Kr. 26B. Bbonnements-Bcdingungen: BbonncmetüS. Preis tiänumeraitio j Werteljährl. 3,30 Ml,, monaU. 1,10 Ml, wöchentlich W Psg. frei WS Haus. Einzelne Nummer k Psg. Sonntags« nunnner mit illultrierler Sonntags« JeUage»Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. ZlbonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs» Pretsliste, Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei». Crfdidot ilsDA uitr tnooutt. A4. Jahrg« Verlinev Volksblertk. vie Inleltionz-Sedai»' »elrägt für die fechsgelpaltene Koloncl- geile oder deren Raum 60 Pfg„ für politische und gewerkschaftliche BercinS- und BcrsamitUungs-Anzeigcn 30 Psg. „Aletne �Inrelgen", das erste(sett« gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis SUhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedilwlt Ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozIaliKinoknt ßtrilB". Zcntralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfehtands. Redaktion: SSl. 68, Llndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindcnetraee« 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. lhatte leiten. Die Deutsche Rcichsbank hat heute ihren Diskont auf 7'/, Prozent erhöht, nachdem gestern die Bank von England den Wechselziiisfutz auf 7 Prozent erhöht hatte. Damit i st gleichsam offiziell der Anbruch der Krise der- kündet. Das Proletariat muß sich bewußt werden, daß bald schivere Zeiten höreinbrechen werden. Die Erhöhung des Bankzinsfußes hat diesmal doppelte Bedeutung. Sie soll erstens den Abfluß des in europäischen Banken angesammelten Goldes nach Amerika einschränken. In Amerika wütet gerade eine jener Spekulations- und Geld« krisen, die den Ausbruch der industriellen Krise stets be- gleiten. Die diesmalige Kreditkrise ging in Amerika von dem Zusainmenbruch der Kupferspekulation aus. Amerika- nische Großspekulanten hatten den Kupferpreis auf eine wahnsinnige Höhe getrieben, indem sie die Kupfervorrätc künstlich vom Markte zurückhielten. Es gelang ihnen auch in der Tat, die Konsumentenkreise zu täuschen. Namentlich als einige Kupferladungen, die bereits nach London verschickt waren, wieder nach Amerika zurückdirigiert wurden, weil an- gcblich alle Kupfcrvorräte erschöpft waren, zweifelte kein Mensch mehr daran, daß die Weltversorgung in Kupfer im- genügend sei. Der Kupferpreis erreichte eine Höhe von zirka ilO Pfund Sterling, gleicher Weise wie der Preis des Metalls stiegen auch die Kurse der Knpferaktien an den Börsen. Doch bald stellte sich heraus, daß die ganze Knappheit eitel Schwindel war. Die Kupferpreise begannen zu sinken, bis sie schließlich nahezu auf die H ä l f t e des vorigen Wertes herabgesunken waren. Zugleich brach die Spekulation in den Aktien zusammen. Tie Spekulanten hatten natürlich diese waghalsigen Geschäfte nicht mit ihrem eigenen Gelde gemacht, sondern dazu Spargelder benuht, die ihnen die sogenannten Trustkompagnicn zur Verfügung stellten, die dieselben Spekulanten durch den Besitz der Aktien dieser Gesellschaften beherrschten. Diese Trustkompagnien waren ursprünglich private Sparkassen, die aber allmählich alle Art von Bank- gcschäftcn auch der gewagtesten Natur mit den ihnen an» vertrauten Geldern betrieben. Diese Banken hatten der Spekulation das Geld zur Ver- fügung gestellt und dafür als Unterpfand Aktien, namentlich auch Kupferaktien, erhalten. Der Kurssturz entwertete diese Aktien zu einem großen Teile, und eine dieser Kompagnien geriet in Zahlungsschwierigkeiten. Das Publikum verlangte stürmisch seine Einlagen zurück, ohne daß die Kompagnie imstande war, diese auszuzahlen. Infolgedessen griff die Panik rasch um sich, von allen Banken wurde das Geld zurück- verlangt, täglich kamen neue Nachrichten von Zahlungs- einstellungen oder Zahlungsschwierigkeiten aus allen großen Städten der Union. Dabei wurden natürlich auch solche Banken in Mitleidenschaft gezogen, die an sich durchaus zahlungsfähig waren.' Denn es ist klar, daß die Banken das Geld, das ihnen zur Verzinsung überlassen ist, nicht in ihren Kassen behalten, sondern es an Industrie, Handel und die Börsenspekulation ausleihen. Die Banken wissen eben, daß in normalen Zeiten nur ein ganz geringer Teil dieser Gelder von ihnen zurückverlangt wird, während ein anderer Teil wieder neu in die Bank fließt. Das änderte sich nun plötzlich infolge der Panik, die das Publikum ergriffen hatte. Die Gelder wurden niassenhaft zurückverlangt, neues Geld aber strömte nicht in die Banken. Diesen war es andererseits un- möglich, den Kredit, den sie zur Verfügung gestellt hatten, sofort zurückzuziehen. Infolgedessen entstand eine k 0 l 0 s- sale Nachfrage nach Geld. Diese Nachfrage hatte zunächst zur Folge, daß der Zinsfuß für augenblicklich ver- fügbares Geld ganz enorme Sätze— von 150-�200 Proz.— erreichte. Andererseits hinderte die amerikanische Geldper- fassung die Banken, die zur Notenausgabe berechtigt sind, da- ran, jene Beträge zur Verfügung zu stellen, die der plötzlich so riesig angewachsene Bedarf verlangte, trotz der Bemühungen des amerikanischen Schatzsekretärs, Erleichterungen zu ver- schaffen. Die Herrin der Situation wurde so die Großfinanz. Morgan und Rockefeller, die beide über die mächtigsten Trusts der Welt, über den Stahltrust und den Petrolenmtrnst ver- fügen, erschienen als Geldgeber auf dem Markte. Sie er- zielten dabei nicht nur durch die gestiegenen Zinssätze kolossale Profite, sondern waren mehrere Tage hindurch die souveränen Gebieter der New N orker Börse, deren Aktienkurse sie wesent- lich festsetzten. Entschied doch ihre Bewilligung oder Ver» sagung des Kredits darsiber, welche Spekulanten und ob die Spekulanten ihre Papiere weiter behalten oder zu jedem Preise verkaufen mutzten. Und ebenso war es ihre Ent- schcidung, von der das Geschick einer ganzen Reihe von Banken und /Trustkompagnien abhing. Wir haben kürzlich schon gezeigt wie Morgan diese Situation zu benutzen verstand, um die größte und wichtigste Konkurrentin seines Stahl- trustes diesem anzugliedern, indem er eine notleidende Bank zwang, ihm den Aktienbesitz dieser Gesellschaft zu dem von ihm bestimmten Kurse abzutreten. Ein schlagendes Beispiel dafür, wie die Krise für die mächtig st en Kapitalgruppen Gelegenheit zur Expro- vriation schwächerer Kapitalisten und da- durch zur Beschleunigung der Konzentration Hietoij Aber auch die Intervention Morgans und Rockefellers, die staatlich unterstützt wurde, war nicht imstande, das Miß- trauen des Publikums zu bannen. Es heißt, daß in den letzten Wochen zirka 1 Milliarde Mark an Depositen den Banken entzogen wurde, die vorläufig noch nicht an die Banken zurückgeflossen sind. Für diese Summen brauchen die � Banken Ersatz, und sie müssen daher alle Mittel anwenden, um neues Geld heranzuziehen. Die verfügbaren Mittel in Amerika sind aber erschöpft, und so muß Europa mit Geld aushelfen. Und nachdem die anderen Zahlungs- mittel, vor allem die Wechsel, mit denen im internationalen Verkehr gezahlt wird, bald erschöpft waren, begannen die Verschiffungen von Gold aus Europa nach Amerika. Um diesen Abfluß von Gold möglichst zu beschränken, erhöhen die europäischen Notenbanken fortgesetzt ihren Diskontsatz. Sie wollen dadurch bewirken, daß der hohe Zins, der für Gold gezahlt werden muß, die Entnahme des Goldes möglichst er- schwert. Es ist aber klar, daß bei den hohen Zinssätzen, die in New Aork jetzt für Geld gezahlt werden, diese Erhöhungen nicht allzuviel nützen. Bei einer solchen Kreditkrisis ist eben das Vertrauen zu allen anderen Zahlungsmitteln als Gold erschüttert, und Gold muß um jeden Preis herangcschafft werden! Und hier tritt der zweite Beweggrund ein, warum die Notenbanken ihren Diskontsatz erhöhen. Die Entziehung von Gold bedeutet für sie, daß sie nur einen geringen Spiel- räum in der Gewährung des Kredits, den sie durch ihre Noten- ausgäbe der Industrie und dem Handel zur Verfügung stellen können, zur Verfügung haben. Indem sie für das Geld, das sie ausleihen, besonders bohe Zinssätze verlangen, zwingen sieJndustrie und Handel zur Einschränkung ihrer Operationen. Und hier ist der Zusammenhang zwischen der Kreditkrise und der ihr folgenden I n- dustriekrise. Die Einschränkung der Handelsoperationen führt dazu, daß auch die Industrie weniger Abnehmer findet. Die industriellen Produkte finden im Großhandel nicht mehr den gewohnten Absatz. Zahlungen, die die Industrie zu leisten hat und die sie zu leisten suchte durch die Beträge, die sie beim Erlös ihrer Produkte erzielen wollte, werden nicht geleistet. Eine Zeitlang suchen sich Händler und Industrielle durch An- spannung ihres Kredits, durch Verlängerung der verfallenen Wechsel vor Zahlungsschwierigkeiten zu bewahren. Aber die Banken, deren eigener Kredit jetzt stark eingeschränkt ist, bc- stehen � auf ihrem Schein.. Irgend ein Händler, ein In- dustricller oder ein Spekulant kann seine Wechsel nicht ein- lösen, der erste Bankerott ist da. Bei der innigen Ver- flechtnng der Geschäftswelt untereinander zieht aber ein Bankerott den anderen nach sich. Zahlungs- einstellungen folgen rasch hintereinander, bis schließlich das Kreditgebäude zusammenbricht. Die amerikanische Krise wirkt auch bereits auf die In- d u st r i e zurück. Der amerikanische Eisenmarkt liegt völlig danieder, die Preise gehen rasch zurück. Jedoch ist es noch nicht sicher, ob der Stahltrust bereits jetzt mit der Pro- duktionseinschränkung in stärkerem Maße vorgehen wird. Die Lage des amerikanischen Weltmarkts erfordert immer neue Zuflüsse. Wollen die Amerikaner aber Geld, so müssen sie dafür Waren nach Europa senden. Es kann so nötig werden, daß. um Geld heranzuschaffen, amcrika- nisches Eisen vom Stahllrust auf den Weltmarkt geworfen wird. Aber der Weltmarkt ist ohnehin mit Eisen gesättigt. Die Prosperität der letzten Jahre hat zu einer fortwährenden Ausdehnung der Eisenproduktion geführt. Werfen die Amerikaner in solcher Situation neue Warenmassen auf den Weltmarkt, so bewirken sie ein rasches Sinken der Preise, eine Beschleunigung deL Aus- bruches der internationalen Krise. Wählen aber die Amerikaner die andere Möglichkeit und schränken die amerikanische Produktion stark ein, so ist die Krise ebenso un- ausbleiblich. Eine Einschränkung in dem mächtigen Stahl- gewerbc, das heute das Rückgrat der ganzen Produktion be- deutet, zieht mit Naturnotwendigkeit eine Einschränkung in den anderen Industrien nach sich. Einschränkung der Produktion aber i st Arbeitslosigkeit, i st die Krise! Sie beschleunigen so den Eintritt der Krise in Amerika. Die Prosperität, an deren Ende lvir jetzt stehen, hat den Ausgangspunkt in den Vereinigten Staaten gefunden, wie sie jetzt dort ihren Schlußpnnkt findet. Die Krise in dem ent- wickc ltsten kapitalistischen Land bedeutet selbstverständlich den Ausbruch einer internationalen Krise. D i c industrielle Krise trifft aber diesmal die Ar- beitcrklassobesonders hart. GehtsiedochHandinHand mit einer bisher unerhörten Teuerung aller Lebensmittel. Die Getreidepreise haben einen Stand erreicht wie nie zuvor. Die allgemeine Teuerung auf dem Weltmärkte wurde in Deutschland noch besonders erhöht durch die unheilvolle Zoll- Politik. Was wir vorausgesagt haben, ist wörtlich eingetroffen. In Deutschland steht der Getreidepreis heute um den vollen Betrag des exorbitanten Zolles über dem Weltmarktpreis. Der Finanzminister Sachsens, Dr. V. Rüger, hat sicherlich recht, wenn er meint, daß diese Teuerung keine vorübergehende zu sein scheint. Gleichzeitig werden wichsige andere Lebensbedürfnisse des Volkes, wie z. B. die Kohlen, trotz der Krise durch die Kartelle auf ihrem höchsten Preisstand erhalten bleiben. Dazu Arbeitslosigkeit und geringere Beschäftigung, während gleichzeitig die Macht des Unternehmertums auf dem Arbeitsmarkte durch die glänzend ausgebauten Unternehmer- organisationen außerordentlich gewachsen ist. Die Arbeiterklasse hat nur mehr eine kurze Spanne Zeit vor sich, in der sie ihr einziges Macht niittel, die ge- werkschaft li che Organisation, noch stärken kann! Diese kurze Spanne Zeit muß mit größter Energie ausgenutzt werden. Jeder organisierte Arbeiter muß jetzt zum unermüdlichen Agitator und Werber für seine Organisation werden I Ein doppelter und dreifacher Verräter seiner Klasse ist jeder Arbeiter, der jetzt der Organisation fernbleibt! Alles muß darangesetzt werden, daß. wenn die Krise die Industrie ergriffen hat. die g e w e r k sch a f t li ch e n Organisationen stärker und mächtiger dastehen als je! Aber die Krise bedeutet noch eine andere Mahnung. Die gesetzliche Sozialreform muß wenigstens in jenem Grade, der in der kapitalistischen Gesellschaft überhaupt möglich ist, die Opfer, die die Arbeiterklasse für die wahnsinnige Anarchie des Kapitalismus zu bringen hat. herabzusetzen suchen. Die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit ist eine Forderung, die lauter und nachdrücklicher als je erhoben werden muß. Die wichtigste Maßregel der Sozialreform aber, deren augenblickliche Erfüllung ein Gebot der Volks- gesundheit ist, ist die Aufhebung der W u ch e r z ö l l c auf die Lebensmittel! Die Arbeiterklasse weiß, daß, wenn sie freiwillige Zugeständnisse von den Be- sitzenden ohnehin nie zu erwarten gehabt hat. die Zeit der Blockpolitik ihren Forderungen doppelt ungünstig ist. Umso energischer wird sie ihre Politik führenmüssen, umsoungestümer vom Staate des Kapitalis- mus das verlangen müssen, was er ihr gewähren kann. Maßlose Profite, wie noch nie, hat die letzte Periode der Hochkonjunktur dem Großindustriellen gebracht. Die hohen Zölle haben die hohen Monopolgewinne dör Kartelle,-haben die Grundrenten sprunghaft gesteigert. Die Arbeiterflasse hat von den Früchten der Hochkonjunktur sehr wenig genossen. Sie wird sich aufs energischeste zur Wehr setzen müssen, loenn Kartelle und Großgrundbesitz die Lasten der Krise allein auf die Arbeiter- klaffe»vcrden überwälzen wollen l flicht lehr viel— mir tSS Mlllonei»! Herr Dernburg ließ, als er sich zur Rückkehr nach Deutschland anschickte. Verkünden, daß er nicht„sehr Viel" für Ostafrika fordern»verde. Jetzt soll diese Kleinigkeit der ersten Forderung„nur" in hundert Millionen bestehen. Ein Leser der„Bresl. Ztg.", der mit Dernburg zusammengetroffen ist. als dieser sich nach dem Besuch Tabores in Muansa ein- geschifft- hatte, erzählt über die Auslassungen Dern- burgs über' seine Handels- und Kolonisationspolitik in Ost- afrika u. a.: .Endlich sollen die Sultanate Ruanda und Urundi dem Verkehr freigegeben und telegraphische Verbindung zwischen Muansa und Bulova hergestellt werden. Es soll das, wie Dernburg versicherte, innerhalb Jahresfrist geschehen. Ich sprach dann noch mit ihm über die sogenannte Inder- frage, diesen Streitpunkt in der Kolonialpolitik. Er selbst schien' sich noch keine rechte Meinung gebildet zu haben, denn, meinte er— und da gebe ich ihm unbedingt recht— „wenn ich die Inder zum Tempel hinausjage und, wie manche Leute fordern, Griechen, Italiener und Lcvantiner en- couragicre, ins Land zu komnien, so ist das gleichbedeutend damit, ein kleines Uebel durch ein größeres zu verdrängen." Der Inder ist ein notwendiges liebet, denn der Eingeborene ist noch nicht genügend kaufmännisch herangebildet, nm ihn zu er- setzen, und ein Europäer mit einigen Ansprnclic» kann dort nicht ein Auskommen finden, wo der Inder mit seinen geringen Ansprüchen leben kann. DaS nächste. Ivomit Dernburg dem Reichstage kommen wird, dürste wohl eine Forderung von 100 Millionen für eine Bahn von der Küste nach T a b 0 r a und von dort an den Tanganjika-See sein. Vielleicht wird er die Summe in zwei oder drei Raten fordern, aber fordern»vird er sie auf alle Fälle, denn er erklärt mit Recht, daß ohne Bahnen ein Emporblühen und eine Sanierung der Kolonie ausgeschlossen ist. Er mochte später nach der Fertigstellung der Bahn die Haupt- stadt Deutsch-OstafrikaS nach Tabora vor- legen, ein Ort. der bedeutend gesünder alS Dar eS Salam ist. Sein Steckenpferd scheint die B a u m w 0 1 l- Pflanzung zu sein. Diese in einem großen Maßstäbe zu treiben, halte ich für ausgeschlossen. Die sogenannten Baumwollexperten und Finanz größen haben sich aus de in Staube gemacht und erklärten, daß weder daö Klima noch das Land zum Baum wall- bau geeignet sei. Aber DeniburgS Idee ist, dem Ein» geborenen langsam durch europäische Wanderlehrer bcizu- bringen, wie man Baumwollbau rationell betreibt, und daß der Ein- geborene dann seine Erzeugnisse und seine Ernte an die Europäer ver- kaufen soll.... Dernburg äußerte wiederholt als sein Pro- gramm, man niüsse vor allem darauf bedacht sein, daß der Ein» geborene eine Verbesserung seines Loses unter kaiserlicher Herr« schaft sehe, aus daß er ein treuer, deutscher Untertan werde. Ganz hunian, und klingt sicherlich auch sehr schön, aber bloß dazu gibt der Deutsche nicht sein gutes Geld her. Vom kaufmännischen Standpunkte soll eine Kolonie ein Absatz- gebiet sein und gleichzeitig eine Bezugsquelle für Produkte, die man sonst im Ausiande kaufen müßte. Vom nationalökonomischen und sozialen Standpunkte aus soll eine Kolonie ein Aufnahme» gebiet für überschüssige Arbeitskraft und überschüssige Kapitalien sein." Der Gewährsmann der„VreSl. Ztg/', offenbar ein in Ostafrika Ansässiger, glaubt also ebenfalls nicht an die Zukunft des Bau ni wollbaus! � Bezeichnend ist übrigens auch, daß dieser freisinnige Mann nichts von einer„humanen" Eingeboreneupolitik tmssen mag. Dabei ist doch Dcrnbnrg den Pflanzern durch Stellung von eingeborenen Zwangsarbeiter weit genug entgegengekommen. Aber weil nicht nach dem Vorbild der L i n d e q n i st s ch e n Eingeborenen Politik die Schwarzen s ä ni t l i ch versklavt und zu Arbeitsvieh degradiert werden sollen, weil die humane„Er zichungspolitik" DernburgS damit rechnet, die Eingeborenen durch Verkauf von Fusel"und Flinten zum Baumwollbau an zureizen(was ja jüngst ein anderer Eingeweihter aus plauderte!), jammert der brave Afrikaner über das»gute Geld" der Steuerzahler! Dernburg ist in erster Linie Vertreter des Finanz kapitals. Um dem deutschen Volke die Mittel für riesige Bahubautcn abknöpfen zu können, muß er eine entsprechende Entivicfelung des Eingeborenenhandels wenigstens— in Aus ficht stellen I Und wenn die deutschen Händler und Plantagen besitzer sich über die Konkurrenz der Inder und Eingeborenen beschweren, so wird man sie schon anderweitig zu entschädigen wissen. Und wenn es durch einen profita bleu Feld Zug größeren Stiles wie in Südwestafrika wäre! Ali' Schießen für unseren Kaiser! Wir hatten gestern das schöne Gedicht des Kadetten Will Raindohr aus Benöberg abgedruckt, das angeblich— ivie eine Reklameaufschrist auf dem Opus besagt— auf Befehl des Kaisers unter den Kadetten„zur Beherzigung des Inhaltes" verbreitet wird. Wir sagten und sagen„angeblich", weil es uns wirk lich nicht glaubhaft erscheint, daß diese Sorte von Poesie das kaiser- liche Protektorat genießen sollte. Die„Deutsche Tagesztg." ist allerdings anderer Auf- faffung. Sie schreibt: „... Das Gedicht soll auf Befehl des Kaisers jedem Kadetten zur Beherzigung des Inhalts ausgehändigt worden sein. Darüber sind die sozialdemokratischen Blätter außer sich. Wir wissen wahrhaftig nicht, weshalb. Jeder national empfindende Jüngling. besonders wenn er sich dem Dienste mit der Waffe widmet, wird ähnliche Enrpfin düngen hegen und äußern- DaS kann gar nicht anders sein. Oder glauben die vater« landslosen Gesellen etwa, daß die Jugend nicht au Gott»ud den Kaiser trauen solle, daß sie nicht für den Kaiser schießen solle, wenn die rote Revolution ihr blutiges Haupt erhebt? Daß die Jugend ihre vaterländischen Gefühle leb hast äußert, ist ihr gutes Recht. ES wäre schlimm, wenn auch unsere Jugend schon angekränkelt würde von dem Geiste der Zersetzung und der Ueberkritik, der sonst in unseren Tagen vielfach mächtig ist. Wenn der oberste Kriegsherr dieses aus den» Herzen gekommene Lied den Kameraden des Heimgegangenen Dichters zur Beherzigimg aushändigen ließ, so hat er nur etwas Selbstverständliches getan. Hoffeut- lich stirbt diese treue Gesinnung in der deutschen Jugend niemals aus." Dies Geständnis des Organs für Brotwucher, junkerliches Klasseiiregiment und Kamarillawirtschast ist recht interessant. Uni so interessanter, als das„Gedicht" das begeisterte Gelöbnis:„Wir schießen für unseren Kaiser I" an den»roten Sonntag" knüpft, d. h. an den 21. Januar 1S06, wo das sozialdemokratische Prole- tariat seine Kundgebung für Beseitigung der preußischen Drei- tlasseuschmach veranstaltete I Der millionenstimmige Schrei nach den, gleichen Recht wurde von MM Ramdohr mit den Worten beantwortet: „Wir schießen für unseren Kaiserl" Aber die Sache hat nicht nur ihre austeizend ernste, sie hat auch ihre heitere Seite. Der verstorbene Kadett Willi Ramdohr hat nämlich einen poetischen Doppelgänger, � der den schießlustigen „Patriotismus" des feurigen Knaben erstaunlich vor empfand. Der ..Friedenauer Lokalanzeiger' veröffentlichte nämlich im Januar vorigen Jahres„Zu Kaisers Geburtstag" ein Carmen, das dem Willi Ramdohrs zum Verwechseln ähnlich ist. Das Gedicht des Friedenauer Patrioten lvar„G...... dt" unterzeichnet, und man versicherte damals, daß e3 Herrn Görnaudt, Pastor an der Friedenauer Kirche»Zum guten Hirten" zum Verfasser habe, Ilnd nun vergleiche man folgende Strophen von Willi Ramdohr und ,G...... dt' „Und loenn eS nach einem roten Jahr Die Umsturzpartei gelüstet, Da sind,— wie's am roten Sonntag war, Auch wir Kadetten ge- r ü stet. Wohin uns der oberste Kriegsherr schickt, Da wird nicht erst mit den Augen gezwickt, Wir schießen für unfern Kaiser!" „Und wem: es nach einem roten Jahr Die Unisturzgeister gelüstet. Dann sind, wie's am roten Sonn tag war. Wir deutschen Krieger g e r ü st e t. Wohin uns der oberste Kriegsherr schickt, Da wird nicht erst lang' mit den Augen gezwickt, Wir schießen für unfern Kaiser I Nächsten? findet sich lvohl ein Unteroffiziervorschüler, der das Gedicht für die Kleinen von den Seinen zurichtet!— politifcbe Oeberiicbt Berlin, den 8. November 1307. Versöhnung. Wir haben neulich berichtet, daß zwischen Kardinal Fischer alS Vertreter der geistlichen Bevormundung und dem Kultus minister Dr. Holle als Vertreter der staatlichen Bevormundung ein Konflikt ausgebrochen sei. Kardinal Fischer hat die Vor- Icsungcn des staatlichen Thcologieprofcssors Schroers bohkottiert- Darob große Aufregung im anderen Lager. Nationale Blätter rüsteten für den bekannten Kampf für GeistcSfreiheit. Im Kultus- Ministerium fand bereits ein Kriegsrat statt. Aber was wir voraus- gesagt haben, ist pünktlich eingetroffen. Der Kampf wurde wieder abgesagt, und Krumm stab und Polizeiknüppel ver- tragen sich wieder miteinander. Herr Kardinal Fischer hat nachgegeben. Ob er deswegen klüger ist als Herr Dr. Holle, brauchen wir nicht zu entscheiden. Auch ob Herr Professor SchroerS sich jetzt, wie eS sehr wahrscheinlich ist, den Dressur- Vorschriften des Kardinals besser anpassen wird, ist sehr gleichgültig. Die Leidtragenden dieses Friedensschlusses sind die Liberalen und die Zentrumsblätter in gleichem Maße, denen ein bißchen Kultur- kampfpaulerei ganz gut ins Konzept gepaßt hätte. Unstimmigkeiten vom„Deutschen Arveiterkongrest". In der Aussprache, die die christliche Arbeiterpresse der ver- schiedencn Richtungen dem sogenannten Deutschen Arbeiterkongreß widmet, kommt eS nachträglich von berufener Seite zu Aeußerungen, idie beweisen, daß es mit der Einigkeit unter den christlichnationalen Brüdern nicht weit her ist. DaS Siöckersche„R e i ch" hatte zur Begrüßung des Kongresses die Urteile von einer Anzahl cvangc lischer Persönlichkeiten über die christlichnationale Arbeiterbewegung veröffentlicht und dabei eine von diesen als den„bekannten Vor- kämpfer des evangelischen Bundes" bezeichnet. Darauf schreibt nun der„Arbeite r", daL Organ des Berliner Verbandes katholi scher Arbeitervereine: „Die Delegierten unseres Verbandes lehnen es aus Selbstachtung jedenfalls ab, die Hand solcher bekannten ' Vorkämpfer des cvangeliscken Bundes zu drücken oder sich von ihnen begrüßen zu lassen." Der„Evangelische Arbciterbote", das Organ des Gcsamtverbandes evangelischer Arbeitervereine, ist nicht damit ein verstanden, daß das Zentrum Herrn Erzbcrger zu einer Ansprache an den Kongreß entsandt hatte, das sei eine Taktlosigkeit gewesen. Außerdem wendet sich das Blatt gegen die Behandlung der Wahl- rcchtsfrage durch den Kongreß. Es schreibt: „Ter Antrag des württembcrgischcn Verbandes evangelischer Arbeitervereine, sich für die Einführung des Reichstngswnhl- rechts in die Landtage auszusprechen, ist in der Redaktionskommission zurückgezogen worden— aus politischen Gründen. Welches wäre sein Schicksal gewesen, wenn er zur Abstimmung kam� Er wäre mit überwältigender Majorität angenommen worden. Schon als die Unterstützungsfrage gestellt wurde, stau- den sofort rund 80 Delegierte auf." Die Furcht, daß der Kongreß sich einmütig gegen das Drei- kkassenwahlrecht erklären würde, hat die Macher der christlichnatio nalen Arbeiterbewegung veranlaßt, dem württembergischcn Antrage den Hals umzudrehen! Die Herren Behvens, Schack und Schiffer waren offenbar durch die Ansprachen der Minister so beglückt, daß sie aus Tank dafür die Regierung vor der unangenehmen Situation retteten, von dem Kongreß zu hören, daß auch die nichtsozialdcmo- kratischcn Arbeiter das preußische Wahlrecht als eine Schmach empfinden. In der„Frankfurter Zeitung" wird in einem offenbar aus Hirsch-Dunckerschen Kreisen stammenden Artikel mitgeteilt, daß in der Redaktionskommission des„Deutschen Arbeiterkon- gresses" ein antisemitischer Reichstagsabgeordneter bezüglich des Wahlrechtsantrages gedroht habe:„Eher fällt der ganze Kongreß auseinander, als daß wir den Antrag der Württemberger mitmachen." Gemeint ist ohne Zweifel der Abgeordnete Schack, der Führer der deutschnationalcn Handlungsgehülfcn. Diese Sorte „Aröcitcrvertrctcr" versteht sich eben besser auf die Veranstaltung nächtlicher Huldigungen vor Köingsschlössern uird Ministerhotcls, als auf die Verteidigung der Arbeiterintcressen. Alles in allem zeigen diese Vorgänge, daß sich die christlich. nationale Arbeiterbewegung völlig im Schlepptau rückschrittlicher Drahtzieher befindet.— Ein Jugendgerichtshof, wenn auch nur in einem kleinen Umfange, besteht seit etwa einem Jahre in Haspe in Westfalen. Der Vorzug der amerikanischen Jugendgerichtshöfe ist, daß sie die Würdigung der besonderen Ver- Hältnisse des jugendlichen Missetäters ermöglichen, und daß der Richter fast allein zu bestimmen hat, ob dem Strafverfahren Fort- gang zu geben oder die Besserungsanstalt oder die Fürsorgeerziehung anzuwenden sind. Eine ähnliche Einrichtung in Haspe ist dem Oberlandesgcrichtspräsidcnten Dr. Holtgreven in Hamm zu ver- danken, der bei seinen Gcfängnisrcbisioncn fand, daß der jugend- liche mit dem alten Verbrecher in überfüllten Gesängnisräumen und in der schlechten Gesellschaft völliger Vcrdcrbthcit verfallen müsse. Ter Oberlandesgerichtspräsident vermittelte, daß dem in Haspe ins Leben gerufenen besonderen Fürsorgcausschuß, bestehend aus dem Vorsitzenden des Waisenrates, dem evangelischen Geist- liehen, welcher den Vorsitz im Presbhterium führt, dem katholischen Geistlichen und den evangelischen und katholischen Schulleitern, die Missetaten der 12 bis einschließlich 15 Jahre alten Kinder bor Er- Hebung der Anklage zur Begutachtung unterbreitet werden. Wird das Maß der Einsicht der Strafbarkeit bei Scgehrnig der Handlung verneint, so wird die gerichtliche Verfolgung meistens ausgesetzt. Dadurch sind in Haspe seit dem verflossenen Jasire von 15 dieser Unmündigen 13 von den Schranken des Gerichts ferngehalten worden. Ein Jugcndgerichtshof, der wirklich seiner Aufgabe gerecht werden will, sollte aus Richtern bestehen, die aus allen Kreisen der Bevölkerung von dieser selbst gewählt sind und vor allem darüber zu befinden befugt sein sollten, in welcher Weise die ver- nachlässigte Erziehung der Kinder nachzuholen sei. Unser Fürsorgcftistem dient ja leider bekanntlich nicht der sondern der völligen Verwahrlosung der ihr An- preußisches Besserung, vertrauten. Kapital und Kirche. „Kaplan hetzt das Volk auf!"— so telegraphierte einer Zeit der Industrielle und Bergwcrksbcsitzer Honigmann an den Kardinal Fischer in Köln, als in Würselen bei Aachen die Arbeiter der Honigmannschcn chemischen Fabrik streikten. Dem Kapitalisten lvar bekannt, daß der Kölner Erzbischof auf „sozialpolitische Kapläue" nie gut zu sprechen gewesen ist und daß öftere Strafversetzungen und Maßregelungen rnwerer Art gegen Geistliche angewendet worden sind, die die Interessen des Unter- nehmertums nicht mit der gebotenen Zartheit behandelten. Dem Kaplan Weinand ist damals nicht gleich am Zeuge geflickt worden, weil die Telcgrammgcschichte herauskam und sich über- dies der Gefftliche so vorsichtig! benommen hatte, daß man ihm nichts anhaben konnte, während die von ihm geleiteten Arbeiter chwere Strafen erleiden mutzten. Lediglich, um die katholischen Arbeiter der sozialdemokratischen Gefahr zu entziehen, um sie dem Zentrum zu erhalten, hatte Kaplan Weinand die Arbeiter der Honigmannschcn Fabrik dem Christlichen Metallarbeiterverbande zugeführt. Als die Arbeiter aber einmal organisiert waren und Beiträge zahlten, wollten sie auch die entsprechenden Vorteile daraus ziehen: Sie stellten Lohn- orderungen und es kam infolge der brüsken Haltung deS Fabrikanten zum Streik und zu schweren Zusammenstößen mit den von auswärts herangezogenen Arbeitswilligen. Es wurde Anklage wegen Hausfriedensbruches und Aufruhrs erhoben, und der Vorsitzende des christlichen Verbandes, den man aus dem Bette heraus verhaftet hatte, erhielt 4 Monate Gefängnis, 13 Mitglieder des Verbandes je 3 Monate. Dem Kaplan konnte man nichts an- haben. Nur einmal hatte man gesehen, als er mit Streikenden auf der Straße sprach, und sofort flog das Honigmannsche Tele- gramm nach Köln. Der Kaplan wies aber die Harmlosigkeit des Gesprächs nach, und cr durfte vorläufig bleiben. Jetzt aber liest man in der ZentrumSpresse, daß Kaplan Weinand„im Einverständnis mit dem Erzbischof" nach Rom gehe, um dort weiteren Studien obzuliegen. Der Kaplan ist also doch der Verschwisterung von Kapital und Kirche zum Opfer gefallen. Er wurde in die Wüste gestoßen. nach Rom, wo man es ausgezeichnet versteht, den jungen Kaplänen die sozialpolitischen Grillen auszutreiben. Kardinal-Erzbischof Fischer steht nämlich, wie er in einer seiner vielen Reden ver- kündete, auf dem Standpunkte, daß die Arbeiter„durch Gottes weise Vorsehung" ein Leben der Entsagung, der Niedrig- keit und der demütigen Arbeit führen. Das Ende eines TozialistcnfresserS. Schlesiichc und andere Agitatoren der Gelvcrkschaftcn und der Partei hatten seit Jahren tausenderlei Schikanen und Drangsa- lierungen seitens des Bürgermeisters der Stadt Schwcrsenz(Prov. Posen) zu erdulden. In ostentativer Wciie setzte sich der Herr über die Gesetze hinweg, verhaftete Flugblatt- Verteiler, nahm ihnen alles weg was cr bekommen konnte, bc- schimpfte die Gauleiter und Redner und ließ„seine" Polizisten im Kleinkrieg gegen die Arbeiterbewegung nach eigenem Gut- dünken schalten und walten. Mit Pathos betonte dieser Stadt- gewaltige bei jeder Gelegenheit, daß er dafür einstehe, daß die „rote Flut" nach Schwersenz- nicht komme, und daß er mit allen Mitteln zu verhüten wissen werde, daß sich„Arbeiter- verhetzer" in seiner Domäne„breit machen" würden. Jetzt endlich hat den Burschen sein Schicksal erreicht, und wenn bisher der S t a a t s a n w a l t den Herrn trotz verschiedener An- zeigen von Gewerkschaften nicht zu verfolgen Veranlassung nahm, so wird cr j c tz t nicht mehr darum herumkommen. Wie die„Brcsl. Ztg." nach Posener Blättermcldungcn mitteilt, ist� der saubere Sozifresscr okrne Abschied zu nehmen aus feinem Königreich ver- schwunden. Eine sofort vorgenommene Revision der Kasse machte eine sofortige gebeime �Stadtverordnetenversammlung nötig. In dieser Sitzung wurde der Stadtgewaltige abgesägt. Er ..willigte ein", auf jede Pension und Abfindung„frei- willig zu verzichte n". Die Blätter bringen übereinstimmend das plötzliche Verschwinden des Bürgermeisters mit dem Ver- schwinden von 3000 M. in Verbindung. Diese 3000 M. waren gesammelt worden für ein Denkmal Kaiser Friedrichs III. Ferner wird öffemlick mitgeteilt, daß der Verschwundene den Spitz- bübereicu usw.' des kürzlich durch Selbstmord geendeten Kassen- rendanten Pfill„nicht ganz ferngestanden" habe. Ten Genossen Schlesiens und PosenS wird jetzt wenigstens die Genugtuung, ihren Zorn aii keinen Unschuldigen verschwendet zu haben, und der, den sie oft vergeblich angerufen, der Herr Staatsanwalt, wird jetzt vielleicht die gehetzten und drangsalierten Gewerkschaftler als Kronzeugen für die Gesetzcsverlctzungcn des Bürgermeisters laden lassen. Unsere Ordnungsleute haben wirklich Pech Mit ihren Staats- stützen.—_ Militärjnstiz. Ein höchst befremdliches Urteil wurde vom Oberkricgs- gericht des bayerischen L Armeekorps in München bestätigt. Der Pionier Augustin Walter wurde wegen tätlichen VergreisenZ an einem Vorgesetzten vom Kriegsgericht der 1. Division zu 1 Jahr 2 Monaten und 15 Tagen Gefängnis ver- urteilt, weil cr gelegentlich seines Urlaubs in Mindclheim einen Unteroffizier, der in einem Wirtshause sein Seitengewehr be- sichtigte, beschimpfte und durch mehrere Faustschläge verletzte. Gegen dieses Urteil legte der Gcrichtsherr Berufung ein, weil ihm die ausgesprochene Strafe zu niedrig erschien. In der Bcrufunge- Verhandlung wurden nun folgende Tatsachen konstatiert: Walter wurde nach dem Vorfall festgenommen und nach München traut- portiert. In eine Arrestzelle gebracht, bekam er einen Anfall und wurde bewußtlos aufgefunden. Hierauf wurde seine Uebcrführung nach dem Lazarett angeordnet. Ucber die dort angestellten Beobachtungen gab der Sachverständige OberstabSarzk Dr. Friedrich folgendes Gutachten ab: Walter ist schwer erb- lich belastet, sein Vater litt an Delirium und Epilepsie; schon sein Großvater war Alkoholiker. Auch im Lazarett hatte Walter mehr- mals Ohnmachtsanfälle und� war cr stets vollständig bewußtlos. Er leidet an Siuncstäuschnngen und nervösen Bescknverden und ist in hohem Maße hysterisch veranlagt. Im Zustande der Bewußtlosigkeit war das Gcsühlsempfiudcn am ganzen Rumpfe vollkommen aufgehoben, dagegen reagierte die Kopfhaut um so stärker. Auch litt er an Dämmerzuständen, alles Kennzeichen, die auf einc geistige Er Irankung hinweisen. Auf Grund dieses Gutachtens wurde Walter, als er sich noch im Untersuchungsgefängnis befand, durch Verfügung des Generalkomm an- dos seiner Militärpflicht wege n U n tau g l i chk c i t enthoben. Bezüglich des inkriminierten Vorfalls erklärte jedoch der Sachverständige, daß der Angeklagte für sein Tun— verantwortlich sei, da, weil der Angeklagte nach dem Exzeß in anderen Wirtschaften weiter kneipte, ein pathologischer Rauschzustand nicht angenommen werden könne. Doch seien ihm weit- gehende Milderungsgründe zuzubilligen und das uni so mehr, als eine Verlängerung der bereits ausge- sprochenen Strafe dieselben krankhaften Zustände bei Walter wieder hervorrufen würde wie in den letzten Monaten. Das OberkriegSgericht verwarf daher die Berufung des Gerichtsherr». Der Geisteskranke muß daher die Strafe vo» 1 Jahr 2 Monaten und IS Tagen Gefängnis verbüßen. JSbrwegen. Ein. militärischer Neiergriff zur Knebelung der Redefreiheit. Die norwegische Hauptstadt ist am Dienstag durch einen brutalen Gewaltakt der Militärbehörde in Aufregung versetzt werden, die sich gegen den jüngst wegen„Fahnenflucht"— tatsächlich wcAcn grundsätzlicher Dienstverweigerung— zu einem Jahre Gefängnis verurteilten Genossen Einar Li richtete. Li hatte am Montag die Aufforderung erhalten, vor Ende der Woche seine Strafe anzutreten; Tag und Stunde zu bestimmen, war ihm ausdrücklich selbst überlassen. Aber am Dienstag- nachniittag um 2 Uhr erhielt er plötzlich Befehl, sofort ins Gefängnis zu wandern, und ein Sergeant hatte den Auftrag, ihn nicht aus den Augen zu lassen, solange er noch außerhalb der Gesängnismauern loeiltel Arn Abend desselben Tages nämlich sollte der verurteilte und gefangene Genosse an einer Diskussion mit dem als militärischen Agitator tätigen Dr. Scharffenbcrg teilnehmen, und dies wollte die Militärbehörde offenbar verhindern. — Ihr Verfahren ist um so mehr rechtswidrig, als über das Be- ünadigungsgesuch, das nicht Li, sondern das Kriegsgericht ein- gericht bat, noch nicht entschieden ist. Selbst der Direktor deS KreisgesängnisseS in Kristiania erklärte unter diesen Umständen die Plötzliche Verhaftung für gesetzwidrig! Die Nachricht von dem Geschehenen wurde durch„Social- demokraten" und durch Extrablätter über die ganze Stadt ver- breitet. Taufende strömten nach„Arbcitersamfundet", dem Lokal. wo Li sprechen sollte. Man beschloß einen zornglühenden Protest gegen die„Prenßcrri" im„freien" Norwegen. Die Menge derer, die keinen Einlaß mehr finden konnten, stand aus der Straße, brachte Hochrufe auf Li aus und verwünschte den Militarismus. ES zeigte sich hier wieder, daß der Gewaltstreich gegen den Genossen Li zu nichts anderem dienen kann, als zur Förderung der anti- militaristischen Agitation. Hirnrtha. Die leßten Wahlen haben manches interessante Resultat ge- zeltigt. Die Niederlage der Hearst-Partci in New Dork gilt vielen als ein Zeichen, daß Hearst keine bedeutende politische Rolle mehr spielen wird, auf alle Fälle aber bei der nächsten Präsidentenwahl nicht mehr in Betracht kommt.— Der Führer der Demokraten. W. I. Bryan. hat seinen Staat Nebraska nicht gegen die An- griffe der Republikaner halten können! In der Salzscestadt verloren die Mormonen nach hartem Kampfe den Bürgermeister- sitz. In San Francisco hat die..Rcformpartci" gesiegt; der neue Bürgermeister ist der Demokrat Dr. Taylor; mit einer kleinen Majorität schlug er den Kandidaten der Arbeiter, Mc Carthy, den Präsidenten der vereinigten Bauacbeitcrverbände. Die Sozialisten kaben sich rege am Wahllampf beteiligt, übceall als selbständige Partei, die allerdings vornelzmlich nur Zählkandidatcn aufstellen konnte. Tie crrcichtczr Stimmenzahlcn sind noch nicht festzustellen.— Die amtlichen Berichte von der jüngsten Wahl im neuen Staate Oklahoma zeigen eine sozialistische Stimmenzahl von 9476. Bei der letzten Präsidentenwahl(1964) erzielte die sozia- listische Partei in Oklahoma 4443 Stimmen.— Die ruistsche Revolution. „Schutz" der Duma vor dem Vortke. In Anbetracht der in einer Woche bevorsteZhendcn Eröffnung der dritten Duma sind in den letzten Tagen vvn der Regierung neue Regeln„zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Duma- gcbäude sowie zur Zulassung von Nichlmitglicdern in die Sitzungen" erlassen worden. Dieses neue Produkt burcaukratischcn Stumpfsinns bietet eine grelle Illustration zu d»er Furcht, die bei der herrschenden Clique durch den blossen GedarÄcn von der Mög- lichkeit einer Berührung zwischen den„Volks"-Vertretern und dem Volke hervorgerufen wird. Nach der neuen Regel müssen Personen, die einer Sitzung in der Duma beiwohnen wollen, diese Absicht nicht später als eine Woche vor der betreffenden Sitzung der Dumvkanzlci mitteilen und eine Beglaubigung ihrer Persöinlichkeit ein- reichen! Tann erhalten sie die Einlatzkarten. Aber nur..., wenn dazu der„Schutz des taurischen Palvstcs", d. h. die Polizei, ihre Genehmigung gegeben hat! Wie steht's nun mit der Presse? Den Vertretern der russi- schon und der ausländischen Presse wird durch die neuen Regeln nur die Galerie reserviert, von wo aus wenig zu hören und zu sehen ist; der Zutritt in die Couloirs ist ihnen gänzlich verboten! Aber auch auf„ehrenvolle" Galeriechlätze ist der Zu- gang nur mit allen möglichen Schwierigkeiten zu erreichen. Die Erstattung von Einlahkartcn an die Vertreter der Presse hängt von der Hauptverwaltung in Prehangelegenheiiten ab, d. h. von der höchsten Polizeibehörde zur Knebelung der Presse! Hat der Vertreter der Presse alle Nöte, die mit der Erreichung eines Billetts verbunden sind, durchgemacht, so mutz er noch Gefahr laufen, in jedem Augenblick seines Eintiüttsrcchtes in die Duma durch irgendeine willkürliche Verfügung des„SchytzcS des taurischen Palastes" beraubt zu werden. Das sind die Hauptzüge der neuen Verordnungen. Der glänzende Erfolg des Staatsstreiches vom 16. Zwni. durch den eine „Herrcn"-Duma geschaffen wurde, hat die Herrschenden nicht von dem Gespenst der Duma erlöst, die die Volksmasscn um sich herum organisiert, und die Regierung setzt, wie früher, alle Kräfte daran, die Möglichkeit einer unmittelbaren Berührung zwischen den Wählern und den Abgeordneten zu beseitigen, dem Volke die Be- kanntschaft mit dem, was in der Duma geschieht, zu erschweren, mit einem Worte: die Volksvertreter von der Bevölkerung zu isolieren.■=-_ Hus der Partei. BiirgerschliftSwahl. Hamburg, IS. November.(Privaldepefche des„Vorwärts".) Heute fand hier eine Ersatzwahl zur Bürgerschaft statt, und zwar wurde noch unter dem alten System(Bezirkswahl, Zwölfhundert- inark-ZensuS, eventuell Stichwahl) gewählt, da in der Stadthälfte, in der das Mandat erledigt war, erst vom Jahre 1910 ab der neue Modus(Klassen- und Pioportional-Wahl) zur Anwcudung kommt. Gewählt wurde der Kandidat der Sozialdanokratie, Arbeiter- sekretär Bcrthold Grosse. Er erhielt 236, die' zwei bürge» lichcn Gegner zusammen 234 Stimmen! Bei der vorigen Wahl haben un-Z 31 Stimmen zum Siege gefehlt. Unsere Fraktion in der Bürgerschaft ist nunmehr 26 Mann stark. Die Kommunalwahlen iu Bannen. Banne», 8. November,(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei den Kommunalwahlen am hiesige» Orte erhielten mit Schluß des heutigen(dritten) Wahltages unsere vier Ge- nassen Karl Eberle. Karl Haberland.!tirrl Schäfer. Joh. Wildert 6355 bis 6506 Stimmen. Die vier Kandidaten des ultramontan-christlichsoziah konservativen Mischmaschs brachten es auf 5933 chis 6l30, die zwei Kandidaten des„liberalen" Mischmaschs auf 716 und 788 Stimmen. Da die absolute Majorität nicht erreicht ist, müssen Stichivahben stattfinden. Die Wahlbeteiligung betrug 65 Proz. Der„Fortschritt" hat seit 190ö bei gleicher Wahlbeteiligung 2000 Stimmen verloren l_ Tie Stadtvrrordnctruwahl in Köln hat auch diesmal in der dritten Klasse wieder dem Zentrum den Sieg gebracht. Es erhielt 11 150 Stimmen(Zunahme 18 Proz.), die Sozialdemokratie 3466 (Zunahme 25 Proz.), die vereinigte liberale Liste 2526. Die „'liberalen" Stimmen gingen gegen die vorige Wahl um etwa 166 zurück, obwohl die Zahl der Wahlberechtigte» und die Wahl- beteiligungszahl stiegen. Es ist nicht anzunehmen, dass dem„Libe- raliSmus" diese Züchtigung durch die Wähler Anlatz fem werde, in sich zu gehen. > Dass das Zentrum auch diesmal, trotz seiner vielen Sünden, die es in Köln auf kommunalem Gebiete auf sich geladen hat, seine Stimmen zu steigern vermochte, kann nur denjenigen befremden, der den Organisationsapparat der Kölner Zentrums- Partei und den Stunipfsimi der klerikale» Wähler nicht kennt. Es ist fast unglaublich, dass das Kölner Zentrum bei der anerkannten Gerissenheit seiner Führer unseren Genossen eine solche Fülle dcS wuchtigsten kommunalpolitischen AnklageinaterialS geliefert hat. Man denke nur an die stinkende Affäre des ZeiitrumSführerS und Stadtverordneten ZilkenS. die einen Sumpf koinmunaler Korruption offenbart hat l Aber das Zentrum bat auch hier wieder das erprobte Mittel der Euifachiing des religiösen Fanatismus zu Hülfe ge- nommen: es erzählte(einen Anhängern von dar furchtbaren Gefahr der Simultan- oder„sogar" der religionslosen. Schule und spiegelte ihnen die französischen ikultnsverhnltiiisse vor.> Die Gemeindewahl über zwei Jahre wird unter gänzlich vor- änderten Umständen, sowie in den übrigen preiitRischen Städten stattfinden. wozu in Köln noch hinzu kommt, dass künftig infolge des von der Stadtverordneteiiveriammlung angeuoiniiienen W a h l- rechtSan trageS des Sozialdemokratischen Vereins viele Tausende das Wahlrecht bekonmien, die bis jetzt nicht wählen konnten. Infolge des sozialdemokratischen AntriageS dürfen nämlich von der nächsten Wahl ab auch diejenigen Bürger ivnhlen, die zu weniger als 966 M. Einkommen veranlagt sind� und zwar bis zu 666 M. hinunter, ohne dass die veranlagte Steuer erhoben wird. Bei der jetzigen Wahl war es mfolge des ZeiffuS unseren Kölner Genossen nicht möglich, ihre Kerntrnppen zum Wahllokal zu führen. Es ist festgestellt worden, dass unter einzelnen Kategorien der Bauhandwerker nur 15 Prozent wahlberechfilgt waren, iveil sie nicht da.' zum Wahlrecht erforderliche Eindämmen versteuern. ,40.000 Bürger find allein in Köln von jedem kommiinalr» Wahlrecht ausgeschlossen. In den übrigen Städte» ist es zweifellos genau rf»t.ein Umstand, der uns zu verdoppelter und verdreifachter Agitation gegen dal» elendeste aller Wahlsysteme anscucrn mutz., Die Elberfelder Kaiifmanii-ZgerichtS-Wahlen. Bei der Wahl zum Elberfelder Kaufniannsgerichi, die am Mittwoch statliand, übten von 1290(1904: 1371) eingetragenen Gehülfen- wählern 742<1964: 816) gleich 57,3 Proz. ihr Wahlrecht anS. Ins- gesamt wurden 14 754 Stimmen abgegeben. Auf die Liste 1 des deutschiiationalcii Verbandes entfielen 7169(1864: 7199), ejus die Liste 2 der Sozialen Kommission vereinigter kaufmännischer Vereine entfielen 4876(!964: 7372). auf Liste 3 des Zentral- verbände? der HanMinigsgehiilfen und-Gehiilfinnen Deutsch» llands 2687(1961: 2265) und auf Liste 4 einzelner jüdischer Angestellten 89 Stimmen. Es waren 20 Beisitzer zu wählen, die sich nach dem Verhältnis der auf die einzelnen Vorschlags- listen abgegebenen Stimmen verteilen. Die Denischiiatioiialen stellen jetzt 10 Beisitzer, bisher 9, die Soziale Kommission 7, bisher 9, und der Zentrnlvcrband 3, bisher 2. Das Ergebnis der Wahl ist befriedigend. Die Kandidaten der modernen Organisation der HandlungSgehülfen erhielten 482 Stimmen mehr als vor drei Jahren, trotzdem insgesamt die Stimmabgabe ge- riuger war. Trotz der wüsten Agitation der Deutschnationalen ge- wann der Zentralverband noch einen Sitz. Die deutschnationalen Kandidaten erhielten 96 Stimmen weiliger als vor drei Jahren. polteeUtches, Certchtlidics ulw. Mannheim, 8. November.(Privatdcpeschc des„Vorwärts".) Genosse Meier, Redakteur der hiesigen„Volksstimme", wurde heute vom Schöffengericht zu 20 M. Geldstiafe verurteilt, weil er in dem Bericht über die Strafkammerverhandlung, betreffend die FastnachtSzeitung„Schnupftabak", die inkriminierte Stelle dieses Blattes wiedergegeben hatte, obwohl eS beschlagnahmt war. Als mildernd wurde angesehen, dass die Stelle in öffentlicher Sitzung verlesen worden war und dass Meier sich deshalb zur Wiedergabe für berechtigt gehalten habe. Ferner wurde Meier heute von demselben Gericht zu 30 M. verurteilt, weil er die Arbeitswilligen im Heidelberger Möbelpacker- streik beleidigt habe. Das Bemerkenswerte an der Sache ist, dass die Beleidigten nicht aus eigenem Antriebe Strafantrag gestellt, sondern erst auf Veranlassung der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Das hat heute der Vertreter der Anklagebehörde zugegeben. Der ReichSverbändler ist schuldig, aber straffrei. Eine inte» cssante Verhandlung fand vor dem Landgericht Fürth statt. Der dorttge„Zentralanzeiger", ein angeblich„unparteiisches", in Wirk- lichkeit aber sehr parteiisches Blatt, das einen wütenden Kampf gegen die Sozialdemokratie führt und seine geistigen Waffen aus dem Arsenal des Reichsverbandes bezieht, hatte in der Wahl- bewegung des letzten Winters die mit ganz ruppigen Ausfällen gespickte Behauptung aufgestellt, der Sozialdemokratische Berein habe Arbeitersparpfennige zu zweckwidrigen Bestimmungen verwendet, in- er aus der Bierkasse der Arbeiter einer Möbelfabrik 100 M. ver- langt und, nachdem die Opposition mundtot gemacht worden sei, auch erhalten und für Wahlzwccke verwendet Habel Da das Blatt nicht zu bewegen tvar, diese gänzlich auö der Luft gegriffene Behaupwng richtigzustellen, sondern höhnisch erklärie, die 106 M. würden schon einmal in einer Ouittung zum Vorschein kommen, leitete die Verwaltung des Sozialdemokratischen Vereins Beleidigungsklage ein. Am 19. September verurteilte das. Schöffen- gericht Fürth den verantwortlichen Redakteur des„Zentralanz.", Kraus, zu 16 M. Geldstrafe. Dagegen erhob er Einspruch, und das Land« gericht Fürth als VerufuiigSinstanz fällte ein merkwürdiges Urteil: ES erkannte, den Angeklagten(ür schuldig, erklärte ihn aber für straffrei, weil die Vorstandschaft des angegriffenen Vereins, nachdem KrauS an der unwahren Behauptung beharrlich festhielt, diese Behauptung in der„Fürther Bürgerztg." als eine Lüge be- zeichnet hatte l... Die bestrafte Satire. Der Genosse Redakteur Ernst Däumig vom Halleschen„Volksblatt" stand am Mittwoch vor dem Schöffen- gericht wegen Beleidigung des sattsam bekannten Gendarmen Pari aus Lauchhammer. Aus Anzeige Paris schweben noch eine ganze Reihe Klagen gegen das„Volksblatt"; sogar dem Verleger will man wegen angeblicher Beleidigung durch ein Inserat zu Leibe. Genosse Däumig hatte in einer Wochcnplauderei in satirischer Form die Tätigkeit Paris beleuchtet und in einem Aussätze:„AnS der poli- tischen Kinderfibel" dargetan, daß ein Gendarm etwas zu sagen hat, dass er Streikende arretiert, dabei manch- mal den Leuten die Kleider zerreisst usw.— Den Vorsitz führte Amtsrichter Hoffiiiann, der dem Genossen Redakteur Fröhlich gelegentlich eines Prozesses gemeine Gesiiiiinng unterstellt hatte. Als der Amtsanwalt nicht weniger als drei Monate Ge- fängniö beantragte, wies Genosse Däumig mit kräftigen Worten auf die Haltlosigkeit der Anklage hin: Wolle man dadurch die Zustände bessern, dass mau die Kritiker ins Gefängnis steckt, und Beamte, die sich Uebergriffe erlauben, ungeschoren lasse? Sozialdemokraten rücke man wegen jeder Kleinigkeit auf den Leib, aber ein General L i e b e r t dürfe das Urteil eines deutschen Gerichtshofes als Schandfleck der Justiz bezeichnen! Das Urteil lautete aus 366 M. Geldstrafe. Drei Wochen Gefängnis erhielt vom Duisburger Landgericht der Genosse Stephon Heise bon der„NiederrHeinischen Arbeiterzeitung" wegen angeblicher Beleidigung eines Grnbensteigers zudiktiert. Der Steiger hatte nach einem geringen Wortwechsel einem Mitglied des ArbeiterauSschusseS der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" mit einer Meterlatte einen Schlag versetzt. In einer Zuschrift an das Duisburger Parteiblatt wurde dieser Uebergriff des Steigers gerügt, und es hiess darin, dass das Arbeiteransi'chussinitglied von dem Steiger„verprügelt" sei. Das geschlagene Arbeite» Ausschussiiutglicd hatte auch gegen den Steiger bei der Staats- aiiwaltichaft' Strafverfolgung wegen Körperverletzung beantragt, jedoch wurde das Verfahren eingestellt. Der Steiger hatte in- ztvischen aber schon den Spiess umgedreht und den Arbeiter wegen Beleidigung mit einer Privaiklage bedacht, die letzterer mit einer Widerklage- wegen Körperverletzung beantwortete. Bor dem Ruhr- orter Schöffengericht wurden beide verurteilt, und zwar der Steiger zu drei, der Arbeiter zu fünf Mark Geld- strafe. Beide legten dagegen Berufung ein, jedoch mnsste daS Verfahren eingestellt werden, weil der Steiger inzwischen tödlich verunglückte. Wegen der Notiz in der„NiederrHeinischen Arbeiter- zeitung" hatte der Steiger aber zuvor sowohl gegen den Genossen Heise als gegen den von ihm geschlagenen Arbeiter wegen angeb- licher Beleidigung Strafantrag bei der SlaaiSanwaltichast gestellt. Trotzdem das Gericht der Angabe des Genossen Heise, dass das Manuskript der iiikriminierlen. Notiz versehentlich nn korrigiert in die Druckerei gekommen sei, ausdrücklich als wahr aiierkaimte. trotzdem selbst durch Belastungszeugen festgestellt wurde, das; der Steiger tatsächlich nach dem Arbeiter geschlagen, und ob- wohl der Angeklagte bei dem tödlichen Unfall des Steigers im Au- schluss an die Unfallmeldung die inkriminierte Notiz berichtigt hatte, erkannte das Gericht auf die erwähnte Strafe. Der Staatsanwalt hatte sogar 6 Monate beantragt. DaS Verfahren gogen den Mit- angeklagten wurde eingestellt. Ein Urteil, von dem man gern Notiz nimmt. Der Buchdruckereibesitzer Schaumann in Pforzheim i. B. hatte für die Pfi,igstfeicrtage dieses Jahres einen Extrazug von Sirass- bürg nach Zürich arraiigiert. 65 Aiisflugslustige kauften sich Billetts a 9,86 M. und wollten am Pfliigstsonnabend mittag die Reise ins Schiveizerland antreten. Ans dem Bahnhof Straßburg erfuhren sie jedoch, dass der Eytrazng nicht abgelassen werde, weil Schanmann den nötigen Betrag von 1219 M. bei der Generaldireltion nicht eingezahlt hatte I Darob Aergcr und Unwillen bei den Aiisfliiglern, zumal da Schanmann den Billettinhabern in keiner Form Mitteilung von dem Kichtabgange heS Zuges gemacht hatte. In einer Notiz unseres Karlsruher Parteiorgans wurde dieser Tatbestcrnd geschildert und von einem drei st en Schwindel gesprochen. Der Herr„Arrangeur" besah nun die Dreistigkeit, PrivatNage gegen den Genossen Weihniann vom„Volksfreund" anzustrengen. Das Karlsruher Schössengericht schickte aber den guten Herrn gehörig heim, indem es dem Redakteur zunächst Kunde davon gab, dass die Staatsanwaltschaft Strassburg die Einleitung eines Verfahrens wegen Betruges gegen Schaumann erwogen, aber nur davon abgeichcn habe, weil eine Betrugsabsicht nicht nachweisbar sei. Im übrigen bilde Swannianiis Verhalten eine nicht scharf genug zu kritisierende Rücksichtslosigkeit gegen die Teilnehmer des Zuges und eine grobe Täuschung derselben. Die Presse sei daher berechtigt gewesen, von einem dreisten Schwindel zu reden; sie habe lediglich den Eindruck wiedergegeben, den die betreffenden Pfingstausflüglcr gehabt hätten. Eine strafbare Beleidigung liege nicht vor. Würden die Gerichte, anstatt sozialdemokratische Redakteure ins Loch zu steckcen, stets mit der gleichen Entschiedenheit die Presse bei der Bekämpftuig von Missständen unterstützen, so sähe eS im Reiche der Gottesfurcht und ftommen Sitte etwas besser aus. Soziales. Eine dringende Aufgabe der Kranlenkassc». ES steht jetzt fest, dass die Reform der Krankenversicherung in der nächsten Zeit nicht in Angriff genommen lvird. Die massgeben- den Herren sind noch nicht darüber einig, wie am besten den Ar- beitern die letzten Rechte ihrer Selbstverwaltung in den Orts- krankcnkassen entrissen werden können. Für die Arbeiter kann diese— Notlage ihrer Gegner kein Grund sein, die Bestrebungen ihrerseits, das ÄrankcnversichcrungS- Wesen zu verbessern, solange ruhen zu lassen, bis die Gegner (glauben, jetzt sei der günstigste Zeitpunkt zu einer Reform der Krankenversicherung in ihrem Sinne gekommen. Wenn unsere Gegner sich also unfähig zur„positiven Arbeit" erweisen, ist das ihre Sache. Die Arbeiter haben das entgegengesetzte Interesse; sie haben sich jetzt mehr als je mit den Krankenkassenangclegen- hciten zu beschäftigen und für jeden Fortschritt einzutreten, der erreichbar ist. Einer der wichtigsten und am dringendsten notwendigen Fort- Schritte auf diesem Gebiete ist gegenwärtig die Berschmelzung der vielen Kassen und Kässchen in manchen Grohstädten zu einer oder einigen wenigen, aber grossen und leistungsfähigen Ortskranken- lassen. Nach dem geltenden Krankcnvcrsicherungsgesctz ist die Ver- schmclzung schon jetzt bei gutem Willen der Behörden leicht ei reichbar, wenn nur der gute Wille dazu vorhanden ist. In Stuttgart z. B. ist die Zentralisierung der dortigen OrtSkrankcu- lassen auch im abgelaufenen Jahre weiter durchgeführt wordsn, so dass. wie daS Arbcitersekcetariat in seinem letzten Jahresbericht hervorhebt, von den anfänglich vorhandenen 15 Ortskrankcnkassen nur noch drei übriggeblieben sind. In Preußen dagegen weht ein anderer Wind. Berlin eichnct sich dadurch aus, dass hier nicht weniger als 55 OrtS- lankcnkasscn, 54 Bctricbskrankenkassen, 18 Jiinuiigökrankcnkasscn, eine Gemeindekrankenkasse und ausserdem noch mehrere eilige- schriebcne Hülfskasscn bestehen. Dazu kommen noch die Kranken- lassen in den nächsten Vororten von Äerlin. Trotzdem hat sich bekanntlich im vorigen Jahre der Oberpräsident gegen die nach- gesuchte Verschmelzung der Krankenkassen erklärt, da es sich fragL, ob man der von der Gesetzgebung geplanten Vereinheitlichung der Arbcitcrversicherung vorgreifen könne. In Brandenburg wurden Ende des Jahres 1965 nicht weniger als 18 Krankenkassen mit zusammen 15 556 Mitgliedern gezählt. Daher waren neun Ortskrankcnlassen übereingekommen, sich zu verschmelzen. Tic grösste der Kassen, die Allgemeine Ortskranken- lasse, hatte bereits in ihrer Generalversammlung beschlossen, sich wegen ihrer Ungünstigen Vermögenslage und zugunsten der bcab- sichtigten Verschmelzung der neun Kqssen aufzulösen. Aber es kam weder zu der Auslosung, noch zu der Verschmelzung, so dass das alte Kassenelend heute noch besteht. Obwohl der Magistrat der Verschmelzung zunächst wohlwollend gegenüberstand, scheiterte der Plan, dessen Verwirklichung im Interesse einer Gesundung der Kassenverhältnisse und im Interesse der Versicherten notwendig war. weil die Regierung in Potsdam sich dagegen wendete. Der Regierungspräsident teilte dem Magistrat mit, dass der Bezirks- ausschutz mit Rücksicht auf die„bevorstehende" Aenderung der Ar- beiterversicherungsgesetzgebung zu der Frage der Zentralisicrung der Ortskrankenkassen eine ablehnende Stellung einnehmen werde. In Breslau traten die Vorstände der verschiedenen Kassen zu- sammen, um die Verschmelzung ihrer Kassen, mit zusammen 66 600 Mitgliedern, herbeizuführen. Da sie bereits beim dortigen Magistrat auf Widerstand stiessen, unterbreiteten sie dem Rc- gicrungspräsidenten ein eingehend begründetes Gesuch. In dem- selben sagten sie u. a.: „Ein weiterer Uebelstand der jetzigen Verhältnisse besteht darin, dass Mitglieder, die heute ihre Stellung Ivechselu, aus ihrer bisherigen Krankenkasse scheiden, auch wenn sie derselben— wie es vielfach vorkommt— bereits 15 bis 20 Jahre angehört haben. Sie werden nun Mitglied einer anderen Krankenkasse, mitunter einer solchen, die ein wesentlich niedrigere» Krankengeld zahlt. Die Folge davon ist. dass der Versicherte, der solange hohe Bei- träge gepahlt hat, durch den Uebertritt in das andere Arbeits- ocrhältnis eine geringere Unterstützung, sogar, falls die Karenzzeit noch nicht verstrichen ist, die Mindestleistung erhält. Das ist eine Ungerechtigkeit, die nach der Verschmelzung der hiesigen Orts- krankenkassen in eine gemeinsame nicht mehr eintreten kann. Ganz besonders störend ist dies im Baugewerbe, in dem viele Ar- beiter so häufig ihre Arbeit wechseln und demgemäß bald der einen, bald der anderen Krankenkasse angehören müssen. Ferner würde die Verloaltung der einen Kasse viel zweckmässiger sein, als jetzt die Verwaltung der vielen einzelnen Kassen. Endlich wäre es möglich, die Leistungen der Krankenversicherung, nach dem Vor- bilde der gemeinsamen Ortskrankenkassen in Leipzig, Dresden, Frankfurt a. M. usw., zu verbessern. Ist dort in diesen Kassen scgar die Familicnversicherung mit gutem Erfolge durchgeführt worden." Trotzdem lehnte eS der NegierungSpräsident in Breslau ab, auf eine Verschmelzung der Krankenkassen hinzuwirken. Diese Belege, die wir den letzten Jahresberichten der Arbeiter» sekretariate entnommen haben, beweisen wohl zur Genüge, welche Haltung die preußische Ziegierung zu diesem dringenden und leicht durchzuführenden Fortschritt einnimmt. Diese Haltung findet den Beifall derjenigen, die alle Verbesserungen der Krankenfürsorge solange vereiteln wollen, bis sie bei der nächsten Reform der KrankenversichcriingSgesetze als Gegenleistung für die Entrechtung der Arbeiter in bezug auf die Verwaltung der Krankcnkassen ausgenutzt werden können. Die Arbeiter aber sollten schon jetzt darüber nicht den mindesten Zweifel lassen, dass sie sich unter keinen Umständen mit einer solchen Entrechtung zufrieden geben; dass vielmehr jede wirkliche Verbcsse- rung der Krankenfürsorge als unerlässliche Voraussetzung die volle Durchführung der Selbstverwaltung der Arbeiter in ihren Krankenkassen hat. Deshalb müssen die Arbeiter gerade jetzt die Rechte, die sie noch haben, unermüdlich und mit allein?!achdruck zur Verbesserung der Krankenfürsorge geltend machen. Ueberall, Ivo die Verschmelzung der Krankenkassen noch nickst erreicht ist, sollten unsere Genossen die Anregung dazu geben, dasi die Sache von neuem in Fluss gebracht wird. Gesindeordnung verpflichtet nicht zur Tierquälerei. Diesen auch dem gesunden Rechtsempfinden selbstverständlichen Satz musstc erst entgegen einer staatsanwaltlichen Anklage und entgegen einem Landgerichtsurteil das Kammergericht dieser Tage aussprechen. Veranlassung hierzu bot das Strafverfahren gegen einen Pferdeknecht Ladwig. Gegen diesen war„wegen hartnäckigem Ungehorsams und Widerspenstigkeit gegen die Befehle seiner Dienst- Herrschaft" Strafantrag auf Grund des prcuhischen Ausnahme- . ftrafgesetzeS gegen Gejurde und. ländliche Arbeiter vom 24. April' 1854 gestellt, weil et sich harwSckig geweigert siatte, nach dem fehl des Gutsadministrators ein blessiertes Pserd cinznkpannen. DaS Tier siatte auf dem Rücken eine durchgescheuerte Stelle, die teilweis vereitert war.— Vor der Strafkammer in Stargard i. P. machte der Beschuldigte geltend, er habe sich keiner Tierquälerei schuldig machen wollen und nur deshalb die Befolgung des Be- fehls vecioeigert. Die ganze Wundfläche sei vereitert gewesen. Ter Gutsinspektor bekundete als Zeuge, es habe sich um eine faustgrosic Fleischwunde gehandelt, die„nur" sehr wenig Eiter zeigte— es sei eine durchgescheuerte Stelle gewesen, wie sie in der Saison ländliche Arbeitspferde öfters hätten, ohne deshalb gleich auster Dienst gestellt zu werden. Bei der Weiterarbeit würden solche Wunden durch ein feuchtes Säckchen gekühlt und geschützt. Ein anderer Knecht hatte das Tier auch noch mehrere Tage zur ländlichen Arbeit benutzt, allerdings nicht hintereinander. Als Gutachter erklärte ein Tierarzt auf Grund der Zeugenaussagen, dast eine Wunde, wie die Zeugen sie schilderten, das Pferd nicht zur Arbeit unfähig machte. Daraufhin wurde dann Ladwig vom Landgericht Stargard wegen hartnäckigem Ungehorsams und Wider- spenstigkcit gegen die Befehle der Dienstherrschast auf Grund des genannten Gesetzes zu einer Geldstrafe verurteilt.-- Der erste Strafsenat des Kammergerichts hob das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Es sei zwar festgestellt, daß das Pferd noch ar- bellen konnte. Indessen habe cS das Landgericht zu Unrecht ver- absäumt, das subjektive Verschulden des Angeklagten nachzuprüfen. Es komme darauf an, ob Angeklagter glauben mutzte, es werde ihm eine strafbare Handlung, nämlich die der Tierquälerei, zu- tzcniutet. Nach der Gcsindeordnung hätte er eine solche Zumutung ja nicht befolgen brauchen. Bei der neuen Verhandlung sei zu prüfen, ob ein subjektives Verschulden vorliege.— Es hat also das Kammergericht noch nicht ohne weiteres freigesprochen, sondern verlangt erst in gequält klingenden Gründen eine nochmalige Untersuchung, ob das Einschirren eines mit einer eiternden Wunde behafteten Pferdes, das„noch arbeitsfähig" ist, eine boshafte Ouälung oder eine rohe Mitzhandlung darstellt und ob Angeklagter entgegen Roheitsanschauungen, wie sie in Kreisen von Junkern herrschen mögen, annehmen mutzte, eine Tierquälerei werde ihm zugemutet. Gleichviel, ob die dem Knecht zugemutete Handlung strafbar war, enthielt sie eine Verletzung des menschlichen Gefühls lcbens, das sich auch im Mitgefühl für Tiere äutzert. Ein Gesetz. daS zu einer solchen Verletzung zwingt, ist eine Ungeheuerlichkeit. Wundern würde es uns nicht, lvcnn die Herren, die dem Knecht die rohe Behandlung des Pferdes zumuteten, Mitglieder eines Tierschutzvereins sind._ Ein Fliegenstich ein Betriebsunfall? Der Tischler Schenderlein hatte sich während der Mittagspause 'N der Leimkammcr einer Fabrik in Gera, in der er beschäftigt war, schlafen gelegt. Während des Schlafs stach ihn eine Fliege, die lvahrscheinlich auf dem Leim giftige Stoffe eingesogen und diese durch den Stich auf den Tischler übertragen hatte. Schenderlein starb an den Folgen des Stichs. Die Norddeutsche Holzberufs genossenschaft lehnte den Rentenanspruch der Witwe ab, da kein Betriebsunfall vorliege. Das Schirdsgericht für Arbeiterversiche rung in Gera entschied in seiner letzten Sitzung aber zugunsten der Witwe, da anzunehmen sei, datz auf dem Leim— also in der Be- tricbsstälte— sich giftige Pilze gebildet hatten und auf den Ver storbenen durch die Fliege übertragen seien. Mithin lag eine gegen die Gefahr eines giftigen Stichs autzerhalb des Betriebs erhöhte, durch die Eigenartigkeit des Betriebs verursachte Gefahr vor. Diese Entscheidung des Geraer Schiedsgerichts vertritt denselben Stand- Punkt, den früher ständig das Reichsversicherungsamt— dem Gesetz entsprechend— einnahm, den cS aber seit etwa 1S97 in mehreren Entscheidungen leider verlassen hat. .ilt Berltit durch einen Vortrag über das gleiche Thema von, weigerten sich die Unternehmer, das kleinste Zugeständnis zumache«. der schweißtreibenden Mühe der professionsmäßigen Scharf- � 4— macherei würdig erholen. Trotz der Brutalisierung durch die Arbeitgeber beschlossen die Arbeiter doch die Anrufung des Gewerbegerichtes als Einigungsamt. Wieder lehnten sozialliberale.„Herrn im Hause" brüsk jede Verhandlung ab. Um ihrem übernlütigen Tertorismus vollends die Krone aufzusetzen, beabsichtigen die Holzherren, wie gerüchtweise verlautet, die Arbeiter wegen des Festhaltens an der Orga- nisation sogar noch auszusperren. M ü n st e r b e r g aber hofft, auch im Jahre 19l)8 mit Hülfe der Arbeiter wieder in den Landtag zu kommen. GcwerhrchaftUcbce# Sozial-liberal! Man schreibt uns aus D a n z i g: Der Streik der Weichsel-Holzarbeiter in D a n z i g wird �tm den rund 1000 Ausständigen mit seltener Einmütigkeit geführt. Sämtliche Arbeiter haben die Arbeit am 28. Oktober niedergelegt: ein Entschluß, der ihnen angesichts der wenig zahlreichen Arbeitsplätze und des noch recht Patriarchalischen Arbeitsverhältnisses um so höher anzurechnen ist. Deshalb ist er auch zugleich der beste Beweis dafür, wie verbesseruugsnötig die Verhältnisse geworden sind. Sic forden, hauptsächlich 4,80 M. Tagelohn und einen festen Akkordtarif. Die direkten Wasserarbeiter erhielten bisher den Höchstlohn von 4 M. Die Platz- und Sägemühlenarbeiter wurden dafür mit Stunden- löhnen von 27, 30 und nur selten 38 Pf. und einigen Holz- abfallen bei oft 12- bis 13stiindiger Arbeitszeit abgespeist. Dabei ist die Arbeit nicht nur durchweg schwer und gesund- heitsschädlich, sondern auch vorwiegend Saisonarbeit. Nachdem die Wasierarbeitcr im Jahre 1900 durch einen spontan ohne Organisation entstandenen Streik eine Lohnverbesserung erhalten, schlössen sie sich neuerdings dem Hafenarbeiterverbande an. Die Holzkaufleute suchten nun die Arbeiter dadurch uneinig zu machen, daß sie im Frühjahr 1907 nur der bevorzugten Gruppe der Wasser- arbeiter den Lohn auf 4 M. erhöhten, aber schon damals— die Herren sind nämlich durchweg„sozialliberal" bis auf die Knochen— jede Verhandlung mit der Organisation ver- weigerten. Dieser Trick der Unternehmer blieb aber erfolglos: die übergroße Mehrzahl, zirka 96 Prozent der Holzarbeiter, schloß sich der Organisation, dem Hafcnarbeiterverbande an. Durch diesen ließen sie den selbstverständlich organisierten Holzkanfleutcn ihre Forderung zugehen. Die freisinnigen Herren gaben — überhaupt keine Antwort. Erbittert durch diese schnöde Brüskicrung beschlossen darauf die Arbeiter am 27. Oktober, entgegen dem dringenden Rat der Organisationsleitung, in ge- heimer Abstimmung einmütig den Ausstand. Die Unternehmer setzten darauf durch eine am 2. November in der Lokal- presse veröffentlichten„Erklärung" ihrem Verhalten die Krone auf. Sie bestätigten in der Erklärung selbst, datz samt- l i ch e Arbeiter streikten, behaupten dann aber ungeniert, sie hätten nur deshalb nicht mit der Organisation verhandeln können, weil die große Mehrheit der— Arbeiter diese nicht als ihre Ver- tretung anerkennt! Natürlich fehlt in diesem famosen für freisinnige Unternehmermoral geradezu klassischen Machwerk auch nicht die hier mehr als frivole Behauptung, daß die Majorität der Streikenden nur dem Zwange folgt. An der Spitze der Holzmillionäre steht kein anderer als der freisinnige Landtagsabgeordnete Münsterberg, der sogar im Hauptvorstande der Freisinnigen Vereinigung sitzt! Mit Stolz nennt dieser Mann sich sozialliberal und arbeiter- freundlich und ist t h e o r e t i s ch ein so eingefleischter Freund dcö Koalitionsrechtes, daß er in einem Vortrage bei den Hirsch-Dunckcrschen sogar das parlamentarische Arbeitsvcr- hältnis auf der Grundlage der Vereinbarungen der Organi- sationen der Arbeiter und Arbeitgeber als notwendig er- klärte. Seine besondere soziale Warmherzigkeit betätigt der Herr speziell durch jährlich im preußischen Landtage wieder- holte Reden zum Schutz der Prostituierten gegen die Polizei- Willkür, in denen er auch das soziale Moment nicht zu betonen vergißt. In den nächsten Tagen wird er sich auch ßcrUn und Umgegend. Arbeitslosigkeit im Bildhauerbcruf. Im September d. I. brachte das„Berliner Tageblatt" einen Artikel aus der Feder des Herrn Dr. P. Jessen, Direktor der Unterrichtsanstalt am hiesigen Kunstgewerbemuseum. Ter Artikel war bestimmt, jungen Leuten, die Neigung und Fähigkeit für kunstgewerbliche Arbeiten haben, einige Berufe anzugeben, in denen sie diese Fähigkeit lohnend verwenden könnten. Als einen solchen Beruf, der jungen Leuten aus dem Mittelstande und den besser situierten Kreisen Aussicht auf eine gute Existenz biete, nannte Direktor Jessen auch die Antragcbranche der Bildhauer. jUnter Antragearbeit versteht man das Modellieren von Orna- menten, Figuren usw. an Fassaden, Decken und Wänden.) Herr Jessen empfahl den jungen Leuten, welche sich diesem Berufe widmen wollen, bei Meistern der Branche in die Lehre zu gehen.— Eine andere Ansicht wie Dr. Jessen haben die in der Antrage- brauche beschäftigten Bildhanergehülfen. Um diese abweichende Ansicht zum Ausdruck zu bringen, hatte der Zentralverein der Bildhauer am Donners. ag eine öffentliche Versammlung ein- berufen und auch den Direktor Dr. Jessen dazu eingeladen. Gleichzeitig mit der Einladung ist Herrn Jessen eine statistische Aufstellung über die ungewöhnlich große Arbeitslosigkeit in der Antragebranchc zugestellt worden. Herr Jessen war nicht zur Versammlung gekommen, er hatte aber die Einladung mit einem Schreiben beantwortet, worin er unter anderem sagt, er habe aus der zugesandten Aufstellung mit Bedauern ersehen, daß die Arbeitslosigkeit in der Antragebranche größer ist, als er nach seinen sonstigen Informationen annehmen mutzte. Hätte er früher von dem Umfange der Arbeitslosigkeit Kenntnis gehabt, dann würde er den Beruf nicht als einen für junge Leute aussichtsreichen empfohlen haben. D u p o n t, der in der Versammlung referierte, führte an der Hand eines reichen Zahlen- und Tatsachenmaterials den Nach- weis, datz die im„Berliner Tageblatt" veröffentlichten Ansichten des Herrn Jessen, soweit ste die Antragebranche betreffen, auf völliger Unkenntnis der Verhältnisse beruhen und wohl nur auf einseitiger Information aus Unternehmerkreisen beruhen, die sehr wohl wissen, weshalb ihnen ein Zustrom von Lehrlingen er- wünscht ist. Der Zentralverein für Bildhauer wolle den Beruf keineswegs für Autzenstehende absperren; er halte es aber für not- wendig, einer Irreführung der Oeffcntlichkeit entgegenzutreten. Die Arbeitslosigkeit unter den Bildhauern sei selbst während der Zeit der Hochkonjunktur eine sehr große gewesen. Nach den Er- gebnissen der Reichsstatistik sei die Arbeitslosigkeit unter den Bildhauern in den Jahren 19l>4— 1906 slb— 8mal so groß gewesen als in allen anderen Berufen. Während von den Bildhauern durchschnittlich jeder zweite Mann arbeitslos war, traf die Arbeitslosigkeit in den anderen Be- rufen erst jeden vierzehnten Mann. Im dritten Quartal 1907 kämen aus 100 Bildhauer 50,3 Arbeitslose, auf 100 Angehörige der übrigen Berufe aber nur 15 Arbeitslose. Die Dauer der Arbeitslosigkeit während des lausenden Jahres betrage bei den Bildhauern in vielen Fällen 20, 30, 40, ja vereinzelt sogar 45, auch 50 Wochen. Ein Beruf mit so großer, keineswegs nur vorübergehender Arbeitslosigkeit könne gewiß nicht als Grundlage einer guten Existenz angesehen werden. Eigentümlich müsse cs berühren, daß Direktor Jessen tsie Lehre beim Meister empfiehlt, während doch andere hervorragende Vertreter des Kunstgewerbes die Ausbildung in Handwerker- und Kunstgewerbe. schulen für die beste Art der Berufsbildung halten. Tatsächlich seien die Verhältnisse derart, daß die Lehrlinge beim leinmeister keine genügende Ausbildung er- halten. Dem Kleinmeister gelte der Lehrling nur als billige Arbeitskraft, er werde ausgebeutet, aber nicht ausgebildet. Das treffe besonders für die Bildhauer zu. und namcnt- lich für die hier in Rede stehende Stuckbranche. Hier kamen im Jahre 1904 auf 100 Gehülfen 28 Lehrlinge und im Jahre 1907 wurden sogar 40 Lehrlinge auf 100 Gehülfen festgestellt. 92 Firmen beschäftigten zusammen 250 Gehülfen und 98 Lehrlinge.— Die ausgedehnte Arbeitslosigkeit, die große Zahl der Lehrlinge zeigen, daß der Beruf keineswegs geeignet sei, jungen Leuten a»s besser situierten Kreisen eine gute Existenz zu gewähren. Die� Lage der Bildhauer wurde auch dadurch gedrückt, daß Lehrer an öfsent- lichen Kunstgclverbeschulen Privatarbeiten übernehmen, die�sie von ihren Schülern zu nicht tarifmäßigen Löhnen ausführen lassen. Solcher Fälle führte der Referent eine erhebliche Zahl an. Die Veitsammlung endete mit der einstimmigen Annahme der nachstehenden Resolution: „Die versammelten Modelleure und Bildhauergehülfen ver- urteilen das, was der Direktor des hiesigen königlichen Kunst- gewerbcmuseums, Herr Dr. P. Jessen, im„Berliner Tage- blatt" im September d. I. publiziert bat: daß ein Bedarf an tüchtigen Stnckbildhauern für?lntragearbeiten vorbanden sei und daß sich Söhne aus dem Mittelstände und besser situierten Kreisen diesem Erwerbszweig zuwenden sollten.— Es ist das auf völlige Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse der An- tragebranche zurückzuführen. Nickt nur. daß seit geraumer Zeit die Arbeitslosigkeit im ganzen bedeutend zugenommen, was aus der vor kurzem vor- genommenen Umfraae bervorgebt l„Bildbauer-Zeitung" Nr. 45), auch die tüchtigsten Kräfte, die übrigens bisber noch immer aus- gereicht haben für die fertigzustellenden Arbeiten, haben dar- unter zu leiden. Die Versammelten nehmen Kenntnis von dem schriftlichen Bedauern des Herrn Jessen, nicht genügend informiert ge- Wesen zu sein. Sie verurteilen ferner da? Einstellen immer neuer Lebr- finge in einer Anzahl hiesiger Geschäfte, ohne daß den jnnqen Leuten oder deren Eltern Kenntnis aencben wird von den wahren Zuständen der kunstaewcrblichen Bildhauerei. Die Handwerkskammer sowie die Gewerbedeputation deS Magistrats sind aufmerksam zu machen auf dieienigen Geschäfte, in denen die jungen Leute keine Aussicht auf Erlernen des Be- rufs baben, sondern weiter nichts sind als Ansbeutunasobjektc. An die gesamte Kollcgenscbast unseres Berufes richtet die Versammlung den drinaenden Appell, sich der Organisation zur Wahrung ihrer Interessen, dem Zeniralverein der Bikdbauer Deutschlands, anzuschließen, denn nur durch geeintes, geschlossenes Zusammenwirken in der Oraanisaiion ist dcn zutage getretenen Uebelständen entgegenzuwirken." Deutsches Kelch. Wehe den Besiegten! Der Bauarbeiterausstand in Krefeld ist nach sechzehnwöchiger Dauer beendet und zwar mit einer Niederlage der Arbeiter. Wohl selten ist bei einem Streik mit einer solchen Hartnäckigkeit gekämpft worden. Obwohl die Forderungen der Arbeiter, 9'/., ständige Arbeitszeit, 60 Pf. Stundenlohn für Manner und 50 Pf. für Bau- hülfsarbeiter, für Krefelder Verhältnisse minimal zu nennen waren. Jeder Vcrgleichsversuch wurde protzig zurückgewiesen und als der Vorsitzende der Sozialen Kommission, ein besoldeter Beigeordneter der Stadt Krefeld, bor einigen Wochen versuchte eine Einigung herbei- zuführen, mußte er sich noch Anrernpelmigen von feiten der Unter« nehmer in der bürgerlichen Presse gefallen lassen. Die Arbeiter halten vorläufig auf eine Verkürzung der Arbeitszeit verzichtet, doch wurde eine bedingungslose Aufnahme der Arbeil gefordert. Die Unternehmer ließen es sich große Summen kosten, Streik- brecher heraiizuziehen. und da ihnen dieses in der letzten Zeit auch gelang, beschlossen die Arbeiter, den Streik abzubrechen und die Arbeit bedingungslos aufzunehmen. Doch jetzt weigern sich die Uiiternchmer. die Streikenden einzustellen, bevor wollen sie in ihrer Lrgamsalion die Bedingungen für die Besiegten festsetzen. Sie be- obsiciitigen wahrscheinlich, den Arbeiter» einen langfristigen Vertrag vorzulegen, doch werden sich dieselben ihre Lebenslage nicht ver- scblechtern lassen, sondern dann in das westfälische Industriegebiet abwandern, soweit dieses noch nickit geschehen ist. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Ausland. Der AiiSswitd der Wiener OmnibuS-Angcstelltcn ist beendet, nachdem ihnen von der Diretlion einige Zugeständnisse gemacht wurden. Der Verlehr ist heute morgen wieder ausgenommen worden. Der Norwegische Maurervrrband feierte am 4. November das 25 jährige Jubiläum seines Bestehens. Es war im Jabre 1882, als die„Maurerunion" gegründet wurde, aus der sich 10 Jahre später der jetzt bestehende Verband entwickelt hat. Der erste Streik norivegischer Maurer fand jedoch schon im Jahre 1833 statt. Zu jener Zeit wurden alle größeren und feineren Bauten von deutschen Maurergesellen aufgeführt, die im Früh- jähr kamen und im Herbst wieder abreisten. Die norwegischen Maurergesellen Kalten als weniger tüchtige Leute und wurde» dem- gemäß schlechter tiezahlt als die deutschen. In jenem Jahre hatten sie sich in Kristimiia unter dem Deckmantel einer Krankeukasse einen Streilfonds verschafft und ganz im geheimen ihre» Streik vor» bereitet, mit dem sie erst begänne», als sie die Konkurrenz der deutschen Gesellen nicht mehr zu fürchten hatten. Sie verlangten Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit, die damals von morgens 6 bis abends 9 Uhr dauerte. Nachdem sie drei Wochen gestreikt hatten, versuchte die Polizei auf Veraulassung der Meister, sie zur Arbeit zu zwingen. Der Vorstand erhielt Befehl, vor den» Polizeimeister zu erscheinen. Die Gesellen aber beschlossen, allesamt mitzugehen, und die ungefähr 100 Mann marschierten dann auch nach dem Ralhause. Der Polizeimeister war erschreckt, verlas das Ausruhrgesetz, aber die Gesellen ließen sich uicht eiiischüchter«. Er ernannte dann eine Art Schiedsgericht, und dies entschied zugunsten der Gesellen, die ihre Lohnerhöhung und Verkürzung ihrer täglichen Arbeitszeit um zwei Stunden erhielten, wie sie-es verlangt hatten. Versammlungen. Die lebte Zahlstcllcnversammlung des ZimmcrrrverbandeS nahm die Abrechnung vom 3. Quartal 1907 entgegen. Nach der Ab- rechnung, die den Delegierten im Druck vorlag, bilanzieren die Einnahmen und Ausgaben der Zcntralkasse in der Summe von 20 538,60 M. Die Einnahmen der Lokalkasse betrugen 54 159,55 M., oie Ausgaben derselben 21 180,92 M. Zu den Ouartalseinnahmcn kommt der Bestand vom 2. Quartal mit 88256,06 M., so daß die Gcsamteinnahme 162 954,21 M. betrug, der eine Gesamtausgabe von 41 719,52 M. gegenübersteht. Demnach beträgt das Vermögen der Zahlstelle jetzt 121 234,69 M. Hierauf wurden mehrere ver- maltungstechnischc Anträge erledigt. Des ferneren wurde der Be- schluß gesaßt, geunäß den Vorschlägen deS Ausschusses der Berliner Gelverkschaftskommission, die prozentual auf den Zimmercrverband entfallende Anzahl Billetts zur Treptower Sternwarte zu cnt- nehmen. Trebbin(Kreis Teltow). Die Bedeutung der Sozial- demokratie im Stadtparlament beleuchtete Genosse Hirsch« Charlottcnburg in einer am Donnerstag staltgefuudenen öffentlichen Wählerversammlnug. Das l'/zstündige Referat, in welchem Genosse Hirsch unter Berücksichligiing der örtlichen Verhältnisse auch die Ungerechtigkeit des DreiklassenwahlrechtS kennzeichnete, war eine instruk- tive Belehrung d« Versaiiimelteii von der Notwendigkeit dafür, daß auch die Sozialdemolrutie möglichst zahlreich im Stadtparlament vertreten sein mutz. Am Schlüsse seines Referates forderte er die Ver- sammelten ans, mit aller Energie für die Wahl der sozial« demokratischen Kandidaten zu agitieren. Stadtv. Genosse TrebuS gab hierauf in Kürze ein Bild von der Vetternwirtschaft im Stadt- Parlament und deloute, daß durch den Verzug der zwei sozial- demokratischen Vertreter er, weil ja nun allein, zur Einflußlofigkeit verurteilt sei. E6 sei deshalb unbedingt notwendig, daß die Sozial- demokratie wieder verstärkt würde. Als Kandidaten aufgestellt wurden die Geiiosicn Zimmerer Heinrich Schönsee, Lager- Halter Konrad Morgenroth und Zigarrenfabrikant Paul Hübsch._ Letzte JVaebnebten und Dcpcfcbcn, Ungetreuer Beamter. Essen a. R., 8. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".� In Hagen wurde heute der städtische Vollziehungsbeamte M ul, Haupt wegen Unterschlagung amtlicher Gelder im Betrage von 5000 M. verhaftet. Auch der Borgänger des ungetreuen Beamten verlor seinen Posten wegen desselben Vergehens. Erfroren. Gleiwib, 8. November.(B. H.) AI» Opfer der Kälte wurde der Maurer Milotto von der Eintrachthütte heute morgen er, froren tot aufgefunden._ Im Zeichen der Krise. Wien, 8. November.(W. T. B.) Die Exportfirma für Landesprodukte P i c r r e A l i o t t i in S m y r n a hat die Zah- lungen eingestellt. Tie Passiven betragen ungefähr 1200 000 Frank. Rom, 8. November.(W. T. B.) Die offizielle Diskontrate wurde von 5 auf 6% Prozent erhöht. Petersburg, 8. November.(W. T. B.) Die russische Staats- bank hat den Diskont kür Wechsel bis neun Monate von 8)� auf 9 Prozent erhöht. Ueberschwemmung. Toulon, 8. NoNember.(B. H.) Neue heftige Regengüsse haben große Verheerungen angerichtet. Aus allen Teilen der Umgebung kommen Berichte über ungeheueren durch das Wasser verursachten Schaden. Das ganze Küstengebiet ist verheert. Die Bevölkerung ist von großer Panik ergriffen. Schwindelhafte Bankoperationen. New D-rk, 8. November.(W. T. B.) Wie daS Wallstreet Fiuanzbureau nuTdct. hat der Kontrolleur des Geldumlaufes. Ridgely, die Rachaicht bestätigt, daß gegen die New Dorker National» banken Nntersuchungeu im Gange sind wegen strafbarer Handlongev verschiedener Finamzleute. w.*,»»w-wyi w umaj ijmi&QtugUct» sUt. muuum»' gt*»uuicn, o itutc,__ �.__~ � Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: MTGlocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts BuKdr. u. Verlag sanstalt WaulSingerchCo.,B>erlin SVVTHirrz« 3 Beilagen u.Uaterhaltmrgstlatt Dr. 263. 24. Aahrgang. t. Ktil»l>e Ks Jttiiiiirlo" Knlim ilollisliliilt. 5onn«bt«d.S. Nsomter(907. Der Boykott gegen fandorf und das Warenhaus des Veltens. Ei« Polizeistück. Der Polizeikampf für Jandorf nimmt seinen Fort- gang. Zwar hat die Ziffer der Verhaftungen absolut ab- genommen. Das ist aber keine Folge der polizeilichen Zurück- Haltung, sondern der größeren Vorsicht der Zettelverteiler. Besonders scharf sieht offenbar auf die Verhinderung der Flugblattverbreitung der Vorstand des Polizei- reviers Nr. 40 in der Kommandantenstraße, ein Revier, in dem man an jeder Straßenecke unbehindert die kleinen Zettel mit der Aufforderung zum Besuch der„Lustigen Wirtin", des„Verborgenen Veilchen" und anderer Lokale mit dem ominösen„zweiten Eingang vom Flur" in die Hand ge- steckt bekommt. Der Herr Pölizeileutnant dieses Reviers brachte vor- gestern höchst selbst eine Frau, die Boykottzettel verbreitete, zur Strecke und verschaffte ihr auch aus eigener Macht- Vollkommenheit die ihr nach seiner Ansicht gebührende Strafe! Das kam so! Der Inspektor Kuck der Filiale Spittelmarkt der Firma I a n d o r f bemerkte, wie in der Beuthstraße eine Frau nach seiner Meinung Boykottzettel verbreitete. Er ließ sie durch einen Schutzmann verhaften, der sie nach der Wache in der xtommandantenstraße brachte. Dort erklärte die Frau, eine Maurersfrau aus Weißcnsec, sie habe nur einen Zettel gc° habt, keine Zettel verbreitet, werde aber jetzt— nach ihrer Entlassung— sich solche besorgen und sie verbreiten. Da die Frau sich durch einen Steuerzettel legittmiercn konnte, wurde sie entlassen. Sie machte nun wahr, was sie auf der Wache erklärt hatte, besorgte sich in der Tat Boykottzettel und verbreitete diese in der Wallstraße. Dort verhastete sie der Herr Polizei- lcutnant, den ein seltener Zufall hinter der Frau her geführt hatte, in eigener Person und übergab sie, die noch schnell ihre jettel fortwarf, in der Seydelsttaße einem ebenfalls zufällig .�herkommenden Schutzmann. Sie wurde nun das zweite Mal zur Wache gebracht und dort zunächst von einhalbsieben Uhr an eine Stunde lang festgehalten. „Jetzt werden Sie eingesperrt?" erklärte der Leutnant. „Dazu haben Sie kein Recht." sagte sehr richtig die Frau. welche die bei der ersten Verhaftung vorgewiesene Legittmatton noch bei sich hatte. „Das werde ich Ihnen zeigen!" erwiderte der Herr Leutnant. Und er zeigte es ihr l Um einhalb acht Uhr wurde sie auf Veranlassung des Polizcilcutnants durch einen Beaniten nach dem Polizei- Präsidium gebracht. Dort sperrte man sie in eine Zelle! Natürlich wußte im Polizeigefängnis kein Mensch, waS die Frau„verbrochen" hatte. Und da man doch nicht ver- muten konnte, daß eine ehrliche Arbeiterfrau ohne ausreichende Gründe ins Gefängnis gesteckt würde, behandelte man sie wie eine Diebin oder eine Prostituierte. Nach vollbrachter Nacht wurde die mtt den Einrichtungen des Gefängnisses völlig Unbekannte von der Aufseherin auf- gefordert, sich ihren Kaffee zu holen. Tie Frau zögerte. „Wollen Sie keinen Kaffee?" fragte die Aufseherin barsch, „Nein. Ich danke!" sagte die Verhaftete, der begreiflicher- weise der Appetit verging. „Dann trinkenSic wohl morgcnSSchnaps?" fragte höhnisch die Auffcherin! � Das war nicht alles. In Rcih und Glied mit einer Reihe Dirne» wurde die ihrer Freiheit widerrechtlich beraubte ehrliche Arbeiterstau vor den lliiterfuchungsrichtcr geführt. Vor ihrer Vernehmung mußte sie mit denselben gemein- sam in einem Räume verbringen. Dort erzählten sich die Proftitnierten. die sich als Stammgäste des Polizeipräsidiums anscheinend durchaus wohl fühlten, sich in ihrer Gegenwart jubelnd die schamlosesten Schweinigeleieo! Man fragte sie. ob sie ebenfalls unter Sitte st e h c, und als sie dies verneinte, wurden selb st die Dirnen nachdenklich und forschten, ob sie denn etwa früher einmal unter Sittenkontrolle gestanden habe.?luch das konnte sie zur Verwunderung ihrer eigenartigen Um- gebung vemeiuen. Endlich wurde sie— anerkennenswertenveise als die erste— vor den Richter geführt und so aus dieser Gefellschaft erlöst. Nun spielte sich alles sehr rasch ab. Wieder wies sie hier die schon auf der Polizei gezeigte Legitimation vor. Hier mit anderer Wirkung. Der Richter ordnete ihre so- fortige Entlassung an. Um einhalb zwölf Uhr mittags, nach etwa sechzehn- stündigem Aufenthalt konnte sie durch eine Hintertür das Polizeigesängnis Verlaffen!— Jedes Wort der Kritik würde den Eindruck dieser Schilderung verwischen. Wir sagen deshalb nur das Eine: Der Herr Vorsteher des 40. Polizeireviers wird es zu verantworten haben, daß er widerrechtlich die Festhaltung einer Frau befahl, die ihn ausdrücklich auf das Ungesetzliche seiner Handlungsweise verwies. *•• Der Boykott wirkt? Auch im Kaufhaus des Westens fängt der Boykott an zu wirken. Vielfach kehren die Schaffner nach dort mit den Waren zurück. Schon fristen eine Anzahl Automobile auf dem Hofe ein beschauliches Dasein. Eine Dame schickte Waren im Werte von 230 Mark zurück, weil nach der Meinung, die sie sich aus dem ihr übernnttelten Flugblatt geschaffen hatte, die Entlassenen„skandalös" behandelt worden seien. Auch niit den„Arbeitswilligen" macht man recht trübe Erfahrungen. Der Bohnermeister. der früher mit sechs Leuten arbeitete. kann jetzt den Fußboden mit der doppelten Zahl von Kräften nicht sauber erhalten. Mit der Ehrlichkeit mancher der„nützlichen Elemente" steht eS auch nicht besonders. Mehrere derselben nnißtcn lvegen Ver- wechselung von Mein und Dein entlassen werden. Einer der- selben, der ein Paar besohlter Stiefel fortbringen sollte, brachte sie nicht weiter als in seine eigene Wohmmg. Der Jandorf Boykott und daS Ausland! Wir erhalten folgende Zuschrift: Helsingfors, den 4. November 1907. Redaktion„Vorwärts", Berlin! Ich las mit ganz besonderem Interesse das Einhaltsverbot dee Firma Jandors u. Co.. alias Emden Söhne, alias Kaufhaus des Westens. Sic wollen gesl. diese Firma daraus aufmerksam machen, daß sie dieses Einhaltsverbot auch über das Meer senden muß, denn bereits bis bicr oben nach dem kalten Norden dringt der Ruf:„Kauft nicht bei Jandors!" Das mag bedeutungslos klingen, aber wenn man bedenkt, welch kauf- kräftiges Kontingent in Berlin weilende F i n n- I ä n d e r und Russen bilden, so dürfte Herrn Jandorf, dem Ritter des siamesischen Elefantcnordens, dies ä u ß e r st u n- angenehm sein. Ein russischer Genosse, der heute nach Peters- bürg fährt, will aus Grund meiner Mitteilungen in Petersburg einen Vortrag über„Jandors" halten und speziell die äußerst mini- male Entlohnung der weiblichen Angestellten beleuchten. Wagt doch Jandorf: Monatsgehälter von 45 R. zu zahlen? Daß da ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Prostitution nnd Warenhaus besteht, kann eventuell nachgewiesen werden. Mit Hochachtung ___ Dr. A. L. Statistische Lrhedungen über die Barte!- Organisation Groö-Bcrlins. Die im Juli 1906 beschlossene Statistik der Mitglieder deS Ver- bandcS der sozialdemokratischen Wahlvereine von Groß-Bcrlin. deren Fertigstellung durch die RcichStagSlvahl verzögert wurde, ist kürzlich erschienen. Sie stellt die Mitglieder nach Berussgruppen zusammen und vergleicht das Ergebnis mit den Mitgliederzahlen der einzelnen Gewerkschaften. Wir glauben, unseren Leiern zu dienen, wenn wir sie durch kurze Wiedergabe einzelner Talsachen aus dem Inhalt der Broschüre auf deren Wichtigkeit nachdrücklich hinweisen. Im 1. Wahlkreis haben sich von 6l4 Mitgliedern 618 an der Statistik beteiligt, d. i. 84,4 Proz. Davon waren gewerkschaftlich organisiert 386. unorganisiert 39. d. h. immerhin 19 Proz. der- jcnigen, die für eine gewerkschaftliche Organisation in Betracht kommen. Unter den Organisierten befanden sich 110 Schneider, 67 GastwirtSgehülstn, 39 Metallarbeiter, 30 Handlungsgehülfen, 24 Transportarbeiter. Bon den 518 befragten Genossen lesen nur 441 den„Vorwärts", 27 lesen keine Zeitung, und 29 haben hierüber keine Angabe gc- macht. Es sind aber auch 11 Leser der»Morgenpost"(!) und 3 des „Lokal-Anzeiger"(!) zu verzeichnen. Die Statistik enthält über die Dauer der Mitgliedschaft, das Alter der Mitglieder, den Beruf der Nichtorganisierten usw. noch weitere kehr interessante Angaben, die wir natürlich nicht alle hier abdrucken können. Wir gebe» nachstehend zmiächst die entsprechenden Zahlen für die anderen Wahlkreise. Der 2. Wahlkreis hatte(Ende Dezember 1906) 4827 Mitglieder, von denen 3728— 77,2 Proz. sich an der Zählung beteiligten. Gewerkschaftlich organisiert waren 3093, unorganisiert 240. Unter den Organisierten waren 610 Holzarbeiter, 561 Metallarbeiter. 338 Maurer, 200 Transportarbeiter, 197 Schneider, 195 Buchdrucker. Ueber ein Drittel aller Mitglieder gehört diesem Wahlverein erst seit einem Jahre an; genau drei Viertel sind in den letzten fünf Jahren beigetreten. Den„Vorwärts" lesen 3376 Genossen, die„Morgenpost"(!) 23, den„Lokal-Anzeiger"(!) 11, keine Zeitung 14, und 276 haben keine Angabe hierüber gemacht. Im 3. Wahlkreis beteiligten sich von 2350 Mitgliedern 1718 — 73,1 Proz. Davon waren gewerkschaftlich organisiert 1309, un- organisiert 193. Unter den Organisierten waren 294 Metallarbeiter, 274 Holzarbeiter, 129 Transportarbeiter. 91 Schneider. Den„Vor- wärts" lasen 1501 Genosse», die„Morgenpost"(!) 8, den„Lokal- Anzeiger"(!) 3. keine Zeitung 4, die Angabe fehlt bei 136. Im 4. Wahlkreis beteiligten sich von 13 834 Mitgliedern 11790 ---85,2 Proz. Gewerlschaftlich organisiert waren 9479, un- organisiert 944(!). Unter den Organisierten befanden sich 2640 Holzarbeiter, 197l Meiallarbeiter, 875 Maurer(dazu noch 1i4 lokalorganisierte), 727 Transportarbeiter, 239 Bauarbeiter, 248Zimmcrer, 193 Buchdrucker. 168 Maler. 133 Buchbinder. 166 Töpfer, 136 Sattler. 1l6 Schuhmacher, 109 Textilarbeiter, 102 städtische Arbeiter.— Den „Vorwärts" lasen 10 604 Gcnosien. die.Morgenpost"(!) 162. den „Lokal-Anzeiger"(!) 23. das„Deutsche Blatt'(!) 22. keine Zeitung 22. die Angabe fehlt bei 872. Im 5. Wahlkreis betrug dic� Mitgliederzahl 1761, davon beteiligten sich an der Zählung 1177— 66,8 Proz. Gewerkschaftlich organisiert waren 895, unorganisiert 117. Von den Organisierten waren 118 Metallarbeiicr. 110 Transportarbeiter, 94 Maurer. 88 Holz- arbeitcr, 83 Schneider.— Es lasen den„Vorwärts" 985, die „Morgenpost"(!) 21. den„Lokal-Anzeiger"(!) 10. keine Zeitung 16; die Angabe fehlt bei 130. Im 6. Wahlkreis waren 16 950 Mitglieder, 13 908 Teilnehmer an der Statistik=- 82,1 Proz. Davon gewerkschaftlich organisiert 11553, unorganisiert 868. Unter de» Organisierten waren 3253 Metallarbeiter(dazu noch 113 lokalorganisierte und 75 vom All gemeinen Metallarbeiter-Verband), 1364 Maurer(pluS 287 lokal- organisiette). 1352 Holzarbeiter, 891 Transportarbeiter. 463 Bau arbeiter, 256 Buchdnicker. 254 Töpfer. 240 Bäcker. 231 Fabrib arbeitcr. 243 Mater. 217 Zimmerer(plus 123 lokalorganisierte). 175 Lederarbeiter. 149 Schmiede. 132 Schneider. 131 Schuhmacher. — Den„Vorwärts" lasen 12 920 Genossen, die„Morgenpost"(!) 88, den.Lokal-Anzeiger"(!) 14. das„Deutsche Blatt"(!) 17, keine Zeitung 5; die Angabe fehlt bei 829. In Charlottenburg beteiligten sich von 3200 Mitgliedern 1769 55,3 Proz. Gewerkschaftlich organisiert waren 1461, un- organisiert 119. Unter den gewerkichaftlich Organisierten waren 345 Maurer, 284 Metallarbeiter, 131 Holzarbeiter.— Den„Vor- wättS" lasen 1530. die„Charlottenburger Neue Zeit" 6. die„Char- lottenburger Ztg." 1. die„Morgenposl" 22. den„Lokal-Anzeiger" 3. das„Deutsche Blatt" S. keine Zeitung 16. die Angabe fehlt bei 132. Hierzu bemerkt die Statistik(S. 72):„Die Zahl der Wahl- Vereinsmitglieder, die den„Vorwärts" nicht lesen, übersteigt hier wie auch iu Nixdorf den zehnte» Teil der an der Zählung heteiligte» Genossen; sie beträgt 239---- 13,5 Prozent, Gegnerische Blätter lasen 41 Genoffen oder 2,3 Prozent. Die 119 gewerkschaftlich nicht organisierten Geiiosie» stellen ein sehr starkes Kontingent zu diesen indifferenten Mitgliedern und überragen den Durchschnitt bedeutend. Sie liefern 46 oder 38,7 Proz. Nichtnbonnenlen des„Vorwärts" und nicht weniger als 15, das ist 12,0 Proz. Abonnenten gegnerischer Blätter." In Ripdorf beteiligten sich von 6065 Mitgliedern 5239 —86,4 Proz. Gewerkschaftlich organisiert waren 4338, unorganisiert 423. Von den Organisierten waren 1075 Metallarbeiter, 851 Holzarbeiter, 565 Maurer, 227 Transportarbeiter, 177 Bauarbeiter, 171 Buch- drucker, 121 Töpfer. 105 Maler.— Den„Vorwärts" lasen 4690 Mit- glicder, das„Rixdorfer Tageblatt" 44, die„Rixdorfer Zeitung" 6. die„Morgenpost" 41, den„Lokal-Anzeiger" 6, das„Deutsche Blatt" 12, keine Zeitung 76! die Angabe fehlt bei 343. Dazu wird bemerkt(S. 82— 83):„Hiernach sind nicht weniger als 546 Mitglieder des Wahlvereins, mehr als der zehnte Teil der gezählten Genossen, 11,4 Proz., nicht als Leser eines ParteiblatteS angegeben, 127 oder 2,4 Proz. lesen sogar gegnerische Zeitungen. Einen sehr starken Prozentsatz stellen hierzu die gewcrl- ichafttich nicht organisierten Mitglieder. Von diesen 423 Genossen sind 154 oder 36,4 Proz., bedeutend mehr als der dritte Teil, nichr als Leser einer Parteizeitung bezeichnet; nicht weniger als 39 oder 9,2 Proz., fast der zehnte Teil, lesen gegnerische Blätter!" In Schvneberg beteiligten sich von 2228 Mitgliedern 1684 — 75,6 Proz. Gewerkschaftlich organisiert waren 1416. unorganisiert 126. Von den Organisierten waren 410 Maurer, 151 Metallarbeiter, 146 Holzarbeiter, 97 Bauarbeiter.— Den„Vorwärts" lasen 1458 Gcnosien. die„Morgenpost" 30, das„Deutsche Blatt" 9, den„Lokal- Anzeiger" 2, daS„Schöneberger Tageblatt" 1, die Angabe fehlt bei 181. In den übrigen Teilen von Teltow-BeeSkow be- teiligten sich von 6884 Mitgliedern 4921=71,5 Proz. Gewerkschaftlich organisiert waren 4164, unorganisiert 460. Unter den Orga- nisierten waren 1250 Arbeiter, 802 Maurer, 362 Tischler, 258 Schlosser, 256 Zimmerer. Im Wahlkreis Nieder-Barnim beteiligten sich 6654 Genosieu. Davon waren gewerkschaftlich organisiert 5355, unorganisiert 706. Unter den Organisierten waren 1103 Metallarbeiter, 690 Maurer (plus 144 lokalorganisierte), 860 Holzarbeiter, 342 Bauarbeiter, 313 Fabrikarbeiter, 238 Töpfer. 209 Transportarbeiter, 166 Glas- arbeiter. 106 städtische Arbeiter, 133 Zimmerer(plus 64 lokal- organisierte).— Es lasen den„Vorwärts" oder andere Parteiblätter 5475 Mitglieder, die„Morgenpost" 157, das„Deutsche Blatt" 30. den„Lolal-Anzciger" 8, bürgerliche Blätter deS Kreises 28, keine Zeitung 20, die Angabe fehlt bei 920. Zum Gesamtergebnis sagt die Stattsti!(S. 134):„Mehr als der zehnte Teil der Genossen ist nicht Leser einer Partei- zeitung, 2.2 Proz. halten sogar direkt gegnerische Blätter. In erster Reihe kommt hier die„Morgenpost" in Betracht, die 569 Leser in Parteikreisen hat.... Weiterkommen noch die Berliner„Bolls- zeitung' mit 203, das„Deutsche Blatt" mit 129, der„Lokal- Anzeiger" mit 95 parteigenössischen Lesen: in Frage. Daß diese Leser zu einein sehr großen Teil ans gewerkschaftlich nicht organisierten Mitgliedern der Wahlvercine bestehen, ist bei der Be- trachtung einzelner Wahlkreise bereits hervorgehoben". Zum Schluß folgt eine Tabelle, welche zeigt, wieviele von den Mitgliedern der Gewerkschaften politisch organisiert sind. Leider geht die Durchschnittszahl sowohl bei den Zentral- wie bei den Lokal- organisationcn nicht über 16.5 Proz. hinaus. Wohl steigt sie bei einzelnen Berufen weit höher. So unter den Zentral- organisationcn bei den Dachdeckern auf 34,4 Proz., bei den Form- stechern aus 35.1 Proz., bei den Lagerhaltern ans 52,6 Proz., bei den Maurern aus 35,1 Proz., bei den Texttlarbeitern auf 39,1 Proz.. und unter den Lokal organisarionen bei den Glasen, aus 40,9 Proz.' bei den HauSdienenr auf 40,7 Proz., bei den Rohrern ans 33 Proz., bei den Zimmerern auf 31,9 Proz., bei den Zinngießern auf 55 Proz. Aber wirklich befriedigend ist sie nur bei den Glasarbeitern (Zentral) mit 80,5 Proz. Indes— der Durchschnitt ist doch eben nur 16,4 Proz. bei den Zentral- und 16,5 Proz. bei den Lokal- organiiattonen. Schon dieser kurze AuZzng, auf de» wir uns notgedrungen beschränken müssen, zeigt den Gcnosien. wie viel wertvolle Fingerzeige für die Agitation sie aus der Broschüre schöpfen können. Huö Induftrlc und Handel» Vom Eisenmarkt. lieber trostlose Verfassung des Stabeisenmarktes berichtet dts „Rh.-Wests. Ztg.": Viel schneller noch als befürchtet hat sich die Preisbewegung auf dem Stabeisenmarkle ihrem Tiefstand genähert. In der Kölner Sub- Mission von, 6. d. M. hat ein Händler Flußeisen zu 108,75 M. angeboten. in der Hannoverschen Berdingung Mite Oktober war es ein Dortmunder Händler, der zu dem damals noch ungewöhnlichen Preise von 119 M. angeboten hatte. Innerhalb drei Wochen hat sich also cm Preisfall von 11 M. aus die Tonne Stab- eisen vollzogen, und nachdem der Preis Anfang Oktober noch mit 132 M. angegeben wurde, berechnet sich dieser Sturz für fünf Wochen aus 24 M. Darin prägt sich die ganze Haltlosigkeit des Zustandes aus, den die gemischten Werke durch ihr Vorgehen auslchlicßlich hervorgerufen haben. Die Jagd nach Anfirägen kennt eben keine Grenzen, so daß Preise gar keine Rolle spielen. 108 M. bezeichneten lvir als denjenigen Preis, bei dem die Stahlwerke durchschnittlich noch verdienten, bei einigen wird daS Niveau auch noch etloas tiefer liegen, vielleicht 105 M.. darunter tvird dann aber bei den derzeitigen Selbstkosten auch bei den günstiger arbeitenden Werken von Verdienst keine Rede nichr sein können. Die Annahme, daß hinter den billigen SubmissivnS- angeboten gewisser HändlerWerke als Urhebe, zu suchen sind, dürfte nicht miziitreffend sein, zumal eS sich jedesmal um kleinere Händler» firmen handelt, die auf eigenes Risiko hin sich zu solche» Angeboten kaum versteigen würden, wenn sie nicht an irgend einein großen Werl eine Stütze fänden. Große Hniidlersirmen lassen sich wahrscheinlich nicht zu solchen Zwecken gebrauchen. Ist es also richlig, daß Werke hinter solchen Firmen versteckt, derartige Angebote abgebe», um selbst vielleicht zur Wahrung des Prestige einen höheren Preis bei der Submission zu fordern, so würde dadurch die ganze Skrupellosigkeit des Vorgehens genügend ckaralterisieri werden. Im Export wird Flußstabeiicn bereits unter Basis 100 M. sab. Seehafen mit Skonto angeboten. Bei dem großen ArbcitSbcdürsuis. das hier auch auf seilen der belgisckien Werte besteht, wird der Preis vermutlich noch weiter gedrückt werden. Kohlenversorgung deutscher Großstädte. Die Kohlenziifuhren nach 20 deutschen Großstädten haben sich für die ersten drei Quartale seit 1903 um rund 2 Millionen Tonne» vermehrt. Beinahe die Hälfte dieser Menge lieferte England. Englands Zufuhren steigerten sich gegen 1903 um 90 Proz,, während die Kohlenversendimgeil Vihcinländ-WestfaleuS und Schlesiens»ach dents-hen Großstädten in derselben Zeit nur um rund 17 Proz. gestiegen sind. Obwohl Großbritanniens Zufuhr an sich bedeutend niedriger ist als die Rheinland-Weftialens und Schlesiens, ist sie doch seit 1908 sogar abiolur stärker gestiegen. Noch ungünstiger wird das Bild für die deutschen Fördcrgebieie, wenn man nur die beiden letzten Jabre vergleicht. Dam, hat die rheinisch-westfälische Zufuhr etwas über 2 Proz. zu-, die schlesiiche gar um fast 20 Proz. abgenommen, die britische Zufuhr dagegen ist um nicht weniger als beinahe 30 Proz. gestiegen! Wie erfolgreich Großbritannien in den letzten Jahren im Wettbewerb um de» deutschen Kohlenmarkt ivar, geht daraus hervor, daß die Gesamtzufuhr zu 20 deutschen Großstädte» kn der nämlichen Zeit, in der die Zufuvr Grobbritanniens UNI SO Proz. gewachsen ist. insgesamt nur um M Proz. zugenommen hat. Die Kohlenversorgung deutscher Groszstädte hat sich in den letzten fünf Jahren ziemlich ungleichmäßig entiviclelt: nachdem von 1904 auf 1905 eine besonders kräftige Steigerung der Zufuhr eingetreten war. hat sich die Entwickelnng seitdem entschieden verlangsamt. 1005 nahm die Versorgung um 11, 1SV7 nur noch nm 7 bis 8 Proz. zu. In den für den Kohlenkonsum wichtigsten Grohsiädten betrug während der ersten drei Quartale die Kohleuzusuhr in Tonnen: 1904 2980 507 3 613 287 3985 936 1 123 683 1 070 355 740 903 Berlin... Leipzig... Köln... Dresden.. Frankfurt a. M. Altona... München.. Magdeburg. Barnten.. Königsberg 1 061 663 1082 461 743 905 564 576 179 671 526 600 442 683 344 235 187 010 530 395 425 830 547 090 466 288 368 546 240 609 1 349 410 1 181 651 793 707 683 306 42 l 787 530 804 509 619 388 862 807 846 1007 4 268 671 1 251 798 1 2)2471 871 548 724 970 658 351 688 204 610 967 443 476 266 058 der Betriebe Äa,,itaI Abgenommen hat die Zufuhr im laufende» Jahre bei Leipzig und bei Königsberg; bei beiden Städten ist sie ober immer noch umfangrcicher als 1905. Kräftig gestiegen ist die Bei sorgung von Altona. Dresden, München und Barmen; auch Berlin weist eine »letinenswerte Zunahme auf._ Spritdividende. Der AnfsichtSrat der Norddeutschen Spritwerke. Hamburg, beschloß in seiner heutigen Sitzung für das Geschäfts� jähr 1906/07 nach reichlichen Adschreibungen und erheblichen Ruch lagen die Verteilung kiner Dividende von 14 Proz. sgegen 10 Proz. 'm Borjahre) in Borschlag zu bringen. Insolvenz. Die Berliner Schuhfabrik Sallh Stein ist insolvent. ES werden 50 Proz. im Vergleichswege geboten. Die Passiven be tragen 113 800 M. und die Aktiven 37 300 M. Di» Textilindustrie I» den Bereinigten Staaten. Die soeben er- schienenen Berichte deS CensuS of ManufacturcS für 1905 geben in mehreren Tabellen eine Anschauung von der Entwickelung der aineri- kcunschen Textilindustrie. Danach betrug: investierte« Wert der Wert der verarbeiteten hergestellten Rohstoffe Erzeugniffe Skill. Mark Mill. Mark Mill. Mark 1850... 3025 472 322 541 1860... 3027 635 470 900 1870... 4790 1 250 1 485 2 210 1380... 4018 1 735 1 275 2 240 1890... 4 276 3 225 1 882 3 190 1900... 4312 4 380 2 200 3 920 1905... 4563 5 650 3135 5100 Die Zahl der industriellen Botriebe ist feit 55 fahren um die Halste gestiegen, daS investierte Kapital aber hat sich tu der gleichen Zeit vcrzwölffacht, ein Beweis de« siegreichen Fortschrittes deS Großbetriebes. Der Wert der verarbeiteten Rohstoffe hat sich wie auch der der hergestellte» Erzeugnisse fast verzehnfacht. DaS in- vestierte Kapital ist stärker gewachsen als der Wert der verarbeiteten Rohstoffe und der Produkte. Seit 1900 ist die Zahl der Betriebe um 251 gestiegen. Den »oeseutlichsten Anteil nimmt daran die Baumwollenindustrie im Süden der Bereinigten Staaten. In der Wollwarenindustrie ist dagegen eine starke Abnahme der Zahl der Betriebe zu beobachten, doch ist diese Abnahme teilweise nur scheinbar. Sonst zeigt die Verteilung der Industrie über das Land keine Tendenz zu wechseln. Der Sitz der Textilindustrie ist vornehmlich die atlantische Seite der Union. Die Baumwollenindustrie sitzt größtenteils im südlichen Neu-England und in den Staaten Pcnnsylvanien, den beiden Carolina und Georgia, die Wolleniiidnstrie im südlichen Neu-England, New gork und Pemisylvanien, die Seidenindustrie in Pennsylvanien, New Verseli, New Jork und Conneclicut. Auch über die gezahlten Gehälter und Löhne gibt der Bericht Aufschluß. Gehälter Durchschnitts- Löhne Millionen Wl zahl Millionen M. — 140 877— — 194 082 170 — 274 943 864 — 384 251 440 52.7 517 237 710 93,0 661 451 880 136,6 739 23V 1050 Die in der nordamerikanischen Textilindustrie beschäftigten Arbeiter, Arbeiterinnen und Kinder bilden eine Riesenarmee von fast% Millionen Menschen, mit Einschluß der Angestellten, In genienre und Leiter sogar weit über s/4 Millionen. Ihre Zahl hat sich seit 1850 verfünffacht, ihre Lohnsumnie vielleicht etwas mehr als verachtfacht. Vergleicht man damit die erhöhte Leistungsfähigkeit der Gesamtbetriebe— der Wert der hergestellten Produkte hat sich fast verzehnfacht— und zieht dabei die noch größere Steigerung des investierten Kapitals in Betracht, so kommt man zu dem Er- gebnis, daß die Leistung der Arbeiter durch die Arbeitsteilung und die Arbeit an den Spezialmaschiiien bedeutend gestiegen ist. Wie die.Franks. Ztg." jetzt meldet, haben die Baumwoll- spinner in, Süden ihre Produktion um 33 Proz. eingeschränkt. Die Baumwollzengfabrik North Pownall in Burlington-Vermont ist insolvent, desgleichen die Gorman Company, ein großes Waren hauö auf Rhode-Jsland. Zahlungseinstellung. Die Seidenfirma Luigi Lasfie in Mailand hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Aktiven betragen 100 OOO Lire. die Passiven 770 000 Lire.______ Mus der Frauenbewegung. Menschen, die den Pfad verloren.") Die Polizeiassisteirtin von Stuttgart, Schwester Henriette Avendt, hat vor kurzem in einer Reihe von Städten Vorträge über die Erfahrunacn ihrer jetzt nahezu fünf Jahre umfassenden Wirk- samkeit gehalten. Oder nein! Vorträge waren das nickä. In ziemlich monotoner Weise und ohne rednerisches Geschick und Können wurde eine Reihe von Tätsachen vorgelesen. Schwester Avendt hat trotzdem alle, die sie hörten, in ihren Bann gezwungen, hat sie aufs tiefste ergriffen und aufs höchste erregt. Denn hinter ihren schlichten Ausführungen reckte sich das Gigantenhaupt der gesellschaftlichen Lüge und der Gcsellschafts- schuld empor. Wuchtiger war noch �nie eine Anklage, als die hier von einer beamteten Frau gegen Staat und Gesellschaft erhoben lvurdc, und gegen ein System, das die Menschen zuerst zu Ber- blechern macht, um dann ihr Verbrechen an ihnen zu strafen. In den ersten vier Jahren ihrer Tätigkeit hat Schwester Avendt im ganzen 4386 weibliche Eingelieferte in Behandlung gehabt. Frei- willig meldeten sich 258 Mädchen mit der Bitte um Fürsorge. Nichts ist. meine ich, bezeichnender für die Art, wie die Polizeiassistentin ihr Amt auffaßte und ausübte, als diese freiwilligen Meldungen. Das ist nicht mehr die in Schema F erstarrte burcauiratische Maschine, das ist ein ehrlich empfindender und warm fühlender Mensch, dem nichts Menschliches fremd ist und dem auch der Ver- irrte und Entgleiste nicht ein Gegenstand der Verachtung oder scheinheiliger Barmherzigkeit, sondern teilnahmebcdürftig und teil- nahmewürdig ist. Und der den Gründen all dieser traurigen Eni- ccrtung nachspürt. Was Schwester Avendt bei dieser ihrer Prüfung findet, ist nicht neu. Gut ist es aber, daß cS einmal von solcher Seite ge- sagt wird. 'X Stuttgart, Max Kielmann. 1850 1860 1870 1880 1890 1900 1905 Zahl 10 637 16 822 24116 � Da sind die Prostituierten, die aus Leichtsinn und Per- anügungSsucht Schiffbruch litten. Da sind die. die ohne besonders leichtsinnig zu sein, in unglückliche Verhältnisse gerieten, aus denen sie sich nicht wieder emporarbeiten konnten. Zu dieser zweiten Gruppe gehören auch die logeuanntei»„Gefallenen", die armen Unglücklichen, die ihrer Liebe und Vertrauensseligkeit zum Opfer fielen und die die beutige Gesellschaft in den Sumpf stößt und für die sie im günstigsten Falle Barmherzigkeit, niemals aber die G«- rechtigkeit bereit hält, auf die niemand einen besseren Anspruch hätte. Die dritte Gruppe, nach Schwester Avendt die Hauptgruppe, rekrutiert sich aus erblich belasteten Elementen. Daß die Rcfe- rcntin jener Zahlreichen nicht als Gruppe gedenkt, die aus Arbeits- losigkeit, uligcliügendem Verdienst usw. auf dem Umweg über daS Verhältnis und die gelegentliche Prostitution zur eigentlichen Prostitution kommen, mag zum Teil wohl daher komiiien, daß ihre Expertinnen nur selten selbst ganz klar über die ersten ver- ursachenden Momente und die Verknüpsungsformen ihres sozialen Niederganges sind. Und die Mitschuldigen der Prostitution? Ter Mensch, der als unantastbarer Ehreiimaiin weiterlebt, dicwcil sein Opfer wegen KindesmordeS ins Zuchthaus oder wegen Heruintr-ibens auf dir Polizeistation und ins Gefängnis wandert! Die Gnädige, die das Dienstmädchen mit Schimpf und Schande davonjagt, weil der Hausherr die Zeit ihrer Abwesenheit dazu benutzte, die Siebzehn. jährige zu verführen. Die Dienstherrschast. die um kleines Ver- schulden die Angestellte zur Anzeige bringt oder großmütig auf die Straße setzt.„So sieht in_Wahrheit heute vielfach das moderne Christentum aus", bemerkt>«chlvest«r Avendt. Der Staat, der die wilde, d. h. nicht eingeschriebene Prosti- tuiertc hetzt und verfolgt, sie von Stadt zu Sradt und von Land zu Land treibt, sie interniert und zwangsweise heilt, während mit dem Manne nichts dergleichen geschieht. Der die eingeschriebene Prostituierte zu ewiger Degradation verurteilt und ihr die Rück- kehr zum geordneten bürgerlichen Leben unmöglich macht. Schwester Avendt kommt zu dem Schluß, daß jede sittlich hochstehende Frau gegen die Staatspolitik der so völlig unwirksamen Reglementierung protestieren muß, protestieren gegen die doppelte Moral, die die prostituierte Frau verdammt und sie der Polizeiwillkür ausliefert. den die Prostitution bcnützenden Mann aber straffrei läßt und ihn nur gesundheitlich zu schützen sucht. Aber sie kritisiert nicht nur, sie macht auch positive Vorschläge zur Besserung, wie sie sich ihr aus und in ihrer Tätigkeit geradezu aufgedrängt haben. Die vorbeugenden Mittel stehen ihr dabei selbstverständlich obenan. Das Vorasyl, wie sie selbst ein solches aus eigenen bescheidenen Mitteln und mit Hülfe guter Menschen geschaffen hat. ES ist dazu bestimmt, den eben auS dem Gefängnis Entlassenen, aber auch sonstigen HülfSbedürftigen solange ein Unterkommen zu gewähren, bis cS gelungen ist, sie in geordnete Verhältnisse bczw. in Äsnle, NettungShänser usw. zu überführen. Vom Juni 1904 bis Dezember 1006 bat eS 248 weiblichen Erwachsenen und 36 verwahrlosten oder mißhandelten Kindern Schutz und Obdach gewährt. Ein privates Komitee hat sich seitdem zu ihrer Unterstützung gebildet. Stadt und Staat haben sich noch nicht gerührt. Das Vorasyl ist nur ein ausgleichendes Vorbeugungsmittel. Weit wesentlicher ist das, was auf dem Gebiet der Fürsorge für die außereheliche Mutter und das uneheliche Kind geschehen müßte. „Wie viele Kindesmorde ließen sich verhüten, wenn sich jemand der unglücklichen Mutter annehmen würde!... Welcher Vorwurf trifft da nicht unsere pharisäische Gesellschaft, unser modernes Christentum!..." So die beamtete Schwester! Mutterschutz! Kinderschutz! Jugendschutz und-Fürsorge! Der Arzt, der Volkswirt, der Ethiker, die Praxis des LebenS: sie alle erheben denselben Ruf. Sie alle müssen mit Schwester Avendt trauern, daß in Heilanstalten kranke Säuglinge aufgepäppelt werden, während die gesunden und kräftigen Säuglinge ohne Pflege, ohne Fürsorge zugrunde geben. Die SäuglingSfürsorgc. das Kostkinderwesen, die Handhabung deS FürsorgcgesetzcS, der Straf. Prozeß und erst recht der Strafvollzug: alles das ist ein Hohn auf das. was diese Einrichtungen sein sollten. Wir haben jetzt nur Gesetze und Einrichtungen, unter denen wir sterben können: Alters- und Invalidenversicherung, Kranken Versicherung und Krankenhäuser, Leichenhäuser. Irrenhäuser. Ge- sängnisse und Zuchthäuser. Der Staat sorgt nur für die Menschen. die schon sterben, physisch oder moralisch. Aber wir haben keine Gesetz«, unter denen wir leben können Der Staat mutz sich um uns kümmern, solange wir gesund sind und eine Zukunft vor uns haben, damit wir gesund bleiben und etwas aus uns wird. So übernimmt Schwester Avendt die Gedankengänge von Ruth Brä. Wir können uns, unter Verzicht auf jeden Kommentar, dem an- schließen. Fürth. iverfammlungen— Veranstaltungen- Schöneberg. Montag, den 11. November, bei Obst. Neininger. straße 3: VereinSvcrsammluna mit Rezitation. Aroß-Lichterfelde und Umgegend. Montag, den 11. November, 8'/i Uhr, im Restaurant Kaiserhof am Kranoldplatz: Bortrag. Genosse Kurt Heinig:„Bildungsfragen". ßericbts- Zeitung. Die stilialleiterin mit 56 St. Monatsgehalt- In welchem Gegensatz die dem Angestellten auferlegte Ber antwortung oft zu seinem Einkommen steht. lehrte eine gestern von der vierten Kammer deS KaufmnnnögerichtS stattgehabte Vcr� Handlung. Die Inhaberin des KonfitürengeschäftcS„Varsovic" ' rau Zißmann, engagierte für eine am Lützowplatz zu eröffnende „iliale die Verkäuferin Herta St. als Geschäftsleiterin mit einem monatlichen Gehalt von 56 M. Außerdem sollten ihr noch 2 Proz. Provision zustehen, die sich in den zweieinhalb Monaten ihrer Tätigkeit auf 6 bis 7 M. pro Monat belief. Gegenüber diesen Einkünften wurden der Filialleiterin folgende Pflichten auferlegt: Erstens mußte sie eine Kaution von 366 Nk. leisten; sodann war sie vertraglich gebunden, für jedes Manko aufzulommcn, daS nicht nur durch ihre Schuld, sondern auch durch die Schuld eines ihr zur Verfügung zu stellenden Lehrfräuloinö entstände. An Hand einer flüchtig aufgenommenen Inventur behauptete die Geschäfts. inhaberin nach zweimonatlicher Tätigkeit der Klägerin N., ein Manko von 98 M. festgestellt zu haben, und kürzte diesen Betrag von der Kaution. Die Filialleiterin beteuerte in der gestrigen Verhandlung, daß sie sich weder einen Pfennig von der Bar- einnähme, noch vom Warenlager angeeignet habe. Sie habe nicht allein die Kontrolle des Lagerbeftandes und der Kasse gehabt, denn neben ihr war in der Filiale noch ein Fräulein F. als Verkäuferin tätig. Demgegenüber bemühte sich die Beklagte, zu beweisen, daß rl. F. Lehrmädchen und nicht Verkäuferin war, so daß die lägerin auch für ein durch diese Angestellte entstandenes Manko laut Kontrakt verantwortlich wäre. Der Nachweis mißglückte aber, denn durch Zeugen wurde erwiesen, daß Frl. F. Verkäuferin war. — Das Kaufmannsgrricht verurteilte die Beklagte zur Auszahlung des einbehaltenen Kautionsrrftes. Außer der Klägerin hatten auch andere Personen mit der Kasse zu tun. Elftere sollte Jaut Vertrag nur noch für ein Lehrfräulein die Mttverantwortung übernehmen, ein solches ist indessen gar nicht eingestellt worden. Die Beklagte hatte mithin kein Recht, den Kautionsanteil ein- zubehalten._ Raubmord auf der Elbe. Am 4. Mai wurde der Bootsmann Markmann in seiner BooiS- kajüte ermordet aufgefunden. Er war durch zwei Revolverschüsse, die er von hinten erhalten haben mußte, als er die Treppe zu einer Behausung hinunterging, erschossen worden. Der Verdacht lenkte sich bald gegen den Ihjährigeu Bootömann Hermann Endert, der mit seinem Boote in der Nähe des Marlmannschen Kabnes lag. Bald nach dem Bekanntwerden des Mordes hatte Endert den Magdeburger Hafen verlassen und war mit seinem Kahn nach Lübeck gefahren, wo er verhaftet wurde. Er hatte sich gestern vor dem Magdeburger Schwurgericht unter der Anklage des Raub- morbeS zu verantworten. Der Angeklagte ist seit seinem vier» zehnten Lebensjahre auf den Elb- und Lderkähnen als Schiffer beschäftigt. Am 30. April d. I. war er mit seinem Kahn in Magdeburg angekommen. 60 M. Lohn, die er erhalten hatfle brachte er in wenigen Tagen in zweifelhaften Lokalen durch. Da reifte in ihm der Plan zur Beraubung des Bootsmannes Mark- mann, der, wie er wußte, einige hundert Mark bei sich führte. Der Angeklagte legte vor dem Sästvurgcricht ein teilweises Ge- ständnis ab. Er behauptete, er habe am 1. Mai den Markmann in einer Wirtschaft getroffen und gesehen, daß er mehrere Gold- stücke bei sich hatte. Da er selbst sich damals in einer sehr miß- lichen Lage befand, habe er den Entschluß gefaßt, dem Markmanu das Geld aus dem Boote zu r'aubcn, wenn Markmann selbst nicht anwesend sein würde. Zu seinem persönlichen Schutze habe er sich einen Revolver angeschafft. Am Abend des 3. Mai habe er dann Markmann in einer Wirtschaft gesehen, und nun den Be» schluß gefaßt, nach dessen Kahn zu gehen und das Geld zu rauben. Er sei auch tatsächlich zu dem Marlmannschen Kahne gekommen und habe an der Kajüicntür gerüttelt. Zu seinem Schrecken habe da drinnen eine Stimme gerufen:„Wer ist denn da?" Gleich darauf sei Markmann, nur mit dem Hemd bekleidet, in der Tür erschienen. Er sei durch diesen Anblick so erschreckt worden, daß er enisetzt floh. Markmann habe ihn aber nicht entweichen lassen wollen und sich ihm in den Weg gestellt. In seiner Angst habe er dann auf ihn geschossen, um sich den Weg frei zu machen. Er selbst, Endert. habe dann den Marlmannschen Kahn verlassen und sich auf sein Boot begeben, nachdem er noch vorher auS dem Vorraum der Kajüte ein Portemonnaie mit 17 Zehnmarkstücken ent» wendet hatte. Der Angeklagte bestritt energisch, einen Mord ge- plant zu haben. Er behauptete, er habe lediglich auS Angst vor Markmann geschossen. Der Staatsanwalt erjudjte'bic Ge» schworenen. den Angeklagten deS Raubmordes für schuldig zu sprechen.— Der Berteidiger bat die Geschworenen, nur die Frage nach Totschlag zu besahen.— Die Ylcschworenen bejahten die Schuldfragen auf Totschlag m Verbindung mit schwerem Raub. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte. Tab Wort„Raucher" ein« verrufserklärungl Vor dem Schöffengericht Kulmbach stand der Bierbrauer A. Reuter unter der Anklage, gegen zwei nützliche Elemenie ein« Verrufserklärung verübt zu haben. Die so schwer Gekränkten waren die Arbeitswilligen Knorr und Söhnlein. Den erstcrcn hatte Reuter einen Streikbrecher, den letzteren einen„Raucher- genannt. Knorr. der zurzeit eine längere Freiheitsstrafe obzu- machen hat. wurde in Vüßerkleidung dem Gericht vorgeftihrt. um zu bekunden, wie schwer er durch das Wort Streikbrecher beleidigt ist. Der andere Kronzeuge Söhnlein wurde von dem Amtsrichter Frohnauer gefragt, ob er in dem Wort„Raucher" eine Verrufs- erklärung erblicke. Das bejahte er. Darauf wurde der Angeklagte zu 2 Tagen Gefängnis verurteilt i Eine katholisch» Sästvefier unter der Anklage deS KindeSmordek. Vor dem Schwurgericht in S t r a ß b u r g halte sich dieser Tage die frühere Aufseherin im BczirksgcfängniS zu Zabern Johanna Gerwig gegen die Anklage zu verantworten, ihr am 9. Juni geborenes Kind gleich nach der Geburt vorsätzlich getötet zu haben. Die Verhandlung fand hinter verschlossenen Türen statt und endete mit der F r e i s p r c ch u n g der Angc- klagten, da die Geschworenen die Schuldfrage verneinten. Versammlungen. Di» ordentliche Generalversammlung der„Freien Volksbühne" im„Gewerkschaftshaus" wurde von einem interessanten Vortrage Eduard Bernsteins, der den en�fchen Dramatiker und Sozialisten Bernhard Shaw behauvcltc. eingeleitet.— In dem Geschäftsbericht referierte der Vorsitzende Conrad Schmidt über die letzte Vergrößerung des Vereins zu Anfang der Saison. Tie zwei neuen, für die Nachmittagsvorstellungen eröffneten Abtei- lungen haben sich im Handumdrehen gefüllt. Viele Gesuche konnten nicht mehr berücksichtigt werden. Die Zahl der auf die Sonntags- nachmittagS-Vorstellungen eingeschriebenen Mitglieder beträgt zurzeit 12 300. Um dem dringenden Bedürfnis nach weiterer Aus- brectung zu genügen, hat der Vorstand, zumal bei der letzten Um- frage zwei Drittel der Mitglieder sich für Abendvorstellungen aus- gesprochen hatten, vier neue Abteilungen für abendliche Auf» sührungen im Luisen-Thcatcr(Schauspiel in eigener VereinSregie) und im Lortzing-Theater(Oper) cingc- richtet. Die erste Aufführung, LangmannS„Bartel Turaser", kam ausgezeichnet heraus und fft auch von der Presse sehr warm anerkannt. Es sind die besten und erfolgreichsten Stücke unsere» RepcrtoirS, die der Ausschuß hier in sorgfältiger, künstlerischer Wiedergabe den neuen Mitgliedern vorftihrcn will. Leider hat die Zahl der Meldungen hier den Erwartungen noch nicht entsprochen. T«r Referent, der noch einen kurzen Rückblick auf die sonstigen „künstlerischen Leistungen de» Vereins" im letzten Quartal wirst, schließt mit der dringenden Aufforderung an die Mitglieder, durch rege» Werben für eine möglichst rasche, vollständige Füllung dieser Abendabteilungen zu sorgen.— Der Bericht deS Kassierers Winklsr ergab für das 1. Quartal 1907/1908 eine Einnahme von 28 716,93 M., eine Ausgabe von 13 413,25 M. Herr Winkler ergänzte die Ausführungen des Vorsitzenden über die Abendvorstellungen und legte die Gründe klar, warum die Kontrakte mit den beiden Bühnen nicht früher hätten abgeschlossen, also auch mit der Agitation für die neuen Abteilungen nicht früher hätte begonnen werden können. Einstimmig gelangte ein Antrag der Ordner, bei Erneuerung verlorener Mitgliedskarten 20 Pf. Gebühr zu erheben. zur Annahme. Eine weitere Diskussion fand nicht statt. Die Ver- sammlung schloß bereits um 11 Uhr. Verband der BauhülfSarbeitrr. In der am Freitag abgc- Halten«» Generalversammlung deS ZweigveretnS Berlin erstattete der Kassierer Böttcher den Kassenbericht für daS dritte Quartal und die Abrechnung vom Streik. Die Quartalsabrechnung zeigt folgende Zahlen: Einnahme 89 759,55 M., dazu ein Bestand von 94 299,29 M.. Ausgabe 137 972,68 M.. bleibt ein Bestand von 46 086,16 M.— Der Streit erforderte eine Gesamtausgabe von kb6 908 M. Davon kommen auf Unterstützung an Streikende 583 074 M.. an Abreisende 6850 M.. Mietözuschuß 43 054 M.. Fort- schaffung Zureisender und Fernhalten des Zuzuges 3433 M.. Ge- richts- und Anwalts kosten 3172 M.(dieser Posten hat sich nach Schluß der Abrechnung verdoppelt), für Baukontrolle, Lokalmiete, Arbeitsvcrmittelung, Fahrgelder, Drucksachen usw. 16 970 M.— Nach kurzer Diskussion wurde der Kassierer entlastet.— Hierauf teilte der Vorsitzende Kriebow das Ergebnis der am Sonntag stattgehabten Wahl des ZweigvereinSvorstandes mit. Gewählt sind als erster Bevollmächtigter Beicr, als zweiter Bevollmächtigter Noak. Die Besetzung der übrigen Vorstandsämter mit Ausnahme von zwei bereits gewählten Beisitzern wird am Sonntag, den 3. November, durch Stichwahl entschieden. �Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Die in den Eisengießcreieu beschäftigten Kernmacher und Kernmacherinnen versammelten sich am Donnerstagabend in oen .Germaniasälen". Den Bericht der Agitationskommission er- stattete Karl Schmidt. Bei einer Reihe von Firmen sei eö ge- lungen, bessere Arbeitsbedingungen für die Kernmacher und Kern- macherinnen zu erringen, so erklärte er. Doch sei eS noNvendig. daß die Kominission mehr als bisher von feiten der Arbeitenden u n t e r st ü tz t werde, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können. Tie Organisation habe Fortschritte gemacht. Im vorigen Jahre zählte man 493 Kernmacher und 31 Kernmachcrinnen, davon waren 373 von den ersteren und 10 von den letzteren organisiert. Im April d. I. zählte man 503 männliche und 34 weibliche Kollegen; von den erster«» waren 412 und von den letztere» 22 organisiert. Seitdem hat sich das Verhältnis wiederum verbessert. Bei der Besprechung der Lohn- und Arbeitsbedingungen wurde scharf ge- rügt, daß manche Kernmacher, sogar organisierte, sich zu billigeren Löhnen als die allgemein gültigen anbieten. Es sei vorgekommen, daß man sich für und 40 Pf. Stundenlohn angeboten habe, während an 00 Pf. festgehalten werden mußte. Einige Firmen»ahlen SS bis 60 Pf. Tie Unternehmer versuchen häusig. die Akkordarbeit niedriger zu berechnen und auch mehr als bisher einzuführen; deswegen müßten die Kernmacher auf der Hut sein. Ten Kernmacherinnen wurde Anerkennung gezollt, daß sie die Absicht der Unternehmer, sie als Lohndrücker zu gebrauchen, nicht erfüllt haben. Gewarnt wurde noch vor den Lockungen der gelben Gewerkschaften: allen Kollegen sei nur der Anschluß an den »Teutschen Metallarbeiterverband" zu empfehlen. veffeiUItch« Bibltsebet und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jederinann, SW., Zllexandrinenstr 26. Geöffnet täglich von b>/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 3— l und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit blö Zeitungen und Zeitschristen jeder Art Kreirettgww«gemeinde. Sonntag, den 10. November, vormittags B'l. Uhr, im Rathaus(Saal 109): Versammlung mit treirellgiöser Vor- lesung.— Vormittags 10»/, Uhr in der Schulaula, Kl. Arankfurterstr. 10Ö: Vortrag von Herrn Adolf Stern:„Aus der Entwi-krluugsgrschichte des menschlichen Denkens».— Montag, den 11. November: Mitgliederversammlung(nur sür Mitglieder mit wciffer Ouittungs bei Balduin Franke, Seballianstr. SS. Damen und Herren als Käste sehr willkommen. Allgemeine«ranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter iE. H. 29. Hamburg.) Filiale Berlin 2. Sonntag, den 10. November. vormittags 10 Uhr, im.Mä> tischen Hos», Admiralstr. 18c: Mitglleder- i vcrsanunlung.— Filiale 7. Sonntag, den tO. November, vorm. 10 Uhr, bei Hoffmaim, Pasewalkerstr. 3: Mitgllederversauimlung. Vermischtes. Em Notschrei. In der in Loburg, einem Städtchen unweit Magdeburg er- scheinenden.Kreiszeitung" ist folgendes.ans Anlaß der Stadt- verordnetenwahlen" zu lesen:.ES handelt sich bei diesen Wahlen darum. Herren aufzustellen, die den festen Wille» besitzen, mit allen gesetzlichen Mitteln Loburg von dem Alp zu befreien, der seit einem gewissen Zeitraum auf dem hiesigen Verkehrs- und Erwerbsleben lastet; mit kurzen Worten: unter Berufung auf ß 19» des Reichs- strafgesetzbuchs protestieren wir hiermit im Nainen aller Gewerbetreidenden und aller die eS angeht, gegen die Methode der GeschäftSfühnlng deS Herrn Bürgermeisters Knüppel. Oder soll ein Mann, der nach seiner persönlichen Aeuße- rung— die er hier bald nach seinem Amtsantritt getan und die wir eidlich erhärten können— im Orte seiner früheren amtlichen Tätigkeit mit dem Revolver bewaffnet herumgelaufen ist. noch länger die Geschicke Loburgs zum un- berechenbaren Schade» seiner Eiinvvhner lenken??? An die vor- gesetzten Behörden stellen wir die ebenso ergebene wie dringende Bitte: 1. zu ergründen, was die Einwohnerswaft zn Langendiebach bei Frankfurt a. M. verschuldet hatte, daß sich der frühere Gemeinde- vorsieher veranlaßt fa»d, bei seinen Ausgängen einen Revolver mit- zunehmen: 2. Untennchinige» darüber anstellen zn lassen, ob die hiesigen Verhältnisse sich ebenfalls derart zuspitzen können, daß sich Herr Bürgermeister Knüppel zur Mitnahme eines Revolvers der- anlaßt steht; 3. bejahendenfalls festzustellen, ob den Beivohncrn Loburgs nur eine Stunde zugeliiutet werden darf, sich ohne Not gemeiner Gefahr au s z u s e tz e n. Daß uns weder Rachsucht leitete, noch daß wir bei Abfassung dieses Notschreies von Wuhnideeii befallen sind, dafür möge die Langmut zeugen, mit der wir fünf Jahre lang aus Abhülfe gerechnet Häven. Vom 2. Oktober 1903 bis 26. Juli 1907(gleich 1389 Tage) wurde Loburg, ein fried- licheS Städtchen von 2S00 Seelen, mit rund 1000 Straf- Mandaten bedacht, ohne daß sich in dieser Frist größere Massen- exzesse ereignet hätten, der übrigen materiellen Schädigungen nicht zu gedenken. Nun. Bürger, sattelt Euch!" Die Loburger fmigen reichlich spät an, zum Satteln zu rufen, was aber wohl daran liegt, daß sich bisher kein Sozialdeniokrat in die Geineindevertretnng verirrte. Ob» u n der Notschrei helfen wird? Er iäßt ja noch so manches, um nicht zu sagen alles im dunkeln. Aber soviel läßt er doch erkennen, daß die Loburger sich einen—.Knüppel" für ihren eigenen Hintern.gebunden" habe» I Wer wird den Knüppel, der über die Stadt geschwungen wird, zerbrechen?-- Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich vorgestern abend zwischen 7 und 8 Uhr im Altrnbekener Tmmel nach der Altcnbekener Seile hin. Nach einer Meldung ans Paderborn gerieten bei der regel- mäßigen Revision des Tunnels, die vermitletst deS ProftlivagenS vorgenommen wurde, die daran beteiligten Beamten auf die Drähte einer außer Betrieb gesetzten. elekmichen Leitung und erlitten durch Abstreifung»nd Absturz schwere Verletzungen. Geheimer RegierungS- und Banral EslkowSki aus Kassel wurde am Kopfe erheblich verletzt. Bahnmeister Ohms und Diätar Fandel aus Altenbeken erlitten schwere Verletzungen. Sämtliche Verletzte wurden noch gestern abend in das Paderborner Hospital gebracht. Außer Lebensgefahr. Die schwerberketzten Mannschaften von der Hnlk„Blücher" sind, nach einer Meldung aus Kiel, sämtlich außer Lebensgefahr. Die Verunglückten befiuden sich im SSiler Garnisov- lazarelt. Ein furchtbarer Borgang spielte sich gestern in KottbnS ab. In dem Hauie Görlitzerstraße S wurden drei Leichen: die eines neu- geborenen Kindes und seiner Mutter, der ISjährigen Schneiderin Herenz, und die ihrer 20jährigen Schwester Martha, einer Verkänferin, aufgefunden. Die jüligere Schwester hatte heimlich geboren und war an Verblutung gestorben; die ältere Schwester hatte sich darauf erhängt. Vom Dampfer überrannt. Einer Meldung a»S Blankenese zufolge wurde in der letzten Nacht der Hochseefischkuiter H. F. 172, der in der Nähe von Norderney in der Richtung auf Juist zu dem Fisch fer über- in einem fang oblag, von einem unbekannt gebliebenen großen Damp rannt. Die Mannschaft des gesunkenen Kutter» konnte sich eigenen Boot reiten und ist auf Juist gelandet. Die Pest. I» Oran ist ein Pclzhändler, welcher kürzlich Felle au? Pdilippeville erhielt, sowie einer seiner Arbeiter an der Pest erkrankt. Feuer an Bord. Der Llohddampfer„Achill� ist mit einem große» Brande an Bord im Hafen von Eavallo eingetroffen. An der Löschung des Feuers wird energisch gearbeitet. Fünf Arbeiter getötet. Wie auS P a r i S gemeldet wird, erfolgte bei Annecy in den Steinbrüchen von Lampa gestern eine Explosion, wobei fünf Arbeiter getötet wurden. Bis jetzt konnten drei Leichen geborgen werden. eingegangene Druckfcbriftai. Pkutns. Kl-itische Wochcuschrist sür Volkswiitichast und Finanzwesen. Herausgeber: Georg Bernhard. 45. Hcst. Vierteljährlich vom Verlag 4 M. Verlag Berlin. Charlotteuburg, Goethestr. 6g. Im Deutsche» Reich. Nr. It. Zcitschrtlt deS ZentralvercinS deutscher Staalsbürger jüdischen Glaubens. 30 Pj. Verlag: Berlin 8W. 68. Der Zusammcuprall der Weltmächte von Rowland Thirlmere. 327 Seilen. Verlag: K. CurtiuS. Berlin W. 35. Maximilian Horden. Eine Erledigung von K. Kraus. 50 Ps. Verlag:„Die Fackel", Wien und Leipzig. Reclam» Universum. Hcst 5. Wöchentlich«in Hcst. 80 Ps. Verlag: Ph. Reclam ln Leipzig. Die Beseitigung de» KonturrenzhandelS von J. Andermann, 60 Pf. Verlag: H.«altber. Berlin W. 30. »ii» oen Anbau»«« Anieraee ubernintm» die Redaktion dem vndlitnm gegrnnber keinerlei Berantinorenn«. �Keater. Sonnabend. 3. November: Ansang T/, Uhr. «gl. Schanfpielhaus. Der letzte Funke. Denttchr». Das ihr wollt. Kflinmeripiel«. MargniZ von Keilh.(Ansang? Uhr.) kstilaitg 8 Ubr. «gl. Opernhaus. Salome. Lessing. Klein-Eyolj. Reue» Schauspiclhans. Die große Gemeinde. Nachmittags 3 Uhr: Stew. S-b-ix-«. wniiim- idealer.) Götz von Berllchingen. Schiller Charlottenburg. Reiter« altacke. Friedrich< SvtlhrlmftSdt. Schon- lpielhauo. Di« Nibelungen. Berliner. Die Börie. Neues. Di« Waffen wieder! «leine». Ein Puppenheim. Zentral. Unsere blauen Hungens. Loruing. Die Enljührung aus dem Serail. Dheacer an der Spree. Der Attienbudiker. Residenz. Ganz der Papa. «omiiche Oper. Die verkaufte Braut. Weiten. Di« lustige Witwe. Luiilpiellia»». Hularuifieber. li. Fräuletu Loiette— mewe Drianon. Frau. Dhalia. Lni'eu. lacht. Nachmitta Brrnlmrd Na lioritz. Meiropol Die gelbe Gefahr. Berlin, wie es weint und 4 Uhr: Snecwlttchen. ose. Maria Stuart. 4 Uhr: Max und Das mutz man seh'n. Rpolto. Sylvester Schaff«. Spe- zialitäten. Walhalla. Spezialltälen. Folie» Caprice. Geteilte Liebe. Casino. Bicdcrleutc. Gebr. Herrnscld. Madame Wlg- Wag. Es lebe das Nachtleben. Pailagr. Paula Wirth. vpezia- liiäten. Pratcr. Das Kätchen von Hell- bronn. Parodie. Zapfenstreich. Monna Vanna. D« Troubadour. Wintergarten. Spezialltäten. Palast. Tante Malchen. Spczlall- täten. Carl Haverlanb. Spezialitäten. Rcichshallc». Stettiner Sänger. >Ie»»i». I»»t>e»iir»he i»«>4». Nachmittags 4 Uhr: Von d« Zug- spitze zum Waymann. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. HöisaalbUhr: Pros.Dr. B.Donath: Die elektrischen Krastzen traten und daS Leitungsnetz. Sternmarce.«luvalidenNr. 67162. Rur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelstcrne, Nebelflecke. rVi-ektn»«»!««an» Berliner Theater. Ansang 8 Uhr. Die Börse. Sonntag; Die Börse. Montag: Di« Börse. MMMIM D«r. Rniiiffiirlerftt. 138. Ilaria Stuart. Ansang 8 Ubr. _l WochentagSpreise. Nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Max und Moritz. Sonntag nachm. 3 Uhr; Carmen. Abends; Spree-Athener. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Die Mafftii witder! Sonntag zum 100. Male: Der Dleb. Montag: Der Dieb.__ Kleines Thealer. AbendS 8 Uhr: Ein Pnppenheim. Nora: Agnes Gorma. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Ein Puppenheim. (Nora: Agnes Gorma.)_ Theater des Westens. 8 Uhr: Die laNtlce Witwe. Sonntag nachm. 3'/. Uhr halbe Preise: Frühlingitlurt, Friedrich-Wilheimstadtisches Schauspielhaus. Die Nibelungen. Ansang 8 Ubr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Winter- schlaf. Abends 3 Uhr: Der blinde Paffagier. Montag: Waterkant._ ;LorfzingTheater Ateno» 8 Uhr: Die Entführung ans dem Serail. Sonntag nachm. 3 Uhr: Martha oder: Der Markt zu Nichmond. Abends 8 Uhr: Di« Enlsührung aus dem Serall.— Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Lusispielhaus, Wend» 8 Uhr: Husareufieber. Volkstümliche Preise�_ --t- Heiz-nealer. � Diretlion: Richard Alexander. Ganz der Papa. Schwank in 3 Akten von Mar» und DeSvaillisreS. Deutsch v. M. Schönau. Baron deS AubraiS: R. Alexander. Sonntag, den 10. November, nach- mittags Z Uhr:.Die 30» Tage.« Sclitlier-Tlieater. Zenträl-Theater. 8 Uhr: Unsere blauen JuugenS. Vaudeville in 3 Akten. TriaiHm-Theater. Fräulein Josette- meine Frau. Anfang 8 Ubr. Gebr. Herrnfeld- Theater. 57 Kommandantenstraße Nr. 57. Ansang 8 Uhr. Voroerkans 11--2. JacksmeNrWan Operetten-Burl Musik v. L. Still. Lslede dasKaehtlGhen! Separec-Rfföre in 2'Akten. Beide Stucke mit de» Autoren Anton und Donat Herruseld. Morgen Sonntag: Doppel-Jubiläums- Borstellung: Zum 183. Male: E» lebe da» Nachtleben! Zum 100. Male: Madame Wig-Wag t Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Pr.: Ein verrüektcs Hotel und Hayfisch geht zur Jagd mit Anton und Donat Herruseld. Schiller. Tdeaiee 0.(Wallner-Tdeatert. Honnabend. abend»«Ubr: Ottts von Borllclilnsren. Schaulpiel in fünf Auszüge» von Johann Wolsgnng v. Goethe. Sonntag. II a w m. 3 Uhr: Du« vierte tiebot. Sonn log. a t> e u i> s« Uhr: Zlaola Stnai-t. Montag, abenv» 8 U h r» Da» vleote tiebot. Sctilllar.rhoater Charletteahurg. Sonnabend, abend» 8 UHrl Neltennttael»«. Schwank in 5?lusz. von Stob tzer und Fritz Fttedmami-Frederich. S o ii n i a g. nachm. 3 Uhr: ülonna Tanna. S o u II I>1 g. ade II 0s 8 Uhr: Wilbeln, Dell. Montag, abend» 8 Uhr: Itelteeattaelre. «ebillee-?«»»! Sonntag 8 Uhr: Robert Schumann-Abend. Montag 7'/,— 8'/, Uhr: Vortrag Dr. Max LSborn: Friedrich der Brost« at» Bauherr. 6. Vortrag de» Zyklus: Alt- nnd Ren-Berlin Montag S— t0 Uhr: Vortrag von Eduard Bernstein: Da» j alter der«rosten englischen Revolution. 6. Vortrag de» Zy Staat», und Besrllsch'iftSideale im Laufe der Jahrhundert«. Zeit- Ziltlu»: f* fi O 4«1 n 9 C Panoptikum Ä 9 T-»» 11 ö 165 Friedrichstr. 165 Mr. Leu, der künstliche Mensch. Zirkus Schumann Heute Sonnabend, 9. November, abends präzise 71/, Uhr: ¥01. Grande Soiree nigb-Llfe. Gala-Programm und Amerikas größter». bester Lustakt ß lliegeittlo 2 Damen ßaDtards 4 Herren Ferner: Matbilde Renz.— Dora Schumann.— Mlle. Toreau.— Miß Florene«.— Mr. James Henry.— Humel berühmte englische Reiter- samille.— Dir. Albert Schumanns Ortginaldreffuren.— tlbentee H. Dlecb, der ausgezeichnete Trtck- Zyllijt und die neuen Spezialltäten. Um 9'/. Uhr: Die dieSj. große Waffcrpantomime: Eine Fortsetzung verlustigell ZleiäeDterger. .'.'lurltemtiechai' Sonntag zwei Galavorstellungen. Nachm. ein Kind frei. Theater des Zentrums. Sophien- Säle, Sophienstraße 17/18. Ais ftilh»m Föust v.Krcn u. Lippschütz, Musik v. P. LIncke. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise. Dbeater IViUe« Caprice Linienstr. 132, Ecke FriedrichefraBe. O Rabbi Meseritscb.% Bunter Deil. CretellielJcbe. Anfang 8 Uhr._ XIII. SaiMon. Zirkus Bn»ch| Sonnabend, den 9. November, abends präz. Tl. Uhr: Grolle Vorstellung! U. Auftreten der Orlg. japanischen Fcchtkflnstler j Ono itii«! Ota. Außerdem: Geschw. Amato.— j Vermette-Carpatii-Truppe.— Herr I Burkhardt-Foottlt, Schulreit, auf l „Sixtus'' v. Xaintrellee a. d. Sicllly.[ Herrn Ernst Schumanns Neu*| dressurou. Um tz.lO Uhr: Auf der Hallig. Hieven■ lllnslona* Akte{ nntep Waaser. Metropol-Theater Anfang prüzlse 8 Chr. Urania. WiBsenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Walzmann. Abends 8 Uhr; lieber den Brenner nach Venedig. Hörsaal 8 Uhr: Prot Dr. B. Donath: Die elektri- achen Kraftzontralen und das Leitungsnetz. Invalidenstr. 57—62: Stornwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsteme, Nebelflecke. fi Luisen-Theater Retcheuberserftr. SA Nachm. 4 Uhr: Staeewlttehen. Abends 8 Uhr: Ktrtm wie rs wemt und lacht. Sonntag nachmlltaa! Muttersegeir. Abends zum erstenmal: Am Tage des Gerichts. Montag: Mutteffegett. Neues glänzendes Programm. Das kolossale neue ProorainnL 9>/s Uhr: Die Sensation Beelws: Sflköslss Schäffer jr. der beriiiimte Lfnlversalkiinstler. _«S Gr* �1** in 4 AktQn(12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor HoUaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Iii B. Oamand a.D. E. Wiiithnef, ""irJiii morgen Rauchen überall gestattet. SonntaR, Iv Kovembcr, nachmittags 3 Uhr; Die Herren von Maxim. Varlele-Theater Weinborgsweg 19/20, Roienth. Tor. Ansang 8 Uhr. Das neue November-Programm. Die urkomisclie Hundepautomime. „Aus einer kleinen Garnison'', dargestellt von 30 Hunden. 12 erstl(lass.SpeziaIit!iten 12 Tunnel: Dreibund-Konzert. Thealerbesuchern freier Eintritt. AlilllN die Deutschen Konzerthallen, An der Spandauevhrücke 3, besucht??? W.Jtfoacks Theater ülictiiuu: Hob. Dill. BruiuieiiNr. 16. Stiftungs Fest des Gesangvereins„Lied Iioelt". Konzert. Theater, Ball. Ansang 8'/, Ubr. Sonnlag: Bcrlorcnc Ehre« An- sang 7 Uhr. c$icakimdaSpi& Köpeiiickerstraste 68. Täglich 8 Uhr: Der Aktienbudiker. mit Joscsine Dora. Sonnlag nachm. 3 Uhr bei ea. halbe» Preisen: Der Attieubudiker. Rixdorfer Tbeater Bitrgerfäle. Bergstrnstc Rr. 147 Sonntag, den 10. November: Zum 2. Male: Vi'uninulr»«. Tragische Komödie in 5 Akten von Arno Holz und OSkar Jcrschke Ansang 7ll, Uhr. Kasino-Theater. Lolhrlngerstr. 37. Täglich ö Uhr> Kieäerlellte. Umk inüktenv. HohJiseli. Vorher da» glänz, bunte Programm. Sonntag 4 Uhr: Die wilde Jagd. Sanssouci l'ZTl: Direktion: vtilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: " Jt u. Tnnzkrünzchcn. Morgen Sonntag: Gr. Elite-Soirer. Tanz. Sonnt. Beg.5, wochcnl.SU. Dienstag: Gastspiel der Berliner Volksbühne. Prater- Theater Bürgerliches Schauspielhaus. Kastanien-Allee 7—9. Pif Micheu PfrnjnnhtfU. Lustspiel in 3 Akten v. Rod. Bcncdix. SM" Heute: RuSverkauft:"PSi� Sonntag nachm. 3 Uhr�: Mark« Stuart. Abends 8 Uhr Schiller- s« i e r: Die Räuber. Montag, den 11. November 1907: 2. Lperuabend. Die Zauberstöte. Reiebslisllen-TbetUer. Britton als Aule im Familirn» bad Wannsee. Ans. Wochent. 8. Sonntags 7 Uhr. i Moht2,plaU,. > imThcatcrsaal> Das neue Nowter-frapii. Anfang 8 Uhr. Enttce KV Ps. Sonntags 7 Uhr.(Sonntag» reserviert 1 M., Enirce SV Ps.i FamilicnbillcttS a 40 Pf. Sud, Militär-Konzert. Beller, Przqwarsti, Görisch, Neumann, Offeney und Lüttich. fPassage-Theater.• ; Paula Wirlh ! die Diva rediviva J B. d. groSartigs Novemberprogr. b P alast-Theater Burgstraste 24. Heute 8 Uhr. Sntree 20 Pf. (llselw unä!\\slx Ulllfikalischer 3U(. Die 4 Theodors ??? Omer Sait>Trio Novelty Cascadeure Unsere Kate Lustspiel v. 9 ttklilasfige Nummern. kKraMofhweID /für Blutarm» ü. 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Anfang abends präzise 0 ühl. ———— Garderobe und Tane frei.——— Billetts sind auf den Zahlstellen und im Verkehrslokal Muskauerstr. 23 sowie bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu heben. 171/1 üm rege Beteiligung ersucht Der Toratand. •0= B L J _____ Bekanntmachung! Das Theater an der Spree veranstaltet eine Sonders Vorstellung zn ermäßigten Preisen für die arbeitende ve- VÖlkerung am SMT* nächsten-PO Sonntag, nachmittags 3 Uhr: „Der Aktienbudiker." Heitere Saemm». dorn V Ol k s 1 e b e a ------------------- Preis-Ermäßigungen mar für die Leser des„Vorwärts."-■----- 1, Rang-Loge.•■.% Orchester- Fantenil J Jeder Plata flfi Pfennige. I. Kang-Bnlkon...1 8 Billetts zw diesem ermäßigten Preise werden nur gegen Abgabe dieser Bekaaat« marhnng an der Theaterkasse ausgegeben. Theater an der Spree: K ö p e n i e k e r s t r a ß e 68. Tageskasse 10—2 und 6— 8 Uhr.$5/15* Jciicr Arlikitcr, jeder Handwerker foUte 2ur Arbeit die Lodcrlioie UccknleA lragen. Onsrrelobte teistungskäblgkeit. 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Icilnp Ks Jotmirts" lltrliiitr llolliülilnlt. Somabkud. 9. November 1907. Partei- Angelegenheiten. Sechster Wahlkreis. In der 4., 5. und 6. Abteilung findet am Sonntag früh von den bekannten Stellen aus Sandzettelvcrtcilung statt. Die Genossen Iverden ersucht, sämtlich an dieser Arbeit sich HU beteiligen. Der Vorstand. Fredersdorf, Petcrshagen, Bruchmühle und Eggersdorf. Am Sonntag, den 10. d. M., früh, findet in genannten Orten eine Flugdlattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, sich rege zu beteiligen. Ausgabe der Flugblätter bei den Bczirkssührern. Teltow. Am Sonntag, den 10. November, nochmittags 3 Uhr, findet im Lokale des Herrn Preutz eine öffentliche Kommunal- tvählerversammlung der dritten Abteilung statt. Referent ist der Stadtverordnete Genosse Obst-Schönebcrg. In dieser Versamm- lung werden auch unsere Kandidaten ausgestellt. Wähler der dritten Abteilung, erscheint in Massen in dieser Versammlung! Ter Einberufer. Storckow. Am Sonntag, den 10. November, vormittags SMt Uhr, findet eine Flugblattverbreitung zur Stadtverordneten- Wahl statt. Treffpunkt im Lokal des Herrn Schloß. Erscheinen aller Genossen ist unbedingt notwendig. Nachmittags 3 Uhr findet eine öffentliche Wählerversammlung .tatt. Genosse Redakteur Otto May, selbst Storckower, spricht über„Sozialdemokratische Kommunalpolitik". Die Gegner sind besonders eingeladen. Die Genossen wollen für einen Massenbesuch der Versammlung Sorge tragen. Der Vorstand. Pankow. Heute, Sonnabendabend, findet bei Roschcki, Kreuz- ftraße 3/4, das 17. Stiftungsfest des Wahlvereins statt. Billetts sind bei den Bezirksführern und bei Genossen Tanziger. Brehme- straße 48, zu haben. Der Vorstand. Schildow-Blankenfelbe(Bezirk Nieder-Schönhausen). Sonn- tag, den 10. November, nachmittags 3 Uhr, findet in Monchsmühle im Lokale des Herrn Knappe die Wahlvercinsversammlung statt. Tagesordnung: i. Vortrag des Genossen Julius Hesse:„Welche Bedeutung hat die politische Bewegung für das Proletariat". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Abmarsch der Schönhausener Genossen Punkt W2 Uhr von Bratvogel, Nordend. Erscheinen aller Genossen ist notwendig._ Der Vorstand. Berliner JVacbricbtens Die Kumpanei der Blockbrüder. Was über den Ausfall der Berliner Stadt verordnetenwahlen dritter Abteilung in der Presse unserer Gegner gesagt worden ist. das möchte gewiß mancher Leser des„Vorwärts" gern von uns hören. Ja, auf diese Frage ist schwer zu antworten; denn wir haben hierüber kaum etwas von Belang in den bürgerlichen Blättern gefunden. Vor allem haben die Freisinnsblätter, die vor den Wahlen den Mund so überaus voll genommen hatten und auf deren Aeußerungen man jetzt wirklich gespannt sein müßte, fast sämtlich die Sprache verloren. Den Genuß, auf den wir uns gefreut hatten, bereitet uns nur die„F r e i sinnige Zeitung", indem sie ihre Wut in einem giftigen Schimpf- artikel ausheult. Sie erzählt ihren Lesern, daß„die Zahl der freisinnigen Stimmen zum Teil ganz enorm gewachsen" sei, und keift dann gegen den„Vorwärts":„Das mag schmerzen, berechtigt aber noch lange nicht zu Taschenspieler- kunststückchen und Täuschmigsversuchen, wie sie der„Vorwärts" in seinem Artikel„Berlin hat gewählt I" unternimmt. Wenn er vollends behauptet, das für uns günstige Resultat sei nur dadurch erzielt worden, daß der Block in Aktion gewesen sei, so steht diese Behauptung auf derselben Höhe dumnidreister Ausrederei wie so viele andere, die im Laufe der letzten Tage den Ruf des„Vorwärts" neu bestätigen, eines der verlogensten Blätter zu sein." Daß ein Blatt wie die„Freisinnige Zeitung" uns den Vorwurf der Verlogenheit machen will, das ist so ziemlich der Gipfel des Amüsanten. In unserer Freitagsnummer haben wir gezeigt, was es mit dem„enormen" Wachstum der Zahl der„freisinnigen" Stimmen auf sich hat. Wir gönnen der„Freis. Ztg." das billige Vergnügen, das Wahl- resultat als ein für den Freisinn günstiges zu bezeichnen und mit diesem Trost sich über die weitere Zunahme der von der Sozialdemokratie erzielten Stimmeuzahl hinwegzu- schwindeln.„Dummdreiste Ausrederei".„Taschenspieler- kunststückchen" und„Täuschungsversuche" sollen es sein, daß wir die Zunahme der Freisinns st im men als ein Ergebnis der Blockpolitik kennzeichneten. Als klarstes Beispiel für die Eintracht der Block- brüderkumpanei ist von uns schon mehrfach der 9. Wahlbezirk angeführt worden. Will das Freisinnsorgan glauben machen, der Berliner Liberalismus habe dort von 1901 zu 1907 aus eigener Kraft seine Stimmenzahl von 287 auf m8 gesteigert? Wo sind denn diesmal die 038 Stimmen geblieben, die damals dem Konservativen zugefallen waren? Da diesmal die Konservativen des 9. Bezirks keinen eigenen Kandidaten hatten, so haben sie Mann für Mann den liberalen Kandidaten Hiiff unterstützen müssen, den aber auch sie nicht vor dem Durchfall zu retten vermochten. Dieser Herr Huff war im vorigen Jahr schon liberaler Durchfallskandidat für einen benachbarten Bezirk, der eine Nachwahl vorzunehmen hatte. Da hat er nicht nur die eifrigste Unterstützung eines so „entschieden liberalen" Mannes wie des inzwischen verstorbenen Stadtverordneten Perls gefnndcn, sondern ist zu gleicher Zeit und nnt Wissen des Herrn Perls auch von jener Garde pro- tegiert worden. deren General Exzellenz v. Liebert für sie die Bezeichnung„Reichslügenverbaird" als einen„Ehrentitel" akzeptiert hat. Die konservativen Helfershelfer des ohnmächtigen Kommunalfreisinns ernten jetzt den Dank. Der Freisinn gibt ihnen einen Fußtritt und erzählt den Seinen, wie„enorm" die Zahl der„frei- sinnigen" Stimmen gewachsen sei. Wie die Blockbrüder diesmal gearbeitet haben, das lehrt beispielsweise ein Wahlaufruf, der vor den Wahlen verbreitet wurde und vom„Vorstände des Jnnungsausschusses zu Berlin" unterzeichnet war. Der I n n u u g s a u s s ch u ß bezw. sein Vorstand soll zwar in den Kampf der Parteien sich nicht hineinmcngen, aber wo es den gemeinsamen Kampf aller bürgerlichen Parteien gcgen die Sozial- dcmokratie gilt, da ist alles recht. Die Herren vom Vor- stand haben in jenem Wahlaufruf auf einem und demselben Blatt sozusagen im Ramsch die folgenden Kandidaten empfohlen: für den 11. Bezirk Herrn Ensenhöfer, für den 12. Bezirk Herrn Schildhauer, für den 44. Bezirk Herrn Popiersch, für den 45. Bezirk Herrn Licbig. Die Herren Euseudörfcr und Schild- Hauer waren Kandidaten der Liberalen, die Herren Popiersch und Liebig kandidierten für die Konservativen. Die Block- brüderkumpanei warf alle vier in einen und denselben Topf— und alle vier fielen durch. Die Bekämpfung der freien Turnerschaft durch das Ministerium des Geistes nimmt ihren Fortgang. Bekanntlich hat das Prolnnzialschul- kollegium eine vergilbte KabincttSorder an das Tageslicht gezogen, nach der den Turnwartcn des Turnvereins„Fichte" ohne Erlaubnis- schein von der städtischen Schuldeputation bei einer Geldstrafe von 100 M. verboten wird, an jugendliche Personen Turnunterricht zu erteilen. Bis jetzt sind 15 Mitglieder des Turnvereins„Fichte" mit diesen Zuschriften behelligt worden. Daß gegen Mitglieder der Turnvereine, die ihre Turnere, mit einem patriotischen Mäntelchen umgeben, in gleicher Weise vorgegangen worden sei, davon ist noch nichts bekannt geworden, und doch ist es in diesen Vereinen um kein Haar anders. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich wieder einmal, wie unsinnig es ist. wenn bürgerliche Blätter davon schwatzen, daß wir in einem Rechtsstaat leben, in dem alle Preußen vor dem Gesetz oder auch vor den Verordnungen gleich sind. Bei uns herrscht Willkür, und nichts weiter, Willkür, wie sie auch in Rußland nicht besser angewendet werden kann. Der deutschen Turnerschaft, die für Kaiser und Reich kämpfen will, ist die freie Turnerschaft schon längst ein Dorn im Auge und sie möchte gar zu gern die letztere aus dem Wege räumen. A l l e i n kann sie das nicht und so kommt die Regierung ihr zu Hülse. Wie diese helfen will, haben wir oben dargelegt. Nur nützen wird diese kleinliche Politik der Nadel stiche ihr nicht viel, eher werden die freien Turner durch diese Vcr- folgungen gestärkt werden. Was das Vorgehen der städtischen Schuldepulation anbetrifft, die Schüler festzustellen, die von ihren Eltern dem Turnverein „Fichte" zugeführt worden sind, so haben wir schon kürzlicki darauf hingewiesen, daß die Schulbchörden gar kein Recht haben, den Eltern der Kinder nach dieser Richtung hin irgendtvelche Vor schriften zu machen. Um aber auch den Eltern Gelegenheit zu geben, zu den Eingriffen in ihr Erziehungsrccht Stellung zu nehmen, haben die Turirer beschlossen, am Montag, den 18. d. M., bei Freyer, Koppenstraße 20, eine öffentliche Versammlung cinzu- berufen, in der zu den Maßnahmen der Scknilbehördcn Stellung genommen werden soll. Die Wahnsinnstaten gegen Kinder. Schwere Verbrechen gegen Kiitdcr wurden, wie erinnerlich, cmi 26. Juli dieses Jahres im Nordosten Berlins von einem offenbar Wahnsinnigen verübt. Durch Stiche mit einem spitzen Instrument wurden vier kleine spielende Mädchen so schwer verwundet, daß eines starb und die anderen ein langes Krankenlager überstehen mußten. Alle Nachforschungen nach dem Täter blieben ohne Erfolg. Jetzt soll der Attentäter in der Person des Buchdruckers Paul Minow, eines Epileptikers, der sich selbst beschuldigt, ermittelt worden sein. Eine Korrespondenz meldet: „Paul Minow wohnte zur Zeit der Attentate in der Fchr- bellinerst.raße 03. Er wurde nach dem Verbrechen von einen: Schutzmann aufgesucht, doch wußte er jeden Verdacht zu ent- kräften. Minow kam später nach der Jrrenaxsstalt Hcrzbergc, wo er Aeußerungen fallen ließ, die der Kriminalpolizei Anlaß zu weiteren Nachforschungen(jaben. Die Ermittelungen belasteten den Verhafteten derart, daß er gestern an den Schauplatz der Verbrechen zu einer Ortsbesichtigung geführt wurde. Paul Minow ist 22 Jahre alt, Sohn einer Zimmer- mannswitwe und lernte die Buchdruckcrci. In den letzten vier Jahren war er meist in Wuhlgarten als Epileptiker interniert. Aus seinen Wunsch nahm ihn seine Mutter mehrmals zu sich in die Wohnung, so auch am 4. Juli dieses Jahres. Am 2. September bestahl er seine Schwester und wurde nun nach Herzberge gebracht. Hier sollte er kürzlich operiert werden, was ihn in eine gedrückte Stimmung versetzte. Eines Tages fing er an von den Kinder- morden im Nordosten zu sprechen. Vor den Kommissaren Wan- nowskt und v. Trcsckow brachte Minow, der sich nun selbst der Taten beschuldigte, Einzelheiten von dem Verbrechen vor, die bis- her weder in den Akten, noch durch die öffentlichen Mitteilungen bekannt geworden sind. Als Beweggrund gibt Minow an. er habe seiner Mutter und seiner Schwester einen Streich spielen wollen, die ihn zur Arbeit hatten zwingen Wollen. In der Wut über die Vorwürfe sei er auf die Straße gelaufen, um sich auszutoben. Da seien ihm die Kinder in den Weg gelaufen, und nun sei er ohne Besinnen über sie hergefallen. Schwerwiegender als das Ge- ständnis sind seine genauen Angaben über die Oertlichkeiten, die in Betracht kommen. Sie bestätigten sich alle. Der Weg, den er nach seiner Darstellung bei der Ausübung der Verbrechen genommen hat, ist aber nicht der, den man nach den vorhandenen Spuren und Bekundungen annahm, sondern ein ganz entgegengesetzter. Alle seine Ortsangaben stimmen mit dieser Richtung übcrein. Minow ging durch die Fchrbcllinerstraße über den Teutoburger Platz, durch die Schönhauser Allee, durch die Weißenburger-, Wörther-, Ryke- und Tresckowstraßc, die Prenzlauer Allee, die Raabe-, Wins-, Heinersdorfer- und Grcifslvalderstraße und die Friedeustraße wieder nach der Prenzlauer Allee und dann nach dem Alexandcrplatz. Minow mußte bei dem Rundgang zur Ortsbesichtigung selbst führen. Der Verdächtige zeigte nun, wo und wie er in der Ryke- straße die kleine Grete Pallnitz mit einer Tüte in der Hand traf, ihr nach dem Hausflur nachging und sie dort niederstach. Die An- gäbe, daß das Kind nicht geschrien habe, ivar bisher nirgends erwähnt, ist aber richtig, da die beiden Stiche in das Herz trafen und das Kind sofort töteten. In der HeinerSdorferstraße sah Minow die kleine Hertha Senst noch, die gerade in das Haus hineinging, als er um die Ecke kam. Auch über diese fiel er, wie er sagt, noch her, ohne zu wissen weshalb. In der Greifswalder- straße sprach man schon lebhaft über die Bluttaten. Minow kam jetzt zum Bewußtsein, was ihm bevorstand. Deshalb warf er das Messer in einen Gully, dessen Lage er auch in Hcrzberge genau angab und zu dem er die Kriminalbeamten hinführte. Bemerkens- wert war besonders die Besichtigung in der Prenzlauer Allee. Hier haben drei Häuser nebeneinander ziemlich gleiche Eingänge. Minow fand aber sofort den richtigen und erkannte ferner, daß der Flur eine kleine Veränderung erfahren hatte. Minow bezeichnet die Annahme, daß er sich stark mit Blut besudelt habe, als unrichtig. Er habe nur sein Taschenmesser und seine Hände etwas befleckt. Auf dem Alcxanderplatz wollte der Täter sehen, was nun geschehen werde, dann ging er nach Hause. Mehrere Personen, die zur Zeit der Tat den Verbrecher flüchtig sahen, erkannten ihn bei der Gegenüberstellung von Kriminalinspcktor Braun nicht wieder. Er erscheint aber dennoch so schwer belastet, daß er der Staatsanwalt- schaft vorgeführt wird."_ Vom Bau der Untergrundbahn. Vor der Straßenregulierung und der Wiederbebanung des sogenannten„Scheunenviertels" läßt die Hochbahn-Gcsellschaft hier schon einen Teil des Bahn- tunncls der Strecke Alexanderplatz— Schönhauser Allee einbauen. Diese Linie verfolgt bekanntlich die Münz- und Kaiser Wilhelm- straße und durchschneidet sodann das„Scheunenviertel" unterhalb der westlichen, zum Schönhauser Tor führenden Gabelstraßc. Soweit das Baugelände freigelegt worden ist, sollen nun die Seiten» wände des Bahntunnels w die Straße eingebaut werden. Diese Arbeite:: sind nunmehr, vorläufig auf einer Strecke von etwa 200 Metern, in Angriff genommen worden.— Für das neue Eckhans am S p i t t e l» markt, Niederwallstr. 23, welches in die Flucht der anstoßenden Gebäude zurückgerückt werden wird, sind nunmehr die Fundament- mauern nach der Niederwallstraße zu fertiggestellt; es wird nun die Wasserhaltung montiert werden, zu welchem Beoufe noch zwei Rohr- brunnen gebohrt werden müssen. Danach erst kann an den Abbruch der alten Fundamente herangegangen werden, welche noch in das Profil des Bahntunnels hineinragen. Die zur Absteifung der Seiten- wände erforderlichen Eisenträger sind bereits eingerammt worden.— Freischwebende Eisenbrücken, wie eine solche unter dem Fahrdamm der Leipzigerstraße eingebaut worden ist, werden auch in wr Mohren- und Friedrichstraßenkrcuzung. in der Markgrafenstraße und �m Hansvogteiplatz(Oberwallstraße) ausgeführt werden, damit d'e Bahn sparer ungefährdet durch einen zweiten Tunnel gekreuzt werden kann. An der Markgrafenstraße würde sich dieser kostspielige Eisen- bau erübrigen, wem: die Führung der städtischen Nord Süd-Linie durch die Friedrichstraße definitiv feststände; da dies nicht der Fall ist, so mußte für beide Kreuzungspunkte Vorsorge getroffen werden. Die schweren Eisenträger dürften bereits in Monatsfrist angeliefert und dann mit der Montage begonnen werden. An den Kreuzungs- stellen des Tunnels mit der Wilhelmstraße, der Charlottenstraße und dem Hrnipttahrweg am Spittelm arkt lim Zuge der Gertraudten- und Seydelstraße) werden zun: Schutze gegen lllnfiige Uittertunnelungen nur schwere Eisenträger in die Tunnelsohle eingebettet. Opfer des Straßenverkehrs. Drei schwere Verkehrsunsälle haben sich vorgestern abend zu» getragen. Am Halleschen Tor wurde der 45 Jahre alte Handwerker Paul Fürstcr, Möckernstr. 06 wohnhaft, von einem Automobil- oinnibuS der Linie 4 überfahren und so schwer verletzt, daß er ir> fast hoffnungslosem Zustand in das Krankenhaus Moabit gebracht werden mutzte. F. hatte den Fahrdamm zwischen der Blücher- und Bellealliancestraße überschreiten wollen, als er von dem Automobil- omnibus, der in recht scharfem Tempo um die Kurve herumfuhr, erfaßt und unter die Räder geschlendert wurde. Er zog sich einen schweren Schädelbruch sowie eine Gehirnerschütterung zu und wurde in be> sinnungSlosem Zustande vom Platze getragen.— In der Köpenicker- straße wurde der 63 Jahre alte Zeitungshändler Otto Ballack Mühlenstraße 56 beim Ueberschreilen des Fahrdammes von einem Lastwagen überfahren. Der rechte Unterschenkel wurde dem Ver» uiiglückten vollständig zermalmt. Auch innere Verletzungen hat er anscheinend erlitten. V. fand in bedenklichem Zustande im Kranken- hause an: Urban Aufnahme.— Ein schwerer Slraßenbahnnnfall hat sich vorgestern abend in der Hauptstraße ereignet. Der in der Zinnner- mannstraße 4 in Steglitz wobnhafte 27 Jahre alte Gustav Rotbier wollte einen nach Steglitz fahrenden Straßenbahnwagen besteigen. Er hatte soeben die Plattform erreicht, als er plötzlich von einem Schivindelanfall heimgesucht wurde und rücklings auf den Fahrdamm stürzte. Er erlitt einen komplizierten Schädelbruch und wurde in das Schöuebergcr Krankenhaus eingeliefert. Die Wahlen der GcldsackSvertreter für die I. Abteilung haben gestern stattgefunden. Teilnehmen an diesen Wahlen konnten nur Leute, die mindestens 4481 M. Steuern zahlen. Das ist natürlich nur eine kleine Anzahl. Von einer Wahl kann in dieser Abteilung deshalb keine Rede sein. Die Vertreter wurden ernannt und zwar mit folgender Sttmmenzahl: 1. Bezirk: Fabrikbesitzer Lemp(A. L.) 32 Stimmen. 2. Bezirk: Geh. Medizinalrat Professor Dr. Landau(A. L.) 28 Stimmen. 3. Bezirk: Bank- dixeltor Mommsen(Fr. Fr.) 30 Stimmen. 4. Bezirk: Stadt- verordnetenvorsteher-Srellvcrtreter Michelet(Fr. Fr.) 24 Stimmen. 5. Bezirk: Bauineister Albert Liebeherr(b. k. Fr.) 36 Stimmen. 6. Be- zirk: Rechtsanwalt Gnlland(A. L.) 57 Stimmen. 7. Bezirk: Stadtv. Nelke(A. L.) 71 Stinnnen. 8. Bezirk: Stadtv. Solnitz (Fr. F.) 58 Stinnnen. 9. Bezirk: Professor Dr. Hellwig(A. L.) 51 Stimmen. 10. Bezirk: Syndikus Dowe(A. L.) 33 Stimmen. 11. Bezirk: Bankier Lindau(N. L.) 20 Stimmen. 12. Bezirk: Dr. Langerhans(A. L.) 43 Stimmen. 13. Bezirk: Stadtv. Zylicz (A. L.) 52 Stimmen. 14. Bezirk: Stadtv. Dr. Hermes(A. L.) Stiinmen. 15. Bezirk: Stadtv. Mosch(A. L.) 60 Stimmen. 16. Bezirk: Stadtv. Sachs(A. L.) 51 Stimmen. Der Minister läßt sich entschuldigen. Eine Korrespondenz meldet:„Wie ernst es unsere Minister mit der konservativ- liberalen Paarung nehmen, beweist eine kleine Episode, die Donnerstagnachmittag in: Wahllokal des 1. Bezirkes viel Auf» sehen erregte. Dort, wo der liberale Kandidat, Stadtverordneter Jacob:, ohne Gegenkandidat aufgestellt war, erschien mittags ein höherer Beamter des Finanzministeriums, um seiner Wahlpflicht Genüge zu leisten. Gleichzeitig gab der Herr im Namen des Finanzministers Exzellenz v. Nheinbaben die offizielle Erklärung ab, daß der Herr Minister um Entschuldigung bitten lasse, wenn er nicht an der Wahlurne erscheinen könne. Er sei jedoch pcrreijt und könne aus diesem Grunde nicht zur Wahl kommen." Eiscniahnertod. In geradezu unheimlicher Weise häufen sich in der letzten Zeit die Eisenbahnunfälle auf den Bahnkörpern bei Strakau-Rnmmels- bürg. Innerhalb kurzer Zeit haben sich dort nicht weniger als sieben schwere Unfälle ereignet, von denen drei tödlich verliefen. Auch gestern wurde uns ivicder über einen Unglücksfall berichtet, wobei ein Beamter einen schrecklichen Tod fand. Der 48 Jahre alte Schaffner Ludwig Werner aus der Türrschmidtstraße 38 in Rummels- bürg wurde auf dem Rnngierbahnhof überfahren und auf der Stelle getötet. W., der bereits seit 18 Jahren im Dienste der Eisenbahn stand, hatte die Bremse eines Güterzuges bedient. Während nun der Zug anhielt und etwa eine halbe Stunde lang vergeblich ans die Einfahrt wartete, stieg W. von seinem Waggonsitz herunter und w:i:de von einem ans entgegengesetzter Richtung kommenden Eil- güterzng erfaßt und niedergerissen. Dem Bedauernswerten wurde das linke Bein vollständig zermalmt und die Schädeldccke zer- trümmert, so daß der Tod sofort eintrat. Ein tödlicher Bauunfall ereignete sich am Donnerstag abend gegen 7 Uhr auf dein Grundstück Stolpischestr. 53. Der auf diesem Neubau beschäftigte 43 jährige Maurer August Gericke, Wilhelm Stolzestr. 20 wohnhaft, war zur genannten Zeit in der Höhe der zweireu Etage beschäftigt. G. verlor plötzlich das Gleichgelvicht und kürzte kopfüber in die Tiefe. Er wurde nach der Unfall- tation II in der Schönhauser Allee gebracht, verstarb jedoch schon aus dem Trausport dorthin an einer schweren Schädelverletzung. Im Grunewald erschossen hat sich vorgestern ein unbekannter Lebensmüder. In der Nähe von Nikolassee jagte er sich eine Kugel in die Schläfe und sank tot nieder. Der Selbstmöder dürfte etwa 40 Jahre alt gewesen sein und anscheinend hat er den besseren Ständen angehört. Ein silberner Stock, den er bei sich führte, trägt das Monogramm W. P., während das Taschentuch und das Hemd mit dem Buchstaben W. versehen war. Gegen die Schwindclkaffe::. DaS Polizeipräsidium teilt mit:„Die als eingeschriebene Hülfs» lasse zugelassene Brandenburgische Krankenkasse zu Berlin, deren Ge» schästslokal sich zurzeit Berlin N., Invaliden st r. 129 II, be» Hübet, hat in der am 5, August 1907 stattgehabten Generalversammlung an p e r s ö n l i ch e n Verwaltuugskosten bewilligt: (0 fiir jede einberufene Borstandssitzung und awat für jedes Vorstandsmitglied 20 Mark, also für fünf Borstandsmitglieder 100 Mark. b) für den Vorsitzenden(Direktor) ein Gehalt von 4S00 bis 5100 Mark. o) für den Redanten(Bureauchef) ein Gehalt von 1200 bis 1500 Mark.„.. Die hiernach der Kasie zur Last fallenden persönliche.. Verwaltungskosten find derartig hoch, das, in Berücksichtigung der noch hinzutretenden Gebühren und Provisionen für die General- agenten und der nicht unbedeutenden sächlichen VerwallungS. kosten von vornherein die dauernde Lebensunfähig- keit der Kasse anzunehmen ist." ES ist erfreulich, daß das Polizeipräsidium in neuerer Zeit sich eingehender mit den Schioindelkassen beschäftigt und ihrem geschäft- lichen Gebaren größere Aufmerksamkeit zuwendet. Wir haben ii. unserer Presse wiederholt vor Schwindelkassen gewarnt und auch sonst ist von Vertretern der Krankenkassen auf den schwindelhaften Charakter der sogenannten Volkskrankenkassen schon oft hingewiesen worden. In solchen Fällen ist es aber vorgekommen daß Behörden nicht gegen die Schwindelkassen, sondern gegen die� jenigen vorging, die das Treiben der Schwindelkassen aufdeckten, wie dies in Hannover gescheheii ist. Hoffentlich erlahmt die Behörde nicht in dem Bestreben, weitere Kreise vor Schaden zu bewahren. Bei dieser Gelegenheit möchten wir eine Frage stellen: Wie steht cZ denn mit der sehr bekannten Kaste„Vollswohl", von der schon so viel die Rede war? Selbstmord eines Rekruten des Kaiser Franz-Garde-Grenadier. Regiments Nr. 2. Der Rekrut P. der achten Kompagnie des Kaiser Franz- Garde- Grenadier- Regiments Nr. 2 in der Blücherstraße. welcher seit dem 1. Oktober seiner Militärpflicht bei dem genannten Regiment genügte, hat Selbstmord verübt. Er erhängte sich in der Latrine. Seine Leiche wurde später von Kameraden gefunden und abgeschnitten. Ueber die Gründe, die den hoffnungsvollen jungen Mann in den Tod getrieben haben, herrscht bis jetzt noch Dunkel. Eine Untersuchung dieses Falles ist sofort eingeleitet worden und dürfte hoffentlich baldigst Licht in die Affäre bringen. Wer ist die Tote? Am 2. November d. I., vormittags gegen 7'.� Uhr, wurde aus dem Landwehrkanal an der Unterschleusen. brücke die Leiche einer 00 bis 65 Jahre alten, anscheinend dem Ar. bciterstande angehörenden Frau, deren Persönlichkeit bis jetzt noch nicht festgestellt werden konnte, gelandet. Die Leiche ist 1,42 Meter groß, hat volles, stark ergrautes Haar, blastcs, etwas eingefallenes Gesicht, niedrige Stirn, graublaue Augen, ergraute Augenbrauen, mittelgroße Ohren mit Löchern für Ohrringe, keine Zähne und spitzes Kinn. Bekleidet war dieselbe mit weißleincnem Hemd und ebensolchen Bcinkleindcrn, braunem Korsett, blauer Cheviottaille, schwarzem NocT und Unterrock, schwarzen Strümpfen, schwarzen Strumpfbändern, schwarzen Gummizugstiefeln und schwarzem Hut mit kleiner, schwarzer Feder. Es wurden bei der Leiche vor- gefunden: ein weißes, leinenes Taschentuch und ein schokoladen farbiges Halstuch. Das aus dem Hemd und Taschentuch ent. fernte Monogramm dürfte vielleicht dl. 8. 11 gelautet haben. An- gaben zur Sache tverden an die Kriminalpolizei oder ein Polizei- rcvier zu den Akten 8682 IV/4l. 07 erbeten. Ein gewaltiger Dachstnhlbrand wütete gestern(Freitag) abend kn der M a h l o w e r st r a ß e 12 auf Rixdorfcr Gebiet. Die dortige Feuerwehr mußte mit vier Schlauchleitungen eingreifen, um die Gefahr zu beseitigen. Besonders hatten die Löschmann- schaftcn unter einer starken R a u ch e n t w i ck e l u n g zu leiden. Der Dachstuhl des großen Eckhauses wurde vollständig zerstört. Personen sind nicht verletzt worden. Ueber die Entstehungsursache des Feuers konnte noch nichts ermittelt werden. Arbeiter-BildungSschule Berlin. Sonntag, den 10. November, bormittags 10 Uhr: Gesetzeskunde für den am Mittwoch (Zahlabend) ausfallenden Unterricht. Morgen abend 7 Uhr im großen Saale des Gewerkschafts- Hauses, Engel-Ufer 15: E i ch c n d o r ff- A be n d unter Mit- Wirkung hervorragender Kräfte. Billetts a 50 Pf. sind bei Horsch, Engel-Ufer 15, Gottfr. Schulz, Kottbuser Tor, Reul, Barnimstr. 45, Bogel, Lortzingstr. 37, Fahrow, Ravenestr. 6, und an der Kasse zu haben. Um Störungen zu vermeiden, ist frühzeitige Billett- entnähme geboten. Im Thalia-Theater bildete am Donnerstagabend die Erst- aufführung des Schwankes:»Die gelbe Gefahr" von Kraatz und Okonkowskh die Ursache zu einem lustigen, fidelen Abend. Witz und Humor steckten reichlich in dem Stück, in dem eine böse Schwiegermutter den Mittelpunkt bildet. Als„gelbe Gefahr" stellt sich eine Japanerin und schließlich auch deren Lieb- haber ein und mit Hülfe des letzteren wird die„Böse Sieben" zu- guterletzt gänzlich unschädlich gemacht. Die drastischsten Situationen werden heraufbeschworen; in einer solchen stellt sich der junge Assessor Hartenstein seiner eigenen Frau als ihr Schwager vor, der schließlich in die Lage kommt, zu seiner eigenen Beerdigung gehen zu sollen, bis die Seifenblase platzt. Herr Schönfcld hat einige hübsche Gcsangstcxte geliefert, wozu Herr Einödshofer eine recht einschmeichelnde Musik geschrieben hat. Gespielt wurde vor- züglich, besonders die Herren Sondermann, Rick, Junkermann und Olfers und die Damen Junker-Schatz, Enuni Mehlen und Helene Ballot verdienen alle Anerkennung. Feuerwehrbericht. In der Nacht zum Freitag kam ein sehr gefähr- licher Brand in der bekannten chemischen Fabrik von Schering auf Dem Wedding zum Ausbruch. Dort braiinten unter Entwickelung giftiger Dämpfe Schwefel, Zink und Naphtalin auf Holzgestellen. Tie Feuerwehr mußte unter Beobachtung großer Vorsicht mit drei Schlauchleitungen längere Zeit kräftig Wasser geben, um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Die Entstehung wird auf Selbstentziinduug von Schwefel zurückgeführt. Um 11 Uhr nachts brannten Köpenickerstr. 7a. Fußböden, Decken, Balkenlagen n. a. und um 4 Uhr nachts Möbel auf dem Boden des Hanfes Soldinerstr. 109. Ferner hatte die Wehr in der MarkuSstr. 25 zu tun, wo Stroh u. a. in Brand geraten tvar. In der Kastanien-Allee 7g wurden Knaben- anzüge in einer Schneiderei ein Raub der Flammen. Außerdem hatte die Feuerlvchr in der Waßmanustr. 6 um 4 Uhr nachts u. a. Stellen zu tiin. Vorort- j�acbricbten. Rixdorf. Die Stabtverordiietcnvcrsammlnng hatte in ihrer Sitzung am Donnerstag einige Wahlen auf der Tagesordnung� ivclche teils eine Folge des Ablebens des Oberbürgermeisters Boddin, teils durch oie Wahl des Stadtrats Seydel in den Charlottenburger Magistrat bedingt waren. In erster Reihe drehte es sich um die Ersatzwahl des Abgeord- neten für den Provinziallandtag. An Stelle Boddins wurde hier fein Amtsnachfolger, der Erste Bürgermeister Kaiser, einstimmig gewählt. Der nächste Punkt war: Wahl des zweiten Bürgermeisters. In dieser Angelegenheit war ein Erkleckliches am Kulissenarbeit in den bürgerlichen Gruppen geleistet worden; handelte eö sich doch um nichts Geringeres, als den alleinigen Kandidaten durch- zubringen, obwohl dieser erst vor einem Vierteljahr bei der gleichen Wahl mit ganzen 7 Stimmen glatt durchgefallen war. Schon im .Wahlausschuß hatte es heftige Auseinandersetzungen mit den sozial- demokratischen Mitgliedern gegeben, so daß die Spannung, mit der die Versammlung an diese Wahl ging, begreiflich war. Ein- geleitet würde der Wahlalt durch einen geschäftsordnungsmäßigen Antrag des Stadtv. Wutzky(Soz.), den dieser etwa wie folgt begründete: Meine Freunde sind mit dem Vorschlage des Wahl- ausschusses, den Posten des 2. Bürgermeisters ohne Ausschreibung zu besetzen, nicht einverstanden. Wr halten den von dem Ausschüsse in Aussicht genommenen Kandidaten für nicht ausreichend guali- fizicrt und sind überzeugt, daß bei Ausschreibung bessere Bc- Werber zur Verfügung sein werden. Diese Auffassung war ja auch bis vor kurzem auf der anderen Seite vorhanden und hat in sehr drastischen Worten hier und da ihren Ausdruck gefunden; trotzdem ist hier eigentümlicherweise ein kompletter Ilmfall in der Beurteilung des Kandidaten zu verzeichnen.(Zuruf des Stadtv. Rahmig: Er hat sich gebessert!) Es liegt darin ein Mangel von Verantwortlichteitsgefühl gegenüber der Stadt, für den die sozial- demokratische Fraktion kein Verständnis hat. Wir ändern nicht im Handumdrehen unsere Auffassung über die Fähigkeiten eines Mannes und lehnen eine solche Wahl ab. Es ist unbedingt nötig, die Stelle auszuschreiben; wir beantragen daher Absetzung der Wahl von der Tagesordnung.— War es die Unbestreitbarkeit der'charakteristischen Ausführungen unseres Genossen, waren es schlagende Gewissen, gleichviel: die Mehrheit blieb mäuschenstill und steckte den Vorwurf unlauterer Machenschaften ein. Der Berichterstatter deö Wahlausschusses empfahl hierauf mit wenigen Worten, die sichtlich unter dem Eindruck des Vorhergegangenen standen, als Kandidaten den Stadtrat Dr. Wcinrcich. Nachdem die bürgerliche Mehrheit den sozialdemokratischen Antrag vmmutig niedergestimmt hatte, wurde die Wahl vorgenommen. Von 55 Stimmzetteln lauteten 38 auf Dr. Weinreich, 17 waren wafz und wurden für ungültig erklärt. Die Herren Einpeitscher der Rechten hatten ihren Schweiß nicht umsonst vergossen, ihr Kandidat wurde gewählt. Es.folgte eine Stadtratswahl. Kandidat war der bisherige Bureaudirektor des Magistrats Paul Mier. Derselbe ist mit dem 16. Lebensjahr in die Rixdorfer Kommunalverwaltung eingetreten, hat also sozusagen von der Pike an sich heraufgearbeitet. Er galt allgemein als die rechte Hand des verstorbenen Oberbürgermeisters. Abgegeben wurden 54 Zettel, von denen 52 die Wahl des ge- nannten Kandidaten herbeiführten. 2 Zettel waren ungültig. Dem Neugewählten sind die Geschäfte eines Kämmerers zugedacht, für welche ein besonderer Posten bisher nicht bestand. Mit Rücksicht auf die aus dem gesteigerten Verkehr sich ergebende Ausdehnung des städtischen Omnibusbetriebcs beantragt der Magistrat den Ankauf weiterer 10 Pferde zum Preise von 8000 M. Nachdem der Wagenpark um drei Omnibusse vermehrt worden war, mutzten Pferde der Straßenreinigung sowohl als auch Mietpferde herangezogen werden. An den Wochentagen sind jetzt 6. an Sonntagen 10 und 11 Wagen im Betriebe.— Die Versammlung stimmte der Vorlage debattelos zu.— Die gleiche Erledigung fand die verlangte Anstellung von drei neuen Vorschullehrern am Realgymnasium in der Kaiser Friedrich- straße. In der folgenden geheimen Sitzung wurden die rcliktenver- sorgungsbercchtigten Dienstzeiten einiger Magistratsmitglieder fest- gelegt. Ferner beschloß die Versammlung den Ankauf des Straub- scheu Grundstücks an der Ecke der Berliner- und Münchenerstraße, sowie eines Terrains von rund 130 Morgen an der Rudower Chaussee(zwischen Buschkrug und dem neuen städtischen Kranken- hause) zu Friedhofszwecken. Der Kaufpreis des letzteren Grund- stücks beträgt 543 286 M.— Bürgerliche SNeinungsfabrikation. Geschwindigkeit soll ia .eine Hexerei sein. In der letzten Stadtverordnetenversammlung hatten gläubige Gemuter doch beinahe zum Gegenteil bekehrt werden rnr-f?'~IcS hat fast die„Rixdorfer Zeitung", ein Blattchen vom berüchtigten parteilosen„Generalanzeiger"-Stil, fcrnggebracht' sie hat ihre Konkurrentin auf dem Gebiete Partei- licher Parteiloslgkeit und meinungsloser Hirnvcrsumpfung um einige Nasenlangen geschlagen. Mit unheimlicher Schnelligkeit, wenige Minuten nach der Bürgermcisterwahl. konnte sie den staunend schauenden Stadtvätern schon, deren Großtat schwarz auf weiß gedruckt und mit obligaten Porträts versehen, feierlich über- reichen lassen. Ein„sckwungvollcr" Hymnus feierte die emmenten Verdienste des ehcn erst gewählten Bürgermeisters um die Stadt Rixdorf.. Besonders.die glorreichen- Schulverhältniffe wurden- herausgestrichen und dem Ncugcwählten als Verdicilst angerechnet. Fast glaubte man beim Lesen eine der Reden des Herrn Stadtrats, jetzigen Bürgermeisters, zu hören: Ripdorf kann stolz auf seine Schulen sein! Geradezu phonographenhaft kopiert sind diese Worte. Daß ferner die bösen nörgelnden Sozis eins ausgewischt kriegen. nimmt nicht Wunder— doch geschieht's diesmal durch die Blume, um die Feststimmung nicht zu beeinträchtigen. Alles in allem ein respektabler, langer Artikel, der der Fixigkeit der beteiligten Buch- drucker alle Ehre machen würde, wenn man nicht wüßte, wie in dieser Wahlangelegenheit„gearbeitet" wurde. Man konnte der Bürgerschaft eben nicht früh genug wissen lassen, welches Heil der „guten Stadt Rixdorf" widerfahren ist. Schief gehen konnte die Sache ja nicht mehr, da alle Gewissen— soweit vorhanden— vollkommen„beruhigt" worden waren. Die„Wahl" loar ja bereits .noffizicll vollzogen; es war nur noch ein bißche»— Empfindungs- losigkeit gegenüber den„Roten" notwendig, dann mußte alles „klappen". Und es klappte, wie Figura zeigt, wenn auch die Hast, mit der man am Werke war, tief blicken läßt. Wie mag dem Gewählten wohl bei der Tätigkeit seiner freiwilligen Wahl- kommiffare zumute sein?! Ein schwerer Bauunfall hat sich gestern nachmittag auf dem Grundstück Siegfriedstr. 16 ereignet. Es werde» dort gegenwärtig die Fundamentgenbe» für einen Neubau hergestellt. Eine der Erdwände war dabei nicht abgesteift worden und alsder Bauarbeiter WilhelmSchneegas aus der Steiumetzstr. 29 gestern in der Baugrube tätig war, stürzte die mehrere Meter hohe Wand ein. Sch. wurde unter den Erdinassen vollständig verschüttet. Arbeitskollegen, die den Unfall bemerkt hatten, sprangen sofort hinzu und machten sich an die Rettung ihres verunglückten Kameraden. ES gelang ihnen auch nach angestrengter Tätigkeit, den Verunglückten noch'lebend ans Tageslicht zu be- fördern. Sch. hatte aber schwere innere Verletzungen erlitten und niußte in einem Krankenwagen in das städtische Krankenhaus ge- bracht werden. Ein großer Dachstnhlbrand ereignete sich gestern nachmittag gegen l/„5 llhr in dem Hause Malchowerstraße, Ecke Fontauestraße. Trotz der erheblichen Aiistreiigungen der sofort herbeigerufenen Feuerwehr wurde der vierte Stock des Hauses erheblich in Mitleidenschaft ge- zogen. Ueber die Entstehungsursache deS Brandes war bis zur Stunde noch nichts bekannt. Lichteuberg. Ms Schildknappe des BiirgervereinS geriert sich die hiesige VolkSzeitung", indem sie denselben gegen den„Vorwärts" in Schutz zu nehmen sucht. Das Blättche» will es nicht ivahr haben, daß der Bin gerverein plötzlich Mißstände im Post- und Verkehrswesen ent- deckt habe, um dem Bruder Wähler sich in Empfehlende Eriimerung z» bringen. Es nennt diese von»ns aufgestellte Behauptung eine Lüge. Im Anschluß hieran stellt es das Blatt so dar, als habe ge- nannter Verein sich auch früher schon des öfteren mit Verkehrsfragen beschäftigt; ja, dank der unermüdlichen Bestrebungen des Vereins sollen den Arbeiten! wesentliche Vorteile geschaffen worden sein. Wir sind leider nickt naiv genug, um das zu glauben, was uns die „VolkSzeitung" aufmutzeu will. Tie Bedeutung des Bürgervereins für das Gemeinbeleben wird am besten durch folgenden, erst kürzlich im Bürgerverein ausgesprochenen Satz illustriert: Dre Städteordnililg ist ein Juwel in der Mauerkrone des Bürger- tumS. ES ist diesem dadurch gestattet, sich selbst� in der Erledigung seiner materiellen und geistigen Bedürfnisse als Staatsanaehörige zu betätigen, im wesentlichen angewiesen auf des eigenen Verstandes Er- messen, nicht augewiesen auf Llnsichtund Wahl derstaatlichenBehörden.(!) Dieser unter Beifall der Bürgervereinler aufgestellte Grundsatz des Bürgervereins rechtfertigt doch wohl auch unsere Ansicht, daß der Bürgerverein mit Allgemeininteresseu nichts geinein hat. Die zum Schluß von dem Blättchen zur Wahrung der Jnter- esien des Bürgervereius an die„Lehrer, Beamte, Gastwirte, Kauf- leute, HandluugSgehülfen, Werkmeister und Techniker" gerichtete Auf- forderuug, in den Bürgerverein einzutreten, ist nur eine Bestätigung unserer Ansicht. Das Blättchen weiß schon, an welche Adresse es sich zunächst zu richten hat. Die Arbeiterschaft wird ihren Feinde» schon ein nötiges Paroli entgegenzusetzen wissen. Die kaiserliche Kabinettsordcr, die die Verleihung der Stadt- rechte an die Gemeinde Lichtenberg ausspricht, ist am 8. November dem Gemeuidevorstande amtlich zugestellt. Danach ist Lichtenberg mit dem 5. November 1097 die Annahme der städtischen Ver- fassuug genehmigt und Stadt geworden. Gleichzeitig werden die Ge- meindebehörden mit der kommissarischen Verwaltung der Stadt be- traut und veranlaßt, die Wählerlisten zur Stadlverordnetenwal/' auszulegen. Schöneberg. Ein schwerer UuglückSsall ereignete sich gestern morgen gegen '/k2 Uhr an der Ecke Lützow- und Flottwelistraße. AlS der aus dek Linkstraße kommende letzte Steglitzer Iii- Wagen die an dieser Stelle belegene Haltestelle passiert hatte, ließ der auf dem Vorderperrott des Anhängers stehende Techniker G. Rothbühr. Steglitz, Zimmer« mannstraße 4, den Griff los, um seinem Portemonnaie das Fahrgel» zu entnehmen. Da in diesem Moment der Wagen eine kleine Kurvt zu nehmen hatte, verlor R. das Gleickgewicht und stürzte so un» glücklich auf den Asphalt, daß er besinnungslos liegen blieb. K» halte außer einem Schädelbruch eine schlvere Gehirnerschütterung erlitten und wurde nach Anlegung eines Notverbandes von det Unfallstation in der Herberlstratze nach dem Schöneberger städtischen Krankenhause geschafft, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu habe» Steglitz. Eine günstige Gelegenheit für unsere hiesigen Parteigenossen« eine künstlerische Veranstaltung für billiges Geld zu besuchen, bietet sich am heutigen Sonnabend, den 9. November. Der Wilmersdorfer Wahlverein veranstaltet im„Luisenpark" einen Vortragsabend, dessen Programm gediegenes verspricht. Die biesigen Parteigenossen können Eintrittskarten zum Preise von 60 Pf. bei dem Genossen Winkelmann, Schloßstraße 104, erhalten. Charlottenburg. Die Stadtverordneten-Stichwahlen der dritten Abteilung finden uns geivordener Mitteilung zufolge nicht am 25., sondern ait 26. November statt. Reinickendorf. Eine gut ausgerüstete Räuberhöhle ist hier durch einen Zufall entdeckt worden. Als ein Gendarm gestern nachmittag ein wenig begangenes, brach liegendes Feldterrain an der Witrenaner Grenz« überschritt, bemerke er. daß an einer Stelle die Sandfläcke mit Rasen abgedeckt war. Er stieß mit dem Fuß dagegen und zu seiner« Erstaunen entstand an dieser Stelle eine kleine Oeffmmg. Ter Bei amte rief einige Männer zu Hülfe und ließ die Rasenstücke ent» fernen. Unter dem Rasen kam eine eiserne Platte zum Vorschein. die mit Luftlöchern versehen war. Als nun auch der Deckel entfernt wurde, kam eine geräumige, etwa 2 Meter tiefe Höhle zum Vorschein, die innen abgesteift war, um ein Einstürzen der Sand- wände zu verhindern. Auf dem Grunde der Höhle, die drei bis vier Männern bequem Umerschlnpf gewähren konnte, wurden ver- schiede»« Gegenstände, wie Sägen, eine Jagdbüchse, Schlagnetz, Vogelschlingen sowie ein großer, vorzüglich ausgerüsteter Handwerks- kästen, ferner Decken, sowie eine rohe Holzbank vorgefunden. Es ist anzunehmen, daß die Höhle von Wilddieben benutz! wurde, die/ dieser Stelle auch jedenfalls ihre Beute unterbrachten. Bernau. Ein Eisenbahnunfall, welcher leicht hätte schwerere Folgen nach sich ziehen können, ereignete sich vor einigen Tagen auf der Reinicken« dorf— Groß-Schönebecker Kleinbahn. Unmittelbar hinter Bahnhos B a s d o r f kreuzt die sehr belebte Prenzlauer Chaussee das Niveau der oben genannten Bahn, ohne daß eine Schranke den viel be« fabrenen Nebergang sickert. Abends gegen- 10 Uhr passierte de! Büdner Kampfer aus dem Dorfe Basdorf mit seinem Fuhrwert den' U'ebe'rgang, alS plötzlich ein Personenzug aus der Richtung von Schönwalde herangesaust kam. Der hintere Teil des Fuhrwerks wurde von dem Zuge erfaßt und zertrümmert. Rempfer selbst wurde tu weitem Bogen auf den Fahrdamm geschleudert und erlitt nicht unerhebliche Verletzungen. Bahnbcamte trugen ihn in einen Wage« desselben Zuges, mit welchem er dann nach dem nahen Dorf« Wandlitz transportiert wurde, dort wurde ihm auch die erste ärztlich! Hülse zu teil._ Bncfhaften der Redahtion. Dt« siiriftlf»« Svrcchstnnd« finde» giitdtnftraftc Nr. 3, zweite» Hof, dritter Eingang, vier Treppen, BW Fahrstuhl"ABCT wacheniägliih von?«/, bis!>'/, Ilhr abends statt. tSeoiiiie» 7 Uhr konnabends beginnt die Eprechstundc um S Ilhr. Jeder ilnsrag-<|t et« ttuchsiabe und eine eiahl als Merkzeiche» beizufügen. Äneilickie Antwort wird nicht erteil«. Eilige Fragen trage man in der Sprechftimde vor. St. 8. I. Ja.— 21. B.'i'Z. 1. Häusige Reinigung wird als einzige» Mittel empsohlen. Sie werden gut tun. sich an einen Gärtner zu wenden, da oft örlliche Umstände entscheiden können. 2. Nein.— P. 109. Verjährung liegt nicht vor.— St. W. 90. Wenn Bcllrafung crjolgt, wirk schwerlich aus weniger als zwei Monate Gesängnis erkannt werden.— Alter. Wenden Sie sich an die Vcnichcrungsaiiftait Berlin, Am Kölnische» Park 8.— O. L. 34. 1. Nein. 2. Ja 3. Ja: Eine Ilchcrnellung würde nicht zu verlangen sein. 4. Nein, 5. Ihre Frau kann Ihr Erbteil vcnauge» — H. 11. Leider nein. ES müssen bcstinimle SchcidungSgründe vor- banden sein. DaS Bürgerliche Gesetzbuch kennt als SchclduiigSgrund: 1. Ehebruch, Bigamie, widernatürliche Unzucht. 2. Trachten nach dein Leben des anderen. 3. Böswillige Berlasstmg lin der Regel aber erst nach einer Klage aus Herstellung der häuslichen Kemeinschast. 4. Geisteskrankheit, dik seit mindestens drei Jahren während der Ehre bestanden hat. 5. FcrnS kennt das Bürgerliche Gesetzbuch noch solgcndcn allgemeine» EhescheldungS grnnd deS§ 1568:„Ein Ehegatte kann aus Scheidung klagen, wenn det andere Ehegatte durch Verletzung der dinch die Ehe begründeten PslichtcU oder durch ehrloses oder unüllllchcS Bcrhaltcn eine so ticsc Zerrüllung de» ehelichen VerbälwisseS verschuldet hat, dnh dem Ehegatten die Fortsetzung der Ehe nichi zugemuiet werden kann. AlS grobe Verletzung der Pflichte» gilt auch grobe Rißhaudlung.' E. K. 34. Nein, es erben die Slies- geschwifter nicht mit.— Brandeubnrg 206. 1. Die Gemeinde cibl nichi mit. 2. Nein. 3. Ja. 4. Die Gemeinde kömiie bercils zu Lebzeiten der Ehefrau sich an das Vermögen des Mannes halten. Die Ehefrau mühte dann Widcrspruchslla ie dahin erheben, daß zuerst ihre und ihrer Kinder Unterhalt beslritlcn werde.— X, N Z. Nein, — O. M. 11. l. Wiewohl Verjährung nicht vorliegt, würde nssolge dek BestreilenS seitens der Chefin jetzt eine Klage aussichtslos sein. 2. War Ihre Frau Verkäusrrin, so ist das KanfmaimSgericht, war sie gewerbliche (Äehülstn. so ist daS Gcwcrbcgericht. sonst das Amtsgericht zuständig.— Ebeiiann. Diese Verpflichtung besteht leider aus Grund des Kirchen- gesetzcs vom Juni 190».— H. St., Stolaitlclrrafie, 1. u. 2. Ja.— (5. F. 1000. Ist der Verein als solcher verklagt, so hastet nur da« VereitiSvermögcn.— 929. SA., Nieder- Dchöucweide. i, bis 3 Nein. Wetter-Prognose für Zoiinabend, den 9. November>907. Trocken und vorwiegend heiler bei mäßigen südlichen Winden un? wenig veränderter Temperatur. Berliner Wette�rburea» WasserstandS-Nachrichtru der LandcZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r r g e l, Jnsterburg Weichsel, Thora Oder, Raübor , Kroffen . Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leimteritz . Dresden , Varby . Magdeburg Wasserstand «aale. Grochlitz Havel,«pandau«) _» Rathenow«) Spree, Sprcniberg') » BeeSkow Weser, Mündet» , Minden Rhein, MaximillattSau , Kaub Köln Neckar. Hcilbrotm Main, Wcriheim Mosel, Trier am j seit 7. II 6. 14 om i ernst 70!+ 4 80+ 1 117— 7 HO! 4 1431— 1 -103+ f -34-1 294!— 1 931— 4 74! 2 16!+ 1 IM »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Nnterpege� Unsere erprobten und bewährten Brenner nebst Ersatz- u. Zubehör-Teilen ZU unseren Listenpreisen eind erhältlich bei W. Kirl Haupt, Tauenzisnsfr. 14. P. Raddatz& Co., G. m. b. H. Leipzigerstr. 122(123. Emil Riedel, Potsdameretr. 92. R.&Th. Viereck, Potsdamertr. 85. NW. K. Ahrens, Alt-Moabit 77. 0. P. Neuendorf, Friedrichstr. ISO. sw. 0. P. Heuendorf, Blücherstr. 12. H. Schollwer, Yorkstr. 49. c. Erleb Flosky Nachf., Münzstr. 2. Martin GQIzow& Co., Seydelstr.26. Holtz 4 linke, f.andsbergerstr.Sä. Dr. Hermann Luz, Alte Schönbauaerstr. 30. N. Reinh. Beeker, Invalideastr. 164. Franz Strauch, Brunnenstr. 64. S43L* 8. Hermann Arnhold, AJexandrinenstr. 110. 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Wablvergammlangd.Arbeitnehffler. Am Sonntag. den 47. No- vembee 4S07. von 40 Uhr vor- mittag» bi» S Uhr nachmittags. finden im Restaurant» Lebensquelle- (alte.Arminhallen-), Kommandanten- slrage 20, die ErgänzungSwahlea der vre- treter zur Generalversammlung für die Jahre 1908 bis 1910 statt. TaaeS-Ordnuna: Wahl don 202 Arbeitnehmer. Vertretern der Kasseiimitglteder laut% 49 des KassenftatutS(6. Abänderung). AIS Legitimation dient das Mit- gliedsbuch oder eine veschelniguna des Arbeitgebers über eine die Ver- stcheruiigspsticht zur Kasse begründende Beschästigung. Um 3 Uhr werden die Türen ge- chiossrn. Späterlommende verlieren Wahlrecht. S Vadl versamml oug der Arbeltgeber. Am Donnerstag, den l»4. No- veinder 4SV7. abends Von 8 hiS 40 Uht. finden im Restaurant »LebenSqnelle*(alle. Armin hallen"), Kommandantenstr. 20, die ErgänzungSwahlrn der Ver- treter der Arbeitgeber zurGrnrral- Versammlung für dir Jahre 1908 bi» 1910 statt. TageS-Ordnong: Dahl von 91 Ardettgeber-Vertretern laut z 49 des KassenftatutS(6. Ab- änderung). MS Legitimation dient die letzte Rechnung oder Anmeldebescheinigung. Um lOUHr werden die Türen geschlossen. Spälerkommende verliere» ihr Wahl- recht. 277/lS Der vorstand. Gustav Nahtow, Vorsitzender, Paul Göritz, Schriftsuhrer. Gemeinsame Ortskranken- lasse für Mariendorf and Umgegend. Am Tonntag, de« 17. v. M.. vormittags 9'/» Uhr, findet im Restau- rant Purschke ZU Ntariendors. Chausseestratze Nr. 305, die DrdQiittt«4>« Gevernl-sei'SAmmIling statt, zu der die am 23. und 2b. Sep» tember d. I. gewählten Herren Dele. glertm hierdurch eingeladen werden. Tagesordnung: 4. Wahl dreier Arbeitnehmer-Ber- treter für den Vorstand, als Ersatz- wähl sür die auSgeschiedeum Vor» standSmilglieder. 2. Neuwahl elneS Arbeitgeber« und zweier Arbeitnehmer- Vertreter sür den Vorstand zur Wahlperiode für 1908 bis 1910. 3. Wahl dreier Revisoren zur Brü fiing der Iahresrechnung für 1907. 4. Verschiedenes. 277/IS Etwaige Anfragen, Beschwerden oder dergleichen, zu denen die Sin- fichtnadme der GeschäsiSbücher er» sorderlich ist. find dem Dorftande mindestens drei Tage vorher schrisUich ewzureichen. Marlendort, 5. November 1907. Der Toratand. P. Saedler, F. Fischer, Schriftführer. Vorsitzender. Aamnsptlldr«' . irr, Dtzd. von 60 Ps. m. iübrn, Dtzd. von 25 Ps. an. originelle Fiillarlikel. Ansteek- Sachen usw., Knallbonbons Dtzd. 20 Ps nn,[6242» Girlanden, Vereinsbedarf all. Art. vereinen Engrospreise m. Rabatt. Markgrafenetr. 99, Hosgebäude. Jllustr. Preisliste gratis n. sranto. Cgnlsnhgf Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. TodesnAnzelge* Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hermann kadr am 7. NovenÄer an Lungenleiden gestorben ist. Ghre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. November, nachmittags 8'/, Uhr. von der Leichenhalle des HeilandS-Kirch- hoseS in Plötzensee auS statt. Rege Beteiligimg wird erwartet. Kachrat. Den Kollegen zur Nachricht, bah unser Mitglied, der Schlosser Franz Hippel am 1. d. MtS. verunglückt ist. Ehre seine« Andenken t 159/12 Gle Ortsverwaltung. Verband d. baugewerblichen Hfilfsarbeiter Deutschlands. Zwelgverefn Berlin«. Umgegend. Bezirk Schönhauser Vorstadt. Todes- Anselge. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dag unser Kollege 46/6 Hermana Liebig am 6. November verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Montag, den lt. November, nachmiltunS 8'/, Uhr. von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhose», Nordend, auS stall Um recht rege Beteiligung ersucht Ger Zweigvereineversland. Zentral-Kranken- o. Sterbekasse der dentsehen Vagenbaner. Berlin 10. Todes• Anssoige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß da» Mitglied Rudolf Strahl am 6. d. M. verstorben' ist. Ehre seine« Andenke« k Die Beerdigung findet am Sonntag, den lg. d. M.. nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- hall« i-eS Zwnslirchhoses, Nordend, aus statt. 1200b Tie OrtSvertvaltung. Danksagung. denen, welche unserem mt« und guten Sohne, Ullcn *»■ vergetzlichen dem Kausmann IBricH Griese ans dem letzten schweren Gange das Geleit gegeben nnd durch die überaus zahlreichen und prachtvollen Blumen» und Kranzspenden und durch die innige und ausrichtige Teilnahme ge« zeigt, wie hoch si« unseren Sohn ge- ichätzt und geachtet haben, insbesondere seinem bochverehrien Chej, Hcrni Robert Gutt, Inhaber der LuxttS- papiersabrik. Willdenowstr. 5, sowie dessen fausmännische», Fabrik» und HauSarbesterpersonal sprechen wir hierdurch unseren tiesgesühltestm Dank aus. Charlottenburg, Spreestr. 2. Tie tiestranernden Eltern _ und Geschwister._ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung de» SteindruckerS Albert HOfer sagen die Unterzeichneten allen Teil- nehmern, insbesondere dem Wahl- verein de» 4. Kreise«, dem Verband der Lithographen und Steindrucker und dem Gesaiiaverein»Norddeutsche Schleife" ihren tlesgesühlten Dank. 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Oktober 1906 mit mehreren anderen Fremden in der evangelischen Kirche St. Lorenz in Nürnberg, um sich deren Kunst- schätze anzusehen. Er behielt in der Kirche seinen Hut auf. Als andere in seine Nähe kamen, machten sie Bemerkungen darüber. Der Angeklagte kehrte sich nicht daran. Ein Buchhändler trat nun auf ihn zu und ersuchte ihn, den Hut abzunchmen. Ter An- geklagte sagte, er habe seinen Eintritt bezahlt. Dann kam der Kirchendiener und sagte:„Taö ist eine Unverfrorenheit!" T-r Angeklagte bot ihm hierauf eine Ohrfeige an. Als die Meßnerin den Angeklagten aufforderte, den Hut abzunehmen, erwiderte er: „Fn anderen Kirchen hätten ihn die Geistlichen ausgefordert, dcx Hut aufzubehalten." Der Kirchendiener wandte sich nun an den anwesenden Geistlichen und beide sprachen über die„Unverschämt- I�it" des Angeklagten. Kaum war das Wort dem Munde dcS Kirchendieners entflohen, so hatte er auch schon die in Aussicht gestellte Ohrfeige vom Angeklagten erhalten.— Das Gericht hat den beschimpfenden Unfug noch nicht im Aufbehalten des Hutes erblickt, sondern in der Verabreichung der Ohrfeige, die eine Roheit ersten Ranges sei und die Ehre des Lokales verletzt habe.— Die Revision des Angeklagten, der persönlich darzulegen suchte, dag er sich nicht habe rächen, sondern gegen die fortgesetzten Schinipftvorte babe schützen wollen, wurde vom Reichsgericht am Tonnerstag der- warfen. Habe das Landgericht zugunsten des Angeklagten angc- nommen, daß er nicht das Bcwustlsein des groben Unfugs beim Aufbehalten des Hutes gehabt habe, so habe er es jedenfalls, wie bcdenkcnfrci festgestellt soi, bei der Verabreichung der Ohrfeige gehabt._ Flugblattverbrritung grober Unfug. Die niederrheinischen Gerichte sind auf ein altes, stets von den höchsten Instanzen als unhaltbar bezeichnetes Mittel verfallen, um nicht im Sinne der„Ordnungsparteicn" gehaltenen Flug. blättern an den Kragen zu gehen. Den freien Gewerkschaftlern und den Sozialdemokraten ist es in Benrath bei Tüsieldorf uu- möglich, Versammlungen abzuhalten, weil ihnen alle Lokale vcr- weigert werden. Um diesem Zustande ein Ende zu machen, haben die organisierten Arbeiter über zwei Lokale den Boykott ver- hängt und machten diese» der dortigen Bürgerschaft durch Flug- b l ä t t c r bekannt. Die Verteilung dieser Flugblätter batten zwei Genossen übernommen, welche im Besitze einer polizeilichen Be- scheinigung waren, wonach ihnen das Verteilen von Druckschriften aller Art auf allen Straßen und Plätzen, auch Sonntags, gestattet ist. Als aber nun die Wirte die Wirkung des Boykotts verspürten. riefen sie nach der Polizei und diese hatte nichts Eiligeres zu tun, als den Genossen, welche im Besitze polizeilicher Erlaubnisscheine sind, Strafmandate von 20 r e s p. 10 M. ins Haus zu senden. Unsere Genossen wandten sich an das Schöffengericht in Gerresheim, welches aber die Strafmandate bestätigte. Es nahm an, ein« Belästigung des Publikums liege vor, auch sei die Sonntagsruhe gestört worden. Die Verurteilten legten Bc° r u f u n g ein. Vor der Strafkammer in Düsseldorf war der Beweis, daß durch das Verteilen der Flugblätter die Ruhe gestört worden sei oder daß sich Personen beunruhigt gefühlt hätten, nicht iju erbringen. Nur der am meisten in Betracht kommende Wirt fühlte sich beunruhigt. Der Staatsanwalt beantragte des- halb selbst die Freisprechung der Angeklagten, eine unmittci- bare Belästigung des Publikums liege nicht vor. Das Gericht stellte sich aber auf einen anderen Standpunkt. Es verwarf die Berufungen. Die Bestrafungen seien zu Recht erfolgt, es liege eine Ucbertretung des§ 360, Absatz 11, des Strafgesetzbuches vor. Auch wären die Rcgierungspolizciverordnungen, soweit sie die Heilighaltung der Sonntage betreffen, zu Recht angewandt worden, denn durch die Verbreitung der Plakate wäre die innere und äußere Ruhe gestört worden. In der Rcvisionsinstanz dürfte das Urteil kaum aufrecht erhalten bleiben. örunnev' 8tf. 17-18. Ii. freifetiKaZen Nachf. Veteranen- Str. 1-2. Heute Sonnabend: Poppelte BihaH-Mirkm und beim Einkauf von 6 Mark an bGRATIS-BONS= auf Vergrösserungen von Photographien Extra'Preise L«6 bßflSmittßl Extra'Prelsa Wachsbohnen... 2 pfd-Dose 38«. Perlbohnen.... 2?lck..v°5° 38 n. Erbsen u. Carotten 2 pw-Dose 48 Gemischtes Gemüse 2 pfd..Do« 53 pr. Stangenspargel mittelst, ipfd.-Do« 68 pt Brechsparget kew...: pm-do* 58 pr. Abschnittspargel.. 2 m-oo*« 45 pt. Spinat prima.... 2 Pfd.-Dose 42 Pt nach vorhandenen Bildern. Deutscher Kakao........- I.25 Gebrannter Kaffee. rrtVVi 46«. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 77[500]«2 25[500] 8S9 999 1092 87 133 903 481 T98[1000] 79»18 2020 181 859 401 5 507 600 98 723 826 »90 3975 973 404 11 968 4132 93 240 402 97 684 663 709 Kß 5434 83 550 600[300] 844[1000] 936 6173 579 633 ?0«5 582 785 818 69[1000] 919 SC67 922»017 112 200 302 1O025 142 90[500] 200 84 610 11908 66 493 84 334 12121 64 97 248 382 637 915 44 1 3180 223 72 920[1000] «25 77[500] 739 809 71 77 954 60 1 4053[300] 144 470 «20 56 1 5035 128 1 6014 54 237 02 tlOCO] 514 794 996 98 17260 90 503 665 74 760 960 1 8003 121 433 529 831 34 «2[3000] 93 1 8078 483 887 2O018[3000] 101 234 91 853 97 810[300] 700 21199 622 611 31 706«13 50 22216[3000] 17 39 82 865 450[ 300] 460 652 659 69 934 2 3145 57 76 209 43[ 500] 77 334 374 »77 2 4509 80 755 929 61 2 5 317 530 842 2 6007 73 79 207[300] 863 621 763[1000] 27083 113 803 533 1500] 869 B7 763 70 2 8066 302 430 305 620 707»6 941 29193 380 47»[1000] 596 706 30078 183 37[8000] 527 686 760 939[3000] 3100« 36 «5 296 413 SO 39 615 93 854 3 2086 164 399 468 780 95 898 [500] 33170[1000] 214 69 384 409 533 142 934 34070 72 259[500] 502 3 33[1000] 669 722 10 50 3 5286[300] 750 907 36183 96 247 329 68 597 670 979 3 7 026 226[500] M 649[300] 723 3 8053 82 106 13 231 72 86 497 713[1000] U 81 861 39093 172[1000] 9S 537 72 811[300] 907 43 40263 388 438 534 883 4 1 330 413[300] 669 774 673 �S �4 101 213 71 94 37« 406 531 603[ 500] 812 41 43243 .« 627 861 4 4 916 346 79 432 528 4« 613 739[300] 817 73 45118 91 383[500] 473[1000] 90 613 873 91[500] 46269 »5 327 II 72 461 617 701 807 947 47132 67 812 47[500] 445 895 910 48300 513 22[SCO] 932 4 9 378 84 614 833 5920? 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Bcrichtipunp:: In der Liste vom 6. NOTCmDCr, TOT« mittags lies 2-4538 statt 24558 rZtefiifng 5. KI. 217. Kgi. Preuss. LoReife. T Ziehung vom 3. November 1907. nacbmlttaps. Nur die Gewinne Ober}4u Mark Bind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verhüten.) 27» 454 599 039 90 93 910 1 085 130 79 200 317 514 82 «52 832 200» 103«1 296 369 85 506 633[500] 4S 52 901 [1000] 25 SS 3130 05 843 10« 651 000 4038 214 63 653[1000] 788[ 3000] 837 933 56 5075[ 500] 295> 500] 772 871 6056 [1000] 103 251 401 523[3000] 81 58 706 93 805 10 13 28 7180 308 412 46 571 09 787[ 500] 888 8003 45[3000] CS 262 507 C? 611[3000]»SS 961 9034 41 417[3000] 41«OS 15 »7 69 852 92t 64 1O0.W 45 97 232 323 673 833 1 1018 591 650 803 1 2051 128 7 7 733 816 1 3021 78 10« 481 87 651 73 709 863 74 79 14033 8 7 44» 88 598$89 910 15151 310 567 60[1000] 721 [300] 16163[1000] 90[1000] 220 35»[1000] 74 9t) 17327 »45 CIS 70 90 1 8130 92 269 456[10 000] 59 75[5000] 003 19275 5.79 93 Sil 804 S2 930 20010 425 23 922 2 1 091 261 9« 407 SM 784 220.13 80 220»21 513 991) 2 3 073 143 232 2 3 423[500] 32 519 6*2 »Ol 2475« 972 2ÜÜI5»5 108 21 309»'9 9» llOOOJ 992 1500] 26012 MS 80 436 70 972 2 7472 Ol« 960 28057 244 310 85 47»»72«14»33 2 9038 89 173 241 54 359 487 82» 822«3 SG579 31 15« 428«1»80«27[1000]»0 710 27 900 321U 20 63 278 325 574 850 3 3 050 1 1000] 06 011 42 893 951 34079[1000] 103 290 SSO 488 57» 783 902[500] 53 3 5026 174 355 692 882 905[3000] 36113 244 413 54.5001 I 623[1000] 710 808 037 3 7013 832 85 565 91»4 3 8 022 115 »33 559 637 750 953 60 3 9063 191 229 131)00] 489.V-« 91»30 40232 58 74 339[ 500] 75 572 41 IM 330 755 881) 91 [500] 98 42161[500] 881 404 so 522[2000] 005 93» 43140 i 710 829 914 44136 237 390 484 6)0 20 794 4 5025 153 200 I [500] 73 352 65 858 4 0069[ 3000] 154 200 42 39« 414 33 7»s 834 4 7142 201 75 447 510 14 633 730 51 8lZ 4329« � 335 48 94[8000] 455 842 948 83 4ÖWB 122[ 500]»3« 77 i 444»4 71 632 824 5OI05 442[500] 627[500] 736 977 5 1 382 426 61« 774 I 902»91 5243« 54» 71« 853 922[500] 63161 251 373 UOOO] »27 708 17 5 4174 215 93 315 710 67' 500] 71 55197 98 523 75 617 812 30 045 59 5 6281 310 I l 427[ 500] 509[1000] 701 55 813 935 13 95 5 7016 57[lOOOl 68 221 63[1000] 373 39 631 97 841 95 5 8110 291 SM 671 782 319 51 59313 546 4« 17 94[500] 612 19 78 812 923 1500] 60188 504 9 81 822»1 61008[K00] 4»2 635 7«[1000] BSS 6 2061 148 235 54 78 85 457[3000]»0« 618 621 45 63000 17 756[ 500] 57 807 75 19»07[500] 64139 llOOO) 72 239 308 418 71? 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