Hören wir, wie Herr Gerschel am 3. Mai 1907 nach dem steno- graphischen Bericht die Interessen der reichen Steuer- drückeberger wahrnahm: „In der Kommission, in der der 8 23 Absatz 3 angenommen worden ist, ist ein Antrag gestellt worden, der nichts weniger als folgendes verlangt: daß Bankgeschäfte, Depositen- lassen und ähnliche Geldinstitute, Sparkassen, sowie die Verwaltung des Staatsschuldbuchs über die Höhe des Guthabens und der hinterlegten Vermögens- 0 b j e k t e aller mit ihnen in Geschäftsverbindung stehenden Per« sonen Auskunft zu erteilen haben____ Er ist in der Kommission abgelehnt worden; aber die Konsequenzen, die eine Aenderung der Grundsätze der Auskunftspflicht im staatlichen Interesse nach sich ziehen kann und vielleicht wird, sehen Sie an diesem An- trage, der in der Kommission gestellt worden ist. Ich wiederhole: principlis obsta!(Hüte dich vor dem Anfang!) So verteidigte derselbe Herr Gerschel heroisch den Geld- sack der K a p i t a I i st e n, der sich für die Stencrherau- ziehnng der Arbeiter bis zum letzten Pfennig so nachdrücklich ins Zeug legte! ge Arbeiterfrenndlichkeit! lisch den üiomiminslcvshlen. AuZ Brüssel wird uns geschrieben: Die klerikale Presse versucht, mit dem Resultat der letzten (§cmeindcwahlen zu prunken. Das gelingt ihr insofern, als sie die beträchtlichen Mißerfolge weise verschweigt und trium- phiercnd verkünden kann, daß der Klerikalismus nicht, wie die antiklerikale Presse prophezeite,»auf der Strecke geblieben" sei — Vielleicht wäre es nun in der Tat vernünftiger, wenn die antn klerikal-bürgerliche Presse am Vortage der Wahlkämpfe nicht immer die pompöse Prophezeiung von der vollkommenen Vernichtung des Klerikalismus hinausschleuderte; denn einmal ist es ja klar, daß man einen Gegner, der mehr als zwei Jahrzehnte mit allen Mitteln der Korruption und Demagogie das Land demoralisiert und zum Schutz gegen das antiklerikale Bürgertum und den Sozialismus sich selber ein mit jesuitisch-raffinierten Künsten auf den Leib geschnittenes Wahlsystem fabriziert hat, nicht mit einem Wurf niederstrecken kann. Zum zweiten kommt aber hinzu, daß das„antiklerikale Bürgertum" neben ehrlich-radikalen und demokratischen Elementen«ine breite Schattierung von elegant abgetönten, aber darum nicht weniger echten Reaktionären aufweist, die— wie sich gerade bei dieser Wahl gezeigt hat— lieber die Klerikalen in der Kommune haben als Leute, die zwar antiklerikal, aber auch— Sozialdemokraten sind. Diesem tapferen «Antiklerikalismus" schulden die Liberalen auch ihre blamabelsten Niederlagen. Wovon noch zu reden ist.—• Nun, eine„Vernichtung" der klerikalen Partei brachte der Wahltag allerdings nicht. Dagegen ein so buntes Spiel von Er folgen und Mißerfolgen auf beiden Seiten, daß die Klerikalen, auch sonst wohlbewandert in handwerksmäßiger Fälschung und Ver- drehung, es nicht allzuschwcr hatten, die Mathematik der Resultate zu ihren Gunsten zu korrigieren. Am frechsten allerdings ist das Wcglügcn der unstreitbar glänzenden Erfolge des liberal-soziali- stischcn Kartells, wobei gleich vermerkt sein soll, daß i h m die Liberalen ihre besten Erfolge verdanken, während sie dort, wo sie stolz der eigenen Kraft vertrauten— wie z. B. in T o u r n a i und Lacken— die schlimmsten Schlappen erlitten. Und wie wenig der Liberalismus fähig ist, mit eigenen Kräften den Kleri. kalismuS zu besiegen, zeigt besonders augenscheinlich das Brüsse- l c r Excmpcl. Bekanntlich haben in Brüssel die Doktrinär- Liberalen das Kartell unterdrückt, in der Voraussetzung und Hoffnung, die Liste der Liberalen mit absoluter Majorität durch- zubringen und damit nicht nur die ausscheidenden Klerikalen, sondern auch die ausscheidenden Sozialisten loszuwerden. Ihre eigene Kraft hat da aber gerade gereicht, die Zahl ihrer Mandate aufrecht zu erhalten, ohne die Klerikalen oder Sozialisten zu hindern, in alter Stärke einzuziehen. Eine weniger sozialisten- ängstliche Taktik hätte die Durchdringung der Kartell-Liste mit 26 000 Stimmen gegen die 11000 der Klerikalen ermöglicht, und die vier Klerikalen wären ausgeschieden ge- Wesen!— Wie sieht es nun mit den Erfolgen der Klerikalen aus? Sic haben in der Tat in Schaerbeek, dem bedeutendsten Vorort Brüssels, sechs Mandate gewonnen, so daß nunmehr der anti» klerikalen Majorität von 13 Stimmen eine klerikale Minorität von 1ö Stimmen gegenübersteht. Von den sechs Mandaten ver- lieren die Sozialdemokraten fünf. Genosse Bertrand, der sich um die Kommune die größten Verdienste erworben, erhält auf Grund der Kartellvercinbarungcn das Mandat eines Liberalen. Einen weiteren Erfolg verzeichnen die Klerikalen in Lacken, der Residenz des Königs, wo— wie übrigens auch in Schacr- beck— Gründe lokaler Natur den Sieg bewirkt haben— vondenMachi- Nationen und Pressionen der Klerikalen ganz zu schweigen. Neben der Vorstadt Etterbeek, wird nun also die königliche Residenz den „Ruhm" haben, von einer klerikalen Majorität„verwaltet" zu werden. Außerdem haben die Klerikalen von Brüsseler Vororten r.och in Ucclc einen und in Anderlecht zwei Sitze gewonnen. Dem- gegenüber stehen die glänzenden Kartellsiege in St. Gilles(wo die Klerikalen drei Sitze verloren), in St. Josse, Jette S t. P i e r r e. In der P r o v i n z haben die Klerikalen eine Reihe von liberalen Majoritäten gestürzt, so in Tournai, in Diest, in N i n o v e— lauter alter liberaler Besitzstand. Ferner haben sie in Löwen den Sozialisten zwei und den Liberalen fünf Mandate abgenommen. Demgegenüber stehen nun wieder— und mehr als ausgleichend -- bor allem der Kartellsieg in Antwerpen, der die Liste der 12 Klerikalen warf und die klerikale Minorität um v i e r M i t- glicder verringerte. Glänzend waren auch die Siege desi Kartells in den bedeutendsten Gemeinden Lüttichs und des Hcnncgau. Gestürzt wurden katholische Majoritäten u. a. in Ohaim.Pcrwez.Herve(Brabant). in H e y st, K n o ck e, M a s e h k. Den Liberalen sind überdies kleine Breschen in eine Anzahl klerikaler Gemeinden Flanderns gelungen, insbesondere im Wahlkreis Dixmude-Furnes-Ostende, in die zum ersten Male antiklerikale Gemeinderäte gewählt wurden. Mögen sich nun auch in vielen Fällen Erfolg und Mißerfolg arsgleichen, so bleibt doch immer noch als sicheres Plüs auf dem „antiklerikalen Konto" der fast durchschlagende Erfolg des Kartells, der nicht nur ziffernmäßig einen Erfolg darstellt, sondern für die antiklerikalen Parteien als ein wichtiger politischer Faktor ins Gewicht fällt; denn Erfolge wie Miß- erfolge dieser Wahlen haben gelehrt und mit den schlagendsten Beispielen positiv und negativ bewiesen, daß die herrschende kleri- ka'e Macht bei dem alle politischen Kräfte fälschenden Wahlsystem nur zu entwurzeln ist, wenn sich alle Gegner dieser Macht auf einer Kampflinie sammeln. Die Sozialdemokratie hat außer der Einbuße der vier Mandate in Schaerbeek ihre Positionen aufrecht erhalten und alles in allem Mißerfolge durch Erfolge wieder wettgemacht. Verfälscht und ver- zerrt auch das Schwindelwahlrccht der„vier Jnfämieen", wie es A n s e e l e treffend getauft hat, jedes tatsächliche politische Kräfte- Verhältnis, so zeigt doch selbst ein so trugvolles Zerrbild, wie cS das Skrutinium des Pluralsystems ergibt, daß sich auch hier die industrielle Arbeiterschaft immer mehr mit der Sozialdemokratie identifiziert. *» Von speziellen sozsalistischen Erfolgen ist noch folgendes nach- gliholen: Im Gebiete des B o r i n a g e hat die Sozialdemokratie(neben einigen Mißerfolgen) den stattlichen Gewinn von 24 Mandaten zu verzeichnen. Der große Erfolg des Kartells in C Harleroi und seinem angrenzenden Industriegebiet ist vor allem durch die sozialistische Arbeiterschaft gesichert worden. Eine Reihe von Sitzen wurden im Centre, dem großen Kohlenrevier, erobert, u. a. in der Gemeinde La Hestrc. Am sichtbarsten zeigte sich das Vordringen der sozialistischen Idee im L ü t t i ch e r Gebiet. In Lütt ich selbst wurde ein Mandat gewonnen, weitere u. a. in Herstal, Flemalle, Verviers und insbesondere in H u y, wo zwölf neue sozialistische Gemeinderäte ein- ziehen. Auch in zwei Gemeinden in Limburg wurden Genossen zum ersten Male gewählt. Der sozial! st is che Generalrat wird demnächst eine Matcrialsammlung herausgeben, aus der im Detail zu ersehen sein wird, in welchem Maße der sozial istifchi Einfluß in den Gemeindeverwaltungen seit den letzten Wahlen im ganzen Lande gewachsen ist. Selbst eine oberflächlich« Schätzung zeigt jedoch, wie keck das Rechcnmanöver der klerikalen Presse ist, die für die Sozialisten und den Antiklerikalismus einen„Rückzug" heraus- lügen will und von einem„Scheitern" des Kartells faselt. In welchem Maße sich dieses bewährt hat, zeigt ein Blick auf die bürgerliche Presse, auf die dort ausgesprochenen Meinungen der einflußreichsten und bedeutendsten Politiker, die alle für die aus- gedehnteste Kartellpolitik bei den Wahlen eintreten, um so zur Niederwerfung der klerikalen Macht und ihres Schwindelwahlrechts zu kommen. Die sozialistischen Gemeinderäte werden übrigens in ihren Gemeindeverwaltungen nach dem Wieder zusammentritt eine einheitliche Kundgebung für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts veranstalten. Sie Aahlen und die Mobristilche lilsjoiität der dritten Duma. Petersburg, 25. Oktober,(©ig. 33er.) Wenn diese Zeilen in den Druck gehen, sind die Wahlen in ihr letztes Stadium getreten. Durch Befehl an den dirigierenden Senat ist für eine Anzahl Gouvernements der 14.(27.) Oktober als Wahltermin festgesetzt, eine Reihe anderer Gouvernements wählt am 19. Oktober(I. November). Die bitte Duma tritt am 1.(14.) November zusammen. Unter normalen politischen Verhältnissen würde die Ocffcnt- lichkeit über den Gang der Wahlen genau unterrichtet und nicht auf offiziöse verlogene Ziffern angewiesen sein. Die Partei- kandidatcn der Linken müßten sich nicht unter verschiedenen Bezcich- nungen verstecken, und es ließe sich zur Stunde eine genaue Auf- stellung über den Ausgang der Wahlen machen, statt daß noch alle Parteien über das Ergebnis so ziemlich im Dunkeln tappen. Die Zusammenstellung der Wahlmännerlisten zu den Gouver- nements-Wahlversammlungen ist so buntscheckig, daß sich die Majoritäten nur schwer bestimmen lassen. In vielen Fällen werden diese jedenfalls nur mit einer oder zwei Stimmen cnt- scheiden. Immerhin steht fest, daß diese Wahlen ein ganz anderes Ergebnis bringen werden als die zur ersten oder zweiten Duma. Darüber lassen die Wahlmänncrwahlen keinen Zweifel übrig. Wohl wählten auch diesmal die Städte und die Bauern oppo- s i t i o n c l l c Wahlmänner, doch das Staatsstreichwahlgcsetz vom 3.(16.) Juni hat ja von vornherein dem Großgrundbesitz und der ersten Kurie der städtischen Wähler, dem städtischen Geld- sack, ein Uebergcwicht in den Gouvcrncmcnts-Wahlversammlungen geschaffen, sodaß die demokratischen Wahlen der städtischen Kreis- Wähler, der zweiten städtischen Kurie und der Bauern in vielen Gouvernements durch die künstlichen Majoritäten der Grund- und Hausagrarier zunichte gemacht werden. Das Wahlgesetz vom 3.(16.) Juni will die dritte Duma jenem tumpfcn, reaktionären Element ausliefern, das die Städtedumas und die dunklen Ecken in den Landschaften füllt, und das wird der Regierung gelingen, wenn auch nicht in d e m M a ß e, wie sie gehofft hat. Daß sie mit einer Duma, in der nur Leute wie Purischkewitsch säßen, keinen Schritt vorwärts käme, war für sie klar. Deshalb mußte sie Umschau halten nach einer Partei, die ihr stets gefügig wäre, die aber den Anschein erweckte, als oh sie auch gesellschaftliche Interessen verträte. Als eine solche Partei 'tand der Regierung der Verband vom 17.(30.) Oktober zur Ver- ügung. � Der. Oktobervcrband ist eigentlich keine Partei, fondern ein Konglomerat verschiedener Elemente, ohne Parteidisziplin und ohne reguläre Parteitätigkeit. Es ist ein Gemisch von mo- dernisierten Bürcqukratcn, Glücksjägern, Stxebcrn,.Agrariern, ein bunter Haufe« der nur um eine Nuance von dem echtrussischen Volksverband abweicht, mit diesem aber, wie jetzt die Wahlen bc- weisen, überall, besonders aber in der Provinz, zusammen- geht. In der zweiten Duma hatte der Oktoberverband nur wenige Vertreter, jetzt dagegen rechnet er. wie Gutschkoff, der Führer der Oktobristcn, in Moskau erklärt hat, auf nicht weniger als 288 Ab- geordnete, während nach seiner Meinung die Opposition nur über 154 Mandate verfügen werde. Ueber diese Zahlen wird viel ge- tritten, und die Opposition glaubt, daß sie bei den Wahlen doch noch besser abschneiden wird. Jedenfalls ist schon jetzt damit zu rechnen, daß die Regierung in der Duma eine Majorität haben wird, die unter Umständen zwei Drittel der Abgeordneten umfassen kann. Diese Majorität würde sich zum Teil aus rein oktobristischen Ab- geordneten zusammensetzen, zum Teil aus Abgeordneten der extremen Rechten. Der Unterschied zwischen diesen beiden wird aber kein wesentlicher sein, es kann aber als feststehend ange- nommen werden, daß diese Majorität eine.ziemlich geschlos- 'ene sein dürfte. Gutschkoff, der wohl auch der Führer der oktobristischen Re- gierungsmajorität in der Duma sein wird, hat sich in Moskau offen und öffentlich ausgesprochen. Als leitendes Motiv seiner Reden tritt scharf hervor: Die Duma muß der Regierung„behülf- lich sein"! Was Gutschkoff darunter versteht, ist daraus zu er- 'ehen, daß von der Regierung verlangt wird, sie möge gleich e i n Gesetz gegen den„Terror" einbringen! Als ob die Regierung nicht bereits alles täte» um den„Terror" schon jetzt zu unterdrücken. Der Kriegszustand im ganzen Lande, die un- zähligen Galgen, Verschickungen, Zwangsarbeit— sind das nicht alles Werkzeuge im Kampfe gegen den„Terror"? Zu denken, daß eine Regierung noch mehr tun könnte durch Anwendung von Strick und Kugel, das vermag nur der politische Wahnwitz. Wenn aber die Oktobristcn unter„Terror" auch z. B. die kargen Reste der„Preßfreiheit" verstehen, wie das nach einigen Artikeln der„Nowoje Wremja" zu schließen ist, dann ist allerdings noch einiges gegen diesen„Terror" zu tun.... Die„Echtrussen" verlangen auch, daß die Regierung ein drakonisches Gesetz gegen Streikende erlasse, und die lieben Oktobristcn werden da ihren werten Bundesgenossen gewiß ebenfalls entgegenkommen müssen. Der.Konstitutionalismus" der Oktobristcn wird also darin be- tehen, nicht nur die bisherigen Maßnahmen von Stolypin und Konsorten guzuheißen. sondern noch mehr darin, die Restauration systematisch bis zu Ende durchzuführen. Aus den Ausführungen Gutschkoffs ist weiter zu entnehmen. daß die Regierung diesmal auch keine Scherereien mit dem u d g e t haben wird, das in der Duma gleich nach der Er- öffnung in Beratung genommen werden soll. Nach allem will man die dritte Duma zu einer Kanzlei des Ministerrates, zu einem Organ des BureaukratenstaateS, zu einer Stütze der alten Ordnung machen. Der Oktobrismus ist derselbe alte Bureau- k r a t i s m u s, und eine Duma des Oktobrismus ist eine Duma der Knechtung und des alten Systems. Darüber ist man zur Stunde nicht mehr im Zweifel. Wird aber die dritte Duma eine so feste Opposition in ihren Reihen haben, daß es ihr möglich sein wird, die Dumamajorität zu Konzessionen an die Forderungen der Demokratie zu zwingen?— Werden vor allem die Kadetten wieder etwas Rückgrat bekommen?—» Die letzten Wochen haben gezeigt, daß die Kadetten nach wie bor an eine ernsthafte Opposition nicht denken; sie schielen nach oben! Sie waren bereit, den Oktobristcn die Hand zu Wahl- bündnissen zu reichen, und die Kluft zwischen ihnen und der linken demokrattschcn Opposition hat sich während der Wahlen noch er- weitert.... Die revolutionäre Linke wird in der dritten Duma eine nur geringe Anzahl Mitglieder zählen, und nicht an ihnen wird es liegen, dem Kadaver der dritten Duma Leben ein- zublasen. Die Majorität der Oktobristen zusammen mit den Kadetten werden schon wissen, jenen den Mund zuzudrücken, wenn sie ihnen zu unbequem werden sollten. So kommen wir allmählich aufs neue zu einer Lage, in der die Revolution wieder ganz in ihre Rechte tritt, und es kann leicht geschehen, daß das Karten- Häuschen der dritten Duma sehr bald harte Stöße erhält. Es ist interessant, zu sehen, daß die reaktionäre Presse sich schon jetzt mit der Frage beschäftigt, ob es der Regierung gelingen werde, mit der willfährigen dritten Duma das Land zu beruhigen. Und die Antwort ist für sie eine niederschmetternde. Gestern z. B. brachte die„Nowoje Wremja" aus der Feder Mcnschikoffs einen Artikel, in dem die genannte Frage eingehend erörtert wird. Die Statistik beweist, so führt er aus, daß die großen rc- volutionärcn Explosionen abgenommen haben, dagegen ist die Welle der kleineren in fortwährendem Wachsen. Das fläche Land kennt wohl keine Räubereien, der Bauer schaut aber mit Wolfsaugen. Boykott und Sabotage sind auf der Tagesordnung; vielerorts wollen die Bauern für kein Geld bei den Grundbesitzern arbeiten!— Mit Schrecken schaut Menschikoff in die Zukunft: Der Kriegszustand tauge nicht, man sehe nur, wie die Ver- schwörungen blühen. Die Regierung habe das Land nicht bc- ruhigen können. Was aber soll unter diesen Verhältnissen eine Duma derselben alten Bureaukratiel? • Petersburg, 28. Oktober. Bisher(6 Uhr abends) liegen Meldungen iiber 260 Slbgeordnetenwahlen vor. darunter 127 Rechie und Monarchisten, 83 Oktobristen und Gemäßigte. 1 friedliche Erneuerung, 17 Kadetten. 6 Mohammedaner, 7 Sozialdemokraten und 19 Linke. Dem„B. T." wird telegraphiert: In einer Reihe von Städten wurden nach den Wahlen „patriotische" Kundgebungen veranstaltet, bei denen die National- Hymne gesungen und ErgebenheitSdepeschen an den Zaren ab' gefertigt wurden. Kischinew wählte das bekannte ÄleeblaN Purischkewitsch. KrupenSki, Sinadino wieder; in Witebsk siegte gegen die Erwartung der Opposition der russische Block, da die Polen und Jude», nachdem sie erkannt hatten, daß sie in der Minderheit seien, demonstrativ den Saal verlassen hatten. Auch in einigen anderen Gouvernements, so in Grodno, hat die Opposition Niederlagen er- litten, obwohl sich in de» offiziellen Angaben bei einiger sorg- sättigen Prüfung ohne Ztveifel Fehler herausstellen werden. Mancher als Mitglied der Rechten verzeichnete Abgeordnete dürfte sich später als loaschechtcr Kadett erweisen. Da noch 236 Ab- geordnete zu wählen sind, so erscheint der Jubel in den Nc- gierungSkrerse» vielleicht ein wenig verfrüht, obgleich aller- dings gestern die Blüte des Schwarzen Hunderts gewählt worden ist. Und in der„Voss. Z t g." lesen wir: Die folgenden Tage lverden voraussichtlich ungünstiger für die Rechte und günstiger für die Opposition sein, da die Wahl- terminc von der Regierung absichtlich so festgesetzt wurden, daß die Gouvernements mit gesicherter Regierungsmehrheit in die erste Reihe kamen.(I) Außerdem ist zu erwarten, daß aus- stehende zahlreiche Stichwahlen einen viel größeren Prozent- satz von oppositionellen Abgeordneten ergeben werden als die Hanptwahlen. Der biedere Stolypin fühlt sich seiner Sache jedenfalls schon so sicher, daß er ans Mätzchen wie Amnestien und dergleichen verzichte» zu können meint. Das beweist folgendes Telegramm: Petersburg, 28. Oktober. In einer geheimen Minister- sitzung ist beschlossen worden, keinen Entwurf eines Amnestie- erlasses dem Zaren vorzulegen. Stolypin befürchtet nämlich, baß die durch Verhaftung zahlreicher Führer der Revolution gedämpfte Arbeiter- und Bauernbewcgung wieder.in hellen Flamnien entbrennen würde, sobald die sich jetzt hinter Schloß und Riegel befindlichen Aufivicgler und Terroristen in Freiheit gesetzt wären. Es ist also als sicher anzunehmen, daß die dritte Duma nicht mit einer Amnestie vom Zaren begrüßt werden wird.... politische deberllckt. Berlin, den 28. Oktober 1907. Erkenntnis! Die„Berliner Bolks-Zeitung" veröffentlicht folgenden Aufruf an die fortschrittlich- freiheitlich denkende Arbeiterschaft: Immer mehr bricht sich auch unter den Arbeitern, die weder der Sozialdemokratie, noch dem Zentrum respektive den Christlich- sozialen angehören, sondernder liberal-demokrati chen Richtung zuneigen, der Gedanke Bahn, daß auch sie sich mehr politisch betätigen und politisch organisieren . müssen. Heute stehen diese Arbeiter meistens jeder lebhafteren politischen Betätigung und politischen Organisation fern. Sic haben sich viel vielfach seit Jahren in den Schmollwinkel zurück- gezogen, weil sie bei führenden liberalen Politikern nicht das nötige Maß von Entgegenkommen, das Verständnis für die gegenlv artigen Zeitverhältnisse und Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung fanden. Der Kern des liberal- demokratischen Gedanken», daß die per- s ö n l i ch e Freiheit das höchste Gut des Meuschen sei. wird auch von diesen Arbeitern anerkannt. Die großkapitalistische Eni- Wickelung hat jedoch allmählich gönnen angenommen, welche die persönliche Freiheit des Arbeiter? schwer bedrohen. ja o f t g ä n z l i ch aufheben. Die Selbsthülfe durch Gcwcf.- vereine und Genossenschaften genügt allein diesen Mächten gegen- über nicht, um das hohe Gut der persönlichen Freiheit zu wahren. sondern eS muß die Aufgabe der Staatsgewalt sein, sich des Schutzes der wirtschaftlich Schwachen anzunehmen und eine kräftige Sozialreform zu betreiben. Dieser Idee stehen liberale Kreise aber noch vielfach gleich- gültig, wenn nicht gar feindlich gegenüber. wie auch die Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte der Arbeiterschaft oft ihrerseits die nötige Festig- keit vermissen läßt. Eine Aenderung wird jedoch nicht eher eintreten, bevor nicht die liberal-demokratisch denkende Arbeiter- schaft ihr Schmollen aufgibt, sich künftig lebhafter poli- tisch betätigt, den politischen Organisationen beitritt und ihren Wünschen und Ansichten zur Aneickennung verhilft. Von diesen Ansichten ausgehend, haben sich die Unterzeichneten zusammengefunden, um die' Frage der politischen Be- t ä t i g u n g nnd Organisation in die Hand zu nehmen. Wir richten daher an alle GesiimungSgenossen die Aufforderung. unsere Bestrebungen zu unterstützen. Wir sind bereit, Versamm- l u n g e n zu arrangieren uvd Redner dahin zu entsenden, Ivo man gewillt ist, dem heutigen Zustande der politischen Gleich- gültigkeit ein Ende zu bereiten und als gleichberechtigte Mitglieder und Mitarbeiter den uns nahestehenden politischen Parteien bei- zutreten. Daher auf zur Arbeit! Auf zur politischen Organisation! Zu-I schriften sind zu richten an H. Kreil, Düsseldorf. Jmmennanstr. 41. Neben Herrn Kreil, der Gewerkvereins- b e a m t e r ist, ist der Aufruf von einer größeren Zahl von Arbeitern, die der Hirsch-Dunckerschen Richtung angehören, unterzeichnet. Die„Verl. Volksztg." bemerkt dazu: „Nach unseren Informationen handelt es sich bei dem Ver- suche, die nicht-sozialdemokratischen und nicht-rcaktionären Ar- beiter zu einer festen Organisation zusammen zu schließen, um das Bestreben, die A r b e i t e r f o r d c r u n g e n mit größerem Nachdruck zu vertreten, als es bisher die liberalen Fraktionen in den Parlamenten getan haben. In Arbeiterkreisen fühlt man sich namentlich durch das programmverleugncnde Verhalten der gegenwärtigen Geschäftsführer der frei- sinnigen Volkspartei in Sachen der preußischen Wahl- rcchtsfrage und der konservativ-liberalen Paarung im h ö ch st e n Grade unangenehm berührt und zurückgestoßen. Da die Arbeiter von den kleinen„Staatsmännern" des kon- scrvativ-liberalen Blockunsinns nichts zu erwarten haben, so fühlen sie sich gedrängt, sich zu einer festen Organisation zu- sammenzuschließen, um ihren Anschauunaen und Forderungen mehr Respekt zu verschaffen." Die Audienz in Klein-Flottbeck. Das Stöckersche„Reich" krakeelt gegen den„Vor- w ä r t s", weil dieser über den sogenannten„Deutschen Arbeiterkongrcß" eine andere Meinung hat als die Herren Mumm und Genossen. Namentlich aber will es dem Blatt nicht in den Sinn, daß der„Vorwärts" die Rede des Reichs- kanzlers an die Kongreßdeputation nicht als ein Ereignis von weltbewegender Bedeutung, sondern als eine höchst nichtige und nebensächliche Schwafelei einschätzt, der, wenn man sie in wenigen Worten erwähnt, immer noch zu viel Ehre angetan ist. Das„Reich", das mit den Vorgängen der christlichnatio- nalen Arbeiterbewegung gewiß vertraut ist, sollte doch eigentlich wissen, was Kanzlerreden zu bedeuten haben. Fürst Bülow hat ja schon einmal— am 13. Dezember 1903— eine Deputation des Deutschen Arbeiterkongresses empfangen: er hat dabei den christlichnationalen Arbeitern die Erfüllung ihrer Wünsche zugesagt, um von da bis heute keinen Finger weiter für sie zu rühren.„Von den Forderungen des ersten Kongresses ist bis jetzt keine einzige erfüllt worden"— diese Klage tönte in Berlin ja aus der Rede eines jeden der christlichnationalen Führer Hetzaus. Weshalb also Purzelbäume schlagen über die reichs- kanzlerische Ansprache in Klein-Flottbeck, wenn man weiß, daß hinter den schön gedrechselten Phrasen auch nicht die Spur Willen zur Tat steckt. Und was war es denn überhaupt mit der christlich- nationalen Deputatton? Die„Kölnische Volkszeitung" schreibt:„Die Audienz beim Fürsten Bülow ist von dritter Seite angeregt worden; sie wuchs nicht aus der Stimmung des Kongresses selbst heraus, sondern ist mehr die Erfüllung einer Höflichkeitspflicht, zumal ohne Befragung des Kongresses schon alle Vorbereitungen hier- z» getroffen worden waren"— danach scheinen in den Kulissen des Kongresses ja eifrige Hintermänner tätig ge- Wesen zu sein, um die ultramontane Mehrheit für die„Er- füllung der Höflichkeitspflicht" gegenüber dem Reichskanzler zu gewinnen. Die Delegierten der katholischen Organi- sationen, die in Berlin die weitaus größere Mehr- hcit bildeten, denken demnach von der Bedeutung der Deputatton wesentlich geringer als die Stöckerleute. Und was ist die Meinung der ultramontanen Presse bc- züglich der reichskanzlerischen Ansprache? Die„Germania" schreibt:„Ob die Deputationsmitglieder und die christlichen Arbeiter nach den E r f a h r u n g e n, die sie mit den vor vier Jahren gegebenen schönen Versprechungen des Fürsten Bülow gemacht haben, nach der Klein- Flottbecker Ansprache besonders hoffnungsfreudig in die Zu- kunft schauen, wollen wir dahingestellt sein lassen." Die„Kölnische Volkszeitung" meint: „Als der Reichskanzler vor vier Jahren die Abordnung des ersten deutschen Arbeiterkongresses empfing, versprach er, für eine „ernstliche, sachliche Prüfung der Frankfurter Resolutionen" Sorge zu tragen. Bei dieser Prüfung ist es geblieben.... Den Ar- veitern wird man eS nicht verdenken können, wenn sie den Worten des Reichskanzlers sehr skeptisch gegen- über st ehe n und zunächst die Taten abwarten, zu denen es nun auch höchste Zeit ist." Die«Essener Volksze-itung" meint: -„Dürstig, sehr dürstig ist der Inhalt der reichS- kanzlerischen Rede. Fürst Bülow braucht viele wohl- gesetzte Worte, um nichts zu sagen; jedem bindenden Ver- sprechen geht er mit diplomatischer Geschicklichkeit aus dem Wege und doch war es das gerade, was die Abordnung erreichen wollte. Nicht um beim Reichskanzler zu srühstücken, ist sie auf Kosten von Arbeitergroschen nach Flottbeck gefahren, sondern um den Herrn Reichskanzler zu sozialpolitischen Taten z» ver- anlassen. Er hat darauf leider ganz ausweichend geantwortet." Also vom Zentrum selber, das doch bei dem christlich- nationalen Unternehmen hoch beteiligt ist, wird die Deputation der Herren Giesberts, Behrens usw. lediglich als ein Höflich- keitsakt und die Erklärung des Kanzlers bestenfalls als eine wohlgeformtc Redeleistung gcwertet. Und da verlangt das Stöckerblatt, daß der„Vorivärts" über die Flottbeckcr Zwie- spräche meditieren solle wie über ein politisches Welt- creignisl—_ Manöver? TaS„Berk. Tagcbl." schreibt: „Jraktionsoffiziös wird übrigens heute bereits die Mög- licht eit zugegeben, daß auf der Frankfurter EinigungSvcr- fammlung am 10. November doch auch die Wahlrechts- frage besprochen werden wird. Vielleicht finden dann bei diesen„faktischen" Beratungen auch die Stimmen aus dem Lande Beachtung." Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Nachricht bedeuten sollte, daß unser Vorgehen und, wie wir gern konstatieren, auch die zahlreichen Bemühungen der liberalen Wahlrechtsfreunde, der Leitung der Freisinnigen VolkSpartci gezeigt hätten, daß sie in Gefahr gerät, sich unmöglich zu machen. Aber vorläufig müssen wir dem unsere stärksten Z w e i f e l entgegensetzen. Die Fisch- bccks sind gelehrige Schüler Bülows und wollen ihm auch die Ma»ipulierung der öffentlichen Meinung nachmachen. Wir»vollen erst abwarten, ob tatsächlich in Frankfurt das Wahlrecht, und vor allem auch, wie es behandelt wird, um uns unseres Erfolges zu freuen. Vorläufig können wir den bürgerlichen Freunden der Wahlreform nur raten, sich durch solche Kundgebungen in ihrer Agitation nicht abhalten zu lassen!— Hans Brüsewitz- eine Beleidignng des Offizierstandes: Die Lübcckschc Strafkammer, die den Landgerichtspräsidenten Hoppenstedt zum Vorsitzenden hat, ist durch ihre drakonischen Ur- teile gegen Streikende und Arbeiter weit über Lübecker Grenzen bekannt geworden. Am Sonnabend fällte dieses Gericht wieder ainmal ein Urteil, das-dem Volksempfindcn geradezu ins Gesicht schlägt. Folgender Vorfall lag der Verhandlung zugrunde: Ein I Bauarbeiter F. hatte am Morgen des 16. August einen ihm de- kannten Maurer mit dessen Spitznamen Hans Brüsewitz gerufen. In demselben Augenblick kam ein Leutnant vorbei, der die Bc- zeichnung Brüscwitz auf sich bezog, sich schleunigst beleidigt fühlte und Strafantrag stellte. Das Schöffengericht, das sich zunächst mit- der Sache zu beschäftigen hatte, kam zu einem Freispruch, da zwei Zeugen unter Eid bestätigten, daß der betreffende Maurer den Spitznamen Brüsewitz führte und gemeint gewesen' sei. Weiter glaubte das Gericht dem L8jäbrigcn Angeklagten, daß er den Offizier nicht gesehen habe und überhaupt nicht wisse, was Brüse- Witz gewesen sei. Dieses freisprechende Urteil des Schöffengerichts gab besonders der„Deutschen Tageszeitung" Anlaß zu einem Wutausbruch. Das Blatt schrieb u. a.:„Wir möchten betonen, daß es grundsätzlich äußerst bedenklich wäre, gegen solche ganz unmotivierte Beleidigungen eines ganzen Standes Milde walten zu lassen. Dadurch müßte schließlich die Selbsthülfe geradezu herausgefordert werden; und es könnten Zustände eintreten, die ini Interesse des sozialen Friedens überaus beklagenswert wären." Das Büudlcrorgan fordert in diesen Ausführungen also geradezu zur Brüsewitzerei auf. Die Herren können jetzt beruhigt sein; sie brauchen nicht zur Selbsthülfe greifen. Die Lübecker Hoppenstedt- Kammer ist der Auffassung der„Deutschen Tageszeitung" bei- getreten und hat den Bauarbeiter wegen Beleidigung des ganzen Offiziersstandes, wie es in der Begründung heißt, zu der hohen Strafe von 14 Tagen Gefängnis verurteilt, obwohl die Aussagen der Zeugen, bis auf die des„beleidigten" Leutnants, die Angaben des Angeklagten bestätigten. Das Urteil zeigt wieder einmal, wie die bürgerliche Rechtsprechung gegen Arbeiter funktioniert, wenn sich irgendein Leutnant durch ein gar nicht auf ihn gemünztes Wort beleidigt fühlt. Ucberhaupt ist es eine neue Erscheinung, daß Brüsewitz einer der anrüchigsten Schimpfnamen sein soll. Die Ansicht des Reichsgerichts, daß Urteile keine wissenschaftlichen Leistungen seien, ist angesichts solcher Urteile, wie die des Lübecker, begreiflich und um so notwendiger die Aenderung der Gerichts- organisation durch Entfernung der„gelehrten Richter". Hält die„Deutsche Tageszeitung" mit dem Lübecker Gericht „Brüsewitz" für eine Beleidigung, wie stcht's dann mit Ausdrücken wie:„General",„Stadtkommandant".„Graf",„Fürst".„Ocrtcl" und dergleichen?_ Herr Hilbck und das Kohlensyndikat. Herr Hilbck hat in einer Zuschrift an das„B. T." erklärt, er sei nicht Mandatar des Kohlensyndikats gewesen. Wenn Her» Held so etwas angedeutet habe, so sei das eine freche Ver- l e u m d u n g gewesen. Formell mag das ja stimmen. Für so dumm wird auch nie- wand das Syndikat und Herrn Hilbck halten, anzunehmen, dieser habe sich offiziell zum Vertreter der vereinigten Grubenbesitzer erklären lassen. Tatsächlich war er's aber doch. Einen eifrigeren Verteidiger und Lobrcdncr hat das Syndikat noch nie gehabt, als anläßlich der Kohlcnnotdebatte im Reichstag am 3. Dezember 1900 in dem Abg. Hilbck. Bei dieser Gelegenheit hat Herr Hilbck sein redlich Teil dazu beigetragen, dem Syndikat vorteilhafte Verträge mit dem Eiscnbahnfiskus zu ver- schaffen. An eine Einschränkung der Produktion werde in Westfalen nicht gedacht, der Gedanke an Preisnachlässe müsse zurückgewiesen werden, so betonte er. Die Ansicht, es müsse mit einer andauernden Kohlenknappheit gerechnet werden, wurde durch Hilbcks Ausführungen verstärkt. Und wenige Wochen darauf hatte das Syndikat die Ver- träge mit dem Eisenbahnfiskus mit den erhöhten Preisen in der Tasche! Und wieder eine kleine Weile später beschloß das Syndikat die erste Produktionseinschränkung! Herr Hilbck hatte eingangs seiner Ausführungen wohl betont, er spreche als Person, aber im Eifer der Verteidigung des Syn- dikats fühlte er sich doch so innig mit diesem verbunden, so sehr seine eigene Sache zur Debatte stehen, daß er von„wir" sprach, anstatt vom Syndikat. Herr Hilbck war nicht nur der Anwalt des Kohlensyndikats. man muß ihm sogar bestätigen, daß er ein sehr guter Jnter- essenvertreter war. � fVanhrcicb. Genosse Dr. Ferrouk, Bürgermeister von Narbonne und einer der Führer in der jüngsten Winzer-Kampagnc, ist am Sonntag bei den Wahlen zum Generalrat in Lecignon mit SOOStim- m e n Mehrheit gegen den offiziellen Kandi- daten gewählt worden. Ferrouk hatte selbst seine Kandidatur aufgestellt. Auch bei den übrigen Ersatzwahlen haben die Kandi- daten der Verteidigung der Winzer gesiegt. Italien. Die Antwort der„Modernisten". Die Entgegnung der vom Papste getadelten Jung-Katholiken ist nunmehr erfolgt. Es ist ein anonymes Buch erschienen, betitelt Program mderModerni st en. Antwort auf die Enzyklika Pius X."— Die Arbeit schließt mit folgenden Worten: „Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, ein neues Bewußt- sein von dem unvergänglichen Werte des Katholizismus zu ver- breiten; die augenblickliche Verurteilung schreckt uns nicht. Wir wollen, daß das Christentum wieder eine Macht des Fort- schritts werde."—. Bulgarien. Die„Vossische Zeitung" erhielt folgende Privatdcpesche: Sofia, 28. Oktober. Die sozialistischen Arbeiter bereiten trotz der Polizeivcrbote einen Straßenumzug vor; vorläufig haben sie dafür gesorgt, daß die Zeitniigc» nicht erscheineil und die meisten Betriebe, in denen die Arbeiterschaft sozialistisch ist, feiern.—_ Hue der partes. Sozialdeiuokrattschcr Bezirksvcrband Magdeburg. Die Parici- organisation für die acht RcichstagSwahlkrcise des RcgicrungS- bezirks Magdeburg hielt ain Sonntag in Magdeburg ihren Bezirks- tag ab. Aus dem Rechenschaftsbericht, den der Parteisekretär, Ge- nosse B e i m s, gab, sei hier erwähnt, daß sich die Zahl der organi- sierten Parteigenossen im letzten �jahr von 8334 aus 11 S48 hob. Durch die seit Jahresfrist in Kraft befindliche sogenannte Ver« frommungsordnung, lvclche die Verrichtung öffentlich be- merkbarer Arbeit an Sonn- und Feiertagen verbietet und damit unter gewissen Umständen auch die Verbreitung von Flugblättern, wurden der Partei 1225 M. Strafen und Kosten verursacht. In der Diskussion über den Rechenschaftsbericht teilte Genosse P f a n n- kuch-Berlin mit, daß zlvccks Einführung einheitlicher Mitglieds- büchcr vom Parteivorstaud in allernächster Zeit den Organisationen ein Mustermitglicdsbuch zugestellt werde. Ter Partei- vorstand bereite die Herausgabe von sechs leicht verständlichen Agitationsbroschüren, u. a. eine an die Privatbeamten, vor und habe die Absicht, noch mindestens zwei weitere Serien herauszugeben. Weiter mahnte Genosse Pfannkuch ein- dringlich, einen einheitlichen Beitrag von mindestens 10 Ps. wöchent- lich oder 40 Pf. monatlich einzuführen. Aus dem Bericht über den Stand des ParteigcschäftS ist hervorzuheben, daß die Gesamtein- nähme des Verlags„Volksstimine" für das Geschäftsjahr Juli 1906 bis Juli 1907 sich auf 286837 M. belicf, eine Mchreinnahme gegen das Vorjahr von 47 667 M. Die Ausgaben stiegen um 59 182 M., auf 277 802 M., so daß in diesem Jahre ein um 11 515 M. ge- ringerer Gewinn, nämlich 9034 M., erzielt wurde. Die Auflage der„Volksstimme" stieg von 18 300 aus 22 600 Exemplare. Nach längerer Debatte über die Berichte wurde ein Antrag auf Ver- billiguug der Zeitung einstimmig abgelehnt. Der Bezirkstag b«> schloß dann die Einführung eines einheitlichen Bei- t rag c S von 10 Pf. wöchentlich. Die Kreise des Bezirks sind gehalten, diesen Beschluß bis zum 1. Oktober nächsten Jahres zur Durchführung zu bringen. Ein Antrag, frühzeitig in eine Agi- tation für die B e t e i l-i g u n g a n d c n p r e u ß i s ch c n L a n d- tagswahlen einzutreten und zu dem Zweck schon jetzt die llr- Wähler zum Erwerb der preußischen Staatsangehörigkeit zu ver- anlassen, fand ebenfalls Annahme. Weiter wurde beschlossen, eine möglichst monatlich erscheinende Agitationszeitung, die hauptsächlich für die Landarbeiter bestimmt sein soll, hcrauszu- geben. Die Parteigenossen des 11. vadischen ReichstagSwahlkreiscs hielteil am Sonntag in M a n n h e i m ihre Vcrtreterkoilfe- r e n z ab. An den Bericht des Abgeordneten Dr. Frank über den Internationalen Kongreß schloß sich keine Diskussion an. Lebhaft gestaltete sich eine solche über die agitatorischen und parteitaktischen Angelegenheiten des Kreises. Der kleine Rückgang in der Mit- gleidschast und im Abonnentenstand der„Volksstimme" wird durch eine vermehrte Arbeitsleistung der Agitation ausgewetzt werden. Die Abonnentenzahl im 11. Reichstagswahlkreise beträgt 12 120. Die Zahl der organisierten Genossen der 105 örtlichen Organisa- tionen 6217; die Einnahme der Wahlvereinskasse beläuft sich auf 3186 M. aus Beiträgen; im Ganzen auf 5900 M., gegenüber 4387 Mark Ausgaben. Die sozialdemokratische Vertretung auf den Rat- bäuscrn gestaltet sich folgendermaßen: 13 Gemeinderäte und 255 Ausschußmitglieder in 27 Gemeinden. Die Stadt Mannheim ist darunter mit 4 Stadträten und 32 Stadtverordneten vertreten. Ter Wahlkreis hat bei der ReichstagSwahl 40045, bei der Land- tagswahl 11 875 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Zur Budgetabstimmung auf der württembcrgischen Landes- Versammlung wird uns noch geschrieben: Tie Bemerkungen des X.-Einsendcrs im„Vorwärts" vom 24. Oktober würden mich in vielfacher Beziehung zu entschiedenem Widerspruch herausfordern können. Ich verzichte jedoch auf ihre Beantwortung, da die Fortsetzung des Streites um diese oder jene Einzelheit für die Sache selbst gänzlich zwecklos ist. Das Haupt- ergebnis der württcmbergischcn Landesvcrsammlung, wonach der Landtagsfraktion für die zukünftigen Budgetabstimmungen die Be- wegungsfrciheit erhalten hat, die sie begehrte, kann durch älle Tüfteleien nicht verwischt werden, und mit dieser Feststellung will ich mich an dieser Stelle begnügen. L. II. Personalien. Aus Baden schreibt man uns: Zum Partei- sekretär für Nordbaden mit dem Sitze in Heidelberg wurde vom Landesvorstand der Genosse Emil Meier in Mann- heim ernannt, der seit einigen Jahren verantwortlicher Redakteur der„ V o l k s st i m m c" tvar. Genosse Meier tritt soeben eine 14tägige Haft an, die er in seiner redaktionellen Tätigkeit ver- ordnet erhielt. Der bekannte Staatsanwalt Jungjohanns hat ihm unterdessen eine neue Anklage wegen Vergehens gegen das Preßgesetz zustellen lassen. Die Stelle eines dritten Redakteurs beim Karlsruher„Volksfrcund" wurde dem Genossen Kadcl unter sechs Bewerbern übertragen. Sozialistische Agitation in England. London, 26. Oktober.(Eig. Ber.) Der vor einiger Zeit im „Vorwärts" besprochene Kamps gegen den Sozialismus in England wirkt auf die Arbeiterbewegung recht belebend. Tie Zeit des Tot- schweigens ist vorbei. Die Genossen sind überall in lebhafter Agi- tation begriffen. Die sozialistischen Reihen konsolidieren sich. Wcbb und Shaw, Hyndman und Queich, Macdonald und Hardic werden von den bürgerliche» Journalisten und Politikern angegriffen, alle sozialistischen Richtungen fühlen deshalb, daß sie zusammenstehen müssen. Hyndman hält in London 8 Vorträgs über die ökonomischen Lehren des Marxismus._______ GeweHtfcbaftUcbce. Arbeiter und Professor. Die Arbeitslosigkeit der Bildhaucrgchülfen und Modellcuie hat eine große Ausdehnung angenommen, besonders auch in Dresden. Sie wird noch dadurch vergrößert, daß die vom Staate an der Kunstgewerbeschulo in Dresden als Lehrer an- gestellten Künstler Privatarbeiten in großem Umfange über- nehmen und die Arbeiten dann niit Hülfe ihrer Kunstgelverbc- schüler ausführen. Gegen diese gelverbliche Tätig- kcit wandten sich nun die organisierten Bildhauer- gehülfen an das Ministerium des Innern unter Anführung von authentischem Material über den Umfang der Arbeitslosigkeit und den Umfang der gelverblichen privaten Tätigkeit des Kunstgewerbeschullehrers Prof. Groß. Das Ministerium bezeichnete in seiner Antwort die Uebernahme von Privatarbeiten durch die angestellten Künstler als er- wünscht, um mit den Wünschen und Bedürfnissen des Publikums in Kontakt zu bleiben. Ferner, daß„der Gehalt. den diese Lehrer beziehen, nicht so hoch ist, daß ihnen zu- gemutet werden könnte, auf Privatarbeiten grundsätzlich zu verzichten". Es lehnte also ein Eingehen auf die Beschwerde rundweg ab. Die Gehiilfen wandten sich nun an den Pro- fessor Groß selber, hatten aber damit absolut keinen Erfolg; denn der Herr Professor riet ihnen, sie sollten sich mehr mit der Ausbildung als mit Organisationsfragen betätigen. Die Organisation blieb dem Herrn Professor die Antwort auf diese lehrhaft sein sollende Bemerkung nicht schuldig und wies darauf hin. daß sie sich allerdings eifrig mit der Fortbildung der Mitglieder beschäftige, aber als Gewerkschaft doch auch die Pflicht hätte, für ihre durch die große Arbeitslosigkeit in Not geratenen Kollegen zu sorgen. Es niuß ganz entschieden verurteilt werden, wenn der Staat seine Beamten nicht so bezahlt, daß sie darauf ver- zichten könnten, den Arbeitern durch die Beschäftigung von Kunstgewerbeschülern sozusagen das Brot vor der Nase weg- zunehinen. Der Kontakt mit dem Publikum kann durchaus durch die Anfertigung der Entwürfe hergestellt und aufrechterhalten werden. Die Ausführung sollte man den gelernten Arbeitern überlassen. Berlin und vlmgegend. Die Bautischler hielten am Sonntagvormitiag bei Bocker tn der Wcbcrstraße eine Branchenversammlung ab, in der„der Spruch des Einigungsamtes und die Zugestand» nisse der Unternehmer" auf der Tagesordnung standen. Der Branchenobmann Reiche gab eine Uebersicht über die außerordentlich schwierigen Verhandlungen mit den Unternehmern, die sich das ganze Frühjahr und den Sommer über hingezogen haben, ohne zu einer Einigung zu führe». Die noch immer nicht entschiedene Streitfrage ist, wie weit die Bestimmung des all- gemeinen Vertrages für das Tischlergcwerbe über die fünfprozentige Lohnerhöhung für die Bautischler gilt, sowohl was die Lohnarbeit anbelangt, als auch hinsichtlich des Akkordtarifcs, dessen einzelne Positionen laut Vertrag nun bis zu 5 Proz. aufgebessert werden sollten. Den vertragsmäßigen Ausschlag auf die Zeitlöhne wollten die Unternehmer nur in den Betrieben durchgeführt wissen, wo lediglich in Zeitlohn gearbeitet wird, während die einzelnen Lohn- arbeiter in Akkordwerkstätten nur einen den Erhöhungen des AkkordprciscS entsprechenden Ausschlag erhalten sollten. Tic all- gemeine Durchführung der fünfprozcntigcn Lohnerhöhung wurde dann davon abhängig gemacht, daß die Arbeitnehmcrvertreter den Beweis dafür erbringen sollten, daß in der Mehrzahl der Betriebe die Lohnarbeiter diesen Aufschlag schon erhalten hätten. Die Ar-* wieder aufgenommen würde, die Streikenden dauernd durch andere Arbeitskräfte ersetzt werden sollten. Tah die Streikenden sich dem fügten, schien von vornherein ausgeschlossen Inzwischen gehen die Unternehmer auch gegen die sogenannten Freileute, gegen die Getreidemesser, Wäger und Kontrolleure vor. Diese Gruppen von Arbeitern haben sich von Anfang an nicht an dem Streik der Ge- treidcträger beteiligt, weil sie ihre Lohnerhöhung erhalten haben, eine Arbeitsniederlegung ihrerseits den Streikenden nichts nützen würde, da man in solchem Fall das Getreide ungcwogen über Bord bringen würde. Sie unterstützten jedoch die Streikenden mit Geldmitteln, obwohl sie selbst mit Streikbrechern zusammen- arbeiten müssen. Tay es hierbei nicht immer ganz freundlich zugeht, ist begreiflich, doch bürgt schon der Umstand, dah die Unternehmer auch den geringsten Klagen der Streikbrecher Gehör schenken und dann die Wäger ebenfalls durch Streikbrecher zu er» setzen pflegen, dafür, daß die Streikbrecher nicht ernstlich belästigt werden. Das genügt jedoch den Unternehmern noch nicht. Sie verlangen nun von jedem einzelnen Arbeiter jener Gruppen die Unterschrift einer Erklärung, wonach derjenige, der sich irgend welche Belästigung der Streikbrecher zuschulden kommen läht oder Störung der Ordnung und des ruhigen Ganges der Arbeit verursacht, auf drei Monate von aller Arbeit bei Mitgliedern der Schiffahrtsvereinigung ausgeschlossen sein soll und die Schiffe auch nicht mehr betreten darf. Die Erklärung ist so abgefaßt, daß sie zu unerträglicher Willkür Veranlassung geben muß. Uebrigens haben die Unternehmer im Hafenbetrieb Rotter- dams sich nun auch eine Organisation geschaffen, die nicht nur die Stauerciuntcrnchmer, sondern auch die Schiffsmakler und Reeder umfaßt, und den ausgesprochenen Zweck hat,„unbillige" Forde- rungen der Arbeiter abzuwehren und die einzelnen Unternehmer durch Konventionalstrafen zu zwingen, Forderungen der Arbeiter nicht zu bewilligen._ em triebe, wo sie auf Stroh und Strohsäckcn in Masienquartieren j schlafen müssen. Ebenso Iverden die Massen in der Fabrik abge- füttert. Der Herr Direktor O. F. B r a n d t fühlt sich unter diesen Leuten sehr wohl. Er verweilte in den ersten Tagen sehr viel unter , ihnen, berteilte Zigarren und Zigaretten und sorgte für Getränke ! und Kurzweil, darum ging es bei den Klängen einer Hand- � Harmonika und sonstiger Instrumente, die von der Direktion ge- liefert waren, recht munter her. Nur bei der Arbeit geht es nicht so munter zu. Trotzdem daß schon wochenlang über die bestehenden Diffe- rcnzcn bei den Harzer Werken berichtet und um Obacht gebeten worden ist, beteiligt sich der„Regulator" des Gewerkvereins der Maschinenbauer und Metallarbeiter zur Unterstützung der Firma bei der Anwerbung von Streikbrechern. In Nr. 43 erschien folgendes Inserat: „Former und Arbeiter für Formmaschinen, Gießerei-Arbeiter und Modelltischler finden so- fort dauernde gut bezahlte Beschäftigung. Harzer Werke zu Rübeland und Zorge in Blankenburg, Har z." Es ist ja auch nichts anderes vom„Regulator" des Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereins zu erwarten. Hülfe erhalten, nach den Mitteilungen der eingelieferten Ar- beitswilligen, die Agenten von verschiedenen Polizeiorganen. Danach haben Polizcibeamtc in Hamburg nachts und am Tage zureisende Personen auf der Straße gefragt, ob sie gewillt sind Arbeit bei den Harzer Werken abzunehmen, und Zustimmende nach dem Revier und von dort nach dem Bahnhof gebracht. Den Angeworbenen werden bei der Aufgrcifung 45 bis 50 Pf. pro Stunde versprochen, in den Harzer Werken angekommen, müssen sie eine Erklärung unterschreiben, daß sie m i t 3 5 P f. z u- frieden sein wollen. Die Direktion tut sehr viel, die Arbeitswilligen abzulenken. Will einer aus der Gefangenschaft heraus, so wird alles versucht ihn zu halten, was ja dadurch erleichtert wird, daß die armen Kerle zum großen Teil aller Mittel bar sind. Die Direktion weiß auch das auszunutzen. Am Sonnabend, den 26. Oktober, mußte ein Kon- fcktionsgescbäft eine Ladung Anzüge nach dem Arbeitswilligen- quartier bringen, wo sie verpaßt werden sollten. Natürlich sollen die Leute sich fiir Abzahlung verpflichten, wodurch sie an die Werke gebunden sein tollen. Als Vorwand zur Einkleidung diente der geplante Besuch' der Hermanns- und Baumannshöhle, der gemein- schaftlich von Direktion und Arbeitswilligen am 27. Oktober unter- nommen worden ist._____..., �„ Die beiden Tropfsteinhöhlen in Rübeland r. H. sind von den Harzer Werken gepachtet. Durch das Eintrittsgeld, das dort er- hoben wird, hat die Aktiengesellschaft eine hübsche Einnahme. Mancher Proletarier hat schon dazu seine Mark beigetragen. Den Arbeitswilligen steht auf den Werken ein trauriges Los bevor. Sehr bald werden iie aus ihren Träumen durch ihren aus- gezahlten Lohn gerissen werden. Die Arbeit ist eine sehr unan- genehme, was jeder Kenner ohne weiteres bejahen wird, wenn er weiß, daß hauptsächlich Potterie in Frage kommt. Aus all diesen Gründen tun Metallarbeiter gut, Sorge zu tragen, daß alle Metallarbeiter vor Reinfall bewahrt bleiben. Die Aktionäre haben sich sicherlich an manches gewohnen müssen, was kein Vorteil für sie war. aber für die Zukunft werden sie unter der jetzigen Direktion noch manches erleben. Interessant wäre es für die Aktionäre und für die Ocffentlichkeit. wenn einmal festgestellt würde, wie und wann die Besitzer der Zlmen gewechselt vaben. Interessierte Aktionäre können bei den Arbeitern der Werke mancherlei Aufschluß über die bestehenden Verhältnisse er- �"�Insbesondere weisen wir darauf hin, daß alle einsichtigen leitenden Funktionäre, die bei den Harzer Werken waren, sich über- zeugt haben, daß die Arbeiterschaft der Gesellschaft sehr bescheiden und fleißig ist. Es muß weit urit der Drückerei gekommen sein, wenn sie Forderungen erheben. * � Die Harzer Werke hoben in dem Blankenburger Betriebe alle ihre angeworbenen Arbeitswilligen zusammengetrieben, in der Absicht, die Streikenden zu schrecken. Nach Zorge haben sie be- richtet, daß in Blankenburg und Sangerhausen die Arbeit be- dinaungslos ausgenommen sei. Die Streikenden lachen über solche Mätzchen, worin sie die ganze Naivität der Veranlasser erkannt �ln Blankenburg hatte die Frau eines Streikenden ohne Wissen des Mannes um Wiedereinstelluna im Namen desselben geschrieben. Darauf hat die Firma folgende Antwort gesandt: G/Ht. Blankenburg, den 24. Oktober 1967. Herrn........ Blankenburg, Harz. Ihr Gesuch um Wiedercinstcllung. gerichtet an unseren Obermeister Herrn Walle, wurde uns von demselben zur Er- ledigung übergeben........ Leider müssen wir Ihnen mitteilen, daß demselben nicht stattgegeben werden kann.,.. Aus den täglichen, gleichlautenden Gesuchen, die uns zu- gehen, ersehen wir, daß über unsere Erwartung hinaus viele Verführte unter den Ausständigen sich befinden, die sich über ihre Handlungen erst jetzt ins Klare kommen. Dies erfüllt uns mit aufrichtigem Bedauern und zwar umsomehr, als die vakan! gewordenen Arbeitsstellen bereits wieder voll besetzt sind unt wir ferner nicht aus eigener Entschließung, sondern durch dienst- lichcn Austrag verpflichtet worden sind, niemand wieder bei uns in Arbeit einzustellen, der sich diesem frivol in Szene gesetzten Streik angeschlossen hat. Es ist auch nicht daran zu denken, dast an den maßgebenden Stellen eine Acnderung der Ansicht eintritt, und müssen Sie sowohl wie die vielen anderen Verführten und Unschuldigen leiden, was ihnen von einzelnen Schreiern und Rufern zum Streik eingebrockt ist. Wir wiederholen, daß wir es in Ihrem Interesse bedauern. daß wir Ihrem Gesuch nicht näher treten können, und hoffen, daß es Ihnen gelingt, anderweitig wieder so gut bezahlte Arbeit zu bekommen. Achtungsvoll Harzer Werke zu Rübeland und Zorge. Der Vorstand. Die Streikenden erklären die Angaben, daß täglich Gesuche um Einstellung von den Streikenden an die Direktion eingehen, solange für erfunden, bis die Direktion die Beweise dafür bekannt gibt. Ferner ist es unwahr, daß die von den Streikenden ver- lassenen Arbeitsstellen besetzt sind. Die begleitenden Worte, die Mitleid zeigen sollen, betrachten die Streikenden als Heuchelei und Krokodilstränen, die aber sehr unklug angewandt worden sind. Die Neunstnnbenbewegung der Schuhmacher in Dresden ist durch eine Einigung, die infolge angebahnter Verhand- lungen erzielt worden ist, beendet. In den Betrieben wird die 6'ch st findige Arbeitszeit eingeführt, Sonnabends 8 Stunden. Eine am Sonnabend abgehaltene, von 1566 Personen besuchte Versammlung der Schuhmacher gab diesen Abmachungen ihre Zustimmung, wodurch ein Kampf vermieden worden ist, zu dem es zweifellos infolge des brüsken Verhaltens der Unter- nehmer gekommen wäre. Es wurde eine Resolution angenommen, wonach auch weiterbin auf Verkürzung der Arbeitszeit hingearbeitet werden soll. ZitasUmck. Der Streik im Hafen von Rotterdan, scheint sich immer mehr zu verschärfen. Ii, der vorigen Woche haben die Streikenden mit 1193 gegen 46 Stimmen beschlossen, unter keinen Umständen die Arbeit wieder aufzunehmen, falls ihre bescheidenen Forde- rungen nicht anerkannt werden, die darauf hinauslaufen, daß eine Lohnerhöhung für die Getreidearbeit zugesagt werde, daß die all- gemeinen Beschwerden durch eine gemeinsame Kommission cnt- schieden werden, und daß alle festen Arbeiter wieder in ihre alten Plätze kommen. Die Unternehmer haben darauf mit einem Ultimatum geantwortet, wonach, falls die Arbeit nicht zu den von ihnen aufgestellten Bedingungen bis zum Montag dieser Woche X Kt.25B. 24. Jahrgang. 1. KtilNt des Jttiuiitts" Krlion öollisliiiilt. Dieustag, 29. Oktober 1907. Generalverfammluns von Groß-- Berlin. Am Sonntag trat in Kellers Saal in der Koppenstratze die Generalversammlung des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine von Groß-Berlin zusammen Auf der Tagesordnung stand die Beratung des Verbandsftatuts. Hierzu lag ein Entwurf des Zentralvorstandes vor, welcher» verschiedene Aenderungen des bisherigen Statuts vorsieht. Andererseits haben einige Wahl- vereine Abänderungsanträge zu der Vorlage des Zentralvorstandes gestellt. Diese Anträge sowie der Entwurf des Zentralvorstandes lagen der Generalversammlung gedruckt vor. Nach Eröffnung der Versammlung beantragte der Vorsitzende Eugen Ernst im Namen des Zentralvorstandes, neue Anträge, welche außer den vorliegenden in der heutigen Versammlung ge- stellt werden sollten, nicht zuzulassen, denn der Entwurf habe den Parteigenossen vorgelegen, er sei von ihnen beraten worden, die Kreiswahlvereine haben ihre Anträge gestellt und deshalb erscheine es nicht gerechtfertigt, heute noch neue Anträge der Delegierten zuzulassen.— Hirsch ersuchte namens des Wahlkreises Teltow- Beeskow um Ablehnung des Antrages. Es sei in unseren Ver- sammlungen und auf unseren Parteitagen bisher nicht Sitte ge- Wesen, Anträge aus der Versammlung nicht zuzulassen. Das sei auch kein parlamentarischer Brauch.— Freythaler und Grunwald sprachen für den Antrag des Zentralvorstandes.— Ernst bemerkte noch, dem Zentralvorstande seien auch Anträge von örtlichen Wahlvereinen sowie einzelnen Personen zugegangen. die aber nicht berücksichtigt werden konnten, denn der Verband sei eine Vereinigung von Kreiswahlvereinen, er habe keine Einzel- Mitglieder und könne deshalb nur Anträge der Kreiswahlvereine berücksichtigen. Der Antrag des Zentralvorstandcs, keine neuen Anträge zu- zulasien, wurde mit 367 gegen 358 Stimmen angenommen. Wels erstattete nunmehr das einleitende Referat über die Borlage des Zentralvorstandes. Er sagte unter anderem: Wenn die Meinung laut geworden fei, die Vorlage sei gleichbedeutend mit einem neuen Statut, so sei das eine Uebertreibung. Es handele sich bei den beantragten Aenderungen nicht um Neuerungen, sondern nur um präzisere Fassung verschiedener Bestimmungen des alten Statuts, die zu Unzuträglichkeiten geführt haben. Um Konflikte zwischen den ein- zclnen Kommissionen des Zentralvorstandes zu vermeiden, habe es sich als notwendig herausgestellt, die Befugnisie der Kommissionen genau abzugrenzen und festzulegen. Ein weiterer Grund der be- antragten Aenderungen sei der, den Gedanken der Zentralisation, die der Partei große Fortschritte gebracht hat, im Statut schärfer als bisher zum Ausdruck kommen zu lassen. Der Redner besprach nun im einzelnen die Aenderungen, welche der Entwurf des Vor- standes gegenüber dem alten Statut vorsieht, sowie die hierzu gestellten Anträge der Kreise. Zum Schluß ersuchte der Redner um möglichst einmütige Zustimmung zu den Vorschlägen des Zen- tralvorstandeS. Die einzelnen Paragraphen des Entwurfs wurden hierauf nacheinander zur Diskussion gestellt. Zu den ersten beiden Para- graphen nahm niemand das Wort. Die Diskussion setzte ein bei 8 3. Derselbe will die Zahl der Mitglieder des Vcrbandsvorstandes von 45 auf 48 vermehren, wovon 45 von den Kreiswahlvereinen ge- wählt und durch die Generalversammlung bestätigt werden. Der erste Vorsitzende, erste Schriftführer und erste Kassierer sollen durch die Generalversammlung gewählt werden.— Diese Aendc- rung begründete der Referent Wels damit: Der Schriftführer und der Kassierer seien Angestellte des Verbandes. Als solche hätten sie die Beschlüsse der Generalversammlungen zur Durch- führung zu bringen. Dabei könnten sie vielleicht mit den Genossen ihres eigenen KreiseS einmal in Konflikt kommen, von ihrem Kreise deshalb nicht wieder in den Vorstand delegiert und also nicht wieder gewählt werden, weil sie den Willen der Gesamtheit im Gegensatz zu ihrem Kreise durchführen.— Diese Acndcrung fand in der Diskussion keinen Widerspruch. Dagegen beantragte der Kreis Teltow-Bceskow. die Bestimmung zu streichen, daß die Wahlen der 45 Vorstandsmitglieder der Bestätigung durch die Generalversammlung bedürfen. Z i e t s ch führte zur Begründung dieses Antrages aus: Der Entwurf strebe eine so straffe Zentralisation an, daß dadurch die Selbständigkeit der Kreise gefährdet erscheine. Es sei ein unbegründetes Mißtrauen gegen die Kreis- vereine, wenn man verlange, daß die von ihnen vollzogenen Wahlen erst durch die Generalversammlung bestätigt werden müssen. Die fragliche Bestimmung des Entwurfs bedeute sozu- sagen die Einführung eines indirekten Wahlsystems.— Wels bemerkte demgegenüber, in dieser Bestimmung würde mehr gesucht, als darin enthalten sei. Tatsachlich sei seither in anderen Fällen nach dem in der Bestimmung ausgesprochenen Grundsatz gehandelt worden, was man allgemein als selbstverständlich angesehen habe. — Der Antrag Teltow-BeeSkow wurde mit 476 gegen 436 Stimmen angenommen. ' Im zweiten Teil des Z 3 werden die Aufgaben des Verbands- Vorstandes aufgeführt. Zu diesen soll auch gehören:..Entscheidung über Boykotts, nachdem die acht Wahlkreise darüber beraten haben."— Hierzu stellt Teltow-Bceskow den Antrag, daß dieser Bestimmung die Worte hinzugefügt werden:..Mit Ausschluß der Lokalsperrcn, hierüber entscheidet jeder Kreis selbst."— Dieser Antrag wurde nach kurzer Diskussion mit 572 gegen 486 Stimmen abgelehnt. Der letzte Absatz des§ 3 lautet:»Die Beschlüsse des Ver- bandsvorstandcs sind bindend für die acht Wahlvercinc." Teltow-Bceskow und der 3. Kreis beantragen, diesen PassuS zu streichen. Zur Begründung dieses Antrages führte Z i c t sch aus: Nach dem alten Statut scwn die Beschlüsse der Gcncralvcrsamm- lung bindend für die Wahlvercinc. Das könne man sich noch ge- lallen lassen. Wenn aber auch die Vorstandsbcschlüsie für alle Wahlvercinc bindend sein sollen, so werde dadurch dem Vorstände eine Machtbefugnis beigelegt, die den demokratischen Grundsätzen widerspreche und befürchten lasse, daß sich ein bureaukratisches Regiment herausbilde. Wenn die beantragte Bestimmung damit begründet werde, daß sie zur einheitlichen Durchführung gemein- samcr Aktionen notwendig sei, so sei darauf hinzuweisen, daß in solchen Fällen schon immer die gewünschte Einheitlichkeit herrschte, ohne daß sie durch das Statut besonders vorgeschrieben war. Die neue Bestimmung würde nicht beitragen zur Stärkung der Ar- beitslust der Parteigenossen, die schon jetzt der Meinung seien, die Kreise hätten kein Mitbestimmungsrecht.— Pohl begründete den Antrag in ähnlicher Weise.— Friedländer vertrat den Standpunkt des Verbandsvorstandes. Wenn, wie Zietsch anerkannt babc, die Einheitlichkeit der Mtionen schon immer bestand, dann sei nicht zu verstehen, weshalb sich der Kreis Teltow-Bceskow da- gegen sträube, daß das nun auch schriftlich festgelegt werde. ES genüge nicht, daß nur die Beschlüsse der Generalversammlung für alle Kreise bindend sein sollen. Die Generalversammlung tage »ur zweimal im Jahre. In der Zwischenzeit könnten sich wichtige Aktionen notwendig machen, zu denen der Verbandsvorstand Stel- lung nehmen muß. Es würde zu unleidlichen Zuständen führen. wenn es jedem Kreise überlassen bliebe. Beschlüsse, die vom Vor- vande. also von den Vertretern aller Kreise gefaßt werden, ganz l cm"x- auszuführen oder nicht. Von einer Erweiterung der Machtbefugnisse des Verbandsvorstandes könne keine Rede sein. al's.praktischen Erwägungen sei der Antrag gestellt.— ir,'ptnrf' ebenfalls gegen den Antrag Teltow-Bceskow. Ebenso Freythaler, der unter anderem sagte, er wundere sich, iJ5 cÄ1.*'?? e,ncn solchen Standpunkt einnehmen könne, obwohl er als Mitglied des Zentralvorstandcs allen Beratungen des Statuts beiwohnte und deshalb wisse, daß es nicht Machtgelüste des Vor-. standes seien, welche diesen Antrag vcranlaßtcn, sondern nur die Notwendigkeit, die Wahlvercinc zu gemeinsamem Handeln zu ver- pflichten. Wie notwendig das sei, beweise die Tatsache, daß der Vcrbandsvorstand zum Schneiderbohkott die Verbreitung von Flugblättern beschlossen, der Kreis Teltow-Bceskow aber abge- lehnt habe, diesen Beschluß auszuführen.— Zietsch bemerkte hierzu, der Kreis Teltow-Beeskow habe nicht die Verbreitung de? Flugblattes überhaupt, sondern nur die Verbreitung am Sonntag ,n Eharlottenburg abgelehnt und der Zcntralvorstand habe das gerügt. I Im übrigen verwahrte sich der Redner dagegen, daß er den Mit- 1 gliedern des Vorstandes Machtgelüste nachgesagt habe. Er habe nur' gesagt, wenn eine Institution die Macht bekommt, dann wären die Personen bestrebt, diese Macht auszunützen und die Gefahr einer burcaukratischen Verwaltung liege nahe. Wenn der Antrag Teltow-Beeskow abgelehnt werde, dann werde dieser Kreis gegen das ganze Statut stimmen.— Wels vertrat nochmals den Stand- Punkt des Vorstandes und trat den Ausführungen von Zietsch cnt- gegen. Dadurch, daß das Boykottflugblatt nicht in allen Kreisen am Sonntag verbreitet wurde, sei die Einheitlichkeit der Aktion, die für die Wirkung eines Boykotts durchaus notwendig sei, gestört worden. Derartige Aktionen könnten ihre Wirkung nur dann aus- üben, wenn sie so ausgeführt werden, wie die Parteigenossen be- schließen. Das solle durch den Antrag des Vorstandes erreicht werden.— Freythaler bemerkte noch, er habe sich insofern geirrt, daß seine Angaben bezüglich des Flugblattes sich nicht aus den Kreis Teltow-Bceskow, sondern auf Eharlottenburg bezichen. — Der Antrag Teltow-Bceskow wurde mit 510 gegen 436 Stimmen abgelehnt. Tie Paragraphen 4 bis II wurden in der Fassung des Eni- Wurfs unverändert angenommen. 8 12 des Entwurfs setzt die Zahl der Delegierten zur Gcncralvcrsamm- lung des Verbandes auf 560 fest, welche prozentual der Mitglieder auf die Kreise verteilt werden sollen mit der Maßgabe, daß auf jeden Kreis mindestens 10 Delegierte kommen müssen.— Nach der alten Fassung des Statuts ist auf je 56 Wahlvcrcinsmitglicdcr ein Delegierter zu wähl�. Der Referent Wels begründete den Vorschlag des Entwurfs, indem er ausführte: Die gegenwärtige Generalversammlung weise 1646 Delegierte auf. Nach der im Juni festgestellten Mitgliedcrzahl würden schon 1567 Delegierte zu wählen sein. Bei dem weiteren Wachstum unserer Orgairisation würden wir bald auf 2666 Delegierte kommen. Eine so große Generalversammlung sei doch ein für gründliche Beratungen zu schwerfälliger Apparat, sie würde auch kaum einen Saal finden, der genügend Raum bietet. In einem Parlament der Berliner Genossen, welches etwa 566 Mitglieder umfaßt, ließen sich die Arbeiten besser erledigen als in einer so großen Versammlung. Hierzu lagen Anträge vor vom 4. und 6. Kreise, sowie von Nicderbarnim. Nachdem die Anträge kurz begründet waren, wurde der Antrag Nicder-Barnim, welcher lautet:„Auf je 166 Mit- glicder ist ein Delegierter zu wählen" mit 453 gegen 372 Stimmen angenommen.— Ein Antrag des 3. Kreises will, daß die zur Teil- nähme an der Generalversammlung berechtigten Zentralvorstands- Mitglieder, Abgeordnete, Stadtverordnete usw. kein Stimmrecht haben. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Ebenso ein Antrag des 2. Kreises, welcher anstatt der Fassung des Entwurfs:„Außer- ordentliche Generalversammlungen können einberufen werden" usw. besagt, müssen einberufen werden. Die§8 13 bis 15 wurden debattelos in der Fassuni; des Eni- Wurfs angenommen. Zu den 88 16, 17 und 18 lagen Abänderungs- antrüge vor, die teils nach kurzer Begründung, teils ohne Debatte abgelehnt wurden. Wels erhielt vor der Gcsamtabstimmung das Schlußwort. Wenn das Statut in der Fassung, die es jetzt durch die Beratung erhalten habe, angenommen werde, so sei damit eine neue Waffe gegeben, welch« die Parteigenossen im Kampfe gegen unsere Gegner gebrauchen können. Es sei unbegreiflich, daß die Genossen von Teltow-Bceskow, weil einer ihrer Anträge abgelehnt wurde, gegen das ganze Statut stimmen wollen. Die Genossen, welche in der Minderheit geblieben sind, sollten alles Nebensächliche vergessen und für das Gesamtstatut stimmen.— Grunwald erklärte, es habe keine Generalversammlung des Kreises Teltow-Beeskow beschlossen, daß bei Ablehnung des betreffenden Antrages gegen das ganze Statut gestimmt werden solle. Hierauf wurde das ganze Statut mit 859 gegen 63 Stimmen angenommen und beschlossen, daß dasselbe am 1. Januar in Kraft tritt. Urban begründete einen Antrag, welcher dahin geht, im „Mitteilungsblatt" Artikel über das Parteiprogramm in laufender Folge zu ver- öffentlichen, um dadurch den Genossen BildungSmaterial für die Zahlabcnde zu liefern.— Wels führte gegen den Antrag aus, das„Mitteilungsblatt" habe keine andere Aufgabe, als Mit- tcilungcn über Vorgänge in der Organisation zu bringen. Dem Bildungs- und Auftlärungsbedürfnis werde durch andere Mittel genügt. So werde den Bezirksführern die„Neue Zeit" geliefert und jedes neu eintretende Mitglied erhalte die Broschüre„Ziele und Forderungen der Sozialdemokratie" von K a u t s k y und Schocnlank.— Urban sagte dagegen, das alles sei für die eben erst gewonnenen Genossen zu schwer verständlich. Es fehle an einer leichtverständlichen Lektüre. Eine solche solle das„Mit- teilungsblatt bieten.— Liepmann führte aus, die Absichten des Antragstellers seien anerkennenswert, aber das„Mitteilungsblatt" sei nicht in der Lage, dem nachzukommen.— Der Antrag Urban, cbcm'o ein inhaltlich gleicher Antrag von Teltow-Bceskow wurden dem Vcrbandsvorstand überwiesen. E r n st teilte mit. daß sich am Donnerstag an der Abstimmung über den Boykott der Firma Janborf zirka 46 660 Parteigenossen beteiligt haben. Von diesen haben nur 112 gegen den Boykott gestimmt und 162 haben sich der Stimme enthalten. Ter Boykott ist also von den Berliner Parteigenossen f a st c i n st i m m i g beschlossen. Es ist nun Pflicht jedes Parteigenossen, auch dafür zu sorgen, daß der Boykott von der Berliner Arbeiterschaft ebenso einmütig, wie er beschlossen, auch durchgeführt wird. Boykottbrnch ist Streikbruch. Wer den Boykott durchbricht, stellt sich damit außerhalb unserer Reihen. In der bürgerlichen Presse heißt eL, als Antwort auf den Boykott wollen sämtliche Warenhäuser den Mitgliedern des Transportarbeiter- Verbandes kündigen. Die Transportarbeiter halten diesen Beschluß der Warenhausbcsitzcr für einen Schlag ins Wasser. Wenn die Warcnhausbesitzer die Provokation der Arbeiter wagen, wird ihnen die Arbeiterschaft Berlins die Antwort geben, wenn es ihr paßt. Liepmann gab über den Besuch der Geüeralvcrsammlung folgendes bekannt: Es sind Delegierte anwesend Vom 1. Kreis 6 (1 fehlt), vom 2. Kreis 74(9 fehlen), vom 3. Kreis 33 st fchlt). vom 4. Kreis 214(13 fehlen), vom 5. Kreis 21(2 fehlen), vom 6. Kreis 237(18 fehle»), von Teltow-Beeskow 265(9 fehlen), von Niedcrbarnim 164(26 fehlen), vom Zcntralvorstand, der Reichstags- und Stadtvcrordnctcnfraktion 58(13 fehlen), vom Partcivorstand 2 Mitglieder. Redaktion des„Vorwärts" 1 Mitglied. Anwesend sind 1017 Teilnehmer. 96 fehlen. E r n st: Das neue Statut, welches wir heute angenommen haben, wird dazu beitragen, unsere Organisation zu festigen und zum Kampfe mit den Gegnern zu stärken. Zunächst haben wir unsere Kraft einzusetzen bei den bevorstehenden Stadtvcrordneten- wahlcn. Wir müssen aber damit rechnen, daß uns in nächster Zeit ernste Kämpfe bevorstehen.£is gilt, das Drciklasscnwahlrccht in Preußen zu beseitigen und onrch ein demokratisches Wahlrecht zu ersetzen. Wir sind es satt, in Preußen als Bürger dritter Klasse, als rechtlose Heloten zu gelten. Wir werden den Kampf auf- nehmen. Er wird hart und schwer werden. Sorge jeder für Aufklärung unter den Arbeitern, jeder sorge dafür, daß alle Arbeiter auf dem Posten sind, wenn es gilt, der Kulturschmach in Preußen cm Ende zu machen.„Vorwärts und immer weiter vorwärts!" ist unsere Losung. Ich schließe die Generalversammlung mit dem Rufe: Die internationale Sozialdemokratie lebe hoch! s AirtschaMIcher Nochenbericht. . B e r l i n, 26. Oktober 1907. Die Grtrcideversorgung Deutschlands. Die Versorgung Deutschlands mit Nahrungsmitteln darf als ein sehr Wichties ökonomisches Problem angesehen werden, dessen Lösung der kapitalistische Staat durch sein vom einseitigste» Interesse für die Besitzenden diktiertes Gebaren erschwert. Die Entwickclung zum Industriestaat ha� im verflossenen Jährt in Deutschland Fortschritt- gemacht, wie vielleicht nie zuvor, und es ist überaus charakteristisch, daß die mit der Landwirtschaft in Verbindung stehenden Industriezweige nicht minder fortschreiten wie die übrigen. Gegenüber dem Jahre 1965 haben die zum An» bau von Futtcrfrüchten verwendeten Flächen um 147 343 Hektar zugenommen, dagegen die Flächen für den Brotfruchtbcru um 47 866 Hektar abgenommen. Das bedeutet freitich, absolut be» trachtet, keine allzustarke Veränderung, im Verhältnis zum Wachs« tum der Bevölkerung aber ist der verminderte Anbau von Brotfrucht nichts weniger als gleichgültig: Während 1965 13 793 767 Tonnen Brotgetreide(Weizen, Wintcrspclz, Roggen) gcerntct wurden, betrug das Ergebnis 1366 14 624 255 Tonnen. Die Steigerung ist gering- fügig und nur auf die außerordentlich günstigen Erntebedingunge» zurückzuführen, die im Jahre 1966 herrschten. Das Jahr 1966 ist aber auch sonst ein Mcrkjahr erster Ordnung im Hinblick auf die starke Erhöhung der Einfuhrzölle und Aus- fuhrvcrgütungcn, die den Getreidehandcl vor ganz neue Verhält- nisse stellten. Selbstverständlich läßt sich die Einwirkung der neuen Zollsätze noch nicht in vollem Umfange ermessen» zudem altcriert die industrielle Hochkonjunktur auch gegenwärtig noch die Konturen aller Erscheinungen. Beiläufig aber kann man die Gestaltung der Dinge schon wahrnehmen. Es wurde nach Deutsch- land eingeführt in Tonnen: 1965 1366 Weizen...... 1287 586 1 926 820 Roggen...... 572 185 630 729 Hafer....... 660 250 618 084 MaiS....... 028118 1 045 253 1/3. bis. 1620 647 1712 220 31./12. Malzgerste Futtcrgerste Tie Drosselwirkung des neuen Zolltarifs ist unverkennbae» Dabei hat, da seine bevorstehende Einführung schon lang? vorher bekannt war, vor dem Inkrafttreten noch eine cxtrastarke Einfuhr stattgefunden, wodurch es kam, daß die Preissteigerung nicht sofort nach dem 1. März in vollem Maße einsetzte. Händler uizd Müller hatten bereits in den letzten Monaten des Jahres 1965 große Mengen zum alten Zoll angeschafft und sich durch Liefcrungsvcrträgc bis zum angegebenen Termine sichergestellt. Die Speicher waren gefüllt, ja überfüllt, so daß sich da und dort (zumal in Berlin, wo übrigens die hohen Platzspesen die Ein» lagerung ganz unrentabel gestalteten), ein ganz� empfindlicher Raummangel fühlbar machte. Welch riesige Dimensionen die Getreideeinfuhr allein in den letzten zwei Monaten vor dem 1. März annahm, lehrt ein Vergleich mit dem Getreideimport des Januar und Februar 1965. Damals betrug die ganze Einfuhr an Weizen, Roggen, Gerste, Haser, Mais nur 780 066 Tonnen. Im Januar und Februar 1366 hingegen überstieg der Import den Durchschnitt der letzten drei Jahre um nicht weniger als 1 675 121 Tonnen, und zwar für Weizen um 564 199, Roggen um 143 464, Gerste um 169 186, Hafer um 322 885, MaiS um 475 452 Tonnen!— Dafür sank die Einfuhr an Getreide in den folgenden drei Monaten(März, April, Mai) ganz erheblich, wie folgende Gegenüberstellung zeigt: 1965 1666 Weizen... 473 569 136 489 Roggen... 63 156 34 486 NN-'!- f'IS Hafer... 199 898 33 559 MaiS... 367 871 41913 Aus alledem ergibt sich, daß— wenn auch die Agrarier ihre Absiebten nicht sofort erfüllt sahen— im Gescnnteffckt des JahrcS doch schon eine Verringerung der Einfuhr bei Weizen und Hafer eingetreten ist und daß diese Drosselung des Verkehrs schon be» merkbar wurde, obgleich der neue Zolltarif erst im dritten Monate seine gesetzliche Gültigkeit erlangte und vorher durch fast ein halbes Jahr ungeheure Quantitäten zum alten Zollsatz angeschafft worden waren, ferner die Ernte eine sehr gute war und die Wirt» schaftliche Konjunktur im Zenit stand. Wie wird das später Iverden, wenn alle die günstigen, mildernden und abschwächende» Voraussetzungen wegfallen? Die deutschen Proletarier spüren die Künste der Agrarier heute schon in unangenehmer Weise. Sie haben nicht den geringsten Vorteil von der stark vermehrten Einfuhr an Futtergerste, für welche eine Zollermäßigung durchgesetzt wurde, während man ihre Nahrungsmittel so unerhört verteuerte. da man ihre Nahrungsmittel so unerhört verteuerte. Die Agrarier begnügten sich bekanntlich nicht mit der Hinauf- schncllung der Zollsätze für alle wichtigen Lebensmittel und Be- darfsartikel. Sie drosselten auch noch die Getreideeinfuhr, oder genauer: Um die Gctreidepreise hochzutreiben, erschwerten sie die Einfuhr und förderten die Ausfuhr. Eine nicht wirksame Maßregel war die Aufhebung der Zollkredite für Getreide. Die Händler und Müller mußten ganz unvorbereitet mehr Geld flüssig machen, als sie ursprünglich kalkuliert hatten! Daß da- durch nicht bloß die Geldbeschaffung, sondern auch das Getreide verteuert wurde, liegt auf der Hand. Bis zu 6 Proz. betrugen in- folge der Geldknappheit, die die industrielle Konjunktur herbeigeführt hatte, die Zinssätze, welche für Kapitalien gezahlt werden mußten. Ein besonderes Kennzeichen des Jahres 1966 ist auch die erheblich g e st e i g e r t e Ausfuhr an Getreide(Weizen und Hafer). Es wurden exportiert Tonnen 1965 16)6 Weizen.... 164 657 265 795 Roggen.... 319941 242629 Hafer..... 102403 243 900 Die neuen Zollvergütungen taten eben ihre Wirfütttz und bewährten sich wie alle Maßnahmen der Agrarier, die be, kanntcrmaßcn sehr gute Geschäftsleute sind. In der Tat brachten sie es zuwege, dcutichcs Getreide im Zollausland konkurrenzfähig zu machen. Weizen, Roggen und Hafer verkaufen sie mittels der Ausfllhrvergütungcn zu einem weit niedrigeren Preis, als der Inlandspreis ist, nach dem Auslände und entzogen so der Per- sorgung der heimischen Bevölkerung notwendige Quantitäten von Getreide, wofür sie sich noch eine Extrabclohnnng geben ließen. Wer wird sich angesichts der agrarischen Manipulationen wundern, daß der Roggenprcis(für 1666 Kilogramm) von 134,6 im Jahre 1964 auf 148 im Jahre 1965 und 156,7 M. im Jahre 1966 stieg? Eine weitere Erleichterung der Getreideausfuhr ljaben die Erporttarifc verschuldet. Indem die Eisenbahnen nach den Aus- suhrhäfen die Frachtsätze bedeutend reduzieren, erleichtern sie dem Auslände den Einkauf deurfchen Getreides. So wirkt der eigen- artige„Patriotismus" der Junker und ihrer Helfershelfer. Ilm ihren Profit auf Kosten der deutschen Volksgenossen zu steigern, müssen sie die Brotfrucht nicht nur im Inlands ber- tcuern. sondern auch dem Auslände verbilligen. Die Folgen der neuen Verhältnisse kamen auch direkt in den Brotpreisen zum Ausdruck. In Berlin hat das Statistische Amt festgestellt, da st sich das Kilograimn Brot im Dezember ISW um IV2 Pf. teurer stellte als im Dezember ISOS. Natürlich waren die den Agrariern wohlverwandten Bäcker pfiffig genug, zunächst einen direkten offenen Preisaufschlag zu vermeiden; aber beim Gewicht holten sie diese Versäumnis doppelt und dreifach ein. Das öl) Pf.- Brot kostet zwar noch 50 Pf., aber sein Gewicht ist um 50 bis 100 Gramm geringer, statt 1000 wiegt es nur mehr 900 bis 950. Da auch die Qualität.des verbackenen Mchles nicht mehr die gleiche geblieben sein dürfte tum welche Sache sich das Statistische Amt nicht kümmert), so bietet also ein 50 Ps.-Brot jetzt weniger Nahrung als vor einem Jahr. Und nachdem die Brötchen kleiner geworden sind, beschließen die Bäckermeister direkte Preisaufschlägc. So werden die Konsumenten doppelt gerupft. Hm Induftrie und FtendcL Bich- und Fleischpreisc. Nach de» Ermittelungen des Kgl. Stattstischen Landesamtes über Vieh- und Fleischpreise ergeben sich sowohl für die einzelnen Märkte wie auch in den Differenzen zwischen Vieh- und Fleisch- preisen erhebliche Verschiedenheiten. Den Zusammenstellungen liegen folgende Normen zugrunde. Die Fleischpreisc sind Kleinhandelspreise für Fleisch einschliesslich Knochenbeiloge, alles das Kilo. Sie werden vom Kgl. Statistischen Landesamt auf Grund der amtlichen Erhebungen für die einzelnen Orte allmonatlich festgestellt. Die Preise für Rindvieh beziehen sich auf junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere, ausgemästete Ochsen(Ha) und sind, um eine einheitliche Basis zu haben, da, wo nach Schlachtgewicht notiert wird, auf Lebend- gewicht unter Annahme eines Schlachtergebnisses von 54 Proz. umgerechnet worden. Die Preise für Kälber beziehen sich auf mittlere Mast- und gute Saugkälber(Ha) und sind da, wo nach Schlachtgewicht notiert wird, auf Lebendgewicht unter Annahme eines Schlachtergebnisses von 60 Proz. umgerechnet worden. Die Preise für Schafe verstehen sich für Mastlämmer und jüngere Masthammel(la) und sind da, wo nach Schlachtgewicht notiert wird, auf Lebendgewicht unter Annahme eines Schlacht- ergebnisseS von 50 Proz. umgerechnet worden. Die Preise für Schweine verstehen sich für vollfleischige Schlveine(la) und beziehen sich auf Schlachtgewicht bezw. auf Lebendgewicht abzüglich 20 Proz. Tara. Die auf dieser Grundlage gewonnenen Resultate aus einer Reihe westdeutscher Städte für den Monat September werden in folgender Tabelle dargestellt: Rindfleisch Schweinefleisch von der Keule vom Bauch Vieh. Fleisch- Vieh- Fleisch. preis preis preu5 Dortmund 0,80 1,55 0,80 1,35 1,28 1,65 M. Wiesbaden 0,80 1,75 0,80 1,55 1,80 1,70„ Köln.. 0.90 1,72 0,90 1,54 1.30 1,89, Essen.. 0,85 1,65 0,85 1.43 1,30 1,70„ Düsseldorf 0,90 1,55 0,90 1,48 1,30 1,75„ Koblenz. 0,85 1,40 0,85 1,35 1,35 1,85„ Kalbfleisch Hammelfleisch Vieh- Fleisch- Vieh- Fleisch- preis preis Dortinund. 1,00 1,65 0,85 1,65 M. Wiesbaden. 0,95 1,75 0,85 1,85„ Köln... 1,15 1,80 0,90 1,74, Essen... 1,05 1,85 0,85 1,65, Düsseldorf. 1,00 1,75 1,00 1,60. Koblenz.. 1,00 1,65 0,80 1,80„ Demnach sind den Viehpreisen nicht immer parallel die Fleisch- preise. Köln und Düsseldorf haben die höchsten Rindviehpreise, aber Wiesbaden steht mit den Fleischpreisen an erster Stelle. Koblenz erfreut sich der höchsten Schweinepreise, die Fleischer in Köln schlagen dafür den Rekord mit den höchsten Schweinefleisch- preisen. Die Kälber wurden am teuersten bezahlt in Köln, den höchsten Preis für Kalbfleisch hatten die Konsumenten in Essen an- zulegen. Kälber erzielten in Düsseldorf die höchsten Preise, für ihr Fleisch mussten die Liebhaber in Koblenz die höchsten Preise be- zahlen. Die Differenzen in der Spannimg zwischen Vieh- und Fleischpreisen zeigt diese Aufstellung: Schweine- Kalb- Hammel- "siu," a i""* Dorllnnnd... 0,75 0,55 0,37 0,65 0,80 M. Wiesbaden... 0,95 0,75 0,40 0,80 1,00„ Köln..... 0,82 0,64 0,59 0,65 0,84„ Essen..... 0,80 0,58 0,40 0,80 0,80. Düsseldorf... 0,65 0,53 0,45 0,73 0,60„ Koblenz.... 0,55 0,50 0,50 0,63 1,00„ Die Spannungen schwanken zwischen 50—93 Pf. bei Rindfleisch, 37—59 Pf. bei Schweinefleisch, 65—80 Pf. bei Kalbfleisch und 60—100 Pf. bei Hammelfleisch. Für die absolute Höhe der Preise machen die Fleischer den gesteigerten Begehr nach den besseren Stücken verantwortlich. Die Ausrede ist nicht übel, denn da doch nicht anzunehmen ist. dass die Schweine und Rinder jetzt alle nur Primastücke liefern, besagt jene Rechtfertigung, dass mm alles von den Schweinen, Kühen, Ochsen und Kälbern als beste Stücke v(w kauft wird. Wir können nicht finden, dass die Fleischer mit der obigen Behauptung auch nur den Schein der Berechtigung für die Hochhallmig ber Preise erbracht haben. Die Preise für auf dein städtischen Viehhofe in Berlin zu Markt gestellte Schweine haben, obgleich einem fortwährenden Wechsel der Preise unterworfen, doch sinkende Tendenz. Die Durchschnittspreise waren an den beiden letzten Markttagen im Juli auf 129,00 M. für 100 Kilogramm Lebendgewicht mit 20 Proz, Tara heraufgegangen. erreichten am 10. August ihren Höhepunkt mit 132,00 M., fielen aber ackit Tage später auf 121,00 M. zurück. Im September war der höchste Durchschnittspreis mit 122,00 M. an den ersten Markttagen und der niedrigste mit 103,00 M. am 18. Auch der jetzige Monat zeigte Schwankungen. Dem höchsten Durchschnittspreis von 113,00 Mark am 19. stand am letzten Marktkge ein Preis von 103,00 M. gegenüber. Im Vorjahre am 27. Oktober war der Durchschnitts- preis 135,00 M., also 19'/2 Proz. höher als jetzt. Die Schweine- fleischpreise schliessen sich dieser Aötvärtsbewegung nicht an. ReichSbankdiSkont. Der AuSschuss der Rcichsbank ist für Dienstag früh zufammenberufen worden. Man erwartet ganz be- stimmt, dass oer Bankdiskont erhöht wird, die Frage ist nur noch die, ob'/a oder gleich 1 Proz. Gcwiimstrlgerimg. Die Rombacher Hüttenwerke erzielten im letzten Geschäftsjahre einen Reingewinn von 5 635 463 M. gegen 4 821 575 M. im Vorjahre. Bei Abschreibungen von über drei Millionen Mark stellte sich der Rcingeivinn der Nombacher Hütte auf 3 725 251 M., im Vorjahre 2 vi? 718 M. Die Aktionäre er- halten SO Proz. Dividende.__ Der Krach in New Uork. Mit der grossen Kupfersinna Hcinze fing es an, dann verspürten die grossen Trust-Banken unangenehme Stösse und schliesslich purzelten die kleinen Geldsainmeljtellen. Die Milliardäre traten als Netter auf, verpumpten Geld zu fabelhaften Zinsen; sie machen auf jeden Fall ein Bombengeschäft und lassen sich anhochen. Da wird geklagt über Riesenverluste, über unberechenbar: Schäden om Volksvermögen und dergleichen mehr. In Wirllichkeit vollzieht sich der bekannte Prozess des ZusammenfliessenS der Reichtümer in wenige Hände zurzeit im Autotempo. Ein Heer von kleinen Kapitalisten wird von der goldenen Last befreit. Nach dem grossen Goldfischzug fängt die Geschichte wieder von vorne an. Die Nachrichten aus New Dork melden immer noch zunehmende Beruhigung. Es scheint demnach dort noch sehr erregte Stimmung zu herrschen. Die kleinen Krachs zählen natürlich schon gar nickt mehr mit. Grosse Hoffnungen setzt man auf weitere Goldzufuhren aus London. Am 30. Oktober sollen angeblich wieder 1 500 000 Dollar Gold zur Verschiffung nach New Dork gelangen. Das Schatzamt bietet keine besonderen Erleichterungen, um zur Einführung von Gold zu ermutigen.— Die Clearinghäuser von Pittsburg, Chicago. Jndianopolis und St. Louis haben beschlossen, zur Regelung aller Konten zwischen den zu ihnen gehörigen Banken Elearinghouse- Zertifikate auszugeben, um einen Abflug der Mittel dieser Banken zu verhindern.— Die krisenhaften Vorgänge im amerikanische» Wirtschaftsleben kommen auch in dem dieswöchigen Ausweis der New Dorker Banken zum Ausdruck, der eine wesentliche Verschlechte- rung gegenüber der Borwoche erfahren hat, hervorgerufen durch starke Lombardierungen und Zurücknahme von Depositen. Die Vor- scküsse nahmen um 10,90 Millionen Dollar zu, während sich gleich- zeitig die Depositen um 2 Millionen Dollar verringerten. Infolge- dessen büssten die Barvorräte 8,93 Millionen Dollar ein. Die unmittelbare Folge der Krise wird die Heraufsetzung des Bankdiskonts in London und Berlin sein. Von gestern und heute liegen folgende Meldungen vor: New Dork, 27. Oktober.(B. H.) Der Optimismus in hiesigen Finanzkreisen hat zugenommen angesichts des angekündigten Ein- treffens von 5 Millionen Gold aus Europa. Gestern hat mir eine einzige kleine Finna in Brooklyn ihre Zahlungen eingestellt. Was die Weigerung der Sparkassen anlangt, die Einlagen nicht ohne vorherige Kündigung auszuzahlen, so wird dieser Entschluss daraus zurückgeführt, zu verhindern, dass die Depots den Nationalbanken allzu schnell entzogen würden. Die Banken bemühen sich nach Kräften, möglichst viel flüssiges Geld in ihren Kassen zu be« halten. New Dork, 28. Oktober.(Meldung der„Associated Press'.) In finaiizielleir Kreisen herrscht die übereinstimmende Ansicht, daß die gemeinsamen Massnahmen der Stützen des Geldmarktes bereits viel zur Lösung der Geldfrage beigetragen haben, und dass mit weiterer Vervollkoimnnung der Hülfsmass- regeln der Ausblick in die Zukunft für die Stabilität des Geldmarktes sehr zuftiedenstellend sei. Gestern war eS überall ruhig und nirgends fanden aufgeregte Konferenzen statt wie an den vorher- gehenden Tagen. Zu den angekündigten 6'/s Millionen Dollar sollen noch 2 Millionen mehr eingeführt werden. Cortelyou fuhr gestern von New Dork nach Washington zurück und hat nicht die Absicht, zurückzukehren. Er hat keine offizielle Er- klärung abgegeben, aber es ist allgemein bekannt, dass er keine weiteren Berwickelungen in New Dork befürchtet. Soziales. Bauunfallverhütungsvorschristen. Aus berufsgenossenschaftlichen Kreisen erfahren wir. dass die nordöstliche Baugclverks-BerusSgenoffenschast beabsichtigt, ihre Unfall- verhütungsvorschriften zu revidieren und abzuändern. Im Interesse der Erzielung eines wirksamen Arbeiterschutzes liegt eS, dass auch die Vertrauenspersonen der bangewerblichen Arbeiter bei dieser Arbeit der Berufsaenossenschaft unterstützend eingreifen. In Betracht kommen die Unfauverhüttnigsvorschristen für die Provinzen Branden- bürg, Pommern, Oft? und Westpreussen. Zur Konkurreitzklaiisrl. Eine Konventionalstrafe von nicht weniger als 5000 M. forderte ein Kaufmann von seinem ehemaligen Reisenden, der eine Konkurrenz- klansel einging, wonach er sich verpflichtete, wenn er nach seinem Austritt aus dem Geschäft innerhalb zweier Jahre bei einer Kon- kurrenzfirma eintrete und ihm in Sachten Konkurrenz mache, diese Summe zu zahlen. Nach dem Gesetz wird die Konkurrcnzklausel hin- fällig, wenn das Dienstverhältnis von der Firma gelöst wird, nicht aber, weit» die Firma einen erheblichen Grund zur Lösung des Dienstverhältnisses hat. Einen solchen erachtete die Firma als vorliegend und kündigte dem Reisenden. Er arbeitet jetzt für eine Magdeburger Firma und bereist speziell Dresden. Die Dresdener Firma klagt auf die Konventionalstrafe. Das Gericht nahm an, ein vorheblicher KündigungSgrund habe vorgelegen. Der Kläger setzte seine Forderung auf Anraten dcS Gerichts unter Borbehalt auf 2000 M. herab und das KaiifuiannSgcricht in Dresden verurteilte den Reisenden zu der Summe von LÖOO M. In dieser Weise wird gesetzlicher TcrrorismuS gegen die ausgeübt, die arbeiten wollen. Ein endliches Verbot der Konkurrenzklausel für Angestellte und Arbeiter jeder Art ist dringend am Platz. Zum Ersatzanspruch gegen Krankenkassen. Soweit eine Gemeinde oder ein OrtSarmenverband auf Grund ihrer Verpflichtungen gegenüber HiilfSbedürftigen Unterstützungen für einen Zeitraum geleistet haben, für welchen dem Unterstützten auf Grund des KrankeiiversicheriingSgesetzes ein Unterstützungsanspruch zusteht, geht der letztere im Betrage der geleisteten Unter- stützung nach Z 57 Absatz 1 und 2 deS KrankcnversichernngS- gesetzeS auf die Gemeinde oder den Armenvcrband über, von' ivelchem die Unterstützung geleistet ist. In Fällen dieser Art gilt nach dem Schlussabsatz deS_§ 57 als Ersatz der freien ärztlichen Behandlung, der Arznei, der schon ae- leisteten Brillen, Bruchbänder oder ähnlicher Heilmittel die Hälfte des gesetzlichen MindesibetrageS deS Krankengeldes, sofern nicht höhere A u f iv e 11 d u n g e n n a ch g e 10 i e s e n werden. Die Allgemeine Or.tSkrankett lasse Magdeburg hatte auf Grund dieser Vorschrift für Verpflegung eines ihrer Mitglieder im Seehauscr Krankenhaus an den Ortsarmenverband SeehauS Ersatz geleistet und auch die Kosten seines Transportes nach Magdeburg erstattet. Sie lehnte aber in Höhe von 11,75 M. die Erstattung der Kosten für einen Transportbegleiter und ein den Transport betreffendes Telegramm an das Krankenhaus ab.— Der Arme it verband klagte wegen dieser 11,76 M.. wurde aber dieser Tage vom Ober- verivaltungSgericht mitdcm Anspruch abgewiesen. Das Gericht führte aus, der oben durck Sperrdruck hervor» gehobene Satz des letzten Absatzes des§ 57 habe, wie die Kranken« kasie richtig hervorhebe, und sich aus dem Wortlaut, dem Zweck und der Entstehungsgeschichte dieses Satzes ergebe, lediglich solche Auf- Wendungen im Äuge, die der Unterstützte selbst von der Kranken« lasse hatte beanspruchen können. Zu diesen gehöre aber die Auf- ivendung für den Transportbegleitcr und das Telegramm nicht. Wie man Arbeiter fesselt. Die grosse Papierivarenfabrik von Bestehorn in Asch erS- leben, die über 2000 Arbeiter beickäftigt, hat eine neuartige Form einer„WohlfahrtSeinrichtung" erfunden, die geeignet sein soll, ihre Arbeiter an sich fesseln und zu widersvruchSlosen Sklaven zu machen. Sie hat dem berüchtigten Prämiensystem eine neue Seite� abzu- gewinnen gewusst, wodurch sie„einen Stamm tüchtiger, zufriedener imd die Jlitercsscii der Firma ehrlich fördernder Mitarbeiter heran- bilden' will. Sehen wir einmal an der Hand des Statuts der Wohl- fahrtscinrichtimg, wie sie das anfangen will: Angestellte, tvclche sich bezüglich ihrGLeisttmgcn und ihrer Führung der Zufriedenheit und des Vertrau en s der Firma besonders erfreuen, sollet» Prämienschcine nach dcrr» Ermessen erhalten. Die so Bedachten erhalte»» nach Ablauf des erste» JabreS 104 M. jährlich, nach Ablauf deS zweiten Jahres 156 Mark jährttch und nach Ablauf des' dritten und jeden folgenden Jahres 20S Marl jährlich. Die Betrage werden erst zahlbar nach Ablauf des PrämieiljahreS. Der Arbeitnehmer, der vor Ablauf desselben abgeht, daS Arbeitsverhaltttts kündigt oder die Arbeit unterbricht, ohne dass ein wichtiger Grund vorliegt, geht der ganzen Prämie des laufenden Jahres verlustig. Als wichtiger Grund wird e§ hierbei jedoch nicht angesehen, wem» der Arbeitnehmer fortgeht, kündigt oder unterbricht, um günsttgere Bedingungen zu erlangen. Ferner geht derjenige der ganzen Jahres- Prämie verlustig, dem die Firma vor Ablauf des PramienjahreS kündigt oder den sie vor dieser Zeit entläßt, wenn ein wichttger Grund vorliegt. Ein Wicktiger Grund ist eS nicht, wenn der Arbeit- nehmer durch unverschuldetes Unglück in der Berrichtung seines Dienstes gehindert»vird. Bei Streitigkeiten über diese Be- sttmimmgeii ist das Gcwerbegericht in AfcherSleben zuständig. Die Prämie»vird auch bei Krankheit m»d Urlaub fortgewährt, sofern hierdurch ein Zeitraum von vierzehn Tagen innerhalb des PrämienjahreS nicht überschritten wird. Durch gute Verzinsung soll den Besitzern eines PrämienscheinS Anreiz zttr An- sammlung eines Kapitals geboten werden. Wer seine Prämie»» ivenigstens fünf Jahre in der Geschäftskaffe stehen läht, erhält gut« geschrieben: Am Ende des 1. PrämienjahreS........... 104 VI ,„„ 2., Zinsen 10 M, Prämie 156 M.---> 270„ „,„ 8... 22„. 208,« 500 ,. „,„ 4.»» 05„„ 208 m= 743„ „„„ 5.„„ 50„„ 208„= 1001„ Nach Ablauf von fünf Jahren werden fünf Prozent Zinsen ge- währt. Am Ende des zehnten PrämienjahreS wird ein Kapital von 2500 M. gutgeschrieben oder ausgezahlt. Die verdiente Prämie kann am Ende des PrämienjahreS gegen vorherige schriftliche vierwöchentliche Kündigung abgehoben»verde»». Nur auf Grund einer schriftlichen Erklärung, die Prämien wenigstens fünf Jahre sammeln zu wollen, wird flir diese Zeit bis zu fast 10 Proz. steigende Verzins»», g gewährt. Wer trotz dieser Erklärung frühere Auszahlung wünscht oder vor dem Ende deS fünften JahreS seine Stellung vcrlässt, erhält nur 4 Proz. Zinsen. Soweit der Inhalt des Statuts. Wer will danach bestreite»», dass der Arbeiter, der sich einfangen lässt, ohne Gnade der Firma preisgegeben ist, wenn er nicht seine Prämie, die doch nichts weiter als vorenthaltener Arbeitslohn»st, fahren lasten will? Gllte Führung ist erst einmal die Vorbedingung, um der Segnungen teilhaftig zu werden. Der Arbeiter muh sich aber weiter „gut führen' oder er geht der Prämie verlustig. Der Arbeiter darf keine Lohnforderung stellen, darf nicht streikei». darf nicht gegen ungerechte Behandlung protestieren, darf nicht länger als 14 Tage krank werden, darf— sich nicht kündigen lasten oder er geht der Prämie verlustig. Zu jeder Zeit und Stunde steht der Firma die Möglichkeit offen, zu verhindern, dass der Arbeiter in den Besitz der Prämie gelangt. Wieviel Ar- beiter— und»nögen sie sick noch so gttt führen— wohl in den Besitz der 1000 oder gar 2500 M. gelangen? Sollte eS Arbeiter geben, die kurzsichtig genug sind, diesen sauberen Plan nicht zn durckschauei», der darauf hinausläuft, den Arbeiter zum willenlosen Werkzeug des Unternehmers zu machen und die Arbeiterorganisationen zu vernichten? Hus der Frauenbewegung. Wo der kleine Kurt lügen lernt! Die Frau Rcgierungsbaumeister Bimmelmann steht in höchster Ekstase vor ihrem etwa 6jährigen Söhnchen. Sie ringt die Hände. Der Junge verzieht keine Miene und läßt die Flut der Strafreden und Tränenergüsse in stoischer Ruhe über sich ergchen. Soeben öffnet sich die Tür zu dem Arbeitszimmer des Herrn RegierungS- baumeisterS und dessen beleibte Gestalt erscheint. Verwundert blickt er auf die Szene:„WaS geht denn da eigentlich vor, Dora, Du bist ja ausser Rand und Band?"—„Na, soll ich'S vielleicht nicht?" Klagend kommt es von ihren Lippen:„Dein Sohn lügt, belügt seine Mama, ist das nicht zum Weinen?"—„Ach, so schlimm wird'S wohl nicht sein, llebrigcns, mein Sohn, Deiner ist es doch auch!" Und den Knaben anfahrend:„Warum lügst Du, Schlingel?"—„Denke Dir nur. eine Mark hat er aus seiner Sparbüchse vernascht, und als ich ihn frage, leugnet er!" stöhnt die junge Hausfrau,„und ich habe mich doch drüben in der Konditorei erkundigt."—„Wo soll er denn aber das Lügen gelernt haben, bei uns nicht", knurrt der Papa stirnrunzelitd und mit einem bedeutsamen Seitenblick auf das Hausmädchen, das socbc», den Kaffectisch abdeckt:„da müssen sich unbedingt fremde Einflüsse geltend machen, denn von uns lernt er doch so was nicht!"— „Das ist es ja gerade," fällt die Gattin zustimmend ein,„das ist c3 ja eben, was ich nicht begreifen kann, was mir unfatzbar ist; bei unserer sorgfältigen und musterhaften Erziehung sollte man da» nicht für möglich halten. Jette, weißt Du nicht, wie eS kommt," wendet sie sich jetzt an daS eben wieder eintretende Mädchen,„dass Kurt mit einem Male zu lügen beginnt? Das Kind war doch stets wahrheitsliebend." Jette blickt erstaunt auf:„Der Kurt?" kommt cö gedehnt aus ihrem Munde,„der hat schon immer gc- logen, seit ich hier bin." Herr und Frau RcgicrunaSbaumeister richten sich wie auf Komlnando auf. Strafende, vernichtende Blicke sprühen aus ihren Augen. Der Hausherr findet zuerst die Sprache wieder:»Das wagen Sie uns zu sagen, ihrer Herrschaft.-- Sie— I"—„HanS!" Die Frau legt besänftigend ihren Arm aus seine Schulter:„Rege Dich nicht auf." Und zu dem Mädchen, das indessen ruhig und gleichmütia weiter abräumt, gewendet:„Das passt sich nicht, Jette, eine solche Antwort. DaS möchte ich Dir sagen, und dann betone ich'S ausdrücklich, von Hause aus lügt unser Kind nicht, denn wir waren stets vorbildlich. Das Lügen wird er von Dir hören; ich verlange, dass der Junge aus Deinem Munde nie eine Unwahrheit hört."... In diesem Augenblick klingelt es dreimal hintereinander. Herr Bimmclmann knurrt, indem er ärgerlich mit dem Fusse auftritt:„Donnerwetter, jetzt kommt der dämliche Architekt, ich weiss schon, WaS er will. Ich kann ihn jetzt nicht brauchen. Jette, gehen Sie hinaus und sagen Sie dem Herrn, die Herrschaft wäre ausgegangen und käme jeden- falls erst spät zurück!" Jette geht rasch hinaus und öffnet die Korridortür. Auf die Frage de? Aussc»»stchenden, ob der Herr RegierungSbaumeister anwesend sei, antwortet sie freimütig: „Jawohl, bitte, die erste Tür rechts!" Dann steigt sie auf den Hängeboden hinauf und packt ihren Reisekorb. Eine JahreSkinfcrrnz der sozialdemokrattschen Frauenvereine in den Vereinigten Staaten fand kürzlich in Elizabeth, Staat New Jersey, statt. Den Hauptpunkt der Berattingen bildete das Referat über die Internationale Franenkonferenz in Stuttgart(von Genossin Greie-lkramer). ES wurde beschlossen, mit dm europäischen Gc- nossinnen engere Beziehungen anzuknüpfen und regelmässig Berichte über den Fortgang der Frauenbewegung in Amerika einzusenden, Ein Antrag, die ungehetiere Steigerung ber Kosten für Nahrung?- mittel und aller anderen Lebensbedürfnisse zum Gegenstand einer Massenagitation unter den Frauen zu machen, wurde einstimmig angenommen. Die Zahl der Mitglieder hat im verflossene»» Jahre um 32 zugei»ommcn und beträgt 344. Man klagte viel dar- über, dass es so schwer sei, daS Interesse für unsere Sache bei den Frauen wachzurufen, gleichzeitig wurde aber auch dem entschiedene»» Willen Ausdruck gegeben, den Schwierigkeiten gesteigerte Bgitatiou entgegenzusetzen. Die deutsche Sekretärin deS HauptkomitccS ist Laura Schnefer, die englische Sekretärin Johanna Grete« Kramer, Beide Genossinnen wurden für ein weiteres Jahr gewählt. Die nächstjährige Konferenz soll in New Dork stattfinden. Sozialdemokratie und bürgerlicher Minister in gemeinsamer Aktion. Kürzlich hatten sich die weiblichen Laden- und Burcauange st eilten im Schwurgerichtssaal in Z ü r i ch der- sammelt um über den gesetzlichen Schutz für sie zu beraten. Präsident LerVersammIung war unser Genosie Greulich, Referent der dcmo- kratische Regierun�srat(Minister) Dr. Locher, der Chef der Voltswirtschaftsdirektion, in deren Ressort die Arbeiter- schutzgesetzgebung gehört. Vor einem Jahre hatte er jene weibliche Arbciterkatcgorie eingeladen, um mit ihr über die Vorbereitungen deS gesetzlichen Schutzes für sie zu beraten. Die jetzige Versamm- lung galt der Verteidigung des nun vorliegenden Gesetzentwurfes gegen die interessierte Opposition der kaufmännischen Unternehmer und gegen den Unverstand eines Teiles des weiblichen Personals selbst. Der Verband zürcherischer Banken, der„Züricher De- taillistenverband", die„Union für Frauenbejtrebungen" haben einen Sturm gegen den gesetzlichen Schutz des weiblichen kaufmän- nischen Personals künstlich inszeniert und ihm haben sich leider eine Anzahl weiblicher Burcauangestellter mit einer Eingabe gegen den Gesetzentwurf angeschlossen. Der Gesetzentwurf bestimmt die zehn- stündige tägliche Arbeitszeit für die Laden-, und die achtstündige tägliche Arbeitszeit für die weiblichen Bureauangestellten, an den Vorabenden von Sonn- und Festtagen in den Ladengeschäften die neunstündige Arbeitszeit. Diese hat im Winter in die Zeit von morgens 8 Uhr und abends 8 Uhr, im Sommer zwischen 7 und 7 Uhr zu fallen. Die Mittagspause soll 1)4 Stunden betragen, Ueberzeitarbeit extra bezahlt werden. Die Sonntagsruhe regelt das mit großer Mehrheit vom Volke angenommene Sonntagsruhe- gesetz. Für die Beschaffenheit der Arbeitsräumc, Sitzgelegenheit und deren Benutzung, Probezeit und Kündigungsfrist sind Bestim- mungcn aufgestellt. Bußen sind verboten und für den Erlaß von Arbeitsbedingungen ist das Mitbestimmungsrecht der Angestellten gesichert. Einen Minimallohn, den die weiblichen Angestellten wohl am freudigsten begrüßt haben würden, konnte der Gesetzgeber nicht aufstellen. Bei der Besprechung der Gegcneingaben bedauerte der Referent lebhaft, daß an deren Spitze wiederum die Züricher Kan- tonalbank(Staatsbank) steht, die schon einmal die Einführung des freien Sonnabcndnachmittags für die Bankbeamten durch ihre so- zialpolitische Rückständigkeit vereitelt hat. Gegenüber der ein- seitigen und unwahren rosigen Tarstellung der Arbeits- und Lohn» Verhältnisse der weiblichen Angestellten, die demnach der reinsten Idylle sich erfreuten, bemerkte der Referent zutreffend, warum sie sich dann denn so gegen die Gcsetzesvorlage ereiferten, wenn diese gar nichts mehr an den„idealen Verhältnissen" zu verbessern vermöchten? Bedauerlich sei die Eingabe der weiblichen Bureau- angestellten, die den ihnen zugedachten Schutz aus Furcht vor Eni- lassung, Lohnreduktion, Konkurrenzunfähigkeit usw. ablehnt. Vor 30 Jahren gab es auch Arbeiter, die gegen das Fabrikgcsetz stimmten, heute verlangt kein Arbeiter mehr seine Abschaffung, im Gegenteil seine Ausdehnung und Verbesserung. Schließlich wurde von der Versammlung eine Resolution zu- gunsten des vorliegenden Gesetzentwurfs angenommen, Versammlungen— Veranstaltungen. stöptnil. Mittwoch, den 30. Oktober, bei Zoch. Eingegangene VrucKIcdnften. Don der„Reuen Zelt1'(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da» 4, Hest des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Robert Blum.— Di« Engländer in Aegypten. Von Theodor Rothstein.— Zur Geschichte des preußischen DreiflassenwahIsystemS. Von Paul Hirsch.— Die Hcimarbeitsausstellung in Frantsurt a. M. 1908. Von WUh. Ditlmann. — Das Wachstum unserer französischen Bruderpartei. Von LouiZ Dubrcuilh.— Literarische Rundschau: L. Mahler, Marxismus und soziale Entwickelung. Von K. K. Dr. Paula Gutzeit, Die Bodenresorm. Von Julius Deutsch.— Notizen: Der Jüdische Arbeiterbund. Von A. L. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 22 des 17. Jahrganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Ein Flammenzeichcn.— Arbeiterinnen, organisiert euch I— Die Arbeiterin in der Textilindustrie. Von H. Jäckel.— Arbeiterinnen, tretet für die Verkürzung der Arbeitszeit eint Von G. Hoch.— Leistungen des Textilarbciter-VerbandeS sür die weiblichen Mitglieder. Von C. H.— Schularztberichte. II. Von Dr. Zadel. — Soziale Gegensätze in der Augsburger Textilindustrie. Von Marie Greisenberg.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Politische Rundschau. Kon II. B.— Gewerkschastliche Rundschau.— Notizenteil: Dienstbotensragc.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Frauen- stimnirecht.— Frauenbewegung.— Feuilleton: Du willst es wissen?... Von Ada Negri.(Gedicht.)— Die Tanne. Von Elisabeth Gnauck-Kühne. Für unsere Kinder: Spruch. Von Wolsgang Goethe.— Vor sechzig Jahren. Von Neuland.— Wie der SimpIiziuS ein Kälblein wurde und in kroatische Kriegsdienste kam. Von A. Fendrich.— Herbst. Von Johannes Trojan.(Gedicht.) Der Ahornbaum. Ein Märchen aus Amerika. Von Hebe.(Fortsetzung.)— Vom Automobil und anderen Wagen. Von H. Scharrelmann.— Die Hochzeit der Frau Füchsin. Von Grimm.— Hund und Katze. Von Karl LerbS.(Gedicht.) Vom„Wahren Jacob" ist unS soeben die 22. Nummer des 24. Jahrganges zugegangen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Das gesährliche Blockspiel" und„Mornento rnori", sowie die weiteren Jllustralioncn„Wir haben ihn!',„Die Friedensfreunde', „Berlin W.",„Der Block-Diabolo".„Der Fall Hilscrding-Pannekock',„Zu Dernburgs Rückkehr aus Afrika',„Das lenkbare Blocklustschifs",„Das Duell', „Das Mißgeschick eines zärllichsn Liebhabers",„Zum Ausgleich" und„Aus der passiven Resistenz der österreichischen Eisenbahner". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Der Obcrreichsnnwalt",„Der Wechsel- balg",„Ministerwechscl",„Eine Wahrheit".„Neuestes Wintermörchen",„Der russischen Revolution!" und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die Fortsetzung der Aussätze„Zur Geschichte der Kamarilla" von Wilhelm Bios, die Novelle„Disziplin" und einige satirische Feuilletons. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Berliner Marktpreise. Ans vcm amtlichen Berlchl der städtischen Marktballen-Direklion.(Großhandel.) Ochsensteiich la 68-70 Cr. 100 Pfd., IIa 62 67. ma 57-60, Bullcnfleisch la 65—70, IIa 53-62, Kühe, seit 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 56—69, fco. Holl. 0,00. Kalbiieisch. Doppellender 105—120, Mastlälbcr la 85-95, IIa 73—82. Kälber gcr. gen. 56—71, do. Holl. 48—54, dän. 0,00. Haminelsteilch Mastlömmer 74—76, Hammel la 66-70, IIa 60-65, ungar. 0,00, Schale 45—58. Schwemesteisch 53—61. Nebbock la per Pfund 0,60— 0,95. IIa 0,00. Rotwild la per Pfd. 0,30-0,45, do. IIa 0,20-0,25, do. Kälber 0,80— 0.50. Damwild 0,38— 0,52, do. Kälber 0,33—0,46. Wildschweine per Pfd. 0,30—0,35. Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,30—0,85. Hasen, groß, p. Stck. 3,00—4,00, do., mittel u. New. Stck. 1,50—2,50. Wildenten per- Stück 1,25—1.60. Nebhühner. junge große, per Stück 1,00—1,40, do. mittel und kleine 0,40—0,90, alte 0,60—0,85, Fasanen« bahne I» 1,50—2,75, bo. Ha 1,00—1,40. Fasancnhcnnen 1,00—1,75. Bekassinen 0,30—0,60. Waldschnepfen 2,00—2.75, do. Ilal.OO— 1,75. Krammets« Vögel 0,30—0,40. Hühner, alte, per Stück 1,00—2,03, II» 0,70—0,90, do. junge 0,60—1,25. Tauben 0,30—0,55. Enten per Stück ILO— 1,30, dito Hamburger per Stück 2,90—3,10. Gänse per Pfund 0,50—0,60. dito per Stück 1,86—4,00, do. Hamburger per Psund 0,00, do. Oder« bruchcr per Psd. 0,50—0,58. PouletS per Stück 0,90— 1,W. Deutsche Poularden Na St. 1,50-1,80. Hechte per 103 Psd. 70—75. do. matt 0,00, do. klein 0.00. do. mittel 0,00, do. groß 0,00. Zander, groß, matt 0,00, dito mittel 0,00. Schleie, klein 102—120, bo. unsort. 132, do. mittel 0,00, do. groß 0,00. Aale, groß 110, do. klein und mittel 0,00, do. mittel 0.00, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittel 0,00, klein 0,00. Bleifisch 0,00, Plötzen 44—47. Roddow 49. Karpfen 20er 0,00, do. 80— 10er 0,00, do. 0,00, do. 50er 0,00. Bunte Fische 37—44, do. matt 0,00. Barse 0,00. Karauschen 75—77. Bleie 0,00, do. klein 0,00. Aland 47—56. Quappen 0,00. Amerik. Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. Na neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, Comm. la Schock 0,00, Na 0,00. Bücklinge. Kieler per Wall 3—3,50, strals. 0,00. engl, per Wall 2,75—3,00.«protten, Danziger, Kiste 0,50—0,70, do. Rügenwaldcr, Kiste 0,50—0,70. Aale, gros per Pfund 1,10—1,40. mittelgroß 0,80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00—4,50,>ls Kiste 1,75—2,50. Sardellen. 1902 er per Anker 98. 1904er 98, 1905er 98, 1906er 90—95. Schottische Vollheringe 1905 1■ M......'"~""~" H« l»0_--------„----- u v. �---„. Neunaugen, Schockjaß 11, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0,00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 10—11 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, G alizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,72—4,20, do. große 0,00. Butter per 100 Psd. la 126-130, IIa 118-122, llla 110-116, absalleude 90-95. Saure Gurken, neue, Schock 4,00. Pseftergurken 4,00. Kartossein per 100 Psund Dabersche 3,75—3,25, weiße runde 2,60—3,00, maff. bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 0,50—1,00. Meerrettich. Schock 4—12. Spinat per 100 Psund 4—10. Sellerie, per Schock 5,00—8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 2,00—3,00, do. Perl. 40,00—100,00. Ehalotten 40,00—100,00. Petersilie, grün, Schockbund 1.00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bayrischer, Stück 0,00, hiesiger Schock 2.50-3,50. Mvörrübe», 100 Psund 2,00 bis 3.25. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl p. Schock 3— 7. Rottohl. Schock 4-8. Weißkohl p. 100 Psd. 1,50-2,60. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 5—10. do. Hamburger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 100 Stück 10-10. Rosenkohl, per lOO Pjd. 20-22. Grünkohl 4-6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00. Petersilienwurzel», Schockbund 3,00—4,00. Schnittlauch 1,25 bis 1,50. Psesserlmge p. 100 Psd. 10—12. Radieschen per Schockbund 0,75—1,00. Salat per Schock 1,50- 2,00. Gurken, Einmache-, Schock 0,00. Bohnen, grüne. 100 Psund 15—30. Tomaten per 100 Psund 10—16. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per lOO Psd, 6—8, da. Tel- tower 18—20. Kürbis per 100 Psd, 4—6. Eskarol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3—6. Preißelbceren der 100 Psd. schwedische 0,00. Birne» per 100 Psd. Tiroler 0,00, hiesige Most- 0,00, Kochbirnen 3—8, Tafelbirnen la 10-25, do. IIa 4-10. Psirsiche. hiesige per 100 Psd. O.OO, do. italienische, per 100 Psund 0,00. Aepsel, per 100 Psund, Tiroler la 22—30, IIa 15-18, Most-, hiesige, 3-5, Koch- 5-12. Taseläpscl la 10-25, fco. IIa 7—12, Amerikaner, per Faß 15—30. Wallnüsse, per Schock 0,00, do. klein 0,40—0,50, do. frmizösifchc 100 Psd. 0,00. Pflaumen, pr. 100 Psd. hiesige 8—18, serbische 0,00. Weintrauben, italienische per 100 Psd. 10—26, Almeria per Faß 13—15, türkische per 100 Pfd. 11—18. ist infolge ihres Gehaltes an chemisch reinem, nativem Haemoglobin ohne jede Ausnahme das gesundeste Frflhstflcksgetränk für Erwachsene u. Kinder, Gesunde u. Kranke. Haemacolade ist eine den Bedürfnissen des menschlichen Organismus angepaßte �UBaminCIlSCIXUIlg» Kombination von Fleisoh- und Pflanzennahrung. Die Pleischnahrang repräsentiert das chemisch reine, native Haemoglobin, die Pflanzennahrnng Kakao sowie die Kohlehydrate Zucker nnd Stärkemehl «■rjMlfgflMCV• Haemacolade bessert in kurzer Zeit die Blqtbeschaüonheit, wirkt mächtig appetitanregend, regt die TT 11«V Uli• Nerventätigkeit an und bewirkt eine reichliche Anbildung der Körpergewebo, Fett nnd Muskulator. geistiger Abspannung leistet Haemacolade ganz hervorragende Dienste. Bei n**cr,'t»rr« ü r»lr• Haemacolade schmeckt wie versüßter Kakao, ohne jegliehen Nebengeschmack. Personen, die an \AlrD vlllllilVI�• den bitteren Geschmack des Kaffees oder eines unvorsüßten Kakao gewöhnt sindj mag der süße Gesohmaok anfangs ungewohnt vorkommen. Doch dürfen dieselben versichert sein, daß sie sich bereits nach einigen Tagen so daran gewöhnt haben, daß er ihnen durchaus nicht mehr auffällt und sie alsdann Haemacolade ebensogern wie früher den Kaffee usw. trinken. * 1 Als warmes Frühstücksgetränk: DvTCü�HllJ�OvT�lö�« Ein Teelöffel bis Eßlöffel voll Haemacolade wird mit ebensoviel kaltem Wasser glatt gerührt und die Tasse mit heißem Wasser oder heißer Milch vollgefüllt. Das Getränk ist ohne jeden weiteren Zusata trinkfertig. 2. Als Kaltes ELäftigungs- nnd Erfrischungsgetränk: Ein Eßlöffel voll Haemacolade und»/« Eiter kaltes Wasser werden zum einmaligen Aufkochen erhitzt nnd nach dem Abkühlen auf Flaschen gefüllt und diese verkorkt. Diese kalte Haemacolade schmeckt einfach großartig und eignet sich ebenso gut als Getränk an Stelle von Bier, Brause usw. zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen wie zum Mitnehmen in die Schule oder ins Geschäft. Man kann stets für zwei Tage Vorrat kochen! 3. Für schwer Kranke und an Durchfall Leidende empfiehlt es sich, die Haemacolade mit Rotwein zu kochen(ein Eßlöffel voll Haemacolade auf einen Tassenkopf voll drei Minuten lang kochen.) 4. Durch Kochen von Haemacolade mit Milch und Zusatz von Gelatine erhält man eine ebenso angenehm schmeckende wie nahrhafte und gesunde Speise. Wann trinkt man Haemacolade: verkehrt! Allein aus dem wenig stichhaltigen Gründe: man wolle sich seinen schönen Appetit zu Mittag nicht verderben, hat sehen so mancher seinen Magen schwer geschädigt und— gehungert! Wenn auch ein richtiger Hunger für manche Naturen zeitweise(nur nicht regelmäßig!) ganz angebracht ist, der regelmäßige Hunger aber und dazu noch bei schwächlichen oder nicht ganz sattelfesten Naturen ist sehr schädlich und ruiniert den Körper! Des Morgens ist der Magen leer und ausgeruht. Er ist am empfänglichsten für jede Speise, aber auch am empfindlichsten. Was geschieht aber in den meisten Fällen? Man trinkt eine Tasse Kaffee oder Tee und ißt eine Schrippe dazu! Hiernach fühlt man sich„wohl11! Ja aber auf wie lange? Daß Kaffee nicht sättigt und keine nahrhaften Wirkungen hat, ist ia bekannt, ebenso daß er anregend wirkt, um nachher desto mehr matt und nervös zu machen! Man betrügt sich also nur selbst mit diesem gewohnten Morgenfrühstück, os gibt eben auch schlechte Angewohnheiten._ Wozu hat man nach einem kräftigenden Schlaf denn nur gerade noch ein Anregungsmittel wie Kaffee oder Tee nötig? Gerade des Morgens ist die besto Zeit zum Haemacolade-Trinken! Wer nur einmal die Wohltat einer Tasse Haemacolade des Morgens gespürt hat, wird mit vielen sagen: Eine Tasse Haemacolade dos Morgens getrunken, ist die Grundlage für das Wohlbefinden des ganzen Tages! Nach dem Mittagessen oder zum sogenannten Vesper können Gesunde gern ihre gewohnte Tasse Kaffee trinken, bei vollem Magen schadet derselbe nicht, im Gegenteil: er hilft verdauen, aber des Morgens sollen sie den Kaffee lassen, da ist Haemacolade das beste Und gesnndeate Frühstück für jodermann: für Erwachsene und Kinder, für Gesunde und Kranke. Erwachsene trinken Haemacolade gern mit Wasser, Kinder mit Milch. Wann und wieviel Haemacolade sollen Kranke trinken? Magen- und Darmleidende sowie an Appetitlosigkeit Leidende: Früh zwei Tassen, abends vor dem Schlafengehen eins Tasse mit Wasser gebrüht. Nervdse: Morgens, zum zweiten Frühstück nnd vor dem Schlafengehen je eine Tasse mit Wasser gebrüht. Magere: Früh zwei Tassen, zum zweiten Frühstück eine Tasse, vor dem Schlafengehen eine Tasse mit Milch gebrüht. Blutarme, Bleichsüchtige, Wöchnerinnen, stillende Frauan morgens, nach dem Mittagessen und vor dem ßchlafengehon J# eine Tasse mit Wasser gebrüht. Schwächliche Kinder und Rekonvaloeisntan: Regelmäßig alle drei Stunden eine Tasse mit Milch gebrüht, If /tcfAfltlf* nlftf-• f Pfund 2 M.,'/a Pfund 1.10 M., V« Pfund 60 Pf. Da zu einer Tasse Haemacolade im Durch» • sebnitt ein gestrichener Eßlöffel voll genommen wird und 50 Eßlöffel voll auf 1 Pfund gehen, kostet jede Tasse Haemacolade vier Pfennige. FRITZ SAUER, Berlin W. 30, Barbarossastr. 20. Mittwoch. de» so. Oktober 1007, abends 8'/, Uhr. Koppe«- strafte SS(früher Keller): fiir simtlicht Arsirde nnd Krnnchrn. TaaeS-Ordnung: 1. Festsetzung der vom 1. Januar ab zu zahlenden Kranken- und Arbeitsloson.IlnterstüftnngSsäüe. 2. Streiks und Differenzen. 3. Ver- bandSangelegenheiten. 96/17 Mttfllirdsbnch und BertraueuSmiinnerkarte legitimiert. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Die OrtSverwaltnug. Dienstag, den SS. Oktober er., abends 8 Uhr. im„Englincheii Garten", Sllexanderstr. 27cs Kranchen- Versammlung für die in der Küchenmöbelbranche beschäftigten Tischler und Maler Berlins und der Vororte. TageS-Ordnung: 4. Vortrag des Kollegen A. Schrctbor:„Die Gewerkschaften im Kampfe mit dem koalierten Unternehmertum«. 2. Diskussion. 3. Branchenaiigelegeuheiten; es erfolgt hierbei die Ausgabe der Fragebogeu für die Branche. Pflicht jedes in der Branche beschäftigten Kollege»"WB ist es, in dieser Bersammlnug zu erscheinen. TM Die Komnilssion. 9as(troji artigste für den Ctoistbanrn! AlleS ist entzückt von dem wunderbaren Reiz und überwältigende» Effekt. Ueberlrlfst alles bisher Dagewesene l Vollstiiiidlg neu! GefchRäj geschützt. Nach achttägiger Probe zahlen noch Betrag retour. n Selbsttätig sich dreh. Sternen� Nicht zu verwechseln mit den bisherig. Ehristbaumgeläutenl Christbaum Geläut WMs■ Engel , mit vollständig. Weihnächte i krtppe mit einer sich im Kreise drehenden fliegende» läuten den Posannen- Engelschar. Wie im Stalle zu Bethlehem sinden wir in hochseiner künstle rischer AuSsührung Maria mit dem Chrilllindlein, umgeben von Joses, Hirie in. Sdiasen, Rind und Eseln sowie 6 Engel und 7 Sterne. Nach Anzünden der Kerzen drehen sich 4 stiegende Posaunen- Engel im Kreise und lassen gleichzeitig ein liebliches Welhnachtsgwcken- spiel erschallen; versetzt jeden in eine weihevolle Stimmung und glaubt man ein aus weiter Ferne herübertönendeS Geläute zu ver- nehmen. 3 große goldleuchtende Sterne setzen sich in rotierende Bewegung, ihre goldflimmernden Strahlen nach allen Seite» wer- send, al» deren Bekrönung 2 in einem Wolkengebilde schwebende. sich drehende Engel aus Himmels- höhen der Menschheit die Geburt deS lieben EhristkindleinS ver- künden. AIS Tischdeloration oder als Ehristbaumspitze von Märchen- haster Wirkung, p. Stück 1,45 M. und 20 Pf. sür Porto bei Vorher einsendung durch 10 Pf.- Post anweisung oder Briefmarken. Bei 2—io Stuck find für Porto nur 50 Pf. mit einzusenden. Weich nachts Prachtkatalog, tausend. Zeichnungen von Spielwaren, Pupp., Ebristbaumschmuck, Stahl waren, Gold-, Silber-. Leder-, am«.. o, rr,,,, optische, Musik- und Pjeisenwareu Ganze Höhe ca. 31 Etui. gi.atjä„n&{ranr0i Alleinige Lieseranten: Kirberg&Co.inFoeheb.Solingen, Stahlwarenfabrikation ältestes Versandhau» de» Solinger Jndustriebezirk». 2. Wahlkreis. Dienstag, S9. Oktober, abends 8�, Uhr: 2 Volks s Versammlungen in den Lokalen WerUnS]* Bock-Brauerei(Tempelhofer Berg), Kliems Festsälen, Hasenheide IBIS, Tages-Ordnung: Die S'oiinlknioliratic in der StMntmdnckn-Nttsnmlnng. Referent: Stadtverordneter Karl Koblenzer. Mtncriniiltnng und Nnlksintcrejfc. Referent: Stadtverordneter«JohatllieS Sassenbach* — � Freie Diskussion. Ansprache der Kandidaten Dr. Alfred Bernslein und Gollfried Schulz. Männer und Frauen! Auf in die Versammlungen! Es gilt Protest einzulegen gegen das elende Wahlsystem, gegen Ausbeutung und Unter- drückung!___ Der Vorstand. Sozialdemokratische Wahlvereine für den 3. nnd 4. Berliner fteiehstags-Wahlhreis. 2 öffentliche Kommunalvähler- Versammlungen am Dienstag, den 29. Oktober, abends 8� Uhr für den 11. und 12. Bezirk bei Graumann, Naunynstraße 27, für den 22. und 2B. Bezirk bei Böker, Weberstraße 17. TageS-Ordnung! „Die Kommmmlwahlen.« Borgmann, Basner, Wengeis. Die Vorstände. Referenten sind die Stadtverordnatcn Zu zahlreichem Besuch laden ein_ Schöneberg! Freitag, den 1. November, abends 8 Uhr: 3 Volks-Versammlungen in: � E. Obft's Festsülen, Meiningerstraße 3.|„Wilhelmshof", Ebersstraße 80. „Lindenpark", Hauptstraße 16. 17/13 Tages-Ordnung: Auf zur Stadtverordnetenwahl! Referenten: Rcichstagsabgeordnetcr Fritz Zubeil. Stadtverordneter Hermann Schubert. Stadtverordneter Dupont. ftrauen und Männer erscheint zahlreich! Das sozialdemokratische Wahlkomitee. ÄkiMMiÄiuIies Walilverein des UerlinefBeicnstags-Walillireises. SHentUehe Kommunalwähleruersannnlungen TageS-Ordnung: 267/12 PoliWes it. SsjiiilpolitWkS illis dem Mm Hilllse. Dienstag, den SS. Oktober, abends S'/z Uhr: siir den B2. Bezirk bei Dase, Brunnenstr. 154, für den 84. Bezirk: Berolina FeslsAIe, Schönhauser Allee 28, für den 86. Bezirk: Swinemünder Geselisehaflshaus, Swinemünderstraße 42, für den 44 Bezirk: Patzenhofer Brauerei, Turmstr. 26, für den 48. Bezirk: Bernhard Buse-Vhealer, Badstr. 68; Mittwoch, den 30. Oktober, abends S'/z Uhr: ftir den 48. Bezirk: ArlUS-Hof, Perlebergerstr. 36. Referenten sind die Stadtverordneten: Bruns, Bupont, Fischer, Glocke, Leid, Ritter. Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ Der Borstand. » Filiale Berlin. Dienstag, den 29. Oktober 1907, vormittags 11 Uhr: Mitgflieder.Versammluns bei?reger(früher Keller), Koppenstraße 29. TageS-Ordnung: Zgriskt üsr LswikomMisZion. Gämtliche Mithlicdcr, nuch die Streikposten, haben zu erscheinen. Die Streitlcitung. [201/91] 3reie Vereinipng der Maurer Beutsehlands Ortsverein Zerttn. Mittwoch, de» 30. Oktober 1907, abends 8 Uhr, in den„Borussia-Sälen", Zlikerstrasie Sir. 0/7: 130/12* Mitgliedep-Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht des ersten Kassierers über die Streikabrechnung. Bericht vom zweiten und dritten Quartal. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Revisors. 4. Antrag des Ausschusses. 5. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Vorstand, Den Kollege»« der Zahlstelle �Vc.tvu und Scliöncbersf',»»» KenutttiSnahuie, bat» vom 29. Oktober ab sich die Zahlstelle in der V:iUl»<>I?.-«trilljo 1« bei Sander desinbet. 1). o. S- Sie allerbeste Puppe'« crbiilt man, wie seit Jahren bekannt, in der Puppen-Fabrik Otto Kreyssig jetzt nur BCUnnenStP. 83 Brun«. 119 erbitte schon jetzt, ce�rfSn"«»** Reparaturen H.&P. Uder, Tabak-GroOhandlnng und Tabakfabrik. ZM' Rauch-.K'au-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. 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Vortrag des Genossen«abert Pendel über:»Die politische Lage nnb was habe» bic Arbeiter vom neue» Reichstage zu er- warten." 2. DiZkussion. 3. VcrbandSangelegenheiten. 09" Die Kollegen, insbesondere die Vertrauensleute, werden ersucht, mehr wie bisher für den Besuch der Versammlung zu sorgen. Mittwoch, den 30. Oktober, abends 8'/z Uhr: Versammlung sämtlicher in den Gddschfliiiliflilintai besWigt. Kollkgcii in den Sophien-Sälen, Sophienstr. 17/18. Tages-Ordnung: 1. Wie stelle» sich die Kollegen zur BerlSugerung der in den Geldschrankfabrike» bestehenden Tarife und zum Abschluft eines Einheitstarifs für sämtliche Gelbschraukbetriebe? 2. Diskussion. Der"" Wogen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen sämluchcr Kollegen notwendig. Mittwoch, den 33. Oktober, abends 0 Uhr: Versammlung der in der chiriirgischtli Kmnhe lieschMgi. Killegeii in, Rosen thaler Hof, Roscnthalcrstr. 11/1S. T a a c S- O r d n n n g: 1. Vortrag der Genossin Ida Altmann über:„Die Kirche nnb die arbeitende Menschheit." 2. Diskussion. 3. ErqänzungSwahl der AgitakionSkommissioii. 1. VcrbandSangelegenheiten und Verschiedenes. DBT Kollegen! Wir machen Euch aus den?lnsm!g der Verssammlung, »m 6 Uhr, ganz besonders aufmerksam, und erwarten, daß Ihr in An- bclracht dcS rntcrcssaiiten Vortrages pünltlich und zahlreich erscheint. Kolliers, Krawatten Untleu, schielt garniert« Danienhüte. Barotts Herren-Mätzen und Pelzkragen, Knaben- und Mädchen-Garnituren, FuBsäcko, Jagdtaschen, Wagendecken, Pelzteppiche und Bettvorleger Rur eig. Fatirikal Große Auswahl. Bestes Material. Kein Zwischenhändler, daherFa- brikpreise. Sämtliche gangb. Pelzarten am Lager. F. Kalman,KSlT ,™'" KommnilaiileiiilraBelSI. (gegenüber Bcuthstraßo). Verkauf auch Sonntags. Wochentags bis 9 Uhr abends. Tel. I. 3917. ISanatoriam vreaiisu kssedeul.scnx»,— I.9ssniizn. acrri.mUie Lage. Sächs-Nlzra��w�� ttouerfoige. Dirmaor Alfrtd Bllz. Chetarat _ pr.AscbKr. iptpi-rar. n.g'ic'.i, Silz Hqturhsllbuch t>/. Milllenen vark. SpnunendJiter Hom&n der Gegenwart. 1130 ca. 2W Abbild, XgCl-... sa bunt« J x.zsa brosci�M. geb., zu bezal. �53. BHz Naturheilaostalt, Dreg loten, angenehm n. weich am Sörpcr VAivnssoks äteda>-k»ai>tik«I, Gummiwaren, Ivvys �.nerk. �. Brök. u. �einb. ompk., h!II. Apeth. 8. Schweitzers Fab. hyg. Präp. Berlin 0., Hols- marktstr.69-70. Off. verlang. Mittwoch, den 30. Oktober, abendS 8 Uhr: Bezifks-Versammlung für Meglii; m,d Uiisgegend im Lokal von Schellhase, Steglih, Ahornfir. 1.?a. TageS-Ordnnng: l. Neuwahl der Bezirksleitung und der AgitatlonSkommsssioit. 2. Bericht der KArsselldelegierten. 3. VerbandSangelegeiiheiten und VerschtedeneS. SiK Ohne Niitgliedobnch kein Zntritt."JUB Die Kollegen werden cissncht, dünktlich mid zahlreich zu erscheine». 131/29_ MUo Oi'tfivcrsvaltang. EckSSnuiiy. Die Differenzen zwischen mir nnd dem Verbände der Bäcker sind zur Zusrledenheit geregelt, woraus ich meine werte Kundschaft besonders ans- merksam mache. Zlnnltz, Bäckermeister, Tegel,«chulstr. l. 917b Eine S�ark wSchmtliche TciUatluns tiefet« eltjente(eilige UJW I Herreß-Giuiieroiien .. Ersatz fflt Ma-b. Anfcreifjunu nach Maao, labellose Sirthitnmfl. Julius Fabian! Cdmeiberraetffcr, Gr. Franklurterstf. 37," Sinz-rng Stiaiibd-rzer rtap. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den gprserat-nttil verentw.: Th. Gl»cke, Verlin. Nruck u. Verlag: lvorwSr» vuchdruilertt«. verlagSanstalt Pavi Hmg-r& So., Berlii, S Kr. 253. 24. Jahrgang. 2. Kkilagt des.Amiirls" Scrlim AllisUiitt. Dienstag. 29. Maber 1907. Die tätlgheit der iozialdemoftratifcAn Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung (1. September IMS bis 30. September 1S07). V. Armenpflege und Waifenpflege. Dah unsere Vertreter im Nathmise unablässig bemüht sind, die notdürftige Versorgung der Armen zu verbessern, ist selbst- verständlich: fast ebenso selbstverständlich, dah ihre Bemühungen, da sie ja gröbere Ansprüche an den Stadtsäckel machen, von der Majorität fast immer erfolgreich vereitelt werden. Interessant aber ist es, daß unsere Fraktion die einzige ist, die stets geschlossen für die humaneren Forderungen eintritt, die die Armendeputation selbst stellt und die trotz ihrer Befürwortung auch durch die bürgerlichen Elemente, die sich fachmännisch mit der Armenpflege beschäftigen, oft genug vom Magistrat und von der Majorität abgelehnt werden. So ist es seit längerer Zeit ein Wunsch der Armenverwaltung, in dem Etat Mittel zugewiesen zu erhalten, um Heimstätten- behandlung auch solchen Personen zukommen zu lassen, die der Arinenpflege verfallen sind: vorläufig muß sie sich auf diesem Ge- biete mit unzulänglichen Stiftungsmitteln behelfen oder gar mit recht anfechtbaren Auslegunasversuchen andere Positionen ihres Etats für diesen Zweck in Anspruch nehmen. Bei den Etatsberatungen für 1906 und 1907 beantragten unsere Vertreter Iviederholt die Ein- setzung einer größeren Summe hierfür in den Etat der Armen- Verwaltung: stets wurden ihre Anträge mit grober Mehrheit ab- gelehnt. Zu Beginn der Berichtsperiode hatte die Armendirektion eine Vermehrung der A r m e n a r z t b e z i r k e aus 133 gefordert, d. h. etwa 33 mehr als bisher. Der Magistrat trat dieser Forderung nicht bei. Die Acrzte erhielten bisher Entschädigungen von 1200 M. bis lSOl) M.; die Armendirektion forderte eine für alle gleiche Ent- schädignng von 1600 M.; der Magistrat wollte nur 1599 M. bewilligen. Als diese Sache der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnisnahme unterbreitet wurde, setzte sie einen Ausschuß ein, der zu folgenden Beschlüssen kam: 1. Die Armenarzt- bezirke sollten vermehrt und neu eingeteilt werden. 2. Das Gehalt der Armenärzte soll entsprechend vermehrt werden. 3. Unter Zustimmung des betreffenden Armenkommissions- Vorstehers solle ausnahmsweise die Konsultation beziehungsweise Be- Handlung des Armenarztes eines Nachbarbezirks zulässig sein. 4. Es sollen auch für die Armen besoldete Spezialärzte herangezogen werden. Die Versammlung nahm nur die Anträge 1 und 2 an; 3 und 4 wurden trotz des energischsten Eintretens unserer Vertreter, denen sich auch bürgerliche Redner anschlössen, in namentlicher Abstimmung mit 59 bez. S1 Stimmen gegen 53 abgelehnt. Wir haben hier ein Beispiel, wie bedeutsam selbst eine geringe Zunahme unserer Ver- treterzahl werden kann. In unserem letzten Bericht(„Vorw." Nr. 253 von 1995) hatten wir mitgeteilt, daß eine gemischte Deputation eingesetzt sei, um eine Entscheidung darüber herbeizuführen, ob die geschlossene Waisen- P f l e g e(d. h. die Erziehung in städtischen Waisenhäusern) oder die Familienerziehung vorzuziehen sei. Die Deputation erklärte sich in erster Linie siir die Faunlienerziehung: nur in besonderen Fällen sei die Anstaltspflege unentbehrlich. Bei den Verhandlungen hierüber in der Versammlung hob unser Vertreter hervor, daß von den nach auswärts in Familienpflege gegebenen Waisenkindern noch 15 Proz. in Orten untergebracht seien, in denen eine einklassige Schule bestände! Die Zusage, daß in Zulunft keine Kinder mehr in solche Orte geschickt werden sollten, genüge nicht; auch die jetzt so untergebrachten seien sofort fortzu- nehmen und anderweitig unterzubringen. Die Mehrheit stimnrte dem nicht zu. Weiter stellte unser Vertreter fest, daß wir zu einer Konzession bereit seien— die noch nicht schulpflichtigen Kinder dürften in Familienpflege gegeben werden, mit Beginn des schul- Pflichtigen Alters aber in ü s f e dann auch die geschlossene Pflege Platz greifen. Unser Ideal sür diese sei das sogenannte Kinder- gruppen-Familiensystem, bei dem je 19—12 Kinder unter Leitung eines erfahrenen Pädagogen erzogen werden sollten— eine Ein- richtung. die auch von bürgerlichen Kreisen empfohlen wird und die für unsere ganze Volkserzichung später von Bedeutung werden könnte. Natürlich trat die übergroße Mehrheit der Ansicht der Ausschuß- Mehrheit bei— handelt eS sich doch nur um Kinder des Prole- tariaiS. Um so energischer sollten alle proletarischen Väter und. soweit es in ihren Kräften steht, auch die Proletariermiitter am S. November ihre Kräfte für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten einsetzen. ftir Kommimalwahibewcgung. Ein Arbeiter als Freisinnskandidat? Auch im 1 2. K o m m u n a I w a h l b e z i r k dritter Abteilung, der ein Teil der äußeren Luisenstadt ist und die Stadtbezirke 79 und 87— 91 umfaßt, wollen die Freisinnigen den Kampf gegen die Sozialdemokratie, die diesen Bezirk bereits inne hat, noch einmal versuchen. Wir meldeten schon in unserer Sonnabendnummcr. daß dort dem diesmaligen Kandidaten der Sozialdemokratie, Stadt- verordneten Fritz Zubeil, von den Fr e i s i n n i g e n ein Herr S ch i l d h a u e r als ihr Kandidat entgegengestellt wird. Und wir fügten hinzu, Herr Sch. habe in einer Versammlung liberaler Wähler sich als Arbeiter empfohlen. Auch liberale Blätter haben jetzt mitgeteilt, daß im 12. Wahlbezirk dieser Herr für den Freisinn kandidieren werde. In der betreffenden Notiz wird aber angegeben, besagter Herr Sch. sei K l c m p n e r m e i st e r. Das hat uns ein bißchen überrascht. Herr Sch. erklärte in jener Versammlung ausdrücklich:„Ich bin Arbeiter, einer von den wenigen Arbeitern, die noch zum Freisinn halten" Er fügte auch hinzu:„Sie wisien ja, wie schwer es heutzutage einem Arbeiter gemacht wird, sich offen zum Freisinn zu bekennen." Wenn jetzt derselbe Herr als 5llempnerm-lster bezeichnet wird, so muß hier irgend etwas nicht stimmen. Was ist's mit diesem Herrn Schild- Hauer, der in der Versammlung sich„Arbeite r" nannte, aber in liberalen Zeitungen„K l e m p n e r m e i st c r" genannt wird? Er wohnt, wie liberale Zeitungen angeben, im Hause Skalitzcr- straße 21. Im 29. Kommunalwahlbezirk haben die Freisinnigen den bisherigen Stadtverordneten des Bezirks, den Glasermeistcr Alt aufgestellt. In einem vom liberalen Wahl- komitee zugunsten des Herrn Alt verbreiteten Flugblatt wird neben anderen Vorzügen des Kandidaten— langes Wohnen, Betreibung seines Geschäfts im Bezirk— auch der aufgezählt, daß der oberste Grundsatz, nach dem er seine Wirsamkeit in der Versammlung ein- gerichtet habe, laute:„keine Sonderinteresscn I sondern einzig und allein die Interessen der gesamten Bürgerschaft". Was da behauptet wird, ist einfach nicht wahr. Das hat sich erst ganz kürzlich gezeigt anläßlich der Beratung der Wertzuwachs- steurr. Herr Ali hat bei dieser Gelegenheit sich als ge- treuer Trabant der Terrainspekulantcn und der Haus- und Grundbesitzer gezeigt, indem er dazu beitrug, die so mäßige Magisiratsvorlage zu Fall zu bringen. Kaum je ist die Wahrung der Sonderinteressen der Haus- und Grundbesitzer so kraß in Erscheinung getreten wie bei dieser Gelegenheit. In Hans- und Grundbesitzervereinen sagen daS die Herren auch ganz offen, der Wählerschaft gegenüber aber reden die Freisinnigen in Pharisäer- haftem Augenaufschlag von„den Interessen der gesainten Bürger- schaft". Hoffentlich erteilt die Mehrheit der Wähler dem Herrn am 1 6. November die richtige Antwort, indem sie ihre Stimme dem Sozialdemokraten gibt. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. In Spanbau-Nonnenbamm verweigert der Be- sitzer des Lokals„Zum Nonne nkrug", Herr Schulz, die Her- gäbe seiner Räume zu Versammlungen. Es steht uns mithin dort kein Lokal mehr zur Verfügung und ersuchen wir daher, Spandau-Nonnendamm aus der Lokalliste zu streichen. Die Lokalkommission. Schöneberg. Wir weisen die Genossen und Genossinnen auf die am Freitag, den 1. November, abends 8 Uhr, in E. Obsts Fest- säle, Wilhelmshof und Lindenpark stattfindenden Volksversamm- lungen hin. Es ist notwendig, daß ein jeder bierfür agitiert und für zahlreichen Besuch sorgt. Alles übrige siehe Inserat. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Wilmersdorf. Heute abend 8� Uhr findet im Luisenpark, Wilhelmsane 112, die regelmäßige Monatsversammlung des sozial- demokratischen Wahlvereins statt. Auf der wichtigen Tagesordnung steht u. a. ein Referat des Genossen Riedel. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverrin Lankwitz. Heute, Dienstag- abend 8%. Uhr, bei Rettger, Calandrelliftraße 27/29, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Katzen- st e i n. Bericht von der Generalversammlung Groß-Berlins. Ver- schiedenes. Rummelsburg. Heute. Dienstagabend 8� Uhr, findet im Saale der Wwe. Weigel, Türrschmidtstraße 45, eine Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag:„Klassenjustiz und Älassengesetzgebung". Referent: Genosse PaulJohn. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vorstands- Mitgliedes. 4. Vereinsangelegenheiten. Um regen Besuch bittet Der Vorstand. Hohen-Neuendorf und Stolpe(Nordbahn). Den Genossen zur Nachricht, daß der Vorstand des Wahlvereins infolge der unpünkt- lichen Lieferung des„Vorwärts" durch den Privatspediteur eine eigene Spedition zu errichten beschloffen hat; dieselbe befindet sich beim Genossen Wilhelm Tentscher in Hohen-Neuendorf, Berlinerstr. 8. Daselbst werden neue Abonnenten aufgenommen. Zugleich werden die Genossen ersucht, rege für den„Vorwärts" zu agitieren. Der Vorstand. Zossen. Am Donnerstagabend 8 Uhr findet im Lokale des Herrn Schimke. Barutherstraße, eine öffentliche Versammlung statt. Das Thema lautet:„Welche Interessen vertritt der Haus- und Grundbesitzerverein in der Kommune?" Referent Ewald- Berlin. Die Handzettelverbrcitung zu dieser Versammlung findet am Mittwochabend 7 Uhr vom Lokale Schimke ans statt. Parteigenossen, agitiert für diese Versammlung. Der Vorstand. Pankow. Heute abend l/o9 Uhr findet im„Feldschlößchen", Berlinerstraße, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Haß-Berlin über:„Die Knltiiraufgaben der Sozialdemokratie". 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Ain Sonnabend, den 9. November er., findet im„Gesellschafts- Halls", Kreuzstr. 3/4, das 17. Stiftungsfest des Wahlvereins statt. Billetts siild beim Genossen N. Danziger, Brehmestr. 43, und bei den Bezirksfnhrern zu haben. Der Vorstand. Nie'oerschöuhausen. Heute abend 8�. Uhr. findet in„Neu- Carlshof". Benth-, Ecke Charlottenstraße, die Miigliederverfamm- lung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Ge- nossen Vesper über„Der wirtschaftliche und politische Kampf der Arbeiterklasse". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Sammellisten und Billetts sind in dieser Versamm- lung abzurechnen. Um recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. Ober-Schöneweibe. Mittwoch, den 39. Oktober, abends 8(4 Uhr, findet im„Wilhelminenhof" eine Versammlung statt. Genosse Adolf Hoffmann hält einen Vortrag über„Der Kampf ums Dasein". Die Parteigenossen werden ersucht, für zahlreichen Be- such dieser Versammlung Sorge zu tragen und sich an der heute, Dienstagabend, stattfindenden Handzettelverbrcitung rege zu be- teiligen._ Der Vorstand. Berliner IVacbricbtem Neben den Dienstmädchen die— Straßendirnen! Daß cs der Sozialdemokratie gelungen ist. sogar die Dienstmädchen wachzurütteln, das hat in wohlhabenden Gesellschaftsschichtcn einen Sturm der Entrüstung hervor- gerufen. Die ohnmächtige Wut gewisser„Herrschaften" über die fortschreitenden Organisationserfolge der Sozialdemokratie kommt zum Ausdruck in einem Wort, das von Herrn Kopsch, dem Gemeindcschulrektor und Freisinnsabgeordneten, offen ausgesprochen worden ist. In der Versammlung liberaler Wähler des 10. Kommunal-Wahl- b e z i r k s, die wir in unserer Sonntagsnummer er- wähnten, höhnte Kopsch, von der Sozialdemokratie seien ja sogar schon die Dien st mädchen organisiert worden, nächstens werde sie ivohl auch noch die„Dame»" organisieren, die in der Nacht durch die Friedrich st raße streifen. Was kann der Mann damit bezweckt haben, daß er in einem und demselben Atemzuge neben den Dienstmädchen die Straßendirnen nannte? War cs ihm nur darum zu tun, die Sozialdemokratie zu begeifern? Die Väter und Mütter, die ihre Töchter dem Dienst- mädchenbcruf zuführen müssen— das müssen übrigens nicht nur Arbeiterfamilien, sondern auch viele kleine Gewerbe- treibende und besonders kleine Beamte— werden über diese Aeußerung des Gemeindeschulrektors und Freisinnsabgeordnetcn sich ihre eigenen Gedanken machen. Dir gemischte Deputation zur Auffindung von Mittel und Wegen behufs planmäßiger Beschaffung von Schul grund stücken und recht- zeitiger Errichnmg von Schulbauten hielt am Montag ihre zweite Sitzung ab. Von unserer Seite gehören der Deputation die Genossen Singer, Borgmann und Hintze an.. Das in der ersten Sitzung gewünschte Material über die Zahl der Baracken und Miels- ichulen war den Mitgliedern zugegangen. Die vor- liegenden Zahlen geben ein trübes Bild über die derzeitigen Schul- Verhältnisse. Wir haben zurzeit 5 Schulen in Baracken untergebracht. eine weitere Barackenschule muß in Ermangelung anderer Räume in der Secstraße errichtet werden. 39 Schulen sind in Mietshäusern untergebracht. Von insgesamt 5929 Klassen mit 228 362 Kindern sind 657 Klassen mit 39 834 Kindern in Mietshäusern untergebracht. Die Zahlen zeigen am besten, wie Berlin bisher für seine Volks- schulen„gesorgt" hat. Abhülfe ist zurzeit sehr schwer: da die Erbauung der Schulen zu langsam geht. Im Jahre 1993 sollen fünf Schulen mit je 36 Klassen, 1999 7 Schulen mit je 36 Klassen, 1919 4 Schulen mit je 36 Klassen und 1 Schule init 13 Klassen, 1911 2 Schulen mit je 36 Klassen. 1912 8 Schulen mit je 36 Klassen fertiggestellt werden. Aber selbst wenn dies gescbehc, was vielfach bezmcrseli wurde, würde zunächst nur das dringendste jetzige Bedürfnis befriedigt sein. Dabei ist auch noch die Zunahme der Bevölkerung und die so oft versprochene Herabsetzung der Klassenfrequeuz in Betracht zu ziehen. Nach drei- stündiger Beratung einigte sich die Deputation auf einen Autrag, den Magistrat zu ersuchen, sofort mit der Erbauung von Schul- Häusern vorzugehen, um die Barackenschulen zu beseitigen. Eine weitere Sitzung wird stattfindeil. Wie der„Lokal-Anzciger" berichtet: In der gestrigen Abend- ausgäbe schreibt der„Lokal-Anzeiger": „Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht hat die Stadtverordneten- Versammlung ersucht, ihn auf die Dauer von 13 Monaten zu beurlauben, da er, wie wir bereits berichteten, vom Reichsgericht zu Leipzig zu einer Festungsstrafe von l'/s Jahren verurteilt worden ist, die er inzwischen angetreten hat. Eine Neuwahl wird nicht stattfinden." Wahr ist nur, daß Genosse Liebknecht durch sein Bureau der Stadtverordneten-Versammlung hat mitteilen lassen, daß er infolge seiner Strafe nicht in der Lage sei, den Sitzungen der Stadt- verordneten-Versammlung beiwohnen zu können; nicht wahr ist, daß er um einen Urlaub von 18 Monaten nachgesucht hat. Er konnte das schon deswegen nicht, weil das Mandat Liebknechts bis Ende dieses Jahres läuft. Es ist auch nicht wahr, daß eine Neuwahl nicht stattfinden wird; das Gegenteil ist richtig, daß gerade infolge des Ablaufs der Wahlzeit Liebknecht wieder zur Wahl steht. Die Ge- nossen des Bezirks haben Liebknecht wiederum zum Kandidaten des 45. Kommunalwahlbezirks aufgestellt und werden alles daran setzen, daß Genosse Liebknecht am 6. November als Sieger aus der Wahl hervorgehen wird l Trotz alledem und alledem! Aus der Krankenhausverwaltung. In der jüngsten Sitzung der Deputation für die städtischen Krankenanstalten wurde beschlossen, in allen Krankenhäusern Ammen nach Bedarf einzustellen. Der Versuch, der im vergangenen Sommer im Urban-Krankenhause mit Ammen für Kinder, die an Magendarmstörungcn, Brechdurchfall usw. litten, gemacht worden ist. hat sich trefflich bewährt. Es wurde ferner offiziell mitgeteilt, daß endlich der Magistrat nach langwierigen Beratungen zu der Frage der Assistenzärzte an den städtischen Krankenhäusern Stellung ge- nommen hat. Die Stadtverordnetenversammlung hatte bereits am 16. Mai die Anträge unserer Genossen zum Beschluß erhoben, wonach diesen Aerzten neben freier Station ein Gehalt von 1299 M. zu gewähren sei, das sich nach 1 �/-jähriger Tätigkeit auf 1599 M. erhöhen soll. In diese Erhöhung sollten auch die Aerzte am Kinder- krankenhause einbegriffen sein, die bisher mit einem Gehalt von 599 M. auskommen mußten, das ihnen der Magistrat großmütir, auf 759 M. erhöhen wollte. Die Volontärärzte, die bisher nur mit freier Beköstigung abgespeist wurden, sollten nach unseren Anträgen noch 50 M. Wohnungsgeldentschädigung erhalten. Es hätte nicht viel gefehlt, daß die Aerzte durch Nichtbewilligung ihrer bescheidenen Forderungen beinahe zum Ausstande getrieben worden wären. Unsere Genossen sagten sich, daß nur tzut bezahlte, be- rufseifrige Aerzte all den Aufgaben gewachsen sind, die von der heutigen Krankenbehandlung verlangt werden. Abgesehen davon beweist das Eintreten der Sozialdemokratie für die Acrzte von neuem, daß diese Partei auch die Interessen der gelehrten Berufe fördert, ohne Rücksicht darauf, daß man ihr gerade hier vielfach mit verständnislosem Eifer entgegentritt. Der Magistrat hat nun- mehr die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung vollinhaltlich zu den seine» gemacht, trotzdem seinerzeit der Oberbürgermeister Kirschner einen Trauergesang über Mangel an Idealismus bei den Aerzten angestimmt und von ihnen als von noch nicht fertigen Leuten gesprochen hatte. Endlich wurden durch Beschluß der Deputation für das Dienst- und Pflegepersonal verhältnismäßig höhere Bezüge eingestellt, und zwar unter Einführung von Altersstufen, um das Personal un- abhängig von der guten oder schlechten Stimmung der Vorgesetzten sowie von jeder Protektion zu machen nnd sicherzustellen. So er- halten, um nur einige Gruppen herauszugreifen, Hausdiener und ungelernte Arbeiter einen Anfangslohn von monatlich 38 M. neben Wohüung, Kost, Licht, Heizung und Arbeitskleidung; halbjährlich wird eine Zulage von 3 M. gewährt bis zu einem Höchstlohn von 89 M. nach 7 Jahren. Die Wärter steigen von 19 bis 85 M., die Emolumente und halbjährlichen Zulagen sind dieselben wie bei den Hausdienern. Die Wasch-, Küchen- und Hausmädchen steigen mit halbjährlichen Zulagen von 2 M. von 29 bis 49 M., die StationS- mädchen von 29 bis 44 Mk., die Wärterinnen von 39 bis 59 M. Die Pförtner, Nachtaufseher Boten steigen von 195 bis 145 M. mit jährlicher Zulage von 5 M.: sie erhalten daneben nur Dienst- kleidung. Das Maschinen- uns Heizpersonal bekommt 195 M., mit jährlicher Zulage von 5 M. bis 159 M. steigend, daneben Ar- beitskleidung; die ständigen Handwerker(Schlosser, Maler, Tischler, Maurer, Tapezierer, Klempner) 129 bis 189 M. steigend; die Ver- waltungsgehülfen(Küchen-, Materialienverwaltungsgehülfcn) 125 bis 299 M. steigend. Die Scheuerfrauen erhalten einen Monats- lohn von 59 bis 75 M. nebst Arbeitskleidung und Beköstigung, ohne Beköstigung 89 bis 199 M., die Nähfrauen 45 bis 69 M. nebst Ar- beitskleidung und Beköstigung. Die Verbesserungen, die hierbei für das Personal heraus- gesprungen sind, fallen umsomehr in die Augen, wenn man die ganz erbärmlichen Löhne in Betracht zieht, mit denen man bisher gerode das Dienst- und Pflegepersonal bedachte. Es ist jedoch Ai betonen, daß sie eingeführt sind als die Frucht der Regsamkeit der Angestellten in ihrer Organisation und der Kritik, die mit zäher Ausdauer von unseren Genossen in der Presse, im Stadtparlanicn' und in der zuständigen Deputation geübt worden ist. Für den Berliner Witz ist der Prozeß Moltke-Hardcn ein ge- fundenes Fressen. Anspielungen und Witzworte— manchmal recht saftige— fliegen hin und her, daß man wieder an den Hauptmann von Köpenick erinnert wird.„Tütü" wird schon in allen Tonarten besungen und gepfiffen, und nicht zuletzt ist es die Ansichtskarlen- industrie, die sich vielseitig des neuesten Sensationsprozeffcs be- mächtigt hat. Auf dem Potsdamer Platz und in der Friedrich- straße werden Ansichtskarten mit dem Ritter Phili und scineni süßen Tütü feilgeboten und finden reißenden Absatz.„Eine Parodie auf Hektars Abschied lautet: „Süße Tütü. holde Pommeranze, Reich' mir meinen Helm und meine Lanze; Noch einen Kuß, mein Lieb', und dann ade!" „Phili, ach, Geliebter meiner Seele, Dackclschwänzchen, holder Philomele, Bleib' doch hier am grünen Strand der Spree? Willst Du Dich denn ewig von mir wenden?"— „Tütü. ich will meinen Knappen senden, Er soll trösten Dich, m-in holdes Kind, Fridolin, mein Knecht, das ist ein fromme». Strammer, kerngesunder Hinterpomm?,, Trockne Deine Tränen jetzt geschwind!" „Nun, dann geh', mein Phili, meine Sonne Laß mich meine Lippen voller Wonne Drücken an Dein nasses Taschentuch-- Bei Philippi sehen wir uns wieder!" Soweit der„Dichter", den der Zeichner lebhaft unterstützt. Maximilian tritt auf, einen Dolch im Gewände. Er ersticht Tütü und Ritter Phili ruft schaudernd: „Was ist das? Mir zittern alle Glieder.—- Maxe, Du Verruchter, meinen Flucht" 5» der ESuglingsfiirsorgrstellt 1, Blumcnstratze 78, findcl vkhrcnd des Monats November wöchentlich einmal unentgeltlicher Unterricht in der Säuglingspflege mit praktischen Hebungen statt. Beginn am Montag, den 4. November, um 5 Uhr. Meldungen mündlich oder schriftlich im Bureau des Kinderhauses, Blumen- stratze 78, täglich von 2— 4 Uhr. Unter dem Rangicrzug zermalmt. Einen schrecklichen Tod hat der Hülfsbremser Korthe ans der Eisenbahnstraße 19 gefunden. K hatte bei der Zusammenstellung von Personenzügen auf der Stettiner Bahn Dienst getan. Beim Einrangieren der Waggons sprang er vom Trittbrett der Maschine, kam zu Fall und der nachfolgende Zug ging über ihn hinweg. Die Räder zermalmten dein Unglücklichen die Oberschenkel und den Unterleib vollständig. Ms man K. befreit hatte, war er bereits tot. Erst vor kurzem hatte der Verunglückte geheiratet. Einen Stubenten angeschossen. Eine geheimnisvolle Re- bolbcraffärc, die noch der Aufklärung bedarf, hat sich in der Nacht zum Sonntag am Stettiner Bahnhof abgespielt. Der Student August Gerlach, Jnvalidenstraße 37 wohnhaft, war in Begleitung zweier Kommilitonen von der Kneipe kommend auf dem Heimwege begriffen. In der Nähe des Stcttincr Bahnhofs ist nach der An- gäbe des G. plötzlich ein Fremder auf ihn zugetreten und hat mit dem Händel angefangen. Die beiden Begleiter mischten sich auch in die Sache und im Verlaufe des Streites gab der Unbekannte einen Revolverschuß ab. Die Kugel drang dem G. in die Brust. Nach Verübung der Tat ergriff der Revolverschießer sofort die Flucht und entkam auch. Der Schwervcrwundete wurde nach der nahen Sanitätswache gebracht. Der diensttuende Arzt stellte fest, daß die Kugel in die Rippen eingedrungen war. Eine Lebens- gefahr scheint demnach für den Angeschossenen nicht vorzuliegen. Ob sich der Vorfall in der geschilderten Weise abgespielt hat, be- darf noch der Aufklärung Drei Personen durch die Feuerwehr vom Feuertode gerettet. In dem Eckhause Prinzenstraße 76 und Scbastianstraße kam Sonntag früh 4 Uhr ein gewaltiger Brand zum Ausbruch, bei dem mehrere Personen in Lebensgefahr schwebten. Eine Frau und zwei Männer mußten von der Feuerwehr über mechanische Leitern hinweg ins Freie geschafft werden, während sechs andere gefährdete Personen sich noch selbst rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Wir erfahren über den Vorfall folgende Einzelheiten: Das Eckhaus Prinzenstraße 76 beherbergt etwa zwanzig Mieispartcien. Seit dem Mai d. F. wohnt in dem vierten Stock des Vordergebäudes ein jung verheirates Ehepaar Klein aus Ungarn. Die Wohnung besteht aus Küche und zwei Stuben. Die Küche führt nach dem Hofe, während die Stuben nach vorn liegen. Sonnabendabend waren die Klcinschcn Eheleute mit dem Bruder des Mannes, der zu Besuch hier weilt, zur gewohnten Stunde zu Bett gegangen. In der vierten Morgenstunde des Sonntags wurden sie Plötzlich durch starkes Klingeln aus dem Schlafe geweckt. Ms sie daraufhin die Schlafftubentür öffneten, schlugen ihnen helle Flammen aus der Küche und dem Korridor entgegen. Sie machten in ihrem Schrecken die Tür wieder zu, rissen die Fenster der Schlafstube auf und schrien laut um Hülfe. Schon rückte auch vom Moritzplatz her der erste Löschzug der Feuerwehr, die längst von Straßenpassanten alarmiert war, heran. Der gesamte Dach- shihl des Eckhauses stand in Flammen. Zuerst galt es, die drei am Fenster sichtbaren Personen zu retten.„Oben bleiben! Nicht springen!" rief man den Geängstigten zu. Im nächsten Augenblick waren auch bereits zwei mechanische Leitern emporgerichtet und das Nettungswerk nahm seinen Anfang. Zunächst faßten die Sappcure die nur mit dem Hemd bekleidete Frau Aranka Klein und brachten sie über die Leiter hinweg ins Freie. Außerdem wurde auf dieselbe Weise ihr Ehemann, der Lackierer Alexander Klein und dessen Bruder gerettet. Vor Eintreffen der Wehr hatte sich schon der Verwalter Kelz mit seiner Frau und seiner zehnjährigen Tochter sowie mit drei anderen Herren in Sicherheit gebracht. Die Wohnung dieser Leute liegt gegenüber der Klein- fchen Wohnung. Ehe die Flammen in das Treppenhaus schlugen, waren alle sechs, nur notdürftig bekleidet, die Treppen hinab- gestürmt. Durch das energische Eingreifen der Feuerwehr konnte die Verwalterwohnung noch gehalten loerden; nur die Korridor- tllr ist angekohlt. Zur Ablöschung des Feuers wurden vier Schlauchleitungen stärksten Kalibers verwandt. Innerhalb einer Stunde war denn auch jede Gefahr beseitig. Der Dachstuhl des Hauses und die Küche von der Kleinschen Wohnung ist nieder- bezw. ausgebrannt. Ucber die Entstchungsursache des Feuers ist noch nichts ermittelt. Ein zweiter Brand ereignete sich Sonn tagvormit tag in der Kommandantenstraße 49. Im Keller des rechten Seiten- flügels wohnt dort die Kutscherfamilie A. Wolfs. Während der Mann schon früh weggegangen war, entfernte sich gegen 19 Uhr auch seiue Frau, um Brötchen zu holen, und ließ ihre beiden drei- und vierjährigen Söhne Ernst und August allein in der Wohnung zurück. Als sie nach fünf Minuten wiederkam, brannte der drei- jährige August lichterloh. Sein Bruder hatte mit Streichhölzern gespielt und dabei seine Kleider in Brand gesteckt. Trotzdem Frau Wolfs die Flammen an dem Körper des Kindes schnell erstickte, hatte es doch schon schwere Brandwunden davongetragen, so daß es nach dem Krankenhause geschafft werden mußte. Ter kleine Ernst hatte sich vor Angst unter das Bett verkrochen. AuS dem Fenster gestürzt mit ihrem Kinde hat sich nach einem Streite mit dem Ehemann die Frau des Tischlers Kretschmer aus der Cuvrystr. 44. Die junge Frau fiel auf den asphaltierten Hof. Das Kind erlitt einen Schädelbruch und ivar sofort tot. die Mutter erlitt zwei Beinbrüche, Quetschungen und Hautabschürfungen und tvurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht, wo sie leben?- gefährlich daniederliegt. Rennbahn Treptow, 27. Oktober. Auf der Treptolver Bahn herrschte am Sonntag ein reges Treiben. Schon vormittags 9 Uhr versammelten sich dort die 79 Teilnehmer des vom Sportklub .Komet" veranstalteten Gepäckmarsches, der über 69 Kilo- meter ging. Unter großer Beteiligung seitens begleitender Rad- fahrer lvurbe um 9 Uhr 26 Minuten der Marsch begonnen, der über Grünau, Schmöckwitz nach Wildau und zurück nach Treptow führte. Gegen 4 Uhr traf als erster der Sieger des vorjährige» Marsches, der Prager Emmerich Rath, in 6 Stunden 41 Minuten'ein; er hatte durchweg die Spitze und vergrößerte seinen Vorsprung ständig. Zwölf Minuten später traf der Rheinländer WilmSmeyer und in kurzen Pausen Diester(Unteroffizier vorn 2. Garde-Reg. z. F.), Nippe(Sportklub Marathon), Nettelbeck(Charlottenburger Sportklub) und Reiche(Marathon) ein. Diesen Gewinnern von wertwollen Ehrcnpreisen folgten bis 6 Uhr abends noch weitere 24 Teilnehmer, unter ihnen die Rennfahrer Erxleben, Keil und Pawke und mehrere Soldaten.— Die Rennfahrer Stabe und Hofftnann hatten auf- gegeben. Nachmittags fanden auf der Rennbahn zweij Dauerrennen hinter Motorführung über 39 und 29 Kilometer statt, die spannende Kämpfe brachten und ohne Unfall verliefen. DaS 39 Kilo- metcrrennen(299, 150, 199, 69 M.) gewann Hab er er in 25:44>/z Minuten vor Lamla(28.844 Kilometer) und George (23.299 Kilometer). W. Huber aufgegeben.— In dem 29 Kilo- mererrennen(200, 100, 75 M.) siegte W. H n b e r in 16 Mi- nuten 24'/, Sekunden vor Haderer(19.295 Kilometer) und Lamla (18.699 Kilometer). Ein umfangreicher Fabrikbrand beschäftigte die zweite Kom- pagnie der Feuerwehr Sonntagabend lange Zeit in der L a n g e n- st r a tz e 16. Das Feuer wütete in dem Karton- und Papplager der Kartonfabrik von F a b i a n u. M e i ß n e r. Um die Flammen zu ersticken, mußte mit drei Rohren fast zwei Stunden Wasser acgeben werden. Das Lager ist zu einem großen Teil vernichtet. Ebenso wurde die Tachkonstruktion des zweiten linken Seiten- flügels zerstört. Bei den Ablöschungsarbeitcn mußte auch eine mechanische Leiter, ein Sauerstoffschutzhelm und eine Flammen- schutzkappe bemitzt werden. Außerdem hatte die Wehr im Laufe des Sonntags noch mehrere kleine Feuer abzulöschen. In der Antonstraße 2 brannte eine Küche, am Plan-Ufcr 76 eine Bade- ftube und in der Lindenstraße 36 eine Mädchenstube. Kisten gingen in der Alexanderstraße 22 und Kartons in der Blücherstratze 69 in Flammen auf, während in der Chorinerstraße 63 und in der Czarnikauerstraße 5 in Wohnungen Feuer ausgekommen war. Papiervorräte und Lumpen hatten sich dann noch in der Münz- stratze 22 und in der Landsbcrgerstraße 64 entzündet. Einen erheblichen Verlust hat ani Sonnabend spät abend ein Arbeiter erlitten, der auf dem Wege Schmidstraße- Käpenickerstraße, von hier mit der Elektrischen bis zur Chausseestraße, dann bis Sparrstraße seinen ganzen Wochenlohn im Betrage von 49 M., der sich in einem grauen Leinwandportcmonnaie befand, verlor. Der eventuelle Finder wird»in Abgabe an Wilh. Hohm, Sparrstr. 21 n, gebeten. Der Zoologische Garten hat seine reichhaltige Papagclensamm- lung neuerdings um zwei seUcne Exemplare vermehrt. Besonders zu erwähnen ist die Prachtamazonc aus Südbrasilicn, ein äußerst ansprechend gefärbter Vogel von schöner grüner Grundfarbe mit schwarzen Federsäumen, von denen sich die rote Zeichnung der Flügel, des Vordcrkopfes und der Augengegend, sowie das intensive Blau der Schwingenspitzen wirkungsvoll abheben. Zur Gattung der Edelpapageien gehört der aus Borneo stammende Langschwanz- sittich, ausgezeichnet durch schmale, stark verlängerte mittlere Schwanzfedern und sehr bunte Färbung, die verschiedene Schattierungen von grün, blau und rot aufweist. I» der Generalversammlung Groß-BerlinS am 27. Oktober sind in Kellers Festsälen ein Portemonnaie mit Inhalt und ein Taschen- tuch gefuildeii lvorden, welche im Berliner VerbaildSburean, Linden straße 69, in Empfang genommen werden können. Vorort- richten. Charkottenburg. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich eine vom Gemeindcarbeiterverband einberufene öffentliche Versammlung der städtischen Arbeiter, welche den großen Saal des Volkshauses füllte. Als erster Referent sprach Stadtverordneter Genosse Paul Hirsch über„Arbciterpolitik in der Kommune". Genosse Hirsch schilderte in seinen oft von Beifall unterbrochenen Ausführungen den schweren Stand, den die Vertreter der Arbeiterschaft bei der Vertretung der Interessen der städtischen Arbeiter haben. Mit ihren zirka 1999 Arbeitern zählt die Stadt mit zu den größten Arbeitgebern Charlottcnburgs. Der Magistrat und die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordneten halten sich nicht wenig zugute auf die sozialen Einrichtungen, die für die Arbeiter geschaffen seien. Betrachte man diese Sache aber näher, so bleibe von der viel- gepriesenen Fürsorge nicht viel übrig. Hartnäckig weigern sich die städtischen Körperschaften, dem Arbeiter einen Rechtsanspruch auf diese sozialen Einrichtungen zu geben. So seien z. B. im verflossenen Jahre nur 19 909 M. für die Alters- und Relikten- Versorgung angesetzt und selbst diese geringe Summe wurde nicht vollständig ausgegeben. Ebenso lägen die Dinge im argen bczüg- lich der Lohnverhältnisse. Trotzdem die sozialdemokratischen Stadt- verordneten seit Jahren einen Minimallohn von 4 M. fordern, gäbe es zurzeit noch eine Reihe von Arbeitern, deren Löhne er- hcblich unter diesem Satze stehen, wie Parkvcrwaltung, Kanali- sation, Bauvcrwaltung. Allerdings jetzt vor der Wahl fließen die bürgerlichen Vertreter über von Wohlwollen für die städtischen Arbeiter. Für die städtische Verwaltung sei es außerordentlich leicht, sich hier generös zu zeigen; werfen doch einzelne Werke ganz enorme Ileberschüsse ab. So z. B. die Gaswerke allein an 2 999 999 M. Wetter streifte Redner die Arbciterausschüssc. Wie ängstlich man bemüht gewesen sei, dieselben zur Bedcutungslosig- kcit herabzudrücken, zeige die Bestimmung, daß der Ausschuß Be- schwerden gegen Vorgesetzte nicht verhandeln darf. Die Sozial- demokratie werde stets für die berechtigten Wünsche der städtischen Arbeiter eintreten. Sache der Arbeiter selbst sei es, bei der be- vorstehenden Wahl als Wähler den sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen und für den Ausbau ihrer Organisation rastlos Sorge zu tragen.(Lebhafter Beifall.) lieber die Forderungen der städtischen Arbeiter pro 1998 referierten Polenske und K a m e r o w s k i. In erster Linie wird eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit gefordert. Für Schichtarbeiter, Maschinisten und Heizer der Achtstundentag mit Einführung des Drcischichtwcchscls. Für alle übrigen Arbeiter die neunstündige Arbeitszeit. Weiterhin die Zahlung von Wochen- löhncn an Stelle der bisherigen Tage- bezw. Stundenlöhne, unter Zugrundelegung einer wöchentlichen Arbeitszeit von sechs Tagen zu neun Stunden bezw. sechs Schichten zu acht Stunden. Für die Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit soll ein Zuschlag von 199 Proz., für Uebcrstunden von 69 Proz. gefordert werden. Der Mindestwochenlohn für ungelernte Arbeiter soll 27 M. betragen. Die Forderungen sehen weiter vor, daß der Höchstlohn nicht mehr wie bisher in zehn Jahren, sondern schon in fünf Jahren er- reicht wird. In der Diskussion wurden eine Reihe von Einzelheiten aus den verschiedenen städtischen Betrieben vorgebracht, die erkennen ließen, daß Charlottenburg noch weit von dem Ziele entfernt ist, in puncto Sozialpolitik als Musterstadt zu gelten. Die nachstehende Resolution gelangte zur einstimmigen An- nähme: Die im großen Saale des.Volkshauses" zahlreich versammelten Arbeiter der Stadt Charlottenburg erklären sich mit den Ausführungen des Referenten Stadtverordneten P. Hirsch über die Arbeiterpolitik in der Kommune vollständig einverstanden. Tie Versammelten erklären mit aller Bestimmtheit, daß die Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter fast in jeder Hinsicht unbefriedigende sind und verurteilen daher die Tatenlosigkeit des Magistrats und der Stadtverordneten in diesen Tingen. Sie sehen als deren unabweisbare Pflicht an, daß nunmehr endlich die schon lange und wiederholt geforderte Allgemeine Arbeits- ordnung zur Tatsache wird. Von der Einreichung der in Gruppen- und Bctricbsbcrsainm- lungen beschlossenen Anträge der Arbeiter nehmen die Vcr- sammelten Kenntnis. In der Erwägung, daß die in den Anträgen enthaltene Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit von hygienischen als auch von sozialen Gesichtspunkten aus voll- berechtigt und längst spruchreif ist; in fernerer Erwägung, daß die beantragten Löhne das Minimum dessen darstellen, was selbst bei bescheidensten Ansprüchen unter den gegenwärtigen Verhältnissen zur Lebenshaltung beansprucht werden muß. und daß in allen Bc- trieben, wo nicht bereits Monatslöhne bestehen, die Einführung der Wochenlöhne zwecks Sicherung eines festen Einkommens unbedingt notwendig ist, erlvarten die Arbeiter volle Würdigung ihrer Beweggründe und Berücksichtigung der eingereichten Anträge. Die Versammelten beauftragen die Ortsverwaltungen des Verbandes der Gemeinde- und StaatSarbeiter und des Allgemeinen deutschen Gärtnervereins, die Anträge aller städtischen'Arbeiter zusammenzustellen und in geeigneter Weise dem Magistrat und den Stadtverordneten zu übermitteln, wie überhaupt alles Notwendige zur.Durchführung ihrer bescheidenen Wünsche zu veranlassen. Ueberzeugt jedoch davon, daß das vornehmste und wirksamste Mittel zur Erlangung besserer Existenzbedingungen eine große und starke gewerkschaftliche Organisation ist, verpflichten sich die Ver- sammelten, mit aller Energie für die Stärkung ihrer Organisa- tionen zu wirken, und erwarten von den Kollegen, daß sie bis zum letzten Mann dieser Pflicht nachkommen. Treptow-Baumschulenweg. Ein Ehedrama. In der Nähe des Treptolver Parks wurde kürzlich die Leiche einer Frau auS der Spree gelandet. Einige Tasse darauf zog man die Leiche eines Mannes aus dem Wasser. Die Fimdstellen lagen zisntlich dicht zusammen. Anfangs vevnwchts man über die Persönlichkeit der beiden Toien nichts zu ermitteln. Jetzt hat die traurige Angelegenheit ihre Aufklärung gesunden. Es handelte sich um den Abschluß eines EhedramäS. Der Handwerker Scholtz aus Baumschulenweg und dessen Ehefrau waren die beiden Toten. Sie hatten sich geineinsam das Leben genommen. Das Motiv war in einem Nervenleiden der Frau zu suchen, das in der letzte» Zeit so stark austrat, daß sie glaubte, sie werde noch einmal dein Irrsinn verfallen. Sie teilte ihrem Manne ihre Befürchtungen mit und ftigte hinzu, sie ziehe eS lieber vor. freiwillig zu sterben, als in das JrrcnhanS zu wandern. DaS Eheppaar faßte nun den Entschluß, gemeinsam in den Tod zu gehen. Sie stürzten sich beide in die Fluten der Spree und ertranken. Ndlershof. Ein Ausflug in die Sterncnwclten lautet das Thema eines öffentlichen Vortrags, den Herr Direktor Archcnhold morgen. Mittwochabend, 8 Uhr, hält. Der Eintrittspreis ist auf 29 Pf. festgesetzt. Da der Ertrag zugunsten der Treptower Sternwarte bestimmt ist, ersucht der Obmann der Gewerkschaftskommission um rege Beteiligung. Billetts für die Sternwarte sind zum ermäßigten Preis von 89 Pf. beim Obmann Wilhelm Arndt. Bismarck- straße 34. I, zu haben. Weistensee. Gefangene als Kommunalarbeiter. Zu welchen Konsequenzen das leidige Submissionswesen führt, zeigt folgender Fall. Tie Regulierung der Straßen auf dem Gelände der Realgcscllschaft wird durch die Gemeinde ausgeführt; es sind die Arbeiten, wie bisher üblich, an den Mindestbictenden vergeben worden. Ter Unternehmer hat selbstverständlich mit Gefangenenarbeit gerechnet. denn sonst konnte er nach dem Gebot nicht zurccht kommen, da die freien Arbeiter zum mindesten das Toppelte an Lohn ver- langen. Die Gefängnisvcrwaltung fordert für den Mann und Tag 1,99 M. In der Gemeindevertretung wurde von unseren Genossen darauf aufmerksam gemacht, daß in der Arbeiterschaft große Entrüstung herrsche, da die Arbeitslosigkeit ziemlich groß sei. Der anwesende Baurat gab zu, daß ihm die Sache auch un- angenehm sei, er könne es aber nicht ändern, da im Vertrage mit dem Unternehmer über die Anstellung der Arbeiter nichts enthalten sei. Hinterher aber billigte er dennoch das Verhalten, da die Gc- fangenen doch auch Menschen seien und sich gerne ein paar Groschen verdienten. Er mußte sich jedoch eine Aufklärung gefallen lassen, daß nur die Gcfängnisverwaltunss den Löwenanteil vom Gewinn habe. Herr Tcichert. seines Zeichens Kaufmann, jetzt Rentier, machte sich die Sache sehr einfach. Er meinte, Berlin beschäftige auf'den Rieselgütern auch Gefangene, warum sollen wir nicht hinterher hinken. Es wird ja doch so manches von Berlin ab- gesehen. Sprachs und sank in seinen Sitz zurück mit dem Bc- wußtsein, eine soziale Tat begangen zu haben. Die meisten Herren waren aber so vernünftig, einer Anregung zuzustimmen, wonach in den nächsten Verträgen durch eine Bestimmung solchen Vorkommnissen vorgebeugt wird. Ferner soll mit dem Unter- nehmer verhandelt werden, daß die Gefangenen zurückgezogen werden. Spandau. Die Vorbereitungen zu den Stadtverordnetenwahlen werden von allen Parteien mit großem Eifer betrieben. Die bürgerlichen Parteien geben sich alle Mühe, um sich bei den Arbeiten! in empfehlende Erinnerung zu bringen. Indes dürften die Anstrengungen nicht den erwünschten Erfolg haben. Das zeigte bereits der mangelhafte Besuch einer vor wenigen Tagen stattgefundenen. vom Neuen Wahlvercin einberufenen Versammlung. Arbeiter waren fast gar keine vorhanden. Der Grund soll sein, daß die Arbeiter bis 8 Uhr, also bei Stattfinden der Versammlung, noch arbeiten mußten. Der Referent, Herr Frcihoff, meinte, daß der Neue Wahl- verein unter der Obhut des NeichslügenverbandeS sich die Aufgabe gestellt habe, bei den diesmaligen Stadtverordnetenwahlen die Sozial- demokratie aus dein Rathause zu entfernen. Daß sich jedoch die Herren noch nicht so siegessichcr fühlen, beweist ein Eingesandt, welches vor einigen Tagen im„Spandauer Tageblatt" erschien. In demselben wird namentlich gegen die Kandidatur des Postsekretärs Schlößer, der außer dem BetriebsschreibcrSimon aufgestellt ist, Stimmung gemacht. ES wird betont, derselbe würde doch von den vielen im Bezirk wohnenden Arbeitern nicht gewählt werden. Im übrigen schließt die Notiz mit dem Wunsche, daß der„Obergenosse" P i e s e r. der von der Sozialdemokratie aufgestellt sei, eine Niederlage erleiden möge. Der„ReichSvcrbandSgenosse" Schob, der Besitzer des Schleifsteins, muß ein großes Interesse an der Beseitigling der unliebsamen Zwischenkandidatur haben; dies geht daraus hervor, daß am 25. Oktober in dem Blatte dem Herrn Postsekretär nahegelegt wurde, doch von seiner Kandidattir zurückzutreten. Unsere Genossen werden dafür zu sorgen haben, daß weder der vom„Spandauer Tageblatt" gutgeheißene bürgerliche Kandidat, noch der unangenehme Zwischen- kandidat gewählt wird. Die wenigen Tage, die uns noch von der Wahl trennen, müssen agitatorisch ausgenutzt werden. Die Wahlen finden an zwei Tagen statt und es ist Pflicht der Genossen, dafür Sorge zu trage», daß kein Irrtum Platz greift. Die Wahlzeit a» beiden Tagen ist von 19 bis 1 Uhr vor- mittags und von 5 bis 8 Uhr abends. Bei den am 5. November stattfindenden Ergänzungswahlen sind folgende Genossen als Kandidaten aufgestellt: II. Bezirk: 6. November stattfindenden Neuwahlen steht im Hl. Bezirk der Genosse Robert P i e s e r und im V. Bezirk der Genosse Friedrich Götze zur Wahl. Bis zum Tage der Wahl nütze also noch jeder die Gelegenheit au?, für die Kandidaten der Sozialdemokratie zu agitieren. Gerichts-Zeitung. Im Prozeß gegen Karl Schneid» kam es am Montag wieder zu einem Zwischenfall in bezug auf die Prozeßführung. Nachdem das Gericht vom 18. Oktober ab vier volle Sitzungstage in der Sache verhandelt hatte, wurde nur an einigen Tagen der Woche von 4 Uhr ab verhandelt, weil das Gericht die übrigen laufenden Prozesse ebenfalls erledigen will. Am gestrigen Montag loar von 4 bis gegen 6 Uhr verhandelt worden. Da erklärte der Angeklagte, er habe die Nacht vom Sonn-'' tag zum Montag durchgearbeitet, auch am Tage keine Ruhe ge- fanden und fühle sich jetzt nicht mehr fähig, den Verhandlungen zu folgen, er beantrage deshalb Vertagung. Das Gericht lehnte diesen Antrag ab, denn es habe— wie der Vorsitzende Landgerichts» direktor Splettstößer verkündete— nicht die Ansicht gewonnen, daß der Angeklagte nicht mehr vcrhandlungsfähig ist.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Halpcrt erbat sich hierauf daL Wort, um einen Antrag zu stellen. Der Vorsitzende verweigerte dem Ver- teidiger das Wort und wollte in der Zeugenvernehmung fortfahren. Der Verteidiger ersuchte um Protokollicrung der Tatsache, daß ihm das Wort zur Stellung eines Antrages verweigert wurde. Nunmehr erhielt er das Wort und beantragte, da der Gerichtshof doch nicht in medizinischen Angelegenheiten sachverständig sei, den Gerichtsarzt, Medizinalrat Dr. Hoffmann, zu rufen, damit dieser feststelle, ob der Angeklagte verhandlungsfähig sei. Diesem An- trage gab das Gericht statt und setzte die Verhandlung bis zum Erscheinen des Medizinalratcs Dr. Hoffmann aus. Nach 1'chstündiger Pause erschien anstatt des Medizinalrates Dr. Hofs- mann, der zurzeit nicht zu erreichen war, ein anderer GcrichtSarzt. Der Vorsitzende teilte ihm zur Information mit, bei der Beweis» crhebung handele es sich uin die denkbar einfachsten Sachen, nur ein Zeuge sei noch zu vernehmen gewesen, die Sitzung könnte längst beendet sein, wenn der Sachverständige nicht hätte gerufen werden müssen.— Der Arzt untersuchte den Angeklagten und erklärte, der objektive Befund habe gewisse Anhaltspunkte ergeben, welche die Angabe des Angeklagten, er könne den Verhandlungen FeuR n!chk tHcljc folge«, vnierstützm.«. Hierauf beschloß daZ Bericht die Vertagung._____ Ein jugendlicher Pssldefraudant, der nach Vorübung umfangreicher Fälschungen und Unter- schlagungen nach London geflüchtet und dort derhaftet worden war, mutzte sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts III vorant- Worten. Wegen Fälschung öffentlicher Urkunden in 6 Fällen und Unterschlagung im Amte war der 23jährige Postgehülse Rudolf a n k. wegen Beihülfe zu diesem Verbrechen waren der Chauffeur Otto Bussler aus Grotz-Lichterfclde und der Mechaniker Adolf L i p p i tz aus Charlottenburg angeklagt, �ank verbrauchte durch Vergeudung in Halcnsecr Tanzlokalen weit mehr Geld als er besaß. Er überredete Bussler, er solle eine Postanweisung über K00 Mark ausfüllen und an sich adressieren. Mit dieser An. Weisung operierte Z. am nächsten Tage in folgender Weise. Er war damals auf dem Postamt in der Uhlandstratze in Char- lottenburg angestellt und hier versah er die Anweisung mit der Unterschrift des Annahmebcamten und den amtlichen Stempeln. Die gefälschte Postanweisung schmuggelte er dann geschickt unter die übrigen, so daß dem Mitangeklagten Bussler am nächsten Tage der Betrag von 8IXZ Mark ausgezahlt wurde. Zank erhielt 4511 Mark» während Pussler den Rest für sich behielt. In zwei Tagen wurde von den beiden Leichtsinnigen dann das Geld verpraßt. In einem Lokal in Halensee wurden die ganze Kapelle und die Büffetmädchen traktiert, so daß die Zeche mehrere Hundert Mark ausmachte. Als die Angeklagten sahen, daß ihr Plan so leicht geglückt war, be- schlössen sie, das Geschäft nun im Grotzcn zu betreiben. Sie zogen noch einen Dritten, den Angeklagten 2 i p p i tz mit hinein, der gleich 5 Postanweisungen ausfüllte und sie an seine Adrqsse in verschiedenen Städten adressierte, wohin er dann zur Empfang- nähme des Geldes reisen wollte. Das Postamt in Braunschwcig schöpfte jedoch Verdacht und verweigerte die Auszahlung. Als Zank die Entdeckung befürchtete, eignete er sich noch in aller Eile die gesamte Kasse der Paketannahmestelle in Höhe von 654 Mark an und flüchtete erst nach Paris, dann nach London, wo er schließ- lich aufgegriffen wurde.— Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurden Bussler und L i p p i tz wegen Beihülfe zu j e 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen Zank lautete das Urteil auf 1 Jahr ujjd 9 Monate Zuchthaus. Auf An- regung seines Verteidigers unterzeichneten die Geschworenen ein Gnadengesuch für den seinem grenzenlosen Leichtsinn zum Opfer gefallenen jungen Mann._ „von". Der Kaufmann Felix v. SarnowSki erhielt ein polizeiliches Straf« Mandat über 39 M., weil er nach Auskunft deS Heroldsamts zur Führung des Adelsprädikats nicht berechtigt sei. Er trug auf richterliche Entscheidung an. Bei der Herhandlung vor dem Schöffengericht führte er den Nachweis, daß sowohl sein Vater wie sein Großvater sich unbeanstandet deS Adelsprädikats bedient haben und auch er seit seiner Geburt, das ist 41 Jahre lang das Adels- Prädikat unbehelligt geführt hat. Das Schöffengericht nahm daher weder subjektives Verschulden, noch Fahrlässigkeit an und sprach den Angeklagten frei.— Hiergegen legte der Staatsanwalt Be- r ufung ein und verwies darauf, daß dem Angeklagten vom Polizei- Präsidenten schon unterm 6. April 1995 protokollarisch eröffnet worden sei, daß er zur Führung des Adelsprädikats nicht berechtigt sei, so daß er nicht mehr in gutem Glauben handle. Ter Staats- anwalt stützte sich ferner darauf, daß das Hcroldsamt den urkund- lichcn Nachweis erbracht habe, daß v. S. den Adel zu Unrecht führe. Es haben darauf zahlreiche Vernehmungen auswärts wohnender Zeugen stattgefunden und die Streitfrage kam vor die Straf- tammer 8c als Berufungsinstanz. Die Strafkammer hat zunächst geprüft, ob der vorliegende Fall überhaupt von den Gerichten selb- ständig zu entscheiden ist, oder ob diese nur das Adelsrcchk auf Grund der Entscheidung des Heroldsamt ohne eigene Prüfung fest- zustellen haben, also gewissermaßen nur dessen ausführende Diener seien. Die Strafkammer ist der Ansicht gewesen, daß die allein zu entscheidende Frage, ob sich der Angeklagte durch unbefugte Führung des Adelsprädikats strafbar gemacht hat, der Entscheidung der ordentlichen Gerichte unterliegt. Die Strafkammer ersah aus dem herbeigeschafften Ilrkundcnmaterial mindestens, daß der Vater des Angeklagten sich deS Adelsprädikats ruhig bedient hat, so daß ein stillschiveigcndcS Anerkenntnis des Staats vorliegt. Es erfolgte deshalb auch in zweiter Instanz die Freisprcchnng. Nunmehr bat der Staatsanwalt Revision eingelegt. Er steht auf dem nicht ein- mal in der vormärzlichcn Zeit anerkannten Standpunkte, daß daS Hcroldsamt eine vom Landesherr» delegierte Behörde und vre Eni- scheidung des Hcroldsamtcs ausschlaggebend sei und der gericht- lichen Entscheidung zu Grunde gelegt werden müsse. Aus der Hart- näckigkeit der Prozeßführung ersieht man, für wie wichtig Be- Hörden das Recht halten, im Namen anzudeuten, daß man von wo her ist. Gibt es wirklich keine wichtigeren Rechte, deren Schutz gegen Behörden und Unternehmer«her einen Aufwand an Arbeit von ein paar Dutzend Beamten rechtfertigten? Fünf Todesurteile. Das Bonner Schwurgericht fällte im Durbuscher Raubmord- Prozeß am Sonnabend ein fünffaches Todesurteil. Angeklagt waren Erdarbeiter Bude Wrzic, auch Obred Koko- tovic genannt, Erdarbeiter Jovan Vlatkovic, auch Georg Rupcic genannt, und Erdarbeiter Nikolaus Baic unter der Beschuldigung, in der Nacht zum 29. Juli 1997 die Eheleute Naaf und die Witwe Lohmar getötet und beraubt zu haben. Als Anstifter waren ferner migellagt Schachtmeister Daniel Beslac und Erdarbeiter Milos Kantar, als Mithelfer Marco Kantar, genannt Milc Pavilic und als Mitwisser Erdarbeiter Georg Beslac und die Ehefrau Anna Dezulian. Kokotovic, Rupcic, Baic, Daniel BeSlac und Milos Kantar wurden zum Tode, Georg Beslae zu 6 Monaten Gefängnis und Pavilic wegen Beihülfe und Bedrohung zu 39 Monaten Ge- fängnis verurteilt. Die Ehefrau Dezulian wurde freigesprocheu. Die Verurteilten sind durch deutsche Unternehmer nach Deutsch- land gelockte Kroaten der niedersten Bildungsstufe und Lebens- Haltung. Vermischtes. Tic Erdbebenkatastrophe. Nach offiziellen Berichten beträgt die Zahl der Toten in Ferru- zano nicht mehr wie 299. Bisher wurden 65 Leichen aus den Trümmern hervorgezogen. Der Finanzminister setzt die Besichtigung der von den, Unglück betroffenen Ortschaften fort und trifft überall Maßnahmen fiir eine schnelle Hilfsaktion. Einer Meldung aus Brancaleone ereignete sich Sonntagmittag dort ein neuer Erdstoß, der die Bevölkerung in großen Schrecken versetzte, aber keinen Schaden anrichtete. Nachrichten aus Ferruzzano zufolge hat sich gestern infolge eines erneuten Erdstoßes eine Spalte in dem felsigen Boden gebildet, der sich hier über die ganze Gegend erstreckt. Man befürchtet einen Einsturz von Erdmassen. Die Ortschaften Ferruzano und Brancaleone und Sant Jlario del Jonio sollen, wie der„Messcigero" in Rom erfährt, an anderen Stellen nahe am Meere und an der ionischen Eisenbahn wieder aufgebaut werden. Wie aus Rom berichtet wird, dauern Sturm und Regengüsse noch immer an. Die Städte Castelsranco, Padua und Pavia sind überschwemmt. In Marettino sind elf Häuser eingestürzt, mehrere Personen sind umgekommen, viele verletzt. In Ferruzzano ist auch eine Frau unter den Trümmern, miter denen sie drei Tage verbracht hat, lebend hervorgezogen worden. Wie eine Dieldung au? Piacenza besagt, haben dort die Be- wohner der niederen überschwemmten Stadtteile die Dächer der Häuser erstiegen; das Militär arbeitet an ihrer Rettung. In einigen Straßen steht da? Wasser bis zu zwei Meter hoch. Der angerichtete Schaden ist groß, doch ist kein Verlust an Menschenleben zu be- klagen. Der Po steigt unausgesetzt weiter. Fünfhundert Familien sind obdachlos, die Stadtverwaltung ist für ihre Unterbringung bemüht._____ Born Zuge getötet. In der Sonntagnacht wurde nach einer Meldung ans Frankfurt a. M. der Weitzbinoermeister Streich aus Sachsenhausen beim Ileberschreiten der Gleise in der Schweizerstraße von einem Zuge erfaßt und getötet. Eine furchtbare Dynamitexplosion. In South Loorrein im Staate Ohio erfolgte, New Dorker Meldung zufolge, vorgestern eine furcht- bare Dhnamitexplosion, veranlaßt durch die Unvorsichtigkeit eines Jägers. Alle Gebäude in der Nähe des ExplosionSortcS stürzten ein. Der Jäger wurde vollständig in Stücke gerissen. Briefkasten der Redaktion. Ti« snrlstisch! Evrcchstnnd- slndrt Li»Veit strafte Nr. 8, zweiter Hos, dritter Ei»«ang, vier Treppe», UPM" F a h r st u h l"gm wochentiigliih von?>/- bis ö'/a Uhr abends statt. Geöffnet? Uhr. Sonnabend« b-,>mlt die Tprechstniide nm Y Uhr. Jeder Anfrage.st ein Buchstabe lind eine Zahl als Merkzeiche» beiznsiigcn. Briefliche Antwort wird»ich« erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. H. H. Nein.— S. 1. Wenden Sie sich an die Stistungsdeputatiost, Postsw 16.— Streit E. G. S. Schlasbmschen oder Chambrcgarnistcn, welche monatlich die Miete zahlen, können bis am 15. zum 1. kündigen, wenn nichts anderes vereinbart ist. Ziehen sie srüher, so sind sie zur Zahlung des ganzen Monats verpslichtct.—<8. 123. Zu einem derartigen Verpsöndungsvcrtrag genügt schristliche Form und Uebergabe der Sachen. Trotz des Vertrages würde aber der Wirt mit seiner Forderung als Erster kommen.— E. T. SS. RoSbcritzersw. 8.— I. S. 85. l.;Sn. 2. In der Regel ja.— H. W. 86. UnS nicht bekannt.— P.(?. IVO. Wie wir wiederholt dargelegt haben, ist nach ZZ 20 und 86 des Strasgesetzbuchs wegen Hochverrats aus Festung oder Zuchthaus zu er- kennen. Es dars aber nicht auf Zuchthaus erkannt werden, wenn die Handlung nicht ehrloser Gesinnung entsprungen ist. Genosse Liebknecht war Soldat Landwehr ll. Aufgebots mit der LandwchrdienstauSzcichnung II. Klasse.— 2. SS. I. Eine Llnsrage au das Auswärtige Amt hat wahrscheinlich Ersolg. 2. Ist Ihr Bruder eingetragener Eigen- tümer, so kann ohne seine Einwilligung oder durch Klage daS EigentumSverhältniS nicht geändert werden.— M. M. Nein. - O. R. L14. Wenden eie sich direkt an die Waisendircktio».— M. G. SS. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß man einseitig Inner- halb 24 Stunden von einein Vertrage zurücktreten könne. Der Vertrag ist bindend und der Wirt hat das Recht, die Miete bis zum 1. Dezember zw verlangen.— Müller. Sie können dem Anwalt antworten, daß der Der- trag ungültig ist, Sie können aber auch warten, ob die Klage eingereicht ivird und dann zum Termin den Antrag aus Abweisung wegen Ungültigkeit des Vertrages stillen.— P. K. Nach Ihrer Schilderung steht dem Wirt ein über den 1. Oktober hinausreichendes Recht nicht zu. Daß die Prozeß- kosten noch herabgemindert werden, ist unwahrscheinlich, aber nicht ganz unmöglich.— Ruhiger Mieter. Falls nicht etwa ans dem uns nicht mit- geteilten Vertrag Gegenteiliges erhellt, ist der Verwalter im Unrecht.— — Schnlstrafen. Legen Sie den Sachverhalt dar, schildern Sie ins- besondere in dem Termin, daß Sie keinerlei Verschulden trifft Und be» antragen Sie deshalb die Freisprechung.— H. I. Leider ja.— — O. P. 1875. sie haben nur nach Kräften des NachlaffeS für die Schulden des Vaters zu hasten. Bei der von Ihnen geschilderten Sachlage wäre ein Verzicht aus die Erbschost zweckmäßig. Derselbe müßte gerichtlich oder notariell beglaubigt innerhalb sechs Wochen nach Kenntnis vom Tode dem Nachlaßgcricht zugehen.— E.<5. 107. 1. Sie sind verschwägert. 2. Schildern Sie die Sachlage schriftlich oder mündlich der Redaktion.— Witterungsübersicht vom S8. Oktober 1907. Stallmen swlnembe. Hamburg Berlin Franks.a.M. Münch eu Sien StaiUntn paranda L 6 o � c c »Ä i 5 II I 766 OSO lleterSburg 770 SO ' 747 SSO 755 ONO 757S Sctlly tlberdeen Paris _ Oelln B v 2N-bel Zbcdeckt Iwolkig 2 wolkig INebel »s c r» s« H 3, — 1 —4 ii 8 C und Wettcr-Proguoke für Dienstag, den SO. Oktober 1907. ettweise heiter, am Tage mild, aber veränderlich mit etwas Nege» 'wachen südöstlichen Winden. Berliner Wetterbarean. Wasserstaudö-Nachrichtcn der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r c g e l. Jnstcrburg Weichsel, Thvrn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcritz , Barby , Magdeburg Saale, Grochlitz Wasserstand Havel, Spandau , Rathenows Spree, Sprcmberg , BccSkow Weser, Münden , Minden Rhein, Waidshllt , Kaub » Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrtheim Mosel, Trier ')+ bedeutet ,— Fall.— s) Ullterpegel. Für i>ri, Jnliali der Juierate überniiiiuit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Aerautwortuiig. �Kearei*. Dienstag, den 29. Oktober. Ansang VI, Uhr. stönigl. Opernhaus. Aida. Köiiigl. Schauspielhaus. Die Rabeiistemrrin. Deutichcs. WaS ihr wollt. Kammer! piele. Esther. Der Diener zweier Herren.(Ansang 6 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Judith. Neues königl. Operutheatcr. Der Herrgottschnitzer von Ammer- gau. Lessing. Vom andern User. SmiNer I».(Wallner-Theater.) Retterattacke. Schiller Eharlottcnbnrg. Die Hermannschlacht. Friedrich° ZSilhelmstädt. Schau- spielhaus. Nachtasyl. Berliner. Die tanzenden Männchen, Neueö. Die Waffen wieder l Kleincv. Maria Magdalcne. Zentral. Unsere blauen JungenS. Lorhiug. Der Waffenschmied. Theater an der Spree. Der Aktienbudlker. Residenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Tiefland. tWesieu. Die lustige Witwe. LustspiellianS. Husarenfieber. Trianon. Fräulein Josctte— melnc Frau. Thalia. Ihr Sechs-UbrOnkel. Luisen. Die Zauberflöt«. Bernhard Rose. Sprec-Athener. Meeropol. DaS muß man seh'n. Apollo. Sylvester Schäffer. Spe- ziali taten. Walhalla. Spezialitäten. Folie« Capriee. Geteilte Liebe. tsasino. Die wilde Jagd. Gebr. Herrnfeld. Madame Dig- Wag. ES lebe das Nachtleben. Passage. Danny Gürtler. Spezta- «täten. Pratcr. Die zärtlichen Verwandten. Wintergarten. Ruth St. Denis, Spezialitäten. Palast. Tante Malche». Speziali- _ täten. CT arl Havcrland. Spezialitäten. RetchShatten. Steltiner Sänger. Urania. Tnnbenurnsie IN/IO. LlbcndS 8 Uhr: Ucvcr den Brenner nach Venedig. Sternwarte. JuvalidenNr. 57/62. Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppclslcrne, Nebelsiecke. Perdinund Bonn« Berliner Theater. Anfang 8 Uhr. Die laozeien' Mittwoch: Die tanzenden Männchen, Donnerstag, Freitag: Die Börse, Heues Theater. Abends 8 Uhr: Wk Waffe« meder! Mittwoch: Die Waffen wieder l Donnerstag: Die Waffen wieder! meines Theater. Anfang 8 Uhr. Maria Magdalcne. (Klara: Agnes Sorma.) Mittwoch, Donnerstag: Kapitän BraßboundS Belehrung,(Lady Cisely: Agnes Sorma,) Freitag: Ein idealer Gatte. Ttatei' des Westens. 8 Uhr: Die lästige Witwe. Sonntag nachm, 31/. Uhr halbe Preise: lc,'dl,Ilntr«lnrt. Friedrich-Wiliieliiistäiltiscties Schauspielhaus. Ansang 8 Uhr. Nachtasyl* Mittwoch zum I.Male: Waterkant. Doimerttag: Waterkant. Freitag: Brüderchen. Lusispielhaus, Abends 8 Uhr: Hnsarenfiebev. Schiller-Theater, Schiller-Theater Charloltcnburg, Dienstag, abends 8 Uhr: Die IlerniannHchlncht. Ein Drama in 6 Auszügen von Heinrich o, Kleist. Mittwoch, abends 8 Uhr: Rosmermliolin. Donnerstag, abends8Uhr! Die Hcrmannschlaclit. Scliiller-Saal Heute abend 8 Uhr: Dritter Liederabend. Alexander Heincinan». Mittwoch abend 9 Uhr: Vortrag Pros. Dr. Paul Schubriug: Jean Frauyoi« Millet. Mit Lichtbildern. Fünster Vortrag des Zyklus: Maler der Neuzeit. Schiller-Theater OftSBalliiev-Stjeattr). Dienstag, abends 8 Uhr: Rclterattacke. Schwant in 3 Aufz. von Stobltzer und Fritz Friedmann-Frederich. Mittwoch, abends 8 Uhr: Da« vierte tZedet. Donnerstag, oben dS8 Uhr: Rclterattacke. Zirkus Schumann Heute, Dienstag, 29, Oktober, abends präz, VI, Uhr: Extra Gala- Bo'rftellung. Großes Programm, m a.: Mathilde Renz.— Ernst Schumann.— LeS 5 OlracS.— FrereS AlbanoS.— Miß Florenee.— Mr. James Henry.— FröreS Plattier.— SämII. Spezialitäten. Dir. Alh. Schumanns neue und moderne Dressuren. Um 9'/, Uhr: Die diesjährige große Wafferpantomime: Eine Fortsetzung der berühmtesten und populärsten Pantomimen Hemcrpr: Ein Fest auf dem Neckar. Humoristische Bilder auS bcm_ modernen Studentenleben von Hoj- balletimeister A. Siems. XIII. 8ni«on. Zirkus Busch Dienstag, den 29. Oktober, präz. abends VI, Uhr: Große Torotcllnne! U. a.; Auftreten des Kanonenkönigs Hon«. Gn«. Harrt«! Ferner: Vemiette- Carpati- Truppe.— Oeschw. Amata.— Frl. Martha Molmke, Schulroit. — Hrn. E. Schumanns Neu-Dress. Um S'/j Uhr: Auf der Haillj?. Riesen- Illusion«- Akte nnter Waaser. Vorher das grelle Programm. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Heber den Brenner nacb Venedig. Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Deppelsteme, Nebelflecke. LortzingTheater Abends 8 Uhr: Der Waffenschmied. Mittwoch: Hans Heiling. Donnerstag zu I.Male: Die Eni- sührung aus dem Serail. �»««»« 8 Uhr 8 Uhr Direltioy: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Asten von MarS und DeSvailliöreS. Deuisch v. M. Schönau. Baron de? AubraiS: R. Alexander. Letzte Woche l Letzte Woche! Ab 8 Uhr: DaS kolossole Oktobcrprogramm. S'/, Uhr. Täglich: 9>/, Uhr. Köpcuickcrstrafte 68. Ans. 8 Uhr. Tägl. stürmische Heiterkeit. Alt-Bcrliner Posse: Der Aktienbndiker. Im Stil der fünfziger Jahre. — Josefine Dorn als.Karline'.— FröbeP Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 20. Oktober 1907: Die Kklllttill imi) ihr Kiiii». Charakteristisches Schauspiel in süns Akten von Jul. Meißner. Ans. 8 Uhr. Kassenerössming 7 Uhr. Luisen-Theater Reichenvergerftr. 31. Ab-ndS 8 Uhr: Fünftes Opern-Gastspiel. Zum ersten Mate: Die Zaitberfiöte. Mittwoch: Berlin wie es weint und lacht. Donnerstag: HosfinaimS Erzählungen. Freitag: Gastspiel Adaib. Malkowsky. DaS Leben ein Traum. Sonnabend, 4 Uhr: Aschenbrödel Abends: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag, 8 Uhr: DaS Leben ein Traum. Abds.: Berlin wie es weint und lacht. Montag: Berlin wie es weint und lacht. nrattiM Gr. Frausturterstr. 132. Spree-Atlienor. Beil Volksstück mit Gesang von Schwarz-Reisiingen. Ansang 8 Uhr. WochcntagSPrcise. Mittwoch: 7. Gastsp. d, Op.-Enscmbl,, Dir. Bclow! Glöckchen des Eremiten. Dlzeatcr Folie» Capriee Linienstr. 132, Ecke Friedriehstralle. • Geteilte Liebe• Autibnellauten— Bunter Teil. Anfang 8 Uhr. Sonnnvend, den s. November: I'retnlere O Rabbi Meseritscb. O Passage-Theater. Letzte Woche. Abends 8—11 Uhr. Danny Gürtler der König der Bohöme tmd das kolossale Okloher-Propnm i rwvwwa r eme 'MM.» MWVMD« Rixdorfer Theater Bürgersäle. Bergstrafte Nr. 147. Mittwoch, den 30, Oktober 1907: Zum 2. Male: MüiMtin als Erzither. Eine Komödie in 3 Akten v. O. Ernst. Ansang 8 Uhr. Kasino-Theater. Lothringerslr. 37. Täglich 8 Uhr Nur noch bis 39. Oktober: vis Jagd. Lustspiel in 4 Akten v, Ludwig Fulda. Am 31. Oktober zum erstenmal: Bieberlcute. Sonntag 4 Uhr: Die wilde Jagd. W.Koacks Theater Dtrcklioii: Roh. Olli. Bnnnieiiitr. 16. Das Rätsel semer Ehe. Schausp. n. d, Roman b. ,B. Morgcnp> Ansang 8 Uhr. Enttee 3« Ps. Ehren- und Vorzuaskarlen gültigt Sonnabend, den 2./11.: Zum 1. Male: Marie, die Tochter des Regiments. pratcr-'Hieater Kastanien-Allee 7—9. stV Im Abonnement! 9!� Aie Mlichr» RmvaMt». Lustsp. in 3 Akten von Rod, Bcnehix. Ansang 8 Uhr, Mittwoch: Hamlet.« VO»»»«««»»!»»»»»»««»« ßfreievolkzbühne* den 31. Oktober, abends 8'/, Uhr, Ciewcrkschaf tshanse: Donnerstag, im General-Versammlung. Tagesordnung: Vortrag Eduard Bernstein über ßCMlbard Öbaw. � «M Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes.— Bericht «b, der Kevisoreu.— Diskussion.— Verschiedenes. DM- Der Eint ßf, giiedskarte gestaltf Nächste 1. Kovember: nur gegen Vorzeigung der Mit- I s % I Abend- Vorstellungen F r c 1 1 a s, IS. WoTeiuber: Lortzing-Theater 21.(I.) Aiiend-Abteilung. Untfine. Luisen-Theater 23.(III.) Abend-Abteilung. Barte! Turaser. Zu beiden Abends Vorstellungen haben die Mitglieder sämtlicher Nachmittagss Abteilungen Zutritt gegen Zahlung des Beitrages von 1]9JL in ihrer Zahlstelle. Sonntag, den 3. November, nachm. 3 Uhr: Berliner Theater. ik 1/12 Abteilung. Freiwild. Neues Schauspielhaus. 18./19. Abteilung. Fuhrmann Henschel. ! 230/12 Werbet Mitglieder für die Abcn4-Abteilaiigen. Der Vorst» nd. In Vertr.: 6. Winkler. in Nur Läden, mit diesem versehen welche Schild sind werden SINGER Nähmaschinen verkauft. Singer Co. Nähmasehmen Act. Ges. V BERLIN, Leipzigerstraße 92. Filialen in allen Stadtteilen. Zoll.» MWWMfH Anfang 8 Uhr. Vorletzte Woche Glänzendes Programm. Metropol-Thealer Anfang prüzlse 8 Uhr. Gr. Kevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. B, Darmand al im E. Whilhneii, . 1 Hauchen überall gestattet. Sonntag, den 8. November, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Mexim. Trianon-Tlieater. Fräulein Josette- meine Frau. Anfang 8 Uhr._ Palast »an -Theater Bingstraste 24. Hcute 8 Uhr. Gntrcc 20 Pf. Der glänzende Dktoher-Spielplaii. Panln Dnval, Dressur. Dicky and Polly, ExzentrikS. Die 5 Kaminononra und 8 Attraktionen. Neu! Tante Malchen Schwank. 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Marg. Walkotte. Flügel: Herr Herab. Nltzsch. Entxee 60 Pf. im Vorverkauf bei Hrn. Horscb, Engel-Ufer 15. Abendkasse 73 Pf. 298b* Theater des Zentrums. Sophien« Säle, Sophienstrahe 17/18. Kis früh um Fünft v.Krcn u. Lippschütz, Mufit v. P. Lincke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. Parodie-Theater. Ansang 8 Uhr. DreSdenerstr. 97, a. d. Prinzenstratze. Die Ehre.— Alt.Heidelberg. — Der Troubadour.— Svlb keiedsdalieo-Idealer. Täglich: »U AM Drlttoa als Aule im Familien» bad Wannsee. Ans. Wochen!. 8. Sonntags 7 Uhr. Sanssouci Kotibuser- StraSe 8. Dir.: Wilhelm Reimer. Gastsp. d. Bert-Voltsbühne: Kespeaster. Schausp. v. Henrik Ibsen. NS. Volkstümliche Preis«. Sonnlag, Montag, Donnerstag: Bolffflanosllorä Sänger u. Tanckrbnsohen. Soimt.Beg.5, wochent.S U. Freitag: Dheater.Abendt Line Hsrll wöohonllivhv Toilishlung Uetero elegante, ititig» Herren- Moien. Ersatz Ifir Mass. Mass-Anfertigung feinste VerarbeitnnB. (iarunlle tadelloser Sita. J. Kurzberg, Esuptgesobttt; Roientkalentr. 40/41 am Hackeseben Markt ». Geschäft: Ad.Janni'.iiübrüeke 1,1. Soeben erschienen: Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Snildeitrattto Parle! Deiitsclilaiiis abgehalten zu Essen a/Ruhr vom 15. bis 21. September 1907. — Preis 1,— 31.—— hart. 1,25 II., gebunden 1,50 91. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, Laden. uggen/iagen , Montz.plaU.; ; imThcatersaal«ÄgllCiU• Das neue Oiter-froprai Ansang 8 Uhr. Entrce 50 Pf, Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Enlrce 5V Ps.t Famllienbilletts a 40 Ps. "luch Militär-Konzert. Becker, Przywarsti, Görisch, Neumann, Osseney und Lüttich. Danksagung. Hiermit sage ich allen Teilnehmern bei der Beerdigung meines lieben Mannes, insbesondere dem Wahl- verein des 4. Kreises, dem Metall- arbeiterverband und den Kollegen der Finna Winter meinen Innigsten Dank. Wime Minna Albrecht nebst Kindern. Dr. Schünemann Spezial-Arzt für 1492* Bant- and Harnleiden, Pranenkrankheltcn. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler .Joseph Legat am 20. Oktober infolge eines Un- salleS gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 23. Okiober, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle �eS PiuS-Friedhose« Wilhelms- bc-g aus statt, Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Verband d. Schneider u. Sciineidermnen. Filiale Berlin. Dodcsauzeige. Den Mitgliedern geben wir hier- mit bekannt, daß am Sonnabend, den 26. Oktober, unser Mitglied Franz Borowsky verstorben ist, 166/16 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. ZeDtralMen-D.Sterliekiisse| der Tapezierer. Filiale Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht,| daß der Kollege Jtasm Schiffer I am 19. Oktober durch Unfall 1 plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 983b 01« Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Be- kannten hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Privatier 990b Kurl Zwerner am 23. Oktober 1307 um 9'/, Uhr abends nadj langen Leiden plötzlich verstorben ist. Die Einäscherung des Per- storbcnen hat am 27. Oktober in Hamburg stattgesundcn. Die trauernde Witwe Wilhelmlne Zwerner. Nach schweren Leiden enl am 26. Oktober unsere Mutter, Schwieger- und mutier Fran Anna Kroker im Alter von 43 Jahren. DIeS zeigt mit der Bitte uni stille Teilnahme an 992b Familie Kreker. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30., nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Schöne- berger Frlcdhoses, Maxstraßc, aus statt. AliiheltepeelekO» Domen and Herren Mk. 12.50 Lnzne-AasUhrung Mk. 10,50 'SALAMANDER- Stiefel werden von den Angehörigen aller Gesellschaftskreise getragen und sind als das hervorragendste Erzeugnis der deutschen Schub-Industrie anerkannt. Fordern Sie MarterbacM SflLflMflNDER"ÄSf BERUH Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres einzigen Sohnes, des TöpscrZ Paul Vischel* sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten sowie dem Wahlveretn de« 4. Wahlkreises, dem 31. Bezirk des 4..Wahlkreises, dem Zentral- verband der Töpfer und dem Gesang- verein„Georgina" unseren innigsten Dank. Witwe Agnes Fischer nebst Eltern. Central* W. Friedrich-Str. 182 C. Komg-Str. 47 SW. Friedrich-Str. 2» K-alannv» TWlr Tcilzahlnng wUchcntl. 1 Jlk. ÄSrtJiiiü fw-'B-IV. Volik. schmerzloses Zahnziehen 1 Mk. Plomben 1,50 M. Beparat, sofort. Umarbeitung schlecht sitz. Gobisse. Zahnarzt Wolf, Lclpzigerstr. 180. Sprechstunden 8—7 Uhr. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher TcUnahme, sowie der herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Artnr Dlttrlch sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Kollegen der Finna Karl Zimmermann, den Kollegen der Finna Rudolf Dietrich, dem Verein„Orion", den Bezirkt. sührern der 7. 316k des 3. Kreises und den, Deutschen Metallarbeiter- verband unseren herzlichsten Dank. £mU Dlttrlch und Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie Kranzipenden bei dem Begräbnis meines lieben Mannes und unseres lieben Vater» Adolf Ihmig sagen wir allen Freunden und Bekannten, den Genossen des 4, Reichs- tagSwahlkrciseS, den Kollegen des Verbandes der Steinarbcitcr Berlin 2. den Kollegen der Firmen Rudols Haeger- Nieder- Schönhausen und Wilwe Messerschmidt-Nixdors unseren innigsten Dank. Die trauernde Witwe nebst Lindern. vanksaxunA. Hiermit sagen wir allen Ver- wandten. Freunden und Bekannten, insbesondere den Bewohnern der Häuser Boxhaacncrstr. 21 und 27 für die rege Anteilnahme und die vielen Kranzspenden am Grabe unseres so früh verstorbenen Sohnes unseren herzlichsten Dank. 439L Rieb. u. Rosa Küttner, Boxhagenerstr, 21, Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gl ecke. Berlin, Druck u.Berlog: Vorwärts Buckdruckerei u. Verlaasanitalt Vaul Singer& Co.. Berlin SW, »,.258. 3. KeilM des Jormiitts" Kelilter Jolteliliitt. fünfter Kongreß der Gewerhkßaften Oefterreicßs. (Wegen Raummangel verspätet.) Am Freitag wurden die Beratungen des Kongresses der Ge� tverkschaftcn Oesterreichs zum Abschlüsse gebracht. Nach einer Debatte über den Vortrag des Abg. Dr. Adler über die Alkohol- frage wurde die von ihm beantragte Resolution(im letzten Bericht veröffentlicht) einstimmig angenommen. Sekretär H u e b c r legte hierauf die von der Antragsprüfungskommission ausgearbeiteten Anträge zur Beratung und Beschlussfassung vor. Die wichtigsten Anträge betreffen die Betriebsorganisation, die Ucbcrtritts- bedingungcn und die Bestimmungen über den Solidaritätsfonds, ferner ein Antrag, durch welchen der Kongreß die Rcichskommission beauftragt, eine besondere Wachsamkeit den Bestrebungen der nord- böhmischen Unternehmer zu widmen, die dahin gehen, Fabriks- vereine zu gründen, durch die die in denselben beschäftigten Ar- beiter zu Streikbrechern erzogen werden und so eine ständige Gc- fahr bei allen Lohnbewegungen bilden würden. I. Die Betriebsorganisation. Der V. ordentliche Gewerkschaftskongreß erklärt und anerkennt zum Zwecke der einheitlichen Führung der Lohn- Sümpfe die Bctricbsorganisation als eine höhere OrganisationS- form innerhalb der gewerkschaftlichen Zcntralorganisationen jener Industrien und Gewerbe, deren Betriebe eine gewisse Einheitlichkeit und Geschlossenheit aufweisen. Um die bereits bestehenden Reibungsflächen unter den Be- rufSorganisationen zu beheben, beschließt der Kongreß: t. Lohnbewegungen jeder Art der Arbeiter eines solchen Betriebes müssen, wo die Bctricbsorganisation noch nicht besteht, in gegenseitigem Einvernehmen mit den vorkommenden Organi- sationcn beraten und beschlossen werden. Dieses Einvernehmen ist auch in jenen in näheren Beziehungen stehenden Gewerben zu versuchen, deren Betriebe sich nicht für die Betriebsorgani- sation eignen. In jenen Fällen, wo dieses Einvernehmen nicht hergestellt wurde, kann seitens der Gewcrkschaftskommission jede Art von Unterstützung versagt werden. 2. Kollektiv- oder Handelsverträge sollen womöglich ein- heitlich für den ganzen Betrieb durch die Hauptberufsorgani- sation im Einverständnis mit den Organisationen der Hülfs- gewerbe abgeschlossen werden. Der Hauptberuf ergibt sich aus dem Bctriebscharakter resp. richtet sich nach der Mehrzahl der in der Industrie oder dem Gewerbe bcschäftiaten Arbeiter eines solchen Betriebes. Die einzelnen Gewerbe, deren Arbeiter in der Minderheit sind, werden auch dann als Hülfsgcwcrbe bezeichnet, wenn diese Arbeiter zusammen die Mehrheit in dem Betriebe bilden sollten. II. Uebertrittsbedingungen. Mitglieder von Gewerkschaften, die der Reichskommission angehören und von einer zur anderen Organisation übertreten, werden mit jenen Rechten auf die Unterstützungseinrichtungen aufgenommen, die sich dieselben bereits in ihrem Verbände er- warben haben. Rechte aus dem ursprünglichen Verbände aus Einrichtungen, die in dem Verbände, in welchem übergetreten wird, nicht existieren, erlöschen beim Uebcrtritte. Nur bezüglich jener Untcrstützungscinrichtungen, die in dem früheren Verbände nicht bestanden, haben sie in ihrem neuen Verbände die vorgeschriebene Karenzzeit zurückzulegen. Den Organisationen steht es jedoch in besonderen Fällen frei, die Aufnahme zu verweigern. III. Bestimmungen über den Solidaritätsfonds. Der Solidaritätsfonds der Reichskommission der GeWerk- schaften Oesterreichs Ivird alljährlich bis zum nächsten Kongreß im Betrage von 60 Hellern von jenen Mitgliedern, die der Reichs- kommission angehören, durch die Berufsorganisation eingehobcn. Die Einhebung erfolgt mittels der hierzu bestimmten Karten und Marken, die von der Rcichskommission ausgegeben werden. Der Solidaritätsfonds darf nur für Abwchrkämpfe ver- wendet werden. Unter Abwehrkämpfen sind hauptsächlich Aus- sperrungcn und Kämpfe um den Bestand der Gewerkschafts- organisation zu verstehen. Andere Fälle, die als solche etwa zu qualifizieren wären, sind der Gcwerkschaftskommission zur Eni- scheidung vorbehalten. Die Reichskommission hat das Recht, Darlehen und Unter- stützungsbciträge für in Abwehrkämpfcn stehende Organisationen zu gewähren. Alljährlich ist ein genauer Kassenbericht an die Organi- sationen zu versenden. Der Gewerkschaftskongreß beauftragt die Reichskommission, eine besondere Wachsamkeit den Bestrebungen der nordböhmischcn Unternehmcrorganisation zu widmen, die dahin gehen, nach dem Rezepte der Direktion der Grussonwerke(Krupp) in Magdeburg- Buckau in den nordböhmischen Betrieben aller Industriezweige Fabriksvereine zu konstituieren, durch die die in denselben bc- schäftigten Arbeiter nicht nur der Willkür der Unternehmer preisgegeben werden, sondern durch die Erziehung derselben zu Streikbrechern eine ständige Gefahr bei allen Lohnbewegungen für die im Kampf stehenden Organisationen geschaffen wird. Die Gewerkschaftskommission soll im Einvernehmen mit den interessierten Organisationen ehestens eine Flugschrift, die die Arbeiter über das Wesen dieser BctriebSvereinc aufklärt, her- ausgeben und dieselbe in entsprechender Anzahl verbreiten lassen. Kaufmann. DomeS. Diese Anträge wurden ohne Debatte mit weit überwiegender Majorität angenommen. Sekretär H u e b e r knüpfte an diesen Beschluß eine Ansprache, in der er sagte: Diese heutigen Beschlüsse sind ein Markstein in der Entwickelung der Gewerkschaft: die ideelle Einigung ist jetzt praktisch durchgeführt. Wir können jetzt mit Ruhe und Sicherheit allen Angriffen unserer Gegner entgegensehen. Hierauf fanden die Wahlen in die Reichskommission statt. Als Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Heinrich Beer, Anna Boschek, Alexander Da Rin. Josef' Dworacek, Julius G r ü n w a l d, Ferdinand H a n n s ch, Anton H u c b e r, Rudolf Müller, Möller. Thom. Mrkwitschka, Franz N a d e r. Anton Schramme!, Frz. S i l b e r c r und Joh. S u ch a n e k. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, schloß der Vorsitzende Abg. S m i t k a mit einer beifällig aufgenommenen Rede, in der er auf die Bedeutung der gefaßten Beschlüsse hinwies, den Kongreß. Batett-Spar-Verein„NorJcn" Die RabattsAuszatilung: 1907 findet für Inhaber weißer Zettel in FrÖbeFs Allerlei-Theater, früher Puillrnann, Schönhauser Allee 148, für Inhaber roter Zetttel im Cfcsellschaftshans Wedding, Inh. 6. Milbrodt, üiMraiii? an der FennstraOe von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 3 Uhr in folgender Reihenfolge der Buchnummern statt: Montag:, do. Dienstag, do. Mittwoch, do. Donnerstag, do. Freitag, do. Sonnabend, do. Montag, do. Dienstag, do. Mittwoch, do. Donnerstag, do. S. Dezember s. 3, :t. 4. 4. 5. 5. 6. ■7. 7. ». 9. 10. lO, 11. 11. IL. IL. do. do. do. do. do. do. do. do. do. do. do, do. do. do. do. do. do. do. do. Bachnummer 1- do. 7001- do. do. do. do. do. do. do, do. do. do. do. do. do. 14001- LlOOl- 28001- 35001- 42001- 49001- 56001- 63001- 70001- 77001- 84001- 91001- 98001 do. 105001- do. 112001- do. 119001- do. 126001- do. 134001- - 7000 - 140(K> - 21000 - 28000 - 35000 - 42000 - 49000 - 56000 63000 - 70000 - 77000 - 84000 . 91000 - 9800O 105000 112000 119000 126000 134000 14Ä000 vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. vorm. nachm. von 10—12 Uhr n t— � n „ 10—12„ n 1— 3„ .. 10-13„ » 1— 3„ n 10— 12„ i. 1— 3 n 10—12„ 1-3„ 10-12„ 1-3„ 10-12.„ 1— 3 r 10—12 ,, 1-3„ 10-12„ 1-3„ 10-12„ 1— 3 n Freitag, do. 13. Sonnabend, 14. 13. Dezember, Buchnummer 142001—150000 vorm. v. 10—12 Uhr do. Montag, do. Dienstag, 14. 16. 16. do. do. do. do. do. do. 150001— 158000 nachm.„ 1— 8 do. 158001— 166000 vorm.., 10—12 do. 166001-174000 nachm. 1-3 do. 174001—182000 vorm.„ 10-12 do. 182001 u. darüber nachm. ,, 1— 3 17. Dezember, vorm. 10—12 Uhr in Tegel, Restaurant Trebesch, Bahnhofstr. 1 n. 2. do. 17. Dezember, nachm. 1—3 Uhr in Crcmmen, bei Herrn Schramm, Berliners tr. 9. do. 17. Dezember, nachm. 3—4 Uhr in Reinickendorf W., Restaurant Ctrunwald, Scharnweberstr. 156/157. Mittwoch, 18. Dezember, vorm. 10—11 Uhr in Weißenseo, Restaurant Tzschentschler, Langhansstr. 106. do« 18. Dezember, nachm. 2—3 Uhr für Wittenau, Hermsdort und Waidmannslast in Wittenau, Restaurant Bader, Oranienbnrgerstr. 20. do. 18. Dezember, nachm. 4—6 Uhr in Kiedcr-Schönhausen, Restaurant Licdemit, Kaiser Wilhelmstr. 83. do« 18. Dezember, nachm. 4— 6 Uhr in Pankow, Restaurant Schloßeck, Hermann Müller, Breiteste. 10, Ecke Schloßstraße. Die Säle werden Punkt 3 Uhr geschlossen, später Kommende können erst am nächsten Tage Geld erhalten. Im Interesse einer glatten Abwickelung und Aufrechterhaltung des Verkehrs ist Händlern und Zettelvertellerh der Aufenthalt im Haus« Flur und Hof der Auszahlungslokale nicht gestattet. Wir ersuchen Sie höflichst, die oben angegebenen Zeiten genau innezuhalten,_um uns eine geregelte Abfertigung zu ermöglichen. Die Zahlungen erfolgen nur gegen Torzeignng der weißen Sparbücher und der schwarzen Legitimationskarte. Für grüne Sammelbücher wird auf keinen Fall Zahlung geleistet, sondern die betreöenden Blütter des Sammelbnches sind in den Fmtauschstellen gegen ins Sparbuch zu klebende Rabattmarken bis inkl. 15. Novembei* cn. einzutauschen. Für verlorene weiße Bücher, in welche Marken von 1907 eingeklebt sind, können Ersatzbücher nur bis 28. November er. ausgestellt werden Marken, welche nach dem 13. November umgetauscht sind, können auf keinen Fall hei der diesjährigen Auszahlung honoriert werden. Vorschußzahlungen werden auch ederzeit geleistet, während der Auszahlung vom 2. bis 18. Dezember er. finden jedoch keine Vorschußzahlungen statt. Um Irrtümer zu vermeiden, ersuchen wir höflichst, bei Zahlung des Spargeldes stets den zu empfangenden Betrag anzugeben. An Kinder unter 14 Jahren wird Geld JjXdlKCiij'•-zc. i-N U V DiXi U Cl im Jahre 1908 jederzeit geleistet, während der Auszahlung vom Um Irrtümer zu vermeiden, ersuchen wir höflichs._____ a___„______ �___ 0__„____ �________________________________ nicht verabfolgt. Der Umtausch der Blätter für 1908 erfolgt vom 3. Dezember ab in den Umtauschstellen, jedoch unter Ausschluß der Weihnachtswoche(21. bis 28. Dezember). BERLIN, im Oktober 1907, Rabatts Spar sVerein„Norden 64 G. m. b. II. 6 Turm-Straße 76. �.gx�MSNN& ScHolZ Otto-Straße 1. Größtes Warenhaus■■ D,ens|ag Präsent-Verteilung n««'"»ch " Donnerstag Präsent-Verteilung Bei einem Gesamt-Einkauf von 2 Mark ein Kasperle-Theater JmSr. oder eine Jugend-Post mit MarkeOf Karten usw. Beim Einkauf von 5 M. eine elegante Schürze. Beim Einkauf von 3 M. einen Wirtschaftsgegenstand. Beim Einkauf von 10 M. eine Kaffee s Decke oder ein Parfüm �Arrangement. 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