Dr.«SS. Wonnemtnü'Bedlngun««: HBomirmotti. Pr«i» frfinmnnanfi«: BtKten�Tl S,30®a, OiOTttttl 1,10 20, wSchmtlich SS Pfg. frei tn» H-uZ, Einzeln» Rurmnel S Pfg. S-nntagZ. nimmi« mil Aultricrler Sonnl-gZ. Bella, e.Die Reue»eil" 10 Pia, Post. Sbonnemenl: 1,10 Biarl pro Monat. Einaetragen In dt» Polt-ZeitunaS. Preisliste. Untei Kreiuband für Deutfchlan» und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, DSnemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Äumirrien,«chwedeu und die Schwei». «chtiil lZgiich nstr mostut, S4. Jayrg. Verlinev Volksblcrlk. Z�entralorgan cler so2ialäemokrati scken Partei Veutfcklanäs. Vit InstMeng-Sedilhf betrügt für die fechZgestiastcne Kolonel. gelle oder deren Raum EO Pfg., für hollttsch« und gewerlschaflltche BereinS- und BerfammIungZ-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", da» erste ffett- gedrullte) Wort 20 Pfg, jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengefuche und Schlaf- strllen-Anzcigen da» erste Wort 10 Pfg, jede» weitere Wort» Pfg, Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen Vi» S Uhr nachmittag» Inder Expedition «dgegeden werden. Die Expedition ist ii» 7 Uhr abends geöffnet. »elegramm.Adreffe: „s»riiiüt«»»fii Bim»". Redaktion: 8W. 68, Llndenatrasse 69. Srrufprecher! Amt IT, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindcnetrassc 69. Fernsprecher:«mt IT. Nr. 1984. Die WhriM Schuldigen! Die bürgerliche Presie steckt wieder einmal den Kopf in den Sand, statt die politischen Folgerungen aus dem Päderasten Prozeß zu ziehen, die Herr H a r d e n. der mutige Retter des Vaterlandes, zu ziehen unterlassen hatte. Im Gegenteil: fast die gesamte Presse von rechts und links begnügt sich damit, verlogene Heulmeiereien darüber anzustimmen, daß das arme deutsche Volk gezwungen gewesen sei, die Schlammflut mehrere Tage lang über sich herabrieseln zu lassen. Welche Abgeschmacktheit I Das Volk hat durch diese Bloß legung höfischen Sumpfes an seinem leiblichen und Seelenheil sicher nicht den geringsten Schaden genommen. Oder fürchtet man, daß der von der bürgerlichen Presse so angelegentlich kulttvterte Byzanttnismus es bereits so weit gebracht habe, daß das Volk von widerlichen Krankheiten und stinkendem Laster deshalb schleunigst ergriffen werde, weil sie bei hoch geborenen Generalen und vielmögenden Grafen der höfischen Kamarilla in Mode sind? Solcher perverser Modenarrheit hatten wir selbst die Leser des„Lokal-Anzeiger" und der „Tägl. Rundschau" nicht für fähig I Diese Sorge kann es also wirklich nicht sein, die das Gemüt des bürgerlichen Zeitungsgesindes verdüstert. Nein, es ist die Besorgnis, daß breiteste Massen selbst bisher gut- gläubig„patriotischer" Schichten nach solchen Enthüllungen an die Gottähnlichkeit jener Kreise nicht mehr recht glauben mögen, die angeblich nach dem heutigen Gesetz einer„gött lichen Weltordnung" die Führer der Nation fein sollen! Der Prozeß hat zu tief hineingeleuchtet in das Treiben dieser Kreise, er hat die„Edelsten und Besten" zu sehr in ihrer ganzen Jämmerlichkeit gezeigt, als daß sich die Versechter unserer heutigen Klaffenherrschaft des„reinigenden Gewitters" zu erfreuen vermöchten. Und nicht nur die zunächst Beteiligten, die Junker und Kamarillisten, beschleicht bange Sorge, sondern auch ihre soziale Blockgenossenschaft, die niehr oder minder „liberale" Bourgeoisie. Die heimliche Genugtuung über die unsterbliche Blamage der blaublütigen Ordnungsstützen hielt nicht lange vor. Unsere Bourgeoisie hat ja längst mit dem Junkertum gemeinsame Sache gemacht, sich mit seiner Vor- Herrschaft in dem Gedanken ausgesöhnt, daß das Junkertum bei all seiner kränkenden Arroganz gegenüber den Staats' stützen von Geldsacks Gnaden doch immerhin die zuvor lässigste Schutztruppe gegen das Proletariat sei. Deshalb ist auch die liberale Presse eifrig beniüht zu retten, was noch zu retten ist: die Sachen seien im Grunde gar nicht so schlimm gewesen, man habe Einzelheiten verallgemeinert, an sich ja Beklagenswertes über Gebühr aufgebauscht, und so weiter mit Grazie. Ramentlich aber sucht man zu verhüten» daß ein ähnliches„Sodom und Gomorrra", um mit dem Justizrat Gordon zu sprechen, abermals aufgedeckt wird. Man will, daß solche Dinge, wenn überhaupt, wenigstens unter hermetischem Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt werden. Man will also die berüchtigte kriegs- gerichtliche Praxis auch auf politische Prozesse über- tragen, damit dem Staate kein Schaden geschieht, in Wirklich- kcit, damit die„Untertanen" nichts von der namenlosen Ver- snmpfung der„Führer der Nation" erfahren l Das sind die Folgerungen, die unsere Bourgeoispresse aus dem Prozesse zieht I Aber gerade die Geschäftigkeit, mit der die Junker- und Kapitalistenpresse für künftige Fälle den Aus- schluß der Oeffentlichkeit verlangt, beweist, wie sehr sie befürchtet, daß neue Schlammvulkane sich öffnen könnten! Natürlich läßt es diese Presse, um ihre wahre Absicht zu verbergen, nicht an ostentativem Abscheu über das„Sodoin und Goniorra" fehlen. So nennt die„Deutsche Tages-Zeitung" die Potsdamer Päderastenorgien zivischen Generalen und Soldaten„haarsträubende Dinge", einen„wuchernden Krebs, der mit glühendem Eisen ausgebrannt werden mußte, sollte nicht das deutsche Heer... an ihm unheilbaren Schaden leiden." Und das Oertcl-Organ wirst Haiden vor, baß er nicht sofort„auf Abhülfe" gedrungen habe. Nicht niit Unrecht. Aber lag denn nicht anderen diese Pflicht noch hundertmal näher? Wo blieben denn die amtlichen Stellen? Sehr niit Recht schreibt Oberst Gädke im„Berliner Tageblatt": „Wo man unabhängige Schriftsteller vor der Oeffcullichkeil verdächtigen und diffamieren kann, die den maß- gebenden Personen durch ihren Freinnit lästig geworden sind, da greift man unbekümmert um Gesetz und Ver- fassung zu der furchtbaren Waffe des Ehrengerichts— nach der Willkür weniger Personen! Wo es sich aber um die Verfehlungen hochgestellter, dem Hofe nahe- stehender Offiziere handelt, da rxistirrcn keine Ehrengerichte. Noch jetzt laufen die Schuldigen, deren Näinen vor Gericht an den Pranger gestellt wurden, mit ihren Offizierstiteln herum. Widernatürliche Unzucht mit Untergebenen, auf die das Gesetz entehrende Strafen setzt, ist scheinbar kein Verbrechen, das die StandcSehre unter erschiverenden Umständen verletzt I DaS ist der notwendige Fluch eines Systems, das eine besondere Standes ehre konstruiert, die sich von der Ehre jedes unabhängigen vornehmen ManneS, die sich von der Ehre des Bürgers durch besondere Kennzeichen unter- scheidet! Die etwas noch Höheres, noch Sublimeres darstellen soll und schließlich dahin hinuntergleitet, daß ihr einziges� Kennzeichen Lakaiensinn und Unterwürfigkeit wird. Nichts weiter! Und— nebenbei gesagt— wie steht es denn in Wirklichkeit mit der monarchischen Treue, mit der loyalen Ehr- erbietung dieser Kreise? Im Vertrauen bezeichnen sie den Aller- höchsten Kriegsherrn als„Liebchen"! Was für einen Neben- sinn mögen sie diesem Kosenamen wohl geben, welche Hinter- gedanken dabei hegen I Was kann man diesen Leuten nicht alles zutrauen l War denn nun das Laster nur so eng begrenzt, so im Verborgenen getrieben, so sehr„Privatsache", daß es sich der Kenntnis der verantwortlichen Offiziere entziehen konnte, daß man mit nachsichtigem Stillschweigen darüber schonend, wenn auch verächtlich binweggleiten durfte? Ein Laster, unter schwerstem Mißbrauch der Dienstgewalt getrieben! Die Mann- schaften, die sich zu dieser Unzucht hergeben wollen, haben ihre Erkennungszeichen, thre besondere Kleidung! „Ganze Kavallerieregimenter sind verseucht," behauptet Herr Harden vor Gericht. Und einer der Schuldigen hat daS sittliche Gefiihl derart verloren, daß er ganz entrüstet ausruft:„Was, ich muß falle», und der...!" Die einzigen, die von all den Dingen, die seit Jahren die Spatzen von den Dächern pfeifen, nichts wissen, sind die un- mittelbaren Vorgesetzten, sind die, die für die Moral, für den guten Ruf des Heeres in erster Linie verantwortlich sind. Sie sind die wahren Schuldigen! Der Chef des Militärkabinetts ist absolut nichtsahnend. Er weiß nichts, und als er es endlich erfährt, da schweigt er.... Merk- würdige Unkenntnis, während sonst die g e r i n g st e n Vorkommnisse in der entferntesten Garnison schneller in Berlin als an ihrem Ursprungsort bekannt zu sein Pflegen I Merkwürdige und das Heer höchst schädigende Unkenntnis des Mannes, dem die Personalien, dem also Wohl und Wehe des Offizierkorps, dem seine Ehre in erster Linie anvertraut sind! Der eine Macht hat ohnegleichen, vor dem selbst die kommandierenden Generale zittern und der KriegSmini st er verfchwindetl... Wo war der Kommandeur deS Gardekorps, der G e n e r a l v. Kessel?„Bedaure sehr, nichts bekannt", daS war die stereotype Auskunft, die er vor Gericht erteilte I Ein Regimentskommandeur, der bei solcher Gelegenheit eine solche Antwort gäbe, hätte den blauen Brief eher, als er sich den Zylinder anschaffen könnte. Und das von Rechts wegen! Und wo war schließlich der KriegSminifier, der Herr v. Einem, hier, wo es sich nicht darum handelte, dem Parka- mente etwas vorzuerzählen, sondern das Offizierkorps, das Heer vor ernstem Schaden zu bewahren? Gewiß, feine Rolle in Perfoneiiangelegenheiteil ist leider einflußloser, als dem Heere gut tut. Aver da er einmal der oberste, dem Kaiser wie dem Reichstage verantwortliche Chef der Verwaltung ist, fühlte er denn nicht selber das Bedürfnis einzutreten, seinen obersten Kriegs- Herrn aufzuklären? Wußte auch er nichts von allen den Dingen, d i e alle Welt wußte, die nicht nur im vertrauten Kreise der Garderegint enter geraunt wurden? Die in allen Kniipcn Berlins erzählt wurden?" Man sieht, wie lächerlich eS ist, von Einzelverfeh lun gen zu sprechen, während ein ganzes S y st e m an den Pranger gestellt worden ist I Es ist das Systcni des Absolutismus, das auch die von Gädke gegeißelten Erscheinungen zeitigte.„Lakaiensinn" und„Unter- würfigkeit" auch hier als Folge des Systems, das freie 5kritik verfemt und den Höflingen das Heft in die Hand gibt! Und es muß schon ein von diesem System Verfemter und Verfolgter, ein gemaßregelter Offizier, das Wort nehmen, damit selbst die freisinnige Presse an der Frage nach den wahrhaft Schuldigen nicht völlig vorüberschleicht I Freilich faßt auch Oberst Gädke das Problem viel zu eng. Günstlingswirtschaft, Lakaiensinn und Höflingskorruption werden nur dann schwinden, wenn sich das Volk das Recht demokratischer Selbstbestimmung er- k ä ni p f t hat! Zum Prozesse liJoltkc-ijarden. London. 27. Oktober.(Eig. Ber.) DaS richterliche Urteil in dieser causs honteuse wird noch vor der Veröffentlichung dieser Zeilen bekannt sein, so daß es nicht schaden kann, eine Bemerkung über die politische Seite des Prozesses zu machen. Das wichtigste in den Verhaiidlungen war die Schluß- rede Hardeus. In ihr versuchte der Beklagte oder richtiger der Ankläger den Prozeß auf ein weltpolitisches Niveau zu heben, nachdem Dr. Bernstein die formale Seite des Prozesses behandelt hatte. Harden glaubte, die deutsche Diplomatie habe sich in ihrem Bei kehr mit Frankreich von okkulten Einflüssen leiten lasten. Die leitenden Männer in Deutschland sowohl wie in Frankreich seien durch Eulenburg-Lecomte irregeführt worden, so daß der Kaiser die Möglichkeit eines Zusammentreffens mit dem Präsidenten der raiizösischen Republik annahm. Selbst angenommen. HardenS Informationen seien auf Tat- achen begründet. Fällt da nicht ein grelles Licht auf die Charakterschwäche deS Reichskanzlers und des deutschen Botschafters in Paris? Was hat der Reichs- kanzler getan, um seine Würde zu wahren? Und ist die deutsche Botschaft in Paris nur eine Sinekure? Wie ist es nur möglich, daß die deutsch-französischen Beziehungen sich ohne die Vermittelung und die Erfahrungen und die Ansichten des deutschen Vertreters in Paris gestalten? Die deutschen Diplomaten müßten ganz armselige Kerle sein, wenn HardenS Jnfor- ormationen auf Wahrheit beruhten! Der Prozeß zeigte die Grenzen des politischen WissenS und Könnens HardenS. Als Weltpolitiker leidet er an denselben Schwächen. die einen großen Teil der politischen Journalistik Deutschlands ver- unzieren. Man sucht nach Informationen und Zuflüsterungen, an- statt nach geschichtlichen, geographischen und wirtschaftlichen Quellen. Die Ursachen sucht man in Personen und Intrigen, anstatt in Tat- fachen und ihrer logischen Verbindung. Im Grunde genommen liegt die Bedeutung deS Prozesses gar nicht auf weltpolitischem Gebiete, sondern auf dem viel engeren, aber wichttgeren der heimischen Polittk. Die deutsche Politik krankt und ist steril, nicht wegen der Päderasten, sondern wegen der widerspruchsvollen Berfasiung, die die ohnehin geringe politische Begabung der deutschen Bourgeoisie nicht zur Entfaltung kommen läßt. Ein Parlament ist entweder überflüssig oder nöttg. ES kann nicht beides zusammen sein. Harden hätte da anknüpfen und den Weg zur polittschen Gesundung an- deuten sollen. In dieser Arbeit hätte er allerdings der Hülfe seiner hohen Gönner emraten müssen, dafür aber wäre er etwas Besseres als ein Berliner Liman._ Kirdorf al$ Lehrer. Die Tagung des Verbandes der Jndustri- eilen und die Rede Kirdorfs ist eine dringende Mab- nung an die deutsche Arbeiterklaffe. Mit dankenswerter Auf- richtigkeit hat Kirdorf ausgesprochen, was i st. Die Arbeiter haben zu arbeiten und zu schweigen, die Unternehmer sind die Herren im Hause und haben allein zu entscheiden. So soll es immer bleiben. Wer dagegen ankämpft» ist ein Umstürzler, und um den Umsturz zu bekämpfen, dazu ist die Regierung da. Herr Kirdorf ist kein Manchestermann. Er kennt den Wert der Organisation, ist er doch selbst einer der erfolg- reichsten Organisatoren der deutschen Industriellen. Dieser Organisator fragt nach keinem Unterschied der politischen Ge° sinnung oder des konfessionellen Bekenntnisses. Er steht auf dem Standpunkt des unerbittlichen Klassen- k a m p se s r-Hier das Kapital, hier das Proletariat. Alles, was Kapitalisteninteresse hat, gehört in die Organisation, uin alle Ansprüche der Arbeiterklasse niederzuhalten. In den Syndikaten, in den Arbcitgeberverbänden gibt es keine Zer- splittcrung infolge politischer Uebcrzeugungen, sie umfassen alle Kapitalisten und stellen die Macht der geschlossenen Organisation in den Dienst des Kapitals. Wie Herr Kirdorf den manchesterlichen Grundsatz der freien Konrurrenz geringschätzt, so kennt er auch den Irrtum der manchesterlichen Staatsauffassung. Ihm fällt es nicht ein, die Macht des Staates, die politische Beeinfluffung zu unterschätzen. Die Macht seiner Organisationen weiß er zu benutzen, um die staatliche Organisation seinen Wünschen ge- fügig zu machen, und dem mächtigen Vertreter des organi- sierten Kapitals lauschen aufmerksam willfährige Minister. Einheitliche Organisation des Kapitals und rücksichtslose Ausnutzung der politischen Macht ist Kirdorfs Maxime. Und sie hat ihm und seinen Genossen goldene Früchte getragen. Ihr verdankt er die hohen Schutzzölle, die die riesigen Kartell- Profite erst möglich machen, ihr den langjährigen Stillstand unserer Sozialgesetzgebung. � Wir denken, auch die Arbeiterklasse kann von ihrem Feinde lernen. Sie kann lernen, daß es gilt, in gcschloffener Phalanx znsamlnenzustehen, daß die Sonderbündeleien und die gewerkschaftliche Zersplitterung aufhören, daß alle Ar- heiter sich sairnneln müssen, um gemeinsam zu kämpfen gegen die Uebermacht des geeinten Kapitals. Und wie aus Wirt- schaftlichem Gebiet so auf politischem. Auch hier tut Ein- heit not. Die Indifferenten und Abscitsstehendcn müssen zur großen Armee des kämpfenden Proletariats stoßen, um die politische Macht, die heute im Dienste des Kapitals steht, in den Dienst der Befreiung des Proletariats zu stellen. Herr Kirdorf weiß, daß diese Vereinigung der Arbeiterklasse zu einer einheitlichen Kämpferschar, die den Klassenkampf führen nuiß, gerade uin den Klassenkamps selbst einmal überflüssig zu machen, unaufhaltsam ist. Ist sie ja mit sein eigenes Werk. Die einheitliche Organisation des Kapitals bedingt die einheitliche Organisation des Proletariats, und der Klassenkampf des Kapitals den der Arbeiter. Daher seine Gleichgültigkeit, ob die Arbeiterorganisationen sich heute noch christlich nennen oder schon sozialoemokratisch. Der preußische Handelsminister war über diese Offen- heit erschrocken. Er hofft noch, mit patriarchalischen Redens- arten die Arbeiter betören zu können..Kirdorf weiß, daß das nichts mehr nützt, daß seine und seiner Mitkapitalisten Macht den Arbeitern zu rücksichtslos gegcnübertritt. um Raum für Illusionen zu lassen. Kirdorf ist mit uns der Meinung, daß auch die christlichen Arbeiter das sehr bald begreifen werden. Er hält nichts davon, daß der Schwindel der sozialpolitischen Versprechungen noch lange die Arbeiterklasse täuschen wird. Er verläßt sich auf seine Macht und hat Vertrauen auf seinen Einfluß bei den verbündeten Regierungen. Schwere Tage ziehen für die Arbeiter- s ch a s t h e r a u f! Die Zeit der Hochkonjunktur ist vorüber. Die Krise, die heraufzieht, wird hart auf dem Proletariat lasten. In geschlossener Schlachtreihe stehen die Besitzenden dem Proletariat gegeiuiber, und die Regiernng, zu der die Scharfmacher Vertrauen haben, wird dieses Vertranen nicht täuschen. Nur eine mächtige Waffe hat die Arbeiterklasse: ihre Organisation. Noch ist es Zeit, noch sind die Schrecken der Arbeitslosigkeit nicht über die Arbeiterklasse verhängt. Die Zeit muß genutzt werden! Hinein in die Gewerkschaften! Stärkt die Macht der Organisation, und es wird sich zeigen, wer zuletzt Herr im Hause sein wird, in dem Hause, das die Arbeiter gebaut baden und die Arbeiter erhalten) Cln altes Lieck! In der„V o l k s z e i t u n g" veröffentlicht ein ungenannter Führer der Hirsch- Dunckcrschen Gcwcrkvercine einen Artikel unter dem Titel:„Neue Ziele, neue Aufgaben". Dieser Titel klingt ja ganz viclverheißend, verheißungsvoller noch das klirrende Zitat: „Hinweg die feige KnechtSgeberde! Zerbrich der Heimat Schneckenhaus I „Zieh mutig in die Welt hinaus I Aber so tatenkühn auch diese Worte klingen, der ganze Artikel variiert mir das alte, abgesungene Lied, das vor einem Jahrzehnt die Nationalsozialen anstimmten, als auch sie die Welt zu erobern sich anschickten! Der Gewerkvercinsführer, der offenbar zu denen gehört, die dieser Tage einen Aufruf erließen, der zu energischer poli- tischer Betätigung in freiheitlicher Richtung aufforderte, ruft zur Gründung politischer Arbeitervereine auf. Dieser Führer der„neutralen" Hirsch-Dunckerschen Organisation hat also endlich begriffen, dag die liberale Harmonieduselei vom Uebel ist. Ebenso richtig kennzeichnet er die Gruppen des ch ristlich en Arbeite rko n g resse s als Träger einer „reaktionären Gr undgesinnung". Dann aber versagt seine Politische und soziale Einsicht. Denn auch die sozialdemokratische Partei, diese politische Orga- nisation des Proletariats, findet vor seinen Augen keine Gnade. Denn sie sei— international, und diese„Kinder- krankheit" des Internationalismus habe„abgewirtschaftet". Folglich müsse die neue Arbeiterorganisation zwar in erster Linie freiheitlich sein, aber auch„national". Also genau daS, waS die Nationalsozialen als ihr Pro- gramnr formulierten I Es ist eigentlich unglaublich, daß ein G ö w e r k s ch a f t s- f ü h r e r gegen den Internationalismus eifert. Als ob nicht jeder große Streik, jede sozialpolitische Maßnahme die Not- wendigkeit internationaler proletarischer Tätigkeit be- weise. Ganz abgesehen davon, daß auch vom politischen Standpunkt aus die Jnternattonalität gerade für das Pro- letariat eine Pflicht der Selbsterhaltung ist. Wenn man die Gründung politischer Arbeiter- vereine, also proletarischer Klassenorganisationen, befiir- wortct, erkennt man dadurch nicht den Klassengegensatz gegen die besitzenden Klassen, die Ausbeuterschichten an? Wenn das aber der Fall ist, ist es dann nicht unlogisch und töricht, dennoch an jenem Pseudo- Patriotismus und chauvinistischen Nationalismus festzuhalten, der gerade eine Erfindung und ein Mittel der herrschenden Kapitalistenklasse ist, um das Volk darniederzuhalten und von dessen wahren Interessen abzulenken? Und ist es nicht ein kritikloses Nachsprechen der kapi- talistischen Lügen, daß die Sozialdemokratie international im Sinne von antinational sei? Im Gegenteil: die So- zialdcmokratie ist die einzig wirkliche nationale Partei! Ihr Nationalismus ist nur positiv und kulturell aufbauend, statt negativ und z e r st ö r e n d wie der Hurra-NationalismuS der Herrschenden, der sich nur in der Unterdrückung der eigenen Volksmassen und der elenden Verhetzung der Völker gegeneinander betätigt I Das sollte ein einsichtiger Arbeiterführer, der einmal mit dem kapitalistischen Dogma der Jnteressensolidarität der Klassen gebrochen hat, doch auch wirklich einzusehen vermögen! Aber wir wollen diese Inkonsequenz nachsichtig beurteilen. Mögen die freifinnigen Arbeiter getrost„neutrale" politische Arbeitervereine gründen. Die Logik der Tatsachen wird sie dann schon weiter treiben. Sie werden dann begreifen, daß die nationalsoziale Parole eine Halbheit, ein Irrwahn ist, gut genug, um eine Gruppe von Intellektuellen ein paar Jahre in polifischen Illusionen zu wiegen, aber völlig untauglich für den ernsten, ehrlichen Befreiungskampf der Arbeiterklasse! Politische(leberlickt. Berlin, den 30. Oktober 1907. Ausländerhatz. Ts scheint bald' so, als suche die Berliner politische Polizei den parlamentarischen Verhandlungen über das Verbot fremder Sprachen in deutschen Versammlungen praktisch„vor- zuarbeiten". Daß sie dabei mit den gewohnten Mitteln brutalster Unterdrückung vorgeht, das wird den mit ihrer Praxis Vertrauten nicht in Erstaunen setzen, und es eröffnet klare Aussichten auf das, was erst den fremdsprachigen A r- b e i t e r n droht, wenn die Pläne der Hakatistischen und der übrigen Scherfmacher gesetzliche Gestalt annehmen. Vor einigen Tagen waren eine Anzahl Russen und einige Deutsche verschiedenster Parteirichtungen, zum Teil auch ganz Parteilose, in der Großen Hamburgerstraße zusammen, um den wissenschaftlichen Vortrag eines russischen Gelehrten über Grundsätze der Staatsanffassungen anzuhören. Sollten die Veranstalter der Zusammenkunft es wirklich verabsäumt haben, die hohe Polizei durch Anmeldung zur Teilnahme ein- zuladen, so wahrscheinlich deshalb, weil sie— und wohl mit Recht— nicht annahmen, daß das Berliner Polizeipräsidium sich für wissenschaftliche Vorträge interessiere. Wie wenig jedenfalls die Veranstalter der Zusammenkunft glaubten, durch die Unterlassung der Anmeldung etwas- Unrechtes zu tun, geht ganz klar daraus hervor, daß die Zusammenkunft auf der schwarzen Tafel des Lokals mit großer Schrift an- gekündigt war! Aber tut nichts: der Ausländer ist rechtlos: er wird, wenn's„oben" beliebt, verhaftet und ausgewiesen. Ein Heer von Schutzleuten, ausreichend um sänitliche unentdeckten Mörder der letzten zwanzig Jahre zu ergreifen, drang ins Lokal ein, schleppte die etwa dreißig Anwesenden im Zuge zur Wache— wie's einmal so Polizeistil ist. Er- gebnis: Ein halbes Dutzend Ausweisungen, Verhaftungen, Haussuchungen. Einer der Teilnehmer wird gar ins Untersuchungsgefängnis geschleppt und sitzt dort, wie wir hören, auch heute noch— nach mehr als einer Woche! Aus welchem Grunde? Vielleicht erfährt man darüber bald etwas aus einem der unserer werten Polizei zur Verfügung stehenden Blättlein..,, PairSkammer und Wahlrechtsreform. Die bürgerlichen Parteien in der Zweiten Kammer dcS sächsischen Landtages sind bemüht, gleichzeitig mit der Wahlrechtsreform, über die sie sich völlig im unklaren find, eine Aenderung der Zusammensetzung der E r st e n Kammer zu er- reichen. Die treibenden Kräfte sind hierbei die Industriellen. Sie möchten die Wahlrechtsreform für die Zweite Kammer als zur Erreichung einer möglichst zahlreichen Jntereffenvertrewng in der PairSkammer ausspielen Deshalb stürmten alle bürgerlichen Parteien zugleich für eine Reform der Ersten Kammer unter Berück- sichtigung der kommerziellen Sonderinteressen vor. Die sächsische Erste Kammer ist allerdings noch ein wahrhaft mittelalterliches Gebilde. Die Vertreter werden zum größten Teil vom Könige auf Lebenszeit berufen oder von Nittergutsbesitzern ge- wählt. Rittergutsbesitzer beherrschen auch die PairSkammer, in der die Oberbürgermeister nicht aufkommen können, die übrigens auch meist im Strome der Reaktion mitschwinimeu. Dagegen gibt es für uns nur ein Radikalmittel, die völlige Beseitigung dieses Herrenhauses. Diesen unfern Standpunkt betonte auch Genosse Gold stein scharf durch Abgabe folgender Erklärung, die zugleich eine kurze, aber treffende Kennzeichnung der Ersten Kammer überhaupt enthält: „Weil nur eine schleunige Abschaffung der Ersten Kammer der Privilegierten und die Schaffung einer aus allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen hervorgegangenen wirk- lichen Volkskammer dem Wohle der weitesten Volkskreise dient und deren Forderungen entspricht, imd nachdem von feiten der Ersten Kammer bisher bei allen Gesetzesvorlagen eine besondere Feindseligkeit gegen die Partei des Proletariats zutage getreten ist, so besteht für mich keine Veranlassung, mich an den Detail- antragen der Parteien in der Zweite» Kammer über das Mehr oder Weniger einer Reform der Privilegicrten-Kammer zu beteiligen. Selbstverständlich werde ich gegen sämlliche Reformanträge stimmen." Die Bemühungen der Nationalliberalcn und Konservativen, die Wahlrechisreform als KoinpensationSobjelt für ihre Sonderinteressen in der Ersten Kammer auszuspielen, werden voraussichtlich keinen Erfolg haben. Staats mini st er v. Hohenthal erklärte, die Regierung werde nicht eher einen Gesetzentwurf für die Refonn der Ersten Kammer ausarbeiten, bevor nicht die Wahlrechtsvorlage für die Zweite Kammer erledigt sei. Dabei würden sich ja ohnehin große Schwierigkeiten ergeben, so daß das Entgegenkommen aller Parteien nötig fei, wenn etwas zustande kommen sollte.— Vom„Ersatz Eulenburg" handelt ein Artikel der„Neuen Gesellschaftlichen Korrespondenz", in dem behauptet wird, daß noch immer Männer„von diesem Bunde" fast täglich Gelegenheit haben, das Ohr des Kaisers zu erlangen, daß„in der Berliner Hofgesellschaft, in den Aniichambres Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen noch mancher Hohenau und Lynar(das sollen Gattungsnamen sein)" ein- und auslaufe,„über den die ge- schminkten Bengel an der Kranzlerecke so genau Bescheid wissen, baß sie sich vor keinem Polizeikommissar und keinem Staatsanwalt fürchten. Die meisten von ihnen sind gekannt und gekennzeichnet. Es ist genau wie früher..." Es ist genau wie früher... So sagt der feudale Herausgeber der„Neuen Gesellschaftlichen Korrespondenz". Er kann's wissen!_ Berufung im Prozcst Harden. Aus dem Bureau des Justizrats v. Gordon wird mit- geteilt, daß Graf Moltke gegen das freisprechende Urteil B e- rufung einlegen wird, sobald die genaue Abschrift der Urteilsbegründung in den Händen seines Rechtsbeistandes ist. Die Novelle zur Gewerbeordnung. Die Novelle zur Gewerbeordnung ist immer noch nicht publiziert. Inzwischen werden in einer Reihe von Blättern über den angebliche» Inhalt der Novelle Andeutungen gemacht, die im wesentlichen die von uns am 31. August registrierten reichlich unbestimmten Ans- lassnngen der„Berliner Politischen Nachrichten" variieren. Wir haben mehrfach endliche Veröffentlichung der Novelle im Interesse der Ar- beiter verlangt. Die Veröffentlichung scheint zu unterbleiben, weil der Entwurf in der Tat nicht das geringste irgend Erhebliche für die Arbeiterklasse enthält. Die Mutmaßungen, welche Vor- schristen die Novelle vielleicht, möglicherweise oder wahrscheinlich ent- halten wird, sind für die Allgemeinheit belanglos. Ist der Entwurf der Gewerbeordnungsnovelle in der Tat so inhaltlos oder gar so reaktionär, daß er recht lange im Dunkeln gehalten werden muß? Gegen die Amtsgerichtsreformvorschläge, die wir sofort nach ihrer Veröffentlichung im„ReichSanzeiger" be- sprachen, hat die AnwaltSkammcr im Bezirke des Oberlandes- gerichtS in Frankfurt a. M. in ihrer sehr zahlreich besuchten Jahresversammlung folgende Resolution einstimmig gefaßt: „Eine Neuregelung des amtsgerichtlichen Verfahrens allein, ohne gleichzeitige Reform des ZivilprozesseS überhaupt und der Kosten- gesctze ist abzulehnen. Der im„ReichSanzeiger" veröffentlichte Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderungen des GerichtsverfassungSgesetzeS, der Zivil- Prozeßordnung usw. ist nicht geeignet, eine Verbilligung und Beschleunigung des amtsgerichtlichen V e r- fahrens herbeizuführen. Es mag dahingestellt bleiben, ob bei einer anders ge- regelten Justizorganisation eine Erweiterung der amts- gerichtlichen Zuständigkeit nach sachlichen Kriterien gerechtfertigt erscheiiien köiinte; jedenfalls gefährdet unter den gegenwärtigen Verhältnissen, zumal in den Großstädten, die Erweiterung'der amtsgerichtlichen Kompetenz eine sachdienliche Behandlung der Prozesse. Das Drängen und die Unruhe eineS zahlreichen Publikums in meist unzureichenden Räumlichkeiten, die Ueberbürdung der Richter in der öffentlichen Sitzmig mit Geschäften subalterner Natur (Versäumnis- und Anerkenntnissachen, OffeiibariliigSverfahren usw.) verhindern vielfach schon jetzt, daß die RechtSstreitigkeiten mit der erforderlichen Ruhe, Sammlung und Würde behandelt werden. Nicht »niider steht einer raschen und sachdienlichen Erledigung der Prozesse der häufige Wechsel in der Person der zur Nechstprechnng be- rufeneu Richter entgegen. Hierzu kommt, daß die im Entwurf vorgesehene Einschränkung der Vertretung durch Anwälte eine zweck- entsprechende und erschöpfende Jnstruicrung und damit eine richtige Rechtsprechung gefährdet. Die vom Entivurf vorgesehene Abänderung des§ 48 des Gerichtskosieiigesetzes bedingt ferner eine erhebliche Verteuerung der Rechtspflege. Würde diese Bestimmung zum Gesetz erhoben, so wären häufig die Parteivertreter genötigt, Prozesse, deren Streitstoff noch nicht zusammengetragen ist, vorzeitig zur Verhandlung zu bringen oder— zur Vermeidung der Folgen deL Z 48— das Verfahren ruhen zu lassen. Im ersteren Falle wäre eine vorzeitige Entscheidung und damit eine häufigere Inanspruchnahme der zweiten Instanz die Folge; im zweiten Falle würde die Bestimmung ihren Zweck verfehlen. UeberdieS ist an den Gerichten der Großstädte, bei denen zahlreiche Kammern und Abteilungen gleichzeitig tage», eine Terminsverlegung häusig durch äußere Umstände geboten, auf welche Partei und An- walt ohne Einfluß sind."»-_ Kehre vor der eigenen Tür! Die„Deutsche TageSztg." bat im„Vorwärts' einen Widerspruch zwischen seinem redaktionellen und seinem Inseratenteile bemerkt. Während an der Spitze seiner Beilage zum Boykott der Firma Jandorf aufgefordert werde, bringe er im Inseratenteile eine seitenlange Anzeige dieses Waren« Hauses. Da-Z Blatt des wackeren Knuten-Oertcl schwindelt! Seine Notiz bezieht sich aus die Nummer vom 20. Oktober. In dieser Nummer wird im redaktionellen Teil nicht zum Boylott der Firma Jandorf aufgefordert, vielmehr zur starlen Beteiligung an einem Extra-Zahlabend, an dem über den Boykott der Finna Jandorf erst beschlossen werden sollte. Solange der Boykott nicht verhängt war, konnte selbstverständlich auch die Expedition des„Vorwärts" der Firma Jandorf nicht die Aufnahme eines Inserats verweigern I Daß politische Blätter ohne Inserate nicht auskommen können, ist eine Tatsache, die von der Sozia ldemokratte am meisten bedauert wird. Schon L a s s a l l e hat ja bekanntlich aus diesen Ouell der Korruption für die bürgerliche Presse hingewiesen. Aber war es nicht gerade die bürgerliche Presse, die sich am meisten ent- rüstete, als seinerzeit das Scherlsche Projekt eines amtlichen I n s e r a t e n in o n o p o l S auftauchte? Gehörte damals nicht auch das Agrarierorgan zu den erbittertsten Gegnern dieses Projektes? llebrigenS hätte gerade das Oertel-Blatt alle Ursache, vor der eigenen Tür zu lehren! Dies fromme Blatt, das sich mit einem sittlichen Pathos, das Herrn Stöcker oder Herrn Harden zur Ehre gereichen würde, über daS Sinken der Geburtsziffer Berlins entrüstet, verschmäht cS nicht, im Inseratenteile Annoncen Aufnahme zu gewähren, in denen die bekannten Schristen zur V e r- hütung der Konzeption usw. marktschreierisch angekündigt werden 1 Also künftig etwas weniger dreist verleumdet, edles Junkcr- organ I—_ Koloniales. Herr Dernburg ist also glücklich in Neapel angekommen und hat sofort seine Befriedigung über die Vorzüge OstafrikaS aus- gedrückt. Tröstlich ist, daß Herr Dernburg versichert, mit..keiner großen Geldforderung" zurückgekommen zu sein. Hoffentlich weichen die Ansichten DcrnburgS, der ja als früherer Direktor einer Großbank mit sehr großen Summen zu rechnen gewohnt war, über das, was große Geldfordcrungen sind, nicht allzusehr von denen der Steuerzahler ab! Nur fürchten wir, daß, was in diesem Jahr eventuell für Ostafrika nicht gefordert wird, reichlich kam- pcnsiert werden wird durch Forderungen für die herrlichste unserer Kolonien: für S ü d lv est a f r i ka. Ein minder schwerer Fall— drei Jahre und siebe« Monate Gefängnis! Wie in der Nr. 233 mitgeteilt, hat das Kriegsgericht der 18. Division(Altona) den Musketier Georg B ä u m l c r der 12. Kompagnie des 84. Jnfanterie-Rcgiments in Schleswig wegen in Trunkenheit begangener Exzesse, die sich als Ungehorsam, Wider- stand, Beleidigung und tätlichen Angriffs gegen Vorgesetzte qualifi- zieren sollen, zu der drakonischen Strafe von S Jahren und 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Die der Anklag« zugrunde liegenden Vorgänge haben sich im Manövergelände in Mecklenburg zugetragen, wo— es war ein sehr kühler Abend— die Soldaten sich an dem Wachtfeuer einen steifen Grog brauten, den B., ein Süddeutscher, nicht vertragen konnte. Nachdem er mit seinen Kameraden herumkrakcclt hatte, ließ ihn der aus seinem Schlafe gestörte Hauptmann in die Feuerwache abführen, wo sich mehrere Unteroffiziere befanden. Diesen gegenüber gebrauchte der Bc- trunkene Kraftausdrücke und gestikulierte heftig mit den Armen, so daß er die Vorgesetzten berührt haben soll. Durch diese Vor- gänge soll die militärische Disziplin so stark erschüttert worden sein, daß zu deren Wiederherstellung das Kriegsgericht auf das horrende Strafmaß erkennen zu sollen glaubte. Gegen das Urteil hat B. durch seinen Verteidiger. Dr. Schwenk- Altona, Berufung eingelegt. Die erste Instanz hatte die Ladung eines ärztlichen Sachverständigen abgelehnt. Zu der Verhandlung vor dem Oberkriegsaericht des 9. Armeekorps ist der Oberstabsarzt Dr. Richter als Sachverständiger geladen worden. Der Verteidiger rügt das Urteil der ersten Instanz in zwei Richtungen. Zunächst könne von einem tätlichen Angriff gegen Vorgesetzte keine Rede sein, weil der Angeklagte nur mit den Händen gestikuliert habe, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wie auch der eine Unteroffizier denselben Eindruck gehabt habe. Dann müsse gerügt werden, daß das Kriegsgericht den Alkoholexzcß nicht als einen minder schweren Fall angesehen habe. Seine» Meinung nach habe B. sich in einem die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustande befunden, weshalb auf Freisprechung erkannt werden müsse. Der Sachverständige hält den Angeklagten für einen cholerischen, leicht aufgeregten Menschen, der wohl stark an- getrunken gewesen sei, sich aber nicht in dem vom Verteidiger an- genommenen Zustande befunden habe. Der Vertreter der Anklage beantragt kurz die Bc- stätigung des Urteils erster Instanz. Das Urteil sei zwar hart. aber gerecht, denn der Angeklagte habe schwere Disziplinverftöße im Dienste und vor versammelter Mannschaft begangen. Das Oberkriegsgericht ermäßigte das Urteil auf 3 Jahre und 7 Monate Gefängnis, indem es die Tat des An- geklagten als einen minder schweren Fall erachtete! Die badische Regierung im Kampfe mit ihren Eisenbahnangestellten. Der bekannte Fall Schäufele scheint bei der Regierung dcS MusterländchenS zum System erhoben zu sein. Der Redaktion un- seres Karlsruher Parteiorgans ist ein Erlaß auf den Tisch geflogen, welcher vom 30. September 1907 datiert ist und der Presse der Eisenbahnangestellten einen Maulkorb anlegen will. Ii» Organ des christlichen Eisenbahnerverbandes, dem„Badischen Eisenbahner", war daS geringe Entgegenkommen der General. direktion gegenüber den Güter- und Werftarbeitern in Offenburg scharf, aber sachlich kritisiert. In ihrem Erlaß erklärte nun die Gcneraldirektion: „Die Verwaltung kann nicht dulden, daß als Ergebnis von Versammlungen Resolutionen gefaßt und Beschlüsse der- öffentlicht werden, die in verhetzender Weise grobe Ungerechtig- leiten enthalten und einen der dienstlichen Ordnung widersprechenden Ton anschlagen." Man eröffnete also dem Schmied Müller, dem Vorsitzenden de? Eisenbahnerverbandes, daß ähnliche Resolutionen, wie die der Offenburger Güterarbciter, künftig weder gefaßt noch im „Badischen Eisenbahner" veröffentlicht werden dürfen. Im anderen Falle werde die Regierung„ihre Stellung zu dem Verbände ändern." Was das heißt, kennt man zur Ge- nüge. So geht man schon mit christlichen Arbeitern um! Das war der erste Streich: der zweite folgt sogleich. In den letzten Wochen forderten die Bureauassistenten eine er- hebliche Vermehrung der Assistentenstellen im inneren Dienste. Ihre Forderungen wurden sogar von der Gencraldirektion unterstützt und diese plädierte beim Eisenbahnministerium auf Schaffung von 140 neuen Bureauassistentcnstellen. Kurzerhand strich aber der Eisenbahnininister v. Marschall die Hälfte dieser Stellen. Bei den Bureauassistenten machte sich darob berechtigte Empörung geltend und sie gaben in ihrem Organ der Auffassung Ausdruck, daß der Eisenbahnminister in vollständiger Unkenntnis der Sachlage die Streichung unternommen oder auch unter dem Ein- flutz des Finanzministers gehandelt habe. Diese bloße Konstatie- rung einer Tatsache veranlaßte den Eisenbahnminister, an den Re- dakteur des Beamtenorgans das ungeheuerliche Ansinnen zu stellen, den Verfasser des Artikels zu nennen! Der Redak- teur lehnte selbstverständlich die unwürdige Zumutung ab und er- klärte, die Redewendung gegen den Minister bedauere er, den sachlichen Inhalt des Arttkels mache er sich aber zu eigen. Darauf ließ der Minister die drei Vorstandsmitglieder des Verbandes der Bureau-, Kanzlei- und Rechnungsbcainten vorladen und stellte sie vor die Alternative, entweder den Verfasser deS Artikels zu nennen oder mit der Möglichkeit ihrer Entlassung zu rechnen. So sieht der neueste Zeugniszwang aus, der in Baden großes Aufsehen erregt. Man ist auf den Ausgang der Sache, die sich noch in der Schwebe befindet, um so mehr gespannt, als der badische Landtag in einigen Tagen zusammentritt.— Ocftcmicb. Protest gegen Bestialität. Wien» 30. Ottober.(Abgeordnetenhaus.) Bei Beginn der Sitzung protestierte Zahradnit im Namen nicht nur der slawischen, sondern aller Abgeordneten und im Namen der Zivilisation gegen die Vorgänge in Czernowa, wo 13 unschuldige Slowaken getötet und zahlreiche Personen verwundet worden sind. Er sprach seine Teil-- nähme sür die Opfer und gleichzeitig seine Sympathien für alle nichtmagyarischen Nationalitäten Ungarns aus.(Lebhafter Bei- fall.) Im Einkauf befand sich eine denselben Gegenstand betreffende Interpellation, deren Verlesung durch lebhafte Entrüstungsrufe unterbrochen wurde.— Ungarn. Gegen den agrarischen KnrS. Die erste Protestversammlung gegen die in Aussicht gestellten indirekten Steuern fand am vergangenen Sonntag in Budapest statt. Dem Rufe der Parteileitung folgend, eilten die Arbeiter schon in den frühen Nachmittagsftunden dein Stadtwäldchen zu, wo die Versammlung um 3 Uhr ihren Anfang nehmen sollte. Bei Eröffnung der Versammlung umgab eine vieltausendköpfige Menge die Rednertribüne. Der Vorsitzende machte belannt. daß die Polizei verboten hatte, beleidigende Zwischenrufe auszustoßen, widrigenfalls die Versammlung aufgelöst werde! Diese Bekanntmachung wurde mit stürmischen Pfui-Rufen aufgenommen und im Verlaufe der Versammlung n i ch t b e a ch t e t. Die Polizei hütete sich dennoch, einzugreifen.— Nach Schluß der Versammlung zerstreute fich die Niesenmenge in der größten Ordnung. Vom nächsten Sonntag an werden im ganzen Lande ähnliche Demonstrationsversammlungen veranstaltet. Italien. Die römischen Klerikalen räumen das Feld. Rom» 28. Oktober.(Eig. Ber.) Die römischen Klerikalen, die so lange Jahre hindurch die Herren der Stadtverwaltung waren, haben beschlossen, bei dem bevorstehenden Wahlkampf sich nicht zu beteiligen. Ihnen ge- lüftet offenbar nicht nach einer erneuerten Auslage des Zusammen- bruchs vom 30. Juni. Da sie sich bei den auf den 20. November anberaumten Wahlen derselben antiklerikalen Koalition(Liberalen, Radikalen und Sozialisten) gegenübergesehen hätten, deren Liste im Juni mit über 5000 Stimmen Mehrheit gesiegt hat, so ziehen die Klerikalen es bor, den Kampf gar nicht aufzunehmen. Nicht einmal zu einem Aufruf an ihre Wählerschaft haben sie sich auf- zuraffen vermocht, und sie, die so lange die Tyrannen auf dem Rathaus waren, verschwinden stillschweigend in der Versenkung. Hoffentlich tun die Konservativen es ihnen nach.— Ei« Opfer des Mailänder Exzesses gestorben. Nach Ifftägigem qualvollen Krankenlager ist nun doch einer der bei der Porta Vicentina verwundeten Arbeiter, ein junger Mann namens Orlando, gestorben. Der von dem Blei der Carabinicri in Unterleib und Brust- korb Getroffene hatte die nötig gewordene Operation gut überstanden und schien langsam wieder zu Kräften zu komnien, als eine schivere Llingenentzündung hinzutrat, von welcher der in der Blüte der Jahre stehende Mann dahin- gerafft wurde. Vielleicht tragen die Ordnungsleute von Turin, die ja dem schnldigen Carabinieri eine goldene Medaille dar- bieten wollen, diesem tödljchen Ausgang Rechnung; denn eS ist natürlich ein E x t r a v e r d i e n st. beim Konflikt mit un- bewaffneten Arbeitern gut getroffen zu haben.,.,— Snglancl. Kakao und jlolonialpolitik- AuS London wird uns geschrieben: Die großen englischen Kakäofabrikanten sind meistens Quäker, die sich durch Menschensreundlichkeit und sozialethisches Empfinden auszeichnen. Ihre Fabrikeinrichtungen sind musterhaft, besonders die der Firma Eadbury in Bourneville bei Birmingham. Das Rohmaterial beziehen sie aus den portugiesischen Kolonien in Afrika, wo die Schwarzen unter Zwangsverhältnissen, arbeiten. Als die Kakao-Ouäker von diesen Zuständen Kenntnis erhielten, wandten sie sich an die portugiesische Regierung, die aber alles ableugnete. Es gelang ihnen jedoch, von ihr die Zustimmung zur Abscndung eines Kommissionärs zu erhalten, um in den Kolonien die Kakao- arbeiten zu untersuchen. Der Kommissionär stellte nun seinen Bericht fertig, aus dem hervorgeht, daß— wie Eadbury mitteilte >— die Zustände in den portugiesischen Kolonien r e f o r m- bedürftig seien; der Bericht könne aber noch nicht veröffent- licht werden, da«r erst der portugiesischen Regierung vorgelegt werden müsse. Es dürfte interessant sein, die Angelegenheit im Auge zu be- halten.—_ Sie niffliche Revolution. Die Herren-Duma. Peiersbiirg, 23. Oktober.(Eig. Ber.) Die dritte Duma wird die Vertretung des Junkertums, und sie sollt« das werden. Die Wahlziffern geben ein Bild von der gegentoartigeu Politik in Rußland, wie eS ausdrucksvoller nicht ge- zeichnet werden kann. In 33 Gouvernements von 50 ist die junkerlth-echtrusfifche Majorität der Agrarier von vornherein fest- gelegt, und nur in der übrigen.kleineren Hälfte" hat man gnädigst einige Lücken für die anderen Klaffen der Bevölkerung gelassen und auch da nur für deren bevorzugte Schichten. Aldxei Smimoff, der auch die letzten Wahlen eingehend analh- sierte, veröffentlichte in der gestrigen.Rjetsch" einen Artikel mit reichlichen Ziffern, nach denen sich folgendes erweist: In 292 Kreisen des euvopäischen Rußlands find in der Kurie der Großgrundbesitzer 16 290 Wähler eingetragen. Die Gesamtzahl der Kreise des europäischen Rußlands beträgt 477, und wenn man bedenfh daß die Gouvernements Olonetz, Wjatka, Perm fast gar keinen t..tgrnnd- besitz haben, so wird man wohl richtig schätzen, wenn?-.?an die Gesamtzahl der Wähler der Großgrundbesitzer ans 30 00r..�uimmt. Zu dichcn kommen noch 10 000 kleinere Grundbesitzer, s�j�aß im ganzen 40000 Wähler der Grundbesitzerkurie 26lS Wohln�ier von den 6160 bestimmen, also mehr als die Hälfte. Die 80/(p Großgrundbesitzer wählen zwei Drittel der Duma, während/, z. B. die zweite städttsche Kurie hier in Petersburg mit ihren 84 000 Wählern rmr 3(drei!) Abgeordnete wählt I DaS Bild wird aber noch krasser, wenn nmn die Zahl der zu den Wahlen erschienenen Großgnmd- besitzer mit der Zahl der von ihnen getvählten Wahlmänner ins Verhältnis setzt. ES erweist sich da, daß an den Wahlen nur 19 000 Grundbesitzer beteiligt waren, d. h. ein Wahlmann ist von sechs bis siebe» Wählern bestimmt worden, während selbst in der ersten städtischen Kurie der Jmmobilienbesitzer und Geschäftsinhaber ein Wahlmann auf 81 Wähler kommt, in der zweiten städtischen Kurie der Wohnungsinhaber ein Wahlmann auf 560 Wähler! Zu welchen Ungerechtigkeiten dieses Wahlsystem führt, zeigt z. B. das Gouverne- nient Kiew. Hier wurden in den Städten nur sieben reaktionäre Wahlmänner gewählt gegen zwanzig progressive; die Bauern wählten stch» reaktionäre Wahlmänner gegen 30 progressive, die Arbeiter wählten fünf Sozialdemokraten. Die progressiven Wahlen sind aber niedergedrückt von den 80 reaktionären Wahlmännern der Grund- besitzer, die gewählt wurden von 867 Wählern, während auf die progressiven Wahlmänner 14 870 Stimmen abgegeben worden waren! Die Analyse der Wahlziffern führt aber noch zu weiteren inter- essanten Aufschlüssen über die dritte Duma. Nach den Zahlen Smirnoffs erweist es sich, daß von 1 100 Wahlmännern der Groß- grundbesitzerkurie ein ganzes Viertel Gouverneure, Beamte des M i n i st e r S des Innern, Senatoren, Prokuratoren sind, also die„Elite" unserer Bureaukraten, die zu den Wahlen aus Petersburg abkommandiert wurden, Die dritte Duma fft, Ivie die Wahlziffern beweisen, die Duma der Junker und Bureaukraten. Die Bureaukratie hat das Wahl- gesetz für sich gemacht, Stolypin hat seine Handlanger zu Wählern bestimmt. Und so ist denn der Ring geschlossen. Wir sind in der dritten Duma wieder bei derselben Bureaukratie an- gelangt, gegen die der Kampf geführt ward und wird. Das alte Regime will durch eine infame Fälschung vortäuschen, die Duma sei der wirkliche Ausdruck des Volkswillens, das Volk sei„der Politik satt", es wende sich von der Revolution ab, es wolle von liberalen Anschauungen nichts wissen. So lügt jetzt die Regiernngspresse, und sie argumentiert mit der reaktionären Zusammensetzung der dritten Duma. Was diese aber in Wirklichkeit ist, das zeigen die angeführten Zahlen. Ueber diese Duma wird das Volk bald im klaren sein. Es wird erfahren, daß eS die H e r r e n- D u m a ist, die Herren-Duma nach unten. Die Duma der Knechtsseclen nach„oben". Mit dieser Duma ist der Zyklus abgeschlossen. Sie kann und wird die großen Probleme des wirtschaftlichen und politischen Lebens Rußlands nicht lösen. Sie kann nur die Wirren verstärken, der Revolution neuen Nährstoff geben. Und lächelnd wird dann Meister Stolypin wieder zu seiner„Konstitution" greifen— zum Feldgericht.... Im Schein der Feuersbrnnste. Unter dem Einfluß der Reprcssivmaßregeln von feiten der Ad- ministration, die die Bauernschaft erbittert und sie der Möglichkeit beraubt, sich zum Schutze ihrer ökonomischen und politischen Inter- essen zu organisieren, treten an Stelle der organisierten Formen der Agrarbewegung immer häufiger Brandstiftungen auf Landgütern. Wie die Zeitungen melden, brennen in einigen Gegenden buch- stäblich ganze Gouvernements schon fortgesetzt einige Monate hin- durch. So wurde in letzter Zeit die LandschaftSvcrwaltung von SmolenSk mit Berichten von Versicherungsagenten überhäuft, die von den immer öfter sich wiederholenden Feuersbrünsten, verursacht durch Brandstiftungen, sprechen.„In jeder Nacht", so wird aus dem Gouvernement Tschernigoff berichtet,„ist der Himmel von bluttgem Feuerscheins gerötet." Die Gouvernements Poltawa, Kiew, Podolsk, Kursk stehen in Flammen... Im Gouvernement Moskau reichen der Landschaftsverwaltung die Mittel zur Zahlung der Versicherungsprämien nicht auS— täglich laufen mehr als 50 Meldungen von Feuersbrünsten in der Verwaltung ein. In Moskau tvüninelt eS gegenwärtig von Agrariern, die die Furcht vor den Feucrsbrünsten aus ihren Nestern vertrieben hat. Die Feuers- brünste hören nicht nur nicht auf, sondern sie wachsen auch in den an Moskau angrenzenden Gouvernements an: So in Tula, Kaluga und Rjäsan. Die Kosaken und die Landpolizisten bleiben natürlich nicht un- tätig, aber Nagaika und Flinte sind ein schlechtes Mittel, soziale Fragen zu lösen. Die Versprechungen der LandschaftSverwaltung von Poltawa, eine Präinie von 300 Rubeln den Personen zu geben, die zp der Ermittelung der Brandstifter beitragen, ebenso wie die „obligatorischen Verordnungen" des Gouverneurs von Rjäsan, durch welche die Bauern unter Androhung von Geld- und Freiheitsstrafen gezwungen werden, die Feuersbrünite zu ersticken, haben ebenfalls keine Wirkung. Alle diese„Mahregeln" erhöhen nur die Erbitterung der Bauern- Massen, nähre» in diesen nur das Gefühl der Rache. Während die Fenersbrünste immer mehr Gouvernement» ergreifen, führt die Regierung einen immer hartnäckigeren Kampf gegen jeden Versuch, die Bauerubeweglmg in offene organisierte Formen zu leiten. Es liegt aber auf der Hand, daß nur die Organisattousfteiheit. und nur sie allein. daS einzig wirksame Mittel gegen den„ökonomischen Terror" sein kann._ Eue der parte!» Zur Agitation unter den polnischen Arbeiter». In dem im Verlag der. Gazeta Robotnieza* in K a t t o w i tz(Overschlesien) erschienenen Kalender ist eine gute Agitationsschrift gegeben. Der Preis beträgt pro Tausend 60 M, Bei Bestellungen genügt die vorstehend angegebene Adresse. Das Manifest der Achtzehn und die Fraktion. Paris, 29. Oktober.(Eig. Ber.) Die heutige Sitzung der Fraktion der geeinigten Partei, die auf Verlangen JuleS G u e S d e S und feiner Freunde einberufen worden war. hatte die Aufgabe, angesichts des Manifestes der B r o u f f e fchen Gruppe eine Klärung herbeizuführen. Dieser Zweck ist nicht er- reicht ivorden. Vier Resolutionen lagen vor. Die erste, von Allard ein- gebracht, wollte die Prüfung der Angelegenheit durch den National- rat, die zweite, von Vaillant beantragt, begnügte sich damit, die formale Unznlässtgkeit der Defloration hervorzuheben, die dritte, die von S e in b a t eingebracht und auch von Vaillant verteidigt wurde, fordert, daß die Fraktion im Nationalrat für den Uebergang zur Tagesordnung eintrete. Diese dritte Resolution wurde mit 17 gegen 13 Stimmen angenommen, drei Deputierte enthielten sich der Abstimmung. 19 Deputierte, darunter JaureL waren ab- wesend. Die vierte Resolution ist die des Genoffen JuleS G u e S d e. Sie wurde am Schluffe, von 12 Angehörigen seiner Richtung unter- zeichnet, als Erklärung abgegeben. Sie besagt, daß die Unter- zeichner an der organisch fe st gelegten Aktion der Partei, deren Kontrolle für alle gefordert ist. festhalten. Sie drücken ihr volles Vertrauen zu der französischen Sektion der Internationale auS, in der Geioißheit, daß diese, ihrem Daseinsgrund und ihren Statuten gemäß eine Partei des Klassen- kampfes und der Revolution bleiben und gemeinsam mit der Internationale ebenso alle Formen anarchistischer Aktion wie jedes Zusammenarbeiten und alle Konfusion mit den Regierungen und denBourgeoiS- Parteien zurückweisen tv e r d c. Eine„Äkläruiig" der„Possibilisten". Paris, 27. Oktober.(Eig, Ber.) Die geeinigte französische Partei umfaßt, wie man weiß. Sozialisten der verschiedensten Schulen und sowohl die revolutionäre als auch die reformistische Richtung sind in den merkwürdigsten Spielarten und Kreuzungen in ihr vertreten. Dieses Nebeneinander- bestehen gegensätzlicher Tendenzen ist nun allerdings nicht», was ihr allein eigen ist, vielmehr tritt es ganz natürlicherweise in allen sozialistischen Parteien zutage. Aber was in den anderen Sektionen der Internationale sicher verwunderlich erscheinen wird, ist die Meinung, daß eS möglich sei, einer organisierten Partei anzugehören und doch zugleich alles zu tun. was man will, ohne Rücksicht auf die von den zuständigen Parteiinstanzen gefaßten Beschlüsse. Diesen Grundsatz aber hat eine stattliche Gruppe von Deputierten und Gemeinderäten, die der Partei angehören, mit programmatischer Entschiedenheit soeben in einer öffentlichen Erklärung ausgesprochen. Diese Erklärung muß um so größere Verwunderung hervorrufen, da doch die Einigung der Partei gerade zu dem Zwecke vollzogen wurde, um eine einheitliche Aktion der französischen Sozialisten gegen die Bourgeoisie zu ermöglichen. Der Deputierte Varenne, einer der Unterzeichner, verwahrt sich dagegen, daß man es mit einem Manifest zu tun habe. Die Form einer Erklärung an die Partei sei mit Bedacht gewählt worden. Die Unterscheidung ist so fein, daß ihr schlichtere, in formalistische Künste nicht eingeweihte Gemüter nicht leicht werden folgen können. Aber bleiben wir dabei, daß wir es mit einer„Er- klärüng" zu tun haben, und bettachten wir ein wenig die Unter- schriftcn und das Programm, das sie decken. Da sind vor allem die Namen von 18 Deputierten: BaSly, Breton, Brouffe, Chauviöre, Coutant, Devsze, DuboiS, Fiövet, Fournier, Goniaux, Lamendin, Lastalle, Paftte, Poulain, Rozier, Selle, Varenne, Veber. Es find dies fast dnrchgehends Deputierte, die ehemals dem„Parti Sozialiste Franeais", der„ministerialistischen" Frakion angehört haben. Verwunderung werden indes die Namen Fiövet und Coutant erregen. Breton und Brouffe haben feit der Einigung der Partei in unzähligen Leitartikeln der„Petite Nöpu- blique" die Wiederherstellung des Blocks und die Wiederbeschickung der Delegation der Linksparteien durch die Sozialisten empfoblen. Brouffe hat der Gruppe auch im„Proletaire", dein tvieder- erscheinenden Wochenblatt des seligen PosfibilismuS, ein Organ ge- geben und so mag man die Richtung am tteffendsten mit der An- knüpfung an diesen historischen Namen bezeichnen. Die Bourgeois- presse hat ihr freilich sofort den Lobes- und Neflametitel der„antt- hervoistischen Sozialisten" verliehen, mit vornehmer Ignorierung der Tatsache, daß gerade diejenigen Parteigenossen, gegen deren prinzipielle und taktische Grundsätze sich die Erklärung im wesent- lichen richtet, von Anfang au der Hervöschcn Agitation am schärfftcn entgegengetteten sind und darum von Hervs selbst die ärgsten Lnpöbelungen erfahren haben. Der Deputierte Varenne vertritt die Polittl der linksrepublikanischen Kooperation als Leit- artikler der radikalen„Lanterne" mit nicht geringerem Eifer als Brouffe und Breton. Bon den sechs Pariser Gemeinderäten, die gleichfalls unter- zeichnet haben, ist H e p p e n h e i m e r einer der alten Anhänger Brousses, T u r o t aber u.a. auch dadurch bekannt, daß er bei den letzten Wahlen für Millerand gegen den Parteikandidaten ge- arbeitet hat. Endlich hat sich den Deflaranten noch Profeffor Fourni�re angeschloffen, der Redakteur der«Revue Socialiste", der seinerzeit in den„Sozialistischen Monatsheften" sogar für die Zulassung der „parlamentarischen Sozialisten"— der Görault- Richard und Konsorten— zum internationalen Kongreß eingetreten ist und lange Jcrcmiaden darüber angestimmt hat, daß die Sozialisten die Re- gierung Clemenceau-Briand nicht unterstützen wollten. Die Deklaranten beginnen mit der„energischen Beteuerung" ihrer Anhänglichkeit an die Einheit der Partei und zugleich ihres festen Willens, ihre Meinungsfreiheit und ihre Aktionsfreiheit in der Partei aufrecht zu erhalten". Dann folgt das Programm, das sie in der Partei entwickeln und in den Repräsentativverfammluiigen zur Ausführung bringen wollen. Zunächst wird der Patriotismus der Deklaranten beteuert— was nach den wiederholten Erklärungen der Gesanttpartei über diesen Punkt nur denjenigen nicht überflüssig erscheinen wird, die aus dieser feierlichen Verwahrung ein Argument für ihre verleumderische Be- Häuptling werden gewinnen wollen, daß die geeinte sozialistische Partei dem AntipattiotismuS verfallen sei und unter dem Kom- mando HervSs stehe. Die folgenden Ausführungen über die reformistische Politik können übergangen werden, da noch kein Sozialist den Nutzen so- zialer Reformen bestritten und niemals den gewaltsamen Mitteln den Vorzug vor den friedlichen gegeben hat. Wenn die Deklaranten gegen die gewalttätigen Methoden im gewerkschaftlichen Kampfe pro- testieren, so ist dazu nur zu bemerken, daß gerade sie diejenigen waren, die auf den letzten beiden Kongreffen am heftigsten gegen die Kooperation der politischen Partei mit den Gewerkschaften ein- getreten sind. Woher leiten sie auf einmal ihr Recht ab, in getverk- schaftliche Dinge hineinzureden? Die entscheidenden Stellen der Erklärung aber sind diejenigen, die von der„Toleranz" handeln. Darunter verstehen die De- flaranten nämlich da» Recht, sich über die Parteidisziplin hinweg- zusetzen:„Solidarisch in unserer Ertläning, wollen wir es auch gegenüber den Maßnahmen bleiben, die einige von uns bedrohen könnten". Wie man weiß, ist gegen BaSly, Lamendin und Goniaux beim Nationalrat ein AuSschlnßverfahren beantragt worden. Die Versammlung des Rationalrats ist auf den 1. November an- gesetzt. Die Deklaranten aber setzen von vornherein ihre Gruppen- solidarität über die Entscheidung der Partei. Im wesentlichen also läuft die Erflärung auf folgendes hinaus: Die sozialistische Partei soll sich damit abfinden, daß in ihrer Mitte eine Gruppe besteht, die nicht nur die selbstverständliche Freiheit der Meinung beansprucht, sondern auch eine Freiheit der Aktion gegenüber den Entschlüssen der Parteimehrheit. Und die Forderung der Parteidisziplin und das Recht der Parteiinstanzen soll an dem Willen dieser Gruppe eine Grenze haben. Diese Erflärung hat begreiflicherweise in der Partei ein großes Aufsehen hervorgerufen. Eierzehn Deputierte, die der Richtung von JuleS G u e S d e angehören, haben gemeinsam eine Fraktionssitzung gefordert, die Dienstag stattfinden wird. In der heutigen„Humanitü" sagt JauräS in seinem Leitartikel in einer Nebenbemerkung, daß die Reformisten der Partei durch eine Propaganda ihrer Ideen weit eher eine Kooperation aller rcform- freundlichen Elemente sichern würden, als durch Deklarationen. Soziales. Eisenbahnprolctarier vor Gericht. Der Berlin-Kölner D-Zug überfuhr, als er nist einer Ge« schtvindigkeit von 90 Kilometer pro Stunde die Station Benrath passiert hatte, Ende Mai dieses Jahres an der Kreuzung der Pro- vinzialstraße Düsseldorf-Köln ein mit zwei Personen besetztes Fuhr- werk, das durch die geöffneten Stfiranken das Gleise passierte. Der Knecht des Fuhrunternehmers blieb sofort tot. während der Neffe des letzteren, dem beide Beine abgefahren worden waren, bald darauf starb. Dieserhalb stand der Bahnwärter G. vor der Straf- kammer in Düsseldorf unter der Anklage, die Bahnschranken nicht geschloffen und sich dadurch der fahrlässigen Transportgefährdung und der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte bezieht ein Jahreseinkommen von 800 Mark und hat damit den Unterhalt von neun Personen: von sich, seiner Frau und sieben Kindern zu bestreiten. G. gibt an, daß er sich seinem Posten, der infolge des lebhaften Eisenbahn-, Fuhrwerk- und McnschenverkehrS einer der schwierigsten der ganzen Strecke fei, von vornherein nicht gewachsen gezeigt habe; er sei auch wiederholt um seine Versetzung nach einem leichteren Posten eingekommen— aber erfolg- los. an dem Cetrertenden Tage fei er nach dreizehn- ftünbigem N a ch l d i e n st sehr abgespannt gewesen, zudem habe er doppelte Aufnierlsamleit aufwenden müssen, da das Läutewerk auster Betrieb war. Das Gericht verurteilte den Angeklagten unter Annahme mildernder Umstände zu sechs Wochen Ge- fän g n i s. Wen trifft denn nun hier die wirkliche Schuld? Der Bahn« Wärter bekennt sich selber als untauglich für seinen Posten an der bedenklichen Stelle! er teilt dies der Bahnbehörde mit; anstatt dast diese den Mann schleunigst durch eine leistungsfähige Kraft ersetzt, lästt sie ihn ruhig auf dem verantworinngsvollen Posten. Die Bahn- Verwaltung belastet den Mann, der selber seine Unzulänglichkeit be- kennt, noch mit Nachtarbeit von einer Dauer. die auch einen vollbefähigten Menschen schwächen must. Zu alledem mangelt'S noch an den Betriebsvorrichlungen, das Läutewerk funktioniert nicht — und für diele Dinge, die das Unglück mehr als begreiflich machen, must der Mann ins Gefängnis l Seine Verantwortung war schon von dem Augenblick an ausgehoben, als er der Bahnverwaltung mitgeteilt halte, dast er sich seinem Posten nicht gewachsen fühle. Zür das, was nachher geschah, trägt die Schuld nicht der schwache, überlastete Bahnwärter, sondern diejenige Stelle, die verabsäumt hat, ihn durch eine leistinigSfähige Kraft abzulösen. Wundern soll man sich übrigens nicht, dast ein Mann, der mit 800 M. eine neunköpfige Familie ernähren soll, körperlich und geistig nicht in der Lage ist. emen Posten zu verschen, der bezüglich Arbeits- dauer und Verantwortung groste Anforderungen stellt. 800 M. Einkommen macht in diesem Falle 88 M. auf den Kopf das Jahr. l,7S M. die Woche oder 2b Pf. auf den Tag— wovon sich eiu Mensch nähren, kleiden und behausen soll. Mit welchen Gefühlen mag es so ein Eisenbahnproletarier vernehmen, wenn der Finanz- minister demnächst die Millionen aufzählt, die die StaatSeisenbahn- Verwaltung an Ueberfchüsfen erzielt hat. Ungemeffener Gewinn— für die Staatspro leiarier aber Hungerlöhne und, wenn dabei ihre Kräfte versagen, Gefängnis I Und trotzdem gibt eS noch Eisenbahn- Proletarier, die nicht Sozialdemokraten sind I Die Unterbringung Lungenkranker in vorgeschrittenem Stadium. Die Ueberzeugung verbreitet sich erfreulicherweise immer mehr, dast alle Mastnahmen zum Schutz gegen die Weiterver- breitung der Tuberkulose nur teilweisen Erfolg haben können, so lang« man nicht für Schwerkrank« und Unheilbare, deren dürftige Lebensweise und beschränkte Wohnungsverhältniffe eine genügende Isolierung der Kranken innerhalb der Familie nicht ermöglichen. besondere Anstalten einrichtet. Damit diese armen Menschen die dauernde Entfernung aus dem Kreise ihrer Familie und aus ihrer gewohnten, wenn auch dürftigen Lebensweise ertragen, und sie nicht aus Sehnsucht nach letzterem das Pflegeheim bald wieder verlassen, ist es nötig, dast die Anstalt den Charakter einer gemüt- lichen Familienwohnung hat, die ihnen bei steter ärztlicher Ueber- wachung eine gute, ihren Gewohnheiten möglichst entsprechende Verpflegung bietet, in dem sie in ihrer persönlichen Freiheit mög- lichst wenig beschränkt sind, soweit der vorbeugende Zweck damit nur irgend vereinbar ist, wo sie also auch außerhalb der Anstalt spazieren gehen und zu bestimmten Besuchszeiten ihre Angehörigen sprechen können. Ein solches Pflegeheim für unheilbare Tuberkulöse hat auch die Stadt Charlottenburg in Burg Daber bei Wittstock a. d. Doffe errichtet und im vorigen Jahre in Betrieb genommen. Aber es scheint, dast man bei der Verwaltung obige Gesichtspunkte nicht genügend inne gehalten hat. Nach dem Bericht« der Charlotten- burger Armcnverwnltung wurden von ihr im vorigen Jahre 13 Männer und 11 Frauen in die neue Anstalt geschickt. Von diesen haben 6 Männer und 5 Frauen schon nach einem Aufenthalte von durchschnittlich nur 2sb Monat die Anstalt freiwillig wieder ver- lassen und zwei mutzten strafweise wieder entlassen werden. Hier- nach ist der Zweck der Anstalt nur zum kleinen Teil erreicht worden, und die Behandlung und Verpflegung der Kranken ist nicht so gewesen, daß diese länger dageblieben wären. Denn wenn mehr als die Hälfte dieser unheilbaren Patienten, die deshalb in die Anstalt geschickt wurden, weil sie mit ihrem Auswurf eine bc- deutende Ansteckungsgefahr für ihre Umgebung bildeten und die zu Hause nicht genügend isoliert werden konnten,— nun zu ihrer früheren Umgebung zurückkehren, so entsteht diese Ansteckungs- gefahr für. die Umgebung doch wieder. Man erwäge, dast diese armen Menschen sich sagen,„Heilung gibts für mich ja nicht mehr, deshalb bin ich hierher gebracht worden, sterben mutz ich doch wahr- scheinlich bald, lvarum soll ich mir daher hier durch eine mir un- leidliche Hausordnung die letzte Lebenszeit noch verbittern lassen? Da gehe ich lieber wieder fort und verlebe die kurze Zeit, die mir noch zu leben bleibt, unter mir liebgewordenen, wenn auch beschränkten Verhältnissen bei mir lieben Personen, die freund- lich zu mir sind. Freilich übersieht er dabei, dast er dadurch die ihm lieben Personen sehr leicht auch wider Willen mit der töd- lichen Krankheit anstecken kann. Andere Anstalten haben es besser verstanden, den Aufenthalt in ihnen den Kranken angenehmer zu machen, ohne den Zweck der Anstalt aus dem Auge zu lassen. In Lichtenberg wurde von der Landesversicherungsanstalt Berlin ein Jnvalidenhaus für unheil- bar tuberkulöse Rentenempfänger 1003 errichtet. Hier hat man sich mit Erfolg bemüht, den Kranken das Leben daselbst möglichst an- genehm zu machen. Religiöse Beeinflussung fehlt ganz, es herrscht zwischen Pflegern und Kranken«in freundlicher und heiterer Ton, es besteht eine Bücherei, am Hause ist mittels Segeltuch eine ge- deckte Veranda angebracht, im Park ist ein russisches Kegelspiel und «in Ringelspiel für die Kranken angebracht usw. Der ärztliche Bericht sagt:„Eine vollständige Isolierung der Tuberkulösen scheint nicht erforderlich und würde sich freiwillig wohl nicht durchführen lassen. Der Kampf gegen die Tuberkulose würde dann ein Kampf gegen die Tuberkulösen.... Die Vorteile und Annehmlichkeiten, die ihnen die Anstalt bot, wurden anscheinend von den meisten Pfleglingen empfunden." Auch die Verpflegung must den Pfleg- lingen zugesagt haben, obwohl sie nicht opulent sein kann, denn ihre Kosten betrugen pro Mann und Tag nur etwa eine Mark. Von 36 in diese Anstalt aufgenommenen Patienten haben nur 3 unter dem psychischen Einflüsse, den das schnelle Fortschreiten der Krank- hcit aus sie machte, und 2 weitere nach sieben- resp. fünfzehn- monatlichem Aufenthalte in der Anstalt deshalb diese wieder frei- willig verlassen, weil sie sich so gekräftigt fühlten, dast sie wieder arbeiten wollten. Ein Patient, heißt eS im Bericht, mutzte wegen wiederholtem Verstost gegen die Hausordnung entlassen werden. In diesem Falle trägt unseres Wissens die Verwaltung die Schuld. Auch lästt sich nicht leugnen, dast leider auch diese Anstalt nicht ganz frei von Versuchen geblieben ist, die politischen Betätigungen der Kranken zu beeinträchtigen. Aber im Allgemeinen kann man doch sagen, dast hier der Zweck der Errichtung der Anstalt erreicht worden ist. Hoffentlich wird es auch der Leitung der Anstalt bei Wittstock noch gelingen, ihren Betrieb so zu gestalten, dast auch in ihr die Kranken sich behaglich fühlen und nicht vorzeitig wieder fortmachen und damit'für ihre Nebenmenschen neue Ansteckungs- Herde bilden._ Die gesicherte Existenz bis ins Alter. Beim kgl. Forstamt Altdors bei Nürnberg ist ein 76 Jahre alter Waldarbeiter jetzt 56 Jahre im Dienst. 50 Jahre lang hat der Mann für wenige Pfennige Winter wie Sommer, bei Wetter und Wind für den bayerischen Staat seine Knochen zu Markte getragen. Jetzt wurde dem Mann unter Anerkennung seiner langen Dienstzeit — ein anständiges Ruhegehalt gewährt? Ach nein: dem alten. weistbärtigen Staatsarbeiter wurde dieser Tage gesagt, dost er in- folge seines Alters das nicht mehr leisten könne, was er früher ge- leistet habe. Er bekomme deshalb in Zukunft statt 2,20 M.(der übliche Tagelohn) nur 1,86 M Lohn. Die Frucht dieser königlich bayerischen Staatsfürsorge war eine erfreuliche: Am vergangenen Sonntag beschlossen Waldarbeiter dieses Ve- zirls, eine Organisation der bayerischen Waldarbeiter zu gründen, und zwar im Anschluß an die freien Gewerkschaften. Fast sämt- verantw. Redakteur: Hans Webers Berlind Inseratenteil verantw.: liche Teilnehmer an einer zu diesem Zwecke von den freiorganisierten Arbeitern in Feucht«inberufenen Versammlung meldeten demon- strativ ihren Beitritt zu dieser neuen Organisation an. Mögen derartige Landarbeiterorganisationen recht bald in Preußen nachsolgenl_ 6c wer h Pchaft lieber Der TerroriSmuS der Untcrnehmerverbände. Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe zu Köln und Umgegend hat an seine Mitglieder das folgende ver- trauliche Rundschreiben gerichtet: „Wir setzen Sie hiermit ergebenst in Kenntnis, dast in Dell- brück. Bezirk Köln, die Manrer, Verputzet und Handlanger in den Streik getreten sind und ersuchen wir Sie deshalb, streng dar- auf zu achten, dast kein Arbeiter aus dem Streik- gebiet bei Ihnen eingestellt wird oder wenn solches bereits ge- schehen sein sollte, den Betreffende» sofort wieder zu entlassen." Das Schriftstück ist unterzeichnet von dem ersten Vor- sitzenden des Verbandes, dem Unternehmer Johann T h i e- mann. Dem Schreiben ist eine Liste mit den Namen der Ausständigen beigegeben. Dabei haben die Streikenden weiter nichts getan, als den Unternehmern von Dellbrück den Tarif zu unterbreiten, der in d e m größten Teil des Kölner Bezirks b e r ei ts an e rka n n t i st. Die Arbeiter haben es auch an nichts fehlen lassen, um eine friedliche Verständigung herbeizuführen. Aber die bekannte „schwerste Strafe" trifft ja niemals einen Unternehmer, der»einen anderen an freiwilliger Arbeit hindert." verlin und Qmgegend« Der Kamps mtt der Firma Jandorf gewinnt für die Berliner Arbeiterschaft noch eine besondere Be- deutung dadurch, dast er nicht nur zu führen ist gegen diese Einzel- firma, sondern gegen nicht weniger als vier Scharfmacher-Ber« einignngen! Vor uns liegt ein.vertrauliches" Zirkular, das unterschrieben ist vom Zentralverband deutscher Arbeitgeber in den Transport- und ähnlichen Gewerben, vom Verband deutscher Waren» und Kaufhäuser, vom Verband Berliner Spezialgeschäfte und der Ver- einigung Berliner Detailgeschäfte der Textil- brauche. In diesem Zirkular heißt eS: .Abmachungen mit Arbei tnehmerverbänden find tunlichst ganz abzulehnen und nur in besonderen Fällen unter Berücksichtigung der Schlutzabsätze des Tarifs ein- zuleiten." Und wie lauten die Schlußabsätze des dem Zirkular beigelegten Scharfmachertarifs? Man höre: „Bei jedem Vertrage mit der Arbeitnehmerorganisation(Verein Berliner Hausdiener usw.) ist der Arbeitnehmer einzeln zu verpflichten, daß er, falls er die Arbeit ohne voranfgegangene Kündigung unterläßt oder die Arbeit ohne gesetzlichen Grund ver- weigert eine sofort fällige Konventionalstrafe von 101 M. für jeden Fall zu zahlen hat und bis zur Höhe dieses Betrages mit einemwöchent- lichen Lohnabzug zur Ansammlung einver- standen i st. ... Die Vertragsstrafe ist an den Rachwei» eines Schaden? nicht gebunden." Man ficht: Ganz da» Rezept,«ach dem die Firma Jandorf handelte I Die Arbeiterschaft Berlins, die den Boykott gegen die Waren- Häuser der Firma Jandorf und das Kaufhaus des Westens beschloß, weiß nun nach dieser gewiß recht interessanten Enthüllung, mit welchem Gegner sie in Wirklichkeit angebunden hat. Es ist nicht die Firma Jandorf allein, sondern ein umfangreiches und starkes groß- kapitalistisches Konsortium, daS den Augenblick gekommen glaubte, der Berliner Arbeiterschaft in Form eines schmachvollen Vertrages den Fehdehandschuh ins Gesicht zu werfen I Wie wir daS Berliner Proletariat, seine Männer und seine Frauen kennen, war's ihm nie lieber, als wenn eS den Kampf galt mit einem möglichst starken politischen oder wirtschaftlichen Gegner I Wie wir die Berliner Arbeiter kennen, wird die Entlarvung ihres wirklichen Gegners, der sich immer schlau im Hintergrund zu halten wußte, sie erst recht anstacheln, den einmal gefaßten Boykottbeschluß hochzuhalten und die Durchführung deS Beschlusses möglichst intensiv zu gestalten. Achtung, Friseurgehülfenk Wegen Tarifbruch für Mitglieder gesperrt: Wischer, Stolpischcstr. 16/17. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. I. A.: Paul Liers, Rosenthalerstr. 57. Der Streik ber Schuhmacher in Potsdam scheint sich für die Gehülfen günstig zu gestalten, indem 15 Arbeitgeber durch ihre Unterschrift den eingereichten Lohntarif anerkannt haben. Jedoch sind dies hauptsächlich die Reparaturwerkstätten. Die Inhaber der sogenannten besseren Werkstellen, in denen hauptsächlich Offiziers- kundschaft vorhanden ist, und wo auch bessere Preise für die Waren erzielt werden, glauben, dazu nicht imstande zu sein Nur die Firma Hammerstein hat sofort bewilligt. Interessant ist eS. zu beobachten, welche Anstrengungen die Arbeitgeber machen, um Ar- beitswillige heranzuziehen. Zum Teil ist es ihnen auch gelungen. Allen Hindernissen zum Trotz werden die Echuhmachergehülfen Potsdams ihren Arbeitgebern beweisen, dast sie sich nicht länger als Ausbeutungsobjekt betrachten lassen. Die Streikleitung. oeutkebes Reich. Achtung, Glaser! In Kattowitz befinden sich die Glaser im Streik. Zuzug ist fernzuhalten. In dem Unternehmerorgan „St. Lukas" werden Arbeitskräfte nach dem Oberschlesischen Jndustrierevier, teilweise von der dortigen Nachweis st elle der Unternehmer, gesucht. Kein organisierter Glaser darf auf solche Angebote eingehen. Zentralverband der Glaser. Tischlerstreik bei der Weltfirma Blüthner. Seit Sonnabend stehen von den 506 Tischlern der berühmten Hofpianofabrik Blüthner in Leipzig 466 im Streik. Sie fordern: Erhöhung der wöchentlichen Abschlagszahlungen von 15 auf 25 M. und 10 Proz. Zuschlag auf Lohn- und Akkordarbeit. Schon im Juni hatten die Arbeiter der Firma an den Chef, der seine Fabrik gern als Musterbetrieb bezeichnet, ein Gesuch um Aufbesserung der Löhne gerichtet, das sie mit der erheblichen Verteuerung der Lebensverhältnisse begründeten. Das Schreiben wunde jedoch un- beantwortet gelassen und Herr Blüthner hielt es für angebracht, dem Unternehmerverbande der Musikindustrie beizutreten. Als die Arbeiter von der viel gerühmten Humanität ihres Firmeninhabers nicht? zu hören bekamen, schlug auch bei ihnen der Organisations- gedanke ein und sie traten fast sämtlich dem deutschen Holz- arbeiterverbande bei. Obwohl Herr Blüthner nach Kruppscher Manier jeden aufs Pflaster warf, der ihm denunziert wurde, darunter auch einen alten Arbeiter, der 34 Jahre lang bei ihm ge- arbeitet hatte, konnte er die Bewegung nicht eindämmen. Ende September erklärte er sich bereit, mit der von den Arbeitern ge- wählten Kommission zu verhandeln. Dabei kam indes nichts heraus. Man speiste die Leute mit einigen schönen Redensarten ab, und die Attordtarife wurden gar nicht besprochen. Die Ar- Th. Glocke, Berlind Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt beitsr drohten nun mit dem Streik. Vergangenen Freitag wurve durch Fabrikanschlag bekannt gegeben, dast die eingereichten Lohn- fordcrungen ungerechtfertigt und viel zu hoch angesetzt seien. Mehr als 5 Proz. Lohnerhöhung könne nicht gewährt werden, weil das der Unternehmerverband nicht zulasse. Natürlich war das nur eine plumpe Täuschung. Wiederholt hat auch die Firma die Preise für ihre Flügel und Pianofortcs mit dem Hinweise auf die ge- steigerten Löhne erhöht. Seit Jahrzehnten sind aber keine Lohn- erhöhungcn vorgenommen worden. Die Arbeiter anworteten nun mit dem Streik. Der Stand der Situation ist auch heute noch un- verändert. Herr Blüthner hat am Dienstag einen Ukas an die Arbeiter gesandt, worin er bekannt gibt, dast alle, die am Mitt- woch die Arbeit nicht aufnehmen, als entlassen gelten. Gleichzeitig gibt der Unternehmerverband bekannt, dast am Sonnabend, den 2. November, eine allgemeine Aussperrung resp. Kündigung über alle dem Holzarbeiteroerbande angehörigen Arbeiter der Musik- branche verhängt würde, wenn bis dahin die Differenzen bei Blüthner nicht beigelegt sind. Es kommen 50 Firmen mit zirka 6060 Arbeitern in Frage. Die hiesigen Holzarbeiter werden am Donnerstagabend in einer großen Versammlung im»Sanssouci- Saale" dazu Stellung nehmen. Streikende Knaben! In Alburg bei Straubing in Bayern ist eine größere Anzahl Buben von 10 bis 12 Jahren(!) in den Streik getreten. Diese Jungen waren in diesem Dorfe bei Dachdeckerarbeiten der abgebrannten und nun wieder aufgebauten Gebäulichkeiten der Oekonomen Buchner und Kaller als sogenannte'„Daschen- Händler" mit einem Tagelehn von 60 Pf.(!) beschäftigt. Dieser Lohn genügte ihnen nicht, sie taten stch zusammen und verlangten 80 Pfennige. Diese Forderung wurde abgelehnt! Die Jungen beschlossen einmütig, die Arbeit niederzulegen. Sie traten in den Streik und stellten regelrecht Streikposten aus, um Arbeitswillige aus Stadt und Land abzuhalten. ES gelang den Jungen, ihre Forderung durchzubringen. Der Banunternehmer mußte, wenn er die Gebäulichkeiten unter Dach bringen wollte. Unterhandlungen anbahnen und nachgeben. Erst nachdem die Forderung von 30 Pf. bewilligt war, wurde die Arbeit wieder auf- genommen. Die bürgerliche Presse weiß mit dieser Nachricht nichts besser anzufangen, als sich darüber lustig zu machen, daß die.Streiklust" bereits bis in die Reihen der Jugendlichsten gedrungen fei. Daß in in diesem Notwehrakt gegen die Kinderausbeutung ein soziales Drama sich abspielt, kommt ihr nicht in den Sinn. Der Streik in der Lederfabrik von Adler u. Oppenheim« in LingolSheim bei Straßburg wird mit aller Schärfe weiter geführt. Die Firma versucht wohl, auswärts Streikbrecher anzuwerben, hat aber sehr wenig Erfolg damit. Die Behörden lassen den Streik. blechern den weitgehendsten Schutz angedeihen. Nicht weniger wie 20— 25 Gendarmen umstehen fortwährend das Sireikgebict. Von welcher Sorte die schutzbedürftigen Streikbrecher sind, hat sich am Sonnabend gezeigt. Da wurden in einer Gastwirtschaft ohne jede Veranlassung Streikende tätlich angegriffen und bei dieser Ge- legenheit wurde einem nützlichen Element der Schlagring abgc- nommen. Die Stimmung der Ausständigen ist gut. Zuzug ist fernzuhalten._ Weiße Arbeiter in Transvaal. Bis in allerjüngster Zeit wurden die farbigen Eingeborenen in Transvaal allein zu gewöhnlicher Tagelöhnerarbeit verwandt. Als Ursache galt, daß der Weiße in der tropischen Temperatur Südafrikas«unfähig sei, schwere Arbeit zu verrichten. D i e richtige Ursache jedoch war, daß die Schwarzen williger und ihre Arbeit billiger war.— Jetzt hat man von der althergebrachten Tradition Abstand genommen. Die Regierung von Transvaal beschäftigt jetzt Weiße bei dem Bau von Straßen und Eisenbahnen und hat dieser Versuch ein großartiges Ergebnis zur Folge. Allein in Johannesburg sind 500 Weiße. meistens Afrikander, bei den neuen Kanalisationsarbciten beschäftigt und geht die Arbeit rasch von statten. Der Bürgermeister hat erklärt, dast ihn der Versuch sehr befriedigt habe und daß der Stadtrat gewillt ist, das System der Beschäftigung der weißen Ar- beiter beizubehalten und auszudehnen. Die gegenwärtige traurige Lage auf dem Arbeitsmarkt macht ein solches Vorgehen erforderlich. Letzte JVacbncbtcn und Oepelcden. Fahnenflüchtige Einjährige. Halle a. S.. 30. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Das hiesige Kriegsgericht verurteilte heute die Einjährig-Frci« willigen S Y d o w und Z e h l m a n n vom 36. Infanterieregiment wegen Fahnenflucht im Komplott zu je 16 Monaten Gefängnis. Massenerkrankungen. Freiburg i. B., 36. Oktober.(B. H.) Zwanzig Dienstmädchen der Hochschulklinik, die gemeinsam den Mestplatz besuchten, er- krankten. Eines derselben ist bereits gestorben, die ärztliche Unter- sjuchung schwebt. Es ist wahrscheinlich, daß die Erkrankungen von den Getränken herrühren» welche die Mädchen unterwegs genossen haben._ Staatshülfe für die Ueberschwemmten. Paris, 30. Oktober.(W. T. B.) Der Senat nahm einstimmig die Vorlage betreffend die Bewilligung von 6 Millionen Frank für die Opfer der Ueberschwemmungen im Süden an. Eine fürchterliche Strafe. Rom, 30. Oktober.(W. T. B.) Der Papst hat die unbekannten Verfasser dcS gestern in Rom erschienenen Büches„Programm der Modernisten", welches eine Erwiderung auf die Encyclica paocendl dorninid ist, mit dem Kirchenbann belegt. Eine ganze Mannschaft gemeutert. WI>diU)ostok, 30. Oktober.(W. T. B.) Die Besahung des T> �dobootszerstorers„Skory" bat, aufgereizt von Agi- tatore�ba'uter diesen eine Jüdin, die ans einem Schiff an- gekomicauc waren, gemeutert und eine rote Fahne gehiht. Der „Skori sie ief auf die Reede aus und eröffnete das Fener gegen die Stoba nnd die Truppen. Durch das Feuer des Kanonen- boots»Syandschnr" und der Torpedobootszerstörer„Groso- woy", J&myely" und„Serdity", sowie durch das Eingreifen des alarmierten 12. Schützenregiments wurde der„Störy" zerschossen» die auf ihm befindlichen Agitatoren wurden während des Feuers getötet; die übrig gebliebenen Meuterer wurden verhaftet. Getötet wurden der Komman- dant des Torpedoboots„Brawy", Kapitän Kurosch, sowie der Kommandant des Torpedobootszerstörers„Skory", Leutnant Stoer. Verwundet wurde der Kommandant des Torpedo- bootszerstörers„Serdity", Leutnant Wassilief. �Die Stadt ist ruhig; einige unbeteiligte Einwohner sind getötet. Ueber die Festung ist der Belagerungszustand verhängt. AaulSingerLcCo.» Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt � 2umm. j Ktilkgt des Jariiiiilf Kerlimr joltolildtt. Die bürgerliche Preife zum Prozeß der Patrioten. Je nach der Parteistellung und der Stellung zu Horden ist das Urteil der Blätter sehr verschieden. Scharf gegen Horden nehmen die Organe der Junker Stellung, die allerdings die in erster Linie Leidtragenden bei dieser Affäre sind. So bezichtigte die „Kreuz-Zeituug" den Herausgeber der„Zukunft" voller Wut, daß seine Kamarilla- Artikel sich indirekt gegen die Person des Kaisers s erillztet Hütten, wer die„Zukunft" kenne, der könne nicht im Zweifel sein,„daß es ihr nicht um den„Eulenburgschen Kreis" zu tun ist, sondern um die Diskreditierung dessen, der sich angeblich durch diese Kamarilla hatte leiten lassen".... Weiter unten heißt es: .. Das ist eine Schande für die deutsche Publizistik und wahrlich kein Ruhm für die deutsche Rechtsprechung. Wir sind durch die Borgänge bei den Prozessen in München und Karlsruhe nicht verwöhm, aber hier hat man wirklich das Gefühl:„Schlimmer kann es nun nicht mehr kommen!" Wir bedauern es lebhaft, daß. nachdem es einmal zum Prozeß gekommen war. der Kläger und sein Anwalt sich Haroen gegenüber lediglich in der Defen- sive gehalten und es verabsäumt haben, den Spieß um- zudrehen, den Verklagten persönlich und seine Vergangenheit recht gründlich unter die Lupe zu nehmen, um damit die Tendenz zu kennzeichnen, aus der die den Gegenstand der Klage bildenden Artikel hervorgegangen sind. Kommt es zur Berufung, so wird das hoffentlich nachgeholt. Nicht minder muß jetzt bedauert werden, daß nicht der Staatsanwalt die öffentliche Klage gegen Horden erhoben hat..." Dasselbe Thema, das hier zum Schluß angeschlagen wird, die Forderung nach Verstümmelung der Rechtsgarantien, nach Abwürgung der Oeffcntlichkeit des Prozeßverfahrens hat die „Deutsche Tageszeitung" angeschlagen. Sie lviitete: „... Derartige Verhandlungen dürfen nicht wieder vorkommen, wenn das natürliche und gesunde Rechtsgefühl deS Volkes nicht leide» soll.... Die Beweisausnahme wurde in einer Weise aus» gedehnt, daß man manchmal tatsächlich nicht wußte, worum es sich eigentlich handelte. Maximilian Horden und sein Rechtsanwalt schienen"die eigentlichen Führer der Verhandlung zu sein.. Das K a i s e r b l a t t, die „Tägliche Rundschau", stimmt imtcyauS mit der konservativen Presse übcrein. Sie schrieb: � „Em Trost bleibt. So kann es nicht weitergehen. Wenn c,n Prozeß, so hat es dieser gezeigt, daß etwas faul ist in unserer Rechtspflege, daß etwas geändert werden muß. wenn nicht unsere Justiz zur Sandlangerin des Umsturzes und Helfeshclferin der Sittenverderbnis herabsinken und wenn sie nicht politisch gemein- gefährlich werden soll. Wie konnte man einen so wichtigen Prozeß, den wichtigsten seit Jahren, einem jungen Amts- richter anvertrauen? Hat man in unseren regierenden Kreisen jedes Augenmaß für Wichtiges und Unwichtiges verloren?____ Im Fall Krupp war der Staatsanwalt sofort am Platze; im Fall Moltke, eines Generals aus der Umgebung des Kaisers, lehnte er als„objektivste Behörde" eS ab. die Anklage zu erheben, obwohl dadurch der Fall von vornherein in andere Be- Handlung gclommcn wäre." So suchen die Reaktionäre selbst aus ihren Unfällen noch Nutzen zu ziehen. Die deutsche Rechtspflege soll verschlechtert werden, die ohnehin kümmerlichen Schutzbestiinmungen für den Angeklagten, zu denen auch die Oeffentlichkeit des Verfahrens gehört, sollen verkümmert werden, weil ein Prozeß Skandale— f'.uhiillt hat. AlleS angeblich wegen der gefährdeten Sittlichkeit des Volkes, in Wahrheit wegen der gefährdeten Vertuschung der Skandalosa der herrschenden Klasse I Inzwischen ist dieses Thema von einer ganzen Anzahl rcaftionärcr Blätter eifrig weiter erörtert worden. Eine direkte Hetze gegen den Amtsrichter Dr. Kern hat eingesetzt und ganz offenherzig wird zu erkennen gegeben, daß man von der Jnstizvcrioaltung verlangt, sie hätte einen anderen, er- fahrcnen Amtsrichter mit der Leitung des Prozesses betrauen oder doch durch den AmtSgcrichtspräsidenten auf den Amts- richter Dr. Kern einwirken sollen, daß er den Ausschluß der Oeffentlichkeit verfüge. So setzen diese edlen Blätter als selbstverständlich voraus, daß die Unabhängigkeit des Nichters in Preußen nicht gewahrt zu werden, brauche, daß sie un- gestraft der Justizverwaltung Handlungen zumuten dürfen. diegegendasGesetzverstoßen! Die„Post" beurteilt den Prozeß ganz offen aus dem Gesichtspunkte heraus; Wirkt er für oder wider die Sozialdemokratie? Sie verurteilt in schöner Unparteilichkeit Haiden und Moltke und schreibt dann: „Im Ausbeuten deS Prozesses finden sich die äußeren und die inneren Reichsfeinde zusammen: er ist für sie noch dankbarer als die Memoiren des Fürsten Hohenlohe. Der Moltle-Prozeß ist leider eine Fundgrube für die in letzter Zeit mit so großem Erfolge be» känipfte Sozialdemokratie. Hoffentlich reinigt dieses furchtbare Ge» witter die Luft." Die„National-Zeitung" gibt eine beipenoe Charakteristik der Persönlichkeit Hardens. Sie schreibt: .... Unter dem schwarzen Rock de« berühmten Politikers, der er heute sein möchte, grinst ein paarmal das zerrissene Kleid des kleinen Schauspielers hervor, der er einst war. Diesem Manne, der sich mit eiserner Disziplin erzogen hat. fehlt dann, in diesen kritischen Momenten, der letzte, unerlernbare Taft, die wahre Vornehmheit des Herzens...„Ich hab's gewagt l' daS ist fein erster großer. pathetischer Ruf. Und Herr Harden, als er mit sonorer, voller Stimme in diese Worte ausbricht, schlägt sich auf die Brust, daß es dröhnt... Dagegen nimmt die „Kölnische Zeitung« mehr für als gegen Haiden Partei. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" feiert Harden als höchst verdienstlichen Mann. Auffallend lehrt das Blatt die Spitze seiner Ausführungen gegen die „Edelsten der Nation". Die Eisen- und Kohlenbarone scheinen es auf das Monopol der Junker abgesehen zu haben, die engere Umgebung des Kaisers zu bilden. Die Geldaristokratie gibt der Geburtsaristokratie zu verstehen, daß sie sich ihr Gleichberechtigt fühlt. So schreibt das Kohlenjunkerblatt: .... Wer sind die Schuldigen? Nicht Plebejer und Proletarier, sondern Leute, die dem Throne nahestehen, Angehörige der ersten Kreise, aus denen die Würdenträger und höchsten Be- amtcn genommen werden, Leute, die sich gern als Stütze von Thron und Altar bezeichnen, und durch ihr Tun weite Kreise gegen beide aufreizen, Leute, die durch äußere Frömmigkeit und Kirchenbesuch zeigen, daß sie mithelfen wollen, dem Volke die Religion zu er- halten, und durch ihr Leben Religion und Moral verletzen, Leute, die sich für die Besten und Edelsten der Nation halten, und im Bewußtsein ihrer Untadeligleit auf die weniger Wohlgeborcncn herabzusehen pflegen, Leute, die allein würdig erachtet werden, Vermittler zwischen Monarch und Volk zu sein, und dabei nur die Entfremdung verursachen. Das gesprochene Wort bleibt. Die„Edelsten der Nation" haben die engere Umgebung des Monarchen gebildet, Sie schloffen den Ring ihrer Kaste, in dem kein anderer zugelassen wird. Ein Ring ist gesprengt worden, andere bestehen fort. Das denkende Volk, die sittlich und intellektuell hochstehenden Kreise haben schon lange den Anspruch erhoben, selbst Sachwalter�zu sein und die eigenen Geschicke von Ihresgleichen lenken zu lassen. Zwischen der Spitze des Staates und dem den Staat bildenden Volk bedarf es keiner Mittelspersonen, deren künstliche Abgeschlossenheit und höfische Stellung von vielen als Beleidigung des Bürgertums empfunden wird. Das Ergebnis des Prozesses bildet hierfür die glänzendste Bestätigung. So ist der Eindruck, den die Berliner Enthüllungen selbst in loyalen, national gesinnten Kreisen hervor- gerufen haben. Der Vergleich mit der Zeit, der nach Jena und Tilsit führte, liegt nahe. Auch damals begann die Korruption von oben. Zu bestirchten ist, daß die Reihe der Skandale noch nicht abgeschlossen ist. Manche Anzeichen deuten darauf hin, und die Wissenden erwarten noch mehr." Gespalten ist die freisinnige Presse. Die „Freifinnige Zeitung" ist gegen Harden. Sie sagt: „Man kann nicht behaupten, daß für den Privatlläger die Charakteristik, die ihm durch die Zeugenvernehmung zuteil wurde, schmeichelhaft ist: aber die kläglichste Rolle hat ohne Zweifel der Angeklagte sHarden) gespielt. Von dem Nimbus eines glühenden Patrioten, mit dem er sich bei der ganzen Angelegenheit zu umgeben gesucht hatte, ist rein gar nichts übrig geblieben. Da. wie schon gesagt, die Affäre Moltke mit Politik schlechterdings nicht in Verbindung zu bringen war. so bleibt für Herrn Harden weiter kein„Verdienst" übrig, als das- jenige. Leute von militärischem und diplomatischein Range und von persönlichem Einfluß beim Kaiser zur Strecke gebracht zu haben. nicht durch die sonst im politischen Kampfe üblichen Waffen, sondern durch Angriffe allerpersönlichster Art." In die gleiche Kerbe haut auch die „BreSlaner Zeitung" die da u. a. sagt: ..... man soll uns nichst mit dem„großen Patrioten" Harden kommen. Wer Harden eigentlich ist, das hat er gezeigt bei der Dreyfus-Affärc, als jenseits der Vogesen der schäbigste und verbrecherischste Antisemitismus wahr- hafte Orgien feierte, und Harden, in schnöder Verleugnung seiner Abstammung, dadurch, daß er jenen Antisemitismus in Deutsch- land propagierte, sein angetauftes Christentum vor einem hohen Adel und verehrlichen Publikum vorteilhaft in Kurs zu setzen vcr- suchte."... Minder bestimmt drückte sich das „Berliner Tageblatt" aus. Es naume sie Artikel Hardens verdienstlich, verurteilte aber sein Auftreten im Gerichtssaal und fragte dann gegen den Schluß: „... Mit etwa? auffallender Betonung fügt Harden hinzu, er habe diese Tatsachen„nicht von H o l st e i n erfahren..." Der Name des Herrn v. Holstein(der in Herrn v. Tschirschky und im Fürsten Eulenburg seine Gegner sah) war von niemandem er- wahnt worden... Aber vielleicht hätte die Gegenpartei, wenn sie weniger furchtsam gewesen wäre, diese einfache Frage aufwerfen können, warum denn die Enthüllungen Hardens erst jetzt heraus- gekommen. Die„bösen politischen Tage" der Marokko-Affäre liegen nun weit zurück, und auch das Eingreifen des Herrn Lecomte fiel in die Zeit vor Algericas. Warum sprach, warum warnte, warum enthüllte Harden nicht damals, da er ja sein Material seit fünf Jahren im Kasten hatte? Warum verhinderte er die Gefahr nicht, solange sie akut war? Mußte er erst warten, bis Graf Moltke Stadtkommandant geworden, und war der Graf als Flügel- adjutant zu dulden? Oder war erst ein besonderer Anstoß nötig — und welcher?" Ganz auf der Seite Hardens stehen die linksliberale „B. Z. am Mittag" und einige ihr ähnliche Blätter im freisinnigen Lager. Die „B. Z. am Mittag" hat auch die byzantinischen Leistungen Hardens und seines Anwalts schier noch übertroffen in einem Artikel, der ernsthaft versicherte, der Prozeß habe der Dynastie genützt. Von wegen der Hochrufe, die dem Kronprinzen am Sonnabend zuteil wurden, als er sein Auto- mobil langsam durch die vor dem Kriminalgerichtsgebäude versammelte Menge der Neugierigen steuern ließ. Die Zentrumspresse benutzte die gute Gelegenheit, um Pfeile auf den verhaßten Reichskanzler abzusenden. So schrieb die „Kölnische Volkszeitnng": „... Neben Harden, Moltke und dem Freundeskreise sitzt noch eine andere hohe Persönlichkeit auf der Anklagebank alS mitverantwortlich für alle die Schäden der Hardenschen Enthüllnngeit und deS Prozesses am Gemeinwohl, an dem monarchischen Prinzip, an der Autorität der Krone und ihrer Berater. ES drängt sich die Frage ans:„Wer war der an erster Stelle verant- wortliche Ratgeber der Krone, als die Gerüchte über das Treiben der Hohenau, Lynar und Genossen in gewissen GesellschastS» kreisen schon Tagesgespräch waren?" Ein Zeuge hat von den Orgien in der Villa des Grafen Lynar in Potsdam vis-a-vis dem Marmorpalais erzählt: fast jedesmal seien andere Herren dabei gewesen. Unter den Offizieren war die Sache allgemeines Gespräch und im ganzen Regiment „Mode" geworden. Später ist das Treiben verboten wordeti, konstatierte derselbe Zeuge. Die bezeichnenden Aeußerungen Moltkes vom Freundes- kreis und von der Berichterstattung Moltkes an Eulenburg haben schon im Ehescheidungsprozeß der jetzigen Frau v. Elbe gegen den Grafen Moltke eine Rolle gespielt. Harden machte schon vor Monaten An- deutungen über das Treiben der„Freunde". Nur der verant- wortliche Ratgeber der Krone scheint nichts ge- sehen, gehört, von allen Dingen nichts gewußt zuhaben, die jetzt zum Skandal geworden sind, der seinen Abschaum bis zumThrone und zur Krone hinaufspritzt...." Die Anklage wider Bülow, die in diesen Worten liegt, wird in ihrer ganzen Schwere erst erkannt, wenn man den folgenden Anfang des Artikels kennt. «Nicht zehn Liebknecht- Broschüren und kein Dutzend sozial- demokratischer Brandreden vermögen so viel Schaden dem monarchi- scheu Prinzip und dem moralischen Empfinden des Volkes zuzufügen, wie die Dinge, die hier vor breitester Oeffentlichkeit... verhanoelt werde»...»" Das Bild wird vervollständigt durch folgende AuS- führungen der „Germania": . Der Kaiser, durch dessen ganzes Leben und Wesen sich tiefer Ernst und strenge Sittlichkeit zieht, dessen Ehe- und Familienleben ein herrliches Vorbild bietet, muß nun erleben, daß unter Personen seiner nächsten Umgebung und seines Vertrauens ein Sittenverfall abscheulichster Art eingerissen ist. Und er muß nun hören, wie seine Freunde und Vertrauten sich haben rühmen dürfen, daß sie um seine Person einen Ring gebildet haben, so daß er nur das erfahren konnte, was er erfahren sollte. War denn, bevor der Kronprinz mit anerkennenswertem Mute den Kaiser über den von Harden aufgerührten Skandal unterrichtete, nie- wand anders in der Umgebung des Kaisers oder unter den höchsten Beamten, der unterrichtet war und die Pflicht empfanv, dem Kaiser über diese sittlichen Verfehlungen Bericht zu erstatten und ihm dadurch die Möglichkeit zu gewähren, ohne den großen Skandal, der jetzt durch Hardens Vorgehen entstanden ist, die Atmosphäre am Kaiserhof zu reinigen und energische Maßregeln gegen das Weiterströmen der Schlammwellen sittlicher Verworfen- hcit wie gegen die Absperrung des Ohres des Kaisers zu er- greifen?..."_ flu« dem Reiche der Sittenpolizei. Der Prozeß, der seit dem 18. Oktober gegen den Redakteur der„Zeit am Montag", Karl Schneidt, geführt wurde, ist, wie wir bereits meldeten, gestern abend beendet worden. Schneidt war der Beleidigung von Beamten der Berliner Sittenpolizei an- geklagt und hatte den Beweis zu führen, ob die Tatsachen, welche cr in seiner Zeitung dargestellt hatte, auf Wahrheit beruhen. Es handelte sich in der Hauptsache um die den Polizeibeamten ge- machten Vorwürfe, sie hätten sich bei Ausübung von Amtshand- lungen eines ungehörigen und unberechtigten Vorgehens gegen Personen schuldig gemacht. Die hauptsächlichsten Momente der Be- weiscrhebung ergaben, kurz zusammengefaßt, folgendes Bild: Die Sittenschutzleute L ü d i ck e und B a ch m a n n hatten im Herbst IMS das Hotel Negcndank in der Charlottenstrasze zu be- obachtcn, um festzustellen, ob in demselben Pärchcst Unterschlupf fänden, um, wie es polizeitechnisch heißt,„Unzucht zu treiben". Eines Nachts hatten die beiden Beamten den Verdacht, daß ein solches Pärchen im Hotel abgestiegen sei. Gegen Morgen drangen sie in das Hotel ein und durchsuchten die Fremdenzimmer, wobei die Gäste ohne Unterschied aus dem Schlafe geweckt wurden. Wie die Beamten bei dieser Gelegenheit vorgingen, daS schilderte ein äußerst harmloser Hotelgast, ein ehrsamer Rentier auS KottbuS, folgendermaßen: Er sei gegen Morgen durch lautes Pochen an der Tür aus dem Schlafe aufgeschreckt. Draußen rief eine laute Stimme: Oeffnen Sie sofort, die Polizei ist da. Er habe sich notdürftig angekleidet und geöffnet. Dann sei ein Mann in Zivi! (der Sittenschutzmann Lüdickc) mit einem Licht in der Hand ohne iveiteres in das Zimmer getreten und habe ihn angeherrscht: Wie heißen Sie. was sind Sic, wie lange wohnen Sie hier, haben Sie ein Frauenzimmer bei sich? Der Beamte habe unter Bett und Sofa geleuchtet. Auf die Frage des Zeugen, was denn das alles zu bedeuten habe, erhielt er die Antwort: Es wird für Sie keine un- angenehmen Folgen haben. Dann habe sich der Beamte ohne Ent- schuldigung und ohne sich als Beamter legitimiert zu haben, ent- fernt.— In ähnlicher Weise schilderte auch ein anderer Zeuge das Vorgehen der Beamten. Eine„Dame", die zweifellos die weibliche Hälfte eines„Pärchens" ist. wurde bei der Durchsuchung allerdings gefunden.— Die beiden beteiligten Beamten behaupteten, daß sie durchaus korrekt vorgegangen wären und die Angaben der Zeugen übertrieben seien. Ein anderer Fall derselben Art hat sich in einer Privatwohnung in der Charlottenstratze abgespielt. Hier war es der Sittensch»«- mann Rumpf, der den Verdacht hatte, es sei ein„Pärchen" in der betreffenden Wohnung abgestiegen. Der Verdacht stützt sich auf die Angabe eines Herrn, den der Beamte auf der Straße befragt hatte. Rumpf ging nun mit einem Kollegen in die Wohnung, um die Frauensperson, mit der der Herr dort gewesen sein will, zu suchen. Die Durchsuchung wurde so gründlich vorgenommen, daß die Be- amten eine Kommode öffneten, ein Vertiko von der Wand abrückten. wobei eine Uhr in Trümmer ging. Ein Mädchen wurde trotzdem nicht gefunden, denn die Beamten waren an die unrechte Wohnung geraten. Das Pärchen war eine Treppe höher abgestiegen. In der von den Beamten durchsuchten Wohnung soll nach Angabe einer Zeugin ein anderes„Pärchen' gewesen sein, welches beim Eintritt der Beamten durch einen zweiten Ausgang entschlüpfte.— Der Inhaber der durchsuchten Wohnung, ein Herr M., hat sich wegen des Vorgehens der Beamten bei dem damaligen Vorstand des Sic viers, dem jetzigen Polizeihauptmann Enke, beschwert. Herr Enke versuchte den Beschwerdeführer zur Zurücknahme seiner Be- schwerde zu bewegen, denn, sagte er, wenn die Beschwerde sich als unbegründet erwiese, hätte der Beschwerdeführer ein Verfahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu erwarten! Herr M. erklärte sich auch zur Zurücknahme bereit unter der Boraussetzung. daß sich die Beamten wegen ihres Vorgehens entschuldigen. Der Reviervorstand Enke sagte aber, die Beamten hätten ihm erklärt. sie seien korrekt vorgegangen, deshalb könne er ihnen nicht zu- muten, daß sie um Entschuldigung bitten.— Die im Herbst IMS zerbrochene Uhr ist Herrn M. erst am dritten Tage deS gegen- wältigen Prozesses durch die Polizei ersetzt worden. Aus dem Verhalten der Beamten vor dem Hotel Negendank kam noch ein Vorfall zur Sprache. Ein mit dem Hotelverwalter befreundeter junger Mann ging eine? Nachts auf dem Wege zum Hotel an den observierenden Schutzleuten Lüdicke und Bachmann vorüber. Wie der junge Mann behauptet, rief ihm Lüdicke nach: Das nutzt Euch alles nichts, frecher Bengel.— Der junge Mann erklärt sich diesen beleidigenden Zuruf dadurch, daß oie Beamten glaubten, cr wolle sie in Gemeinschaft mit Angestellten des Hotels Negendank in der Ausübung ihrer Funktion stören. Der lnnge Mann wandte sich an einen uniformierten Schutzmann, um die Persönlichkeit des Beleidigers, den er gar nicht kannte, fesfftelleiH zu lassen, Lüdicke bestritt, den jungen Mann beleidigt zu haben, er drehte nun den Spieß um und verlangte die Feststellung de? jungen Mannes, weil— dieser verdächtig sei, das kupplerische Treiben im Hotel Negendank zu begünstigen. Der junge Mann wurde nun zur Wache gebracht. Er beteuerte, daß er mit dem Hotel nicht das geringste zu tun habe, was auch tatsächlich der Fall ist. Aber auf der Wache sagte ein Polizeibeamter zu ihm. «r habe sich die ihm widerfahrene Behandlung selbst zuzuschreiben, denn er verkehre ja mit dem Hotelverwalter, er sei wohl auch ein Zuhälter. Der Vater des jungen ManneS hat wegen dieses Vor- ganges eine Beschwerde an das Polizeipräsidium gerichtet, er hat aber damit keinen Erfolg gehabt und ist dann zum Angeklagten gegangen, um die Veröffentlichung der Angelegenheit zu veran- lassen. Soweit erstreckte sich die Beweiserhebung auf die in den Ar- tikeln angegebenen Tatsachen, die in alley wesentlichen Punkten von den beteiligten Beamten bestritten wurden. Sie wollen in allen Fällen korrekt gehandelt haben. Um die Glaubwürdigkeit der als Hauptzeugen der Anklagebchörde auftretenden Sittenschutzleute Lüdicke, Bachmann und Äumpf zu beleuchten, die zugleich als die Beleidigten gelten, wurde auf Antrag der Verteidigung Beweis dar- über erhoben, o b diese Beamten von Personen, mit denen sie amtlich zu tun hatten, Zuwendungen irgendwelcher Art, sei es Geld oder freie Zeche und dergleichen erhalten haben.— So oft im Laufe der Verhandlung hierauf bezügliche Fragen an die drei Beamten ge- richtet wurden, stellten sie stets mit großer Entschiedenheit in Ab» rede, jemals irgend etwas erhalten oder angenommen zu haben. AIS aber am dritten Tage der Verhandlung ein Restaurateur bekundete. Bachmann habe gelegentlich einer amtlichen Recherche, die er im Lokale des Zeugen auszuführen hatte, ein Glas Wein gratis er- halten und getrunken, da gab Bachmann das zu, erklärte es aber als eine harmlose Sache�die schon öfter bei ihm vorgekommen sei und auch wohl bei jedem Schutzmann vorkomme.— An den folgenden Tagen wurde durch mehrere Zeugen festgestellt, dag Bachmann und Lüdicke, wenn sie das Cafe National besuchten, um die dort der- kehrenden„Damen" zu beobachten, manchmal ihre Zeche selbst be- zahlten, oft aber auch von dem GeschiiftSfllhrer mit einer Tasse Kaffee, einanr Glase Bier, einem Glase Grog bewirtet wurden.— Nun erklärte auch Lüdicke solche kleinen gelegentlichen Bewirtungen als harmlose Vorgänge, die gar nicht den Zweck haben könnten. die Beamten zu beeinflussen. Zu der Frage, ob sich Beamte der Sittenpolizei von den ihrer Beobachtung unterstehenden Personen„schmieren" laffeu, wurden eine große Zahl von Zeugen vernommen: Restaurateure. Kellner, Hotelportiers usw. Tie meisten dieser Zeugen bekundeten in dieser Hinsicht nichts. Einzelne Zeugen machten jedoch ganz bestimmte Angaben, die sehr beachtenswert sind, obwohl nicht gerade die drei hier in Frage stehenden Beamten dabei in Betracht kommen. Zwei Zevgeo, die als Portiers im Hotel Negendank angestellt waren zu einer Zeit, wo dasselbe zweifellos ein bekanntes Absteigequartier für Pärchen war, bekundeten folgendes: Oft kamen zu iener Zeit nuiformierte Schuhleute in die Portierloge, wo sie auf Kosten des Hotelbesttzers mit Bier bewirtet wurden. Kriminalbeamte in Zivil sprachen dagegen nicht erst in der Portierloge vor. sondern gingen ohne weiteres hinauf zum Besitzer des Hotels. Solange die Bc- amten oben waren, durfte der Portier keinen anderen in das Zimmer lassen, wo der Besitzer mit den Beamten so stark zechte, daß sie betrunken den Rückweg antraten. Daß es sich in solchen Fällen um Beamte handelte, wurde den Angestellten des Hotels gegenüber verheimlicht. Es hieß, eS seien Handwerksmeister, die mit dem Besitzer geschäftlich zu tun hatten. Aber, sagte ein Zeuge, wir merkten ja doch bald, daß eS Beamte der Kriminalpolizei waren. Eine Zeugin, die vor Jahren mit der Inhaberin eines Lokals mit Damenbsdienung befreundet war und viel in dem Lokal ver- kehrte, gab an, sie habe selber gesehen, daß Beamte der Sittenpolizei in jenem Lokal nicht nur frei bewirtet wurden, sondern auch Wein in Flaschen zum Mitnehmen bekamen. Auch Geld sei den Beamten gegeben worden. In einem Falle will die Zeugin gesehen haben. daß ein Beamter von der Wirtiu b0 M. erhielt und zwar deshalb, weil er ihr regelmäßig mitteilte, wenn sie eine polizeiliche Revision ihres Lokales zu erwarten habe. Auch in diesem Falle handelte es sich nicht um die hier in Rede stehenden Beamten. Ein weiterer Fall, der in der Verhandlung eine Polle spielte, betrifft Bezühungen de? Schutzmanns Rumpf zu Fräulein Welten- berg, der Inhaberin eines Weinrestaurants in der Taubenstraße. Dies Restaurant hatte früher Damenbedienung. Rumpf erstattete damals mehrere Anzeigen wegen Uebertretung gegen Frl. W.— Später stellte Frl. W. statt ihrer Damenbedienung Kellner an und kam um Verlängerung der Polizeistunde ein. die ihr auch gewährt wurde, nachdem Rumpf in ihrem Lokal recherchiert und einen günstigen Bericht erstattet hatte, der sich jedoch nur daraus beschränkt haben soll, daß nicht mehr Damen, sondern Kellner in dem Lokal bedienten.— FrL W. ist im vorigen Prozeß gegen Schneidt als Zeugin vernommen und hat bestritten, dem Schutzmann Rumpf ein Geldgeschenk gemacht zu haben. In diesem Prozeß trat ein damaliger Kelluer de» Frl. W. als Zeuge auf und sagte: Nach der vorigen Prozeßverhandlung sei Frl. W. sehr erregt nach Hause ge- kommen und habe mit Bezug auf ihr Zeugnis gesagt: Warum soll ich mir denn gerade den Mund verbrennen, dann hätte ich ja den Rumpf auf dem Hals. Dieser Zeuge will auch gehört haben, daß Irl. W. im Gespräch mit einem anderen sagte, sie habe Rumpf „wegen Konzessionssachen" einen„blauen Lappen"(100 M.) gegeben. Der Zeuge schildert das Lokal des Frl. W. als eine„Gift- bude". Da würden Herren durch elegante Halbweltdamen hinein- gelockt und ausgeplündert. Räch Eintritt der Polizeistunde sei jede Nacht hinter geschlossenen Türen und Fensterläden oft bis V, auch 7 Uhr morgens gezecht worden.— Frl. W. bestritt alle wesentlichen Angaben dieses Zeugen, besonders, daß sie an Rumps 100 M. gegeben oder auch nur davon gesprochen habe.— Auch Rumpf bestritt, daß er von Frl. W. Geld erhalten habe.— Unbestritten ist dagegen, daß Rumpf seit längerer Zeit ein häufiger Gast des Weltenbcrgschen Lokals ist.— Als Frl. W. hierüber vom Verteidiger befragt wurde, sagte sie mit Nachdruck. Rumpf sei auch heute noch ihr Gast. Erregt setzte sie hinzu, das gehe den Ver- leidiger nichts an, sie werde seine Fragen überhaupt nicht mehr be- antworten.— SprachS. versenkte beide Hände in die Taschen ihreS Paletots, klapperte in der Tasche mit Schlüsseln und setzte den Fragen des Verteidigers beharrliches Schweigen entgegen.— Der Staatsanwalt, der am Tage zuvor eine Ungebührstrafe gegen den Angeklagten beantragt hatte, weil dieser mit einem scharfen Worte die Aussage eines Schutzmannes kritisierte, hatte dem eigenartigen Verhalten des Frl. W. gegenüber keine» Antrag zu stellen. Auch der Vorsitzende, dessen Intervention der Verteidiger anrief, um die Zeugin W. zum Antworten zu bewegen suchte deren Verhalten gewissermaßen zu rechtfertigen, indem er sagte, die Fragestellung des Verteidigers müsse doch der Zeugin sehr an die Nieren gehen.— Die Fragen, welche zum Betoeisthema gehörten, mußte die Zeugin hiernach natürlich beantworten. Nach Schluß der Beweisaufnahme plädierte der Staatsanwalt für Bestrafung des Angeklagten. Er beantragte zwei Monate Gefängnis. Der Berteidiger» Rechtsanwalt Dr. Halpert» führte in Lzhstündiger Rede aus, was der Angeklagte an Tatsachen ange- führt habe, sei in allen wesentlichen Punkten als wahr erwiesen. Die Art. wie die Beamten bei den in Rede stehenden Durch- suchungen und Sistierungen vorgingen, sei in allen Fällen unstatt- hast, in manchen Fällen sogar ungesetzlich gewesen. Der Angeklagte habe in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt, er müsse freigesprochen werden, wen» aber das Gericht lvegen einiger scharfer Ausdrücke zu einer Verurteilung kommen sollte, so wäre doch eine Gefängnisstrafe nicht begründet. Der Angeklagte Schneidt betonte in längerer VerteidigungS- rede, er habe nur das System der Sittenpolizei, das er seit Jahren bekämpfe, kritisiert, eine Beleidigung der Beamten, die ihm per- sönlich sehr gleichgültig seien, habe ihm ferngelegen. Er halte es für seine journalistische Pflicht, öffentliche Mißstände zu kritisieren. Wenn das Gericht die K r i t i k für strafbar halte, möge es ihn be- strafen. Nach SlLstündiger Beratung des Gerichts verkündete der Vor- sitzende das Urteil. Das Gericht halte den Wahrheitsbeweis für nicht gelungen. Nichts von alledem, was der Angeklagte behauptete, babc sich als stichhaltig erwiesen. Nur einen Fall(nämlich die Be- leidigung des jungen Mannes durch Lüdicke), halte das Gericht nicht für aufgeklärt. Gegen Rumpf sei absolut nichts erwiesen, gegen Bachmann und Lüdicke nur. daß sie gelegentlich ein Glas Bier und dergleichen annahmen, was sie rückhaltslos zugaben. Ob sie sich durch die Annahme solcher kleinen Dedikationen diszipli- narisch schuldig gemacht haben, darüber habe das Gericht nicht zu befinden. Das Gericht fühle sich verpflichtet, den drei Beamten hier eine Ehrenerklärung zu geben. Es sei erfreulich, daß die Beamten absolut rein aus diesem Kampf hervorgegangen seien. Das Urteil erging dahin: Der Angeklaate wird wegen öffentlicher Beleidigung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt und den bc- leidigten Beamten die Befugnis zugesprochen, das Urteil in der »Zeit am Montag" auf Kosten des Angeklagten zu veröffentlichen. Verurteilt ist der Angeklagte, gerichtet bleibt das Sittenschutz- mannSshstem, für dessen Verkehrtheiten freilich nicht einzelne Beamten, sondern die Moralheuchelei der Gesellschaft, die Jnsti- tution der Polizeistunde und die„Sitten"-Vorschrift des§ 361 Ziffer S Str.-G.-B. verantwortlich sind. Hlmmelichreiencke Zchulruitäncke In polen. Am Dienstag wurden in einer Gerichtsverhandlung bor der Strafkammer in Posen aus der Schule in Bartlchin Mißstände ent- hüllt, die empörend sind, und die schärfste» Anklagen gegen da» in Preußen herrschende Ha»-Systcm iu den Bulksschnlen entHilten. Aus Anlaß de? Schulstreits wurden die Schulstunden erheblich verlängert und früh von>/z8 bi§>/gl2 Uhr, nachinitiagS von 2 bis 5 Uhr also täglich sieben Stunden abgehallen. Eine Anzahl Kinder habe wegen des zu Ivetten Nachhauseweges nicht zum Mittagessen gehen können. Die Kinder wurden wegen der nichtigsten Anlässe entsetzlich verprügelt. Der Lehrer muß zugeben, daß er auch ein uiercnkrnnlcs 5tind gezüchtigt habe. Der Arzt hatte aus Gesuudheitsrücksichte» Schläge auf da§ Gesäß bei diesem Kinde verboten. Deshalb schlug der Lehrer das kranke Kind— auf den Rücke». Auf den Vorhalt des Vorsitzenden: aber das war doch noch viel schlimmer, iveitz der Lehrer nichts zu erwidern. Ein Schüler Kasimir Wronacki bekundet: Ich habe oft Prügel bekommen, einmal 5, einmal 4 Schläge auf die Hände. Auch erhielt ich einmal so viel und solch heftige Schläge auf daS Gesäß, daß ich eine Woche laug nicht in die Schule gehe» kounte. Einmal sei er in Gegenwart deö KreisschulinspektorS Kempf gezüchtigt worden. Tann hat der Lehrer Sawicki einmal geäußert:„Ihr verflixte Baude, ihr seid nicht Märtyrer, ihr seid Verbrecher. Ihr seid dumm, eure Eltern noch dümmer." — Vors.: Zeuge Sawicki, haben Sie solche Aeußerungen getan?— Zeuge: Ja, aber nicht in dem von dem Zeugen b e- haupteten Zusammenhange. Diese Aeußernng brauchte ich in einem anderen Sinne, als gelegentlich der Kaiiergebuetstags- frier die Kinder die früher freudig bezeigte Teilnahme verweigerten. Die Bekundung eines anderen Zeugen, der Lehrer Sawicki habe die Kinder öfter beschimpft:„Ihr verfluchte, verlogriie Baude» Ihr seid dumm, Euere Eltern noch dümmer, Euere Eltern haben Euch ver- führt", gibt der Lehrer als zutreffend zu. So wurde die Liebe zu den Eltern hochgehalten. Kinder von 9 und 10 Jahren haben an einem Tage 20, 24, 35, ja einer 48 Schläge erhalten. Der-Arzt konstatierte, daß Folge dieser Prügelei in einem von ihm untersuchten Fall starkes Fieber war. Wiederholt mußten Kinder infolge der GcsundheitSgefährdung durch die Prügeleien tagelang der Schule fern bleiben. Und weshalb diese furchtbaren Mißhandlungen, die in keinem Falle auch nur zu entschuldigen sind? Der Verteidiger be- zeichnete als Grund einiger solcher Ausschreitungen: Den Kindern war aufgegeben, ein Gedicht, das sie nicht gelaunt, als Straf- arbeit 20 in a l abzuschreiben. Da die Kinder neben den anderen Aufgaben diese nicht haben ausführen können, seien sie von neuem gezüchtigt worden. Ein geschlagenes DjährigeS Kind habe an den Abschriften bis 11 Uhr abcndS gearbeitet; sie hatte bis dahin nur sechs Abschristen fertig stellen können. Von ihrem Vater sei dann das Kind zu Bett geschickt worden. Trotzdem der Vater das Kind dann entschuldigt habe, sei eS von dem Lehrer gezüchtigt worden. Lehrer Sawicki muß bie Richtigkeit dieicr Borholtungen zugeben, mit der Einschrmikung. daß es nur ein kurzes Gedicht gewesen und die Kinder eS absichtlich nicht haben lernen wollen. Wurde Anklage gegen die Lehrer erhoben? Nein, aber gegen die Redakteure des„Pzewodiiic Katolickl" Adam Marszalek und Josef K l o S. Diese hatten das empörende Verhalten in ihrem Blatt mitgeteilt. Darauf wurden sie wegen Beleidigung der Lehrer, des Oberlehrers und des KreiSschulinspeltors angeklagt. Der Staatsanwalt gab nach der Beweisaufnahme zu, daß der Wahrhcits- beweis völlig gelungen sei und beantragte selbst Freisprechung von der Anklage der Beleidigung. Wegen einiger ferner zum Gegeiistand der Anklage gemachten Artikel, die zum Schulstreik aufgefordert und dadurch§ 110 des Strafgesetzbuchs verletzt haben sollen, beantragte der Staatsanwalt gegen Klos 40 0, gegen Marszalek 250 Mark Geld st rase. Der Verteidiger. selbst leider noch ein Anhänger der unter allen Umständen verlverf- lichen Prügelei in Schulen, hob hervor, er sei kein grundsätzlicher Gegner von Prügeln in der Schule, aber gegenüber dem Himmel- schreienden Unrecht, das hier an den Kindern begangen war. sei die Ruhe der Bartschiner Bürger, mit der sie dieses Unrecht hinnahmen, zu bewundern. Seinem Antrage auf vollen Freispruch für beide Delikte folgte daS Gericht nicht. ES erkannte wegen der Beleid'guug auf Freisprechung, wegen deS vermeintlichen Frevels gegen Z 110 Str.-G.-B. auf je 80 Mark Geldstrafe. Die Lehrer aber bleiben unverfolgt: nach Mitteilung des Staatsanwalts ist daS Strafverfahren gegen sie wegen Ueberschrcitung deS ZüchtigungS- rechts eingestellt. Nach der Bekundung eineS Zeugen in der Verhandlung hat ein Augenzeuge der Folgen einer Mißhandlung geäußert: Die Bcrhält- nisse sind hier ja noch schlimmer als in Rußland. Der Mann hatte Recht. Und diese nicht nur auf Posen beschränkten Mißstände deS preußischen Schulwesens werden nicht enden, bevor das herrschende System selbst gefalloit ist, das nicht minder durch das Zentrum und die Polen wie durch die Blockparteien hochgehalten wird, jenes System, dessen Ziel ist, die Arbeiter zu gehorsamen und willigen Dienern der herrschenden Klasse zu machen, die nicht leben sollen, um ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten, zur Blüte und Reife zu bringen, sondern um für die Besitzenden zu arbeiten und zu schuften, ihre Arbeits- kraft und auch, wie recht erst der Blick in die Adlervilla gezeigt hat, ihren Körper der herrschenden Klasse zur Verfügung zu stellen. Wer nicht an der Beseitigung dieses Systems durch sozialdemokratische Betätigung mitarbeitet, ist mit schuld an der Verlängerung des zmn Himmel schreienden Unrechts, das gegen Kinder geübt wird. Hud Industrie und Handel. Angst an der Börse. Am Dienstag zeigte sich die Börse trotz der am Morgen statt- gefundenen Diskonterhöhung noch sehr zuversichtlich. Am Mittwoch ließ sie ein anderes Gesicht sehen. Die aus den verschiedenen Staaten einlaufenden ungünstigen Nachrichten, besonders aber das lange Anhalten der.Beruhigung" in New jllork wirkte deprimierend. Teilweise büßten die Kurse nicht unerheblich ein. Holler Söhne u. Co. Nach dem vom Liquidator des Hamburger Bankhauses Haller Söhne u. Co. vom 19. Oktober aufgestellten Status stehen Aktiven in Höhe von zirka% Mill. Mark Passiven in Höhe von 11 Mill. Mark gegenüber._ Spekulation auf daS— StaatSmonopol. Die Nürnberger Spritfabrik vormals I. M. Bast erzielte wie die„Spiritus- und Spirituosen-Rundschau" mitteilt, im Geschäfts- jähr 1906/07 einen Bruttogewinn von 175 311 M., wobei der Vertrag aus dem verflossenen Jahre nicht miteingerechnet ist. Aus dem er- zielten Gewinn werden nach Abschreibungen in Höhe von 30 056 M. 22 P r o z. Dividende vorgeschlagen. Der Vorwog auf das neue Geschäftsjahr wird auf 49 034 M. erhöht. Man geht ivohl nicht fehl, die vorgeschlagene Dividende von 22 Proz. mit dem Monopol- Projekte der Regierung in Verbindung zu bringen. Die Bankbeklcwmungen in Amerika. Die„Beruhigung" nimmt in der bisherigen Weise ihren Fort- gang. Der Schatzsekretär Cortelyou stellte für den Notfall Unter- stützungen aus dem Panamakanalbaufonds in Aussicht. Nach Meldungen der„Franks. Ztg." sehen sich immer mehr Banken im Lande gezwungen, von der Schutzmaßnahme zeitweiliger Schließung Gebrauch zu machen. Die Negterung hat seit Anfang September zirka 70 Millionen Dollar bei den Banken deponiert. In so umfang- reicher Weise hat der Staat bisher noch niemals eingegriffen. Trotz aller Hülfsaktionen haben die Börsen in Louisiana und New Orleans ihren Geschäftsbewieb bis Montag eingestellt. Daß die Wellen- schlägt der KrisiS aber immer noch nicht daS Halt gebietende Ufer erreicht haben, besagen die letzten Nachrichten. Sie lauten: Olympia(Washington), 30. Oktober.(W. T. B.) Der Gou- verneur erklärte die Tage von heute ab bis zum Schluß der Woche für gesetzliche Feiertage. Diese Maßregel ist hauptsächlich zum Schutz der Laildbanken getroffen worden, die Schwierigkeiten haben, die erforderlichen Barmittel zu beschaffen. New Jork, 30 Oktober. Mehrere Baukfirmen sahen sich genötigt, ihre Liquidation anzumelden._ Zur Finanzlage Rußlands. Weder die Ruten des Gerichts noch die Skorpione der Ver- waltung hielten die russische oppositionelle Presse davon ab, die wahre Bedeutung der Visiten, die die Herren Kokoiozew und Jswolski ihren Pariser und Berliner„Schneidern" gemacht hatten, zu enthüllen, und das Finanzministerium sah sich in den letzieii Tagen gezwungen, mit einer Erklärung über die Finanzlage des Reiches herauszurücken. Wie nicht anders zu erwarten war. stellte sich heraus, daß am Schipkapaß der russischen Finanzen„alles ruhig" ist. Die Herren Minister dürften einfach zu ihrem eigenen Vergnügen die«Pump- reisen" ins Ausland unternommen haben; denn nach der Ver- sicherung des Finanzministeriums„kann von dem Abschluß einer Anleihe im laufenden Jahre nicht die Rede sein". Also im laufenden Jahre! Das kann man leicht glauben, da doch das „laufende Jahr" nur noch zwei Monate währt.... Weit schwierigcr ist es, jenem„Gefühl der Befriedigung" Glauben zu schenken, mit dem das Finanzministerium„eine Rückkehr des Landes zum nor- malen Gang des ökonomischen Lebens" konstatiert. Die Sprache der Ziffern ist überzeugender als die ministeriellen Versicherungen, und die Ziffern zeichnen ein dem„normalen Gang" ziemlich un- ähnliches Bild. Die russische Staatsschuld, die im Jahre 1892 5 Milliarden Rubel betrug, ist jetzt auf 8776 Millionen ange- wachsen, und mit der Garantie der Eisenbahnobligationen, mit den Pfandpapieren der Adels- und den Schuldscheinen der Bauern- agrarbank erhöht sich die Schuld auf 11 Milliarden Rubel! Die Zahlungen in allen Kategorien der Staatsschuld machen im laufen- den Jahre eine kolossale Summe aus, nämlich nicht weniger als 430 Millionen Rubel oder zirka des ganzen russischen BudgetSI Diese Zahlen übergeht die ministerielle Erklärung klugerweise mit Stillschweigen.— DaS Ministerium antwortete auch nicht auf die Frage, betreffs der gesteigerten Emission der Reichskrcditbilletts, die bereits die durch das Gesetz festgestellte Norm überschritten hat. Seit Herbst laufenden Jahres wurden bis 150 Millionen neue KreditbillcttS emittiert. Der Bestand der Geldzirkulation verschlimmert sich un- verändert und droht mit einem Krach der rühmlich bekannten „Gold-Valuta" in Rußland. Vor dem russisch-japanischen Kriege machte das Gold 52 Proz. des gesamten zirlulierenden Geldes aus, nach dem Kriege 38,5 Proz. und heute nur 30 Prvjj.I Dafür stiegen die KreditbillettS von 30 auf 64 Proz. Das Flnanzmini- sterium zählt in seinem Bericht wieder zur Deckung der Kredit- billettS die„Summen im Ausland", wobei es sich hartnäckig weigert, aufzuklären, was das für Summen sind, und es meint, „die Staatsbank könne noch KreditbillettS bis zu 265 Millionen Rubel emittieren". Nach dem russischen Emissionsgesetz(vom 11. September 1897) kann indessen als Deckung der Emission von Staatskreditbilletts nur Gold in Barren oder in Münze dienen. Migulin, ein Kenner der russischen Finanzen, den nicht einmal das Finanzministerium im Verdacht hat,„er stelle sich die Diskredi- tierung der Finanzpolitik der Regierung um jeden Preis zum Ziel", sagt über die„Summen im Ausland" ausdrücklich:„Dieses Konto ist fingiert und kann für den inneren Geldwechsel keine Bedeutung haben.... Dieses Gold ist weder in bar noch in Natur da» es existiert nur auf dem Papier." Also diese Papiersummen„im Ausland" können als Deckung der Kreditbilletts nicht dienen, und in der jüngsten Zeit sind nach dem Ausweis der Staatsbank für den 21. Oktober a. c. ungedeckte KreditbillettS auf 335 Millionen Rubel, d. h. auf 85 Millionen mehr, als das Gesetz bewilligt, in Umlauf gesetzt worden. Die Emission von noch 265 Millionen, von denen die ministerielle Erklärung spricht, würde den vollständigen Krach der„Gold"-Baluta bc- deuten. DaS ist„die glänzende Finanzlage Nußlands". Man braucht sich nicht zu wundern, daß gleichzeitig mit dem Erscheinen der ministeriellen„Erklärung" die Regierung durch die offiziöse „Rossija" schwere Strafen für die Presse„wegen Mitteilung falscher Nachrichten über die Finanzen des Reiches" verlangt.„Ich verstehe," schreibt der gedungene Oekonomist des Regicrungs- organes,„daß es der Regierung unbequem ist. die Initiative zur gerichtlichen Verfolgung zu ergreifen,— aber ich bin ent, schieden überzeugt, daß an dem Tage, an welchem wir in der tLmna eine wirkliche S ta a t S e i n r i ch t u n g haben werden, aus der Mitte dieser Duma die Initiative zur Bestrafung der Preß- vergehen, die zum Nachteil der StaatSfinanzcn begangen wurden, hervorgehen wird."— Mit diesen Worten plaudert die Regierung ihre geheimen Wünsche aus. Der russischen Presse den Mund verschließen unter wohlwollen- der Mitwirkung der„gefügigen" Duma— das ist ein herrliches und einfaches Mittel, die russische Finanzlage zu veroeycrn; aber... was nun mit der unabhängigen auswärtigen Presse?—-__ Hub der frauenbe�vegung. „Du sollst den Feiertag heiligen" hieß daS Thema, über welches am Sonntag Genosse Paul John in Beckers Festsäleu vor einer Versammlung von Dienstboten. Wasch- und Rein mache- f r a u« n referierte. Der Redner gab einen interessanten Einblick in die EntstehlmgSgcschichte der Feier- und Ruhetage, ihre Belämpfung seitens der Arbeitgeber und das Ringen der einzelnen Berufs- gruppen von Arbeitern und Arbeiterinnen um Anerkennung der Sonntagsruhe. Guter Wille und Gewohnheit könnte auch den Dienstboten Beschränkung der Arbeit, besonders an Sonn- und Feiertagen, bringen. Der Referent schilderte dann, wie sich die Parteien im Reichstag zur Beschränkung der Arbeitszeit und besonders der Sonntagsruhe verhalten haben. Die Dienstboten und ländlichen Arbeiter standen stets außerhalb der Gesetze. Der Redner empfahl, eine ReichSenquete über die L a g e d e r D i e n st- boten zu fordern, da nur amtliches Material als verwendbar be- achtet wird. ES sollte ein energischer Protest gegen die Gesindeordnung geführt und vor allem sollten die Mißstände von den Dienstboten selbst in aller Oeffeutlichkeit ver- handelt werden. Die Versammlung war den Ausführungen mit Aufmerksamkeit gefolgt und lohnte den Redner mit großem Beifall. An der Diskussion beteiligten sich unter anderein einige Haus- angestellte. Eine Aufwärterin ermahnte ihre Kolleginnen, nicht „unterm Preis" zu arbeiten; auch hier könnte Anschluß rechnung der Zentralkaffc schließt lsiit der Bilanzsumme von 23 528.38 M. Die Arbeitslosenunterstützung erforderte die außerordentlich hohe Summe von 8997,20 M., von der 7540,20 M. auf die männlichen Mitglieder kommen. Die Krankenuntcr- stützung kostete 1692,30 M. Die Abrechnung der L o k a l k a s s e ergibt, datz sich der Bestand dieser Kasse seit dem 1. Juli 1907 von 29 111,89 M. auf 36 596,04 M. erhöhte. Der Lolalzuschlag zur Arbeitslosenunterstützung erforderte die Summe von 1150,25 M. Der Bericht vom Arbeitsnachweis, der ebenfalls vervielfältigt vorlag, zeigt, datz die Zahl der Arbeitslosen von Monat zu Monat gestiegen ist. datz dagegen die sonst um diese Jahreszeit einsetzende Steigerung deL Stellenangebots viel zu wünschen übrig ließ. Männliche Arbeitslose meldeten sich im Juli 220. im August 225 und im September 266: verlangt wurden im Juli 112, im August 127 und im September 174; besetzt wurden von den im ganzen 413 Stellen 326. Datz eine ziemlich große Zahl der Stellen unbesetzt blieb, ist, wie der Arbeitsvermittler Rieger ausführte, darauf zurückzuführen, datz häufig erbärm- liche Löhne geboten wurden. Weibliche Arbeitslose meldeten sich im Juli 144. im August 190, im September 240; verlangt wurden im Juli 112, im August 127, im September 174; besetzt wurden von den 689 Stellen 405. Daran, datz eine so große Zahl dieser Stellen unbesetzt blieb, ist zu einem guten Teil die Zersplitterung im Krankenkassenwesen schuld. Arbeiterinnen, die in Buch- druckereien gearbeitet haben, treten nicht gern in Buchbinvereien über, weil sie dadurch der Rechte verlustig gehen, die sie als Mit- glieder der Buchdruckerkrankenkaffe erworben haben. Den B i b l i o t h e k S b e r i ch t gab der Bibliothekar Schmidt. Die Zahl der Bücher ist von 1372 auf 1385 gc° stiegen. Die Bibliothek wurde im Laufe des Quartals 550 mal von männlichen und 809 mal von weiblichen Mitgliedern benutzt. In der Diskussion erhob Hanke allerlei Beschuldigungen gegen Vorstandsmitglieder und besonders gegen Eugen Brückner. Das führte zu persönlichen Reibereien und dann zum AuSschlutz Hankes auS der Generalversammlung. Hierauf berichtete Brückner über die Umstände, die zum Boykott des Warenhauses I a n d o r f und deS Kaufhauses des Westens geführt haben, und forderte im Namen der Orts- Verwaltung die Anwesenden auf, dafür zu sorgen, datz von Ar- beitcrfamilicn in diesen Geschäften keinerlei Waren mehr gekauft werden« bis die Verhältnisse geregelt sind. Verband deutscher«arbiere. Friseure und Perückenmacher. Grlsillfcn, Berlin. Heute abend 10 Uhr: Milgliederversammlung im Lokal« Dircksenftrassc 4S, Restaurant Wegner. Für den Jutiatt»er Juierair ttberuiuimt die Redaktion de« Publik»,» gegenüber keinerlei Beranruiortung. CKeater. Donnerstag, den 31. Oktober Ansang 7'/, Uhr. Königl. OperuhanS. Der Evan- gelimann. Königl. Schauspielhaus. Hamlet. Drutichrs. Romeo und Julia. Kammcrlpiele. Liebelei. Au- fang 8 Uhr.) Anlang 8 Uhr. ReueS Tchauspiclhans. Die große Gemeinde. ReueS königl. Operntheater. Der schwarze Domino. Lessing. Vom andern User. TmHur O.(Wallne». Theater.) Reiteratiacke. Schiller(sharlottenburg. Her lnannSschlacht. Friedrich. BZilhelmftädt. Schau- spielhans. Watcrkant. «erliuer. Die Börse. Neues. Die Wassci, wieder» Kleines. Maria Magdalene. Zentral. Unser« blauen Jungens. Lorhing. Hans Heiling. Tbrater an der Spree. Der Attienbudiker. Residenz. Ganz der Papa. Komische Oper. Tlcsiand. BScften. Die lustige Wilwe. Lustip iellmus. Husarenfieber. Srtanon. Fräulein Joscite— meine Frau. Zchalia. Ihr ScchS-Uhr>OnkeI. Luisen. HofimannS Erzählungen. Bernhard«ose. Othello. «letropol. Das muh man seh'n. Vpolio. Sylvester Schäffer. Epe- zialitäten. Walballa. Spezialitäten. FolieS Eaprice. Geteilte Liebe. t5aii»o. Die wild« Jagd. Gebr. Herrnfeld. Madame Wig- Wag. ES lebe das Nachtleben. Pasinge. Danny Gürtler. Spezia« lilälen. Pratcr.'S Lorle. Wintergarten. Ruth St. Denis. Spezialitäten. Palast. Tante Malchen. Speziall- täten. Carl Haverland. Spezialitäten. Rctchsyalieil. Stclsiner Sänger. Ilruiii«. Dniil>enstr»ste Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Sterun-arrr. Jnvalidenftr. Zur Beobachtung: Mar», Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke._ Ferdinand üonna Berliner Thealer. Zum ersten Male: Die Börse. Schauspiel in 4 Akten von Friedrich Poths-Wegner. Freitag, Sonnabend. Sonntag! _ Tie Börse. Kleines Theater. Aöends 8 Uhr: Ag�nes Soroitt» Maria Magdalene. Freitag: Ein idealer Gatte. Sonnabend 8 Uhr: Ein Puppenhcim. Nora: Agnes Sorna. Sonntag nachm. 3 Uhr: Vater und Sohn. Abends 8 Uhr: Ein Puppen- heim. Heues Thealer. Slbends 8 Uhr: Die Waffcil wieder! Freitag zum 25. Male: Die Waffen wieder! Sonnabend: Die Waffen wieder! Theater des Westens. 8 Uhr: Die luatlso Witwe. Sonntag nachm. 3'/« Uhr halbe Preise: I-XililliiKisIuft. Friedricli-Wilhelmstädtiscties Schauspielhaus. Ansang 8 Uhr. Waterkant. Freitag: Brüderchen. Sonnabend: Waterlant. Sonntag nachm. 3 Uhr: Winter. schlaf. Abds. 8 Uhr: Die Nibelungen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; lieber den Brenner naeb Venedig. Invalidenstr. 57—62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsterue. Nebelflecke. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Luisen-Theater Reichcubergerftr. 34. Abends 8 Uhr: LortzingTheater Abends 8 Uhr: Hans Heiling. Freitag: Uiidine. Sonnabend: HanS Heiling. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Undlne. Abends 8 Uhr: Hans Heiling. -i-l:«»MÄ. l- Direktion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und Dcsvailliöres. Deutsch v. M. Schönau. Baron des AubraiS: R. Alexander. Freitag: Gastspiel Adald. Matkowsky. Das Leben ein Traum. Sonnabend, 4 Uhr: Aschenbrödel. �Abends: HosfmannS Erzählungen. Sonntag, 3 Uhr: Das Leben ein Traum. Abds.: Berlin wie es weint und lacht. Montag: Berlin wie cs weint und lacht. lMMMMs Gr. Fraiitsiirlerftr. 132. Otdell«. Ansang 8 Uhr. Wochentagspreise. Freitag: Sprec-Atheiicr. Sonnabend SPrec-Alhciicr. Nachmittags 4 Uhr Kindervorstellung: Rotkäppchen. TFiaiion-Theater. Fräulein Josette- meine Frau. Ansang 8 Ubr. �f�eakim�ejiS�K/s Köpenickerftraste 68. Ans. 8 Uhr. Tägl. stürmische Heiterkeit. Alt-Berliner Posse: Der Aktien budiker. Im Stil der sünsziger Jahre. — Josefine Tora als.Karline'.— Theater Folies Caprice Linlenstr. 132, Ccke FriedrichstraSe. • Geteilte Liebe• AntidtieUauten— Bunter Teil. Ansang 8 Uhr. Tonnabend, den 2. November: Premiere G Rabbi Meseritsch. G Theater des Zentrums. Sophien» Säle, Sophienstrasse 17/18. öis ftilh»in liinfc o.Kren u. Lippschütz, Mufil v. P. Lincke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. Kasiuo-Theater. Lothringerftr. 37. Täglich S Uhr: Meäerleute. KdiiiliB in i Akten v. Bob. Misch. Borher das glänz, bunte Programm. Souiitag 4 Uhr: Die wilde Jagd. Stadt-Theater Moabit. Alt-Moabit 47—49. Donnerstag, den 31. Oktober 1907; Die Kkttlm» nud ihr Kind. Charakteristisches Schauspiel in süns Allen von Jul. Meissner. Nach der Vorstellung: Grosser Ball. Ans. 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. prater-l'keatel' Kastanien-Zlllee 7—9. Dorf und Stadt. Schauspiel in 5 Alt. v. Birch-Pseiffer. Ansang 3 Uhr. . Freitag zum ersten Malet Die Kamcliendame. Reiehshailen- Theater. Täglich: Britton alS Ante im Familicn- bad Wannsce. Ans. Wochent. 8. Sonntags 7 Uhr. Schiller-Theater. Vehlller- Theater 0. lWallner-Tdealer). Donnerstag, abendSSUHr: kelt«r»tt»«kv. Schwank in 3 Slufj. von Stobitzer und Fritz Friedmann-Frederich. Freitag, abends 8 Uhr: Rk oltvrnttnokv. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Da» vierte Gebot. Sehitler-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abendSSUHr: Die Herniannfnelilacht. ®in Drama in 5 Auszügen von Heinrich v. Kleist. Freitag, abends 8 Ubr: Die Nermaimseliiaebt. Sonnabend, abends 3Uhr: Deiterattaelre. OOGGchOOOÄSIKVOOOGGOOO PreievolkZbiihise rreitae, S'/, Mir, ZI,(I.) Abendabtlg.: im LorUing- Theater, Schtller-Saal fc'ÄJilÄ") Freitag, (Srläutert durch Instrumentalmusik. Fünfter Vortrag dcS abends 3 Uhr: Vortrag Dr. ponisten der Neuzeit". Sonntag, abends 8 Uhr: Paul Ertel: Georges Bizet. Zyklus.Kv! Ernst v. Wildenbruch-Nbenb. 24.(TV.) Abteilung, Freitag, 8. November, e1/, Uhr Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer! Sonntag, den 3. November, VsS Uhr: \ Kunst-Abend.& Leitung: Margarete Walkotte. Mitwirkende: Emil Richard, königl. Württemberg. Hofschauspieler, bedeutendster Dialekt-Humorist der Jetztzeit. Kon Arpad, der Idjäbr. Violinvirtuos. Frl. Dibbern, Konzert- sängerin. ülarg. Walkotte. Flügel: Herr Bcrnh..Vitzocli. Entree 60 Pf. im Vorverkauf bei Hrn. Horsch, Engel-Cfer 15. Abendkaase 75 Pf. 298b« Zirkus Busch| Donnerstag, den 3t. Oktober, abends präz. 7'!, Uhr: Große Torstcllnng! U. a.: Möns. Gna. Harria!] ' KanonsnkSnig,"96 fängt eine 25 kg schwere Gra- 1 nate ans einem Geschütz mit j der Hand auf. Herr Burkhardt■ Foottit, Sohul- reitcr. Hille. Feodora, Schul- 1 reiterin. Frl. Mela, Reitkünstl. Um'/jlO Uhr: Auf der Hallig;. Riesen- lllnaiona- Akte| unter Waaser. Zirkus Schumann Heute, Donnerstag. 31. Oktober, abends präz. 7ll, Uhr: Elite- Abend. G ala-Programm Austreten Irl. Sora Schmann. Ferner: Die Zum letzten Male: großartigen l""/; Ab 8 Uhr: Zum letzte» Male! Die Slttraktionen des großen Oktober-Programms. 8�/, Uhr: Berlins grösitc Sensation: s. er. 8Kk8lös ZeltMs j Uer»elilierüdiule ljuirersälküuztle ülelropol'sllesler Anfang präzise 8 Uhr. Gr. Eevue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Bichard Schnitz. GlettraiFJassary B. Oarmand a.D. E. Whithney, Beider. Ciampielro, Josepfii Bauchen überaU gestattet. Sonntag, den 3. STovcmber, nachmittags 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Oktober-Spezialitäten. Um 9'/, Uhr: Die dieSjShrtge große Wasser- Pantomime. Eine Fortsetzung du Wp Heidei&erp: Ein Fest auf dem Neckar mit sämtlichen neuen Einlagen. Umime ündtae. 23.(Hl.) Abendabteilung im Luisen-Theater, 15FKoTe£ber: 03�61 TUraSBF. 24.(IV.) Abendabteilung, Freitag, den 2». November: Bartel Toraser. III. Serie. Otto Ertcb Hartlcben: Erziebong zur Ebe. Komödio in drei Aufzügen. IV. Serie. Hans Heiling. � �- V. Serie. Vor Sonnen- \ V & % A teppdecken Spczialbaiis Von Gerhart Hauptmann. $ O %® V, Nachmittags- Serie. A Ä � Das Tal des | Lebens. Von Max Dreyer. i IV. Serie. Hebbels Judith. Emil Lefevre, Berlin Süd. Seit 1882 nur Ofanienstf. 158 "�nirgends Filialen! Celegenheitskauft I Ersatz für Dockbet) i Verein Berliner Hausdiener j Mitgliedschaft I des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes. Nachruf. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dasi die Kollegen Eirml Scranowitz Gneisenaustr. 59, Samuel Janutta Boeckhstrasie verstorben sind. Eiire ihrem Andenke» k Di« Beerdigungen fanden de- reits statt. 78/3 1 Die Ortsverwaltung I. 1 In den Farben rot, blau, «Ii» zA» giigi« sÄSenWP llldeel(ens...«300f Relsede' Praclit- Katalog j(engl.)* Jgotigertl i Hon tag, den 25. November i abends 8'/, Uhr: 25. Kunstabend:' Richard Wagner. I Mit besonderer Berücksichtigung seiner Opern. mit ca. 600 Hlustrat. gratl. and franko. Möbelfabrik] Julius Apelt 6 Adalbert• Straße 6 Hochbahnhos Kottbuser Tor (srüber: Skaltyer-Strasir 8) Do imer.tai/, im den 81. Oktober, abend. 8'/« Uhr, Gewerkschaft. banse: MMMliq l Oeaeraf-Versammlung. Deutscher iMetallarbeiter-Verband Venraltunpsstelle Berlin Todes.Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dasi um'erMitglted.berSchraubendrcher Max Jaekel am 28. d. M. gestorben ist Ehre seinem Audenke» l Die Beerdigung findet morgen Freitag, den I. November, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des EmmauS-KirchhoseS in I Nirders, Hcrmannstrasie, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 1 159/2 Die Orts»ar*aitung. ferbam! Der Fabrik-, UdiK Hilisarlieiter oiifl irbeiterinBeiil = Deulschlands= Zahlstelle GroB-Beriin. Am 28. Oktober verstarb nach! längerem Kranksein unser Mitglied j �rntl öennert. Die Beerdigung findet �heule, Donnerstag, den 3 l. Ottober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. balle deS EmmauS» FncdhoseS (SUsborf), Hcrmannftrasie, aus statt. Rege Beteiligung der Mitglieder erwartet Anfang 8 Uhr. Letzte Vorstellimz Tages Ordnung: Vortrag Eduard Bernstein über Bertlbard Bbaw« ' Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes vom 1. Quartal. i �er Rsvisoren, Diskussion. Antrag der Ordner: FürKartenduplikate sollen die Verlierer kleine Entschädigung I an die Vereinskasse zahlen. Verschiedenes. ,.— ,, Eintritt ist Mitgliedsm nur gegen Vorzeigung I der MBgliedskan« gestattet-Mgtz (230/13 Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. direkt aus der Fabrik. Kein Laden! Nach beendeter Engres-Salson 64/16 Die Ortsverwaltung. Am Sonntag, abends 8 Uhr, Rixdorfer Theater Vürgersäle, Bergstraße Nr. 147. Sonntag, den 3. November: Vastsp. deSOpernensemblcS A. Below: Der Zigeunerbaron. Operette in 3 Akten von Ioh. Strauß. Ansang 7'/, Uhr. WjfoacUs Theater Direktwi, Hob. Dill. Srumicniti. I«. Aas Kötsel seiner Ehe. Schausp. n.d. Roman d.,B.Morgenp." Ansang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Ehren- und VorzugSkarien gülltg l Sonnabend, den 2./1I.: Zum f. Male: Marie, die Tochter des Regiments. alnalls- Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosonth. Tor. Mar noch heate: Das grandiose Oktober-Programm Ansang 8 Uhr. Iß arabische Ifi lö Springer 10 12 erstklass-SpezIalitäteD 12 Freitag, den 1. November; Vollständig neues Programm, Tunnel: Doppel-Konzert. Theaterbesuchern kreier Eintritt. Glänzendes Programm. Passage-Theater. Heute letzter Tag des groBartigen Oktober-Programms, i Dalast- Bargst Thealer vnrgstraße 24. Heute 8 Uhr. Sntree 20 Pf. Letzter Tag de» Mier-8irietpIsliZ. Freitag. 1. November. 8 Uhr: ext Premiere m deS Nevember-Programms. MoritiplaU.. . ünlheatcriaa) isglldv* Anfang 8 Uhr. ~ 7 Uhr. Das jr-Pnpm Entree 50 Sonntag» 7 Uhr.(Sonntags reserviert I M., Eniree 50 Ps.) Familicubilletts a 40 Ps. Nid. Militär-Konzert. Becker, Przywarski, Görisch, Neumann. Osicney und Littttch. Lobs. BCTTUfölll- Theater. 57 Konnnandanlenstraße Nr. 5 Ansang 8 Uhr. Vorverkaus 11—! vedergangs- Palelets. Dapes Abendmäntcl Kostüme Kostüm-Röcke Mädchen- Paletots Petz-Stolas den 27. d. M., verschied nach langem schweren Leiden unser imiigstgeltebter Sohn und Bruder, der Mechaniker Otto pallmer im vollendeten 91. Lebensjahre. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme zugleich im Namen der Hinterbliebenen er- gebenst an 4.oat» Fnllmer, Gastwirt. Aaguete b'alimor, geb. Lauenburg. Die Beerdigung findet heute. Tonuerstag, den 31. Ottober, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle der Schönholzer Heide aus statt. Robert Baumgarten Hausvogtei-Platz II. I. Etage (an der JerusalemerstraSe). Bei Vorzeigung diasei Inserates an der Kasse werden S Pro*. Rabatt vergütet. Aach Sonntags geöffnet I Allen Danksagung. Kunden und Bekannten U" litt tgeniit loten, herzllchs 11. Rugensteia u. g-mute. wie veruiskollegen. die unserem So Alfred itugenatein die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir hier durch unseren herzlichsten Dank. Sanssouci st�ra! — Dtrettlon: Wilhelm Reimer.— Heute sowie jeden Sonntag und Montag: RolfmaiinsflorUiiger u. Tanzkritnzchen. Wir von der Kavallerie Schwant mit Gesang. Sonnt.Beg.S, wochent.SU. Morgen Freitag: Berliner Botksbühne. Zum 1. Male: Der der- toreue Sohn. Schausp. öaubancivl>erker-�rankenkalle für Berlin und Umgegend. Die Zahlstelle Wctttcii und Schöneberg befindet sich setz! Elßholzstratze KV bei �amter. Eingeschriebene Hütfstafle Nr. 448. befindet sich jetzt 38/6 Der Vorntand. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, MtÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— t. Gegründet 1064. Operetten-BurleSke, Musik von L. Jtak. 85 lebe dasJMtleben! Separee-Affäre tn 2 Allen. Beide Stüde mit den Autoren Anton und Tonat Herrnfeld. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein verrücktes Hotel und Ha», fisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herrnfeld. pölztMsen. Fabrik ulnger Reue Kötiigsfr.21. (Ordonnanzhaas.) Kein Laden II. 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Hauptgeschäft: W., Jlohrcnstr. 37a, an den Kolonnaden. Fil.: O.Gr.Frankfurterstr.l 15 Och bitte genau auf Firma und Hausnummer zo achten!) an der Andreasstraße. EoiifeMonshaiis Westmann verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.7 Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo., Berlin SW, 8,. 255. 24.»«. 2. Mllge iltS Drmls" Kkrlilltl AlKsbllltt. Zw Kommunalwaljlbcwcgung. Im zweiten Wahlkreis hatten unsere Genossen zum Dienstag zwei Kommunalwähler-Versammlungen einberufen. Eine nach der Bockbrauerei am Tempelhofer Berg, die zweite in Kliems Festsäle, Hasenheide.— In der Bockbrauerei hörten Wähler des S. Kom- munalwahlbezirks einen Vortrag des Genossen Stadtverordneten Koblenzer über:.Die Sozialdemokratie in der Stadtverord- neten-Versammlung." Wenn man den Freisinn höre, sei Berlin die bestverwaltete Stadt der Welt. Professor Wagner habe die Leute arg verschnupft, indem er im Gegenteil Berlin vorwarf, die schlechteste Verwaltung zu haben. Nun, man brauche weder das eine, noch das andere zu glauben. Aber Berlin stehe noch lange nicht auf der Höhe. Das stehe fest. Selbst kleinere Orte, die nicht die reichen Mittel hätten wie Berlin, seien in sozialpolitischer Hinsicht der deutschen Metropole überlegen. Redner legte dann treffend dar, wie eine bestverwaltete Gemeinde aussehen müsse, indem er das sozialdemokratische Kommunalprogramm entrollte. Das leitete über zu einer Darstellung der Tätigkeit der sozial- demokratischen Fraktion, der allein es zu danken sei, wenn die Mehrheit in sozialpolitischer Hinsicht etwas vorwärts getrieben sei. Unter lebhaftem Beifall trat Redner für die Wahl des sozial- demokratischen Kandidaten ein. Genosse Dr. Alfred Bern- st c i n, der Kandidat für den S. Bezirk, hielt dann eine kernige Ansprache, in der er auch der allgemeinen politischen Situation gedachte. Die Versammelten stimmten ihm auf das lebhafteste zu. Die Versammlung bei Kliem diente der Agitation im 10. Kommunal. Wahlbezirk. Hier sprach Stadtverord- neter Johannes Sassenbach über:„Stadtverwal. t u n g und Volksinteresse." Er zeigte die Bedeutung einer kommunalen Riesenverwaltung, wie es die Berlins mit seinem kolossalen Etat sei. und wies nach, welch großes Interesse in mannig- faltiger Beziehung die großen Volksmassen daran hätten. Wie es ihnen zum Beispiel nicht gleichgültig sein könne, auf welche Weise die benötigten Mittel aufgebracht würden. Auf viele Fragen der Kommunalpolitik im Zusammenhange mit dem Volksinteresse ging er ein, und dann kam er zu dem Schluß, daß das Volksinteresse am besten im Rathause gewahrt würde, wenn man so viel Sozial- demokraten hineinwähle, als es das jämmerliche Wahlsystem irgend zulasse. Jeder müsse auch im 111. Bezirk seine vollste Schuldigkeit tun, damit Genosse Gottfried Schulz mit großer Mehrheit in der nächsten Woche gewählt werde.(Lebhafter Beifall.)— Genosse Gottfried Schulz als sozialdemokratischer Kandidat nahm dann noch daS Wort und gab eine Uebersicht über die positive Mitarbeit der Sozialdemokratie in der städtischen Verwaltung. Namentlich betonte er ihr sozialpolitisches Wirken, dem er den antisozialen Geist der Freisinnsmehrheit gegenüberhielt. Auch ihm wurde reicher Beifall zuteil. Für den 11. und 12. Wahlbezirk wurde am Dienstag eine Ver« sammlung im Saale Naunynstr. 27 abgehalten. Der Besuch war gut und das Interesse, welches die Zuhörer dem Vortrage des Ge- nassen Borgmann entgegenbrachten, ein ungeteiltes. In ein- gehenden Darlegungen zeigte der Redner, wie kleinlich und kurz- sichtig die Kommunalpolitik der Freifinnigen ist. Er legte an einer Reihe von Einzelfällen klar, wie schwer die Interessen der Allgemein- heit durch diese Engherzigkeit und Kurzsichtigkeit geschädigt worden sind und führte unter lebhaftem Beifall der Zuhörer aus. daß hier nur Besserung eintreten kann, wenn die Arbeiterschaft auf dem Posten ist und Vertreter ihrer Rechte und Interessen in die Stadtverordneten- Versammlung entsendet. Eine Versammlung für den 22. und 23. Bezirk fand am Dienstag unter zahlreicher Beteiligung in BökerS Saal in der Weberstraße statt. Als Referenten traten die Genossen BaSner und Wengels auf, die in den beiden Bezirken wieder zur Wahl stehen. In inarkigen Worten kritisierten die Referenten das liberale Stadt- regiment und stellten dem die kommunalen Forderungen der Sozial- demokratie gegenüber.— Den Referaten folgte eine äußerst rege Diskussion. Einige Gegner aus dem bürgerlichen Lager waren zwar anwesend, griffen jedoch nicht in die Debatte ein. Die Genossen A u g u st i n und Waldeck Manasse besprachen die Haupt- sächlichsten Gesichtspunkte, welche voin sozialdemokratischen Stand- punkt aus für die Kommunalwahlen üi Betracht kommen. Die Ver- sammelten folgten allen Rednern mit lebhaftem Interesse und nahmen deren Ausführungen mit Beifall auf. Für den 34. Bezirk war eine Wählerversammlung nach den Berolina-Festsälen in der Schönhauser Allee einberufen. Unter den zahlreichen Besuchern befanden sich auch viele Frauen und auf- merksam folgten die Versammelten dem Referat des Genossen Ritter, der ein Bild von den Aufgaben der Kommune im Klasse, entwarf und für die Wahl des Genossen Theodor Fischer als Stadtverordneten eintrat. Jeder sollte nach Kräften durch eine eifrige Agitation dazu beitragen, daß unser Kandidat am 6. November gewählt werde. Der lebhafte Beifall, den der Redner erzielte, zeigte, daß die Anwesenden entschlossen waren, dem empfohlenen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Einige Fragen aus der Versammlung beantwortete der Redner zur Zufriedenheit. Im 3 6. Bezirk war die Wählerversammlung, die im Swinemünder Gesellschaftshaus stattfand, recht gut besucht. Ge- nosse Glocke trat als Redner auf und beleuchtete die Ungerechtig- kcit des bestehenden Wahlsystems, welches für die arbeitenden Massen schwere Nachteile bringe. Ihre Interessen seien in den Hintergrund gedrängt und die Frauen hätten überhaupt kein Wahl- recht, trotzdem sie gerade in der Gemeinde wichtige Interessen zu vertreten haben. Es sei nun Aufgabe unserer Genossen, allen Schwierigkeiten zum Trotz, den Vertretern der Arbeiter den Weg nach dem Rathause zu bahnen, damit sie dort für ihre Brüder die Stimme laut und energisch erheben können. Lauter Beifall ant- wartete dem Redner, als er die Anwesenden aufforderte, für den Genossen Leid am Wahltage mit allen Kräften einzutreten. Im 3 2. Bezirk, der Versammlung bei Dase in der Vrunnenstraße, gab der Genosse Leid in seinem Vortrage kräftige Anregung zum Wahlkampf. Stark betonte er, gestützt auf eine Fülle beweiskräftiger Tatsachen, den klaffenden Gegensatz zwischen dem Streben der Sozialdemokratie für das Wohl der Allgemeinheit, der großen Masse der Bevölkerung, und der Interessenvertretung der kleinen, aber auf Grund des schändlichen Wahlsystems über- mächtigen Gruppe von Hausbesitzern und Reichen. Nach unten Brutalität, nach oben Servilismus und Byzantinismus, das ist die Art, wie diese Geldsackvertreter ihr Mandat ausüben. Die Herren reden viel von Gemeinsinn, treiben aber Mißbrauch mit diesem Wort, und im Haus- und Grundbesitzervcrein sagen sie es denn auch ganz offen, wessen Interessen sie vertreten. Wer eS aus der Arbeiterklasse fertig brächte, für diese Herren zu stimmen, würde Verrat an seiner eigenen Klasse, an seinen eigenen Interessen begehen. Alle sollen dafür sorgen, daß der Genosse Dr. Wehl nicht nur wieder als Stadtverordneter gewählt wird, sondern glänzend als Sieger aus der Wahlurne hervorgeht. In der Versammlung für den 4 8. Bezirk im Saale des Bernhard Rose-Theatcrs sprach Genosse D u p o n t. Auch in den Bezirken, die uns am sichersten erscheinen, müssen die Parteigenossen ihre ganze Kraft einsetzen, sagte er unter anderem. Es gälte nicht nur wiederum zu siegen, sondern die Stimmenzahl für den bis- hcrigen Vertreter des Bezirks, den Genossen Wurm so viel wie nur irgend möglich zu erhöhen. Darum solle man eifrig bestrebt sein, auch die Leute als Wähler zu gewinnen, die für die Sozial- demokratie als solche noch nicht zu haben sind, wohl aber erkannt haben, daß es die sozialdemokratischen Stadtverordneten sind, welche die Interessen der Gesamtheit der Bevölkerung ernsthaft vertreten. Daß uns die Zukunft gehört, das habe auch ein Teil der Gegner er- kannt; sie wollten eben nur den Zeitpunkt unseres Sieges hinaus- schieben.— In diesem Zusammenhang schilderte der Redner die Schmach des Dreiklassen-Wahlunrcchts in Gemeinde und Staat. wie die darauf beruhende Jnteressenwirtschaft der Hausbesitzer und reichen Leute im Stadtparlamcnt mit ihren krassesten Auswüchsen. — Könnten wir unter dem herrschenden Wahlsystem auch nicht die Mehrheit in der Gemeindevertretung gewinnen, so müsse man doch immer wieder mit aller Macht einen Keil in die Interessen- clique treiben.— 44. Kommunalwahlbezirk. In Moabit werben die Konser» vativen mit Eifer und Inbrunst um die Stimmen der Wähler dritter Abteilung. Sie geben sich der fröhlichen Hoffnung hin, der Sozialdemokratie diesmal die Kommunalwahlbezirke 44 und 45 wieder entreißen zu können. Daß aber auch unsere Genossen dort nicht lässig sind, das zeigte sich am Dienstag in einer für den 4 4. Kommunalwahlbezirk veranstalteten Wählerver- sammlung(Moabiter Brauerei. Turmstratze), die recht gut bc- sucht war und sehr anregend verlief. Stadtverordneter Genosse Theodor Fischer, der über die Bedeutung dieser Wahlen referierte, sprach die Erwartung aus, die werktätige Be- völkerung des 44. Wahlbezirks werde nicht sich durch die schön- klingenden Verfprechungen der Konservativen irre machen lassen. sondern den bisherigen Vertreter des Bezirks— den Stadtverordneten Genossen Theodor Glocke— aufs neue ins Stadtparlament entsenden. Der Referent zeigte, daß das Wort des konservativen Professors Adolf Wagner, durch welches Berlin als die in Fragen kommunaler Sozialpolitik rückständigste Stadt der Welt gekennzeichnet werden sollte, leider nicht unzutreffend ist. Doch Fischer stellte auch fest, daß derselbe Wagner jenem Wort das offene Bekenntnis hinzugefügt hat, für das allgemeine gleiche Wahl- recht könne er, der konservative Herr Professor, sich nicht erwärmen. Gerade das Drciklassenwahlsystem des Gemeindewahlrechts, das Herrn Wagner so sehr zu gefallen scheint, verschaftt ja in Berlin die Herrschaft über die Gemeinde jenem Kommunalfreisinn, der es ver- schuldet hat. daß die Reichshauptstadt zur„rückständigsten Stadt der Welt" geworden ist. Die Arbeiterklasse fordert für die Kom- munalwahlcn das allgemeine, gleiche, direkte, geheime Wahlrecht, weil nur hierdurch der werktätigen Bevölkerung die ihr zukommende Vertretung im Stadtparlament und die gebührende Wahrnehmung ihrer Rechte gesichert wird. Die Arbeiter Berlins wissen, daß die frei- sinnige Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung oft genug sie schnöde betrogen und verraten hat, und daß sie eS noch schlimmer getrieben hätten, wenn nicht Sozialdemokraten ihr entgegen- getreten wären. Der Referent wies das nach an zahlreichen Bei- spielen aus den verschiedensten Gebieten unserer Stadtverwaltung. Das Interesse auch derjenigen Bevölkerungsschicht, auf die die Kon- servativen für die Wahlbezirke dritter Abteilung rechnen, der kleinen Gewerbetreibenden und kleinen Beamten, fordert die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts, an dem die Konservativen nicht rütteln lassen wollen. Auch diese Volkskreise leiden ja unter der kom- munalen Mißwirtschaft; auch ihre Ansprüche auf bessere Aus- gestaltung z. B. des Volksschulwesens, der öffentlichen Kranken- pflege usw. werden vom Rathausfreisinn verlacht; auch sie müssen wünschen, daß ein Ende gemacht werde der freisinnig- Haus- agrarischen Jnteressenpolitik, durch die z. B. die Be- steuerung des Wertzuwachses der Grundstücke und die Erschließung einer sehr notwendigen neuen Einnahmequelle verhindert worden ist.— Dem Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion, in der einige Genossen mitteilten, welche Erfahrungen sie am Tage vorher in der Versammlung der Konservativen Moabits gemacht hatten. Dort war gleichfalls zugegeben worden, daß die Konservativen das Drei- ilassenwahl recht nicht beseitigt zu sehen wünschen. Der kleinen Gewerbetreibenden hatte in jener Versammlung Herr Popiersch sich angenommen, den die Konservativen im 44. Bezirk unserem Ge- nassen Theodor Glocke entgegenstellen. Dieser angebliche„Kauf- mann" Popiersch ist i» Wirklichkeit Grund st ücksver- mittler. Da ist s e in Gewerbe am einträglichsten, wenn der Grundstücksschacher floriert, der die Häuscrpreise hinauf. treibt und die Wohnungs- und Ladenmieten ver- t e u e r t. Einen solchen Mann empfehlen div Konservativen den Wählern dritter Ahtcilung! Mit Recht hob der Leiter unserer Ver- sammlung in einem Schlußwort hervor, daß Wähler dritter Ab- teilung Verrat an der eigenen Sache begehen, wenn sie ihre Stimme einem anderen geben als dem Kandidaten der Sozial- demokratie._ Partei- �ngelegenbeiten. Charlottenburg. Achtung, Kommunalwähler des vierten Bezirkes! Am Freitag, den 1. November, abends 8'/z Uhr, findet im Saale von Schulz, Kaiser Friedrichstr. 24, eine öffentliche Wählervers am m l u n g statt, in der die Kandidaten des vierten Bezirks, die Genossen Fritz Zietsch und Alfred Will über:.Die Sozial de niokratie in der Gemeinde" referieren werden. Genossen I Sorgt für einen zahl- reichen Besuch dieser Versammlung. Schöneberg. Parteigenossen! Heute abend 7>/z Uhr ge- langt in den Bezirken, in denen Stadtverordnetenwahlen stattfinden, ein Flugblatt zur Verbreitung. ES ist Ehrenpflicht jedes Genossen, sich zu dieser Arbeit bereitwilligst zur Verfügung zu stellen. _ Der Vorstand. Berliner IVacbrichten» Die Notbremse! Wann darf ein Fahrgast der Eisenbahn die Notbremse ziehen? Die Vorschrift lautet: Nur in Fällen dringender Ge- fahr. Aber welche Gefahr gilt als so dringend, daß die Not- bremse gezogen werden darf? Und wer hat im Augen- blick der Gefahr darüber zu entscheiden, ob sie dringend genug ist? Ein Herr Tcsch hat am Montag den Schöffen der 154. Abteilung des Amtsgerichts Verlin-Mitte diese Frage zu beantworten gegeben. T. hatte am 11. August mit einem Moabiter Arbeiter-Gesangverein in Begleitung seiner Familie einen Ausflug gemacht und war von Spandau aus am Abend um'/zll Uhr nach Berlin zurückgefahren. Als er auf Bahnhof Putlitzstraße mit den Seinen aussteigen wollte, ergab sich, daß die Tür sich nicht öffnen ließ. Nebenbei be- merkt: auf Bahnhof Spandau war rechts eingestiegen worden, aus Bahnhof Putlitzstraße mußte links ausgestiegen werden. Auch die Bemühungen einiger hülssbcreiter Männer, vom Perron aus die Tür zu öffnen, fruchteten nichts. Um keine Zeit zu verlieren, schickten die Fahrgäste sich an, in das Neben- coupö hinüberzuklettern— der Wagen war von alter Bauart, die Coupüs waren durch halbhohe Scheidewände getrennt— und suchten von dort aus das Freie zu gewinnen. Schon war ein achtjähriges Kind der Familie T. durch das Fenster auf den Perron hinausgehoben worden, da setzte der Zug sich in Bewegung. T. und seine Frau waren anfs höchste erschrocken. Sic fürchteten, daß das sehr kurzsichtigeKind, das am späten Abend auf deni halbdunklcn Perron im dichten Gewühl zurückblieb. zu Schaden kommen würde. Dem Stationsvorsteher riefen sie zu, den Zug noch einmal halten zu lassen, doch der achtete ihrer nicht. In raschem Entschluß zog T. die Notbremse, weil die Gefahr, in der er sein Kind sah. ihm dringend genug schien. Der Zug stand, T. meldete sich dem herbeieilenden Zug- führer, dieser öffnete die Tür, und die Familie stieg aus. Kein Beamter machte den Versuch, den Namen T.s festzustellen, aber T. selber begab sich zum Vorsteher und trug den Sachver- halt in das Beschwerdebuch ein. Zwei Wochen später kam vom Vor- stand der Eisenbahn-Betriebsinspektion III die Antwort, die Tür sei unverschlossen gewesen, es sei aber beim Einsteigen in Spandau eine Gardine eingeklemmt worden, deshalb habe die Tür sich nur mit einiger Anstrengung öffnen lassen. Daß in Spandau aus der anderen Seite eingestiegen worden war, schien die Betriebsinspektion nicht zu wissen. T. habe, so wurde weiter ausgeführt, die Möglichkeit gehabt, durch das Nebencoupö den Zug zu verlassen, mithin habe kein Grund vor- gelegen, den Zug halten zu lassen; die Sache müsse daher„ver- folgt" werden. In einem zweiten Schreiben der Betriebs- inspektion wurde dann dem Beschwerdeführer eröffnet, die Notbremse dürfe nur bei dringender Gefahr gezogen werden, um eine solche habe es sich aber nicht gehandelt, er werde also einen Strafbefehl kriegen. Dieser kam bald genug hinterher: er lautete auf 3 Mark. T. beantragte richterliche Entscheidung und stand nun am Montag vor Gericht. Eisenbahnbeamte und Fahrgäste waren als Be- und Entlastungszeugen geladen, aber es kam gar nicht erst zu ihrer Vernehmung. T. schilderte die Verwirrung, in Me er beim Abfahren des Zuges geraten war, wies hin auf die Gefahr, in der das Kind seiner Meinung nach sich befand, und erklärte im übrigen, daß der Zugführer erst mit Hülfe eines Schlüssels die Tür geöffnet habe. Der Anklagevertreter erhob sich und beantragte, auf Beweisaufnahme zu verzichten und den Angeklagten— zu verurteilen. Dringende Gefahr habe nicht vorgelegen, mithin sei die Straf Verfügung zu bestätigen. Und das Gericht— entschied so. T. hat hiernach die 3 M. Strafe zu zahlen und muß auch noch die Kosten hinterherwerfen. Er weiß nunmehr, daß im Augenblick der Gefahr nicht die Fahrgäste darüber zu entscheiden haben, ob sie dringend genug ist. Wer sich oder andere in Gefahr glaubt, wird fortan die Vorsicht gebrauchen müssen, zunächst mal ein Gutachten der zuständigen Instanz, d. h. des Zugführers über die Frage der Dringlichkeit dieser Gefahr einzuholen. Das ist selbstverständlich erst auf der nächsten Haltestelle möglich, wo man dann freilich keiner Not- bremse mehr bedarf._ Vom„WohnungSüberschuß" in Berlin. DaS Statistische Amt der Stadt veröffentlicht das Resultat der Erhebungen, die im Januar 1907— wie alljährlich seit einer Reihe von Jahren— über die leerstehenden Wohnungen vor- genommen worden sind. Diesmal ergab sich, daß in ganz Berlin leerstanden: 13 197 Wohnungen, darunter 12 385 ohne Gewerbe- räume und 722 mit Gewerberäumen, außerdem 3618 Gcwcrberäume ohne Wohnungen. Das sind im ganzen 16 093 leerstehende Woh- nungen usw. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß Berlin Anfang 1907 rund 27 000 bebaute Grundstücke mit rund 600 000 Wohnungen usw. hatte. Gegenüber dem Vorjahr ist wiederum eine Erhöhung der Zahl der leerstehenden Wohnungen usw. eingetreten. Denn Anfang 1906 waren nur'10 674 leerstehende Wohnungen ermittelt worden, nämlich 9926 ohne Gewerberäume und 748 mit Gcwerberäumen, außerdem 3513 Gewerberäume ohne Wohnungen, also im ganzen 14192 Woh- nungen usw. Auffällig ist besonders die Zunahme der leerstehenden Wohnungen ohne Gewerberäume, von 9926 auf 12 385. Die Herren Hausbesitzer werden beim Anblick dieser Zahlen ein Hülfe gcschrei erheben, aber sie haben wirklich noch keinen Grund, etwa von einem.Wohnungsüberfluß" zu reden, der in Berlin bestehe. ES hat Zeiten gegeben, wo in Berlin noch sehr viel mehr Wohnungen leer standen. Gegenwärtig sind eS erst wieder 2% Proz. aller Wohnungen usw. Im Jahre 1901, der Zeit fühlbarsten WohnungS- mangels, waren es allerdings erheblich weniger, nur 1 Proz. Aber in der Mitte der vver Jahre, war der Anteil der leerstehenden Wohnungen so hoch gewesen, daß er sich z. B. im Jahre 1895 sogar auf 7 Proz. stellte. So weit sind wir denn doch noch nicht wieder. Ein bestimmter Prozentsatz leerstehender Wohnungen usw. muß ja jederzeit vorhanden sein, wenn nicht bei der Wohnungssuche und bei Umzügen arge Schwierigkeiten entstehen sollen. Es mutz übrigens hervorgehoben, daß das Gros der leerst ehenden Wohnungen auf einige wenige Stadtteile entfällt, auf diejenigen, die bisher»och nicht voll bebaut ge- wesen waren, so daß dort noch Neubauten aufgeführt werden konnten. An den 12 385 leerstehenden Wohnungen ohne Gewerberäume ist beteiligt: der Gesundbrunnen allein mit 2530, der Wcdding mit 1097, der nordwestliche Teil der Roscntaler Vorstadt mit 918, ihr nord- östlicher Teil mit 861(beide Teile umschließen auch das Stadt- viertel, das gewöhnlich als„Schönhauser Vorstadt" bezeichnet wird); ferner das Königsviertel mit 618, der östliche Teil des Stralaner Viertels in seiner nordöstlichen Hälfte mit 1547, in seiner süd- östlichen Hälfte mit 686. Es entfallen also auf die Außenbezirke des Nordens, NordostenS und Ostens rund zwei Drittel aller leerstehenden Wohnungen. Desto geringer ist dafür die Zahl der leerstehenden Wohnungen in den anderen Stadtteilen: in dem ganzen Südosten. Süden. Südwesten. Westen und auch im Nordwesten kann von„WohnungSüderfluß" keine Rede sein. Wir wollen uns zwei Beispiele herausgreifen. Im Südosten, in der äußeren Luisenstadt, deren beide Teile auf zusammen etwa 2000 Grundstücken weit über 50 000 Wohnungen haben, standen An- fang 1907 nur 382 Wohnungen ohne Gewerbcräume leer. Anderer- seits wurden im Nordwesten, in dem äußeren Teil Moabits, der auf rund 1000 Grundstücken pund 30 000 Wohnungen hat nur 307 leer- stehende Wohnungen ermittelt. Und ähnlich steht eS aus in der Tempelhofer Vorstadt, in der Schöneberger Vorstadt usw. Wer durch seine Erwerbstätigkcit genötigt wird, just in einem dieser ganz und gar nicht mit.Wohnungsübcrfluß" gesegneten Stadtteile Wohnung zu nehmen, der merkt sehr bald, wie sehr dort die Wirte die Situation auszunutzen ver st ehe n. Aber selbst in den neueren Stadtteilen, wo durch Neubauten das Wohnungsangebot über die Nachfrage hinaus gesteigert wird, fällt es selten einem Hausbesitzer ein, sich mit seinen Mieteforderungen danach zu richten. Die meisten Hausbesitzer lassen lieber ihre Wohnungen bis auf weiteres lecrstehen, als baß sie sich zu nennenS« werten Mietsermäßigungen bequemen. Bon der Schwebebahn-Probeswecke ist jetzt die erste Eiseifftütze in der Brunnenstraße nahe der Jnvalidenstraße aufgerichtet worden. Zehn Meter hoch erhebt sich der eiserne Säuleuschaft zwischen den Gleisen der Straßenbahn, die, wie gemeldet, den Schmalbahu- Pfeilern ein wenig Platz machen müssen. Die Arbeiten find bei Nacht und Nebel ausgeführt worden, ohne jedwede Störung des Strahenber!ehrS. Die beiden fönenden Eisenstlltzen der Probesirecke werden' voraussichtlich noch in dieser Woche aufgestellt werden; in der nächsten Woche sollen dann die Schienenträger hochgebracht werden. Städtische Arbeitgeberpolitik. Aus den Kreisen städtischer Ar- bciter wird uns geschrieben:„Mit einer Pünktlichkeit, die man in sonstigen Sachen von der Bauverwaltung der Kanalisation nicht gewöhnt ist, ist auch diesmal wiederum die„verkürzte Arbeitszeit" dort eingetreten und damit der berüchtigte Lohnausfall. Entgegen dem vorjährigen Arbeitsplan sogar gleich von 10 auf 9, S�, 8 und TVj Stunden. Bon irgend welcher Verbesserung, sei es in dem mise- rablen Lohnverhältnis, das heute noch mit 38 Pf. pro Stunde An- fangslohn besteht und wofür auf allen drei Lagerplätzen kmim Ar- beiter zu bekommen sind, ist nicht ein Deut zu spüren. Nicht ein- mal die so mit Recht gewünschten Regenpelerinen hat die Verwal- tung anzuschaffen für nötig befunden. Durch das Ausladen von Materialien, das den betreffenden Arbeitern von den Lieferanten bezahlt wird und wofür für die Zeit der Lohn in Abzug gebracht wird, erspart sich die Verwaltung jahraus jahrein eine ganz erheb- liche Summe. Es heißt Wohl immer, es sind so und soviel Leute bei der Verwaltung beschäftigt, in Wahrheit arbeitet aber nur ein geringer Teil tatsächlich bei derselben. Sollte es denn Nicht mög- lich sein, von diesen Ersparnissen wenigstens den Arbeitern im Winter den Lohn zu zahlen, daß sie vor bitterster Not und Schulden- machen geschützt sind?— Eine„Arbeitszeitverkürzung" der gleichen Art ist im Wasserwerk in Friedrichshagen eingetreten. Auch hier dürfen die Arbeiter bis auf. weiteres OVa statt bisher 10 Stunden arbeiten. Das wäre ja ganz nett, wenn nicht damit die ent- sprechende Lohnkürzung verbunden wäre, welche das Einkommen während der Wintermonate erheblich herabdrückt und Entbehrung in die Arbeiterfamilie bringt. Doch um solche Kleinigkeiten küm- mert fich die mit sozialem Oele gesalbte Berliner Stadtverwaltung nicht; mag der Arbeiter sehen, wie er weiterkommt mit den Seinen. Den Herren.Beamten kann ja so was nicht passieren, denn sie haben ihren festen Gehalt; was kümmert sie das Los der Arbeiter. Ein Schildbürgerstückchen ganz besonderer Art ist auch in der Parkverwaltung zu verzeichnen. Da haben die Arbeiter mit Ach und Krach endlich in diesem Sommer durchgesetzt, daß abends eine halbe Stunde früher Feierabend gemacht wird. Was tat nun die unter dem speziellen Ressort des Herrn Bürgermeisters Reickc stehende Direktion? Sie wandelte flugs die halbstündige Vesper- pause in eine viertelstündige um! Aber damit noch nicht genug: den sogenannten Saisonarbeitern wurde noch eine weitere Viertel- stünde vom Lohne abgezogen. Es ist also die von der Deputation genehmigte Arbeitszeitverkürzung wieder teilweise, bei den letzt- bezeichneten Arbeitern sogar ganz wegeskamotiert worden.— Wer angesichts dieser Pröbchen städtischer Arbeitcrpolitik noch an das der— nhmte gute Herz für die Arbeiter zweifelt, ist ein Hundsfott! Jawohl!"_ Eine neue Schnüffelei hat die städtische Schuldeputation auf Anordnung des Provinzial- Schulkollegiums vorgenommen. Sie läßt Erhebungen darüber an- stellen, welche Schüler der Gemeindeschulen Mitglieder der Schüler- abteilungen des Turnvereins„Fichte" sind. Im Auftrage der Be- Hörde soll diesen Schülern die fernere Teilnahme an diesem Turn- derein streng untersagt werden. So die Mitteilung, die wir in der- schiedenen Blättern finden. UnS sind von Eltern Mitteilungen zugegangen, die die oben angekündigten Maßnahmen bestätigen. Wir waren anfänglich der Meinung, ein bestimmter Rektor habe sich einen Uebergriff erlaubt, als er den Schülern, die dem Turnverein angehörten, die weitere Teilnahme verbot; nach der oben mit- geteilten Anordnung aber stellt sich heraus, daß die betreffenden Lehrer bezw. Rektoren im Auftrag handeln. Wir möchten aber aufs entschiedenste bestreiten, daß die städtische Schuldeputation bezw. das Provinzial-SchuUollegium ein Recht hat, den Eltern vorzuschreiben, ob sie ihre Kinder dem Turnverein„Fichte" zuführen sollen oder nicht. ES wäre in der Tat wünschenswert, die Bestimmungen kennen zu lernen, auf die sich die Schulbehörden bei ihrer neuesten Maßnahme stützen. Der Besuch der Turnstunden fällt außerhalb der Schulstunden, der Schulunterricht wird also in keiner Beziehung beeinträchtigt. Und gegen das Turnen an sich ist auch nichts einzuwenden, sind doch selbst in den Schulunterricht Turnstunden eingelegt. Was ist also die Ursache zu diesem neuesten „Eingriff in das Familienleben"? Es bliebe nur übrig, daß eS sich um den der Regierung nicht genehmen Turnverein„Fichte" handelt. den man treffen möchte. Verwunderlich und geradezu beschämend ist eS, daß die städtische Schuldeputation sich so ohne weiteres zum Exekutor des Provinzialschulkollegiums hergibt.-■-- Ohne ein Wort des Widerspruchs gibt sich die städtische Schul- deputation zu Handlangerdiensten der städtischen Aufsichtsbehörden her. Es ist noch nicht lange her, daß in der Stadtberordneten-Ber- sammlung lebhafte Klage geführt wurde über die Behandlung der Schuldeputation durch die staatlichen AufsichtSorgane. Wenn man aber so gar nichts tut, um sich gegen die Uebergriffe zur Wehr zu setzen und als getreuer Vasall alles ohne Murren ausführt, so ver- scherzt man daS Recht, sich über die zu teil gewordene Behandlung zu entrüsten. Hier wäre Gelegenheit, gegen diesen„Eingriff ins Familienleben", wie sich mffere Freisinnigen so gern ausdrücken, entschieden Front zu machen. Die Schulaufsichtsbehörde hat in diesem Falle auch nicht einmal den Schein von Recht auf ihacr Seite._ Ei» neues Drukmal ist im Tiergarten an der Ecke der Bellevue- und Ouerallee aufgestellt und enthüllt worden. Das Denkmal ist dem verstorbenen Tiergartendirektor Geitner gewidmet und trägt auf einem zwei Meter hohen Sockel aus rotem Ichwedischen Granit die Bronzcbüste des Verstorbenen.. Heber die am Montag stattgehabte Fernwettfahrt des lenk- baren Militärluftschiffcs und des Parseval-Ballons liegt nunmehr folgender Bericht vor: Das Militärluftschiff hat nicht weniger als acht Stunden i» der Luft verweilt und in der Zeit trotz des zum Teil stürmischen konträren Windes eine Linie von zirka 150 Kilo- meiern zurückgelegt. � Es' entwickelte somit eine Durchschnitts- geschwindigkeit von 19 Kilometern. Die Fahrt ging von der' Jung- fernheide aus über Eharlottenburg, Schöneberg, Marienfelde, Groß-Lichterfelde, wo� der Ballon vor der Kadettenanstalt ma- növricrte, über das Gelände links von der Potsdamer Dahn, hin- weg bis nach Potsdam. Von hier nahm er seinen Flug weiter in der Richtung Werder,' Brandenburg bis zum Plauencr Sep und kehrte dann in gerader Linie nach dem AufstiegSort zurück.' Der Pärseval war etwa 7% Stunden unterwegs, mußte jedoch die Fahrt etwa% Stunden lang unterbrechen. Nach seinem Ausstieg in der Jungfernheide flog er über Saatwinkel, Spandau, rechts von der Potsdamer Bahn nach Potsdam und verfolgte von dort aus die gleiche Richtung w.ie der Nilitärballon. Bei Groß-Kreuz mußte jedoch eine Landung vorgenommen werden, weil sich die Erneuerung des Kühlwassers für den Motor als notwendig herausgestellt hatte. Nach ditsch: Unterbrechung flog dann der Ballon bis zum Plauener See, kreuzte über' diesem und nahm seinen Rückweg über Ketzin und Nedlitz. Beide Ballons landeten ohne Bcihülfe nach Eintritt der! Dunkelheit auf dem Platze der Militärluftschisferabteilung. Der Gasverbrauch war bei beiden Luftfahrzeugen trotz, der statt- gehabten Zwischenlandung des Parscval ein perhältnisinäßig ge- ringer. Sie hätten, sich noch zirka 4 bis 5 stunden in der Höhe chalten können. Die Leistungen der beiden Lustschiffe sind um so anerkennenswerter, als dcr'Zepvelinsche Ballon, dessen Aluminium- 'wände bckanntjich ein- Entweichen der Gase besser verhindern als die weichen Hüllen der zusammenlegbaren Ballons, nur Fahrten bis zu 7 Stunden unternommen hatte. Allerdings entwickelte das Keppelinsche Luftschiff dabei bedeutend größere Geschwindigkeiten, wie sie von anderen lenkbaren Ballons bisher noch nicht annähernd erreicht worden sind. Selbstmordversuch nach bestandenem Examen. Ein junger Arzt ha� sich gestern in früher Morgenstunde auf zweifache Weise das Leben zu nehme» versucht. Der 24 Jahre alte Dr. Wilhelm Hall, der bei seinem Bruder in der Schulzendorferstr. 27 wohnte hatte vor kurzem sein Staatsexamen gemacht und glänzend be standen. Durch allzu starke Ueberarbeitung hatten die Nerven des jungen Arztes außerordentlich gelitten und Dr. H. schien wohl zu befürchten, daß er noch einmal geisteskrank werde. Gestern in der vierten Morgenstunde brachte er sich mit einem scharfen Messer am Hals zwei tiefe Schnittwunden bei. Auch an der Puls ader des linken Armes fügte er sich eine Schnittwunde zu. Hieran öffnete der Lebensmüde das Fenster und stürzte sich auf die Straße hinab. Hausbewohner, die das Aufschlagen des Körpers gehört hatten, eilten herbei und trugen Dr. H. nach der Sanitäts- wache in der Lindowerstratze. Der diensttuende Arzt stellte schwere Verletzungen am Kops fest. Nach Anlegung von Notverbänden fand der Schwerverletzte im Virchow-Krankenhause Ausnahme. Das Polizeipräsidium macht darauf aufmerksam, daß sich das polizeiliche Fundbureau nur im Polizeidienstgebäude am Alexander- platz, Zimmer 32a, befindet, und daß das hier Charlottenstr. 96 be- stehende„Generalsundbureau" in keinem Zusammenhange mit dem Polizeipräsidium steht. Dieses ist ein privates Unternehmen. Das Polizeifundburecru ist für das nachfragende Publikum werktäglich von st bis 1 Uhr geöffnet; es wird dort kostenlos jede gewünschte Auskunst in allen den Verlust oder Fund einer Sache betreffenden Angelegenheiten erteilt. Die nach der gesetzlichen Be. stimmung über Fundgegenstände im Werte von mehr als 3 Mk. an die Polizeibehörde zu erstattende Meldung wird sowohl vom Polizei. sundbureau wie von jedem Polizeirevier entgegengenommen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß eine etwaige Meldung des Fundes aus dem genannten„Generalfundbureau" die Finder von der ihm gesetzlich obliegenden Meldepflicht nicht besteit. Casino-Theater. Heute findet die Erstanfführung der dierakttgen Komödie„Biederleute" von Robert Misch statt. Die Ortsgruppe Berlin des Deutschen Arbeiter-Abftinenten Bundes veranstaltet am Sonnabend, den 2. November, abends 3 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15. einen Kunstabend, zu dem u. a. der„Berliner Volkschor" unter Leitung semeS Dirigenten Herrn Dr. E. Zander, Frl. Gertrud Bischoff(Sopranl, Frau Elsa Kühne(Rezitation) und Herr R. Kursch(Flügel) ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die Festrede hält Genosse Heinrich Schulz. ES soll den Teilnehmern nicht nur ein genußreicher Abend geboten werden, sondern auch dadurch, daß vor Beendigung des Programmes Getränke nicht ausgeschänkt werden, Propaganda für die Veranstaltung von Arbeiterfesten ohne Trinkzwang gemacht werden. Eintrittskarte» zum Preise von 50 Pf. sind bei den Genossen Otto Berg, Pflugstr. 15, Joh. Michaelis, O., Langestr. 11, und Georg Davidsohn, Pasteurstr. 13, zu haben. Feuerwehrbcricht. Dienstagabend kam im kömgl. Opernhause Feuer aus. Dort brannte infolge Loslötens eines kleinen Spiritus bassins auf offener Szene ein Rissen. Ein Posten der Feuersicher. "eitswache bemerkte die Gefahr, trat sofort zwischen den Kulissen ervor und löschte die Flammen durch Auflegen einer sogenanmen Löschdccke, mit der das Feuer erstickt lvurde. DaS Publikum blieb ruhig. � Um 11 Uhr nachts wurde die Feuerwehr wieder einmal böswilligerweise nach der Soldinerstraße auf dem Gesundbrunnen jjerufen. Der Täter ist leider entkommen. Nachts um 3 Uhr kam in der Koppenstr. 43 in einem Lagerkeller Feuer aus. Preßkohlen brannten dort. Heute früh hatte die Wehr in der Fricdrichstr. 100 (Monopol-Hotel) zu tun. wo Schmieröl u. a. im Fahrstuhl brannte Papier. Stroh und Packmaterial brannten gleichzeitig in der Gollnowstr. 10 und Schreinerstr. 21. In der Wusterhausener. straße 12 und Ebclingstr. 7 mußten Wohnungsbrände gelöscht werden. Betten. Kleider, Gardinen usw. standen dort nr Flammen. Außerdem muhte die Wehr noch an mehreren Stellen Hülfe leisten. Dem Berliner Aquarium wurde«in ganz zahmer Nasenbär, der nun einen der drolligsten Bewohner des Affenhauses bildet, und cnic Sumpfschildkröte überwiesen. Reiche Transporte von See. ticren kamen aus den süd- und nordeuropäischen Meeren an. Die Königliche Biologische Anstalt Helgoland sandte mit einer aus mehr als 100 Köpfen bestehenden Gesellschaft der herrlichsten Blumentiere auch ein Mitglied der Grupve der achisirahligen Korkkorallen� das uns in Gestalt eines Hand- oder baumsörmigen dicken, fleischig oder korkig weichen, mit dem Unterteil im Sande fußenden Stockes ent- gegentritt und als eine Kolonie von Einzeltieren zu betrachten ist, die als kleine weiße, blütenartige Lebewesen aus der roten oder gelblichen Stockobcrfläche hervorragen. Fasr gleichzeitig mit diesem Nordseebewohner ist eine zweite Art derselben Gattung Alchonium aus der Adria angelangt, deren dickästiger Stock an der Wurzel stiel- artig verdünnt ist. Ebenfalls durch ihre eigenartige Schönheit fallen. zwei»euewgetroffene Spezies aus den Gattungen Protula und Spirographis auf. die zu mit prachtvollen Kiemenfädenbüscheln ausgerüsteten Röhrenlvürmern gehören, sowie aus der Ordnung der Mcernacktschnccken eine wundervoll purpurrote Art der nur einen schildförmige» Mantel besitzenden Scitenkiemcr. die Der Vorort- jVacb richten. Zur Dtadtverordnetenwuhl in Schöneberg. Am kommenden Sonnabend finden bereits Stadtverordneten Wahlen in Schöneberg statt. Wahlkampf wird diesmal in einer bisher nie gekannten Weise geführt. Während uns in den vorhergehenden Jahren gewöhnlich nur e i n bürgerlicher Kandidat ernstlich gegenüberstand, haben wir es bei dieser Wahl in jedem Bezirk mit zwei bürgerlichen Gegnern zu tun, die sich ihrerseits nun auch wieder gegenseitig äußerst heftig bekämpfen. Jeder dieser beiden bürgerlichen Gegner will eben die Lorbeeren des Sieges über die Sozialdemokratie davontragen. Anfangs hatte man den Versuch gemacht, wenigstens in der dritten Abteilung, ein Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zu ermöglichen. Es kam die erhoffte Einigung aber nicht zustande. Somit haben wir es in jedem Bezirk mit einem Kandidaten der„Liberale n" und einem solchen des übrigen bürgerlichen Mischmasches unter Führung des Reichs- 'lügenverbandes zu tun. Wenn wir uns die Kandidatenliste der„Liberalen" betrachten, so finden wir darunter Stadtverordnete, die schon bisher ein Mandat besitzen, aber der liberalen Fraktion gar nicht angehören, ja sogar oftmals gegen Anträge der liberalen Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung gestimmt haben. . Die liberale Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ist noch sehr jung. Früher hat man die einzolnen dieser Herren, die der Stadiverordnetenversammlung schon längere Zeit angehören, oft an der Seite ihrer bürgerlichen Freunde und gegen die Sozialdemokratie gesehen. So wird es auch für die Zukunft wieder werden. Das geht schon aus einem Ausspruch des Führers der Liberalen hervor, wonach auch sie für die Interessen der Haus- bcsitzer eintreten werden, wie jeder andere. In dem gegenwärtigen Wahlkampf suchen nun die„Liberalen" auch die Stimmen der Arbeiter und der unteren Beamten zu ge» Minnen, wobei ein ganz besonderer Wert auf die Stimmen der städtischen Arbeiter gelegt wird. Lange vor den Wahlen hat man sogar die Vergnügungen und Feste der städtischen Arbeiter benutzt, um Propaganda' für die„Liberalen" zu machen. Die städtischen Arbeiter sollten von dem Anschluß an die Sozialdemo- kratie und von dem Beitritt zu ihrer Gewerkschaft zurückgehalten werden. Auch für die Errichtung einer Betriebskrankcnkasse legten sich die Herren ins Zeug, um die städtischen Arbeiter der angeblich der Sozialdemokratie verfallenen Ortskrankcnkaffe zu entziehen; aber hier mußten sie sich eine deutliche Abfuhr holen. In den Versammlungen der„Liberalen" wird' natürlich stets erklärt, daß nur sie eine wirklich fvrtschrittliche Kommunalpolitik treiben. Die Sozialdemokratie bringe nur unrealisierbare An trag e ein und treibe einen ufcrlosenRadikaliSmuS. Wenn aber nach Beweisen für diese Behauptungen gefragt wird, dann schweigen die Herren. Es wird sich ja bald zeigen, daß der Schöneberger Kommunal-Libcralismus sich auch nicht wesentlich von dem Liberalismus anderer Städte unterscheiden wird. Auf der anderen Seite unserer bürgerlichen Gegner geht man gegen die Sozialdemokratie in gewohnter Weise vor, dafür bürgt ja schon die Person des bekannten Stadtverordneten Richard Schneider, wenn man auch, um die Wähler zu täuschen, die Rollen etwas vertauscht hat. Auch diese Leute können den Wählern jetzt gar nicht genug vorcrzählen, was sie für die Einwohnerschaft nicht alles tun werden. Man ist ja schon daran gewöhnt. Ilm die bürgerlichen Bereinc zusammenhalten zu können, hat man die Mandate sorgsam verteilt. Auch das Zentrum hat zwei Mandate erhalten, wofür sich die katholischen Wähler verpflichten sollen, für die ganze Liste des reaktionären Mischmaschs zu stimmen. Recht bezeichnend für den Taumel des bürgerlichen Mischmaschs ist es, daß die beiden in Schöneberg bestehenden(blauen) Gastwirts- vereine sich dem Vorgehen gegen die Sozialdemokratie angeschlossen haben. Die Sozialdemokratie also, die erst jüngst ganz energisch gegen eine geplante Belastung des GastwirteftandeS eingetreten ist. wird von den Gastwirten bekämpft, dagegen unterstützen letztere gerade diejenigen, die sich für eine weitere Belastung des Gastwirte» standcs ausgesprochen haben. Man sollte eine derartige Ge. sinnungslosigkeit kaum für möglich halten. Aber es handelt sich ja um die Bekämpfung der Sozialdemokratie, und dabei ist eben alles recht, Unsere Parteigenossen werden jedenfalls die kurze Spanne Zeit noch ausnutzen, um den bürgerlichen Gegnern die Suppe zu versalzen. Es muß dafür gesorgt werden, daß niemand bei der Hauptwahl zurückbleibt. Kommt es zu Stichwahlen zwischen uns und einer der bürgerlichen Richtungen, so werden wir mit Sicher- heit die feindlichen Brüder in voller Harmonie uns gegen» übersehen. Niemand sollte bei der Agitation für unsere Sache fehlen. Von bürgerlicher Seite wird alles nur Erdenkliche angewandt, um den Sieg zu erringen. So ist, fest» gestellt worden, daß sogar Feuerwehrleute in Uniform aus- geschickt werden, um Agitation für die Liberalen zu treiben. Auch Kinder sind von einem städtischen Lehrer zur Feststellung der Wohnungsveränderungen von Haus zu Haus geschickt worden. Sind unsere Schöneberger Parteigenossen am Sonnabend auf dem Posten, so werden uns diese Stadwerordnetenwahlen ein Vor- bild für die gleichen Wahlen in Charlottenburg und Berlin geben. Charlottendurg. Zur Stadtverordnetenwahl! Während das amtlich abgestempelte „freisinnige" Lokalblättchen sonst jede Lügennotiz des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie wiedergab und schließlich sich noch zu einigen eigenen Zeilen aufschwang, ist eS jetzt in der„Neuen Zeit" auffällig ruhig. Das von unserer Seite wöchentlich heraus- gegebene Wahlblatt raubt noch heut dem„liberalen" Organ die Sprache. Aber um so eifriger wühlen die„Freisinnigen" neben den „Unpolitischen" im geheimen, durch persönliche Agitation, durch Flugblätter und Zirkulare. Die Namen der bürgerlichen Kandidaten iverden den Wählern zum Ueberfluß in die Ohren geschrien. In allen Bezirken der dritten Abteilung haben die „Freisinnigen", wie die„Unpolitischen" Kandidaten aufgestellt.— von unserer Seite kandidieren: Im 1., Bezirk: Stadtverordneter M i ck l e r und Kassenbeamter Hermann Jacob, im 2. Bezirk Maurer Emil Lehmann, im S. Bezirk Stadtverordneter Liebe und Gewerkschastsbeamter August ebert, im 4. Bezirk Redakteur Fritz Ziesch und Mechaniker Alfred Wilk, im ö. Bezirk Stadtverordneter Scharnbexg und Kassenbeamter Otto Flemming, im 6. Bezirk Stadt- verordneter Karl Jander und im 7. und 8. Bezirk Stadt- verordneter P a u l H i r s ch. Die Gegner rechnen noch mit den Er- folgen bei der letzten Reichstagswahl und sie geben sich der Hoffnung hin, uns sogar auS den sichersten Bezirken drängen zu können. Die Arbeiterschaft Charlottenburgs wird zeigen, daß auch die Bäum« der Bürgerlichen nicht in den Himmel wachsen. Groh-Lichterfelde. Im Trltowkanal ertränkt hat fich anscheinend daS 21 Jahre alte Dienstmädchen Emma Brauer, welches bei einer Herrschaft in der Ringstraße in Stellung war. Die B. hatte sich am Sonntagabend aus der Wohnung ihrer Dienstherrschaft entfernt und war seitdem verschwunden. DienStagmorgen wurde an der Böschung deS Teltow- kanals ein Damenhut und ein Handtäschchen aufgefunden, welche als Eigentum des vermißten Dienstmädchen erkannt wurden. ES ist danach kaum zu bezweifeln, daß eS Selbstmord verübt hat. DaS Motiv zu der Tat ist nicht bekannt. Die Gemeinbevertretersitzung am Montag brachte der Oeffent- lichkeit eine fatale Ueberraschung. Beim ersten Punkt der Tages- ordnung„Badeanstalt" erklärte der Referent Schöffe Lenzner, daß von den beiden Bassins der mit einem Kostenaufwand von 150 000 M. erbauten Badeanstalt infolge ungenügender Funda- mentierung und des außerordentlich schlechten Baugrundes das Damenbassin gänzlich verloren, das des Herrenbades nur unter besonderen Vorkehrungen, die jedoch ebenfalls eine absolute Garantie nicht bieten könnten, zu erhalten sei. Die Firma Monier und eine Reihe anderer Sachverständiger hätten die Fundamentierungen für ausreichend und solide erklärt. Bald nach Fertigstellung und Inbetriebsetzung der Badeanstalt zeigten die beiden Bassins Risse, es machten sich Ausbesserungen iwtwendig, wobei sich zeigte, daß das Damenbassin überhaupt nicht mehr an dieser Stelle belassen, sondern zugeschüttet werden müsse. Die Ursachen seien in den schlechten Bodenverhältnissen— es handelt sich um das versumpfte ehemalige Bäketal— zu suchen, in denen sich selbst die bedeutendsten Sachverständigen getäuscht hätten. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, vorerst 12 000 Mark zu bewilligen zur besseren Fundamcntierung des einen Bassins und der Errichtung deS DamcnbassinL an anderer Stelle. — Der Gemeindevertretung kann der Vorwurf jedoch nicht erspart werden, infolge allzugroßer Sparsamkeit diesen Zustand mitver- chuldej zu haben. Es war ursprünglich eine andere Art der Funda- uentierung in Aussicht genommen; das Projekt fand aber keine Zu- timmung, da eö zirka 80 000 M. mehr erfordert hätte. Ferner wurde beschlossen, Kommunalstcuern bei einem Einkommen von 420— 660 M. nicht mehr zu erheben. Groß-Lichterfelde war eine von den wenigen Gemeinden, die ihre soziale Fürsorge dahin auf- ntzte, daß man von einem Einkommen, daS nicht einmal als Existenzminimum gelten kann, auch Steuern erheben müsse. Die Freilassung erfolgte auch nur unter dem Gesichtspunkte, daß die Einziehung die Kosten nicht decke. Es handelt sich um 3 37 Jen- itcn. Auch die Einkommen von 6 00 bis 9 00 M. steuerfrei zu äffen, dazu konnte man sich nicht entschließen,„weil der Aussall ür den Gcmeindesackel zu groß sei". Bisher war es in jenen Kreisen üblich, das Mitbestimmungsrecht des Proletariats in der Gemeinde deshalb zu verneinen, weil dasselbe angeblich finanziell �u den Lasten fast nichts beitrage, und nun hören wir, daß der Ausfall selbst bei den Einkommen von 660 bis 900 M. so groß ist, daß er von der Gemeinde nicht ertragen werden könne! In Anbetracht der nächstjährigen Gemeindewahl wird es gut sein» wenn die Arbeiterschaft diesen Umstand im Gedächtnis behält. Lichtenberg. Ein Opfer seine? Berufs ist der Rangierarbeiter Robert Schön- wäldter aus der Gürtelstraße 10 geworden. Sch. hatte auf dem Rummelsburger Rangierbahnhof Dienst getan, der darin bestaub, die einzurangierenden Waggons zu verbinden. Er geriet dabei unter einen Güterwagen und die Räder gingen ihm über beide Arme und Beine hinweg. Die Unterschenkel und der linke Arm wurden dem Aermsten vollständig zermalmt. Auch am Hinterkopf erhielt der Verunglückte Verletzungen. In hoffnungSlosenr Zustande wurde er in das Krankenhaus am Friedrichshain emgeliefe» 9Beifteit|ee, Die Arveituchmer-Delegiertenwahle» zur OrtSkraukeukasse finden fieuie abend von 6 bis 8 Uhr im„Prälaten", Lehderstr. 122, statt. Wähler ist jedes Mitglied der Kasse, welches großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Als Legitimation zur Wahl dient das Mitgliedsbuch, welches sich jeder Wahlberechtigte von seinem Arbeitgeber aushändigen lassen mutz. Die Arbeitgeberwahlen finden in demselben Lokal in der Zeit von 9 bis 10 Uhr statt. Auch hierzu werden unsere Genossen auf' gefordert ihr Wahlrecht auszuüben, damit die Kandidaten auf der Liste des Gclverkschaft-kartells gewählt werden. Darum auf zur Wahl. DaS Gelverksi�aftskartell. Bernam Den Bericht von ihrer Tätigkeit im Stadtparlamcnt erstatteten am Sonnabend in einer Versammlung die sozialdemokratischen Ver treter. Vom Genossen Helbig wurde der Versammlung zunächst vor Augen geführt, zu welcher Einflntzlosigleit das Dreiklassenwahlrecht die besitzlosen Volksschichten verurteile. So zähle in Bernau die erste Abteilung nur 64 Wähler, die zweite 214 Wähler und die dritte Ab- u ilmig 1442 Wähler. Jenen ersten beiden Abteilungen stände das Recht zu, 16 Vertreter in das Stadtparlament zu entsende», während die dritte Abteilung bei ihrer großen Wählcrzahl nur acht Vertreter entsenden könne. Dazu käme noch da§ Hausbesitzerprivileg, wonach die Hälfte in jeder Abteilung Hansbesitzer sein müßten. DeS iveiteren führte er aus, daß seitens der Bürgerlichen sämt- liche von unseren Genossen gestellten Anträge, wie Cut- lastung der Schnlklassenfrequenz, Anstellung von niehr Lehrkräften, llnentgeltlichleit der Lehrmitlel, Errichtung einer besonderen Schul- llasse für schwachbegabte Kurder, sowie Errichtimg einer Pflicht- fortbildungSschnle abgelehnt wurden. Aufgabe der Arbeiter müsse es sein, wenn sie ihre Interessen vertreten wissen wollen, am 14. November nur den sozialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme zu geben. Die Genossen Werner und Wünsche schlössen sich in kurzen Ergänzungen den Ausführungen des Genosse« Helbig an. In der Diskussion erklärte sich der Genosse Krüger mit der Bericht- erstattung einverstanden und appellierte gleichfalls an die Ver- fammlung, daß alle Mann am 14. November für den. sozialdemo- kratischen Kandidaten ihre Stimme in die Wagschale werfen. ES wurden alsdann die Genossen Gustav Krüger und Ferdinand D reg er von der Versammlung als Kandidaten aufgestellt. Der sozialdemokratische WahlvereinSvorstand wurde von der Versammlung als Wahlkomitee bestimmt. Nowawes. DienStag, de» 5. November, abends von 8—10 Uhr, finden im Lokale des Herrn Schmidt, Friedrichstratze, die Ersatzwahlen von vier Vertretern zur Generalversammlung der hiesigen Ortskrankenkasse statt. Wir ersuchen alle lvahlberechtigten Kassenmitglieder, die in den freien Gewerkschaften organisiert sind, sowie die selbstverficherten Mitglieder, namentlich die Frauen, ihr Wahlrecht auszuüben, und ihre Stimme den vom Gewerkschaftskartcll aufgestellten Kandidaten zu geben. Wahl- berechtigt ist jedes mämiliche und weibliche Kassenmitglied, welches daS 21. Lebensjahr vollendet hat. Als Legitimation gilt das OuittungSbuch oder eine Bescheinigung deS Arbeitgebers. Wir er- warten, daß die Genossen, eine rege Agitation entfalten, damit die Liste des Gelverkschaftskartells mit möglichst großer Stimmenzahl gewählt wird. Das Gewerkschaftskartell. Potsdam. Die letzte Stadtverordncten-Bersammlung beschloß einstimmig, nochmals die ministerielle Genehmigung zur Erhebung der Schlacht und Fleifchstener bis zum 31. März 1910 nachzusuchen. Bei der Erhöhung des Beitrages zum Fischereiverein von 30 auf 50 M. will Stadtv. Enders diese Summe ablehnen, weil angeblich die Pots dainer Fischer, die durch den großen Verkehr aus der Havel, durch die vielen Fabriken usw. schon so nicht unter besonders günstigen Verhältnissen arbeiten müssen, die Fische selbst nicht schonen.— Durch die Uebernahme der Bergung und des Transports von Leichen der Selbstmörder und Armen durch. einen Iluternehmer des BeerdiguugSwesenS schivindet wieder ein „altes Stück Potsdam". Bis jetzt hatte die städtische Feuer- wehr, oft unter dem Gejohle der Kinder, die Ausübung dieser der kgl. Polizeidirektion obliegenden Verpflichtung über noiinnen. Die Kosten mutz diese natürlich auch jetzt bezahlen.— Auf städtische Kosten wird auf dem Gelände zwischen Türk- und Holzinarktstratze zum Preise von 30 000 M. ein Exerzierhaus für daS Garöe-Jägerbataillon hergestellt. Wenn auch die Militärverwaltung für diesen Schuppen 3400 M.),ro Jahr an Miete zahlt, so sollte doch für die Stadlgemeinde, die selbst sehr arg in Geldnot ist, ge uiigend Grund vorliegen, dieses Ersuchen abzulehnen. Aber man hat diele ganze Geschichte gut eingefädelt: Bor einiger Zeit hieß es, daß da? Bataillon aus Potsdam verlegt werden solltet jetzt wird der Schuppen auf 10 Jahre verpachtet, also müssen auch die Jäger noch hier- bleiben.— Zum Schluß war ein Konflikt zwischen.M a g ist r a t und Stadtverordneten-Bersammlung zu erledigen. Einen Kohlenhändler in der Neuen Königstratze hindert angeblich ein Baum bei der Einfahrt zu seinem Grundstück. Auf seine Bitte an die Stadtverordneten- Versammlung beschließt diese, denselben zu entfernen. Nun mutz aber hierzu erst die Genehmigung von der königl. Polizeidirektion seitens des Magistrats eingeholt werben. Ter Magistrat lehnt dies ab, weil eine Behinderung nicht vorliegen soll und es sich um eine alte, ehrwürdige Eiche handelt, durch deren Fortiiahme das ganze Stratzcnbild gestört werde s!).(Die Straße ist etiva eine Viertelstunde lang.) Nach dem Referat des liberalen Stadtv. Friedländcr hebt die Versammlung de» früheren Beschlutz auf, da sie es wegen der Winzigkeit des Objekts nicht zum Konflikt kommen lassen will. Der Baum bleibt also stehen und daS europäische Gleichgewicht ist wieder hergestellt I Welche Nachteile dem Stadtsäckel durch die Steuerfreiheit der zahlreichen Beamten erwachsen, zeigt die seitens des Magistrats auf- genommene Statistik. Neben 516 000 M., die zur Erhebung kommen, fallen 240 000 M.. also beinahe die Hälfte der Gemeindeemkommen- steuern, auf Gnind dieser Vorzugsrechte der Beamten aus. Diese verteile» sich auf hie Geistlichen mit zirka 9000 M.. auf die Lehrer mit 7000 M.. die unmittelbaren Staatsbeamten mit 66 000 M., die Hofstaatsbeamten mit 4000 M., die Reichsbeamten mit 87 000 M. und die städtischem Beamten mit 8000 M., sowie auf die aktiven, zur Disposition gestellten und verabschiedeten Offiziere mit 110 000 M. Dafür kann sich Potsdam aber stolz„Beaintenstadt" nennen, unter diese» Bedingimge» allerdings ein recht teures Vergnügen. Vermischtes. Di« Explosion in Lindenau- Leipzig. fEig. Ber.) Die von uns bereits telegraphisch gemeldete Katastrophe ereignete sich in der siebenten Abendstnnde. Eine ftirchtbare Detonation erfolgte und das vierstöckige Haus Hebelstr. 17 stürzte in sich zusammen. Fast sämt» liche Fensterscheiben in der ziemlich grotzen Straße sprangen und übersäten das Pflaster mit Glassplittern. Die telephonisch herbei- gerufene Feuerwehr begann sofort mit den Bergungsarbeiten. Bald darauf lourven ein totes Kind und acht Schioerverletzte unter den Trümmern hervorgezogen. Das Mobiliar sämtlicher im Hause wohnenden sieben Familien ist vernichtet worden. Auch in den Nachbarhäusern hat die Explosion grotzen Schaden angerichtet. Am schwersten heimgesucht wurde die Familie des Schlossers Birkinaim. Tie P jährige Ehefrau wurde mit ihren drei Kindern aus der dritten Etage- m den Hof geschleudert. Das jüngste Kind blieb sofort tot. Die übrigen Kinder und die Mutter trugen Schädelbrüche und einen Bruch der Wirbelsäule davon. Weiter befinden sich drei jüngere Ehefrauen und ein Maurer unter den Schwerverletzten. Die Explosion soll durch eine Frau herbeigeführt worden sein, die mit offenem Lichte den Keller bettat; an diesem haben sich dann die au-s der neuen undichten Leitung ausgeströmten Gasmengen ent- zündet. Ob noch weitere Menschen unter den Trümmern liegen, konnte noch nicht festgestellt tverden. Zu den Wasserschäden in Südtirol wird noch aus Jimsbruck gemeldet, daß der Fersenbach bei Eanezza große Strecken über- schwemmte. Zwei Holz auffischende Knaben wurden von den Wellen hiuweggeschivemmt, ein 13jäbriges Mädchen verlor beim lieber- schreiten eines NotsteigeS das Gleichgewicht und fiel den Fluten zum Opfer. Ein 60jähriger Mann ertrank, als er eine bei Pergine über den Fersenbach führende Brücke überschreite» wollte. Seine Leiche ist geborgen. Das Wasser hat an der Lokalbahnstrecke Trient— Malec grotzen Schaden verursacht._ 15 000 Menschen umgekommen. Ueber eine furchtbare Katastrophe wird aus Taschkent berichtet. Durch ein Erdbeben und durch gleichzeitigen Bergrutsch wurde am 21. Oktober die bucharische Stadt Karatag vollständig zerstört. Die gesamte Bevölkerung. 15 000 Personen, ist unter den Trünuuern de- graben. Nur der Gouverneur und seine Mutter sollen gerettet sein. Opfer der Arbeit im Industriegebiet I Auf Schacht 2 der Zeche„Neu-Jscrlohn-Langendreer" geriet der Hauer Daniel Köhler unter hereinbrechende Gesteinsmassen. Man schaffte K. schwer verletzt in das Krankenhaus.— Auf Zeche„Bruch- stratze" stürzte der 18jähnge Bergarbeiter Siecher ans Witten in einen Aufbruch. Er brach das Genick nnd ivar sofort tot.— In Oberhansen platzte auf dem Elektrizitätswerk ein durch die Aschen- kanäle durchführendes Dampfrohr. Der Kesselheizer LekowSky, der beim Bedienen des Kessels beschäftigt war. wurde verbrüht und fand sofort seinen Tod.— Zwischen Förderungskorb und Zimmerung geriet auf der Zeche„Stakenrade" der Fahr- Hauer Seiler und wurde getötet.— Auf der Zeche„Rosen- blumdelle" bei Heißen wurde der Bergmann Desud von aus dem Hangenden stürzenden Gestein schwer verletzt.— Ver- brannt ist durch fortgeloorfene glühende Schlacke in der Backhans- mühle in Fulerum das einjährige Töchterchen des Bergmannes Siegmund.— Im Betriebe des Gußstahlwerkes zu Malstatt-Burbach wurde ein jugendlicher Arbeiter von einem abstürzenden Gußstück derart getroffen, daß der Tod sofort einttat.— Durch heitze Dämpfe wurde der Ziegelmeister Häring von der Holzener Ziegelei so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt lvird. Ans Zeche„Consolidation" Schacht 2 geriet der Bergmann Behrens zwischen zwei Kohlenwagen und wurde zerdrückt.— Dem Arbeiter Tilo wurden in der Armaturfabrik„Westfalia" bei Ausübung seines Berufs die Finger abgequetscht.— Im Grubenbettieb der Zeche „Schlegel und Eisen" Schacht 5 und 6 erlitt der Bergmann Friedrich Smolka aus Scherlebeck einen Armbruch.— Gestorben ist der Zechen- schirrmann Urhahn von Riemke, der am 23. September bei Ausübung seines Berufs auf der Zeche„Konstantin der Große" Schacht 4/5 unter einen beladenen Eisenbahnwaggon geraten und dem beide Beine buchstäblich abgefahren waren.— Auf der Grube„Stosch und Schönneberg"-Siegen wurde ein Bergmann verschüttet.— Bei einem in Homberg-Duisburg vor Anker liegenden Schleppkahn verwickelte sich beim Abkoppeln ein junger Mann in einer Stahlttosse. Der Beioutztlose, der schwer verletzt das Tau fest umklammert hielt, wurde ins Krankenhaus gebracht. Schiffsunfälle. Der österreichische Dampfer„Elda" ist nach einer Meldung aus Trieft bei Kap Colonnaes gescheitert. Die Mannschaft sowie die an Bord befindlichen 33 Passagiere konnten nur mit größter Mühe durch ein zu Hülfe geeilteS Schiff gerettet werden. Das Schiff gilt als verloren, da in den Maschinenraum und daS Zwischendeck Wasser eingedrungen ist. Infolge heftigen Sturmes sind gestern in Cherbourg zwei Fischerboote gesunken. Ein Rettungsboot ist abgegangen, um zu versuchen, den Schiffbrüchigen Hülfe zu bringen. In einem Londoner Dock ereignete sich vorgestern abend ein neuer Unfall. Infolge eines falschen Manövers eines Schleppbootes stieß dieses mit großer Gewalt gegen das Unterseeboot„Lutin", das bekanntlich feinerzett in Biserta einen schweren Unfall erlitt, zu- sammen. Das Unterseeboot erhielt ein Leck, eS konnte aber recht- zeittg verhindert werden, daß es sank. Wieder ein Bahnunfall. Nach einem Telegramm au» V u d a- pest stieß der von Finme abgelassene Schnellzug zwischen den Stationen Lie und Plase auf einen Güterzug. Die Lokomotive des Schnellzuges entgleiste, mehrere Wagen wurden zertrümmert. An- geblich soll von den Passagieren niemand verletzt sein. Ein Einbruch in ein Bankhaus. In Krakau brachen un- bekannte Täter nachts in dem Bankhause der Gebrüder Eibenschütz ein, sprengten mittels elekttischen Bohrers den Geldschrank und raubten 40 000 Kronen Bargeld, sowie zahlreiche Wertpapiere. Dreizehn Personen getötet. Ueber ein folgenschweres Eisenbahn- Unglück wir aus Lahors berichtet: Auf der indischen Nordwestbahn fuhr ein Güterzug, der das Haltesignal nicht beachtete, in einen Per- sonenzug. Dreizehn Personen, darunter die beiden europäischen Maschinisten, wurden bei dem Unfall getötet, elf schiver verletzt. Eingegangene DrucKJclmften. RcclamS Universum. Heft 4. Wöchentlich ein Heft. 30 Pf. Verlag Verlag: Berliner Ph. Rcclam in Leipzig. -Kniend 10 Pf. Tierschntz-Knlender 1908. 48 Seiten. Tierschutz-Verein, Berlin, Königzrätzerstr. 41. Der Biilow-Block und der Liberalismus von Dr. R. Brcitfcheid. ILO 2?.— Jugend, Evolution, Kultur und Narkose von Prot. A. Forel. 50 Pf.— Verlag: E. Reinhardt in München.- Sriefkalten der Redaktion. $te inrlstitzchr Sprechstunde Und«» Linde II strafte Nr. 9, zweiter ipos. dritter Eiiizang, vier Treppe«.«W?- Jahrstuhl»qwffl wocki-ntäalich von?>/, bis O'lt Uhr abend» statt. Gcössiict 7»Hr. TouiiabeudS beginnt die Sprechstunde um« Uhr. Jeder ftlnfrag»»n ei» Buchstabe und eine ttahl als Merkzeichen bcizusiiac». Briefliche«»«Wort wird«ich» ertellr. Eilig- Frage»»rage man in der Sprechstunde vor. Vorwärts 1890. Ein eigenhändig und formgcrccht daticrics ge- und unterschriebenes Testament bedarf zu seiner Gültigkeit weder polizeilicher noch gerichtlicher noch notarieller Beglaubigung, ebensowenig einer Ver- sicgelung und tarnt in der eigenen Behausung ausbewahrt werden.— R. 18K1. 1. Die Berujsgcnosfenichast ist zur Heilung und zur Zahlung einer Unsallrcnte verpflichtet. Richten Sie den Antrag an die Berufs- genoflenschast. Z. Nein.— E. B. 19. 1. Die Stadt wird Erbin, wenn sie Unterstützung bis zum Tode zahlt. 2. Der Sohn ist rechtlich soweit zur Unterstützung seiner Zftilrtcr verpflichtet, als dies ohne Beeinträchtigung des standeSmäßjgeu Unterhalts seiner Familie möglich ist.— H. K. 50». Ein Verlaus wäre strasbar. Lassen Sie cS aus ejne Klage wegen des ReftcS an» kommen und geswtten Sie keineswegs die Abholung ohne vorausgegangene Klage.— H. 6. 1. Dem Mann stände leider ein Anspruch an den von ihm gekauften Sachen zu, soweit dieselben noch vor- banden sein sollten. Ihr Eigentum ist Ihnen herauszogeben. 2. Die Entscheidung hängt von dem Wortlaut des Vergleiches ab. — H. K. 83. Uns nicht bekannt.— M. 18. Ein Grund, ohne Ein- willigung des Wirtes den Vertrug auszuheben, liegt in dem von Ihnen vorgetragenen Sachverhalt leider nicht. Eine BcleiSigungsklage würde wenig Zweck habe», da beiderseits Beleidignnge» gefallen find.— Schuld- schein 160. 1. Fn 30 Jahren. 2. DaS Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt, ist zuständig. 3. Etwa 20 Marl. 4. Rem.— G. F. N. 93. Keiner»st zur Alimenienzahlmig verpflichtet, wenn mehrere» innerhalb der KoiPcptionSzeit die Möglichkeit, Vater zu werden, gewährt ist.— B. Z. 19. 1. Ja. 2. Durch Anfrage bei dem dortigen Land« gcricht.— H. L. 93. Nein: das Kind, das in der Ehe geboren ist, gilt solange als ehelich, bis der Ehemann erfolgreich auf UneyelichkeitSerNärung g-Nagt hat.— F. I. Ja.- 10 M. Nein.— N. M. 129. 1. Ja. 2. Deutsche Bank, Sieichsdank oder dergleichen.— S. T. N. Leider nicht. — P. 63. Nein.— P. K. 12. Kaufmann Bödecke, Grcisswaldcrstr. 43. — Giinzel 100. 1. Ja. 2. und 3. Wir müssen Ihnen selbst dnhcim stellen, die Rechnung vorzunehmen.— H. R. in K. 100. Die Ve- dingunge» ersehen Sie aus dem Lottcrieplan. Uns sind die Lotieriepläne nicht bekannt.— Jehser. Da Sie den Einspruch zu spät erhoben haben bszw. zu spät haben zustellen lassen, wird ein weiteres Rechtsmittel leider kaum Aussicht auf Ersoig haben.— Haas. Die Sozialdemokratie soll Objekt der Gesetzgebung sein, soll heißen, die Gesetzgebung soll gegen die Sozialdcmokralie vorgehen, sie soll nicht Subjekt der Gesetzgebung sein, soll heiße», sie soll an der�Gesetzgcbung keinen Teil haben. Die Bedeutung der Fremdworte ersehen Sie eventuell in ciuem Fremdwörterbuch.— Z. 10. Nein.— Neip. Unseres ErachtcnZ ist der Arzt aber nicht der Ncndant wählbar.— H. L. 64. 5 und 2 Markstücke.— O. W. 1000. Nein. — 2l. 64, In der Zeit von 11 bis 1 findet die Ausnahme statt.- Sie müssen beide erscheinen. Den Tauischein mitzunehmen ist zweckmäßig, aber nicht notwendig.— K. ll. 73. Da Ihre Frau aus der Landeskirche nicht ausgeschieden ist, mutz sie Kirchensteuer zahlen und Sie haften dafür.— O. K. 30. Wir können Sie nur aus den Adrctzkalcuder, Teil IV. S. 23t, verweisen. Bestimmte Geschäfte zu cmpsehlen, müssen wir grundsälich ab- lehnen.—$. 55. Ja.— O. K. 1. Wende» Sie sich an den Genossen Simaiwwsli. Engel-User 15. 2. Leider würden Sie die vereinbarte Kündigungssrist einhalten müssen, weil nach Lage der Nechtsprcchung nicht anzunehmen ist, daß das Gericht Ihnen das Recht zuspricht, wegen des von Ihnen angeführten GrundeS den Verttag sofort auszuheben und Schadenersatz zu verlangen.— W. I. 105. Zum Beitritt zu dieser Kasse vermögen wir nicht zu raten.— H. 21. 1. Ja. 2. Eine Rückzahlung der Klebemnrkcnbeiträge smdct in Ihrem Falle nicht statt.— K. W. 14. Nur aufgeschoben.— Gros. Band. Die Klage müßte gegen die einzelnen Erben gerichtet werde». Der unterliegende Teil hätte die Kosten zu tragen. Die Höhe der Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts. Vor der Erhebung der Klage ist zum Versuch einer Einigung zu raten Berliner Marktpreise. Ans dem amilichen Berich! der flädtilchen Marlthallen-Dttektion.(Großhandel.) Ochfenfleilch la 63—70 pr. 100 Psd., IIa 62- 67, Ula 57—60, Bullenfleifch la 65—70, IIa 53—62, Kühe, fett 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 54—67, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppelleuder 105—120. Mastkälber la 85—95, IIa 75—82, Kälber gcr. gen. 56—71, do. Holl. 48—54, däu, 0,00. Hammelfleiich MasUämmer 74—76, Hammel la 66— 70, IIa 60— 65, ungar. 0,00, Schafe 45—53. Schweinefleisch 53—61. Nehbock la Per Pfund 0,60—0,95. IIa 0,00. Rotwild la per Psd. 0,30-0,50, do. IIa 0,25, do. Kälber 0,30—0.55. Damwild 0,38—0,55, do. Kälber 0,00. Wildschweine per Pfd. 0,00. Frischlinge 0.50. Kaninchen per Stück 0,20—0,85. Hasen, groß, p. Stck. 3,00—4,00, do., mittel u. klein, Stck. 1,50—2,50. Wild- cnten per Stück l, 25— 1,75. Rebhühner, junge große, per Stück 0,75—1,40, do, mittel und Keine 0,00, alte 0.60—0,85. Faiancn- hähne la 1,50—8,00, do. IIa 1,00—1,40. Fasanenhcnnen 1.00—1,80. Bekassinen 0,40—0,70. Waidschncpsen 2,00—2,75, do. Hai, 00— 1,75. Krammets- Vögel 0,00. Hühner, alte, per Stück 1,00—2,00-, IIa 0,60— 0,90, do. junge 0,45—1,25. Tauben 0,30—0,65. Enten per Stück 1,00—2,30, dito Hamburger per Stück 3,00—3,10. Gänse per Psund 0,50—0,60, dito per Stück 2,09—3,00, do. Hamburger per Psund 0,75, do. Oder« brucher per Pfd. 0,50—0,60. Poulets per«tück 0,60—1,25. Deutsche Poularden IIa St. 0,90. Hechte per 100 Psd. 70-81, do. matt 0,00, do. klein 80—86, do. mittet 0,00, do. groß-mittel 0,00. Zander, groß, matt 155, dito klein, matt 0,00. Schleie, klein 0,00, do. unsort. 0,00, do. groß 123, do. mittel 132. Aale, groß 100, do. klein und niittel 0,00, do. mittel 0,00, do. unsortiert 0,00, do, groß-mittel 0,00, klein 0,00. Bleisisch 0,00, Plötzen 43—47. Roddow 0,00. Karpfen 0,00, do. 40er 67—72, do. 70er 0,00, do. 50er 0,00. Bullte Fische 0,00, do. klein, matt 20—30. Barsc, ticin 62, Karauschen 83. Bleie 47—51, do. klein 0,00. l'lland 47—50. Quappen 0,00. Amerik. Lachs la neuer, per 100 Psd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, mittel Kiste 1—2, Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pontin. la Schock 0,00, IIa 0,00. Bücklinge, Kieler ver Wall 3-3.50, Sttals. 0,00, engl, per Wall 2,75—3,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,70—0,80, do. Nügcmvalder, Kiste 0,70.. Aale, groß per Psund 1,10—1.40, mittelgroß 0.80—1,10, klein 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00— 4,50,'/, Kiste 1,75—2,50. Sardellen, 1902 et per Anker 98, 1904er 98, 190oer 98, 1906er 90-95. Schottische Lollheriuge 1903 0,00, large 40— 44, fall. 38— 40, med. 35—42, deutsche 37— 44. Heringe, neue Maises, per»/, To. 50—120. Sardinen, russ.. Faß l,50— 1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schockfaß 11, do. kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. miltelgroße 0,00, do. kleine 10—11 ein 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,0(1 Eier, Land-, unsortiert per Schock 8,75—4,20. do. große 0,00. Butter per 100 Psd. la 126-130, IIa 118-122, Ma 110-116, absallende 90-95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Psesscrgurken 4.00. Kartoffeln per 100 Psund Daberjche 2,75—3,25, weiße runde 2,50—3,00, rna». Von. 2,75—3,25. Porree, per Schock 0,50—1,00,. Meer- rettich. Schock 4—12. Spinal per 100 Psund 4—10. Sellerie, per Schock 5,00—8,00. Zwiebeln per 100 Psd. 2,00—2,50, do. Perl- 40,00—100,00. Chaloiten 40,00—100,00. Petersilie, grün, Schockbund 1,00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Retlich, bayrischer, Stück 0,00, hiesiger Schock 2,50—3,50. Mohrrüben, 100 Psund 2,00 bis 3,25. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirsingkohl p. Schock 3—6. Rotkohl, Schock 4—8. Weißkohl p. 100 Psd. 1,50—2,50. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 8—10, do. Hamburger 100 stück 0,00, do. Ersurter 100 Stück 10—16. Rosenkohl, per 100 Psd. 22—25. Grünkohl 4—6. Kohlrüben, Schock 3,00—6,00. Pctcrsillenwurzclu, Schockbund 3,00—4,00. Schnittlauch 1,25 bis 1.50. Psefferlinge p. 100 Psd. 0,00. Radieschen per Schockbund 0,75—1,00. Salat per Schock 1,50—2.00. Gurken, Einmache-, Schock 0,00. Bohnen, grüne, 100 Pfund 25—35. Tomaten per 100 Psund 0,00, Rote Rüben, per 100 Pfund 2,50-3.00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 6-8, do. Tel. tower 13—20. Kürbis per 100 Psd. 4—6. Eskarol per Schock 5—6, Endivien per Schock 3—6. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, hiesige Most- 0,00, Koch- birncn 3—8, Taselbirnen la 10—25, do. IIa 4—10. Aepscl, per 100 Psund, Tiroler la 20-30, do. IIa 12-18, Most-, hiesige, 3-5, Koch- 5-12. Tnsel. üpfel la 10—25, do. IIa 7— 12. Amerikaner, per Faß 15— 30. Wallnüsse, per Schock 0,00, do. klein 0,40—0,50, do. französische 0,00. Weintrauben, ital. per 100 Psd. 10-24, Almeria per Faß 13-15, türkische per 100 Pfd. 14-18. AnanaS I, per Pfd 0,75—0,80, do. II 0,40—0,50. Bammelt, gelb, per 100 Psd. 20-25. Kokosnüsse per 100 Stck. 15-22. Maronen, ital., 100 Psd. 10-20. Feigen, Kranz, per 100 Psd. 20-25, do. Trommel- per 100 Psd. 0,00. Zitronen. Messina. 300 Stück 11.50-20.00, do. 360 Stück 7,50-16,00, do. 200 Stück, 12.00-16.00, do. 150 Stück 7.00-10,00. Wittcrnngsüvcrsicht vom 36. Oktober 1997. Elattonen Swwemde Hamburg Berlin Franks. a M. München Wien ££ HS i- a 5 (•£ » 0 g» 751'Still 749 OSO 752 Still 748 O 751 SO 753 NNO Nebel 4 wolkig Nebel 5 wolkig 1 wollig 2wolleiil SlaNonen Havaranda!75SO Petersburg 754 SO Scillh Aberdee» Paris Wetter. Prognose für Donnerstag, den 31. Oktober 1997. Mild, jedoch vielfach wolkig mit Regenfällen und mäßigen südlichen Winden. Berliner Wetterdur«an. WasserstandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau. Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Raiibor , Krossen . Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, LeiNncritz , Barby , Magdeburg SaaU, Grochlitz Wasserstand Havel, Spandau . Rathenow') Spree, Spremberg . BecSkow Weser, Münde» „ Minden Rhein, Waldshut , Kaub , Köln Neckar, Heilbroun Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 2?.10. om 87 128 112 148 -110 -2S 110 93 24 seit 28.10. em') + 2 0 — 4 0 — 8 — 2 +1 85)-+ 2 20-A19 — 1 - 2 + bedeutet Muchs,— Fall.—») Untcrpegct. Sozialdemokratiseher Wahlverein für den S. Berliner Reiehstagswahlhreis. Freitag, den 1. November er., abends 8 Uhr: OefM. Kommunaiwählef-Yersanimlung im„Artushof", Perlebergerstraße 26. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten und Stadtverordneten Paul Singer Wer: „Die pojitive Tätigkeit der SoMldemokratev auf kommunalem Gebiete". 2. Diskussion. 267/14' Zu zahlreichem Besuch ladet ein Oer Toratand. MMM der ipler«Ä Filiale Berlin. Freitag, den 1. November 1907, vormittags 11 Uhr: MitgHetter-VersammluiiK tk bei Freier(früher Keller), Koppenstraße 29. 1201/10»' Tag es. Ordnung: Nie Vortage lies neuen Tarljes. Zahlreichen Besuch erwartet_._ Die Verbandsleitnng. Zlweigverein Berlin und Umgegend. Freitag, deu 1. November, abcuds 8 Nhr, im Gemerkschaftshaus, Eugel-Nfer 15, groster Saal: awenIVmM»!«». Tages-Ordnung: 1. Wrechnung vom dritten Quartal ISO?. 2. Abrechnung vom Streit. 3. Bekanntgabe bei Wahl- resultatS. 4. VerbandSangelegenheiten. 48/2� Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt.----------- Der Zweigvereinsvorstand. vkutzeKös HolMbeitör-Vörlisiil!. . Zahlstelle Berlin.■- WM" Einsetzer!"WW Freitag, 1. November, adds. 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus. Taal 8» Versammlung der Raten KarteuKleder. TageS. Ordnung: Wie stellen sich die Kollegen zum Fortbestehen der Zuschutzlasse? 07/3«_ I. A.: R. L a n z k h. f Freitag, den I.November, abends 8'/, Uhr. im Gewerkschasts- Hause, Engel-Ufer IS, Zimmer l i sämtlicher aufgestellten Delegierte« DipDlllNlUig der Ortskrankenkasse der Mechaniker. DaS Erscheinen aller unbedingt ersorderlich.— DV Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. 159/3 Der Ginberufer: M. G u t s ch e� Partelsekretär für Ftuntp-Rtmfchkld-Nettmauu gesucht. Gehalt laut Besl"' Bewerber wollen... spätestens 9. November beim Schristsührer I-nshrlnh, Ronsdors, Breitestr. 24, melden. 298/26 � Orts- Krankenkasse der Gelb- Ii. Ziililgicßer zu Berlin. Auf®nmb des§ 64 des Kassen statuts geben wir den Mitgliedern und Arbeitgebern bekannt, dag der in der Generalversammlung vom 13. Juli cr. beschlossene, unier dem 15. Oktober cr. genehmigte HI. Nach- trag deS Kassenftatuls am Montag, den 4. November cr. in Krast tritt. Für Abänderung gelangt S 30: er- öhte Beiträge. Druckexenstilare dieser Abänderung erhalten die Mitglieder von ihren Arbeitgebern. lOLSb den 30. Oktober 1907. Der Vorstand. üllllreasgatteo AndreasstraBe SO. Empsehle meine Räume zu Ver- sammlungen und Festlichkeiten alle. Art. Gute billige Küche, gut gepslegtr Biere. Fremdenlogis. Jeden Sonntage Tanz bei freiem Eutree. Mittagsiisch von 60 Pj. an, mit Bier. 39 IL« F. Merkowski. m 1 Ü O o o o Ssders§ Bnckhoff Oranienstr. 48 und Seipzigerstr. 50 a. 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N 2 M. e* N 2 M. r+ N 2 im* N os wr« IM» ff N 2 J5-' N 2 N 2 m» (-K N 2 —• Pf N 2 S-* N 2 N 2 I*. rt- N 2 Ä' N 03 M M* N Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz Blitz|( lt. 255. 24. Jahrgang. 8. Klinge des Jnmiirts" Keliner InlMInlt D«mn«t«z, 3). Vttodn 1907. Die Vorträge über nationalökonomie. Der dritte Vortragsabend, an dem Genosse Molkenbuhr sprach, wurde am Montag vom Genossen E r n st eröffnet. Die Hörer füllten die grosse Halle in den„Germaniasälen" so zahlreich wie an den beiden vorhergehenden Abenden. Der Vortragende sprach über das Thema: »Der Austausch". Er knüpfte an seine Darlegungen über Warenproduktion und Geld im letzten Vortrage an und zeigte noch einmal, wie man nach einer Ware suchte, die die gesellschaftlich gültige Aeguivalentform besitzt und wie als ein notwendiges Produkt des Austauschprozesses daS Geld entstand. Waren gegen Waren auszutauschen, wurde immer schwieriger, je seltener sich die Warenbesitzer zusammen- fanden, die die gcwünsrhten Waren austauschen wollten. A. bat z. B. einen Rock und will dafür Weizen haben, B. hat Weizen, braucht aber eine Kuh, C. hat eine Kuh, sucht aber einen Pflug, D. endlich hat einen Pflug und will dafür einen Rock eintauschen. Macht die Ware zuerst jedesmal den Umweg, in Geld verwandelt zu werden, so ist natürlich der Austausch ungemein erleichtert. Diesen Platz als Geld eroberte sich das Edelmetall, weil es wichtige, für die Funktion als Geld notwendige Eigenschaften besitzt, es ist in jeder beliebigen Art teilbar und es verändert sich nicht. Den ersten Platz nimmt daS Gold ein, die Goldwährung hat sich fast überall Anerkennung verschafft. Dienen zwei verschiedene Waren, Gold und Silber, als Wertmaß, so wird der Wert aller Waren in zweierlei Preisen ausgedrückt, im Gold- und Silberpreis, sobald der Wert eines Metalls sich ändert. Der Redner geht in Beant- Wartung einer Frage aus dem Hörerkreise auf die Gold- und Silberwährung näher ein und erklärt, daß das Gold ins Ausland abfließen müßte, wenn jeder sich Silber kaufen und für ein Pfund Silber sich 9t> M. auf den Münzen ausprägen lassen könnte. Für unsere verschuldeten Gutsbesitzer wäre es freilich ein ge- fundenes Fressen, wenn sie ihre Schulden nur nnt schlechtem Gelde zu bezahlen brauchten oder mit einem Schlage reicher würden. Ein Grundbesitzer hat z. B. Land im Werte von einer Million Mark und daraus eine halbe Million Schulden. Es gehört ihm also nur die Hälfte seines Besitztums. Die Silberwährung, die daS Geld um die Hälfte verschlechtern müßte, macht sein Land zwei Millionen wert und nun gehört ihm plötzlich Dreiviertel seines Besitztums.— Das Gold als Wertmaß ist die gesellschaftliche Inkarnation der menschlichen Arbeit, und durch sein festgesetztes Metallgewicht dient Gold als Matzstab der Preise. Die Geldnamen bezeichneten das Mctallgewicht des Geldes. So war ein Pfund Sterling früher ein Pfund Silber, wurde aber in seinem Gewicht durch die Be- trügereien der Herrschenden verändert. Der Redner erinnerte hierbei an das Experiment der Geldjuden Jtzig und Ephraim zur Zeit des siebenjährigen Krieges unter Friedrich dem Großen. Diese ließ der Staat Taler mit minderwertigem Silbcrgehalt prägen und glaubte damit ein schlaues Finanzmanöver vollbracht zu haben. Bald aber zeigte es sich, daß kein Mensch diese Taler als vollwertig ansah und gelten ließ, sie galten nur soviel, als sie wirklich wert waren und hießen beim Volke nicht Taler. sondern Ephraimitcn.— Durch Beispiele dieser Art wußte der Bortragende die Theorien gelegentlich sehr anschaulich zu machen. Wie großen Verände- ruiigen eine Ware durch technische Fortschritte und durch Ueber- angebot unterworfen ist, zeigt« er an der Ware S.ilber. Die Produktion nahm ungeheuer zu seit den siebziger Jahren, der Marktmagen konnte nicht mehr vertragen und die Preise sanken schnell. Für ein Pfund Gold erhielt man in den Jahren 187I/7o nur 15,97 Pfund Silber, in den Jahren 1991/95 dagegen 39,13 Pfund Silber. Redner beschrieb den ZirkulationSprozess Ware— Geld— Ware. Dabei ist Ware Ausgangs- und Endpunkt, der Kreislauf de? Geldes ist ausgeschlossen, das Resultat ist beständige Entfernung des Geldes von seinem Ausgangspunkt. Bei dem Formwechsel Ware— Geld fällt die Ware aus der Zirkulation; sie wird Gebrauchswert und wird konsumiert. Das Geld bleibt Zirkulationsmittel. In der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes tonnen aber Schwankungen eintreten bei Preisänderungen der Waren und bei Schwankungen in den Geldvorräten. Die Quan- tität der Mitlei in der Geldzirkulation ist bestimmt durch den Preis der zirkulierenden Waren. Das Geld tritt in den ver- schicdensten Formen auf. Im internationalen Verkehr wird mit Gold in Barren für große Beträge gezahlt. Im allgemeinen Ver- kehr gilt die Münze. Im Geschäftsleben spielt freilich das Bar- geld nur eine sehr kleine Rolle. Die Gold:nünze entspricht, wenn sie neu ist, dem Goldwert. Ist sie durch den Umlauf abgenutzt, so ist sie nur noch Wertzeichen, wie die Scheidemünze, die als Ersatz für ein Quantum Gold gilt. Nur bei geringen Zahlungen braucht man Scheidemünze anzunehmen. Nach dem deutschen Münzgesetz kann man verlangen, daß in Silber höchstens 29 M. und in Nickel und Kupfer höchstens 1 M. ausgezahlt wird. Ebenso ist Papier- geld nur ein Ersatz für Gold und eine Anweisung auf vorhandene Goldbestände in Banken oder den Schatzkammern des Staates, der das Papiergeld mit Zwangskurs herausgibt.— Bei der Entwickc- lung des Verkehrs treten Zustände ein, bei denen Kauf und Ver- kauf zeitlich getrennt werden, die Zahlungsforderungen werden kompliziert, aber mit der Konzentration der Zahlungen an einem Ort kann man mit geringen Mengen von Geld Zahlungen zwischen vielen Personen ausgleichen, und da funktioniert Geld nur als R e ch e n g e l d. Wenn aber in einem solchen Knäuel von Zahlungsverpflichtungen die Zahlung an einer Stelle stockt, dann treten Krisen ein. Hier beleuchtet der Redner unter gespannter Aufmerksamkeit der Hörer die gegenwärtige FinanzkrisiS in New U o r k, die er als Illustration seiner Ausführungen vor- führt.— Welche Bedeutung das Kreditgeld hat, zeigte er mit Zahlen: Deutschland besaß Ende 1996 Metallgelds im „erte von 5 297 673 490 M. Die Reichsbank hatte 1996 einen Um- satz von 279 218 Millionen Mark. Mithin hätte also jeder Pfennig 52mal durch die Kassen der Reichsbank laufen müssen, wenn die Zahlungen mit Metallgeld beglichen werden sollten.— Daneben sind noch die Großbanken tätig und zahlreiche andere Geldinstitute, um den ungeheuren Verkehr zu regeln. Die Entwickelung nötigt heute zur Geldakkumulation für bestimmte Zahlungstermine; große Reservefonds müssen in Bereitschaft sein. Der Redner führte die Handelsbilanzen der Industriestaaten an und zeigte, daß die Gesamteinfuhr die Gesamtausfuhr über- trifft und erinnerte an die Doktrin der Merkantilistcn, die be- hauptet hatten, eine solche.passive" Handelsbilanz bringe Ver- armung. Als Länder mit„aktiver" Handelsbilanz nannte der Redner Bulgarien. Oesterreich-Ungarn, Rußland und Serbien. Die Handelsbilanz der Welt in den Jahren 1999 bis 1994 zeigt folgende Zahlen: Einfuhr 254 693 Millionen Mark, Ausfuhr 224 323 Millionen. Es find somit auf vbr Erde in den Jahren 1900— 1994 für 30 375 Millionen Mark Waren mehr einge» führt als ausgeführt worden. Nun gibt eS Waren, die nur ein- geführt, aber nicht ausgeführt werden, z. B. die Produkte der See- fifcherei. Dann gibt es Waren, die ausgeführt, aber nicht einge führt werden, z. B. alle? waS die Schiffahrt braucht und die Ladung der verlorenen Schiffe. Woher nun der bestehende Gewinn? Es findet eine Wertsteigerung der Waren statt durch die Arbeit der Seeleute und zweitens werden die Waren ausgeführt, wo sie billig und eingeführt, wo sie teuer sind. Den zweiten Teil seines Vortrages widmete der Redner der Verwandlung von Geld in Kapital und der Theorie vom Mehrwert. Welthandel und Weltmarkt eröffnen im 16. Jahrhundert die moderne L c be n sg e s ch i ch t e des Kapitals. Historisch tritt das Kapital dem Grunoeigentum als Kaufmanns- und Wucherkapital gegenüber. Der Gutsherr mit feinen Leibeigenen strebte zunächst nach Verbesserung seiner eigenen Lebensbe- dingungen, er trat nicht als Kapitalist auf.— Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich durch ihre Zirkulation S- form, indem die Formel Ware— Geld— Ware der Formel Geld— Ware— Geld gegenübersteht. Geld zu erlangen, wird zum Zweck und Ziel. Der Geldbesitzer will aber nicht dieselbe Geldsumme zurück erhalten, sondern Geld und Mehrwert. Kaufen, um teurer zu verkaufen, ist die Regel, und auch das industrielle Kapital folgt dieser Losung. Das Wucherkapital kürzt den Weg ab und gibt Geld für Geld und Geld(Zinsen). Der Redner erörtert gründlich die Widersprüche der allgemeinen Formel, die Probleine über den Mehrwert, mit denen man sich lange abmühte. Benjamin Franklin erklärte z. B., daß eine „Prellerei" dahinter stecke.„Krieg ist Raub und Handel ist Prellerei", so sagt er.— W i e entsteht der Mehrwert? Die Wertänderung, die da vorgeht, kann sich nicht beim Gelde zu- tragen, sie muß mit der Ware vor sich gehen. Der Geldbesitzer muß eine Ware entdecken, deren Gebrauchswert die Eigenschaft hat, Quelle von Wert zu sein, und dieseWareistdasArbeitS- vermögen oder die Arbeitstraft. Unter Arbeitskraft verstehen wir den Inbegriff der physischen und geistigen Fähig. keiten eines Menschen. Damit der Mldbcsitzer die Arbeitskraft auf dem Markte vorfindet, müssen verschiedene Bedingungen er- füllt sein. Der Verkäufer muß freier Eigentümer seines Arbeits- Vermögens sein; er tritt mit dem Käufer, also dem Geldbesitzer in Verhandlung als juristisch gleiche Person. Er muß die Arbeitskrast nur auf eine bestimmte Zeitdauer verkaufen, nicht überhaupt, weil er sonst sich selbst verkaufen würde. Er kann nur diese, nicht in fertigen Produkten festgeronnene Arbeitskraft verkaufen. Wollte er sie in fertigen Produkten verkaufen, müßte er Rohstoffe, Werk. zeuge und Lebensmittel auf so lange hinaus haben, bis er Geld für seine Produkte erhält. Daß es Geldbesitzer auf der einen Seite und Arbeiter ohne Mittel auf der anderen Seit« gibt, ist das Resultat einer historischen Entwickelung, das Produkt vieler ökonomischer Umwälzungen und nicht naturgeschichtlich oder gesellschaftlich unabänderlich feststehend. DaS Kapital kündigt nur eine Epoche des gesellschaftlichen Produktionsprozesses an.— Der Wert der Arbeitskraft ist bestimmt durch die zur Produktion, also auch Reproduktion dieses spezifischen Artikels notwendige Arbeitszeit. Dabei ist noch mancherlei zu berücksichtigen; der Arbeiter muß Kinder zeugen und erhalten können, er muß vorgebildet sein, um bestimmte Fertigkeiten zu er« langen. Die Bedürfnisse der Arbeiter bilden die Kette, an der sie in Sklaverei gehalten werden.— Eng hieran wird sich der Vortrag de» nächsten Abends über die Lohnarbeit schließen..(Reicher Bei- fall wurde dem Redner zuteil.) Blnsen-Kizfigi für Knaben ■edirw Ckeiloli facti Formen 18,- 12- 8- � Mk. 7.- 8.- 4.- M 50 Weier-Anzüge fOr Knaben Sntir blicir Ctierlit Eekti(Iiier 18 5 Qr6st« I Wflter« QrAI« 00 Pt mthr. foilen-Pelerinen für Knaben 0.- 7.60 5 Mk. SO JforJolk-jlnzüge fOr JOngllnga feklotl Flltll-1 lutge. lodtmeUita. 24.- 21.» 18- g 16.- 12.- 10.- Mk, JaebeMnzüge wr Jonglinge ItUeJflglSlirfll.FKUBl 83,. 24. 18.. 4 A 15.-12.-11.- III Mk. foden-Pelerinen FOr Jflngllnge 1380 12- 9 Mk- jVfaderne Paletots«. Ulster für Knaben. Reizend» kleidsame Fassons 20.— 18.— 18— 14.-■.. 12— 10,— 8— S— � Mk. für Jünglinge. Schönste Formen und Stoffe 88,— 80.— 27.— 24— gk 2t— sg.— 18— 12— 9 Mk. eigene �rzeujnigss in fausend/älii�er ji\u8wahl! Baer Sohn Spezialhaus größten MeBstabea. 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Alle diejenigen, welche Erbanspruche an diesen Nachlast erHeden zu können glauben. werden alifgesordert. ihre Ansprüche bei mir anzunielden, auch die zur Begninduug dcS Anspruches crsorder» iichen Urkunden einzureichen. IgSbcrg, den 10. Oltober Piene, Rechtsanwalt. Partei- Speditionen: nn, I; Fritz Zinke, Mauerstr, 8g. II: Aiberi H a h n i s ch. Auguitstr, 50, Eingang Ioachimstratze. Z�vnti-«n> !L. HVeeKIZtr«!», Weisen: parterre. Gustav Schmidt, Zkirchbachstr. 14. Hoch- Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenauftr. 72, Laden. St. Fritz, Prmzenstr. 31, Hos recht? pari. Ott- n: Robert W e n g e I s. Rüdersdorserstr. 3, am — Wilhelm Mann, Pclersburgerplatz 4(Laden). Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/1S Zucht, JmmanueMrchstr. 12(Hof). »bit und Hansaviertel): Karl Anders, 8. Wahlkreis 4. Wahlkreis Kuitrinerplatz. 4. Wahlkreis, (Laden). 5. Wahlkreis: Leo «. Wahlkreis(Hoa! Salzniedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße. Nazarethkirchstraße 4g. 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