Nr. 339. nbonntmtntS'Bedlnaungen: ßSonncmenlS• PreiZ pränumerando t ZZierteljährl. 3,30 SRI, monatl. 1,10 Mk., wSchenllich 28 Pfg, frei WS HavZ. Einzelne Nununer S Pfg, SonnragS- nunimer mit illuftrierier Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» ?lbonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post> Zeitungs- Preisiiste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Wart, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemart, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Slumänien, Schweden und die Schweiz. CitdxW täglich aus» tHontagi. 34. Jahrg. Vevlinev VollisbletK. vle snkettionz-eebiih!' beträgt für die fechsgespaltene Kolon?!- zeile oder deren Raum 30 Pfg,, für politische und gewerlschastliche PereinS- und BersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Uletne Anreizen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Slnzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 3 Pfg, Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte: Inserate für die nächste Nummer müssen bis Ii Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben wenden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Tetegramm-Adresse: „SozlaldemoHrat Rtrlin". Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: 850. 68, Llndcnstraase 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 5. November 1907. Expedition: 801. 68, Llndcndtrasdc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Huf zur Stadtverordnetenival)]! Berlin steht unter dem Zeichen der Kommunalwahlen. Morgen finden in 16 Kommunalivahlbezirren der dritten Ab- teilung Stadtverordnetenwahlen statt. Es handelt sich für die Sozialdemokratie um die Erhaltung von dreizehn und die Eroberung von drei Mandaten in dem„Roten Haus". Seit Monaten sind unsere Genossen im Wahlkampf tätig, die or- ganisatorischen Arbeiten abgeschlossen und alles für den letzten entscheidenden Akt— die Stimmabgabe— vorbereitet. Morgen kommt es nur noch darauf an, die Lässigen auf- znrütteln, die Säumigen anzuspornen, die Wähler der dritten Abteilung— die Besitzlosen— an ihre Pflicht zu mahnen, für die sozialdemokratischen Kandidaten zu stimmen und für den Sieg derselben zu sorgen, damit— soweit dies unter dem System der Dreiklassenschmach überhaupt möglich ist— die in der Sozialdemokratie politisch organisierte Arbeiterklasse ihre kommunalpolitischen Grundsätze und Forderungen in der Ge- meindeverwaltung Berlin zur Geltung bringen kann. Stärker und bedeutungsvoller wie sonst greifen die dies- jährigen Stadtvcrordnetenwahlen in das politische Leben der Reichshauptstadt ein. Die bürgerlichen Parteien führen den Kommuitalwahlkampf— vor allem in der dritten Abteilung— unter dem Banner des„Blocks"— um den Einflutz der Sozialdemokratie im Rathaus zu verringern. Alle bürger- lichen Parteien scharen sich unter der Devise„gegen die Sozialdeniokratie" zusanimeit, um soziale Fortschritte in der Kommunalverwaltung zu verhindern und sich die unbequemen Treiber, die unablässig auf Erfüllung der sozialen Aufgaben Berlins drängen, vom Halse zu halten. Um so wichtiger und notwendiger ist es daher, daß jeder klasscnbetvußte Arbeiter, jeder Parteigenosse, jeder sozial- gesinnte, für die Freiheit und Wohlfahrt dcS Volkes kämpfende Bürger Berlins seine ganze Kraft aufbietet, um den sozial- demokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Wir wissen, daß solche Männer— mit geringen unwesentlichen Aus- nahmen— nur in den Reihen der organisierten Arbeiterklasse zu finden sind. Darum ergeht vor allem an die Arbeiter und Parteigenossen unser Mahnruf in letzter Stunde: Vorwärts zum Kampf! Vorwärts zum' Sieg! Dem kapitalistifch-bürgerlichen Block stellt die Sozial- dcmokratie den Block der kapitallosen, den Block ziel- und klassenbeiviißtcr Arbeiter, den Block der politisch und Wirt- schaftlich Entrechteten und Ausgebeuteten gegenüber— mit ihm wird und muß der Sieg unser werden. Alles was unter den Wählern dritter Abteilung wirtschaftlich rückständig und politisch unfrei ist, hat sich zusammengeschart, um der Sozial- dcmokratie den Besitz im Roten Hause streitig zu machen und neue Eroberungen zu verhindern. Unsere Genossen müssen daher alle Kräfte aufbieten, um die Gegner zu Paaren zu treiben und nicht nur die gegnerischen Angriffe auf den alten Besitzstand unter starker Erhöhung der Stimmenzahl glänzend zurückzuschlagen, sondern auch die noch nicht im Besitze der Sozialdemokratie befindlichen Bezirke der dritten Abteilung für die Partei zu erobern. Wenn die �Dreiklassenschmach es auch verhindert, die Majorität im Stadtverordnetensaale zu erringen, so muß wenigstens die dritte Abteilung, in der Hunderttausende von Proletariern znsammengehäuft sind— gegen die Handvoll Besitzender und Reicher in den privilegierten Abteilungen— dem arbeitenden Volke gehören. Die erdrückende Majorität der Wähler dritter Abteilung stellt die Arbeiterklasse— wenn jeder zur Wahl geht und den sozialdemokratischen Kandidaten wählt, dann kann uns niemand den Sieg streitig machen. Die Genossen Berlins werden sich dieser Aufgabe gewachsen zeigen. In jeder Arbeitertvohnung, in jeder Fabrik, jeder Werkstatt, jedem Bnrcaii, auf jedem Bauplatz— kurz überall da, wo in den zur Wahl aufgerufenen Bezirken Berufs-, Arbeits- und Parteigenossen sich zusammenfinden, muß von Mund zu Mund die Mahnung gehen:„Auf zur Wahl des sozialdemokrattschen Kandidaten I" Männer und Frauen müssen sich in den Dienst der sozialdemokratischen Agitation stellen, deren Ziel dahin geht, alle Sitze der dritten Abteilung im Stadtverorductensaale des „Roten Hauses" aus sozialdemokratischem Holz zu zimmern. Der Hauptgegncr, gegen den sich der sozialdemokratische Ansturm in Berlin richtet, ist der Freisinn, dessen sänitliche Schattierungen sich im Kampfe gegen die Sozialdemokratie Beistand leisten. Zu dem mit Lug und Trug geführten Kampfe gegen die Sozialdemokratie verbünden sich alle bürgerlichen Parteien— ivenigstens bei den Stichwahlen— marschieren Liberale. Konservative und Antisemiten zusammen und ans diesem Mischmasch werden die Kandidaten gekürt, die nur um des Mandates willen allen Parteien und Richtungen vor der Wahl große Versprechungen machen, um nach Er- langung des Mandats die kommunale Verwaltung im materiellen Interesse ihrer Gesellschaftsklasse zu beeinflussen und zu fördern. So wird vor der Wahl die Lehrer- und Beamtenschaft umworben; dem Grundbesitz, der bereits durch die Städteordnung ein unberechtigtes und gemeinschädliches Privilegium besitzt, wird gehuldigt; den Kleingetverbe- treibenden werden Versprechungen gemacht; den Arbeitern wird Hülfe in ihrer sozialen Not in Aussicht gestellt— aber wenn irgendwo der Satz:„Richtet Euch nicht nach ihren Worten— sondern nach ihren Taten" angebracht ist, so gilt er dem Rathausfreisinn gegenüber, der das„Rote Haus" zurzeit beherrscht und die Gemeindeverwaltung zu einer Domäne manchesterlich-kapitalistischer Wirtschaftspolitik stempelt. Erst noch in der allerletzten Zeit hat der Rathaus- liberalismus im Interesse und zugunsten des Grundbesitzer- tums es abgelehnt, den unverdienten Wertzuwachs in an- gemessener Weise steuerlich heranzuziehen und die durch das Hausbesitzerprivilcgium geschaffene Mehrheit in der Stadt- verordnetenversammlung dazu ausgenutzt, um die in Form einer kleinen Wertzuwachssteuer angestrebte Abgeltung der durch die finanziellen Leistungen und gemeindlichen Maß- nahmen geschaffene Wcrtsteigerung des Grund und Bodens zu hintertreiben. Die Magistratsvorlage, welche den Grund- besitz in viel zu geringem Grade zu einer Abgabe von dem unverdienten Wcrtznivachs bei dem Verkauf von Grundstücken heranziehen wollte, wurde von der freisinnigen Majorität der Stadtverordnetenversammlung derartig verhunzt, daß von der Steuer nur noch das Papier übrig blieb, auf dem die Steuerordnung gedruckt war. Und nachdem der Rathausfreisinn in seiner übergroßen Mehrheit unter Führung des Herrn Cassel der Wcrtzuwachssteuer das Rückgrat gebrochen, die Vorlage in der Einzelberatung zu einem inhaltslosen Schemen ge- staltet hatte, stimmten dieselben liberalen Kommunalpolitiker auch noch bei der Gesamtabstimmung gegen die von ihnen gebrauchsunfähig gcnmchte Vorlage, wodurch der in einer früheren Sitzung gefaßte Beschluß, der die Einführung der Wcrtzuwachssteuer im Prinzip ausgesprochen hatte, auf- gehoben und verleugnet wurde. Dieser von egoistischen Klasseninteresien geleiteten Kommunalpolitik deö Rathaus- liberalismus stellt sich die verlogene Kampfcswcise gegen die Sozialdemokrätte würdig an die Seite, indem die von RathauLfreunden inspirierte„Freisinnige Zeitung" bei der Verteidigung der Haltung des Freisinns in der Wertzuwachs- steuerfrage sich darauf beruft, daß auch die sozialdemokrattschen Stadtverordneten schließlich gegen die Vorlage gestimmt haben. Nattirlich nachdem die Ertragsfähigkcit von den Frei- finnigen aus der Vorlage herauseskamotiert und statt dcS „Sein" nur der„Schein" geblieben war, hatte die Sozial- demokratie kein Interesse mehr an der Vorläge— aber unsere Genossen als Eideshelfer für die Ablehnung dieser Vorlage zu reklamieren, das ist doch schon der Gipfel freisinniger Heuchelei und bewußter Jrrefi'ihning der öffentlichen Meinung. Ein echt freisinniges Bravourstückchen. So wie der Rathausliberalismus in Berlin bei der städtischen Boden- und Wohnungspolitik kapitalistischen Interessen dienst bar ist— so wird auch das Verkehrswesen— wobei freilich die staatliche Aufsichtsbehörde eine unheilvolle Rolle spielt— der städtischen Verwaltung und den sich daraus ergebenden Einnahmen zum großen Teil entzogen. Dieselbe Vergünstigung des Pripatkapitals zeigt sich bei Errichtung oder Erweiterung bestehender Licht- und Kraftanlagen, deren Kabel die städtischen Straßen und Plätze in Anspruch nehmen. Statt, wie es die Sozialdemokratie verlangt, all diese Anlagen mit städttschem Kapital zu errichten, in städtischer Vertvaltung zu betreiben und den erzielten Nutzen im Interesse der Gemeinde für kommunale Zwecke zu ver wenden, sorgt der Rathausfreisinn inimer wieder dafür, daß dem Privatkapital diese Millioneiigewinne zufließen und läßt sich mit einer Abgabe abspeisen— während eine nur den Interessen der Gesamtheit dienende Gemeindeverwaltung dafür sorgen müßte, daß die auf und in städtischem Grund und Boden erzielten Gewinne in ihrem vollen Um- fange der Stadtkasse zufließen. Aber freilich, den Kapitalisten, tvclche die Stadtverordneten erster nud zweiter Abteilung er- nennen, sind hohe Akttendividenden lieber als 3>/zprozcntige Kommunalpapiere. Weil die Dreiklassenschmach ein Stadt- regiment von Geldsacksgnadcn züchtet, deshalb auch die Herr- schaft des Geldsacks im Rathause. Eins bedingt das andere. Würde die Berliner Gemeindeverwaltung eine von sozialer Fürsorge getragene kommunale Grund- und Boden», Verkehrs-, Wohnungs- und Steuerpolitik nach den Forde- rungen des sozialdemokratischen Kommunalprogramms treiben, so würden sich all die Mißstände auf den Gebieten des städtischen Schul-, Armen-, Gesundheitswesens, alle Mängel, die der Reichshauptstadt noch in hygienischer Beziehung an- haften, sowie die zum Teil sträfliche Vernachlässigung der an der Peripherie belegenen, von derArbeiterbevölkerung bctvohnten Be- zirke mit leichter Mühe beseitigen lassen. Die Aussicht hierzu er- höht sich— natürlich nur im Rahmen deS Dreiklassenunrcchts möglichen Erfolges— mit dem steigenden Einfluß der sozial- demokratischen Partei durch ihre Vertreter im Roten Haus. Morgen bietet sich die Gelegenheit, daß die sozialdemokra- tische Fraktion im Rathaus um drei Mitglieder verstärkt wird; wir hoffen, daß die Genossen die feindlichen Basttonen siegend ersttirmen werden. Ein besonderes Kapitel in der Freisinnsherrschaft auf dem Berliner Rathaus bildet die„soziale Fürsorge" für die städtischen Arbeiter. Was auf diesem Gebiet gesündigt wird, davon legen Zeugnis ab die unaufhörlichen Klagen der städtischen Ar- beiter. die neben ungünstigen Lohn- und Arbeitsbedingungen auch unter der tatsächlichen Einschränkung des Koalitions- rechts zu leiden haben;— Verkürzung der Arbeitszeit mit dem Ziel des Achtstundentages, Anerkennung der tariflichen Abmachungen der gewerkschaftlichen Organisationen, Ein- setzung von Arbeiterausschüssen in den städtischen Betrieben, mit dem Recht, auf die Betriebsverhältnisse mitbestimmend einzuwirken, unbedingte volle Koalitionsfreiheit der städtischen Arbeiter, angemessener Urlaub,— das sind im allgemeinen die Forderungen, für deren Erfüllung die sozialdemokratischen Stadtverordneten unablässig gekämpft haben und weiter kämpfen werden. Die Einführung dicserEinrichtuugen in den städtischen Vc- trieben wird vorbildlich und erzieherisch auf die Privatindustrie wirken. Der verstärkte Einfluß der Sozialdemokratie im «Roten Haus" führt die Einführung dieser Reformen näher — deshalb hat die Arbeiterklasse Berlins, gleichviel welcher politischen Richtung der einzelne angehört, im Interesse ihrer sozialen Hebung die Pflicht, morgen für den Sieg der sozial- demokratischen Kandidaten mit aller Kraft einzutreten; denn keine bürgerliche Partei will und wird den städtischen Ar- bcitern das notwendige Maß sozialer Fürsorge und politischer Rechte zu teil werden lassen. Es gilt aber auch morgen durch die Wahl sozial- demokratischer Stadtverordneten in allen sechzehn Bezirken einen wuchtigen Protest zu erheben gegen die Dreiklassen- schmach, unter der das Proletariat in Preußen politisch recht- los ist. Der Kanipf für die Eroberung des allgemeinen, gleichen, imen und direkten Wahlrechts in Preußen für Staat und emeindc muß die Arbeiter und Parteigenossen auch morgen bei der Stadtvcrordnetenwahl mit flammender Begeisterung erfüllen und sowohl im Siege als auch bei der Sttnimenzahl zum gewaltigen Ausdruck kommen. Nur ein Teil Berlins ist morgen zur Wahl berufen— aber ganz Berlin muß die Helfer stellen, die in den Wahl- bezirken die Arbeit des letzten TagcS mtt Eifer betreiben, dadurch den Erfolg sichernd. In allen Stadtteilcit, in denen morgen Stadtverordnete dritter Abteilung zu wählen sind, hat die Sozialdemokratie im Januar bei der NeichStagSwahl glänzend gesiegt. Morgen soll die kommunale Probe auf den bürgerlichen konservativ-liberalen Block gemacht werden. Parteigenossen I Arbeiter I Vernichtet die hierauf gerichteten Hoffnungen. Laßt den zusammengeleimten, innerlich morschen bürgerlichen Block an der eisernen Geschlossenheit des Proletariats jännuerlich zerschellen. Verteidigt die Hochburgen der Sozialdemokratie und laßt auch auf den heute noch in Händen der Feinde bc- findlichen Zitadellen morgen das rote Banner siegreich cmporgehcn. Parteigenossen! Vorwärts zum Kampf! Nützt den letzten Tag und die letzten Stunden nach Kräften auS. Sorgt dafür, daß kein Arbeiter am Wahllisch fehlt, daß keine Stimme dem kämpfenden Proletariat verloren geht. Sorgt dafür, daß der 6. Novcniber ein neuer RuhmeStag für die Berliner Sozialdemokratie wird. Auf zum Sieg! Um dem ßsk-Sumpf. Den Junkern ist der Harden-Prozetz denn doch auf die Niereu geschlagen. Die Eulenburg-Clique zwar haben sie, die mit dem „agrarischen Kanzler" ja sehr zufrieden find, gar nicht imgerii stürzen sehen. Aber die Entlarvung einer so ungeheuerlichen Korruption vor dem ganzen Lande ist ihnen doch höchst peinlich. Sie ent- setzen sich jetzt vor dem Maßstab, an dem die„Edelsten und Besten" gemessen iverden können I Deshalb maant das Oertcl-Organ dringend zur„Besonnenheit". Man möge sich ja vor V e r a I l g e- m e i n e r u n g hüten. Höchst peinlich ist der„Deutschen Tageszeitung" auch die Art, wie die Päderastenorgien des Graten L y n a r gesühnt oder vielmehr nicht gesühnt worden find. DaS Junkerorgan tut, als M eS von der Tatsache, daß Graf Lynar mit Pensionsberechtigung und dem Rechte des Führens deö MajorStitelS verabschiedet worden ist, erst durch den„Vorwärts" erfahren habe. Als ob das daS Junkerblatt nicht viel eher gewußt habe als der„Vorwärts", dessen Persoualkeimtnis i» Osfizierskreiscn begreif- licherweise eine weit geringere ist als die dcS AgrarierblattcS. DaS tollste aber ist, daß das Blatt sich so stellt, als vermöge es die Richtigkeit der Meldnug des„Vorwärts" nicht nachzu« prüfen! Aber höchst peinlich bleibt ihm trotz aller Heiichclei diese Affäre. ES schreibt: „Wir möchten annehmen, daß wenn diese Darstellung richtig ist, etwaige Versäumnisse nachgeholt werden. Wir wiesen schon darauf hin. daß für die Entscheidung darüber, ob Anlaß zu gericht- lichem Einschreiten vorliegt, vor allem in Frage kommt, ob Miß- brauch der Dienstgewalt vorgelegen hat und ob nicht ctiva schon Verjährung eingetteten ist. Wir würden eS aber auf jeden Fall bedauern, wenn man wirklich gegenüber ehrvergessenen Offizieren, die ihre Uniform schändeten, sich mit Maßnahmen begnügt haben sollte, die nicht mindestens eine absolute DiSqualifiziernng der Schuldigen bedeuteten. Und wir sind überzeugt, daß diese Auffassung auch an den maßgebenden Stellen voll geteilt wird, und daß Vcrsämnnisse, die vielleicht durch unvollständige Orientierung möglich waren, wieder gut- gemacht werden. Gegenüber einer solchen moralischen Seuchengcfahr muß unerbittlich durchgegriffen werden; natürlich nicht etwa wegen der sozialdemokratischen Agitation, sondern wegen der Sache selbst." Merkwürdig nur, daß die Feststellung, daß Graf Lynar nicht einmal mit schlichtem Abschied entlassen worden ist, bei dem heiligen Interesse des JunkerorganS für„die Sache selbst" dem l 0 r w ä r t s" vorbehalten blieb! Und wenn das Junkerorgan zur„Besonnenheit" mahnt, so hat daS allerdings feine ttiftigen Gründe. Ist doch felbst die von einem Adligen herausgegebene„Neue Gesellschaft l. K o r r e s p." k nach Ablauf ihrer gesetzlichen Lebensdauer durch Linienschiffe ersetzt in der Verallgemeinerung so weit gegangen, zu behaupten, daff man werden, sie sind aber noch nie Linienschiffe gewesen. Und da die die Verfehlungen der L y n a r und Hohenau in Berliner Hop kreisen„erweislich' seit Jahr und Tag gekannt habe. Man habe aber beide Augen zugedrückt, da eS in diesen Kreisen noch uichr Üyimrs und Hohenaus gebe! Und auch die„Milit.-pol Korrespondenz" bestätigt die Tatsache, dasi in Offizierskreisen die Pädcrastenlvirtschaft des Grafen Lhnar nicht nur bekannt gewesen sei, sonder» auch durch die Art der Bewilligung seines Abschieds gesuchs zur Evidenz erwiesen worden sei. Als Graf L p n a r sich auf die Anzeige des betreffenden Soldaten hin sich vor seinem Regimentskommandeur, dem Obersten Freiherr» v. Richthofen, habe rechtfertigen sollen, sei er dieser Aufforderung dadurch aus- gewichen, dasi er sich krank gemeldet und seinen Abschied ein- gereicht habe. Und dieser Abschied sei nicht,„wie man unter den besonderen Umständen des Falles hätte a n n e h ni e n sollen", sofort, sondern„nuauffiillig" mit den großen Vcräudc- rangen, den„GesnchSlisten" des Monats, beivilligt worden! Man sieht: je mehr man den Fällen näher tritt, desto peinlicher werden sie für unsere„Edelsten und Besten" I Keleitigung der Gdrcidczölle. Die freisinnigen Abgeordneten interpellierten heute in der �weiten sächsischen Kammer die sächsische Regierung darüber, tvelche maßregeln sie gegen die enorme Steigerung der Getreidepreise tn'. Interesse der Bolkscrnährung zu ergreifen gedenke. Die Interpellation wurde von dem Abgeordneten Günther ausführlich begründet. Er forderte: Die sächsische Regierung möge in« Bundesrat dahin wirken, dasi zeit- lv eilig dic'Getreidcpreise aufgehoben würden und dag die Ausfuhrprämien für Getreide verschwänden. Minister Graf v. Hohcnthal beantivortete diese Forde- rungen dahin, die Regierung betrachte gleichfalls die aufsteigenden Getreidepreise als einen U e b e l st a n d, der ernste Beachtung verdiene. Die Ursache sei jedoch nur in der schlechten Welternte zu suchen. Daher sei der Preis nicht nur in Deutschland, sondern überhaupt auf dem Weltmarkte gestiegen. Gegen eine Ermäßigung der Getrcidezölle habe die Regierung schwere Bedenken im Interesse der heimischen Landwirtschaft. Auch sei die Steigerung der Ge- treidcpreise nur(!) vorübergehend, wie das mich schon in früheren Jahren der Fall war. Namentlich im Hinblick hier- auf lehnte der Minister unter dem Beifall der Agrarier ab, im Bundesrat für eine Ermäßigimg der Zölle einzutreten. Danach soll sich also das alte Spiel, wie es Herrn PodbielSki beliebt hat. nochmals wiederholen. Der ministerielle Geschäftsführer der Agrarier versicherte damals gleichfalls, daß die F l e t s ch n o t nur vorübergehend sein werde. Später hat er dann selbst zugegeben, daß er nicht recht an diese Versicherung geglaubt habe. Vielleicht ist übrigens die Frage gestattet, seit wann denn im Deutschen Reiche sür die Volksmassen die Verpflichtung besteht, a u ch „nur vorübergehend' zu hungern, damit sich die preußischen Junker ihre Taschen in ihnen selb st unerwarteter Weise füllen könncnl Gerade weil die jetzigen Getreidepreise exorbitant hoch sind, so hoch wie noch seit dem Hungerjahr 1891, müssen sofort Maß- nahmen ergriffen werden! Und wenn die Regierung die Hochpreise für vorübergehend hält, so soll sie zunächst vorüber- gehend die Getreidczölle aufheben l Die deutschen Gctreidezölle halten den Getretdepreis um siv Mark über dem Weltpreis! Gerade daß der Weltmarkt- preis gestiegen ist, macht die Wucherzölle in diesem Jahre vollends unerträglich. Die Herrschaften mögen sich nicht täuschen: Die Auswucherung" des Volkes zugunsten einer kleinen Schar von Großgrundbesitzern hat schon zu Zeiten der Hochkonjunktur maßlose Erbitterung in der arbeitenden Be- völkerung erzeugt. Sind doch die Lohnstcigerungcn, die die Arbeiterorganisationen in schweren Kämpfen den Unternehmern abgerungen haben, zum größten Teil durch die gestiegenenLebenS- mittelpreise und die Wohnungsteucrung wieder illusorisch gc- macht worden. Jetzt aber sind die Tage der Hoch» konjunktur vorüber! Die Lebenshaltung der Arbeiter verschlechtert sich. Die Verdienste aus Ueberstundcn fallen fort. Die Arbeitslosigkeit fordert ihre Opfer, die Macht der Unternehmerorganisatton wächst, die Löhne sinken. Da bedeuten Wucherpreise für alle Lebensmittel, der Kartellwucher in Kohle, der städttsche Vodcnwuchcr der von den Großbanken unterstützten Terraingesellschaften eine Gefährdung der Volks- eruähruug im allerhöchste» Maße. Da muß die Arbeiterschaft an den Staat die Forderung stellen, diesem an das Arbeiter- leben greifenden Wucher dort» wo er die Macht dazu hat, entgegenzutreten 1 Die Mißernte auf dem Weltmarkt hat den deutschen Großgrundbesitzern, da in Deutschland eine Mittelcrnte war, ohnehin große Profite gebracht. Ist denn die Staats- Maschine zu gar nichts anderem mehr da, als den Junkern auf Kosten der Arbeiter immer neue, immer höhere Profite Regierung ja nicht nur die Ersatzpflicht der Küfieupanzer, sondern sämtlicher Linienschiffe herabsetzen will, so hat man bei einem Ver- gleich obiger Art die Küstenpanzcrschiffc anS dem Spiele zu lassen, so wie das Herr Gable sonderbarerweise auch bei Amerika und Japan tut. Wir kommen ans Grund einer eingehenden Prüfung der Schiffsbestände und der Banprogramme aller großen Seemächte zu dcni Resultat, daß sich 1910 das folgende Bild zeigen wird: ES haben Linienschiffe unter 20 Jahren über 20 Jahre im ganzen England. Amerika. Frankreich. Deutschland Japan.. Oesterreich. Italien.. 55( 96,5 Proz.) 27( 96,8„) 24( 72,7„) 20( 90,3„) 12( 92,3„) 9(100.. I 9( 56,3..) 2 1 0 1 1 0 7 der Bodenpreise noch parasitischen Existenzen, zuzuschanzen? Ist die Steigerung immer nicht hoch genug? Sind diesi die Gnmdrentner, niemals zufrieden zu stellen? Die Arbeiter werden auf einer deutlichen und klaren Antwort bestehe». Sie werden die Frage in ihren Versammlungen im Lande und durch ihre Vertreter im Reichstag stellen. Die Getreidezölle müssen suspendiert werden! Der Kampf gegen die Wucher- zölle darf nicht ruhen, er muß mit immer verstärkterer Wucht aufgenommen werden!______ Zur neuen Diarincvorlage. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß sich jetzt auch Herr Oberst Gädke mit besonderem Eifer für die neue Flotlenvorlage ins Zeug legt, llni die Berechtigung einer der Hauptforderungen. nämlich die Herabsetzung der Lebensdauer unserer Linienschiffe um fünf Jahre darzutun, bringt er in einer der letzten Nummern des „Berliner Tageblatts"«ine Tabelle, nach welcher sich für da? Jahr 1910 folgender Zustand ergeben soll: ES haben Linienschiffe miter 20 Jahren über 20 Jahre im ganzen 57 28 33 27 13 9 IS � Jedenfalls ist ans dieser Tabelle ersichtlich, daß Deutschland in bezug auf die Zahl der Schiffe der ersten Kategorie prozentual und absolut äußerst günstig dasteht. Aber wir kamen selbst bei der unzulässigen Mitrechimng der acht Panzerschiffe zn einem weit giinstigere» Resultat als Herr Gädke, weil bis zum Jahre 1910 ja nur die Küstrnpaiizer„Siegfried"(Stapellanf 1889) und„Berlvnls" (Stapellanf 1890) das Alier von 20 Jahren erreicht haben. Hierbei ist jedoch zu erwähnen, daß mit den Ersatzbautcn für daS Linienschiff„Oldenburg" und für die Küstenpanzer„Siegfried", „Berwuls" und„Frithjof"(Stapellauf 1891) bereits 1903 und 1909 begonnen wird. Doch weshalb wählt Herr Gädke gerade das Jahr 1910 zu dem Vergleich: weshalb nicht beispielsweise das Jahr 1915? Die Antwort darauf wird nicht schwer, wenn man weiß, daß 1915 die Gesamtzahl der über 20 Jahre alten Schiffe betragen wird: in England und Frankreich je 19, in Amerika 5, in Deutschland da- gegen mir 4. Unserer Ansicht nach spiegeln jedoch obige Rechnungen die wirk- sicheii Verhältnisse überhaupt nicht ganz richtig wieder. Die zu- verlässigste Art de« Vergleichs ist die Berechnung des Durchschnitts- alters der Schiffe; diese aber ergibt— wie wir noch zeigen werden— ein äußerst günstiges Resultat für Deutschland und zeigt somit, daß die Forderung der Regierung selbst von ihrem Standpunkt aus nicht berechtigt ist.__ politifche Clcbcriicht. Berlin, den 4. November 1907. Minister gegen die Sozialpolitik! Es war bekanntlich eine fortwährende Klage des Ver- bandcS der Industriellen, daß Graf PosadowSkp, bevor er seine Gesetzentwürfe einbrachte, die Herren vom Verband nicht zuvor um ihre Erlaubnis gefragt hat. Wie es scheint, wird dem jetzt gründlich abgeholfen werden. Der„Berliner Lokal- Anzeiger" berichtot von einer Konferenz, die Minister Del- brück und, anstelle des verhinderten Staatssekretärs Lcth- mann Hollweg, Ministerialdirektor Caspar mit den West- preußischen Behörden in Danztg gehabt hat. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die geplante Reform und Vereinfachung unseres gesamten sozialen Ver- sichcrungswesens, insbesondere aber der Arbcitervcrsicherung. DaS Blatt fügt dieser Meldung hinzu: „ES kennzeichnen sich diese Beratungen als der erste Schritt zur Verwirklichung der Absichten, über die in den Resiortministerien und vor allem in der wirtschaftlichen Abteilung des RcichöamtS des Innern ausgearbeiteten und dem Bundesrate sowie dem Reichstage später hinsichtlich einer Umgestaltung unseres sozialen Bersichenlngspr?t,ramms zu machenden Vorschläge zunächst mit M ä n n e r n F ü h l u n g zu nehmen und Aussprache zu halten, die inmitten der Praxis des täglichen Lebens stehen." Wir haben nichts dagegen, daß die Burcaukraten mit Männern der Praxis Fühlung nehmen, möchten aber sehr energisch betonen, daß zu den Männern, die in der Praxis des täglichen LebenS stehen, nicht allein die Unternehmer, sondern in erster Linie auch die Arbeiter gehöre«. Wenn die Minister die Unternehmerorganisationeu hören, so haben sie ebenso gut die Arbeiterorganisationen zu hören, in erster Linie die freien Gewerkschaften! Wenn das nicht geschieht, so zeigt daS nur, wie selbstverständlich es für die angeblich rnr parteiischen Minister ist, nur auf die Unternehmer zu hören Im übrigen haben aber die Arbeiter alle Veranlassung. diesen Beratungen mit größtem Mißtrauen zu folgen. Unter dem harmlosen Vorwand einer„Reorganisation und Verein fachung" der sozialpolitischen Gesetzgebung verbirgt sich nichts anderes, als eine neue Entrechtung der Arbeiter» verbirgt sich daS Bestreben, den Arbeitern die Selbstverwaltung in den Kranken kassen zn rauben! Fürst Bülow hat das in seinem Antwort telegramni an den Verband der Industriellen schon ziemlich deutlich zu erkennen gegeben. Aber dieser Plan, so fürchtet die Regierung, wird den Widerstand der gesamten Arbeiter schaft wachrufen. Daher daS heimliche Getue. Die Arbeiter sollen lvomöglich überrumpelt werden. Es ist Sache der Arbeiter, diese UeberrnmpelungSabsichtcn beizeiten zunichte zu machen!— England... S8( 89 Proz.) Amerika... gl(100„) Frankreich.. LS( 73„) Teutschland. 26( 72„) Japan... 14(100„) Oesterreich..«(100„) Italien... 8( 57„ j Wir können diese Zusammenstellung 7 0 10 10 0 0 6 beim 65 31 38 36 14 0 14 besten Willen nicht als richtig anerkennen. Einer der größten Fehler an ihr ist der. daß bei Deutschland die acht Küstenpanzerschiffe mit aufgeführt werden. Diese Schiffe sollen zwar laut Flottengesetz von 1900 Rentabler Patriotismus. Herr Johannes Kaempf, Bankdircktor und im Nebenamte Vizepräsident des Reichstages, ein hervorragendes Mitglied der Freisinnigen Volkspartei, energischer Vorkämpfer für die Befreiung der Börse, aber nicht so energisch im Wahlrechts- kämpf, ist Vorsitzender und Hauptbeteiligter der Terrain- gesellschaft Witzleben. Diese BodenspekulationSgescllschaft fordert und erzielt für den preußischen Morgen Bauland in Chor lottenburg 350 000 M. Letzter Tage verkaufte sie einige Parzellen zu dem unheimlichen Preise von 1900 M. die Luadrattute. Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkt dazu: „Da es sich hier um ehemaliges sumpfiges und erst durch Schiittung urbar gemachtes Gelände handelt, so muß der fabelhafte Bodcnwert doppelt m die Augen springen. Als Haupt- Ursache der enormen Preissteigerung dürfte wohl der Grund zu gellen haben, daß daS neue Sieichsmilitärgericht auf diesem Ge- lande errichtet wird.' Die Herren von der Witzlebenschen Terraingesellschaft. an ihrer Spitze Herr Kaempf, machen, bemerkt dazu die„Zeit am Montag", also mit dem Deutschen Reich kein schlechtes Geschäft. Daß eL ihnen bei so angenehmen Beziehungen zum Vaterland leicht fällt, gute Patrioten zu sein, ist nicht gerade wunderbar.— Ein neues Königsberg? Am 31. Oktober haben wir die Frage gestellt, weshalb ein russischer Zuhörer eines von einem russischen Gelehrten gehaltenen Vortrages in Untersuchungshaft genommen worden ist. Eine Antwort haben wir von der doch sonst nicht so schweigsamen Polizei oder ihren Hclfcröhelscrn in der Presse bisher nicht ge- lesen. Nach den Berichten, die uns inzwischen zugegangen sind. ist uns der Grund des Schweigens verständlich. Offenbar ge- lüftet es die VII. Abteilung des Polizeipräsidium» nach einer Er- Neuerung des Ruhmes, den sie im Königsberger Prozeß vor zwei Jahren erworben hat, und deshalb vollführt sie anscheinend wieder einmal im ganzen Lande,„soweit die deutsche Zunge" und dcL russischen Väterchens Name klingt, große Taten zur Rettung des Vaterlandes diesseits und jenseits der Weichsel. Haussuchungen folgen einander in großer Zahl; die Menge muß es bringen, aus die Qualität kommt es weniger an. Wenn Polizeibcamtc gcsctz- liche Vorschriften verletzen, so nehmen objektive Staatsanwälte ja häufig genug an, daß das Bewußtsein der Rcchtswidrigkeit fehle. Solche Staatsrcttungen gedeihen natürlich nur im Ver- borgencn. Vielleicht lüftet sich bald einmal der Schleier von den geheimnisvollen Polizcitaten.— Tie„Post" über die höfische Fäulnis. Selbst den„Post"-Fniken erregt der Fäulnisduft des Moltkc- Prozesses einiges Würgegcfnhl, und daS will doch etwas heißen! Besonders interessant ist, was das Blatt über die Hintermänner des Hardcit sagt: „Das Erstaunen über Haiden S Informationen hat sich nach Bismarcks Tod sogar noch vermehrt und konnte bis zur Beängstigllitg anwachsen. Wer in der.Zukunft" die Fülle von„ichr oder weniger unverständlichen Andeutungen über geheime Vorgänge, oft auch die sicheren Beb au p- tun gen über solche verfolgt hat. koimte keinen Zweifel mehr darüber hegen, daß in der Schreibstube des Herausgebers eine ungeheure Zahl von Fäden zusiiminenlänft, die ihn nach allen Seiten mit denen, die etwas wissen, verbinden; daß solche Kunde nicht von Lakaien und Reportern stammt, daß seine Reporter OrdcnSstcrnc und Brillnntdiadcme tragen. Da fragt man mm: Woher das Bedürfnis so vieler hochgestellter Person- lichkciten, ihre Geheinmiffe dem eine» Mann zuzutragen?... Zn diesem ultgeheuren Wissen trägt keiner bei aus edeln Motiven oder aus Menschenliebe; da trägt nur bei. wen cS dringend verlangt, dem lieben Nächsten vor der Oeffent- Ilchkeit das Brandmal seiner Sünde mit Schwefelsäure auf die Stirn geätzt zu sehen. Dem Publizisten, der eiitgegennimint, was sich ihm an geheimer Kunde bietet, ist daraus allein kein Vor- wurf zu machen; wenn aber bei einem einzigen Manne, seiner eigenen Bekundung nach, ein solches Lager tödlichen Giftes sich anhäuft, so führt daS zu dem traurige» Schluß. daß i» unseren hohe» Kreisen sich ei» unerhörtes Denunzianteli- und Sykophantcntnm gebildet hat, ein Fäuluisprodnkt, viel ver- dcrblichcr als alles, lvas der Prozeß enthüllen konnte." Eigentlich sollte sich die„Post" über diese Fäulnis nicht allzusehr wundern. Denn von einer GcsellschaftSschicht, in der Blätter vom Schlage der„Post" und der„Täglichen Nlindschan" gelesen werden, kann man nichts Besseres erwartet,.— Liberales. Die Herren von der Fr ei si nni g en Volks pari ei möchten gerne die„unsicheren Kantonisten' loswerden; diese sind nämlich die Herren Bartb, Gothel n und andere, die den Kampf für die preußische Wahlreform als dringendste Aufgabe des Liberalismus dezeichnet haben. Die Herren von der Volks- Partei freut aber die ganze„liberale Einigtmg" nicht mehr, wenn in dieser noch Platz für wirklich liberale Elemente sein sollte. Daher ist in de» freistimigen Organen eine ununterbrochene Hetze gegen diese entbrannt, die besonders die„Vreö lauer Ztg." mir be- soliderem Eifer sich angelegen sein läßt. Das gibt dem„Verl. Tageblatt" Gelegenheit zn folgender Charakteristik: „Wir bedauern nicht deshalb die Taktik der Freisinnigen Volkspartei gutheißen zu können, weil einige ebenso kurz- sichtige als ehrgeizige Führer dieser Partei keinen Widerspruch aus den Kreisen der unabhängigen Liberalen dulden, sondern aus eigenem Ermessen dekretieren wollen, was als gc- eichter, keimfreier Liberalismus zu gelten hat. Gegen solche llebcrhebuiig, die ja in der Persönlichkeit der heute au der Spitze der Freisinnigen Volks- Partei stehenden Herren nicht die gering sie Rechtfertigung findet, hat sich allerdings im Lande ein gewisses Mißtrauen geregt." Wen» aber das Blatt noch immer Hoffnungen auf die liberale Einigung setzt, so dürfte c« sich täusche». Wir halten eS aber auch von unsere», Standpunkt für nützlich, wenn das Experimeiit, das die demokratischen Elemeiite jetzt mit den FischbeckS anstellen, bis zum Ende geführt wird. Versagen die Freisinnigen in der WahlrechtSstage vollständig, so scheinen sie noch ein Restchen Widerstand in der Frage der Aus- nahmcbcstimmungen in dem neuen Vereins- und Versammlung-- gesetz zeigen zn wollen. Wenigstens versichern die„Voss. Ztg/' und die„Liberale Korresp.", daß die Freisimtigei, für keine GprachenauSnahmebestimmungen zu haben sein werden. Wir wollen sehen, ob dieser Widerstand nicht etwa unter den Dohmigen Herrn OertclS und den Schmeichelworten Bülows dahinschwindet.— Warenhauspatriotismus. Man erinnert sich der Demonstrationen, die in der Wohlnacht vor dem RcichSkanzlerpalaiS und dem königlichen Schloß ftatl- gesimden haben. Der Kaiser hat damals den'begeisterten Patrioten bekanntlich versichert, daß die Sozialdemokratie' itiedergerittcn ist. Nun erfährt man ans„nationalen" Blättern, daß dieser spontane BegeisterniigöanSbrnch sorgsam vorbereitet war. Hier wird u. a. gesagt: „DaS ist das Werk des Deutschnationaleit Handln n gSgehülfe Ii- Verbandes, der überhaupt in der BearbciUlng der öffentlichen Meinung eine fabelhaft: Gewandtheit zeigt. Auch die bekannten Maffciidemoiistrationcn vor dem ReichskanzlcrpalaiS und dem königlichen Schloß in der Wahlnacht des vergangenen WintcrS waren daS Ergebnis einer Schar unter das Pttblikum verteilter deutschnationaler Handlung-- gehülfen." Also der„Patriotismus" wurde damals lanciert wie ein neuer Geschäftsartikel, die„spontane Begeisterung" arrangiert wie ein Auslagefenster. Patriotische Kundgebungen als WarenhauSartikcl, ivarum eigentlich nicht? Wertheim sollte sich das jetzt nicht mehr entgehen lassen I Wir begreifen durchaus nicht das„Verl. Tagcbl.", das meint: „Wenil der deutsche Reichskanzler seine nächtlichen Reden vor einer Schar antisemitischer HandlungSgebülfen gehalten, so mag daS allenfalls hingehen. Aber wenn man den deutschen Kaiser durch angestellte Claquere an das Schloßfensler gelockt hat. so ist daS der Gipfel zynischer Verwegenheit.' Aber warum denn? Ist das demokratisch? Und wenn der Kaiser nun doch einmal zu den Massen reden und in die sozialdemokrati- scheu Vstsaminlungen als DiSlussionsredner nicht kommen will? Der Kaiser wünscht nun einmal, nicht immer nur vor der Höflingsschar zu glänzen. Andere Massen, als die aiitisemitischen HandlungS- gehülfen und ihre freisinnigen Mitläufer kommen doch nicht vor's Schloß!—_ Staatsgefährliches Turne». Das Ministerium des Geistes setzt auch unter den, neuen Minister Holle den Studtschen Kurs unentwegt fort. Das Turnen hat eS ihm angetan, allerdings nur dann, wenn es von der freien Turner- schaft ausgeübt wird. Wenn sich Turner noch nebenbei recht reich- lich im Singen patriotischer Lieder üben, dann finden sie Gefallen beim Kultusminister und erhallen für ihr Tun und Lassen einen Freibrief;' mit einem Wort: Die Gesinnung der Tliriicr ist für die Maßnahmen der Negiening entscheidend. Von diesem GesichtSpuiikt a»ö erklärt cS sich nur, daß die Regierung die freien Turner fortgesetzt mit Maßnahmen behelligt, die ihnen Echwierigkeiten bereiten sollen. So wurde erst kürzlich gegen die I freien Turner in Rixdorf, Britz und Charlotten bürg eine auö dem Jahre 1839 stainmende, vergilbte Kabinettsordcr an das Tageslicht gezogen, und jetzt wiederholt sich derselbe Vorgang bei dem Turnverein„Fichte". Einem Turnwart ist folgende Verfügung zugegangen: Kgl. Provinzial-Schulkolleaium. ?!r. lV. 5705. Berlin W. 9, den 15. Oktober 1907. Linkstraste 42. Nach zuverlässiger Feststellung erteilen Sie in der 4. Lehrlings- abteilung des Turnvereins„Fichte" Turnunterricht an jugendliche Personen, ohne im Besitze des nach der Staatsminijterial- Jnstruktion vom gl. Dezember 1839 erforderlichen Unterrichtserlaubnisscheines zu sein. Wir untersage!» Ihnen deshalb, solange Sie nicht den vor- geschriebenen, bei der Städtischen Schuldeputation nachzusuchenden ÜnterrichtSerlaubnisschein besitzen, die weitere Erteilung des Turn- Unterrichts an jugendliche Personen vom Tage der Behändignng dieser Verfügung ab nnter der Vcrwarnruig, dast für jeden Fall der Zuwiderhandlung auf Grund des§ 48 der Verordnung vom 20. Dezember 1808 eine Exekutivstrafe von 100 M., buchstäblich: „Einhundert Mark", gegen Sie festgesetzt iverden wird. (Unterschrift unleserlich.) An Herrn Karl Thiel, hier, NW. 21, Emdenerflr. 51. Diese Verfügung entspricht einem allgeineinen Erlast des Kultus- Ministers und scheint auf der„ganzen Linie" in Anwendung gebracht zu werden. Richtiger wäre eS gewesen, wenn die Regierung ganz offen sagte: Weil ihr freie Turner seid, gestatten wir euch nicht, jugendliche Personen am Turnen teilnehmen zu lassen. Nur die Turner dürfen jugendliche Personen in ihren Reihen haben, die ihrer Tnrnerei mit„Heil dir im Siegerkranz" eröffnen und mit „Deutschland, Deutschland über alles" fchliesten. Hätte die Regie- rung das offen gesagt, so hätte sie sich die Mühe ersparen können, eine Kabinettsorder von K8 Jahren Alter auszugraben. Dast die Regierung mit dieser Nadelstichpolitik ihren Zweck erreicht, die freien Turner zu sattelfesten Patrioten zu machen, daran glaubt sie wohl selbst nicht.— Bronsart v. Schellendorff gegen Arendt. Gegen den Leutnant a. D. Bronsart v. Schellcndorff, einen der BelastungSzellgen im Petersprozest, hat seinerzeit die Petersclique, vor allein Herr Dr. Arendt schwere Beschuldigungen erhoben, um seine Glaubwürdigkeit zu diskreditieren. Dazu wird »um der„Neuen Hamburger Ztg." von einem„alten Afri- kancr" allerlei Merkwürdiges berichtet. Danach hätte Herr Bronsart Herrn Arendt, der vor einem Jahre mit anderen ReichStagS- Abgeordneten in Ostafrika war, persönlich z»lr Rechenschaft in Ost- aftika gezogen. Der Vorfall hat sich in M o m b a s a im Hotel Eccil folgend ermasten abgespielt: Bronsart fragte zunächst Dr. Arendt, ob er der Vcrfaffer de? Artikels im„Tag" sei, in dem ihm sittliche Vergehen vorgeworfen wurden. Als Arendt es bestätigte, hielt ihm Bronsart zur Bestürzung der anderen Ahgeord- uetcn folgende Rede: „Sie, Dr. Arendt, sind der...... der...... den ich kennen gelernt habe. Ich nehme nur Rücksicht auf Sie wegen der hier anwesenden Eingeborenen, sonst würde ich Ihnen diese Nilpferd- peitsche(dabei schlug Bronsart ihn» seine Peitsche beim Gesicht vorbei) d»trch Ihr Gesicht ziehen, Sie ganz.....* Herr Dr. Arendt zog aber Herrn Bronsart nicht zur Ver- a n t iv o r t u n g. Dieser erhielt vielmehr vom deutschen Vizekonsul folgende amtliche Bescheinigung: „Dem preustischcn Leutnant a. D. Fritz Bronsart v. Schellen- dorff ivird hicnnit in bczng auf die im„Tag" vrröffei'tlichten Beichuldigungcn,„er sei wegen schwerer sittlicher Vergehen landcs- flüchtig", beschcmigt: Dast dem kaiserlichen Vizekonsulatc E h r e n- rühriges über Herrn v. Bronsart nicht bekannt ist, dast er als preußischer Leutnant a. D. seine Pension vom deutschen Vizekonsulate bezieht»ind er sich längere Zeit in Mombasa auf- gehalten hat, wo die Deutschen das Recht der Exterritorialität besitzen, also eigene Gerichtsbarkeit für Deutsche besteht." Hierdurch sind also sämtliche Anschnldigungen seitens Dr. Arendts amtlich als unrichtig bezeichnet. Gleichwohl ist uns nicht bekannt, daß Herr Dr. Arendt in Deutschland seine Beschuldigungen gegen Bronsart je zurück- genoinmen hat. Die Vergehen Bronsarts sollen übrigens in Misthandlungeu eines Eingeborenen bestehen, wegen deren er in dicscin Jahre zu 200 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Es wäre sehr merkwürdig, die Richtigkeit dieser Darstellung vorausgesetzt, dast Herr Dr. Arendt gegen Bronsart wegen Handlungen so feindlich austritt, die im Vergleich zu den Taten Peters vollständig verschwinden.-- Schweiz. Die Militärvorlage angenoinmeu. Zürich, 3. November.(Eig. Ber.) Der Hurrapatriotismus, da? Schwenken des roten Tuches, die Gespenster des Anarchismus und AntinnlitariömuS haben gesiegt: mit 320104 gegen 247152 Stimmen ist die Militärvorlags angenommen worden. 11 Kantone haben ver- warfen: Echwyz mit 5304 gegen 2504, Uri mit 2323 gegen 1527. Obwaldcn»nit 1413 gegen 1311, Nidwalden mit 1487 gegen 047. GlaruS mit 3933 gegen 2584, Freiburg mit 13 371 gegen 9803. Appenzell mit 1437 gegen 1152, Tessin mit 9200 gegen 7014. Wallis mit 11 000 gegen 4000, Ne»lenburg»nit 11 290 gegen 7330 und Genf mit 7900 gegen 7400. 14 Kantone haben also angenommen, darunter Luzern mit 14 148 gegen 11 602 Stimmen. Die Militärvorlage von 1895 ist vor genau 12 Jahren, an» 3. November 1895, mit 260 751 gegen 179178 Stimmen verworfen worden. Die Mititaristcn hatten also heute mehr Glück, wenn die-Z Resultat auch i»ur als ein Seitenstück zu drin Angstprodukt der deutschen ReichstagZwahlen von 1837 gelten kann. Erwähnt sei noch, dast der ArbeiterkreiS Austersihl- Zürich 7099„Nein" gegen 4302„Ja" aufgebracht hat. Wie heute schon viele bereuen, seinerzeit für den Zolltarif ge- stimmt zu haben, so werden bald Zehntmlsende bereuen, für die Militärvorlage gestimmt zu haben. Italien. Kein Generalstreik! Rom, 4. November.(Privatdep. des„Vorwärts".) � Die„HavaS"- Meldung tiber die Proklamieruug der Obstruktion di,rch die Eisenbahner ist falsch und tendenziös Bolldampf gcgcu die„Moderuisten". Rom» 8. November. Mittelst päpstlichen Dekrets Iverden alle Bischöfe der Welt angewiesen» alle jeire Priester, Ivelche sich der modernistischen Bewegung angeschlossen haben, als außerhalb der Kirche stehend zu betrachten und gegen dieselbe»» die entsprechenden Mastregeln zu treffen.— Serbien. Ter Protest der Sozialisten. Belgrad, 4. November.(B.$.) Gestern hielt die sozialistische Partei eme Versammlung ab, um gegen das Kabinett Pasilsch Stellung zu nehmen. DieBersammluna war besser besucht, als das gemeinsame Prote st Meeting der bürgerlichen Parteien. Mehrere Genosienabgeordnete sprachen sich in heftiger Weise gegen die Gelvaltregiemng aus. Die gefaßte Resolution verlangt die A u f l ö s» n g dieser sowie Wahlen für die große Skuptschina, ivelche die VerfassimgSrevision vornehmen, das stehende Heer abschaffen, auch das allgeiiieme Wahlrecht einführen solle. Die Ruhe w»irve nicht gestört. Sie russische Revolution. Die„echtrussische" Duma. Petersburg» 4. Noveinber.(Meldung der Petersburger Tele- grapheu-Ageniiir.) Nach den bis 7 Uhr abends vorliegenden Mel- düngen sind 417 Diimaabgeordnete gewählt. Unter ihnen befinden sich 195 Rechte und Monarchisten, 124Oktobristen und Ge- in ä st i g t e, 4 Mitglieder der Partei der friedlichen Erneuerung, 35 Kadetten, 14 polnische Nationalisten, 5 Mohammedaner, 11 Sozialdemokraten» 26 Linke und 2 Wilde. Die Früchte des Staatsstreiches. Aus Petersburg wird llnS geschrieben: Sie ernten jetzt, was sie gesät. Die Regierung stellte sich unter die Standarte der Echtrussen, sie zerfleischte das Land und der Staatsstreich brachte ihr eine cchtrnssische Duma, dem Lande aber neue revolutionäre Energie: Immer zahlreicher werden die revolutionären Akte. Hülflos sieht die Regierung den Ueberfällen der Postzüge gegenüber; sie muß jedem Zuge Truppen beigeben, die aber»neist versagen, wie die letzten beiden Ueberfälle unweit Tiflis lind bei Keltzi zeigen. Organisierte revolutionäre Kolonnen kon- fiszieren aber- und abermals in den Postwagen der Regierung große Geldsummen, und sie wissen trotz Militär und Polizei zu entkommen. In den Städten»tust jeder Geldtransvort der Post oder des Zollamtes»nit einem ganzen Haufen Militär umgeben werden. Das ist ein Belagerungszustand, m dem sich der Zarismus befindet.... In Odessa erlebte die Regierung vor kurzein wieder eine Militär- revolte, und die beiden letzten Tage(29. und 80. Oktober) ist die Festung Wladiwostok in Asien der Schauplatz ernster Unruhen gewesen. Die Einzelheiten über die Vorgänge dort fehlen noch innner, es steht nur fest, dast die Mineurc den Anfang gemacht haben. Sie wollten die Schützenbataillone entwaffnen, was ihnen aber nicht gelang, da diese Kugelspritzen zur Verfügtiiig hatten. Bei den» Zusammenftost gab cS zahlreiche Tote und Verlvundete, damit aber war der Aufstand noch nicht zu Ende. Den Revolutionären gelang eS, das Torpedoboot„Skorij" auf ihre Seite zu bekommen; dieses fuhr in See und begaim von dort aus die RegierungSgebändc zu beschießen. Mutig kämpfte der„Skorij" unter der roten Fahne, als ihm mehrere Torpedobootszerstörer entgegen- geschickt wurden. Der„Skorij" wurde unter Kreuzfeuer ge- nominen. Er hielt sich tapfer und nur mit groher Mühe gelang eZ der Ucbermacht, ihn zu bewältigen. Blast drei Mann von den Leuten des„Skorij" sind beim Kampfe am Leben geblieben. Auch die R e v o l u t i o n ä r e, die mit dem Schiff binausfuhren. ivarcn alle tot. Auf den regierungstreuen Schiffen sind mehrere Offiziere verwundet. Der offizielle Telegraph will wisse»», daß die Revolte jetzt völlig unterdrückt fei, doch das wird bezweifelt. Im Kaukasus also und in Polen Eisenbahnüberfälle, in Wla- diwostok ein neuer Militäraufftand, in Wjatka, so meldet eben der Telegraph, ein Attentat auf den dortigen Gouverneur. Fürst Gortschakoff, hier m Petersburg der Minister der Gefängnisse er- mordet, und man weist nicht, was die nächste Stunde bringen kann. Was soll unter solchen Umständen eine echtrussische Duma ausrichten, die jeder»noralischen Autorität entbehrt?'--- Schön die Wahlen allein habe», wie man steht, die Tätigkeit der Revolutionäre intensiver gemacht, sie find zu neuen Angriffen übergegangen. Menschen, die so todesmutig in die Schranken treten, wie jene junge Revolutionärin, die den GesängniSminister MatimowZki erschoß und darauf im Generalstab der Gendarmerie das Dynamit auf ihrer Brust zur Explosion bringen wollte, um einen Haufen der „Blauen" mit in den sicheren Tod zu nehmen, solche Menschen müsien wohl die Sieger bleiben und möge eS noch so schwere Kämpfe kosten. Wie nun erst, wenn die neue, echtmssische Duma sich zu„Taten" aufschwingt?— In die schwarzen Wahlen sind ein paar schwache Lichtpünktchen gekominen durch einige Resultate, die am 30. Oktober die großen Städte(Petersburg, Moskau, Riga. Kiew, Odessa»md Warschau) brachten» Hier sind die Wahlen direkte, die Wahlkommissionen brauchten aber trotzdem den ganzen 31. Oktober zur Stimmen- zählung. Erst a>n 1. Noveinber morgens lagen die Ziffern voll- ständig vor, und es läßt sich nun ein Neberblick über die Ergebniffe »nachen. Was zunächst Petersburg anbelangt, so hat sich min der langgehegte Wnnsch der Kadetten erfüllt: ihr Führer Miljukoff ist ge- wählt, und zwar als einziger, der gleich gestern daS absolute Mehr erhielt(51 Proz. aller Stimmen— 22 714). Als zweiter kommt Roditschelv, als dritter Koljubakin. Die Stichwahlen finden an» 5. November statt. Die Sozialdemokratie vereinigte auf ihre» Kandidaten Rechtsanwalt Ssokolow, den bekaimten Verteidiger in politischen Prozessen 5291 Stimmen. Die Oktobristen brachten e§ in der zweite»» Kurie»mr auf 20 Proz. aller Sttinmen. In der ersten Kurie blieb der Kampf unentschieden, hier werden sich die Kadetten mit den Oktobristen noch messen nlüssen, und der Ausgang ist ungewiß. In Moskau siegten die Kadetten in der zweiten Kurie über die Oktobristen mit den beiden populären Kandidaturen: dein Vor- sitzenden der zweiten Duma Golowin und dem gewandten und scharfen Juristen Maklakoff, der in der zweite»» Duma der Regierung »nit die uilbequemsten Wahrheiten zu sagen wußte. In der ersten Kurie kommt eS zu Stichwahlen. Zu welchen Resultaten die Pogrome für die Regierung führen, zeigt die Wahl in der ersten Kurie in Odessa. Hier siegte der linke Kadett Perg amcnt, der in der zweiten Duma besonders in Jutcrpellationsfragen der Regierut'.g wuchtige Hiebe zu versetzen wustte inid einer der fleißigsten Arbeiter in den Konimissionen war. In der zweiten Kurie in Odessa hatte die Sozialdemokratie sehr gute Erfolge, und cS besteht Hoffnung, dast der sozialdemokratische Kandidat Maljantowitsch bei den Stichwahlen durchdringt. In K i e w waren die Wahlen für die Opposition ebenfalls er- folgreich, das Endresultat wird aber auch hier erst die Stichwahl bringe!». Riga-schickt von der ersten Kurie in die Duma den altersschwachen reaktionären v. Moritz. Tie lettische Bourgeoisie stimmte mit für diesen, um in der zweiten Kurie die Stimmen der deutschen Hansagrarier zu erhalten. Hier stieß aber die reaktionäre deutsch-letlische BoitrgeoiSelique auf ein ungeahnt starkes Hindernis. Ihr Kandidat Grostivald, eine reaktionäre Schlafmütze der ersten Duma, erhielt 5529 Stimmen, der sozialdemokratische Kandidat Preedkaln aber 4859 und der demokratische Kandidat AnSberg 1051 Stimmen, so dast bei den Stichwahlen die Niederlage Groß- waldö als gesichert erscheint. Terror gegen Terror. Warschau, 4. November.(B. H.) Infolge des letzten Straßenkainpfes zwischen Polizei und Revolutionären find mehr als 300 Personen verhaftet worden. Die Polizei vermutet, daß in den beschossenen Häusern, in welchen die Revolutionären Zuflucht suchten, sich das Zentralbureau der revolutionären Sozialdemokratie Warschaus befunden habe. Es sind daselbst eine Unmenge verbrannte Papiere und 37 Brourningpistolen gefunden worden. Bei einer der ver- hafteten Frauen entdeckte man unter dem Mieder eine kleine, aber sehr starke und merkwürdig konstruierte Bombe. Es wird befürchtet, daß die Revolutionäre versuchen werden, sich an der Polizei für den Fang durch Massenattentate zu rächen. Hülfe„von oben". Petersburg, 3. November.(B. H.) Der Sekretär des Justiz- Ministers, Solowski, wurde verhaftet, weil er den Revolutionären Schriftstücke verkauft hatte._ Eue der Partei* Kommunalwahlsieg. In Obernrfel(Taunus) siegten am 2. d. M. bei der Stadtverordnetenwahl nach hartem Kampfe die Sozialdemokraten in der dritten Klasse. Gewählt wurden die Genossen Hübsch, Lorenz und Stock. Zusammen mit dem Genossen Mick, der vor zwei Jahren geivählt wurde, haben wir nun vier Vert«ter in diesem Stadtparlament._ Bon der einen reaktionären Masse. Aus Halle a. S. berichtet mau uns: Unter dem Zeichen des Blocks— wie bei den Reichstags- Wahlen— finden hier am 4., 5. und 6. November die Stadt- vcrordnetenwahlen für die dritte Abteilung statt. Konservative, Liberale, KontnnlNalfteisinnige, Beamte. JünglingSvereinler, Hirsch- Dnnckersche Gcwerkvereinler und gelbe Gewerkschaftler ziehen, züchtig gepaart, gegen die gehastte Arbeiterpartei in den Wahlkampf. Gewählt wird drei Tage, damit man all' die abhängigen Leute, kleinen Beamten usw. mit dem bekannten sauften Druck an den Wahltisch treiben kann. DaS Stadtviertel Giebichenstcin»nit starker Arbeiterbevötkeruilg, wo viermal soviel sozialdemokratische als Block- stimmen abgegeben werde», hat man von der Altstadt getrennt, um nicht die ganzen Sitze zu gefährden, zahlreiche Arbeiterwähler sind aus der Liste gestrichen worden usw. Trotz aller Machenschaften wird die Sozialdemokratie das Pulver trocken halten, und dev Kampf wird ein Heister sein. Als Parteisekretär an Stelle des Genossen Tabert, der nach KottbnS berufen wurde, ist Genosse Tischlermeister R e i w a n d ge- wählt worden._ Als Parteisekretär für den 8. und 10. schleswig-holsteinische» RelchstagswahlkreiS(Altona-Storinarn und Herzogtum Lauenburg) ist der Genosse B i s ch o f f« Altona gewählt worden. B., der bisher Kassierer des Zentralverbandes für beide Kreise war, hat am Sonntag sein Amt angetreten, das seit rund 20 Jahren von dem Genossen Karl Heinrich nebenamtlich versehen wurde. Das An- wachsen der Geschäfte erfordert eine ganze Arbeitskraft. Genosse Heinrich bleibt Vorsitzender des genannten Zentralverbandes. Parteiliteratur. Referciitenftthrer. Eine Anleitung zum Erwerb des für die sozialdemokratische Agitationstätigkeit nötigen Wissens und Könnens. Von Eduard David. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin 8 W. 68. Preis 1,50 M. Der Verfasser schreibt in seinem Vorwort: „DaS Büchlein will dem jungen Arbeiter, ber sich in den Dienst der sozialdemokratischen Sache stellen will, den Weg zur Selbst- ausbildung erleichtern." Es soll eine Anleitung sein, die„allen bc- gabtei, und strebsamen� heranwachsenden Mitstreitern in Stadt»md Lani» die Bahn öffnen soll."„Es kann nicht genug auf dem Gebiet einer Volksbildung in unserem Sinne geschehen,»»nd alle Ein- richtungen(AnsbildungSklirfe von Partei und Gewerkschaften) dienen. einander ergänzend, der eii»en grosten Aufgabe, die freicste Eni- faltung aller in der heutigen Gesellschaft niedergehaltenen Jntelli- genzen zu ermöglichen."_ Hua Industrie und Kandel. Finanzkrise. Am vorige» Donnerstag hat die Bank von England ihren Diskontsatz von 4'/, auf b'/z Proz. erhöht. In den letzten Tagen haben sich die Verhältnisse weiter verschlechtert, so daß die Bank sich veranlaßt sah, nochmals eine Diskontheraufsetzung vorzunehmen. Sie hat den Diskont auf 6 Proz. erhöht. Da der letzte AuSwciS der deutschen ReichSbank einen wesentlich ungünstigeren Status ergab als in den gleichen Wochen des Vor- jahreS und durch die Diskonterhöhung in England die Gefahr der Goldatisfuhr verschärst wird, dürfte sich vielleicht auch si-- die ReichSbank die Notwendigkeit einer weiteren Diskontheranfsetzung ergeben._ Teutschlands Ausfuhr an Eisen und Eisenwaren. Die Ausfuhr Deutschlands an Eisen und Eisenwaren ist im laufenden Jahre zurückgegangen. In den ersten neun Monaten wurden an Eisen aller Art einschliestlich Maschinen aus Eisen 3 653 263 Tonnen ausgeführt gegen 3 788 178 Tonnen in der Parallelzeit 1900. Die Ausfuhr war dcinnach um 134 915 Tonnen oder uin etwas über 3 Proz. eingeschränkt. Sie war z. B. im Monat August sogar noch kleiner als 1905. Entweder war also der Inlandsbedarf so überaus stark, dast die gesteigerte Erzeugung und die überaus forzierte Einfuhr noch nicht einmal zur Be- friedigung genügten, oder aber das Ausland zeigte nur noch ein sehr viel geringeres Verlangen nach deutschem Eisen als 1906. Auch die Bewegung der Einfuhr lästt den Schluh zu, dast die Steigerung der Jnlandsversorgnng nicht ganz unbeeinfluht von dem Weltmarkt war. Der Import nach Deutschland ging von 584 785 Tonnen in den ersten neun Monaten 1906 auf 759 880 Tonnen in der entsprechenden Zeit 1907 hinauf, stieg also um 175 045 Tonnen oder 30 Proz. Da Deutschland fast ausschließlich aus Großbritannien Eisen bezieht und dort im laufenden Jahre ein ziemliches Exportbcdürfnis vorhanden ist. so ist die starke Einfuhrsteigerung von Eisen in diesem Jahre wohl ebensosehr eine Folge des starken Angebotes von Eisen am Weltinarkt, wie einer Bedarfssteigerung in Deutschland selbst. Insolvenzen. Nach der„Fr. Ztg." geriet die Stockholiner Firma Karl A. Malmbcrg u. Comp, mit den Filialen in Hamburg und Kopenhagen in Zahlungsschwierigkeiten.— Die Schuhfabrik Albert Kelleren Dahn(Pfalz) meldete mit 850 000 M. Passiven Konkurs an._ Rückgang der Halbzeugpreise— im Auslände. Die preußische Regierung läßt sich ihren sozialpolitischen Ruhm nicht nehmen— sie bewilligte den Kohlen- und Stahltönigen sogar noch höhere Preise, als im AtlSlande die Preise bereits stark ab- flauten. Das„B. T." macht eine Zusammenstellung der Halbzeug- preise in England auf Grund der Notierungen des„Jronmonger". Danach wurden nottert: Blooms am S. Atigust 31. Oktober Schillina 106—107 89-91 Knüppel Platinen (kontinentales Halbzeug pro T. fob.) Schilling Schilling 103 110 90-92,6 92.6-95 Der englische Halbzeugkonsument bezahlt also augenblicklich sei»» Halbzeug schon um 18 Schilling pro Tonne billiger als vor drei Monaten und kann infolgedessen seine Fertigerzengnisse um mindestens 20 Schilling pro Tonne— zu einer Tonne B-Prod»lte wird mehr als eine Tonne Halbzeug verbraucht-» billiger herstellen als im Sommer 1907., Jim amerikanischen Krach. >�)ie Vorgänge in der Kupferindustrie haben ein Resultat ge- habt, besten Folgen noch nicht abzusehen sind. Der Zusammen- bruch des von dem Rivalen des Knpfertrustes Aug. Heinze inszenierten Kupfer-„Corners" verursachte zunächst den Bankrott der von dessen Bruder geleiteten„Mercantile Bank" in New Uork, wodurch hinwieder die mit derselben in Geschäftsverbindung stehende„Knickerbocker Trust Co." betroffen wurde. Die„wildesten" Gerüchte verbreiteten sich in der Stadt und es begann ein„An- stürm" auf die letztere Gesellschaft seitens ihrer Depositoren. Eine Untersuchung ergab, daß die Depositen der Gesellschaft bei einem Aktienkapital von noch nicht zwei Millionen Dollar ö? Millionen Millionen Dollar betragen. Die ängstlich ge- wordenen Gläubiger stürmten die Kassen, von denen dann eine ganze Reihe schließen mutzten.— An der New Dorter Aktienbörse sind infolge dieser Vorgänge alle„Papierchen", teilweise ganz riesig,„gepurzelt". Ob der Finanzkrise die industrielle folgen wird, muß sich bald zeigen. Nach den Mitteilungen in der letzten Zeit über die massenhafte Entlassung von Arbeitern in der Eisen- und Stahlindustrie(wegen„Mangels an Aufträgen") ist das sehr zu befürchtet; denn es ist gerade diese Industrie, welche als „Thermometer" für den Stand der Gesamtindustrie betrachtet wird, und von der eS noch vor kurzem hieß, sie sei so sehr mit Aufträgen überhäuft, daß sie diese nicht bewältigen könne. Als direkte Ursache des Rückganges wird die Zurückziehung von Auf- trägen seitens der Eisenbahngesellschaften angegeben, welche, ob- Wohl sie schon lange nicht mehr den Transportbedürfnisten ge- nügen, eine Einschränkung in den Ausgaben angeordnet, geplante Verbesterungen und Vergrößerungen ausgegeben und eine große Anzahl Arbeiter, besonders der Reparaturwerkstätten,„abgelegt" haben. Am Sonnabend störten wiederum einige Zwangsliquidationen die Beruhigungöanstrengungen der Morgan und Genossen. An- geblich sollen einige der Banken, die unfreiwig Feiertag bekamen, bald wieder ihren Betrieb ausnehmen. Die Nachricht wird gern gehört werden, allein es fehlt noch der Glaube, daß dahinter eine wirkliche Verbesserung der Lage steckt. Von heute wird gemeldet: Wie New Aorker Blälter melden, beabsichiigt der Präsident Roosevelt, den Kongreß zu einer außerordentliche» Tagung einzu- berufe» und zwar angesichts der Finanzkrise sowie zwecks Annahme eines Gesetzes, welches dem Mangel an Bargeld abhilft. New Aork, 4. November.(25. T. 23.) Persönlichkeiten, die umfangreiche finanzielle Interessen vertreten, hielten gestern abend in Morgans privater Kunstgalerie Konferenzen ab, die sie bis in die frühen Morgenstunden ausdehnten. Ueber die An- gelegenhciten, die dabei zur Sprache kamen, verlautet nichts. Für den heutigen Tag ist eine neue Versammlung in Aussicht ge- nommen. Em der frauenbewegung* Genossinnen! Die Genossinnen werden. ringend ersucht, soweit es in ihren Kräften steht, bei den Koininunalioahlen den Genossen hülfreich zur Seite zu stehen. Besonders am Wahltage sind Kräfte erforderlich, um die Säumigen heranzuholen usw. Wer es ermöglichen kann, stelle sich den Wahlkomitees zur 2Zer- fugung. _ Die BertranenSpersone». Bürgerliche Frauen und der Freisinn. Der Preußische Landcsausschuß für Frauenstimmrecht beruft zum 6. November in Berlin eine öffentliche Versammlung ein mit der vielversprechenden Tagesordnung: Das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Stimmrecht für Preußen.— Daß die bürgerlichen Frauen sich für die preußische Wahlrechtsbewegung inter- essieren, darüber kann man sich füglich nur freuen. Ebenso hat das erwähnte Thema unsere volle Sympathie. Daß sie das aber in Anlehnung an den Freisinn tun, gibt der Sache einen üblen Beigeschmack. Gerade diese Partei, die sich bis jetzt in dieser Frage in allen Schlangenwindungen gedreht und gewendet hat, bietet wenig Zuverlässigkeit für die sachgemäße Behandlung dieses außerordentlich wichtigen Punktes. Daß Herr Gerlach referiert. könnte höchstens zu Täuschungen Anlaß geben: er ist ein Rufer in der Wüste. Die Preßfehde in der freisinnigen Presse, die Wand- lungen der Naumann und Barth, die Bittgänge nach Norderney zum Grübchenkanzler, sowie überhaupt die Haltung des liberalen Bürgertums zu seinen einstigen Grundanschauungen sagen da genug. Mit ihm ging es in den letzten Jahren rapid abwärts, und seit das Proletariat sich kraftvoll erhob, hat der Freisinn, schlotternd vor?lngst, seine demokratischen Prinzipien nach und nach auf Abbruch versteigert. In blinder Befangenheit sieht das Bürgertum in allen Ecken die Revolution lauern und unter seinem fadenscheinigen, demokratischen Kittel klopft ein durch und durch reaktionäres Herz. Und auch Herr v. Gerlach hat sich in der Frage des Frauenstimmrechts im Reichstage mit einer platonischen Liebeserklärung begnügt. Wie weit übrigens die Zersetzung im Liberalismus borgcschritten ist, bezeugt die Aeutzerung, die der freisinnige Gemeindeschulrektor und Freisinnsabgeordnete Kopsch in einer liberalen Wählerversammlung des 10. Kommunalwahl- bezirks getan hat. Dieser„moderne Fortschrittsmann" brachte es fertig, der Sozialdemokratie vorzuwerfen, sie hätte sogar die Dienstmädchen schon organisiert, nächstens würde sie wohl auch die„Damen" organisieren, die des Skachts durch die Friedrichstraßc streifen. Das sagt ein„liberaler" Mann unter„liberalen" Männern und statt in der Aufwallung sittlicher Empörung ihm eine saftige Antwort zu geben, freut man sich noch über den „kapitalen Witz". Viel haben wir ja von diesem Freisinnshelden nie gehalten, daß er ungestraft auf die niedrigste Stufe der Polemik steigen kann, zeugt von der tiefen Verlotterung des Frei- sinns. Uebrigens, Herr Rektor, wenn die Frage gestattet ist: Von wem werden die Damen in der Friedrichstraße erhalten? Aus wessen Tasche fließt denn das Geld zu ihrem Unterhalt? Arbeiter kommen hierbei gewiß nicht in Betracht. Es ist typisch für die Anschauungen des Bürgertums, daß sie nur den empfangenden Teil verachtet, den gebenden aber ruhig in ihren Reihen duldet. Und noch eine Frage: Wo nimmt denn dieser ehrenwerte Jugendbildner die Fr— eiheit her, ehrliche und an- ständige Dienstboten, unbescholtene Töchter des Volkes mit Straßen- dirnen auf eine Stufe zu stellen? Und was sagen denn die bürgerlichen Fortschrittsdamen, die nicht genug ihre Sympathie für„ihre Schwestern" aus dem dienenden Stande betonen können? Werden sie Herrn Kopsch die schamlose Beleidigung heimzahlen? Uns wird ja immer wildester Klassenhaß vorgeworfen. Brutaler aber, als sich hier der abgrundtiefe Klassenhatz zeigt, kann er nicht mehr zum Ausdruck kommen. Der Aufstieg der Arbeiter, die Dienstboten eingeschlossen, zu kultureller Höhe wird dadurch nicht im geringsten behindert. An dem werktätigen Volke aber liegt eS, zwischen sich und jener Sippe das Tischtuch vollständig zu zerschneiden._ Was die Organisation fertig bringt! Die Karlsruher Kellnerinnen haben sich eine Organisation geschaffen und planen bereits, durch die Errichtung eines eigenen Stellen- Nachweises die privaten Stellenvermittclungsbureaus aus- zuschalten. Die hohen Gebühren, welche die Kellnerinnen diesen Instituten zahlen müssen und welche sich nach den zu erwartenden Trinkgeldern richten, fallen deshalb stark ins Gewicht, weil in den süddeutschen Restaurants die weibliche Bedienung vorherrschend ist. In fast allen größeren Städten bestehen jetzt Kellnerinnen- organisationen._ Versammlungen— Veranstaltungen. . Rlxd-rf. Mittwoch, den 6. November, bei Thiel, Bergsir. 1öl/lS2: Vortrag. Genossin Marie Thiel._ "Berantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.� Rciiiickendorf-Ost. Mittwoch, den 6. November, bei Grunders, Hoppe- straße 24: Vortrag. Frau Scknlz. Schöneberg. Montag,' den 11. November, 8�. Uhr, bei Obst, Meiningcrstraße: Vereinsvergnügen. Gewefkscdaftlicbeq. Eine Illustration zu Ministerworten. Unsere Gegner, seien es gegnerische Organisationen oder Unternehmer, gefallen sich darin, spaltenlange Artikel über den angeblichen Terrorisinus der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften zu schreiben. Doch auch von höherer Warte aus sucht man von Zeit zu Zeit dies nachzuahmen. War es doch kein Geringerer als der Staatssekretär v. B e t h m a n n- H o l l w e g, der auf dem zweiten christlichnationalen Arbeiterkongreß die Wirkung des Terrors zu schildern suchte, um damit zur gleichen Zeit, sagen wir in komischer Weise, der sozialdemokratischen Bewegung (gemeint sind freie Gewerkschaften) Terror vorzuwerfen. Er sagte dort wörtlich: „Sie wissen selbst am besten, wie Terrorismus, von welcher Seite er auch kommen möge, nicht nur den moralischen Halt des Menschen vernichtet, sondern auch geeignet ist, ganze wirr- schaftliche Existenzen zu zertrümmern. Die Waffen des rück- sichtsloscsten Zwanges mögen sich darbieten, wenn es gilt, einen Feind, einen Todfeind niederzuringen, zu vernichten. Aber liegt die Sache hier so? Freilich die sozialdemokratische Bewegung meint es. Sie will alles, was sich ihr nicht anschließt, alles, was ihr nicht zu Willen ist, beseitigen und niederkämpfen, um dann diktatorisch ihre neue Ordnung der Dinge aufzurichte n." In Osnabrück spielt sich gegenwärtig ein Stück Ter- rorismus ab, wie er schlimmer ivohl nicht gedacht werden kann. Damit es dem Herrn Staatssekretär bei seiner nächsten Rede nicht an Material fehle, geben wir hier die Vorgänge wieder. Im Anfang August unterbreiteten die Arbeiter der Gas- Uhrenfabrik von Kromschröder der Firma Vorschläge zur anderweitigen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhält- nisse. Die Forderungen waren geringfügiger Natur. Zum Beispiel wurde in bezug von Lohnerhöhungen vornehmlich nur 5 Proz. gefordert, mehr Gewicht legte mau auf bessere hygienische Einrichtungen. Zum Verständnis dieses Vor- gehens fei bemerkt, daß die meisten Krankheiten und Sterbe- fälle in diesem Betriebe aus Erkrankungen der Lungen- und Atmungsorgane herrühren. Die Antwort der Firma auf die berechtigten Wünsche der Arbeiter war: Staubdichte Garde- roben werden gemacht, Ableitung zum Probiergas auch. In bezug auf die Ventilation machen wir es, wie wir es für gut befinden, Verkürzung der Arbeitszeit(bevor Entlassungen vorgenommen werden) gibt es auch nicht. einen Arbeiterausschuß oder Lohnerhöhung gar nicht. Damit wurde die Kommission entlassen. Die Leitung des Metallarbeiterverbandes bestimmte die Arbeiter, noch einen Versuch zur Einigung zu machen. Die Antwort war ein Anschlag in den Betrieben, worin erklärt wurde:„Wer aufhören will, kann seine Papiere sofort in Empfang nehmen." Die Arbeiter wurden dadurch förmlich in den Streik hineingezwängt. In gerade nicht vornehmer Weise wurde nunmehr der Organisationsleitung alle Schuld in die Schuhe geschoben. Sogar die„Arbeitgeberzeitung" erschien zu diesem Zweck auf dem Plane. Sie schrieb: „Die Arbeiter haben der Firma ein Schreiben unterbreitet, welches, wie sie selbst zugaben, vom Gewerkschaftssekretär ver- faßt war. ES werden in der Fabrik die höchsten Löhne gezahlt und können es tüchtige Klempner auf 40—45 M. pro Woche bringen." Wir wollen hierzu bemerken, daß in einem Flugblatt der Nachweis erbracht wurde, daß die Firma 20— 40 Proz. niedrigere Akkordlöhne bezahlt als die Konkurrenz. Dieser Erguß des Scharfmacherorgans kennzeichnet so recht die Tendenzen der Scharfmacher. Also nur, weil die Arbeiter es gewagt hatten, ihre Wünsche und Beschwerden durch die Organisationsleitung in Form kleiden zu lassen, durfte die Firma keine Einigung mrt den Arbeitern herbei- führen. Schärfer ist wohl der Herrimhause-Standpunkt noch nie herausgekehrt worden! Nachdem die bürgerlichen Zeitungen erklärten, daß nun- mehr der Arbeitgeberverband sich in kraftvoller Weise der Firma angenommen habe, setzte sich die Streikleitung mit diesen in Verbindung und fragte, ob derselbe in seinen Satzungen Verhandlungen von Organisation zu Organisa- tion vorgesehen hätte, im bejahenden Falle beantrage man Verhandlungen. Der Vorsitzende des Arbeitgebcrverbandes hielt es überhaupt nicht für notwendig, darauf zu antworten. Man lancierte Nachrichten in die Presse, daß der Streik erledigt und alle Arbeitsplätze besetzt seien. Das arbeiterfreundliche Herz der Firma trug sie bei einem Feste zur Schau, welches sie den Arbeitswilligen in Würdi- gung deren Verdienste gab. Der Kommerzienrat Otto Kromschröder hielt hierbei eine Rede, deren Schluß- akkord in die Worte ausklang:„Aber das sage ich Ihnen: Von denen, die sich in unverantwort- licher Weise gegen uns aufgelehnt haben, kommt keiner wieder in den Betrieb!" Nach dieser scharfmacherischen Rede erklärte ein Teil der Strei- kcnden, daß sie nun nicht mehr gewillt wären, bei Krom- schröder in Arbeit zu treten. Doch der Terror, dessen Wirkung Herr Bethmann- H o l l w e g so gut zu schildern verstand, wurde nunmehr von der Firma in der krassesten Weise gchandhabt. Vor der Oeffentlichkeit erklärte man, es komnit keiner wieder in den Betrieb, und auf der anderen Seite suchte man die nun inArbeitgetretenenvonein er Arbeitsstelle zur anderen zu jagen. In welch skrupelloser Weise die Firma vorgeht, beweist eine Bescheinigung, die ein aus der Arbeit gejagter Familienvater von sechs Kindern uns vorlegte. Sie lautete: „Wunschgemäß bestätige ich den bei mir bis gestern angestellt gewesenen Zlrbeiter...... da ß j ch denselben auf Veranlassung der Firma Kromschröder entlassen muß." Kann wohl jemals der Terror schärfer gehandhabt werden? Ist wohl jemals in einem Streik mit niedrigeren Mitteln gearbeitet worden, wie es hier von Arbeitgebern (nebenbei nationalliberaler Größen am Orte) getan wird? Erst zwingt man die Arbeiter förmlich in den Streik, dann erklärt man in der Presse, der Streik ist die Hetzarbeit von auswärts gekommener Agitatoren. Die Organisation versucht, trotz dieser beleidigenden Acußerungcn mehrmals TZ>. tylvite, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalj eine Einigung herbeizuführen. Man läßt die diesbezüglichen Anträge unbeantwortet. Sodann erklärt man in der Oeffentlichkeit:„Von denen, die sich gegen uns aufgelehnt haben, kommt keiner wieder hinein, und andererseits bringt man die Arbeiter, die sich daraufhin anderweitig Arbeit suchen, um Lohn und Brot. In diesem Vorgehen wird die Firma noch unterstützt durch den Arbeitgeberverband, dessen Mitglieder erklären, solange der Streik währt, dürfen wir keinen ein- stellen. Sogar die Parteifreunde derer um Kromschröder sind emsig bestrebt, diese in ihrem terroristischen Gebaren zu unterstützen. So versuchte es auch der frühere nationalliberale Rcichstagsabgeordnctc Wamhosf, einen Klempnermeister zu bewegen, Arbeiter, die aus Anlaß des Streiks dort in Arbeit getreten waren, zu entlassen. Verständnis für die Firma zeigte die Polizeibehörde. Nicht weniger als sechs Prozesse sind gegen die Streikenden in letzter Zeit anhängig gemacht. Bei den Verhandlungen stellte sich heraus, daß die Polizei in einseitiger Weise gegen die Streikposten vorgegangen ist. So beantragte der Amtsanwalt und Polizei- inspcktor gegen zwei Streikposten, denen man weiter nichts zur Last legen konnte, als daß sie einen Arbeiter aufmerksam gemacht hatten, daß bei der Firma gestreikt würde, je drei Monate Gefängnis. Der Amtsrichter machte den als Zeugen erschienenen Polizeibeamten darauf aufmerksam, daß er kein Recht gehabt hätte, die Posten zu sistieren. Der Beamte er- klärte hierauf:„Wir sind von unseren Vorgesetzten so instruiert worden." Die Angeklagten wurden freigesprochen. An diese Stellen möge sich der Herr Staatssekretär wenden, wenn er wieder Lust verspürt, den Terror zu geißeln. Deutsches Reich. Strelkurlauber. Auf dem Eisenwerk„Maximilianshütte' bei Amberg ist ein Streik ausgebrochen, weil die Direktion minimale Fordermigen der Arbeiter brüsk abgelehnt hatte. Einige Christliche haben seit Be- ginn deS Streiks ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Jetzt stellt sich aber heraus, daß. nachdem sie bei der Direktion vorstellig geworden waren und erklärt hatten, nicht weiter arbeiten zu können, sie sich mit dem Oberingenieur dahin einigten, daß ihnen auf un- bestimmte Zeit Urlaub gewährt werde und sie sich also nicht direlt am Streik beteiligen. Die Direktion selbst war es, die die» bekannt gab, da ihr daran liege, festzustellen, daß die Christlichen sich nicht am Streik beteiligen; eine Feststellung, die den braven Christlickien sehr unangenehm ist. Es sind wirkliche Musterknaben diese Herren, die ihren Arbeitskollegen gegenüber nicht als Streik- brecher gelten, es aber auch mit der Direktion nicht verderben wollen und sich deshalb für die Dauer des Streiks beurlauben lassen._ Letzte J�achnchtcn und Depefchen« Der Polizcirevolver in Tätigkeit. Essen a. Ruhr. 4. November.(Privatdepesche des„Vor- wärt".) In der vergangenen Nacht lärmten auf der Straße drei Personen. Durch eine hinzugekommene Schutzmannspatrouille wurden dieselben aufgefordert, mit zur Wache zu kommen. Die Lärmmacher weigerten sich. dieS zu tun. Im Verlaufe deS Wort- Wechsels zog ein Schutzmann den Revolver und erschoß den Fenster- putzer Bollmann. Ter Beamte, der sich damit entschuldigt, daß der Revolver sich ohne sein Zutun entladen hat, wurde von seinem Posten enthoben. Zum Tode verurteilt. Torgau, 4. November.(W. T. B.) Das Schwurgericht der- urteilte den im Jahre 1887 geborenen Buchdrucker Otto Wilhelm Winne wegen Mordes zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Verurteilte hatte seine Geliebte, die noch nicht 19 Jahre alte Schneiderin Hedwig Dreßler. in Liebenwerda, auf der sogenannten Liebcsinsel, erwürgt und dann in den Mühlengraben gestürzt. Der Bestrafung cutzogen. Elbing, 4. November. lW. T. 23.) Der Steuerkassenrendant Korth, der im Mai d. I. Defraudationen von 22 000 M. beging. hat sich heute nachmittag im Krankenhaus in einem unbewachten Augenblick an einem Türdriicker erhängt. Eisenbahnunglück. Leoben, 4. November.(B. H.) Heute vormittag ereignete sich bei der Station GlaSlbremse ein schwerer Eiscnbahnunfall. Ein Güterzug stürzte infolge Bersagens der Bremse den mehrere Met« hohen Bahndamm hinab. Ter Lokouiotivsährer wurde getötet und der Heizer lebensgefährlich verletzt, während der Zugführer sich durch Abspringen rettete.__ Treppeneinsturz. Neapel, 4. November.�(W. T. B.) Während heute nach- mittag die Aushebung für die Marine vorgenommen wurde, brach infolge des großen Andranges der Auszuhebenden ein Teil einer Treppe zusammen. Ungefähr 60 Personen stürzten in die Tiefe. 15 Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Studentenunruhen. Petersburg, 4. November.(B. H.) Nach einer Meldung aui Tomsk sind daselbst Studentenunruhen ausgebrochen. Die Polizei besetzte das UniversttätSgebäude und nahm über hundert Ber» Haftungen vor._ Gelbe Organisation in Finnland. HelsiiigforS, 4. November.(25. T. B) Heute erschien die Probenummer des Organs der finnländischen Arbciterliga. Diese enthält das Programm der Liga, deren Zweck ist, die Lage der Arbeiter zu heben, ohne den anderen Klassen zu nahe zu treten und ohne die Produktion des Landes zu beeinträchtigen. Die Liga verwirft die sozialdemokratische Theorie betreffend das Eigentum, verwirft das politische und wirtschaftliche Programm der Sozialisten und verurteilt die Beziehungen der finnländischen Sozialisten zu den russischen Revolutionären und diq feindliche Haltung des Sozialismus gegenüber der Religion» Mineiiarbeitcrausstand. New Dork, 4. November.(W. T. B. auf deutsch- atlantischem Kabel.) In D a n v i l l e(Illinois) sind viertausend Minenarbcite? wegen Lohnstreitigkeiten in den Ausstand getreten. Häu:L:nüc:�.Co.,Bci.lind>V. vierzu 2 Beilagen u.Unierhaltnngsblätt Nr. 259. 24. Jahrgang. tilligt iits Lniitls" firtliwi Silbilttt. pidlüt«!!, 5. ilmitmlKt 1907. Der IDoykott gegen fandcrf und das Warenhaus des Seitens. Wne Million zweihundertiindelftansend und fünfhundert Flugblätter ivurden gestern in Berlin und seiner Nachbarschaft verbreitet, in denen die Ursachen klargelegt waren, welche die Berliner Arbeiterschaft veranlagten, den Boykott über die Firma Fandorf verhängen. Die Flugblätter wurden ebenso lote die. welche am Sonnabend auf der Bahn ihren Weg in die Hände der Konsumenten fanden, überall mit offenen Armen aufgenommen. Und sie wirken! Der Besuch der Jandorfschen Warenhäuser ist„vornehmer" geworden. Die Zahl der Be- sucher aus proletarischen Kreisen hat derart abgenommen, daß nun die wohlgenährten und gutbckleideten Angehörigen der besser situierten Stände, die früher gar nicht das charak tcristische Publikum der Jandorfschen Warenhäuser waren, in den Vordergrund getreten sind. Wir haben sogar die Ueberzeugung, daß auch dieser Teil des Publikums der Firma Jandorf gegenüber trotz doppelter Rabattmarken und billiger Lockartikel zurückhaltender wäre, wenn man allgemein objektiv über die Ursache des Boykotts ausreichend unterrichtet wäre. Aber die bürgerliche Presse übt diesem Kampfe gegenüber geflissentlich die Taktik des Totschweigens! In der vorigen Woche brachten die bürgerlichen Blätter bekanntlich ein Inserat von einer halben Seite, in welchem die Ursache des Boykotts durch geschickte Gruppierung der Tatsachen und christliche Vcrschweigung wichtiger Umstände falsch dargestellt war. Die beteiligten Arbeiterorganisationen richteten sofort an die in Frage kommenden Zeitungsredaktionen unter Beilegung aufklärenden Materials die Bitte, ihren Lesern die Wahrheit zu übernütteln. Unter den Verbreitern der schiefen Darstellung von Unternehmerseite fanden sich auch Blätter, die sich so arbciterfreundlich gebärden, wie die „Volkszeitung" und die„Morgenpost". Bis zu dem Augen- blick, wo wir diese Zeilen schreiben, hat noch keines dieser Blätter sich veranlaßt gesehen, auch der Darstellung der Arbeiter Raum zu geben! Und das. obgleich sie dazu auf Grund des Prcßgesetzes an derselben Stelle und in derselben Schrift bis zu demselben Rauminhalt gezwungen werden könnten! Die Arbeiter haben auf einen solchen Zwang aus Delikatesse ver- zickitct. Wie Figura zeigt, fällt es den Redaktionen der Blätter, die sonst gern die Arbeitergroschcn entgegennehmen, sehr schwer, dem wirtschaftlichen Gegner— das sind ihnen die Arbeiter trotz alledem!— in gleicher Weise gerecht zu werden. Bemerken wollen wir, um nicht einseitig zu sein, daß das„Deutsche Blatt" eine kurze sachliche Darstellung des Falles enthielt. Die Redaktion ging aber vorsichtig einer Stellungnahme aus dem Wege. Die Zahl der Verhaftungen hat neuerlich abgenommen. Womit wir beileibe nicht gesagt haben wollen, daß der Eifer der Polizei nachließ. Im Gegen- teil. Als im Osten mehrere kleine Geschäftsleute die Boykott- zettcl in ihr Schaufenster hängten. forderten Schutzleute ihre Entfernung und einenl Gastwirt wurde sogar bedeutet, daß er so auf eine Verlängerung der Polizeistunde nicht rechnen könne. Offenbar haben sich aber die Zettelverbreiter in ihrer Taktik mehr auf das Vorhandensein so echt vaterländischer Institutionen eingerichtet, wie es nun einnial die Polizei ist. In der Brunnenstraßc wurde einer Frau ein- fach das Betreten der ganzen Straße verboten. Am Spittel- markt ist es besonders der Portier und ein Dekorateur, welche die Polizei auf die Frauen aufmerksam machen. Am Kott- buser Damm brachte es der Einkäufer fertig, einer Kundin gegenüber über die Zeittelverbreiter zu sagen:„Vor einem solchen Lausepack kann man sich nicht schützen!"— Ein feiner Mann! Kein Lausepack!! Bekehrungen. Der Spittelmarkt ist von Blumenhändlerinnen entblößt. Mit derjenigen, die sich zur Denunziantin hergab, haben auch die anderen den Platz verlassen, um nicht mit der Schuldigen verwechselt zu werden. Gestern früh erschien auf unserer Redaktion auch Frau Fischhändlerin N e u m a u n von Stand 12 der Markthalle in der Andreasstraße. Die Dame war sehr aufgeregt; von dem kalten Blut ihrer schuppigen Handelsware zeigte sie keine Spur. Frau N e u m a n n führte den Vorfall in der Markthalle auf ein Mißverständnis zurück. Sie sei der Meinung gewesen, die Zettelverteilerin habe Reklamezettel für Nahrungsmittel verbreitet, die außer- halb der Halle verkaust würden. Nur d e s iv e g e n habe sie die Verbreitung der Zettel verhindern wollen. Für I a n d o r f, der ihr uni Weihnachten und Neujahr mit Karpfen Konkurrenz üiache, habe sie gar keine Sympathie. So versicherte die Dame. Und wir glauben gern, daß ihre Sympathie für I a n d o r f einen mächtigen Stoß erlitten hat. Am Sonntag ging ihr Geschäft gar nicht. Am Montag hatte sie bis Mittag für 35 Pfennige verkauft! Erst als sie alten Kunden gegenüber ihr Erstaunen über deren Vorbeigehen aussprach, wurde sie auf die„Vorwärts"-Notiz aufmerksam gemacht. Vielleicht dienen ihre Erfahrungen auch anderen als Lehre. Unsere Genossen sind sicher nicht nachtragend und werden Frau N e u m a n n nach dieser kleinen, aber wirksamen Lektion zweiflellos ihre Flossenticre ivieder ab- nehmen. Fran N e u m a n n aber sieht hoffentlich in Zu- kunft füll weg, wenn wieder einmal Zettel gegen ihre schlimmste Konkurrenz verbreitet werden. 8o2iales«. Aus den Steinbrüchen. Auf die Lage der deutschen Steinbrucharbeiter wirft der soeben erschienene Bericht der SteinbriichS-Berufsgenossenschaft für das Jahr 1906 ein grelles Licht. Der Slrbcitcrwechsel muß in diesem Industriezweige kolossal sein. Versichert waren im Vcrichlsjahrr 12 745 Betriebe„eaen t 2 090 im Jahre 1905. An die landwirtschaftlichen Berufsgeuosseuschaften wurden, zum Schaden der Bei sicherten, bis jetzt im aaiiren 9923 Betriebe Überwiesen. Der Bericht meldet, daß die Zahl der Voll- erbeilcr„ganz erheblich, nämlich von 160 848 auf 170161 gestiegen ist. Eine Zunahme von 9113 Versicherten.„Effekt i varbcitcr w a r e n r in I a h r e 1906: 459 929 sgegen 427 122 im Jahre 1905) also 32 807 nichr versichert." Wohl keine andere Berussgeilosieuschaft tvird diesen großen urberterwechsel aufzuweisen haben, daß die Zahl der Vollarbeiter mit nur den dritten Teil der Effektivarbeiter beträgt, Interessant ist es auch, daß im Süden DeuischlaudS die Be- triebe viel kleiner sind, als im Norden. Versichert waren im Jahre 1906: Sektion Betriebe Effekiiv- arbeitcr Voll- arbeitcr zu 300 Arbeitstagen gerechnet Auf einem Betrieb entfallen Voll- arbeitcr Durch- schnitt- licher Jahres- verdienst l. Nürnberg II. Karlsruhe III. Mainz IV. Kölna.R. V. Hagen W. VI. Halle VII. Dresden VIII. Breslau IX. Hannov. X. Berlin 1492 1394 1422 2118 1605 1216 1 197 698 1010 593 Zusammen: 12 745 Der Durchschnittslohn 987 M. gegen 938 M. im Jahre 1905. Die Mehrzahl der Stein- brucharbeiter tvird aber auf keine 300 Arbeitstage im Jahre kommen und ist deshalb der Verdienst noch unter 987 M. pro Jahr, bei schwerer und gefährdeter Tätigkeit! Einen Tagesverdienst von 2,71 M. haben noch die Steinbrncharbeiier in Schlesien, 2,81 M. in Bayern! Damit soll ein Familienvater in diesen Zeiten der Teuerung auskommen und noch„kräftig essen", damit die Tnbcr- knlose, das Gebrechen dieses BcrnfcS,„wirksam bekämpft" werden kann. Genieldet wurden im Berichtsjahre insgesamt Iv 848 Nufällc gegen 10 186 im Jahre 1905. Gegen 1835 hat sich die Zahl der Versicherten verdoppelt, ist von 32 525 auf 170 161 Vollarbeiter ge- stiegen. Die Zahl der gemeldeten Unfälle ist jedoch von 2871 auf 10 843 gestiegen, also fast viermal»ichr. Blutige Ziffern gibt uns der Bericht in einer Tabelle über die seit dem Jahre 1885 gemeldeten Unfälle! Es wurden sei Bestehen der BerufSgenossenschast, also in zwei Jahrzehnten, insgesamt 131 282 Verletzte gezählt, davon wurden 33 519 entschädigt. Während im Jahre 1885 auf 1000 Versicherte nur 34,0 Verletzte durchschnittlich einfielen, zählte man im Jahre 1906 bereits 03,8 Ver- letzte. Der Unkallschuy tvird immer„wirksamer": seit 1885 wurden insgesamt 4877 Stcinbrncharbcitcr getötet— 14,6 Proz. der entschädigten Fälle. Die Folgen der im Jahre 1900 entschädigte» Unfälle waren: in 259 Fällen Tod, in 35 Fällen völlige, in 985 Fällen teilweise und in 1270 Fällen vorübergehende Erwerbs- mifähigkei:! Der Bericht bemerkt:„Die meisten entschädigten Unfälle, näm- lich 504, sind wiederum durch Zlisammenbrnch, Einsturz von Stein- und Erdmassen, Herabfallen von Steinen usw. verursacht ivorden." „Eine auffallende Häufigkeit zeigen im Berichtsjahre die Unfälle bei Fahrstühlen, Aufzügen, Kranen, Hebevorrichtungen, nämlich 122 gegen 84 im Jahre 1905." Die Unfälle„bei der Schicßarbcit" sind von 101 auf 76 zurückgegangen. Der Bericht führt die„stetige Zu- nahine der Unfälle"— auf„die immer mehr gesteigerte Tätigkeit der Industrie" zurück. Und trotzdem nur ein Durchschnittslohn von 3,29 Mark pro Tag! Die Fürsorge für Verletzte innerhalb der ersten 13 Wochen wurde in 486 Fällen von der Berufsgenossenschaft übernommen,„davon wurden 3 0 vor und 112 mal nach Ablauf der 13. Woche als ge- heilt entlasten."„Aerztliche Untersuchung und ambulante Behand- lung auf Kosten der Berufsgenossenschaft wurde 1480 Verletzten zu- teil. In 1087 Fällen wurde völlige Wiederher st ellung vor Ablauf der 13. Woche erzielt." Die Vertrauensärzte machen die reinsten..Wunderkuren". Auffällig wenig wird über die Tätigkeit der �cchiiischc» HülfS- bcamte» der Berufögeiiossenschaft berichtet. Keine Statistik über die Zahl der revidierten Betriebe, hie Zahl der vorgefundenen Mängel. Sogar die Unfallstatistik wird wesentlich eingeschränkt. Warum? Sind die Ziffern zu schrecklich, zu beschämend für die„Unfall- schützlinge". ES heißt im Bericht:„Bezüglich der Maßregeln zur Verminderung der Unfälle bei Feld- und Industriebahnen wurde die Aufstellung einer besonderen Statistik wegen der entgegenstehenden großen Schwierigkeiten und der großen Kosten nicht für empfehlenS- wert erachtet. Eine Forlsetzung der zunächst für das Jahr 1905 aufgestellten Spezialstatistik betreffend die Unfälle bei der Schieß- arbeit und die Augenverletzungen ist vom Genossenschaftsvorstande nicht für erforderlich gehalten worden." Dagegen wurde der Alkoholmißbrauch„wirksam bekämpft." Ein Plakat:„Alkohol und Nährwert" wurde auf Veranlassung des Kommerzienrats Weinmann hergestellt. Gut! Ebenso empfehlenS- wert wäre eS, wenn der Herr Kommerzienrat ein Plakat herausgeben würde mit dem Titel:„Was kann sich ein Steinbrucharbeiter mit 3,29 M. Durchschnittslohn pro Tag kaufen", wie viel davon kann er für seine Ernährung ausgeben? Das wäre doch auch ein gutes Merkblatt. Von den Berufungen der Verletzten wurden von den SchicdS- gcrichtcn 1358 zugunsten der BcrnfSgcnvssciischaft und nur 375 zu- gimsten der Bcrlctztc» entschieden!! Der Bericht frohlockt, daß daS „günstigste Ergebnis der Sektion V(Hagen) mit 8 5,6 Proz. Erfolge zu verzeichnen hatte! Den geringsten Erfolg hatte die Sektion VII(Dresden) mit 62,3 Proz. Die Beriifsgenostenschaft hatte in ihren eigenen Rekursen noch 33 Siege und nur 22 Niederlagen zu verzeichnen, während die armen Steinbrucharbeiter 256 Rekurse verloren haben und nur in 42 Fällen siegten! Der Vorstand der Berutsgenosienschaft hatte also„gut gearbeitet" und erhielt laut Bericht für Tagegelder usw. insgesamt 13175,30 M. Entschädignng gezahlt. Sericbts» Deining. Vom polizeilichen Streikbrecherschutz. Einige durch das Reichspreßgesetz konservierte Bestimmungen des alten preußischen Prcßgesetzes, die selbst nach gelegentlichen höchslrichterlichen Aussprüchen sich mit den, Geiste der Zeit nicht mehr vertragen, müssen unter anderem auch dazu herhalten, Streik- brecher vor dem„sozialistischen Gifte" zu bewahren. Charakteristisch ist der folgende Fall, der jetzt das Kammergericht be- fchäftigt hat. Am 16. April 1907 war auf dein Bahnhof zu Wandsbek ein größeres Aufgebot von Schutzleuten an- wescnd, um zu verhindern, daß„sozialdemokratische Flugblätter an die in den Zügen ankommenden Arbeitswilligen verteilt würden", wie die Behörde sich ausdrückte. Als ein Zug einlief, sah ein Kri- minalichutzmann, daß der Arbeitcr Höltge. der ein mit einem Baum- wollfaden umwickelte? Paket trug, ein oder mehrere Flugblätter in ein Abteil vierter Klasse hineinwarf. Pflichteifrig riß der Kriminal die Waggontiir �nf und entriß schleunigst einem polnischen Arbeiter das Flugblatt, das er in den Händen hatte. Weitere Flugblätter sah er nicht. Höltge wurde nun wegen Uebertretung der§§10 und 41 deSpreußischen Prcßgesetzes angeklagt, weil er an einem öffentlichen Orte Druckschriften verteilt habe, ohne im Besitze einer polizeilichen Erlaubnis zu sein. Das Landgericht Altona als Berufuilgsinstanz verurteilte ihn auch zu einer Geldstrafe auf Grund der genannten Paragraphen. Das Land- gericht meinte, auf den Inhalt der Blätter komme es gar nicht an und auch nicht darauf, daß nur ein Flugblatt als verteilt direkt nachgewiesen sei. Allem Anschein nach hätte H. mit dem Ver- teilen aufgehört, als er sich ertappt sah. In dem Hineinreichen auch nur eines' Flugblattes in ein besetztes Abteil eines auf dem Bahn- steig haltenden Zuges sei ein öffentlickieS Verteilen zu erblicken. Der Bahnsteig fei ein öffentlicher Ort und ein Verteilen liege vor, weil H. das eine Blatt einem größeren Kreise von Per- fönen zugänglich machte. Denn der eine, der es erhalte, gebe es, wie bekannt sei, nach dem Lesen weiter. Anzunehmen wäre auch, daß Angeklagter nur durch daS Dazwischentreten deS Beamten veranlaßt worden sei, seine Absicht des WeiterverteilenS aufzugeben. Auf die Revision des Angeklagten hob am Donnerstag das Kammergericht daS Urteil des Landgerichts zwar auf, sprach H. aber nicht frei, sondern verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Da der Ort, wo An- geklagter stand, selbst kein geschlossener Raum sei, so sei mit Recht ein öffentliches Verteilen angenommen worden. Aber zweierlei habe das Landgericht übersehen. Erstens sei der Inhalt der Druckschrift durchaus nicht gleichgültig. Der§ 30 des Reichsprcßgesetzcs halte das Recht der LandeSgesetzgebung, Vorschrificn über daS öffentliche Verteilen von Druckschriften zu erlassen, nur aufrecht soweit eS sich um Bekanntmachungen, Plakate und Aufrufe handelt und auch nur soweit, alZ ein unentgeltliches Verteilen in Frage kommt. Nur für ein solches öffentliches Verteilen der- artiger Druckschriften hätte H. der polizeilichen Erlaubnis nach § 10 des preußischen PreßgesetzcS bedurft. DaS Landgericht müste darum nachprüfen, ob H. unentgeltlich tntig war und ob eS sich um Bekanntmachungen, Plakate oder Aufrufe handelte. Deshalb die Zurnckverlveisung an daS Landgericht. Was alles zur„öffentlichen Angelegenheit" wird, wen»«S von Arbeiter» behandelt wird! Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten be» raten oder erörtert werden sollen, unterliegen bekanntlich nach dem preußischen Vercinsgesctz der Anmeldepflicht. Als� eine solche Versammlung erachteten Polizei und Staatsanwaltschaft eine Zusammenkunft der Metallarbeiter der Schmidtfchcn Fabrik, welche auf Wunsch dieser Arbeiter Genosse Schulz vom Deutschen Metall- arbcitcrverband, der besoldete Leiter des Zweigvcreins für Kam- bürg und Umgegend, einberufen hatte und in der Schulz auch als Redner auftrat. Schulz wurde auf Grund der§§ 1 und 12 des preußischen VereinsgesetzeS angeklagt, weil die Zusammenkunft nicht angemeldet war. Nachdem die Sache bereits einmal das Kammergericht beschäftigt hatte, wurde Schulz vom Land- gericht Stade als der Berufungsinstanz z» einer Geldstrafe ver- urteilt. Begründend lvurdc ausgeführt: Alle Arbeiter der Schmidtschcn Fabrik seien durch Zettel eingeladen worden. Von den 120 Arbeitern gehörten 90 dem Deutschen Metallarbeiter- verbände an. Tie Mißstände in der Fabrik, besonders in hygieni- scher Beziehung, seien als Tagesordnung bezeichnet gewesen. Schulz babe nun von den Wascheinrichtungen, Schutzvorrichtungen und Abortanlagen in jener Fabrik gesprochen und darauf hingewiesen» daß der Deutsche Mctallarbeiterverband in der Lage sei, Ver- bcsserungcn herbeizuführen. Er habe dabei auch die Vorteile hervorgehoben, die der Verband seinen Mitgliedern bchte. Damit habe er nachweisen wollen, wie notwendig für die, welche ihm noch fernständen, der Anschluß an den Deutschen Metallarbeiter- verband sei. Unerheblich finde es das Gericht, ob die Hinweise auf die Tätigkeit des Deutschen Mctallarbcitcrvcrbandes nur nebenher gefallen seien oder nicht. Jedenfalls sei in doppelter Be- ziehung eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten anzunehmen. Es sei eine solche, wenn semand bespreche, wir in mancher Bt- ziehung hygienische Verbesserungen möglich seien und im Zu- sammonhang damit das Wirken des Metallarbeiterverbandes in dieser Richtung sowie mit Bezug auf Lohnverbcsscrungcn erörtere. Denn es seien hiermit die sozialen Bestrebungen des Metall- arbciterverbandcs erörtert worden, die die Ocffentlichkcit schon wegen seines äußerst zahlreichen Mitgliederbestandes berührten. Diese Empfehlungen des Verbandes hätten auch nur als Auf- forderung zum Beitritt aufgefaßt werden können. Eine solche Aufforderung, die unter Hinweis auf das soziale Wirken des Ver- bandes erfolgte, laste auch in dieser Hinsicht eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten erkennen. Die Versammlung hätte deshalb angemeldet werden müssen.— Das Kammergericht verwarf am Tonnerstag die gegen daS Urteil eingelegte Revision des Angeklagten mit der Begründung, es sei jetzt in dem Urteil des Landgerichts Stade„alles in Ordnung". Die„Feststellungen" des Landgerichts rechtfertigten die Verurteilung. Der preußische Staat ist also wieder mal gerettet? Ist auch die Ladcntür am Feiertage z» verhängen? Der Zigarrenhändlcr Kluwe in Berlin sollte die Polizei» Verordnung vom 27. März 1903 dadurch übertreten haben, daß seine Ladentnr um 11 Uhr 30 Minuten am Karfreitag nicht verhängt war. In Betracht kommt folgende Bestimmung der genannten Ver- ordnung:„DaS Ausstellen von Waren in den Schaufenstern und Schaukästen, sowie in und vor den Ladentürcn ist Sonn- und Feier- tagS nur während der Verkaufszeit gestaltet. Außerhalb dieser Zeit müssen die Ladentnren verschlossen und die Schaufenster geräumt oder verhängt sein. Das Landgericht Berlin I sprach K. frei, obwohl feststand, daß man von der Straße ans durch die nichtverhängte Glasscheibe der Ladentür die im Laden auf- gestellten Waren sehen konnte. DaS Gericht begründete das Urteil damit, daß die Berordmmg nach ihrein Wortlaute das Ver» hängen dcrLadentüren nicht gebiete. Das K a ni m e r- gericht verwarf dieser Tage die hiergegen von der StaatSanlv altschaft eingelegte Revision als unbegründet. Der Wortlaut deS§ 6 der angezogenen Ver- ordinma lasse seine Anwendung nicht zu. Mit Recht scr vom Land- gericht darauf verwiesen worden, daß der Paragraph das Verhängen der Ladentüren nicht gebiete. Die bedrohten Arbeitswilligen. Gegen das Urteil, welches, wie wir am 3t. Oktober mitteilten'. gegen die Genossen Drechsler Weber und Tischler Pohle vom Landgericht in der Bcrufnngöinftanz wegen verineintlicher Belästigung von Arbeitswilligen gefällt wurde, ist Revision eingelegt. Bei der Gelegenheit sei hervorgehoben, daß der Arbeitswillige JK a r Schmidt(„Kellner" und„Tischler"), dem der Vorsitzende ebenso wie dem anderen Arbeitswilligen, dem Tischler Ernst Schulz in der Kleinen AndreaSstraße, vollen Glauben schenkte, sert einem Vierteljahr sich>v e g e n Hehlerei in Unter- suchungShaft befindet_ Die anarchistische Märzzeitung vor dem Reichsgericht. Wegen eines Artikels„Militarismus und Rebellion" in der Märznninmcr des„Revolutionär" waren der Redakteur Wehner und der Expedient Zumpe wegen Widerstandes gegen die Staats- gcwalt und Uebertretung deö Prcßgesetzes zu 100 rcsp. 105 Mark Geldstrafe vom Landgericht Berlin verurteilt morden, während der frühere Expedient Frau böse freigesprochen wurde. Ein Artikel„An die jungen Soldaten" vom Grafen Tolsioj war nicht für strafbar erachtet worden. Die beiden verurteilten An- geklagten und der Staatsanwalt hatten Revision eingelegt. Die Angeklagten machten geltend, daß im Urteil keine 4 Tatsachen, sondern nur Anschauungen der Nichter zu- tage treten, während der Staatsanwalt sich gegen die Freisprechung FranböseS wendete. Die Revision des Staatsanwalts wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen, da Frauböse nach der Zeugenfeststellung den Inhalt der Nummer nicht gekannt habe. Das Urteil gegen Mehner und Zumpe jedoch wurde aufgehoben, weil seine Griinde nicht erkennen lassen, zu welchen strafbaren Handlungen aufgefordert worden sei» soll. Versammlungen. Deutscher Holzarbriterverband. Eine Vertrauensmännerversammlung für sämtliche Bezirke und Branchen fand am Mittwochabend bei Froher in der Koppen- ftraste statt. Die Festsetzung der vom 1. Januar ab zu zahlenden Kranken- und Arbeitslosenunterftützungssätze stand als erster Punkt auf der Tagesordnung. Die Anfang Juni von 30 Zahlstellen beschickte Gäukonferenz hatte sich mit der Frage beschäftigt und eine Kommission eingesetzt, die bestimmte Vorschläge machte, um eine einheitliche Regelung der Unterstützungssätze zu schaffen. D a h l k c unterbreitete den versammelten Vertrauensmännern diese Vorschläge. Er machte darauf aufmerksam, daß es kaum möglich sei, die Unterstützungen zu erhöhen; jeder möge bedenken, daß die Zukunft den Verband vor große Ausgaben stellen werde. Die Kasjcnvcrhältnisse müssen so ausgebaut werden, daß mehr Mittel wie bisher zur Verfügung stehen, um Kämpfe, die dem Verbände aufgezwungen werden, erfolgreich bestehen zu können. Die Arbeitgeber sind jetzt so gut organisiert, daß der Verband alle Kräfte anstrengen muß, um stets ein ebenbürtiger Gegner zu fein. Große Anforderungen werden zuweilen gerade wegen der Unterstützung der Arbeitslosen an den Verband gestellt; das ist be- sonders in diesem Jahre der Fall. Die unterbreiteten Vorschlge seien sehr gewissenhaft ausgearbeitet und zur Annahme zu empfehlen. Sie lauten: Für Zahlstellen mit einem Beitrag« von 1R. pro Woche. a) Krankenunterstützung. Nach einer MitgliedschaftSdauer von Hauptkasse Lokalkasse 62 Wochen 8,— M. und 3,— M.. zusammen 6,— M pro Woche Wenn die Krankheit länger wie 2 Tage dauert, wird die Unterstützung in gleicher Höhe vom ersten Tage ab aus der Lokal- lasse gezahlt, ebenso von der tS. bis zur 26. Woche. b) ArbcitSl osenunterstützung. Nach einer Mitgliedschaftsdauer von Hauplkasse Lokaltasse 62 Wochen 0.— M. und 1,— M., zusammen 7,— M. pro Woche 164„ 7,— ff ff T""" n* n n» 186 ,, 8,—„ tf 8,""„ tt II."* h it tt 208„ 0.— ff ff 4,— ff ff 13,-*" ff ff„ 200„ 10,***„ ft 5,— m ff 15,— ft ff ff In der ersten Woche wird keine Unterstützung gezahlt. AuS- gesteuerte erhalten in der achten Woche die Unterstützung in voller Höhe auS der Lokalkasse, ferner für 3 weitere Wochen 6 M. pro Woche. o) Streik- und Geniaßregeltcnunterstntzung. Nach einer Mitgliedschafisdaner von Hauptkasse Lokalkasse 26 Wochen 12.— M. und 3.— Vi., zusammen>5,— M. pro Woche, 52„ 12.-„. 4,-.. 16,-„„. 156„ 12,-„„ 5,-„„ 17,-.„ 260. 12,-„„ 6,-... 18,—,,„ Hierzu kommt aus der Hauptkassc die Unterstützung für Kinder. Allgemeine Be st immun g. Die Zahlstellen des vierten Gaues schließen gegenseitig fol- gcnden Vertrag:„Wenn Mitglieder aus solchen Zahlstellen, welche die von der Konferenz beschlossenen Lokaluntcrsti'tzungssätze ein- geführt haben, nach einer anderen Zahlstelle zureisen, welche diese Sätze ebenfalls eingeführt hat, so werden die am Ort gezahlten niedrigeren Lokalbciträge in höhere umgerechnet." In der Diskussion wurde von den meisten Rednern auf die Arbeitslosenunterstützung hohes Gewicht gelegt und vielseitig der Wunsch ausgesprochen, diese Sätze zu erhöhen, wenn es auch auf Kosten der Krankcnunterstützung wäre. Ein Redner meinte, daß mit einer höheren Arbeitslosenunterstützung manchem Kollegen der Nacken gesteift würde, wenn ihm in schlechten Zeiten Arbeiten unter dem Tarif angeboren würden. Gegen eine solche Auf- fassung wandte sich sehr energisch der Vorsitzende Glocke und er- klärte es als Pflicht eines jeden, streng darauf zu achten, daß die Untern chmcr alle Bestimmungen des abgeschlossenen Vertrages erfüllen, im anderen Fall'' Meldung darüber zu erstatten. Ein Antrag, daß die Kommission noch einmal beraten möge, ob es nicht angängig sei, die Krankenuntcrstützung bei den alten Sätzen fortbestehen zu lassen, dafür aber die Arbeitslosenunterstützung zu erhöhen, wurde angenommen. Ebenso ein anderer Antrag, die gesamten Vorschläge erst in den Werkstattbcsprcchungen vorzu- legen und in einer späteren Bertrauensmännerversammlung darüber abzustimmen. Ein Bericht über„Streiks und Differenzen" folgte. Seit Juni find bei der SchlicbtungSkommission 171 Fälle gemeldet worden, und es gelang meistens, die ausgekrochenen Streitigkeiten zufriedenstellend zu schlichten. Konferenzen haben stattgefunden wegen des Tarifs oer Bautischler, wie auch der Einsetzer und der Arbeiter in der Swckbranche. Der Freitagswochenschluß sd. h. am Sonnabend nur den Lohn bis Freitag zu zahlen) führte zu Verhandlungen, denen ein Antrag der Arbeitgeber vor dem EinigungSamt folgte; sie wurde» aber damit abgewiesen. Auch in den NichtvertragLwerkstäitcn, so berichtete Leopold, gab es manche Differenzen zu schlichten. In 56 Betrieben, wo 1320 Kollegen arbeiteten, wurden die Forderungen ohne Streik durchgesetzt. In 37 Betrieben, wo über 600 Kollegen arbeiteten, kam es zum Streik; davon gingen 3 Streiks verloren und 4 sind noch unentschieden.— Mit dem Verein der Fräsereibesitzer wurde ein Vertrag unter den gleichen Bedingungen abgeschlossen wie mit den Holzindustricllcn. Auf die Wahlen der Delegierten zu der Ortskrankcnkasse für das Gewerbe der Tischler und Pianopfortearbeitcr, die am 3.?ko- vcmber stattfinden, wurde noch zum Schluß aufmerksam gemacht. Vermischtes. Ein Familicndrama. In Stuttgart hat, wie eine Meldung von dort besagt, der Bauführer Christian Raith Sonnabcndnackimittag seine Frau, seine Geliebte, seine drei Kinder und dann sich selbst erschosien. Als man Sonntag vormittag niemand von der Familie zu Gesicht bekam, wurde die Polizei gerufen und die Wohnung erbrochen. Hier fand man die sechs Leichen auf dem Boden liegen. Im Schacht verbrannt. Wie eine Meldung aus Lemberg besagt, ist in Borhslaw in einer Naplsthagrubc der Firma Schiffmann ein Schacht nudergebrannt. Der Bohrmeister und sein Gehülfe sind verbrannt; ein Arbeiter erlitt schwere Brandwunden. vom Schnellzug getötet. Amsterdamer Meldung zufolge über- kuhr am Sonntagabend der von Utrecht kommende Schnellzug bei Hilversum vier Personen, die den Bahndamm überschreiten wollten. Drei von ihnen wurden getötet, während die vierte schwere Per- lctzungen davontrug. Ein Luftballonrekord. Wie die„Frankstirter Zeitung" aus London meldet, hat der Ballon„Ziegler" des Frankfurter physikalischen Vereins eine 40stm>dige Fahrt von Rheinfelden über Rappolisweiler hinaus, dann zurück bis zum Südabhang der Vogefen. hierauf an der französischen Grenze entlang und über St, Johann, Trier, Montjoie, über Belgien, Pas de Calais, den Acrinelkanal und Folkcsione nach London gemacht, wo er nördlich der Stadl in der letzten Nacht glatt gelandet ist. Nene Nederschwemmimgen in Frankreich. In den Departement" H ö r a li l t und A u d e werden neuerdings starke Ueberschwemmungen infolge anhaltender Regengüsse gemeldet. Ein»euer Erdstoß. In Samarkand wurde gestern um halb drei Uhr»ackits ein ziemlich starker Erdstoß verspürt. Die Cinwohncr wurden von Furcht ergriffen und liefen auf die Straße; doch hatte der Erdstoß leine ernsten Folgen. Wolkenbrnch und Sturmschäden in Mexiko. Der in San Francisco von Mazatlan eingetroffene Dampfer„Curayao" berichler, daß am 14. Oktober in San Jofo del Cabo(Mexiko) bei einein Wolkenbrnch>6 Personen ums Leben gekommen und 50 Häuser von dem Regen, dem 12 Stunden lang ein heftiger Sturm vorangegangen sei, fortgekpütl worden seien. Mehrere Personen seien vom Sturm in daS Meer getrieben, andere von einstürzenden Gebäudeteilen erschlagen worden. SSaflerstandS-Nachrichte» der LandcZaiistalt für Tetoässertimde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, Llnttervurg Weichsel. Tbom Oder, Ratibor » Krassen , gvaitfiurt Warthe, ächrirnrn . Landsberg Netze, Vordainm Elbe, Leilmcntz » Dresden , Bardo . Magdeburg am' fett 3. 11.12. 11. cmr) cm IM 12 21 81 03 75 11 16 -58 —178 55 74 -i* 1 + 2 + 1 0 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau , Ratbenow') Spree. Spremberg . Bccskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximilianstn , Kaub Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wcrlhcim Mosel, Trier am 13. 11. an 64 78 122 U6| 146' —09; 106 88! 12; seit 2. 11 cm') — 5 — v 0 - 1 + 6 - 2 _ o — 1 _ o 0+ bedeutet Wuchs,— Fall,— si Unterpegel. Für den Iiival« der Juirraie übernimmt die Redaktion de», iviiblltr»» gegruüber keinerlei Neraiiiivortnng. Theater. DtenStag, den 5. November. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Opernhanö. Der Freischütz. Kgl. Schauspielhaus. Viel Lärm um Nichts. Nich Deutsche». Prinz Friedrich von (An. Kam in er spiele. Liebelet, sang 3 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Lessina. Klein-Etzols. Rencs Schauspielhaus. Judith. OmiNri O. I Waltn«- Idealer.) Die Schmuggler. c Sliam Schiller iottenburg. Her. mannSschlacht. Friedrich- WilhelmstSdt. Schau- fpielhaus. Waterkant, Verliner. Die Börse. Neues. Die Wassen wieder l Kleines. Ein Puppenhelm. Zentral. Robert und Lertra«. Sortzing. HanS Helling, Theater an der Spree. Der Zllticnbudiker. Nesidenz. Ganz der Papa. Komische Oper. 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Mittwoch£ Kapitän BratzbaundS Bekehrung.(Lady lltsely: Agnes Gorma. Donnerstag: Ein Puppenheim. Ferdinand Nonn» Berliner Thealer. Ansang 8 Uhr. Öle llörse. Mittwoch: Die Börse. Donnerst,: Di- tanzenden Männchen. Freitag: Die Börse, Theater des Vestens. 8 Uhr: Die liiMtisc Witwe. Sonntag nachm, 3'/. Uhr halbe Preise: Frilbllngslurt, Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Waterkant. Ansang 8 Uhr. Mittwoch; Waterkant. Donners; Freitag: Donnerstag: Brüderchen. i: Waterkant. lortzing-Theater; Abends 8 Uhr: Hans Helling. Mittwoch zum erstenmal: Dle Ent- führung aus dem«erail. Donnerstag, Freitag: Undlne. Sonnabend: Die Entsährung auS dem Serail. Lustspielhaus. AbenbS 8 Uhr: Volkstümliche Preis«. 8 Uhr 8 Uhr Direktion: Riehard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und DeSvatllisres, Deutsch o. M, Schönau. Baron beS Aubrais: R. Alexander. Sonntag, den 10, November, nach- mittags 3 Uhr:„Dir.30« Tage.« Zentral-Theater Abends 8 Uhr: Die Puppe. Köpenickerstrastc 68. Täglich stürmische Heiterkeit I Alt-Berliner Posse. Abends 8 Uhr: Der Attienbndiker. Im Stil der 50 er Jahre. gofefine D o r a als Karline! 8elh II ler-Tli catcr. Schiller.fheaiar 0. lWallner-Tdeaier). Dienstag, abends 8 Uhr: DI» BclmtiiKKler. Komödie in 4 Akten v. Artur Dinier. Mittwoch, abend« 8 Uhr: Do» Tlcrte Gebot. Donnerstag, obendS8Uhri lllonna Vunna. Sohiller-Theater Charlattenhurg. D l e n S t a g. abend« 8 Übt: Die HermannMchlacht. Ein Drama in 6 tluljügcn von Heinrich v. Kleist. Mittwoch. odendS8llgt» Beiterattacke, DooneiSiag. adeiidSSUhr: Die Scbnin�ler. Sehlller-Maal Konzertsängerw (Sohlllcr-Theotcri Charlottenbars/ Susanne Desioir und Pianist DIenStag 8 Uhr Paul Goldschmidt. Mittwoch S Uhr: Prof. Dr. Paul Schubring: Eduard Mauel. Mit Lichtbildern. 6. Vortrag de« ZyklnS: Maler der Reuzeil. Mus Schumann Heute Dienstag, den 5. November, abend« präzise 7>/, Uhr: Grede auBerordentllche Vorstellung, ganz besond. gew. Sport-Programm, Ferner: Amerikaa größte Sensation! 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen ManncS und unferes guten BaterS Hichard Grttschlor sagen wir allen Verwandten, Freunden und Belaimlcn sowie dem Wahlverein des vierten Kr-ciscS, dem Deutschen Mctallnrbeiter-Perband, dem Rauch- klub.Ohne Furcht", dem Sparverein .Privat" und den Stammgästen von Matschenz aus diesem Wege unseren aufrichtigen Dank. 590L Herta 4» rttscbler ncBsiSUitbem. Danksagung. Allen Verwandte», Freunden und Bekannten, insbesonderc dem Wahl- verein, dem Gesangverein und der Firma Zander, meinen ausrichtigen Dank für die Teilnahme Bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, 1138b Witwe IledwlDi Prieß. Mt-GIicnicke, den 4. November 1907. Klluncn- mib ürntnlihibprfi von Robert Meyer,. u n r Mlninmitil-Sllaße 2. M. Woliifahrts-Lose a 3.30 30'°/� Ferner empfehlen wir: Kölner I ch. sn-, Porto a. Liste Sä 5) extra tO Mk. Lud. Müller& Co. 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Um rege Beteiligung ersucht g7/t0 Die Ortöberwaltung. limungs-Krankenkasse der Tiseliler-ißsung zu Berlin. Todess Anzeige. In treuer Pflichterfüllung feines B-rufcS verschied am 2. November der Angestellte unserer Kasse, Herr Emst Voigt nach langem Leiden. 877/12 Möge ihm die Erde leicht sein! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des ZentralsriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. Der Borstand. lodes-�nielge. Am 2. November verschied nach langem schwerem Leiden unser Kollege Frust Voigt im Alter von 43 Jahren. Ehre fcinrnt Andenke«! Die Angestellten der Innungs- Krankenkasse der Tischler.• Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der ymllc deSZentralsriedhoss in Friedrichs- selbe aus statt. 277/13 BeeFdigungsveFem BeFlinerZimmeFleute. Am 3. November starb im Aller von 61 Jahren nach langen Leiden an Speiseröhrenverengung unser Mitglied, der Zimmerer Hax Ran. Ehre seinem Andenken k Die Uebersührung findet am Mittwoch, den 6, November, nach. mittags 1'/, Uhr, von der Leiche«. Halle des Krankenhauses Bcihmilen, Belbanlen» User, Ecke Adalbert- ltraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht lt46b Der Borstand. De» Kollegen zur Nachricht. daß unser Mttglied Otto Wtota am 1. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. Novcmberr nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Georgen» KirchhufeS, Landsberger Allee, aus statt. U36b Der Borstand Sozialdemokrat WahivereiD I ChaFlollenburg. Slscbrur. Den Mitgliedern hiermit ftiir Nachricht, daß unser Genosse, der Schlofier Knill Spode am 1. November verstorben ist. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren! 251/8 Der Borstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Aranzspende» bei der Beerdigung meines hclbgciiebten ManneS, unseres guten BaterS Rudolf liarwarth sagen wir allen Verwandten, Freunden, Kolleaeit mid Bekamtten unseren tniltgsten Dank. 5922 Ww. Minna Harwartb and Kinder.. r�fl i I (Dlnter lausende Exemplare. Warme Lodenstoffe mit molligen Futterarten. Praktische Fassons mit doppeltem, breitem BrustOberschlag. Nur eigene Erzeugnisse! 24.-. 21.-, 18.-, 15.- 13.80, 12.-, 10.-, 7.60 6.— Mk. Pelz-Joppen Starke Stoffe, durchweg mit Pelzfutter Nur eigene Erzeugnisse! 45.-, 36.-, 27.-, 21.- 15.— Mk. Vornehme Vinter Tausende Exemplare. Gute, moderne Stoffe. Vorzüglicher Schnitt. Enorm grosse Abwechselung in Mustern. Nur eigene Erzeugnisse! 15.-, 13.80, 12.-, 11.-, 10.- S-, 8.-, 7.-, 6.-, 5.- 4.50 Mk. Herren-Hüte Zwei hervorragend billige Sonder>Angebote In steifen und weichen neuen Formen 2.90, 2.25 Mk. Mass- Anfertigung. Spezialhaus grössten Massstabes. Chausseestrasse 29/30* 11 Brückenstrasse 11. 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Wegen Streiks und Disfercnzr» sind gesperrt: Für Vcrgoldcr: Seifert u, Beier, Husclandstraßc. Für � Korbmacher: Schürwagen, Fruchtstr, 61, Werner, Palisaden- swaßc 91, Für Podenleger: Die Banken der Firma Butlerweich(Zwischen- meiitcr Pötsch und Rumpf), WilmerSdorserstr. 93. Ps»lzburgerstraße,EckeLauenb>lrger« straffe, Bambcrgerftr. 24, Schöncberg, Aschaffenburgerstraße. Sieglitz, Zimmermannstr. 9, Bau Herold in Eharloitenburg, Nene Kantftt-affc(an der Bahn). Tic Ortsverwaituug des Holzarbcitcr-Ttcrda dcö Nr. 259. 24. Jahrgang. 2. DtilMt!>» Juralrtä" Itrlintt Wlksb!«!!. pinstnii, 5. Novemd» 1907. Zur Komn)unalwal)lbewcdung. An die Genossen in Moabit! Sechster Wahlkreis. Heute abend findet im 44. und 43. Kommunalwahlbezirk Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Die Parteigenossen werden aufgefordetrt, pünktlich und vollzählig zu dieser Arbeit sich einzufinden. Der Vorstand. Unsere Gegner im Wahlkampf scheinen von ihren minderbemittelten Mitbürgern, den Wählern dritter Abteilung, eine sehr sonderbare Vorstellung zu haben. Die Kandidaten, mit denen sie in den Wahlbezirken dritter Abteilung vor die Wählerschaft hintreten, sind größten- teils von einer Qualität, über die man nur den Kaps schütteln kanit. Man soll im Kampf um Grundsätze die Person des Gegners aus dem Spiel lassen. das ist wahr. Aber unsere Gegner befolgen schon bei der Auswahl der Personen, die sie in das Stadtparlameut als ihre Vertraueusniäuner hineinbringen möchten, regelmäßig ein Versahren, durch das die Wähler geradezu mit der Nase darauf gestoßen werden, gegen ivelche Grundsätze der bürgerlichen Stadtverordneten- Mehrheit die Sozialdemokratie anzukämpfen hat. Fast durchweg sind die Kandidaten der Freisinnigen wie auch die der Konservativen aus den Reihen jener Leute ge- nominen, die den Grunddcsitzervereinen genehm sind, weil sie die Garantie bieten, daß sie im Rathanse nichts gegen die Interessen der Hausagraricr tun werden. Die Haus- agrarier gehören zwar gar nicht zu den Wählern dritter Ab- teilnng, aber sie verlangen, daß auch die Kandidaten der Wahlbezirke dritter Abteilung sich von ihnen prüfen und approbieren lassen, che sie vor die Wähler hintreten. Atan nenne nns von de» diesmal anfgestelltcii Kandidaten unserer Gegner einen einzigen, vor dessen Aufstellung nicht Pflicht- schuldigst die Grundbesitzer befragt worden wären! Wir glauben nicht, daß auch nur einer darunter ist. Fast überall sind die gegnerischen Kandidaten direkt aus den Grund- besitzervereinen herausgeholt worden. und einige davon werden von ihren Grund bcsitzervereinen als ganz besonders„bewährte" Mitglieder angepriesen. Ein paar Prachtexemplare verdienen, genauer gekennzeichnet zu werden. In der Tempelhofer Vorstadt kandidiert für den Frei- sinn im 9. Wahlbezirk Herr.Huff, ein eifriger HauSagraricr, der überdies im vorigen Herbst bei einer Nachwahl im 8. Wahlbezirk der Ehre gewürdigt worden ist, als Durchfallskandidat des„entschiedenen" Frei- siuns vom Reichslügeuverband unterstützt zu werden. In der Nachbarschaft, im 10. Wahlbezirk, hat der Freisinn einen Herrn Linke aufgestellt, der gleichfalls mit dem Segen seiner hausagrarischen Standesgenossen in den Wahlkampf zieht. Die Freisinnigen des 23. Wahl- bczirks, der in der Gegend des Schle'sischen und des Ostbahn- Hofes liegt, haben keinen anderen Kandidaten zu finden gewußt als einen Banunternehmer Topp. Man weiß, wie eng die Interessen der Bauunternehmer mit denen der HauSagraricr verknüpft sind. Daß Herr Alt, der waschecht Aommnnalfreisinnige, der den 29. Wahlbezirk hisher im Rat- Hanse vertreten hat und wieder aufgestellt ist, den Grund- besitzern ein eifriger Schützer ist, das hat ja seine ganze Tätigkeit als Stadtverordneter zur Genüge gezeigt. Ungefähr dasselbe gilt von dem Freisinnigen Bitterhof, der im 41. Wahlbezirk wieder kandidiert. Im 34. und im 33. Be- zirk, draußen in der Schönhauser und Rosenthaler Vorstadt, wirbt der Freisinn für einen Herrn Ammer und einen Herrn Miethe, die gleichfalls zu den„bewährten" Mitgliedern der Grundbesitzervcrcine gehören. Denselben Ruf genießt Herr Bredereck, der in Moalrit im 45. Wahlbezirk für den Freisinn kandidiert. Im 45. Bezirk haben wir es noch mit einem konservativen Kandidaten zu tun, dem Herrn Licbig, über den wir schon früher geineldct haben, daß er als Vcr- trauensmann_ der Moabiter Hausagrarier den Weg zum Rathause sucht. Im benachbarten 44. Wahl- bezirk muten die Konservativen den Wählern einen Herrn Popicrsch zu, einen Grundstücksvermtttler! Immer stehen diese Kandidaten in irgendwelcher Be- ziehung zu den Grundbesitzern und sind selber daran interessiert, daß im Rathause oem Grundbesitz niemand wehe tut. Herr Popiersch und Herr Liebig werden auch den katholischen Wählern von den Konservativen angepriesen. In einigen Bezirken haben die Katholiken eigene Kandidaten aufgestellt, im 29. Wahlbezirk einen Herrn Otto, im 32. Wahlbezirk einen Herrn Hoffmann. Ueber beide wissen ihre Freunde nichts besseres zu sagen, als daß sie Hausbesitzer sind. Von den Wählern aus der minderbemittelten Bevölkerung erwarten Freisinn, Konservative und Zentrumspartei, daß sie den Männern ihre Stimme geben werden, die vom Haus- agrariertum dazu ausersehen sind, im Rathause denGrund- besitz zu schützenl Wie lautete doch der Ausspruch, mit dem einer dieser Männer sich den Wählern empfahl?„Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren M e tz g e r s e l b e r." Je näher der Tag der Wahl rückt, desto lebendiger wird es im Lager unserer Gegner. Versammlungen auf Versammlungen finden statt, die schriftliche Agitation steigert sich und nicht zuletzt ist eS die persönliche Propaganda, die da die Chancen der gegnerischen Kandi- baten fördern soll. Gerade die letztere Art der Agitation darf nicht unterschätzt werden. Am tätigsten find dabei die Hausbesitzer und sie wiflen auch, warum. Die gegnerischen Kandidaten sind aus- nahmslos Schützlinge der Haus- und Grundbesitzer; wenn daher die Hausbesitzer für diese eintreten, so tun sie das aus wohl- verstandenem Klasscninteresse. Aber allein ist diese BevölkerungS- ktafie zu schlvach. um sich in der dritten Abteilung durchsetzen zu können; es ist deshalb nur zu verständlich, daß Aus- schau gehalten wird nach Sukkurs. nach Wählern, die den Haus- agrariern die Kastanien mit auS dem Feuer holen. Als solche be- trachten diese Herren die kleinen Geschäftsleute, Handwerker und Beamten und in einigen Bezirken— wie beispielsweise in Moabit im 44. und 45. Bezirk— sogar die katholischen Arbeiter. In einem im 44. und 45. Bezirk vc-rbreiteten Flugblatt der sogenannten Bürger- Partei heißt eS: „Wir bieten Euch im 44. Gemeindcwahlbezir! einen Gewerbetreibenden als Kandidaten, während wir für den 45. einen mittleren Beamten aufgestellt haben. Hierdurch zeigen wir Euch doch wohl auf das deutlichste, daß Euer Wohl unS am Herzen liegt, denn Ivir wollen, daß aus Euerer Mitte heraus unser Stadtverordneter ge- nommen wird." In welcher Weise hier die Wähler getäuscht werden, mag au§ der Tatsache erhellen, daß der Kandidat des 44. Bezirks, Herr Popiersch, Grundstücksvermitiler ist und daß der Kandidat des 45. Bezirks. Herr Liebig, sich gleichfalls als Kandidat der Haus- besitzer präsentiert; noch in der letzten Versaininlnirg des Grund benyervereinS„Nord-West" wurde beschlossen, für die Wahl des Herrn Liebig zu wirken und einen Beitrag zu den Wahlkvstcn zu leisten. Wenn eS in dem Flugblatt geheißen hätte, daß die beiden Kandidaten ans der Mitte der Hans- und Grundbesitzer genoliinien ivorden seien, so wäre das richtig und auch ehrlich gewesen; so aber werden die Wähler getäuscht. In den Flugblättern für die liberalen Kandidaten sieht es nicht besser auS, als in dem vorhin skizzierten. In einem im g. Konunniial-Wahlbezirk verteilten Flugblatt wird die liberale Ber- waltung Berlins über den grüneit Klee gelobt und in Abrede gestellt, daß es die Sozialdemokraten gewesen seien, die die ersten Anstöße zu zahlreichen sozialen Maßnahmen gegeben haben. Angesichts des dieser Tage in unserem Blatte vcröffenllichtcn Tatsacheiniialerials ist das allerdings ein sehr dreistes Unterfangen. Die Herren Gegner glauben diese Tatsache» mit dem alten abgebrauchten Hinweis aus der Welt schaffen zu können, daß sie erklären, die Sozialdemokralen seien doch in der Stadtverordnetenversammlung die Minderheit, also töimien sie doch nicht die ausgezählten fortschiitllichen Maßnahmen beschlossen haben. Das ist ei» Fechterkimststückchen. Es ist durch noch so gewandte Rabulistenkniffe nicht aus der Welt zu diskutieren, daß es die Sozialdemokratie im Rathanie war. die zuerst zahlreiche soziale Reformen anregte und diesbezügliche An- träge stellte, und zwar so lange und so oft, daß sich in vielen Fallen die Gegner auf die Dauer der Notwendigkeit der Einführung nicht entziehen konnten. Am meisten verschnupft hat die Liberalen die in unserem letzten Flugblatt enthaltene Kritik des Verhaltens der Freisinnigen anläßlich der Beratung der Wcrtznivlichsstencrvorlage. In dem Flugblatt für den S. Kommunolwahivezirk suchen sich unsere Gegner mit der Aus- rede zu hellen, daß ja die Sozialdemokraten selbst gegen die Vor- läge gestimmt hätten. Genau so verlogen wie die„Freisinnige Zeitung", die kürzlich dasselbe sagte. Es soll damit der Anschein erweckt werden, als seien die Sozialdemokraten Gegner der Werlzuwnchssteuer. Dabei wissen die Gegner ganz genau, daß Sozialdemokraten es waren, die im Verlauf der Beratungen Anträge stellten, die eine Verschärfung der so milden Magistratsvorlage bedeuteten, daß Sozialdemokraten es waren, die nach Ablehnung dieser Anträge durch die Mehrheit und nach Ablehnung selbst der bescheidenen Magistralsvorlage im Ausschuß im Plenum der Stadtverordnetenversammlung den Antrag auf Wiederherstellung der Magistratsvorlage stellten und erst dann, als alle diese Anträge von der hausagrarischen Mehrheit ab- gelehnt worden waren und die Vorlage mit Bestimmungen bepackt wurde, die jede Wirkung der Steuer so gut wie aufhoben, in der Schlußabstimmung gegen diese vollkommen wertlos gemachte Vor- läge stimmten. Das wissen die Gegner, wie gesagt, sehr genau, aber sie müssen ihr skandalöses Verhalten doch irgendwie zu be- mänteln versuchen. Viel Glück werden sie allerdings damit nicht haben. In einem Flugblatt, das im 12. KommunalwahKezirke zugunsten deS liberalen Kandidaten Ensenhöfer verbreitet wird, sucht man vor allem den Troß der unbesoldeten Kommunalbeamten ans die Beine zu bringen, Leute, die schon immer freisinnige Wahlhelfer waren. Diese Leute sollen sich durchaus beleidigt fühlen, weil wir in unserem letzten Flugblatt gesagt haben, daß die wichtigsten kam- munalcn Angelegenheiten, wie öffentliches Gesundheitswesen, Schul- wesen. Armen- und Waisenpflege, von dem kleinlichsten, eng- herzigsten Krämerstandpunkt aus behandelt werden. Als ob das nicht wahr wärel Jeder, der nur einigermaßen das kommunale Leben Berlins verfolgt hat und sich einen offenen Blick bewahrt hat, muß diese unsere Behauptung bestätigen. Daran wird auch nichts geändert durch die Aufzählung der zahl- reichen Bauten, die die Stadt Berlin errichtet hat. Mit diesen Bauten kommt die Stadt den nolwendigsten Bedürfnissen sehr ver- spätet entgegen. Es sei nur an die Schulbauten erinnert. Es schmerzt unsere Gegner, daß die Sozialdemokralle Berlins bei den letzten Reichstagswahlen so verhältnismäßig gut ab- geschnitten hat und sie hoffen, bei den Kommunalwahlen in der dritten Abteilung„einen Teil dieser Scharte wieder auszuwetzen". Lassen wir die Gegner hoffen. Die erwerbstätige Bevölkerung Berlins hat erkannt, daß sie gegen ihr Interesse handeln würde, wenn sie am 6. November einem Vertreter des Geldsacks ihre Stimme geben würde. Durch massenhafte Abgabe ihrer Stimmen für die sozialdemokratischen Kandidaten wird sie morgen, am«. November, die Hoffnungen der Gegner gründlich zuschanden machen. » Die Wahlvorstündc, die bei den Konimunalwahlen im Auftrage deS Magistrats die Wahlhandlung zu leiten haben, sind auch dies- mal lviedcr in der üblichen Weise zusanrmen gesetzt worden. Unter ihren Mitgliedern sehen wir fast nur Frei- sinn ige, daneben auch einige Personen, die vielleicht konservativ sind; Sozialdemokraten aber haben wir nicht darunter zu entdecken vermocht. Sollte etwa doch der eine oder der andere unserer Genossen sich in dem Gewimmel der FreisinnSmänner befinden— Berlin ist ja so reich an Sozialdemokraten, daß eS nichtmöglich ist, sie alle zu kennen— so bitten wir ihn, sich bei uns zu melden. Wir iverden dann ihn unseren Lesern, falls er'S wünscht, als Rarität vorstellen. Wenn die Clique der Freisinnigen lediglich für die Wahlen der ersten und der zweiten Abteilung den Grundsatz befolgte, Vertreter der Sozialdemokratie nicht in die Wahlvorstände hinein- zunehmen, so ließe sich das zur Not verstehen. Daß sie aber auch in den Wahlbezirken dritter Abteilung die Wahl- vorstände möglichst nur aus Leuten ihrer Couleur zusammen- suchen, das kennzeichnet den Berliner Freisinn, der ja von einer Gleichberechtigung der Arbeiterklasse mit dem Bürgertum, der Sozial- demokratie mit dem Freisinn nichts wissen will. In der dritten Ab- teilung haben die Wähler der Sozialdemokratie die Mehrheit, aber der Rathausfreisinn scheint Wert darauf zu legen, daß Sozial- dcmokraten möglichst auch voirdenWahlvorständen für die Bezirke dritter Abteilung ferngehalten werden. Die Posten der Wahlvorsteher und der Beisitzer werden besetzt mit den Inhabern der kleinen kommunalen Ehrenämter, mit Bezirksvorstehern, Schiedsmännern, Armenkoinnussionsmitgliedern, SchulkommissionSmitgliedern usw. Vorläufig sind nur vereinzelt auch Sozialdemokraten in solche Aemter hineingelangt, da macht es sich dann wie„von selber", daß auch bei der Suche nach Personen, die Wahlvorstandsinitgliedern„geeignet" sein könnten, nur ganz vereinzelt mal ein Sozialdemokrat berücksichtigt wird. Es bedarf wohl nicht erst der Erörterung, warum die sozialdemokratisch wählende Arbeiterbebölkerung ein sehr lebhaftes Interesse daran haben muß, daß auch ihr die Möglichkeit gewährt wird, durch Personen aus ihrer Mitte sich an der amtlichen Ueberwachung des Wahlaktes zu beteiligen. Geacuüber vielen der Personen, die wir in den Wahlvorständen der Bezirke dritter Abteilung sehen, muß man die Frage aufivcrsen, ob sie denn überhaupt zu den Wählern der dritten Abteilung gebären und nicht vielmehr in der zweiten oder der ersten Abteilung wählen. Manche sehr unliebsame Borkoninmisse, die wir bei sriiheren Wahlen erlebt haben, wären sicherlich unterblieben, wenn bei der Zusamntensetzung der Wahlvorstände auch die Sozialdemokratie nach Maßgabe der Parteistärke berücksichtigt würde. Das Amt eines Wahlvorstebers bezw. Beisitzers ist schon freisinnigen Männern übertrage» worden, die noch nicht mal die allerein fachiten Borichiiflen iibei die Wahlhandlung kannten und ro» ihren Rechte» und Pflichten gegen die Wähler eine sehr merkwürdige Vorstellung hatten. Das vermeiniliche Anrecht gewisser Leute ans den Posten eines Wahlvorstandsmitgliedes gilt als so selbstverständlich, daß man nicht davor zurückschreckt, in einen W a h l v o r st a n d auch mal eine Person hineinzuiiehmen, die in c n g st e r Beziehung zu dem Freisinnskandidaten steht. Ein Fall dreier Art icheint auch diesmal wieder vorzuliegen. Wir finden für ein Wahllokal deS 11. Wahlbezirks dritter Abteilung in der vom Magistrat veröffentlichten Liste der Beisitzer eine» Ichulkommisfloitsvorsteher Ensenhöfer ausgcsiihrt. der im Hnuie Waldenmrstr. 59 wohnt. Dieser Schiilkoininissionsvorsleher ist Kauf- inami. Nun ist aber ein Kauiniaiin Enseiihöser Waldemarstr. 59 wobnhast, vom Freisinn als Kandidat für denselben Bezirk ans- gestellt worden. Da müssen wir doch fragen, in welche» Beziehungen der Fieisiiiiiskandidat zu dem genannten Beisitzer steht Ist dieser zum Beisitzer auserichcne Herr der Vater des Freisinnskandidaten oder vielleicht fein Bruder? Oder ist er gar der Freisinuskandidat selber? Eine Sprcnqqarde in Sicht? Der Fortschrittliche Verein Waldeck möchte durchaus einen Schützling des Hansagrariertums für den 22. Bezirk in der Stadt- verordiietenveriammlung sehen. Es paßt ihm durchaus nicht, daß unsere Genossen die Gegner als das bezeichnen, was sie sind: als Vertreter der Interessen des Geldsacks und der HauS- und Grund- besitzer. Dagegen wollen sich die Anhänger deS Vereins„Waldeck" verwahren; sie glauben dazu Ursache zu haben, weil der liberale Kandidat Blum ihr Vorstandsinitglied ist. Aus diesem Gimide ist gester» die Zeitschrift.Waldeck" in einer AusInge von 130(9 Exemplaren zur Verteilung gelangt, in welcher folgende Aufforderung e»t- halten ist: Achtung. Waldeckerl Am Dienstag, den 5. November, findei in den Aiidreas-Festsälen. Andreasstr. 21. um 8'/z Ubr, die letzte sozialdemokratische Versammlung statt. Wir haben beschlossen, in dieser Versammlung durch geeignete Redner Protest gegen die Provokationen und die g e h ä s i i-g e K a nip f e s iv e i s c der Sozialdemokratie zu erheben. Es ist also jedes Waldeckers Ehreitpflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen, um unsere Redner zu unterstützen. Wer zur Wahlhülie genügend Zeit hat. möge jedenfalls in dieser Versammlung pünktlich erscheinen und umgehend ans bei- liegender Karte genaue Antwort absenden. Der Wahlagitations-Ansschuß. Die ganze Aufforderung trägt so sehr die Absicht einer Vcr- sammlungssprengung an der Stirn, daß wir glaubten, auch unsere Genossen mit diesem Vorhabe» der„Waldccker" bekannt zu machen. Die Herren nehmen wie gewöhnlich den Mund etwas sehr voll und wir brauchen vor dem Dutzend Waldeckcr nicht zu bangen. Aber vielleicht veranlaßt gerade diese Aufforderung unsere Genossen, die Versammlung recht zahlreich zu besuchen und etwaige Sprenggelüstc der Gegner gründlich zu schänden zu machen. Eine llnverschäultheit hat sich Herr Emil Huff, der Kandidat ber HauS- und Grundbesitzer im 9. Kommunalwahlbezirl geleistet. Herr Huff fühlt durch- aus den Berns in sich, unseren Genossen Dr. Bernstein aus dem Sattel zu heben, und er ist stolz ans seine Rolle. Er überläßt die Agitation für seine Person nicht allein dem Wahlkomitee, sondern greift auch selbst aktiv in dieselbe ein. Wie er dies tut. möge ein Zirkular beweisen, das er an unseren Genossen Gustav Bauer, den Vorsitzenden des Zentralvereins der Bureauangestellten gesandt hat. Das Zirlular lautet: Sehr geehrter Herr! Nachdem ich bereits im Vorjahr gegen den Sozialdemokraten, Hrn. Dupont, seitens der Ordnungsparteicn kandidiert habe, bin ich für die bevorstehenden Stadtverordnctcnwahlen auch diesmal wieder als Kandidat gegen den Sozialdemolraten Hrn. Dr. Bern- stein im 9. Kommunalbezirk. Hl. Abteilung, einstimmig aufgestellt worden. Ich bedarf, um wenn möglich, den Bezirk den„Genossen" zu entziehen, dazu aber der Unterstützung aller Ihrer Herren Mit- glieder, die in dem Wahlbezirk, von dem ich das Straßen- Verzeichnis beifüge, wohnen und zwar durch Ausübung des Wahl- rechtes am Wahltage. ES wäre mir nun im Interesse unserer guten Sache erwünscht, daö Verzeichnis dieser Herren zu besitzen, damit ich diese noch besonders zur Wahlbeteiligung auffordern und nötigenfalls die Säumigen heranholen lassen kann. Würden Sie die Güte haben, mir dies Verzeichnis bald- möglichst zu übermitteln? In Gewärtigung Ihrer w. Antivort, begrüße ich Sie Hochachtungsvoll Emil Huff. Kaufmann und FoiNkant Johanniterstraße 11. Genosse Bauer empfindet die Zumutung, Herrn Huff Wah7rze1fcr- dienste zu leisten, als eine große Unverschämtheit und wir sind über» zeugt, auch die Mitglieder deS ZentralvereinS der Bureauangestellten mit ihm. Die Antwort auf diese Zumutung wird Herr Huff von den Mitgliedern des ZentralvereinS am Wahltage erhalten, inden» sie, wie wir sicher annehmen, dem Kandidaten der Ordnung?- Parteien, wie sich Herr Huff empfiehlt, einen Durchfall bereiten helfen iverden. Wer ist»vahlberechtigt? An der Wahl darf teilnehmen, wer in der Wählerliste steht, die in der Zeit vom 1. bis 15. Juli aufgestellt worden ist. In die Wählerlisten ist aufgenommen jeder, der zu diesem Zeitpunkt mindestens das 24. Lebensjahr vollendet hatte, in Preußen staatsangchörig war, seit mindestens einem Jahre in Verlin wohnte, eine eigene Wohnung hatte oder sich als Chambregarnist betrachten durfte, die von ihm eingeforderten Gemeindesteuern bezahlt und im letzten Jahre keine Unter- stützung aus öffentlichen Mitteln erhalten hatte. Jeder wählt da, Ivo er bei Aufnahme in die Wählerlisten gewohnt hat. Wer seitdem seine Wohnung gewechselt hat, wählt noch in dem Bezirk seiner früheren Wohnung, sofern diesmal dort überhaupt eine Wahl stattfindet. Wann wird gewählt? Die Wahl findet statt morgen Mittwoch, 6. November, und dauert von morgenö 10 Uhr bis 8 Uhr abends. Wer noch vor 8 Uhr kommt, wird unter allen Umständen zur Stimmabgabe zugelassen, auch wenn die Abfertigung der letzten Wähler sich bis in die neunte Stunde hinzieht. Wer, erst nach 8 Uhr kommt, findet unter keinen Umständen mehr Zutritt; denn Punkt 8 Uhr werden die Türen geschlossen. Es ist ratsam, den Gang zum Wahllokal nicht bis zur letzten Viertelstunde zu verschieben. Das kann besonders denen ver- hängnisvoll werden, die nicht beizeiten eine ausreichende Legitimation (die Steuerquittung oder die vom Magistrat übersandte Wählerkarte) zu sich gesteckt haben oder sich nicht rechtzeitig darüber unterrichtet haben, zu welchem Wahllokal sie gc- hören. Schon mancher ist aus solchem Grunde vom Wahl- Vorsteher nach Hause geschickt oder an ein anderes Wahl- lokal verwiesen worden und kam— dann zu spät. Jeder sollte so zeitig wie möglich zur Wahl kommen. Wer sich's leisten kann, möge die letzten Abendstunden und möglichst auch die Mittagsstunden ver- meiden; er nimmt da nur denen, die zu einer anderen Stc'de nicht kommen können, den Platz und die Zeit weg. Zlchtet genau auf den Namen des Kandidaten! Wichtig ist, daß jeder Wähler sich den Namen des für seinen Bezirk aufgestellten sozialdemokratischen Kandidaten genau ansieht und ihn sich einprägt. Geändert werden darf an dem Namen nichts, sonst wird die geänderte Namenöform eingetragen, und diese Stimme ist dem richtigen Kandidaten verloren. Man denke an den Fall Kerfin! Durch die un- begreifliche Entscheidung des Oberverivaltungsgerichts in der Streitsache Kerfin ist dem Freisinn die Möglichkeit geworden, immer neue Wahlanfechwngstrtcks zu üben, jede veränderte Form des Namens schikanös auszunutzen, die einem sozial demokratischen Kandidaten zugefallene Mehrheit in die Minderheit zu verdrehen und so den Willen der Wählerschaft trotz aller Klarheit und Unzweideutigkeit wegzufälschen. Also: man sehe sichdenNgmcn genau an— und zwar vorher, nicht erst am Wahltische. Die Wahl ist eine öffentliche. Der Name des zu Wählenden muß öffentlich dem Wahl vor st eh er genannt werden. Bei der Stimmabgabe den Namen vom Zettel abzu lesen, halten manche der freisinnigen Wahlvorsteher für unzu lässig— da sollte möglichst kein Wähler diesen Herren Gelegenheit geben, ihren Eifer zu betätigen, Die sozialdemokratischen Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Es kandidieren am 6. November im 4. Kommunal-Wahlbezirk: Stadtv. 9.»»» ll).»»» 11.••» 12.••« 22. 23.•• 29.»• 32. 34.•« 35.*- 36. r» 41.-" 44. 45.--> 48.-■ Dr. Alfred Bernstein Dr. Alfred Bernstein. - Gottfried Schulz. - Emil Boigt. - Fritz Znbeil. - Robert WengelS. - Emil Basner. Kaufmann Jonas Stahl. Stadtv. Töpfer Stadtv. Dr. Weyl. Theodor Fischer. Wilh. Pfannknch. Karl Leid. Richard Babiel. Theodor Glocke. Dr. Karl Liebknecht. Emannel Wnrm. Am Wahltage wird in den Wahlbureaus dringend Hülfe benötigt. Diejenigen Genosien, die abkömmlich sind und sich den Wahlkomitees zur Ver- fügnng stellen, wollen sich in den Bureaus zeltig einfinden. Die WahlbnreauS befinden sich an folgenden Stellen: Ä. Kreis. 4. Kommunal-Wahlbezirk. 1. Teil: viestaur. Schulz, Lützowstr. öl. Ecke Dörnbergstraße. VI.SS4Y, II.„„ Betzien. Lützowstr. 77. VL 810. 9. Kommunal-Wahlbezirk. I. Teil: Restanr. Friedrich. Fidicinstr. 48. VI. 1437. IL,, Maatz, Bergmanustr. 97. VI. 7241. HL,„ Siihring, Bergmannstr. 24. VI, 8804. IV.„ m Pctermann, Gneiscnaustr. 45. Jv, 640. 10. Kommunal-Wahlbezirk. I. Teil: Restaur. Reim, llrbanstr. 29. IV. 4123. IL„ v Grumbach, Schöuleinstr. 6. IV. 1891, HL„» Kraatz, Dieffenbachstr. 83. IV.„„ Runge,„ 59. Zcntral-Wahlburean: Restanr. Hemp, Urbanstr. 170. IV. 8979. Z./4. Kreis(Südost). 11. Kommnnal-Wahlbezirk. T. Teil: Reichenbergerstr. 10 bei Lauge. II., Mariaunenstr. 48 bei Liebeheuschel. 12. Komiinuial Wahlbezirk. I. Teil: Admiralstr. 5 bei Bismark. II. u Marianncnstr. 30 bei Kurt. HL, Reichenbergerstr. 145/146 bei Beckmann. Zcntral-Wahlbnrean: Manzey, Reichenbergerstr. 16. IV. 6771. 4. Kreis(Ost). 22. Kommunal-Wahlbezirk. , L Teil: Weberstr. 17 bei Docker, IL„ Fürstenwalderstr. 17 bei Neumann. III.„ Fricdrichsbergerstr. 11 bei Käsler. 23. Kommunal-Wahlbezirk. I. Teil: Langestr. 53 bei Klug. IL, Riidersdoiferstr. 41 bei Püschel. HI.» Fruchtstr. 61 bei Lemke. Zentral- Wahlburea«: Merkowski, AudreaSstr. 26. VII. 943 (Nebenanschluß). S./S. Kreis. 29. Kommunal-Wahlbezirk. Wohlfart, Rosenthalerstr. 57(Hof). III. 1296. Wallburg, Kaiser Wilhelmstr. Isu. HI. 1626. 41. Kommunal-Wahlbezirk. KurbiS. Luisenstr. 26. HI. 1040. Wittchow. Elsasserstr. 68. HL 8965(Nebenanschluß). Bortschad. Spenerst. 22. Zrntral-Wahlbnrea«: Wohlfart, Rosenthalerstr. 57(Hof). III. 1296. 6. Kreis. Bezirks-Bureaus. Bezirk: Rosin, Rnppinerstr. 42. HI. 3914. , Dobrohlaw, Schliemannstr. 39. lll. 2167. , Sauer. Schönhauser Allee 134». IHa. 4579. . G. Hoffmann, Swinemünderstr. 47. Hl. 124. G. Achilles. Wiclefstr. 24. H. 725. , Karl Bachstein. Salzwedelerstr. 16. H. 2791. , Kerfin. Panlstr. 82 d. H. 2227. Zentral-Wahlbureaa: Fahrow, Rave««str. S. HI. 2137. 32. 34. 35. 36. 44. 45. 4S. Partei-?Zngeleg6ndeiten« Zur Lotalliste. Unter den Wahllokalen zu den am 6. November staii findenden Stadlvcrorduetcnwahlcn befinden sich einige, die auch VersammluiigS- räume enthalten und die in der Lokalliste nicht verzeichnet stehen. So wählt im 11. Kominuual- Wahlbezirk der I. Teil im Lakale von Preuß, Dlesdenerstr. 10 und im 12, Komniunal-Wahlbezirk der I, Teil bei Jäger, Admiralstr. 38. Beide Lakaliichaber haben es wiederholt abgelehnt, ihre Räume der Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen. Wir ersuche» daher die Arbeuerwähler, die dorr ihr Wahlrecht ausübeil, dies nach Erledigung ihrer Wahlpflicht besonders zu beachten._ Die Lokalkonnnission. Achtung! 29. und 41. Kommunal-Wahlbezirk(1., 5., 6. Wahl krciS). Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet in den „Sophien-Sälen", S o p h i e n st r. 17/l 8, eine Versamm- lung statt, in welcher der Genosse Paul Singer über die Kommunal- wählen referiert. Alle Geuosstn der Bezirke werden ersucht, für rege Beteiligung zu wirken. Da» Wahlkomitee. Charlotteuburg. Eine öffentliche G e m ei n d e w ä h le r- Versammlung findet für die Wähler des 3, Bezirks am Dienstag, den 5. November, abends'/»O Uhr, bei Kirsch- kowsky. Beusselstr. 9, statt. Um zahlreichen Besuch dieser Ver sammlung ersucht Der WahlvereinSvorstaird. Die Parteigenossen werden ersucht, sich heute abend an den bekannten Stellen zu einer Flugblattverbreitung zur Kommunalwahl einzufinden. Die Verbreitung geschieht von abends 7 Uhr ab. Treptow- Bniimschiilcnweg. Diejenigen Parteigenossen, welche nicht dem preußischen Staatsverbaude angehören, werden ersucht, ihre Aufnahme in denselben recht bald zu beantragen. Die nähereu Informationen erteilen folgende Genossen: Für' Treptow Robert Gramenz, Kiefholzstr. 412, im Zigarrengeschäft; für Baumschulen- weg Max Miekley, Marienthalerstr. 22, v. II. Auch sind daselbst Formulare zum Austritt aus der Landeskirche zu haben. Hiervon bitten wir in den nächsten zwei Wochen ausgiebigen Ge- brauch zu machen, weil dadurch ein Jahr Kirchenfteuem gespart werden. AdlerShof. Heute abend pünktlich 8 Uhr findet bei Wöllstein. BiSmarckstr. 24. eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Dr. Borchardt über„Gemeinde und Schule" sprechen wird. Zahl- reiches Erscheinen wird erwartet. RummelSburg. Die Parteigenoffen werden darauf aufmerksam gemacht, daß morgen Mittwoch, abends präzise S'/z Uhr. im Saale der Witwe Weigel. Türrschniidlstr. 45 der erste„ZtzkluSvortragS- abend" mit dem Thema:„Die Geschichte der Sozialdemokratie" stattfindet. Vortragender ist Genosse Max Grunwaid. Eintritts- karten sind bei sämtlichen Vezirksführer» und beim Vorsitzenden Otto John erhältlich. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zossen. Am Donnerstag, de» 7. November, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Schimke eine Volksversammlung statt. Thema: Ein letztes Wort an die Wähler der dritten Klaffe. Hierzu findet am Mittwoch, abends 7 Uhr, vom Lokale Schimke aus eme Handzettel- sowie Flugblattverbrettung statt. Wildau-Hoher-Lchmc. Den Parteigenoffen obiger Orte zur Kenntnis, dag der Zahlabend am Mittwoch, den 6. November, abends 3 Uhr. bei Schumann stattfindet. Dortselbst Ausgabe der ParteitaaZ- Protokolle sowie Erledigung wichtiger Angelegenheiten. Die Genossen werden ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Rciliickendorf-Wcst. Heute abend findet eine Flugblattverbreitung zu der am morgigen Mitiwoch, abends SV« Uhr, in den„Eichborn- Sälen" stattfindenden öffentlichen Versammlung statt. in der Genosse Schumacher über den Wert der Koiisumgcnosscnschastcn referieren wird. Die Genoffen werden ersticht, sich an den bekannten Stellen hierzu einzufinden. Borsigwalde. Der Zahlavend findet infolge der heute abend 8 Uhr in den Borsigtvaldcr Fcstsälen, Conradstraße, stattfindenden Volksveriammlung au». Genosse Schumacher spricht in dieser Ver- sammlung über die Bedeutung deS Genossenschaftswesens. Zahlreiche? Erscheinen der Genossen wird erwartet. Wilhelmsruh. Heute Dienstag, abends 8U, Uhr. Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Barth, Bittoriastr. 7. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Der Vorstand. Berliner JVachrichten. Hausbesitzerschmerzen. Die Berliner Hausbesitzervereine haben an den Fmanzminister eine Petition gerichtet, in welcher sie danun nachsuchen, daß ihnen gestattet wird, die Abzugsqnote für Instandhaltung des Hauses von 6 Proz. auf 9 Proz. zu erhöhen. Das Gesuch wird damit begründet, daß seit Festsetzung der 6 Proz. 14 Jahre verflossen sind und daß in der Zwischenzeit die Preise für alle Handwerkstätigkeit sowie für Materialien ganz erheblich gestiegen sind. Daß auch die Einnahmen der Hausbesitzer infolge erhöhter Meten gewachsen sind, verschweigen die Herren wohlweislich. Ob der Finanzminister dem Petitum stattgeben wird, wissen wir nicht, doch will unS scheinen, als ob die Herren mal wieder recht unvorsichtig gewesen sind. Auch von anderer Seite ist die Verteuerung schon festgestellt worden, nur mit einer anderen den Herren Hausagrariern njcht genehmen Nutzanwendung. Ge- legentlich der Etatsdebatte in diesem Frühjahr wurde von unseren Genossen in der Stadtverordncten-Versammlung darauf aufmerksam gemacht, daß die vor 12 Jahren festgesetzte Kanalgebühr heute nicht mehr ein genügendes Entgelt darstelle sür die Leistungen, welche die Stadt im Interesse der Hausbesitzer ausführt. In der Zwischen- zeit find nämlich die HerstellungS» und Unterhaltungskosten der Kanalisation ganz erheblich gestiegen. Damals wurde diese Dar- legung unserer Freunde von dein konsequentesten Ver- leidiger der Privilegierten, dem inzwischen verstorbenen Stadtverordneten Wallach, auf daS entschiedenste bestritte», und heute kommen die Herren mit. denselben Gründen. um Vorteile für sich herauszuschlagen. DaS wird man sich merken muffen nmsomehr, als schon vor 12 Jahren der Magistrat die Gebühr, die heute l'/j Proz; vom Mietsertrag beträgt, auf 2 Proz. festsetze!, wollte. Dem wütenden Ansturm der HauSagrarier gelang cS damals, die Borlage des. Magistrats zu Fall bringen. Welche Liebesgabe aber dieses halbe geschenkte Prozent darstellt, kann man ermessen. wenn man sich vergegenwärtigt, daß der augenblickliche MietSerttag der Berliner Grundstücke rund 450 Millionen Mark pro Jahr beträgt, daß also 2'/� Millionen Mark den Hausbesitzern geschenkt bleiben. Man sieht, daS HauSbefitzerprivileg hat einen sehr realen Hintergrund und die Herren wissen ganz genau, was sie tun, wenn sie dieses Privileg mit Zähnen und Nägeln verteidigen. Welche enonnen Summen aber die Kanalisation erfordert, kann man bei- spielsweise daraus ersehen, daß ans der Tagesordnung der letzten Sitzung der Deputation für die städtische Kanalisation und Riesel- selber folgende Punkte standen: Erweiterung der Maichincnanlage auf Pumpstalion X 280000 M.. Vergrößerung der Krffelankagen in der Pumpstation I 117 000 M.. desgleichen in Pumpstation IX 183 000 M. und schließlich für Erneuerung der Druckrohrleilung der Radial- sysieme VHI und IX 1550 000 M., also über zwei Millionen Mark. ES wird daher ein„leichtes" sein, mit den Gründen, welche die HauSbesitzervercine in ihrer Pelition angegeben haben, die Ett höhiing der Kanalgebühr von l'/Z auf 2 Proz. durchzusetzen, oder� auch nicht. Mit Eis und Reif kündigte der hcraunahendc Winter in der- gangcncr Nacht sein Erscheinen an. Nachdem schon in der Nacht zum Sonntag die Temperatur bis auf 0 Grad gefallen war, sank sie in der vergangenen Nacht bis auf— 3 Grad und diese Kältj machte sich um so empfindlicher bemerkbar, als im Monat Oktober die Temperatur nicht ein einzige» Mal unter das Mittel von 0 Grad hcruntcrgcsunken war. Unter der Einwirkung des Frostes hatte sich auf den in den Straßen befindlichen Wasserlachen eine dünne Eisschicht gebildet und die fcstgcfrorenc Oberfläche der Felbel in der Umgebung war mit einer dichten weißen Reisschicht über« zogen, sodaß es aussah, als ob es geschneit hätte. Auf den Flüssen und Seen hatte allerdings noch keine Eisbildung angesetzt, weil die Temperatur des Wassers die für diese Jahreszeit noch ziemlich bedeutende Höhe von 8 bis 10 Grad aufweist. Die Fluten der Gewässer dürsten auch aus diesem Grunöc einem noch schärfercü Frost Widerstand entgegensetzen. Z» den Uutlrtuiuielliugzprojcktcn der Großen Berliner hat der bekannte Schnellbahnteckmikcr, der Rrgierungsrat Keman, ein ein- gehendes Gmochteit erslattet, in dem nachgewiesen wird, daß die Ausführung dieser Projekte, insbesondere die Untcrtiumelung der Leipzigerstraße, ans den verschiedensten Gründen nicht zu einpsehle» seien. Die Allgemeine Berliner OmnibuZ-Aktien-Gcsellschaft schreibt uns; „Nackden, die städtische BerkehrSdeputaiion den beantragten Pf.-- Tarif für Teilstrecken im PferdeomnibuSbetricbc abgelehnt bat, hat die Allgemeine Berliner Oninibus-Aklicn-Gesellschaft bereits jetzt bc- schloffen, den Berkehr von vier Pferdeonmibtlsliiiieil einzustellei! und sie dem königlichen Polizeipräsidium zum IS. Dezember 1907 aufgekündigt. Der Umfang weiterer BetriebSeinstellniigen wird von den Be- schlüffen der auf den 14. d. M. einberufenenen Generalversammlung abhängig sein." Demnach will die Gesellschaft nicht einmal den ehrlichen Versuch machen mit dem von der VcrkehrSdeputation gemachten Zugeständnis, 6 Pf. erheben zu dürfen, ein Zugeständnis, das eine imnierhin au- »ehmbare Dividende von 7 bis 8 Proz. de» Aktienkapitals in sich geschlossen hätte. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern vormittag in de» Wäschesabrik von Jacobi, Schillingstr. 12, zugetragen. Dort geriet die Plätterin Martha Becker mit der rechten Hand zwischen die Walzen der Wringmaschine. Bis zur Wurzel wurde die Hand zer- quetscht; die Aermste mußte nach einem Krankenhause gebracht werden. Wie uns berichtet wird, hätte das Unglück vermieden werben können, wenn genügende Schutzvorrichtungen vorhanden gewcseil wären. Ter Polizeipräsident gibt bekannt: Nachdem der hiesige Bezirksausschuß Abteilung II auf diesseitige Klage in seiner Sitzung am 1. Oktober 1907— II A. Nr. 290 07— in Gemäßheit dcS tz 142 Abs. 3 des ZuständigkeitsgesctzeS vom 1. August 1833 auf sofortige Schließung der Allgemeinen deutschen Kranken. Ver- sicherungskaffe zu Berlin lEingeschriebene Hülsskaffe Nr. 144) er- könnt hat, habe ich nach§ 30 des Hülfskassengesetzes vom 7. April 1876/1. Juni 1884 mit der Abwickelung der Geschäfte in diese« Kasse den P o l i z e i s e k r e t ä r und Kalkulator Bethgs Hierselbst als Liquidator beauftragt. Die Geschäftsstelle der All- gemeinen deutschen Kranken- Versicherungskasse befindet sich Berlin C. 25 Alexanderstraße 3/6, Zimmer 273, Kassenstundcn sind bis auf weiteres wöchentlich von 10— 12 Uhr. Für die Zeit nach dem Tage der Schließung der Kasse, 1. Oktober 1907, können nach§ 31 Absatz 3 des Hülfskassengesehes Unterstützungsansprüche nicht mehr geltend gemacht werden. Nach Absatz 1 des§ 81 besteht die Verpflichtung der Mitglieder zur Zahlung von Beiträgen noch insoweit, wie das Kaffenstatut sie für den Fall ihres Austritts aus der Kasse vorsieht.. Diese Beiträge werden von den Mitgliedern erforderlichenfallcs gerichtlich beigetrieben werden. Nach§ 5 Absatz 2 des Hülfskassengesetzes haftet den Kassengläubigern für d!« Verbindlichkeiten der Kasse nur das Vermögen der Kasse. Durch die mutige Tat eines 12jährigen Mädchens ist Sonntag mittag ein schwerer Unglücksfall verhütet worden. Gegen 2 Ilh« spielten an der Böschung dcS Spandauer Schissahrtskanalö in der Nähe von Plötzensee mehrere Kinder, wobei eins derselben, ein etwa bjährigcr Knabe, das Gleichgewicht verlierend in die Fluten stürzte. Als die Spielkameraden des Verunglückten dies sahen, liefen sie davon, ohne Hülfe herbeizuholen. Ein 12jährigc4 Mädchen hatte den Vorfall von der Saatwinkelcr Chaussee aus beobachtet; es lies eiligst die Böschung hinab, stieg in das Waffe» hinein, daS der Kleinen bis zur Brust ging und so gelang es ihr, den Knaben zu retten. Der Führer eines vorbeifahrenden Break» nahm die beiden Kinder, die glücklichcherweise ohne Schaden davon» gekommen waren, auf den Wagen und brachte sie zu einem Arzt in Plötzensee. von wo sie ihren elterlichen Wohnungen zugeführt werden konnten. Ueber die Entgleisung eines Eisenbahnzuges wird gestern amtlich gemeldet: Bon dem heute früh 2 Uhr 40 Minuten in den Bahnhof Trebbin einfahrenden Güterzug 7816 ist zwischen Ludwigs- fclde und Trefibin, anscheinend infolge HcrausfallenS eines Ballens, ein Wagen.entgleist und bis zum Dahnhos Trebbin neben den Schienen hergelaufen. Hierdurch wurden aus dem Bahnhof mehrcr« Wagen des Zuge» zur Entgleisung gebracht, wobei drei Wage« erheblich, die Gleise unerheblich beschädigt wurden. Personen sind nicht verletztt Der Verkehr wurde durch Benutzung der Nebengleiie aufrecht erhalten. Die Zugverspätungen auf. der Strecke Berlin- Halle waren gering. Das beschädigte Gleis dürfte um 2 Uhr wicde« fahrbar sein. Die gestohlenen Afrikaerinnerungen. Durch einen dreisten Diebstahl ist der Oberleutnant v. G. empfindlich geschädigt worden. Der Offizier war von Stettin nach Berlin verzogen und währen!? des Möbeltransportes würde eine große Kiste erbrochen und aus- geraubt. Vermutlich ist der Diebstahl auf dem Rangicrbahnhös Pankow verübt worden. Tie Kiste hatte einen Meter lang« Elefantenzähnc, einen Rohschweif mit Perlengriff, eine Tanz, maSkq, Ncgertuche und andere aus Afrika entstammende Gegen- stände enthalten, die einen ganz bedeutenden Wert besitzen.sollen. Ertrunkenes Schiffermädchen. Ein trauriger Vorgang hat sich vorgestern abend am Hümboldthafcn abgespielt. Dort liegt üugcn- blicklich der Schiffer Kriech mit seiner Zille vor Anker. Vorgestern abend wollte seine achtjähriger Tochter Helene, nach einer benach- borten Zille hinübergehen"und mit den Kindern des Besitzer? spielen. Als sie über das Verbindungsbrett schritt, glitt sie auS und stürzte ins Wasser. Ter Vater, der den Vorfall beobachtet hatte, machte sich sofort mit anderen Schiffern an die Rettung seines KindeS. Die Kleine war aber bereits unter dem Kahne verschwunden und alle Rettungsversuche erwiesen sich als nutzlos Nur noch als Leiche kpnnic das Kind geborgen werden. Tödlich verunglückt ist beim Absteigen von� einem fahrende« Straßenbahnwagen eine unbekannte etwa 13 Jahre alle Dame, die am Sonntag abend einen Straßenbahnzug der Linie 28(Britz- Daldorf) benutzt hqtte. Die Dame, die sich auf dem Motorwaggon befand, wollte ihn jn der Müllcrstraße an der Ecke der Türken« strahe verlassen und sprang von dem in voller Fahrt befindliche« Wagen hinab. Die Unbekannte blieb bewußtlos auf dem Straßen« Pflaster liegen und wurde nach dem Paul Gerhardt-Stift gebracht wo sie, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben. Montag früh infolge innerer Berietzungen verstarb. Die Personalien der Bcr« unglückten konnten bisher nicht festgestellt werden. Jn eigenartiger Weise ist gestern der Fischerbrücke 2 wohnendt Kaufmann Rccck schwer zu Schaden gekommen. Er wollte gegen 2 Uhr den Fahrdamm der Nürnbergerstraße überschreiten und hatte bereits die Straßenbahngleise gekreuzt, als eine Automobildrosch� kerangcscmst kam. R. blieb stehen, um den Kraftwagen vorbei fahren zu lassen, als dieser plötzlich nach links hiniibcrbog. Um dem Gefährt auszuweichen, ging der Kaufmann rückwärts nach dem Stragenbahngleis hinüber und lief so gegen die Vorderplattform eines in demselben Augenblick vorbeifahrenden Motorwagens der Ttraßenbahnlinie 6b. Er geriet unter die Vorderplattform, wurde eine Strecke mitgeschleift und blieb vor dem Schutzrahmcn liegen. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation Zoologischer Garten gebracht, wo man einen Bruch des linken Unterschenkels und innere Verletzungen feststellte, und von dort auf seinen Wunsch nach dem Srankcnhausc am Fricdrichshain übergeführt. Ein Automobilunfall, der ein junges Menschenleben gefordert hat, trug sich gestern in der Bergmannstrahe zu. Vor dem Hause Bcrgmannstrahe 14 hatten mehrere Kinder auf dem Bürgerftcig gespielt. Während des Spiels gesellte sich ein etwa zehnjähriger Knabe hinzu, den die anderen Kinder nicht kennen wollen. Als er beim Zcckspiel ausrücken wollte, rannte er auf den Fahrdamm und geriet an eine vorüverfahrendc Automobildroschkc heran. Er wurde unter den Kraftwagen gerissen und die Räder gingen ihm über die Brust hinweg. Das unglückliche Kind wurde derartig zugerichtet, dah es auf dem Transport nach dem Krankenhaus am Urban starb. Die Eltern konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Ter fremde Knabe war mit einem blauen Blusenanzug bekleidet. Grositr Einbruchsdiebstahl in ein Warenhaus. Ungewöhnlich schlanke Einbrecher müssen es gewesen sein, die in der Nacht zum Montag dem Warenhaus von Marctzki in der Fricdenstrahe 82 eine Visite abstatteten. Sie liehen sich abends auf dem Hofe des Grund- stückes cinsDiehen und zwängten sich dann zwischen den eisernen Fcnstergittcrn hindurch. Die Zwischenräume zwischen den ein- zclncn Eiscnstäben sind so geringe, dah es kaum für ein Kind möglich ist, sich hindurchzuarbeiten. Den Dieben gelang aber das Kunststück und ihr schweres Werk sollte denn auch reich belohnt werden. Unter den Beständen des Warenhauses suchten sie sich die wertvollsten aus und schafften sie ebenfalls durch die Eisengitter hindurch ins Freie. Pelze, Damenkostümc usw. im Gesamtwert von einigen tausend Mark fielen ihnen in die Hände. Um aus dem Warenhaus wieder herauszukommen, muhten die Einbrecher nochmals ihre geschmeidigen Körper durch die Hittcrstäbe hindurch- zwängen. Einen Kunstabend bot am Sonnabendabend die Berliner Ortsgruppe des Deutschen Arbeiter-Abstinenten- B u n d e s ihren Anhängern im Gewerkschaftshause. Dah man ohne Alkohol Feste feiern und fröhlich sein kann, bewies dieser Kunstabend aufs beste. Daß Kunstabcnde ohne Trinken, Rauchen, Esten vor sich gehen sollten, werden auch Leute, die nicht eingeschworeue Abstinenten sind, zugestehen und wünschen. Die Aufnahmefähigkeit für Kunstgenüsse wächst zweifellos damit und die störenden Ab- lenkungen fallen weg. Genosse Heinrich Schulz wie» in seiner Festrede mit Genua- tuung auf die Resolution des Essener Parteitages hin, auf dem die Sozialdemokratie sich als wahrhafte und einzige Kulturpartei bewährt hat. Er begrüßte Wurm» Referat, wenn er auch als Abstinent nicht mit allem einverstanden war, als einen erfreulichen Fortschritt und nahm das Verdienst der Anregung und Beschleunigung in diesem Kampfe für die abstinente Bewegung in Anspruch. Die sozial- demokratische Abstinenz will in erster und einziger Linie sozial- demokratisch sein. Sie kennt ihre Schranken, aber auch ihre die Wege zum Ziel abkürzenden Möglichkeiten. Sie will die Kampf- fähigkeit erhöhen, den Nebel des Alkohols vertreiben und der Nevolutionierung der Köpfe die Wege ebnen. Damit sollen aber auch Fröhlichkeit, Rausche und Gehobenheit der Seele nicht dervannt sein. Nur nicht dein Alkohol, der immer den faden Nachgeschmack im Gefolge hat, sollen sie verdankt sein. Den Kopf hoch, die Sinne rein und das Reich der Freiheit und Gerechtigkeit vor Augen— so soll der abstinente Arbeiter kämpfen und siegen. Chor- und Einzelgesang sowie Rezitation umrahmtei, diese von Herzen kommenden Worte, und die Freude au den Gaben des Abends bewies, daß die Zuhörerschaft keiner auderei» Stimulantia bedurfte, als der der Kunst. Der Berliner Vo lköchor unter der sichere» Leitung seines Dirigenten Dr. Zander gewährte unS erlesene Genüsse. Reu einstudiert war Schumanns romantisches „Zigeunerleben", aus dem ftüheren Repertoire hörten wir „Mirjams SiegeSgesang° in Schuberts festlichfroher Vertonung und die„Loreley" von Mendelssohn. Der exakte Vortrag, das gut ge- schulte Stimmenmaterial bewährten sich in gewohnter Weise. Die Soli sang Frl. B i s ch o f f mit einem anmutig frischen Sopran, der auch in Liedern von Schumann sowie in einigen Volksliedern Innigkeit und Reinheit zeigte. Starkes Empfinden und dramatische EharakterisierungSgabe offenbarte Frau Elsa Kühne in ihren Rezitationen. Robert Seidels Prolog„Trunken sollt ihr sein', Ada R e g r i s kraftvolles Gedicht„Gebt Raum", H o o d s ergreifendes Lied vom Hemde, Goethes„Promciheuü" seien aus ihrem allzu reichen Programm erwähnt. Etwas weniger wäre mehr gewesen. Und in all' dem Ernsten, Schweren, hätte eine fröhliche Note mehr Abwechselung gewährt. War so der edlere Mensch aufs beste versorgt, so sollte bei künftigen Veranstaltungen auch dem körperlichen mehr Ansmerksam- keit geividmet werden. Die Abstinenzbewegung kann nur gewinnen, wenn für mundgerechte und nicht zu teuere Ersatzaetränke gesorgt lvird. Außer Bilzbrause und Apfelsprudel sollten m Zukunft auch Tee aus dem Samowar und vor allem natürliche Fruchtwässer, Obst und dergl. geboten werden. Ein Paket ist am 1. November im Stadtbahnzugc, der 7 Uhr �Minuten morgens von Rummclsburg abging, verwechselt worden. Das eine enthielt Lcderstückchcn, das andere eine Maurcrhosc, beide waren im„Vorwärts" eingehüllt. Der Umtausch kann bei A. Ullrich. Neu-Lichtenberg, Augustastrahe 29. erfolgen. Gesperrt. Die Oberwallstrahe zwischen der Jägerstrahc und kcm Hausvoigteiplatze wird wegen des Umbaues eines Notauslaß- tanals sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Spvrtpark Steglitz. Zum letztenmal in diesem Jahre öffnete die Rennbahn ihre Pforten und der klare, aber kühle Herbsttag trug dazu bei, daß mehrere Tausend Personen die Bahn umsäumt hielte» und den Kämpfen auf dem Zement mit Spannung folgten. Acht deutsche Fahrer stellten sich dem Starter, um in je zwei 69 Kilo- mcter-Rennen ihre Kräfte zu mcffen. Jedes Reimen war in zwei Läufe über 29 und 49 Kilometer eingeteilt und«varen R o b l und llliauß die Helden des Tage?. Im ersten Rennen 0599. 1299, 1000 und 800 M.) starteten Demke, Huber. Mauß und Stell- brink. In den beide» Läufen blieb Mauß Sieger, der die Strecke 's» 45 Min. 51"/, Sek. ziirücklegte; 3. Stellbrink 63,360 Kilometer: 3. Hrnber 53,180 Kilometer; 4. Demke 52,950 Kilometer. Mauß zog in überlegener Weise seinen Gegnern von dünnen, die ihm keinen Widerstand leisten konnten. Hubcr fuhr zeit- iveilig sehr gut. konnte aber den großen Verlust nicht einholen, den er durch das Versagen seines Motors erlitten. Demke und Ttellbrink machten sich wechselseitig den Vorrang streitig.— TaS zweite Nennen vereinigte Przyrcmbel. Robl. «alzmann und Sch'pke am Start. Hier blieb Robl siegreich, der in 46 Minuten 03'/z Sekunden das Reimen beendete. 2. Przyrcmbel 00.260 Kilometer; 3. Salzmann 64,300 Kilometer: 4. Schipke o2 Kilometer. Im ersten Lauf verdankte Robl seinen Sieg dem Mißgeschick von Przhrembel. der bis kurz vor Schluß die Führung kiatte, sein Motor ouTsehte und er den Mnnchener vorüderziehen lassen mußte. Salznlann kam durch Versagen seiner Führung»veit zurück, wahrend Schipke nur mittelmäßig fuhr. Im zlveiten Lauf hatte vis zum 10. Kilometer Salzmann die Spitze, wurde dann von Robl abgelöst, der ohne Anstrengung das Rennen gewann. Salz- inann hielt lange Zeit stand, während die anderen beiden Teilnehmer sich nicht rühmlich hervortaten. Das Endergebnis zeigte, daß R a n ß der beste Fahrer im Felde war. ... Fcucrwchrbcricht. In der Nacht zum Montag kam ein gefähr- licher Brand in der Landsbergerstr. 11 angeblich durch Unvorsichtig- keit zmn Ausbruch. Bei Aiiluntt der Wehr brannten dort Betten, Möbel u. a. lieber einem Steckleitergang drang die Wehr ii» die verqualmte Wohiimig ein und löschte die Flammen mit einer Slvlanchleiiung ab. Wegen eines Kinematographenbrandes wurde der 16. Zug nach der Chansteestr. 77 alarmiert. Films waren dort i» Brand geraten. Ein größerer Stubenbrand beschäftigte-die Wehr in der Bredowstraßc 1. Der 16. Zug hatte dort tiiwtig zu tun. Gestern früh um 6 llhr stand vor dem Hause Kronenstr. 14 ein Benzinauiomobil in Flammen und um Mitternacht brannte auf dem Hofe Bredvtvstr. 1 eine Matratze u. a. Etwas später mußte in der Goykowskystr. 11 ein Kellerbrand gelöscht werden. In der Groß-Görschenstr. 34 wurden Gardinen ein Raub der Flammen nud Groß-Göischenstr. 49 brannten Swaldecken. Ferner hatte die Feuer- wehr noch Brandenburgstr. 6, Frankfurter Allee 117, Invaliden- straße 114. wo eine Frau im Sterben lag, Gräfestr, 15/17 und anderen Stellen zu tun. Vorort- I�AcKrieKten. Zur Stlidtverorducteuwahl in Charlottenburg. Mit verdoppeltem Eifer benutzen die bürgerlichen Parteien, die „Liberalen" und„Unpolitischen", die letzten Tage vor der Wahl, um für sich zu retten, was noch zu retten ist. Alle Register ödester Wahlmacherei werden gezogen. Beide Parteien sind äußerst arm an Erfolgen praktischer Tätigkeit, mit denen sie jetzt die Wähler von dem Ernst der vor den Wahlen aufgestellten schönen Forderungen überzeugen könnten. Deshalb bleibt ihnen nichts weiter übrig, als in persönliche Streitereien, Anholzungen und unsachlichen Anrempc- lungen sich zu ergehen. Dazu kommt, daß die»Unpolitischen" auf die»Liberalen" und diese wieder auf jene ungemein giftig sind. Für die guten Leute bandelt cS sich darum, daß keine Partei der anderen den größeren Platz an der kommunalen Futter trippe gönnt. Und in diesem Haß fahren sich die feindlichen Brüder so in die Haare, daß es dem Beschauer Lache» und Abscheu zu gleicher Zeit abnötigt. Die»Unpolitischen" nennen die„Libe ralen" eine„Clique, die in demagogischer Weise" mit ihrem Libero- lismuS krebsen geht. Und sie behaupten— sich stützend auf eine Auslassung des eigenen Blattes der„Liberalen",— daß diese bereit gewesen seien, Millionen zur Förderung privater Jntercffen her- zugeben.—- Die„Liberalen" dagegen, die weder ein festes Pro- gramm noch sonstige Grundsätze, aber eine recht zweifelhafte Ver- gangenheit haben, können nicht anders, sie schimpfen wieder. Sie reißen die Kandidaten der„Unpolitischen" persönlich herunter. Ueberbaupt sind die„Liberalen" in der Skrupellosigkeit der Mittel zur Bekämpfung der Gegner allen anderen Parteien weit voraus. Das beweist auch ein besonderes Flugblatt, welches im 7. Bezirk von den„Liberalen" verbreitet wurde. In jenem Bezirk kandidiert Genosse Hirsch, desien Mandat noch bis 1999 läuft. Die „Liberalen" benutzen diesen Umstand, um den Wählern vorzureden, Hirsch könne im Falle einer Wahl gar nicht das Mandat annehmen und die Wähler müßten noch einmal wählen. Das aber fei eine „sozialdemokratische Rücksichtslosigkeit", der die Wähler dadurch be- gegnen sollten, daß sie für den„liberalen" Kandidaten stimmen und sich von den Sozialdemokraten nicht„kommandieren" lassen sollten. Das ist natürlich die Demagogie auf die Spitze getrieben, denn die Flugblattverfasser wissen genau, daß wenn unser Genosse im 7. Bezirk geivählt würde, er auch dieses Mandat annimmt und dafür das im I. Bezirk niederlegen würde. Das wissen und müssen die Herren v. Liszt, Kaufmann, Jolenberg und Spiegel, die jenen Flug- wisch unterzeichneten, ganz genau wissen. Sie, die Hauptlenchten dcS Freisinns, können solche Unkenntnis nicht mimen, sie können den guten Glauben für solche demagogischen Finten nicht für sich rekla- mieren. Aber wie traurig muß es um eine Partei bestellt sein, deren erste Kräfte solche windige Wahlmache treiben!? Und man denke, Herr Prof. v. LiSzt, ei» Mann der Wissenschaft mit einem Weltruf, Herr Kaufmann, der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher, sind dabei!— Was soll man da von den unteren Geistern de? Liberalismus" verlangen. Von jenen Gelegeiihcitspolitikern, geistigen Kleinkrämern und mir mit Schere und Kleistcrtopf„arbeitenden" Redakteuren? Und dieser„Liberalismus" glaubt noch immer eine Mission zu haben? Die Arbeiterschaft CharlottcnburgS möge am 6. November diesen Wahn der„liberalen" Männer gründlich zerstören. Durch eifrige, emsige Arbeit jedes einzelnen m u ß der Sieg unser werden. Darum, Genoffe», beteiligt Euch nach Kräften an der Wahlarbeiß In erster Linie mögen alle, die ein Fahrrad besitzen, zum wenigsten von Mittag ab zur Mitarbeit bereit sein. Die Wahl findet morgen statt und zwar von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr abends. Auch die jetzt außerhalb Wohnenden find noch zur Teilnahme an der Wahl berechtigt, sofern sie noch kein volle? Jahr auswärts wohnen. Die Genosicu dürfen ebenfalls ihr Wahlrecht nicht versäumen, sonder», wenn cS ihre Zeit irgendwie erlaubt, sollten auch sie sich zur Mitarbeit am Wahltage zur Ver- fügung stellen. Wenn jeder au seinein Posten ist, müssen wir siegen. Die Wahlburcans befinden sich an folgenden Stellen: Gruppe L Hennig, Rehringstr. 3a. Ecke Christstraße. Ehrhardt, Knobelsdorffstr. 69. 1. Volkshaus, Rosiueiistr. 3 sZentral-Bureau). 2. Knill, OSnabrückerstr. 30. 3. FelSmaun. Reuchlinstr. 6. 1. Päpke. Kaiser Friedrichstr. 91. . 2. Schulz. Wallsir. 99. Linde, Sesenhcimersir. 11. Mertens, Krliinmestr. 43. Pnll. Grolmannstr. 69, Ecke Goethestraße. Weisheit, Ncttclbeckstr. 11. Zcntral-Wahlburcau: Volkshans, Charlottenbnrg, Rosinenstr. 3. Telephon: Amt Charloticnburg, 1696. Nachstehend bringen wir die Wahlbezirke mit Wahllokalen und die Namen unserer Kandidaten: 1. Bezirk. Wahllokale- für den ZlbstiinmungSbezirl A Restaurant Moritz, Ahorn- Allee 1: für den Abstlmmiingsbezirl B Holienzollern- Rcstaurant; Schloßstr. 3, Ecke Maqazinstr. 19; sür den AbstimlmiiigSbezirt 0 TriefelhauS Salon, Sophie Tharlottenstr. 94. Kandidaten: Sladwerordnetcr Mickler und Kassenbeamter Her- man» Jakob. 2. Bezirk. Wahllokale: sür den AbslimmlingSbezirk � Turnhalle der Obencalschule, Schloißlr. 27; sür den Abslin-mnnqsbcziil B Restaurant Tragebeim. Sophie Charloliciistr. LS, Ecke PoiSdaincrstraßc; für den Ab- stinuuungSbczirk C Restaurant„Zum Landsknecht', Lconhardtstr. 22, Ecke Friedbergstraße. Kandidat: Maurer Emil Lehman«. 3. Bezirk. Wahllokal- sm den AbstimmunqSbezirk A Turnhalle der Geinelndctchnle V, Kaiserin Augnsla-Allee 4a; sür den SlbstiinmungS, bezirk B Restaurant Hirsch. Englischeslr. 26; für den Abstimniungsdezlrt 0 Logeurestaurant. Bcrlinerstr. 61, Eingang Kirchhosstratze; sür den S!b- stinmiuiigsbezirl v Restaurant Stolla, Kaiserin Aunusta-Allee LS, Ecke Reuchlinstr. t. Kandidaten: Stadtverordiictcr Liebe und GewerkschastS- bcamtcr August Gebert. 4. Bezirk. Wahllokale! sür den AbstimmungSbezirk A Saal der Klosterbrauerci, Wallstr. St: für den Abstiinmungsbczirk B Logen-Restaurant, Kaiser- Friedrichstr. 87; sür den Abstimmimgsbezirt C Restaurant Bohne, Grunstr. g,io. E-ie Kirchstr. R>. Kandidaten: Redakteur Frist Zietsch und Mechaniker Alfred Wilk 5. Bezirk. Wahllokale: sür den Abstimniungsbezirk A Turnhalle ier Gcmeindeschule XIII, Pestalozzistr. 40; sür den AbstimuningSbczirl B Turnhalle de» NcalgymnasiumZ, Schillerstr. 27/32. Kandidaten: Stadwcrordneter Scharnbcrg und Kastenbeamler Otto Flcmming. II. m. IV. V. VI. VII. Vlll. K. Bezirk. Wahllokale: für den WstiminmigShezirk A Rcstauram Schmidt, Kantstr. 6»: für de» AbstiininuiigSbeziri B Restaurant Kretz, Wielandstr. 46; für den AbstimmliNgSbezirk C Turnhalle der Kaiser Friedrichschule. Knesebeckstr. 25. Kandidat: Stadtverordneter Karl Jander. 7. Bezirk. Wahllokale: sür den Abslimniuiigsbezirk A Restaurant Hippodrom, Hardenbergstr. 42 1 jür den Abstimmuiigsbezirk B Restanrank Leibnizsüle, Leibnizstr. 33. Kandidat: Stadtverordneter Paul Hirsch. 8. Bezirk. Wahllokale: sür den AvstimmungSbezirk A Restaurant Fischer, Lutberftr. 11; sür den AbstimimingSbezirl B Restaurant Gerde?, AiigSdurgcrslr. 88, Ecke Marburgeistrabe. Kandidat: Stadtverordiietcr Paul Hirsch. Steglitz. Der Schutzmann als— Hebamme. In eine recht eigenartige Situation kam gestern ein Polizeibeamtcr in Steglitz. Als er auf seinem Patrouilleiigange durch die Kurfürstenstraße schritt, vernahm er ein leiscS Wimmern von Menschenslinimen. Näher binzntretend gewahrte er ein seltsames Bild. Ein junges Mädchen hatte plötzlich mitten aus der Straße einen Erdenbürger zur Welt gebracht und es saß mit dem Säugling auf dem Arme auf dem Erdboden. Der Beamte»ahm sich der Wöchnerin und ihres Kindes sofort an. Er barg den ftierendm Säugling unter seinem Mantel und brachte ihn mitsamt der Mutter in einer Droschke nach dem Groß-Lichterfelder KrciskrankcnhauS. Lichtenberg. „Wie stellen sich die Gastwirte zu den bevorstehenden Stadt- verordiictenwahlen?" lautete das Thema, das Genosse Litfin in einer von der Ortsverwaltung Lichtenberg des Verbandes Freier Gast- nnd Schankwirte einberufenen Versammlung behandeltc. In ausführlicher Weise lvieS der Referent auf das Bestreben der Kom» rnune hin. die Lage der Gastwirte durch die verschiedensten Sonder- steuern zu verschlechtern. Auch zeigte der Referent, unter welcherlei polizeilichen Schikanen die Gastwirte zu leiden hätten. Die Ans- siihrunge» deS Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Genosse Tempel zeigte alSdann noch, wie wenig eS sich mit der Politik der Gastwirte vertragen könne, ivenn diese nicht nur biirger- lichen Vereinen angehören, sondern auch deren politische Bestrebungen unterstützten. Pflicht eines jeden müsse eS sein, sich der modernen Arbeiterbewegung anzuschließen und in deren Sinne tätig zu sein. Zossen. Die Stadtverordnetenwahlcn für die dritte Wählerllaffe findet! am Freitag, den 3. November, von 11 bis 2 Uhr nachmittags im hiesigen Rathause, Zimmer Nr. 1, statt. Kandidaten der Sozial- demokratie sind die Genossen BauhülfSarbeiter Bernhard Schulze und Schlosser Adolf Vogt. Nütze noch jeder die kurze Zeit aus, um für unsere Kandidaten zu agitieren. Auch loe> den die Berliner Genoffen ersucht, sobald sie mit Zosscncr Arbeitern zusainmen arbeiten, dieselben auf ihre Pflicht anfinerksam zu machen. Weiftensee. Auf zur Wahl! Heute von 6 bis 8 Uhr findet in EnderS F e st s a a l Gemeindevcrireterwahl statt. Die Berliner Partei- genossen wollen ihre Weißensccr ArbeitSkaincraden auf diese Wahl aufmerksam machen. Nur wenn alle Mann erscheinen, ist der Sieg unser. Notvatves- Neuendorf. Heute abend von 8—10 Uhr finden im Lokale de? Herrn Schmidt, Friedrichstraße, die Ersatzwahlen von vier Ver- tretern zur Generalversammlung der hiesigen Ortskrankenkasse statt. Wir ersuchen alle wahlberechtigten Kassenmitglicdcr, die in den freien Gewerkschaften organisiert siud, sowie die selbstversicherten Mitglieder, nainentlich die Frauen, ihr Wahlrecht ausznüben, und ihre Stimme den vom Geiverkschafts- kartell aufgestellte» Kandidaten zu geben. Wahlberechtigt ist jedes männliche und weibliche Kassenmitglied, welches das 21. Lebensjahr vollendet hat. Als Legitimation gilt das Ouittungsbuch oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers. Wir erwarten, daß die Genossen eine rege Agitation entfalten, damit die Lifte deS GewerkschastS- kartells mit möglichst großer Stimmenzahl gewählt wird. Das GcwerkschaftSkartell. Spandau. Auf zur Stadtverordnetenwahl. Am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch finden in der dritten Abteilung die Stadtverordnetenwahlen statt. Gewählt wird heute im 2., 3„ 6., 7. und 8. Bezirk. In diesen Bezirken werden fünf Stadtverordnete in der ErgänzungSwahl gewählt, während der 3. und 5. Bezirk morgen Mittwoch in der Nemvahl je einen Stadtverordneten zu wählen haben. Wer nicht will, daß diese Bezirke durch bürgerliche Kandidaten im Stadtparlament vertreten werden sollen, der sei heute und morgen tätig und trete für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten ein. Wer dieser Tage die Anstrengungen der Gegner zu beobachten Gelegen- hcit genommen hat, wird sich bewußt sein, daß eS der größten Anstrengungen bedarf, um unsere Kandidaten diirchzubringeu. Die Spandauer Arbeiterschaft hat im ReichStagSlvahlkampf be- wiesen, daß sie die Gegner niederringen kann, sie muß eS auch heute und morgen tun. Die dritte Wählerabteilung muß von der Sozialdemokratie erobert werden, weil diese die Jnteressenvertreterin der werktätigen Bevölkerung ist. Die Wahlzeit an beiden Tagen ist von 10 bist II hr vormittags und von 5bis8 Uhrabends. Bei den am 6. November stattfindenden Ergänzungswahlen sind folgende Genossen als Kandidaten aufgestellt: II. Bezirk: Nonnen« danrm: Fritz B ö h l e; HI. Bezirk: E r n st H o r n i g; VI. Bezirk: August Beiler; VII. Bezirk: Friedrich Götze und VIII. Bezirk: Wilhelm Pieper. Bei den am 6. Novcmber stattfindenden Nenivahlen steht im III. Bezirk der Genoffe Robert P i e s e r und im V. Bezirk der Genoffe Friedrich Götze zur Wahl. Tue jeder seine Pflicht, so wird die Sozialdemokratie Spandaus auf neue Siege zurückblicken löimeu. eingegangene DmcUrcbiiften. von der„Neuen Zeit- �Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da» 5. Hell deS 26. Jahrgangs erschienen. Inhalt: Der Prozeß Moltkc-Harden. — Der deulschc Imperialismus und die innere Politik. Von Karl Emil. — Lohil« und Arbeitsverhältnisse im HauSdiencrberus. Von Wilhelm Kimmritz.— Zu dem Entwurf eines Gesetze» über die Hülsskassen. Vo» Gmlav Hoch.— Literarische Rundschau: Franz Zieglcr, Landwehrmann K-ille. Von Hermann Wendel. H. M. Hyndman, Iiis unrsob in luckia. Bon K. K. „In freien Stnndeu". Jllüstrierte RomanbWothek sür das Volk- Verlag: Buchhandlling Vorwärts, Berlin L1V. 68. Preis der wöchentlich «rjcheinenden Heste a 10 Pf.— 12 Heller— 16 CtS. ßriefhaften der Cxpeäitlon. Einem Teil unserer Abonnenten konnte am Sonntag die„Neue Welt" nicht ausgeliesert werden, da die Auflage-de»„Vorwärts" über Er. warten stark gestiegen ist. so daß die vorgedruckte Anflage der„Neuen Welt" nicht ausreichte. Wir veranstalten einen Nachdruck der Nummer 44 der „Neuen Welt" und wird diese Nummer am DonnerZkag den Abonneiiien zugestellt werden._________ Wetter-Prognose für Dienstag, den 3. November IVO?. Trocken und zunächst meist heiter, nachts leichter Frost, am Tage etwal wälmcr bei Irischen iudösUichen Wind« und langsain zunehmender Be« SoziaUeMokratisebe Wtareine_ ZZ. und 4|. KomfflUMl-ffaWbezirk. für den 3. n. 4. Berliner Beicbstagsivahlkreis. Dienstag, den 5. November 1907, abends 8'/z Uhr: Imi öffentliche Komlnililalivöhler-Vechiiimlnilge». Tagesordnung: „Vor der Entscheidung." Kür den 11. und 13. Dezirk" T"' Referenten sind die Stadtvv. L. Voixt und R Zubcü. Kür den 33. und 33. Kezirk in SSÄf Referent ist der Stadtv. ttuxo Hehnatm. _ Zu zahlreichen! Besuch laden ein_(2Gilb*)__ Tic Vorstände. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. pr- Oeffentliehe Kommunalwählerocrsammlungen „Cm letztes Alort an die Mäkler." Dienstag, den s. November, abends 8V2 Uhr: 99 99 99 99 99 für den BÄ. 86, 44, 45, „ 48. Referenten sind die Stadtverordneten: Wurm. Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ Bezirk bei Henkel, Jnvalidenstr. la, im Swinemünder Gesellschafis!iaus,mö?Ä:42 Patzenhof. Itrauerel, Tlmustr. 26, im Moabiter Kasino, Msimckerstr. 63, bei Paiisebniieiier, Badstr. 16. Dr. Arons, Ritter, Schubert, Dr. Wehl, 2K7/1S» vkl» Vsa-atsiaU Zentral-Verband der Maurer Deutschlands. Zwelgvcrcln Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag, den 8. Navember, nbends 8 Uhr, im Gemerbsdinftshaus, Engkl-Ufer 15 großer Saal: ffeiieral-VerzammImz. ,7 tl 0 � 5� 1' d 17 It 77? ageZ-Ordnung: I. Mrechnung vom dritten Onarlal 1907. 2. Abrechnung von der Lohnbewegung. 3. Verbands- angelegenheiten. 210/3» ---------------- Mitgliedsbuch legitimiert, ohue dasselbe kein Zutritt.------------ Um zahlreiches und pünktliches Ericheinen ersucht Der Äektionsvorstand. MB. Die Gruppenversanunlungen fallen im Monat November auZ. D. O. OeMcIlös holigsdsitef-VölKgiffl. Zahlstelle Schoneberg. Donnerstag, den 7. November IS07, abends 81/« Uhr: JRitalieder'Versammlung in Obst' Festsälen. Mciningerstrafte 8. Tages-Ordnung: I. Vortrag de? Genossen llsuarii voenatoin über:„Der preußische Landtag und die Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 37/9 gMr- Gäste und Frauen haben Zutritt.-WO Es ist Pflicht eineS jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen._ Ble Ortnverwaltnng. -(ANZLEHRER VERiSvBAIII) 5 u.�- Tanzlehrer-Verband „Solidarität" SZ..7 Freitag, den 8. November- Monat!- Versammlung im Lolale von Meyer. Oranienstr. 103. Erscheinen aller Kollegen notwendig.' B«r Vorntand. 299/6 S. A.: Richard Heinrich, Wrangelstr. 107. iehtmmi jilempner! Äektung! Mittwoch, den 6. November, abends 8'/, Uhr. im Engll,el,en Garten, Nlexanderstr. 37c: j/ar Versammlung"Wä aller bei Bnnungsmeistem beschäftigten Rehülfen. TageS-Ordnung: Neuwahl des Gesellen-Ausschusses. bl.L. DaS Erscheinen aller Kollegen ist dringend notwendig. Z079b»_ Der«esellenausschnft. JA.:». 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Illustrierter Neue Welt-Kalender für das Jahr 1908 32. Jahrgang ü V v Anhalts-Verzeichnis: •alenvartum.— Postwesen.— Be» achtenswerte Adressen.— Ltatistisches. —«üctvlick.- Messen n. Sllärtie. — Im Kreislauf des Lahres.— Pah» rungSmtttclversSischung n. Volks» »rixiyrnng. Bon Emanuel Wurm.— Die Saiten meiner Laute. Gedicht von FredMeyer-Balte.- DerSlorwcger. Erzählung von Wilhelm Echäser Imit Jilusiratione»).— Bor dem Streit. Ge» dicht(mit Illustration).— gn einer kleinen Gemeinde, von l>r. Albert Südekum.— Winterwanderung. Ge» dicht von E. Preczang.— Rcvolu» tionen in der ardriud«. Bou Dt. Bruno Borchardt lmtt Illustrationen). — Sprüche.— Die spran im alte» Rechie. Bon Alwin Abs.— Sklaven» 'öS. Gedicht von Hans Hart.— Sine merkwürdige Lonnensinsternid. Bon Felix Linke(mit Illustrationen). — Goldene Worte. � Die Kompott» schüssel. Eine Rentciigelchichte von Eduard Sräs(mit Jllustrat.).— Zur Praxis der soxtaltstilche» Kinder» «rziehung. Bon Scinrich Schulz.— Au« meiner Londoner Zeit. Er» tnnerungen von F. g. Ehrhart(mit PortraiiS).— Unser Los. Gedicht von Ludwig Lesse».— Einiges aus der «ewerde. Hygiene. Bo» vr.R.Sil» bersicin smil Illustrationc»).- Mein Lied. Gedicht vo» Karl Pctcrffon.— Unsere Toten(m. Portrait«).— g-lte» t-nd« Blätter.- Ein saurer Tag.— ür unsere Rätsellöser.— Trächtig» keitS» und Brütekalender. Hierzu vier Bilder: Wasterträgcrin— Am Sonntag~ Derlorcuer Streik— Steiuschieber. Auzerdcm ein Bier» sarbendruck aus Kunstdrulkpapter: Wahldebatte im Dorfkrug.— Ein Wandkalender. Preis: 40 Pfennig Bei Einzelbezug bitten wir um Sin» sendung de« Betrage« nebst 10 Psg. in d e u t s ch e n Briefmarken sür Porto ZW üroJSartigste für den ehristbaum! AllcS ist entzückt von dein wunderbaren Reiz und überwältigend«, Effekt. Ucbcririsst alles bisher Dagewesene l ,»«»„7 Nicht zu verwechseln mit den 0*R!ST«Vll0Ig ItC.ll.• bisbcrig. Christbaumgclaulenl Gesetzlich geschützt. Nach achtiägigcr Probe zahlen noch Betrag retour. , Selbsttätig sich dreh. 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