Ur. AW. BbonMiwnfS'Bfdinsungtn: «Bomicmtntä< Preis prünilmer-mdo» BterreljShrl. S,M Mi.. Mona», l.lo Mi, wöcheiUIich 28 Psg. frei inS HauZ. Einzelne Swouner S Pfg. Eonmag?. numvier mil Auftrierter Sormtaa*. Beilage„Die Neu» Welt' 10 Pfg. Pafi. Abonnement: l.l0 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post. ZeitunaS. Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich• Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. BoftadonnnnentS nehmen an: Belgiern Dünemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumümen. Schweden und die Schweiz. CrfMat tlg»»»aller ffientaj«. 24. Jahrg. Vevlinev VolKsblakk. Sie fnlertlonz-eedahk betrügt für die sechsgespaltene Kolon» zeiie Oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschafiliche Vereins- und BersammiungS-Anzeigcn 30 Pfg. „Aletne Hnztkgen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes wciiere Wort lO Pfg. Etellengefuchc und Schlaf- ftcllen-Anzeigen das erste Wort lO Pfg., jedes weitere Wort- Pfg. Worte über lS Buchstaben zahlen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis Ii Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „SoilaldemoKrjt Berlin'*. Zentralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlandd. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Nmt lV. Nr. 1083. 100000 Arbeiter— b»'!- Millionen Mark Keingwinn. Den Lesern gaben in den letzten Wochen die Geschäfts ergebnisse industrieller Gesellschafteil Kunde von der Segens- fülle der guten Konjunktur für die Dividenden empfang er. Schon das Vorjahr ließ einen mächtigen Goldstrom in ihre Taschen fließen. Wurden doch im Jahre 1905 nach den Zusammenstellungen des Preußischen Statistischen Amts von 2196 Aktiengesellschaften mit 6786� Millionen Mark Aktienkapital nicht weniger als 821469999 M. Reingewinn erzielt. Demnach stellt sich die Durchschnittsverzinsung auf 11,6 Proz.! Für das Jahr 1906 und 1906/07 haben die Papierinhaber noch viel reichere Ernte gehalten; märchen- haste Gewinne wurden aus der produktiven Arbeit heraus- geholt, und die soziale Lage der ohnehin durchgängig schwer- reichen Dividenden- und Tantiemenempfänger hat sich ganz entschieden gebessert. Daß sie wirklich gute, sehr gute Kon- junktur hatten, daß sie Riesenvermögen erivarben, die andere erarbeitet haben, für die taufende andere Ge- sundheit. Blut und Leben opferten, die bei Ueberzeitarbcit auf Lebensgenuß und Familienleben verzichten mußten, dafür zeugen folgende Angaben aus den Geschäftsberichten einiger großindustrieller Unternehmen. Danach betrug bei der das.. der Reingewinne Aktien- qJ, Proz. pro kapital v' überhaupt des Ar- i» 1000 Akt.- beircr M. M. Kap. M. 10 200 7 091 4 373 642 43 11500 7 045 3 675 359 32 90000 0 856 5 771937 18'/3 83 000 6 717 4 824 573 14'/. 8 500 3 036 2 120 285 25 30 000 9 335 4 777 417 16 20 500 4 205 6 270 121 30'/, 15 000 8 262 4 480 690 30 27 028 7 061 5 060 437 18'/, 16 000 3 628 5157 272 82 100 000 30 944 17 903 039 18 UN Gesellschaft Geschnfts- jahr Schalker Gruben 1906 Aallleiier Hütten 1006 Nordstern... 190« Nombacher Hütte 1006/07 Essener Bergwerk 1906 Rh. Sialilwerke. 1906,-07 Auincy Friede Hoesch A-G.. Härder Verein Konsolidation Phönix.. 1906/07 1906 07 1905 06 1905 1906/07 617 521 585 717 701 512 1468 543 636 916 578 insgesamt 201728 100 070«1420 794 22 644 Es haben also 100070 Arbeiter 64 429 794 M. Rein- gewinn für die Aktionäre erarbeitet, jeder Arbeiter im Durchschllitt 644 M.— in einem einzigen Jahre! Allerdings werden die gesamten Summen nicht sofort— an Dividcilde, Tantiemen und Gratifikationen— verteilt. Die Unternehmer legen von dem überreichen Segen, etwas für schlechtere Zeiten zurück, viele Millionen verschwinden als Reservefonds. Das sind die Sparbüchsen der Dividenden- schlucker. Wenn der Schrecken der Krise über die Arbeiter hereinbricht, dann können die Papierinhaber aus diesen Fonds zehren. Taufende von denen jedoch, die solche Reichtümer erarbeiten halfen, irren dann hungernd, frierend, an allem Mangel leidend, auf der Landstraße llmhcr. Die Werteschaffer fliegen hinaus, sie werden entlassen, wenn die Arbeit nach- läßt, der Spartopf ist nur für die Papierbesitzer. Man ist dabei auch noch im Irrtum befangen, wenn man annimmt, in den obigen Zahlen sei der ganze aus der Quelle der Arbeit geflossene Reingewinn enthalten. Die Unternehmer suchen die wirklichen Ueberschüsse niöglichst zu verschleiern. Die Abschieblingen zu den verschiedenen Reserve- fondS sind aus den Geschäftsabschlüssen zil ersehen. Geivöhnlich wird aber gar nicht nachgciviescn, welche Beträge auS den Betriebsgeivinncn entnommen und für Neu anlagen verwendet werden. Die Gesellschaften vergrößern beständig ihr Vermögen, indem sie einen Teil des Reingewinnes nicht auszahlim, sondern für Neuanlagcn vcrivenden. Als Jllustrarionsprobe für dieses Geschäftsgebaren seien folgende Zahlen angeführt: die Harpencr Bergbaiigcscllschaft hat in der Zeit von 1900/01 bis 1906/07 ihr Aktienkapital um no- minell 20 Millionen Mark, ihr Auleihekapital um 15 Millionen Mark erhöht, ihre Betriebsmittel sind demnach uni 35 Millionen Mark vermehrt worden. Demgegenüber sind die Abschreibungen reichlich hoch angesetzt. In den sieben Jahren wurden dafür 55'/, Millionen Mark verwendet. Die Gesellschaft hat nun aber nicht etwa nur 35 Millionen Mark für Nenettverbungcn und Ncuanlagen ausgegeben, sondern rund 85 Millionen Mark, also um rund 59 Millionen Mark mehr alS an neuem Aktienkapital und Lcihgeld in den Betrieb hineingesteckt worden sind. Diese 50 Millionen Mark sind ebenfalls nicht als Dividende ausgezahlter Reingewinn. Um diesen Betrag hat sich auch trotz der Abschreibungen von 55'/, Millionen Mark daS buchmäßige Vermögen der Gesell- schaft vermehrt. Die Harpencr Gesellschaft beschäftigte durch- schnittlich 23000 Arbeiter. Es sind demnach jährlich pro Kopf für Neuanlagen und Neuerwerbungen 226 M. aus den Betriebseinnahmen verwendet worden, die nicht als Rein- gewinn ausgewiesen werden. Selbstverständlich hat diese VcrmögenSvermchrung für die Aktionäre ihren guten Zweck. Sie bringt ihnen etivas ein. Um bei dem angezogenen Beispiel zu bleiben: Die Aktien der Harpener Gesellschaft, nominell 1000 M., kosteten im Durchschnitt des Jahres 1899 1786 M.. zurzeit aber 2000 M. Wer damals 100 Aktien kaufte und sie jetzt verkaust, hat neben Gesellschast t arpener.,, onfolidation.. Esjener Bergwerk. Konkordia... Hibernia.... Gclsenkirchen.. Schalker Gruben. Rückgang des SchichteiiverdiensteZ >» Pf. Zl. 33, l». 28. 25. 41. dem Dividendengenuß, der im Laufe der Jahre sich auf 9-12 Proz. stellte, nun auch noch einen Kursgewinn v>n 32 499 M. erzielt I So sorgen die Unternehmer für sich. Sie können in aller Suhe der Krise entgegensehen, sie haben gut geerntet und ihre Sparbüchsen sind gefüllt. Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse für die Zrbeiterschaft. Sobald die lebhafte Nachfrage am Srbeitsmarkt abflaut, geht es mit den Einkommen ailch so- firt kräftig bergab. Und nicht nur die I a h r e s l ö h n e Shen zurück, auch der S ch i ch t e n p e r d i e n st wird gekürzt. lüge Angaben aus den obigen Gesellschaften mögen das be- Ilgen. Es betnig der Schichtenverdienst: 1300 resp. 1303 rcsp. 1300/01 1303/01 4,23 M. 4,10 M. 4,51„ 4,15. 4,76. 4.43. 4,32„ 4.14. 4,56. 4,28. 4,40„ 4,15, 4,49. 4,08„ Das sind Verdienstverminderungen, die für den Arbeiter- Haushalt von sehr großer Bedeutung sind. War es aber schon bei der vorigen Krise schlimnt, noch viel schlimmer wird es diesmal werden. Die Wohnlmgsmieten sind tüchtig gesteigert worden, die Lebensmittelpreise haben einen beängstigend hohen Grad erreicht. Fleisch, Brot, Butter, Milch, alles, alles ist enorm verteuert worden, und in einzelnen Artikeln hält die Preissleigenmg immer noch an. Das für die Ernährung im- cntbeh.liche Getreide wird aller Voraussicht nach im nächsten Winter mit Hungersnotpreisen bezahlt Iverden müssen. Die Brennnaterialien sind so teuer geworden, daß für manchen Proletarier das Einheizen zum unerschwinglichen Luxus ge- worden sein dürfte. Dafür wühlen die Grubenkönige im Golde, sie heimsen unermeßliche Reichtümer ein! Al-s Beigabe zu der drückenden Verteuerung der Lebenshaltung droht den Proletariern dank freisinniger Arbeiter- freundlichkeit nun auch noch ein scharfes, schneidendes Anziehen der Steuerschraube. Der letzte Pfennig muß vor- steuert werden. Und dazu, als wuchtigster Schlag für die Arbeiter, steht ein NachlassenderArbeitsgelegenheitin sicherer Aussicht. Im Baugewerbe ist schon seit Monaten eine große Schar Arbeitsloser vorhanden; Maurer, Holzarbeiter, Hülfs- arbeitcr, Bauschlosser und Klempner werden von der Arbeits- losigkeit betroffen. Auch in verschiedenen anderen Branchen der Metallindustrie hat der Beschäftigungsgrad bedenk- lich nachgelassen. Arbciterentlassungen und Betriebsciuschrän- klingen sind schon vielfach gemeldet worden. In der Textil- industrie fängt es ebenfalls an zu kriseln. Ueberall droht das gefürchtete, schreckliche, Verarmung und Verelendung ankündigende Gespenst der Arbeitslosigkeit und der Eliikommensvermindcrilng. Das deutsche Volk hat es bei der letzten Wahl der- absälimt, der Regierung und den herrscheuden Parteien für ihre Brot- und Fleischivucherpolitik, für die gesamte WirtschaftS- Politik, die trotz der guten Konjunktur bei den Arbeitern Schmalhans Küchenmeister sein ließ, und für die Attentate auf die Volksrechte, die einzig gebührende und notwendige Antwort zu geben. Das hat den Uebermut der Scharfmacher erklär- licherweise gestärkt. Bei ihren letzten Tagungen haben sie es unvcrhüllt ausgesprochen: sie wollen keine Fortführung der Sozialpolitik, sie wollen keine Verkürzung der elf- und zwölf- stündigen Arbeitszeiten, sie wollen keine Fürsorge für Arbeits- lose, sie wollen keinen Fortschritt, sie befehlen Rückschritt! Was hellte an sozialpolitischen Einrichtungen vorhanden ist, soll zuilngilnstcn der Arbeiter verschlechtert werden. Und der Vertreter der Regierung. der den christlich- national vereinigten Arbeitern Znfriedciihcit und Bescheiden- hcit— Predigte, erklärte niit den Wünschen und Bestrebungen der Scharfmacher sich einverstanden! Wer diese Zeichen der Zeit nicht versteht, muß mit Blind- heit geschlagen sein. Die Scharfmacher werden vollen Erfolg haben, wenn die Bedrohten nicht endlich zur Vesiiurnng kommen I Arbeiter, Genossen, beuget vor! Das Fiasko der Blockpartelen in Berlin. Taö Ergebnis der Stadtvcrordnetenwahlcn, die am Mittwock» von der dritten Abteilung vollzogen wurden, ist in unserer Tonncrstagnummer mitgeteilt worden. Die Zahlen, die wir dort veröffentlicht haben, werden für manche Be- zirke sich nicht ganz mit dem Ergebnis decken, das von der cnd- gültigen Feststellung zu erwarten ist. Kleine Abweichungen sind ja bei vorläufigen Zählungen, die unmittelbar nach der Wahl- fchlacht vorgenommen werden, niemals ganz zu vermeiden. Im wesentlichen dürften aber die von lins angegebenen vorläufigen Zahlen durch die-endgültige Feststellung bestätigt werden, so daß schon jetzt aus ihnen ein Urteil über die Bedeutung dieses Wahlausfallcs gewonnen werden kann.' Noch am Abend vor dem Wahltag wurde von einem frei- sinnigen Blatte in einem Artikel, der über Etadwerordnetenwahlen schwatzte, mit gewohnter Keckheit behauptet, daß„sich die Wähler- Expedition: SM. 68. Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. schaft noch immer um die liberalen Fahnen schart". Nun stellt sich aber das Ergebnis der Berliner Stadtverordnetcnwahlen dritter Abteilung so, daß in allen beteiligten 16 Bezirken von überhaupt 52 317 abgegebene Stimmen die Sozialdemokratie allein 41524 Stimmen aufgebracht hat, andererseits der Freisinn nur 8388 Stimmen, daneben die Konservativen 1711 Stimmen, die Zen- trumspartei klägliche 106 Stimmen, einige andere Kandidaten zu- sammen 88 Stimmen(sogenannte„zersplitterte" Stimmen). 41 524 Stimmen von überhaupt 52 317 Stimmen macht 79,4 Proz.l Man sieht, daß die Wählerschaft dritter Abteilung nicht„sich noch immer um die liberalen Fahnen schart". sondern in ihrer überwältigenden Mehrheit der Ueberzeugung ist, daß eine Besserung unserer kommunalen Zustände nur von einer Stärkung des Einflusses der Sozialdemokratie zu erwarten ist. An dem Mandatbesitz der Sozialdemokratie wie des Freisinns ist allerdings nichts geändert worden: wir Sozialdemokraten haben unsere 13 Bezirke behauptet, den Freisinnigen sind ihre 3 Bezirke verblieben. Es ist aber nicht unwichtig, hier festzustellen, daß ein« Bergleichung der Stimmengesamizahl von 1901 mit derjenigen von 1907 eine Steigerung des Anteils der sozialdemokratischen Stimme»er» gibt. Dieselben 16 Wahlbezirke dritter Abteilung, die jetzt im Jahre 1907 gewählt haben, hatten das letzte Mal im Jahre 1901 an der Wahl teilgenommen. Im Jahre 1901 entfielen von 43 848 Stimmen, die in diesen 16 Bezirken abgegeben wurden, auf die Sozialdemokratie 33 599, auf den Freisinn 6580, auf die Konser- vativen 3526(die Zentrumspartei hatte damals noch keine eigenen Durchfallskandidaten) und 143 Stimmen„zersplitterten". Da- mals bracht« die Sozialdemokratie 76,6 Proz. aller Stimmen auf. diesmal aber hat sie, wie gesagt, 79,4 Proz. aufgebracht. V 0 n 1901 zu 1907 sticzr die Zahl aller abgegebenen Stimmen um 8480, aber die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen allein stieg um 792 5. Der Freisinn nahm von 1901 zu 1907 um 2303 Stimmen zu. Da aber die Konservativen jetzt 1815 Stimmen lveniger als damals aufgebracht haben, so ist es ohne weiteres klar, daß der vermeintliche„Aufschwung" des Berliner Kommnnalfteifinns nur ein Ergebnis der Blockpolitik ist, die ihm die Mehrzahl der Konservativen zugeführt hat. Frappant tritt' das besonders im 9. Bezirk hervor, wo vor sechs Jahren den Konservativen 638 Stim- mcn. den Freisinnigen aber nur 287 Stimmen zugefallen waren, während. diesmal der Freisinnskandidat, der als alleiniger Kan- didat der Blockparteien fungierte, 1148 Stimmen ans sich vereinigt hat. Etwa zwei Drittel dieser 1143 angeblich„freisinnigen" Stimmen dürfen den Konservativen gebucht werden, wenn heute dort ungefähr noch dasselbe Stärkeverhältnis zwischen Konservativen und Freisinnigen besteht wie vor sechs Jahren. Es entsprickst der gegenwärtigen politischen Situation, wenn wir in ganz Berlin alle>l ich t sozialdemokratischen Stimmen ohne weiteres zusammenwerfen. Rechnen wir ihnen auch noch die„zersplitterten" hinzu, so ergibt sich, daß von 1901 zu 1907 die Zahl aller nicht sozialdemokra- tischen Stimmen von 10 240 auf 10 793, also nur um 54 4 Stimmen gestiegen ist. Diesen 544 Stimmen steht gegenüber, wie schon angegeben, eine Zunahme der sozial» demokratischen Stimmen um 792 51 In den icinzelnen Wahlbezirken ist selbstverständlich das Bild sehr verschieden.(Für die folgenden Ausführungen wolle man die in der Donnerstagnummcr veröffentlichten Ergebnisse zur Bergleichung heranziehen.) Absehen muß man von Bezirken, in denen ein ernsthafter Kampf der Parteien entweder vor sechs Jahren oder in diesem Jahre oder beide Male gar nicht statt» gefunden hat. Das gilt für die Bezirke 3 6 und 4 8(Rosen- thalcr Vorstadt und Gesundbrunnen), die uns beide Male fast kampflos überlassen wurden, weil aus ihnen der Freisinn nahezu völlig verschwunden ist. Sie brachten uns diesmal einen weiteren Stimmenzuwachs l Auch in den Bezirken 12 und 2 3(Süd» osten und Osten) kommt der Freisinn wenig in Betracht, ebenso, wenig in den Bezirken 32 und 3 4(Rosenthaler Vorstadt und Schönhauser Vorstadt). Die Zahl der Frcisinnsstimmcn ist in diesen Bezirken teils gestiegen, teils gesunken, aber bei ihrer Geringfügigkeit macht das nichts aus und führt zu keiner ncnnens- werten Verschiebung. Tie Zahl der sozialdemokratischen Stimme» ist dort überall noch gestiegen. Im Bezirk 35(hauptsächlich-ur Schönhauser Vorstadt gehörend), dessen Wählerzahl von 7419 auf 15 226 gestiegen ist, hatten die Freisinnigen vor sechs Jahren gar keinen Kandidaten aufgestellt, diesmal aber haben sie auf ihren Kandidaten 686 Stimmen vereinigt. Die Sozialdemokratie hat dort einen gewaltigen Stimmenzuwachs gehabt, von 3133 auf 6531. Auch hier erscheint es kaum zulässig, mit Prozentzahlen zu operieren. Von den Bezirken, in denen die Parteien sich ernsthaft mit- einander gemessen haben, waren drei im Besitz des Freisinns und sind in seinem Besitz vcrbi.vocn. Bezirk 4(Potsdamer Viertel, Tiergarten) hat uns einen Rückgang des Anteils unserer Sttmmcnzahl von 29,9 Proz. auf 26,4 Proz. gebracht. Die Wähler dritter Abteilung sind dort Hansporticrs, kleine Geschäfts- leute, auch Untcrbcamte und allerlei andere abhängige Leute, auf die der Freisinn diesmal einen noch stärkeren Druck als sonst ans- geübt hat. Im Bezirk 2 9(Epandauer Viertel), dessen Wähler- zahl sich stark vermindert hat, ist unsere Stimmenzahl absolut heruntergegangen, aber relativ ist sie von 42 Proz. noch aus 43,9 Proz. gestiegen. Der freisinnig-konservative Block hat keinen Grund, auf diesen Bezirk stolz zu sein. In B e z i r k 4 1(nament- lich Eharitöviertcl) haben wir eine absolute Zunahme der Stimmep- zahl erzielt, die einen sehr achtbaren Erfolg bedeutet. Auch relativ stellt sich dort die Zunahme immer noch recht günstig: von 21� auf 34,2 Pro». Die dreizehn Bezirke der Sozialdemokratie sind in unserem Besijz verblieben. Sieben davon, die sieben sichersten, sind oben vorweggenommen worden. Von den sechs anderen hat Bezirk 9 (Tcmpclhofer Borstadt), der oben gleichfalls schon erwähnt wurde. nnS eine Uebervaschung bereitet. Selbstverständlich war auch er uns sicher, aber in ihm ist unser Stimmcnantcil doch zurückgegangen von 69.? auf vä Proz. Ter Kandidat des Freisinns und zugleich der Konservativen hat dort eine so wilde und skrupellose Agitation entfaltet, daß dieser Bezirk tatsächlich der einzige geblieben ist, in dem die Blockparcicn nicht völlig erfolglos gearbeitet haben. Einen desto schöneren Sieg brachte uns der benachbarte Bezirk 19 (Tempelhofer Vorstadt) mit einer Stimmenmchrung von 74,9 Prozent auf jetzt 89,4 Proz. Völlig versagt hat die Blockpolitik auch in den Bezirken 11 und 2 2(Luiscnstadt und Stralauer Viertel), wo der Jreisinn sich viel davon versprach, dast er ein paar Kaufleute aufstellte. Unsere Stimmenzahl stieg in Bezirk 11 von 68,8 auf 74,7 Proz., in Bezirk 22 von 73,9 auf 74,6 Proz. Mit besonderer Spannung war von allen Parteien dem Ausfall der Wahl in den Moabiter Bezirken 44 und 45 entgegengesehen worden. In Bezirk 44 haben wir eine Stimmenmehrung von 59,7 au 79,7 Proz. erzielt, so daß wir diesen Bezirk nunmehr wohl als sicheren Bezirk werden ansehen dürfen. Für die Konservativen, die ja dort fast allein als unsere Gegner in Betracht kommen, ist die Stimmenzahl scheinbar noch stärker gestiegen. Man muß aber den 21,4 Proz., die sie jetzt erzielt haben, aus 1991 nicht nur ihre damaligen 8,3 Proz. gegenüberstellen, sondern dazu auch noch die 29,5 Proz., die damals der unter der Flagge der Bodenreform segelnde Herr Damaschke herausgeholt hatte. 8,3 Proz. und 29,5 Prozent macht 37,8 Proz., denen jetzt nur 24,4 Proz. gegenüber- stehen. Mehr sind es nicht geworden, obwohl den Konservativen die Zcntrumsleute Hülfe leisteten. JnBczirk45 sind alle Hoff- nungen der Blockparteien zuschandcn geworden, alle Erfolge ausgc- blieben, die sie sich von ihrem wüsten Geschimpfe auf den„Hoch- Verräter" versprochen hatten. Wir haben dort unsere Stimmenzahl von 53,1 Pro,',, noch auf 54,5 Proz. gesteigert. Freisinnige und Konscrvatwe haben in diesem Bezirk diesmal ihr Stimmender- hältniS stark gegeneinander verschoben. Die Konservativen haben trotz ZentrumShülfe eine Verminderung von 41,9 auf 24,9 Proz. gehabt, den Freisinnigen ist eine Vermehrung von 4,2 auf 29,3 Proz. zugefallen. Ilnter Alockbrüdern ist das ganz egal. Tie Gegner der Sozialdemokratie lieben es, die Zahl der sozialdemakratischen Stimmen nicht mit der Gesamtheit der ab- gegebene» Stimmen zu vergleiche», sondern sie in Beziehung zu setzen zur Zahl aller Wahlberechtigten. Auch dieses Vergnügen wird ihnen diesmal keinen Trost gewähren. Der Anteil der sozialdemokratischen Wähler ander Gesamtzahl der Wahlberechtigten ist nämlich von 1991 zu 1997 g e- stiegen von 32 auf 36 Proz. In manchen Wahlbezirken haben wir jetzt nahezu die Hälfte aller Wahlberechtigten oder schon mehr als die Hälfte auf unserer Seite. Der Anteil unserer Wähler an der Gesamtzahl der Wahlberechtigten stieg z. B. in Bezirk 43 von 41,8 auf 47,8 Proz.. in Bezirk 12 von <4,9 auf<9,4 Proz., in Bezirk 36 von 47,4 auf 51,5 Proz. Beachtung und rühmende Erwähnung verdient der Umstand, daß diesmal das Pflichtgefühl der Wähler fast in allen Bezirken reger gewesen ist. Die Beteiligung an der Wahl war erheblich stärker als vor sechs Jahren in denselben Bezirken. Auch in den Bezirken, die längst als sicherer Besitz der Sozialdemokratie gelten und uns von keinem Gegner mehr ernsthaft bestritten werden, haben die iozialdemokratischen Wähler eS für ihre Pflicht gehalten, durch Stimnmbgabe Protest einzulegen gegen die Drei- klassen schwach des Gemeiudewahlrechts, die in Berlin der Herrschaft des Freisinns Grundlage und Stütze ist. So also sieht der„Erfolg" aus, den der Freisinn samt den Konservativen und der Zentrumspartei als das Resultat ihres Per- keumdungsfeldzuges gegen die Sozialdemokratie mit nach Hause nehmen dürfen._ Die Solidarität der Höflinge. Tas waren rührende Szenen, die sich am Mittwoch im Nerichtssaal abgespielt haben. Gatte Herr Brand nicht gerade ftVz Jahre Gefängnis erhalten, er hätte einen Orden be- kommen müssen. Denn in der Tat, nicht Herr Harden ist der -„Netter des Vaterlandes", sondern Herr Brand! Alles, was in den trüben Tagen des Moltke-Prozesses über Teutschland verhängt war, war ein Spuk, der diesmal allerdings nichts mit dem„Geiste Emanuel" zu tu» hatte. Jetzt aber ist der Spuk verflogen und herrlickier als je steht die Negierung und die Monarchie vor den entzückten Blicken der getreuen Unter- tauen. Wenigstens, wenn man den reaktionären Blättern glaubt. Schreibt doch die„Deutsche Tageszeitung": „Die„Kamarilla" war schon im Moltke-Prozeß auf Zwei Namen zusammengeschrumpft: Philipp Eulenburg. Nun hat der Fürst»och durch Eid bekräftigt, da er nie gegen den vierten Kanzler gearbeitet habe. Damit braucht noch nicht erwiesen zu sein, daß sein persönlicher Einfluß an höchster Stelle auch nicht mdirekt verantwortlichen Staatsmännern uichcqucm, oder daß er immer sachlich wohltätig gewesen sei. Aber das Schreckgespenst dieser singulären „Kamarilla" ist nun doch in sein Grab zurück- gescheucht." Also nie hat es eine Kamarilla gegeben, und alle, die bon einer Kamarilla gesprochen haben, haben ebenso gelogen lvie Herr Harden. Doch es ist eine merkwürdige Geschichte. Als im Juni d. I. Fürst E Ulenburg, der zur Dis- Position gestellte, plötzlich um seine definitive Eni- l a s s u n g nachsuchte, als der Stadtkommandant Graf M o l t k e e n t l a f f e n w u r d e. als die Grafen Lynar und Hohenau plötzlich in Pension gehen mußten, da glaubte mau allgemein, daß eine Kamarilla beseitigt worden sei. Damals pries man den Mut dcS Herrn Harden, daß er diese Leute zur Strecke gebracht habe. Auch freisinnige Organe waren sehr froh, daß Fürst Bülow, der Schutzheilige des Blocks, von gefährlichen Gegnern befreit worden war. Und als Herr Harden im Bann der Borahnung dessen, was er von der Solidarität der Höflinge zu erwarten habe, mit allen Mitteln einem öffentlichen Prozeß zu entgehen trachtete, da war die Entrüstung über sein„Kneifen" zum Teil bei den- selben Organen sehr laut, die heute über den Urheber des Prozesses nicht genug schmähen können. Damals zweifelte kein Mensch a n d e r E x i st e n z d e r K a m a r i l l a. Und als ein Leipziger Blatt die Aeußerung Bülorns zitierte:„Kamatilla sei eine fremde Giftpflanze, die man sich niemals bemüht habe, in Deutschland einzupflanzen". da stellte die„Nordd. Allg. Ztg." ausdrücklich) fest, daß der Kanzler gleichzeitig hinzugefügt hätte:„ohne großen Schaden für die Fürsten und ohne große» Schaden für das Volk." Damit hat aber das Kanzlerblatt gegenüber da- mals unternommenen A b l e n g n u n g s v e r s u ch e n mit Nachdruck konstatiert, daß Fürst Bülow selbst anf die Existenz einer Kamarilla hinweisen wollte und auf die Schwierigkeiten, die daraus für seine Politik erfolgten. Doch angenommen. Fürst Bülow hätte, wie Herr Oertel offenbar annimmt, die deutsche Oeffentlichkeit damals ge- täuscht. Aber haben nicht der Kaiser und der Kronprinz nil jener Energie eingegriffen, in deren Lobpreisung Herr Hardn und seine Gegner in gleicher Weise einstimmen? Hätte:s keine Kamarilla gegeben und wären die Beschuldigungen, Se vor dem Schöffengerichte erhoben worden sind, sämtlch falsch gewesen, wie konnten dann so verdiente Männr plötzlich auf die Anschuldigungen eines Journalisten hin est- lassen werden? Die Monarchisten befinden sich da in cinicer Verlegenheit. Entweder hat der Kaiser, durch den iKrm- Prinzen unterrichtet, der seine Meinung sich wiederum ms den Hardcnschcn Artikeln gebildet hatte, nachdem er jähe- lang getäuscht worden war, schließlich mit großer Energie dls Vaterland von der Herrschaft des„Grüppchens" befreit, odr aber es läge eine jener„Plötzlichkeiten" vor, an iie Monarchisten doch nicht denken dürfen. Wir würden daler den Herren raten, nicht zuvielbeweisenzuwoller! Was an den Vorwürfen, die ins sexuelle Gebet hinüberspiclen, wahr ist oder nicht, ist herzlich g l c i o- gültig. Wie ideal Fürst Eulenburg und seine Fremde veranlagt waren, interessiert den Politiker nicht im geringst«». Für ihn ist es nur wichtig, festzustellen, und diese Feststellmg kann heute nicht im geringsten mehr erschüttert werden, diß die Politik des Deutschen Reiches Jahre hindurch von ciier Gruppe unverantwortlicher Leute entscheidend beeinflrßt worden ist, daß Caprivi, Hohenlohe und Bülcw unter diesem Einfluß gelitten haben, daß von den verantivoct- lichen Persönlichkeiten kein einziger den Mut oder die Fähg- keit gehabt hat, diese Politik deS persönlichen Regiments, das aber nicht nur das k a i s e r l i ch e Regiment war. cntschlosen entgegenzutreten. Diejenigen, die dieses Regiment stür.cn wollten, mußten dazu erst einen Journalisten mit dem nötigen Material versehen. Sie mußten das Glück haben, daß dssc Leute Anlaß zu Angriffen auf einem ganz anderen als d'm politischen Gebiete gaben. Wären die Anschuldigungen!er Normttndrigkcit nicht möglich gewesen, bestände vielleicht hcite noch das„persönliche" Regiment der Unverantwortlichen! Daher ist auch die Hetze, die jetzt gegen Harden in ler reaktionären Presse tobt, so widerwärtig. Daß Harden«in treffliches Werkzeug zum Sturz des Gnippchens gewesen st, dafür wissen ihm die Nutznießer dieses Sturzes sicherlich Dank. Weswegen Harden heute von der ganzen Prcßmerte gehetzt wird, ist nur dies: Trotz aller seiner Bemühungen ist es ihm nicht gelungen, den Prozeß zll vermeiden. Als!>er Prozeß begann, hatte Harden ja schon sein Werk voll- endet, die Kamarilla war beseitigt, den l a ch e n d: n E r b e n d r o h t e k e i n e G c f a h r. Da kam dieser Prozeß, und seine Schlammfluten spritzen weiter, als es den herrschenden Interessen angenehm sein konnte. Nicht nur das„Grüppchen" war aufs schlimmste kompromittiert, das ganze Systeni war getroffen. Der deutsche Scheintonslitutio- nalismus ist aufgedeckt! Es war gezeigt worden, wie in den halbabsolutistischen Formen in Wirklichkeit eine kleine Schar geistig minderwertiger Leute entscheidenden Einfluß auf die Geschicke des Volkes gewinnen konnte. Ter Prozeß gegen die Kamarilla wurde zu einem Prozeß gegen den Absolutismus. Einen Moment lang lag das System beschmutzt und zertreten aus dem Boden. Da kam die Abwehr. Die K ö fl i n g e aller Kamarillen haben sich vereint und die reaklionäre Presse leistet Ilcbermenschliches, um das«System selbst zu retten. Deswegen muß Herr Harden in die Wüste geschickt werden. Und wenn Herr Harden es sich ruf"" ae- falleu läßt, dann darf er darauf rechnen, bei aüiisrigercn Zeiten doch noch einmal als Retter des Vaterlandes gepriesen zu werden für seine Verdienste um den Absolutisnius. den er jetzt so ganz gegen seinen Willen so schwer getroffen hat. Aber zur Charakterisierung des Systems war eine Er- gänzung notwendig, und die ist darin zu erblicken, daß ein Harden sein Ankläger geworden ist und ein Adolf Brand sein Retter werden soll! politische(lebersicbt. Berlin, den 7. November 1907. Steuerausplünderung. Den Sommer über hat die offiziöse Prcffe, lebhaft unterstützt von der freisinnigen Blockpresse, den deutschen Steuerzahler in süße Hoffnungen gewiegt. Immer hieß eS: in diesem Jahre gibt's über- Haupt keine neue Steuer» mehr, die bleiben für das nächste Jahr, aber dann kommt keine Belastung der schwächeren Schultern, kommen keine indirekten Steuern, sondern die lang versprochene direkte Reichs- einkommenftcuer und die Ausgestaltung der Erbschaftssteuer. Nun stellt sich's heraus, daß das ganze Gerede Schwindel war, wie überhaupt unter Bülow die offiziöse Presse mit einer stüher doch nichtso ausgebildeten Virtuosität und Unverfrorenheit systematisch das deutsche Volk über die Absichten seiner Zlegierung zu täuschen und in die Irre zu führen nicht. Die„München. A I l g e m. Ztg." konstatiert nun als Ergebnis der Finanzministerkonfercnz, die jüngst stattgefunden hat, daß „der Weg der Einführung direkter Rcichsstruern, sei eS ReichS- einkommcnsteuer oder NcichovermögenSstcuer, jetzt und in ab- eh barer Zeit nicht beschritten werden wird." Man weig aber auch, daß das andere Versprechen, in diesem Jahre keine neue Steuern mehr zu verlangen, ebensowenig gehalten wird. Nach angeblichen AbleugnungSversuchen gibt jetzt auch die „Nordd. Allgein. Ztg." zu. daß die Vorlage über das B r a n n t- weinmon opol"noch in dieser ReichStagSsession kommen wird. Damit schlägt man gleichzeitig zwei Fliegen mit einer Klappe. Man holt aus den Aermstcn der Ärnien 79 Millionen für die neuen Forderungen MolochS heraus und erhält in ver- teckter Form den Agrarier» auf ewige Zeit nicht nur die Liebes- gäbe von über 49 Millionen Mark, sondern auch die Mouopol- gewinne der SpirituSzentrale! Damit ist aber der Reichsbedarf noch nnge nicht gedeckt, Moloch noch lange nicht befriedigt. Und so wird schon die nächste indirekte Steuer vorbereitet, die Zigarren- Bandcrolsteuer. Umsonst haben sich die besitzenden Klassen eben nicht zum Block zusammengeschlossen. Die neuen Ausgaben ur Militär, Marine und koloniale Eisenbahnen bedeuten neue große Geschäfte und neue Profite. Bezahlt aber wird das Ganze aus dem Gelde, das man mit Hülfe der indirekten Steuern aus den Tasche» des Volkes holt.—_ Bismarck und Harden. Der Landrat a. D. Graf F i n k e n st c i n auf Schonbcrg bei Sommerau, M. d. R. u. d. pr. H., sendet der„Deutschen Tageszeitung" in Sachen Moltke-Hardcn folgende Zuschrift: „Im Prozesse Moltke-Hardcn hat Harden sich seiner Be- Ziehungen zum Fürsten Bismarck laut und aufdringlich ge- rühmt; er hat aber wohlweislich dabei verschwiegen, daß Fürst Bismarck ihm, nachdem er in der„Zukunft" eine Aeußerung Bismarcks über die Konservativen, die damals all- gemeines Aufsehen erregte, veröffentlicht hatte, sein H a u S verboten hat. Fürst Bismarck hat mir dies im Jahre 1897 — ich war damals Landrat des Kreises Herzogtum Laucnburg und häufig in Friedrichsruh—, selbst und zwar, obgleich die Veröffentlichung schon vor einiger Zeit erfolgt war, noch voll Acrger gegen Harden erzählt. Er sagte damals, er habe Harden als geschickten Publizisten öfter bei sich zu Früh- stück gesehen und, wie es seine Art war, bei den Gesprächen kein Blatt vor den Mund genommen. Bei einer derartigen Frühstücksunterhaltung sei auch seine Aeußerung über die Kon» serbativcn gefallen, jedoch in ganz anderem Zusammenhang- und in ganz anderem Sinne, wie sie von Harden veröffentlicht worden sei. Diese Veröffentlichung sei in der Form, wie sie geschehen sei, ein Vertraue nsbruch und eine grobe Taktlosigkeit. Er habe daher sofort angeordnet, daß Harden in Friedrichsruh nicht mehr empfangen werde. Eö ist dies tatsächlich auch nicht mehr geschehen." Bismarck hat danach Harden als publizistischen Handlanger behandelt, dem er sofort den Stuhl vor die Tür setzte, als er einmal von den Einbläsereien seines Herrn und Meisters einen Gebrauch machte, der diesem nicht paßte. Doppelt pikant ist dann unr die von Harden so oft er- zählte Taisache, daß Bismarck gerade mit Harden, seinem in- feriorcn Werkzeug, die Flasche S t c i n b e r g c r Kabinett ausstach, die Wilhelm II. ihm als besonderen Huldbeweis ge- spendet hatte.—_ Wie man Kadetten erzieht. Will!, Ramdohr war der Insasse einer jener Anstalten, aus denen der Lffiziersnachwuchs hervorgeht. Er befand sich auf der rheinischen Kadettcnanstalt BcnSberg. Willy Ramdohr war ein Dichter. Er war ein Dichter; denn er ist mittlerweile gestorben. 'Das prächtigste seiner Werke trägt den Titel: Zu Kaisers Ge- burtstagl ES umfaßt sechs Strophen von je sieben Zeilen und ist gedichtet zur Verherrlichung Wilhelms ll. Wenn auch Willy Ramdohr tot ist. so hat man doch dafür gesorgt, daß sein Werk der Nachwelt, soweit sie Kadcttenschulen bevölkert, erhalten bleibt. Das Gedicht ist im Druck vervielfältigt worden und wird jetzt den Kadetten überreicht„zur Bcherzigung dcS In. halt S". Und dieser Umstand zwingt unS, von Willy Ramdohrs Opus Notiz zu nehmen. Das Dichtcrwerk enthält nämlich diese beiden Strophen: Gott segne Dich,— Kaiser,— erhalte Dich Deinem Volke und Deinem Heere; T«inc Friedensherrschaft entfalte sich Weithin über Länder und Meere. Und ob dazu kollert der gallische Hahn, Ob Albion neidisch vertritt unS die Bahn: Wir trauen auf Gott und den Kaiserl Und wenn eS nach einem roten Jahr Die Umsturzpartei gelüstet, Da sind,— wie s am roten Sonntag war, Auch wir Kadetten gerüstet. Wohin uns der oberste Kriegsherr schickt; Da wird nicht erst mit den Augen gezwickt: Wir schießen für unfern Kaiser! Auf dem Bogen, der das Gedicht trägt, steht am Kopfe dich»? Satz in großen Lettern: Aus Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs wird ein von dem verstorbenen Kadetten Willy Ramdohr gc- fcrtigtcs Gedicht jedem Kadetten zur Bcherzigung des Inhalts ausgehändigt: Daß das Machwerk deS unwissenden Knaben wirklich a u f Befehl Wilhelms II. weiterverbreitet wird, möchten wir schon deshalb bezweifeln, weil die Wendung vom neidischen A l b i o n gar nicht übereinstimmt mit den Plänen des deutschen Kaisers, der gerade jetzt seine Englandreise unternehmen w.ill.— Gädkc— Hohenau. Oberst Gädkc, der wegen der angeblich unrechtmäßigen Führung des Titels Oberst a. D. schon eine ganze Reihe von gerichtlichen Instanzen absolvieren mußte, aber bisher immer freigesprochen war. ist nunmehr von der Berliner Straf- kammer so zu 150 M. Geldstrafe verurteilt worden! Vergebens machte sein Rcchtsbcistand geltend, daß gegen den Generalmajor a. D. Graf Hohenau, der mit dem Recht zum Tragen der Uniform verabschiedet ist, trotz seiner Verfehlungen nicht ein ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet worden sei, was doch wohl auch nur dadurch zu erklären sei, daß die Offiziere a. D. nicht der Ehrengerichtsbarkeit unterstehend erachtet werden. Gädke darf sich also nicht mehr Oberst a. D. nennen. Und Graf Hohenau?!— M ittelstaudsretter. In einer Versammlung, die von der Aachener Mittel- siandsvereinigung einberufen worden war. hat sich der Ab- geordnete R o e r e n über die W a r e n h a u S f r a g e geäußert. Herr Roeren gehörte seinerzeit zu den c i f r i g st c n Befürwortern der Warenhaussteuer, durch die er dem Großbetrieb im Detailhandel einen empfindlichen Schlag zu versetzen glaubte. Er ist unterdeS zu an deren An- sichten gelangt. Zwar ist er noch Gegner der Warenhäuser: daS Großkapital, so meint er, sei im Berkehrstvesen, in der Industrie am Platze, aber es dürfe sich nicht des Kleinhandels bemächtigen. Indessen ist er der Ueberzeugung, daß mit gesetzgeberischen Mitteln den Warenhäusern nicht beizukommen sei. Die mancherlei Arten der Besteuerung, die mau vor- geschlagen habe, stellten sich höchstens als Belästigung, nicht aber als Einschränkung des Warenhausbetriebes heraus, der- artige Abgaben würden durch größeren Umsatz wieder ein- gebracht und machten den Schaden für den kleinen Kaufmann nur noch schlimmer. Helfen könne eine Umsatzsteuer von der- artiger Progression, daß der Warcuhausbesitzcr Gefahr liefe. bei höherem Umsatz keinen Gewinn mehr zu erzielen. Das sei eine wirkliche Erdrosselungssteuer, die aber keine Aussicht habe, im Parlament und von der Regierung angenommen zu werden. Somit bleibe dem Mittelstand zum Schutz gegen das Warenhaus nichts übrig als die S e l b st h ü l f e: er müsse sehen, worin die Stärke des Warenhauses liege und diesem dayn auf genossenschaftlichem Wege eine gleich starke Macht entgegensetzen. Auch der zweite Redner des AbendZ. der Abgeordnete S i t t a r t. wußte den Mittelständlern nicht viel Tröstliches zu sagen. Er gestand zunächst ein, daß die bisherigen Be- mühungen zur Rettung des Mittelstandes den gewünschten Erfolg nicht gehabt hätten. Das läge aber nick>t so sehr an den Gesetzen, als besonders an der Uneinigkeit des Mittelstandes. Hier könne vielleicht eine Tetaillistcnkammcr helfen, die das Interesse des kleinen und mittleren Händlers gegenüber Parlament und Behörden zu vertreten und auf diese Weise für ein einiges Vorgehen zu sorgen hätte. Wenn der Mittelstand eine rege Verbindung mit den Parlamenten unterhalte und selber mit praktischen Vorschlägen an die Parteien herantrete, brauche er um seine Zukunft nicht besorgt zu fein.� Beide Redner ernteten für ihre Ausführungen „stürmischen Beifall". Tie Herren vom Mittelstand in der frommen Stadt Aachen sind bescheidene Leute. Sic lassen sich zwei Zeutrumsabgeordnete kommen und klatschen „stürmischen Beifall", wenn die Redner erklären:„W i r können Eucki nicht helfen: was wir bisher für Euch getan haben, war Unsinn,: fcht zu wie Ihr Euch selber helft!" Im Grunde saacn die Zerren Noercn und Sittart nichts, als was die Sozialdemokraten auch sagen: die Kleinbetriebe sind machtlos gegen das Großkapital. Nur verkleiden die Ultramontanen ihr Geständnis mit einigen Komplimenten und Vertröstungen und gelten deshalb als freunde des Mittelstairdes. während die Sozialdemokraten. die zu ehrlich sind, um in den bedrängten Mittelschichten noch falsche Hoffnungen zu envcckeii, als Vernichter des Mittel- ftandes ausgeschrien werdeil!_ Von dem Terrorismus der Zeutrumsanhänger at man in protestantischen Gegenden selten eine Ahnung. In dem adischen Städtchen Bühl gingen Zentrumsleute von HauS zu HauS, um die Leser des Karlsruher sozialdcinotratii'chcn Organ» herauszubekominen. Die Sünder schrien sie an:„Wer den„Volks- freund" liest, komm t in d'Höll!" Der Pfarrer gab dann am darauf folgenden Sonntage von der Kanzel herunter seinen Segen zu dieser Bclätignng christlicher Nächstenliebe.—In der Gemeinde Durmersheim bombardierte man eines Abends die Wohnung des sozialdemokratischen Vertrauensmannes mit Steinen und Kartoffeln. weil er sein totes Kind zur Einsegnung durch den katholischen Geist- lichen nicht in die Kirche gebracht hatte. Er trug es direkt auf den Friedhof und wollte auf geistlichen Beistand verzichten. Auf dem Nachhausewege vom Friedhof titulierten ihn Weiber und weibische Männer mit Obcrsozz und Gauner! Abends ivarfen sie ihm die Fenster ein. lind ähnliche Früchte zeitigt das Christentum der Praxis in katholischen Gemeinden fast täglich!— Die Opposition der Gekränkten. Seit das Zentrum im Reichstage nicht mehr die ausschlaggebende Rolle spielt und mit Fürst Bülow die Politik des Reiches macht, ist es auffallend streng gegenüber den Sünden der jetzigen RegierungS- Parteien. Der ultramontane„ V o l k S f r e u n d" in Aachen erörtert die Folgen einer neuen Flottenvorlage und meint dazu: „ES mag zugegeben werden, datz die Fortschritts der Technik in überaus kurzer Zeit grundlegende Umwälzungen herbeiführen. Aber wenn man sich auf de» Standpunkt stellt, daß allen diesen Fortschritten unmittelbar Folge gegeben werden soll, dann ergibt sich erstens die Gefahr zahlreicher übereilter Experimente, wie wir sie in der deutschen Marine oft genug gemacht haben, und dann würde die L e i st u n g s f ä h i g k e i r der ReichSfinanzen in einer solchen Weise m Anspruch ge- nomine« iverden, dah daS ReichSschapaiut den Anforderungen auch unter Zuhiilfcnahine des Branntwein- und Tabak- Monopols auf die Dauer nicht würde gerecht werden könne n." Wer anders als das Zentrum hat denn aber kurz nach- einander drei Flottenvorlagen bewilligt, von denen die eine von der anderen über den Haufen geworfen wurde? Die jetzige Opposition des Zentrums ist nichts als die Wut darüber, dah andcre jetzt da sitzen, wo cS ehemals selber gesessen hat, Futterncid über den Freisinn, den Bülow an die Staatskrippc berufen hat. DaS Zentrum mag sich beruhigen, eS kommt auch mal ivieder an die Reihe und kann dann die Sünden nachholen, die jetzt der Freisinn an seiner Stelle begeht. Zu allem Ueberflutz hat ja Herr Spahn bereits 00 Millionen mehr pro Jahr für die Flotte in Aussicht gestellt!—_ Graf Hohenau und ß 175. Der Berliner Horden— Moltkcprozesi hat Vorgänge ins Ge- oächtnis zurückgerufen, die seinerzeit den Grafen Fritz Hohenau zum Mittelpunkt hatten, indes ein groheö Auf, ehe» hervorriefen, bis jetzt aber unseres Wissens nicht die Staatsanwaltschaft ver- anlaßt haben, gegen Graf Hohenau vorzugehen. Graf Fritz Hohenau war im Jahre 1001 bei der preußischen Gesandt- s ch a f t in Dresden attachiert. Er bewohnte damals das präch- tigc Albrechtsschloß unweit Loschwitz und ist zusammen mit seinem "rüder Grafen Wilhelm Hohenau noch heute Besitzer des Schlosses. Bei einem Aufenthalt in Berlin machte Graf Fritz Hohenau die Bekanntschaft crncS jungen Mannes, dcS Bereiters Richard Karl Wilhelm Aßmann. Beide unternahmen eine Aus- fahrt u n d A ß m a n n w u r d c d i c„Geliebte" des Grafen. Aßmann liebte aber die blauen Scheine des Grafen offenbar mehr als diesen selbst, und nachdem er Namen und Rang seines Gönners erfahren hatte, tat er das, was Leute seines Schlages in gleichem Falle stets zu tun pflegen: er übte das Erpresscrhandwerk. ES gelang ihm auch, mit Hülfe vertrauter Seelen dem Grafen zirla 700 M. abzuknöpfen. Da aber der Appetit mit dem Essen kommt, der Graf jedoch die Taschen zugeknöpft hielt, begab sich Aßmann mit dem Gastwirt Füllgraf und dem Kaufmann Holzkc nach Dresden, wo daS Kleeblatt den Grafen auch im Gcsandtschaftshotcl antraf, als er sich eben zu einer Ausfahrt rüstete. Graf Hohenau warf sich in eine Droschke und fuhr, als ihm seine Pciniger folgten, nach dem Polizeipräsidium. Die Erpresser ließen sich aber nicht einschüchtern, sondern erklärten ganz offen, daß der Graf den Aßmann, welchen sie für ihren Sohn resp. Neffen aus- gaben, durch den Verkehr mit einer sehr bösen Krankheit behaftet babe. Nun war das Geheimnis verraten; der Graf konnte den sträflichen Verkehr nicht in Abrede stellen, sondern bestritt nur die Möglichkeit einer Ansteckung, da er selbst gesund sei. Die Er- prcsserbande wurde verhaftet und der Graf zog cS vor, eine Reise nach der Krim anzutreten. Seitdem sieht das herrliche alte Schloß Albrcchtsburg in tiefer Trauer. Das Bcr- liner Landgericht hat derzeit Aßmann und den Reifenden Wolf, der ihm bei der Erlangung der 700 M. behilflich gewesen war. zu je zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehr- Verlust verurteilt. Die übrigen Helfer kamen mit Strafen von neun Monaten bis zu einem Jahr sechs.Monaten Gefängnis und entsprechendem Ehrverlust davon. Man hat aber nie etwas davon gehört, daß Graf Hohenau sich dem Gericht gestellt hat und daß er verurteilt worden ist. Kommunalwahlrecht nud Aufsichtsbehörde. In Offenbach a. M. wurde, wie uns von dort geschrieben Wird, am 26. September auf Antrag unserer Genossen der Beschluß gefaßt, das bisher dort bestaitdene Einzugöaeld und Fenereimcr- eld für Hessen aufzubeben. Zur Erlangung des sogenannten OrtS- ürgerrechts war seither, außer der Verpflichtung für NichtHessen. Hesse zu werden, noch die Bezahlung einer Gebühr von 86 M. für einen Ortsfremden, aber Reichsdeutschen, geknüpft. Außerdem wurden noch 7 M.„Fcucreimergeld" verlangt. Ausländer konnten diese hohe Ehre nur nach Berappen von 172 M. genießen. Dabei existiert am Ort noch nicht einmal irgendwelcher Örtsbürgernutzcn, der ein nur einigermaßen annehmbares Aequivalent für so hohe Gebühren geboten hätte. Die einzige Annehmlichkeit war, Saß man unter Umständen eine schnellere Beteiligung au einer Kom- niunalwahl herbeiführen konnte, als das sonst nach normalem Lause der Dinge geschehen wäre. Die Sehnsucht, in Offcnbach Ortsbürgcr zu werden, war daher eine so seltene, daß in einem Jnhrzchnt nur eine einzige Aufnahme verzeichnet wurde. Also in finanzieller Hinsicht erwuchs der Stadt durch die Aufhebung dtefer aus der Zopfzeit stammenden Bestimmung kein Nachteil. Trotzdem beanstandete der Kr eis rat v. Homberg den ein- stimmig gefaßten Beschluß, weil seiner Meinung nach hierzu We®«"c h m i g u n ad c s Ministeriums nötig fei. welches nach Artikel 74 der Städtcordnung allerdings die Genehmigung erteilen muß, wenn die Stadtverordneten die Erhebung eines Einzugögeldes beschließen sollten. Eine gleiche Bedingung bei �ufh e b u ng des Einzugsqeldes ist nicht vorgesehen. Schadet n'chts, der■yskE Kreisrat beanstandete den Beschluß auch sogar auf Grund des§:22 der Städtcordnung, der von der Zulässigkcit de': B�an'tandung oon Stadlverordnetcnbeschlüsseu redet, sobald Beschlüsse vorliegen, welche die Befugnisse der Stadtverordneten überschreiten oder gar gcsetz- oder rechtswidrig sind. Von alledem iana im vorliegenden Falle keine Rede sein. Die Juristen der Bürgermeisterei halten denn auch die Haltung des KreiSrats für irrtümlich und können sich dabei auf analoge Fälle in Mainz und Bingen stützen. Auf Vorschlag des Genossen Ulrich wurde dann zur schleunigen Erledigung dieser Sache in der am 8. Oktober ein- berufenen dringlichen Sitzung der Stadtverordneten beschlossen, sich beschwerdeführend über die Haltung des Kreisrats an das Ministerium zu wenden und im übrigen bei dem gefaßten Beschluß zu beharren. Für das letztere waren auch die bürger- lichen Stadtväter zu haben; das elftere lehnten sie ab. Ihnen war die Sache nicht wichtig genug, um deshalb oben anzuecken. Eine praktische Bedeutung hat die ganze Angelegenheit insofern für eine Anzahl Einwohner, als sie nach dem Stadtverordneten» beschluß ihr kommunales Wahlrecht in Kürze hätten ausüben können, was ihnen aber nun durch das kreiSrätliche Veto wohl zur Unmöglichkeit gemacht werden dürfte. Zur Jllustriecung des Äa- pitcls„Selbstverwaltung der Gemeinden' liefert dieser Fall wieder einen recht markanten Beitrag. Agitation für den Antimilitarismus. Ter Obcrgefrcite der Landwehr ersten Aufgebots, Mühlen- besitzet Rcinhold K r i m m l i n g aus Halle a. S. hatte eine? Tages im August auf dem Bczirkskommando wegen Er- krankung seiner Mutter, die operiert werben sollte, den Major Krause gebeten, ihn von einer Uebuna zu befreien. Als der Major ihn aber abschlägig beschicd, sayte Krimmling:„Ja, dann muß ich weiter gehen; das wollen wir doch mal sehen." Krimmling erhielt für die Bemerkung zunächst drei Tage Mittel- arrest und dann kam er noch auf Veranlassung des Gcrichtsherrn wegen Achtungsverletzung mit Drohung vor das Kriegsgericht, wo man Milde walten ließ' und ihn„nur" zu zehn Tagen Mittel- arrest verurteilte.— Wird der Mann mit Freuden cm feine treue Dienstzeit zurückdenken.— Belgien. Reiseonkel Leopold. AuS Brüssel wird uns geschrieben: Das absolutistische Regime in Belgien ist von einer ganz be- sonderen Marke, und unter den Monarchen des persönlichen Regiments kann der belgische König schon eine gewisse Origi- nalität beanspruchen. Man weiß, daß Leopold insbesondere in der Kongopolitik, aufs eifrigste von seinen klerikalen RegierungS- männern unterstützt, in allen entscheidenden Fragen seinen per- fönlichen Willen zur Geltung brachte und durchsetzte. Wie oft dabei der ganze Konstitutionalismus zur Farce und die Kammer zu einem lächerlichen Scheinparlament criiiedriat wurden, weiß jeder, der die belgische Politik verfolgt. In besonderer Erinnerung steht noch jener Brief des Königs, in dem er mit unerhörtem Zynismus die Rechte der Kammer verhöhnte und den Kongo als sein„persönliches Werk" reklamierte. Die Kammer hat damals eine Art mannhasten Anlauf genommen, und die Rc- gierung mußte sich mit süßsaurer Miene dazu verstehen, bezüglich der Annexion eine klare Zusage zu machen. Seit geraumer Zeit berät nun bereits die sogenannte Siebzehnerkommission die bc- treffenden Vorlagen, und auch die Bevollmächtigten Belgiens und der„Kongoregicrung" haben sich über die Bedingungen der Annexion verständigt. Während der ganzen Zeit war der König so gut wie gar nicht in Belgien, und bekanntlich mußten sich die Minister, wenn sie mit dem Landesherr» zu beraten hatten, nach>— Paris begevenl So nebenbei liefen noch einige nette Skaudälchen, indem z. B. der König seine„Erlasse" aus einem Orte datierte, an dem er überhaupt nicht„wohnhaft" gewesen lvar.... Jetzt erfährt man, daß der König die Absicht hat, nach dem Süden zu gehen und vor Ende Mar überhauvtnicht nach Brüssel zurückzukehren! Die Herren Minister sind darob doch in einiger Verlegenheit; denn wenn sie in der Fori e n zei t dem König auch alleruntertänigst nach Paris nachgereist sind, so ist jetzt, da die Kammer eröffnet wird, die Sache etwas komplizierter, und das um so mehr, als die Minister durch die Ver- Handlungen der Srebzehiierkommission und die Kongodobatte der Kammer mit ihrem„Herrn"— und das ist der König für sie in des WorkeS wahrster Bedeutung in der Kongoangclcgenhcit— einige wichtige Dinge zu beraten haben werden. Der„Soir" Will denn auch aus bestimmter Quelle wissen, daß die Minister, nach- dem bereits Deputierte und Senatoren bei ihnen wegen der Ab- Wesenheit dcS Königs und des„Mißbehagens", das dieic im Lande verursacht, vorgesprochen hätten, beim König Schritte unternchmen werden oder sie schon unternommen haben, um ihn mit Rücksicht auf die Kainiiiereröffnuiig und die Kongovcrhandlungcn zur Rück- kehr zu veranlassen. Mag die Mitteilung nun rickitig sein oder nicht— das offizielle RegicrungSorgan pflegt derlei Dinge sonst zu dementieren—, bezeichnend ist sie ledcnfalls genug; denn wahrlich, kein HandliingSrcisendcr letzter Güte brächte es über sich,„sein HauS so schofel zu repräsentieren wie dieser König, der mährend der wichtigsten Entscheidungen„seines" Reiches nur das Bedürfnis nach Amüsement und„Erholung" bekundet, sein Land „repräsentiert". Aber freilich. Ivas sollte Leopold während der Kongoverhandlungcn in der Hauptstadt?.Hat er incht von allem Anfang an seinen Willen in der Annexionsfrage festgelegt? Hat er sich nicht durch seine famosen„Verträge" schon von vornherein gegen Eingriffe in sein Eigentum im Kongo geschützt und mit der Einrichtung der„Krondomäne", die unangetastet bleiben soll, nicht überdies das fetteste Sechstel der Kolonie in Sicherheit gebracht? Und von der offiziellen Regierung abgesehen, hat Leopold ja den „Siaatsminister" W o c st c in der Kommission uird in der Kammer. und wirklich, was das Geschäft mit dem Kongo betrifft, so kann der König sich ruhig auf diesen seinen Gctrcuesteu verlassen. Bleibt nur noch das„Wohl des Landes"... Sollte Leopold das zwischen Geschäft und Amüsement gar vergessen haben? Jedenfalls„leistet" cr immerhin etwas, indem er beweisen hilft, wie überflüssig im Grunde doch solch König ist.— ßolland. Die Zustände in den Kolonien. Am Mittwoch erörterte die Zweite Kammer das Budget für die ostiiidischen Kolonien. Deputierte verschiedener Parteien wiesen ans die von den Zeitungen berichteten Grausamkeiten hin, welche gegen die Atchinesen begangen sein sollen. Der Minister für die Kolonien Dr. D. Foc! erklärte, diese anonymen Mitteilungen seien durch die aintlichen Berichte zurück- gcivicscn worden. Um jeden Grund zur Beunruhigung zu be- seitigen, werde sich der Ecneralgouvemeur van HeutSz nach Atsch zur Prüfung der Lage begeben. Genosse van Kol hält eine solche Uiitcrsuchimg für ungenügend und nicht ernsthaft und brachte daher einen Antrag auf Erhebung einer unparteiischen Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen ein. Der Liberale Dzerman stellte einen Antrag, in welchem baS Vertrauen zu der Unparteilichkeit der Untersuchung des GeneralgouverneurS ausgedruckt wird. Der Antrag van Kol ward verworfen; für ihn stimmten nur die Sozialisten, der Antrag yzerman gelangte zur Annahme.»-- Rußland. Fromme Wünsche. Die reaktionären Abgeordneten Südrußlands beschäftigten sich vorgestern in einer Konferenz mit ihrer Haltung in der Duma. Es wurde beschlossen, die Negierung zu ersuchen, über ganz Südnißland den Belagerungszustand zu verhängen, die Feldgerichte wieder einzuführen und die Nevolutionären mit großer Rücksichtslosigkeit, aber innerhalb der gesetzlichen Schranken zu bekämpfen. Die Abgeordneten waren bei alle- dem»vcnigstens so gütig, zu erklären, daß sie den Pogrom und die Gewalttätigkeiten mißbilligen.— Bulgarien. Das Polizciregiment. Sofia, 3. November.(Eig. Ber.) Die Gemüter im Lande sind erregt, und diese Stimmung wird durch die wirtschaftliche KrisiS verstärkt, die durch die Raubpolitik der Regierung schmerzlich zugespitzt ist. Schon pocht der Hunger an die Türen. Indessen läßt sich die hohe und höhere Beamten- schaft nicht stören: sie setzt ihre Diebereien an den Staatsmitteln munter fort, und jeden Tag werden neue Missetaten auf diesem Gebiete aufgedeckt. Doch allmählich wird der Regierung vor der erwachenden Empörung im Lande bange, wenn sie einstweilen auch in ihrem Wüten gegen das Volk keine Schranken kennt. Für den Tag der ParlamentScröfsnung bereiteten die Sozial- demokraten Straßendcmonstrationen vor. ES sollte ei» Protest gegen daö„Parlament" erhoben werden, das die Werkzeuge zur Knechtung des Volkes so raffiniert zu schmieden weiß. Tie Polizei wollte nun aber durch dergleichen Kundgebungen die werten Herr» sehenden in ihrer behaglichen Ruhe nicht stören lassen. Ohne jeden gesetzlichen Grund, ja sogar ohne irgendwelchen Vor wand ließ sie die Demonstration in der Hauptstadt verbieten. Und als die Arbeiter dieser gesetzwidrigen Verfügung nicht Folge zu leisten und die Demonstration trotzdem zu veranstalten versuchen wollten, da griff man mit„starker Hand" ein, so daß S Personen schwer und mehr als 30 durch die Gendarmensädel und Jlintcnkolbcn leichter verletzt wurden. Tie übereifrigen Herren von der Polizei, die sich stets berufen fühlen, daS Regime unseres Ferdinand zu„retten", begnügten sich mit diesen Leistungen nicht. Sic stürzten wütend in die sozia- listischen Klubs, zerfetzten die dort hängenden Fahnen und trieben die versammelten Arbeiter fort. Diesen rohen ucbergriffcn hat das bulgarische Bürgertum wiederum mit aller Gemütsruhe zugeschaut. ES handelt sich la blvß um Arbeiter- Rechte!— Nun, die„Demonstration" der Gendarmen hat immerhin zur Aufklärung der Massen beigetragen; denn man konnte wieder ein» mal sehen, was eigentlich eine Polizeiherrschaft bedeuten kann...... Amerika. Die auicriklinlsche Politik in China behandelte der Krieg?- minister Taft in Shanghai in einer große» Rede. Taft kam von den Philippuien auf seiner Weltreise nach China und wurde in Shanghai großartig empfangen. Er erklärte, daß die Vereinigten Staaten wie alle Mächte, die für die Politik der„offenen Tür" in China eintreten, die Reformen in dem neu- erwachenden großen Reiche willkommen heißen sollten. Die Bcr» einigten Staaten hätten kein Verlangen nach Territorium in China, aber ein außerordentlich hohes Jntcrcssc an guten Handels- beziehungen; denn die gewaltig sich ausdehnende Industrie der Vereinigten Staaten brauche neue Märkte. Den vor Jahresfrist gegen amerikanische Waren in China eingeleiteten Boykott berührte Taft nur kurz als einen Vorfall, der als abgeschlossen zu betrachten sei. Die Amerikaner verfolgen den Fortschritt Chinas mit aufmerksamen Blicken, so meinte cr. und sie seien überzeugt, daß die Bedeutung dieses RiesenrcicheS für die Zukunft gar nicht hoch genug geschätzt werden könne. In der ganzen Welt sei gegen- wärtig keine diplomatische Vertretung den Amerikanern wichtigcralSdiein Peking.— Die Rede soll in offiziellen Kreisen in China großen Eindruck gemacht haben;«tan weih, daß Taft als Kundidat für den nächsten PräsidcntschaftStcrmin in vielen Kreisen angesehen wird, und das Bestreben der Amerikaner. mit China gute Beziehungen aufrecht zu erhalten, erkennt mau seit den letzten Jahren immer mehr an. kommunales. Stgdtpcrordnetcn-Bcrsammluna. 30. Sitzung vom Donnerstag, den 7. November 1907, nachmittags V Uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Dr. Langerhans nach b'/h Uhr eröffnet. Ein Dankschreiben der Kaiserin für die ihr zum Gc- burtstage übermittelte Glückwunschadresse wird verlesen. In den Ausschuß für die Vorbcratung der Anträge A r o n s wegen Umgestaltung der Vorschriften für da« städtische Submisslvnswcsen bczw. wegen Ausdehnung des Kreises der in städtischer Regie auszuführenden Gemeliidearbcitcn sind von der sozialdemotratischen Fraktion die Stadtvv. Fische r", Koblenzer, Pfanntuch und Ritter delegiert worden. Zunächst Wird in gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Magistrat, unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschncr, die Wahl eines Mitgliedes sowie deS dritten stellvertretenden Mitgliedes der Abteilung II deS Bezirksausschusses durch Zuruf vollzogen. Darauf kommt die vom Magistrat bereits am 11. Juli d. I. der Vcrsaiiimlung übersandte Vorlage betr. den Ankauf eines Teils der Wuhlyeide zur Verhandlung. Es handelt sich um das Jagen 353, welches etwa 15 Hektar groß ist und welches der ForstfistuS zum Preise von 7,50 Ä. pro Oeiadratmetcr an die Stadt ablassen will. Das Terrain liegt unweit der Villcnkolonie und des Bahnhofs Karlshorst und grenzt an das der Stadt bereits gehörige, für eine weitere Gasanstaltbestimmte Gelände sowie an den Rummelsburger Grundbesitz der Stadt Berlin, der durch den Erwerb besser abgerundet würde. Der Kaufpreis würde 1% Million betragen; der Baumbestand ist vom Verkauf aus- geschlossen. Auf Antrag Werner(N. L.) wird die Vorlage einem Aus- schuß überwiesen. Mit dem Verkauf eines am S ü d u f e r gelegenen Grundstücks von 7183 Quadratmeter Größe, zum Preise von 80 M. pro Quadratmeter, an die B e r l i n e r E l e k t r i z i t ä t S- werke hat sich der niedergesetzte Ausschuß einstimmig ciiwcr- standen erklärt. Nach dem Referat des Stadtv. S ö k e l a n d i.A. L.) nimmt auch die Versammlung die Vorlage einstimmig an. Dagegen hat die Magistratsvorlagc betr. die Abänderung des Bebauungsplans auf dem Gelände der Bötzow- G i I k a schen Erben vor dem Ausschuß keine Gnade gefunden. Nach langer Debatte, in welcher die Ansicht durchdrang, daß die Vorteile bei der vorgeschlagenen Aufhebung des Geländes weit mehr den Besitzern als der Allgemeinheit zugute kämen, hat der Ausschuß schließlich einstimmig die Vorlage abgelehnt und folgen- den Gegenantrag empfohlen: den Magistrat zu ersuchen, I. zur Herstellung der Kanalisation im Bereiche des Geländes eine Kabinettsorder zu erwirken; 2. mit den Eigentümern wegen Verbesserung des Bebau- ungSplans weiter zu verhandeln, unter Berücksichtigung dcS Platzes und Verbesserung des EtraßenbildcS; 3. dabei Bedacht darauf zu nehmen, daß genügend Grund- stücke für Schulen zur Verfügung gestellt werden; 4. daß ein Platz in der vorgesehenen Größe von 11—-12 000 Quadratmeter als öffentlicher Platz erhalten bleibt. Referent dieses Ausschusses ist Stadtv. Kyll m a n n(Fr. Fr.). Ohne jede Diskussion wird nach den Ausschußanträgen beschlossen. Im Anschluß an den letzten Ouartalöbericht über den Ge- schäftsbetrieb der Sparkasse bemängelt Stadtv. Nelke(A. L.) abermals die unglaubliche Verschleppung, welche das neue Sparkassenstatut im Magistrat erfahre. Schon vor 6 Wochen sei die baldige Vorlegung zugesagt worden. Stadtrat Gehricke: Der Magistrat hat flir diesen Entwurf eine kleine Subkommisfion eingesetzt, die ihn noch berät. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Wir hören zu unserem großen Befremden, daß das neue Statut, welches schon im September an uns gelangen sollte, wiederum im Magistrat einer Subkommisfion überwiesen ist! Bei dieser bureaukratischen Schwerfälligkeit werden wir wohl die Vorlage in diesem Jahr hier nicht mehr erleben. In dem Verfahren des Magistrats müssen wir geradezu, willigen ein Gewerbe machen, indem sie die Notlage der pino wirhfrtrfiHitt/t her Berlammluna fcftcn. Wie lange soll es Arbeiter ausnuhen» ist größte Vorsicht ani Platz. eine Nichtachtung der Versammlung sehen. denn damit noch dauern? Stadtv. Werner wendet sich speziell gegen das Verlangen, daß die Sparkasse einen höheren Zinsfuß gewähren solle; es werde bei einem mäßigen Zinsfuß zu verbleiben haben. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen. Von den Erben des verstorbenen Bankiers Julius Bleich- rüder sind der Stadt 200 000 M. als Stiftung angeboten worden zu dem Zweck, bedürftigen, gesunden Ge meindeschülcrn und- schülerinncn übcr 12 Jahre mehrtägige Fericnausflügc zu ermöglichen. Mit den Zinsen soll auch ein Teil des Grundvermögens verwendet werden, so daß dieses in etwa 20 Jahren aufgebraucht ist. Die Versammlung tritt dem Magistratsantrage, der Annahme der Stiftung zuzustimmen, ohne Debatte bei. In Verfolg der aus der Versammlung gegebenen Anregungen macht der Magistrat jetzt den Vorschlag, auf dem städtischen Gc- lände in B u ch eine Waldcrholungsstätte für 200 schwäch- lichc schulpflichtige Kinder zu schaffen. Zu diesem Zweck sollen etwa ö Hektar Wald eingezäunt und apticrt werden; zu gleicher Zeit sollen immer 200 Kinder eines Geschlechts 8—10 Wochen untergebracht werden, so daß im Sommer im ganzen 400 Kinder diese Wohltat genießen. Für die Hcrrichtung und die notwendigen Baulichkeiterl(offene Speisehallc, Schlaf-, Schul- und Wirtschafts- baracken, Liegehallen, Turnplatz usw.) sind anschlagswcise 300 000 Marlin den Etat eingestellt. Stadtv. Crcmer(Ar. Fr.): Nachdem seinerzeit der Stadtv. Arons die Errichtung von Waldschulen für schwächliche Kinder be- antragt hatte, ist dieser Antrag von der Versammlung abgelehnt, aber gleichzeitig beschlossen worden, den Magistrat zu ersuchen, die Schaffung von Walderholungsstättcn in Erwägung zu ziehen. Das uns jetzt vorgelegte Projekt, welches ein vollständiges Gc- nesungshcim vorsieht, entspricht nicht ganz meinen Anschauungen. Stadtv. Dr. Wehl: Die Mängel, die wir an der Vorlage auszusetzen haben, liegen hauptsächlich darin, daß die hygienische Verpflegung der Kinder viel zu wünschen übrig lasten würde. Die Einrichtung soll dock) für schwächliche Kinder ins Leben treten; wie soll eine Gemeindeschwester die gesundheitliche Verpflegung dieser Kinder wahrnehmen? Es muß auch dafür gesorgt sein, daß ein Arzt die Kinder gesundheitlich behandelt und uberwacht. Auch in der Badeanlagc ist ein Mangel zu konstatieren; mit einem Brausebad und zwei Wannen kann man nicht auskommen. So- dann würde es richtiger sein, den Aufenthalt dcL einzelnen Kindes auf acht Wochen zu normieren und einen dreimaligen Turnus durchzuführen, wodurch 600 Kinder hinausgebracht werden könnten. Wir sind verpflichtet, soviel Kinder wie möglich dieser Wohltat teil- haftig zu machen. Ebenso hat man den tuberkuloseverdächtigen Schulkindern ganz besondere Sorgfalt zu widmen. Wir empfehlen somit ebenfalls: Ucbcrwcisung der Vorlage an einen Ausschuß von 13 Mitgliedern. Stadtv. Dr. Biitow(Fr. Fr.) findet die geforderte Summe von 300 000 M. für Barackenbautcn unverhältnismäßig hoch. Stadtv. Sachs(A. L.): Aus unserer Anregung ist im Magistrat etwas ganz anderes herausgckonimen. Wir wollten eine Er- holungsstätte nach Charlottenburger Muster; hier wird uns eine vollständige Heimstätte für Genesende vorgeschlagen. Die Not- w e n d i g k c i t einer solchen Einrichtung muß uns erst noch nachgewiesen werden. Es handelt sich hier wesentlich um eine Maßregel der Armenpflege. Stadtv. Rosenow(N. L.): Diese Anschauung wird von der Mehrheit der Versammlung sicher nicht geteilt. Es kommt darauf an. schwächere Schulkinder in dieser Erholungsstätte unterzu- bringen; es handelt sich um eine Schul-, nicht um eine Armen- angelegenheit. Stadtv. Sachs: Das bestreite ich eben. Den Antrag auf Er- richtung von Wald schulen hat die Versammlung abgelehnt. Wir wollten uns entlasten von der Verpflichtung, schwächliche Kinder an die See und sonst in die Welt hinaus- zuschicken und dafür große Summen auszugeben. Die Vorlage geht hierauf an einen Ausschuß. Zum Zweck der Verbreiterung der Landsberger- sr r a tz e will der Magistrat die Grundstücke 49 und 51 für 680 000 Mark ankaufen. Dieser Preis entspricht einem Preise von 462 M. pro Quadratmeter. Der Besitzer hatte ursprünglich 700 000 M. gefordert. Stadtv. Manaste(Soz.) beantragt Ausschußberatung. Stadtv. Brunzlow(Fr. Fr.) hält dies für überflüssig, da ein für die Stadt günstigeres Resultat doch nicht zu erreichen sein würde. Stadtv. Manasse: Die Forderung von 700 000 M. war bereits darauf berechnet, daß etwas abgehandelt werden könnte. Der Bc- fitzer wird auch weiter mit sich reden lasten. Stadtv. Habcrland(A. L.): Die Baudeputation hat die Sache aufs gründlichste geprüft. Der Preis ist durchaus angemessen; Ausschußberatung würde gar keinen Zweck haben. Stadtv. Brunzlow: An sich, haben wir gegen einen Ausschuß nichts, aber erreicht würde damit auch nichts als eine Verzögerung der so dringend nötigen Verbreiterung der Straße. Der Besitzer hat sich nur bis zum 22. d. Mts. gebunden. Der Antrag auf Ausschußberatung wird von der Mehrheit nach zweimaliger Abstimmung angenommen; dem Verlangen nach Anstellung der Gegenprobe gibt der Vorsteher nicht statt. Schluß der öffentlichen Sitzung%7 Uhr. Gcmrkfchaftlicbcf). Lästige Ausländer. Sobald im Westen Deutschlands irgend ein Streik ans- bricht, begeben sich Agenten nach Holland, um dort Streik- brecher anzuwerben. Diese„nützlichen" Elemente werden dann gehätschelt und stehen unter dem besonderen Schutz der Polizei. Doch sobald sich diese Leute jedoch den Arbeiter- Organisationen anschließen, ganz gleich welche, haben sie es mit den Unternehmern sowohl als den Behörden der- dorben. Betätigen sie sich nun noch in der Organisation. dann können sie sich darauf gefaßt machen, daß ihnen eines Tages die Aufforderung zugeht, innerhalb einer bestimmten F r i st Preußen zu der- lassen, weil sie sich„lästig" geniacht haben. So ist jetzt in Kevelaer die Polizei dabei, die Holländer, welche sich in der christlichen Gewerkschaftsbewegung bemerkbar machen, auszuweisen. Dieser Tage wurde auch der Vorsitzende des christ- lichen Manrcrverbandes ausgewiesen. Der Mann ist über ll Jahre in dem Orte, ist verheiratet und hat vier Kinder. Die Erregung unter deil Arbeitern in Kevelaer ist infolge dieser Vorgänge sehr groß. Ten christlichen Arbeitern wird auf solche Weise von ihren politischen Gesinnungsgenossen. den Zentrninsführern, welche die städtische Verwaltung in Kevelaer beherrschen. Klassenbewußtsein eingebläut. Uns kann dieses recht sein._ Berlin und rlmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Da zurzeit wieder einmal ver- sucht wird. Kollegen nach außerhalb zu locken, um sie dort als Lohn- und Streikbrecher zu benutzen, ersuchen wir dringend, bei jedem Arbeitsangebot nach auswärts sich erst an unser Bureau um Anskunft zu wenden. Die Auskunft wird am besten persönlich geholt. Da es leider in Berlin dunkle Existenzen gibt, die sich aus der Vermittelung von Arbeits Deutscher Metallarbciter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Töpfer! Tie für Ende dieser Woche in AuSsickit ge- nommene Versammlimg kann nickit statlfinde». da die neuen Tarife noch nicht fertig sind. Dieselbe soll nunmehr am Montag der nächsten Woche bei Keller stattfinden, wo die Ausgabe der neuen Tarife gegen Vorzeigung des Verbandsbuches geschieht. Sollten bei der Lohnzahlung betreffs der Oefen oder Herde, Zweifel über die zu zahlenden Preise ent- stehen, so wende man sich tclephonisch an das Verbandsbureau. Amt 4. Nr. 9897. Gleickizeilig weisen wir darauf hin, daß vom Sonnabend, den 9. November ab wieder die üblichen Arbeitslosen- Konlroll- und Zahlstunden in den Bezirken ftatlfiudeu. Folgende Firmen sind noch als gesperrt zu betrachten: Heinrich Runge, Johannes T w a r d y, Otlo Raasch, Neubert u. Knortz und Pokrzykowski. _ Die Verbandsleitung. Der erste Streik bei den Bauarbeiten für den Großschiffahrtsweg Berlin— Stettin ist Ende voriger Woche eingetreten. Bei den gegen- wärtig stattfindenden Ticfbauarbeiten bei Haselhorst sind unter Leitung eines Ingenieurs 34 Galizier beschäftigt, die sich zum Teil mit ihren Frauen an der Arbeitsstelle aufhallen. Die Ablohuung der Leute erfolgt in der Weise, daß die Abrechnungen von Freilag zu Donnerstag staltfinden. Mit diesem Zahlungsmodus war die Frau eines Arbeiters unzufrieden und sie stellte dre Forderung, daß ihrem Manne auch der Lohn für Freitag und Sonnabend sofort ausgezahlt werde. Es entstand infolgedessen ein Streit, bei dem sich auch die übrigen Arbeiter beteiligten, die den Ingenieur bedrohten. so daß dieser polizeiliche Hülfe requirieren mußte. Erst nachdem eine größere Anzahl Gendarmen erschienen waren, gelang es, die Arbeiter zu beruhigen. Ein großer Teil der Galizier erklärte jedoch, nicht weiter arbeiten zu wollen und wurde darauf sofort abgelohnt. Deutfehea Reich. Doch noch eine Berständigung in der KnappschaftSstatuten- Angelegenheit? Die Siebenerkommission und die Aeltestcnkommission hielten am Dienstag nachmittag eine gemeinsame Sitzung ab, in der be- schloffen wurde, folgende Eingabe an den Vorsitzenden des Allg. Knappsckiaflsvcrcins, Geheimrar Dr. Weidtmann, zu richten: „Nachdem in den letzten Tagen in verschiedenen bürgerlichen Zeitungen der Wunsch auf Verständigung über daö ÄnappschaftS- statut geäußert und auch die„Rheinifch-Westfälifche Zeitung" in ihrer Morgenausgabe vom 2. November einer Verständigung das Wort redet und dabei auch ein Entgegenkommen der Werks- besitzer in Aussicht stellt, fragen wir hiermit bei den Herren Wcrksvertrctcrn an, ob sie geneigt sind, auf Grund folgender Vorschläge in neue Verhandlungen mit der in der Gencralver- sammlung am 28. September gewählten besonderen Kommission einzutreten. Falls die Herren Werksvertreter dem bekannten, am 1. Oktober gemachten Vermittelungsvorschlag des Herrn Rc- gierungsvertreters. Geheimen Lberbcrgrals Steinbrink, zu- stimmen, würden wir uns erlauben, den ebenfalls am 12. Oktober seitens der Aeltesten hinzugefügten Vermittelungsvorschlag(den Mitgliedern mit 5 bis 22 BcitragSjahren noch eine um jährlich zirka 49 M. höhere Rente zu gewähren) nun in beiliegende Skala zu kleiden. Wir schlagen vor, die Rcntenbercchnung und -Steigerung nach beigefügter Tabelle zu regeln. Ferner bitten wir, uns mitzuteilen, ob die Herren Werksvertreter geneigt sind, auf Grund dieser entgegenkommenden Skala in eine neue Ver- Handlung einzutreten." Die Erhöhung der Bezüge gegenüber den in dem Statuten- cntwurf voni 12. Oktober enthaltenen Loätzen würde nach der im Vorstehenden erwähnten Skala betragen: Bei einjähriger Dienst- zeit 5,72 M., bei zweijähriger Dienstzeit 11,44 M., bei dreijähriger Dienstzeit 17,16 M., bei vierjähriger Dienstzeit 22,88 M., bei fünf- jähriger Dienstzeit 28,60 M., bei sechsjähriger Dienstzeit 34,32 M., bei fiebenjähriger Dienstzeit 34,84 M., bei achtjähriger Dienstzeit 35,36 M., bei neunjähriger Dienstzeit 35,88 M., bei tzehn- bis zwanzigjähriger Dienstzeit 36,40 M., bei cinundzwanzigjähriger Dienstzeit 30,16 M., bei zweiundzwanzigjähriger Dienstzeit 23,92 M., bei dreiundzlvanzigjähriger Dienstzeit 17,68 Ä., bei vierundzwanzig- jähriger Dienstzeit 11,44 M., bei fünsundzwanzigjährigcr Dienst- zeit 5,20 M., bei sechsundzwanzigjähriger Dienstzeit 4,16 M., bei sicbcnundzwanzigjähriger Dienstzeit 3,12 M., bei achtundzwanzig- jähriger Dienstzeit 2,08 M., der neunundzwanzigjähriger Dienst- zeit 1,04 M. Die Tabelle bedenkt also mit den stärksten Steigerungs- sätzcn die Invaliden derjenigen Dienstaltersstufen, bei denen der Wegfall des Kindergeldes hauptsächlich fühwar wird. BergarbeiieratiSssanp. Auf dem Silesiaschacht bei Dziedzitz(Oesterreichisch-Schlesien) sind 500 Bergarbeiter in den Ausstand getreten. Die Ursache de? Ausstandcs ist bisher nicht bekannt. Die Angestellten der Wiener OmnibuLgescllschaft haben nach einer teleqrvvbischen Meldung beschlossen, in den Ausstand zu treten._ Kämpfe in der schweizerischen Uhrenindnstrie. In Biel sind rund 1000 Uhrfedcrnarbeiter ausgesperrt. 955 Steinarbeiter, die sich auf 17 Orte und ebenso viele Verbandssektioncn verteilen, haben auf 14 Tage gekündigt, um eine 15prozcntige Lohnerhöhung zu erringen. In Chaux-de-Fonds ist der Streik der Schalenmachcr infolge Verständigung der beiden Parteien beendet worden. Da- gegen sind die Uhrenschalendekorateure in Biel mit einem neuen Arbeitsvertrag in eine Lohnbewegung getreten, die Lohnerhöhung und Anerkennung der obligatorischen Gewerkschaft zum Ziele hat. Streikleiter, Untcrnrhmcr und Polizei. Wie innig der Konnex zwischen Polizei und Unternehmern ist, zeigt ein Prozeß, der dieser Tage vor der Strafkammer in Krefeld verhandelt wurde. In einer dortigen PapierveraibeitungSfabrik war ein Streik ausgebrochen, der. wie wir gleich bemerken wollen, mit einem Siege der Ausständigen endete. Zwei Arbeiterinnen hatten sich den Streikenden nicht angeschlossen; der Streikleiter. Gewerkschastssekretär Lewerentz, appellierte nun an das Ehrgefühl der Arbeitswilligen und suchte sie zur Niederlegnng der Arbeit zu bewegen. Diese Unterredung, die vor der Arbeiisstätte stattfand, war von dem Unter- nehmer und einem Polizeikommissar beobachtet worden. Sofort wurden die Arbeiterinnen in das Kontor gerufen und ihnen, als sie die Uirterredung wiedergegeben, erklärt, daß sie Strasantrag wegen — Beleidigung zu stellen hätten. Trotz ihrer Bemerkung, daß sie sich gar nicht beleidigt fühlte», mußten sie den Strasantrag unterschreiben, so befahl es der Polizeikommissar. Vor dem Schöffen- gericht sagten die Zeuginnen nochmals, daß sie sich nicht beleidigt gefühlt und daß sie mir gezwungenermaßen den Antrag unter- schrieben hätten, tut nichts. Genosse Lewerentz wurde wegen Be- leidigung zu 25 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt und hatte sich nun die Strafkammer in Krefeld mit der Sache zu befaffen. Auch hier sagten die Zeugen auö, daß sie zur Stellung des Strafantrages gezwungen worden ivären. Nachträglich sind sie noch einmal zu dem Kommissar, Ringleb heißt der Mann, gekommen und haben er- klärt, daß sie den Strafantrag zurücknehmen wollen, Aussagen würden sie nicht machen. Der Polizeikommiffar habe behauptet, der Antrag könne nicht mehr zurückgenommen werden und wenn sie, die Zeuginnen, nicht aussagen würden, so steckte man sie einfach ins Gefängnis. Die beeideten Aussagen wurden protokolliert und wird gegen den Kommissar die Untersuchung wegen Mißbrauch seines Amtes ein- geleitet. Gcnoffe Lewerentz wurde von der Anklage der Beleidigung frei- gesprochen, weil kein Strafantrag vorlag. Dann aber wegen Ehr- Verletzung auf Grund des ß 153 der Gewerbeordnung zu 25 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses merkwürdige Urteil, der ge- nannte Paragraph sieht sonst mir Gefängnisstrafe vor, ist Revision angemeldet. HuoUmd. Ein Unternehmerstreik. Die Droschkcnbesitzer in Troppau stellten das Fahren ein, weil die Behörde eine neue Betriebsordnung durchführen wollte. Kein Kampf im englischen Eisenbahndienst? Zwischen den englischen Eiscnbahngcsellschaften und ihren An- gestellten ist nach telcgraphischen Mitteilungen aus Loirdon nun eine Einigung herbeigeführt worden, die den Bemühungen des Handels- Ministers Llohd-George zu danken ist. Tic Gesellschaften und Vertreter der Verbände der Angestellten erklären sich bereit, die Regelung aller Fragen, die sich auf die Löhnung und Arbeitszeit beziehen, auf gütlichem Wege durch ein Schiedsgericht zum Austrag zu bringen. Tie Zlngestcllten jeder einzelnen Gesellschaft werden in Abteilungen eingeteilt werden, die Vertreter wählen, welche Sitz in den Vvu beu Gesellschaften im Interesse dieser Abteilungen zu bildenden Kammern haben. Jede dieser Kammern wird sich nur mit Fragen zu beschäftigen haben, welche die betreffende Abteilung angehen. Sollten die Kammern nicht zu einer Verständigung über einen Streitfall ge» langen können, so wird dieser an eine Zentraleinigungskammcr ver- wiesen werden, die für jede Gesellschaft gebildet wird. Sollte auch diese bei ihren Einigungsversuchcn keinen Erfolg haben, so wird die Entscheidung der Frage einem Schiedsrichter übertragen werden, der durch Ucbereinkommcn zwischen der Verwaltung der Gesell- schaften und ihren Angestellten oder, falls ein solches Ueberein- kommen nicht erzielt wird, von dem Sprecher des Unterhauses und dem Archivdircktor'des Handelsamts bestimmt wird. Letzteres hat auch alle Fragen über die Auslegung des vorstehenden Abkommens zu entscheiden. Die Kandidaturen für die Kammern der ein- zelncn Abteilungen sind ebenfalls beim HandclSamt anzumelden, welches die Wahllisten aufstellt und die Stimmen zählt. DaS Ende des TelegraphistenstreikS in Amerika. Ter Verband der Tclcgraphistcn hat nach Meldungen aus New Dork und Chicago beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Letzte]Vacbnchtcn und Depefeben. Betrügerischer Bankerott. Essen(Ruhr), 7. November.(Privatdepcschc des„Vorwärts".) Die Düsseldorfer Strafkammer verurteilte heute abend wegen Vergehens gegen den Z 148 des GenosscnschaftSgcsctzcs(unter- lasscite Konkursanmcldung, Bilanzverschleierung) sowie Betrugs die früheren Vorstandsmitglieder des Jnchcncr Vorschußvcreins, Bankdircktor Brandt zu 1 Jahr Gefängnis 500 Mark Geldstrafe, ?!otariatsgehülfe Neust zu 8 Monaten Gefängnis 200 Mark Geldstrafe, Buchhalter Are«, zu 2 Monaten Gefängnis. Brandt wurde wegen Fluchtverdacht verhaftet. Wassermangel in Stnttgart. Stuttgart, 7. November.(W. T. B.) Hier droht Wasser- mangel einzutreten; die Wasservorräte des Seewasscrwerkes haben sich so vermindert, daß die Stadt nur mit filtriertem Neckarwasser versorgt werden kann. Da der niedrige Wasserstand des ZleckarS die Zuführung zureichender Mengen von Flußwasser erschwert, ist die Bevölkerung amtlich aufgefordert worden, den Wasser- verbrauch einzuschränken._ Ehrengaben für Dichter. Wien, 7. November. iW. T. B.) DaS Kuratorium der Bauernfeldstiftnng hat den Schriftstellern Wilhelm Raabe-Braun» schweig und Kurt Lastwitz-Gotha Ehrengaben von je 2000 Kronen zuerkannt._ Diskonterhöhung. Zürich, 7. November.(W. T. B.) Die Rationalbanl hat den Diskont von V auf Prozent erhöht. Explosion. Anncch(Departement Haulc-Savorie). 7. November. (W. T. B.) Bei einer Explosion, die sich in einem an der Eisen» bahnlinie nach Chamonix gelegenen Steinbruch ereignete, wurden drei Personen getötet, zwei werden noch vermißt. Ueberschwemmung im siidlichen Frankreich. BcziereS(Departement Herault), 7. November.(W.?. B.) Infolge der Ueberfchwemmungen find hier mehrere Häuser ein» gestürzt. Neun Personen wurden unter den Trümmern begraben, mehrere wurde» getötet. Der beleidigte Würdenträger. Rom, 7. November.(W. T. B.) Die Strafkammer verhandelte heute gegen drei Personen, welche angeklagt waren, den Kardinal Merry dcl Bat am 3. September beleidigt zu haben, als er von Cantelgandolso nach Albano fuhr. Ein Angeklagter wurde zn 46 Tagen Gefängnis verurteilt, die beiden anderen wurden frei, gesprochen._ DaS Urteil im Gurko-Prozest. Petersburg» 7. November.(W. T. B.) Der höchste Gerichtshof erkannte den früheren Gchülfen dcö Ministers des Innern, Gurko, für schuldig, dem Staat einen Bcrliist von mehr als einer halben Million Rubel verursacht zu haben und verurteilte ihn deshalb zur Amtsentsetzuug und zum Verlust der Zähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter für die Dauer von drei Jahren. Opfer des Verkehrs. Washington, 7. November.(W. T. B.) Nach einem Berichte der Kommission für den zwischenstaatlichen Handelsverkehr hat die Zahl der bei Eisenbahnzusammenstößcn und Entgleisungen getöteten und verletzten Passagiere in beunruhigendem Grad« zu» nommen. In dem am 36. Juni zu Ende gegangenen Jahre fanden 5000 Personen den Tod, 76 285 wurden verletzt. Die Zunahme gegen das Vorjahr beträgt 775 bczw. 9577 Personen. Naturgewalten. Sidnch, 7. November.(B. H.) Eine heftige Flutwelle schädigte Sewai, die größte der Samoa-Jnscln. Die Eruptionen des Bullaus nehmen zu. Man glaubt, es werde eine graste Insel östlich von Sewai entstehen. Veiantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin..Inseratenteil verantw.:?h.Gl»cke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul SingerLcCo..Berlln ZW. Hierzu 2 Beilngeiiu.Unterhaltungsblatt' Nr. 262. 24. Jahrgang. 1. Keilte des Jotmiirtö" letliner|loltelilatl frtifiiii, 8. ilotratft 1907. Der Boyltott gegen fandorf und das Varenhaus des Aeitens. An den Wassern zu Babel! Der Verband der Waarcn- und Kaufhäuser, dessen Mit- .}ficd Herr Jan d orf erst seit kurzem ist. mußte sich dieser Tage in einer Versammlung mit der Kalanntät befassen, in welche sein jüngstes Schmerzenskind durch den Boykott geraten iit, den die Berliner Arbeiterschaft als Antwort auf den Hinauswurf der vorher von ihm brüskierten 164 Hausdiener gegen seine Geschäfte verhängte. Es waren auch die Mit- glieder der Berliner Spezialgeschäfte anwesend, darunter Herr G r ü n f e l d und Herr Heinrich Jordan. Vom Verband der Waaren- und Kaufhäuser waren erschienen Herr Oskar T i e tz, Herr Wilhelm Stein, die beiden I a n d o r f s und ihr Buchhalter Herr Ksinski, Herr Dr. Emden von M. I. Emden Söhne, außerdem einige kleinere Warenhaus besitzer. Herr Jandorf trat sehr gedrückt und kleinlaut auf und wollte von den anwesenden Herren Rat darüber haben, ob er auf die Flugblätter antworten solle. Er wollte eine Entgegnung in den Zeitungen erlassen, die nach seiner In seratenflöte tanzen. Herr Dr. Emden war der Meinung, daß der„Vorwärts" von allen Geschäften Berlins boykottiert werden müßte. Dann werde der„Vorwärts" schon selbst einsehen, daß er mit den Warenhausgewaltigen nicht verfahren könne, wie er wolle. Herr T i e tz, Herr G r ü n f e l d, Herr Jordan. Herr Wilhelm Stein und Herr Joseph aus Rixdorf waren dafür. Die kleinen Geschäftsleute kamen jedoch zu anderen Schlüssen. Einer von ihnen führte ganz kühl aus: Wozu sollen wir für Herrn I a n d o r f die kiastanien aus dem Feuer holen. Wir kleinen Warenhaus besitzer haben ja mst dem Boykott gar nichts zu tun. In dem Flugblatt tvird extra bemerkt, daß der Kampf nur I a n d o r f gilt. Wir werden erst recht im„Vorwärts" inserieren. denn unsere Annoncen werden, wenn Jandorf, Tictz usw. fehlen, besser auffallen und mehr gelesen iverden!— Herr I a n d o r f hat in der Berliner Geschäftswelt durch die Art seiner Geschäftsführung viele Feinde. Die soziale Rückständigkeit, die sich in der vorgelegten einseitigen Vertrags- strafe zeigt, äußerte sich bei ihm auch schon früher. Vor ungefähr einem halben Jahre wurde von den Geschäftsleuten des Ostens angestrebt, die Geschäfte— außer an den Sonn- abenden— um 8 Uhr zu schließen. Alle waren sich darin einig. Aber Herr I a n d o r f war nicht dafür und hat seine ileineren Kollegen ähnlich wie seine Hausdiener behandelt, d. h. die Deputation derselben kaum empfangen! Jetzt, wo es ihm an den Kragen geht, erwartet er von denselben Leuten Unterstützung!— Die größte Angst hat Herr I a n d o r f. wie man uns mitteilt, davor, daß am Sonntag abermals ein Flugblatt verbreitet wird. Darüber können wir ihn übrigens be- ruhigen. Die Berliner Arbeiter betteiben ihre Agitation nicht so einseittg. Sie haben Herrn I and orf die Rellamckunst recht gründlich abgeguckt und werden ihm für das kommende oder besser nicht kommende Weihnachtsgeschäft mit immer neuen„Schlagern" aufwarten! G Stadtverordnetenwahl und Jandorf- Boykott. In den öffentlichen Versammlungen, in denen am Mitt wochabend das Resultat der Berliner Stadtverordnetcnwahlen mitgeteilt und der Sieg der Arbeiterschaft bejubelt wurde, wurde gleichzeitig überall Propaganda für den I a n d o r f° Boykott gemacht. Ein findiger Flugblattverbreiter auf dem Spittclmartt machte sich die Stadtverordnetenwahlen auch noch in anderer Weise zunutze. Mit Stentorstimme rief er die„neuesten Extrablätter" über den Ausfall der Wahlen aus. Natürlich fand er reißenden Absatz. Man drängte sich um den Reuheitenmann und zog triumphierend mit dem eroberten Blatte ab, das sich beim näheren Zusehen dann als ein— Flugblatt zum Jandorf-Boykott entpuppte. G Auch die bürgerlichen Frauen beginnen sich für den Boykott zu interessieren. Auf Ver anlassung mehrerer Versamnilungsbesuchcrinncn wurden in der Versammlung, die der Preußische Ausschuß für Frauen- s-immrccht am Mittwoch in Cohns Festsälen veranstaltete, auch dort Boykottflugblätter verbreitet und beifällig entgegen- genommen I- Die vortrsge über liatlonalökonsmie. An dem vierten Montagabend, an dem Genosse Molken- buhr in den Germaniasälen sprach, behandelte er das Thema: „Der ArbeitSloh n". Der Redner legte zuerst dar. wie menschliche Arbeit verrichtet wird und sonderte verschiedene Begriffe voneinander, die er ein- xeln näher untersuchte, wie den A r b e i ts g e g c n st a n d, die Arbeitsmittel und den Arbeitsprozeß.— Der Erdboden. das Holz im Walde, der Fisch im Wasser, das Erz in der Erde sind zum Beispiel Arbeitsgegenstände. Werden diese bearbeitet, wie der gefällte Baum, der gefangene Fisch, das geförderte Erz, dann sind sie Rohmaterial. — Macht der Mensch sich an die Arbeit, so braucht er Arbeits- Material; darunter ist ein ganzer Komplex von Tingen zu verstehen, wie Werkzeuge, Rohstoffe, Grund und Bodcn, gezähmtes Vieh, Nahrungsmittel und anderes mehr. Für die Unterscheidung dcr ökonomischen Epochen kommt es nicht darauf an, was gemacht U'ird, sondern w i e und mit welchen Mitteln die menschliche Tätigkeit vor sich geht. Von der Verwendung des Feuers bis zu einfachen Werkzeugen und dann wieder bis zum Maschinenzeitaltcr verflossen lange dscitrciume, in denen man viele aufeinander- folgende Perioden dcr Anwendung von Arbeitsmnteln unterscheiden iann.— In dem Arbeitsprozeß nun bewirkt die Tätigkeit dcr Menschen durch die Arbeitsmittel eine von vornherein vc- zweckte Veränderung deS ArbeitSgegenftandes; als Produkt des Arbeitsprozesses erscheint ein Gebrauchswert. So werden z. B. aus Eisenerz Eisenbahnschienen. Arbeitsmittel und Arbeitsgegen- stand sind Produktionsmittel, und die Arbeit selbst, die Gebrauchswerte schafft, rst produktive Arbeit. Mit wenigen Aus- nahmen behandeln alle Arbcitszweige Arbeitsgegenstände, die schon Rohmaterial, also� selbst Arbeitsprodukt sind. Das Rohmaterial kann den Hauptbestandteil eines Produktes bilden oder nur Hülss- sioss sein und im Arbeitsprozeß konsumiert werden. Wen» das Eisenerz geschmolzen wird, verschwindet die dazu notwendige Kohle, aber sie ist doch in dem gewonnenen Eisen vorhanden. Manchmal iit dcr Hülfsstofs nur zum Teil verschwunden, wie bei der Ab- Nutzung von Werkzeugen, aber er kehrt im Prodult immer wieder zurück. Auch das fertige Produkt kann Robmaterial sein.�wenn z. B. das gewonnene Getreide als Saat verwendet wird, oder es iann Halbfabrikat sein wie Roheisen. Garn usw. Dcr Redner ging aus alle diese Tinge genau ein und zeigte, wie der Arbeitsprozeß die zweckmäßige Tätigkeit zur Herstellung von Gebrauchswerten, die Aneignung von natürlichen Stoffen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist. Der Kapitalist, dcr Arbeitsmittel besitzt und Arbeitskraft kauft, hilft den Arbeitern Rohstoffe konsumieren. Das Arbeits- Produkt gehört aber nicht dem Arbeiter, sondern dem Kapiralistcn. Der Kapitalist läßt Gebrauchswerte, Waren aller Art fabrizieren, aber der Gebrauchswert ist ihm gleichgültig, er verlangt nach Tauschwert und nach Mehrwert. Man stelle sich vor: Ein Walzwerkbcsitzer will Eisenbahn- schienen herstellen. Er kauft Stahl, die Tonne zu 80 M. Für Feuerung und Abnutzung des Walzwerkes rechnet er 20 M. Der Arbeiter, der den Stahlblock in sechs Stunden auswalzt, braucht 5 M. für täglichen Lebensunterhalt. Die Tonne Schienen kostet somit 105 M. Jetzt läßt der Besitzer den Arbeiter täglich zwölf Stunden, also die doppelte Zeit arbeiten und gibt ihm das, was er zu seinem Lebensunterhalt braucht, also 5 M. Jetzt walzt der Arbeiter zwei Tonnen Stahlblock aus, also für 160 M., Feuerung und Abnutzung des Walzwerkes kostet auch das Doppeitc, also 40 M. Der Besitzer erlangt aber zwei Tomien Schienen a 105 M. und erhält 210 M. zurück. Das Kunststück, Geld in Kapital zu verwandeln, ist gelungen. Der slapitalist hat 205 M. Geld aus- gegeben für Ware und erhält 210 M. Geld zurück. Die Beding- ungen des Problems sind erfüllt, die Gesetze des Warenaustausches in keiner Weise verletzt. Der Arbeiter setzte dem Arbeitsgegen- stand Wert zu �iirch Zusatz eines Quantums Arbeit. Fe größer das Quantum Arbeit, das verbraucht loird, um so größer dcr Neu- wert. Tie konsumierten Arbeitsmittel kehlen in dem fertigen Produkt wieder, ihr Wert bleibt erhalten durch Uebertragung auf das Produtt. Ter Redner besprach die Unterschiede des konstanten und des variablen Kapitals. Den Teil des Kapitals, der sich in Produktionsmittel, das heißt in Rohmaterialien, Hülss- ftoffc und Arbeitsmittel umsetzt, nennt Marx konstantes Kapital. Ten in Arbeitskraft umgesetzten Teil des Kapitals nennt cr variables Kapital. Der Begriff des ton- stantcn Kapitals schließt Wertänderungen nicht aus; so wirkt z. B. eine Erhöhung des Baumwollpreises auf die Baumwolle, die bc- rcits versponnen ist. Ter Sturz des Kupferprcises hatte zur Folge, daß auch dcr Preis des in Platten und Röhren verarbeiteten Kupfers sich änderte. Da der Wert des konstanten Kapitals erhalten bleibt, rechnet Marx, um den Mehrwert festzustellen, mit dem variablen Kapital und nennt das Verhältnis des Mehrwerts zum variablen Kapital die Rate des Mehrwertes. Der Arbeiter produziert während eines Abschnittes des Ar- beitsprozesses seine notwendigen Lebensmittel, das heißt Waren, für welche cr die Lebensmittel erhalten könnte. Er produziert den vorgeschossenen Teil des variablen 5lapials. Die Zeit, in der die Reproduktion vor sich geht, nennt Marx: Notwendige Arbeit. Die zweite Periode, die dem Arbeiter zwar Arbeits- kraft kostet, aber nur Mehrwert für den Kapitalisten bringt, nennt Marx Surplusarbcitszcit(UebcrschußarbeitSzeit). Ter Mehrwert verhält sich zum variablen Kapital wie die Mehrarbeit zur notwendigen Arbeit. Der Mehrwert bei den vorhin erwähnten zlvei Tonnen Schienen ist nicht 5 M. von 210 M., also 2'E Proz., sondern 5 M. von 5 M., also 100 Proz. In dein Teil des ton- stanten Kapitals, der im Stahlblock angelegt ist, stecken schon die Mehrwertraten des Steinkohlenbergwerks, des Erzbergwerks, dcr Kokerei, des Hochofen- und Stahlwcrkbcsitzers.— Dcr Vortragende beleuchtete die Art und Weise, wie die Fabrikanten ihre Rech- nungcn aufstellen, daß man glauben müßte, sie erzielten nur mit größter Mühe einen ganz minimalen Gewinn. Freilich steht diese Rechnung in regelmäßigen� Widerspruch mit den großen Uebcr- schüssen am Schlüsse eines jeden Betriebsjahres. Schon Charles Dickens spottete über die bejammernswerten englischen Fabri- kanten, die, wie er meinte, wahrlich besser daran wären, wenn sie ihr Geld in den Atlantischen Ozean werfen würden, als in einen Betrieb zu stecken. Sie erklären regelmäßig, daß sie zugrunde gehen müßten, wenn sie den Arbeitern Erleichterungen gewähren. Der Arbeiter kann verlangen, daß dcr Arbeitstag sich in den Grenzen hält, die durch die Erhaltung der Gesundheit geboten sind. Das Eigentum dcr Arbeiter besteht in dcr Anzahl von Tagen, die ein Mensch arbeiten kann. Ist ein Arbeiter 30 Jahre lang arbeits- fähig, dann hat er 9000 Arbeitstage oder 90 000 Stunden zu verkaufen. Wird die Kraft aber in 20 Jahren verbraucht, dann verliert der Arbeiter neben seiner Gesundheit und einem Teil seines Lebens 3000 Arbeitstage. Wie aber die Kapitalisten in ihrem Heißhunger nach Mehrarbeit keine Schranken kennen, das zeigte dcr Redner aus der Enquete über die Müllereien, das bewies cr mit Zahlen aus den Betrieben der Rheiliisch-Wcstfälischen Hütten- und SLalzwerksberufsgenossenschaft und aus den Erhebungen dcr deutschen Arbciterstatistik. Er knüpfte daran eine Kritik der Forderungen an die Regierung, welche der„Zentralverband dcut- scher Industrieller" in seiner jüngsten Tagung aufgestellt hat und ironisierte die Entfremdung zwischen Regierung und Großindustriellen, die 1900 Platz griff, als die Scharfmacher das Zucht- Hausgesetz nickt erhielten, obwohl sie 12 000 M. geopfert hatten. — Rkan hat"W> aber wieder vertragen und bei der Wahlbcwcgnng 1907 zeigte sich, daß die Aussöhnung perfekt geworden war.— Die Statistiken au3 der Großeilenindustrie machte der Vortragende zum Gegenstand einer längeren Betrachtung, um daran die Ans- beutung der Arbeiter durch den Kapitalismus zu zeigen, und wie hie Mehrwertrate noch gesteigert wird. Die Mehrwertrate kann gesteigert werden und ein relativer Mehrwert noch erzielt werden durch Verkürzung der notwcn- digen Arbeit. Wenn der 12stüiidige Arbeitstag sich zu- sammcnsetzt aus 6 Stunden notwendiger und 0 Stunden lieber- schußarbeit, und es gelingt nun, bei gleichblcibeirdcr Gesamt- arbeitszeit die notwendige Arbeit zu verkürzen, dann steigt die Mehrwertrate Dies kann bewirkt w-rden durch Herabdrückung der Lebenshaltung der Arbeiter und durch technische Umwälzimgen. An Beispielen bewies der Redner, wie der prozentuale Anteil der Arbeiter an dem Produkt sinken kann ohne Lohnkürzungen. TieS kann geschehen durch technische Verbesserungen und durch Preis- stcigcruvgen. Auf der Obcrfläckic der bürgerlichen Gesellschaft erscheint der Lohn des Arb'itcrs als Preis der Arbeit. Man spricht von Markt- preisen der Arbeit über oder unier dem notwendigen Preis. Um als Ware auf dem Markt verkauft zu werden, müßte die Arbeit existieren, bevor sie verkauft wird. Was dem Geldbesitzer auf dem Warenmarkt entgegentritt, ist aber nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter. Sobald die Arbeitskraft zu wirken beginnt, hat sie aufgehört, Eigentum des Arbeiters zu sein. Der Wert dcr Arbeits- kraft ist gleich dem Werte der Subsistenzmiltel, die der Arbeiter für einen Teil seines Lebens gebraucht. Der Preis für einen Tag Arbeitskraft ist kleiner als der Wert, den der Arbeiter an einem Tage erzeugt; er leistet unbezahlte Arbeit. Die Form von Lohn löscht aber den Unterschied zwischen bezahlter und unbe- zahlter Arbeit aus. Bei der Fronarbeit unterscheiden sich räumlich und zeitlich die Arbeit des Fronens für den Herrn und die Arbeit, die der Fronende für sich leistete. Bei der Sklavenarbeit erscheint alle Arbeit als unbezahlte Arbeit. Bei der Lohnarbeit erscheint selbst die unbezahlte Arbeit, die Mehrarbeit, als bezahlt. Ter Redner besprach die Erklärungen der klassischen Oeko- nomcn über den„Preis der Arbeit" und erläuterte dann die ver- schiedencn Formen der Lohnzahlung; insbesondere kritisierte er den Stücklohn als Mittel zur Steigerung der Intensität der Arbeit. Zum Schluß stellte er den Ausbcutungsbestrebungen der Kapitalisten die Taktik der Arbeiter gegenüber, die daraus gerichtet ist. die Ar- bcitszeit abzukürzen und die Bedürfnisse der Arbeiter zu heben, um ein mehr menschenwürdiges Dasein führen zu können. (Starker Beifall.)_ Hio der Partei. Kommunalwahlsiege in Thüringen. Bei einer Ersatzwahl in den Gcmcinderat von Empser.'shausen (Sachsen-Weimarj siegte unser Genosse Kunstschnitzer Ader. Für die nächster Tage stattfindenden Neuwahlen hoffentlich ein gutes Anzeichen. In Arnstadt(Schwarzburg-Sondershauscn) gelang eS in dcr dritten Abteilung, von zweien nur einen Sitz zu erringen. Genosse Kesselring wurde mit 751 gegen 672 Stimmen, die der bürgerliche Gegenkandidat erhielt, gewählt.— In Allstedt(Sachsen-Weimari siegten unsere Genossen glänzend. Von sechs zu vergebenden Sitzen nahmen sie fünf ein. Es wurden gewählt die Genossen Schatz, Becker, Amme, Heise und König. Der Allstcdter Gemeinde- rat besteht nun aus sechs Sozialdemokraten und sechs Bürger- lichcn.— In Geschwenda(Schwarzburg-Sondershausen) siegten unsere Genossen in dcr 3. Abteilung. Mit 85 und 92 Stimmen wurden unsere Genossen gewählt, während es die Gegner nur auf 45 und 59 Stimmen brachten. In den nächsten Tagen finden�noch in einer ganzen Anzahl von Gemeinden der thüringischen Staaten die Kommunalwaylcn statt. Mögen die vorstehenden Siege die guten Vorzeichen für die noch folgenden Wahlen sein._ In Fürstenberg a. C. erzielten unsere Genossen bei der Kmn- munalwahl einen Achtungserfolg. Während 1905 auf die Genossen nur 25 und 27 Stimmen entfielen, waren es bei dcr Wahl am Mittwoch 99 bczw. 102 Stimmen. Die Gegner haben 105 und 108 Stimmen erhalten, während noch 28 und 14 zersplitterte Stimmzettel gezählt wurden. Stichwahl ist also erforderlich. Es haben hier erhebliche Teile dcr Bürgerlichen für unsere Kandidaten gestimmt, nachdem Genosse Grauer in einer bürgerlichen Bersamm- lung das sozialdemokratische Kommunalwahlprogramm vorgetragen und erörtert hatte._ Bei den Kantonsratswahlen in Genf wurden leider nur zehn sozialdemokratische Vertreter gewählt, die„sozialdemokratische" Sonderliste brockte ebenfalls einen ihrer Kandidaten wider Er- warten durch. Die Radikalen behaupteten ihre Mehrheitsstellung. Ein barbarisches Urteil. Schon längere Zeit befand sich dcr Rechtsanwalt S ch d a n o w in Moskau in Haft, weil die Polizei ihn im Verdacht der Zu- geHörigkeit zur sozialdemokratischen Partei hatte. Jetzt hat das Militärgericht in Moskau das Urteil gefällt. Schdanow ist wegen Teilnahme am Moskauer sozialdemokratischen Komitee zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Dieses Urteil ruft in Moskau große Erregung hervor.— polizcUichce, CcricbtUchcs ufw. Ein beleidigter Ex-Reichsverbändler. Der Fabrikbesitzer und Stadtverordnete Peters in Rathenow hatte sich im September dieses Jahres an dcr Sammlung dcr dortigen bürgerlichen Parteien zu einem auti- sozialdemokratischen Wahlkartcll für die Stadtverordneten- wählen beteiligt. In einem Bericht, den unser Brandenburger Parteiorgan über diese Sammelpolitik brachte, war deshalb Peters, dcr unseren Rathenow«: Genossen schon bei der ReichstagSwahl als reichsverbändlerischer Wahlagitator bc- kannt geworden war. ein„Vertrauensmann des Reichslügen- Verbandes" genannt. Das gab Herrn Peters Veranlassung, gegen die„Brandend. Ztg." Strafantrag zu stellen, der von der Staatsanwalt auch sofort ex officio erhoben wurde. Am Dienstag fand die Verhandlung vor dcr Strafkammer in Brandenbu cg statt. Dcr angeklagte Redakteur, Genosse Perner, wurde zu 60 M. Geldstrafe und den üblichen Nebenstrafen verurteilt. Das Gericht fand in den Worten „Vertrauensmann des Reichslügcnverbandes" eine formelle Beleidigung, die strafbar sei, es ließ aber unentschieden, ob dcr Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie diesen Namen verdient oder nicht. Zugunsten des Angeklagten wurde angenommen, daß dcr Ausdruck„Reichs- lügenverband" viel gebraucht werde; auch ließ das Gericht die vom Angeklagten betonte Tatsache als gerichtsnotorisch gelten, daß dcr RcichsverbandSgeneral Abg. v. Liebert am 15. März d. I. im Reichstage namens der 16 000 Mitglieder seines Verbandes den Ausdruck„Reichslügenverband" als Ehrcnn amen für den Verband in Anspruch genommen habe. NichtSdestolveniger bleibt nach Ansicht des Branden- burgcr Gerichts der Ausdruck beleidigend für jeden einzelnen, der sich durch ihn persönlich getroffen fühlt. Das aber hatte der Strafantragstcller, Fabrikbesitzer Peters, von sich bc- hauptct. Er erklärte, daß er f r ü her Mitglied des Reichs- Verbandes zur Bekämpfung dcr Sozialdemokratie gewesen, fest einiger Zeit aber ausgeschieden sei. Beleidigt würde er sich auch gefühlt haben, wenn cr noch Mitglied wäre.— Uebcr die Gründe seines Ausscheidens schlvicg sich der Herr aus. Ob ihm die Gesellschaft, deren„Ehre" cr zu retten unternahm, nicht doch etwas anrüchig geworden ist? Petersprozefz in Nürnberg. Wegen einiger Artikel, die die„Fränkische Tagespost" über den Münchcner Pcteröprozeß brachte, hat bekanntlich Peters gegen den Redakteur der„Tagespost", Genosse» Dr. Wcill, eben- falls Beleidigungsklage gestellt, die schon am 5. Okwbcr verhandelt werden sollte, aber wieder abgesetzt wurde. Nunmehr ist neuer Termin auf den 30. November vor dem Schöffengericht Nürnberg anberaumt.—_ Soziales* Ter Konsumverein Tegel versendet soeben seinen Geschäftsbericht über daS 15. Geschäftsjahr. Aus demselben ist eine weitere erfreuliche EntWickelung zu ersehen. Die Mitgliederzahl stieg von 695 auf t060 und der Umsatz von 145187 M. auf 242 332 M., also ein Mehrumsatz von 97 145 M. Der Durchschnitlsimisatz des einzelnen Mitgliedes betrug 228 M., dabei kauften 183 Mitglieder von 400 bis 1000 M. Verkaufsstellen des Vereins befinden sich außer in Tegel auch in Borsigwalde, HerinSdorf und Reinickendorf. An der im Laufe deS Jahres errichteten Sparkasse beteiligten sich l 59 Mitglieder mit über 18 090 M. Einlagen, denen zirka 3000 M. Rückzablungen gegenüberstebcn. Die Spargeldcr des Vereins sind bei der GroßeinkaufS-Gesellschaft deutscher Konsum- vereine angelegt und damit genossenschaftlichen Zwecken dienstbar gemacht. An Steuern mußte der Verein 3304 M. entrichten. Von dem erzielten Ucberschuß sollen 6 Proz. Rückvergütung gewährt werden, während einem anzulegenden ProduktionL- und Hausbau- fonds 2400 M. zufließen. Der Bericht schließt mit einem Appell, dem Verein immer mehr neue Mitglieder zuzuführen. Düsseldorfer Ortskrankcnraffeu-Wahl. Die Vertreterwahlen für die Ortstrankenkasfe der Kaufleute in Düsseldorf, die dieser Tage stattfanden, ttuaen einen ziemlich heftigen Charakter. Unsere Genossen, welche die Leitung der Kasse seit einigen Jahren in Händen hatten, sollten unter allen Umständen dort heranSbugsiert werden. Einer Verschmelzung der verschiedenen Orlskrankenkassen hatten sich grobe Schwierigkeiten in den Äeg ge- stellt. Deshalb hatten unsere Genossen davon abgesehen, aber eine Angliederimg der verschiedenen Kassen an die Fabrik- und Metall- arbeiterkasse, der größten am Ort, bewerkstelligt. DaS gefiel den Ordnungsparteien nicht und so setzten sie alle Hebel in Be« wcgung, um ihre Liste durchzubringen. Die Landes- Versicherungsanstalt und der Stahl Werksverband hatten die Führung übernommen. Infolge des Druckes von oben gelang es den Ordnungshelden auch, die kaufmännischen An- gestellten in' Angst zu versetzen und wurde diese Liste gewählt. Nach dem ersten Jubel im Lager der jjner stellt sich nun heraus, daß der mit den kläglichsten Mitteln erkämpfte Sieg ihnen nichts nutzen kann. Die Liste muh für ungültig erklärt werden, weil einige Ver- treter das wahlfähige Alter nicht haben. Andere beziehen ein Gehalt von über 2000 M. und sind deshalb nicht ivahlsähig. Dann hat man Vertreter gewählt, welche schon längst ihren Wohnsitz gewechselt haben. Weiter hatten die Leiter der OrdiuiiigSparteien, welche sich für fähig halten, eine Kasse zu verwalten, nicht einmal soviel sozial- politische Kenntnisse, um zu wissen, welche statutarischen Vorschriften bei der Wahl zu beachten waren. Feinde des LichtS. Ein köstliches Polizeistückchen wird aus Schönebeck a. E. gemeldet. Dort haben die Inhaber eines Warenhauses, das in nächster Nähe eines Bahnüberganges liegt, vor den Schaufenstern hellleuchtende elektrische Bogenlampen angebracht. Das helle Licht mihfiel einem der bürgerlichen Siadtväter. Er beschwerte sich in einer Stadtverordnetensitzung darüber mit der Begründung, eS brenne so hell, datz die Passanten nicht zu erkennen vermöchten, ob die Schranken des Bahnüberganges geschlossen seien oder nicht. Anstatt nun Vorsorge zu treffen, daß der Bahnübergang mit gleich Hellem Licht versehen werde, erlieh die. Polizei flugs eine Verordnung, datz das Warenhaus Blender an den Bogen- lampen anzubringen habe! Auf eine Beschwerde hin mutzte die Polizei ihre Verordnung wieder ausheben, so daß jetzt wieder im Warcnhause hellstes Licht herrscht. Aber auch nur dort! Prämien für die Unterschlagung von Krankenkassengeldrr». _ Am 1. November fand vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I eine Verhandlung gegen den Graveurmeister und Schank- wirt Neumann wegen Unterschlagung von Krankenkassenbeiträgen in Höhe von zirka 66 M. statt. Wie der als Zeuge vernommene Rendant der Ortskrankenkasse für Graveure erklärte, fielen alle Exekutionen fruchtlos aus, weshalb der Vorstand der Kasse als letztes Mittel eine Strafanzeige erstattete. Der Angeklagte entschuldigte sich mit— grotzen Verlusten, welche er im Laufe der Zeit gehabt haben will. Auf Antrag des Staatsanwalt wurde N. wegen des verhältnis- mätzig kleinen Betrages unter Anuabme von mildernden Umständen zu 30 M. Geldstrafe eventuell sechs Tagen GefängmS verurteilt. Junkerliche Anmaßung. In Bayern sind überall Milchverteurer an der Arbeit, um auch die Milchkonsumcnten zu schröpfen. Die treibenden Kräfte dieser Verteuerungsbestrebungen sind die grotzagrarischen Kreise. In Würzburg fand kürzlich eine Versammlung der Milchverteurer statt, in der einer aus dem fränkischen Agrariergcschlechte derer 1?. Thüngen, die sich in jeder Hinsicht mit dem ostpreutzischen Junkertum messen können, das grotze Wort führte und den Ton angab. Bei dieser Gelegenheit tat der Junker auch einen Aus» spruch, der so recht deutlich zeigt, datz die Edelsten und Besten der Nation der Ansicht sind, das Volk sei nur dazu da, um ihnen die Taschen zu füllen. Er bemerkte nämlich in seiner Rede, auch der Arbeiter könne einen erhöhten Milchpreis sehr wohl tragen, denn es fehle ihm nicht an lohnender Beschäftigung, auch könne er seinen Verdienst durch erhöhte Ausnützung seiner physischen Kraft, wie Machen von Ucberstunden usw., vermehren.— Das ist echt junkerlich: es genügt nicht, datz die Arbeiter schon durch die Zölle zugunsten der Agrarier ordentlich ausgebeutet werden, sie sollen ihnen auch noch möglichst hohe Preise für ihre Produkte bezahlen. Reicht es nicht dazu, so sollen sie eben mehr Ueberstunden machen. Huö Induftrie und FtandeU Diskonterhöhung. Am vergangenen Donnerstag setzte die Bank von England den Diskont um Va Prozent, auf 5 Prozent hinauf; drei Tage später erfolgte die weitere Heraufsetzung auf 6 Prozent und heute sDonnerS- tag) wurde eine weitere Erhöhung, auf 7 Prozent vorgenoinmen Diese Maßregel hielt man für notwendig, um weiteren Goldabflutz nach Amerika zu verhindern. Ob die Mauer hoch genug ist. den gewünschten Schutz zu gewähren, ist allerdings noch sehr zweifelhast. Das Goldbedürfnis drüben dürste stärker sein als der errichtete Schutzwall. Der jetzige � Diskontsatz ist seit dem Krachjahre 1873 nicht mehr erreicht worden. Nach einer Meldung des„B. T." sollen noch andere Gründe, als Abwehr gegen amerikanische Invasion, für die letzte Diskonterhöhung matzgebend gewesen sein. In Börsen- kreisen verlautete nach dieser Meldung, die Bank von England habe Kenntnis von bedeutungsvollen Zahlungsschwierigkeiten englischer Firmen erlangt. Jedenfalls wird die Diskonterhöhllng in London die schleunige Erhöhung deS Diskonts der deutschen Reichsbank nach sich ziehen. In den letzten Tagen sollen ihr zirka 40 Millionen Mark entzogen worden sein, die nach England flössen. Der Zentral- ausschutz ist bereits zu einer Sitzung für heute lFreitag) eingeladen. Erhöhung der Brotpreise. Die Erhöhung der Brotpreise machte sich besonders scharf in süddeutschen Orten und in der Schweiz bemerkbar. Den Anstotz der Brotpreiserhöhung gab das ziemlich einheitliche Vor- gehen der Müllereien, indem sie die Mchlpreise um 8 bis 10 M. pro Doppelzentner hinaufsetzten. Die Steigerung des Brotpreises dürste an süddeutschen Plätzen für ein Kilogramm Weißbrot 3, für ein Kilogramm Schwarzbrot 2 Pfennige betragen. In Zürich wurde vom 1. Oktober ab der Brotpreis um 5 Cts. für 2 Kilogramm erhöht. Im nördlichen Deuischland sind die direkten Erhöhungen des Brotpreises noch weniger zahlreich gewesen. Am stabilsten blieben die Mehl- und Brotpreise bisher noch im östlichen Preußen, während im Königreich Sachsen an verschiedenen Orten Aufschläge statt- gefunden haben. Alles in allem hat jedenfalls der Oktober eine merkliche Brotverteuerung gebracht. Weiter zeiqte aber auch der Preis für Milch und Molkersiprodukte aussteigende Tendenz._ Wieder eine Millioneninsolvenz. Eine Meldung über Zahlung?- schwierigkeiten der Hamburger Firma Walther Delbanco u. Co. ließ zunächst vermuten. es handele sich um einen weniger bedeutungS- vollen Fall. Wie sich nun aber herausstellt, betrage» die Passiven zirka 3 Millionen Mark, denen nur unbedeutende Akliven gegen« überstehen sollen. Der eine Firmeniiihaber hat sich erschossen, der andere ist verschwunden.— lieber weitere Krankenfälle wird ge- meldet: Das Bauaeschäft mit Zieaeleibetrieb Otto Salzwedel in Daiizig hat seine Zahlungen eingestellt. Die Verbindlichkeiten der stark überschuldeten Firma sind bedeutend. Ferner meldete die größte Baufirma in Marienburg, das Baugeschäft Rutkowsti-Hoppenbruch. heute Konkurs an. Kapitalistische„Entbehriingslöhne". Die„Belgique Financiöre' veröffentlicht eine Studie, in welcher die Bilanzen von 22 Berg Werlsgesellschaften vom Jahre 1907 besprochen werden. Es handelt..............„_______________...______... sich mcht um grotze, sondem um mittlere und kleine Werke: das ge» Zunahme der weiblichen Mitglieder zur Genüge. samte angelegte Kapital beträgt nicht ganz 62 Millionen Frank. Der Reiiigenni», dieser 22 Gesellschaflei, betrug im Jahre 1906 17 843 815 Frank, für das Rechiinngsjahr 1907 25 124 485 Frank. Die Herren Aktionäre„verdienten" also im letzten Jahre 7,28 Millionen Frank mehr, als im voranfgeganoenen Jahr. Die ..Entbehriiiigslöhne" variierten denn auch zwischen 3g und 250 Frank Dividende pro Aktie._______ Hua der Frauenbewegung. Die bürgerlichen Fronen nnd baS Wahlrecht. In einer glitbesuchten öffentlichen Versammlung, die der „Preußische Landesausschuh für Frauenstimmrecht" einberufen hatte, referierte am Mittwoch Herr v. Gerlach über das Thema: „Das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Stimmrecht für Preußen". Scharf kritisierte er das gegenwärtig herrschende System der Landtagswahl in Preußen, das für den Untergang reif sei. Die öffentliche Abstimmung bei den Wahlen stelle eine Unmoral und einen Terrorismus dar, den man sich nicht länger gefallen lassen könnte. Das indirekte Wahlrecht sein ein System der politischen Vormundschaft unv das Widersinnige darin leuchte .ein, wenn man bedenke, daß dieselben Preußen, die bei Reichs- tagswahlen als politisch mündig angesehen werden, bei den Land- togswahlen einen Vormund erhalten. Gegen die Einteilung in drei Wählerklasscn richtete der Redner die Pfeile seines Witzes und erklärte sich dann auch gegen das Plural Wahlrecht, das de» Nationalliberalen genügen möge, aber von echt liberalen Männern verworfen werden müsse. Die Liberalen sollten sich an den Agrariern ein Beispiel nehmen und laut und energisch ihre Forderungen erheben, denn es sei für die Regierung an der Zeit, einmal zu zeige», was sie den Liberalen zu bieten habe. An der Parole:„Das Reichstagswahlrecht für Preußen" müsse festgehalten werden und dafür müßten alle liberalen Männer und Frauen ein- treten. Der Kampf der Liberalen würde nicht eher ruhen, bis auch das Frauenwahlrecht erobert sei, wenn es auch noch sehr entfernt liege. Der Redner erkannte an, daß die Frauen das Wahlrecht im Reiche, im Einzelstaat und in der Kommunx zu verlangen haben und datz ihr Wirken im öffentlichen Leben sehr nützlich sein würde, aber es sei bei uns gegenwärtig für die Frauen nicht viel zu erwarten. Sie sollten nur erst mithelfen, daß die Männer das Reichstagswahlrecht in Preußen erhalten. Als erste Forderung in dieser Richtung verlangen die Liberalen die Einführung der geheimen A b st i m m u n g bei der nächsten LandtagSwahl. Bülow könne dies in aller Form Rechtens bewirken, wenn er sich auf die Wahlbestimmungen aus dem Jahre 1848 berufe. In ähnlicher Weise sprach Dr. Breitscheid in der Diskussion Mehrere Frauen traten auf und waren nicht recht einverstanden damit, daß sie erst für die Männer das Wahlrecht miterobern sollten und wie immer bescheiden zurücktreten und warten— warten— warten. Eine Dame fand es überhaupt sehr be- d e n k l i ch, das Reichstagswahlrecht auf Preußen zu übertragen, denn den Nutzen davon hätten nur die Sozialdemokraten und das Zentrum; die armen Liberalen dagegen würden sicher leer ausgehen, darum empfehle sie, ganz sachte, sachte und„stufen weise" vorzugehen. Ein Redner, der sich„Doktor" nannte, ent wickelte sein eigenes System eines Wahlrechts, das den Familien vätern eine Vorzugsstellung einräumen sollte. Ein liberaler Redner meinte, die Frauen müßten auch den Tornister um- schnallen und„Gewehr über" gegen den Feind marschieren, wenn sie so viel zu sagen haben wollten wie die Männer. Ein alter Herr bat dringend, datz man doch die Frauen bewahren möge vor den Schrecknissen der nächsten Wahlversammlungen; er könne sich nicht vorstellen, daß die holde Weiblichkeit mit so„männlichen" Dingen wie Wahlrecht sich abgeben würde.— Die Produzenten alter Ladenhüter und bekannter Witze yegen das Frauenwahlrecht wurden ganz gut von einigen Rednerinnen abgefertigt. Einige Genossen erkannten die Bestrebungen von Gerlach und Breitscheid wohl an, erklärten aber, daß jene als Liberale nur politische Ein- gänger seien. Was das Frauenwahlrecht angehe, so sei unsere Partei die einzige, die unentwegt und selbst dann dafür eintritt, wenn ihr anscheinend aus der bestehenden Situation Nachteile erwachsen müßten. Die Sozialdemokrcklie nehme sich der unter- drückten Frauenwelt prinzipiell und rückhaltlos zu jeder Zeit an Die Versammlung nahm zum Schluß mit allen gegen fünf Stimmen nachstehende Resolution an: „Die von dem preußischen Landesausschuß für Frauen- stimmrecht einberufene öffentliche Volksversammlung erklärt, daß oie Demokratisierung Preußens die Voraussetzung jeder Volks- freundlichen Politik ist und gleichmäßig den Interessen der Männer wie der Frauen entspricht. Sie fordert deshalb die Uebertragung deS Reichstagswahlrechtes auf Preußen und als erste Stufe dazu die schon in dieser Session im Wege cmS Not- gesetzcs einzuführende geheime Abstimmung. An die liberalen Abgeordneten insbesondere richtet die Ver sammlung das Ersuchen, ihre weitere Zustimmung zur Block- Politik davon abhängig zu machen, ob Fürst Bülow seinen Willen zur Reforui des Landtagswahlrechtes schon in dieser Session ourch Taten bekundet. Jedenfalls hat die Veranstaltung gezeigt, daß die bürgen lichen Frauen nicht dem Frauemvahlrecht dienen, indem sie hinter dem gar nicht vorhandenen Liberalismus herlaufen. Die Herren v. Gerlach und Breitscheid sind ein paar Personen, welche auf die Haltung der freisinnigen Parteien schließlich doch weniger Ein- fluß haben als— die Sozialdemokratie. Und wenn die bürger- lichen Frauen das Versteckspiel weiter treiben, den Liberalismus zu suchen, um von ihm Hülfe im Kampfe für das Frauenstimm- recht zu erlangen, dann sind sie objektiv genau so gut Gegnerinnen des Frauenstimmrechts, wie die Blockdiplomaten Gegner des Kampfes für Eroberung des Reichstagswahlrechtes in Preußen sind._ Die Zunahme der gewerblichen Frauenarbeit in Dresden. Dasselbe Bild, das die Statistik für das Deutsche Reich betr. die Zunahme der weiblichen Erwerbstätigkeit ergibt(die Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen stieg in den Jahren 1903 bis 1905 nach dem neuesten„Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich" um 15,8 Proz., die der jugendlichen Arbeiterinnen(14 bis 16 Jahre) sogar um 27,8 Proz.), zeigt auch die sächsische Hauptstadt Dresden. Noch einer von der jetzt 110 000 Mitglieder zählenden Ortskranken- kassc veröffentlichten Zusammenstellung ist die Zahl der weib- lichen Mitglieder in den 10 Jahren von 1897 bis 1907 von 21 118 auf 45 106 gestiegen, während in dem gleichen Zeitraum die Prozentziffer der männlichen Mitglieder von 70 Proz. aus 58,9 Proz. gefallen ist. Die trotz der Prosperität der letzten Jahre und kotz der durch die Wirksamkeit der Gewerkschaften etwas gesteigerten Löhne bei der teuren Lebenshaltung miserablen wirtschaftlichen Verhält- nisse der Arbeitcrbevölkerung zwingen einerseits in immer größerem Maße die Frau, mitzuverdiencn, andererseits ersetzen die Unternehmer, wo immer es der Betrieb gestattet, die Männer. arbeit durch billigere Frauenarbeit. Führte doch einmal ein sächsischer Unternehmer, als seinerzeit eine Enquete darüber ver- anstaltet wurde, ob der Maximalarbeitstag der Fabrikarbeiterinnen von 11 aus 10 Stunden herabgesetzt werden könne, als Grund da- gegen an: Viele Unternehmer würden lieber auf die Beschäftigung von Frauen verzichten, um den Arbeitstag länger ausdehnen zu können, zumal in gemischten Betrieben. Bei vielen Ar- beitern sei es aber Vorbedingung für die Gründung eines eigenen Hausstandes, daß die Frau mitverdiene, denn die Löhne der mann- lichen Arbeiter allein genügten zur Führung eines Hausstandes nicht.— Uebrigcns ein sehr inter- essanteS Eingeständnis, das den Lippen des Unternehmers bei seinem Eifer, die Einschränkung des Maximalarbeitstages der Arbeiterinnen zu verhindern, entschlüpft ist. Aber stimmen tut es leider: Viele Arbeiterfrauen sind gezwungen, mitzuverdiencn. Das beweisen die interessanten Zahlen der OrtSkrankenkaffe über die Versammlungen— Vera»staltunge». Berlin. Donnerstag, den 14. d. M., abends 8�h Uhr, ösfent- liche Fraucnvcrsliilimlnng im„Dresdener Kasino", Dresdener- straße 96. Referent: Rcichstagsabgeordncter Rechtsanwalt Heine über:„Das Reichsvercinsgesetz". Berlin. Montag, den 1l. November, abends SVi im„Neuen Klubhaus", Kommandantenstr. 72, Vortrag über:„Die Stellung der Frau zur Alkoholfrage". Referent: Dr. Zadek. Charlottcnbiirg. Donnerstag, den 21. November, abends 8V3 Uhr, im..Volkshaus", Rosinenstr. 3, Vortrag des Genossen Härder über:„Sexuelle Erziehung". Wcistensce. Montag, den II. November, 8�> Uhr abends, bei Ulrich, Rölkcstr. 20, Vortrag des Herr Störmer über:„Die Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse". Bericht der Vorsitzenden und Kassiererin. Borstandsergänzungswahlcn. öerichts- Leitung. Amtlich vorgeschriebenes Acrgernis. Gestern spielte sich vor dem Rixdorfer Schöffengericht eine Bei- Handlung ab. die an den berühmten Schluß des Protokolls des OrdnungSwäcdterS Suchherum von FindsidunichtS erinnert: hierauf nahm ich das amtlich vorgeschriebene Bergen, iS und verhaftete die Jnkulpaten. Saßen da auf der Anklagebank zwei recht naiv und oerschämt dreinschauende junge Leute verschiedenen Geschlechts, ein Ar- beiter und eine Arbeiterin. Sie hatte» an einem lauen Abend des Altweiber- sommers sich hinter einen Zaun ins Gras geworfen, Küsse gewechselt und— weitere Betätiginig durchaus nicht homosexueller Art vorbere'tet. Da wurden sie durch die hastig heraneilenden Schritte eines Schutz» mamies aus ihrem Liebeshimmel gerissen. Ein Schntzmann nahte und sistierte die beiden zur Wache. Der grimme Verdacht, daß beide durch ihr Tun den 8 183 des Strafgesetzbuches verletzt haben, der da lautet:„Wer durch eine«»züchtige Handlung öffentlich ein ArrgerniS gibt, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 500 M. bestraft. Neben der Gefängnisstrafe kanir auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werde»", verdichtete sich zu einer Anklage auf Grund dieses Paragraphen. Die Bekundung des Schutzmanns Distelmann im gestrigen Termine ergab. daß er uur die zwei Köpfe gesehen hätte, sonst— nichts. Dennoch wollte er anfangs an dem Falle„AergerniS genommen" haben. Offensichtlich war er über die Bedeutung dieies Begriffs sich nicht ganz klar. Erst als der Vorsitzende darauf hinwies, daß doch die Wahrnehmung von zwei Köpfen nichts AergeniiSerregendes sei und eS darauf ankomme, ob an einer unzüchtigen Handlung Aergenns genommen ist, wurde sich der Schlltziiianii über die Bc- deutung des Begriffs klar und erklärte, kein Aergernis genommen zu haben. Trotzdem wollte der Amtsanwalt eine Buße von je zehn Mark den Zaungästen auferlegt wiffen. Die Verteidigungsrede des Angeklagten selbst— sie ver- traute der Anerkennung ihrer Unschuld ohne Worte— löste eine ünwiderstehliche Lachsalve aus. Er bitte, so etwa führte er ans, ihn freizusprechen. Denn'„so weit" sei eS ja nicht ge- konimen. Aber er habe in Erwartung der Dinge, die nicht kamen, der Mitangellagten eine Mark geschenkt— die wolle er nun wieder haben. Der Vorsitzende setzte dem Angeklagten auseinander, daß das weder ein Rechtsgeschäft ist, noch das Straf gericht inter- essiere. In der Sache selbst gelangte das Gericht zur kostenlosen Freisprechung beider Ängeklagten, da weder die Vornahme einer unzüchtigen Handlung, noch ein AergerniSnehmen an einer solchen nachgewiesen ist._ §§ 152, 153 Gewerbeerdnnng? Der Tischler Karl L u s ch, Beamter des Deutsckien Holzarbeiter-> Verbandes, hatte sich gestern vor dem Rixdorfer Schöffengericht gegen die Anklage zu veranlworten, den Drechsler Wilhelm Berger durch Drohung genötigt zu haben, an einer Handlung zur Erlangiuig günstigerer Lohn- und Arbeitsverhältnisse teilzuiiehmeii. Durch die Beweisausnahme wurde folgendes festgestellt: Der Drechsler- Wilhelm Berger hatte trotz des Streiks seinerzeit bei Fröbel, Hollmamistr. 32. im vorige» Jahre als Arbeitwilliger augefaiigcli und hat seinerzeit den Tischler Reinbold Müßig— der ihn deshalb Lump. Strolch nnd Plunder ausgescholten— wegen Vergehens aus Z 152, 153 G.-O. zur Anzeige gebracht und seine Bestrafung zu 14 Tagen Gefängnis herbeigeführt. Ans diesem Grunde wollte niemand mehr mit ihm zusammen arbeiten. Zuerst nahm Wilhelm Berger bei dem Fabrikanten Richard Rotbe Stellung, wo er fünf Monate tälig war. Da Bergcr ein Trinker und unkollegial war und auch die Anzeige gegen Müßig unter den Arbeitskollegen bekannt wurde, so beichlossen nach Rücksprache mit dem Angeklagten die sämtlichen Arbeiter der Rotheschen Fabrik, falls der Arbeitgeber nicht den Berger entließ, die Arbeit niederzulegen. Diesen Beschluß unterbreitete der An- geklagte dem Fabrikanten Rothe, der cL aber vorzog, Bcrger zu be- halten und die Verbaiidsinitglieder lieber gehen zu lasien. Es waren das der Polier Giese, Knllweit, Herold, Simai, Schneider und LieSfeld. AIS nach fünf Wochen Bcrger auf Anregung des Angeklagten entlassen wurde, nahmen sie wieder bei Rothe Arbeit. Illach seinem Weggange von Rothe ging Berger am 16. Juli d. I. zu Schukenhaiier u. Schullrich und nahm dort Stellung an. Auf Veranlassung der Organisation ging der An- geklagte auch zu dieser Firma und machte diese mit den Taten deS Berger vertraut. Daraufhin erhielt Berger von der Finna Sch. u. Sch. Buch und Karte und 5 M. extra mit dem Ersuche», lieber gar nicht erst anzufaiige». Nunmehr stellte Berger Strafantrag gegen Lu'ch. Der Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgaiig Heine teilte durch Befragen fest, daß der Berger lange vor dem Vorfall elbst den Wunsch hatte, als VerbandSmitglied anfgenomilien zu werden, der Borstand aber abgelehnt hatte ihn aufzunehmen. Dem- nach, führte der Verteidiger aus, kömie keine Rede davon sein, daß der Angeklagte den Berger habe überreden wollen, an einer Aktion zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsverhältnisse teilzunehmen. Mithin sei die Freisprechung geboten. DaS Gericht erhob diesen Antrag zum Urteil.— WeShalb war die Erhebung solch hinfälliger Anklage erforderlich? Folgea jugendlicher Verwahrlosung. Auf der Anklagebank des Landgerichts I mußten gestern zwei kleine zwölfjährige Mädchen Platz nehmen, die des chwercn Verbrechens des gemeinschaftlichen Straßenraubes an- geklagt waren. Es waren dies die Schülerinnen Helene E r i ch s o n und Frieda Meyer. Die Eltern der beiden Mädchen ind anständige Handwerkerleute, die sich mühsam aber ehrlich 'rnrch das Leben schlagen müssen. Da auch die Mutter zur Er- Haltung des Hausstandes durch ihrer Hände Arbeit etwas zu- teuern mußte, so war die Aussicht über dir hcranwachsendeu Kinder eine sehr mangelhafte. Die Mutter der kleinen Meyer macht des Tags über Aufwartungsdienste, zugleich aber verdient ie sich noch durch Zeitungsaustragen eine Kleinigkeit. Um in ein Kineinatographentheater gehen zu können, entwendete die kleine M. ihrer Mutter fünfzig Pfennige. In dem Theater machte sie die Bekanntschaft der gleichalterigen Erichson. Um von nun an öfter in den„Kientopp" gehen zu können, verabredeten die Mädchen, um sich Geld zu verschaffen, folgenden Plan, den sie chon am folgenden Tage zur Ausführung brachten. Von der Wohnung ihrer Eltern, die in der Dankelmannstraße zu Char- lottenburg lag, fuhren die beiden Kinder mit der Straßenbahn nach dem Gesundbrunnen, um hier nach einem vorher genau zurechtgelegten Plane einen richtigen Raubzug zu unternehmen. Als sie auf der Straße den kleinen achtjährigen Karl Kuhnt., erblickten, der von seiner Mutter zum Einholen geschickt worden war, näherten sie sich dem Knaben und lockten ihn unter dem Vorgeben, ihm scböue Bilder zeigen zu wollen» in einen Hausflur. Hier hielt ihn die kleine Meyer an den Armen fest, während ihm die Erichson das Äcldstück, ein Z w e i>n a r k st ü ck. aus der Hand schlug. Ehe der kleine Knabe mutzte, was mit ihm geschehen war, waren die jugendlichen Stratzenräuberinnen weg- gelaufen. Am nächsten Tage unternahm die Meyer allein einen ähnlichen Coup. Sie nahm einem kleinen fünfjährigen Mädchen, die von ihrer Mutter zwanzig Pfennige zu Ein- käufen erhalten hatte, das Geld unter dem Vorgeben weg, es besser einpacken zu wollen, damit sie es nicht verliere. Mit einer ge- wissen Kunstfertigkeit verstand sie es dann, das Geld verschwinden zu lassen und dem Kind ein leeres Papier in die Hand zu drücken. — Vor Gericht legten die Angeklagten ein Geständnis ab. Staatsanwalt Dr. Katz hielt es nicht für zwcckmätzig, zwei so jungendliche Kinder ins Gefängnis zu stecken. Die eigcnt- liche Schuld an diesem so überaus traurigen Vorfall trüge nur die mangelnde Erziehung und Aufsicht. Aus diesem Grunde erscheine ein Verweis als ausreichende Strafe» zumal sich die eine der hielt es jedoch für angebracht, auf Gefängnisstrafen zu erkennen. Das Urteil lautete deshalb gegen die Erichson auf eine Woche, gegen die Meyer auf 14 Tage Gefängnis I— Des Staats- anwaltS Antrag zeugt von besserem sozialem Verständnis als das Urteil des Gerichts._ Unterschlagungen eines Sirchenrrndantr«. Unter der Anklage der Amtsunterschlagung stand gestern der frühere Rendanl der Himmelfahrtsgemeinde. Gerichts» ossistent OSkar S ck u l z. vor dem Schwurgericht des Land- gerickts I. Der Angeklagte beteiligte sich lebhaft an dem �kirchliche» Leben; er war Kirchenältester, Mitglied der Synode und wurde vor mehreren Jahren zum Rendanten seiner Kirchen- gemeinde gewählt. Als solcher verwaltete er die Kirchentasse und nahm auch die Gelder in Empfang, die der Gemeinde von der Stadtsynode zu baulichen und sonstigen kirchlichen Zwecken über- wiesen wurden. Er hat zugestandenermatzen das in ihn gesetzte Vertrauen getäuscht und seit Jahren Unterschlagungen be- gangen, die die Gesamtsumme von 14000—15000 Mark erreichten. Durch unrichtige Buchführung wutzte er sein Vergehen lange zu verdecken, und wenn eine Revision in Aussicht stand, sorgte er immer dafür, datz vorübergehend die Geldsumme, welche vor- Händen sein mutzte, vorgewiesen iverden konnte.— Die Ge- schworenen sprachen den Angeklagten nur der einfachen Unterschlagung schuldig, versagten ihm aber mildernde Umstände. Der Staatsanwalt beantragte«zwei Jahre sechs Monate Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Das Gerickt erkannte auf ein Jahr neun Monate Ge- s ä n g n i s und Aberkennung des Rechts zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von vier Jahren. Ein Antrag aus Verhaftung wurde abgelehnt._ Nahrungömittelsälschung. Wegen Uebertretung des§ 10 Nr. 1 und 2 deS NahrungZmittel- gesetzeS war der Wurstfabrikant Krisch zu Berlin vom Landgericht zu einer Geldstrafe von 75 M. verurteilt worden. Es wurde an- genommen, datz er Nahrungsmittel zum Zwecke der Täuschung in Handel und Verkehr verfälscht und sie wissentlich unter Verfchweigung des Umstandes verkauft habe. Es handelte sich um die Herstellung und den Verkauf von Kalbfleisch-Brühwiirstchen, die mit Raucher- färbe gefärbt waren und dadurch ein„geräuchertes" Aus- sehen erhielten.— Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten eingelegte Revision mit folgender Be- gründung: Nach den Feststellungen des Landgerichts seien der- artige Würstchen wertvoller, wenn sie längere Zeit geräuckert würden, als wenn es nur kürzere Zeit geschehe. Ferner sei fest- gestellt, datz die Manipulation des Angeklagten bezweckte, den Würsten den Anschein zu geben, datz sie länger geräuchert seien, als es der Fall war. Wenn daS Landgerickt unter diesen Umständen eine Verfälschung zum Zwecke der Täuschung in Handel und Berkehr annehme, so liege darin kein RechtSirrlum.— Eingegangene Druckfchnftcn. „Morgen-'. Wochenschrtst für deutsche Kultur. Nr. 22. 50 Pf. Verlag: Marquardt u. Co., Berlin Vf. 50. Ueber den Eiuflus? der GefchlechtSfunktioncn auf die weibliche Kriminalität. Von Dr. S. Weinberg. Jur.-pfych. Grenzsragen. VL Band. Heft 1. 1 M. Verlag: C. Menhold. Halle a. S. Reelams Untversal-BibNothek.(Oktober 1907.) Nr. 4041. Russische Dichterinnen. Nr. 4942. Erläuterungen zu Meisterwerke« der Ton- ku»st. 12. Bände. Richard Wagners Rienzi, ver Letzte der Tribunen. Von Atar Chop. Nr. 4943. 4944. Heinrich Schanmberger. Vater und Sohn. Eine oderfränkische Dorfgeschichte. Nr. 4945. Heinrich Lee, Der siebzigste Geburtstag. Lustspiel. Nr. 4946. Friedrich Eberh. v. Rochow, Geschichte meiner Schulen. Nr. 4947. 4948. Johauna Vau Woudc, Traudel und ich. Nr. 4949. Dchillers Lied von der Glocke mit dem Goetheschen Epilog. Kur Aufführung eingerichtet von Dr. Wilhelm Pfeiffer. Nr. 4950. Jaffh Torrund, Sein Herzenskind, Novelle. Preis jeder Nummer 20 Pf. Die französischen yomonyme« Wörter in phonetischen Gruppen. ihr Ursprung und ihre Ueberjetzung ins Deutsche. Von Dr. Anton Burger in St. Pölten, Niederöstenreich. Preis 85 Pf. Ct röste und Niedergang Roms von Gugliclmo Ferrero Erster Band: Wie Rom Weltreich wurde. Zweiter Band: Julius Caesar. Preis eines Bandes broschiert 4 M., geb. 5 M. Verlag von JuliuS Hoffmann, Stuttgart, Die ZivilgcrichtSreform und die Beschränkung des Anwaltszwanges von Nikolaus Plancnbcrg rcdivivus.(Verlag von R. Skrzeczek, Berlin KV7. 1907. Preis 1 M. Protokoll deS Nationalliberalen Parteitages Wiesbaden 1907. 153 Seiten.— Pensionsverftcheruug der Privatbeamtcn. Rede Dr. Strescmann, M. d. R. 30 Seiten.— Buchhandlung der national- liberalen Partei, Berlin IV. 9. Witterungöübcrsicht vom 7. November 1S07. Wetter- Prognose für Freitag, den 8. November lS«7. Vielsach nebelig, sonst ziemlich heiter und trocken bei mähigen süb- lichen Winden, etwas milderer Nacht und wenig veränderter TagcStempcratur. B e r l>» c r W e t t e r o»>-„ »s [i 5, s» ££ t- z- Fur den Jubat«»er Juierate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Aeraiinvorning. Udearer. Freitag, den S. November: Ansang ö>/« Uhr. Freie Boiksbühue. 24.(IV.) Abend. abtellung im Lortzwg-Theater: Und ine. Freitag, den S. November. Ansang Vit Uhr. Kgl. Opernhaus. Swsonie-Konzert der kgl. Kapelle. «gl. Schauspielhaus. König Hein- rich IV. l. Teil. DeurtcheS. Romeo und Julia. Aammerspiele. Liebelei.(Anfang 8 Uhr.) Anlang 8 Uhr. Lefsiug. Der Bund der Jugend. Neues Schauspielhaus. Die große Gemeinde. Swiner o.(Wallner-Theater.) Reiteraltacke. Schiller Charlottenburg. Her- mannSschlacht. Friedrich- Wilhelmftädt. Tchau- spielhaus. Waiertant. Berliner. Die Börse. Neues. Die Waffen wieder I Kleines. Ein idealer Gatte. Zentral. Die Puppe. Lorüing. Undine. Theater an der Spree. Der Aklienbudiker. Residenz. Ganz der Papa. «»mische Oper. Tiesland. Weste». Die lustige Witwe. LiistipieldanS. Husarenfieter. Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Thalia. Die gelbe Gesahr. Luisen. Der Freischütz. Beruhard Rote. spree-Mhener, Meiropot. DaS muh man seh'n. Apollo. Sylvester Schäffer. Spe- zialitäten. Walüalla. Spezialitäten. Foltes Eaprice. Geteilte Liebe. Eusino. Biederleute. Gebr. Herrnfeld. Madame Dig- Wag. ES lebe daS Nachtleben. Pasiage. Paula Wirth. Spezialitäten. Prater. Das Kätchen von Heil- bronn. Parodie. Zapsenstreich. Momia Vanna. Der Troubadour. Wintcrgarteu. Spezialitäten. Palast. Tante Malchen. Speziall- täten. Earl Haverland. Spezialitäten. RelchShaUen. Steltiner Sänger. llrnuia. I,>nde»ne»ste<»»>tU. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Höllaat 3 Uhr: Dr. E. Thcfmg: Fortpflanzung und Liebesleben. Sternibiirie. Jiie Borne._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Die illnffen viedtt! Sonnabend: Die Waffen wieder! Sonntag zum 100. Male: Der Dieb. W.ftoacks Theater Dlreliiuu: Rod. Oill. Bruiiiiennr. lö Verlorene Ehre.. Soz. Schaust), v. Bohrmaiiii-Riegen Ansang 8 Uhr. Entrce 30 Ps. Ehren- und Vorzugskarten güllig! Sonnabend: Gesthlossen. Eonnta»' verlorene Ehre. �issellsekuktliokos Dstsnisr. �bsnck» 8(Tür: Ueber den Brenner nach Venedig. Hörsaal 8 Uhr: Dr. C. Xhesing: Fortpflanzung und Liebeslcben. Invalidenstr. 57—62; Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebelflocke. Kleines Thealer. Abends zum 224. Male: Ein idealer Gatte. Sonnabend: Ein Puppenheiin. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein Puppenheim. Theater des Westens. 8 Uhr: Die lustige Witwe. Sonntag nachm. 31/. Uhr halbe Preise: FrUhlingsluft. Friedrich-Wilhelrnstädtisclies Schauspielhaus, Waterkant. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Die Sonnla >Ias. A sassagiet. Nibelungen. 3 Uhr: Winter- iä 8 Uhr: Der blinde LortzingTheater s°ühr. Und Ine. Sonnabend: Die Entführung aus dem Serail. Sonntag naibm. 3 Uhr: Martha oder: Der Markt zu Richmond. Abends 8 Uhr: Die Entführung aus dem Serall. kustspivlkaiis. Abends 8 Uhr: Husareufieber. Vollstü milche Presse._ Zentral-Theater. Abends 8 Uhr: Die Puppe. Operette in 3 Akten._ — HtSI 8 Uhr Direltion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von MarS und DeSvailliöres. Deutsch v. M Schönau. Siiron des Aubrais: R.»llexander. Sonntag, den 10. November, nach- mittags 3 Uhr:»Die 30« Tage.-' tSeklller-Tkeater. Sohlller-Theater 0.(Wallner-Tdeater). Freitag, abends«Uhr: Nelteruttuelre. Schwank in 5 Ausz. von Stob'tzer und Fritz Friedmann-Frederich. Sonnabend. abends 8Ubr; <-!«t� VON Berlichingen. Sonntag,» a a> nl. 3 Uhr: Des vierte tiebot. Sonntag, abends 8 Uhr; IHarla Stuart. Sohlller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Die Hennannschlacht. Ein Drama in 5 Auszügen von Heinrich v. Kleist. Sonnabend. abenoS 8 Uhr: Relterattaebe. S o n» i a g, n a cki m. 3 Uhr: Tlonna Vanna. Sonn lag. abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schiller-Saal a'Ä'Ät?) Freitag abends 9 Uhr: Vortrag Dr. Georg Münzer: Franz Liszt. Erläutert durch Instrumentalmusik. 6. Vortrag des Zyklus: Komponisten der Reuzeit. Sonntag abends 8 Uhr: Robert Schumann-Abend._ 6 Zirkus Schumann Heute Freitag, den 8. November, abends präzise VI, Uhr: DaS anerkannt vorzügliche Programm und Eine wirklich sensationelle Novität. Direkt von Amerika fliegende 2 Damen Banvards 4 Herren Alles vollständig neue Tricks. welche in der BoNenduog hier noch nie gesehen. Oheater H. Diech der phänomenale Trick-Zyklist. Um 9'/, Uhr: Die dicsj. grotze Wasserpantomime: Eine Fortsetzung Der lustigen Heidelberger. fc» Auf dem Neckar Sonntag zwei Galavorstellungen. Nachm. ein Kind frei. Passage-Theater. Paula Wirth ! die Diva rediviva Luisen-Theater Reicheubergerstr. 34. 6. Opern-Gastspiel. Der Freischütz. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Snee« wlttchen. AbendS: Berlm wie es weint und lacht. m ,,, Sonntag nachmittag: Muttcrscgcn. Abends zum erstenmal: Am Tage des Gerichts. Montag: Mntlerstaen. �JikcikimdviSpi&i Köpciiickerftraste 68. Täglich stürmische Heiterkeit t Alt-Beilincr Posse. Abends 8 Uhr: Der Attienbttdiker. Im Stil der 50 er Jahre. Josefine D o r a als Karline!_ WIMM NIM Gr. Franklin lerttr. 132. Spi-ec-Athener. Bert Volksflück mit Gesang von Schwarz-Reislingen. Ansang 8 Uhr. Wochentagspresse. Sonnabend nachm. 3 Uhr Kinder- Vorstellung: Max u. Moritz. Llbeuds: Maria Stuart. Sonntag nachm. 4 Uhr: Carmen. Abend»: Spree-Athener. u. d. groBartige Novemberprogr j heater des Zentrums. Sophien» Säle, Sophienstratzc 17/13. Lis früh iim Wnft v. Kren u. Lippschütz. Musik o. P. Lincke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. TChcatcr Foltes Caprtce Linienstr 132, Ecke FrledrlchstraBe, O Rabbi Meseritseh. � Bunter Teil. Oeteilielsiebe. Anfang 8 Uhr»_ XIII. Saison. Zirkns Bnscli Freitag, den 8. November, abends präz.?>/, Uhr: Komischer Gala-Abend. U.a.: Auftreten der Orig. japanische Fechtkünstler Ono nnd Ota. 1. Busihdoo(Stockfechten). 2. Inidoo(Demonstrationen d. Japan. Selbstverteidigung). 3. Demonstrationen der Japan. Verteidigung gegen grie- cliisoh-römisoh. Ringkampf. Um'/.lO Uhr: Auf der Hallig;. Itlesen- IIIunIohn- Akte unter Waasor. MMEMM Neues glänzendes Programm. Brunnen-Theater Badstratze 58. Direkt.: Bernh. Rose. Freitag, den 8. November 1907: Der ilrildscnfttlTct. Lussspicl in 4 Akten von®. v. Moser. Ans. 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Vorverkauf von 10—3 Uhr vormittags. Trianon-Theatep. Fräulein Josette- meine Frau. Anfang 8 Uhr. kÄÄÄÄÄSÄÄÄI freicUolksbühnc 8. Xoveniher, 8'/« Uhr: Lortzing-Theater 84.(IV.) Abend-Abteilung. Undine. 15. Xovemhor, 81/, Uhr: Luisen-Theater LS(III.) Abend-Abteilung. Bartel Turaser. Mitglieder werden noch in allen Zahlstellen aufgenommen. Freltax: Werbet Mitglieder für die Abendabteilungen Gastkarten a 1 Mark i auch an der Theaterkasse, abends 7—8 Uhr, Werbet Mitglieder für die Abendabteilungen filintcrMt Neues Schauspielhaus 30. Abteilung Fuhrmann Henschel. Sonnabend, 33 November, i Brauerei Friedrichshain. Der Humor in der Musik. Festmarken a 60 Pf. inkl. Programm in allen Zahlstellen. Sonntag, den 10. Kovember, nachm. 8 Uhr: Berliner Theater 7./S. Abteilung DasTal des Lebens. Klontag, 35. November, abds. 8'/. Uhr, im Bathaas:' 25. Kunst=Abend. SDr. Leopold Hirschberg über: Richard Wagner« «Hb 230/15* Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Meiro|iolTheaier Anfang; priizlse 8 Uhr. Gr. Revue in 4 Akten(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. nhittraiFImr) B. Darmand a.D. E. Wtiitiiney, ßeiepjainpielrojseplii Rauchen Überall gestattet. Sonntag;, 10. November, nachmittags 3 Uhr; Die Herren von Maxim. Prater- Theater Bürgerliches Schauspielhaus. Kaitaiiien-Allee 7—8. Zum erstenmal: üllö üiitchen von Heilbronv. Schauspiel in 5 Akten vc» H. Kleist. Ansang 8 Uhr. Sonnabend: Die zärtlichen Ver« wandten. Montag, den 11. November 1907: MS" 2. Opernabend. Die Zauberflöte. Rixdorfer Theater Bürgersäle, Bergstraste Nr. 147. Sonntag, den 10. November: Zum 2. Male: Traunraliis. Tragische Komödie in 5 Akten von Arno Holz und OSkar Jerschke. _ Ansang TU Uhr.__' ]Vcue Mett Hasenheide 108/114. Heute Freitag, 8. Nov., 8 Uhr abdS. Großes populäres Konzert Dirigeul: August Mendel. Sei: Herr Gustav Adolf Henckels (Gesang). Herr Georg Stellwagen(Piston). ' Entree 50 Pf. Balkon 60 Ps. Vorzugskarten haben Gültigkeit! )VIozart- Orchelter- Kafiuo-Theater. Lcthringerftr. 37. Täglich 8 Uhr: ßiederleute. Komiiiüe in I Akten?. Rob. Miseb. Vorher daS glänz, bunte Programm. Sonnlag 4 Uhr: Die wilde Jagd. keiclis!l»iieii-7vesler. Täglich: ir Britten als Aule im Familiea- bad Wannsee. .Wochent. 8. Sonntag» 7 Uhr. ultus Meyer Restaurant, Oranienstr.lQä Jeden Sonntag:(* aeofltl. Beisammensein und Toax. 7 r n Das kolossale oeue Proraim g'/z Uhr: Die Sensation Berlins: SMslös Sctiiisfei jl. ilei' kei'ükllile Oiilvei'zsllcjiiiztlki'. Keks, ttkssnselll- Tlieater. 57 CTommntibfntcnfirnfic ZK. 57. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2. Die erfolgreichsteu La ch- Koinödicn sei- 17 Jahren: Madame Wig-Wag Operclien-Burl. Musik t). S. Jial. Sslebe das Kachtieben! Separee-Affäre in 2 Akten. Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Pr.: Ein verrücktes Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herrnfeld. Sonntag, den 17. Nov., 2 Uhr: Tie MeyerhainS. Palast Bur, •Theater Burgstraste 34. Heute 8 Uhr. Entree 20 Pf. Qisella und Max musikalischer M. Die 4 Theodors Omer Sait=Trio Novelty Cascadeure Unsere Kate Lustspiel ». 9 trsthlasitge Unmmer». aihalla- Variete-Theafer Weinbergsweg 19/20. Rosenlh. Tor. 'Anfang 8 Uhr. »ss neue Nevember-Rrogreimn. Die urkomische Huudepanlomime. „Aus einer kleinen Garnison", dargestellt von 30 Humlen. 12 erstl(iäss.SpezialitdteD 12 Tunnel: Dreibund-Konzert. Theaterbesuchern kreier Eintritt. Sanssouci Direktion: Wilhelm Reimer. Heute Freitag weg. grotzec Festlichkeit xeseklossea. Sonntag. Montag und Donnerstag: ». Tanzkranzchcn. Sonnt. Beg.5, wochcnt. 8 U. tforilzplatz,. 1 imlhceftcwaal Taylluv Das neue ir Anfang 8 Uhr. Enlree 50 Pf. Sonntags 7 Uhr.(Sonntags reserviert 1 M., Enlree 50 Pf.) Familienbilletts a 40 Pf. Nch kdilitär-konierl. Becker, Przywarski, Görisch, Neumann, Offeneii und Lüttich. BotainntaHsckung! ras Theater an der Spree veranstaltet eine Sonders Vorstellung zu ermäßigten Preisen kirr die arbeitende Be» VÖlkemng SIN SW" näelisten"VS Sonntag, nachmittags 3 l:Iir: „Der Aktienbudike r.'6 Heitere Seenen�dem.VoUslebea — Preis-Ermäßigungen nnr für die Leser des„Vorwärts."---------------- 1. Rnng-I.oge....•,__ Of<-he»iter- f'anteull\ Jeder Platz SF» Pfcnnise. I. Itang-Iinlkon... 1 Billetts zu diesem ermäßigten Preise werden nnr gegen Abgabe dieser Bekannt- Diarbnng an der Theaterkasse ausgegeben. Theater an der Mpree: Köpenick er»traOe 68. Tageskasse 10—2 und 6—8 Uhr. 85/15* n n c j J.Qossmanns Festsäle Bes.: 0. Ernert S W., Kreuzbergstr. 48. Jeden Freilag: kricIt'Ili'Me-8sM (llrig.- Uarburger Sänger) Passepartout gültig. Jeden Montag: Fpeilanz. W Ich sage allen denfeuige». die mich wahrend nieiuer Kraut- heit uuterftüüt haben, meinen besten Dank. 642L doseph Michel Straszmaunftraste 13. Arbeiter"»den m de., Winter gute und billige tlllterkleitler in grofter Auswahl Srunnenstr. lS8, L,' gsidsr Lsäsn. »i*. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Sä, 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2—1. Damen, die viel Geld sparen wollen, kaufen ihre Mäntel, Kostüme, Jacketts, Rocke etc. im Engrosgeschäft von A.tSchtvarz für die Hälfte des regulären Preises. WaSmannstr 1, Ecke landsbergerstr. 1.£tg. Kein L8s««mbn>M. Partei- Angelegenheiten. Söuigs-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden auf die am Sannlag. den 10. November, nachmittags g'/s Uhr. im Lokale von Schumann, Wildau, stattfindende WahlvcreinSvcrsamm- lung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Bericht der Funktionäre, Parteiangelegenhettcn und Verschiedenes. Parteigenossen und Ge- nossinnen l ES ist Eure Pflicht, vollzählig in der Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Hohcn-Neueudors und Stolpe. Der�ahlabend des WahlvereinZ, verbunden mit Morgensprache, findet diesmal schon am Sonntag, den 10. Stovembcr, vormittags 9 Uhr, im Lokale der Wwe. Bergemann zu Stolpe statt. Pflicht aller Mitglieder ist eS, pünktlich zu erscheinen, da wichtige Sachen zu besprechen sind. berliner JVaebriebten. Tie Stad tverordnetenschung wurde gestern eröffnet mit der Verlesung eines Briefes, in dem des Kaisers Gattin sich für die Geburtstagsgratulation bedankt, die ihr von den freisinnigen Stadtverordneten nach langer Pause zum ersten Male wieder gewidmet worden ist. 3Sas iir dem Dankbriefe stand, wir habcn's uns nicht gemerkt. Sein Inhalt inusz aber für den Berliner Konuitunalfreisinn sehr schmeichelhaft geivescn sein: denn als die Verlesung be� endet war. quittierten ein paar Freisinnige mit einem verzückten „Sehr schön". Das ist für die Freisinnigen nach dem Ausfall der Stadtvcrordnetenwahlen dritter Abteilung, der sie so sehr überrascht hat, wenigstens c i n Trost in der Trübsal ihrer getäuschten Hoffnungen. Diese Einleitung dürfte manchem der Stadtväter als das wichtigste an der ganzen Sitzung von gestern erschienen sein. W i r möchten die Aufmerksamkeit unserer Leser auch auf die Verhandlungen lenken, die über die� Walderhol nnHs- st ä t t e n für- schwächliche Schulkinder geführt wurden. Wir sollen sie jetzt endlich kriege», die oft geforderten Waldcrholungsstättcn, die man sich ursprünglich als vollständige Waldschulen gedacht hatte. Sie sind, wie unser Genosse W e v l gestern feststellte, auch wieder so eine Einrichtung, die auf Anregungen der sozialdemokratischen Fraktion zurückgeht. In der Agitation zu den Stadtverordneteuwahlen hat ja so manche Reform, die von der sozialdemokratischen Fraktton angeregt worden war und schließlich vom Magistrat gewährt wurde, als„freiwillige Leistung" des Frei- sinn s vor den freisinnigen Wählern glänzen müssen. Wey! war gestern wieder„begehrlich" genug, an dem Plan des Magistrats noch manches verbesserungsbedürftig zu finden. Ein AuSsahuß Ivird sich die Vorlage erst noch genauer ansehen. Bei den gestrigen Privilegiertcnwahlc» in der ll. Abteilung wurden folgende itandldaten gewählt: In, 1. Wahlbezirk: Stadtv. L. Jacobi (lib.). 2. Bezirk: Justizrat L a d e w i g slib.). I. Bezirk: Stadtv. FaSqucl slib.). I.Bezirk: Stadtv. Albert Schulze(lib.s. r>. Bezirk: Stadtv. Plischke slib.). 6. Bezirk: Stadtv. Imberg (lib.). 7. Bezirk: Stadtv. L i c b c» o w(lib.j. 3. Bezirk: Bankier L o c s c r(lib.) i Stadtv. R e i m a n n(lib.). 9. Bezirk: Stadtv. Karl G o l d s ch m-i d t(lib). 10. Bezirk: Stadtv. Mnntel(lib.i. 11. Bezirk: Stadtv. Salinger(lib.). 12. Be- zirk: Stadtv. Max Schulz I.(lib.). 13. Bezirk: Stadtv. Runge (lib.)..4. Bezirk: Stadtv. Modler(lib.). 15. Bezirk: Stadtv. Dr. B ü t o w(lib.). 16. Bezirk: Stadtv. G o ero l d t(lib), Architekt Le ii(j(lib.). Genosse Paul Singer hatte in allen 16 Bezirken 70 Stimmen auf sich vereinigt, die als zersplittert gezählt worden sind. Unter den, Porsitz des Oberbürgermeisters Kirschner fand am Donnerstag eine Zusammenkunft von Vertretern der an der Weiter- cntwickelnng von Grotz-Berlin interessierten Gemeinde», sowie des Kreises Niederbarnün, Landrat Graf v. Roedcrn, und des Kreises Teltow.in, Rathause von Berlin statt. Von allen Seiten wurde der grotzziigige Plan der Schaffung eines vorbildlichen Bebauungs- planes usw. für Grotz-Berlin auf das dankbarste begrüßt. Die Initiative der Stadl Berlin, ihre Bereitwilligkeit, den Plan zu sördern, und die gegebenen Anregungen wurden von den Erschienenen bereitwilligst anerkannt, lieber die nächsten Schritte zur Verfolgung des für die Zukunft von Groß-Berlin überaus wichtigen Planes herrschte die größte Einmütiglcit. Eine Kommission wurde beaustragt, den Entwurf für ein allgen, eines Preisausschreiben zur Beschaffung eines großzügigen Bebauungsplanes auszuarbeiten und mit Vor- schlägen für die Beschaffung der erforderlichen Mittel den Vertretern von Groß-Berlin zu unterbreiten. Mit einer intcrcflanten Neuerung im Eisenbahnbetriebe werden gegenwärtig auf der elektrischen Vorortbahn Berlin- Groß- Lichterfelde Versuche angestellt. Es handelt sich hier um die Ein- sührung selbsttätiger Türschließer. Diese sollen derartig funktio- nicrcn, daß be beim Zuwerfen der Eoupetüren von selbst schließen. Dadurch soll der Gefahr, während der Fahrt aus etwa uu- vcrschloffenen Türen herauszuslürzen, vorgebeugt werden. Auch in anderer Beziehung wird die Neuerung sowohl für die Passa- giere als auch für die Eiseubahnbeamten erhebliche Vorteile bieten. Es wird von dem Ergebnis der Versuche abhängen, ob die Neuerung allgemein im Eisenbahnbetriebe eingeführt wird. 290 Fuhren Tanncnreisig sind am vorgestrigen und gestrigen Tage bei den hiesigen Kranzbindereicn angefahren worden. Ein mindestens gleich großes Quantum wird noch in den nächsten Tagen zugeführt. Das Tanncngrün wird gebraucht zur Her- stcllung von Kränzen für die bevorstehende Totenfeier, an welchem Tage in Berlin und den angrenzenden Vororten zirka 300 000 der- ortige Arrangements gebraucht werden. Insgesamt liefern die hiesige,, Kranzbiudereien 700 000 bis b00 000 Kränze, von denen über die Hälfte für die Vororte und größere Provinzialstädtc der Mark gefertigt werden._ Die FZrdcrung der Jugend will sich daS— Polizeipräsidium angelegen sein laffen. ES hat an verschiedene hiesige Sportverbände einen Fragebogen verschickt, der folgende Fragen enthält: 1. In welcher Weise und in welchem Umfange nimmt die schulentlassene Jugend im Alter von 14— 18 Jahren am... iport teil? 2. Was könnte geschehen, um die Beteiligung lebhafter und allgemeiner in diesen Kreisen zu gestalten? 3. Worin bestehen die Schwierigkeiten, die Jugend im Alter von 14—18 Jahren, besonders soweit sie im gewerblichen Leben steht, zum Sport heranzuziehen? 4. Wie könnten diele behoben werden? 5. Wie denkt sich Ihre Korporalion etwa eine unterstützende Tätigkeil der Staats- oder Gemeindebehörden auf diesem Ee- biclc? 6. Welche Wünsche hegt Ihre Korporation wohl in bezug auf die Forderung durch die genannte Behörde? Wir gehen wohl nickit fehl, wenn wir das hier zutage tretende Interesse für die sportliche Beteiligung der schulentlasienen Jugend im Zusammenhang bringen mit der Rede des vergangenen MnisterS des Innern, jetzigen Staatssekretär Hern, v. Bcthmann-Hollweg, der die Förderung des Sports als einen großen Külturfaktor bezeichnete. Im grellen Gegensatz hierzu steht nur. wie sich daS Äultusiuinistcrium der turnenden Jugend gegenüber benimmt, die in freien Turn- vereinen Körper und Geist stärken. Die Kommunen und die Polizeikosten bei Bekämpfuiig einer Seuche. An Lungenpest erkrankte seinerzeit in der Wohnung des Post- schaffners Sepien zu Charlottenburg bei Berlin ein Dr. Milan Satz, der auch daran starb. Mehrere Personen, die dort wohnten oder zu der Zeit sick aufhielten, wurden auf einige Wochen zur Absonderung usw. auf Veranlassung des Berliner Polizeipräfidentcn in die Charitö zu Berlin geschafft. Die Wohnung wurde desinfiziert. In dieser hatte sich zurzeit ein Knabe Buchholz besuch«- weise aufgehalten, der in Berlin bei seine», Stiefvater Zwiesch- fing in der Wichmamiftraße wohnte. Er war dahin zurückgekehrt. Der Polizeipräsident ließ auch ihn abholen und in die Ebarito schaffen, wo der Knabe einige Zeit verblieb. Die Wohnung Zwiesch- fingS wurde ebenfalls desinfiziert. Aus der llebersührung des Knaben und aus seiner Verpflegung in der Eharits entstanden der Polizei 40 M. Koste». Außerdem mußle das Polizeipräsidium an Zwicschling als Entschädigung für Sachen, die durch die DeSinfektton verdorben waren, 240 M. zahlen. Diese 280 M. verlangte der Polizeipräsident vergeblich von der Stadt Berlin ersetzt. Der Polizeipräsident be- trachtete die 289 M. Kosten, die zur Bekämpfiuig der Seuchengefahr auf Berliner Gebiet entstanden waren, als mittelbare P o l i z c i k o st e n, welche die Stadtgemcinde Berlin zu ersetzen habe Berlin dagegen bestritt diese Verpflichtung und meinte, das seien I a n d e s p o li z e i l i ch e Kosten, die der Staat zu tragen habe, weil es sich bei Maßregeln zur Bekämpfung der Pest immer um landespolizeiliche Aktionen handele. Der Polizeipräsident wandte sich an den Oberpräsidenten und dieser ging im Einverständnis mit dem Minister des Innern im Wege der Zwangsetatisierung gegen die Sradt Berlin vor. Nach Erfüllung der Formalien wurde bestimmt, daß die 289 M. für das Elatsjahr 1906 als außerordentliche Ausgabe verfügbar zu mache» seien. Der erste Senat des preußischen OberverwaltnngS- gerichts hat nun jetzt die Versügung aus Zwangsetatisierung Berlins außer Kraft gesetzt, indem er ausführte: ES treffe allerdings nicht zu die Auffassung der Stadt, daß es sich bei den Kosten für Maßregeln zur Bekämpfung der Pest immer um Kosten landespolizeilichcr Aktionen handle, die der Staat zu tragen habe. Einen solchen Grundsatz gebe es nicht. So sei zurückzugehen auf den allgemeinen Grundsatz des OberverwaltungSgenchts: Wenn cS sich um polizeiliche Maßnahmen handele, die vorzugsweise de» Sckiutz örtlicher Jutercffei, bezweckten, wenn es.sich also um die Bekämpfung einer Seuche innerhalb eines OrteS handele, dam, feien die ciilstchcndcn Kosten der Polizei als mittelbare ortS- polizeiliche Kosten von der Gemeinde zu tragen. Handele es sich dagegen um Maßnahme,, zum Schutze weiterer Jnteressenkreise, afio�z. B. um die Verhütung des lieber- springens der Seuche von einen, Staatsgebiet auf das andere, so seien es landespolizeiliche Maßnahmen. deren Kosten von, Staate zu tragen seien. Darum handle es sich aber, sowei t derBerliner E i n w o h n e r Z w i e s ch li n g und sein Stiefsohn Buchholz in Frage kämen, denn der Pest fall sei in Charlottenburg vorgekommen, so daß die Maßnahmen aus Berliner Gebiet solche gewesen seien, die ein Uebergreifen der Seuche auf ein anderes Staatsgebiet ver- hindern sollten. Daraus ergebe sich die Aufhebung der Zwangs- etasierung. Ein schwerer Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen fand am gestrige» Abend gegen 0 Uhr an der Ecke der Landsberger- und Waßmannstraße statt. Dort fuhr ein Wagen der Hohenschön- hausencr Straßenbahn in der Richtung der Endhaltestelle Waß- inannstraßc gegen einen Motorwagen der Linie b0 der Großen Berliner Straßenbahn und stieß, hierbei gegen den Vorderperron des letzteren Gefährtes, welches die Vorfahrt hatte. Glücklicher- weise wurde» Personen nicht verletzt, doch wurden beide Wagen schwer beschädigt. An den, angefahrenen Motorwagen wurde die Perronstütze herausgerissen und die Schutzwejte eingedrückt. Der Wagen der Hohenschönhauscncr Straßenbahn entgleiste und mußte durch einen Zug der hinzugcrufcnen Feuerwehr wieder auf die Schienen gesetzt werden. Die Störung betrug 15 Minuten. Eine Panik brach gestern abend in der südlichen Friedrichstadt aus. Ein Furagewägen der Firma Jürger mit zwei Pferden be- spannt raste, von der Markgrafenstraße kommend, nach der Linden- straße und dem Bellealliauceplatz zu und von dort in die Friedrich- straß? hinein, wo das Gespann schließlich aufgehalten wurde. Vor der Markthalle in der Lindeusttaße wurden die Pserde von drei Schlächlerwagen scheu und gingen ebenfalls durch. Diese wurden indes noch vor dem Bellealliauceplatz aufgehalten. In der Friedrich- straße stieß der b e l a d e„ e Furagewagen mit einer Droschke und einem AulomvbilomnibiiS zusammen. Die Droschke wurde zer- trümmert, das Auto beschädigt und eine Menge kleinerer Wagen erlitten Schaden, zum Teil auch an der Ladung. Das Publikum flüchlete, dabei erlitt ein Mädchen einen Armbruch. Der Kutscher des FuragewagenS ist unverletzt geblieben, er soll beim Durchgehen der Pferde vom Wagen gesprungen sein. Der Wagen und die Pferde sind merkwürdigerweise mir geringen Beschädigungen davon- gekommen, dagegen sind die Pferde anderer Wagen ganz erheblich verletzt._ Der Tod im Polizeigrwahrsam. Zwei Personen haben gestern im Polizeigcwahrsam einen Plötz- licken Tod gefunden. � Im 15. Revier wurde der wohnungslose Händler Paul Gälbe vom Tod ereilt. Er war wegen eines Ver- gehens eingeliefert worden. Im Gewahrsam des 13. Polizeireviers starb die wohnungSlose Sivolia Schilkowska. In beiden Fällen konnte die Todesursache nicht festgestellt werden. Die Leichen wurden daher zur Obduktion nach dem Schauhanse gebracht. Das geswhlene Schlächtcrfuhrwcrk unter den Augen der Polizei. Glück hatte ein dreister Dieb, der dem Schlächtermeister Thielmann aus der Herzbergstraße 32 em mit Fleischwaren be- ladencs Fuhrwerk gestohlen hat. Der Täter war mit dem Gefährt, das einen Gesamtwert von etwa 1000 M. hatte, nach Reinickendorf gefahren. Gestern abend hielt er mit dem Wagen bor einem dortigen Restaurant. Da er keine Laterne hatte, wurde er von einem hinzukommenden Polizeibeamten notiert. Natürlich ahnte der Beamte nicht, daß er einen Dieb und ein gestohlenes Gespann vor sich hatte. Er ließ dann den Wagcnmardcr mit seiner Beute unbehelligt davonfahren. Der Morphinist als Schwindler. Ein seltsamer Betrüger, der seine Opfer unter den Drogisten sucht, treibt gegenwärtig sein Unwesen in den verschiedenen Stadtteilen. Ein etwa 60 Jahre alter Mann mit graumeliertem Bart betritt die Läden von Dro- giften und bittet um Ueberlaffuug von Morphium oder Opium. Er gibt an, er sei starker Morphinist. Bekanntlich ist der un- befugte Verkauf von Morphium verboten. Der Betrüger kommt jedoch dadurch zum Ziel, daß er sich als Redakteur hiesiger Tages- zeitungcn vorstellt und den Geschäftsinhabern Theaterbillets ver- spricht. Hat er dann das Gewünschte erhalten, so zahlt er nicht sondern verspricht, das nächste Mal das Geld zu bringen. Er stellt sich dann auch wieder ein, um wiederum Morphium zu holen und wieder nicht zu zahlen. Natürlich bleiben auch die Theaterbillets aus. Auf diese Weise versteht es der Schwindler, der sich Hans Püchner nennt, sich in den Besitz des Morphiums zu setzen. Zum Schlüsse pumpt er seine Opfer auch noch an. Die Inhaber von Drogengeschäften mögen daher vor dem Bdniger gewarnt sein und zwar umsomehr, als sie nicht allein betrogen werden, sondern weil sie sich durch die Abgabe von Morphium auch strafbar machen. Der Schwimuivcrci»„Vorwärts" Berlin veranstaltete am letzten Sonntag sein diesjähriges internes Schwimmfcst in der Badeanstalt Bärwaldstraße. Einen Beweis dafür, daß das Schwimmen immer mehr Jnieresse in Arbeiterkreiscn wachruft, zeigte wohl der Besuch des Festes; die Badeanstalt konnte kaum alle Schaulustigen auf- nehnien. DaS Ergebnis ist folgendes: Damen schwimmen 80 Meter: 1. Frl. Hoppe 1 Min. 48'/- Sek.; 2. Frl. Huth 1 Min. 48% Sek.; 3. Frl. Starke 1 Min. 49'/5 Sek. Mädchen schwimmen 40 Meter: 1. M. Döring 44% Sek.; 2. E. Schmidt 51% Sek. Jugend- bruslschwimmen 80 Meter: 1. Hafcnstein 1 Min. 24% Sek.: 2. Metzner 1 Min. 23% Sek.; 3. Tfiizinsk, 1 Min. 31% Sek. Jugend seiieschwiinmen 80 Meter: 1. Döring 1 Min. 17% Sek.: 3. Teich 1 Min. 23'% Sek. Jugend rückenschwinunen 80 Meter: 1. Scbnlke 1 Min. ISek.: 2. F.Schmidt 1 Min. 2 Sek. Jugend- spanischfchwimmen 80 Meter: 1. F. Rex 1 Min. 13 Sek.; 2. K. Schulze 1 Min. 15% Sek. K n a b e n schwiminen 40 Meter: 1. M. Badecke 43% Sek.: 2. E. Koch 44% Sek.: 3. P. Haucke 45 Sek. Knaben ichw. 40 Meter(Schwimmart beliebig: 1. Krüger 37% Sek.: 2. A. Rex 33% Sek. Juniorschwimmcn für Männer, 80 Meter: 1. Staeger 1,15. 2. A. Brann 1,17%. 3. Bautz 1,25. Jugend- st afette 4X40 Meter, rot gegen weiß. 1. Rote Stafette 2.32. Kürsp ringen. 5 Sprünge. 1. Buschmann 22% Punkt. 2. Böhl 20% Punkt. Befähig ungS kämpf, A. Brust— Rücken— Spanisch je 40 Meter. 1. Krause 2,11%. Befähigungskampf L. Seite— Rücken— Spanisch je 40 Meter. 1. Wolter 1,53. Jugend- T e l l e r t a u Ä e>,. 1. R. Krüger zeH, Teller. 2. R. Strahl, Maaler. P. Schmidt je sieben Teller. Mehrkampf für änner. 1. Buschmann 42% Punkte. 2. Müller 87% Punkte.— Z iv e i k a m p s für Männer 40 Meter. 1. Reimann 50% Sek., 2. Klitzschmüller 1,2%.— Kurze Strecke für Männer 40 Meter, 1. Wengels 29% Sek.— Schwimmen für Männer über 30 Jahre 40 Meter, 1. F. Drake 37 Sek.— Männer st afette 4X40 Meter rot gegen weiß, 1. rote Stafette 2,8%.— Wasserballspiek, rote gegen weiße Mamischaft, Sieger: rote Mannschaft mit 3:1 Goal. Wer ist die Tote? Am 5. d. Mts. nachmittags gegen 8 Uhr verstarb plötzlich, anscheinend an Herzschlag, vor dem Hause Lehrter- straße 47 eine unbekannte, dem Arbeiterstande angehörende zirka 58—63 Jahre alte Frau, deren Persönlichkeit bisher nicht festgestellt werden konnte. Bcichreibung: Größe 1,47 Meter, Gestalt untersetzt, volles graumeliertes Kopfhaar, Augen blaugrau, im Oberkiefer nur ein Schneidezahn, unten lückenhaft, Kinn spitz. Bekleidung: schwarzes Netzkopftuch, schwarzer Obcrrock mit iveißen Sternen, ein dnnkel- blauer und ein hellgrauer Unterrock, kaffeebraunes Mieder, mode- farbene Taille, Zenghalbschuhe, braune wollene Strümpfe, grau- weißes Barchenthcmd. schwarzer Umhang mit Krümmerkragen. weißes Taschentuch gezeichnet A. blau- und iveißgestrcifte Küchen- schürze. Angaben über die Persönlichkeit der Toten werden von der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier zu den Akten 8787 IV, 41, 07 entgegengenommen. Feuernachrichten. Am Planufer 95 brannte gestern Spiritus und in der Grünauerstr. 26 Fett. Regale, Kisten usw. standen in der Linicnstr. 226 in Flammen, während in der Fricdrichstr. 114 der Fußboden in einer Badestube Feuer gefangen hatte. Türen wurden in der Jnvalidcnstr. 103 eingeäschert. In der Neuen Königstr. 75 brannte früh 5 Uhr ein Keller und eine Raucher- kammcr mit Inhalt. Abends 8 Uhr wurde der 12. Zug nach von der Hchdtstr. 12 gerufen, Ivo ein besetzter Fahrstuhl festgefahren war. Die Wehr befreite drei Personen aus dem Fahr- stuhl. Wegen eines Wafferrohrbruches erfolgte außerdem noch ein Alarm nach der Weißenburgerjtr. 71 und wegen eines Verkehrs- hindcrniffcs nach der �andsbergerstraßc, Ecke der Waßmannstraße. Vorort- JVacbncbtcm Charlottenburg. Die Ergebnisse der Stadtvcrorductenwahlen. Wenn in der gestrigen Nunnner die Resultate von der Stadtverordnetenwahl unvollständig wiedergegeben wurden, so lag daS in erster Linie daran, daß das genaue Resultat teilweise erst nach Mitleritacht bekannt wurde. In einzelnen Bezirken drehte eS sich um wenige Stimmen, die Auszählungen wurde» mehrfach wiederholt. Nach den jetzt vorliegenden Zahlen ergeben sich folgende Resultate: 1. Bezirk. Wahlberechtigte.... 4861 Sozialdemokrat.... 996 Stimmen Freisinn(„Liberal").. 623» Unpolitisch...... 526„ Stichwahl zwischen Soz. und Freisinn. Unsere Kandidaten sind Mickler und Jacob. 2. Bezirk. Wahlberechtigte.... 7440 Sozialdemokrat.... 1469 Stimmen Freisinn....... 1332, Unpolitisch...... 767„ Stichwahl zwischen Lehma n n(Soz.) und B o l l m a n n(freis.) 3. Bezirk. Wahlberechtigte.... 6010 Sozialdemokrat.... 1636 Stimmen Freisinn....... 763„ Unpolitisch...... 288„ Zersplittert...... 0„ Gewählt unsere Genossen Liebe und Gebert. 4. Bezirk. Wahlberechtigte.... 4405 Sozialdemokrat.... 1017 Stimmen reisiunig...... 540, »politisch...... 460„ Zersplittert...... 4„ Gewählt unsere Genossen Zietsch und Wilk. 5. Bezirk. Wahlberechtigte.... 3630 Sozialdemokrat.... 844 Stimmen Freisinn....... 537., Unpolitisch...... 285 Zersplittert...... 21„ Gewählt unsere Genossen Schanrbcrg und Flcmming. 6. Bezirk. Wahlberechtigte.... 4745 Sozialdemokrat.... 729 Stimmm Freisini,....... 583, Unpolilisch...... 852„ Zersplittert...... 1„ S t i ch lv a h l zwischen I a n d e r(Soz.) und Klau(freis.) 7. Bezirk. Wahlberechtigte.... 3340 Sozialdemokrat.... 522 Stimmen Freisinnig...... 538, Unpolitisch...... 299. Stichwahl zivischen Hirsch(Soz) und H a a ck(freis.) 8. S�W. Wahlberechtigte.... 3395 Sozialdemokrat.... 279 Stinnneu Freisinn....... 559„ Unpolitisch...... 338„ Itichwahl zwischen demF r eisinnigen und Unpolitischen. Im allgemeinen war die Beteiligung eine flaue, sie betrug im Durchschnitt 42 Proz. Nur in einzelnen Bezirken war sie stärker als bei der letzten Wahl. Nicht zu verkennen ist. dast die bürgerlichen Parteien die verzweifeltesten Anstrengungen machten, um den letzte» ihrer Wähler an die Urne heranzubringen. Schon in den Vormittags- stunden traten die bürgerlichen Wähler zahlreich an und nach- inittags halfen Automobile und andere Fahrzeuge beim Schlepperdienst. Besonders heih umstritten wurden der t., 2.. 4. und 5. Bezirk. Für alle diese Bezirke hegten die„Liberalen", d. h. die„Frei- sinnigen", die größten Hoffnungen. Dort wurden alle Register gezogen und der letzte Mann wurde mobil gemacht. Und in der Tat schnellte die Stiinmenzahl der Gegner in jenen Bezirken erheb- lich an. Aber ihre Hoffnungen, den 4. oder 5. Bezirk zu bekommen, scheiterten ebenso, als wie die Erwartungen fehlschlugen, daß der Freisinn vielleicht im 2. Bezirk bei der Hauptwahl durchkommen würde. Im 1., 2., 6. wie 7. Bezirk ist der Freisinn vielmehr auf die Wahlhülf« der Unpolitischen angewiesen und es wird sich ja zeigen, ob er. diesen mit ihrem hauptsächlichsten Programmpunlt: unter jeder Bedingung das Zustandekommen der liberalen Mehr- heit zu vereiteln, ernst ist. Für die sieben ausscheidenden sozialdemokratischen Stadt- verordneten kehren sechs in das Rathaus ein. Wir behaupteten den 3.. 4. und 6. Bezirk. Den 2. Bezirk, für den eine Ergänzungs- wähl vorgenommen werden mußte, erhielten wir vor 6 Jahren, be- haupteten ihn 1903, verloren ihn aber 1996.— Im 1. Bezirk, in dem wir wieder in die Stichwahl kommen, haben wir die Mehrheit der Gegner gegen die letzte Wahl von 293 auf 191 verringert.— Setzen ivir alle Kraft daran, dann muß uns dieser Bezirk wieder zufallen. Es kommt nun in erster Linie darauf an, in die Stichwahlen mit verdoppeltem Eifer einzutreten, die Säumigen aus den Arbeiter- kreiselt, die vorgestern nicht zur Wahl gingen, an die Urne zu bringen. Die Stichwahl findet am 25. November statt. Es ist. genügend Zeit, mit neuer Kraft in den Kampf ziehen zu können. 0 Auf das Ergebnis der Stadtverordnetenwahlen der dritten Ab- trilmig hat die Sozialdemokratie keinen Grund, stolz zu fein. Zwar ist es ihr gelungen, drei Bezirke zu behaupten und sechs Vertreter im ersten Mahlgang durckzubringen. Auch hat sich die Zahl der sozialdemokratischen Wähler im ganzen«ni 196S vermehrt, aber dieser Zuwachs kommt fast ausschließlich auf die Bezirke 1 bis 3. während in den Bezirken 4. 6 und 7 ein S t i m m c n r ü ck g a n g zu verzeichnen ist, der im 6. Bezirk sogar eine recht beträchtliche Höhe erreicht. Die Wahlbeteiligung war äußerst schwach, sie betrug im Durchschnitt nur 42,7 Proz. In 6 Bezirken ist Stichwahl, und zwar in 4 Bezirken zwischen Sozialdemokratie und Freifinn, im 3. Bezirk zwischen Freisinnigen und Unpolitischen. Die Sticht Wahlen finden am 25, N o v e m b e r st a t t. In nachstehender Tabelle ist das Resultat übersichtlich zusammen- gestellt und zugleich die Zunahme bezw. Abnahme der sozial demokratischen Stimmen gegen 1996 angegeben: Wahlen der III. Abteilung vom 3. November 1907. Erfreulich ist unser starker Auffchwung im dritten Bezirk, Ivo die Uupolittschen. um uns die Arbeiter abspenstig zu machen, einen Führer der gelben Gewerkschaften aufgestellt hatten. Der Streich ist ihnen nicht gelungen, die klassenbewußten Arbeiter haben sich nicht auf den Leim locken lassen. Der Rückgang im 4. und 6. Bezirk ist einzig. und allein auf die- Gleichgültigkeit der Wähler zurück- zuführen, eine Entschuldrgung chierfür gibt es nicht. Nur 19,5 Proz. der eingischriebcnen Wähler CharlottenburgS haben sozialdemokratisch gewählt. Daß die Zahl der freisinnigen und der unpolitischen Wähler noch geringer ist. kann für uns kein Trost sein. Worauf eS jetzt ankommt, ist, Selbstkritik zu üben, zu unter- suchen, welches die Ursachen des traurigen Wahlauöfallcs sind, und da, wo eS not tut, die bessernde Hand anzulegen. Zunächst gilt es, dafür zu sorgen, daß wir bei. den Stichwahlen möglichst günstig abschneiden. Unmittelbar nach den Stichwahlen muß bereits die Agitation für die nächsten Wahlen einsetzen. Unsere Fraktion, die bisher über 13 Mandate verfügte, zählt nach dem Ergebnis der gestrige« Wahlen 12 Mann. Wenn alle Ar- beiter ihre Pflicht tu», danm werden wir trotz des nnbefticdigenden Resultats gestärkt in das Stadtparlament einziehen. Schöneberg. Der Berrin zur Förderung der Kunst hält an, 19. November, abends 7 Uhr, seinen ersten volkstümlichen Unterhaltilngöabend in diesem Winterhalbjahr im Festsaale des Hohenzollern-Gtzmnasium, Eisenacher- und Belzigerstraße Ecke ab. Derselbe wird eingeleitet mit Vorlesungen und Rezitationen a>� Dramen von Gcrhart Haupt- mann unter Mitwirkung hervorragender Künstler. Einlaßkarten sind in der Parteispedition W. Bäumler, Martin- Lutherstr. 51, Laden, zum Preise von 39 Pf. zu haben. RummelSburg. Eisenbahnertod. Auf entsetzliche Weise ist am Mittwoch der Türschließer Ernst Krüger aus Rummelsburg»mS Leben gekommen. K. war auf der Station Stralau-Rummclsburg beschäftigt ge- Wesen. AlS er gestern mehrere Signallatenicn. die er von den Masten heruntergeholt hatte, nach den, Stationsgebäude tragen lvollte, wurde er von der Lokomotive eines einfahrenden Vorort- znges erfaßt und mitgeriffen. Der ganze Leib wurde dem Unglück- lichen vollständig aufgerissen. Auf dem Transport nach dem Kranken- hauS am Friedrichshain wurde K. von. seinen furchtbarei, Qualen durch den Tod erlöst. Groß-Lichterfelde. Am Sonnabend, de» 9. November, begebt in Reifens Restaurant, Ehansseestr. 194, der Gesangverein„Einigkeit" die Feier seines 16. Stiftungsfestes. Bei allen Arbeiterfestlichkeiten tvar sich der Verein seiner Pflicht bewußt, hat auch nie bei Veranstaltungen seitens der Partei seine Mitwirkung versagt.. Die. Genossen werden deshalb ersticht, recht zahlreich dieses Fest zu besuchen. Lichtenberg. Ein Lohnstreit ist hier zwischen den Vertretern Gottes auf Erden ausgebrochen. Der Herr Pfarrer Kuntze beansprucht die Slol- gebühren für Taufen, Trauungen usw.. die die anderen geistliwen Herren am Orte erarbeitet haben. Da nun die Arbeitskollegen de? Herrn Pfarrer Kuntze aber auf ihrem Schein bestehen, wild wohl eine Erhöhung der Kirchensteuer der einzige Ausweg sein, wenn die Lichtenberger nicht einen— Pastorenstreik erleben w ollem Ei» alter sozialdemokratischer Antrag hat endlich Aussicht auf Erledigung. Der Gcmeindevorstand suwt in der Frankfurter Cbauffee drei Räume, von denen etiler ein Laden sein kann, zur Errirtiiung einer Unfallstation bezw. Sanitätswache. ES hat lange gedauert, aber— wir freuen uns des Erfolges. Köpeuick. Der Arbcitergcsangvereil,„Morgenrot" veranstaltet au, Sonn- abend, den 9. d. Mts. beim Geuoffen H. Otto sStadttheater) ein Herb st fest, bestehend in Konzert. KesangSausführungeu und Ball usw. unter Mitioirkuna der beliebten Volkssäugergesellschafr „Henry Balzö". Da alle« aufgeboten ist. um den Teilnehmern einen genußreichen Abend zu verschaffen und genaniilcr Verein sich bei Abhaltung von Partei festlichkcite» usw. stets bereitwilligst zur Verfügung gestellt hat. werden die Genossen ersucht, für einen guten Bepich des Festes mit Sorge tragen zu helfen. Weiftenfec. Eine Ehcttagödie hat sich gestern auf offener Straße abgespielt. In der Langhansstraße wurde der Tischlergesclle Artur Scholtz von seiner Frau angeschossen und im Gesichr verletzt. Sch. hatte mit seiner Eheftau früher in der Langhansstraße zusanimeiigewohut. Vor etwa zwei Monaten verließ die Frau ihren Mann unter Mit- nahine der Möbel. In der letzten Zeit holte sie der Mann abends von ihrer Arbeitsstelle ab und eS soll dcS öfteren zu erregten Aus- einaiidersetzuiigcn gekommen sein. Als Sch. gestern auf seine Frau zutrat, gab sie einen Schuß ab. DaS Geschoß drang dem Manne oberhalb des AugeS in die Stirn und kam an der Seite wieder heraus. Der Verletzte fand in. Krankenhause Aufnahme. NowätveZ» Bei der am Dienstag stattgefundenen Ergänzungswnhk von vier Vertretern der Arbeitnehmer zur Generalversammlung der Orts- krankcnkasse wurden die Kandidaten des GcwerkschaftskartellS. flir welche 364 Stimmen abgegeben wurden, gewählt. Die Hirsch- Dunckerschen halten keine Kandidaten aufgestellt und beteiligten sich nicht an der Wahl. An der Wahl eines ArbeitgebeS-Vcrtretcrs be- teiligten sich nur ein Zimmermeister und ein Vertreter der Firma Orenftein u. Koppel, welche den Steiusetzmeister Götsch zun, Ver- treter der Arbeitgeber ernannten. Die geringe Beteiligung der Arbeitgeber an der Wahl ist hauptsächlich dem Umstände zuzu- schreiben, daß laut Statut der OrtSkrankeiikasse jeder Arbeitgeber bei der Wahl von Vertretern zur Generalversammlung so viel Stimmen abgeben darf, wie er Arbeiter beschäftigt, so daß die Firma Orenstein u. Koppel mit ihrer großen Arbeiterzahl sämtliche anderen Arbeitgeber überstimmt, was zur Folge hat, daß nur solche Arbeitgeber gewählt werden, welche ge- nannter Firma genehm sind. Diesen Zustand zu beseitigen und an Stelle dessen das Statut dahin abzuändern, daß jeder Arbeit- gcber bei der Wahl der Vertreter für 1—299 bei ihm beschäftigte Arbeiter nur eine Stimme abgeben darf, so daß auch die kleineren Unternehmer zu ihrem Recht kommen, hat zwar die General- versnmmllmg der Krankcnkasse längst beschlossen, allerdings gegen die Stimmen der Mehrheit der Arbeitgeber, jedoch haben Kreis- und Bezirksausschuß die Genehmigung dieser Statutenänderung ver- sagt, obioohl z. B. andere Kassen einen derartigen Wahlmodus längst eingeführt haben. Selbstverständlich hat sich der Borstand der Kasse bei diesem ablehnenden Bescheide nicht beruhigt, sondern wird die Sache bis zur höchsten Instanz verfolgen, um die Geldsacksherrschaft in der Arbeitgebervertretung der Krankcnkasse zu beseitigen, da keine Gesetzesvorschrift existiert, mit welcher sich das ablehnende Verhalten des Kreis-- und Bezirksausschusses rechtfertigen ließe. Spandau. Bei de« am Mittwoch stattgefundeneu Stadtverordnetenwahlen wurden abgegeben im 3. Bezirk 713 Stimmen. Hiervon entfielen auf den Kandidaten Dreher Kirsch sZentrumSwahlverein) 477, auf Genosse Pieser 132 und Postsekrelär Schlösser 193 Stimmen. Kirsch ist somit gewählt. In, 5. Wahlbezirk wurden 833 Stimmen abgegeben; hiervon entfielen auf Bäckermeister Kurth(bürgerliche Parteiens 591 und auf unseren Genossen G ö tz e 236 Stimmen. Demnach ist Kurth gc wählt. Für die an, Sonnabend stattfindenden Ersatzwahlen in der II. Abteilung ist flir die Sozialdemokratie in allen vier Bezirken Genosse Stadtv. Pietsch aufgestellt. Derselbe kandidiert auch für die ain Montag stattfindenden Neuwahlen von zwei Kandidaten der II. Abteilung. Die sozialdemokratischen Wähler der II. Abteilung werden deshalb ersucht, ihre Stimmen auf diesen Kandidaten zu vereinigen. Die Wahl findet an beiden Tagen im Restaurant Peine. Ritterstr 12, von 10—1 Uhr vormittags und 5—8 Uhr abends statt._ Vernrifebtes. Die Keffelexptosion auf dem Schulschiff„Blücher". Die Explosionskatastrophe auf dem Schulschiff„Blücher" hat noch fünf Opfer gefordert. Nach einer Meldung aus Flensburg sind von den Schwerverletzten in der vergangenen Nacht gestorben: Oberbotteliergast Heinrich Schräder; Oberheizer Adolf Weber; Oberheizer Paul Rogacki; Heizer Heinrich PeterS. Der als vermißt gemeldete Heizer Kellner ist als Leiche im Waffer aufgefunden. Ferner wurde unter den Trümmern noch hie Leiche des Heizers Klein gefunden.,, Damit ist die Zahl der Toten auf fünfzehn gestiegen. Dem „Berk. Tagebl." wird aus Flensburg berichtet: Die feit einigen Jahren eingerichtete Marinestation liegt un- gefähr eine halbe Stunde von Flensburg entfernt, an der südlichen Seite der Förde. Die ncuerrichtetcn, hockgelegenen Gebäude, von den Flensburgern kurzweg„die Mürwickcr Marinekafernci," genannt, ragen aus der tvaldnmkränzteit FlenSburger Förde weit empor. An der LandungSbrücke liegt der alte„Blücher", das ftühere Schulschiff. das vor einem Jahr in Kiel zum Kaserneuschiff umgebaut wurde. und nun hier bei Mürwick, fest verankert, die letzten Jahre feines Lebens" zu verbringen bestimmt war. Die Hauptmaschine ist seit langem unbrauchbar, und das Schiff ist daher vollständig unfähig, mit eigener Dampfkraft sich fortzubewegen. Der Bakbordhiuterkessel galt jedoch noch für gebrauchsfähig und wurde dazu benutzt, um die Maschinen zur Erzeugung der elektrischen Beleuchtung anzu- treiben und die Kraft zum Heben der anfahrenden Barlassen zu gelvinnen. DaS Deck deS„Blücher" ist durch' die Ge- walt der Explosion furchtbar zerrissen. Neber die Ursache des Unglücks war bisher nichts Bestimmtes ftstzustellen. da der einzige, der vielleicht eine nähere Auskunft hätte erteilen können, sich unter den Toten befindet. ES ist der Obermaschinist Becker. Kurz vor der Explosion schickte er einen Mann fort, um eine Laterne holen zu lassen, da ihm etwas am Kessel nicht ganz in Ordnung zu sein chicn. Ehe der Mann tvieder zurückkehrte, erfolgte die Erplosion. Die Zahl der Opfer wäre»och viel größer gewesen, toenn nicht das Schulschiff„Württemberg", Ersatz„Blücher" und S. M. S.„Müiuhen" kurz, vorher mit der größten Zahl der Mannschaften zu einer Schieß- Übung hinausgefahren wären._ Empfehlenswert für die höheren Zehntauscnd-Schwangere». In der„Automobilwelt" lesen wir folgende Annonce: Tiicktige Chauffeurin mit dem Automobil vollständig vertraut, gute und sichere Fahrerin. sucht Stellung im Ju- oder Auslande, versteht Reparaturen, für Aerzle sehr geeignet, da selbige approb. Hebamme. Offerten: Anton, obik-gachschule, Mainz.— Mehr kann doch wohl niemand verlangen._ Bier Personen bei einer Pulvcrexplosion getötet. Wie den, Pariser„Petit Parisien" aus ClnseS(Departement Haute-Savoie) gemeldet wird, wurden in LnzicrS durch die Explosion einer Pulver- nrine in einer Kallftcingrube vier Personen, unter ihnen der Eigen- tüincr der Grube und ein Jugenieur, getötet. Die Pest in Tunis. Hierüber wird auS Tunis gemeldet: Eine der zurzeit air der Pest hier daniederliegenden Personen ist gestern gestorben. Es ist dies das fünfte Opfer, das die Seuche aekordert hat. Die Behörden gehen nunachsichrlich in Verfolg der DeSinfektionSmaßregeln vor. Bis jetzt find keine weiteren Erkrankungen festgestellt worden. Stürme und Wolkcnbrüche iu Südfranlrcich. AuS der Gegend von Perpignan, Montpellier und Narbonne laufe» Nachrichten über Stürme und wolkciibruchartige Regengüsse ein. Die Fiüsse treten über die Ufer und überschwemmen die Häuser. In den Kanal gefahren. In Hoogkerk, Provinz Groningen, fiel nach einer Meldung auS Amsterdam im Nebel der Wagen, nr dem sich der Bürgermeister von Leek, Jonkheer van Panhnis, und der Staatsmiiiister Jonkheer van Patlbuiö, der ehemalige Vize- Präsident des Staatsrats sowie deren Frauen befanden, in den Kanal. Alle vier sind ertrunken. Karatag vollständig zerstört. lieber die Erdbebenkatastrophe in Buchara sind auch jetzt noch keine bestimmten Mitteilnuge» eingelaufen. Ein»ach Karatag ab- gereister Spezialberichterstatier der Zeitung„Nußkaja Ukraina' in Samarkand meldet auS Dcrbent und Baifun in Buchara, daß nach genauen Informationen Karatag vollständig zerstört sei, 3400 Meuschc» umgekommen und nur 70 gerettet seien. Die um Karatag gelegener Ansiedelungen seien ebenfalls durch das Erdbeben zerstört; auch da feien viele getötet. Wie derselbe Korrespondent ferner berichtet. wurde am 31. Oktober der Ort Kafirnagan im Hissargebict von eine, Erdbebenkatastrophe heimgesucht und zerstört. Auf dem Derbentpaff» beobachtete der Korrespondent einen Magnetstunw berliner Marktpreise.«uS vem amllliben Bericht der städtischen Rarkldallcil.Dircttion.(Grohdandcl.) Ochsculleisch Ja 68 70 vr 100 Md. IIa 62 67, aia 57- 60. Bulleiifleislh la 65-70, IIa 53-62. Kühe, seit 50—58, do. mager 40— 18. Fresser 51—62. Bullen, dän. 51—67, do. Holl. 0,00. Kalbfleisch, Doppellendcr 105— 120. Masltälber la 85-93. IIa 75-82. Kälber ger. gen. 56—71, do. Holl.-18—61. dän. 0,00. Haminellleilch Mastlämuier 74—76, Hammel la 66-70. IIa 60 65. ungar. 0.00. Schase 15—58. Schiveiiielletsch 52- 00. Rehwild la per Psmid 0,60—0,72. IIa 0,50—0,58. Rotwild la per Pslind 0,10—0,50, do. Ua 0,00, do. .Kälber 0�0—0,55. Damwild 0,10— 0,15, Kälber 0,15— 0,65. Wildlchweinc per Pjd. 0.30—0,35. Frischlinge 0,45—75. Kallinchen, groß per Stück 0,70—1,00, do. klein 0,20—0,50. Hasen, groß p. Stck. 3,60—4,20, do. mittel u. klein Stück 1,50—3,00. Wildenten per Stück 0,00. Zicbhühncr, junge per Stück 0,75—1,30, do. alte 0.60—0,85. Famnenhähne la. junge 2,OOj»g;7r>, do. IIa und alte 1,00—2,00. Fasanenhcnncn 1,00—2,00. Bekasfiuen 0,00. Waldschnepfe» per Stück 2,00—3,00, do. IIa 0,00. Hodiier. alle, per Stück 0.00. do. ll» 1,00—1.10, dito junge 0.70-1,10. Taube» ital. 0.85-0,90. Enten la 2.00-2.75, IIa 0.00. dito Hamburger per Stück 2,60—3,10. Gänse per Pjund 0.55—0.63, dito per Stück 2.25—1,50, do. Hamburger per Psund 0,80, do. Oder« bracher per Psd. 0,51—0.65. Poulcts per Stück 0,80— t. Deutsche Poularden vr. Pjd. 0.03. Hechte per IOO Psd. 78—61, do. matt 0,00, do groß 63, do. klein 77, do. groß-mittcl, 0,00. Zander, mltlel 153—105, klein 87—90, mittel, matt 111, Schleie, uns. 0,00, da. groß 116—120, do. klein 107—118, WelS 0,00. Plötze» 0,00. Roddow 0,00. Karpfen 63—68. do. 50er 0,00, do. Spiegel-, 25er 0,00, do. SOer 0,00, Bunte Fische 40—62, do. matt 38— 10. Barsc, klein 0,00. Karanlchcn 79. Bleie 31—42. do. klein, matt 0,00. Aland, Nein 0,00. Quappen 0,00. Aale, groß 101—111, do. liciii und uiittcl 0.00. do. mittel 0.00, do. unsortiert 0,00, do. groß-mittel 0,00, Nein 0,00. Bleikisch 0,00. Winter-RheinlachS 0,00. Amcrik. Lachs la neuer, per 100 Pjd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. mittel Kille 1—2. Hamb. Stiege 4—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,00, Na 0,00. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3,50, Strals 0,00, engl, per Wall 2,75—3,00. Sprotten, Danziger. Kiste 0,60, do. Rugenwaldcr, Kiste 0,80—0,90. Aale, grog per Psmid 1,10—1.10. mittelgroß 0.80—1.10, klein 0.60—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellsische, Kiste 2,00— 1,50,'/j Kiste 1,75—2,50. Sardelle». 1902 et per Anker 98. 1804ci" 98, 1905« 98, 1906« 90-95. Schottische Bollberinge 1905 0.00, l«rg9 40-44, fall. 38-40, med. 36-42. deutsche 37—41. Heringe, neue Matjes, p«»/, To. 50—120. Sardinen, russ.. Faß 1.50—1.60. Bralbcrliige Faß 1,20-1.10, do. Büchse(1 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen. Schvcksaß ft, do. kleine 3—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0,00, do. mittelgroße 8,50. do. kleine 10— U cm 0,00, do. unsortiert 4,50, Galizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert p« Schock 4,00—1,75, do. große 0,00. Butt« p« >00 Psd. la 126-180, Ua>18-122. lila 110-116. ablallende 90-95. Saure Gurken, neue. Schock 4,00. Pseffergurken 4.00. Kartoiselu per 100 Plund Dabeische 2,75—3,25, weiße runde 2,50—2.75, max. don. 2,75—3.25. Ponce, per Schock 0,75—1,50. Meerrettich. Schock 1-12. Spinat per 100 Pjund 5-12.- Sellerie. per Schock 5—6, do. pomm. 7—8. Zwiebeln per 100 Psd. 2,00—2,50, do. Perl- 40.00-100,00. Chalotten 40.00-100.00. Peleriiite. arüu, Schockbund 1.00—1.25. Kohlrabi Schock 0,70—1,00. Retlich. bayrischer, Stück 0.03-0,10, hiesig« Schock 2,50-3,50. Mobrrüben. 100 Psd. 2,00 bis 3.00. Karotten, hiesige, Schockbund 2,00—3,00. Wirüngkohl v. Schock 3—7. Rotkohl, Schock!— 6. Weißkohl p. 100 Psd. 1,00—2,00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 7-15. do. Erfurter 0,00. Rosentohl, per lOO Psund 20-22. Grünkohl 4,00—6,00. Kohlrüben, Schock 3,00—4,00. Petersilicnwurzelu, 60 Kg. 5—7. Schockbund 3—4. Schnittlauch, Töpse Dutzend 4,00 bis 4,50. Psesserlmac per 100 Pstllid 0,00. Radieschen per Schock« bund 1,00—1,25.«alal per Schock 2.00-2.50. Bohnen. grüne, 100 Pfd. 0,00. Tomate», ilallenische, � per 100 Pfund 18—20. Rote Rüben, per 100 Psund 2,50—3,00. Rübchen, Beelitzer, per 100 Psd. 2—8, do. Tfl« tolver 13—20. Kürbis per 100 Pso. 6—7. Eskaroj per Schqck.5— 6.. Endwien per Schock 3—0. Birnen per 100 Psd. Tiroler 0,00, hiesige Most- 0.00, Koch- bivnen 3—8, Tasekbinien la 10—25, do. Ua 4—10. Rcpsel, per 100 Psund, Tiroler la 18-26, do. IIa 12-18, Most-, hiesige. 3-5. Koch. 5—12,- Tascl- äpsel la 10—25, do. IIa 7—12, Amerikaner, per Faß 25—30, Ftallener, lose, 100 Psd. 10— lt. Wallnüsse, per Schock 0,00, do. klein 0,40—0,50, do, srauzöfische 0,00, rumänische 26—28. Weintrauben, italienische, per 100 Pjd. 18-25. Almcria p« Faß 13-17. türkische per 100 Psd, 14-13. Ananas I, per Psd 0,70—1,00, do. II 0,40—0,50. Banane», gelb, per 100 Psd. 20—25. Kokosnüsse per IOO Stck. 17-22. Maronen, ital, 100 Pjd. 10-20. Felgen, Kranz-, per 100 Psd. 20- 25, do. Twinme!- per 100 Psd. 10, do. in Kisten 18—20. Zitronen. Mesjuia. 300 Stück 11.50—20,00, do. 360 Stück 7,50-16,00, do. 200 Stück 12,00-16,00. do. 150 Stück 7,00-10,00. Wancrstands-Nnchrtchten der LandcZanstait sür Gewässerkunde, mitgeteilt-vom Beritner Wetterbineau, Dasscrstand Memel.TM P r e g e l, Jnsterburg W e i ch s e l ,-Thovn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt a rth c. Schlimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg 1 4- bedeutet Wuchs,— Fall,— ft ilnterpegel. Ztocigverein Berlin nnd Umgegend. Telephon: Amt IV Nr. 4493. BerbandSburenu: Enflel-Ufer 16, pt. Telephon: Amt IV Nr. 4493. TvKtion der Putzerträger. Zonutag. den 10. November, vormittags 1VI2 Uhr: nitglicder*Versaiumiang in Lblgloö . Feftsäten. Schwedterstrahe ÄZ. Kruppe der krunnenbeuer und ttüZtssrkeiter. Sonntag, den 10. November, vormittags lO Mir:?IitxIie?der»Vvrsaiiriiilliiis bei Jnlins Meyer. Orauienstrahe lOS. Lektinn der OueKdecZler-.�dlffsArbeeter. Sonntag, den 10. November, vormittags 10 Uhr: nUgllcder-Versaiuuiluiig im öicnicrtfrljnft&s Hanse, Engel-Ufer 15(Saal 7>. 48/5* Tagesordnung wird in den Versammlungen bekannt gemacht. •— DaS Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht!— Der SiwIjxvQretnsHai'sttind. r WM Zirbeitsnactiweis: i-of L Amt 3. 1230. Verwaltungsstelle Berlin. Hanptburcau: Obseltdsttsfle 3. Hos III. Amt 3, 1037- Sonntag» den 10. Uovember» vormittags 4« Uhr: Branchen-Versammlnng der Werkzeugmacher m den Mnltder �esti�älen» Kaiser Wilhclmstraßc 18w. TageS»Ordnung: Branchenangelegenheiten. ES werden wichtige Beschlüsse gcsatzt werden, darum erwarten Wir voll- söhligen Besuch. _ Chnc Mitgliedsbuch kein Zutritt: Ten Mitgliedern znr Kenntnis» daß die Zahlstelle von Abendroth, Badstraße, nach FrUscli, Droutlinnlerliraße 4 verlegt worden ist. Neue Zahlstellen sind errichtet bei: I�ildtke, Kerlin 8., Ntuenbilrgrrstraße 31, «rüekuer, Rkjmckt«dorf-Ost, provintkr. 83. Die Vertranenslente werden darauf anfmertsam geniacht, das; in allen Zahl stellen Flugblätter liegen. Die Ver- tranenslente werden ersucht, soviel Flugblätter mitzunehmen, wie sie Zeitungen erhalten. -K i.'-v- io Rdio Ui-t-.vrr«»Itiin«:. Zentral-Krankenkasse der Maurer, StUCkateure etc.(Grundstein zurEinigkeit) Sonntag, den 10. Nove»nbcr, vormittags 10 Nhr: Ordentliche IKlHgUeder'Versammlung im„Gewerkschaftshaus", Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung: 1. Kaisen- und RevIsionSbcricht vm» 3. Luartal. 2 Bortrag dcS AA'eilersekretärS Genossen 1�. llrUcknor über:»Tas Unfall- verlichcruugSgesrt,.' 3. Verschiedenes in Aassenangclegcnhcitcn. Zahlreiches Eijcheiiicn erwartet 140/18 Die örtliche Berwaltnug. I zu Berlin Dienstag, den 10. November 1007. abends 8 Uhr, finde« im Gewcrkschaftshanse, Engel-User 1.?, Saal 3. General-Versammlung der Vertreter der Kassenmitglieder n»d der Arbeitgeber statt TageS-Ordnung: t. Bericht über die Tätigkeit de» Vorstandes. 2. Ergänzungswahl des Verstandes sür die Jahre 1908 und 1909 sür die ausscheidenden Vorstands- u-.itglieder») von de» Arbeitgebern die Herren Bäjell und Siengei-t, d! von den Kafsemnitglledcrn die Herren Linde, Simanowikl. Vogel und Lchnig. 3. Wahl de» RrchilungS-PrüsungsauSichusseS. 4. Verschiedenes. Berlin, 7. Aovember 1007. I»ei- Vori»ti»iid. UTOb* A. Oaehne. E. Simanowskl. Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, 10. November, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Oliexanderstr. Ä7e: Anßttlildkntlillie Gtiinnl-Nttslininiliiiig. TageS-Ordnung: 1. Nochmalige Stellungnahme zu den vom Parleivorftand angeregten Eluigungsversuchen zwecks Verschmelzung mit dem Zentralverband der Z-auhütsSarbeiter. S. DtSlussion. 3. BerbandSangelegenheiten. 4. Ver- IchiedcncS._ 31/13 Degen der Dichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jede» flullfflc." zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. »I R Ausgabe der Zeitung erfolgt in der Versammlung. Versand durch die Post erfolgt nicht. Der Barstanb. I. SO: tzermannNorgel. �Ztekler-Vepein7 und sür das Jahr 1008 finden am ssrei- tag, den 15.'November 1907, abends. im Restaurant Rachura, Landsbcrgerstr. 39, statt. (Sä sind zu wählen: Von 7— 71/. Uhr durch die Kasten- Mitglieder aus der Abteilung der Bcrussgenosten schalten: 3 Vertreter. Von 7'/,— 7>/, Uhr durch die Kastcnmitgllcdcr aus der Abteilung der Ärankcntasten: l Vertreter. Von 7>/,— 8 Uhr durch die Kassen- Mitglieder' aus der Abteilung der VersichcnmgSanftaltcn: 86 Vertreter. Von 8—8'/. Uhr durch die Kassen- Mitglieder auS der Abteilung der Anwälte. Notare und Gerichts- Vollzieher: 2-2 Vertreter. Wahlberechtigt und wählbar sind Kastciimitglicder, ivelche großjährig und im Besitze der bürgerlichen Ehren- rechte sind. U3Sb Berlin, den S. November 1907. Der Borstand. 0. Banor, Vorsitzender. „Berliner Arbeiter- ytabrer-lfereiii" Mitglied deS Arbeiter» Rodsahrer-Bundei »Solidarität". Touren üioniitagr. d. 10. IVovembcr: t?lbt. O UHr: Alt.Geltow. 1 Uhr: NowaweS. Start: BiUowstr. 58. L. Abt. 8 Uhr: Beelitz. 1 Uhr: NowaweS sSinger). Start: Fontane- Promenade 15. 3. Abt. 8Ubr: Ftnkcnkrug. l'/�UHr: Spandau(Schöuwalderfir. 80).«tart: Mariannen-Platz. 4. Abt. VI. Uhr: Baumschulenweg (Zabany. Start: Küslriner Platz. b. Abt. 2 Uhr: KaAosttl. und HeringStour Hirschgarten(Keller), bei schlechtem Detter per Bahn. Start: Elysiuin. 6. Abt. 1>/„ Uhr: Birkcnwerder. Start.- Genossenschast, Ldcrberger- straße 30. 7. Abt. 7'/, Uhr: Gransee. l'l, Uhr: Waidmannöiust(TchweizerhauS). Start: Grenzstr. 21. 8. Abt. 1'/, Uhr: Schmargendorf (Barthck). Start: Waldstr. 8. 0. Abt. l Uhr: Adlershos. Start: SchtMngstr 22. 22/6 Sonnabend, den 10. November, in den Gcsomträumen des EI»»ium», GrostrS Herbst-Vergnügen der 4. Abteilung, wozu alle Sports- genossen sreiindlichst eingeladen werden. M-WÜIt�W? flsbbliitlse v. 1,59 an. llaninoken 1.—. 6l!krdnle!l.tzsn5k M SS n Gänsefleisch 60 Ps..«lein 80 Ps.. Biesen 1,—. Suppenhühner v. 1,50 an. Enten. A. Ritsehl, Dresdenerstr. 61 IV.lf-OO. ♦ Charlottenburs. Sonnabend, den 9. November, abends 8 Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3: Stiftungsfest des MaMve�eins. 251/7* Konzert und Qesangsvorträge unter gütiger Mitwirkung des hiesigen Gesangvereins„Vorwärts"(Mitgl. d. A.-S.-B.) und des Berliner „(jlktrios4S ferner großes Preiskegeln unt Preisschießen. BALL. Enlree 85 Pf. Herren die am Tanz teilnehm sn, zahlen 50 Pf. nach. s i Ii ♦ i Achtung! Meiler, Achtung! Parteigenossen Berlins und Umgebung! Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in Vcn Detailgeschästen der Herrenlonfektion Betriebölveikstälten und feste taiistnästige Löhne zu crrinsD-n, haben bei den Firmeninhabern. welche um Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter AuSflsichten. die wir als stichhaltig nicht anerkennen können, Widerstand gefunden. Wir sehen unS deshalb genötigt, die Solidarität der Arbeiterschaft zu Hülfe zu rufen. Die Delegierten zur Berliner GewerkschastSkommiss/Kn haben einem dementsprechenden Antrage einstimmig ihre Zustimmung erteilt und die Parteigenosssen von Grotz-Bcrlin find diesem Beschlüsse beigetreten. Danl der Solidarität der Berliner Arbeiterschaft ßdhen sich eine Anzahl Berliner Konfektionäre veranlagt, Betriebswerkstätten einzurichten wid tariflich festgesetzte Zettlohne an die Arbeiterschaft zu zahlen. Wir ersuchen daher mit OBegenwärtigem die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder Berlins nnd Umgebung, bei ihren Einkäufen und Bestellungen von Herren- und Knabengardcrobe in Zukunft nur die nachstehenden Geschäfte derückstchtigen zu wollen. Hopdens „Hoffnung", Produktiv- Genossenschaft der Schneider, Brunnenstr. 185. Alle von dieser leinna in den Handel gebrachten Waren werden zu den von der Organisation fest- gesetzten Bedingungen hergestellt. Bhr empfehle» dieselbe daher ganz besonders. Amerikanische Berkanfshallen, Rosenthaler» straße 53. »Blitz", Rosenthalerstr. 9. „Blitz", Chaussecstr. 85, Diese Firma stellt den gröhteu Teil ihres ltm- fade» zu den geforderten Bedingungen her. Baer Sohn, Chaufseeftr. 20/30.•■ Diese Firma unterhält eine Belrlabswerkslärte für 2-1 Arbeiter und hat die urnnsiiindige Arbeitszeit eingeführt. Ostens „Blitz". Gr. Frankfurterstr. 137. „Blitz", Frankfurter Chaussee 10, Lichtenberg. ■Hauke, Landsbergerstr. 91, Baer Sohn, Gr. Frankfurterstr. 20. Amerikanische Berkaufshallen, Frankfurter Allee 186. Lindcnbaum, Gr. Frankfurterstr. 141, hat versuchsweise eine Dcrkstätte eingerichtet. „Blitz", Kottbuser Damm 29/30. Heitinger, Deutsche Comp., Oranicnstr. 40/41, stelle» einen großen Teil ihres Umsatzes zu den geforderten Bedingungen her. Süden: Leske«. Lehrer, Kottbuser Damm 78. Wormann, Kottbuser Damm 77. Baer Sohn, Briickenstr. 11. Esders n. Dyckhoff» Oranicnstr. 48. Westens' „Blitz", Schöneberg. Haiiptstr. 10. s Esders«. Dyckhoff. Am Dönhoffplatz. Nachstehende Firmen haben die Errichtung von Betriebswerkstätten zugesagt: S. Adam, Leipzigerstr. 27/28. Fabisch u. Co., Rosenthalerstr. 3. Philipp F-abisch, Rosenthalerstr. 1. Bernhard Baer, Rosenthalerstr. 5. Sachs, Gr. Frankfurterstr. 132. Max Schendel, Rosenthalerstr. 8. D. Berleberg, Chaussecstr. 57; halle eine Wcikstätte eröffnet, dieselbe aber wieder geschlossen, nachdem das Kaimnergertcht ein für uns ungünstiges Urteil gefällt hatte. 'Alex Bohne» Landsbergerstr- 70. Kommandithaus Schendel, Oranicnstr. 38. Verband der Sattler Ortsvenvaltwig Serlin.— Die nächsten Branchen-Bersammlnngen finden an nachsolgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 13. November 1007. Trcibriemenbranche: Moniag, den 25. November 1007. Taschen-, Koffer-«nd Galanteriebranche: Donnerstag. den 14. November 1007. Militärbranche: Sonnabend, den s. November 1007. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, 14. November. Wagenbranche: Donnerstag, den 44. November 1007. Eisenmöbel- nnd Lederftuhlpolstercr: Donnerstag. 4«. Nov. Sektion Charlottenbnrg: Montag, den 14. November 1907. Die Kollegen werden ersucht, diese Bfanchenversammlungen recht zahl- reich zu besuchen. Dir Ortsverwaltung. NV. Billetts zur Ausführung des Berliner BolkSchorS find noch bei miS zu haben. Verkaufshalle„Vulkan", Frankfurterstr. Frankfnrtcr Allee 134. B ehrend, Grüner Weg 84. Ringel, Chausseestr. 31, Brunnenstr. 47. Lewy u. Co.» Brunnenstr. 50, Wilmers» dorferstr. 47. Bendit, Brunnenstr. 68. Littmann, Oranienstr. 2. Schweriner, Chausseestr. 113. Joseph Wandt, Chausseestr. 80». Th. Juras, Chaussecstr. 79. Da diese» Firmen— anscheinend unter dem Eindruck des KammergertchtSurteilS— die Bc- schaffung von Betriebsräumen sehr schwer fällt, ersnchen wir, dieselben nicht allzusehr mit dem Einkauf von Waren zu belästigen, bannt ihnen mehr Zeit zur Verfügung steht, um ihr gegebenes Wort ein- zulösen. 166/15» Uerbaud der Schneider«. Schneiderinnen. Tic OrtSverwaltnng. dllllSS! von 10-25 Pfund schwer' ÜSIHSC t Gänsetieiscb w*)«. sw a Pfund 40 PI,«. 00 Pf. sowie sämtliche Sttnse.Artikel in grober Auswahl. 206/1? Hertnann Leißner 158/5 Berlin€.,«lofterftr. 95 Eckhaus Kaiser Wilhelm ttrahe 11. Klitsi-Sebnell kommt man mil der Hochvab» zu IVolnsni-t«», lltiaodinerstr. 72, Station lm Hause. Haltestelle Prlnzcuslrabe. Empfiehlt: l Posten Monats-Anzüge, 1 Posten Monats-Paletots, [1 Posten Monats-Beinkleider zu staunend billigen Preisen,| ■ auch für korpulente Herren passend.—— Dieselben find von seinen Kavalieren und Reisenden, die nur eine» Monat ihre Garderobe tragen. 5252» Fahrgeld wird vargtztflt.# Bitte auf Hausnummer zu aehtea. dfcMSSf fMMWMMMMMtMMMMM* i. Ziehung S. KI. 2I7. K2L'P.-eu5s. Lotterie. Zlrtun«; vom 7. Novcmlir 1907, vormittags. >or die Gewinne über 240 Mstiic sind den betreffenden Nummern in Klamncrii beigefügt. (Ohne Gewähr.) iNnchdruck verboten.) 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Ziehung 5. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom T. November 1907, nachmittngs. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beisefügi. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 33 414[1000] 593 66» 72 77 909 1163 265 504 946 2024 31 3,18 517 72 828 043 3192 516 625 741[600] 63 938 •159(1] 4081[500] 290 453 79 550 627 902 73 5o$G 56« 73 (1900] 704 11 55 65 6116 243 349 431 736 873 7172 8« 49.1 700 846 60 8517[1000] 778 803 970 0382< 52 70 95 689 042 817 976 10196 32 87 331 473 519 21[509] 794 11052 56 371 .549 810 95 901 12193[SOG] 226 74[3000] 343 45 833 90« 13051 213 371 479 626 14045 74 307 602 25 69 727 98 45 69 54 64[500] 038 87 1 5095 203 457 874 1 6455 75[500] 76 626 SO 81 827[500] 17060 ISS 989 439[SOO] 8-2 793 810 945 1 8368 75 903 1 0 093 153 381 678 908 86 20171 263 769 86 860 969 2 1 030 116 432 094 2 2155 [500] 00 243 44 79<57 545 95 695 23038 436[1000] 559 SO 612 73 863 73 933[1000] 24188 570 92 72!.500] 808 250S9 175 205 333[500] 76 699 849 973 98 2 6143 76 87 98 222 385 530 38[500] 662 919 27109[3000] 232 72 354 95<11 583 674 714[1000] 812 71 28001 158<53 98 521 674 923 26 2 0377 645 600 40 89[1000] 30035 135 466[.',00] 571[10001 811 43 971 31197 451 625 830 3 2018 147[SOOO] 414 526 64,1[500] 85[1000] 719 800<0 33020 155 90»43.171 558 722 34346 77<22 770 896 905 60 3 5303 6?<80 590 628 32 886 3 8020 690 969 37280 321<51 534 759 89$ 38033 273 413[500] 531 656 765 983 30162 252 70[500] 437 713[1000] 25 962 407 4 147< 31 515 657 910 41157 233<69 79 85« 65 940 81 42119 CS 258 535(500) 760 9« 43290[1000] 355 601 714 822 ilOOOi 44057 129 256 460 533 1300] 735 4-1 SU [ 500] 63 93.1 45031 177 201 48 66 921 75 46165.143[3000] 572 65 3 47381 795 48127 927 49505[ 3900] 661 792 P2i 50260[1000] 608.13 010 72 5 1 657 5 2036 175 321 <66 81 91 607 97 720[1000] 868 94[500] 53522 43 Ml IIOOO] 713[500] 73[500] 847 5 4115 203 568 710 71 999 5 5064 93 330 477 92 5 6178 304 650 843 902 50 86 5 70.19 181 314 51 469[500] 565 68 762 850 24 937[500] 58027 98 125 80 210 63 369 72 780 850 900 5 0037 35» 370 485 CO» 42 74 824 23 933 60067 217 33 356 583 81 730[500] 87 6 1 909 111 293 310 714[500] 935 6 2211 536 884 6 3142 480 620 74 712 38[15 000] 8.19 88 6403» 118 71[1000] 208 320 30 52 410 65 89 747[500] 65063 323[500] 000 20 6 6023[5000] 263 80-360 482 031 813 43 917 28 56[1000] Ol 95 6 7260 343 [300] 678 6 8255 60 399 597 605 83 6 0320 763 70058 73 90 170 83 201 39 383 606 17 11 79 652 7114» 350 637 741[300] 652 72046[1000] 200 806 73245 550[1000] 652 7 4092 452 660[3000] 610[500] 75203 316 33[1000] 79 419 89 981 76195 237 93»[300] 771.12 33 330 428 539 79 820 76 933 7 8537 70101 220 39 8 7 9 3 467[-500] 520 80102 63 86 329 ,[300] 406 29 602 C 723 54 813 943 SlOöS 209 427 28 561 743 8 2 147 72[300] 62 389 SOS[3000] 55[3000] 787 871 91 908 36 8 3108 97 126«37 75 75.1 831 [10 000] 84139[300] 78 563 87 98[500] 63$ 79 813 87 85240[300] 43 715 82 86100 19[ 300] 951 87323[1090] 497 631 918 8 8413 535[1000] 635 856 939 8 0093 126 770 [3000] 801 SU 90199 553 805[1000] 78 916 53 7 4 9 1 033 193 305 39 400 50 9 2162 85!17 78 352 439 583 798 902 0 3049 102 216 530 606 19 2 9 718 997 0 4100 278 302(500] 542«20 95142 675 85 761[1000] 9 6250 380 703 98 973 f lOCOl 97134 247 81 306 IS 23 33 83 SO? 694 772 993 9 8167 431 735 815'1000] 82[3000] 919 90011 18 33 215<13 516 71 975 100078 177»55 705 33 72 974 85 1 0 1 211 40 341 [500] 728 003 1 02065 137 204 640 803 977 1 03146 320 52 43 717[500] 104099 142 73 204 426 540 668 957 105 280 581 84 073 728 07 88.1 953[lOOO] 106124 1 1000] 257 654 1 07094 150 594 628 845 69(1090] 982[1000] 108062 231 71 431 43 1 00096 248 527 730 85[500] 831 110017 24 442 522 32 37 680 704[3000] 24 111197 216 408 632 771 845 112277 389 627 37 93 785 869 89 113230 67 343[500] 513 632 842 114162 250 81(1000) 352 414 85 761 810 903 115027 30 201 99 641 951 1 16030 3»[500] 138[3000] 387 424 75[500] 681 780 83 869 936 117255[500] 343 413 23 118047 90 228 4SI 768 848 924 110028 155 246 51[3000] 36?«65 542«4 87 670 87[1000] 780 859 923 126008 77 161 258[lOOO] 71 SU 72 424 639 40 85 981 121179 80 244 481[3000] OOS 801 939 51 12 2072 215 57 565 6.19« 9 1 2 3 478 773 883[560] 124043 69« [500] 701 96 1 25063 258 350«10 26';'0 761 1500) 848 932 1 2 6329[500] 00[ 5001«03 12 23 13000] 588 619 50 [560] 717 82 810 910 1 27039 702 927[500] 43 88[ZOO] 128178 79 239 508 64[lOOO] 757 855 1 2 0074[1000] 157 204 566 773 802 55 62[3000] 99 130113 231 SO 473 775[1000] 131105 325 407 508 87 832 1 3 2 211 552[1000] 99 767 810 1 3 3991 119 75 "24 300 461 622 29[500] 700 936 1 3 4031 41 86[1000] 334 85 443[500] 524 617 57 1 3 5531 910 1 3 6238 373 [ZOO] 416 553[ 500] 727 30 91 891[30001 137005 41 65 67 168 303[ 3000] 518 21 73 613 1 38352 531 35 872 s SOOOI 130070 18« 207 324[1000] 422[lOOO] 537 52 9t[3000] 672 86[1000] 963 83.., 140015 291 426 85 622 09 917 43 68 1 41132 2n3 62 92 323 497 741 917 77 1 42154 822[1000] 94 955 1 43120 »99 312[509] 617 813 951 144147 568 016 764 1 45089 181 252 60 420[500] 59» 698 1 46146 96 214«S 608 0. 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