Nr. 267. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando? Bierteljährl. 3,30., monatl. 1,10 M., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 24. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder beren Raum 50 Pfg., füt politische und gewerkschaftliche Vereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. An die Parteigenossen Preußens Am 26. November tritt die Körperschaft, die auf Grund Bes elendesten aller Wahlrechte gewählt ist, der preußische Landtag, zu seiner legten Tagung dieser Legislaturperiode zusammen. Es gilt alle Straft einzusehen, dafür zu sorgen, daß endlich jenes durch einen Gewaltstreich der Regierung eingeführte Wahlrecht beseitigt wird. Donnerstag, den 14. November 1907. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. lande die schönsten Profite verspricht, ist ja stets ihr Jdeal Duma die ausschlaggebende Rolle zu spielen. Die ottogewesen, und es war vorauszusehen, daß sie bei der Ver- bristische Fraktion wird niemals so viel Rückgrat haben, mit stärkung ihrer politischen Position, wie das durch das neue der Oppofition zu stimmen, Klipp und klar erklärt sie ja Wahlgesetz geschehen ist, mit erneuter Kraft gegen die im Jahre in ihrem Entwurf für das Fraktionsprogramm, daß sie als diesem wunden Punkte des russischen Staatsorganismus tann trachte. In welcher Art das bei den Ottobristen geschieht, 1997 eingeführte Goldvaluta vorgehen werden. Gerade in Hauptaufgabe die oefestigung der Regierungsgewalt bedie Politik einer schwarzen Duma für die Regierung höchst zeigt ihre Handlungsweise während der blutigen Reunangenehm werden. pressalien in Moskau 1905, wo sie ein Herz und eine İ Der Heißhunger der russischen Agrarier hat ja bisher Seele mit Dubassoff waren. In allen Fragen des nicht wenig zu der Erschöpfung der Staatsmittel beigetragen. inneren Lebens nehmen sie erst recht den Standpunkt der Ihnen zuliebe sind die Reichssparkassen ausgeraubt, ist die Regierung ein. So in der Frage der Landreform, der SelbstWir fordern die Parteigenossen in ganz Preußen auf, Reichsbank an den Rand des Bankerotts gebracht worden. verwaltung, der rechtlichen Gleichstellung der Fremdvölker am Dienstag, den 26. November, Massenversamm Wohin nun weiter? Stolypin und Kotowzem werden zwar Rußlands u. a. m. Wohl werden hier und da auch lungen einzuberufen, um gegen das Unrecht, welches bald aus der Finanzkunst Wittes gelernt haben, daß eine Finanz- liberalere Versprechungen gemacht werden, doch was politik des alten Kreditrubels, wie sie die Agrarier fordern, sollen diese, wo es doch einzig und allein auf deren Aus60 Jahre bestanden hat, zu protestieren. In den Drten, wo aus lokalen Gründen die Protest wollen nun einmal die Herren sein und ihre Klasseninteressen zehntelang Reformen" versprochen, und doch blieb alles Rußland vollends jeden Kredit nehmen muß, aber die Agrarier führung ankommt! Der Barismus hat ja ebenfalls jahr. versammlungen am Dienstag, den 26., nicht möglich sind, nach jeder Richtung mit äußerst e m Nachdruck vertreten. beim alten. möge man eine solche Versammlung an einem der folgenden Nur zu diesem Zweck gingen sie in die dritte Duma. Hinter Jm Lande ist unter diesen Umständen kein Vertrauen Tage, spätestens aber am Sonntag, den 1. De- ihrer politischen Restaurationsmaske steckt die nackteste weder zur Regierung noch zur Regierungsmehrheit in der zember, einberufen, damit das preußische Volt in der Beutegier. Duma. Das weiß die Dftobristenfraktion, und deshalb spricht ersten Woche des Zusammenseins des Landtages zum Aus- Das Wahlgesetz war besonders auf den Oktoberverband sie sich auch gegen eine Abänderung des Staatsstreich Wahldruck bringt, wie es über die Schmach des Dreiklassenwahl. zugeschnitten, der Elemente umfaßt, die den Wünschen der Re- gefeßes vom 3.( 16.) Juni aus. Es sind also kindliche gierung am leichtesten zugänglich sind und bei denen Träumereien, von dieser Seite aus eine Festigung der rechts denkt. Der Parteivorstand. Stolypin weder eine linke noch eine rechte Opposition zu be- Stonstitution" zu erwarten. Grundlegende Reformen sind bei fürchten gehabt hätte. Die Regierung hat sich aber verrechnet; der dritten Duma eben einfach ausgeschlossen. Die großen Der Zentralvorstand der acht Wahlvereine denn der Oftoberverband war nicht start genug, um bei den politischen und wirtschaftlichen Probleme Rußlands können Groß- Berlins. Wahlen in der ausschlaggebenden Kurie der Grundbesitzer die von diesem Parlament" nicht gelöst, sondern nur noch Stimmenmehrheit zu erlangen, so daß die Kandidaten der weiter zugespitzt werden. So wird denn auch ihre eigentliche Ottobristen nur mit Beihülfe der Rechten gewählt werden Bedeutung Bedeutung" darin bestehen, daß sie den inneren Im Einverständnis mit dem Parteivorstand und der konnten. Das war kein übles Geschäft für die Rechte, die Berstörungsprozeß im Lande nur noch vertiefen, die KlassenDrganifation Groß- Berlins haben wir den mit einem Schlag den Scheinkonstitutionalismus der Ottobristen gegenfäße weiter bloßlegen wird. zu Boden drückte. Aeußerlich betrachtet, bilden die Oftobristen In der ersten und in der zweiten Duma hatten die ( die konservativen Konstitutionalisten) das Zentrum der neuen abetten die Führung. Sie sind zwar, wie auf dem Duma, in Wirklichkeit sind sie aber nur ein linker Flügel. Kongreß festgestellt wurde, auch diesmal eine Das fattische Zentrum der dritten Duma ist ganz auf ziemlich starke Gruppe( über 50 Abgeordnete), und der rechten Seite. Das beweisen die folgenden Ziffern: fie hoffen, daß sich ihnen noch andere Gruppen zweiten preußischen Parteitag auf Donnerstag, den 21. November, früh 9 Uhr, nach Berlin, in die Räume des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15, einberufen. Ms Tagesordnung und Referenten sind vorgeschlagen: 1. Die Organisation in Preußen. Referent: Genosse Hugo Haase- Königsberg. 2. Die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages und die Wahlrechtsfrage in Preußen. Referent: Genosse Eduard Adler- Kiel. 8. Die Landtagswahlen 1908. Referent: Genosse Arons- Berlin. Dr. Leo Die Versendung der Mandats formulare ist erfolgt. Die Anmeldung der Delegierten muß sofort an den Mitunterzeichneten Leopold Liepmann, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69 geschehen, damit der rechtzeitige Versand der Drucksachen bewirkt werden kann. Die Parteipresse der preußischen Landesteile wird um Abbrud gebeten, ebenso ersuchen wir nochmals um sofortige Anmeldung der Delegierten, da dies von einzelnen Kreisen bisher verabsäumt wurde. diskutiert. " Auf der äußersten Rechten befinden sich 34 Knappen der linken Seite anschließen werden, fodaß die Purischkewitschs, das heißt: die Mannen des echt russischen bürgerliche Opposition auf 111 Mann zu bringen wäre. UnVolksverbandes", die in die Duma gegangen sind, um diese, geachtet, ihrer Minderheitsstellung wollen die Kadetten sich wie sie selbst versichern, auf dem Wege der Gesetzesinitiative jedenfalls nicht auf die Kritik allein beschränken, sie wollen zu beseitigen! Dieser Gruppe schließt sich eine andere an, auch gesetzgeberische Arbeit tun! Im übrigen waren die Ausdie ,, Re ch te", welche weit stärker ist als die äußerste Rechte führungen auf ihrem Rongreß, soweit sie die kadettische Taktik und augenblicklich schon nicht weniger als 152 Mann zählt. in der neuen Duma betrafen, so zweideutig und unbestimmt, In diesen 186 Abgeordneten beider Gruppen ist das eigentliche daß man nur den einen Eindruck erhält: Die Kadetten Junkerrußland vertreten. Sie alle sind Feinde der Konstitution. werden wieder ihr möglichstes in Kompromissen versuchen. Jedem Unternehmen zur Befestigung der konftitutionellen An- Der Kongreß hat ihnen in dieser Hinsicht vollständig freie fänge, wie sie in dem Erlaß vom Oktober 1905 vorhanden Hand gelassen. Wohl waren einzelne provinzielle Delegierte 4. Die Lage der Staatsarbeiter in Preußen. Referent: find, haben sie Strieg bis aufs Messer angesagt. Mit ihnen gegen eine Kompromißtaktit, wie sie in der zweiten Dunţa aber hat der Oktoberverband zu rechnen, der nicht mehr als von der Fraktion verfolgt wurde, jedoch blieben sie in der Reichstagsabgeordneter Genosse Karl Legien. 107 Abgeordnete zählt. Will der Oktoberverband die Regie- Minderheit. Wir werden also das Schauspiel erleben, 5. Selbstverwaltung und Gemeinde. Referent: Stadtrungspartei sein und das wird er sein wollen, dann wie die äußerste Rechte die große Gruppe der ,, Rechten" verordneter Genosse Paul Hirsch- Charlottenburg. muß er sich entweder mit der Rechten verbünden, oder aber nach rechts drängelt, diese desgleichen die Ottobristen Für die Erledigung der Geschäfte des Parteitages sind er muß bei den liberalen Konstitutionalisten auf der linken und diese ihrerseits wieder die Kadetten! Das ist die einzig Donnerstag, der 21., Freitag, der 22., und Sonnabend, der Seite, d. h. bei den Kadetten, Anknüpfungspunkte suchen. mögliche Entwickelungslinie der dritten Duma, und so wird 23. November in Aussicht genommen. Sonst hat er feine Mehrheit in der Duma. die reale Politik" der Kadetten, die auch auf dem letzten bristen zum rechten und zum linken Flügel und die Frage der Opposition noch weiter der Auflösung entgegenbringen und Dieses Problem der Beziehungen der Fraktion der Otto Stongreß wieder eine große Rolle spielte, die Kleinbürgerliche Mehrheitsbildung wird im gegenwärtigen Moment am meisten sie zum Spielzeug der Fraktionsmehrheit machen. Aber auch Auf kadettischer Seite läßt man sich natürlich zum Instrument der politischen Demoralisation in den demovon den Phrasen der Oktobristen leicht täuschen. Es wird da kratischen Schichten des Landes. einfach vergessen, von wem die oktobristischen Abgeordneten Gegen die sozialdemokratische Fraktion der dritten Duma, gewählt worden sind. Gewiß ist der Oktoberverband ein buntes, die etwa zwanzig Mann zählen wird, hat die Nowoje labiles Allerlei, in seinem Kern aber hat er zwei wirtschaftliche Bremja" bereits eine Kampagne eröffnet: Sie fei eine Interessengruppen: die Agrarier und die Vertreter des tommer- revolutionäre Vereinigung, so erklärt dieses offiziöse Reptil, ziellen und des industriellen Kapitals. Die Revolution hat diese und könne als solche in der Duma nicht geduldet werden! beiden Bevölkerungsklassen fest aneinander geschmiedet, und es wenn man nun in der Anklagealte gegen die sozialist nicht zu hoffen, daß der latente wirtschaftliche Gegensatz demokratische Fraktion der zweiten Duma, die zwischen ihnen bei den gegenwärtigen Zuständen im Lande Angeklagten dieser Tage zuging, liest: die Angeklagten sobald zum Ausbruch kommen wird. Wir haben es ja bei hätten eine revolutionäre Vereinigung unter der BeEugen Ernst. Emil Boeske. Leopold Liepmann. den Wahlen gesehen, daß die ganze Rechte geschlossen zeichnung sozialdemokratische Fraktion" gebildet, so liegt der marschiert, und daran ändert auch nichts die Tatsache, daß Gedanke nahe, daß auch die sozialdemokratische Fraktion der die äußerste Rechte die Oftobristen als vermeintliche Ver- dritten Duma als eine Revolutionsgruppe betrachtet werden fassungsfreunde von Zeit zu Zeit scharf angreift. Es ist das wird, die man vielleicht schon in der allernächsten Zeit ins im Grunde genommen nichts anderes als ein taktischer Zug, Gefängnis wandern läßt. Das ist fast mehr als wahrscheinum die Oftobristen weiter nach rechts zu drängen. Anfänglich lich, und diesmal würde die Duma unsere Genossen, ohne mit Petersburg, 10. November.( Eig. Ver.) wollten die Oktobristen auf diesen Schachzug mit einem anderen, der Wimper zu zucken, ans Messer liefern... Beretschornofotili"- mit diesem politischen einem kleinen Geliebäugele mit dem Gedanken eines Blocks Die dritte Duma wird die Duma der Reaktion sein. Schlagwort des Tages, das soviel bedeutet wie über- weiter nach links, antworten. Das gaben sie aber bald auf, Ihre Zusammensetzung bürgt dafür, daß das Land nicht zur huliganisiert", wird die reaktionäre Zusammensetzung der als die offiziöse Rossija" fauchend dazwischenfuhr. Den Ruhe kommen kann. Aber es wird sich nicht einlullen lassen; britten Duma selbst in gewissen Streisen der höheren Bureau- Oktobristen hat die Regierung zu verstehen gegeben, daß für denn zu laut wird das reaktionäre Gefreisch der Purischkewitsch tratie charakterisiert. Gewiß nicht zur Freude der Regierung, sie ein Block nur nach rechts in Frage kommen kann.... und Gutschkoff an sein Dhr dringen, als daß das Volk nicht der es im gegenwärtigen Moment faum angenehm sein kann, Die Kadetten in ihrem politischen Optimismus wollen wüßte, mit wem es in dieser dritten Duma zu tun hat. Aís daß der Charakter ihrer Politik so völlig entblößt vor der diese Wirklichkeit nicht sehen. Ihnen scheint die taktische Linie eine Duma des reaktionären Kampfes gegen die Volksganzen Welt dasteht. Der Stolypinsche Kurs andererseits der Oktobristen noch immer nicht klar genug zu sein. Auf freiheit wird sie auch den revolutionären Kampf wieder erhält durch die dritte Duma eine zu starke Gradlinigkeit, die dem soeben abgehaltenen Kongreß in Helsingfors haben die auf der ganzen Linie entfachen. Aufstände, Eisenbahns für die diplomatischen Schachzüge der flügeren Anhänger des Kadetten nach wie vor mit dem„ Konstitutionalismus" des überfälle, terroristische Anschläge, die Arbeit der illegalen alten Systems störend sein kann. Dftoverbandes gerechnet, bon dem sie hoffen, daß es ihnen Presse, politische Streitbewegungen, das werden die Folgen Nach wie vor ist in erster Linie die Geldfrage auf gelingen werde, ihn für die Opposition zu vertverten. Von der Regierungs- und der Duma- Reaktion sein. der Tagesordnung. Was das geldgebende Ausland von einer einer Annäherung der Ottobriftenfraktion an die Kadetten will Duma der verschuldeten, beutegierigen Agrarier zu erwarten aber die Regierung, wie gesagt, absolut nichts wissen. Und hat, das zeigt unter anderem die von uns schon telegraphisch der Wunsch Stolypins wird den Oktobristen Gesetz sein, wärts".) Für morgen, den Tag der Dumaeröffnung, wurden Petersburg, 18. November.( Privatdepesche des Vormitgeteilte Tatsache, daß die äußerste Rechte beschlossen hat, abgesehen davon, daß auch die wirtschaftlichen Interessen der wärts".) Für morgen, den Tag der Dumaeröffnung, wurden in allernächster Zeit in der Duma eine Stampagne gegen die Oftobristenwähler für eine Bündnispolitik mit der anti- hier gewaltige Sicherheitsmaßregeln getroffen: Zur Besetzung Goldwährung zu eröffnen! Die Papierwährung, bei der tonstitutionellen Rechten sprechen. Das weiß die Rechte sehr der nächsten Umgebung des Dumagebäudes find 25 Polizeiunsere Agrarier leichter von ihren Schulden loszukommen ge- gut, und darum ist sie auch felsenfest davon überzeugt, daß offiziere, 50-Unteroffiziere, 375 Schuhleute nebst vier Abdenten und die ihnen beim Sinken des Rubelkurses im Aus- es allein ihr gelingen wird, in der Mehrheit der dritten teilungen Gendarmerie abkommandiert. Ferner wird in Mit Parteigruß Die neue Duma. den sämtliche» Nebenstmßcn der Duma sowie in verschiedenen Stadtteilen Militär aufgestellt. Zu den Straßen nahe der Duma ist der Zutritt nur den Besitzern von Karten gestattet. Jede Ansammlung wurde strengstens verboten. Petersburg, 13. November.(23. H> Die vom Minister- Präsidenten Stolypin und dem Chef der kaiserlichen Gchcimkanzlei Tanejew abgefaßte Thronrede, mit welcher morgen die Eröffnung der Reichsduma erfolgt, wird die Unerschütterlichkeit deZ im Oktober- manifest verkündeten kaiserlichen Willens betonen. Der Kaiser soll erklärt haben:„Was einmal gegeben ist, wird nicht wiedu genommen."__ Sie Zwingkrg nieder! Herrn Barth müssen die Liberalen wirklich ausschließen. Der Mann ist kein Freisinniger mehr. Läßt er sich doch nicht einmal durch die schönsten Phrasen imponieren. Welch schöne Worte hat doch Naumann, von den liberalen Schönrednern der am schönsten Redende, mit und ohne Benutzung Schillers gesunden, und Barth, dieser prosaische Mensch, ist noch immer nicht zufrieden, verleugnet frech den Glauben an die Worte und will durchaus Taten sehen I In einem Artikel im„Berk. Tagebl.' kritisiert Barth mit schneidendem Hohn die Frankfurter Tagung. Der Gegensatz des ehrlichen Demokraten z» Raumann kommt dabei klar zum Ausdruck. Naumann habe verlangt, daß das Volk aufgerüttelt werde. Aber, meint Barth den meisten von denen, deren Taktik er verteidigt, muß man zurufen: „Riittelt euch selbst auf l Wie könnt ihr verlangen, daß daS Volk sich in Bewegung setzt, wenn ihr selb st nichts tut, um eZ in Bewegung zu bringen?" Dann aber fragt Barth nach dem Nutzen der Frank- furter Tagung: „Wo ist denn in all den Reden der Wille zur Tat er- kcnnbar? Eine Volksbewegung muß organisiert werden.... Man hat den Schatten Attinghausens beschworen und die Einigung air sich gepriesen. Mir scheint. man hätte von dieser Einigung einen weniger blassen Eindruck bekommen, wenn man hätte ankündigen können, daß die drei Gruppen sich über ein einheitliches Vorgehen gegen das elendeste aller Wahlsysteme verständigt hätten, daß man einen einheitlichen agitatorischen Zentral- Punkt geschaffen habe, kurz und gut, das tun werde, was Naumann das Aufrütteln deS Volkes nennt. Eine solche Aktion, bei der die drei Gruppen ein gemein- sameS Ziel, mit gemeinsamen Mitteln, von einem gemein- samen Mittelpunkte aus anzustreben hätten, wäre eine einigende Tat gewesen, und ein Appell an die liberale Bevölkerung, sich bei dieser Mobilmachung aller Kräfte zum Sturm aus die Zwingburg mit in Reih und Glied zu stellen, würde schwerlich versagen. Aber wo blieb in Frankfurt auch nur die Andeutung, daß man bereit sei, sich zu einer Tat zu einigen?„Ich höre daö Geklapper einer Mühle, doch sehe ich kein Mehl." Man versichert uns, daß die drei Fral- tionen eiir Herz und eine Seele seien, daß die Einigung unter ihnen vollkommen ist. Schön! Aber eine Einigung hat nur Wert, wenn sie erfolgt, um ctwa-Z zu tun, nicht wenn sie geschieht, um gemeinsam nichts zu tun. Im Kampf gegen das Dreiklaffenwahlsystem haben die > parlamentarischen Fraktionen bereits daraus verzichtet, ihre Stellung inr sogenannten Bülow-Block zu frukiifizieren, um in dem Kampf gegen die Zwingburg wenigstens einen Außeiiposten zu er- vbcrn. Die Diskussionen der letzten Wochen habendem preußischen Ministerpräsidenten wie den Konservativen die volle Beruhigung wiedergegeben/ daß sie von den Freisinnigen in der kommenden Session des preußischen Ab- geordnetenhauseö nichts Schlimmes zu befürchten haben. ES wird bei der rednerischen Klarlegung des Prinzips fein Bewenden haben, und da Fürst Bülow gegen eine oonksssion 60 foi nicht daS mindeste einzuwenden hat. so wird das umgehängte Löwenfell niemand erschrecken. ES wird sich im besten Falle um ein Turnier, aber nicht um eine Schlacht handeln." Nachdem sich Barth über das Geschrei lustig gemacht hat, mit dem man jedem, der voin Freisinn ein Eintreten für seine Prinzipien verlangt, als Parteiverräter bezeichnet, schildert er kurz und trefflich die Verfehltheit der freisinnigen Blockpolitik: „Man rückt init dem große» Spieß des freisinnigen Programms, in dem das Reichstagöwahlrecht auch für Preußen gefordert wird, ins Feld, Gegen wen aber richtet man diesen Spieß? Etwa gegen die preußische Regierung, die nicht die geringsten Anstalten macht, den» L i n k S l i b e r a l i s m u s auch nur die kleinste Konzession zu bewilligen? Oder gegen die Konservative», welche die Mauern und Zinnen der Zwingburg besetzt holten? Oder gegen die Nationalliberalen, die, außerhalb deS Wallgrabens stehend, mit Pluralwahlrechtö- Forderungen und ähnlichen„Reform- Vorschlägen" den Weg zur Zwingburg auch ihrerseits nach Möglichkeit verlegen? Beileibe nicht! DaS sind ja alleS Blockfreunde, denen man nichts ErnsthasteS zuleide tun darf. Der Block könnte ja sonst auseinander fliegen. Man richtet den Spieß vielmehr gegen die Sozialdemskraten, die in dieser Frage genau dasselbe wollen wie die Freisinnigen, ohne deren Unterstützung eS auch nie möglich werden wird, die Zwingburg zu stürmen, und in zweiter Linie gegen das Zentrum, das zwar ein recht unsicherer Kantonist ist, aber, soweit die Reform deS DreiklaffenwahlrechtS in Betracht kommt, jedenfalls er- heblich weiter geht als selbst die National- liberalen, Angesichts dieser.Haltung spricht nian von einer Aufrüttelung der liberalen Wählerschaft, fordert man eine leidenschaftliche Agitation, beklagt man sich über die Flauheit der Wähler, Die freisinnige Blockpolitik bildet ja geradezu cinru Au- reiz zur Flauheit. Wie kann man ein Volkshcer zum Sturm auf die starke Festung auffordern, wenn man zugleich die Parole aus- gibt: Aber schont mir die Verteidiger der Festung!? Muß nicht der einfache Mann zu der Ueberzeugung kommen, daß der Appell der inneren Wahrhaftigkeit entbehrt?" Barths Artikel schließt damit, daß eine BolkSbcwegung für das Wahlrecht heute zehnmal wichtiger sei als alle FraktionSpolitit. Dies allein könne den Freisinn ous der verfahrenen Situation noch retten. Aber dieser Freisinn, glauben wir, ist nicht mehr zu retten. Barths Warnungen werden ungehört verhallen, wie einst die Rufe der Kaffandra. Nicht mit den Fraktionspolitikern, mit den Nullen der Freisinnigen Volkspartei, die für ein Lächeln Bülows zu allem bereit sind, nicht mit dem Ehrgeizigen der Freisinnigen Vereinigung und den Ermüdeten der Süddeutschen Volkspartei, nicht mit dem im Verrat seiner Prinzipien geeinigten Liberalismus, sondern nur gegen ihn läßt sich die Politik der Demokratie noch machen I Flottentreiber und KonflHttskhiirer! Ausgerechnet in dem Augenblick, wo— nach den Ver- gcherungen der bürgerlichen Presse— Wilhelm II. in England weilt, um die Beziehungen zwischen Deutschland und England freundschaftlicher gestalten zu helfen, veröffentlicht daS Organ der Panzerflottenpatrioten, die„ R h e i n i s ch- W e st» fälische Zeitung", einen fulminanten Artikel, dessen Spitze gegen dasjenige Land gerichtet ist, um dessen Freundschaft gerade jetzt der deutsche Kaiser wirbt! Die„Rh.-Westf. Ztg." beschwört Deutschland, doch ja das Flottcnrüsten im beschleimigsten Tempo fortzusetzen. Unter lebhafter Zustimmung siihrt sie Darlegungen ins Feld, die der bekannte literarische Flottentreiber Graf Ernst Reventlow in einer kürzlich veröffentlichten Broschüre niedergelegt hat. Reventlow wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen die Anfsassung, daß sich Deutschland nicht eine England ebenbürtige Flotte schaffen könne. Deutschland könne vielmehr seine Rüstungen ganz außerordentlich beschleunigen. Mangel an technischem Personal werde nie einttcten:„unsere Personalguellen sind unerschöpfli ch". Auch die deutschen Schiffswerften seien nach ihrer eigenen Auskunft imstande, auch den userlosesten Bauplänen zu genügen. Hätten sie doch selbst als mögliche Jahresleistung angegeben: Die Gerniama-Werft zu Kiel: Jährlich mindestens zwei große Schiffe, Die HowaldtS-Werke Kiel: Jährlich ein großes Schiff. Die Vnlkan-Werft Stettin: Zwei Schlachrschiffe und zwei Panzerkreuzer pro Jahr: nach Ausbau der Hamburger Filial-Werft erhöht sich die Leistungsfähigkeit um 50 bis 75 Prozenc. Die Werft von Blohm u. Voß, Hamburg: Zwei große Schiffe pro Jahr, Die Schichau-Werft Elbing und Danzig: Zwei große Schiffe pro Jahr, Die Wcser-Werft Bremen: Bier große Schiffe pro Jahr. Die beiden kaiserlichen Werften zu Kiel und Wilhelmshaven zusammen wird man mit einem großen Schiff pro Jahr als Minimalmaß in Anschlag bringen können. Nach diesen Richtungen hin seien also dem Flotten- rüsten keine Schranken gesetzt! Es sei aber auch möglich, England trotz ge- waltig st er Gegenrüstungen den Rang ab zu- laufen: Je mehr Deutschland„durch wirkliche erstklassige Schlachtschiffe mit mächtig st er Armierung" den Flottenbau„in die Höhe treibe", desto mehr leide darunter die Qualität der englischen Schiffsarmierung. Die englischen 30,5 Zenttmeter- Geschütze seien den Kruppschen Riescngeschützen nicht gewachsen. Folglich möge man endlich aufs Ganze gehen und den Konkurrenzkampf mit der englischen Flotte energisch aufnehmen! Die„R h ein.- W e stf. Ztg." stimmt diesen Scharf- machereien enthusiastisch zu.„Alle Vaterlandsfreunde" sollten „der Reichsrcgierung ins Gewissen reden", damit sie ihre Forderungen im Reichstag nicht„verzettele" und„den einzig möglichen Grundgedanken unserer Kriegsvorbe reitungen,«iicntwegte Offensive" ernstlich ins Auge fasse! So arbeiten die publizistischen Vertreter des Panzer- platten- und Kanonenkapitals an der„Aussöhnung" mit England! Aber die Regierung, die hurrapatriottsche Volksvertretung haben diese abettvitzigen Flottentreibereien selbst verschuldet. Sie haben den Panzerplattenpatriotismus, die vom Kriegs- rüsten und von Kriegsgelüsten lebenden Riesenbetriebe selbst großgczüchtet, die jetzt als ihr gutes Recht den tollsten Flotten- wettlauf mit England fordern l Daß die Nation dabei materiell verblutet, daß dieses Wettrüsten schließlich zur Katastrophe führen muß, kümmert sie nicht: in den Schrecknissen des BölkerkriegS blüht gerade ihr Weizen! Und da will man dem Volke noch einreden, daß Kaiser- reisen wieder gut machen könnten, waS ein verbrecherischer Kapitalismus sündigt?!_ Marokko. Tanger, den 27. Ottober.*)(Eig. Ber.) Bei der Trauerfeicr, die nach dem letzten Mißerfolg stattfand, den die Franzosen vor Casablanca erlitten, sagte der General Drude, an die Chasseur d'Afrique gewandt:„Ihr habt Euren Führer und Euren Kameraden verloren, Ihr müßt diese beiden Toten rächen und ich rechne auf Euch, ich verpflichte Euch beim nächsten Male kräftiger auf diese Horden von Banditen einzuhauen, die Euch die Beiden getötet haben." Horden von Banditen! General Drude kennt also nicht die Bedeutung gcwisserAusdrücke? Die Marokkaner, die ihr Land verteidigen, sind keine Banditen. Während deS letzten August hat man beinahe täglich den un- zähmbaren Mut, die Tapferkeit, die Kühnheit dieser Leute kennen lernen können, die sich wie Helden gegen einen Feind geschlagen haben. der sie auf mechanischem Wege durch Melinitkugeln tötete. Diese Männer, die eine solche Miß- achtung ihres Lebens zeigten in der Verteidigung ihres Rechts, sind keine Banditen. Man glaubte sie tot, aus- gerottet. und siehe da. sie kamen stärker wieder. als vorher. Das ist's, loas den Acrger General Drudcs erttärt, der gezwungen ist, sich in einer sehr eng begrenzten Zone, in der Defensive zu halten. Am folgenden Tage überschritt Oberstleutnant Dustetey, der eine RckognoSzierungstruppe aus zwei Eskadronen Kavallerie und zwei Kompagnien Infanterie kommandierte, die Grenze der besagten Zone und näherte sich einem der Konzentrattonsortc der Chaouia. Diese stürzten sich sofort auf den Gegner, der auf dem Puntt war, zu unterliegen, als General Drude mit der Artillerie erschien. Es war höchste Zeit. Eine halbe Stunde später hätte die Kolonne Dufretey, deren Munition erschöpft war. eine schreckliche Nieder- läge erlitten. Als derselbe Fall sich im umgekehrten Sinne ereignete, d. h. als ein Trupp Marokkaner sich dem französischen Lager näherte, hat man die Kanonen der Kriegs- schiffe auf sie gerichtet und alle Truppen haben sich unter dem höllischen Feuer der Schnellfeucrgeschütze und der Mittaillcusen auf den Feind gestürzt. Man hat selbst noch außer- ordentlichere Sachen gesehen als diese. Man hat einen Kugelregen herabprasseln sehen auf einen friedlichen Beduinen, der sich in Begleitung eines Esels in den Umkreis verirrt hatte, der von den Schrapnells bestrichen wurde. Zum ersten Male, da die Franzosen ohne Artillerie mit den Arabern zusammenstießen, wären sie fast mit dem Säbel besiegt worden. Sie wurden nur gerettet, weil die Kanonen in Tätigkeit traten. Bei solchen Vergleichen kommen die Vertreter der europäischen Zivilisation nicht besonders gut weg. In der Umgegend von Casablanca ist alles wüst. Kein Baum, kein HauS steht noch. Die Felder, die Obstgärten, die Pflanzungen, die sonst von Fruchtbarkeit und Leben strotzten, sind kahle Sandhaufen, cmf denen nichts wieder scheint wachsen zu können. Außerhalb der Tragweite der Kanonen zeigt das Land sein gewöhnliches Aussehen. Die Chaouias bilden den Haupttcil der Mahalla Muley Raschids, deS Führers, dem •) Der Brief traf verspätet«i» Sultan Muleh Hafid die Avantgarde unterstellt- hat. Die Franzosen können sich keine Illusionen mehr über die Haltung der Stteitkräfte des neuen Sultans machen. Die blutige Ueberraschung der letzten Tage hat sie genügend belehrt. Muley Hafid predigt unter der Bevölkerung des Südens den Widerstand gegen die Eiudringlinge, während Muley Abd-el-Aziz, ausgelöst von den europäischen Finanzmännern, Marotto der Spekulation und der Bewucherung ausliefert. Er ist zu Rabat iu höchsten Nöten. Die Franzosen lenken seine Bewegungen, indem sie vor seinen Augen die Millionen der Anleihe tanzen lassen. Der Geruch der Leichen hat Abenteurer wie Raubvögel aus allen Ecken Europas nach Marokko gelockt. Man versucht hier die undenkbarsten Geschäfte und selbst solche, die man nicht für denkbar halten sollte. Die Kabaretts schießen zu Tanger und Casablanca wie Pilze aus der Erde. Man hört nur von Aktiengesellschaften, Unternehmungen und Geschäften sprechen, aber die Geschäfte stocken. Die europäischen Arbeiter, die vor einigen Monaten hier ihren Unterhalt einigermaßen gewannen, sind jetzt ins schwärzeste Elend ge- stürzt. In der Mehrheit Spanier, wagen sie nicht fort- zuziehen, denn auf der anderen Seite der Meerenge erwartet sie noch schrecklicheres Elend als im Lande Marokko. Bis jetzt haben nur die Politiker und die Schwindler Nutzen von Marotto. Es wird wahrscheinlich lange Zeit so bleiben. Zu ihnen kommen noch jene, die infolge der Akte von Algecieras glänzende Honorare auf den Titel eines Kommissars der Staatsbank oder eines Inspektors der öffentlichen Arbeiten, eines RegierungSarchitekten, eines General- inspekteurs und Jnstrutteurs der künstigen Polizei beziehen. Alles auf Kosten eines bankerotten Staates, der sich darin ergibt, diese Armee von Parasiten zu bezahlen, um zu zeigen, daß er fortschrittliche Ideen annimmt und den Weg der Reformen geht. Die Ausbeutung des Maghzen durch Europa ist eine alte Gewohnheit, die sich in vielfachen Formen zeigt. Ich will nur von den Kosten sprechen, die die außerordentlichen Gesandtschaften dem scherifischen Schatze machen. Sobald eine Gesandtschaft gemeldet ist, wird ein Amin(Verivalter) ernannt, der für alle Bedürsinsse des Gesandten' und seines Gefolges sowohl auf der Reise als in der Stadt, die die augenblickliche Residenz des Sultans ist, zu sorgen hat. Man hgt früher die Vertreter der großen Mächte bei ihrer Rückkehr nach Tanger den Uebcrschuß öffent- lich meistbietend verkaufen sehen. Da waren wahrhafte Ballen von Kerzen, Zuckerhütcn, Kisten Tee usw. Jetzt ist der Maghzen weniger freigiebig und die Skandale sind so groß gewesen, daß die Diplomaten selbst Furcht haben, sich lächerlich zu machen und eine gewisse Zurückhaltung bewahren. So besteht die Monna (wöchentliche Ratton) der französischen Gesandtschaft zu Rabat, die sich aus IE Mitgliedern zusammensetzt, aus folgenden Lebensmitteln: Eine Hammelkeule alle zwei Tage, zwei Rinderfilets alle zwei Tage; 15 Hammelnicren alle vier Tage; 8 Pfund Rindfleisch, 150 Eier, 5 Hühner, 2 große Kannen Milch, 8 Pfund Brot und 5 Kilogramm Hülsenfrüchte jeden Tag. Dabei braucht man gewiß nicht zu hungern. Jeder Diplomat empfängt pro Tag:% Pfund Fleisch. i/z Pfund Brot, 31 Gramm Hülsenfrüchte, etwas mehr als % Huhn, 9 Eier, 1 Glas Milch; außerdem hat er alle zwei Tage Rinderfilet und Hammelkeule und einmal in der Woche eine Hammelniere. In einem Monat machen diese Lebens- mittel eine respektable Summe aus, aber das arme Volk zahlt sie. In der Tat, der Amin hat die Aufgabe, die armen Bauern regelmäßig zu schröpfen; sie werden unbarmherzig ausgeplündert, und es gibt Dörfer von Elenden, die schon halb Hungers gestorben sind, die die Verpflegung liefern. womit sich die außerordentlichen Gesandten der großen und reichen zivilisierten Staaten ohne Kosten ernähren. Tie ländliche Bevölkerung der Umgegend von Rabat betrachtet die Gesandtschast wie einen reißenden Strom, oder sie vergleicht sie mit ein«: großen Dürre, oder einem Einfall von Heu- schrecken. Die Ereignisse im Süden des Reiches bleiben ein ver- wickcltes Rätsel, das sich erst mit einem Krach entschleiern wird. Die Aufregung gegen die Fremden steigt im Innern beständig und Muley Hafid baut seine Pläne auf die Ein- Mischung der Franzosen. Kein Marokkaner spricht mit Sympathie vom Sultan Abd-cl-Aziz. Die marokkanische Frage ist wie eine Pastete, deren Kruste man angeschnitten hat, ohne daß irgend jemand genau weiß, was sie in ihrem Innern birgt. Sie enthält Ucberraschungen, die sehr unan- genehm sein werden. Deshalb zögert man weiter zu gehen. Alles beruht auf der Fiktion des französisch-spanischen Einvernehmens, das in Wirklichkeit nicht besteht, an das niemand glaubt, aber das dazu dient, den Schein zu wahren. womit sich die Deplomatie zufrieden gibt, die sich gern mit Formeln begnügt, selbst wenn sie die Falschheit und Haltlosig- keit dieser Formeln erkennt. Die obenerwähnte Formel gründet sich bisher nur auf eine Tatsache, die Anwesenheit des spanischen Detachemcnts in Casablanca. dessen ganze Rolle darin zu bestehen scheint, die Demütigungen hinzunehmen, die die Franzosen ihm auferlegen. Die spanische Regierung wagt nicht, das Detachcment zurückzuziehen aus Furcht, gegen die 'chändlichen Vcrvflichtungcn zu verstoßen, die sie an Frank- reich binden. Verpflichtungen, denen Abmachungen finan- zieller Natur nicht fremd sind. Die spanische Regierung wagt aber auch nicht, die französische Aktion zu unterstützen, au:- Furcht, die öffentliche Meinung ganz Spaniens gegen sich aufzubringen, wo das marokkanische Abenteuer außerordent- ich unpopulär ist. Die Franzosen geben sich mit dieser zwei- heutigen, sonderbaren Situation zufrieden, denn sie wollen um keinen Preis allein in Marokko bleiben. Sie bleiben da- bei, sich einer liingnerifchen Etikette zu bedienen, durch die sie sich den falschen Anschein geben, die Mandatare Europas im Zusammenwirken mit einer anderen Macht zu sein. Diese Komödie muß früher oder später enden. Es ist zu wünschen, )aß ihr Zusammenbruch dem Weltfrieden nicht gefährlich werde. m m Paris, 13. November. Die Kammer verbandelte am Dienstag und beute eine Interpellation deZ Grafen Boni de Castellane(Rc- publikaner) über die Ereignisse in Marokko. Aus der Antwort des Ministers des Auswärtigen, P i ch 0 n, die stark rosa malte, sind die folgenden Stellen erwähnenswert: Die Stämme seien nicht weiter in das Innere verfolgt worden. um Frankreich nicht in gefährliche Abenteuer zu stürzen.(Beifall.)... Dank dem guten Einvernehmen zwischen Philibert, Drude und Regnault und der Klarheit unserer Haltung konnte eine Ausschiffung in den anderen Häfen vermieden werden, aber Frankreich werde sich dazu verstehc» müssen, wenn dir Ereignisse es er- 'orbern sollten. Die französischen Bevollmächtigten haben die An- Weisung, sich in keiner Weise in die innere Politik Marokkos zu mischen. General Drude dürfte sich mit Mulay Hafid nur in dem Fall in einen Kampf einlassen, wenn er angegriffen würde. Er(Pichon) stimme mit Ribot darin überein, dass Frankreichs Schicksal in Marokko durchaus nicht mit dem einen oder dem an- deren Sultan verbunden sei. Die Regierung habe auf Grund der Mgecirasakte immer mit Abdul Asis verhandelt und werde tat- sächlich auch zu ihm halten.. Im übrigen versicherte der Minister, daß Frankreich mit Spa- Kien im besten Einvernehmen sei und daß es kein Protektorat in Marokko anstrebe. Die Debatte zeigt, daß alle bürgerlichen Fraktionen im großen und ganzen mit der Regierung einverstanden sind. Den ableh- nenden Standpunkt der Sozialisten vertrat Genosse V a i l I a n t. Er verglich die Billigung, die Frankreichs Vorgehen bei dem Staatssekretär v. Tschirschky gefunden habe, mit dem Wunsche des Fürsten Bismarck, Frankreich in Marokko engagiert zu sehen, und fordert ein internationales militärisches Vorgehen.(Wider- sprach.) Schließlich wurde mit Sn der Jnteruationale und dem Fortschritt der sozialen Ent- Wickelung immer deutlicher kundgeben. Er feierte auch den Bund des deutschen und des französischen Volkes, der sich, der Politik der Herrschenden zum Trotz, im Sozialismus zum Heil der allgemeinen Kultur verwirkliche. Die Aussührunge» des Redners fanden stürmische» Beifall. Nach einer deutschen Ansprache dcS Genosten Pohl und einem Schlußwort des Vorsitzenden des Klubs, Genossen Schleyer, der insbesondere der 2öjährigen Vereinötätigkeit zweier anwesenden Gcnosten. P i r ch e r und Schulz, gedachte, begann da» Konzert, das außer Orchcsterstücken treffliche Chöre deS deutschen Arbeiter- iängerbundeS und solistische Vorträge brachte. Ein Ball verlängerte daS Fest bis zum Morgen._ Gemclndewahle». In Marburg gelang eS den Genosten bei den Stadt» verordnetenwahlen am 11. November zum ersten Male, einen ihrer Kandidaten in die Stichwahl zu bringen. Vom Fortschritt der Presse. Eine Konferenz lothringischer Sozialdemokraten beschloß, am 1. Januar ein Parteiblatt für Lothringen und das Saarrcvier erscheinen zu lassen. pollzclUches, Oertehtlldieo ulw. Der„Bericht" de» Gcndarnieu. Die„Bcckerkammer" in Dresden verhandelte am Sonnabend wegen„Beschimpfung der christlichen Kirche" gegen den Genossen Redakteur Fleißner. Unser Genosse referierte in einer Mit- gliederversammlung der Gruppe Kaitz-Lcubnitz dcS sozial- demokratischen Vereins für den S. sächsischen RcichStagswahlkreis über das Erfurter Programm. Unsere sechste„GegcuwartS- forderung"(Erklärung der Religion zur Privatsache) gab ihm Anlaß, das Verhältnis zwischen Kirche. Schule und Staat etwas näher zu beleuchten. Der die Versammlung überwachende Landaendarm berichtete nun seiner Behörde, Fl. habe diesen Punkt ganz besonders„scharf" behandelt und habe wörtlich gesagt:„Die Kirche ist»veiter nichts als eine Verdummuugsanstalt der Volksmassen!" Der Zusammenhang, in dem diese Aeußerung ge- fallen sein soll, fehlte vollständig, der tn der Hauptverhandlung ver- nommene Gendarm wußte ihn auch nachträglich nicht anzugebeir Fl. bestritt zunächst, diese Aeußerung überhaupt getan zu haben, er könne lediglich gesagt haben, aus den und jenen Umständen sei es er- ilärltch, wenn die Kirche als eine Berdummnngsanstalt angesehen wurde. Der Gendarm müsse ihn falsch verstanden haben. Außerdem seien aber Mitgliederversammlungen nicht öffentlich und selbst wenn ihm die Aeußerung in der inkriminierten Form nachgelviesen werden könnte, falle die Anklage, weil das Moment der Oeffenrlichkeit fehle. Der Gendarm stenographiert nicht und hat sich nur Stichworte mit Bleistift auf einem Zettel gemacht, den er nicht mehr besitzt. Die Aeußerung will er sich jedoch wörtlich aus- geschrieben haben. Der Vorsitzende Dr. Becker hält die Oeffentlich- keit dieser nichtöffentlichen Versammlung für gegeben, weil sie in einem öffentlichen Lokal stattfand, die Einladungen dazu öffentlich in der.Arbeiterzeitung" durch Inserat erfolgte, weil Wirt und Kellner Zutritt hatten, weil kein Schild„Geschlossene Gesellschaft" aushing und weil ein Mitglied aus einem anderen Kreise an der Versammlung als Gast teilnahm. Zwei Kriminalgendarmen bekunden, daß sie, wie überhaupt die Polizei- behörde. derartige Versammlungen als nichtöffentliche bezeichnen. Sie behielten diesen Charakter auch, wenn mehrere Gäste daran teilnehmen. Erst wenn die Zahl der Gäste vielleicht den dritten Teil der Versammlungsbesucher ausmachen, würde sie Bedenken tragen, eine nichtöffentliche Versammlung darin zu erblicken. Diese beiden Beamten bezeichnen Fl. als sachlichen Redner, der noch nie unterbrochen werden mußte. Der eine weist aus dem Stenogramm, das er über denselben Vortrag Fl s aufgenommen hat. nach, daß der Vortrag in Dresden streng sachlich und ohne eine ähnliche Aeußerung gehalten wurde. Trotz der beschworenen Aussage des Gendarmen hält nach diesen Feststellungen der Staatsanwalt nicht für erwiesen, daß die inkriminierte Aeußerung so gefallen ist.„Nicht jeder exekutive Polizeibeamte eigne sich dazu. einem Vortrage zu folgen." Genosse Fleißuer wurde zwar freigesprochen, da? Gericht hält eS jedoch für erwiesen, daß die Versammlung eine öffentliche war und daß die Aeußerung gefallen ist. Nur deshalb, weil das Gericht die Ueberzeugung habe, daß es sich bei dieser Aeußerung um nne Entgleisung handle— mithin das subjektive Moment fehle— iei die Freisprechung erfolgt. GetverKfcbaftUcbes. Berlin und Umgegend. Das Ende des Jandorf-Boykottes. Die Berliner GewerkschaftSkomniission hat am Dienstag den formellen Beschluß gefaßt, den Boykott über die Firma A. Jandorf u. Co. sowie das Kaufhaus des Westens aufzuheben. Für diesen Beschluß waren die Gründe maßgebend, welche der Transport- arbeitcrverband für die Aufhebung des Boykotts geltend machte. In dieser Hinsicht wurde angeführt: Der Boykott habe schneller, als man in Arbeiterkreisen glaubte, die gewünschte Wirkung ausgeübt. Nachdem jetzt die Firma I a n d o r f die hauptsächlichste Forderung des Transportarbeiterverbandes anerkannt habe, liege kein Grund mehr vor, den Boykott noch fortzusetzen. Die Vertragsklausel, wo- nach der Vertragsbruch der Unternehmer mit 101 M. bestraft werden sollte, ist zurückgezogen und eine für beide Kontrahenten geltende Vertragsbruchslrafe von 17,50 M. festgesetzt. Für den Fall, daß die Firma einen Arbeiter unter Vertragsbruch entläßt, hat sie außer dieser Strafe auch noch den Lohn für die Kündigungszeit zu zahlen. Die von der Firma Entlassenen sollen bei Einstellung von Arbeits- kräften zuerst berücksichtigt und niemand wegen des nunmehr bei- gelegten Konflikts gemaßregelt werden. Da die Firma mit der Festsetzung der Strafe auf 101 M. die Absicht verfolgte. die Zuständigkeit des Gewerbegerichts auszuschalten, so ist eS sehr wesentlich, daß nach den jetzigen Vereinbarungen das Einigungsamt de? Gewerbegerichts zur endgültigen Entscheidung in allen Streitigkeiten anerkannt ist, welche aus dem nunmehr ab- geschlossene» Vertrage entstehen. Was der Vertrag über Löhne und sonstige Arbeitsbedingungen festsetzt, entspricht den Bedingungen, auf die der Transportarbeiterverband sich schon vor dem Streik mit der Firma geeinigt hatte. Mit dem Vertrage sind beide Teile zufrieden.— Mancher mag vielleicht der Meinung sein, der Boykott hätte noch so lange fortgesetzt werden sollen, bis sich die Firma zur sofortigen Wiedereinstellung der 164 Gemaßregelten bereit erklärte. Der Transportarbciterverbaud hielt es aber nicht für angebracht, die Solidarität und die tatkräftige Mithülfe der gesamten Arbeiterschaft länger in Anspruch zu nehmen, als es unbedingt nötig war. Nachdem der eigentliche Konfliktspunkt, die einseitige Vertragsstrafe, beseitigt war, glaubte der Transportarbeiterverband auf die sofortige Wieder- einstellung der Entlassenen verzichten zu können, umsoniehr, da sich ja die Firma verpflichtet hat, ihre Arbeitskräfte vom Nachweis des Transportarbeiterverbandes zu nehmen, wodurch ja die Garantie dafür gegeben ist, daß die Entlassenen bei Bedarf zuerst wieder ein- gestellt werden. Wegen der 164 Gemaßregelten würde der Trans- Portarbeiterverband diesen Kampf nicht geführt haben. Der Kampf galt in der Hauptsache der Vertragsstrafe von 101 M. Hier kam nicht nur die Firma Jandorf in Frage, sondern, wenn sie ihre Ab- ficht durchgesetzt hätte, würden auch die anderen Warenhäuser das- selbe getan haben. Dieser Vorstoß ist zurückgeschlagen, deshalb kann der Kampf beendet iverden.— Der Transportarbeiterverband sagt der Arbeiterschaft Dank für ihre tatkräftige Unterstützung. Die Lage im Bauberuf. Am Dienstag hatte der Zentralverband der Maurer in Berlin and den Vororten nicht weniger als zwölf Mitgliederversamm- lungen einberufen, alle mit der Tagesordnung:„Die Wirt- schaftlichen Kämpfe der Gegenwart und unsere Aufgaben für die Zukunft." Hauptzweck dieser Versammlungen war es, den Organisationsgcdanken unter den Mit- gliedern zu stärken, dafür zu sorgen, daß infolge des ja nicht be- sonders erfolgreichen Ausganges des Kampfes im Baugewerbe und bei der Misere auf dem Arbeitsmarkt nicht etwa Mutlosigkeit und Lauheit in den Reihen der Maurer aufkomme. In dem großen Saale von„Sanssouci", wo sich die Mit- gliedcr aus dem Süden, Südosten und Südwesten Berlins ver- iammelt hatten, sprach das Verbandsvorstandsmitglied E f f t i n g e aus Ha m b u r g. Die gcloerkschaftlichen Kämpfe, sagte er, wer- den immer intensiver und langwieriger. War es ftüher möglich, in wenigen Wochen guten Erfolg zu erzielen, so gehört jetzt, in den letzten Jalzren, mehr Ausdauer und Opfermut dazu. Mit einer Abschwächung der Kämpfe ist auch für die Zukunft nicht zu rechnen, wenngleich es ja stets auch von der Konjunktur ab- hängt, ob es den Arbeitern leichter oder schwerer gemacht wird, Vorteile zu erringen. Die Arbcitgeberorganisationen haben aber auch eine achtunggebietende Stärke erreicht, die im Kampfe gegen die Arbeiter rücksichtslos ausgenutzt wird. Das Unternehmertum frägt weder nach politischen noch religiösen Unterschieden. Ob ein Unternehmer Jude, Christ, Mohammedaner ist oder gar keine Re- ligion hat. darum kümmert man sich nicht; für alle ist die ein- heitliche Organisation da. In der Arbeiterorganisation herrscht dagegen noch viel Zersplitterung, und das schöne Wort:„Getrennt marschieren, vereint schlagen" erweist sich oft in der Zeit des Kampfes als Täuschung. Wie die Unternehmer in ihrer Organi- sation alle Vorurteile, die vielfach noch die Arbeiter trennen, bei- feite lassen, so ist auch für die Arbeiter einheitliche Organisation notwendig. Der Organisationsgedanke selbst hat ja unter der Ar- beiterschaft und besonders auch im Baugewerbe solche Stärke ge- Wonnen, daß es dem Unternehmertum mehr und mehr unmöglich gemacht ist, aus Deutschland Streikbrecher heranzuholen, obwohl eS kaum zehn Jahre her ist, daß man nuS den verschiedensten Beranlw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Gegenden des Reiches Massen solcher Leute herbeischaffen konnte. Nun sind es im Baugewerbe hauptsächlich noch Arbeitswillige aus Italien, Ocsterreich-Ungarn, Holland, die die Kämpfe der deutschen Arbeiter erschweren. Aber auch in diesen Ländern schreitet die Organisation mächtig vorwärts, so daß es den Unternehmern auch bald nicht mehr gelingen wird, von dort Streikbrecher heran- zuholen. Für die nächste Zukunft wird man im Maurerberuf viel- leicht mit großen Abwehrkämpfen zu rechnen haben. Die Unter- nchmer des Baugewerbes loaren ja kürzlich in Berlin beisammen und haben offenbar einen Feldzugsplan gegen die Arbeiter be- raten. Soviel davon bekannt geworden ist, wollen sie jede Lohn- erhöhung wie jede Arbeitszeitverkürzung ablehnen, vielleicht gar Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen durchsetzen. In großen Lohngcbieten, im Maingau und im rheinisch-westfälischen In- dustriegebiet laufen im nächsten Jahr die Tarifverträge ab. Um so mehr müssen die Maurer im ganzen Reich sich bewußt sein, was ihr Verband für ein Machtfaktor ist, was sie der Organisation zu verdanken haben. Kann man doch sagen, daß jetzt in den ent- ferntesten Winkeln des Reichs, wo vor wenigen Jahren noch 18, 19, 20 Pf. Stundenlohn die Regel war, nun nicht unter 80 Pf. Mindest- lohn gezahlt wird. Mißlungene Kämpfe haben die Kollegen in kleinsten Orten nicht mutlos gemacht, sie vielmehr ermuntert, um so fester ihr Ziel im Auge zu behalten. Wie viel weniger haben die Maurer Berlins, die weit höhere Löhne durch ihre Organi- sation erkämpft haben, Ursache, mutlos zu sein. Erklärlich ist es ja, daß sich in Berlin eine starke Mißstimmung gegen diejenigen geltend macht, die in der Stunde der Gefahr die Sache der Or- ganisation verlassen haben, zumal da unter ihnen solche sind, die vordem recht kräftig zum Kampf geblasen haben. Nun aber gilt es, sie davon zu überzeugen, daß sie sich mit ihrer Treulosigkeit ins eigene Fleisch geschnitten haben. Schon haben sich die Ver- Hältnisse der Akkordmaurer bedeutend verschlechtert, sodaß es ihnen bei 9 Stunden Arbeit sehr schwer fällt, nur 7,20 M. zu verdienen. Da muß es um so leichter sein, sie von der Verderblichkeit ihres Tuns zu überzeugen. Töricht ist es zu behaupten, daß der dies- jährige Kampf schuld an der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe sei. Es ist vielmehr die Krise auf dem Geldmarkt. Steht es doch schon seit dem Sommer fest, daß Baugelder selbst in sicheren Fällen nicht unter 9 Proz. zu haben sind. Von einer Ueberproduktion an Wohnungen und Gewerberäumen kann nach der letzten Statistik über die leerstehenden Mietsräume in Berlin noch nicht die Rede sein. Es liegt denn auch, meinte der Redner, kein Grund vor, wegen der Arbeitslosigkeit etwa ganz trostlos in die Zukunft zu blicken. Auch darf sich kein Mitglied, weil nicht alles nach Wunsch gegangen ist, etwa in den Schmollwinkel zurückziehen. Mutlosigkeit auf Seite der Arbeiter würde nur den Uebcrmut der Unternehmer stärken. Mit der Aufforderung, in diesem Sinne für die Organisation zu wirken und immer mehr einzudringen in die großen Grund- gedanken der Arbeiterbewegung, schloß der Redner. Eine rege Diskussion, von dem gleichen Gedanken getragen, folgte. In all den anderen Versammlungen wurde ebenso mit Kraft und Eifer für die Stärkung der Organisation gesprochen, und ihr Verlauf zeugte dafür, daß diese Anregungen reichlich Frucht tragen werden. Verbandsvertreter von auswärts, wie Schauer aus Bres- lau, der in den„Germaniasälen" sprach, H ü t t m a n n aus Frankfurt a. M., der in den„Prachtsälen des Ostens", Koch aus Magdeburg, der bei Thiel in Rixdorf, und Schulz aus Posen, der im„Volkshaus" zu Charlottenburg sprach, waren herbeigekommen und führten den Berliner Maurern vor Augen, wie notwendig gerade jetzt, in der Zeit der Krise, treues Festhalten an der Organisation, eifriges Streben innerhalb der Arbeiter- bewegung doppelt notwendig ist. In den übrigen Versammlungen waren es Berliner Verbandsvertreter, die diese Aufgabe erfüllten, in Obst Festsälen zu Schöneberg Hermann Silberschmidt, bei Reisen in Groß-Lichterfelde Emil Lehmann, bei Schmutz in Weißcnsee K a r l H a a s e, in Tegel bei Schmidt Emil T h ö n s und in Friedrichsbcrg bei Pickenhagen Wilhelm L e m m. Tausende von Maurern, die sich in den verschiedenen Lokalen zusammengefunden hatten, haben neuen Mut und neue Kraft zum Kampfe für die Organisation aus den Vorträgen und Dis- kussionen gewonnen._ DcutTchcs Reich. Achtung, Metallarbeiter und Arbeiterinnen! Bei der Firma Hagendorf, Werdermann».Jürgens in Trebbin, Fabrik für Fahrradteile(Spezialität Luftpumpen), sind wegen Akkord- reduzierungen Differenzen ausgebrochen. Wie im vorigen Jahre die Firma den Arbeitern durch eine 25prozentige Reduzierung der Akkordpreise eine besondere Weihnachtsfreude bereitet hatte, glaubt die Firma auch in diesem Jahre dasselbe tun zu müssen. Am Montag, den 11. November, wurde den dort beschäftigten Kollegen und Kolleginnen eine neue Akkordliste unterbreitet, nach der fast alle Arbeiten um 20 bis 50 Proz. billiger gemacht werden sollen wie bisher. Die Firma verlangte von den Arbeitern, entweder bis zum Abend die neue reduzierte Akkordliste anzuerkennen oder, wer das nicht will, hat am Montagabend seine Kündigung einzureichen. Bei den bisherigen alten Preisen war der Verdienst schon ein äußerst niedriger und ist es ganz unmöglich, zu den reduzierten Preisen weiter arbeiten zu können. Die Kollegen haben es daher abgelehnt, zu den neuen Preisen zu arbeiten und die Kündigung eingereicht. Wir ersuchen den Zuzug von Metallarbeitern nach Trebbin unter allen Umständen fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Verband, 3. Bezirk. H. Z e r n i ck e. Achtung, Klempner! Der Streik in der OSnabrücker GaS- Uhrenfabrik von Kranschröder nimmt seinen Fortgang. Die Klempner hatten das Gewerbegericht als EinigungSamt an- gerufen. Die Finna, welche in Arbeit tretende Streikende von einer Arbeitsstelle zur anderen jagt, hat es brüsk abgelehnt, vor dem Einigungsamt zu erscheinen mit der Motivierung, daß sie vollen Ersatz für die Streikenden gefunden habe und von diesen keinen wieder beschäftigen werde. Demgegenüber steht fest, daß die Firma mit vereinzelten Aus- nahmen nur ungelernte Arbeiter als Ersatz bekommen hat. Sie wird deshalb versuchen, durch Inserate in den bürger- iichen Zeitungen Klempner nach hier zu locken. Es wird deshalb d arauf a u fm erksam g ema cht, daß Osnabrück unter allen Umständen von Klempnern zu meiden i st. Deutscher Metallarbeiter-Verband.(Verwaltung Osnabrück.) Ausland. Die französischen Streiks im Jahre 1906. Die französische Streikstatistik für das Jahr 1906 ist soeben er- schienen. Sie verzeichnet eine Gesamtzahl von 1300 Ausständen, an denen 438466 Arbeiter beteiligt waren, und zwar 380 435 Männer, 41 331 Frauen und 16 710 Jugendliche. Die Zahl der vom Streik betroffenen Unternehmungen beträgt 19 637. Die durch die Ausstände verursachte Arbeitslosigkeit umfaßte 9 438 594 Tage, davon 746 490, die 29 035 Arbeiter betrafen, die sich am Streik nicht beteiligten. Die Streikbewegung war 1906 weit größer als im vorher- gegangenen Jahre. 1905 hatte es nur 830 Streiks gegeben, die 2 746 684 Arbeitstage umfaßten. Die Durchschnittsdauer eines Streiks war 1905 vierzehn, 1906 aber neunzehn Tage. Dies An- wachsen der Streiks im Jahre 1906 hängt mit der Mai- bewegung der Arb eitskonföderation zusammen. Diese verursachte 295 Streiks in 12 585 Unternehmungen. 202 507 Arbeiter waren an ihnen beteiligt, sie kostete 3 571 033 Arbeitstage. Auch der Ausstand der Bergarbeiter im Norden und in Pas-de- Calais, der 61 371 Streikende und 13 194 unfreiwillig Ruhende be- traf, trug zu der Steigerung bei. Die anderen Industrien, die kh.Glvcke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt am meisten betroffen wären, waren das Baugewerbe tnft 91 963, die Textilindustrie mit 48 773 und die Metallindustrie mit 64 500 Streikenden. Was nun die Ergebnisse der Streiks anlangt, so ver- zeichnet die Statistik 2 78erfolgreiche, mit 31 148 Streikenden. 539 Ausstände mit 253 264 Streikenden wurden mit partiellem Erfolg beigelegt. 490 mit 150 010 Streikenden endeten er- f o l g l o s. Zwei dauerten am 1. Juli 1907, zurzeit des Ab- schlusses der statistischen Arbeit, noch fort. Ueber die D a u e r der Ausstände sagt der Bericht: 752 dauerten bis zu einer Woche, darunter 213 nicht einmal einen Tag, 140 bis zu zwei Tagen. 21 dauerten über 100 Tage. Einer, der der Glas- arbeiter in Rive-de-Gier 3 01 Tage. Die Ursache der Streiks war in 60,83 Proz. aller Fälle (797 mit 301 083) die Forderung einer Lohnerhöhung. allein oder in Verbindung mit anderen Forderungen. Davon hatten 192 mit 22 816 Streikenden vollen Erfolg, 263 mit 67 793 gingen verloren. Die Statistik über die materiellen Gcwinnste und Verluste der Streikenden umfaßt nur 579 Streiks mit 183 358 Streikenden. 136 von ihnen mit 14 112 Arbeitern endeten erfolgreich, nach einem Verlust von 84 618 Arbeitstagen, denen eine Lohnsumme von 343 479 Frank entspricht. 43 Arbeitstage waren nötig, um die durch den Streik verursachte Lohncinbuße hereinzubringen. Nach 300 Arbeitstagen war der durchschnittliche Gewinn 145,39 Frank. 230 dieser Streiks mit 120 022 Arbeitern endeten mit einem Ver- gleich. Verloren gingen 3 101 055 Arbeitstage und eine Lohn» summe von 15 694 007 Frank. Der Verlust wurde in 297 Arbeitstagen eingebracht. 213 Streiks gingen verloren. Sie umfaßten 49 224 Arbeiter, denen 820 715 Arbeitstage und 6 034 155 Frank verloren gingen. Letzte JVachnchten und Depcfchca Auch ein Kampf gegen Alkoholismus. Die„Freie Studentenschaft" hatte zu gestern abend nach dem Schloß-Hotel in der Burgstraße 20 eine Versammlung der Studenten einberufen, in der Dr. Ohr- München über.Alkoholis- mus und Studentenschaft" sprechen sollte. Die Versammlung ist ohne Angabe von Gründen polizeilich verboten worden. Es wäre ja auch schrecklich, wenn den jungen Studenten Aufklärung über die Schädlichkeit des Alkohols gegeben würde. Für Studenten ist es nach der Auffassung unserer Bourgeoisie viel wichttger, sich an der Kolonialpolitik und dem segensreichen Wirken des Bülow- Blocks zu begeistern. Die siegreichen„Niedergerittenen-. Bielefeld, 13. November.(Privatdepesche deS„Vorwärts.) Gestern und heute fanden hier die Stadtverordnetenwahlen statt, bei denen unsere Genossen einen glänzende» Sieg er- rangen. Während wir bisher zwei Mandate der dritten Ab- teilung im Besitz hatten, sind jetzt alle sechs Mandate der dritten Abteilung durch Sozialdemkrate» vertrete«. Für unsere Genossen wurden 3880 Stimmen abgegeben, die Liste der Liberalen erhielt 700, und die nationalliberal- konservativ- gelbe Liste 1150 Stimmen. Essen a, Ahr., 13. November.(Privatdepesche des»Vor- wärts".) Bei den heilte beendeten Stadtverordnetenwahlen der dritten Abteilung siegten die Sozialdemokraten mit rund 5000 Stimmen über die bürgerlichen Kandidaten, die etwa die Hälfte der sozialdemokratischen Stimmen erhielten. Unsere Genossen gewannen vier Sitze und sind nunmehr im Besitz der sämtlichen 15 Mandate der dritten Abteilung. Nichts für die Oeffentlichkeit. Düsseldorf, 13. November.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Das hiesige Kriegsgericht verhandelte in seiner heutigen Sitzung gegen den Leutnant Graf Brühl vom 5. Ulanenregiment wegen Mißhandlung eines Untergebenen. Während der Verhandlung wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. DaS Urteil gegen de» feudalen Soldatenmißhandler lautete auf— 14 Tage Stuben« arrest. DeS Deutschen Reiches Busenfreund. Leipzig, 13. November.(W. T. B.) In dem Spionageprozeß gegen den Deutschen Anton Bogacki wurde in der Nachmittags- sitzung wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichkeit ausgeschloffen. Nachdem die Oeffentlichkeit wieder hergestellt worden war, beantragte der Reichsanwalt Richter gegen den An- geklagten drei Jahre Zuchthaus, sechs Jahre Ehrverlust und Zu» lässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Prof. Dr. Ganz, plädierte auf Freisprechung. Das Urteil lautet: Der Angeklagte wird wegen Versuches des Ver- brcchens gegen§ 3 des Gesetzes, betreffend den Verrat militärischer Geheimnisse, zu drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt, zwei Monate werden als durch die Untersuchungshaft verbüßt angerechnet. Das Gericht hat angenommen, daß der Angeklagte als Spion für die russische Regierung tätig war, aber nicht als erwiesen angesehen, daß er Geheimnisse an die russische Regierung verraten hat. Opfer des Schulstreiks. Bromberg, 13. November.(Privatdepefche des„Vorwärts".) Zivei Hauptagitatoren im polnischen Schulstrreik, der Wiesenwätter Johann Kuras und der Besitzer Ignatz Hern et aus Jezewo- Hauland, hatten sich heute vor dem Schwurgericht wegen versuchten Mordes bezw. Anstiftung dazu zu verantworten. KuraS hat auf Ueberreden des Hernet in der Nacht zum 22. August durch ein Fenster ins Schlafzimmer des Lehrers Gabrielski einen Schrotschuß mit einer Jagdflinte abgefeuert. Der im Bette Schlafende wurde zwar nicht getroffen, aber das Bettgestell von 86 Schrotkugeln durch- löchert, Kuras wurde zu sechs Jahren, H e r n e t zu acht Jahre» Zuchthaus verurteilt._ Wieder ein Hauseinflurz. BöMinge«, 13. November. Heute nachmittag stürzte hier in d« Viktoriastrabe ein 15 Meter hoher Neubau ein, dessen Dachstuhl be- reits errichtet war. Bis 5 Uhr nachmittags waren zwei Tote und fünf Schwerverletzte geborgen. Völklingen, 13. November.(W. T. B.) Auf dem Neubau, der heute hier eingestürzt ist, waren zwölf Italiener beschäftigt, vier fanden ihren Tod, acht wurden verletzt. Der Unternehmer des Baues ist verhaftet worden.__ Eingefroren. Astrachan, 13. November.(W. T. B.) Infolge Frostes sind 509 Fischerboote vom Lande abgeschnitten und im Eis eingeklemmt. Fünf Dampfschiffe sind zur Hülfeleistung abgesendet und haben die Besatzungen der Boote gerettet. Mao befürchtet Massen- rrfrierungen von Fischern. l.. Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen«. UnterhaltuugSblgtt Nr. 267. 24. Jahrgang. KnlM Ks Jormärts-* Krlim JolWlslt. paniimtas, 14. Nsombn 1907. Die Vorträge über Ratlonalöltonoinle. Der gute Besuch der Vorträge des Genossen Molkenbuhr über Nationalökonomie hält erfreulicherweise an. Auch am lehten Montag war die große Halle in den„Germaniasälen" stark besetzt. DaS Thema des fünften Abends lautete: »Die Herrschaft des Kapitals." Hatte der Redner im letzten Vortrage über den„Arbeits- lohn" die Macht des Kapitalisten über den Arbeiter schon scharf gekennzeichnet, so schilderte er jetzt, wie der Kapitalist die Herr- schaft ausübt und sich dabei umkleidet mit dem Gewand des„Wohl- täters". Recht sarkastisch beh--delte er den„entsagungsvollen". nur seinen„Entbehrungslohn" einstreichenden Kapitalisten, den er in boller Glorie vor den Hörern enthüllte. Die weiteren Untersuchungen über den Zirkulations- Prozeß des Kapitals einleitend, zeigte der Redner die zwei Phasen des Wertquantums, das als Kapital fungiert, nämlich die Verwandlung einer Geldsumme in Produktionsmittel und Arbeits- kraft und die Herstellung des Mehrwerts. In der kapitalistischen Gesellschaft geht nun der durch unbezahlte Arbeit erzielte Gewinn durch viele Kapitalistenhände. Der Mehrwert zerfällt in Profit, Zins, Handelsgewinn, Grundrente usw. Der Ardeiter erhält einen Teil des von ihm selbst erzeugten Arbeitsproduktes, und zwar in Geld. Es ist ein Teil des Produkts der vorigen Woche oder des vorigen Halbjahres, womit er bezahlt wird.— Um den richtigen Maßstab bei der Betrachtung dieser Dinge zu gewinnen, darf man nicht an Einzelerscheinungen hängen bleiben, sondern muß die Verhältniste der K a p i t a l i st e n k l a s s e zu der Arbeiter- Hasse im großen und ganzen sich vergegenwärtigen. Dann wird es klarer, wie die Kapitalistenklasse der Arbeiterklaffe Anweisungen in Gcldform gibt auf einen Teil der von den Arbeitern produ- zierten Güter, die sich der Kapitalist angeeignet hat. Diese An- Weisungen— Geld— bringt der Arbeiter dem Kapitalisten zurück und erhält nun einen Teil von den Produkten selbst, die seine Arbeit geschaffen hat. Der Redner kommt auf die Unterschiede des konstanten Kapitals(Produktionsmittel, wie Rohmaterialien, Werkzeuge usw.) und des variablen Kapitals(die gekaufte Arbeitskraft) zurück. Das variable Kapital ist nur eine besondere Erscheinungsform des Fonds von Lebensmitteln, den der Arbeiter zu seiner Erhaltung und Reproduktion bedarf und den er selbst produzieren und reproduzieren mutz. Diese Tatsache erscheint bei der Lohnzahlung verschleiert, aber man sollte sich Klarheit darüber verschaffen. Der Fronbauer, der drei Tage auf seinem Stück Land Nahrungsmittel für sich baut und dann drei Tage auf dem Gute ohne Bezahlung arbeitet, erkennt die unbezahlte Arbeit deutlich. Wenn aber der Gutsherr das Land des Fronbauern nimmt, ihn sechs Tage arbeiten läßt und ihm einen Lohn zahlt, der dem Ertrage des Fronlandes gleichkommt, dann ist die unbezahlte Arbeit versteckt. Beginnt ein Kapitalist die Produktion mit einem Kapital von 50 000 Mark und werden in einem bestimmten Zeit- räum 5000 Mark Mehrwert erzeugt, die der Kapitalist verbraucht, dann kommt der Moment, in dem der Kapitalist so viel verbraucht hat, als er Kapital besitzt und doch ist das Kapital noch da. Es hat sich durch den angesammelten Mehrwert reproduziert.� Der Produktionsprozeß ist zugleich der KonsumtionSprozeß der Arbeitskraft durch den Kapitalisten, und damit verwandelt sich das Produkt des Arbeiters nicht nur fortgesetzt in Ware, sondern auch in Kapital, in einen Wert, der die wertschaffende Kraft aus- saugt. Der Arbeiter selbst produziert daher beständig den objektiven Reichtum als Kapital, als eine ihm fremde, ihn beherrschende und ausbeutende Macht. Die Konsumtion des Arbeiters ist doppelter Art. In der Produktion konsumiert er durch seine Arbeit Pro- duktionsmittel und verwandelt sie in Produkte von höherem Wert. Das ist seine produktive Konsumtion und zugleich die Konsumtion seiner Arbeitskrast durch den Kapitalisten. An- dcrerseits verwendet der Arbeiter das für den Kauf der Arbeits- kraft gezahlte Geld zu Lebensmitteln. Das ist seine i n d i v i- d u e l l e Konsumtion. Das Resultat der produktiven Kow sumtion ist das Leben des Kapitalisten, das der individuellen Kon sumtion das Leben des Arbeiters selbst. Wenn der Arbeiter auch die Lebensmittel, die zu seiner Erhaltung und Fortpflanzung dienen, selbst genießt, so hat doch der Kapitalist den Nutzen davon, weil dadurch die Arbeitskraft erhalten bleibt, ohne die Mehrwert nicht entstehen kann.— Gern spielt sich der Kapitalist als der Wohltäter auf, der den Arbeiter erhält und ernährt, während er doch nur den eigenen Vorteil im Auge hat. Er betrachtet ihn als sein Eigentum, als lebendes Inventar seiner Anlagen. Der Redner erinnerte an die Agrarier, wie sie darauf erpicht seien, die Arbeiter an die Scholle zu festeln. Sie wissen, daß ihre Güter ohne die Arbeiter keinen Pfifferling wert sind, und rufen nach Zwangsmitteln, um die Arbeiter am Fortziehen zu verhindern. Die Schlotjunker haben dasselbe Bestreben, wenn sie Arbeiter- Wohnungen bauen und Wohlfahrtskastcn einrichten. Und dabei machen die Kapitalisten noch Anspruch auf die Dankbarkeit der Arbeiter, die sie ausbeuten!— Wie der Mehrwert wieder in Kapital umgebildet wird, zeigte der Redner an Beispielen. Da hat ein Kauitalist 400 000 Mark angelegt, 80000 Mark in konstantem und 20 000 Mark in variablem Kapital. Er erzielt 20 000 Mark Mchrlvert, verbraucht aber nur 10 000 Mark. Die anderen 10 000 Mark zirkulieren wieder als Kapital, 8000 Mark als konstantes und 2000 Mark als variables Kapital. Der nächste Kreislauf: 88 000 Mark konstantes, 22 000 Mark variables Kapital, 22 000 Mark Mehrwert, bringt als Resultat ein Kapital von 132 000 Mark. Beim Steigen der An- Häufung(Akkumulation) und der Menge des Mehrwerts wird der verzehrte Bruchteil kleiner und der akkumulierte größer. Was beim Schatzbildner als individuelle Manie erscheint, ist beim Kapitalisten die Wirkung des gesellschaftlichen Me- ch a n i s m u s. Die Konkurrenz zwingt ihn, sein Kapital aus- zudchncn, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur ver- mittelst progressiver Akkumulation, die wieder mit der Masse des ausgebeuteten Mcnschcnmaterials die Herrschaft des Ka- pita listen ausbreitet. Ter Redner erklärte nun die Auffassung der Vulgärökonomen. daß das Kapital durch Entsagung des Kapitalisten gebildet würde, die durch den erzielten Gewinn nur den verdienten Eni- behrungslohn erhielten. Er zeigte die ganze Lächerlichkeit dteser Ansicht und fragte, wie es die Kapitalisten als eine Klasse wohl anstellen sollten, die Werte, die sie sich angeeignet haben, die Maschinen, Eisenbahnen, Bergwerke, den Grund und Boden usw. zu verprassen und in Luxusartikel umzusetzen! Das Bestreben der Kapitalisten, Mehrwert zu erlangen, der- führt sie, nach möglichst billigen Arbeitern zu suchen. Die Frauen- und Kinderarbeit wird ausgebeutet; der Lohn wird herabgedriickt, direkt und indirekt durch Verlängerung des Arbeits- t a g c s und durch gesteigerte Produktivität. Ver- besserte Arbeitswerkzeuge werden eingeführt. Redner zeigt die großartige Bedeutung der Maschinen in der Produktion. 1875 wurde in ganz Deutschland eine Dampfkraft von 885 582 Pferde- stärken verwendet; 1805 kamen in Preußen allein 2 174 221 Pferde- krüfte und 1900 sogar die hohe Summe von 5 794 473 Pfcrdekräften zur Anwendung. Dabei sind die Pfcrdekräfte der Lokomotiven nicht eingerechnet. Würde die Rechnung stimmen, daß eine Dampf-Pferdckraft 24 Menschcnkräftc ersetzt, dann ständen den Arbeitern in Preußen 130 Millionen eiserne Sklaven in der Produktion zur Seite. Tie Lokomotiven ersetzen 29 708 100 Perdc. Mit der steigenden Produktivität steigt bei gleichbleibendem Mehrwert die Masse des Mehrprodukts. Die Leistung eines Durch- schnittsarbeiters in der Eisenindustrie stieg von 24,51 Tonnen im Jahre 1895 auf 31,82 Tonnen im Jahre 1904. Bei gleichbleibendem Mehrwert wäre das Mehrprodukt um 29,82 Proz. gestiegen.— Neben der Technik spannt auch die Wissenschaft die Arbeitskraft höher. Bei der Zusammensetzung des Kapitals ist zu beachten: Die Wertzusammensetzung, das konstante und variable Ka pital, und die technische Zusammensetzung, die Pro duktionsmittel und die lebendige Arbeitskraft. Bei gleichbleibender Zusammensetzung steigt mit der Akkumulation die Nachfrage nach Arbeitern. Der Redner besprach hier die Ein- und Auswanderung der Arbeiter. In dem Jahrzehnt von 1881— 1890 wanderten 1 342 423 Deutsche aus, während in den Jahren 1891 bis 1900 nur 429 875 Deutsche dem Vaterlande den Rücken kehrten. Die Zahl der Ausländer in Deutschland stieg von 410 009 im Jahre 1890 auf 788 895 im Jahre 1900; sie stieg also um 372 880. Rechnet man dazu die Zahl der zurückgewanderten Deutschen, dann ist die Auswanderung gedeckt. 1904/05 wanderten 134 802 Deutsche aus, denen eine größere Zahl von Eingewanderten gegenübersteht. — Trotz der absoluten Steigerung des variablen Kapitals in der Wertzusammcnsetzung ist eine relative Abnahme zu verzeichnen. Die Masse der Produktionsmittel wächst mit der Produktivität der Arbeit; es wird mehr Rohmaterial und Hülfsstoff verarbeitet, und immer größere Maschinenanlagen und Baulichkeiten sind nötig. Die Veränderung in der technischen Zusammensetzung— Produktionsmittel und lebendige Arbeitskraft— verschiebt auch das Verhältnis des variablen Kapitals zum konstanten. Bei primitiver Arbeit sind vielleicht 50 Proz. des Kapitals konstantes— Rohstoffe— und 50 Proz. variables Kapital— Arbeitslohn. Bei weiterem Fortschreiten braucht man z. B. 80 Proz. konstantes und 20 Proz. variables Kapital. Wenn Kapitalgröße und Ausbeutungsrate gleich blieben, dann würde die Ausbeutung sinken. Die ganze Kapitalmenge steigt so, daß trotz der relativen Verschiebung die absolute Höhe des variablen Kapitals steigt. Den Anstoß gibt die technische E n t- Wickelung.— Teils bilden sich die großen Kapitale durch Zu- sammcnlegung vieler kleiner Kapitale— Aktiengesellschaften entstehen. Wie das Großkapital in der Regel das Kleintäpital auf- saugt, zeigte der Redner näher und verweilte bei der Erklärung des N a t i o n a l r e i ch t u m s", woran er eine Kritik der Aus- führungen Dernburas knüpfte, daß sich das Nationalvermögen in 20 Jahren um 30 000 Millionen Mark vermehrt habe. Das mag schon wahr sein, so meinte er, denn zur preußischen Ergänzungs- steucr war veranlagt im Jahre 1902 ein Vermögen von... 70 370 Millionen Mark, „» 1905„ ,,„..* 83 156-_ Demnach ein Zuwachs in drei Jahren von 6 777 Millionen Mark. Dieser Zuwachs befindet sich aber in den Händen der Groß- kapitalistcn, die durch die Verarmung der Massen dazu gc- langen. Ein gutes Beispiel zeigt die Steigerung der Werte von Grund und Boden. Durch Zölle wird der Ertrag des Bodens ge- steigert, die Preise für Getreide steigen, das Volk aber muß teures Brot essen. Die entsagungsvollen Junker, die ihren„Entbehrungs- lohn" einheimsen, lachen sich ins Fäustchen.— Der Redner zeigte dann, wie Krisen als Ausgang der Konzentration entstehen durch Steigerung der Produktion über den Bedarf hinaus und durch Ucbcrfüllung des Marktes; er zeigte, wie bei solchen Krisen auch die„Wohltäter" austreten und wies auf Pierpont Morgan und Rockefeller in New Aork hin, die als„Wohltäter" gegenwärtig brillante Geschäfte machen.— Es gibt großkapitalistische Unternehmungen, die wenig an der Produktion beteiligt sind, die Hypothekenbanken, der Grundbesitzer, der sein Land verpachtet, und das Handelskapital. Diese nehmen einen Teil des Mehrwerts in Anspruch als Institutionen, die notwendig sind zur Entfaltung des Kapitalismus. Rechnet man alles, was den Kapitalistcn die Erzeugung der Ware kostet, so hat man den 5k o st p r e i s, wie ihn Marx nennt. Der Ucberschuß über den Kostpreis, den der Kapitalist erhält, ist die Profitrate. Um diese zu ermitteln, muß man alle Faktoren in Rechnung stellen. Man muß rechnen, daß ein Teil des 51apitals brach liegt,— da sind die vorhandenen Rohmaterialien, die fertigen Produkte und die fälligen Zahlungen für gelieferte Waren. Es ist das Bestreben des Kapitalistcn, die Ilmschlagszeit von Ware in Geld möglichst abzukürzen, denn je kürzer die Umschlagszeit, um so höher wird die Profitrate. Dazu dienen verbesserte Pro- duktion und verbesserte Verkehrsmittel. Der schnelle Umschlag erhöht die Profitrate selbst bei gc- ringerem Profit am einzelnen Stück. Ueber die Entwicklung des Handels gab der Redner nock einen historischen Rückblick. Alles zwingt das Kapital in seinen Dienst, es beherrscht die ganze Welt, so schloß der Vortragende. Wo Fürsten glauben zu herrschen, da ist das Kapital der wirkliche Gebieter. Es steht noch da in Pracht und Herrlichkeit, aber schon ist ein nagender Wurm am Werke, und das ist der innere Widerspruch in der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft. Ein Neues ist im Werden, das Proletariat will nicht länger an seinen eigenen Fesseln schmieden!(Reicher Bcifgll.) Merformalismus im Kelchs- VersicheniDgsamt. Als ein Vorteil der Unfallversichernngsgesetzgebung gegenüber dem Schadenersatzrecht, dessen Geltendmachung vor den ordentlichen Gerichten anszufechten ist, wird häufig gepriesen, daß die recht- sprechenden Instanzen es in der Hand haben, schneller und mehr als der ordentliche Richter dem materiellen Recht zum Siege zu verhelfen. Es ist in volltönenden Reden gerühmt, ivie der für die Ulifallrechtsprechung gebildete Jnstanzenzug den sozialen Charakter, von der jede Rechtsnorm durchdrungen sein sollte, zum Durchbruch gelangen lasten, weil die Richter es in der Hand haben, das formale Gestrüpp, das dem inateriellen Recht insbesondere in Haftpflichtprozessen in den Weg getürint wurde, zu durchhauen. Dem auf dem Schlachtfelde der Arbeit verletzten Arbeiter werde eher sein Recht, da der Mißbrauch der mit dem formellen Recht zuunaunsten des wirtschaftlich Schwachen so oft ge- trieben wird, keine Stätte vor den» Tribunal des Reichsversicherungs- amts habe. 5klar und schön zeige sich gerade bei der sozialen Recht- sprcchuiig, daß die Rechtsordnung und die Gesetzgebung nicht ihrer selbst willen, sondern zur Verwirklichung der Zwecke der inensch- lichen Gesellschaft, zur Erfüllung sozialer Zwecke da sei. Schikanöser Ausnützung formaler Rechte durch Berufsgenossenschaftcn werde voin Reichsversicherungsamt der Weg versperrt. Dein Arbeiter solle gerode durch die soziale Gesetzgebung geoffenbart iverden, daß der heutige Staat den Arbeiter nicht nur als steuerzahlendes, Militär- pflichtiges, oiisbentungsmögliches, in die Ketten der Unfreiheit ge- schlageucs Objekt betrachte, sondern ihm auch Rechte gewähre. ES läßt sich zugeben und ist von uns wiederholt zugegeben, daß diese Durchdringung der Rechtsprechung mit sozialem Empfinden der erste Präsident des Reichsversicherungsamtes Dr. Bödiker sich eifrigst aiigelegen sein ließ— freilich ohne der in den Macht- Verhältnissen der Gesellschaftsklassen seinem Streben entgegenstehender Kräfte Herr werden zu können. Aber das Streben, zur sozialen Pflichterfüllung des Staates die Befugnisse, Rechte und Pflichten des Reichsversichcrungsamtcs in reale Tätigkeit umzusetzen, war unver- kcnnbar und ist von niemand lebhafter als von der Arbeiterklasse zu Leb- zeilen Bödikers und nach seinem Tode anerkannt. Weiche» mußte Bödiker der Kommandogewalt des Unternehmertums, das durch ein Heer in den Bemfsgenossenschasten angestellter Beamter eifrigst durchforschen ließ, ob nicht ein vollgerüttelt gerechtfertigter Anspruch eines im Betriebe verletzten Arbeiters durch formale Rechtsschlingen erdrosselt werden könne. Von Session zu Session wiesen insbesondere seit Mitte der 90 er Jahre die Sozialdemokraten in der Presse, im Parlament, iii öffentlichen Versaniinlungen und in Arbcitersekretariatsberichten auf die schikanöse Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen zuungunsten des Arbeiters hin. Einige Riegel der gar zu brutalen Schikane bor- zuschieben, gelang bei der Unfällnovelle. Wie aber auch u. E. in schroffstem Widerspruch mit den» Gesto diese Riegel ein Senat des Reichsversicherungsamts zu öffne» uns willkürlichster Schikane Tür und Tor z» öffnen vermag, zeigt nach- stehender am 8. Oktober entschiedener Fall, der einem verunglücktc» Bergmai»» M a r I s das gute vom ReichsvcrsichcrungSamt selbst an- crkainite Recht aus den Händen wand. Der Bergmann M. erlitt am 28. August 1896 eine Verletzung des Knies, für die die T i e f b a u- B e r u f s g e n o s s e n s ch a f't eine Zeitlang die Entschädigung trug. Am 0. Dezember 1902 zog sich M. abermals einen Unfall zu, der dasselbe.Knie in Mitleiden- schaft zog und eine Verschlimmerung herbeiführte, für die die K n a p p s ch a f t s- Berufsgenossenschaft kurze Zeil eine Rente gewährte. Am 16. Juli 1904 stellte M., da sich sein Zu- stand verschlimmert hatte, einen Antrag auf Wiedergewährrmg der Rente bei der Knappschafts- Berufsgenossen'- schaft. Diese lehnte den Anspruch ab mit der Begründung, daß wohl eine Verschlimmerung eingetreten aber nach ärztlichem Gutachten diese Verschlimmerung ans den e r st e n Unfall zurückzuführen sei, also nicht von der Knapp schasts- sondern von der Tie fb a u- Berufsgenossenschaft die Rente zu beanspruchen wäre. Da aber für den Verletzten die Frage strittig war, ob die Auffassung der 5knappschafts-Berufsgenossenschaft zutraf, trat der Verletzte in das Rentenstreitverfahren ein. Es wurde vom Reichs- Versicherungsamt Prof. Bardenheuer über die Frage gehört, ob die Verschlimmerung auf den ersten oder auf den zweiten Unfall zurückzuführen sei. Dieser nahm an, die erste Verletzung fei die Ursache des Leidens, dessen Verschlimmerung jetzt eingetreten war. Mithin wäre die Tiefbauberufsgenosfenschaft, nicht die KnappschaftS- berufSgenoffenfchast rentenpflichüg gewesen. Diese war aber nicht angeklagt. Wie lvar nun vorzugehen? Die Leser verzeihen, daß wir zur Erläuterung der Rechtslage die Entstehung der eventuell bei dieser Sachlage in Betracht kommenden gesetzlichen Vorschriften darlegen. Das UnfallversicherimgS- gefetz enthält besondere Härten in seinen Vorschriften über Verjährung. Vorschriften über Verjährung eines reinen Zivilrechtes find erforderlich, uin z»« einer Rechtssicherheit zu gelangen. Der Ablauf eineZ langen Zeitraumes erschwert es den in Anspruch genommenen Privatpersonen ungemein, den Beweis zu führen, daß er die Verpflichtung, deren Erfüllung von ihm verlangt wird, bereits erfüllt habe, oder den Sachverständigen aufzuklären. DcZ- halb kennt das Zivilrecht in der Regel dreißigjährige VerjährinigS- ftist. Sie ist für eine große Reihe von Fällen erheblich auf 2,' 3, 4, 5, 10 Jahre herabgesetzt. Forderungen aus einen, Arbeitsvertrag auf Zahlung von Lohn, einschließlich der Forderungen für Auslagen und Forderungen auf Rückerstattung von Vorschüssen, verjähren beispielsweise in zwei Jahren, andere Forderungen aus dem Arbeitsvertrag, z. B. die Schadenersatzansprüche des Arbeit- g e b e r s gegen den Arbeiter verjähren erst in 30 Jahren. Der Antrag, alle Ersatzansprüche der Arbeitgeber der zweijährigen Frist zu unterwerfen, wurde bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuchs mit der Begründung abgelehnt, möglicherweise könne ein Geselle bei der Ausführung eines Baues durch schweres Verschulden einen erheblichen Schaden zugefügt haben, der erst spät entdeckt wurde. In solchem Falle müsse eine dreißigjährige BeriährungSfrifi Zligunsten des Arbeitgebers bestehen bleiben. Ganz iin Gegensatz zu der 30jährigcn Verjährungsfrist der Schadenersatzklagen des Arbeil- g e b e r s. bei der ein Material schaden in Frage steht, steht eine außerordentliche kurze Verjährungsstisr zi» Ungunsten des Arbeiters, der etwas Ersatz für den Schaden auf Grund des UnfällversicherungS- gesetzeö heischt, der seinen, Körper oder seiner Gesundheit zugefügt ist. Hier hat der Gesetzgeber eine kurze Frist von zivei Jahren vorgesehen. Im Reichstage wurde auf eine besonders harte Unbilligkeit dieser enonn kurzen Verjährungsfrist insbesondere von den sozialdemokratischen Abgeordneten hingewiesen. Es ist ja be- kanntlich das Unternehmertum durch die Unfallgefetzgebung nicht nach territorialen Abgrenzungen, sondern durch über das ganze Reich sich erstreckende Berufsgenosicnschaften von Reichs wegen organisiert. Die einzelnen Bemssgenossenschaftsn gelten aber als ver- s ch i e d e n e juristisch-selbständige Persönlichkeiten. Wurde z. B. die Knappschofts-Berufsgenoffenschaft verklagt, so wurde durch die gegen sie angestellte Klage der Anspruch gegen die Tiefbau-Berufs- genosseiischaft in seiner Verjährung nicht gehemint. Cut« schied daS Reichsversicherungsamt nach zwei Jahre», die Tiefbau- Berufsgenoffenfchaft. nicht die KnappschaftS- Berufs- genossenschaft ist zu verklagen, so konnte die Tiefbau- Berufsgeiioffenschaft den Einwand der Verjährung er- heben. Freilich konnte solchem Einwand mit der Replik dcS Dolus oder der Schikane begegnet, der Berufsgenossenschaft ent- gegnet iverden. die durch den Zeitablauf begründete Bermutung, sie habe die ihr obliegende Verpflichtung getilgt, werde durch den offensichtlichen Umstand entkräftet, daß sie„unredlichcrweise und gegen beffereS Wissen sich ihrer noch fortwährenden Verbindlichkeit" entziehen wolle(Z 509, I. 9 A. L.-R.). Auch konnte hier und da im landrechtlichen Gebiet§ 512, I. 9 A. L.-R. in Anwendung ge- bracht worden, der da besagt,„Keine Art der Verjährung kann gegen den anfangen, welcher von seinen» Rechte nicht hat unierrichtet sei» können." Im Jahre 1896 wurde durch die Stimmen des ZentrilmS und der Sozialdemokraten der tz 220 im Bürgerlichen Gesetzbuch formuliert, der das allgemeine �.chikaneverbot(„Die Ausübung eines Rechtes ist unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben laun, einem anderen Schaden zuzu- fügen") auch solchem Verjähruiigseinwand gegenüber zuläßt. So zutreffend auch alle diese Rechtsbehclfe theoretisch sind, praktisch helfen sie wenig: tatsächlich sind sie nie gegenüber Berufögenossen- fchaften in Anwendung gebracht. Ihr Gebrauch hätte klar zum Ausdruck gebracht: die Organisation des Unternehmertums handele dolos, illoyal, schikanös gegenüber den, im Betriebe vcrnngliickien Arbeiter. Auch wird in der herrschenden Literatur die die Unfall- gesetzgebuug tief herabsetzende Ansicht vertreten: die allgemeincii auf Bekämpfung der Schikane abzielcndci, Vorschriften des Zivilrechts 5»den nach der Fassung und der Absicht des Gesetzes(Z 72) auf die nfallgesetzgebung keine Anwendung. Die fortdauernden Klagen der Sozialdemokraten über die im- gerechte Wirkung der Gliederung des ilnternehmertums in Berufs- genosscnschaften und der ungerechten Wirkung der Verjährung führtcir aber bei der Gestaltung der Unfallbersichcrungsnovclle von 1900 zu zwei Gesetzesändernngen, die eine Minderung der offenbaren 5kränkuilg des Rechts herbeiführen sollten. Es wurde im§ 72 fest« gesetzt, daß die Anmeldung des Anspruchs bei jedem Berlifögeiiosssii- fchaftsorgan oder bei der unteren Verlvaltungöbehörde des Wohn- ortes des Verletzten die Verjährung unterbreche. Ein weitergehender sozialdemokratischer Antrag, die Anmeldung bei jeder Behörde für ausreichend zu erachten, wurde abgelehnt, weil hierfür ein praklischcs Bedürfnis nicht bestehe. Ferner wurde im 8 82 des Unfallgesetzes vorgeschrieben:„Kommt nach Ansicht des ReichsversicheiungSamts nicht die im Verfahren in Anspruch genommene, sondern eine andere Berufsgenossenschaft als entschädigungspflichtig in Frage, so kann das Rcichsversicherungsamt diese andere Genossenschaft zur Verhandlung beiladen und gegebenenfalls zur Leistung der Ent- schädignng verurteilen, auch wenn ein Anspruch gegen dieselbe bereits rechtskräftig abgelehnt worden ist." So die Rechtslage. Aus Industrie und Handel. Bergarbeiter und Junker. Auf Grund dieser beantragte das Zentral- Arbeiterfekretariat, oas eine Generalversammlung ab, in der zunächst die Abrechnung vom dritten Quartal, dann die Abrechnung von der LohnReichsversicherungsamt möge von diesem Recht des§ 82 Gebrauch bewegung vorgelegt wurde. Die Einnahmen samt dem machen. Doch das Reichsversicherungsamt lehnte es ab. von seiner alten Bestande bon 18 384,50 02. betrugen im verflossenen Befugnis Gebrauch zu machen und dadurch den langwierigen Weg Die„ Deutsche Tagesztg." ist ein vornehmes Blatt. Zwei un Quartal 35 063,35 m., die Ausgaben 20 390,96 M., so daß der Rechtssuchung dem in Betriebe verletzten Bergmann etwas abvont 14 672 39 M. übrig blieb. Unter den zukürzen. Es wurde der Arbeiter durch Urteil vom 6. Februar trügliche Merkmale sprechen dafür. Erstens, sie kennt nicht den ein Bestand 13 257,71 M., die an die Zweigvereins 1906 abgewiesen und dem armen Mann im Urteil lediglich Ballast der Objektivität. Zweitens hat sie die Aufgabe, der Bündler Ausgaben sind Die Sektion hatte am Quartalsschluß der Nat erteilt, nunmehr seinen Anspruch gegen die Tiefbau- Bollwitcher- und der Schnapsbrenner Liebesgabenpolitik zu verteidigen. fasse abgeliefert wurden. Die Abrechnung von der Lohn Berufsgenossenschaft geltend zu machen. Diesen Aufgaben widmet sie sich auch mit Eifer und Ge- schick. Den 2853 Mitglieder. Das Verfahren mußte von neuem beginnen. Es verlief wie Stlaffenbaß zu schüren, der Liebesgabenschlemmer Begehrlichkeit zu bewegung schließt mit der Bilanziumme von 107 497,95 9. folgt: Erste Juftanz: Die Tiefbangenossenschaft lehnte den aus örtlichen Fonde und 30 399,10 M. wurden durch die Beiträge Antrag des Verlegten ab. 3 weite Instanz: Vom Schieds- reizen, versteht sie meisterhaft. Das Rezept ist einfach. Man sucht 72 601,35 M. der Einnahme floffen aus der Hauptkasse, 4497,50 Mr. gericht erlangte der Verletzte, daß ihm eine Rente, aber erst vom ein Jahr heraus, in dem die Löhne niedrig, die Brot- und Fleisch- der arbeitenden Sektionsmitglieder aufgebracht. Streitunterſtügung 6. Februar 1906 ab zugesprochen wurde: nach ärztlichem Gut- preise relativ hoch standen und vergleicht damit die Ergebnisse eines wurde gezahlt an 1003 verheiratete Mitglieder 87 682,55 M. und an achten war die Verschlimmerung bereits seit dem 16. Juli 1904 Hochkonjunkturjahres, in dem die Löhne natürlich gestiegen find, dann 254 ledige 14 998,20 M. Für Mietsentschädigung wurden 4004 M. eingetreten. Dritte Instanz: Im Mefursverfahren beanspruchte hat man ein Heßmittel. Wenn dabei in dem Hochkonjunkturjahr, wie ausgegeben. In die Streiflisten wurden im ganzen 1500 Mitglieder, der Verletzte durch das Zentral- Arbeiterfekretariat vom 16. Juli 1904 1906, infolge sehr guter Welternte, die Brotpreise auch noch ver unter ihnen 1198 verheiratete, eingetragen. ob die Rente festzufezen. Das Reichsversicherungsamt hältnismäßig niedrig sind, dann um so beffer! Nach solch de- Der Seftionsvorsißende a afe bemerkte im Anschluß an die Lehnte dieses Verlangen am 8. Oftober 1907 a b. einen Streik oder unt irgend welche eigenen Die Gründe des Reichsversicherungsamtes find wegen ihrer magogischer Weise verfährt das Schnapsliebesgabenblatt, um nach Abrechnung, daß es sich für die Gips- und Zementbranche ja offensichtlichen Unrichtigkeit und wegen der Unbilligkeit, die das weisen, daß die Bergarbeiterlöhne fräftiger gestiegen find als die nicht großen Kampf der Bauarbeiterschaft start in Mitleidenschaft gezogen Urteil nach fich zieht, geradezu verblüffend. Sie geben nämlich Preise der Agrarprodukte. Die Schlußfolgerung solcher Beweis. Forderungen bandelte, sondern darum, daß die Branche durch den den Arbeitern fann der Brot wurde, weshalb die Sektionsversammlung vom 30. Mai beschloß, die dahin: Nach§ 89 des Unfallversicherungsgesetzes fann für den Fall führung ist natürlich die: etwas höher gehängt werden. Und davon betroffenen Mitglieder zu unterstützen, und zu dem Zweck einer Verschlimmerung des Zustandes des Verletzten eine Erböhung forb eigentlich noch die Nachfahren der Krippenreiter und der blau- und die Extrabeiträge einführte. Es habe sich, fagte der Redner, nun der Rente nur für die Zeit nach Anmeldung des höheren Anspruchs| da geltend gemacht werden. Bei der Tiefban Berufsgenossenschaft halbblaublütigen Schnapsbrenner feine fentimentalen Gemüts- leider gezeigt, daß einige Mitglieder sich weigerten, die Ertrabeiträge zu ist der Antrag erst am 6. Februar 1906 eingegangen. Daß der menschen find, wird ihr Arbeiterhaß, ihre Begehrlichkeit durch zahlen. Solche Kleinigkeiten fönnten ja den Stamm der Organisation gleiche Antrag schon am 16. Juli 1904 bei der sen appschaftsdie tendenziösen Aufmachungen des Bündlerblattes immer mehr auf- in keiner Weise erschüttern, jedoch könne man selbstverständlich jenen Berufsgenossenschaft gestellt wurde, fönne nicht in Betracht kommen, ihnen auch bei der jetzt herrschenden Misere auf dem Arbeitsmarkt denn§ 72 beziehe ich nur auf das erste Verfahren. Auch die Vei- geftachelt. Selbstverständlich entrüftet sich das Blatt dabei über faumfeligen Mitgliedern die Extrabeiträge nicht erlassen, so schwer es ladung der Tiefbau- Berufsgenossenschaft in dem früheren Verfahren Sozialdemokratische Verheßung und Schürung des Klaſſenhaſſes. Es fallen möge, ihre Schuld zu begleichen. Der Zentralverband habe dem Reichs- wäre ja auch sonderbar, wenn bei der Zollwucher- und Liebesgaben der Sektion gegenüber in vollem Maße feine Schuldigkeit getan. gegen die Knappschafts- Berufsgenossenschaft vor versicherungsamt sei nach§ 82 des G.-.-.- G. unzuläffig, da dieser ergaunerei nicht auch noch andere Spizbubentugenden wohnten. So Es sei nicht ausgeschlossen, daß an den Verband im nächsten Jahre machte das Blatt fürzlich Aufstellungen über Löhne und Preise im wiederum außerordentlich hohe Ansprüche gestellt werden. Der Paragraph Streitigkeiten über die erste Mentenfestsetzung regelt. Diefe Entscheidung bedeutet eine außerordentlich schwere Benach Jahre 1886 im Vergleich zum Jahre 1906. Nach dieser Gegen Ablauf der Tarifberatungen in vielen größeren Städten und Lohnteiligung des Berlegten und läßt sich gegenüber den angeführten überstellung hat sich das Verhältnis im letzten Jahre zugunsten der gebieten, der offenbar gewordene Plan des Unternehmertums, ließen gesetzlichen Bestimmungen nicht rechtfertigen. Der§ 89 hat den Arbeiter verschoben. Daß das. Jahr 1886 ein Hungerjahr war für am 1. April 1908 eine Aussperrung vorzunehmen, schikanöfen Sinn, den das Reichsversicherungsamt ihm beimißt, die Arbeiter, das fümmert die Liebesgabenempfänger natürlich nicht, es notwendig erscheinen, daß der Verband sich auf solche Kämpfe vorbereite. Wenn man nun feineswegs. Diefer Paragraph durfte ebensowenig wie§ 82 aus dem Zusammenhange des geseglichen Gefüges herausgeriffen inter- fie hatten damals ja eine ganz gute Konjunktur. Wenn die Zoll- daß die Kollegen in diesem Jahre mehr als je angeſtrengt pretiert werden. Das Reichsversicherungsamt hätte ichon in dem und Staatsalmoſenempfänger die Ergebnisse eines Krisenjahres mit wurden, so fordere doch schon der Selbsterhaltungstrieb, daß Vorverfahren die Tiefbau- Berufsgenossenschaft beiladen und die denen eines industriellen Prosperitätejahres in Vergleich stellen, dann man sofort wieder für eine weitere Stärkung der KampfesTiefbau- Berufsgenossenschaft zur Rentenleistung heranziehen dürfen fönnen wir ohne das als unbestechlichen Wertmesser anzufehen mittel forge und die vom Verband ausgeschriebenen Extrabeiträge jedenfalls mit viel größerer Berechtigung die Ergebnisse zweier willig und gern gezahlt werden. Der Redner wies auf die großen Das Vorstehende ist nicht etwa nur unsere Ansicht, sondern die Hochkonjunkturjahre neben einander stellen. Wie sich dann Lohn- Summen hin, die der Verband in den letzten drei Jahren für des Reichsversicherungsamtes selbst. Dies hat am 27. November 1906 entſchieben: Der§ 82 des und Preisentwickelung ausnehmen, zeigt folgende Aufstellung. Es Lohntämpfe ausgegeben hat, die großen Erfolge, die in den und sollen. G.-1.-2.-G. findet auch dann Anwendung, wenn das Leiden des Verlegten durch zwei der Zuständigkeit verschiedener Berufsgenossenschaften unterliegende Unfälle verursacht und verstärkt worden ist. In den Gründen dieser Entscheidung führte das Reichsversicherungsamt aus: Diesen Grundsatz hat das Reichsversicherungsamt durch Retursentscheidung vom 27. November 1906 bei folgendem Sachberhalt ausgesprochen: betrug der Jahresdurchschnittslohn der Bergarbeiter in Preußen 1900 1906 M. B 1188 1211 der Preis für Schweinefleisch pro Doppelztr. M. 96,5 139,5 verschiedenen Teilen des Reiches sowohl für die Maurer wie für die Spezialbranchen erzielt worden sind, sowie auf die übrigen schätzenswerten Leistungen des Verbandes, alles Beweise dafür, daß sich die Beiträge der Mitglieder reichlich verzinjen. Seine Ausführungen fanden denn anch in der Diskussion teinerlei Widerspruch. Dem Kassierer Emil Derfel erteilte die Versammlung für beide Abrechnungen einstimmig Decharge. ( Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Sozialdemokratischer Agitationsverein für den Wahlkreis kalau- kuckau. Sonntag, den 17. November: Kalenderverbreitung. Die Einteilung der Touren erfolgt heute abend 8%, Uhr bei Weihnacht, Grünftr. 21. Berband deutscher Barbiere, Friseure und BerückenmacherGehülfen, Berlin. Heute abend 10 Uhr: Außerordentliche Mitglieder. versammlung im Lokale Dircksenstraße 46, Restaurant Wegner. Eingegangene Druckfchriften. Der Lohn ist demnach gestiegen um 6,4 Prog, der SchweineDem gegenüber fann man allerfleischpreis aber um 44,5 Broz. dings einwenden, daß Schweinefleisch allein nicht die Haushaltskosten Der Kläger batte im Jahre 1898 und dann im Jahre 1903 bestimmt und daß die Fleischpreise starkem Wechsel unterworfen find. in verschiedenen Betrieben, die auch zwei verschiedenen Berufs- Das vermindert zwar für die Arbeiter die Schmerzhaftigkeit der genossenschaften angehörten, Kopfverlegungen erlitten. Bei beiden exorbitanten Preissteigerungen nicht, aber wir lassen trotzdem solchen Berufsgenossenschaften hat er etwa ein Jahr nach dem zweiten Einwand gelten. Bringen wir also die Gesamthaushaltskosten zu den Unfall Entschädigungsansprüche erhoben mit der Behauptung, Löhnen in Vergleich! Die ersteren stellen wir ein nach den von daß durch den ersten Unfall Kopfbeschwerden entstanden ſeien, die sich infolge des zweiten Unfalles derart ge- der Zeitschrift Arbeitsmarkt" ermittelten Kosten auf Grundlage der steigert hätten, daß er geistesschwach und völlig erwerbe- Markthallenpreise verschiedener Großstädte und den für einen Marineunfähig geworden jei. Nach Ablehnung der Ansprüche durch foldaten vorgeschriebenen Nationen. Danach betrugen beide Berufsgenossenschaften hat das Schiedsgericht die für den ersten Unfall zuständige Berufsgenossenschaft zur EntschädigungsLeistung verurteilt, die andere Berufsgenossenschaft dagegen von der Entschädigungspflicht befreit. Die lettere Entscheidung hat der Kläger rechtsfräftig werden lassen, während die verurteilte Berufsgenossenschaft rechtzeitig gegen das ihr die Entschädigungspflicht aufbürdende Schiedsgerichtsurteil Refurs eingelegt hat. In Die Haushaltskosten sind demnach fast doppelt so stark hinaufdiesem Verfahren ist die rechtsfräftig befreite Berufsgenossenschaft gegangen wie die Löhne. Was die Arbeiter infolge der guten Flottenbaues von Graf E. Reventlow. 60 Pf. Berlag: St. Curtius, in Anwendung des§ 82 des Gewerbe- Unfallversicherungsgefeges Konjunktur mehr verdienten, haben die Junker eingefact. Und da beigeladen und durch die vorbezeichnete Rekursentscheidung unter wagen diefe es noch, die hohen Löhne zugunsten ihrer noch nicht Aufhebung der die andere Berufsgenossenschaft verurteilenden befriedigten Begehrlichkeit auszuspielen. schiedsgerichtlichen Entscheidung und Wiederherstellung des Ab. Tehnungsbescheides der letzteren zur Entschädigungsleistung ver urteilt worden. die Haushaltskosten für eine fünfköpfige Familie 1900 1906 1900 M. M. M. 1062,58 1196,52 1188 die Jahreslöhne der Bergarbeiter Steigerung ber der 1906 M. 1211 Haushaltstoften Löhne in Prozent 12,5 6,4 Ueberangebot von Arbeitskräften! Das Reichsversicherungsamt ist hierbei davon ausgegangen, In der Aufsichtsratssigung der A. Niebeckschen Montanwerke bedaß der die Erwerbsunfähigkeit bedingende frankhafte Zustand des richtete der Vorstand über die Ergebnisse der ersten sechs Monate Klägers lediglich durch den zweiten Unfall herbeigeführt worden des laufenden Jahres, die als befriedigend bezeichnet wurden. Die sei, und hat die Anwendbarkeit des§ 82 des Gewerbe- Unfall- Arbeitsverhältnisse hätten sich gebessert und in der letzten Zeit bersicherungsgefeges folgendermaßen begründet: machte sich bereits ein ueberangebot von Arbeitsträften bemerkbar. Glänzende Betriebsergebnisse. Unter der„ Bast" der hohen Löhne machten die Ruhrzechen feine Geschäfte. Gegenüber dem zweiten Quartal dieses Jahres stellt sich der Ueberschuß im dritten Quartal höher bei der Gewerkschaft Friedrich der Große um 210 000 m. Zeche Ewald. 17 Graf Bismard. Gewerkschaft Graf Schwerin Deutschland Allerdings ergeben die Vorarbeiten zum§ 82 des GewerbeUnfallversicherungsgesetzes, daß man dabei zunächst nur an solche Fälle gedacht hat, in denen es sich um die Entschädigung eines Verletzten für die Folgen eines und desselben Unfalles handelt, hinsichtlich dessen mehrere Berufsgenossenschaften als entschädigungs pflichtig in Betracht kommen. Der Wortlaut des§ 82 a. a. D. steht jedoch der Anwendung dieser Vorschrift auch auf Fälle der hier fraglichen Art nicht entgegen, und der in der Begründung des Gesetzentwurfs angegebene Betveggrund für ihre Einführung, wonach dadurch vermieden werden sollte, daß ein Verlegter trop zweifelloser Entschädigungsberechtigung lediglich deshalb leer ausgehe, weil er bei der Rechtsverfolgung gegen atvei Versicherungsträger es unterläßt, feinen Anspruch gegen jeden von ihnen bis zur höchsten Instanz durchzufechten, trifft auch auf den hier zu entscheidenden Fall zu. Es ist deshalb angenommen worden, daß der Gesetzgeber, wie vielfach, zwar in erster Reihe die nächstliegenden, häufigsten und einer gesetzlichen Regelung besonders bedürfenden Fälle im Auge gehabt und deshalb in der Gesezesbegründung nur sie ausdrücklich angeführt hat, daß er aber andere Fälle, die von dem Geseze nach stiegenen Lohnkosten auszugleichen? Fassung und Zweck gedeckt werden, nicht hat ausschließen wollen. Diese Entscheidung ist in den amtlichen Nachrichten des Reichsbersicherungsamts vom 15. September 1907 unter Präjudiz 2192 beröffentlicht. Gegen diese Entscheidung durfte am 8. Oktober von dem Senat nicht verstoßen werden, eventuell mußte nach dem Gesetz die Ent scheidung dem Erweiterten Senat unterbreitet werden, wie das auch vom Zentralarbeiterfefretariat beantragt war. Küchen und Wirtschaftskalender für Deutschlands Frauen 1908. 60 Pf. Berlag: W. Bobach u. Co. in Leipzig. Rechnungsführung im Haushalt von C. Hessenius. Erster Teil: Einteilung des Einkomm ns. Zweiter Teil: Vermögensverwaltung. Breis geb. je 1,25 M., geb. 1,75.( Leipzig, Karl Ernst Poeschel.) O. Hübners Geographisch- statistische Tabellen für 1907. Heraus gegeben von Professor Dr. Fr. v. Jurafchet. Verlag: H. Keller in Frankfurt a. M. Gefahr im Verzug! Betrachtungen über die Beschleunigung des Berlin W. 35. worse?" Herausgeber: Hans Schreiber. Deutsche Berlagsanstalt Batria", Fachliteratur.„ Wie schüßt sich der Kapitalist vor Berlusten an der G. m. b. 5., Berlin, Artillerieſtr. 36 b. Preis 3 M. Aerztliches über Sprechen und Denken von Prof. G. Anton. 60 f. Technischer Fortschritt und seelische Gesundheit von Dr. W. Hellpach. 75 Pf. Notwendige Reformen der Unfallversicherungsgesche von Prof. Dr. A. Hoche. 75 Pf. Verlag: C. Marhold Die Mutter als Erzieherin. Kleine Beiträge zur Praris der proletarischen Hauserziehung von H. Schulz. 75 Pf. Verlag: J. H. W. Dies Nchflg. in Stuttgart. Alkoholismus und soziale Frage von E. Vandervelde. Uebersetzt von G. Davidsohn. 10 Pf. Verlag: Deutscher Arbeiter- Abstinentenbund, Berlin O. 17. in Noland, Heft 11. Monatsschrift für freiheitliche Erziehung in Haus und Schule. Herausgegeben von einer Vereinigung Bremischer Lehrer. Einzelheft 40 Bf. Halbjahr 2 M. Berlag: A. Janssen in Hamburg. 155 740 " " 101 647 " " 69 600 " " Stationen 58 000 " " 57.000 " " 45.000 " " 44.000 " " 31000 " " 17.000 " " " " Helene und Amalia Gottesfegen.. 15 000 . п 173 14.000 " Mont Cenis Eintracht Tiefbau Johann Deimelsberg Schürbank. Zeche König Ludwig Ob nun noch immer die Preise nicht ausreichen, um die geVon der Krise. Witterungsübersicht vom 13. November 1907. Barometer fland mm Bind cichung Windtarte Better Temp. n. G. 5º G. 4° N. Stallonen Barometer. fland mm Quig 4 Haparanda 746 NN 6 Petersburg 760 S 5 Scilly 3 Nebel 4 wolfig 2 bebedt 4 bedeckt 5 bedeckt 8berdeen Baris 5 wolfig 11 richtung Windstärke Beller 2 Regen 2 bedeckt Zemp. n. G. 22175 764 WNB 5 bedeckt 11 745 WNS 4 bedeckt 761 52 3 bedeckt Sminentbe 753 23 Damburg 750 S Berlin 755 S5 Franti.a M 758 D München 762 23 Bien 7582 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 14. November 1907. Etwas fühler, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Negen schauern und ziemlich starken westlichen Winden. Berliner Betterbureau Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, swelter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Dahrstuhl wochentäglich von 7 bis 9% 1hr abends ftatt. Geöffnet 7 1hr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage in ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Brickliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. K. W. 100. Benn Sie die Schenkung nachweisen, würden Sie Recht schwankt und neigt dahin, nur für den Fall eines nachweisbaren Ver erhalten. 9. 117. 1. Ja. 2. Nein. G. 50. Die Rechtsprechung schuldens den Chef zum Ersatz gestohlener Sachen verpflichtet zu haben. In Der Großgrund und Brauereibefizer, früherer Reichstags- und Landtagsabgeordneter Aichbichler( Zentrum) in Wolnzach ist fallit. Die Bayerische Vereinsbank hat einen Zwangsverwalter eingelegt. Die Bassiven belaufen sich auf zirka drei Millionen Mart, denen allerdings auch wertvolle Immobilien gegenüberstehen. Der Zinsen rückstand foll nahezu 110 000 2. betragen. Unter den Gläubigern Was soll nun ein Arbeiter tun, um gegen solche fehliame befinden sich neben einer Reihe von fleinen Leuten das Benediktiner Entscheidungen in etwas geschützt zu werden? Soll er etwa bei floster Schehern mit zirka 100 000 M., der Pfarrer von Wolnzach sämtlichen Berufsgenossenschaften seinen Anspruch geltend machen mit 65 000 m. Die hiesige Damenmäntelfabrik Benjamin u. und sich sogar einer Anklage wegen versuchten Betruges aussehen? Caspari hat sich, wie„ Der Stonfett." erfährt, genötigt gefchen, Die ständige Berschlechterung der Rechtsprechung des Reichs- infolge der lang andauernden Erkrankung des Inhabers den versicherungsamts zeitigt unendliches Elend für die von solcher Stonturs zu beantragen. Die Verbindlichkeiten betragen zirka Rechtsprechung betroffenen Arbeiter und sichert den Berufsgenossen- 550 000 Mart. In der Masse liegen 30 bis 35 Prozent. Ihrem Fall dürfte aber zu Ihren Gunsten erkannt werden. schaften die Nichtzahlung von Renten, zu deren Festsetzung von In dem Konkurse über das Vermögen des Kaufmanns Kari Hoffmann Amtswegen sie verpflichtet wären. Sie werden so von Verpflichtungen in Firma J. Damitt Nachf. zu Berlin schäßte der Verwalter im befreit, zu deren Erfüllung sich jeder anständige Unternehmer ſelbſt Prüfungstermin die den vorrechtlosen Forderungen von etwa 400 000 m. bann für verpflichtet erachten würde, wenn wirklich formales bei Durchführung des Verfahrens in Aussicht stehende Dividende ausgeflügeltes techt" auf seiner Seite gegen das materielle Recht im günstigsten Falle auf 41 bis 5 Broz. Der Konfurs der Frau Den Arbeitern möchten wir dringend empfehlen, insbesondere. Kupfer hier findet ſeine Beendigung durch einen vom Amtsgericht In beiden Fällen kann man nur eventuell den betreffenden Geistlichen hoj in der Agitation von Mund zu und gegenüber Arbeitern, bestätigten Vergleich von 15 Proz des Arbeiters stände. die noch nicht auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung Wie die Frankf. 8tg." aus Konftantinopel meldet, ftellte die stehen, auch der andauernden Verschlechterung der Rechtspflege auf dem Gebiete ber Unfallversicherung nicht zu Banffirma I M. Diamansloglou ihre Zahlungen ein. Die Passiven bergessen. Daß die fortkonstruierten Renten auch durch Be- betragen zirfa 700 000. Die Firma offeriert einen Vergleich auf tätigung der vom Staatsfefretär v. Bethmann Hollweg den der Basis von 15 Proz. Einige Berliner Banten find mit Beträgen Arbeitern so eindringlich gepredigten vier Tugenden Fleiß. zwischen 20 000 bis 40 000 m. beteiligt. Gottesfurcht, Richternheit und Zufriedenheit wachsen, wird auch der geistig Genügsamste nicht annehmen und allmählich sich zu der Ueberzeugung durchringen müssen: nicht durch Trennung, nur durch Bereinigung in den Reihen der Sozialdemokratie ist für die Arbeiterklasse eine Besserung möglich. Verfammlungen. Die Sektion der Gips- und Zementbrauche des Maurerberbandes bielt am 8. November im großen Saale des Gewerkschaftshaufes 2. 3. Tot. Kirsch. W. R. 100. 1. Ja. 2. Die Höhe der Kosten des Vertrages, der vor einem Notar gefchloffen werden müßte, richtet, sich nach der Höhe des Dbjettes. 3. Wenden Sie sich an Genossin Baader, Lindenstraße 3 IV. Joseph S. 10. 1. und 2. Eine Verpflichtung hat der augereheliche Bater nicht. 3. Eine Adoption tann erfolgen, wenn, was zulässig ist, von dem Alterserfordernis durch das Amtsgericht Dispens erteilt wird. lichst ersuchen, sich zu entfernen. Zu empfehlen wäre erst der Austritt und falls die Betreffende es will, der Uebertritt zu der anderen Stirche. .. 48. Der Meister ist zur Herausgabe verpflichtet, und nicht be K. S. 27. Die Kirchenbehörde ist zu der Steuererhebung berechtigt. rechtigt, eine Entschädigung zu verlangen. P. 5. 44. 1. Ja. 2. Faús fein Dispens erfolgt, bis zu Michaelis. 2. 111. Ja. -23. 2. 159. Der Chef ist im Sırtum, machen Sie ihn daraus aufmertam, daß er für den Fall einer Strankheit der Strankenkasse, deren geset liches Mitglied Sie sowieso bleiben, alle Kosten zu erstatten hätte, die durch eine etwaige Strantbeit der Krankenkasse erwachsen. Ihr Chef mag sich bei der Krankentasje erfundigen. 15. M. In wenigen Tagen kann die Aufforderung kommen, Sie fönnen dann immer noch zahlen. R. J. 24. Sie nicht, der Birt haftet im vollen Umfange für den Schaden. 100. Sirichbera. Nach der herrschenden Braris tönnte in Ihrem Fall der Tanz nach 12 inhibiert und als strafbar erachtet werden. A. B. 75.| Kündigungsfrist vereinbart, so haben Sellner eine 14tägige Kündigungs- Ufer 15. Winkler. 1. Ihr Vater müßte Refurs Bei dem Reichsa 1. und 2. Ja. Wenn Sie noch in diesem Jahre aus der Landeskirche aus frist, falls sie nicht lediglich zur Aushülfe angenommen find. Eine Ab- versicherungsamt einlegen. Sie würden gut tun, wegen der Weiter treten, so brauchen Sie vom 31. Dezember 1908 ab Kirchensteuern nicht änderung oder Aufhebung der gefeßlichen Kündigungsfrist ist ebenso wie verfolgung der Ansprüche die Hülfe des Arbeiterfekretārs in Anspruch zu mehr zablen E. G. 109. Falls Sie nicht aus der Kirche ausgetreten bei allen gewerblichen Arbeitern zuläffig. M. D., Rigdorf. In beiden nehmen. 2. Sobald wieder körperliche Invalidität eintreten sollte, ist von find, find Sie zur Zahlung der Kirchensteuer verpflichtet.$. 39. 1. Jn Fällen sieht das Gelet eine bestimmte Frist nicht vor. A., Gaudystraße. neuem ein Anspruch auf Rente gegeben. 3. Wenn eine versicherungs. der Regel in 30 Jahren. Einzelne Raten fönnen in 4 Jahren Soweit ersichtlich. ist Ihre Schwester nicht versicherungspflichtig. Gegen die pflichtige Stellung vorliegt, die jebige ist es nicht, ja. 4. Wenden Sie sich berjähren. 2. Ja, Verjährung liegt nicht vor. 3. Ja. 4. An Verfügung soll sie bei der Versicherungsanstalt Beschwerde erheben. Aus an die Versicherungsanstalt am Stölnischen Bart. A. B. 50. Wenn das Polizeipräsidium. 5. Die Genehmigung der Mutter ist erforderlich. der Verfügung selbst muß hervorgehen, aus welchem Grunde eine Ver- Sie finderlos sind und die Eltern verstorben find, fa. 5. T. 800. Nein. A. N. Die Leistung einer militärischen Uebung befreit nicht ohne ficherungspflicht angenommen ist. R. H. Nein, es fei denn, W. Sch., Grünau. Die Abrede, daß der Mieter einen Monat Miete weiteres von der Steuerzahlung für das betreffende Vierteljahr. Die dag aus den gesamten Umständen erhellt, daß das gemeinschaft zahlen sollte, würde als Bergleich aufgefaßt werden, daher hätte eine Stlage Steuerdeputation oder die Gemeindeverwaltung fann aber auf Antrag liche Spiel nicht fortgelegt werden sollte. D. R. 99. Nein. wenig Aussicht auf Erfolg. A. H. 8. Benden Sie sich an die Offens einen Nachlaß wegen der Uebung bewilligen. A. G. 1. Ist feine F. R. 20. Ja; wenden Sie sich an Genossen Simanowski, Engel- bacher Krankenkasse, Prinzenstr. 66 bei Hinz. M. 2. 1000. Nein. Urania. Für den Inhalt der Juierate Wissenschaftliches Theater. übernimmt die Nedaktion dem Bublikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 14. Robbt. Anfang 7, Uhr. Kgl. Opernhaus. Fidelto. Kgl. Schauspielhaus. Die Rabenfteinerin. Deutiches. Was ihr wollt. Kammerspiele. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Ueber den Brenner nach Venedig.chauspiel in fünf Aufzügen von Invalidenstr. 57-62: Sternwarte. Zur Beobachtung: Mars. Saturn, Doppelsterne, Nebelflecke. Lustspielhaus. Marquis von 8 Uhr Keith.( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Leffing. Klein- Eyolf. Neues Schauspielhaus. Judith. Schiller 0. allner peales.) Göz von Berlichingen. Schiller Charlottenburg. Retter. attade Friedrich Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Brüderchen. Berliner. Der Parafit. Der Präs fident. Abschied vom Regiment. Neues. Das Ungeheuer. Kleines. Ein idealer Gatte. Zentral. Unsere blauen Jungens. Lorking. Rigoletto. Residenz. Ganz der Papa. Romische Oper. Tiefland. Weften. Die lustige Witwe. Luftspielhaus. Husarenfieber. Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Thalia. Die gelbe Gefahr. Theater an der Spree. grünen Weg. Luifen. Berlin, wie es meint und lacht. Bernhard Nofe. Spree- Athener. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Sylvester Schäffer. Spe zialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Geteilte Liebe. Casino. Bieberleute. Gebr. Herrufeld. Madame WigBag. Es lebe das Nachtleben. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Volkstümliche Preise. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Schiller- Theater 0.( Wallner- beater). Donnerstag, abends 811 br: Götz von Berlichingen. Johann Wolfgang v. Goethe. Freitag, abends 8 Uhr: Rosmersholm. Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends8Uhr: Reiterattacke. Schwant in 3 Aufz. von Stobiter und Frizz Friedmann- Frederich. Freitag, abends 8 Ubr: Bum erstenmal: Gebildete Menschen. Sonnabend. abends 8 Ubr: Sonnabend, abends subr: Reiterattacke. Die Hermannsschlacht. Schiller- Saal( Schiller- Theater) Charlottenburg Donnerstag abends 8%, Ubr: Eichendorff- Abend. Freitag abends 9 Uhr: Vortrag Dr. Paul Ertel: Hugo Wolf. Erläutert durch Gesang( Hjalmar Arlberg). 7. Bortrag des Zyklus: 8 Uhr Komponisten der Neuzeit. Ganz der Papa. Schwank in 3 Atten von Mars und Desvaillières. Deutsch v. M. Schönau. Baron des Aubrais: R. Alexander. Sonntag, den 17. November, nach mittags 3 Uhr: Der Prinzgemahl. Zentral- Theater. 8 Uhr: Unsere blauen Jungens. Baudeville in 3 Aften von Artur Lippschik und Mar Schönau. Luisen- Theater Reichenbergerstr. 34. Abends 8 Uhr: XIII. Saison. Zirkus Schumann Zusch Heute Donnerstag, 14. November, abends präzise 7%, Uhr: Elite Abend Gala- Programm und der größte und beste Luftakt der Welt 6 fliegende Zirkus Donnerstag, den 14. November, abends präz. 7 Uhr: Zum 50. Male: Auf der Hallig. Diesjährige gr. AusstellungsPantomime des Zirkus Busch in 4 Bildern. Die Wunder der Tiefsee. Das fliegende 2 Damen Banvards 4 Herren Geheimnis d. tauchenden Sirenen. alles doppelt und dreifache Saltomortale, halbe, ganze und doppelte Pirouetten. Chester H. Dieck, der bis jetzt unübertroffene Tridayflift. Um 9%, Uhr: Berlin wie es weint und lacht. Die dies. große Bafferpantomime. Freitag: Bartel Turaser. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Sneewittchen. Abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends zum ersten mal: Der Leiermann und sein Pflegefind. Montag: Berlin wie es weint und lacht. Pafiage. Paula Birth. Spezia DERNHARD ROSE THEATER Iltäten. Prater. Hamlet. Parodie. Bapfenstreich. Monna Banna. Der Troubadour. Wintergarten. Spezialitäten. Palast. Unsere Käte. Spezialitäten. Carl Saverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Tanbenstraße 18/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Benedig. Sternwarte. Invalidenftr. 57/62. Zur Beobachtung: Mars, Saturn, Doppelsterne, Rebelflede. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Der Parasit. Der Präsident. Abschied vom Regiment. Freitag: Die tanzenden Männchen. Sonnabend 7%, Uhr: Fauft. Sonntag: Sherlod Holmes. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Das Ungeheuer. Freitag und folgende Zage: Das Ungeheuer. Kleines Theater. Abends zum 225. Male: Br. Frankfurteritr. 132 Spree- Athener. Berl. Volksstüd mit Gesang von Schwarz- Reiflingen. Anfang 8 Uhr. Freitag: Othello. Wochentagspretje. Rixdorfer Theater Bürgerfäle, Bergstraße Nr. 147. Sonntag, den 17. November: 4. Gastspiel des Opern Ensembles ( Theater des Beftens) unter Leitung des Herrn Dir. Artur Below: Der Freisehütz. Anfang 7, Uhr. Montag, 13. Nov.: 2. Boltsvorst., halbe Kaffenpreise: Zapfenstreich. WINTERGARTEN Neues glänzendes Ein idealer Gatte. Programm. Anfang 8 Uhr. Freitag zum erstenmal: Die Ge treuen.( Agnes Sorma.) Sonnabend: Die Getreuen. Theater des Westens. Metropol- Theater 8 Uhr: Die lustige Witwe. Sonntag nachm. 3%, Uhr halbe Preise: Frühlingsluft. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Brüderchen. Anfang 8 Uhr. Anfang präzise 8 Uhr. Das B man seh'n!! Gr. Revue in 4 Akten( 12 Bildern) von J. Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt von Direktor Richard Schultz. Freitag zum erfienmal: Striembilds G.Thielscher a.D., F. Massary Rache. Sonnabend: Kriemhilds Rache. Sonntag nachm. 3 Uhr: Winter schlaf. Abends 8 Uhr: Die Nibelungen. Lortzing Theater Bum 1. Male: B. Darmand a. D. Bender, Giampietro, Josephi Rauchen überall gestattet. Sonntag, 17. November, nachmittags 3 Uhr: Rigoletto. Die Herren von Maxim. Anjang 8 Uhr: Freitag: Undine. Sonnabend: Rigoletto. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends 8 Uhr: Rigoletto. Theater an der Spree Köpenickerstrafe 68. Täglich 8 Uhr: Opollo Theater Ab 8 Uhr: Die hervorragenden Attraktionen. 9 Uhr: Der Clou der Saison: Am grünen Weg. Sylvester Schäffer jr. Ein Stüd heiteres Berlin in 4 Aften von Heinrich Lee. der berühmte Universalkünstler. Eine Forts. d. ,, Lustig. Heidelberger". Ein Auf dem Neckar Fest ag Vorher: Geschwister Amato. Vermette Carpatii- Truppe. Die japanischen Fechtkünstler Ono und Ota. Ernst Schumanns Neudressuren. Folies Bergère Variété Intime Passage- Theater. Jagerstraße No. 63 a Paula Wirth ! die Diva rideviva u. d. großartigo Novemberprogr. Gebr. HerrnfeldTheater. 57 Kommandantenstraße Nr. 57. Anfang 8 Uhr. Borverkauf 11-2. Bum 104. Male: Madame Wig- Wag Operetten- Burl. Musik v. L. Ital. 8um 129. Male: Es lebe das Nachtleben! Separee Affäre in 2 Atten. Beide Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld. Sonntag 3 Uhr, halbe Preise: Die Meyerhains mit Anton und Donat Herrnfeld. Eröffnung Freie Volksbühne 15. November, 8 Uhr: Lortzing- Theater 22.( 11.) Abend- Abteilung. Luisen- Theater 28.( III.) Abend- Abteilung. Undine. Bartel Turaser. Mitglieder werden noch in allen Zahlstellen aufgenommen. Werbet Freitag: Mitglieder Gastkarten für die Abendabteilungen a 1 Mark auch an der Theaterkasse abends 7-8 Uhr. Winterfest Werbet Mitglieder für die Abendabteilungen Sonnabend, 23. November, Brauerei Friedrichshain. Der Humor in der Musik. Festmarken a 60 Pf. inkl. Programm in allen Zahlstellen. Sonntag, den 17. November, nachm. 3 Uhr: Neues Schauspielhaus 1. Abteilung Berliner Theater 9./10. Abteilung Judith. Das Tal des Lebens. Montag, 25. November, abds. 8%, Uhr, im Rathaus: 25. Kunst- Abend. 230/ 18* Dr. Leopold Hirschberg über: Richard Wagner. Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Sonnabend, 16 Nov. Palast- Theater Rafino Theater. den abends 81% Uhr. Burgstraße 24. Heute 8 Uhr. Entree 20 Bf. Gisella und Max musikalischer Alt. Valhalla Die 4 Theodors Walhalla Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Das grandiose Novemb.- Programm Die urkomische Hundepantomime ,, Aus einer kleinen Garnison", dargestellt von 30 Hunden. 7 japanische Hofkünstler 7 11. a. Der Schwertersprung. Verznias Affen, Papageien 2c. 12 großartige Spezialitäten 12 Tunnel: 3 Kapellen- Stonzert. Theaterbefuchern freier Eintritt. ?? Omer Sait- Trio Novelty Cascadeure Unsere Käte Luftspiel n. 9 erstklassige Nummern. Stadt- Theater Moabit. Alt- Moabit 47-49. Donnerstag, den 14. November 1907: Sanssouci Vom Thron Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Heute sowie jed. Sonntag und Montag: Hoffmanns Nordd. Sänger u. Tanzkränzchen. Großer Lacherfolg! zum Schafott. Historisches Drama in 5 Aufzügen von Fr. Tiek. Anf. 8 Uhr. Kaffeneröffnung 7 Uhr. 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Für den Enteratenteil verantw.: Th. Gløde, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 267. 24. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 14. November 1907. Partei- Angelegenheiten. = Weißensee. Der Wahlverein begeht am Sonnabend, 16. Nobember, im Schloß Weißensee bei einem ausgewählten Programm sein Stiftungsfest. Die Genossen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Die Ausgabe der Billetts geschieht auch im heutigen Zahlabend und durch sämtliche Bezirksführer. Eintritt 24 ẞf. Der Vorstand. Reinidendorf- West. Der Redekursus findet nicht mehr Freitags, sondern jeden Donnerstag im Lokal von Engel, Eichborn straße, statt. Heute fällt derselbe wegen der Generalversammlung des Konsumbercins aus. Berliner Nachrichten. Auf dem Standesamt Urkunde, die sie jetzt nicht bei sich hatte, durch Unterzeichnung eines Fremdenverkehrs besonders gute Dienste leistet. Auch das Schriftstückes versprechen und kriegte dann die richtige. Einer der neue großartige Postamt 68 in der Lindenstr. 30 hat eine Beamten wollte ihr jetzt sogar 1 M. als Entschädigung in die Hand Auskunftstelle erhalten, die in jener Gegend der Musterlager drücken, aber sie wies ihn ab. Die richtige Urkunde trug die Auf- besonders am Plage ist. Unter den Vororten genießt bis schrift Duplikat". Wie eine richtige Urkunde das" Duplikat" einer jegt Rigdorf den Vorzug einer Postauskunftstelle, die dort in falschen sein kann, das ist uns unverständlich. dem neuen Posthause Rigdorf I in der Richardstr. 119/120 ein gerichtet worden ist. In der gestrigen Situng der städtischen Schuldeputation wurde eine fiebengliederige Kommission beauftragt, die wichtige Frage der Schulspeisung armer und bedürftiger Kinder vorzuberaten. Mord oder Totschlag. Rummelsburg. Parteigenossen! Heute abend, pünktlich 8% Uhr, findet im Saale von W. Weigel der zweite Zyklusvortrag für Männer und Frauen statt. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß am nächsten Sonntag, den 17. November, der gemein- Daß die Witwe grob behandelt worden ist, erscheint uns nicht same Besuch der Treptower Sternwarte stattfindet. Der Vortrag als das wichtigste an diesem wohl einzig dastehenden Vorkommnis. beginnt hier um 5 Uhr und behandelt das Thema: Gibt es ein Allerdings täten die Herren Beamten der Standesämter gut, sich Leben auf dem Monde?" Vor und nach dem Vortrage Be- von Zeit zu Zeit wieder mal daran zu erinnern, daß einer dieser Mit einem Verbrechen, das noch der Aufklärung bedarf, be fichtigung. Um recht zahlreiche Beteiligung beider Veranstaltungen Beamten, nachdem der„ Vorwärts" ihn abkonterfeit hatte, durch den schäftigt sich seit gestern morgen die Mordkommission der hiesigen ersucht Der Vorstand. Oberpräsidenten wegen ungebührlich schroffer Behandlung gerüffelt Kriminalpolizei. Auf dem Tempelhofer Felde dicht am Steuerhäuschen Friedrichshagen. Sonnabend, den 16. November, abends und zu ruhigem und höflichem Benehmen ermahnt wurde in der fünften Morgenstunde die Leiche einer bisher noch 9 Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad, Seestr. 45: Wahlvereins- worden ist. Aber für wichtiger halten wir diesmal die Tatsache, nicht refognoszierten etwa 40 Jahre alten Frauensperson aufgefunden. versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag:" Sozialpolitische Gesezgebung". Referent: Genosse Eugen Brückner- Berlin. daß die Möglichkeit einer Bummelei, wie wir sie oben Verschiedene Begleitumstände bei dem Leichenfund deuteten darauf 2. Diskussion. 3. Bericht über die Verbandsgeneralversammlung. geschildert haben, eine große Gefahr für die Bevölkerung bildet. hin, daß man es hier möglicherweise mit einem Mord zu tun habe. 4. Bereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Um zahlreichen und Fortan sollte jeder die von einem Standesamt ausgestellten Schrift- Es wurde sofort das nabe Polizeirevier benachrichtigt, das die pünktlichen Besuch bittet Der Vorstand. stüde sorgfältig prüfen, ehe er sie annimmt. Meldung an das Präsidium weitergab. Nach kurzer Zeit erschien unter Führung des Kriminalinspektors Braun dié Mordkommission am Blaze. Von den einzelnen Polizeirevieren wurden außerdem noch Kriminalbeamte zusammengezogen. Eine nähere Untersuchung sowohl der Leiche als auch der Fundstelle ließ jedoch bald Von wo die Liberalen sich ihre Wähler hergeholt haben. Bei die Vermutung aufkommen, daß es sich nur um einen Totschlag den Stadtverordnetenwahlen haben die Liberalen diesmal sich alle handeln könne. Die Leiche lag etwa einen Meter von der Mauer erdenkliche Mühe gegeben, ihre Anhänger möglichst bis auf den des Steuerhäuschens entfernt lang hingestreckt am Erdboden. Einige leßten Mann an den Wahltisch zu schieppen. Hieraus erklärt sid), Merkmale, die anscheinend auf äußere Verletzungen zurückzuführen daß auch in Wahlbezirken, wo das Freisinnslämpchen schon vor sind, wurden an dem Körper wahrgenommen. Ueber die Persönlichsechs Jahren nahe am Verlöschen zu sein schien, jetzt noch einmal ein armselig Flämmchen aufgeglimmt ist. Mit rastlosem Eifer hat der feit der Toten selbst konnte noch nichts Bestimmtes ermittelt werden Kommunalfreisinn jeden Wähler dritter Abteilung heranzuholen Zweifellos aber handelt es sich um eine der vielen, die sich Nacht gesucht, von dem angenommen wurde, daß er nicht für die Sozial- für Nacht auf dem Tempelhofer Felde herumtreiben und dort auch demokratie stimmen würde. Dabei befanden die Liberalen sich in zu schlafen pflegen. Ein Arbeiter hat die Unbekannte vorgestern der angenehmen Lage, ohne Schaden auch diejenigen Wähler heim- abend in der siebenten Stunde in Begleitung zweier anderer suchen zu dürfen, die sonst bei öffentlichen Wahlen konservativ wählen zu müssen glauben, namentlich die vielen kleinen Be- Kolleginnen" gesehen. Die drei Frauenspersonen hatten sich dicht amten, die es vielleicht schon für gefährlich halten, wenigstens am Steuerhaus„ häuslich" niedergelassen. Es wird nun angenommen, durch Stimmenthaltung dem Kandidaten der Sozialdemokratie zu daß die Fremde mit ihren beiden Begleiterinnen in Streit geraten nußen. In Bezirken, wo diesmal gar kein Kandidat der Konser- und dabei erschlagen worden ist. vativen aufgestellt war, konnte der Kommunalfreisinn darauf In der elften Stunde erschien eine Gerichtskommission auf dem rechnen, daß kleine Beamte, wenn sie sich überhaupt an den Wahl- Tempelhofer Felde, um den Tatbestand aufzunehmen. Die Leiche, die tisch zwingen ließen, für die Kandidaten der ihnen so verhaßten mit einem Tuche bedeckt worden war, wurde später nach dem SchauLiberalen stimmen würden. Das kam dem Freifinn besonders hause gebracht. Dort wird sie obduziert werden. Erst durch die zustatten für die Bezirke 4, 29 und 41, die ihm noch gehörten und Obduktion wird man die genaue Todesursache feststellen können. Die ihm geblieben sind. In den beiden Moabiter Bezirken aber, wo nicht die liberalen Kandidaten, sondern die Kandidaten der Konser- Ermittelungen über die Persönlichkeit der Toten gestalten sich dadurch vativen die zweite Stelle hinter der Sozialdemokratie beanspruchen außerordentlich schwierig, weil alle diese Personen feste Wohnungen durften, blieb den Liberalen ohnedies nur die Hoffnung, daß es nicht kennen und bald hier, bald dort nächtigen. Es ist auch nicht am Ende gelingen könnte, durch Heranschleppung möglichst vieler die Möglichkeit ausgeschlossen, daß die Frauensperson durch Männer nicht- sozialdemokratischer Wähler die Sozialdemokratie wenigstens erschlagen worden ist. Seltsam ist es allerdings, daß weder von in eine Stichwahl gegen die Konservativen zu drängen und dann den Bewohnern des Steuerhäuschens, als auch von den Anwohnern den Konservativen den Sieg zu sichern. Die Tattit, vor allem des wenige Meter entfernten Wohnhauses am Tempelhofer Felde die in abhängiger Stellung befindlichen Wähler steht, ist von den Liberalen diesmal so gründlich geübt worden, daß au mahnen, weil hinter ihnen der Chef mit der Hungerpeitsche von einem lauten Streit nichts vernommen worden ist. Nach einer späteren Mitteilung soll es sich um die 49 Jahre alte ihre Schlepper diesen Wählern sogar bis an ihre Arbeits- Berta Kleist handeln, die keine feste Wohnung hat. Die Personen, stätten nachgelaufen sind. Wer es geschickt anfing, der auf die die Polizei in diesem Fällen angewiesen ist, sind in den durfte mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten, daß der Herr Chef meisten Falle solche, die sich im tiefsten Elend befinden, es sind oder irgendein anderer Kommandierender davon erfuhr und selber heruntergekommene Existenzen, deren Hauptnahrung noch der den bei ihm beschäftigten Wähler wählen gehen hieß. Allerdings Schnaps bildet. haben diese findigen Schlepper sich wohl nirgends in Fabriken und Im Zentral- Theater fallen die für Donnerstag und Freitag größere Werkstätten hineingewagt, weil sie ja wissen, daß da kein Arbeiter sich fürchtet, sozialdemokratisch zu wählen. Aber die An- abend angekündigten Opernvorstellungen aus, da an diesen Abenden gestellten ta ufmännischer Betriebe find bis in die Ge- Vorbereitungen zu der am Sonnabend stattfinden Erstaufführung schäfte hinein verfolgt worden. Aus einem der drei Wahlbezirke, von Frau Warrens Gewerbe" durch das Hebbel- Theater notdie noch im Besitz des Freisinns blieben, erfahren wir nachträglich, wendig sind. daß dort sogar Geschäftsdiener an ihrer vermeintlichen Arbeitsstätte von Schleppern der Liberalen gesucht worden sind. Hier sollte wohl der Herr Chef scharf gemacht werden, sich ein bißchen darum zu kümmern, daß diese Angestellten nicht etwa einen Sozialdemokraten wählen. Ein Schlepper forschte in seiner Hülflosigkeit in einem Geschäft nach, in dem der Gesuchte gar nicht angestellt war. Man sagte dem Schlepper das, aber der wollt es nicht glauben und lud seelenruhig seinen Mahnzettel ab. Der Angestellte, der irrtümlich gemahnt wurde, hat es lebhaft bedauert, daß er nicht zu den Wählern des betreffenden Bezirtes gehörte. Er hätte sonst die Mahnung, seine Wahlpflicht zu erfüllen, gern befolgt und den Sozialdemokraten gewählt. kann man doch immer wieder ganz merkwürdige Dinge erleben. Die Herren, die dort ihre Schreibarbeit absolvieren, nehmen es sehr genau, wenn man sie bemühen muß und nicht alle ihnen unentbehrlich erscheinenden Papiere beisammen hat oder über irgendcinen angeblich sehr wichtigen Punkt nicht sofort erschöpfende Auskunft geben kann. Sie werden da sehr rasch ungemütlich, und mancher von ihnen liebt es, in solchen Fällen einen Ton anzuschlagen, wie wenn er sich für einen Vorgesetzten des Publikums hielte. Wenn aber einer dieser Herren mal selber ein Bersehen begeht, dann wehe dem, der sich darüber beklagt! Das Publikum hat gefälligst den Mund zu halten und in Geduld alle Scherereien hinzunehmen, die aus der Nachlässigkeit eines Beamten entstehen. Nun soll man gewiß nicht gleich jeden Fehler aufmußen, der der Feder eines schreibenden Beamten entschlüpft ist. Wir sind ja alle Menschen, und jeder von uns tann irren. Indes, den Schreibleistungen der Beamten eines Standesamtes ist durch Gesetz eine ganz aparte Bedeutung beigelegt worden. Wer in ein Standesamtsregister Angaben hineingelangen läßt, bon denen er weiß, daß fie falsch sind, oder wer an einer Urkunde, die von einem Standesamt ausgestellt worden ist, eigenmächtig etwas ändert, der macht sich strafbar und spaziert ins Gefängnis. Angesichts dieser Wichtig teit standesamtlicher Schreibarbeit wird vielleicht mancher es für unmöglich halten wollen, daß ein Beamter eines Standesamtes bei Ausstellung einer Urkunde sich eine grobe Nachlässigkeit zuPalden kommen lassen könnte. Diese Ungläubigen werden eines beeren belehrt werden durch das folgende Vorkommnis, das wir fid Interesse aller, die mal mit einem Standes gut zu tun triegen tönnten, weitesten Kreisen der Beboiferung zur Kenntnis bringen müssen. Eine Frau B. aus der Schönhauser Vorstadt begab sich nach dem Standesamt XB in der Eberswalderstraße, meldete dort den Tod ihres soeben verstorbenen Mannes, des Drechslers B., und beantragte Ausfertigung einer Sterbeurkunde, um von der Krankenkasse der Drechslerinnung das ihr zukommende Sterbegeld erheben zu können. Da sie auf dem Standesamt nur den Totenschein vorlegen konnte, so wurde sie wieder nach Hause geschickt, um auch den Taufschein des Verstorbenen zu holen. Frau B. tat das, und es wurde ihr dann eine Urkunde ausgefertigt und überreicht. Mit ihr begab sie sich nach dem Kaffenbureau in der Annenstraße, dort stellte sich aber heraus, daß man zur Ausfertigung der Sterbeurtunde ein Formular einer Geburtsurkunde benutt hatte. Die Witwe, die durch den plötzlichen Tod ihres Mannes schwer erschüttert war, hatte in ihrer Aufregung sich die Urkunde gar nicht angesehen. Wie hätte ihr auch der respektswidrige Gedanke kommen sollen, daß auf einem Standesamt, wo sie es doch so überaus genau nehmen, irgend jemand es fertig bringen könnte, einen Fehler zu machen! Die Sterbeurkunde" sah nun so aus: Oben las man „ Geburtsurkunde", dann kam die Rubrit Vor- und Zunamen" mit dem richtigen Namen des Verstorbenen, darunter stand in der Rubrit Geburts- Tag und-Ort" der Todestag des Verstorbenen, der 5. November 1907, Tag und Jahr sogar in Buch" Die elektrische Straßenwaschmaschine. Im Theater an der Spree" gelangte am Dienstag abend " Am grünen Weg", ein Stück heiteres Berlin in vier Aften von Heinrich Lee zur Aufführung. Es handelt sich hierbei noch immer nicht um das Ergebnis des vom Direktor dieses Theaters ver= anstalteten Preisausschreibens für ein neues Volksstück, denn die Uraufführung dieses Stückes hat bereits im vergangenen Sommer im Friedrich Wilhelmstädtischen Schauspielhaus stattgefunden; immerhin fand das Stück eine beifällige Aufnahme. Die Rolle des heruntergekommenen Liedersängers- des verkannten Talents und des Konditor- Ehemannes Wehergang wurde von Herrn May Mary in einer Natürlichkeit zum Ausdruck gebracht, wie es besser faum möglich war. Dazu kam, daß Josefine Dora als Zuckerbäderin, verwitwete Pfundheller, eine gute Partnerin abgab. Und dann dieser redewütige und geschäftseifrige Eier- und Butterhändler Kabiß, den Hans Lieschschüß darstellte! Den Haupteffekt bildete der dritte Akt, der uns in einen Vorstadtbums führte, in dem Lilly Fricke als Chansonette auftrat. Als Inhaber der " Bierglocke" machten sich Herr Gordon und Helene Voz ganz nett. Ein echter Berliner wird aber finden, daß der Berliner Dialekt, Der Gefangverein Liedesfreiheit 1", Mitglied des ArbeiterSängerbundes, veranstaltet am 16. d. M. zur Feier seines 46. Stiftungsfestes in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, ein Herbstfest, bestehend aus Konzert, Gesangsaufführungen und Ball, unter Mitwirtung der Konzertsängerin Thyra Nordström. staben geschrieben, und den Schluß machten Namen und Stand der unabhängig von dem Fuhrunternehmer und kann die Maschine Sammlung dortiger Raubtiere als Geschenk zugegangen, die, außer " Gestern vormittag wurde von der Berliner Straßenreinigung Die erste elettrische Straßenwaschmaschine in den Dienst einein Automobil ohne Gummigestellt. Diese neue Maschine bereifung hat gegenüber den jetzt noch gebräuchlichen, mit zwei Pferden bespannten Waschmaschinen große wirtschaftliche Vorzüge. Durch den Fortfall der Bespannung nehmen diese Maschinen nicht mehr so viel Platz beim Reinigen ein; sie ersehen Sprengwagen, der hier gesprochen wurde, scheußlich war. Kehrmaschinen und Arbeiter mit Gummischrubbern. Sie sprengen und reinigen gleichzeitig und machen die gereinigten Straßen, ganz gleich, ob diese mit Asphalt, Holz, Macadam, vergossenen Wiener Pflaster usw. belegt sind, sofort wieder troden beziv. berkehrssicher, so daß eine Kiesbestreuung in vielen Fällen erübrigt wird. Durch den Fortfall der Bespannung wird die Verwaltung Dem Zoologischen Garten ist aus Bangkok( Siam) eine schöne ununterbrochen nur während der Ladung der Batterien beziv. Eltern des Verstorbenen. Das Ganze war unterzeichnet mit einem deren Auswechselung nicht benutzt werden. Dadurch ist es mög- einem stattlichen Paar Musangs, welche in dem alten Hause am unleserlichen Schnörkel, der den Namen des für diese Leistung die lich an Anlagetapital zu sparen und die Maschinen besser als die Hauptrestaurant untergebracht sind, das kleine Raubtierhaus be= Berantwortung übernehmenden Beamten vorstellte, und aufgedrückt bespannten auszunußen. Während mit den bisherigen Wasch- wohnen. Eine zierliche Zwergtigerkaße ist der bereits vorhandenen, war das vorschriftsmäßige Siegel. Der Rendant der Krankenkasse maschinen etwa 35-40 000 Quadratmeter Fläche in einer Schicht aber viel dunkleren südchinesischen Form zugefellt worden, eine mußte es ablehnen, auf diese Sterbeurkunde" hin das Sterbegeld gereinigt werden, können mit diesem elektrischen Automobil 75 bis hinterindische. Luchskaze gehört zu den im Tierhandel nur sehr auszuzahlen. Er erklärte mit Bedauern, das dürfe er nicht, doch 100 000 in derselben Zeit verkehrssicher gemacht werden. Der Nutz- felten vorkommenden Arten, und zwei große Tüpfelkazen vererbot er sich bereitwilligst, noch an demselben Tage auch nach Schluß effett ist also bedeutend größer. Die zwei vierpferdigen Motore vollständigen die interessante Sendung. Die letteren, auch Fischgenügen für eine 10- bis 15stündige ununterbrochene Arbeitszeit. taben genannt, weil sie sich zum Zwecke des Fischfanges an Flüssen der Bureauzeit zu zahlen, wenn die richtige Sterbeurkunde be- Der Kessel faßt 2500 Liter Wasser. Das Gewicht einer mit Wasser und Bächen aufhalten, unterscheiden sich von den meisten Katzenschafft werde. gefüllten Maschine stellt sich auf etwa 100 Zentner. Der Fort- arten dadurch, daß die Krallen nicht ganz einziehbar sind, also auch Auf seinen Rat begab sich die Witwe schleunigst wieder nach schritt, der durch die Einführung dieser elektrischen Straßenwasch- im Ruhezustande sichtbar getragen werden. Herr Willems hat dem Standesamt. Dort waren die Herren sehr berdukt, als sie maschine erzielt wird, dürfte bald allgemein in die Augen fallen, übrigens dem Zoologischen Garten schon häufig Geschenke zuihnen dieses Unikum von„ Urkunde" vormies. Sie fanden besonders wenn erst einmal eine größere Zahl eingestellt sind. gewiesen, u. a. das herrliche Paar Siam- Panther, das schon seit vier bezw. drei Jahren hier lebt und sich mit bestem Erfolge fortaber das Versehen nicht schlimm, und einer der Herren machte sogar eine Bemerkung, die von der Frau dahin verstanden Postauskunftstellen sind jezt in Groß- Berlin in größerer gepflanzt hat. wurde, der Rendant selber hätte nur das Wort„ Geburtsurkunde" Bahl errichtet worden, in ähnlicher Weise, wie die Eisenbahnin„ Sterbeurkunde" zu ändern brauchen, dann wäre die Sache er- verwaltung Auskunftstellen auf dem Potsdamer, den Bahnlebigt gewesen. Wir möchten indes keinem raten, hiernach zu höfen Friedrichstraße und Alexanderplatz unterhält. Eine der Handeln und Fehler standesamtlicher Schriftstüde eigenmächtig zu artige Auskunftstelle besteht seit einer Reihe von Jahren beim forrigieren. Als Frau B. auf dem Standesamt erklärte, fie gebe Briefpoſtamt. Sie ist in einem besonderen Raume in dem das fehlerhafte Schriftstück nicht aus der Hand, weil die Angelegen- Hause Königstr. 61 untergebracht, der von der Straße aus heit weiter verfolgt werden solle, mußte die Frau sich eine zugängig ist. Diese Dienststelle dient ausschließlich zur ErBehandlung gefallen lassen, die sie als sehr unteilung von Auskunft über alle Fragen des Post, Telegehörig empfand. Sie flagte, zu Hause liege ihr noch ein Kind graphen- und Fernsprechdienstes. Auch über Zollangelegen trant, den ganzen Vormittag müsse sie umherlaufen, bei ihrer heiten wird dort Auskunft erteilt, soweit diese im Zusammen bölligen Mittellosigkeit brauche sie das Sterbegeld bringend, und hang mit dem Postverkehr stehen. Die Stelle ist mit allen fie fügte die Frage hinzu, wer ihr das Fahrgeld ersehen werde. Tarifen, Vorschriften, Sammlungen usw. ausgestattet, um auf Ihr wurde erwidert, sie solle sich nicht lächerlich machen, jede Frage die bestmögliche Auskunft zu geben. Die Auskunftim übrigen möge sie sehen, wie sie ihren Mann unter die Erde stelle in der Königstraße bildete bisher die einzige derartige friege, wenn sie das Papier nicht ausliefere. Die Ausstellung der Einrichtung. Bei der Errichtung der neuesten großen Postrichtigen Urkunde wurde verweigert, und schließlich wurde Frau B. dienstgebäude war es möglich, den erforderlichen Raum für durch den Diener hinausgebracht. Am anderen Tage weitere derartige Stellen freizuhalten. So ist eine weitere ging fie wieder nach dem Standesamt und ließ sich vor den Vor derartige Stelle bei dem neuen Postamt 7 in der Dorotheensteher führen. Sie mußte diesem die Rüdlieferung der falschenstraße 23/24 errichtet worden, wo sie im Mittelpunkt des reichhaltigen Tiersendungen seine Bestände nach verschiedener Das Berliner Aquarium vermochte nach Eintreffen der letzten Richtung hin zu ergänzen. Das Adriatische Meer lieferte zunächst außer 500 Seepferdchen, die nun in eins der großen oberen Bassins rege Abwechselung bringen, eine Anzahl von einer zur selben Fischfamilie, den Büscheltiemern, gehörenden Art Seenadel. Trotzdem diese letteren viel größer sind als ihre Familiengenossen, muß der Beobachter doch scharf hinschauen, um sie zu unterscheiden, weil die auch biologisch höchst absonderlichen fußlangen und nadelartig gePflanzengebilde nachahmen und insbesondere den schmalen Blättern streckten Fische in Form und Farbe die im Wasser befindlichen des Seegrases fich anähneln. Das Mittelmeer schidte seine beiden schönsten Fische, die aber zugleich einen oberen Rang unter den prächtigsten aller Flossenträger überhaupt einnehmen. Welcher der beiden, zur Familie der Lippfische zählenden Spezies indes der Preis der Schönheit gebührt, ob dem auf grünem und braunem Grunde mit roten und blauen Fleckenreihen gezierten und mit fisch, oder dem Regenbogenfisch, dessen Schuppenfleid in je nach dem pfauenschweifartig schillerndem Floffenwert ausgerüsteten Pfaueneinfallenden Richte wechselnd in Grün, Blau, Rot und Silberweiß überspielenden Farbentönen prangt, dürfte schwer au entscheiden sein. Feuerwekirbericht. Vorgestern abend um 10 Uhr kam?n der KSniggrätzerstr. 40 in einem Kontor im 1. Stock Feuer aus. das Gardinen, einen Papierkorb und Fenster ergriff, aber auf diesen Herd beschränkt werden konnte.— Durch Ucbcrkochcn von Wachs kam in der Warschaucrstr. 37/38 ein Brand au», und durch Un- Vorsichtigkeit geriet ein Klosett in der Chaussecstr. 81 in Brand. Ferner hatte die Wehr in der Bcrnaucrstr. 51(Nordbahnhof) zu tun. Vorort- jVacbridrten. Schöneberg. Die Siichwahlhnlfe des Reichsverbandes für die Liberalen. WaZ wir vorausgesagt, ist eingetroffen. Der in der Haupttvahl mattgesetzte Reichsverband fordert bereits die„imtionalgesinnten" Wähler auf, bei den bevorstehenden Stadtverordneten-Stichwahlen unter allen Umständen Mann für Mann für die bürgerlichen Kandidaten ihre Stimme abzugeben, um einen Sieg der Sozial- demokraten zu verhindern. Hierbei zeigt eS sich wieder einmal, daß es nur eitel Phrase war, wenn vor der Hauptwahl in der dritten ?lbteilung in einer Zuschrift an das„Berliner Tageblatt" von den Liberalen die Behauptung aufgestellt wurde, das; der Kampf deS ReichSverbandeS insonderheit nur den Liberalen gilt. Ja eS wurde sogar gesagt, daß der Kampf gegen die Sozialdemokratie der konservativ-antisemitischen Clique unter der Führung de» Reichs- Verbandes„Nebensache" sei. Und in einem Schreiben an den„Ber- einigten bürgerlichen Wahlausschuß" betonten die Männer yom Liberalen Verein sogar: „Wir verzichten auf diesen traurigen Ruhm und werden im Vertrauen auf unsere eigeneKraft und unsere gute Sache den Kampf in allen Bezirken durchaus selbständig führen. Dieser Kampf richtet sich keineswegs nur gegen die Sozial- demokratie, sondern ebenso stark gegen jede Jnteressenpolitik, gegen „mittelständlerische" Demagogie und kommunalpolitische Reaktion." Was sagen nun die Rein bacher, Oesterreich, Zobel, Dr. Voßberg und K a tz? Sind sie immer noch der Auffaffung, daß sie die Bestgehaßten deS ReichSverbandeS sind? Werden sie. die stolzen Liberalen, die Stichwahlhülfe der antiscmitisch-konscrvativen Blockbrüder verachten? Jetzt ist ihnen die BundeSgenoffenschast sicher genehm. Warum auch nicht: der Liberalismus von Schönebcrg ist um kein Haar besser als irgend wo anders, und warum sollten fich gerade die Schöneberger Liberalen ein so günstiges Angebot an der Nase vorbeigehen lassen. Die Arbeiterschaft SchönebergS hat nun ihren Kampf so zu führen, ihre Kampfesreihen so zu stärken, daß sie der reichsverbänd- lerisch-liberalen Koalition nicht nur gewachsen, sondern überlegen ist. WaS bereits in der Hanptwahl begonnen, muß in der Stichwahl zu Ende geführt werden. Gerade die Waffenbrüderschaft der gesamten in der Hauplwahl noch getrennt marschierenden Gegner muß die Arbeiterschaft zu um so größerem Kampfeseifer anspornen. Am 26. November gilt eS, in dem 1.« 2. und 10. Bezirk unsere Gegner zu schlagen. KaufmaniiSaerichtSwahlcn. Die Wahlperiode ber jetzigen Bei- st'her des KaufmannSgerichtS läuft mit dem 31. März nächsten Jahres ab. Die Neuwahlen find vom Magistrat auf Sonn- tag. den 2. Februar 1908 angesetzt. Zu wählen sind 18 Bei- sitzer, davon die Hälfte aus dem Kreise der HandlungSgehülfen. Wahlberechtigt sind alle HandlungSgehülfen. die bis zum Wahltage das 26. Lebensjahr vollendet haben und entweder rn Schöneberg oder in Friedenau beschäftigt sind. Zur Ausübung der Wahl sind nur diejenigen befugt, welche sich in die vom Vorsitzenden des KaufmaimSgerichtS aufzustellende Wählerliste eintragen lassen. Diese Eintragung muß jetzt ge- schehen, spätestens bis zum 17. November. Der Antrag auf Eintragung ist entweder schriftlich an den Vorsitzenden des Kauf- mannsgerichts oder mündlich in der Zeit zwischen S bis 2 Uhr in der Gerichtsschreiberei des KaufmannSgerichtS(Rathaus. Zimmer S) einzureichen. Die Wahl der Beisitzer erfolgt nach den Grundsätzen der Vcr- HSltniöwahl. Vorschlagslisten für die Beisitzer, die nicht mehr als 9 Namen enthalten dürfei, und von mindestens 20 Wählern unter- zeichnet fein müssen, sind bis zum 11. Januar 1908 einzureichen. Charlottenburg. Die Freie Volksbühne Charlottenburg spielt am Sonntag, den 17. November, nachmittags 3 Uhr, im Schillertheater Charlotten- bürg für ihre Mitglieder das bekannte Lustspiel„Der Herr Senator". Nach den ernsten Darbietungen der letzten Monate bringt diese» nette und lustige Stuck, das man als eine, wenn auch mehr behagliche als spitze Gesellschaftssatire bezeichnen kann, eine den Mitgliedern gewiß willkommene Abwechselung in den Spiel- plan des Vereins. Alle Mitgliedsmo.rken müssen spätestens am Sonnabend, den 16. November, in den Zahlstellen geklebt sein. Neue Meldungen zum Beitritt sind zu beeilen. Tempelhof. Gemeindevertreterfitzung. Einen besonder? wichtigen Punkt der Tagesordnung der letzten Sitzung bildete die Errichtung von öffent- lichen Bedürfnisanstalten. Unsere Genossen hatten schon vor Jahren und zu wiederholten Malen einen dahingehenden Antrag an dre Ge- meindevertretung gestellt, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. Der Antrag wurde mit gcriugerMajorität angenommen. ES werde» 3 Anstalten errichtet. Die Kosten derselben belaufen sich auf ca. 11 700 M. Sodann machte der Vorsitzende bekannt, daß das östliche Industrieviertel der Gemeinde ein Grundstück für eine Schule, ca. 300 Ouadratruten groß, im Werte von 136 000 M., gegen Regulierung der Straße, welche 22 700 M. beträgt, kostenlos uberlasse»' will: dasselbe wurde angenommen. Der Antrag über die Arbeitsbedingungen und die Gehälter der Gemeindearbetter wurde debattelos angenommen. Da- nach beträgt das AnfangSgehalt pro Tag 3,76 M., steigend von drei zu drei Jahren um 0,25 M., bis zum Höchstgehalt von 4,26 M. Die Arbeitsordnung enthält u. a. folgende Bestimmungen: Für Zuspätkommen wird den Arbeitern ein Zehntel des TagelohnS in Abzug gebracht. Geräte, die durch Verschulden eines Arbeiters ab- Händen kommen oder unbrauchbar werden, werden ebenfalls vom Lohn abgezogen. Alle unterliegen der Aufsicht des StraßemneisterS und kann derselbe die Arbeiter jederzeit entlassen. Ungehorsam usw. gegen den Straßenmeister kann derselbe eigenmächtig mit dem Abzug eines Tagelohns bestrafen. Wo die Strafgelder bleiben, sagt die ostelbische Arbeitsordnung nicht. Steglitz. Ein zahlreiches Trauergefolge gab am Dienstag nachmittag unserem so jung verstorbenen Parteigenossen Paul Kraye das letzte Geleit. Eine tückische Krankheit raffte den pflichteifrigen Fuhrer des 2. Bezirks nach wenigen Krankheitstagen hinweg aus dem Kreise der Genossen und seiner Familie, eine fühlbare Lücke hinterlassend.— Leider sollte die Trauerfeicr nicht ohne eine un- liebsame Störung vorübergehen, die durch den Friedhofsaufseher verursacht wurde. Als nach dem vom Gesangverein„Zukunft 1" an der Gruft vorgetragenen Trauergesang die Vertreter des Me- tallarbeiterverbandcs und des Wahlvereins die von diesen Organisationen gestifteten Kränze mit kurzen Widmungsworten nieder- legten, wurden beide Genossen in höchst taktloser Weise von dem Fricdhofsaufseher unterbrochen mit der fast ein Uebermaß von Weisheit bekundenden Bemerkung, daß„Reden" nicht gehalten werden dürften. Selbstredend hatten die beiden Genossen mehr Taktgefühl angesichts der offenen Gruft— sie ließen sich nicht pro- bozicren, sondern schwiegen. Unsere Gemeindebehörde aber möchten wir daruin ersuchen, dem übereifrigen Mann davon Kenntnis zu geben, daß erst kürzlich vom höchsten preußischen Gericht entschieden worden ist, daß eine„Widmung" keine„Rede" ist. Was das Ber- halten bcS Aufsehers aber noch unerklärlicher mächt, ist die Tat- fache, daß der Vorsitzende des Wahlvereins die behördliche Erlaub- nis zu in Sprechen am Grabe erhalten hatte, allerdings unter Ve- dingungcn, die ihm dies wieder vereitelten. Um 1 Uhr nachmit- tags wurde ihm in seiner Abwesenheit die behördliche Erlaubnis übermittelt mit der Aufforderung, vorher den Wortlaut der Rede im Rathaus vorzulegen. Da unser Genosse hiervon erst kurz vor der um 3 Uhr stattfindenden Beerdigung Kenntnis erhielt, war ihm das natürlich nicht möglich. Der Herr Gemeindevorsteher hat somit- zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: er hat in libe, raler Weise den Sozialdemokraten gestattet, ihren Toten auf ihre Weise zu beerdigen und hat es andererseits— wir wollen an- nehmen unbeabsichtigt— doch erreicht, daß keine Rede gehalten werden konnte. Anfügen wollen wir noch, daß von der Trauer» gemeinde die Anwesenheit eines Kriminalbeamten auf dem Friedhof als höchst überflüssig angesehen wurde. Man war der Ansicht, daß der Beamte seine Zigarre auch außerhalb der Ein- friedigung hätte rauchen können Lichtenberg. Stadtverordnctenwahl! Die Wählerlisten zur ersten Stadtverordnetenwahl liegen vom 13. bis 30. November im großen Sitzungssaale des Rathauses m der Dorsstraße aus. Die Einsichtnahme kann erfolgen an den Wochentagen von 8 bis 8 Uhr, an den Sonntagen und am Bußtage voa S bis 1 Uhr vormittags. Die Listen sind mit besonderer Beschleunigung aufgestellt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch alle die fehlen, die mit ihren Gcmeindcabgaben im Rückstände sind l ES empfiehlt sich also eine recht genaue Durchsicht der Listen. Wer nicht in den Wählerlisten steht, geht seine» Wahlrechte» verlustig l Eine weitere schöne Blüte dieses„Wahlrechtes": Die Stadt ist für die Hl. Wählerabteilung in 16 Kommunalwahlbezirke eingeteilt. Die Herren von„Besitz und Bildung", die bei einem Steuersatz von mehr als 72 Mark anfangen, wählen in der II. Abteilung in vier Bezirken, während die„Oberprivilegierten" in der I. Abteilung — annähernd 80 Mann stark(einschließlich des EisenbahnfiSkuS— ihre 16 Vertreter in einem W ah lbezirk„wählen"! ES lebe daS Geldsackswahlrecht I Die Wahlen stehen unter dem Zeichen der Blockpolitik! Unter diesem Zeichen sollen die Wahlen, sintemalen schon mit 72 M. Johressteueni daS.„Vorzugsrecht" beginnt, vor sich gehen. Am Mittwoch haben sich die Führer der diversen Vereine, Vereinchen und Komitees, politische und unpolitische Notabeln deS Ortes, Konservative und„demokratische" Freisinnige, Besitzer kgl. Busen- nadeln für evangelischen Kirchenbau und Besitzer kgl. Schnupftabak- dosen für katholischen Kirchturmbau, Ober- und Unterbeamte, alles unter der Devise„für Ordnung und Sitte' zusammengefunden; die Einigung auf eine„mittlere Linie" /zur Erzielung„unparteiischer Wahlen" ist in Aussicht. Die arbestcnde Bevölkerung Lichtenbergs muß dieser arbeiierfeindlichen Allianz eine geschlossene und kämpf- bereite Linie entgegenstellen._ Treptow-Baumschulenweg. In der letzte» Mitgliederversammlung deS Wahlvereins bei Mohlau in Treptow referierte Genosse R e h b e i n über„Höfische Intrigen". Redner ging ans die Einzelheiten des Prozesses Moltke-Harden ein und glossierte diese Stützen der Gesellschaft treffend. Zum Schluß seiner Ausfuhrunaen forderte er, daß der Parteivorstand diesen Prozeß ausschlackten und ein Flugblatt herausgeben müßte. Gerade die Landbevölkerung, die nur die Amts- und Landratspresse lese urd daher nichts oder entstellt erfahre, müsse das wahre Treiben der Hosclique kennen lernen.— In der Dis- kussion bemerkte Genosse L ü d k e, daß ein so ausführlich gehaltenes Flugblatt, wie es Rehbein wünscht, ungewöhnlich hohe Kosten ver- Ursachen lvürde und allein schon aus diesem Grunde der Wunsch nicht so leicht zu erfüllen sei. Genosse G r a m e n z schloß sich' diesen AuSführmigen an. Hierauf erstattete Genosse Weiß den Bericht von der Generalverscunmlung Groß-BerlinS. woran sich eine längere Diskussion knüpfte. Unter Vereinsangelegenheiten teilte Genosse P o s s e l t die Antwort des Landratö mit. in der auf den Kern der Beschwerde gar nickt ein- gegangen, aber zugegeben wird, daß Frauen im Segment unseren Versammlungen beiwohnen dürften. Dieses hatte aber der Ueber- wachende seinerzeit direkt für unzulässig erklärt. Die Angelegenheit werde selbstverständlich weiter verfolgt.— Bezüglich eines Rechts- schntzgesucheS des OrlsvorstandeS des Wahlvereins an den Zentral- vorstand sprach Posselt seine Entrüstung über die Ablehnung des« selben aus. Köpenick. Neber Partei und Gewerkschaft sprach Genosse Stadtverordneter G e b e r t in der am Dienstag abgehaltenen WahlvereinSversamm- lung. Eine Diskussion knüpfte sich an den Vortrag nicht. Zur Aufnahme hatten sich 24 neue Mitglieder gemeldet; derselben gab die Versammlung ohne Debatte ihre Zustimmnng. Eine längere Debatte entspann fich über den beantragte» Ausschlußantrag von einer Reihe von Milglieder», die im vergangenen Jahre bei dem Streik derFirma W. Spindler als Streikbrecher tätig waren. DaS Verfahren ans Ausschluß war bereits vor 1'/« Jahren beim Parteivorstande be- antragt worden; daö Verfahren wurde vor einigen Tagen ein» geleitet. Während«in Teil der Redner die Sache als erledigt betrachteten, wurde von mehreren Genossen der Standpunkt vertreten. unter allen Umständen da» Verfahren seinen Fortgang nehmen zu lassen. Die Versammlung nah», auch dann einen in dieser Sache vom Genossen Kegel gestellten Antrag an und wählte als Mitglieder des Schiedsgerichts seitens der Organisation die Genossen Heinze, Lefvvre und Nickel. Zum Schluß machte Genosse Woick noch auf die am 4. Dezember stattfindende öffentliche Versammlung aufnierksam, in der Genosse Paul Göhre sprechen wird. Erkner. Not und Arbeitslosigkeit haben vorgestern den 44jährigen Ar- bester Albert Linnstädt von hier in einen schrecklichen Tod ge» trieben. In der Nähe der Station Hangelsberg warf sich der Lebensmüde bor dem heranbrausenden Schnellzug Berlin-Breslau auf die Schienen. Der Zug ging über L. hinweg und später wurde die vollständig zerstückelte Leiche von einem Streckenwärter auf, gefunden. In seiner Geldbörse wurden nur noch wenige Pfennige vorgefunden. Weihensee. Die Verzweiflungstat eines IZjährigen Mädchens rief vor- gestern abend in der Metzstraßc großes Aufsehen hervor. Die Tochter Erna des Kaufmannsgehülsen Peter, Metzstratze 47, hatte in Berlin eine leichte Aufwartestelle versehen. In der vorletzten Nacht blieb sie plötzlich der elterlichen Wohnung fern und als sie bei ihrer Heimkehr vorgestern früh von den Eltern ins Kreuz- verhör genommen wurde, gab sie keine Aushrtift. Die Mutter ging nun nach Berlin, um sich hier über das Treiben ihrer Tochter zu erkundigen. Als sie dann abends wieder die Wohnung betrat. stürzte sich das Mädchen aus Furcht vor Strafe aus dem Fenster auf die Straße hinab. Mit schweren Verletzungen wurde das Mädchen in das Auguste Biktoria-Krankenhaus gebracht. Nowawes. Feuer entstand am Dienstag nachmittag in dem Auf- bcwahrungSraum des in der Schulstraße gelegenen Bolksschul, gebäudes. Wahrscheinlich waren glühende Kohlen aus dem ge» heizten Kachelofen gefallen und hasten die Dielen bis zur Decke deS darunter gelegenen Schulzimmers durchgebrannt; dadurch verlor der Ofen den Halt, stürzte zusammen und fiel in das untere Schulzimmer durch, in welchem ein Mädchen mit Reinemachen be- schäfiigt war. Zum Glück blieb es vor Schaden bewahrt. Wäre das Feuer eine halbe Stunde früher ausgebrochen, so hätte ein großes Unglück geschehen können, da kurz vorher erst die Llindcr das Schulzimmer verlassen hatten. Die kolossale Rauchcntwickclung erschwerte die Löschungsarbcitcn außerordentlich, doch gelang es schließlich der Feuerwehr, die weitere Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Vermischtes. Opfer der Arbeit im rheinisch-westsSlischen Industriegebiet. Auf der Zeche„Graf Beust" geriet ein Kohlenhaner unter herab- fallende Gesteinsmassen und wurde getötet. Er hinterließ eine Frau und 3 Kinder.— Auf der„Friedrich Alfredhütte" zu Rheiuhausen, der Firma Krupp A.-G. gehörig, stürzte ein, bei der Montage deS Schachtofens beschäftigter Arbeiter ab und schlug auf einen scharfen Stein, wobei ihm der Schädel zertrümmert wurde. Der Tod trat sofort ein.— Ein 14 Jahre alter Dreherlehrling wurde von einem Drehrade eines Laufkranes in der Maschiiicnfabrik„Deutschland" ersaßt und mit total zerquetschter Wirbelsäule aufgefunden.— Ans einer Grube bei Dortmund geriet der Schlepper Adam Präger mit dem Kopfe zwischen zwei Kohlenwagen, wodurch er sehr schwer verletzt wurde.— Auf der Zeche„Johann Dcimclberg" geriet der Bergmann Bode zwischen einen Pferdezug und eine GesteinSwandimg und wurde zerquetscht.— Auf der Zeche„Haimibal II", Schacht 2 kam der Bergmann Peter Gab unter herabfallendes Gestein und mußte, schwer verletzt, ins Krankenhaus gcsckafft werden.— Ans Schacht 2 der Grube„Ewald" kippte auf eine» Schlepper auf seiner Arbeitsstelle ein schwerer Steinwagen um underdrückte ihn.— Bei den WasserleitungSarbeiten Buckzucr an der Gladbacher Grenze wurde der Maurer Joh. Poloczek von hereinbrechenden Erdarbeiten so gegen ein Rohr gestoßen, daß er an den Verletzungen verstarb. Verschüttet. Bei einer Sprengung zwecks Straßenerwciterung wurde in St. Johann ein Haus verschüttet. Eine Person wurde getötet, drei lebensgefährlich verletzt. Die Pest in Rußland. Im Kreise Trshewale! werden, wie auS Wjernhi berichtet wird, 44 tödlich verlaufene pestverdächtig« Er- krankungen gemeldet. DaS Ergebnis der bakteriologischen Unter- suchung ist noch unbekannt. Von Amerika zurück. Vorige Woche verließen über 10 000 wischcndeckpassagiere New Aork, um nach Europa zurückzukehren. s waren fast durchweg Arbeiter, die durch die immer größeren Massenentlasiungen in der Industrie ihre Stellungen verloren hatten. Da die AnSsichlen aus Wredereinstellungen in der gegenwärtigeu KristS keine günstigen sind, ziehen tausende eS vor, mit ihren kleinen Ersparnissen aus guter Zeit wieder im Hcimatlande ihr Glück zu versuchen. Aber auch in Europa dursten die Zurückkehrenden bitter enttäuscht werden, da eine Aussicht, günstige Arbeitsgelegenheit zu erhalten, nicht gerade vorhanden ist. Opfer der Arbeit. Bei dem Dorfe Bilobozmhk stürzte. wie aus Krakau berichtet wird, bei Erdarbeiten eine große Erd» masse zusammen, vier Arbeiter wurden verschüttet, von denen zwei toi blieben, während die beiden anderen schwere Verletzungen davontrugen.• Tunis pestfrei. Die Regierung gibt betamit, daß der Hafen von Tunis als pestfrei betrachtet werden kann. verltncr Vtarttpretie. Aus dem amtlichen Bericht der stSdt vtartlballen-Dtrettion.(Grohbandel.) Ochseufteisch l» 70 72 vr lOf IIa 64-69, lila 58-61, Bullcnflessch la 65-70, IIa 53-62, ftflf 50—58, do. mager 40—48, Fresser 54—62, Bullen, dän. 54—67, d. 0.00. Kalbssessch, Dopvclleiider 110—125, Mailtölber la 65 5// 75—82, Kälber ger. gen. 56—71, do. Holl. 48—54, dän. 0,00. Houiui«..oj Mastlämmer 78— 80, Hammel la 70 74, IIa 64 69, Ungar, 0,00, Schale 49-62. Schwe»i-'1«lsch 52- 60. Rehwild la ver Psuud 0.60-0.75, IIa 0.45—0,58, Rotwild la per Pfund 0,40—0.50, do. IIa 0,00, do. Kälber 0,50. Damwild 0,40—0,50, Kälber 0,60—0,70. Wildschweine per Pfd. 0,00. Frischlinge 0,80. Kaninchen, groß ver Zlnck 0,70—0.90, do. klein 0,00. Hasen, groß per Stück 3,50—4.00, do, mittel u, klein Stück 1,50—3,30, Wildenten per Stück 1,60. Rebhühner, junge per Stück 0,60—1,40, do. alte 0,60—0.90, Falanenhähne la. junge 2,50—3,00, do. IIa und alte 1,00—2.10. Fasanenheniien 1,00—2,00. Bekassinen 0,00. Waldschnepsen per Stück 2,00-2,75, do. Na 1,00-1,50, Hahner, alle, per Stück 1,50—2,00, do. Na 0,80—1,40, dito junge 0,65—1,40. Tauben 0,50- 0,58, do, ital. 0,85-0,90. Eine» 1,40-2,30, dito Haniburaer per Stück 2,60—3,10. Wänie ver Pfund 0,50—0.60, dito per Stück 3,00—4,00, do. Hamburger per Psund 0,00, do. Ldcrbruchcr per Pfd. 0,55—0,60. PouletS per Stück 1,10. Deutsche Poularden per Psd, 0,09, Hecht« per>00 Psd. 67-71. do, matt 0,00. do, groß 0,0«, do. klein 0,00, do. mittel 80, Zander, mittel 0.00, lleiii 0,00, matt 0,00. Schleie, nnsortiert 94—109, do, groß 0,00, do, klein 0,00. WcIS 0,00. Plötzen 0,00, Roddow 0,00. Karpfen, 70 er 60—63, do, 50er 0,00, do, Spiegel«, 25er 0,00, do. 50er 0,00. Bunte Fische 15—37, do. matt 0,00. Barse, klein 0,00. Karauschen 0,00. Bleie 0,00. do. klein, matt 0,00. Aland 44—47, Quappen 0,00, Aale, groß 0,00, do. klein und mittel 80—94, do, mittel 0,00, do, nnsortiert 75, do. groß-mittel 0,00, Nein 0,00. Bleisische 0,00. Wintcr-Rheinlachs 0,00. Ämcrtt. Vachs la neuer, per 100 Pfd. 110—130, do. IIa neuer 90—100. Seelachs 10—20. Flundern, Kieler, Stieg« la 2—6. mittel Kille l— 2, Hamb, Stiege 4—6. halbe Kille 2—3, pomm, la Schock 0,00, IIa 0,00. Bücklinge, Kieler per Wall 2—3,00, Stralsmider 0,00, engl, per Wall 2,00—2,50. Sprotten, Danziger, Kiste 0,80, do. Rügenwaidcr. Kiste 0,80. Aale, gros per Psund 1,10—1.40. mitteigroß 0.80—1,10, (lern 0,60—0,80. Heringe per Schock 5,00-9.00, Schellfische, Kiste 3,00—4,00,'/, Kiite 1,75-2,50. Sardellen. 1902 et per Anker 98. 1904«: 98, 1905et 98. 1906er 90—95. Schottische Bollherüige 1905 0,00, large 40-44. fall. 38-40, med. 38—42. deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS, ver'/, To, 50—120, Sardinen, russ., Faß >.50— 1,60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Nennaugen. Schocksaß 11, do, kleine 5—6, do. Riesen- 14. Krebse per Schock 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 0,00, do. kleine 10—11 cm 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, groß 0,00, do. unsortiert 0,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 5.20—5.80. do. große 6,00—6,50. Butter per >00 Pjb, la 126-130. Iis 118-123. Illa 110-116, abiallende 90-95. Saure Gurte», neue. Schock 4,00. Psessergurken 4,00. Karlosseln per 100 Psund Dabersche 2,75—3,25, weiße runde 2,50—2,75, mag. bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 0,75—1,60. Meer- retlich, Schock 4—12. Spinal per 100 Psund 5—12. Sellerie, per Schock 5-6, do. pomm. 7—8. Zwiebeln per 100 Psd. 2,00-2,50, do. Perl- 40,00—100,00. Chalotten 40,00—100.00. Petersilie, grün, Schockbund 1,00—1,25. Kohlrabi Schock 0,50—1,00. Rettich, bayrischer, Stück 0,03-0,10, hiesiger Schock 2,50-3.50, Mobrrüben. 100 Psd, 2,00 bis 3,00, Karotten, htejige, Schockbund 2,00—3,00, Wirsingkohl v. Schock 3—7. Ziotkohl, Schock 4—8, Weißkohl p, 100 Psd, 1,00—2,00. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Ersurter 0,00. Rosenkohl, per 100 Psund 20—22. Grünkohl 4,00—6,00. Kohlrüben, Schock 3,00—4,00. Peterfilienwurzel», per 100 Psd. 6—7, Schockbund 3—4. Schnittlauch, Töpfe Dutzend 4,00 bis 4,50. Psesserlwge per 100 Psund 0,00. Radieschen per Schockbund 1,00—1,25. salat per Schock 2,50—3,00. Bohnen, grüne, 100 Psd. 0,00. Tomaten, italienische, per 100 Psund 18—25. Rote Rüben, per 100 Psund 2.50—3,00. Rübchcn, Beelitzer, per 100 Psd. 2—8, do. Tel- tower 16—18. Kürbis p. 10V Psd. 4—8. Eskarol per Schock 5—6. Endivien per Schock 3—6. Birnen per 100 Pjd. Tiroler 0,00, hiesige Most- 0,00, Koch« birnen 5—8, Taselbirnen la 13—25, do. IIa 10—17. Aepsel, per 100 Psund, Tiroler la 18—40, do. IIa 12—18, Most-, hiesige. 3—5, Koch- 5—10. Tasel- öpsel la 15—25, do. IIa 10—12, Amerikaner, per Faß 27—28, Italiener, los«, 100 Psd. S— 12. Wallnüsse, per Schock 0,00, do. Hein 0,40—0,50, do. französische 0,00, rumänische 28—30. Paranüsse 52—60. Haselnüsse, ränge. 100 Psund 43—45, do. runde 35. Weintrauben, italienische, per 100 Psd. 30-35. Zllmerin per Faß 13-17, türkische per 100 Psd. 0,00. AnanaS I, per Psd 0,70— 1,00, do. II 0,40—0,50. Bananen, gelb, ver 100 Psd 18-25. Kokosnüsse per 100 Stck. 17—25. Maronen, ital., 100 Psd. 16—20 Feigen, Kranz-, per 100 Psd. 22-25, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kiste« 28—60. Zitrone», Messina, 300 stück 11,50—20.00, do. 360 Stück 7.50-16,00. do. 200 Stück 12.00-16,00, do. 150 Stück 7.00-10,0» Nr. 267. 21. Jahrgang. 3. KcW Ks Jotiiiürlo" Knlim pslksdIM Ionnerstag. II Dovember 1907. Huö der Frauenbewegung. Gknosßunku! Die wachsende Bedeutung der Dienstbotenbewegung und die Aufgaben, welche sie an uns stellt, läßt eine besondere Beratung als dringend notwendig erscheinen. Die Unterzeichnete beruft daher eine außerordentliche Frauenkonferenz für Dienstag, den 19. November, nach Berlin, GcwerkschaftShauS, Engel-Ufer 15, Saal 3, ein. Die Konferenz wird vormittags 9 Uhr eröffnet. Provisorische Tagesordnung: Die Dienstbotenbewegung. »j Agitation und Organisation. Refcrentin: Genossin Köhler- Düsseldorf. d) Der Stellennachweis. Referensin: Genossin Z i e tz- Hamburg. o) Der freie Dienstvertrag. Referentin: Genossin Baar- Berlin. Alle Genossinnen, welche als Delegierte an dem Preußen- tage teilnehmen sollen, werden ersucht, sich gleichzeitig auch ein Mandat für die Frauenlonferenz übertragen zu laffen- Durch Zirkular an die Bertrauenspersonen sind die Genossinnen in Preußen bereits aufgefordert worden, in der nämlichen Weise wie zu den Parteitagen der deutschen Sozial- demokratie für ihre Vertretung auf dem Parteitage zu sorgen. Die Dienstbotenvereine, welche auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen, werden aufgefordert, ihre Vertreterinnen zu der Konferenz zu entsenden. Des weiteren sollten sich auf ihr die Genossinnen solcher Orte vertreten lasten, wo die Bewegtmg unter den Dienstboten in Fluß kommt und die Gründung einer Organisation vorbereitet wird. Die Wahlen der Delegierten haben in der üblichen Weise zu erfolgen. Genossinnen I Die Wichtigkeit der bevorstehenden Tagung der- langt, daß Ihr sofort mit gesteigerter Rührigkeit an die Arbeit geht, um eine zahlreiche und sachverständige Beschickung der Konferenz zu sichern. Mit sozialdemokratischem Gruß Ottilie Baader, Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, Das kranke Kind. Ein Berliner Zimmer im Ouergebäude einer Mietskaserne. Bunte Gardinen schmücken das einzige große Fenster. Längs der Rückwand stehen zwei Betten mit Wäschestücken beladen, davor ein Kinderbett. Aus den durchwühlten Kissen taucht das Köpfchen eines etwa vierjährigen Kindes hervor. Das abgezehrte, gerötete, von schmerzhaften Zuckungen bewegte Gesicht verrät eine schlvere Erkrankung. Die Augenlider sind fest geschlossen und der kleine Mund krampfhaft zusammengepreßt. Am Fenster steht die Nähmaschine. Eine etwa 40jährige hagere Frau mit schwarzem, an den Schläfen leicht er- grantem Haar, steppt weiße Leibwäsche, feine, kostbare Spitzen- Hemden. Es dämmert bereits. Leise kriechen die Schatten des Abends heran. Im Vorderhaus blinken schon die Lichter. Müde stützt die Frau den Kopf in die Hand und blickt sinnend in die Dämmerung. Drei Kinder, zwei Mädchen im Alter von acht und zehn Jahren, der Knabe etwas jünger, die hinter der Maschin« mit der Herstellung von Hampelmännern beschäftigt sind. richten sich jetzt ebenfalls auf. Die Jüngere, mit dem hellen Flachököpfchen und dem schmalen Gesichtchen schmiegt sich an die Seite der Mutter.„Mutti!"„Was ist denn. Elschen?" Zärtlich fährt die Frau mit der Hand über den blonden Kinderscheitel.„Wann kommt denn Vater zurück?"„Bald, Kind, gleich wird er kommen." „Ich Hab' so Hunger, Mutti."„Ich auch! Ich auch rufen die beiden anderen wie aus einem Munde. Uebcr das Antlitz der Frau huscht ein herber, bitterer Zug.„Ja. Kinder, habt noch etwas Gc- duld, wenn Vater kommt, essen wir."„Ein Stückchen Brot, Mutter, bis Bater kommt, dauert'ö noch zu lange!" betteln alle drei.„Ihr müßt mich nicht quälen. Lieblinge, ich geb'S Euch gerne, wenn ich kann. Wenn wir aber jetzt schon davon essen, reicht es nicht für den Abend, und die Suppe muß für Vater bleiben, der hat den ganzen Tag draußen in der Kälte schwer gearbeitet. Klebt mal noch weiter", fügt sie beruhigend hinzu:„Vater kommt ja gleich, nachher essen wir. Jetzt verdient er ja wieder Geld, dann wird's nächste Woche besser." Die Frau zündet die Lampe an und stellt sie auf dos Fensterbrett. Sic wirft noch einen kummervollen Blick in das Bettchen, dann nimmt sie ihre Arbeit wieder auf.„Wir haben schon drei Dutzend fertig. Mutter!"„Das ist nett. Ihr seid auch brav."„Wird Ottchen wieder gesund?" fragt der Knabe leise.„Wir wollcns hoffen!" Es klingt gerade nicht zuversichtlich. Es klingelt. Mariechcn öffnet und führt nach einigen Augenblicken eine statt- liche, elegant gekleidete Dame inS Zinnner. Diese hält sich ihr stark parfümiertes Battisttüchlein an die Nase, die schlechte Zimmerluft scheint ihr den Atem zu rauben. Frau Braun ist auf- gestanden und bemüht sich, mit ihren schwachen, angestrengten Augen die im Halbdunkel stehende Dame zu erkennen. Doch diese beginnt sofort in freundlichem Tone:„Frau Braun, ja? Ich konune vom Verein„Nächstenhülfe". wir verteilen alljährlich zu Weihnachten Gaben an arme Kinder. Sie sind uns als würdig und besonders bedürftig empfohlen worden. Aber der Form halber muß man schon mal vorsprechen. Ihr Mann war lange krank 'und ist jetzt arbeitslos?"„Ja!" erwidert die Gefragte etwas erstaunt:„krank war er vier Monate und arbeitslos bis jetzt, heute hat er nun zur Aushülfe auf der Straße an- genommen. So lange habe ich's mit den Kindern allein durch- geschleppt!" Die Fremde nickt befriedigt. Jetzt erblickt sie das Kind im Bettchen.„Ist der Kleine krank?" fragt sie teilnahmsvoll.„Ja- wohl, sehr, sehr krank, Diphtheriris!"„Diphthe--?" Der Dame bleibt das Wort in der Kehle stecken. Sie rafft hassig ihr Kleid hoch und geht rückwärts nach der Tür.„Und Sie lassen die anderen Kinder dabei, und Wäsche, Wäsche nähen Sie auch noch in dieser Stube?" Auf dem Gesicht der Sprecherin Prägt sich grenzenlofes Entsetzen aus.„Ich muß. meine Dame, ich muß arbeiten."„Das glaube ich schon," fällt die Dame der Frau erschöpft ins Wort, sie ist schon dicht bei der Korridortür angelangt.„Aber bedenken Sie, liebe Frau, es ist doch gewissenlos, so das Leben seiner Mitmenschen aufs Spielzu letzen. Sowas müßte einfach verboten werden!"„Wo soll ich denn arbeiten," verteidigte sich die Heimarbeiterin:„die Küche haben wir vermietet, Sie können sich überzeugen, meine Dame!" Sie öffnet die Küchentür. Die Dame aber ist schon draußen auf dem Flur. Die gespreizten Finger abwehrend ausstreckend ächzt sie:„Nein, nein, ich gehe nicht mehr hinein. Das ist ja entsetzlich I Hier kann man noch obendrein für sein gutes Herz sein eigenes Leben riskieren. Für wen arbeiten Sie denn?"„Na, für'Friedländer u. Sohn in der Xstraße." Die Dame ist schon unten auf dem ersten Treppenabsatz. Im schrillsten Diskant klingt es noch herauf:„Für Friedländer. und da lauf ich meine ganze Wäsche! O Gott, ich sterbe l"—_ Gerichts-Leitung. Das Sparsystem der Eisenbahnvenvaltung. Vor dem Oberlandesgericht K ö l u ist ein Prozeß zu Ungunsten der Eisenbahnverwaltung entschieden worden, der ein grelles Licht auf die SicherheitSzustände der Eisenbahn wege und der von ihnen berührten Straßen betrifft. Die Eiscnbahnverwaltung wurde verutteilt, einem Kaufmann de» Schaden zu ersetzen, der ihm dadurch entstanden war, daß auf der Brohl-Andcrnacherstraße sein Fuhrwerk durch Zusammenprallen mit der Eisenbahnschranke zer- trümmert wurde. Das Gericht stellte fest, daß der sechs Meter lange Uebergang nur durch eine einzige, noch dazu neun- zehn Meter von der einen Schranke entfernt stehende Laterne erleuchtet wurde. Bei dunklem Wetter konnte man kaum das Licht der keineswegs hellbrennendcu Laterne sehen. Der als Zeuge vernommene Bahnwärter bekundete, daß er schon im Jahre 1905 um eine Vergrößerung der Beleuchtung eingekommen sei. Das Gesuch wurde jedoch von dem Vorgesetzten mit dem Bemerken abgelehnt, daß die Beleuchtung früher ausgereicht habe und auch jetzt noch genügen würde. Es sei noch bemerkt, daß der Kaufmann bei dem Vorfall nur durch das Scheuen de? Pferdes, das sich-uff dem Gleis befand und die inzwischen geschlossene Schranke durchbrach, vor dem Zermalmtwerden durch den heranbrausenden Zug gerettet wurde. Billige Wurstt Um Fleisch- und Wurstdicbstähle im angeb- lichen Werte von 100000 Mark handelte es sich bei einer Anklage, die den Hausdiener Gustav K r u s ch k e, dessen Schwager Gastwirt August Schneider und die Ehefrau des letzteren unter der Anklage des wiederholten schweren Diebstahls bczw. schwerer Hehlerei vor die dritte Strafkammer des Landgerichts I führte. Das Ehepaar Schneider betrieb in der Kronenftr. 72 eine Schankwirtschaft, die außerordentlich gut ging und den Besitzern so viel abwarf, daß diese bcabsicktigten, demnächst in den beneidenswerten Stand der Rentiers überzutreten. Die Schncidersche Schank- Wirtschaft war wegen der großen, guten und billigen Fleisch- Portionen, die man dort erhielt, in der ganzen dortigen Gegend bald berühmt. Es aßön piclc Leute, Hausdiener und andere kleine Leute dort zu Mittag, außerdem wurde viel an die in der Nähe befindliche Feucrwehrwachc und an die Schutzmannschaft außer dem Hause verkauft. In demselben Hause, Kronenstr. 72, betreibt Herr Karl Kisch ein außerordentlich umfangreiches Geschäft mit Fleisch- und Wurstwarcn, bei dem etwa 8 Flcischcrgesellcn be» schäftigt sind. Als Herr Kisch sein Geschäft nach der Kronenstr. 72 verlegte, war auch Schneider anfänglich fein Kunde, dieser hörte aber bald mtt seinen Einkäufen auf. Der große Vorratskcllcr des Herrn Kisch grenzt teilweise an den Keller des Schneider. Seit dem Jahre 1904 bemerkte Herr Kisch zu seinem Erstaunen bei ver- schicdenen Bilanzen, die er vornahm, daß sein Gewinn ein ganz unverhältnismäßig kleiner im Gegensatz zu dem großen Aufschwung seines Geschäftes war. Diese betrübende Wahrnehmung wieder- holte sich mehrere Male und Herr Kisch kam zu der llebcrzeugung, daß er in unverschämter Weise bcstohlen werden müsse. Er sah sich veranlaßt, sein ganzes Personal, darunter auch solche Leute, die schon geraume Zeit bei ihm tätig und ganz unverdächtig waren. zu entlassen. Er versicherte dann sämtliche Zugänge und Fenster seines Kellers durch Eisenstäbe und Schlösser, paßte selbst auf und ließ durch Kriminalbeamte aufpassen— es blieb aber alles ohne Erfolg. Schließlich wurde ein gegen den Angeklagten laut werdender Verdacht immer stärker. Der Kriminalwachtmeistcr Wolter und der Kriminalschutzmann K l ü tz übernahmen die Recherchen und durch diese wurde der Verdacht gegen Schneider noch vergrößert. Einige Angestellte des Kisch desuchten das Schneiderschc Lokal und bemerkten, daß daselbst Fleischwaren teurer Art, Pariser Lachsschinken und Würste verkauft wurde», die zweifellos aus dem Kischschen Geschäft herrührten. Nachdem man diese Gewißheit gewonnen hatte, quartierten sich die Kriminal- bcamten Wolter und Klütz einige Nächte in dem Kischschen Keller ein und harrten in der Dunkelheit der Dinge, die da kommen würden. Zwei Nächte hindurch war das Warten vergebens, abeif in der Nacht zum 1. Dezember kam es zur Katastrophe. Die Be- amten hörten ein Geräusch und plötzlich befand sich Schneider in dem Kifchschcn Keller und machte sich an die dort aufgehängten Würste und Speckseiten heran. Es wurde festgestellt, daß Schneider bereits eine Molle mit Fleischwaren sich zurecht gelegt hatte, die etwa�bO Pfund schwer war und daß der Hausdiener Kruschke dem Schneider bei den nächtlichen„Einkäufen" Helfer- dicnste leistete. In dem Schneiderschcn Keller wurden noch viele Fleifchwaren und Würste, daneben aber auch mancherlei Gerät vorgefunden, welches Eigentum des Herrn Kifch war. Schneider trat später mit der Behauptung hervor, daß er in der Nacht zum 1. Dezember sich in einem D ä m in e r z u st a n d c befunden haben müsse, denn er wisse absolut nicht, wie er in jener Nacht in den Keller gekommen und habe jede Erinnerung an die Vorgänge ver« lorcn. Er hat sich dann freiwillig zur Beobachtung seines Geistes- zustandcs in die Charite begeben, aber ein ihm günstiges Resultat nicht erzielt. Sowohl der Oberarzt Dr. B r a a tz als auch der Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Stürmer kamen zu dem Gut- achten, daß Schneider durchaus nicht unter den§ 51 Str.-G.-B. falle, sondern in höchst raffinierter Weise schauspielere und simu- liere, dabei aber wiederholt in charakteristischer Weise aus der Rolle gefallen sei und sich verschnappt habe.— Der Zeuge Kisch berechnete seine durch die Diebstähle erlittenen Verluste auf 100 000 Mark. Nach seiner Behauptung hat er in den letzten Jahren bei einem Umsatz von jährlich über 1 Million keinen größeren Gewinn gehabt als bei einem Umsatz von 300 000 Mark. Nach Festnahme des Angeklagten habe er in zwei Monaten mehr verdient, als im Laufe eines ganzen Jahres vorher. Der Gerichtshof verurteilte Kruschke zu zwei Jahren Zuchthaus, Schneider zu vier Jahren Zuchthaus und Frau Schneider wegen Hehlerei au sechs Monaten Gefängnis._ Nicht so— aber anders. Weil er ohne polizeiliche Erlaubnis Plakate an Häuser, also öffentlich angeheftet habe, war der Genosse Engler aus Dortmund auf Grund der§z 10 und 41 des alten preußischen Pretzqesetzes zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Nach der Judikatur ist der§ 10 des genannten Gesetzes durch§ 30 des Reichsgesetzes soweit ausrecht erhalten, als dadurch verboten ist, ohne polizeiliche Erlaubnis Be- kanulmachungen, Plakate. Aufrufe, öffentlich anzuschlagen, anzuheften, auszustellen, sowie öffentlich und unentgeltlich zu verteilen. AlS Platate sah im vorliegenden Falle das Gericht kleine rote Zettel an, die die Aufschrift trugen: „Wählt Maurer Th. Bömelbnrgl� DaS Landgericht meinte ferner, ß 43 Absatz 6 der Gewerbe- ordnung mit seiner Vestiminnng über daS Verteilen von Druck- schriften zu Wahlzwecken komme E. nicht zugute, weil in dem An- heften kein Verteilen zu sehen sei. Aus die Revision des Angeklagten hob daS Kammergericht daS Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück, iveil— ein falscher Para- graph angewendet worden sei. Nicht§ 10 des preußischen Preß- gesetzeS, sondern dessen§ S, der ebenfalls noch Rechtskraft habe, käme in Betracht. Danach seien vom öffentlichen Anschlagen, An- heften und Ausstellen überhaupt ausgeschlossen Anschlag- zettel und Plakate, welche einen aitdercn Inhalt haben als An- lündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, üher gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr. Das vom Angeklagten angeklebte Plakat habe aber einen anderen Inhalt. ES hätte überhaupt nicht, also auch nicht mit polizeilicher Erlaubnis öffentlich angeschlagen werde» dürfen. Angeklagter habe ein Ztecht darauf, daß§ 9 und nicht§ 10 angewendet werde. Deshalb müsse die Sache an das Landgericht zurückverwiesen werden._ Wafferstands-Nachrichten der LandeZanslalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnstervurg Weichsel. Thorn Oder, Natibor „ krossen . Frantsurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barby » Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Brunnen- Str. 17-18. H. Greifenhagen Nachf. Veteranen- Str. 1-2. Hervorragend billig! Ein grosser Posten »« Wert dl, 2.00 per Meter Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Letzte Tage unseres Prels-flussdireiaens Beteiligung beim Einkauf von S Mk. an. Ferner verabfolgen wir beim Einkauf Doppslts Rabatt- Barkar • mit Ausnahm« einiger Artikel. 7. Ziehung 5. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziebung vom 18. November 1907, vormittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Nachdruck verboten.) ( Ohne Gewähr.) 73[ 1000] 259 526 906 40[ 1000] 1001 45 151 412 528 897 923 2278 374 485 536 3238 360 597 611 55 72 781 959 89 4064 648 769 90 939[ 3000] 5003 54 84 303 89 036 63 872 6071 158 448 52 940[ 1000] 69 7181 371 654 753 873 [ 500] 907 8249[ 500] 352 601[ 1000] 6 86 707 946[ 3000] 9019 69[ 1000] 88 186 248 335 831 10182 260 393 400 595 97 799 855 85 904 5 11001 6 297 437 12018 201 42 46 58 531 613[ 500] 70 828 30 53 962[ 1000] 13022 54 111[ 500] 234 46 1500] 390 704[ 3000] 24 953 14040[ 300] 81 500] 107 313 837 912 88 15020 238 573 996 16110 39 369[ 1000] 356 776 873 17053 202 374 516[ 500] 929 18705 864[ 300] 19014[ 500] 276[ 3000] 401[ 500] 64 90 753[ 8000] 94 839 20066 138 390 445 509[ 1000] 34[ 500] 63 632 52 756 21020 101[ 10001 86 274 377 22173 993 566 740 Sla 23227 706 21 36[ 1000] 24040 56 167[ 500] 246 341 [ 500] 542 613 25013 59 384 499 505 30 899 969 26077 242 [ 3000] 87 469 1000] 506 603 701 830 27130 311 545 93 904 58 76 28149 210 374 407 10 60 614 29243 310 65 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998 59222 363 400 615 910 60178 257 462 592 717 839 67 919 61185 223 62 529 694[ 1000] 857 62639 90 752 933 63037 67 145 89 495 527 803 64126[ 1000] 703 912 80[ 300] 65018 47 636 729 30[ 3000] 804 16 37 936 43 66263 480 528[ 500] 769 67712 71 872 68192 229 59 310[ 500] 98 402 16 629 990[ 3000] 69001 21 43 187 717 70070 81 285 335 90 415 546 682 756 918 71000 151 433 556[ 3000] 611 86 729[ 3000] 57 81 947 72040 84 132 433 592 73069 376[ 500] 952 74311 48 451 79[ 500] 642 [ 500] 75383 432[ 500] 549 608 30 744 86 76395 531 36 788 830 77254 338 735 907 78089 152 236[ 500] 79235 382 748 877 80200 422 680 736[ 500] 897 81019 239 60 498 705 841 911 95[ 3000] 82345 49 415. 712[ 1000] 826[ 500] 949 83436 665 833 75 941 69 84005 231 343 417 58 534 685 816 65 91[ 1000] 961 85014 51 125[ 500] 44 410 17 628 86082 219 439 566 845 936[ 1000] 87110 223 33 514 60 99 635 801 944 88140 244 81 355 428 551 673 787 867[ 500] 89015 115 383 421 682 99 819[ 500] 67 902 90088 296 515[ 3000] 802 18 915 91021 36 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1 à 40 000, 12& 30 000, 18 à 15 000, 58 à 10 000. 110 à 5000. 1616& 3000, 2545 à 1000, 3936 à 500. 7. Ziehung 5. Kl. 217. Kgl. Preuss, Lotterie, Ziehung vom 13. November 1907, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 115 54 537 611 76 700 95 800 991 1035 185 345 633 875[ 500] 89 902 2064 186 87 302 433 747 98 3237 358 70 496 689 98[ 3000] 823 87 932 4228 37 683 5092 154 [ 3000] 536[ 300] 664[ 3000] 79 861 6186 405 28 574 92 801 6 22 7236[ 3000] 57 353 426[ 1000] 816 998 8074 112 51 221 71[ 500] 313 55 429[ 1000] 891[ 3000] 9145 288 301 404 75 506 628[ 3000] 735 76 99-980 10192 277 406 34[ 500] 514 31 668 789 831 34 911 18 11129 427 564 637 805 952 69 12202 19 51 354 64 99 [ 3000] 413 72 587 720 37 13124 483 630 927 80 14382 421 33 578 600[ 3000] 920 15081 99[ 3000] 150 245 99 321 458 59 694 16072 356 80 426 54 505 62 951 64 17292[ 500] 371 537 830 94[ 1000] 941 73 18019[ 500] 98 109 648 61 724 19053[ 500] 415 33[ 1000] 20421 71[ 1000] 541 712 878 21000 176 233 55 306 65 432 600 39 53 59 921 22042 93 226 519 719 22 881 910 18 30 88 23003[ 1000] 356 74[ 500] 605 6 737[ 1000] 864 24110 42 467 835 95 973 25077 432 75 313 685 89 92 740 877 87 956 26109[ 1000] 208 352 53 787 804 64 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